UBM in tiefgreifender Transformation

CEO Thomas Winkler bei der HV: „Turnaround erst am Anfang.“

(29.05.2026). Dass es möglich ist, trotz aller Formalitäten eine HV innerhalb von weniger als zwei Stunden über die Bühne zu bringen, bewies die UBM Development AG bei ihrer 145. ordentlichen Hauptversammlung in der Vorwoche. Zu verdanken war dies vor allem der kompakten und zügigen Versammlungsleitung durch den Aufsichtsratsvorsitzenden Karl-Heinz Strauss, der einleitend betonte, UBM befinde sich in „einer der tiefgreifendsten Transformationen der Unternehmensgeschichte“.

Ende des Krisenmodus
2025 sei es gelungen, nach vier Jahren den Krisenmodus zu durchbrechen und wieder ein positives Ergebnis zu erzielen, betonte CEO Thomas Winkler (im Bild mit seinem Vorstandsteam) in seiner Präsentation. Mit der strategischen Neuausrichtung habe man schneller als der Mitbewerb auf das Marktumfeld reagiert, doch der Turnaround sei erst am Anfang. UBM wolle zukünftig eine Zwei-Produkt-Strategie verfolgen: bezahlbares Wohnen und Premiumwohnen. Und CFO Patric Thate erläuterte, im Rahmen des Portfolio-Rebalancings sollen für bezahlbares Wohnen 0,8 bis 1,1 Milliarden Euro zur Verfügung stehen.

Realisiert werden soll bezahlbares Wohnen durch Systembauweise mit einem hohen Vorfertigungsgrad, so CTO Peter Schaller. Die Bauzeit soll um 30 % reduziert werden, Typengenehmigungen könnten die Einreichzeiten verkürzen. UBM sei gerade dabei, ein erstes Projekt umzusetzen.

Eine quantitative Guidance für das laufende Jahr sei derzeit nicht möglich, so Winkler. Geplant sei eine „rigorose Umsetzung“ des Portfolio-Rebalancings, bei Immobilienverkäufen befinde man sich in fortgeschrittenen Verhandlungen. Angesichts der zunehmenden Angebots-Nachfrage-Lücke zeigt sich Winkler optimistisch, dass UBM 2027 von einem neuen Gleichgewicht profitieren werde.

Kritik an Portfolio-Rebalancing und Finanzierung
IVA-Präsident Florian Beckermann würdigte in seiner Wortmeldung die Leistung, in diesen Zeiten als Immobilienentwickler eine „schwarze Null“ zu liefern. Skeptisch zeigte er sich aber, ob Wohnen „das Richtige für UBM“ sei. Es gebe viel Wettbewerb und UBM sei nie Kostenführer, sondern immer Premiumanbieter gewesen. Und er hinterfragte, ob mit der Transformation die Corporate Identity von UBM erodiere.

Winkler gestand zu, dass auch andere Anbieter auf die Idee kommen, Wohnen entwickeln zu wollen, der Zugang zu Kapital werde aber schwieriger. UBM sei Premiumdeveloper, aber „wir können auch günstig entwickeln“. Entscheidend dafür sei ein Paradigmenwechsel: die – von der Bauindustrie vorangetriebene – Verlagerung der Baustelle in die Fabrik. Die industrielle Fertigung führe zu Skaleneffekten und niedrigeren Baukosten. Zielmargen seien 20 % im Premiumbereich und 10 % bei bezahlbarem Wohnen, hier werde man das Geschäft „mit der Masse“ machen. Es stelle sich zwar die Frage nach der Corporate Identity, UBM sei aber in der Vergangenheit bei mehreren Änderungen erfolgreich gewesen.

Mehrere Aktionärsfragen beschäftigten sich mit der Finanzierung des Unternehmens. Ein Aktionär kritisierte, dass Hybridkapital und Aktien als Eigenkapital ausgewiesen werden, ein Drittel des Eigenkapitals sei nicht den Aktionären zuzurechnen. Thate betonte, dass diese Ausweisung gängige Praxis und rechtlich korrekt sei. Die höheren Zinsen neuer Emissionen seien dem Zinsanstieg am Kapitalmarkt geschuldet. Man sei dem Markt ausgesetzt und zahle marktübliche Zinsen. Thate betonte aber, dass die meisten Immobilienunternehmen derzeit nicht in der Lage wären, Anleihen zu begeben.

Frage nach Dividende
Kritik gab es auch am Aktienrückkauf. Die Idee dahinter sei gewesen, zu kaufen, wenn es aufgrund der Marktsituation keine Käufer gebe, so Winkler. Dies sei durchaus erfolgreich gewesen, der Kurs sei 2025 deutlich gestiegen. Dass der Kurs zuletzt deutlich nachgab, liege daran, dass derzeit „gegen die Aktie gehandelt“ werde. Bis auf Weiteres seien keine Aktienrückkäufe mehr geplant. Und zur Frage Beckermanns, wann UBM wieder dividendenfähig sein werde, erklärte Winkler, man werde wieder Dividende zahlen, wenn es einen ausschüttungsfähigen Gewinn gebe.

Autor: Marius Perger
Foto: Philipp Horak für UBM