WEB bereitet Börsengang vor

Das Unternehmen bleibt sich treu und verändert sich doch.

(08.05.2026). Langjährige Börsen-Kurier-Leser wissen es: Wir besuchen seit vielen Jahren jede Hauptversammlung der WEB Windenergie – immerhin verfügt das Unternehmen mit mehr als 7.000 Aktionären über einen größeren Streubesitz als der eine oder andere ATX-Wert. Und diese scheinen immer mit Leib und Seele dabei, auch wenn dabei über vieles diskutiert wird.

🌬️ Schwaches Windjahr belastet Ergebnis und Dividende

Trotz stabiler Stromproduktion war 2025 erneut kein gutes Windjahr. Das zeigt sich deutlich im Ergebnis: Der Gewinn je Aktie ist von 5,7 auf 3,9 Euro zurückgegangen – und damit sinkt auch die Dividende spürbar, nämlich von 2,30 auf 1,50 Euro je Aktie. Die Ausschüttungsquote bleibt mit knapp 39 % nahezu unverändert, doch das Ergebnis nach Steuern fällt von 20,3 auf 14,7 Millionen Euro.

Operativ blieb der Umsatz mit 168 Millionen Euro stabil, ebenso die Stromproduktion von 1.579 GWh. Auffällig ist jedoch, dass diese Leistung aus mehr Windkraftanlagen erzielt wurde – ein Hinweis auf schwächere Windbedingungen und damit geringere Erträge pro Anlage.

🌍 Geografische Diversifikation als Antwort auf Windrisiken

Die schwache Ergebnisentwicklung ist vor allem auf außergewöhnlich schlechte Windbedingungen zurückzuführen – dem größten operativen Risiko eines Windparkbetreibers. Gleichzeitig stiegen die Finanzaufwendungen deutlich: Die Zinszahlungen erhöhten sich von 18,4 auf 22,7 Millionen Euro, bedingt durch mehrere vom Markt gut angenommene Anleiheemissionen.

Um das wetterbedingte Ertragsrisiko zu reduzieren, setzt das Unternehmen auf geografische Diversifikation und beschleunigte Expansion. Im Geschäftsjahr 2025 gingen drei Windparks und sieben Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 40 MW in Betrieb. Zusätzlich wurde der Bau weiterer Projekte mit rund 145 MW gestartet – ein klarer Schritt hin zu breiterer regionaler Risikostreuung.

Vorständin Stefanie Markut betont im Gespräch mit dem Börsen‑Kurier, dass die Energiekrise nach der Blockade der Straße von Hormus die Bedeutung erneuerbarer Energien erneut unterstreiche. Die strategische Leitlinie laute daher: „Rentables Wachstum“.

🌍 Internationale Expansion und Großprojekte im Überblick

Der von der WEB bearbeitete Markt umfasst neben Österreich und Deutschland auch Frankreich, die Slowakei, Kanada, die USA und weitere Länder. Besonders hervor sticht das kanadische Projekt Weavers Mountain, das mit 94,4 MW das größte Einzelprojekt in der Unternehmensgeschichte darstellt. Weitere wichtige Meilensteine sind der Windpark Poilly in Frankreich sowie Wörbzig II in Sachsen‑Anhalt.

Die Investitionen in neue und im Bau befindliche Kraftwerke beliefen sich 2025 auf 180 Millionen Euro. „Die Bilanzsumme liegt nun erstmals bei mehr als 1 Milliarde Euro“, erklärt CFO Michael Trcka zufrieden.

👥 Mitarbeiterbeteiligungsprogramm

Mit der Expansion wächst auch der Personalstand: Seit 2021 ist er um mehr als 100 Personen auf knapp 300 gestiegen. Trotz dieser Entwicklung sind die Personalkosten 2025 leicht gesunken, vor allem aufgrund geringerer erfolgsabhängiger Prämien. „So sind die Zugeständnisse zwischen Aktionären und Mitarbeitern gerecht aufgeteilt“, erklärt CFO Michael Trcka.

Für die Belegschaft gibt es dennoch Grund zur Hoffnung: Auf der ordentlichen Hauptversammlung am 29. Mai soll unter anderem ein Aktienrückkaufprogramm beschlossen werden, das die Basis für ein zukünftiges Mitarbeiterbeteiligungsprogramm bilden soll. Dieses Modell könnte allen Beteiligten zugutekommen – insbesondere vor dem Hintergrund des für Mitte 2028 geplanten Börsengangs. In früheren Jahren galt ein solcher Schritt für viele WEB‑Aktionäre noch als No‑Go.

📈 Börsengang in Vorbereitung

Durch den geplanten WEB IPO 2027 soll eine Erweiterung des Streubesitzes durch Mitarbeiter die Sorge vor einer möglichen Kontrolle durch Großinvestoren reduziert werden. Zusätzlich will das Unternehmen durch die Beibehaltung von Namensaktien Einflusskonzentrationen verhindern. Stückaktien sollen erst nach dem geplanten IPO für neue Aktionäre ausgegeben werden.

Die Börsenpläne sollen auf der Hauptversammlung näher vorgestellt werden. Ein formaler Beschluss ist für die HV 2027 vorgesehen – allerdings mit einer hohen Hürde: 80 % Zustimmung sind erforderlich.

Wer die Aktionärsbasis der WEB kennt, weiß, dass dafür erhebliche Überzeugungsarbeit nötig sein wird. Der wortgewaltige Aufsichtsratsvorsitzende Josef Schweighofer, der gefühlt jeden der rund 7.000 Aktionäre beim Vornamen kennt, tritt nach 24 Jahren gemeinsam mit zwei weiteren AR‑Mitgliedern nicht mehr an – und wird 2027 hoffentlich nicht fehlen, wenn es um die entscheidende Abstimmung geht.

Autor: Tibor Pásztory
Bild: Andreas Biedermann