Attraktive japanische Werte
Yen-Schwäche, Exportkraft und Gewinnrekorde treiben den Markt.
(19.06.) Der japanische Yen hat bis zum 16. Juni auf Fünfjahressicht gegenüber dem Euro um 28,7 % abgewertet. Im gleichen Zeitraum ist der Nikkei 225 um 137 % auf 69.405 Punkte gestiegen. Damit zeigt sich die doppelte Japan-Story: Für Euro-Anleger bleibt die Währung ein Risiko, für viele global tätige japanische Unternehmen ist sie ein Ertragshebel. Ein schwacher Yen verbessert die Wettbewerbsfähigkeit im Ausland und erhöht den in Yen umgerechneten Wert internationaler Umsätze. Exportnahe Industrie-, Technologie- und Maschinenbaukonzerne konnten so mehr vom globalen Nachfrageboom in Gewinne umsetzen.
| Japans Exportzuwächse | |
| 2021: | +21,5 % |
| 2022: | +18,2 % |
| 2023: | +2,7 % |
| 2024: | +6,2 % |
| 2025: | +3,1 % |
Exporte und Rahmenbedingungen
Japan ist keine reine Exportmaschine. Exporte von Waren und Dienstleistungen machten 2024 laut Weltbank 22,8 % des BIP aus. Die Binnenwirtschaft bleibt wichtig, doch der Außenhandel wirkt als Stabilisator. Die Warenexporte erreichten im Kalenderjahr 2025 laut japanischem Finanzministerium 110.400 Milliarden Yen, das sind umgerechnet rund 596 Milliarden Euro, und stiegen um 3,1 %. Im April 2026 beschleunigte sich der Exportwert um 14,8 %. Nach Asien waren es +16,1 %, nach China +15,5 %, nach Taiwan +27,6 %, in die USA +9,5 % und nach Westeuropa +22,4 %. Strukturell dominieren Transportausrüstung, Maschinen, Elektromaschinen und Halbleiter.
Makroökonomisch ist das Bild solide, aber unspektakulär. Von 2021 bis 2025 lag das reale BIP-Wachstum im Schnitt bei rund 1,3 %, mit einer Bandbreite von -0,2 % im Jahr 2024 bis +3,6 % im Jahr 2021. Für 2026 erwartet der IWF nur 0,7 % Wachstum, aber einen Leistungsbilanzüberschuss von 3,8 % des BIP nach 4,8 % im Jahr 2025. Die Inflationsprognosen liegen bei 2,2 % für 2026 und 2,3 % für 2027. Im April fiel die Kerninflation ohne frische Lebensmittel auf 1,4 % und lag unter dem 2-%-Ziel der Bank of Japan (BoJ). Eine Entwarnung ist das nicht: Die BoJ hob ihre Median-Prognose für diese Kernrate im Fiskaljahr 2026 von 1,9 auf 2,8 % an. Hauptgründe sind Ölpreise, Nahostrisiken und Importkosten. Der schwache Yen bleibt ein Segen für die Exporteure, aber eine Belastung für die Energieimporte und die Kaufkraft.
Exportaktien mit Substanz
Toyota bleibt der größte Yen-Hebel unter den Industriewerten. In den Geschäftsjahren 2022/23 bis 2025/26 stieg der Umsatz um 10,8 % p.a. Der Nettogewinn erhöhte sich von umgerechnet 13,2 auf 20,7 Milliarden Euro. Allerdings zeigen die Gewinne volatile Schwankungen. Die Aktie ist kein reiner Gewinnbeschleuniger, aber ein globaler Qualitätswert mit hoher Exportrelevanz.
Mitsubishi Heavy Industries zeigt die stärkere Gewinnstory. 2025/26 legte der Umsatz um 14,1 % auf 26,8 Milliarden Euro zu und der Nettogewinn stieg um 35 % auf 1,8 Milliarden Euro. Auch der Cashflow war 2025/26 im Aufwind. Der Konzern profitiert von Energieanlagen, Gasturbinen, Verteidigung, Luftfahrt und Infrastruktur.
Hitachi ist der breite Infrastruktur- und Digitalisierungswert. Im Geschäftsjahr 2025/26 stieg der Umsatz um 8,2 % auf rund 57 Milliarden Euro, das bereinigte Ebita um 21 % und der freie Cashflow um 121,6 % auf knapp 7,2 Milliarden Euro. Für den Zeitraum 2024/25 bis 2027/28 nennt Hitachi 7 bis 9 % jährliches Umsatzwachstum als Ziel sowie für das Geschäftsjahr 2027/28 eine Verbesserung der bereinigten Ebitda-Marge auf 13 bis 15 % (2025/26: 12,4 %). Ein besonderes Wachstum erwartet sich das Unternehmen im Bereich Energieinfrastruktur.
Sony ist weniger ein klassischer Exporteur als globaler Entertainment-, Sensor- und Elektronikkonzern. Von 2015/16 bis 2024/25 stieg der um Sonderposten bereinigte Gewinn je Aktie um 25,2 % p.a. 2025/26 zeigten Umsatz und operatives Ergebnis Zuwächse von 3,7 % bzw. 13,4 %. Für 2026/27 erwartet Sony trotz leicht sinkender Erlöse ein Wachstum des Nettogewinns von 12,5 %.
Tokyo Electron ist wiederum ein Exportunternehmen aus der Halbleiterausrüstung. 2025/26 stieg bei stabilem Umsatz der Gewinn je Aktie um 6,1 %. Rückenwind liefern KI, Speicherchips, Rechenzentren und Halbleiterinvestitionen. Der Analystenkonsens von MarketScreener rechnet von 2024/25 bis 2027/28 mit einem Gewinnwachstum von 18,4 % p.a.
Bewertung und ETFs
Bewertungsseitig ist Japan nicht mehr billig, aber relativ attraktiv. Der MSCI Japan wies per 29. Mai ein KGV von 20,9, ein Forward-KGV von 17,5 und eine Dividendenrendite von mehr als 1,8 % auf. Der MSCI World lag beim KGV bei knapp über 24,7 und beim Forward-KGV bei 19,6.
Auf Jahressicht lag Japan mit 32,2 % vor dem MSCI World mit 28 %, auf zehn Jahre aber mit rund 10 % p.a. hinter dem Weltindex mit 13,65 % p.a. Fazit: Japan hat aufgeholt, ohne bereits überhitzt zu wirken.
Drei ETFs bieten unterschiedliche Zugänge. Der „Amundi Prime Japan UCITS ETF DR“ ist mit 0,05 % Kosten die Preisbrecher-Lösung: physisch replizierend, ausschüttend und mit rund 300 Large- und Mid Caps breit gestreut. Top-Positionen sind Toyota, Mitsubishi UFJ, Hitachi, Sumitomo Mitsui und Sony. Wer das Yen-Risiko reduzieren will, prüft den „SPDR MSCI Japan EUR Hedged UCITS ETF“. (Benchmark: MSCI Japan, Euro-Hedge, 0,17 % TER, thesaurierend und Streuung auf 168 Werte). Etwas spezieller ist der „WisdomTree Japan Equity UCITS ETF EUR Hedged Acc“, der dividendenzahlende Unternehmen fundamental gewichtet und mittels ESG-Filter weiter selektiert.
Unser Fazit
Japan zündet, aber die besten Chancen liegen nicht im blinden Indexkauf, sondern in Qualitätsunternehmen, breiter Streuung und bewusst gesteuertem Währungsrisiko.
Autor: Michael Kordovsky
Foto: Getty Images für Unsplash+
| Im Artikel genannte Aktien und Fonds | |
| Name | ISIN |
| Toyota Motor | JP3633400001 |
| Mitsubishi Heavy Industries | JP3900000005 |
| Hitachi | JP3788600009 |
| Sumitomo Mitsui | JP3890350006 |
| Sony | JP3435000009 |
| Tokyo Electron | JP3571400005 |
| Amundi Prime Japan UCITS ETF DR | LU1931974775 |
| SPDR MSCI Japan EUR Hedged UCITS ETF | IE00BZ0G8C04 |
| WisdomTree Japan Equity UCITS ETF EUR | IE00BYQCZJ13 |
