Longevity: Warum gesundes Altern zum Investmentthema wird
Ein Gastkommentar von Marcel Fritsch von der Schweizer Bellevue Asset Management.
(26.06.) Unsere Lebenserwartung steigt kontinuierlich. Doch die Zahl gesunder Lebensjahre wächst deutlich langsamer. Aber wie lassen sich diese zusätzlichen Lebensjahre gesund, aktiv und unabhängig gestalten? Die Lösung dieses Dilemmas zählt zu den wichtigsten Wachstumstreibern im globalen Gesundheitswesen und eröffnet attraktive Investmentchancen.
Die Gesundheitsspanne ist die zentrale ökonomische Variable der Langlebigkeit. Zwischen 2000 und 2019 stieg die globale Lebenserwartung um 6,5 Jahre, die gesunde Lebenserwartung jedoch nur um 5,4 Jahre – die Differenz beträgt heute durchschnittlich 9,6 Jahren und wächst weiter. Diese zusätzlichen Jahre sind häufig von chronischen Erkrankungen geprägt – und verursachen einen großen Teil der Gesundheitskosten. Verantwortlich sind insbesondere Erkrankungen wie kardiometabolische Krankheiten (z. B. Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen), Neurodegeneration (z. B. Alzheimer oder Parkinson) und altersbedingter Funktionsverlust (z. B. Muskelabbau oder Mobilitätseinschränkungen).
Die ökonomische Logik ist klar: Wert entsteht dort, wo diese Lücke reduziert wird – nicht dort, wo Lebenszeit isoliert verlängert wird. Hier manifestiert sich Langlebigkeit als Investmentthema: neue Wege in der Prävention und Früherkennung sowie Lösungen, die Krankheitsverläufe verlangsamen, Hospitalisierungen reduzieren und Selbstständigkeit erhalten.
Die Wertschöpfung entlang der Langlebigkeit folgt klar identifizierbaren Mechanismen – und lässt sich heute bereits auf konkrete Geschäftsmodelle herunterbrechen. Entscheidend ist dabei nicht die technologische Innovation an sich, sondern ihre Fähigkeit, klinische Ergebnisse messbar zu verbessern und gleichzeitig die Kostenstruktur des Gesundheitssystems nachhaltig zu verändern.
1. Prävention und Früherkennung durch digitales Gesundheitsmonitoring
Digitale Monitoring-Lösungen verschieben Diagnose und Intervention deutlich nach vorne, indem sie kontinuierlich physiologische Daten erfassen und frühe Risikosignale sichtbar machen – von Wearables wie Oura oder Apple bis hin zu klinisch validierten Systemen wie CGM von Abbott und Dexcom oder kardiologischen Patches von iRhythm. Der Wert entsteht durch die Vermeidung akuter Ereignisse, die Verzögerung chronischer Krankheitsverläufe und die Reduktion kostenintensiver Eskalationen. Gleichzeitig bauen integrierte Datenökosysteme strukturelle Wettbewerbsvorteile auf.
2. Minimalinvasive Interventionen für eine höhere Lebensqualität
Minimalinvasive und robotergestützte Verfahren verlagern den Fokus von reiner Reparatur hin zum Erhalt von Mobilität und Autonomie, indem sie Eingriffe präziser, schonender und früher im Krankheitsverlauf ermöglichen – etwa durch Systeme von Stryker oder Intuitive Surgical. Der ökonomische Nutzen liegt in kürzeren Erholungszeiten, geringeren Komplikationsraten, weniger Folgeeingriffen sowie einer zunehmenden Verlagerung in den ambulanten Bereich.
3. Zielgerichtete Behandlung altersbedingter Erkrankungen
Fortschritte in der Pharmakotherapie adressieren zunehmend krankheitsübergreifende biologische Mechanismen statt isolierter Indikationen – insbesondere entlang der kardiometabolischen Achse (Novo Nordisk, Eli Lilly, Amgen) sowie in der Neurodegeneration (Biogen, Eisai, Eli Lilly) und der Onkologie (Merck & Co., AstraZeneca).
Der Nutzen für Anleger
Für Investoren liegt die Attraktivität des Longevity-Trends in seiner langfristigen Planbarkeit. Gefragt sind Unternehmen, die dazu beitragen, Menschen länger gesund und selbstständig zu halten und gleichzeitig die steigenden Kosten alternder Gesellschaften zu begrenzen. Dort, wo medizinischer Fortschritt auf einen klaren gesellschaftlichen und ökonomischen Bedarf trifft, entstehen nachhaltige Wachstumschancen.
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