ATX auch 2026 top

Experten: Heimischer Leitindex trotz Höhenflug attraktiv bewertet.

(17.07.2026). Der Höhenflug des ATX vom Vorjahr hat sich in der ersten Jahreshälfte 2026 nahtlos fortgesetzt. Mit einem Plus von rund 20 % – inklusive Dividenden waren es sogar knapp 25 % – ließ der heimische Leitindex unter anderem Euro Stoxx 600 (+7,1 %), den Dax (+2,5 %) und den S&P 500 deutlich hinter sich. Dahinter sehen Experten vor allem die hohe Gewichtung des Finanzsektors, der eine starke Performance ablieferte, die gute Entwicklung der Unternehmensgewinne sowie einzelne Überraschungen, wie etwa die Kursexplosion der AT&S-Aktie, die seit Jahresbeginn um unglaubliche 480 % (!) zulegte.

„Obwohl der ATX nahe seinem jüngsten Allzeit-Hoch bei über 6.500 Punkten notiert, liegt die aktuelle Bewertung auf KGV-Basis mit 12,1x in etwa im Schnitt der vergangenen zehn Jahre“, so Erste-Group-Analystin Martina Valenta in einer aktuellen Studie. Sie verweist auf Euro Stoxx 600 (17x) und S&P 500 (25x). Auch Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft, sieht die Bewertungen aktuell im „normalen Bereich“. Den im Vorjahr gestarteten Aufholprozess des ATX hält er für abgeschlossen. „Die Aktien werden nicht günstiger werden“, so Wögerbauer, der auch den „3 Banken Österreich-Fonds“ (ISIN: AT0000662275) managt, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

Pluspunkt CEE-Orientierung

Manfred Sibrawa, Senior Portfolio Manager bei Amundi Austria und zuständig für den „Amundi Austria Stock“ (AT0000857412), erwartet für das zweite Halbjahr ein „ähnliches Bild“. „Die Themen, die die erste Jahreshälfte geprägt haben, werden weiter dominant sein“, meint er gegenüber dem Börsen-Kurier. „Der Finanzsektor bleibt weiterhin attraktiv, bietet unverändert hohe Dividendenrenditen und hat in einem Umfeld steigender Zinsen weiteren Rückenwind.“ Für einen anhaltend positiven Trend spreche auch die Orientierung vieler Unternehmen in Richtung Osteuropa, wo auch künftig mit hohem Wachstum zu rechnen sei.

Weiter zu den Weltbesten
„Auch 2026 sollte der ATX zu den weltweit besten Aktienindizes gehören“, zeigt sich auch Wögerbauer optimistisch. Im Übrigen bleibt er auch über die „Ausnahmejahre“ 2025 und 2026 hinaus positiv gestimmt. „Es gibt an der Wiener Börse viele Unternehmen, denen ich auch in den kommenden Jahren viel zutraue“, so der Experte, um im selben Atemzug auf Palfinger, Strabag und Wienerberger zu verweisen. Allerdings werde die Performance wieder in erster Linie von der Entwicklung der Gewinne abhängen. Konkret sollte sich diese im höheren einstelligen Bereich einpendeln. Kleines Detail am Rande: Für 2026 und 2027 liegen die Gewinnprognosen der ATX-Unternehmen im Schnitt über jenen Europas.

Analysten-Tipps: EVN, VIG, Palfinger, Strabag

Nach den deutlichen Kursanstiegen sehen die Analysten der Erste Group jedenfalls bei den Finanztiteln im ATX nur noch begrenztes Aufwärtspotenzial. „Eine Ausnahme bildet die VIG, die im Branchenvergleich weiterhin günstig bewertet erscheint“, so Martina Valenta. Positiv eingeschätzt werden zudem Strabag und Palfinger. Der Hintergrund: Die Bauwerte sollten von staatlichen Konjunktur- und Infrastrukturprogrammen – wie etwa den deutschen – profitieren. Ein weiterer Top-Pick des Analysehauses: EVN.

„Genau beobachten muss man die geopolitische Lage, die bei einer massiven Eskalation den Trend brechen könnte“, empfiehlt Sibrawa auch mögliche Risiken nicht zu vergessen. Auch die teilweise deutlich gestiegenen Bewertungen im Tech-Sektor solle man aufmerksam verfolgen. „Hier könnte es sehr rasch zu einer Änderung der Einschätzungen kommen, was den Markt generell unter Druck setzen könnte“, sagt der Amundi-Fondsmanager abschließend.

Autor: Mag. Patrick Baldia
Foto: Adobe Stock / Pavel Ignatov