Big-Tech-Anleihen: So profitieren Sie vom KI-Boom 

Hyperscaler-Bonds mit soliden Renditen, aber veränderten Risikoprofilen.

(31.07.2026). Der Wettlauf um Künstliche Intelligenz verschlingt enorme Summen. Rechenzentren, Chips, Netze und eigene Energieversorgung treiben den Kapitalbedarf von Amazon, Alphabet (Google), Microsoft, Meta und Oracle nach oben. Die fünf sogenannten Hyperscaler haben bereits 2025 ein Anleihenvolumen von umgerechnet 106,5 Milliarden Euro emittiert, verglichen mit durchschnittlich jährlich 24,7 Milliarden Euro zwischen 2020 und 2024. Für 2026 rechnen die Analysten von BofA Global Research im gesamten Hyperscaler-Bereich bereits mit umgerechnet 154 Milliarden Euro an Neuemissionen – ein Plus von 25 %.

Rekordangebot trifft (noch) auf Nachfrage
Amazon platzierte im März mit 14,5 Milliarden Euro die bislang größte Emission einer Euro-Unternehmensanleihe. Sie wurde in mehreren Tranchen ausgegeben. Im Juli folgte eine US-Dollar-Emission über umgerechnet rund 22 Milliarden Euro, die um den Faktor 1,6 nur verhältnismäßig moderat überzeichnet war. Der Markt verlangte bei den acht Tranchen mit Laufzeiten von drei bis 40 Jahren bereits Risikoaufschläge zu US-Treasuries von 65 bis 145 Basispunkten.

Die Investitionsprogramme der Unternehmen werden immer ambitionierter und es gibt keine Garantie, dass die Betreiber großer Rechenzentren auch noch im Jahr 2030 ähnlich rentabel wirtschaften wie zuletzt. Doch Staatsanleihen sind vor allem am langen Ende mit Zinsrisiken behaftet, zumal längerfristige Bonitätsverschlechterungen nicht auszuschließen sind.

Gleichzeitig wächst am Kapitalmarkt auch die Konkurrenz durch Staaten: US-Treasuries kamen laut SIFMA Research im ersten Halbjahr auf umgerechnet rund 14.085 Milliarden Euro Emissionsvolumen. Das sind 10,7 % mehr als im Vorjahr. In den vergangenen zwölf Monaten entwickelten sich die Kurse der Hyperscaler-Anleihen bereits im Einklang mit den steigenden Staatsanleihenrenditen rückläufig. Wirft man einen Blick auf die betrachteten Anleihen, so fällt auf, dass auf breiter Front die aktuellen Kurse weit unter dem Nominalwert liegen.

Rendite mit zunehmendem Risiko
Trotz jüngster Korrekturen zeigt ein aktueller Renditevergleich nur begrenzte Mehrerträge gegenüber Staatsanleihen. Das gilt vor allem bei den mittleren Laufzeiten, während am langen Ende die Risikoaufschläge höher werden (siehe Tabellen).

Die unmittelbare Ausfallgefahr ist beispielsweise bei Amazon, Alphabet, Meta und Microsoft wegen ihrer enormen Barreserven und der exzellenten Kreditratings sehr niedrig. Kritischer sind lange Laufzeiten, steigende Zinsen und der sich abzeichnende Druck auf freie Cashflows. Alphabet meldete im zweiten Quartal erstmals in 22 Jahren einen negativen freien Cashflow von umgerechnet rund 5,2 Milliarden Euro und hob die Investitionsplanung für 2026 auf rund 172 bis 180 Milliarden Euro an. Damit bleibt der freie Cashflow weiter unter Druck und die Abhängigkeit vom Kapitalmarkt bzw. von Aktien- und Anleihen-Emissionen steigt. Meta investiert in einen massiven Aufbau von Rechenzentren, Server-Infrastruktur und KI-Hardware und hat hier einen hohen Finanzbedarf.

Bereits „amtlich“ ist ein steigendes Risiko beim Unternehmen Oracle, dessen Anleihen bereits auffallend hohe Renditen aufweisen: S&P Global stufte am 9. Juli 2026 das Emittentenrating von Oracle von BBB auf BBB- herab. Der Ausblick ist stabil. Aber der kurzfristige Cashflow wird laut S&P schlechter ausfallen als zuvor prognostiziert. Die Investitionsausgaben wurden von bisher 60 auf 90 bis 95 MrdUSD nach oben revidiert, was mit steigenden Komponentenkosten und neu gewonnenen Aufträgen zusammenhängt. Im Geschäftsjahr 2027 wird eine Ausweitung des Defizits beim Free Operating Cash Flow (FOCF) erwartet, ehe sich die Lage wieder entspannen sollte.

Es lauern Gefahren
Alle fünf betrachteten Datencenter-Betreiber weisen zuletzt rückläufige freie Cashflows auf. Ihre hohen KI-Investitionen gleichen immer mehr einem Kraftakt. Medienberichten zufolge erklärt Moody‘s, der Ausgabenanstieg zwinge selbst die liquidesten Unternehmen wie Alphabet und Microsoft dazu, zur Finanzierung ihrer KI-Ambitionen in hohem Maße auf Fremdkapital, Aktienverkäufe und außerbilanzielle Maßnahmen wie Leasing zurückzugreifen. Während Software sich kostengünstig replizieren lässt und für hohe Gewinnmargen sorgt, erfordert generative KI einen enormen physischen Platzbedarf in Form von Lagerhallen, ausgerüstet mit teuren energieintensiven Servern und Chips. Moody‘s sieht somit laut einem Bericht von CNBC eine Gefahr für die Kreditqualität der betroffenen Hyperscaler.

Unser Fazit
Sowohl das Risiko, dass ein weiterer Inflationsschub weltweit Leitzinsanhebungen der Notenbanken erfordert, als auch das Risiko, dass die hohen KI-Investitionen nicht die erwarteten Erträge bringen, sprechen dafür, die weitere Bonitätsentwicklung der einzelnen Datencenterbetreiber genau zu verfolgen, ohne voreilige Anleihen-Investments zu tätigen.

Autor: Michael Kordovsky
Foto: Getty Images für Unsplash+

Ausgewählte Hyperscaler-Bonds im Überblick

Emittent ISIN Währung Rendite bis Laufzeit Fälligkeit Rating
Amazon.com US023135DD51 USD 5,05 % 13.03.2031 AA / A1
Amazon.com XS3305169172 EUR 3,72 % 16.03.2032 AA / A1
Alphabet XS3224609290 EUR 3,61 % 06.11.2031 Aa2 / AA+
Alphabet US02079KBK25 USD 4,92 % 15.02.2031 Aa2 / AA+
Meta Platforms US30303MAK80 USD 7,04 % 15.05.2056 AA- / Aa3
Meta Platforms US30303M8N52 USD 5,47 % 15.05.2033 AA- / Aa3
Microsoft XS0922885362 EUR 3,37 % 02.05.2033 AAA / Aaa