Billig-Yuan kostet Wachstum

China schadet deutscher Wirtschaft massiv.

(03.07.2026) Die globalen Ungleichgewichte verschärfen sich. Ein wesentlicher Grund ist der hohe Leistungsbilanzüberschuss Chinas, dessen Yuan von vielen Experten als unterbewertet angesehen wird. Der vergleichsweise schwache Wechselkurs stärkt die Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Exporte, während deutsche Produkte im Reich der Mitte an Preisattraktivität verlieren.

Wie groß der Einfluss des Yuan tatsächlich ist, zeigt eine Simulation des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW): Wäre die chinesische Währung fair bewertet, läge das deutsche Bruttoinlandsprodukt zwischen 2026 und 2028 kumuliert um rund 43 MrdE höher. Das preisbereinigte BIP in der Bundesrepublik und dem Euroraum würde bei einer fairen Bewertung des Yuan im Jahr 2028 um bis zu 0,3 % höher ausfallen.

Unfairer Konkurrenzdruck
Vor allem exportorientierte Schlüsselbranchen wie Maschinenbau, Chemie und Automobilindustrie leiden unter den verzerrten Wettbewerbsbedingungen. Der vergleichsweise schwache Yuan stärkt die Preiswettbewerbsfähigkeit chinesischer Exporte, während deutsche Produkte in China an Attraktivität verlieren. Entsprechend weitete sich das deutsche Handelsbilanzdefizit im Warenhandel mit China 2025 auf den Rekordwert von rund 90 Milliarden Euro aus.

„Für den freien Handel ist Chinas Währungsmanagement Gift“, sagt Studienautor Jürgen Matthes, der beim IW die Internationale Wirtschaftspolitik, Finanz- und Immobilienmärkte leitet. Die Unterbewertung des Yuan ermögliche es chinesischen Unternehmen, ihre Produkte deutlich günstiger auf den Weltmärkten anzubieten, als es unter fairen Wettbewerbsbedingungen möglich wäre. „China spielt mit gezinkten Karten“, so Matthes.

Der Ökonom geht noch weiter: „Durch die gestiegenen Defizite im Handel mit China sowie vor allem durch die Anteilsverluste auf den globalen Exportmärkten trägt der zu erheblichen Teilen unfaire Konkurrenzdruck Chinas damit maßgeblich zur Deindustrialisierung in Europa und Deutschland bei.“ Die EU und Deutschland sollten daher nach Ansicht von Matthes versuchen, auf China einzuwirken, damit es die nötigen Reformen für ein Rebalancing vornimmt.

Handelspolitische Gegenmaßnahmen
Sollte Peking darauf nicht mit ausreichender Konsequenz reagieren, sollte die EU Ausgleichszölle erheben. „Derartige gezielte und gut begründete Ausgleichszölle haben nichts mit Protektionismus zu tun“, schreiben die Autoren um Matthes, „vielmehr sind sie ein Instrument der Ordnungs- und Wettbewerbspolitik“.

Die Studie liefert ein weiteres Argument dafür, dass die Probleme der deutschen Industrie nicht ausschließlich hausgemacht sind. Neben hohen Energiepreisen und strukturellen Standortnachteilen spielt auch der internationale Wettbewerbsrahmen eine wichtige Rolle. Solange China seine Unternehmen über einen dauerhaft schwachen Yuan begünstigt, bleibt der Ruf nach handelspolitischen Gegenmaßnahmen nachvollziehbar. Die Herausforderung besteht darin, faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, ohne in einen neuen Protektionismus abzurutschen.

Autor: Christian Euler, Frankfurt
Foto: Eric Prouzet auf Unsplash