Budgetsanierung zulasten von Einzelunternehmen und KMU
Das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft trägt eine unverhältnismäßig hohe Last. Ein Kommentar von Martin Trettler, Obmann der Fachgruppe Finanzdienstleister der WKNÖ.
(03.07.2026) Ganz Österreich wurde zuletzt ob den guten Leistungen der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft in eine positive Euphorie versetzt. Das Gezeigte ist nach 28 Jahren WM-Abstinenz sehr ansehnlich.
Nachteil für Freiberufler und Selbständige
Was auf der einen Seite eine positive Grundstimmung im Land auslöst, dämpfen auf der anderen Seite die Ankündigungen diverser Sparmaßnahmen. Denn in der Realpolitik sind die Tage des Sparzwanges eingekehrt.
Neben vielen anderen Punkten trifft die Streichung des investitionsbedingten Gewinnfreibetrages in Form des Ankaufs von Wertpapieren sehr viele Freiberufler und Selbständige besonders hart.
Ungleichbehandlung
Obwohl diese Maßnahme laut aktuellem Informationsstand mit Ende 2029 wieder ausläuft, wirkt sich das bei vielen braven Steuerzahlern sehr negativ aus. Was hier zu wenig bedacht wurde, ist die Tatsache, dass vor allem bei Dienstleistungsberufen Investitionen in Wirtschaftsgüter begrenzt sind und der Ankauf von Wertpapieren die einzige sinnvolle Maßnahme darstellt. Dass der eine Weg offen bleibt und der andere geschlossen wird, ist schlicht und einfach eine Ungleichbehandlung und widerspricht dem Gleichheitsprinzip!
Welches Bild dadurch von den Entscheidungsträgern vermittelt wird, brauche ich hier nicht umfassend erläutern. Der Beigeschmack einer Bestrafung aller leistungswilligen, braven Steuerzahler im Land bleibt und kann auch nicht vom Tisch gewischt werden.
Andere Maßnahmen verpuffen
Die Senkung der Lohnnebenkosten betrifft viele EPUs nicht, wirkt sich daher tendenziell für Einnahmen-Ausgabenrechner kaum aus. Auch die Einführung des Sachbezugs für E-Autos trifft wiederum alle, die bereits auf E-Mobilität umgestiegen sind – ökopolitisch in Anbetracht der globalen Erwärmung ein fatales Signal.
Pensionsproblematik
Im aktuellen Regierungsprogramm wird die Stärkung der zweiten (betrieblichen) und dritten (privaten) Säule der Pensionsvorsoge als vorrangiges Ziel definiert. Viele österreichische Einzelunternehmer haben die investitionsbedingten Gewinnfreibeträge als Vorsorgeinstrument genutzt, eingedenk der Tatsache, dass die demographische Entwicklung in unserem Land das staatliche Umlageverfahren bei weitem nicht finanzieren kann.
Eine aktuelle Zahl dazu: Rund 20 Milliarden Euro werden aus dem Steuertopf in das Pensionssystem gepumpt, Tendenz stark steigend – und das bei einem aktuellen Verhältnis von etwa drei Beitragszahlern zu einem Pensionsbezieher. Bis 2050 sinkt das Verhältnis auf 2:1, so viel zur Realität!
Stückwerk statt großer Wurf
Hier nun den Sparstift anzusetzen, erscheint weder durchdacht noch längerfristig sinnvoll zu sein. Alle verantwortungsvollen Politiker müssen ihre Entscheidungen auf faktenbasierten Modellen aufbauen, ansonsten fährt man über kurz oder lang das System an die Wand. Es ist endlich an der Zeit, die großen Probleme anzugehen und nicht mit Stückwerk den Fleckerlteppich diverser Budgetmaßnahmen Jahr für Jahr weiter zu weben, noch undurchsichtiger, noch komplizierter, noch diffuser.
Große Belastungen für Fleißige
Kurzum habe ich den Eindruck, dass das Rückgrat unserer österreichischen Wirtschaft, die Vielzahl der Einzelunternehmer und KMUs, unverhältnismäßig viel für die Budgetsanierung in den nächsten Jahren beizutragen hat. Als leistungsorientierten Unternehmer lassen mich diese Maßnahmen mit Zweifeln zurück.
Was ich als Selbständiger tagtäglich umsetzen muss, um langfristig erfolgreich zu wirtschaften, erwarte ich mir natürlich von staatlicher Seite auch! Wo sind die Grundregeln eines vorsichtig kalkulierenden Kaufmanns geblieben? Wo sind die Eckpfeiler der Maastricht-Kriterien geblieben? Ich denke da an Zeiten von 60 % Gesamtverschuldung im Verhältnis zum BIP? Wo ist der demütige Umgang mit öffentlichen Geldern? Demütig im Sinne von einer Finanzgebarung, die so konzipiert ist, als ob es das eigene Geld wäre, das ausgegeben wird.
Stückwerk und Fleckerlteppich: Sinnfrage poppt auf
Kurzum stelle ich mir als Unternehmer bzw. Selbständiger in Österreich in Anbetracht dieser Maßnahmen die ehrliche Frage: Zahlt sich der ganze Einsatz überhaupt noch aus? Ist nicht jeder Input, den ich mehr zu leisten gewillt bin, am Ende des Tages ein Opfer eines fiskalisch minimierten Outputs?
Obwohl ich Optimist bin, kann ich obige Frage nicht mit einem bedingungslosen Ja beantworten! Ein ehemaliger Bundeskanzler hat einmal festgestellt, dass alles sehr kompliziert sei. Ja, wenn man sich von Stückwerk zu Stückwerk und Fleckerlteppich zu Fleckerlteppich hantelt, und Nein, wenn man das große Ganze im Auge behält und in Generationen statt von Wahl zu Wahl denkt.
Mein Appell an die Regierung
Unsere Entscheidungsträger sollten sich eine große Scheibe von unseren Team-Kickern abschneiden: Es zählt nur die Mannschaft und nie das Ego. UND man setzt sich große Ziele und handelt mutig danach!
Autor Martin Trettler ist Obmann der Fachgruppe Finanzdienstleister der WKNÖ
Bild: KI generiert / Börsen-Kurier
