Die Voestalpine bietet reichlich Stoff für mehr Rendite
Der Stahlkonzern überzeugt mit starker Bilanz, ordentlichen Margen und günstiger Bewertung.
(17.08.2026) Voestalpine zeigt sich in einem schwierigen Marktumfeld weiter korrosionsresistent und ertragsstark. Dabei lag der operative Gewinn im ersten Quartal des im März endenden Geschäftsjahres 2026/27 leicht unter den Erwartungen. Zugleich hätten sich nach den Worten von Finanzvorstand Gerald Meyer höhere Rohstoffkosten in höhere Preise niedergeschlagen. Darüber hinaus habe ein Großteil der Rückvergütungen von Zöllen aus den USA bereits stattgefunden.
Schuldenberg schrumpft
Gut kommt an den Börsen an, dass Voestalpine finanziell immer besser aufgestellt ist.
Der Free Cashflow stieg auf 224 Millionen Euro. Davon stammten zwar etwa 150 Millionen Euro aus dem Verkauf von Voestalpine Böhler Profil. Verglichen mit dem Vorjahr schaffte es der Konzern aber zugleich, die Nettofinanzverschuldung weiter um 28,7 % auf 1 Milliarden Euro und die Gearing Ratio, also das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital, von 19,4 auf 12,9 % zu drücken.
Dazu kommen positive Signale aus dem operativen Geschäft. Neben den Zahlen meldete der Konzern den größten Einzelauftrag in seiner Firmenhistorie: Auf 470 Millionen Euro beläuft sich das Auftragsvolumen für Komponenten im Rahmen des europäischen Schienennetzprojekts Rail Baltica. In Kanada wiederum hat das Unternehmen eine langfristige Liefervereinbarung mit Canadian National für lokal produzierte Spezialgleislösungen abgeschlossen.
Jahresprognose bestätigt
Das Ebitda für das laufende Geschäftsjahr soll in einer Bandbreite von 1,6 bis 1,85 Milliarden Euro herauskommen. Im besten Fall sind das über 20 % mehr als die 1,5 Milliarden Euro vom Vorjahr.
Beim Free Cashflow hat Voestalpine die Prognose von 200 auf 250 Millionen Euro angehoben. Damit hat Voestalpine auch den weiteren Weg vorgezeichnet: Der Stahlkonzern will weiter seine Schulden abbauen und mit neuen Großprojekten wachsen. Fortschritte gibt es auch bei den Nachhaltigkeitszielen im Rahmen der Greentec-Steel-Projekte. 2027 sollen die Elektrolichtbogenöfen an den Standorten Linz und Donawitz in Betrieb gehen. Erklärtes Ziel ist es, die Kapazität für CO2-reduzierten Stahl bis 2030 auf 1,5 Millionen Tonnen jährlich zu steigern.
Im Hinblick auf das Marktumfeld zeigt sich Voestalpine vorsichtig optimistisch und erwartet, dass sich die Lage auf dem europäischen Stahlmarkt verbessert. Beeinträchtigungen durch die extreme Trockenheit sieht Konzernchef Herbert Eibensteiner zurzeit nicht: „Ein geringer Prozentsatz der Logistikströme läuft über die Donau, alle bisherigen Einschränkungen können auf Bahnseite kompensiert werden.“
Hohe Marge, niedrige Bewertung
Fundamental spricht also einiges dafür, dass die Aktie ihren guten Lauf fortsetzt. Die operative Ebitda-Marge lag zuletzt bei 12,4 % und damit fast doppelt so hoch wie bei den europäischen Wettbewerbern ArcelorMittal und Salzgitter. Und während sich ThyssenKrupp noch mitten in der Neuaufstellung befindet, hat Voestalpine mit fünf Produktgruppen ein klares Profil. Dazu kommt die weiterhin günstige Bewertung. Ein 2028er-KGV von 9 und ein Buchwert von 1 sind weiterhin günstig für einen profitablen Stahlproduzenten, für den die Konsensschätzungen der Analysten innerhalb der nächsten zwei Jahre eine Gewinnverdoppelung erwarten.
Autor: Stefan Riedel, München
Foto: Voestalpine AG
| Im Artikel angeführte Aktien | |
| Name | ISIN |
| Voestalpine | (AT0000937503) |
| Arcelormittal | (LU1598757687) |
| Salzgitter | (DE0006202005) |
| ThyssenKrupp | (DE0007500001) |
