Kritik trotz guter Entwicklung
Bei der Voestalpine wurde die Nachfolge des AR-Vorsitzenden hinterfragt.
(03.07.2026) Es scheinen immer weniger Anteilseigner zu sein, die sich im Linzer Design Center zu einer der früher größten Hauptversammlung Österreichs zusammenfinden. Es waren diesmal wohl nur mehr halb so viele wie vor der Corona-Pandemie.
Aktivisten unerwünscht
Die Anwesenden wurden aber nicht enttäuscht, denn neben dem interessanten Bericht von CEO Herbert Eibensteiner gab es „Schreimeldungen“ sowie eine gesungene Meldung von Aktivisten, die aber zum Großteil allesamt unverständlich blieben. Ergebnis: AR-Vorsitzender Wolfgang Eder wurde sehr grantig und ließ die drei Herren aus dem Saal entfernen und der Polizei übergeben, wofür es spontanen Applaus gab.
Danach wurde es sachlich
So konnte Eibensteiner schlussendlich ohne weitere Störung berichten, dass man im abgelaufenen Geschäftsjahr eine positive Entwicklung verzeichnen konnte. „Wir haben bewiesen, dass unsere Strategie nicht nur auf dem Papier funktioniert“, freute er sich. Leider habe es massive Belastungen durch die US-Zölle gegeben.
Man hat renditeschwache Bereiche reorganisiert, sehr gut liefen die Geschäfte bei Railway Systems, in der Luftfahrt und der Lagerlogistik. „In der Luftfahrt werden Sie keinen Airbus finden, in dem kein Teil von der Voestalpine steckt“, so der CEO. „Und bei der Lagerlogistik haben wir unseren bisher größten Auftrag für ein Hochregallager in Istanbul bekommen.“
Auch Greentec Steel war weiterhin ein großes Thema, hier skizzierte Eibensteiner die Fortschritte und den weiteren Fahrplan (der Börsen-Kurier berichtete).
Diskussionen um Eders Nachfolge
Im Anschluss daran sagte Wolfgang Eder einige Worte zu seinem bevorstehenden Rücktritt 2027 und erklärte, dass man mitten im Auswahlverfahren für einen Nachfolger sei und er sicher bald einen geeigneten Kandidaten präsentieren werde können. Dies wurde von IVA-Vorstand Florian Beckermann kritisiert, der meinte, dass ein zu künftiger AR-Vorsitzender eigentlich mindestens ein Jahr im AR sitzen müsste. „Aber wir wählen heute niemanden“, zeigte er sich wenig erfreut. Eder erklärte dazu später, dass diese Vorgehensweise antiquiert („So habe ich es auch noch auf der Uni gelernt.“) und nicht mehr zeitgemäß sei. „Es gibt genug Beispiele – AT&S, Oberbank und andere – bei denen es auch funktioniert hat!“
Ein weiteres „Steckenpferd“ Beckermanns zeigte sich in seiner Kritik daran, dass im Geschäftsbericht die Abbildung der eigenhändigen Unterschrift des Wirtschaftsprüfers fehlte. „Im Original-Prüfbericht ist sie sehr wohl vorhanden“, erklärte dazu Eibensteiner. „Und die elektronische Signatur ist heutzutage eigentlich schon normal. Die reicht jedem, außer anscheinend Ihnen.“
Beantwortung der Fragen etwas chaotisch
Die Generaldebatte verlief durchaus gesittet, es gab eine Menge Fragen. Leider gerieten die Antworten sehr durcheinander, sodass man teilweise nicht mehr wusste, welche Frage welches Aktionärs gerade behandelt wurde.
Kosten des Greentec Steel
Nahezu allen Meldungen waren Fragen zu Greentec Steel gemein und drehten sich um die Frage nach dem Endpreis pro Tonne. Hierzu erklärte das Management – wie in den vergangenen drei Jahren auch -, man könne das jetzt noch gar nicht sagen, und es werde schon zu einem Preisbildungsprozess kommen. „Aber das ist die Zukunft, das müssen wir machen“, so Eibensteiner. „Und der ‚Green Deal‘ kommt bestimmt!“, unterstrich er. Jedenfalls konnte man erfahren, dass die Voestalpine Vorbestellungen von rund 300.000 Tonnen hat.
Weitere Themen der HV
Dank zweier aktiver Linzer Anteilseigner erfuhr das Auditorium auch, dass die Caseli (Catering-Tochter, Anm.) einen Umsatz von rund 30 Millionen Euro und ein Ergebnis von 2 Millionen Euro erzielte, die Gärtnerei („Die ist ungefähr ein Zehntel“) 2 Millionen Euro umsetzt und ein Ergebnis von rund 200.000 Euro erwirtschaftet hat. Das Lehrlingswohnheim in Kapfenberg hat 17 Millionen Euro gekostet („Keine Förderung“), und die Logistiktochter Logserv besitzt kaum eigene Waggons: „Die werden zum Großteil angemietet.“ Die Frage nach der Auslastung der zwei Werke in China sowie jene nach dem Bezug vom Erzberg wurden nicht beantwortet.
Die Abstimmungen
Bei sehr vielen Enthaltungen wurden alle Vorschläge angenommen, wobei 5 % gegen die Entlastung des AR, rund 7 % gegen die AR-Vergütung und mehr als 35 % der verbliebenen Anteilseigner gegen den Vergütungsbericht stimmten.
Autor: Cornelius M. Pirch
Bild: Copyright voestalpine AG
| Auf einen Blick: | |
| Anwesend: | 62,46 % GK |
| Information: | 3-4 |
| Organisation: | 1 |
| Stimmung: | 3 |
| Dividende: | 0,75 Euro/Aktie |
| Ex-Tag: | 9.7. Zahltag: 14.7. |
