Mit Investitionen gegen die Flaute
Strompreise und Dürre kosten den Verbund viel Geld.
(03.08.2026). Auch eine langjährige begleitende Studie der Universität für Bodenkultur mit Partnern bestätigt es: Der Klimawandel verursacht immer höhere Verdunstungen und relevante Veränderungen in der Saisonalität der Niederschläge. Feuchtere, aber schneearme Winter und trockenere Sommer sind die Folge. Demzufolge ergab die Wasserführung im ersten Halbjahr 2026 den schlechtesten Wert der vergangenen 100 Jahre, so Verbund-CEO Michael Strugl. Dies kostet einen schwerpunktmäßig auf Wasserkraft spezialisierten Energieerzeuger wie die Verbund AG so richtig Geld, genauer gesagt 370 Millionen Euro Ebitda im ersten Halbjahr.
Klima mindert Ergebnis
Das Ebitda von 1,06 Milliarden Euro liegt nun ein Viertel unter dem Vorjahreswert, obwohl der Umsatz nur um 11 % auf 3,6 Milliarden Euro zurückging. Das Konzernergebnis sank um 35,4 % auf 518 Millionen Euro, das Ergebnis pro Aktie lag nun bei 1,49 statt 2,31 Euro wie im Vorjahr. Auch andere Kennzahlen haben sich demzufolge nicht verbessert. Der operative Cashflow sank um 35 % auf 875 Millionen Euro und der Free Cashflow vor Dividenden um 72 % auf 219 Millionen Euro. Dafür stieg die Verschuldung um 35,5 % auf 3,8 Milliarden Euro. „Der Nettoverschuldungsgrad von nunmehr 36,2 % wird von den Ratings aber immer noch als sehr gut angesehen“, betont CFO Peter Kollmann.
Erhöhung der Resilienz
An ein bloßes Hinnehmen dieses Zustandes denkt man dabei freilich nicht und setzt auf eine Diversifizierung im Erzeugungsmix von Wasser-, Wind- und Sonnenenergie sowie einen Ausbau von Speicherkapazitäten durch Pump- und Batteriespeicher. Auch Netzausbau, Resilienzmanagement, ökologische Maßnahmen und, last but not least, Hedging spielen eine Rolle. In die Revitalisierung bestehender Laufwasserkraftwerke wurden bzw. werden von 2020 bis 2032 rund 610 Millionen Euro investiert, für Renaturierung und Artenschutz (von 2001 bis 2027) mehr als 400 Millionen Euro. Weiters wird bei Wind- und Sonnenenergie geographisch diversifiziert. Und zusätzlich ist 1,3 GW installierte Leistung bei erneuerbaren Energien in Österreich, Deutschland, Spanien, Italien, Rumänien und Albanien geplant.
Investitionen als Gegenmaßnahmen
Die Investitionsdevise lautet ergo vorwärts und nicht zurück. In Zahlen ausgedrückt, stiegen die Investitionen in regulierte Infrastruktur im ersten Halbjahr gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 38 % auf 217 Millionen Euro, diejenigen in Erneuerbare Erzeugung um 33 % auf 344 Millionen Euro. In den nächsten zwei Jahren sollen insgesamt 6,8 Milliarden Euro an Investitionen geleistet werden, davon 2,5 Milliarden Euro in den Ausbau des Netzes, das bekanntermaßen immer wieder als Achillesferse des Elektrizitätsangebots gilt.
Geopolitik und Strompreise
Auch von der Geopolitik bleiben die Ergebnisse des Verbundes nicht unberührt. „Der Iran-Krieg führt zu höheren Gaspreisen und diese wiederum zu höheren Strompreisen“, erklärt Kollmann und rechnet vor: „Jede Veränderung des Stromgroßhandelspreises um auch nur einen Euro pro Megawattstunde wirkt sich bei uns auf plus/minus 2,1 Millionen Euro im Ergebnis aus.“ Noch extremer verhält es sich bei der Hydrokoeffizienz (der Erzeugung von Wasserkraft), wo sich eine Veränderung um 1 % auf plus/minus knapp 10 Millionen Euro auswirkt.
Ausblick angepasst
Unter diesen Umständen muss der Verbund seinen Ausblick für 2026 anpassen. Demzufolge wird für das Gesamtjahr 2026 ein Ebitda zwischen 2,1 und 2,4 Milliarden Euro und ein bereinigtes Konzernergebnis zwischen 1,05 und 1,2 Milliarden Euro erwartet. Als Ausschüttungsquote werden weiterhin 45 bis 55 %, bezogen auf das um Einmaleffekte bereinigte Konzernergebnis, angestrebt. Aber der Ausblick 2026 sei gar nicht mehr der Einzige, der zähle, so Strugl. Wichtiger sei derjenige auf 2027 und die folgenden Jahre.
Autor: Mag. Tibor Pásztory
Foto: Josef M. Fallnhauser
