FACC-Aktie 2026: Wachstum stark, Kurspotenzial begrenzt?
Das Wichtigste in Kürze
- FACC steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr 2026 um 8,6 % auf 526 Mio. Euro.
- Das EBIT legte um 38 % auf 25,3 Mio. Euro zu.
- Für 2026 erwartet FACC 10 bis 15 % Umsatzwachstum.
- Ab 2027 soll die EBIT-Marge auf mehr als 8 % steigen.
- Luftfahrt und Drohnen versprechen weiteres Wachstum.
- Die Analysten sind positiv, beim Kurspotenzial der FACC-Aktie jedoch zurückhaltender.
(28.08.2026) Zahlreiche Branchen leiden unter den gegenwärtigen geopolitischen Gegebenheiten – nicht so die Flugbranche, und schon gar nicht FACC als Hersteller zahlreicher Komponenten für Flugzeuge, Drohnen und Raumfahrt. Demzufolge konnte der Umsatz im erst en Halbjahr 2026 um 8,6 % auf 526 Millionen Euro gesteigert werden. Im Gesamtjahr soll die Ein-Milliarden-Euro-Grenze überschritten werden. Wichtiger noch: Das Ebit stieg im selben Zeitraum um 38 % auf 25,3 Millionen Euro. Damit liegt die Ebit-Marge bei 4,8 % (vgl. 3,8 %) – eine klare Verbesserung, aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange.
Luftfahrtboom treibt FACC-Wachstum
Worauf sind diese Steigerungen zurückzuführen? CEO Robert Machtlinger (Bild) erklärt dies einerseits mit dem derzeitigen Luftfahrtboom, andererseits mit der Umsetzung des Effizienzprogramms C.O.R.E., bei dem es nicht um die Neuerfindung des Rades geht, sondern um viele kleine und mittlere Verbesserungen bei den einzelnen Prozessen und in der Kostenstruktur.
Die derzeitige – und wohl auch langfristige – hohe Nachfrage in der Luftfahrtindustrie soll global zum Bau von mehr als 42.000 neuen Flugzeugen führen, von denen knapp die Hälfte ältere Modelle ersetzen wird. Von diesen seien 18.260 von den Airlines bereits fix bestellt. „Wir sind bei allen relevanten Herstellern vertreten“, verweist der CEO auf die günstige Marktpositionierung des Unternehmens. Zu den eigenen Highlights gehört ihm zufolge die Entwicklung der Kabine des Businessjets Embraer Praetor. Dieser sei aufgrund neuer Technologien und Materialien ein Gamechanger, so Machtlinger.
FACC investiert in Österreich und Kroatien
Seit knapp sechs Jahren fertigt das Unternehmen auch in Kroatien, wo das Werk nördlich von Zagreb auf 550 Mitarbeiter angewachsen ist und mehr als 30 Millionen Euro investiert wurden. Die Frage, ob die niedrigeren Lohnstückkosten in Kroatien heutzutage angesichts der Automatisierung noch eine große Rolle spielten, bejaht Machtlinger.
Trotzdem wird auch in Österreich kräftig erweitert: Dort werden 120 Millionen Euro in ein neues Werk investiert, mit dem die derzeit bestehende Fertigungskapazität von Aerostructures-Komponenten verdoppelt wird. Mit der Investition verbunden ist die Einrichtung eines separaten Forschungsbereiches, in dem Fertigungsprozesse und Technologien entwickelt werden, die bei der nächsten Generation an Verkehrsflugzeugen zum Einsatz kommen werden.
Drohnen sollen zum Wachstumstreiber werden
Im zweiten Halbjahr soll auch die Drohnenproduktion weiter vorangetrieben werden. FACC beschäftigt sich bereits seit 2017 mit diesbezüglichen Entwicklungsaufträgen in Höhe von 100 MioUSD, die jetzt zu einer Serienfertigung führen. Für 2027 rechnet Machtlinger mit einem Wachstum des Drohnenbereiches im zweistelligen Prozentbereich, sodass man sogar überlegt, den Drohnenbereich als eigene Division zu führen.
FACC stärkt Cashflow und Bilanz
Der Frage, ob der Iran-Krieg der Branche nicht schade, entgegnet Machtlinger mit einem Chart, der für Februar 2026 (den Beginn des Krieges) tatsächlich ein spontanes Absacken der internationalen Flugverkehrsentwicklung (vor allem im Nahen Osten) zeigt. Mittlerweile sei das Reiseaufkommen im arabischen Raum aber wieder auf 80 % des Vorkriegswertes angestiegen. „Die Entwicklung zeigt sich ähnlich wie beim Ausbruch von Covid 2020“, so Machtlinger, aber man habe daraus gelernt und reagiere schneller. „Wir sind deutlich resilienter geworden“, so der CEO.
„Die FACC muss ihre Investitionen steuern können“, hatte CFO Florian Heindl vor zwei Jahren erklärt. Heute kann sie es auf Basis eines Free Cashflows von knapp 50 Millionen Euro. Dazu gehört auch ein „Deleveraging“, eine Verringerung der Nettoverschuldung. Das Verhältnis Nettoverschuldung zum Ebitda liege derzeit bei 2,05. Bei 2,0 beginnt der Investmentgrade und damit der Zugang zu deutlich besseren Bankenkonditionen.
FACC-Prognose 2026: Marge soll deutlich steigen
Im Gesamtjahr 2026 werde der Umsatz um 10 bis 15 % wachsen, so Heindl. Die Ebit-Marge werde dann zwischen 5,25 und 6,25 % liegen. Ab dem Geschäftsjahr 2027 will das Unternehmen eine Marge von mehr als 8 % erreichen. Das Effizienzprogramm C.O.R.E. bleibe aufrecht. Vor allem aber – es geht wieder um das Thema Resilienz – werde es Umschichtungen bei den Lieferanten geben. Manche Glieder der Lieferkette werden sogar gesplittet, um Ausfallsrisken zu minimieren. Auch könne so dem allgemein immer gängigeren Local-for-Local-Prinzip stärker Rechnung getragen werden. Das Interior-Geschäft hat seine Zukunft in Kroatien, obwohl auch dort (und auch in China) die Löhne im Steigen begriffen sind.
FACC-Aktie: Was sagen die Analysten?
Erste Group, Montega und ODDO BHF empfehlen die Aktie zum Kauf, allerdings mit Kurszielen zwischen 16 und 18,70 Euro, also trotz eindeutiger Wachstumstendenz nicht weit entfernt vom derzeitigen Kurs.
Chinesischer Großaktionär als Kursbremse?
Ein mögliches Handicap liegt am 55,5-prozentigen Mehrheitsanteil der AVIC Cabin Systems, einer Tochtergesellschaft der staatlichen Aviation Industry Corporation of China (AVIC), eines großen chinesischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns. Dieser verhindert den Einstieg größerer westlicher Finanzinvestoren, deren Richtlinien meist ein Engagement in Unternehmen mit staatlich-chinesischem Mehrheitsaktionär verbieten. Eine Reduktion auf unter 50 %, etwa im Wege einer Kapitalerhöhung, könnte einigen Investoren Türen öffnen, was sich wiederum positiv auf den Kurs auswirken würde.
Autor: Mag. Tibor Pásztory
Dieser Artikel könnte Sie auch interessieren:
FACC Dividende und Hauptversammlung 2026
