5 österreichische Nebenwerte mit Potenzial
Weniger im Fokus, aber trotzdem solide Gewinnaussichten.
(aktualisiert am 14.09.2026) Der ATX lag in den vergangenen 52 Wochen per 14. September rund 47 % im Plus. Doch abseits des Leitindex gibt es noch mehrere attraktive Werte mit Nachholpotenzial.
AMAG: Aluminium-Aktie profitiert von Luftfahrt und Autoindustrie
Ein konkretes Beispiel ist der Aluminiumprodukthersteller Amag. Im ersten Halbjahr 2026 ermöglichten operative Stärke am Standort Ranshofen und höhere Aluminiumpreise eine positive Ertragsentwicklung. Bei einem Anstieg der Umsatzerlöse um 8,2 % auf 850,7 Millionen Euro konnte das Betriebsergebnis (Ebit) um fast 62 % auf 62,8 Millionen Euro gesteigert werden.
Das Segment Walzen, auf das der Löwenanteil des Umsatzes entfällt, berichtet von Nachfrageimpulsen im Automobil- und Wärmetauscherbereich sowie einer positiven Nachfrageentwicklung in der Luftfahrt. Dieses Segment konnte bei einer Steigerung der Absatzmenge um 7,7 % auf 117.200 Tonnen das Ebit um fast 56 % auf 31,7 Millionen Euro steigern. Nach dem heurigen Gewinnsprung geht der Analystenkonsens von MarketScreener in den kommenden Jahren von einer relativ stabilen Ertragslage aus.
FACC: Luftfahrt-Aktie mit steigenden Gewinnerwartungen
Auf Jahressicht verdoppelt hat sich der Aktienkurs des Luftfahrtzulieferers FACC. Der aus vier Analystenschätzungen bestehende Konsens von MarketScreener hat im Zeitraum vom 18. Februar bis zum 31. August 2026 seine Gewinnschätzung je Aktie für 2027 von 1,08 auf 1,50 E angehoben. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 8,6 % auf 526,3 Millionen Euro und das Ebit um 38 % auf 25,3 Millionen Euro.
Wichtigster Kunde blieb Airbus mit rund 52 % Umsatzanteil. Allein die A320-Familie steuerte rund 39 % zum Konzernumsatz bei. Business Jets waren mit rund 17 % der zweitgrößte Umsatztreiber. Gleichzeitig zeigt das konzernweite Kostensenkungs- und Effizienzprogramm CORE zunehmend Wirkung. Laut Konsens sollte der Gewinn pro Aktie bis 2028 deutlich wachsen. Das für 2028 geschätzte KGV liegt bei einem Kurs von 16,90 Euro bei relativ günstigen 9,4.
Oberbank: Bank-Aktie mit solidem Gewinnwachstum
Die Oberbank konnte im ersten Halbjahr 2026 ihren Periodenüberschuss nach Steuern um 11 % auf 199 Millionen Euro steigern und zeichnet sich durch eine hohe harte Kernkapitalquote von 19,09 % aus, während die Quote notleidender Kredite (NPL-Ratio) mit 2,94 % niedrig bleibt. Die Ratingagentur Standard & Poor’s bewertet die Oberbank mit A- und stabilem Ausblick.
Polytec-Aktie: Turnaround mit weiterem Kurspotenzial
Nach einer längeren Talfahrt feiert die Aktie des Automobilzulieferers Polytec Group ein Comeback. Bereits im Turnaround-Jahr 2025 waren 80 % des Produktportfolios unabhängig vom Verbrennungsmotor. Gleichzeitig treibt das Unternehmen den Ausbau des Geschäfts außerhalb der Autoindustrie voran. Mittelfristig soll der Non-Automotive-Bereich rund 30 % des Konzernumsatzes ausmachen.
Obwohl sich im ersten Halbjahr 2026 der Umsatz infolge einer gezielten Optimierung des Produkt- und Produktionsportfolios um knapp ein Fünftel verringerte, konnte das Ebit um 47 % auf 8,3 Millionen Euro gesteigert werden und das Ergebnis nach Steuern stieg von 1,4 auf 4,7 Millionen Euro. Die Nettoverschuldung konnte um 43 % auf 29,6 Millionen Euro reduziert werden.
Die Analysten rechnen von 2025 bis 2028 mit einem Gewinnwachstum je Aktie von 17,2 % pro Jahr. Sollte dies eintreten, wäre bei einem Kurs von 5,00 Euro das für 2028 geschätzte KGV von 6,8 durchaus günstig. Trotz des bereits kräftigen Kursanstiegs sehen Analysten noch Luft nach oben: Der Konsens von MarketScreener sieht aktuell rund 50 % Kurspotenzial (Stand: 14.9.2026).
EuroTeleSites: Infrastruktur-Aktie mit stabilen Einnahmen
EuroTeleSites betreibt rund 14.000 Funktürme in Österreich und fünf CEE-Ländern und vermietet diese an Telekommunikationsdienstleister. Durch langfristige Verträge in Kombination mit einer Inflationsanpassung sind die Erträge des Unternehmens relativ stabil und vorhersehbar. Das Unternehmen beziffert das mittelfristige Umsatzwachstum mit 4 bis 5 % pro Jahr.
Der Ausbau neuer Standorte, Indexanpassungen und die Integration neuer Mieter in allen Märkten ermöglichten im ersten Halbjahr einen Umsatzanstieg um 7,8 % auf 148,4 Millionen Euro, während das Ebit um 4,8 % auf 56,1 Millionen Euro stieg. Aktuell tendiert der Aktienkurs seitwärts, doch Schuldenabbau und kontinuierliche Einnahmen sprechen mittel bis langfristig für Kursanstiege.
Fazit: Chancen abseits des ATX
Nach dem starken Anstieg des ATX lohnt sich für Anleger der Blick in die zweite Reihe. Die fünf österreichischen Nebenwerte
setzen dabei auf unterschiedliche Wachstumstreiber – von Luftfahrt und Aluminium über einen Turnaround im Automobilsektor bis zu digitaler Infrastruktur. Welche Aktie das größte Potenzial entfaltet, hängt allerdings auch davon ab, ob die erwartete Gewinnentwicklung tatsächlich eintritt.
Häufige Fragen zu österreichischen Nebenwerten
Welche österreichischen Nebenwerte haben derzeit Potenzial?
AMAG, FACC, Oberbank, Polytec und EuroTeleSites zeigen unterschiedliche Investmentchancen – von steigenden Gewinnerwartungen und Turnaround-Potenzial bis zu stabilen Infrastrukturerträgen.
Welche der fünf Aktien hat laut Analysten das größte Kurspotenzial?
Polytec sticht derzeit hervor: Der Analystenkonsens von MarketScreener sieht rund 50 % Kurspotenzial. Das ist allerdings eine Momentaufnahme und keine Garantie für künftige Kursgewinne.
Welche Risiken haben österreichische Nebenwerte?
Nebenwerte können stärker schwanken und weniger liquide sein als große ATX-Titel. Hinzu kommen unternehmensspezifische Risiken – bei den hier vorgestellten Aktien etwa die Entwicklung der Auto- und Luftfahrtindustrie, Rohstoffpreise oder die Verschuldung.
Autor: Michael Kordovsky
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