LNG-Aktien: Steigende Gaspreise sorgen für neue Chancen
Nächster Schub für LNG-Exporteure: Den Flüssigerdgas-Lieferanten spielen Engpässe in die Karten.
Kurzfassung:
- Europas knappe Gasspeicher könnten die LNG-Preise weiter treiben.
- Goldman Sachs hält einen Anstieg auf bis zu 100 Euro je MWh für möglich.
- Davon könnten LNG-Anbieter wie Cheniere Energy und Venture Global profitieren.
- Einige LNG-Aktien haben nach kräftigen Kursgewinnen zuletzt wieder nachgegeben.
- Für Anleger zählen neben dem Gaspreis auch Bewertung, Verträge und Exportkapazitäten.
(aktualisiert am 16.09.2026)
Knappes LNG-Angebot könnte Gaspreise weiter treiben
Nach 2022 bescheren Preisanstiege für Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) Exportnationen aktuell abermals ein lukratives Umfeld. Die Nachrichtenagentur Bloomberg veröffentlichte dazu am 24. August eine Stellungnahme der Investmentbank Goldman Sachs. Die Analysten des Finanzhauses halten für diesen Winter in Europa sogar eine extreme Zuspitzung der Gaspreise für möglich.
Seitens Goldman Sachs wird ins Treffen geführt, dass die (derzeit zu einem guten Teil rar gefüllten) Vorräte zur Gänze aufgestockt werden. In diesem Fall sollten die Preise bis auf rund 100 Euro je MWh anziehen, um das angestrebte Volumen akquirieren zu können. Da die derzeitige Notiz um 66 Euro/MWh schwankt, würde dies einem Preisauftrieb um bis zu 50 % gleichkommen. Zum Zeitpunkt der Prognose notierte der Gaspreis bei rund 66 Euro/MWh. Mittlerweile notiert der europäische TTF-Gaspreis bei rund 81 Euro/MWh.
LNG-Preise: Europa konkurriert mit Asien
Allerdings führen die Experten an, dass dieses Szenario voraussetzt, dass die Lieferblockaden durch die Straße von Hormus Bestand haben und die Spot-LNG-Preise in Asien auf hohem Niveau bleiben. Laut Goldman Sachs tue sich Europa äußerst schwer, im Wettbewerb mit asiatischen Staaten LNG-Kontingente zu sichern – die EU habe oft das Nachsehen.
Geringe Verfügbarkeit treibt Preise
Wie Daten des Europäischen Interessenverbandes der Betreiber von Gasinfrastruktur mit Sitz in Brüssel (Gas Infrastructure Europe) zeigen, sind die Gasspeicher Europas mit Stand 15. September im Durchschnitt zu 68,7 % gefüllt – jene der größten Industrienation in der EU, Deutschland, zu 56,0 %. Dies stellt weiterhin einen für diese Jahreszeit außergewöhnlich niedrigen Füllstand dar. Dazu komme eine magere Angebotssituation, die noch knapper sei als im turbulenten Jahr 2022. Die Schlüsse daraus: Zu den derzeitigen Erdgaspreisen am Dutch Title Transfer Facility (TTF; der maßgebliche virtuelle Handelspunkt im niederländischen Gasnetz, über den der Erdgashandel abgewickelt wird; Anm.) werde es kaum gelingen, den erforderlichen Nachschub zu bekommen.
Goldman Sachs erwartet bis Anfang 2027 keine Normalisierung des knappen LNG-Angebots. Auch auf lange Sicht sieht die Branche einer Expansion entgegen. Nach jüngsten Prognosen des Marktforschungsunternehmens Fortune Business Insights vom August werde das jährliche globale Marktvolumen bis zum Jahr 2032 um 4,1 % p.a. zunehmen und den Wert von 227 Milliarden US-Dollar (195 Milliarden Euro) erreichen.
Cheniere Energy als führender LNG-Exporteur
An den Aktienmärkten führt dieser Umstand einmal mehr zu Kursfantasien bei den Aktien der LNG-Exporteure aus Nordamerika. Verspricht die hohe Nachfrage, des auf -164 Grad gekühlten Rohstoffes doch lukrative Lieferabschlüsse.
In erster Linie rücken einmal mehr die Titel des LNG-Exporteurs Cheniere Energy in den Vordergrund. Die Texaner liefern nicht nur den Rohstoff selbst, sondern unterhalten auch das betreffende Leitungsnetz sowie die LNG-Terminals im heimischen Bundesstaat. Nach kräftigen Kursgewinnen hat die Cheniere-Aktie im September zuletzt wieder nachgegeben. Am 15. September schloss sie bei 270,98 US-Dollar, nachdem sie Anfang September zeitweise knapp 300 US-Dollar erreicht hatte. Das KGV lag Ende der Vorwoche nach Angaben der Analyseplattform Macrotrend mit dem Faktor 18 eher auf neutralem Terrain.
Golar LNG, Flex LNG und NextDecade im Blick
Abgesehen von globalen Energie-Multis profitieren vom LNG-Geschäftsfeld spezifische Mitbewerber wie
- Venture Global
- Auf den LNG-Transport mittels Spezialschiffen sind wiederum die norwegische Golar LNG (aus einer Reederei hervorgegangen, Sitz auf den Bermudas) sowie Flex LNG (auf den British Virgin Islands registriert) fokussiert. Golar LNG ist mit einem KGV von 58 ambitioniert bewertet, aber sich aktuell nach wie vor im Aufwärtstrend befindet.
- NextDecade aus Ohio befindet sich mit der Errichtung neuer Infrastruktur wiederum auf dem Weg zu einer der größten LNG-Exportanlagen.
Was die Kursrückgänge im September für Anleger bedeuten
Einige der genannten LNG-Aktien haben seit Mitte September wieder nachgegeben. Das steht nicht zwingend im Widerspruch zu den guten Aussichten für den LNG-Markt: Ein Teil der Erwartungen an steigende Gaspreise war nach den vorangegangenen Kursgewinnen bereits eingepreist. Zudem profitieren die Unternehmen unterschiedlich stark von höheren Spotpreisen, da langfristige Lieferverträge, Kosten, Bewertung und vorhandene Exportkapazitäten eine wichtige Rolle spielen.
Für Anleger bleibt die Aussicht auf anhaltend hohe LNG-Preise damit grundsätzlich positiv. Gleichzeitig zeigt die jüngste Kursentwicklung, dass LNG-Aktien keine reine Wette auf steigende Gaspreise sind und die Auswahl der Einzeltitel entscheidend bleibt.
Autor: Roman Steinbauer
| Im Artikel angeführte Aktien | |
| Name | ISIN |
| Cheniere Energy | US16411R2085 |
| Venture Global | US92333F1012 |
| Flex LNG Ltd. | BMG359472021 |
| Golar LNG Ltd. | BMG9456A1009 |
| NextDecade | US65342K1051 |
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