Skulpturen kaufen: Diese Künstler sollten Sammler kennen
Limitierte Auflagen und Auktionserfolge prägen den Markt.
(18.09.2026) Haben Sie sich im Museum schon einmal dabei erwischt, wie Sie um ein Kunstwerk herumgegangen sind, nur um zu spüren, wie es sich im Raum breitmacht? Im Gegensatz zur Malerei, die man bequem von der Wand abliest, verlangt uns die Skulptur Bewegung ab. Sie verführt uns zum Hinsehen, Umkreisen – und manchmal auch zum Schmunzeln.
Der Körper im Raum
Schaut man auf den internationalen Kunstmarkt, gibt es einen Namen, an dem niemand vorbeikommt: Alberto Giacometti. Seine extrem dünnen, fast zerbrechlichen Bronze-Gestalten erzielen auf Weltauktionen regelmäßig Summen von über 100 Millionen US-Dollar. Giacometti hat gezeigt, dass nicht die Masse der Figur entscheidet, sondern wie sie den Raum um sich herum verändert.
In Österreich ging man die Sache traditionell etwas handfester an. Fritz Wotruba meißelte die menschliche Figur aus schweren, kubischen Steinblöcken und schuf damit Bauwerke für die Ewigkeit. Joannis Avramidis brachte eine fast musikalische Harmonie in seine Bronze-Säulen, Alfred Hrdlicka schlug mit unbändiger Wucht politische Statements in den harten Marmor. Das war Kunst zum Anfassen, massiv und voller handwerklicher Meisterschaft.
Bronze als Marktmodell
Doch Skulptur ist im Kunsthandel auch ein faszinierendes ökonomisches Phänomen. Anders als das einmalige Unikat der Malerei erlaubt der Bronzeguss limitierte Auflagen. Diese Multiplizierbarkeit macht dreidimensionale Werke für Sammler attraktiv, weil sie Einstiegsmöglichkeiten in unterschiedlichen Preissegmenten bietet. Gleichzeitig schützt eine strikte Limitierung den Marktwert und garantiert die Seltenheit des Objekts.
Doch die Zeiten änderten sich. Warum sollte eine Skulptur eigentlich immer nur starr im Museum auf einem Sockel stehen?
Vom Sockel in den Raum
Pioniere wie Wander Bertoni zeigten schon früh, wie Skulptur, Architektur und Natur miteinander verschmelzen können. Sein Skulpturenpark am Neusiedler See steht bis heute für diese Öffnung in den Raum. Wie viel Urkraft und Dynamik in monumentaler Bildhauerei steckt, bewies auch Jos Pirkner: Seine gewaltige Bullen-Gruppe für Red Bull zeigt eindrucksvoll, welche Energie Bronze ausstrahlen kann, wenn ein Meister sie formt.
Den Schritt zum radikalen Witz vollendete schließlich Erwin Wurm. Er zeigte der Welt, dass eine Skulptur auch eine Gurke, ein verformtes Auto oder ein Mensch sein kann, der sich einen Stift in die Nase steckt. Seine „One Minute Sculptures“ machten den Betrachter selbst zum Kunstwerk – mit viel Humor und internationalem Erfolg.
Zwischen Auktion und Idee
Dass dreidimensionale Arbeiten heute auf dem globalen Parkett Rekordpreise erzielen, liegt nicht zuletzt an ihrer Präsenz im öffentlichen und privaten Raum. Skulpturen sind emotionale Ankerpunkte in Sammlungen und repräsentative Wertanlagen. Sie verlangen nach Architektur, Licht und einem Gegenüber, das bereit ist, sich auf die physische Erfahrung des Raumes einzulassen.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Auktionssälen wider: Während heimische Sammler im Dorotheum oder im Kinsky nach wie vor verlässlich auf die solide Bronze von Wotruba, Avramidis oder Bertoni bieten – Kunst für die Ewigkeit –, greift das internationale Publikum bei Messen wie der Art Basel auch zu großen, überraschenden Konzepten.
Am Ende bleibt die Erkenntnis: Ob aus schwerem Granit, gegossener Bronze oder als flüchtige Idee – die dreidimensionale Kunst hat sich längst von ihren alten Fesseln befreit. Und das macht das Hinsehen heute spannender denn je.
Autorin: Lea Schweinegger
