Das Tech-Klumpenrisiko vermeiden
Warum selbst Welt-ETFs stark von den großen US-Technologiekonzernen abhängen.
(23.10.2026) Der Irankrieg, hartnäckige Inflation und hohe Staatsschulden belasten die Weltwirtschaft. Dennoch hält sich die Konjunktur bislang gut. KI-Investitionen stützen die USA, in China mehren sich Anzeichen einer Stabilisierung, während Europa nur schwach wächst. Die internationalen Börsen zeigen sich wenig beeindruckt. Allerdings hängt ihre Entwicklung in hohem Maß von wenigen Konzernen ab. Für Anleger, die in die seit Jahren boomenden Exchange-Traded Funds (ETFs) investieren, stellt sich damit die Frage, wie breit ihr Kapital tatsächlich gestreut ist.
Die zehn größten Unternehmen im S&P 500 vereinen laut Steiermärkischer Sparkasse Private Banking rund 40 % der Marktkapitalisierung auf sich. Technologiekonzerne dominieren; ihre Kursgewinne erhöhen ihr Gewicht.
Die große Wette auf KI
Die hohen Börsenbewertungen spiegeln die Erwartung wider, dass Milliardeninvestitionen in Rechenzentren, Chips und KI-Anwendungen künftig entsprechende Gewinne bringen. Ob das im erhofften Tempo gelingt, bleibt offen. Selbst wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen können an der Börse verlieren, wenn sie die Erwartungen verfehlen. Hinzu kommt das Zinsrisiko: Bleibt die Inflation hoch und steigen die Anleiherenditen, sinkt der heutige Wert künftiger Gewinne. Besonders hoch bewertete Wachstumsaktien reagieren darauf empfindlich.
Die selben Schwergewichte
Wer ETFs auf den S&P 500 und den Nasdaq-100 mit einem globalen Aktienfonds kombiniert, hält zwar drei Produkte, aber vielfach dieselben US-Konzerne. Geraten diese unter Druck, verlieren mehrere vermeintlich unabhängige Depotpositionen gleichzeitig.
Auch ein Weltindex beseitigt das Problem nicht. Die meisten großen Indizes gewichten Unternehmen nach Börsenwert. Mit jedem Kursanstieg der größten US-Konzerne wächst deshalb ihr Einfluss. Auch im Welt-ETF bleibt die Wall Street ein Schwergewicht. Christian Sajowitz und Karl Freidl vom Private Banking der Steiermärkischen Sparkasse weisen weiters darauf hin, dass die Zahl der Wertpapiere wenig über die Risikostreuung aussagt. Entscheidend seien ihre Gewichte, Überschneidungen und die Abhängigkeit von gemeinsamen wirtschaftlichen Faktoren.
Wie Klumpenrisiken abbauen
Ein Blick auf die größten Positionen aller Fonds zeigt, welche Unternehmen das Depot tatsächlich bestimmen. Bei starken Überschneidungen können Aktien aus anderen Regionen und kleinere Firmen die Abhängigkeit von US-Tech-Werten verringern. Auch unterschiedliche Anlagestile helfen: Value-Strategien setzen auf günstig bewertete Aktien, Wachstumsstrategien auf hohe Gewinnzuwächse. Ihre Kurse können sich unterschiedlich entwickeln.
Aktive Fondsmanager können Titel abseits der Indexriesen auswählen und Bilanzen, Bewertungen und Wachstumsaussichten prüfen. Eine Mehrrendite ist nicht garantiert: Gebühren fallen an, und während einer Tech-Rallye kann der Fonds zurückbleiben.
Das allgemeine Aktienmarktrisiko sinkt jedoch nicht allein durch zusätzliche Aktien. Wer sein Kapital bald benötigt, kann liquide Rücklagen oder hochwertige, kurzlaufende Anleihen einbeziehen. Sie können Schwankungen dämpfen, bergen aber Zins- und Bonitätsrisiken. Bei längerem Anlagehorizont und entsprechender Risikobereitschaft kann der Aktienanteil höher liegen.
Nach einer Kursrallye lohnt es sich, die Depotgewichtung zu prüfen. Ist der Tech-Anteil höher als geplant, kann Rebalancing sinnvoll sein: Übergewichtete Positionen werden teilweise verkauft, untergewichtete aufgestockt. So bestimmen wenige erfolgreiche Aktien nicht zunehmend das Depotrisiko.
Autor: Klaus Schweinegger
