Die USA bleibt der Motor für den Rest der Welt

Ein Marktkommentar von Nathan Sheets, Chefvolkswirt und Head of Global Macroeconomic Research bei PGIM Fixed Income.

(11.05.) Die wichtigsten politischen Entscheidungsträger der USA konzentrieren sich auf den Arbeitsmarkt. Es gibt über acht Millionen Arbeitnehmer, die vor der Pandemie beschäftigt waren, aber derzeit noch arbeitslos sind. Der Fokus liegt also auch darauf, wie diese Arbeiter wieder in Beschäftigung gebracht werden können.

Die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, nicht nur wegen des enormen fiskalischen Stimulus, sondern auch wegen des sehr schnellen US-Wachstums, bedeutet unweigerlich, dass die USA so etwas wie ein Motor für den Rest der Welt sein werden, um die globale Erholung zu durchlaufen. Wir haben das bereits in den letzten Quartalen gesehen, in denen die US-Importe viel stärker gestiegen sind als die US-Exporte. Eine starke US-Wirtschaft ist im Großen und Ganzen günstig und positiv für den Rest der Welt. Dabei werden Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien eine der am schnellsten wachsenden Jobkategorien sein.

Wenn das Konjunkturpaket umgesetzt wird und die von der US-Regierung gewünschten Effekte eintreten, werden wir einen Trend und ein Produktivitätswachstum von vielleicht einem Prozentpunkt oder vielleicht etwas weniger sehen. Das klingt nach einer kleinen Zahl, aber wenn man das über mehrere Jahrzehnte akkumuliert, könnten die Unterschiede in Bezug auf die Lebensqualität ganz erheblich sein. Das kann auf lange Sicht zu einem besseren Lebensstandard führen, wenn diese Initiativen erfolgreich sind.

Die entscheidenden Fragen drehen sich jetzt um das Jahr 2022. Wie stark wird das Wachstum nachlassen? Was passiert mit der Inflation und wie reagiert die Fed. Es gibt eine Menge Unsicherheit darüber, wo 2022 angesiedelt sein wird.

Foto: PGIM

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Alternative Energie: Bust oder Boom?

Wasserstoff-Aktien sind hoch geflogen und tief gefallen.

Harald Kolerus. Titel aus dem Bereich Wasserstoff haben eine bemerkenswerte Kurshistorie hinter sich. Das veranschaulicht sehr eindrucksvoll das Strategiezertifikat auf den „Solactive Hydrogen Top Selection Index“ (ISIN: DE000VP2HYD0) von Vontobel. Dieses ist von April 2020 bis vergangenen Feber von rund 100 auf knapp 300 Euro in die Höhe geschossen: ein Plus von 200 %. Dann fiel das Zertifikat aber in den Bereich von 200 Euro zurück. Der zugrundeliegende Index umfasst 15 Unternehmen, die im Bereich Wasserstoff aktiv sind (z. B. Plug Power, FuellCell, Ballard Power) und spiegelt somit gut die Marktentwicklung wider. Seit Auflegung im April letzten Jahres hat das Produkt trotz der heurigen Verluste noch immer eine sehr schöne Performance von ca. 110 % erzielt. Plug Power konnte im Vorjahr sogar ein Plus von 885 % einheimsen – um dann in die Tiefe zu rutschen. Dennoch ist der Kurs auf Sicht eines Jahres um rund 380 % gestiegen!

Starker „grüner Trend“
Was spricht angesichts dieser atemberaubenden Berg- und Talfahrten für Wasserstoff? Hier ist es wichtig, die Langfristperspektive ins Auge zu fassen. Clemens Klein, ESG-Experte bei der Erste Asset Management, meint im Gespräch mit dem Börsen-Kurier: „Was macht Wasserstoff interessant? Sicherlich der Umweltaspekt, denn es herrscht weltweit ein breites politisches Verständnis, dass der CO2-Ausstoß massiv reduziert werden muss, um die Klimaziele zu erreichen.“

Als Hemmschuh bezeichnet der Experte die noch fehlende Markteffizienz von grünem Wasserstoff, sprich: Er ist vergleichsweise teuer. So kostet die Herstellung des unökologischen grauen Wasserstoffs rund 1 USD/Kilo; bei der umweltfreundlichen Variante des grünen Wasserstoffs kann das aber schon auf rund 5 bis 6 USD kommen. Klein erinnert die Situation an die Lage bei Solarenergie vor etwa zehn Jahren: „Die Produktionskosten sind seither um die 80 % zurückgegangen, heute bietet Sonnenkraft in vielen Regionen bereits die billigste Form der Energiegewinnung. Ähnlich sollte die Entwicklung bei grünem Wasserstoff erfolgen, Studien gehen von einer Kostenreduktion um 60 bis 70 % bis 2030 aus.“

„Hoffnungsträger Wasserstoff“
Philipp Arnold
, Head of Structured Products Sales der Raiffeisen Centrobank (RCB), meint zum Thema auf Anfrage des Börsen-Kurier: „Das Interesse am Energieträger Wasserstoff und die damit verbundenen Chancen sind ungebrochen. Wasserstoff ist nicht nur ein kurzfristiges Thema, sondern ein langfristiger Klima-Megatrend – mit dem Potenzial, einen wesentlichen Beitrag zur Herbeiführung der Energiewende zu leisten. Grüner Wasserstoff ist damit ein Hoffnungsträger im Klimawandel. Der Korrektur zu Jahresanfang gingen stark steigende Aktienkurse im Vorjahr voraus. Aktuell findet der Klimaschutz – vor allem auch politisch – breite Zustimmung aller wichtigen Länder für deutlich weniger Treibhausgase und lässt die Anleger bei ‚grünen Aktien‘ wie-der zugreifen.“

Trotz des positiven Trends sind laut dem Experten weitere Korrekturen natürlich nie auszuschließen und auch beim Wasserstoff-Investment dürfen die Risiken nicht vergessen werden. „Jedoch können gerade Bonus-Zertifikate das Timing-Risiko deutlich begrenzen“, so Arnold.

Breiter streuen
Von der RCB gibt es dazu das „Bonus-&-Wachstum-Zertifikat“ (AT0000A2QS86) auf den breit gestreuten Aktienindex, „Solactive Hydrogen EUR 3.5%“. Dieser Index bildet die Kursentwicklung von 30 Unternehmen ab, deren Geschäftstätigkeit ganz oder teil-weise auf Wasserstoff ausgerichtet ist. Das Zertifikat, das auch mit einem Absicherungsmechanismus ausgestattet ist, liegt bis 26. Mai zur Zeichnung auf. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre.

Das erwähnte Openend-Zertifikat von Vontobel sorgt ebenso für breite Streuung wie das Zertifikat von Morgan Stanley (DE000MC 2G7Q8) auf den E-Mobilität Wasserstoff-Index von Solactive.

Hansainvest bietet mit dem „GG Wasserstoff“ (DE000A2QDR59) eine Fondslösung an; der L&G „Hydrogen Economy UCITS ETF“ (IE00BMYDM794) ist der erste Wasserstoff-ETF in Europa.

Foto: AdobeStock / Studio East

 

 

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Eigenkapitalstärkende Maßnahmen gefordert

Von KÖSt-Senkung bis KESt-Befreiung für Langfrist-Aktionäre reichen die Vorschläge.

Manfred Kainz. Es klingt ungewöhnlich optimistisch in diesen Tagen. Wir erleben den „global größten Wirtschaftsaufschwung mit 6,6 % Weltwirtschaftswachstum. Wir sind in einer Hochkonjunktur“, formuliert es der Chefökonom der Industriellenvereinigung (IV) Christian Helmenstein (im Bild links; Aufnahme vor Corona, Anm.). Das müsse Österreich nützen. Und nicht nur das Vor-Coronakrisen-Niveau anstreben, sondern uns „an die Spitze des Konjunkturaufschwungs setzen“. Das brauche eine Industriepolitik, die von den jetzigen strukturkonservierenden Maßnahmen zu strukturmodernisierenden Maßnahmen komme. Dazu zähle ganz zentral Eigenkapitalstärkung.

Partner Kapitalmarkt
Industriellen-Generalsekretär Christoph Neumayer (am Foto rechts) bestätigte auf die Frage des Börsen-Kurier die wichtige Rolle, die die Wiener Börse (in dessen Aufsichtsrat ja auch Vertreter aus der Industrie sitzen und sogar den Vorsitzenden stellen) und der heimische Kapitalmarkt spielen können und sollen: Ein starker Kapitalmarkt sei ein „zentrales Element des Wiederaufschwungs“, so Neumayer. Um ihn zu stärken, schlägt die IV unter anderem die Wiedereinführung einer z. B. zwölfmonatigen Behaltefrist für Aktieninvestitionen vor, ab der dann das Aktienengagement KESt-befreit ist. Weiters brauche es eine Stärkung der kapitalmarktunterlegten Pensionsvorsorge. „Die Wiener Börse ist jedenfalls ein ganz wichtiger Partner in unserem Szenario und unserer Strategie“, um über das Vor-Krisen-Niveau hinaus zu wachsen und zu den Weltmarktführern USA und China aufzuschließen.

Investitionen ankurbeln
„Für das IV-Programm ‚Industriestandort 2025+‘ ist generell ein investitionsfreundliches Klima notwendig“, so der Präsident der Industriellenvereinigung Georg Knill. Dazu schlägt er konkret die Wieder-Einführung eines Investitionsfreibetrags als steuerlichen Anreiz vor, der für ökologisch sinnvolle Investitionen weiter erhöht werden könnte. Als Eigenkapitalquoten-stärkende Maßnahmen plädiert er einerseits für die Senkung der Körperschaftsteuer von aktuell 25 auf 21 %, wie es im Regierungsprogramm ja angekündigt war. Das würde starkes Investitionswachstum generieren, die Eigenkapitalbasis verbessern und somit auch die Bonität, was wiederum die Unternehmensfinanzierung erleichtere.

Andererseits fordert IV-Präsident Knill die steuerliche Gleichstellung von Eigenkapital mit Fremdkapital, also dass man auch Eigenkapitalaufwendungen als Betriebsausgaben in Abzug bringen kann.

Volumina
Dringend angebracht wäre weiters eine Senkung der Lohnnebenkosten in Richtung deutsches Niveau. Das dortige liegt mehr als 4 %-Punkte niedriger als das österreichische. Es gebe „Entlastungspotenzial“ bei der Unfallversicherung (die Unfälle sind seit 1990 um mehr als 40 % zurückgegangen, aber die Beiträge nicht) und im FLAF (Familienlastenausgleichsfonds).

Insgesamt wäre eine Senkung der Abgabenbelastung auf 40 % sinnvoll und durchaus machbar. Das sinnvolle Krisen-Gegensteuerinstrument Investitionsprämie wurde von ursprünglich 1 auf 5 Mrd Euro ausgeweitet und schaffe ein – vorgezogenes – Investitionsvolumen von mehr als 55 Mrd Euro, ist die Industrie stolz. „Wenn wir den Aufschwung perpetuieren, kann es dreistellig werden“, ergänzt Helmenstein.

Foto: IV

 

 

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Einlagensicherung Austria: Raiffeisen bereitet Ausstieg vor

Demnächst wird es in Österreich drei statt zwei Einlagensicherungssysteme geben.

Julia Kistner. „Wir sind mitten in der finalen Abstimmung und werden alle Details kommunizieren, sobald der gesamte Prozess abgeschlossen ist“, hält sich die Raiffeisen-Banken-Gruppe auf Anfrage des Börsen-Kurier noch bedeckt. Fakt ist, dass die Giebelkreuzler in Kürze wieder ein institutseigenes Einlagensicherungssystem einrichten, ähnlich wie die Sparkassen ihre Einlagen über die Sparkassen-Haftungs GmBH absichern. Die anderen 450 Finanzgesellschaften bleiben in der Einlagensicherung Austria GmbH (ESA).

Für den Ausstieg dürfte die Raiffeisen schon das grüne Signal von der FMA und der EZB bekommen haben. So wie die Raiffeisen-Gruppe würden auch die Volksbanken gerne wieder aus der ESA ausscheren und ihre eigenes Einlagensicherungssystem aufbauen. Dafür fehlt den Volksbanken aber die dafür vorgeschriebene Geschäftsgröße von mindestens 15 % aller gesicherten Einlagen.

Keine Auswirkungen auf Sparer
„Für die Sparerinnen und Sparer ändert sich hinsichtlich der Sicherheit ihrer Einlagen nichts. Ob es zwei oder drei Systeme gibt, spielt da keine Rolle“, betont Franz Rudorfer, Geschäftsführer der Banken und Versicherungen und ESA-Aufsichtsratspräsident. Weiterhin sind bis zu 100.000 Euro pro Bank und Kunde gesichert und das sehr gut. Denn seit 1.1.2019 zahlen alle Institute mit österreichischer Banklizenz entsprechend der EU-Richtlinie 0,8 % ihrer gedeckten Einlagen in ein Sicherungssystem ein, das in Ernstfällen wie bei der Commerzialbank Mattersburg oder der Anglo Austrian Bank (Ex-Meinl-Bank) einspringt und die Sparer entschädigt. „Und auch wenn die jüngsten Insolvenzfälle einen Rückschlag für die Aufstockung der Einlagensicherungsgelder bedeuten, sind alle Institute verpflichtet, diese bis 2024 sukzessive höher zu dotieren und das tun sie auch“, sagt Rudorfer. So sollte die Einlagensicherung Austria, die mit 1.1.2019 von der Wirtschaftskammer Österreich zur Erfüllung der EU-Einlagensicherungsrichtlinie mit 500 Mio Euro „Startkapital“ gegründet wurde, bis 2024 mit 1,4 Mrd Euro voll dotiert sein. Diese Summe verringert sich jetzt um die Beiträge der insolventen Institute und jene des Raiffeisen-Sektors, der den Topf zu mehr als 40 % speiste. Aber selbst das macht nichts. Denn sollten nach weiteren Bankpleiten zu wenig Einlagensicherungsgelder vorhanden sein, sind die Institute verpflichtet, Sonderbeiträge in der Höhe von 0,5 % der gesicherten Einlagen nachzuschießen. Reicht auch das nicht aus, werden die übrigen Einlagensicherungssysteme zur Kasse gebeten. Aufgrund dieser Überlaufregelung müsste im zweiten Schritt wiederum das Raiffeisen-Sicherungssystem und der Haftungsfonds der Sparkassen die leeren Kassen der Einlagensicherung Austria füllen und umgekehrt. Die Finanzmarktaufsicht kann Banken auch jederzeit höhere Beiträge vorschreiben, um Einlagen zu sichern.

Womit seit 1.1.2019 definitiv Schluss ist, ist die Haftung des Staates für Spareinlagen. Der kann, aber muss im Falle des Supergaus den Kreditinstituten nicht mehr ein Darlehen geben. Dieser Fall ist aber unwahrscheinlich. Auch ist der Topf der Einlagensicherung Austria längst wieder gefüllt, nachdem sie im Vorjahr den Sparern der Commerzialbank Mattersburg 490 Mio Euro und jenen der ehemaligen Meinl Bank 70 Mio Euro auszahlen musste. Wie hoch die ESA derzeit genau dotiert ist, will Geschäftsführer Stefan Tacke nicht sagen, nur so viel: „Selbst nach den Auszahlungen ist genug Geld vorhanden. Sonderbeiträge der Institute waren und sind nicht notwendig.“

Es seien auch alle von den Insolvenzen betroffenen Einlagen in wenigen Tagen von der ESA ausbezahlt worden. „Bis auf überschaubare Summen, wo sich die Sparer noch nicht gemeldet haben“, ergänzt Franz Rudorfer, „auch wenn die Ansprüche nicht verjähren, empfehlen wir den Sparern, ihre bald geltend zu machen“.

Wenig Chancen für die Amtshaftungsklagen
Die Amtshaftungsklage der Einlagensicherung Austria gegen die Republik Österreich wegen Aufsichtsfehlern will Rudorfer nicht kommentieren. Sie wurde in erster Instanz abgewiesen. Eine Richterin beruft sich auf §3 des Finanzmarktaufsichtsbehördengesetzes, wonach die Aufsicht gegenüber den Anlegern für Schäden, die bei ihrer Vollziehung entstehen, nicht haftet. Dieser Ausschluss wurde 2008 beim Ausbruch der Finanzkrise einstimmig vom Nationalrat abgesegnet, da man nicht Verluste von Spekulanten sozialisieren wollte. Die Rechtmäßigkeit dieses Ausschluss-Paragraphen soll jetzt der Verfassungsgerichtshof prüfen. Der könnte noch im Sommer ein Machtwort sprechen. Die Branche rechnet aber nicht damit, dass der VFGH den Paragraphen kippen wird.

Was mit Sicherheit so schnell nicht kommen dürfte, ist ein gemeinsamer Europäischer Einlagensicherungstopf. Die Nord-Länder, darunter auch Österreich, fordern, dass hierfür die italienischen Banken erst ihre alten notleidenden Kredite abbauen müssten, was sie – um es noch freundlich zu formulieren – bisher verabsäumt haben.

Foto: AdobeStock / Sebastian Kaulitzki

 

 

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Die Mischung macht’s – auch bei grünen Investments

Von Rhys Petheram, Head of Environmental Solutions, und Jon Wallace, Fondsmanager, Environment and Sustainability bei Jupiter Asset Management.

(05.05.) Investoren legen immer größeren Wert auf eine aktive Positionierung zu Umweltthemen wie Klimawandel und Biodiversität. Die COVID-Pandemie hat diesen Trend weiter beschleunigt. Nach Angaben von Morningstar haben sich die Nettozuflüsse in nachhaltige Fonds, die europäischen Investoren zur Verfügung stehen, im vergangenen Jahr gegenüber 2019 fast verdoppelt. Das wirft die Frage auf, ob diese Anlageflüsse eine eigene Dynamik an den Kapitalmärkten anstoßen. Im E-Auto-Segment zum Beispiel erscheinen einige Aktien inzwischen sehr teuer.

Trotz der Höherbewertung von Umweltthemen gibt es unserer Ansicht nach immer noch unterbewerteten Chancen. Das gilt insbesondere für Unternehmen, die Lösungen für die Kreislaufwirtschaft bereitstellen, zum Beispiel nachhaltige Materialien und Lösungen für einen verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Einer der jüngsten Neuzugänge in unserem Aktienportfolio ist zum Beispiel ein Anbieter von Biomaterialien. Dagegen war unser Engagement im Bereich saubere Energie – wo wir viele Überbewertungen sehen – zuletzt auf dem niedrigsten Stand seit drei Jahren.

Biodiversität – das neue grüne Thema?
Aktuell steht das Klimathema erfreulicherweise sehr stark im Fokus der Öffentlichkeit. Schon in wenigen Jahren könnte das breitere Thema Biodiversität aber genauso viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Biodiversität steht im direkten Zusammenhang mit dem Klimawandel: Wälder sind Kohlenstoffspeicher und die Erderwärmung gefährdet viele Arten. Aber Biodiversität umfasst noch viel mehr: Sie ist von grundlegender Bedeutung für unsere Ernährung und andere ‚Ökosystem-Dienstleistungen‘ wie zum Beispiel die Entwicklung neuer Arzneimittel. Die Bilanzierungs- und Finanzinfrastruktur, die derzeit für das Klimathema geschaffen wird, könnte ebenso auf das Thema Biodiversität angewendet werden.

Wenig beachtete oder unterschätzte Anbieter von Umweltlösungen zu finden, war nie wichtiger als heute. Glücklicherweise ist das ökologische Anlageuniversum riesig. Wir suchen dabei – sowohl auf der Aktien- als auch der Anleiheseite – nach attraktiven Anlagemöglichkeiten in sieben großen Themenbereichen: 1. Kreislaufwirtschaft, 2. saubere Energie, 3. Wasser, 4. Mobilität, 5. Energieeffizienz, 6. nachhaltige Landwirtschaft, Ernährung und Gesundheit sowie 7. Umweltdienstleistungen.

Diversifikation und Risikomanagement mit grünen Anleihen
Im Green-Bond-Sektor stellt die Notwendigkeit, eine ausreichende Bandbreite an Emittenten zu finden, um das Zins-, Sektor- und Kreditrisiko aktiv zu managen, Anleger vor Herausforderungen. Die steigende Anzahl an Emissionen grüner Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten ermöglicht uns, das Durations-Risiko über verschiedene Währungen hinweg zu managen. Zur Steuerung des Kreditrisikos haben wir dagegen auf das Universum der „Unlabelled Green Bonds“ zurückgreifen müssen. Dank vermehrter Emissionen grüner Anleihen von weiter unten auf der Ratingskala bis hin zum High-Yield-Bereich konnten grüne Anleihen zuletzt auch beim Management des Kreditrisikos helfen. Die diesjährige Emissionsrate für grüne Hochzinsanleihen ist bislang mehr als doppelt so hoch wie 2020 und fünfmal so hoch wie 2019.

Darüber hinaus begrüßen wir das Wachstum des Marktes für Sustainability-Linked Bonds (SLBs), die sich von Green Bonds unterscheiden. Green Bonds sind Anleihen, deren Erlöse in Klima- oder Umweltprojekte fließen. Bei SLBs variieren die vertraglichen Konditionen – wie zum Beispiel die Kupons – in Abhängigkeit davon, ob das emittierende Unternehmen ökologische Leistungskennzahlen (KPIs) erreicht. Die KPIs für SLBs beziehen sich in der Regel auf das Umweltprofil eines Unternehmens (zum Beispiel seinen CO2-Fußabdruck) anstatt auf die direkten Umweltauswirkungen seiner Produkte und Dienstleistungen. Wir sind jedoch der Ansicht, dass sie in Kombination mit einem Green Bond zu einem leistungsstärkeren, zukunftsweisenden Instrument werden. Ein Beispiel dafür ist die jüngst vom großen österreichischen Stromversorger Verbund AG emittierte grüne SLB-Anleihe. Auch der im März vorgelegte Haushaltsplan der britischen Regierung sieht die Emission einer grünen Staatsanleihe vor und wir liefern in enger Zusammenarbeit mit der britischen Investment Association (IA) Input für die Strukturierung dieser Anleihe, um ihre Wirkung zu maximieren.

Grüner Systemumbau – Impulse der Regierungen entscheidend
Auch die Zentralbanken werden „grüner“. So umfasst das Mandat der Bank of England (BoE) seit Neuestem auch die Unterstützung des Netto-Null-Emissionsziels der britischen Regierung. Die britische Notenbank hält allerdings nur Unternehmensanleihen im Wert von rund 20 MrdGBP und ist damit ein deutlich kleinerer Player an diesem Markt als die Europäische Zentralbank (EZB). Die gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte (TLTROs) der EZB, ein Programm, das den Banken günstige Mittel für eine gezieltere Kreditvergabe zur Verfügung stellt, könnten sich als wichtiger Impulsgeber für die grüne Kreditvergabe erweisen. Die US-Notenbank Fed hinkt der EZB etwas hinterher, hat aber jüngst einen Ausschuss gegründet, der sich mit der Berücksichtigung klimabezogener Risiken bei der Bewertung der Finanzstabilität befasst.

Die wichtigsten Impulse für einen Systemumbau und die Entwicklung der zur Erreichung der Klimaziele erforderlichen Lösungen und Projekte dürften aber nicht von den Zentralbanken, sondern von den Regierungen ausgehen – und ihr wichtigstes Instrument wird die Fiskalpolitik sein. Die Regierungen werden zunehmend erkennen, wie wichtig es ist, „externe Effekte“ – sprich versteckte Umweltkosten, zum Beispiel durch eine Produktionsanlage, die die Luft verschmutzt oder zum Artensterben beiträgt – zu „internalisieren“ bzw. den Unternehmen in Rechnung zu stellen.

Das Ausmaß und die Tragweite des erforderlichen Wandels wird in den nächsten Jahren enorme Investitionsmöglichkeiten eröffnen. Einige dieser Chancen sind jetzt schon klar erkennbar, andere werden sich mit der Zeit herausbilden. Die Veränderungen werden sowohl weitreichender als auch vielfältiger in ihren Auswirkungen sein als viele erwarten. Deshalb legen wir großen Wert auf eine breite Diversifikation und durchforsten das gesamte Anlageuniversum nach Unternehmen, die den Wandel weiter vorantreiben.

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Die Profiteure des US-Infrastrukturprogramms

Wir haben für Sie eine Vielzahl potenzieller Gewinner-Aktien in der gesamten Wertschöpfungskette gefunden.

Michael Kordovsky. Gegenwärtig befasst sich der US-Kongress mit einem 2,3-BioUSD teuren Infrastrukturprogramm für die USA, dessen Gegenfinanzierung unter anderem durch eine faktische Verdopplung der Kapitalertragssteuer für Reiche auf fast 40 % erfolgen sollte. 11 % der Wirtschaftsleistung fließen weitgehend in Projekte mit Multiplikatoreffekt bzw. Folgeinvestitionen entlang der Wertschöpfungskette. Anhand geplanter Details dieses Vorhabens lassen sich bereits die zu erwartenden Sieger definieren:

650 MrdUSD sind für Transport, sprich Straßen, Schiene und Verkehr vorgesehen. Vor allem die Brückensanierung ist schon lange überfällig und auch so manche Straßen in den USA brauchen Erneuerung. Entsprechend willkommen ist dieses Vorhaben: Straßen und Autobahnen mit einer Länge von 20.000 Meilen genauso wie die Sanierung der Top 10 der wirtschaftlich bedeutendsten Brücken und 10.000 weiterer. Die Bundesausgaben für den öffentlichen Nahverkehr sollen sich auf 85 MrdUSD verdoppeln, weitere 80 MrdUSD sollen in die Bahngesellschaft Amtrak investiert werden.

650 MrdUSD sollen dem Wohninfrastrukturbereich zur Verfügung gestellt werden: Konkret geht es um die Förderung von Bau und Renovierung von 2 Mio Wohnungen und Krankenhäuser für Armeeveteranen, sauberes Wasser, Erneuerung und Erweiterung der Stromnetze und den Ersatz sämtlicher Trinkwasserrohre aus Blei in rund 10 Mio Haushalten. Darüber hinaus ist ein Breitbandzugang für die 35 % der Einwohner in ländlichen Regionen vorgesehen, die bisher keinen haben.

580 MrdUSD sollen für Industrie, Weiterbildung und Forschung sein, davon gehen 180 MrdUSD in Forschung und Entwicklung mit Schwerpunkt sauberer Energie und in noch unbestimmte Anreize für Firmen, die in Kohlerevieren Jobs schaffen und die US-Lieferkette ausbauen. Die Halbleiterfertigung, in der Engpässe vorherrschen, sollte noch 50 MrdUSD erhalten und mit weiteren 15 MrdUSD will Joe Biden neue (Umwelt-)Technologien (Stichwort Wasserstoff) und eine neue Generation von Atomkraftwerken fördern.

Indessen sind für den E-Automarkt 174 MrdUSD unter anderem in Form von Zuschüssen beim Autokauf und dem Bau eines Netzes von 500.000 Ladestationen bis 2030 vorgesehen.

Die börsennotierten Gewinner und Profiteure
115 MrdUSD sind für Brücken und Straßen vorgesehen, und genau das ist der Bereich der Baufirma Construction Partners (ISIN: US21044C1071). Aber auch Sterling Construction (US8592411016) und Granite Construction (US3873281071) fallen in diese Kategorie, wobei letztere auch über viel Kompetenz in der Wasser-/Abwasser-Infrastruktur verfügt und Asphaltbeton anbietet. Im Anlagenbau noch eine Größe ist die Fluor Corporation (US3434121022). Diese Firmen sind jedoch bei Projekten von Subunternehmen und Lieferanten von Komponenten und Baumaterialien abhängig und genau diese werden derzeit sehr schnell teurer.

Neben Klassikern wie LafargeHolcim (CH0012214059) oder HeidelbergCement (DE0006047004), die auch in den USA tätig sind, gehören hier vor allem Schottergrubenbetreiber und Anbieter von Beton zu den großen Gewinnern. Vulcan Materials (US9291601097) ist stark auf Asphalt-Mix und Ready-Mix-Beton fokussiert und weist tendenziell eine sehr starke Wachstumsdynamik auf. Beton bieten auch U.S. Concrete (US90333L2016) und Eagle Materials (US26969P1084) an, die beide aussichtsreich erscheinen.

Im Bahnbaubereich sollte neben der heimischen voestalpine auch ein Blick auf die italienische Salcef Group (IT0005388266) geworfen werden.

Die Klassiker
Die sichersten Gewinner sind jedoch klassische Bergbauunternehmen, die die Rohstoffe aus dem Boden holen und von der aktuell starken Nachfrage und steigenden Preisen profitieren. Kupfer, Nickel, Palladium, Platin, Silber und Eisenerz sind im Aufwind. Gewinner sind Bergbauunternehmen wie Rio Tinto (GB0007188757), BHP Billiton (AU000000BHP4), Vale (US91912E1055) und Anglo American (GB00B1XZS820). Aber auch auf Stahlkocher wie US-Steel (US9129091081) und ArcelorMittal (LU1598757687) sollte ein Blick geworfen werden.

In Bezug auf Erneuerung von Stromnetzen interessant erscheinen General Electric (US3696041033) und Siemens (DE0007236101). Gleichzeitig ist in der Halbleiterindustrie eine größere Kapazitätsausweitung erforderlich. Mikrochips sind knapp und als Hersteller von Anlagen zur Chipproduktion erscheint Applied Materials (US0382221051) als klarer Gewinner. Bezüglich E-Autos ist eine gewisse Vorsicht auf der Ebene der Autohersteller noch angebracht. Hingegen auf der Rohstoff-Seite am Ende der Wertschöpfungskette gewinnen auf jeden Fall diverse Bergbaufirmen.

Im Wasserstoffbereich sollte indessen ein Blick auf Aktien von Unternehmen geworfen werden, die Wasserstoff herstellen und speichern, wie z. B. Nel Asa (NO0010081235) oder Linde (IE00BZ12WP82), denn hier entsteht die Basis der zukünftigen „Wasserstoffwirtschaft“.

Foto: AdobeStock / Buhanovskiy

 

 

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Sparbücher sind legitim, aber mit Wertpapieren verdient man Geld

Ein Kommentar von Hermann Wonnebauer von der Zürcher Kantonalbank Österreich AG.

(27.04.). Die Blütezeit der Spareinlagen ist durch das Niedrigzinsumfeld passé, möchte man meinen. Doch in Österreich erfreuen sich Sparbücher und Co. noch immer großer Beliebtheit: So verfügen die Österreicher und Österreicherinnen über Spareinlagen im Ausmaß von 282 Milliarden Euro, obwohl es de facto keine Zinsen mehr zu holen gibt, während auf Aktien und Anleihen basierende Strategien mit kalkulierbarem Risiko eine Rendite generieren und den Vermögensaufbau vorantreiben können. Hermann Wonnebauer, Vorstandsvorsitzender der auf Vermögensverwaltung spezialisierten Zürcher Kantonalbank Österreich AG, identifiziert die Vor- und Nachteile beider Welten.

Seit 2011 sind die Spareinlagen in Österreich laut Oesterreichischer Nationalbank (OeNB) von rund 211 Milliarden auf 282 Milliarden Euro im Februar 2021 angewachsen. Im vergangenen Jahr hat sich die Sparquote praktisch verdoppelt: auf 13,7 Prozent laut OeNB bzw. 15,7 Prozent laut Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO). Die Covid-Pandemie hat das Sparverhalten zwar erheblich verstärkt, der Trend zu den Spareinlagen hat aber schon lange vorher eingesetzt. Obwohl es – anders als noch vor wenigen Jahren – keine Zinsen mehr zu holen gibt, setzt die österreichische Bevölkerung zu großen Teilen noch immer auf ein und dasselbe Pferd.

„Es ist schon erstaunlich, dass sich beispielsweise das Sparbuch über 200 Jahre nach der Erstausgabe in Österreich hierzulande noch immer großer Beliebtheit erfreut. Zumal sich Spareinlagen in den letzten Jahren immer mehr der Zinslosigkeit angenähert haben und damit renditebringenden Anlagestrategien, etwa in Form von Aktien und Anleihen, gegenüberstehen. Seine Erfolgsgeschichte kann dem Sparbuch niemand mehr nehmen. Es stellt sich jedoch die Frage, ob Spareinlagen heute noch immer die richtige Anlageform sind“, sagt Hermann Wonnebauer.

Sparbücher sichern den Geldbetrag, aber nicht den Geldwert
Das Schreckgespenst der Negativzinsen spukt durch viele EU-Länder. Doch Österreich bleibt eine Insel der Seligen für private Sparer: Banken dürfen ihnen nach einem OGH-Urteil im Jahr 2009 im Gegensatz zu Firmenkunden keine Null- oder Negativzinsen verrechnen. Damit ist der Geldbetrag auf dem Sparbuch gesichert, zusätzlich auch durch die gesetzliche Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro pro Bank. „Sicherheit ist für Sparer ein wichtiger Beweggrund. Für all jene, die ohne Geldvermehrung leben können und ihre Risikotragfähigkeit eher gering einschätzen, sind Spareinlagen noch immer die richtige Lösung. Das ist in jedem Fall besser, als das Geld unter dem Kopfpolster aufzubewahren. Allerdings muss man sich bewusst machen, dass der Wert des Vermögens trotz positiver Zinsen sinken kann, wenn die Nominalzinsen niedriger sind als die Inflation“, so Wonnebauer. Zudem verrechnen manche Banken ihren Kunden, die neben einem Sparbuch über ein Girokonto – für dieses gilt das OGH-Urteil nicht – verfügen, Negativzinsen beispielsweise über die Kontoführungs- oder Transaktionsgebühr weiter. Der Hintergrund ist, dass Banken einen Strafzins in der Höhe von 0,5 Prozent zahlen müssen, wenn sie überschüssige Gelder bei der EZB „parken“.

Ein Sparbuch ist keine strategische Vermögensverwaltung
„Das Geld auf Sparbüchern zu belassen, ist durchaus legitim, allerdings kann man das Geld auf diese Weise nicht ‚arbeiten‘ lassen. Gerade bei größeren Beträgen macht eine professionelle Vermögensverwaltungsstrategie Sinn. Hier ist es mit ein wenig Disziplin und gutem Risikomanagement gut möglich, langfristig ein komfortables Vermögen aufzubauen“, erklärt Wonnebauer. Vermögensverwaltung beinhaltet „die laufende Überwachung, Anlage und Verwaltung des Vermögens des Kunden“, heißt es im Gabler Wirtschaftslexikon. Um das Geld zu sichern und ohne übermäßiges Risiko peu à peu zu vermehren, ist es wichtig, eine Rendite zu erhalten. Daher legen Vermögensverwalter das Kundenvermögen nicht auf Sparbücher, sondern investieren es in Aktien oder Anleihen.

Mit Wertpapieren kann man spekulieren, muss man aber nicht
Wertpapierinvestments sind wie alle Anlagen mit einem Grundrisiko behaftet. Wichtig ist ein sorgsamer Umgang damit. Durch einen Anlagemix mit Aktien und Anleihen und eine gute internationale Diversifikation wird das Risiko auf die Risikotragfähigkeit des Anlegers – ausgehend vom Einkommen und der Lebenssituation – eingestellt. „Bei der Geldanlage ist es ähnlich wie mit dem Feuer. Dieses gibt Menschen Licht und Wärme, allerdings kann man sich auch gehörig die Finger verbrennen. Wie das Feuer muss auch das Geld richtig und bedacht eingesetzt werden. Die Anlage ohne jegliches Risiko ist jedoch eine Utopie: Wer nicht investiert ist, geht das Risiko ein, durch Inflation ärmer zu werden. Zudem könnte der spätere Einstieg in den Wertpapiermarkt durch gestiegene Vermögenspreise in Zukunft ungünstiger werden“, unterstreicht Wonnebauer.

Wertpapierinvestments sind nicht kompliziert
„Eine gewisse Hemmschwelle ist gerade bei Wertpapier-Neulingen verständlich und auch natürlich. Man kann jedoch auch mit einer sehr vorsichtigen Strategie in den Wertpapiermarkt einsteigen und später bei Bedarf den Aktienanteil erhöhen“, so Wonnebauer. „Es ist heute so leicht wie nie, am Kapitalmarkt zu partizipieren. Neue Online-Dienste bringen Menschen die Welt der Wertpapiere näher, was prinzipiell eine gute Sache ist. Der leichte Zugang verleitet jedoch mitunter zu leichtfertigen Aktionen. Wie beim Autofahren ohne Fahrausbildung kann ohne Vorwissen einiges schiefgehen. Wer investiert, ohne sich vorher zu informieren, kann sehr schnell sehr viel Geld verlieren“, warnt Wonnebauer. Da es als Privatanleger schwierig ist, die Entwicklungen an den Märkten im Auge zu behalten, empfiehlt es sich, sich von professionellen Vermögensverwaltern beraten zu lassen, die das Portfolio laufend überwachen und optimieren.

Foto: ZKB

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Wie kryptisch ist Krypto?

Bitcoin & Co polarisieren. Kaum andere Anlageprodukte rufen gleichzeitig so viele Fans und Skeptiker auf den Plan.

Helmut Berg. Für viele Menschen sind Anlageprodukte mit virtuellem Charakter und Fachbegriffe wie Blockchain, Mining und dergleichen ein Buch mit sieben Siegeln. Selbst Bill Gates, dem man nicht nachsagen kann, IT-advers zu sein, meinte jüngst, er würde in nichts investieren, was nichts Sichtbares her- oder darstellt. Vielleicht ist es hilfreich, analytisch festzuhalten, dass z.B. Bitcoin keine „Währung“ ist, auch wenn bildliche Darstellungen mit goldenen Münzen dies insinuieren. Eine Währung muss drei markante Eigenschaften erfüllen: sie muss Wertspeicher, Recheneinheit und anerkanntes Tauschmittel sein. Letzteres trifft auf Bitcoin nur sehr bedingt zu. Die meisten Anleger halten Bitcoin deshalb als Wertspeicher. Es ist daher sachlich richtiger, von „Krypto-Assets“ zu sprechen und nicht von Währungen. Diese Sichtweise teilt auch Alexander Valtingojer, CEO der jungen Wiener Krypto-Investment-Plattform Coinpanion, im Börsen-Kurier-Interview. Er möchte den komplexen Krypto-Markt einer breiteren Allgemeinheit näherbringen.

Börsen-Kurier: Warum sehen Sie in Krypto-Assets eine Alternative zum Finanzmarkt?
Alexander Valtingojer: Wir sehen All-Time-Highs an den Aktienmärkten, trotz Corona und einer Wirtschaft, die teilweise im Krisen-Modus steuert. Das Bild passt für viele Menschen nicht zusammen. Da bietet sich Krypto als dezentrales Asset an. Bei Bitcoin punktet die limitierte Zahl der möglichen Coins (21 Mio Stück, Anm. der Redaktion). Bitcoins haben daher die Eigenschaft der Knappheit im Gegensatz zu Währungen, deren Menge ständig steigen kann.

Börsen-Kurier: Revolutionäres „Geld“-System oder große Spekulationsblase? Da scheiden sich die Geister. Es gibt kaum volatilere Anlageprodukte.
Valtingojer: Wir werden bei Krypto-Assets nicht immer steigende Kurse sehen. Sie werden auch wieder fallen. Langfristig jedoch bin ich überzeugt, dass sich diese Assetklasse für den Vermögensaufbau etablieren kann. Schon jetzt beziehen auch große Investmenthäuser Kryptos in ihr Anlageportfolio ein.

Börsen-Kurier: Kann eine dermaßen volatile Assetklasse Schutz vor Inflation sein?
Valtingojer: Man darf diese Vorstellung nicht überstrapazieren. Bitcoin hat derzeit eine Marktkapitalisierung vergleichbar mit Facebook. Das zeigt schon mal, dass relativ „wenig“ Geld in Bitcoin steckt. Eine einzige große Firma am Kapitalmarkt hat das gleiche Volumen. Deshalb springt der Kurs bei Bitcoin schnell, wenn ein Großanleger viele Millionen investiert oder abzieht. Bitcoin ist noch kein so großer Player, dass es auf dem Kapitalmarkt großen Einfluss bewirken könnte.

Börsen-Kurier: Manche vergleichen Krypto-Assets mit Gold. Wie sehen Sie das?
Valtingojer: Eine Parallele ist die Knappheit. Auch Gold ist knapp, aber nur theoretisch. Es wird täglich abgebaut, ist aber endlich vorhanden. Die Menge an Bitcoins ist von vornherein technisch limitiert. Das hat mehr Transparenz. Bei Gold weiß ich nicht: Wieviel wird noch dazu kommen?

Börsen-Kurier: Wer garantiert die Limitierung der Bitcoins?
Valtingojer: Das ist co-technisch gegeben und transparent, da dezentral überwacht. Der Code, der im Hintergrund läuft, ist offengelegt. Alle Akteure weltweit können jeden Transaktionsschritt nachverfolgen. Zeile für Zeile.

Börsen-Kurier: Das führt zum Thema der sogenannten „Blockchain“. Für viele Menschen nicht verständlich. Gibt es eine leicht verständliche Erklärung?
Valtingojer: Der Vorteil der Blockchain ist: Ich habe nicht nur eine Datenbank wie im klassischen System, in der alle Informationen gespeichert sind, ich habe Zig-Tausende, ja Millionen Datenbanken, die alle miteinander verbunden sind und sich gegenseitig updaten. Das heißt, wenn jemand 10 Euro investiert, registriert diese Transaktion nicht nur eine Datenbank, sondern alle. Deshalb kann kein einzelner Akteur etwas verfälschen. Niemand hat Zugriff auf alle Datenbanken. Diese Dezentralität schafft Sicherheit. Ich müsste weltweit mindestens 51 % der Millionen Datenbanken gleichzeitig kontrollieren, um einen einzigen Bitcoin-Eintrag zu ändern.

Börsen-Kurier: Also gegenseitige Überwachung zur eigenen Sicherheit. Das heißt, je größer das Blockchain-Netzwerk wird, umso sicherer ist es?
Valtingojer: Natürlich. Das ist ein Nebeneffekt dieser Dezentralität.

Börsen-Kurier: Dieser enorme technische Aufwand verschlingt Unmengen an Energie. Läuft hier die Technik nicht gegen das wachsende Umweltbewusstsein? Bitcoin-Mining benötigt angeblich so viel Strom wie das Land Argentinien.
Valtingojer: Das ist eine schwierige Frage. Da hat die Krypto-Community einiges aufzuholen, denn in der Tat benötigt der sogenannte „Proof of Work“, das sind physische Computer mit einer enormen Rechenleistung, sehr viel Energie. Es wird derzeit an Alternativen geforscht. Man möchte die dezentralen Rechenvorgänge mit anderen Mechanismen garantieren. Beim Krypto-Asset Ethereum ist man gerade dabei, einen umweltfreundlicheren Switch der Bestätigungsvorgänge mit einem neuen, energiesparenden Medium einzuleiten. Der Energieverbrauch ist ein Problem. Doch man muss sich auch die Frage stellen: Wieviel Energie braucht das herkömmliche Finanzsystem? Da gibt es wenig Transparenz.

Börsen-Kurier: Bei einer Währung garantiert eine Landesbank oder eine Zentralbank für den Wert. Wer garantiert den Krypto-Wert?
Valtingojer: Weil es eben keine Währung ist, sondern ein Asset, gibt es diese Garantie nicht. Man investiert in eine Blockchain-Technologie.

Börsen-Kurier: Wie entgegnen Sie Verfechtern der Old Economy, die Krypto-Assets mit DKT-Spielgeld vergleichen?
Valtingojer: Ich glaube, es ist für viele noch schwer zu verstehen, dass es eine Asset-Klasse gibt, in der man in Technologie, in Infrastrukturen investiert. Viele Investment-Broker und auch Banken beginnen – auch von der Kundennachfrage getrieben -, sich damit zu beschäftigen. Es ist einerseits eine Sache des Mindsets, andererseits sieht man, dass ein Großteil der Investoren jüngere Menschen sind. Sogenannte „Young Professionals“, die in einer digitalen Welt aufgewachsen und es gewohnt sind, dass auch Dinge existieren, die man nicht anfassen kann. Das heißt, Reales kann auch virtuell existieren. Natürlich kann man Bitcoin nicht anfassen, doch ist das in einer digitalen Welt überhaupt noch nötig?

Börsen-Kurier: Das führt uns beinahe zur ontologisch-philosophischen Frage der möglichen Existenzform eines Seienden.
Valtingojer: Einen Geldschein kann man zwar anfassen, er ist im Grunde aber auch nur ein Versprechen auf einen bestimmten Wert.

Börsen-Kurier: Ein Graubereich scheint die Versteuerung aus realisierten Krypto-Asset Gewinnen zu sein.
Valtingojer: Fast jedes EU-Land erlässt andere Regeln zur Versteuerung von Kryptos. Hier gibt es keine Einheitlichkeit. In Italien sind es null Prozent, in Österreich und Deutschland fallen diese Gewinne in die Einkommenssteuer. In Großbritannien wird es der Kapitalertragssteuer hinzugerechnet. Bis 2020 wurden Gewinne aus Kryptowährungen gesetzlich nicht erfasst. Aktuell will man die EU-Regeln für Krypto-Assets in die MIFID-Bestimmungen einbauen. Ich denke, langfristig wird es auch bei uns unter die Kapitalertragssteuer fallen.

Börsen-Kurier: Es wurde der Vorwurf erhoben, bei Krypto-Investments sei auch Schwarzgeld im Spiel, oder es werde Geldwäsche betrieben, weil es ein schwer zu kontrollierender Finanzmarkt sei.
Valtingojer: Ich weiß. Doch in Wirklichkeit ist das ein Widerspruch. Denn eigentlich wäre die Kontrolle für die Steuerbehörde extrem leicht. Nirgendwo sonst sind finanzielle Transaktionen dermaßen präzise Schritt für Schritt festgehalten, wie in den Blockchain-Datenbanken. Jeder Schritt ist dort bis ins kleinste Detail noch in zig Jahren nachvollziehbar. Das ist also ein denkbar schlechter Ort für Geldwäsche. Die Behörden bräuchten nur technisch aufzurüsten.

Foto: AdobeStock / rcfotostock

 

 

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Rohstoff-Fonds als Profiteure der Corona-Krise?

Krisenbedingte Konjunkturprogramme sollten den Rohstoffbedarf ansteigen lassen.

Patrick Baldia. Rohstoffe sind in den letzten Jahren anderen Assetklassen, wie etwa Immobilien und vor allem Aktien, bekanntlich deutlich hinterhergehinkt. Doch nun stehen die Vorzeichen für eine Trendwende alles andere als schlecht. Denn für nicht wenige Experten gehört der Rohstoffsektor zu den Profiteuren der Corona-Krise. Der Hintergrund: Die pandemiebedingten Konjunktur- und Infrastrukturprogramme sollten den Rohstoffbedarf ansteigen lassen. Ganz zu schweigen vom zunehmenden Trend zur Elektromobilität oder jenen hin zu grünen Wasserstofftechnologien.

„Die westlichen Regierungen und teilweise auch China haben erkannt, dass es jetzt an der Zeit ist, die Gelegenheit beim Schopf zu packen“, so Armin Sabeur, Vorstand und Portfoliomanager bei Optinova, gegenüber dem Börsen-Kurier. In den USA ziele Präsident Joe Biden insbesondere auf die Verkehrs- und Infrastruktur. Davon würden vor allem die Kupfer-, Stahl- und Holzpreise profitieren. In der EU und auch in China verfolge man hingegen einen ideologischeren Weg. „Es geht um den Umbau zu einer grünen Industrie- und Mobilitätsgesellschaft, wovon sicherlich alle Industriemetalle, aber auch die kleineren Edelmetallklassen wie Platin und Palladium profitieren werden“, erklärt Sabeur.

„Industriemetalle spielen im Zusammenhang mit dem forcierten globalen Umstieg auf erneuerbare Energie sowie dem Thema Elektromobilität eine große Rolle“, meint auch Thomas Kaiser, Manager des „Strategic Commodity Fund von IQAM Invest“ (ISIN: AT0000A0VPF3). Die besten Trend- und Potenzialbewertungen der Kategorie Metalle im Nachhaltigkeitsranking der Fonds-Manufaktur würde Zink, gefolgt von Silber, Kupfer und Aluminium erhalten. Nur ein Beispiel: Während in einem Auto mit Verbrennungsmotor 23 Kilogramm Kupfer verbaut sind, sind es in einem E-Auto 83 Kilogramm.

Wie Benjamin Louvet, Manager des „OFI Precious Metals“ (FR0011170786) erklärt, hat die weltweit steigende Nachfrage nach grünen Wasserstofftechnologien zuletzt den Preis von Platin beflügelt. „Denn Platin – und in geringerem Maße auch Palladium – wird bei den sogenannten ‚Elektrolyseuren‘ sowohl für die Produktion von grünem Wasserstoff als auch bei der Herstellung von grünen Wasserstoff-Brennstoffzellen verwendet“, sagt er. Allein von Jänner bis März hat der Preis von Platin um 10 % zugelegt, jener von Palladium um 6,30 %.

Gold- und Silberpreis haben zuletzt wiederum unter den vor allem in den USA gestiegenen Realzinsen gelitten. Allein im ersten Quartal 2021 ist der Goldpreis um fast 10 und der Silberpreis um 7,25 % zurückgegangen. Nichtsdestoweniger hält man das gelbe Edelmetall bei Optinova für einen hervorragenden Sachwert. „Deshalb würde ich mich nicht wundern, wenn der Goldpreis in den nächsten zwölf Monaten einen neuen Höchstwert erreichen könnte“, so Sabeur. Mit dem von ihm gemanagten „Optinova Metals und Materials Fonds“ (DE000A1J3K94), setzt er beispielsweise mit Aktien, Goldminen ETFs und ETCs auf das Edelmetall.

In der Vergangenheit wurden Anleger jedenfalls oft von der hohen Volatilität mancher Rohstoffsegmente bzw. Rohstoff-Fonds abgeschreckt. Ein gutes Zeichen in diesem Zusammenhang ist, dass aus aktuellen Studien eine positive Stimmung gegenüber Rohstoffen hervorgeht. Laut einer aktuellen Umfrage von NTree International Ltd. unter 150 europäischen institutionellen Anlegern und Vermögensverwaltern erwarten etwa mehr als zwei Drittel der Befragten, dass die Allokation in Rohstoffen heuer steigen wird.

Foto: AdobeStock / destina

 

 

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Aufschwung mit letzten Hindernissen

Die Industrie zeigt sich per Saldo als Konjunkturlokomotive und es herrscht positive Stimmung.

Michael Kordovsky. In einer Online-Pressekonferenz präsentierten Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV) und IV-Chefökonom Christian Helmenstein die Ergebnisse der jüngsten IV-Konjunkturumfrage. Die Quintessenz: Bei den vorherrschenden internationalen Rahmenbedingungen sollte vor allem die heimische Industrie einen kräftigen Aufschwung anführen, vorausgesetzt die Impfstrategie schreitet weiter voran bzw. es gelingt nachhaltig die Implementierung einer effektiven Test-, Tracing- und Impfstrategie. Doch genau die mit dieser Thematik zusammenhängenden Unsicherheiten trüben die Einschätzung auf Sicht von sechs Monaten, während ansonsten eine positive Grundstimmung vorherrscht. Das IV-Konjunkturbarometer, welches als Mittelwert aus den Beurteilungen der gegenwärtigen Geschäftslage und der Geschäftslage in sechs Monaten bestimmt wird, büßt rund 6 Punkte ein und sinkt vom 20. Dezember 2020 bis 21. März 2021 von 26,2 auf 19,4 Punkte. Während infolge von internationaler Konjunkturerholung und Impulsen aus der Investitionsprämie in Österreich sich in diesem Zeitraum bei den 411 befragten Industrieunternehmen die Einschätzung der aktuellen Lage von 26 auf 52 Punkte verbesserte, verschlechterte sich die Einschätzung von Geschäftslage und Ertragssituation in sechs Monaten. Das sind aber laut Einschätzung des Börsen-Kurier-Autors nur temporäre „Nebengeräusche“.

Guter Konjunkturrahmen für Exporte
Wesentlich ist die verbesserte Auftragslage: Nachdem der IWF im laufenden Jahr – getragen von den Konjunkturimpulsen aus China und den USA – mit 6 % das stärkste weltweite Wachstum der vergangenen 50 Jahre erwartet, sieht es vor allem bei den Exporten erfreulich aus: Der Indikator der Auslandsaufträge hat sich gegenüber der vorangegangenen IV-Konjunkturbefragung von 28 auf 46 Punkte verbessert. Gleichzeitig stieg der Indikator der Auftragsbestände von 29 auf 54 Punkte, was sich offensichtlich positiv auf die Einschätzung des Beschäftigtenstandes in drei Monaten auswirkt. Die Anzahl der Befragten, die noch von einem Personalabbau ausgehen, schrumpfte von 21 auf 6 %, während 33 % (zuvor 18 %) den Personalstand aufzustocken gedenken. Allerdings bleibt der Facharbeitermangel ein Dauerthema – und dies trotz hoher Arbeitslosigkeit auf der anderen Seite. Somit regt die IV die Idee einer Fachkräfteagentur an, die die mittel- und langfristige Fachkräfteentwicklung in Österreich steuert.

Inflationsschub
Knapp werden mittlerweile auch die Rohstoffe, was zu steigenden Inflationserwartungen führt. Laut Helmenstein haben die Preise wichtiger Industrie-Rohstoffe wie Kupfer oder Eisen bereits Hochkonjunkturniveau erreicht. Allerdings dürfte auch die Pricing-Power der Unternehmen stimmen, denn: Bei den erzielbaren Verkaufspreisen rechnet ein immer größerer Anteil der Befragten mit einem Aufwärtstrend (Saldo +25 nach +7). „Hier spiegelt sich einerseits die starke globale Nachfrage nach bestimmten Industrieprodukten, beispiels-weise Halbleitern, wider, anderer-seits sehen sich weite Teile der Wirtschaft mit der Notwendigkeit konfrontiert, die stark gestiegenen Rohstoffpreise an ihre Abnehmer auf den jeweiligen Verarbeitungsstufen weiterzugeben“, so die Schlussfolgerung der IV.

Industrie trägt Aufschwung
Die Einkaufsmanager-Indizes der vergangenen Monate zeigten es in Europa immer wieder. Einer robusten Industriekonjunktur steht ein schwächerer Dienstleistungssektor gegenüber. Letzteres ist schlichtweg Folge der Corona-Maßnahmen. Wie stark die heimische Industrie dasteht, bringt Helmenstein wie folgt auf den Punkt: „Zum ersten Mal in der Neuzeit trifft eine konjunkturelle Großkrise nicht primär die Industrie, sondern vor allem den Dienstleistungssektor.“ Während Österreichs Industrie im ersten Quartal 2021 das Prä-Covid-Produktionsniveau nachhaltig überschritten haben dürfte, wird die gesamte Volkswirtschaft aus heutiger Sicht mindestens fünf Quartale länger benötigen. Doch der Konjunkturverlauf innerhalb des Industriesektors ist nicht homogen und so steht beispiels-weise einer kräftigen Erholung der Fahrzugindustrie und der chemischen Industrie eine stärkere negative Corona-Exposure der Luftfahrtzulieferer und Brauereien gegenüber. Doch mit zunehmender Normalisierung der Lage sollte der aktuelle Aufschwung auch diese Bereiche und den Dienstleistungssektor erfassen.

Foto: Pixabay / jannonivergall

 

 

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Welches Edelmetall profitiert vom aktuellen Marktumfeld – Gold, Silber, Platin oder Palladium? Gold, Silber, Platin oder Palladium?

Ein Kommentar von Benjamin Louvet, Fondsmanager bei OFI Asset Management aus Frankreich.

(20.04.) Gold, Silber, Platin und Palladium unterscheiden sich strukturell – aktuell ist das besonders eindrücklich zu beobachten. Das sagt Benjamin Louvet, Fondsmanager OFI Asset Management. Die steigenden Realzinsen vor allem in den USA sind vor allem eine Gefahr für den Gold- und Silberpreis. Ganz anders sieht es bei Platin und Palladium aus, deren Preisentwicklung weniger von den Realzinsen und mehr von Angebot und Nachfrage bestimmt sind: Vor allem Platin könnte von der Energiewende hin zu grünen Wasserstofftechnologien profitieren:

„Der Preis für Gold ging im Januar und Februar stark zurück; im März stabilisierte er sich wieder. Denn immer mehr Investoren bezweifelten, dass die Zinsen angesichts der hohen Verschuldung der Industrieländer wieder steigen könnten.

Silber ging in geringerem Maße als Gold zurück, was nicht so häufig vorkommt. Der Grund: Als die Wachstumserwartungen im ersten Quartal nach oben korrigiert wurden, war die Nachfrage nach Industriemetallen sehr hoch und trieb entsprechend die Preise nach oben. Silber gilt als Edelmetall, wird aber auch stark in der Industrie verwendet.

Insgesamt sind die Preise für Gold und Silber im ersten Quartal 2021 um -9,82 % bzw. -7,25 % zurückgegangen. Beide Edelmetalle reagieren sehr empfindlich auf die realen Zinssätze. Die nominalen Zinssätze sind stark angestiegen. Die Inflationserwartungen sind allerdings nicht in gleichem Maße angepasst worden. Anders als von Anlegern derzeit in die Kurse eingepreist, könnte sich die Inflation als dauerhaft erweisen. Dafür sprechen meiner Meinung nach strukturelle Faktoren: Vor allem die Energiewende, aber auch die haushalts- und steuerpolitischen Maßnahmen während der Coronakrise.

Im Gegensatz zu Gold und Silber konnte Platin von Januar bis März um fast 10 % zulegen und Palladium um 6,30%. Auch hier trieben die Wachstumserwartungen die Kurse der beiden Metalle nach oben. Sie werden hauptsächlich von Automobilherstellern für die Produktion von Katalysatoren verwendet.

Hinzu kam ein zyklischer Faktor: Norilsk Nickel, einer der größten Produzenten von Platin und Palladium, musste eine seiner größten Minen teilweise schließen. Er musste seine Produktionsprognose für dieses Jahr senken, so dass das Angebot auf dem Platin- und auch auf dem Palladiummarkt im Jahr 2021 ein Defizit aufweisen könnten.

Ein weiterer struktureller Grund: Die weltweit steigende Nachfrage nach grünen Wasserstofftechnologien hat den Preis von Platin beflügelt. Denn Platin (und in geringerem Maße auch Palladium) wird bei den sogenannten Elektrolyseuren für die Produktion von grünem Wasserstoff als auch bei der Herstellung von grünen Wasserstoff-Brennstoffzellen verwendet.“

Foto: OFI AM

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UK hängt den Kontinent ab

Rasche Impfungen könnten Wachstum ankurbeln und zu höheren Zinsen führen.

Raja Korinek. Während in der EU die Impfwelle zögerlich voranschreitet, hat sie in Großbritannien kräftig an Fahrt gewonnen. Und zwar derart, dass vor kurzem erste Lockerungsschritte gesetzt wurden. Damit dürfte die Wirtschaft rasch an Fahrt gewinnen. Davon ist Sandra Holdsworth, Head of Global Rates UK bei Aegon Asset Management, überzeugt.

Sie sagt, „die daraus resultierende Aufbruchsstimmung überträgt sich nun auf die Wirtschaft. Die jüngsten Einkaufsmanagerindizes zeigen, dass die Erwartungen für das verarbeitende Gewerbe auf einem Zwölfmonatshoch liegen und die Erwartungen für den Dienstleistungssektor sich nur knapp unter einem Zwölfmonatshoch befinden.“

So lag im März allein der Einkaufsmanagerindex für letzteren Bereich bei 56,3 Punkten, nach 49,5 Punkten im Feber. Damit wurde die Marke von 50 – ein Punktestand darüber deutet auf Wachstum hin – erstmals seit Oktober 2020 wieder überschritten. Mit einer Wiederbelebung der Konjunktur sollte auch die Inflation wieder anziehen. Der Entwicklung dürfte die Bank of England dabei nicht allzu lange zusehen, im Gegensatz etwa zur US-Notenbank, konstatiert Holdsworth. Und das aus gutem Grund, wie die Expertin ausführt.

Aufgrund des strengen Mandats muss die Bank of England nämlich rasch auf eine Inflationsrate von mehr als 2 % reagieren. Die britischen Währungshüter könnten deshalb den Leitzins als erste Notenbank in den westlichen Industriestaaten anheben, konstatiert Holdsworth und meint, in der Sitzung von kommendem Mai könnten die britischen Währungshüter immerhin erste Details über solch ein mögliches Vorhaben andeuten. „In Anbetracht der wirtschaftlichen Expansion in Großbritannien und des Mandats der Bank of England wäre es nicht ausgeschlossen, dass sie die erste Zentralbank sein wird, die von ihrem tiefen Notfall-Zinsniveau abrückt.“

Noch ist die aktuelle Rate – sie stieg im Feber um 0,7 % auf Jahresbasis – freilich ein gutes Stück von der Zielmarke entfernt. (Zahlen für März wurden am 21. April, somit nach Redaktionsschluss, veröffentlicht.) Doch das kann sich in einem Wirtschaftsaufschwung ändern. Immerhin rechnet man heuer beim US-Beratungshaus Deloitte mit einem BIP-Wachstum von 5,4 % nach einem Minus von 9,9 % im vergangenen Jahr.

Der Aufschwung dürfte sich auch im Wechselkurs widerspiegeln. Die Aussicht auf höhere Zinsen gegenüber der Eurozone und den USA könnte internationales Kapital anziehen und dem Pfund einen Schub verpassen. „Wir meinen, dass das Pfund gegenüber dem Euro bis weit in das zweite Quartal 2021 hinein weiter an Wert gewinnen wird“, so Tomasz Wieladek, Ökonom bei T. Rowe Price.

Weitere Pfund-Aufwertung
Interessant ist in diesem Zusammenhang der Blick auf die bisherige Entwicklung: Nach Ausbruch der Pandemie stieg der Euro auf 0,94 Pfund. Lediglich nach Ausbruch der Finanzkrise von 2008 war das Pfund noch tiefer gegenüber dem Euro gesunken. Seither hat sich der Kurs gegenüber dem Euro erholt. Doch es gibt auch Risiken. Bei der Deka Bank verweist man auf die schottischen Parlamentswahlen im Mai.

Je höher die Scottish National Party gewinnen werde, desto mehr dürfte der Druck auf Boris Johnson wachsen, einem Unabhängigkeits-Referendum der EU-freundlichen Schotten zuzustimmen. Sollte das Pfund dann allzu sehr unter Druck geraten, dürfte die Bank of England aber einer übermäßigen Abwertung entgegenwirken.

Foto: Pixabay / David Peterson

 

 

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Rückkehr des Tourismus

Aktienkurse preisen einen Boom ein. Wie plausibel erscheint das?

Michael Kordovsky. Weltweit haben die Regierungen die Wirtschaft heruntergefahren. Es gab weniger Angebot und zwangs-weise wurde über Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit auch die Nachfrage eingeschränkt, ehe Helikoptergelder und staatliche Hilfszahlungen ankamen.

Die Sparquoten sind in den entwickelten Ländern gestiegen, vor allem in der Eurozone. Das Bruttosparen dividiert durch das verfügbare Bruttoeinkommen, so die Definition der Sparquote bei Eurostat, stieg von 12,6 % im vierten Quartal 2019 bis zum vierten Quartal 2020 auf 19,8 %.

Kein Wunder – denn sogar der Konsum wurde drastisch heruntergefahren: Das Absatzvolumen des Einzelhandels fiel im Jänner gegenüber dem Vorjahresmonat um 6,4 % und im Nicht-Nahrungsmittel-Bereich ohne Motorenkraftstoffe liegt das Minus bei 13,6 %. Auf diese Weise lässt sich gut sparen.

Immer mehr Einwohner zählen die Tage bis zum Ende der Lockdowns. Der nächste Aufschwung kommt und Geldreserven sind genügend vorhanden. Es gibt viel nachzuholen. Das zeigt auch ein kleiner Blick nach England: Seit Montag haben dort die Pubs und Gaststätten wieder offen und am ersten Öffnungstag war laut Branchenanalyst CGA der Verkauf von Bier, Wein und Sekt in den Pubs um 113 % höher als am selben Tag 2019.

Erholung der Luftfahrt
Total ausgeblutet wurden Fluglinien und Hotellerie. Laut International Air Transport Association (IATA) war 2020 das schlechteste Jahr in der Geschichte der Luftfahrt. Die globale Passagier-Nachfrage lag 75,6 % unter dem Vorjahresniveau. Die Kapazität (erhältliche Sitzkilometer) ging 68,1 % zurück. Im Dezember 2020 lag der gesamte Flugverkehr um 69,7 % unter dem Level des Vorjahresmonats. Die Buchungen für zukünftige Flüge lagen im Jänner 2021 70 % unter Vorjahresniveau. Das Basisszenario der IATA sieht heuer eine leichte Erholung auf einen Level von 50,6 % von 2019. Doch sollten die Impfkampagnen greifen und die Lockdowns enden, dann könnte es positive Überraschungen geben. Entsprechend die Börsenkursentwicklung wichtiger Fluglinien: Während die Lufthansa (ISIN: DE0008232125) noch das Tal der Tränen durchschreitet, stieg die Ryanair (IE00BYTBXV33) zwischenzeitlich wieder nahe alter Hochs und liegt per 16. April 76 % im Plus. EasyJet (GB00B7KR2P84) ist bereits 67 % im Plus und verfügt noch über weiteres Potenzial.

Hotelaktien im Aufwind
Ebenfalls stark erwischt hat es die Hotellerie, was eine Statistik des Fremdenverkehrslandes Österreich belegt: Im Kalenderjahr 2020 wurden 97,88 Mio Nächtigungen in österreichischen Beherbergungsbetrieben registriert, was einem Rückgang um 54,83 Mio bzw. 35,9 % entspricht (2019: 152,71 Mio Nächtigungen). Die Übernachtungen schrumpften auf den Level der frühen 70er-Jahre und die Zahl der Ankünfte ging im selben Zeitraum um 21,17 Mio bzw. 45,8 % auf 25,03 Mio zurück (ausländische Gäste: -52,7 % auf 15,09 Mio; inländische Gäste: -30,6 % auf 9,94 Mio). Im heurigen Jahr sind nicht nur in Österreich diverse Corona-Mutationen ein Damoklesschwert. Doch die Durchimpfung schreitet in den entwickelten Ländern voran. Der Nachholbedarf bei Reisen ist vorhanden und die Sparquote war zuletzt hoch. Entsprechend ist die Aktienkursentwicklung internationaler Hotelketten. Die Aktien der Hilton Worldwide Holding (US43300A2033) stiegen binnen eines Jahres um

82 % auf ein neues Rekordhoch, jene von Marriott International (US5719032022) stieg im gleichen Zeitraum um 84 % und befindet sich nahe des Rekordstandes. Ebenso setzte der Online-Reiseportalbetreiber Booking Holdings (US09857L1089) zu einer starken Rallye an.

Fazit: Schenkt man den Aktienkursen als vorauseilende Indikatoren Vertrauen, dann könnte der ärgste „Corona-Spuk“ bald vorbei sein und sich ab den Sommermonaten weltweit eine schrittweise Normalisierung der Situation im Fremdenverkehr einstellen.

Foto: Pixabay / Free-Photos

 

 

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Das Risiko zwischen Bildschirm und Rückenlehne

Vor Abschluss einer Cyberversicherung können Unternehmen auch selbst Vorsorgen treffen.

Manfred Kainz. Wohnung und Haus sichert man gegen Schäden. Ein Cyberangriff bezweckt letztlich einen Einbruchdiebstahl, nur nicht physisch, sondern übers Netz. Cyberversicherung ist also ähnlich einer Einbruchdiebstahlversicherung, eben auf virtueller Basis. So vergleicht es Harald W. Neuberger im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Laut dem allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen und Spezialisten für Cyber-, D&O-, Sachversicherungen und Großschadensmanagement seien Einbruchdiebstahlversicherung und Cyberversicherung in der Konzeption ziemlich gleich: die eine für die analoge Welt, die andere eben für die digitale. Und manche Berufsgruppen (wie in der Finanzdienstleistung) und Einrichtungen verwalten große sensible Datenmengen. Was sie zu attraktiven Angriffszielen und „dankbaren Opfern“ für Cyberangriffe macht, so der Geschäftsführer der Versicherungsberatungs-Gesellschaft m.b.H weiter.

Risiko managen
Wobei für jedermann gilt: Vor Abschluss einer Cyberversicherung müssen jedenfalls ein paar To-do‘s zur Sicherheit gemacht werden. Cyberversicherung ist nur der letzte Schritt im gesamten Riskmanagement von Unternehmen und in manchen Branchen weniger komplex als in anderen, die stärker gefährdet sind: vom Risiko des Diebstahles sensibler, personenbezogener Daten, vom Imageschaden, der einem daraus am Markt entsteht, und von Ansprüchen aus Schäden bei betroffenen Kunden. Jeder (Unternehmer) könne versicherungsmäßig eine individuelle Lösung für sich finden. Umso günstiger, wenn das „technische Gesamtpaket“ (Stichwort Auslagerung in Clouddienstleiter oder externe Rechenzentren) in seinem Unternehmen stimmt, so der Experte. Dazu gehört mindestens regelmäßiges Firewall-Update und regelmäßiger Wechsel der Passwörter. Und da ist man schon beim „Risikofaktor Mensch“, den man nicht unterschätzen darf, warnt Neuberger. Was für Chefs heißt: Die Mitarbeiter zum Thema Cybergefahren sensibilisieren und zu regelmäßigen Sicherungsroutinen verpflichten. Das könne schon sehr viel bringen. Denn es geht um Bewusstsein und Vorbeugung. Denn wenn man die Cyberversicherung im Falle des Falles braucht, „steckt der Karren schon im Dreck“ und kann sehr kostspielig werden.

Gesichter des Schadens
Weil der Cyberschaden unterschiedliche Gesichter hat. Da ist ein nicht zu unterschätzender Reputationsschaden, wenn man Kunden über ein Datenleck verständigen muss. Für jeden gehackten Datensatz, über den die Kundschaft (und die Datenschutzbehörde) informieren muss, könne man rund 100 Euro veranschlagen, kalkuliert der Sachverständige. Bei vielen Kunden kann da einiges zusammenkommen. Und es ist die Frage, ob einem die Kunden bleiben. Dazu kommt der Betriebsunterbrechungsschaden, wenn Abläufe lahmgelegt sind. Und eventuell Lösegelderpressung und eventuelle Strafzahlungen und Schadenersatzansprüche von Dritten. Wenn man das alles überstanden hat, wird es möglicherweise kostspieliger Werbemaßnahmen zur Behebung des Imageschadens, der schlimmer als Schadenersatzansprüche sein kann, bedürfen.

Vorinvestitionen
Will man all das möglichst vermeiden, kann und sollte man schon vorm Verhandeln einer Cyberversicherung zuallererst in die eigene Datensicherheit, Sicherungssysteme/-prozesse und in Mitarbeitersensibilisierung investieren. Cyberversicherer bieten Schulungen im Paket mit an. Auch die Möglichkeit (mit externen Cyberforensikern) Risiko- und Schadensszenarien durchzuspielen und digitale Schulungstools für Mitarbeiter werden angeboten. „Das größte Risiko lauert zwischen Bildschirm und Rückenlehne“, formulieren es nicht umsonst Kriminalisten. Denn wenn „das Problem Mensch auf den falschen Knopf drückt“, nützt das beste technische System nichts. Niemand ist vor infizierten Bewerbungsschreiben, Phishingfallen und Lieferantenbetrug sicher, aber man kann mit Wissen darüber und mit Sensibilisierung zumindest Vorsorge treffen. Freiwillige Fortbildung und regelmäßige (Mitarbeiter-)Schulung zu dem Thema empfiehlt sich auch deshalb, weil Cybercrime immer ausgefeilter wird. Oft sind Systeme schon wochenlang infiltriert und infiziert (und schon Schaden entstanden) bis es zu Erpressung kommt.

Foto: Pixabay / kalhh

 

 

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Der „New Deal“ des 21. Jahrhunderts

Wenn der US-Kongress zustimmt, winken Jahre wirtschaftlicher Prosperität.

Michael Kordovsky. Präsident Joe Biden verfolgt die Politik eines neuen „New Deals“, doch weniger im Sinne des gegenüber zu hohen Staatsausgaben kritischen Präsident Franklin D. Roosevelts im Jahr 1933, sondern in einer überzogenen Form im Sinne des Wirtschaftswissenschaftlers John Maynard Keynes. Dieser versuchte Roosevelt mehrmals von einem Konjunkturstimulus durch Deficit spending zu überzeugen, scheiterte aber vor allem am Finanzminister Henry Morgenthau.

Zwischen 1933 und 1941 erhöhten zwar Arbeitsbeschaffungsprogramme die Staatsausgaben, diese wurden jedoch auf der anderen Seite durch Ausgabenkürzungen, beispielsweise bei den Pensionen, kompensiert. Somit lag das Haushaltsdefizit des Bundeshaushalts von 1933 bis 1941 im Schnitt bei 3,4 % pro Jahr. Trotzdem konnte mit der „Emergency Relief Appropriation Bill“ 1935 das Budget für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen um 4 MrdUSD bzw. 6 % des BIP von 1934 aufgestockt werden.

Im Gegensatz zu den öffentlichen Ausschreibungen und Förderprogrammen von heute waren dies staatliche Projekte und die integrierten 3,5 Mio arbeitsfähigen Arbeitslosen wurden schlechter bezahlt als in der privaten Wirtschaft.

Trotzdem gab es Multiplikatoreffekte durch die Wertschöpfungskette von Projekten, zumal unter anderem 125.000 öffentliche Gebäude, mehr als eine Million Kilometer Autobahnen und Straßen, 77.000 Brücken, Bewässerungssysteme, Stadtparks, Schwimmbäder etc. gebaut wurden. Auch die Elektrifizierung schritt voran.

Somit war es nicht weiter verwunderlich, dass die US-Wirtschaftsleistung in den Jahren 1935 bis 1937 beispielsweise jeweils um 8,9 %, 12,9 % bzw. 5,1 % wuchs. Ab 1941 kam noch der Kriegswirtschaftsfaktor ins Spiel, der in den Jahren 1941 bis 1943 zweistellige Zuwächse bescherte.

Neue Dimensionen der staatlichen Intervention
Zurück ins Jahr 2021: Biden hat bereits ein 1,9-BioUSD-Corona-Rettungspaket mit knapper Mehrheit im Kongress durchgepeitscht und am 11. März unterzeichnet. Dieses sieht „Helikoptergelder“ von 1.600 USD für zahlreiche Amerikaner sowie Hilfen für von Corona betroffene Unternehmen vor – also ein schwerpunktmäßiges Sozialprogramm, dem nun ein 2,3-Bio-Dollar-Infrastrukturprogramm folgen sollte. Alleine das wären bereits 11 % des BIP (im Jahr 2020) folgend auf 9,1 % des BIP! Also rund ein Fünftel der Wirtschaftsleistung machen diese beiden Programme aus, die einerseits den Konsum, auf der anderen Seite die Investitionstätigkeit und die Produktion quer durch die Wertschöpfungsketten ankurbeln sollten. Wenn man bedenkt, dass man in den kritischen Jahren nach der Depression des Zeitraums 1929 bis 1933 mit rund 3 % Haushaltsdefizit das Auslangen fand, und das nach einem Einbruch der nominellen Wirtschaftsleistung von rund 46 %, so ist es heute vergleichs-weise so, als würde die US-Regierung mit Kanonen auf Spatzen schießen, denn: 2020 lag nach einer Reihe von Wachstumsjahren der Rückgang der realen US-Wirtschaftsleistung lediglich bei 3,5 %:

Das Haushaltsdefizit der USA stieg bereits von 2016 bis 2019 von 3,1 auf 4,6 %. Das waren aber gute Jahre, in denen die Wirtschaft im weiteren Verlauf auch von Steuersenkungen profitierte. Doch infolge der Covid-19-Krise liegt das Haushaltsdefizit 2020 bereits bei 17,9 % der Wirtschaftsleistung. Gleichzeitig kauft die Fed monatlich Anleihen im Gesamtwert von 120 MrdUSD, was kritische Betrachter als teilweise Monetarisierung der Staatsschuld betrachten.

Mit „Notwendigkeiten“ die Wirtschaft ankurbeln
Was Biden mit dem aktuellen Infrastrukturprogramm im Sinn hat, kann als eine Verknüpfung des Notwendigen mit dem Nützlichen, sprich einer überfälligen Sanierung von Brücken, Straßen, Gebäuden etc. und der Erholung des Arbeitsmarktes auf Vollbeschäftigungsniveau gesehen werden. Auch die Blackout-gefährdeten Stromnetze sollten erneuert werden. 650 MrdUSD sind für Transport, sprich Straßen, Schiene und Verkehr vorgesehen. Straßen und Autobahnen mit einer Länge von 20.000 Meilen sind Punkte des Programms, genauso wie die Sanierung der Top 10 der wirtschaftlich bedeutendsten Brücken sowie 10.000 weiterer. Die Bundesausgaben für den öffentlichen Nahverkehr sollen sich auf 85 MrdUSD verdoppeln, weitere 80 MrdUSD sollen in die Bahngesellschaft Amtrak investiert werden. Für Flughäfen stehen 25 MrdUSD zur Verfügung und 17 MrdUSD für Binnenwasserstraßen, Häfen und Fähren sowie Investitionen gegen Luftverschmutzung in Häfen.

174 MrdUSD fließen in den E-Automarkt, unter anderem in Form von Zuschüssen beim Autokauf und dem Bau eines Netzes von 500.000 Ladestationen bis 2030.

In den Wohninfrastrukturbereich sollen 650 MrdUSD investiert werden. Vor allem ist ein Breitbandzugang für die 35 % der Einwohner in ländlichen Regionen vorgesehen, die bisher keinen haben. Auch sollen der Bau und die Renovierung von 2 Mio Wohnungen und Krankenhäusern für Armeeveteranen gefördert werden. Sauberes Wasser, Erneuerung und Erweiterung der Stromnetze und der Ersatz sämtlicher Trinkwasserrohre aus Blei in rund 10 Mio Haushalten sind konkrete Punkte.

Ein weiterer Budgetposten sind 580 MrdUSD für Industrie, Weiterbildung und Forschung. 180 Mrd USD gehen in Forschung und Entwicklung mit Schwerpunkt auf sauberer Energie und noch unbestimmte Anreize für Firmen, die in Kohlerevieren neue Jobs schaffen und die US-Lieferkette ausbauen. Die einheimische Halbleiterfertigung, in der derzeit Engpässe vorherrschen, sollte noch 50 MrdUSD erhalten. Mit weiteren 15 MrdUSD will Biden neue (Umwelt-)Technologien unter anderem Wasserstoff und eine neue Generation der Atomkraft fördern.

Inflation vorprogrammiert
Vor allem die Nachfrage nach E-Autos, Batterien und diversen Batterierohstoffen, vor allem Lithium, wird steigen, genauso wie die Nachfrage nach Baumaterialien. Stahl, Zement und diverse Industrierohstoffe werden mehr denn je benötigt. Preissteigerungen sind vorprogrammiert, zumal die private Konsumnachfrage anspringen sollte. An der Börse ist schon einiges vorweggenommen worden und nun führt die Frage, ob dieses 2,3-BioUSD-Programm vom Kongress genehmigt wird, zu einer zwi-schenzeitlichen (Seitwärts-)Konsolidierung bei Aktien von Bau- und Anlagenbauunternehmen. Sollte es durchgehen, dann winkt ein mehrjähriger Wirtschaftsboom mit steigenden Rohstoffpreisen und höheren Inflationsraten als „Nebenwirkung“.

Foto: AdobeStock / Syda Productions

 

 

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Mit Digitalisierung die Welt retten?

Wie neue Geschäftsmodelle die Wirtschaft unterstützen.

Harald Kolerus. Das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW) hat sich in einer Online-Konferenz mit der Frage beschäftigt, wie digitale Innovationen für nachhaltige globale Entwicklung sorgen und noch dazu die Konjunktur pushen können. Der Tenor dieses auch international besetzten „SDG Business Forums“ war eindeutig positiv gegenüber der neuen Technologie eingestellt.

Chance für Investoren
So meinte Darja Isaksson von der Swedish Innovation Agency: „Wir alle befinden uns beim Umbau der Gesellschaft zu mehr Nachhaltigkeit unter Zeitdruck, betroffen sind u.a. die entscheidenden Bereiche Mobilität, Gesundheit und das Energiesystem. Die gute Nachricht lautet dabei: Wie haben zu einem Großteil heute schon die Technologie und das Knowhow zur Verfügung, um diese Transformation zu verwirklichen. Das eröffnet nicht zuletzt auch Chancen für Investoren, denn ESG wird immer mehr zum Mainstream, an dem keiner mehr vorbeikann.“

„Elektrifizierte“ Feuerwehr
Michael Friedmann, der Head of Group Strategy bei Rosenbauer, bestätigte als Vertreter der heimischen Industrie die zunehmende Bedeutung von ESG und Digitalisierung. „Diese Megatrends beeinflussen auch das Feuerwehrgeschäft. Dazu bündeln wir alle Ideen auf unserer Technologie-Plattform und haben hier mit Experten aus der Branche einen Zukunfts-Dialog gestartet.“ Auf Produktebene wurde z.B. bereits 2016 ein Hybrid-Feuerwehrauto vorgestellt, das für mindestens zwei Stunden auch vollständig mit Elektrizität angetrieben werden kann. Der Börsen-Kurier wollte wissen, was das gute Stück kostet. „Ein solcher Typ wurde für rund 1 MioEuro verkauft, vergleichbare normale Fahrzeuge kosten rund 400.000 bis 450.000 Euro. Man darf aber nicht vergessen, dass zwar höhere Entwicklungs- und Innovationskosten anfallen, der Betrieb dann aber günstiger wird. Der totale Kosteneffekt befindet sich somit also in Balance.“

Konjunktur: Hohes Potenzial
Der Börsen-Kurier interessierte sich weiter für harte Zahlen und wollte vom BMDW wissen, welcher Einfluss Digitalisierung auf die Wirtschaft haben könnte. Dazu hieß es: „Das Wachstumspotenzial durch Digitalisierung beträgt bis zu 1,9 % pro Jahr – allein der Einsatz von Künstlicher Intelligenz kann bis 2035 jährlich 1,6 % an zusätzlichem BIP-Wachstum ermöglichen.“ Noch ausführlicher meint man im Ministerium: „Die Ergebnisse von europäischen Studien zeigen, dass durch eine Erhöhung des Digitalisierungsgrades einer Volkswirtschaft Wachstumseffekte von 0,4 % pro Jahr (Minimum-Szenario) bis zu 1,9 % pro Jahr (Maximum-Szenario) erzielt werden können. Ein gewichteter Durchschnitt kommt auf einen Effekt von 0,9 % zusätzlichem BIP-Wachstum pro Jahr. Für Österreich würden diese Simulationen ein Potenzial von bis zu 3,6 MrdEuro an zusätzlicher BIP-Steigerung pro Jahr bedeuten.“

Öl für den Jobmotor
Außerdem interessant, vor allem in Zeiten von Corona: Schätzungen des Wifo ergaben, dass durch ein Mehr an Digitalisierung in Österreich ein zusätzliches Beschäftigungswachstum von bis zu 0,4 % pro Jahr realisierbar ist. Dies entspricht einem Potenzial von jährlich knapp 20.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen durch Digitalisierung.

Das BMDW abschließend: „Das Wifo hat weiters berechnet, dass der Multiplikator bzw. Hebel für Digitalisierungsinvestitionen in Österreich in etwa bei 2,2 liegt. Das bedeutet, dass jedem investierten Euro weitere 1,2 Euro im Wirtschaftssystem zuzurechnen sind. Bei einer Investition in Digitalisierung in Höhe von 1 MrdEuro würde dies bedeuten, dass weitere 1,2 MrdEuro an aktivierter Wirtschaftsleistung dieser Investition zuzurechnen sind. Der Vergleich mit verschiedenen Bereichen zeigt, dass Investitionen in Digitalisierung mitunter die höchsten langfristigen volkswirtschaftlichen Effekte auslösen.“

Foto: Rosenbauer

 

 

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Fliegender Kapitänswechsel bei der S Immo

Überbewertet: das Bewertungsergebnis; bewährt: der Multi-Asset-Ansatz.

Rudolf Preyer. Man wird ihn vermissen. Quasi als seine letzte Amtshandlung verabschiedete sich Ernst Vejdovszky, seit 2001 Vorstand der S Immo AG, in der virtuellen Bilanzpressekonferenz vom vergangenen Donnerstag in seiner gewohnt trockenen aber freundlichen Art von den Journalisten – um die Stafette gleich an seinen Nachfolger, Bruno Ettenauer, zu übergeben, der sodann über ein insgesamt recht positiv verlaufenes Geschäftsjahr berichtete.

Dazu später, zuvor zu der „scheinbar unendlichen Übernahmegeschichte“.

„Nicht negativ“
Es geht natürlich um das (zuletzt aufgebesserte) Übernahmebegehren seitens der Immofinanz AG, welchem der neue CEO Ettenauer zunächst „nicht negativ“ gegenüberstehe. Deren Forderung nach einer außerordentlichen Hauptversammlung wolle er aber nicht nachkommen, die ursprünglich für den 30. April geplant gewesene HV der S Immo habe man (auf einen noch unbestimmten Termin) verschoben, um den Aktionären „mehr Zeit zum Überdenken des Offerts“ einzuräumen.

Jedoch: Falls die Immofinanz mehr als 50 % der ausstehenden S-Immo-Aktien angedient bekommt, sei man grundsätzlich zu einer „unverzüglichen HV“ schon bereit. Ettenauer: „Wenn die Immofinanz erfolgreich ist, werden wir auch die Abschaffung des Höchststimmrechts unterstützen.“ Jedenfalls sei es den Aktionären gegenüber „unfair, würde man sie erst über das Höchststimmrecht abstimmen lassen, obwohl es danach womöglich gar nicht zu einem Erfolg des Übernahmeangebots“ komme.

„Ausgeglichenes Ergebnis“
Doch nun zum vergangenen Geschäftsjahr. Die Mieterlöse erhöhten sich um 3,3 % auf 123,3 MioEuro, das EBIT reduzierte sich allerdings von 271,4 auf 101 MioE, zumal das Bewertungsergebnis bei 39,1 MioEuro (nach 192,7 MioEuro) zu stehen kam. An der CA Immo AG halte man derzeit 6,4 %, an der Immofinanz 13,4 %. Was
die Aktionärsstruktur der S Immo selbst betrifft: Zuletzt belief sich der Streubesitz auf 57,52 %, die Immofinanz hielt 26,49 % und die Aggregate Holding (indirekt) 10,78 %.

Friedrich Wachernig erklärte zuerst, dass für die Assetklasse Büro „Rückgänge nur in geringem Ausmaße“ zu erwarten seien (Experten schätzen, dass nur jeder dritte Job „Homeoffice-fähig“ sei), bei Hotels im Portfolio – „unser absolut kleinstes Segment“ – sieht er „keinen Profit, aber auch keinen großen Verlust“, in Summe könne man erfreulicherweise auf ein „ausgeglichenes Ergebnis“ verweisen.

Der COO bestätigte, dass die Grundstücksbevorratung „großes Potenzial für die Zukunft“ bereithalte. Insbesondere verwies er hier auf das Landbanking im Berliner Speckgürtel mit rund 2,5 Mio m² Grundstücksfläche.

Was die Dividende betrifft: diese soll rund 70 % des FFO I ausmachen (rund 40 Cent/Aktie). Ettenauer resümierte: „Die S Immo hat im vergangenen Jahr und mit dem vorliegenden Ergebnis einmal mehr bewiesen, wie robust ihr Geschäftsmodell ist.“

Fotos: Christina Haeusler

 

 

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Wachstum: USA und China lassen Europa dramatisch zurück

Zu langsame Hilfen für Unternehmen, schleppender Fortgang bei Impfungen. Ein Kommentar von Mag. Alexander Eberan, Leiter Private Banking Wien Steiermärkische Sparkasse.

(02.04.) Europa hinkt infolge der Covid-Krise in seinem Wachstum den USA und China immer dramatischer hinterher. Die US-amerikanische und die chinesische Wirtschaft werden 2021 fast doppelt so stark wachsen wie die europäische, stellen die Experten der Steiermärkische Sparkasse Private Banking in ihrem jüngsten Marktkommentar fest. Die Hauptgründe dafür, dass Europa immer mehr ins Hintertreffen gerät, seien schleppende Corona-Wirtschaftshilfen und der zähe Fortschritt bei den Covid-Impfungen, so die Analyse. Einzig an den Börsen zeichne sich für Europa ein kleiner Hoffnungsschimmer ab: Industriewerte, die in Europa stärker als in den USA und China gewichtet sind, geben ein starkes Lebenszeichen von sich.

Zukunftsfähigkeit Europas in Gefahr
Die dritte Covid-Welle nimmt Kontinentaleuropa neuerlich den konjunkturellen Atem, obwohl die Notenbanken auf dem Gaspedal stehen und mittels lockerer Geldpolitik die Wirtschaft stützen. Das europäische BIP-Wachstum wird heuer im besten Fall rund 3,7% betragen, während die USA mit einem prognostizierten Plus von 6,5% überraschen und China ungeachtet der weltweiten wirtschaftlichen Verwerfungen weiterhin ein solides Wachstum von 6 % erwartet. Dieser Vergleich zwischen den großen Wirtschaftsmächten ist umso gravierender, als die Covid-Rezession in Europa 2020 einen wesentlich heftigeren BIP-Einbruch mit sich brachte als dies in China und den USA der Fall war, nämlich um rund 7%. Es rächen sich nun die Langsamkeit in fiskalpolitischen Maßnahmen, wie der Auszahlung von Corona-Hilfen an bedürftige Unternehmen und auch die späte Verfügbarkeit der Unterstützung aus dem „Next Generation EU-Fonds“. Diese Mittel dürften erst gegen Jahresmitte 2021 zu fließen beginnen. Auch in der Impfstatistik liegt Europa (ohne Großbritannien) deutlich hinter den USA. China kann sich aufgrund der strengen Kontrolle über das Infektionsgeschehen generell beim Impfen mehr Zeit lassen. Die Zukunftsfähigkeit von good old Europe steht auf dem Spiel: Mit seinem ökonomischen Neustart nach der Covid-Krise könnte der Kontinent gegenüber China bis zu fünf oder sechs Quartale sowie gegenüber den USA ein bis zwei Quartale zurückhängen. In der Finanzzeitrechnung sind das riesige Dimensionen.

US-Wirtschaft wächst überraschend stark
Besonders überrascht haben kürzlich die USA. Als die Volkswirte des Federal Reserve System ihre jüngsten Wachstumsschätzungen vorlegten, enthielt der Datensatz eine spektakuläre Prognose. Um 6,5 % soll, nach Berechnung der Ökonomen, das BIP in der größten Volkswirtschaft der Welt in diesem Jahr wachsen. Der so genannte US Rescue Act, also das 1,9 Billionen US-Dollar schwere Covid-Hilfsprogramm, das die Regierung von US-Präsident Joe Biden auf den Weg gebracht hat, zeigt Wirkung. Aufgrund von Basiseffekten wird die US-Wirtschaft mit dem starken Wachstum im heurigen Jahr die mehr als vierprozentige Schrumpfung des Vorjahres kompensieren. Sollte die Prognose so eintreffen, würde die US-Wirtschaft zum ersten Mal seit den 1970er Jahren stärker expandieren als die chinesische. In China wird das sechsprozentige Wachstum lediglich eine Normalisierung auf das Vor-Covid-Wirtschaftstempo bedeuten. Anders als in Europa und den USA ist in China im Jahr 2020 der Output nicht geschrumpft, sondern um rund 2% gewachsen. Chinas Kommunistische Partei begnügt sich mit deutlich bescheideneren unterstützenden Maßnahmen, wobei diese auf eine Verbesserung des strukturellen Wachstums und auf Unabhängigkeit gerichtet ist: Sowohl der Inlandskonsum als auch die Produktion vor Ort in China inklusive Forschung und Entwicklung sowie Umweltschutzmaßnahmen und Nachhaltigkeit werden gefördert.

Old Economy – Industrie- und Finanzaktien
Ein positiver Aspekt für Europas Wirtschaft tut sich währenddessen an den Börsen auf. Die in Europa stärker als anderswo gewichteten Industrie- und Investitionsgüterwerte zeigen Potenzial, denn sie sind im Vergleich zu anderen Sektoren wie Technologie immer noch relativ attraktiv bewertet. Industrie-Aktien nehmen viel von der konjunkturellen Erholung – vor allem der brummenden chinesischen und US-amerikanischen Wirtschaft – vorweg. Das alles basiert naturgemäß auf der Annahme, dass die Corona-Pandemie im Sommer überwunden ist. Zyklische Alternativen zu Industriewerten sind Aktien von Finanzunternehmen, die ebenfalls an Europas Börsen eine führende Rolle spielen. Sie profitieren nicht nur von einer steigenden Zinskurve, sondern auch vom beschleunigten globalen Wachstum, das geringere Kreditausfälle erwarten lässt. In Europa haben 69 % der Finanzwerte zuletzt von besser als erwarteten Gewinne berichtet und 65 % der Firmen haben auch höhere Erlöse erzielt. In den USA haben sogar 80 % der Financials im US-Aktienindex S&P 500 höhere Gewinne verlautbart als vorab geschätzt wurde – 75 % berichteten auch von höheren Erlösen. Die Aussichten für den Finanzsektor bleiben auch für das zweite Quartal positiv, sagen die Anlageexperten der Steiermärkischen Sparkasse.

Foto: Steiermärkische Sparkasse

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In den 3D-Druck investieren

Die lukrativen Dimensionen des 3D-Druckens

Raja Korinek. Es wirkt wie aus einem Science-Fiction-Film, ist aber längst Realität. Und wohl auch eine Geschmackssache. In-zwischen werden selbst Lachse mittels eines 3D-Druckers hergestellt. Freilich, die Druckmasse selbst ist pflanzlich. Doch zumindest Geschmack und Aussehen sollen „echte“ Lachse möglichst nachahmen.

Überhaupt setzen immer mehr Unternehmen mit ihren Geschäftsmodellen auf den 3D-Druck, oder dem „Additive Manufacturing“, wie der Vorgang im englischen Fachjargon genannt wird. Doch worum geht es? In einem ersten Schritt liegt das Stück, das gedruckt werden soll, im Computer als virtueller Datensatz vor. Gemäß diesem Bauplan wird dann das Objekt hergestellt, wobei die Materialien Schicht für Schicht aus dem Drucker aufgetragen werden. Die eingesetzten Materialien sind nebst pflanzlichen Input für Lebensmittel beispielsweise Metallpulver, Kunststoffe oder Kunstharze. Der Vorteil wird vor allem in einer geringeren Lagerhaltung für Unternehmen gesehen. Aber auch in dem Umstand, dass damit der globale Transport entlastet und somit die Umwelt geschont wird.

Großes Potential
Das Potential ist jedenfalls groß. Der US-amerikanische Consulter Allied Market Research rechnet bis 2025 mit einem weltweiten Marktumsatz von rund 45 MrdUSD. Zuletzt wurde die Marke von 10 MrdUSD überschritten, wobei der größte Anteil auf Nordamerika entfällt. Dabei dürfte ausgerechnet die Corona-Pandemie für einen weiteren Schub sorgen. Sie offenbart, wie anfällig internationale Lieferketten für Unterbrechungen sind. Industrielle 3D-Drucker können eine „regionale“ Lösung bieten.

Doch wofür wird die Technologie gebraucht? So können in der Gesundheitsbranche Prothesen, in der Automobilindustrie Ersatzteile hergestellt werden. Ein Beispiel ist der Rolls-Royce Ghost, der zahlreiche Teile aus dem 3D-Drucker enthält. Zu den weiteren Profiteuren zählt auch die Flugzeugindustrie. Denn Triebwerks- und Turbinenteile sowie Bauteile für die Kabineninnenausstattung sind weitere Anwendungen des Additive Manufacturing.

General Electric größter Anbieter
Damit bleibt die Frage, wie der Markt aussieht. Der weltweit größte Hersteller von 3D-Druckern mit Metallpulver ist General Electric Additive, Tochter des US-Mischkonzerns General Electric (ISIN: US3696041033). Die Aktie ist im Übrigen auch Teil des „Additive Manufacturing Basket“, auf den die Bank Vontobel ein Partizipationszertifikat begeben hat (DE000VQ5J6M4). Insgesamt umfasst der zugrundeliegende Aktienkorb 16 Titel, wobei der Großteil in den USA gelistet ist.

Bei der Selektion werden dabei drei Kategorien näher unter die Lupe genommen: Hersteller von Software, die entsprechend für die Erstellung von 3D-Modellen und Designs notwendig ist, Zulieferer der Materialien, die für die Fertigung gebraucht werden, sowie Hersteller der 3D-Drucker. Konkrete Beispiele gibt es nebst General Electric genügend: Toray Industries (JP3621000003) produziert ebenfalls Metall-3D-Drucker. Die notwendige Software stellt Autodesk (US0527691069) her. Proto Labs (US7437131094) bietet Kunst-stoffe, Metalle und Flüssigsilikone für den 3D-Druck an.

Gehebelte Chancen
Risikobereite Anleger können mit einem Turbo-Long-Zertifikat gehebelt auf Proto Labs setzen. Ein solches Produkt bietet die Société Générale an (DE000SB1HHF3).

Der aktuelle Hebel liegt bei rund 2,71. Wird aber die Marke von 85,96 USD berührt oder unterschritten, verfällt das Zertifikat.

Foto: Adobe Stock / jean song

 

 

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Weltweiter Aufschwung voraus?

Stimmungs- und Frühindikatoren weisen den konjunkturellen Weg.

Michael Kordovsky. In den USA plant die Regierung von Joe Biden ein Drei-Billionen-USD-Programm, das auch Infrastrukturausgaben vorsieht. Das wären Ausgaben von 14,3 % der Wirtschaftsleistung – eine Dimension, die in einem Markt mit eingeschränktem Angebot vor allem von der Rohstoffseite her inflationär wirkt. Aus diesem Grund ist auch die Zinskurve steiler geworden. In Europa hingegen gibt es Kurzarbeitsprogramme und Entschädigungszahlungen an Firmen, die von Corona-Maßnahmen betroffen sind. Allerdings ist die Wirtschaftsdynamik in Europa mit jener der USA und in China nicht zu vergleichen.

US-Frühindikatoren im Aufwind
Eine vorläufige Auswertung der Umfragen bei Führungskräften von US-Produktions- und Dienstleistungsunternehmen, die vom 12. bis 23. März durchgeführt wurden, gelangte zu folgendem Ergebnis: Der „IHS Markit Flash U.S. Composite PMI Output Index“ verzeichnete für März mit 59,1 Punkten (Feber: 59,5 Punkte) noch immer das zweitschnellste Wachstum in sechs Jahren. Wachstumsbremsen kommen nicht von der Nachfrageseite sondern von einem begrenzten Angebot und Lieferengpässen. Generell stiegen nämlich in der Privatwirtschaft die Auftragseingänge so stark wie seit sechseinhalb Jahren nicht mehr. Dienstleister verkündeten die stärkste Nachfrage seit drei Jahren und die Exportaufträge privater US-Firmen stiegen den dritten Monat in Folge. Die Auftragsbestände im verarbeitenden Gewerbe markierten den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Mai 2007 nachdem die Auftragseingänge die stärkste Dynamik seit Juni 2014 erreichten. Lieferverzögerungen und Knappheit an Rohstoffen und Vorprodukten führten dazu, dass die Input-Kosten im März die stärkste Preissteigerung seit zehn Jahren erreichten.

Eine starke Dynamik herrscht auch in China vor, wo die Weltbank für heuer ein BIP-Wachstum von 8,1 % prognostiziert und 5,4 % im Jahr 2022, verglichenen mit 2,3 % im Jahr 2020. In den beiden Monaten Jänner und Feber stieg die Industrieproduktion im Vorjahresvergleich um 35,1 %, was auf Basiseffekte (Anm. Im 1. Quartal 2020 gab es einen großen Shutdown in China) zurückzuführen ist.

Neue Impulse in Europa
Die vorläufige Datenauswertung von Stimmungsumfragen in der Industrie und im Dienstleistungssektor der Eurozone zeigten: Der „Flash Eurozone Composite Index Produktion“, ein Aktivitätsindikator der Privatwirtschaft, stieg von 48,8 Punkten im Feber wieder zurück in den Expansionsbereich (mehr als 50 Punkte) von 52,5 Punkte und markierte dabei ein Acht-Monatshoch. Der „Flash Eurozone Index Industrieproduktion“ kletterte im März sogar von 57,6 auf ein Rekordhoch von 63 Punkten (Spitzenwert seit Juni 1997). Angeführt wurde der Aufschwung der Industrie von der Rekordausweitung der Produktion in Deutschland sowie der höchsten Steigerungsrate in Frankreich und in den übrigen Ländern seit Jänner 2018. Der Dienstleistungssektor schrumpfte zuletzt weniger, befindet sich aber mit 48,8 Punkten (Feber 45,7 Punkte) im Kontraktionsbereich. Pandemie-Bekämpfungsmaßnahmen bzw. Lockdowns bremsen hier. Allerdings legte als wichtiger Frühindikator der Eurozone-Auftragseingang im März insgesamt wieder zu und wies das höchste Plus seit Juli vergangenen Jahres aus.

Fazit: Eine raschere Durchimpfung in der EU und gleichzeitige Normalisierung des Geschehens würden in Europa stärkere Wachstumsimpulse geben. Das Konjunkturprogramm der USA wird jedenfalls globale Wirkung entfalten, wovon vor allem der Infrastruktur-Aufbau-Bereich sowie Hersteller von Rohstoffen, Stahl und Baumaterialien profitieren sollten.

Foto: AdobeStock / Tom Wang

 

 

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Brennstoffzellen: Kältekur für Anleger

Nach massiven Gewinnen sind Aktien der Branche wieder am Boden der Realität.

Roman Steinbauer. Aktiengesellschaften im Umfeld der Brennstoffzellenforschung waren in jüngster Vergangenheit einer der bevorzugten Sektoren spekulativer Investoren. Perspektiven und das Potential der Dekarbonisierung des Luft-, See- und Straßenverkehrs durch emissionsfreie Mobilitätsantriebe nährten die Hoffnung auf eine technische Revolution innerhalb der nächsten Dekade. Entsprechend wurde die Risikobereitschaft in diesem Segment angeregt. Unmittelbar nach Jahresbeginn setzte abermals ein steiler Kursanstieg dieser Aktien ein; unmittelbar danach folgte allerdings eine breite Abverkaufswelle.

Ausgehebelte Bewertungskriterien
Papiere des favorisierten US-Konzerns Plug Power (ISIN: US72919P2020) legten einen Blitzstart um 110 % hin; ab Feber folgte dann eine Schubumkehr, die die Notiz auf das Ausgangsniveau zurück katapultierte. Meldungen zu Bilanzunregelmäßigkeiten beim New Yorker Brennstoffzellen-Vorreiter (die Bilanzerstellung der Jahre 2018, 2019, 2020 sei zu korrigieren, hieß es) erfassten den gesamten Sektor. Wie ein Weckruf realisierten offensiv orientierte Investoren das gewagte Risikoprofil derartiger im Trend liegender Titel.

Der Raum für Enttäuschungen ist groß, den Erwartungen ist kaum zu entsprechen. Der Konsens von 13 Analysten erwartet für Plug Power weiterhin rote Zahlen und erst für das Geschäftsjahr 2024 ein positives Ergebnis pro Aktie von 0,20 USD (0,17 Euro). Dies in der Annahme, die Umsatzerlöse steigen bis dahin um 130 % auf 1,67 MrdUSD (1,42 MrdEuro). Obwohl die Marktkapitalisierung der Gesellschaft mit 835 Mitarbeitern immer noch enorme 21 MrdUSD beträgt, sprach J.P. Morgan dennoch erneut eine Kaufempfehlung aus.

Gleich einer Sippenhaftung sieht die Chart-Charakteristik des Mitbewerbers Fuel-Cell Energy (US35952H6018) aus Connecticut aus. Trotz eines auf 0,15 USD (0,13 Euro) je Aktie verringerten Verlustes zum (am 31. Jänner beendeten) Jahresviertel fand sich vorerst kein erneuter Käuferüberhang.

Preis/Umsatz-Relationen bis über das Tausendfache
Eine ebenso kalte Dusche setzte es für die schwedische PowerCell (SE0006425815). Erklomm das Papier noch im Jänner eine Notiz von 44 Euro, endete der Energieschub abrupt. Die Notiz der Valoren der Göteborger befindet sich nun 40 % tiefer. PowerCell setzte im Vorjahr (im Lichte von Verbindlichkeiten von 10,7 Mio Euro und eines operativen Verlustes in selbiger Höhe) überschaubare 10,3 Mio Euro um. Wuchsen die Erlöse in 2020 zwar um 54 %, beträgt die Marktkapitalisierung immer noch 11,5 Mrd Euro (52 Mio Aktien ausstehend).

Mitgenommen wurden zudem Anleger der kanadischen Ballard Power (CA0585861085). Für das 1. Quartal wurde erneut ein Ergebnis von -0,05 Euro/Aktie verkündet.

Foto: Plug Power

 

 

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Aufwind für Agraraktien

Ein Kommentar von Jörg Dehning, Fondsmanager bei der DJE Kapital AG.

(22.03.) An weiter anziehende Mieten und Immobilienpreise in den Ballungszentren haben wir uns zweifelsohne gewöhnt. Steigende Nahrungsmittelpreise waren hingegen in der Öffentlichkeit jahrelang fast überhaupt kein Thema. Das scheint sich nun zu ändern. Zwar setzt die aktuell schwächere Nachfrage nach Gemüse und Fleisch seitens der Gastronomie die Preise in diesen Segmenten unverändert unter Druck – dies könnte sich jedoch im Zuge einer erfolgreichen Coronavirus-Eindämmung schnell ändern.

Importnachfrage aus China treibt Nahrungsmittelpreise
Der von der Welternährungsorganisation (FAO) veröffentlichte Preisindex der diversen Nahrungsmittelpreise tendiert schon in den letzten Monaten eindeutig nach oben. Besonders auffällig sind die stark gestiegenen Preise für Pflanzenöle und Getreide. Auch bei den Notierungen für Mais und Sojabohnen kam es seit Mitte 2020 zu einer regelrechten Preisexplosion.

Der Auslöser? Ein wesentlicher Grund ist sicherlich die hohe Importnachfrage Chinas. Dabei dürften nicht nur unterdurchschnittliche Ernten im Reich der Mitte eine Rolle gespielt haben. Vielmehr führt die Aufstockung des Schweinezuchtbestandes nach der Afrikanischen Schweinepest zu einem höheren Futterbedarf, der im Inland allein nicht mehr zu decken war. Insbesondere das Bestreben der chinesischen Regierung, die Schweinezucht verstärkt in die Hände professioneller Zuchtbetriebe zu übertragen, hat nicht zuletzt die Beimischung von Mais gefördert. Es ist daher davon auszugehen, dass die höhere Nachfragedynamik hier noch einige Zeit anhalten dürfte, auch wenn am Einsatz effizienter Saatgutsorten gearbeitet wird. Die weiteren Ursachen für die Preis-Rallye sind dagegen eher ein temporäres Phänomen. Zu nennen sind hier witterungsbedingte Ernteausfälle, allen voran in Südamerika und in der Schwarzmeerregion.

Getreide- und Ölsaatenmärkte: angespannte Versorgungslage
Andererseits wird das verbesserte Preisumfeld dazu führen, dass viele US-Landwirte ihre Anbauflächen in diesem Jahr deutlich ausweiten. Trotz dieser Flächenausweitung erwartete das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) Ende Februar auf seiner jährlichen Prognose-Konferenz auch für 2021/22 durchaus eine angespannte Angebotssituation an den Getreide- und Ölsaatenmärkten. Demnach sollen die US-Soja-Endbestände nahezu auf dem niedrigsten Stand seit 2013/14 verharren. Aber selbst diese Vorhersage der USDA bleibt nicht ohne Risiko. Vor allem die Annahme durchschnittlicher Trenderträge im Rahmen der Flächenausweitung erscheint durchaus gefährlich. Üblicherweise erfolgt die Flächenerweiterung in Regionen mit weniger guten Böden und ungünstigeren klimatischen Bedingungen. Weitere Enttäuschungen hinsichtlich der Ernteschätzungen sind im späteren Jahresverlauf daher fast vorprogrammiert. Darüber hinaus könnte die Nachfrage sowohl seitens der Futtermittelindustrie (unterstützt durch den jüngsten Kälteschock in den USA), aber auch durch die Ethanolproduzenten größer ausfallen als gedacht. Letzteres gilt insbesondere dann, wenn die Corona-bedingten Mobilitätsbeschränkungen enden. Die verkündeten Exportbeschränkungen einzelner Lieferländer (z.B. Russland und Argentinien) dürften außerdem die Bereitschaft einzelner Defizitstaaten erhöhen, vorsorglich Sicherheitslagerbestände aufzubauen.

Flächenausweitung: Vorteile für US-Düngemittel- und Saatgutanbieter
Entsprechend könnte die Preisdynamik bei den Agrarrohstoffpreisen in den nächsten Monaten nochmals an Fahrt gewinnen. Das würde auch den Aktien aus dem Agrar-Segment einen weiteren Impuls geben. Schon heute profitieren die meisten Aktien aus dem Düngemittel- und Saatgutbereich von verbesserten Absatzpreisen und Absatzmengen. Den größten Vorteil aus der avisierten US-Flächenausweitung genießen unweigerlich die am US-Markt etablierten Düngemittel-, Saatgut- und Pflanzenschutzanbieter. Deren Aktien haben zuletzt am meisten avanciert. Ein zu großes Umsatz-Exposure in Südamerika erwies sich hingegen schon allein wegen der Schwäche des Brasilianischen Reals oft als nachteilig.

Zu den weiteren Profiteuren der besseren Rahmenbedingungen gehört die Landtechnikbranche. Insbesondere die US-Landwirte sind bestrebt, ihren in die Jahre gekommenen Fuhrpark endlich zu erneuern. Gleichzeitig sind die Lagerbestände im US-Landtechnik-Großhandel im historischen Vergleich ausgesprochen niedrig, so dass die Hersteller auf die üblichen Händler-Rabatte weitgehend verzichten können. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass man selbst die hohen Preissteigerungen bei Stahl vorerst ohne Probleme an den Endkunden weiterreichen kann. Der hohe Auftragsbestand sorgt aktuell zudem für eine wesentlich effizientere Auslastung in der Fertigung, sofern die Lieferketten trotz der Corona-bedingten Einschränkungen intakt bleiben.

Robotik und künstliche Intelligenz: mehr Effizienz im Agrarsektor
Aus Unternehmens- aber auch aus Investorensicht sind ferner die zahlreichen neuen automatischen Steuerungs- und Robotik-Lösungen interessant. Sie werden gerne als Zusatzoption mitverkauft. Mit neuen Applikationen steigt der Umsatz pro Landmaschine daher kontinuierlich. Bei höheren Düngemittelpreisen und vermehrten Auflagen im Pflanzenschutz macht sich der Kauf sogenannter „precision farming“-Angebote für den Landwirt häufig schon nach etwa zwei bis drei Jahren bezahlt. So ermöglicht der Einsatz nicht nur eine Reduktion von Arbeitsstunden und die Minimierung notwendiger Betriebsstoffe wie Diesel. Mittels immer besserer Sensoren- und Kameratechnologien lässt sich heute vielmehr auch der Materialeinsatz an Dünge- und Pflanzenschutzmitteln optimieren. Während ohnehin in der ersten Welle Düngemittel und in der zweiten Welle verbesserte Saatgutsorten den Ertrag pro Hektar maßgeblich steigerten, dürfte die zukünftige Verbesserung der Ernteerträge wesentlich vom Einsatz digitaler Robotik-Technologien abhängen. Dabei hält selbst die sogenannte „Künstliche Intelligenz“ Einzug in die Landwirtschaft. So lernen beispielsweise Computer, Unkräuter von den eigentlichen Anbaupflanzen zu unterscheiden. Eine gezieltere Bekämpfung scheint damit nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Großflächige Herbizid-Behandlungen könnten im Gegenzug der Vergangenheit angehören. Die Förderung entsprechender Investitionen durch Zuschüsse scheint folglich auch im Sinne des Umweltschutzes sinnvoll.

Nachhaltige Anbaumethoden werden wichtiger
Vergessen sollte man in diesem Zusammenhang nicht, dass die US-Landwirte beträchtliche Hilfsleistungen unter der alten US-Regierung erhielten. Inwieweit diese Subventionen Bestand haben werden, bleibt unklar. Mit gewissen Kürzungen ist zu rechnen. Dies gilt ebenso für die europäischen Landwirte, die mittelfristig mit niedrigeren Direktzahlungen aus Brüssel konfrontiert sein werden. Umso wichtiger wird vor diesem Hintergrund eine Belohnung nachhaltiger Anbaumethoden. Erste Schritte werden in Nordamerika unternommen. So will Nutrien, einer der führenden US-Agrarguthändler, ab 2021 erstmals CO2-Zertifikate für besonders bodenschonende Pflanzungen prüfen und an Interessenten aus der Industrie weiterverkaufen. Dies könnte ein vielversprechender Weg sein, den Bauern endlich abseits der traditionellen Subventionen eine zweite Einkommensquelle zu generieren. In der Folge würde sich die durch die stark schwankenden Agrarstoffpreise bedingte Einkommenszyklik zumindest etwas entschärfen. Kurzfristig ist aber so oder so bei vielen Landwirten vorerst mit steigenden Erträgen zu rechnen. Aktien aus diesem Segment bleiben trotz der bereits erzielten Kursgewinne unverändert aussichtsreich.

Foto: DJE Kapital AG

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Bankaktien sind wieder attraktiv

Nach Jahren der Kursabschläge erstrahlen sie wieder in neuem Glanz: die Aktien der internationalen Geldhäuser.

Roman Steinbauer. Ausgerechnet das aufkommende Gespenst steigender Marktzinsen flößt zur Zeit Bankaktien Fantasie ein. Fürchten die Industrie und das Gewerbe anziehende Finanzierungskonditionen, so erhält die Hoffnung der Finanzinstitute Nahrung, wieder eine höhere Zinsmarge zu lukrieren. Offen bleibt für Aktionäre der Bankenbranche, ob bloß ein Auflodern zu beobachten ist oder eine nachhaltige Zeitenwende eingeleitet wurde. Obwohl mittelfristige Verbindlichkeiten westlicher Staaten und Unternehmen zuletzt teurer wurden, fußt eine Wette auf eine grundlegende Zins-Trendwende im Langfrist-Segment (abseits des Notenbank-Leitzinses) noch auf Spekulation. Der markante Aufschwung der Aktien der Investment- und Geschäftsbanken liefert aber ein beachtenswertes Signal. Zudem zeigte die Präsidentin der EZB in der Vorwoche in einer

Anhörung des Europaparlaments „wir reagieren auf einen Rendite-Anstieg, der der erwarteten wirtschaftlichen Erholung vorausläuft“ eine gute Portion Nervosität.

Der F.A.Z.-Banken-Index (ISIN: DE000SLA3AA7) markierte im März 2020 den Tiefpunkt der vergangenen zehn Jahre. Anteilhaber dieser Gattung hatten einen unbändigen Abwärtstrend zu verdauen, genossen doch Aktionäre anderer Sektoren bis dahin einen jahrelangen Kursaufschwung. Trotz der jüngsten Erholung befindet sich dieser Index immer noch 67 % unter dem Stand von 2011.

Die Pferde früh zum Laufen gebracht
Bereits im August des Vorjahres erwarb Warren Buffetts Investmentunternehmen Berkshire Hathaway Inc. weitere 13,76 Mio Anteile an der Bank of America (US0605051046) und hält nun mehr als 11,7 %. In der Folge avancierten die Papiere durch den „Nachkauf“-Effekt der Investoren um 40 %. Nachdem sich die Gesellschaft aus Nebraska den Autoversicherer Geico zu 100 % einverleibte, bestehen ansehnliche Beteiligungen an dem fünftgrößten Institut der USA, U.S. Bancorp (mit 8,7 %, US9029733048) und dem Finanzriesen Wells Fargo (1,3 %, US9497461015). Letztgenannte Titel legten seit Sommer gar um mehr als 50 % zu. Abseits des Schielens auf Transaktionen der Berkshire Inc., sticht vor allem die fulminante Reaktion der Banc-of-California-Aktie (eine Geschäftsbank mit 30 Niederlassungen, US05990K1060) mit +125 % binnen sechs Monaten hervor.

Parallellauf in Europa
Spektakulär entwickelte sich der Kursverlauf der Baader Bank (DE0005088108), der um satte 700 % höher steht als ein Jahr zuvor. Die Oberbayern meldeten für 2020 eine Verdoppelung des Ertrags auf 231 Mio Euro. Direkt profitiert haben die Aktien vom starken Handelsumfeld an den Börsen und einem Anstieg auf mehr als 100.000 Depotkunden. Dazu schlossen Titel der jahrelang darbenden Deutschen Bank (DE0005140008) zum höchsten Stand seit August 2018 auf. Hier schlägt sich die dynamisch verlaufende Investmentbanking-Sparte positiv nieder. So lägen laut CFO Fabrizio Campelli die Erträge in den ersten Monaten des Jahres um 20 % über Vorjahresniveau. Selbst Eigner der deutschen Commerzbank (DE000CBK1001) können weiter aufatmen. Aktionäre des größten deutschen Instituts für Privat- und Geschäftskunden sahen über 13 Jahre fast nur erodierende Kurse und hatten mehrere Reverse-Splits zu verdauen. Und auch Anteilsscheine der Universalbanken, wie jene der heimischen Erste Group (trotz Gewinnhalbierung in 2020) oder der RBI (Belastungen in Osteuropa) erholten sich deutlich.

Foto: AdobeStock / Fotomek

 

 

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Gold richtig verkaufen

Ein Leitfaden rund um das begehrte Edelmetall.

Harald Kolerus. Gold ist nicht erst seit der Corona-Pandemie als „Krisenwährung“ beliebt; aber in manchen Situationen will man das Edelmetall nicht erwerben, sondern abgenützte Stücke verkaufen. „Bruchgold“ sagen Fachleute zu dieser Art von Schmuck, der seine beste Zeit hinter sich hat und nur noch zum Einschmelzen taugt. Also besser gleich zu barer Münze machen; dabei den richtigen Weg zu finden ist allerdings nicht ganz einfach. Hier eine Orientierungshilfe.

Enorme Preisspannen
Einen guten Überblick verleiht ein Test des VKI: Hier wurden bei 20 Firmen in Wien und Innsbruck Schmuck sowie Münzen zur Kostenschätzung vorgelegt, die Ergebnisse waren erstaunlich: Der VKI berichtet, dass ein Händler ein Angebot von 60 % unter dem tatsächlichen Wert gestellt hatte. Überhaupt waren die Preisspannen enorm, der Unterschied bei den Angeboten reichte bis zu 65 %. Edmund Gallei vom VKI erklärt im Gespräch mit dem Börsen-Kurier: „Unser letzter großangelegter Test in diesem Bereich wurde 2015 veröffentlicht, ich rechne aber damit, dass der Markt in der Zwischenzeit ziemlich gleichgeblieben ist.“

Selbst unter die Lupe nehmen
Was also tun, um Schmuck sicher an den Mann zu bringen? Wir haben bei Stefan Klausner nachgefragt, er ist Altgold-Experte beim Edelmetall-Händler Philoro: „Man darf die emotionale Komponente nicht unterschätzen. Deshalb rate ich, als ersten Schritt zu Hause in aller Ruhe die betreffenden Stücke einzeln zu betrachten, um sicher zu entscheiden, wovon ich mich wirklich trennen will.“ Klausner berichtet, dass es vorkommen kann, dass potenzielle Verkäufer in der Filiale vor Abschluss unsicher werden: „Dann empfehle ich, noch einmal über mögliche Verkäufe zu schlafen. Es wäre schade, dem einen oder anderen Schmuckstück später nachtrauern zu müssen.“

Ebenfalls empfiehlt der Experte, die entsprechenden Stücke vorab nach Feingehalt zu sortieren. Bei Gold erkennt man 14 Karat an der 585er Punzierung, bei 18 Karat findet man die 750er-Punzierung. Dann erfolgt die Abwägung mit einer genauen Küchen- oder noch besser Briefwaage. Auf der Homepage eines seriösen Anbieters wird nun der tagesaktuelle Goldkurs festgestellt. Klausner: „Auf phi-loro.at stellen wir einen Edelmetall-Rechner zur Verfügung, in den man das Gewicht eingeben und so leicht den Preis abschätzen kann.“

Seriöse Händler finden
Nun begibt man sich auf die Suche nach dem Juwelier oder Edelmetallhändler des Vertrauens. Ein Blick ins Internet schadet dabei nicht, hier kann man sich zumindest einen ersten Eindruck über die Seriosität von Anbietern bilden. „Wichtig ist dabei immer Transparenz. Man muss leicht erkennen können, wieviel wofür bezahlt wird. Anbieter müssen es dem Kunden leicht, nicht schwer machen“, so Klausner. Der Experte empfiehlt jedenfalls den persönlichen Kontakt, wobei mehrere verschiedene Anbieter aufgesucht werden sollten, um Angebote vergleichen zu können.

Der Kauf von Schmuck ist wiederum etwas anderes. Hier sucht man sich ja nach Lust und Laune (sowie der eigenen Geldbörse) das „Objekt der Begierde“ aus. Dennoch kann auch hier nach der genannten Vorgehensweise die Seriosität des Händlers gecheckt werden, dabei immer auf die Transparenz achten. Tipp: Als reine Wertanlage ist der Kauf von standardisierten Barren oder Münzen übersichtlicher als von Schmuck.

No-Gos
Man sollte sich nicht auf einen Verkauf einlassen, wenn der Abwiege-Vorgang uneinsichtig ist. Außerdem sollte unbedingt klar sein, wie die Preisermittlung zustande kommt. Auch hört man manchmal, dass unseriöse Anbieter während des Verkaufsgesprächs psychologischen Druck ausüben. Dann heißt es: Nein danke sagen und den nächsten Händler aufsuchen.

Foto: Philoro / Sabine Klimpt

 

 

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Renditechancen mit Rosinenpicken

Marktumfeld wird kniffliger: Chancen gibt es in Schwellenländern und bei Rohstoffen.

Raja Korinek. Die Renditen zehnjähriger US-Treasuries steigen stetig an und übersprangen zuletzt die Marke von 1,7 %. Weiteres Öl ins Feuer goss die Fed bei ihrer Sitzung Mittwoch vor einer Woche. Darin äußerte sie sich zuversichtlich zur US-Konjunkturerholung. Eine erste Zinserhöhung dürfte es dennoch nicht vor 2023 geben. Und damit wird der aufflackernden Inflation vorerst kein Einhalt geboten, ein Umstand, der die Anleihemärkte belastet.

„Unseres Erachtens werden die längerfristigen Renditen im Zuge einer nachhaltigeren Konjunkturerholung weiter steigen“, konstatiert Erwin Busch, Director Asset Management Germany/Austria bei der Credit Suisse Asset Management. Busch war einer der Vortragenden am diesjährigen Österreichischen Fondsforum, das sich auch der Börsen-Kurier anhörte. Busch rät Anlegern deshalb grundsätzlich zu kürzeren Laufzeiten bei Anleihen.

Chancen in den Schwellenländern
Busch sieht zudem Chancen bei Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern, vor allem aus Asien. Diese Papiere würden vom Wachstum in den Regionen profitieren. Und das Währungsrisiko, das man mit Anleihen in Local Currencies eingeht? Bei der Credit Suisse AM rechnet man eher mit einer US-Dollar-Schwäche. „Ein Umstand, von dem Währungen in den Schwellenländern profitieren“, sagt Busch. In Asien verweist er auf Chancen etwa mit dem chinesischen Renminbi sowie dem südkoreanischen Won. Auch der russische Rubel sowie der brasilianische Real könnten aufwerten. Letztere zwei Währungen profitieren in der Regel von steigenden Rohstoffnotierungen.

Weiters Chancen sieht man beim Schweizer Vermögensverwalter mit Wandelanleihen. Ralph Geiger, er ist Product Specialist bei Credit Suisse Asset Management, meint, auch bei diesen Produkten sei die Rendite zwar mickrig. „Man partizipiert aber vom steigenden Aktienmarkt.“ Grob gesagt, machen Anleger gut zwei Drittel des Aufschwungs mit, aber nur rund ein Drittel der Verluste. Denn Wandelanleihen sind mit einer Option – dem Recht, die Anleihe in die Aktie zu einem fixen Kurs zu wandeln – ausgestattet. Sollte die Option bei einem Crash im schlimmsten Fall wertlos werden, haben Anleger immer noch den Bond, der zu Laufzeitende getilgt wird.

Unterschiedliche Marktrichtungen nutzen
Doch wie könnte es mit der großen Geldflut weitergehen? Für Gerd Gwiss, Partner bei FTC Capital GmbH, stecken die Zentralbanken in der Zwickmühle. „Seit Ausbruch der Covid-19-Krise erleben wir eine gemeinsame geld- und fiskalpolitische Expansion.“ Eine derartige Parallelstrategie habe es selten gegeben. Und führe dazu, dass sich die Zentralbanken völlig in die Hand der Politik begeben hätten, mahnt Gwiss.

Gwiss meint auch, dass im aktuellen Umfeld Managed Futures ihre Stärken ausspielen könnten. Und das aus gutem Grund: Mit Derivaten – sogenannten „Futures“ – wird bei Managed Futures auch auf fallende Bondkurse gesetzt, genauso wie auf Währungskurse, „und auf jede Menge Rohstoff-Futures“, sagt Gwiss. Letzterer Anlageklasse räumt er jede Menge Potenzial ein. Freilich, auch bei Aktien können Managed Futures auf steigende Kurse setzen. Und genauso auch auf fallende Notierungen, was G‘wiss im aktuellen Umfeld für eine gute Eigenschaft hält: „Die Aktienmärkte haben sehr hohe Bewertungen erreicht.“ Wann Positionen eingegangen werden, entscheidet bei Managed Futures aber nicht ein Bauchgefühl. Das tun mathematische Programme, die auf technische Marktsignale reagieren.

Foto: Adobe Stock / Mindscanner

 

 

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Inflation als „GameStop“ für die Aktienbörse?

US-Technologiesektor überproportional von steigenden Zinsen betroffen. Ein Kommentar von Dr. Manfred Schlumberger, Leiter Portfoliomanagement StarCapital.

(15.03.) Werden die steigenden Inflationsraten, die bereits den Zins für 10-jährige US-Staatsanleihen binnen weniger als einem Jahr um 1 % ansteigen ließen, auch der Aktienrally den Garaus machen? Grundsätzlich taugen steigende Zinsen zum Spielverderber für Aktien. Schließlich sollten Aktienkurse nichts anderes als die mit dem allgemeinen Renditeniveau abgezinsten Unternehmensgewinne der Zukunft widerspiegeln. Höhere Zinsen führen entsprechend dazu, dass zukünftigen Gewinnen heute ein niedrigerer Wert beigemessen wird als bei tiefen Zinsen.

Der stärkste Treiber für den Inflationsanstieg sind die Rohstoffpreise. Allein der Ölpreis hat sich von Niveaus unter null während der Corona-Panik im letzten April auf weit über 60 USD pro Fass erholt und treibt über den Basiseffekt der Prozentrechnung die Inflationsraten nach oben (im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat). Auch die Preise für Industriemetalle wie Kupfer, Aluminium, Nickel und Lithium haben sich nicht zuletzt wegen des Trends zur Elektromobilität massiv erhöht. Die durchaus realistische Erwartung, dass mit einer rasant zunehmenden Verimpfung der Bevölkerung im zweiten Halbjahr ein gewaltiger Wirtschaftsboom einsetzen wird, lässt weitere Preisanstiege erwarten. Hohe chinesische Importe von Landwirtschaftsgütern verstärkten zusätzlich den Trend rasant anziehender Agrarpreise. Preise für Mais und Sojabohnen verteuerten sich bereits mit Raten zwischen 60 und 80 %. Häuserpreise stiegen sowohl in Europa wie in den USA: Dort sogar mit einer zweistelligen Rate! Die Autoindustrie jammert über preistreibende Engpässe bei Chips und die Frachtraten für Container, die zwischen China und den USA ebenso wie Europa verkehren, stiegen bereits um ein Vielfaches. Auch die Suche nach „sichereren“ Lieferketten treibt die Preise.

Reflationsgewinner
Profiteure einer steigenden Inflation sind in der Regel Sachwerte wie Aktien, Immobilien und Edelmetalle. Edelmetalle gewinnen insbesondere bei tendenziell sinkenden und negativen Realzinsen. Immobilien werden ab einem bestimmten Kreditzinsniveau negativ tangiert.

Aktien präferieren eher sinkende Zinsen. Aus der empirischen Kapitalmarktforschung wissen wir, dass die Aktienmärkte prinzipiell erst bei nachhaltig und dynamisch über ein Niveau von 3 % hinaus ansteigenden Inflationsraten negativ getroffen werden. Bereits bei geringeren Inflations- bzw. Zinsanstiegen werden teure Wachstumswerte wie beispielsweise aus dem US-Technologiesektor überproportional negativ tangiert. Als Begründung dient der höhere Verschuldungsgrad und die höhere Bewertung von Wachstumswerten. Da die FAANGM-Technologiewerte in den USA 24 % des S&P 500 ausmachen, ist mit einer relativen Underperformance des US-Marktes zu rechnen.

Da die meisten Kapitalanleger extrem übergewichtet in US-Technologiewerten investiert sind, leiden sie jedoch primär infolge einer Rotation in eher zyklische, konjunktursensitive Value-Sektoren wie Grundstoffe und Energie. Zyklische europäische und asiatische Value-Titel mit zunehmendem Gewinnmomentum werden somit weiter outperformen.

Vom bereits begonnenen „Rohstoffzyklus“ profitiert man am besten durch Öl- und Grundstoffaktien. Zusätzlich bieten sich „Corona-Verlierer“-Aktien des Jahres 2020 an, also Unternehmen aus dem Segment Touristik und Verkehr, die noch über gewaltiges Aufholpotenzial verfügen.

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Menschen reagieren auf Förderungen

Zukunftsvorsorge: Eine ursprünglich gute Idee wiederbeleben und verbessern.

Manfred Kainz. Es ist ein Dauerbrenner auf den Vorsorge-Spezial-Seiten des Börsen-Kurier, in den einschlägigen Branchen und in der Sozialpolitik: Wie kann man die dritte Säule der Altersfinanzierung, die private Eigenvorsorge, ankurbeln? Ansetzen könne man schon davor, meint der Pensionsexperte des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo) Thomas Url gegenüber dem Börsen-Kurier: Aus wirtschaftspolitischer Sicht erscheint die altersgerechte Gestaltung der Arbeitsbedingungen für ältere Erwerbstätige (55 bis 65 Jahre) als ein vielversprechendes Instrument mit mehrfachem Nutzen, meint der Senior Economist. Sie könnte den Andrang zur vorzeitigen Pensionierung drosseln, erzeugt gleichzeitig Beitragseinnahmen und deckt die hohe Nachfrage nach Fachkräften. Und zur Ausgabeneinsparung sollte die reguläre Pensionsanpassung kurz- bis mittelfristig strikt an der Inflationsrate ausgerichtet werden. Langfristig müsse sich Österreich fragen, ob die Konzentration des Pensionssystems auf das Umlageverfahren in Kombination mit hohen Einkommensersatzraten für mehr als 90 % der Erwerbstätigen sozialpolitisch sinnvoll ist.

Unterschätze Zukunft
Der schwache Umfang betrieblicher und privater Altersvorsorge stelle auch für die Vorsorge via Kapitalmarkt einen Hemmschuh dar. Da könne man auf verhaltensökonomische Erkenntnisse zurückgreifen und positive Erfahrungen aus der Vergangenheit anwenden, meint der Wifo-Mann. Eine budgetäre Vorinvestition in eine staatliche Verdopplung der Förderung für private Zukunftsvorsorge würde sich rentieren, wenn man gleichzeitig das jetzige Gesamtkonstrukt der Produkte verbessert, schlägt er vor. Dass die Österreicher bei der dritten, privaten Säule so zurückhaltend sind, lasse sich mit Erkenntnissen aus der Behavioral Finance, die sich mit dem – nichtrationalen – menschlichen Verhalten in wirtschaftlich-finanziellen Dingen beschäftigt, begründen. Der Senior Economist verweist darauf, dass Menschen „die Zukunft zu niedrig bewerten“. Das heißt, dass sie lieber in der

Gegenwart konsumieren, als Konsum auf später zu verschieben, also für einen künftigen finanziellen Polster Geld auf die Seite zu legen. Die Denke „Lieber heute den Spatz in der Hand als später eine Taube auf dem Dach“, macht es uns Menschen schwer, heute für über-über-morgen auf Konsum zu verzichten.

Großzügiger KHG
Die Frage ist also: Wie kann man dem entgegenwirken? Wifo-Experte Url rät, auf positive Erfahrungen zurückzugreifen. Das ursprüngliche Instrument der staatlichen Förderung in der Prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge (PZV) „hat enorm gut funktioniert“. Die „alte“ Förderung (9,5 % ab 2003) „war schon sehr stark“, auch die 8,5 % später „haben gezogen“. Als die Förderung zusammengestutzt wurde (von 8,5 auf 4,25 % halbiert in 2012), habe das Instrument an Dynamik verloren. Aus der Erfahrung könne man lernen, dass Privathaushalte stark auf spürbare Förderungen reagieren und durch-aus bereit sind, langfristig gebundene Ansparformen einzugehen.

Die zweite Lehre, so der Wirtschaftsforscher, ist, dass „Kapitalgarantien kosten, und daher Vorsorgeprodukte mit so einer Garantie ertragsmäßig unattraktiv machen“. Und dritte Lehre daraus: Das „Gespann“ aus teurer Garantie und verpflichtender 40 %iger Veranlagungsquote am Austro-Kapitalmarkt (um diesen zu fördern, aber mit entsprechender Volatilität als limitierter Markt), hat sich als „nicht sinnvoll erwiesen“.

Was man aus den Lehren ableiten kann, ist, so Url:

  1. Keine verpflichtende Kapitalgarantie oder Mindestertragsgarantie für PZV-Produkte – das spart Kosten, die sonst die Rendite beschneiden.
  2. Kein Mindestanlagevolumen in einem Markt vorgeben (auch nicht auf dem österreichischen), sondern ein breites Portfolio (z.B. MSCI World) erlauben.
  3. Als interessante „ordentliche“ Förderung die staatliche Prämie „vorne“ wieder auf ursprüngliches Niveau verdoppeln.
  4. Die Ansparphase KESt-frei, wie jetzt, belassen.
  5. Aber dafür die Auszahlungsphase voll besteuern (die jetzt steuerfrei ist). Denn auch das „Steuerzahlen erst in Zukunft“ wird von den Menschen verhaltensökonomisch „niedriger bewertet“ und daher mental eher vernachlässigt.

Budgetär wäre dieses System durch die nachgelagerte Besteuerung nahezu aufkommensneutral und in Summe günstiger als das jetzt angewendete, in dem in den – vielen – Auszahlungsjahren dem Staat keine Steuern hereinkommen.

Einfrieren
Eine Begleitmaßnahme nennt der Wifo-Economist noch, „wenn man Dynamik in die dritte Säule bringen will“: Nämlich „Einfrieren“ der Höchstbeitragsgrundlage im Umlagesystem. Damit wird für Gutverdiener und Menschen mit steigendem Einkommensverlauf und 40-jährigem Durchrechnungszeitraum das „zukünftige Leistungsversprechen“ geringer. Wenn sie sehen, dass später aus der ersten Säule nicht viel herauskommt, haben sie eher als jetzt einen Anreiz, kapitalgedeckt privat vorzusorgen, um den Einkommensrückgang zum Pensionsantritt zu kompensieren. Denn jetzt ist für Einkommen unter der Höchstbeitragsgrundlage – mit durchschnittlich 80 % Bruttoersatzrate im Umlagesystem – wenig attraktiv, zusätzliche Vorsorge via Kapitalmarkt zu machen. Das zeigt die Praxis.

Foto: AdobeStock / K.-U. Häßler

 

 

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Wer bezahlt die Pandemie?

Agenda-Austria-Chef Franz Schellhorn und die Wege aus der Krise.

Manfred Kainz. Noch ist das gesamte private und öffentliche Leben überlagert von der Pandemie. Besonders auch die Wirtschafts- und Finanzpolitik. Denn eine Frage wird angesichts der riesigen budgetpolitischen Lasten und Herausforderungen immer virulenter: Wer bezahlt die Krise?

Um diese Frage annäherungsweise beantworten zu können, muss man wohl einen Schritt zurücksetzen, um einen breiteren Blick auf das Gesamtszenario zu haben.

Drei „zentrale Fehleinschätzungen“ in der politischen Diskussion ortet etwa Franz Schellhorn, Direktor des unabhängigen wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Thinktanks Agenda Austria. Nämlich: Dass der Erhalt unseres Wohlstands auch ohne Wachstum möglich sei. Dass die österreichische Staatsverwaltung zwar teuer sei, aber in hoher Qualität funktioniere. Und: Dass nach Überwindung der (Wirtschafts-) Krise kein Weg an neuen Steuern vorbeiführe.

Aus Schulden herauswachsen
Schellhorn stellt diesen „Fehleinschätzungen“ folgendes entge-gen: Wir müssen rasch zurück auf einen Wachstumskurs. Nur so könne man Wohlstand halten und aus den Staatsschulden „herauswachsen“. Dazu müsse die Regierung konsequent bestrebt sein, die Staatsverwaltung leistungsfähiger zu machen.

Derzeit sei die „Staatsleistung suboptimal“, wie das akute Beispiel der Organisation der Impfungen und der internationale Impfrückstand zeigen würden. Doch gerade eine rasche Durchimpfung sei wichtig, um die Covid-Krise zu überwinden und um auf den wirtschaftlichen Wachstumspfad zurückzukehren. Und nach der Krise müsse die Konsolidierung der Staatsfinanzen verstärkt werden. Denn „Corona ist viel, aber noch nicht alles“, so der Agenda-Austria-Direktor. Er verweist auf den finanzpolitischen Dauerbrenner des demographischen Faktums unserer rasch alternden Bevölkerungsstruktur – und der damit verbundenen, steigenden Pensionslasten.

Spielraum schaffen
Wer das bezahlen soll? Der Staat muss aufpassen. Denn trotz des niedrigen Zinsniveaus bestehe die Gefahr einer „Zinsenfalle“, wenn die gestiegenen Staatsschulden bei niedrigem Wirtschaftswachstum in der Zukunft auf wieder höhere Zinsen stoßen. Schon in der Vergangenheit habe man die Entwicklung des Zinsniveaus nicht korrekt vorhersagen können. Und so sieht Schellhorn drei „zentrale Lösungen“ aus dieser Krise: Wir müssten rasch zurück auf den Wachstumskurs. Der größte Beitrag der Bundesregierung müsse das Bereitstellen einer funktionstüchtigen Staatsverwaltung sein. Und: Nach dieser Krise müsse der ausgabenseitige Konsolidierungskurs verstärkt werden. Ausgaben müssten nicht radikal gekürzt werden, vielmehr wäre sicherzustellen, dass in konjunkturell guten Jahren Budgetüberschüsse anfallen.

Österreich sollte sich ein Beispiel an Schweden nehmen, das halb so hohe Staatsschulden hat wie Österreich. Und dementsprechend mehr Spielraum. Am Beispiel einer Pensionsreform würde das etwa erfordern, dass wir „jedes Jahr drei Monate später in Frühpension gehen“ müssten, um das staatliche Pensionsdefizit bei 20 MrdE jährlich „einzufrieren“. (Anm.: Aktuell liegt es bei 24 MrdE; Tendenz seit Jahrzehnten steigend.)

Ausgabenbremse
Weiters brauche es eine budgetäre „Ausgabenbremse“, die die Ausgabendynamik mit der Inflationshöhe begrenzt. Wobei es auch auf EU-Ebene wünschenswert wäre, die Mitgliedsstaaten anzuhalten, das niedrige Zinsniveau zu nutzen, um Budgets zu konsolidieren. Auch wenn das billionenschwere Füllhorn des Europäischen „Recoveryfonds“ nicht gerade ein Anreiz dazu ist. Schuldenabbau durch Inflation werde hingegen nicht so einfach, denn die Inflationsraten dürften nicht auf frühere Werte über 5 % steigen. Regierungen würden zwar froh sein über Inflation, aber man werde sie nicht so hoch werden lassen, dass sie zu einem kontraproduktiven, konjunkturabwürgenden Vertrauensverlust in Bevölkerung und Wirtschaft führt.

Unsicher bleibt, wie lange die Geldschwemme der EZB noch anhalten wird. Denn die EZB habe derzeit keinen erkennbaren Plan für einen Ausstieg, halte aber bereits 25 % der Staatsanleihen in der EU, so der Agenda-Austria-Direktor, der die Geldpolitik in Frankfurt skeptisch sieht.

Foto: AdobeStock / mekcar

 

 

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Vorsorgerisiko Scheidung

Pensionistinnen erhalten ein Drittel weniger Pension.

Rudolf Preyer. Der sogenannte „Gender Pension Gap“ ist wesentlich auf die geschlechterspezifische Aufgabenteilung zwischen Haus- und Erwerbsarbeit zurückzuführen, wie Swiss Life in einer aktuellen umfassenden Studie aufzeigt. Diese basiert auf einer Befragung, die zwischen dem 18. und dem 25. Feber stattfand. Teilgenommen haben 834 geschiedene und wiederverheiratete Frauen. Besonders hart treffen solche Vorsorgelücken geschiedene Frauen. Die Auswirkungen einer Scheidung auf die Altersvorsorge sind für Frauen nämlich besonders groß. Diese werden aber häufig leider unterschätzt.

Pensionsunterschiede in der beruflichen Vorsorge entstehen für Frauen während der Ehe aufgrund von Kinderbetreuung und damit einhergehender reduzierter Erwerbstätigkeit. Vergessen wird jedoch oft, dass zwei Drittel aller Scheidungen vor dem 50. Altersjahr stattfinden. Zu einem Zeitpunkt also, in dem in der zweiten Säule typischerweise weniger als die Hälfte des künftigen Vorsorgeguthabens angespart wurde und entsprechend ein wesentlicher Teil des Sparprozesses noch bevorsteht.

Unterhaltszahlung hilft nur begrenzt
Die Kinderbetreuung fällt nach der Scheidung in etwa acht von zehn Fällen hauptsächlich den Müttern zu. Kann die kinderbetreuende Ex-Partnerin nach der Scheidung nicht Vollzeit arbeiten, erhöhen Unterhaltszahlungen die Neigung von Frauen zwar, individuell fürs Alter zu sparen – was tatsächlich zur Reduktion des Gender Pension Gap beitragen kann.

Allerdings, und jetzt kommt das große allerdings, erhält eine Mehrheit der befragten geschiedenen und teilzeitarbeitenden Mütter entweder keine solchen Unterhaltszahlungen oder kann trotz dieser nicht fürs Alter sparen. Somit gilt überwiegend: Der „Gender Pension Gap“ bei Geschiedenen bleibt daher vielfach weiter bestehen.

Rückzug vom Berufsleben wirkt nach
Zudem entstehen auch lange nach der Scheidung und der Kinderbetreuungsphase oft noch erhebliche Vorsorgelücken, weil auch viele geschiedene Frauen, die keine Kinder (mehr) betreuen, nicht Vollzeit arbeiten.

Obwohl eine Scheidung also tiefgreifende Konsequenzen für die Altersvorsorge hat, wird dieser Umstand häufig unterschätzt: Nur gut ein Fünftel der befragten Frauen hat sich während der Scheidung ernsthaft damit auseinandergesetzt. Lediglich 14 % haben sich laut Swiss Life vor der Scheidung zu den Auswirkungen auf die Altersvorsorge beraten lassen.

Fuß im Arbeitsmarkt behalten
Die Ergebnisse der Studie legen jedoch genau das nahe: Sich bereits im Rahmen einer Scheidung mit deren Auswirkungen auf die Altersvorsorge auseinanderzusetzen und sich rechtzeitig beraten zu lassen, lohnt sich. Aus Vorsorgeperspektive empfiehlt die Studie zudem, dass Frauen trotz der scheinbaren Sicherheit der Ehe – möglichst Vollzeit – im Arbeitsmarkt bleiben sollten.

Politik natürlich auch gefordert
Adressat dieser Empfehlung ist auch der Ehepartner, der so Swiss Life, „seinen Beitrag zu leisten hat, damit dies gelingen kann“. Politik und Arbeitgeber sind gemäß der Studie ebenfalls aufgefordert, den Verbleib von Müttern im Arbeitsmarkt zu fördern. Dies ermöglicht Frauen im Scheidungsfall nicht nur ein finanziell selbstbestimmteres Leben, sondern führt langfristig tendenziell auch zu tieferen Kosten im Umlageverfahren.

Foto: AdobeStock / Konstantin Sutyagin

 

 

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Österreichs Techwerte stark unterwegs

Vom coronabedingten Digitalisierungsschub haben auch heimische Firmen profitiert.

Patrick Baldia. Zu den Profiteuren der Covid-19-Pandemie an den Börsen gehört bekanntlich der Technologiesektor. Vor allem die großen US-Technologiekonzerne – sprich die FAANGs (für Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google, Anm.) – dominierten im Vorjahr die Schlagzeilen. Dahinter steht die pandemiebedingte Beschleunigung der Digitalisierung bzw. die damit verbundene boomende Nachfrage nach einschlägigen Produkten und Dienstleistungen. Auch wenn das Universum an börsennotierten Tech-Playern hierzulande eher dünn gesät ist, so lässt sich doch ein interessantes einschlägiges Portfolio zusammenstellen.

„Die Corona-Pandemie hat in vielen Lebensbereichen zu einem Digitalisierungsschub geführt. In fast allen Ländern der Welt ist es zu einem massiven Ansteigen des Datenverkehrs gekommen, was unter anderem die Nachfrage nach ,ABF-Substraten‘ stärkt“, so Andreas Gerstenmayer, CEO AT&S. Er gehe jedenfalls von weiterwachsenden Märkten in allen Geschäftsfeldern des Leiterplattenherstellers – Mobile Devices, Automotive, Industrial, Medical und Advanced Packaging – aus.

Um dieser Entwicklung gerecht zu werden bzw. um daran noch stärker partizipieren zu können, baut AT&S die Kapazitäten derzeit massiv aus. So ist etwa das IC-Substratewerk im chinesischen Chongqing (CQ I) mittlerweile fertiggestellt. Im zweiten Halbjahr 2022/23 soll dort ein weiteres (CQ III) die Produktion aufnehmen und die stark wachsende Nachfrage nach Prozessorenleistung, für die leistungsfähige IC-Substrate und Leiterplatten benötigt werden, abdecken.

Dank neuer Kapazitäten, starker Nachfrage nach High-End Smartphones und neuen IC-Substraten sowie moderaten Anstiegen in den Bereichen Automobil und Medizin hat das Unternehmen starke Zahlen für das dritte Quartal 2020/21 vorgelegt und auch den Ausblick für das Gesamtjahr angehoben (der Börsen-Kurier berichtete).

Daraus lässt sich ein starkes 4. Quartal sowie ein gutes Geschäftsjahr 2020/21 ableiten. Die Aktie des Leiterplattenherstellers hat jeden-falls in den vergangenen zwölf Monaten einen Kursanstieg von fast 70 % hingelegt. Seit Jahresbeginn steht allerdings ein Minus von rund 2 % zu Buche.

ams-Aktie reagiert verhalten
Eine weniger rasante Kursentwicklung hat mit rund +5 % die Aktie der ams AG auf Einjahressicht vorzuweisen. Dabei ist auch der global tätige Halbleiterhersteller und Marktführer für optische, bildgebende, und audio-basierte Sensorlösungen aktuell gut unterwegs und hat etwa Anfang Feber starke Zahlen für 2020 vorgelegt – auch wegen der guten Performance der übernommenen Osram. Analysten führen die gemäßigte Reaktion der Aktie auf den verhaltenen Ausblick auf das erste Quartal mit einem Umsatzplus von nur 4 % zurück – trotz der erwarteten Stärke der iPhone-Nachfrage. Dennoch stehen Experten der Aktie positiv gegenüber und heben vor allem die attraktive Bewertung im Peer- Group-Vergleich hervor.

Und auch das Linzer Softwareunternehmen Fabasoft hat zuletzt gute Zahlen vorgelegt und in den ersten drei Quartale des Geschäftsjahres 2020/21 den Nettogewinn um 60 % steigern können. Dennoch berichtet das Unternehmen davon, dass mit dem Lockdown im Herbst die Kunden wieder zurückhaltender geworden seien. Die Zahlen reflektieren jedenfalls laut dem Management einen Anstieg bei den Recurring-Umsätzen aus Software und Dienstleistungen, ein sehr starkes Projektgeschäft und hohe Lizenzerlöse aus Einmallizenzen. Die Börsen-Performance kann sich mit +63 % in den vergangenen zwölf Monaten jedenfalls sehen lassen. Die Analysten von M.M. Warburg halten weitere

Anstiege für möglich und haben erst kürzlich ihr Kursziel von 58 auf 59 Euro pro Aktie erhöht. Kurz vor Redaktionsschluss notierte das Papier bei 41,50 Euro.

Vor den Vorhang geholt sollte mit der S&T ein weiterer börsennotierter heimischer Tech-Player. Der Anbieter von IT-Dienstleistungen – das Leistungsspektrum umfasst unter anderem die Bereiche Rechenzentrumsbetrieb, Workplace Management, Managed Printing, Beschaffung, Integration und Wartung von IT-Produkten sowie Softwareentwicklungen – beschäftigt weltweit rund 6.000 Mitarbeiter in mehr als 30 Ländern. Auch die S&T ist im aktuellen Geschäftsjahr gut unterwegs und konnte sein profitables Umsatzwachstum trotz Krise fortsetzen. Die Aktie kann ein Plus von mehr als 10 % seit Jahresbeginn vorweisen. 2020 legte sie immerhin um mehr als 4 % zu.

Foto: AdobeStock / Coloures Pic

 

 

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Green Washing bei Bonds

Nicht alle grünen Anleihen sind von nachhaltigen Emittenten.

Julia Kistner. Anleihen sind aktuell nicht unbedingt die Assetklasse, in die man investiert sein muss. Das meinte zuletzt auch die Investmentgröße Warren Buffett. Mit offensichtlich einer Ausnahme: Green Bonds. „Bislang wurden knapp mehr als 1 Bio Euro an Green Bonds emittiert; allein im vergangenen Jahr waren es 300 Mrd Euro“, berichtet Dieter Aigner, Geschäftsführer der Raiffeisen KAG, gegenüber dem Börsen-Kurier. Und: „Die Nachfrage nach Green Bonds steigt sogar noch stärker als das Angebot und das wird in den nächsten Jahren so weiter gehen. Unsere Favoriten sind Bereiche, die den größten Impact auf das Klima haben. Dazu zählen vor allem Emissionen im Bereich ‚Erneuerbare Energien‘ sowie Versorger und Banken, die Projekte unterstützen und finanzieren, die beispielsweise die Steigerung der Energieeffizienz, eine saubere Mobilität oder energieeffiziente Gebäude fördern.“ Ein grüner Wachstumsmotor sollten auch die internationalen Investitionsprogramme wie der „EU-Green Deal“ und angedachte Infrastrukturpakete sein.

Der Markt für grüne Anleihen hat sich in nur fünf Jahren versechsfacht. Das rasche Wachstum locke aber leider auch schwarze Schafe und Anleger liefen Gefahr, Opfer von Green Washing zu werden, warnt James Rich, Senior Portfolio Manager bei Aegon Asset Management. „Die Gefahr gibt es, weil es nach wie vor unterschiedliche Ansichten zum nachhaltigen positiven Impact von Projekten, auch in Abhängigkeit von der Branche gibt“, meint dazu Aigner, „wichtig ist, auf Standards zu achten, wie zum Beispiel die ‚Green Bond Principles‘ der ‚International Capital Market Association‘ ISMA, und diese auch durch externe Agenturen bestätigen zu lassen. Insgesamt sind die Standards noch ausbaufähig und es wäre gut, wenn das Thema politisch auch seitens der EU noch stärker besetzt würde. Wobei hier schon eine positive Entwicklung eingeleitet wurde.“

Die Hintergründe
Der Anreiz für unseriöses Greenwashing liegt auf der Hand: „Mit einem grünen Bondlabel verschafft man sich Zugang zu Finanzierungen, die derzeit durchschnittlich fünf Basispunkte günstiger sind“, so Rich.

Das bestätigt auch Raiffeisen-Mann Aigner und verweist auch auf die hohen Preise am Sekundärmarkt: „Die meisten Green Bonds sind am Primärmarkt deutlich überzeichnet und handeln danach am Sekundärmarkt zumeist teurer als die Zinskurve des Emittenten implizieren würde.“ Ein weiterer Vorteil für Emittenten grüner Bonds sind die längeren Laufzeiten, wodurch sie sich nicht so oft refinanzieren müssen. Die Laufzeit liegt im Schnitt bei etwas unter acht Jahren, verglichen mit 7,2 Jahren bei globalen Investment-Grade-Unternehmensanleihen.

Genau hinschauen
Wer schon bei Green Bonds eine niedrigere Verzinsung akzeptiert, sollte zumindest das bekommen, was draufsteht: Festverzinsliche Wertpapiere, die dazu dienen, Umwelt- bzw. Klimaschäden zu finanzieren. Das gleiche sollte auch für Social und Sustainable Bonds gelten, fordert Rich auch hier mehr Transparenz und mehr Informationen für die Anleger ein. Er rät Anlegern, sich mit Green Bonds und dem dazu gehörigen Reporting sehr sorgfältig zu befassen: „Vor allem muss man darauf achten, dass es sich nicht um Anleihen handelt, die beispielsweise eine spezielles Filteranlagen-Projekt eines Unternehmens finanzieren, das ansonsten alles andere als umweltfreundlich agiert.“

Foto: AdobeStock / Fotoschlick

 

 

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Spannende Resteverwerter

In der Recyclingbranche entsteht durch neue Technologien ein Milliardenmarkt.

Stefan Riedel, München. Strengere Umweltauflagen forcieren den Trend zur Entsorgung und Aufbereitung von Abfällen. So sieht die überarbeitete Abfallrahmenrichtlinie der EU eine Recyclingquote von 55 % bis 2025 und von 65 % bis zum Jahr 2035 vor.

Längst geht es nicht nur um das Management und die Verwertung von Abfall aus Privathaushalten und um die Aufbereitung von Schadstoffen, welche als Nebenprodukte in der Industrie oder im Bergbau entstehen. Um den Ressourcenverbrauch dauerhaft zu schonen, müssen Werkstoffe, Metalle und Plastik über die Umwandlung in neue Rohstoffe in den Wirtschaftskreislauf eingebunden werden.

Mit der zunehmenden Marktreife von neuen Technologien werden diese für Investoren interessant. „Eines der aussichtreichsten Geschäftsfelder der Zukunft werden neue Batterietechnologien für Elektrofahrzeuge mit weniger Materialverbrauch und mehr Recycling“, erläutert Pieter Busscher, Portfoliomanager bei Robeco. Hier hat die US-Firma Aqua Metals (ISIN: US03837J1016) ein elektrochemisches Verfahren entwickelt, mit dem sich Bleibatterien zu 100 % recyceln lassen. Über die im Jänner abgeschlossene Allianz mit BASF (DE000BASF111) will die Firma, die 2021 erste größere Umsätze erzielen wird, den Markt aufrollen.

Ein spannendes Zukunftsthema ist für den Robeco-Experten Busscher die Verarbeitung von komplexen Kunststoffabfällen wie Polyprophylen. Firmen wie Quantafuel (NO0010785967), Agilyx (NO0010872468) und Carbios (FR0011648716) arbeiten hier an chemischen Recycling-Verfahren, die sich mehrheitlich noch im Projektstadium befinden, und eignen sich nur als hochspekulative Depotbeimischung. Das MDAX-Unternehmen Aurubis (DE0006766504) verdient dagegen Geld mit dem Einschmelzen und der Verarbeitung von Kupfererz und Kupferschrott. Nach einem zweijährigen Durchhänger steht Aurubis vor einem neuen Umsatz- und Gewinnschub. Dasselbe gilt für Befesa (LU1704650164). Der im SDAX notierte Konzern hat sich auf das Recycling von industriellen Rest-stoffen aus Stahl und Aluminium spezialisiert. Umicore (BE0974320526) aus Belgien recycelt Metalle, Edelmetalle und Rohstoffe aus Elektroschrott und Batterien.

Die Sammel- und Sortiersysteme von Tomra Systems (NO0005668905) für die Leergutrücknahme sorgen in Super- und Getränkemärkten für das Recycling von Pfandflaschen. In diesem Geschäftsfeld besetzt das norwegische Unternehmen als europaweite Nummer Eins eine lukrative Marktnische.

Die jüngsten Gewinnmitnahmen bieten gute Einstiegskurse, denn die langfristigen Wachstumsperspektiven bleiben intakt. „Die Wachstumsraten für Recyclingspezialisten werden nicht an die von Technologieführern im IT-Bereich herankommen, aber die Kostenfrage bei Werkstoffen und Produktionsprozessen sollte den Unternehmen einen selbsttragenden Aufschwung bescheren“, ist Alexander Funk, Fondsmanager bei Ökoworld überzeugt.

Von den Einzelwerten bieten Aurubis und Befesa das beste Chance-Risiko-Profil, während das Wachstum bei Tomra in der aktuellen Aktienbewertung schon weitgehend eingepreist ist. Mit einer breiteren Risikostreuung als bei Einzelaktien können Anleger die Themen Werkstoff-Recycling und Abfallmanagement über einzelne Investmentfonds spielen. Der 2012 aufgelegte „RobecoSAM Smart Materials Equities D“ (LU2145463613) investiert in Technologien, welche zu einer beschleunigten Senkung der CO2-Emissionen beitragen. Dazu zählen das Recycling von Polypropylen und das chemische Recycling, aber auch Technologien für die energetische Gebäudeoptimierung, die Robotik und für die Produktion von Stahl und Aluminium mit Hilfe von erneuerbaren Energien. Zu den Klassikern unter den Umweltfonds zählt der „Vontobel Clean Technology B“ (LU0384406600). Die Recycling-Positionen umfassen hier führende Unternehmen in der Abfallentsorgung.

Foto: Pixabay / Shirley810

 

 

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Die Fed versucht es auf die harte Tour

Ein Kommentar von Mark Nash, Head of Fixed Income Alternatives bei Jupiter Asset Management.

(09.02.) Die Fed verweigert eine kalenderbasierte Prognose, obwohl der Markt angesichts der Inflations- und Wachstumsunsicherheit in Panik gerät: Damit scheint es die US-Notenbank auf die harte Tour zu versuchen und die Rolle der hawkischsten Zentralbank in den G10-Staaten einzunehmen.

Ergebnisbasierte Orientierungshilfen liefern dem Markt nur wenig Anhaltspunkte dafür, dass eine Zinserhöhung bevorsteht. Dies kann nur zu einer weiteren Schwäche der Anleihen führen, da mehr Laufzeitprämien bzw. Risikoprämien eingepreist werden. Aber hier geht es nicht nur um die Einpreisung der Fed-Zinsen. Die Risikoprämie ist es, die Probleme verursacht und es gibt nichts, um sie einzudämmen: Angesichts der veränderten globalen Dynamik haben die USA immer noch ein Refinanzierungsproblem. Das Defizit durch einen schwächeren US-Dollar zu finanzieren und die Zinsen niedrig zu halten, war für die Märkte viel günstiger, als die Zinsen steigen zu lassen und es auf diese Weise zu tun. Wenn der derzeitige Wachstumsschub endet, wird die Fed wahrscheinlich ihren Kurs ändern.

Dies wird auch den Dollar stützen, was zusätzliche Komplikationen mit sich bringt, da er isoliert betrachtet weniger gut für die Reflation ist. Angesichts dieser überraschenden Wende machen höhere Realzinsen und ein stärkerer Dollar höhere Volatilität an den Risikomärkten sehr viel wahrscheinlicher. Daher ist es kaum verwunderlich, dass US-Aktien im bisherigen Jahresverlauf ins Minus rutschen und festverzinsliche Wertpapiere aus Schwellenländern schwach bleiben. Die Ähnlichkeiten mit 2018 werden immer größer, da die USA erneut den Wachstums- und Zinszyklus anführen, unterstützt durch fiskalische Stimuli.

Die Wahrscheinlichkeit eines langanhaltenden Bärenmarktes bei Anleihen ist geringer, da die Dollar-Risiken steigen – Anleihen werden einfach nicht viel abgeben, wenn die Leitwährung anzieht. Kurzfristig sind die Anleihemärkte bei gutem Wachstum jedoch immer noch gefährdet, und eine Beschleunigung des Anstiegs der Realrenditen ist möglich, da ein von den USA angeführter Aufschwung und ein starker Dollar auch nicht gut für die Deckung der Defizite der USA sind. Und wie im Jahr 2018 ist dies zudem nicht gut für die Schwellenmärkte, wenn die USA überdurchschnittlich gut abschneiden, die Renditen steigen und der globale Privatsektor wieder US-Anlagen kauft.

Die Verschärfung der globalen Finanzbedingungen wirkt sich weltweit negativ aus (unter sonst gleichen Bedingungen), und wie bei der Repo-Krise 2019 könnte die Fed auch dieses Mal wieder davon überrascht werden, wie wenig nachhaltig die US-Renditen sind. Letztendlich wird die Fed wieder zu Lockerungen zurückkehren, wenn der Wachstumsschub zu Ende geht – möglicherweise im zweiten Halbjahr – und wir dann mit höheren Zinssätzen und einem höheren Dollar dastehen, wobei das Risiko wie üblich der Auslöser ist, der die amerikanische Notenbank zu einem solchen Schritt zwingt.

Die Welt braucht einen schwächeren Dollar und niedrige Realzinsen. Aufgrund des starken Wachstums kann dies vorerst ignoriert werden. Jedoch werden die Bedingungen für den Handel mit Risikoanlagen rundum schwieriger, da die Nervosität zunimmt. Man könnte sagen, dass die Fed aus ihren Fehlern nicht zu lernen scheint. Die Zentralbanken sehen nicht gerne ohnmächtig aus. Und im Nachhinein könnten sie zu dem Schluss kommen, dass sie kaum eine andere Wahl haben, als sich vor einem massiven Wachstumsschub Renditebewegungen gegenüber eher gleichgültig zu zeigen.

Foto: Jupiter AM

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Warum wahre Werte wieder gefragt sind

Angesichts steigender Inflationsraten und anziehender Renditen rücken Value-Aktien in den Fokus.

Raja Korinek. Die Nachwehen der Finanzkrise von 2008 sind bis heute zu spüren – zumindest im Segment der Value-Aktien. Es geht um Unternehmen, deren wahrer Wert sich im Börsenkurs noch nicht widerspiegelt, obwohl es sich meist um solide Qualitätsaktien handelt. Zu diesem Bereich zählen etwa Banken- aber auch Rohstoff- und zu einem Teil Gesundheitsaktien. Viele solcher Branchenaktien sind seit der Finanzkrise vor rund zwölf Jahren in Ungnade gefallen. Stattdessen lag das Hauptaugenmerk auf Wachstumsaktien – zu denen allen voran Technologietitel zählen. Sie profitierten im Vorjahr besonders kräftig von der Pandemie.

Großes Aufholpotenzial bei Value
Und so legte 2020 etwa der „MSCI Growth Index“ um knapp mehr als 34 % zu. Die drei größten Aktien darin sind Apple (ISIN: US0378331005), Microsoft (US5949181045) und Amazon (US0231351067). Der „MSCI Value Index“ beendete das Jahr hingegen mit einem leichten Minus von 0,38 %. Zu den drei größten Positionen zählen hier Johnson & Johnson (US4781601046), JP Morgan Chase (US46625H1005) und Berkshire Hathaway (US0846707026). Überhaupt hinkt die Wertentwicklung letzteren Indexes dem „MSCI Growth“ Index seit der Finanzkrise um fast 40 % nach.

Doch das Blatt könnte sich heuer wenden. Davon ist Manfred Schlumberger, Leiter Portfoliomanagement der StarCapital AG und Fondsmanager des „StarCapital Equity Value Plus“ (LU0114997082 für Privatanleger, LU0340591105), überzeugt. Im Gespräch mit dem Börsen-Kurier verweist er auf die steigenden Anleiherenditen, allen voran in den USA. „Solch eine Entwicklung kommt historisch gesehen Value-Aktien zugute, während viele Growth-Titel eher das Nachsehen haben.“

Dazu muss man ein wenig ausholen. Die Renditen sind zuletzt aufgrund der aufkeimenden Inflationsängste gestiegen. Vor allem der neue US-Präsident Joe Biden plant umfangreiche Fiskalpakete, um die Konjunktur in die Gänge zu bekommen. Das wiederum dürfte die Inflation antreiben, weshalb sich in solch einem Umfeld viele Bondinvestoren lieber von ihren Beständen trennen. Und sich angesichts steigender Refinanzierungskosten lieber bei Qualitätsaktien mit soliden Bilanzen einzukaufen.

Rohstoffnachfrage zieht an
Solche dürften etwa in der Rohstoffbranche zu finden sein. Sollte die Wirtschaft tatsächlich anziehen, steigt die Nachfrage nach Rohstoffen. Schon jetzt legten die Notierungen ein gutes Stück zu. Denn Chinas Appetit auf Kupfer, Nickel und Co. wächst wieder kräftig.

Und bei den Banken? Ihnen kommt derzeit besonders zugute, dass die langfristigen Renditen steigen, während das kurzfristige Ende auf historischem Tief verharrt. Schließlich haben die Währungshüter – auch in der Eurozone – klargestellt, dass eine Zinsanhebung noch länger nicht in Sicht ist. Das bedeutet: Für Einlagen müssen Banken ihren Kunden praktisch keine Zinsen zahlen. Demgegenüber können sie für Kredite höhere Zinsen verrechnen. Schlumberger mahnt dennoch, blindlings vor einem Investment in Bankaktien. Nicht überall seien alle Häuser effizient, er erwartet sich deshalb noch Konsolidierungen in der Branche.

Doch wie geht der erfahrene Experte im StarCapital-Portfolio vor? Zu den größten Positionen zählt Autohome (US05278C1071), eine chinesische Online-Plattform für den Autohandel und der -finanzierung. Ebenso zählen die Rohstoffunternehmen Rio Tinto (GB0007188757) und BHP Billiton (GB00BH0P3Z91) dazu wie auch die Aktien der Scandinavian Tobacco (DK0060696300).

Fotos: Adobe Stock/ Costello77

 

 

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Bitcoin: eine zwölf Jahre alte Spekulationsblase

Eine kritische Analyse der Kryptowährung von Willem H. Buiter von der Columbia University.

Am 8. Feber verkündete Elon Musks Elektroautohersteller Tesla, er habe im Jänner 1,5 MrdUSD aus seinen Barreserven in Bitcoin angelegt. Die Nachricht trug dazu bei, den ohnehin schon steil in

die Höhe geschossenen Kurs der Kryptowährung um weitere 10 % auf einen Rekordstand von mehr als 44.000 USD nach oben zu treiben. Doch im Falle Bitcoins gilt ganz besonders: Was steigt, kann genauso leicht auch wieder abstürzen.

Alte Spekulationsblase
Bitcoin wurde 2008 erfunden und nahm 2009 den Handel auf. In 2010 stieg der Wert eines Bitcoin von rund acht Hundertsteln eines US-Cents auf acht Cents. Im April 2011 wurde der Bitcoin mit 67 Cents gehandelt, bevor er dann bis November 2015 auf 327 USD stieg. Noch am 20. März vergangenen Jahres wurde der Bitcoin mit rund 6.200 USD gehandelt, doch inzwischen ist sein Kurs um mehr als das Siebenfache gestiegen.

Heute ist der Bitcoin eine perfekte, zwölf Jahre alte Spekulationsblase. Ich habe Gold einmal als „funkelnden Bitcoin“ beschrieben und den Preis des Metalls als 6.000 Jahre alte Blase charakterisiert. Das war ein bisschen unfair gegenüber dem Gold, dem in der Vergangenheit ein innerer Wert als Industrierohstoff innewohnte (das trifft heute kaum noch zu) und das als langlebiges Konsumgut noch immer weithin im Schmuck zu Einsatz kommt.

Der Bitcoin dagegen hat keinen inneren Wert und wird auch nie einen haben. Er ist ein rein spekulativer Vermögenswert – eine private Fiatwährung (Anm. kommt vom lateinischen Wort „fiat“: „Es sei getan! Es geschehe! Es werde!“ bezeichnet ein Objekt ohne inneren Wert) -, die immer gerade den Wert hat, den der Markt ihr zuschreibt.

Eigentlich ein Luxusobjekt
Doch ist der Bitcoin zudem ein sozial verschwenderischer spekulativer Vermögenswert, weil er in der Herstellung so teuer ist. Die Kosten des „Minings“ eines zusätzlichen Bitcoin – durch Lösung von Rechenrätseln mittels energieintensiver digitaler Ausrüstung – nehmen derzeit in solchem Tempo zu, dass der Gesamtbestand an der Kryptowährung auf 21 Mio Einheiten begrenzt ist.

Natürlich lässt sich, selbst wenn Bitcoins Protokoll nicht geändert wird, um ein größeres Mengenangebot zu ermöglichen, die Übung insgesamt durch Ausgabe eines Bitcoin 2, Bitcoin 3 usw. wiederholen. Die realen Kosten des Minings werden damit ebenfalls repliziert. Darüber hinaus gibt es bereits weitere etablierte Kryptowährungen – z.B. Ether -, die parallel zu Bitcoin operieren.

„Staatliche“ Fiatwährungen
Doch wie der Erfolg staatlich aus-gegebener Fiatwährungen zeigt, ist das Universum spekulativer Blasen durchaus nicht auf Kryptowährungen wie Bitcoin beschränkt. Schließlich gibt es in einer Welt flexibler Preise immer einen Gleichgewichtszustand, bei dem alle glauben, dass die offizielle Fiatwährung wertlos sei – in welchem Falls sie dann folgerichtig auch wertlos ist. Und es gibt unendlich viele „nicht fundamentale“ Gleichgewichtszustände, in denen das allgemeine Preisniveau – der Kehrwert des Kurses der Fiatwährung – entweder explosionsartig steigt und gegen unendlich geht oder implodiert und auf null fällt, selbst wenn die Geldmenge relativ stabil bleibt oder sich gar nicht ändert.

Und schließlich gibt es jenes einzigartige „fundamentale“ Gleichgewicht, bei dem das Preisniveau (und der Wert der Währung) positiv ist und weder explodiert noch implodiert. Die meisten staatlichen Fiatwährungen scheinen in diesen fundamentalen Gleichgewichtszustand hineingestolpert und dort geblieben zu sein. Die Keynesianer ignorieren diese multiplen Gleichgewichtszustände und betrachten das Preisniveau (und also den Preis des Geldes) als allein geschichtlich bestimmt; es würde allmählich durch einen Mechanismus wie die Phillips-Kurve aktualisiert, die eine stabile, inverse Beziehung zwischen (unerwarteter) Inflation und Arbeitslosigkeit postuliert.

Unabhängig davon, welche Perspektive man sich zu eigen macht: Realweltliche Hyperinflationen – man denke an die Weimarer Republik oder die jüngsten Fälle in Venezuela und Simbabwe -, bei denen sich der Wert des Geldes effektiv auf null verringert, sind keine Beispiele nicht fundamentaler Gleichgewichtszustände, sondern vielmehr fundamentaler Gleichgewichtszustände, die eine schlechte Entwicklung genommen haben. In diesen Fällen ist die Geldmenge explosionsartig angestiegen, und das Preisniveau hat entsprechend reagiert.

Private Kryptowährungen und öffentliche Fiatwährungen weisen dieselbe infinite Spanne möglicher Gleichgewichtszustände auf. Das Nullpreis-Gleichgewicht ist immer eine Möglichkeit, und dasselbe gilt für das einzigartige, manierliche fundamentale Gleichgewicht.

Risiko nicht unterschätzen
Der Bitcoin lässt derzeit eindeutig keinen dieser Gleichgewichtszustände erkennen. Stattdessen haben wir es anscheinend mit einer Variante eines nicht fundamentalen explosiven Preisgleichgewichts zu tun. Eine Variante deshalb, weil sie den möglichen, wenn auch unerwarteten Sprung des Bitcoin von seiner aktuellen explosiven Preisentwicklung entweder hin zu einem angenehmen fundamentalen Gleichgewicht oder dem nicht so angenehmen Nullpreis-Szenario zulassen muss. Diese Perspektive multipler Gleichgewichtszustände lässt es zweifellos riskant erscheinen, in Vermögensgegenstände ohne inneren Wert wie den Bitcoin und andere private Kryptowährungen zu investieren.

Die reale Welt ist natürlich nicht auf das hier skizzierte, von der etablierten Wirtschaftstheorie unterstützte Spektrum möglicher Gleichgewichtszustände beschränkt. Aber das macht den Bitcoin als Investition sogar noch riskanter.

Teslas jüngster Bitcoin-Kauf zeigt, dass ein großer zusätzlicher Käufer, der in den Markt einsteigt, den Preis der Kryptowährung deutlich in die Höhe treiben kann, und zwar sowohl direkt (bei illiquiden Märkten) als auch indirekt durch Demonstrations- und Emulationseffekte. Doch hätte ein Ausstieg eines einzigen wichtigen Marktakteurs vermutlich eine ähnliche Auswirkung in die andere Richtung. Positive oder negative Meinungsäußerungen durch Eigenhändler werden erhebliche Auswirkungen auf den Preis des Bitcoin haben.

Exzessive Volatilität
Die atemberaubende Preisvolatilität der Kryptowährung überrascht nicht. Zutiefst irrationale Marktbewegungen wie die, die den Aktienkurs von GameStop im Jänner auf nie gekannte Höhen trieb (gefolgt von einer deutlichen Korrektur), sollten als Erinnerung dienen, dass der Bitcoin ohne offensichtlichen fundamentalen Wertanker ein Lehrbuchbeispiel exzessiver Volatilität bleiben dürfte.

Dies wird sich auch mit der Zeit nicht ändern. Der Bitcoin bleibt ein Vermögensgegenstand ohne inneren Wert, dessen Marktwert alles oder nichts sein kann. Nur Akteure mit erheblicher Risikobereitschaft und einer robusten Fähigkeit, Verluste aufzufangen, sollten Bitcoin-Investments in Betracht ziehen.

Aus dem Englischen für uns übersetzt von Jan Doolan, Copyright: Project Syndicate 1995 bis 2021

Foto: Pixabay / Leamsii

 

 

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Konjunkturerholung in Aussicht

Einkaufsmanagerindizes stimmen vorsichtig optimistisch.

Michael Kordovsky. Die Impfkampagnen nehmen ihren Verlauf und eine Normalisierung der Situation rückt näher. Eine konjunkturelle Erholung bahnt sich an, zumal sowohl Konsumenten als auch Firmen Nachholbedarf bei Investitionen haben. Wie die Stimmung in der Industrie und im Dienstleistungsbereich ist, zeigen vor allem die auf standardisierten Umfragen basierenden Einkaufsmanagerindizes, die auch den wichtigen Frühindikator der Auftragseingänge enthalten. Sehr wichtig sind die ISM(Institute for Supply Management)-Umfragen in den USA.

US-Wirtschaft auf Wachstumskurs
Nach einem „Overshooting“ der Industrie im Dezember ging es im Jänner weiter aufwärts, aber nicht ganz so schnell. Der von ISM veröffentlichte Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe war zwar von Dezember auf Jänner um 1,8 %-Punkte auf 58,7 % rückläufig, doch dieser Wert entspricht noch immer einem annualisierten BIP-Wachstum von 4,4 %. Alle zehn Subindizes waren positiv und von den sechs größten verarbeitenden Branchen waren fünf auf Expansionskurs. Mit 61,1 % sehr stark zeigen sich die Auftragseingänge und auch die Exportaufträge stimmen.

Der ISM-Index für den Dienstleistungsbereich stieg von Dezember auf Jänner um 1,0 %-Punkte auf 58,7 % und somit den höchsten Stand seit Feber 2019. Der Subindex für Auftragseingänge stieg um 3,2 Punkte auf 61,8 % – also bereits acht Wachstumsmonate in Folge. Die Exportaufträge hingegen brachen massiv ein (um 10,3 %-Punkte auf 47 %).

Fed-Chef Jerome Powell kann sich allerdings im laufenden Jahr für die USA eine Wachstumsbandbreite von bis zu 6 % vorstellen. Entsprechend stiegen die Renditen zehnjähriger US-Treasuries bereits auf 1,5 %, verglichen mit 0,92 % zum Jahresende 2020. Dies deutet auf einen vorweggenommenen konjunkturellen Aufschwung hin.

China mit guten Konjunkturchancen
Für China erwartet der IWF bereits heuer ein BIP-Wachstum von 8,1 nach 2,3 % im Jahr 2020. Allerdings stellt sich die wohlberechtigte Frage, wo China so viel Wachstum generieren kann, wenn die halbe Welt noch massiv unter den Seuchenbekämpfungsmaßnahmen leidet. Entsprechend ernüchternd waren die jüngsten Industriedaten: Der „Caixin General Manufacturing PMI“ fiel von Dezember auf Jänner von 53,0 auf ein 7-Monats-Tief von 51,5 Punkten, während die Volkswirte noch 52,7 Punkte erwarteten. Produktion und Auftrags-eingänge wuchsen langsamer, während die Exportumsätze erst-mals seit sechs Monaten zurückgingen. Die Geschäftsstimmung fiel auf das niedrigste Niveau seit acht Monaten und dies trotz gestiegener Verkaufspreise, die den steilsten Anstieg seit Juni 2018 verzeichneten. Konkret bedeutet dies, dass China zunehmend von der eigenen Binnenwirtschaft abhängig wird. Allerdings kann auf diese aktuelle Zwischenphase mit einem erneuten Hochfahren der Wirtschaft in Europa und den USA für China wieder ein Wachstumsschub folgen.

Starke Industrie im Euroraum
Der vorläufig ausgewertete „Eurozone EMI Industrie“, ein Index bestehend aus der gewichteten Kombination der folgenden fünf Unterindizes: Auftragseingang (0,3), Produktion (0,25), Beschäftigung (0,2), Lieferzeiten (0,15) und Vormateriallager (0,1), stieg im Feber auf ein 36-Monatshoch von 57,7 Punkten (verglichen mit Jänner: 54,8 Punkte).

Hingegen fiel der „Flash Eurozone Service Index Geschäftstätigkeit“ auf ein Drei-Monatstief von 44,7 Punkten, während die Kontraktionsgrenze bei 50 Punkten liegt. Der vorläufige Aktivitätsindikator für die Privatwirtschaft der Eurozone, der Industrie und Dienstleistung vereint, nämlich der „IHS Markit Flash Eurozone Composite Index Produktion“, verbesserte sich wegen der starken Industrie per Saldo bereits von 47,8 auf 48,1 Punkte.

Doch die kritischen Faktoren überwiegen noch. Die Privatwirtschaftsaktivitäten deuten auf Schrumpfung hin, was Chris Williamson, Chief Business Economist bei IHS Markit, wie folgt skizziert: „Der anhaltende Corona-bedingte Lockdown schadete dem Eurozone-Servicesektor im Feber weiter erheblich. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Eurozone-BIP auch im ersten Quartal 2021 sinkt. Der beschleunigte Aufschwung in der Industrie milderte die Auswirkungen immerhin etwas ab, womit der jetzige Rückgang deutlich schwächer ausfallen dürfte als in der ersten Jahreshälfte 2020.“

Fazit: Die Stimmung aus Industrie und Dienstleistung stimmt vorsichtig optimistisch, jedoch mit einer Betonung auf „vorsichtig“.

Foto: AdobeStock / twobee

 

 

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Vermögensabsicherung mit Edelmetall mehr denn je gefragt

World Gold Council: Die Nachfrage nach Gold als Investment ist im Jahr 2020 um 40 % gestiegen.

(26.02.) Auch drei Wochen nach der Wiederöffnung der insgesamt vier Filialen in Österreich stellt die „philoro Edelmetalle GmbH“, einer der führenden privaten Edelmetallhändler im deutschsprachigen Raum, ungebrochen starke Nachfrage beim Edelmetallverkauf fest: Trotz Corona-Restriktionen war bei philoro im Laufe der vergangenen drei Wochen an manchen Tagen der bis zu dreifache Andrang eines normalen Handelstages zu verzeichnen. „Es gibt den ganz klaren Trend: Viele Menschen wollen nach dem Lockdown ihr Vermögen verstärkt mit Edelmetallen absichern. Der starke und stabile Goldkurs und die speziell im letzten Jahr deutlich wahrnehmbare Rolle von ‚Gold als sicherer Hafen‘ führen eindeutig zu einem besonders starken Nachfrageschub“, meint Philoro-Geschäftsführer Rudolf Brenner.

Überdurchschnittlich hohe Kundennachfrage steht daher in Filialen nach wie vor auf der Tagesordnung – dafür sorgt auch der starke Wunsch nach sicherer Goldanlage ebenso wie die durch die Corona-Regeln vorgeschriebenen Restriktionen beim Filialbesuch. So dürfen in Wien, Graz und Innsbruck jeweils maximal zwei Personen gleichzeitig in der Filiale betreut werden, in Salzburg ist es eine Person. Die Philoro-Filialen verfügen bei allen besonders stark nachgefragten Produkten – Barren ebenso wie Münzen; Gold ebenso wie Silber – über ausreichende Bestände, um das Kaufinteresse auch kurzfristig bedienen zu können.

Gold als Investment weltweit mit massivem Aufschwung
Das während der Corona-Pandemie massiv gewachsene Interesse an Gold als Anlageform spiegelt sich auch in den jüngsten Zahlen des World Gold Council wider: Während im Jahr 2020 die Nachfrage nach Gold im Bereich Schmuck und Juwelen (minus 34 %; von 2.122,7 to in 2019 auf 1.411,6 to in 2020) sowie im Bereich Technologie (minus 7 %; von 326,0 to in 2019 auf 301,9 to in 2020) signifikant gefallen ist, schraubte sich die Nachfrage im Bereich Gold als Investment in bislang ungeahnte Höhen: Mit einem Plus von 40 % im Vergleich zu 2019 erlebte die Nachfrage nach Gold als Anlageprodukt im Jahr 2020 einen absoluten Rekordwert. 1.773,2 Tonnen im Jahr 2020 zeigen eine deutliche Zunahme in den letzten zwei Jahren (2019: 1.269,2 Tonnen; 2018: 1.160,4 Tonnen). Insgesamt nahm die Goldnachfrage im Jahr 2020 allerdings wegen den Rückgängen bei Schmuck und Technologie um 14% ab.

Österreich und Deutschland zählen dabei in den letzten Jahren als besonders Gold-affin. So stieg die Nachfrage nach Goldbarren und Goldmünzen in Deutschland 2020 um 82 % (von 89,9 to in 2019 auf 163,4 to in 2020). In Österreich beträgt das Plus sogar 85 %: von 6,2 to in 2019 auf 11,6 to in 2020.

„Speziell im privaten Sektor verzeichnen wir ungebrochen starke Nachfrage nach Gold“, so Rudolf Brenner. „Als Folge der Pandemie und der vielfältigen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten haben viele private Anleger ihr Vermögen in Edelmetall abgesichert. Wir sehen ganz klar, dass sich diese Entwicklung und der Wunsch, das vorhandene Vermögen wirkungsvoll mit Gold abzusichern, auch in 2021 fortsetzen. Wenn nach den weltweiten Lockdowns dann die Geschäfte wieder aufgehen, wird auch die Goldnachfrage bei Schmuck und Edelmetallen wieder rasch steigen. Es ist durchaus realistisch, dass dies neuerlich positive Auswirkungen auf den Goldpreis haben wird.“

Foto: philoro EDELMETALLE GmbH

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Sind Telekomaktien die nächsten Tech-Stars?

Bei DNB Asset Management sieht man vor allem in Europa großes Aufholpotenzial.

Raja Korinek. Der Technologiesektor steht schon länger im Rampenlicht, schon allein, da viele solcher Unternehmen zu den Gewinnern der Corona-Pandemie zählen, etwa mit Clouddiensten oder dem Onlinehandel. Doch es gibt einen weiteren Tech-Bereich, der bislang weniger Aufmerksamkeit erhalten hat: der Telekommunikationssektor. Genau diesen hat der „DNB Fund – Technology“ (ISIN: LU0302296495) verstärkt im Fokus. Im Gespräch mit dem Börsen-Kurier blickt Mike Judith, Leiter des internationalen Vertriebs bei DNB Asset Management, auf die Geschehnisse vor knapp mehr als einem Jahr zurück. Da habe man eine Übergewichtung von niedrig bewerteten Aktien aufgebaut, bei denen man einen positiven Wachstumsausblick sah. Daraus resultierte auch die relativ hohe Gewichtung an Telekom-Aktien.

Europas „Telcos“ im Fokus
Dazu zählen vor allem Titel wie Vodafone (GB00BH4HKS39), Deutsche Telekom (DE0005557508) und Orange (FR0000133308). Sie hätten zudem die Krise gut überstanden, es habe nur bescheidene Änderungen bei den Schätzungen für den Gewinn je Aktie gegeben. Trotzdem lieferten die Aktien nicht die erwartete Wertentwicklung, konstatiert Judith. Er meint dennoch, „unsere hohe Überzeugung in Bezug auf Telekommunikationswerte bleibt bestehen“. Immerhin stelle die Branche eine wichtige Infrastruktur zur Verfügung, während die Konzerne aus betriebswirtschaftlicher Sicht stabile Erträge lieferten.

Obendrein habe die Krise die Bedeutung gut funktionierender Telekommunikationsnetze hervorgehoben, „was unserer Meinung nach als Katalysator für die EU wirken könnte, eine Konsolidierung der Betreiber in Europa zuzulassen“, meint der DNB-Experte. Schließlich führe eine Konsolidierung zu dichteren Netzen, höheren Kapitalerträgen und mehr Anreizen, die Netze durch Investitionen weiter zu verbessern. Diese Art der Konsolidierung habe man bereits in den USA gesehen. „Den Sektor-Aktien hat sie erheblich genützt.“

Schmerzen die Roaming-Ausfälle?
Doch wie sieht es mit Roaming-Gebühren aus? Sie sind aufgrund der Lockdowns, vor allem in Europa, teils kräftig weggebrochen. Judith will die Entwicklung aber nicht überbewerten. Denn im Schnitt machten Roaming-Umsätze nur 1 bis 2 % der Betreibereinnahmen in Europa aus. Einzig, Betreiber in Ländern, die sehr stark vom Tourismus abhängig sind, wie Griechenland, Portugal und Spanien, würden tendenziell stärker betroffen sein.

Der Fonds ist aber nicht nur in Telekomaktien investiert. Auch andere Technologietitel, wie etwa Alphabet und Microsoft sind Teil des Portfolios, jene Titel, die bereits schöne Kurszuwächse verzeichnet haben. Droht eine Blase? Judith meint, 2020 sei klar geworden, dass die Tech-Unternehmen eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der Weltwirtschaft spielen. Auf relativer Basis hat es Sinn, dass die Technologiebranche den breiteren Markt anführt. Doch auch die extrem tiefen Zinsen beflügelten Wachstumsaktien, zu denen viele Titel aus der Tech-Branche zählen. Doch einige der Kurszuwächse seien inzwischen überschwänglich, findet Judith.

Essenszusteller sind gefragt
Und dann gibt es noch weitere Trends, etwa die Essenszustellung. „Der Alltag wird immer hektischer. Consumer-Tech-Unternehmen, die helfen, Zeit zu sparen, werden weiterhin profitieren“, sagt Judith. Deshalb liegt ein weiterer Fokus im Fonds auf Aktien wie etwa Just Eat Takeaway (NL0012015705). Das zeigt auch, wie wichtig eine breite Streuung in dieser dynamischen Branche ist.

Foto: AdobeStock / sdecoret

 

 

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„Missverstandenes Japan“

Comgest-Fondsmanager Richard Kaye stellt spannende Nippon-Aktien vor.

Harald Kolerus. Von westlichen Anlegern wird das „Land der aufgehenden Sonne“ oft übersehen. Das hat unterschiedliche Ursachen: So erscheint die japanische Kultur fremd und sehr weit entfernt. Außerdem ist man bei der konjunkturellen Entwicklung hinter andere große Volkswirtschaften zurückgefallen.

Konjunktur: Nicht hervorragend
Japans BIP ist, natürlich bedingt durch die Covid-Pandemie, 2020 um 5,5 % geschrumpft, 2021 soll es wieder um eher bescheidene 2,7 % zulegen. Die USA sind hier schon etwas besser aufgestellt: 2020 schlägt ein Minus 4,6 % zu Buche, für heuer wird ein Plus von 3,7 % prognostiziert. Die Euro-Zone weist für das vergangene Jahr wiederum ein starkes Minus von 7,9 % auf, dafür soll das BIP 2021 um immerhin 4,3 % wachsen (alle Daten laut Wifo).

Dennoch wäre es laut Richard Kaye ein Fehler, Japan nicht die angemessene Beachtung zu schenken. Kaye ist Fondsmanager im Japan-Team von Comgest und zeichnet für das Management des „Comgest Growth Japan“ (ISIN: IE0004767087) mitverantwortlich. In einer Web-Präsentation meinte er, dass Japan vielleicht nicht über die spannendste konjunkturelle Entwicklung verfügen würde, dafür aber „hervorragende Unternehmen“ aufweisen könne: „Japan ist unter den großen Märkten die am stärksten missverstandene Anlageregion rund um den Globus.“ Das liege nicht zuletzt daran, dass das Land von internationalen Analysten fast schon sträflich vernachlässigt wird.

Ein anschaulicher Vergleich: Durchschnittlich werden Schätzungen zufolge Aktien in japanischen Indizes von nur sieben Analysten verfolgt; US-Titel werden hingegen im Schnitt von mehr als 40 Analysten gecovert. Kaye: „Das eröffnet uns als aktiven Fondsmanagern die Möglichkeit, Anlagechancen zu finden, bevor das der Markt tut.

Die Auswahl ist groß: Rund 3.700 Unternehmen sind an der Tokyo Stock Exchange gelistet.“ Bei der Titelselektion wird, wie immer bei Comgest, auf Qualitätswachstum als Sektionskriterium größter Wert gelegt.

Spannende Aktien
Der Fondsmanager gewährte uns bei der Präsentation auch Einblick in sein Portfolio. Ein attraktiver Titel sei etwa Recruit (JP3970300004). Kaye führte weiter aus: „In Japan wollen wir in starke gesellschaftliche Wandlungen investieren, z.B. am Arbeitsmarkt, wo immer mehr Frauen Fuß fassen. Auch lässt Japan zunehmend mehr Gastarbeiter ins Land, weil das heimische Arbeitskräfteangebot zurückgeht. Recruit ist nun eines der ältesten sowie größten Human Resources-Unternehmen Japans und ist in der Umsetzung dieser Trends sehr aktiv.“

Schlechte Ernährung, gutes Geschäft
Ein schon länger feststellbarer Trend ist eine gewisse „Verwestlichung“ Japans in einigen Lebensbereichen. Das betrifft z.B. die Ernährung, die sich dem Westen anpasst und dadurch nicht gerade gesünder geworden ist. Die Diabetes-Rate ist gestiegen. Davon können Unternehmen wie Sysmex (JP3351100007) profitieren, ein weltweit führender Spezialist für Blutuntersuchungen. Er steht für effektive und gleichzeitig kostengünstige Tests. Weitere attraktive Titel im Portfolio des „Comgest Growth Japan Fund“ sind (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): Obic, Daikin, Fanuc, Pigeon oder PPIH.

Buffett „kauft“ Japan
Spannend ist auch, dass Börsen-Guru und Langzeit-Investor Warren Buffett im vergangenen September massiv in den japanischen Markt eingestiegen ist. Eine Entscheidung, für die er sich dem Vernehmen nach 15 Jahre Zeit gelassen hat. Jetzt schien der richtige Zeitpunkt gekommen.

Ansonsten weisen die Japaner selbst einen starken Heimatbezug auf: Soll heißen, dass sie überwiegend im eigenen Aktienmarkt veranlagen. Vor allem bei institutionellen japanischen Investoren war diese Tendenz in den vergangenen Jahren wieder vermehrt auszumachen, was zu einem starken Momentum für den Nikkei führte.

Foto: Pixabay / cegoh

 

 

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Chinesische Marken: Neue Lieblinge in der Heimat

von René Kerkhoff, Analyst für die Sektoren Technologie, Automotive und Retail sowie Fondsmanager des DJE – Mittelstand & Innovation bei der DJE Kapital AG

(16.02.) Ob schicke Sportschuhe, Babynahrung, Make-up oder luxuriöse Elektro-SUVs: Durch geschicktes Marketing, günstige Preise und nicht zuletzt durch den Appell an das Nationalgefühl machen chinesische Marken auf ihrem Heimatmarkt den globalen Anbietern ernstzunehmende Konkurrenz.

Nach Skandal – chinesische Produzenten gewinnen Konsumentenvertrauen
Im Jahr 2008 erschütterte ein Skandal um verseuchtes Milchpulver die jungen Eltern im Reich der Mitte. Mindestens sechs Babys starben – und etwa 300.000 wurden schwer krank, nachdem sie eine in China hergestellte Säuglingsnahrung getrunken hatten. Diese enthielt die giftige Industriechemikalie Melamin. Der Stoff, der einen höheren Eiweißgehalt der Kleinkindernahrung vortäuschen sollte, führte zu schweren Nierenerkrankungen. Das Vertrauen in chinesische Säuglingsnahrungshersteller war dadurch zutiefst gestört. Viele chinesische Eltern stiegen auf ausländische Marken um, deren Qualität als sicher galt. Als Reaktion auf den Eklat stellten mehrere Länder, darunter Singapur und Japan, den Import von chinesischer Milch ein. Die EU verschärfte das bereits bestehende Importverbot von Milch und Milchprodukten aus China. Die chinesische Regierung verhängte drastische Strafen über die Verantwortlichen und versicherte, zukünftig entschlossen gegen Probleme bei der Lebensmittelsicherheit vorzugehen.

Inzwischen hat sich die Lage gewandelt. Unter den chinesischen Milchpulverproduzenten hat es die China Feihe Ltd. aus Peking geschafft, das Verbrauchervertrauen zurückzugewinnen und ist seit zwei Jahren führender Anbieter für Babynahrung in China. Zu Beginn war der Erfolg wohl an eine Branding-Kampagne geknüpft, die eine ausländische Provenienz implizierte: Bis 2013 war Feihe als American Dairy Inc. an der New York Stock Exchange notiert. Nach der Rückkehr zu ihrem chinesischen Namen betont Feihe, die heimische Babynahrung habe die höchste Qualität in der Geschichte und sei vergleichbar mit der der führenden globalen Marken. Außerdem verspricht die Werbung, dass ihr Produkt besser auf die Bedürfnisse chinesischer Babys abgestimmt sei als ausländische Erzeugnisse.

Zunehmender Wettbewerbsdruck für globale Marktführer
Global führende Anbieter von Babynahrung wie Nestlé oder Danone sind auf dem chinesischen Markt mittlerweile einem höheren Konkurrenzdruck durch die lokalen Anbieter ausgesetzt als noch vor wenigen Jahren. Corona hat diese Entwicklung weiter beschleunigt. Im Verlauf der Pandemie hat die chinesische Regierung den sogenannten Daigou-Handel – das bedeutet eine Person außerhalb Chinas kauft Waren für eine in China lebende Person – massiv eingeschränkt. In der Folge konnten die hohen Wachstumsraten der Vergangenheit von Nestlé und Co. nicht gehalten werden. Die rückläufige Geburtenrate in China tat ihr Übriges.

Verbesserte Qualität chinesischer Produkte
Egal ob Babynahrung, Mineralwasser, Sportbekleidung oder Hautcreme – die in China heimischen Marken machen den bekannten Marken global agierender Konzerne Konkurrenz. Qualitativ haben die chinesischen Anbieter inzwischen praktisch in allen Sparten massiv aufgeholt. Sportschuhe führender chinesischer Produzenten wie Anta Sports sind qualitativ mit den Produkten von Nike, Adidas und Co. vergleichbar, aber oftmals wesentlich günstiger. 2020 stellte erstmals ein einheimischer Produzent den – für eine gewisse Zeit – angesagtesten Turnschuh her. Doch es war nicht die verbesserte Qualität allein. In den vergangenen Jahren hat auch ein zunehmendes Nationalbewusstsein („Buy Chinese“ bzw. „Kauft chinesisch“) den einheimischen Produkten Auftrieb gegeben.

Corona-Pandemie verstärkt den Wandel
Die Covid-19-Pandemie hat auch diesen Wandel verstärkt. In Zeiten knapper oder unsicherer Haushaltsbudgets nimmt die Attraktivität günstigerer Waren zu und die lokal hergestellten Produkte kosten meist deutlich weniger als die ausländischer Markenanbieter. Hinzu kommt: Lokale Marken sind meist auch bei den führenden chinesischen Online-Plattformen besser positioniert. Da diese Plattformen in der Pandemie großen Zulauf erfahren haben, haben die multinationalen Unternehmen gegenüber den chinesischen Marken in Marketing und Vertrieb einen zunehmend schweren Stand.

Premium-Segment – noch von ausländischen Herstellern dominiert
Marktforscher bestätigen: chinesische Käufer haben inzwischen ein stärkeres Vertrauen in lokale Marken. Nach Angaben von Daxue Consulting stellen lokale Firmen mittlerweile sieben der zehn größten Kosmetikmarken. Noch 2017 waren es nur drei. Aufstrebende chinesische Marken wie die Kosmetikanbieter Perfect Diary oder Yatsen sind vom ersten Tag an eher digital, etwa bei Tmall, einem Online-Einzelhändler der Alibaba Group, präsent und investieren sehr viel in Marketing über Social-Media-Kanäle. Das drückt auf die Gewinnspanne. Yatsen zum Beispiel hat eine operative Marge von nur etwa 5 Prozent. Multinationale Unternehmen wie Estée Lauder und L’Oréal investieren zwar ebenfalls sehr viel in ihr Online-Angebot, lenken den Fokus aber ganz klar auf das deutlich profitablere Premium-Segment. Vor diesem Hintergrund sind die Marktanteilsverluste der Make-up-Linie Maybelline von L’Oréal im chinesischen Massenmarkt von rund 10 Prozent seit 2010 nicht verwunderlich. Gleichzeitig hat L’Oréal aber im Premium-Segment mit Yves Saint Laurent und Giorgio Armani zwei neue Make-up-Marken erfolgreich etabliert und konnte in den vergangenen fünf Jahren rund 15 Prozent Marktanteil hinzugewinnen. Gefährlich dürfte es für die westlichen Kosmetikhersteller daher erst werden, wenn die chinesischen Konkurrenten auch in das wesentlich lukrativere und schneller wachsende Premium-Segment für Hautpflege vordringen. Bislang kann sich hier L’Oréal mit der Marke Lancôme noch sehr gut behaupten.

Für den chinesischen Geschmack
Das Marketing der chinesischen Unternehmen kommt bei den Einheimischen an. Während die ausländische Marke den Nährwert ihrer Säuglingsnahrung anpreist, pflegt die einheimische Marke Feihe die Beziehungen zu den Verbrauchern über Treueprogramme, Hilfsgruppen für frischgebackene Eltern oder Buchbände mit Gute-Nacht-Geschichten. Und chinesische Marken passen ihre Waren zunehmend an den heimischen Geschmack an. China Mengniu Dairy Co. steigerte beispielsweise den Verkauf seiner Milchprodukte durch Innovationen wie Käse mit Ananasgeschmack und Snacks mit Tintenfisch zusätzlich zum Basisangebot aus Milch und Fruchtjoghurt.

Nur wenige internationale Konzerne sind ebenso agil und operieren mit innovativen Vertriebsstrategien. So verkaufte Estée Lauder am chinesischen „Singles’ Day“ – mit einer Livestreaming-Kampagne, Zwei-für-Eins-Rabatten und Ratenzahlungsplänen – Produkte für mehr als 2 Milliarden Yuan (mehr als 250 Millionen Euro). Und die auf Geflügel spezialisierte US-Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken (KFC) – immer noch die größte in China – ergänzte ihr Brathähnchen für Kunden, die in der Pandemie zu Hause festsaßen, mit Produkten wie schnellkochenden, sauren Schneckennudeln. Ausländische Marken dominieren bis heute in Hochpreis-Kategorien wie exklusiven Handtaschen und Luxusautos. Doch gerade die Autohersteller müssen aufpassen.

Automarkt: Der Vorsprung deutscher Topmarken schmilzt
China ist mit Abstand der größte Automarkt der Welt – und daher ein Schlüsselmarkt für deutsche Hersteller. Diese haben einen sehr guten Ruf. Bislang kaufen die Chinesen gern die top ausgestatteten Luxusmodelle und die Profitabilität in China ist für deutsche Hersteller ungleich höher als in Deutschland. Doch einer aktuellen Umfrage zufolge ist das angesagteste Auto in China kein Porsche oder Tesla mehr, sondern ein NIO. Die Marke gibt es erst seit 2014 und kann sich in Sachen Tradition und Strahlkraft (zumindest noch) nicht mit europäischen Marken messen. Dennoch hat NIO mit seinem Elektro-SUV bei Qualität und Design einen Riesensprung gemacht, bietet eine ordentliche Reichweite und ist deutlich günstiger als etwa ein vergleichbares Modell von BMW. Der Wettbewerbsdruck auf europäische Hersteller steigt durch chinesische Anbieter zunehmend.

Chinesische Automarken punkten mit innovativen Geschäftsmodellen
NIO ist nicht allein. Weitere chinesische Autohersteller wie BYD, BAIC oder Geely drängen derzeit mit neuen E-Autos auf den Markt. Sie winken nicht nur mit moderner Technik und günstigeren Preisen, sondern gehen auch neue Wege. So spart sich die dreijährige Geely-Tochter Lynk & Co ein teures Vertriebsnetz. Konfiguriert und bestellt wird online. Alternativ zum Kauf bietet Lynk auch ein günstiges Abo-Paket inklusive Wartung, Steuer und Versicherung an, bei dem die Abonnenten ihr Auto mit Dritten teilen und so auch noch Geld verdienen können. Auch Aiways startet mit einem ungewohnten Konzept für sein E-SUV. Es wartet dank neuer Akkutechnologie mit großer Reichweite auch bei Minusgraden zu einem konkurrenzfähigen Preis auf – und das nicht nur in China. In Europa können Kunden den Wagen bei den Filialen des Elektronikhändlers Euronics Probe fahren. Bestellt wird online und für die Wartung hat sich Aiways mit dem Kraftfahrzeugzubehör- und Autoteilehändler A.T.U. zusammengetan, der ein weites Werkstattnetz betreibt. Herzstück der E-Mobilität ist die Batterie. Daher brauchen Autohersteller eine Partnerschaft mit erfolgreichen und innovativen Batterieherstellern. Einer der weltweit führenden Batteriehersteller heißt CATL und sitzt in China – ein möglicher Vorteil für chinesische Automarken.

Chinesische Anbieter holen auf – und bieten interessante Anlagemöglichkeiten
Westliche Marken haben in China noch immer einen hohen Stellenwert. Doch chinesische Anbieter haben branchenübergreifend massiv aufgeholt oder sind ihrer ausländischen Konkurrenz mit Blick auf Marketing und Vertrieb oder sogar technisch zum Teil eine Nasenlänge voraus. Die E-Mobilität ist nur ein Beispiel dafür. „Kauft chinesisch“ kommt bei den chinesischen Kunden auch gut an. Für Investoren erweitern sich dadurch die Möglichkeiten, in den chinesischen Binnenmarkt zu investieren.

Foto: DJE

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Konjunkturelle Frühlingsboten

Aufbruchsstimmung im Welthandel? Heimliefertrend lässt Frachtraten explodieren.

Michael Kordovsky. Lockdown, Homeoffice, Kurzarbeit und vorübergehende Arbeitslosigkeit haben alle eines gemeinsam. Sie führen zum Rückzug in die eigenen vier Wände mit Begleiterscheinung vermehrter Onlinekäufe von unter anderem auch Möbeln, diversen Einrichtungsgegenständen, Sportgeräten, etc. Während der stationäre Einzelhandel quer durch Europa Lockdown-Pausen einlegt, zeigt sich laut Eurostat ein regelrechter Boom im Online-Handel. In der EU stieg im November und Dezember das Absatzvolumen im Versand- und Interneteinzelhandel gegenüber den Vorjahresmonaten um jeweils 35,4 bzw. 28,5 %. Irgendwo müssen die Güter hertransportiert werden und so ist es nicht verwunderlich, dass Schiffscontainer knapp werden und alleine von November bis Mitte Jänner die Frachtraten zwischen China und Nordeuropa um das Drei- bis Vierfache stiegen. Bei-spielsweise hatten sich binnen weniger Wochen die Preise für 40-Fuß-Container auf dieser Strecke von 2.000 auf 9.000 USD erhöht.

Ein Indikator, wohin der Frachtpreistrend geht, ist der „Shanghai Containerized Freight Index“ (SCFI), der die Entwicklung der Frachtraten für Container von Fernost nach Nordeuropa abbildet und erst kürzlich ein Fünf-Jahres-Hoch erreichte. Ursache: Es befinden sich noch immer nicht alle Container nach dem Stillstand im ersten Lockdown im Umlauf, zumal dieser Nachfrageschub überraschend kam und Chinas Wirtschaft bereits wieder auf Hochtouren läuft. Deshalb schätzt der IWF nach voraussichtlich 2,3 % im Jahr 2020 Chinas Wirtschaftswachstum für heuer auf 8,1 %.

China importiert mehr Rohstoffe und somit kann sich der „Baltic Dry Index“ auf hohem Niveau halten. Die Benchmark für sogenannte „Trockenfrachten“, wie Kohle, Eisenerz und Getreide, auf 23 verschiedenen Schiffsrouten stieg vom 14. Mai bis 6. Oktober von 393 auf 2.097 Punkte und oszilliert seit mehreren Monaten in einer Seitwärtsbewegung. Offensichtlich braucht Chinas Industrie wieder ausreichend Rohstoffe – eine Entwicklung, auf die auch der jüngste Ölpreisanstieg hindeuten könnte.

Erste Lichtblicke
Doch wie haben sich im Jahr 2020 die globalen Handelsströme entwickelt? Laut WTO trug das dritte Quartal zu einer Milderung der Kontraktion im Weltwarenhandel bei, zumal der Zuwachs gegenüber dem Vorquartal bei 11,6 % liegt, verglichen mit einem Minus von 12,7 % im zweiten Quartal. Auf Jahresbasis gegenüber dem dritten Quartal des Vorjahres lag jedoch die Schrumpfung noch immer bei 5,6 %, verglichen mit minus 8,2 % in den ersten drei Quartalen 2020 (im Jahresvergleich). Dieser Wert ist zwar besser als der von der WTO prognostizierte Rückgang von 9,2 %, allerdings bleibt noch eine hohe Abhängigkeit von der Ausbreitung der Impfkampagnen und dem Zeitpunkt einer nachhaltigen Normalisierung.

Positive Tendenzen können auch in Europa wahrgenommen werden: Zwar sind im Zeitraum Jänner bis November 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum die Extra-Ausfuhren der EU (Exporte der EU-Länder in Drittländer außerhalb der EU) um 10,3 % auf 1.756,6 Mrd Euro zurückgegangen, zumal es vor allem Maschinen und Fahrzeuge mit einem Minus von 14,1 % hart erwischte, doch im November hat sich auf Jahresbasis der Rückgang der EU-Extra-Ausfuhren auf 1,5 % verlangsamt. Im Handel mit China konnte in den ersten elf Monaten 2020 gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum ein Exportplus von 1,1 % erzielt werden. Die Exporte in die Türkei und nach Südkorea wuchsen sogar jeweils um 2,1 bzw. 3,5 %.

Fazit
Die globalen Handelstrends könnten schon als erste konjunkturelle Frühlingsboten gewertet werden, sofern nicht wieder weitere Lockdowns und Unterbrechungen der Lieferketten (wegen Pandemie-Eindämmung) einen Strich durch die Rechnung machen.

Foto: Pixabay / IngoMoringo

 

 

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Österreich als Pensionsvorbild für Deutschland?

Die vermeintlich paradiesischen Zustände in der Alpenrepublik täuschen.

Manfred Kainz. In Deutschland wird darüber berichtet, dass die Österreicher mit ihrem Pensionssystem besser dran sind und es sich für Deutsche lohnen würde, wegen der Rente nach Österreich auszuwandern. Die Linke fordert gar eine Reform des Deutschen Rentensystems nach dem Vorbild Österreichs. Denn hierzulande würden auch Beamte und Selbständige in das staatliche Altersvorsorgesystem einzahlen, man könne früher in Pension gehen und das Rentenniveau sei in der Alpenrepublik höher. Deshalb sollten Deutsche beim Thema Auswandern nicht nur an Mallorca denken, sondern auch an ihr Nachbarland (Studenten und manche Berufsgruppen tun da ja schon).

Alles hat zwei Seiten …
Aber ist das Austro-Altersvorsorgesystem wirklich so paradiesisch, dass es in Deutschland, zumindest von gewissen Kreisen, als nachahmenswert bezeichnet wird? „Es ist alles sehr kompliziert“, gilt wohl auch hier. Denn alles hat seinen Preis: In Österreich sind die Beitragssätze für Arbeitgeber und Arbeitnehmer höher, die Mindestversicherungszeit ist dreimal so lang, und es gibt prozentuell mehr Einzahler ins staatliche Pensionssystem als bei unserem großen Nachbarn. Außerdem wird das Austro-System neben den Beiträgen auch mit stattlichen jährlichen Milliardenzuschüssen aus dem Bundesbudget finanziert, also mit Steuergeldern, die ja auch aus dem Säckel der Bürger (und der Wirtschaft) kommen. Trotzdem führten die diversen Sozialversicherungsreformen der vergangenen Jahrzehnte sukzessive zu Leistungskürzungen für die staatliche Alterspension. Umgekehrt gibt es in Deutschland eine stärkere Zusatzpensionssäule („Riesterrente“); da ist Österreich hinten.

Menschen mündig genug
Dementsprechend würde sich etwa Christian Nuschele wünschen, dass der zusätzlichen Vorsorge „mehr Aufmerksamkeit“ gewidmet würde. Der Head of Sales and Marketing Germany and Austria von Standard Life rät im Gespräch mit dem Börsen-Kurier jedem Bürger, mit seinem Pensionskontoauszug zu einem kundigen unabhängigen Berater zu gehen und sich aufklären zu lassen; also sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie die eigene Versorgungssituation ist, sowie gemeinsam die Pensionsleistungen und die allfällige Pensionslücke zu analysieren. Für die zweite und dritte Vorsorgesäule plädiert Nuschele für eine möglichst unkomplizierte Förderung statt der aktuellen Vielzahl an Varianten, die das Ganze kompliziert macht und dazu führt, dass die Akzeptanz nicht so hoch ist, wie nötig wäre.

Auch glaubt der Kenner der verschiedenen staatlichen Systeme an die Mündigkeit der Menschen, also dass sie mit dem für die Pension Angesparten verantwortungsvoll umgehen: Das Britische „Pension Freedom“-System, in dem man sich ab dem 55-sten Lebensjahr das Vorsorgeangesparte auszahlen lassen kann, zeige, dass es nicht „verjubelt“ sondern überwiegend verantwortungsbewusst für weitere Vorsorge reinvestiert wird. Diese Mündigkeit könne man auch den Menschen hierzulande zutrauen.

Förderung gefordert
Der Vorsorgeexperte und -berater Ronald Felsner sieht im Systemvergleich Deutschland versus Österreich eher bewundernd nach Deutschland, wo man „der Wahrheit ins Auge blickt“, dass die staatliche erste Säule nicht (mehr) alles abdecken kann. Auch bei uns sollte man den Menschen „reinen Wein einschenken“, die Beiträge im Umlagesystem reduzieren, dafür das Vorsorgebewusstsein in der Bevölkerung stärken und die Eigenverantwortung fiskalpolitisch unterstützen. Es brauche einen Ausbau der zweiten und dritten Säule in Österreich, beide gehörten „viel mehr in die Breite“. Dienlich wäre dafür eine unkomplizierte Art von steuerlichem Anreiz, wenn Menschen freiwillig auf einen Teil (5 bis 10 %) ihrer Lohn- bzw. Gehaltsauzahlung verzichten und diesen Teil in ein Vorsorgeinstrument mit Verrentung überweisen (lassen). Betriebe könnten die eingesparten Lohnnebenkosten an ihre Mitarbeiter weitergeben, die das Geld eben für Eigenvorsorge verwenden könnten. Die jetzigen 25 abgabenbegünstigten Euro pro Monat für Privatvorsorge seien „nur ein Tropfen auf den heißen Stein“.

Foto: Adobe Stock / inkdrop

 

 

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Manager und Aufsichtsräte gehören versichert

D&O-Versicherungen: Skandale der jüngsten Vergangenheit mahnen zur Vorsicht.

Manfred Kainz. Spätestens seit den Wirecard- und Commerzialbank-Skandalen ist klar: Der Aufsichtsrat ist kein „Honoratioren-Club“, sondern das Überwachungs- und Kontrollorgan von Unternehmen. Und dass Vorstände ihren Job höchst sorgfältig machen, davon gehen wir alle eigentlich aus. Wenn jedoch der Vorstand bzw. die Geschäftsführung und/oder der Aufsichtsrat ihre Sorgfaltspflichten verletzen, drohen teure Haftungen für dadurch verursachte Schäden. Gegen solche Schäden gibt es D&O(Directors-and-Officers)-Versicherungen: das ist eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung, die Unternehmen für seine Organe abschließen können. In Österreich gibt es da noch Luft nach oben. Das zeigt die repräsentative Umfrage, die „Board Search“ erstmals durchgeführt hat. Das österreichische Dienstleistungsunternehmen ist auf die Suche nach qualifizierten Aufsichtsorganen im deutschsprachigen Raum spezialisiert und verfügt mit seinen internationalen Kooperationspartnern über ein weltweit aktives Netzwerk. Die Befragung zum Thema D&O-Versicherung war eine Premiere und adressierte das Netzwerk im gesamten deutschsprachigen Gebiet. Die Auswertung brachte einige interessante Ergebnisse.

Licht und Schatten
D&O-Versicherung ist noch immer ein sperriges Thema: Bei der Frage „Wie gut fühlen Sie sich mit dem Thema D&O-Versicherung vertraut? (das heißt: Begriff und Nutzen bekannt, Umfang und Grenzen der Versicherung bekannt) liegt die Selbsteinschätzung unserer Führungs- und Aufsichtsorgane zwischen gut und befriedigend. (Der Durchschnittswert belief sich auf 2,3 auf der Schulnotenskala: 1 = sehr vertraut, 5 = nicht vertraut.)

Zwar ist für 70 % der antwortenden Führungs- und Aufsichtsorgane in „ihrem“ Unternehmen eine D&O-Versicherung abgeschlossen, aber für immerhin 30 % nicht: „weil es vom Dienstgeber nicht vorgesehen ist“.

Positiv ist zweierlei: Erstens, dass 93 % jener, die mit einer D&O-Versicherung abgesichert sind, diese noch nicht in Anspruch nehmen mussten. Und zweitens: dass all jene, die sie schon in Anspruch nehmen mussten, mit ihrer Versicherung zufrieden waren. Was hingegen weniger positiv ist: Nur 48 % der D&O-Versicherten kennen ihre Polizze mit den Versicherungsbedingungen im Detail – die Mehrheit von 52 % jedoch nicht.

Informationsquellen
Die wichtigste Quelle, bei der sich Führungs- und Aufsichtsorgane zum Thema D&O-Versicherung informieren bzw. informieren würden, wenn sie Fragen haben, ist das eigene Unternehmen, gefolgt vom „Berater meines Vertrauens“. Auf Platz drei rangieren gleichauf „in meinem Netzwerk“ und „bei der Versicherungsgesellschaft meines Vertrauens“. Fachmedien und Internet werden nur eher selten als Informationsquelle herangezogen. Wobei beim Wissensstand noch Luft nach oben ist: Denn immerhin 30 % fühlen sich aus all den Quellen nicht ausreichend neutral und praktikabel informiert.

Praxisvorschläge
Die Umfragepremiere brachte aber auch einige Vorschläge von Mitwirkenden, wie D&O-Versicherungen „anwendungsfreundlicher“ werden könnten bzw. sollten: Etwa, zielgruppengenauere Polizzen anzubieten, also beispielsweise eigenständige Angebote für das Top-Management bis zum C-Level und separat für den Aufsichtsrat, bessere Versicherungsprodukte für die Zeit nach Beendigung der Position und vor allem für die Haftung „danach“.

Follow up
Der Managing Partner von „Board Search“ Josef Fritz kommentiert die Umfrage gegenüber dem Börsen-Kurier so: „Es war dies die erstmalige Befragung einer elitären Teilnehmerschaft mit repräsentativem Branchenquerschnitt aus dem gesamten deutschsprachigen Raum zum Thema D&O-Versicherung und hatte eine im internationalen Vergleich sensationelle Rücklaufquote. Die Teilnehmer waren -zum Teil sehr bekannte – Vorstände, Aufsichtsräte bzw. Geschäftsführer.“ Was die Ergebnisse betrifft, meint Fritz: „Beim Thema D&O-Versicherung sind wir im deutschsprachigen Raum zwar auf gutem Weg, aber es geht noch mehr und besser.“ Das Interesse von Seiten der Zielgruppen sei da, und gute Information von Produktgebern und Intermediären sei immer erwünscht. Deshalb wolle man die Befragungsergebnisse auch bei geeigneten Ansprechpartnern einbringen, um den Dialog zu fördern.

Foto: AdobeStock / lassedesignen

 

 

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Neue Energie fürs Portfolio

Wind- und Solarkraft werden effektiver und für Anleger attraktiver.

Harald Kolerus. Nachhaltigkeit kennt viele Gesichter und ist en vogue: Das gilt nicht zuletzt für Elektro-Autos. So stiegen die Neuzulassungen solcher Boliden 2020 in Österreich im Vergleich zum Vorjahr um fast 93 %. Nach einem Rekord von 7.778 Neuzulassungen im Dezember erreichte der Marktanteil der 2020 neu zugelassenen E-Fahrzeuge einen historischen Höchstwert von 20 %. Diesen Boom belegen die Ergebnisse einer aktuellen Studie von PwC.

Strom aus der Steckdose
Wobei natürlich rasch hinzugefügt werden muss: E-Autos sind nur so gut wie die Energie, mit der sie betrieben werden. Kohlekraftwerke und Atomstrom werden ja bereits zunehmend verbannt und auch die Öl- und Gasindustrie hat nicht mehr den leichtesten Stand.

Als Alternativen bieten sich – natürlich nicht nur im Bereich der E-Mobilität – Solar- und Windkraft an. Wobei es von Vorteil ist, dass diese erneuerbaren Quellen immer günstiger genutzt werden können. Anna Borg, CEO von Vattenfall (ISIN: XS0422688019), bestätigt in ihrem Vortrag am Handelsblatt-Energie-Gipfel im Jänner: „Es gibt mehrere Treiber für den Vormarsch erneuerbarer Energien. Einer ist sicherlich, dass mit den Klimazielen von Paris der Kampf gegen die Erderwärmung beschleunigt worden ist. Aber unterstützend wirkt auch der dramatische Verfall bei den Kosten für die zugrundeliegenden Technologien.“

So ist etwa Solarenergie bereits die günstigste Stromquelle in Deutschland, die Entstehungskosten sind mit 4 bis 5 Cent pro Kilowattstunde taxiert und somit mehr als konkurrenzfähig. 9 % am gesamten Stromverbrauch der Bundesrepublik fallen bereits auf Photovoltaik. Ebenfalls in Deutschland hat EnBW (Energie Baden-Württemberg, nach RWE und E.ON das drittgrößte Energieunternehmen Deutsch-lands; DE0005220008) bereits einen großen Solarpark in Betrieb genommen, der völlig ohne staatliche Unterstützung auskommt. Weitere solcher Projekte werden folgen.

Starker Rückenwind
Windkraft steht dem in nichts nach: Sie ist heute schon für 15 % der Energie in Europa verantwortlich. In Österreich erzeugten laut IG Windkraft Ende des Vorjahres 1.307 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 3.120 Megawatt umweltfreundlichen Strom für rund 2 Mio Haushalte. Somit können jährlich 3 Mio Tonnen CO2 vermieden werden.

Großes Potenzial, aber noch bürokratische Hürden
Die Energiebranche nähert sich also einem Wendepunkt, aktuell zählen Wind- und Solarkraft oftmals zu den preiswertesten Formen der Neugewinnung. Das haben natürlich auch die großen Multis längst erkannt: Vattenfall bezeichnet sich als Marktführer sowohl in der Onshore- als auch Offshore-Windkraft und betreibt ca. 50 Windparks in fünf Ländern. Vattenfall-CEO Borg wirft einen Blick in die nahe Unternehmens-Zukunft: „Mit dem Offshore-Windpark vor der holländischen Südküste entsteht die größte europäische Anlage dieser Art, weitere Projekte dieser Dimension sind in Planung.“

Katja Wünschel, Chief Operating Officer bei RWE (DE0007037129), rechnete beim Handelsblatt-Gipfel ebenfalls mit anhaltendem Wachstum für die Branche, sieht aber Problemzonen: „Für die Klimaziele der EU brauchen wir auch einen weiteren On-shore-Ausbau. Leider stehen hier aber noch immer bürokratische Hürden im Weg, etwa bei den langwierigen Genehmigungsverfahren.“ Eine Mahnung an die Politik.

Foto: AdobeStock / fotobi

 

 

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Politisch korrektes Glitzern

Ethik im Handel mit Edelsteinen wird heute vorausgesetzt.

Rudolf Preyer. Adam Sandler hetzt als Juwelier Howard Ratner im via Netflix streambaren Drama „Der schwarze Diamant“ (2019) von einem halsbrecherischen Deal zum nächsten: Der Diamond District von Manhattan ist in Aufruhr, weil der Adrenalinjunkie einen wertvollen schwarzen Opal auf nicht ganz koschere Weise aus den Diamantminen Äthiopiens in die USA hat einschmuggeln lassen. Denkbar ist das auch in unseren Breiten – heute ist Käufern aber bewusst, dass sie es sind, die die moralischen Standards setzen.

Ethik im Edelsteinhandel
Beim Abbau und Handel von Edelsteinen verhält es sich wie mit der Nachhaltigkeit: Ehemals Nice-to-have, wandelt sich der politisch korrekte Standort immer mehr zu einem Must-have. Beim Händler die einzelnen Stationen entlang der Verwertungskette abzufragen, signalisiert gewiss Interesse – von Vorteil ist es jedenfalls, das „1×1 der Ethik im Edelsteinhandel“ schon vorneweg zu beherrschen.

So stellt ein seriöser Händler stets (ungefragt) ein Gutachten eines unabhängigen gemmologischen Instituts zur Verfügung. Dieses dient als Echtheitszertifikat für den internationalen Markt. Die diesbezügliche versicherungstechnische Fußnote: Dieses Zertifikat gehört von den Edelsteinen getrennt aufbewahrt.

Zu den Basics gehört laut Thomas Schröck, dem Gründer und geschäftsführenden Gesellschafter von The Natural Gem, auch das Wissen um vertrauenswürdige Herstellerländer: Staaten wie Sri Lanka, Mozambique oder Myanmar haben den großmaschinellen Abbau von Edelsteinen verboten. Fundstellen werden stattdessen an einheimische Familien verpachtet.

Schröck erklärt, dass es „vergleichsweise einfach ist, für Steine aus Sri Lanka die Einhaltung von ESG-Kriterien nachzuweisen“. So wurde beispielsweise Kinderarbeit verboten – wie auch in Sambia und Mozambique. Allerdings: Seit der Norden von Mozambique von Islamisten heimgesucht wird, fällt das Land als Lieferant unter ESG-Gesichtspunkten aus. Ähnlich ist es um Myanmar bestellt: Ankäufe aus dem Land sind im Grunde wegen der Verfolgung der muslimischen Minderheit der Rohingya nicht zu vertreten.

Das vor rund 20 Jahren begründete Kimberley-Prozess-Zertifizierungssystem (KPCS) haben heute 82 Staaten ratifiziert. Dennoch liegt die Umsetzung auf nationaler Ebene – Experten gehen davon aus, dass heute etwa ein Viertel der Rohdiamanten als „Konflikt- bzw. Blutdiamanten“ gelten müssen.

Vorbild Sri Lanka
In der Inselnation südlich von Indien findet ausschließlich der sogenannte „sekundäre Abbau“ statt: das heißt, dass das Gebirge, in dem die Edelsteine entstanden sind, von der Natur bereits abgebaut wurde und dass die Edelsteine nunmehr im Lehm früherer Flüsse abgelagert sind. Diese Lehmschichten werden von Männerhand abgetragen, da es sich um schwere körperliche Arbeit handelt. Kinder sind daher auf Sri Lanka in aller Regel nicht am Abbauort anzutreffen.

Die Arbeitszeit reicht zumeist von 9 bis 15.30 Uhr. Der Grund dafür: Im tropischen Abendlicht können Edelsteine optisch nicht mehr von umgebenden Kieselsteinen unterschieden werden.

Gemeinhin ist der Abbaubetreiber auf der Insel auch für das Wohlergehen seiner Mitarbeiter und deren Familien verantwortlich. Er zahlt meist deren Arzt- und Krankenhausrechnungen und stellt auch eine Pensionskasse zur Verfügung. Im Durchschnitt beträgt der Monatslohn eines Arbeiters im Edelsteinabbau das Doppelte des Durchschnittsgehalts in Sri Lanka. Junge Männer sehen sich folglich in der Lage zu heiraten, eine Familie zu gründen und ein Eigenheim zu errichten.

Die Regierung von Sri Lanka hat außerdem vor Längerem verfügt, dass alle gefundenen Edelsteine im Land geschliffen werden müssen, um die Wertschöpfungskette zu verlängern. Außerdem wurde mit dem Ceylon Gem Lab (CGL) ein integres gemmologisches Labor eingerichtet, so Schröck, der seit 30 Jahren im internationalen Edelsteinhandel tätig ist, zum Börsen-Kurier. Mit The Natural Gem vertraut er seinen langjährigen Kontakten vor Ort und versichert, dass die gezielte Investition in Edelsteine auch unter moralischen ESG-Nachhaltigkeitskriterien standhält.

Foto: Pixabay / Peter-Lomas

 

 

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Nur die Stärke des Schwarms?

Regelrechter Run auf Silber – wir haben nachgefragt, wie es weiter gehen könnte.

Rudolf Preyer. Einen regelrechten „Run auf Silber“ gab es zuletzt. Der Grund? Der nahezu explodierende Silberpreis – erreichte dieser doch dieser Tage sein Acht-Jahres-Hoch mit deutlich über 24 Euro/Unze. Die Analogie zu den berühmten warmen Semmeln könnte auch Philoro-Edelmetall-Geschäftsführer Rudolf Brenner bemühen: Über das vorvergangene Wochenende hinweg sei die Nachfrage nach Silber „durch die Decke gegangen. Seit 30.1.2021 läuft unser Online-Shop in Österreich, Deutschland und der Schweiz auf Höchstbetrieb“. Tags darauf (ein Sonntag) seien „alle 30 Sekunden Bestellungen eingegangen“. Aber warum?

Die naheliegende Antwort ist einleuchtend: Wir befinden uns gerade in bewegten Zeiten. Edelmetalle respektive deren Beimischung in einem Depot vermitteln Sicherheit. Einer der treibenden Faktoren für den bemerkenswerten Silber-Boom scheint aber auch der Aufruf der Reddit-Trader auf den Silbermarkt gewesen zu sein: Tatsächlich haben gerade tausende Nutzer des Forums „Wall Street Bets“ auf der Plattform Reddit den Short-Spekulanten – vor allem bei der Aktie Gamestop – das Fürchten gelehrt.

Nun folgte der Schwarm offenbar dem Aufruf, massiv auf steigende Silberpreise zu wetten.

Fragt sich folglich, wie lange das noch so weitergehen wird? Brenner ist hier zuversichtlich: „Dank des hervorragenden Netzwerks mit zuverlässigen Lieferanten bei allen Edelmetallen rechnen wir damit, bei gleichbleibender Nachfrage auch über längere Zeit Silber liefern zu können.“ Ob aber die Bullen auch weiterhin ihre Hörner versilbern?

Gold und Silber lieb´ ich sehr
Nach dem Marktbeginn am Montag, dem 1. Jänner, hat der Silberkurs eine regelrechte Rallye aufs Parkett gezaubert – um sich bis zum Wochenende knapp über 22 Euro einzupendeln. „Noch ist nicht klar absehbar, ob dies ein kurzfristiger Silber-Hype ist oder ob Nachfrage und Kursentwicklung nachhaltig im Steigen sind“, erklärt Brenner. Er rechne jedenfalls mit weiteren Kursanstiegen bei Silber – auch über längere Zeiträume hinweg.

Um seine begeisterten Gefühle spüren zu können, muss man sich nur vergegenwärtigen, dass man derzeit laut dem Philoro-Edelmetalle-Geschäftsführer „ein um 40 % höheres Bestellvolumen im Online-Shop als in den stärksten Zeiten im Jahr 2020“ verzeichne. Wann das genau war? Mitten im ersten Lockdown, so die Antwort. Aktuell habe das Unternehmen somit „sehr starke Anstiege bei Silber“, aber auch eine „gleichbleibend starke Nachfrage bei Gold“, versichert Brenner.

Der drängt seine (potenziellen) Kunden freilich zur Eile: Größere Barren mit Stückelungen von 5 kg bis 1.000 Unzen Barren könnten schon rasch nur mehr schwer lieferbar sein, so der Edelmetall-Experte.

Bei kleineren Einheiten, also beispielsweise Silberbarren bis 1.000 Gramm, sei die Versorgungslage nach wie vor sehr gut: „Wir haben schon in den schwierigen Tagen des ersten Lockdowns bewiesen, dass wir auch bei enormer Nachfrage immer liefern konnten. Dies wird sich auch jetzt nicht ändern.“ Das klingt nach einem Versprechen.

Schwarmintelligenz und Fundamentaldaten
Wie sieht es aber mit dem Schwarmverhalten aus? Unabhängig von Reddit setzen unabhängige Edelmetallexperten auf hervorragende Perspektiven für den Silbermarkt im heurigen Jahr. Mit höherem Inflationsdruck und gleichzeitig auch wieder wachsender Nachfrage nach Silber als Industriematerial (z.B. in Elektronikbauteilen, Solarpaneelen oder beim 5G-Ausbau) stehen die Karten für eine nachhaltige Nachfrage nach Silber demnach sehr gut. Philoro Edelmetalle jedenfalls verspricht eine aufrechte Lieferkette.

Foto: AdobeStock / Olivier Le Moal

 

 

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Schweizer Marathonläufer an der Börse

Eidgenössische Gesellschaften, bei denen die Krise nur kurzfristig Irritationen hervorrief.

Roman Steinbauer. Der Börsen-Kurier suchte an der Schweizer Börse (SIX Swiss Exchange) Aktien von Gesellschaften, deren Entwicklung mit langfristig aufwärts gerichteten und soliden Geschäftszahlen einhergeht, Unternehmen, deren Einschnitte in der Bilanz 2020 (soweit vorhanden) als einmalige Beeinträchtigung zu sehen sind.

Unbeeindruckt oder leichte Bremsspuren
In diese Kategorie fällt das größte milchverarbeitende Schweizer Unternehmen, die Emmi AG (ISIN: CH0012829898). Die Luzerner können auf einen schwankenden aber stets steigenden Umsatzverlauf verweisen. Emmi, führend in der Vermarktung eidgenössischen Käses, vertreibt Milchprodukte in mehr als 60 Staaten. Im Heimatland unterhält die Gruppe 25 Herstellungsbetriebe, über Tochtergesellschaften wird zudem in acht Ländern im Ausland produziert. Für das Geschäftsjahr 2020 erwarten Insider eine Gewinnausschüttung von 12,6 Euro. Seit 15 Jahren hat sich der Gewinnrückfluss an die Anteilhaber verfünffacht. Die Notiz klopft erneut am Rekordstand.

Die im Anlegertrend stehende Medizintechnik führt bei der Straumann-Aktie (CH0012280076) unterdessen zu einer respektablen Bewertung. Im Oktober knackten die Valoren die 1.000-CHF-Marke, ehe eine 10-%-Korrektur einsetzte. Der Spezialist für dentale Implantologie und regenerative Zahnmedizin aus Basel forscht gemeinsam mit Kliniken und Hochschulen ebenso an Produkten zur Geweberegeneration. Komponenten werden neben der Schweiz in den USA und Schweden gefertigt und weltweit angeboten. Das jährlich hohe Wachstum von 14 bis 22 % wurde zuletzt durch Lockdowns gestoppt. Im 3. Quartal stagnierte der Umsatz (341 Mio Euro), Wertberichtigungen führten im 1. Halbjahr gar zu einem Verlust. Doch liegt der Schluss nahe, die hervorragende Langfrist-Entwicklung erfuhr nur zeitlich begrenzt eine Ebbe.

Etabliert, keineswegs Langeweile
Nimmt der Konsument in Gaststätten und in Baumärkten Produkte der Geberit Gruppe (CH0030170408) wahr, vermutet dieser kaum, welch dynamisches Wachstum immer noch hinter dem Sanitärtechnik-Spezialisten steht. Das Warenspektrum des globalen Anbieters aus Rapperswil ist für Neubauten und Renovierungen konzipiert.

In den Jahren 2013 bis 2019 schwoll der Umsatz um 46 % auf 2,835 Mrd Euro, das operative Ergebnis um 54 % auf 817 Mio Euro, die Dividendenzahlung um 51 % auf 10,4 Euro/Aktie, an. Nach Jahreswechsel erklomm die Notiz einen Rekordstand, bevor ein Rücksetzer um 10 % erfolgte. Beeindruckend ist die Kontinuität der Geschäftsentwicklung des 11.600 Mitarbeiter zählenden Unternehmens. Bezeichnend: Der „MFS International Intrinsic Value Fund“ hält ebenso Anteile. Der Streubesitz der Aktien ist mit 96 % hoch.

Es brauchte das Geschehen um Covid19 um im Vorjahr die Erlöse der Landis+Gyr (CH0371153492) erstmals seit Jahren zu drücken (-5 % auf 1,542 Mrd Euro). Die renommierte Marke aus Zug (Gründung im Jahr 1896) steht für digitale Energielösungen des Versorgungssektors wie Strom, Gas und Wasser mit Mess- und Automatisierungstools. Die Dividende entfällt für 2020 – vermutlich ein Sonderereignis. Entsprechend nutzten Langfrist-Investoren bereits im Sommer die gestutzte Notiz zum Zugreifen.

Ein abweichender Hinweis für spekulativ orientierte Anleger: Am letzten Handelstag der Vorwoche sprang die zuvor über Jahre darbende, einst florierende Kudelski-Aktie (CH0012268360) um 19 %

an. Dies, nachdem ein Personalschnitt um 500 Personen angekündigt wurde. Investoren des Anbieters digitaler Sicherheitssysteme und Lösungen für interaktive Medien hatten zuvor fünf Jahre erodierende Kurse hinzunehmen, nachdem sich Ergebnisse und Dividenden minimierten.

Foto: Adobe Stock / Jürgen Fälchle

 

 

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Ganzheitliche Gesundheitschancen

Auch abseits der Pandemie bietet der Sektor Wachstumschancen.

Raja Korinek. So leicht scheint sich die Corona-Pandemie nicht abschütteln zu lassen. Allein in Europa folgt ein Lockdown dem nächsten. Selbst in China, in dem das Virus praktisch als besiegt galt, gab es wieder vereinzelte Ausbrüche. Umso mehr rückt der Gesundheitssektor in den Fokus. Sorgen, dass die Pharmakonzerne keine Lösungen für die Mutationen hätten, müsse man sich nicht machen, betont Cyrill Zimmermann, Leiter Healthcare Funds bei Bellevue Asset Management.

Tatsächlich vermeldeten vor wenigen Tagen Biontech (ISIN: US09075V1026) und Pfizer (US7170811035), dass ihr Corona-Impfstoff weitgehend gegen die Mutation aus Südafrika wirksam sei. Moderna (US60770K1079) arbeitet wiederum an einem Auffrischungsimpfstoff gegen die britische Covid-19-Mutation. Dennoch mahnt Zimmermann gegenüber dem Börsen-Kurier in den Gesundheitssektor rein aufgrund der Corona-Meldungen zu investieren. „Wir selektieren unsere Titel nach langfristigen Wachstumsaspekten.“

Ferndiagnosen sind gefragt
Zimmermann verweist in diesem Zusammenhang etwa auf die Telemedizin, mittels der die Patienten ihren Arzt virtuell etwa über das Internet oder das Handy kontaktieren können. Davon profitierten etwa Titel wie Teladoc Health (US87918A1051) aus den USA oder die chinesischen Ping An Healthcare and Technology (KYG711391022) sowie Alibaba Health Information Technology (BMG0171K1018).

Überhaupt räumt der Bellevue-Experte dem Gesundheitssektor reichlich Potential ein. Das globale Sektorwachstum dürfte bei rund 5 % jährlich liegen. Die Trends seien dabei vielfältig. So altere die Bevölkerung weltweit jährlich im Schnitt um drei Monate. Damit wachsen Herausforderungen, etwa im Kampf gegen Krankheiten wie Alzheimer. Zudem nehme die Fettleibigkeit zu. Die Konsequenzen sollten nicht unterschätzt werden, mahnt Zimmermann. Deshalb sei auch Diabetes auf dem Vormarsch. Allein in Mexiko litten bereits mehr als 13 % der Bevölkerung an der Krankheit, gefolgt von Südafrika und Deutschland.

Günstige Bewertungen
Auch die Bewertungen im Gesundheitssektor seien im Vergleich zum breiten Aktienmarkt interessant, findet Zimmermann. Er verweist auf handfeste Prognosen: Allein für den „MSCI World Healthcare Index“ wird das KGV heuer auf 18 geschätzt. Im Vergleich dazu liegt heuer das geschätzte KGV für den MSCI Weltindex bei 22.

Dennoch sollte man die einzelnen Subsektoren genau ansehen, meint Zimmermann. Das größte Umsatzwachstum wird mit jährlich 10 % dem Bereich Biotechnologie eingeräumt, gefolgt von Generika. Auch dem Medtech-Bereich wird einiges an Potential eingeräumt. Am geringsten sind die Wachstumsaussichten für Pharmakonzerne mit jährlich rund 3 %.

Mid-Caps sind gefragt
Genau deshalb verweist Zimmermann auch auf die Notwendigkeit eines aktiven Stockpickings, anstatt nur den „MSCI World Healthcare Index“ abzubilden, um Chancen voll auszunutzen. Und so kommt es auch, dass in Portfolios wie dem“ BB Adamant Health Care Strategy“ (LU1477743386) weit mehr Mid Caps enthalten sind als im Vergleichsindex.

Auch spielen Aktien aus den Schwellenländern bei Bellevue eine weitaus größere Rolle. Schließlich gebe es dort großes Aufholpotential, meint Zimmermann.

Zu den Portfolio-Holdings zählt etwa Insulet (US45784P1012). Das US-Unternehmen stellt tragbare Insulinpumpen mit Fernüberwachung her. Wuxi Biologics (KYG970081173) aus China bietet wiederum Technologieplattformen an, auf denen neue Wirkstoffe getestet werden können.

Anleger sollten freilich auch das Währungsrisiko, das sich auch in der Zweitnotiz in Frankfurt niederschlägt, gut im Auge behalten.

Foto: Pixabay / fernandozhiminaicela

 

 

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Nachhaltige Nahrungsproduktion rentiert sich

Der Bedarf an Lebensmitteln steigt, die Antwort liegt in effizienterer Produktion.

Raja Korinek. Das Thema Nahrung rückt zunehmend in den Fokus. Die Preise für zahlreiche Agrargüter sind zuletzt kräftig gestiegen. Viele der Notierungen, etwa für Zucker, pflanzliche Öle oder auch für Fleisch, erreichten 2020 ein Dreijahreshoch, wie die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO zuletzt aufzeigte. Mit der Pandemie gewann aber auch das Thema der Versorgungssicherheit von Lebensmitteln an Bedeutung.

Umso wichtiger ist es, auf eine möglichst effiziente Wertschöpfungskette zu setzen, auch, um künftig die wachsende Zahl der Weltbevölkerung ausreichend ernähren zu können. Laut UNO dürfte diese bis zum Jahr 2050 auf fast 10 Mrd an der Zahl anschwellen. Aus diesem Grund haben die Vereinten Nationen zuletzt auch ein klares Ziel definiert: Neben der Bereitstellung von ausreichendem Zugang zu Trinkwasser soll auch kein Mensch bis zum Jahr 2030 an Hunger leiden müssen.

Nahrungsmittelbedarf steigt
Einzig, um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, müssten die globale Lebensmittelproduktion in den kommenden Jahren um rund 70 % ausgeweitet werden. Die Aufgabe dürfte aber nicht ganz so einfach zu lösen sein. Dazu müssten nämlich die Ressourcen entlang der gesamte Wertschöpfungskette bei der Nahrungsmittelproduktion weitaus effizienter eingesetzt werden. Denn von der Ernte hin zum Endverbraucher gibt es jede Menge Verschwendungen, die vermieden werden könnten.

Nebst der Effizienzsteigerung müsste künftig auch die Wirtschaftlichkeit gesteigert werden, da die Anbauflächen nicht mehr erweitert werden können und durch den Klimawandel sowie die demografische Entwicklung sogar abnehmen, konstatiert man bei der Bank Vontobel und verweist zudem auf einen weiteren Punkt: Hinzu kämen zusätzliche Herausforderungen wie der fortschreitende Arbeitskräftemangel, der Preisdruck und die wachsende Konkurrenz.

Effiziente Landwirtschaft
Genau hier kommt etwa „Smart Farming“ ins Spiel. Doch worum geht es? Es handelt sich um den Einsatz neuer Methoden und Technologien, damit die globale Landwirtschaft effizienter gestaltet werden kann. Ein Beispiel ist der Einsatz von Drohnen, die Anbauflächen vermessen und Pflanzenschutzmittel versprühen. Es geht aber auch etwa um autonome Traktoren, die Äcker selbstständig pflügen.

Selbst das Sammeln und Auswerten von Daten sind Teil dieses modernen Trends. Durch die Verwendung von Sensoren oder GPS-Diensten werden Daten über die Nutztiere, die Felder oder auch über Umwelteinflüsse gesammelt und Arbeitsabläufe optimiert. Ebenso können damit knappe Ressourcen wie Wasser und Energie effizienter verwendet werden.

Investieren in Smart Farming
Interessierte Anleger können auf den Trend beispielsweise mit dem Partizipationszertifikat auf den „Smart Farming & FoodTech Index“ der Bank Vontobel setzen (ISIN: DE000VA8HXD6). Zu den größten Titel zählen die niederländische Philips Lighting (NL00118 21392), der US-Hersteller von Landwirtschaftsmaschinen Deere (US2441991054) sowie Corteva (US22052L1044), ein Saatgut- und Agrarchemieunternehmen, eben-falls aus den USA.

Besonders risikofreudige Anleger können aber auch gehebelt auf Deere mit einem Turbo-Long-Zertifikat setzen. Ein solches Produkt bietet etwa die Société Générale an (DE000SB4UEC4). Der aktuelle Hebel liegt bei 3. Wird allerdings die Marke von 193,209 USD berührt oder unterschritten, verfällt das Zertifikat.

Foto: Pixabay / jameswheeler

 

 

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Aktienmärkte mit Potenzial von 5 bis 10 %

Absolute-Return-Strategien verfügen über die Flexibilität, marktunabhängige Renditen zu erzielen, meint Lucio Soso, Lead Portfoliomanager des BB Global Macro Fonds von Bellevue Asset Management, skizziert die aktuelle Lage an den Märkten und beleuchtet mittelfristige Perspektiven.

(04.02.) Mit Blick auf die mittelfristigen monetären und zyklischen Indikatoren erholt sich die Wirtschaft aktuell nur sehr langsam, während die Zentralbanken weiter sehr aggressiv vorgehen. Die US-Notenbank Fed hat ihre Bilanz bereits um über 3.000 Mrd USD erweitert. Dies übertrifft den Umfang aller vergangenen Programme seit 2008 zusammen (TARP und die darauffolgenden QE-Programme). Die EZB hat ihre Bilanz bis dato um 2.300 Mrd USD erweitert (aktuell 120 Mrd Euro/Monat). Da die US-Administration und die europäischen Regierungen zugleich Konjunkturprogramme zur Stimulierung der Wirtschaft ankündigen, bleibt reichlich Liquidität vorhanden. Dies ist ein positives Umfeld für Aktien, auch wenn die Wirtschaft Zeit brauchen wird, um sich zu erholen. Auch in Europa ist eine konjunkturelle Erholung sichtbar, wenn auch noch nicht so stark ausgeprägt wie in den USA.

Aktien gegenüber Staatsanleihen im Vorteil
Derzeit sind Aktien attraktiver bewertet als Staats- und Unternehmensanleihen, insbesondere in Deutschland, Japan, Italien und Großbritannien. Hingegen sind US-Aktien sehr hoch bewertet. Gemessen am Preis-Buchwert-Verhältnis (PBV) ist der US-Aktienmarkt historisch betrachtet sehr ambitioniert gepreist. Vergleicht man die Bewertung des Nasdaq-Biotechindex mit dem Nasdaq-Technologieindex, zeigt sich, dass letzterer deutlich über seinem durchschnittlichen historischen PBV handelt, während sein Biotechpendant nahe seines Durchschnitts-PBVs von 5.8 notiert. Deutsche, britische, italienische und japanische Aktien notieren knapp unter ihrem langjährigen PBV. Dies ist vor allem im Hinblick auf die negativen Renditen im Euroraum positiv. Auch die Schwellenländer und Japan sind attraktiv bewertet, während sich Schweizer Dividendentitel in der neutralen Zone bewegen.

Drei mittelfristige Szenarien
In unserem Kernszenario – mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 % – wird das Impfprogramm Zeit benötigen, aber den Märkten eine gute Basis geben. Zugleich wird die stetige Verbesserung der Pandemie als Boden für die Aktienkurse dienen. Angesichts der reichlich vorhandenen Liquidität erwarten wir für diesen Fall einen Anstieg der Aktienmärkte zwischen 5 und 10 %. Dieses Szenario ist leicht negativ für Staatsanleihen und leicht positiv für Unternehmensanleihen.

Einem positiven Szenario messen wir eine Wahrscheinlichkeit von 20 % zu. Hier kommt es zu einer starken Outperformance von Value-Titeln und Aktien aus den Emerging Markets. Beide Kategorien haben jahrelang deutlich underperformt und könnten eine starke Rally erleben. Aktien würden in diesem Szenario zwischen 5 % (S&P 500) und 10 % (Dax) steigen.

Unser negatives Szenario erhält eine Gewichtung von 20 %. Tritt dies ein, erholen sich die Finanzmärkte schneller als die reale Wirtschaft. Da die Bewertungen hoch sind, kommt es zu einer technischen Korrektur bei Aktien in Höhe von 20 %, während Hochzinsanleihen 10 % an Wert verlieren. Positiv gestaltet sich dieses Szenario indes für Staatsanleihen.

Aktuelle Positionierung des BB Global Macro
Unsere Netto-Aktienexposure beläuft sich auf 29 %, was 2 Prozentpunkte über dem langfristigen Durchschnitt liegt. Auf High-Yield-Anleihen entfallen 25 %. Zuletzt haben wir den Anteil 10-jähriger US-Treasuries von 10 % auf 45 % erhöht. Diese Position wird teilweise durch Hedges auf den 30-jährigen US-Treasury (-6 %) und 15-jährigen US-Treasury (-5 %) reduziert. Ein weiteres Hedge-Exposure auf den Dax von -3.9 % ergibt sich aus unserer neu eingeführten Optionsstrategie. Unter Berücksichtigung der jüngsten Portfolioanpassungen beläuft sich das Nicht-Staatsanleihen-Exposure aktuell auf 25 %, bei Staatsanleihen sind es 66 %.

Die Bellevue-Global-Macro-Strategie investiert weltweit im Rahmen einer Allwetterstrategie mit Absolute-Return-Ansatz. Der Fonds strebt über den Konjunkturzyklus konsistente positive jährliche Renditen bei einer Sharpe Ratio von 1 an. Im vergangenen Jahr lag die Rendite bei 2,7 %.

Foto: Bellevue AM

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Biden lässt BIP-Prognosen abheben

Für Frank Rybinski, CFA, Chef-Makrostratege bei Aegon Asset Management, bringt die neue Administration anstehende politische Veränderungen u.a. bei Ausgaben, Steuern und dem Handel mit sich.

(29.01.) Zusätzlich zu dem im Dezember 2020 verabschiedeten Konjunkturprogramm in Höhe von 900 MrdUSD dürfte es der Biden-Regierung gelingen, im ersten Quartal ein weiteres Konjunkturprogramm in ähnlicher Größenordnung zu verabschieden (das deutlich unter der ursprünglichen Forderung von Präsident Biden von 1,9 BioUSD liegt). Diese Konstellation bedeutet, dass die von uns erwartete Abschwächung in der ersten Jahreshälfte nun wahrscheinlich deutlich angekurbelt werden wird. Dies sollte die Wirtschaft bis in die letzte Jahreshälfte überbrücken, in der unserer Meinung nach eine Normalisierung einsetzen sollte. Konkret heben wir unsere BIP-Prognose für 2021 von 3,5 auf 5,2 % an. Grund dafür sind die zahlreichen Konjunkturmaßnahmen, die das von uns erwartete schwächere erste Halbjahr im Vergleich zum Zweiten ankurbeln. Sollte dies zutreffen, wäre dies das stärkste Jahreswachstum seit 1984.

Aufgrund der zweifachen Stimulierung (fiskalisch und geldpolitisch) und der Normalisierung der Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte könnte das nominale Wachstum für das Jahr im Bereich von 6 bis 7 % liegen. Wir bevorzugen weiterhin Anlagen, die von dieser Beschleunigung des Nominalwachstums im frühen Zyklus profitieren, insbesondere Aktien.

US-Dollar schwächt sich ab
Der bevorstehende starke Anstieg der schuldenfinanzierten Staatsausgaben in Kombination mit der ohnehin schon lockeren Geldpolitik der Federal Reserve ist ein Grund für einen niedrigeren US-Dollar im Laufe der Zeit. In gewisser Weise ist dies das Gegenteil der 1980er Jahre, als eine lockere Fiskalpolitik durch eine straffe Geldpolitik kompensiert wurde, die den kometenhaften Aufstieg des Dollars anheizte, der erst durch den Plaza Accord gestoppt werden konnte – die Vereinbarung der G-5-Staaten von 1985, die Wechselkurse durch Abwertung des US-Dollars gegenüber dem japanischen Yen und der Deutschen Mark zu manipulieren.

Steilere Treasury-Zinskurve:
Die Zinskurve ist in diesem Jahr bereits ziemlich steil geworden, aber wir glauben, dass sich dies noch weiter fortsetzen wird. Die Netto-Emissionen der Treasuries nehmen zu, um alle Ausgaben zu bezahlen (es wird möglicherweise eine Erhöhung der Steuern geben, aber nicht genug, um die erhöhten Defizitausgaben zu bezahlen).

Werden diese Emissionen mit einem allmählichen Anstieg der Inflationserwartungen kombiniert, ist davon auszugehen, dass sich das lange Ende der Treasury-Kurve nach oben bewegt. Gleichzeitig gehen wir von einer großen Nachfrage aus, vor allem durch die Käufe der Fed durch die quantitativen Lockerungsprogramme, so dass die Fed das kurze Ende der Kurve für die absehbare Zukunft niedrig halten wird. Diese Kombination, dass das vordere Ende niedrig bleibt und das lange Ende sich nach und nach oben bewegt, bedeutet eine weitere Versteilung.

Foto: Aegon AM

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Homeoffice als Einfallstor

Cyberkrimielle stellen vor immer neue Herausforderungen – das Homeoffice als Einfallstor.

Manfred Kainz. Die Abhängigkeit von Datenverarbeitungssystemen nimmt in allen Branchen rasant zu – und damit auch das Schadenspotential durch Cyberattacken. Und Homeoffice – zigtausende Mitarbeiter dezentralisiert in unterschiedlichen IT-Infrastrukturen – öffnet dabei weitere Einfallstore für Cyberangriffe. Ein Teil der Risikobewältigung kann über eine Versicherung gegen Cyberrisiken erfolgen. Allerdings ist das Angebot an derartigen Versicherungen für Nichtexperten neben ihrem Tagesgeschäft schwer überschaubar und der Zugang zu praktischen Informationen schwierig. „Für Interessenten ist oft nur mühsam durchschaubar, ob das Produkt oder das Verkaufsinteresse des Anbieters die Darstellung dominiert“, formuliert es Arthur Zukal, Geschäftsführer des „ReTurn – Forum für Restrukturierung und Turnaround Management“. Daher hat ein ReTurn-Webinar für seine Mitglieder das Thema nun produktunabhängig und objektiv behandelt.

Niemand gefeit
Was Cyberattacken so gefährlich macht: Es kann jeden treffen. Denn die meisten Attacken sind „Massenangriffe“, die -„gestreut wie virtueller Schrot, das in das World Wide Web fliegt“- auf Lücken in der Absicherung abzielen, warnt Harald Neuberger, Geschäftsführer der Versicherungsberatungs – Gesellschaft m.b.H. (VSB) und beeideter & gerichtlich zertifizierter Sachverständiger. Kein Trost ist, dass ganz gezielte Angriffe auf Einzelne eher selten sind, dafür aber hochspezialisiert, wo es um Ausspionieren von Wertvollem gehen kann („Digitaldiebstahl“). Denn auch Kleinunternehmen können interessante, sensible Inhalte haben.

Risikocheck
Bevor man eine Cyberversicherung abschließt, sollte man sich einige Fragen stellen, um die eigene Risikosituation zu prüfen, empfiehlt der Sachverständige: „Besitze ich sensible Daten (und wenn, ja welche), deren Verlust hohe Kosten und/oder Schadenersatzforderungen nach sich ziehen kann? Sind Kreditkartendaten (deren Verlust mit Strafen belegt ist), Gesundheitsdaten oder ähnliches gespeichert? Welcher Imageschaden entsteht mir in Folge einer Cyberattacke?“ (Anm.: Ein ramponiertes Image am Markt kann viel Geld kosten.) Weiters: Wie rasch und zu welchen Kosten kann der Betrieb wieder ins Laufen kommen? Und wie lange kann ein Betriebsstillstand andauern?

Hybrid
Eine Cyberversicherung ist eine „Hybridversicherung“, die einer-seits Risiko (für Daten, Software und digitales Gut) und anderer-seits Schäden (durch Malware, Trojaner, Viren, Spyware, Denial of Service-Angriffe) deckt, so Neuberger. Sie ist eine Kombination aus Haftpflichtversicherung, Datenversicherung und Betriebsausfallversicherung (für den Ertragsverlust aus dem Stillstand aufgrund einer Cyberattacke. Die Haftpflicht deckt neben Schäden von Dritten auch Kosten für die Abwehr von ungerechtfertigten Schadenersatzansprüchen. Voraussetzung ist aber, dass man gewisse Dinge erfüllt, wie regelmäßige Datensicherung, regelmäßige Passworteänderung und Prüfung der Netzwerksicherheit. Jede Assekuranz hat da ihre Vorgaben für Sicherungs- und Vorsorgemaßnahmen vor einem Versicherungsabschluss. Bei Nichterfüllung gibt’s keine Polizze oder sie wird sehr teuer. Daher rät der Experte, vor Versicherungsabschluss die Vorbeuge- und Sicherungssysteme „aufzupimpen“. Erst wenn der Aufwand dafür so hoch wird, dass es unrentabel ist (und ein Restrisiko bleibt), ist eine Cyberversicherung eine gute Wahl.

Bausteine
Dann geht es um die Zusammensetzung der Deckungs-„Bausteine“: Haftung, Reparatur/Wiederherstellung, Krisenmanagementkosten, Forensik, Rechtskosten, Strafzahlungen, Betriebsausfallskosten, Kosten für PR-Aktionen, Verluste aus Cyberdiebstahl (Wertpapiere/Dokumente, hochpreisig verwertbare Daten etc.), eventuell Lösegeld (in manchen Produkten inkludiert).

Was nicht geht
Aber es gibt auch einige Dinge, die nicht versicherbar sind, sogenannte „Ausschlüsse“: Ansprüche Versicherter untereinander und von verbundenen Unternehmen, Vorsatz und wissentliche Pflichtverletzung, Schäden aufgrund Störungen in öffentlicher oder privater Infrastruktur (wie Strom- oder Wasserversorgung), Erfüllungsschaden/Garantiezusagen/Vertragsstrafen, hoheitliche Eingriffe, Finanzmarkttransaktionen, rechtswidrige Datenerfassung, Patent- und Kartellrechtsverletzungen – und Glücksspiel.

Foto: Pixabay / geralt

 

 

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Makler forcieren digitale Vertriebsfitness

Corona hat die Digitalisierung beschleunigt – auch für die Versicherungsmakler.

Emanuel Lampert. „Uns war klar, dass Digitalisierung in der Versicherungswelt die Zukunft bedeutet“, sagt Christoph Berghammer, der Ende 2020 als Fachverbandsobmann der Versicherungsmakler bestätigt worden ist. „Deshalb haben wir nach der Wahl Digitalisierung als eines der Hauptthemen für 2021 definiert.“ Vergangene Woche hat der Fachverband nun einen „Leitfaden für den digitalen Vertrieb“ vorgestellt. Die Idee dafür war noch vor Corona entstanden, erfuhr dadurch aber nochmals eine Beschleunigung, wie Berghammer bei der Online-Präsentation sagte.

Erarbeitet wurde das Werk zusammen mit Rechtsanwalt Martin Pichler und der Kanzlei Brandl & Talos. Es wartet mit einem Überblick über die wichtigsten Rechtsvorschriften und mit Praxistipps auf. Makler erhalten es automatisch per Post und können es auch online beim Fachverband lesen. Basisthemen wie etwa Domainregistrierung oder die Gestaltung des Impressums werden ebenso behandelt wie Onlinevertrieb und Schadensabwicklung.

Erst Büro, dann Vertrieb
Eine Herausforderung bestand Pichler zufolge darin, einen Behelf mit Mehrwert für alle Versicherungsmakler zu schaffen, da die Digitalisierung in der Maklerschaft unterschiedlich weit fortgeschritten sei. In Bezug auf interne Prozesse und Kommunikation mit den Versicherern sei man „schon sehr weit“, am wenigsten ausgebaut dürfte die „Schnittstelle“ zwischen Makler und Kunden sein, speziell der Onlineabschluss. Für Berghammer folgt das einer gewissen Logik: erst die Digitalisierung im Büro erledigen, „damit dann auch der digitale Vertrieb funktioniert“.

Die Digitalisierung des Vertriebs sei dabei nicht nur eine rein technische Frage, so Pichler. Sie habe „ihre Tücken“: Im klassischen Beratungsgespräch lasse sich leichter herausfinden, was der Kunde braucht, Onlinevertrieb, wie er sich derzeit darstellt, eigne sich daher für Kunden, die schon eine Vorstellung von ihrem Bedarf haben.

„Wir müssen lernen, in Entscheidungsbäumen zu denken“, folgert er und meint damit ein bestimmtes Frage-Schema. Immerhin könnten sich teils hunderte Fragen stellen, bis man zur passenden Lösung gelangt. Dementsprechend könne man weniger komplexe Produkte mit geringerem Aufwand in solchen Entscheidungsbäumen abbilden.

Grundsätzlich sieht Pichler „viele Schattierungen“ zwischen rein klassischem und rein digitalem Vertrieb. „Da wird für jeden Makler ein Modell dabei sein.“ Wer weniger auf Digitalisierung setzen wolle, müsse aber wohl eher in komplexe Produkte gehen, die eben digital nicht so ohne Weiteres darzustellen sind. „Da bietet Digitalisierung noch nicht den Mehrwert.“

Neue Chancen erkennen und nutzen
Mehrwert kann sie nicht nur den Kunden bieten, sondern auch den Unternehmen. „Es geht vor allem um Kostenreduktion, um Qualitätsverbesserung, um einheitliche Bearbeitungsstandards“, sagte Raphael Toman von der Kanzlei Brandl & Talos. Letztlich biete sie überdies „eine Chance, neue Geschäftsgelegenheiten zu ergreifen und neue Kunden zu akquirieren“.

Und Angelika Sery-Froschauer warb dafür, Vertriebs- und Digitalisierungsorientierung in den Vordergrund zu rücken. Die Obfrau der WKÖ-Bundessparte Information und Consulting stützt sich auf Zahlen aus einer Accenture-Studie, wonach die Digitalisierung der Prozesse gesamtwirtschaftlich ein BIP-Wachstumspotenzial von bis zu 1,9 % jährlich freisetze. Wenn man die Nutzung künstlicher Intelligenz bis zum Zeithorizont 2015 einbeziehe, kämen noch potenzielle 1,6 % dazu.

Foto: AdobeStock / Bojan

 

 

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Lukrative Welt der Körperpflege

In der Beauty-Industrie riecht es keineswegs nach Krise.

Roman Steinbauer. Der Unternehmensberater McKinsey hält für 2020 einen Einbruch in der Beauty-Industrie von bis zu -35 % für möglich. „Data Bridge Market Research“ veranschlagt dennoch den weltweiten Umsatz im Jahr 2026 auf 531 Mrd Euro und schreibt ein Langfrist-Wachstum von beeindruckenden 5,1 % p.a. vom Vorkrisenniveau fort. Ein höheres Einkommen und Körperbewusstsein in Asien spiele dem Segment zusehends zu. Der Trend gehe klar in Richtung Organic- und Naturkosmetik. Bridge Market hebt zudem die steigende Pflege- und Duftnotennachfrage männlicher Kunden hervor.

Langfrist-Chancen führten zu Zukäufen
Aktieninvestitionen in den Sektor der Verschönerung wurden durch Lockdowns nur kurzfristig enttäuscht. Im Chartbild der Estée Lauder (ISIN: US5184391044) ist keine Krise nachvollziehbar, das Jahresende brachte gar ein neuer Höchststand.

Jüngst kräftig zugegriffen haben Investoren bei den zuvor überverkauften Papieren der Coty Inc. (US2220702037). Der in die Verlustzone geratene Konzern aus Minneapolis entwickelt und vertreibt global Produkte der Marken Calvin Klein, Hugo Boss, Gucci sowie Wella. Früh kam zudem der Wendepunkt beim Gesichts- und Lippendekoranten, ELF Beauty (US26856L1035) aus Oakland.

Imposant der Wiederaufstieg der Notiz bei MAV Beauty Brands (CA57767U1066). Die Körperpflegemarken der Kanadier inkludieren Cake Beauty, Marc Anthony und Renpure. Der aufstrebende Trend bei Inter Parfums (US4583341098) wird durch die hohe Dividenden-Rendite von nahe 3 % gestützt. Die New Yorker Gesellschaft produziert hochwertige Kosmetika für Lizenznehmer wie Burberry, Van Cleef, & Arpels, Jimmy Choo, GAP oder Banana Republic.

Der Warpaint-London-Kurs (GB00BYMF3676; die Flaggschiff-Marke W7, wird über Beauty Shops in Europa und den USA vertrieben) strebt seit Dezember steil nach oben. Auch Aktien des Favoriten der vergangenen Dekade, Kose Corp. aus Tokyo (JP3283650004; Visee, Fasio, Elsia, Suncut-Produkte), setzen Richtung Rekordstand an. Gering tangiert wurden die Titel des fernöstlichen Marktführers Shiseido (JP3351600006), obwohl im 3. Quartal der Gewinn je Aktie zur Vorjahresperiode von umgerechnet 0,40 auf 0,15 Euro einknickte.

Die L‘Oreal-Notiz (FR0000120321) gab seit November ab – allerdings nach einer Performance von +250 % seit 2008. Emotional in einer Hochschaubahn fühlen sich Anleger der Luxemburger L‘Occitane (LU0501835309). Die Papiere kamen trotz des jüngsten Anstiegs langfristig nicht vom Fleck. Ein Schicksal, das Anleger des New Yorker Haarfarb-Spezialisten Revlon (US7615256093) teilen.

Foto: Pixelio / stevepb

 

 

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Bitcoin wieder in aller Munde

Experten sehen langfristiges Potenzial, warnen aber auch vor hohen Risiken.

Patrick Baldia. Die aktuellen Bitcoin-Kursprognosen einiger Analysten wirken wie nicht von dieser Welt. So rechnet etwa Simon Peters von eToro bis Ende 2021 mit einem Kurs zwischen 70.000 und 150.000 USD. Thomas Fitzpatrick, leitender Analyst bei der US-Citibank, glaubt, dass der Bitcoin bis Ende Dezember sogar auf 318.000 USD ansteigen könnte. Und die Experten von JP Morgan gehen „langfristig“ von einem Preis von 146.000 USD aus. Kurz vor Redaktionsschluss am Montag notierte der Bitcoin bei etwas mehr als 30.000 USD.

„Wenn sich nur annähernd wiederholt, was 2017 und während der letzten Aufwärtszyklen passiert ist, sind wir noch lange nicht am Ende der Preisbewegung angelangt“, hält Bitpanda-CEO Paul Klanschek fest. Für die starke Kursentwicklung vor allem in der zweiten Hälfte des Vorjahres, die in einem Gesamtjahresplus von 300 % mündete, macht er unter anderem institutionelle Investoren verantwortlich. Ein prominentes Beispiel war der Zahldienst PayPal, der seine US-Kunden nun Bitcoin und andere Kryptowährungen handeln und aufbewahren lässt. Limitierte Assets wie der Bitcoin würden aber auch von Sorgen um die Folgen der coronabedingten Ausweitung der Geldmenge – Stichwort: Inflationsgefahr – profitieren.

„Auf Basis der gängigen Bewertungsmodelle, Stock to Flow und NVT Ratio (Network Value to Transaction Ratio, Anm.), deuten die jüngsten Preisanstiege nicht auf eine Überhitzung hin“, meint Manuel Schleifer, Finanzmarktstratege bei Raiffeisen Research, gegenüber dem Börsen-Kurier. Vielmehr würden sie eine faire Bewertung suggerieren. Daher wären auch Preisziele um die 100.000 USD nicht unrealistisch.

„Das Problem ist allerdings, dass eine Bewertungskennzahl nur so gut ist wie das zugrundeliegende Modell“, hält Schleifer fest. Und das Stock-to-Flow-Modell würde nun einmal wichtige Parameter wie etwa politische und rechtliche Einschränkungen ebenso wie makroökonomische Rahmenbedingungen und nachfrageseitige Effekte ausklammern.

„Verfolgt man eine andere Sichtweise und schaut sich etwa das Marktsentiment an, so deutet der Ansturm auf den Bitcoin auf eine Überhitzung hin“, so Schleifer weiter. Dafür spreche auch der Fear- and-Greed-Index (misst die Angst und Gier an den Märkten, Anm.), der sich seit längerem auf einem sehr hohen Niveau (aktuell: 88) befinde. Kurz- und mittelfristig suggeriere das eine größere Korrektur. In charttechnischer Hinsicht zeige sich, dass sehr viel positive News eingepreist sei. Nachsatz: „In historischer Hinsicht ist das kein gutes Zeichen.“

Schleifer spricht dem Bitcoin langfristig aber durchaus Potenzial zu. Dahinter stehe nicht zuletzt das im Bitcoin-Protokoll auf 21 Mio Stück begrenzte Angebot. „Der Preis wird allerdings nur dann nachhaltig steigen, wenn auch die Nachfrage steigt oder zumindest gleichbleibt“, so Schleifer. Auch wenn sich der Bitcoin nicht für jedermann eigne, könne er für langfristig orientierte Anleger, die das hohe Risiko und die hohe Volatilität von 85 % pro Jahr tragen könnten, durchaus interessant sein. Er verweist auf die geringe Korrelation mit anderen Assetklassen.

Ein Einstieg könne etwa über einen Ansparplan bereits mit geringen Beträgen erfolgen. Unterm Strich bekomme man so einen besseren Einstiegskurs. Da Experten auch andere gute Kryptowährungen ausmachen, die sich am Markt noch nicht durchgesetzt haben – wie etwa Ethereum oder Litecoin – könnte es sinnvoll sein, ein Investment zu diversifizieren. Dazu bieten sich einschlägige Indizes an.

Foto: Pixabay / BestGrapics_Com

 

 

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Bankaktien treten aus dem Schattendasein

Die Bankenaufsicht der EZB stimuliert Fusionen unter Finanzdienstleistern.

Roman Steinbauer. Übernahmen, Fusionen und Pleiten prägten nach der Wirtschaftskrise 2008/09 den US-Finanzsektor. Der Konzentrationsprozess führte zu einer höheren Profitabilität. Nicht so in Europa. Trotz geringer Ertragskraft hielten sich sämtliche Großinstitute über Wasser. Angesichts hoher laufender Kosten der Branche forderte nun der Vorsitzende des Aufsichtsgremiums der EZB-Bankenaufsicht, Andrea Enria, grenzüberschreitende Verschmelzungen im Euroraum, um ein weiteres Abdriften der Banken im internationalen Wettbewerb abzuwenden. Es wurde ein vereinfachter Anforderungsleitfaden für das Agieren der Aufsicht dargelegt, zu der keine überzogene Eigenkapitalvorgaben mehr vorgesehen sind. Konsolidierungen und Neuausrichtungen im Sektor sollen vereinfacht vorangetrieben werden, um die Kosteneffizienz zu straffen. So werde der Kaufpreis einer Bank unter dem Bilanzwert des Eigenkapitals akzeptiert. Enria nach werde damit Spielraum für Investitionen in Technologie und Digitalisierung geschaffen und der Rückstand zu Übersee-Mitbewerbern verringert.

Die Wirkungsweise bremst aller-dings das Umfeld einer drohenden Zunahme der Quote für Kredit-ausfälle durch Insolvenzen, das zu Misstrauen zum Zahlenwerk in den Büchern der Mitbewerber führt. Eine hohe Anzahl an Rochaden in Vorstandsetagen und nicht einheitliche Konsumentenschutz- und Insolvenzregeln lähmen Konsolidierungen derzeit zusätzlich.

Geht die Zersplitterung einem Ende zu?
Axel Weber
skizzierte als Vorstand der UBS-Direktion in der vergangenen Woche die Lage sehr drastisch: „China und die USA sind relevante Größenmärkte in der Bankenwelt. Europa ist ein fragmentierter Markt mit 27 verschiedenen Regularien einzelner Staaten. Die Europäische Union braucht eine Vertiefung des Kapitalmarktes. Dies funktioniert aber nicht in einem fragmentierten Umfeld. Ein anorganisches Wachstum (Anm. der Red.: Konsolidierungen, Übernahmen) muss und wird kommen.“ Die UBS selbst generiere laut Weber als Multi-Akteur Wachstum in Asien und den USA. Auf Europa fokussierte Großbanken seien hingegen nicht mehr in der Lage, Dividenden zu zahlen oder Aktienrückkäufe zu tätigen.

Breit angesprungene Notizen
Aktien des Finanzsegments hinkten anderen Branchen über Jahre hinweg nach. Jüngst gaben diese aber erstmals wieder ein kräftiges Lebenszeichen von sich. So zog der „F.A.Z. Banken-Index“ (ISIN: DE000SLA3AA7) seit November des Vorjahres um mehr als 20 % an. An vorderster Front erlangten Notizen der UBS-Valoren (CH0244767585) Aufmerksamkeit. Noch im ersten Quartal visiert das Institut für Privat- und Firmenkunden als globaler Vermögensverwalter und eidgenössischer Marktführer im Private Banking an, jede fünfte Filiale auf dem Heimatmarkt zu schließen. Dies, nachdem die Credit Suisse (CH0012138530) bereits 2020 für ein Viertel der Standorte ein Ende in Aussicht stellte. Turbulenzen um die UBS Group zu Gerüchten einer Anklage in den Niederlanden gegen CEO Ralph Hamers beeinträchtigten den neuen Trend der Aktie bisher nicht.

Unter den Universalbanken mit den Sparten Versicherungen, Immobilien und Leasinggeschäfte stach im letzten Quartal bereits die Wertpapier-Performance der in 30 Länder vertretenen BBVA (Banco Bilbao Vizcaya Argentaria, ES0113211835) mit +60 % hervor. Auch Anleger der HSBC (GB00054052 86) und der Société Générale (FR0000130809) spürten bereits im vergangenen Herbst mit +30 % Aufwind. Zudem erklommen zuletzt Papiere der Deutschen Bank (DE0005140008) und der BNP Paribas (FR0000131104) den höchsten Stand seit elf Monaten.

Foto: Pixabay / TobiasRehbein

 

 

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Krise sorgt für Aktien-Favoritenwechsel

Jede große Krise sorgt für Aktien-Favoritenwechsel

(14.01.) Laut den Experten von J.P. Morgan Asset Management sorgen große Krisen nicht nur für Volatilität an den Aktienmärkten, sondern bringen in der Regel auch einen Favoritenwechsel mit sich: Das Ende der Dotcom-Blase markierte beispielsweise das vorläufige Ende der Dominanz von Wachstums- und US-Aktien. Die folgende Ära von Value-Aktien und Emerging Markets fand ihr krachendes Ende in der Finanzkrise. Mit der globalen Pandemie könnte es nun an der Zeit für den nächsten Favoritenwechsel sein, so die Einschätzung von Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt: „Der US-Dollar neigt zur Schwäche – damit scheint der 10-jährige Bullenmarkt des Greenback zu Ende zu gehen, der seit der Finanzkrise stark, wenn auch fundamental gesehen teuer war. Nach den pandemiebedingten Zinssenkungen ist das Zinsdifferenzial zwischen US-Dollar und anderen Industrieländern wieder enger geworden – der US-Dollar hat als Anlagewährung an Attraktivität verloren. Mit einsetzender Erholung der Weltwirtschaft sollte dies den Kapitalstrom aus dem US-Dollar in andere Währungsräume beschleunigen“, führt der Experte aus. Nach den bisherigen Erfahrungen hat ein schwacher Dollar vor allem in den Schwellenländern für Rückenwind gesorgt. „Nachdem aktuell vor allem viele asiatische Volkswirtschaften fundamental überzeugen, sind die Voraussetzungen vielversprechend, dass wir nun am Anfang einer asiatischen Dekade stehen“, so Galler.

Wachsende Mittelschicht, regionale Freihandelszonen, erfolgreiche Pandemiebekämpfung
Dafür gibt es zahlreiche kurz- und langfristige Argumente. In den nächsten zehn Jahren dürfte sich die Mittelschicht in Asien um schätzungsweise eine Milliarde Menschen vergrößern. Dies verspricht nach Einschätzung von Tilmann Galler ein enormes Wachstum des Konsums und des regionalen Binnenmarkts. Das jüngste Abkommen über die neue Freihandelszone RCEP dürfte die Asien-Pazifik-Region zudem weiter stärken, denn es sollte den regionalen Handel zwischen den Ländern fördern und dürfte die Wertschöpfungsketten innerhalb der 15 Vertragspartner vertiefen.

Doch auch aus kurzfristiger Sicht besteht für Asien Optimismus: Die nordasiatischen Volkswirtschaften China, Korea und Taiwan, die den Großteil des investierbaren Universums repräsentieren, waren erfolgreicher darin, die Pandemie einzudämmen, als der Rest der Welt. Die Neuinfektionen mit COVID-19 betrugen selbst in der Spitze nur einen Bruchteil der anderen Regionen. „Aufgrund des begrenzten Ausbruchs in Kombination mit rigoroser Kontaktbeschränkung und Verfolgung von Infektionsketten konnte das Virus so weit zurückgedrängt werden, dass sich die Wirtschaft auf breiter Basis erholen konnte. Chinas Wirtschaft ist inzwischen wieder auf dem Vorkrisenniveau zurück – ein Zustand, von dem Europa und die USA bis jetzt nur träumen können“, stellt der Marktstratege fest.

Die Rolle des verarbeitenden Gewerbes – vom Malus zum Vorteil
Trotz des stetig wachsenden Konsums sind die asiatischen Volkswirtschaften immer noch sehr abhängig von der Dynamik im verarbeitenden Gewerbe und dem Handel. Aber was in den Jahren des eskalierenden Handelskonfliktes noch ein Malus war, ist nach Analyse von Tilmann Galler in der jetzigen Phase ein Vorteil. „Es gelingt dem produzierenden Gewerbe viel besser, sich an das Pandemieumfeld anzupassen als beispielsweise dem Dienstleistungssektor. Und so wirkt sich die aktuell relativ bessere Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes gegenüber den Dienstleistungen für Asien sehr positiv aus“, erklärt Galler.

Konjunkturdaten in China positiv, jedoch begrenzte Nachfrageimpulse
Chinas Nachfrage im Speziellen hat sich seit dem 2. Quartal 2020 deutlich erholt. Gestiegene Preise von Kupfer und Eisenerz seien nach Einschätzung des Kapitalmarktexperten ein klares Indiz dafür und sollten auch jene überzeugen, die den Konjunkturdaten aus dem Reich der Mitte eher misstrauen. Dennoch sollte man die Euphorie etwas bremsen. „Diesmal hat Peking die Wirtschaft, im Vergleich zu den früheren Schwächephasen, wo es eine enorme Kreditausweitung gegeben hat, nur relativ moderat gestützt. Das heißt, der positive Nachfrageimpuls aus China hat nicht die Kraft wie beispielsweise 2009 oder 2016, um das Wirtschaftswachstum weltweit zu beflügeln“, sagt Galler. Die Sorge um die zukünftige Finanzmarktstabilität habe die Entscheidungsträger davon abgehalten, den Geldhahn weit aufzudrehen. Die Konsequenz sei, dass von der steigenden Nachfrage in China nur die Länder mit intensiven Handelsbeziehungen zu China profitieren dürften. Exportstarke Volkswirtschaften wie Taiwan und Korea liefern über 25 % ihrer Exporte nach China und dürften wohl den stärksten Rückenwind für ihre Wirtschaft spüren. Japan liefert zwar rund 20 % der Exporte nach China, aber der Gesamtanteil der Exporte am BIP liegt bei nur 13 % – in Korea ist es mit 33 % ein Drittel der Wirtschaftsleistung.

Die Bewertung des japanischen Aktienmarkts hat nach Einschätzung von Tilmann Galler im Vergleich zu den Industrieländern ein sehr attraktives Niveau erreicht. Im Falle eines globalen Erfolgs im Kampf gegen die Pandemie könnte die Erholung der japanischen Wirtschaft auch zu einer kräftigen Erholung japanischer Aktien führen. Eine überdurchschnittliche Entwicklung wäre dann möglich, wenn der Yen in diesem Szenario nicht zu stark werde.

Weiterhin Potenzial bei asiatischen Aktien – doch differenzierter Blick nötig
Nach Einschätzung von Tilmann Galler haben asiatische Aktien trotz der guten Kursentwicklung immer noch das Potential, sich überdurchschnittlich zu entwickeln. „In unseren jährlich veröffentlichten langfristigen Ertragsschätzungen, den „Long Term Capital Market Assumptions“, erwarten wir über zehn bis 15 Jahre eine Überschussrendite von mehr als zwei Prozent pro Jahr gegenüber Industrieländeraktien“, betont Galler.

Doch gelte es bei asiatischen Aktien gleichwohl zu differenzieren – denn die Pandemie hat die Aktienmärkte Asiens gespalten. Nordasien hat die Corona-Pandemie bisher besser gemeistert als die meisten anderen Länder der Welt. Aus diesem Grund waren die Unternehmensgewinne stabiler und die Wirtschaft konnte sich auch nachhaltiger erholen als beispielsweise in Europa oder den USA. Die Risiken neuer Pandemiewellen und weiterer Lockdowns ist demnach für diese Region auch im neuen Jahr viel geringer als für den Rest der Welt. „Wir trauen Aktien aus China, Taiwan und Korea aufgrund dieser defensiven Qualitäten und dem besseren Wirtschaftswachstumsumfeld zumindest in der ersten Jahreshälfte eine überdurchschnittliche Wertentwicklung zu, solange es eben nicht sicher ist, dass die Pandemie nachhaltig überwunden wird“, sagt Experte Galler. Wer im Speziellen von der relativ starken Nachfrage in Chinas Wachstum profitieren wolle, sollte dies aufgrund des schwächeren Wachstumsimpulses aktuell durch direkte Investments in den heimischen A-Share-Markt tun.

Sobald jedoch ein Ende der Pandemie wahrscheinlicher werde, sei mit einem Favoritenwechsel zu den ASEAN-Aktien und Indien zu rechnen. „Südasien ist erheblich stärker durch die Pandemie betroffen und bietet aus diesem Grund auch mehr Aufholpotenzial. In diesem weltwirtschaftlichen Erholungsszenario sollten auch japanische Aktien aufgrund des relativ hohen Anteils zyklischer Titel profitieren“, bewertet Tilmann Galler die Situation.

Foto: JP Morgan

 

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Ist Wasserstoff heiß gelaufen?

Trotz des anhaltenden Hypes warnen Experten vor unreflektierten Zukäufen.

Patrick Baldia. Wasserstoff gilt als wichtiger Baustein auf dem Weg in eine CO2-freie Zukunft. Vorausgesetzt, der Strom mit dem Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten wird, kommt aus erneuerbaren Energiequellen. Mithilfe von Brennstoffzellen kann der gespeicherte grüne Wasserstoff beispielsweise in Fahrzeugen in elektrische Energie umgewandelt werden. Zu den weiteren Einsatzmöglichkeiten gehört auch die Industrie. In der Stahlindustrie soll etwa Wasserstoff Koks ersetzen und eine klimafreundliche Produktion ermöglichen.

Die Aktienkurse von einschlägigen Playern sind in der Vergangenheit regelrecht durch den Plafond geschossen. So hat etwa das Papier des US-Brennstoffzellenherstellers Plug Power über die vergangenen zwölf Monate ein Plus von rund 1.000 % (!) zu Buche stehen. Sehen lassen kann sich mit +570 bzw. +505 % auch die Aktienkursperformance des US-Konkurrenten FuelCell Energy und der britischen ITM Power. Aber auch die Kursentwicklung auf Einjahressicht der Papiere von Ceres Power (+410 %), Nel Asa (+280 %), Ballard Power (+210 %) und PowerCell (+140 %) hat Aktionärsherzen höherschlagen lassen.

Angesichts der imposanten Rallye, die im Übrigen bei einigen Papieren schon seit einigen Jahren anhält, stellt sich die Frage, ob das Thema nicht mittlerweile zu heiß gelaufen ist. Für die Experten der Bank of America (BofA) ist das starke Investoreninteresse an dem erneuerbaren Energieträger gerechtfertigt, wie aus einer aktuellen Studie hervorgeht. Laut Haim Israel, Head of Thematic Investing Strategy bei BofA Global Research, birgt grüner Wasserstoff – gemeinsam mit erneuerbarer Elektrizität – die Chance, die CO2-Emissionen der globalen Wirtschaft bis 2050 auf null zu reduzieren.

Israel spricht von einer „notwendigen Energierevolution“. So könne grüner Wasserstoff bis 2030 bis zu 24 % unseres Energiebedarfs abdecken. Gleichzeitig könnten einschlägige Industrien bis 2050 2,5 BioUSD pro Jahr umsetzen. Insgesamt wären mit der Transition hin zu grünem Wasserstoff Infrastruktur-Investitionsmöglichkeiten von rund 11 BioUSD verbunden.

Dass die Produktionskosten von grünem Wasserstoff, die derzeit bei 3 bis 7 USD pro kg liegen – bei Wasserstoff, der mit fossilen Energieträgern hergestellt wird, sind es 1 USD pro kg – bis 2050 auf 1 bis 2 USD sinken könnten, führt der BofA-Experte auf drei Faktoren zurück: Erstens wären die Kosten, die zur Wasserstoff-Herstellung benötigt werden, in den vergangenen fünf Jahren um 50 % gesunken – in den kommenden zehn Jahren sollen sie weiter um bis zu 90 % zurückgehen. Zweitens würden mit weiteren technischen Fortschritten weitere Kostensenkungen einhergehen. Dazu kommen ambitionierte politische Maßnahmen wie der Green Deal der EU, die ein Katalysator für weitere Innovationen und Kostensenkungen sein sollten.

So gut die Aussichten für den Markt auch sein mögen, von unreflektierten Zukäufen ist dennoch abzuraten. So verweisen etwa Experten darauf, dass vor allem viele kleinere Player noch keine Gewinne schreiben. Wer Kursanstiege angesichts des aktuellen Newsflows oder Analysteneinschätzungen des betreffenden Unternehmens für zu rasant hält, könnte zwischenzeitliche Rücksetzer für einen Einstieg nutzen. Eine Möglichkeit stellt auch ein Zertifikat von Morgan Stanley, das die tägliche Entwicklung des E-Mobilität Wasserstoff Index (ISIN: DE000SLA8F83) des Indexanbieters Solactive abbildet, dar. 2020 verzeichnete dieser ein Plus von 200 %.

Foto: AdobeStock / AA+W

 

 

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Das Reich der Mitte bleibt die Wachstumslokomotive

Der Schwellenländerexperte Sean Taylor sieht ausgehend von China eine Konjunkturbelebung.

Stefan Riedel, München. Schwellenländer werden bei der für 2021 globalen konjunkturellen Erholung vorangehen. Treibende Kraft ist dabei China, das Land, in dem die Corona-Pandemie ihren Ursprung hatte und das als einzige unter den großen Volkswirtschaften bereits 2020 wieder ein Wirtschaftswachstum verzeichnete. Allerdings sollten Anleger bei ihren Schwellenländer-Investments nicht nur auf den China-Faktor setzen, sondern die asiatisch-pazifische Region als Ganzes. Zu dieser Einschätzung kommt Sean Taylor, Chefanlagestratege der Deutschen Bank für Schwellenländer, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

„Geheimtipps“: Südkorea, Indonesien und Thailand
Asien als Ganzes steht vor einem neuen Wachstumsschub. Das im November 2020 von 15 Staaten unterzeichnete Freihandelsabkommen RCEP (Anm.: Die Regional Comprehensive Economic Partnership ist ein seit 2020 bestehendes Freihandelsabkommen zwischen den zehn ASEAN-Mitgliedsstaaten und fünf weiteren Staaten in der Region Asien-Pazifik. Es ist die größte Freihandelszone der Welt.) wird Taylor zufolge die gesamte Region mittel- bis langfristig zu einem Handelsblock formen, dessen Vorteile allen Mitgliedern zugutekommen. Das größte Potenzial für positive Überraschungen in diesem Jahr räumt Taylor Südkorea, Indonesien und Thailand ein. Mittel- bis langfristig wiederum komme China zugute, dass die Corona-Krise frühzeitig eingedämmt wurde: „Anders als die meisten westlichen Industriestaaten wird China in der Zeit danach nicht damit beschäftigt sein, den immensen Schuldenberg aus den Finanzierungsprogrammen abzutragen, die zur Bewältigung der Krise aufgelegt wurden.“ Stattdessen könne China noch mehr in den Aufbau der eigenen technologischen Infrastruktur und von extern unabhängigen Lieferketten investieren.

Zykliker bevorzugt
Vor diesem makroökonomischen Hintergrund erwartet Taylor in diesem Jahr anziehende Unternehmensgewinne bei den zyklischen Branchen und in den Servicesegmenten. Vorübergehend abflachen soll dagegen das im Vorjahr beschleunigte Wachstum bei den Nutznießern der Corona-Krise, also den E-Commerce-Spezialisten und den Unternehmen, welche die Digitalisierung der Wirtschaft vorantreiben. Auf der Währungsseite erwartet Taylor angesichts der steigenden öffentlichen Investitionen unter der neuen US-Regierung eine Abwertung des US-Dollars gegenüber asiatischen Währungen wie dem chinesischen Renminbi oder dem koreanischen Won.

In dem von ihm gemanagten Investmentfonds „DWS Invest ESG Global Emerging Markets Equities LD“ (ISIN: LU10984221009), der im Mai 2019 aufgelegt wurde, favorisiert Taylor aktuell Nicht-Basiskonsumgüter, Technologie-Hardware, Halbleiter, den Finanzsektor und auf selektiver Basis Rohstoffe. Auf geografischer Ebene sind die asiatischen Industrie- und Schwellenländer mit einem Anteil von 77 % klar übergewichtet, gefolgt von Lateinamerika mit fast 13 %. Aufgrund der niedrigen Bewertungen räumt Taylor hier Brasilien für 2021 ein großes Aufholpotenzial ein. Abwartend bleibt er dagegen bei Russland und anderen Märkten, deren Wachstum in erster Linie von der Preisentwicklung bei Erdöl und Rohstoffen getrieben ist.

Nachhaltigkeit kein Randthema mehr
Die zunehmende Attraktivität der Schwellenländer für Investoren zeigt sich für Taylor auch bei der wachsenden Rolle von Nachhaltigkeitsaspekten. Gerade in Asien legen immer mehr Unternehmen Wert auf Transparenz und gute Unternehmensführung. Zugleich verdeutliche die neue Welle an Börsengängen die wachsende Bedeutung des Finanzplatz China und seiner lokalen Investoren.

Ähnlich wie in der Realwirtschaft setzt China auf mehr Eigenständigkeit: „Immer mehr Zweitlistings von chinesischen Firmen erfolgen nicht mehr als ADRs an US-Börsen, sondern in Shanghai oder Hongkong. Auf der Anleihen-Seite forcieren regulatorische Erleichterungen den Kauf von festverzinslichten Wertpapieren durch heimische Anleger und stabilisieren damit die Währung.“ Größtes Unsicherheitsrisiko für die wirtschaftliche Entwicklung aller Schwellenländer und damit für die Performance der Investments bleibe, dass die Bekämpfung der Corona-Pandemie sich länger als erwartet hinzieht.

Foto: AdobeStock / sunnydays

 

 

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Freigehandelt statt armregiert

Die Freihandelszone „AfCFTA“ bietet neue Chancen für einen ganzen Kontinent.

Rudolf Preyer. Von den „großen Chancen auch für Europa“ spricht Sandra Bijelic von der Industriellenvereinigung gegenüber dem Börsen-Kurier: Die am 1. Jänner 2021 in Kraft getretene innerafrikanische Freihandelszone „AfCFTA“ (Africa Continental Free Trade Area) müsse auch uns interessieren, „da die EU wichtigster Handelspartner für seinen südlichen Nachbarkontinent ist. Sowohl bei den Direktinvestitionen als auch beim Warenhandel liegt die EU im weltweiten Vergleich deutlich vor China und den USA“, so Bijelic.

Gegenwärtig steuert der Kontinent weniger als 3 % der globalen Wirtschaftsleistung bei. Mehr als die Hälfte davon stammt aus Nigeria, Südafrika und Ägypten. Was versteckt sich also hinter dem Wortungetüm „AfCFTA“?

Panafrikanischer Markt nach EU-Muster
Die Ausgangslage bietet – nun, sagen wir euphemistisch – „viel Luft nach oben“: Die Fragmentierung des afrikanischen Marktes schreckt Investoren ab. Fehlende Straßen und Lagersysteme, mangelnde Kooperation der Regierungen, zeitraubende und hinderliche Ausfuhrbestimmungen sowie Unsicherheiten im juristischen Umfeld (Stichwort Korruption) erhöhen die Handelskosten auf dem Kontinent. Das wissen auch die afrikanischen Souveräne: 54 der 55 Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union (AU; Ausnahme: Eritrea) brachten daher am 7. Juli 2019 in Niamey (Niger) das interkontinentale Freihandelsabkommen „AfCFTA“ auf den Weg, das seit Jahresultimo 2021 gilt (Achtung: aber nur 34 Staaten haben das Abkommen bisher ratifiziert). Dazu Bijelic: „Die neue Freihandelszone kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, den Handelsverkehr auf dem afrikanischen Kontinent neu zu ordnen.“ Konkret: „Eine stärkere wirtschaftliche Integration bringt mehr Produktvielfalt, niedrigere Konsumentenpreise, ein höheres Einkommensniveau und politische Stabilität.“ Vom Sitz des ständigen Sekretariats in Accra (Ghana) aus soll ein panafrikanischer Markt nach EU-Muster entstehen. Das erklärte Ziel: ein freier Waren- und Personenverkehr und die Liberalisierung von Dienstleistungen.

Zurück zum Status quo: Afrikaner benötigen derzeit für zwei Drittel der afrikanischen Staaten Einreisebewilligungen. Eine Folge davon: Aktuell werden nur 17 % des Handels auf dem Kontinent mit anderen afrikanischen Staaten abgewickelt (innerhalb Europas sind es vergleichsweise 69 %).

Förderung von Rechtsstaatlichkeit unerlässlich
Fantasie ist ja gewaltig vorhanden für die rund 1,2 Mrd Menschen der – einmal umgesetzt – dann größten Freihandelszone der Welt: Diese könnte die Abhängigkeit von (Entwicklungsgeldern aus) Europa, China und den USA vermindern (die ja auch maßgeblich die afrikanischen Rohstoffvorkommen ausbeuten). So findet die industrielle Verarbeitung vieler Produkte – darunter Kakao, Kaffee, Gewürze, Baumwolle oder Tomaten – kaum auf dem Kontinent selbst statt: Der zusätzliche Wertzuwachs wird somit außerhalb Afrikas lukriert.

Volker Seitz, Autor von „Afrika wird armregiert“, beschwört, die Absichtserklärung als „sehr langfristiges Projekt“ zu verstehen: Es werde noch viele Jahre dauern, bis die Handelserleichterungen, Transitregeln und ein einheitliches Verfahren für Zollbehörden (90 % aller Zölle sollen geplantermaßen wegfallen) konsequent umgesetzt werden.

Kritisch sieht das etwa auch der kenianische Wirtschaftsanalyst Aly Khan Satchu: Vom jetzigen asymmetrischen Wirtschafts- und Informationsraum des Kontinents profitieren „viele reaktionäre Kräfte“. Und diese werden sich „mit aller Gewalt gegen Neuregelungen“ querstellen.

Importe (etwa virenabweisende Schutzausrüstungen) aus Europa, China und den USA bringen die lokalen Märkte ins Ungleichgewicht. Afrika könne mit der Freihandelszone „AfCFTA“ folglich „die Abhängigkeit vom Rest der Welt verringern“, ist Lyndia Iroulo vom Hamburger GIGA-Institut überzeugt. Sind auch Sie dieser Meinung, lohnt es sich bestimmt, beim Berater Ihres Vertrauens nach Investitionsmöglichkeiten in Afrika zu fragen. Die Weltbank jedenfalls schätzt den Anstieg von Afrikas Wirtschaftsleistung bei 335 Mrd Euro in einer Generation ein.

 

 

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Sieben Themen, die Anleger 2021 beachten sollten

(28.12.). Von defensiven Sektoren bis hin zu steileren Zinskurven.

Alex Pelteshki, Co-Manager des Aegon Strategic Global Bond Fund, beleuchtet sieben Themen und Risiken, die die Anlagemärkte im Jahr 2021 prägen dürften. „Es war ein denkwürdiges Jahr für die Welt und für die Finanzmärkte. Doch jetzt, da die Coronavirus-Krise dank rechtzeitiger Impfstoffbemühungen wohl schon im Rückspiegel zu sehen ist, ändern sich die Perspektiven für 2021 rasant.“

1. Einengung des Renditeabstands zwischen den Sektoren, doch Alpha wird outperformen
Wir erwarten weiterhin eine Renditekompression bis ins Jahr 2021 hinein und gehen davon aus, dass sich der Abstand zwischen Covid-Verlierern und Covid-Gewinnern schließlich einengt. Wir rechnen mit weiteren Gewinnen, insbesondere im Reise-, Freizeit- und Glücksspielsektor, also in Bereichen, die von der Pandemie im Jahr 2020 direkt betroffen waren und die am meisten von der Wiedereröffnung der Wirtschaft profitieren dürften. Zugleich sehen wir wenig weitere Gewinne für “defensive” Sektoren wie TMT und Versorger. Diese sind prädestiniert dafür, im Jahr 2021 unter dem Strich negative Renditen zu generieren. Insgesamt erwarten wir von nun an wenige Fortschritte bei den Leitindizes. Wir glauben vielmehr, dass die Titelselektion die Rendite Ihrer Anleiheallokation im Jahr 2021 dominieren wird, im Gegensatz zur Jagd nach Beta.

2. Vorsicht vor dem Übermut der Anleger
Zudem empfehlen wir dringend, Trades zu vermeiden, die mittlerweile totgeritten und in den Kursen eingepreist sind. Eine zunehmende Einengung der Indexniveaus ist – auch wenn mathematisch immer noch erreichbar – ein Paradebeispiel für einen solchen Trade. Seit der Ankündigung einer wohl positiven Entwicklung eines Impfstoffs ist die Stimmung der Anleger extrem optimistisch geworden. Daher notieren Positionen in (synthetischen) Kreditindizes in der Nähe der Allzeithochs.

Wir sind sehr vorsichtig, jetzt solche Trades zu tätigen. Während wir uns weiterhin auf engere Spreads zum Jahresende 2021 einstellen, reduzieren wir die Risiken, um ein Liquiditätspolster für einen günstigeren Einstiegspunkt zu schaffen.

3. Carry ist Trumpf
Long-Positionen in Cash-Bonds gegenüber Short-Positionen in Anleihe-Indizes waren dank der Begrenzung des Renditeniveaus durch die globalen Zentralbanken selten so attraktiv. Da sie nicht in der Lage waren, genügend Anleihen auf dem freien Markt zu erwerben, und von dem schnellen Stimmungswandel im Hinblick auf die Risiken überrascht wurden, mussten viele Investoren mit exorbitant hohen Bargeldpositionen dem Markt hinterherlaufen. Sie hatten kaum eine andere Wahl, als die synthetischen Anleihe-Indizes in die Nähe ihrer Allzeithochs zu bringen. Dies lässt viele Möglichkeiten offen, ein sorgfältig ausgewähltes Portfolio mit ausgesuchten Anleihen zu verwalten, die vom Markt noch übersehen werden, und das Marktrisiko für einen attraktiven Carry herauszunehmen.

4. Steilere Zinskurven
Die Zinskurven werden steiler und das allgemeine Zinsniveau dürfte im Jahr 2021 höher sein als jetzt. Allein die Tatsache, dass das kurze Ende der der Zinsstrukturkurve für Staatsanleihen durch das Dreigestirn FED, EZB und BOE stabil gehalten wird, bedeutet, dass das einzige mögliche Ausgleichsventil am langen Ende der Kurve liegt. Dennoch erwarten wir keine gravierende Zunahme der Kurvensteilheit. Während wir mit weiteren moderaten Entwicklungen dieser Art rechnen, sind die Zinskurven derzeit angemessen steil. Zudem werden sie gedeckelt, wenn man sie als restriktiv hinsichtlich der finanziellen Rahmenbedingungen betrachtet.

5. Der vorzeitige Abgesang auf die Risikoparität
Ausgehend von den obigen Ausführungen vertreten wir grundsätzlich die Gegenposition zu dem in letzter Zeit sehr gängigen Argument, dass die berühmte Risikoparität zwischen Risikoaktiva und risikofreien Staatsanleihen nicht mehr besteht. Wenngleich die Ergänzung einer traditionell auf Staatsanleihen basierenden Absicherung durch Alternativen wie Edelmetalle oder Devisen durchaus sinnvoll erscheint, sind wir dennoch vorsichtig, da es sich dabei um wesentlich volatilere und weniger stabile Möglichkeiten handelt.

Gleichzeitig wird uns der sukzessive Anstieg des globalen Zinsniveaus, der die Konsenserwartung des Marktes widerspiegelt, viele gute Gelegenheiten bieten, die Absicherung von Kreditrisiken auf eine eher traditionelle Weise neu zu strukturieren.

6. Die Rückkehr der Schwellenländer
Ausgewählte Emerging Markets bieten unserer Ansicht nach derzeit mehr Potenzial als manche Teile der Investment Grade- und High-Yield-Märkte der Industrieländer. Die deutlich schnellere, durch eine erfolgreiche Fiskalpolitik sowie die Eindämmung des Virus angetriebene Erholung – insbesondere in Asien – bringt eine zyklische Erholung zurück ins Spiel. Von diesem Trend profitieren in erster Linie die Rohstoffexporteure sowie die exportorientierten Volkswirtschaften der Alten Welt.

7. Die Positionierung der Investoren sowie ETFs können zu größeren Ausschlägen führen
Unsere größten Bedenken für das Jahr 2021 bestehen in Bezug auf die Konsenspositionierung der Anleger, den Überschwang der Anleger und die Marktliquidität. Die beiden erstgenannten hängen direkt mit dem FOMO-Faktor (Fear Of Missing Out – die Angst, etwas zu verpassen) zusammen. Angesichts der aktuellen Bewertungen gehen wir davon aus, dass wir nicht mehr weit vom Punkt der maximalen Zuversicht entfernt sind. Dies ist für sich genommen kein negativer Katalysator, könnte sich aber dazu entwickeln.

Dies führt zu unserer zweiten großen Befürchtung: die Marktliquidität. Die Kombination aus der überzogenen Positionierung und der Dominanz von Indexfonds (ETFs) könnte sehr schnell dazu führen, dass die Marktliquidität verkümmert, wenn die größten passiven Manager zusätzliche Mittel benötigen.

Beides könnte einen explosiven Cocktail bilden, der viele Portfolios in Flammen aufgehen lassen könnte. Daher halten wir uns von Crowded Trades fern und ziehen es vor, agil zu sein, wenn andere gierig sind.

Foto: Aegon AM

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Nicht Protektionismus, sondern Globalisierung schützt

Ein Gastkommentar von Stefan Beig vom Austrian Institute of Economics and Social Philosophy.

Wirtschaftspolitisch stand das vergangene Jahr im Zeichen einer Wiederbelebung des Neomerkantilismus. Als Anlass diente die Corona-Krise. Seit ihrem Beginn verfolgte die Europäische Union einen Protektionismus nach außen und einen industriepolitischen Interventionismus nach innen, was sich etwa im 750 Mrd Euro schweren EU-Wiederaufbaufonds niederschlug. Zwar sprach man lieber von „ökonomischer Souveränität“ statt von „Protektionismus“, doch leider lief das auf dasselbe hinaus. Die dabei vorgebrachten Argumente sind unhaltbar.

Lieferengpässe von Covid-19-relevanten medizinischen Produkten aus China waren zunächst der Aufhänger der merkantilistischen Wende. Im April erklärte EU-Präsident Charles Michel: „Es ist doch absurd, wenn wir die Maschinen herstellen, mit denen dann China die hier so dringend benötigten Masken produziert.“ Seine Schlussfolgerung: „Wir müssen künftig die zentralen Produkte, die wir für die Gesundheit, aber auch unsere Industrieproduktion brauchen, wieder in Europa produzieren.“

Den Worten folgten auch Taten. Frankreich verwendete Gelder des EU-Wiederaufbaufonds für Subventionen an Unternehmen, mit denen weltweite Lieferketten hinter die französischen Staatsgrenzen zurückgeholt wurden. Die Vorproduktion wurde so nach Frankreich verlagert. Bemerkenswerterweise lag der Fokus sämtlicher EU-Hilfsprogramme nicht primär auf Corona-relevanten Produkten.

So verringert man freilich nicht die Abhängigkeit von einzelnen Ländern. Wer auf einheimische statt auf asiatische Hersteller setzt, der ersetzt die eine Abhängigkeit durch eine neue. So nützt es nichts, relevante Vorprodukte im eigenen Land herzustellen, wenn dort ein Lockdown stattfindet. Abhängigkeit verringert man durch Diversifizierung, und die ermöglicht gerade die vielgeschmähte Globalisierung. Deshalb steigt durch internationale Verflechtung auch nicht wie behauptet die Störanfälligkeit. Die meisten Schocks sind übrigens länderspezifisch, und gerade in solchen Fällen hilft der Außenhandel.

Im Übrigen ist der Aufbau einheimischer Produktionskapazitäten für ein seltenes Ereignis wie eine Pandemie, das nur einmal in einer Generation eintritt, überhaupt nicht sinnvoll. Weit effektiver ist ausreichende Bevorratung.

Klar ist auch: Jeder kauft Güter zuerst dort, wo sie – bei gleicher Qualität – am günstigsten sind. Wenn wir Produkte zu wesentlich höheren Kosten woanders kaufen oder selbst herstellen, kommt uns das teurer. Im Falle von verschreibungspflichtigen Medikamenten, deren Preise nicht von Angebot und Nachfrage bestimmt werden, dürfen wir uns über steigende Kosten des Gesundheitssystems dann nicht wundern. Generell kommen Subventionen für nicht rentable Unternehmen im Inland die Allgemeinheit teuer, sie vergrößern auch nicht den Wohlstand.

Von all dem abgesehen ist die Abhängigkeit von China bei Covid-19-relevanten medizinischen Produkten schlicht ein Mythos. Der deutsche Sachverständigenrat stellte fest: 81 % der Corona-relevanten Medizinprodukte erhalten die EU-Länder aus mindestens 30 verschiedenen Ländern. Deutschlands Arzneimittelimporte stammen zu 72 % aus EU-Ländern, nur 0,8 % aus Indien und China.

Hätten sich Deutschland, Österreich und asiatische Länder hinter ihre Landesgrenzen zurückgezogen, wäre ihr heutiger Wohlstand undenkbar. Diese Staaten verdanken ihrer Integration in weltweite Lieferverflechtungen einen erheblichen Teil ihres Wohlstands. Eine Politik der verstärkten Autarkie verschenkt diese Außenhandelsvorteile, und damit den Wohlstand.

Foto: Adobe Stock / Eisenhans

 

 

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In die DAX-Aufsteiger investieren

Ein neues Zertifikat will von zwölf Top-Unternehmen profitieren.

Harald Kolerus. Der Deutsche Leitindex steht heuer vor seiner größten Reform seit der Einführung 1988 (der Börsen-Kurier hat berichtet): Im September wird der DAX von 30 auf 40 Unternehmen aufgestockt, wobei die Mitglieder künftig strengere Kriterien erfüllen müssen. Der Index soll auf diese Art und Weise modernisiert werden und mehr Titel von zukunftsträchtigen Branchen, nicht zuletzt in Zusammenhang mit Ökologie und Nachhaltigkeit, umfassen. Außerdem wird dadurch eine größere Streuung erreicht, was die Stabilität erhöhen sollte. Und natürlich: Skandalen à la Wirecard soll tunlichst der Riegel vorgeschoben werden.

Germany‘s Next Top-Aktien
Naheliegend ist, dass Unternehmen, die zu diesen DAX-Ehren kommen, sich größerer Aufmerksamkeit unter privaten Investoren und professionellen Asset-Managern erfreuen werden. Nicht zuletzt müssen nach der Aufnahme entsprechende börsengehandelte Indexfonds (ETFs) ihre Portfolios anpassen und den Leitindex 1:1 abbilden. Laut Morningstar machen ETFs auf dem DAX immerhin rund 13 Mrd Euro aus.

Vontobel hat diesen Gedankengang aufgegriffen und das Partizipationszertifikat auf den „Germany‘ next 10 Basket“ (ISIN: DE 000VQ121Z7) am Markt lanciert. Hier sind zwölf Unternehmen enthalten, die als potenzielle DAX-Aufsteiger gelten. Heiko Geiger, Zertifikate-Spezialist bei Vontobel, erklärt im Gespräch mit dem Börsen-Kurier: „Es handelt sich hier um ein taktisches Investment, nicht um ein Kernportfolio. Wenn die Aufsteiger im September feststehen, ist die Anlageidee beendet, zuvor könnte aber das Kurspotenzial gehoben werden.“ Folgerichtig wird am 17.12.2021 der Wert des Aktienkorbes zum dann aktuellen Kurs ausbezahlt und das Investment geschlossen. Natürlich kann man nach Belieben auch schon zuvor verkaufen, wenn man die Situation als günstig erachtet.

Geiger weiter: „Ein Vorteil ist, dass Investoren mit dem Zertifikat zwölf Titel so einfach wie eine einzige Aktie an der Börse handeln können. Das sorgt für Streuung und erspart es dem Anleger, sich mit Analysteneinschätzungen abzumühen, welcher Titel in den DAX kommen könnte und welcher nicht. Zudem vermeiden sie das Einzelaktienrisiko.“

Streitfall Airbus
Wie mühsam die Vorauswahl sein kann, zeigt das Beispiel Airbus, das als deutsch-französisches Unternehmen ohnedies einen etwas schwereren Stand hat und derzeit sowohl an der Deutschen Börse als auch der Euronext gehandelt wird. Für den DAX-40 wird Airbus einmal als ganz heißer Kandidat gepriesen, dann wird ihm diese Würde auch gleich wieder abgesprochen. Ein Grund dafür ist die Diskussion um geächtete Waffen, die mit den strengeren Richtlinien kollidieren könnten. Nun stellt Airbus zwar keine Streumunition, Minen etc. her, ist aber Miteigentümer des Unternehmens Ariane. Dieses wirbt für die Trägerrakete M51 als „zentrales Element der nuklearen Abschreckung“. Sehr nachhaltig klingt das nicht …

Penible Vorauswahl
Wer den „Germany‘s next 10 Basket“ zeichnet, muss sich eben mit solchen Gedanken nicht herumschlagen, die Vorauswahl der Titel wurde bereits nach dem neuen Regelwerk getroffen. Analysiert wurden z.B. der Market-Cap-Freeflow und die operativen Gewinne. Im Korb finden sich zwölf Titel, eben um einen gewissen Spielraum zu behalten. Dass aus dem Basket vielleicht gleich die Hälfte der Titel den Aufstieg nicht schafft, will Geiger aufgrund der sorgsam angewendeten Kriterien ausschließen. Im Portfolio finden sich nun Unternehmen von A (wie eben Airbus) bis Z (der Online-Händler Zalando). Bedacht wurden z.B. auch die Versicherung Hannover Rück, Siemens Energy, der Biotech-Spezialist Qiagen und Porsche. Alles in allem eine auch sektoral gut diversifizierte Short-List.

Foto: Adobe Stock / Pavel Ignatov

 

 

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Chinas mächtiger Bondmarkt boomt

Die Renditen reizen und die Qualität chinesischer Staatsanleihen ist nicht zu unterschätzen.

Raja Korinek. Es geht jetzt Schlag auf Schlag. Im vergangenen November gründete China mit 14 weiteren Nationen in der pazifischen Region die weltweit größte Freihandelszone. Genannt wird der Pakt RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership). Schon jetzt sind die Wirtschaftszahlen beachtlich: Das BIP der 15 Länder umfasst umgerechnet mehr als 25 Bio€. Auch das Investitionsabkommen zwischen China und der EU scheint endgültig fixiert.

Obendrein verfolgt das Reich der Mitte mit dem 14. Fünf-Jahres-Plan bis 2025 ehrgeizige Wachstumspläne. Unter anderem soll der Technologiesektor weiterentwickelt, der Finanzsektor modernisiert werden. Schon jetzt hat sich in diesem Bereich viel getan. Chinas Kapitalmärkte werden liquider und zunehmend für ausländisches Kapital geöffnet. „Die chinesischen Regulierungsbehörden haben sich erheblich bemüht, den Zugang des Onshore-Anleihemarktes für ausländische Investoren zu verbessern“, sagt Sabrina Jacobs, Fixed Income Investment Specialist bei Insight Investment, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Der britische Vermögensverwalter ist Teil von BNY Mellon.

Anleihemarkt rückt in den Fokus
Jacobs verweist dabei auf Programme wie „China Bond Connect“ und „China Interbank Bond Market Direct“. Das seien wichtige Meilensteine, „da sie es ausländischen Investoren ermöglichen, chinesische Anleihen einfacher und flexibler zu handeln“. Immerhin umfasst allein der Markt für chinesische Staatsanleihen in lokaler Währung umgerechnet rund 14 BioUSD (einschließlich Anleihen von Staatsbanken). „Damit ist China der zweitgrößte Staatsanleihenmarkt der Welt, hinter den USA mit rund 16 BioUSD“, sagt Jacobs. Und das erweckt auch zunehmend Interesse großer Indexanbieter. Chinesische Staatsanleihen sollen ab Oktober in den „FTSE World Government Bond Index“ aufgenommen werden. 2019 wurden die Papiere in den „Bloomberg Barclays Global Aggregate Index“ aufgenommen, in den „J.P. Morgan Government Bond Index – Emerging Markets“ vor rund einem Jahr.

Attraktive Ertragschancen
Dabei lockt der Markt nicht nur mit der zunehmenden Liquidität. Jacobs sagt, „chinesische Staatsanleihen in Lokalwährung bieten aktuell attraktive Erträge“. Mitte Dezember 2020 lag die Fünfjahres-rendite bei rund 3 %. Im Vergleich dazu betrug die Fünfjahresrendite für US-Treasuries rund 0,35 %. In Deutschland ist sie sogar im Minus.

Dabei habe sich im Vorjahr der Renditeunterschied zwischen Chinas Bondmarkt und jenen in den USA sowie Europa ausgeweitet, da die Fed und die EZB Anleihen in Rekordhöhe gekauft hatten, um ihre Volkswirtschaften zu stabilisieren. „Währenddessen hat China die Covid-Krise relativ rasch hinter sich gelassen.“

Jacobs verweist allerdings auch auf das Währungsrisiko. Die historische Volatilität des Euro gegenüber dem Yuan sei 2020 auf Jahresbasis auf etwa 7 % gestiegen. Das zeige, dass jeder Renditeanstieg durch Währungsschwankungen schnell aufgezehrt werden könne. Eine Währungsabsicherung könnte Sinn haben: „Selbst nach einer Absicherung gegenüber dem Euro oder dem US-Dollar bieten chinesische Lokalwährungsanleihen einen Renditevorteil – wenn auch in geringerem Maße.“

Stabile Investorenbasis
Jacobs verweist zudem auf einen weiteren Vorteil bei einem Investment in chinesische Staatsanleihen: So habe der Markt eine überschaubare Investorenbasis, wobei chinesische Geschäftsbanken die große Mehrheit der ausstehenden Anleihen hielten, und das meist bis Fälligkeit. Das verleihe dem Markt Stabilität, fügt Jacobs hinzu.

Foto: Adobe Stock / chungking

 

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Weltweiter IPO-Boom

Weltweiter IPO-Markt: Börsenneulinge sammeln so viel Geld ein wie zuletzt 2010

(22.12.) Ein starkes Schlussquartal verhilft dem weltweiten IPO-Markt zu neuen Höchstständen: Weltweit haben 2020 insgesamt 1.322 Unternehmen den Schritt aufs Börse-Parkett gewagt – das waren 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Das weltweite Emissionsvolumen stieg sogar um 26 Prozent auf 263 Milliarden US-Dollar und damit auf den höchsten Wert seit dem Jahr 2010.

Besonders stark gestiegen ist das Emissionsvolumen in den USA: um 69 Prozent auf 86 Milliarden US-Dollar. Die Zahl der Transaktionen an den US-Börsen kletterte um 32 Prozent auf 222. China (einschließlich Hongkong) verzeichnete ein Wachstum des Emissionsvolumens um 51 Prozent auf 116 Milliarden US-Dollar, während die Zahl der IPOs um 41 Prozent auf 514 stieg.

Auch in Europa ging es aufwärts – allerdings mit niedrigeren Wachstumsraten. Die Zahl der Börsengänge stieg um 17 Prozent auf 176, das Emissionsvolumen kletterte um neun Prozent auf 27 Milliarden US-Dollar.

Als sehr robust erwies sich das vierte Quartal auch mit einem Anstieg der weltweiten Emissionserlöse gegenüber dem sehr starken Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf 97 Milliarden US-Dollar, während die Zahl der Transaktionen um 19 Prozent auf 448 kletterte. Die positive Entwicklung war allerdings nicht auf allen IPO-Märkten spürbar. So gingen an den chinesischen Börsen die Erlöse um sechs Prozent zurück, die Zahl der Deals sank um 14 Prozent. Die USA und Europa verzeichneten im vierten Quartal hingegen deutliche Zuwächse – sowohl beim Emissionsvolumen als auch in Bezug auf die Zahl der IPOs.

Das sind Ergebnisse des aktuellen weltweiten IPO-Barometers des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY.

„Auf den ersten Blick erscheint es ungewöhnlich, dass in einem so schwierigen Jahr wie 2020 Börsengänge derartig boomen“, stellt Gerhard Schwartz, Partner und Leiter des Assurance-Bereichs bei EY Österreich, fest. „Allerdings ist ein wichtiger Treiber des IPO-Geschehens nach wie vor die enorm hohe Liquidität, die im Markt ist und nach Anlagemöglichkeiten sucht. Zudem zeigt sich derzeit einmal mehr, dass der Markt für Börsengänge relativ wenig über die Gegenwart, aber viel über die Zukunft sagt. Zum einen führte die Pandemie zu einem ungeahnten und nicht wieder rückgängig zu machenden Digitalisierungsboom, von dem gerade Börsengänge von Technologieunternehmen profitieren und weiter profitieren werden. Zum anderen beschleunigte die Pandemie Entwicklungen in vielen Branchen, für die es sonst Jahre oder Jahrzehnte brauchte. Sie hat aber gleichzeitig in vielen Gesellschaften auch erhebliche Defizite aufgedeckt, für die nun Lösungen gesucht werden“, sagt Schwartz.

„2020 war Disruption pur“, so Schwartz weiter. „Für die Wirtschaft, aber auch in Bezug auf die Art, wie wir arbeiten und einkaufen, wie wir uns fortbewegen, wie wir unsere Freizeit verbringen und wie wir kommunizieren. In diesem Jahr haben einige Trends enorm an Bedeutung gewonnen – und damit auch vielversprechenden Börsenkandidaten zu neuen Wachstumschancen verholfen. Neben dem Technologiesektor geriet gerade der Gesundheitssektor im IPO-Markt in den Fokus der Investoren.“

Auch die Herangehensweise der Unternehmen an einen Börsengang habe sich in diesem Jahr stark verändert, so Schwartz: „Die IPO-Platzierungsphase wurde dank virtueller Roadshows deutlich digitaler und schlanker. Damit einhergehend haben kürzere Roadshows das Volatilitäts- und Preisrisiko reduziert. Und in diesem Jahr haben zudem sogenannte SPAC – das sind börsennotierte Mantelgesellschaften – endgültig ihren Durchbruch in den USA gefeiert.“

„Der Fortgang der COVID 19-Impfungen und die Implikationen der US-Präsidentschaftswahl sowie des Brexits werden auf das IPO-Sentiment im Jahr 2021 Einfluss haben“, beobachtet Schwartz.

Wien am schnellsten wachsender Börsenplatz für Anleihe-Emittenten in Europa
An der Börse Wien debütierten im Jahr 2020 aktienseitig fünf Neuzugänge in den Einstiegssegmenten direct market bzw. direct market plus. Die zwei österreichischen Firmen sind die Grazer Immobilienfirma Aventa AG (direct market plus) sowie die Holding des Salzburger Nährstoff-Spezialisten Biogena Group Invest AG (direct market). Zu den internationalen Listings zählen SunMirror AG, Creactives Group S.p.A. und CAG International AG (alle direct market). Im prime market nutzten zwei Immobilienunternehmen das Jahr für Kapitalerhöhungen: Immofinanz AG (171,6 Mio. EUR) und S Immo AG (148,9 Mio. EUR). Bei Anleihen-Listings steuert die Wiener Börse auf ein weiteres Rekordjahr zu. 3.000 neue Bonds machen Wien zum schnellst wachsenden Börsenplatz für Anleihe-Emittenten in Europa.

230 SPAC-Notierungen in 2020
Nachdem im Jahr 2019 weltweit 60 SPACs (Special Purpose Acquisition Companies) an der Börse notiert wurden und dabei insgesamt 13,7 Milliarden US-Dollar eingesammelt hatten, stieg die Zahl der neuen SPAC-Listings im Jahr 2020 auf 230 – fast eine Vervierfachung. Das Emissionsvolumen lag 2020 bei 75,8 Milliarden US-Dollar.

„Der Zusammenschluss mit einem SPAC zählt zu den alternativen Optionen für IPO-Kandidaten, die in volatilen Zeiten nach einem möglichst sicheren und planbaren Weg an die Börse suchen. Gerade in den USA, zunehmend aber auch in Europa, ziehen Emittenten derzeit einen Zusammenschluss mit einem SPAC in Betracht – und das längst nicht mehr nur als “Plan B”-Option, wie es in der Vergangenheit oft der Fall war“, sagt Schwartz.

Technologie-Börsengänge dominieren – China stellt die drei größten IPOs
Im Jahr 2020 entfielen 33 Prozent der weltweiten Emissionserlöse auf IPOs von Technologieunternehmen, die gleichzeitig 24 Prozent aller Deals ausmachten. An zweiter Stelle stehen IPOs von Unternehmen aus dem Gesundheitssektor (19 % der Erlöse, 17 % der Transaktionen).

Die weltweit größte Transaktion im Jahr 2020 war der Börsengang des chinesischen Chip-Herstellers Semiconductor Manufacturing International, der 7,6 Milliarden US-Dollar einbrachte, gefolgt vom IPO des chinesischen Online Händlers JD.com, der 4,5 Milliarden US-Dollar einspielte. An dritter Stelle folgt mit einem Emissionsvolumen von 4,4 Milliarden US-Dollar das IPO des chinesischen Hochgeschwindigkeitsbahnbetreibers Beijing-Shanghai High Speed Railway. Die größte Transaktion eines europäischen Unternehmens war der Börsengang des niederländischen Kaffeekonzerns JDE Peet‘s NV, der 2,9 Milliarden US-Dollar einsammelte.

Im weltweiten Börsen-Ranking liegt in diesem Jahr die NASDAQ mit einem Volumen von 55,1 Milliarden US-Dollar auf dem ersten Platz, gefolgt von der Börse in Hongkong (50,1 Milliarden US-Dollar).

Fotorechte: © EY/Robert Herbst

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Biotech und die Herausforderungen für Anleger

Investieren in Biotech-Firmen folgt seinen eigenen Regeln. Was es dabei zu beachten gilt. Ein Gastkommentar.

Daniel Koller, Head Investment Management Team BB Biotech. Wir leben in einer Ära rasanten medizinischen Fortschritts. In den 1950er Jahren verdoppelte sich das medizinische Wissen etwa alle 50 Jahre. 2010 dauerte es 3,5 Jahre und in diesem Jahr werden es Schätzungen zufolge nur noch 73 Tage sein. Innovative Technologien und Medikamente revolutionieren die Therapien, bislang als unheilbar geltende Leiden lassen sich inzwischen dauerhaft behandeln und in Einzelfällen sogar vollständig heilen.

Die Corona-Krise rückt die Biotechnologie verstärkt in den Fokus der Investoren. Zwar haben Investoren die Wachstumsdynamik dieser Branche schon seit längerem erkannt (und auch der Börsen-Kurier berichtet regelmäßig über dieses Thema, Anm.), doch Covid-19 hat der Branche nochmals breitenwirksam Schub in der öffentlichen Wahrnehmung verliehen.

Die Branche selbst profitiert in erster Linie vom globalen Bevölkerungswachstum und der heranwachsenden Mittelschicht in Entwicklungsländern. Weltweit steigt zudem die Lebenserwartung. Verbunden mit der globalen Verwestlichung des Lebensstils führt dies zu einer starken Zunahme von Zivilisationskrankheiten wie Fettleibigkeit, Herzkreislauferkrankungen, Diabetes, Alzheimer und Krebs. Und nicht zuletzt zu weiter stark steigenden Gesundheitskosten. Neue Therapieansätze verwandeln tödliche in chronische Krankheiten und sorgen dafür, dass viele Beschwerden heute wesentlich früher und besser behandelt werden können als noch vor einigen Jahren. Neue hoch effiziente Medikamente bringen aber auch eine Entlastung auf der Kostenseite. Sie sind zwar auf den ersten Blick teuer, verkürzen aber die Therapiedauer und bringen den Patienten schneller in den Alltag zurück.

Interdisziplinärer Ansatz für die Aktienanalyse
Die Therapieverfahren werden immer vielfältiger. Und aus der Kombination neuer Ansätze erwachsen zusätzliche Chancen – auch für Anleger. Indes folgt das Investieren in Biotech-Unternehmen seinen eigenen Regeln. Anleger müssen neben den finanziellen Kennzahlen vor allem die Erfolgswahrscheinlichkeit von Medikamenten in der Entwicklung beurteilen. Auch ist die Bedarfsanalyse von zentraler Bedeutung. Das A und O ist eine strukturierte Anlagemethodik mit der dazu erforderlichen Expertise.

Der Analyse- und Selektionsprozess für Biotech-Unternehmen lässt sich schwer mit jenen für Gesellschaften anderer Branchen vergleichen. Einerseits gibt es wenige Sektoren, die einer vergleichbaren Dynamik und einem derartigen Wandel unterworfen sind. Andererseits bedingen Analyse und Aktienauswahl aufgrund der inhaltlichen Komplexität ein Zusammenspiel komplementärer Kompetenzen: Biochemiker, Molekularbiologen, Mediziner und Ökonomen sind Bestandteil eines interdisziplinären Management Teams.

Um das Verhältnis von Rendite zu Risiko optimal auszurichten, strukturieren erfahrene Vermögensverwalter ihr Portfolio gemäß einer sogenannten „S-Kurvenstrategie“. Danach werden kleinere Firmen, deren Produkte sich noch in der klinischen Entwicklung befinden, wegen des erhöhten Ausfallrisikos zunächst niedrig gewichtet. Mit dem zunehmenden Reifegrad werden die Gesellschaften profitabel und erhöhen ihren Cashflow über immer mehr zugelassene Produkte. Bei zunehmender Gewinnentwicklung der Unternehmen kann das Portfolio Management diese Position sukzessive zu einer Kernbeteiligung erweitern. Eine Reduzierung empfiehlt sich, wenn die Wachstumsdynamik abnimmt oder das künftige Wertsteigerungspotenzial in der Bewertung eingepreist ist.

Will sich ein Anleger auf neuartige Technologien fokussieren, bedingt dies eine konsequente Ausrichtung auf wachstumsstarke Biotechgesellschaften, die die nächste Generation an Medikamenten vorantreiben.

Schlüsselelement für die Medikamentenentwicklung
Anleger sollten indes kurzfristig nicht zu einseitig auf die möglichen Therapien gegen Covid-19 setzen – nicht zuletzt angesichts der Ungewissheit über die resultierende Rentabilität solcher Investitionen.

Nachhaltig interessant sind neue Technologien, die die Zukunft der Medikamentenentwicklung prägen werden. Über großes Potenzial verfügen etwa Arzneien gegen chronische sowie bislang nicht oder kaum behandelbare Krankheiten. Dazu zählen die Onkologie und die seltenen, meist genetisch bedingten Erkrankungen. Gerade die individualisierte Krebsmedizin dürfte in naher Zukunft etliche neue Produkte hervorbringen, die die Behandlungserfolge massiv steigern. Bei seltenen erblich bedingten Erkrankungen schließlich können genetische Medikamente Defekte im Erbgut dauerhaft beheben.

Risiko streuen
Anleger, die in Biotechnologie investieren wollen, haben unterschiedliche Optionen: Einzeltitel können für gut informierte Anleger ein Weg sein, die Risiken sind aber nicht zu unterschätzen. Besser man streut das Engagement und investiert diversifiziert in ein Portfolio aus Biotech-Firmen, entweder über aktiv gemanagte Anlagefonds und Investmentgesellschaften wie etwa BB Biotech oder über passive Produkte.

Foto: Pixabay / Fernandozhiminaicela

 

 

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Die lukrative Zukunft der Energiespeicherung

Der Einsatz von Batterien wächst, die Investmentchancen für Anleger ebenso.

Raja Korinek. Wenn es um den US-amerikanischen Technologiekonzern Tesla (ISIN: US88160R1014) geht, drehen sich die Meldungen längst nicht nur um den Bau von Elektroautos. Auch die Batterieherstellung steht im Fokus. So sollen am neuen deutschen Standort, in Grünheide bei Berlin, auch Batterien mit neuer Technologie produziert werden. Anfang Dezember gab zudem die südkoreanische LG Chem (KR7051910008) bekannt, die Produktion an Batteriezellen 2021 in China kräftig anzuheben, um der steigenden Nachfrage von Tesla nachzukommen.

Tatsächlich sei der wachsende Markt für Elektroautos eine wichtige Nachfragequelle für Batterien, konstatiert auch Aanand Venkatramanan, Leiter ETF-Investmentstrategien bei LGIM, gegenüber dem Börsen-Kurier. Er verweist auf Prognosen von Bloomberg New Energy Finance, denen zufolge bis zum Jahr 2030 die Zahl der strombetriebenen Boliden auf 28 Millionen Stück an der Zahl wachsen dürfte.

Wind- und Solar ausgleichen
Dabei sind die Einsatzmöglichkeiten für Batterien längst nicht auf das Transportwesen begrenzt. Auch in der Energieerzeugung sieht Nitesh Shah, Analyst bei Wisdom Tree, reichlich Potenzial und verweist in diesem Zusammenhang auf die Stromproduktion durch erneuerbare Energien. Er meint, gerade weil Wind nicht immer gleichmäßig wehe, es zu-dem auch reichlich bewölkte Tage gebe, an denen die Photovoltaik wenig Strom produziere, müsse es Zwischenspeicher geben. „Hier kommen Batterien ins Spiel, wobei solche Lösungen entweder direkt beim Produzenten oder beim Konsumenten eingesetzt werden können“, sagt Shah.

Immerhin dürften 90 % der zusätzlich generierten Stromkapazitäten im Jahr 2020 aus dem Bereich der erneuerbaren Energien kommen. Damit rechnet die Internationale Energieagentur. Dort werfen die Experten auch einen Blick in die Zukunft: Bereits 2025 dürften erneuerbare Energien den größten Anteil am gesamten Energiemarkt ausmachen.

Batteriepreise sinken
Hinzu kommt eine weitere Entwicklung: Bei Lithium-Ionen-Batterien (sie werden am häufigsten eingesetzt) sinken die Preise seit Jahren, während die Speicherkapazitäten dank neuer Technologien zunehmen. Laut Bloomberg New Energy Finance kostet eine Kilowattstunde mit solchen Batterien nur noch rund 150 USD. Bis 2030 dürfte der Preis sogar auf 70 USD sinken. Venkatramanan von LGIM erklärt zudem, dass bei einem Preis von weniger als 100 USD je Kilowattstunde die Kosten ex aequo mit jenen eines treibstoffbetriebenen Autos seien.

Mit ETFs auf den Batteriemarkt setzen
Und wie können Anleger auf die weitere Entwicklung setzen? Eine Möglichkeit bietet der „L&G Battery Value-Chain UCITS ETF“ (IE00BF0M2Z96), der insgesamt 29 Aktien umfasst. Es geht um Unternehmen, die etwa notwendige Batterietechnologien oder Rohstoffe liefern, wie zum Beispiel Lithium. Zu den größten Positionen zählen nebst Tesla auch Sony (JP3435000009) sowie Hitachi Chemical (JP3785000005). Immerhin entfällt fast die Hälfte des Fondsvermögens auf Japan.

Eine weitere Möglichkeit bietet der „WisdomTree Battery Solutions UCITS ETF“ (IE00BKLF1R75), dessen Index 93 Titel umfasst. Der Zugang ist ein wenig anders, der größte Anteil mit fast 30 % entfällt auf China. Dazu zählen Ganfeng Lithium (US3647231063) und Shenzhen Capchem Technology (CNE100000K15). Auch der US-Brennzellenhersteller Plug Power (US72919P2020) zählt dazu, sowie Livent (US53814L1089). Das US-Unternehmen stellt batterietaugliches Lithiumhydroxid her. Bei beiden Produkten müssen Anleger sowohl Kurs- als auch Währungsschwankungen beachten.

Foto: Pixabay / MikesPhotos

 

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US-Börsen: „Bewertungsniveaus nicht nachhaltig“

Experten erwarten bei den US-Indizes eine Rückkehr zu normaleren Bewertungsniveaus.

Patrick Baldia. Die großen US-Aktienindizes haben die coronabedingten Verluste vom Frühjahr längst wieder aufgeholt. So liegt etwa der Dow Jones seit Jahresbeginn mit 5,28 % im Plus. Noch deutlicher zugelegt haben der S&P 500 mit 13 % und vor allem der technologielastige NASDAQ Composite mit fast 38 %. Letztere beiden Indizes haben zuletzt sogar neue Allzeithochs erreicht. Für den Dezember gehen Analysten von einem moderaten Anstieg der US-Leitindizes aus. Aber wie geht es weiter? Vor allem angesichts der im historischen Vergleich hohen Bewertungen.

Tatsache ist, dass die Kursgewinne heuer Großteils von Technologiewerten getragen wurden – auch wenn einige zuletzt eine Verschnaufpause eingelegt haben und Zykliker wieder in den Vordergrund gerückt sind. Sie haben seit der Finanzkrise – vor allem in der jüngeren Vergangenheit – ihre Marktkapitalisierungen drastisch erhöhen können und damit die Marktkonzentration weiter vorangetrieben.

So stammen etwa die aktuellen fünf Spitzenreiter im S& P 500 mit Apple, Microsoft, Amazon, Facebook und Alphabet allesamt aus dem Technologie-Universum.

Insgesamt zeichnen die Top-10-Firmen heute für fast 30 % des gesamten Wertes des S&P 500 verantwortlich. Damit einher gehen freilich Sorgen über die Abhängigkeit des breiten Marktes von der Performance nur einiger weniger dominanter Unternehmen. „Eine hohe Marktkonzentration ist nicht zwangsläufig ein Problem – sehr wohl aber dann, wenn sie von einer kleinen Zahl von Unternehmen getrieben wird, deren zunehmende Indexgewichtungen ausschließlich auf die Ausweitung der Bewertungsmultiplikatoren und nicht auf die Verbesserung von Cashflows oder Erträgen zurückzuführen sind“, so Taymour Tamaddon, er ist Portfolio Manager und USA-Spezialist bei T. Rowe Price.

Rückkehr zu normaleren Bewertungsniveaus

„Wir glauben, dass die Bewertungsmultiplikatoren von Growth-Benchmarks in den vergangenen Monaten Niveaus erreicht haben, die auf längere Sicht nicht nachhaltig sind“, so Tamaddon weiter. Früher oder später sollte es daher zu einer Rückkehr zu normaleren Bewertungsniveaus kommen. Bis dahin wären allerdings noch gute Wachstumsmöglichkeiten zu finden. Der Anlageerfolg werde dabei Großteils davon abhängen, ob man bezüglich der Index-Schwergewichte die richtigen Entscheidungen trifft. Die große Frage ist daher, ob die in den vergangenen fünf bis zehn Jahren stark gewachsenen Large Caps den Markt auch in den kommenden fünf bis zehn Jahren treiben können.

Nach Ansicht von Tamaddon sollten Google und Facebook ihre Marktanteile weiter ausbauen und über gezielte Werbung für ihre Kunden Wert generieren können. Potenzielle Veränderungen des regulatorischen Umfelds – wie etwa in Europa – wären in dieser Einschätzung allerdings nicht berücksichtigt worden.

Sich immer wieder neu erfinden

Amazon hat für den Portfoliomanager jedenfalls schon bewiesen, dass es sich neu erfinden und neue Wachstumsfelder finden kann. „Wir glauben, dass die vielfältigen logistischen Fähigkeiten des Unternehmens ein bedeutender langfristiger Wachstumstreiber sein können. Zusätzlich könnte auch das Anzeigengeschäft, das im Vergleich zu jenem von Google und Facebook noch sehr klein ist, weiterwachsen“, meint er im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Das weitere Marktanteilwachstumspotenzial von Apple als Hardware-Unternehmen in der Mobiltelefon-Industrie sei dagegen begrenzt. „Um auch im kommenden Jahrzehnt weiterhin so erfolgreich zu sein wie in der Vergangenheit, müsste ein neues Produkt bzw. eine Dienstleistung entwickelt oder ein neues Geschäftsfeld eröffnet werden“, so Tamaddon.

Foto: Fotolia / robert cicchetti

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Konjunkturlokomotive China stützt Weltwirtschaft

Im Gegensatz zu vielen Ländern brummt die Wirtschaft in China wieder wie in besten Zeiten.

Michael Kordovsky. Ist es nicht eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet China, das Ursprungsland von Covid-19, das die Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession schlittern lässt, bereits heuer wieder auf den Wachstumskurs zurückgekehrt ist? Nach einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung um 6,8 % im ersten Quartal folgte bereits im zweiten Quartal 2020 ein Wachstum von 3,2 %, das sich im dritten Quartal auf 4,9 % beschleunigte. Im September verzeichneten sogar die Einzelhandelsumsätze mit plus 3,3 % den höchsten Zuwachs in diesem Jahr. Das war besser als Volkswirte erwarteten. Ebenso über den Erwartungen lag die Industrieproduktion, die im Oktober so wie im Vormonat um 6,9 % auf Jahresbasis wuchs, während Analysten nur von 6,5 % Plus ausgingen. Die reine Güterproduktion konnte in den Monaten September und Oktober um jeweils 7,6 bzw. 7,5 % gesteigert werden. Die Minenproduktion wuchs um 2,2 bzw. 3,5 %. Die Versorger verzeichneten indessen Zuwächse von je 4,0 bzw. 4,5 %. Von 15,9 % Zuwachs im September auf 17,6 % im Oktober beschleunigte sich die Produktion von Maschinen und der Ausrüstungsbereich wuchs im Oktober um 13,1 %, während der Output von Eisenmetallen um 11,2 % gesteigert werden konnte. Das sind gleichzeitig auch Anzeichen neuer Wachstumsimpulse!

Dass sich das Wachstum im chinesischen Industriesektor deutlich beschleunigt hat, lässt sich auch daraus ablesen, dass in den ersten zehn Monaten 2018 der Zuwachs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lediglich bei 1,8 % liegt. Die Gesamtwirtschaft wuchs in den ersten neun Monaten um 0,7 %.

Starker Außenhandel
Der Aufschwung wird getragen von Exportzuwächsen im Bereich medizinischer Ausrüstung und Produkten rund ums Homeoffice sowie höheren Staatsausgaben, Steuererleichterungen für Firmen und Zinssenkungen für Kredite. So hat beispielsweise die Chinesische Zentralbank am 20. April ihren Leitzins um 0,20 %-Punkte auf 3,85 % gesenkt. Hinzu kommt noch der weltweit starke Onlinehandel, getragen vom Platzhirschen Amazon, der sich über ein breites Produktangebot immer mehr zu einer Drehscheibe des Handels mit China entwickelt.

Entsprechend erfreulich entwickelten sich trotz der Handelskonflikte mit den USA und daraus resultierenden wechselseitigen Strafzöllen die Handelsaktivitäten: Chinas Exporte stiegen im Oktober auf Jahresbasis um 11,4 % auf 237,18 Mrd. USD – ein Wachstum, das über den Erwartungen der Analysten lag, die lediglich von 9,3 % Plus ausgingen. Damit verzeichneten die Exporte das stärkste Wachstum der vergangenen 19 Monate. Die Importe wuchsen um 4,7 % nach 13,2 % Steigerung im September. Chinas Handelsbilanzüberschuss lag im Oktober bei 58,44 Mrd. USD nach 37 Mrd. USD im September.

Mit Chinas Aufschwung verbessert sich weltweit die Nachfrage nach Erdöl, Industriemetallen und sonstigen Industrierohstoffen. Auch die Nachfrage nach Chemikalien sollte sich beleben, wovon Unternehmen der Bereiche Bergbau und Chemie profitieren würden. Chinas Anteil am kaufkraftbereinigten globalen BIP ist von 7,3 % im Jahr 2000 bis 2019 auf 17,4 % gestiegen und sollte laut Expertenerwartungen bis zum Jahr 2025 20,6 % erreicht haben. Entsprechend gilt China als Wirtschaftsfaktor und angesichts eines vom IWF für 2020 und 2021 erwarteten BIP-Wachstums von je 1,9 bzw. 8,2 % auch als Konjunkturlokomotive.

Zusätzlich positiv kann unter einer US-Präsidentschaft Bidens noch eine stabilere und besser einschätzbare Handelspolitik zur weiteren Entwicklung beitragen. Fazit: China gilt als stützender Wirtschaftsfaktor aktuell und voraussichtlich auch im kommenden Jahr.

 

 

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Grüne Investments sollen sich lohnen

Gutes Klima für Investitionen in gutes Klima. Im Gespräch mit dem Budget-Experten Jakob Schwarz von den Grünen.

Manfred Kainz. Finanzpolitik in Österreich zu machen zwischen Corona-Krise und „Green Deal“ für die Wirtschaft, ist nicht leicht. Es braucht Phantasie und Mut, die beiden Herausforderungen unter einen Hut zu bekommen und sinnvolle Signale und Maßnahmen zu setzen. Das Arbeitsprogramm der türkis-grünen Koalitionsregierung datiert aus Vor-Corona-Zeit. Was davon ist unter den Blickwinkel eines wirtschaftlichen Wiederaufbaus im Zeichen eines „grünen Wandels“ weiterhin oder umso mehr am Tapet?

Steuerreform
Wenn es nach den Grünen geht, ist der Plan einer „ökosozialen Steuerreform“ aktueller denn je, und soll über die Zeit verteilt umgesetzt werden. Zwar steckt der Teufel im Detail. Aber nachdem ökosoziale Fiskalpolitik schon in den 1990er-Jahren Teil eines Gesamtkonzepts für Ökosoziale Marktwirtschaft des Koalitionspartners ÖVP war, ist eine Umsetzung in dieser Legislaturperiode realistisch. Was heißt das aus dem Blickwinkel der Allokation von Investitionskapital? Wohin zeigt der Wegweiser für Investoren, die dem grünen Pfad folgen wollen?

Preis für CO2
Eine erste Wegmarke wurde mit der Novellierung der Normverbrauchsabgabe für Kfz schon gesetzt. Damit will man in 20 Jahren auf null CO2-Emissionen bei Neuzulassungen kommen. Wie über-haupt „CO2-Bepreisung“, die ja auch renommierte Wirtschaftsmanager wie Verbund-CEO Wolfgang Anzengruber fordern, wohl das Kernelement einer ökosozialen Steuerreform ist. Wobei aus Sicht der Grünen die CO2-Bepreisung in Summe aufkommensneutral sein soll, wie etwa Nationalratsabgeordneter Jakob Schwarz gegenüber dem Börsen-Kurier meint. Das könnte auf alternativen Wegen geschehen, so der Sprecher für Budget & Steuern, stellvertretende Klubobmann und Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen. Die Einführung einer „CO2-Steuer“ als neue Steuer wäre kommunikationsmäßig schwieriger als wenn man auf die bestehende Abgabenstruktur aufsetzen würde. Also beispielsweise einen Teil der MÖSt (Mineralöl-Steuer) als „implizite CO2-Steuer“ interpretieren. Eine mengengesteuerte Variante wäre über Zertifikate-Handel, also für die Inverkehrbringer von fossilen Energieträgern eine Zertifikate-Pflicht einzuführen.

Rückverteilen
Aufkommensneutralität heißt aber auch Rückverteilung der Einnahmen aus CO2-Bepreisung. Da hat sich die Regierung auf die Idee geeinigt, das Pendlerpauschale als ein „Rückverteilungstool“ zu nützen. Auch eine gewisse Kompensation, also Einnahmenrückverteilung, für Gebäude und Wohnen ist vorstellbar. Das soll Anreize schaffen, den Investitionslevel in Green Investments in die Höhe zu treiben. Die Idee ist generell, dass man sich mit Investitionen aus dem CO2-Preis „herauskaufen“ können soll.

Anreize
Ziel ist aber auch ein „Industrial Deal“ zur Emissionssenkung. Dazu gibt es Möglichkeiten über Anreize – wie die neue, für Ökoinvestments sogar verdoppelte Investitionsprämie. Damit Austro-Unternehmen entsprechende Investitionen vorziehen und so sogar einen internationalen Wettbewerbsvorteil lukrieren indem sie schneller sind als die Konkurrenz in anderen Ländern. Eine Anreizidee wäre auch, Finanzmittel aus dem „European Union Emissions Trading System“ (ETS), die jetzt ins Budget fließen, zweckzuwidmen und sie für emissionsreduzierende Investitionen in die Industrie zur Verfügung zu stellen. Das wäre auch ein nützliches Tool, um EU-Fondsmittel (3 Mrd. Euro sind zur Verfügung um genützt zu werden) und privates Investmentkapital zu „hebeln“, also ihre Renditeaussichten zu multiplizieren. Nicht budgetneutral sind öffentliche Investitionen zur Unterstützung der „Transformation“ in der Industrie. Dafür ist aktuell 1 Mrd. Euro p.a. budgetiert. Damit will die Regierung auch private Investments anreizen und hebeln.

Vorsprung
Alles im allem geht es darum, in „Innovationsvorsprung“ für die heimische Wirtschaft zu investieren. Das heißt, bei den Möglichkeiten, die es im Bereich klimafreundlicher Technologien und Verfahren gibt, Vorsprung auf- und auszubauen, argumentiert der Atmosphärenphysiker und Volkswirt Schwarz.

Foto: AdobeStock / lassedesign

 

 

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US-Wirtschaft und Finanzmärkte profitieren vom „Drei-J-Gespann“

Ein Kommentar von Olivier de Berranger, CIO bei Assetmanager LFDE in Paris.

(01.12.) Allem Anschein nach ist die wichtigste Eigenschaft, um in den USA gegenwärtig in eine Spitzenposition zu gelangen, ein Vorname, der mit „J“ beginnt. Nach Jerome Powell, der 2018 an die Spitze der Fed rückte, und Joe Biden, der in diesem Monat zum 46. US-Präsidenten gewählt wurde, kommt nun Janet Yellen, die jüngst als neue Chefin des US Treasury Department vorgeschlagen wurde. Seit dem 23. November ist der Name der künftigen Secretary of the Treasury, was dem Wirtschafts- und Finanzminister in anderen Ländern entspricht, bekannt. Janet Yellen wird im kommenden Januar ernannt werden, sofern der derzeit von den Republikanern kontrollierte Senat zustimmt.

Janet Yellen überzeugt mit beachtlichem Track-Record
Diese Personalie ist für die US-Wirtschaft und die Finanzmärkte eine hervorragende Nachricht. Vor allem, weil sie, die 2014 die erste Frau an der Spitze der Fed wurde, einen beispielhaften Werdegang für dieses Amt hat. Denn bisher erfüllte sie mit Bravour verschiedenste Aufgaben: in der Wissenschaft (Berkeley, Harvard, LSE), für die Regierung (Wirtschaftsberaterin von Bill Clinton) und in der Geldpolitik (von 2010 bis 2014 als Vize-Präsidentin der Fed und danach vier Jahre als Präsidentin). Darüber hinaus, weil Janet Yellen einen wichtigen politischen Trumpf verkörpert, falls der Kongress geteilt bleibt. Sie ist dem progressiven Flügel der Demokraten zuzurechnen, kann sich jedoch rühmen, bei ihrer Fed-Ernennung zahlreiche Stimmen der Republikaner erhalten zu haben und in beiden Lagern Wertschätzung zu genießen.

Aber auch, weil sie für die Bewältigung der aktuellen Herausforderungen wie geschaffen zu sein scheint. Die Arbeitslosigkeit liegt in den USA gegenwärtig bei 6,9 %, und fast die Hälfte der Arbeitnehmer, die im Zuge der COVID-Krise aus dem Arbeitsmarkt gefallen sind, steht nach wie vor im Abseits. Yellen ist als Ökonomin auf den Arbeitsmarkt spezialisiert und hat darüber hinaus mit ihrem Ehemann Georges Akerlof, einem Wirtschaftsnobelpreisträger, an diesem Thema wissenschaftlich gearbeitet.

Geldpolitische „Taube“ auf Lockerungskurs
Auch wenn sie als „Taube“ gilt, sprich eine Befürworterin lockerer Geldpolitik, kann sie geltend machen, die Zinssätze nach der Subprime-Krise als Erste angehoben zu haben, ohne die Börse Ende 2015 zu erschüttern. Sie, deren Amtszeit als Fed-Chefin von Donald Trump wider die Gepflogenheiten nicht verlängert wurde, tritt nun durch die Vordertür wieder ein. Ihr wird viel daran liegen, Haushalts- und Geldpolitik in einer wichtigen Phase bestmöglich abzustimmen. Zweifellos dürfte ihre Zusammenarbeit mit Jerome Powell, dem früheren Vize-Präsidenten der Fed in der Mandatszeit Yellens, reibungslos verlaufen. Obschon Republikaner, geizt ihr Nachfolger bei der Fed nie mit lobenden Worten für Yellen. Er führte ihre Politik in direkter Linie fort und legte den Schwerpunkt seines Mandats hierbei mehr auf Beschäftigung und Wachstum anstelle des sakrosankten Inflationsziels von 2 %.

In ihrer Amtszeit als Fed-Chefin konnte Janet Yellen gegenüber den Finanzmärkten zudem mit einer makellosen Bilanz aufwarten: Die langfristigen US-Zinssätze blieben zwischen Beginn und Ende ihres Mandats nahezu unverändert, während Aktien ohne größere Rückschläge eine Kursrally hinlegten. So stieg der S&P 500 in dieser Zeit um 72 %, das heißt annualisiert um fast 15 %.

Nun haben die USA ihr Dreigespann J-J-J, und die Rückkehr von Mario Draghi auf einen wichtigen Führungsposten könnte für Europa das Super-Trio M-M-M (Macron-Merkel-Mario) bedeuten. Zwei Starbesetzungen für die Konjunkturerholung und die Anleger.

Foto: LFDE

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Zukunftsmodell Grundeinkommen?

Die Diskussion über die „finanzielle Hängematte“ für alle ist im Zuge der Pandemie wieder aufgeflammt.

Michael Kordovsky. In den USA lebten bereits vor Corona 38 Mio Einwohner von Lebensmittelmarken. Hintergrund: In den USA ist die Sozialhilfe auf fünf Jahre im Leben beschränkt. Danach gibt es nur noch Lebensmittelgutscheine. Und die Zahl der Sozialfälle wird steigen: Alleine seit Beginn der Corona-Krise gingen in den USA ca. 10 Mio Arbeitsplätze verloren, während das Vermögen der 643 reichsten Milliardäre der USA im Zeitraum von 18. März bis 15. September um 845 Mrd USD von 2,95 auf 3,8 Bio USD wuchs. Die Forbes-Liste wird angeführt von Amazon-Gründer Jeff Bezos mit 186,2 Mrd USD. Laut einer Studie von Oxfam besaßen bereits im zweiten Quartal 2019 die damals weltweit 2.153 Milliardäre so viel wie die ärmsten 60 % der Weltbevölkerung (also 4,6 Mrd Personen, Vermögen zusammen 8,7 Bio USD!). Da wird der Ruf nach Umverteilung durch Vermögenssteuern zur Finanzierung eines bedingungslosen Grundeinkommens laut.

Wie realistisch wäre eine Umsetzung?
Nehmen wir nur einmal Österreich als ein Rechenbeispiel her, das trotz gewisser Unschärfen eine schematische Überprüfung der Machbarkeit zum Ziel hat. Ausgangssituation: Jeder Einwohner ab 20 Jahren würde – unabhängig vom sonstigen Einkommen – monatlich 1. 200 plus 120 € Kranken- und Unfallversicherung, also ins-gesamt 1.320 Euro bekommen. Dafür gibt es kein Arbeitslosengeld oder keinen Notstand mehr und auch mit der Pension würde dieser Betrag gegengerechnet.

Insgesamt waren zu Jahresbeginn 7,18 Mio Einwohner mindestens 20 Jahre alt. Würde davon jeder den genannten Betrag erhalten, wäre dies für den Staat ein Aufwand von 113,73 Mrd Euro pro Jahr bzw. 28,6 % des BIP im Jahr 2019. Nehmen wir an, von Pensionsleistungen in Höhe von rund 33 Mrd Euro können 24 Mrd Euro mit

dem Grundeinkommen deckungsgleich sein. Gleichzeitig liegen laut AMS-Ausgabenübersicht die Aufwendungen für Arbeitslosengeld und Notstandshilfe 2019 bei insgesamt ca. 3,4 Mrd Euro. Zieht man diese Beträge von 113,73 Mrd Euro ab, dann bleibt noch immer eine Finanzierungslücke von 86,33 Mrd Euro jährlich.

Dem stehen gemäß Budgetbericht 2020 lediglich Einnahmen aus Lohnsteuer von 29,5 Mrd Euro und aus Umsatzsteuern von 30,6 Mrd Euro gegenüber, während noch 9,4 Mrd Euro aus der Körperschaftssteuer stammen. Das wären zusammen bereits gut drei Viertel aller Einnahmen aus Abgaben. Selbst wenn man die Umsatzsteuersätze um ein Zehntel anheben würde und Lohn- und Körperschaftssteuereinahmen so gestalten würde, dass sie um ein Viertel steigen, würde sich die

Gesamtsumme lediglich auf maximal 12,67 Mrd Euro belaufen und es bliebe eine enorme Lücke von 73,66 Mrd Euro. Als Ausweg bleibt noch die Vermögensbesteuerung.

Vermögenssteuer als Ausweg?
2019 gingen bezüglich Vermögensverteilung in Österreich folgende Zahlen durch die Medien: Laut Forschungsinstitut für die Gesamtanalyse der Wirtschaft (ICAE) an der Johannes Kepler Universität Linz lagen die Nettovermögen (Gesamtvermögen minus Schulden) bei insgesamt 1.137 Mrd Euro. Das reichste Prozent (1 %) besitzt davon 40,5 %, während die untere Hälfte der Österreicher nur auf 2,5 % dieses Nettovermögens kommt (Quelle: Kontrast.at, 2. Oktober 2019). Würde alleine das reichste Perzentil eine jährliche Vermögenssteuer von 3 % bezahlen, so würde alleine dieses Vermögenssteueraufkommen jährlich 13,81 Mrd Euro betragen. Zahlt der Rest noch im Schnitt auf die Gesamtsumme 1,5 %, wären es insgesamt 23,96 Mrd Euro, also knapp 24 Mrd Euro.

Mit Maßnahmen, die im Rahmen einer sozialen Marktwirtschaft noch durchsetzbar wären, könnten also alleine in Österreich jährlich 36,67 Mrd Euro (9,2 % des BIP 2019) aufgebracht werden. Allerdings wären dies nur 42,5 % der Finanzierungslücke. Um wirklich die Hardcore-Version eines bedingungslosen Pro-Kopf-Einkommens von 1.320 Euro pro Monat für alle Einwohner ab 20 umsetzen zu können müssten dermaßen drastische Umverteilungsmaßnahmen ergriffen werden, die selbst mit sozialer Marktwirtschaft nicht mehr viel zu tun hätten.

Alternative: Arbeitsfreie Zeitabschnitte finanzieren
Bedingt durch die Digitalisierung ist die Welt im Umbruch und die meisten werden in ihrem Arbeitsleben mehrere unterschiedliche Berufe erlernen (müssen). Anstatt mit dem Gießkannenprinzip zu versuchen, die gesamte Bevölkerung in eine soziale Hängematte zu betten, wäre es besser, jeden Einwohner 10 bis 15 arbeitsfreie Jahre („Jahreskontingent“) seiner persönlichen Wahl zu ermöglichen, die für Bildung und/oder Reisen genützt werden können. In dieser Zeit gibt es dann beispielsweise monatlich 1.200 bis 1.500 Euro (inkl. Krankenversicherung). Dafür beschränken sich dann Sozialhilfen nur noch auf wenige Ausnahmen und wer arbeitslos ist, kann das „Jahreskontingent“ als „Joker“ ziehen. Denn bei all diesen „Geldern ohne Arbeit“ besteht die Gefahr, dass sich die Empfänger zu sehr daran gewöhnen und darauf vergessen, eines Tages wieder einer geregelten Tätigkeit nachzugehen. Das ist erwiesenermaßen die Natur des Menschen, weshalb sich generell in dieser Debatte die Frage stellt: „Wie sehr soll Faulheit belohnt und Fleiß bestraft werden?“ denn die Finanzierung derartiger sozialer Absicherungskonzepte muss letztendlich immer jemand bezahlen, der dieses Geld verdient und häufig auch hart dafür arbeitet.

Foto: Pixabay / Paul_Henri

 

 

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Biotechnologie in aller Munde

Die Branche hat mehr zu bieten als nur den Corona-Impfstoff – auch in Europa.

Raja Korinek. Inzwischen häufen sich die Schlagzeilen rund um weitere Erfolge bei der Suche nach einem Impfstoff. Waren es am 9.11. Pfizer (ISIN: US7170811035) und Biontech (US09075V1026) aus den USA, die mit Fortschritten aufhorchen ließen, vermeldete nun der US-Biotechnologiekonzern Moderna (US60770K1079) positive Nachrichten. Das Unternehmen gab bekannt, womöglich schon in wenigen Wochen den Corona-Impfstoff an die EU liefern zu können, sofern der Impfstoff die notwendige Zulassung erhalte.

Moderna mischt bei Impfstoffen mit
Moderna bestätigte in diesem Zusammenhang auch die Unterzeichnung eines Rahmenvertrags. Diesem zufolge sollen in einem ersten Schritt 80 Mio Impfstoffdosen geliefert werden, mit der Option auf 80 Mio weitere Einheiten. Der Moderna-Impfstoff hat nach eigenen Angaben eine Wirksamkeit von 94,5 %.

Anleger, die dem Aktienkurs noch reichlich Potential zutrauen, können dies etwa mit einem Faktor-Long-Zertifikat nutzen. Dabei wird die jeweils täglich prozentuelle Kursveränderungen des Basiswertes – in dem Fall ist es Moderna – mit dem Faktor des gewählten Zertifikats multipliziert. Ein
solches Produkt bietet die Bank Vontobel mit einem Faktor 2 an (ISIN: DE000VP8GA11).

Investoren sollten aber auch beachten: Sollte der Kurs der Moderna-Aktie längere Zeit seitwärts schwanken oder sinken, können sich prozentuell größere Verluste ergeben. Das liegt an der zugrundeliegenden Berechnung bei Faktor-Zertifikaten. Fällt die Aktie im Extrembeispiel an einem Tag um 50 %, muss der Kurs danach zu-nächst um 100 % steigen, damit der Kurs des Zertifikats wieder den Ausgangspunkt erreicht.

Europas Biotech-Perlen
Einzig, bei all der Euphorie rund um die Einführung eines Corona-Impfstoffes rückte vor allem die US-amerikanische Biotechnologiebranche in den Fokus – auch bei vielen Anlegern. Dabei gibt es auch in Europa jede Menge erfolgreicher Branchen-Player. Immer-hin schloss die deutsche Curevac ebenfalls unlängst einen Vertrag für die Impfstoff-Lieferung mit der EU-Kommission ab.

Und auch anderswo setzen sich europäische Biotechnologiekonzerne erfolgreich durch. Die dänische Genmab (DK0010272202) konzentriert sich etwa auf die Entwicklung von Antikörpertherapien. Vor wenigen Monaten gab der Konzern bekannt, gemeinsam mit Abbvie (US00287Y1091) die gegen Krebs gerichteten Antikörpermittel vom dänischen Konzern zu entwickeln und vermarkten.

In Deutschland fokussiert sich wiederum Evotec (DE0005664809) auf die Wirkstoffforschung und
-entwicklung gemeinsam mit Pharma- und Biotechnologieunternehmen. Vor Kurzem schloss Evotec eine Entwicklungspartnerschaft mit dem finnischen Biotechnologiekonzern Rappta Therapeutics ab. Genanntes nordisches Unternehmen – das im Übrigen nicht an der Börse notiert – ist im Bereich der Onkologie tätig. Eurofins Scientific (FR0000038259) bietet hingegen Analysenlabore an, in denen etwa Lebens- und Futtermittel untersucht werden.

Alle Player in einem Korb
Sowohl Genmab, als auch Evotec und Eurofins sind Teil des „European Biotech Index“. Dieser umfasst 30 Branchenaktien, wobei die selektierten Titel etwa in der Entwicklung oder in der biotechnologischen Herstellung von Medikamenten tätig sind. Hinzu kommt ein weiteres Detail: Im Index sind die Aktien grundsätzlich alle gleich gewichtet, wobei eine Anpassung einmal pro Quartal erfolgt. Interessierten Anlegern unter den Börsen-Kurier-Lesern bietet die UniCredit die Möglichkeit, auf die weitere Entwicklung mit einem Indexzertifikat zu setzen (DE000HX 28ET5).

Foto: Pixabay / fernandozhiminaicela

 

 

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Kostbarer Silberstreif am Horizont

Bei Jupiter AM sieht man langfristig gute Gründe für ein Investment in Gold- und Silberminenaktien.

Raja Korinek. Seit beinahe zwei Jahren erlebt der Goldpreis einen fulminanten Höhenflug. Auslöser war aber nicht die Corona-Krise. Sie beschleunigte bestenfalls die Suche nach einem sicheren Hafen. Schon im Frühjahr 2019 setzte die Notierung des gelben Edelmetalls zu einem Aufschwung an. Der Grund? Der lag in der Entscheidung der US-Notenbank. Nach einer Reihe an Zinsanhebungen 2018 entschlossen sich die Währungshüter jenseits des Atlantiks, die Anhebungen nicht mehr fortzusetzen. Schließlich fehlten ihnen ausreichend Anzeichen eines Wirtschaftsaufschwungs.

Auch der US-Handelskrieg mit China flackerte kräftig auf. Und weil angesichts der niedrigen Zinsen sichere Staatsanleihen praktisch keine Alternative boten, rückte ein Investment in Gold in den Fokus. Dabei zahlt Gold weder Zinsen noch Dividenden, hat zumindest aber kein Kontrahentenrisiko. Dieses steigt freilich in Zeiten hinaufschnellender Schuldenberge.

Negative Realzinsen als Preistreiber
Dabei sind längst nicht nur die Zinsen etwa auf Sparbücher, auf sehr niedrigem Niveau angelangt. In Deutschland, aber auch in Österreich, sind die Renditen langlaufender Staatsanleihen im Minusbereich angelangt. Bei vielen anderen soliden Anleihen winkt zwar noch ein leichtes Plus, etwa bei US-Staatsanleihen. Zieht man davon aber die Inflation ab, sind die realen Zinsen längst im Minus. „Dieser Umstand beflügelt die Nachfrage nach Gold, aber auch nach Silber, als realen Wertspeicher“, konstatiert Ned Naylor-Leyland, Head of Strategy für Gold und Silber bei Jupiter Asset Management und Fondsmanager des Merian Gold & Silver Fund (ISIN: IE00BYVJR916), im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Merian ist Teil von Jupiter Asset Management.

Was bedeutet dieser Umstand für den Merian-Fonds? Derzeit zählen vor allem einige Silberminenaktien zu den größten Fondspositionen, etwa mit Pan American Silber (CA6979001089) und First Majestic Silver (CA32076V1031). Naylor-Layland begründet dies mit dem aktuellen Umfeld, das Silberminenkonzerne begünstige. Meist steigt der Silberpreis während einer Edelmetallhausse stärker an als die Goldnotierung. „Obendrein sind die Betriebskosten oftmals geringer als jene der Goldminenunternehmen.“ Der Großteil der Silberförderung fällt nämlich als Beiprodukt beim Abbau anderer Metalle an. Gold wird hingegen direkt gefördert, weshalb die Produktion teurer ist. Hier ist der Fonds etwa in De Grey Mining (AU000000DE G6) aus Australien investiert.

Silber mit mehr Potential
Und wie könnte es weitergehen? Der Jupiter-Experte räumt Silberminentitel weiterhin das größere Potential ein. Schließlich schrumpften seit Anfang der 1980er Jahre die weltweiten Silbervorräte. Zudem wächst deren industrielle Verwendung, etwa in der Solar-, der Elektronik-, aber auch der Medizinbranche. Obendrein emittierten zahlreiche Banken Zertifikate auf Silber – eine weitere Möglichkeit für Anleger, auf die Kursbewegung zu setzen. „Angesichts dieser Entwicklungen dürfte dem Silberpreis in den kommenden Jahren noch ein kräftiger Schub bevorstehen.“

Dass in solch einem Umfeld auch die Minenkonzerne gut verdienen, hat handfeste Gründe. Noch vor Jahren mussten die Konzerne mit hohen Kosten etwa für Energie, Ausrüstung und Löhne kalkulieren. Das habe sich inzwischen geändert, die Kosten seien am Sinken, meint Naylor-Leyland, während die Preise steigen. Anleger müssen aber Kursschwankungen sowie das Währungsrisiko gut im Auge behalten.

Foto: Pixabay / Free-Photos

 

 

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Die Schwellenländeraktien START sind das neue FAANG

Von Tim Love, Investment Director für Schwellenländeraktien bei GAM Investments.

(24.11.) Obwohl die Wertentwicklung zahlreicher Schwellenländer (EM) in den Jahren 2018 und 2019 hinter der Performance des S&P 500-Index zurückblieb und sich das Jahr 2020 bislang ebenfalls in diese Serie einreiht, wäre es falsch, sich von diesen Märkten abzuwenden. Denn unter dem breiten Dach der Schwellenmärkte stemmte sich eine Gruppe von Aktien beharrlich gegen den Trend und setzt diese positive Entwicklung fort. Selbst die Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und China, die die Wertentwicklung einiger chinesischer Aktien unter Druck setzte, wirkte sich nicht negativ auf diese Unternehmen aus.

Wir bezeichnen diese Gruppe starker, innovativer Unternehmen mit dem Sammelbegriff START – für Samsung Electronics, Tencent Holdings, Alibaba Group, Reliance Industries und Taiwan Semiconductor. Unseres Erachtens wird START an den Schwellenmärkten zu einem vergleichbar bedeutenden Akronym werden wie FAANG (Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Alphabet – vormals Google) in den USA und die Performance der gesamten Anlageklasse entscheidend beeinflussen. Wir haben diese Aktien auf Basis ihrer Marktdominanz, Führungsposition, Nachhaltigkeit und Umsetzungskompetenz sowie ihres Wachstumspotenzials und Wertversprechens identifiziert.

Samsung Electronics: 5G-Geschäft und Governance mit Aufholpotenzial
Samsung Electronics dürfte unter den Anbietern von Speicherprodukten hohe Margen erzielen und seine marktführende Position durch technologischen Fortschritt festigen. Die Verbesserung der Aktionärserträge ist ein weiterer positiver Faktor. Dank seiner führenden Position bei 5G-Handys könnte Samsung enorme Gewinne erzielen, wenn es dem Unternehmen gelingt, Huawei Marktanteile abzunehmen. Das Unternehmen befindet sich in einer wesentlich besseren Position, als noch vor wenigen Monaten vermutet wurde. Insbesondere zeigt es eine gesteigerte Widerstandsfähigkeit und verbesserte Umsetzungskompetenz. Die langfristige Strategie erweist sich zunehmend als transformativ und treibt das Wachstum sowie die Erträge im Halbleitersegment voran. Im Hinblick auf die strukturellen Wachstumsmerkmale in den Bereichen Computing, 5G und Daten, den wachsenden Gesamt-Absatzmarkt, die erstklassige Umsetzung im Sektor, die liquiden Mittel von 100 Mrd USD, die hohe Free-Cashflow-Generierung und die Kapitalrendite ist der Bewertungsabschlag zu den Konkurrenten nach unserer Einschätzung nicht gerechtfertigt.

Die Governance-Praktiken von Samsung und die Geschäfte mit Tochterunternehmen geben zwar Anlass zur Sorge. Die Ernennung eines unabhängigen Verwaltungsratsmitglieds zeigt jedoch, dass das Unternehmen angesichts der Unsicherheit aufgrund der Korruptionsvorwürfe gegen den Vizepräsidenten Lee Jae-yong beabsichtigt, die Governance zu verbessern und sein Image aufzuwerten. Wir erwarten eine stärkere Unabhängigkeit und Transparenz des Verwaltungsrats. Darüber hinaus rechnen wir mit der Einführung eines unabhängigen Audit- und Compliance-Systems, sowie der Nutzung externer Benchmarks mit hohen Standards im Hinblick auf die Korruptionsbekämpfung. Dies ist nicht nur angesichts der komplexen Unternehmensstruktur wichtig, sondern auch im Hinblick auf die damit verbundenen Risiken in den Lieferketten. Das Unternehmen hat zwar formelle Beschwerdeverfahren zur effektiveren Überwachung des Engagements und der Zufriedenheit der Mitarbeitenden eingeführt. Diese Maßnahmen schützten es jedoch nicht vor Klagen aufgrund angeblicher Verstöße gegen Arbeitnehmerrechte in einigen Ländern, in die Aktivitäten aus China verlagert wurden. Wir rechnen mit zunehmend starker Beachtung von Menschenrechten und Arbeitsschutzgesetzen.

Tencent Holdings dominiert Online-Konsumentenmarkt
Tencent beherrscht den chinesischen Online-Konsumentenmarkt gemessen an den Umsätzen, der Größe und des Datendurchsatzes. Die überwiegende Anzahl der Dienstleistungen des Unternehmens zählen auf Nutzerbasis zu den Top 3 in ihrer Sparte. Die Umsätze mit Zusatzangeboten bei «In-Game»-Dienstleistungen dürften weiter wachsen, da das Unternehmen über eine umfangreiche mobile Angebotspalette verfügt und mit Weixin das größte Kommunikations- und soziale Netzwerk Chinas betreibt. Der Umsatzmix ist gut diversifiziert: 16 % werden aus Online-Werbung, 23% aus sozialen Netzwerken, 26 % aus Fintech- und Geschäftsdienstleistungen und 34 % aus Online-Spielen erzielt. Mit Barmitteln von circa 40 Mrd USD und potenziell 20 Mrd USD an freiem Cashflow in diesem Jahr verfügt das Unternehmen über robust gestützte Liquiditätsreserven. Dank seiner guten Fundamentaldaten und soliden Wachstumsaussichten konnte das Unternehmen die Schuldenlast erhöhen, ohne die Bilanzstärke zu gefährden. Den Bloomberg-Konsenserwartungen zufolge wird Tencent im Jahr 2020 den Umsatz voraussichtlich um 28 % und das Vorsteuerergebnis um 27 % steigern. Eine Ausweitung des «Gaming»-Geschäfts von Tencent auf internationale Märkte, eine stärkere Monetarisierung sozialer Werbung, umfangreichere Fintech-Angebote und strategische Upgrades, um vom Konsumenten-Internet und dem industriellen Internet zu profitieren, sind nur einige der potenziell positiven Impulsgeber für eine zukünftige Outperformance.

Tencent ist als „Variable Interest Entity“ (VIE) strukturiert und verfügt über die höchste Governance-Bewertung unter vergleichbaren Unternehmen. Die Notierung in Hongkong sollte einen besseren Aktionärsschutz bieten. Das „Gaming“- und „Social-Media“-Unternehmen unterliegt einem permanenten regulatorischen Druck zur Einhaltung der chinesischen Zensurgesetze. Tencent führte Maßnahmen zur Suchtprävention ein, unter anderem ein „Healthy-Gameplay“-System, aufgrund dessen 32 mobile Spiele wegen mutmaßlicher Nichteinhaltung von Vorschriften aus dem Angebot entfernt wurden. Ferner richtete das Unternehmen eine Elternaufsichts-Plattform ein, die Eltern beim Schutz ihrer Kinder vor der Spielsucht unterstützen soll.

Alibaba Group überzeugt mit umfassendem E-Commerce-Angebot
Alibaba bietet dank seiner Führungsposition im E-Commerce in China ein attraktives Leistungsversprechen für Händler: eine umfassende Angebotspalette, die Handel, Logistik, Marketing-Technologie, Cloud Computing, Zahlungsabwicklung und Unterhaltung umfasst. Unseres Erachtens wird das Unternehmen weiter von der beschleunigten Akzeptanz des Online-Lebensmittelhandels sowie von Cloud-Dienstleistungen und Telearbeits-Anwendungen durch Benutzer und Anbieter profitieren. Die Freisetzung weiterer Synergien unter seinen mehr als 900 Millionen Nutzern der digitalen Wirtschaft sowie seinem breiten Spektrum von Produkten und Dienstleistungen dürften dem Unternehmen ebenfalls zugutekommen.

Alibaba wickelt nahezu ein Drittel der Zahlungen des chinesischen Einzelhandels ab und dringt weiter in weniger entwickelte Bereiche vor. Ant Group, an der Alibaba mit 33% beteiligt ist, strebt mit einer Bewertung von mindestens 225 Mrd USD nach einer Doppelnotierung in Hongkong und Shanghai. Die erfahrene Unternehmensleitung wird die Produktinnovation weiter vorantreiben. Darüber hinaus erwarten wir, dass bisher noch weniger vermarktete Bereiche in den kommenden Jahren beginnen werden, signifikant zum Umsatzwachstum beizutragen. Im Geschäftsjahr 2021 dürften die Umsätze auf 100 Mrd USD zusteuern und der freie Cashflow wächst rasant. Damit verfügt Alibaba aktuell über die stärkste Bilanz seiner Unternehmensgeschichte. Wenige Technologieunternehmen, einschließlich der FAANGs, können ähnlich hohe liquide und kurzfristig angelegte Mittel vorweisen.

Dank seiner Anreizsysteme und laufenden Investitionen in die Mitarbeiterschulung ist Alibaba generell gut aufgestellt, ein attraktiver Arbeitgeber für Spitzentalente in China zu bleiben, obwohl das Unternehmen aufgrund exzessiver Arbeitszeiten und Überstunden in der Kritik steht. Die Partnerschaftsstruktur des Unternehmens ist darauf ausgelegt, Talente zu binden und zu fördern, sowie die aktualisierten sechs Unternehmensgrundsätze für langfristige Nachhaltigkeit voranzutreiben. Die schwachen Eigentümer- und Verwaltungsratsstrukturen für Minderheitsaktionäre stellen allerdings einen Grund zur Sorge dar. Aufgrund seiner Partnerschaftsstruktur und der damit verbundenen Stimmrechtsvereinbarung ist Alibaba effektiv ein kontrolliertes Unternehmen. Die VIE-Struktur des Unternehmens räumt der Konzernleitung zudem eine verstärkte Kontrolle ein, und die Eigentümerrisiken werden durch rechtliche Unsicherheiten verschärft. Strenge Datensicherheitsmaßnahmen erscheinen unerlässlich, da eine Sicherheitslücke bei der Logistiktochter Cainiao im Juni 2018 darauf hindeutet, dass das Unternehmen unverändert einem hohen Risiko ausgesetzt ist.

Reliance Industries: Diversifikation in alternative Treibstoffe und Energiequellen
Das Unternehmen will den organisierten Einzelhandels- und E-Commerce-Markt in Indien mit einem Volumen von 700 Mrd USD in Angriff nehmen. Dies soll in Höhe von mehr als 300 Mrd USD im Bereich Chemie sowie mit 50 Mrd USD in erneuerbaren Energien geschehen, da die Nachfrage von Öl auf alternative Treibstoffe umschwenkt. Die Nettoverschuldung wird im nächsten Investitionszyklus erheblich moderater als im abgelaufenen Zyklus sein, da das Unternehmen zunehmend Partnerschaften und Joint Ventures eingeht. Die Diversifikation vom reinen Raffineriegeschäft in anderweitige nachhaltige Energieformen, die Integration des Petrochemiegeschäfts, die Umleitung der Cashflows aus dem Telefongeschäft in andere digitale Bereiche und 5G-Lösungen sowie die Expansion in den Offline- und Online-Einzelhandel dürften zu einer ähnlichen Höherbewertung wie bei vergleichbaren, global agierenden Unternehmen beitragen. Unseres Erachtens werden die Vision und die Entschlossenheit des Unternehmens unterschätzt und unterbewertet.

Reliance ist ein Familienunternehmen und dürfte zukünftig über einen diversifizierteren Verwaltungsrat mit einer größeren Verantwortung der Geschäftsführung verfügen, um eine effektive Governance zu gewährleisten. Dank des höheren Umsatzanteils aus dem Telekommunikations- und Einzelhandelsgeschäft verringerte sich das ökologische Risiko. Dennoch rechnen wir mit ausdrücklichen Zielen für das Energiegeschäft zur Reduzierung der Treibhausgas- und Schadstoffemissionen. Trotz Bedenken räumen wir ein, dass das Unternehmen in jüngster Zeit zunehmend die Interessen seiner Minderheitsaktionäre berücksichtigte.

Taiwan Semiconductor (TSMC): Marktführer dank technologischem Vorsprung
TSMC ist der weltweit größte exklusive Auftragsfertiger für Halbleiterprodukte mit einem Marktanteil von rund 50%. Durch die ständige Zunahme der Halbleiterkomponenten in Mobilgeräten, das Vordringen künstlicher Intelligenz (KI) und die Verbreitung des Internets der Dinge (IoT) dürfte die weltweit benötigte Rechenleistung nachhaltig wachsen. Der größere Umsatzbeitrag aus massenproduzierten 5-Nanometer-Chips und Pläne für den Beginn der Testproduktion von 3-Nanometer-Chips im Jahr 2021 deuten auf eine Ausweitung des technologischen Vorsprungs gegenüber den Konkurrenten hin. Dies dürfte sicherstellen, dass das Unternehmen seinen dominierenden Marktanteil in den nächsten drei Jahren behaupten kann. TSMC ist der Chip-Auftragsfertiger, der am meisten in Forschung und Entwicklung investiert und über die besten Produktionsanlagen verfügt. Dadurch kann es seine Führungsposition in technologischer Hinsicht sowie in Bezug auf den Marktanteil und die Rentabilität wahren.

TSMC dominiert den Auftragsfertigungsmarkt für „Advanced-Node-Chips“ und dürfte diese Position dank Kapazitätserweiterungen und seines technologischen Vorsprungs weiter halten. Im Jahr 2020 investiert das Unternehmen schätzungsweise über 10 Mrd. USD in den Ausbau seiner „Advanced-Node“-Kapazitäten. Dies entspricht vermutlich der doppelten Summe des nächstgrößeren Konkurrenten. Nachdem das Unternehmen 2019 über 3,3 Mrd USD für 18 neue „EUV“-Maschinen (Chipbearbeitung durch extrem ultraviolette Strahlung) investierte, verfügt es über mehr als das Dreifache der „EUV“-Lithografie-Kapazitäten seiner Konkurrenten. Zudem verfügt TSMC über leistungsstarke Wassermanagement-systeme. Sein Wasserschutzplan umfasst Recycling- und Wiederverwendungsinitiativen, die potenzielle operative Risiken aufgrund von Wasserknappheit vermeiden sollen. Es bietet seinen Mitarbeitenden wettbewerbsfähige Vergütungspakete und umfassende Karriereentwicklungsprogramme. Die jährliche Mitarbeiterfluktuation ist daher im Vergleich zum Branchendurchschnitt gering. Wir erwarten, dass das Unternehmen proaktiv Halbleiter mit „Cleantech“-Anwendungen wie intelligenten Stromnetzen und erneuerbaren Energien entwickeln wird.

Foto: GAM

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Pandemischer Durchbruch

Ein Corona-Impfstoff rückt näher und verändert damit auch eine ganze Branche.

Raja Korinek. Es geht jetzt Schlag auf Schlag. Am 9. November vermeldete der US-amerikanische Pharmakonzern Pfizer (ISIN: US7170811035) gemeinsam mit dem Biotechnologiekonzern Biontech (US09075V1026) aus Deutschland einen Erfolg bei der Suche nach einem Mittel gegen das Coronavirus. Ein Impfstoff in Phase-III-Studien habe eine Erfolgsquote von mehr als 90 % erreicht. Schon eine Woche darauf vermeldete der US-Biotechnologiekonzern Moderna (US60770K1079) ebenfalls eine Erfolgsmeldung.

Doch damit dürfte längst nicht Schluss sein. Ziad Bakri, Portfolio Manager der Gesundheitsstrategie beim US-Vermögensverwalter T. Rowe Price, erwartet, dass in den kommenden sechs bis acht Monaten noch zahlreiche weitere Unternehmen – wie AstraZeneca (GB0009895292) am Montag – einen Durchbruch vermelden dürften. Platz am Markt sei ausreichend da. Schließlich würde davon die ganze Welt profitieren.

Regierungen greifen zu
Tatsächlich sichern sich schon jetzt zahlreiche Regierungen einen „Kuchen“ an künftigen Dosen. Mitte November schloss etwa die EU-Kommission mit dem Tübinger Biotechnologieunternehmen Curevac (NL001543603) einen Vertrag über den Kauf von bis zu 405 Mio Dosen Coronavirus-Impfstoff ab. Valneva (FR0004056851) vereinbarte im Sommer mit der britischen Regierung die Lieferung von bis zu 100 Mio Dosen des Covid-Impfstoffkandidaten.

Doch wann könnte es soweit sein? Bakri von T. Rowe Price rechnet mit den ersten Impfungen im kommenden Frühjahr. Er hebt auch hervor, dass zumindest bislang das Coronavirus weitaus stabiler sei als jenes, das die Influenza verursache. „Dieser Umstand hilft bei der Suche nach einem Impfstoff.“ Und nicht nur. Auch die Impfung selbst werde dadurch erleichtert, wenn man wisse, dass das Virus bis dahin mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mutiere.

Gesunde Aussichten
Freilich, die Pandemie hat letzt-endlich die gesamte Gesundheitsbranche in den Fokus gerückt. Bakri meint, sie habe dabei auch zahlreiche Trends beschleunigt, etwa jener zur Telemedizin. „Mit dem ersten Lockdown vergangenen Frühjahr erlebte der Bereich einen massiven Anstieg.“ Immer mehr Menschen suchten dann ihren Arzt lieber virtuell auf, etwa via Videokonferenz oder entsprechender App via Smartphone. Ein Unternehmen, dass davon massiv profitierte, war zum Beispiel Teladoc Health (US87918A1051) aus den USA.

Bakri verweist aber noch auf weitere Chancen im Gesundheitssektor, die angesichts der Virus-Hype zuletzt weniger im Fokus standen. Dazu zählt etwa die Demografie. In vielen Teilen der Welt wird die Bevölkerung im Schnitt immer älter, mit entsprechenden Konsequenzen. Krankheiten wie Alzheimer nehmen zu. Immer mehr Firmen forschen deshalb in diesen Bereichen nach Therapien.

Geschickte Branchenplayer
Und wie können Anleger die Chancen nutzen? Besonders wacker schlägt sich der Fonds „MEDICAL BioHealth“ (LU0119891520), der laut dem Finanzdienstleister Morningstar allein auf zehn Jahre eine Wertentwicklung von mehr als 18 % p.a. schaffte. Auf ein Jahr liegt das Plus sogar bei fast 30 %. Fondsmanager Mario Linimeier investiert gut 37 % des Portfolios in Firmen, die an der Entwicklung von Krebstherapien mitwirken. Größte Positionen sind Neurocrine Biosciences (US64125C1099) und Iovance Biotherapeutics (US 4622601007).

Auch der „Polar Capital Healthcare Opportunities Fund“ (IE00B3 NM2Q33) kann sich gut halten und schaffte auf zehn Jahre einen Wertzuwachs von 18% p.a. Größte Positionen sind Johnson & Johnson (US4781601046) sowie Horizon Pharma (IE00BQPVQZ61).

Foto: Pixabay / whitesession

 

 

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Warten auf die Normalisierung

Tilmann Galler von JP Morgan AM rechnet mit einem Paradigmenwechsel an den Börsen.

Raja Korinek. Die Welt steht wieder Kopf. In Europa, aber auch in den USA schwappt gerade die nächste Corona-Welle über. „Damit nimmt der Stress auf das Gesundheitssystem zu“, konstatiert Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management. Die Welle hat aber auch Folgen für die privaten Haushalte, allen voran in den USA. „Denn dort lässt die staatliche Unterstützung nach. Ein neues Fiskalpaket ist nicht in Sicht.“ Folglich sinkt die Sparquote wieder, die jenseits des Atlantiks vor gut einem Dreivierteljahr ein historisches Hoch von rund 25 % erreicht hatte und zuletzt auf gut 12 % gesunken ist.

Europas Fiskalpolitik im Fokus
Etwas besser gefällt Galler das Umfeld in Europa. Da gebe es nach wie vor staatliche Unterstützungen. Auch der geplante Wiederaufbaufonds sei fixiert, „muss aber noch ratifiziert werden“. Positiv hebt Galler auch hervor, dass der Einkaufsmanagerindex in der Region wieder das Vorkrisenniveau erreicht habe.

Doch jenseits des Atlantiks sieht der JP-Morgan-Experte ebenfalls Lichtblicke: „Die Auftragseingänge steigen allmählich, während Lagerbestände abgebaut werden.“ Er meint, dass das der Wirtschaft Rückenwind verschaffen dürfte. Chinas Wachstum sei bereits über dem Niveau von vor der Pandemie. Überhaupt solle 2021 das Jahr der „Normalisierung“ sein, sobald auch ein Impfstoff gefunden sei.

Zinsniveau bleibt niedrig
Doch was passiert dann mit den Zinsen? Schließlich dürfte mit einem Anspringen der Konjunktur die Inflation wieder zulegen. Galler glaubt aber nicht, dass die Zentralbanken mit Anhebungen reagieren werden. Schließlich gehe es um die Finanzierbarkeit der Fiskalprogramme. „Das wird bei steigenden Zinsen schwieriger.“ Galler verweist auch auf den Kurswechsel der US-Notenbank im Sommer. Angesichts der Tatsache, dass die Inflation in den USA derart lange unter der Zielmarke von 2 % verharre, werde man künftig ein Überschießen über diese Marke eine Zeit lang tolerieren, bevor die Leitsätze angehoben würden, so die neue Strategie.

Anderswo kann sich Galler sehr wohl eine Veränderung vorstellen: Mit der Einführung eines Impfstoffes und der Belebung der globalen Konjunktur dürfte die Rotation von Wachstums- zu Value – sogenannten Substanzaktien – anhalten. Einen kleinen Vorgeschmack gab es bereits kurz nach der Erfolgsmeldung von Pfizer und Biontech zu einem Corona-Impfstoff am 9. November. Da legten Substanzaktien, etwa aus der Reisebranche, kräftig zu, während zahlreiche Technologieaktien nachgaben.

Dabei verdeutlicht ein Blick auf die Bewertungsdifferenz des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) zwischen jenem von Wachstumsaktien (rund 28) und jenem von Substanzaktien (rund 12) die Kluft, die sich seit der Erholungsrallye nach dem Märzcrash aufgetan hat.

Weil aber noch immer zahlreiche Unsicherheiten rund um die Einführung eines Impfstoffes bestünden, rät Galler zu einer balancierten Mischung zwischen den zwei Welten.

Begrenzte Bondchancen
Und wo sieht der Profi Ertragschancen auf der Bondseite? Galler rät zu einer Beimischung chinesischer Anleihen in lokaler Währung. Dort liegen die Renditen im Schnitt bei rund 3 %. In Europa verweist er auf Chancen bei Unternehmensanleihen aus dem Investment-Grade-Segment, „allerdings im unteren Bereich, daher mit einem Rating von einem BBB“. Wer sich das Risiko zutraue, könne sich auch in den Hochzinsbereich wagen. Dort rät Galler zu den höher bewerteten Bonds, um das Risiko in Grenzen zu halten.

Foto: Pixabay / 955169

 

 

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Versicherungsschutz fürs Homeoffice nachschärfen?

Klare Rollenverteilung der Verantwortlichkeit gefordert. Im Gespräch mit GPA-Juristen Michael Gogola.

Manfred Kainz. Spätestens jetzt mit dem zweiten harten Lockdown scheint es Gewissheit zu sein: Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben. Der dringenden Empfehlung der Bundesregierung, alles, was im Homeoffice machbar ist, auch so zu machen, werden Arbeitgeber und Arbeitnehmer wohl oder übel Folge leisten.

Im Rahmen des neuen Lockdown-Maßnahmenpaketes wurde für Mitarbeiter im Homeoffice die coronabedingte Sonderbestimmung des Unfallversicherungsschutzes bis Ende März 2021 verlängert. Von Gewerkschaftsseite wünscht man sich indes, dass diese oder eine vergleichbare Sonderregelung im Dauerrecht verankert wird. Begründung: Zwar seien Dienstnehmerarbeitsunfälle zu Hause jetzt geschützt. Aber die Judikatur könnte künftig, in hoffentlich „besseren Tagen“, wieder zur vorherigen Sichtweise, wonach zwischen überwiegend betrieblich und überwiegend privat genutzten Räumen unterschieden werden müsse, zurückkehren, warnt Michael Gogola, Jurist in der Grundlagenabteilung der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Und da haben die Arbeitnehmer die Beweislast bei Unfällen zu Hause. Denn grundsätzlich gilt: Ein Unfall gilt dann als Arbeitsunfall, wenn er in ursächlichem, zeitlichem und örtlichem Zusammenhang mit der Arbeitstätigkeit steht. Zu Hause verschwimmen die Grenzen zwischen betrieblich und privat; besonders die örtliche Abgrenzung ist schwierig. Die „rechtliche Würdigung“ im Einzelfall nimmt die AUVA vor und die war schon in guten Zeiten streng.

Entgrenztes Arbeiten
Die Frage Versicherungsschutz ja oder nein hat aber noch eine andere Dimension: das Dienstnehmerhaftpflichtgesetz. Was, wenn der Mitarbeiter den Laptop des Dienstgebers kaputt macht? Wer kommt für den Schaden auf? Zu Hause ist die „Risikosphäre“ anders als im Betrieb. Auch da müsse nachgeschärft werden, fordert GPA-Experte Gogola. Arbeitgeber sollen verpflichtet werden, eine Haftpflichtversicherung auf Betriebsmittel wie Laptops abzuschließen und bei Schäden nicht auf Dritte, also auf die Homeworker zuzugreifen. Es brauche eine „klare Rollenverteilung der Verantwortlichkeit“ statt einer schleichenden Verlagerung des wirtschaftlichen Risikos und der Kosten zu den Arbeitnehmern. Weil die Gefahr eines Informationsdefizits besonders auf der Dienstnehmerseite bestehe, sollen auf betrieblicher Ebene Bedingungen als gemeinsame Standards vereinbart werden, so die GPA. Und idealerweise sollte der gesetzliche Schutz für die „entgrenzte Form des Arbeitens“ ausgeweitet werden. Für die Absicherung bei Arbeitsunfällen genauso wie zur Frage: Wie kann „der Gesundheitsschutz am Küchentisch“ gewährleistet sein? Schließlich behaupten Chefs ja, dass die Produktivität ihrer Mitarbeiter im Homeoffice meist größer sei.

Arbeitnehmersicht
Dass das Thema virulent ist und bleibt, zeigt eine repräsentative Umfrage unter Beschäftigten zum Thema zeit- und ortsungebundenes Arbeiten (Homeoffice), durchgeführt vom IFES – Institut für empirische Sozialforschung im Auftrag der Arbeiterkammer im ersten Lockdown im April. Schon damals waren 42 % der Arbeitnehmer im Homeoffice. 70 % gaben an, dass sie auch nach der Corona-Krise öfter im Homeoffice arbeiten möchten. Unter den Regelungen zu Homeoffice mit dem Arbeitgeber nannten aber nur 13 % eine zusätzliche Unfallversicherung für das Homeoffice. Zwei Drittel (65 %) verneinten, dass eine solche bestehe und 22 % wussten es nicht. 45 % gaben an, dass es eine zusätzliche Unfallversicherung für das Homeoffice bereits vor der Corona-Krise gab, 35 % sagten, dass sie erst für die Corona-Krise aufgesetzt worden sei. Und 54 % antworteten, dass die neu eingeführten Regelungen mit dem Arbeitgeber zum Homeoffice auf die Dauer der Corona-Krise beschränkt seien und dann ablaufen. Nur 17 % glaubten, dass die Regelungen voraussichtlich auch nach der Corona-Krise bestehen bleiben würden.

Foto: AdobeStock / tookapic

 

 

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Der harte Lockdown hat uns wieder

Die Nationalbank untersuchte die bisherigen Maßnahmen im Jahr 2020.

Lea Schweinegger. Am vergangenen Samstag zog die heimische Politik, unterstützt von Experten aus Medizin und Wissenschaft, abermals die Reißleine. Man ahnte aufgrund der kontinuierlich steigenden Zahlen an den Tagen davor schon, dass der „Lockdown light“ nicht ausreichen würde und ein härterer Lockdown folgen könnte. Und jetzt sind wir bereits wieder mitten drinnen. Wie im Frühjahr ist zunächst bis Anfang Dezember alles, was nicht zur Grundversorgung gehört, mit Ausnahmen geschlossen und unser persönliches Leben massiv eingeschränkt.

Teil-Lockdown ein mildes Mittel
Abseits der medizinischen Frage sind aber natürlich auch die wirtschaftlichen Auswirkungen zentral. Über diese, und speziell jene im Teil-Lockdown, informierte in der vergangenen Woche die OeNB anhand ihres wöchentlichen BIP-Indikators im Rahmen einer virtuellen Pressekonferenz. Dabei zeigt sich, dass dieser (ab 3. November) einen wesentlich geringeren Schaden angerichtet hat als der erste große Lockdown im Frühjahr. Unser BIP schrumpfte um 7 % in der ersten Woche (2. bis 8. November) gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das bedeutet: „Die mit 3. November in Kraft getretenen gesundheitspolitischen Maßnahmen des Teil-Lockdowns sind weniger weitreichend als während des ersten Lockdowns im Frühjahr dieses Jahres“, so Vizegouverneur Gottfried Haber. Der Konjunktureinbruch ist somit deutlich geringer ausgefallen als während des ersten Lockdowns. Wobei das nur eine Bestandsaufnahme darstellt und die Konsequenzen der aktuellen strengeren Phase erst zu einem späteren Zeitpunkt analysiert werden kann.

Im Detail
Die Verluste betrafen im Teillockdown mehrheitlich tourismus- und freizeitnahe Dienstleistungen. Zu den besonders betroffenen Bereichen zählten aber auch diesmal die bereits davor hart getroffenen Beherbergungsbetriebe, die Gastronomie und Veranstalter aus den Bereichen Kultur, Freizeit und Sport. Speziell in den tourismus- und freizeitnahen Dienstleistungssektoren ist es zu starken Umsatzrückgängen von teilweise mehr als 50 % gekommen, was trotz Kurzarbeitsmodell auch zu Kündigungen führte. Diese Einbrüche zeichnen zusammen für fast den gesamten Rückgang der Wirtschaftsleistung in der Kalenderwoche 45 verantwortlich.

Unterstützungsmaßnahmen
War im Teil-Lockdown der Handel, speziell im Bereich des privaten Konsums, nicht von Geschäftsschließungen betroffen, so muss man nun abwarten, welche Auswirkungen der harte Lockdown, der von Montag auf Dienstag in Kraft getreten ist, auf die Branche haben wird. Die Regierung hat sich bereit erklärt, Umsatzeinbußen zwischen 20 und 60 %, zu kompensieren.

In der Gastronomie sind es bis zu 80 %. Kaum betroffen von den Maßnahmen sind der Produktionssektor und Güterhandel. Der grenzüberschreitende Güterhandel läuft weitgehend reibungslos. Und auch der über die heimische Post und Trafiken bzw. den stationären Handel vertriebene Börsen-Kurier erscheint selbstverständlich uneingeschränkt.

Wir Kunden entscheiden!
Am 7. Dezember soll aus heutiger Sicht für das Weihnachtsgeschäft wieder geöffnet werden. Wie und in welcher Form, wird sich erst weisen. Vor allem für den Handel ist das teilweise überlebenswichtig. Die Gastronomie hat sich sowieso schon damit abgefunden, dass es heuer und Anfang 2021 weder Weihnachtsfeiern noch Bälle geben wird. Im Gegensatz dazu zählen Firmen wie Amazon und Co. natürlich zu den ganz großen Profiteuren solcher Phasen. Wobei wir das als Kunden sehr wohl ein wenig steuern können!

Foto: Adobe Stock /Godideas

 

 

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Wachablösung in den USA: Was bedeutet das für Investoren?

Wachablösung in den USA: Was bedeutet das für Investoren?

Nach einem turbulenten Wahlprozess steht nun der Demokrat Joe Biden als Nachfolger von Donald Trump und 46. US-Präsident fest. Was bedeutet der Wechsel im Weißen Haus für Investoren? Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, erwartet, dass Biden in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit eine Reihe von Maßnahmen ergreifen wird:

Erstens: Neustart der US-Wirtschaft
„Mit der Einrichtung eines Beratungsausschusses für öffentliche Gesundheit hat Biden einen wichtigen Schritt in diese Richtung unternommen. Er plant auch, den Austritt der USA aus der Weltgesundheitsorganisation rückgängig zu machen. Im Rahmen seiner „Build, Back, Better“-Initiative plant er, die Infrastruktur des Landes mit rund 700 Milliarden US-Dollar zu fördern und „den amerikanischen Einfallsreichtum für den Aufbau einer modernen Infrastruktur und einer gerechten, sauberen Energiezukunft zu mobilisieren“. Diese Mittel werden sich wahrscheinlich auf bestehende Infrastruktur wie Brücken und Rechenzentren sowie Dekarbonisierung und erneuerbare Energien konzentrieren. Ein weiteres Paket in Höhe von 2 Billionen US-Dollar, das für eine „Revolution für saubere Luft“ vorgesehen ist, zielt darauf ab, die Wirtschaft bis höchstens 2050 netto emissionsfrei zu machen.“

Zweitens: Wiederbelebung von US-Allianzen
„Die internationalen Diplomatie-Bemühungen der USA sind unter Präsident Trump schwer erschüttert worden. Biden wird daran arbeiten, dies umzukehren, indem er die Beziehungen zur NATO repariert, dem Pariser Klimaabkommen wieder beitritt und die Beziehungen zu China stärkt.

An der Heimatfront plant Biden eine Zwei-Parteien-Kommission, die das Justizwesen überprüfen und zu weniger Inhaftierungen ermutigen soll. Er hat schon früher Parteigrenzen überschritten und angedeutet, dass er mit dem Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, zusammenarbeiten wird, um Ergebnisse zu erzielen.

Der entscheidende Punkt aus europäischer Sicht ist, dass wieder mehr Normalität in die transatlantischen Beziehungen einkehren dürfte.“

Was bedeutet das für Investoren?
„Der Regierungswechsel dürfte sich positiv auf Investments in chinesische Aktien und festverzinsliche Wertpapiere auswirken, da ein Großteil der Ungewissheit verschwindet und der Renminbi tendenziell aufwerten dürfte. Allerdings dürfte der neu gewählte Präsident sich auch recht sensibel gegenüber den 70 Millionen Wählern zeigen, die Trump bevorzugten. Dies lässt vermuten, dass sich der Druck auf China und in geringerem Maße auch auf Russland künftig verstärken könnte, wenn auch nicht mit einem Tweet nach dem anderen. Da der Renminbi extrem schwach ist, stehen die Chancen gut, dass China ihn aufwerten lässt, um koordinierte Vergeltungsmaßnahmen zu vermeiden.

Wir konzentrieren uns nach wie vor auf einen von China angeführten wirtschaftlichen Aufschwung, der sich auf den asiatisch-pazifischen Raum ausbreiten dürfte und der auf der aufstrebenden Mittelschicht und dem IT-Sektor in der Region fußt. Darüber hinaus dürfte sich der Wechsel im Weißen Haus auch sehr positiv auf neue Energien und aufkommende Technologien auswirken, die durch Initiativen in den USA und der EU unterstützt werden. Wir sind uns jedoch auch bewusst, dass einige der genannten fiskalischen Maßnahmen mit einem republikanischen Senat nur schwer durchsetzbar sein werden.“

 

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Weichenstellung für die US-Wirtschaft

Die Wahlen haben über den zukünftigen wirtschaftspolitischen Kurs entschieden.

Michael Kordovsky. Die Wirtschaftsdaten von Anfang 2017 bis Ende 2019 stellen Noch-Präsident Donald Trump kein schlechtes Zeugnis aus. In diesem Zeitraum ging die Arbeitslosenquote von 4,7 auf 3,5 % und somit den niedrigsten Stand seit Dezember 1969 zurück. Die Anzahl der Vollzeitbeschäftigten stieg von 2016 bis 2019 von 123,76 auf 130,6 Mio. Die US-Wirtschaft wuchs von 2017 bis 2019 im Schnitt um 2,6 % und auch an den Aktienmärkten ging es aufwärts.

Die Schwachpunkte
Riesige Versäumnisse in der Corona-Bekämpfung erfordern jetzt radikale Maßnahmen zur Seucheneindämmung, wie einen zwischen-zeitlichen Lockdown mit Ausgangssperren. Der „President-elect“ Joe Biden hat im Gegensatz zu Trump der Pandemieeindämmung großen Stellenwert eingeräumt. Ein möglicherweise bundesweiter Lockdown nach Amtsantritt am 20. Jänner 2021 würde eine tiefe Rezession im ersten Quartal 2021 bedeuten, mit der Begleiterscheinung der höchsten Arbeitslosigkeit seit den 30er-Jahren. Der einzige alternative Lichtblick wäre eine Pflichtimpfung gegen Corona auf dem gesamten Bundesgebiet der USA. Dies setzt allerdings einen sicheren Impfstoff voraus und harte Strafen inklusive Zwangsimpfung für Impfgegner, was volkswirtschaftlich betrachtet die bessere Alternative wäre.

Biden ist allerdings positiv für die Handelspolitik. Er sollte die Sonderzölle gegen Waren aus China und jene gegen Stahl- und Aluminiumprodukte aus der EU im Zuge einer wechselseitigen Zollsenkung wieder rückgängig machen. Der globale Handel würde wieder florieren und die Beziehungen der USA zu China und der EU würden sich wieder verbessern. Gewinner wären exportorientierte Firmen aus den USA, China und vor allem der EU (insbesondere Deutschland).

Der Weg zu einer klimaneutralen Wirtschaft
Eine der ersten Amtshandlungen Bidens wird die Rückkehr zu dem von Trump gekündigten Pariser Klimaabkommen. Während Trump der Ölindustrie große Förderspielräume vor allem in Bezug auf das umstrittene Fracking gewährte, wird dies Biden stärker einschränken. Unter Trump konnte die US-Ölproduktion kräftig ausgeweitet werden von täglich 8,8 Mio Barrel Ende Dezember 2016 auf 12,9 Mio Ende Dezember 2019. Unter Biden könnte die Produktion einen kräftigen Rückwärtsgang einlegen.

Gleichzeitig könnte im Zuge eines Nuklearabkommens der Iran wieder als Lieferant auf den internationalen Ölmarkt zurückkehren. Momentan liegt die Ölproduktion des Iran bei rund 1,96 Mio Barrel pro Tag, doch nach seiner Rückkehr könnten es langfristig durch-aus mehr als 4,0 Mio werden. Dieses zusätzliche Angebot würde auf den Ölpreis drücken.

Gleichzeitig sind weltweit E-Autos und die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien im Vormarsch, eine Entwicklung, die Biden in den USA aktiv fördern wird, wovon vor allem grüne Energieerzeuger, der E-Auto-Gigant Tesla und jene Autofirmen profitieren werden, die wie beispielsweise General Motors und Ford relativ zügig auf eine umweltfreundliche Produktpalette umstellen.

Auf der Rohstoffseite sollten Nickel, Aluminium und diverse Batteriemetalle stärker nachgefragt werden, was einschlägige Bergbauunternehmen beflügeln könnte.

Dollarabschwächung plausibel
Entwicklungen unabhängig vom – nach allen zu erwartenden juristischen Kämpfen – endgültigen Wahlsieger wären eine expansive Geld- und Fiskalpolitik zum Ausgleich der Corona-Krise. Die Fed hat erst kürzlich ihr Stabilitätsziel mit einem Durchschnittsinflationswert aufgeweicht und wird unabhängig vom Präsidenten ihre expansive Geldpolitik fortsetzen, so lange sie es als nötig erachtet. Langfristig erscheint somit eine weitere Dollarabschwächung gegenüber dem Euro durchaus plausibel, während die Aktienmärkte durch niedrige Zinsen und Konjunkturprogramme gestützt würden.

Foto: Adobe Stock / John Anders Wiken

 

 

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Der Kauf auf Knopfdruck boomt

Die Krise heizt den Handel im Internet noch weiter an. Das bietet interessante Chancen.

Raja Korinek. Für die meisten Menschen sind die jüngsten Maßnahmen zu weiteren Lockdowns wenig erfreulich. Vor allem in Europa wurde zuletzt eine Reihe neuer Verbote erlassen. Und da stellt natürlich auch Österreich keine Ausnahme dar. Unter anderem wird hierzulande in den kommenden Wochen das Shopping im Geschäft erschwert, da sich in diesem Zeitraum nur eine begrenzte Menschenmenge in solchen Räumlichkeiten aufhalten darf. Und wer nachts Hunger hat, muss sich das Essen vom Lieferservice zustellen lassen.

Freilich, solche gesellschaftlichen Entwicklungen rücken einmal mehr den Online-Handel verstärkt in den Mittelpunkt. Schon bislang konnte das Geschäft mit dem E-Commerce kräftig zulegen. Die Lockdowns kurbeln den Umsatz nun weiter an, wobei diese „Stütze“ noch länger erhalten bleiben dürfte. Denn ein Ende der Corona-Krise ist derzeit nicht in Sicht. Und damit sind auch die optimistischen Prognosen zur Branchenentwicklung beim Handel im Internet durchaus nachvollziehbar. Laut Statista dürfte der globale Umsatz im Onlinehandel in diesem Jahr die Marke von 2 Bio€ knacken. Bis zum Jahr 2024 könnte der Umsatz dann sogar auf rund 2,8 Bio€ anschwellen, immerhin eine rasante Steigerung in relativ kurzer Zeit.

China an erster Stelle
Hinzu kommen regional interessante Trends: Denn der größte Brocken entfällt mit mehr als 50 % auf China. Doch auch in den USA wird fleißig im Netz geshoppt, das Land rangiert auf Platz 2. Immerhin entspringen aus diesen Ländern auch die größten E-Commerce-Betreiber.

Allein aus dem Reich der Mitte hat sich Alibaba Group (ISIN: US 01609W1027) zu einem Weltkonzern gemausert. Der Onlinehändler betreibt zudem das Online-Auktionshaus Taobao sowie den virtuellen Bezahldienstleister Alipay. Im ersten Quartal 2020/21 per Ende Juni steigerte der Konzern den Nettogewinn gegenüber dem Vorjahreswert um 28 % auf 5,6 Mrd USD. Besonderes Highlight ist für den Konzern dabei der jährliche „Single‘s Day“, der stets am 11. November stattfindet. Allein im Vorjahr setzte Alibaba an diesem Tag 35 MrdUSD um.

Sondertage auch in den USA
Freilich, in den USA ist es der „Cyber Monday“, an dem viele Onlinehändler – allen voran Amazon (US 0231351067) – mit Schnäppchen locken. Der Tag findet stets am Montag nach dem traditionellen Erntedankfest (Thanksgiving) statt, somit heuer am 30.11. Schon die Zahlen zum 3. Quartal 2020 übertrafen dabei Analystenerwartungen. Allein das operative Ergebnis wurde gegenüber dem Vorjahreswert auf 3,2 MrdUSD verdoppelt – auch, weil das Geschäft mit Cloud-Dienstleistungen blüht.

Doch der E-Commerce umfasst noch viel mehr, etwa Essenslieferanten wie Delivery Hero (DE000A 2E4K43) und Hellofresh (DE000A 161408), sowie Zahlungsdienstleister wie Square (US8522341036). All diesen Aktien sind auch Teil des E-Commerce-Index, auf den die Bank Vontobel ein Strategiezertifikat anbietet (DE000VA6U9B9). Im Index sind insgesamt 28 Titel enthalten, die ein irgendeiner Form am virtuellen Handel ihr Geld verdienen.

Mit Risiko auf Alibaba
Anleger, die sich das Risiko zutrauen, können aber auch gehebelt auf die weitere Kursentwicklung von Alibaba setzen. Möglich machen es ein Turbo-Long-Zertifikate. Ein solches bietet etwa die UniCredit an (DE000HZ3AQP9). Hier liegt der aktuelle Hebel bei 2,755. Um diesen verändert sich der Kurs des Zertifikats im Verhältnis zum Basiswert. Wird allerdings die Marke von 209 USD berührt oder unterschritten, verfällt das Zertifikat.

Foto: Pixabay / justynafaliszek

 

 

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Europäische Aktien profitieren von strukturellen Trends

Ein Kommentar von Niall Gallagher, dem Investment Director für Europäische Aktien bei GAM.

(28.10.) In den vergangenen neun Monaten haben wir enorme Veränderungen beobachtet. Gleichzeitig bestehen eine Reihe längerfristiger konjunkturunabhängiger Trends, die durch die Ereignisse in diesem Jahr teilweise beschleunigt wurden und unseres Erachtens weiter an Dynamik gewinnen werden. Eine der wichtigsten Veränderungen ist die Verlagerung der Konsumausgaben von der Offline-Welt auf Online-Kanäle. Diese Entwicklung wird sich weiter fortsetzen. Darüber hinaus konnten wir beobachten, dass Asien diese Krise wesentlich besser bewältigte als viele europäische Länder oder die USA. Die ausgeprägte Verlagerung des globalen Konsums zur asiatischen Mittelschicht wurde ebenfalls beschleunigt. Das Konzept der Heimarbeit verdeutlichte die enorme Bedeutung des digitalen Wandels, der durch die diesjährigen Ereignisse weiter vorangetrieben wird. Die Nutzung digitaler Zahlungsmethoden anstelle von Bargeld verstärkte sich ebenfalls – die meisten Menschen bevorzugen die Verwendung einer Karte oder ihres Smartphones, anstatt physisches Geld in die Hand zu nehmen. Die globale Energiewende stellt ein weiteres Thema dar, von dem man vermutlich bereits im Rahmen der Pläne für den „besseren Wiederaufbau“ gehört hat. Die fiskalpolitischen Reaktionen einiger Regierungen lassen den Wunsch erkennen, mehr Geld für grüne Initiativen auszugeben, die zur CO2-Reduzierung beitragen. Wir schätzen diese Entwicklungen bereits seit geraumer Zeit als starke Kräfte ein, die insbesondere für europäische Aktien enorme Chancen bergen. Durch die Ereignisse der vergangenen neun Monate wurden diese Kräfte sogar zusätzlich verstärkt.

Brexit bleibt jedoch Unsicherheitsfaktor

Kurzfristig hängt jedoch nach wie vor der EU-Austritt des Vereinigten Königreiches wie ein Damoklesschwert über Europa. Die Mehrzahl der Anleger vernachlässigt allerdings das Thema Brexit mittlerweile und wünscht sich nur noch, dass die gesamte Thematik von der Bildfläche verschwindet. Tatsache ist, dass es sich bei den Verhandlungen überwiegend um Spiegelfechterei und politische Taktiererei handelt. Wir gehen davon aus, dass es letztlich zu einem Abkommen kommen wird. Die Umrisse des Deals sind meiner Meinung nach relativ klar. Tatsächlich kann niemand ein Interesse daran haben, sich ohne Vereinbarung zu trennen. Trotzdem lässt sich nicht ganz ausschließen, dass es zu keinem Abkommen kommt. Dies würde die Angelegenheit erheblich verkomplizieren. Andererseits sind wir davon überzeugt, dass der Großteil des Brexit-Schadens für die britische Wirtschaft bereits entstanden ist. Die Unternehmensinvestitionen im Vereinigten Königreich gingen massiv zurück. Nach dem Abschluss eines Abkommens könnten sie sich jedoch wieder schwungvoll erholen. In der Erwartung, dass ein Deal zustande kommt, beurteilen wir daher die Anlageaussichten für das Vereinigte Königreich als relativ positiv.

Wachsender Einfluss der Schwellenländer auf Europas Aktienmärkte

Derzeit stammen über 45 % der Umsatzerlöse des europäischen Aktienmarktes aus Europa und dementsprechend 55 % von außerhalb Europas. Davon entfallen wiederum nahezu 40 % auf die Schwellenmärkte – zum weitaus größten Teil auf Asien ohne Japan und insbesondere auf China. Der Einfluss der Schwellenländer auf die Entwicklung der europäischen Aktienmärkte entspricht damit der Bedeutung Europas. Zahlreiche Unternehmen werden von einigen der entscheidenden strukturellen Trends beeinflusst, die wir beobachten. Daneben finden wir zudem weitere Unternehmen, die zwar möglicherweise nicht von den gleichen strukturellen Trends angetrieben werden, jedoch selbst attraktiv und günstig bewertet sind. Der Blick in die Zukunft sowie in die unterschiedlichen Bereiche zeigt, dass die Aktien einiger Fluggesellschaften sehr interessant werden, sobald die Menschen wieder reisen. Die europäischen Aktienmärkte weisen somit zahlreiche Faktoren auf, die unser Interesse wecken.

Auswirkungen für die Portfolioallokation

Wir gehen in unserem Anlageprozess im Allgemeinen stilunabhängig vor. Aus der Bottom-up-Perspektive bedeutet das, dass wir uns beim Portfolioaufbau aller Stilkategorien bedienen können. So gibt es Phasen, in denen wir auf Wachstum setzen, während wir zu anderen Zeiten Substanzwerte bevorzugen. Dies wird weniger von der Top-down-Einschätzung, als vielmehr von den Ergebnissen unserer Bottom-up-Analysen bestimmt. Stilfaktoren sind dennoch sehr wichtig. Sie spielen nicht nur für die Diversifikation eine entscheidende Rolle, sondern insbesondere dann, wenn es ums „Stockpicking“ geht. Da sich die Struktur der Märkte verändert, ist es wichtig, einem Prozess zu folgen, der darauf ausgerichtet ist, Faktorrisiken zu minimieren, und sich nicht zu stark von Stilen beeinflussen zu lassen. Deren treibende Kräfte ändern sich, und eine zu starke Konzentration auf einen Anlagestil kann im Falle einer Stilrotation zu sehr nachteiligen Auswirkungen führen.

Foto: GAM

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Geglückte Emission der EU-Social-Bonds

Die Kommission verlautbarte die sehr erfolgreiche Anleihen-Platzierung.

Roman Steinbauer. Die ersten Anleihen-Emissionen der EU-Kommission aus dem „SURE“-Programm (steht für „Temporary Support to mitigate Unemployment Risks in an Emergency“) wurden am 20. Oktober platziert. Zur Premiere-Auktion wurden die mit „Social-Bonds“ betitelten Schuldscheine mit einem Volumen von 10 Mrd Euro (Laufzeit 2030) bzw. eine 7 Mrd-Euro-Emission (Laufzeit 2040) am Markt untergebracht. Die Investoren-Nachfrage war ausgesprochen stark, führte zu einer 13-fachen Überzeichnung, sodass eine erfolgreiche Preisbildung für beide Produkte (das Moody‘s-Rating beträgt Aaa) erzielt wurde.

Vor allem Papiere der längeren Laufzeit wurden mit einer um 14 Basispunkte höheren Notierung als der Mid Swap (Mittelwert aus den angebotenen und vorgeschlagenen Sätzen im Interbankenhandel bzw. der Wert, bei dem eine Bank im Allgemeinen bereit ist, gegen einen 6-Monats-Euribor zu tauschen, Anm.) gut aufgenommen. Als Konsortialführer fungierten Barclays, BNP Paribas, Deutsche Bank, Nomura sowie die UniCredit. Die „Social Bond“-Säule der EU-Kommission soll in Zukunft weiterentwickelt werden und im „Nachhaltigen Finanzmarktsegment“ eine starke Stellung erobern. Damit erfolgte der Startschuss zur Wiederaufbau-Finanzierung (Recovery Fund) diverser EU-Staaten. Weitere Platzierungen folgen im Jahr 2021.

Sechs Monate bis zum Konsens
Das durch 27 EU-Mitgliedsländer gedeckte Hilfsprogramm von mehr als 87 Mrd Euro ist für den Finanzbedarf von 17 Staaten (Ungarn wurde erst am 7. Oktober miteinbezogen) der Gemeinschaft vorgesehen und auf 100 Mrd Euro erweiterbar.

Der Hilfstopf kann in Form von Krediten durch jene Mitgliedsstaaten in Anspruch genommen werden, deren öffentliche Ausgaben zur Sicherung der Beschäftigung durch Covid-19- Maßnahmen (wie Kurzarbeit) massiv anstiegen. Eine Zweckbindung ist zudem für Gesundheitsmaßnahmen am Arbeitsplatz sowie für Kosten zur Rückführung zur „normalen“ Wirtschaftsaktivität vorgesehen. Die zur Verfügung gestellten Beträge sind durch die Mitgliedsländer (in der Gewichtung durch den BIP-Anteil in der Gemeinschaft und basierend auf das EU-Budget 2020) besichert. Grundlage dafür ist die getroffene Vereinbarung zur gegenseitigen Unterstützung, zusätzliche Finanzressourcen durch Kredite zu ermöglichen.

Vom Anstoß der Initiative am 2. April bis zur Schaffung der Rahmenbedingungen (19. Mai), der Quantifizierung des Volumens (25. August), der Nennung der in Anspruch nehmenden Staaten (25. September) bis zur Klärung der Finanzhilfe an Ungarn (7. Oktober) nahm der Zeitrahmen bis zur Krisen-Liquiditätsbeschaffung sechs Monate in Anspruch.

Dauerhafte Kompetenzausweitung
Einer Veröffentlichung der EZB zufolge brachte EZB-Präsidentin Christine Lagarde Gedanken ins Spiel, den geplanten EU-Wiederaufbaufonds als dauerhaftes Instrument zu etablieren, um in weiteren Krisen konjunkturelle Stützungen bereit zu stellen. Damit soll im Notfall rasch auf einen gefüllten Haushaltsvorrat zugegriffen werden können. Die bisherige Zurückhaltung zur Debatte einer ergänzenden gemeinsamen europäischen Finanzpolitik (zur bestehenden Währungspolitik) wurde damit in Frankfurt aufgegeben. Spannungen mit einigen EU-Regierungen sind damit so gut wie vorprogrammiert. Dazu strebt Lagarde raschere Auszahlungsmodalitäten an und betonte die Notwendigkeit der Kommission, die Gelder aus dem Aufbaufonds Anfang 2021 auszuzahlen. Durchgewunken ist die Initiative aber noch nicht: Manfred Weber verknüpft als Fraktionschef der EVP im europäischen Parlament weiterhin die Auszahlung mit Fragen rechtsstaatlicher Kriterien.

Foto: Pixabay / rygrech

 

 

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Die Zukunft der US-Tech-Aktien

Bram van Santen, Portfolio-Manager bei Aegon Asset Management, kommentiert den vergangenen Amazon Prime Day und die Zukunft der US-Tech-Aktien.

(14.10.) Der Amazon Prime Day (heuer am 13. Und 14.10., Anm.) hat mittlerweile nahezu die gleiche Größenordnung wie der Black Friday. Grund sind vor allem die schnell wechselnden Trends. Die Pandemie hat Veränderungen im Verbraucherverhalten verstärkt, die bereits vor dem Ausbruch des Coronavirus einsetzten. Einer dieser Trends ist der Übergang zu einer digitalen Wirtschaft.

Unternehmen, die für diesen Trend bereits in der Vergangenheit gut positioniert waren, konnten bereits stark davon profitieren. Doch niemand profitierte mehr als die fünf größten Unternehmen im S&P 500, die so genannten „Megacap“-Aktien, Facebook, Apple, Amazon, Microsoft und Alphabet. Diese machen etwa 20 % des S&P 500 aus und bestimmen im Wesentlichen die Performance des Index. Die Megacaps haben bis heute eine erstaunliche Jahresrendite von +37 % erzielt, während andere Sektoren bestenfalls einen Bruchteil davon erreicht haben.

Im Vergleich dazu sind Aktien in anderen Regionen, wie z.B. der STOXX Europe 600, bis heute im Jahresvergleich rückläufig. Der STOXX Europe 600 hat eine hohe Gewichtung in den Sektoren der „traditionellen Wirtschaft“ wie Finanzen, Verbrauchsgüter und Industriewerte. Die bisher negativen Jahresrenditen in Europa könnten darauf hindeuten, dass Aktienanleger weniger Vertrauen in diese Art von Sektoren haben und sich stattdessen effektiv an das neue wirtschaftliche Umfeld anpassen.

Wir erwarten, dass sich diese Trends in Zukunft fortsetzen und den US-Technologieunternehmen dauerhaften Rückenwind geben werden. Dennoch könnten auch die wertschöpfungsintensiven Sektoren des STOXX Europe 600 einen Aufschwung erleben, sobald die Hauptsorgen um die Pandemie verblassen, die Weltwirtschaft wieder richtig in Schwung kommt und die realen Renditen wieder auf das Niveau vor dem Corona-Virus zurückfallen. In diesem Fall könnten wir eine Trendwende erleben, von der die Zykliker profitieren könnten.

Foto: Aegon AM

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Mit nur wenig Geld zum Erfolg

Mit Fonds- und Aktiensparplänen auch von schlechten Zeiten profitieren.

Julia Kistner. „Aktien werden in den kommenden fünf Jahren voraussichtlich niedrigere Erträge liefern als in den vergangenen zehn Jahren. Die Bewertungen sind in dieser Phase des Konjunkturzyklus hoch. Das Wirtschaftswachstum dürfte mäßig ausfallen und die Gewinnmargen der Unternehmen stehen nach wie vor unter Druck“, gibt Luca Paolini, Chefstratege der Schweizer Fondsgesellschaft Pictet, einen schaumgebremsten Aktienausblick. Andererseits sind wegen der ultralockeren Geldpolitik der Notenbanken die Zinsen weltweit auf dem Gefrierpunkt.

Wie kann man langfristig dennoch mehr aus seinem Vermögen machen? „Sparpläne sind hier das Genialste, was es gibt. Man bekommt in billigen Phasen mehr Fonds- oder Aktienanteile für das gleiche Geld“, schwärmt etwa Hendrik Leber, Gründer der ACATIS Investment KVG, gegenüber dem Börsen-Kurier.

Günstigere Durchschnittspreise
Bei Fonds- oder Aktiensparplänen investiert man Monat für Monat den gleichen Betrag in dasselbe Ansparprodukt. So erwirbt man für das gleiche Geld in schlechten Börsenzeiten mehr, in Boomphasen weniger Aktien beziehungsweise Fondsanteile und profitiert von durchschnittlich günstigeren Preisen, dem sogenannten „Cost-Average“-Effekt. „Man muss nicht mehr versuchen, das richtige Timing zu erwischen – das ohnehin sehr schwierig zu treffen ist“, meint auch Philipp von Königsmarck von Legal & General Investment Management. „Und grundsätzlich gilt: Je länger ein Sparplan läuft und je volatiler das gewählte Produkt ist, desto besser eignet sich ein Sparplan.“

Vorsicht Spesenfalle
Theoretisch kann man auch nur 20 oder 30 Euro pro Monat ansparen. Da aber oft Mindestspesen pro Transaktion anfallen, ist hier der Renditevorteil gegenüber einem Sparbuch schnell zunichte gemacht. Allerdings bieten Online-Broker für Ansparprodukte ihrer Partner oft auch spesenfreie Sparpläne an. In jedem Fall sollten die Mindestspesen pro Transaktion deutlich ermäßigt sein.

Ansparen mit Fonds
Ansparen kann man zwar auch auf Einzelaktien. Eine bessere Risikostreuung bekommt man aber mit Fonds, die auf viele und unterschiedliche Wertpapiere setzen, je nach Risikoneigung, Branche- oder Ländervorlieben. Egal, ob man einen Indexfonds oder ein Produkt mit aktivem Fondsmanager wählt, man sollte dies sorgfältig tun. Während etwa der MSCI All Country Index die Weltbörsen möglichst genau nachbildet, gewichtet der MSCI World Index die US-Börsen stärker. Der MDAX spiegelt die deutsche mittelständische Wirtschaft besser wider als der Leitindex DAX, in dem fünf Aktien – SAP, Linde, Siemens, Allianz, Deutsche Telekom – mehr als 40 % der Gewichtung ausmachen. In Europa sieht Pictet-Mann Paolini gute Chancen für deutsche Aktien aufgrund guter Fundamentaldaten und weiteren Raum für fiskalen Stimulus.

Um vom Zinseszins-Effekt stärker zu profitieren, sollte man eine thesaurierende Fondsvariante wählen, die nicht ausschüttet, sondern Dividenden wieder veranlagt.

Weitere Börsen-Kurier-Tipps: Laut Analysen fährt man günstiger, wenn man immer am 15. eines Monats den Sparplan aufstockt, als wenn man regelmäßig zu Beginn oder am Ende eines Monats einbezahlt.

Wie viel bei regelmäßiger Einzahlung etwa nach fünf bis zehn Jahren realistisch rausschauen kann, lässt sich etwa mit dem Sparrechner auf www.finanzen-rechner.net abschätzen.

Foto: Pixabay / moritz320

 

 

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Worauf es in den Emerging Markets jetzt ankommt

Chinas Covid-Krisenmanagement macht das Land wieder zum interessanten Investment.

Raja Korinek. Allmählich hellen sich die wirtschaftlichen Nachrichten wieder auf. Zwar steigen die Infektionszahlen weiter an. Dennoch geht der Internationale Währungsfonds (IWF) davon aus, dass der Konjunktureinbruch heuer nun doch nicht so heftig ausfallen dürfte wie ursprünglich befürchtet. Demnach sollte die globale Konjunktur um 4,4 % anstelle von 5,2 % einbrechen. Dabei gibt es sogar Regionen, die selbst in diesem Umfeld ein Plus verzeichnen dürften. Allein für China rechnet der IWF mit einem BIP-Wachstum von 1,9 %. 2021 dürfte es bei sogar bei 8,2 % liegen.

Die Zuversicht ist freilich nachvollziehbar. Schließlich hatte das Reich der Mitte die Ausbreitung der Corona-Pandemie früh eingedämmt, weshalb auch die Wirtschaft rasch aus dem strengen Lockdown entlassen wurde. Und das hinterlässt ebenso positive Spuren auf dem Aktienmarkt in der Region, zeigt Anita Frühwald, Country Head BNP Paribas Asset Management Austria & CEE, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier auf. Dabei haben sich vor allem einige Aktien aus dem Bereich des E-Commerce als wichtige Zugpferde erwiesen. Denn auch in China hat die Pandemie den Trend zu Online-Shopping nochmals beschleunigt.

Technologie als Zugpferd
Überhaupt setzt die Wirtschaft im Reich der Mitte zunehmend auf den Einsatz moderner Technologien. „Damit wird natürlich die Produktivität erhöht“, unterstreicht Frühwald. Sie verweist auch auf die zahlreichen Stützungsmaßnahmen seitens der Regierung, die ebenso zu einer Erholung der Konjunktur beitrugen. Obendrein legten die Exporte zuletzt wieder kräftig zu, wie aus den Daten vom September hervorging.

Doch nicht alle Regionen in den Schwellenländern können auf eine derart fulminante Trendwende verweisen. „Es gibt Länder, die noch immer stark mit der Pandemie zu kämpfen haben, aber auch mit einer steigenden Schuldenlast“, erklärt die Marktexpertin.

In diesem Zusammenhang stechen etwa Indien sowie Brasilien hervor. Zu allem Überfluss seien indische Aktien inzwischen recht teuer bewertet. „Das birgt bei einem entsprechenden Investment ein zusätzliches Risiko“, mahnt Frühwald, differenziert in den Regionen vorzugehen.

Politik als Sorgenkind
Wenig optimistisch zeigt sie sich auch in Hinblick auf die volkswirtschaftlichen Entwicklungen in der Türkei sowie in Argentinien. Tatsächlich stehen in beiden Ländern die enormen Staatsschulden, gepaart mit politischen Turbulenzen, im Fokus vieler Anleger: „Weitere Kursverluste sind in den Regionen nicht ausgeschlossen.“

Doch wie sehen die konkreten Marktdaten aus? Im Vergleich zu den entwickelten Ländern seien die Schwellenländer relativ günstig, konstatiert Frühwald. Sie meint, das sei zu einem guten Stück auf die insgesamt besseren wirtschaftlichen Fundamentaldaten in den entwickelten Ländern zurückzuführen. Der MSCI-Emerging-Markets-Index weist derzeit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf die kommenden zwölf Monate von rund 15,5 auf. Das Wachstum beim aggregierten Gewinn je Aktie wird derzeit auf knapp mehr als

15 % geschätzt. Im Vergleich dazu liegt das 12-Monats-KGV beim MSCI-Weltindex, der sich aus Industrienationen zusammensetzt, bei 21,22. Das geschätzte Wachstum beim Gewinn je Aktie liegt hier bei 39,91 %.

Fazit
Aufholpotential gibt es in den Schwellenländern. Dieses sollte jedoch möglichst anhand eines aktiven Managements genutzt werden, um von den unterschiedlichen Wachstumschancen geschickt zu profitieren und Turbulenzen möglichst zu glätten.

Foto: AdobeStock / gui yong nian

 

 

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Entscheidende Jahre für Volkswagen

Ein Hoffnungsträger für den Konzern: Der Elektro ID.3.

Stefan Riedel, München. (22.10.) Am Ende hat sich das lange Verhandeln ausgezahlt. Für 3,7 MrdUSD übernimmt Traton (ISIN: DE000TRATON7) den Bus- und Truckhersteller Navistar. Mit dieser Akquisition baut die Tochter von Volkswagen (DE0007664039) ihre Marktposition bei den Schwerlastern in den USA aus, wo bisher Daimler (DE0007100000) klar den Ton angibt. Auf dem Heimatmarkt Deutschland haben die Wolfsburger Autobauer dagegen Tesla (US88160R1014) den Kampf angesagt. 33 Mrd Euro will Volkswagen in der nach eigenem Bekunden „größten E-Offensive in der Autoindustrie“ investieren, um den Siegeszug des Platzhirschs bei den Elektroautos abzubremsen. Bis zu 75 reine Elektro-Modelle sollen bis 2029 als Serienproduktion am Standort im sächsischen Zwickau vom Band gehen. Ähnlich wie bei den konventionellen Antrieben bildet ein modularer Baukasten die technologische Basis. Den Anfang machte der Mittelklassewagen „ID.3“, von dem die ersten Modelle Mitte September ausgeliefert wurden. Mit dem „ID.4“ soll ein Elektro-SUV folgen.

VW muss hier auch in den nächsten Monaten positiven Schlagzeilen liefern, um das durch den Dieselskandal beschädigte öffentliche Image dauerhaft zu verbessern. Nach den Autokäufern und Aktionären wollen auch Anleihegläubiger auf Entschädigung klagen. Streitwert: 4 Mrd Euro. Am 25. Feber 2021 soll der Betrugsprozess gegen den ehemaligen Vorstandschef Martin Winterkorn beginnen.

Im operativen Geschäft hat Volkswagen nach dem Corona-Schock wieder in die Spur gefunden. Zum Monat Juli lag die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge nur knapp unter den Werten der Vorjahre. „Vorsichtig optimistisch ins zweite Halbjahr“ blickte das Management bei der Präsentation der Halbjahreszahlen. Ob und wie stark der Autobauer vor allem auf der Ertragsseite wieder Fahrt aufgenommen hat, wird das Zahlenwerk für das dritte Quartal zeigen, welches der vom Börsenwert viertgrößte DAX-Konzern am 29. Oktober präsentieren wird.

Die Volkswagen-Aktie zählt zu den günstigsten in ihrer Branche. Während Tesla auf 350 Mrd Euro Börsenwert kommt, bringt es VW auf knapp ein Fünftel davon. Aber auch gegenüber Daimler (DE0007100000) und BMW (DE0005190003) schneidet die Aktie gut ab. Mit dem 2021er-KGV von 6 sind Negativszenarien eingepreist. Und für 2022 erwarten die Analystenschätzungen ein Gewinnwachstum von 24 %. Darüber hinaus notiert die Aktie fast zur Hälfte unter ihrem Buchwert. Daimler und BMW sind mit fast 10 bzw. 9 deutlich höher bewertet. Dazu sind die Aktien dieser beiden Premiummarken zuletzt bereits gut gelaufen.

Bei Volkswagen könnten dagegen positive Ergebnisse und Verkaufszahlen den zuletzt weitgehend seitlich laufenden Aktienkurs wieder anschieben.

Foto: wikimedia / Alexander Migl

 

 

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Lohnen sich Öl-Aktien noch?

Zukunft offen, aber günstige Bewertungen bieten aktuell gute Einstiegsmöglichkeit.

Patrick Baldia. Umfangreiche Investitionen in die erneuerbare Energieerzeugung, eine Reduzierung der Öl- und Gasförderung bei gleichzeitigem Fokus auf eine hochwertige Förderung sowie 30 bis 35 % weniger Emissionen aus den eigenen Betriebsaktivitäten. So lässt sich in groben Zügen die von BP-CEO Bernard Looney im August vorgestellte Strategie bis 2030 zusammenfassen. Bis dahin möchte man sich zu einem völlig anderen Energieunternehmen entwickeln.

„Den Energieunternehmen ist klar, dass sie mittel- und langfristig einen Beitrag zur Eindämmung der Erderwärmung leisten müssen“, erklärt uns Hannes Loacker, Fondsmanager in der Raiffeisen KAG. Zumindest seitens der europäischen Player habe man Schritte gesehen, die in diese Richtung gehen. Dazu gehören etwa – wie im Falle von OMV, ENI oder BP – die Forcierung des Gasgeschäfts, mit dem weniger CO2-Emissionen verbunden wären. Die Unternehmen würden aber auch bei der Produktionstechnik Fortschritte machen bzw. diese auf weniger CO2-Emissionen ausrichten.

Beispielsweise will etwa die norwegische Equinor bis 2030 den Geschäftsanteil erneuerbarer Energien auf 10 bis 15 % steigern. Total hat bereits vor einigen Jahren den vierten Geschäftsbereich „Gas, erneuerbare Energie und Strom“ geschaffen und zuletzt das Ziel ausgegeben, den Anteil erneuerbarer Energie an den Gesamtinvestitionen bis 2030 auf 20 % steigern zu wollen. Royal Dutch Shell möchte wiederum verstärkt auf Wasserstoff und Biokraftstoffe setzen. Und auch die OMV bekräftigte – wie der Börsen-Kurier berichtete – bei der Hauptversammlung Ende Oktober ihre einschlägige und durchaus ambitionierte Strategie.

Trotz aller ernst gemeinter Bestrebungen ist dennoch nicht zu erwarten, dass die Energieunternehmen ihre Geschäftsmodelle vollständig über den Haufen werfen und zu reinen Erneuerbare-Energie-Playern werden. „Viele Konzerne haben auch zuletzt kommuniziert, dass Öl und Gas weiterhin ihr Hauptgeschäft bleiben wird“, so Loacker. In vielen Bereichen – wie etwa in der Chemie – werde Öl noch sehr lange ein wichtiger Rohstoff bleiben.

Auf kurze Sicht wird daher die konjunkturelle Entwicklung weiter-hin der maßgebliche Faktor für die Ölnachfrage bleiben. Laut einer Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA) wird diese – Covid-19 sei Dank – vor 2021 nicht steigen. Was erwarten die Unternehmen selbst? Die OMV hat etwa bei der HV ihre langfristige Ölpreisprognose – konkret ab 2035 – von 75 USD pro Fass der Sorte Brent auf 60 USD gesenkt. Nach 50 USD im kommenden Jahr, wird 2022 und 2023 von einem Ölpreis von 60 USD ausgegangen. Zwischen 2024 und 2029 soll dieser auf 65 USD ansteigen.

Loacker rechnet in den nächsten fünf Jahren nochmals mit einem „relativ deutlichen Anstieg“ der Ölnachfrage. „Aus dem einfachen Grund, dass in den letzten Jahren zu wenig investiert wurde“, sagt er. Um 2025 herum könnte das Angebot – „möglicherweise zum letzten Mal“ – vorübergehend knapp werden. Ab 2030/35 werde die Nachfrage voraussichtlich jährlich zurückgehen. Nachsatz: „Ab diesem Zeitpunkt wird es also zunehmend schwieriger werden Ölaktien zu einem Investment-Case zu machen.“

Noch ist das allerdings nicht der Fall. Wenn man davon ausgehe, dass sich der Ölpreis in der kommenden Dekade erhole, so wären Energieunternehmen derzeit günstig bewertet, meint Loacker. „Vor allem mit europäischen Öl- und Gasunternehmen könnte man Geld verdienen“, so der Experte.

Foto: Adobe Stock / Sodel Vladyslav

 

 

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Betriebliche Altersvorsorge – Pflicht oder Kür?

Ein Gastkommentar des Experten für betriebliches Vorsorgewesen Thomas Wondrak.

(08.10.) In Corona-Zeiten wird viel über die Einschränkungen unserer Freiheit diskutiert. Maßnahmen, die für unsere Gesundheit, Sicherheit und Grundversorgung notwendig sind, gehen sehr oft mit Beschränkungen unserer Rechte einher. Sei es durch Tempolimits auf unseren Straßen, Enteignungen zum Bau des Stromnetzes oder durch Einschränkungen der Demonstrationsfreiheit zum Schutz der Allgemeinheit vor der Übertragung des Corona-Virus.

Keine sachliche Diskussion
Wenn der freie Markt nicht funktioniert, das Allgemeinwohl über dem Wohl des Einzelnen zu stehen hat oder die Menschen vor sich vor sich selbst geschützt werden müssen, greift die Gemeinschaft respektive der Staat ein. Im Vorsorgebereich ist dies der Fall und es wird seit Jahren über die Finanzierbarkeit und auch über die künftige Art der Finanzierung (staatlich, betrieblich oder privat) diskutiert und eine oft parteipolitisch motivierte, wenig sachliche Diskussion geführt.

Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach in ihrer Rede zur Eröffnung der Plenartagung des Europäischen Parlaments von der „Vollendung der Kapitalmarktunion in der EU“ und legte auch gleich einen neuen Aktionsplan dazu vor: „starke marktbasierte Altersvorsorgesysteme können die gesetzliche Altersversorgung ergänzen, vorausgesetzt sie sind breit angelegt und inklusiv gestaltet.“

Zur Umsetzung dieses Zieles wird als erste Maßnahme noch im Herbst 2020 eine Studie zur Frage einer automatischen Mitgliedschaft in betriebliche Altersvorsorgesysteme (bAV) beauftragt. Klares Ziel der Kommission ist es, eine kapitalmarktorientierte Ergänzung in der Vorsorge zu schaffen.

Die heimische Abfertigung Neu
Den Bedenken, dass ein Zwang zur bAV nicht mit unseren Freiheitsrechten vereinbar sei, wird dadurch entgegengetreten, dass der Einzelne ein Opting-out-Recht haben soll. In Österreich wird argumentiert werden, wir hätten mit der „Abfertigung Neu“ bereits ein verpflichtendes bAV-System. Auf Grund der Auszahlungsmöglichkeiten, die von den Österreichern nur allzu gern im Anspruch genommen werden, kann man aber nicht von einem echten bAV-System sprechen. Lediglich ein verschwindend kleiner Teil wird tatsächlich für die Vorsorge im Alter verwendet.

Wenn neben der staatlichen Pension (die sicherlich durch die corona-bedingte Arbeitsmarkt- und Wirtschaftskrise stärker unter Druck geraten wird), weitere Säulen aufgebaut werden sollen, dann muss dies konsequent und sinnvoll passieren. Das bedeutet: eine signifikante, aber immer noch leistbare Beitragshöhe, extreme Beschränkung der vorzeitigen Auszahlung von Vorsorgegeldern und nachhaltige, ökologische Veranlagung der Gelder.

„Grüne“ Gelder
In Österreich werden fast 100 % der veranlagten „Abfertigung Neu“-Gelder und ein stark steigender Anteil des in den privaten Pensionskassen liegenden Vermögens „grün“ veranlagt. Damit ist der Bekämpfung der Klimakrise, dem Schutz vor (Kinder-)Ausbeutung, der Verringerung der Waffenproduktion und der Nachhaltigkeit in der Produktion gleichermaßen geholfen.

Eine EU-weite Regulierung hat den Vorteil, Ausgewogenheit im Wettbewerb herzustellen, die Altersvorsorge auf stärkere und diversifizierte Beine zu stellen und gleichzeitig andere wichtige Ziele im Interesse nachfolgender Generationen anzusteuern.

In der Pflicht
Was uns trotz der Initiative der Kommission nicht erspart bleiben wird, ist eine sachliche und auf Fakten basierte Diskussion in Österreich über unsere Pensionssysteme. Auf die Fragen der Verteilung der Lasten, die schwierigen Fragen der Finanzierung und die Entscheidung über die geeigneten Steuerungsmaßnahmen durch Förderungen, wird uns die EU keine Antworten liefern, die werden wir wohl selbst finden müssen.

So sehr wir Menschen auch hilfsbereit, altruistisch und mitfühlend sein können, in der Frage der Altersvorsorge werden wir wohl mehr Pflicht brauchen. Diese Einschränkung der Freiheit ist gegen die angemessene Versorgung aller Menschen im Alter, bei Krankheit und bei Tod abzuwägen.

Foto: Schroetter

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Virtuelle HV als „neues Normal“?

Sonderregelung soll bis Ende 2021 verlängert werden.

Christiane Süßel, Frankfurt. In Zeiten, in denen eine zweite Corona-Welle das öffentliche Leben möglicherweise wieder lahmlegt, schlägt die Debatte um die Verlängerung der Ausnahmeregelung zu virtuellen Hauptversammlungen (HV) Wogen. Ende März hatte die deutsche Bundesregierung im Zuge des ersten Lockdowns Aktiengesellschaften das Abhalten von Online-Hauptversammlung ermöglicht. Bislang war hierfür eine Satzungsänderung notwendig. Mit der Aushebelung der Zustimmung der Aktionäre konnten in diesem Jahr alle DAX-Werte mit Ausnahme von Infineon und Siemens, die ein gebrochenes Geschäftsjahr haben, ihre Aktionärsversammlungen ins Netz verlegen und blieben so beschlussfähig.

Rückblickend bilanziert Daniel Bauer, Vorstandsvorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), die heurige Saison im Gespräch als „sehr ruhig“. Einerseits hätten sich die Aktionäre sehr zurückgehalten und die Unternehmen andererseits bemüht, das reduzierte Format für alle erträglich zu gestalten. Da das Format keinerlei Diskussionen zugelassen habe, seien die Hauptversammlungen jedoch nicht informativ gewesen, kritisiert Bauer. Die schärfsten Kritikpunkte: Die Aktionäre müssen ihre Fragen an den Vorstand zwei Tage zuvor einreichen. Es besteht keine Chance, auf den Vortrag des Managements zu reagieren oder Nachfragen zu stellen. Bauer: „Eine Diskussion kommt somit nicht zustande.“ Ad hoc könnten auch keinerlei Gegenanträge oder Sonderprüfungsanträge gestellt oder das festgelegte Abstimmungsverhalten kurzfristig geändert werden. Der SdK-Vertreter: „Die Eigentümer werden also völlig entrechtet und das Management hat die volle Kontrolle.“

Das sieht die Unternehmensseite anders. Bayer war der erste DAX-Konzern, der seine HV in den virtuellen Raum verlegt hat. Da man auf keinerlei Erfahrungswerte zurückgreifen konnte, war die Vorbereitung intensiver als für eine Präsenz-HV, erzählt ein Sprecher dem Börsen-Kurier. Mit dem Ergebnis sei der Konzern sehr zufrieden. In der Spitze zählte Bayer rund 5.000 Zuschauer – mehr als bei Präsenz-Veranstaltungen. Die Präsenzquote lag mit 64 % auf dem Niveau einer normalen HV. Auch die 245 eingereichten Fragen der Aktionäre lagen über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. Sie wurden ohne Ausnahme beantwortet, unterstreicht Bayer. Dabei lagen die Kosten am Ende bei weniger als 30 % einer Präsenz-HV. Bayer geht davon aus, dass es auch 2021 keine Präsenz-HV geben kann und begrüßt daher die aktuellen Pläne des Bundes, das Notgesetz zu verlängern. „Wir prüfen derzeit sehr konkret, wie den Aktionären weitere Mitwirkungsmöglichkeiten bei einer virtuellen HV eingeräumt werden können“, erklärt Bayer.

Dennoch kreidet Bauer mit Blick auf die geplante Verlängerung des Notgesetzes bis Ende 2021 an, dass es technisch längst möglich wäre, den Aktionären virtuell dieselben Rechte wie bei einer Präsenz-HV einzuräumen. Er sieht einen mangelnden Willen des Gesetzgebers, der „anscheinend gerne den Forderungen bestimmter Lobbygruppen nachgibt.“ Aber der Aktionärsschützer räumt auch ein: „Der virtuellen Hauptversammlung gehört die Zukunft, das ist klar.“ Sie habe zweifelsohne auch Vorteile, dürfe aber eben nicht zu einer Beschränkung der Aktionärsrechte führen.

Foto: Adobe Stock / eugenepartyzan

 

 

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„Prozesse sind nicht auszuschließen“

Homeoffice wirft Versicherungsfragen auf. Experten warten gespannt, wie erste Fälle entschieden werden.

Manfred Kainz. Es ist schon Teil der „neuen Normalität“ geworden, ob man will oder nicht: das Homeoffice. Wir kennen es selbst oder von anderen: Laptop am Küchentisch, Videokonferenz mit Wohnzimmerregalen im Hintergrund. Ein Konferenzmoderator mit Humor meinte: In so viele fremde Wohnungen habe er bisher noch nie blicken können. Eigene Arbeitszimmer zu Hause waren wohl noch nie so hochgeschätzt wie in der Corona-Zeit. Mit oder ohne einem solchen: Arbeitszeit und Nichtarbeitszeit verschwimmen immer mehr.

Und das schafft Fragen rechtlicher Natur. Deshalb haben sich Politik und Sozialpartner zum Auftrag gesetzt, die neuen Herausforderungen der Homeoffice-Welt, die vom traditionellen Arbeits- und Sozialrecht nicht abgedeckt sind, gesetzlich außer Streit zu stellen. Zeitplan: bis nächstes Frühjahr. Bis dahin kann aber viel passieren.

Abgrenzungsschwierigkeit
Beispiel: War die Frage „Was gilt als Arbeitsunfall?“ schon in der „alten“ Berufswelt keineswegs immer klar beantwortbar (schlag nach bei den Kriterien der AUVA), so kommt jetzt die Frage „Unfall zu Hause berufsbedingt oder nicht?“ dazu. Stürzen am Weg vom Laptop bzw. Schreibtisch in die Küche, Verunfallen beim Schneeräumen vorm eigenen Haus, damit der Kunde herein kann … Die Abgrenzung, was berufsbedingt ist und was nicht, ist schwierig.

Wenn man sich bei Unternehmen umhört, so scheint die diesbezügliche Absicherung der Mitarbeiter kein großes Thema zu sein. Ein Manager einer großen Versicherungsgesellschaft meinte im Gespräch: Mobiles Büro „ist ein riesengroßer, ungeregelter Graubereich“, sogar in seinem eigenen Haus (!). Wenn man mögliche Unfallszenarien des Mobile Office durchdenkt, sei vieles unklar, was die Abgrenzung, Beweislast und (finanzielle) Absicherung betrifft. Deshalb empfiehlt (nicht nur) er eine private Unfallversicherung.

Staatliche Versicherung
Wohl auch, um finanziell nicht ganz abhängig von der Sozialversicherung zu sein, genauer: von der gesetzlichen Unfall- und Pensions-/Invaliditätsversicherung. Erstere zahlt, das heißt, man bekommt eine Leistung der AUVA, wenn diese den Unfall als Berufs-/Arbeitsunfall, also während des Dienstes, anerkennt. Da gab es aber schon Aha-Erlebnisse und böses Erwachen. Und die verschwimmenden Grenzen im Homeoffice machen es noch schwieriger.

Leistung aus der gesetzlichen (Invaliditäts-)Pensionsversicherung gibt es zwar jedenfalls – unabhängig davon, ob es ein Arbeitsunfall ist oder nicht – im Falle von Erwerbsunfähigkeit bzw. Invalidität als Folge eines Unfalls. Aber das große finanzielle Füllhorn darf man sich da nicht erwarten.

Privat vorsorgen
Praktiker erwarten jedenfalls, dass mit Homeoffice die Zahl der Unfälle zu Hause zunehmen wird. Denn im homeworking tun sich neue „Stresssituationen“ auf, die man aus dem Büro nicht kennt. Solche neuen Stressfaktoren erhöhen die Unfallwahrscheinlichkeit in den eigenen vier Wänden.

Und so hält auch Ewald Maitz, mehrfacher Buchautor zu Schadens-, Haftpflicht- und Unfallversicherung, Schadenexperte und bei Finanzdienstleistern bzw. Versicherungsvermittlern auch bekannt als Gründer der Datenbank www.versdb.at, im Gespräch mit

dem Börsen-Kurier den Abschluss einer privaten Unfallversicherung jedenfalls für sinnvoll – mit einer „ordentlichen“ Invaliditätsleistung. Bei so einer Versicherung gebe es keinen Streit, ob Arbeitsunfall oder Privatunfall. Und eine private Rechtsschutzversicherung kann auch nicht schaden, falls man wegen eines Homeoffice-Unfalls mit der Sozialversicherung streiten muss, oder vor dem Arbeitsgericht, wenn es Differenzen mit dem Dienstgeber gibt.

Beweisführung
Was im Zusammenhang mit Homeoffice bleibt, ist die Schwierigkeit der Beweisführung, dass es ein Unfall „im Dienst“ oder „am Weg zur Arbeit“ (zum Laptop) war. Prozesse sind nicht auszuschließen. Maitz: „Es wird spannend, wie erste Fälle entschieden werden.“

Foto: Adobe Stock / Ekaterina

 

 

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Krisenfeste Aktien für den Herbst

Weltweit immer mehr Lockdowns verunsichern Anleger. So kann man sich schützen.

Michael Kordovsky. Achtung: Die Karten werden neu gemischt. Der Biotech-Hype weicht wieder einer gewissen Ernüchterung, zumal die Konkurrenz bei Corona-Impfungen und -Medikamenten groß ist. Darüber hinaus werden Corona-Tests und Schutzmasken zu einem hart umkämpften Massengeschäft.

Weiterhin im Aufwind ist der Versand- und Interneteinzelhandel, der in der EU alleine in den Monaten Juni und Juli im Jahresvergleich um je 28,6 bzw. 19 % wuchs. Neben der in den DAX aufgestiegenen Delivery Hero (Online-Bestellplattform für Essen), Zalando und Amazon.com erscheinen Paketzusteller wie UPS und FedEx interessant. Zalando verkauft nun auch neuwertige gebrauchte Kleidungsstücke und ist somit auf schlechte Zeiten gut eingestellt. Im ersten Halbjahr 2020 stiegen

die Umsatzerlöse um 19,6 % auf 3,56 Mrd€ und der operative Cashflow von 84,6 auf 125 Mio€. Das für 2024 erwartete KGV liegt angesichts der Wachstumsdynamik bereits bei akzeptablen 24,9. FedEx konnte indessen im vergangenen Quartal (endete 31.8.) bei 13,3 % Umsatzwachstum den Gewinn/Aktie von 2,84 auf 4,72 USD steigern und das Forward-KGV für 2021/22 liegt bei günstigen 15,4.

Im weiteren Verlauf einer erneuten Krise könnten defensive Werte wie Pharmaunternehmen mit breiter Produktpalette wie z.B. Sanofi und Roche, Hersteller von Reinigungsmitteln und Nahrungsmittelproduzenten als „Stabilisatoren“ in den Portfolios gesucht sein. Sanofi überzeugte laut Zacks Investment Research in den vergangenen drei Quartalen mit drei positiven Gewinnüberraschungen in Folge. Analysten haben in den vergangenen 60 Tagen die Gewinnprognosen 2021 pro Aktie von 3,76 auf 3,87 nach oben revidiert, woraus ein zu erwartendes akzeptables KGV von 13,1 resultieren würde. Roche bietet indessen Ertragskontinuität und hat von 2016 bis 2019 den Gewinn/Aktie um 11,5 % p.a. gesteigert.

Es ist ein anhaltend hoher Pegel an Desinfektionsmittelnachfrage und Nachfrage nach diversen Hygiene- und Reinigungsprodukten im Haushalt zu erwarten. Noch über Aufholpotenzial verfügt Kimberly Clark (Seifen- und Desinfektionsspender, Hygiene-Artikel-Marke „Kleenex“) mit einem für 2021 geschätzten KGV von 18,4.

Im Bereich Nahrungsmittel und Getränke sollten Hersteller und Vertriebe von Produkten bevorzugt werden, die zu Hause konsumiert werden können und weniger abhängig sind von Gastronomie und Großveranstaltungen. Das gilt beispielsweise für die US-Bauernmarkt-Kette Sprouts Farmers Market, die vom zunehmenden Gesundheitsbewusstsein profitiert und in der Lage war, von 2015 bis 2019 ihren Cashflow von 240 auf 355 MioUSD zu steigern. Selbst im zweiten Quartal 2020 gab es noch 16 % Umsatzplus! General Mills gilt indessen mit mehr als 100 Marken auf sechs Kontinenten und einer Palette von Frühstücksflocken und Fertiggerichten als krisensicheres Unternehmen, das mit einem für 2021/22 erwarteten KGV von 16,1 auch in schlechten Zeiten über einen „Sicherheitspolster“ verfügt.

Ein Klassiker mit Mineralwasser, Eistee, Tiefkühlpizza, Eis, Kaffee und Tierfutter ist Nestlé, deren freier Cash Flow und Gewinn/Aktie im Zeitraum 2015 bis 2019 um je 4,6 bzw. 7,4 % p.a. gesteigert werden konnten.

Zwar sinkt der Stromverbrauch in Lockdown-Phasen, doch Ökostrom wird laufend gefördert und die Erzeuger können in schlechten Zeiten zu einem gewissen Grad auch Kosten anpassen. Deshalb sollte auch ein Blick auf Werte wie Verbund oder die dänische Orsted geworfen werden.

Foto: AdobeStock / photoschmidt

 

 

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Warum „Mischen“ gegen Turbulenzen hilft

Auch wenn Aktien langfristig hohe Erträge versprechen, sollte man auf Bonds nicht verzichten.

Raja Korinek. Für Anleger, die gerade vor der Entscheidung stehen, auf diesen Niveaus Aktien oder
lieber mickrig verzinste Bonds zu kaufen, ist es jetzt noch kniffliger geworden. Vergangenen Donnerstag bekräftigte nun auch die US-Notenbank ihre Entscheidung, die Zinsen noch lange niedrig zu halten. Umso mehr spricht einiges dafür, die Entscheidung zur Vermögensaufteilung auf Aktien und Anleihen den Experten von Mischfonds zu überlassen.

Bei diesen Produkten gibt es dabei unterschiedliche Ausrichtungen. Entscheidet man sich für „defensiv“, ist der Anleiheteil meist recht hoch. Das Gegenteil stellt die „offensive“ Variante dar, bei der die Aktienquote meist sehr hoch ist. Und die goldene Mitte bildet die „ausgewogene“ Variante, bei der grundsätzlich auf eine recht ausgewogene Aufteilung geachtet wird.

Goldene Mitte
„Anleger, die sich für diese Variante entscheiden, legen ganz bewusst Wert auf eine ausbalancierte Fondsaufteilung in sicherheits- und ertragsorientierte Anlageklassen“, präzisiert Kurt Eichhorn, Fondsmanager des Rententeils im „Kepler Vorsorge Mixfonds“ (ISIN: AT0000722640), der in die Kategorie „ausgewogen“ fällt. Dabei bilde der Anleiheteil in einem ausgewogenen Mischfonds, der in der Regel zur Hälfte in riskanteren Assets investiert, die stabile und schwankungsarme Basis, ergänzt der Marktexperte.

Wie das in der Praxis aussieht? Beim Kepler-Fonds liegt die strategische Gewichtung zwischen 65 % Anleihen und 35 % Aktien. Ähnliche Breiten lassen freilich auch Mitbewerber in dieser Kategorie zu. „Eine taktische Abweichung von 5 % ist aber möglich“, verweist Eichhorn auf seinen Spielraum, den er aber nicht allzu sehr ausreizt, wie er sagt. Er meint auch, die größte Herausforderung bei Mischfonds liege stark in einer guten Steuerung der Gewichtung von Aktien und Anleihen. „Dabei sehen wir im Langfristvergleich, dass es nicht unbedingt Vorteile bringt, zu stark von den strategischen Gewichtungen abzuweichen:“

Anleiheinvestments werden knifflig
Vor allem das Zinstief stellt den Profi bei der Anleihenselektion vor große Herausforderungen. Wie er sie meistert? Er sagt: „Neben klassischen Staatsanleihen werden wir bei inflationsgeschützten Anleihen fündig.“ Doch nicht nur. Unter anderem zählen auch Schwellenländer- und Bankanleihen der-zeit zum Bestand. „Unser Ansatz ist betont mittel- bis langfristig ausgerichtet. Kurzfristige Nachteile werden in Kauf genommen.“

Abseits der drei Einstufungen gibt es aber noch eine Kategorie, die in der Regel als „flexibel“ bezeichnet wird. Solche Mischfonds können grundsätzlich die Aktienquote auf 100 % hinauffahren, wenn das Management besonders zuversichtlich für diese Anlageklasse eingestellt ist.

Beachtlicher Goldanteil
Einer, dem solche Einschätzungen schon auf viele Jahre erfolgreich gelingen, ist Bert Flossbach, er ist Fondsmanager des „Flossbach von Storch – Multiple Opportunities II“ (LU1038809395). Er betont gegenüber dem Börsen-Kurier, dass der Aktienanteil mindestens 25 % beträgt. Aktuell liegt der Aktienanteil bei knapp mehr als 70 %. Was hinzu kommt: Flossbach investiert einen Teil auch in Goldinvestments, die Quote beträgt derzeit immerhin fast 10 %. Und das aus gutem Grund. Flossbach sagt, „in der Corona-Krise gibt es unter den Vermögenswerten auch Gewinner. Gold gehört dazu“.

Freilich, welchen Risikoanteil sich Anleger zutrauen, müssen sie selbst entscheiden. Doch insge-samt sollte man trotz der jüngsten Markthausse nicht auf eine vernünftige Mischung verzichten.

Foto: AdobeStock / lassedesignen

 

 

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Klimawandel: nicht alle Risiken eingepreist

Die Folgen der Erderwärmung werden sich früher oder später in den Kursen aller Unternehmen spiegeln.

Patrick Baldia. Dass der Klimawandel drastische Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft hat, wird von Jahr zu Jahr klarer. „Während sich die Folgen des Klimawandels früher kaum gezeigt haben und in erster Linie von der Wissenschaft thematisiert wurden, sind sie heute für eine breite Öffentlichkeit greifbar, wie das etwa aktuell die Waldbrände an der US-Westküste zeigen“, bringt es Walter Hatak, Leiter des ESG-Teams bei der Erste Asset Management (EAM), auf den Punkt. Dadurch steige letztlich auch der Druck auf die Politik, etwas zu unternehmen bzw. entsprechende Pakete zu verabschieden.

Trotz der erhöhten Aufmerksamkeit für den Klimawandel sind sogenannte „Transionsrisiken“ wie etwa steigende Preise für CO2-Emissionen oder veränderte Konsumentenpräferenzen bislang nur in den Kursen einiger weniger Sektoren eingepreist, wie etwa bei Ölwerten. Dass die Branchenplayer dieses Thema auf der Agenda haben, zeigen etliche Beispiele: So will sich die OMV mit der Akquisition der Borealis verstärkt in der Petrochemie- und Kunststoffindustrie positionieren. BP hat wiederum erst vor wenigen Tagen bekanntgegeben, künftig das emissionsarme Strom- und Gasgeschäft ausbauen zu wollen.

Dass der Klimawandel bislang nur auf die Bewertungen ausgewählter Sektoren – und vor allem jener, die mit stark erhöhten Transitionsrisiken konfrontiert sind – erhebliche Auswirkungen gehabt hat, hat für Maria Elena Drew, Director of Research Responsible Investing bei T. Rowe Price, einen guten Grund, wie sie dem Börsen-Kurier verrät: „Der Klimawandel hat sich noch nicht besonders stark in den kurzfristigen Cashflows des breiten Marktes niedergeschlagen.“ In vielen Fällen würden etwa Versicherungen Risiken abdecken. Gleichzeitig hätten viele Regierungen noch nicht damit begonnen, Unternehmen für Beschleuniger des Klimawandels zu regulieren oder zu besteuern.

Gesamtes Anlageuniversum betroffen
„Wir glauben, dass die Bewertungen früher oder später die Risiken des Klimawandels – ebenso wie die damit verbundenen Chancen – widerspiegeln werden“, hält Drew fest. Davon werde das gesamte Anlageuniversum betroffen sein – allerdings mit unterschiedlicher Intensität. Denn selbst wenn die globale Erderwärmung innerhalb einer Bandbreite von +1,5 oder +2 Grad Celsius gehalten werden kann, würden sich beispielsweise steigende Meeresspiegel, die zunehmende Häufigkeit von Stürmen, stärkere und häufigere Hitzewellen sowie längere Vegetationsperioden auf die Investmentlandschaft auswirken.

Für Experten besteht jedenfalls kein Zweifel daran, dass Klimarisiken beim Investieren berücksichtige werden sollten. „Unternehmen, die mit einem niedrigen oder gar keinen CO2-Fußabdruck wirtschaftlichen Nutzen schaffen können werden in einer Welt mit zunehmenden Umweltschutzbestimmungen besser positioniert sein als ihre Mitbewerber“, sagt etwa Drew. In die gleiche Kerbe schlägt auch Hotak. „Da CO2-Emissionen höhere Kosten durch steigende Steuern verursachen, ist es klar, dass jene Unternehmen, die denselben Umsatz mit weniger Treibhausgasemissionen produzieren, im Vorteil sind“, sagt er.

Einen Zeitrahmen zu definieren, bis wann bestimmte Risiken eingepreist sein könnten, ist für EAM-Fachmann Hotak sehr schwer. „Manchmal überraschend lange“, meint er. Das habe man etwa im Falle von Covid-19 gesehen. Zu Marktbewegungen sei es erst gekommen, als das Virus in Europa sichtbar wurde. Und noch etwas sei klar – wie auch das Beispiel der Waldbrände an der US-Westküste vor Augen führt: „Man braucht klare Bilder, um sich der Risiken des Klimawandels bewusst zu werden.“

Foto: Pixabay / geralt

 

 

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Das Globalisierungspendel schwingt zurück

Die Welt verändert sich und mit ihr auch die Warenströme – Globalisierung ist nicht mehr das Hauptthema

Patrick Baldia. Die Globalisierung hat ihre Spitze überschritten – und zwar nicht erst seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie. Davon gehen zumindest etliche Studien und Analysen aus. Auch wenn bestehende Verflechtungen weiter-hin aufrecht bleiben dürften, so wachse die Welt in wirtschaftlicher Hinsicht nicht weiter zusammen, heißt es etwa in einem Report der Weltbank, der Ende 2019 veröffentlicht wurde.

Dahinter stehe – neben einem veränderten politischen Umfeld – vor allem die Tatsache, dass viele Unternehmen ihre Produkte bereits global produzieren, was wenig Spielraum für weitere Vertiefungen mit sich bringe.

Auch eine aktuelle Analyse von Amundi Asset Management kommt zum Schluss, dass das Globalisierungspendel zurückschwingt – konkret seit mehr als einer Dekade. Das würden nicht zuletzt die Entwicklung der weltweiten ausländischen Direktinvestitionen nahelegen. Diese wären seit ihrem Höhepunkt im Jahr 2007 um 60 % zurückgegangen. Bei grenzüberschreitenden Finanzströmen sehe es ähnlich aus. „Der unerwartete Pandemie-Ausbruch hat diese Entwicklung nur beschleunigt“, so Alessia Berardi, Head of Emerging Markets Macro bei Amundi Asset Management, zum Börsen-Kurier.

„Als Reaktion auf die aktuelle Gesundheits- und Wirtschaftskrise überdenken viele Länder ihre Strategien hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Vernetzung, ihrer Autonomie in strategisch bedeutenden Branchen oder bei der Versorgung mit Konsumgütern – und verstärken so den Trend zur Deglobalisierung“, so Berardi weiter. Als Beispiel verweist sie auf den Gesundheitssektor. So hätten die USA zuletzt mehrere Maßnahmen ergriffen und Fördermittel freigesetzt, um die heimischen Produktionskapazitäten im Gesundheitssektor zu erhöhen, und damit eine weitere Linie der Konfrontation mit China geschaffen.

Was bedeutet diese Entwicklung für die Finanzmärkte?
Mit der Globalisierung werden bekanntlich zunehmende Korrelationen innerhalb der Anlageklassen und zwischen geografischen Regionen. „In Finanzkrisen ist allerdings häufig zu beobachten, dass die Korrelationen zwischen einzelnen Märkten deutlich ansteigen, was durch die Analyse der Fundamentaldaten nicht mehr erklärt werden kann“, so Berardi. Dieses Phänomen der „Ansteckung“ sei für Anleger sehr relevant. Schließlich wollen sie von einer Streuung ihrer Geldanlage auf unterschiedliche Risiken profitieren.

Jörg Zeuner, Chefvolkswirt bei Union Investment, ist der Ansicht, dass eine reduzierte Integration der Weltwirtschaft nicht dazu verleiten sollte, weniger international zu investieren. „Im Gegenteil: Die durch die Corona-Krise in Europa zementierten Niedrigzinsen und die hiesige Schwäche im Technologiebereich machen eine internationale Ausrichtung der Portfolios zwingender denn je“, sagt er. Die Deglobalisierung könnte auch den regionalen Gleichlauf von Investments, die Korrelation reduzieren. Nachsatz: „Das bedeutet, dass Diversifikationsvorteile steigen.“

„Anleger sollten von einem traditionellen ausgewogenen Portfolio Abstand nehmen, wenn sie in den nächsten fünf Jahren attraktive einstellige Realrenditen erzielen wollen“, so Luca Paolini, Chefstratege von Pictet Asset Management. Er empfiehlt Anlegern daher vermehrt – neben alternativen Anlagen, inflationsgeschützten Staatsanleihen und Absolute-Return-Strategien – in den Schwellenländern anzulegen.

Schwellenländeraktien haben sich in den vergangenen Wochen relativ gut entwickelt. Auch manche Fonds haben sich gut geschlagen. Mit den Top fünf im aktuellen Ranking der besten Schwellenländer-Aktienfonds von e-fundresearch waren seit Jahresbeginn zwischen 28 und 15 % drinnen. Bei den fünf besten fünf Schwellenländer-Hartwährungs-Anleihefonds steht wiederum eine Performance zwischen 6 und 1 % zu Buche. „Auf der Suche nach real positiven Renditen drängen sich Emerging-Markets-Hartwährungs-Anleihen für Investoren nahezu auf“, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG. Ein Risiko sieht sie dennoch für die Assetklasse: einen neu auflodernden Konflikt zwischen den USA und China.

Foto: AdobeStock / Eisenhans

 

 

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Platzt die Tech-Blase?

(22.09.) Nach atemberaubenden Kursgewinnen in diesem Jahr verlor der US-Technologiesektor innerhalb von nur vier Handelstagen rund 10 Prozent, setzte wieder zur Erholung an und steht seither sehr unter Beobachtung. Stuart Canning, Multi-Asset-Spezialist bei M&G Investments hat Argumente gegen den Pessimismus:

„Seit Beginn dieses Jahres legte der New York Stock Exchange FANG+ Index um 85 Prozent zu. Zeitweise notierte er sogar 50 Prozent über seinem Höchststand vor der Corona-Krise. Verständlicherweise hatte dies bereits einige Marktbeobachter skeptisch werden lassen. Es war davon die Rede, dass diese Bewegungen sehr viel mehr mit der Jagd nach Rendite zu tun hätten als mit der Realität.

Doch es gibt auch sehr gute Argumente, die gegen diese pessimistische Sichtweise sprechen. Die überdurchschnittliche Entwicklung des US-Marktes und des US-Technologiesektors ist weder neu noch für eine Welt im Lockdown völlig realitätsfremd. Wir sollten zudem äußerst vorsichtig sein und nicht etwa glauben, dass der Markt oder gar ein bestimmter Sektor „dumm“ wären.

Mehrere Gründe für scheinbar irrationales Marktverhalten
Besonders auffällig war, dass sich die Kurse von US-Technologieaktien im August stark überdurchschnittlich entwickelten, obgleich schon seit Monaten keine relative Outperformance der Gewinne mehr erkennbar war. Im Gegenteil: Die Gewinne sind zuletzt sogar leicht gesunken. Interessant ist, dass Anleger darum nach Argumenten suchten, um ihre Präferenz für diese Aktien zu rechtfertigen. Gern wurde dabei angeführt, dass Technologieunternehmen häufig Vermögenswerte „mit langer Duration“ darstellen und ihre Kurse auch deshalb steigen, weil die Zinssätze sinken. So nachvollziehbar dieses Argument auch ist, schauen wir uns als Anleger mit einem verhaltensorientierten Ansatz lieber genauer die Fälle an, in denen Inkonsistenzen zu Tage treten. Warum, zum Beispiel, ist der Faktor Duration für Technologietitel wichtig, für andere erklärte Wachstumsbereiche des Marktes aber nicht? Warum sollte dies erklären, dass der Nasdaq im August um 10 Prozent zulegte, obgleich die Renditen der langfristigen US-Staatsanleihen stiegen?

Tatsächlich sind niedrige Zinsen wohl möglicherweise eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung, um die extreme Neubewertung zu rechtfertigen. Eine Analyse von AQR Capital Management hat die empirische Beziehung zwischen der Duration und der Faktor-Performance untersucht und festgestellt, dass es eine solche Relation praktisch nicht gibt.

Kursentwicklungen spiegeln fundamentalen Hintergrund wider
Bemerkenswert ist auch, dass die jüngste Korrektur in vielen Kommentaren als etwas Notwendiges und letztlich als gut für den Technologiesektor begrüßt wurde. Derartige Argumente muten stets etwas eigen an, können uns aber etwas verraten: Dahinter steckt der Wunsch, sich selbst etwas einzureden. Das kann bereits ein Hinweis darauf sein, dass Anleger hier nicht besonders rational agieren und sich beispielsweise mehr von ihren Gefühlen und Vorlieben leiten lassen.

Bei der Analyse des Marktes sollten wir aber diese sehr kurzfristigen Verhaltensmuster nicht mit breiteren Trends verwechseln. Wir haben zwar starke Kursgewinne und eine beachtliche Neubewertung erlebt, doch diese spiegeln nach unserer Einschätzung zum Großteil den fundamentalen Hintergrund wider.

Viele Kommentare sind nach wie vor skeptisch: Mancher vergleicht die Situation heute mit der Technologieblase der späten 1990er Jahre, obwohl die Lage in Bezug auf die zugrunde liegende Rentabilität und das aktuelle Zinsniveau eine ganz andere ist.

Ein großer Teil dieses „blasen-ähnlichen“ Kursverhaltens war tatsächlich erst seit wenigen Monaten zu beobachten und ist inzwischen auch gar nicht mehr in dieser Form gegeben. Wir dürfen nicht vergessen, dass Anleger bei Investments, die schwieriger zu bewerten sind, grundsätzlich mit einer höheren Volatilität rechnen müssen. Dies gilt mit Sicherheit für viele Technologietitel – heute mehr denn je.“

Foto: M&G

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Neue strukturelle Arbeitslosigkeit?

Heute wie damals ist die hohe Arbeitslosigkeit ein großes Problem für die Vereinigten Staaten.

Michael Kordovsky. Während in Europa Kurzarbeitsmodelle eine höhere Arbeitslosigkeit verhindern, sieht es in den USA düster aus. Im Euroraum ist von April bis Juli 2020 die Zahl der Arbeitslosen nur moderat von 11,942 auf 12,793 Mio gestiegen. Somit hat sich die Arbeitslosenquote in einem überschaubaren Ausmaß, nämlich von 7,4 auf 7,9 % (verglichen mit 7,5 % im Juli 2019), verschlechtert. Dabei sind die Arbeitslosenquoten in der Corona-Zeit relativ gleichmäßig quer durch die EU-Mitgliedsstaaten angestiegen. Die höchsten Arbeitslosenquoten wiesen im Mai Griechenland (17 %), Spanien (15,8 %) und Schweden (9,4 %) auf, während sie in Tschechien mit 2,7 % am niedrigsten ist, gefolgt von Polen (3,2 %), Deutschland und Bulgarien (je 4,4 %). Solange Kurzarbeitsmodelle laufen, Steuer- und Sozialversicherungsschulden und teilweise auch Mieten gestundet werden, sind keine größeren Anstiege zu befürchten. Erst wenn diese Programme und Stundungen auslaufen, dann kann es gefährlich werden.

Massenarbeitslosigkeit in den USA
Wesentlich schlechter sieht es in den USA aus, wo weltweit die meisten Corona-Fälle bekannt sind und durch hohe Arbeitslosigkeit Kaufkraft und Konsum gedrosselt werden. In diesem Zusammenhang gilt es zu bedenken, dass der private Konsum in den USA für rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung verantwortlich ist.

Wie weit es fehlt, kann aus dem jüngsten US-Arbeitsmarktbericht für August abgelesen werden: Im August liegt die Anzahl der Arbeitslosen mit 13,55 Mio noch um 7,76 Mio über dem Level von Feber. Zwar liegt die Arbeitslosenzahl um 2,79 Mio unter dem Wert des Vormonats, doch die Zahl der neu geschaffenen Stellen war von Juli auf August von 1,734 auf 1,371 Mio rückläufig, während Volkswirte noch 1,518 Mio neu geschaffene Stellen erwarteten. Zwar erholt sich die Wirtschaft vom ersten Lockdown im Frühjahr, doch die Regierung hat per Saldo 344.000 (also am meisten) Stellen geschaffen, während nur 248.900 auf den Einzelhandel fielen. 174.000 Jobs wurden im Bereich Freizeit und Gastronomie geschaffen, jedoch in der Produktion nur 29.000, während in der Motorfahrzeug- und Ersatzteil-Branche per Saldo sogar 5.300 Stellen verschwanden. Conclusio: Die Erholung steht auf wackeligen Beinen.

Der Anteil der Arbeitsmarktteilnehmer am gesamten Arbeitskräftepotential (Partizipationsrate) ist zwar von 61,4 auf 61,7 % gestiegen, liegt aber noch immer unter dem Niveau von August 2019 (63,2 %). Es sind nicht mehr alle auf den Arbeitsmarkt zurückgekehrt. Eventuell haben bereits zahlreiche Teilnehmer die aktive Arbeitssuche aufgegeben.

Langzeitarbeitslose im Vormarsch
Ein weiterer Trend ist die strukturelle Arbeitslosigkeit. Während das Hochfahren der Wirtschaft nach dem Lockdown dazu führte, dass die Anzahl der fünf bis 14 Wochen lang Arbeitslosen um gut zwei auf 3,13 Mio zurückging, stieg von Juli auf August die Zahl jener, die schon seit mindestens 27 Wochen arbeitslos sind um 123.000 auf 1,624 Mio. Bereits in den vergangenen Monaten ist diese Zahl kontinuierlich angestiegen. Die Anzahl der 15 bis 26 Wochen lang arbeitslos Gemeldeten ist von Juni auf Juli von 1,903 auf 6,484 Mio gesprungen und stieg im August leicht weiter an, nämlich um 33.000 auf 6,52 Mio Einwohner.

Die Firmen nützen die Corona-Krise nun, um die Digitalisierung und auch Automatisierung voranzutreiben. Dies steigert ihre Effizienz und senkt Kosten. Die Verlierer: Arbeitskräfte, vor allem mit niedrigerer bis mittlerer Qualifikation. Nimmt man die Arbeitsmarktteilnehmer im Mindestalter von

25 Jahren her, so liegt bei jenen ohne High-School-Abschluss die durchschnittliche Arbeitslosenquote im August bei 12,6 %, jene der Marktteilnehmer mit entsprechendem Abschluss bei 9,8 % und bei jenen mit Universitätsabschluss bei nur 5,3 %. Diese Entwicklung erklärt auch die scheinbar starken Anstiege der Stundenlöhne. So sind nämlich die durchschnittlichen Stundenlöhne des Privatsektors um 4,9 % auf 24,81 USD gestiegen. Erklärung: Es fielen gegenüber dem Vorjahr mehr niedrig bezahlte Jobs als hochwertige qualifizierte Stellen weg, die meist ins Homeoffice ausweichen konnten.

Fazit: Die Kluft zwischen „Arm und Reich“ wird in Corona-Zeiten noch größer und aus der Forcierung der Digitalisierung wird mittelfristig eine höhere strukturelle Arbeitslosigkeit hervorgehen, weshalb ein Rückgang der US-Arbeitslosenquote von 10,2 % im Juli auf 8,4 % im August kein Anlass zu verfrühten Optimismus gibt, zumal vor einem Jahr die Arbeitslosenquote bei 3,7 % lag.

Foto: US Information Agency

 

 

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Neuer Vorstoß gegen doppelte Diskriminierung

Die Vorsorge mittels Altbauwohnungsvermietung wird in Wien massiv erschwert.

Manfred Kainz. Wer sich mit dem Vermieten einer schönen Altbauwohnung für die Vorsorge was auf die Seite legen will, hat ein Problem – zumindest in Wien: Den Richtwert für den Mietzins bei Objekten, die vor dem 8. Mai 1945 baubewilligt wurden. Dieser Richtwert ist in Wien mit 5,81 Euro je Quadratmeter ziemlich niedrig – zum Vergleich die Steiermark mit mehr als 8 Euro. Und das nennt Kaspar Erath, Obmann des Vereins zur Revitalisierung und architektonischen der Wiener Gründerzeithäuser, im ausführlichen Gespräch mit dem Börsen-Kurier mit deutlichen Worten eine „doppelte Diskriminierung Tausender Wiener Altbaueigentümer“.

Fragwürdig
Denn sie sei rechts- und verfassungswidrig und verlange seit mehr als 25 Jahren von den Betroffenen „fragwürdige Einkommensopfer“: Wiener Altbaueigentümer würden mit dem niedrigen Richtwert zu „Sozialtarifen ohne Ausgleichszahlung des Staates“ gezwungen. Bis heute begründet der Verfassungsgerichtshof den niedrigen Wiener Richtwert damit, dass für die Wiener Bevölkerung ausreichend leistbarer Wohnraum sichergestellt werden müsse und dass Wien mit rund 77 % Mietern wohn- und sozialpolitische „Besonderheiten“ aufweise.

Realität
Dass die Wiener Bevölkerung so „arm“ und auf leistbaren Wohnraum angewiesen sei wie vom VfGH dargestellt, dem widerspricht Erath mit statistischen Daten: Das durchschnittliche Einkommen sei in Wien höher als in der Steiermark, Kärnten, Tirol und Salzburg – die einen deutlich höheren Richtwert aufweisen. Und bei den Pensionseinkommen liegt Wien an der Spitze aller Bundeländer.

Trotzdem leben in Wien knapp 1,1 von 1,8 Mio Menschen in Gemeindebauten oder gemeinnützigen Wohnungen. Aber nur jeder Fünfte in diesen Wohnungen sei wirklich „sozial bedürftig“. Die anderen 80 % nehmen eigentlich jenen den Platz, die ihn wirklich brauchen würden, sieht Erath eine sozialpolitische Ungerechtigkeit.

Außerdem: Die Gemeindewohnungen sind mit Steuergeldern mitfinanziert und haben trotzdem einen höheren durchschnittlichen Richtwert als man den Privaten in schönen Altbauten erlaubt.

Forderung
Die doppelte Diskriminierung der Eigentümer von rund 200.000 privaten Altbauwohnungen über den Wiener Richtwert sieht Obmann Erath nun durch das Rechtsgutachten „Wiener Richtwert unter Diskriminierungsverdacht“ von Univ.-Prof. Thomas Müller, Institut für Öffentliches Recht, Staats- und Verwaltungslehre an der Universität Innsbruck, bestätigt. Und fordert „im Namen aller Diskriminierungsopfer eine rasche Gesetzeskorrektur und eine angemessene Schadensgutmachung“. Und zwar beispielsweise in Form einer „dynamischen, leistungsorientierten“ Förderung für die Altbaueigentümer, die mit ihren Investitionen für sanierten und verdichteten Wohnraum sorgen. Konkret stellt sich Erath eine auf 20 Jahre verkürzte AfA-Dauer (Absetzung für Abnutzung) für Stockwerkssanierungen und Dachausbauten vor. „Das wäre ein steuerlicher Leistungsanreiz, der das Wohnraumangebot vermehren und leistbares Wohnen ankurbeln würde.“

Politik gefragt
Immerhin seien allein in Wien jährlich rund 6.000 Wohnungen zu wenig am Markt und man komme mit dem Neubauen nicht nach. Weiteres Argument des Obmannes: Mit Sanierung und Dachausbau state of the art bei Isolierung etc. komme man dem „grünen“ Wunsch nach Energiesparen nach und setze auf Wohnraumverdichtung statt auf noch mehr Bodenverbrauch.

Von der Politik erwartet Erath, dass „wenn etwas aus dem Ruder läuft“, also etwa Wohnungsmangel, gegengesteuert wird, eben mit einem Programm für private Investitionen mit steuerlichen Anreizen.

Um die aktuelle Diskriminierung und das neue Gutachten zu thematisieren und Verbesserungen voranzutreiben, hat der Verein Wiener Gründerzeithäuser zu einer Podiumsdiskussion mit Vertretern der politischen Parteien und mit Prof. Thomas Müller geladen. Man darf gespannt sein, ob der Wiener Wahlkampf für mutiges Politdenken sorgt.

Foto: Pixabay / Free-Photos

 

 

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Nach Corona: Vier Trends für eine ganz Branche

Vorrang für Gesundheit, Vernetzung der Lebensbereiche, Sicherheit und vor allem Empathie.

Emanuel Lampert. Normalerweise findet der „Insurance Innovation Day“ jährlich in Wien statt. Corona ließ die Fachkonferenz heuer ins Internet ausweichen und wurde selbst zum Thema. Roger Peverelli, Mitbegründer der in den Niederlanden ansässigen „Digital Insurance Agenda (DIA) Community“, zählte vier Trends auf, die für Versicherer nach der Pandemie an Bedeutung gewinnen könnten.

Erstens: Gesundheit
Corona habe den Blick auf die Gesundheit und auf Angebote der Wellnessindustrie gelenkt. „Selbstbeobachtung“ – was isst man, wie viel sportelt man usw. – sei gefragter. Bei vielen sei die Bereitschaft sichtbar geworden, persönliche Daten zu teilen, siehe Tracing-Apps. Plattformen, die mit Tracking und Anreizen helfen, gesünder zu leben, werden „noch wichtiger“, folgerte Peverelli. Er rechnet auch mit einem Wachstum von Lebens- und Krankenversicherungen und meint, Versicherer sollten Services anbieten, die einen gesünderen Lebensstil fördern.

Zweitens: Vernetzung
Homeoffice, virtuelle Treffen, Streaming, Online-Sport: Corona habe einen „Crash-Kurs“ für digitale Vernetzung gebracht. Das beeinflusse die Mobilität. Wird das eigene Auto weniger genutzt, so forciere das eine „nutzungsbasierte“ Versicherung.

Im vernetzten Haushalt wiederum könnten Versicherer Dienste mit mehr Personalisierung anbieten, welche Risiken reduzieren und das „Heim-Management“ vereinfachen. Die Haushalts- und Eigenheimversicherung werde Aspekte wie „Internet der Dinge“ und Cybersicherheit einbeziehen müssen – nicht zuletzt, wenn sich das Zuhause zunehmend zum Arbeitsplatz wandelt. In der Branche selbst erwartet Peverelli eine stärkere Rolle für Insurtechs.

Drittens: Unsicherheit
2020 habe gezeigt, wie wenig Sicherheit es eigentlich gibt – in der Wirtschaft, am Arbeitsmarkt, durch Abhängigkeiten. Im Zusammenhang mit Corona komme eine nie dagewesene Fehl- und Desinformation hinzu. Sicherheit und Verlässlichkeit seien „wichtiger denn je“, schließt Peverelli. Der Risikoappetit der Konsumenten gehe zurück, das Interesse an Schutz nehme wahrscheinlich zu. Produkte und Dienstleistungen, die inklusive Versicherung verkauft werden, könnten „Mainstream“ werden.

Viertens: Empathie
Die Pandemie habe die Nachteile der Globalisierung spürbar gemacht, die Vorteile seien in letzter Zeit hingegen ausgeblendet worden; es werde wieder verstärkt auf Autarkie gesetzt. „Wir haben nicht viel internationale Solidarität und Koordinierung gesehen.“ Auf individueller Ebene seien während der Ausgangsbeschränkungen lang vernachlässigte Traditionen wiederentdeckt worden, der Wert der Familie sei wieder im Steigen.

In herausfordernden Zeiten bestehe der Wunsch nach Institutionen, die sich „kümmern“. Der Branche rät Peverelli deshalb, aktiv auf Kunden zuzugehen. „Zu zeigen, dass Sie sich kümmern, wird nicht vergessen werden.“ Empathie werde zu einem wichtigen Unterscheidungsmerkmal.

Foto: AdobeStock / Andrey Popov

 

 

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Der bewährte Weg des Warren Buffett

Mit seinen jüngsten Schachzügen bleibt das Orakel von Omaha seiner Strategie treu.

Raja Korinek. Dieses Datum ist für manch einen Anleger ein besonderer Tag: Am 30. August feierte Investmentlegende Warren Buffett aus dem US-Staat Omaha seinen Geburtstag, wobei er inzwischen sein 91. Lebensjahr antrat. Buffett ist mit seiner Berkshire Hathaway bekannt, einer Firma, die vor allem ein Ziel vor Augen hat: die Suche nach soliden Qualitätstiteln, deren Aktienkurse noch unterbewertet sind. Heißlaufende Wachstumsaktien, in denen jede Menge Zukunftshoffnungen stecken, lässt der langjährige Profi lieber liegen.

Langfristig hat sich die Strategie durchaus bewährt. Allein die „B“-Shares der Berkshire Hathaway (ISIN: US0846707026), die auch Kleinanleger kaufen können, haben kurz vor dem Corona-Crash ein Rekordhoch von rund 230 USD erreicht. Und in den vergangenen zehn Jahren legte die Aktie um 190 % auf Euro-Basis zu. Auch die Erholung nach dem Crash erfolgte zügig, wenn auch nicht in jenem Ausmaß, wie dies bei Wachstumswerten geschah.

Vorsicht zahlt sich aus
Freilich, genau darin sehen Kritiker wiederum eine große Schwäche in Buffetts Strategie. Doch die Vorsicht des „Orakels aus Omaha“ hat auch eine positive Seite. So fiel der Verlust der Aktie zum Beispiel am vergangenen Mittwoch, als die Nasdaq um gut 5 % an Wert verlor, weit geringer aus. Genau diese Eigenschaft wird von seinen Befürwortern wiederum geschätzt.

Heiko Geiger, Zertifikate-Experte bei der Schweizer Bank Vontobel, meint: „Buffett zählte in der Vergangenheit nicht zu den Zockern, die oftmals in hoch spekulative Titel investieren. Traditionell mag er Titel von Unternehmen, die bereits gute Gewinne erzielen und nach Möglichkeit regelmäßige Ausschüttungen vornehmen“. Auch zuletzt blieb Buffett dieser Strategie treu und kaufte sich vor wenigen Wochen bei Barrick-Gold ein. Für Geiger ist der Schritt nachvollziehbar. Er meint, mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 12, einer Dividendenrendite von aktuell 1,2 % und einem soliden Geschäftsmodell passe die Aktie relativ gut in das Schema des „Value-Investors“. Zuletzt sorgte auch Buffetts Einstieg bei japanischen Aktien für Schlagzeilen. Der Markt hinkt anderen schon seit Jahren hinten nach – und lockt mit einer Menge günstiger Chancen.

Kommt die Zepterübergabe?
Hinzu kommt eine weitere Veränderung, die Frank Fischer, CEO & CIO der Shareholder Value Management AG, gefällt. Er meint, es dürfte sich künftig ebenso lohnen, Berkshire-Aktionär zu sein. „Vor allem auch, da Buffett sein Feld wohl gut bestellt hat. Obwohl er viele Investitionen selbst verantwortet, wird immer deutlicher, dass er in den vergangenen Jahren begonnen hat, die Zügel an Todd Combs und Ted Weschler zu übergeben“.

Auch abseits eines Direktinvestments gibt es interessante Chancen. So bietet die Bank Vontobel das „Solactive Omaha Alpha Indexzertifikat“ (DE000VP7WBU0) an. Der zugrundeliegende Index investiert in 20 der mehr als 80 Titel der Berkshire Hathaway. Bei der Indexselektion wird vor allem auf den Bekanntheitsgrad der Marke und Innovationskraft geachtet. Auch die Liquidität der Aktie spielt eine Rolle. Selektiert wurden Titel wie etwa Amazon (US0231351067), Microsoft (US5949181045) und Moody’s (US6153691059).

Alternativ können Anleger mit einem Indexfonds (ETF) auf den Value-Ansatz investieren, etwa mit dem iShares Edge MSCI World Value Factor UCITS ETF (IE00B P3QZB59). Der zugrundeliegende Index setzt dabei auf unterbewertete Aktien im MSCI World Index. Bei beiden Investments müssen Anleger Kurs- und Währungsrisiko beachten.

Foto: Pixabay / pixel2013

 

 

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Renditequelle und Lebenselixier

Wasser wird immer knapper, dies erfordert hohe Investitionen in die Infrastruktur.

Christian Euler. Frankfurt. „Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser“, stellte der griechische Philosoph Thales von Milet bereits im sechsten Jahrhundert v. Chr. klar. Angesichts der zunehmenden Knappheit dieses elementaren Rohstoffes ist dieses Urteil aktueller denn je. Die verfügbare Menge an Wasser hat sich nicht verändert, seit es Wasser auf der Erde gibt – doch der Bedarf nimmt stetig zu. Der „Welttag der Ozeane“ am 8. Juni erinnert daran, dass die Erde zwar zu 70 % mit Wasser bedeckt ist, aber nicht einmal ein Hundertstel davon für den menschlichen Gebrauch verfügbar und zugänglich ist. Erschwerend kommt hinzu, dass die wachsende Weltbevölkerung immer mehr des kostbaren Nass benötigt – sei es als Trinkwasser oder in der Landwirtschaft. Nach Einschätzung der Vereinten Nationen soll der Bedarf bis 2050 um zwischen 20 und 30 % steigen. Unterdessen warnen die Weltgesundheitsorganisation und die OECD, dass schon 2025 die halbe Weltbevölkerung in Gebieten mit angespannter Wasserversorgung leben könnte. „Der Klimawandel, die Urbanisierung und die aufsteigende Mittelschicht mit verändertem Konsum- und Essverhalten – mehr Proteine bedeuten einen höheren Wasserverbrauch in Landwirtschaft und Produktion – machen den Wasser-Sektor zu einer der wachstumsstärksten Zukunftsbranchen“, glaubt Jean-Michel D’Urso, Lead Portfolio Manager des „Hornet Infrastructure – Water Fund“.

Ein drängendes Problem stellt vor diesem Hintergrund die unzureichende, veraltete und schlecht gewartete Infrastruktur dar: Breite Teile der Weltbevölkerung benötigen Anschluss an die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung und undichte Leitungen müssen ersetzt werden, während die Landwirtschaft händeringend nach intelligenten Technologien für effizientere Bewässerung sucht. Der Investitionsbedarf ist daher enorm. Branchenkenner veranschlagen den globalen Wassermarkt auf jährlich rund 600 MrdUSD.

Doppelte Rendite
Anleger können beim Thema Wasser auf eine doppelte Rendite hoffen. Zum einen dürften die immensen Investitionssummen den Branchenvertretern überdurchschnittliche Gewinne bescheren. Zum anderen lassen sich diese Investments mit gutem Gewissen tätigen, tragen sie damit doch zur Lösung eines der drängendsten Probleme der Menschheit bei.

Das Strategie-Zertifikat auf den Aqua-Index von Vontobel (DE000VF55L25) bündelt rund 30 Firmen aus drei Themengebieten mit Wasserbezug, wobei der Schwerpunkt auf wachstumsorientierten Small & Mid Caps liegt. Anleger, die börsengehandelte Indexfonds bevorzugen, finden eine probate Lösung im „Lyxor World Water ETF“ (FR0010527275), der den gleichnamigen Index widerspiegelt.

Der „Hornet Infrastructure – Water Fund“ (LI0034053376) der Liechtensteiner GN Invest AG wiederum setzt ausschließlich auf Infrastruktur-Firmen. Dies sorgte im Rückblick für geringere Schwankungen: In den vergangenen sieben Jahren belief sich die Rendite auf durchschnittlich 5 % pro Jahr – bei einer Volatilität von 10,5 %. Ein Klassiker unter den Wasser-Fonds ist der im Jänner 2000 aufgelegte Pictet-Water (LU0104884860), der seinen Wert seither kumuliert um 260 % steigern konnte. Zu den Pionieren dieser Anlageklasse zählt zudem der „RobecoSAM Sustainable Water Fund“ (LU01330611 75), der auf strukturelle Gewinner entlang der Wasserwertschöpfungskette setzt. Die jährliche Entwicklung beläuft sich seit der Lancierung im Oktober 2001 auf 6,9 %.

Foto: Pixabay / 3345408

 

 

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Investieren in Hochtechnologie

Wovon hängt eine erfolgreiche Investition in Technologie ab?

Tibor Pásztory. Technologischer Fortschritt gilt als der Wachstumstreiber schlechthin. Doch was wird heute unter Technologie verstanden? Was bedeutet „Fortschritt“? Und wovon hängt der Erfolg einer Investition in Technologie ab?

Nun könnte man stundenlang philosophieren, was „Fortschritt“ ist, und ob es sich in der Geschichte der Menschheit bei so manchem sogenannten Fortschritt nicht auch um einen Rückschritt gehandelt haben könnte. Irrwege und Sackgassen wurden jedenfalls öfters beschritten, doch ist jede technologische Weiterentwicklung und jede Forschungstätigkeit unabdingbar auch mit dem Prinzip „trial and error“ verbunden. Irren gehört demnach zum Geschäft.

Weit greifbarer, aber keineswegs unumstritten, scheint eine Beantwortung der Frage, was alles als Technologie, geschweige denn Hochtechnologie, zu betrachten sei. Bedauerlicherweise wird dieser Begriff heute allzu sehr auf das Thema Digitalisierung eingeengt. Nicht alles Hochtechnologische ist digital, und nicht alles Digitale muss zwangsläufig hochtechnologisch sein. Eine Unterstützung mechanischer Vorgänge durch digitale Steuerung gilt freilich schon seit längerem als unerlässlich, etwa in allen Bereichen der Mobilität.

Gier nach Digitalisierung
An den Börsen zählt in den letzten Jahren in erster Linie eine allzu undifferenzierte Gier nach Digitalisierung – vielleicht, weil nun einmal die wenigsten Investoren über eine technische Ausbildung verfügen, jedenfalls aber auch, weil Investments genauso Moden unterworfen sind, wie alles andere auch, und vielen Menschen ein Zug zum Lemming nicht ganz abzusprechen ist. Auf der anderen Seite ist dieser Trend nicht ganz unverständlich, blickt man auf den Erfolg von Unternehmen wie Apple, Amazon, Google und zahlreiche weitere Beispiele.
Ohne an dieser Stelle auf Einzeltitel einzugehen, sei Anlegern vor einem Einstieg in Hochtechnologiewerte – von den üblichen Auswahlkriterien wie Kursen, KGVs, Dividenden, Bilanzen, Verschuldungsgrad, Marktpositionierung etc. abgesehen – empfohlen, sich anhand „logischer“ Kriterien zu orientieren und sich folgende Fragen zu stellen: Verstehe ich das Produkt und das Geschäftsmodell? Besteht der Wert eines Unternehmens hauptsächlich aus der Bewertung einer Idee (siehe die Dotcom-Blase vor 20 Jahren) oder dient die Digitalisierung einer Steigerung der Produktivität?

Reiche Auswahl in Österreich vorhanden
Hält man sich an diese an sich simplen Regeln, werden manche Technologiewerte plötzlich um einiges (im positiven Sinne) konservativer erscheinen als zuvor. Schließlich kommt heute kein Industrieunternehmen – Stichwort Industrie 4.0 – mehr ohne Digitalisierung aus. Dies gilt erst recht für solche Unternehmen, die auf dem Weltmarkt Spitzenpositionen einnehmen.

Hier hat selbst das kleine Österreich einige Paradebeispiele für gelungene produktivitätserhöhende Digitalisierungsprozesse zu bieten, wie zum Beispiel (in alphabetischer Reihenfolge) ams, Andritz, AT&S, EVN, FACC, Kapsch TrafficCom, Lenzing, Palfinger, Pierer Industries, Polytec, RHI Magnesita, Rosenbauer, Semperit, Verbund und viele mehr. Das gleiche gilt natürlich auch für Dienstleistungsunternehmen wie A1 Telekom, Erste Group oder VIG.

Für eine reiche Auswahl an Technologietiteln an den Börsen ist gesorgt. Was noch zu kurz kommt, ist eine Öffnung des Kapitalmarktes für Start-ups. Bislang sind Investments hier noch weitgehend institutionellen Investoren bzw. Corporates („traditionellen“ Unternehmen) vorbehalten.

Erste börsennotierte Ökosysteme für Start-ups wie „startup300“ gibt es, haben aber auf dem Börsenparkett noch Lernbedarf.

Foto: Palfinger

 

 

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Die jüngste Kehrtwende der Fed

Ein Kommentar von Mark Nash, Alternative Fixed Income Fondsmanager bei Jupiter Asset Management.

Mit ihrer „Neuen Erklärung zur geldpolitischen Strategie“ hat sich die US-Notenbank (Fed) praktisch beim amerikanischen Volk für die zu starke Straffung der US-Wirtschaft in der Zeit nach der Finanzkrise entschuldigt. Ihre neue Haltung besteht darin, die durchschnittliche Inflation über einen längeren Zeitraum hinweg anzustreben. Dies ermöglicht auch Überschreitungen, sollte die Inflation über einen längeren Zeitraum unter 2 % bleiben.

Bisher war ihr kurzsichtiger Fokus auf die 2-%-Marke katastrophal: Janet Yellen erhöhte die Zinsen im Jahr 2015, als die Inflation nur 1,3 % betrug, nur um dann eine lange Pause einzulegen, als Rohstoffe, Schwellenländer und dann der US-Anleihemarkt fielen. Im Jahr 2018, als der Inflationsdruck sehr gering war, war das quantitative Straffungsprogramm der Fed ebenfalls ein großer Fehler. Die Weltwirtschaft – ohnehin schon durch Überregulierung an der Kreditvergabe gehindert und durch den Handelskrieg in Mitleidenschaft gezogen – brach ein. Der starke Dollar und die daraus resultierende US-Finanzierungskrise sorgten erneut für eine Kehrtwende der Fed.

Mit der Änderung ihrer politischen Strategie deutet die Fed effektiv an, dass sie sich bei ihrer Geldpolitik selbst nicht vertraut und eine vorzeitige Straffung verbietet. Meiner Ansicht nach sollte die Fed, anstatt diese Grenzen festzulegen, möglicherweise erwägen, die von ihr berücksichtigten Faktoren zu ändern, zum Beispiel den Einfluss internationaler Wirtschaftsfragen anzuerkennen. In einer Welt, in der Kapital frei fließt und der Dollar eine so wichtige globale Währung ist, wäre dies sicherlich sinnvoller.

Foto: Jupiter AM

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Europas Champions auf der Überholspur

Trotz des schwierigen Wirtschaftsumfelds gibt es laut Comgest einzigartige Nischenplayer.

Korinek. Die schweren Nachwehen der Corona-Pandemie werden die globale Wirtschaft vermutlich noch länger heimsuchen, wenn auch die Aktienmärkte diesen Umstand scheinbar längst ausgeblendet haben. Dort blicken viele Anleger bereits hoffnungsvoll auf die kommenden Jahre, in denen dann wieder mit einem Konjunkturaufschwung gerechnet wird. Dabei soll in Europa der geplante Wiederaufbaufonds in Höhe von 750 Mrd Euro dieser Entwicklung kräftig unter die Arme greifen. Denn vor allem die südlichen Peripherieländer wurden von der Krise hart getroffen und benötigen dringend eine Finanzhilfe, um möglichst rasch wieder auf die Beine zu kommen.

Hinzu kommt der anhaltende „Run“ auf viele Pharma- und Technologietitel, die vom aktuellen Umfeld sogar profitieren. Der Grund liegt freilich auf der Hand: Die Gesundheit steht angesichts der zunehmenden Ausbreitung des Coronavirus natürlich besonders im Fokus, ebenso wie die richtige Ausrüstung für das Arbeiten von zu Hause aus.

Langfristige Sichtweise
Auch bei der französischen Fonds-boutique Comgest hat man derzeit vor allem auf die zwei Sektoren ein Auge geworfen, etwa im „Comgest Growth Europe“ (ISIN: IE00B6X8 T619) sowie im „Comgest Growth Europe Opportunities“ (IE00BD5HXJ66). Franz Weis, er ist Teamleiter für Europa-Aktien, betont im Gespräch mit dem Börsen-Kurier allerdings, dass dies eine längerfristige Entscheidung sei, die nicht erst aufgrund der aktuellen Pandemie gefällt wurde. Schließlich stehe der Qualitätswachstumsansatz im Fokus. Weis erklärt: „Die Unternehmensanalyse hat oberste Priorität, bevor der betreffende Markt näher betrachtet wird.“ Doch worauf kommt es dem langjährigen Experten an? Er sagt, qualitativ hochwertig seien Unternehmen mit starken, nachhaltig wachsenden Geschäftsmodellen und hohen Markteintrittsbarrieren.

Um solche Titel herauszufiltern gilt es deshalb jede Menge Details zu beachten. „Bei der Analyse der Geschäftsmodelle achten wir zum Beispiel darauf, ob die Umsatzströme defensiv sind, weil die produzierten Güter auch in der Krise gefragt sind, etwa von Pharmaunternehmen, oder ob die Unternehmen wiederkehrende Erträge, etwa aus Lizenzen, verzeichnen.“ Und damit wird auch schnell klar, was insbesondere europäische Pharma- und IT-Unternehmen auszeichnet. Weis meint, beide Sektoren stehen für vorhersehbare langfristige Wachstumstrends, zum Beispiel getrieben durch die alternde Bevölkerung oder den Übergang zu Cloud-Lösungen, mit reichlich Potential für Innovationen.

Zweistelliges Gewinnwachstum
Freilich, ob sich die vorsichtige Selektion bewährt, zeigt sich vor allem während einer Krise, wobei der Crash vom März 2020 besonders rasch und heftig ausfiel. Weis lässt sich davon nicht beirren. „Hinsichtlich der Liquidität haben sich unsere Portfolios während der Krise gut behauptet.“ Dies liege zum Teil daran, dass sie sich aus defensiven Beteiligungen mit stabilen Endmärkten zusammensetzen, wie etwa bei dem Pharmariesen Roche (CH0012032048) oder dem Lebensmittelhändler Jerónimo Martins (PTJMT0AE0001).

Andere Unternehmen seien hingegen finanziell solide aufgestellt. „Obwohl die irische Fluglinie Ryanair im Höhepunkt der Krise 99 % seiner Flugzeuge am Boden halten musste, ist das Unternehmen aufgrund Nettobargeldreserven von rund 4 Mrd Euro nicht auf die Kapitalmärkte angewiesen“, erklärt Weis. Er nennt sogleich ein weiteres Beispiel: Inditex (ES0148396007), die Muttergesellschaft von Zara und Massimo Dutti, verfügte über Barvorräte in Höhe von 8 Mrd Euro, ein Umstand, der dem Konzern im April – als annähernd 90 % der Filialen des Unternehmens geschlossen hatten – zugutekam.

Und dann gibt es freilich auch die regelrechten Krisengewinner, in die Comgest ebenfalls investiert. So werde der niederländische Zahlungsdienstleister Adyen (NL0012 969182) voraussichtlich ein entscheidender Nutznießer der aktuellen Krise sein, meint Weis. Denn sie beschleunigt die Verlagerung in den Onlinehandel.

Wird der Euro zum Problem?
Damit wird jedenfalls auch schnell klar: Europas Unternehmenslandschaft kann durchaus mit zahlreichen „Champions“ aufwarten, wenn auch dies aufgrund der wirtschaftspolitischen Turbulenzen auf den ersten Blick nicht immer so evident erscheint. Allerdings sind zahlreiche Unternehmen – allen voran aus Deutschland – vom Export stark abhängig. Ob da der steigende Euro zu einer Belastung wird? Schließlich hat die Gemeinschaftswährung inzwischen die Marke von 1,19 US-Dollar zügig geknackt.

Doch Weis macht diese Entwicklung für seine Portfoliobeteiligungen wenig Sorgen. Er meint, man setze nicht auf Devisentrends oder sonstige makrowirtschaftliche Größen. „Unsere Unternehmen sollten aufgrund ihrer spezifischen Stärken und in der Lage sein, trotz makroökonomischem Gegenwind zu wachsen.“ Das werde im Jahr 2020 zwar ausnahmsweise nicht gelingen, gibt der Comgest-Experte uns gegenüber offen zu. Er sagt dennoch: „Eine eventuelle Euro-Stärke wird unsere Unternehmen jedenfalls nicht aus der Bahn werfen.“

Foto: Pixabay / MichaelGaida

 

 

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Von Niederösterreich in den Iran

Der aus Niederösterreich stammende DoN-Group-CEO Josef Donhauser im Interview über „sein“ IPO an der Teheraner Börse.

Manfred Kainz. Es ist in mehrfacher Hinsicht eine Premiere: Vor wenigen Tagen hat ein erstes österreichisches Unternehmen den Gang an der iranischen Börse erfolgreich finalisiert. Das österreichisch-iranische Joint Venture DoNA, ein Tochterunternehmen der heimischen DoN group, die seit der Gründung des Joint Venture im Jahr 2015 50 % hält, hat seine Aktien im August mit Erfolg an der Teheraner Börse angeboten, gehandelt werden kann der Wert seit 19. August. Der Titel wurde in den Börseleitindex TSETMC aufgenommen. Ein Zweitlisting in Wien ist – derzeit – nicht geplant. DoNA, mit Sitz in Teheran, ist im Office-Catering und im High-End Rail-Catering tätig (und war und ist nicht von den internationalen Sanktionen betroffen). Die DoN group ist laut eigenen Angaben Österreichs größtes privat geführtes Event- und Businesscateringunternehmen für nationale und internationale Services inklusive Restaurants, Cafés, Bars, Rail Catering, Lounge Service, Office- und Congress-Catering.

Großer Bedarf
Ein Börsegang im Iran mit österreichischer Mitwirkung trotz der internationalen Sanktionen? Ja, denn der Aktienmarkt ist eine der wenigen attraktiven Anlagemöglichkeiten für die iranische Bevölkerung. Ausländische Banken sind dort nicht (mehr) präsent, sogar der Anschluss an den SWIFT-Code fiel unter die Sanktionen. Da es aber trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten viel Investitions- und Finanzierungsbedarf in dem Land gibt, boomt die iranische Börse.

Das österreichisch-iranische Joint Venture DoNA catert seit 2015 unter anderem die exklusive iranische Privatbahn FADAK und andere (Bahn-)Unternehmen und so war eine Kapitalbeschaffung über die dortige Börse naheliegend. Aber trotzdem nicht einfach: Obwohl Catering&Food nicht von den aktuellen Sanktionen umfasst ist, wurde das IPO zwei Jahre lang intensiv von Josef Donhauser, er ist der CEO der DoN group, und seinem Management in Teheran vorbereitet.

Große Anlegerschaft
Beim IPO wurden 20 % des Grundkapitals von DoNA über die Börse abgegeben und damit ein Emissionserlös von umgerechnet 1,5 Mio Euro erzielt. Der Emissionskurs pro Aktie betrug umgerechnet 0,024 Euro. Der Erfolg kann sich sehen lassen: Es wurden 60 Mio Stück Aktien platziert – bei rund 5,3 Mio Anlegern. Bei rund 82 Mio Iranern ist das eine Aktionärsquote von rund 6,5 % der Bevölkerung – und damit deutlich mehr als etwa in Österreich. Und es hätten noch mehr sein können, denn es gab eine Überzeichnung von 20 Mio Stück. Der Emissionserlös wird für die weitere Expansion des Unternehmens verwendet: Erweiterung der Produktionsanlagen, Ausbau des Rail- und Office-Catering und neue Systemrestaurants im gesamten Land. Trotz Coronabeeinträchtigung wird so eine 50-%ige Umsatzsteigerung bis Mitte 2021 angepeilt.

Weiter Weg
Begonnen hat alles in Niederösterreich, als Donhauser die elterliche Konditorei in Kirchberg am Wechsel übernahm. Ab den 1990er-Jahren folgten Expansionsschritte in Wien und weitere Standorte österreichweit und über die Grenzen. So entstand 2015 auch das erste österreichisch-iranische Joint Venture. Im Interview mit dem Börsen-Kurier schildert Donhauser, wie „sein“ Börsegang in Teheran in der Praxis ablief:

Börsen-Kurier: Wie kann man sich das Procedere vor Ort vorstellen? Ist es sehr anders als in Europa? Stichworte Vorbereitungserfordernisse, Emissionsbank(en), Börsestandards …

Josef Donhauser: Im Grunde war es nicht viel anders als in Europa – und trotzdem ist die Börse in Teheran nicht mit europäischen Börsen vergleichbar. Auch nicht das Kaufverhalten. Die Vorbereitungen für das IPO liefen bereits über ein Jahr auf Hochtouren: etwa die Anpassung der Buchhaltungsstandards an die Vorgaben, Prüfung der Unterlagen durch zugelassene Wirtschaftsprüfer, Ausstattung des Unternehmens mit ausreichend Eigenkapital, Erfüllen sämtlicher ausufernder Formvorschriften … Wir haben alles In-House gemacht und nur ein Trading-Büro (Amin Capital) zur technischen Abwicklung der Käufe beauftragt. Generell ist die Börsenadministration in Teheran auf einen Börsegang mit internationaler Gesellschafterbeteiligung nicht wirklich vorbereitet. Die Börsenlizenz zu erhalten war dementsprechend schwer für uns als Vorreiter. Wir benötigten zwei Anläufe.

Know-how im Haus
Börsen-Kurier:
Welches Know-how braucht man vor Ort, wenn man sich nicht im europäischen sondern im türkischen Kapitalmarktrecht bewegt?

Donhauser: Wir haben uns keiner großen Anwaltsbüros bedient und haben die Gespräche direkt mit der Teheran Stock Exchange geführt. Unser Managing Director hat schon einmal ein Unternehmen an die Teheraner Börse gebracht und dementsprechende Erfahrung. Somit hatten wir das Know-how im Haus. Denn es ist generell schwer, die richtige juristische Beratung vor Ort zu bekommen, nicht nur, was einen Börsegang betrifft. Gesellschaftsrechtlich ist das Unternehmen mit einer europäischen AG vergleichbar.

Börsen-Kurier: Und wie liefen die praktischen Schritte von Antrag bis Zuteilung?

Donhauser: Ähnlich wie in Europa: Prüfung der Unterlagen, Erreichung der Zulassung, Definition der Preisspanne, Freigabe zum Handel, Kauf. Es wurden 60 Mio Shares an 5,3 Mio Anleger verkauft. Das entspricht 20 % des Grundkapitals. 92 % gingen an individuelle Anleger, 8 % an institutionelle.

Foto: DoN group

 

 

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Warum der Euro seine Stärken zeigt

Der Aufschwung der Gemeinschaftswährung bietet Anlegern auch interessante Chancen.

Raja Korinek. Noch vor wenigen Monaten hätten vermutlich die wenigsten Anleger damit gerechnet: Doch seit Mitte Mai legt der Euro allein gegenüber dem US-Dollar zügig zu. Zuletzt wurde die Marke von 1,19 USD überschritten, dem höchsten Stand seit April 2018, merkt Ulrich Kater, Chefvolkswirt bei der Deka Bank, an. Dies führt er unter anderem auf die stark steigenden Neuinfektionen in den USA zurück. Demgegenüber ergreifen Europas Regierungen zu drastischeren Maßnahmen, um eine Ausbreitung möglichst einzudämmen. Aufgrund der ungünstigen Entwicklung könnte ein Wirtschaftsaufschwung in den USA damit stärker getroffen werden, so die Befürchtungen vieler Marktteilnehmer, was auch den US-Dollar belastet.

US-Geldpolitik wird zurückhaltender
Doch auch die Aktivitäten der US-Notenbank spielen eine wichtige Rolle. Noch bis vor Kurzem lagen allein die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen ein gutes Stück über den europäischen Pendants. Das hatte reichlich ausländisches Kapital in die US-Bondmärkte angelockt, somit die US-Dollarnachfrage angeheizt. Doch diese Entwicklung hat sich schlagartig geändert. Denn die Fed hat längst auch die Zinsen drastisch gesenkt, was sich ebenso negativ auf die Renditen auswirkte. Damit ist der lukrative Zinsvorteil in den Vereinigten Staaten praktisch verpufft, weshalb viele internationale Investoren ihr Geld aus dem Markt wieder abzogen.

Da ist es wenig hilfreich, dass Notenbank-Chef Jerome Powell Ende vergangener Woche die Neuausrichtung der Geldpolitik ankündigte. „Der Übergang auf ein durchschnittliches Inflationsziel, asymmetrisch expansive Geldpolitik und eine stärkere Berücksichtigung der Geringverdiener-Segmente des Arbeitsmarktes sind die Kernbotschaften der neuen Federal Reserve Strategie“, bringt Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek die Kernaussagen auf den Punkt. Damit dürften die Zinsen auch jenseits des Atlantiks wohl noch eine lange Zeit auf einem sehr tiefen Niveau verharren.

Bei der BNP Paribas ist man jedenfalls davon überzeugt, dass der Aufwärtstrend der europäischen Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar noch eine Weile anhalten dürfte. Als weitere Stütze nennen die Experten des französischen Geldhauses zudem den EU-Wiederaufbaufonds in der Höhe von 750 Mrd Euro. Er dürfte Europas Wirtschaft ankurbeln und dem Euro zu weiterer Stärke verhelfen.

Den Aufschwung nutzen
Für risikobereite Anleger, die ebenso an ein solches Szenario glauben, bieten Zertifikate eine interessante Möglichkeit daraufzusetzen. Eine Möglichkeit ist etwa der Stay-High-Optionsschein der Deutschen Bank (ISIN: DE000DC9F0K9). Sofern bei diesem Produkt bis zum 8.1.2021 die Marke von 1,15 USD niemals berührt oder unterschritten wird, erhalten Anleger zum Laufzeitende 10 Euro pro Schein. Je nachdem, wie weit der Kaufkurs zum Zeitpunkt des Investments darunter liegt, kann sich eine größere, oder auch eine bescheidene Rendite ergeben. Grundsätzlich gilt: Je näher der aktuelle Wechselkurs an der Marke von 1,15 USD liegt, desto günstiger ist der Schein. Damit steigt aber auch das Risiko, dass diese Marke im schlimmsten Fall erreicht wird. Tritt dieses Szenario ein, verfällt das Papier.

Eine weitere Möglichkeit bietet das Turbo-Long-Zertifikat der BNP Paribas (DE000PF2P530). Dabei profitieren Anleger gehebelt von der Kursentwicklung Euro/USD, wobei der aktuelle Hebel bei 2,70 liegt. Wird allerdings die Marke von 0,75 USD berührt oder unterschritten, verfällt das Zertifikat.

Foto: Pixabay / geralt

 

 

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Die Gewinner einer zweiten Welle

Auch das Portfolio sollte für eine zweite Corona-Welle gewappnet sein. Auf welche Aktien Sie im Falle des Falles setzen sollten.

Michael Kordovsky. Überraschungseffekte bleiben diesmal aus und damit auch die Begleiterscheinungen der ersten Corona-Welle. Von einer Wiederholung der Performance im Biotech-Bereich können Anleger nur noch träumen. Zu sehr wurden diese Werte schon gehypt. Die Impfstoffentwickler Inovio Pharmaceuticals und Moderna sind bereits seit Jahresbeginn je 340 bzw. 247 % im Plus und mit einer Marktkapitalisierung von jeweils 2,4 bzw. 26,8 MrdUSD (per 19.8.) nicht mehr billig. Schutzmasken und Desinfektionsmittel werden im Zuge des mittlerweile üppigen Angebots immer mehr zu einem „Commodity Business“ und Technologieunternehmen haben starke Anstiege hinter sich.

Auf der anderen Seite sind Airline- und Tourismusaktien bereits so sehr niedergeprügelt, dass sich bei weiteren Kursrückgängen eine antizyklische Akkumulation großer Unternehmen mit hoher Überlebenswahrscheinlichkeit mittelfristig lohnen könnte. Vor allem dann, wenn sich der Lockdown in der ursprünglichen Version nicht mehr wiederholt, sondern sich auf wenige Hot Spots beschränkt, könnten Werte wie Lufthansa (staatliche Rettung) und Booking Holdings (10,4 MrdUSD Cash-Reserven) durchaus Einstiegschancen bieten.

Mögliche Pleitewelle als Auslöser
Trotz steigender Corona-Zahlen sind die Aktienmärkte liquiditätsgetrieben im Aufwärtsmodus. Als Faktor hinzukommen „Fintech-Broker“ wie Robin Hood, die keine Transaktionsspesen berechnen und so ganze Heere junger Kleinanleger gewinnen. Erst wenn sich größere Firmenpleiten mehren und sich die Ertragslage der treibenden Giganten Apple, Amazon, Alphabet, Microsoft und Facebook deutlich verschlechtert, dann ist die nächste Abwärtslawine da. Doch dies könnte sich noch bis ins Jahr 2021 hinein verzögern, denn die gefährdeten Firmen sind vorerst überbrückt und so lange nicht weltweit großflächige Lockdowns einsetzen, läuft die Erholung, wenn auch unterbrochen von zwischen-zeitlichen Turbulenzen, weiter.

Online-Handel und Logistik, Edelmetalle und Franken
Unabhängig von weiteren Szenarien hat sich der Trend hin zum Online-Handel beschleunigt. Nicht umsonst gab es im zweiten Quartal bei Amazon eine Mega-Überraschung: Laut Konsens von Zacks Investment Research erwarteten Analysten einen Gewinn von nur 1,74 USD/Aktie. Tatsächlich veröffentlichte Amazon 10,30 USD/Aktie. Einer starken Wachstumsdynamik erfreut sich auch Zalando, deren Anzahl aktiver Kunden im zweiten Quartal um 20,4 % auf 34,1 Mio wuchs, während bei 31,4 % Umsatzwachstum das bereinigte EBIT von 101,7 auf 211,9 Mio Euro anstieg. Ebenfalls über Chancen auf weitere Anstiege verfügen die niederländische Shop Apotheke Europe NV und der deutsche Kochboxen-Zustell-Service HelloFresh, der am 10. 8. seine Konzernumsatzwachstumsprognose 2020 von 55 bis 70 auf 75 bis 95 % anhob und nun anstatt einer bereinigten EBITDA-Marge von 8 bis 10 % einen Wert von 9 bis 11 % erwartet. Vom Online-Handelsboom profitierte auch der Paketzusteller United Parcel Service, dessen Umsatz im zweiten Quartal 2020 um 13,4 % auf 20,5 MrdUSD stieg, während sich der verwässerte Gewinn/Aktie um 4,6 % auf 2,03 USD verbesserte.

Doch Vorsicht: Unsicherheit bleibt ständiger Begleiter der Märkte. Als „Krisenwährungen“ sollten davon Gold und Schweizer Franken profitieren, weshalb ein Teil des Geldvermögens auf Frankenkonten und in physischem Gold gut aufgehoben wäre.

Foto: Pixabay / _freakwave

 

 

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Renditechancen mit dem Superrechner

Wer profitiert von der Quantenmechanik? Der Wettlauf um den Supercomputer ist bereits voll im Gange. (Symbolbild)

Raja Korinek. Ende Oktober 2018 fiel in Europa ein entscheidender Startschuss: Da wurde der 1 Mrd Euro schwere „Quantum Technologies Flagship“ in Wien lanciert. Die Gelder dafür stammen von der Europäischen Kommission und sollen mehr als 5.000 Unternehmen fördern, die in der Forschung der Quantentechnologien tätig sind. Mit der Entwicklung soll letztendlich ein Quantum-Netzwerk innerhalb der EU erschaffen werden.

Inzwischen ist das Thema freilich aktueller denn je. Schließlich steigt die Datenmenge, die verarbeitet werden muss, weltweit an. Und dazu braucht es immer größere, vor allem aber schnellere Rechenleistungen, die künftig von Quantencomputern geliefert werden sollen. Während herkömmliche „Bits“

Informationen lediglich als 0 oder 1 speichern, können bei Quantencomputer die elementaren Recheneinheiten – sogenannte „Qubits“ – aufgrund ihrer Eigenschaften weitaus mehr leisten.

Der Quantensprung steht bevor
Noch steht das Quanten-Computing allerdings am Beginn und ist ein äußerst sensibles System. So müssen etwa die fragilen Einheiten von Elektromagnetismus abgeschirmt werden, und funktionieren nur unter sehr niedriger Temperatur, damit Berechnungen brauchbar sind.

Dennoch, das Potential ist groß. Davon ist auch Heiko Geiger, er ist Zertifikate-Experte bei der Bank Vontobel, überzeugt. Er sagt im Gespräch mit dem Börsen-Kurier: „Der Einsatz von Quantencomputern in der medizinischen und chemischen Forschung würde die Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe enorm beschleunigen, da sie in der Lage sind, die Interaktion komplexer Moleküle gleichzeitig zu simulieren.“

Breite Einsatzmöglichkeiten
Doch das ist nicht alles. Viele Bereiche des Alltags werden immer komplexer. Dazu zählen etwa die Logistik und der Verkehr. Hier könnten Quantencomputer künftig optimale Routen berechnen. In der Finanzwelt könnten sie in der Risikoanalyse eingesetzt werden. Und in der IT-Sicherheit könnten leistungsfähigere Computer für eine abhörsichere Kommunikation in den Netzwerken sorgen.

Verständlich, dass sich immer mehr Unternehmen aus der High-Tech-Branche in diesen Bereich einbringen. Inzwischen wird auch schon darüber gestritten, wer als erstes über die sogenannte „Quantenüberlegenheit“ verfügt. Diese ist dann erreicht, wenn eine Aufgabe mittels Quanten-Computing in kürzester Zeit erledigt werden kann, während ein herkömmlicher Rechner eine unverhältnismäßig lange Zeit dafür bräuchte.

So gab etwa Ende 2019 Google, die Tochter von Alphabet (ISIN: US02079K3059), den Quanten-prozessor Sycamore mit 53 Qubits bekannt. Dieser könne nach Unternehmensangaben in 200 Sekunden eine Berechnung ausführen, für die der stärkste herkömmliche Computer rund 10.000 Jahre benötige. Kurz danach gab der Tech-Riese IBM (US4592001014) bekannt, dass in seinen Labors ebenfalls ein entsprechender Prozessor im Einsatz sei.

Auf die Zukunft setzen
Für interessierte Anleger gibt es ebenfalls die Möglichkeit, auf diese Technologie zu setzen. Konkret hat die Bank Vontobel gemeinsam mit dem deutschen Indexanbieter Solactive einen Index lanciert. Dieser bildet Aktien von 20 Unternehmen ab, die an der Entwicklung von Quantum-Computing mitmischen oder vom Einsatz der Quantentechnologie profitieren dürften. Mit einem entsprechenden Indexzertifikat (DE000VP4XD45) setzen Anleger nebst der bereits genannten Firmen etwa auch auf Siemens Healthineers (DE000SHL1006), Samsung Electronics (US7960502018) und Visa (US92826C8394).

Foto: Pixabay / TheDigitalArtist

 

 

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Erholung des Einzelhandels verlangsamt sich

Der stationäre Handel verliert in der Corona-Zeit Kunden, gekauft wird immer mehr im Netz.

Michael Kordovsky. Die Einzelhandelsumsätze in den USA stiegen gegenüber dem Vormonat im Mai und Juni um jeweils 18,3 bzw. 8,4 %. Doch im Juli lag der Zuwachs mit 1,2 % bereits unter den Erwartungen der Volkswirte von 2 %. Ebenfalls für eine Enttäuschung sorgten die Einzelhandelsumsätze in China, während in Europa der gleiche Trend zu beobachten ist. Die starke Erholungsdynamik ist somit vorbei.

Das Absatzvolumen im Euroraum ist im Mai gegenüber April um 20,3 % gestiegen ehe im Juni eine Verlangsamung auf 5,7 % folgte. Wesentlich aussagekräftiger ist die Statistik auf Jahresbasis. Noch in den Monaten März, April und Mai gab es Einbrüche im Ausmaß von je 8,2; 19,4 bzw. 3,1 % ehe im Juni wieder ein Zuwachs um 1,3 % erfolgte. Das war der erste Zuwachs seit Feber. Allerdings lässt die Steigerungsdynamik auch schon wieder langsam nach.

Divergierende Spartenentwicklung
Interessant ist auch die Absatzbetrachtung nach Bereichen: Aufgrund der Hamsterkäufe im März antizyklisch verhält sich dabei auf Jahressicht die Absatzentwicklung im Bereich „Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren“, wo 9,1 % Zuwachs im März, 2,1 % im April und 5,6 % im Mai nur noch 1,2 % im Juni gegenüberstanden. Der Bereich „Elektrische Geräte und Möbel“ drehte bereits im Mai von -38,1 % auf +3,1 % und setzte sein Wachstum mit 2,6 % im Juni fort. Besonders hart erwischt hat es den Bereich „Textilien, Bekleidung und Schuhe“, der auf Jahresbasis in den ersten sechs Monaten gegenüber dem Vorjahresniveau in jedem Monat schrumpfte. Am Höhepunkt der Kontraktion im Euroraum (April) lag dort das Minus bereits bei 80,5 %. Im Juni liegt die Schrumpfung gegenüber dem Vorjahresmonat noch immer bei 27,3 %. Und: Die massive Fokussierung auf Corona führte sogar zu einem rückläufigen Absatz bei pharmazeutischen und medizinischen Produkten.

Während in Deutschland und Österreich der verabsäumte Konsum nachgeholt wird, was Einzelhandelsabsatzsteigerungen von je 6,6 bzw. 6,5 % im Mai bzw. 3,2 bzw. 2,2 % im Juni zeigen, erlitten zuletzt Spanien, Italien und Portugal auffallend starke Rückgänge um je 4,4; 5,2 bzw. 6,3 %.

Online-Handel boomt
Wegen der eingeschränkten Mobilität und dem Trend zu mehr Online- und Telekonferenzen brachen die Absatzzahlen für Motorenkraftstoffe an den Tankstellen im April und Mai um je 47,8 bzw. 27,2 % ein, und im Juni lag der Rückgang auf Jahresbasis noch immer bei 13,6 %. Auf der anderen Seite boomt der Online-Handel wie nie zuvor. Während städtische Einkaufszentren für Besucher an Attraktivität verlieren, geht der Trend immer mehr zum Rückzug in die eigenen vier Wände und damit einhergehend explodieren die Online-Bestellungen. Lag der jährliche Zuwachs des Absatzvolumens im Versand- und Interneteinzelhandel im März mit 9,5% noch im „normalen Rahmen“, so explodierte der Zuwachs im April und Mai im Euroraum auf je 24,7 bzw. 34,8 % und auch im Juni bleibt ein Hoher Wert von 23,7 %.

Corona hat den Onlinehandel für neue Kundengruppen schmackhaft gemacht, die nun ihrer neuen Angewohnheit treu bleiben – zum Leidwesen des stationären Einzelhandels aber zum Vorteil der Online-Stores. Das hat auch entsprechende Auswirkungen auf die Börsenkurse diverser Online-Händler.

Foto: Pixabay / Preis_King

 

 

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Steht das Ende des Bargelds bevor?

Eine Börsen-Kurier-Analyse von Howard Davies, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Royal Bank of Scotland.

Vor vier Jahren plädierte der ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, Kenneth Rogoff, mit Nachdruck für die stufenweise Abschaffung des Papiergeldes. In seinem Buch Der Fluch des Geldes argumentierte Rogoff, Papiergeld, insbesondere große Banknoten, würden Steuerhinterziehung erleichtern und den Drogenhandel befeuern – und zwar entlang der gesamten Lieferkette: In einer britischen Studie aus dem Jahr 1999 wurde festgestellt, dass nur vier von 500 in London untersuchten Banknoten keine Spuren von Kokain aufwiesen.

Außerdem schränkt die Existenz von Bargeld die Geldpolitik ein. Für Zentralbanken ist die Einführung negativer Zinssätze schwieriger, wenn Anleger alternativ einen Tresor voller 100-US-Dollar-Noten haben können. Damals erschien das manchen als abstruses Argument, aber aufgrund der Covid19-Krise sind negative Zinssätze heute fixer Bestandteil der politischen Agenda in mehreren Ländern, wenn auch noch nicht in den Vereinigten Staaten.

Am „Würstelstand“ mit der Kreditkarte zahlen
Seit der Veröffentlichung von Rogoffs Buch befindet sich Bargeld als Zahlungsmechanismus auf dem Rückzug. In Schweden beispielsweise scheint die Abschaffung der Kronen-Banknote in Reichweite zu sein. Das mobile Bezahlsystem Swish beherrscht die Kleingeld-Szene. Wie alle wissen, die sich in letzter Zeit in Stockholm ein Bier kaufen wollten, bleibt durstig, wer nur eine Brieftasche mit Bargeld dabei hat.

Und die Covid19-Krise war ein weiterer Grund für die Menschen, auf Distanz zu Banknoten zu gehen. Weithin wurde nämlich berichtet, dass das Virus durch den Umgang mit Banknoten übertragen werden könnte, wodurch sich zahlreiche Verkaufsläden veranlasst sahen, Hinweistafeln mit der Aufschrift „kein Bargeld“ anzubringen. In meinem Dorf akzeptiert sogar der mobile Fisch-und-Chips-Verkaufswagen nur mehr kontaktlose Kartenzahlung. In Wirklichkeit ist dieses Schauermärchen allerdings nur wenig oder gar nicht stichhaltig. Die Weltgesundheitsorganisation teilte mit, dass keine Beweise dafür vorlägen, wonach das Coronavirus durch Banknoten übertragen wird. Das Virus überdauert auf Plastikkarten genauso lang und Christine Tait-Burkard, Expertin für Infektionskrankheiten an der Universität Edinburgh, sagte, dass Bargeld nicht als Vektor der Krankheit fungiere, „solange die Banknote nicht als Taschentuch benutzt wird, um hineinzuniesen“.

Immer weniger Bargeld im Umlauf
Aber der Schaden war angerichtet, und im ersten Monat der Krise sank die Bargeldnutzung im Vereinigten Königreich um mehr als 60 %. Die Transaktionsvolumina halbierten sich. Bei einer Umfrage gaben beinahe 75 % der Befragten an, sie erwarteten, in Zukunft Bargeld wohl weniger zu verwenden.

Dieser Trend, der sich über die gesamte entwickelte Welt ausbreitete, verlieh auch den Anbietern digitaler Bank- und Nicht-Bank-Bezahlsysteme Auftrieb. Apple Pay und PayPal geht es ausgezeichnet. Fintech-Neobanken haben ihre Nutzerbasis weiter ausgebaut, obwohl vielfach bezweifelt wird, dass es sich dabei bereits um ein nachhaltiges Geschäftsmodell handelt. Facebook wartet mit seiner Währung Libra in den Startlöchern, und ihre Unterstützer versuchen, die Aufsichtsbehörden davon zu überzeugen, dass ihr Modell sicher ist und den Bestimmungen zur Bekämpfung der Geldwäsche entspricht.

Der weitere Rückgang des Bargeldes hat auch der Arbeit der Zentralbanken an eigenen digitalen Währungen stärkeren Schwung verliehen. Mit den Banknoten hatten Bürger und Firmen jahrhundertelang eine direkte Forderung gegenüber der Zentralbank in der Hand. Sollte Bargeld verschwinden, stellt sich die Frage, ob das nicht ein Argument für die Einführung einer digitalen Zentralbankwährung wäre – ob im Großhandel, im Einzelhandel oder in beiden Bereichen. Die Bank für den Internationalen Zahlungsausgleich berichtet, dass mehrere Zentralbanken diesen Schritt aktiv erwägen, obwohl ihn noch keine wirklich gewagt hat. Die Schwedische Reichsbank könnte mit ihrer einsatzbereiten E-Krone durchaus die erste sein.

Zentralbanken wehren sich – mit mäßigem Erfolg
Steht also der Abschied vom Bargeld unmittelbar bevor? Wird sogar der Dollar den Weg alles Irdischen gehen? Die Antwort fällt nicht so klar aus. Zunächst ist festzustellen, dass zwar die Zahl der durch Bargeldtransfers abgewickelten Transaktionen auch im Bereich der Kleinbeträge tatsächlich zurückging, doch das Volumen des in Umlauf befindlichen Bargelds ist in zahlreichen Ländern sogar angestiegen. Seit Ende letzten Jahres erhöhte sich der Wert des Bargeldumlaufs laut BIZ in Italien um 8 und in den USA um 7 %. Vorsorglich angelegte Bargeldbestände sind gestiegen. Nicht nur Drogenhändler und Steuerhinterzieher finden Bargeld als Wertanlage attraktiv und schätzen Geheimhaltung. Unter den größten Volkswirtschaften hat nur in China ein absoluter Rückgang im Verhältnis zwischen physischer Währung und BIP eingesetzt.

Darüber hinaus gibt es auch Anzeichen einer politischen Reaktion gegen den Ausstieg aus Möglichkeiten zur Bargeldabwicklung. Unter Berufung auf Bedenken hinsichtlich finanzieller Ausgrenzung hat die Bank of Canada Einzelhändler aufgefordert, weiterhin Bargeld zu akzeptieren, da Menschen ohne Zugang zu Bankkonten und Karten sonst nicht einkaufen können. New York City, San Francisco und der Bundesstaat New Jersey haben es Einzelhändlern untersagt, Bargeld abzulehnen. Nicht einmal in Schweden können sich die Swishers in vollem Umfang durchsetzen. Eine Aktivistengruppe namens „Kontantupproret“ („Bargeldrebellion“) setzt sich dafür ein, dass ärmere Konsumenten weiterhin Bargeld verwenden dürfe. Im Vereinigten Königreich hat die Regierung einen Bericht über den „Zugang zu Bargeld“ veröffentlicht, in der die verpflichtende Wartung der enormen Zahl an Geldautomaten empfohlen wird, obwohl deren Nutzung rasch abnimmt.

Insgesamt ist es wohl zu früh, einen Nachruf auf den Dollarschein zu schreiben. Dazu ist die Nachfrage nach seinen Diensten noch zu stark. Für Zentralbanken könnte es sinnvoll sein, Nicht-Banken digitale Dienste anzubieten, vielleicht, um teilweise den Verlust an Seigniorage-Einnahmen (Anm. d. Red.: Der von der Zentralbank erzielte Gewinn, der durch die Emission von Zentralbankgeld entsteht) abzuwenden, die in einer von Libra dominierten Welt eher Facebook als die Länder reicher machen würden. Aber wenn die Zentralbanken nicht auch in das Kreditallokationsgeschäft einsteigen möchten, werden sie eine groß angelegte Disintermediation des Bankensystems wohl vermeiden wollen.

Beides ist möglich
Ich vermute, dass wir auf absehbare Zeit in einer Art gemischtwirtschaftlichem Zahlungssystem leben werden. Neben einer Vielzahl an Karten und direkten digitalen Überweisungen wird Bargeld weiterhin eine Rolle spielen, wenn auch eine bescheidenere als in der Vergangenheit.

Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier, © Project Syndicate 1995 – 2020

Foto: Pixabay / AhmadArdity

 

 

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Höhenflug mit Beigeschmack

Der Berliner Essenslieferant Delivery Hero steigt nächste Woche in den DAX auf – statt Wirecard.

Stefan Riedel, München. Am 24. August ist es so weit. Dann wird Delivery Hero (ISIN: DE000A2E4 K43) im DAX die Position von Wirecard (DE0007472060) einnehmen. Gegen den Zahlungsabwickler laufen Ermittlungen wegen Bilanzfälschung, Geldwäsche und Marktmanipulation. Der Online-Lieferdienst hat sich in den zwei entscheidenden Kriterien, dem Börsenwert und der Liquidität, gegenüber anderen heißen Aspiranten wie dem Aromenhersteller Symrise (DE000SYM9999) durchgesetzt.

Wachstum plausibel
Anders als bei Wirecard lassen sich bei Delivery Hero die rasanten Umsatzzuwächse nachvollziehen. In Zeiten der Corona-Krise ordern immer mehr Menschen ihr Essen online und zugleich expandiert das Berliner Unternehmen international über Zukäufe. In Europa, Asien und inzwischen auch in Lateinamerika. Das Geschäft auf dem Heimatmarkt Deutschland mit den drei Marken Foodora, Lieferheld und pizza.de hat Delivery Hero Ende 2018 an den niederländischen Wettbewerber Just Eat Take- away.com (NL0012015705) verkauft.

Operativ verdient Delivery Hero im Vergleich zu den anderen DAX-Mitgliedern aber noch kein Geld. Wann die Firma schwarze Zahlen schreiben wird, lässt Vorstandschef Niklas Östberg noch offen. „Wann wir groß genug sind“, lautet hier seine geläufige Antwort gegenüber Analysten und Anlegern. An der Börse kommt die Wachstumsstory an. Seit dem Jahrestief Ende März hat sich der Aktienkurs verdoppelt. Verdoppeln soll sich auch der Umsatz gegenüber dem Vorjahr: für 2020 hat Östberg gerade erst die Jahresprognose auf 2,6 bis 2,8 Mrd€ angehoben. 13 Analysten sprechen sich weiter für den Kauf der Aktie aus, ganze drei plädieren für Halten. „Der Rückenwind durch die Corona-Krise wird auch das traditionelle Sommerloch im laufenden Quartal ausgleichen“, ist sich etwa Silvia Cuneo von der Deutschen Bank sicher. Ihr Kursziel hat sie auf 120 € angehoben.

Schon zu teuer?
Wie ambitioniert die Aktie mittler-weile bewertet ist, zeigt der Blick auf das Verhältnis von Unternehmenswert zu Umsatz, eine wichtige Kenngröße bei Online-Essenslieferdiensten. Hier kommt Delivery Hero auf den Faktor Acht. Bei Just Eat Takeaway.com, steht hier das Sechsfache, zudem soll die Gesellschaft 2021 profitabel werden. Der deutsche Konkurrent HelloFresh (DE000A161408) wird mit dem doppelten Umsatz bewertet und soll in diesem Jahr erstmals Gewinne abliefern.

Es ist davon auszugehen, dass der DAX-Aufstieg den Aktienkurs von Delivery Hero kurzfristig weiter beflügeln wird. Allerdings steigt auch das Rückschlagsrisiko für den Fall, dass das Unternehmen bei einzelnen Quartalsergebnissen die hochfliegenden Erwartungen einmal nicht trifft – und Investoren dann stärker auf die Profitabilitäts-Kennziffern blicken.

Foto: Delivery Hero

 

 

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Die Nationalbank zeigt Humor

Karikaturisten nehmen das Geld auf die Schaufel.

Lea Schweinegger. Das liebe Geld einmal von der humorvollen Seite betrachten zu können, ist wohltuend und nimmt einer vor allem wirtschaftlich unsicheren Zeit für ein paar Stunden die Schärfe. Aber natürlich geht es in der aktuellen Sonderausstellung „Funny Money“ im Geldmuseum der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) nicht ganz so humorvoll zu wie im gleichnamigen Theaterstück des britischen Autors Ray Cooney, in dem ein Buchhalter in der U-Bahn aus Versehen den Aktenkoffer eines Fremden mitnimmt, in dem sich jede Menge Geld befindet. Dazu ist das „Money“ in der Nationalbank wohl auch zu streng bewacht. Aber zumindest wird den Besuchern Heiterkeit beim Betrachten der karikaturistischen Darstellungen zur Bedeutung des Geldes vermittelt. Die Sonderausstellung „Funny Money“ läuft aktuell und ist noch bis 2. Juli 2021 im Geldmuseum der OeNB Nationalbank zu sehen.

„Geld ist Lebensenergie“
Dass Geld allein nicht glücklich macht, weiß man. Aber gerade das Wissen um wirtschaftliche Zusammenhänge und letztlich natürlich auch um die eigenen Finanzen ist essenziell und in Österreich viel zu gering ausgebildet. Experten fordern deshalb seit Jahren, das Thema in den heimischen Lehrplänen stärker zu berücksichtigen. Und auch den Verantwortlichen in der Nationalbank ist es schon seit jeher ein besonderes Anliegen, finanzielle Bildung zu vermitteln (Infos und Material dazu finden Sie auf der Homepage der OeNB).

Humorvolle Betrachtungen
Aber zurück zum Humor: Im Geldmuseum sind aktuell 53 Karikaturen und Cartoons nationaler und internationaler Künstler wie zum Beispiel Rudi Klein, Thomas Wizany, Rolly Kirby, Pascale Velleine und Oliver Schopf zum schnöden Mammon ausgestellt. „Die satirische, kritische und humorvolle Annäherung an die Themen laden zum Nachdenken und Hinterfragen ebenso ein wie zum Lachen. Die Ausstellung ,Funny Money‘ will genau dies bei den Besucherinnen und Besuchern erreichen. Sie bietet die Möglichkeit, Geld- und Wirtschaftsgeschichte einmal von einer ungewohnten und unterhaltsamen Seite zu erleben“, so das Team des Geldmuseums dazu.

Die Wurzeln
Die Karikatur ist als eine überzeichnete, meist komische, aber auch provozierende Darstellung von gesellschaftlichen und politischen Ereignissen oder Personen schon seit dem 18. Jahrhundert weit verbreitet. Im 19. Jahrhundert, zur Zeit der Gründung von Banken und Aktiengesellschaften, fand sie auch in den diversen Wirtschaftszeitungen Eingang. Lange davor, im 16. Jahrhundert, wurden die Menschen mit satirischen Flugblättern beglückt. Die Karikaturisten der damaligen Zeit setzten Maßstäbe für die Karikatur, die noch heute Gültigkeit haben.

In dieser Ausstellung wird Besuchern einmal mehr bewusst gemacht, dass das Dreieck Geld-Währung-Wirtschaft ein zentrales Thema einer Gesellschaft ist und uns alle tagtäglich betrifft – aber eben diesmal mit einem Schuss Humor.

Foto: Geldmuseum der Belgischen Nationalbank. Honoré Daumier: „Bourse (Börse)“. Ursprünglich als schwarz-weiß Druck erschienen in Le Charivari, 27. August 1853

 

 

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Schwellenländer auf stabileren Beinen als bei früheren Schwächephasen

Ein Kommentar von Jan Sobotta, Leiter Sales Ausland, Swisscanto Asset Management International.

Ein Kommentar von Jan Sobotta, Leiter Sales Ausland, Swisscanto Asset Management International.

(11.08.) „Die Corona-Krise wird die Aktienmärkte noch eine ganze Weile beschäftigen. Die dauerhaften Auswirkungen auf Gesellschaft, Wirtschaft und Politik sind noch nicht absehbar und insbesondere Schwellenländer stehen vor enormen Herausforderungen aufgrund der Pandemie. Kurzfristig ist der wirtschaftliche Ausblick für die Emerging Markets angesichts der globalen Wachstumsverlangsamung tendenziell negativ. Zudem erwarten wir im zweiten Halbjahr ein erneutes Aufflammen des Konflikts zwischen den USA und China, welcher im anstehenden US-Wahlkampf ein Thema sein dürfte und für Schlagzeilen sorgen wird. Doch langfristig sind die Wachstumsaussichten attraktiv. So erwartet die UNO in den Schwellenländern eine Zunahme der arbeitenden Bevölkerung von rund 1,25 Milliarden Menschen in der Zeitspanne zwischen 2018 und 2050. In den entwickelten Märkten jedoch einen Rückgang von rund 70 Millionen. Das bedeutet, dass ein Großteil der zukünftigen globalen Produktion und des Konsums in den aufstrebenden Märkten stattfinden wird. Im Vergleich zu früheren Schwächephasen (beispielsweise die globale Finanzkrise im Jahr 2008 oder die so genannten ‚taper tantrums‘ in 2013) stehen die Schwellenländer auf stabileren Beinen. Die Leistungsbilanzen sind insgesamt ausgeglichener, die Auslandsverschuldung ist tiefer und es bestehen hohe Währungsreserven. Somit haben es einige Regierungen in den Schwellenländern selbst in der Hand, mittels Reformen für eine bessere Wirtschaftsentwicklung zu sorgen. Und auf Unternehmensseite ist die Verschuldung ebenfalls tief und die Cashflows sind positiv.

Wegen der demografischen Struktur, der anhaltenden Urbanisierung und des Nachholbedarfs beim Konsum wird generell erwartet, dass die Länder der Emerging Markets im Durchschnitt stärker wachsen werden als die Industriestaaten. Dabei bleiben die negativen Begleiterscheinungen des unkontrollierten Wachstums für Gesellschaft und Wirtschaft eine Herausforderung. Zu nennen sind hier die massive Umweltverschmutzung, eine unzureichende Wasserinfrastruktur, eine unterentwickelte Gesundheitsversorgung, überforderte soziale Einrichtungen oder eine sich ausweitende Einkommensschere. Der Schlüssel zur Lösung des Dilemmas zwischen dem angestrebten Wirtschaftswachstum und dessen aktuell negativen Begleiterscheinungen liegt einerseits bei der Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom Ressourcenverbrauch. Andererseits muss aber auch die Chancengleichheit für die gesamte Bevölkerung gefördert werden, damit alle vom Wohlstandswachstum profitieren können. Hierzu werden auch strukturelle Reformen und attraktive gesetzliche Rahmenbedingungen benötigt. Der private Sektor muss nicht nur seinen Teil dazu beitragen, um die Qualität und Effizienz des Wirtschaftswachstums zu verbessern, sondern er ist der Schlüssel zum Wohlstandswachstum.“

Foto: Swisscanto Invest

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Warum die Rallye an den Aktienmärkten anhält

Technologie- und Konsumaktien werden besonders gute Chancen eingeräumt.

Raja Korinek. Es ist heuer sichtlich ein Jahr der Extreme, auch an den Börsen. Am 16. März erlitt der S&P 500 mit einem Minus von 12,8 % den drittgrößten Tagesverlust seit 1928, zeigt Alexander Lechner, Leiter Multi Asset Management bei Erste Asset Management, im jüngsten Jahresausblick auf. Der Kursgewinn von rund 9 % wenige Tage nach dem Crash-Tiefpunkt war der zehnthöchste seit 1928, und damit ebenfalls durchaus kräftig.

Der Grund für die dann rasche Erholung liegt für Lechner auf der Hand: Die Notenbanken hätten zügig reagiert, etwa bei Zinssenkungen und dem Start weiterer Anleihekaufprogramme. Auch die Fiskalpolitik spielt erstmals eine wichtige Rolle. Lechner findet diese ebenfalls als eine wichtige Stütze für die Märkte. Allein in Europa ist ein 750 Mrd Euro schwerer Wiederaufbaufonds geplant, der laut EU-Parlament aber nachgeschärft werden muss. In den USA sind etwa Hilfen wie Steuererleichterungen in Höhe von rund 11 % des BIP geplant.

Unternehmen können überraschen
Der Erste-Experte sieht zudem die überraschend guten Unternehmensgewinne im zweiten Quartal 2020 als weiteren Kurstreiber. „In den USA haben mehr als die Hälfte der Unternehmen Ergebnisse veröffentlicht. Dabei haben 85 % die Schätzungen der Analysten übertroffen und nur 13 % enttäuscht“, sagt Lechner. Und in Europa? Da liegen die Gewinne bislang um 18 % unter dem Niveau des Vorjahres.

Dabei dürfte sich die Lage weiter verbessern, ist man bei NNIP überzeugt. Dort verweist man auf den Marktkonsens, der auf eine V-förmige Erholung deutet. Damit dürften die Unternehmensgewinne in den USA das Niveau von Ende 2019 übertreffen und in der Eurozone um nur knapp 5 % darunter liegen.

Eurozone bevorzugt
Regional präferiert der Stratege Patrick Moonen vom Assetmanager NNIP die Eurozone gegenüber den USA. Ihm gefällt, dass der geplante EU-Wiederaufbaufonds ein wichtiges Signal zu Einheit signalisiere, ein Umstand, den er in den USA vermisse. Vor kurzem wurden zudem Schwellenländeraktien auf ein „Übergewichten“ heraufgestuft. „China, Südkorea und Taiwan machen mehr als 60 % der Schwellenländer-Benchmark aus und haben die Covid-19-Krise gut gemanagt.“ Zudem seien deren Wirtschaft stark von New-Economy-Branchen geprägt, betont Moonen. Diese boomen vor allem seit dem Lock-Down.

Überhaupt findet Moonen Gefallen am Technologiesektor, nebst Industrietiteln und Rohstoffaktien, die beide von der Wirtschaftserholung profitieren dürften. Bei Pictet Asset Management gefallen Chefstratege Luca Paolini wiederum Konsumtitel: „Der Sektor konnte mit der Marktrallye nicht mithalten.“ Paolini meint, dass aber die Konsumausgaben mit der Wirtschaftserholung steigen, wovon die Sektor-Aktien profitieren sollten. Und dann ist da noch die „Grüne Welle“, die nach Meinung von Walter Hatack, Leiter Responsible Investments bei der Erste Asset Management, weiter rollen werde. Vor allem in Europa dürfte sie Rückenwind erfahren. Dort sind heute schon zahlreiche Gelder an Investments in eine nachhaltige Wirtschaft geknüpft.

Teure Bewertungen beachten
Allerdings sollte man die Risiken nicht außer Acht lassen. Schließ-lich haben die globalen Aktienmärkte seit dem Tiefstand von Mitte März rund 40 % zugelegt. Paolini von Pictet meint: „Unsere Modelle deuten erstmals seit September 2018 auf eine teure Bewertung in einem 20jährigen Vergleich hin.“ Und auch Ingrid Szeiler, CEO der Raiffeisen KAG, sieht kurzfristig zu viel Zuversicht eingepreist, wie sie sagt und mahnt: „Wir sind weiterhin vorsichtig positioniert.“

Foto: Adobe Stock / MQ-Illustrations

 

 

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Trotz Krise keineswegs am Boden

Für Kunst und Luxus-Artikel könnte es auch positive Effekte geben.

Lea Schweinegger. Die Finanzkrise vor rund zwölf Jahren war zwar auch für den Kunstmarkt eine große Herausforderung, aber die Einschläge waren keineswegs so verheerend wie jene am Aktienmarkt, nachdem sich die Nachricht der Lehman-Brothers-Insolvenz am 15. September 2008 rund um den Globus in Windeseile verbreitete. Denn der Kunstmarkt reagierte prompt – so als wäre er auf einen „Worst Case“ vorbereitet gewesen. Noch am selben Tag, nur ein paar Stunden nach den Meldungen lud etwa das Auktionshaus Sotheby‘s zu einer zweitägigen Auktion und bot dabei dem Publikum mehr als 200 Werke des britischen Starkünstlers Damien Hirst an. Die Auktion trug den Titel „Beautiful Inside My Head Forever“. Am Ende der zweitätigen Auktion, die Finanzwelt geriet gerade erst so richtig ins Rutschen, hatten Kunden umgerechnet 126 Mio Euro ausgegeben – für Kunst. Die Besucher der Auktion hofften natürlich, dass der Kauf eine gute Investition sei. Sie lagen mit der Annahme richtig, denn Kunst gilt nach wie vor als krisensicheres Investment. Namen der Protagonisten und Qualität spielen dabei natürlich eine große Rolle.

Damals wurde im Rahmen der Auktionstage das Hirst-Werk „Beautiful Love Strummerville Painting with beautiful Butterflies“ um mehr als 900.000 Eure verkauft; ein in Formaldehyd eingelegter Bulle brachte sogar mehr als 13 Mio Euro ein. Am Ende waren es 223 Werke des Briten, die unter den Hammer gekommen sind. Hirst erlangte allerdings schon davor mit einem bizarren Kunstwerk, einem mit Diamanten überzogenen menschlichen Schädel (der Preis betrug im Jahr 2006 rund 74 Mio Euro), weltweites Aufsehen in der Kunstwelt. Obwohl: Werk und Preis machten böses Blut und so gab es teilweise auch ein dementsprechendes negatives Feedback. Im August 2007 wurde „Hirsts Totenschädel“ ungeachtet manch empörter Zurufer abermals für 75 Mio Euro an eine Investmentgruppe weiterverkauft.

Daraus lässt sich schließen, dass qualitätsvolle Kunst auch in Krisenzeiten, oder gerade in schwierigen Zeiten, ein Investment wert ist. Der Vollständigkeit halber sei aber erwähnt, dass sich die großen Auktionshäuser im weiteren Verlauf der damaligen Krise mit großen Namen abwartend verhielten, bis die erste Phase des wirtschaftlichen Einbruchs vorüber ging.

Luxusgütermarkt legte zu
Aber nicht nur die klassische Kunst sondern auch Kunst-Objekte bzw. Luxusgüter wie Uhren und Schmuck, Haute Couture und andere schöne Markenprodukte sind relativ krisenfest. Der globale Umsatz mit Luxusgütern ist in den vergangenen zwanzig Jahren stark gewachsen, und zwar auf ein geschätztes Umsatzvolumen von rund 281 Mrd Euro im Jahr 2019. Damit haben sich die Umsätze in dieser Zeit nahezu verdreifacht. Und auch bis Mai 2020 und trotz Corona gab es heuer bereits Umsatzzahlen von rund 225 Mrd Euro. Treiber sind vor allem chinesische Konsumenten, die das weltweite Wachstum des Luxusmarktes forcierten, so das deutsche Portal Statista, an dem wir uns gerne orientieren.

Uhren sind zeitlos wertvoll
„Luxusuhren bieten auch in Krisenzeiten eine vielfältige Anlageoption durch einen stabilen Wertzuwachs. Deshalb sollten Uhrenliebhaber Einstiegsmöglichkeiten ins Auge fassen“, meint auch Communication Manager Daniel Feld von „Chrono24“, einem Online-Marktplatz für Luxusuhren, der rund 475.000 Uhren von mehr als 3.000 Händlern aus mehr als 100 Ländern im Programm hat. Feld verweist auf den durchschnittlichen Verkaufspreis begehrter Marken, der in der jüngeren Vergangenheit gestiegen ist. „Die zehn meistverkauften Modelle von ‚Audemars Piguet‘ wurden im Juli 2020 gegenüber 2015 im Mittel für 73 % mehr verkauft. Noch stärker zugelegt hat der Verkaufspreis von ‚Patek Philippe‘. Innerhalb der letzten fünf Jahre sind die Preise insgesamt um durchschnittlich 105 % gestiegen.“ Der Experte ist überzeugt, dass auch einzelne Modelle anderer bekannter Marken wie zum Beispiel Rolex, Omega und Tudor sich in Bezug auf den Werterhalt positiv entwickeln. Aber auch viele andere meinte er, würden sich als Einstieg in den Investitionsmarkt „Luxusuhr“ anbieten.

Beispiel Uhren mit Wertzuwachs
Die Omega-Speedmaster „Moon-watch“ bietet mit dem Sondermodell „First Omega in Space“ eine interessante Wertanlage: Aktuell ist die Uhr das sechstbeliebteste Omega-Modell nach Verkäufen auf „Chrono24“ und hat innerhalb der vergangenen drei Jahre eine absolute Wachstumsrate von plus 12 % hingelegt. Derzeit wird die Uhr zu Preisen von um die 4.000 Euro gehandelt. Hoher Beliebtheit erfreuen sich grundsätzlich auch die Rolex-Modelle. Zum Beispiel hat die „Rolex Datejust“ mit blauem Ziffernblatt, eine der meistverkauften Rolex-Modelle auf „Chrono24“, in den letzten drei Jahren um rund 25 % an Wert gewonnen und ist derzeit für etwa 10.000 Euro auf der Plattform zu finden. Für einen spannenden Einstieg in die Welt der Luxusuhren sieht Feld die „Seamaster Diver 300 M“, die legendäre Omega-Taucheruhr. „Die Nachfrage nach Luxusuhren auf ‚Chrono24‘ ist so hoch wie noch nie. Nach einem temporären Einbruch der Verkäufe zu Beginn der Krise liegen die globalen Verkäufe nun etwa 13 % über dem Vor-Corona-Niveau“, so abschließend auch „Chrono24“-Co-CEO Tim Stracke.

Foto: www.omegawatches.com

 

 

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Das Zahlenspiel mit der BIP-Schrumpfung

Die Kontraktion im zweiten Quartal sollte medial nicht zu sehr dramatisiert werden.

Michael Kordovsky. Das 2. Quartal zeigt das volle Ausmaß der Corona-Krise und die negativen BIP-Daten scheinen derzeit einander zu übertreffen, wobei zwischen Schrumpfungen gegenüber dem Vorquartal, annualisierten, sprich aufs Jahr hochgerechneten, Schrumpfungen gegenüber dem Vorquartal und der laut Meinung des Autors wirklich sinnvollen Messung im Vergleich zum Vorjahres-Quartalszeitraum unterschieden werden muss, denn:

Der aktuelle „Datensalat“, ins-besondere in manchen Headlines vermittelt teils eine regelrechte „Weltuntergangsstimmung“. Beispiel USA: Das reale BIP ist im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal mit einer jährlichen Rate von 32,9 % gesunken – und das nach einem Minus von 5 % im ersten Quartal. Die Netto-Exporte von Gütern und Dienstleistungen schrumpften um 64,1 % und die privaten Investitionen im Inland brachen um 49 % ein. Das klingt doch nach Apokalypse.

Aber was ist wirklich geschehen?
Diese aufs Jahr hochgerechneten Quartalvergleiche gegenüber dem Vorquartal haben zwar in den USA Tradition, doch bodenständige Volkswirte werfen auch einen Blick auf die Veränderung gegenüber dem Vorjahreszeitraum also vom 2. Quartal 2019 auf das 2. Quartal 2020 und da sieht die Welt schon wieder ganz anders aus: Da verminderte sich plötzlich der Rückgang der Wirtschaftsleistung auf -9,5 % und im ersten Quartal waren es noch 0,3 % Zuwachs. Der dramatische Exporteinbruch schrumpfte auf -23,7 % und die privaten Inlandsinvestitionen waren auf einmal nur noch um 17,9 % rückläufig.

Wesentlich nüchterner wird über China berichtet. Chinas Wirtschaftsleistung wuchs im zweiten Quartal auf Jahresbasis (gegenüber Vorjahresquartal) wieder um 3,2 %, nachdem im ersten Quartal wegen der Abriegelung von Städten und der Lockdowns die Schrumpfung bei -6,8 % lag. Im laufenden Quartal mehren sich die Anzeichen einer stärkeren Erholung. Beispielsweise stiegen im Juli Chinas Exporte im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,2 %.

Europas Krise überschaubar
In Europa veröffentlicht Eurostat beim BIP zwei Arten von Veränderungen, jene von einem Quartal auf das darauffolgende und den Vorjahresvergleich der Quartalszahlen. Die saison- und kalenderbereinigten Zahlen der vorläufigen Schnellschätzung für das 2. Quartal 2020 ergaben zwar die bei Weitem stärksten Rückgänge seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1995, doch die Gesamtgrößen vermitteln ein realistisches Bild:

Gegenüber dem 1. Quartal 2020 brach im 2. Quartal 2020 die Wirtschaftsleistung im Euroraum und der EU um jeweils 12,1 bzw. 11,9 % ein. Auf Jahresbasis, sprich vom 2. Quartal 2019 auf das 2. Quartal 2020, lagen die Rückgänge bei -15,0 bzw. -14,4 % (1. Quartal je -3,1 bzw. -2,5 %), was auf besonders restriktive Corona-Maßnahmen quer durch Europa zurückzuführen ist.

Es ist unter aktuellen Rahmenbedingungen eher unwahrscheinlich, dass sich das in dieser Form wiederholt, denn die Folge wäre eine unkontrollierbare Pleitewelle. Bereits jetzt herrscht in den Banken „Alarmstufe Rot“, denn die europäischen Geldhäuser haben ihre Risikovorsorgen für faule Kredite drastisch hochgeschraubt.

Normalisiert sich das Wirtschaftsgeschehen wieder, so ist dies eine schrittweise Rückkehr zum Wachstum, was China bereits vorexerziert hat und Länder wie Spanien, Frankreich und Italien, deren Wirtschaftsleistung auf Jahresbasis im zweiten Quartal 2020 um je 22,1 %, 19,0 % bzw. 17,3 % schrumpfte, sollten mittelfristig in der Lage sein, dann überdurchschnittlich zu wachsen bzw. besser gesagt sich zu erholen.

Foto: Pixabay / btaskinkaya

 

 

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Kann man US-Aktien noch kaufen?

(05.08.) Wann und wie sich die Weltwirtschaft von der Pandemie erholt, ist unklar. Daher wird im Moment viel darüber diskutiert, wie resilient die Aktienmärkte überhaupt noch sind.

Welche US-Titel auch in dieser Gemengelage Chancen haben, kommentiert John Weavers, Fondsmanager des M&G (Lux) North American Dividend Fund (Foto anbei):

„Der US-amerikanische Markt wird aktuell von drei Faktoren bestimmt: der Entwicklung der Corona-Krise, dem Wahlkampf und den Handelsspannungen. Langfristige Werte lassen sich trotzdem finden, denn einige Unternehmen konnten ihr strukturelles Wachstumspotenzial nach dem Crash sogar verbessern. So profitiert beispielsweise Visa davon, dass die Krise den bereits länger anhaltenden Trend hin zum bargeldlosen Bezahlen verstärkt hat. Auch Marken wie Apple oder Nike haben nach unserer Einschätzung durchaus Chancen auf weiteres Wachstum.

Nach den Wahlen: Mehr Ausgaben für Infrastruktur, aber auch höhere Steuern?

Ohne Zweifel bewegt jede Wahl die Märkte, aber der diesjährige Wettlauf entscheidet darüber, wie die drängenden Themen der US-Wirtschaft langfristig angegangen werden. Darum wird das Wahlergebnis weitreichende Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben. Welcher Kandidat auch immer gewinnt: Finanzpolitische Stimuli werden ganz oben auf der Agenda stehen und damit höhere Ausgaben in Amerikas bröckelnde Infrastruktur beinhalten. Republikaner wie Demokraten sind entschlossen, das schon so lange gepriesene Infrastrukturpaket endlich umzusetzen.

Um das Gesundheitswesen wird es auch in diesem Wahljahr wieder so manches politische Flackern geben. Aber wir glauben, dass mögliche Risiken für den Sektor durch die Nominierung von Joe Biden als Kandidat der Demokraten reduziert wurden. Die demografische Entwicklung sollte hier zusätzlich für Wachstum sorgen.

Die fiskalischen Maßnahmen haben allerdings auch eine Schattenseite: Die Rückkehr höherer Steuern. Details gibt es noch keine. Aber wir halten es für wichtig, schon jetzt die Auswirkungen abzuschätzen, die eine Erhöhung der Unternehmenssteuer mit sich bringen würde.

Der Handelskrieg zwischen den USA und China ist zwar ein Schlüsselelement der Präsidentschaft von Donald Trump, aber der Ton gegen China wird in beiden politischen Lagern deutlicher – auch, wenn er bei den Demokraten weniger aggressiv ist.

Fokus auf Energieversorger, Versicherungen und Gesundheitswesen

Für selektiv vorgehende Anleger sehen wir auch unter den aktuell erschwerten Bedingungen Einstiegsmöglichkeiten: Wir setzen bei den Technologiewerten stärker auf Software-Titel und bleiben bei Hardware-Produzenten untergewichtet. Finanzunternehmen gefallen uns unter den Zyklikern am besten – aber hier eher die Versicherungen als die Banken.

Der Klimawandel bleibt auch in den kommenden Monaten ein wichtiges Thema und so wird sich mit Papieren Erneuerbarer Energien Wachstum erzielen lassen. Darum haben wir zum ersten Mal in fünf Jahren in Energiewerte investiert und glauben, dass unsere Neuzugänge Sempra Energy und NextEra Energy von diesem strukturellen Trend profitieren werden. Das Gesundheitswesen bleibt unser Favorit im defensiven Sektor.“

Foto: M&G

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Gut gemeint – schlecht gewirkt

Eine Kundenumfrage zu MiFID II zeigt: Info-Flut überfordert und vertreibt vom Kapitalmarkt.

Manfred Kainz. Das Gegenteil von gut ist gut gemeint, heißt es. Kritiker meinen das auch in der Beurteilung der Effekte der 2. EU-Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente („Markets in Financial Instruments Directive“ MiFID II). Die ist seit 2018 in Kraft. Zwei ihrer Ziele sind die Markt- und Produkttransparenz zu erhöhen und den Anlegerschutz zu verbessern. Dafür setzen die Richtlinie und ihre nationale Umsetzung auf strenge Informations- und Dokumentationspflichten für die Anbieter und Intermediären. Nun, nach zwei Jahren Praxiserfahrungen, stellt sich die Frage: Führt(e) die Informationsbeglückung zu einer Überforderung von Kunden und erschwerte die Wertpapierberatung sogar? Bewirkte man also das Gegenteil des Beabsichtigten?

Diese Frage war Thema des Bankenkongresses KURS 2020 des Veranstalters imh, und heimische Bankenvertreter aus den Bereichen Compliance und Wertpapiere beantworteten sie mit „Ja“: Retail-Kunden würden sich ob der Informationsflut überfordert und teilweise sogar verärgert fühlen. Mittlerweile sei auch Resignation zu bemerken: „Kunden schmeißen die zugesendeten Infos halt weg.“ Das berge aber das Risiko, dass doch wichtige Informationen verloren gehen. Informationsüberforderung führe auch dazu, dass Kunden ihre Wertpapierengagements zurückfahren oder zu ausländischen Onlinebrokern ausweichen.

Ausoptieren?
Deshalb habe man als Bankensektor in der laufenden „MiFID-Review“ vorgeschlagen, dass Kunden doch die Möglichkeit haben sollten, selbst zu entscheiden, welche Infos sie erhalten wollen. Aber die für die Standards zuständige EU-Behörde ESMA (European Securities and Markets Authority) sei unnachgiebig und gegen so ein „Opting out“ von Privatkunden.

Um ihrem Wunsch, die Kunden nicht mit einer Flut an Informationen zu überfordern und zu vertreiben, gegenüber Behörden und Gesetzgebern Nachdruck zu verleihen, beschloss man banken- und sparkassenseitig, die Kunden zu befragen. Beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband war man da schneller und die Ergebnisse ihrer Kundenumfrage seien auch für das österreichische Anlegerverhalten sehr repräsentativ, wie beim Bankenkongress zu hören war. Die Kundenmeinungen sollten jedenfalls die Alarmglocken schrillen lassen.

Was Kunden (nicht) wollen
62 % der Kunden fühlen sich vom Umfang der MiFID-II-bedingten obligatorischen Informationen überfordert. 65 % verlieren den Überblick bei all den Informationen. 66 % fühlen sich nicht besser informiert. 77 % der Kunden helfen die erweiterten Informationen nicht, den Inhalt besser zu verstehen. Und 71 % der Kunden fragen, ob sie auf die Informationen verzichten können.

Raus aus Wertpapieren
Noch kontraproduktiver ist, was die Umfrage weiters zeigt. Nämlich, dass sich sehr viele Kunden vom Kapitalmarkt zurückziehen, weil sie von Infos regelrecht „überschwemmt“ werden: 27 % der Kunden möchten in Zukunft weniger am Kapitalmarkt veranlagen und sich weniger komplexen Veranlagungen zuwenden („Zurück zu Spareinlagen“), 34 % der Kunden wollen sich aus Anleihen zurückziehen. Und am alarmierendsten im Hinblick auf die private Vermögensbildung: 28 % der Kunden wollen sich aus Anlagen in Aktien zurückziehen, 29 % aus Fonds.

Fazit: „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint“ scheint auf die Auswirkungen, die MiFID II auf Anleger in der Praxis hat, zuzutreffen. Das und die Kundenreaktionen konterkarieren aber alle Bemühungen, private Vermögensbildung am Kapitalmarkt, und besonders Privataktionärstum, zu fördern. Ob das im Sinne der Erfinder ist?

Foto: Pixabay / geralt

 

 

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„Fehlentwicklungen aufzeigen und bekämpfen“

Der neue IVA-Vizepräsident Florian Beckermann im Gespräch über Themen und Ziele. 

Manfred Kainz. Er ist in der Aktionärsszene kein Unbekannter, im Gegenteil. Mit an die 200 besuchten Hauptversammlungen heimischer Aktiengesellschaften in den vergangenen zehn Jahren ist Florian Beckermann (Foto) kritisch-aktiver Aktionär und seit 2012 Vorstandsmitglied des Interessenverbandes für Anleger (IVA). In Nachfolge von Michael Knap, der seine IVA-Vizepräsidentenfunktion kürzlich ruhend stellte, hat Beckermann nun diese Funktion übernommen. Und leitet damit gewissermaßen einen Generationswechsel im IVA ein. Beckermann ist Volkswirt, Jurist, Managing Director im Immobilienbereich sowie Associate Professor für Bilanzierung & Bilanzanalyse. Der Börsen-Kurier sprach mit ihm über seine Themen und Ziele im IVA.

Pro Präsenz-HV
In Zeiten von virtuellen Hauptversammlungen bricht Beckermann eine Lanze für Präsenzversammlungen. Diese seien „das Forum der Aktionäre, wo sie dem Vorstand und Aufsichtsrat zumindest einmal im Jahr persönlich physisch in die Augen schauen können. Das Podium muss detailliert Rede und Antwort stehen und es soll eine echte offene Diskussion stattfinden“. Lebendige Aktionärskultur sei ein „People‘s business“, das digital nicht ersetzt werden könne, „und eben keine Barbara-Karlich-Show im Nachmittags-TV. Eine Hauptversammlung kann unterhalten, ist aber keine Unterhaltungsveranstaltung oder bloße Formalität“, so Beckermann.

Verbreiterung
Am Beispiel Wirecard, das auch zahlreiche österreichische Anleger betrifft, zeige sich weiters, dass Anlegeraufklärung und Anlegerschutz mittlerweile eine grenzüberschreitende, internationale Herausforderung sind. Daher formuliert er seine „Kernbotschaft“ als neuer IVA-Vize so: „Vernetzte Märkte bedürfen auch eines vernetzten Anlegerschutzes, sodass auch internationale Fehlentwicklungen schnell aufgezeigt und bekämpft werden können.“

Deshalb pflegt der IVA schon seit jeher Kontakte mit den europäischen Organisationen und Verbänden im deutschsprachigen Raum. So wie in den dortigen Organisationen üblich, wünscht sich Beckermann für die Zukunft mehr Akteure im Anlegerschutz; aus aktuellen Anlässen seien gerade auch Aufsichtsräte aufgerufen – insbesondere wenn internationale Erfahrung gegeben ist.

Young Shareholders
Weiteres Ziel Beckermanns ist es, mittels „Netzwerkarbeit“ junge Menschen zum Aktionärstum zu motivieren. Ein Kick-Off organisierte er schon im Herbst 2019 mit der gutbesuchten Premierenveranstaltung mit der World Federation of Young Investors, wo die IVA-Initiative „Young Shareholders Austria“ aus der Taufe gehoben wurde. Aktionär sein und das Recht, Anteile zu kaufen und zu verkaufen, heiße auch, Verantwortung zu haben und seine Rechte als Aktionär bzw. Depotinhaber zu kennen, ist Beckermanns Credo. Denn eines professionellen Anlegerschutzes gegen Missbräuche und Selbstbedienungsmentalität zu bedürfen, könne „jeden treffen“.

Aktionäre von morgen
Der neue IVA-Vize setzt auf junge „Aktiensparer von morgen“. Denn das seien Menschen, die sich mit Bitcoin beschäftigen, ihre Finanzangelegenheiten am Handy erledigen und über diverse (digitale) „Vehikel“ schon am Kapitalmarkt teilnehmen. Deren Interesse sei da, jetzt müsse man sie zum „Sprung“ in Aktien motivieren. „Die Stimme bei einer Hauptverssammlung zu erheben kommt mit dem Selbstbewusstsein von ganz allein.“ So gesehen will Beckermann den IVA und den Anlegerschutz „in die nächste Generation führen“ und sieht, dass bei vielen Jungen „angekommen ist, dass man sich einbringen kann“. Diese und alle anderen seien zum Mitmachen aufgerufen.

Viel Handlungsbedarf
Auch die volkswirtschaftliche Sicht ist Beckermann ein Anliegen. „Green Finance“ sei die Chance, nachhaltiges Anlegen in der Bevölkerung zu verankern und die „Elemente Stärkung des Investitionsstandortes und bewusstes Aktionärstum“ zu verbinden. Jeder habe „Verantwortung für seine finanzielle Zukunft“ und Krisen wie Corona würden zeigen, dass die Renten nicht „sicher“ sind. Daher brauche es mehr Bewusstsein, dass z. B. Pensionskassen in Aktien investieren und so dem Wirtschaftskreislauf Kapital zuführen, und dass es bei den vielgepriesenen Startups um Risikokapital geht. Eine Behalte-Frist für Aktien, ab der Erträge dann steuerfrei sind, wünscht sich Beckermann von der Politik, ebenso wie verpflichtende Realwirtschafts- und Finanzbildung im Schulsystem. Angesichts der aktuellen Anlegerschädigungsfälle verweist er auf Skandinavien: Dort lernen schon Schüler, wie man eine Bilanzanalyse macht.

Foto: Florian Beckermann

 

 

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Bewährungsprobe überstanden

Börsegehandelte Indexfonds: eine günstige Beimischung für jedes Portfolio.

Patrick Baldia. Auch wenn sie sich den Corona-bedingten Verwerfungen an den Börsen nicht entziehen konnten, so haben ETFs seit April wieder ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben. Das gilt vor allem für den europäischen Markt, wo die Anbieter laut dem Fondsanalysehaus Lipper allein im Juni Zuflüsse in der Höhe von 13,7 Mrd Euro verbuchen konnten. „Von einem De-Risking kann nicht mehr die Rede sein“, so Bahram Sadighian, Director ETF and Index Investments Austria and Eastern Europe bei BlackRock Investment Management, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Seit Anfang April habe sich das Geschäft mit passiven Fonds extrem stark entwickelt.

Auch beim Konkurrenten Vanguard gibt es derzeit wenig Anlass zum Trübsal blasen. „2020 war für uns bislang ein sehr erfolgreiches Jahr – und das trotz der sehr hohen Volatilität von 40 %“, sagt Chris Hofmann, Senior Sales im Team Deutschland & Österreich, uns gegenüber. Wie Sadighian macht auch die Vanguard-Expertin aktuell einen Trend zu Anleihen aus. „Aber nicht Wetten auf einzelne Fixed-Income-Assetklassen“, konkretisiert sie. Grundsätzlich wären derzeit sowohl Aktien- als auch Anleihen-ETFs gefragt.

Handelbarkeit zu jedem Zeitpunkt
Für Hofmann, die bereits 2009 am Trading-Desk gesessen ist, haben sich ETFs auch während der aktuellen Krise bewährt – auch wenn einige Anleihe-ETFs im März vorübergehend unter ihrem NAV gehandelt wurden. Die Expertin verweist darauf, dass ein ETF immer nur so liquide ist wie der zugrundeliegende Markt. Auch während des bisherigen Höhepunkts im März, habe sich jedenfalls gezeigt, was viele Kritiker ETFs in Krisenzeiten absprachen: Die Handelbarkeit sei zu jedem Zeitpunkt gegeben gewesen. Ähnliches berichtet auch Sadighian: „Vor allem kleinere Positionen konnten innerhalb weniger Stunden verkauft werden.“

Nicht krisensicher?
„Dass Indexfonds nicht krisensicher bzw. nicht durchgängig handelbar sind und gerade in volatilen Marktphasen aktive Manager viele Vorteile haben, sind Ammenmärchen der aktiven Fondsindustrie“, meint Ali Masarwah, Analyst beim Fondsratinghaus Morningstar. Zwar hätten sich aktiv verwaltete Fonds zu Beginn der „Corona-Korrektur“ Ende Feber teilweise besser geschlagen. Seit dem Umschwung Ende März hätten aber wiederum ETFs die Nase vorn. „Im Durchschnitt hinken aktiv verwaltete Fonds der passiven Konkurrenz hinterher – egal ob in steigenden oder fallenden Märkten“, so der Fachmann.

Dass das für praktisch alle Fondskategorien und Zeiträume gilt, zeigt das aktuelle Morningstar-Fondsbarometer. Demnach sind auf Ein-Jahressicht im Durchschnitt nur 38 % der aktiven Fonds besser als ihre Indexfonds-Konkurrenten. Über einen Zeitraum von 15 Jahren sinkt die Erfolgsbilanz auf rund 15 %. Bei Rentenfonds schneiden auf kurze Sicht nur ein Viertel der aktiven Fonds besser ab als Indexfonds. Langfristig sind es deutlich unter 20 %. Insgesamt gehen bei aktiv gemanagten Aktien- und Rentenfonds die Erfolgsquoten bei längeren Betrachtungsräumen zurück.

Kostenthema
Wenn man das Risiko einer Underperformance minimieren möchte, müsse man auch auf die Kosten schauen. Das gelte auch für aktiv verwaltete Fonds – allerdings nur die Günstigsten. Das Morningstar Fondsbarometer zeigt regelmäßig, dass Fonds, die zum günstigsten Quintil zählen, das Teuerste outperformen. „Im Durchschnitt weisen 46 % der günstigsten Fonds, aber nur 17 % der teuersten Fonds eine Outperformance auf“, so Masarwah.

Foto: Pixabay / viarami

 

 

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China bleibt Wachstumsmotor der Schwellenländer

Ein Kommentar von Emil Wolter, Portfoliomanager des Comgest Growth Emerging Markets

(22.07.) Die Weltwirtschaft steckt in einer Rezession, von der auch die Schwellenländer nicht verschont bleiben. Allerdings gibt es bei all dem Schatten, der sich derzeit breit macht, auch Licht: Aus Sicht der unabhängigen internationalen Fondsgesellschaft Comgest haben Schwellenlandaktien nach einem Jahrzehnt der schwachen Performance nun starkes Aufholpotential. Der Wachstumstreiber dieser Renaissance ist und bleibt vorerst China. Das Land hat sich nicht nur während der Covid-19-Krise, trotz Handelskrieg, Virus-Eindämmung und Dollar-Stärke, für viele als unerwarteter sicherer Hafen bewährt. Vielmehr wächst seine Bedeutung für die Weltwirtschaft sowie an den Börsen zunehmend, während sich das Reich der Mitte allmählich zum Zentrum wichtiger Zukunftstrends entwickelt.

Aktuell erholen sich die einzelnen Länder unterschiedlich schnell von der Pandemie. Auch unter den Schwellenländern lassen sich Unterschiede beobachten: „China und Nordasien bewältigen die Krise rasch und das Konsum- und Wirtschaftsleben ist wieder im Aufschwung. Beispielsweise hat das Disney Resort in Shanghai seine Pforten bereits seit Ende Mai wieder geöffnet und profitiert von Nachholeffekten. Insgesamt handelt es sich um eine kurze, aber harte Angebotskrise“, so Emil Wolter, Portfoliomanager des Comgest Growth Emerging Markets (ISIN: IE00B240WN62). Doch für Länder mit schwachen Gesundheits- und Verwaltungssystemen, wie in Brasilien oder Südafrika, wird die Lage durch Covid-19 verschärft.

Börsen von Shenzhen und Shanghai auf der Überholspur
Der Comgest-Manager sieht bei Schwellenländern sowohl Risiken als auch Chancen: „Die Inflation könnte sich beschleunigen. Allerdings ist die Teuerung in den Schwellenländern 2019 so niedrig ausgefallen, wie seit 30 Jahren nicht mehr, was Spielraum für Stimulus bietet. Im Risiko der Dollar-Stärke sehe ich die starke Unterbewertung der Währungen als Chance. Eine durchgreifende Bewertungskorrektur ist möglich. Die Blase ist nicht in den Schwellenländern, denn die KGVs sind relativ und absolut niedrig.“ Insbesondere China sieht Comgest als Wachstumsmotor unter den Entwicklungsländern. Die Bedeutung des Landes für die Weltwirtschaft wächst nicht nur seit Jahren kontinuierlich, was auch am Anteil Chinas am globalen, kaufkraftbereinigten BIP sichtbar wird – 6 % in 2000 gegenüber 19 % in 2019 –, sondern auch an den Aktienmärkten. „Der Geldzufluss an den Börsen von Shenzhen und Shanghai steigt. Seit sich der Markt in den Jahren 2014/2015 geöffnet hat, ist die Nachfrage stark gestiegen“, meint der Experte.

Günstiges Innovationsumfeld, Gegenwind im Währungsbereich
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für diese Entwicklung sind Zukunftstrends, die Fahrt aufnehmen und ihren Ursprung in China haben. Wolter sieht in der Innovation einen zentralen Wettbewerbsvorteil: „Patentanmeldungen schießen in die Höhe. China meldet neben den USA die meisten Patente an und investiert immer mehr in Innovation. So sind im „Made in China 2025“-Plan 180 Milliarden US-Dollar als jährliche Investition in Zukunftsindustrien wie künstliche Intelligenz, 5G, Internet of Things, Augmented Reality und Elektromobilität vorgesehen. China strebt 70 % Selbstversorgung mit High-Tech-Produkten auf lange Sicht an. Hier entwickelt sich ein starkes Exportmodell.“ Neben dem Technologiesektor ist Comgest überzeugt, dass der Gesundheitsmarkt im Reich der Mitte fruchtbaren Boden für Investoren bietet. Denn die privaten und öffentlichen Gesundheitsausgaben steigen schnell, angefacht von einer immer größer werdenden Mittelschicht. Darauf baut beispielsweise der Versicherungsdienstleister Ping An Insurance, der eine Position im Comgest Growth Emerging Markets bildet. Weitere spannende Titel sind der Gaming-Anbieter NetEase, der durch die Corona-Krise einen deutlichen Aufschwung erfuhr, und der Internet-Gigant Tencent, zu dessen Schwerpunkt soziale Netzwerke, Gaming- und FinTech-Dienste zählen. Auch in anderen Schwellenländern, wie Südafrika oder Brasilien, wären Wolter zufolge starke Unternehmen zu finden. „Allerdings sind in diesen Ländern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich schwieriger, was die Performance in den vergangenen Jahren erheblich belastet hat“, sagt er.

Nur aktive Shareholder sind gute Shareholder
Zu den neuesten Zugängen im Comgest Growth Emerging Markets zählt HDFC, eine der größten indischen Privatbanken. Vor dem Hintergrund eines vergleichsweise schwachen öffentlichen Bankensektors, einer recht jungen Bevölkerung und fortschreitender Urbanisierung gilt HDFC als stark etablierter Player im Bereich der Immobilienfinanzierung. Das Unternehmen weist geringe Kreditrisiken, ein starkes Filialnetz, wachsende Kundeneinlagen, starke Bilanzen sowie eine hohe Eigenkapitalrendite auf – und das seit 20 Jahren. Eine Position, die kürzlich verkauft wurde, ist Hikvision, der weltweit führende Anbieter von Produkten und Lösungen für die Videoüberwachung und Sicherheitstechnik. Das Unternehmen hat sich trotz Engagement nicht von seiner Beteiligung an einem Erziehungscamp für die muslimische Minderheit in der Xinjiang-Region getrennt. „Das ist aus ESG-Gründen für uns nicht tragbar. Sehen wir kritische Bereiche, sprechen wir sie proaktiv an und versuchen im Austausch mit dem jeweiligen Unternehmen, Veränderungen herbeizuführen“, sagt Wolter. So unterzeichnete Comgest erst kürzlich zusammen mit anderen Investmentgesellschaften einen offenen Brief an Brasiliens Staatspräsidenten Jair Bolsonaro. In diesem wurde er aufgefordert, die Rodung des Amazonas-Regenwalds zu stoppen, die Kohlendioxidemissionen und den Verlust der biologischen Vielfalt zur Folge hat.

Foto: Adobe Stock / moofushi

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„Zeit heilt alle Wunden“

Nach dem beispiellosen Einbruch der Weltwirtschaft zeigt sich Nordea nun optimistisch.

„Zeit heilt alle Wunden“

Nach dem beispiellosen Einbruch der Weltwirtschaft zeigt sich Nordea nun optimistisch. (23.07.)

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„Die Zeit heilt alle Wunden“

Nach dem beispiellosen Einbruch der Weltwirtschaft zeigt sich Nordea nun optimistisch.

Marius Perger. In den ersten beiden Juli-Wochen hielt Nordea Asset Management gemeinsam mit den Fondsmanagern Ethenea und Mainfirst ihre sommerliche Roadshow unter dem Motto „Willkommen zurück“ in fünf österreichischen Städten ab. Ausgehend von der Tatsache, dass sich die Märkte derzeit trotz der angekündigten schlimmsten Verwerfung seit 100 Jahren vielversprechend entwickeln, stand die Frage „Wie geht es weiter“ im Zentrum der Veranstaltung. Um es vorwegzunehmen: Nordea-Österreich-Chef Johannes Rogy konnte dem versammelten Fachpublikum zwei Botschaften mitbringen: Der Spruch „die Zeit heilt alle Wunden“ finde auch an den Finanzmärkten seine Bestätigung. Und, für Anleger wichtig: „Der unschlagbarste Ansatz: Aktien long“.

Eingangs präsentierte Rogy den wirtschaftlichen Ausblick des skandinavischen Finanzkonzerns. Habe man sich Ende des Vorjahres noch gefragt, ob der Konjunkturzyklus vor einem Einbruch steht, so sei nun klar, dass sich die ganze Welt in einer Rezession befindet. Die Corona-Krise sei tief und beispiellos; sie habe den Dienstleistungssektor am härtesten getroffen, aber auch der Produktions-Sektor könne sich ihr nicht entziehen. Ebenfalls beispiellos sei die Reaktion der Staaten und Notenbanken gewesen; Rogy sieht hier ein „neues Selbstverständnis der Rolle des Staates“, das uns länger begleiten werde.

Er verwies beispielsweise darauf, dass zum Höhepunkt der Krise in Österreich die Hälfte der unselbständigen Erwerbseinkommen direkt vom Staat bezahlt wurde – an Arbeitslose, Beamte und über Kurzarbeitsmodelle.

Gleichzeitig sei die Volatilität an den Finanzmärkten dramatisch angestiegen. Von 23 von Nordea beobachteten Märkten habe einzig Dänemark mit +6,79 % im ersten Halbjahr eine positive Performance gezeigt, China liege mit einem knappen halben Prozent Minus an zweiter Stelle. Am schlimmsten erwischt habe es Brasilien (-36,1 %), dann komme bereits Österreich
(-28,1 %). Was die Sektoren betrifft, konnten Informationstechnologie und Konsum zulegen, während insbesondere Energie, aber auch die Finanzbranche und die Industrie massive Einbußen hinnehmen mussten. Der Kollaps des Ölpreises habe zur niedrigen Inflation geführt, und auch bei den Zinsen rechnet Nordea mit einem weiterhin tiefen Niveau. Schließ-lich habe all das auch Auswirkungen auf Währungen gehabt: Stark gegenüber dem US-Dollar haben sich vor allem Schweizer Franken und Japanischer Yen gezeigt, während die Währungen vieler Emerging Markets – allen voran Brasiliens, Südafrikas und Mexikos – massiv an Wert verloren.

Talsohle durchschritten
Corona habe zu einem scharfen Rückgang der ökonomischen Aktivitäten und einem steilen Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt – die Talsohle sei aber bereits durchschritten, so das Investmenthaus Nordea. Die ökonomischen Kosten der Pandemie seien aller-dings gigantisch. So sei im laufenden Jahr global mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um
3 %, in den USA um 5 % und im Euroraum sogar um 9 % zu rechnen. 2021 sei dann aber mit einer starken Erholung zu rechnen: Nordea erwartet global ein Plus von 5 %, in den USA +4 % und im Euroraum +6 %.

Die staatlichen Hilfsmaßnahmen werden ihre Spuren sehr deutlich im Defizit der einzelnen Länder hinterlassen: 2020 sei in den USA mit einem Defizit von 15,4 %, 2021 mit einem von 8,6 % zu rechnen. Für den Euroraum werden heuer 8,5 % und im kommenden Jahr 3,5 % erwartet. Relativ gut stehen jene Staaten da, die in den letzten (guten) Jahren einen Überschuss erzielt haben und nun einen Spielraum für die Finanzierung besitzen. Neben Deutschland seien dies insbesondere die skandinavischen Staaten Dänemark, Norwegen und Schweden.

Nordeas Investmentphilosophie
Statt auf Anlageklassen setzt die skandinavische Fondsgesellschaft auf „Ertragstreiber“. Dafür werde ein Ertragstreiber als Risikoprämie – also als jener Zusatzertrag, den man für das Eingehen eines gewissen Risikos erhält – interpretiert. Es zeige sich, dass sich Risiko leichter identifizieren lasse, wenn man auf Risikoprämien fokussiert ist anstatt auf Anlageklassen. Darüber hinaus seien Korrelationsanalysen für Risikoprämien robuster als für Anlageklassen.

Man müsse die volkswirtschaftliche Entwicklung nicht exakt vorhersagen können, um in allen Phasen des Konjunkturzyklus einen positiven Ertrag zu erzielen, so Nordea. Dafür werden „zur signifikanten Reduktion des Gesamtportfoliorisikos“ Renditetreiber, die in rezessiven Phasen funktionieren mit solchen kombiniert, die in Erholungsphasen funktionieren – das Ergebnis sei eine durchgehend positive Wertentwicklung.

So werden beispielsweise im „Nordea 1 – Alpha 10 MA Fund“ sechs sogenannte „Superstrategien“ eingesetzt, die jeweils unabhängig voneinander in der Art von Sub-Portfolios verwaltet werden und eine Vielzahl unterschiedlicher Risikoprämien beinhalten. Vier dieser Strategien – Aktien-, Anleihen- Währungs- und strategische Risikobalancierungsstrategien – diesen der Risikobalancierung. Dazu kommen zwei direktionale Strategien (Handels- und X-Asset Momentum Strategien), die langfristig absolute Erträge anstreben, indem sie in bestimmten Marktphasen Ineffizienzen ausnutzen. Insgesamt würden sich diese Super-Strategien üblicherweise voneinander unabhängig entwickeln und auf lange Sicht „recht marktneutral“ verhalten.

Foto: Pixabay / Capri23auto

 

 

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Nur ein „blaues Auge“ für Deutschland

Österreichs wichtigster Handelspartner zeigt sich sehr robust.

Christiane Süßel, Frankfurt. Auch in Deutschland reißt die Corona-Pandemie tiefe Wunden, kein Zweifel. Dennoch sieht es fast so aus, als ob Deutschland im Vergleich zu Ländern wie den Vereinigten Staaten oder Großbritannien mit nur einem blauen Auge davonkommt. Das Gesundheitssystem zeigt sich trotz des immer wieder angeprangerten Pflegekräftemangels krisenfest und die Mortalitätsrate ist in Deutschland im internationalen Vergleich gering – geringer als in den anderen G10-Ländern, mit Ausnahme von Japan.

Doch was ist der Schlüssel für diese Robustheit, diese Krisenresilienz? Die Experten der Deutschen Bank sind dem Mirakel auf den Grund gegangen und haben sechs Gründe für den deutschen Erfolg ausgemacht.

Zu allererst habe die Regierung früh und umfassend auf Virusausbrüche reagiert und die Pandemiegefahr sehr ernst genommen, bescheinigen die Deutsch-Banker. Zugute komme Deutschland dabei das im internationalen Vergleich sehr gut ausgestattete Gesundheitssystem. So gab es weder einen ernsten Mangel an Tests, noch an medizinischer Ausrüstung, Personal oder Testkapazitäten. Den dezentral organisierten Gesundheitsämtern sei es zudem gelungen, die Neuinfektionen rasch nachzuverfolgen, was auch auf mittlere Sicht eine zweite Welle unterbinden könnte.

Ein anderer Knackpunkt: Die „häufig belächelte konservative Ausgabenpolitik“ habe dazu beigetragen, dass es den nötigen Spielraum für ein Konjunkturpaket mit einem ordentlichen „Wumms“ gebe, wie Bundesfinanzminister Olaf Scholz das 1,9 Bio Euro schwere Unterstützungspaket der Regierung anpreist. Zwar wird die Staatsschuldenquote bis Ende 2021 auf rund 80 % des BIP ansteigen, im internationalen Vergleich ist das aber ein eher sehr niedriges Niveau. Da bleibt zudem ein veritabler Spielraum für ein weiteres Konjunkturpaket, wenn es benötigt wird. Zwar wird der Abschwung auch hierzulande heftig ausfallen, dennoch gehen die Experten der Deutschen Bank davon aus, dass sich Deutschland im internationalen Vergleich sehr rasch erholen wird. Größter Bremsklotz wird dabei die schwache Entwicklung bei den traditionellen Handelspartnern sein.

„Rezession dürfte nicht so schwer ausfallen“
Neben dem gut funktionierenden staatlichen Gesundheitswesen, dem föderalen System mit kooperativ agierenden politischen Entscheidungsträgern und der konservativen Fiskalpolitik mit beachtlichen fiskalischen Ressourcen trägt auch das engmaschige Sozialversicherungsnetz zur Resilienz bei. So schützt etwa das Kurzarbeitergeld die Erwerbsbevölkerung vor massiver Arbeitslosigkeit, wie sie in den USA zu beobachten ist. Hinzu kommt, dass die Unternehmen auch dank dieses Sozialpakets eher langfristig denken. Unter dem Strich vertrauen auch Unternehmen wie Bevölkerung den Institutionen. Alles in allem lebten die Menschen hierzulande in vergleichsweise stabilen finanziellen Verhältnissen und könnten auch vorübergehende Einkommensverluste verkraften. „Die Rezession dürfte daher in Deutschland im Jahr 2020 nicht so schwer ausfallen wie in den meisten anderen Industrieländern“, urteilen die Experten. Am Ende könnte Deutschland nach der Überwindung der Pandemie eine „noch bessere Position unter den wichtigen Industrieländern einnehmen“.

Foto: Pixabay / tvjoern

 

 

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Treibt die Krise die Häuserpreise nach oben?

Die geldpolitischen Rahmenbedingungen begünstigen Immobilien.

Michael Kordovsky. Die weit verbreitete Meinung war, dass Mietausfälle und Mietstundungen die Immobilienpreise unter Druck setzen könnten. Das mag bei Gewerbeimmobilien im Bereich Tourismus, Gastronomie und Einzelhandel teilweise der Fall sein. Wohnen hingegen ist ein Grundbedürfnis. Bevor Privatpersonen mit ihrer Wohnungsmiete in Verzug geraten, zögern sie noch alle anderen Zahlungen hinaus. Somit fließen auch in schlechten Zeiten die Mieteinnahmen aus Wohnimmobilien relativ regelmäßig. Und es kommt noch besser:

Geldmenge und Entwicklung sprechen für Inflation
Die Europäische Zentralbank hat ihre Bilanzsumme vom 6. Dezember 2019 bis 10. Juli 2020 von 4.709,3 auf 6.309,2 Mrd Euro ausgeweitet. Das entspricht mittlerweile rund 53 % der Wirtschaftsleistung der Eurozone im Jahr 2019. Rechnet man das bisherige Ankaufprogramm öffentlicher Anleihen und das im Zuge des PEPP (Pandemic emergency purchase programme) akkumulierte Volumen italienischer Staatsanleihen zusammen, kommt man bis Ende Juni auf eine Nettokauf-Summe von 435,9 Mrd Euro. Die PEPP-Daten reichen dabei nur bis Ende Mai 2020. Das PEPP ermöglicht sogar den Kauf griechischer Staatsanleihen. Bis dato hat die EZB ein Volumen von ca. 4,7 Mrd Euro erworben. Dadurch verschlechtert sich im Laufe der Zeit die Asset-Qualität der EZB.

Christian Rieck, Professor für Finance und Wirtschaftstheorie an der Frankfurt University of Applied Sciences, sieht für die Inflation nicht die Geldmenge an sich, sondern vielmehr die Qualität der Zentralbankbilanz als entscheidenden Faktor. Laut Rieck ist diese Entwicklung auch im Eigenkapital sichtbar. Machten vor zehn Jahren in der Bilanz des Eurosystems Kapital und Rücklagen noch 3,9 % der Bilanzsumme aus, waren es zuletzt nur noch 1,7 %.

Gleichzeitig hat die EZB in der Corona-Krise die Geldmenge M3 stark ausgeweitet. Sie stieg von Ende Dezember 2019 bis Ende Mai 2020 um 6,1 % auf 13,79 Bio Euro. Je nach vertretener Lehrmeinung zur Inflation könnte entweder die Geldmengenausweitung im ersten Quartal 2020 in den europäischen Hauspreisen Niederschlag gefunden haben oder die Anleger flüchteten aus Angst vor Geldentwertung in Betongold.

Beschleunigter Wohnimmobilien-Preisauftrieb
Fakt ist, dass im Euroraum und der EU die Hauspreisindizes im ersten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um jeweils 5,0 bzw. 5,5 % stiegen – eine Beschleunigung gegenüber den Vorquartalen. Im Euroraum lagen beispielweise die Wohnimmobilienpreisanstiege im zweiten, dritten und vierten Quartal 2019 bei jeweils 4,5; 4,3 bzw. 4,5 %.

Der Hauspreisindex (HPI) misst dabei die Preisentwicklungen aller von Haushalten erworbenen Wohnimmobilien (Wohnungen, Einfamilienhäuser, Reihenhäuser usw.), sowohl Neu- als auch Altbauten, unabhängig von ihrer endgültigen Verwendung und ihren bisherigen Eigentümern. Die HPIs der Mitgliedstaaten erstellen nationale Statistikämter, während Eurostat die HPI-Aggregate als gewichtete Durchschnitte (BIP ausschlaggebend) der nationalen HPIs berechnet.

Quer durch die EU (inklusive Großbritannien) betrachtet, hat sich der Preisanstieg bei 19 Staaten vom vierten Quartal 2019 auf das erste Quartal 2020 beschleunigt. Nur sieben Staaten zeigten rückläufige Entwicklung, während Griechenland keine Daten lieferte. Die stärksten Hauspreisanstiege verzeichneten Luxemburg (14 %), die Slowakei (13,1%), Estland (11,5 %) und Polen (11,3 %). Am schwächsten waren indessen die Entwicklungen in Ungarn (-1,2 %), Irland (1,0 %), Zypern (1,1 %) und Finnland (1,4 %). Ebenfalls mäßig war die Preissteigerung mit 1,7 % in Italien, das seit der Finanzkrise unter schwachen Wirtschaftsaktivitäten leidet.

Zwar spielen regionale Gegebenheiten hier eine Rolle, aber grundsätzlich ist die jüngste Flucht der Anleger in Betongold (schwindendes Vertrauen ins Finanzsystem) der Hauptfaktor. Auch in Österreich hat sich der Preisanstieg von 6,2 % im vierten Quartal 2019 auf 7,7 % im ersten Quartal 2020 beschleunigt, zumal Banken hierzu-lande das Hypothekarkreditgeschäft forcieren.

Foto: Pixabay / paulbr75

 

 

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Weshalb die US-Wahlen für Anleger möglicherweise keine Rolle spielen

Ein Kommentar von Julian Howard, Lead Investment Director für Multi-Asset-Portfolios bei GAM Investments.

US-Wahlen und die Börse

Ein Kommentar von Julian Howard, Lead Investment Director für Multi-Asset-Portfolios bei GAM Investments. (16.07.)

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Weshalb die US-Wahlen für Anleger möglicherweise keine Rolle spielen

Ein Kommentar von Julian Howard, Lead Investment Director für Multi-Asset-Portfolios bei GAM Investments.

(16.07.) In den USA sind Widersprüche nichts Neues. Es gibt jedoch Augenblicke, in denen sich sogar erfahrene Beobachter die Augen reiben. Ein Beispiel dafür waren die späten 1960er Jahre: Während die Welt die ersten Schritte von Neil Armstrong auf dem Mond bestaunte, wurden die USA von zivilen Unruhen wegen des Vietnamkriegs, Rassenkrawallen in Städten wie Detroit und einer konfliktbeladenen Wahl erschüttert. Das Jahr 2020 bietet traurigerweise ein vergleichbares Bild: In den größeren Städten der USA eskalieren die Rassenkonflikte, während Wahlen bevorstehen und erneut Astronauten ins All geschossen werden. Lässt man jedoch den Aspekt beiseite, wie brüchig sich die amerikanische Ausnahmestellung zeigt, besteht der entscheidende Unterschied zur damaligen Konstellation darin, dass das Coronavirus den Niedergang einer politischen Kultur beschleunigt hat, die seit Mitte der 1990er Jahre eine zunehmende Spaltung aufweist. Für manchen Anleger ist dies verständlicherweise eine nervenaufreibende Situation. Es darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass zwischen der US-Politik und den Anlagemärkten keine direkte Beziehung besteht. Trotz aller Furcht vor umverteilungswütigen Demokraten oder populistischen Republikanern tendierte der US-Aktienmarkt nach Parlamentswahlen in den USA mit nur sehr wenigen Ausnahmen in der Regel aufwärts.

Zum Teil lässt sich dies möglicherweise einfach auf die Erleichterung darüber zurückführen, dass der Wahlkampfzirkus im jeweiligen Jahr endlich beendet war. Ein Grund könnte jedoch auch sein, dass die Unsicherheit über den Wahlausgang nicht mehr ins Gewicht fällt, sobald man diese dem stetigen Wirtschaftswachstum, der dynamischen Innovation, den weltweit vorbildlichen Unternehmensleitungen und den liquiden Aktienmärkten der USA gegenüberstellt. Die Coronavirus-Pandemie und der damit verbundene wirtschaftliche Schock könnten die Anleger jedoch dazu bewegen, die anlagerelevanten Faktoren im Jahr 2020 intensiver zu untersuchen. Da diesmal theoretisch mehr auf dem Spiel steht als gewöhnlich, könnten politische Unterschiede in diesem Jahr insbesondere angesichts der relativen Robustheit des Marktes tatsächlich ins Gewicht fallen.

Trump-Wahlsieg könnte US-Unternehmen und Aktienmarkt zugutekommen

Eine Analyse der Kandidaten zeigt: Falls sich Präsident Trump eine weitere vierjährige Amtszeit sichern sollte, könnte potenziell die Aggressivität gegenüber China eskalieren, ein weiterer Coronavirus-Schub außer Kontrolle geraten und das Haushaltsdefizit derart ausufern, dass es unbeherrschbar wird. Im Hinblick auf Letzteres kann mit Sicherheit behauptet werden, dass Präsident Trump kein Verfechter restriktiver Haushaltspolitik ist. Als George W. Bush im Jahr 2008 den Geldhahn aufdrehte, um die Banken zu retten und die US-Wirtschaft nach dem Lehman-Konkurs anzukurbeln, trat sein Zögern deutlich zutage, als er erklärte: „Eine völlige Beseitigung des Risikos würde auch die Innovationskraft und Produktivität untergraben, die die Schaffung von Arbeitsplätzen und Wohlstand in Amerika antreibt.“ Der aktuelle Präsident zögert jedoch nicht, wenn es darum geht, Geld auszugeben. Er wird seinem von ihm selbst geprägten Spitznamen als „Schuldenkönig“ vollends gerecht. Das US-Finanzministerium gab vor Kurzem bekannt, dass es allein im zweiten Quartal 2020 die atemberaubende Summe von 3 Billionen USD als neue Schulden aufnehmen müsse. Obwohl es zutrifft, dass die Kosten für diesen Schuldendienst gering sind und ein Großteil der Anleihen direkt von der US-Notenbank aufgekauft werden, bestehen dennoch Zweifel, ob das enorme Ausmaß dieser Kreditaufnahme tatsächlich folgenlos bleiben kann.

Andererseits würden die Unternehmenssteuern bei einer zweiten Amtszeit von Trump, wie im Kernstück seiner Regierungserklärung, dem Tax Cuts and Jobs Act von 2017, vorgesehen, höchstwahrscheinlich niedrig bleiben. Dies würde bedeuten, dass große US-Unternehmen weiterhin einen Anreiz hätten, ihre Liquiditätsreserven im Land zu halten und einen sofortigen, abgabefreien Zugang für künftige Investitionen sicherstellen. Davon profitierte insbesondere der Technologiesektor. Hier drängt sich ein vorteilhafter Vergleich mit dem früheren US-Riesen General Electric auf. Das Unternehmen konnte während der Weltwirtschaftskrise das Fernsehen erfinden, weil es weiter in Forschung und Entwicklung investierte, während andere Unternehmen Arbeitskräfte entließen. Zudem würden die Deregulierung und angebotsseitigen Reformen fortgesetzt. Damit könnten bürokratische Hindernisse abgebaut und die Obsession der USA für Berufsgenehmigungen umgangen werden, um nach der Coronavirus-Pandemie dringend benötigte Arbeitsplätze zu schaffen. Es ist eine unbequeme Wahrheit, dass Trumps Politik den US-Unternehmen und dem Aktienmarkt zugutekam, auch wenn einige Analysten dies zunächst nicht wahrhaben wollten. Eine zweite Amtszeit könnte eine Fortsetzung dieser Politik mit sich bringen.

Wahlsieg Demokraten: höhere Unternehmens- und Kapitalgewinnsteuer wahrscheinlich

Den Demokraten kann angesichts der oben beschriebenen Position der Republikaner indes kaum eine unverantwortliche und damit vergleichsweise gefährlichere Haushaltspolitik vorgeworfen werden. Trotzdem wäre unter den Demokraten mit höheren Unternehmens- und Kapitalgewinnsteuern zu rechnen, um eine gleichmäßigere Steuerlast in den USA zu erreichen. Ebenso sind schärfere Umweltschutzbestimmungen zu erwarten, und auf bestimmte Unternehmen kämen höhere Kosten zu. Unternehmen mit hohem CO2-Ausstoß würden mit größeren Herausforderungen konfrontiert. Infolge des Pariser Übereinkommens und des jüngsten Energiepreisverfalls haben sich zahlreiche Anleger jedoch mittlerweile entsprechend positioniert. Der wichtigste Aspekt für die Märkte wäre vermutlich, wie sich eine demokratische Regierung auf den Technologiesektor auswirkt. Technologieaktien, insbesondere die „großen Fünf“ Facebook, Amazon, Apple, Microsoft und Alphabet, haben den US-Aktienmarkt nicht nur während der Pandemie, sondern bereits in den vorangegangenen Jahren angetrieben.

Während die aktuelle Regierung nicht bereit war, sich an den Diskussionen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) über eine globale Digitalsteuer zu beteiligen, erkennen viele Demokraten, dass die Konsumenten die Monopolstellung der großen Technologieunternehmen zunehmend mit Misstrauen betrachten. Untersuchungen der US-Handelskommission und des Justizministeriums dürften unter einer demokratischen Regierung neuen Auftrieb erhalten, während die globale Digitalsteuer zu einem späteren Zeitpunkt in veränderter Form erneut zur Diskussion gestellt werden könnte. Obwohl Politiker wie Elizabeth Warren im Hinblick auf den internationalen Handel keine Befürworter einer „fehlbewerteten“ Globalisierung sind, ist es jedoch unwahrscheinlich, dass die Beziehungen zu Handelspartnern derart feindselig würden, wie es während der aktuellen Regierung Trump der Fall ist. Marktschwankungen wie in den Jahren 2018 und 2019 aufgrund einer aggressiven Handelsrhetorik würde es unter einer zukünftigen demokratischen Präsidentschaft vermutlich nicht geben.

Das Beste aus beiden Welten: Demokratische Präsidentschaft mit Republikanischem Senat

Insgesamt ergibt dies ein wesentlich nuancierteres Bild als das traditionelle Schema „Republikaner gut – Demokraten schlecht“, das viele Marktgurus angesichts der bevorstehenden Wahlen präsentieren. Eine relativ inaktive Präsidentschaft von Joe Biden mit einem republikanischen Senat könnte sogar das „Beste aus beiden Welten“ bieten; eine Situation, in der die niedrigen Steuersätze bestehen bleiben, aber es keine Tweets sowie handelspolitischen und diplomatischen Dramen mehr gibt, die Volatilität auslösen. Selbst das angenommene Worst-Case-Szenario eines Wahlsiegs der Demokraten auf der ganzen Linie wäre möglicherweise in zweierlei Hinsicht gar nicht so schlecht: Erstens entwickelte sich der US-Aktienmarkt in den vergangenen Monaten recht gut, obwohl Biden in den Umfragen einen beachtlichen Vorsprung vor Trump hatte. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass Biden im Gegensatz zu seinem kürzlich von ihm bezwungenen Herausforderer aus Vermont eine relativ bekannte Größe ist, mit der sich die großen Unternehmen arrangieren können. Im Vergleich dazu löste Hillary Clinton im Vorfeld der Wahlen im Jahr 2016 mit ihren radikalen Aussagen zu den Arzneimittelpreisen mehrmals heftige Schwankungen der Aktienkurse großer Pharmaunternehmen aus.

Der zweite Grund, weshalb ein Rundumsieg von Biden glimpflicher verlaufen könnte als angenommen, besteht darin, dass sich der „Techlash“, also Maßnahmen gegen die großen Technologieunternehmen, möglicherweise anders auswirkt als erwartet. Wie sich bei der Aufspaltung von Paypal und eBay zeigte, kann sich eine Zerschlagung von Technologieunternehmen für Anleger sogar vorteilhaft auswirken. Kürzlich durchgeführte Analysen ergaben, dass separate Aktiennotierungen der Unternehmen, aus denen sich Alphabet zusammensetzt, in der Summe um mehr als 30 % höher notieren könnten als die aktuelle Unternehmensstruktur. Zudem unterstellen diese Annahmen, dass die Technologieriesen in dieser Angelegenheit kein Mitspracherecht hätten. Mit ihrer Kooperation bei Kontaktverfolgungs-Apps im Kampf gegen die Pandemie haben sie sich jedoch in der Öffentlichkeit ein gewisses Wohlwollen verdient, während sie unverändert intensiv daran arbeiten, ihre Interessen gegenüber der Regierung geltend zu machen. Aus einer Datenbank ging hervor, dass ein bestimmtes soziales Netzwerk allein im ersten Quartal 2020 über 5 Millionen USD für Lobbyarbeit ausgab. Die Meinungsbildung in Washington findet nicht in einem Vakuum statt.

Und natürlich gibt es nicht zuletzt noch das Szenario eines Rundumsiegs von Trump. Obwohl ein derartiges Ergebnis in einigen Lagern zweifellos Entsetzensschreie auslösen dürfte, würde dies vermutlich sicherstellen, dass für US-Unternehmen mit niedrigen Steuern und einer lockeren Regulierung alles so weiterläuft „wie gehabt“. Die US-Wahl im Jahr 2020 wurde häufig als „große Unbekannte“ beschrieben, und das soziopolitische Klima war seit dem Ende der 1960er Jahre nicht mehr so aufgeheizt wie aktuell. Dennoch deutet keines der derzeit möglichen Wahlergebnisse auf eine unmittelbare Katastrophe hin. Möglicherweise spielt diese Wahl für Anleger gar keine so große Rolle.

Foto: GAM

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Privates Kapital fürs Klima

Mit neuem Förderprogramm sollen nachhaltige Investitionen vorangetrieben werden.

Patrick Baldia. Der Klimaschutz hat seinen Preis. Laut Umweltministerin Leonore Gewessler müssten jährlich bis zu 17 Mrd Euro investiert werden, um die Klimaziele zu erreichen. Angesichts begrenzter staatlicher Mittel kommt in diesem Zusammenhang privatem Kapital eine Schlüsselrolle zu. Mit „Green Finance“, einem kürzlich vorgestellten Förderprogramm des Klima- und Energiefonds und des Umweltministeriums, sollen nun vermehrt Investitionsmöglichkeiten für Privatpersonen und institutionelle Anleger geschaffen werden.

Green Finance setzt sich jeden-falls aus zwei Teilen zusammen. Im ersten geht es darum Projekte für den Kapitalmarkt „bankable“ zu machen. Konkret werden Entwickler bei der Erstellung von Businessplänen unterstützt, um potenzielle Investoren mit transparenten Informationen zu versorgen. Die Höhe der Unterstützung liegt abhängig von den Projektgesamtkosten zwischen 20.000 und 60.000 Euro. Wie auch beim zweiten Teil sollen vor allem Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsprojekte unterstützt werden.

Im zweiten Teil wird ein Stolperstein bei der Platzierung von Klimaschutzprojekten auf dem Finanzmarkt adressiert: die Nebenkosten. So werden unter anderem die bei Green Bonds und Crowd-Finanzierung anfallenden Kosten für Zertifizierungen, Kapitalmarktprospekte oder Plattformgebühren zu bis zu 50 % übernommen. Von der Unterstützung ausgeschlossen sind Unternehmen, die eine Crowd-Finanzierung durchgeführt haben bzw. einen Green Bond emittiert haben.

Die große Frage ist, ob die 1,1 Mio Euro, mit denen Green Finance dotiert ist, ausreichen werden, um die Programmziele zu erfüllen. Susanne Hasenhüttl, Expertin für Grünes Investment bei der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT), räumt zwar ein, dass dieser Betrag auf den ersten Blick nicht allzu hoch sein mag. „Mit Green Finance geht es aber eher darum, auszuloten, ob Privatanleger für ein stärkeres Engagement in nachhaltige Veranlagungen bewegt werden können“, sagt sie.

„Man darf nicht vergessen, dass in diesem Zusammenhang keine Erfahrungen aus dem Ausland vorliegen“, so die Expertin weiter. Sie verweist darauf – wie im Übrigen auch Ingmar Höbarth, Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds, und Gewessler – dass dies EU-weit das erste Programm sei, bei dem Projektbetreiber Unterstützung bei den Nebenkosten bekommen. Gewessler hat auch betont, dass das Förderprogramm nur die erste Maßnahme auf der Agenda sei, die präsentiert werde. Weitere würden im Herbst folgen.

Während mit Crowd-Finanzierung per Definitionem Privatpersonen angesprochen werden, was auch die kleinteilige Stückelung der Investments unterstreicht, haben sich Green-Bond-Emissionen in der Regel bislang an institutionelle Investoren gerichtet. Eine Ausnahme stellt in Österreich die BKS Bank dar, die in der Vergangenheit immer wieder Green Bonds und Social Bonds emittiert hat, die sich auch an kleinere Privatanleger gerichtet haben. Dasselbe gilt für die Green Bonds der PV-Invest.

Christian Zima, Fondsmanager des „Raiffeisen-GreenBonds“ der Raiffeisen KAG, hat jedenfalls eine Empfehlung für Privatanleger: „Bei Einzelanleihen muss man das Klumpenrisiko immer im Auge behalten. Auch bekannte Unternehmen können ins Straucheln geraten.“ Daher sei es ratsam, nicht sein gesamtes Geld in eine Anleihe zu investieren. Auch dürfe man sich nicht allzu hohe Renditen erwarten. Angesichts des Niedrigzinsumfelds wären Renditen um die 1 % das „höchste der Gefühle“.

Foto: BMK / Cajetan Perwein

 

 

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Zweite Welle vs. Aufschwung

Bedroht zweite Corona-Welle den Aufschwung?

Michael Kordovsky. Die Zahl der Infizierten steigt vor allem in den USA und Lateinamerika explosionsartig an und auch in Österreich mehren sich die regionalen „Seuchen-Hotspots“. Zunehmend restriktive Maßnahmen zur Eindämmung von Covid19 auf regionaler Ebene sind weltweit verbreitet. Gerät die Pandemie außer Kontrolle, dann sind erneute landesweite Lockdowns nicht auszuschließen. Inwiefern hat sich dies bereits auf die Konjunktur ausgewirkt? Das zeigen folgende Einkaufsmanager-Indizes, die auch Frühindikatoren wie Auftragseingänge und Exportorders enthalten.

Chinas Produktion auf Hochtouren
Der unabhängige „Caixin China General Manufacturing Purchasing Managers Index“ (PMI) stieg von Mai auf Juni weiter von 50,7 auf ein Sechs-Monatshoch von 51,2 Punkten. Werte über 50 Punkte gelten als Expansion der Aktivitäten. Das vorangegangene Corona-Tief lag im Feber bei 40,3 Punkten. Die erfreuliche Entwicklung ist auf die Auflockerung der Corona-Maßnahmen zurückzuführen. Der Output wuchs im Zuge eines erneuten Anstiegs der Auftragseingänge, während der Konsum neue Impulse gab. Hingegen noch schwach zeigt sich die Beschäftigungskomponente. Firmen agieren in der Einstellung neuen Personals sehr vorsichtig. Besonders erfreulich entwickelte sich auch der Caixin/Markit-Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen. Er stieg im Juni weiter von 55 auf 58,4 Zähler und somit den höchsten Stand seit April 2010. Das Neugeschäft zeigte deutliche Impulse und die Exportbestellungen lagen erstmals seit Jänner wie-der im Plus. Offensichtlich gibt es einiges nachzuholen.

USA fahren kräftig hoch
In den USA genau beobachtet wird der „ISM Report on Business“. Dabei wird über die Entwicklung von zwei Einkaufsmanager-Indizes und deren Komponenten berichtet, nämlich einem für die Produktionswirtschaft und einem anderen für Bereiche jenseits der klassischen Produktion. Der „ISM Report On Business“ für die Produktionswirtschaft für Juni gibt Hoffnung: Eine Konstellation bestehend aus zunehmenden Auftragseingängen und steigender Produktion, einem Aufbau an Rohstofflagerbeständen aber zu niedrigen Lagerbeständen im Handel ist günstig für weitere Wachstumsimpulse. Von Mai auf Juni stieg der betreffende Einkaufsmanagerindex um 9,5 %-Punkte auf 52,6 %. So einen Sprung hat es seit August 1980 nicht gegeben. Auch andere Indikatoren zeigten eine Belebung, wie wir sich in den letzten Jahren nicht kannten. Die Auftragseingangskomponente schnellte nämlich von 24,6 %-Punkte auf 56,4 % empor, während der Produktionsindex ein Plus von 24,1 %-Punkte auf 57,3 % verzeichnete. Von 18 verarbeitenden Industrien zeigten elf steigende Auftragseingänge.

Einen historisch starken Anstieg (seit Start der Datenreihe im Jahr 1997) verzeichnete der Einkaufsmanagerindex außerhalb des Produktionsbereichs (non-manufacturing-sector). Er stieg von Mai auf Juni um 11,7 %-Punkte auf 57,1 %. Einen raketenartigen Anstieg zeigte dabei der Index der Geschäftsaktivitäten, der um 25 %-Punkte auf 66 % anstieg, während der Index der Auftragseingänge um 19,7 %-Punkte auf 61,6 % hochlief. Auf breiter Front machen sich die Lockerungsmaßnahmen in der Corona-Vorbeugung bemerkbar.

Euroraum zeigt ebenfalls Stärke
Der Eurozone Composite PMI, ein Aktivitätsindikator der Privatwirtschaft (Produktion und Dienstleistung) kletterte um knapp 17 Punkte auf ein Vier-Monatshoch von 48,5 Punkten und übertraf damit auch die Vorabschätzung um einen Punkt. Quer durch Europa erstreckt sich dabei die Erholung. Das zeigt sich darin, dass die Composite Output Indizes der Länder Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland und Irland jeweils ein Vier-Monatshoch erreichten. Mit 51,7 Punkten bereits im Expansionsbereich lag Frankreich, während Irland und Deutschland mit 44,3 bzw. 47,0 Punkten noch über ein per Saldo rückläufiges Aktivitätsniveau verfügen. Allerdings schwächten sich bereits die Auftragseinbußen ab. Aufgrund der allgemeinen Verbesserung des Konjunkturbildes kennzeichnet der PMI aktuell nur noch einem BIP-Rückgang von 0,2 % auf Quartalsbasis. Chris Williamson, Chef-Ökonom bei IHS Markit, blickt vorsichtig optimistisch ins dritte Quartal: „Überdies nährt das verbesserte Geschäftsklima die Hoffnung, dass das BIP im dritten Quartal 2020 wieder wachsen dürfte.“

Fazit
Noch hat sich eine mögliche „zweite Welle“ nicht in den Wirtschaftsdaten niedergeschlagen. Machen Covid19 oder die neu aufkeimende Pest (es gibt Verdachtsfälle der Beulenpest in China) keinen Strich durch die Rechnung, geht es weiter aufwärts. Doch der externe Seuchenfaktor darf nicht unterschätzt werden.

Foto: Adobe Stock / Jirsak

 

 

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Mit Tiefe statt Breite

Sichtbarkeit der „Sammlung Verbund“ ist für Vorstand ein wichtiger Aspekt.

Lea Schweinegger. Sie ist etwas ganz Besonderes: die Sammlung des heimischen Stromanbieters Verbund. Was sie so besonders macht? Sie verhalf Künstlerinnen und Künstlern zu internationaler Bekanntheit und begeistert auch Museen und Sammler in ganz Europa. Für den Verbund-Vorstand ist die Sammlung nicht nur eine Prestigesache, sondern wurde von der Führung und vor allem von der Gründerin der Sammlung, Gabriele Schor, mit Verstand und Leidenschaft aufgebaut. „Mit Tiefe statt Breite“, wie sie sagt. Heute begeistert die Sammlung des heimischen Stromriesen in der internationalen Kunstwelt und findet viel Anerkennung.

Im Gespräch mit dem Börsen-Kurier geben die Leiterin der Kunstsammlung sowie der stellvertretende Vorsitzende des Verbund, Michael Strugl, Einblicke in die Sammlung und die Motivation dahinter.

Börsen-Kurier: Herr Strugl, welchen Stellenwert hat Kunst für Sie, nicht nur als Teil der Unternehmenskultur, sondern auch persönlich?

Michael Strugl: Kunst wirkt bei mir auf der emotionalen Ebene, das merke ich sehr schön bei den großformatigen Fotografien von Loan Nguyen, die in meinem Büro hängen und mit denen ich täglich lebe. Sie wirken auf mich und meine Besucherinnen und Besucher interessanterweise beruhigend. Kunstwerke geben auch immer einen Anlass für einen spannenden Gedankenaustausch, das schätze ich auch sehr an jeder Art von Kunst, sei es Theater, Oper, Musik, Film oder Bildende Kunst.

Als ich in das Unternehmen kam, war ich vom Umfang und der internationalen Bedeutung der „Sammlung Verbund“ positiv überrascht. Dies hat sich dann vergangenes Jahr in Barcelona verstärkt, wo ich im CCCB (Centre de Cultura Contemporània de Barcelona) unsere Ausstellung der „Feministischen Avantgarde“ eröffnen konnte. Eine großartige kunstgeschichtliche Aufarbeitung, was Frauen in den 1970er-Jahren künstlerisch geleistet haben. Seit zehn Jahren tourt unsere Ausstellung durch Europa. Diese Breitenwirkung ist für eine Firmensammlung etwas ganz Besonderes.

Börsen-Kurier: Was will das Unternehmen mit der Sammlung ausdrücken und wie wichtig ist es für den Vorstand, die Sammlung für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen?

Strugl: Die Öffentlichkeit ist ein wichtiger Aspekt für die Sammlung, da wir als Verbund der Gesellschaft verpflichtet sind und mit der Sichtbarkeit der Kunstwerke der Gesellschaft einen Mehrwert geben wollen. Durch die enorm positive Öffentlichkeit wurden viele Künstlerinnen erstmals bekannt und wieder ins Bewusstsein der Kunstgeschichte gerückt. Die aktuelle Ausstellung „The Beginning. Kunst in Österreich 1945 bis 1980“ in der Albertina Modern im Künstlerhaus zeigt dies etwa eindrücklich. Dort sind viele der von uns aus der Vergessenheit geholten Künstlerinnen vertreten. Unsere Firmensammlung schafft damit bleibende Werte.

Börsen-Kurier: Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder sagte einmal in einem Gespräch: „Wer Kunst kauft, ist deshalb kein Mäzen!“ Welche Rolle spielt für den Vorstand Ihres Unternehmens das Mäzenatentum?

Strugl: Unsere Sammlungsleiterin Gabriele Schor erwirbt Kunstwerke aus kunsthistorischen und ästhetischen Überlegungen, nicht aus spekulativen Gründen. Da wir für die Werke einen wissenschaftlichen Kontext erarbeiten, Publikationen und Ausstellungen schaffen, fruchtet diese nachhaltige Strategie, und wir freuen uns, dass die Werke auch über die Jahrzehnte am Kunstmarkt mehr wert werden. Dies hilft natürlich auch den einzelnen Künstlerinnen und Künstlern.

Die Frau der ersten Stunde
Börsen-Kurier:
Seit 16 Jahren steht Kunstinteressierten, Kunden des Hauses und Mitarbeitern die „Vertikale Galerie“ mit bis dato selten gesehenen Kunstwerken von österreichischen und aus dem Ausland stammenden Künstlerinnen zur Ansicht zur Verfügung, darunter unter anderem Werke der Multimediakünstlerin Renate Bertlmann, die 2019 den österreichischen Pavillon der Biennale von Venedig bespielte, Brigitte Jürgenssen, Valie Export, die im Mai ihren 80. Geburtstag feierte, Francesca Woodman, Cindy Sherman und von anderen.

Frau Direktor Schor, wenn Sie Ihre Jahre, die spannende Auswahl an Werken, die sie getroffen haben, und Ihre Erfolge als Gründerin, Kuratorin und Leiterin der Sammlung Revue passieren lassen, wie zufrieden sind Sie über das Erreichte bzw. das Feedback in Österreich und aus dem Ausland?

Gabriele Schor: Sehr zufrieden. Am meisten freue ich mich für die Künstlerinnen, die durch den Terminus, die Bücher und die Ausstellungen der „Feministischen Avantgarde“ einen kunsthistorischen Kontext haben, der die Sichtbarkeit ihrer Werke ermöglicht und auch nachhaltig in der Kunstgeschichte festigt. Unsere Ausstellung im „mumok“ im Jahre 2017 beispielsweise hatte über 90.000 Besucher, das ist ein großer Erfolg, abgesehen davon, dass diese Schau seit zehn Jahren durch Europa tourt und etwa 430.000 Besucher sie gesehen haben.

Börsen-Kurier: Wie viele Werke beinhaltet die „Sammlung Verbund“ aktuell? Allein von Jürgenssen wurden ja 50 Arbeiten angekauft.

Schor: Insgesamt verfügt die „Sammlung Verbund“ über 1.000 Werke von 157 Künstlern, davon sind 120 Frauen und 37 Männer. Von diesen zählen 81 Künstlerinnen zur Feministischen Avantgarde der 1970er-Jahre. Dieses Gender-Verhältnis unterscheidet uns von einigen Kunstsammlungen. Wir erwerben nach unserer Maxime „Tiefe statt Breite“. Von unserem anderen Schwerpunkt „Die Wahrnehmung von Räumen und Orten“ verfügen wir über die größte Werksammlung von Gordon Matta-Clark, Fred Sandback und Louise Lawler. Weiters gingen wir bei Birgit Jürgenssen, Renate Bertlmann, Francesca Woodman und Cindy Sherman sehr in die Tiefe und erwarben ganze Werkblöcke.

Börsen-Kurier: Wie ist Ihr Blick auf den Kunstmarkt und welche Bedeutung hat er in Bezug auf die Sammlung Verbund?

Schor: Ich erwerbe nach kunsthistorischen Kriterien. Die Werke der Künstler der 1970er-Jahren haben nach wie vor einen zu geringen Preis am Markt. Aber das ändert sich zusehends. Das ist gut so. Ich freue mich, dass die „Sammlung Verbund“ dazu etwas beitragen konnte.

Börsen-Kurier: Die Kunstwelt leidet ganz besonders unter der Corona-Krise. Ist für heuer noch eine Ausstellung angedacht und können Kunstinteressierte bereits wieder die aktuelle Schau „Feministische Avantgarde – Made in Austria“ sehen?

Schor: Unsere „Made in Austria“-Ausstellung in der Vertikalen Galerie wird ab September bis Ende November 2020 wieder für Publikum zugänglich sein. Da die Nachfrage groß ist, werden wir mehrere Termine pro Woche anbieten.

Börsen-Kurier: In welchem Land planen Sie eine nächste Ausstellung bzw. haben Sie vor der Krise eine geplant? Wenn ja, wird sie stattfinden?

Schor: Die heuer geplante Ausstellung im „International Center of Photography“ in New York wurde leider bis auf Weiteres verschoben.

Nächstes Jahr wird die Ausstellung „Feministische Avantgarde der 1970er Jahre. Werke aus der Sammlung Verbund“ mit Werken von bisher 81 Künstlerinnen im Lentos-Museum in Linz gezeigt, was mich sehr freut. Unsere nächste Schau außerhalb Österreichs findet 2022 in Novi Sad statt, in dem Jahr ist die serbische Stadt „Europäische Kulturhauptstadt“.

Börsen-Kurier: Gibt es Künstler, die Sie für die Sammlung Verbund ins Auge gefasst haben, die aber noch nicht Teil der Sammlung sind?

Schor: Wir recherchieren ständig neue Positionen aus mehreren Generationen.

Börsen-Kurier: Vielen herzlichen Dank für das interessante und aufschlussreiche Gespräch.

Foto: Redtenbacher

 

 

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Dividendenregen bleibt heuer aus

Österreich: 25 % der börsennotierten Unternehmen schütten keine Dividenden aus

An den internationalen Börsen zeichnen sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich ab, auch in Österreich. Die WU-WissenschaftlerInnen Stéphanie Mittelbach-Hörmanseder und Matthias Petutschnig untersuchten, wie Österreichs börsennotierte Unternehmen auf COVID-19 reagieren. Rund 80 Prozent der Unternehmen nehmen in ihrem Geschäftsbericht 2019 bereits Bezug auf die Corona-Krise. Die Studienergebnisse zeigen, dass als Folge der Krise Dividendenzahlungen deutlich nach unten revidiert und Hauptversammlungen nach hinten geschoben wurden. 

In ihrer Studie analysierte WU-Assistenzprofessorin Stéphanie Mittelbach-Hörmanseder von der Abteilung für Unternehmensrechnung und Revision und WU-Professor Matthias Petutschnig von der Abteilung für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre die kurzfristigen Auswirkungen der COVID-19 Krise auf die beschlossenen und geplanten Gewinnausschüttungen sowie die Abhaltung der Hauptversammlungen für das Geschäftsjahr 2019 der am Vienna Prime Market gelisteten Unternehmen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Unternehmen auch im Rahmen ihrer Gewinnausschüttungen rasch auf die COVID-19-Krise reagierten und die Dividendenzahlungen reduzierten oder sogar aussetzten. Dabei konnte bei vier Unternehmen durch eine Untersuchung der Ad-hoc-Meldungen festgestellt werden, dass die Dividendenvorschläge im Nachhinein nach unten revidiert wurden. Studienautorin Mittelbach-Hörmanseder ergänzt: „Da insgesamt erst ein Bruchteil der Hauptversammlungen stattgefunden hat und nur diese Unternehmen eine Bestätigung ihres Dividendenvorschlages erhalten haben, ist es nicht ausgeschlossen, dass noch weitere Anpassungen folgen werden.“

25 % schütten keine Dividenden aus
Im Durchschnitt beträgt die Dividende für das Bilanzjahr 2019 0,89 Euro pro Aktie, deutlich weniger als in den Vorjahren. Für das Bilanzjahr 2017 wurden 1,03 Euro pro Aktie ausgeschüttet, für 2018 wuchs die durchschnittliche Dividende auf 1,10 Euro pro Aktie. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass nach derzeitigem Stand sieben von 29 Unternehmen, also rund ein Viertel, keine Dividenden ausschütten. Dies stelle laut Studienautor Petutschnig im Vergleich zu den Vorjahren, wo drei bzw. vier Unternehmen keine Dividenden ausschütteten, eine Verdoppelung dar. „Interessant ist dabei auch, dass gerade jenes Unternehmen, welches über den Betrachtungszeitraum konstant den höchsten jährlichen Ausschüttungsbetrag auswies, die Lenzing AG, zu jenen Unternehmen gehört, die den diesjährigen Dividendenvorschlag im Mai 2020 auf 0 Euro reduzierten“, so die StudienautorInnen.

Die Corona-Pandemie scheint sich auch dadurch abzuzeichnen, dass für 2019 nur 10 Unternehmen ihre Dividenden erhöhten, 2018 taten dies immerhin 17. Acht Unternehmen reduzieren ihre Dividende für das Bilanzjahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr.

Hauptversammlung und Dividendenauszahlungen im Verzug
Obwohl die Möglichkeit einer virtuellen Hauptversammlung besteht, verzichtete die Mehrheit der untersuchten Unternehmen vorerst auf die Möglichkeit der Abhaltung einer virtuellen Hauptversammlung. Sie verschoben den Termin der Hauptversammlung in das zweite Halbjahr 2020. Bei jenen Unternehmen, die ihre Hauptversammlungen bereits online abhielten, plant ein Unternehmen, keine Dividende auszuzahlen, drei reduzierten die Dividende. Drei weitere Unternehmen hatten ursprünglich eine Erhöhung zum Vorjahr geplant, wobei diese Erhöhung auch von zwei tatsächlich durchgeführt wurde, und ein Unternehmen reduzierte die zuvor höher angekündigte Dividende auf das Vorjahresniveau. „Darüber hinaus verschieben Unternehmen auch die geplanten Auszahlungszeitpunkte ihrer Dividenden nach hinten, um gegebenenfalls kurzfristig auf veränderte Marktbedingungen reagieren zu können“, so Mittelbach-Hörmanseder.

Auswirkungen auf Pensionsfonds
Trotz der derzeitigen Meldungen im Zusammenhang mit der COVID-19-Krise zeigt das Bild der letzten Jahre jedoch, dass die am Vienna Prime Market gelisteten Unternehmen in der Regel auf eine positive Entwicklung zurücksehen können. „Vor diesem Hintergrund ist auch die Frage nicht endgültig geklärt, inwieweit die Unsicherheit hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung, insbesondere nach einem erfolgreichen Bilanzjahr 2019, vollständig auf die Eigentümer übertragen werden soll, insbesondere wenn die notwendigen bilanziellen Reserven vorhanden sind“, ergänzen die StudienautorInnen. „Darüber hinaus ist wohl auch zu bedenken, dass oftmals institutionelle Investoren an Unternehmen beteiligt sind, deren Anlage-Performance sich wiederum auf Pensionsfonds und dergleichen auswirkt. Andererseits sind natürlich auch Signalwirkungen an MitarbeiterInnen nicht zu unterschätzen sowie die Frage, inwieweit die unvorhersehbaren Auswirkungen durch die COVID-19-Krise schon heute berücksichtigt werden können.“

Zur Studie
Die Grundlage der Untersuchung bilden die am 30. April 2020 an der Wiener Börse gelisteten Unternehmen, wobei acht Unternehmen mit einem vom Kalenderjahr abweichenden Bilanzjahr sowie ein Unternehmen, das erst seit 2019 gelistet ist, ausgeschlossen wurden. Die finale Stichprobe bestand aus 29 Unternehmen. Alle Finanzdaten für die Bilanzjahre 2017 bis 2019 wurden von Datastream bezogen. Darüber hinaus werden Ad-hoc-Meldungen dieser Unternehmen, die zwischen 1. Jänner 2020 und 10. Mai 2020 herausgegeben wurden, berücksichtigt. Etwaige spätere Ankündigungen und Veröffentlichungen flossen nicht in die Untersuchung ein.

Foto: Adobe Stock / Flyinger

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Wasserstoff lässt Kurse abheben

Die Spezialisten der Branche zählen aktuell zu den Überfliegern an der Börse.

Stefan Riedel, München. 400% Kursgewinne in zwei Monaten. Die Aktie US-Firma Nikola (ISIN: US65 41101050) zählt zu den größten Überfliegern im zweiten Börsenquartal. Eigene Umsätze erzielt Nikola noch nicht. Das Unternehmen entwickelt Elektro- und Wasserstoffantriebe für Lkw. Das erste rein akkubetriebene Nutzfahrzeug soll Ende 2021 über die Straßen rollen. Die Nikola-Aktie wird bereits mit einem Börsenwert von rund 23 MrdUSD gehandelt.

Das Kursfeuerwerk bei Nikola ist nur ein Beispiel für den aktuellen Run auf die Aktien von Firmen mit Wasserstofftechnologien. Wasserstoff kann vielfältig eingesetzt werden – als Fahrzeugantrieb, für die Speicherung von Energie und Kohlendioxid, aber auch in der industriellen Produktion. Profitabel sind die wenigsten dieser Spezialisten. Angesagt sind deren Aktien vor allem bei Privatanlegern. Deutlich differenzierter gehen Fondsmanager an den Sektor heran. „Bei Wasserstoff handelt es sich aktuell noch um eine extrem teure Technologie. Anwendungen sind derzeit nur in Nischenmärkten denkbar“, meint Marcus Ratz, Portfolio Manager bei der auf Nebenwerte spezialisierten Fondsgesellschaft Lupus Alpha aus Frankfurt. Sie ist aktuell nicht direkt in Unternehmen aus dem Bereich Wasserstoff-Technologie investiert.

„Nur in homöopathischen Dosen“ in Anlegerportfolios beimischen rät Alexander Funk, Portfolio Manager bei Ökoworld. Vor allem sollten Investoren den Kursen nicht mehr wahllos hinterherlaufen: „Bei den meisten dieser Nebenwerte sind die Zukunftsperspektiven bereits eingepreist, wenn man Bewertungskriterien für Wachstumsunternehmen wie das Verhältnis von Marktkapitalisierung zu Umsatz zugrunde legt.“ Wachstumsunternehmen mit Wasserstoff-Fokus, die noch rote Zahlen schreiben, könnten dann in die Ökoworld-Portfolios aufgenommen werden, wenn strategische Investoren an Bord seien, langfristig angelegte Kooperationen mit Industrie- und Autokonzernen am Laufen sein und die kapitalintensive Wachstumsfinanzierung bereits zur Marktreife von Technologien und Produkten geführt habe.

Wer das Risiko von Investments in Einzelwerten eingeht, kann auch über die traditionellen Gasehersteller Air Liquide und Linde das Wasserstoff-Thema spielen. Bei den reinen Wasserstoffspezialisten sind in der Aktie des Brennstoffzellenherstellers Ballard Power (CA0585861085) die Wachstumsperspektiven mit Wasserstoff bereits weitgehend eingepreist.

Nel Asa (NO0010081235) aus Norwegen zählt zu den Pionieren in der Wasserstofftechnik, vor allem bei den Elektrolyseuren, den Geräten zur Aufspaltung von Wasser in Wasser und Sauerstoff. Dazu ist das Unternehmen weltweit führend bei der Herstellung von Wasserstoff-Tankstellen-Systemen. Langfristig attraktiv für spekulative Naturen bleibt auch das schwedische Unternehmen Powercell (SE0006425815), das aus einer Ausgliederung des Volvo-Konzerns hervorging. Powercell entwickelt und liefert Brennstoffzellen-Systeme, unter anderem emissionsfreie Wasserstoffantriebe für Schiffe. Die Gesellschaft entwickelt ihre Produkte mit zahlreichen Industriepartnern, darunter Bosch und Scania. Für ein Neuengagement sollten Anleger Kursrücksetzer abwarten.

Das gilt auch bei Plug Power. Das US-Unternehmen erzielte 2019 Erlöse von 230 MioUSD mit seinen Brennstoffzellen für Gabelstapler. Nach einigen Zukäufen will Plug Power jetzt in neue Märkte für Straßen- und Luftfahrzeuge expandieren. Alle drei Wasserstoff-Aktien sind als spekulative Depotbeimischung gedacht.

Foto: AdobeStock / AA+W

 

 

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Die Gewinner des Energiewandels

Am klimafreundlichen Verbrauch führt kein Weg vorbei. Das bietet neue Chancen.

Raja Korinek. Es war so etwas wie eine Verschnaufpause für den blauen Planeten. Da während des weltweiten Lockdowns kaum noch Abgase erzeugt wurden, sanken die globalen CO2-Emissionen. Dabei sollten diese grundsätzlich gesenkt werden, auch ganz ohne Krise, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Sie sehen vor, dass die Erderhitzung bis 2050 auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzt wird.

Dabei nimmt der weltweite Ausstoß von Kohlenstoffdioxid seit 1960 kontinuierlich zu und erreichte laut Statista 2018 rund 36,6 Mrd Tonnen. Gut 70 % der Ausstoße werden vom globalen Energiesystem verursacht, zeigt Ulrik Fugmann im Gespräch mit dem Börsen-Kurier auf. Er managt gemeinsam mit Edward Lees den „BNP Paribas Energy Transition Fund“ (ISIN: LU0823414635). Obendrein dürfte bis 2050 der Energiebedarf um weitere 40 % zulegen. Fugmann sagt aber auch, dass bis dahin zumindest der Anteil an erneuerbaren Energien am Gesamtmix von derzeit 19 auf gut 60 % steigen dürfte.

Der Wandel verschlingt sehr viel Geld
Damit der Wandel auch gelingen kann, werde es aber jede Menge finanzielle Mittel brauchen. Fugmann beziffert die Kosten auf rund 29 BioUSD, wenn man den jüngsten Green Deal der EU miteinberechnet. „Das birgt zugleich enorme Investmentchancen“, unterstreicht Fugmann. Sie werden in seinem Investmentfonds in drei Bereichen genutzt: bei erneuerbaren Energien, um die Dekarbonisierung voranzutreiben, bei der Digitalisierung, um die Effizienz zu steigern, und bei der Dezentralisierung von Energietransport und -lagerung.

Doch wie geht der BNP-Paribas-Experte konkret vor? Zu den größten Fondspositionen zählen mit Sun Run (US86771W1053) und First Solar (US3364331070) zwei Solarunternehmen. „Nach dem Crash im März haben wir grundsätzlich Positionen im Solarsektor kräftig aufgestockt“, erklärt Fugmann. Sun Run ist ein US-Anbieter von Solarstrom für Privathaushalte. First Solar ist einer der weltweit größten Hersteller von Solarpaneelen. Aufgrund ihrer Technologien sei der Konzern in der Lage, äußerst effizient zu produzieren. So kann man sich trotz des Preisdrucks bei Solarpaneelen gut behaupten, findet der Marktexperte.

Wasserstoff und Batterien im Fokus
Aber auch der Wasserstoffantrieb und Brennstoffzellen sind Investmentthemen. Entsprechende Hersteller zählen ebenso zu den größten Fondspositionen. Dazu zählen Bloom Energy (US0937121079) und Plug Power (US72919P2020). Umicore (BE0974320526) ist hingegen ein wichtiger Mitspieler im Bereich der Batterie- und Kathodenhersteller. „Auch beim Recycling von Batterien mischt der belgische Konzern mit. Und leistet einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung des Transportwesens“, sagt Fugmann.

Regional gibt es ebenso Interessantes: Gleich nach den USA entfällt die zweitgrößte Gewichtung auf China (9,4 %). Dort gebe es eine Reihe an Unternehmen, vor allem aus Hongkong, die sich insbesondere in Asien etablieren konnten. Dazu verweist Fugmann etwa auf BYD (CNE100000296). Das Unternehmen entwickle den nachhaltigen Transport kräftig weiter, einerlei ob bei Bussen, Gabelstaplern oder Autos.

Ruhigere Renditen mit „Shorts“
Einen etwas ruhigeren Zugang zu diesen Themen will der BNP-Paribas-Fonds „Environmental Absolute Return Thematic Equity“ (EARTH) erzielen. Der Fonds ist ab Mitte Juli in Österreich zugelassen. Der Clou: Hier wird zusätzlich auf fallende Kurse gesetzt, mit der Idee, möglichst marktunabhängige – und ebenso klimafreundliche – Renditen zu erzielen.

Foto: Pixabay / OpenClipart-Vectors

 

 

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Wohnbauinvestments: Fels in der Brandung

In herausfordernden Zeiten ist die Nachfrage nach Wohnimmobilien besonders hoch.

Harald Kolerus. Das gängige Bild zu Immobilien ist, dass sie so schnell durch nichts erschüttert werden können. Gilt das auch in diesen aktuell turbulenten Zeiten? Erwin Haselberger, Head of
Sales & Product Marketing der IFA AG, nimmt dazu im Interview mit dem Börsen-Kurier Stellung.

Sehr begehrt
IFA ist auf direkte Immobilieninvestments für private sowie institutionelle Anleger spezialisiert; 469 Projekte wurden seit 1978 umgesetzt. Haselberger: „Dass wir so lange erfolgreich am Markt sind, bietet Investoren Sicherheit. Unser Track Record ist von jedem Anleger überprüfbar, dies beweist Kontinuität und Vertrauen. Wir sehen derzeit eine sehr große Nachfrage nach Investments in geförderten Wohnbau, die auch in den vergangenen Monaten ungebrochen war. Denn zu jeder Zeit machen sich die Menschen Gedanken um ihr Geld, jetzt hatten einige vielleicht sogar mehr Zeit für dieses Thema. Gesucht wird nach einem sicheren Hafen, der mit unseren Projekten optimal abgedeckt wird.“

Im Zuge des Gesprächs bezeichnete der Experte die Zeit von Home-Office auch als Beschleuniger des Digitalisierungsprozesses im Unternehmen. „Wir informieren auf unserer Homepage und beraten in Video-Gesprächen über unsere Investments. Auch Beschlüsse von Bauherrengemeinschaften können per Videokonferenz durchgeführt werden, das klappt einwandfrei und wird von unseren Klienten gut angenommen.“

Das beliebteste Investmentprodukt der IFA ist laut Haselberger das Bauherrenmodell, das viel-leicht nicht jedem ein Begriff ist. Haselberger erklärt: „Der Anleger investiert hier in Immobilien mit hoher Vermietungssicherheit, guter Verkehrsanbindung wie Infrastruktur, und profitiert neben attraktiven Renditen von Förderungen, steuerlichen Begünstigungen, Sicherheit durch persönliche Grundbucheintragung und von der Stärke der Bauherrengemeinschaft.“

Win-Win-Win
Langfristige Sicherheit ist eines der wichtigsten Argumente für Immobilieninvestments. „Aber auch das derzeitige und wohl auch länger bleibende Niedrigzinsumfeld und die starken Volatilitäten an den Finanzmärkten“, so Haselberger. „Deshalb setzt man gerne auf sichere Bauherrenmodelle der IFA, wobei der geförderte Wohnbau eine Win-Win-Win-Situation darstellt: Es werden faire Renditen geboten, leistbarer Wohnraum wird geschaffen und es können Förderungen durch Stadt oder Land in Anspruch genommen werden. Nicht zu vergessen ist ebenfalls die Arbeitsplatzschaffung, die aktuell natürlich von besonderem Interesse ist. Investorengelder bleiben in Österreich.“

3 bis 4 % Rendite
Ein neues IFA-Projekt im geförderten Wohnsegment findet sich mit „Wohnen in Floridsdorf“ in der Bundeshauptstadt. Anteile am IFA-Bauherrenmodell können seit Kurzem gezeichnet werden, ein Einstieg ist ab einem Eigenkapital von 30.800 Euro möglich. Erworben werden Anteile mit persönlichem Eintrag im Grundbuch.

In Graz werden verschiedene Varianten angeboten: Beim „186 Grad | Wohnensemble Graz Süd“ ist eine Beteiligung über ein „IFA Neubauherrenmodell“, über das „IFA Bauherrenmodell Plus“ oder über das „IFA Bauherrenmodell Plus BAR“ möglich.

Abschließend meint Haselberger: „Prinzipiell sind unsere Bauherrenmodell-Investments immer sehr langfristig im Sinne von Vermögensaufbau und -vorsorge zu sehen. Die Rendite beträgt, abhängig vom jeweiligen Projekt, 3 bis 4 % nach Steuern und Nebenkosten.“

Fotos: IFA AG

 

 

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Covid-19: die zweite Welle

Eine Analyse von Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management.

(24.06.) Die Furcht vor einer zweiten Covid-19-Welle setzt die Aktienmärkte unter Druck. Dabei richten Investoren den Blick vor allem auf die US-Staaten des mittleren Westens, Florida und Südamerika. Denn in einigen Staaten könnten weitere Lockdowns angeordnet oder strengere Gesundheitsempfehlungen und -gesetze erwirkt werden. In Deutschland wird nach einer Infektionswelle in der Fleischfabrik Tönnies ein Lockdown im Raum Osnabrück verhängt. „Die Aktienmärkte könnten anfällig auf einen solchen Nachrichtenfluss reagieren, da die Märkte vor allem in den USA – ohne ein zweites Fiskalpaket – fragil erscheinen“, sagt Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management.

„Während wir diesen Schock als vorübergehend betrachten, raten wir zu flexiblen Portfolio-Positionen. Denn diese Rally, die einige Gewinne des nächsten Jahres bereits vorweggenommen hat, wird irgendwann nachlassen und ein noch komplexeres Umfeld zurücklassen.“ Ratsam sind in diesem Fall Vermögenswerte, die von einem zweiten US-Finanzpaket profitieren könnten, wie beispielsweise börsennotierte Infrastrukturanlagen. „Dennoch konzentrieren wir uns auf einen von China angeführten Aufschwung. ESG-Themen und Fonds, die sich darauf konzentrieren, bieten weiterhin Potenzial, wie die Nordea Climate and Environment Strategie.“

Der nächste Schritt aus dem Weißen Haus
Angesichts des Rückstands des Präsidenten in den Umfragen und eines enttäuschenden Events in Tulsa müsste das Weiße Haus einen mutigen Schritt gehen, der den Aktienmarkt nicht aus der Bahn wirft. China dürfte hier das logische Ziel sein, denn ein Kampf gegen Deutschland dürfte zu wenig Zugkraft bringen. „Abgesehen von der Forderung nach einer stärkeren Einhaltung des „Phase-One“-Handelsabkommens ist der wahrscheinlichste Schritt die Blockierung des Dollar-Zugangs chinesischer Banken. Chinesische Banken haben sich zur Finanzierung ihrer Vermögenswerte auf US-Dollar verlassen, so dass sie gezwungen waren, kurzfristig auf Nicht-US-Banken als Vermittler zurückzugreifen und mittelfristig ihre Bilanzen zu kürzen“, sagt Galy. Da China weiterhin attraktiv für ausländische Investoren bleiben wolle, werde das Land vermutlich nicht in ähnlicher Weise zurückschlagen. Der eingeschränkte Zugang zu Dollar-Finanzierungen erzeuge einen positiven Dollardruck für Offshore-Dollar in China und schwäche voraussichtlich die Offshore-Währung. „Allerdings werden dadurch vor allem die Dollar-Devisenreserven aufgebraucht, da diese Dollars zur Finanzierung chinesischer Banken eingetauscht werden, bis diese ihre Bilanzen reduzieren können“, meint Galy. Da die Duration der Dollarreserven Chinas voraussichtlich etwa zwei Jahre betrage, werde dies kaum Auswirkungen auf die US-Zinsstrukturkurve haben, denn die Nachfrage dort sei solide.

„Dieses politische Risiko oder eine Variante davon ist in den kommenden drei Wochen sehr wahrscheinlich, wenn der Präsident versucht, seine Geschichte wiederherzustellen, ohne den Aktienmarkt allzu sehr zu belasten. Das bedeutet, dass jeder Schritt wahrscheinlich mit beschleunigten Gesprächen über ein zweites Finanzpaket verbunden sein wird. Denn der Präsident richtet seine politische Strategie neu aus, um sich besser auf seine Wähler zu konzentrieren“, veranschaulicht Galy. „Wir bleiben in den nächsten Wochen bis zu zwei Monaten in Bezug auf die Risiken aufmerksam, sehen aber jetzt den Zeitpunkt gekommen, flexible Lösungen zu erarbeiten, während wir die letzte Phase der Entlastungsrally nach der Covid-19-Krise durchlaufen.“

Foto: Nordea

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Ein Kartenhaus fällt zusammen

Dem Zahlungsdienstleister Wirecard droht nach dem aufgeflogenen Bilanzskandal der Sturz ins Bodenlose.

Stefan Riedel, München. 11 Mrd Euro an Börsenwert hat der Zahlungsabwickler Wirecard (ISIN: DE0007 472060) in drei Handelstagen verloren. Vier Mal hatte das DAX-Unternehmen die Vorlage des Geschäftsberichts für 2019 verschoben, um dann in einer Pressemitteilung vergangenen Sonntag in der Nacht einzugestehen, dass Bankguthaben in Höhe von 1,9 Mrd Euro, die auf Treuhandkonten von zwei philippinischen Banken ausgewiesen sein sollten, „mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht bestehen“. Bereits am Wochenende hatten die beiden Geldhäuser bestritten, dass Wirecard bei ihnen Kundenkonten führte.

Zugleich hat Wirecard die vorläufigen Einschätzungen für 2019, die Zahlen für des erste Quartal und die Langfristprognosen für 2025 zurückgenommen. Dazu könnten „mögliche Auswirkungen auf die Geschäftsabschlüsse vorangegangener Geschäftsjahre nicht ausgeschlossen werden“. Weil das Unternehmen keine testierte Bilanz vorweisen kann, sind Gläubigerbanken berechtigt, Kreditlinien in Höhe von 1,75 Mrd Euro jederzeit zu kündigen. Darüber hinaus hat die Rating-Agentur Moody‘s Wirecard die Kreditwürdigkeit komplett entzogen.

Zusammen mit dem am Freitag bekanntgegebenen Rücktritt des langjährigen Vorstandschefs und Hauptaktionärs Markus Braun ist der offenkundige Bilanzskandal der letzte Akt eines sich länger abzeichnenden Dramas. Seit 2019, angestoßen durch Artikel in der Financial Times, kursierten Vorwürfe zu fingierten Umsätzen, bewusst überhöhten Kaufpreisen von Gesellschaften, falsch ausgewiesenen Krediten und Kreislaufbuchungen über asiatische Partner. Um die Kritik aus dem Wege zu räumen, hatte Wirecard mit KPMG einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer beauftragt. Die Sonderprüfung zeichnete im Frühjahr 2020 das Bild eines Konzerns, bei dem die Herkunft der Umsätze über Drittpartner, immerhin fast die Hälfte der Gesamterlöse, nebulös blieb.

„Alle in Betracht kommenden Straftaten“, von der Bilanzmanipulation bis zu Verstößen gegen das Wertpapiergesetz, will die Staatsanwaltschaft München ermitteln. Der Fall Wirecard könnte auch dem Finanzplatz Deutschland einen enormen Imageschaden bescheren. Analysten, Fondsgesellschaften, Finanzaufsicht und vor allem der langjährige Wirtschaftsprüfer E & Y müssen sich mit dem Vorwurf auseinandersetzen, weshalb sie Bilanzen und Einnahmen aus dem undurchsichtigen Firmengeflecht von Wirecard in der Vergangenheit nicht kritischer durchleuchtet haben.

Geschädigte Anleger sollten sich an die zwei Aktionärsschutzverbände wenden. Die SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger hat eine Rechtsanwaltskanzlei mit einer rechtlichen Einschätzung bezüglich möglicher Pflichtverletzungen durch den Wirecard-Vorstand, die Abschlussprüfer und Drittparteien anfertigen. „Eine Klage wird definitiv kommen“, erklärt auch Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), gegenüber dem Börsen-Kurier. „Wir prüfen die Sachlage anhand der Rolle der handelnden Personen und leiten daraus eine Schadensersatzklage der Aktionäre gegenüber Wirecard ab.“

An einem gemeinsamen Vorgehen, so Daniel Bauer, Vorstandsvorsitzender der SdK, könnten sich auch geschädigte Aktionäre aus Österreich beteiligen: „Schadensersatzansprüche in der Causa Wirecard sind aus unserer Sicht nicht an die Staatsangehörigkeit oder den Sitz der Depotbank gekoppelt.“

Foto: Pixabay / WolfBlur

 

 

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In Gold und Silber investieren

Die beiden Edelmetalle sind die wahren Gewinner des aktuellen Marktumfeldes.

Michael Kordovsky. Egal ob Krisenpanik oder die letztendlich von Notenbanken finanzierten Hilfsprogramme in den USA, Japan und Europa wieder für steigende Aktienkurse sorgen – die Edelmetallpreise sind im Aufwind. Das hat fundamentale Gründe. Während laut World Gold Council Ende 2019 einer oberirdischen Goldmenge (geförderte Goldmenge seit Anbeginn der Menschheit) von 197.576 Tonnen die durchschnittliche Minenproduktion von 3.367 Tonnen in den Jahren 2014 bis 2018 gegenübersteht (Mengenwachstum von 1,7 % p.a.), wuchs von April 2014 bis April 2020 die US-Geldmenge M3 um 7,3 % p.a. Diese unterschiedlichen Vermehrungsgeschwindigkeiten zwischen Geld und Gold rechtfertigen fundamental schon alleine eine durchschnittliche Goldwertsteigerung von 5,5 % p.a.

Doch wir befinden uns bereits in der amtlichen Rezessionsphase, in der laut einer Untersuchung der Anlagegesellschaft Incrementum („in gold we trust.report“, Stöferle & Valek 2020) in den acht Rezessionen seit 1970 die durchschnittliche Gold-Performance in Euro bei 18 % lag. Die Goldpreis-Ziele werden mittlerweile immer spektakulärer. Einen seriösen Kommentar zum aktuellen Preistrend gab Christian Brenner, Managing Director beim Edelmetallhändler philoro, gegenüber dem Börsen-Kurier: „Ein Ende der Fahnenstange ist noch in weiter Ferne. Die letzte große Finanzkrise 2008 ist vielen noch gut im Gedächtnis. Damals stieg der Goldpreis von 750 USD pro Feinunze unaufhaltsam bis 2011 auf das historische Allzeithoch von über 1.900 USD pro Feinunze. Es ist also nicht die Frage, wann neue Allzeithochs erreicht werden, sondern vielmehr wie hoch diese ausfallen werden.“

Mittlerweile läuft nach der Corona-bedingten Schließung der Betrieb in den Prägestätten wieder und die Lage bei den Aufgeldern hat sich zumindest bei Gold beruhigt, weshalb Goldbarren oder Münzen, wie z.B. Philharmoniker, Maple Leaf oder Krügerrand, eine gute Idee sind. Vom Kurspotenzial her aber attraktiver ist Silber: „Das Gold-Silber-Ratio liegt derzeit bei 1:100. Das ist sehr hoch, läge doch das natürliche Verhältnis bei 1:17. Von diesem Aspekt her ist Silber ein sehr aussichtsreiches Edelmetall“, so Brenner. Doch Vorsicht: Physisches Silber ist knapp und die Aufschläge auf den Rohstoffpreis sind höher als noch vor zwei Monaten, weshalb als Alternative ein Silber ETC, wie beispielsweise der physisch besicherte „WisdomTree Physical Silver“ (ISIN: DE000A 0N62F2), in Frage kommt.

Ab physischen Volumina von mehr als 10.000 E Wert in den jeweiligen Edelmetallen sollte ein Zollfreilager in der Schweiz erwogen werden. Vorteil bei Weißmetallen, sprich Silber, Platin und Palladium: Kauf und Verkauf innerhalb des Zollfreilagers sind von der Mehrwertsteuer befreit. Kostenpunkt bei philoro: 0,24 % pro Quartal für die Einlagerung von Silber, bei Gold, Platin und Palladium rund 0,16 % pro Quartal.

Risikofreudigere Anleger können Minentitel mit einschlägigen ETFs abdecken, wie z. B. den „VanEck Vectors™ Gold Miners UCITS ETF“ (IE00BQQP9F84) oder „Com-Stage NYSE Arca Gold BUGS UE I“ (LU0488317701). Begründung: Der älteste verfügbare Goldminenindex, der Barron‘s-Gold Mining-Index, liegt in Relation zum Goldpreis nahe dem niedrigsten Stand seit 78 Jahren, obwohl Minengesellschaften nach einer längeren Durststrecke effizienter wurden und ihre Verschuldung abbauten. Hinzu kommen M&A-Phantasien, höhere Margen durch steigende Goldpreise und niedrigere Betriebskosten wegen des Ölpreis-Verfalls.

Foto: Adobe Stock / Stockphotos-MG

 

 

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Frisches Kapital für Startups

Digitalisierungs-Ministeriumsbeauftragter Michael Altrichter im Gespräch mit dem Börsen-Kurier

Manfred Kainz. Am Höhepunkt der Corona-Krise im April wurde der Business Angel und „Impact Investor“ Michael Altrichter von Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck als neuer „Startup-Beauftragter“ präsentiert. Der Börsen-Kurier sprach mit ihm über seine erste Zwischenbilanz in dieser Funktion.

Schnittstelle
Warum Beauftragter des Wirtschafts- und nicht des Finanzministeriums (wie früher der Kapitalmarktbeauftragte), das noch dazu auf den Budgetmitteln sitzt? Es sei das Anliegen Schramböcks in ihrer Funktion als Ressortverantwortliche für Digitalisierung gewesen, das Thema mit seiner Berufung zu forcieren, begründet Altrichter dies im Gespräch. Man habe gemeinsam die „große Vision, Österreich im Innovations- und Startup-Bereich weiter voranzubringen“. Der Ministeriumsbeauftragte sieht sich „als Schnittstelle“ der Welten Startups, Business Angels bzw. Investoren und öffentliche Hand. Er setze sich dafür ein, dass die Zusammenarbeit dieser Welten (besser) funktioniert, dass Maßnahmen treffsicher(er) sind und er möchte ressortübergreifend koordinieren.

Aufwind
Die Digitalisierung habe durch die Corona-Pandemie „extremen Aufwind“ bekommen, so Altrichter. Man habe einen „Sprung“ gesehen, was etwa die prozentuellen Ausgaben, die in Onlinebusiness/E-Commerce fließen, betrifft. Unternehmen ohne ordentliche Onlinepräsenz und Webstrategie hätten nachgerüstet. Die Digitalisierungstendenz – Webshop, Teleworking, Security – gehe durch alle Branchen. Und ältere Menschen hätten gezwungenermaßen ihr Konsumverhalten verändert. Via I-Pad nun digital zugänglich, seien sie zu einer „neuen“ Kundenzielgruppe geworden.

Co-Kapitalisierung
Das sogenannte „Covid-Paket für Startups“ der staatlichen Unternehmensförderungsbank aws sieht Altrichter positiv. Besonders Startups können durch Verzögerungen in Entwicklung und Produktion, durch unterbrochene Wertschöpfungsketten und verunsicherte Investoren in rasche Finanzierungs- und Liquiditätsprobleme kommen. Säule eins des Covid-Pakets ist der sogenannte „Covid-Start-up-Hilfsfonds“. Aus dem bekommen innovative Start-ups – auf Antrag – einen Zuschuss auf private Investments, die seit Ausbruch der Corona-Krise getätigt werden. Das bedeutet: Wenn ein Startup selbst mindestens 10.000 (bis maximal 800.000) Euro „frisches“ Eigenkapital von Investoren „aufstellt“, wird diese Summe mit einem aws-Zuschuss verdoppelt. Schon in der ersten Woche hätten mehr als 40 Unternehmer dieses Instrument beantragt bzw. abgerufen, so Altrichter.

Dieser Zuschuss müsse „im Erfolgsfall“ zurückgezahlt werden. Das heiße, wenn man in fünf Jahren in die Gewinnzone kommt, müsse ein Teil des Gewinns für die Rückzahlung verwendet werden. Die Detailüberprüfung der beantragenden Startups erfolge durch die Steuerberater, die die Angaben gegenüber der aws bestätigen müssen. Dass Startups für den Zuschuss private Co-Investoren brauchen, die Kapital einschießen, findet Altrichter sinnvoll. Denn es zeige deren Glauben an das betreffende Geschäftsmodell und an ein rentables Engagement.

Fonds
Zweite Säule des Pakets sind sogenannte „Venture-Capital-Fonds“ mit aws-Kapitalgarantie. Damit soll zusätzliches Risikokapital mobilisiert werden. Ein oder mehrere ausgewählte, private Fondsmanagements sollen Venture-Capital-Fonds für Investments in österreichische Startups errichten. Damit Investoren trotz Krise frisches Fondsgeld bereitstellen, übernimmt die aws eine Kapitalgarantie in Höhe von bis zu 50 % des Fondsvolumens – bis zu einem Maximum der Kapitalgarantien von 25 Mio Euro. „Der Staat“ decke also 50 % von eventuellen Fondsverlusten ab und will damit zögerliche Investoren mobilisieren, so Altrichter. Die Fonds sollen in nachweisliche Wachstumsunternehmen investieren, wo es coronabedingt zu Verzögerungen der Geschäftsumsetzung bzw. bei den Umsätzen kommt. Die Fonds-Ausschreibung obliegt dem Finanzministerium.

Foto: michaelaltrichter.pro

 

 

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Nach der Krise ist vor der Krise

Wie man für eine Betriebsunterbrechung vorsorgen kann.

Manfred Kainz. Der coronabedingte Lockdown erzwang massenhaft Betriebsunterbrechungen. Inwieweit Ausfälle und Schäden daraus durch Betriebsunterbrechungsversicherungen abgedeckt sind, war und ist Gegenstand vieler Diskussionen; Versicherungsberater werden also viel zu tun haben, einerseits mit Fragen zu bestehenden Kundenverträgen und andererseits mit Beratungsarbeit für die Zukunft. Es werden Fragen auftauchen, wie: Spätestens jetzt sollte ich wohl oder übel eine Betriebsunterbrechungsversicherung abschließen, aber welche? Beobachter meinen, dass Versicherung gegen Betriebsunterbrechung jetzt wohl ein Thema wie private Kranken-, Unfall- und Berufsunfähigkeitsversicherung wird: Risiken, die man so lange unterschätzt (für die Versicherungsvorsorge daher keine Herzensangelegenheit ist), bis der Fall eintritt.

Szenarien
Im Falle von Betriebsunterbrechungsversicherungen stellen sich jetzt Fragen, wie: Zahlt sich eine „Seuchen-BU“ aus? Also eine finanzielle Absicherung gegen Schäden, die durch Quarantänemaßnahmen entstehen – mit einer Seuche oder Epidemie als „Trigger“. Denn nicht in allen Betriebsunterbrechungsversicherungen ist sie enthalten. Und rund 90 % der Versicherten hatten sie bisher nicht, weil es nun mal „kostet“. Dabei hatte schon das „World Economic Forum“ in der Vergangenheit das Szenario einer weltweiten Epidemie, sprich Pandemie, durchgespielt, die 1 % der Weltbevölkerung betreffen könnte. Außerdem gibt es durchaus die Expertenmeinung, dass das jetzige Coronavirus kein Worst Case sei, es durch-aus Schlimmeres gäbe. Etwa ein ständig mutierendes Virus mit veränderlichen Symptomen und Folgen, und das in Kombination mit einer Ansteckungsrate und Verbreitungsgeschwindigkeit wie in der Covid19-„Hochzeit“ in März und April.

Späte Lehre
Aber abgesehen von solchen Szenarien ist es wohl nicht falsch, eine Lehre aus den Erfahrungen der vergangenen Monate zu ziehen: Nach der Krise ist vor einer möglichen nächsten Krise. Heißt für die Praxis: Sich mit einer betrieblichen Auswirkungsanalyse, einer „Business-Impact-Analyse“, zu beschäftigen – und daraus einen Betriebsfortsetzungsplan auszuarbeiten („Business Continuity Planning“). Also „vorher“ zu überlegen, was alles passieren kann, und sich intern darauf vorzubereiten, damit man „dann“ schnell(er) weiß, was zu tun ist – und nicht erst im Notfall beginnt, zu organisieren, wer was (nicht) tun kann/soll/ muss. Ein Problem am Beginn der Corona-Krise war ja, dass viele erst damit anfingen, zu überlegen, wie man reagieren kann bzw. muss.

Risiko
Praktische triviale Probleme können da plötzlich schlagend werden: Wenn etwa Laptops ausverkauft sind, Informationen über Skype oder WhatsApp ausgetauscht werden statt, – wie sie sollten – über sichere Firmennetzwerke, Mitarbeiter private Rechner verwenden etc. Denn je mehr man im Netz agiert, desto höher ist auch das Risiko, gehackt zu werden. Und das gilt für alle Branchen (und vor allem für all jene Betriebe, die erst aus der Social-Distancing-Not eine Tugend im Sinne von eigenen Webshops etc. gemacht haben).

Check, Analyse, Plan
Um da als Firma firm zu ein, werden sogenannte „Vulnerability Checks“ von externen Profis angeboten. Mit deren testweisen „Angriffen“ von außen kann man feststellen, wie gut Firmensysteme geschützt sind. Weiter geht eine umfassende Business-Impact-Analyse: Da kann man feststellen (lassen), welche „Flaschenhälse“ man bei Krisen im Unternehmen hat: Was passiert, wenn wer oder was ausfällt. Ein Beispiel aus der Corona-Zeit: Was, wenn ganze Risikogruppen – beispielsweise alle älteren Arbeitskräfte – gleichzeitig monatelang ausfallen? Bei Kleinunternehmen kann schon ein einzelner Ausfall große Lücken
reißen … Auch zu erkennen, welche „Bottlenecks“, also Flaschenhälse, wie schlagend werden können, ist Aufgabe der Business-Impact-Analyse. Und die kann dann Basis für einen Business-Continuity-Plan sein: mit Maßnahmen, was man im Unternehmen vorbeugend-vorsorgend tun kann. Und natürlich gehört dazu auch die Versicherungsoptimierung.

Foto: AdobeStock / Syda Productions

 

 

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Wie Polaroids die Kunstwelt eroberten

Die Fotografie allgemein gilt heute als Kunstrichtung und erzielt hohe Preise.

Lea Schweinegger. Die einst so beliebten Sofortbildkameras genießen heute noch Kultstatus. Den größten Aufschwung erlebte die von Polaroid erfundene Kamera in den 1970er und 1980er Jahren, als die „Integralfilme“ (beim Integralfilm sind Negativ, Positiv und Fixierentwickler zu einem Blatt zusammengefasst und werden gemeinsam entwickelt, Anm.) den Durchbruch am Markt schafften. Sie vereinfachten die Bildentwicklung stark. Und vor allem Hobbyfotografen liebten es, die fertigen Bilder binnen weniger Minuten in den Händen zu halten, statt tagelang auf deren Entwicklung warten zu müssen.

Die Ursprünge
Einen großen Schritt nach vorne machte die Fotografie durch den US-amerikanischen Physiker und Industriellen Edwin H. Land (1909 bis 1991). Seine Erfindung, das Sofortbild, hat die Geschichte der Fotografie verändert. Eine neue Epoche war angebrochen.

1947 stellte Land das einstufige Verfahren erstmals vor. Es war eine Sensation, dass ein Foto unmittelbar nach dem Druck auf den Auslöser schon entwickelt ist. Land gilt mit seiner Erfindung des Polaroid-Verfahrens (Polaroid, so auch der Name des Unternehmens, das er gründete) als einer der Pioniere der Fototechnik. Er selbst betonte: „Der ästhetische Zweck der Sofortbildfotografie ist es, all denen, die ein künstlerisches Interesse an der Welt haben, ein neues Ausdrucksmedium zur Verfügung zu stellen!“

Land lernte im Jahr 1949 auch den US-Fotografen und Vertreter der künstlerischen Fotografie Ansel Adams (1902 bis 1984) kennen. Adams erlangte durch seine eindrucksvollen Landschafts- und Naturfotografien im Westen der Vereinigten Staaten großen Bekanntheitsgrad. Es gelang ihm, mit den neuen Kameras und Filmen der Firma Polaroid etwa die Schönheit und das Licht des Yosemite-Nationalparks einzufangen und mit diesen Naturaufnahmen auch die Kunstwelt zu begeistern. Ab den 1950er Jahren folgten auch noch weitere namhafte Fotokünstler wie Minor White dem Ruf von Land und wurden ebenso Berater des Konzerns.

Der Polaroid-Konzern war überhaupt sehr daran interessiert, aufstrebende Nachwuchskünstler zu unterstützen. Und so bildeten die Arbeiten der engagierten Künstler auch die Basis für die „Polaroid Collection“ mit Hauptsitz in Amsterdam. Dank der Sofortbildtechnik konnten sich diese auf ihre eigentliche Begabung, die kreative Gestaltung, konzentrieren. Der Fotografie waren somit keine künstlerischen Grenzen mehr gesetzt. Mit dem Zitat: „Not everybody trusts paintings but people believe photographs“, stellte Adams die Fotografie sogar über das gemalte Bild. In der Folge wurden Fotos von namhaften Exponenten der Zunft auch für Kunstsammler interessant.

Die erste Sofortbildkamera mit zugehörigem Film wurde übrigens am 26. November 1948 in Boston für knapp 90 USD verkauft. Der Erfinder Land und sein Unternehmen Polaroid waren auch in den folgenden Jahrzehnten äußerst kreativ. Bis in die 1990er Jahre gab es fast jährlich Produktneuheiten, die von Land persönlich auf den Aktionärstreffen vorgeführt wurden. Er selbst war 15-facher Ehrendoktor und Besitzer von mehr als 500 Patenten.

Nichtsdestoweniger ging 2008 die Ära zu Ende. Im Feber des Jahres wurde die letzte Sofortbildkamera und im Juni darauf der letzte Polaroid-Film im niederländischen Werk Enschede hergestellt.

Adams ließ die Preise hochfahren
Aber zurück zu Adams: Noch zu Lebzeiten erreichte sein Foto „Moonrise, Hernandez, New Mexico“ bei einer Auktion den Rekordpreis von 71.000 USD. Das war der höchste Preis, der bis dahin für eine Fotografie bezahlt worden war. Auf seinen Reisen nach Europa traf der mittlerweile international anerkannte Fotokünstler Kollegen wie Bill Brandt, Brassai und Henri Cartier-Bresson. Sie alle zählen zu den Pionieren der Fotokunst.

An der Liste der teuersten Fotografien lässt sich die Marktbewegung erkennen. War die Fotografie in ihren Anfänger eine mehr dokumentarische Technik, so zeichnet sie sich heute durch gestalterische Elemente aus, wie man sie Kunstwerken der „Bildenden Kunst“ zuordnen kann. Auch laut dem Onlineportal Statista boomt der Markt für Fotografie heute. Und vor allem US-Galerien bestätigen, dass limitierte Fotowerke (bis zu einer Auflage von 25 Stück) mit Zertifikat für Sammler interessant geworden sind.

Foto: Pixabay / Gellinger

 

 

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Fokus auf dem Kerngeschäft

Helvetia-Chef Thomas Neusiedler: „Es ist unser Geschäft, Risiken zu managen.“

Marius Perger. Seit 1. Jänner ist Thomas Neusiedler neuer Vorstandsvorsitzender der Helvetia Österreich. Seinen Start hat er sich wahrscheinlich anders vorgestellt, als es die Corona-Krise erlaubt hat: „Gewünscht haben wir uns diese Konstellation nicht, und antizipiert haben wie sie auch nicht“, sagt er im Interview mit dem Börsen-Kurier. Aber: „Es ist unser Geschäft, Risiken zu managen“, und deshalb rechnet er im eigenen Unternehmen auch nicht mit einem großen Einbruch durch die Pandemie. Natürlich sei die Krise herausfordernd. „Was vorher gut funktioniert hat, funktioniert jetzt auch. Was aber schon vorher herausfordernd war, ist es jetzt noch stärker.“ Doch als „Schweizer Taschenmesser unter den Versicherern“ sei Helvetia krisenerprobt und erfahren – damit sei man in den vergangenen Monaten gut gefahren.

Während Helvetia Österreich ihre operativen Budgets für das laufende Jahr halten werde können und Neusiedler „kaum Kollateraleffekte“ durch Corona sieht, stelle sich die Zahlenseite anders dar. Vieles sei dabei noch nicht abschätzbar, weil sich Effekte bei Versicherungen oft nur verzögert auswirken. Die Entwicklung an den Kapitalmärkten sei zwar „schnell im Quartalsabschluss angekommen“, Versicherer hätten allerdings einen ziemlich engen Rahmen bei der Veranlagung, es gebe kein überproportionales Risiko: „Man muss die Risikostrategie fahren, die dem Unternehmen gerecht wird. Wir fahren eine Absicherungsstrategie.“ Allerdings sei derzeit das Hedging teuer und natürlich werde man auch beim Veranlagungsergebnis unter den Erwartungen bleiben.

Immobilienanlagen unter Druck
Immer größere Bedeutung hat in den vergangenen Jahren für Versicherungen die Anlage in Immobilien erfahren: „Versicherer haben sehr stark auf ‚Betongold‘ gesetzt, jetzt müssen sie zur Kenntnis nehmen, dass das auch nachteilig sein kann.“ Gerade wenn Mittel aus hochverzinsten Anleihen frei wurden, hat man in der Vergangenheit in Immobilien investiert. Dieser Switch funktioniere nur mehr bedingt, auch weil die Immobilienrenditen mittlerweile stark gesunken sind.

90 % der Immobilieninvestments der Helvetia Österreich seien Wohnimmobilien, wo es durch Corona keine nennenswerten Ausfälle gebe. Downside bestehe nur bei den 10 % Gewerbeimmobilien, so Neusiedler. Zwar würden sich die Mieten bereits wieder zu erholen beginnen, die Frage sei aber, wie viele Mietflächen frei bleiben werden. Eine Rolle könnte dabei auch der Trend zum Homeoffice spielen, was den Bedarf nach zusätzlichen Büroflächen reduziere.

Entscheidend sei der Fokus auf das Kerngeschäft, betont Neusiedler: Man müsse Geld mit dem Versicherungsgeschäft verdienen und nicht mit Kapitalanlagen. Die Zeiten als eine Combined Ratio von 100 % kein Problem dargestellt hat, weil mit der Veranlagung 8 bis 10 % verdient wurden, seien vorbei.

Lebensversicherung bleibt Thema
„Totgesagte leben länger“, betont Neusiedler: „Die Lebensversicherung ist noch lange nicht am Ende.“ Alternativen zur Lebensversicherung gebe es keine, allerdings registriert er eine „extreme Bewegung von der klassischen zur fondsgebundenen Lebensversicherung“.

Sogar nach dem 20 März habe es Kunden gegeben, die Zuzahlungen zu ihren Verträgen geleistet hätten. Es gebe genug Kapital, das Veranlagung sucht, Österreich sei immer noch das sechstreichste Land der Welt. Allerdings steige in einer Situation wie der aktuellen die Liquiditätspräferenz, mittelfristig werde das spürbar sein: Neusiedler rechnet für ein bis zwei Jahre mit einer „Delle“, will aber „auf dem Thema draufbleiben“. Von der Regierung wünscht er sich „Ideen im Bereich der Lebensversicherung“ und dass Vorsorge „steuerlich freundlicher organisiert“ wird.

Zukunftspläne des neuen Helvetia-Chefs
Seit acht Jahren ist Neusiedler bei Helvetia und in dieser Zeit hat er mit Burkhard Gantenbein und Otmar Bodner „zwei gute Trainer“ als Unternehmensleiter gehabt. Von beiden will er „etwas mitnehmen“ und seinen eigenen Stil entwickeln. Zugute kommt ihm dabei die Konzernphilosophie: Vorgabe sei es, „von A nach B“ zu kommen. Wie das erfolgt, sei die lokale Managementherausforderung – die Schweizer Konzernmutter setze auf das Prinzip Eigenverantwortung.

Längerfristig sei es Ziel, die Markenwahrnehmung von Jahr zu Jahr zu steigern. Bei den Marktanteilen erwartet Neusiedler zwar keine Wunder, aber eine „stetige Entwicklung nach vorne“. Und was das versicherungstechnische Ergebnis betrifft, solle Helvetia „der Hecht im Karpfenteich“ sein.

Produktseitig werden die Schwerpunkte in der „qualifizierteren Ecke“ liegen, beispielsweise im Gewerbebereich. Potenzial sieht Neusiedler in Österreich in der Unfallversicherung, einen Trend gebe es zur privaten Krankenzusatzversicherung, die man mit Kooperationspartnern abdeckt.

Sorgen, dass große internationale Internetkonzerne die heimischen Versicherer brutal verdrängen könnten, hat Neusiedler nicht: Viele Kunden würden sich bei einem Schweizer Anbieter wohler fühlen als bei einem Internetanbieter. „Helvetia gibt es seit 160 Jahren. Ich bin mir sicher, dass wir in 100 Jahren auch noch leben.“

Foto: Börsen-Kurier

 

 

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Hochfrequente Daten als Fieberthermometer der Weltkonjunktur

Bei der Analyse der Erholung setzen Experten laut Christian Nemeth verstärkt auf Daten wie Energieverbrauch oder Bewegungsströme.

09.06. Die Weltwirtschaft zeigt sich vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und der eingeleiteten Gegenmaßnahmen weiterhin stark geschwächt. An den Finanzmärkten keimt trotz weiter bestehender Abwärtsrisiken Optimismus auf. Die Aktienkurse setzen langsam ihre Erholung fort, Investoren schenken den schwachen Wirtschaftsdaten nur mehr wenig Beachtung. Bei der Analyse der Wirtschaftserholung setzen Finanzexperten laut Christian Nemeth, Chief Investment Officer der Zürcher Kantonalbank Österreich AG, verstärkt auf hochfrequente Daten wie etwa Energieverbrauch oder Bewegungsströme. Diese bilden aktuelle Entwicklungen in der derzeitigen Umbruchsituation zwischen Lockdown und Hochfahren schneller ab als traditionelle Indikatoren.

Spätestens seit dem Tiefpunkt der Wirtschaftskrise im April besteht kein Zweifel daran, dass die Weltwirtschaft in Folge des Lockdowns als Maßnahme gegen Covid-19 so stark schrumpfen wird wie seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr. Die Zürcher Kantonalbank Österreich AG geht von einem Rückgang des globalen BIP um 4,5 Prozent im Jahr 2020 aus. Nachdem die Prognosen mehrmals nach unten korrigiert werden mussten, ist nun erstmals Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Im Mai entschieden sich zahlreiche Länder zu einer schrittweisen Lockerung. Daher blickten auch die Konsumenten vielerorts wieder optimistischer in die Zukunft. Die erwartungsgemäß im zweiten Halbjahr spürbare konjunkturelle Erholung ist auf einem guten Weg und die Prognoserisiken sind erstmals seit Auftreten des Coronavirus nicht mehr einseitig nach unten gerichtet.

Gleichgewicht zwischen Chancen und Risiken Falls die bisher eingeleiteten Maßnahmen Wirkung zeigen oder eine effektive medizinische Behandlung gegen Covid-19 gefunden wird, könnte das die Entwicklung sogar noch beschleunigen. Einige Risiken bleiben vorerst aber bestehen: Länder wie die USA, Brasilien oder Russland haben noch mit hohen Infektionszahlen zu kämpfen und eine zweite Infektionswelle ist nicht auszuschließen. Steigende Firmenkonkurse oder eine dauerhaft erhöhte Arbeitslosigkeit sind weitere potenzielle Gefahrenherde. Diesem Gleichgewicht zwischen Chancen und Risiken trägt die Zürcher Kantonalbank Österreich AG mit einer neutralen Aktiengewichtung Rechnung. Defensive Märkte und Regionen stehen aber weiterhin im Fokus.

Hatten die Aktienmärkte zu Beginn der weltweiten Krise auch aufgrund von Panikreaktionen im März mit Rekordverlusten zu kämpfen, sind die aktuellen Konjunkturdaten für die Börsenkurse kaum mehr relevant. Die Investoren zeigen sich offenbar trotz der ernüchternden wirtschaftlichen Situation optimistisch und setzen auf eine fortgesetzte Regeneration der Wirtschaft und steigende Aktienkurse im weiteren Jahresverlauf. Die Erholung der meisten Aktienindizes seit den Tiefständen im März beläuft sich auf 20 bis über 40 Prozent.

Asset Manager greifen zu alternativen Indikatoren Asset Manager verfolgen die Entwicklung akribisch mit und ziehen für ihre Analysen Indikatoren verschiedener Art heran. In der aktuellen Umbruchphase zwischen Lockdown und Öffnung ist eine extreme Spreizung zwischen der Bewertung der aktuellen und jener der zukünftigen Situation zu beobachten.

Daher wird das Augenmerk verstärkt auf alternative Teilindikatoren gelegt. Hochfrequente Daten erlauben – beinahe in Echtzeit – Rückschlüsse auf aktuelle Entwicklungen. So lassen sich beispielsweise Veränderungen hinsichtlich der Wirtschaftsaktivitäten zeitnah nachvollziehen, womit traditionelle Indikatoren nicht dienen können. Viele klassische Ansatzpunkte wie Auftragseingänge oder Einkaufsmanagerindizes sind derzeit zu wenig aussagekräftig, um kurzfristige Trends widerzuspiegeln. Damit sind nicht nur die Infektionsraten gemeint. Die Stromproduktion der US-Bundesstaaten gibt etwa Aufschluss darüber, wie hoch der Energiebedarf der US-Volkswirtschaft und somit auch die Aktivität energieintensiver Unternehmen ist. Daten über Sicherheitskontrollen von US-Reisenden durch die Transportation Security Administration bilden Reisebewegungen ab. Daten von Reservierungssystemen wie „Open Table” wiederum lassen Rückschlüsse auf die Entwicklung der nun wieder hochfahrenden Gastronomie zu.

Diese verschiedenen anonymisierten Daten werden jedoch nicht isoliert betrachtet, sondern fließen in all ihrer Breite in die Gesamtbeurteilung ein. Finanzprofis bekommen dadurch ein adäquates Werkzeug zur Lageeinschätzung in die Hand. Die alternativen Teilindikatoren werden auch in den kommenden Monaten ein wichtiger Wegbegleiter sein. Nach Ende der Krise werden die traditionellen Indikatoren wieder mehr in den Vordergrund treten. Dennoch ist von einer anhaltenden Bedeutung hochfrequenter Daten auszugehen.

Foto: ZKB

 

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„Wir wollen einen Green Deal“

Im Rahmen einer Diskussionsreihe sprachen Top-Manager über die nachhaltige Wirtschaft post Corona.

Patrick Baldia. Der Börsen-Kurier hat die von der VBV-Vorsorgekasse initiierte Diskussion per LiveStream mitverfolgt und interessante Statements gesammelt.

VBV: Wie schätzen Sie die Gefahr ein, dass die Bekämpfung des Klimawandels durch die Covid-19-Krise ins Hintertreffen gerät?

Andreas Zakostelsky, CEO der VBV-Vorsorgekasse: Eine aktuelle Umfrage unter 1.500 Personen ist zu einem interessanten Ergebnis gekommen: 88 % der Befragten sind der Meinung, dass wir nach der Krise einen grünen Wiederaufbau benötigen. Das bedeutet auch, dass die nationalen Hilfspakete mit entsprechenden Umwelt-Auflagen verknüpft werden müssen – etwa im Falle der AUA. Wir fordern ganz klar: Covid-19-Krise und Klimakrise dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Michaela Reitterer, Chefin des Boutiquehotels Stadthalle und Präsidentin der Hoteliervereinigung: Wir müssen jetzt mit Hinblick auf die Zukunft agieren. Unternehmen, die von der Covid-19-Krise besonders betroffen sind, müssen Eigenkapitalhilfe bekommen. Das wäre sinnvoller als sie mit verlorenen Zuschüssen zu unterstützen. Gleichzeitig müssen Eigenkapitalstützen mit Vorgaben verbunden werden, die etwa besonders innovative Unternehmen fördern. Der angekündigte Green Deal darf nicht vergessen werden.

VBV: Wo sehen Sie in diesem Zusammenhang die größten Stolpersteine?

Hubert Rhomberg, CEO und Eigentümer von Rhomberg Bau: Es ist unbestritten, dass jetzt sehr viel Geld investiert werden muss. Klar ist auch, dass dieses in „grünes“ Wachstum gehen muss. Das Problem ist hier nicht der fehlende Wille – sowohl die Bevölkerung als auch die Politik wollen das. Skeptisch machen mich vielmehr die derzeitigen Strukturen. Wir müssen auch Regeln abbauen bzw. bestehende Barrieren und Schranken neu prüfen und Prozesse verschlanken.

VBV: Muss das bestehende System überdacht werden?

Josef Zotter, Gründer der Zotter Schokoladen Manufaktur: Wir haben 500.000 Arbeitslose. Alleine schon deshalb können wir nicht davon ausgehen, dass wir schnell wieder zur Normalität zurückkehren werden. In den letzten 30 Jahren wurde von nichts anderem als Wachstum geredet. Wieso kann man nicht auch schrumpfen? Wir müssen wieder lernen, zu wirtschaften. Dafür brauchen wir Zinsen. In den vergangenen Jahren hatte man den Eindruck, dass das Geld abgeschafft wurde. Klar ist, dass viele Branchen keine Umsätze haben. Trotzdem kann man nicht alles mit gedrucktem Geld fördern. Wieso sollte man einer Fluglinie Geld schenken? Sie muss dafür Zinsen zahlen. Ansonsten werden wir dieselbe Situation wie vor der Krise haben: Dass man beispielsweise „für kein Geld“ nach Barcelona fliegen kann.

Roland Fink, Gründer und Geschäftsführer der niceshops Gruppe: Wir sind uns alle einig, dass wir einen „Green Deal“ brauchen. Aber auch gleiche Regeln, die nicht nur in Österreich, sondern auch in Europa sowie der ganzen Welt gelten. Was mich in diesem Zusammenhang skeptisch macht, ist die fehlende Solidarität.

VBV: Glauben Sie, dass Unternehmen, die Nachhaltigkeit leben, besser durch diese und künftige Krisen kommen?

Reitterer: Ja, davon bin ich überzeugt. Die Menschen wollen einen grünen Re-Start. Das erfordert aber auch ein Umdenken. Wenn man sich bis jetzt nur über den billigsten Preis definiert hat, dann hat man verloren. Das hat auch nichts mit nachhaltiger Unternehmensführung zu tun. Hat man hingegen eine Geschichte zu erzählen hat, ist man wahrnehmbarer.

VBV: Was würde Ihren Unternehmen helfen bzw. welche politischen Maßnahmen wären nun sinnvoll?

Zotter: Wir wollen einen „Green Deal“. Jetzt ist die Zeit, wo die Politik wirklich führen kann. Sie hat es selbst in der Hand.

Rhomberg: Die Transparenz muss erhöht werden. Es muss klar kommuniziert werden, wohin wie viel Geld fließt. Die Bürger haben das Recht, das zu erfahren. Gleichzeitig ist auch Deregulierung wichtig. Bürokratische Hürden sind oftmals zu hoch.

Fink: Ich wünsche mir noch mehr Investitionen in Zukunftstechnologien und Infrastruktur. Branchen, die coronabedingt auf null abgestürzt sind, müssen gestützt werden – etwa mit Zuschüssen. Man muss aber sehr genau hinschauen, wem man unter die Arme greift.

Wolfgang Anzengruber, CEO der Verbund AG: Wir benötigen einen rechtlichen Rahmen, der vorgibt wie nachhaltige Investitionen künftig stattfinden sollen und erfolgreich sein können. Die Covid-19-Krise ist schlimm genug. Die Klimakrise, die uns erwartet, ist allerdings noch viel schlimmer. Fest steht, dass wir ein massives Eigenkapitalproblem erleben werden. Daher müssen wir uns ein Eigenkapitalmodell überlegen, das Unternehmen das Überleben sichert. Darüber hinaus brauchen wir eine CO2-Bepreisung und eine ökosoziale Steuerreform. Weiters muss es bei der Förderung konkrete ökologische Auflagen geben.

Zakostelsky: Unsere Forderungen an die Politik betreffen drei Bereiche: Erstens ist es die Aufgabe der Politik, einen gesellschaftlichen Grundkonsens herzustellen, dass der Klimawandel eine eigene Krise darstellt. Damit muss heute begonnen werden. Zweitens gehören eine CO2-Preisberechnung sowie eine ökosoziale Steuerreform in die nationale Gesetzgebung. Drittens müssen alle Konjunkturpakete, die auf EU-Ebene eingeleitet werden, den langfristigen Zielen des Pariser Klimaabkommens entsprechen.

Foto: Pixabay/ejaugsburg

 

 

 

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Teil-Erwachen des Flugzeugsektors

Boing, Airbus, Bombardier und Co. Wie es der geprügelten Flugzeug-Branche geht.

Roman Steinbauer. Boeing (ISIN: US0970231058) verkündete den Abbau von 16.000 Mitarbeitern. Airbus (NL0000235190) erhielt im Mai keine Bestellung und produziert aktuell die doppelte Stückzahl als es der Nachfrage entspricht. Ein zeitlicher Wettlauf um einen Schrumpfungsprozess prägt das Bild bei Flugzeug-Herstellern und deren Zulieferern. Doch der tiefe Schlag mit einer beispiellosen Dezimierung der Aktiennotizen lässt hartgesottene Investoren seit Wochen kräftig in diesem Segment zulangen.

Keineswegs lässt sich dies für die hochspekulativen Titel des kanadischen Business-Jet und Bahntechnikherstellers Bombardier (CA0977512007) feststellen. Diese verloren in zwölf Monaten 75 % an Wert und verblieben im depressiven Zustand. Im krisenhaften Modus befand sich das mit 6,9 Mrd€ verschuldete Unternehmen bereits davor. Weltweit wurden 2.500 Mitarbeiter freigesetzt. Wurde im Vorjahr das defizitäre Regional-Jet-Segment um 363 Mio€ an den Mitbewerber Mitsubishi Heavy Industries veräußert, erfolgte nun der Rückzug aus der Commercial Aviation (nicht ziviler Werksflugverkehr). Ebenso kamen seit Jahreswechsel die Wertpapiere des brasilianischen Jet-Produzenten (70 bis 130 Sitze) Embraer (US29082A1079) unter die Räder. Allerdings setzte der Kurs im Gegensatz zu Bombardier bereits zu einer Erholung an.

Nur zaghaft gedieh die Erholung der Valoren des Zulieferers Rolls Royce (GB00B6 3H8491). Die Briten zählen neben dem US-Tech-Mischkonzern United Technologies (US9130171096, Pratt & Whitney-Motoren), General Electric (US3696041033) und Honeywell (US4385161066) zu den führenden Anbietern von Antrieben für die Luftfahrt. Zudem ringt die französische Safran (FR0000073272) im Triebwerke-Wettbewerb mit. Die Aktien des Pariser Unternehmens erholten sich seit dem „Corona-Sell-Off“ um 50 % aber bereits beachtlich.

Durch eine enorme Nachfrage getrieben (Handelsumsätze so hoch wie seit 2016 nicht mehr) reagierten bereits auch die Papiere des US-Kunststoffkomponenten-Herstellers für die Luftindustrie, Textron (US8832031012), positiv. Ebenso kulminierte nach einem Abschlag um drei Viertel des Wertes die Nachfrage nach Valoren der Spirit AeroSystems (US8485741099). Die Gesellschaft aus Kansas baut Rumpf-Komponenten für Boeing und steigerte bis zur Krise die Gewinnausschüttung beständig

In Bodennähe befinden sich derzeit noch die Aktien des österreichischen Spezialisten für Leichtbauteile für Passagiermaschinen bzw. Triebwerke, FACC. Die Anfrage des Börsen-Kurier bezüglich eigener Einschätzungen der Auftragslage ab dem 2. Halbjahr blieb leider unbeantwortet.

Foto: Pixabay/Free-Photos

 

 

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US-Arbeitsmarkt überrascht positiv

Die Massenarbeitslosigkeit ist anscheinend nur ein vorübergehendes Phänomen.

Michael Kordovsky. Binnen elf Wochen summierte sich die Anzahl der wöchentlich veröffentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA auf 42,4 Mio. Der Höhepunkt mit 6,867 Mio Anträgen fiel auf die Woche vom 28. März. Seither ging es wieder kontinuierlich bergab und zuletzt per 30.5. waren es nur noch 1,877 Mio Anträge – erstmals seit Mitte März weniger als 2 Mio. Die Erwerbsbeteiligungsquote der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter stieg von April auf Mai von 60,2 auf 60,8 %, liegt aber noch immer unter dem März-Wert von 62,7 %. Die zivile Arbeitsbevölkerung ist von 156,481 auf 158,227 Mio gestiegen. Nimmt man dies als Basis für die neuen Arbeitslosen, die in den vergangenen elf Wochen um Unterstützung ansuchten, so würde alleine diese Gruppe davon 26,8 % ausmachen. Im Vergleich dazu lag die US-Arbeitslosenquote am Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise 1932 bei rund 23 %. Entsprechend negativ waren für die Arbeitsmarktdaten, die vergangenen Freitag (5. Juni) veröffentlicht wurden, die Erwartungen der Volkswirte, die von einem Anstieg der Arbeitslosenquote von April auf Mai von 14,7 auf 19,8 % ausgingen.

„US-Jobwunder“
Die große Überraschung war: Die Arbeitslosenquote ist auf 13,3 % gesunken. Außerhalb der Landwirtschaft wurden rund 2,5 Mio neue Stellen geschaffen. Im April gingen noch revidiert 20,7 Mio Jobs verloren. Offensichtlich wirkt sich das schrittweise „Hochfahren“ der Wirtschaft positiv aus. Insgesamt ging die Anzahl der amtlichen Arbeitslosen um ca. 2,1 auf 21 Mio zurück. Der Großteil davon, 14,8 Mio, ist erst fünf bis 14 Wochen arbeitslos, die zweitgrößte Gruppe von 3,9 Mio weniger als fünf Wochen. Während die Jobverluste im Staatsdienst noch auf hohem Niveau blieben, zeigte sich im Bereich Freizeit/Fremdenverkehr die Flexibilität des Arbeitsmarktes: Lagen im April dort die Jobverluste noch bei 7,5 Mio, so wurden im Mai wieder 1,2 Mio Mitarbeiter neu eingestellt. Im Bereich Gastronomie/Ausschank kamen 1,4 und im Bau 0,46 Mio neue Jobs hinzu. Die Produktionswirtschaft hat 0,23 Mio neue Stellen geschaffen. Die Normalisierung zeigt erste Wirkung.

Auffallend stark stiegen gegenüber Mai 2019 die Stundenlöhne um 6,75 % auf 25 US-Dollar, was wie folgt erklärt werden kann: Es wurden niedrig bezahlte, weniger qualifizierte Jobs stärker abgebaut. Von März bis Mai stieg der Anteil der Arbeitslosen, die nicht einmal einen High-School-Abschluss haben, von 6,8 auf 19,9 %, hingegen bei jenen mit Bachelor oder höherem Uni-Abschluss nur von 2,5 auf 7,4 %.

Versteckte Arbeitslosigkeit
Das deutsche Kurzarbeitsmodell ist in Europa weit verbreitet. Wer in Kurzarbeit ist, gilt nicht als arbeitslos. So können schwierige Phasen überbrückt werden und auch in Europa normalisiert sich schrittweise der Wirtschaftsalltag, woraus die Hoffnung resultiert, dass in den kommenden Monaten die Sprünge in der Arbeitslosigkeit nicht so groß ausfallen werden, als erwartetet. Somit ist laut Eurostat die saisonbereinigte Arbeitslosenquote von März auf April lediglich von 7,1 auf 7,3 % gestiegen – so, als herrsche „business as usual“. In Deutschland verharrt die Quote sogar auf 3,5 %, während EU-weit Tschechien mit 2,1 % die niedrigste Quote aufweist. Indessen von 14,2 auf 14,8 % stieg die Arbeitslosenquote in Spanien, während Griechenland für Feber einen Wert von 16,1 % auswies.

Foto: Pixabay/272477

 

 

 

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Markteinschätzung in volatilen Zeiten

Einige US-Titel bieten nach wie vor Chancen

(28.05.) Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie haben auch vor amerikanischen Unternehmen keinen Halt gemacht. Martyn Hole, Investment Director bei Capital Group, analysiert den US-Aktienmarkt und gibt einen Überblick, welche Sektoren trotz der derzeitigen wirtschaftlichen Lage interessant für Investoren sein können: 

„Wir erleben derzeit die schnellste Baisse aller Zeiten. Zugleich haben wir aber eine ebenso schnelle Erholung gesehen. Alles in diesem Zyklus läuft außerordentlich schnell ab. Ebenso ist die Art und Weise einzigartig, wie sich diese Entwicklung über Asien, Europa und schließlich die USA erstreckt hat. Wir lernen eine Menge aus diesen Mustern.“ 

„Wir spüren die Auswirkungen der Corona-Pandemie weltweit, dennoch sind die Ergebnisse und Entwicklungen in den verschiedenen Sektoren sehr unterschiedlich. Einige dieser Trends sind nicht neu: So hat beispielsweise der Energiesektor während der Krise schlecht abgeschnitten. Da Energietitel aber bereits seit dem Jahr 2007 hinterherhinken, ist dies keine neue Herausforderung. Das Problem liegt hier klassisch im Verhältnis von Angebot und Nachfrage begründet: die Kosten sind gesunken, die Margen stehen unter Druck und es gibt ein Rekordniveau der Bestände.  Wir haben eine hohe Verfügbarkeit an Rohstoffen und die bestehenden Bestände reduzieren sich nicht. Als Folge leiten Unternehmen aus diesem Sektor beispiellose Schritte hinsichtlich ihrer Dividenden und Kapitalmarktstrukturen in die Wege und reduzieren ihre Investitionsausgaben. Dies wird zwar zu einem besseren Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage führen, allerdings passen sich die Unternehmen kontinuierlich an die Gegebenheiten an und ein Ende dieses Zyklus ist möglicherweise noch nicht abzusehen. Auch Dividenden werden von den aktuellen Entwicklungen beeinflusst: Viele Unternehmen kürzen ihre Dividenden, um liquide zu bleiben oder werden von Zentralbanken, wie der Europäischen Zentralbank, gedrängt ihren Cashflow durch Dividendenkürzungen zu schützen. Wir bei Capital Group analysieren derzeit, was dies für die längerfristige Dividendenentwicklung bedeutet. In den USA gab es dieses Jahr bereits einen Rückgang der Dividenden um drei bis vier Prozent. Dieser wird sich aber wahrscheinlich noch erhöhen, wenn mehr Unternehmen ihre Ergebnisse für das zweite Quartal veröffentlichen.“ 

„Growth-Titel versus Value-Titel ist ein wichtiges Konzept. Unsere Fondsstrategien sind mit dieser Betrachtungsweise aber nicht vollumfänglich in Einklang zu bringen. Eine andere Art, Aktien zu betrachten, ist low-multiple versus high-value. Allgemeine Aussagen, dass sich alle Value-Titel schlecht entwickelt hätten, sind jedoch auch mit diesem Konzept nicht richtig. Es geht vielmehr darum, dass eine Gruppe sehr großer, amerikanischer Wachstumsunternehmen mit langlebigen Geschäftsmodellen, einzigartigen Eigenschaften und starken Bilanzen sehr gut abgeschnitten haben. Die Bilanzen haben in dieser unsicheren Zeit eine entscheidende Rolle gespielt, Unternehmen mit einem hohen Verschuldungsgrad haben schlecht abgeschnitten.“ 

„Es ist wichtig, Unternehmen zu verstehen: In den Sektoren Verteidigung, Technologie, Tabak, Tiergesundheit und soziale Medien agierende Unternehmen haben während der Marktvolatilität aufgrund von COVID-19 keine großen Auswirkungen spüren müssen. Darüber hinaus gibt es die eindeutigen Gewinner, wie den E-Commerce und viele Unternehmen aus dem Gesundheitswesen. Einige Bereiche – wie zum Beispiel Kasinobetreiber – waren kurzfristig betroffen, werden sich aber wahrscheinlich langfristig erholen können. Und dann gibt es jene Unternehmen, die sich mit den Auswirkungen sehr lange oder sogar für immer auseinandersetzen müssen. Zu dieser Kategorie gehören viele Restaurants, kleine Unternehmen, einige Einzelhändler und Bekleidungsfirmen.“

„Wir hatten seit Jahren keine inflationäre Phase und ich glaube nicht, dass wir in naher Zukunft eine Inflation erleben werden, auch weil nur sehr wenige Branchen über Preissetzungsmacht verfügen. Allerdings wächst die allgemeine Sorge vor einer Inflation aufgrund der massiven staatlichen Konjunkturmaßnahmen. Für die kurzfristige Perspektive ist die weitläufige Überzeugung, dass die Inflation und die Zinssätze auch weiterhin niedrig bleiben werden.“

Foto: Adobe Stock  / Delphotostock

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Tel Avivs krisenresistente Börse

Auf Israels Handelsplatz tummeln sich viele Aktien aus „Gewinner-Branchen“.

Roman Steinbauer. Israels Wirtschaft befand sich bis zum Vorjahr in einer Boom-Phase. Laut „CIA World Factbook“ wuchs das BIP/Kopf binnen vier Jahren von 32.580 auf zuletzt 38.960 € (2019) eklatant. Die niedrige Steuerquote von 23 % wirkte über Jahre stimulierend.

An den Wirtschaftsdaten lassen sich für den ersten voll erfassten Krisenmonat April aber deutliche Spuren ablesen. Der Export brach laut zentralem Statistikbüro um
30 % auf umgerechnet 729 Mio€ ein. Die Importe ermäßigten sich um 23 % auf 1,2 Mrd€. Die April-Kerninflation glitt auf Jahresbasis mit -0,6 % unter die Null-Schwelle. Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sind noch nicht in Zahlen ersichtlich, da diese Daten nur quartalsweise erfasst werden. Die tiefe Arbeitslosenquote von 3,5 % im 1. Quartal dürfte aber vor einem scharfen Satz nach oben stehen. Das annualisierte Wachstum von zuletzt 4,6 % (4. Quartal 2019) wird nach jüngster IMF-Schätzung (-6,3 % für 2020) einen her-ben Abriss erfahren. Die Währungsreserven stehen indes bei einem historischen Höchststand von 34,6 MrdUSD (31,49 Mrd€). Die Vorkrisen-Staatsverschuldung belief sich mit 62 % etwas unter dem Niveau Österreichs.

Aktien in Frankfurt und New York gelistet
Der „Tel Aviv TA-125 Index“ liegt unterdessen nur noch ein Zehntel unter dem Rekordstand. Dieser auf 1.406 Punkte erholte „Total Return-Index“ (ausgeschüttete Dividenden werden der Zählung zugeschlagen, Anm.) wird nach Kapitalisierung des Streubesitzes gewichtet. Der Markt ist mit 33 % von Medizin-, Biotech bzw. Pharmazeutik-Produkten geprägt. Auf dem Börsenparkett dominieren zudem Aktiengesellschaften aus der Sicherheits-, Verteidigungs- und Softwarebranche. Gut 90 Unternehmen leisten sich neben der Heimatbörse auch ein Mehrfach-Listing in Frankfurt, an der NYSE oder an der NASDAQ.

Am geläufigsten ist heimischen Beobachtern der Arzneimittel-Hersteller TEVA Pharmaceutical (ISIN: IL0006290147). Umsatzeinbrüche, eine negative Profitmarge von 4,8 % und eine erodierende Aktiennotiz trafen Investoren zuletzt hart. In diversen Foren wird dennoch über eine vermutete Unterbewertung spekuliert, obwohl der einstige Börsenstar mit 15,5 Mrd€ Umsatz auf Verbindlichkeiten von 24 Mrd€ sitzt.

Aktien der Elbit Systems Gruppe (IL0010811243) holten die jüngsten scharfen Abschläge be-reits zum Großteil auf und stehen hingegen noch 16 % unter dem Rekordstand von Oktober. Bis dahin zog die Notiz innerhalb eines Jahrzehnts um 270 % an. Die Luft-, Rüstungs- und Elektronik-Gesellschaft aus Haifa ist einer der bedeutendsten Exportkonzerne des Landes. Zudem werden Anteile am Verteidigungskonglomerat IMI Systems (vormals Israel Military Industries) gehalten.

Trend-Segmente im Blickpunkt
Für „die“ Durchstarter-Aktie dieses Jahres stehen die Papiere des Internet-Dienstleisters Fiverr Intl. (IL0011582033). Die Covid-Krise verlieh dem Kursanstieg einen Zusatzschub, die Notiz befindet sich heuer bereits 148 % im Plus. Die Umsätze stiegen zuletzt jährlich um 80 %, das Preis/Umsatzverhältnis ist mit 16 bereits hoch. Der Buchwert liegt aber über der Höhe der marginalen Verbindlichkeiten.

Fundamental reizvoller wirken Taro Pharmaceutical-Valoren (IL00 10827181). Das geschätzte Vorwärts-KGV der liquiden und mit einem Überhang des Cash-Bestandes von 27 €/Aktie ausgestatteten Gesellschaft (38 Mio Aktien ausstehend) liegt bei 9,6, der Buchwert bei 80 % des aktuellen Kurses. Die Umsätze schwächelten zuletzt (-2,8 %), der Gewinn/ Aktie ist mit 5,78 € weiterhin stark.

Die Stabilität des israelischen Schekels (ILS) hat für Investoren Relevanz. Die Währung ist starken Schwankungen ausgesetzt, zog aber während der vergangenen Jahre deutlich auf 3,84 ILS je Euro an.

Foto: Pixabay / Walkerssk

 

 

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Weiterbildung: Aufweichung oder nicht?

Wie es mit der Verpflichtung der Finanzdienstleister im Corona-Jahr 2020 weitergehen soll.

Manfred Kainz. Wie soll es mit der Weiterbildung der in der Finanz- und Versicherungsberatung Tätigen angesichts der Corona-Krise weitergehen? Da gehen die Meinungen auseinander. So hat der Fachverband Finanzdienstleister in der WKO frühzeitig – schon Anfang April – Erleichterungen bei der Weiterbildungspflicht für „Gewerbliche Vermögensberater und Wertpapiervermittler“ gefordert. Zu dem Zweck hat sich der Fachverband gemeinsam mit dem Fachverband Versicherungsmakler und der Bundessparte „Information und Consulting“ an das Wirtschaftsministerium gewandt und zur Umsetzung mehrerer Maßnahmen aufgefordert: Es solle eine gesetzliche Regelung zur Aussetzung der Weiterbildungsverpflichtung für die Zeit der Covid-19-Maßnahmen nach dem Vorbild des § 36b Abs. 4 ÄrzteG geschaffen werden. (Dieses „Vorbild“ wurde im „2. COVID-19-Sammelgesetz“ beschlossen.) Weiters solle von der Verhängung von Verwaltungsstrafen bei Verstößen gegen die Weiterbildungsverpflichtung im Kalenderjahr 2020 abgesehen werden, bzw. sollen die Gewerbebehörden in dieser Zeit davon absehen, die Teilnahme von Wertpapiervermittlern an Weiterbildungszyklen gemäß der Weiterbildungsverpflichtung zu überprüfen. Begründung für diese Vorschläge: Gut 95 % des damaligen Weiterbildungsangebots für „Gewerbliche Vermögensberater und Wertpapiervermittler“ basiere auf Veranstaltungen mit physischer Anwesenheitspflicht und -kontrolle. Diese Veranstaltungen mussten aber seit Mitte März abgesagt werden und dürften nach – damaliger – Aussage der Bundesregierung bis zumindest Juni 2020 nicht stattfinden. Dies würde dazu führen, dass viele Gewerbetreibende ihrer Weiterbildungsverpflichtung „in einem erheblichen Zeitraum nicht ausreichend nachkommen können“.

Genug Möglichkeiten
Anders denkt man da im Bundesgremium der Versicherungsagenten in der Wirtschaftskammer Österreich. Ihr Obmann Horst Grandits sieht im Gespräch mit dem Börsen-Kurier aktuell keine Notwendigkeit zur Aufweichung der Weiterbildungspflichten 2020. Erstens hätten seine Mitglieder von Jänner bis Ende April in Summe und im Durchschnitt schon mehr Fortbildungsveranstaltungen absolviert als im Vergleichszeitraum 2019.

Zweitens gebe es genug Webinar-Angebote und er habe an seine Mitglieder schon früh appelliert, die „Shutdown“-Auszeit zu nützen um sich virtuell weiterzubilden. Wovon viele auch Gebrauch gemacht haben.

Und drittens werde im Juni etwa das WIFI wieder mit Präsenzseminaren beginnen – und andere würden wohl folgen. Somit stehe das ganze zweite Halbjahr zur Verfügung. Außerdem, so Grandits: „Wie erklärt man den Fleißigen, die schon viel gemacht haben, dass es für die anderen heuer einfacher sein soll?“

Ausweg?
Was er sich vorstellen kann, wäre eine Aufweichung des „vereinfachten Lernens“ für heuer, also dass man eben den Großteil der 15 Stunden Weiterbildung via E-Learning und Webtools machten kann. Denn man müsse akzeptieren und berücksichtigen, dass es (ältere) Mitglieder gibt, die sich aus persönlichen Gründen, z. B. weil sie zur Risikogruppe zählen, auch weiterhin keiner Gesundheitsgefährdung in Präsenzveranstaltungen aussetzen wollen und daher auf Webinare ausweichen wollen/müssen. Bisher bedeutete laut Lehrplan „vereinfachtes Lernen“ ein „ausgewogenes Verhältnis“ zwischen Präsenz- und Web-Veranstaltungen. Das könnte man doch für heuer flexibler bis zu 100 % E-Learning auslegen – etwa mittels Ministeriumserlass, meint der Bundesgremialobmann. Da auch der Fachverband Finanzdienstleister inzwischen statt der ursprünglich geplanten Präsenzveranstaltungen Webinare anbietet, würde sich das gut treffen.

Interessenausgleich?
Wie es nun weitergehen könnte? Wenn dem Wirtschaftsministerium verschiedene Meinungen von ähnlichen Berufsgruppen vorliegen, ist es erfahrungsgemäß wahrscheinlich, dass das Ministerium die Sache an die Wirtschaftskammer „zurücküberweist“ und sie um einen „Interessenausgleich“ ersucht.

Foto: Pixabay / StockSnap

 

 

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Hotels: Neben finanziellen auch noch rechtliche Probleme

Stellt ein Betretungsverbot eines Hotels eine Betriebsschließung dar? Dies soll nun ein Gericht klären.

Marius Perger. „Sehr viele empörte Anfragen“ habe der ORF in jüngster Zeit bekommen, weil Betriebsunterbrechungsversicherungen in der Corona-Krise nicht zahlen, sagte Präsentator Peter Resetarits in der jüngsten Sendung „Bürgeranwalt“.

So dürfe ein Hotel in Himberg südlich von Wien seit Mitte März keine Gäste mehr aufnehmen, die 15 Appartments stehen leer. Die Betreiber, die eine Betriebsunterbrechungsversicherung abgeschlossen hatten, hätten anfangs aber gedacht, dass ihre Umsatzeinbußen ersetzt werden würden, so der ORF.

Nur Betretungsverbot, keine Schließung
In den Versicherungsbedingungen war eine Leistung von 75.000 Euro für den Fall einer „Betriebsschließung infolge Seuchengefahr auf Grund des Epidemiegesetzes“ vereinbart. Per E-Mail lehnte der Versicherer allerdings eine Leistung ab. In dieser hieß es: „Der Versicherer gewährt Versicherungsschutz nur für den Fall, dass auf Grund des Epidemiegesetzes in der letztgültigen Fassung der im Antrag bezeichnete Betrieb von der zuständigen Behörde zur Verhinderung der Verbreitung von Seuchen geschlossen wird.“ Weiter schreibt der Versicherer im E-Mail, dass im gegenständlichen Fall von der Behörde „nur ein Betretungsverbot und keine Schließung des Betriebes angeordnet“ worden sei, weshalb kein Versicherungsschutz bestehe. Auch als einer der Hotelbetreiber wenige Tage später selbst positiv auf das Virus getestet worden sei und die ganze Familie aufgrund eines Absonderungsbescheides der Bezirkshauptmannschaft in Quarantäne musste, habe die Versicherung eine Leistung verweigert.

Andere rechtliche Grundlagen
In der Stellungnahme des Versicherers gegenüber dem ORF heißt es: „Die Bedingungen zur Seuchen-Betriebsunterbrechungsversicherung definieren den Versicherungsfall sehr konkret als ‚Schäden durch Betriebsschließungen durch die Behörden aufgrund des Epidemiegesetzes in seiner jeweils geltenden Fassung‘.“ Etwaige andere rechtliche Grundlagen für eine Betriebsschließung würden nicht als versicherte Gefahr gelten, so der Versicherer. Die Pressesprecherin des Versicherers habe darüber hinaus am Telefon erklärt, dass sich das Betretungsverbot vom 15. März auf das Covid-19-Maßnahmengesetz und „eben nicht auf das Epidemiegesetz“ beziehe, berichtet Resetarits.

Hotelbetreiber wollen klagen
Die Betreiber des Hotels wollen das nicht akzeptieren. Ihr Anwalt Daniel Pinzger, der in der Sendung per Video zugeschaltet war, hat eine Klage gegen den Versicherer vorbereitet. Im Studio anwesend war Alexander Punzl, Präsident des Österreichischen Versicherungsmaklerrings (ÖVM). „In der Juristerei“ gehe es oft „um ein einziges Wort oder eine Satzstellung“, so Punzl. Einerseits stelle sich hier die Frage, was ein durchschnittlich verständiger Versicherungsnehmer erwarten kann, andererseits gehe es um die Auslegung der Bedingungen, die entstanden sind, als es das Covid-19-Gesetz noch gar nicht gab. Diese Frage werde nur ein Richter entscheiden können: „Ich glaube nicht, dass es ohne großen Prozess, der bis zum OGH geht, möglich ist, eine fundierte Meinung zu bekommen.“

VVO: Betretungsverbote waren nicht versichert
Vom Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO) erhielt der ORF zu diesem Fall eine Stellungnahme, aus der Resetarits zitierte: „Seuchen-Betriebsunterbrechungsversicherungen, wie sie in Österreich und Deutschland seit jeher verwendet wurden, sind nach Ansicht des Versicherungsverbandes für eine Pandemie wie Covid-19 weder gedacht noch sind sie dafür geeignet.“

Der österreichische Gesetzgeber sei der Meinung gewesen, dass Betriebsschließungen nach dem Epidemiegesetz 1950 keine sinnvolle Maßnahme zur Bekämpfung von Covid-19 seien, so der VVO weiter.  Es seien daher neue Instrumente geschaffen worden. Die neuen Betretungsverbote und ihre Folgen hätten in den Versicherungsbedingungen nicht abgebildet werden können und seien deshalb auch nicht versichert.

Für Anwalt nicht nachvollziehbar
Für Anwalt Pinzger ist die VVO-Stellungnahme „nicht wirklich nachvollziehbar“. Für die Hotelbetreiber sei es mit ein Grund gewesen, gerade bei diesem Versicherer eine Bündelversicherung abzuschließen, weil er in Österreich fast der einzige sei, der eine Betriebsunterbrechungsversicherung in Hinblick auf Seuchen anbietet. Zwar stehe in den Versicherungsbedingungen das Wort „Epidemiegesetz“, man müsse „aber auch die Geschichte sehen“. Zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses habe es das Covid-19-Maßnahmengesetz noch nicht gegeben, denklogisch hätten Betriebsschließungen nur nach dem Epidemiegesetz vorgenommen werden können. Hätte man damals gewusst, dass der Gesetzgeber genau in dem Fall, in dem sich das Risiko verwirklicht, ein neues Gesetz macht, wäre in den Versicherungsbedingungen „selbstverständlich“ ein entsprechender Zusatz aufgenommen worden, glaubt Pinzger. Mit dem im Prinzip aus dem Jahr 1913 stammenden Epidemiegesetz habe es „über hundert Jahre keine Probleme“ gegeben. Weshalb der Gesetzgeber nun meine, dass er damit nicht über ausreichende Möglichkeiten für seine Maßnahmen verfüge, sei nicht nachvollziehbar.

„Versicherer müssen zahlen“
Sinn einer Seuchen-Betriebsunterbrechungsversicherung sei der Schutz bei einer Epidemie oder Krankheit, die eine Personenmehrheit, einen Staat oder eine Stadt betrifft, so Punzl: „Aus meiner Sicht müssen die Versicherer hier leisten.“

„Eigentlich unerhört“ ist für Anwalt Pinzger die Argumentation, dass es sich beim Betretungsverbot des Covid-19-Gesetzes nicht um eine Betriebsschließung gehandelt habe: „Wenn Kunden ein Hotel nicht betreten dürfen, frage ich mich, was es sonst sein soll außer einer Schließung eines Betriebes.“ Der Anwalt glaubt, dass eine Klage die einzige Möglichkeit sein werde: Bisher habe er kein Angebot bekommen, der Versicherer weigere sich, „auch nur einen Cent zu zahlen“.

Kulanzlösungen angeboten
In seinem Schreiben weist der VVO auch darauf hin, dass die Versicherer aufgrund der durchaus unbefriedigenden Situation „freiwillige Unterstützungsleistungen in Form echter Kulanzen“ angeboten hätten. Abgesehen davon, dass diese Beträge sehr niedrig seien, kritisiert Punzl die sehr kurzen Annahmefristen und den verlangten Verzicht auf zukünftige Ansprüche als „nicht sehr kundenorientiert und kundenfreundlich“.

Bevor man so ein Angebot annimmt, sollte man sich auf jeden Fall durch einen Versicherungsmakler oder Rechtsanwalt beraten lassen, so Punzl. Und: „Wenn man die Möglichkeit hat und finanziell durchkommt, sollte man in jedem Fall klagen.“ Auch Pinzger empfiehlt, einen Rechtsanwalt oder sonstigen Rechtsbeistand über die Polizze darüber schauen zu lassen.

Problem Rechtsschutzversicherung
Schließlich macht Punzl noch auf ein weiteres Problem aufmerksam: Rechtsschutzversicherungen würden in Fällen wie diesem aus der Deckung aussteigen. Es gebe entsprechende Ausschlüsse für Katastrophenschäden bzw. Schäden aufgrund von „Anordnungen der hohen Hand“. Man stehe also „in der Seuchen-BU ohne Deckung da und in der Rechtsschutz“. Wer nicht über ausreichende finanzielle Mittel verfüge, könne zu einem Prozessfinanzierer gehen, dem allerdings ein Teil des Erfolges abgegeben werden müsste, oder sich Muster- oder Sammelklagen anschließen.

„Ich würd‘s, wenn‘s geht, probieren“, so Punzl abschließend.

Foto: Pixabay / Julius_Silver

 

 

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Eine Renditedosis aus Fernost

Der asiatische Gesundheitsmarkt steht – unabhängig von Corona – vor einem neuen Wachstumsschub.

Oliver Kubli, Bellevue Asset Management. Gerade in turbulenten Börsenzeiten gilt der Gesundheitssektor als defensiver Stabilitätsanker für Anlegerdepots. Seit dem Ausbruch der Corona-Krise haben sich die wichtigsten Healthcare-Indizes besser als der Gesamtmarkt entwickelt. So hat der MSCI World Healthcare Index wieder das Kursniveau vom Jahresanfang erreicht. Der MSCI Asia Pacific Healthcare Index hat den Kurseinbruch vom März mehr als wettgemacht und notiert aktuell 7 % über dem Stand Anfang Jänner. Demgegenüber verzeichnet der MSCI World Index ein Minus von 10 %.

Asiens Kämpfer gegen Covid-19
Während die meisten biopharmazeutische Firmen aus den USA und Europa einem Großteil der Investoren bekannt sind, befindet sich der Gesundheitsmarkt in Asien noch weitgehend unter dem Radar der meisten Anleger. Dabei spielen etliche Firmen aus der Region eine wichtige Rolle im Kampf gegen Covid-19. So entwickelt die chinesische Firma Innovent Biologics monoklonare Antikörper für die Immunisierung gegen Covid-19. Takeda Pharma aus Japan wiede-rum stützt sich mit Immunglobulinen von bereits geheilten Patienten auf ein bewährtes Verfahren, welches die körpereigene Immunabwehr gegen Sars-CoV-2 mobilisieren soll.

Der japanische Pharmakonzern Chugai Pharma entwickelt Actemra, ein gegen Autoimmunkrankheiten zugelassenes Medikament, nun zur Eindämmung von Überreaktionen des Immunsystems, die bei schwer erkrankten Covid-19-Patienten häufig zum Tod führen. In der Medizintechnik und Diagnostik haben asiatische Firmen bei Schutzkleidung, Masken, Beatmungsgeräten und Testkits eine globale Kundschaft. Mindray aus China verkauft seine Beatmungsgeräte auch in die USA. Top Glove aus Malaysia produziert jährlich 73 Mrd Spitalhandschuhe und baut diese Kapazitäten auf 90 Mrd aus.

In Asien und hier vor allem in China hat die Coronakrise digitalen Technologien zum großen Durchbruch verholfen. Telemedizin und Online-Konsultation von Gesundheitsdienstleistern hatten einen beträchtlichen Anteil daran, dass die Erstversorgung von Patienten nicht von der Infektionswelle überspült wurde. Unternehmen wie Alibaba Health und Ping An Healthcare zählen zu den Gewinnern dieser Entwicklung.

Nachhaltiges strukturelles Wachstum
Unabhängig von der Corona-Krise hat die chinesische Gesundheitsindustrie in den vergangenen Jahren einen Qualitätssprung vollzogen. Die Biomedizin und die Medizintechnik zählen zu den zehn Sektoren, denen im Rahmen des staatlichen Programms „Made in China 2025“ eine Schlüsselrolle zukommt. Belief sich der Anteil der selbst entwickelten Arzneien mit Patentschutz 2018 auf 40 % von allen verkauften Medikamenten, wird dieser Anteil 2023 bei 65 % liegen. Innovent ist mit seiner Entwicklungspipeline gegen Krebs, Immun- und Herz-Kreislauf-Er-krankungen ein Paradebeispiel für den Aufstieg eines biopharmazeutischen Unternehmens. Das Krebsmittel Sintilimab wurde im Dezember 2018 in China als zweite lokal entwickelte Immuntherapie zugelassen.

Aber auch etliche japanische Firmen sind weltweit top. So verfügt der Pharmakonzern Eisai über das weltweit größte Knowhow in der Alzheimerforschung. Astellas Pharma, Chugai Pharma oder Daiichi Sankyo spielen in der Krebsmedizin, der Gentherapie und den seltenen erblichen Erkrankungen ganz vorne mit. In der Medizintechnik sind japanische Firmen Innovationsführer bei Stents, Kathetersystemen und bildgebenden Verfahren. Olympus ist mit einem Marktanteil von 70 % globaler Technologieführer bei Endoskopen.

Insbesondere chinesische Gesundheitsfirmen sind im Verhältnis zum erwarteten Gewinnwachstum der nächsten Jahre günstiger bewertet sind als ihre westlichen Pendants. Mit Fondsprodukten wie dem BB Adamant Asia Pacific Healthcare (ISIN: LU1587985570) und dem BB Adamant Emerging Markets Healthcare (LU158522 9187) können Anleger am Wachstumspotenzial dieser Innovationsführer partizipieren.

Foto: Pixabay / kian2018

 

 

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Defensive Aktien statt Wachstumswerte

„Zu viel Optimismus ist aktuell fehl am Platz“, meint Chefstratege Luca Paolini von Pictet.

Harald Kolerus. Aktien, aber auch Unternehmensanleihen sind nach ihrem Einbruch durch die Covid-Krise wieder in Schwung geraten. Mehr noch: Seit dem 23. März hat an den internationalen Börsen sogar eine massive Rallye stattgefunden. „Aber zu viel Zuversicht wäre fehl am Platz – es werden sicher noch weitere Turbulenzen auf uns zukommen“, so Luca Paolini, Chefstratege bei Pictet Asset Management. In einer digitalen Pressekonferenz warf er einen Blick auf die weltweiten Anlagechancen, wobei er Gold und Corporate Bonds derzeit übergewichtet hat.

Aktien: neutral positioniert
Zunächst herrsche laut dem Experten noch immer Ungewissheit darüber, wie sich der weltweite Ausstieg aus dem Lockdown vollziehen wird. Gleichzeitig kann eine zweite Welle von Coronavirus-Infektionen nicht ausgeschlossen werden. „Wir haben uns entschieden, bei Aktien, Staatsanleihen und Cash unsere neutrale Positionierung beizubehalten, und haben die Allokationen zwischen regionalen Aktienmärkten und festverzinslichen Anlagen umgeschichtet, um den Risiken und Chancen Rechnung zu tragen, die sich in den kommenden Monaten ergeben werden.“ Der Grund für die (Zwischen-)Rallye bei Aktien liegt für den Experten auf der Hand: „Das Erreichen des Peaks der Pandemie bzw. der Infektionsraten hat den neuen Bullen-Markt ausgelöst.“ Außerdem würden steuerliche Stimuli, direkte konjunkturelle Hilfsmaßnahmen, sowie die angestrebte leichtere Kreditvergabe als „Bazooka“ im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie wahrgenommen.

Dennoch ist Paolini auf der Aktienseite sehr vorsichtig: „Die Unternehmensgewinne werden im nächsten Quartal fallen, und es wird schwierig sein, das Level aus Vorkrisenzeiten zu erreichen. Die Unternehmensgewinne stellen ein signifikantes Risikoelement dar.“ In der globalen Asset Allocation gibt der Experte als Konsequenz somit defensiven Aktien gegenüber Wachstumswerten den Vorzug. Übergewichtet sind auch US-Treasuries im Vergleich zu europäischen Staatsanleihen, ebenso wie Investmentgrade Corporate Bonds gegenüber ihren Pendants aus den Emerging Markets.

Made in China
Lan Wang Simond
, Head of Chinese Long Short Equities bei Pictet, nahm ebenfalls an der Tele-Konferenz teil. Sie meinte, dass der Trend der Verlagerung der Lieferketten weg von China zurückgeht: „Das hat vor allem zwei Ursachen: Unternehmen befinden sich angesichts von Corona im Modus der Cash-Erhaltung, da fallen Umlegungen von Herstellungsstandorten schwer. Außerdem erkennt man zunehmend, dass die Effizienz der Produktion in China besser ausfällt als in vergleichbaren Ländern.“

Wie sich der Inlandskonsum im Reich der Mitte weiterentwickeln wird, ist laut der Expertin noch nicht definitiv zu beantworten: „Tatsache ist aber, dass die Fabriken wieder hochgefahren wurden, die Kapazität liegt bei 80 bis 90 % im Vergleich zum Niveau vor Ausbruch der Krise.“

Simond rät dazu, dass sich staatliche Unterstützungsmaßnahmen ohnedies mehr auf die Exportwirtschaft Chinas konzentrieren sollten, als auf den Binnenkonsum: „Denn viele Exportaufträge sind verschwunden.“

Ein Favorit: Luxus
Interessant ist, dass die Spezialistin vor allem für die Luxusgüterbranche prinzipiell positiv eingestellt ist: „Es handelt sich hierbei um eine interessante High-End-Nische. Denn es gibt nach wie vor viele wohlhabende Menschen, die Geld für hochwertige Luxusartikel ausgeben wollen – und das auch können.“

Foto: Pixabay / geralt

 

 

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„Darf Kundenbetreuung etwas kosten?“

Die Anforderungen an Versicherungsmakler sind enorm gestiegen. Das darf auch was kosten.

Manfred Kainz. In der Zeit des Shutdown haben wir alle festgestellt, wie persönliche Dienstleistungen fehlen können. Und wie bei allem im Leben ist es auch bei der individuellen Betreuung: Wie wertvoll sie ist, merken wir erst dann so richtig, wenn sie nicht uneingeschränkt verfügbar ist. Jetzt wo auch wieder „echte“ Kundentermine von Angesicht zu Angesicht (nicht nur via Bildschirm) erlaubt sind, werden wohl mehr Kunden als früher die Frage „Darf Kundenbetreuung etwas kosten?“ mit „Ja“ beantworten.

Das tut auch Martin J. Wienerroither, der Obmann-Stellvertreter der Fachgruppe Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten der Wirtschaftskammer Niederösterreich und Leiter des dortigen Arbeitskreises Bildung. Wie man die wertvolle Dienstleistung „Unabhängige Versicherungsvermittlung“ für den Kunden transparent darstellt, erläutert er auch in eigenen Workshops. Er meint, dass Kunden wohl erkennen können, dass Dienstleistung „eine fachlich kompetente Unterstützung zum Vorteil und zur gleichzeitigen Entlastung der Klienten“ ist. Versicherungsmakler im Besonderen würden eine notwendige Dienstleistung erbringen, die „weit über das Vermitteln von Verträgen hinaus geht“, so Wienerroither. Und: „Um dem Maklergesetz, der IDD, DSGVO und anderen Vorgaben sowie den Ansprüchen der Kunden gerecht zu werden, sowie auch der Haftungsproblematik aus dem Weg zu gehen, sind Dienstleistungen zu erbringen die mit der Provision alleine – bei richtiger Kalkulation – nicht abgegolten sind.“

Wert sichtbar machen
Aber wie kann man den „Wert Dienstleistung“ dem Kunden „vermitteln“? Ihn ihm sichtbar machen? Den Kunden zur Mitarbeit einladen, durch Fragestellung die gewünschte Dienstleistung in Erfahrung bringen, dem Kunden die Vorteile aus dem Angebotenen auf Basis seines Bedarfs darstellen, dem Kunden bislang verborgen gebliebene Tätigkeiten aufzeigen, ihm notwendige und zusätzliche Leistungen darstellen, zählt der Praktiker auf.

Schon die Aufzählung der Dienstleistungen, die allein von § 28 Maklergesetz zur Wahrung der Interessen des Versicherungskunden verlangt sind, würden diesem (mehr) Verständnis geben. Und dazu kommen ja noch die Dienstleistungen im Zusammenhang mit Fristen und im Zusammenhang mit der Vertragsgestaltung.

Wofür Provision?
Für Wienerroither steht daher die Vermittlerprovision „nicht für Risikoerfassung, Ausschreibung, Vergleichsdarstellung, Präsentation, Beratung, Platzierung mit End- und Sonderverhandlung, Polizzen-Kontrolle und Schadenserledigung – sondern, um einen Versicherer zu finden, der das Risiko des Kunden zeichnet und um für diesen den notwendigen Versicherungsschutz zu bekommen“. Für all die anderen Leistungen meint der Praktiker: „Kunden, die ‚Sie‘ und Ihre Leistungen schätzen, wissen dies zu honorieren.“ Dafür müsse man aber am Ball bleiben, d.h. seinen Maklerbetrieb und die Entwicklung des Dienstleistungsangebotes intern beleuchten.

Analysieren und planen
In seinem eigenen Unternehmen begann es mit einer Analysephase, unter anderem mit einer Markt- und Umfeldanalyse sowie einer Machbarkeits-Analyse, was das Personal und den Zeitaufwand betrifft. Zusammen mit den strategischen-, Kunden- und Mitarbeiter-Anforderungen ermöglichte dies ein Grobkonzept Dienstleistung.

Daran anschließend brauchte es Planung der Leistungen zum Kundennutzen, der Prozesse und Abläufe, der Ressourcen, des Marketingkonzepts in der Beratung, der Argumentation sowie der Umsetzung mit Zeitplan.

Zwei Modelle
Daraus entwickelte Wienerroither ein „Produktmodell Dienstleistung“, das beschreibt, „was geleistet wird, nicht wie“; plus ein Prozessmodell, das beschreibt, „wie die Ergebnisse einer Dienstleistung zustande kommen“. Und intern brauche es ein „Ressourcenkonzept“ zur Planung der Kapazitäten für die Erbringung der Dienstleistung: Wie viele Kunden können mit wie vielen Mitarbeiten und welchen verfügbaren Dienstleitungsstunden betreut werden?

Servicevertrag
Am Ende stand die interne Implementierung, die Bekanntmachung im Kundenstamm und am Markt und ein „Servicevertrag“: mit klarer Regelung durch (neben den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Kanzlei) Geschäftsbedingungen hinsichtlich Vertragsdauer, Leistungen des Servicevertrages, Kündigungsmöglichkeiten, Kosten- und Inkassoregelung.

Erfolgskontrolle über die Servicevertrags-Regelung in der Praxis ergibt sich durch die Kundenzufriedenheit, die Mitarbeiterzufriedenheit und die Wirtschaftlichkeits-Betrachtung.

Mut haben
Wienerroithers Fazit: Honorarverrechnung festigt die persönliche Kundenbindung und -beziehung: Seine Kunden seien „bereit“, für Sonderleistungen zu zahlen. Alle seriösen Makler, die bereit seien, für ihre Kunden das nötige „Mehr“ zu leisten bzw. sich von „Produktverkäufern“ abheben wollen, sollten diese Leistungen nicht kostenlos erbringen. Daher lautet sein Appell: „Wer den Mut hatte, sich als Versicherungsmakler selbstständig zu machen, kann auch den Mut haben, für seine vielfältigen Leistungen zu Gunsten seiner Kunden Geld zu verlangen.“

Foto: Adobe Stock / contrastwerkstatt

 

 

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Keine rasche Erholung in Sicht

Historischer Einbruch auf dem europäischen Neuwagenmarkt – keine rasche Erholung in Sicht

• Neuwagenabsatz sinkt EU-weit im April um 76 Prozent, in Österreich um 65 Prozent

• Starkes Nord-Süd-Gefälle: Südeuropa mit stärksten Einbußen

• Marktanteil von Elektroantrieben steigt auf Rekordniveau, Neuzulassungen sinken aber nun auch bei Elektroautos

• EU-weit 2020 Absatzrückgang um ein Drittel erwartet

19.05. Der EU-Neuwagenmarkt ist im April so stark eingebrochen wie nie zuvor – um 76 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. In Österreich wurde mit einem Rückgang um 65 Prozent ebenfalls ein historischer Einbruch registriert.

Europaweit verzeichneten die Länder die drastischsten Rückgänge, die am stärksten von der COVID-19-Pandemie betroffen waren und die massivsten Eindämmungsmaßnahmen umsetzten: In Belgien, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien und Spanien sanken die Neuzulassungen jeweils um fast 90 Prozent und mehr.

Die staatlichen Maßnahmen fielen innerhalb Europas unterschiedlich stark aus – entsprechend groß ist die Bandbreite in Bezug auf die Einbußen auf dem Neuwagenmarkt: In den skandinavischen Ländern wurden Rückgänge um etwa ein Drittel verzeichnet, im deutschsprachigen Bereich (Österreich, Deutschland, Schweiz) lagen die Einbußen bei etwa zwei Dritteln, im Süden Europas kam der Markt fast vollständig zum Erliegen.

Gerhard Schwartz, Leiter Industrial Products bei EY Österreich, rechnet mit einer leichten Entspannung der Lage im Monat Mai: „In den meisten Ländern Europas werden die Beschränkungen derzeit gelockert, das öffentliche Leben kommt wieder in Gang, wenngleich je nach Land unterschiedlich schnell und unterschiedlich stark. Diese Lockerungen werden sich auch in den Neuzulassungen widerspiegeln.“ Für den Monat Mai rechnet Schwartz EU-weit mit einem Rückgang um etwa 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Konjunktursorgen bremsen Autoabsatz
Die Branche stehe nun vor mehreren Herausforderungen, sagt Schwartz: „Dass nun die Autohäuser in vielen Ländern wieder geöffnet haben, hat einen gewissen stabilisierenden Effekt, führt aber leider nicht dazu, dass die Kunden wieder in Scharen in die Showrooms strömen. Denn zunehmend zeigen sich die massiven konjunkturellen Folgen der COVID-19-Pandemie. Immer mehr Menschen machen sich Sorgen um ihren Job oder sind gar bereits arbeitslos – ein Neuwagenkauf steht da nicht zur Debatte. Und auch bei gewerblichen Neuzulassungen werden wir weiterhin starke Einbußen sehen, denn massive Umsatzrückgänge und die extreme konjunkturelle Unsicherheit zwingen viele Unternehmen zum Sparen. Gerade Autovermietungen, die in einigen Teilen Europas sehr wichtige Abnehmer von Neuwagen sind, werden kaum noch neue Fahrzeuge ordern.“

Elektro-Marktanteil steigt weiter
Im März sind die Neuzulassungen von Elektroautos in vielen Märkten noch gestiegen – inzwischen leidet auch dieses Segment zunehmend unter der Krise. In den Top-5-Märkten Westeuropas – das sind Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien – sank der Absatz rein elektrisch betriebener Neuwagen im April um 36 Prozent, in Österreich schrumpfte der Absatz von Elektroautos um 23 Prozent.

Die Neuzulassungen von Plug-in-Hybriden gingen in den Top-5-Märkten nur um 17 Prozent zurück, was allerdings ausschließlich auf die nach wie vor starke Entwicklung in Deutschland zurückzuführen ist, wo die Neuzulassungen in diesem Segment um 84 Prozent zulegten. Auch in Österreich stieg die Nachfrage von Plug-in-Hybriden: um 22 Prozent.

Deutlich schlechter entwickelten sich die Neuzulassungen bei Benzinern und Dieselneuwagen: In den Top-5-Märkten schrumpfte der Absatz von Benzinern um 86 Prozent, in Österreich um 71 Prozent. Diesel-Fahrzeuge verzeichneten in den Top-5-Märkten einen Rückgang um 84 Prozent, in Österreich um 64 Prozent.

„Elektrische Antriebe erfreuen sich zwar steigender Beliebtheit, aber es zeichnet sich nun ab, dass auch der Elektroboom aufgrund der aktuellen Krise ein vorläufiges Ende hat“, sagt Schwartz. „In diesem Segment sind es allerdings derzeit in erster Linie die Produktionsunterbrechungen und daraus resultierenden Lieferengpässe, die die Neuzulassungen bremsen – denn für viele Modelle liegt noch eine hohe Zahl an Bestellungen vor.“ Mittelfristig werde sich die Konjunkturkrise aber auch in den Bestellungen von Elektroautos niederschlagen – wenngleich voraussichtlich weniger stark als bei Volumenmodellen und mit zeitlicher Verzögerung, erwartet Schwartz.

Im April stiegen die Marktanteile elektrifizierter Neuwagen erneut deutlich: In den Top-5-Märkten kletterte der Marktanteil von Elektroautos von 1,3 auf 5,1 Prozent, in Österreich von 2,3 auf 5,0 Prozent. Bei Plug-in-Hybriden gab es in den fünf größten Märkten ein Wachstum von 0,8 auf 4,0 Prozent, in Österreich von 0,6 auf 1,9 Prozent. Zusammen kamen elektrifizierte Modelle damit in den Top-5-Märkten auf einen Marktanteil von 9,1 Prozent (Vorjahr: 2,1 Prozent). In Österreich stieg der Marktanteil von 2,8 auf 6,9 Prozent.

Ausblick: 2020 EU-weit Absatzrückgang um mindestens ein Drittel erwartet
Im bisherigen Jahresverlauf liegt der österreichische Neuwagenmarkt um 42 Prozent unter dem Vorjahresniveau, EU-weit ist ein Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 39 Prozent zu verzeichnen.

Innerhalb der EU ist im Gesamtjahr 2020 mit einem Rückgang von mindestens 35 Prozent auszugehen. Dieser historische Einbruch werde massive Folgen für die europäische Automobilindustrie haben, so Schwartz: „Die Branche wird mittelfristig mit massiven Überkapazitäten umgehen müssen, denn auch im kommenden Jahr werden wir noch mit den konjunkturellen Nachwehen dieser Krise kämpfen – selbst wenn die Pandemie dann vorüber sein sollte.“

Foto: SZ-Designs/Adobe Stock

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Aktien für schlechte Zeiten

Von Pharma bis Nahrungsmittel – Renditechancen mit defensiven Titeln trotz Krise.

Michael Kordovsky. Um wirklich an krisenfeste Aktien zu kommen, sollte man auf klassische Dauerbrenner mit hoher Ertragskontinuität über den gesamten Konjunkturzyklus achten.

In diese Kategorie fallen eindeutig der Pharma- und Medizintechnik-Konzern Johnson&Johnson (ISIN: US4781601046) und die

Roche Holding (CH0012032113). Letztere hat mit Genentech ein Biotech-Standbein, verfügt über zwei verschiedene Corona-Tests und mit dem Rheumamittel Tocilizumab (blockiert Interleukin-6-Rezeptor und verhindert überschießende Immunreaktion) sogar noch über ein potenzielles Corona-Medikament. Von 2010 bis 2019 wuchs der Gewinn/Aktie um 5 % p.a. Johnson&Johnson erwirtschaftet 70 % der Umsätze mit Produkten, bei denen das Unternehmen weltweit den größten oder zweitgrößten Marktanteil hat. Das um Sonderposten bereinigte Betriebsergebnis hat der Konzern 36 Jahre in Folge steigern können, die Dividende sogar 58 Jahre! Per 8. Mai (15.35 Uhr) lagen Johnson&Johnson und Roche seit Jahresanfang jeweils 1,6 bzw. 10,9 % im Plus.

Lebensmittel, Getränke, Hygieneartikel, Desinfektions- und Putzmittel werden in Krisenzeiten teils sogar gehortet. Auf der soliden Seite stehen Nestle (CH0038863 350, Aktienkurs im laufenden Jahr unverändert), General Mills (US

3703341046) sowie die Haushaltswarenanbieter Procter&Gamble (US7427181091) und Clorox (US 1890 541097). Letztere liefert Putzmittel und Desinfektionstücher und ist im laufenden Jahr knapp 33 % im Plus. Im abgelaufenen „Corona-Quartal“ steigerte das Unternehmen Umsatz und Gewinn vor Steuern um jeweils 15 bzw. 24 %. Proc-ter&Gamble liefert tägliche Bedarfsgüter von Hygieneartikeln über Rasierklingen bis hin zu Pflegeprodukten und ist bekannt für Marken wie Always, Charmin (Toilettepapier), Gillette und Oral-B (elektrische Zahnbürsten). Das Unternehmen erhöht schon 63 Jahre in Folge die Dividende und brachte seinen Aktionären inklusive reinvestierter Dividenden in den vergangenen 40 Jahren einen Ertrag von stolzen 10,7 % p.a.

General Mills stellt Snacks, Frühstücksflocken, Fertiggerichte, Joghurts und Eiscreme her und schüttet bereits seit 120 Jahren durchgehend Dividenden aus. In den vergangenen Jahren konnte bei kleinen Gewinnsteigerungen pro Aktie die operative Marge (bereinigt um Sonderposten) von 15,7 auf 16,9 % des Umsatzes verbessert werden. Die Aktie liegt im laufenden Jahr gut 11 % im Plus.

Homeoffice, mehr Streaming Services und ein höherer Bedarf an größeren Bandbreiten – dies und mehr Telefonate und Online-Konferenzen sind das Ergebnis der Corona-Krise. In vielen Firmen ist man sich der Effizienzwirkung von Telekonferenzen erst jetzt so richtig bewusst geworden. Auf jeden Fall stehen die großen Anbieter von Telekom-Services auf der Gewinnerseite. Dazu zählt die Deutsche Telekom (DE0005557508), bei der Analysten von 2020 bis 2024 von einer Steigerung des Free Cash Flows vor Dividenden von 8 auf 11 MrdE ausgehen. Als Branchengigant in den USA interessant erscheint Verizon (US92343V1044) mit einem geschätzten Forward-KGV 2021 von 11,5.

Systemrelevant und stabil in fast jedem Umfeld sind reine Wasserversorger bzw. Abwasserentsorger wie die kalifornische American

States Water Company (US0298 991011), deren Gewinn/Aktie von 2015 bis 2019 um 9,3 % p.a. wuchs und bei 8,7 % p.a. Dividendenwachstum in den vergangenen zehn Jahren bereits das 65. Jahr hintereinander die Dividendenausschüttung erhöhte.

Foto: Adobe Stock / New Africa

 

 

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In Energieträger der Zukunft investieren

Wasserstofftechnologie ist für viele Anleger noch ein unerforschtes Terrain.

Harald Kolerus. Wenn man von Nachhaltigkeit spricht, kommen sehr schnell die „üblichen Verdächtigen“ ins Spiel: Sonnenenergie, Wind- und Wasserkraft oder E-Autos. Relativ unbekannt bei Investoren ist hingegen Wasserstoff (oder Hydrogen). Schade, denn er bietet erhebliches Potenzial.

Kampf dem Klimawandel
Als sauberer Energieträger könnte Wasserstoff einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die Ziele der Pariser Klimakonferenz zu erreichen. Diese sehen vor, die globale Erderwärmung bis zum Jahr 2100 auf höchstens 2 Grad Celsius zu begrenzen. Die energiebedingten CO2-Emissionen müssten zu diesem Zweck bis 2050 um immerhin 60 % gesenkt werden. Nicht einfach, wenn man bedenkt, dass die Weltbevölkerung in diesem Zeitraum um rund zwei Milliarden Menschen ansteigen dürfte.

Hier kommt Wasserstoff ins Spiel, der allerdings keine klassische Energiequelle wie z. B. Erdöl oder Biomasse ist. Er muss aus anderen Energieformen hergestellt werden, und zwar über Dampf-Reformierung aus Erdgas oder mittels Elektrolyse aus Strom. Der Energie-Experte Bernhard Reinitzhuber führt auf der Plattform www.ener-gie-bau.at aus, dass Wasserstoff derzeit überwiegend aus fossilem Erdgas hergestellt wird: „Derartige Umwandlungsprozesse sind mit Verlusten, wie Wärmeabgabe, verbunden. Bei intelligenter Energieraumplanung könnte man diese Verluste z.B. für Gebäudeheizwerke nutzen.“

Die gesamte Energiegewinnung kann auch klimaneutral erfolgen, wenn auf Öko-Strom zurückgegriffen wird. Dabei ist das „Endprodukt“ Hydrogen ein CO2-armer Energieträger mit vielseitigen Einsatzgebieten: So kann aus Wasserstoff generierte Energie direkt ins Stromnetz eingespeist oder aber zur Dekarbonisierung von Industrie und Transport eingesetzt werden.

Hinzugefügt werden muss, dass die Energiegewinnung durch Hydrogen vielerorts noch in den Kinderschuhen steckt, wie riskant ist hier also ein Engagement für Anleger? Heiko Geiger, Zertifikate-Experte bei Vontobel, meint dazu im Gespräch mit dem Börsen-Kurier: „Das Risiko ist vergleichbar mit Investments in andere neue Technologie-Bereiche, wie z.B. Elektro-Autos. Hier gibt es bspw. auch kritische Stimmen hinsichtlich der Nachhaltigkeit. Aber zurück zum Wasserstoff: Er ist noch nicht massentauglich, die Anlageidee dahinter ist aber, dass eine weltweite Etablierung sehr starkes Wachstum generieren könnte. Das übergeordnete Risiko ist, wie eben bei anderen noch nicht gänzlich ausgereiften Technologien, dass sich Wasserstoff nicht durchsetzt.“

Dem müssen sich Investoren bewusst sein, wobei Geiger aber das breite Einsatzgebiet von Hydrogen, vom Individualverkehr bis zur industriellen Verwendung, positiv hervorhebt. Auch die Aussicht auf niedrigere Kosten und eine bessere Infrastruktur könnte für weiteren Auftrieb sorgen. Eine Studie des Hydrogen Council – ein Konsortium von 18 Unternehmen aus der Automobil-, Öl- und Gas-, sowie Ausrüstungsindustrie – hat aufgezeigt, dass das Thema in naher Zukunft erheblich an Bedeutung zunehmen dürfte. Noch innerhalb dieser Dekade erscheint eine Kostenreduktion bei Wasserstoff-Lösungen um bis zu 50 % laut den Experten möglich.

15 Aktien auf einen Streich
Ein Aufschwung in der Technologie sollte auch Wasserstoffaktien beflügeln. Doch ist die Selektion nicht ganz einfach, da wir uns in einem hochspezialisierten Feld bewegen. Vontobel hat deshalb ein Partizipationszertifikat auf den „Solactive Hydrogen Top Selection Index“ (ISIN DE000VP2HYD0) lanciert. Vontobel-Mann Geiger: „Wir haben hier große Automobilkonzerne ausgespart und uns auf Pure-Plays konzentriert, etwa Powercell, Nel oder Ballard Power. Auch Anbieter von Industriegasen und Spezialchemikalien wie Johnson oder Linde werden berücksichtigt.“

Der Hydrogen-Index wird zwei-mal im Jahr angepasst und umfasst 15 Unternehmen. Die Titel sind gleichgewichtet, die jährliche Managementgebühr beträgt 1,2 %.

Foto: Adobe Stock / Wellnhofer Designs

 

 

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„Empfindliche“ Aluminiumaktien

Roman Steinbauer. Große Auswirkungen hatte der Nachfrageschock gegen Ende des 1. Quartals auf den internationalen Aluminiumpreis. Mit 1.495 USD/t ist vorläufig ein Boden – wie Ende 2015 oder zu Zeiten der Finanzkrise – erreicht. Folglich gerieten Aktien der Aluminium- und Komponentenhersteller dieses leichten Metalls an vorderster Front in einen Abwärtsstrudel.

Titel des Flaggschiffes Alcoa Corp. (ISIN: US0138721065) gelten stets als richtungsweisend für den Investment-Trend in dieser zyklischen Sparte. Aktuell wird das Papier bei knapp über 8 USD gehandelt. Diese Zahl in der Chart-Skala wurde seit dem Reverse-Split vom Oktober 2016 (drei Aktien wurden zu einer verschmolzen) nicht mehr gesehen. Mit Verbindlichkeiten von 1,95 MrdUSD (1,79 Mrd€) bei einem Umsatz von 10,1 MrdUSD (9,29 Mrd€) sowie einem Buchwert von 23 USD/Aktie weist die Gesellschaft aus Pittsburgh eine reizvolle Relation auf. Auch wenn die Dividende für das laufende Jahr gekürzt werden sollte (0,36 US-Cent für 2019), ist dennoch eine ansprechende Rendite zu erwarten.

Unterschiedliche Einstiegsvoraussetzungen
Die österreichische AMAG Gruppe ist in der Wertschöpfungskette von der Herstellung des Primär-Aluminiums und der Legierungen bis zur Lieferung von Walz -und Gusskomponenten in der Transportbranche integriert. Der Aktienkurs hat sich unterdessen auf das Niveau von Anfang Feber (vor Ausbruch der Corona-Krise) erholt. Die Enttäuschung durch die Bekanntgabe der Ergebnisse des 1. Quartals und eine unsichere Entwicklung führten schon vorlaufend zu heftigen Abgaben. Die bereits seit Jahreswechsel niedrigere Rohstoffkosten-Beschaffung trug bei der AMAG aber auch zu einem positiven Aspekt bei. Die spekulative Fantasie bleibt vorerst begrenzt.

Die Notiz des umsatzstärkeren kalifornischen AMAG-Mitbewerbers Kaiser Aluminium (US4830077040) halbierte sich bis März binnen Wochen. Die 2.830 Mitarbeiter zählende Gesellschaft agiert in erster Linie in der Herstellung gewalzter Weißbleche und beliefert ebenso die Luftfahrt- wie die Autoindustrie. Die jüngste Erholungsbewegung der Titel war hingegen weit geringer. Als Kerninvestoren sind Blackrock (15 %) und die Vanguard Group (12 %) involviert.

Hart wurde zudem die Notiz der Constellium SE (FR0013467479) dezimiert. Die Titel des einst aus Fusionsprozessen zwischen Pechiney, Alusuisse, Alcan und nach dem Aufkauf durch Apollo Management geformten Unternehmens sind extrem schwankungsanfällig. Eine Dividende winkt hier weiterhin nicht.

Foto: AMAG

 

 

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Gestärkt aus der Krise

Einige Unternehmen werden gestärkt aus der Krise hervorgehen – ein Kommentar von Jasmine King.

(12.05.) Zwei Monate nach Ausbruch von Covid-19 und einer Ausgangssperre, die Chinas Wirtschaft zum Stillstand brachte, scheint das Land die weitere Ausbreitung der Epidemie gestoppt zu haben. Von einem durchschlagenden Erfolg kann jedoch noch keine Rede sein, da sich das Epizentrum der Pandemie in der Zwischenzeit in andere Regionen der Welt verlagert hat. Aufgrund der weltweiten Verbreitung des Virus hat China für Einreisende strenge Kontrollen eingeführt. Dank der ergriffenen Maßnahmen wird sich das Riesenreich wahrscheinlich als erstes Land zumindest von der ersten Viruswelle erholen.

Inzwischen kehren die Unternehmen allmählich zur Normalität zurück, auch wenn es weiterhin Reisebeschränkungen gibt. Die meisten haben Mitte März ihren Betrieb wieder aufgenommen und arbeiten mit 80 % oder mehr ihrer sonst üblichen Produktionskapazität. Aber der Konsum läuft immer noch schleppend, da die Menschen öffentliche Verkehrsmittel meiden und die Wirtschaftslage auf kurze Sicht pessimistisch einschätzen. Obwohl z.B. über 90 % der Autohändler die Arbeit wieder aufgenommen haben, haben sich die Kundenfrequenz in den Verkaufsräumen und die Absatzzahlen im März nur auf 60 % des normalen Niveaus erholt. Das bedeutet ein Minus von 40 % gegenüber dem Vorjahr. Eine noch deutlichere Sprache spricht der Flugverkehr: Obwohl die Zahl der verfügbaren Plätze wieder steigt, werden nur wenige tatsächlich in Anspruch genommen.

Trotz der kurzfristigen Unsicherheit sind wir zuversichtlich, dass China als erstes Land zur Normalität zurückkehren und weitere geld- sowie fiskalpolitische Stimulus-Maßnahmen ergreifen wird. Anders als viele Zentralbanken in den Industrieländern hat die People’s Bank of China Spielraum und kann ihren Einlagenzins von derzeit 2,85 % sowie den Mindestreservesatz von 11 % weiter senken. Durch zusätzliche Investitionen in Technologieprojekte wie 5G und Smarte Städte kann Peking die Konjunktur weiter ankurbeln. Auch die langfristigen Wirtschaftstreiber sind unverändert, konkret der laufende Umbau einer von Export und Infrastrukturinvestitionen getriebenen hin zu einer auf Konsum und Dienstleistungen basierenden Wirtschaft.

Pandemie beschleunigt Digitalisierung im Reich der Mitte
Covid-19 könnte die Art und Weise, wie die Menschen leben, grundlegend verändern. Chinas Digitalwirtschaft gewinnt schon länger an Bedeutung. Aber wegen der Corona-Krise nutzen immer mehr Chinesen das Internet. Zum Beispiel um sich Filme anzusehen oder für tägliche Einkäufe, virtuelle Treffen, eine medizinische Online-Beratung und vieles mehr. Das Reich der Mitte öffnet sich digitalen Geschäften, und die Pandemie beschleunigt diese Entwicklung.

Wie andere Anlageklassen verzeichnen auch chinesische Aktien seit Februar erhebliche Kursausschläge. Mit dem Unterschied jedoch, dass in China alles früher begann als im Rest der Welt. Das Reich der Mitte durchlief die schlimmste Phase der Epidemie daher, noch bevor die Stimmung weltweit kippte. Als die Panik an den Märkten rund um den Globus um sich griff, hatte Peking die Ausbreitung des Virus bereits unter Kontrolle gebracht. Deshalb verbuchten der CSI 300 Index, der den chinesischen A-Aktienmarkt repräsentiert, und der MSCI China Index im Vergleich nur ein moderates Minus von 12,0 bzw. 10,7 % (per 31. März seit Jahresbeginn). In diesem gesamtwirtschaftlichen Umfeld werden die Gewinne unserer Portfoliounternehmen dieses Jahr wohl niedriger ausfallen, als anfangs von uns prognostiziert. Aber bezogen auf die nächsten fünf Jahre wird sich an der geschätzten Gewinnwachstumsrate von 16,1 % p.a. vermutlich wenig ändern, da wir viel Zeit und Energie investieren, um resiliente Firmen mit starken Marken und F&E-Kapazitäten sowie hervorragendem Vertrieb zu finden. Wichtige Kriterien sind für uns zudem starke Bilanzen und die Fähigkeit, einen hohen Cashflow zu generieren. Deshalb sind wir zuversichtlich, dass die von uns ausgewählten Unternehmen gut durch die Krise kommen und sogar gestärkt daraus hervorgehen werden.

Die Chancen in der Krise erkennen
An unserem Anlagestil halten wir auch in diesem volatilen Marktumfeld fest, das uns die Gelegenheit bietet, uns bei einigen interessanten oder qualitativ besseren Namen zu engagieren. Verkleinert wurden jedoch Positionen, deren Risiken unserer Meinung nach auf dem aktuellen Kursniveau nicht vollständig eingepreist waren. Das interessanteste Thema, das wir näher beleuchten wollen, ist der Konsum. HengAn hat sich gut entwickelt, da die Nachfrage nach Hygieneprodukten wie Papiertaschentüchern, Handdesinfektionsmitteln und Gesichtsmasken steigt. Das Unternehmen gefällt uns nach wie vor, auch wenn sein Risiko-Renditeprofil jetzt nicht mehr ganz so attraktiv ist. Die Positionen Suofeiya, ManWah und Midea fuhren wir zurück, nachdem ihre Aktienkurse Ende Februar erstaunlich stabil geblieben waren. Sorgen hatte uns ihre Abhängigkeit vom Wohnungsmarkt bereitet. Wie bereits erwähnt, dürfte Alibaba auch nach dem Ende der Corona-Krise von der zunehmenden Verlagerung von Aktivitäten ins Internet profitieren. Die jüngste Kurskorrektur nutzten wir daher, um unsere Position zu verstärken. Im Finanzsektor kauften wir Aktien von PingAn, China Life und Noah zu. Sie alle verfügen unseres Erachtens über vielversprechendes langfristiges Wachstumspotenzial, das sich aus der nach wie vor geringen Verbreitung von Versicherungs- und Vermögensverwaltungsprodukten im Reich der Mitte ergibt. Bei Wettbewerbern aus Industrieländern gab es eine lange Phase mit starkem Wachstum, als die Zahl der Mittelschichtfamilien das Niveau erreichte, das wir gegenwärtig in China sehen.

Langfristiges Gewinnwachstum gefragt
Daneben nutzten wir die Marktschwankungen, um die Qualität des Portfolios weiter zu verbessern. Von Hangzhou Hikvision trennten wir uns Anfang des Jahres. Dem waren Gespräche über sein heikles Videoüberwachungsgeschäft, über Menschenrechte und insbesondere die Projekte in XinJiang vorausgegangen. Wir beschlossen, uns erst einmal zurückzuziehen und abzuwarten, wie sich seine ESG-Maßnahmen entwickeln. Nach wie vor sind wir überzeugt, dass Hangzhou sein geistiges Eigentum im Bereich der Überwachung ausbauen und sein Potenzial nutzen kann, um seine Projekte in der Robotik, bei Lösungen für Privathaushalte und beim autonomen Fahren zum Erfolg zu führen.

Als langfristig orientierte Anleger mit relativ geringer Umschlagshäufigkeit gehen wir bei der Anpassung unserer Bestände diszipliniert vor und verfolgen dabei das Ziel, die Qualität des Portfolios weiter zu verbessern. Wir sind überzeugt, dass das langfristige Gewinnwachstum in unserem Portfolio auch künftig der wichtigste Performancetreiber sein wird.

(Foto: Comgest)

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Multinationale Konzerne werden sich behaupten

(05.05.) Multinationale Unternehmen haben die globalen Märkte in den vergangenen 25 Jahren outperformt. Steven Watson, Portfoliomanager für Aktien bei Capital Group, prognostiziert, dass sich dieser Trend nach der Corona-Pandemie fortsetzen wird.

Erfolgsrezept: lokal agieren

„Multinationals haben bewiesen, dass sie sich sowohl in herausfordernden Zeiten als auch bei zunehmendem Protektionismus, behaupten können. Erfolgreiche internationale Unternehmen agieren lokal. Ein gutes Beispiel hierfür ist Nestlé, das als Schweizer Unternehmen in 130 Ländern aktiv ist und sich in diesen jeweils wie ein lokaler Player verhält. Dabei behält es aber die Stärken eines multinationalen Unternehmens.“

Die Welt mag sich seit Beginn der Pandemie verändert haben, die langfristige Philosophie von Capital Group bleibt hingegen die Gleiche. Steven Watson unterstreicht: „Wir wählen langfristig Qualitätsaktien aus und da ich bin kein Fan von hohen Portfolioumschlägen bin, hat sich mein Anteil am Portfolio des New Perspective Fund kaum verändert. Trotzdem bietet die Krise Chancen vom Markt unterbewertete Unternehmen zu identifizieren.“

Pharma-, Gesundheits-, Biotech- und Versicherungsbranche bieten Opportunitäten

Als Beispiel nennt der Portfoliomanager ein chinesisches Biotech-Unternehmen, in das Capital Group kürzlich investiert hat: „Ich habe diese Woche mit dem Unternehmen telefoniert und meiner Meinung nach hat es das Potenzial ein multinationales Unternehmen im Bereich der Onkologie zu werden. Um immer auf dem neuesten Stand zu sein, bin ich im regelmäßigen Austausch mit dem Unternehmen.“

Auch für andere Sektoren ist Watson optimistisch: „Es gibt interessante Opportunitäten in der Pharma-, Gesundheits-, Biotech- und Versicherungsbranche. In diesen Bereichen dürfte COVID-19 für neue Geschäftsmöglichkeiten sorgen. Ebenso haben sich die defensiven Sektoren der Technologie und der Basiskonsumgüter behauptet. Auch haben wir gemerkt, wie wichtig der bereits seit Jahren wachsende E-Commerce für uns ist. Zudem gehe ich davon aus, dass wir sobald wir uns in unserer neuen Normalität befinden, wieder Restaurants und Bars besuchen als auch Flüge sowie Urlaube und Hotels buchen werden. Diese Dienstleistungsbranchen werden nicht verschwinden, auch wenn sie derzeit Schaden nehmen. Die globale Lieferkette hingegen wird zukünftig weniger abhängig von China sein und die Produktion wird wieder in die Herkunftsländer der Unternehmen verlagert werden – auch wenn ich davon ausgehe, dass diese Verlagerung einige Jahre dauern wird.“

Krisen bringen attraktive Kaufoptionen mit sich

„Dieses Jahr ist zwar bislang eine Achterbahnfahrt, allerdings habe ich in meiner Karriere bereits 22 ‚Krisen‘ erlebt, von denen acht signifikante Bärenmärkte waren. Jeder dieser Abschwünge hat es ermöglicht, Wertpapiere zu attraktiven Preisen zu kaufen und wir haben uns von jedem der Abschwünge wieder erholt. Investoren sollten sich vor Augen führen, dass sich die Märkte wieder erholen werden und sich nun Gelegenheiten bieten, Aktien zu attraktiven Preisen zu erwerben. Wir müssen gegen den Drang zur Panik ankämpfen und uns daran erinnern, weiterhin langfristig auf Grundlage von Fundamental-Research zu investieren, um so Value ausfindig zu machen.“

Watson erwartet, dass die Entscheider über finanzpolitische und monetäre Maßnahmen rechtzeitig agieren werden, damit die Rezession nicht zu einer Japanisierung der Industrieländer führt. Eine langanhaltende Depression oder Stagflation hält er für eher unwahrscheinlich.

Erste positive Zeichen

Die Tiefe der Rezession hängt von der Dauer der Pandemie ab, die derzeit nicht valide prognostizierbar ist. Trotzdem sieht Watson bereits erste positive Zeichen: „Die Zunahme der Neuinfektionen und der Sterblichkeit nimmt deutlich ab. Die Menschen in Hongkong gehen wieder zum Essen aus, wobei sie Regeln der sozialen Distanzierung weiterhin einhalten. Auch aus meinen Gesprächen mit einigen Biotech- und Pharmaunternehmen habe ich positive Fazits gezogen.“

„Wie Mark Twain sagte: ,Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.‘ Im Jahr 2003 erlebte ich den Ausbruch des SARS-Virus in Hongkong. Diesen hatten wir nach vier Monaten überwunden und das wird auch dieses Mal geschehen. Wie lange dies dauern wird und welche Schwierigkeiten wir auf dem Weg dorthin erleben werden, ist schwer vorauszusagen. Ich bin aber überzeugt, dass die Weltwirtschaft im nächsten Jahr viel besser aussehen wird. Der Markt ist vernünftig und sobald wir sehen, dass die Neuansteckungsraten zurückgehen wird auch dieser positiv reagieren. Wenn die Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit und der Gruppenzusammenschlüsse nachlassen, werden wir erste Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung sehen – so war es auch in Hongkong.“

Foto: Adobe Stock / Adiruch na Chiangmai

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Aktien wie im Supermarkt

Börsen zwischen Hoffen und Bangen. Viele gute Aktien sind aktuell um 20 % billiger als zu Jahresbeginn.

Bankhaus Krentschker. Die Zwischenbilanz des bisherigen Börsenjahres erinnert an die viel zitierte Hochschaubahn. Startete das Jahr noch mit neuen Rekorden an den Aktienmärkten, so war spätestens Ende Feber klar, dass der Coronavirus keine asiatische Angelegenheit bleibt. Die Börsen gingen Anfang März in den Krisenmodus und erlebten einen Rückgang in einem Satz ohne nennenswerter Kurserholung. Der „Schwarze Schwan“ hatte zugeschlagen: Ein Ereignis, das völlig unberechenbar und wie aus dem Nichts ein System beinahe aus den Angeln hebt. Zwischenzeitlich scheint der Märzschock etwas verdaut und es wird Zeit, sich wieder nach soliden Werten an den Börsen umzusehen, schreiben die Experten der Bankhaus Krentschker & Co. AG in einem aktuellen Marktkommentar.

Monetärer Tsunami
Wie bei jeder Krise ist trotz der Dramatik ein nüchterner Blick empfehlenswert. Diesmal waren die Vorzeichen im doppelten Sinne anders. Auf der einen Seite mediale und reale Panik, da der Virus bei uns allen im Alltag angekommen und Verunsicherung ausgelöst hat. Andererseits aber auch die Erkenntnis, dass die Ursache nicht in der Wirtschaft zu suchen ist, wie etwa im Jahr 2008 innerhalb des Finanzsektors, sondern eben extern durch einen kleinen Virus ausgelöst wurde. Obwohl die Maßnahmen anfänglich rigorose Einschnitte erforderten, war schnell klar, dass auch die Erholung nicht lange auf sich warten lässt. Die Politik startete beispiellose Hilfsprogramme rund um den Globus. In Summe stehen weltweit mittlerweile rund 7 BioUSD an Hilfen, Förderungen und sogar Helikoptergeld, also Geldgeschenke quer über die Bevölkerung, bereit. Dieser monetäre Tsunami trifft nun auf eine sich verknappende Güternachfrage und sogleich wurden Stimmen laut, dass dies die Inflation in kurzer Zeit anheizen könnte. Gold hat folgerichtig den Weg nach oben gefunden und Rohöl sackte aufgrund der abfallenden Wirtschaftsleistung ab. Ein Streit der weltweit führenden Ölproduzenten verschärft diese Krise noch, sodass der Rohölpreis derzeit auf dem niedrigsten Niveau seit Jahrzehnten notiert. Und ein Ende nach unten ist in diesem erbarmungslos absurden Streit und der massiven Überproduktion aufgrund sinkender Nachfrage und übervoller Lager nicht abzusehen. Billige Rohstoffe sind aber grundsätzlich für die Unternehmen positiv.

Die Nebel lichten sich rasch
Sieben Wochen nach Ausbruch der Krise in Europa sollte man erste Schlussfolgerung für die weitere Zukunft ziehen. Das Bankhaus Krentschker hat schon früh den Vergleich zu anderen pandemieartigen Krankheiten der letzten 30 Jahre gezogen und aufgezeigt, dass diese das Zeug haben, abgestürzte Börsen überproportional schnell wieder aufzurichten. Sehr oft wurden in der Vergangenheit in darauffolgenden Monaten sogar neue Höchststände an den Aktienmärkten verzeichnet, sodass eine rasche Erholung auch diesmal nicht wirklich überraschend ist. Solche Krankheitsverläufe starten explosionsartig, aber wurden bisher immer wieder sehr schnell unter Kontrolle gebracht. So auch diesmal. Die Börsen honorierten dies und erholten sich vom Märzschock schon wieder deutlich. Überholt sind die ersten Horrorschätzungen von Ökonomen, die einen BIP-Absturz von bis zu 25 % für die führenden Wirtschaftsnationen vorhergesagt hatten. In der Zwischenzeit hat man sich auf mittlere einstellige Minuszahlen in der Erwartung eingependelt. Rund 50 % des Absturzes sind an den Aktienbörsen nun aufgeholt. Die Frage, wie es in der Wirtschaft weitergeht, ist für mittelfristige Anleger weiter sekundär.

Zu seinen Investments stehen
Klar ist, dass die Erholung kommen wird. Die ersten Maßnahmen wirken sehr gut und das „Hochfahren“ der Wirtschaft beginnt wie der Frühling die Temperaturen steigen lässt. Die „alte“ Normalität wird zwar sicherlich erst mittelfristig mit einer erfolgreichen Impfung erreicht, aber sie wird erreicht werden. Und alleine das ist aktuell wichtig. Darüber hinaus sollte man in dieser turbulenten Zeit zu seinen Investments stehen bzw. den offenen Supermarkt der Wertpapiere zum Nachkauf nutzen, da viele gute Werte um 20 % billiger als zu Jahresbeginn sind. Zusätzlich muss man überlegen, welche Unternehmen von dieser Krise profitieren werden. Die Digitalisierung wird schneller vorankommen und alle Firmen, die in diesem Segment ihr Geld verdienen, stehen auf der Einkaufsliste ganz oben. Aber auch Firmen im Gesundheitswesen oder in der Energiegewinnung können punkten. Speziell auch Ölwerte werden nach dem Streit der OPEC+ und der aktuellen Überproduktion wieder ihren Weg nach oben finden. Auf alle Fälle müssen Sie nach innen kerngesund sein, genug Vermögensreserven halten und Platzhirsche ihrer Branche sein.

Vorsicht ist allerdings bei Unternehmen, die im weiteren Sinne im Tourismus beheimatet sind oder damit ihr Geld verdienen, angebracht. Sie werden noch länger bis zur „Normalität“ brauchen. Doch auch unter diesen kann man sich spekulativ die gesündesten Exemplare heraussuchen und in diese investieren, denn sie werden aktuell deutlich unter Buchwert gehandelt. In diesem Segment ist die Diversifikation noch wichtiger, aber der Hebel zum möglichen Erfolg dafür umso attraktiver.

Rückschläge
Schlechte Unternehmensmeldungen, die jetzt vermehrt auf den Markt kommen, werden weiter zwischenzeitlich zu Rückschlägen an den Börsen führen. Es wird erkennbar sein, dass für längere Zeit die „neue“ Normalität nicht die „alte“ Normalität sein wird. Verluste, verlängerte Kurzarbeit und Hilfsgesuche machen täglich die Runde. So zeigt der vom Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhobene Index der momentanen Konjunkturlage mit minus 91,5 Punkten ein düsteres Bild, jedoch stieg der Index der Konjunkturerwartung auf ein Niveau von 28,2 Punkten an. Das ist gegenüber dem Vormonat eine deutliche Verbesserung. Diese Konstellation zwischen aktueller Lage und Zukunftserwartung gab es zuletzt in der Finanzkrise im April/Mai 2009. Damals wie heute gilt aber, dass an den Börsen die Zukunft und nicht die Gegenwart gehandelt wird. In den nächsten Monaten muss nun genau beobachtet werden, ob die Krise nun effektive Insolvenzen mit sich zieht, wie die Banken, die in der Regel deutlich besser als vor zehn Jahren aufgestellt sind, diese Last abfedern können und ob staatliche Hilfsprogramme die finanzielle Stabilität gefährden, so Krentschker.

Neues altes Szenario
Auf Italien muss besonders geachtet werden, wenngleich Europa eine Lösung finden wird, wenn auch nicht in gemeinsamen Euro-Corona-Bonds. Da die Renditeaufschläge für die verschuldeten und in der derzeitigen Krise besonders belasteten Staaten aktuell weiterhin nahe dem Normalbereich liegen, liegt der Schluss nahe, dass die EZB bereits im Hintergrund sehr aktiv die Fäden zieht.  Somit gilt als wahrscheinlichstes Szenario, dass die Zinsen weiterhin niedrig bleiben und die Beschwörer der Hyperinflation noch weitere Jahrzehnte auf die Erfüllung ihrer Prognosen warten müssen. Die zusätzliche Geldmenge, die nun in signifikant höherem Ausmaß als in der letzten Finanzkrise auf den Markt kommt, wird erstens von den Notenbanken wieder rechtzeitig vom Markt abgezogen werden und zweitens wird ein noch größerer Teil davon in Wertpapiere, speziell Aktieninvestments wandern. Somit hätten wir exakt das gleiche Szenario, welches uns nun schon in den letzten Jahren seit der Finanzkrise 2008 begleitet hat. Das alles sind Anzeichen einer mittelfristig sehr positiven Entwicklung auf den Aktienmärkten, die primär nur durch einen herben Rückschlag in der Bekämpfung des Virus gestört werden kann. Eine zweite Infektionswelle oder das Ausbleiben eines mittelfristig verfügbaren Impfstoffs wären nicht nur aus dem Aspekt der Gesundheit heraus eine schlimme Situation, sondern würden auch das jetzige Marktniveau keineswegs mehr rechtfertigen. Aber die aktuellen Nachrichten aus der Medizin können uns durchaus optimistisch in die Zukunft blicken lassen.

Foto: Pixabay /Tumiso

 

 

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Versorger: Langfristiger Trend zu Elektrifizierung intakt

Festgelegte Tarife und solide Dividenden sprechen laut Experten für Versorgeraktien.

Raja Korinek. Es ist zurzeit ein schwieriges Börsenumfeld. Nur wenige Sektoren blieben von den heftigen Kursschwankungen verhältnismäßig verschont, wie etwa die Technologie- oder die Gesundheitsbranche. Dennoch hat Hagen Ernst, stellvertretender Leiter des Bereichs Research und Portfoliomanagement bei der DJE Kapital AG, ein Auge auf die Versorgerbranche geworfen.

Er sagt, „angesichts der Ungewissheit, wie stark die weltweite Rezession ausfallen wird, eignen sich Versorger mit relativ stabilen Gewinnen für die aktuelle Börsenlage“. Ernst meint, die Branche sollte grundsätzlich vom Trend zur Elektrifizierung profitieren. Trotz Energieeffizienzmaßnahmen werde die Stromnachfrage aufgrund etwa der zunehmenden Verbreitung von Elektroautos, der Umstellung von Heizungen auf umweltfreundliche strombetriebene Wärmepumpen sowie dem Ausbau der Kapazitäten von Datenzentren stabil bleiben – oder sogar leicht steigen. Kurzfristig dürfte die Stromnachfrage allerdings unter dem schwachen Wirtschaftsumfeld leiden.

Regulierte Versorger im Fokus
Ernst hat insbesondere regulierte Versorger im Fokus. Sie kassieren eine fixe Vergütung auf ihr Kapital, wie zum Beispiel Strom- oder Gasnetze oder Kraftwerke. Und das hat seine Vorteile. Die Gewinne daraus sind praktisch garantiert. Einzig: „Die Gewinne können nur über eine Ausweitung der regulierten Kapitalbasis in Form von Wachstumsinvestitionen steigen.“ Damit sei das Gewinnwachstum begrenzt. Weltweit hat Hongkong das sicherste Regulierungsumfeld „Dort ist etwa der Versorger HK Electric vollständig reguliert. Und die Regulierungsperiode von 15 Jahren mit einer aktuellen Restlaufzeit von 14 Jahren bedeutet eine extrem hohe Planungssicherheit“, so Ernst.

Auch Europa lockt
Und wie sieht es in Europa aus? In Deutschland stammen bei E.ON gut 80 % des operativen Gewinns aus regulierten Strom- und Gasnetzen. Angesichts geplanter Synergien von 740 Mio Euro durch den Zusammenschluss mit Innogy stellt E.ON für 2020 bis 2022 ein jährliches EBIT-Wachstum von

7 bis 9 % in Aussicht, sagt Ernst. Was hinzukommt: Vergangenen Herbst reichten RWE, EnBW und E.ON beim deutschen Bundesumweltministerium eine Forderung von 276 Mio Euro als Schadenersatz für den Ausstieg aus der Atomkraft ein. Dieser soll nach aktuellem Fahrplan bis 2022 erfolgen.

Obendrein winken interessante Dividendenrenditen etwa bei RWE (rund 3,37 %) und E.ON (5,33 %). Und bei der EVN beträgt die aktuelle Dividendenrendite rund 3,70 %. Erst im März verkaufte im Übrigen die EnBW ihren 28,35 %igen EVN-Anteil an die Wiener Stadtwerke. Zudem dürfte bei allen drei Unternehmen keine Dividendenkürzung anstehen.

Gehebelte Chancen
Für Anleger gibt es die Möglichkeit, abseits eines Direktinvestments, z.B. mittels Turbo-Long-Zertifikate, gehebelt auf die Kursentwicklung zu setzen. Auf die EVN bietet beispielsweise die Erste Group ein solches Produkt an (ISIN: AT0000A1BPH9). Der aktuelle Hebel liegt bei rund 2,2. Wird die Barriere von 8,808 Euro berührt oder unterschritten, verfällt das Zertifikat. Auf RWE bietet die UniCredit ein Turbo-Long-Zertifikat an (DE000HX0AX37). Der aktuelle Hebel liegt bei 2,2 und die Barriere bei 14,082 Euro. Und auch auf Eon bietet die UniCredit ein solches Produkt an (DE000HZ 1LKT5). Der aktuelle Hebel liegt hier bei rund 2,4, die Barriere bei 5,193 Euro.

Foto: EVN / Rumpler

 

 

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Ölinvestments: Welche Chancen es jetzt gibt

Mit Zertifikaten kann man auch in einem sehr turbulenten Umfeld profitieren.

Raja Korinek. Das triste Umfeld hat nicht nur die weltweiten Börsen erfasst. Besonders heftige Kurskapriolen gab es zuletzt am Ölmarkt. Allein am Montag, den 20.4., stürzte der Preis für eine Öl-Lieferung der US-Sorte WTI auf minus 37,63 USD je Fass – und betrat damit Neuland. Genauer gesagt ging es um den Verfall des Mai-Futures auf die besagte Ölsorte, der kurz darauf fällig war.

Doch worum geht es? Bei sogenannten Futures wetten Anleger anhand von Derivaten auf die künftige Preisentwicklung eines Produktes – in diesem Fall auf den Ölpreis. Dessen Zukunft sah zuletzt wenig rosig aus. Auf der Nachfrageseite zeichnet sich ein schwerer Rückgang aufgrund der Corona-Krise ab. Und das belastet die Angebotsseite. Zu allem Überfluss gab es zuletzt auch nicht mehr genügend Lagerkapazitäten für das immer weiter wachsende Angebot an Öl.

Künftiger Ölpreis im Fokus
Wie rasch sich der Ölpreis erholen wird, bleibt freilich abzuwarten. Jedenfalls könnten Teile der weltweiten Wirtschaft allmählich wie-der in die Gänge kommen, erste Maßnahmen werden inzwischen gelockert.

Doch welche Investmentchancen gibt es in diesem Umfeld für Öl? Das Bankhaus Vontobel bietet beispielsweise das „Vontobel Oil-Strategy Zertifikat“ (ISIN: DE000V N6S G00) an, bei dem mehrere Komponenten im Fokus stehen. Vor allem auf die künftige Ölpreisentwicklung wird großes Augenmerkt gelegt. Und das aus gutem Grund. Rechnen Spekulanten damit, dass der Preis demnächst steigen wird, verlangen sie freilich schon heute einen Aufschlag beim Abschluss eines Futures gegenüber dem aktuellen Ölpreis – auch wenn es kein Garant ist, dass der Ölpreis tatsächlich steigen wird. In solch einer Situation, in der ein Future mehr kostet als der aktuelle Ölpreis, ist der Markt im „Contango“, wie es im englischen Fachjargon genannt wird.

Freilich, genauso gut können Spekulanten darauf wetten, dass der Ölpreis in naher Zukunft weniger kosten wird, als er es aktuell tut. Das passiert dann, wenn mit einem weiteren Abflauen der Konjunktur gerechnet wird, somit mit einem geringeren Ölverbrauch. Dann kosten die Futures, mit denen man auf den künftigen Ölpreis schon heute wettet, schließlich weniger als der aktuelle Ölpreis.

In solch einer Situation zahlt man dann nicht mit einem Future-Geschäft drauf, sondern verdient stattdessen an dem Preisunterschied zwischen dem aktuellen und dem – günstigeren – Future-Preis für Öl. Das nennt man im englischen Fachjargon übrigens „Backwardation“.

US-Ölaktien als Alternative
Ist der Markt tatsächlich in Backwardation, mischt das Vontobel-Zertifikat bei den Wetten auf den künftigen Ölpreis mit. Ist es der Markt hingegen in Contango, so wie er es derzeit ist, setzt das Zertifikat stattdessen auf einen Korb an Ölaktien. Genauer gesagt sind es zehn Titel aus Nordamerika. Zu den größten Gewichtungen zählen etwa Chevron (US1667641005), Exxon (US30231G1022) und Philipps 66 (US7185461040).

Einzig, Anleger sollten beachten, dass einige Ölkonzerne ihre bislang durchaus lukrativen Dividenden womöglich kürzen dürften, was angesichts des Ölpreissturzes verständlich ist.

Alternativ kann für risikobereitere Anleger ein „Turbo-Long-Zertifikat“ der Société Générale (DE000CL86MY2) auf Brent-Öl interessant sein. Der aktuelle Hebel liegt bei rund 2,5. Um diesen verändert sich der Kurs des Zertifikats im Verhältnis zum Basiswert. Wird aber die Marke von 16,86 USD berührt oder unterschritten, verfällt das Zertifikat.

Foto: Pixabay / jp26jp

 

 

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Krise beschleunigt disruptive Wachstumstrends

Ein Kommentar von Mark Hawtin, Investment Director für Technologieaktien bei GAM Investments

22.04. Gegen Ende des vergangenen Jahres erschienen die Aktienbewertungen an den Märkten allmählich überzogen und das Verhältnis zwischen Wachstums- und Substanzwerten hatte extreme Niveaus erreicht. Aus der Erfahrung mit ähnlichen Situationen in der Vergangenheit, beispielsweise aus den Jahren 2015/2016, wissen wir, dass dieses Verhältnis abrupt umschlagen kann. Daher erschien uns eine ausgewogenere Einschätzung zu Beginn des Jahres 2020 angebracht. Angesichts der jüngsten Ausverkäufe an den Märkten aufgrund der Covid-19-Pandemie war diese Haltung vernünftig.

Es gibt weitere interessante Beobachtungen, wie die Märkte häufig Muster aus der Vergangenheit replizieren. Wir beobachten zum Beispiel, dass sich die Märkte – und insbesondere Technologieaktien – ähnlich verhalten haben wie während der globalen Finanzkrise 2008. Abgesehen davon, dass der Ausverkauf während der Virus-Krise heftiger und die erste Etappe der Erholung größer ausfiel, war der Umfang der gesamten Bewegung bisher ähnlich. Der Unterschied ist, dass der Technologiesektor während der jüngsten Bewegung besser abgeschnitten hat als der Gesamtmarkt. Dies zeugt möglicherweise von der strukturellen Natur dieser Disruptions-Welle. Ein Analyst bezeichnete Amazon sogar als modernen Versorger. Tatsächlich ist Amazon ein Nutznießer des aktuellen Umfelds und entwickelte sich im ersten Quartal sehr gut. Die Aktie ist seit Jahresbeginn um 17 % gestiegen und notiert derzeit knapp unter ihrem Allzeithoch.

Weitere Gewinnkorrekturen zu erwarten
Es fällt schwer zu glauben, dass die Märkte angesichts dieses beispiellosen humanitären und wirtschaftlichen Schocks bereits ihren Tiefpunkt erreicht haben. Marktbeobachter und Anleger fragen sich, warum die Erholung so schwungvoll war und der Markt bereits wieder so hochgestiegen ist.

Für mich steht fest, dass die Gewinnerwartungen noch nicht nach unten korrigiert wurden, um das Ausmaß des wahrscheinlichen Konjunkturabschwungs zu berücksichtigen. Die Erfahrung aus früheren Abschwüngen bietet eindeutige Anhaltspunkte für die Art der nötigen Gewinnkorrekturen im Verhältnis zum relativen Rückgang des BIP. Bisher konnten wir keine derartigen Korrekturen beobachten. Ein Beispiel: Für einen globalen BIP-Rückgang von rund 4 % fielen die Hardware-Ausgaben während der globalen Finanzkrise fast um das Fünffache, d.h. um nahezu 20 %. Tatsächlich weisen die IT-Ausgaben insgesamt eine starke Korrelation zum BIP-Rückgang in einer Rezession auf, die sich als ein Vielfaches ausdrücken lässt.

Druck auf Plattformen und Halbleiter besonders hoch, Chancen für Cloud-Anbieter
Es ist anzunehmen, dass viele Unternehmen überhaupt keine Prognose abgeben, wenn sie ihre Zahlen für das 1. Quartal vorlegen. Dies dürfte die Unsicherheit weiter schüren und das Unvermeidliche nur aufschieben. Daher könnte die Berichtssaison für das 2. Quartal ein echter Schock werden, sofern die Analysten nicht damit beginnen, der Entwicklung voraus zu sein. In unserem Anlageuniversum dürfte das Plattform-Segment am stärksten unter Druck geraten. Dies würde auch das Halbleiter-Segment umfassen, in dem der Optimismus einfach verblüffend ist. Im Softwaresektor dürften die Auswirkungen geringer sein. Hier sollten die Unternehmen auch durch die wiederkehrende Natur ihrer Umsätze abgeschirmt sein. Sorgen machen wir uns über einige Anbieter von Software as a Service (SaaS), bei denen bedeutende Akquisitionskosten anfallen – also im Wesentlichen Unternehmen, bei denen ein sehr großer Teil der Umsatzerlöse auf Vertrieb und Marketing entfällt. Andererseits gibt es auch viele Teilsegmente, die wir nach wie vor sehr optimistisch einschätzen. Die Analogie von Amazon als Versorger ist vermutlich etwas weit hergeholt. Doch es steht außer Zweifel, dass Cloud-Anbieter ähnliche Eigenschaften aufweisen wie Versorger. Damit sind sie bis zu einem gewissen Grad abgeschottet.

In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass die bisherige Erholung lediglich eine Gegenbewegung ist und nicht auf Fundamentaldaten beruht. Die jüngste Kursentwicklung von Online-Einzelhändlern ist ein Paradebeispiel dafür. Wayfair und ASOS sind im April bisher um 45 bzw. 67 % gestiegen. Wayfair ist von seinem Tiefstwert sogar um 200 % nach oben geschnellt. Eine Bewegung dieser Größenordnung erscheint uns eher wie eine Reaktion auf Befürchtungen am Markt hinsichtlich der Zahlungsfähigkeit. Mit Blick auf die aktuelle Situation war allgemein Besorgnis aufgekommen, dass viele Unternehmen trotz der staatlichen Unterstützung nicht in der Lage sein würden, ihren Verbindlichkeiten nachzukommen. Wayfair und ASOS konnten die Bedenken über Kapitalprobleme ausräumen. Damit sind die Schwierigkeiten, mit denen diese Online-Einzelhändler in Bezug auf ihr Geschäftsmodell konfrontiert sind, aber noch nicht gelöst.

Bestes Umfeld für Long-Short-Positionen

Unter Berücksichtigung der enormen vorhandenen Liquidität und der Entschlossenheit der Regierungen, signifikante finanzielle Unterstützung bereitzustellen, ist es unmöglich, kurzfristige Bewegungen vorherzusagen. Nach unserer Einschätzung kann dies die Entwicklung jedoch nur aufschieben. Früher oder später werden sich die Fundamentaldaten durchsetzen. Die Unterstützungsmaßnahmen sind wie ein finanzielles Lebenserhaltungssystem: Obwohl sie die Unternehmen über Wasser halten, können sie jedoch das größere, langfristige Problem eines möglicherweise dauerhaften Rückgangs der Einnahmen oder einer erheblich längeren Erholung nicht lösen. Wie immer sind wir der Ansicht, dass dieses breite Spektrum möglicher Entwicklungen ein gutes Umfeld für aktives Management bieten kann – insbesondere für Long-Short-Positionen. Für uns steht auch fest, dass dieses „Schwarzer-Schwan-Ereignis“ zu einer Beschleunigung der disruptiven Wachstumstrends führen sollte.

Foto: GAM

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Selbe Rechte – anderer Zugang

So funktioniert die virtuelle Hauptversammlung in Zeiten von Covid-19.

Manfred Kainz. Wer hätte das vor zwei Monaten gedacht? Dass man sich mit „der virtuellen Hauptversammlung in Zeiten von Covid-19“ befassen muss. Als Unternehmen und natürlich auch als Aktionär. Und wer hätte gedacht, dass, wer sich informieren will, nicht (mehr) in Konferenzräumen sondern bei Webinaren sitzt? So geschehen eben auch zum Thema virtuelle HV. Der aus zahlreichen HV bekannte, erfahrene Notar Rupert Brix, die Leiterin der Abteilung für Unternehmens- und Gesellschaftsrecht im Justizministerium und Koautorin der sogenannten „Gesellschaftsrechtlichen Covid-19-Verordnung“ (der Börsen-Kurier berichtete in der vorigen Ausgabe) Sonja Bydlinski, sowie die Leiterin der Rechtsabteilung der A1 Telekom Austria Group Marielouise Gregory, gingen bei einem Webinar von Business Circle auf praktische Fragen zu dieser neuen Art der Aktionärsversammlung ein. Wobei die ja weiterhin insofern nicht verpflichtend ist, als ja gesetzlich erlaubt wurde, die ordentliche Präsenz-HV heuer bis spätestens in den Dezember zu verschieben – was ja einige notierte AG vorhaben bzw. noch überlegen. Wer diese traditionelle HV-Art bevorzugt, muss dafür den Nachteil in Kauf nehmen, dass wichtige Beschlüsse (über Entlastungen, Dividende, Besetzungen, Kapitalmaßnahmen u.a.) verschoben werden.

Eine virtuelle HV kann hingegen zeitnäher, idealerweise zum ursprünglich geplanten Termin stattfinden. Was die Wahrnehmung ihrer Rechte betrifft, so haben die Aktionäre zwei Möglichkeiten: Zur Stellung von Beschlussanträgen, für ihre Stimmabgabe und für die Erhebung eines Widerspruchs in der virtuellen Hauptversammlung müssen sie vorab einen „besonderen Stimmrechtsvertreter“ bevollmächtigen. Man greift also auf die Nutzung des schon bekannten Stimmrechtsvertreterprozesses zurück. Dazu können bzw. müssen sich Aktionäre nun einen der vier Stimmrechtsvertreter aussuchen, die die AG verordnungsgemäß vorschlagen muss. Dazu werden schon eigene Vollmachts- und Weisungsformulare angeboten.

Was das Frage- und Auskunftsrecht betrifft, ist es mehrdimensionaler. Laut ministeriellem Erlass zur Verordnung gelten zwar nur jene Aktionäre, für die eine ordnungsgemäße Depotbestätigung vorliegt und die wirksam einen Stimmrechtsvertreter bevollmächtigt haben, als „teilnehmend“ und können folglich Fragen stellen. Aber die Verordnung schreibt vor, dass der Aktionär in die Lage versetzt wird, während der Versammlung Wortmeldungen abzugeben. Am praktischsten wird wohl sein, Fragen schon vor der HV an die Gesellschaft zu senden; AG bieten dazu eigene Fragenformulare an. Will man aber (weitere) Fragen während der HV stellen, so kann die Gesellschaft entweder eine elektronische Kommunikationsadresse direkt bei der AG anbieten oder empfehlen, den Stimmrechtsvertreter auch für die Fragen zu verwenden. Dieser muss die ganze HV über erreichbar sein (etwa weil man seine Stimmrechtsanweisung ändern will). Somit hätte der Aktionär bis zu drei Möglichkeiten, sein Auskunftsrecht auszuüben. Und damit die Aktionäre auch ihre Antworten hören, werden die virtuellen HV zur Gänze in Bild und Ton (über die Website der AG) übertragen.

Was auch bei virtuellen HVs gleichbleibt, ist eine geordnete Abarbeitung der Formalismen und TO-Punkte und natürlich das Vorhandensein einer ordnungsgemäßen Depotbestätigung bzw. Anmeldung. Damit die virtuelle HV möglichst so abläuft wie die traditionelle, nur eben mit Minimalbesetzung und anderen Kommunikationswegen.

Foto: Adobe Stocks / MQ Illustrations

 

 

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Ist die Wohnimmobilienhausse zu Ende?

Im Vorjahr gab es EU-weit noch steigende Hauspreise – doch nun droht eine Abkühlung.

Michael Kordovsky. In den vier Quartalen des vergangenen Jahres lagen auf Jahresbasis die Anstiege der Wohnimmobilienpreise des Euroraums bei 4,1 bis 4,3 %, zuletzt im vierten Quartal bei 4,2 %. Seit 2016 betragen die Anstiege der Wohnimmobilienpreise im Euroraum rund 4 % p.a. Das lässt sich gut mit der Ausweitung der Geldmenge M3 (in Eurozone) erklären, die von 2015 bis 2019 um 4,6 % p.a. stieg und sich in steigenden Immobilienpreisen entlud, zumal Grund und Boden nicht beliebig vermehrbar sind. Die Geldmengenausweitung fand also in Asset-Inflation ihren Niederschlag, wobei je nach Immobilienmarkt individuelle Faktoren eine Rolle spielten.

Was dabei an den europäischen Hauspreis-Indizes so praktisch ist, ist deren breites Spektrum an Komponenten, denn: Der Hauspreisindex (HPI) misst die Preisentwicklungen aller von Haushalten erworbenen Wohnimmobilien (Wohnungen, Einfamilienhäuser, Reihenhäuser usw.), sowohl Neu- als auch Altbauten, unabhängig von ihrer endgültigen Verwendung und ihren bisherigen Eigentümern. Die HPIs stellen die nationalen Statistikämter bereit und die Aggregate für Euroraum und EU stammen von Eurostat.

Die HPIs waren zuletzt EU-weit auf breiter Front im Aufwind. Lediglich Zypern zeigte im vierten Quartal einen Schwächeanfall (-4,8 %). Am stärksten haben sich indessen die Wohnimmobilienpreise in folgenden Ländern verteuert: Luxemburg (11 %), Slowakei (10,9 %), Kroatien (10 %), Polen und Lettland (je 9,4 %). Generell herrschen in Osteuropa wirtschaftliche Aufholprozesse.

Hingegen schon länger stagnierend zeigen sich die Immobilienpreise in Italien. In Deutschland und Österreich lagen die Anstiege im vierten Quartal bei jeweils 5,7 bzw. 6,2 %.

Etwas differenzierter misst indessen der von der OeNB veröffentlichte Wohnimmobilienpreisindex für Österreich, der außerhalb Wiens bereits in der zweiten Jahreshälfte 2019 eine Verlangsamung der Preissteigerungen signalisierte. Im dritten und vierten Quartal verlangsamten sich hier die Jahresteuerungen auf 1,7 bzw. 1,2 % nach noch +4,1 % im ersten Quartal 2019 und 8,5 % im Gesamtjahr 2018.

Unsicherheitsfaktoren Corona und Frankenkurs
Infolge von Mietausfällen kommen Vermieter mit wenig Reserven immer mehr unter Druck. Noch ist Stundung von Kreditratenzahlungen und Überbrückung angesagt. Doch sollten die Wohnimmobilienpreise zwischenzeitlich um 10 bis 20 % unter Druck geraten und gleichzeitig längerfristig zahlreiche Ratenzahlungen in Frage gestellt sein, dann kann es vermehrt zu Zwangsversteigerungen kommen.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor bleiben noch die Wohnbaukredite in Schweizer Franken für den Fall einer schnellen und stärkeren Frankenaufwertung. Immerhin waren in Österreich private Haushalte im 3. Quartal 2019 noch immer mit umgerechnet 13,2 Mrd Euro in Frankenkrediten verschuldet.

Wetterleuchten
Dass sich am Immobilienmarkt durch die jüngsten Einschränkungen zur Pandemiebekämpfung etwas verändert hat, zeigen erste Nachfrage-Indikatoren. Laut einer aktuellen Online-Publikation der Immobilienexperten von EHL (vom 25.3.) zeigt die Corona-Krise erste Auswirkungen auf den österreichischen Wohnimmobilienmarkt: „Im Vergleich zur Zeit vor Beginn der Krise sind die Anfragen hinsichtlich Anmietung oder Kauf einer Wohnung drastisch zurückgegangen und liegen zwischen 30 und 40 % des Normalniveaus“, so eine wichtige Kernaussage der Experten. Und: Bei Vorsorgewohnungen liegt die Zahl der Anfragen bei etwa 50 % des Normalniveaus. Hier gibt es gewisses Investoreninteresse. Das Verhalten der Marktteilnehmer wird unberechenbarer. Mittlerweile kommt es nämlich bei Eigentumswohnungen wegen der wirtschaftlichen Verunsicherung zu vereinzelten Rücktritten von Kaufangeboten. Das haben Immobilienexperten zuletzt beobachtet.

BIP-Schrumpfung und Arbeitslosigkeit wirken vorerst deflationär, also preisdrückend am Immobilienmarkt. Doch die massive Betätigung der Notenpresse von Fed, EZB, Bank of Japan, Bank of England, etc. und die bereits jetzt eingesetzten Versuche der Notenbanken, durch niedrige Leitzinsen und massive Anleihen-Käufe das Zinsniveau nach unten zu drücken, könnten bald wieder zu einer Reflationierung auf der Asset-Seite (Aktien und Immobilien) führen – und dies im Rahmen eines längeren Stagflationsszenarios (niedrige Wachstumsraten bei erhöhten Inflationsraten von z.B. 3 bis 4 %) ähnlich der 70er-Jahre.

Foto: Pixabay / jarmoluk

 

 

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Berühmte Locken unter dem Hammer

Haare waren in Zeiten vor der Fotografie ein sehr beliebtes Sammlerstück.

Lea Schweinegger. Was haben Ludwig van Beethovens (1770 bis 1827) Haare mit zeitgenössischen Auktionen zu tun? Mehr, als man sich vorzustellen vermag. Denn es sind nicht nur die Notensätze und andere Gegenstände des weltberühmten Komponisten, die wohlhabende Sammler immer wieder in die Auktionshäuser locken. Auch seine Haare finden ihr Publikum.

Das erste Mal in den 1990er-Jahren: Zwei US-amerikanische Beethoven-Liebhaber ersteigerten in London eine Strähne des Meisters. Laut Auktionshaus sollen die beiden „Fans“ 582 feine graue Haare des Komponisten ersteigert haben, und zwar um einen aus heutiger Sicht lächerlichen Preis von nur 4.000 Euro. Abgeschnitten wurden diese der Überlieferung nach von Ferdinand von Hiller, der selbst Komponist und Dirigent war. Geschehen ist dies angeblich am Tag nach Beethovens Tod. Die Haare soll er danach in einem kleinen schwarzen Medaillon aufbewahrt haben.

Über den Sohn Hillers sollen diese Haare nach Dänemark gelangt und einem Arzt verkauft worden sein. Ein späterer Nachfahre des Arztes schließlich ließ Beethovens Haare über ein Londoner Auktionshaus versteigern. Und so gelangte die Locke letztendlich in die Hände von Beethoven-Liebhabern in den USA.

39.000 Euro für eine Haarsträhne
Im Sommer des Vorjahres gab es eine weitere Kuriosität um die legendäre Beethoven-Mähne. Für die stolze Summe von 39.000 Euro (der Schätzwert lag bei 17.000 Euro) kam eine weitere kleine dunkelbraune bis graue Haarsträhne im Londoner Auktionshaus Sotheby‘s unter den Hammer. Diese soll sich der große Komponist vor rund 200 Jahren allerdings selbst abgeschnitten und seinem Freund Anton Halm gegeben haben. Der österreichische Komponist Halm hatte angeblich um eine Locke gebeten, da seine Frau eine große Verehrerin Beethovens gewesen sein soll.

Übrigens: Die Versteigerung einer Haarlocke von Wolfgang Amadeus Mozart im Jahr 2015 ebenfalls bei Sotheby‘s in London brachte knapp 50.000 Euro ein. Für Sammler von Objekten „großer Söhne“ scheint es sich demnach zu lohnen, auch Haare zu ersteigern. Unser Tipp mit einem Augenzwinkern: Lieber gleich noch lebende Künstler um eine Locke ersuchen!

Dorotheum versteigerte Schreiben
Abseits seines Kopfhaares sind aber auch andere Utensilien aus Beethovens Umfeld begehrt: Im Dorotheum kam im Jahr 2015

etwa ein persönlich gehaltenes und biographisch hochbedeutendes Entschuldigungsschreiben an Gräfin Maria Eleonora Fuchs um 70.000 E unter den Hammer – der Rufpreis lag bei 34.000 Euro.

Corona-Virus durchkreuzt das Beethovenjahr in Wien
Das Leben und Werk Ludwig van Beethovens ist bekanntlich untrennbar mit Wien verbunden, wo er auch starb. Der Ort Wien-Heiligenstadt hatte auf besondere Weise mit Beethovens Schicksal zu tun, weil er hier Besserung für sein immer stärker werdendes Gehörleiden suchte. Deshalb befindet sich auch das Beethoven Museum (als eigenständiger Standort des Wien Museums) dort, in einem Gebäude, in dem der Komponist einst gearbeitet hatte. „Ich bin auf‘m Land, und lebe ein wenig faul, um aber hernach wieder desto – thäthiger zu leben …“, schrieb der Meister an seinen Verleger Hoffmeister & Kühnel in Leipzig. Heiligenstadt war im frühen 19. Jahrhundert noch eine selbständige Weinhauerortschaft. Seine Aufenthalte dort wiederholten sich mehrmals, da ihm sein Arzt einen Rückzug aus Wien verordnet hatte, um sich außerhalb vom Lärm der Großstadt zu erholen.

Da die Museen laut Bundesregierung voraussichtlich ab Mitte Mai wieder öffnen können, bleibt zu hoffen, dass auch das Beethoven Museum wieder zugänglich für Besucher werden wird. Interessant: Hier entstanden auch die „Sturm-Sonate“ und erste Skizzen zur späteren 3. Symphonie, der „Eroica“.

Foto: wikimedia

 

 

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Mit Eigenkapital gegen die Krise

Die Wien Holding will Wiener Unternehmen mit einer Beteiligung durch die Krise helfen.

Manfred Kainz. Kann man der Corona-Krise wirtschaftspolitisch gesehen irgendetwas Positives abgewinnen? Wohl kaum. Was die Unternehmensfinanzierung betrifft, so wird die Fremdkapitallastigkeit der Betriebe massiv zunehmen. Denn auch das Maßnahmenpaket der Bundesregierung setzt ja stark auf neue – staatlich geförderte bzw. garantierte – Kredite. Und sogar Rudolf Kinsky, geschäftsführender Präsident der Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation (AVCO), meint, dass in der Covid-19-Krise das Land insbesondere für das volkswirtschaftlich wichtige Segment der Startup-Unternehmen kurzfristig schnelle Hilfe in Form von staatlichen Garantieprogrammen sowie Überbrückungskrediten braucht. Insbesondere dann, wenn die Wirtschaft wieder anläuft, werde aber auch mehr privates Eigenkapital gebraucht werden. Dieses Kapital kann und sollte nicht mit Steuergeldern finanziert werden, sondern aus privaten Quellen – wie institutionellen und privaten Investoren – aufgebracht werden, mahnt die AVCO ergänzend ein.

Neue Beteiligungen
So gesehen ist es positiv zu bewerten, dass die Stadt Wien gerade den Weg über Eigenkapital geht. Dazu ist in der Wien Holding unter dem Titel „StolzaufWien BeteiligungsGmbH“ eine eigene Gesellschaft in Gründung, die den Zweck hat, sich temporär an Unternehmen am Standort Wien zu beteiligen, deren Existenz aufgrund der Corona-Krise gefährdet ist. Mittels solcher Beteiligungen bekommen hilfebenötigende Firmen Eigenkapital zur Verfügung gestellt.

Und das sind die quantitativen und qualitativen Kriterien der Eigenkapitalinvestments: Pro betreffendem Unternehmen wird eine Beteiligung durch die „StolzaufWien BeteiligungsGmbH“ auf maximal 1 Mio Euro bzw. maximal 20 % Gesellschafteranteile pro Unternehmen begrenzt. Und zeitlich befristet: Nach spätestens sieben Jahren werden diese Beteiligungen wieder verkauft. Zu Beginn der Beteiligung wird auch das klare Ausstiegsszenario für beide Seite festgelegt. Ähnlich gehen ja auch Private-Equity-Gesellschaften vor.

Zielgruppe
Die Details und Procederes werden von städtischen und externen Experten erarbeitet. Die Betragsbeschränkung signalisiert, dass die Zielgruppe KMU adressiert werden soll. Und zwar Wiener Unternehmen, die aufgrund der Corona-Krise einen kurzfristigen Finanzmittelbedarf haben, aber „langfristig auf eine positive Zukunftsprognose bauen können“, so Finanzstadtrat Peter Hanke. Unternehmen, die für eine Beteiligung in Frage kommen, müssen auch ein „starker Teil der Wiener Identität sein“, eine entsprechende „Relevanz über Wien hinaus“ vorweisen können, eine hohe volkswirtschaftliche Bedeutung für vor- bzw. nachgelagerte Sektoren, Branchen und Unternehmen haben sowie eine relevante Anzahl an Arbeitsplätzen sichern, lauten weitere Kriterien.

Entscheider
Die Beteiligungen sollen zu „marktüblichen Investitionsbedingungen“ und unter Einhaltung sämtlicher rechtlicher Rahmenbedingungen vor allem auch in Sachen Beihilfenrecht erfolgen. Die Entscheidung darüber, an welchen Unternehmen eine Beteiligung erfolgen soll, wird von einem hochkarätigen Expertenausschuss genehmigt. Und da sind nun prominente Namen an Bord: Ex-Banker und Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky und Investor Josef Taus werden gemeinsam mit dem Wiener Finanzdirektor Dietmar Griebler die Expertenjury bilden, die die Unternehmen auswählt.

Kapitalgeber
Das Kapitalvolumen der Beteiligungsgesellschaft soll vorerst rund 50 Mio Euro betragen. Davon kommen 20 Mio Euro von der Stadt Wien und als weitere Kapitalgeber haben sich die Wirtschaftskammer Wien sowie private Investorenpartner committet, die die weiteren 30 Mio Euro, also den größeren Teil, aufbringen sollen. So ist etwa die Erste Bank einer der privaten Partner; CEO Peter Bosek hat sich positiv über diese Form der Wirtschaftshilfe geäußert. Operativ laufen soll das Ganze ab Mitte Mai.

Foto: Pixabay  / Capri23auto

 

 

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Corona-Krise beschert Sonderkonjunktur

Die auf digitale Lösungen für den Gesundheitssektor spezialisierte CompuGroup steht vor Wachstumsschub.

Stefan Riedel, München. Einen positiven Effekt für die Gesundheitsversorgung bringt die Corona-Epidemie bereits mit sich: Der digitale Datenaustausch beschleunigt sich. Ein Nutznießer ist die im MDAX gelistete CompuGroup Medical (ISIN: DE0005437305). Das Unternehmen mit Sitz in Koblenz stattet Arztpraxen, Spitäler, Apotheken und Krankenkassen mit Software und Online-Informationssystemen aus. Die Einsatzbereiche sind vielseitig und reichen vom Austausch medizinischer Daten über internetbasierte Abrechnungsdienste bis zur Organisation interner Abläufe.

Mit ihrer „Clickdoc“-Videosprechstunde für Ärzte, Physiotherapeuten, Hebammen und Apotheken betreibt die Compugroup in diesen Tagen Werbung in eigener Sache. Das Produkt kann für die Zeit der Corona-Krise kostenlos bezogen werden. Mehr als 55.000 Registrierungen wurden seit März – nach Stand Osterwochenende – verzeichnet, 200.000 Videosprechstunden finden zurzeit wöchentlich statt. In der Zwischenzeit gebe es das Angebot zusätzlich für Krankenhäuser und Apotheken sowie in weiteren Ländern wie Italien, Frankreich, den Niederlanden und den USA.

Bei Investoren gefragt
Dem Aktienkurs der Firma gibt dieser Erfolg Auftrieb. Nach einem Kursrutsch in der ersten Phase des Corona-Crashs nimmt die Aktie wieder das bisherige Jahreshoch bei 69,60 Euro in Angriff. Fünf der sechs Analysten, die Compugroup covern, empfehlen die Aktie zum Kauf und nennen das krisenfeste Geschäftsmodell als eines der Hauptargumente. Die finanziellen Risiken durch die Pandemie, so Charlotte Friedrichs von der Berenberg Bank, hielten sich angesichts 60 % wiederkehrender Umsätze in Grenzen.

Dazu kommen neue Einnahmequellen, denn bereits vor Ausbruch der Corona-Krise hat das Unternehmen die Weichen gestellt, um das Umsatz- und Gewinnwachstum nach dem Durchhänger vom Vorjahr wieder zu beschleunigen. Über ein Abkommen mit dem US-Marktführer Cerner (US15678 21046) sichert sich CompuGroup für 225 Mio Euro das Geschäft mit der Krankenhaussoftware von Cerner in Deutschland und Spanien. Bereits im Dezember hatte CompuGroup für 79 Mio Euro die französische Firma Epsilog übernommen, die auf digitale Lösungen für Physiotherapeuten spezialisiert ist.

Positives Geschäftsjahr 2019, Optimistischer Ausblick
Beim Zahlenwerk für 2019 hat CompuGroup mit einem Umsatz von 746 Mio Euro und einem Konzernergebnis von 178 Mio Euro auf EBITDA-Basis das obere Ende seiner Vorgaben erreicht. 2020 erwartet das Management Erlöse zwischen 765 und 815 Mio€. Das bereinigte EBITDA soll sich zwischen 195 und 215 Mio Euro bewegen. Angesichts der aktuell boomenden Nachfrage könnte am Ende noch mehr drin sein – was der Aktie trotz des optisch hohen 2021er-KGVs von 25 weiteren Spielraum nach oben gibt.

Foto: Pixabay / Tumisu

 

 

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Stabile Wachstumsraten, smarte Technologien

Wie Anleger mit der Ressource Wasser eine nachhaltige Rendite erzielen.

Stefan Riedel, München. Der wichtigste Rohstoff für den Fortbestand der Menschheit wird immer knapper. Für den globalen Wassermangel gibt es vielerlei Gründe. Als treibende Kräfte gelten das Bevölkerungswachstum sowie die fortschreitende Industrialisierung und Urbanisierung. Schätzungen der Vereinten Nationen gehen davon aus, dass der globale Wasserverbrauch allein zwischen 2015 und 2025 um 40 % steigen wird. Rund 37 % der Erdbevölkerung werden 2025 an Wassermangel oder Wasserknappheit leiden. werden.

Spannende Renditechancen
Der umweltschonende Umgang mit Wasser ist daher eine Top-Priorität für nachhaltiges Wirtschaften. Technologischen Verfahren, welche die Effizienz beim Wasserverbrauch verbessern und Abwässer über Reinigungsverfahren wieder in den Wasserkreislauf zurückführen, kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Einzelne Segmente der Wasserversorgung bieten auch den Anlegern spannende Renditechancen. Im Einzelnen zählen dazu Pumpsysteme, Wasseraufbereitungsanlagen, Entsalzungsanlagen, Kläranlagen und Kanalsysteme.

Hightech und Versorger
Marc-Olivier Buffle
, der Senior Product Specialist bei Pictet, setzt hier verstärkt auf neue Verfahren für die Reinigung von Abwässern und digitale „smarte“ Technologien, mit denen sich die Wasserversorgung effizienter kontrollieren und steuern lässt. Ein Schlüsselmarkt mit hohem Wasserverbrauch ist die Landwirtschaft. In den Schwellen- und Entwicklungsländern geht es darum, erst einmal eine Infrastruktur für die Bewässerung aufzubauen. Im Gegensatz dazu hat in den USA und anderen Industriestaaten Priorität, neue ressourcensparende Verfahren für landwirtschaftliche Nutzflächen zu etablieren, beispielsweise über digital gesteuerte Tröpfchenbewässerung.

Wasserversorger wiederum zeichnen sich durch stabile und langfristig planbare Einnahmen aus. „Dieses Geschäftsfeld ist kaum durch disruptive Veränderungen gefährdet, wie sie vielen anderen Sektoren drohen. Zusätzlich sorgt die stattliche Dividende in vielen Fällen für eine attraktive Rendite“, skizziert Gerhard Wagner, Fondsmanager und Leiter des Nachhaltigkeits-Research bei Swisscanto, die Vorzüge dieses vermeintlichen „Langweiler“-Segments im Wassersektor.

Auf Fonds und ETFs setzen
Eines zeichnet die Wasserversorgung als Ganzes aus: das Geschäft ist nicht konjunkturanfällig und eignet sich damit als defensiver Baustein für jedes Anlegerdepot. Um die Renditechancen breit zu streuen, empfiehlt es sich auf ausgesuchte ETFs und Branchenfonds zu setzen. Die mit dem jüngsten Kursrutsch deutlich gesunkenen Bewertungen bieten langfristig orientierten Anlegern gute Einstiegskurse.

Der „Lyxor World Water UCITS ETF“ (ISIN: FR00105227275) bildet etwa den World Water Index ab. Dieser Index umfasst die weltweit 30 größten Firmen, die mindestens 40 % ihrer Umsätze mit der Versorgung, Aufbereitung und Infrastruktur erzielen. Der in USD notierende „iShares Global Water UCITS ETF“ (IE00B1TXK627) kommt mit einem Plus von 19,3 % auf die bessere Fünfjahresperformance, ist mit seinem Fokus auf die 50 im „S&P Global Water 50“ enthaltenen Aktien aber breiter gestreut. Zu den Klassikern unter den aktiv gemanagten Fonds zählt der Pictet-Water (LU0104884860). Der Fokus auf nachhaltige Konzerne schließt etwa Unternehmen aus, die verpacktes Wasser verkaufen. Ähnlich verfährt der RobecoSAM Sustainable Water (LU13 3061175). Das Fondsportfolio umfasst die gesamte Wertschöpfungskette des Wassersektors. Stark vertreten sind Firmen, die in den Bereichen Wasserqualität, Wasseraufbereitung, Bewässerungssysteme und Abwasserbehandlung unterwegs sind. Bei der Langzeitperformance schneiden beide Produkte einen Tick besser, in der Einjahresperformance dagegen schlechter ab als die beiden ETFs. Mit einer Agio von 3 % hat der Robeco-Fonds die niedrigeren Kosten.

Foto: Pixabay / ronymichaud

 

 

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Portfoliostrategien für die allmähliche Erholung

Mit der Rezession startet ein neuer Zyklus, der einige Besonderheiten mit sich bringt. Cash-Reserven sollte man für den neuen Zyklus bereithalten. Für Income-Strategie werden mittelfristig überdurchschnittliche Erträge erwartet.

15.04.) Für die Experten von J.P. Morgan Asset Management markiert das Ende der längsten US-Expansion aller Zeiten nicht nur eine Phase der Rezession, sondern sie werfen bereits einen Blick auf den neuen Zyklus, der aus der Krise hervorgehen wird. „Nachdem die Kapitalmärkte mit beispielloser Geschwindigkeit von der Krise erfasst wurden, betreten Anleger und politische Entscheidungsträger derzeit gleichermaßen Neuland“, erläutert John Bilton, Head of Global Multi-Asset Strategy in der Multi-Asset-Solutions-Gruppe von J.P. Morgan Asset Management. „So werden nun die Weichen für das wirtschaftliche Umfeld gestellt, das den nächsten Konjunkturzyklus begleiten wird. Denn dieser wird von den Maßnahmen geprägt, die während der aktuellen Marktvolatilität und in der Rezession 2020 ergriffen werden. Kein Zyklus ist gleich und Märkte müssen darauf vorbereitet sein, dass die aktuelle Krise für einige Besonderheiten sorgt“, so sein Urteil. Doch unterstreicht er, dass auch wenn es momentan richtig ist, Vorsicht an den Tag zu legen, sich Wirtschaft und Kapitalmärkte allmählich von diesem Schock erholen werden.

Besonderheiten des neuen Zyklus

Die Kursentwicklung im März zeigte laut Bilton Anzeichen einer regelrechten Liquiditätskrise: „Es gab Phasen, in denen selbst Staatsanleihen und Gold ebenso wahllos abgestoßen wurden wie risikoreichere Assets. Diesen Liquiditätsschock ebenso wie den wirtschaftlichen Schock der globalen Coronakrise mussten die Märkte erst einmal verarbeiten“, so Bilton. Daraufhin haben die politischen Entscheidungsträger umfassender reagiert als in jeder früheren Krise: So wie die gelockerte Geldpolitik den letzten Zyklus geprägt hat, werde nun der weitreichende Einsatz fiskalpolitischer Maßnahmen den nächsten definieren, ist sich der Experte sicher. Die Geldpolitik habe eine gute Rolle als „Ersthelfer in der Krise“ gespielt – und bis die Finanzierungsengpässe nachlassen ist diese auch weiterhin notwendig. Die langfristigen Auswirkungen der fiskalischen Maßnahmen, die in den letzten Wochen zur Unterstützung der Realwirtschaft ausgelöst wurden, lassen sich jedoch nicht vorhersagen. „Zweifelsohne ist eine massive und anhaltende fiskalische Unterstützung erforderlich, um dem vorherrschenden deflationären Druck zu begegnen. Nun, da der fiskalische Geist aus der Flasche ist, wird es außerdem schwierig sein, ihn wieder einzufangen. Daher glauben wir, dass mit den geldpolitischen Anreizen bis weit in die nächste Expansionsphase hinein fiskalpolitische Maßnahmen einhergehen werden“, führt Bilton aus.

Der Wachstumseinbruch 2020 lässt weiter sinkende Anleiherenditen erwarten – damit sollte sich die negative Korrelation zwischen Aktien und Anleihen wieder durchsetzen. Darüber hinaus können laut dem Experten fiskalische Anreize zusammen mit niedrigen Leitzinsen letztendlich einen größeren Inflationsimpuls haben als die Geldpolitik allein, was unter dem Strich als Ausgleich zu steileren Renditekurven führt.

So könnten die steileren Kurven und stärkeren fiskalischen Eingriffe auch die Marktführerschaft an den Aktienmärkten im nächsten Zyklus neu definieren: Renditen, die eher durch das nominale Gewinnwachstum als die Expansion der Kennzahlen bedingt sind, Dividenden, die Aktienrückkäufen gegenüber vorgezogen werden, eine stärkere Präferenz für operative als für finanzielle Hebel und ein Aufschließen von Substanzwerten gegenüber Wachstumswerten. Je nachdem, wie effektiv die verschiedenen Länder und Regionen fiskalische Anreize setzen, könnten internationale Aktien gegenüber US-Aktien allmählich aufholen. Zunächst gelte es jedoch, die Baisse am Aktienmarkt zu überstehen: Der Experte ist überzeugt, dass der Tiefpunkt an den Aktienmärkten erst dann erreicht sein wird, wenn das volle Ausmaß des Gewinneinbruchs erkennbar und der Verlauf der Erholung ersichtlicher wird.

Hochzinsanleihen wurden in der aktuellen Krise überdurchschnittlich stark in Mitleidenschaft gezogen, wenn man die Abwärtsbewegung mit früheren Krisen vergleicht. Der vorübergehende Kursrückgang wurde vor allem durch Anleihen aus dem Energiesegment angeführt, die zusätzlich zu den unsicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unter dem schwachen Ölpreis leiden. Allerdings wurden auch andere, defensivere Segmente wie Gesundheitswesen, nicht-zyklischer Konsum oder Telekommunikation in Mitleidenschaft gezogen, sodass sich unter Bewertungsgesichtspunkten interessante Chancen für eine Gegenbewegung ergeben. „In der Vergangenheit konnten High-Yield-Investoren bei Spreads von mehr als 1.000 Basispunkten – wie sie im Durchschnitt im März erreicht wurden – in den folgenden 12 Monaten immer positive Renditen erzielen“, betont Bilton. Allerdings bleibe bei den weiterhin stark ausgeweiteten Risikoaufschlägen vor allem eine fundierte Auswahl der Einzelrisiken im Hochzinsmarkt der entscheidende Faktor für eine erfolgreiche Anlagestrategie.

Entsprechend gelte es, die Multi-Asset-Portfolios auf das Rezessionsumfeld und eine weiter anhaltende Volatilität auszurichten: Barmittel und Durationspositionen werden übergewichtet, während Aktien und Unternehmensanleihen leicht untergewichtet sind. Um opportunistisch Chancen wahrnehmen zu können, bleibe zudem ein Cash-Puffer wichtig: „Die derzeitige Rezession führt letztendlich zu einer neuen wirtschaftlichen Expansion – so werden die liquiden Mittel, die heute Portfolioschutz bieten, mit der Zeit die Reserve sein, um im Vorgriff auf den neuen Zyklus die Risiken wieder aufzustocken“, betont John Bilton.

Income-Strategie: Mittelfristig überdurchschnittliche Ertragsentwicklung erwartet.

Das Fondsmanagement des JPMorgan Investment Funds – Global Income Fund rund um Michael Schoenhaut startete das Jahr 2020 mit verschiedenen Änderungen in der Allokation und ergänzte beispielsweise das Anleihensegment um defensive Anlageklassen. Zusätzlich wurden die Bonität innerhalb des Hochzinsanleihensegments verbessert und die Diversifikation innerhalb der Unternehmensanleihen mit qualitativ hochwertigen Anlagen gesteigert sowie durch bonitätsstarke Hypothekenanleihen als defensiven und liquiden Baustein ergänzt. Diese Anlageklasse konnte sich im historischen Kontext als antizyklischer Diversifikationsbaustein bewähren und kann nun von Ankaufprogrammen der amerikanischen Notenbank profitieren. Das Zinsänderungsrisiko (Duration) wurde auf sechs Jahre erhöht. „Selbst im aktuellen Umfeld ist es für einen aktiven Manager möglich, selektive Chancen wahrzunehmen“, betont Michael Schoenhaut.

Auch haben die Manager die Aktienquote im Februar und März nochmals reduziert. Auf sektoraler Ebene stehen primär stabile Dividendentitel aus dem nicht-zyklischen Konsumgüterbereich, dem Gesundheitswesen sowie klassische Versorger-Titel im Fokus. Energiewerte machen sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen nur einen geringen Teil der Allokation aus. Als zusätzlicher Baustein zur Streuung des Risikos wurden Infrastruktur-Aktien in das Portfolio aufgenommen, die sich in historischen Korrekturphasen meist deutlich stabiler halten konnten als der Gesamtmarkt. Als 15. Anlageklasse innerhalb des Fonds unterstreichen diese die breite Streuung des Portfolios.

„Wichtig bleibt, den mittelfristigen Anlagehorizont nicht aus den Augen zu verlieren und über die erheblichen Tagesschwankungen und Tagesschlagzeilen hinauszublicken“, unterstreicht Income-Manager Michael Schoenhaut. Income-Anlagen mit breiter Streuung und Fokus auf laufenden Erträgen aus Zinsen und Dividenden bleiben sinnvoll, denn sie verdienen Risikoprämien über die Zeit. „Die Risikoprämien sind im März sehr stark angestiegen, was aber nun eine Grundlage für eine überdurchschnittliche Ertragsentwicklung in den nächsten zwei bis drei Jahren bieten sollte. Vor diesem Hintergrund gilt es nicht zu vergessen, dass auch die Corona-Krise irgendwann vorbei sein wird und eine Erholung der Wirtschaft nach dieser aktuell schwierigen Zeit einsetzt und nicht alle Unternehmen bis dahin vom Markt verschwunden sein werden.“ Auch die Sorge um die Aussetzung von Dividenden teilt Schoenhaut nicht: Dies betreffe mit 7 Prozent nur einen sehr geringen Teil des Aktienportfolios und schlägt auf Gesamtfondsebene sogar nur mit 1 Prozent zu Buche – er erwartet vielmehr, dass die Ausschüttungsrendite aufgrund der gesunkenen Assetpreise höher ausfallen sollte.

Foto: Elnur / Adobe Stock

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COVID-19-Stimmungstest: Austro-AGs reagieren besonnen und professionell.

Die konsequente Umsetzung der Vorschriften hat dazu geführt, dass Österreich ab sofort wieder nach vorne blicken kann.

Patrick Baldia. Wie gehen Unternehmen mit den Auswirkungen und Herausforderungen der COVID-19-Pandemie um, mit welchen ersten Maßnahmen haben sie bislang darauf reagiert und was erwarten sie von der Zukunft? Diese brandaktuellen Fragen standen im Mittelpunkt der Institutional Investor Conference der Raiffeisen Centrobank (RCB), die in der vergangenen Woche stattfand – allerdings in einem anderen Rahmen als in den Vorjahren: Anstatt in Zürs am Arlberg zusammenzukommen, tauschten sich die teilnehmenden 53 Unternehmen aus Österreich, Osteuropa und Russland in digitaler Form – sprich in Conference Calls – mit den Investoren aus.

Der Andrang war jedenfalls enorm. „Rund 800 Call-Anfragen – unter anderem von Pensionsfonds, Fonds und Versicherungen – sind bei uns eingegangen“, berichtet Bernd Maurer, Chefanalyst der RCB, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Stark vertreten waren wie in den Vorjahren Firmen, die an der Wiener Börse notieren. Dazu zählten unter anderem Agrana, AT&S, CA Immo, Erste Group, FACC, Flughafen Wien, Immofinanz, OMV, Österreichische Post, Lenzing, Palfinger, SBO und Telekom Austria.

„Von der Coronakrise ist jedes Unternehmen irgendwie betroffen“, so Maurer weiter. Wie stark das der Fall sei, hänge von der jeweiligen Branche ab. So wären manche – wie etwa die Luftfahrt- und Tourismusindustrie – mit einem völligen Shutdown konfrontiert. Für andere – wie Bauunternehmen – sei die derzeitige Situation hingegen deutlich weniger dramatisch. Eine Rolle spiele naturgemäß auch die Zyklizität der einzelnen Branchen. Zum Beispiel sei der Telekommunikationssektor traditionellerweise defensiver. Für Maurer ist er sogar noch widerstandsfähiger als während der Krise 2008/09. Im Technologiesektor – allen voran im Software-Bereich – sei sogar ein Silberstreifen am Horizont auszumachen. Nachsatz Maurer: „Die Player profitieren hier – zumindest teilweise – von der aktuellen Situation.“

„Klar ist, dass die Maßnahmen der Regierungen dramatische wirtschaftliche Auswirkungen haben werden“, so der RCB-Chefanalyst unmissverständlich. Die Unternehmen würden insgesamt nicht eine V-förmige Erholung, sondern eine längerfristige bzw. graduelle erwarten. Für all jene mit geringer Umsatz-Sensitivität sei die Kostenstruktur entscheidend. Hier gelte: Je höher der Fixkostenblock, desto größer werde der Ergebniseffekt sein. Die Frage sei nun, wie lange die restriktiven Maßnahmen dauern bzw. wie schnell die Annäherung an die Normalität gelinge. Die Visibilität sei jedenfalls hier wie da sehr gering.

Neue Strategien wurden laut Bernd Maurer noch nicht kommuniziert. „Dafür ist es auch zu früh. Schließlich kam der Corona-Shutdown vor drei Wochen wie ein Schock und die Unternehmen waren seitdem in erster Linie damit beschäftigt ihr Geschäft im Krisenmodus am Laufen zu halten“, sagt er. Viele würden jedenfalls Kurzarbeit in Anspruch nehmen. Dass es künftig auch zu Kündigungen kommen werde, dürfe niemand überraschen. Schließlich werde es – zumindest im zweiten Quartal 2020 – zu einem drastischen Wirtschaftseinbruch kommen.

Trotz des Ernstes der Lage macht vor allem eines Hoffnung: Wie Maurer unterstreicht, sei die Stimmung unter den Unternehmen weder pessimistisch noch sehr schlecht. „Unternehmen analysieren die Situation, notwendige Reaktionen und die genauen Implikationen.“ Die genauen Auswirkungen wären zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht vollends quantifizierbar.


Foto: Adobe Stock / JustLife

 

 

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Nur begrenztes Renditepotenzial

In der Biotech- und Pharmabranche bleiben langfristige Wachstumstrends spannend. Ein Gastkommentar Dr. Daniel Koller von BB Biotech.

Daniel Koller. Die Coronavirus-Pandemie schockt mit ihren gesundheitlichen und ökonomischen Auswirkungen die Finanzmärkte. Weltweit richtet sich der Blick auf die Unternehmen, die an Diagnostika, Arzneien und Impfstoffen arbeiten, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Gelingt hier in den nächsten Monaten ein Durchbruch, lassen sich neuerliche massive Verwerfungen, welche eine wahrscheinliche zweite Infektionswelle verursachen würde, größtenteils eindämmen.

Virenblocker

Aus der Vielzahl von Medikamenten und prophylaktischen Impfstoffen heben sich einige Protagonisten ab. Bei den antiviralen Therapien zur Akutbehandlung wird Gilead Sciences (ISIN: US3755581036) in Kürze zulassungsrelevante klinische Daten präsentieren. Der Wirkstoff Remdesivir unterbindet den Replikationsprozess der Viren. Eine komplette Heilung lässt sich nicht erzielen, wohl aber eine deutliche Reduzierung der Virenlast und damit ein milderer Krankheitsverlauf. Die Ergebnisse von zwei größeren Studien aus China werden in diesen Tagen auch erwartet. Spätestens im Mai folgen die klinischen Resultate von Studien in den USA.

Regeneron Pharma (US75886F1 075) und Vir Therapeutics gelten als führende Vertreter bei der passiven Immunisierung. Rekombinant produzierte Antikörper sollen dabei die Viren neutralisieren. Allerdings können die klinischen Tests frühestens im Sommer beginnen.

Impfstoffe

Einen langfristigen Schutz vor einer Infektion mit Covid-19 ermöglicht nur die aktive Immunisierung. Die Pharmakonzerne Johnson & Johnson (US4781601046), Glaxo-SmithKline (GB0009252882) und Sanofi (FR0000120578) arbeiten an herkömmlichen Vakzinen. Weil diese Verfahren langsamer verlaufen, ist hier eine Zulassung in frühestens zwölf bis 18 Monaten zu erwarten. Die US-Biotechfirma Moderna (US60770K1079) verfolgt mit ihrem mRNA-basierten Impfstoff einen neuen genetischen Ansatz und könnte hier schneller den Durchbruch schaffen. Die gesunden Menschen injizierte mRNA soll ausgewählte virale Proteine produzieren und eine Immunantwort auf diese Virenproteine auslösen.

Andere Biotechfirmen wie CureVac, BionTech (US09075V1026) und Translation Bio befinden sich mit ihren Vakzinen auf der Basis von mRNA-Technologien noch in der präklinischen Entwicklung. Moderna hat dagegen bereits im März mit klinischen Tests an gesunden Probanden begonnen. Entwickeln sich Antikörper gegen das Coronavirus, wird im Sommer eine breiter angelegte Wirksamkeitsstudie folgen. Im Idealfall liegen die Studienergebnisse im vierten Quartal 2020 vor und bilden die Basis für eine schnelle Zulassung. Risikogruppen könnten dann bei einer eventuellen zweiten Infektionswelle zeitnah geimpft werden. Moderna wäre in der Lage, innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate 100 Mio Dosen zu liefern.

Zukunftstechnologien

BB Biotech (CH0038389992) ist seit 2018 in Moderna investiert, weil wir vom Erfolg der mRNA-Technologieplattform als Ganzes überzeugt sind. Die anderen laufenden Projekte gegen Covid-19 sind für BB Biotech kein Anlass, in diese Firmen zu investieren. Nach unserer Einschätzung werden viele Biotechfirmen mit spezifischen Produkten gegen das Coronavirus kaum nachhaltig rentable Geschäftsmodelle realisieren. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die Corona-Therapien wegen des gesellschaftlichen Drucks mehr oder weniger zu Herstellungskosten verkauft werden müssen.

Der Fokus von BB Biotech liegt weiterhin auf jungen Technologien, welche die Medikamentenentwicklung in Zukunft prägen werden. So haben wir in unserem Beteiligungsportfolio Positionen in fünf Firmen aufgebaut, die mit RNA-basierten Technologien unterwegs sind und mit ersten Produktzulassungen erfolgreich waren. Ein weiterer Schwerpunkt sind Gentherapien gegen seltene erblich bedingte Erkrankungen. Für unser Portfolio versprechen dabei kleinere und mittelgroße Firmen das größte Wertsteigerungspotenzial.

Foto: Pixabay / PublicDomainPictures

 

 

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China-Optimismus als Hoffnung für Europa?

Es gibt Signale einer V-förmigen Erholung der dominantesten fernöstlichen Wirtschaft.

Roman Steinbauer. In der Vorwoche veröffentlichte Zahlen zum Zustand der chinesischen Wirtschaft sorgen für das im Brennpunkt der Corona-Krise stehende Europa für zarte Lichtblicke. Nach einem in der jüngsten Geschichte beispiellosen Absturz von zuvor 52 auf 40 Punkte schnalzte der China Caixin Herstellungsindex (PMI) für März auf den neutralen Bereich von 50 zurück.

Dieser von Ökonomen viel beachtete Barometer zur Befindlichkeit der Wirtschaftsmacht gewährt einen Überblick der Aktivitätsdynamik im industriellen Sektor. Die veröffentlichten Daten finden daher in der Finanzwelt entsprechend Beachtung. Der Wert erholte sich geradezu schlagartig bis knapp unter das Niveau vor dem Ausbruch der Corona-Epidemie. Demnach war der Vertrauensverlust bloß von kurzer Dauer.

Ebenso dynamisch verlief das Comeback der Umfrageergebnisse für den Dienstleistungssektor. Der Caixin Services PMI, der von zuvor stabilen 52 auf 26 Punkte regelrecht „abriss“, schnalzte für März wiederum auf 43 nach oben, eine Egalisierung von 60 % des Einbruchs. Diese Erhebung setzt sich durch Befragungen diverser Führungskräfte in 400 verschiedenen privaten Dienstleistungssektoren zusammen. Das Ergebnis wird als richtungsweisende Spiegelung zu Variablen wie Umsätzen, Beschäftigung, Lagerbeständen und Preisbildung herangezogen.

Gemischtes Vertrauen, wenige Daten-Alternativen

Hinlänglich bekannt sind Zweifel der internationalen Marktteilnehmer zur Zuverlässigkeit der veröffentlichten Daten über den Stand der chinesischen Wirtschaft. Zu den Caixin-Auswertungen ist anzumerken: Die Erhebungen werden monatlich von der Caixin Insight Group (Daten-Dienstleistungstochter der Caixin Media Company Limited) erstellt. Das Unternehmen wurde im Jahre 2010 von Hu Shuli gegründet. Die heute auch als Professorin an der School of Communication in China agierende Pekingerin durchlief zuvor die Journalisten-Ausbildung an der Stanford Universität und gründete zudem im Sino-Reich das englischsprachige Caijing Magazin. Natürlich ist ein politischer Druck durch die KP-Führung auf die Gesellschaft nicht auszuschließen, eine nach den Wünschen der Staatsführung „zurechtgelegte“ Formung der Ergebnisse ist aber nahezu undenkbar. Denn seit 2015 wird das Zahlenwerk den institutionellen Investoren im Inland offeriert. Zur Einschätzung der Lage werden Datenbanken erstellt und mit makroökonomischen Erhebungen und Analysen verknüpft. Zusammengestellt, komprimiert und global veröffentlicht werden diese Ergebnisse zudem vom Dateninformationsdienst IHS Markit mit Sitz in London. Einen Imageschaden würden die Briten wohl kaum bewusst in Kauf nehmen. Das Sponsoring der Markit China-Abteilung übernahm aber Caixin wiederum im Jahr 2015 von der HSBC Bank.

Hohe Bedeutung der Bezugsquelle

Kritischer sind hingegen die Auswertungen der China Federation of Logistics & Purchasing zu sehen. Dabei werden die Messungen des Nationalen Statistik-Büros (NBS) verarbeitet. Auch wenn zu deren PMI monatlich 700 Führungskräfte nationaler Unternehmen befragt werden, ist im Ergebnis ein „eingebauter“ Optimismus erkennbar. Dieser wohl weniger glaubwürdige Wert zum Einkaufsmanager-Vertrauen sprang im März gar auf den höchsten Wert seit September 2018. Auffällig: Die Behörden kamen nicht darum herum, die Arbeitslosenquote (in Prozent des urbanen Arbeitskräftepotentials) von 5,2 auf 6,2 anzuheben. Die Zentralbank veröffentlicht zudem laufend den durchschnittlichen Zinssatz zu gewährten Krediten. Hier ist mit 4,05 % ein neuer Tiefststand erreicht, ein wiederum ernüchternder Hinweis.

Foto: Pixabay /zhuwei06191973

 

 

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Dunkelheit vor Dämmerung

Christopher Smart, Chefstratege des Barings Investment Institute, gibt eine Einschätzung, worauf wir uns noch einstellen müssen, bevor die Erholung beginnt.

Die Frage, um die es sich bezüglich des Coronavirus in diesen Tagen vorrangig dreht, lautet: Wie schlimm wird es werden? „Auch wenn wir alle darum kämpfen, den ersten Blick auf den Sonnenaufgang zu erhaschen, wird viel davon abhängen, wie schnell die Märkte vor dem Morgengrauen die Dunkelheit durchschreiten“, sagt Dr. Christopher Smart in seinem aktuellen Kommentar. Fünf dunklere Entwicklungen werden sich demnach erst noch einstellen müssen, bevor wir abschätzen können, wie schnell eine Erholung eintritt.

Ertragsrevisionen
Wenn es in der Natur kaum etwas Furchterregenderes gibt als eine Herde von Gnus, dann gibt es an den Finanzmärkten nichts Schädlicheres als eine Herde von Analysten, die ihre Gewinnschätzungen nach unten korrigieren. Während die Zahl der Analysten, die die S&P-500-Aktien herabstufen, inzwischen den Stand von 2008 übersteigt, bleibt der Umfang der Herabstufungen im zweiten Quartal mit etwa 10% relativ gering. Das könnte vor allem an der nach wie vor außergewöhnlich hohen Unsicherheit liegen. Die Unternehmen selbst liefern keine neuen Zahlen mehr, was die Aktien immer noch viel billiger erscheinen lässt, als sie tatsächlich sind.

Rating-Herabstufungen 
Kreditanalysten haben die Schuldentragfähigkeit aller Kreditnehmer, ob groß oder klein, radikal neu bewertet. Unternehmen mit Investment-Grade-Rating haben im März in Erwartung der bevorstehenden schwierigen Zeiten neue Schulden in Höhe von 260,7 Milliarden Dollar aufgenommen, aber manche werden ihr Rating verlieren, was einige Anleger zum Verkauf zwingt. Herabstufungen können auch Vereinbarungen auslösen, die eine vorzeitige Rückzahlung der Schulden bedingen. Das könnten unruhige Zeiten werden.

Konkurse
Einige Firmen werden lediglich Herabstufungen erleiden, während andere vor dem Bankrott oder gar der Liquidation stehen. Versierte Investoren schaffen es, die meisten davon zu vermeiden, aber es wird sicherlich auch unerwartete Pleiten geben. Es ist schwer vorstellbar, dass eine Krise dieses Ausmaßes nicht auch einige große Opfer fordern wird, die bereits in den Seilen hingen. Außerdem wird es in den Schwellenländern zu einer Umstrukturierung der Staatsschulden kommen, da sich das Kapital in einem noch nie dagewesenen Tempo zurückzieht. Argentinien und der Libanon waren schon angeschlagen, bevor wir von dem Coronavirus gehört hatten, andere werden zu der Liste hinzukommen.

Öl
Es ist schwer vorstellbar, dass es eine dauerhafte Erholung geben wird, ohne dass Russland und Saudi-Arabien zu einer verbindlichen Einigung über die Ölpreise kommen. Es scheint eine Vereinbarung in Arbeit zu sein, die das Angebot einschränken und eine Untergrenze für die globalen Preise schaffen würde, um große Teile der Industrie vor dem Zusammenbruch zu retten. Dennoch werden die Finanzmärkte den Aufschwung erst dann in vollem Umfang begrüßen können, wenn Zuversicht besteht, dass der Ölpreis wieder in eine vorhersehbare Größenordnung zurückgekehrt ist.

Die Regierungen
Nach wochenlangem Leugnen und Zögern sind die Staats- und Regierungschefs der Welt und die Zentralbanken endlich in Aktion getreten, aber es gibt noch viel mehr zu tun. Das vom US-Kongress verabschiedete 2-Billionen-Dollar-Paket ist eher eine Nothilfe als ein Konjunkturprogramm. Dennoch wird viel davon abhängen, wie schnell das Geld an kleine Unternehmen und Haushalte verteilt werden kann. Die Fed war schnell und kreativ bei der Unterstützung der Kreditmärkte, aber die Banken werden noch mehr unter Druck geraten, wenn ihre Kreditbücher schlecht werden. Nur wenige haben schon angefangen, über den Schlag nachzudenken, der die Entwicklungsländer bald treffen wird, und deren zusätzlichen Bedarf an Hilfe und Schuldenerlass. Ein dauerhafter Aufschwung wird auch viel mehr internationale Zusammenarbeit erfordern. Wenn die G-20 kaum mehr tut, als fade Erklärungen abzugeben, werden die Investoren eine konkretere bilaterale Zusammenarbeit bei der Ausweitung des Handels, der Stabilisierung der Märkte und der Ankurbelung von Investitionen sehen müssen.

Investoren brauchen keine Antworten auf all diese Fragen, damit der Aufschwung beginnen kann, aber sie werden es schwierig finden, sich ohne ein klareres Bild wieder auf neue Investments zu konzentrieren. Eine zuverlässige Abflachung der Kurve der Coronavirus-Opfer wird einen entscheidenden Durchbruch für die öffentliche Gesundheit und die Rückkehr zur Normalität bringen, aber es wird für die Märkte so lange Dunkelheit herrschen, bis wir etwas Licht auf die wirtschaftlichen Trümmer bekommen, die repariert werden müssen.

(Foto: Barings)

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Navigieren im Auge des Sturms

Was erwartet die Märkte im zweiten Quartal 2020? Ein Ausblick von Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, einen Ausblick:

Die Weltwirtschaft erreicht nun das Zentrum des Sturms, und Investoren erwartet eine sehr schwierige Zeit, bevor sich im zweiten Halbjahr die Lage verbessert, sobald die chinesische Wirtschaft sich erholt. In diesen sorgenvollen Zeiten erhebt sich ein strahlender Stern: der Einbruch der Ölpreise. Dieser hilft kurzfristig nicht viel, weil viele Menschen zu Hause bleiben müssen, zahlt sich jedoch aus, sobald die Wirtschaft wieder an Fahrt gewinnt. Wir gehen davon aus, dass die Weltwirtschaft in eine Wachstumsrezession eintritt, die sich im 2. Quartal bemerkbar macht und bis zum Ende des Jahres anhält. Die Prognose für das 2. Quartal ist schwierig, da wir uns in einer Krise befinden, wie es sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gegeben hat.

Das Corona-Virus verbreitet sich von China ausgehend auf den Rest der Welt, und die Behörden tun ihr Bestes, um es durch drastische Maßnahmen wie Ausgangssperren einzudämmen. In einigen Ländern wie Italien befindet sich das Gesundheitssystem am Rande des Zusammenbruchs. Da die meisten Geschäfte geschlossen sind, leidet der stationäre Handel genauso wie Fabriken unter einem sehr schweren Schock, während der viel größere Dienstleistungssektor (Hotels ausgenommen) hauptsächlich von zu Hause aus aktiv sein kann. Die Verbraucher bestellen jetzt selbst dann von zu Hause, wenn sie das vorher noch nie gemacht haben. 

Aufgrund dieses Schocks rechnen wir damit, dass viele Unternehmen ihre Arbeitskräfte teilweise oder vollständig entlassen werden, was zu einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit in Europa und den USA führen dürfte. Nimmt man den drastisch gesunkenen Ölpreis hinzu, bedeutet das einen starken Deflationsdruck, insbesondere in den USA, wo einige Sektoren wie IT sehr hohe Gewinnmargen aufweisen. 

In der Folge haben viele Zentralbanken, von der Fed bis zur EZB, einen großen Spielraum, um ihre sehr lockere Geldpolitik beizubehalten. Das bedeutet, dass die bestehende quantitative Lockerung und Kreditlockerung sich in den kommenden Quartalen wahrscheinlich verstärkt. Insbesondere gehen wir davon aus, dass sich Fed und EZB auf das Gebiet der Kreditvermittlung für kleine und sehr kleine Unternehmen begeben, indem sie das Risiko mit den Banken teilen, wie es die Fed gerade vormacht. Infolgedessen wird sich die Wirtschaft in einer schweren Rezession stabilisieren, und wenn sich die Verbreitung des Virus durch Ausgangssperren und andere Maßnahmen schließlich abschwächt, dürfte sich das Wachstum, angeführt von China, langsam wieder erholen. Nach Wochen des Eingesperrtseins dürfte sich dann als erstes die Kundennachfrage entwickeln, bevor die Erkenntnis einsetzt, dass immer noch harte Zeiten vor uns liegen. Banken in den Industrieländern gehen auf solider Basis in diese Krise, und wir weisen darauf hin, dass skandinavische Banken traditionell als sicher gelten.

Das 2. Quartal wird wohl sehr schwierig, bevor sich noch vor Ende des Jahres eine Verbesserung einstellt. In einem derart schwierigen Umfeld dürften Fixed-Income-Investmentlösungen und insbesondere flexible Lösungen in diesem Bereich eine bedeutende Rolle spielen als Zufluchtsorte, die bessere Risiko-Rendite-Profile aufweisen können. Es ist unwahrscheinlich, dass die Duration weiterhin viel hilft, weshalb die Allokation in Investment-Grade-Anleihen wichtiger werden dürfte. Wir sind aufgrund ihres besonders sicheren Profils schon lange Anhänger von Pfandbriefen, und deren Markt wird weiterhin durch EZB-Käufe unterstützt. Anleger sollten zudem bedenken, dass es in Zeiten hoher Volatilität auf die Fähigkeiten eines Portfoliomanagers ankommt, um durch die Krise zu kommen. Ein typisches Beispiel hierfür sind Schwellenländeranleihefonds, die je nach Portfoliomanager stark unterschiedliche Wertentwicklungen zeigen. Flexible Multi-Prämien-Lösungen sind ein weiteres effektives Instrument zur Stabilisierung eines Portfolios in einem volatilen Markt.

Wir befinden uns im Frühstadium einer historischen Krise. Sobald sich die übergroße Angst legt, sollte sich die Volatilität an den Aktienmärkten abschwächen, so dass die Kurse sich halten und etwas erholen können, während der Markt auf verschiedene Rettungspakete setzt. Dennoch steht uns eine sehr scharfe Rezession mit vielen Gewinnwarnungen und Insolvenzen noch bevor. In einer derart volatilen Umgebung bevorzugen wir börsennotierte Infrastrukturtitel. Sie bieten ein widerstandsfähiges Profil gegenüber sinkenden Kursen und partizipieren an Aufwärtsbewegungen.

Foto: Adobe Stock / Thanumporn

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Umsatzschub durch Corona

Drägerwerk profitiert von einem Großauftrag der Bundesregierung, kämpft aber weiter mit schwachen Margen.

Stefan Riedel, München. Niedrige Erträge, wenige neue Umsatztreiber und von der Produktstrategie noch ungenügend auf die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung ausgerichtet – die Mängelliste der Investoren zum Lübecker Familienunternehmen Drägerwerk (ISIN: DE0005550636) ist lang. In Anbetracht der Corona-Krise ist von dieser Kritik nichts mehr zu hören. Der Börsenwert der im SDAX gelisteten Vorzüge hat sich in den vergangenen drei Wochen verdoppelt.

Auftrag der deutschen Regierung als Initialzündung

Das Kursfeuerwerk gezündet hat ein Großauftrag der Regierung in Berlin. 10.000 Beatmungsgeräte und persönliche Schutzausrüstung für Krankenhauspersonal plus Schutzmasken der Schutzklasse FFP2 soll Drägerwerk über dieses Jahr verteilt liefern. Für Firmenchef Stefan Dräger ist es „der größte Auftrag, den wir je hatten“ und entspricht der normalen jährlichen Produktionsmenge für Beatmungsgeräte. Die Produktion von Atemschutzmasken hat Drägerwerk während der Corona-Krise bereits verdoppelt.

Finanzexperten erhoffen sich jetzt den über Jahre ausgebliebenen Profitabilitätsschub. „Die gegenwärtige Situation ist ein Windfall-Profit für Dräger. Das Unternehmen rückt unverhofft wieder ins Blickfeld von Kapitalmarkt und Kunden. Ich hoffe, dass sie jetzt liefern können, denn das Produktportfolio wirkt in der Breite noch sehr antiquiert“, meint etwa Kai Brüning, er ist Fondsmanager bei Apo Asset Management, gegenüber dem Börsen-Kurier.

Die Medizintechniksparte steht für 60 % der Konzernerlöse. Da-runter fallen Beatmungsgeräte sowie Geräte für die Überwachung von Patienten auf Intensivstationen oder von Säuglingen. Aus der Sparte Sicherheitstechnik kommt Schutzausrüstung für Rettungsdienste, Feuerwehr und Behörden.

Kennzahlen 2019

Und die Firma braucht neue Wachstumsimpulse. Im Geschäftsjahr 2019 schaffte Drägerwerk ein Umsatzplus von 7 % auf 2,8 Mrd€. Die EBIT-Marge blieb bei 2,4 % hängen, in der Medtechsparte lag sie bei ganzen 0,8 %. Dementsprechend niedrig fiel zuletzt der Nettogewinn mit 33 Mio€ aus. Seit 2017 hat sich der Konzerngewinn gedrittelt. Bis vor kurzem spiegelte der Aktienkurs, der sich von Anfang 2015 bis Ende 2019 halbierte, diese Stagnation wider.

Ausblick

Für den Zeitraum 2019 bis 2021 erwarten die Analystenschätzungen ein jährliches Gewinnwachstum von im Schnitt 50 %. Mit einem 2021er-KGV von 27 erscheint die Vorzugaktie somit optisch günstig. Kurzfristig sollte der Corona-Effekt den Aktienkurs auch weiter nach oben schieben. Die Luft könnte allerdings schnell wieder heraus sein, wenn das Unternehmen nicht den Beweis liefert, dass es seine Gewinne unabhängig von größeren Projekten im Zeichen der Corona-Pandemie steigern kann.

Foto: Drägerwerk AG & Co. KGaA

 

 

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Stufenweiser Einstieg ratsam

Für Zertifikate-Experten gibt es trotz stürmischem Umfeld interessante Anlageideen.

Auch in stürmischen Zeiten gibt es „Leuchttürme“, beispielsweise Zertifikate

Patrick Baldia. Sollte man die aktuellen Kurse für einen Einstieg nutzen? Diese Frage stellen sich derzeit vermutlich auch viele Zertifikate-Anleger. Experten mahnen jedoch zur Vorsicht. „Heute sind Zertifikate zwar billiger als vor vier Wochen, wann aber genau eine Bodenbildung stattfinden wird, ist schwer abzuschätzen“, sagt etwa Marianne Kögel von der Raiffeisen Centrobank (RCB). Sofern man die aktuellen Kurse als attraktiv einschätzt, könne man aber durchaus auch jetzt schon zugreifen. Allerdings sei ein stufenweiser Einstieg ratsam.

Im Rahmen des Kursgemetzels der vergangenen Wochen wurden bei einigen Bonuszertifikaten die Barrieren verletzt, bei anderen würden sie noch halten bzw. bestünden immer noch Puffer von 15 bis 20 % nach unten, so Kögel weiter. Ob diese halten oder nicht, vermöge derzeit niemand seriös einzuschätzen. Zeige sich aller-dings, dass sich die Kurse stabilisieren, sollten die Barrieren halten. „In diesem Fall kann man von Kaufkursen sprechen“, hält die RCB-Zertifikate-Expertin fest.

„Es ist noch zu früh, um von einer Bodenbildung ausgehen zu können“, sagt auch Uwe Kolar, Head of Retail and Sparkassen Sales bei der Erste Group. Ideen für Zertifikate-Anleger gebe es im aktuellen Umfeld aber durchaus. Dazu würden Garantieanleihen, wie etwa der „ERSTE Future Invest Garant 90 % 20-30“ (ISIN: AT000A2D9G7), die an der Wertentwicklung eines Aktienkorbs oder -index direkt partizipieren, zählen. „Bei den tiefen Einstiegsniveaus sind (bei einer Mindestrückzahlungsgarantie von 90 %) die Chancen auf Kursgewinne zum Laufzeitende größer, was bedeuten würde, dass der investierte Nominalbetrag zu 100 % zurückgezahlt wird“, so Kolar. Kursverluste von bis zu 10 % würde der Anleger hingegen 1:1 tragen.

Anlageidee: Express-Anleihen

Eine weitere Idee sind für Kolar Express-Anleihen, um von den niedrigen Kursständen von Öl- und Versicherungsaktien zu profitieren. Dafür bieten sich etwa die „ERSTE Multi Fix Kupon Express Anleihe Öl 2020-2024“ (AT0000A2EFW1) oder die „ERSTE Multi Memory Express Anleihe Versicherungen 2020-2025“ (AT0000A2 D7X6) an. Deren Basiswerte: OMV und Shell bzw. AXA und Allianz.

„Grundsätzlich bieten Bonuszertifikate aktuell schönere Renditemöglichkeiten als noch vor der Corona-Krise“, sagt Kögel. Stark fallenden Kursen könnten sie sich allerdings nicht entziehen. Sie glaubt allerdings, dass sich derzeit Kapitalschutzzertifikate besser eignen würden. Das mit ihnen verbundene Risiko sei nämlich überschaubar. „Der maximal mögliche Verlust liegt in der Regel bei 10 % der Veranlagungssumme“, hält Kögel fest.

Insgesamt wird es in den kommenden Wochen voraussichtlich weniger Emissionen geben – auch bei der RCB. „Gänzlich darauf verzichten werden wir aber nicht – gerade bei Bonuszertifikaten sind die aktuellen Startwerte mittelfristig sicher interessant“, so Kögel. Aktuell befinde sich mit dem „3 % Europa/Global Bonus&Sicherheit 4“ (AT0000A2D8F1) ein RCB-Bonuszertifikat in Zeichnung, ein weiteres soll demnächst emittiert werden. Darüber hinaus würden sich mehrere Zertifikate mit 90 % Kapitalschutz – wie etwa der“ Megatrends Bond 90%“ (AT0000A 2DXW6) – in Zeichnung befinden. Neue Aktienanleihen mit Zeichnungsfrist wären hingegen derzeit nicht geplant, da das Marktumfeld zu unsicher sei. „Da bei vielen die Barriere verletzt wurden, ist es zu Aktienlieferungen gekommen“, erklärt Kögel.

Foto: Pixabay / renatados

 

 

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ATX: Einstieg für vorsichtige Anleger

Die Schwankungen werden andauern. Doch selbst in diesem Umfeld gibt es Chancen.

Raja Korinek. Die vergangenen Wochen stellten Aktienanleger auf eine enorme Belastungsprobe. Die Kursstürze waren heftig, da stellte der heimische Leitindex ATX keine Ausnahme dar. Seit Jahresbeginn verlor das Börsenbarometer bis Ende voriger Woche rund 38 %. Auch hier lasten die Sorgen über die Folgen der Corona-Krise auf die Unternehmen.

Globale Tätigkeit

Viele heimische Börsenfirmen sind obendrein international tätig, und einer Vielzahl an Entwicklungen ausgesetzt. Dazu zählt beispiels-weise der heimische Flugzeugzulieferer FACC. Aufgrund des Einbruchs im weltweiten Flugverkehr und Auftragsschwankungen wird die Kurzarbeit am 6. April eingeführt, während die Dividende gestrichen wird. Der Caterer DO & CO bekommt ebenso den Einbruch in der Flugindustrie zu spüren. Banktitel – die Erste Group Bank hat die höchste Gewichtung im ATX – verloren ebenfalls kräftig an Wert, wie auch die heimischen Öltitel OMV und Schoeller-Bleckmann Oilfields. Sie leiden zudem unter dem stark gesunkenen Ölpreis.

Doch so dramatisch die Nachrichtenlage quer durch die heimische Unternehmenslandschaft ist, an der Börse sollte das Schlimmste allmählich ausgestanden sein, meint Christoph Schultes. Der Erste-Group-Analyst betont in seinem jüngsten Ausblick, „nach einem beispiellosen Absturz sehen wir aktuell eine intensive Erholungsphase“. Er mahnt aber auch, dass diese nun aber wieder zu Ende gehen könnte. Anleger sollten sich auf erhöhte Volatilität auch in den kommenden Wochen gefasst machen. „Investoren beginnen die Spreu vom Weizen zu trennen, denn es sind nicht alle Unternehmen gleich von der Krise betroffen. Aktien von gut geführten Unternehmen mit einem robusten Geschäftsmodell und einer starken Bilanz sind derzeit gefragt“, zeigt Schultes weiters auf.

Aktien günstig bewertet

Für zyklische Unternehmen mit weiterhin eingeschränkter Visibilität sei es hingegen verfrüht einzusteigen. „Die Corona-Krise ist noch nicht auf ihrem Höhepunkt angekommen und das Ausmaß ist schwer vorherzusagen. Dennoch sollte man als Anleger nicht in Panik verfallen, denn die Aktienkurse nehmen bereits viel von einem sehr schlimmen Szenario vorweg. Die Bewertung der meisten Aktien ist momentan sehr günstig.“

Doch was bedeutet das für Anleger? Sie haben zum Beispiel die Möglichkeit auf einen Seitwärtstrend – oder mäßige Kursgewinne – mit einem Puffer nach unten zu setzen. Möglich machen es Discount-Zertifikate. Mit diesem Produkt kauft man sich günstiger in den Basiswert ein, als dieser an der Börse kostet. Dafür profitiert man von möglichen Kursanstiegen des Basiswertes nur begrenzt, bis zu einem Cap. Nach unten gibt es zudem einen Verlustpuffer, und zwar in Höhe des Diskonts, um den man den Basiswert günstiger erworben hat. Erst wenn der Kurs des Basiswertes derart kräftig sinkt, so dass der Break-Even-Punkt unterschritten wird, erleidet man auch mit dem Zertifikat einen Verlust. Denn dann ist der Vorteil des Diskonts voll aufgebraucht.

Discount-Zertifikat auf den ATX

Ein solches Produkt bietet beispielsweise die RCB auf den ATX an (ISIN: AT0000A26BK7). Der Cap liegt bei diesem Discount-Zertifikat bei 2.700 Punkten, der Break-Even-Punkt bei 1.889 Punkten. Der Diskont lag zu Wochenbeginn bei 5,20 %, verändert sich aber laufend mit der aktuellen Kursentwicklung des ATX. Und letzter Handelstag des Zertifikats ist am 18.9.2020.

Für Anleger, die hingegen 1:1 auf die weitere ATX-Kursentwicklung setzen wollen, bietet etwa die UniCredit ein Indexzertifikat an (DE0007873242).

Foto: Wiener Börse

 

 

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Goldpreis langfristig bei 2.000 USD

Experte erklärt, warum das Edelmetall vor einem starken Ausbruch nach oben stehen sollte.

Harald Kolerus. Die Corona-Krise hat die Aktienbörsen auf Talfahrt geschickt, als erste Reaktion viel auch der Goldpreis, konnte jedoch im Gegenzug wieder kräftig zulegen. Das hat niemanden verwundert, hat das beliebte Edelmetall doch den Ruf, die Krisenwährung schlechthin zu sein.

Was mit dem 9. März folgte, war für viele Marktteilnehmer dann aber überraschend: Auch Gold schwenkte zuerst in eine Abwärtsbewegung um. Wie das zu erklären ist, wollte der Börsen-Kurier im Telefongespräch mit Christian Brenner, seines Zeichens Managing Director der philoro Schweiz AG, wissen.

Bei dem Unternehmen handelt es sich um einen der Marktführer im Bereich Edelmetallhandel in Europa. Spezialisiert ist man unter anderem auf den An- und Verkauf von Anlagemünzen und Barren sowie die bankenunabhängige Lagerung im Einzelschließfach, Depot oder Zollfreilager.

Überragende Performance
Brenner: „Die Kursbewegung bei Gold lässt sich in Wirklichkeit relativ einfach erklären: Im Zuge der extremen Aktienkorrektur müssen Unternehmen Geld auftreiben bzw. nachschießen. Sie bedienen sich deshalb dort, wo Liquidität freigemacht werden kann. Das führte zu den Verkäufen von Aktien aber eben auch Gold.“

Mit einem Blick in die Finanzhistorie ist das für den Experten aber kein Grund zur Beunruhigung für Gold-Investoren, im Gegenteil: „Wir haben dieses Bild bereits in der Krise von 2008 gesehen: Gold verlor kurzfristig, dann folgten aber extrem starke Phasen mit überragender Performance. Der Goldpreis fiel 2008 von 1.000 US-Dollar auf 750 US-Dollar die Feinunze und stieg bis auf 1.900 US-Dollar im Jahr 2011 wieder empor. Ich bin der Meinung, dass sich das wiederholen kann und das Edelmetall einen überproportionalen Ausbruch an den Tag legen wird.“

Wann das der Fall sein kann, lasse sich noch nicht seriös beantworten: „Die Marktdynamik ist zu stark, um jetzt schon einen ganz klaren Trend prognostizieren zu können. Bei einer schrittweisen Normalisierung der Gesamtsituation, ist die Zeit für Gold und den Ausbruch nach oben gekommen“, so Brenner. Der Experte weiß, dass es auch mögliche kurzfristige Korrekturen nach unten geben kann, langfristig geht er aber von einem Preis um die 2.000 US-Dollar je Feinunze aus.

„Sell out“
Somit ortet Brenner einen guten Zeitpunkt für Gold-Investments, wobei zur Zeit die Lage der Verfügbarkeit angespannt ist: „Wir sehen einen wahren Ausverkauf bei Goldmünzen, wobei wir einer der wenigen Händler sind, die den Online-Vertrieb aufrechterhalten. Auch wenn wir unsere Filialen aufgrund der aktuellen Covid-19-Situation und der von der Regierung erlassenen Schutzmaßnahmen geschlossen haben: In unserem Webshop können Sie weiterhin rund um die Uhr Edelmetalle bestellen. Solange der Vorrat noch reicht.“ Jedoch natürlich mit der Einschränkung, dass Bestellungen nicht in den Filialen abgeholt oder Verkäufe an philoro nicht vorbeigebracht werden können. Als Liefermöglichkeit besteht somit der Versand, vorausgesetzt, dass die Post ihre Tätigkeiten nicht unterbrechen muss.

Bleibt noch die Frage, wieviel Gold in einem breit gefächertem Portfolio Platz hat? Brenner: „Normalerweise geht man von 10 bis 15 % aus, in der gegenwärtigen Situation könnte man diesen Anteil schon verdoppeln.“

Werterhalt über Jahrtausende
Übrigens: Gold ist nicht nur in Krisenzeiten eine interessante Investmentidee, was auf seiner praktisch epochenübergreifenden Wertstabilität beruht. Hierzu ein Beispiel aus dem alten Rom: Kleidung war damals eine teure Anschaffung, im Jahre 301 nach Christus kostete eine Tunika 2.000 Denar, was knapp 2 Aureus (Einheit mit ca. 11g Gold) entsprach. Heute ist dieser Wert mit einem Betrag von 800 Euro gleichzusetzen und entspricht einem maßgeschneiderten Anzug aus hochwertigen Stoffen.

Gold hat also das römische Reich überdauert, auch die Corona-Krise wird es wohl glänzend überstehen.

Foto: philoro

 

 

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Überflieger in Krisenzeiten

Die Programme von TeamViewer halten Videokonferenzen und Computer am Laufen.

Stefan Riedel, München. Der rapide Anstieg von Home-Office-Arbeit und Videokonferenzen im Zuge der Coronavirus-Pandemie beschert dem TeamViewer (ISIN: DE000A2YN900) einen zusätzlichen Umsatzschub. Die im MDAX gelistete Softwarefirma geht da-von aus, dass sich der Zuwachs für Abrechnungen von Softwareleistungen im laufenden Quartal gegenüber dem Vorjahr auf 60 % oder mehr beschleunigt hat.

Treibende Kraft ist dabei das Programm mit dem eigenen Firmennamen. Dabei war TeamViewer ursprünglich als Nebenprodukt gedacht. Damit lassen sich Computer und Rechner aus der Ferne zu steuern und warten, etwa per App über Smartphone und Tablet. Dass die neuesten Versionen die Teilnahme an Online-Meetings erlauben, wird sich für TeamViewer spätestens mit der Corona-Krise als Segen erweisen.

„Wir werden 2020 unsere Wachstumsstrategie weiterhin in vollem Tempo fortsetzen, indem wir Kundensegmente und globale Reichweite ausbauen“, hatte Vorstandschef Oliver Steil bei der Präsentation der vorläufigen Zahlen für 2019 angekündigt. Das war am 10. Feber, also noch vor dem Börsencrash. Aber auch die aktuell turbulenten Zeiten wird TeamViewer mit seinen Produkten besser meistern als Softwarefirmen, die in anderen Marktsegmenten unterwegs sind. Die Programme der 2005 gegründeten Firma aus Göppingen bei Stuttgart kommen nicht nur in der Fernwartung von Computern und Servern oder bei Videokonferenzen zum Einsatz, sondern sollen in Zukunft auch die digitale Fertigung in der Industrie steuern.

Den Konzernumsatz hat TeamViewer 2019 um 51% auf 390,3 Mio Euro gesteigert. Positiv hat sich ausgewirkt, dass die Gesellschaft ihr Vertriebskonzept von Einfachlizenzen auf ein Abo-Modell umgestellt hat. Wegen zu hoch ausgewiesener aktiver latenter Steuern musste der vorläufige Jahresüberschuss im Nachhinein von 110,9 auf 103,9 Mio Euro nach unten korrigiert werden. Umsatz und bereinigtes operatives Ergebnis sind laut TeamViewer davon nicht betroffen. Der Free Cashflow kletterte von 112,7 auf 171,5 Mio Euro. Die Cash Conversion, also das Verhältnis freier Mittelzuflüsse zum operativen Gewinn, beläuft sich damit auf stattliche 94,2 %.

Mit Abschlägen von gut 20 % gegenüber dem Allzeithoch vom Feber halten sich die Kursabschläge in Grenzen. Das IPO liegt erst ein halbes Jahr zurück. Mit einem Emissionserlös von 2,2 Mrd€ feierte TeamViewer den größten Börsengang eines deutschen Technologieunternehmens seit dem Platzen der Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende. Alle sieben Analysten, die aktuell TeamViewer covern, sprechen sich für einen Kauf der Aktie aus.

Zum Negativen ändern könnte sich diese Einschätzung am ehesten, wenn das Management am 26. März, wenn die detaillierten Zahlen für 2019 kommen, beim Ausblick eine deutlich negativere Position bezieht. Bei der Kundschaft wird das Unternehmen in der Zwischenzeit weiter punkten: private Nutzer, die jetzt geschäftlich mit der kostenlosen TeamViewer-Version arbeiten, werden nicht mehr gesperrt. Spekulative Anleger bauen erste Positionen auf.

Foto: Pexels / ChristinaMorillo

 

 

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Fondssparpläne: Die Chancen in der Krise

Anleger können die Korrektur zu einem schrittweisen Vermögensaufbau günstig nützen.

Raja Korinek. Die jüngsten Entwicklungen an den weltweiten Börsen haben einmal mehr deutlich vor Augen geführt: Ein Investment in Wertpapiere kann auch sehr turbulent sein. Doch es gibt Möglichkeiten, davon sogar zu profitieren. Eine solche ist der Abschluss eines sogenannten Fondssparplans. Der Clou daran: Anleger kaufen mit einer festgelegten Summe regelmäßig Fondsanteile zu. Und weil ein solcher Sparplan auf viele Jahre angelegt sein sollte, um einen sinnvollen Vermögensaufbau zu ermöglichen, profitiert man obendrein von dem Cost-Averaging-Prinzip.

Doch was genau ist gemeint?
Das sogenannte „Cost-Averaging-Prinzip“ (Durchschnittskosten-Prinzip) bedeutet, dass durch einen gleichbleibenden Ansparbetrag zu unterschiedlichen Marktkursen einmal mehr und einmal weniger Fondsanteile erworben werden, erklärt Martin Hauer, Vorstand für Retail und Verbundservices der RLB NÖ-Wien. Er meint auch, „der positive Effekt dabei ist, dass der durchschnittliche Kaufkurs dadurch reduziert wird“. Allerdings hänge der Gesamterfolg von einer Kurserholung ab.

Kurserholung in Sicht?
Umso mehr sollten Anleger noch einen Punkt beachten: „In volatilen Phasen ist das regelmäßige Ansparen in Wertpapierfonds für risikobewusste Anleger eine gute Alternative. Es sollte aber unbedingt die persönliche Risikoneigung und -bereitschaft bedacht werden. Aus heutiger Sicht ist nicht vorherzusehen, wann wieder eine Normalisierung an den Kapitalmärkten einkehren wird“, sagt RLB-Experte Hauer. Deshalb sei diese Anlageform unter längerfristigen Gesichtspunkten zu betrachten. Freilich, langfristig deuten zahlreiche Studien auf steigende Aktienmärkte.

Dabei sei es ohnedies wichtig, möglichst früh mit einem solchen Plan zu beginnen, betont man bei der Erste Bank. Der aktuell günstige Einstieg muss nicht einmal mit großen Summen genützt werden. Geldinstitute wie die Bank Austria und die Erste Bank bieten einen Einstieg schon ab 30 E pro Monat an. Bei der RLB NÖ-Wien und der Bawag geht es ab monatlich 50 E los. Auch muss es nicht immer eine monatliche Einzahlung sein. In der Regel sind Einzahlung quartalsweise oder jährlich ebenfalls möglich.

Bei den Einzahlungen wird meist allerdings immer der Ausgabeaufschlag für den Fondskauf verrechnet. Bei der RLB NÖ-Wien ist es hingegen ein Transaktionsentgelt von 90 Cent plus 1,2 % vom Kurswert. Günstiger ist oftmals oben-drein der Online-Kauf. Bei der Erste Bank wird via Plattform „George“ ein Rabatt von 20 % angeboten. Bei der Hello bank! liegt der Rabatt sogar bei 40 %. Auch wird dort keine Depotgebühr für Fonds berechnet.

Fremdfonds als Alternative

Doch was, wenn man nicht nur die hauseigenen Fonds kaufen möchte? Hier sollte man sich vor Abschluss eines Sparplanes unbedingt über Kaufmöglichleiten von Fremdfonds nachfragen. Solche bietet etwa die Erste Bank an – auch mittels ETFs (Exchange Traded Funds), sogenannten börsengehandelten Fonds an. Auch die Hello bank! verweist auf eine umfangreiche Auswahl.

Trotz der langfristigen Ausrichtung sollten Anleger auch noch einen weiteren Punkt bedenken: Je näher das Ende der selbst gewählten Ansparzeit rückt, desto mehr sollte man in konservative Fonds anlegen, etwa in breit gestreute Anleihefonds. Denn dann lassen sich Schwankungen – angesichts der geringen Restlaufzeit – weniger gut durchtauchen. Thomas Schaufler, Privatkundenvorstand der Erste Bank, fügt dabei grundsätzlich hinzu: „Für die überwiegende Anzahl an Publikumsfonds fallen keine Rücknahmegebühren an. Somit können Fonds individuell gewechselt werden.“

Foto: Pixabay / loufre

 

 

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Coronavirus trifft Börsen ins Mark

Geöffnete Liquiditätsschleusen seien allerdings positiv hervorzuheben, so Experten.

Patrick Baldia. Sie treten äußerst selten und vor allem unerwartet ein und haben drastische Folgen für die Wirtschaft. Die Rede ist von so genannten „Black Swan“-Ereignissen. Einige Beobachter meinen, dass es sich beim Coronavirus um ein solches Ereignis handelt. Andere sehen es wiederum als „Grey Rhinocerus“. Mit der Metapher bezeichnete die US-Autorin Michele Wucker Ereignisse, die sehr wahrscheinlich und äußerst folgenschwer sind, aber dennoch ignoriert werden. Die aktuelle Krise hätte man kommen sehen müssen, denn Epidemien wären nichts Neues bzw. ein immer wahrscheinlicheres Risiko in einer globalisierten Welt, so die Vertreter dieser Meinung.

Der Begriff des „Schwarzen Schwans“ wurde vom Publizisten und Derivatehändler Nassim Nicholas Taleb geprägt. Ihm zufolge würden solche Ereignisse zwar mit einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit eintreten, im Nachhinein betrachtet wären sie aber durchaus nachvollziehbar. Das trifft sicher-lich auf die Lehman-Pleite 2008 zu. Dass darauf eine Finanz- und Weltwirtschaftskrise folgte, war angesichts der hohen globalen Staatsverschuldung und des spekulativ aufgeblasenen US-Immobilienmarktes rückblickend betrachtet vielleicht doch nicht so überraschend.

So oder so steht fest: Die Auswirkungen des Coronavirus auf die globale Wachstumsperspektive machen sich immer mehr bemerkbar. An den Börsen schlug sich die damit verbundene Unsicherheit in deutlichen Kursverlusten nieder. Der ATX schloss Ende der vergangenen Woche mit einem Rekordverlust. Der Dow Jones mit dem größten Einbruch seit 1987. Die Ironie dabei: Etliche Märkte – wie etwa S&P 500 oder NASDAQ – hatten erst kürzlich historische Höchststände erreicht.

Ende Feber wurden jedenfalls alleine an den US-Börsen rund 5 BioUSD „vernichtet“. Zum Vergleich: Während der Finanzkrise waren es 8 BioUSD. Wie damals folgen die Börsenturbulenzen auf eine längere Phase steigender Kurse. Eine weitere Gemeinsamkeit: Auch diesmal glauben Experten, dass die USA unter den großen Volkswirtschaften am besten aufgestellt sei, um die Krise zu meistern. „Die US-Wirtschaft ist überdurchschnittlich gewachsen und weist einen soliden Arbeitsmarkt auf“, so Jared Franz, Volkswirt bei der Capital Group.

„Die entscheidende Frage ist jetzt, wie lange die Unternehmen durch das Coronavirus eingeschränkt sind und ob es relativ schnell wieder zu einer Normalisierung kommen wird“, so RCB-Chefanalyst Stefan Maxian. Positiv sei, dass die Regierungen – zumindest die meisten – und Notenbanken deutlich erkannt haben, wie darauf zu antworten ist und in hohem Maß Liquidität zur Verfügung gestellt haben. „Die Artillerie ist in Stellung. Das hat bei der Finanzkrise deutlich länger gedauert.“

Das Kniffelige an der aktuellen Situation: der jüngste Ausverkauf fiel mehr oder weniger undifferenziert aus. Selbst defensive Papiere und Large Caps boten nur begrenzt Sicherheit. Immerhin sei China nicht mehr das große Problem, so Maxian. „Die meisten heimischen Unternehmen haben dort ihre Produktion wieder hochgefahren oder sind gerade dabei.“ Ebenfalls positiv: Es gäbe durchaus heimische Werte, die auch in einem Pandemie-Szenario Cashflows generieren könnten.

Etwas Mut macht vielleicht auch, dass bislang alle Korrekturen eine Parallele aufwiesen: Irgendwann geht es an den Börsen wieder aufwärts – allein im Falle des S&P 500 laut Statistik (seit 1950, Anm.) nach knapp 200 Tagen.

Foto: Adobe Stock /Elenarts

 

 

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Bankensektor für Schocks gerüstet

Einschätzung von Internationalem Währungsfonds und Nationalbank.

Manfred Kainz. „Österreichs Bankensektor ist resilient gegenüber Schocks, auch gegenüber schweren makrofinanziellen Schocks.“ Das meinte der Vizegouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Gottfried Haber, und nahm dafür Bezug auf die jüngste Überprüfung des heimischen Finanzsektors durch den Internationalen Währungsfonds (IWF). Diese Prüfung lief unter dem Titel „Financial Stability Assessment Program (FSAP) 2019“. Habers Kernbotschaft dazu: Es gebe Stabilität in unserem Finanzsektor. Denn im Verhältnis zu den unmittelbaren Bedrohungen würden unseren Banken über recht hohe Kapitalpuffer verfügen. Selbst nach Schlagendwerden von makroökonomischen Schocks und Marktrisiken würden Eigenkapitalquoten noch immer über den Mindesterfordernissen liegen – auch wenn die meisten Banken auf ihre „Kapitalerhaltungspuffer“ zurückgreifen müssten. Etwaige starke Mittelabflüsse könnte der Austro-Bankensektor angesichts seines hohen Liquiditätsdeckungspotenzials“ und seiner „soliden Einlagenbasis“ gut verkraften. Die „Liquiditätsverbünde“ der verschiedenen Bankensektoren würden den Liquiditätsausgleich unter ihren Mitgliedern gewährleisten und so zu Finanzstabilität beitragen.

Wenig Exposure
Aus aktuellem Anlass wies Haber darauf hin, dass das Exposure Österreichischer Banken in China und Italien nur im Kommabereich liege. Die Geschäftstätigkeit sei vielmehr stark auf die CESEE-Märkte, also auf Zentral-, Ost- und Südosteuropa, konzentriert; dort würden 42 % der Profite der Austrobanken generiert.

Bessere Daten?
Was bei dem Financial Stability Assessment durch den IWF aber schon auch herauskam: Die Behörden bräuchten bessere Daten mit höherer „Granularität“, also höherem Verdichtungsgrad, zu Unternehmens- und Immobilienkrediten, sowie zu den CESEE-Exposures. Es müsse „weiterer Maßnahmen seitens der Behörden“ bedürfen, um Datenlücken in Bezug auf Immobilien- und Firmenkredite zu schließen, und um den Meldeumfang und den Detailierungsgrad von CESEE-Daten zu verbessern. Und angesichts der Geldwäscherisiken brauche es „zusätzliche Bemühungen“ im Bereich der Finanzkonzernaufsicht und eine bessere Abstimmung zwischen der Bankenaufsicht und den für Geldwäscheprävention zuständigen Stellen.

Mehr Geld?
Außerdem seien „adäquate Ressourcen“ sicherzustellen, um das Stresstestsystem und die Makro-Regulierung weiter ausbauen zu können. Im Übrigen müsse auch die Versicherungsaufsicht „entsprechend dotiert“ werden., damit das Solvency-II-Aufsichtsregime, die Überwachung des Marktverhaltens, sowie das Sanierungs- und Abwicklungssystem kontinuierlich verbessert werden können.

Wenn mit „Ressourcen und Dotierung“ mehr öffentliche Gelder für die Aufsicht der Finanzsektoren gemeint sind, so wird das angesichts der aktuellen budgetären Herausforderungen, um nicht zu sagen angesichts des „Stresstests“ für den Staatshaushalt aus der Corona-Krise, wohl weder einfach noch rasch gehen können.

Foto: Pixabay / geralt

 

 

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Corona wirft Versicherungs- und Haftungsfragen auf

„Homeoffice“: Unfallversicherungsschutz und Datensicherung nicht geregelt.

Emanuel Lampert. Corona und die damit verbundenen Gegenmaßnahmen werfen unter anderem Fragen auch in Sachen Versicherung auf. Darauf machte vergangene Woche der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) im Zusammenhang mit der Empfehlung, nach Möglichkeit verstärkt aufs „Homeoffice“ zu setzen, aufmerksam.

Der ÖGB befürworte die Empfehlung zwar. Allerdings sei „für Homeoffice oder Teleworking einiges zu beachten“, sagt Ingrid Reischl, Leitende Sekretärin des ÖGB, und ergänzt: Für die Arbeit zu Hause mangle es an konkreten arbeitsrechtlichen Regeln.

Besserer Schutz gefordert
„Was passiert, wenn jemand zu Hause im Homeoffice die Treppen runterfällt oder über das Spielzeug des Kindes stolpert und sich verletzt?“, fragt der Gewerkschaftsbund. Die Judikatur dazu sei „dünn“.

Durch das Coronavirus gebe es mehr Homeoffice-Vereinbarungen, deshalb müsse „rasch umgesetzt werden, dass Arbeitnehmer im Homeoffice durch die Unfallversicherung besser geschützt sind“, so auch ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian. Eine entsprechende Forderung habe man bereits bei der Bundesregierung deponiert, so die Arbeitnehmervertretung.

Datensicherheit und Haftung
Auch Haftungsfragen seien zu bedenken, zumal sich etwa die Frage stelle, ob die Datensicherheit beim Arbeiten von zu Hause aus gewährleistet ist. Beispielsweise müsse geklärt sein, welche Dokumente das Unternehmen über-haupt verlassen dürfen und was im Falle eines Datenlecks zu tun ist, ob dienstliche oder private Geräte verwendet werden und ob letztere die nötigen technischen Sicherheitsstandards erfüllen. „Ist der Datentransfer gesichert und verschlüsselt? Wie erfolgt die Datenlöschung von Privatgeräten? Wer haftet, wenn ich mir im privaten Netzwerk einen Virus einfange?“

Herausforderung für Kreditversicherung
Auf eine versicherungsrelevante Problematik anderer Art weist der Kreditversicherungsmakler Austrian Credit Insurance Counsel (A.C.I.C.) aktuell hin: „Derzeit steht die Bonitätsbeurteilung und -überwachung aufgrund der sich ständig überschlagenden Ereignisse durch das Coronavirus vor neuen Herausforderungen, da die Resilienz von Unternehmen wohl stärker in den Fokus rückt“, sagt Peter Androsch.

„Auch an der Börse wurden viele Anleger auf dem falschen Fuß erwischt. Eine Einschätzung der weiteren Entwicklung ist daher schwierig“, so der Geschäftsführer von A.C.I.C. weiter. Und: „Besonders sensibel“ seien derzeit stark im Welthandel involvierte Branchen.

Versicherungsschutz
Zum einen legt Androsch Unternehmen nahe, für den Fall einer Kundeninsolvenz eine Kreditversicherung im Polizzen-Ordner zu haben. Bei der Versicherung neuer Forderungen sollten Lieferanten Beratung in Anspruch nehmen, um abzuklären, bei welchem Anbieter derzeit welche Absicherung noch möglich ist, rät A.C.I.C.

Präventivmaßnahmen
Zum anderen spricht Androsch eine Reihe von Empfehlungen neben dem Versicherungsschutz selbst aus. „Verkaufen Sie Forderungen an Factoring-Gesellschaften, um Liquidität zu schaffen. Verkürzen Sie die Zahlungsziele ihrer Kunden, verlangen Sie Bankgarantien und bestehen Sie bei bonitätsschwachen Kunden auf Vorauskasse.“

Kunden wiederum rät er, Folgendes zu beachten: Sollten Anzahlungen geleistet werden, so bestehe eine Forderung gegenüber dem Lieferanten, die mit einer Versicherung geschützt werden sollte. Und: Wenn ein Lieferant auf Vorauszahlung bestehe, „vergessen Sie nicht, auch in diesem Fall einen Rabatt einzufordern“.

Blick auf die Lieferkette
Für Industriebetriebe gelte es „noch mehr als sonst“, gewisse Vorsichtsmaßnahmen in der Lieferkette zu beachten. „Um für einen Lieferausfall gewappnet zu sein, muss es mindestens zwei Zulieferer für die wichtigsten Teile geben, die noch dazu in unterschiedlichen Regionen ihren Produktionsstandort haben sollten“, so Androsch. Im Falle einer „Kettenreaktion“ in der Wirtschaft könne man mit diesen und weiteren Maßnahmen einer Insolvenz entgegenwirken.

Foto: Pixabay / tookapic

 

 

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Die Fed geht aggressiv vor 

Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, kommentiert die aktuellen Ereignisse.

(17.03.) Am vergangenen Sonntag senkte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den Leitzins auf annähernd Null und kündigte ein neues Anleihekaufprogramm in Höhe von 700 Milliarden US-Dollar an, wovon 500 Milliarden auf Staatsanleihen und 200 Milliarden auf verbrieften Zinspapiere entfallen sollen. Zudem verbesserte sie die Bedingungen ihrer Devisenswap-Vereinbarungen mit anderen Zentralbanken. Die US-Notenbank ist der Ansicht, dass die US-Wirtschaft aus einer starken Position heraus in diese neue Phase eingetreten ist, räumt aber implizit ein, dass der Einbruch an den Börsen sowohl in den Vereinigten Staaten als auch im Ausland plötzlich komme. Tatsächlich reagiert die US-Notenbank drastischer als vom Markt erwartet. Dieser hatte bislang grob mit drei bis vier Zinssenkungen bei den nächsten Treffen gerechnet. Das Vorgehen der Fed hat mehrere Folgen: 1. Sollte ihre Entscheidung für ein neues quantitatives Lockerungs-Programm als Panikreaktion wahrgenommen werden, dürfte sie damit den Aktienmärkten nicht helfen. Und dies, obwohl das Programm an und für sich eine sehr positive Entwicklung ist, die sich letztendlich durchsetzen wird. 2. Die Banken werden unter einer sehr niedrigen und flachen Laufzeitstruktur leiden, obwohl sie kurzfristig davon profitieren dürften, Long-Positionen in US-Treasuries zu halten – ein Punkt, den der Markt ignorieren wird. Für die europäischen Banken bedeutet die Einführung von US-Holdinggesellschaften mit eigener Bilanz und eigenem Risikomanagement Ende 2020 in Europa, dass ein größerer Anteil der Geschäfte an sie selbst gehen dürfte. 3. Die Verwalter der Fremdwährungsreserven dürften weitgehend und ohne große Auswirkungen aus den Auktionen verschwinden, da sie die Laufzeiten ihrer Bestände generell zugunsten von Commercial Papers und Bargeld senken werden. 

Wir begrüßen die Entscheidung der Fed und erwarten, dass sie diese Haltung auch bei ihrem nächsten Treffen beibehalten wird. Andere Zentralbanken dürften ihrem Beispiel folgen. Während sich das Coronavirus in den USA ausbreitet und es zu regionalen Einschränkungen kommt, dürfte die Volatilität weiter hoch bleiben. Dennoch erwarten wir, dass sich der Markt in circa einer Woche wieder etwas stabilisieren wird, sobald die neue Realität schließlich akzeptiert wurde. Die nächste Phase sind weitere Gewinnwarnungen, ein starker Einbruch der Wirtschaftsindikatoren, unternehmensspezifische Einzelereignisse und schließlich eine finanzpolitische Reaktion. Es ist unwahrscheinlich, dass die Demokraten in den USA viel mehr tun werden als sich gründlich abzusichern, während Deutschland bereits erste Schritte eingeleitet hat.

Fazit
Wir setzen weiterhin auf Pfandbriefe, US-Staatsanleihen mit langer Laufzeit und börsennotierte Infrastruktur- und Immobilienunternehmen sowie flexible Investmentlösungen. 

Die nächsten Schritte für die Fed
Die US-Notenbank hat die erforderlichen Notfallmaßnahmen ergriffen und hat nun Zeit, um über den Rest zu entscheiden. Die Bank of America fordert eine Kreditvergabe in Form von Unternehmensanleihen mit kurzer Laufzeit, sogenannten Commercial Papers, – ein Vorschlag, der gute Chancen haben sollte. Eine weitere Möglichkeit ist ein ständiger Vorrat an Krediten für kleine Unternehmen, die wahrscheinlich keinen Zugang zu Commercial Papers haben werden. Sie hängen hauptsächlich von der Liquidität von Banken wie Wells Fargo oder JP Morgan ab. Das Problem sind die technischen Herausforderungen bei der Kreditvergabe an so viele kleine Unternehmen. Wahrscheinlich wird die Fed auf die Kreditkompetenz der Banken setzen und „Mini-Commercial Papers“ nur teilweise finanzieren.

Fazit
Die Fed sollte weiterhin die richtigen Schritte unternehmen, auch wenn diese nur verspätet eingepreist werden. In Zeiten erhöhter Volatilität, wie wir sie aktuell erleben, sind flexible Lösungen mit ihren automatisierten Strategien in der Lage, sehr schnell zu reagieren.

Norwegische Krone wird allmählich interessant
Das Interesse am Handel mit Währungen ist sehr gering, und wenn doch, dann erfolgt der Handel als eine Reihe von einfachen Investments. Die norwegische Krone beispielsweise wird in erster Linie aus Gründen der Risikoaversion und aufgrund fallender Ölpreise gehandelt. Das erste ist Unsinn, das zweite ergibt einen gewissen Sinn. Ein fundamental orientierter Anleger hat daher einige Schwierigkeiten, damit zu handeln. Die Norges Bank hat die Zinsen gesenkt, und die Währung sieht zyklisch günstig aus, während ihre Bilanz mit einigen Ausnahmen äußerst solide ist. 

Fazit
Investoren mit einem langfristigen Investmenthorizont sollten die norwegische Krone im Blick behalten.

Foto: C Yuriy Panyukov – Fotolia.com

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Profiteure der Corona-Krise

Die Epidemie sorgt für enorme Bewertungsverschiebungen.

Roman Steinbauer. Der Ausbruch des Coronavirus führte bei ausgewählten, klein kapitalisierten US-Aktien des Gesundheitssegmentes zu teils senkrechten Kursausbrüchen. Durchwegs profitiert haben MedTech-Aktien bisher aber keineswegs. Das Geschäft unzähliger Unternehmen ist auch in dieser Branche von einer Unterbrechung der Lieferkette aus China beeinträchtigt. So wurde Boston Scientific (ISIN: US1011371077) getroffen. Die Gesellschaft erwartet für das 1. Quartal durch Zulieferengpässe eine Beeinträchtigung des Umsatzes zwischen umgerechnet 9 und 36 Mio Euro.

Emotional getriebene, begehrte Zockerpapiere
Cleveland-Biolabs-Aktien (US1858602022) legten seit Jahreswechsel hingegen um sagenhafte 450 % zu. Das Unternehmen aus Buffalo ist in der Gen-Modellierung und Stärkung des antigenen Immunsystems aktiv. Der in Maryland angesiedelte Impfstoffhersteller Novavax (US6700024010) verkündete den Start einer Tiertestung für einen potentiellen Corona-Impfstoff. Humantests sollen bereits bis Juni erfolgen. Der Aktienkurs reagierte eindrücklich. Pendelte das Papier Mitte Jänner noch um 3,5 USD, findet der Titel aktuell um 12,5 USD neue Anteileigner.

Die rasch angeschwollene Nachfrage nach Atemschutzmasken katapultierte die Warenverkäufe und Aktiennotizen diverser Hersteller auf eine davor nicht gesehene Ebene. Die 12 Mio verfügbaren Valoren der Alpha Pro Tech (US020 7721095) verzehnfachten (!) ihren Handelswert binnen sechs Wochen von 3,5 USD auf bis zu 35 USD – um nun bei 15 USD zu pendeln. Frappant: Das Mundschutzsegment steht für nicht einmal 25 % des Umsatzes.

Die ebenso knapp verfügbaren Wertpapiere der New Yorker Lakeland Industries (Schutzbekleidung, US5117951062) trieben dessen Kapitalisierung binnen einer Woche um 140 % nach oben. Für weitsichtige Anleger ist klar: Der kurzfristige Auftragsschub ist nicht nachhaltig. Doch bildete sich eine zynisch anmutende Anlage-Spezies, die bereits seit der SARS- und Ebola-Krise nach dem Motto agiert: Sobald die Kurse wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren, werden Aktien dieser Hersteller (mit solider Bilanz) zugekauft – im Zuge des nächsten Virusausbruchs (in ein bis zwei Jahren?) sodann zu einem extrem hohen Limit zum Verkauf gestellt. Diese „Abräum-Strategie“ erfuhr erneut eine lukrative Bestätigung.

Teure Themenbesetzung
Höher kapitalisierte Werte wie die niederländische Qiagen (NL0012169213) sprangen weniger spektakulär, aber doch zu einem Höchststand an. Der Vertreter molekularbiologischer Tests für die Forschung verschiffte nun neue „QIAstat-Dx Respiratory Panel 2019-nCoV Test-Kit“-Sets an chinesische Spitäler. Die Aussicht einer Übernahme durch Thermo Fisher (USA) befeuerte den Kurs zusätzlich. Coronavirus-Test-Kits wurden zudem an die US-Gesundheitsbehörde FDA zur Prüfung geschickt. Mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 400 % zum Jahresumsatz ist Qiagen bereits mutig bewertet.

Mike Smith, Portfolio-Manager des „Wells Fargo Endeavor Select Fund“, setzt auf stark wachsende, teils noch höher bewertete, Coronavirus-„Gewinner“. Die in San Diego beheimatete DexCom (US2521311074) ist in der Entwicklung medizinischer Geräte (vorwiegend Blutzuckermesssysteme) aktiv. Die Virus-Testsparte erweitert die Geschäftsfelder zusätzlich. Die Aktie notiert jedoch beim 175-fachen des letzten Cash-Flows.

Foto: Adobe Stocks / photoguns

 

 

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Notenbanken im Kampf gegen die Corona-Krise

Notfallszinssenkungen und neue Geldspritzen stehen auf der Tagesordnung.

Michael Kordovsky. In den vorangegangenen Wochen haben die Notenbanken der Schwellenländer reihenweise ihre Leitzinsen gesenkt und/oder zusätzliche Gelder ins System gepumpt. Bereits Anfang Feber stellte die chinesische Zentralbank dem Finanzsystem 1.200 MrdCNY bzw. umgerechnet rund 156 Mrd Euro zur Verfügung. Es folgten weitere 900 MrdCNY oder 114,9 Mio Euro.

Am 5. Feber reduzierte die Brasilianische Zentralbank ihren Leitzinssatz um 0,25 %-Punkte auf 4,25 %, auch Thailand und Island reagierten am gleichen Tag und nur einen Tag später senkte die Zentralbank der Philippinen ihren Leitzins um 0,25 %-Punkte auf 3,75 %.

Am 7. Feber folgte die Russische Zentralbank (-0,25 %-Punkte auf 6,00 %) und rund eine Woche später Mexiko (-0,25 %-Punkte auf 7,00 %).

Am 19. Feber hatte die Türkische Zentralbank ihren Leitzins um 0,5 %-Punkte auf 10,75 % reduziert und Tags darauf senkten die Zentralbanken Chinas und Indonesiens ihre Leitzinsen von 4,15 auf 4,05 % bzw. von 5,00 auf 4,75 %.

Helikoptergeld und Notfalls-Leitzinssenkung
In Hongkong gibt es bereits „Helikoptergeld“: Um den infolge der Corona-Krise zum Erliegen gekommenen Konsum wieder anzukurbeln, schenkt die Regierung jedem Einwohner für Konsumzwecke umgerechnet rund 1,150 Euro. Damit sollen die Folgen der Krise eingedämmt werden.

Nachdem die Aktienmärkte im Zuge des schnellsten Crashs seit dem Zweiten Weltkrieg zweistellige Kursverluste erlitten, hielten am Dienstag, dem 3. März die Finanzminister und Notenbankchefs der G7-Staaten einen Emergency-Call ab. Danach kündigten sie konkrete Gegenmaßnahmen an, darunter auch höhere Staatsausgaben falls erforderlich und nur wenige Stunden später folgte bereits die erste Notfall-Zinssenkung der US-Notenbank (Fed), die ihre Fed-Fundrate um 0,5 %-Punkte auf ein Niveau von 1,00 bis 1,25 % senkte.

Gleichzeitig reduzierten die Notenbanken Bahrains, Hongkongs und Saudi Arabiens im gleichen Ausmaß und jene Malaysias und Australiens um je 0,25 %-Punkte, während Tags darauf die Kanadische Zentralbank und jene Moldawiens ihre Leitzinsen um jeweils 0,5 %-Punkte zurücknahmen. In Macau folgte sogar eine Senkung um 1 %-Punkt auf 4,50 %.

Dies zeigt die Reaktionen rund um den Globus. Die Zinsen sind weltweit rückläufig und immer mehr wird die Notenpresse angeworfen. Seit November 2019 kauft die Europäische Zentralbank monatlich Assets (diverse Anleihen, Schwerpunkt öffentliche Anleihen) im Wert von 20 Mrd Euro. Die Fed erwirbt indessen monatlich kurzlaufende Staatsanleihen in Höhe von 60 MrdUSD (rund 531 Mrd Euro).

Diverse Marktbeobachter rechnen mit einer neuen Anleihen- und Aktienkaufoffensive der Notenbanken. Ed Yardeni von Yardeni Research kann sich indessen Helikopter Geld als eine Alternative für die USA vorstellen, denen auch Präsident Donald Trump und Fed-Chef Jerome Powell zustimmen könnten. Die elegante Version davon wären weitere Steuersenkungen auf breiter Basis. Die „Holzhammer-Methode“ hingegen wäre das Hongkonger Modell mit Direkt-Gutschriften pro Einwohner. Gleichzeitig könnte die Fed zusätzliche Staatsanleihen in einem ähnlichen Volumen wie die Ausgaben für Helikoptergeld aufkaufen.

Bald ein negativer Hauptrefinanzierungssatz in Euroraum?
Auch die EZB wird früher oder später handeln. Die EZB-Ratssitzung an diesem Donnerstag, dem 12. März, gibt Gelegenheit dazu.

Die sich im Umlauf befindlichen „EZB-Insidergerüchte“ deuten auf eine Vorbereitung von langfristig gezielten Krediten hin, die besonders kleinen und mittleren Unternehmen zugutekommen sollten, was durchaus den sozial-orientierten Verhaltensmustern von EZB-Präsidentin Christine Lagarde entsprechen würde, denn kleinere und mittlere Unternehmen, die durch die Corona-Krise in Mitleidenschaft gezogen wurden, haben es bekanntlich schwerer als große Konzerne, wenn es darum geht, an Finanzierungen heranzukommen.

Auch an der Zinsschraube könnte diesmal etwas gedreht werden. Um den Druck auf Banken zu erhöhen, weniger Überschussreserven bei der EZB zu parken, sondern die Gelder als Kredite an die Realwirtschaft zu vergeben, könnte es zu einer Verschärfung des negativen Einlagenzinses für Banken bei der EZB kommen, der derzeit noch bei -0,5 % liegt.

Eine weitere Senkung auf bis zu -0,7 % ist durchaus denkbar und sollte die Corona-Krise tatsächlich zu einer Rezession führen, dann ist sogar eine Senkung des Hauptrefinanzierungssatzes von derzeit 0,00 % ins negative Terrain möglich.

Indessen könnte die Fed ihre Fed-Fundrate wieder auf 0,00 bis 0,25 % zurücknehmen. Und der ab 16. März neue Gouverneur der Bank of England, Andrew Bailey, plädiert überhaupt für Notfallshilfen des Staates, da der Spielraum der Notenbank, die Wirtschaft mit Zinssenkungen zu unterstützen, sehr begrenzt ist. Er spricht sich dabei für Finanzhilfen an von der Corona-Krise betroffene Firmen aus.

Foto: Adobe Stock / Syda Productions

 

 

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Wie zukunftsfähig unsere Unternehmen sind

Verantwortungsvolles Wirtschaften wird immer wichtiger und auch erfolgreicher.

Harald Kolerus. Eines kann man Österreich nicht vorwerfen: Ein Nachzügler in Sachen Nachhaltigkeit zu sein. Das bestätigten neue Auswertungen, die vom Meinungsforschungsinstitut SORA für Trigos durchgeführt worden sind. Mit diesem Preis werden heimische Unternehmen übrigens heuer bereits zum 17. Mal für ihre Corporate Social Responsibility (CSR) ausgezeichnet.

„Der Mensch steht im Zentrum“

SORA hat nun gemeinsam mit Trigos erstmals eine Analyse der Zukunftsfähigkeit österreichischer Unternehmen erstellt, das erfreuliche Ergebnis lautet: „Heimische Spitzenunternehmen sind für die Herausforderungen der Zukunft, insbesondere in den Schlüsselbereichen Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz und verantwortungsvolles Wirtschaften sehr gut aufgestellt.“ 

Bei der Präsentation der Ergebnisse war auch Michael Landau, Präsident der Caritas (eine der Trigos-Trägerorganisationen), anwesend. Er kommentierte: „Im Zentrum des Wirtschaftens muss der Mensch stehen. Das haben die mit dem Trigos ausgezeichnete Unternehmen erkannt. Man darf also auch auf die Schwachen nicht vergessen, das hat Österreich großgemacht und hat Europa großgemacht. Wir sollten diesen Weg weiter beschreiten, wobei CSR und Erfolg Hand in Hand gehen.“ Landau führte weiter aus, dass „gesellschaftliche Verantwortung heute auch globale Verantwortung bedeutet“, und fügte hinzu: „Bei ökologischen Themen müssen wir die sozialen mitdenken, damit niemand auf der Strecke bleibt.“

Nachhaltigkeit rechnet sich

Dem konnte sich Gerald Schöpfer, er ist Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes und außerdem Wirtschaftshistoriker, anschließen: „Ethisches Handeln zahlt sich auch durchaus ökonomisch aus. Das sieht man z.B. bei nachhaltigen Fonds, sie weisen in der Regel eine bessere Performance auf als konventionelle Produkte, aber zumindest keine schlechtere. Der Trigos wiederum zeigt, wie Unternehmen ein Beispiel geben, und wie man nachhaltiges Wirtschaften ökonomisch, ökologisch und sozial umsetzen kann.“ Womit wir wieder zu den jüngsten Zahlen des Preises zurückkommen: 147 Unternehmen haben 2019 für den Trigos eingereicht, die meisten davon in der Kategorie Klimaschutz. Dies spiegelt auch die vorhandenen Themen und Herausforderungen wider: Maßnahmen gegen die Erderwärmung werden von fast allen Unternehmen stark vorangetrieben. Einige von ihnen sehen sich zudem bereits mit den negativen Folgen des Klimawandels konfrontiert, vor allem in der Landwirtschaft. Die Bandbreite im Umgang mit dem Thema ist dabei groß und reicht von Verhaltensänderungen (z.B. bei der Mitarbeiter-Mobilität) bis hin zu verbesserten bzw. ganz neuen Produktionsprozessen. Das Spektrum der Unternehmen ist ebenfalls breit und vielfältig: Es reicht von Social Enterprises (sie verfolgen Gesellschaftsveränderung als Unternehmenzweck) über Klein-und mittelständischen Familienunternehmen, dem Bereich Handwerk und Gewerbe, bis hin zu Großunternehmen. Zu den Preisträgern des Vorjahres zählen so unterschiedliche Firmen wie Lenzing, Deloitte Österreich oder die Neuburger Fleischlos Gmbh.

Generationenübergreifend

Gabriele Faber-Wiener vom Center for Responsible Management und Mitglied des Österreichischen PR-Ethik-Rats, fasste zusammen: „Der Trigos hat v.a. in den vergangenen beiden Jahren zusätzlich viel an Fahrt aufgenommen. Er ist mittlerweile der renommierteste österreichische Preis für verantwortungsvolles Wirtschaften und Nachhaltigkeit. Heimische Unternehmen haben wiederum erkannt, wie viel Verantwortung sie im Sinne der nächsten Generationen tragen und stellen sich den entscheidenden Fragen für heute und morgen.“

Foto: Pixabay / geralt

 

 

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Längst überfällige Korrektur

Das Coronavirus hat für die längst überfällige Korrektur an den Aktienmärkten gesorgt, sagt Jean-Marie Mercadal, Chefanlagestratege bei OFI Asset Management: Die Indizes S&P 500 und Eurostoxx sind letzte Woche um rund 14 Prozent gefallen – das ist so viel wie zur Finanzkrise im Oktober 2008 bzw. im August 2011.

Die Stimmung an den Finanzmärkten war einfach zu euphorisch und hat ein perfektes Szenario mit hohen Kursbewertungen basierend auf hohen Unternehmensgewinnen eingepreist. Diesem bereits seit über 10 Jahren anhaltenden Höhenflug an den Börsen hat das Coronavirus nun einen Dämpfer versetzt.

Der Wirtschaft, die sich 2019 weltweit zwar nur langsam, aber doch solide zu erholen schien, setzt das Virus zu. Die großen Wirtschaftsinstitute sind bisher von einem globalen Wachstum von rund 3,4 Prozent ausgegangen, das nun nach Expertenmeinungen, die die Erfahrungen mit der SARS-Krise heranziehen, um 0,5-1 Prozent im ersten Quartal 2020 zurückgehen könnte. Die gestrige Zinssenkung (3. März) der US-amerikanischen Notenbank um 0,5 Prozent sowie die fiskalpolitischen Haushaltspakete, die von vielen Regierungen wie China oder Italien geschnürt werden, federn die Auswirkungen des Coronavirus auf die Wirtschaft zusätzlich ab.

Viele Gesundheitsexperten gehen davon aus, dass das Ende des Winters und der Beginn des Sommers in der nördlichen Hemisphäre die Verbreitung des Virus stoppen würde. Wir meinen deshalb, dass der Krankheitserreger langfristig nichts daran ändert, dass sich die Weltwirtschaft allmählich erholt, auch wenn einige Sektoren wie Tourismus, Luxusgüter und Banken schwer unter der Krise leiden.

Auch wenn wir keine groß angelegte Pandemie erwarten, halten wir eine Destabilisierung Chinas und seines politischen Regimes für möglich. China scheint ein großer Verlierer der Ereignisse der letzten Monate zu sein: Der Handelskrieg und die Gesundheitskrise zeigen, dass eine zu große Abhängigkeit von China gefährlich sein kann. China ist in den letzten 15 Jahren zur Fabrik der Welt geworden. In Folge dieser Krisen ist es nun wahrscheinlich, dass Unternehmen ihre Wertschöpfungsketten zum Nachteil von China überdenken. Das könnte der Beginn einer Art „Deglobalisierung“ werden.

Hinzu kommt, dass das von Präsident Jinping Xi eingesetzte autoritäre Regime politisch aufgrund der Ereignisse in Hongkong, den Präsidentschaftswahlen in Taiwan und dem Umgang mit dem Coronavirus unter Druck geraten ist und Forderungen nach einer weiteren Liberalisierung laut werden lassen könnten. Die Folgen sind zum jetzigen Zeitpunkt schwer vorhersehbar, aber sie haben an den Märkten zu einer Art Risikoprämie geführt. China hat seine Wirtschaft durch niedrige Zinsen und fiskalische Anreize vorerst gestützt. Was in den nächsten Monaten kommen wird, bleibt spannend.“

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Schutz vor Abstürzen

Mehr und mehr Österreicher setzen auf Zertifikate – auch in Krisenzeiten.

Patrick Baldia. Während der deutsche Zertifikatemarkt nach dem starken Einbruch infolge der Lehman-Pleite nicht wirklich wieder auf die Sprünge gekommen ist, zeigt sich in Österreich ein völlig anderes Bild: Der Markt ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Im vergangenen November wurde sogar ein neues Rekordvolumen von 15 Mrd Euro erreicht.

Massiv gestiegen ist zuletzt das Marktvolumen von Kapitalschutz-Zertifikaten. Auch Bonus-Zertifikate konnten stark zulegen. „Die hohe Nachfrage nach diesen beiden Zertifikate-Arten ist sicherlich darauf zurückzuführen, dass die Österreicher beim Veranlagen sehr konservativ sind“, sagt Marianne Kögel, Zertifikate-Expertin bei der Raiffeisen Centrobank (RCB) im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Auch sie sieht Zertifikate als attraktive Möglichkeit für einen Aktieneinstieg mit Sicherheitsnetz.

Bei einem Kapitalschutz-Zertifikat wird das eingesetzte Kapital am Laufzeitende bis zu einer bestimmten Höhe geschützt. Gleichzeitig hat der Anleger die Möglichkeit, an der Wertentwicklung der zugrundeliegenden Basiswerte – wie etwa Aktien, Indizes oder Rohstoffen – zu partizipieren. Beim im vergangenen Herbst von der RCB emittierten „Europa Nachhaltigkeits Bond 90 %“ (ISIN: AT0000A29TE6) ist das Verlustrisiko etwa auf 10 % begrenzt. Dazu kommt die Möglichkeit am Laufzeitende einen Gewinn von 24 % zu realisieren.

Nachhaltigkeit

Neben dem Kapitalschutz-Zertifikate-Boom lässt sich in Österreich derzeit ein weiterer Trend ausmachen, wie Frank Weingarts, Head of Private Investor Products Austria im Team onemarkets der Uni-Credit, erklärt: „Bei den Basiswerten gibt es verstärkt Nachfrage nach Anlagemöglichkeiten rund um das Thema Nachhaltigkeit.“ So sei auch derzeit die „HVB Anleihe mit 95 % Mindestrückzahlung 03/2008“ (DE000HVB45X1) eindeutig das beliebteste Produkt unter den onemarkets-Kunden. Die Grundlage ist hier der „Global Water Strategy Index“, der wiederum die Wertentwicklung des Aktienfonds „KBI Institutional Water Fonds“ abbildet. Auch bei der RCB steht das Thema Nachhaltigkeit ganz oben im Fokus der Anleger. Dementsprechend gehört der bereits angeführte „Europa Nachhaltigkeits Bond 90 %“ zu den aktuellen Top-Sellern. Der Basiswert ist hier der „STOXX Europe ESG Leaders
Select 30 Index“, der die besten europäischen Unternehmen punkto ökologischen, sozialen und verantwortungsvollen Handelns abbildet.

Bei der Erste Group werden wiederum laut Uwe Kolar, Head of Retail and Sparkassen Sales, Teilschutz-Zertifikate – sprich Produkte mit tiefen Barrieren auf österreichische und deutsche Werte – sehr gut angenommen. „Vor allem Fixkupon-Express-Anleihen, die eine fixe Verzinsung haben – egal wie sich der Basiswert entwickelt – und am Ende der Laufzeit eine 50 %ige Barriere auf den Basiswert haben“, sagt er. Das bedeute für Anleger, dass die zugrundeliegende Aktie bis zum Laufzeitende auch um bis zu 49,9 % fallen könne, sie bekämen ihr eingesetztes Kapital dennoch zu 100 % zurück. Sollte die Aktie hingegen mehr als 50 % fallen, würde die Tilgung in Aktien erfolgen.

Derzeit macht Kolar – Stichwort: Coronavirus – mehr Unsicherheit unter Zertifikate-Neueinsteigern aus. „Die Nachfrage lässt naturgemäß etwas nach.“ Noch hielten sich die Verkäufe jedoch in Grenzen. Nachsatz: „Mehr Nachfrage sehen wir bei Put-Optionsscheinen und Short-Zertifikaten auf Indizes, um bestehende Investments abzusichern.“

Foto: Adobe Stock/lassedesignen

 

 

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Experten: Wiener Immobilienpreise steigen 2020 weiter

Wien hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem „teuren“ Pflaster entwickelt und die Preise steigen weiter.

Patrick Baldia. Am Wiener Immobilienmarkt entwickelten sich die Preise in den letzten Jahren nur in eine Richtung: Nach oben. Laut Raiffeisen Research sei seit 2009 nur in wenigen anderen europäischen Immobilienmärkten – konkret: Estland und Schweden – der Preisanstieg deutlicher ausgefallen. Wie Chefanalyst Peter Brezinschek erklärt, spiegele sich darin auch ein gewisser „Nachholeffekt“ nach zuvor vielen Jahren stagnierender Immobilienpreise wider. Betrachte man etwa nur die vergangenen fünf Jahre, belege Österreich mit einem realen Anstieg von 21 % „nur“ einen Platz im europäischen Mittelfeld. Ungarn verzeichnete dagegen ein Plus von 70 %.

Für die saftigen Preisanstiege am Wiener Immobilienmarkt waren vor allem zwei Faktoren verantwortlich: das niedrige Zinsniveau und das Bevölkerungswachstum. Vor allem Letzteres hat in den vergangenen Jahren die Nachfrage angeheizt. Laut Matthias Reith, Ökonom bei Raiffeisen Research, sollten die Preise in der Bundeshauptstadt auch in den nächsten Jahren steigen. Dafür spreche die Mischung aus niedrigem Zinsniveau sowie anhaltenden – wenngleich etwas nachlassendem – Bevölkerungswachstum. „Verglichen mit den Vorjahren ist jedoch mit einer etwas gemächlicheren Gangart zu rechnen“, meint der Experte.

Die Wiener RE/MAX Experten gehen 2020 von einer Entspannung bei Angebot und Nachfrage in der Bundeshauptstadt aus. So soll die Nachfrage um 2,9 % zulegen und damit geringer als zuletzt. Das Angebots-Plus sei mit 1,5 % wiederum höher als im Vorjahr. Dennoch werde mit +4,1 % insgesamt ein höherer Preisanstieg erwartet. In Top-Lagen sollen die Preise für Eigentumswohnungen um +5,2 % zulegen. Am Stadtrand sei ein Plus von 2,7 % (Vorjahr: +2,3 %) zu erwarten.

Wiener Hotspots mit Preisfantasie

Für Immobilienkäufer stellen sich vor allem zwei Fragen: Wo finden sich in Wien noch Schnäppchen und wo ist das Preisentwicklungspotenzial am größten? Letzteres macht René Fürntrath, Leiter Liegenschaftsbewertung und Investment bei Raiffeisen Immobilien NÖ/Wien/Burgenland, in erster Linie außerhalb des Gürtels aus. Innerhalb des Gürtels würde das bereits hohe Kaufpreisniveau keine allzu großen Sprünge mehr zulassen. „Die Preisfantasie wohnt vor allem in Regionen, in denen öffentliche Verkehrsinfrastruktur ausgebaut wurde bzw. in Vierteln, in denen Nachverdichtungsflächen gegeben sind“, sagt er. Diese Hotspots wären vor allem auch für Immobilienanleger interessant: Denn angesichts moderaterer Kaufpreise wären außerhalb des Gürtels auch attraktivere Renditen zu lukrieren.

Zu den aktuellen „Hotspots“ zählt Fürntrath Lagen entlang der U-Bahnen und an der Alten Donau im 22. Bezirk, am Spitz und an der Alten Donau im 21. Bezirk sowie um den ehemaligen Nordbahnhof im 2. Wiener Gemeindebezirk. Dazu kommen noch Erdberg Town Town und Umgebung im 3. Bezirk sowie Lagen rund um den neuen Hauptbahnhof im 10. Bezirk.