Wenn Maschinen zu Anlegern werden

Manche Fondsmanager vertrauen lieber auf die künstliche Intelligenz als auf ihr Bauchgefühl.

Raja Korinek. Die globale Finanzwelt steht vor einem großen und langjährigen Paradigmenwechsel. Das Zinstief dürfte allein in den USA bereits im kommenden Jahr zu Ende gehen. Andere Länder, wie Neuseeland und Norwegen, haben zuletzt ihren Leitzins bereits angehoben. Auch der langjährigen Hausse bei vielen Wachstumswerten wird gerade deshalb ein getrübter Ausblick von vielen Experten eingeräumt. Viele Anleger setzen bei einem Investment mit Growth-Aktien nämlich auf die künftige Gewinnentwicklung, die sich aus heutiger Sicht im Hinblick steigender Zinsen freilich schmälert.

Obendrein steigen die Inflationsraten sowie Lieferengpässe, und sorgen für Schwankungen an den Börsen. Schließlich ist die Unsicherheit groß, wie manch ein Unternehmen mit den steigenden Einkaufspreisen umgeht. Deshalb wird auch das Umfeld für Anleger zunehmend schwierig.

Maschinengesteuerte Investments
Martin Stürner
, er ist CEO der PEH Wertpapier AG, wählt mit dem Mischfonds „PEH Empire“ (ISIN: LU0086120648) eine ganz eigene Strategie, um Börsenschwankungen möglichst ruhig zu durchtauchen. Er lässt seit 2016 die künstliche Intelligenz (KI) Investmententscheidungen treffen – und nicht sein Bauchgefühl, wie er im Gespräch mit dem Börsen-Kurier sagt. Um dies zu ermöglichen, werden jede Menge Mikro- und Makrodaten gesammelt und von der KI ausgewertet. Dazu zählen betriebswirtschaftliche Kennzahlen von Unternehmen sowie Zinsdaten, aber auch weitere volkswirtschaftliche Kennzahlen. Obendrein werden quantitative Daten gesammelt, die eine Einschätzung zur aktuellen Marktstimmung widerspiegeln.

Freilich, angesichts des niedrigen Zinsumfelds, gepaart mit einem nahenden Ende der ultralockeren Geldpolitik investiert der Fonds derzeit nicht in Anleihen, womit auch der Makroaspekt kaum eine Rolle spielt. Eine umso größere Gewichtung erhalten derzeit Auswertungen letzterer zwei Bereiche.

Kein Platz für Anleihen
Das konkrete Ergebnis: Aktuell sind knapp weniger als 85 % in Aktien investiert, ein weiterer Teil in Cash. Umgesetzt wird die Aktienquote stets mit hochliquiden und groß kapitalisierten Titeln. Dazu zählen Microsoft (US5949181045), Apple (US0378331005) und Amazon (US0231351067). Und um ganz auf Nummer Sicher zu gehen werden auch besonders günstige Put-Optionen gekauft. Mit diesen Derivaten wird das Portfolio gegen Rücksetzer abgesichert.

Bislang habe sich der Lerneffekt der KI bewiesen, zieht Stürner ein klares Fazit und verweist auf ein konkretes Beispiel aus der Vergangenheit: Erst im November 2020 habe das System grünes Licht für den Aufbau der Aktienquote geben – eine Entscheidung, die sich rückblickend als richtig erwiesen hat. Damals wurden nämlich erstmals Erfolgsmeldungen bei einem Corona-Impfstoff vermeldet, ein Umstand, der eine neue Aktienrallye auslöste.

Soziale Netze im Fokus
PEH-Chef Stürner steht mit dem Einsatz der KI freilich nicht alleine da. Auch die deutsche Fondsboutique Acatis greift zum Beispiel teils auf maschinellen Einsatz zurück, etwa im Acatis AI Buzz US Equities“ (DE000A2JF683). Unter Einsatz von KI werden Online-Beiträge zu US-Aktien aus Quellen wie Social Media, Nachrichtenportalen und Blogs ausgewertet, zu denen unter anderem Twitter zählt. Aus einer Fülle an Meinungsäußerungen identifiziert die KI Aktien mit der höchsten positiven Investorenstimmung. Zu den größten Fondspositionen zählen Tesla (US88160R1014) und Plug Power (US72919P2020).

Foto: AdobeStock / fredmantel

 

 

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Von der steigender Inflation profitieren

Die Teuerung zieht weltweit weiter an. Das kommt einer speziellen Anleiheklasse zugute.

Raja Korinek. Die Teuerung ist derzeit nicht zu stoppen. Allein im September erreichte die Inflationsrate in den USA 5,4 % auf Jahressicht. In der Eurozone lag der Wert bei 3,4 %. Dabei ist der Anstieg nicht nur auf die Konjunkturerholung seit Jahresbeginn 2021 zurückzuführen. Zahlreiche Lieferengpässe führen ebenso zu höheren Preisen bei Rohstoffen und Waren. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Sollten die steigenden Rohstoffpreise auch noch das globale Wirtschaftswachstum zunehmend beeinträchtigen, könnte es unter Umständen zu einer Stagflation kommen, warnen erste Experte. Noch scheint das Szenario für die meisten Volkswirte aber unrealistisch.

Inflation bleibt hoch
Sehr wohl dürfte ihnen zufolge die Inflationsrate aber auf höherem Niveau verharren. „Infolge der gestiegenen Energiepreise sehen wir das Risiko, dass die Inflationswerte im vierten Quartal etwas höher ausfallen und sich vor dem Frühjahr 2022 kaum abschwächen werden“, sagt Mark Dowding, Chief Investment Officer bei Blue Bay Asset Management in Hinblick auf die USA. Ähnliche Auswirkungen dürften höhere Rohstoffpreise auf andere Regionen, etwa auf die Eurozone haben.

Einen interessanten Schutz gegen solch eine Entwicklung können inflationsgeschützte Anleihen bieten. Anleger erhalten hierbei einen fixen Kupon, der aber niedriger ist als bei vergleichbaren normalen Anleihen. Dafür werden Kupons und Rückzahlung an einen Verbraucherpreisindex gekoppelt, wobei Emittenten in Europa meist den harmonisierten Verbraucherpreisindex „HVPI ohne Tabak in der Eurozone“ heranziehen.

Inflationsschutz bleibt gefragt
Dabei reicht schon allein die Sorge vor einem Anstieg der Inflation aus, um mit diesen Bonds ein Geld zu verdienen. Dann werden solche Anleihen vermehrt nachgefragt, was wiederum deren Kurse antreibt. Die Aussichten sind jeden-falls gut. „Die Experten der Schoellerbank meinen, dass die Inflationserwartungen möglicherweise noch weiter steigen und inflationsgeschützte Anleihen von diesem Umstand weiterhin profitieren können“, so Jakob Frauenschuh, selbst Leiter Investment Management & Strategy bei der Schoellerbank.

Ein Fonds, der sich langjährig behaupten konnte, ist der „LLB Obligationen Inflation Linked ESG“ (ISIN: LI0028614878). Mit knapp mehr als 37 % entfällt die größte Gewichtung auf die USA. Tatsächlich ist die Region weltweit größter Emittent solcher Papiere. Doch gleich an zweiter Stelle mit knapp weniger als 30 % reihen sich im Fonds Inflationlinker aus Großbritannien ein. Tatsächlich stiegen dort die Inflationserwartungen zu-letzt recht zügig. Grund sind die steigenden Engpässe bei einer Vielzahl an Waren, ein Umstand, zu dem auch der Brexit beiträgt. Auf die vergangenen zehn Jahre erzielte der Fonds eine Wertentwicklung von jährlich rund 3,8 %.

USA im Fokus
Auch der „Fidelity Funds – Global Inflation-linked Bond Fund“ (LU0353648891) kann sich langfristig behaupten. Die jährliche 10-Jahresentwicklung lag zuletzt bei rund 2,60 %. Die Ländergewichtung fällt in diesem Portfolio jedoch ein wenig anders aus, als beim LLB-Produkt. Gut 63 % des Fondsvermögens werden in inflationsindexierte US-Staatspapiere veranlagt. Britische Papiere sind allerdings mit weniger als 8 % gewichtet, gefolgt von Wertpapieren aus Italien und Frankreich.

Trotz des unterstützenden Umfelds für ein Investment in einen Inflationsschutz müssen Anleger aber beachten, dass natürlich auch mit diesen Produkten Verluste möglich sind.

Foto: AdobeStock / peshkova

 

 

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Goldpreisschlappe ist vorübergehend

Nachfrage steigt und Realzinsen bleiben niedrig, meint Benjamin Louvet von der Fondsgesellschaft OFI.

(19.10.) Der Goldpreis dürfte allmählich wieder anziehen. Inzwischen ist klarer, dass die US-amerikanische Notenbank ihre lockere Geldpolitik nur schrittweise anziehen wird – das ist aus den letzten Fed-Sitzungen deutlich geworden, auch wenn die Zentralbanker nach wie vor geteilter Meinung sind, sagt Benjamin Louvet, Fondsmanager des OFI Financial Investment Precious Metals Fund bei OFI Asset Management (Foto anbei). Die Nachfrage nach Gold wächst wieder und die Realzinsen dürften auf absehbare Zeit niedrig bleiben.

Benjamin Louvet: „Anleger müssen verstehen, dass die Zentralbanken angesichts der Verschuldung der großen Industrieländer keine andere Wahl haben, als die nominalen Zinssätze nur dann anzuheben, wenn es eine Inflation gibt. Der Grund: Die realen Zinssätze müssen niedrig gehalten werden, damit die Verschuldung im Rahmen bleibt. Das wirkt sich positiv auf Goldinvestments aus.

In der Zwischenzeit gibt es viele Anzeichen für eine Inflation, die länger anhalten und damit die realen Zinssätze nach unten drücken dürfte. Falls es nur das kleinste Zeichnen für einen Wirtschaftsrückgang gäbe, wären die Zentralbanken allerdings wieder gezwungen, zu einer ultra-lockeren Geldpolitik zurückzukehren.

Trendwende am Goldmarkt
Auch wenn die Nachfrage von Anlegern noch nicht stark angezogen hat, hat sich der Trend am Gold-ETF-Markt inzwischen umgekehrt – vor allem durch den Kauf asiatischer Anleger. Die Bestände börsengehandelter Gold-Fonds sind im vierten Quartal 2020 und im ersten Quartal 2021 stark gefallen und stiegen im zweiten Quartal 2021 wieder leicht an.

Auch die Zentralbanken haben ihre Gold-Käufe seit Ende letzten Jahres wieder aufgenommen, nachdem sie ihre Kaufprogramme nach Beginn der Pandemie ausgesetzt hatten. Diese Entwicklung hat sich seither beschleunigt. Die Käufe der Zentralbanken in der ersten Jahreshälfte erreichten 330 Tonnen. Damit lagen sie 39 Prozent über dem Durchschnitt der ersten fünf vorangegangenen Halbjahre und auf einem Niveau mit den Rekordkäufen der Jahre 2018 und 2019 (als knapp über 650 Tonnen im Jahresverlauf gekauft wurden). Laut der jährlichen Umfrage des World Gold Council geben zudem 21 Prozent der Zentralbanken an, ihre Goldallokation erhöhen zu wollen. 2020 waren es 20 Prozent und 2019 waren es 8 Prozent.

Auch eine aktuell veröffentlichte Umfrage unter 150 europäischen Pensionsfonds mit einem Gesamtvermögen von über 210 Mrd. USD zeigt in dieselbe Richtung. 75 Prozent beabsichtigen, ihre Goldinvestitionen in den nächsten zwölf Monaten erhöhen zu wollen.

Aus diesen Gründen sind wir der Ansicht, dass der jüngste Rückgang des Goldpreises, der hauptsächlich auf zyklische Phänomene zurückzuführen ist, nur vorübergehend sein sollte. Wir sind daher der Meinung, dass es mehr denn je sinnvoll ist, Gold im Portfolio zu halten bzw. nachzukaufen. Nur eine drastische Änderung der Geldpolitik durch die Fed in den kommenden Monaten könnte unsere Meinung ändern.“

Foto: OFI AM

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Vom Boom der Abfallindustrie profitieren

Das stetig steigende Abfallaufkommen ist auch mit interessanten Anlagechancen für Anleger verbunden.

Patrick Baldia. Eigentlich sollte man es ja tunlichst vermeiden, Müll im Portfolio zu haben, so die wohl gängige Meinung unter Anlegern. Bei etwas näherer Betrachtung sollte man diese Einschätzung aber vielleicht doch relativieren und die Aktien von Unternehmen, die am Recycling- und Abfallwirtschaftsmarkt tätig sind, in Erwägung ziehen. Ausgewählte Branchenplayer, wie etwa Waste Management (ISIN: US94106L1098) oder Republic Services (US7607591002) haben nämlich den breiten Markt nunmehr seit mehr als fünf Jahren outperformt. Und eine Reihe von Studien geht für die kommenden Jahre von einem anhaltenden Boom der Abfallindustrie aus.

„Analyseunternehmen haben festgestellt, dass das Aufkommen neuer Industrien, die Globalisierung und der steigende Verbrauch der Bevölkerung die Haupttreiber für die Expansion des Recycling- und Abfallwirtschaftsmarktes sind“, sagt Andrey Wolfsbein, Österreich-Sprecher der Investmentgesellschaft Freedom Finance, gegenüber dem Börsen-Kurier. Tatsächlich sprechen die Experten von MarketsandMarkets von einem Anstieg der globalen Abfallwirtschaft von aktuell 425 auf mehr als 540 MrdUSD. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von rund 5 %.

Zum Wachstum des Recycling- und Entsorgungsmarktes sollen vor allem immer strengere staatliche Vorschriften rund um die Themen Mülltrennung und Waste Management, technologischer Fortschritt sowie kürzere Lebenszyklen von elektronischen Produkten, was auch mehr E-Müll verursachen sollte, beitragen. Für Wolfsbein spielt in diesem Zusammenhang auch die Globalisierung eine Rolle. „Durch die Zunahme des internationalen Handels in den letzten Jahrzehnten hat sich die Armut in den Entwicklungsländern verringert, wodurch sich gleichzeitig der Lebensstandard und die Kaufkraft erhöht haben“, sagt er.

Die Ausgangslage ist jedenfalls – gelinde gesagt – herausfordernd. Laut der Weltbank soll das globale Abfallaufkommen bis 2050 um 70 % auf 3,4 Mrd Tonnen ansteigen. Die Nachfrage sollte also gegeben sein. Wolfsbein verweist darauf, dass es sich bei der Abfallentsorgung um ein Grundbedürfnis handelt. Der Vorteil eines Investments in den Abfallwirtschaftsmarkt sei die Sicherheit. Nachsatz: „Als beispielsweise während der Corona-Krise viele Unternehmen starke Verluste hinnehmen mussten, blieb der Bedarf nach Müllentsorgung bestehen.“

Aktien, mit denen man auf das Potenzial der Recycling- und Abfallwirtschaft setzen kann, gibt es einige. Ein Beispiel: Clean Harbors (US1844961078). Der US-Umwelt- und Entsorgungsdienstleister zählt zu den größten Branchenplayern und punktet mit sehr diversifizierten Einnahmequellen. Allein im zweiten Quartal 2021 stiegen die Einnahmen des Unternehmens gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 30 % auf 926,5 MioUSD. Zudem expandiert es weiter und hat etwa erst kürzlich HydroChemPSC übernommen. Weitere Deals sollen laut Medienberichten demnächst folgen.

Am M&A-Markt aktiv ist auch Republic Services. Das US-Entsorgungsunternehmen hat dafür in den vergangenen drei Jahren nicht weniger als 1,3 MrdUSD aufgewendet. Der US-Branchenprimus, die Holding Waste Management, ist wiederum über Töchtergesellschaften in der Sammlung, dem Umschlag und der Entsorgung von Abfall sowie dem Recycling tätig und besitzt zudem Deponiegas-Anlagen. Breiter aufgestellt sind Anleger mit einschlägigen Fonds wie dem „Fidelity Sustainable Water und Waste Fund“ (LU1892829828) oder dem „Vontobel Fund – Clean Technology A EUR Fonds“ (LU0384405519).

Foto: Adobe Stock / tanisav

 

 

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Neue Glanzlichter für die Solarindustrie

Wie Anleger von der Schlüsselrolle des Sektors beim Wandel zur klimaneutralen Energiewirtschaft profitieren.

Stefan Riedel, München. Der Name ist Programm: 450 Aussteller und 26.000 vornehmlich europäische Besucher trafen sich in der Vorwoche in München auf der erstmals seit 2019 wieder als Präsenzveranstaltung durchgeführten „Intersolar/The smarter E Europe Restart 2021“, Europas größter Solarmesse.

Aber nicht nur die über Jahre gebeutelte europäische Solarindustrie ist wieder zurück. Weltweit wurden 2020 138 Gigawatt Solarleistung neu installiert. Dafür sind laut Bloomberg New Energy Finance 148,6 MrdUSD ausgegeben worden – ein Plus von 12 % gegenüber 2019. Im Jahr 2022 könnte die weltweite Photovoltaik-Leistung die Marke von einem Terawatt, also eine Million Megawatt, knacken.

Spekulative Beimischung
Um die klimaneutralen Zukunftsantriebe Elektromotor und Brennstoffzelle ins Laufen zu bringen, muss der Strom muss aus erneuerbaren Energien wie eben Solar kommen. Solaraktien sind deshalb eine hochspekulative und sehr volatile Depotbeimischung. Anleger sollten hier auf Firmen setzen, die in ihren Marktnischen führend sind, über solide Bilanzen und dicke Cashpolster verfügen und mit über mehrere Jahre konstant hohen Wachstumsraten überzeugen.

Die Aktie von Enphase Energy (ISIN: US293555A1079) etwa bietet nach der kräftigen Korrektur bei Umweltaktien wieder gute Einstiegskurse zu einer vernünftigen Bewertung. Das US-Unternehmen zählt zu den weltweit führenden Herstellern für Mikroinverter. Weil die Modultechnik der Enphase-Wechselrichter dezentral gesteuert wird, eignet sie sich vor allem für die Energiespeicherung bei Solaranlagen auf Wohnhäusern – ein Endmarkt, der noch seine beste Zeit vor sich hat. Für den Zeitraum 2020 bis 2023 erwarten die Konsensschätzungen der Analysten, dass Enphase Energy den Konzernumsatz auf fast 2,3 MrdUSD verdreifacht. Der operative Gewinn soll sich um 150 % auf 450 MioUSD verbessern.

SolarEdge Technologies (US83417M1045) aus Israel ist eine weitere Firma, die über eine technologische Top-Position Skaleneffekte ausspielt. SolarEdge ist führend in der Dünnfilm-Technologie bei der Beschichtung der Solarzellen. Diese erhöht den Wirkungsgrad der erzeugten Energie und senkt zugleich Kosten für die neue Produktionsanlage.

ETFs und Fonds als Depotbausteine
ETFs bieten dagegen eine kostengünstigere Option, um an der Performance von ausgewählten Branchenindizes zu Erneuerbaren Energien mitzuverdienen. Der „iShares Global Clean Energy UCITS ETF“ (IE00B1XNHC34) bildet beispielweise die 30 größten Unternehmen ab. Mit einem Volumen von rund 5,4 MrdUSD ist dieser börsegehandelter Fonds ein etabliertes Produkt in seinem Segment. Der „L&G Clean Energy UCITS ETF“ (IE00BK5BCH80) wurde dagegen erst im November 2020 aufgelegt und beinhaltet auch Zulieferer sowie Stromanbieter aus den Bereichen Solar, Wind, Wasser und Erdwärme. Ganz neu ist der erst im August aufgelegte „Invesco Solar Energy UCITS ETF“ (IE00BM8QRZ79). Dieser ETF enthält neben den Herstellern von Solarstromanlagen und Solarmodulen auch Spezialisten für solarbetriebene Ladesysteme.

Aus der Vielzahl der Aktienfonds mit dem Fokus Umwelt hebt sich auch der „RobecoSAM Smart Energy Equities“ (LU2145462052) mit seinem Fokus auf energiesparende Technologien und Produkte ab. In dem mit gut 60 Positionen recht konzentrierten Fondsportfolio sind die USA sind mit rund 50 % Länderanteil klar übergewichtet.

Der „Ökoworld Klima“ (LU0301152442) ist mit 80 Titeln etwas breiter gestreut und investierte in Unternehmen, die energie- und wassersparende Produkte entwickeln oder in der Herstellung von Regenerativer Energie unterwegs sind.

Foto: AdobeStock / FenrisWolf

 

 

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Ein Kommentar von Florian Eberhard, unabhängiger Marktanalyst

Überhitzung am Aktienmarkt: Rechtzeitig absichern

(07.10.) Ab März 2020 legte der DAX eine bemerkenswerte Aufholjagd von 8.441 Punkten bis zum Rekordhoch von zeitweise über 16.000 Punkten im August 20212 hin. Der Aktienboom hat viele neue Investoren angelockt und Anlegern attraktive Renditen bereitet. Wie der volatilere September als Vorbote gezeigt hat, sollten sich Investoren nun nicht mehr allzu sehr in Sicherheit wiegen. Der Börsenzyklus befindet sich bereits im fortgeschrittenen Stadium. Der nächste Rücksetzer kommt bestimmt und ist nur eine Frage der Zeit. Im September haben sich die Anzeichen einer Überhitzung verstärkt, der Druck steigt aus mehreren Richtungen. Daher ist der für das Brokerhaus GKFX tätige Marktanalyst Florian Eberhard der Meinung, dass es hilfreich sein könnte, etwas Risiko herauszunehmen und sich rechtzeitig gegen eine mögliche Korrektur abzusichern. Das ist beispielsweise durch CFDs (Contracts for Difference) möglich.

Der Höhepunkt des globalen Wirtschaftswachstums scheint vorüber. Damit fällt mittelfristig eine wichtige Säule für die Aktienmärkte weg. In den USA verdichten sich bereits die Anzeichen, dass die US-amerikanische Notenbank Fed Ende des Jahres das Anleihekaufprogramm zurückfährt. Damit wird eine weitere stützende Hand für die Börsenkurse fehlen. Mittelfristig wird Europa – wenn auch zu einem etwas späteren Zeitpunkt – nachziehen.

Auf der anderen Seite ist zuletzt auch die Unsicherheit durch regionale Einzelereignisse spürbar gestiegen. In China sorgt der hochverschuldete Immobilienentwickler Evergrande für Sorgenfalten, wenngleich globale Auswirkungen wie bei der Lehman-Pleite derzeit als unwahrscheinlich bewertet werden. In Deutschland haben die Bundestagswahlen die von den Börsen gefürchtete rot-rot-grüne Konstellation zwar verhindert, dennoch das klassische Parteiengefüge ins Wanken gebracht. Dementsprechend unsicher sind die Auswirkungen des Wahlausgangs, etwa auf den Energiesektor. Durch diese unterschiedlichen Faktoren ergibt sich eine deutlich unsicherere Gemengelage. Das sollten Anleger Eberhard zufolge unbedingt in ihre Überlegungen miteinbeziehen.

Rechtzeitig absichernde Schritte einleiten
Wer mit Aktien handelt, möchte Gewinne durch steigende Aktienkurse erzielen. Allerdings ist die Börse bekanntermaßen keine Einbahnstraße und wechselt in immer wiederkehrenden Zyklen zwischen Hausse und Baisse. Die Börse kennt seit Ende 2019 nur eine Richtung – den Norden. Doch es sollte jedem bewusst sein, dass diese Reise auch einmal enden muss. Der nächste Crash ist gewiss, nur der Zeitpunkt nicht. „Hier kommen CFDs ins Spiel. Bekannt für ihren spekulativen Charakter, können CFDs ein probates Mittel zur Absicherung von Aktien-Investments sein“, erklärt Eberhard. Bei CFD-Trades geht es darum, steigende oder fallende Kurse zu handeln, ohne die Aktien selbst zu besitzen. Die Kurse von CFDs leiten sich stets von einem Basiswert wie z.B. Aktien ab. Der Handel von CFDs erfolgt nicht über die Börse, sondern über Broker wie GKFX.

Kombination aus Aktienportfolio und CFDs
„In Zeiten prekärer Nachrichtenlage, in denen die Kurse extrem volatil sein können, ist es ratsam, die eigenen Investments mit Gegenpositionen gegen mögliche Verluste abzuhedgen“, führt Eberhard aus. „Eine Möglichkeit ist es, ein Produkt in der Hinterhand zu haben, das in solchen Situationen ermöglicht, auch an fallenden Kursen zu partizipieren und das bestehende Aktienportfolio gegen Rücksetzer abzusichern.“ Diese Vorgehensweise ist noch nicht mal besonders ungewöhnlich, denn genau dazu wurden CFDs ursprünglich entwickelt. Die Kombination aus Aktienportfolio und CFDs ist ohnehin sehr reizvoll. Gerade wenn das eigene Portfolio beispielsweise zur späteren Altersvorsorge betrieben wird, sollte man dieses generell möglichst nicht zur Spekulation verwenden, abgesehen von den üblichen Korrekturen, die eine Buy-and-hold-Strategie mit sich bringt. „Trotzdem hat ein Privatanleger ja immer die Kurse seiner Aktientitel im Blick. Es ergeben sich regelmäßig Chancen, besonders im kurzfristigen Bereich, die man dann ohne Schwierigkeit mit Aktien-CFDs wahrnehmen kann, ohne das eigene Portfolio anzurühren“, meint Eberhard.

Foto: Florian Eberhard

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Wie ernst ist der Inflationsanstieg?

Die Preise steigen weltweit an. Raiffeisen-Experte Peter Brezinschek liefert eine Analyse.

Raja Korinek. Kaum ein Thema sorgt derzeit für derart viel Aufsehen wie die steigende Inflation. Für Peter Brezinschek, Chefanalyst bei Raiffeisen Research, kommen die jüngsten Entwicklungen wenig überraschend, wie er bei seinem Vortrag „Delta, Tapering und Inflation – eine Gefahr für die Aktienmärkte?“ am 15. Kongress des Zertifikate Forums Austria festhielt. Brezinschek meint, grundsätzlich sei er ein Optimist. „Doch die Gefahren nehmen zu. Die Entwicklungen in den kommenden Monaten werden entscheidend sein.“

Gemeint sind die steigenden Preise rund um den Globus und deren Auswirkungen auf die Zinslandschaft. Denn nach den harten Lockdowns ist seit Jahresbeginn 2021 ein kräftiger wirtschaftlicher Aufholprozess in Gang. Schließ-lich können Konsumenten ihr Geld wieder ausgeben, „nach Monaten des Zwangssparens“. Auch gibt es jede Menge Investitionsrückstau. Obendrein seien Einkommen und die Entwicklung am Arbeitsmarkt zügig in eine Normalisierungsphase eingetreten, so Brezinschek. Dies hat zuletzt zu einer steigenden Inflation geführt.

Lieferengpässe als kurzfristige Preistreiber
Wenig hilfreich seien Brezinschek zufolge die Lieferengpässe, sie sorgen für weiteren Preisdruck nach oben. Mit ein Grund ist der Containermangel in Asien, der für einen Rückstau bei vielen Waren nach Europa und in die USA sorgt. Viele Unternehmen überdenken deshalb ihre Lagerhaltung, betont Brezinschek. Bislang wurde aufgrund der Globalisierung meist erst dann bestellt, wenn Waren gebraucht wurden. Auf Vorrat wurde möglichst wenig gehalten.

Die aktuellen Entwicklungen könnten nun dazu führen, dass Unternehmen wieder verstärkt auf Lagerhaltung setzen. „Das könnte ebenfalls zu weiter steigenden Preisen führen“, betont der erfahrene heimische Volkswirt. Und dann sind da freilich noch die steigenden Energiepreise, die ebenfalls die Teuerung anheizen.

Ob all dies zu einer dauerhaften Inflation führen wird oder nur temporär ist, das bleibe laut Brezinschek abzuwarten. Er meint jedenfalls, „Inflation ist ein Prozess ständig steigender Preise und Löhne, somit einer dauerhaften Entwertung des Geldes. In gut zwei Jahren wird man sehen, ob dies auch auf die jüngste Entwicklung zutrifft.“

Demografie und CO2-Steuern im Fokus
Brezinschek verweist in diesem Zusammenhang auch auf Aspekte abseits der Lieferengpässe, die auf längerfristige Sicht zu steigenden Preisen führen dürften. Er zählt dazu etwa die demografische Entwicklung weltweit. Mit einer zunehmend alternden Gesellschaft schrumpfe die Zahl an verfügbaren Arbeitskräften, während die Zahl der Pensionisten immer weiter steige. Ein schrumpfender Pool an Arbeitskräften könnte freilich allmählich zu einem Lohndruck nach oben führen. Oben-drein dürften die geplanten CO2-Steuern für einen weiteren Preisschub sorgen, so zum Beispiel beim Tanken und beim Heizen.

Die Notenbanken seien weltweit in Bezug auf die Inflationsentwicklung jedenfalls auf der Hut, betont Brezinschek. In den USA möchte die FED bereits zu Jahresende mit der Drosselung der Anleihekäufe beginnen. Sie hat zudem kürzlich klargestellt, dass eine erste Zinsanhebung im kommenden Jahr nunmehr durchaus realistisch ist. „Aus der Historie wissen wir, dass es bei einer Anhebung aber nicht bleibt.“ Demgegenüber zeige sich die EZB derzeit noch recht gelassen, betont Brezinschek. Fraglich bleibe allerdings, ob sie sich allzu lange gegen globale Tendenzen in Richtung einer allmählichen Normalisierung der Geldpolitik stemmen könne.

Foto: Pixabay / andreas160578

 

 

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Airbus fliegt aus der Krise

Der DAX-Neuling bringt für Investoren jede Menge Schubkraft bei der Rendite mit.

Stefan Riedel, München. Dass Airbus (ISIN: NL0000235190) derartig schnell aus den Turbulenzen des Corona-Jahres 2020 kommt, hätte sich Vorstandschef Guillaume Faury vor Jahresfrist kaum vorzustellen vermocht. Der französisch-deutsche Luftfahrtkonzern hat nach einem glänzenden ersten Halbjahr sein Gewinnziel für 2021 verdoppelt. Airbus erwartet jetzt ein bereinigtes EBIT von 4 Mrd Euro und damit mehr als das Doppelte der 1,7 Mrd Euro von 2020, als das Unternehmen infolge stornierter und verzögerter Aufträge von einem Umsatz- und Gewinneinbruch gebeutelt wurde.

Im zweiten Quartal hatte Airbus den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 70 % auf 14,2 Mrd Euro gesteigert. Der bereinigte operative Gewinn erreichte gut 2 Mrd Euro, nachdem hier ein Jahr zuvor ein Verlust von 1,2 Mrd Euro gestanden hatte. Richtig durchstarten will Airbus dann in den nächsten Jahren. Der Konzern will in vielerlei Hinsicht davon profitieren, dass die Fluggesellschaften ihre Flotten erneuern und die Antriebe ökologisch umrüsten müssen, um die ab 2028 gelten neuen Auflagen für den CO2-Ausstoß zu erfüllen.

Allein beim Passagierflugzeug A 320, seinem mit 80 % aller Auslieferungen meistverkauften Flieger, will Airbus bis zum zweiten Quartal 2023 die Produktion auf 64 Maschinen im Monat hochfahren. Das sind vier mehr als vor der Pandemie und 24 mehr als aktuell. Beim boomenden Frachtgeschäft will das Unternehmen 2025 mit einer Frachtversion des Passagierjets A 350 an den Start gehen.

Airbus sieht sich damit bestens gerüstet, um nach der Corona-Delle von 2020 wieder durchzustarten. Beim Konzerngewinn erwarten die Konsensschätzungen der Analysten nach zwei Jahren mit roten Zahlen für 2021 wieder einen Konzerngewinn in Höhe von 2,8 Mrd Euro. Dieser Wert soll sich dann bis 2023 auf 5 Mrd Euro fast verdoppeln. Bei der EBIT-Marge sollte Airbus 2022 wieder die 9,9 % von 2019 erreichen.

Reichlich Auftrieb gibt es auch für die Airbus-Aktie. Mit einem Börsenwert von 90 Mrd Euro zählt der DAX-Neuling gleich zu den Schwergewichten. Nach den alten Regelungen hatten die Handelsumsätze des seit Juli 2000 in Paris gelisteten Unternehmens nicht für den deutschen Leitindex gereicht. Den Absturz vom Frühjahr 2020 hat die Aktie mittlerweile um 75 % aufgeholt.

Noch Kurspotenzial
Und angesichts der sich wieder aufgehellten Perspektiven sehen die Analysten weiter Luft nach oben. 19 Experten, die Airbus covern, empfehlen den Titel zum Kauf, nur zwei sprechen sich für ein Halten aus. „Airbus steht vor einem wesentlich steileren Produktionsanstieg als vor der Corona-Krise und ist finanziell gegen einen moderaten Inflationsdruck geschützt“, meint Christophe Menard, Analyst bei der Deutschen Bank, und empfiehlt die Aktie mit einem Kursziel von 131 Euro zum Kauf. Das 2022er-KGV von 20 ist angesichts der Wachstumsaussichten keinesfalls übertrieben.

Foto: Airbus

 

 

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Abheben mit Weltraumaktien

Das Geschäft mit der Erkundung des Kosmos eröffnet auch lukrative Investmentperspektiven.

Raja Korinek. Die Erkundung des Weltalls ist beinahe zu Routine geworden, zumindest für einige Unternehmen, die im Geschäft mit Satelliten, Raketen und technischen Dienstleistungen mitmischen. Neuerdings sorgten zwei Milliardäre für besonders große Schlagzeilen. Im Sommer hob Richard Branson, Gründer der Virgin Galactic, mit fünf Astronauten in seiner „VSS Unity“ in den Kosmos ab. Wenige Tage später flog Jeff Bezos, Chef von Blue Orbit, mit drei Crewmitgliedern in seiner „New Shepard“-Kapsel los.

Möglich machen all diese Entwicklungen neue Technologien gepaart mit sinkenden Kosten, ein Umstand, der immer mehr private Unternehmen anlockt. Allein die Herstellungskosten für Satelliten dürften laut der US-Investmentbank Morgan Stanley bis 2040 von rund 500 MioUSD auf 500.000 USD sinken.

Klein und günstig
Auch die Größe schrumpft. Früher wurden gewichtige Satelliten um viel Geld in den fernab gelegenen „GEO“ (Geostationary Orbit) hinaufgeschossen. Neue Innovationen ermöglichen den Bau kleiner, leichtgewichtiger metallener Erdtrabanten, die im weitaus näher gelegenen „LEO“ (Low Earth Orbit) kostengünstiger platziert werden, und das meist in ganzen Gruppen, sogenannten Konstellationen. Allein im vergangenen Jahr wurde mit 1.200 Satellitenstarts ein Rekordwert erreicht. Inzwischen gibt es rund 4.300 Satelliten im All.

Verständlich, dass die Finanzwelt Chancen in diesem Bereich ortet. Heuer wurde der „LFDE Echiquier Space Fonds“ (ISIN: FR0014002VF5) lanciert, wobei Fondsmanager Rolando Grandi von der gesamten Wertschöpfungskette mit dem kosmischen Geschäft profitieren möchte. Es gibt aber Ausnahmen. Grandi investiert derzeit nicht in das Geschäft mit dem Weltraumtourismus. „Entsprechende Unternehmen verwenden noch immer Kerosin. Dabei gibt es längst umweltfreundlichere Varianten, wie etwa Methan.“ Solch ein Treibstoff wird beispielsweise bei SpaceX von Elon Musk eingesetzt, wobei der Konzern noch nicht an der Börse notiert ist.

Die Börse lockt
Vor wenigen Monaten ging hingegen Rocket Lab (US7731221062) an die Börse, wobei sich Grandi an dem IPO beteiligte. Rocket Lab baut unter anderem kleine Trägerraketen für Satelliten namens „Electron“. Spire Global (US8485601087) stellt hingegen Nanosatellitenkonstellationen her. Auch dieses Unternehmen ging im Sommer an die Börse – und ist seither ebenfalls Teil des Space-Fonds. Spire Global sammelt mit den Konstellationen große Datenmengen, die etwa für ökologische Zwecke oder zur Navigation und Ortung von Schiffen und Flugzeugen eingesetzt werden.

Auch die deutsche OHB SE (DE0005936124) sammelt mit ihren Satelliten Daten, um etwa den Klimawandel gut im Auge zu behalten. Die deutsche Bundeswehr zählt ebenfalls zu den Kunden, die mit den OHB-Daten etwa Gefahrenpotenziale ausfindig macht.

Traumtourismus und noch mehr
Eine weitere Möglichkeit bietet das „Vontobel Solactive Space Technology Indexzertifikat“ (DE000VQ7BWA1). Auch hier wird die gesamte Wertschöpfungskette der zivilen Raumfahrt abgedeckt, selbst aus dem Bereich des Weltraumtourismus. Zu den größten Indexpositionen zählen Virgin Galactic Holdings (US92766K1060), Boeing (US0970231058) und der US-Satellitenkommunikationsbetreiber Loral Space & Communications (US5438811060). Betreiber von Trägerraketen und Raumlaboren sind ebenfalls Teil des Index.

Einzig, viele der Geschäftsmodelle sind noch jung. Entsprechend schwankungsfreudig sind deren Aktien.

Foto: Pixabay / Alexas_Fotos

 

 

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Ein langer Weg der Entschleunigung: Das Tapering der FED und die Inflation in den USA

Das Tapering der FED und die Inflation in den USA. (30.09.)

30.09. Die Federal Reserve (Fed) dürfte nach Einschätzungen von Experten der Capital Group Ende des Jahres damit beginnen die Stimulierungsmaßnahmen zurückzufahren. 2013 sorgte dies für Unruhe an den Märkten. Timothy Ng und Thomas Hollenberg, Portfoliomanager bei Capital Group, analysieren warum die Inflationsrate nicht unbedingt ausschlaggebend ist und warum sie eine erneute Panik für unwahrscheinlich halten.

„Das letzte Mal, als die Fed ihre Anleihekäufe reduzierte, löste dies das berüchtigte Taper Tantrum von 2013 aus“, so Ng. „Die Märkte wurden damals überrumpelt und die Anleiherenditen schnellten in die Höhe.“ Diesmal seien die Anleger besser auf die Straffung der Geldpolitik vorbereitet, weshalb Ng und Hollenberg keinen Aufruhr erwarten. Lediglich der genaue Zeitpunkt für den Ausstieg aus der Zinswende sei noch unbekannt.

Baldige Zinsanpassung, aber keine Zinserhöhungen vor Ende 2022
„Wir gehen davon aus, dass die Fed ihre Absicht, das Programm zu reduzieren, bereits auf ihrer November-Sitzung bekannt geben wird,“ sagt Hollenberg. Voraussetzung dafür sei, dass sich die wirtschaftlichen Bedingungen bis dahin nicht deutlich verschlechtern. Demnach würde die US-Notenbank wahrscheinlich in den Wochen nach der Ankündigung mit der Reduzierung der Anleihenkäufe beginnen. „Auf der Grundlage früherer Äußerungen der Fed und ihres früheren Tapering-Programms gehen wir davon aus, dass dieser Prozess etwa sechs bis neun Monate dauern wird und höchstwahrscheinlich Mitte 2022 endet,“ analysiert Hollenberg.

Derzeit kaufe die Fed jeden Monat US-Staatsanleihen und Pfandbriefe im Wert von 120 Milliarden US-Dollar. Dieser Betrag würde dann allmählich zurückgeschraubt werden, bis die Fed keine weiteren Wertpapiere mehr aufkaufe. Nach dem Ende des Tapering-Prozesses werde die Fed dann nur noch Wertpapiere kaufen, die zur Aufrechterhaltung des Umfangs ihrer Bilanz ausreichen und alte, fällig werdende Papiere ersetzen.

„Wir glauben, dass die Fed frühestens Ende 2022 eine Zinserhöhung in Betracht ziehen wird,“ sagt Ng. Sobald die Fed die kurzfristigen Zinssätze ansteigen lässt, würde sie dies demnach schrittweise tun, so wie sie es von 2015 bis 2018 der Fall gewesen sei.

Die Fed tritt trotz steigender Inflation nicht auf die Bremse
„Wie den meisten Anlegern bekannt ist, hält die Inflationsrate die Fed nicht zurück,“ so Ng. In diesem Jahr sei diese über die von der Fed angestrebten zwei Prozent gestiegen. Im Juli habe der Wert noch bei 3,6 Prozent gelegen. Damit liege dieser weit über dem Zielwert – auf einem Niveau, das seit den frühen 1990er Jahren nicht mehr erreicht wurde.

Die heutige Inflationsrate sei jedoch nicht unbedingt ausschlaggebend, wenn es um Zinserhöhungen geht. „Die Fed wird diesen Schritt wahrscheinlich erst Ende nächsten Jahres in Erwägung ziehen,“ vermutet Hollenberg. Dabei bleibe abzuwarten, ob die derzeit hohe Inflationsrate bis dahin Bestand haben wird. Wenn das Preiswachstum unter das Ziel zurückgehe, müsse die Fed möglicherweise länger warten.

Warum ein Taper Tantrum 2.0 unwahrscheinlich ist
Beim ersten Taper Tantrum seien Rentenanleger in Panik geraten, als die Fed ihren letzten Zinsschritt ankündigte. Das sei diesmal nicht zu erwarten. „Erstens haben die Anleger schon einmal erlebt, dass die Fed solche Maßnahmen ergriffen hat,“ so Ng. „Sie haben die Auswirkungen gesehen und festgestellt, dass die breitere Normalisierung alles andere als katastrophal war.“ 2013 hätten die Anleger befürchtet, dass die Fed den Leitzins im Laufe der Zeit von null auf eine Spanne von vier bis fünf Prozent anheben würde. Das sei nicht eingetreten. Diesmal würden sie nicht damit rechnen, dass die Fed die Zinssätze wesentlich über zwei Prozent anheben wird.

„Zweitens dürfte der Markt nicht überrascht sein, sobald der Prozess beginnt,“ erläutert Hollenberg. „Die Fed hat ihre Pläne sehr transparent kommuniziert.“ Infolgedessen würde der Markt wahrscheinlich nicht so dramatisch reagieren.

Die Klarheit der Notenbank hätte dazu geführt, dass die aktuellen Anleiherenditen bereits die Annahme widerspiegeln, dass noch vor Ende des Jahres die Anleihenkäufe gedrosselt werden. Danach würden sich die Bedenken der Anleger darauf verlagern, wie schnell die Fed ihre Ankäufe von Vermögenswerten reduziert und wann sie mit der Anhebung der Zinssätze beginnen wird. „Wenn der Inflationsdruck anhält und der Arbeitsmarkt sich positiv entwickelt, könnten die Verzinsungen von US-Staatsanleihen über das gesamte Laufzeitenspektrum hinweg ansteigen,“ so Hollenberg.

Foto: Marriner S. Eccles Federal Reserve Board B

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Turbulenzen richtig nutzen

Von Evergrande bis FED: Sie sorgen für Unsicherheit – und eröffnen neue Chancen.

Raja Korinek. Viele Anleger erlebten am Montag, dem 20. September, eine böse Überraschung, als die Sorgen rund um den chinesischen Immobilienkonzern Evergrande kräftig auf den Börsen lasteten. Der Konzern ist mit rund 300 MrdUSD verschuldet. Doch wie schlimm ist die Lage? Jens Ehrhardt, Vorstandsvorsitzender der DJE Kapital AG, meint im Gespräch mit dem Börsen-Kurier, dass Anleger die Lage rund um Evergrande nicht unterschätzen sollten. „Dennoch sehen wir kein systemisches Risiko wie bei den Lehman Brothers.“ Deren Pleite löste 2008 die globale Finanzkrise aus.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Nervosität vieler Anleger aufgrund der Entwicklung weiter zugenommen hat. Bereits zuvor sorgte die Andeutung der Notenbanken auf beiden Seiten des Atlantiks, die Anleihekäufe zu drosseln, für Verunsicherung. Das aktuelle Umfeld eröffnet in der Welt der Zertifikate jeden-falls interessante Chancen, etwa auf ein Investment in die Volatilität, genauer gesagt auf den VIX-Index, der von der Chicago Board Options Exchange berechnet wird.

Auf Schwankungen „setzen“
Dieser drückt die erwartete Schwankungsbreite anhand von Optionspreisen auf den S&P 500 über 30 Tage in Prozentpunkten aus. Je unruhiger die Börsen werden, desto höher steigt der Index. Auf die künftige Preisentwicklung – anhand Futures auf den VIX-Index – können risikobereite Anleger mittels eines Turbo-Long-Zertifikats der Société Générale setzen (ISIN: DE000SF7TVD7). Das Produkt hat einem aktuellen Hebel von rund 2,88. Um diesen verändert sich der Kurs des Zertifikats im Verhältnis zum Basiswert. Wird die Barriere von 13,99 berührt oder unterschritten, verfällt das Zertifikat.

Allerdings können Futures vom aktuellen Preis – in diesem Fall der VIX-Index – teils abweichen, nach oben und nach unten. Obendrein können sich Kursverluste rasch ergeben, wenn sich die Schwankungen an den Märkten beruhigen.

Fallen US-Staatsanleihen weiter?
Ebenso rasch könnten die Kurse von US-Staatsanleihen sinken, wenn die FED beginnt, die geldpolitischen Zügel ein wenig enger zu ziehen. Sollten die Anleihekäufe gedrosselt werden, fällt eine wichtige Marktstütze weg. Auf solch eine Entwicklung können Anleger mit einem Turbo-Short-Zertifikat auf die Kursentwicklung 10jähriger US-Treasuries setzen. Ein entsprechendes Produkt bietet beispielsweise Morgan Stanley an (DE000MA8PDC4). Hier liegt der aktuelle Hebel bei 3,856. Wird bei diesem Zertifikat allerdings die Marke von 164,64 USD berührt oder unterschritten, verfällt das Zertifikat.

Auch ein Blick auf den Devisenmarkt kann sich im aktuellen Umfeld lohnen. Historisch gesehen hatte der US-Dollar in turbulenten Zeiten oftmals an Wert gewonnen. Er gilt immer noch als sicherer Hafen. Obendrein dürften steigende Renditen in der Region zunehmend internationales Kapital anlocken. Anleger, die auf einen Anstieg setzen wollen, können dies etwa mit einem Faktor-Short-Zertifikat auf den Euro zum US-Dollar tun. Als Berechnungsgrundlage bei Faktor-Zertifikaten wird stets der Schlusskurs des Basiswertes vom Vortag herangezogen und die prozentuelle Kursveränderung zum Vortag mit dem Faktor multipliziert. Aus diesem Grund können aber auch größere Verluste entstehen, wenn der Basiswert prozentuell stärker seitwärts schwankt oder fällt. Ein solches Produkt bietet etwa die Bank Vontobel mit einem Faktor von 2 an (DE000VP3NZA9). Bei allen drei Produkten müssen Anleger auch größere Verluste verkraften können.

Foto: AdobeStock / Nomad Soul

 

 

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Aktionsplan will Finanzbildung verbessern

Innerhalb von fünf Jahren sollen Kompetenz gestärkt und Bewusstsein für Themen geschaffen werden.

Marius Perger. Am Donnerstag der Vorwoche hat Finanzminister Gernot Blümel unter dem Titel „Mein Geld, mein Leben, meine Entscheidung – ich bin mir sicher“ den bereits seit längerem angekündigten nationalen Aktionsplan zur Finanzbildungsstrategie in Österreich vorgestellt. Die Strategie soll dazu beitragen, die Finanzkompetenz der Menschen in Österreich zu stärken und allgemein mehr Bewusstsein für die Themen Finanzen, Kapitalmarkt, Vermögensaufbau und nachhaltige Finanzplanung zu schaffen, heißt es in einer Pressemitteilung. Mit diesem Wissen sei eine verantwortungsvollere und selbstbestimmtere Teilnahme am wirtschaftlichen Leben möglich, betonte Blümel.

Für die gesamte Bevölkerung
Die Strategie sehe vor, dass in den kommenden fünf Jahren Schritte gesetzt werden, die der gesamten Bevölkerung zugutekommen sollen. Dabei sollen aber bestimmte Bevölkerungsgruppen besonders erreicht und priorisiert werden. Zu diesen zählen Kinder und Jugendliche, junge Erwachsene, Frauen, berufstätige Erwachsene, Privatanleger und Kleinunternehmer. Darüber hinaus soll sich die Strategie auf acht Lebensphasen – Schule, Weiterbildung, erster Beruf, Arbeitsleben, erste große Anschaffung, Vorsorgen für die Zukunft, Familienleben und Ruhestand – konzentrieren.

Vier übergeordnete Ziele
Als übergeordnete Ziele der Finanzbildung wurden festgelegt:
• die frühzeitige Entwicklung von soliden Prozessen in der finanziellen Entscheidungsfindung und die Vermeidung von Überschuldung,
• die Förderung einer verantwortungsvollen Finanzplanung für ein langfristiges finanzielles Wohlergehen,
• die Sensibilisierung für die Bedeutung von Finanzbildung und Sicherstellung des Zugangs zu qualitativ hochwertiger Finanzbildung für alle Bürger und
• die Steigerung der Effektivität von Initiativen zur Förderung der Finanzkompetenz durch Dialog, Koordination und Evaluierung.

Diese Ziele sollen durch 41 konkrete Maßnahmen unterstützt werden, die in den verschiedensten Bereichen ansetzen und Finanzbildung sowie Finanzkompetenz stärken.

Erste Maßnahme: neues Finanzbildungsportal
Erste konkrete Maßnahme werde die Etablierung eines Finanzbildungsportals sein. Geplant sei, dass dieses als „One-Stop-Shop“ für Informationen rund um das Thema Finanzbildung fungiert. Es gebe in Österreich bereits zahlreiche gute Informationen und Initiativen zu diesem Thema, die nun mit dem neuen Finanzbildungsportal zusammengeführt werden sollen, so Blümel. Vorgesehen sei auch ein Finanzkompetenz-Check: Das Portal werde die Möglichkeit zur Absolvierung eines „nationalen Finanzführerscheins“ bieten.

Dieser soll zwar in erster Linie der persönlichen Orientierung dienen, könne aber auch Nachweis einer Zusatzqualifikation bei Bewerbungen sein.

Erste Evaluierung 2026
Um die nationale Finanzbildungsstrategie abzuwickeln und zu koordinieren wird ein „Koordinierungs- und Kooperationsgremium Finanzbildung“ gegründet werden. An dessen Spitze soll ein „Finanzbildungsrat“ stehen. Diesem werden Vertreter von Finanz-, Bildungs- und Konsumentenschutzministerium, der Oesterreichischen Nationalbank sowie Vertreter des privaten Sektors bzw. von NGOs angehören.

Eine erste Evaluierung der bis dahin erreichten Ziele ist 2026 geplant. Es sei aber klar, „dass uns dieses Thema auch über diesen Zeithorizont hinaus begleiten wird“, so Blümel.

Positive Reaktionen
Die Leiterin des OECD Berlin Centers Nicola Brandt erklärte, dass die Zusammenarbeit mit Österreich zur Erarbeitung der Finanzbildungsstrategie „wahre Pionierarbeit“ gewesen sei; ähnliche Projekte seien nun mit Griechenland, Polen und Portugal geplant.

Auch EU-Kommissarin Mairead McGuiness begrüßte die Initiative, die Teil der breiter angelegten Bemühungen auf EU-Ebene sei, die Finanzkompetenz zu erhöhen.

Begrüßt wurde die Strategie unter anderem von Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung und Aktienforum. Dessen Präsident Robert Ottel betonte, dass Finanzbildung Basis für sozialen Wohlstand sei und dazu beitragen könne, zukünftigen Krisen vorzubeugen.

Wesentliches Anliegen sei die professionelle Überarbeitung von Unterrichtsmaterial und eine breite Verankerung in den Schullehrplänen, so Ottel. Eine „qualitative und quantitative Verbesserung von Unterrichtsmedien“ sowie eine verbindliche Verankerung in den Lehrplänen forderte auch die Industriellenvereinigung.

Foto: AdobeStock / eugenepartyzan

 

 

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Überholen die Chinesen Europa?

Deutsche Bank Wealth Management wagt den Globalausblick.

Rudolf Preyer. „Wir werden aus bekannten Gründen nicht zum ‚alten Normal‘ zurückkehren können“, eröffnete Markus Müller, Globaler Leiter Chefanlagestrategie bei Deutsche Bank Wealth Management, den exklusiven Marktausblick-Round-Table. Vom Börsen-Kurier auf den Themenkomplex ESG (Environmental, Social, Governance) angesprochen, meinte Müller, dass dieser Bereich „potenziell – sowohl auf Unternehmens-, als auch auf Volkswirtschaftsseite – wachstumsfördernd“ sein könne. Nachgefragt, ob strenge Restriktionen nicht wettbewerbsverzerrend bzw. gar nachteilig für den europäischen Markt seien, meinte der Chefstratege, dass Europa die Technologieführerschaft – etwa auch in der „grünen Technologie“ – anstreben müsse, dann würden auch weitere Märkte folgen. „Unser Kontinent kann etwa in puncto erneuerbarer Energien als Prozessindustrie bereits eine globale Vorreiterrolle einnehmen.“

Deutschland im Rückspiegel
Müller erinnerte aber auch an ein eher unrühmliches Kapitel deutscher Wirtschaftsgeschichte. Unser nördlicher Nachbar war einst „sehr gut in der Solar-Technologie“, ist mittlerweile aber von den Chinesen überholt worden. Was zu tun sei, um nicht im Rückspiegel des Reichs der Mitte immer kleiner zu werden? „Bildung ist essenziell.“

Jedoch müssen die Schul- und vor allem Studienpläne entstaubt werden, denn diese seien noch „auf die Struktur der letzten Industrialisierung ausgerichtet – also 150 Jahre veraltet“. Auch überlegte er, ob man nicht das traditionelle 3-Sektor-Modell „Agrartechnologie, Industrie und Service“ um den Sektor „Digitalisierung“ ergänzen müsste.

Der Deutsche-Bank-Vordenker führte weiters aus, was sich für das verbleibende Jahr aus Finanzmarktsicht erwarten lässt.

Globalperspektiven
Die Produktivität bleibe in der Eurozone eine „große Problematik“ (die erste von Müllers „Zehn zentralen Thesen“). Aber: Das Wachstumsgefälle zwischen der Eurozone und den USA werde heuer seinen Höhepunkt erreichen, wobei die Eurozone diese Wachstumslücke im kommenden Jahr schließen dürfte. Infolgedessen werde sich der US-Dollar aufgrund der zunehmenden Wachstumsdynamik in Europa abschwächen.

Die Zentralbanken sollten allgemein eine Drosselung der Anleihekäufe Richtung 2022 erwägen, die Fed dürfte ab Dezember 2021 schrittweise mit der Reduzierung der Anleihekäufe beginnen. Apropos Tapering: Dieses sei bereits in den Aktienmärkten eingepreist, so Müller. Aber: „Aktien sollten weiterhin vom TINA(‚The-re Is No Alternative‘)-Argument profitieren.“

Die Inflationsraten werden in absehbarer Zeit nicht auf Vorkrisenniveau zurückkehren. Hier spiele die Umweltpolitik inzwi-schen eine Rolle: Der CO2-Ausstoss verteure sich generell (Stichwort Zertifikate), was einen Inflationsdruck auslöse (der sogenannte „Spill-Over-Effekt“).

Globaldrift
Das Chief Investment Office geht von einem Wachstum für 2022 von 4,7 % in den USA und 4,6 % in der Eurozone aus. Und China?

Die Volksrepublik investiert rund 750 MrdUSD in Häfen, Straßen und Bahnstraßen zwischen Asien und Europa sowie in Afrika. China konnte ein Wachstum von 2,27 % im Krisenjahr 2020 verzeichnen und wird dieses Jahr ein voraussichtliches Wachstum von 8,2 % verzeichnen. Nächstes Jahr sollen es dann „nur mehr“ 5,6 % sein – die offizielle Staatsdoktrin dazu lautet „Moderate Prosperity“.

Müller vom Deutsche Bank Wealth Management kam in seinem Marktbericht zuletzt auf den Bereich Relokalisierung und diversifizierte Lieferketten zu sprechen, denn „das ist bestimmt nicht die letzte Pandemie, die wir erleben werden“.

Foto: AdobeStock / Zerbor

 

 

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Emerging Markets: Selektiv investieren

Experten sind für Schwellenländer trotz China-Turbulenzen optimistisch.

Harald Kolerus. In den vergangenen Wochen dominierten keine positiven Schlagzeilen das Geschehen im Reich der Mitte. Strenge Regulierungen im Bildungsbereich sowie im Technologiesektor haben Investoren aufgeschreckt. Somit war die Entwicklung in China ein wichtiges Thema im jüngsten Webinar der Capital Group zu Emerging Markets. Es wurden aber auch Anlagemöglichkeiten von Brasilien bis Indien beleuchtet.

Kurze Zeitreise
Es referierten Victor Kohn, Portfolio Manager und Valeria Vine, Investment Specialist bei der Capital Group. Wobei beide keine Fonds allein managen, sondern Teil breiterer Teams sind. Interessant: Kohn ist bereits seit 1986 in den Emerging Markets auf der Suche nach Anlagechancen, seither hat sich einiges fundamental verändert: „Als ich damals etwa in Argentinien oder Brasilien Vorort recherchierte, hörte ich von den Unternehmen oft: ,Schön sie zusehen, aber warum sind Sie eigentlich hier?‘ Heute sieht die Situation anders aus. Es gibt viel mehr professionelle Informationen und ein deutlich breiteres Spektrum an Investmentmöglichkeiten. So war z. B. der chinesische Aktienmarkt damals gar nicht existent. Nicht zuletzt sind die Volkswirtschaften der Emerging Markets stark gewachsen.“

Keine Flucht aus China-Investments
Am deutlichsten demonstriert die wachsende ökonomische Bedeutung natürlich wiederum China: Es nimmt heute nach Kaufkraftparitäten gemessen an die 50 % des globalen BIP ein. Innerhalb der nächsten Dekade könnte China sogar zur größten Volkswirtschaft der Welt heranwachsen. Was nun die jüngste Regulierungswut im Reich der Mitte betrifft, kommentiert Kohn (der Portfolio-Manager für den „Capital Group World Growth and Income Fund“ sowie den „Capital Group Emerging Markets Growth Fund“ ist): „Peking will Bereiche wie Gesundheit, Bildung und Wohnen für die breite Bevölkerung besser zugänglich und finanziell leichter erschwinglich machen. Es ist zu erwarten, dass die Restriktionen auch noch auf andere Felder ausgedehnt werden könnten, z. B. die Gaming-Industrie.“ Laut dem Experten sollte man deshalb aber nicht auf chinesische Titel im Portfolio schlichtweg verzichten: „Wir sehen eine kontinuierliche Entwicklung sehr guter Unternehmen aus China, die sich international durchsetzen. Etwa im Bereich der Generika bzw. Biotechs, die von der Regierung stark unterstützt werden.“ Wobei der Experte darauf hinweist, dass eben in ausgesuchte Unternehmen investiert wird und nicht pauschal.

Viele Möglichkeiten
Vine, Emerging-Markets-Spezialistin für den „Capital Group New World Fund“ (ISIN: LU1481181599) und den „Capital Group Emerging Market Growth Fund“ (LU0100551489), fügt hinzu: „Anlagemöglichkeiten bieten ausgewählte Titel, die Innovationen in Schwellenländern vorantreiben, sowie Unternehmen, die unterversorgte Kundensegmente bedienen.“ Wobei wichtige Trends wie die Wiederbelebung der Reisenachfrage, das Wachstum digitaler Plattformen und die Beschleunigung der Mobiltechnologie die Perspektiven der Schwellenländer beflügeln. Trotz guter Aussichten empfiehlt sich aber immer selektives Vorgehen. So etwa in Brasilien, das politisch wie makroökonomisch herausfordernd sei. Dennoch finden sich hier z.B. im Bereich des „Digital Payments“ gute Unternehmen, die von der Ineffizienz traditioneller Banken profitieren.

Als spannend bezeichneten beide Experten auch Indien, eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Denn der Subkontinent befindet sich in einer viel früheren Entwicklungsphase als China und bietet somit enormes Aufholpotenzial. Hinzu kommt, dass sich die Zahl der Haushalte mit einem Einkommen von über 30.000 USD innerhalb von zehn Jahren verdoppeln wird. Der steigende Wohlstand sollte nicht zuletzt Branchen wie die Luxusgüterindustrie oder Reisen/Flugsektor unterstützen.

Foto: AdobeStock / reeel

 

 

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Trend-getriebener MSCI-World-Index

Die Kritik am technologielastigen Weltindex wird lauter.

Roman Steinbauer. In der Finanzwelt wird zunehmend ein Klumpenrisiko in der Konstruktion des globalen Leitindex MSCI World (ISIN: XC0009692739) befürchtet. Basieren doch einige bedeutende Anlageprodukte (ETFs, Fonds) und damit hohe Volumina auf diesem vielbeachteten Parameter des New Yorker Finanzdienstleisters für Investmentbanking, MSCI Inc. (ehemals zu Morgan Stanley Capital gehörend). Zwar wurden Small-Cap-Aktien in dem am 31. Dezember 1969 gestarteten und 1986 von Morgan Stanley lizenzierten MSCI World nie berücksichtigt. Doch nun löst bei Analysten die zunehmend geringe Rolle der Value-Werte und die einseitige Gewichtung von US-Technologie-Aktien Bedenken und Skepsis zu einem womöglich aufziehenden depressiven Börsenumfeld aus. Es werden zunehmend kritische Stimmen laut.

Auf der größten Investment-Community-Plattform, Seeking Alpha, drücken Marktinsider bereits ihr Unbehagen über die Zusammensetzung des Index aus. Seit dem Jahr 2009 befinden sich 96 % der MSCI-Anteile im gestreuten Eigentum diverser Finanzinstitutionen.

Ein Tech-Index der G7-Staaten?
Zum 31. August waren 1.557 Aktien aus 23 Industrieländern im World-Index einbezogen. Schwellenländer werden nicht berücksichtigt. Neben Nordamerika werden die Börsen aus Japan, Hongkong, Singapur und Israel sowie in der Pazifik-Region von Australien und Neuseeland berücksichtigt. Aus Europa sind Österreich und Finnland als östlichste Staaten repräsentiert. Es gilt, 85 % der weltweiten Marktkapitalisierung aus entwickelten Industrieländern durch den „Global Industry Classification Standard“ von MSCI und Standard & Poor‘s über elf Sektoren abzubilden.

Eine tragende Rolle spielt dabei die Kapitalisierung der Unternehmen. Das führte aber zu einer Gewichtung von 20 % durch die zehn bedeutendsten Einzelwerte alleine. Das Weltbörse-Barometer ist bloß durch die Kursentwicklung der US-Tech-Giganten wie Microsoft, Amazon, Alphabet oder Apple in Summe bereits zwischen 10 und

13 % geprägt. Entsprechend veränderte sich die Branchengewichtung: Das IT-Segment macht beachtliche 23 % im MSCI aus. Es folgen Finanzen (13 %), Gesundheit (13 %), Konsumgüter (12 %), Industrie (10 %) und (wiederum Tech-lastige) Kommunikationsdienstleister (9 %). Durch die hohe Kapitalisierung repräsentieren US-Gesellschaften 67 % des Index-Volumens. Exorbitant weit dahinter folgen Japan mit lediglich 7 %, Großbritannien (4 %) sowie Frankreich, Kanada und Deutschland mit jeweils 3 %. Wegen seiner starken Abhängigkeit vom US-Markt ist für den MSCI-Index die Handelszeit an den US-Börsen relevant und am aussagekräftigsten.

Die Kopie als reduzierte Zielvorgabe
Der MSCI World gilt in erster Linie Finanzinstitutionen als auch Privatanlegern als Messlatte (Benchmark). Ableitend darauf sind derzeit 16 ETFs (Kostenquote für Anleger zwischen 0,1 und 0,5 %) zur Auswahl am Markt implementiert. Laut dem ETF-Portfolio-Tool-Anbieter „just ETF“ liegt der „iShares Core MSCI World UCITS ETF USD“ (IE00B4L5Y983) mit einem Anlagevolumen von 36 Mrd USD (30,4 Mrd Euro) vorne. Dahinter folgt mit Abstand der „Xtrackers MSCI World UCITS ETF 1C“ (ISIN: IE00BJ0KDQ92) mit 7,8 Mrd USD (6,59 Mrd Euro). Die beste Performance weist auf 1-Jahresbasis der „Lyxor MSCI World UCITS ETF“ (FR0010315770) mit +32 % vor

dem „Amundi MSCI World UCITS ETF EUR C“ (+31 %, LU1681043599) auf. Der MSCI-World-Index zog während dieses Zeitraums um 31 % an. Allerdings bedeutet das auch, dass etliche Produkte unterhalb dieser Performance liegen. Wenigen auf dem Weltindex basierenden Fonds gelingt der Parallellauf. So hält der „Fidelity MSCI World Ind.Fd.P Acc EUR“ (IE00BYX5NX33) bei +32,4 %.

Foto: AdobeStock / monsitj

 

 

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„Enkeltauglich ist mir wichtig“

Der oberösterreichische Unternehmer Christian Neuwirth engagiert sich bei Oikocredit.

Red. Mit seiner Linzer Projektagentur für Erneuerbare Energien und Nachhaltigkeitslösungen entwickelt Christian Neuwirth weltweit praktische Lösungen für Energieeffizienz und Klimaschutz. Ehrenamtlich setzt er sich für die Genossenschaft Oikocredit ein, zumal es eine Reihe an inhaltlichen Überschneidungen im Entwicklungsansatz für Menschen im Globalen Süden gibt. Im Gespräch mit dem Börsen-Kurier erklärt Neuwirth warum.

Börsen-Kurier: Das Augenmerk Ihrer selbständigen wie auch der freiwilligen Tätigkeit ist auf das Thema Nachhaltigkeit gerichtet.
Christian Neuwirth: Das resultiert aus meiner bäuerlichen Prägung. Ich bin auf dem elterlichen Bauernhof im oberösterreichischen Wallern an der Trattnach aufgewachsen. Dort habe ich von klein auf das nachhaltige Prinzip der Forstwirtschaft kennengelernt und das lautet: Im Wald ist nur so viel Holz zu schlagen, wie permanent nachwächst. Diese „Enkeltauglichkeit“ ist mir sehr wichtig. Als Unternehmer widme ich mich praktischen Lösungen und manage Projekte im Bereich erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Klimaschutz. Ich biete resultatorientierte Energieaudits, beschäftige mich in diesem Zusammenhang mit Produktentwicklung und Produktmanagement im internationalen und nationalen Bereich und initiiere und betreue Projekte der Entwicklungszusammenarbeit wie derzeit in Gambia.

Börsen-Kurier: Wie sind Sie auf Oikocredit aufmerksam geworden und warum setzen Sie sich ehrenamtlich für die Genossenschaft ein?
Neuwirth: Das war im Jahr 2015 durch das Bildungsprojekt mit dem Namen „Know-how aus Österreich für Expertinnen und Experten aus Ostafrika“, welches von Oikocredit Austria ins Leben gerufen und vom Land Oberösterreich unterstützt wurde. Oikocredit ermöglichte damals einer Teilnehmergruppe aus Ostafrika ein Fortbildungsprogramm mit dem Ziel, Know-how aus Österreich für die Landwirtschaft und die Nutzung erneuerbarer Energien in Afrika mitzunehmen. Da habe ich mit meinem elterlichen Betrieb, den wir damals gerade energieautark gemacht haben, mitgewirkt. Das Ziel war, dass Expertinnen und Experten aus Afrika in Österreich Erfahrungen sammeln, die sie in ihren Heimatländern umsetzen können. Einer der Teilnehmer, Raphael Ndolo aus Kenia, war bei der Planung einer Photovoltaikanlage und bei der Montage einer Hackschnitzelheizung, die wir mit einer Solaranlage gekoppelt haben, als Praktikant dabei.

Börsen-Kurier: Diese interkulturelle Begegnung erwies sich als sehr fruchtbar für beide Seiten.
Neuwirth: Absolut! Raphael und andere Teilnehmer konnten zahlreiche Erkenntnisse aus der Zeit in Österreich mitnehmen und umsetzen. Wir sind während seines Aufenthalts in Oberösterreichs Freunde geworden. Ich habe ihm unsere Kultur nahegebracht und war mit ihm im Salzkammergut wandern.

Börsen-Kurier: Welche Erfahrungen aus Österreich konnte Herr Ndolo in seiner Heimat Kenia in die Tat umsetzen?
Neuwirth: Bei meinem selbst finanzierten Besuch 2016 bei Raphael und seiner fünfköpfigen Familie in Nairobi konnte ich mich selbst davon überzeugen. Im landwirtschaftlichen Betrieb der Familie außerhalb Nairobis hielt die erneuerbare Energie Einzug. Es war eine Freude zu sehen, dass er vieles von dem was er im Rahmen des Bildungsprojekts von Oikocredit in Österreich gelernt hatte, in die Praxis umsetzen konnte. Zum Beispiel bezieht er den Strom für die Beleuchtung aus einem Photovoltaik-Modul. Auch die Idee einer kleinstrukturierten Landwirtschaft mit mehreren Standbeinen, wie Kaninchenzucht und Bio-Gemüse, sowie den Vertrieb seiner Produkte an kleine Händler gehören zu den aus Österreich mitgenommen Repertoire.

Börsen-Kurier: Ideen, die sich einer Entwicklungszusammenarbeit verdanken, die nicht mit Spenden, sondern mithilfe breitgestreuter „Impact Investments“ finanziert wird. Glauben Sie, dass Anlageformen nachhaltiger und sozialer Geldanlage in Zukunft eine größere Rolle spielen werden?
Neuwirth: Meiner Meinung nach, dürfte es in Zukunft nur noch Anlageformen geben, die zugunsten einer nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung eingesetzt werden. Sogenanntes „Greenwashing“ diverser Organisationen lehne ich ab.

Weiter Informationen finden Sie unter www.oikocredit.at.

Foto: ib:neuwirth

 

 

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Stille Wasser sind tief – ruhiger Aktienmarkt mit drei Fragezeichen

Die Aktienkurse sind seit Monaten überraschend stabil und die Bullen behalten weiter die Oberhand. Dennoch sind unter der Oberfläche drei wesentliche Entwicklungen zu beachten, analysiert Christian Nemeth, Chief Investment Officer der Zürcher Kantonalbank Österreich AG, in seinem Marktkommentar. Allen voran das Weltwirtschaftswachstum, das nach der Erholung der letzten Monate nun einen Gang zurückschaltet.

(08.09.) An den Aktienmärkten ist es außerordentlich ruhig. Sowohl in den USA als auch in Europa bewegen sich die Volatilitätsindizes auf sehr niedrigem Niveau. Der S&P 500 Index hat beispielsweise in den letzten zehn Monaten keinen Rückgang verzeichnet, der auch nur fünf Prozent erreicht hat. Der Kurs bewegte sich entweder schnurgerade nach oben oder eher seitwärts, aber eine richtige Korrektur hat nie stattgefunden. Solche Perioden sind sehr selten. Der Status quo zeigt, dass nach wie vor viel Kraft und Momentum in dieser Bewegung stecken. Denn sobald die Kurse nur ein wenig nach unten gehen, besteht sofort wieder Interesse, nachzukaufen und Positionen zu erhöhen. Es gibt scheinbar immer noch genügend Investoren, die nicht voll investiert sind und an der Seitenlinie auf solche Gelegenheiten warten.

Höhepunkt des Wirtschaftswachstums

Auch wenn es an den Börsen ruhig ist, bewegt sich unter der Oberfläche einiges, das es zu beachten gilt. Zum ersten ist die Entwicklung des Wirtschaftswachstums maßgeblich. Wir sehen eine nachlassende Dynamik in den USA, aber auch in den Emerging Markets. In Europa wird wahrscheinlich im dritten Quartal der Zenit der Wirtschaftserholung erreicht. Das Beste liegt dann wohl hinter uns. Das ist nicht alarmierend, sondern signalisiert lediglich, dass der Höhepunkt der Erholung überschritten ist. Die gute Nachricht ist, dass das überdurchschnittliche Wachstum – wenn auch auf niedrigerem Niveau – bis Mitte 2022 anhält. Das ist für Aktieninvestoren beruhigend: Gröbere Aktienbaissen hat es in der Vergangenheit nur gegeben, wenn die Wirtschaft eine Rezession durchlaufen hat.

Der zweite wichtige Aspekt ist die Reaktion der Notenbanken auf die Wirtschaftsentwicklung. Der Blick ist vor allem auf die US-amerikanische Notenbank Fed gerichtet. Nachdem Anleihen in rauen Mengen gekauft wurden, stellt sich nun die Frage, wann die Anleihenkäufe zurückgefahren werden. Hier spielt auch das Thema Inflation mit. Wenn wir nur ungefähr auf dem prognostizierten Pfad bleiben, nähern sich die Inflationsraten auch bei einer mehrjährigen Durchschnittsbetrachtung der Zielmarke von zwei Prozent, die die amerikanische Notenbank festgelegt hat. Damit wäre eine wichtige Voraussetzung für eine weniger expansive Geldpolitik erfüllt. Nun ist entscheidend, wann die US-Notenbank glaubt, dass auch die wirtschaftliche Erholung kräftig genug ist, um wieder in Richtung Normalisierung zu gehen. Wie der Fed-Sitzung im Juli zu entnehmen war und wie Fed-Chef Jerome Powell beim virtuellen Zentralbanktreffen in Jackson Hole im August bekräftigte, ist eine erste Reduktion der Anleihenkäufe noch in diesem Jahr realistisch. Nach dieser Rechnung könnten die Käufe dann im dritten Quartal 2022 eingestellt werden und die Zinserhöhungen 2023 beginnen.

Zusammenhang zwischen Durchimpfungsrate und Restriktionen
Drittens ist die Ausbreitung der Delta-Variante weiterhin ein Risikofaktor, der beachtet werden muss. Sorgen über wirtschaftliche Einschränkungen bestehen weiterhin und die enormen Lieferengpässe bremsen die Produktion in der Industrie. Die Situation ist aber nicht überall gleich. In der EU, wo bereits 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung geimpft sind,[1] rechnen wir nicht mit harten Restriktionen, die die Erholung gefährden. Damit dürfte die Eurozone sich als widerstandsfähiger erweisen als andere Regionen. Auch in den USA ist die aktuelle konjunkturelle Verlangsamung nur zum Teil auf die hochansteckende Delta-Variante zurückzuführen. Versorgungsengpässe und steigenden Preise spielen in diesem Zusammenhang eine große Rolle.

Aktien: Fortgeschrittene Bewertungen, aber alternativlos

Im aktuellen Umfeld bleiben Aktien die bevorzugte Anlageklasse. Die Bewertungen sind recht hoch, was aber aufgrund der hohen Gewinnsteigerungsraten der Unternehmen auch berechtigt ist. Attraktive Alternativen sind kaum vorhanden. Während im Frühjahr die zyklische Erholung der globalen Wirtschaft für steigende Inflationserwartungen und damit höhere Anleiherenditen gesorgt hat, hat sich diese Bewegung zuletzt wieder umgekehrt – die Renditen in dieser Assetklasse sind mittelfristig zu tief. Daher bleibt die Zürcher Kantonalbank Österreich AG bei Aktien weiterhin übergewichtet und belässt den Fokus hierbei auf den Industrienationen. Emerging Markets und der pazifische Raum bleiben untergewichtet.

Foto: Zürcher Kantonalbank Österreich AG

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Aufflammender Nikkei-Index

Stimulus-Erwartungen und Auslandskäufe führen zu weiterem Aktienschub.

Roman Steinbauer. Seit Mitte August übertrumpft Japans führender Aktienindex erneut die entwickelten Märkte des asiatisch-pazifischen Raums. Diese Charakteristik des Nikkei 225 war bereits im Frühjahr zu beobachten. Zwischendurch wurde der Aufwärtstrend von einer Korrektur unterbrochen, die das 225 Titel umfassende Leitregister um 10 % abbröckeln ließ. Doch Nippons relevanteste Aktien-Messlatte legte jüngst binnen 14 Handelstagen um 10 % zu, um erneut die Spitzenmarke anzugreifen – ein seit 30 Jahren (Ende der japanischen Immobilienblase) nicht mehr gesehenes Niveau. Kauffantasie wurde in der Vorwoche vor allem durch die unerwartete Rücktrittsankündigung von Japans Premier Yoshihide Suga geschürt, dessen Umfragewerte zuletzt rapide abnahmen. Vom Nachfolger werden nun weitgehendere Stimulus-Maßnahmen erwartet. Einhergehend damit wurde der japanische Yen gegenüber dem Euro und dem US-Dollar um 2 % gedrückt – was stets gut für Titel von Exporteuren ist.

Dennoch hinken Japans prominenteste Aktien heuer dem US-Pendant S&P 500 (+21 %) hinter-her. Interessant dazu die Betrachtung der Höhe ausländischer Investments in japanische Valoren: Wie das Tokioter Finanzministerium veröffentlichte, ist eine klare Zunahme zu erkennen. So ist nach Schüben bis Mai wiederum ein wöchentlich ausgeprägter Kaufüberhang von zuletzt umgerechnet 3,24 Mrd Euro auszumachen. An vorderster Front profitierten Papiere wie Alps Alpine (ISIN: JP3126400005), Bridgestone (JP3830800003), Canon (JP3242800005) oder Denso (JP3551500006). Nach Angaben des Hongkonger Analyse- und Datenlieferanten CEIC Data steht das KGV des Nikkei aktuell bei 32. Die hohe Bewertung verschreckte Investoren historisch allerdings schon oft zu früh.

Ungetrübtes Vertrauen in die Rahmenbedingungen
In der Vorwoche dominierten positive Datensignale. Neben starken Einzelhandelszahlen für Juli, die mit 2,4 % über den Schätzungen (2,1 %) lagen, übertraf das BIP-Wachstum für das 2. Quartal mit +1,9 % zum Vorjahreszeitraum die Erwartungen klar (1,6 %). Enttäuschend blieben für den Berichtszeitraum bloß die Ausgaben der privaten Haushalte, die mit +0,7 % nicht an Fahrt gewannen wie erhofft. Auch der Indikator des Haushaltsvertrauens begann mit 36,7 Punkten nach dem starken Wert im Juli (37,5) etwas zu hängen. Einmal mehr beeindruckt aber der neu veröffentlichte Stand an Devisenreserven. Mit 1,42 Bio USD (1,21 Bio Euro) macht dieser monetäre Polster verständlich, weshalb der japanische Yen immer noch die Funktion einer Fluchtwährung in der Krise übernimmt. Passend zu diesem Umstand bekam das Inselreich kürzlich langlaufende, 30-jährige Anleihen um 0,66 % am Markt unter.

Zwar ist es Deutschland (0,12 %) und Österreich (0,34 %) möglich, sich durch stützende Bond-Ankäufe der EZB noch günstiger zu refinanzieren, doch gilt Japan davon abgesehen als geographisch und politisch weitgehend autark.

Ende der deflationären Gehaltsspirale
Auch in Fernost ziehen die Arbeitnehmerlöhne aber bereits an. Die vom Arbeitsministerium publizierten +1 % für Juli (gegenüber dem Vorjahr) erscheinen mager, zeigen für japanische Verhältnisse aber eine Trendwende auf. In den vergangenen zwei Jahren sanken diese teilweise um bis zu 3 %. Mit Ausbruch der Gesundheitskrise zog die Arbeitslosenrate in der Spitze auf 3,15 % (2,2 % noch im Jänner 2020) an. Für Europäer liest sich selbst das wie eine irreale Wunschquote. Doch ist zu bedenken, dass es in Japan kaum einen Gastarbeiteranteil gibt und Beschäftigungslose aller Arbeitsfähigen ermittelt werden.

Foto: AdobeStock / eyetronic

 

 

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Blackout jederzeit möglich

Wie sich Unternehmen darauf vorbereiten können und was Versicherungen leisten würden.

Marius Perger. Ein möglicher Blackout, die Vorbereitung darauf und die Rolle von Versicherungen bei solchen Ereignissen waren Thema des Vortrags von Johannes Vogl beim Risikotag des Versicherungsmaklers Greco International AG in der Vorwoche.

Vogl ist General Manager bei der Greco Risk Engineering GmbH, einer Gesellschaft, die Industrieunternehmen im Bereich operationeller Risiken berät.

Am 8. Jänner dieses Jahres hat es im europäischen Stromsystem einen schwerwiegenden Zwischenfall gegeben; eine Verkettung mehrerer Ereignisse hat zu einer Netzauftrennung und in der Folge zu einem Anstieg der Frequenz in Südosteuropa und einem Frequenzabfall im übrigen Europa geführt.

Dank der Aktivierung automatischer Schutzmechanismen und manueller Maßnahmen habe nach knapp einer Stunde wieder Normalbetrieb geherrscht. Ein Blackout konnte damit verhindert werden. Doch kleinere solche Ereignisse gebe es laufend, so Vogl.

Versorgung vielleicht Monate lang gestört
Unter Blackout sei ein plötzlicher, überregionaler und weite Teile Europas betreffender, länger dauernder Strom-, Infrastruktur- sowie Versorgungsausfall zu verstehen, bei dem keine Hilfe von außen möglich ist, erklärt Vogl.

Ursache für einen Blackout könne insbesondere eine unzureichende Netzstabilität sein; aber auch Cyberattacken, Terroranschläge, Naturkatastrophen oder menschliches Versagen könnten zu einem Blackout führen. Dabei käme es durch einen Stromausfall für mehrere Stunden zum totalen Stillstand. Mehrere Tage nach dem Stromausfall würde es keine Telekommunikation geben, das Wiederhochfahren der Infrastrukturen und die Wiederherstellung der Versorgung können „Wochen und Monate“ dauern.

Neben der Telekommunikation wären auch Wasser- und Treibstoffversorgung, Verkehrsleitsysteme, Heizungs- und Klimaanlagen oder Computersysteme für unbestimmte Zeit nicht verfügbar. Für Unternehmen seien signifikante wirtschaftliche Schäden durch Betriebsunterbrechungen zu erwarten.

Ein wahrscheinliches Ereignis
In seiner sicherheitspolitischen Jahresvorschau 2021 hat das Österreichische Bundesheer einen Blackout als Gefährdung des Gesamtsystems und seinen Eintritt als „wahrscheinlich“ bezeichnet.

Damit handle es sich um ein „Extremereignis“, das zu einer Beeinträchtigung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit führen würde, die eine Überforderung der zivilen Organisationen und einen Assistenzeinsatz des Bundesheeres zur Folge haben könnte.

Vor allem die Energiewende mit ihrer Vielzahl kleinerer Kraftwerke, die weniger leicht gesteuert werden können als wenige große, mache einen Blackout wahrscheinlicher, sagt Vogl. Experten würden damit rechnen, dass es in den nächsten fünf Jahren zu einem solchen Ereignis kommen wird.

Risikomanagement
Weil es sich bei einem Blackout um ein Risiko handle, das von außen auf das Unternehmen einwirkt, sei es nur möglich, Schutzmaßnahmen zu ergreifen und vorbereitet zu sein; entscheidend sei es, die eigene Risikoexponierung zu kennen.

Nötig sei es, kritische Prozesse und Ressourcen zu identifizieren, Absicherungsmaßnahmen für Anlagen zu definieren, die externe und interne Kommunikation sicherzustellen, auch wenn alles offline ist, sowie für Bewusstseinsbildung bei den Mitarbeitern zu sorgen. Und schließlich müsse es ein Wiederanlaufkonzept geben.

Als Risiko der höheren Gewalt sei ein Blackout zwar grundsätzlich nicht versicherbar. Möglich sei allerdings die Deckung von Folgeschäden eines Blackouts im Rahmen einer Flexa-Versicherung (Fire, Lithtning, Explosion, Air-craft), betont Vogl.

Er empfiehlt einen Check der aktuellen Versicherungsverträge, wobei besonders auf spezielle Ausschlüsse in den Verträgen geachtet werden sollte. Möglich sei es auch, mit dem Versicherer spezielle Einschlüsse zu verhandeln; viel hänge dabei von der Risikoqualität des Unternehmens ab.

Foto: Pixabay / Free-Photos

 

 

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(K)ein Land der Onlineversicherung?

Stimulus-Erwartungen und Auslandskäufe führen zu weiterem Aktienschub.

Emanuel Lampert. Wenn es um den Onlinevertrieb von Versicherungen geht, fällt einem gern als erstes Großbritannien ein. Dort hat sich das Internet als ein wesentlicher Verkaufskanal etabliert. Christopher Sandilands, sowohl Brite als auch Österreicher, ist Mitgründer von Oxbow Partners, einer auf Versicherungen spezialisierten Unternehmensberatung mit Sitz in London. Bei einem Experten zeichnete er nach, wie sich der englische Markt „massiv verändert“ hat.

1985 habe „Direct Line“ mit dem Verkauf via Callcenter den Auftakt gemacht. Zu Beginn der 2000er sei der Onlinevertrieb aufgekommen. Dessen Anteil am Neugeschäft in der Kfz-Versicherung sei von 2001 rund 10 % rasch auf 2005 rund 40 % gestiegen, danach aber wieder deutlich gesunken. Warum?

Siegeszug der Vergleichsportale
Sandilands Antwort: Preisvergleichsportale kamen auf und nahmen den Direktanbietern Marktanteile ab. Inzwischen nutzten 73 % der Versicherungsnehmer für Neuabschlüsse in der Kfz-Versicherung ein Portal, in der Haushaltsversicherung 59 %. Heute werde der englische Markt von vier großen Portalen dominiert.

Warum funktionieren Preisvergleichsplattformen in England so gut? Sandilands zeigte ein Diagramm, wonach knapp 40 % ihren jetzigen Kfz-Versicherungsanbieter wegen des „billigsten“, gut ein Viertel wegen des „billigeren“ Angebots gewählt haben, nur 15 % wegen der Konditionen.

England zeige, dass Disruption im Versicherungsmarkt stattfinden könne – und Österreich sei da kein Sonderfall, lautet seine Hypothese. Die Frage sei nicht, ob, sondern wie und wann Veränderung stattfindet. Dass die Kunden lieber das direkte Gespräch mit Beratern suchen, als online abzuschließen, glaubt Sandilands nicht. Er glaubt vielmehr: Sobald es ein entsprechend gutes Angebot gibt, werden es die Kunden nutzen. In anderen Industrien gebe es dafür viele Beispiele.

Kein Drang zum Onlinekauf
Derweil fristen Onlineversicherungsabschlüsse in Österreich allerdings ein Schattendasein. In bundesweiten Umfragen des Marktforschungsinstitutes Telemark Marketing, durchgeführt jeweils im ersten Quartal, gaben 2018 nur 7,1 % an, schon einmal online eine Versicherung abgeschlossen zu haben. 2019 waren es 7,8 % und 2020 7,9 %. Selbst in der Pandemie stieg der Anteil nur geringfügig auf 8,7 %.

Von den maklerversicherten Kunden können sich 19 % einen Onlineabschluss vorstellen, sagte Robert Sobotka, Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts. Das Interesse hängt allerdings stark von der Sparte ab. Tendenziell bezieht es sich eher etwa auf Reise- oder Fahrradversicherungen, sehr viel weniger auf beratungsintensive Sparten wie Lebens-, Kranken- oder auch Eigenheimversicherung.

Sobotka betonte auch den Wert der persönlichen Beratung: „Es gibt schon einen Grund, warum man mit seinen Kunden mehr reden soll.“ Aus Untersuchungen zur Weiterempfehlungsbereitschaft gehe hervor, dass sie dort größer sei, wo Beratungsgespräche stattfinden.

Aus der Perspektive der Versicherungsmakler sagte Fachverbandsobmann Christoph Berghammer, gesetzliche Vorgaben wie der „Wunsch- und Bedürfnis-Test“ ließen sich wohl digital abbilden, „aber genau der letzte Punkt, der dann den Makler ausmacht, der geht digital nicht“. Der Makler sei nämlich zum „best advice“, zur Vermittlung des im Einzelfall bestmöglichen Versicherungsschutzes, verpflichtet. Für den Makler bedeute dies, mit dem Kunden das Gespräch zu führen.

Foto: Pixabay /Tumiso

 

 

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Neuer Höhepunkt des Übernahmefiebers

Günstige Finanzierungsbedingungen und die hohe Liquidität befeuern eine Welle an Aufkäufen.

Roman Steinbauer. Die weltweiten Übernahme- und Fusionsaktivitäten erreichten bereits bisher neue Rekordstände. Ein historisch niedriges Zinsniveau sowie weiter anziehende Aktienkurse beschleunigen diesen Trend weiter. Laut dem New Yorker Wirtschaftsdatendienst Refinitiv wurde soeben die Vorjahresmarke von 3,02 Bio Euro an verkündeten, ausstehenden und vollendeten Übernahmevereinbarungen überschritten. Die Anzahl der Deals zog 2021 bisher um 24 % auf über 3,06 Bio Euro an. Dabei stechen die Vereinigten Staaten mit einem Übernahmevolumen von umgerechnet 1,80 Bio Euro hervor. Europäische Unternehmen agierten mit bisher 552 Mrd Euro gemächlicher, ebenso hielten sich im Gegensatz dazu Gesellschaften aus der Asien-Pazifik-Region (520 Mrd Euro) zurück. Derzeit scheint kein Ende der Aufkäufe absehbar. Großunternehmen wie Beteiligungsgesellschaften sitzen auf einem hohen Bargeldbestand. Zusätzlich sind viele Firmen gefordert, nach den Lockdowns und dem veränderten Käufer- bzw. Nutzerverhalten ihre Geschäftsmodelle anzupassen oder neu auszurichten.

Was die Branchen im Einzelnen angeht: Im Umfeld der Erneuerbaren Energien ist eine Verdoppelung der Aktivitäten auf 15,12 Mrd Euro wahrzunehmen. Der Einzelhandel und die Touristik fallen hingegen dieses Jahr weiter in der M&A-Gewichtung gegenüber Technologie und Gesundheit zurück. Als Käufer treten zunehmend Blankoscheck-Gesellschaften (für Übernahmetätigkeiten gegründet) oder SPACs (Zweckunternehmen, Mantelgesellschaften) auf. Zielobjekte sind vor allem Akteure der digitalen Welt mit eigenen Plattformen.

Großfusion in der Medienbranche
Die größte Übernahme wurde heuer bisher im Mediensektor verkündet. Durch die Verschmelzung des Mediengeschäfts des US-Telekommunikationsriesen AT&T (Warner Media) mit dem Wettbewerber Discovery wurde ein Volumen von 101 Mrd Euro bewegt. Unter dem Dach von Warner Media befinden sich neben Filmstudios Nachrichtenkanäle wie Eurosport, CNN, HGTV, Food Network oder der Bezahlsender HBO.

Baxter Intl. (ISIN: US0718131099) kommt unterdessen dem Ziel, beim US-Unternehmen Hill-Rom (US4314751029) das Ruder zu übernehmen, näher. So bietet der Pharmakoloss dem Medizintechnik-Spezialisten aus Chicago 8,9 Mrd Euro oder 156 USD je Aktie. Ein Angebot, das die Aktionäre des Herstellers von Patientenüberwachungssystemen, Krankenbetten und OP-Tischen nicht kalt lässt, nachdem eine niedrigere Offerte vor zwei Monaten nicht akzeptiert wurde.

Angetrieben durch das Medizin- und Technologiesegment
Der französische Sanofi zielt offenbar erfolgreich auf die Integration von Translate Bio (US89374L1044) ab. Für die auf mRNA-Impfstoffe fokussierte US-Gesellschaft werden 38 USD je Aktie und somit 2,7 Mrd Euro geboten. Dieser satte Aufschlag um beinahe ein Drittel gegenüber vorlaufenden Bewertungen löste bei den Alt-Aktionären aber keine Gegenwehr aus. Die Umsetzung wird bis Oktober erwartet.

Widerstand erfährt derzeit der US-Halbleiterhersteller Nvidia (US67066G1040) mit der beabsichtigten Übernahme des britischen Chip-Designers Arm (Tochterunternehmen von Softbank, JP3436100006). Die Regierung in London brachte nun die Skepsis zur „Nationalen Sicherheit“ ins Spiel.

Die Schweizer Tecan (Vertrieb von Laborinstrumenten und Automatisierungslösungen für die Bereiche Biopharma, Forensik und Klinische Diagnostik, CH0012100191) hat hingegen den Erwerb des kalifornischen Medizingeräteherstellers Paramit um 920 Mio CHF (846 Mio Euro) abgeschlossen.

Foto: Pixabay / geralt

 

 

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Im Dschungel der „grünen“ Anleihen

Einheitliche Standards und Transparenzvorschriften sowie externe Überprüfungen fehlen.

Red. Der jüngst veröffentlichte Bericht des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) über den bedrohlichen Zustand des globalen Klimas rüttelt auf. Auch die Finanzwelt will ihren Beitrag zu einer besseren Umwelt, mehr Nachhaltigkeit und mehr sozialer Verantwortung leisten. „ESG“-Produkte, die ökologische (environmental), soziale (social) und die Unternehmensführung (governance) betreffende Kriterien berücksichtigen, sind im Aktienbereich bereits etabliert. Nun wächst auch das Angebot an nachhaltigen Anleihen rasant, allerdings mit einer ebenso großen Vielfalt an Ausprägungen, stellen die Experten der Steiermärkischen Sparkasse Private Banking im jüngsten Marktkommentar fest. Diese Anleihen werden in der Regel für Einzelprojekte zur Verbesserung der Nachhaltigkeit emittiert.

Immer breitere Auswahl
Die Ratingagentur Moody‘s erwartet für heuer bei nachhaltigen Emissionen insgesamt ein Wachstum von mehr als 30 %. Nachhaltige Anleihen wurden bisher hauptsächlich von der Finanz- und Immobilienbranche, von Versorgern und von der Branche der erneuerbaren Energien emittiert. Zuletzt hat sich das Spektrum der Emittenten ausgeweitet. Dank neuer Anleihen-Konstruktionen umfasst es inzwischen nahezu alle Branchen und Staaten. Nach Ansicht der Experten der Steiermärkischen Sparkasse Private Banking können nachhaltige Anleihen zu einer realen Verbesserung in ökologischer und sozialer Sicht sowie auf Unternehmensebene beitragen.

Investoren müssen sich auf das Unternehmen verlassen, wenn sie nicht aufwendig prüfen wollen, ob eine Anleihe auch wirklich nachhaltig ist, so die Veranlagungsexperten. So können sich zum Beispiel Emittenten bei Nichterreichen der selbst gesetzten Treibhausgasreduktions-Ziele über den Erwerb von CO2-Zertifikaten freikaufen oder sie setzen das Geld der Investoren nicht oder nicht ausschließlich für die beschriebenen Projekte ein. Es ist fraglich, ob zum Beispiel eine grüne Anleihe, die der Effizienzsteigerung einer Raffinerie oder der Modernisierung eines Kohlekraftwerks dient, wirklich nachhaltig ist.

„Einheitliche Kriterien wären sinnvoll“
Hat ein Investor konkrete Vorstellungen, dann kann er mittlerweile zwischen zahlreichen Produkten, deren Kriterien er mit seinem persönlichen Nachhaltigkeitsempfinden abstimmen kann, wählen. Schließlich ist dieses individuell. So ist etwa für den einen Investor Atomkraft nicht nachhaltig, für den anderen vielleicht schon. Eine Vereinheitlichung der Standards, einheitliche Transparenzvorschriften und eine externe Überprüfung würden zu einer deutlichen Qualitätsverbesserung führen und somit auch einen stärkeren ESG-Impact bewirken, so die Experten der Steiermärkischen Sparkasse Private Banking. Sowohl für professionelle als auch für private Investoren wäre dies eine Erleichterung. Die Nachfrage nach nachhaltigen Anleihen und anderen Finanzprodukten würde mit allgemein gültigen Standards vermutlich noch weiter steigen.

Ansätze wie bei Aktien
Die EU setzte bereits einen ersten Schritt und erließ Offenlegungspflichten für Finanzprodukte, die als ökologisch oder nachhaltig vermarktet werden sollen. Aller-dings wurden noch keine konkreten Kriterien verankert, die den Nachhaltigkeits-Dschungel vereinheitlichen und damit transparenter machen würden. Die angewandten Kriterien sind ebenso vielfältig wie die Ansätze, was nachhaltige Produkte nur schwer vergleichbar macht. Im Aktienbereich gibt es beispielsweise Ansätze mit Ausschlusskriterien (Ausschluss bestimmter Branchen wie z. B. Atomkraft), ESG-Integration (Einbeziehen von ESG-Risiken in der Veranlagung) oder Best in Class-Ansätze (Vergleich der ESG-Charakteristik von Unternehmen), aber auch Kombinationen aus verschiedenen Ansätzen. Zunehmend kommen bei nachhaltigen Anleihen und Anleihefonds bzw. ETFs verstärkt ähnliche Ansätze wie bei Aktien zum Einsatz. Erfüllen Unternehmen die Vorgaben, können deren Anleihen in nachhaltigen Produkten eingesetzt werden. Der Vorteil für den Anleger: Er kann unter Berücksichtigung nachhaltiger Kriterien in unterschiedliche Branchen investieren.

Die Produkte
Bei Anleihen haben sich zuletzt einige Produkte etabliert, die sich nicht über den Emittenten, sondern über die Ausgestaltung des Wertpapiers definieren und somit dem Anleger eine gute Orientierung bieten können.

Zu den bekanntesten nachhaltigen Anleihen zählen Green Bonds, deren Emissionserlös der Finanzierung von Projekten mit ökologischem Nutzen, etwa einer Solaranlage, dienen. Die ICMA (International Capital Market Association) hat für Green Bonds Empfehlungen veröffentlicht, die einen Qualitätsstandard definieren. Kernpunkte sind die Mittelverwendung, der Prozess der Projektbewertung und -auswahl, die Verwaltung der Erlöse und das Reporting – insbesondere in Bezug auf die ökologischen Auswirkungen. Zudem wird empfohlen, die Einhaltung dieser Punkte durch externe Begutachter zu überprüfen. Um verpflichtende Vorgaben handelt es sich dabei aber nicht und auch konkrete Investitionsziele wurden nicht definiert.

Social Bonds ähneln den Green Bonds und erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Ihre Emissionserlöse dienen dem gesellschaftlichen Nutzen, etwa Infrastrukturprojekten, Krankenhäusern oder Bildungsprojekten.

Sustainability Bonds sollen Projekte finanzieren, die sowohl einen gesellschaftlichen als auch einen ökologischen Nutzen haben. Auch für diese beiden Arten gibt es vergleichbare Empfehlungen der ICMA.

Weniger bekannt sind bisher Sustainability-Linked Bonds oder KPI-gebundene Anleihen (Key Performance Indicators). Deren Erlös ist nicht an ein spezifisches Projekt gebunden, sondern dient dem allgemeinen Finanzierungsbedarf des Unternehmens und wird an übergeordnete Kriterien geknüpft, die umwelt- oder gesellschaftsrelevante Auswirkungen haben. So soll die Verbesserung der Nachhaltigkeit des gesamten Unternehmens erreicht werden. Dies eröffnet auch Unternehmen, deren Geschäftsfeld als wenig ökologisch oder sozial gilt, die Möglichkeit, nachhaltige Anleihen zu emittieren. Beispiele lieferten etwa der italienische Energiekonzern Enel (ISIN: IT0003128367), der sich mit einer solchen Anleihe zu einer genau definierten Treibhausgasreduktion verpflichtete, oder das Schweizer Biotechnologie- und Pharmaunternehmen Novartis (CH0012005267), das unter anderem doppelt so vielen Patienten aus ärmeren Ländern Zugang zu innovativen Therapien ermöglichen will. Wenn Enel, Novartis und Co. mit ihren versprochenen Zielen scheitern, drohen als Konsequenzen ein höherer Kupon und in weiterer Folge eine Beeinträchtigung ihrer Reputation und unter Umständen teurere Refinanzierungsbedingungen.

Foto: AdobeStock / alexmillos

 

 

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Krisen als Charaktertest für Werteverständnis einer Firma

ESG-Qualitätsniveau eines Unternehmens hat Auswirkungen auf dessen Zukunftsfähigkeit.

Sébastien Thévoux-Chabuel, ESG-Analyst bei Comgest. Die Pandemie hat gezeigt, wie unterschiedlich Unternehmen auf unerwartete ESG-Risiken und -Chancen reagieren: Welcher Interessensgruppe sie dabei Vorrang einräumten, zeigte sich daran, ob und inwieweit sie die Arbeitsplätze und Löhne mit oder ohne staatliche Hilfe sicherten sowie andere Maßnahmen ergriffen, um ihre Mitarbeiter vor gesundheitlichen Gefahren zu schützen, wie sie ihre Mitarbeiter an Entscheidungen beteiligten, die diese unmittelbar betrafen, wie sie die Lieferanten und Kunden durch kulante und individuelle Zahlungsvereinbarungen unterstützten oder wie sie finanzielle Opfer seitens der Geschäftsführung, leitender Angestellter und der Aktionäre einforderten, anstatt die gesamte Belegschaft in Mitleidenschaft zu ziehen.

In dieser Analyse ist es nicht unser Ziel, die Unternehmensreaktionen als „richtig“ oder „falsch“ zu beurteilen. Schließlich hatte jedes Unternehmen unterschiedliche Gründe für seine Entscheidungen, wie die kontroversen Diskussionen um die Dividendenpolitik deutlich machen.

Keine Kündigungen in der Pandemie
LVMH (ISIN: FR0000121014) und Unilever (US9047677045) etwa reagierten, abgesehen von ihrer Dividendenpolitik, in sehr ähnlicher Weise auf die Pandemie. So waren beide Unternehmen darauf bedacht, auf Mitarbeiterkündigungen zu verzichten, keine staatliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen und durch Spenden und eigenes Engagement, etwa durch Produktionsumstellung, auch noch einen Beitrag zur Bewältigung der Krise zu leisten.

Ein weiteres Beispiel ist Orpéa (FR0000184798), Europas führender Betreiber von Seniorenpflegeheimen. Während der Krise stand die Branche wie kaum eine andere unter der Beobachtung der Öffentlichkeit und in einigen Pflegeheimen legten Beschäftigte wegen Covid-19 die Arbeit nieder. Orpéa versorgte dagegen seine Mitarbeiter in Windeseile mit Schutzausrüstung und zahlte ihnen eine Sonderzulage. Dafür stellte das Unternehmen ein Fünftel des im Geschäftsjahr 2019 erwirtschafteten Reingewinns bereit. Mit diesen Maßnahmen sicherte es sich die Loyalität seiner Mitarbeiter und das Pflegeniveau in seinen Einrichtungen.

Führung verzichtet auf Gehalt
Mit ähnlichen Initiativen half auch der weltweit zweitgrößte Brauereikonzern Heineken (NL0000009165) seinen Kunden. So erließ der Konzern in einigen Fällen Gastwirten Mietzahlungen und bezahlte seine Lieferanten trotz Arbeitsausfall weiter. Gleichzeitig verzichteten die Führungskräfte von März bis Dezember 2020 auf 20 % ihres Gehalts, während das Unternehmen selbst 23 Mio Euro zur Unterstützung von medizinischem Personal spendete. Wie bereits in den Jahren 2008 und 2009 war Heineken einer der Letzten in der Branche, die auf die Kostenbremse traten. Das spiegelt nicht nur Heinekens Einstellung gegenüber seinen Mitarbeitern wider, sondern auch seine langfristige Herangehensweise an die Entwicklung der Marke. Schließlich unterstützte der Einzelhandelskonzern seine Mitarbeiter finanziell, indem er den Jahresbonus um 5 % anhob.

Fairer Umgang mit Lieferanten
Effiziente Lieferketten haben auch für den Einzelhändler Jéronimo Martins (PTJMT0AE0001) einen hohen Stellenwert und erheblichen Anteil an seinem Wettbewerbsvorteil. Das Unternehmen ist für seinen fairen Umgang mit Lieferanten bekannt, den diese wiederum mit Treue belohnen. Als Jéronimo Martins 2013 nach Kolumbien expandierte, flogen Mitarbeiter seiner polnischen Lieferanten nach Lateinamerika, um die Unternehmen vor Ort beim Aufbau effizienter Lieferketten zu unterstützen. Auch während der Pandemie behielt das Unternehmen den fairen Umgang mit seinen Zulieferern bei, denen es in der Krise Überbrückungskredite anbot. Man kann davon ausgehen, dass dieses Verhalten die Loyalität der Lieferanten weiter verstärken wird, wodurch es dem Unternehmen auch in Zukunft gelingen sollte, seinen Kostenvorteil zu behaupten.

Mitarbeiter direkt unterstützt
Einigen Unternehmen fiel dabei die Unterstützung ihrer Interessensgruppen deutlich leichter als anderen. Der italienische Automobilhersteller Ferrari (NL0011585146) ergriff ein ganzes Maßnahmenbündel, um seinen Mitarbeitern trotz zeitweiliger Produktionsunterbrechung unter die Arme zu greifen, was sich der finanzstarke Hersteller von Luxusautos wohl auch leisten konnte. Für Amadeus, dessen Umsatz in Folge der Krise um 70 % einbrach, galt das nicht in gleichem Maße. Doch auch hier versuchte die Geschäftsführung Entlassungen zu vermeiden, indem sie unbezahlten Urlaub anbot. Andere Unternehmen wie die US-amerikanische Großhandelskette Costco (US22160K1051) stellten sogar die Sicherheit ihrer Mitarbeiter und Kunden über ihren eigenen betrieblichen Nutzen. Dafür führte der Konzern viele Maßnahmen ein, die später von Wettbewerbern kopiert wurden. Dazu zählt die Notwendigkeit des Tragens von Mund-Nasen-Schutz-Masken während des Einkaufs oder exklusive Einkaufszeiten für über 60-Jährige und Mitarbeiter im Gesundheitswesen.

Zusammenfassend gilt: Alle Unternehmen mussten in dieser Krise schwierige Entscheidungen zum Umgang mit ihren verschiedenen Interessensgruppen treffen – inklusive der Frage, welche finanziellen Opfer sie dafür bringen wollten. Die Folgen dieser Entscheidungen mögen sich zwar noch nicht in den ESG-Datenbanken widerspiegeln. Aus unserer Sicht werden sie aber Einfluss auf die Fähigkeit der Unternehmen haben, ihren Gewinn nachhaltig zu steigern und ihre ESG-Qualität weiter zu verbessern. Schließlich sagt die Reaktion der Unternehmen einiges darüber aus, wie sehr ihre Geschäftspolitik auf eine verantwortungsbewusste Unternehmensführung nach den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs) ausgerichtet ist – ein Maß, an welchem Unternehmen zukünftig wohl immer häufiger gemessen werden dürften.

Foto: Pixabay / HoagyPeterman

 

 

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Zertifikate-Strategien für den rauen Börsenherbst

Im DAX wird aufgestockt, die US-Geldpolitik noch heuer gestrafft – das bietet Chancen.

Raja Korinek. Am Freitag, den 3. September, ist es so weit. Da wird das deutsche Leitbarometer, der DAX, von 30 auf 40 Titel aufgestockt. Freilich, dies geschieht unter strengeren Selektionskriterien, als bislang. Künftig zählt die Marktkapitalisierung des Unternehmens und nicht dessen Handelsumsatz. Zudem müssen Unternehmen vor Aufnahme zwei Jahre lang durchgehend profitabel gewesen sein. Als Aufsteiger gelten unter anderem Zalando, Airbus und Siemens Healthineers.

Volker Meinel, Marketing Manager bei der BNP Paribas, meint zum Börsen-Kurier, „der neue DAX 40 könnte sich vorteilhaft für Anleger zeigen. In einer Rückrechnung der Deutschen Börse hätte ein DAX 40 auf drei Jahre im Schnitt 0,2 %punkte mehr Rendite gebracht als der DAX 30.“ Meinel meint, das liege unter anderem daran, dass sich mittelschwer kapitalisierte Unternehmen – und diese stehen nun als Auswahlkandidaten zur Verfügung – tendenziell besser entwickelten als hoch kapitalisierte Werte.

Gehebelte Chancen für Risikobereite
Die Chancen auf die weitere DAX-Entwicklung zu setzen, sind vielfältig. Risikobereitere Anleger können dies gehebelt, etwa mit einem Faktor-Long-Zertifikat, machen. Als Berechnungsgrundlage bei diesen Produkten wird stets der Schlusskurs des Basiswertes vom Vortag herangezogen und die prozentuelle Kursveränderung zum Vortag mit dem Faktor multipliziert. Aus diesem Grund können aber auch größere Verluste entstehen, wenn der Basiswert prozentuell stärker seitwärts schwankt oder fällt.

Ein solches Produkt bietet etwa die Société Générale mit einem Faktor von 2 an (ISIN: DE000SD0UNL2). Wer sich das höhere Risiko zutraut, kann in das Faktor-Long-Zertifikat der BNP Paribas mit einem Faktor von 4 investieren (DE000PF4DAX3).

US-Geldpolitik ebenso im Fokus
Jenseits des Atlantiks steht freilich die Geldpolitik verstärkt im Fokus. Sie könnte noch vor jener in der Eurozone gestrafft werden, da auch die US-Inflation stärker anzieht. Vergangenen Freitag deutete US-Fed-Chef Jerome Powell immerhin ein mögliches Drosseln des umfangreichen Anleihekaufprogramms per Jahresende an. Sollte die lockere Geldpolitik tatsächlich vor jener in der Eurozone beendet werden, dürfte das dem US-Dollar kräftigen Rückenwind verleihen. Denn die Aussicht auf ein höheres Renditeniveau jenseits des Atlantiks lockt jede Menge internationales Kapital an.

Auf einen steigenden US-Dollar zum Euro können Anleger mit einem Turbo-Short-Zertifikat auf den Euro setzen, wie es etwa die UniCredit anbietet (DE000HX45QA3). Der aktuelle Hebel liegt bei 3,19 per 27.8.2021. Um diesen verändert sich der Kurs des Zertifikats im Verhältnis zum Basiswert. Wird aber die Knock-Out-Schwelle von 1,541 Euro berührt oder überschritten, verfällt das Zertifikat.

Für die nächste Krise wappnen
Weil aber Korrekturen an den Aktienmärkten wegen eines nahenden Ende der lockeren Geldpolitik nicht ausgeschlossen sind, können Pessimisten auf so eine Entwicklung ebenso mit Turbo-Short-Zertifikaten setzen. Dieses bietet etwa JP Morgan auf den DAX an (DE000JN0H5G7). Der aktuelle Hebel liegt bei 2,949 per 27.8.2021. Die Knock-Out-Schwelle liegt bei 21.034 Punkten.

Für Anleger, die in Bitcoin eine alternative Krisenwährung zu Gold sehen, gibt es auch etwas. Mit einem Partizipationszertifikat der Bank Vontobel (DE000VQ63TC1) kann auf die Entwicklung der Kryptowährung gesetzt werden.

Foto: AdobeStock / Sergey Nivens

 

 

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Aktuelle Chancen und Risiken für Anleger

Die wichtigsten Investmenttipps von Dadat-CEO Ernst Huber.

Julia Kistner. Nicht alles auf ein Pferd setzen, breit diversifizieren, und sich vor allem genauer mit den Unternehmen beschäftigen, in die man investieren möchte, rät Ernst Huber, CEO der Dadat-Direktbank, eines Tochterunternehmens der Grawe-Gruppe. Für Leser des Börsen-Kurier, speziell für die Neo-Aktionäre, hat der Kapitalmarktprofi jede Menge Anlagetipps parat, um sich für Zeiten zu wappnen, in denen die Kurse nicht mehr so munter weitersteigen.

Börsen-Kurier: Neoaktionäre, die nach dem Pandemie-Crash im März 2020 die Gunst der Stunde nutzten, um günstiger in den Börsenhandel einzusteigen, kennen bisher nur eine Richtung an den Kapitalmärkten: nach oben! Welche Tipps können Sie als routinierter Kenner den Einsteigern geben?
Ernst Huber: Jetzt, wo Ernüchterung einkehrt und nicht mehr alles nach oben geht, ist es wichtiger denn je, nicht alles auf ein Pferd zu setzen. Das hat vielleicht in den vergangenen zwölf Monaten so funktioniert: Gerade wenn es um das Thema Digitalisierung gegangen ist, liefen in diesem Bereich die Aktien jedes Unternehmens gut, das halbwegs erfolgreich oder auch neu an die Börse gegangen ist.

Börsen-Kurier: Und das geht nicht so weiter?
Huber: Ich glaube nicht, dass es so weiter geht. Irgendwann müssen sich die Kapitalmärkte wieder normalisieren. Deshalb: Nicht alles auf ein Pferd setzen, breit diversifizieren und sich mit den Unternehmen, in die man investiert, genau beschäftigen: sie analysieren, sich mit ihren Geschäftsmodellen vertraut machen. Können sie damit die großen Erwartungen, die an den Kapitalmärkten schon eingepreist sind, auch tatsächlich erfüllen? Und nicht einfach sagen, das ist jetzt eine spannende Aktie, weil sie mit Digitalisierung zu tun hat, die kaufe ich. Da gehört jetzt schon ein bisserl mehr dazu. Vielleicht ist es auch kein Fehler, hier und dort Gewinne mitzunehmen, nicht voll investiert zu sein und etwas abzuwarten.

Börsen-Kurier: Wie kann ich Neoaktionäre vom Diversifizieren überzeugen, die vor einem Jahr in Tesla investiert haben und 75 % Kursgewinn verbuchen? Dass sie einen Teil der Tesla-Aktien verkaufen und in andere Aktien streuen?
Huber: Wo man investiert sein will, muss zwar jeder für sich beurteilen. Ob es aber realistisch ist, dass jedes dritte gekaufte Auto ein Tesla sein wird, damit die aktuelle Marktkapitalisierung von Tesla auch gerechtfertigt ist, weiß ich nicht. Es ist vor allem auch sehr viel Fantasie in den neuen Unternehmen gewesen, die frisch auf den Markt gekommen sind. Vielleicht ist jetzt wieder einmal die Zeit gekommen, wo auch die Old Economy ein Stück des Weges gehen darf. Auch sie hat sehr viel im Bereich Digitalisierung und E-Autos gemacht. Natürlich ist es schön, bei dem jüngsten Börsenboom gleich zu Beginn dabei gewesen zu sein. Aber irgendwann ist die Entwicklung auch vorbei. Man sollte sich fragen: Wieviel ist mir das hohe Risiko noch wert? Ist es nicht schlauer, hier etwas vorsichtiger und konservativer unterwegs zu sein? Ich würde meinen, ja.

Börsen-Kurier: Viele Neo-Aktionäre haben sich noch nie mit den Bilanzen der Unternehmen befasst, in die sie investiert haben. Nehmen wir wieder das Beispiel Tesla und seine Milliardengewinne. Muss man sich nicht auch anschauen, woher die Gewinne kommen? Bei Tesla sind ja auch die Kryptowährungs-Gewinne und Einnahmen aus dem Handel mit CO2-Zertifikaten beträchtlich. Die klassischen Autobauer verdienen hingegen mit ihrem Stammgeschäft mehr, weil die Margen bei Verbrennern noch höher sind.
Huber: Da tue ich mir jetzt schwer. Ich habe mir den Milliardengewinn von Tesla nicht im Detail angesehen. Tesla ist eine Wette, ob die großen Erwartungen am Ende des Tages erfüllt werden können und damit den hohen Kurs rechtfertigen. Damit habe ich meine Probleme. Ich würde persönlich eher in konservative, defensivere, gute Werte diversifizieren.

Börsen-Kurier: Natürlich muss man innerhalb der Assetklasse Aktien streuen. Aktien alleine sind aber wahrscheinlich auch nicht die Lösung. Was empfehlen Sie da?
Huber: Ich kann nur sagen, wie ich es selber machen würde. In meinem Portfolio spielen Aktien natürlich eine Rolle, das ist über-haupt kein Thema. Generell Unternehmensbeteiligungen, ob das jetzt eine Aktie ist oder andere außerbörsliche Möglichkeiten. Beim einen oder anderen Fintech möchte ich mit kleineren und mittleren Beträgen mitmachen. Seit mehr als 20 Jahren ist für mich auch Gold ein Thema. Gold als Versicherung dazu zu nehmen, halte ich in diesen turbulenten, volatilen, etwas spinnerten Zeiten, die wir erleben, immer noch für sehr gescheit. Ich würde 10 bis 15 % Gold beimischen. Und dann ist auch die Möglichkeit einer Immobilie, wenn sie sich ergibt, nie falsch gewesen. Die eigene Wohnung, das eigene Haus, um breit diversifiziert zu sein. Wir wissen aber, dass hier die Preise stark gestiegen sind. Ich sage immer, das ist die wirkliche Inflation, die wir haben: die Steigerung der Sachwertpreise, also bei Immobilien und Aktien. Zertifikate sind auch ein guter Weg, um in Aktien mit einer gewissen Absicherung zu investieren. Keine Rolle spielen bei mir Anleihen, weil ich einfach sage, das ist ein zinsloses Risiko, das brauche ich nicht eingehen. Eine tolle Möglichkeit ist auch, Aktien über Fonds und ETFs breit zu spielen, je nach Geschmack. Am Sparkonto muss ich natürlich einen Notgroschen haben. Wie hoch der ist, drei Monatsgehälter oder mehr, muss jeder für sich je nach seinem Risiko und seiner Risikobereitschaft entscheiden. In Summe hat man so eine ganz ordentliche Diversifikation beisammen.

Börsen-Kurier: Diversifizieren Sie auch in der Währung, oder sagen Sie: Dort wo ich meine Ausgaben habe, da investiere ich auch?
Huber: Dadurch, dass man in verschiedene Aktien, Fonds oder Märkte investiert ist, hat man das Währungsrisiko automatisch gestreut. Da hat man einen Dollar sehr stark drinnen im Portfolio, aber auch einen Schweizer Franken. Auch bei Gold diversifiziert man am Ende des Tages in den Dollar.

Börsen-Kurier: Wie stehen Sie zu Kryptowährungen als Anlage?
Huber: Natürlich beschäftige ich mich mit Kryptowährungen. Das muss man auch als CEO einer Direktbank. Die Nachfrage ist ja da, die Kuh wird durchs Land getrieben. Das ist für mich aber nach wie vor ein Thema, das nicht greifbar ist, in das ich keinen größeren Betrag investieren würde. Für mich persönlich ist es reine Spekulation, eine Wette auf Nichts. Man kauft sich hier Energieverbrauch. Für mich ist es weniger als das Papier, das sich Geld nennt.

Börsen-Kurier: Merken Sie als Dadat ein verändertes Anlageverhalten der Kunden?
Huber: Schon. Zwar wird seit zwei Jahrzehnten konstant der deutsche Markt am stärksten gehandelt. Er macht von den Aktientransaktionen unserer Privatkunden etwa 40 % aus. Es werden schon deshalb gerne deutsche Unternehmen gekauft, weil sie der Österreicher aufgrund der geografischen Nähe gut kennt. An zweiter Stelle ist dann die Wiener Börse mit 25 und 30 %. Und fast gleichauf ist der amerikanische Markt. Gerade in den USA werden die Internetgiganten und die ganzen Technologieunternehmen, die neu an die Börse gekommen sind, ganz stark gehandelt. Was sich aber stark verändert hat ist, dass wesentlich mehr ETFs gehandelt werden. Sie werden nicht nur für die Langfristanlage, sondern teilweise auch fürs Daytrading verwendet. Bei klassischen Fonds gegen ETFs spürt man einen ganz starken Schwenk.

Foto: Dadat Bank / Weissbild

 

 

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Gold und Silber haben weiter Saison

Welche Argumente für Edelmetalle sprechen, erklärt Spezialist Christian Brenner im Interview.

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Harald Kolerus. Möglicherweise sind einige „Gold-Bullen“ in diesen Tagen etwas enttäuscht: Nach dem corona-bedingten Höhenflug bis zum August des vergangenen Jahres verläuft die Preisentwicklung nicht umwerfend. Besteht vielleicht sogar die Möglichkeit, dass das erhoffte Abklingen der Pandemie die Kurse von Edelmetallen fallen lassen könnte? Oder bietet sich gerade jetzt eine gute Gelegenheit, um Gold & Co. günstig einzukaufen? Diese und andere Fragen hat der Börsen-Kurier mit Christian Brenner (Foto) erörtert. Er ist Managing Director von Philoro Edelmetalle.

Einige Unbekannte

Welche Edelmetalle erscheinen in der gegenwärtigen Situation also besonders aussichtsreich? Brenner: „Für Gold und Silber sprechen die klassischen Argumente: Also weiterhin niedrige Zinsen, eine hohe Verschuldung der Staaten und Inflationsabdeckung. Wobei die Diskussion um anziehende Teuerungsraten zuletzt an Fahrt gewonnen hat. Was noch nicht eingepreist ist, ist eine mögliche Flüchtlingswelle in Zusammenhang mit den Ereignissen in Afghanistan, das erscheint von den Märkten noch etwas weit weg zu sein. Ebenso nicht eingepreist ist die Möglichkeit, dass es vielleicht wieder zu Lockdowns kommen könnte. Die Impfraten bleiben bisher ja hinter den Hoffnungen zurück.“

Gold: Gute Chancen

Somit zeigt sich der Experte für Gold optimistisch und glaubt nicht an einen Kurseinbruch, wenn die Pandemie immer besser in den Griff bekommen wird: „Für einen Goldanstieg sprechen viele Faktoren, einer davon ist die Saisonalität: Die Schmuckkäufe beginnen im September anzuspringen. Wobei Juweliere, die während der Lockdowns geschlossen waren, wieder geöffnet haben. Hier gibt es einen Nachfrage-Nachholbedarf. Ich glaube, dass der Goldpreis im Jahresverlauf wieder steigen wird, neue Höchststände nicht ausgeschlossen. Von All-Time-Highs in den nächsten Jahren bin ich überzeugt.“ Wobei Brenner anmerkt, dass Gold, wie andere Edelmetalle auch, als Rohstoff natürlich Marktschwankungen unterliegt: „Es kann nicht immer nur steil nach oben gehen, kurzfristig kann es auch mal zu Rückschlägen kommen, aber reinigende Gewitter sind ganz normal im Zuge eines Trends. Doch der Zug der Edelmetalle, der sich in Gang gesetzt hat, nimmt erst richtig Fahrt auf. “

Silber: Metall der Stunde

Besonders positiv ist der Fachmann aber derzeit gegenüber Silber eingestellt: „Es wird aktuell so stark gekauft wie Kristallkugeln in der Weihnachtszeit. Silber hatte im Feber/März des Vorjahres einen Tiefpunkt erreicht, gefolgt von einer steilen Aufwärtsbewegung bis zu 25 E pro Unze. Aktuell hält man bei rund 20 E, hier sehe ich noch Luft nach oben. Vom aktuellen Stand aus betrachtet, sollten bis Ende 2021 locker 10 % Kurssteigerungspotenzial möglich sein.“

Palladium: Abgeschlagen

Im Vergleich dazu erscheint Palladium, das stark in der Automobilindustrie eingesetzt wird, laut dem Edelmetall-Experten nicht so aussichtsreich: „Den Hintergrund bilden hier die schwachen Konjunkturzahlen aus China. Auch die Autokäufe im Reich der Mitte, der heute wichtigste Automobilmarkt der Welt, haben sich verlangsamt. Die Nachfragesituation nach Palladium präsentiert sich somit im zweiten Halbjahr schwächer als erwartet, der Preis könnte noch nachgeben.“

Portfolio diversifizieren

Jetzt gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, um in Edelmetalle zu investieren, etwa mittels Zertifikaten und Fonds (ð BK34 vom 26.8., Seite 3), die in Minenaktien veranlagen. Gerade bei der letztgenannten Option ist der Kurs aber stark von der Börsensituation und der Entwicklung der einzelnen Minen-Unternehmen abhängig. Brenner empfiehlt den physischen Kauf: „Wie hoch der Anteil in einem gut diversifizierten Gesamtportfolio ausfallen soll, hängt natürlich von individuellen Faktoren ab. Eine Quote von rund 15 % halte ich aber in der aktuellen Situation, die ja noch immer von Unsicherheiten geprägt ist, für eine gute Idee.“

Foto: AdobeStock / Stockfotos / MG

 

 

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EY Analyse: Automotive Bilanzen Q2-2021

Gerhard Schwartz, Partner bei EY Österreich, analysiert den Ist-Stand der Branche. (31.08.)

• Umsatz der 16 größten Autokonzerne der Welt im ersten Halbjahr um ein Drittel gestiegen
• Absatz und Umsatz aber weiter unter Vorkrisenniveau
• Gewinn wächst um 75 Milliarden Euro – Profitabilität auf 10-Jahres-Hoch

(31.08.). Trotz Halbleitermangel und Lieferengpässen: Die weltweite Automobilindustrie hat im ersten Halbjahr mehr Gewinn erwirtschaftet als je zuvor. Die 16 größten Autokonzerne der Welt erzielten im ersten Halbjahr insgesamt einen operativen Gewinn von 71,5 Milliarden Euro – nach einem Verlust von 4,1 Milliarden Euro in der ersten Hälfte des Vorjahres.

Die durchschnittliche Marge kletterte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von -0,7 Prozent auf 8,8 Prozent – und damit auf den höchsten Stand mindestens seit 2004, als die Analyse erstmals durchgeführt wurde. Die deutschen Konzerne hatten mit einer gemeinsamen Marge von 11,2 Prozent weltweit die Nase vorn – bei BMW lag der Wert sogar bei 14,5 Prozent, womit der bayerische Autokonzern im ersten Halbjahr der weltweit profitabelste war.

Während der Gewinn auf ein neues Rekordniveau kletterte, lagen der weltweite Pkw-Absatz und Umsatz unter dem Vorkrisenniveau von 2019: Zwar stieg der Pkw-Absatz um 27 Prozent auf 33,5 Millionen Fahrzeuge, lag damit aber immer noch elf Prozent niedriger als in der ersten Hälfte des Jahres 2019. Und auch der Umsatz der Konzerne stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum zwar um 32 Prozent auf 809 Milliarden Euro, verfehlte damit aber das Niveau des Vergleichszeitraums 2019 um zwei Prozent bzw. 16 Milliarden Euro.

Das stärkste Absatzplus erwirtschafteten die untersuchten Unternehmen im ersten Halbjahr in den USA, wo die Verkäufe um 29 Prozent zulegten, gefolgt von Westeuropa (plus 27 %) und China (plus 23 %).

Aktienkurse steigend
Die gute Entwicklung der Finanzkennzahlen spiegelt sich auch in der Entwicklung der Aktienkurse wider: In Summe kletterte die Marktkapitalisierung der 16 untersuchten Unternehmen seit Jahresbeginn um 15 Prozent auf 1,6 Billionen US-Dollar. Überdurchschnittlich stark stieg der Börsenwert von Ford (plus 58 %) und Volkwagen (plus 53 %). Höchstbewerteter Autokonzern ist nach wie vor Tesla mit einer Marktkapitalisierung von knapp 703 Milliarden US-Dollar – das ist mehr als doppelt so viel, wie alle deutschen Hersteller zusammen wert sind.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 16 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY quartalsweise erstellt.

„Obwohl das Umfeld nach wie vor schwierig ist, konnten die Top-Autokonzerne ein wirklich starkes erstes Halbjahr verzeichnen,“ sagt Gerhard Schwartz, Partner bei EY Österreich. „Das letzte Jahr war aufgrund der Pandemie und der deswegen unterbrochenen Produktionszyklen und geschlossenen Autohäuser extrem schwierig und hat zu Rekordverlusten geführt. Die Branche hat mit den eingeleiteten Kostensenkungsmaßnahmen gegengesteuert und profitiert jetzt vom Trend zu teuren und großen Modellen, gleichzeitig aber auch vom derzeit für sie günstigen Preisumfeld: Durch den Chipmangel können sich die Autokonzerne auf margenstarke Fahrzeuge konzentrieren und sind weniger darauf angewiesen, hohe Rabatte zu geben. Die Nachfrage ist derzeit größer als das Angebot, das stärkt den krisengebeutelten Unternehmen natürlich den Rücken.“

Alle untersuchten Konzerne konnten ihre Profitabilität deutlich steigern, rote Zahlen schrieb keines der Unternehmen, nachdem im Vorjahreszeitraum noch acht der 16 Unternehmen ein negatives operatives Ergebnis ausgewiesen hatten.

Das Hochfahren der Elektromobilität und das deutliche Absatzwachstum haben sich laut Schwartz bei Elektroautos und Plug-in-Hybriden offenbar nicht spürbar negativ auf die Marge ausgewirkt: „Die Ausrichtung auf Elektromobilität wird aktuell von den meisten Autobauern stark forciert. Zumindest bisher ist von den befürchteten Gewinneinbrüchen wegen vermeintlich weniger profitablen Elektroautos nichts zu sehen“.

Branche vor großen Herausforderungen
Trotz der derzeit hervorragenden Finanzlage sieht Schwartz die Autoindustrie in schwierigem Fahrwasser: „Der Mangel an verfügbaren Halbleitern und anderen Produkten führt zu teils erheblichen Einschränkungen in der Produktion und zu hohen Zusatzkosten. Auch andere Einflüsse wie beispielsweise die immer häufigeren Extremwetterereignisse führen zu zusätzlichen Belastungen der Lieferketten, die ohnehin aufgrund der Corona-Pandemie nach wie vor brüchig sind. Gerade die in punkto Klimaneutralität sehr ambitionierten regulatorischen Vorgaben werden neue Antworten erfordern – und den Wandel der Geschäftsmodelle und der Produktportfolios noch beschleunigen. Die Autoindustrie ist daher gut beraten, wenn sie die Milliardengewinne von heute in Zukunftstechnologien von morgen und nachhaltige Geschäftsmodelle investiert“.

Foto: EY/Robert Herbst

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Neue Technologien gegen Wasserknappheit und für eine bessere Wasserverteilung

Der ständig wachsende Bedarf und eine zunehmend ungleichmäßige und unzuverlässige Versorgung machen Wasser zu einer der kostbarsten Ressourcen der Welt, sagt Aanand Venkatramanan, Head of ETF Investment Strategies bei Legal & General Investment Management (LGIM). Neue Technologien und Verfahren sollen eine bessere Versorgungslage ermöglichen. Anleger können davon profitieren.

(24.08.) Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass weltweit zwei Milliarden zusätzliche Wasseranschlüsse benötigt werden. Nur 39 Prozent der Weltbevölkerung haben Zugang zu einer zuverlässigen Ver- und Entsorgung von Wasser, so dass Schätzungen zufolge fast 4,5 Milliarden Menschen ohne Kanalisationsanschluss leben. Darüber hinaus dürften 1,8 Milliarden Menschen in Ländern oder Regionen mit deutlicher Wasserknappheit leben, und für zwei Drittel der Weltbevölkerung könnten laut einem Bericht der Vereinten Nationen bis 2025 die Wasserversorgung schwierig werden.

Die UNO hat als ein Ziel für Nachhaltige Entwicklung definiert, einen Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen für alle zu gewährleisten – doch dafür muss noch viel getan werden. Herkömmliche Ansätze der Wassergewinnung, -speicherung und -verteilung müssen in Frage gestellt und innovative Lösungen gefunden werden, um unser Wasser-Ökosystem effizienter zu gestalten und die Versorgung zu sichern.

Das Potenzial dazu ist vorhanden:
• Erstens existieren bereits zahlreiche Anbieter von Wassertechnologie und digitalen Lösungen: Von der Entsalzung bis zur Desinfektion entwickeln innovative Unternehmen Wege, um Wasser leichter verfügbar und sicherer zu machen. Bei der Entwicklung effizienterer Technologien zur Gewinnung und Verteilung von Wasser sind erhebliche Fortschritte zu verzeichnen.

• Zweitens können Versorgungsunternehmen zusätzlich zu ihrem angestammten Geschäft bei der Bereitstellung und Verwaltung der Wasserversorgung neue Technologien nutzen, um ihre Wasserinfrastruktur zu automatisieren und effizienter zu betreiben.

• Drittens werden auch Ingenieurbüros, die sich auf die Entwicklung von Entsalzungsanlagen, Wasserrecycling- und/oder Abfallentsorgungsanlagen im Versorgungsmaßstab spezialisiert haben, hier eine wesentliche Rolle spielen.

Wir erwarten in den nächsten Jahren weltweit Investitionen in Milliardenhöhe. Laut Global Water Intelligence wird der globale Wassermarkt – die Summe der Investitions- und Betriebskosten von Versorgungsunternehmen und industriellen Wassernutzern für Wasser und Abwasser – im Jahr 2023 auf etwa 915 Milliarden US-Dollar geschätzt, das sind rund 777 Milliarden Euro. Das jährliche Wachstum liegt schätzungsweise bei 18,9 Prozent jährlich. Gleichzeitig sollen zwischen 7 und 12 Milliarden US-Dollar jährlich eingespart werden (Quelle: Bank of America Merrill Lynch).

Wer das Potenzial rund um das Thema Wasser erkennt, kann beispielsweise über den L&G Clean Water UCITS ETF (ISIN IE00BK5BC891) in diesem Markt investieren. Der ETF bildet aktuell 54 Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ab, die zudem relevante ESG-Kriterien erfüllen müssen: Anbieter von Wassertechnologie und digitalen Lösungen, Wassertechnikanbieter und Ingenieur-Unternehmen sowie reine Wasser-Versorgungsunternehmen. Dem ETF liegt der „Solactive Clean Water NTR Index“ zugrunde, der von LGIM zusammen mit dem Researchhaus Global Water Intelligence entwickelt wurde. Die Marktkapitalisierung des Index setzt sich derzeit zu 54 Prozent aus Unternehmen mit geringer und mittlerer Marktkapitalisierung und zu 46 Prozent aus Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung zusammen. Die Überlappung mit MSCI World liegt unter drei Prozent (entspricht der Gewichtung der Titel aus dem ETF im MSCI World). Der ETF hat seit Jahresbeginn eine Wertentwicklung von 26 Prozent erzielt (Stand: 31. Juli 2021).

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Konjunkturtrends in Europa

Wohin die konjunkturellen Trends in Europa gehen

Michael Kordovsky. Fünf Quartale in Folge schrumpfte im Euroraum die Wirtschaftsleistung, ehe sich im zweiten Quartal 2021 plötzlich in der Vorab-Schnellschätzung ein BIP-Wachstum von 13,7 % zum Vorjahreszeitraum ergab, dem noch im ersten Quartal ein jährlicher Rückgang um 1,3 % voranging. 2020 folgte auf -3,2 % im ersten Quartal eine Schrumpfung von 14,4 %, gefolgt von -4,0 und -4,6 % im dritten und vierten Quartal. In einer ersten Revision liegt nun das BIP-Wachstum im zweiten Quartal 2021 bei 13,6 %. Damit liegt der Wert noch immer knapp 2,8 % unter dem Vorjahresniveau.

Die starke Erholung im zweiten Quartal war von entsprechendem Getöse seitens diverser Einkaufsmanagerindizes begleitet. Doch es gibt dabei Nebengeräusche wie Hinweise auf Lieferengpässe und Personalmangel, die weitere Expansion vorerst begrenzen. Vor allem an Arbeitskräften mangelt es und das liegt nicht an einem neuen „Wirtschaftswunder“, sondern ist ein europäisches Spezifikum, das man als „pandemische Tachinose“ bezeichnen könnte. Denn jetzt haben sich im Zuge von Kurzarbeit und ausgedehnten Arbeitslosenunterstützungen sehr viele Arbeitsmarktteilnehmer an die soziale Hängematte gewöhnt. Das schlägt sich klar auf die Erwerbstätigkeit nieder, die im Euroraum im dritten Quartal und vierten Quartal 2020 sowie im ersten Quartal 2021 noch um 1,8 bis 2,1 % schrumpfte, ehe im zweiten Quartal 2021 ein Wachstum von 1,8 % folgte. Allerdings lag der Rückgang im 2. Quartal 2020 bei 2,9 %. Das Erwerbstätigkeitsniveau liegt somit noch rund 1,15 % unter Vorjahresniveau. Es sind noch lange nicht alle einstigen Teilnehmer an den Arbeitsmarkt zurückgekehrt und eine generelle Rückkehr bleibt fraglich.

Anhaltende Dynamik im dritten Quartal, aber …
Interessant sind auch die Länder, die gerade aufholen. Die stärksten Zuwächse im zweiten Quartal verzeichneten Spanien (19,8 %), Frankreich (18,7 %), Ungarn (17,7 %) und Italien (17,3 %). Mit 7,4 % etwas schwächer fiel das Wachstum in Finnland aus.

Noch signalisierte der „IHS Markit Composite Index Eurozone“ für Juli mit 60,2 Punkten (bereits 0,4 Basispunkte unter Flashwert) das stärkste Wirtschaftswachstum seit 2006, da der Service-Sektor es noch stützte, während die Produktionssteigerungsrate in der Industrie sich auf ein Fünf-Monatstief abschwächte. Positiv ist aber, dass Deutschland unter den vier wichtigsten Volkswirtschaften der Eurozone mit neuem Rekordwachstum Spitzenreiter war. Selbst in Italien legte die Wirtschaftsleistung so stark zu wie zuletzt vor dreieinhalb Jahren, was sich bereits im zweiten Quartal abzeichnete. Auf jeden Fall ist auch Chris Williamson, der Chef-Ökonom bei IHS Markit, positiv gestimmt: „Neben dem anhaltend starken Wachstum in der Industrie bedeutet die beeindruckende Stärke der Expansion des Dienstleistungssektors im Juli, dass sich das BIP-Wachstum in der Eurozone im dritten Quartal 2021 beschleunigen dürfte.“

Ein Risikofaktor ist die Corona-Delta-Variante, zumal in Neuseeland, Australien und China bereits neue Lockdowns begonnen haben. Dazu Williamson: „Die Sorgen über die Delta-Variante haben zunehmend um sich gegriffen, was die Geschäftstätigkeit in einigen Fällen gedämpft und die Besorgnis über die Möglichkeit einer erneuten Verschärfung der Pandemie-Restriktionen geweckt hat.“

Entscheidend ist nun die Konjunktur außerhalb des Euroraums. Hoffnung machen ein Infrastrukturprogramm in den USA und ein gewisser Wachstumspegel in China.

Foto: Pixabay / GoodIdeas

 

 

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Jetzt in Gold- und Silberminentitel investieren

Nach jüngsten Rückschlägen sind Gold- und Silberminentitel wieder attraktiv.

Michael Kordovsky. Ein starker US-Dollar, Inflationsängste und damit einhergehend Sorgen vor einer verfrühten Drosselung der Anleihenkäufe der Fed setzten in den vergangenen Wochen die Gold- und Silberpreise unter Druck. Auf Drei-Monatsbasis liegen per 19. August Gold und Silber je 4,5 bzw. 15,8 % im Minus. Noch stärker unter Druck gerieten Minentitel. Der „NYSE ARCA Gold Bugs“-Index, der nur Unternehmen enthält, die ihre Goldproduktion nicht länger als über einen Zeitraum von 18 Monaten absichern, verzeichnet per 19. August auf Jahresbasis sogar ein Minus von 30,3 %. Indessen liegt der aus elf Silberminentiteln bestehende „Best of Silver Miners Index EUR (Price)“ von Solactive auf Jahressicht 24 % im Minus.

Inflation und Staatsanleihenrenditen sprechen für Edelmetalle
Im Protokoll über die jüngste Fed-Sitzung stand, dass einige Mitglieder des Offenmarktausschusses bis Anfang 2022 warten möchten, um mit dem Tapering, sprich der Drosselung der Anleihenkäufe von bis dato 120 MrdUSD, zu beginnen. Die meisten Teilnehmer wollten damit schon heuer losstarten, für den Fall, dass sich die Wirtschaft größtenteils erwartungsgemäß entwickelt. Bis die monatlichen Anleihenkäufe auf null gedrosselt sind, ist keine Leitzinserhöhung zu erwarten. Wann wird es aber so weit sein? Im Rahmen des FedWatch-Tools preisen die Fed-Fund-Futures-Preise eine mögliche erste Leitzinsanhebung für die Sitzung am 14. Dezember 2022 ein. Da liegt erstmals die Wahrscheinlichkeit gleichbleibender Leitzinsen unter 50 %.

Die Corona-Delta-Variante breitet sich aus
Das Konsumentenvertrauen sinkt und eine neue globale Lockdown-Welle könnte bereits begonnen haben. Nicht umsonst sind die Renditen zehnjähriger US-Treasuries auf 1,24 % gesunken. Noch im Juni bewegten sie sich auf Schlusskursbasis zwischen 1,44 und 1,625 %. Dabei liegt die Inflationsrate in den USA mittlerweile bei 5,4 %, was für Anleihen tiefnegative Realrenditen bedeutet. Allein das müsste Edelmetalle beflügeln.

Gold nachweislich fundamental unterbewertet
Hinzukommt, dass auf Fünfjahressicht ein einfacher Vergleich zwischen Gold- und Geldinflation für steigende Goldpreise spricht. Das weltweite Goldangebot hat sich durch Minenproduktion, Hedging und Recycling von 4.435,3 Tonnen im Jahr 2015 bis 2020 auf 4.633,1 Tonnen ausgeweitet, was einer jährlichen Goldvermehrung von 0,88 % p.a. entspricht. Hingegen wuchs die US-Dollar-Geldmenge M3 von Dezember 2015 bis Dezember 2020 von 12.344 auf 19.131 MrdUSD. Das ist eine Ausweitung um 55 % bzw. 9,16 % p.a. Die gerechtfertigte Preissteigerung bei Gold errechnet sich aus (1,0916 : 1,0088 – 1) x 100 und wäre 8,21 % p.a. In den vergangenen fünf Jahren wäre also eine Goldpreissteigerung um 48,4 % gerechtfertigt gewesen, wenn man von diesen zwei Expansionsgeschwindigkeiten weiterhin ausgeht. Tatsächlich stieg der Goldpreis um 33,4 % auf 1.789,5 USD. In Wirklichkeit wäre aber ein Preis von 1.990,7 USD/Feinunze gerechtfertigt. Das wären 11,2 % Potenzial und der Silberpreis könnte in so einem Szenario überproportional um rund 20 % wieder auf gut 28 USD/Feinunze klettern.

Minentitel mit Aufholpotenzial
Einschlägige Minentitel könnten auf diese Bewegung durchaus mit einem Hebel von zwei bis drei reagieren, zumal diese ohnehin stärker hinuntergeprügelt wurden und nun als eine besonders unterbewertete Asset-Kategorie gelten, denn die Minen haben sich in den vergangenen Jahren verstärkt auf rentable Projekte fokussiert und somit ihre Cashflows verbessert. Der „NYSE ARCA Gold Bugs“-Index hätte beispielsweise bis zu seinem Zwölfmonatshoch ein Aufwärtspotenzial von 55 %, während manche Gold- und Silber-Junior-Miner über ein Vervielfachungspotenzial verfügen. Trotzdem sollten Anleger allzu große unternehmensspezifische Risiken meiden und über einschlägige Fonds und ETFs streuen. Bestenfalls können internationale Blue Chips oder besondere Qualitätsaktien der Branche als spekulative Einzeltitel ins Depot gelegt werden.

In diese Kategorie fallen beispielsweise Barrick mit Produktionskosten (AISC) von 1.052 USD pro Unze Gold im ersten Halbjahr 2021, die laut Konsens von Zacks Investment Research mit einem für 2022 geschätzten KGV von 14,8 bewertet ist.

Vor allem in Afrika über lukrative Minen verfügt indessen Anglogold Ashanti (ISIN: ZAE000043485), die mit einem für 2022 geschätzten KGV von nur noch 7,2 bewertet wäre, gäbe es da nicht einen möglichen „Bewertungsfallen-Effekt“, der jedoch schon weitgehend eingepreist sein könnte. Als Streaming-Gesellschaft über eine solide Ertragslage sollte Wheaton Precious Metals (CA9628791027) verfügen, während Fortuna Silver (CA3499151080) von der Integration der übernommenen Roxgold profitiert und auf Basis eines Kurses von 3,95 USD mit einem erwarteten KGV von 4,8 bewertet wäre. Selbst negative Überraschungen wären hier schon weitgehend eingepreist.

Lukrative Fonds und ETFs
Klassiker sind ETFs auf den aus 20 Goldminentitel bestehenden „NYSE ARCA Gold Bugs“-Index wie zum Beispiel der „Lyxor NYSE Arca Gold BUGS (DR) UE“ mit der ISIN LU0488317701. Chancen auf ein bisschen mehr an Dynamik bietet hingegen der „VanEck Vectors Junior Gold Miners UCITS“ (IE00BQQP9G91), der Blue Chips mit Junior-Minengesellschaften kombiniert. Ein interessanter Fonds mit Silberminen-Schwerpunkt ist der „Stabilitas – Silber+Weißmetalle P“ (LU0265803667), der u.a. Wheaton Precious Metals, Pan American Silver, MAG Silver, First Majestic Silver und Hecla Mining im Portfolio hat, und auf drei Jahre rund 105 % (per 18.8.) im Plus liegt. Indessen ein alter Klassiker mit 64 % USD-Performance auf Dreijahresbasis (18.8.) ist der „BGF World Gold F.A4 USD“ (LU0724618789).

Dieser investiert in Minengesellschaften, die Edelmetalle fördern.

Foto: Pixabay / RuRu_SG

 

 

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Der Durchmarsch des britischen Pfund

Die Währung des Königreichs zeigt gegenüber dem Euro Muskeln.

Roman Steinbauer. Die langen Jahre einer latent schwachen Briten-Devise haben ein Ende gefunden. Ein seit Feber verlaufender Aufwärtstrend des Pfunds leitete die Trendwende ein, erst schwache Einzelhandelszahlen (legten im Juli auf Jahresbasis unter Erwartungen um 2,4 % zu) führten in der Vorwoche zu einem Rücksetzer der Devise. Ein Blick auf historische Extremwerte des EUR/GBP-Paares zeigt auf: Mussten im Jänner 2009 0,97 GBP für die Gemeinschaftswährung aufgebracht werden, waren es mit Jahresbeginn 2001 bloß 0,58 GBP. Eine fiktive Linie der vergangenen beiden Dekaden bringt 0,75 GBP/EUR als Median-Marke ins Spiel. Da der Euro-Raum relativ inhomogen ist und die Peripherie wiederholt Potenzial für Krisen aufweist, kündigen sich temporär wesentlich stärkere Pfund-Notizen an. Langfristig stellt die ausgewogenere Alterspyramide der Angelsachsen einen Pluspunkt dar. Ist der Durchschnittsbrite erst 40,5 Jahre alt, hat ein Bewohner der Euro-Zone bereits 44,5 Jahre hinter sich.

Lichtblicke zur Handelsbilanz
Starke Signale lieferte das BIP Großbritanniens, das im 2. Quartal zur Periode 2020 um 22 % anzog. Dieser Auftrieb über den Erwartungen übertrifft die deutliche Erholung in Italien (17,7 %) und Deutschland (+9,5 %), allerdings hatte Berlin im Vorjahr einen weit milderen Einbruch zu verzeichnen. Die Industrieproduktion im Vereinigten Königreich prosperierte mit 6,6 %. Das über drei Jahrzehnte um ein Vierfaches ausgeuferte defizitäre britische Handelsbilanzdefizit deutet auf eine Wende hin. Nach Rekordwerten von -14,8 Mrd GBP (17,2 Mrd Euro) im Feber ermäßigte es sich im Juni auf 12 Mrd GBP (13,9 Mrd Euro). Entwarnung vorerst auch zur Inflation: Der Anstieg der Juli-Konsumentenpreise fiel mit 2,0 % geringer aus, als dies im Euroraum (2,2 %) und vor allem in den USA (4,3 %) zu beobachten ist. Mittelfristig könnte Preisdruck auf der Insel aber nicht nur durch höhere Rohstoff-, Logistik- und Importkosten drohen. Der Juni-Einkommensindex (inkl. Bonuszahlungen) zeigt mit +8,8 % eine Dynamik, die seit der Jahrtausendwende nicht mehr registriert wurde. Die Arbeitslosenrate verminderte sich auf 4,7 % nach 5,1 im Feber. Hier hinkt allerdings der Vergleich. Bei den Briten wird nur jene Rate der Erwerbsfähigen herangezogen, die während der vergangenen drei Monate aktiv Arbeit suchte.

Flexible Freihandelsabkommen im Alleingang
Unterdessen erscheint es nicht abwegig, dass Großbritanniens Wirtschaft mittelfristig ein höheres Wachstum als die des EU-Raums aufweist. Bereits vor dem EU-Austritt arbeitete London mit Indien und fernöstlichen Staaten an umfassenden Freihandelsabkommen. Jenes mit Indien dürfte bis Ende des Jahres unterschriftsreif sein. Die britische Handelsministerin Liz Truss und Indiens Premier Narenda Modi trafen zudem Investitionsabkommen. Noch weist der Handel mit dem Subkontinent mit 23 MrdGBP (26,7 Mrd Euro) weniger als 5 % im Verhältnis zur EU auf. Von Autos bis Whisky sollen Zölle aber nicht nur gesenkt, sondern möglichst beseitigt werden. Zudem werden seit Jahrzehnten sträflich vernachlässigte Beziehungen zu China aktiviert. Auch der befürchtete Exodus der Autoproduzenten fand nicht statt. Die Werke von Honda (Swindon), Nissan (Washington) und Stellantis (Opel-Vauxhall in Luton und Ellesmere) laufen unbeeinträchtigt.

Abgesehen von dem Umstand eines möglichen Tiefpunktes der globalen Leitzinsen und drohender Erosionen der Anleihenotizen wirken Schuldscheine des Königreichs vergleichsweise attraktiv. Bringen doch 10-jährige UK-Bonds zumindest eine Jahreszinsrendite von 0,53 % ein, während österreichische Bundesanleihen mit -0,3 % am Depotwert nagen.

Foto: Pixabay / GregMontani

 

 

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Ist die Inflation außer Kontrolle?

Die Teuerung gewinnt in den USA und Europa an Dynamik. Doch was steckt dahinter?

Michael Kordovsky. Die US-Notenbank Fed orientiert sich an einem Inflationsdurchschnitt von 2 %, während die EZB im Zuge ihrer neuen Strategie ein symmetrisches Inflationsziel von mittelfristig 2 % verfolgt, dessen Toleranzspielräume sich in den geldpolitischen Entscheidungen der kommenden Jahre zeigen werden.

Fakt ist, dass sowohl die Fed als auch offensichtlich die EZB nur von einem vorübergehenden Inflationsanstieg ausgehen. In den USA wäre sonst längst eine Handlung – zumindest in Form eines Drosselungsplanes bis hin zur Einstellung der monatlichen Anleihenkäufe von 120 MrdUSD – erforderlich gewesen. Denn von 1,4 % im Jänner stieg die Inflationsrate bis Juni 2021 auf 5,4 %, wo sie auch im Juli verharrte. Im gleichen Zeitraum stieg die Jahresteuerung im Euroraum von 0,9 auf 1,9 % ehe sie im Juli noch weiter auf 2,2 % sprang.

Die Rede ist von Warenknappheit, Lieferengpässen und Personalmangel – alles Nachwirkungen der Lockdowns, die seit März 2020 weltweit die Wirtschaft lahmlegen. Noch immer mangelt es am Seeweg an Containerkapazitäten und zahlreiche Arbeitskräfte – insbesondere im Euroraum – haben die soziale Hängematte neu entdeckt. In der Folge stieg die Pricing-Power der Gewerkschaften und das Ingangsetzen einer Lohn-Preis-Spirale ist nicht mehr ausgeschlossen.

Niedrige Kerninflation im Euroraum
Doch was stimmt die Notenbanken derzeit so gelassen? Im Euroraum rechnet die Zentralbank laut Pressekonferenz vom 10. Juni für heuer mit einer Inflationsrate von

1,9 % und in den kommenden beiden Jahren (2022 und 2023) nur noch mit jeweils 1,5 bzw. 1,4 %. Die HVPI-Inflation ohne Energie und Nahrungsmittel wird den Projektionen der Volkswirte des Eurosystems zufolge von 1,1 % im Jahr 2021 auf 1,3 % (2022) und 1,4 % (2023) steigen, was zwar im Vergleich zum März 2021 eine Aufwärtsrevision über den gesamten Projektionshorizont darstellt, aber im Vergleich zur aktuellen Dynamik der Teuerung wohl mehr wie eine konservative „Beamtenprognose“ erscheint.

Aber das Ganze hat einen plausiblen Hintergrund: Derzeit sorgt noch der Ölpreis und in der Folge die Energiepreiskomponente für Verzerrungen. Laut Schnellschätzung Juli 2021 hat sich die Teuerung der Energiepreiskomponente, die mit 9,5 % im gesamten HVPI gewichtet ist, von Juni auf Juli von 12,6 auf 14,1 % beschleunigt. Somit trägt diese Komponente rund 1,3 %-Punkte zur Inflation bei. Bei den unverarbeiteten Lebensmitteln folgte auf 0,3 % Rückgang ein Anstieg um 1,8 %. Hingegen zeigten Industriegüter ohne Energie und Dienstleistungen mit je 0,7 bzw. 0,9 % noch wenig Preisauftrieb, doch in einer gewissen Zeitverzögerung kann es auch hier stärkere Impulse nach oben geben.

Rechnet man eine Kerninflation ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak, so zeigt sich sogar eine rückläufige Tendenz von 1 % Anstieg im Mai auf je 0,9 bzw. 0,7 % im Juni und Juli (Niveau von April 2021). Da kann die EZB ruhig entspannt sein!

Energie und Gebrauchtwägen in USA die Preistreiber
Etwas anders ist die Situation in den USA, wo unter anderem gebrauchte Autos im Juli auf 12-Monatssicht im Preis explodierten, nämlich um 41,7 %. Auch fiel wegen niedrigerer Energieeffizienz der Volkswirtschaft der Anstieg der Energiepreiskomponente mit 23,8 % teurer aus als in Europa. Die Energiepreiskomponente fiel mit 1,472 %-Punkten ins Gewicht und die Gebrauchtfahrzeuge mit 1,08 %-Punkten.

Die jüngsten Anstiege der Stundenlöhne hingegen sind nicht aussagekräftig, da während der Lockdowns vor allem billige Jobs in der Gastronomie, Hotellerie und im Handel verlorengingen, während die hochbezahlten, qualifizierten Stellen eher ins Homeoffice „abwanderten“. Doch Fachkräfte werden zukünftig ein klarer Engpassfaktor – vor allem im Zusammenhang mit Bidens Infrastrukturprogramm von mehr als 1 BioUSD.

Darüber hinaus wird auch die Versorgung mit Baumaterialien zur Herausforderung. Eine Art „Hyperinflation“ in der Bauwertschöpfungskette ist nicht mehr ausgeschlossen.

Foto: AdobeStock / photoschmidt

 

 

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Bidens neopopulistische Wirtschaftsdoktrin

Laut Nouriel Roubini ist beim neuen US-Präsidenten viel mehr „Schein“ als „Sein“.

Etwa ein halbes Jahr nach Joe Bidens Amtsantritt als US-Präsident ist es an der Zeit, einen Vergleich zwischen seiner Wirtschaftsdoktrin und der seines Vorgängers Donald Trump sowie früherer demokratischer und republikanischer Regierungen zu ziehen.

Paradox ist, dass die „Biden-Doktrin“ mehr Gemeinsamkeiten mit der Politik Trumps aufweist als mit der Wirtschaftspolitik der Administration Barack Obamas, der Biden damals angehörte. Die neopopulistische Doktrin, die sich unter Trump herausgebildet hat, nimmt nun unter Biden Gestalt an und markiert einen scharfen Bruch mit dem neoliberalen Credo, dem alle Präsidenten von Bill Clinton bis Obama gefolgt sind.

Ein Blick zurück
Unter Solidarisierung mit abgehängten weißen Arbeitern trat Trump als Populist an, regierte jedoch mehr wie ein Plutokrat, indem er Unternehmenssteuern senkte und Arbeit gegenüber dem Kapital weiter schwächte. Nichtsdestoweniger enthielt seine Agenda einige durch und durch populistische Elemente, insbesondere im Vergleich zu dem radikal konzernfreundlichen Ansatz, den die Republikaner seit Jahrzehnten verfolgen.

Die Regierungen Clinton, George W. Bush und Obama unterschieden sich zwar jeweils auf ihre eigene Art und Weise, doch ihre grundsätzliche Haltung in zentralen wirtschaftspolitischen Fragen war die gleiche. Sie alle begrüßten etwa einen starken Dollar und befürworteten Abkommen zur Handelsliberalisierung, weil sie darin eine Möglichkeit sahen, die Importpreise zu senken und die Kaufkraft der Arbeiterschicht angesichts der zunehmenden Einkommens- und Vermögensungleichheit zu stärken.

Unternehmensaffin
Jede dieser früheren Regierungen respektierte auch die Unabhängigkeit der US-Notenbank Federal Reserve und unterstützte deren Bekenntnis zu Preisstabilität. Die jeweiligen Regierungen verfolgten eine gemäßigte Fiskalpolitik und griffen auf Konjunkturmaßnahmen (Steuersenkungen und Ausgabenerhöhungen) zurück, um auf wirtschaftliche Abschwünge zu reagieren. Schließlich waren die Regierungen unter Clinton, Bush und Obama allesamt relativ eng mit Big Tech, Big Business und der Wall Street verbunden. Sie trieben die Deregulierung des Waren- und Dienstleistungssektors voran und schufen so die Voraussetzungen für die heutige Konzentration oligopolistischer Macht in den Bereichen Großunternehmen, Technologie und Finanzen.

In Kombination mit der Handelsliberalisierung und dem technologischen Fortschritt haben diese Maßnahmen die Unternehmensgewinne in die Höhe schnellen lassen und den Anteil der Arbeit am Gesamteinkommen verringert, wodurch sich die Ungleichheit verschärfte. Die US-Verbraucher profitierten zwar davon, dass ertragsstarke Unternehmen einen Teil der Gewinne aus der Deregulierung (in Form niedrigerer Preise und einer niedrigen Inflation) weitergeben konnten, aber das war es dann auch schon.

Nationalistisches Bestreben
Die jeweiligen wirtschaftspolitischen Programme der Regierungen Clinton, Bush und Obama präsentierten sich allesamt grundlegend neoliberal und spiegelten den impliziten Glauben an eine Trickle-Down-Ökonomie wider. Doch unter Trump begannen sich die Dinge in eine neopopulistische, nationalistische Richtung zu bewegen, und unter Biden haben sich diese Veränderungen nun herauskristallisiert.

Trump agierte in seinem protektionistischen Streben eher polternd, doch Biden verfolgt eine ähnlich nationalistische, nach innen gerichtete Handelspolitik. Er hat die Zölle der Trump-Administration gegenüber China und an-deren Ländern beibehalten und eine strikter auf amerikanische

Produkte ausgerichtete Beschaffungspolitik sowie industriepolitische Maßnahmen zur Rückverlagerung wichtiger Produktionsbereiche eingeführt. Ebenso bedeutsam ist, dass die Entkopplung zwischen China und den USA sowie der Wettlauf um die Vorherrschaft in den Bereichen Handel, Technologie, Daten, Information und Zukunftsindustrien ihre Fortsetzung finden.

Fed bleibt „an der Kandare“
Und obwohl Biden Trump hinsichtlich der Forderung nach einem schwächeren Dollar und der Einschüchterung der Fed zur Finanzierung der – wegen Trumps Politik entstandenen – enormen Haushaltsdefizite formal nicht gefolgt ist, hat Bidens Administration ebenfalls Maßnahmen ergriffen, die eine engere Zusammenarbeit mit der Fed erfordern. Tatsächlich sind die Vereinigten Staaten de facto, wenn nicht gar de jure, in einen Zustand der permanenten Schuldenmonetarisierung eingetreten – eine Entwicklung, die unter Trump und dem Fed-Vorsitzenden Jerome Powell ihren Ausgang nahm.

Unter diesen Umständen müsste die Fed im Falle eines moderaten Anstiegs der Inflation eine Politik der wohlwollenden Vernachlässigung verfolgen, da die Alternative – eine strikt anti-inflationäre Geldpolitik – einen Marktcrash und eine schwere Rezession auslösen würde. Diese Haltungsänderung der Fed stellt eine weitere deutliche Abkehr von der Ära 1991 bis 2016 dar.

Darüber hinaus hat die Regierung Biden angesichts der hohen Zwillingsdefizite der USA die Politik des starken Dollars aufgegeben. Auch wenn sie nicht so offen wie Trump für einen schwächeren Dollar eintritt, hätte die Regierung Biden sicherlich nichts gegen eine Wechselkursverschiebung, die die Wettbewerbsfähigkeit der USA wiederherstellen und das steigende Handelsdefizit des Landes verringern könnte.

Trump „lässt grüßen“
Um der Einkommens- und Vermögensungleichheit entgegenzuwirken, befürwortet Biden umfangreiche direkte Transferleistungen und niedrigere Steuern für Arbeitnehmer, Arbeitslose, geringfügig Beschäftigte und die Abgehängten. Auch in diesem Fall handelt es sich um eine Politik, die unter Trump mit dem im Dezember 2020 verabschiedeten Corona-Gesetz „Coronavirus Aid, Relief, and Economic Security (CARES) Act“ im Ausmaß von 2 BioUSD und einem 900 MrdUSD schweren Konjunkturprogramm ihren Ausgang nahm. Unter Biden haben die USA ein weiteres Paket in Höhe von 1,9 Bio USD verabschiedet und erwägen nun zusätzliche Ausgaben in Höhe von 4 BioUSD für die Infrastruktur im weitesten Sinne.

Obwohl sich Biden für eine stärker progressive Besteuerung einsetzt als Trump, sind die Möglichkeiten seiner Regierung für Steuererhöhungen begrenzt. Infolgedessen werden die hohen Haushaltsdefizite also wieder wie unter Trump hauptsächlich mit Schulden finanziert, die die Fed im Laufe der Zeit monetarisieren muss. Ebenso wird sich Biden mit der öffentlichen Gegenreaktion gegen Big Business und Big Tech auseinanderzusetzen haben, die unter Trump begann. Bidens Administration hat bereits Schritte eingeleitet, um die Macht der Konzerne mittels Durchsetzung des Kartellrechts, regulatorischer Bestimmungen und letztlich durch Gesetze einzuschränken. In jedem Fall besteht das Ziel darin, einen gewissen Anteil des Nationaleinkommens von Kapital und Gewinnen auf Arbeit und Löhne umzuverteilen.

„Populistische Politik“
Biden verfolgt also von Beginn an eine neopopulistische Wirtschaftsagenda, die derjenigen von Trump nähersteht, als dem entsprechenden Programm der Obama-Regierung. Überraschend kommt diese geänderte Doktrin jedoch nicht. Immer, wenn die Ungleichheit übermäßige Ausmaße erreicht, agieren Politiker – rechte wie linke – auch populistischer. Die Alternative besteht darin, unkontrollierte Ungleichheit in soziale Unruhen oder, im Extremfall, in Bürgerkriege oder Revolutionen ausarten zu lassen.

Es war unvermeidlich, dass das wirtschaftspolitische Pendel in den USA von neoliberal zu neopopulistisch ausschlägt. Doch obwohl notwendig, birgt diese Richtungsänderung auch Risiken. Die massive private und öffentliche Verschuldung bedeutet, dass die Fed in der Schuldenfalle bleiben wird. Darüber hinaus wird die Wirtschaft anfällig für negative Angebotsschocks bleiben, die aufgrund von Deglobalisierung, Entkoppelung zwischen den USA und China, einer alternden Gesellschaft, Einwanderungsbeschränken, Beschränkungen für den Unternehmenssektor, Cyber-Angriffen, Klimawandel und der Covid-19-Pandemie auftreten könnten.

Gefahr: Stagflation
Eine lockere Finanz- und Geldpolitik kann dazu beitragen, dass der Anteil des Faktors Arbeit am Einkommen vorerst steigt. Im Laufe der Zeit könnten dieselben Faktoren jedoch eine höhere Inflation oder sogar eine Stagflation auslösen (wenn die erwähnten negativen Angebotsschocks eintreten). Falls die Maßnahmen zur Verringerung der Ungleichheit zu einem untragbaren Anstieg der privaten und öffentlichen Schulden führen, könnte dies die Voraussetzungen für eine stagflationäre Schuldenkrise schaffen, vor der ich kürzlich gewarnt habe.

Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier, © Project Syndicate 1995 – 2021

Foto: Pixabay / janeb13

 

 

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Wenn der Job nicht mehr gemacht werden kann

Was den Österreichern bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung wichtig ist.

Marius Perger. Im März dieses Jahres hat das Linzer Market Institut im Auftrag der Nürnberger Versicherung AG Österreich in Online-Interviews die Anforderungen der Österreicher an eine private Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) erhoben. Befragt wurden 500 Berufstätige, Arbeitssuchende und Personen in Karenz in Österreich zwischen 16 und 59 Jahren. Die Umfrage ist laut Market Institut repräsentativ, die maximale statistische Schwankungsbreite betrage +/- 4,48 %.

Nur wenige Unterschiede bezüglich der Anforderungen an eine private Berufsunfähigkeitsversicherung orten die Marktforscher zwischen jenen, die sich selbst als sehr gut oder gut über staatliche Leistungen informiert bezeichnen, und jenen, die weniger bzw. nicht informiert sind. Personen ohne BU-Versicherung zeigen sich bei den einzelnen Fragen leicht anspruchsvoller, ebenso wie Über-45-Jährige, so ein weiteres Resümee der Studie.

Genaue Informationen vorrangig
Für 63 % der Befragten ist es laut Studie sehr wichtig, vom Berater genaue Informationen über das Produkt, wie beispielsweise Leistungsvoraussetzungen oder Erhöhungsmöglichkeiten, zu erhalten. Weitere 28 % halten dies für wichtig. Fast ebenso wichtig ist für die Studienteilnehmer ein gutes Produkt; darunter seien unter anderem gute Bedingungen und Leistungsbearbeitung zu verstehen, so das Market Institut. Für 62 % ist dies sehr wichtig, für weitere 28 % wichtig. Für insgesamt 89 % der Befragten ist eine faire, möglichst persönliche Bearbeitung in Österreich wichtig oder sehr wichtig. Und 88 % sind der Meinung, dass im Fall einer Berufsunfähigkeit eine Unterstützung oder Begleitung durch die Versicherung bei der Rehabilitation (sehr) wichtig ist. Ein Verzicht auf die abstrakte Verweisbarkeit rangiert bei den Anforderungen an letzter Stelle; er ist nur für 56 % der Befragten sehr wichtig oder wichtig. Nürnberger-Vorstand Erwin Mollnhuber sieht Versicherer und Berater gefordert, „Kunden dieses wichtige Kriterium in der privaten BU näherzubringen“.

Rundum abgesichert
Von jenen rund 23 % der Befragten, die eine private Berufsunfähigkeitsversicherung besitzen, haben fast zwei Drittel diese mit anderen Versicherungsprodukten kombiniert, wobei Mehrfachantworten möglich waren. Demnach verfügen 42 % der BU-Versicherten auch über eine Risiko-Ablebensversicherung, 29 % auch über eine fondsgebundene Lebensversicherung, 16 % über eine Pflegeversicherung und 11 % über eine Rentenversicherung.

Rund jeder dritte Besitzer einer BU-Versicherung hat darüber hinaus bereits Gebrauch von einer Leistungserhöhung ohne zusätzliche Gesundheitsprüfung gemacht. Hauptgründe dafür waren die Geburt eines Kindes, ein höheres Einkommen, Heirat oder der Erwerb einer Immobilie.

Foto: AdobeStock / DragonImages

 

 

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„Investoren können viel bewirken“

Am Montag stellte der UN-Weltklimarat (IPCC) seinen aktuellen Bericht zu den Folgen des Klimawandels vor. Katarina Hammar, Leiterin Active Ownership bei Nordea Asset Management (NAM), kommentiert aus Investorensicht.

(11.08.) „Der Klimawandel stellt die größte Bedrohung für das Wohlergehen der Menschheit dar. In seiner Reaktion auf den aktuellen Bericht des Weltklimarats sprach UN-Generalsekretär António Guterres von ,Alarmstufe Rot für die Menschheit‘. Unsere Zukunft hänge davon ab, dass sich Regierungen, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam für politische Maßnahmen, für Aktionen und Investitionen einsetzen, die einen Wandel unserer Volkswirtschaften hin zu mehr Nachhaltigkeit ermöglichen.

Als Investor kann man viel bewirken. Angesichts der zunehmenden Dringlichkeit des Klimaproblems ist es wichtig, dass alle Investoren Maßnahmen ergreifen, damit die Aussichten künftiger Generationen auf ein gutes Leben nicht durch das Handeln von heute ruiniert werden. Eine Möglichkeit, dies zu tun, ist das Engagement bei Unternehmen. Damit haben Investoren ein unglaublich wirkungsvolles Instrument in der Hand, um in der Welt tatsächlich etwas zu bewirken. Sie können dies entweder eigenständig tun oder sich mit anderen Vermögensverwaltern zusammenschließen, um so möglicherweise größeren Einfluss zu nehmen.

So haben wir beispielsweise im vergangenen Jahr eine Investoreninitiative gegen den Bau des geplanten Kohlekraftwerks Vung Ang 2 in Vietnam ins Leben gerufen und geleitet. Der Bau neuer Kohlekraftwerke ist grundsätzlich unvereinbar mit dem, was die Welt derzeit zu erreichen versucht. Unternehmen wie KEPCO, Samsung C&T und Mitsubishi Corporation sowie die Banken SMBC und Mizuho haben sich dazu verpflichtet, ihre Beteiligung an neuen Kohleprojekten zu beenden. Da sich das Zeitfenster für Maßnahmen zur Minimierung der Klima- und Umweltauswirkungen schließt, ist NAM entschlossen, die Unternehmen, in die es investiert, weiterhin dazu zu bewegen, sich zeitgebundene Ziele im Einklang mit dem Pariser Klima-Abkommen zu setzen.“

Foto: Nordea Asset Management

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KMU: Aktien-Eigenemission statt IPO?

Eigenkapital ist gefragt. Eine Alternative zum herkömmlichen Börsengang ist vor allem für „Kleine“ interessant. Ein Gastkommentar von Daniel Horak, Gründer des Crowdinvesting- und Emissionstechnologieanbieters Conda

Die Pandemie hat das Thema Eigenkapital verstärkt aufs Tapet gebracht. Unternehmen, die eine hohe Eigenkapitalquote aufweisen, sind in den meisten Fällen weniger abhängig von Fremdkapitalgebern und deutlich krisenresistenter. In Österreich liegt die durchschnittliche unternehmerische Eigenkapitalquote bei gerade einmal 36 %, was einen europäischen Mittelfeldplatz bedeutet. Wie im Sommer aus der österreichischen Politik und Wirtschaft nicht zu überhören war, sollen die Unternehmen also mehr Eigenkapital aufstellen, um für künftige mögliche Krisen besser gewappnet zu sein.

Wenn große Unternehmen Eigenkapital aufstocken, gehen sie oftmals mittels Initial-Public-Offering (IPO) an die Börse. In der Regel ist diese Option aber nur für Unternehmen ab 50 Mio Euro Umsatz interessant und realistisch, Aufwand und Kosten für einen Börsengang sind für Klein- und Mittelunternehmen schwer zu stemmen. Aktien sind also nur etwas für große Konzerne, könnte man daraus ableiten. Doch das stimmt so nicht. Auch für kleinere Unternehmen besteht die Möglichkeit, Aktien in Form einer Neuemission oder einer Kapitalerhöhung zu emittieren – nur eben abseits der Börse.

Bei der sogenannten „Aktien-Eigenemission“ erfolgt die Platzierung ohne Beteiligung einer Emissionsbank, das Unternehmen ist selbst dafür verantwortlich, die Investorinnen und Investoren zu erreichen und zu einem Investment zu bewegen. Dennoch sind strenge Sicherheits- und Compliance-Vorschriften einzuhalten, und das ist auch gut so, schließlich geht es auch bei Eigenemissionen häufig um Summen in Millionenhöhe. Professionelle Software-Lösungen, wie etwa die des Crowdinvesting-Anbieters Conda, helfen bei der Umsetzung und Begleitung der Transaktion.

Der Erfolg einer Eigenemission steht und fällt mit der erfolgreichen Platzierung. Daher muss schon vor der Emission eine breite Unterstützerbasis aufgebaut werden, die dann mobilisiert werden kann. Danach sollte der Draht zur Investment-Community durch direkte Kontaktmöglichkeiten, z.B. in Form eines Blogs oder News-letters aufrechterhalten werden. Aus Investmentsicht eröffnet sich durch Eigenemissionen eine Vielzahl neuer Möglichkeiten. Jeder kann in Unternehmen aus der ei-genen Region investieren, die beispielsweise wichtige Arbeitgeber sind, eine besonders unterstützenswerte Geschäftsidee verfolgen, oder sich als Vorbilder beim Umgang mit Umweltschutz oder sozialem Engagement auszeichnen. Die Investment-Community muss nicht erst warten, bis das Unternehmen groß genug für die Börse ist, sondern kann die Zukunft selbst mitgestalten und dann im Idealfall am Erfolg des Unternehmens partizipieren.

Die Erfahrung zeigt, dass Eigenemissionen erheblich zur Markenbindung beitragen können. Es handelt sich nicht um anonyme Investorinnen und Investoren auf dem Papier, sondern sie identifizieren sich mit einem Produkt oder einem Service, schon allein durch die mögliche Ausgestaltung als Namensaktie. Investoren werden dadurch oft zu jahrelangen Wegbegleitern. Bestes Beispiel dafür ist die österreichische Oekostrom AG, die 2017 und 2021 Kapitalerhöhungen mit Hilfe von Eigen-emissionen bewerkstelligt hat. 2017 waren bei einem Emissionsvolumen von mehr als 1 Mio Euro alle Aktien binnen 48 Stunden ausverkauft, im Mai 2021 folgte eine weitere erfolgreiche Kapitalerhöhung mit einem Volumen von 4,1 Mio Euro.

Eigenemissionen schließen einen späteren IPO nicht aus. Schließlich können auch KMU sehr schnell eine Größe erreichen, bei der schließlich ein Börsengang sinnvoll ist.

Foto: AdobeStock / Blue Planet Studio

 

 

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Gold stürzt nach guten Job-Daten

Wall-Street-Analysten ändern ihre Meinung um 180 Grad.

Andreas Fastl, Commodity Trader. Es ist das alte Spiel, aber es kam überraschend brutal: Gute Konjunkturdaten sollten die Fed davon abhalten die Reduzierung der Anleihekäufe (Tapering) hinauszuzögern, und das bedroht tendenziell den Goldpreis.

Im Detail: Der Juli-Jobreport kam am Freitag mit 943.000 neuen Stellen (Nonfarm) und übertraf damit die Erwartungen von 870.000 deutlich. (Bevor es weiter geht, sei aber eingeschoben: Am 2.7. kamen die Juni-Nonfarm-Payrolls mit 850.000 noch stärker über der Erwartung von 700.000, und nichts passierte, Gold stieg sogar bis zum 14.7.)

Anyway! Konjunkturstärke = Zinsstärke = Goldschwäche (vereinfacht), und so stürzte der Goldkurs am Freitag von 1.805 auf 1.760 USD und am Wochenende mit einem Gap von 1.740 auf 1.707. Da dürften Longs, die am Freitag nicht reagierten, dann doch noch in Sorge geraten sein und den elektronischen Handel „genutzt“ haben. Charttechnisch reagierte der Kurs logisch: 1.760/70 ist eine langfristige Unterstützung und 1.750 das Tief von Juni. Darunter gibt es lange nichts, bis zum Doppeltief von März bei 1.680.

Emotional dürfte wohl gewirkt haben, dass die Arbeitslosenrate signifikant von 5,9 auf 5,4 % zurückging (am 2.7. war es ein Anstieg von 5,8 auf 5,9 %), und dass sich jeder insgeheim einen Anlass wünscht, der die Fed befähigt, mit dem „Liquiditätswahnsinn“ aufzuhören.

Die Renditen der 10-jährigen Treasuries (seit Mai von 1,700 auf 1,130 abgedriftet) sprangen auch sofort auf 1,310 an – womit eine Markterwartung der „Zinsstärke“ konkret ablesbar ist.

Besonders auffällig war der Sinneswandel in der wöchentlichen Trader-Befragung. Die Privaten reduzierten ihre bullishe Haltung von 79 auf 53 %, die Profis jedoch drehten sich völlig: Die bullishen Erwartungen stürzten von 70 % auf null (0 %), die bearishen von null auf 88 %. „Loyalität steht einem Soldaten, jedoch nicht einem Trader“, sagt man.

Die radikale Reaktion lässt leider befürchten, dass dem Goldmarkt ein schwerer Imageschade entstanden ist.

Die Messung der US-Inflationsrate am 11.8. wird spannend.

Foto: Adobe Stock / fox 17

 

 

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Street-Art-Künstler im Fokus

Arbeiten von Graffiti-Künstlern werden immer begehrter.

Lea Schweinegger. Um bei den „urbanen“ Künstlern zu bleiben: Wer kennt den Namen noch nicht?! Das Aushängeschild der Street-Art-Szene ohne Gesicht: Banksy. Angeblich soll niemand – Ausnahmen gibt es bestimmt – wissen, wie er aussieht und mit bürgerlichem Namen heißt. Bekannt wurde Banksy mit seinen Schablonengraffiti, mit denen er in Bristol und London Aufsehen erlangte. Wir berichteten bereits mehrmals im Börsen-Kurier über den Künstler.

Großes Aufsehen
Durch alle Medien weltweit ging sein Schredder-Bild. Das Kunstwerk entstand aus dem berühmten Banksy-Bild „Girl with Balloon“, das 2018 beim Auktionshaus Sotheby‘s für 1,2 Mio Euro an eine europäische Sammlerin versteigert wurde. Und dann: Direkt nach dem Zuschlag wurde es vor den Augen der verwirrten Besucher in einen Schredder eingezogen. Eine Woche später erklärte der anonyme Künstler das teilweise zerstörte Bild zu einem neuen Werk. Es heißt seither „Love is in the bin“ („Die Liebe ist im Eimer“). Unter diesem Titel hängt es nun auch im Museum Frieder Burda in Baden-Baden. Ein weiteres Beispiel ist das Gemälde „Show Me the Monet“. Es wurde bei Sotheby‘s um 8 Mio€ im Vorjahr versteigert und stellt eine Neuinterpretation eines Monet-Gemäldes dar.

Das bisher teuerste Gemälde Banksys, „Game Changer“ (Foto), wurde am 23. März 2021 vom Londoner Auktionshaus Christie‘s um umgerechnet etwa 19,5 Mio Euro versteigert. Fazit: Auch ein unsichtbarer Künstler hat seinen Wert! Geheimnisumwittert ist er jeden-falls, dieser Banksy.

Loomit, der Sprayer
Ein weiterer bekannter Künstler ist der aus Deutschland stammende Mathias Köhler, Jahrgang 1968. Er arbeitet in München und gilt als ein Urgestein der deutschen Graffiti-Szene. Er war 1985 an der (illegalen) Gestaltung des ersten deutschen „Whole Car“ beteiligt, der als „Geltendorfer Zug“ in die Geschichte des Graffiti einging. Der Zugwaggon wurde in seiner gesamten Länge und Höhe besprüht. Loomit, so sein Künstlername, ist für seine 3D-Styles bekannt – aber auch für seine cartoonartigen und teilweise abstrakten Figuren. Eines seiner bekanntesten Werke ist die Wandgestaltung „Zeichen der Zeit“, die im Dezember 1995 in Hamburg entstand, gemeinsam mit Künstlern wie Daim, Darco und anderen. Die Sprayer bekamen für das damals größte Graffito der Welt (es ist rund 30 m hoch) einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Loomit arbeitete aber auch mit brasilianischen Graffiti-Künstlern zusammen. Eine Arbeit entstand in Zuge dessen in Sao Paolo und ist 300 m² groß. 2002 wurde er mit dem Schwabinger Kunstpreis ausgezeichnet. Im Jahr 2003 produzierten der Bayrische Rundfunk und Arte einen Dokumentarfilm über ihn mit dem Titel „Loomit – Der Sprayer“.

Werte für Sammler
Eine neue Kunstrichtung gewinnt somit eindeutig an Fahrt: Die Vermarktung einst illegaler Street Art und Protestkunst ist heute auch in Galerien und Museen möglich. Und wie man an Banksys Arbeiten sieht, lohnt es sich offenbar, in diese neue Kunst-Gattung zu investieren. Also Augen auf beim nächsten Stadtspaziergang!

Foto: Christie‘s

 

 

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Erste Group mit Dividenden- und Ertragsschub

Günstige Rahmenbedingungen und sinkende Risikokosten prägten das erste Halbjahr.

Michael Kordovsky. Niedrige Risikokosten, ein günstiges Refinanzierungsgeschäft bei der EZB und ein wachsender Provisionsüberschuss infolge von deutlichen Zuwächsen bei Zahlungsverkehrsdienstleistungen sowie in der Vermögensverwaltung und im Wertpapiergeschäft ermöglichen eine bessere Ertragslage mit Dividendenperspektiven.

Im ersten Halbjahr 2021 stiegen die Betriebserträge um 9,2 % auf 3.790,7 Mio Euro und ermöglichten einen Anstieg des Betriebsergebnis um 24,4 % auf 1.687,7 Mio Euro. Die Inanspruchnahme von LTRO-III- Refinanzierungen (günstige mittelfristige EZB-Mittel) in Österreich und der Slowakei ermöglichten eine Verbesserung des Zinsüberschusses um 2,2 % auf 2.448,7 Mio Euro. Das Institut hat bereits im Vorjahr eine hohe Risikovorsorge durchgeführt. Entsprechend positiv wirkten sich somit die Eingänge bereits abgeschriebener Forderungen aus. Das Ergebnis aus Wertminderungen von Finanzinstrumenten verbesserte sich aufgrund von Nettodotierungen von -675,4 auf -82,9 Mio Euro bzw. 10 Basispunkte des durchschnittlichen Bruttokundenkreditbestands. Die NPL-Quote (vereinfacht ausgedrückt der Anteil fauler Kredite bezogen auf das Kreditvolumen) konnte sich im zweiten Quartal 2021 auf einem niedrigen Niveau von 2,5 % (2. Quartal 2020: 2,4 %) halten, während die NPL-Deckungsquote bereits 91,4 % erreichte.

Mehr Dividende
Das den Eigentümern des Mutterunternehmens zuzurechnende Periodenergebnis stieg im ersten Halbjahr 2021 von 293,8 auf 918 Mio Euro. Das stärkt auch die Eigenkapitalbasis. So stieg von Juni 2020 auf Juni 2021 das gesamte Eigenkapital von 21,2 auf 23,371 Mrd Euro und die finale CET1-Quote konnte sich auf 14,2 % halten. Daraus resultieren Dividendenspielräume zumal die EZB ihre Empfehlung hinsichtlich Dividendenzahlungen aufgehoben hat. Deshalb ist für das vierte Quartal 2021 nach Genehmigung durch eine außerordentliche Hauptversammlung eine zusätzliche Ausschüttung von 1 E/Aktie geplant. 2021 sind 1,60 E/Aktie an Dividendenausschüttung vorgesehen, woraus bei einem Kurs von 32,71 E eine zukünftige Dividendenren-dite von 4,9 % resultieren würde.

Laut dem auf finanzen.net veröffentlichten Analystenschätzungskonsens sind die Experten durchaus positiv gestimmt. 14 Kaufempfehlungen, einmal „übergewichten“ viermal „halten“ und nur einmal „untergewichten“ sind ein erfreulicher Konsens. Von 2021 bis 2023 sollte der Gewinn/Aktie von 3,02 auf 3,73 Euro steigen, woraus ein für 2023 erwartetes KGV von günstigen 8,8 resultieren würde.

Foto: Foto: Erste Bank / Daniel Hinterramskogler

 

 

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Achtung, zerbrechlich

Porzellankunst aus China, Japan und Meissen.

Lea Schweinegger. Es ist schon sechs Jahre her, dass wir im Börsen-Kurier über das Auktionsergebnis einer mehr als 500 Jahre alten Tasse aus der chinesischen Ming-Dynastie berichteten, die bei einer Auktion von Sotheby‘s in Hongkong unter den Hammer kam. Das wertvolle, unter dem Namen „Hühnertasse“ bekannte Gefäß wurde von einem chinesischen Kunstsammler zu einer Summe erworben, die den bisherigen Rekordpreis für chinesisches Porzellan noch übertraf, nämlich 36 MioUSD. Aber bleiben wir doch gleich bei Porzellan, dem „weißen Gold“. Sollten auch Sie die Lust am Sammeln entdeckt haben, geben wir Ihnen hier einige Informationen zu diesem Thema.

Europäische Sammlungsgeschichte
Bleiben wir in Europa und werfen einen Blick nach Dresden. Es ist die „maladie de porcelaine“, die Sucht nach dem „weißen Gold“, die die legendäre Porzellansammlung August des Starken zur größten und schönsten in ganz Europa werden ließ. Seine Porzellanliebe ging so weit, dass der König im Jahr 1717 mit Friedrich Wilhelm I. von Preußen einen ungewöhnlichen Deal einging: Er tauschte 600 seiner Soldaten gegen 151 blauweiße chinesische Porzellane der Kangxi-Ära (1662 bis 1722), darunter 30 große Vasen. „Geboren aus der Faszination Augusts des Starken für den Fernen Osten und befeuert durch die Gründung der Meissner Porzellanmanufaktur ist die Dresdner Porzellansammlung weltweit einzigartig“, so Julia Weber, die Direktorin der Porzellansammlung, heute dazu.

In Augusts Regierungszeit fiel auch die Entdeckung der Porzellanherstellung in Europa durch Johann Friedrich Böttger im Jahr 1708. Zwei Jahre später gründete August der Starke in Dresden die erste europäische Porzellanmanufaktur, die er wenige Monate später nach Meißen verlegte – vor allem, um die Rezeptur der Herstellung geheim zu halten. Die Dresdener Sammlung bietet einen ausgezeichneten Überblick über die Leistungen der Meissner Manufaktur von ihrer Gründung bis etwa 1815, von den berühmten Chinoi-Serien über Tafelservice bis hin zu monumentalen Figurengruppen.

Wissenschaftlicher Auftrag
Die Forschung an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden bedient sich heute vielfältiger wissenschaftlicher Methoden und Ansätze und arbeitet interdisziplinär, vor allem durch Kooperationen mit Hochschulen, Forschungsinstituten und Museen im In- und Ausland.

Auktionshaus und Ansprechpartner
Das Kunstauktionshaus Lempertz mit Auktionshäusern in Berlin, München, Köln, Brüssel und Mailand informiert die Kulturredaktion des Börsen-Kurier öfters über Neuigkeiten und Ergebnisse von Auktionen. Einige davon möchten wir Ihnen nicht vorenthalten: So kam etwa „Liebespaar bei der Schokolade“ für 148.800 Euro unter den Hammer, „Prachtvoller Walzenkrug“ für 106.640 Euro, „Terrine kleinster Sorte aus dem Schwanenservice“ für 94.240 Euro und „Der indiskrete Harlekin“ für 87.500 Euro.

Luxusgüter fürs Auge und den Genuss
Auch die englische Fabrik Wedgewood bietet seit zweieinhalb Jahrhunderten immer wieder Luxus-Gegenstände an, die zu Beginn nur für Mahlzeiten der Könige und Herzoge geeignet waren. Heute sind diese kostspieligen Luxusgüter weltweit in Museen ausgestellt. Das Geschirr aus Knochenporzellan und Elfenbein, geschmückt mit Bemalung aus echtem Gold, weckt in so manchem Liebhaber und Sammler des „weißen Goldes“ das Begehren. Bei einer Auktion kommt dabei natürlich dem Original und der Auflage besondere Bedeutung zu.

Die MAK-Sammlung
Der künstlerische Nachlass der Wiener Porzellanmanufaktur ging kurz nach deren Schließung im Jahr 1864 in den Besitz des damaligen „k.k. Österreichisches Museum für Kunst und Industrie“ über. Wunderbare Porzellangegenstände zeigte im Jahr 2018, anlässlich des 300-Jahr-Jubiläums der Gründung der Wiener Porzellanmanufaktur, auch das MAK. Experte im MAK ist Rainald Franz (Infos: www.mak.at).

Und natürlich finden auch im Dorotheum Wien immer wieder Auktionen mit Schwerpunkt auf Porzellan statt (mehr dazu unter www.dorotheum.com).

Wir hoffen, auch Ihr Interesse an der Porzellan-Kunst ist geweckt!

Foto: Auktionshaus Lempertz

 

 

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Droht eine „grüne“ Blase?

Der „grüne“ Boom hält ungebrochen an, ein Drittel des gesamten Vermögens weltweit

(30.07.) Der Run auf nachhaltige ESG-Finanzanlagen (Environmental, Social and Corporate Governance) ist ungebrochen stark. Die weltweit investierten ESG-Vermögenswerte überstiegen 2020 die Marke von 35 Billionen US-Dollar und erreichten damit ein Drittel des derzeitigen globalen Gesamtvermögens. Hält die Dynamik an, wird das „grüne“ Vermögen laut Bloomberg bis zum Jahr 2025 die Marke von 50 Billionen US-Dollar überspringen. Kurzfristig ist aber aufgrund des Booms eine spekulative Blase bei grünen Aktien nicht auszuschließen, so die Analyse der Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking im jüngsten Marktkommentar. Denn die meisten Unternehmen des Sektors seien jung. Und auch wenn die Rolle der Aktienmärkte prinzipiell darin bestehe, Kapital für Wachstum und Innovation bereit zu stellen, sollte man das Risiko von „Greenwashing“ im Auge haben und nicht verfrüht gänzlich auf grüne Aktien setzen. Vor kurzfristigen Modeerscheinungen sollte man sich auf alle Fälle schützen, um Verluste ähnlich wie in der Dotcom-Blase zu vermeiden, so die Steiermärkische Sparkasse Private Banking.

Aktien, Anleihen, Immobilien, ETFs
Das Thema ESG hat die gesamte Investmentbranche erfasst. Ob Aktien, ETFs, Immobilien oder Anleihen – bei allem, was als nachhaltig oder „grün“ gilt, greifen die Anleger mit beiden Händen zu. Grüne Anleihen, so genannte Green Bonds, die etwa zur Finanzierung der Energiewende emittiert werden, sowie Kredite mit dem Etikett „nachhaltig“, haben sich als neue Anlageklasse etabliert. Die Nachfrage institutioneller Investoren nach qualitativ hochwertigen, ESG-konformen Anleihen wird sich voraussichtlich schnell verstärken. Laut Prognose der niederländischen NN Investment Partners werden heuer grüne Anleihen in der Höhe von 400 Milliarden Euro emittiert werden, womit die Marke von einer Billion US-Dollar Marktvolumen deutlich überschritten wird.

Greenwashing
Nicht immer sind die Firmen aber so grün, wie sie sich nach außen geben. Das so genannte „Green Washing“ ist für private Anleger, aber auch für Vermögensverwalter oder für Ratingagenturen und Fondsgesellschaften meist nicht leicht erkennbar. Somit birgt so manche Investition Reputationsrisiken und finanzielle Risiken. Werden zum Beispiel Greenbonds neu emittiert, fließt den Unternehmen neues Geld zu, das einen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leistet. Werden die Anleihen zu einem späteren Zeitpunkt gehandelt, ist dies jedoch nicht mehr gegeben. Die wissenschaftliche Evidenz, dass Investoren mittels solcher Anlagen einen spürbaren oder gar maßgeblichen Einfluss auf die reale Welt ausüben können, ist relativ dünn. Eine gewisse Hilfestellung können Nachhaltigkeits-Label wie das FNG-Siegel oder der Eurosif European SRI Transparency Code bieten. Solche Gütesiegel stellen in erster Linie aber nur sicher, dass die Produkte einem gewissen Qualitätsstandard entsprechen. Die rege Diskussion, was „gut“ oder „schlecht“ ist, wird wohl noch länger eine Begleiterscheinung des Nachhaltigkeitsbooms bleiben. Während manche Marktteilnehmer meinen, strenge und harte ESG-Richtlinien würden den Sektor lähmen und behindern, gilt die EU als Vorreiterin in Sachen Transparenz. Bis Anleger blind darauf vertrauen dürfen, dass die ihnen angepriesenen nachhaltigen Produkte und Dienstleistungen das halten, was sie versprechen, ist es noch ein langer und steiniger Weg, so das Urteil der Steiermärkischen Sparkasse Private Banking.

Nachhaltigkeitsrating
Grundsätzlich ist Nachhaltigkeit aber nicht nur für „grüne“, sondern für alle Unternehmen zu einem entscheidenden Kapitalmarktfaktor geworden. Ein schlechtes Nachhaltigkeitsrating ist für eine Firma ein strategischer Nachteil. Es reflektiert schlechtere, operative Prozesse, steigert Kapitalkosten und regulatorische Bürden, schadet dem Ruf und schmälert den Wert des Unternehmens. Wenn Anleger nachhaltige Ratingkriterien berücksichtigen, können sie den Wert ihres Portfolios steigern. Der Finanzdienstleister Credit Suisse nennt mehrere Gründe, die dafürsprechen, dass Nachhaltigkeit in Zukunft an den Börsen noch an Bedeutung zulegen wird: Die Finanzmärkte kalkulieren automatisch die Implikationen von Klima- und Wertewandel, wachsendem ökologischen Fußabdruck, zunehmender Regulierung, Verlust der Biodiversität oder das Potenzial neuer Technologien. Zudem ist der Trend, wonach Unternehmen und professionelle Vermögensverwalter in Zukunft verbindliche Nachhaltigkeitskriterien aufstellen müssen, nicht aufzuhalten. Immer mehr Manager und Anleger erwarten außerdem von einem guten Abschneiden beim Nachhaltigkeitsrating einen positiven Einfluss auf die Unternehmensbewertung. Ein weiteres Kriterium: Anleger engagieren sich, wie etwa jene Umweltorganisationen, die den Ölkonzern Shell in einem wegweisenden Prozess zu ambitionierteren Emissionszielen gezwungen haben. Nicht zuletzt hat Nachhaltigkeit bei Konsum- und Anlageentscheidungen der jüngeren Generation deutlich mehr Gewicht als bei älteren Menschen. Finanzmärkte, Investoren und Fondsgesellschaften werden also einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Erreichung der Klimaziele leisten. Es ist jedoch eine Aufgabe auf Zeit, die einen langen Atem und klare Visionen braucht.

Foto: Steiermärkische Sparkasse

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Erste Abkühlungstendenzen

Liegt der konjunkturelle Zenit bereits hinter uns?

Michael Kordovsky. Befragt man Konsumenten und Führungskräfte über laufende und erwartete Aktivitäten, so vernehmen die Interviewer vermehrt ein „Jammern auf hohem Niveau“. Nach Rekordzuwächsen in diversen Einkaufsmanagerindizes, die nichts anderes sind als eine skalierte Darstellung von Umfrageergebnissen in der Wirtschaft, zeigte sich in den vergangenen drei bis vier Wochen eine zunehmende Verlangsamung der Dynamik. Zwar ist noch von hohem Wachstumsniveau in den USA und China auszugehen, aber es gibt gewisse Engpassfaktoren, die sich weltweit bemerkbar machen, nämlich: Lieferengpässe bei Vorprodukten und Rohstoffen infolge von Lieferkettenunterbrechungen und gleichzeitig ein zunehmender Personalmangel. Da-rüber hinaus explodieren mangels Frachtcontainer die Seefrachtraten und im Einklang mit steigenden Öl- und Rohstoffpreisen verteuern sich die Erzeuger- und Verbraucherpreise.

Wirtschaftliche Aktivitäten verlangsamen sich
Diverse Aktivitätsindikatoren in den USA sprechen diesbezüglich eine klare Sprache: Einer davon setzt sich aus 85 Wirtschaftsindikatoren zusammen, die den Datengruppen Produktion und Einkommen; Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und Arbeitsstunden; persönlicher Konsum und Wohnungsbau; sowie Verkäufe, Aufträge und Lagerbestände zuzuordnen sind. Positive Werte des Index bedeuten ein Wachstum über dem Trend und negative darunter. Es ist der „Chicago Fed National Activity Index“, der von Mai auf Juni von 0,26 auf 0,09 Punkte und im gleitenden Dreimonats-Schnitt von 0,80 auf 0,06 zurückging. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass die Erholungsdynamik nach der Pandemie bereits im zweiten Quartal ihren Höhepunkt erreicht hat.

Wirft man einen Blick auf den vorab ausgewerteten „IHS Markit Flash U.S. Composite PMI™“, der Herstellung und Dienstleistung abdeckt, zeigten sich im Herstellungsindex zwar neue Rekordstände, aber: Der Service-Sektor erlebte den schwächsten Zuwachs der Auftragseingänge seit fünf Monaten. Hinzu kommt eine Knappheit an Arbeitskräften in der Dienstleistung.

Generell verschlechterten sich die Zukunftserwartungen der Unternehmen in den USA auf ein Sieben-Monats-Tief, wofür Lieferengpässe, Personalknappheit und unsichere Auftragseingänge bei Dienstleistern verantwortlich sind. Somit ist es nicht weiter verwunderlich, dass der „IHS Markit Flash U.S. Composite PMI Output Index“ (kombiniert Produktion und Aktivitäten im Dienstleistungsbereich) das niedrigste Wachstumsniveau seit vier Monaten signalisierte.

Eingetrübte Erwartungen der US-Konsumenten zeigt indessen ein von der Uni Michigan erstellter Index. Allerdings befindet sich das Ausgangsniveau der Abkühlung auf hohem Level.

Getrübte Aussichten
In China kühlte sich das BIP-Wachstum im Einklang mit den Erwartungen vom ersten auf das zweite Quartal von 18,3 auf 7,9 % ab, während der „Caixin Markit Service“-Einkaufsmanagerindex im Juni ein 14-Monats-Tief markierte. In Japan senkte indessen die Bank of Japan ihren Wachstumsausblick 2022 von 2,7 auf 2,4 %. Begründung: Die Pandemie bleibt ein Risikofaktor. Derzeit zeigt sich auch ein gewisser Zusammenhang zwischen globaler Ausbreitung der Corona-Delta-Variante und rückläufigen Anleihen-Renditen, und immer wieder kommt es zu (bis dato noch leichten) Irritationen an den Aktienmärkten.

Wie sieht es dann in Europa aus?
Im Euroraum deuten vorab ausgewertete Umfrageergebnisse für Juli auf das stärkste Wirtschaftswachstum der Privatwirtschaft (Produktion und Dienstleistung) seit 21 Jahren hin. Der Auftragseingang verzeichnete insgesamt den stärksten Zuwachs seit Mai 2020. Allerdings sorgen Lieferverzögerungen und explodierende Inputpreise im Industriebereich für Störfrequenzen. Auch droht die Delta-Variante die Geschäftsaussichten zu trüben. Somit fiel der vorläufige Einkaufsmanagerindex für die Industrie bereits auf ein Vier-Monatstief.

Fazit
Erste Verunsicherungen am Aktienmarkt, die Gefahr einer Preis-Kosten-Schere für Unternehmen, die Ausbreitung der Delta-Variante und die globalen Abkühlungstendenzen auf breiter Front sollten ernst genommen werden, auch wenn derzeit noch (!) auf hohem Niveau „gejammert“ wird, denn der Zenit könnte bereits hinter uns liegen.

Foto: Pixabay/StockSnap

 

 

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Chinas Ehrgeiz als Anlagechance

Im neuen Fünf-Jahresplan stehen einige Sektoren besonders im Fokus.

Raja Korinek. Diese Schlagzeilen aus China sorgten zuletzt für gehörig Turbulenzen: Die chinesische Behörde für Cyberspace verbot Smartphone-App-Stores, die App des Fahrtendienstanbieters Didi Chuxing herunterzuladen. Laut Peking soll der Konzern persönliche Nutzerdaten illegal gesammelt haben. Die Meldung sorgte für Kursverluste des Börsenneulings.

Freilich, das ist nicht das erste Mal, dass Chinas Behörden gegen Technologiekonzerne vorgehen. Müssen sich Anleger um ihre China-Investments nun sorgen? „Keinesfalls“, betont Yun Bai, Head of Factor Investing Research bei der Bank Vontobel, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Bai lässt sich von den jüngsten Vorkommnissen nicht abschrecken. Sie sieht die Lösung vielmehr in einer breiten Streuung, „um solche Risiken abzufedern“. Dabei managt Bai den neuen „Vontobel China New Vision Index“ (DE00 0VQ8SFS0), auf den die Bank auch ein Zertifikat begeben hat. Insgesamt kommen 50 chinesische Titel in Frage, derzeit sind es 49.

Fünf-Jahresplan als Innovationstreiber
Bei der Selektion hat Bai einen klaren Fokus: Nämlich jene Titel auszuwählen, die vom neuen bzw. 14. Fünf-Jahresplan der chinesischen Führung besonders profitieren könnten. Als zentrales Planziel hat Peking die längerfristige Stärkung des Binnenkonsums sowie die Anhebung des Wohlstandes im Land hervorgehoben. Die Arbeitslosenquote soll dabei kräftig gesenkt, die Urbanisierung forciert werden.

Und damit soll auch die Abhängigkeit von Billigexporten gesenkt werden, die Wirtschaft stattdessen verstärkt aus eigener Kraft wachsen. Mehr Bildung sowie ein breit zugängliches Gesundheitssystem stehen ebenso im Fokus. Schließ-lich erhöhen auch solche Entwicklungen den Wohlstand.

Konsum und Tourismus im Fokus
Und so macht der zyklische Konsum derzeit 35,7 % vom Index aus, der Basiskonsum 5,3 %. Dazu zählen Titel wie China East Education Holding (KYG2120T1004), die sich auf Fachausbildungen spezialisiert hat, sowie der Touristiker China Tourism Group Duty Free Corporation (CNE100000G29) und Yadea Group (KYG9830F1063). Letzteres Unternehmen baut unter anderem Elektroroller, Batterien und Ladegeräte. Intco Medical Technology (CNE100003456) verkauft medizintechnische Ausrüstung.

Auch technologisch hegt der Fünf-Jahresplan große Ziele. Bereiche wie „Künstliche Intelligenz“, die Halbleiterproduktion, aber auch das Internet sollen kräftig ausgebaut werden, weshalb der IT-Bereich insgesamt 14,31 % des Vontobel-Indexes ausmacht. Dazu zählt beispielsweise der Internetriese Tencent (KYG8757 21634). Die Kommunikations-, sowie die Finanzbranche werden im Index ebenso abgedeckt.

Werden Schulden zur Falle?
Allerdings bereitet das wachsende Schuldenniveau in China manchen Investoren Sorgen. Laut Bank für Internationalen Zahlungsausgleich liegt die Schuldenquote bei rund 290 % vom BIP, wobei ein Großteil auf Unternehmen entfällt. Bai befürchtet allerdings kein systemisches Risiko, zumal der jüngste Schuldenanstieg auf die Folgen der Corona-Krise zurückzuführen sei.

Inzwischen schreitet die Impfwelle voran, weshalb sich der Wirtschaftsalltag stückweise normalisiert. „Unterstützt wird dieser Umstand von der lockeren Geldpolitik“, sagt die Vontobel-Expertin. Das alles senke wiederum die Ausfallrisiken. Für den Vontobel-Index sei dieser Umstand ohnedies weniger ein Thema, betont Bai. Schließlich werde bei Titelselektion auch auf einen geringen Verschuldungsgrad der Unternehmen genau geachtet.

Foto: AdobeStock / vegefox.com

 

 

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Investieren abseits der „New Economy“

Europa und Japan gelten zu Unrecht als verstaubt. Ein genauer Blick offenbart zahlreiche Chancen.

Raja Korinek. Noch scheint die weltweite Aktienrallye nicht enden zu wollen. Vor allem in den USA legten die Börsenbarometer seit dem Crash vom März 2020 kräftig zu. Und das ist auch verständlich, wenn man bedenkt, dass jenseits des Atlantiks jede Menge große Technologiekonzerne notiert sind. Sie profitierten vor allem während der zahlreichen Lockdowns vom Online-Konsum und der wachsenden Digitalisierung in vielen Bereichen, etwa in der virtuellen Bildung und im Home-Office.

Doch damit sind im internationalen Vergleich US-Aktien auch am teuersten bewertet. Das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für die kommenden zwölf Monate liegt beim S&P 500 bei 22,5. Da sind innerhalb der entwickelten Märkte die Börsen in Europa und in Japan durchwegs günstiger bewertet. Allein für den Euro Stoxx 50 liegt das KGV bei 19,1 und für den Topix bei 16,1.

Langfristiges Wachstum als Kriterium
Bei der französischen Fondsboutique Comgest weiß man das Potential in letzteren zwei Regionen zu nutzen. Franz Weis, Co-Geschäftsführer und Fondsmanager des „Comgest Growth Europe Opportunities“ (ISIN: IE00B4ZJ4188) verweist auf seinen Ansatz und meint, die Unternehmen sollten im Durchschnitt längerfristig ein jährliches Gewinnwachstum von rund 10 bis 15 % erzielen können. Das Wachstum sollte dabei aber nicht auf Pump geschehen, die Bilanzen werden von Weis und seinem Team deshalb genau durchleuchtet.

Freilich, erzielen lässt sich solch ein stetiger Zuwachs grundsätzlich nur mit soliden – und einzigartigen – Geschäftsmodellen, die im aktuellen Umfeld vermutlich noch mehr gefordert sein dürften. Der Grund liegt in den wirtschaftlichen Entwicklungen. Denn die Inflation, sowie die langfristigen Renditen, legen auch in Europa zu. Dieser Umstand trifft etwa jene Unternehmen, bei denen Anleger erst in Zukunft solide Gewinne erwarten, besonders hart. Dazu zählen etwa junge Wachstumsaktien. Doch auch Unternehmen, die beispiels-weise hohe Rohstoffkosten haben, die sie nicht an Kunden weitergeben können, geraten im aktuellen Umfeld unter Druck. „Solche Probleme sehen wir bei unseren Titeln aber nicht“, betont Weis und verweist in diesem Zusammenhang auch auf die hohen Cashflows seiner Unternehmen.

Licht und Schatten der Pandemie
Dennoch haben sich die Investments im Comgest-Fonds in den vergangenen Monaten unterschiedlich entwickelt. Manch ein Unternehmen habe von der Corona-Pandemie sogar profitiert. Ein solcher Titel ist etwa ASML (NL00 10273215), der die größte Position im Fonds einnimmt. Der niederländische Konzern stellt Lithographiesysteme her, wobei die Maschinen für die Halbleiterproduktion gebraucht werden. „Das Unternehmen hat praktisch ein Monopol in diesem Bereich“, zeigt Weis auf. Er verweist auch auf die Ergebnisse im 1. Quartal 2021. Sie hätten die Erwartungen übertroffen. Wichtige langfristige Treiber seien etwa der Ausbau von 5G und der künstlichen Intelligenz.

Demgegenüber hätte die ungarische Billigfluglinie Wizz Air (JE00 BN574F90) die Pandemie schmerzhaft zu spüren bekommen. „Kapazität und Auslastung erholten sich aufgrund der anhaltenden Beschränkungen und neuer Virusvarianten nur langsam.“ Und wie sieht es mit den jüngsten Käufen aus? Dazu zählt etwa Biontech (US09075V1026). Derzeit profitiere der Konzern vom Verkauf des mRNA-Impfstoffes. „Mit diesen Mitteln kann die breite Pipeline in andere Therapiegebiete, insbe-sondere in der Krebsforschung, beschleunigt werden.“ Überhaupt nimmt der Gesundheitssektor mit fast 25 % die größte Gewichtung im Fonds ein, gefolgt von der IT-Branche (22,2 %) und dem zyklischen Konsum (19,6 %).

Zu letzteren Bereich zählt etwa LVMH (FR0000121014). Weis meint, der Konzern glänzte im ersten Quartal 2021 erneut mit einem starken Wachstumsprofil, wobei allein das organische Wachstum bei 30 % lag. „Auch wenn einige Bereiche im Einzelhandels- und Parfüm-Segment unter dem Niveau von 2019 lagen, erzielte die Mode- und Ledersparte eine herausragende Performance.“

Weshalb schreckt Japan ab?
Auch Richard Kaye selektiert seine Titel sorgfältig – allerdings in Japan. Er ist Fondsmanager des „Comgest Growth Japan Fonds“ (IE0004767087). Kaye geht dabei auf die jüngst schwächere Entwicklung des japanischen Aktienmarktes ein und führt dies vor allem auf das zurückhaltende Interesse vieler Großanleger zurück. Denn das Land hinkte bei der Impfrate vielen anderen Region hinten nach, die Sorge über die Auswirkungen auf die Wirtschaft war damit groß. Doch das ändere sich gerade, „das Land hat die tägliche Zahl der Impfungen stark beschleunigt“, sagt Kaye.

Dennoch rät Kaye Anlegern bei einem Japan-Investment selektiv vorzugehen. „Es gibt zahlreiche wenig profitable Großkonzerne, etwa aus dem Banken- oder Chemiesektor.“ Er setzt stattdessen auf ein sorgfältiges Stockpicking, zumal Nippons Aktien kaum analysiert würden. Das biete gute Chancen auf unentdeckte Perlen zu stoßen.

Weltkonzerne im Fokus
Kaye setzt mit seinem Fonds dabei zu mehr als 50 % auf Unternehmen, die globale „Player“ sind, wie er sagt. „Die Innovationskraft vieler dieser Konzerne wird an der Börse oftmals unterschätzt.“ Dabei seien zahlreiche solcher „Player“ allein in China erfolgreich unterwegs. Als Beispiel verweist er auf die Bekleidung der Modekette Uniqlo (JP38 02300008), die im Reich der Mitte sehr begehrt sei. Industrierobotik-Spezialisten wie Fanuc (JP38024 00006) und Keyence (JP323620 0006) profitieren wiederum von der starken Nachfrage nach Industrieautomatisierung in Asien.

Doch auch in Japan gibt es Veränderungen. „Junge Menschen wollen mehr Freizeit genießen. Und die Bevölkerung wird immer älter“, erklärt der Comgest-Experte. Auch diese Entwicklungen böten Chancen. Asahi Intecc (JP3110650003) produziert und vertreibt Medizin- und Industrieprodukte, zu denen beispielsweise Mikrokatheter zählen. Der Personalvermittler Recruit Holdings (JP3970300004) ist ebenfalls Teil des Fonds. Insge-samt machen zyklische Konsumgüter mit rund 23 % den größten Anteil aus, gefolgt von Industrie- und Gesundheitstiteln.

Foto: AdobeStock / hppd

 

 

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Ist der Inflationsanstieg nachhaltig?

Nachwehen der Corona-Krise äußern sich in einem Inflationsschub.

Michael Kordovsky. Obwohl Volkswirte nur von 4,9 % ausgegangen sind, explodierte der jährliche Anstieg der Verbraucherpreise in den USA von Mai auf Juni von 5,0 auf 5,4 %. Dies markiert die höchste Rate seit August 2008. Noch im Jänner lag die US-Inflation bei 1,4 %.

Lieferkettenunterbrechungen im Automobilsektor sowie eine weltweite Chip-Knappheit führen zu ausgedehnten Lieferzeiten bei neuen Fahrzeugen. Die Preise für gebrauchte Pkw und Trucks explodierten auf Jahresbasis um 45,2 %. Binnen eines Monats lag die Verteuerung bei 10,5 %. Das war hier der stärkste Preissprung seit 1953. Auch die Neuwagenpreise sind im Aufwind. Autovermieter investieren. Insgesamt sind Pkw und Trucks für ein Drittel des Preissprungs verantwortlich. Weitere Preistreiber sind Hotelbuchungen, Autovermietungen, Bekleidung und Flugreisen.

Ursachen liegen in der weitgehenden Aufhebung von Corona-Beschränkungen in Kombination mit 6 BioUSD an Staatshilfen seit März 2020. Weitere Komponenten sind explodierende Öl- und Agrarrohstoffpreise. Auf Jahresbasis stiegen die Preise für Mais, Sojabohnen und Weizen um jeweils 53, 63 bzw. 25 %. Der Preis der Ölsorte WTI stieg sogar um 73 % – aber von einem entsprechend niedrigem Niveau ausgehend.

Die volatilen Preiskomponenten Nahrungsmittel und Energie rausgerechnet stieg die Kerninflation trotzdem auf 4,5 nach 3,8 % im Mai, was mittlerweile den stärksten Anstieg seit November 1991 bedeutet. Der Index der individuellen Konsumausgaben – ein bevorzugter Inflationsmaßstab der Fed – verzeichnet mit 3,5 % im Mai stärksten Sprung seit April 1992. Indessen lag der Stundenlohnanstieg in der Privatwirtschaft bei

3,6 %. Eine Lohn-Preis-Spirale dürfte sich somit – nicht zuletzt infolge der nach wie vor hohen strukturellen Arbeitslosigkeit – nicht entfachen.

Rückläufige Inflationsrate im Euroraum
Im Euroraum ist die Inflationsrate vom vorläufigen Jahreshoch von 2,0 % im Mai bis Juni auf 1,9 % wieder zurückgegangen, wobei die einzelnen Mitgliedsstaaten unterschiedliche Preisentwicklungsmuster aufweisen. Die niedrigsten jährlichen Raten wurden in Portugal (-0,6 %), auf Malta (0,2 %), in Griechenland (0,6 %) und Italien (1,3 %) gemessen. Mit Ausnahme von Italien, das in den Vorquartalen in einer tiefen Kontraktion steckte, zeigten die anderen Niedriginflationsländer eine überdurchschnittliche Schrumpfung des BIP im ersten Quartal in der Bandbreite von -2,0 % (Malta) bis -5,4 % (Portugal). Die höchsten Inflationsraten wiesen indessen folgende Länder auf: Ungarn (5,3 %), Polen (4,1 %) und Estland (3,7 %). Diese befinden sich in einem wirtschaftlichen Aufholprozess.

Die mit 9,5 % im HVPI gewichtete Energiepreiskomponente stieg im Juni um 12,6 % und trug somit infolge steigender Ölpreise 1,16 %-Punkte zur Jahresinflationsrate für die Eurozone bei. Weitere größere Inflationsbeiträge leisteten im Juni Industriegüter ohne Energie und Dienstleistungen mit je 0,31 bzw. 0,28 %-Punkten. Allerdings hielt sich der Preisauftrieb dieser Subindizes mit je 1,2 bzw. 0,7 % in engen Grenzen. Die Preise unverarbeiteter Lebensmittel waren sogar um 0,3 % rückläufig. Entsprechend niedriger war die Preissteigerung im HVPI ohne Energie mit 0,8 % nach jeweils 0,7 bzw. 0,9 % Anstieg in den Monaten April und Mai.

Angesichts des Vormarsches der Corona-Delta-Variante und zunehmender Verschärfungen im internationalen Reiseverkehr ist erneut von einer Beeinträchtigung der Ölnachfrage auszugehen. Gleichzeitig werden erneuerbare Energien immer schneller forciert. Erneut rückläufige Ölpreise und somit eine Mäßigung der Inflationsrate ist in Europa zu erwarten. In den USA hingegen rechnen vor allem die Experten der Fed damit, dass an der Preisfront bald das Schlimmste hinter uns liegt.

Foto: Pixabay / Foto-Rabe

 

 

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Aufschwungdynamik in Europa und USA nimmt ab

Ein Marktkommentar von Adam Choragwicki, Leiter Rentenfondsmanagement bei StarCapital AG

(14.07.) Die Corona-Pandemie beschäftigt noch immer die Finanzmärkte. Mit dem steigenden Anteil der Delta-Variante sind in vielen Ländern, in denen die Ausbreitung des Virus in den vergangenen Monaten stark reduziert werden konnte, die Infektionszahlen zuletzt wieder nach oben gelaufen. Zumindest jedoch in den Industriestaaten, in denen die Impfkampagne schon weit fortgeschritten ist, hat Covid-19 inzwischen seinen Schrecken weitestgehend verloren. Zwar steigen die Neuinfektionen wieder an, dennoch ist bei den Todesfällen bislang kaum ein Anstieg zu verzeichnen. Neue Lockdowns scheinen derzeit jedenfalls nicht in Sicht, vielmehr fallen vielerorts immer mehr Beschränkungen weg.

Dank dieser Öffnungsschritte der zurückliegenden Monate befindet sich die Wirtschaft insgesamt auf einem kräftigen Erholungskurs. Deutlich verbessert haben sich die Aussichten für Wirtschaftszweige aus dem Dienstleistungssektor wie Gastronomie und Tourismus, wie sich an den jüngsten Daten der Einkaufsmanagerindizes ablesen lässt. Insbesondere das US-Barometer ist bereits stark vorausgelaufen, während die europäischen Einkaufsmanagerindizes mit zunehmender Impfquote auf dem Kontinent nun nachziehen. Noch besser zeigt sich die Situation im verarbeitenden Gewerbe, wo die jeweiligen Einkaufsmanagerindizes für die USA und Europa zuletzt sogar auf ein neues Dreijahreshoch geklettert sind. Bei mehr als 60 Punkten deutet der amerikanische ISM Manufactoring Index ein gesamtwirtschaftliches Wachstum von etwa fünf Prozent an. Auf beiden Seiten des Atlantiks sind die Auftragsbücher im verarbeitenden Gewerbe prall gefüllt, das Vorkrisenniveau ist längst schon wieder überschritten.

Erholung in den USA und Europa schon weit fortgeschritten
Es ist jedoch kaum anzunehmen, dass dieses Tempo des Aufschwungs fortgeschrieben werden kann. „Die Dynamik nimmt bereits ab“, verweist Adam Choragwicki auf die zwar weit über 50 notierenden Einkaufsmanagerindizes, jedoch mit einer abflachenden Tendenz. Der Rentenmarktstratege sieht die Expansion in den USA und Europa schon weit fortgeschritten aber zusammen mit der entstandenen Lieferkettenproblematik hält er deshalb eine Abkühlung der Wirtschaftserholung in den kommenden drei bis sechs Monaten für möglich. Auch die zuletzt stark gestiegene Teuerung gibt Choragwicki zu bedenken: „Es ist zwar nicht ungewöhnlich, dass es nach einer Rezession zu einem starken Anstieg der Inflation kommt…“, verweist der Anleihespezialist insbesondere auf die in den vergangenen Monaten kräftig gestiegenen Rohstoffpreise. „…aber je höher die Inflation, desto größer ist auch die Bremswirkung auf die Wirtschaft“. Zuletzt konnte bereits bei konjunktursensiblen Rohstoffen wie Holz oder Kupfer eine Konsolidierung beobachtet werden, bis zum Jahresende dürfte insgesamt mit einer Entspannung zu rechnen sein.

Angesichts einer sprunghaft gestiegenen Inflation meldete sich jüngst auch die US-Notenbank mit ersten hawkischen Überlegungen zu Wort. So könnte das Anleihekaufprogramm reduziert und die Leitzinsen Ende 2022/Anfang 2023 in zwei Schritten um einen halben Prozentpunkt angehoben werden. An den Finanzmärkten wird eine Umkehr in der Geldpolitik schon seit Jahresanfang eingepreist. Praktisch alle Rentensegmente wurden vom Zinsanstieg hart getroffen, lediglich High Yield-Anleihen weisen seit Jahresbeginn noch eine deutlich positive Wertentwicklung aus.

Getrieben von Inflationssorgen sind zu Jahresbeginn zunächst die Zinsen am langen Ende gestiegen, nach den Fed-Kommentaren nun aber auch die Renditen der Kurzläufer angesprungen. „Die überschießenden Inflationserwartungen 12 bis 18 Monate nach einer Rezession sind nicht selten“, ordnet StarCapital-Rentenstratege Choragwicki die jüngsten Notierungen ein und verweist auf vorhandene Basiseffekte wie etwa beim Erdöl, wo die Öl-Futures im vergangenen Frühjahr kurzzeitig sogar in negatives Territorium gerutscht waren und nun wieder im Bereich von 70 US-Dollar je Barrel notieren. Da zuletzt 80 Prozent der Befragten einer Investorenumfrage von weiter steigenden Zinsen am langen Ende ausgehen, hält Choragwicki den Markt insgesamt derzeit jedoch zu einseitig positioniert und rät daher zu antizyklischem Handeln.

Crossover-Anleihen im Fokus
Während währungsgesicherte US-Staatsanleihen ab einer Laufzeit von fünf Jahren für europäische Investoren Sinn ergeben können, scheinen Investment Grade Unternehmensanleihen im historischen Vergleich aktuell eher unattraktiv. Gerade bei den US-Titeln sind die Risikoprämien aktuell so niedrig, dass Investment Grade-Anleihen teurer bewertet sind als vor der Corona-Krise. Als besonders interessant stuft der Fondsmanager des StarCapital Dynamic Bonds vor allem Unternehmensanleihen aus dem Crossover-Bereich ein, bei denen der Fonds in den zurückliegenden Monaten Erfolge verbuchen konnte. Kurzfristiger technisch bedingter Verkaufsdruck bescherte dabei etwa einen günstigen Einstieg bei einer bis 2026 laufenden Unternehmensanleihe von Syngenta, einem der weltweit größten Agrarchemie-Konzerne der Welt, der sich mittlerweile zu 100 Prozent im Besitz des chinesischen Staatskonzerns ChemChina befindet. Auch bei Unipol, einem der fünf größten Versicherungskonzerne Italiens, griff der Anleihespezialist zu, als der Markt ein vergleichsweise hohes Länderrisiko eingepreist hatte. Ein Upgrade auf Investment Grade durch die Ratingagentur Fitch ließ den Anleihekurs des „Rising Stars“ vor wenigen Wochen deutlich steigen. Diese Ineffizienzen sind besonders im Crossover-Ratingsegment zu beobachten, auf das sich die Rentenstrategie des Fonds fokussiert.

In einer ähnlich guten Ausgangslage sieht Choragwicki derzeit auch Organon, ein Spin-Off des Pharmakonzerns Merck & Co. Mehr als 70 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen mit etablierten Medikamenten gegen Cholesterin, Asthma oder Bluthochdruck, was stabile Cash-Flow-Ströme garantiert. Spezifische Wirkstoffe für Frauen und Biotech-Präparate runden das Produktportfolio ab. Abnehmende Marktanteile beim Hauptproduktportfolio sowie ein noch nicht vorhandener Track-Record als eigenständiges Unternehmen sorgen nach Einschätzung der StarCapital-Experten derzeit für eine ungerechtfertigt hohe Risikoprämie und damit für ein attraktives Einstiegsniveau in der Unternehmensanleihe. Folgerichtig gehört der Emittent im Bereich der Credit Spread Anleihen zu den momentan zehn größten Positionen des StarCapital Dynamic Bonds, der dieses Jahr eine deutliche Outperformance gegenüber der Peergroup verzeichnen konnte.

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Sport und Freizeit hoch im Kurs

Nach den Lockdowns hat die Gesundheits- und Freizeitbranche wieder viel Potenzial.

Michael Kordovsky. Ausgangssperren und die Schließung von Sport- und Freizeiteinrichtungen könnten im Falle einer hohen Durchimpfungsrate der Bevölkerung zumindest in den entwickelten Volkswirtschaften der Vergangenheit angehören, woraus auch Chancen für Anleger resultieren.

Laut Prognose des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) werden im Jahr 2050 16 % der Weltbevölkerung (1,5 Mrd Einwohner) fettleibig sein, verglichen mit 9 % im Jahr 2010. Die durch Übergewicht jährlich verursachten medizinischen Kosten werden im Jahr 2025 weltweit 1,2 BioUSD erreichen, wovon alleine 46 % bzw. 555 MrdUSD auf die USA fallen dürften. Mittlerweile ermöglicht der medizinische Fortschritt eine medikamentöse Behandlung. Der Innovator ist hier der dänische Pharmariese Novo Nordisk (B-Aktie: ISIN: DK0060534915) mit dem langwirkenden GLP-1 Rezeptor Analogon Semaglutid (Handelsname: „Ozempic“). Einmal wöchentlich bei fettleibigen nicht-diabetischen Patienten unter die Haut gespritzt, zeigte eine groß angelegte Studie, dass diese rund 15 % ihres Gewichts abnahmen und die Gewichtsreduktion über ein Jahr halten konnten. Mittlerweile gibt es unter dem Handelsnamen „Rybelsus“ sogar eine orale Version davon – ein Verkaufsschlager von Novo Nordisk, die ihren Gewinn/Aktie von 2016 bis 2020 um 4,7 % p.a. steigerte und der ein größerer Wachstumsschub bevorstehen sollte.

Die Alternative liegt in einem ganzheitlichen Gesundheitskonzept, das vor allem die Ernährung miteinschließt. Angeboten wird das etwa von Weight Watchers bzw. WW International (US98262P1012). Der Analystenprognose-Konsens von Zacks Investment Research rechnet von 2021 auf 2022 mit einer Steigerung des Gewinnes/Aktie von 2,03 auf 2,47 USD, woraus ein für 2022 erwartetes KGV von 13,7 resultiert. Noch mehr gelitten haben Fitness-Studios während des Lockdowns. Die US-Fitness-Studio-Kette Planet Fitness (US72703H1014) schlitterte 2020 in die roten Zahlen ehe es ab heuer wieder kräftig bergauf gehen sollte.

Generell vom Fitnesstrend profitieren sollte Nautilus (US63910B1026) als Anbieter von Kraft- und Ausdauer-Trainingsgeräten. Das Unternehmen überzeugte in den vergangenen vier Quartalen mit einem durchschnittlichen Gewinn, der knapp 227 % über den Analystenprognosen lag. Auf Basis aktueller Schätzungen liegt das für 2022 erwartete KGV bei günstigen 5,4.

Klassische Sportbekleidungshersteller wie adidas (DE000A1EWWW0) und Nike (US6541061031) sind auch im Aufwind. Mehr Direktvertrieb soll bei adidas bis 2025 einen Ertragsschub ermöglichen. Nike ist bei Zacks sogar mit einem Strong Buy bewertet, nachdem die vergangenen vier Quartalsgewinne im Schnitt 56 % über den Analystenprognosen lagen und der für 2022 geschätzte Gewinn/Aktie in den vergangenen 90 Tagen im Schnitt von 4,61 auf 4,99 USD nach oben revidiert wurde. Diese Dynamik rechtfertigt das aktuell erwartete KGV 2022 von mehr als 32! Generell ein Gewinner des Outdoor-Trends ist die V.F. Corp. (US9182041080), bekannt für Outdoor- Marken wie Timberland, Ice Breaker und The North Face.

Die Pandemie löste aber auch einen Nachfrageschub bei Wohnwägen und -mobilen aus. Hier kommt der europäische Markführer Trigano (FR0005691656) ins Spiel, dessen Umsatz alleine im dritten Quartal 2020/21 um 131,2 % stieg. Auf Basis aktueller Gewinnschätzungen liegt das für 2022 erwartete KGV trotz Ein-Jahres-Kurssteigerung von 101 % bei akzeptablen 12,8.

Foto: Pixabay / ichigo121212

 

 

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Wo Experten noch Chancen sehen

Mit Vorsicht und Diversifikation durch die zweite Halbzeit

Raja Korinek. In den vergangenen zwölf Monaten erlebten Anleger eine veritable Achterbahnfahrt. Der Crash vom Mai war heftig, die Erholung ebenso rasch. Noch dauert die Börsenrallye an. Ob dies so bleiben wird? JP Morgan Asset Management führt hierzu jedes Quartal eine Umfrage mit 38 Chefanlagestrategen und Portfoliomanagern weltweit durch. Das jüngste Ergebnis (April 2021) spricht eine klare Sprache. „Mehr als die Hälfte der Befragten rechnet nur noch mit durchschnittlichen Erträgen an den Aktienmärkten. Bloß 13 % glauben an überdurchschnittliche Zuwächse“, kommentiert Paul Quinsee, Global Head of Equities, die Auswertung im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

Angesichts der harten Fakten ist die Zurückhaltung vieler Anleger nachvollziehbar: Quinsee meint, die Gewinnerwartungen seien angesichts der allgemeinen Konjunkturerholung hoch, die Bewertungen an den Aktienmärkten ebenso. In den Schwellenländern dürften heuer die Unternehmensgewinne um durchschnittlich 40 % zulegen. In Europa sollte der Zuwachs bei rund 35 % liegen, in den USA bei 29 %.

US-Markt am teuersten bewertet
Im Vergleich dazu liegt das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis auf die kommenden zwölf Monate für den MSCI Emerging Markets bei 14,9, für Europa bei 17,8 und für die USA bei 22,7. Letzterer Markt ist damit nicht nur am teuersten bewertet. Auch der Abstand zum 25-jährigen Durchschnitt, der bei 16,6 liegt, ist jenseits des Atlantiks am höchsten. Dass US-Aktien derzeit am teuersten sind, begründet Quinsee mit der hohen Anzahl an Technologietiteln, die in der jüngsten Vergangenheit teils enorme Kurszuwächse verzeichnet haben.

Der Marktexperte rät Anlegern deshalb zu Vorsicht bei Neuinvestments gerade in diesem Bereich, wenn es auch immer noch Chancen gebe. Unternehmen wie Microsoft (ISIN: US5949181045) oder Amazon (US0231351067) „profitieren vom wachsenden Geschäft mit der Cloud, dass erst noch am Beginn steht“. Derzeit würden erst rund

20 % der globalen IT-Budgets in das Geschäft mit der virtuellen Datenspeicherung investiert. Das könne auf 50 % wachsen.

Breite Streuung wird wichtiger
Vorsichtig stimmen Quinsee allerdings nicht nur die hohen Bewertungen vor allem bei Technologieaktien. Ihm gefällt ebenso wenig die wachsende Börseneuphorie bei Privatanlegern. Er meint, deren Begeisterung für Aktieninvestments könne zu turbulenten Übertreibungen führen.

Quinsee würde ein Aktienportfolio deshalb breit aufstellen. Schließlich gebe es Bereiche, die sich nicht derart verteuert hätten. Doch wo sieht der Profi die interessantesten Chancen? Er verweist auf Substanztitel – sogenannte „Value-Aktien“. Sie erzielen meist solide Gewinne, sind an der Börse aber oftmals unterbewertet. Das aktuelle KGV liegt weltweit bei rund 11 für Value-Aktien, „und damit im langfristigen historischen Durchschnitt“, sagt Quinsee.

Viele solcher Titel kommen dabei aus dem Industrie-, dem Finanz-, aber auch dem Energiesektor. Ihnen kommen einige Faktoren zugute, wie etwa der steigende Ölpreis oder die Bondrenditen bei längeren Laufzeiten. Letzterer Umstand kommt den Banken zugute, da sie dann eine höhere Zinsspanne lukrieren.

Elektromobilität als Chance
Quinsee verweist auch auf Chancen im Industriesektor, insbesondere in der Automobilbranche. Schließlich würden große Hoffnungen in die Elektromobilität gelegt. Von solchen Zukunftsvisionen habe bislang vor allem Tesla (US88160R1014) profitiert. „Die Bewertungen dieser Aktie sind deshalb enorm hoch.“ Doch herkömmliche Autobauer wie General Motors (US37045V1008), Volkswagen (DE0007664039) oder BMW (DE0005190003) holten inzwischen auf: „Anleger sollen die Entwicklungen gut abwiegeln, zumal traditionelle Autokonzerne weitaus günstiger bewertet sind“, so Quinsee.

General Motors plant, bis 2035 die Produktion von Verbrennungsmotoren einzustellen und nur noch Elektroautos zu produzieren. Bis 2030 will Volkswagen den Anteil an E-Autos in Europa auf 70 % erhöhen. Und bei BMW? Da möchte man bis dahin die 50-%-Marke erreichen.

Foto: AdobeStock / MQ-Illustrations

 

 

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Der Corona-Effekt am Arbeitsmarkt

Konjunkturelle Erholung täuscht über strukturelle Arbeitslosigkeit hinweg.

Michael Kordovsky. Die Corona-Krise hat in den USA und Europa die Arbeitsmärkte nachhaltig geprägt. Den von Lockdowns besonders hart getroffenen Branchen Gastronomie und Hotellerie kehren trotz schrittweiser Normalisierung immer mehr ehemalige Mitarbeiter den Rücken. Sie sind häufig in besser bezahlte Branchen abgewandert. Gleichzeitig beschleunigte sich die Digitalisierung bzw. Büro- und Produktionsautomatisierung, der immer mehr Arbeitsplätze zum Opfer fallen.

Eine kleinere Gruppe hingegen hat erstmals die Vorzüge der „sozialen Hängematte“ entdeckt und dies infolge höherer temporärer Arbeitslosenunterstützung sogar in den USA. Für expandierende Unternehmen wird es somit zunehmend schwieriger, gute qualifizierte Mitarbeiter zur üblichen Bezahlung zu gewinnen.

Spürbare Langzeitarbeitslosigkeit in den USA
Der Trend bei der Arbeitslosigkeit geht hin zu einer höheren Langzeitarbeitslosigkeit, während die aktuellen Zahlen neu geschaffener Stellen nicht darüber hinwegtäuschen sollten, dass das Beschäftigungsniveau noch unter dem Level vor der Corona-Krise liegt. Es ist positiv, wenn sich die Wirtschaft erholt und beispielsweise in den USA von Mai auf Juni außerhalb des Agrarsektors 850.000 neue Stellen geschaffen wurden. Aber das Ganze relativiert sich bei folgender Betrachtung: Obwohl im gesamten Beherbergungs- und Freizeitbereich insgesamt 343.000 neue Stellen entstanden, liegt der Beschäftigtenstand mit 2,2 Mio Stellen noch immer 12,9 % unter dem Level von Feber 2020.

Per Saldo stieg von Mai auf Juni 2021 die US-Arbeitslosenquote von 5,8 auf 5,9 %. Insgesamt waren 9,5 Mio Einwohner arbeitslos verglichen mit 5,7 Mio (3,5 %) vor Corona. Von der „arbeitsfähigen“ Bevölkerung waren 61,6 % entweder beschäftigt oder auf der Suche nach einem Job (Erwerbsbeteiligungsquote). Das sind 1,7 %-Punkte weniger als im Feber 2020. Offensichtlich macht sich Resignation breit bzw. viele nützten auch die vorübergehenden Sozialprogramme. Während im Feber 2020 noch 61,1 % der arbeitsfähigen Bevölkerung einen Job hatten, waren es im Juni nur noch 58 %. Immer mehr US-Amerikaner müssen sich mit Teilzeitjobs begnügen und die strukturelle Arbeitslosigkeit steigt.

Das zeigt sich darin, dass im Juni die Zahl der Langzeitarbeitslosen (länger als 27 Wochen) um 233.000 auf 4 Mio anstieg. Das sind 42,1 % aller Arbeitslosen im Juni. Dies dämpft auch die Lohninflation. In der Privatwirtschaft stiegen die durchschnittlichen Stundenlöhne nur um 3,6 %. Die Inflationsrate im Mai lag aber bei 5 %!

Europa: Kurzarbeit federt Massenarbeitslosigkeit ab
In der Eurozone haben indessen im ersten Moment die Kurzarbeitsprogramme einen so starken Anstieg der Arbeitslosigkeit wie in den USA (Peak von 14,8 % im April 2020; ziviler Bereich) verhindert. Von März 2020 bis Juli 2020 stieg sie von 7,1 auf 8,7 %, um dann bis Mai 2021 wieder auf 7,9 % zurückzugehen.

Die Erwerbstätigenquote hielt sich auf hohem Niveau. Von 2019 auf 2020 ging sie im Euroraum lediglich von 72,7 auf 71,8 % zurück. Allerdings liegt die Arbeitslosenquote im Mai 2021 noch um 0,4 %-Punkte über dem Niveau von vor zwölf Monaten. In Zahlen ausgedrückt stieg sie von 11,989 auf 12,792 Mio Einwohner. Nach wie vor besonders hoch ist die Jugendarbeitslosigkeit unter 25 Jahre mit 17,5 %, obwohl sie gegenüber dem Vormonat um 0,9 %-Punkte abnahm. Eine Erklärung liegt darin, dass der Gastronomiebereich, der primär junge Kräfte einstellt, wieder hochfährt und Personal benötigt.

Das-Nord-Süd-Gefälle in der Arbeitslosenquote blieb nach wie vor erhalten. Die höchsten Arbeitslosenquoten wiesen im EU-Raum folgende Mitgliedsstaaten Die höchsten Arbeitslosenquoten wiesen im EU-Raum folgende Mitgliedsstaaten auf: Griechenland (15,4 %), Spanien (15,3 %) und Italien (10,5 %), die niedrigsten hingegen: Tschechien und die Niederlande (je 3,3 %) gefolgt von Malta und Deutschland (je 3,7 %) sowie Polen (3,8 %).

Foto: Pixabay / boy2017

 

 

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In die grüne Zukunft Asiens investieren

Ein Kommentar von Jian Shi Cortesi, Investment Director, Asia/China Growth Equities bei GAM Investments

(30.06.) Chinas jüngster Fünfjahresplan (2021 bis 2025) setzt den Schwerpunkt auf eine nachhaltige und langfristig ausgerichtete Entwicklung und verfolgt das Ziel einer Kohlenstoffneutralität bis 2060. Saubere Energie soll folglich in den kommenden Jahrzehnten von einer aktuell untergeordneten Rolle als Energiequelle zur Hauptenergiequelle aufsteigen. Dies untermauert unseren positiven Ausblick und unsere Überzeugung, dass der Sektor ein signifikantes Wachstum in zahlreichen Branchen bietet – darunter Elektrofahrzeuge (EVs) und saubere Energie sowie in weiteren mit dem Umweltschutz verbundenen Sektoren in Asien und China. Für China bedeutet das Vorantreiben von „sauberer“ Energie nicht nur ökologische Vorteile, sondern darüber hinaus äußerst lukrative Chancen.

China mit Vorreiterrolle bei Solar- und Windanlagen
Die aktuelle Expansionswelle in sauberen Energietechnologien und verwandten Branchen bietet nach unserer Ansicht zahlreiche ESG-konforme Anlagemöglichkeiten in Asien und China. Dadurch ergeben sich ideale Investitionsmöglichkeiten in die zukünftigen Vorreiter der sauberen Energiewende. China zählt unter anderem zu den führenden Herstellern von Solaranlagen. Beim Kauf eines Solarmoduls kann man mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass dieses in China hergestellt wurde. Darüber hinaus ist China auch der weltweit größte Markt für Solaranlagen, mit einer gesamten Installationskapazität von 35% des globalen Marktes. Die Solarkapazität wuchs im Zeitraum von 2010 bis 2018 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von mehr als 90 Prozent.

Des Weiteren hält das Land mit 44 bzw. 37 % der globalen „Onshore“- und „Offshore“-Windkapazitäten den weltweit größten Markt für Windenergie. Xinjiang Goldwind und Longyuan Power zählen zu den von uns bevorzugten Unternehmen in diesem Sektor: Goldwind ist ein Hersteller von Turbinen und Windkraftanlagen, wohingegen Longyuan neben der Herstellung von Anlagen für die Erzeugung von Wind-, Wärme-, Gezeiten- und Solarenergie Windparks betreibt.

Wir sind davon überzeugt, dass neben der sauberen Energie weitere damit verbundene Bereiche wie beispielsweise die Wasserenergie, der Wasserschutz und die Wasseraufbereitung sowie die Abfallwirtschaft attraktive Investitionsmöglichkeiten bieten.

„Sauberes“ Potenzial in der Automobilindustrie
Darüber hinaus setzen wir auf das Thema „saubere grüne Energie“ in der Autoindustrie, für welche China derzeit 73 % der weltweiten Produktionskapazitäten von Lithiumzellen bereitstellt. Korea ist als führender Hersteller von EV-Akkus in diesem Bereich ebenfalls interessant. Geely Automotive, ein traditioneller chinesischer Automobilhersteller, der sowohl Personenkraftwagen als auch Autoteile herstellt, hat zuletzt ein neues Elektrofahrzeug auf den heimischen Markt gebracht. Das Unternehmen ist darüber hinaus Eigentümer der in Großbritannien angesiedelten London Electric Vehicle Company (LEVC), welche das unverwechselbare schwarze Londoner Taxi produziert. Nio, ebenfalls ein Hersteller von Elektroautos und -teilen, bietet darüber hinaus Aufladestationen an und beteiligt sich zudem an der wachsenden Formel-E-Motorsportmeisterschaft.

Fokus auf Windenergie und traditionelle Automobilhersteller
Das Investmentthema „saubere Energien“ bleibt für uns also attraktiv. Angesichts der überproportionalen Wertentwicklung und der mittlerweile überzogenen Bewertungen, haben wir jedoch Positionen in ausgewählten Unternehmen, insbesondere im Autosektor reduziert. Im Gegenzug haben wir unser Engagement in Windturbinenherstellern, Windkraftanlagen und traditionelleren Automobilherstellern erhöht, welche überzeugende Elektrofahrzeuge entwickeln und vom steigenden Wachstum der sauberen Energie profitieren können.

Foto: GAM

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Von neuer Reiselust profitieren

Experten sehen bei Aktien aus der Reise- und Freizeitindustrie weiterhin Chancen.

Patrick Baldia. „Auch wenn sich einige Unternehmen und Segmente der Reiseindustrie seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie gut geschlagen haben, so haben die meisten nach wie vor Aufholpotenzial“, sagt Michael Gierse, Portfoliomanager bei Union Investment. Viele einschlägige Aktien würden noch unter dem Niveau von 2019 notieren. Er geht davon aus, dass sich die meisten Player erholen werden – die Frage sei nur wann. Schließlich sehe man derzeit, dass das Bedürfnis zu verreisen da sei – zumindest was Privatreisen betreffe. Bei Geschäftsreisen sollte eine Normalisierung dagegen länger dauern.

Regelrecht durch die Decke gegangen sind seit dem Ausbruch der Corona-Krise die Bewertungen von Aktien zum Thema Camping und Fahrrad. „Der Camping-Sektor hat schon vor Corona interessantes Wachstum aufgewiesen“, so Gierse. Dahinter sieht er einen Trend zur Individualisierung des Reisens, ebenso wie die zunehmende Nachfrage durch Frühpensionisten. Gut unterwegs waren Aktien von Herstellern von Reise- und Wohnmobilen, Campingbussen, Caravans oder Vans wie Knaus Tabbert (ISIN: DE000A2YN504), Hymer (DE0006096704) und Trigano (FR0005691656) oder der schwedische Hersteller von Kühlschränken für Wohnmobile und Camper Dometic (Anleihe: XS1878856803). Auf der Fahrradseite bescherten Aktien wie Shimano (JP3358000 002) oder Thule (SE0006422390) Anlegern viel Freude.

Bereits gut gelaufen sind Airlines-Aktien wie Ryanair (IE00BY TBXV33) oder Wizzair (JE00BN574F90). Für Gierse ist die irische Billigairline aussichtsreich positioniert. „Sie punktet mit einem einfachen Geschäftsmodell: Eine Airline, ein Produkt und ein Flugzeugtyp“, hält er fest. Die stark nach Nordamerika ausgerichtete IAG (ES0177542018) könnte wiederum frühzeitig von einer Normalisierung des Reiseverkehrs dorthin profitieren. Positiv sehen die Analysten der Erste Group ein weiteres Unternehmen: Den heimischen Caterer Do & Co. „Wir sehen das Unternehmen weiterhin in der Pole-Position für den Aufschwung nach Corona“, so die Analystin Vladimira Urbankova.

Am besten positioniert, um von einer Erholung der Reisetätigkeit zu profitieren, sind nach Ansicht von Experten – aufgrund ihrer sehr flexiblen Geschäftsmodelle ohne Vermögensgegenstände – Online-Reiseportale. Zu den Playern, die aktuell eine gute Buchungslage aufweisen, gehören etwa eDreams (LU1048328220) aus Spanien, das in jedem europäischen Land entweder die Nummer 1 oder 2 ist, oder Lastminute.com (NL0010733960) aus der Schweiz. Das britische Online-Reisebüro On the Beach Group (GB00BYM1K758) leidet hingegen aktuell noch unter den Reisebeschränkungen in seinem Heimatmarkt.

Gierse weist darauf hin, dass es aktuell Unternehmen gibt, die Kapital benötigen und vor Übernahmen stehen. Dazu zählen etwa Lufthansa (DE0008232125), TUI (DE000TUAG000) und der Schweizer Reise-Detailhändler Dufry (CH0023405456). „Für die Aktionäre ist das mit der Gefahr einer Kursverwässerung verbunden“, so der Portfoliomanager, der einen Publikumsfonds aus dem Bereich Mid & SmallCaps verantwortet. Obwohl etwa TUI Kapital benötigt, berichtet es von einer starken Buchungslage. Das größte Problem des Tourismuskonzerns ist, dass der wichtigste Markt Großbritannien wegen der Covid-19-Beschränkungen hinterherhinkt. „Fallen diese, könnte die Aktie einen Schub bekommen“, so Gierse. Nachsatz: „Viele Briten warten nur darauf, wieder verreisen zu können.“

Foto: Pixabay / mohamed_hassan

 

 

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Geldpolitische Wende in den USA und Europa?

Warum es trotz starker US-Leitzinssignale wieder ganz anders kommen könnte.

Michael Kordovsky. Die Inflationsrate in den USA erhöhte sich von 1,4 % im Jänner bis Mai kontinuierlich auf 5 %. Allerdings spielten hier Basiseffekte beim Ölpreis eine Rolle. Ohne den volatilen Komponenten Energie und Nahrungsmittel betrug die Inflationsrate 3,8 %. Dienstleistungen und andere Produkte wurden aber ebenfalls teurer. Die Angst vieler Experten liegt darin: Wenn die Fed zu spät auf Inflation reagiert, muss sie bei überhitzter Konjunktur umso stärker die Leitzinsen anheben, was dann eine Rezession auslösen würde. Sie forderten von Fed-Chairman Jerome Powell klare Handlungsbereitschaft. Die Reaktion des Fed-Chefs bei der jüngsten Zinsentscheidung im Zuge der anschließenden Pressekonferenz war eine Art Kompromiss und hat nur für kurze Zeit zu einer Korrektur am T-Bond-Markt in den USA geführt. Der Offenmarktausschuss hat mit der Diskussion über eine Drosselung der Anleihenkäufe begonnen, Powell lässt sich alle Optionen offen und sich schon gar nicht zu einer Entscheidung drängen. Er persönlich geht nämlich nur von einem zwischenzeitlichen Inflationspeak aus, aber nicht von einer langfristigen Inflation. Vielmehr sollte sich die Produktion der gestiegenen Nachfrage anpassen und somit die Preissituation entspannen. Änderungen bei Anleihenkäufen werden sehr weit im Voraus bekanntgegeben. Auch sei die Zinswende noch immer in weiter Ferne, obwohl sich mittler-weile die Zinseinschätzungen verändert haben.

US-Futuresmärkte preisen Leitzinsanhebungen ein
Nimmt man die Wirtschaftsprognosen der einzelnen Mitglieder des Federal Open Market Comittee (FOMC; der Offenmarktausschuss) in den USA, so liegt in der BIP-Wachstumseinschätzung der Medianwert für heuer bei 7,0 %, jedoch für 2022 und 2023 nur noch bei je 3,3 bzw. 2,4 %. Bei der Arbeitslosenquote gehen die Fed-Experten davon aus, dass sie von 4,5 % im heurigen Jahr bis 2023 auf 3,5 % zurückfällt. Die PCE(Personal-Consumption-Expenditures)-Inflation soll von 3,4 % im laufenden Jahr auf 2,1 % im Jahr 2022 zurückgehen und bis 2023 auf 2,2 %, ehe langfristig der Wert bei 2 % liegen sollte. Die Fed Fund Rate sollte 2022 noch immer auf 0,1 % verharren, ehe 2023 ein Anstieg auf 0,6 % folgt und langfristig 2,5 % angesetzt werden – so die Medianwerte der Prognosen.

Während heuer noch alle Mitglieder des Offenmarktausschusses unveränderte Leizinsen sehen, gehen für 2022 fünf von einer Anhebung auf 0,375 % (Mitte der Bandbreite) und zwei von 0,625 % (Mitte der Bandbreite) aus. Für 2023 rechnen bereits 13 von 18 Mitgliedern mit Zinsanhebungen, davon zwei auf 1,625 % (Mitte der Bandbreite).

Nun stellt man diesen Erwartungen die aus den Futures-Märkten abgeleiteten Wahrscheinlichkeiten für Zinsanhebungen gegenüber. Das CME-Fed-Watch-Tool gibt dazu genauere Auskunft: Die Einschätzung der Leitzinsentwicklung bis zur Fed-Sitzung am 14.12.2022 sagt mehr als 1.000 Worte: Vor einem Monat (27. Mai) lag die Wahrscheinlichkeit gleichbleibender Leitzinsen noch bei 41,8 %. Eine Anhebung um 25 Basispunkte (BP) auf 25 bis 50 BP wurde mit 39,8 % eingepreist und eine weitere auf 50 bis 75 BP mit 15,1 %, darüber nur mit 3,2 %. Bis 25. Juni hat sich einiges verändert: Während die Erwartung einer einzigen Leitzinserhöhung noch konstant mit 39,9 % eingepreist war, betrug die Wahrscheinlichkeit gleichbleibender Leitzinsen nur noch 26 %. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Leitzinserhöhung auf 50 bis 75 BP preisen die Märkte bereits mit 24,6 % ein und auf 75 bis 100 BP mit 7,9 %, darüber mit 1,5 %.

Abweichungen von den „Fed-Zinssignalen“
Eher verhalten reagieren in diesem Umfeld die Kurse der 10jährigen US-Treasuries, die lediglich auf 1,5360 % anstiegen (verglichen mit 52-Wochen-Hoch von 1,7650 %). Das ist schon eine gewisse Abweichung, die ernst genommen werden sollte.

Auch in Europa gab es moderate Renditeanstiege, zumal die Inflation im Euroraum im Mai mittler-weile 2 % erreicht hat. Trotzdem waren die Renditeschwankungen der Staatsanleihen noch gut überschaubar: Laut der alle sechs Wochen von der EZB vorgenommenen Expertenbefragung wird im Euroraum die erste Leitzinserhöhung ausgehend von aktuell 0 % im Mai 2024 erwartet. Doch dieser Kreditzins spielt derzeit aufgrund der hohen Liquidität der Banken keine besondere Rolle. Bezüglich des Einlagenzinses erwarteten die Umfrageteilnehmer lediglich einen kleinen Schritt in Höhe von 0,1 %-Punkten. Derzeit müssen Banken für das Halten überschüssiger Liquidität bei der EZB einen Strafzins von 0,5 % zahlen. Für den Fall einer erneuten negativen Konjunkturentwicklung und möglicher weiterer Zinssenkungen sehen die befragten Fachleute bei einem Einlagenzins von -0,8 % eine kritische Untergrenze, ab der Negativzinsen die Wirtschaft mehr bremsen als fördern.

Folgende Argumente sprechen sowohl in den USA als auch in Europa gegen eine allzu schnelle Wende in der Geldpolitik: Ist die Inflation nur temporär, dann werden die Basiseffekte ausgehend von einem hohen Preisniveau zu einem späteren Zeitpunkt dämpfend wirken. Es gibt noch eine relativ hohe strukturelle Arbeitslosigkeit sowohl in den USA als auch Europa, die infolge digitalisierungsbedingter Rationalisierungen erhöht bleibt. Hinzukommen noch Risikofaktoren ausgehend von neuen Corona-Mutationen wie beispielsweise der Delta-Variante. Was ist, wenn sich der Lockdown-Zyklus im Herbst dieses Jahres wiedererholt?

Fazit: Eine geldpolitische Wende ist nach wie vor mit einigen Fragezeichen versehen.

Foto: Foto: Pixabay / kalhh

 

 

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Weniger Produkt, mehr Lebenswelt

Neue Technologien könnten die Art, wie Finanzdienstleistungen funktionieren, umkrempeln.

Emanuel Lampert. Just wenige Wochen nach Ausbruch der Pandemie, im April 2020, hat die Bank99 den Betrieb aufgenommen. Die Filialen seien „einer unserer Erfolgsbausteine“ gewesen, sagte Michael Wiedeck, Bereichsleiter Vertrieb, kürzlich bei einer Online-Podiumsdiskussion des Finanz-Marketing Verbandes. In den Postfilialen gebe es jährlich um die 50 Mio Kundenkontakte – Nebeneffekt für die Bank99: „Wir sehen die Kunden anderer Banken öfter als sie in ihren eigenen Filialen.“

Nichtsdestoweniger habe die Bank99, die zu 80 % der Post, zu 20 % der Capital Bank gehört, ihre Produkte „mobile first“ entworfen. Wiedeck glaubt, dass wegen eines einfachen Kontoprodukts oder eines einfachen Konsumkredits „in Zukunft kaum jemand mehr in eine klassische Bankfiliale gehen wird“. Auch zukünftige Produkte müsse man daher „genau so denken“. Zugleich, so Wiedeck, schätzen aber viele Kunden einen Spezialisten an ihrer Seite, wenn Betreuungsintensiveres ansteht, wie etwa eine Wohnbaufinanzierung.

„Ganz andere Horizonte“
Für Wilhelm Petersmann, Vice President bei Fujitsu Österreich und Schweiz, lässt der digitale Wandel „ganz andere Horizonte erblicken“ als zuvor. Eine volldigitalisierte Kfz-Versicherung, Stichwort Telematik, würde etwa individuelle Polizzen und Abrechnung ermöglichen – ein „enormer Vorteil“, gerade mit Blick auf „shared economy“ und Ökosysteme.

Jochen Zöschg vom Vorstand der Zürich Versicherung sprach sich dafür aus, statt rein auf Produktebene anzusetzen, verstärkt die „Lebenswelten, die dem Kunden wichtig sind“, in den Fokus zu rücken und dabei auch an Ökosysteme und Plattformen zu denken. Das betreffe etwa „Mobilität in ihrer ganzen Vielfalt“: Wenn der Kunde Auto fährt, zahlt er entsprechend Prämie, wenn er sich anders bewegt, „können wir ihm da auch Versicherungsschutz bieten“.

„Nicht unendlich viel Zeit“
Walter Mösenbacher
, Ambassador des Fintechcircle London und langjähriger Experte in der Raiffeisenbank-Gruppe, warnte davor, sich „der Illusion“ hinzugeben, „dass der Berater in der Filiale unendlich viel Zeit hat“. Seinen eigenen Untersuchungen zufolge habe ein Berater im Schnitt 2.000 Kunden im Kundenstamm, könne aber höchstens 200 aktiv betreuen. „Was passiert mit den restlichen 1.800? Ohne digitale Technologie werden wir das überhaupt nicht schaffen.“

Von Fintechs lernen
Die Banken hätten das bekannte Onlinebanking zwar sehr gut eingeführt. Die großen Innovationen der vergangenen Jahre seien aber „eigentlich immer von außerhalb gekommen“, sei es der Käuferschutz im Zahlungsverkehr, Crowdfunding-Initiativen im Finanzierungs- oder die Kryptoökonomie im Assetbereich. „64 % der Millennials sagen, sie wollen nachhaltig investieren“, so Mösenbacher.

Fintechs seien hier bereits aufgesprungen; ein britisches investiere ausschließlich nachhaltig und lasse per künstlicher Intelligenz prüfen, wie grün Investments sind. Absolute Kundenorientierung, unheimliche Schnelligkeit, Neugestaltung von Arbeitswelten – das könne man von Fintechs lernen.

Mösenbacher findet, dass es in Österreich in den nächsten Jahren zu Kooperationen kommen muss. Es könne nicht jeder seine eigene Blockchain entwickeln, sein eigenes Quantencomputing entwickeln, wenn er wettbewerbsfähig bleiben will. Österreichs Bankenlandschaft solle deshalb darüber nachdenken, was „miteinander zum Wohle des Kunden“ getan werden kann. „Sonst sind die österreichischen Bankkunden dann vielleicht Kunden von Alibaba, Amazon und Co.“

Foto: Pixabay / geralt

 

 

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Inflation: „vorübergehendes“ Dilemma – oder?

Ein Kommentar von Deborah A. Cunningham, CFA bei Federated Hermes

(21.06.) Als die Federal Reserve vor einigen Monaten zum ersten Mal den Begriff „transitorisch“ einführte, um die aufkeimende Inflation zu beschreiben, schien dies typischer Fed-Jargon zu sein. Politische Entscheidungsträger haben lange behauptet, dass die bereits vor der Pandemie vorhandenen desinflationären Faktoren (wie Demografie, Globalisierung, Automatisierung) letztendlich jedem aufkommenden Preisdruck entgegenwirken werden. Auf jeden Fall sind sie nach wie vor mehr damit beschäftigt, eine wirtschaftliche Malaise à la Japan zu vermeiden.

Doch wie sich gezeigt hat, ist die Erholung in den USA robust. Daher ist es gefährlich, die Inflation zu ignorieren. Selbst ein vorübergehender Anstieg kann nachhaltige Folgen haben.

Es kommt auf die Definition von „vorübergehend“ an. Niemand erwartet von der Fed, dass sie die Zukunft vorhersagt. Das durchschnittliche Inflationsziel (Wachstum der persönlichen Konsumausgaben von über 2 % für „einige Zeit“ zu tolerieren – mit neuer Tendenz nach oben) lässt vermuten, dass sie einen Zeitraum im Sinn hat. Denn Fakt ist: Dafür muss sie einen Ausgangspunkt wählen. Wie weit wird die Fed also zurückgehen? Wenn sie die Monate kurz vor der Pandemie wählt, dann wird „vorübergehend“ wahrscheinlich kürzer sein, als wenn sie, sagen wir, 2014 wählt.

Schon kochen – oder noch brodeln …
Das macht einen Unterschied, vor allem, wenn die Wirtschaft eher zu kochen als zu brodeln beginnt. Beispiel Arbeitsmarkt: Die Beschäftigung ist immer noch weit von dem Niveau vor der Pandemie entfernt – und die Fed will warten, bis sie heiß läuft, bevor sie handelt. Aber was, wenn die staatlichen Stimuli im Herbst enden? Dann könnte es zu Engpässen kommen – und die Arbeitgeber könnten Schwierigkeiten haben, Stellen adäquat zu besetzen. Die Kosten für einhergehend steigende Löhne werden entweder als Preiserhöhungen an den Markt weitergegeben oder die Margen der Unternehmen schrumpfen. Beides könnte sich negativ auf die Wirtschaft auswirken.

Verbraucher mit Kriegskassen-Zwängen
Vielmehr ist die vorherrschende Meinung, dass die aufgestaute Verbrauchernachfrage bis zum Ende des Sommers erschöpft sein wird. Gleichwohl: Wir halten das nicht für wahrscheinlich. Was stimmt: Viele US-Amerikaner haben sich mit Urlauben eingedeckt, ihre Häuser renoviert und Eintrittskarten für Konzerte, Spiele und andere Unterhaltungsangebote gekauft. Aber sie können nicht alles auf einmal ausgeben. Die persönliche Sparquote ist hoch genug, um viele Monate an Reisen und Aktivitäten zu finanzieren. Von Autos bis hin zu Gebrauchsgütern wie Smartphones: „Save the date“-Anfragen häufen sich, die Nachfrage nach größeren Anschaffungen wird auf die Auffüllung der Lagerbestände warten müssen. Viele Menschen haben eine Kriegskasse, die eine Weile reichen wird.

Möglich ist, dass diese vorübergehende Periode steigender Inflation zu einer, nun ja, wirklichen Periode wird. Die Fed könnte handeln müssen, bevor sie es will. Sie erwägt bereits, ihre monatlichen Käufe von Staatsanleihen zu reduzieren, was in einem unglaublich gestelzten Satz im Protokoll der April-Sitzung erwähnt wurde: „Eine Reihe von Teilnehmern schlug vor, … dass es irgendwann in den kommenden Sitzungen angebracht sein könnte, mit der Diskussion eines Plans zur Anpassung des Tempos der Wertpapierkäufe zu beginnen.“

Vermögensverwalter und Investoren werden das begrüßen. Eine weitere positive Nachricht: Das Niveau, unter dem das Balance Sheet laut Finanzministerin Janet Yellen liegen muss, wenn die Schuldenobergrenze am 1. August erreicht wird, wird deutlich höher sein als einst angenommen (möglicherweise rund 400 MrdUSD gegenüber 150 MrdUSD).

Das bedeutet, dass sich das Angebot am Markt kaum reduzieren wird. Aber es ist immer noch viel Geld im Umlauf, das den wenigen Gelegenheiten nachjagt – und die Renditen am vorderen Ende der Zinskurve bleiben niedrig. Insbesondere im steuerbereinigten Bereich. Aber: Das Hauptproblem ist, dass die so genannten Overnight-Märkte, etwa bei Tages- und Termingeldern, immer noch aus dem Gleichgewicht geraten sind. Wir begrüßen daher, dass die Fed nach ihrer jüngsten Sitzung vergangene Woche eine Anhebung der Reverse-REPO-Fazilität im Blick lässt.

Foto: Federated Hermes

 

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Starke Wachstumsaussichten für „Künstliche Intelligenz“

Mit einschlägigen Aktien und Fonds können Anleger auf das große Potenzial einer neuen Branche setzen.

Patrick Baldia. Angefangen mit Suchmaschinen, über Systeme, die Daten analysieren und daraus Schlüsse ableiten, bis hin zu autonomen Robotern und Fahrzeugen: „Künstliche Intelligenz“ (kurz: KI) kommt in immer mehr Bereichen des menschlichen Lebens zum Einsatz. Gleichzeitig wächst auch das damit verbundene Geschäft. Laut Statista sollen allein die weltweiten Umsätze mit KI-Unternehmensanwendungen bis 2025 auf 32,2 Mrd USD ansteigen. Damit erschließt sich auch für Anleger ein gewaltiges Potenzial, das über einschlägige Aktien und Fonds – sowohl aktiver als auch passiver Natur – gespielt werden kann.

Wem Einzelaktien von Unternehmen wie den FAANGs (Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google), die in dem Bereich aktiv sind, zu heiß sind, kann jedenfalls auch mit Fonds auf das Potenzial von KI setzen. Dazu gehört unter anderem der „Allianz Gl Artificial Intelligence“ (ISIN: LU1548497772), der sich damit rühmt, einer der ersten europäischen Fonds zu sein, der Anlegern Zugang zu sämtlichen Bereichen des KI-Segments ermöglicht. Ziel sei es, das disruptive Potenzial „Künstlicher Intelligenz“ zu analysieren und in die Aktien derjenigen Unternehmen zu investieren, die den Fortschritt in diesem Segment vorantreiben oder davon direkt profitieren, erklärt Fondsmanager Sebastian Thomas.

Seit Jahresbeginn liegt der Fonds von Allianz Global lnvestors jedenfalls mit 8 % im Plus. Auf Einjahressicht steht eine Performance von fast 40 % zu Buche. Der „DWS Invest Artificial Intelligence LD“ (LU1863263429) hat wiederum seit Anfang 2021 um fast 12 % zugelegt, über die vergangenen zwölf Monate um 33 %. Teilweise noch besser haben sich zuletzt KI-ETFs wie der „WisdomTree Artificial Intelligence UCITS“ (IE00BDVPNG13), der „Xtracker Artificial Intelligence and Big Data UCITS ETF 1C“ (IE00BGV5VN51) oder der „Amundi STOXX Global Artificial Intelligence UCITS ETF (C)“ (LU1861132840) geschlagen.

Auch die Assetmanager selbst nutzen KI
Aber auch in der Assetmanagement-Branche selbst kommt KI in zunehmendem Maß zum Einsatz. „Die Asset-Management-Branche befindet sich erst in einem frühen Stadium der Integration von KI in die Analyse- und Research-Prozesse“, sagt Kunal Ghosh, regionaler CIO Systematic Strategies bei Allianz Global Investors, zum Börsen-Kurier. Die deutsche Asset-Management-Gesellschaft hat eine KI entwickelt und trainiert, die auf Basis von natürlicher Sprachverarbeitung (NLP, für Natural Language Processing) aus Millionen von Artikeln in Echtzeit Informationen zum Nachhaltigkeitspfad asiatischer Unternehmen generiert, um die in ökologischer Hinsicht führenden Player in der Region zu identifizieren. Ein weiteres Beispiel: BlackRock nutzt die auf KI basierende Portfolio-Management-Software Alladin, die im Risikomanagement eingesetzt wird.

Ende März hat wiederum die DWS mit dem „DWS Concept ESG Arabesque AI Global Equity“ (LU2307564141) einen Aktienfonds aufgelegt, bei dem die Titelselektion – im Fokus stehen dabei die drei Megatrends Niedrigzinsen, Nachhaltigkeit und Digitalisierung – maßgeblich auf dem Einsatz von KI beruht.

Aber auch der Faktor „Mensch“ spielt dabei eine Rolle. Wie kann man sich das vorstellen? Konkret generiert eine KI-Engine täglich eine Vielzahl von Signalen, die auf die Attraktivität von Aktien schließen lässt. Darauf basierend, bauen die DWS-Spezialisten für quantitatives Investieren ein regional und über Sektoren diversifiziertes Portfolio – und überprüfen dieses zudem monatlich.

Foto: Pixabay, sujins

 

 

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Konsumboom oder Basiseffekt?

Die aktuellen Absatzsteigerungen im Einzelhandel sind kritisch zu hinterfragen.

Michael Kordovsky. Kehrt in Europa alles wieder zur Tagesordnung zurück oder ist es gar ein neues Wirtschaftswunder mit Konsumboom?

Auf jeden Fall sollten folgende Zahlen genau hinterfragt werden: Im April beschleunigte sich der jährliche Zuwachs des Absatzvolumens des Einzelhandels im Euroraum von 13,1 % im März auf „sagenhafte“ 23,9 %. Dabei wuchs der Nicht-Nahrungsmittel-Bereich ohne Motorenkraftstoffe um 42,6 % (März 26,9 %). Explosionsartig stieg mit dem Beginn der Urlaubszeit die Tankstellennachfrage. An der Zapfsäule konsumierten die Einwohner des Euroraums im Jahresvergleich um 65,5 % mehr, während im Feber 2021 der Einbruch noch bei 12 % lag.

Im Jänner und Feber 2021 verzeichnete der gesamte Einzelhandel ein Absatzminus von je 4,8 bzw. 1,4 %. Die Sparte Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren lag indessen je 6,1 bzw. 2,6 % im Plus. Der Versand- und Interneteinzelhandel boomte noch bis März. Im ersten Quartal lagen hier die durchschnittlichen Zuwächse zum Vorjahr pro Monat bei 39,5 %, ehe im April ein Rückgang auf 18,2 % folgte.

Basiseffekte und Normalisierung
Was steckt hinter diesen Zahlen? Es sind Basiseffekte. Im März und April 2020 schrumpfte das Einzelhandelsvolumen gegen die Vergleichsmonate 2019 um jeweils 8,2 bzw. 19,4 %. Rechnet man als Ausgangswert jenen von 2019 mit hundert, dann startete die Basis bei je 91,8 bzw. 80,6 Punkten. Darauf ein Plus von je 13,1 bzw. 23,9 % ergibt je 103,8 bzw. 99,9 Punkte. Während im März das Absatzvolumen im Einzelhandel gegenüber 2019 bereits wieder 3,8 % im Plus lag, befand es sich im April marginal -0,1 %-Punkte unter dem Niveau von 2019.

Die Einzelhandelsaktivitäten normalisieren sich wieder und der während der Krise so stark gefragte Online-Handel erlebt gerade eine Gegenbewegung. Das erklärt auch im April auf Monatsbasis das Minus von 2,9 % beim Versand- und Internet-Einzelhandel.

Starke Gegenbewegungen fallen im gesamten Einzelhandel in Luxemburg (46,1 %), Frankreich (42,1 %) und Slowenien (41,7 %) auf, während Deutschland und die Niederlande nur moderate Zuwächse von 6,6 bzw. 9,8 % meldeten. In Frankreich, Luxemburg und Slowenien waren die Abstürze im April 2020 mit je 29,0 %, -29,8 % bzw. -22,7 % entsprechend stark. Hingegen in Deutschland und den Niederlanden hielt sich der vorangegangene Einbruch mit 5,7 bzw. 5,3 % in Grenzen.

Wie geht es weiter?
Die Sparneigung der Konsumenten wird nicht so schnell vergehen. Digitalisierung führt zu struktureller Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig verteuerten sich die Wohnkosten, insbesondere die Kosten bei Anschaffung von Wohneigentum. Parallel dazu ist zu erwarten, dass Banken zur Vermeidung einer Immobilienblase ihre Mindestkriterien für Immobilienkredite verschärfen, insbesondere in Österreich. Höhere Eigenmittel würden dann Wohneigentum nochmals aufwendiger machen. Aber auch Mieten verteuern sich und die Wohnausgaben haben als elementarste Ausgaben Vorrang gegenüber allen anderen Posten. Erst dann kommen die Güter des täglichen Bedarfs.

Auf der Strecke bleiben Bekleidung, Reisen, Autos und Luxusartikel. Vor allem, wenn die Delta-Variante des Corona-Virus weltweit erneute Lockdowns erfordert, dann kann es bereits in den kommenden Wochen zu einem erneuten Abschwung kommen.

Foto: Pixabay / StockSnap

 

 

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Mit Vollgas zum Global Britain

Das Vereinigte Königreich hat mehr Chancen als man glaubt – ein Gastkommentar von Wirtschaftswissenschafterin Dambisa Moyo.

Schon seit einiger Zeit sagen Skeptiker, das Vereinigte Königreich habe seine besten Tage hinter sich und lebe vor allem von vergangenem Ruhm. Sie verweisen auf das mittelmäßige Abschneiden des Landes in den PISA-Studien der OECD, die Tatsache, dass zwar vier deutsche Unternehmen zu den 50 größten Aktiengesellschaften der Welt gehören, aber mit der HSBC nur ein einziges britisches, und auf die Gefahr, dass der Brexit Großbritanniens Stellung in der Welt letztlich nicht stärkt, sondern untergräbt.

Ich sehe das ganz anders
Immerhin gehört Großbritannien zu der Handvoll Länder, die in Rekordzeit einen wirksamen Impfstoff gegen Covid-19 entwickelt haben. Das Land ist immer noch führend an der weltweiten Energiewende beteiligt und war die erste große Volkswirtschaft, die sich selbst gesetzlich verpflichtet hat, ab 2050 nichts mehr zur globalen Erwärmung beizutragen. Auch kann sich das Vereinigte Königreich weiter-hin auf seine traditionellen Stärken verlassen zu denen Sprache, Lage und Zeitzone, dynamische Universitäten und tiefe Finanzmärkte gehören, und es ist immer noch ein Bannerträger für das Rechtsstaatsprinzip.

Als Großbritannien in Cornwall die Elite aus Politik und Wirtschaft zum G7-Gipfel empfing, musste das Land zeigen, wie gut es in den drei Fragen dasteht, die in den nächsten Jahrzehnten den Welthandel umkrempeln und das Wirtschaftswachstum antreiben werden: Beziehungen zu China, technologische Innovation und saubere Energie.

Da geht noch was
Was China angeht, hat Großbritannien beim bilateralen Handel noch viel Luft nach oben. 2019 exportierte das Land Waren im Wert von 30,7 Mrd GBP (35,7 Mrd Euro) nach China, also nur etwas mehr als ein Drittel der deutschen Ausfuhren in Höhe von 90,2 Mrd Euro. Tatsächlich war China 2020 bereits zum fünften Mal in Folge Deutschlands größter Handelspartner.

Großbritannien muss also dringend seine Handels- und Investitionsbeziehungen mit China ausbauen, das die Weltwirtschaft in Zukunft dominieren wird. Schon heute ist China für viele Industrie- und Entwicklungsländer der größte Handelspartner und ausländischer Direktinvestor und für viele Schwellenländer der größte Kreditgeber – noch vor dem Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und dem Pariser Club staatlicher Gläubiger.

Natürlich muss Großbritannien im Umgang mit China Menschenrechtsfragen und ideologische Differenzen berücksichtigen. Ohne Kanäle zur politischen Klasse in China würde das Vereinigte Königreich jedoch seinen Einfluss auf das Regime in Peking weiter einschränken und die britische Wirtschaft gefährden.

Aktien mit Aufholpotenzial
Hinsichtlich der Technologie beweist Großbritanniens Rolle bei der Entwicklung des AstraZeneca-Impfstoffs gegen das Coronavirus die hohe Innovationskraft des Landes in den Bereichen Medizin, Biotechnologie und Biowissenschaft. Allerdings hat das Vereinigte Königreich bisher noch keine Technologieunternehmen von globalem Rang und Namen hervorgebracht und das aktuelle Börsengeschehen bietet ein uneinheitliches Bild.

Die Börsengänge des Lieferdienstes Deliveroo (GB00BNC5T3 91) und des Halbleitertechnologieunternehmens Alphawave (GB00 BNDRMJ14) waren problematisch: die Aktienpreise beider Unternehmen verloren am ersten Handelstag dramatisch an Wert und lagen noch Wochen später unter ihrem Emissionspreis.

Großbritannien ist jedoch in einer guten Position, um von Investitionen und Fortschritten in den Zukunftstechnologien zu profitieren, z.B. bei der künstlichen Intelligenz, die in den kommenden Jahren zweifelsohne das Bildungs- und Gesundheitssystem revolutionieren wird. Außerdem hat das Land alle Chancen, die technologischen Lücken seiner Verbündeten zu schließen – nicht zuletzt bei der Halbleitertechnik, bei der Amerikas Anteil an der weltweiten Produktion von 37 % im Jahr 1990 auf heute nur noch 12 % gefallen ist.

Englisches Silicon Valley
Um sein Potenzial als wissenschaftliche Supermacht voll nutzen zu können, braucht das Vereinigte Königreich ein dynamisches Technologiezentrum, das dem Silicon Valley in nichts nachsteht. Dazu muss das Land aggressiv und überlegt ein Ökosystem aufbauen, in dem talentierte Menschen aus den Bereichen Datenwissenschaft, Technologie und Politik zusammenarbeiten können.

So schafft der so genannte Oxford-Cambridge-Bogen bereits heute 2 Mio Arbeitsplätze und trägt jährlich 100 Mrd GBP (11,63 Mrd Euro) zur britischen Wirtschaft bei. Die Region kann jedoch nur dann die nächste Stufe erreichen, wenn sie sich globalen Investoren noch stärker als pulsierenden Innovationsknoten präsentiert. Man muss leider bedenken, dass die weltweiten ausländischen Direktinvestitionen schon vor dem Absturz um 42 % im annus pandemicus von 2020 drei Jahre in Folge gefallen sind (2016 bis 2018).

Ökologisch top
Im Bereich Energie ist das Vereinigte Königreich schon lange weltweit führend bei der Bekämpfung von Klimarisiken durch Kohlenstoffbindung und auf dem Weg zu CO2-Neutralität. Und wenn das Land im Herbst die UN-Klimakonferenz 2021 ausrichtet, kann es seine Glaubwürdigkeit als Vorreiter für Umweltschutz und saubere Energien weiter ausbauen.

Besonders wichtig: Großbritannien hat die Chance, den Diskurs umzudrehen, sodass bei der Energiewende nicht nur über die Minimierung der wirtschaftlichen Nachteile, sondern auch über die Maximierung der Vorteile gesprochen wird. Insbesondere staatliche Fördermaßnahmen für umfassende Investitionen in Solaranlagen, Windkraft, Biokraftstoffe, Wasserkraft, Geothermie, Kernreaktoren der vierten Generation und neue Batterietechnologien versprechen enorme Renditen.

Wenn Großbritannien bei der Energiewende, neuen Technologien und den Beziehungen mit China eine Führungsrolle einnehmen will, muss es mehrere Hindernisse überwinden. Vor allem muss die fragmentierte Agenda für ein „Global Britain“ viel stärker auf die enge Zusammenarbeit von öffentlichem und privatem Sektor ausgerichtet werden und klare Regeln für Umsetzung und Erfolgskontrolle definieren.

Das Vereinigte Königreich hat ein starkes Blatt. Für ein gutes Spiel braucht das Land aber eine ehrgeizigere politische Vision. Die britische Regierung sollte einen groß angelegten Plan anstoßen, der ein langfristiges Vermächtnis schafft – im Geiste des Manhattan-Projekts zur Entwicklung der ersten Atomwaffen im Zweiten Weltkrieg oder der „Defense Advanced Research Projects Agency“ der amerikanischen Regierung, ohne die das Silicon Valley nie entstanden wäre.

In dem Jahr, in dem die Welt die Pandemie langsam hinter sich lässt, steht Großbritannien als Gastgeber zweier wichtiger internationaler Gipfel im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit. Das Land muss aus dieser einmaligen Gelegenheit Profit schlagen und versuchen, sich für das 21. Jahrhundert neu zu erfinden.

Zur Autorin: Dambisa Moyo ist eine bekannte internationale Wirtschaftswissenschafterin. Ihre Bücher landen regelmäßig auf der Bestsellerliste der New York Times, so auch der Titel „Edge of Chaos: Why Democracy Is Failing to Deliver Economic Growth – and How to Fix It“

© Project Syndicate 1995 bis 2021

Foto: Pixabay / David_Peterson

 

 

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Österreich wieder konjunkturell im Aufwind

Die heimische Wirtschaft erholt sich und der Bankensektor bleibt stabil.

Michael Kordovsky. Die Durchimpfungsrate in Österreich steigt permanent an, die Covid-19-Neuinfektionen werden immer seltener und die Folgen der Eindämmungsmaßnahmen sollten 2022 gänzlich ausklingen. „Die Jahre 2021 und 2022 sind von einem deutlichen Aufholprozess geprägt“, so der OeNB-Gouverneur Robert Holzmann in einer aktuellen Aussendung. Nach einem Rückgang des realen BIP um 6,7 % im Vorjahr erwartet die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) für die Jahre 2021 und 2022 ein Wachstum von 3,9 bzw. 4,2 %, ehe 2023 wieder eine Normalisierung (+1,9 %) Richtung langjähriger Durchschnitt stattfinden sollte. Die weltweiten Rahmenbedingungen stimmen. Ausgehend von den USA und China wird die Weltkonjunktur beflügelt. Die fortgeschrittenen Volkswirtschaften sollten im dritten Quartal 2021 ihr Vorkrisenniveau überschreiten und gegen Ende 2022 den vor der Krise prognostizierten Entwicklungspfad erreichen. Im Gegensatz dazu wird das BIP der Schwellenländer aufgrund der langsameren Impfausrollung auch mittelfristig unterhalb des Vorkrisentrends liegen. Per Saldo sollte aber die Weltwirtschaft um 6 % wachsen, ehe die Dynamik bis 2023 auf 3,5 % abflaut.

Aufholpotenzial in Österreich
Sowohl beim allgemeinen Konsum, im Fremdenverkehr als auch im globalen Handel besteht in Österreich ein großes Aufholpotenzial, zumal die Konsumenten durch Lockdowns längere Zeit zum Sparen verdonnert waren. Nun sollte die Sparquote laut OeNB-Prognose von ihrem Höchstwert von 14,4 % im Jahr 2020 auf 7,8 % im Jahr 2023 zurückgehen, wobei nur ein geringer Abbau der Überschuss-Ersparnisse unterstellt ist. Für den privaten Konsum bedeutet dies nach einem Einbruch von 9,4 % im vergangenen Jahr heuer wieder eine Steigerung von 4 %, ehe 2022 eine Beschleunigung des Zuwachses auf 5,8 % erfolgt. Ebenfalls stark erholen sollten sich die Investitionen, und die Bereiche Fremdenverkehr und Export könnten zu Wachstumsfaktoren werden. Die Auftragseingänge stimmen optimistisch. Entsprechend sollten die gesamten Exporte heuer um 7,1 % zulegen (nach -10,9 % im Vorjahr) und in den Folgejahren jeweils 6,4 bzw. 3,4 %. Auch die Investitionstätigkeit sollte sich nach einem Minus von 4,8 % bei den Bruttoanlageinvestitionen im Jahr 2020 heuer wiederbeleben. Für 2021 ist ein Plus von 4,7 % möglich, ehe in den darauffolgenden Jahren wieder eine Abkühlung erfolgt.

Banken stabil
Fiskal ist das Krisenjahr 2020 glimpflich ausgegangen. Die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Staatshaushalt sind noch überschaubar. Dazu die OeNB in ihrer aktuellen Publikation: „Der Budgetsaldo wird sich im Jahr 2021 auf -6,9 % des BIP belaufen und sich bis zum Jahr 2023 weiter auf etwa -2 % des BIP verbessern.“ Die Staatsschuldenquote soll von 85,1% bis 2023 auf knapp unter 82 % sinken. Staatsanleihen dürften relativ stabil bleiben, zumal die Inflation nur zwischenzeitlich ansteigt und bis 2022 wieder auf 1,8 % (HVPI-Inflation) sinken sollte. Von dieser Seite her sind die Banken nicht bedroht und für Kreditausfälle bei Unternehmen haben die Banken schon entsprechende Risikovorsorgen getroffen. Die durchschnittliche NPL-Ratio (Anteil fauler Kredite am Gesamtportfolio) lag indessen mit 2 % im Jahr 2020 unter dem EU-Schnitt von 2,6 %. Im Inlandsgeschäft waren es nur 1,5 %. Vor allem die harte Kernkapitalquote zeigte Stabilität, indem sie sich 2020 sogar im Schnitt um 0,5 %-Punkte auf 16,1 % verbesserte. Knapp unter 60 heimische Banken überzeugten sogar mit einer CET-Ratio von mehr als 26 %.

Foto: Adobe Stock / ink drop

 

 

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Luxus steht wieder hoch im Kurs

Mit dem Ende der Lockdowns steigt die Nachfrage nach edlen Marken. Das bietet interessante Chancen.

Raja Korinek. Mit dem nahenden Sommer werden immer mehr Lockdowns weltweit beendet. Der wirtschaftliche Alltag, und damit auch der Konsum, gewinnt wieder an Fahrt. Solche Nachrichten sind für Luxusanbieter positiv. Teure Marken, edle Spirituosen und funkelnde Juwelen werden verstärkt nachgefragt. Swetha Ramachandran, Fondsmanagerin des „GAM Luxury Brands Equity“ (ISIN: LU0329429384) von GAM Investments, sagt im Gespräch mit dem Börsen-Kurier: „Das heurige Jahr ist von einer starken Erholung nach einer außergewöhnlich turbulenten Periode geprägt.“

Damit sollte die Branche zu ihrer alten Stärke zurückfinden, ist Ramachandran überzeugt. Sie ist in den vergangenen 25 Jahren immer-hin rascher als das globale BIP gewachsen. „Dieser Trend sollte sich mittelfristig fortsetzen. Struktureller Rückenwind kommt oben-drein von einer aufstrebenden Mittelschicht, die zum ersten Mal in dieses Segment einsteigt.“

Online-Luxusshopping
Auch die Pandemie hat Spuren in der Welt des gehobenen Shoppings hinterlassen. Insgesamt hat sich der Einkauf zunehmend auf das Internet verlagert – auch in der Luxusindustrie. „Sie richtete ihre ‚Verkaufsinszenierung‘ und ihren Auftritt auf die Online-Welt aus, etwa mit Live-Streaming-Techniken“, sagt Ramachandran.

Ebenso interessant sind die regionalen Entwicklungen: Rund 35 % der weltweiten Luxusausgaben werden in China getätigt. Ramachandran sagt, dort bilde sich eine Mittelschicht, „die entscheidend dafür ist, dass das Wachstum des Sektors in dem Tempo weitergeht, wie es vor der Pandemie der Fall war“. Unterstützend sei, dass Pekings Regierung grundsätzlich einen großen Schwerpunkt auf die Entwicklung des Konsumsektors lege. „Dieser Umstand wird dem Luxussektor weiteres Wachstum ermöglichen, zusammen mit der steigenden Bedeutung einer jüngeren Verbrauchergruppe, die eine höhere Neigung zum Luxuskonsum hat.“

USA gewinnt an Bedeutung
Auch die Bedeutung der USA sollte man nicht unterschätzen. Dort werden rund 20 % aller Luxusausgaben getätigt. Dabei hätten im Vorjahr die US-Konsumenten mit ihrem wiedererstarkten Optimismus und ihrer Bereitschaft, Geld für Luxus auszugeben, sogar positiv überrascht, betont die Expertin.

Der Grund? „Dies wurde durch das psychologische Wohlbefinden, das wiederum durch die verschiedenen Konjunkturprogramme gefördert wurde, sowie durch den Wohlstandeffekt aufgrund steigender Aktienmärkte und Hauspreise unterstützt.“

Französische Titel gefragt
Und wie wirken sich all die Entwicklungen auf das GAM-Portfolio aus? Aufgrund der unterschiedlichen Entwicklungen bleibe die Einzeltitelwahl entscheidend, betont Ramachandran. „Im vergangenen Jahr haben wir europäische Namen im Bereich ‚Soft Luxury‘ bevorzugt. Dazu zählen Titel wie LVMH (FR0000121014) und Kering (FR0000121485).“ Beide Titel zählen derzeit zu den größten Fondspositionen. „Die Unternehmen haben ein starkes Mo-mentum und wir glauben, dass

die Rentabilität dieses Marktsegments die Markterwartungen in den kommenden zwölf bis 18 Monaten weiterhin übertreffen wird“ Mit „Soft Luxury“ ist unter anderem Bekleidung gemeint – im Gegensatz zu „Hard Luxury“, zu dem etwa Uhren zählen.

Mit Investitionen in die Hotelwerte Hilton (US43300A2033) und Vail Resorts (US91879Q1094) setzt die Fondsmanagerin, wie sie uns gegenüber erwähnt, zudem auf die Wiederaufnahme des internationalen Reiseverkehrs, der derzeit aber noch hinterherhinke. Und damit wird auch schnell klar: Die Chancen sind in diesem Sektor durchwegs vielfältig.

Foto: Pixabay / Myriams-Fotos

 

 

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Neun Risiken, die uns bevorstehen können

Eine Analyse benennt drohende Gefahren, die sich in den kommenden Jahren auftun oder intensivieren könnten.

Emanuel Lampert. Frühe Anzeichen für neuartige Risiken sammeln, sie dann bewerten und priorisieren – das ist die Basis für eine Publikation, die der Rückversicherer Swiss Re alljährlich herausgibt. In der jüngst erschienenen 2021er-Auflage werden neun solche Risiken identifiziert und nach zwei Kriterien sortiert: dem Zeithorizont ihres möglichen Auftretens (innerhalb von drei Jahren oder auf längere Sicht) sowie ihren möglichen Auswirkungen (groß, mittel, niedrig).

„Neustart“-Risiko, Ende von Corona-Hilfen
Zwei Risiken fallen in die Kategorie „großes Auswirkungspotenzial“, beide haben mit Corona zu tun. Das eine könnte sich schon bald realisieren, nämlich Gefahren in Folge der Wiederaufnahme pandemiebedingt ausgesetzter Betriebstätigkeiten. So könnte es aufgrund mangelnder Wartung oder Überwachung vermehrt zu Schäden und Unfällen kommen.

Das andere Problem ist ein längerfristiges: Staatliche Corona-Unterstützung habe zwar vielen gesunden Unternehmen geholfen, aber auch unrentable, sogenannte „Zombiefirmen“, gestützt. Wenn die Unterstützung versiege und „Zombiefirmen“ insolvent würden, bestehe die Gefahr umfangreicher Ausfälle. Die Politik sollte daher „im Interesse einer nachhaltigen wirtschaftlichen Erholung langfristig lebensfähige Unternehmen unterstützen und bei unrentablen Betrieben eine geordnete Umstrukturierung erleichtern“.

Einkommen und Gesundheit
Auch zwei „mittlere“ Risiken haben mit Corona zu tun. Eines bezieht sich auf Einkommensungleichheiten. „Die Covid-19-Lockdowns haben die Kluft zwischen Arm und Reich vergrößert“, so Swiss Re. Besonders bedenklich seien überproportional starke Auswirkungen auf die jüngeren Generationen, die bereits mit einem angespannten Arbeitsmarkt und mangelnden Berufsaussichten konfrontiert seien.

Zweites „mittleres“ Corona-Risiko: die langfristige Belastung, die Covid-19 für die Gesundheit bedeuten könnte. Der Erfolg der Impfprogramme hänge von vielen Faktoren wie etwa Mutationen oder der Impfbereitschaft ab. Zudem gebe es Unbekannte im Zusammenhang mit Langzeitfolgen einer Infektion. Dass die Pandemie zu Verschiebungen anderer nötiger Behandlungen führte, könne sich ebenfalls negativ auf das Gesundheitsniveau insgesamt auswirken. Dazu kämen noch Nebeneffekte der Pandemie, zum Beispiel psychische Probleme, Bewegungsmangel, Alkoholkonsum.

Wearables, ESG und gefährliche Stoffe
Ebenfalls als mittlere Risiken eingestuft sind drei weitere potenzielle Problemzonen. So könnten „Wearables“, Geräte für Gesundheitstracking, Risiken bergen, wenn sie zu falschen Gesundheitstipps führen oder der Datenschutz unzureichend ist. Zweitens: Lieferketten stehen unter Druck, Nachhaltigkeitskriterien („ESG“) einzuhalten, gerade auch mit Blick auf Ausbeutung von Arbeitskräften. Hier könnten sich Haftungsfragen auftun. Drittens schneidet der Bericht die Problematik von Produktion, Lagerung und Transport gefährlicher Materialien an und erinnert an die Explosion in Beirut 2020.

Neuartige Risiken durch neue Mobilitätsformen
Bleiben noch zwei Themen, denen die Analyse einen „geringen Impact“ zuschreibt. In vielen Städten gebe es bereits ausgeklügelte Mikromobilitätssysteme wie mietbare E-Scooter. „Für die Zukunft wäre es denkbar, selbstfahrende Lieferfahrzeuge oder sogar Optionen für den städtischen Luftverkehr, etwa Flugtaxis mit sauberem Antrieb, zu entwickeln.“ Herausforderungen seien ein sicheres Nebeneinander neuer und traditioneller Fahrzeuge sowie Datensicherheit, weil das Mietmodell vieler neuer Verkehrsangebote die Weitergabe persönlicher Informationen erfordere.

Als zweites Risiko in dieser Kategorie werden allfällige Defizite in der Diversität bei Produkttests und medizinischen Studien genannt. Hier geht es um die Frage, ob Faktoren wie Geschlecht oder Alter adäquat berücksichtigt werden.

Die Analyse „Sonar – New emerging risk insights“ kann von der Website der Swiss Re (www.swiss-re.com) heruntergeladen werden.

Foto: AdobeStock / sitthiphong

 

 

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G7-Steuerabkommen: große Schlagzeilen aber geringe Auswirkungen

Ein Kommentar von Mark Hawtin, Investment Director bei GAM Investments.

(09.06.) Am 5. Juni 2021 einigten sich die G7-Mitgliedstaaten auf einen globalen Mindeststeuersatz für multinationale Konzerne. Dieses Thema steht bereits seit einiger Zeit auf der Tagesordnung, insbesondere im Hinblick auf die großen Internetkonzerne wie Apple, Facebook und Google (Alphabet). Als globaler Mindestsatz wurde eine Ertragssteuer von 15 % vereinbart, wobei weiterhin Forderungen nach Anhebung dieses Satzes bestehen, zumal er nur geringfügig über dem aktuellen irischen Unternehmenssteuersatz von 12,5 % liegt. Diese Unternehmen weichen in der Regel auf Irland aus, um ihre Steuerrechnungen auf internationale Erträge zu reduzieren. Zu beachten ist, dass diese Maßnahme auf internationale und nicht auf inländische Gewinne abzielt; damit sind etwa 50 % der Gewinne der großen Internetfirmen betroffen.

Die französischen Behörden fordern jedoch einen höheren Steuersatz, und die gezahlten Steuersätze sollten sich an den Ländern ausrichten, in denen die Gewinne erwirtschaftet werden, wobei der Steuersatz in Ländern wie Frankreich und Deutschland bei ca. 30% liegen könnte. Darüber hinaus soll der Steuersatz nur für solche Unternehmen gelten, welche eine Gewinnmarge von über 10 % erzielen. Bei einem solchen Szenario wäre Amazon, das im Jahr 2020 eine Vorsteuermarge von 7 % nach GAAP (Generally Accepted Accounting Principles) aufwies, ausgeschlossen. Unseres Erachtens dürfte dieser Satz nicht Bestand haben.

Minimale wirtschaftliche Auswirkungen
Die wirtschaftlichen Auswirkungen eines solchen Abkommens sind jedoch minimal: die Gewinne pro Aktie würden in Zukunft um etwa 2 bis 3% sinken. Sämtliche Maßnahmen benötigen eine gewisse Zeit der Umsetzung. Währenddessen könnten Unternehmen zahlreiche Gegenmaßnahmen ergreifen, um die negativen Auswirkungen abzumildern, beispielsweise durch die Verlagerung von Forschungs- und Entwicklungsabteilungen und technischen Ressourcen in die betreffenden Länder, was wiederum zu einer Erhöhung der Betriebskosten und einer Verringerung der Rentabilität führen würde. Außerdem müssten bei Einführung eines globalen Steuersatzes, Länder wie Frankreich im Gegenzug auf ihre 3%ige Digitalsteuer auf Einnahmen verzichten. Die Analysten der Bank of America erwarten zudem, dass eine von der Biden-Administration vorgeschlagene Steuererhöhung in den USA –möglicherweise von 21% auf ca. 28% – einen weitaus größeren Einfluss auf die Erträge haben könnte.

Das G7-Steuerabkommen liefert zwar großartige Schlagzeilen – auch angesichts des eher außergewöhnlichen Ergebnisses der Zusammenarbeit verschiedener Länder bei der Gesetzgebung. Dennoch halten wir die wirtschaftliche Tragweite des Abkommens unter Berücksichtigung der bisher bekannt gewordenen Fakten für eher unbedeutend.

Foto: GAM

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China ist nicht zu stoppen

Die Wirtschaft blüht, die Chancen mit China-Aktien ebenso.

Raja Korinek. Das Reich der Mitte wird seiner Bezeichnung zunehmend gerecht. Im ersten Quartal 2021 legte das Wirtschaftswachstum um mehr als 18 % im Vergleich zum Vorjahreswert zu. Die Entwicklung dürfte sich im Jahresverlauf abflachen, meint Chi Lo, Senior Economist for Greater China of BNP Paribas Asset Management (BNPP AM), im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Derzeit deckt China beispielsweise Produktionslücken in anderen Regionen ab, die sich aufgrund der Lockdowns ergäben. Trotzdem bleibt er selbst in Bezug auf seine Jahresprognose für Chinas BIP durchaus zuversichtlich. Lo schätzt das Plus auf gut 8 %. Zum Vergleich: 2020 wuchs die Wirtschaft um 2,3 %.

Der Aufschwung bleibt aller-dings nicht ohne Folgen auf die Preisentwicklung. Allein im April schnellten die Erzeugerpreise (PPI) um 6,8 % nach oben, verglichen mit minus 3 % vor einem Jahr. Treibt das Inflationsgespenst auch in China bald sein Unwesen? Lo glaubt es nicht. Der Verbraucherpreisindex habe nicht in dem selben Ausmaß zugelegt. Hier lag der Zuwachs bei 0,9 % im Jahresvergleich im April. Der BNP-Experte glaubt deshalb auch nicht, dass die Zentralbank die geldpolitischen Zügel allzu rasch straffen dürfte.

Schulden sollen gesenkt werden
Lo verweist vielmehr auf einen anderen Umstand: So habe die Regierung den hohen Verschuldungsgrad des Landes ins Visier genommen. „Und ist nicht mehr bereit, Unternehmen um jeden Preis zu retten.“ Zudem gebe es neue Entwicklungen, wie etwa die Stärkung des Inlandstourismus. „Damit soll mehr im Inland konsumiert werden“, sagt Lo. Freilich, auch der High-Tech-Sektor soll kräftig gestärkt werden, um damit etwa die Abhängigkeit von ausländischen Chip-Herstellern zu senken.

Angesichts all dieser Entwicklungen ergeben sich für Anleger interessante Chancen. Diese sollte man sowohl an der Börse in Hongkong als auch am Festland nutzen, betont Jessica Tea, Investment Specialist bei der BNPP AM. Viele Technologiekonzerne aus China haben nebst in den USA in Hongkong ein Zweitlisting. Am Festland – etwa an den Börsen Shanghai und Shenzhen – sind zahlreiche Unternehmen notiert, die vom wachsenden Konsum am Binnenmarkt profitieren.

Solide Titel im Fokus
Doch wie gehen die Experten des „BNP Paribas Funds China Equity“ (ISIN: LU0823425839) konkret vor? Mehr als die Hälfte des Portfolios wird in jene Konzerne investiert, die sich erfolgreich etabliert haben und deshalb über eine starke Marktmacht verfügen. Der Rest wird in Unternehmen investiert, die entweder kurz vor einem größeren Durchbruch – oder einem Turnaround – stehen.

Deshalb schaffen es vor allem Titel aus der Technologiebranche und dem gehobenen Konsum in das Portfolio. Dazu zählt Tea beispielsweise Aktien aus dem Bildungsbereich oder Anbieter hochpreisiger Konsumgüter. Selbst Aktien, die von der Konsolidierung in der Industrie profitieren – beispielsweise in der Zement- oder der Immobilienindustrie – stehen im Fokus.

Zu den größten Fondspositionen zählen der Onlinehändler Alibaba (US01609W1027) sowie der Internetgigant Tencent (US88032Q1094). New Oriental Education & Technology (US6475811070) bietet wiederum virtuelle Fortbildungskurse an, während Contemporary Amperex Technology (CNE100003662) der größte chinesische Hersteller von Lithium-Ionen-Akkumulatoren ist.

Alles in Allem lockt das Reich der Mitte mit reichlich Chancen. Rückschläge, etwa bei einem neuerlichen Covid-Ausbruch, können aber genauso wenig ausgeschlossen werden.

Foto: AdobeStock / gui yong nian

 

 

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Zuflüsse in nachhaltige Gelder schnellen nach oben

Privatanleger sind ein stärker werdendes Zugpferd der Branche – vor allem auch in Zeiten der Pandemie.

Raja Korinek. Der Markt für nachhaltige Geldanlagen wächst unermüdlich weiter, wobei im Vorjahr auch die Corona-Pandemie ein gutes Stück beigetragen hat. Wolfgang Pinner, Leiter FNG-Österreich, zog vergangene Woche beim Jahrespressegespräch des „Forums Nachhaltige Geldanlage“ (FNG) damit ein deutliches Fazit. Der Börsen-Kurier hörte sich die FNG-Präsentation „Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2021 – Deutschland, Österreich und die Schweiz“ an und zeigt die interessantesten Entwicklungen in Österreich, aber auch in Deutschland und in der Schweiz, auf.

Pinner präzisiert dabei seine Aussage und meint in diesem Zusammenhang: „Aufgrund der Pandemie rückten nebst ökologischen auch soziale Aspekte verstärkt in den Fokus.“ Doch wie sehen die Volumina konkret aus? Im vergangenen Jahr erreichten die nachhaltigen Geldanlagen ein Volumen von 38,04 Mrd Euro, ein Zuwachs von 30 % gegenüber dem Vorjahresvergleichswert. Ein Blick in die Vergangenheit verdeutlicht das rasante Wachstum. Noch vor zehn Jahren lag die Gesamtsumme bei 4,2 Mrd Euro.

Privatanleger sorgen für reichlich Neuzuflüsse
Dabei ist der Großteil des Zuwachses auf echte Zuflüsse, „und nicht nur auf den Wertzuwachs an der Börse zurückzuführen“, betont Pinner, der zudem Leiter Nachhaltige Investments bei Raiffeisen Capital Management ist. Immerhin sind damit fast 20 % aller Fondsvolumina und Mandate in Österreich nachhaltig veranlagt, in Deutschland gut 6,4 %, in der Schweiz sind es knapp mehr als 50 %, wobei für die Eidgenossen nur Investmentfonds, nicht aber die Mandate, berücksichtigt wurden.

Pinner verweist auf eine weitere wichtige Entwicklung hierzulande und sagt, „inzwischen kommen in Österreich immer mehr Privatanleger auf den Geschmack. Von ihnen stammen bereits ein Drittel der nachhaltigen Gelder“.

Begonnen habe der Trend 2019, im Vorjahr entwickelten sich die Privatanleger dann zu einem wichtigen Treiber des Gesamtwachstums. „Im Vergleich dazu betrug 2020 das Wachstum bei den institutionellen Investoren gerade einmal 14 %.“

Unterschiedliche Kriterien und Auslegungen
Doch Nachhaltigkeit kann breit ausgelegt werden, wenn auch die EU-Taxonomie einheitliche Standards schaffen soll. In Österreich und in Deutschland werden – gemessen am Gesamtvolumen aller nachhaltigen Investmentfonds und Mandate – ein normbasiertes Screening sowie Ausschlusskriterien zu fast 100 % bei einer Titel-selektion angewendet. In der Schweiz ist der Prozentsatz weitaus geringer.

Ein genauer Blick auf die einzelnen Ausschlusskriterien offenbart ebenso Interessantes: Zu den am meisten angewendeten Kriterien zählen Kohle, Korruption und Bestechung, Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen, sowie Tabak.

Beim normbasierten Screening geht es hingegen um die Selektion potenzieller Investitionen unter der Berücksichtigung von strengen Mindeststandards für Geschäftsaktivitäten, die sich grundsätzlich aus unterschiedlichen globalen Normen ergeben.

Die Schweiz geht eigene Wege
Doch welches Investmentkriterium steht in der Schweiz stattdessen an oberster Stelle? Dort wird am öftesten auf die ESG-Integration geachtet, sie wird bei 71 % der nachhaltigen Investmentfonds an-gewendet. Und worum geht es konkret? ESG sind die englischen Anfangsbuchstaben für „Environmental“ (Umwelt), „Social“ (Soziales) und „Governmental“ (nachhaltige Unternehmensführung). Dabei werden Unternehmen daran gemessen, ob ihre Geschäftsaktivitäten im Einklang mit solchen Vorgaben stehen, wobei je nach Branchen, einzelne Aspekte stärker gewichtet werden können. Bei einem Ölkonzern steht oftmals die ökologische Bilanz im Fokus, bei einer Bank kann etwa der soziale Aspekt bei der Kreditvergabe näher durchleuchtet werden.

Die FNG-Studie liefert aber noch ein weiteres Fazit: So gibt es reichlich Aufholpotenzial in den Bereichen Impact Investing und Nachhaltige Themenfonds. Solche Investmentansätze machen derzeit mit weniger als 10 % noch einen sehr geringen Prozentsatz am Gesamtvolumen nachhaltiger Gelder aus, und zwar in allen drei Ländern. Allerdings ortet Pinner auch in diesen Bereichen inzwischen ein zunehmendes Wachstum.

Und das ist auch nachvollziehbar, wenn man allein die stetig neuen Angebote an Themenfonds betrachtet, einerlei, ob es um den Klimawandel, die Weltmeere oder Geschlechterparität geht. Auf der Anleiheseite sind zum Beispiel „Green Bonds“ ein wachsendes Thema. Bei diesen Anleihen darf der Erlös lediglich für Umweltprojekte eingesetzt werden.

Foto: Adobe Stock / Olivier Le Moal

 

 

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Konjunkturschwachstellen in Europa

Das Eurozonen-BIP schrumpft aufgrund struktureller Schwächen noch immer um 1,8 %.

Michael Kordovsky. Während das BIP-Wachstum in den USA vom vierten Quartal 2020 auf das erste Quartal 2021 bereits von -2,4 auf 0,4 % ins Plus drehte, verharrt die Eurozone noch immer im Kontraktionsbereich. Nach -4,9 % im vierten Quartal 2020 lag im ersten Quartal 2021 die Schrumpfung der Wirtschaftsleistung noch immer bei -1,8 % (EU: -1,7 %). Dabei entwickeln sich die Volkswirtschaften auf breiter Front rückläufig: Von den 20 EU-Mitgliedsstaaten, die BIP-Daten zum ersten Quartal 2021 veröffentlichten, meldeten ledig-lich die Slowakei, Litauen und Frankreich ein Wirtschaftswachstum gegenüber dem Vorjahreszeitraum (jeweils 0,5 %, 1,0 bzw. 1,5 %). Ein Nullwachstum verzeichnete Rumänien. 16 Mitgliedsstaaten hingegen meldeten eine Schrumpfung des BIP. Die stärksten Rückgänge erlitten dabei mit je -5,4 %; -4,3 % bzw. -3,0 % Portugal, Spanien und Deutschland. Alle drei Staaten hatten harte Lockdowns. Portugal und Spanien erlitten dabei massive Einbußen im Tourismus, während Deutschland von Lieferkettenunterbrechungen in der Autoindustrie hart getroffen wurde.

Strukturelle Arbeitslosigkeit nimmt zu
Was die USA aktuell von Europa unterscheidet sind erstens die noch massiveren staatlichen Konjunkturprogramme und zweitens moderatere Corona-Maßnahmen mit meist kürzerer Dauer. Genauso wie in den USA liegt auch in Europa eine aktuelle Schwachstelle in der höheren Arbeitslosigkeit. Allerdings haben in Europa viele Staaten so etwas wie Kurzarbeitsprogramme und die Mitarbeiter von Firmen in diesen Programmen scheinen in keiner Arbeitslosenstatistik auf. Mit dem Fortschreiten der Digitalisierung – insbesondere während der Lockdowns in der Corona-Zeit – baut sich gerade ein struktureller Arbeitslosensockel auf. Von April 2020 bis April 2021 stieg im Euroraum die Arbeitslosenquote von 7,3 auf 8,0 %. Am höchsten war sie zuletzt mit 15,8 %, 15,4 bzw. 10,7 % in Griechenland, Spanien und Italien. Interessant ist vor allem die nach wie vor hohe Jugendarbeitslosigkeit von 17,2 % im Euroraum, wobei es natürlich ein bekanntes Nord-Süd-Gefälle gibt. Mit je 38,0 %, 36,3 bzw. 33,7 % am höchsten ist sie in Spanien, Griechenland und Italien. Hingegen mit 6,0 bzw. 8,3 % am niedrigsten ist sie in Deutschland und Tschechien. Deutsche und tschechische Jugendliche zeigen eine durchaus hohe Bereitschaft zur Aus- und Weiterbildung. In den südlicheren Ländern hingegen ist Ausbildung häufig stark mit Familientraditionen verflochten.

Minimalismus – Ein neuer Trend
Was bedeuten diese Arbeitsmarkttrends für den Konsum im Euroraum? Er konzentriert sich mehr und mehr auf das Lebensnotwenigste. Luxusgüter, Textilien und Bekleidung sind deshalb am absteigenden Ast. Dafür fließt mehr Geld in die eigenen vier Wände.

Während in den Monaten März und April 2021 bereits starke Basiseffekte zum Vorjahr herrschen und die Veränderungen der Einzelhandelsvolumina dadurch ein verzerrtes Bild ergeben, zeigt die Entwicklung im Feber 2021 relativ gut, wohin der Trend geht: Der Bereich Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren erzielte im Euroraum eine Steigerung von 2,6 %. Hingegen war das Absatzvolumen von Nicht-Nahrungsmitteln (ohne Motorenkraftstoffe) im Jahresvergleich um 3,4 % rückläufig. Indessen wuchs der Versand- und Interneteinzelhandel um 41,3 %.

Immer mehr ist der Minimalismus in puncto Konsum und Wohnen im Vormarsch. Transportierbare Minihäuser, die hauptsächlich aus Holzteilen bestehen, Wohnwägen, Mini-Appartments – all das boomt. Zahlreiche Bücher und Bekleidungsstücke landen in Second-Hand-Portalen auf den Markt. Discounter boomen, teure Fachgeschäfte sterben und am meisten boomt der Internet-Einzelhandel, der transparente Preisvergleiche möglich macht. Während sich in Russland und im asiatischen Raum eine riesige Szene der „Neureichen“ etablierte, herrscht in Europa eine neue „Armutskultur“ gut getarnt unter den Begriffen „Share-Economy“ (Auto ausleihen, da Kauf nicht leistbar) und „Minimalismus“ (man kann sich eigentlich nicht mehr leisten). Diese versteckte Armut ist wie Sand im Getriebe der Konjunktur.

Foto: Pixabay / Alexas_Fotos

 

 

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Alterung und Arbeitskräftemangel bedrohen Wachstum in den USA

Ein Marktkommentar von Nathan Sheets, Chefvolkswirt bei PGIM Fixed Income.

(28.05.) Der mit Spannung erwartete Anstieg der Inflation in den USA ist eingetreten. Für viele ist die Geschwindigkeit, mit der sich die Inflation beschleunigt hat, die auffälligste Entwicklung. Die in den USA veröffentlichten Zahlen zum Verbraucherpreisindex zeigten einen atemberaubenden Anstieg der Kernpreise um 0,9 % im April, den größten Zuwachs seit den frühen 1980er Jahren. Einige der Aufwärtsbewegungen deuten auf eine echte Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen und eine Rückkehr zu Preismustern vor der Pandemie hin. So zogen beispielsweise die Flugpreise und die Hotelpreise wieder stark an. Andere Preiserhöhungen waren jedoch Ausdruck von sich verschärfenden Engpässen – vor allem die Preise für Gebrauchtwagen stiegen stark an, da die Chip-Knappheit die Produktion von Neuwagen einschränkte und die Nachfrage nach Gebrauchtwagen in die Höhe trieb. Auf 12-Monats-Basis sprang der Kern-Verbraucherpreisindex auf 3%, was die starken Monatswerte im März und April sowie die sogenannten Basiseffekte der Pandemie widerspiegelt.

Mit Blick auf die Zukunft erwarten wir, dass mehrere strukturelle Faktoren wie die demografische Alterung, die hohe globale Verschuldung und der Vormarsch von Technologie und Innovation die Inflation in den kommenden Jahren beeinflussen werden. So hat sich die demografische Entwicklung in den Industrieländern über Jahrzehnte hinweg verschlechtert, und wir haben einen starken Zusammenhang zwischen dem nachlassenden Wachstum der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter und der rückläufigen Inflation festgestellt. Ganz allgemein erstreckt sich unsere Erkenntnis, dass die demografische Alterung mit einem langsameren Wachstum und einer schwächeren Wirtschaftsleistung einhergeht, auf alle Industrie- und Schwellenländer.

Die rasche Heilung auf dem US-Arbeitsmarkt kann Bedenken hinsichtlich eines Arbeitskräftemangels und einer möglichen Lohninflation nähren. Die überwiegende Mehrheit der Arbeitnehmer, die auf die Gehaltslisten zurückgekehrt sind, waren diejenigen, die während der Pandemie vorübergehend entlassen worden waren. Von den Arbeitnehmern, die nicht in den Arbeitsmarkt zurückgekehrt sind, hat jedoch die Mehrzahl ihren Arbeitsplatz dauerhaft verloren oder ist ganz aus dem Erwerbsleben ausgeschieden. In den letzten sechs bis acht Monaten kehrten diese Arbeitnehmer nur in begrenztem Umfang in den Arbeitsmarkt zurück, und in der Vergangenheit hat es viel länger gedauert, bis diese Arbeitnehmer wieder nach Arbeit suchten.

Foto: PGIM Fixed Income

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Zertifikate: ideal für den Einstieg in den Kapitalmarkt

Im Gespräch mit den beiden ZFA-Vorständen Philipp Arnold und Uwe Kolar.

Marius Perger. Unbeeindruckt von der Corona-Pandemie ist das Handelsvolumen von Zertifikaten in Österreich im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Es ließen sich dabei aber durchaus Trends feststellen, sagt Philipp Arnold, Vorstandsmitglied des Zertifikate Forum Austria (ZFA), im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Die Zahl der Selbstentscheider, die online handeln, habe zugenommen, und gefragt seien einfache, standardisierte Produkte.

Zertifikate seien aber nicht nur für Selbstentscheider geeignet, so Arnold. Berater hätten damit die Chance, ihren Kunden etwas Spezielles zu zeigen. Besonders interessant für Berater seien Produkte mit Kapitalgarantie wie beispielsweise Teilschutzzertifikate, ergänzt Vorstandskollege Uwe Kolar, weil sie für den Kunden transparent und leicht verständlich sind und es keine versteckten Kosten gibt. Vor allem aber würden Zertifikate den laufenden Kontakt zum Kunden erleichtern: „Die Chance, immer wieder etwas im Portfolio zu drehen, bietet Anknüpfungspunkte beim Kunden“, betont Arnold.

Denn die Emission von Zertifikaten ist extrem schnell möglich: Damit könne „blitzschnell“ auf aktuelle Trends reagiert werden, während es bei anderen Produkten Bewilligungspflichten gibt. Zertifikate können so die „großen Themen“ abdecken, so Kolar. Dazu kommt, dass das Auszahlungsprofil von Zertifikaten den Markt nicht 1:1 abbildet: Möglich seien beispielsweise Renditen durch Fixkupons, Bonuszahlungen auch bei Seitwärtsbewegungen oder eben Kapitalschutz, erläutert Arnold.

Zertifikate decken Megatrends ab
ESG, also Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung (englisch: Environment – Social – Governance) sei auch bei Zertifikaten eines der wichtigsten Themen geworden. Es sei ein „extremer Schwung dahinter“, sagt Arnold, der auch die nächsten Jahre „gigantisch“ bleiben werde. Auch für Selbstentscheider würden ESG-Kriterien immer wichtiger, auch wenn die Rendite entscheidend bleibe – es werde aber immer klarer, dass es durch ESG keinen Renditenachteil gebe.

Für die meisten Anleger mache dabei der „Best-in-Class-Ansatz“ (aus dem Anlageuniversum werden diejenigen Unternehmen ausgewählt, die in ihrer Branche die Nachhaltigkeitskriterien am besten erfüllen) Sinn, weil sie breit investiert sein wollen und so ein „marktähnliches“ Investment möglich werde. Neben Nachhaltigkeit gehörten aber auch Themen in Richtung Technologie – Stichworte Künstliche Intelligenz oder Robotik – zu den Megatrends.

Auch Österreicher entdecken den Kapitalmarkt
In Österreich seien die Kunden in den letzten Jahren risikobereiter geworden, das tiefe Zinsniveau habe bei Zertifikaten einen Trend in Richtung Teilschutz bewirkt, so Arnold. Und gerade in den letzten Monaten sei Rendite mehr in den Vordergrund gerückt als reine Sicherheit; dies könne sich aber schnell wieder ändern, wenn es zu ersten Rückschlägen kommt: „Der Sicherheitsgedanke wird wieder eine größere Rolle spielen“. Fazit: Kapitalschutz bleibt wichtig, aber Teilschutz nimmt zu.

Es sickere langsam durch, dass man mit dem Sparbuch nichts verdient, meint Kolar. Mit Produkten, die Sicherheit bieten, habe der Anleger einen Fuß in der Tür zum Kapitalmarkt, nach zwei bis drei Jahren Erfahrung wage er dann oft den nächsten Schritt und gehe mehr ins Risiko, wofür sich dann beispielsweise Bonuszertifikate und Fixkuponvarianten anbieten.

Wichtig sei es, Einsteigern klarzumachen, dass es neben Aktien auch Zertifikate auf Aktien gebe, betont Arnold. Gerade in der Kommunikation mit jungen Menschen gebe es aber Herausforderungen. Junge wollen für ihre Bedürfnisse Lösungen haben, verlangen klare Botschaften und bevorzugen eine einfache, schnelle und bequeme digitale Kommunikation. Zertifikate seien hier im Vorteil, weil sie kostengünstig und einfach seien und kein großes Portfolio nötig ist. Und außerdem würden auch junge Leute „checken“, dass sie sich langfristig um ihre Geldanlage kümmern müssen.

Foto: Pixabay / Robert Kneschke

 

 

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Sell in May and go away?

Ein Kommentar von Mag. Alexander Eberan, Leiter Private Banking Wien Steiermärkische Sparkasse.

(21.05.) Die alte Börsenregel „Sell in May and go away“ hält sich hartnäckig, ist aber keine gute Empfehlung, so die Meinung der Anlageexperten der Steiermärkischen Sparkasse Private Banking. Die Begründung: „Sell in May and go away” ist eine Form des Markttimings und am Versuch, den Markt zu timen sind schon viele gescheitert. Steigt man gänzlich aus dem Aktienmarkt aus, gibt es oft mehr zu verlieren als zu gewinnen. Die bessere Strategie an der Börse: Investieren und nicht spekulieren, so der Rat der Steiermärkischen Sparkasse Private Banking.

Antizyklisch Vermögen auf Kurs halten
Eine auf den persönlichen Bedarf ausgerichtete Vermögensstruktur trägt langfristig zum Vermögensaufbau bei. Mit Hilfe einer antizyklischen Handlungsweise wird eine einmal beschlossene Vermögensstruktur auf Zielkurs gehalten und es können auch attraktive Einstiegsniveaus genützt werden. Nach Rücksetzern an den Märkten wird günstig nachgekauft. Gleichzeitig werden nach oben hin Risiken begrenzt, wenn die Märkte schon sehr gut gelaufen sind.

In der Vergangenheit gab es zwar durchaus Phasen, in denen sich „Sell in May and go away“ bewährt hat. Aber es gibt auch genügend Beispiele in den letzten Jahren, in denen die Perfomance zwischen Anfang Mai und Ende August positiv war. Gerade im letzten Jahr boomten die Märkte auch in den Sommermonaten. Wäre man der Börsenweisheit gefolgt, hätte man an der Erholung nach dem Einbruch im Frühjahr 2020 nicht zur Gänze partizipiert und mehr als 10% Performance des globalen Aktienmarktes versäumt (Beispiel MSCI World Index in Euro).

Untermauert wird die Aussage, dass Timing nur selten gelingt, auch anhand der Entwicklung des S&P 500 Index über die letzten 34 Jahre. Wenn man nur an den 15 besten Tagen des S&P500 Index nicht investiert gewesen wäre, hätte man gegenüber einer „Buy and hold“-Strategie deutlich an Terrain verloren.

Börsen brechen alle Rekorde und …
2021 war bisher ein sehr gutes Börsenjahr. Diverse Aktienindizes, wie der amerikanische S&P 500 Index oder der Deutsche DAX Index, erreichten historische Kurshöchststände. Auch die Bewertungen liegen auf teils sehr hohen Niveaus. Die Entwicklung wurde maßgeblich von den Notenbanken und auch den Staaten, die mit diversen Hilfsmaßnahmen der Wirtschaft unter die Arme greifen, getrieben. Bisher konnten selbst die steigenden Inflationssorgen die Entwicklung kaum beeinträchtigen, wenngleich dies zuletzt für Rücksetzer sorgte. Früher oder später werden aber, angesichts der Erholung der Wirtschaft und einer steigenden Inflation, die staatlichen Unterstützungen reduziert werden und auch die Notenbanken werden ihre Anleihekaufprogramme zurückfahren. Damit muss man künftig auch mit höheren Zinsen rechnen. Dies könnte zu einer gewissen Beunruhigung und damit einer höheren Volatilität an den Märkten und führen.

… kein Ende in Sicht
Ein Ende des Aufwärtstrends an den Börsen ist aber nicht in Sicht, da vieles weiterhin für eine Unterstützung der Assetklasse Aktien spricht. Zunächst dürfte es nicht unmittelbar zu einer Erhöhung der Zinsen kommen, auch wenn die Inflation vorerst weiter steigen dürfte, so die Einschätzung der Steiermärkischen Sparkasse Private Banking. Derzeit ist die Inflation nach dem wirtschaftlichen Einbruch im vergangenen Jahr stark vom Basiseffekt getrieben, was sich in den kommenden Monaten wieder etwas relativieren sollte. Weiters dürfte sich die in der Corona Pandemie aufgestaute, inflationstreibende Nachfrage im Zuge der anstehenden Lockerungen langsam auflösen. Auch Indikatoren wie Einkaufsmanager-Indizes deuten auf eine anhaltend positive Entwicklung hin. Fundamentale Daten unterstützen den Trend ebenfalls. Die Unternehmensergebnisse des ersten Quartals fielen sehr positiv aus und überdurchschnittlich viele Unternehmen konnten die Gewinnerwartungen übertreffen. Die Entwicklung ist somit nicht nur liquiditätsgetrieben, auch fundamentale Faktoren gewinnen wieder zunehmend an Bedeutung.

Foto: Steiermärkische Sparkasse

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250 Jahre Wiener Börse

Ein Rundgang mit dem Historiker Peter Eigner und Börse-Chef Christoph Boschan. (Am Bild v.l.n.r.: Börsen-Kurier-Redakteur Tibor Pásztory mit Börse-Chef Christoph Boschan und Christian Drastil auf der Spurensuche)

Tibor Pásztory. Um den österreichischen Staatshaushalt stand es im 17. und 18. Jahrhundert nach den Türkenkriegen und dem Verlust Schlesiens nicht zum Besten. Nach dem Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763), der eigentlich schon ein Weltkrieg war, da er in Europa, Nordamerika, Indien und der Karibik ausgetragen wurde, erwies sich der Staatshaushalt als völlig zerrüttet. Schon zuvor gab es in reichen Gegenden Europas ein frühes Börsenwesen, in Österreich hatte der Wertpapierhandel noch ziemlichen Hinterzimmercharakter, das Vertrauen in Staatspapiere war dementsprechend enden wollend.

Diesem Missstand machte Kaiserin Marie-Theresia entschlossen ein Ende. Als Frau des Kaisers Franz Stephan von Lothringen war sie sozusagen „Frau Kaiser“, aber nicht Kaiserin des Heiligen Römischen Reichs, und übte ihre zweifellos große politische Macht in ihrer Funktion als Monarchin der Habsburgischen Erblande aus. Bereits 1761, also noch während des Krieges, erteilte sie ein Patent (also eine Genehmigung) zur Gründung einer Börse in Wien, die dann 1771 zunächst am Standort Kohlmarkt 12 erfolgte. Geschäftsgegenstand war eine staatliche Kapitalaufbringung nach französischem Vorbild, wobei damals noch nicht der Aktienhandel, sondern Anleihen, Wechsel und Devisen im Fokus standen. Dies geschah jedoch bereits durch Börsenmakler.

Nach zwei Umzügen (Bauernmarkt 2-4 und Weihburggasse 4) wurde 1818 die erste Aktiengesellschaft gelistet. Man mag es heute nicht glauben, aber es handelte sich um die Oesterreichische Nationalbank. Als „Celebrity“ und einer der ersten Privataktionäre fungierte Ludwig van Beethoven (eine ähnliche Rolle hatte übrigens der niederländische Maler Rembrandt zwei Jahrhunderte zuvor im Tulpenhype übernommen, aber das ist eine andere Geschichte). Die Wirtschaft im 1804 gegründeten eigenständigen Kaisertum Österreich erholte sich indes vor dem Hintergrund der beginnenden Industrialisierung und entsprechenden Investitionen in die Infrastruktur, sodass mehr und mehr Unternehmen aus der Transportbranche den Kapitalmarkt nutzten.

Wandel und erster Crash
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte geradezu explosionsartig der Wandel von der alten zur modernen Welt. Als das Symbol schlechthin für diese Ära gilt der Bau der Wiener Ringstraße. Die Wiener Börse trug dieser Entwicklung, von Umzügen (Minoritenplatz 3, Herrengasse 14) abgesehen, durch Schaffung des Börsegesetzes und Gründung der Börsekammer Rechnung. Nun fanden sich auch Bank-, Eisenbahn- und Industrieaktien auf dem Kurszettel. Vor allem zwischen 1867 und 1873 folgte in der umgegründeten Doppelmonarchie Österreich-Ungarn ein Börsengang auf den anderen. Die Porr AG und Wienerberger (beide seit 1869), UBM (1873) und Linz Textil (1890) sind die ältesten bis heute an der Wiener Börse notierten Unternehmen.

1873 erfolgte nach Überhitzung des Marktes und zahlreichen unsoliden Spekulationen der erste Börsencrash, worauf der Kurszettel etwa die Hälfte aller gelisteten Aktiengesellschaften verlor. Ein neues und moderneres Börsegesetz war 1875 die Folge – es galt bis 1989! Seit 1877 residierte die Wiener Börse dabei im bekannten Börsegebäude am Schottenring. Nach zwei Weltkriegen, Auflösung des k.u.k Wirtschaftsraums, Anschlusszeit und Verstaatlichung der Industrie in der Zeit des Wiederaufbaus verlor die Wiener Börse drastisch an Bedeutung und geriet unter zunehmenden Einfluss der Großbanken, bis 1985 die Privatisierungswelle startete, und Wien durch den US-Investor Jim Rogers wieder „wachgeküsst“ wurde, wie es damals hieß. Vor dem Hintergrund der Ostöffnung wurde 1991 der ATX eingeführt, 1997 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und der Umzug in den heutigen Sitz Wallnerstraße 8. Im Jahr 1999 wurde Xetra eingeführt, 2002 der Prime Market. IT-Dienstleistungen werden heute auch dem Partnernetzwerk in den k.u.k Nachfolgestaaten angeboten, womit sich der historische Kreis in gewissem Sinne wieder schließt.

Foto: Wiener Börse / foto-agent.at

 

 

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Droht eine Immo-Blase?

Quer durch Europa gab es zuletzt massive Preisanstiege. Droht eine Blase?

Michael Kordovsky. Seit der Zinsdelle 2016 steigen die Wohnimmobilienpreise im Euroraum mit einem kontinuierlichen Tempo von gut 4 % p.a. Zusätzliche Beschleunigung folgte in der Corona-Krise 2020. Von jeweils 4,9 % im 2. und 3. Quartal stieg der Preisauftrieb für Wohnimmobilien aller Art im Euroraum im vierten Quartal auf 5,4 %. In der EU lag der Hauspreisanstieg sogar bei 5,7 % auf Jahresbasis, verglichen mit 5,3 % im Vorquartal.

Alle EU-Länder zeigten zuletzt Preisanstiege. Am stärksten waren sie in Luxemburg (+16,7 %), Dänemark (9,8 %) und Litauen (9,4 %), gefolgt von Polen und Tschechien mit je 8,9 %, während Irland mit 0,6 % relativ bescheiden abschneidet, ähnlich wie Italien mit 1,6 % sowie Malta und Spanien mit jeweils 1,7 %.

Italien und Spanien haben eines gemeinsam, nämlich eine hohe Arbeitslosigkeit von jeweils 10,2 bzw. 16,1 % im Feber verglichen mit 7,5 % im EU-Durchschnitt. In Tschechien und Polen liegt die Arbeitslosigkeit hingegen nur bei 3,2 bzw. 3,1 %, während sie in Luxemburg und Dänemark bei 6,7 bzw. 6,1 % lag. Unterdurchschnittliche Arbeitslosigkeit stärkt die Kaufkraft und umgekehrt.

Doch die allgemeinen Treiber sind niedrige Zinsen in Kombination mit einer massiven Ausweitung der Geldmenge sowie individuelle Sonderfaktoren diverser Märkte. Fakt ist, dass sich durch die Corona-Krise Bauprojekte verzögerten, was in manchen Gegenden die Wohnungsknappheit noch zusätzlich erhöhte. Doch die Euro-Geldmenge ist länderüberschreitend quantitativ greifbar. Das jährliche Wachstum der Geldmenge M3 lag im Feber bei 12,2 und März 2021 bei 10,1 %. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass laut dem von der OeNB veröffentlichten Wohnimmobilienpreisindex im ersten Quartal 2021 die Wohnimmobilienpreise bundesweit auf Jahresbasis um 12,3 % stiegen, wobei sich der Boom mehr in den Speckgürtel von Großstädten bzw. weiter in die Provinz verlagert. Außerhalb Wiens stiegen die Wohnimmobilienpreise um 14 % und jene für neue Wohnungen um 16,7 %. Einfamilienhäuser verteuerten sich hier um 12,9 %, da mit dem Homeoffice-Trend der Bedarf nach Wohnen im Grünen gestiegen ist. Gleichzeitig gibt es einen Nachfragetrend hin zu Drei- und Vierzimmerwohnungen.

Erste Überhitzungstendenzen?
Mittlerweile setzen „Schrottimmobilien“ im Niemandsland zu exorbitanten Preissprüngen an, was unter normalen Zinsbedingungen ebenso ein Überhitzungssignal wäre wie beispielsweise magere Mietrenditen von 1,9 bis maximal 3,9 % in Wien. Im ersten Bezirk liegen die Wohnungsmietrenditen sogar nur noch bei 1 % und darunter.

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) schreibt in „Immobilien aktuell (Q1/2021)“: „Der Fundamentalpreisindikator der OeNB für Wohnimmobilien für Österreich verzeichnet im vierten Quartal 2020 aufgrund des starken Preisauftriebs einen weiteren Anstieg. Mit 18,6 % lag der Indikator um 2,7 %-Punkte über dem Wert des Vorquartals. Für Wien betrug der Wert 24,1 %, womit der Wert gegenüber dem Vorquartal konstant blieb. Die im Fundamentalpreisindikator enthaltenen Faktoren zeigen eine niedrigere Preisentwicklung als die tatsächliche an, was auf eine zunehmende Überhitzung des Wohnimmobilienmarktes hindeutet.“

Das ist eine starke Abweichung gegenüber den langjährigen Durchschnittswerten seit 1989. Zu den Faktoren zählen reale Immo-Preise, Leistbarkeit, Preise zu Mieten, Preise zu Baukosten, Wohnbauinvestitionen zum BIP und das Zinsrisiko. Vor allem haben sich die Immobilien-Preise zuletzt von den Inflationsraten und Baukosten abgesetzt. Quer durch die EU stieg das Verhältnis zwischen den Preisen von Wohnimmobilien und Einkommen. Die Immobilienpreise haben sich von den Einkommenssteigerungen abgekoppelt. Nimmt man das Verhältnis von Immobilien-Preisen zu Einkommen (Quellen sind OECD und OeNB), so stieg der betreffende Index von 2016 bis zum dritten Quartal 2020 in Österreich von 105,5 auf 123,4 Punkte und in Portugal sogar von 103,1 auf 126,6 Punkte. Starke Anstiege gab es auch noch in den Niederlanden (von 102,5 auf 124,5 Punkte), Lettland, Ungarn und Luxemburg.

Doch auch die Zinsen purzelten und die niedrigen Kreditraten steuerten der Preisteuerung insofern entgegen, weil auf der Kreditseite die Leistbarkeit wieder gestiegen ist. Somit kann noch nicht pauschal von einer Immobilienblase gesprochen werden. Auch sind nach wie vor, insbesondere bei Wohnungskäufen in Österreich, solide Eigenmittelquoten im Spiel.

Foto: AdobeStock / Aamon

 

 

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Kaum Abschläge für Brau-Aktien

Bremsspuren in den Bilanzen stehen hohe Bewertungen gegenüber.

Roman Steinbauer. Der Konsum des „kühlen Blonden“ sollte nach breiten Öffnungsschritten in der westlichen Welt auf ein Vorkrisenniveau zustreben. Das Verweilen im Freien und der nahende Sommer deuten auf ein Absatzvolumen wie in unbeschwerten Zeiten. Die europäische Brauvereinigung „Brewers of Europe“ lieferte für 2019 noch folgende Zahlen: 11.048 Brauereien stellten mit 134.000 Mitarbeitern auf dem Alten Kontinent jährlich 402 Mio hl Gerstensaft her. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gaben deutsche Hersteller im Corona-Vorjahr 5,5 % weniger Volumen ab (Reduktion um 508 Mio Liter) – der niedrigste Ausstoß seit 1993. Der Deutsche Brauereiverband ermittelte nach einer Branchenumfrage einen Umsatzverlust von 23 %.

Erwartungen, im Vorfeld einer Erholung des Bierkonsums Aktien der (an sich soliden) Hopfen- und Malzbranche noch mit Abschlägen ergattern zu können, erfüllen sich aber kaum. Ein Blick auf die Kurscharts der Bierriesen zeigt die Realität auf: Am attraktivsten erscheint Anheuser Busch InBev (164.000 Mitarbeiter, ISIN: US03524A108, unter anderem Budweiser, Corona, Stella, Artois, Becks). Der globale Produktionsführer bietet eine noch halbierte Kursnotiz zum Spitzenwert 2015. Der Umsatz knickte 2020 um 10 % ein, das EBIT rutschte auf -85 Mio Euro. In Brüssel wurde die Dividende um 60 % auf 0,44 Euro herabgesetzt, die tiefste Ausschüttung bisher. Die Rendite liegt für 2020 damit bei 0,63 %, aber mit guter Aussicht auf Zuwachs.

Stützende Liquidität
Der Kurs der dänischen Carlsberg (DK0010181759; Marken wie Kronenbourg, Ringnes, Holsten, Baltika, Tuborg) überstand die Krise, als wäre das Feiern nie unterbrochen worden. Daran ist erkennbar, wie die durch Liquidität getriebene Aktienhausse derzeit wirtschaftliche Gegebenheiten ignoriert. Das Papier erklomm einen Höchststand, stieg seit zwölf Monaten um 35 % – obwohl sich der Umsatz um 11 % dezimierte und die Dividende um 71 % auf 4,76 Euro/Aktie gekappt wurde.

Noch massiver kamen die Zahlen der Nummer zwei, Heineken (NL0000009165), unter die Räder: Die Niederländer reduzierten die Dividende um 58 % auf 0,70 Euro/Aktie. Die Umsätze brachen um 18 % ein, es wurde erstmals ein negatives Ergebnis (-0,35 Euro/Aktie) erwirtschaftet. Konsequenzen für die Aktiennotiz von Heineken? Nein! Der Titel steuert auf den Rekordwert von 104 Euro zu. Valoren des

japanischen Brauriesen Asahi Group (JP3116000005) befinden sich ebenso nur noch 10 % unter dem Top. Die Japaner erlaubten sich die Ausschüttung um 6 % auf 0,80 E zu erhöhen, obwohl der Umsatz um 4 % abglitt und das Ergebnis/Aktie um 32 % einknickte. Das KGV liegt aktuell bei 21, die Dividenden-Rendite bei 2,5 %.

Foto: Pixabay / Frame-It

 

 

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Warum Investoren Inflation nicht fürchten, sondern sich darauf vorbereiten sollen

Von Brad Slingerlend, Mitbegründer von NZS Capital und Investor aus Denver, USA. Jupiter Asset Management ist strategischer Partner von NZS Capital.

(17.05.) Investoren sollten sich weniger damit beschäftigen, Marktprognosen zur Inflation anzustellen, sondern mehr darüber nachdenken, welche Auswirkungen unterschiedliche Szenarien auf sie hätten.

Jeder, der die Finanzmärkte verfolgt, hat mit Sicherheit die wachsenden Ängste und Sorgen im Zusammenhang mit Inflation mitbekommen. Aktuell wurden diese durch mehrere Konjunktur- und Liquiditätspakete von Regierungen und Zentralbanken weltweit – mit dem Ziel der Bewältigung der pandemiebedingten wirtschaftlichen Folgewirkungen – neu angeheizt.

In den USA zum Beispiel trugen die jüngsten Bedenken über das 1,9 Billionen Dollar schwere Corona-Hilfspaket und das geplante Infrastrukturpaket im Wert von 2 Billionen Dollar von Präsident Joe Biden dazu bei, dass die sogenannte 10-Jahres-Breakeven-Inflationsrate das von der Federal Reserve vorgesehene Inflationsziel von 2 Prozent um etwa 30 Basispunkte überschritten hat. Dabei handelt es sich um einen weit verbreiteten Indikator für Inflationserwartungen.

Wechselspiel zwischen Aufwärts- und Abwärtsdruck
Kurzfristige Inflationsschübe sind häufig eine Folge von Verknappung – Halbleiter-Engpässe verursachen zum Beispiel einen Preisanstieg bei Grafikkarten. Langfristig gesehen ist Inflation jedoch ein Wechselspiel zwischen dem Aufwärtsdruck durch Bevölkerungswachstum und Schuldenzuwachs sowie dem Abwärtsdruck durch Effizienzsteigerungen und die daraus resultierenden niedrigeren Produktionskosten.

Auch wenn die globale Gesamtverschuldung weiter ansteigt – allein im letzten Jahr kletterte diese nach Daten des Institute of International Finance um 24 Billionen US-Dollar auf einen Rekordwert von insgesamt 281 Billionen – hat sich das weltweite Bevölkerungswachstum in den letzten 60 Jahren halbiert und liegt aktuell bei knapp über einem Prozent, während die Bevölkerung der USA ohne Zuwanderung sogar schrumpfen würde.

Im gleichen Zeitraum hat sich der technologische Fortschritt exponentiell beschleunigt, was mit einem Multiplikatoreffekt in puncto Produktivität einherging. Schon ein einziges Nvidia A100-Grafiksystem im Wert von 100.000 US-Dollar kann einen Durchbruch bedeuten, wenn dessen täglicher Mehrwert die Kosten um ein Vielfaches übersteigt. Das gesamte, in der Cloud liegende Potential ist noch weitaus größer.

Zinssätzen von nahezu null Prozent und Anlagenkäufen durch Zentralbanken, die zu einer Phase erheblichen Schuldenanstiegs geführt haben, steht somit eine viel bedeutendere Phase des immer schneller werdenden technologischen Fortschritts gegenüber.

Warum sind die Märkte so überzeugt davon, dass wir vor einem enormen Inflationsschub stehen? Vor allem wenn man sich vor Augen führt, dass die Konjunkturpakete nicht für neues Wachstum verantwortlich waren, sondern die wirtschaftliche Aktivität ersetzten, die in den schlimmsten Phasen der Pandemie zum Stillstand kam.

Wird der inflationäre Druck durch technologischen Fortschritt ausgeglichen?
Ist es denn keine logische Schlussfolgerung, dass der durch die höhere Verschuldung bedingte inflationäre Druck durch das deflationäre Potential des sich verlangsamenden Bevölkerungswachstums und des schnelleren technologischen Fortschritts ausgeglichen oder sogar ganz aufgehoben wird? Zumal sich der technologische Fortschritt im beginnenden Zeitalter der künstlichen Intelligenz noch weiter beschleunigen könnte.

Ich würde diese Frage mit „möglicherweise, aber vielleicht auch nicht“ beantworten. Das liegt daran, dass dieses außerordentlich komplexe Weltwirtschaftssystem durch zahllose weitere Variablen beeinflusst wird, und schon auf kleinste Veränderungen und Inputs auf unterschiedlichste Art reagiert. Aufgrund dieser Sensitivität ist es sehr schwierig, eine präzise Vorhersage über die zukünftige Inflation zu treffen.

Die einzig mögliche, annähernd präzise Prognose ist die, dass es von Zeit zu Zeit Phasen kurzfristiger inflationärer Schocks geben wird. Wie bedeutend diese sind, wann sie eintreten und wie lange sie andauern, lässt sich jedoch nicht genau sagen.

Das bestätigt einmal mehr eine alte Weisheit: Man kann vorhersagen, dass etwas passieren wird, oder man kann den Zeitpunkt dieses möglichen Ereignisses vorhersagen, aber niemals beides. Indem man Überlegungen anstellt, welchen Verlauf unterschiedliche Prognosen in einem komplexen, adaptiven System wie dem der Weltwirtschaft nehmen könnten, kann man sich selbst optimal positionieren, um vom Wachstum zu profitieren, aber auch die schlimmsten unausweichlichen Wirtschaftsabschwünge zu vermeiden.

Menschen tendieren dazu, optimistisch zu sein. Das ist zunächst eine gute Eigenschaft, die aber gleichzeitig die Gefahr birgt, Risiken zu unterschätzen und die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass „Fat Tail Events“ (negative Ausreißer außerhalb der Normalverteilung) unsere Pläne durchkreuzen. Solche sogenannten „Black Swan Events“ treten häufiger auf als man denkt.

Dennoch ist es möglich, so zu investieren, dass das Gesamtrisiko minimiert und die Chancen optimiert werden: indem Portfolios konstruiert werden, die zu einem wesentlichen Teil auf größeren Positionen in robusten, für die Disruption gewappneten Unternehmen aufbauen. Ausgleichend sollten zu einem kleineren Teil auch Anteile von Unternehmen gehalten werden, die das Potential haben, sich eines Tages zu widerstandsfähigen Disruptoren zu entwickeln.

Die digitale Transformation der Weltwirtschaft beschleunigt sich. Um von diesem Phänomen zu profitieren, dürfen Investoren nicht in der Denkweise des Industriezeitalters des 20. Jahrhunderts verharren. Anstatt sich zu viele Sorgen über die Inflationsrate zu machen, sollte der langfristige Blick des Investors auf anpassungsfähige Unternehmen mit robustem oder disruptivem Charakter gerichtet sein. Denn aufgrund dieser Eigenschaften können diese von solchen Schwankungen profitieren.

Foto: NSZ Capital

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Coface erwartet keine Insolvenzwelle

Der Kreditversicherer verweist auf Korrelation zwischen Durchimpfungsrate und Konjunktursensibilität.

Tibor Pásztory. Der Kreditversicherer Coface veröffentlicht vierteljährlich einen Risiko-Barometer, in dem Länderrisken eingeschätzt werden. Der Anstieg des globalen Bruttoinlandsprodukts soll demzufolge heuer bei 5,1 % statt den ursprünglich prognostizierten

4,5 % liegen. Verantwortlich für diese positive Prognose zeigen sich jedoch in erster Linie Schwellenländer, während viele große Volkswirtschaften in Europa mit einer BIP-Schrumpfung in das heurige Jahr gestartet sind.

Die Konjunkturprognosen für die einzelnen Volkswirtschaften zeigen höchst unterschiedliche Werte. Ein Trend erweist sich allerdings als einheitlich: wer schneller impft, verringert sein konjunkturelles Risiko erheblich, da dadurch das Risiko weiterer Lockdowns sinkt. Dies untermauern die Staaten Israel, Chile, Großbritannien oder die Vereinigten Arabischen Emirate, die schneller und bislang weitreichender geimpft haben als andere Länder. Langsamere Staaten wie Frankreich, Spanien oder Italien müssen hingegen ihre Konjunkturprognosen reduzieren.

Als sehr unterschiedlich erweisen sich auch die Konjunkturprognosen innerhalb einzelner Branchen. Weltweit untersuchte Coface dabei 35 Branchen in 20 Ländern. Nicht ganz überraschend habe sich demzufolge die Situation der Pharmabranche erhellt, in die momentan viele Investoren bevorzugt investieren. Zuvor hatte diese ihrer „Corona-Konjunktur“ zum Trotz ebenso an Rohstoffknappheit gelitten wie viele andere Branchen auch.

Ebenso wenig überraschend positiv entwickelt sich auch die Papierindustrie, seit Papier nicht nur benützt wird, um es zu bedrucken oder Wurstsemmeln darin einzuwickeln, sondern auch um Masken daraus zu produzieren. Und dass das Verpackungs- und Kartonagengeschäft boomt, darf ebenso getrost auf den der Corona-Pandemie folgenden E-Commerce-Boom zurückgeführt werden.

Auch die Metallbranche profitiert derzeit von einer Belebung des Maschinenbaus wie auch des Automobilmarktes, die beide Nachholeffekte vorweisen können. Trotzdem blieben diese für Coface-Volkswirtin Christine von Berg Sorgenkinder. Sie hätten sich nämlich bereits vor der Pandemie in einer Rezession befunden.

Insolvenzwelle sieht der Kreditversicherer keine auf die Konjunktur zukommen, sogenannte „Zombie-Firmen“ ausgenommen. Dies werde sich auch nach Beendigung des Schutzschirmes zum 1. Juli nicht ändern, wenn das Motto wieder „Zurück zum Markt“ lauten wird. Dass künftig deutlich mehr auf eine sichere Erhaltung der Lieferketten geachtet werden muss, habe nicht alleine die Pandemie, sondern auch die tagelange Blockade des Suezkanals gezeigt.

Foto: Pixabay / paulbr75

 

 

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TUI bleibt etwas für Abenteuerlustige

Der Tourismuskonzern erwartet stark anziehende Reisebuchungen für den Sommer.

Stefan Riedel, München. Folgt man dem Optimismus des TUI (ISIN: DE000TUAG000)-Managements bei der Präsentation der Halbjahreszahlen, ist dieses Jahr alles angerichtet für die Rückkehr der großen Touristenströme. Die Covid-19-Fallzahlen sinken kontinuierlich, der digitale Corona-Pass („Grüne Pass“) soll in diesem Sommer touristische Reisen innerhalb Europas erleichtern und vergangenen Samstag wurde die Tourismussaison in Griechenland offiziell eröffnet. Notwendig für die Einreise in den Sonnenstaat in der Ägäis ist nur ein negativer PCR-Test, der nicht älter als drei Tage ist, oder der Nachweis der vollständigen Impfung.

Für TUI-Finanzchef Sebastian Ebel ist dieser Schritt ein „weiterer Meilenstein“, nachdem der Tourismuskonzern aus Hannover bereits für die Balearen und die Algarve wieder schrittweise Flüge angeboten und Hotels geöffnet hatte. Der MDAX-Konzern erwartet eine sonnige Tourismussaison 2021. 70 % der Befragten, so Ebel, wollten wieder verreisen und die Onlinebuchungen sind im ersten Halbjahr bereits um 56 % gestiegen. „Wir stehen jetzt am Anfang des erwarteten Neustarts“, ist Vorstandschef Fritz Joussen überzeugt.

Im Geschäftsjahr 2019/20 hatte TUI einen Konzernverlust von fast 3,2 Mrd Euro eingefahren, bei einem Umsatz, der um 60 % auf etwas mehr als 7,9 Mrd Euro eingebrochen war. Die jüngsten Geschäftszahlen lassen die Frage offen, ob sich TUI nach diesem Horrorjahr schon auf dem Weg zum Turnaround befindet. Knapp 1,48 Mrd Euro Konzernverlust und damit 70 % mehr als im Vorjahr verbuchte TUI im traditionell schwachen Winterhalbjahr des am 30. September endenden Geschäftsjahres 2020/21. Der Umsatz brach um fast 90 % auf 716 Mio Euro ein. Einen konkreten Ausblick für das Gesamtjahr 2020/21 gab es angesichts der noch herrschenden Ungewissheit über das Ende der Corona-Pandemie nicht.

Ein Problem bleibt der hohe Schuldenberg. Die Nettoverschuldung lag zuletzt bei 6,8 Mrd Euro.

Allerdings hat sich der monatliche Mittelabfluss im zweiten Quartal bei 300 Mio Euro eingependelt. Mit einer Wandelanleihe in Höhe von 400 Mio Euro hat TUI im April seine Kapitalstruktur im April erneut gestützt. Die liquiden Reserven von zuletzt 4,8 Mrd Euro decken die Kapitalkosten von 2 Mrd Euro ab. Die Rückkehr in die Gewinnzone ist frühestens 2021/22 zu erwarten.

Abenteuerreise
Noch weniger abschätzen lässt sich, wann die Reiselust der Menschen den Konzernumsatz wieder auf die 18,9 Mrd Euro des Vor-Corona-Niveaus von 2018/19 schiebt. Um die Anleger zu überzeugen, muss TUI also noch viel tun. Keiner der elf Analysten, die TUI covern, empfiehlt die Aktie bereits zum Kauf. Wer sich TUI ins Depot legt, muss jedenfalls eine große Abenteuerlust mitbringen und nicht das Risiko eines erneuten Kurseinbruchs scheuen, für den Fall, dass auf die Aufbruchstimmung von TUI ein erneut enttäuschender Reisesommer folgt.

Foto: Pixabay / langll

 

 

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Heiß begehrter Schienentransport

Der Übernahmepoker unter Nordamerikas Railway-Gesellschaften ist in vollem Gange.

Roman Steinbauer. Das Schienenfrachtgeschäft läuft auf vollen Touren. Für interessierte Anleger ist dabei ein Blick auf den amerikanischen Kontinent unabdingbar. Nur an dortigen Börsen ist es Kleinaktionären möglich, über den Transport der Rohstoffe und Industriegüter Gewinne zu lukrieren. Die Aktien einzelner Vertreter performten teils überproportional. Liegt der allgemeine iShares Transportation Average ETF (ISIN: US4642871929) heute schon 37 % höher als zu Jahresbeginn 2020, übertrafen einzelne Titel der Branche diese Werte noch eindrucksvoll.

Durch alle Klimazonen
Der Übernahmekampf um die US-Railway-Holding Kansas City Southern (US4851703029) spitzt sich unterdessen zu. Seit Jahresbeginn zogen die Dividendenpapiere des Schienenbetreibers um 55 % an.

Nachdem der Güterverkehrsriese Canadian Pacific Railway (CA13645T1003) aus Calgary mit einer Übernahmeofferte von 24 Mrd Euro ins Rennen stieg, übertrumpfte Canadian National Railway (CN, CA1363751027) mit 28 Mrd Euro und umgerechnet 270 Euro/Aktie dieses Angebot nun gehörig. Kansas City Southern operiert von zentral gelegenen Bundesstaaten wie Alabama, Louisiana, Mississippi und Texas bis zu den Industriestädten Mexikos. CN wiederum befördert Güter auf einer Streckenlänge von 32.000 km von Vancouver bis Halifax und dem Golf von Mexiko zu drei Küstenregionen. Die Verschmelzung würde erstmals einen Schienentransportanbieter von British Columbia bis Mexiko entstehen lassen. Aktien der Norfolk Southern (US6558441084, Schienennetz von 31.400 km im Osten und Mittelwesten der USA) zogen binnen zwölf Monaten um 70 % an. Papiere der weit umsatzstärkeren (16,2 Mrd Euro/Jahr) Union Pacific aus Omaha (US9078181081) erklommen in diesen Zeitraum ein um 40 % höheres Niveau.

Nachrollend und abgehängt
Titel der CSX Corporation (US1264081035) aus Florida sind mit einem KGV von 28 günstiger bewertet und legten seit Jahresfrist um „magere“ 15 % zu. Vollkommen konträr erging es Aktionären der australischen Aurizon Holdings (AU00000 0AZJ1). Die Papiere der Gesellschaft aus Fortitude Valley (Transporte von den Erzminen in Newlands, Goonyella, Blackwater, Moura, West Moreton zu den Häfen) stehen 20 % tiefer als vor einem Jahr. Dies, obwohl die Geschäfte „nur“ stagnierten. Allerdings wirken Verbindlichkeiten von 3,52 Mrd Euro belastend. Weit vom Top des Jahres 2014 sind (trotz des jüngsten Anstiegs) Valoren des Anbieters von Güterwaggons, Greenbrier (US393657 1013), entfernt. Der Umsatz- und Gewinneinschnitt um (7 bzw. 30 %) bremste.

Foto: Pixabay / Tama66

 

 

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Die USA bleibt der Motor für den Rest der Welt

Ein Marktkommentar von Nathan Sheets, Chefvolkswirt und Head of Global Macroeconomic Research bei PGIM Fixed Income.

(11.05.) Die wichtigsten politischen Entscheidungsträger der USA konzentrieren sich auf den Arbeitsmarkt. Es gibt über acht Millionen Arbeitnehmer, die vor der Pandemie beschäftigt waren, aber derzeit noch arbeitslos sind. Der Fokus liegt also auch darauf, wie diese Arbeiter wieder in Beschäftigung gebracht werden können.

Die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, nicht nur wegen des enormen fiskalischen Stimulus, sondern auch wegen des sehr schnellen US-Wachstums, bedeutet unweigerlich, dass die USA so etwas wie ein Motor für den Rest der Welt sein werden, um die globale Erholung zu durchlaufen. Wir haben das bereits in den letzten Quartalen gesehen, in denen die US-Importe viel stärker gestiegen sind als die US-Exporte. Eine starke US-Wirtschaft ist im Großen und Ganzen günstig und positiv für den Rest der Welt. Dabei werden Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien eine der am schnellsten wachsenden Jobkategorien sein.

Wenn das Konjunkturpaket umgesetzt wird und die von der US-Regierung gewünschten Effekte eintreten, werden wir einen Trend und ein Produktivitätswachstum von vielleicht einem Prozentpunkt oder vielleicht etwas weniger sehen. Das klingt nach einer kleinen Zahl, aber wenn man das über mehrere Jahrzehnte akkumuliert, könnten die Unterschiede in Bezug auf die Lebensqualität ganz erheblich sein. Das kann auf lange Sicht zu einem besseren Lebensstandard führen, wenn diese Initiativen erfolgreich sind.

Die entscheidenden Fragen drehen sich jetzt um das Jahr 2022. Wie stark wird das Wachstum nachlassen? Was passiert mit der Inflation und wie reagiert die Fed. Es gibt eine Menge Unsicherheit darüber, wo 2022 angesiedelt sein wird.

Foto: PGIM

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Alternative Energie: Bust oder Boom?

Wasserstoff-Aktien sind hoch geflogen und tief gefallen.

Harald Kolerus. Titel aus dem Bereich Wasserstoff haben eine bemerkenswerte Kurshistorie hinter sich. Das veranschaulicht sehr eindrucksvoll das Strategiezertifikat auf den „Solactive Hydrogen Top Selection Index“ (ISIN: DE000VP2HYD0) von Vontobel. Dieses ist von April 2020 bis vergangenen Feber von rund 100 auf knapp 300 Euro in die Höhe geschossen: ein Plus von 200 %. Dann fiel das Zertifikat aber in den Bereich von 200 Euro zurück. Der zugrundeliegende Index umfasst 15 Unternehmen, die im Bereich Wasserstoff aktiv sind (z. B. Plug Power, FuellCell, Ballard Power) und spiegelt somit gut die Marktentwicklung wider. Seit Auflegung im April letzten Jahres hat das Produkt trotz der heurigen Verluste noch immer eine sehr schöne Performance von ca. 110 % erzielt. Plug Power konnte im Vorjahr sogar ein Plus von 885 % einheimsen – um dann in die Tiefe zu rutschen. Dennoch ist der Kurs auf Sicht eines Jahres um rund 380 % gestiegen!

Starker „grüner Trend“
Was spricht angesichts dieser atemberaubenden Berg- und Talfahrten für Wasserstoff? Hier ist es wichtig, die Langfristperspektive ins Auge zu fassen. Clemens Klein, ESG-Experte bei der Erste Asset Management, meint im Gespräch mit dem Börsen-Kurier: „Was macht Wasserstoff interessant? Sicherlich der Umweltaspekt, denn es herrscht weltweit ein breites politisches Verständnis, dass der CO2-Ausstoß massiv reduziert werden muss, um die Klimaziele zu erreichen.“

Als Hemmschuh bezeichnet der Experte die noch fehlende Markteffizienz von grünem Wasserstoff, sprich: Er ist vergleichsweise teuer. So kostet die Herstellung des unökologischen grauen Wasserstoffs rund 1 USD/Kilo; bei der umweltfreundlichen Variante des grünen Wasserstoffs kann das aber schon auf rund 5 bis 6 USD kommen. Klein erinnert die Situation an die Lage bei Solarenergie vor etwa zehn Jahren: „Die Produktionskosten sind seither um die 80 % zurückgegangen, heute bietet Sonnenkraft in vielen Regionen bereits die billigste Form der Energiegewinnung. Ähnlich sollte die Entwicklung bei grünem Wasserstoff erfolgen, Studien gehen von einer Kostenreduktion um 60 bis 70 % bis 2030 aus.“

„Hoffnungsträger Wasserstoff“
Philipp Arnold
, Head of Structured Products Sales der Raiffeisen Centrobank (RCB), meint zum Thema auf Anfrage des Börsen-Kurier: „Das Interesse am Energieträger Wasserstoff und die damit verbundenen Chancen sind ungebrochen. Wasserstoff ist nicht nur ein kurzfristiges Thema, sondern ein langfristiger Klima-Megatrend – mit dem Potenzial, einen wesentlichen Beitrag zur Herbeiführung der Energiewende zu leisten. Grüner Wasserstoff ist damit ein Hoffnungsträger im Klimawandel. Der Korrektur zu Jahresanfang gingen stark steigende Aktienkurse im Vorjahr voraus. Aktuell findet der Klimaschutz – vor allem auch politisch – breite Zustimmung aller wichtigen Länder für deutlich weniger Treibhausgase und lässt die Anleger bei ‚grünen Aktien‘ wie-der zugreifen.“

Trotz des positiven Trends sind laut dem Experten weitere Korrekturen natürlich nie auszuschließen und auch beim Wasserstoff-Investment dürfen die Risiken nicht vergessen werden. „Jedoch können gerade Bonus-Zertifikate das Timing-Risiko deutlich begrenzen“, so Arnold.

Breiter streuen
Von der RCB gibt es dazu das „Bonus-&-Wachstum-Zertifikat“ (AT0000A2QS86) auf den breit gestreuten Aktienindex, „Solactive Hydrogen EUR 3.5%“. Dieser Index bildet die Kursentwicklung von 30 Unternehmen ab, deren Geschäftstätigkeit ganz oder teil-weise auf Wasserstoff ausgerichtet ist. Das Zertifikat, das auch mit einem Absicherungsmechanismus ausgestattet ist, liegt bis 26. Mai zur Zeichnung auf. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre.

Das erwähnte Openend-Zertifikat von Vontobel sorgt ebenso für breite Streuung wie das Zertifikat von Morgan Stanley (DE000MC 2G7Q8) auf den E-Mobilität Wasserstoff-Index von Solactive.

Hansainvest bietet mit dem „GG Wasserstoff“ (DE000A2QDR59) eine Fondslösung an; der L&G „Hydrogen Economy UCITS ETF“ (IE00BMYDM794) ist der erste Wasserstoff-ETF in Europa.

Foto: AdobeStock / Studio East

 

 

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Eigenkapitalstärkende Maßnahmen gefordert

Von KÖSt-Senkung bis KESt-Befreiung für Langfrist-Aktionäre reichen die Vorschläge.

Manfred Kainz. Es klingt ungewöhnlich optimistisch in diesen Tagen. Wir erleben den „global größten Wirtschaftsaufschwung mit 6,6 % Weltwirtschaftswachstum. Wir sind in einer Hochkonjunktur“, formuliert es der Chefökonom der Industriellenvereinigung (IV) Christian Helmenstein (im Bild links; Aufnahme vor Corona, Anm.). Das müsse Österreich nützen. Und nicht nur das Vor-Coronakrisen-Niveau anstreben, sondern uns „an die Spitze des Konjunkturaufschwungs setzen“. Das brauche eine Industriepolitik, die von den jetzigen strukturkonservierenden Maßnahmen zu strukturmodernisierenden Maßnahmen komme. Dazu zähle ganz zentral Eigenkapitalstärkung.

Partner Kapitalmarkt
Industriellen-Generalsekretär Christoph Neumayer (am Foto rechts) bestätigte auf die Frage des Börsen-Kurier die wichtige Rolle, die die Wiener Börse (in dessen Aufsichtsrat ja auch Vertreter aus der Industrie sitzen und sogar den Vorsitzenden stellen) und der heimische Kapitalmarkt spielen können und sollen: Ein starker Kapitalmarkt sei ein „zentrales Element des Wiederaufschwungs“, so Neumayer. Um ihn zu stärken, schlägt die IV unter anderem die Wiedereinführung einer z. B. zwölfmonatigen Behaltefrist für Aktieninvestitionen vor, ab der dann das Aktienengagement KESt-befreit ist. Weiters brauche es eine Stärkung der kapitalmarktunterlegten Pensionsvorsorge. „Die Wiener Börse ist jedenfalls ein ganz wichtiger Partner in unserem Szenario und unserer Strategie“, um über das Vor-Krisen-Niveau hinaus zu wachsen und zu den Weltmarktführern USA und China aufzuschließen.

Investitionen ankurbeln
„Für das IV-Programm ‚Industriestandort 2025+‘ ist generell ein investitionsfreundliches Klima notwendig“, so der Präsident der Industriellenvereinigung Georg Knill. Dazu schlägt er konkret die Wieder-Einführung eines Investitionsfreibetrags als steuerlichen Anreiz vor, der für ökologisch sinnvolle Investitionen weiter erhöht werden könnte. Als Eigenkapitalquoten-stärkende Maßnahmen plädiert er einerseits für die Senkung der Körperschaftsteuer von aktuell 25 auf 21 %, wie es im Regierungsprogramm ja angekündigt war. Das würde starkes Investitionswachstum generieren, die Eigenkapitalbasis verbessern und somit auch die Bonität, was wiederum die Unternehmensfinanzierung erleichtere.

Andererseits fordert IV-Präsident Knill die steuerliche Gleichstellung von Eigenkapital mit Fremdkapital, also dass man auch Eigenkapitalaufwendungen als Betriebsausgaben in Abzug bringen kann.

Volumina
Dringend angebracht wäre weiters eine Senkung der Lohnnebenkosten in Richtung deutsches Niveau. Das dortige liegt mehr als 4 %-Punkte niedriger als das österreichische. Es gebe „Entlastungspotenzial“ bei der Unfallversicherung (die Unfälle sind seit 1990 um mehr als 40 % zurückgegangen, aber die Beiträge nicht) und im FLAF (Familienlastenausgleichsfonds).

Insgesamt wäre eine Senkung der Abgabenbelastung auf 40 % sinnvoll und durchaus machbar. Das sinnvolle Krisen-Gegensteuerinstrument Investitionsprämie wurde von ursprünglich 1 auf 5 Mrd Euro ausgeweitet und schaffe ein – vorgezogenes – Investitionsvolumen von mehr als 55 Mrd Euro, ist die Industrie stolz. „Wenn wir den Aufschwung perpetuieren, kann es dreistellig werden“, ergänzt Helmenstein.

Foto: IV

 

 

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Einlagensicherung Austria: Raiffeisen bereitet Ausstieg vor

Demnächst wird es in Österreich drei statt zwei Einlagensicherungssysteme geben.

Julia Kistner. „Wir sind mitten in der finalen Abstimmung und werden alle Details kommunizieren, sobald der gesamte Prozess abgeschlossen ist“, hält sich die Raiffeisen-Banken-Gruppe auf Anfrage des Börsen-Kurier noch bedeckt. Fakt ist, dass die Giebelkreuzler in Kürze wieder ein institutseigenes Einlagensicherungssystem einrichten, ähnlich wie die Sparkassen ihre Einlagen über die Sparkassen-Haftungs GmBH absichern. Die anderen 450 Finanzgesellschaften bleiben in der Einlagensicherung Austria GmbH (ESA).

Für den Ausstieg dürfte die Raiffeisen schon das grüne Signal von der FMA und der EZB bekommen haben. So wie die Raiffeisen-Gruppe würden auch die Volksbanken gerne wieder aus der ESA ausscheren und ihre eigenes Einlagensicherungssystem aufbauen. Dafür fehlt den Volksbanken aber die dafür vorgeschriebene Geschäftsgröße von mindestens 15 % aller gesicherten Einlagen.

Keine Auswirkungen auf Sparer
„Für die Sparerinnen und Sparer ändert sich hinsichtlich der Sicherheit ihrer Einlagen nichts. Ob es zwei oder drei Systeme gibt, spielt da keine Rolle“, betont Franz Rudorfer, Geschäftsführer der Banken und Versicherungen und ESA-Aufsichtsratspräsident. Weiterhin sind bis zu 100.000 Euro pro Bank und Kunde gesichert und das sehr gut. Denn seit 1.1.2019 zahlen alle Institute mit österreichischer Banklizenz entsprechend der EU-Richtlinie 0,8 % ihrer gedeckten Einlagen in ein Sicherungssystem ein, das in Ernstfällen wie bei der Commerzialbank Mattersburg oder der Anglo Austrian Bank (Ex-Meinl-Bank) einspringt und die Sparer entschädigt. „Und auch wenn die jüngsten Insolvenzfälle einen Rückschlag für die Aufstockung der Einlagensicherungsgelder bedeuten, sind alle Institute verpflichtet, diese bis 2024 sukzessive höher zu dotieren und das tun sie auch“, sagt Rudorfer. So sollte die Einlagensicherung Austria, die mit 1.1.2019 von der Wirtschaftskammer Österreich zur Erfüllung der EU-Einlagensicherungsrichtlinie mit 500 Mio Euro „Startkapital“ gegründet wurde, bis 2024 mit 1,4 Mrd Euro voll dotiert sein. Diese Summe verringert sich jetzt um die Beiträge der insolventen Institute und jene des Raiffeisen-Sektors, der den Topf zu mehr als 40 % speiste. Aber selbst das macht nichts. Denn sollten nach weiteren Bankpleiten zu wenig Einlagensicherungsgelder vorhanden sein, sind die Institute verpflichtet, Sonderbeiträge in der Höhe von 0,5 % der gesicherten Einlagen nachzuschießen. Reicht auch das nicht aus, werden die übrigen Einlagensicherungssysteme zur Kasse gebeten. Aufgrund dieser Überlaufregelung müsste im zweiten Schritt wiederum das Raiffeisen-Sicherungssystem und der Haftungsfonds der Sparkassen die leeren Kassen der Einlagensicherung Austria füllen und umgekehrt. Die Finanzmarktaufsicht kann Banken auch jederzeit höhere Beiträge vorschreiben, um Einlagen zu sichern.

Womit seit 1.1.2019 definitiv Schluss ist, ist die Haftung des Staates für Spareinlagen. Der kann, aber muss im Falle des Supergaus den Kreditinstituten nicht mehr ein Darlehen geben. Dieser Fall ist aber unwahrscheinlich. Auch ist der Topf der Einlagensicherung Austria längst wieder gefüllt, nachdem sie im Vorjahr den Sparern der Commerzialbank Mattersburg 490 Mio Euro und jenen der ehemaligen Meinl Bank 70 Mio Euro auszahlen musste. Wie hoch die ESA derzeit genau dotiert ist, will Geschäftsführer Stefan Tacke nicht sagen, nur so viel: „Selbst nach den Auszahlungen ist genug Geld vorhanden. Sonderbeiträge der Institute waren und sind nicht notwendig.“

Es seien auch alle von den Insolvenzen betroffenen Einlagen in wenigen Tagen von der ESA ausbezahlt worden. „Bis auf überschaubare Summen, wo sich die Sparer noch nicht gemeldet haben“, ergänzt Franz Rudorfer, „auch wenn die Ansprüche nicht verjähren, empfehlen wir den Sparern, ihre bald geltend zu machen“.

Wenig Chancen für die Amtshaftungsklagen
Die Amtshaftungsklage der Einlagensicherung Austria gegen die Republik Österreich wegen Aufsichtsfehlern will Rudorfer nicht kommentieren. Sie wurde in erster Instanz abgewiesen. Eine Richterin beruft sich auf §3 des Finanzmarktaufsichtsbehördengesetzes, wonach die Aufsicht gegenüber den Anlegern für Schäden, die bei ihrer Vollziehung entstehen, nicht haftet. Dieser Ausschluss wurde 2008 beim Ausbruch der Finanzkrise einstimmig vom Nationalrat abgesegnet, da man nicht Verluste von Spekulanten sozialisieren wollte. Die Rechtmäßigkeit dieses Ausschluss-Paragraphen soll jetzt der Verfassungsgerichtshof prüfen. Der könnte noch im Sommer ein Machtwort sprechen. Die Branche rechnet aber nicht damit, dass der VFGH den Paragraphen kippen wird.

Was mit Sicherheit so schnell nicht kommen dürfte, ist ein gemeinsamer Europäischer Einlagensicherungstopf. Die Nord-Länder, darunter auch Österreich, fordern, dass hierfür die italienischen Banken erst ihre alten notleidenden Kredite abbauen müssten, was sie – um es noch freundlich zu formulieren – bisher verabsäumt haben.

Foto: AdobeStock / Sebastian Kaulitzki

 

 

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Die Mischung macht’s – auch bei grünen Investments

Von Rhys Petheram, Head of Environmental Solutions, und Jon Wallace, Fondsmanager, Environment and Sustainability bei Jupiter Asset Management.

(05.05.) Investoren legen immer größeren Wert auf eine aktive Positionierung zu Umweltthemen wie Klimawandel und Biodiversität. Die COVID-Pandemie hat diesen Trend weiter beschleunigt. Nach Angaben von Morningstar haben sich die Nettozuflüsse in nachhaltige Fonds, die europäischen Investoren zur Verfügung stehen, im vergangenen Jahr gegenüber 2019 fast verdoppelt. Das wirft die Frage auf, ob diese Anlageflüsse eine eigene Dynamik an den Kapitalmärkten anstoßen. Im E-Auto-Segment zum Beispiel erscheinen einige Aktien inzwischen sehr teuer.

Trotz der Höherbewertung von Umweltthemen gibt es unserer Ansicht nach immer noch unterbewerteten Chancen. Das gilt insbesondere für Unternehmen, die Lösungen für die Kreislaufwirtschaft bereitstellen, zum Beispiel nachhaltige Materialien und Lösungen für einen verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Einer der jüngsten Neuzugänge in unserem Aktienportfolio ist zum Beispiel ein Anbieter von Biomaterialien. Dagegen war unser Engagement im Bereich saubere Energie – wo wir viele Überbewertungen sehen – zuletzt auf dem niedrigsten Stand seit drei Jahren.

Biodiversität – das neue grüne Thema?
Aktuell steht das Klimathema erfreulicherweise sehr stark im Fokus der Öffentlichkeit. Schon in wenigen Jahren könnte das breitere Thema Biodiversität aber genauso viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Biodiversität steht im direkten Zusammenhang mit dem Klimawandel: Wälder sind Kohlenstoffspeicher und die Erderwärmung gefährdet viele Arten. Aber Biodiversität umfasst noch viel mehr: Sie ist von grundlegender Bedeutung für unsere Ernährung und andere ‚Ökosystem-Dienstleistungen‘ wie zum Beispiel die Entwicklung neuer Arzneimittel. Die Bilanzierungs- und Finanzinfrastruktur, die derzeit für das Klimathema geschaffen wird, könnte ebenso auf das Thema Biodiversität angewendet werden.

Wenig beachtete oder unterschätzte Anbieter von Umweltlösungen zu finden, war nie wichtiger als heute. Glücklicherweise ist das ökologische Anlageuniversum riesig. Wir suchen dabei – sowohl auf der Aktien- als auch der Anleiheseite – nach attraktiven Anlagemöglichkeiten in sieben großen Themenbereichen: 1. Kreislaufwirtschaft, 2. saubere Energie, 3. Wasser, 4. Mobilität, 5. Energieeffizienz, 6. nachhaltige Landwirtschaft, Ernährung und Gesundheit sowie 7. Umweltdienstleistungen.

Diversifikation und Risikomanagement mit grünen Anleihen
Im Green-Bond-Sektor stellt die Notwendigkeit, eine ausreichende Bandbreite an Emittenten zu finden, um das Zins-, Sektor- und Kreditrisiko aktiv zu managen, Anleger vor Herausforderungen. Die steigende Anzahl an Emissionen grüner Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten ermöglicht uns, das Durations-Risiko über verschiedene Währungen hinweg zu managen. Zur Steuerung des Kreditrisikos haben wir dagegen auf das Universum der „Unlabelled Green Bonds“ zurückgreifen müssen. Dank vermehrter Emissionen grüner Anleihen von weiter unten auf der Ratingskala bis hin zum High-Yield-Bereich konnten grüne Anleihen zuletzt auch beim Management des Kreditrisikos helfen. Die diesjährige Emissionsrate für grüne Hochzinsanleihen ist bislang mehr als doppelt so hoch wie 2020 und fünfmal so hoch wie 2019.

Darüber hinaus begrüßen wir das Wachstum des Marktes für Sustainability-Linked Bonds (SLBs), die sich von Green Bonds unterscheiden. Green Bonds sind Anleihen, deren Erlöse in Klima- oder Umweltprojekte fließen. Bei SLBs variieren die vertraglichen Konditionen – wie zum Beispiel die Kupons – in Abhängigkeit davon, ob das emittierende Unternehmen ökologische Leistungskennzahlen (KPIs) erreicht. Die KPIs für SLBs beziehen sich in der Regel auf das Umweltprofil eines Unternehmens (zum Beispiel seinen CO2-Fußabdruck) anstatt auf die direkten Umweltauswirkungen seiner Produkte und Dienstleistungen. Wir sind jedoch der Ansicht, dass sie in Kombination mit einem Green Bond zu einem leistungsstärkeren, zukunftsweisenden Instrument werden. Ein Beispiel dafür ist die jüngst vom großen österreichischen Stromversorger Verbund AG emittierte grüne SLB-Anleihe. Auch der im März vorgelegte Haushaltsplan der britischen Regierung sieht die Emission einer grünen Staatsanleihe vor und wir liefern in enger Zusammenarbeit mit der britischen Investment Association (IA) Input für die Strukturierung dieser Anleihe, um ihre Wirkung zu maximieren.

Grüner Systemumbau – Impulse der Regierungen entscheidend
Auch die Zentralbanken werden „grüner“. So umfasst das Mandat der Bank of England (BoE) seit Neuestem auch die Unterstützung des Netto-Null-Emissionsziels der britischen Regierung. Die britische Notenbank hält allerdings nur Unternehmensanleihen im Wert von rund 20 MrdGBP und ist damit ein deutlich kleinerer Player an diesem Markt als die Europäische Zentralbank (EZB). Die gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte (TLTROs) der EZB, ein Programm, das den Banken günstige Mittel für eine gezieltere Kreditvergabe zur Verfügung stellt, könnten sich als wichtiger Impulsgeber für die grüne Kreditvergabe erweisen. Die US-Notenbank Fed hinkt der EZB etwas hinterher, hat aber jüngst einen Ausschuss gegründet, der sich mit der Berücksichtigung klimabezogener Risiken bei der Bewertung der Finanzstabilität befasst.

Die wichtigsten Impulse für einen Systemumbau und die Entwicklung der zur Erreichung der Klimaziele erforderlichen Lösungen und Projekte dürften aber nicht von den Zentralbanken, sondern von den Regierungen ausgehen – und ihr wichtigstes Instrument wird die Fiskalpolitik sein. Die Regierungen werden zunehmend erkennen, wie wichtig es ist, „externe Effekte“ – sprich versteckte Umweltkosten, zum Beispiel durch eine Produktionsanlage, die die Luft verschmutzt oder zum Artensterben beiträgt – zu „internalisieren“ bzw. den Unternehmen in Rechnung zu stellen.

Das Ausmaß und die Tragweite des erforderlichen Wandels wird in den nächsten Jahren enorme Investitionsmöglichkeiten eröffnen. Einige dieser Chancen sind jetzt schon klar erkennbar, andere werden sich mit der Zeit herausbilden. Die Veränderungen werden sowohl weitreichender als auch vielfältiger in ihren Auswirkungen sein als viele erwarten. Deshalb legen wir großen Wert auf eine breite Diversifikation und durchforsten das gesamte Anlageuniversum nach Unternehmen, die den Wandel weiter vorantreiben.

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Die Profiteure des US-Infrastrukturprogramms

Wir haben für Sie eine Vielzahl potenzieller Gewinner-Aktien in der gesamten Wertschöpfungskette gefunden.

Michael Kordovsky. Gegenwärtig befasst sich der US-Kongress mit einem 2,3-BioUSD teuren Infrastrukturprogramm für die USA, dessen Gegenfinanzierung unter anderem durch eine faktische Verdopplung der Kapitalertragssteuer für Reiche auf fast 40 % erfolgen sollte. 11 % der Wirtschaftsleistung fließen weitgehend in Projekte mit Multiplikatoreffekt bzw. Folgeinvestitionen entlang der Wertschöpfungskette. Anhand geplanter Details dieses Vorhabens lassen sich bereits die zu erwartenden Sieger definieren:

650 MrdUSD sind für Transport, sprich Straßen, Schiene und Verkehr vorgesehen. Vor allem die Brückensanierung ist schon lange überfällig und auch so manche Straßen in den USA brauchen Erneuerung. Entsprechend willkommen ist dieses Vorhaben: Straßen und Autobahnen mit einer Länge von 20.000 Meilen genauso wie die Sanierung der Top 10 der wirtschaftlich bedeutendsten Brücken und 10.000 weiterer. Die Bundesausgaben für den öffentlichen Nahverkehr sollen sich auf 85 MrdUSD verdoppeln, weitere 80 MrdUSD sollen in die Bahngesellschaft Amtrak investiert werden.

650 MrdUSD sollen dem Wohninfrastrukturbereich zur Verfügung gestellt werden: Konkret geht es um die Förderung von Bau und Renovierung von 2 Mio Wohnungen und Krankenhäuser für Armeeveteranen, sauberes Wasser, Erneuerung und Erweiterung der Stromnetze und den Ersatz sämtlicher Trinkwasserrohre aus Blei in rund 10 Mio Haushalten. Darüber hinaus ist ein Breitbandzugang für die 35 % der Einwohner in ländlichen Regionen vorgesehen, die bisher keinen haben.

580 MrdUSD sollen für Industrie, Weiterbildung und Forschung sein, davon gehen 180 MrdUSD in Forschung und Entwicklung mit Schwerpunkt sauberer Energie und in noch unbestimmte Anreize für Firmen, die in Kohlerevieren Jobs schaffen und die US-Lieferkette ausbauen. Die Halbleiterfertigung, in der Engpässe vorherrschen, sollte noch 50 MrdUSD erhalten und mit weiteren 15 MrdUSD will Joe Biden neue (Umwelt-)Technologien (Stichwort Wasserstoff) und eine neue Generation von Atomkraftwerken fördern.

Indessen sind für den E-Automarkt 174 MrdUSD unter anderem in Form von Zuschüssen beim Autokauf und dem Bau eines Netzes von 500.000 Ladestationen bis 2030 vorgesehen.

Die börsennotierten Gewinner und Profiteure
115 MrdUSD sind für Brücken und Straßen vorgesehen, und genau das ist der Bereich der Baufirma Construction Partners (ISIN: US21044C1071). Aber auch Sterling Construction (US8592411016) und Granite Construction (US3873281071) fallen in diese Kategorie, wobei letztere auch über viel Kompetenz in der Wasser-/Abwasser-Infrastruktur verfügt und Asphaltbeton anbietet. Im Anlagenbau noch eine Größe ist die Fluor Corporation (US3434121022). Diese Firmen sind jedoch bei Projekten von Subunternehmen und Lieferanten von Komponenten und Baumaterialien abhängig und genau diese werden derzeit sehr schnell teurer.

Neben Klassikern wie LafargeHolcim (CH0012214059) oder HeidelbergCement (DE0006047004), die auch in den USA tätig sind, gehören hier vor allem Schottergrubenbetreiber und Anbieter von Beton zu den großen Gewinnern. Vulcan Materials (US9291601097) ist stark auf Asphalt-Mix und Ready-Mix-Beton fokussiert und weist tendenziell eine sehr starke Wachstumsdynamik auf. Beton bieten auch U.S. Concrete (US90333L2016) und Eagle Materials (US26969P1084) an, die beide aussichtsreich erscheinen.

Im Bahnbaubereich sollte neben der heimischen voestalpine auch ein Blick auf die italienische Salcef Group (IT0005388266) geworfen werden.

Die Klassiker
Die sichersten Gewinner sind jedoch klassische Bergbauunternehmen, die die Rohstoffe aus dem Boden holen und von der aktuell starken Nachfrage und steigenden Preisen profitieren. Kupfer, Nickel, Palladium, Platin, Silber und Eisenerz sind im Aufwind. Gewinner sind Bergbauunternehmen wie Rio Tinto (GB0007188757), BHP Billiton (AU000000BHP4), Vale (US91912E1055) und Anglo American (GB00B1XZS820). Aber auch auf Stahlkocher wie US-Steel (US9129091081) und ArcelorMittal (LU1598757687) sollte ein Blick geworfen werden.

In Bezug auf Erneuerung von Stromnetzen interessant erscheinen General Electric (US3696041033) und Siemens (DE0007236101). Gleichzeitig ist in der Halbleiterindustrie eine größere Kapazitätsausweitung erforderlich. Mikrochips sind knapp und als Hersteller von Anlagen zur Chipproduktion erscheint Applied Materials (US0382221051) als klarer Gewinner. Bezüglich E-Autos ist eine gewisse Vorsicht auf der Ebene der Autohersteller noch angebracht. Hingegen auf der Rohstoff-Seite am Ende der Wertschöpfungskette gewinnen auf jeden Fall diverse Bergbaufirmen.

Im Wasserstoffbereich sollte indessen ein Blick auf Aktien von Unternehmen geworfen werden, die Wasserstoff herstellen und speichern, wie z. B. Nel Asa (NO0010081235) oder Linde (IE00BZ12WP82), denn hier entsteht die Basis der zukünftigen „Wasserstoffwirtschaft“.

Foto: AdobeStock / Buhanovskiy

 

 

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Sparbücher sind legitim, aber mit Wertpapieren verdient man Geld

Ein Kommentar von Hermann Wonnebauer von der Zürcher Kantonalbank Österreich AG.

(27.04.). Die Blütezeit der Spareinlagen ist durch das Niedrigzinsumfeld passé, möchte man meinen. Doch in Österreich erfreuen sich Sparbücher und Co. noch immer großer Beliebtheit: So verfügen die Österreicher und Österreicherinnen über Spareinlagen im Ausmaß von 282 Milliarden Euro, obwohl es de facto keine Zinsen mehr zu holen gibt, während auf Aktien und Anleihen basierende Strategien mit kalkulierbarem Risiko eine Rendite generieren und den Vermögensaufbau vorantreiben können. Hermann Wonnebauer, Vorstandsvorsitzender der auf Vermögensverwaltung spezialisierten Zürcher Kantonalbank Österreich AG, identifiziert die Vor- und Nachteile beider Welten.

Seit 2011 sind die Spareinlagen in Österreich laut Oesterreichischer Nationalbank (OeNB) von rund 211 Milliarden auf 282 Milliarden Euro im Februar 2021 angewachsen. Im vergangenen Jahr hat sich die Sparquote praktisch verdoppelt: auf 13,7 Prozent laut OeNB bzw. 15,7 Prozent laut Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO). Die Covid-Pandemie hat das Sparverhalten zwar erheblich verstärkt, der Trend zu den Spareinlagen hat aber schon lange vorher eingesetzt. Obwohl es – anders als noch vor wenigen Jahren – keine Zinsen mehr zu holen gibt, setzt die österreichische Bevölkerung zu großen Teilen noch immer auf ein und dasselbe Pferd.

„Es ist schon erstaunlich, dass sich beispielsweise das Sparbuch über 200 Jahre nach der Erstausgabe in Österreich hierzulande noch immer großer Beliebtheit erfreut. Zumal sich Spareinlagen in den letzten Jahren immer mehr der Zinslosigkeit angenähert haben und damit renditebringenden Anlagestrategien, etwa in Form von Aktien und Anleihen, gegenüberstehen. Seine Erfolgsgeschichte kann dem Sparbuch niemand mehr nehmen. Es stellt sich jedoch die Frage, ob Spareinlagen heute noch immer die richtige Anlageform sind“, sagt Hermann Wonnebauer.

Sparbücher sichern den Geldbetrag, aber nicht den Geldwert
Das Schreckgespenst der Negativzinsen spukt durch viele EU-Länder. Doch Österreich bleibt eine Insel der Seligen für private Sparer: Banken dürfen ihnen nach einem OGH-Urteil im Jahr 2009 im Gegensatz zu Firmenkunden keine Null- oder Negativzinsen verrechnen. Damit ist der Geldbetrag auf dem Sparbuch gesichert, zusätzlich auch durch die gesetzliche Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro pro Bank. „Sicherheit ist für Sparer ein wichtiger Beweggrund. Für all jene, die ohne Geldvermehrung leben können und ihre Risikotragfähigkeit eher gering einschätzen, sind Spareinlagen noch immer die richtige Lösung. Das ist in jedem Fall besser, als das Geld unter dem Kopfpolster aufzubewahren. Allerdings muss man sich bewusst machen, dass der Wert des Vermögens trotz positiver Zinsen sinken kann, wenn die Nominalzinsen niedriger sind als die Inflation“, so Wonnebauer. Zudem verrechnen manche Banken ihren Kunden, die neben einem Sparbuch über ein Girokonto – für dieses gilt das OGH-Urteil nicht – verfügen, Negativzinsen beispielsweise über die Kontoführungs- oder Transaktionsgebühr weiter. Der Hintergrund ist, dass Banken einen Strafzins in der Höhe von 0,5 Prozent zahlen müssen, wenn sie überschüssige Gelder bei der EZB „parken“.

Ein Sparbuch ist keine strategische Vermögensverwaltung
„Das Geld auf Sparbüchern zu belassen, ist durchaus legitim, allerdings kann man das Geld auf diese Weise nicht ‚arbeiten‘ lassen. Gerade bei größeren Beträgen macht eine professionelle Vermögensverwaltungsstrategie Sinn. Hier ist es mit ein wenig Disziplin und gutem Risikomanagement gut möglich, langfristig ein komfortables Vermögen aufzubauen“, erklärt Wonnebauer. Vermögensverwaltung beinhaltet „die laufende Überwachung, Anlage und Verwaltung des Vermögens des Kunden“, heißt es im Gabler Wirtschaftslexikon. Um das Geld zu sichern und ohne übermäßiges Risiko peu à peu zu vermehren, ist es wichtig, eine Rendite zu erhalten. Daher legen Vermögensverwalter das Kundenvermögen nicht auf Sparbücher, sondern investieren es in Aktien oder Anleihen.

Mit Wertpapieren kann man spekulieren, muss man aber nicht
Wertpapierinvestments sind wie alle Anlagen mit einem Grundrisiko behaftet. Wichtig ist ein sorgsamer Umgang damit. Durch einen Anlagemix mit Aktien und Anleihen und eine gute internationale Diversifikation wird das Risiko auf die Risikotragfähigkeit des Anlegers – ausgehend vom Einkommen und der Lebenssituation – eingestellt. „Bei der Geldanlage ist es ähnlich wie mit dem Feuer. Dieses gibt Menschen Licht und Wärme, allerdings kann man sich auch gehörig die Finger verbrennen. Wie das Feuer muss auch das Geld richtig und bedacht eingesetzt werden. Die Anlage ohne jegliches Risiko ist jedoch eine Utopie: Wer nicht investiert ist, geht das Risiko ein, durch Inflation ärmer zu werden. Zudem könnte der spätere Einstieg in den Wertpapiermarkt durch gestiegene Vermögenspreise in Zukunft ungünstiger werden“, unterstreicht Wonnebauer.

Wertpapierinvestments sind nicht kompliziert
„Eine gewisse Hemmschwelle ist gerade bei Wertpapier-Neulingen verständlich und auch natürlich. Man kann jedoch auch mit einer sehr vorsichtigen Strategie in den Wertpapiermarkt einsteigen und später bei Bedarf den Aktienanteil erhöhen“, so Wonnebauer. „Es ist heute so leicht wie nie, am Kapitalmarkt zu partizipieren. Neue Online-Dienste bringen Menschen die Welt der Wertpapiere näher, was prinzipiell eine gute Sache ist. Der leichte Zugang verleitet jedoch mitunter zu leichtfertigen Aktionen. Wie beim Autofahren ohne Fahrausbildung kann ohne Vorwissen einiges schiefgehen. Wer investiert, ohne sich vorher zu informieren, kann sehr schnell sehr viel Geld verlieren“, warnt Wonnebauer. Da es als Privatanleger schwierig ist, die Entwicklungen an den Märkten im Auge zu behalten, empfiehlt es sich, sich von professionellen Vermögensverwaltern beraten zu lassen, die das Portfolio laufend überwachen und optimieren.

Foto: ZKB

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Wie kryptisch ist Krypto?

Bitcoin & Co polarisieren. Kaum andere Anlageprodukte rufen gleichzeitig so viele Fans und Skeptiker auf den Plan.

Helmut Berg. Für viele Menschen sind Anlageprodukte mit virtuellem Charakter und Fachbegriffe wie Blockchain, Mining und dergleichen ein Buch mit sieben Siegeln. Selbst Bill Gates, dem man nicht nachsagen kann, IT-advers zu sein, meinte jüngst, er würde in nichts investieren, was nichts Sichtbares her- oder darstellt. Vielleicht ist es hilfreich, analytisch festzuhalten, dass z.B. Bitcoin keine „Währung“ ist, auch wenn bildliche Darstellungen mit goldenen Münzen dies insinuieren. Eine Währung muss drei markante Eigenschaften erfüllen: sie muss Wertspeicher, Recheneinheit und anerkanntes Tauschmittel sein. Letzteres trifft auf Bitcoin nur sehr bedingt zu. Die meisten Anleger halten Bitcoin deshalb als Wertspeicher. Es ist daher sachlich richtiger, von „Krypto-Assets“ zu sprechen und nicht von Währungen. Diese Sichtweise teilt auch Alexander Valtingojer, CEO der jungen Wiener Krypto-Investment-Plattform Coinpanion, im Börsen-Kurier-Interview. Er möchte den komplexen Krypto-Markt einer breiteren Allgemeinheit näherbringen.

Börsen-Kurier: Warum sehen Sie in Krypto-Assets eine Alternative zum Finanzmarkt?
Alexander Valtingojer: Wir sehen All-Time-Highs an den Aktienmärkten, trotz Corona und einer Wirtschaft, die teilweise im Krisen-Modus steuert. Das Bild passt für viele Menschen nicht zusammen. Da bietet sich Krypto als dezentrales Asset an. Bei Bitcoin punktet die limitierte Zahl der möglichen Coins (21 Mio Stück, Anm. der Redaktion). Bitcoins haben daher die Eigenschaft der Knappheit im Gegensatz zu Währungen, deren Menge ständig steigen kann.

Börsen-Kurier: Revolutionäres „Geld“-System oder große Spekulationsblase? Da scheiden sich die Geister. Es gibt kaum volatilere Anlageprodukte.
Valtingojer: Wir werden bei Krypto-Assets nicht immer steigende Kurse sehen. Sie werden auch wieder fallen. Langfristig jedoch bin ich überzeugt, dass sich diese Assetklasse für den Vermögensaufbau etablieren kann. Schon jetzt beziehen auch große Investmenthäuser Kryptos in ihr Anlageportfolio ein.

Börsen-Kurier: Kann eine dermaßen volatile Assetklasse Schutz vor Inflation sein?
Valtingojer: Man darf diese Vorstellung nicht überstrapazieren. Bitcoin hat derzeit eine Marktkapitalisierung vergleichbar mit Facebook. Das zeigt schon mal, dass relativ „wenig“ Geld in Bitcoin steckt. Eine einzige große Firma am Kapitalmarkt hat das gleiche Volumen. Deshalb springt der Kurs bei Bitcoin schnell, wenn ein Großanleger viele Millionen investiert oder abzieht. Bitcoin ist noch kein so großer Player, dass es auf dem Kapitalmarkt großen Einfluss bewirken könnte.

Börsen-Kurier: Manche vergleichen Krypto-Assets mit Gold. Wie sehen Sie das?
Valtingojer: Eine Parallele ist die Knappheit. Auch Gold ist knapp, aber nur theoretisch. Es wird täglich abgebaut, ist aber endlich vorhanden. Die Menge an Bitcoins ist von vornherein technisch limitiert. Das hat mehr Transparenz. Bei Gold weiß ich nicht: Wieviel wird noch dazu kommen?

Börsen-Kurier: Wer garantiert die Limitierung der Bitcoins?
Valtingojer: Das ist co-technisch gegeben und transparent, da dezentral überwacht. Der Code, der im Hintergrund läuft, ist offengelegt. Alle Akteure weltweit können jeden Transaktionsschritt nachverfolgen. Zeile für Zeile.

Börsen-Kurier: Das führt zum Thema der sogenannten „Blockchain“. Für viele Menschen nicht verständlich. Gibt es eine leicht verständliche Erklärung?
Valtingojer: Der Vorteil der Blockchain ist: Ich habe nicht nur eine Datenbank wie im klassischen System, in der alle Informationen gespeichert sind, ich habe Zig-Tausende, ja Millionen Datenbanken, die alle miteinander verbunden sind und sich gegenseitig updaten. Das heißt, wenn jemand 10 Euro investiert, registriert diese Transaktion nicht nur eine Datenbank, sondern alle. Deshalb kann kein einzelner Akteur etwas verfälschen. Niemand hat Zugriff auf alle Datenbanken. Diese Dezentralität schafft Sicherheit. Ich müsste weltweit mindestens 51 % der Millionen Datenbanken gleichzeitig kontrollieren, um einen einzigen Bitcoin-Eintrag zu ändern.

Börsen-Kurier: Also gegenseitige Überwachung zur eigenen Sicherheit. Das heißt, je größer das Blockchain-Netzwerk wird, umso sicherer ist es?
Valtingojer: Natürlich. Das ist ein Nebeneffekt dieser Dezentralität.

Börsen-Kurier: Dieser enorme technische Aufwand verschlingt Unmengen an Energie. Läuft hier die Technik nicht gegen das wachsende Umweltbewusstsein? Bitcoin-Mining benötigt angeblich so viel Strom wie das Land Argentinien.
Valtingojer: Das ist eine schwierige Frage. Da hat die Krypto-Community einiges aufzuholen, denn in der Tat benötigt der sogenannte „Proof of Work“, das sind physische Computer mit einer enormen Rechenleistung, sehr viel Energie. Es wird derzeit an Alternativen geforscht. Man möchte die dezentralen Rechenvorgänge mit anderen Mechanismen garantieren. Beim Krypto-Asset Ethereum ist man gerade dabei, einen umweltfreundlicheren Switch der Bestätigungsvorgänge mit einem neuen, energiesparenden Medium einzuleiten. Der Energieverbrauch ist ein Problem. Doch man muss sich auch die Frage stellen: Wieviel Energie braucht das herkömmliche Finanzsystem? Da gibt es wenig Transparenz.

Börsen-Kurier: Bei einer Währung garantiert eine Landesbank oder eine Zentralbank für den Wert. Wer garantiert den Krypto-Wert?
Valtingojer: Weil es eben keine Währung ist, sondern ein Asset, gibt es diese Garantie nicht. Man investiert in eine Blockchain-Technologie.

Börsen-Kurier: Wie entgegnen Sie Verfechtern der Old Economy, die Krypto-Assets mit DKT-Spielgeld vergleichen?
Valtingojer: Ich glaube, es ist für viele noch schwer zu verstehen, dass es eine Asset-Klasse gibt, in der man in Technologie, in Infrastrukturen investiert. Viele Investment-Broker und auch Banken beginnen – auch von der Kundennachfrage getrieben -, sich damit zu beschäftigen. Es ist einerseits eine Sache des Mindsets, andererseits sieht man, dass ein Großteil der Investoren jüngere Menschen sind. Sogenannte „Young Professionals“, die in einer digitalen Welt aufgewachsen und es gewohnt sind, dass auch Dinge existieren, die man nicht anfassen kann. Das heißt, Reales kann auch virtuell existieren. Natürlich kann man Bitcoin nicht anfassen, doch ist das in einer digitalen Welt überhaupt noch nötig?

Börsen-Kurier: Das führt uns beinahe zur ontologisch-philosophischen Frage der möglichen Existenzform eines Seienden.
Valtingojer: Einen Geldschein kann man zwar anfassen, er ist im Grunde aber auch nur ein Versprechen auf einen bestimmten Wert.

Börsen-Kurier: Ein Graubereich scheint die Versteuerung aus realisierten Krypto-Asset Gewinnen zu sein.
Valtingojer: Fast jedes EU-Land erlässt andere Regeln zur Versteuerung von Kryptos. Hier gibt es keine Einheitlichkeit. In Italien sind es null Prozent, in Österreich und Deutschland fallen diese Gewinne in die Einkommenssteuer. In Großbritannien wird es der Kapitalertragssteuer hinzugerechnet. Bis 2020 wurden Gewinne aus Kryptowährungen gesetzlich nicht erfasst. Aktuell will man die EU-Regeln für Krypto-Assets in die MIFID-Bestimmungen einbauen. Ich denke, langfristig wird es auch bei uns unter die Kapitalertragssteuer fallen.

Börsen-Kurier: Es wurde der Vorwurf erhoben, bei Krypto-Investments sei auch Schwarzgeld im Spiel, oder es werde Geldwäsche betrieben, weil es ein schwer zu kontrollierender Finanzmarkt sei.
Valtingojer: Ich weiß. Doch in Wirklichkeit ist das ein Widerspruch. Denn eigentlich wäre die Kontrolle für die Steuerbehörde extrem leicht. Nirgendwo sonst sind finanzielle Transaktionen dermaßen präzise Schritt für Schritt festgehalten, wie in den Blockchain-Datenbanken. Jeder Schritt ist dort bis ins kleinste Detail noch in zig Jahren nachvollziehbar. Das ist also ein denkbar schlechter Ort für Geldwäsche. Die Behörden bräuchten nur technisch aufzurüsten.

Foto: AdobeStock / rcfotostock

 

 

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Rohstoff-Fonds als Profiteure der Corona-Krise?

Krisenbedingte Konjunkturprogramme sollten den Rohstoffbedarf ansteigen lassen.

Patrick Baldia. Rohstoffe sind in den letzten Jahren anderen Assetklassen, wie etwa Immobilien und vor allem Aktien, bekanntlich deutlich hinterhergehinkt. Doch nun stehen die Vorzeichen für eine Trendwende alles andere als schlecht. Denn für nicht wenige Experten gehört der Rohstoffsektor zu den Profiteuren der Corona-Krise. Der Hintergrund: Die pandemiebedingten Konjunktur- und Infrastrukturprogramme sollten den Rohstoffbedarf ansteigen lassen. Ganz zu schweigen vom zunehmenden Trend zur Elektromobilität oder jenen hin zu grünen Wasserstofftechnologien.

„Die westlichen Regierungen und teilweise auch China haben erkannt, dass es jetzt an der Zeit ist, die Gelegenheit beim Schopf zu packen“, so Armin Sabeur, Vorstand und Portfoliomanager bei Optinova, gegenüber dem Börsen-Kurier. In den USA ziele Präsident Joe Biden insbesondere auf die Verkehrs- und Infrastruktur. Davon würden vor allem die Kupfer-, Stahl- und Holzpreise profitieren. In der EU und auch in China verfolge man hingegen einen ideologischeren Weg. „Es geht um den Umbau zu einer grünen Industrie- und Mobilitätsgesellschaft, wovon sicherlich alle Industriemetalle, aber auch die kleineren Edelmetallklassen wie Platin und Palladium profitieren werden“, erklärt Sabeur.

„Industriemetalle spielen im Zusammenhang mit dem forcierten globalen Umstieg auf erneuerbare Energie sowie dem Thema Elektromobilität eine große Rolle“, meint auch Thomas Kaiser, Manager des „Strategic Commodity Fund von IQAM Invest“ (ISIN: AT0000A0VPF3). Die besten Trend- und Potenzialbewertungen der Kategorie Metalle im Nachhaltigkeitsranking der Fonds-Manufaktur würde Zink, gefolgt von Silber, Kupfer und Aluminium erhalten. Nur ein Beispiel: Während in einem Auto mit Verbrennungsmotor 23 Kilogramm Kupfer verbaut sind, sind es in einem E-Auto 83 Kilogramm.

Wie Benjamin Louvet, Manager des „OFI Precious Metals“ (FR0011170786) erklärt, hat die weltweit steigende Nachfrage nach grünen Wasserstofftechnologien zuletzt den Preis von Platin beflügelt. „Denn Platin – und in geringerem Maße auch Palladium – wird bei den sogenannten ‚Elektrolyseuren‘ sowohl für die Produktion von grünem Wasserstoff als auch bei der Herstellung von grünen Wasserstoff-Brennstoffzellen verwendet“, sagt er. Allein von Jänner bis März hat der Preis von Platin um 10 % zugelegt, jener von Palladium um 6,30 %.

Gold- und Silberpreis haben zuletzt wiederum unter den vor allem in den USA gestiegenen Realzinsen gelitten. Allein im ersten Quartal 2021 ist der Goldpreis um fast 10 und der Silberpreis um 7,25 % zurückgegangen. Nichtsdestoweniger hält man das gelbe Edelmetall bei Optinova für einen hervorragenden Sachwert. „Deshalb würde ich mich nicht wundern, wenn der Goldpreis in den nächsten zwölf Monaten einen neuen Höchstwert erreichen könnte“, so Sabeur. Mit dem von ihm gemanagten „Optinova Metals und Materials Fonds“ (DE000A1J3K94), setzt er beispielsweise mit Aktien, Goldminen ETFs und ETCs auf das Edelmetall.

In der Vergangenheit wurden Anleger jedenfalls oft von der hohen Volatilität mancher Rohstoffsegmente bzw. Rohstoff-Fonds abgeschreckt. Ein gutes Zeichen in diesem Zusammenhang ist, dass aus aktuellen Studien eine positive Stimmung gegenüber Rohstoffen hervorgeht. Laut einer aktuellen Umfrage von NTree International Ltd. unter 150 europäischen institutionellen Anlegern und Vermögensverwaltern erwarten etwa mehr als zwei Drittel der Befragten, dass die Allokation in Rohstoffen heuer steigen wird.

Foto: AdobeStock / destina

 

 

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Aufschwung mit letzten Hindernissen

Die Industrie zeigt sich per Saldo als Konjunkturlokomotive und es herrscht positive Stimmung.

Michael Kordovsky. In einer Online-Pressekonferenz präsentierten Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV) und IV-Chefökonom Christian Helmenstein die Ergebnisse der jüngsten IV-Konjunkturumfrage. Die Quintessenz: Bei den vorherrschenden internationalen Rahmenbedingungen sollte vor allem die heimische Industrie einen kräftigen Aufschwung anführen, vorausgesetzt die Impfstrategie schreitet weiter voran bzw. es gelingt nachhaltig die Implementierung einer effektiven Test-, Tracing- und Impfstrategie. Doch genau die mit dieser Thematik zusammenhängenden Unsicherheiten trüben die Einschätzung auf Sicht von sechs Monaten, während ansonsten eine positive Grundstimmung vorherrscht. Das IV-Konjunkturbarometer, welches als Mittelwert aus den Beurteilungen der gegenwärtigen Geschäftslage und der Geschäftslage in sechs Monaten bestimmt wird, büßt rund 6 Punkte ein und sinkt vom 20. Dezember 2020 bis 21. März 2021 von 26,2 auf 19,4 Punkte. Während infolge von internationaler Konjunkturerholung und Impulsen aus der Investitionsprämie in Österreich sich in diesem Zeitraum bei den 411 befragten Industrieunternehmen die Einschätzung der aktuellen Lage von 26 auf 52 Punkte verbesserte, verschlechterte sich die Einschätzung von Geschäftslage und Ertragssituation in sechs Monaten. Das sind aber laut Einschätzung des Börsen-Kurier-Autors nur temporäre „Nebengeräusche“.

Guter Konjunkturrahmen für Exporte
Wesentlich ist die verbesserte Auftragslage: Nachdem der IWF im laufenden Jahr – getragen von den Konjunkturimpulsen aus China und den USA – mit 6 % das stärkste weltweite Wachstum der vergangenen 50 Jahre erwartet, sieht es vor allem bei den Exporten erfreulich aus: Der Indikator der Auslandsaufträge hat sich gegenüber der vorangegangenen IV-Konjunkturbefragung von 28 auf 46 Punkte verbessert. Gleichzeitig stieg der Indikator der Auftragsbestände von 29 auf 54 Punkte, was sich offensichtlich positiv auf die Einschätzung des Beschäftigtenstandes in drei Monaten auswirkt. Die Anzahl der Befragten, die noch von einem Personalabbau ausgehen, schrumpfte von 21 auf 6 %, während 33 % (zuvor 18 %) den Personalstand aufzustocken gedenken. Allerdings bleibt der Facharbeitermangel ein Dauerthema – und dies trotz hoher Arbeitslosigkeit auf der anderen Seite. Somit regt die IV die Idee einer Fachkräfteagentur an, die die mittel- und langfristige Fachkräfteentwicklung in Österreich steuert.

Inflationsschub
Knapp werden mittlerweile auch die Rohstoffe, was zu steigenden Inflationserwartungen führt. Laut Helmenstein haben die Preise wichtiger Industrie-Rohstoffe wie Kupfer oder Eisen bereits Hochkonjunkturniveau erreicht. Allerdings dürfte auch die Pricing-Power der Unternehmen stimmen, denn: Bei den erzielbaren Verkaufspreisen rechnet ein immer größerer Anteil der Befragten mit einem Aufwärtstrend (Saldo +25 nach +7). „Hier spiegelt sich einerseits die starke globale Nachfrage nach bestimmten Industrieprodukten, beispiels-weise Halbleitern, wider, anderer-seits sehen sich weite Teile der Wirtschaft mit der Notwendigkeit konfrontiert, die stark gestiegenen Rohstoffpreise an ihre Abnehmer auf den jeweiligen Verarbeitungsstufen weiterzugeben“, so die Schlussfolgerung der IV.

Industrie trägt Aufschwung
Die Einkaufsmanager-Indizes der vergangenen Monate zeigten es in Europa immer wieder. Einer robusten Industriekonjunktur steht ein schwächerer Dienstleistungssektor gegenüber. Letzteres ist schlichtweg Folge der Corona-Maßnahmen. Wie stark die heimische Industrie dasteht, bringt Helmenstein wie folgt auf den Punkt: „Zum ersten Mal in der Neuzeit trifft eine konjunkturelle Großkrise nicht primär die Industrie, sondern vor allem den Dienstleistungssektor.“ Während Österreichs Industrie im ersten Quartal 2021 das Prä-Covid-Produktionsniveau nachhaltig überschritten haben dürfte, wird die gesamte Volkswirtschaft aus heutiger Sicht mindestens fünf Quartale länger benötigen. Doch der Konjunkturverlauf innerhalb des Industriesektors ist nicht homogen und so steht beispiels-weise einer kräftigen Erholung der Fahrzugindustrie und der chemischen Industrie eine stärkere negative Corona-Exposure der Luftfahrtzulieferer und Brauereien gegenüber. Doch mit zunehmender Normalisierung der Lage sollte der aktuelle Aufschwung auch diese Bereiche und den Dienstleistungssektor erfassen.

Foto: Pixabay / jannonivergall

 

 

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Welches Edelmetall profitiert vom aktuellen Marktumfeld – Gold, Silber, Platin oder Palladium? Gold, Silber, Platin oder Palladium?

Ein Kommentar von Benjamin Louvet, Fondsmanager bei OFI Asset Management aus Frankreich.

(20.04.) Gold, Silber, Platin und Palladium unterscheiden sich strukturell – aktuell ist das besonders eindrücklich zu beobachten. Das sagt Benjamin Louvet, Fondsmanager OFI Asset Management. Die steigenden Realzinsen vor allem in den USA sind vor allem eine Gefahr für den Gold- und Silberpreis. Ganz anders sieht es bei Platin und Palladium aus, deren Preisentwicklung weniger von den Realzinsen und mehr von Angebot und Nachfrage bestimmt sind: Vor allem Platin könnte von der Energiewende hin zu grünen Wasserstofftechnologien profitieren:

„Der Preis für Gold ging im Januar und Februar stark zurück; im März stabilisierte er sich wieder. Denn immer mehr Investoren bezweifelten, dass die Zinsen angesichts der hohen Verschuldung der Industrieländer wieder steigen könnten.

Silber ging in geringerem Maße als Gold zurück, was nicht so häufig vorkommt. Der Grund: Als die Wachstumserwartungen im ersten Quartal nach oben korrigiert wurden, war die Nachfrage nach Industriemetallen sehr hoch und trieb entsprechend die Preise nach oben. Silber gilt als Edelmetall, wird aber auch stark in der Industrie verwendet.

Insgesamt sind die Preise für Gold und Silber im ersten Quartal 2021 um -9,82 % bzw. -7,25 % zurückgegangen. Beide Edelmetalle reagieren sehr empfindlich auf die realen Zinssätze. Die nominalen Zinssätze sind stark angestiegen. Die Inflationserwartungen sind allerdings nicht in gleichem Maße angepasst worden. Anders als von Anlegern derzeit in die Kurse eingepreist, könnte sich die Inflation als dauerhaft erweisen. Dafür sprechen meiner Meinung nach strukturelle Faktoren: Vor allem die Energiewende, aber auch die haushalts- und steuerpolitischen Maßnahmen während der Coronakrise.

Im Gegensatz zu Gold und Silber konnte Platin von Januar bis März um fast 10 % zulegen und Palladium um 6,30%. Auch hier trieben die Wachstumserwartungen die Kurse der beiden Metalle nach oben. Sie werden hauptsächlich von Automobilherstellern für die Produktion von Katalysatoren verwendet.

Hinzu kam ein zyklischer Faktor: Norilsk Nickel, einer der größten Produzenten von Platin und Palladium, musste eine seiner größten Minen teilweise schließen. Er musste seine Produktionsprognose für dieses Jahr senken, so dass das Angebot auf dem Platin- und auch auf dem Palladiummarkt im Jahr 2021 ein Defizit aufweisen könnten.

Ein weiterer struktureller Grund: Die weltweit steigende Nachfrage nach grünen Wasserstofftechnologien hat den Preis von Platin beflügelt. Denn Platin (und in geringerem Maße auch Palladium) wird bei den sogenannten Elektrolyseuren für die Produktion von grünem Wasserstoff als auch bei der Herstellung von grünen Wasserstoff-Brennstoffzellen verwendet.“

Foto: OFI AM

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UK hängt den Kontinent ab

Rasche Impfungen könnten Wachstum ankurbeln und zu höheren Zinsen führen.

Raja Korinek. Während in der EU die Impfwelle zögerlich voranschreitet, hat sie in Großbritannien kräftig an Fahrt gewonnen. Und zwar derart, dass vor kurzem erste Lockerungsschritte gesetzt wurden. Damit dürfte die Wirtschaft rasch an Fahrt gewinnen. Davon ist Sandra Holdsworth, Head of Global Rates UK bei Aegon Asset Management, überzeugt.

Sie sagt, „die daraus resultierende Aufbruchsstimmung überträgt sich nun auf die Wirtschaft. Die jüngsten Einkaufsmanagerindizes zeigen, dass die Erwartungen für das verarbeitende Gewerbe auf einem Zwölfmonatshoch liegen und die Erwartungen für den Dienstleistungssektor sich nur knapp unter einem Zwölfmonatshoch befinden.“

So lag im März allein der Einkaufsmanagerindex für letzteren Bereich bei 56,3 Punkten, nach 49,5 Punkten im Feber. Damit wurde die Marke von 50 – ein Punktestand darüber deutet auf Wachstum hin – erstmals seit Oktober 2020 wieder überschritten. Mit einer Wiederbelebung der Konjunktur sollte auch die Inflation wieder anziehen. Der Entwicklung dürfte die Bank of England dabei nicht allzu lange zusehen, im Gegensatz etwa zur US-Notenbank, konstatiert Holdsworth. Und das aus gutem Grund, wie die Expertin ausführt.

Aufgrund des strengen Mandats muss die Bank of England nämlich rasch auf eine Inflationsrate von mehr als 2 % reagieren. Die britischen Währungshüter könnten deshalb den Leitzins als erste Notenbank in den westlichen Industriestaaten anheben, konstatiert Holdsworth und meint, in der Sitzung von kommendem Mai könnten die britischen Währungshüter immerhin erste Details über solch ein mögliches Vorhaben andeuten. „In Anbetracht der wirtschaftlichen Expansion in Großbritannien und des Mandats der Bank of England wäre es nicht ausgeschlossen, dass sie die erste Zentralbank sein wird, die von ihrem tiefen Notfall-Zinsniveau abrückt.“

Noch ist die aktuelle Rate – sie stieg im Feber um 0,7 % auf Jahresbasis – freilich ein gutes Stück von der Zielmarke entfernt. (Zahlen für März wurden am 21. April, somit nach Redaktionsschluss, veröffentlicht.) Doch das kann sich in einem Wirtschaftsaufschwung ändern. Immerhin rechnet man heuer beim US-Beratungshaus Deloitte mit einem BIP-Wachstum von 5,4 % nach einem Minus von 9,9 % im vergangenen Jahr.

Der Aufschwung dürfte sich auch im Wechselkurs widerspiegeln. Die Aussicht auf höhere Zinsen gegenüber der Eurozone und den USA könnte internationales Kapital anziehen und dem Pfund einen Schub verpassen. „Wir meinen, dass das Pfund gegenüber dem Euro bis weit in das zweite Quartal 2021 hinein weiter an Wert gewinnen wird“, so Tomasz Wieladek, Ökonom bei T. Rowe Price.

Weitere Pfund-Aufwertung
Interessant ist in diesem Zusammenhang der Blick auf die bisherige Entwicklung: Nach Ausbruch der Pandemie stieg der Euro auf 0,94 Pfund. Lediglich nach Ausbruch der Finanzkrise von 2008 war das Pfund noch tiefer gegenüber dem Euro gesunken. Seither hat sich der Kurs gegenüber dem Euro erholt. Doch es gibt auch Risiken. Bei der Deka Bank verweist man auf die schottischen Parlamentswahlen im Mai.

Je höher die Scottish National Party gewinnen werde, desto mehr dürfte der Druck auf Boris Johnson wachsen, einem Unabhängigkeits-Referendum der EU-freundlichen Schotten zuzustimmen. Sollte das Pfund dann allzu sehr unter Druck geraten, dürfte die Bank of England aber einer übermäßigen Abwertung entgegenwirken.

Foto: Pixabay / David Peterson

 

 

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Rückkehr des Tourismus

Aktienkurse preisen einen Boom ein. Wie plausibel erscheint das?

Michael Kordovsky. Weltweit haben die Regierungen die Wirtschaft heruntergefahren. Es gab weniger Angebot und zwangs-weise wurde über Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit auch die Nachfrage eingeschränkt, ehe Helikoptergelder und staatliche Hilfszahlungen ankamen.

Die Sparquoten sind in den entwickelten Ländern gestiegen, vor allem in der Eurozone. Das Bruttosparen dividiert durch das verfügbare Bruttoeinkommen, so die Definition der Sparquote bei Eurostat, stieg von 12,6 % im vierten Quartal 2019 bis zum vierten Quartal 2020 auf 19,8 %.

Kein Wunder – denn sogar der Konsum wurde drastisch heruntergefahren: Das Absatzvolumen des Einzelhandels fiel im Jänner gegenüber dem Vorjahresmonat um 6,4 % und im Nicht-Nahrungsmittel-Bereich ohne Motorenkraftstoffe liegt das Minus bei 13,6 %. Auf diese Weise lässt sich gut sparen.

Immer mehr Einwohner zählen die Tage bis zum Ende der Lockdowns. Der nächste Aufschwung kommt und Geldreserven sind genügend vorhanden. Es gibt viel nachzuholen. Das zeigt auch ein kleiner Blick nach England: Seit Montag haben dort die Pubs und Gaststätten wieder offen und am ersten Öffnungstag war laut Branchenanalyst CGA der Verkauf von Bier, Wein und Sekt in den Pubs um 113 % höher als am selben Tag 2019.

Erholung der Luftfahrt
Total ausgeblutet wurden Fluglinien und Hotellerie. Laut International Air Transport Association (IATA) war 2020 das schlechteste Jahr in der Geschichte der Luftfahrt. Die globale Passagier-Nachfrage lag 75,6 % unter dem Vorjahresniveau. Die Kapazität (erhältliche Sitzkilometer) ging 68,1 % zurück. Im Dezember 2020 lag der gesamte Flugverkehr um 69,7 % unter dem Level des Vorjahresmonats. Die Buchungen für zukünftige Flüge lagen im Jänner 2021 70 % unter Vorjahresniveau. Das Basisszenario der IATA sieht heuer eine leichte Erholung auf einen Level von 50,6 % von 2019. Doch sollten die Impfkampagnen greifen und die Lockdowns enden, dann könnte es positive Überraschungen geben. Entsprechend die Börsenkursentwicklung wichtiger Fluglinien: Während die Lufthansa (ISIN: DE0008232125) noch das Tal der Tränen durchschreitet, stieg die Ryanair (IE00BYTBXV33) zwischenzeitlich wieder nahe alter Hochs und liegt per 16. April 76 % im Plus. EasyJet (GB00B7KR2P84) ist bereits 67 % im Plus und verfügt noch über weiteres Potenzial.

Hotelaktien im Aufwind
Ebenfalls stark erwischt hat es die Hotellerie, was eine Statistik des Fremdenverkehrslandes Österreich belegt: Im Kalenderjahr 2020 wurden 97,88 Mio Nächtigungen in österreichischen Beherbergungsbetrieben registriert, was einem Rückgang um 54,83 Mio bzw. 35,9 % entspricht (2019: 152,71 Mio Nächtigungen). Die Übernachtungen schrumpften auf den Level der frühen 70er-Jahre und die Zahl der Ankünfte ging im selben Zeitraum um 21,17 Mio bzw. 45,8 % auf 25,03 Mio zurück (ausländische Gäste: -52,7 % auf 15,09 Mio; inländische Gäste: -30,6 % auf 9,94 Mio). Im heurigen Jahr sind nicht nur in Österreich diverse Corona-Mutationen ein Damoklesschwert. Doch die Durchimpfung schreitet in den entwickelten Ländern voran. Der Nachholbedarf bei Reisen ist vorhanden und die Sparquote war zuletzt hoch. Entsprechend ist die Aktienkursentwicklung internationaler Hotelketten. Die Aktien der Hilton Worldwide Holding (US43300A2033) stiegen binnen eines Jahres um

82 % auf ein neues Rekordhoch, jene von Marriott International (US5719032022) stieg im gleichen Zeitraum um 84 % und befindet sich nahe des Rekordstandes. Ebenso setzte der Online-Reiseportalbetreiber Booking Holdings (US09857L1089) zu einer starken Rallye an.

Fazit: Schenkt man den Aktienkursen als vorauseilende Indikatoren Vertrauen, dann könnte der ärgste „Corona-Spuk“ bald vorbei sein und sich ab den Sommermonaten weltweit eine schrittweise Normalisierung der Situation im Fremdenverkehr einstellen.

Foto: Pixabay / Free-Photos

 

 

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Das Risiko zwischen Bildschirm und Rückenlehne

Vor Abschluss einer Cyberversicherung können Unternehmen auch selbst Vorsorgen treffen.

Manfred Kainz. Wohnung und Haus sichert man gegen Schäden. Ein Cyberangriff bezweckt letztlich einen Einbruchdiebstahl, nur nicht physisch, sondern übers Netz. Cyberversicherung ist also ähnlich einer Einbruchdiebstahlversicherung, eben auf virtueller Basis. So vergleicht es Harald W. Neuberger im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Laut dem allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen und Spezialisten für Cyber-, D&O-, Sachversicherungen und Großschadensmanagement seien Einbruchdiebstahlversicherung und Cyberversicherung in der Konzeption ziemlich gleich: die eine für die analoge Welt, die andere eben für die digitale. Und manche Berufsgruppen (wie in der Finanzdienstleistung) und Einrichtungen verwalten große sensible Datenmengen. Was sie zu attraktiven Angriffszielen und „dankbaren Opfern“ für Cyberangriffe macht, so der Geschäftsführer der Versicherungsberatungs-Gesellschaft m.b.H weiter.

Risiko managen
Wobei für jedermann gilt: Vor Abschluss einer Cyberversicherung müssen jedenfalls ein paar To-do‘s zur Sicherheit gemacht werden. Cyberversicherung ist nur der letzte Schritt im gesamten Riskmanagement von Unternehmen und in manchen Branchen weniger komplex als in anderen, die stärker gefährdet sind: vom Risiko des Diebstahles sensibler, personenbezogener Daten, vom Imageschaden, der einem daraus am Markt entsteht, und von Ansprüchen aus Schäden bei betroffenen Kunden. Jeder (Unternehmer) könne versicherungsmäßig eine individuelle Lösung für sich finden. Umso günstiger, wenn das „technische Gesamtpaket“ (Stichwort Auslagerung in Clouddienstleiter oder externe Rechenzentren) in seinem Unternehmen stimmt, so der Experte. Dazu gehört mindestens regelmäßiges Firewall-Update und regelmäßiger Wechsel der Passwörter. Und da ist man schon beim „Risikofaktor Mensch“, den man nicht unterschätzen darf, warnt Neuberger. Was für Chefs heißt: Die Mitarbeiter zum Thema Cybergefahren sensibilisieren und zu regelmäßigen Sicherungsroutinen verpflichten. Das könne schon sehr viel bringen. Denn es geht um Bewusstsein und Vorbeugung. Denn wenn man die Cyberversicherung im Falle des Falles braucht, „steckt der Karren schon im Dreck“ und kann sehr kostspielig werden.

Gesichter des Schadens
Weil der Cyberschaden unterschiedliche Gesichter hat. Da ist ein nicht zu unterschätzender Reputationsschaden, wenn man Kunden über ein Datenleck verständigen muss. Für jeden gehackten Datensatz, über den die Kundschaft (und die Datenschutzbehörde) informieren muss, könne man rund 100 Euro veranschlagen, kalkuliert der Sachverständige. Bei vielen Kunden kann da einiges zusammenkommen. Und es ist die Frage, ob einem die Kunden bleiben. Dazu kommt der Betriebsunterbrechungsschaden, wenn Abläufe lahmgelegt sind. Und eventuell Lösegelderpressung und eventuelle Strafzahlungen und Schadenersatzansprüche von Dritten. Wenn man das alles überstanden hat, wird es möglicherweise kostspieliger Werbemaßnahmen zur Behebung des Imageschadens, der schlimmer als Schadenersatzansprüche sein kann, bedürfen.

Vorinvestitionen
Will man all das möglichst vermeiden, kann und sollte man schon vorm Verhandeln einer Cyberversicherung zuallererst in die eigene Datensicherheit, Sicherungssysteme/-prozesse und in Mitarbeitersensibilisierung investieren. Cyberversicherer bieten Schulungen im Paket mit an. Auch die Möglichkeit (mit externen Cyberforensikern) Risiko- und Schadensszenarien durchzuspielen und digitale Schulungstools für Mitarbeiter werden angeboten. „Das größte Risiko lauert zwischen Bildschirm und Rückenlehne“, formulieren es nicht umsonst Kriminalisten. Denn wenn „das Problem Mensch auf den falschen Knopf drückt“, nützt das beste technische System nichts. Niemand ist vor infizierten Bewerbungsschreiben, Phishingfallen und Lieferantenbetrug sicher, aber man kann mit Wissen darüber und mit Sensibilisierung zumindest Vorsorge treffen. Freiwillige Fortbildung und regelmäßige (Mitarbeiter-)Schulung zu dem Thema empfiehlt sich auch deshalb, weil Cybercrime immer ausgefeilter wird. Oft sind Systeme schon wochenlang infiltriert und infiziert (und schon Schaden entstanden) bis es zu Erpressung kommt.

Foto: Pixabay / kalhh

 

 

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Der „New Deal“ des 21. Jahrhunderts

Wenn der US-Kongress zustimmt, winken Jahre wirtschaftlicher Prosperität.

Michael Kordovsky. Präsident Joe Biden verfolgt die Politik eines neuen „New Deals“, doch weniger im Sinne des gegenüber zu hohen Staatsausgaben kritischen Präsident Franklin D. Roosevelts im Jahr 1933, sondern in einer überzogenen Form im Sinne des Wirtschaftswissenschaftlers John Maynard Keynes. Dieser versuchte Roosevelt mehrmals von einem Konjunkturstimulus durch Deficit spending zu überzeugen, scheiterte aber vor allem am Finanzminister Henry Morgenthau.

Zwischen 1933 und 1941 erhöhten zwar Arbeitsbeschaffungsprogramme die Staatsausgaben, diese wurden jedoch auf der anderen Seite durch Ausgabenkürzungen, beispielsweise bei den Pensionen, kompensiert. Somit lag das Haushaltsdefizit des Bundeshaushalts von 1933 bis 1941 im Schnitt bei 3,4 % pro Jahr. Trotzdem konnte mit der „Emergency Relief Appropriation Bill“ 1935 das Budget für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen um 4 MrdUSD bzw. 6 % des BIP von 1934 aufgestockt werden.

Im Gegensatz zu den öffentlichen Ausschreibungen und Förderprogrammen von heute waren dies staatliche Projekte und die integrierten 3,5 Mio arbeitsfähigen Arbeitslosen wurden schlechter bezahlt als in der privaten Wirtschaft.

Trotzdem gab es Multiplikatoreffekte durch die Wertschöpfungskette von Projekten, zumal unter anderem 125.000 öffentliche Gebäude, mehr als eine Million Kilometer Autobahnen und Straßen, 77.000 Brücken, Bewässerungssysteme, Stadtparks, Schwimmbäder etc. gebaut wurden. Auch die Elektrifizierung schritt voran.

Somit war es nicht weiter verwunderlich, dass die US-Wirtschaftsleistung in den Jahren 1935 bis 1937 beispielsweise jeweils um 8,9 %, 12,9 % bzw. 5,1 % wuchs. Ab 1941 kam noch der Kriegswirtschaftsfaktor ins Spiel, der in den Jahren 1941 bis 1943 zweistellige Zuwächse bescherte.

Neue Dimensionen der staatlichen Intervention
Zurück ins Jahr 2021: Biden hat bereits ein 1,9-BioUSD-Corona-Rettungspaket mit knapper Mehrheit im Kongress durchgepeitscht und am 11. März unterzeichnet. Dieses sieht „Helikoptergelder“ von 1.600 USD für zahlreiche Amerikaner sowie Hilfen für von Corona betroffene Unternehmen vor – also ein schwerpunktmäßiges Sozialprogramm, dem nun ein 2,3-Bio-Dollar-Infrastrukturprogramm folgen sollte. Alleine das wären bereits 11 % des BIP (im Jahr 2020) folgend auf 9,1 % des BIP! Also rund ein Fünftel der Wirtschaftsleistung machen diese beiden Programme aus, die einerseits den Konsum, auf der anderen Seite die Investitionstätigkeit und die Produktion quer durch die Wertschöpfungsketten ankurbeln sollten. Wenn man bedenkt, dass man in den kritischen Jahren nach der Depression des Zeitraums 1929 bis 1933 mit rund 3 % Haushaltsdefizit das Auslangen fand, und das nach einem Einbruch der nominellen Wirtschaftsleistung von rund 46 %, so ist es heute vergleichs-weise so, als würde die US-Regierung mit Kanonen auf Spatzen schießen, denn: 2020 lag nach einer Reihe von Wachstumsjahren der Rückgang der realen US-Wirtschaftsleistung lediglich bei 3,5 %:

Das Haushaltsdefizit der USA stieg bereits von 2016 bis 2019 von 3,1 auf 4,6 %. Das waren aber gute Jahre, in denen die Wirtschaft im weiteren Verlauf auch von Steuersenkungen profitierte. Doch infolge der Covid-19-Krise liegt das Haushaltsdefizit 2020 bereits bei 17,9 % der Wirtschaftsleistung. Gleichzeitig kauft die Fed monatlich Anleihen im Gesamtwert von 120 MrdUSD, was kritische Betrachter als teilweise Monetarisierung der Staatsschuld betrachten.

Mit „Notwendigkeiten“ die Wirtschaft ankurbeln
Was Biden mit dem aktuellen Infrastrukturprogramm im Sinn hat, kann als eine Verknüpfung des Notwendigen mit dem Nützlichen, sprich einer überfälligen Sanierung von Brücken, Straßen, Gebäuden etc. und der Erholung des Arbeitsmarktes auf Vollbeschäftigungsniveau gesehen werden. Auch die Blackout-gefährdeten Stromnetze sollten erneuert werden. 650 MrdUSD sind für Transport, sprich Straßen, Schiene und Verkehr vorgesehen. Straßen und Autobahnen mit einer Länge von 20.000 Meilen sind Punkte des Programms, genauso wie die Sanierung der Top 10 der wirtschaftlich bedeutendsten Brücken sowie 10.000 weiterer. Die Bundesausgaben für den öffentlichen Nahverkehr sollen sich auf 85 MrdUSD verdoppeln, weitere 80 MrdUSD sollen in die Bahngesellschaft Amtrak investiert werden. Für Flughäfen stehen 25 MrdUSD zur Verfügung und 17 MrdUSD für Binnenwasserstraßen, Häfen und Fähren sowie Investitionen gegen Luftverschmutzung in Häfen.

174 MrdUSD fließen in den E-Automarkt, unter anderem in Form von Zuschüssen beim Autokauf und dem Bau eines Netzes von 500.000 Ladestationen bis 2030.

In den Wohninfrastrukturbereich sollen 650 MrdUSD investiert werden. Vor allem ist ein Breitbandzugang für die 35 % der Einwohner in ländlichen Regionen vorgesehen, die bisher keinen haben. Auch sollen der Bau und die Renovierung von 2 Mio Wohnungen und Krankenhäusern für Armeeveteranen gefördert werden. Sauberes Wasser, Erneuerung und Erweiterung der Stromnetze und der Ersatz sämtlicher Trinkwasserrohre aus Blei in rund 10 Mio Haushalten sind konkrete Punkte.

Ein weiterer Budgetposten sind 580 MrdUSD für Industrie, Weiterbildung und Forschung. 180 Mrd USD gehen in Forschung und Entwicklung mit Schwerpunkt auf sauberer Energie und noch unbestimmte Anreize für Firmen, die in Kohlerevieren neue Jobs schaffen und die US-Lieferkette ausbauen. Die einheimische Halbleiterfertigung, in der derzeit Engpässe vorherrschen, sollte noch 50 MrdUSD erhalten. Mit weiteren 15 MrdUSD will Biden neue (Umwelt-)Technologien unter anderem Wasserstoff und eine neue Generation der Atomkraft fördern.

Inflation vorprogrammiert
Vor allem die Nachfrage nach E-Autos, Batterien und diversen Batterierohstoffen, vor allem Lithium, wird steigen, genauso wie die Nachfrage nach Baumaterialien. Stahl, Zement und diverse Industrierohstoffe werden mehr denn je benötigt. Preissteigerungen sind vorprogrammiert, zumal die private Konsumnachfrage anspringen sollte. An der Börse ist schon einiges vorweggenommen worden und nun führt die Frage, ob dieses 2,3-BioUSD-Programm vom Kongress genehmigt wird, zu einer zwi-schenzeitlichen (Seitwärts-)Konsolidierung bei Aktien von Bau- und Anlagenbauunternehmen. Sollte es durchgehen, dann winkt ein mehrjähriger Wirtschaftsboom mit steigenden Rohstoffpreisen und höheren Inflationsraten als „Nebenwirkung“.

Foto: AdobeStock / Syda Productions

 

 

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Mit Digitalisierung die Welt retten?

Wie neue Geschäftsmodelle die Wirtschaft unterstützen.

Harald Kolerus. Das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW) hat sich in einer Online-Konferenz mit der Frage beschäftigt, wie digitale Innovationen für nachhaltige globale Entwicklung sorgen und noch dazu die Konjunktur pushen können. Der Tenor dieses auch international besetzten „SDG Business Forums“ war eindeutig positiv gegenüber der neuen Technologie eingestellt.

Chance für Investoren
So meinte Darja Isaksson von der Swedish Innovation Agency: „Wir alle befinden uns beim Umbau der Gesellschaft zu mehr Nachhaltigkeit unter Zeitdruck, betroffen sind u.a. die entscheidenden Bereiche Mobilität, Gesundheit und das Energiesystem. Die gute Nachricht lautet dabei: Wie haben zu einem Großteil heute schon die Technologie und das Knowhow zur Verfügung, um diese Transformation zu verwirklichen. Das eröffnet nicht zuletzt auch Chancen für Investoren, denn ESG wird immer mehr zum Mainstream, an dem keiner mehr vorbeikann.“

„Elektrifizierte“ Feuerwehr
Michael Friedmann, der Head of Group Strategy bei Rosenbauer, bestätigte als Vertreter der heimischen Industrie die zunehmende Bedeutung von ESG und Digitalisierung. „Diese Megatrends beeinflussen auch das Feuerwehrgeschäft. Dazu bündeln wir alle Ideen auf unserer Technologie-Plattform und haben hier mit Experten aus der Branche einen Zukunfts-Dialog gestartet.“ Auf Produktebene wurde z.B. bereits 2016 ein Hybrid-Feuerwehrauto vorgestellt, das für mindestens zwei Stunden auch vollständig mit Elektrizität angetrieben werden kann. Der Börsen-Kurier wollte wissen, was das gute Stück kostet. „Ein solcher Typ wurde für rund 1 MioEuro verkauft, vergleichbare normale Fahrzeuge kosten rund 400.000 bis 450.000 Euro. Man darf aber nicht vergessen, dass zwar höhere Entwicklungs- und Innovationskosten anfallen, der Betrieb dann aber günstiger wird. Der totale Kosteneffekt befindet sich somit also in Balance.“

Konjunktur: Hohes Potenzial
Der Börsen-Kurier interessierte sich weiter für harte Zahlen und wollte vom BMDW wissen, welcher Einfluss Digitalisierung auf die Wirtschaft haben könnte. Dazu hieß es: „Das Wachstumspotenzial durch Digitalisierung beträgt bis zu 1,9 % pro Jahr – allein der Einsatz von Künstlicher Intelligenz kann bis 2035 jährlich 1,6 % an zusätzlichem BIP-Wachstum ermöglichen.“ Noch ausführlicher meint man im Ministerium: „Die Ergebnisse von europäischen Studien zeigen, dass durch eine Erhöhung des Digitalisierungsgrades einer Volkswirtschaft Wachstumseffekte von 0,4 % pro Jahr (Minimum-Szenario) bis zu 1,9 % pro Jahr (Maximum-Szenario) erzielt werden können. Ein gewichteter Durchschnitt kommt auf einen Effekt von 0,9 % zusätzlichem BIP-Wachstum pro Jahr. Für Österreich würden diese Simulationen ein Potenzial von bis zu 3,6 MrdEuro an zusätzlicher BIP-Steigerung pro Jahr bedeuten.“

Öl für den Jobmotor
Außerdem interessant, vor allem in Zeiten von Corona: Schätzungen des Wifo ergaben, dass durch ein Mehr an Digitalisierung in Österreich ein zusätzliches Beschäftigungswachstum von bis zu 0,4 % pro Jahr realisierbar ist. Dies entspricht einem Potenzial von jährlich knapp 20.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen durch Digitalisierung.

Das BMDW abschließend: „Das Wifo hat weiters berechnet, dass der Multiplikator bzw. Hebel für Digitalisierungsinvestitionen in Österreich in etwa bei 2,2 liegt. Das bedeutet, dass jedem investierten Euro weitere 1,2 Euro im Wirtschaftssystem zuzurechnen sind. Bei einer Investition in Digitalisierung in Höhe von 1 MrdEuro würde dies bedeuten, dass weitere 1,2 MrdEuro an aktivierter Wirtschaftsleistung dieser Investition zuzurechnen sind. Der Vergleich mit verschiedenen Bereichen zeigt, dass Investitionen in Digitalisierung mitunter die höchsten langfristigen volkswirtschaftlichen Effekte auslösen.“

Foto: Rosenbauer

 

 

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Fliegender Kapitänswechsel bei der S Immo

Überbewertet: das Bewertungsergebnis; bewährt: der Multi-Asset-Ansatz.

Rudolf Preyer. Man wird ihn vermissen. Quasi als seine letzte Amtshandlung verabschiedete sich Ernst Vejdovszky, seit 2001 Vorstand der S Immo AG, in der virtuellen Bilanzpressekonferenz vom vergangenen Donnerstag in seiner gewohnt trockenen aber freundlichen Art von den Journalisten – um die Stafette gleich an seinen Nachfolger, Bruno Ettenauer, zu übergeben, der sodann über ein insgesamt recht positiv verlaufenes Geschäftsjahr berichtete.

Dazu später, zuvor zu der „scheinbar unendlichen Übernahmegeschichte“.

„Nicht negativ“
Es geht natürlich um das (zuletzt aufgebesserte) Übernahmebegehren seitens der Immofinanz AG, welchem der neue CEO Ettenauer zunächst „nicht negativ“ gegenüberstehe. Deren Forderung nach einer außerordentlichen Hauptversammlung wolle er aber nicht nachkommen, die ursprünglich für den 30. April geplant gewesene HV der S Immo habe man (auf einen noch unbestimmten Termin) verschoben, um den Aktionären „mehr Zeit zum Überdenken des Offerts“ einzuräumen.

Jedoch: Falls die Immofinanz mehr als 50 % der ausstehenden S-Immo-Aktien angedient bekommt, sei man grundsätzlich zu einer „unverzüglichen HV“ schon bereit. Ettenauer: „Wenn die Immofinanz erfolgreich ist, werden wir auch die Abschaffung des Höchststimmrechts unterstützen.“ Jedenfalls sei es den Aktionären gegenüber „unfair, würde man sie erst über das Höchststimmrecht abstimmen lassen, obwohl es danach womöglich gar nicht zu einem Erfolg des Übernahmeangebots“ komme.

„Ausgeglichenes Ergebnis“
Doch nun zum vergangenen Geschäftsjahr. Die Mieterlöse erhöhten sich um 3,3 % auf 123,3 MioEuro, das EBIT reduzierte sich allerdings von 271,4 auf 101 MioE, zumal das Bewertungsergebnis bei 39,1 MioEuro (nach 192,7 MioEuro) zu stehen kam. An der CA Immo AG halte man derzeit 6,4 %, an der Immofinanz 13,4 %. Was
die Aktionärsstruktur der S Immo selbst betrifft: Zuletzt belief sich der Streubesitz auf 57,52 %, die Immofinanz hielt 26,49 % und die Aggregate Holding (indirekt) 10,78 %.

Friedrich Wachernig erklärte zuerst, dass für die Assetklasse Büro „Rückgänge nur in geringem Ausmaße“ zu erwarten seien (Experten schätzen, dass nur jeder dritte Job „Homeoffice-fähig“ sei), bei Hotels im Portfolio – „unser absolut kleinstes Segment“ – sieht er „keinen Profit, aber auch keinen großen Verlust“, in Summe könne man erfreulicherweise auf ein „ausgeglichenes Ergebnis“ verweisen.

Der COO bestätigte, dass die Grundstücksbevorratung „großes Potenzial für die Zukunft“ bereithalte. Insbesondere verwies er hier auf das Landbanking im Berliner Speckgürtel mit rund 2,5 Mio m² Grundstücksfläche.

Was die Dividende betrifft: diese soll rund 70 % des FFO I ausmachen (rund 40 Cent/Aktie). Ettenauer resümierte: „Die S Immo hat im vergangenen Jahr und mit dem vorliegenden Ergebnis einmal mehr bewiesen, wie robust ihr Geschäftsmodell ist.“

Fotos: Christina Haeusler

 

 

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Wachstum: USA und China lassen Europa dramatisch zurück

Zu langsame Hilfen für Unternehmen, schleppender Fortgang bei Impfungen. Ein Kommentar von Mag. Alexander Eberan, Leiter Private Banking Wien Steiermärkische Sparkasse.

(02.04.) Europa hinkt infolge der Covid-Krise in seinem Wachstum den USA und China immer dramatischer hinterher. Die US-amerikanische und die chinesische Wirtschaft werden 2021 fast doppelt so stark wachsen wie die europäische, stellen die Experten der Steiermärkische Sparkasse Private Banking in ihrem jüngsten Marktkommentar fest. Die Hauptgründe dafür, dass Europa immer mehr ins Hintertreffen gerät, seien schleppende Corona-Wirtschaftshilfen und der zähe Fortschritt bei den Covid-Impfungen, so die Analyse. Einzig an den Börsen zeichne sich für Europa ein kleiner Hoffnungsschimmer ab: Industriewerte, die in Europa stärker als in den USA und China gewichtet sind, geben ein starkes Lebenszeichen von sich.

Zukunftsfähigkeit Europas in Gefahr
Die dritte Covid-Welle nimmt Kontinentaleuropa neuerlich den konjunkturellen Atem, obwohl die Notenbanken auf dem Gaspedal stehen und mittels lockerer Geldpolitik die Wirtschaft stützen. Das europäische BIP-Wachstum wird heuer im besten Fall rund 3,7% betragen, während die USA mit einem prognostizierten Plus von 6,5% überraschen und China ungeachtet der weltweiten wirtschaftlichen Verwerfungen weiterhin ein solides Wachstum von 6 % erwartet. Dieser Vergleich zwischen den großen Wirtschaftsmächten ist umso gravierender, als die Covid-Rezession in Europa 2020 einen wesentlich heftigeren BIP-Einbruch mit sich brachte als dies in China und den USA der Fall war, nämlich um rund 7%. Es rächen sich nun die Langsamkeit in fiskalpolitischen Maßnahmen, wie der Auszahlung von Corona-Hilfen an bedürftige Unternehmen und auch die späte Verfügbarkeit der Unterstützung aus dem „Next Generation EU-Fonds“. Diese Mittel dürften erst gegen Jahresmitte 2021 zu fließen beginnen. Auch in der Impfstatistik liegt Europa (ohne Großbritannien) deutlich hinter den USA. China kann sich aufgrund der strengen Kontrolle über das Infektionsgeschehen generell beim Impfen mehr Zeit lassen. Die Zukunftsfähigkeit von good old Europe steht auf dem Spiel: Mit seinem ökonomischen Neustart nach der Covid-Krise könnte der Kontinent gegenüber China bis zu fünf oder sechs Quartale sowie gegenüber den USA ein bis zwei Quartale zurückhängen. In der Finanzzeitrechnung sind das riesige Dimensionen.

US-Wirtschaft wächst überraschend stark
Besonders überrascht haben kürzlich die USA. Als die Volkswirte des Federal Reserve System ihre jüngsten Wachstumsschätzungen vorlegten, enthielt der Datensatz eine spektakuläre Prognose. Um 6,5 % soll, nach Berechnung der Ökonomen, das BIP in der größten Volkswirtschaft der Welt in diesem Jahr wachsen. Der so genannte US Rescue Act, also das 1,9 Billionen US-Dollar schwere Covid-Hilfsprogramm, das die Regierung von US-Präsident Joe Biden auf den Weg gebracht hat, zeigt Wirkung. Aufgrund von Basiseffekten wird die US-Wirtschaft mit dem starken Wachstum im heurigen Jahr die mehr als vierprozentige Schrumpfung des Vorjahres kompensieren. Sollte die Prognose so eintreffen, würde die US-Wirtschaft zum ersten Mal seit den 1970er Jahren stärker expandieren als die chinesische. In China wird das sechsprozentige Wachstum lediglich eine Normalisierung auf das Vor-Covid-Wirtschaftstempo bedeuten. Anders als in Europa und den USA ist in China im Jahr 2020 der Output nicht geschrumpft, sondern um rund 2% gewachsen. Chinas Kommunistische Partei begnügt sich mit deutlich bescheideneren unterstützenden Maßnahmen, wobei diese auf eine Verbesserung des strukturellen Wachstums und auf Unabhängigkeit gerichtet ist: Sowohl der Inlandskonsum als auch die Produktion vor Ort in China inklusive Forschung und Entwicklung sowie Umweltschutzmaßnahmen und Nachhaltigkeit werden gefördert.

Old Economy – Industrie- und Finanzaktien
Ein positiver Aspekt für Europas Wirtschaft tut sich währenddessen an den Börsen auf. Die in Europa stärker als anderswo gewichteten Industrie- und Investitionsgüterwerte zeigen Potenzial, denn sie sind im Vergleich zu anderen Sektoren wie Technologie immer noch relativ attraktiv bewertet. Industrie-Aktien nehmen viel von der konjunkturellen Erholung – vor allem der brummenden chinesischen und US-amerikanischen Wirtschaft – vorweg. Das alles basiert naturgemäß auf der Annahme, dass die Corona-Pandemie im Sommer überwunden ist. Zyklische Alternativen zu Industriewerten sind Aktien von Finanzunternehmen, die ebenfalls an Europas Börsen eine führende Rolle spielen. Sie profitieren nicht nur von einer steigenden Zinskurve, sondern auch vom beschleunigten globalen Wachstum, das geringere Kreditausfälle erwarten lässt. In Europa haben 69 % der Finanzwerte zuletzt von besser als erwarteten Gewinne berichtet und 65 % der Firmen haben auch höhere Erlöse erzielt. In den USA haben sogar 80 % der Financials im US-Aktienindex S&P 500 höhere Gewinne verlautbart als vorab geschätzt wurde – 75 % berichteten auch von höheren Erlösen. Die Aussichten für den Finanzsektor bleiben auch für das zweite Quartal positiv, sagen die Anlageexperten der Steiermärkischen Sparkasse.

Foto: Steiermärkische Sparkasse

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In den 3D-Druck investieren

Die lukrativen Dimensionen des 3D-Druckens

Raja Korinek. Es wirkt wie aus einem Science-Fiction-Film, ist aber längst Realität. Und wohl auch eine Geschmackssache. In-zwischen werden selbst Lachse mittels eines 3D-Druckers hergestellt. Freilich, die Druckmasse selbst ist pflanzlich. Doch zumindest Geschmack und Aussehen sollen „echte“ Lachse möglichst nachahmen.

Überhaupt setzen immer mehr Unternehmen mit ihren Geschäftsmodellen auf den 3D-Druck, oder dem „Additive Manufacturing“, wie der Vorgang im englischen Fachjargon genannt wird. Doch worum geht es? In einem ersten Schritt liegt das Stück, das gedruckt werden soll, im Computer als virtueller Datensatz vor. Gemäß diesem Bauplan wird dann das Objekt hergestellt, wobei die Materialien Schicht für Schicht aus dem Drucker aufgetragen werden. Die eingesetzten Materialien sind nebst pflanzlichen Input für Lebensmittel beispielsweise Metallpulver, Kunststoffe oder Kunstharze. Der Vorteil wird vor allem in einer geringeren Lagerhaltung für Unternehmen gesehen. Aber auch in dem Umstand, dass damit der globale Transport entlastet und somit die Umwelt geschont wird.

Großes Potential
Das Potential ist jedenfalls groß. Der US-amerikanische Consulter Allied Market Research rechnet bis 2025 mit einem weltweiten Marktumsatz von rund 45 MrdUSD. Zuletzt wurde die Marke von 10 MrdUSD überschritten, wobei der größte Anteil auf Nordamerika entfällt. Dabei dürfte ausgerechnet die Corona-Pandemie für einen weiteren Schub sorgen. Sie offenbart, wie anfällig internationale Lieferketten für Unterbrechungen sind. Industrielle 3D-Drucker können eine „regionale“ Lösung bieten.

Doch wofür wird die Technologie gebraucht? So können in der Gesundheitsbranche Prothesen, in der Automobilindustrie Ersatzteile hergestellt werden. Ein Beispiel ist der Rolls-Royce Ghost, der zahlreiche Teile aus dem 3D-Drucker enthält. Zu den weiteren Profiteuren zählt auch die Flugzeugindustrie. Denn Triebwerks- und Turbinenteile sowie Bauteile für die Kabineninnenausstattung sind weitere Anwendungen des Additive Manufacturing.

General Electric größter Anbieter
Damit bleibt die Frage, wie der Markt aussieht. Der weltweit größte Hersteller von 3D-Druckern mit Metallpulver ist General Electric Additive, Tochter des US-Mischkonzerns General Electric (ISIN: US3696041033). Die Aktie ist im Übrigen auch Teil des „Additive Manufacturing Basket“, auf den die Bank Vontobel ein Partizipationszertifikat begeben hat (DE000VQ5J6M4). Insgesamt umfasst der zugrundeliegende Aktienkorb 16 Titel, wobei der Großteil in den USA gelistet ist.

Bei der Selektion werden dabei drei Kategorien näher unter die Lupe genommen: Hersteller von Software, die entsprechend für die Erstellung von 3D-Modellen und Designs notwendig ist, Zulieferer der Materialien, die für die Fertigung gebraucht werden, sowie Hersteller der 3D-Drucker. Konkrete Beispiele gibt es nebst General Electric genügend: Toray Industries (JP3621000003) produziert ebenfalls Metall-3D-Drucker. Die notwendige Software stellt Autodesk (US0527691069) her. Proto Labs (US7437131094) bietet Kunst-stoffe, Metalle und Flüssigsilikone für den 3D-Druck an.

Gehebelte Chancen
Risikobereite Anleger können mit einem Turbo-Long-Zertifikat gehebelt auf Proto Labs setzen. Ein solches Produkt bietet die Société Générale an (DE000SB1HHF3).

Der aktuelle Hebel liegt bei rund 2,71. Wird aber die Marke von 85,96 USD berührt oder unterschritten, verfällt das Zertifikat.

Foto: Adobe Stock / jean song

 

 

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Weltweiter Aufschwung voraus?

Stimmungs- und Frühindikatoren weisen den konjunkturellen Weg.

Michael Kordovsky. In den USA plant die Regierung von Joe Biden ein Drei-Billionen-USD-Programm, das auch Infrastrukturausgaben vorsieht. Das wären Ausgaben von 14,3 % der Wirtschaftsleistung – eine Dimension, die in einem Markt mit eingeschränktem Angebot vor allem von der Rohstoffseite her inflationär wirkt. Aus diesem Grund ist auch die Zinskurve steiler geworden. In Europa hingegen gibt es Kurzarbeitsprogramme und Entschädigungszahlungen an Firmen, die von Corona-Maßnahmen betroffen sind. Allerdings ist die Wirtschaftsdynamik in Europa mit jener der USA und in China nicht zu vergleichen.

US-Frühindikatoren im Aufwind
Eine vorläufige Auswertung der Umfragen bei Führungskräften von US-Produktions- und Dienstleistungsunternehmen, die vom 12. bis 23. März durchgeführt wurden, gelangte zu folgendem Ergebnis: Der „IHS Markit Flash U.S. Composite PMI Output Index“ verzeichnete für März mit 59,1 Punkten (Feber: 59,5 Punkte) noch immer das zweitschnellste Wachstum in sechs Jahren. Wachstumsbremsen kommen nicht von der Nachfrageseite sondern von einem begrenzten Angebot und Lieferengpässen. Generell stiegen nämlich in der Privatwirtschaft die Auftragseingänge so stark wie seit sechseinhalb Jahren nicht mehr. Dienstleister verkündeten die stärkste Nachfrage seit drei Jahren und die Exportaufträge privater US-Firmen stiegen den dritten Monat in Folge. Die Auftragsbestände im verarbeitenden Gewerbe markierten den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Mai 2007 nachdem die Auftragseingänge die stärkste Dynamik seit Juni 2014 erreichten. Lieferverzögerungen und Knappheit an Rohstoffen und Vorprodukten führten dazu, dass die Input-Kosten im März die stärkste Preissteigerung seit zehn Jahren erreichten.

Eine starke Dynamik herrscht auch in China vor, wo die Weltbank für heuer ein BIP-Wachstum von 8,1 % prognostiziert und 5,4 % im Jahr 2022, verglichenen mit 2,3 % im Jahr 2020. In den beiden Monaten Jänner und Feber stieg die Industrieproduktion im Vorjahresvergleich um 35,1 %, was auf Basiseffekte (Anm. Im 1. Quartal 2020 gab es einen großen Shutdown in China) zurückzuführen ist.

Neue Impulse in Europa
Die vorläufige Datenauswertung von Stimmungsumfragen in der Industrie und im Dienstleistungssektor der Eurozone zeigten: Der „Flash Eurozone Composite Index Produktion“, ein Aktivitätsindikator der Privatwirtschaft, stieg von 48,8 Punkten im Feber wieder zurück in den Expansionsbereich (mehr als 50 Punkte) von 52,5 Punkte und markierte dabei ein Acht-Monatshoch. Der „Flash Eurozone Index Industrieproduktion“ kletterte im März sogar von 57,6 auf ein Rekordhoch von 63 Punkten (Spitzenwert seit Juni 1997). Angeführt wurde der Aufschwung der Industrie von der Rekordausweitung der Produktion in Deutschland sowie der höchsten Steigerungsrate in Frankreich und in den übrigen Ländern seit Jänner 2018. Der Dienstleistungssektor schrumpfte zuletzt weniger, befindet sich aber mit 48,8 Punkten (Feber 45,7 Punkte) im Kontraktionsbereich. Pandemie-Bekämpfungsmaßnahmen bzw. Lockdowns bremsen hier. Allerdings legte als wichtiger Frühindikator der Eurozone-Auftragseingang im März insgesamt wieder zu und wies das höchste Plus seit Juli vergangenen Jahres aus.

Fazit: Eine raschere Durchimpfung in der EU und gleichzeitige Normalisierung des Geschehens würden in Europa stärkere Wachstumsimpulse geben. Das Konjunkturprogramm der USA wird jedenfalls globale Wirkung entfalten, wovon vor allem der Infrastruktur-Aufbau-Bereich sowie Hersteller von Rohstoffen, Stahl und Baumaterialien profitieren sollten.

Foto: AdobeStock / Tom Wang

 

 

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Brennstoffzellen: Kältekur für Anleger

Nach massiven Gewinnen sind Aktien der Branche wieder am Boden der Realität.

Roman Steinbauer. Aktiengesellschaften im Umfeld der Brennstoffzellenforschung waren in jüngster Vergangenheit einer der bevorzugten Sektoren spekulativer Investoren. Perspektiven und das Potential der Dekarbonisierung des Luft-, See- und Straßenverkehrs durch emissionsfreie Mobilitätsantriebe nährten die Hoffnung auf eine technische Revolution innerhalb der nächsten Dekade. Entsprechend wurde die Risikobereitschaft in diesem Segment angeregt. Unmittelbar nach Jahresbeginn setzte abermals ein steiler Kursanstieg dieser Aktien ein; unmittelbar danach folgte allerdings eine breite Abverkaufswelle.

Ausgehebelte Bewertungskriterien
Papiere des favorisierten US-Konzerns Plug Power (ISIN: US72919P2020) legten einen Blitzstart um 110 % hin; ab Feber folgte dann eine Schubumkehr, die die Notiz auf das Ausgangsniveau zurück katapultierte. Meldungen zu Bilanzunregelmäßigkeiten beim New Yorker Brennstoffzellen-Vorreiter (die Bilanzerstellung der Jahre 2018, 2019, 2020 sei zu korrigieren, hieß es) erfassten den gesamten Sektor. Wie ein Weckruf realisierten offensiv orientierte Investoren das gewagte Risikoprofil derartiger im Trend liegender Titel.

Der Raum für Enttäuschungen ist groß, den Erwartungen ist kaum zu entsprechen. Der Konsens von 13 Analysten erwartet für Plug Power weiterhin rote Zahlen und erst für das Geschäftsjahr 2024 ein positives Ergebnis pro Aktie von 0,20 USD (0,17 Euro). Dies in der Annahme, die Umsatzerlöse steigen bis dahin um 130 % auf 1,67 MrdUSD (1,42 MrdEuro). Obwohl die Marktkapitalisierung der Gesellschaft mit 835 Mitarbeitern immer noch enorme 21 MrdUSD beträgt, sprach J.P. Morgan dennoch erneut eine Kaufempfehlung aus.

Gleich einer Sippenhaftung sieht die Chart-Charakteristik des Mitbewerbers Fuel-Cell Energy (US35952H6018) aus Connecticut aus. Trotz eines auf 0,15 USD (0,13 Euro) je Aktie verringerten Verlustes zum (am 31. Jänner beendeten) Jahresviertel fand sich vorerst kein erneuter Käuferüberhang.

Preis/Umsatz-Relationen bis über das Tausendfache
Eine ebenso kalte Dusche setzte es für die schwedische PowerCell (SE0006425815). Erklomm das Papier noch im Jänner eine Notiz von 44 Euro, endete der Energieschub abrupt. Die Notiz der Valoren der Göteborger befindet sich nun 40 % tiefer. PowerCell setzte im Vorjahr (im Lichte von Verbindlichkeiten von 10,7 Mio Euro und eines operativen Verlustes in selbiger Höhe) überschaubare 10,3 Mio Euro um. Wuchsen die Erlöse in 2020 zwar um 54 %, beträgt die Marktkapitalisierung immer noch 11,5 Mrd Euro (52 Mio Aktien ausstehend).

Mitgenommen wurden zudem Anleger der kanadischen Ballard Power (CA0585861085). Für das 1. Quartal wurde erneut ein Ergebnis von -0,05 Euro/Aktie verkündet.

Foto: Plug Power

 

 

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Aufwind für Agraraktien

Ein Kommentar von Jörg Dehning, Fondsmanager bei der DJE Kapital AG.

(22.03.) An weiter anziehende Mieten und Immobilienpreise in den Ballungszentren haben wir uns zweifelsohne gewöhnt. Steigende Nahrungsmittelpreise waren hingegen in der Öffentlichkeit jahrelang fast überhaupt kein Thema. Das scheint sich nun zu ändern. Zwar setzt die aktuell schwächere Nachfrage nach Gemüse und Fleisch seitens der Gastronomie die Preise in diesen Segmenten unverändert unter Druck – dies könnte sich jedoch im Zuge einer erfolgreichen Coronavirus-Eindämmung schnell ändern.

Importnachfrage aus China treibt Nahrungsmittelpreise
Der von der Welternährungsorganisation (FAO) veröffentlichte Preisindex der diversen Nahrungsmittelpreise tendiert schon in den letzten Monaten eindeutig nach oben. Besonders auffällig sind die stark gestiegenen Preise für Pflanzenöle und Getreide. Auch bei den Notierungen für Mais und Sojabohnen kam es seit Mitte 2020 zu einer regelrechten Preisexplosion.

Der Auslöser? Ein wesentlicher Grund ist sicherlich die hohe Importnachfrage Chinas. Dabei dürften nicht nur unterdurchschnittliche Ernten im Reich der Mitte eine Rolle gespielt haben. Vielmehr führt die Aufstockung des Schweinezuchtbestandes nach der Afrikanischen Schweinepest zu einem höheren Futterbedarf, der im Inland allein nicht mehr zu decken war. Insbesondere das Bestreben der chinesischen Regierung, die Schweinezucht verstärkt in die Hände professioneller Zuchtbetriebe zu übertragen, hat nicht zuletzt die Beimischung von Mais gefördert. Es ist daher davon auszugehen, dass die höhere Nachfragedynamik hier noch einige Zeit anhalten dürfte, auch wenn am Einsatz effizienter Saatgutsorten gearbeitet wird. Die weiteren Ursachen für die Preis-Rallye sind dagegen eher ein temporäres Phänomen. Zu nennen sind hier witterungsbedingte Ernteausfälle, allen voran in Südamerika und in der Schwarzmeerregion.

Getreide- und Ölsaatenmärkte: angespannte Versorgungslage
Andererseits wird das verbesserte Preisumfeld dazu führen, dass viele US-Landwirte ihre Anbauflächen in diesem Jahr deutlich ausweiten. Trotz dieser Flächenausweitung erwartete das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) Ende Februar auf seiner jährlichen Prognose-Konferenz auch für 2021/22 durchaus eine angespannte Angebotssituation an den Getreide- und Ölsaatenmärkten. Demnach sollen die US-Soja-Endbestände nahezu auf dem niedrigsten Stand seit 2013/14 verharren. Aber selbst diese Vorhersage der USDA bleibt nicht ohne Risiko. Vor allem die Annahme durchschnittlicher Trenderträge im Rahmen der Flächenausweitung erscheint durchaus gefährlich. Üblicherweise erfolgt die Flächenerweiterung in Regionen mit weniger guten Böden und ungünstigeren klimatischen Bedingungen. Weitere Enttäuschungen hinsichtlich der Ernteschätzungen sind im späteren Jahresverlauf daher fast vorprogrammiert. Darüber hinaus könnte die Nachfrage sowohl seitens der Futtermittelindustrie (unterstützt durch den jüngsten Kälteschock in den USA), aber auch durch die Ethanolproduzenten größer ausfallen als gedacht. Letzteres gilt insbesondere dann, wenn die Corona-bedingten Mobilitätsbeschränkungen enden. Die verkündeten Exportbeschränkungen einzelner Lieferländer (z.B. Russland und Argentinien) dürften außerdem die Bereitschaft einzelner Defizitstaaten erhöhen, vorsorglich Sicherheitslagerbestände aufzubauen.

Flächenausweitung: Vorteile für US-Düngemittel- und Saatgutanbieter
Entsprechend könnte die Preisdynamik bei den Agrarrohstoffpreisen in den nächsten Monaten nochmals an Fahrt gewinnen. Das würde auch den Aktien aus dem Agrar-Segment einen weiteren Impuls geben. Schon heute profitieren die meisten Aktien aus dem Düngemittel- und Saatgutbereich von verbesserten Absatzpreisen und Absatzmengen. Den größten Vorteil aus der avisierten US-Flächenausweitung genießen unweigerlich die am US-Markt etablierten Düngemittel-, Saatgut- und Pflanzenschutzanbieter. Deren Aktien haben zuletzt am meisten avanciert. Ein zu großes Umsatz-Exposure in Südamerika erwies sich hingegen schon allein wegen der Schwäche des Brasilianischen Reals oft als nachteilig.

Zu den weiteren Profiteuren der besseren Rahmenbedingungen gehört die Landtechnikbranche. Insbesondere die US-Landwirte sind bestrebt, ihren in die Jahre gekommenen Fuhrpark endlich zu erneuern. Gleichzeitig sind die Lagerbestände im US-Landtechnik-Großhandel im historischen Vergleich ausgesprochen niedrig, so dass die Hersteller auf die üblichen Händler-Rabatte weitgehend verzichten können. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass man selbst die hohen Preissteigerungen bei Stahl vorerst ohne Probleme an den Endkunden weiterreichen kann. Der hohe Auftragsbestand sorgt aktuell zudem für eine wesentlich effizientere Auslastung in der Fertigung, sofern die Lieferketten trotz der Corona-bedingten Einschränkungen intakt bleiben.

Robotik und künstliche Intelligenz: mehr Effizienz im Agrarsektor
Aus Unternehmens- aber auch aus Investorensicht sind ferner die zahlreichen neuen automatischen Steuerungs- und Robotik-Lösungen interessant. Sie werden gerne als Zusatzoption mitverkauft. Mit neuen Applikationen steigt der Umsatz pro Landmaschine daher kontinuierlich. Bei höheren Düngemittelpreisen und vermehrten Auflagen im Pflanzenschutz macht sich der Kauf sogenannter „precision farming“-Angebote für den Landwirt häufig schon nach etwa zwei bis drei Jahren bezahlt. So ermöglicht der Einsatz nicht nur eine Reduktion von Arbeitsstunden und die Minimierung notwendiger Betriebsstoffe wie Diesel. Mittels immer besserer Sensoren- und Kameratechnologien lässt sich heute vielmehr auch der Materialeinsatz an Dünge- und Pflanzenschutzmitteln optimieren. Während ohnehin in der ersten Welle Düngemittel und in der zweiten Welle verbesserte Saatgutsorten den Ertrag pro Hektar maßgeblich steigerten, dürfte die zukünftige Verbesserung der Ernteerträge wesentlich vom Einsatz digitaler Robotik-Technologien abhängen. Dabei hält selbst die sogenannte „Künstliche Intelligenz“ Einzug in die Landwirtschaft. So lernen beispielsweise Computer, Unkräuter von den eigentlichen Anbaupflanzen zu unterscheiden. Eine gezieltere Bekämpfung scheint damit nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Großflächige Herbizid-Behandlungen könnten im Gegenzug der Vergangenheit angehören. Die Förderung entsprechender Investitionen durch Zuschüsse scheint folglich auch im Sinne des Umweltschutzes sinnvoll.

Nachhaltige Anbaumethoden werden wichtiger
Vergessen sollte man in diesem Zusammenhang nicht, dass die US-Landwirte beträchtliche Hilfsleistungen unter der alten US-Regierung erhielten. Inwieweit diese Subventionen Bestand haben werden, bleibt unklar. Mit gewissen Kürzungen ist zu rechnen. Dies gilt ebenso für die europäischen Landwirte, die mittelfristig mit niedrigeren Direktzahlungen aus Brüssel konfrontiert sein werden. Umso wichtiger wird vor diesem Hintergrund eine Belohnung nachhaltiger Anbaumethoden. Erste Schritte werden in Nordamerika unternommen. So will Nutrien, einer der führenden US-Agrarguthändler, ab 2021 erstmals CO2-Zertifikate für besonders bodenschonende Pflanzungen prüfen und an Interessenten aus der Industrie weiterverkaufen. Dies könnte ein vielversprechender Weg sein, den Bauern endlich abseits der traditionellen Subventionen eine zweite Einkommensquelle zu generieren. In der Folge würde sich die durch die stark schwankenden Agrarstoffpreise bedingte Einkommenszyklik zumindest etwas entschärfen. Kurzfristig ist aber so oder so bei vielen Landwirten vorerst mit steigenden Erträgen zu rechnen. Aktien aus diesem Segment bleiben trotz der bereits erzielten Kursgewinne unverändert aussichtsreich.

Foto: DJE Kapital AG

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Bankaktien sind wieder attraktiv

Nach Jahren der Kursabschläge erstrahlen sie wieder in neuem Glanz: die Aktien der internationalen Geldhäuser.

Roman Steinbauer. Ausgerechnet das aufkommende Gespenst steigender Marktzinsen flößt zur Zeit Bankaktien Fantasie ein. Fürchten die Industrie und das Gewerbe anziehende Finanzierungskonditionen, so erhält die Hoffnung der Finanzinstitute Nahrung, wieder eine höhere Zinsmarge zu lukrieren. Offen bleibt für Aktionäre der Bankenbranche, ob bloß ein Auflodern zu beobachten ist oder eine nachhaltige Zeitenwende eingeleitet wurde. Obwohl mittelfristige Verbindlichkeiten westlicher Staaten und Unternehmen zuletzt teurer wurden, fußt eine Wette auf eine grundlegende Zins-Trendwende im Langfrist-Segment (abseits des Notenbank-Leitzinses) noch auf Spekulation. Der markante Aufschwung der Aktien der Investment- und Geschäftsbanken liefert aber ein beachtenswertes Signal. Zudem zeigte die Präsidentin der EZB in der Vorwoche in einer

Anhörung des Europaparlaments „wir reagieren auf einen Rendite-Anstieg, der der erwarteten wirtschaftlichen Erholung vorausläuft“ eine gute Portion Nervosität.

Der F.A.Z.-Banken-Index (ISIN: DE000SLA3AA7) markierte im März 2020 den Tiefpunkt der vergangenen zehn Jahre. Anteilhaber dieser Gattung hatten einen unbändigen Abwärtstrend zu verdauen, genossen doch Aktionäre anderer Sektoren bis dahin einen jahrelangen Kursaufschwung. Trotz der jüngsten Erholung befindet sich dieser Index immer noch 67 % unter dem Stand von 2011.

Die Pferde früh zum Laufen gebracht
Bereits im August des Vorjahres erwarb Warren Buffetts Investmentunternehmen Berkshire Hathaway Inc. weitere 13,76 Mio Anteile an der Bank of America (US0605051046) und hält nun mehr als 11,7 %. In der Folge avancierten die Papiere durch den „Nachkauf“-Effekt der Investoren um 40 %. Nachdem sich die Gesellschaft aus Nebraska den Autoversicherer Geico zu 100 % einverleibte, bestehen ansehnliche Beteiligungen an dem fünftgrößten Institut der USA, U.S. Bancorp (mit 8,7 %, US9029733048) und dem Finanzriesen Wells Fargo (1,3 %, US9497461015). Letztgenannte Titel legten seit Sommer gar um mehr als 50 % zu. Abseits des Schielens auf Transaktionen der Berkshire Inc., sticht vor allem die fulminante Reaktion der Banc-of-California-Aktie (eine Geschäftsbank mit 30 Niederlassungen, US05990K1060) mit +125 % binnen sechs Monaten hervor.

Parallellauf in Europa
Spektakulär entwickelte sich der Kursverlauf der Baader Bank (DE0005088108), der um satte 700 % höher steht als ein Jahr zuvor. Die Oberbayern meldeten für 2020 eine Verdoppelung des Ertrags auf 231 Mio Euro. Direkt profitiert haben die Aktien vom starken Handelsumfeld an den Börsen und einem Anstieg auf mehr als 100.000 Depotkunden. Dazu schlossen Titel der jahrelang darbenden Deutschen Bank (DE0005140008) zum höchsten Stand seit August 2018 auf. Hier schlägt sich die dynamisch verlaufende Investmentbanking-Sparte positiv nieder. So lägen laut CFO Fabrizio Campelli die Erträge in den ersten Monaten des Jahres um 20 % über Vorjahresniveau. Selbst Eigner der deutschen Commerzbank (DE000CBK1001) können weiter aufatmen. Aktionäre des größten deutschen Instituts für Privat- und Geschäftskunden sahen über 13 Jahre fast nur erodierende Kurse und hatten mehrere Reverse-Splits zu verdauen. Und auch Anteilsscheine der Universalbanken, wie jene der heimischen Erste Group (trotz Gewinnhalbierung in 2020) oder der RBI (Belastungen in Osteuropa) erholten sich deutlich.

Foto: AdobeStock / Fotomek

 

 

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Gold richtig verkaufen

Ein Leitfaden rund um das begehrte Edelmetall.

Harald Kolerus. Gold ist nicht erst seit der Corona-Pandemie als „Krisenwährung“ beliebt; aber in manchen Situationen will man das Edelmetall nicht erwerben, sondern abgenützte Stücke verkaufen. „Bruchgold“ sagen Fachleute zu dieser Art von Schmuck, der seine beste Zeit hinter sich hat und nur noch zum Einschmelzen taugt. Also besser gleich zu barer Münze machen; dabei den richtigen Weg zu finden ist allerdings nicht ganz einfach. Hier eine Orientierungshilfe.

Enorme Preisspannen
Einen guten Überblick verleiht ein Test des VKI: Hier wurden bei 20 Firmen in Wien und Innsbruck Schmuck sowie Münzen zur Kostenschätzung vorgelegt, die Ergebnisse waren erstaunlich: Der VKI berichtet, dass ein Händler ein Angebot von 60 % unter dem tatsächlichen Wert gestellt hatte. Überhaupt waren die Preisspannen enorm, der Unterschied bei den Angeboten reichte bis zu 65 %. Edmund Gallei vom VKI erklärt im Gespräch mit dem Börsen-Kurier: „Unser letzter großangelegter Test in diesem Bereich wurde 2015 veröffentlicht, ich rechne aber damit, dass der Markt in der Zwischenzeit ziemlich gleichgeblieben ist.“

Selbst unter die Lupe nehmen
Was also tun, um Schmuck sicher an den Mann zu bringen? Wir haben bei Stefan Klausner nachgefragt, er ist Altgold-Experte beim Edelmetall-Händler Philoro: „Man darf die emotionale Komponente nicht unterschätzen. Deshalb rate ich, als ersten Schritt zu Hause in aller Ruhe die betreffenden Stücke einzeln zu betrachten, um sicher zu entscheiden, wovon ich mich wirklich trennen will.“ Klausner berichtet, dass es vorkommen kann, dass potenzielle Verkäufer in der Filiale vor Abschluss unsicher werden: „Dann empfehle ich, noch einmal über mögliche Verkäufe zu schlafen. Es wäre schade, dem einen oder anderen Schmuckstück später nachtrauern zu müssen.“

Ebenfalls empfiehlt der Experte, die entsprechenden Stücke vorab nach Feingehalt zu sortieren. Bei Gold erkennt man 14 Karat an der 585er Punzierung, bei 18 Karat findet man die 750er-Punzierung. Dann erfolgt die Abwägung mit einer genauen Küchen- oder noch besser Briefwaage. Auf der Homepage eines seriösen Anbieters wird nun der tagesaktuelle Goldkurs festgestellt. Klausner: „Auf phi-loro.at stellen wir einen Edelmetall-Rechner zur Verfügung, in den man das Gewicht eingeben und so leicht den Preis abschätzen kann.“

Seriöse Händler finden
Nun begibt man sich auf die Suche nach dem Juwelier oder Edelmetallhändler des Vertrauens. Ein Blick ins Internet schadet dabei nicht, hier kann man sich zumindest einen ersten Eindruck über die Seriosität von Anbietern bilden. „Wichtig ist dabei immer Transparenz. Man muss leicht erkennen können, wieviel wofür bezahlt wird. Anbieter müssen es dem Kunden leicht, nicht schwer machen“, so Klausner. Der Experte empfiehlt jedenfalls den persönlichen Kontakt, wobei mehrere verschiedene Anbieter aufgesucht werden sollten, um Angebote vergleichen zu können.

Der Kauf von Schmuck ist wiederum etwas anderes. Hier sucht man sich ja nach Lust und Laune (sowie der eigenen Geldbörse) das „Objekt der Begierde“ aus. Dennoch kann auch hier nach der genannten Vorgehensweise die Seriosität des Händlers gecheckt werden, dabei immer auf die Transparenz achten. Tipp: Als reine Wertanlage ist der Kauf von standardisierten Barren oder Münzen übersichtlicher als von Schmuck.

No-Gos
Man sollte sich nicht auf einen Verkauf einlassen, wenn der Abwiege-Vorgang uneinsichtig ist. Außerdem sollte unbedingt klar sein, wie die Preisermittlung zustande kommt. Auch hört man manchmal, dass unseriöse Anbieter während des Verkaufsgesprächs psychologischen Druck ausüben. Dann heißt es: Nein danke sagen und den nächsten Händler aufsuchen.

Foto: Philoro / Sabine Klimpt

 

 

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Renditechancen mit Rosinenpicken

Marktumfeld wird kniffliger: Chancen gibt es in Schwellenländern und bei Rohstoffen.

Raja Korinek. Die Renditen zehnjähriger US-Treasuries steigen stetig an und übersprangen zuletzt die Marke von 1,7 %. Weiteres Öl ins Feuer goss die Fed bei ihrer Sitzung Mittwoch vor einer Woche. Darin äußerte sie sich zuversichtlich zur US-Konjunkturerholung. Eine erste Zinserhöhung dürfte es dennoch nicht vor 2023 geben. Und damit wird der aufflackernden Inflation vorerst kein Einhalt geboten, ein Umstand, der die Anleihemärkte belastet.

„Unseres Erachtens werden die längerfristigen Renditen im Zuge einer nachhaltigeren Konjunkturerholung weiter steigen“, konstatiert Erwin Busch, Director Asset Management Germany/Austria bei der Credit Suisse Asset Management. Busch war einer der Vortragenden am diesjährigen Österreichischen Fondsforum, das sich auch der Börsen-Kurier anhörte. Busch rät Anlegern deshalb grundsätzlich zu kürzeren Laufzeiten bei Anleihen.

Chancen in den Schwellenländern
Busch sieht zudem Chancen bei Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern, vor allem aus Asien. Diese Papiere würden vom Wachstum in den Regionen profitieren. Und das Währungsrisiko, das man mit Anleihen in Local Currencies eingeht? Bei der Credit Suisse AM rechnet man eher mit einer US-Dollar-Schwäche. „Ein Umstand, von dem Währungen in den Schwellenländern profitieren“, sagt Busch. In Asien verweist er auf Chancen etwa mit dem chinesischen Renminbi sowie dem südkoreanischen Won. Auch der russische Rubel sowie der brasilianische Real könnten aufwerten. Letztere zwei Währungen profitieren in der Regel von steigenden Rohstoffnotierungen.

Weiters Chancen sieht man beim Schweizer Vermögensverwalter mit Wandelanleihen. Ralph Geiger, er ist Product Specialist bei Credit Suisse Asset Management, meint, auch bei diesen Produkten sei die Rendite zwar mickrig. „Man partizipiert aber vom steigenden Aktienmarkt.“ Grob gesagt, machen Anleger gut zwei Drittel des Aufschwungs mit, aber nur rund ein Drittel der Verluste. Denn Wandelanleihen sind mit einer Option – dem Recht, die Anleihe in die Aktie zu einem fixen Kurs zu wandeln – ausgestattet. Sollte die Option bei einem Crash im schlimmsten Fall wertlos werden, haben Anleger immer noch den Bond, der zu Laufzeitende getilgt wird.

Unterschiedliche Marktrichtungen nutzen
Doch wie könnte es mit der großen Geldflut weitergehen? Für Gerd Gwiss, Partner bei FTC Capital GmbH, stecken die Zentralbanken in der Zwickmühle. „Seit Ausbruch der Covid-19-Krise erleben wir eine gemeinsame geld- und fiskalpolitische Expansion.“ Eine derartige Parallelstrategie habe es selten gegeben. Und führe dazu, dass sich die Zentralbanken völlig in die Hand der Politik begeben hätten, mahnt Gwiss.

Gwiss meint auch, dass im aktuellen Umfeld Managed Futures ihre Stärken ausspielen könnten. Und das aus gutem Grund: Mit Derivaten – sogenannten „Futures“ – wird bei Managed Futures auch auf fallende Bondkurse gesetzt, genauso wie auf Währungskurse, „und auf jede Menge Rohstoff-Futures“, sagt Gwiss. Letzterer Anlageklasse räumt er jede Menge Potenzial ein. Freilich, auch bei Aktien können Managed Futures auf steigende Kurse setzen. Und genauso auch auf fallende Notierungen, was G‘wiss im aktuellen Umfeld für eine gute Eigenschaft hält: „Die Aktienmärkte haben sehr hohe Bewertungen erreicht.“ Wann Positionen eingegangen werden, entscheidet bei Managed Futures aber nicht ein Bauchgefühl. Das tun mathematische Programme, die auf technische Marktsignale reagieren.

Foto: Adobe Stock / Mindscanner

 

 

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Inflation als „GameStop“ für die Aktienbörse?

US-Technologiesektor überproportional von steigenden Zinsen betroffen. Ein Kommentar von Dr. Manfred Schlumberger, Leiter Portfoliomanagement StarCapital.

(15.03.) Werden die steigenden Inflationsraten, die bereits den Zins für 10-jährige US-Staatsanleihen binnen weniger als einem Jahr um 1 % ansteigen ließen, auch der Aktienrally den Garaus machen? Grundsätzlich taugen steigende Zinsen zum Spielverderber für Aktien. Schließlich sollten Aktienkurse nichts anderes als die mit dem allgemeinen Renditeniveau abgezinsten Unternehmensgewinne der Zukunft widerspiegeln. Höhere Zinsen führen entsprechend dazu, dass zukünftigen Gewinnen heute ein niedrigerer Wert beigemessen wird als bei tiefen Zinsen.

Der stärkste Treiber für den Inflationsanstieg sind die Rohstoffpreise. Allein der Ölpreis hat sich von Niveaus unter null während der Corona-Panik im letzten April auf weit über 60 USD pro Fass erholt und treibt über den Basiseffekt der Prozentrechnung die Inflationsraten nach oben (im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat). Auch die Preise für Industriemetalle wie Kupfer, Aluminium, Nickel und Lithium haben sich nicht zuletzt wegen des Trends zur Elektromobilität massiv erhöht. Die durchaus realistische Erwartung, dass mit einer rasant zunehmenden Verimpfung der Bevölkerung im zweiten Halbjahr ein gewaltiger Wirtschaftsboom einsetzen wird, lässt weitere Preisanstiege erwarten. Hohe chinesische Importe von Landwirtschaftsgütern verstärkten zusätzlich den Trend rasant anziehender Agrarpreise. Preise für Mais und Sojabohnen verteuerten sich bereits mit Raten zwischen 60 und 80 %. Häuserpreise stiegen sowohl in Europa wie in den USA: Dort sogar mit einer zweistelligen Rate! Die Autoindustrie jammert über preistreibende Engpässe bei Chips und die Frachtraten für Container, die zwischen China und den USA ebenso wie Europa verkehren, stiegen bereits um ein Vielfaches. Auch die Suche nach „sichereren“ Lieferketten treibt die Preise.

Reflationsgewinner
Profiteure einer steigenden Inflation sind in der Regel Sachwerte wie Aktien, Immobilien und Edelmetalle. Edelmetalle gewinnen insbesondere bei tendenziell sinkenden und negativen Realzinsen. Immobilien werden ab einem bestimmten Kreditzinsniveau negativ tangiert.

Aktien präferieren eher sinkende Zinsen. Aus der empirischen Kapitalmarktforschung wissen wir, dass die Aktienmärkte prinzipiell erst bei nachhaltig und dynamisch über ein Niveau von 3 % hinaus ansteigenden Inflationsraten negativ getroffen werden. Bereits bei geringeren Inflations- bzw. Zinsanstiegen werden teure Wachstumswerte wie beispielsweise aus dem US-Technologiesektor überproportional negativ tangiert. Als Begründung dient der höhere Verschuldungsgrad und die höhere Bewertung von Wachstumswerten. Da die FAANGM-Technologiewerte in den USA 24 % des S&P 500 ausmachen, ist mit einer relativen Underperformance des US-Marktes zu rechnen.

Da die meisten Kapitalanleger extrem übergewichtet in US-Technologiewerten investiert sind, leiden sie jedoch primär infolge einer Rotation in eher zyklische, konjunktursensitive Value-Sektoren wie Grundstoffe und Energie. Zyklische europäische und asiatische Value-Titel mit zunehmendem Gewinnmomentum werden somit weiter outperformen.

Vom bereits begonnenen „Rohstoffzyklus“ profitiert man am besten durch Öl- und Grundstoffaktien. Zusätzlich bieten sich „Corona-Verlierer“-Aktien des Jahres 2020 an, also Unternehmen aus dem Segment Touristik und Verkehr, die noch über gewaltiges Aufholpotenzial verfügen.

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Menschen reagieren auf Förderungen

Zukunftsvorsorge: Eine ursprünglich gute Idee wiederbeleben und verbessern.

Manfred Kainz. Es ist ein Dauerbrenner auf den Vorsorge-Spezial-Seiten des Börsen-Kurier, in den einschlägigen Branchen und in der Sozialpolitik: Wie kann man die dritte Säule der Altersfinanzierung, die private Eigenvorsorge, ankurbeln? Ansetzen könne man schon davor, meint der Pensionsexperte des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo) Thomas Url gegenüber dem Börsen-Kurier: Aus wirtschaftspolitischer Sicht erscheint die altersgerechte Gestaltung der Arbeitsbedingungen für ältere Erwerbstätige (55 bis 65 Jahre) als ein vielversprechendes Instrument mit mehrfachem Nutzen, meint der Senior Economist. Sie könnte den Andrang zur vorzeitigen Pensionierung drosseln, erzeugt gleichzeitig Beitragseinnahmen und deckt die hohe Nachfrage nach Fachkräften. Und zur Ausgabeneinsparung sollte die reguläre Pensionsanpassung kurz- bis mittelfristig strikt an der Inflationsrate ausgerichtet werden. Langfristig müsse sich Österreich fragen, ob die Konzentration des Pensionssystems auf das Umlageverfahren in Kombination mit hohen Einkommensersatzraten für mehr als 90 % der Erwerbstätigen sozialpolitisch sinnvoll ist.

Unterschätze Zukunft
Der schwache Umfang betrieblicher und privater Altersvorsorge stelle auch für die Vorsorge via Kapitalmarkt einen Hemmschuh dar. Da könne man auf verhaltensökonomische Erkenntnisse zurückgreifen und positive Erfahrungen aus der Vergangenheit anwenden, meint der Wifo-Mann. Eine budgetäre Vorinvestition in eine staatliche Verdopplung der Förderung für private Zukunftsvorsorge würde sich rentieren, wenn man gleichzeitig das jetzige Gesamtkonstrukt der Produkte verbessert, schlägt er vor. Dass die Österreicher bei der dritten, privaten Säule so zurückhaltend sind, lasse sich mit Erkenntnissen aus der Behavioral Finance, die sich mit dem – nichtrationalen – menschlichen Verhalten in wirtschaftlich-finanziellen Dingen beschäftigt, begründen. Der Senior Economist verweist darauf, dass Menschen „die Zukunft zu niedrig bewerten“. Das heißt, dass sie lieber in der

Gegenwart konsumieren, als Konsum auf später zu verschieben, also für einen künftigen finanziellen Polster Geld auf die Seite zu legen. Die Denke „Lieber heute den Spatz in der Hand als später eine Taube auf dem Dach“, macht es uns Menschen schwer, heute für über-über-morgen auf Konsum zu verzichten.

Großzügiger KHG
Die Frage ist also: Wie kann man dem entgegenwirken? Wifo-Experte Url rät, auf positive Erfahrungen zurückzugreifen. Das ursprüngliche Instrument der staatlichen Förderung in der Prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge (PZV) „hat enorm gut funktioniert“. Die „alte“ Förderung (9,5 % ab 2003) „war schon sehr stark“, auch die 8,5 % später „haben gezogen“. Als die Förderung zusammengestutzt wurde (von 8,5 auf 4,25 % halbiert in 2012), habe das Instrument an Dynamik verloren. Aus der Erfahrung könne man lernen, dass Privathaushalte stark auf spürbare Förderungen reagieren und durch-aus bereit sind, langfristig gebundene Ansparformen einzugehen.

Die zweite Lehre, so der Wirtschaftsforscher, ist, dass „Kapitalgarantien kosten, und daher Vorsorgeprodukte mit so einer Garantie ertragsmäßig unattraktiv machen“. Und dritte Lehre daraus: Das „Gespann“ aus teurer Garantie und verpflichtender 40 %iger Veranlagungsquote am Austro-Kapitalmarkt (um diesen zu fördern, aber mit entsprechender Volatilität als limitierter Markt), hat sich als „nicht sinnvoll erwiesen“.

Was man aus den Lehren ableiten kann, ist, so Url:

  1. Keine verpflichtende Kapitalgarantie oder Mindestertragsgarantie für PZV-Produkte – das spart Kosten, die sonst die Rendite beschneiden.
  2. Kein Mindestanlagevolumen in einem Markt vorgeben (auch nicht auf dem österreichischen), sondern ein breites Portfolio (z.B. MSCI World) erlauben.
  3. Als interessante „ordentliche“ Förderung die staatliche Prämie „vorne“ wieder auf ursprüngliches Niveau verdoppeln.
  4. Die Ansparphase KESt-frei, wie jetzt, belassen.
  5. Aber dafür die Auszahlungsphase voll besteuern (die jetzt steuerfrei ist). Denn auch das „Steuerzahlen erst in Zukunft“ wird von den Menschen verhaltensökonomisch „niedriger bewertet“ und daher mental eher vernachlässigt.

Budgetär wäre dieses System durch die nachgelagerte Besteuerung nahezu aufkommensneutral und in Summe günstiger als das jetzt angewendete, in dem in den – vielen – Auszahlungsjahren dem Staat keine Steuern hereinkommen.

Einfrieren
Eine Begleitmaßnahme nennt der Wifo-Economist noch, „wenn man Dynamik in die dritte Säule bringen will“: Nämlich „Einfrieren“ der Höchstbeitragsgrundlage im Umlagesystem. Damit wird für Gutverdiener und Menschen mit steigendem Einkommensverlauf und 40-jährigem Durchrechnungszeitraum das „zukünftige Leistungsversprechen“ geringer. Wenn sie sehen, dass später aus der ersten Säule nicht viel herauskommt, haben sie eher als jetzt einen Anreiz, kapitalgedeckt privat vorzusorgen, um den Einkommensrückgang zum Pensionsantritt zu kompensieren. Denn jetzt ist für Einkommen unter der Höchstbeitragsgrundlage – mit durchschnittlich 80 % Bruttoersatzrate im Umlagesystem – wenig attraktiv, zusätzliche Vorsorge via Kapitalmarkt zu machen. Das zeigt die Praxis.

Foto: AdobeStock / K.-U. Häßler

 

 

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Wer bezahlt die Pandemie?

Agenda-Austria-Chef Franz Schellhorn und die Wege aus der Krise.

Manfred Kainz. Noch ist das gesamte private und öffentliche Leben überlagert von der Pandemie. Besonders auch die Wirtschafts- und Finanzpolitik. Denn eine Frage wird angesichts der riesigen budgetpolitischen Lasten und Herausforderungen immer virulenter: Wer bezahlt die Krise?

Um diese Frage annäherungsweise beantworten zu können, muss man wohl einen Schritt zurücksetzen, um einen breiteren Blick auf das Gesamtszenario zu haben.

Drei „zentrale Fehleinschätzungen“ in der politischen Diskussion ortet etwa Franz Schellhorn, Direktor des unabhängigen wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Thinktanks Agenda Austria. Nämlich: Dass der Erhalt unseres Wohlstands auch ohne Wachstum möglich sei. Dass die österreichische Staatsverwaltung zwar teuer sei, aber in hoher Qualität funktioniere. Und: Dass nach Überwindung der (Wirtschafts-) Krise kein Weg an neuen Steuern vorbeiführe.

Aus Schulden herauswachsen
Schellhorn stellt diesen „Fehleinschätzungen“ folgendes entge-gen: Wir müssen rasch zurück auf einen Wachstumskurs. Nur so könne man Wohlstand halten und aus den Staatsschulden „herauswachsen“. Dazu müsse die Regierung konsequent bestrebt sein, die Staatsverwaltung leistungsfähiger zu machen.

Derzeit sei die „Staatsleistung suboptimal“, wie das akute Beispiel der Organisation der Impfungen und der internationale Impfrückstand zeigen würden. Doch gerade eine rasche Durchimpfung sei wichtig, um die Covid-Krise zu überwinden und um auf den wirtschaftlichen Wachstumspfad zurückzukehren. Und nach der Krise müsse die Konsolidierung der Staatsfinanzen verstärkt werden. Denn „Corona ist viel, aber noch nicht alles“, so der Agenda-Austria-Direktor. Er verweist auf den finanzpolitischen Dauerbrenner des demographischen Faktums unserer rasch alternden Bevölkerungsstruktur – und der damit verbundenen, steigenden Pensionslasten.

Spielraum schaffen
Wer das bezahlen soll? Der Staat muss aufpassen. Denn trotz des niedrigen Zinsniveaus bestehe die Gefahr einer „Zinsenfalle“, wenn die gestiegenen Staatsschulden bei niedrigem Wirtschaftswachstum in der Zukunft auf wieder höhere Zinsen stoßen. Schon in der Vergangenheit habe man die Entwicklung des Zinsniveaus nicht korrekt vorhersagen können. Und so sieht Schellhorn drei „zentrale Lösungen“ aus dieser Krise: Wir müssten rasch zurück auf den Wachstumskurs. Der größte Beitrag der Bundesregierung müsse das Bereitstellen einer funktionstüchtigen Staatsverwaltung sein. Und: Nach dieser Krise müsse der ausgabenseitige Konsolidierungskurs verstärkt werden. Ausgaben müssten nicht radikal gekürzt werden, vielmehr wäre sicherzustellen, dass in konjunkturell guten Jahren Budgetüberschüsse anfallen.

Österreich sollte sich ein Beispiel an Schweden nehmen, das halb so hohe Staatsschulden hat wie Österreich. Und dementsprechend mehr Spielraum. Am Beispiel einer Pensionsreform würde das etwa erfordern, dass wir „jedes Jahr drei Monate später in Frühpension gehen“ müssten, um das staatliche Pensionsdefizit bei 20 MrdE jährlich „einzufrieren“. (Anm.: Aktuell liegt es bei 24 MrdE; Tendenz seit Jahrzehnten steigend.)

Ausgabenbremse
Weiters brauche es eine budgetäre „Ausgabenbremse“, die die Ausgabendynamik mit der Inflationshöhe begrenzt. Wobei es auch auf EU-Ebene wünschenswert wäre, die Mitgliedsstaaten anzuhalten, das niedrige Zinsniveau zu nutzen, um Budgets zu konsolidieren. Auch wenn das billionenschwere Füllhorn des Europäischen „Recoveryfonds“ nicht gerade ein Anreiz dazu ist. Schuldenabbau durch Inflation werde hingegen nicht so einfach, denn die Inflationsraten dürften nicht auf frühere Werte über 5 % steigen. Regierungen würden zwar froh sein über Inflation, aber man werde sie nicht so hoch werden lassen, dass sie zu einem kontraproduktiven, konjunkturabwürgenden Vertrauensverlust in Bevölkerung und Wirtschaft führt.

Unsicher bleibt, wie lange die Geldschwemme der EZB noch anhalten wird. Denn die EZB habe derzeit keinen erkennbaren Plan für einen Ausstieg, halte aber bereits 25 % der Staatsanleihen in der EU, so der Agenda-Austria-Direktor, der die Geldpolitik in Frankfurt skeptisch sieht.

Foto: AdobeStock / mekcar

 

 

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Vorsorgerisiko Scheidung

Pensionistinnen erhalten ein Drittel weniger Pension.

Rudolf Preyer. Der sogenannte „Gender Pension Gap“ ist wesentlich auf die geschlechterspezifische Aufgabenteilung zwischen Haus- und Erwerbsarbeit zurückzuführen, wie Swiss Life in einer aktuellen umfassenden Studie aufzeigt. Diese basiert auf einer Befragung, die zwischen dem 18. und dem 25. Feber stattfand. Teilgenommen haben 834 geschiedene und wiederverheiratete Frauen. Besonders hart treffen solche Vorsorgelücken geschiedene Frauen. Die Auswirkungen einer Scheidung auf die Altersvorsorge sind für Frauen nämlich besonders groß. Diese werden aber häufig leider unterschätzt.

Pensionsunterschiede in der beruflichen Vorsorge entstehen für Frauen während der Ehe aufgrund von Kinderbetreuung und damit einhergehender reduzierter Erwerbstätigkeit. Vergessen wird jedoch oft, dass zwei Drittel aller Scheidungen vor dem 50. Altersjahr stattfinden. Zu einem Zeitpunkt also, in dem in der zweiten Säule typischerweise weniger als die Hälfte des künftigen Vorsorgeguthabens angespart wurde und entsprechend ein wesentlicher Teil des Sparprozesses noch bevorsteht.

Unterhaltszahlung hilft nur begrenzt
Die Kinderbetreuung fällt nach der Scheidung in etwa acht von zehn Fällen hauptsächlich den Müttern zu. Kann die kinderbetreuende Ex-Partnerin nach der Scheidung nicht Vollzeit arbeiten, erhöhen Unterhaltszahlungen die Neigung von Frauen zwar, individuell fürs Alter zu sparen – was tatsächlich zur Reduktion des Gender Pension Gap beitragen kann.

Allerdings, und jetzt kommt das große allerdings, erhält eine Mehrheit der befragten geschiedenen und teilzeitarbeitenden Mütter entweder keine solchen Unterhaltszahlungen oder kann trotz dieser nicht fürs Alter sparen. Somit gilt überwiegend: Der „Gender Pension Gap“ bei Geschiedenen bleibt daher vielfach weiter bestehen.

Rückzug vom Berufsleben wirkt nach
Zudem entstehen auch lange nach der Scheidung und der Kinderbetreuungsphase oft noch erhebliche Vorsorgelücken, weil auch viele geschiedene Frauen, die keine Kinder (mehr) betreuen, nicht Vollzeit arbeiten.

Obwohl eine Scheidung also tiefgreifende Konsequenzen für die Altersvorsorge hat, wird dieser Umstand häufig unterschätzt: Nur gut ein Fünftel der befragten Frauen hat sich während der Scheidung ernsthaft damit auseinandergesetzt. Lediglich 14 % haben sich laut Swiss Life vor der Scheidung zu den Auswirkungen auf die Altersvorsorge beraten lassen.

Fuß im Arbeitsmarkt behalten
Die Ergebnisse der Studie legen jedoch genau das nahe: Sich bereits im Rahmen einer Scheidung mit deren Auswirkungen auf die Altersvorsorge auseinanderzusetzen und sich rechtzeitig beraten zu lassen, lohnt sich. Aus Vorsorgeperspektive empfiehlt die Studie zudem, dass Frauen trotz der scheinbaren Sicherheit der Ehe – möglichst Vollzeit – im Arbeitsmarkt bleiben sollten.

Politik natürlich auch gefordert
Adressat dieser Empfehlung ist auch der Ehepartner, der so Swiss Life, „seinen Beitrag zu leisten hat, damit dies gelingen kann“. Politik und Arbeitgeber sind gemäß der Studie ebenfalls aufgefordert, den Verbleib von Müttern im Arbeitsmarkt zu fördern. Dies ermöglicht Frauen im Scheidungsfall nicht nur ein finanziell selbstbestimmteres Leben, sondern führt langfristig tendenziell auch zu tieferen Kosten im Umlageverfahren.

Foto: AdobeStock / Konstantin Sutyagin

 

 

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Österreichs Techwerte stark unterwegs

Vom coronabedingten Digitalisierungsschub haben auch heimische Firmen profitiert.

Patrick Baldia. Zu den Profiteuren der Covid-19-Pandemie an den Börsen gehört bekanntlich der Technologiesektor. Vor allem die großen US-Technologiekonzerne – sprich die FAANGs (für Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google, Anm.) – dominierten im Vorjahr die Schlagzeilen. Dahinter steht die pandemiebedingte Beschleunigung der Digitalisierung bzw. die damit verbundene boomende Nachfrage nach einschlägigen Produkten und Dienstleistungen. Auch wenn das Universum an börsennotierten Tech-Playern hierzulande eher dünn gesät ist, so lässt sich doch ein interessantes einschlägiges Portfolio zusammenstellen.

„Die Corona-Pandemie hat in vielen Lebensbereichen zu einem Digitalisierungsschub geführt. In fast allen Ländern der Welt ist es zu einem massiven Ansteigen des Datenverkehrs gekommen, was unter anderem die Nachfrage nach ,ABF-Substraten‘ stärkt“, so Andreas Gerstenmayer, CEO AT&S. Er gehe jedenfalls von weiterwachsenden Märkten in allen Geschäftsfeldern des Leiterplattenherstellers – Mobile Devices, Automotive, Industrial, Medical und Advanced Packaging – aus.

Um dieser Entwicklung gerecht zu werden bzw. um daran noch stärker partizipieren zu können, baut AT&S die Kapazitäten derzeit massiv aus. So ist etwa das IC-Substratewerk im chinesischen Chongqing (CQ I) mittlerweile fertiggestellt. Im zweiten Halbjahr 2022/23 soll dort ein weiteres (CQ III) die Produktion aufnehmen und die stark wachsende Nachfrage nach Prozessorenleistung, für die leistungsfähige IC-Substrate und Leiterplatten benötigt werden, abdecken.

Dank neuer Kapazitäten, starker Nachfrage nach High-End Smartphones und neuen IC-Substraten sowie moderaten Anstiegen in den Bereichen Automobil und Medizin hat das Unternehmen starke Zahlen für das dritte Quartal 2020/21 vorgelegt und auch den Ausblick für das Gesamtjahr angehoben (der Börsen-Kurier berichtete).

Daraus lässt sich ein starkes 4. Quartal sowie ein gutes Geschäftsjahr 2020/21 ableiten. Die Aktie des Leiterplattenherstellers hat jeden-falls in den vergangenen zwölf Monaten einen Kursanstieg von fast 70 % hingelegt. Seit Jahresbeginn steht allerdings ein Minus von rund 2 % zu Buche.

ams-Aktie reagiert verhalten
Eine weniger rasante Kursentwicklung hat mit rund +5 % die Aktie der ams AG auf Einjahressicht vorzuweisen. Dabei ist auch der global tätige Halbleiterhersteller und Marktführer für optische, bildgebende, und audio-basierte Sensorlösungen aktuell gut unterwegs und hat etwa Anfang Feber starke Zahlen für 2020 vorgelegt – auch wegen der guten Performance der übernommenen Osram. Analysten führen die gemäßigte Reaktion der Aktie auf den verhaltenen Ausblick auf das erste Quartal mit einem Umsatzplus von nur 4 % zurück – trotz der erwarteten Stärke der iPhone-Nachfrage. Dennoch stehen Experten der Aktie positiv gegenüber und heben vor allem die attraktive Bewertung im Peer- Group-Vergleich hervor.

Und auch das Linzer Softwareunternehmen Fabasoft hat zuletzt gute Zahlen vorgelegt und in den ersten drei Quartale des Geschäftsjahres 2020/21 den Nettogewinn um 60 % steigern können. Dennoch berichtet das Unternehmen davon, dass mit dem Lockdown im Herbst die Kunden wieder zurückhaltender geworden seien. Die Zahlen reflektieren jedenfalls laut dem Management einen Anstieg bei den Recurring-Umsätzen aus Software und Dienstleistungen, ein sehr starkes Projektgeschäft und hohe Lizenzerlöse aus Einmallizenzen. Die Börsen-Performance kann sich mit +63 % in den vergangenen zwölf Monaten jedenfalls sehen lassen. Die Analysten von M.M. Warburg halten weitere

Anstiege für möglich und haben erst kürzlich ihr Kursziel von 58 auf 59 Euro pro Aktie erhöht. Kurz vor Redaktionsschluss notierte das Papier bei 41,50 Euro.

Vor den Vorhang geholt sollte mit der S&T ein weiterer börsennotierter heimischer Tech-Player. Der Anbieter von IT-Dienstleistungen – das Leistungsspektrum umfasst unter anderem die Bereiche Rechenzentrumsbetrieb, Workplace Management, Managed Printing, Beschaffung, Integration und Wartung von IT-Produkten sowie Softwareentwicklungen – beschäftigt weltweit rund 6.000 Mitarbeiter in mehr als 30 Ländern. Auch die S&T ist im aktuellen Geschäftsjahr gut unterwegs und konnte sein profitables Umsatzwachstum trotz Krise fortsetzen. Die Aktie kann ein Plus von mehr als 10 % seit Jahresbeginn vorweisen. 2020 legte sie immerhin um mehr als 4 % zu.

Foto: AdobeStock / Coloures Pic

 

 

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Green Washing bei Bonds

Nicht alle grünen Anleihen sind von nachhaltigen Emittenten.

Julia Kistner. Anleihen sind aktuell nicht unbedingt die Assetklasse, in die man investiert sein muss. Das meinte zuletzt auch die Investmentgröße Warren Buffett. Mit offensichtlich einer Ausnahme: Green Bonds. „Bislang wurden knapp mehr als 1 Bio Euro an Green Bonds emittiert; allein im vergangenen Jahr waren es 300 Mrd Euro“, berichtet Dieter Aigner, Geschäftsführer der Raiffeisen KAG, gegenüber dem Börsen-Kurier. Und: „Die Nachfrage nach Green Bonds steigt sogar noch stärker als das Angebot und das wird in den nächsten Jahren so weiter gehen. Unsere Favoriten sind Bereiche, die den größten Impact auf das Klima haben. Dazu zählen vor allem Emissionen im Bereich ‚Erneuerbare Energien‘ sowie Versorger und Banken, die Projekte unterstützen und finanzieren, die beispielsweise die Steigerung der Energieeffizienz, eine saubere Mobilität oder energieeffiziente Gebäude fördern.“ Ein grüner Wachstumsmotor sollten auch die internationalen Investitionsprogramme wie der „EU-Green Deal“ und angedachte Infrastrukturpakete sein.

Der Markt für grüne Anleihen hat sich in nur fünf Jahren versechsfacht. Das rasche Wachstum locke aber leider auch schwarze Schafe und Anleger liefen Gefahr, Opfer von Green Washing zu werden, warnt James Rich, Senior Portfolio Manager bei Aegon Asset Management. „Die Gefahr gibt es, weil es nach wie vor unterschiedliche Ansichten zum nachhaltigen positiven Impact von Projekten, auch in Abhängigkeit von der Branche gibt“, meint dazu Aigner, „wichtig ist, auf Standards zu achten, wie zum Beispiel die ‚Green Bond Principles‘ der ‚International Capital Market Association‘ ISMA, und diese auch durch externe Agenturen bestätigen zu lassen. Insgesamt sind die Standards noch ausbaufähig und es wäre gut, wenn das Thema politisch auch seitens der EU noch stärker besetzt würde. Wobei hier schon eine positive Entwicklung eingeleitet wurde.“

Die Hintergründe
Der Anreiz für unseriöses Greenwashing liegt auf der Hand: „Mit einem grünen Bondlabel verschafft man sich Zugang zu Finanzierungen, die derzeit durchschnittlich fünf Basispunkte günstiger sind“, so Rich.

Das bestätigt auch Raiffeisen-Mann Aigner und verweist auch auf die hohen Preise am Sekundärmarkt: „Die meisten Green Bonds sind am Primärmarkt deutlich überzeichnet und handeln danach am Sekundärmarkt zumeist teurer als die Zinskurve des Emittenten implizieren würde.“ Ein weiterer Vorteil für Emittenten grüner Bonds sind die längeren Laufzeiten, wodurch sie sich nicht so oft refinanzieren müssen. Die Laufzeit liegt im Schnitt bei etwas unter acht Jahren, verglichen mit 7,2 Jahren bei globalen Investment-Grade-Unternehmensanleihen.

Genau hinschauen
Wer schon bei Green Bonds eine niedrigere Verzinsung akzeptiert, sollte zumindest das bekommen, was draufsteht: Festverzinsliche Wertpapiere, die dazu dienen, Umwelt- bzw. Klimaschäden zu finanzieren. Das gleiche sollte auch für Social und Sustainable Bonds gelten, fordert Rich auch hier mehr Transparenz und mehr Informationen für die Anleger ein. Er rät Anlegern, sich mit Green Bonds und dem dazu gehörigen Reporting sehr sorgfältig zu befassen: „Vor allem muss man darauf achten, dass es sich nicht um Anleihen handelt, die beispielsweise eine spezielles Filteranlagen-Projekt eines Unternehmens finanzieren, das ansonsten alles andere als umweltfreundlich agiert.“

Foto: AdobeStock / Fotoschlick

 

 

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Spannende Resteverwerter

In der Recyclingbranche entsteht durch neue Technologien ein Milliardenmarkt.

Stefan Riedel, München. Strengere Umweltauflagen forcieren den Trend zur Entsorgung und Aufbereitung von Abfällen. So sieht die überarbeitete Abfallrahmenrichtlinie der EU eine Recyclingquote von 55 % bis 2025 und von 65 % bis zum Jahr 2035 vor.

Längst geht es nicht nur um das Management und die Verwertung von Abfall aus Privathaushalten und um die Aufbereitung von Schadstoffen, welche als Nebenprodukte in der Industrie oder im Bergbau entstehen. Um den Ressourcenverbrauch dauerhaft zu schonen, müssen Werkstoffe, Metalle und Plastik über die Umwandlung in neue Rohstoffe in den Wirtschaftskreislauf eingebunden werden.

Mit der zunehmenden Marktreife von neuen Technologien werden diese für Investoren interessant. „Eines der aussichtreichsten Geschäftsfelder der Zukunft werden neue Batterietechnologien für Elektrofahrzeuge mit weniger Materialverbrauch und mehr Recycling“, erläutert Pieter Busscher, Portfoliomanager bei Robeco. Hier hat die US-Firma Aqua Metals (ISIN: US03837J1016) ein elektrochemisches Verfahren entwickelt, mit dem sich Bleibatterien zu 100 % recyceln lassen. Über die im Jänner abgeschlossene Allianz mit BASF (DE000BASF111) will die Firma, die 2021 erste größere Umsätze erzielen wird, den Markt aufrollen.

Ein spannendes Zukunftsthema ist für den Robeco-Experten Busscher die Verarbeitung von komplexen Kunststoffabfällen wie Polyprophylen. Firmen wie Quantafuel (NO0010785967), Agilyx (NO0010872468) und Carbios (FR0011648716) arbeiten hier an chemischen Recycling-Verfahren, die sich mehrheitlich noch im Projektstadium befinden, und eignen sich nur als hochspekulative Depotbeimischung. Das MDAX-Unternehmen Aurubis (DE0006766504) verdient dagegen Geld mit dem Einschmelzen und der Verarbeitung von Kupfererz und Kupferschrott. Nach einem zweijährigen Durchhänger steht Aurubis vor einem neuen Umsatz- und Gewinnschub. Dasselbe gilt für Befesa (LU1704650164). Der im SDAX notierte Konzern hat sich auf das Recycling von industriellen Rest-stoffen aus Stahl und Aluminium spezialisiert. Umicore (BE0974320526) aus Belgien recycelt Metalle, Edelmetalle und Rohstoffe aus Elektroschrott und Batterien.

Die Sammel- und Sortiersysteme von Tomra Systems (NO0005668905) für die Leergutrücknahme sorgen in Super- und Getränkemärkten für das Recycling von Pfandflaschen. In diesem Geschäftsfeld besetzt das norwegische Unternehmen als europaweite Nummer Eins eine lukrative Marktnische.

Die jüngsten Gewinnmitnahmen bieten gute Einstiegskurse, denn die langfristigen Wachstumsperspektiven bleiben intakt. „Die Wachstumsraten für Recyclingspezialisten werden nicht an die von Technologieführern im IT-Bereich herankommen, aber die Kostenfrage bei Werkstoffen und Produktionsprozessen sollte den Unternehmen einen selbsttragenden Aufschwung bescheren“, ist Alexander Funk, Fondsmanager bei Ökoworld überzeugt.

Von den Einzelwerten bieten Aurubis und Befesa das beste Chance-Risiko-Profil, während das Wachstum bei Tomra in der aktuellen Aktienbewertung schon weitgehend eingepreist ist. Mit einer breiteren Risikostreuung als bei Einzelaktien können Anleger die Themen Werkstoff-Recycling und Abfallmanagement über einzelne Investmentfonds spielen. Der 2012 aufgelegte „RobecoSAM Smart Materials Equities D“ (LU2145463613) investiert in Technologien, welche zu einer beschleunigten Senkung der CO2-Emissionen beitragen. Dazu zählen das Recycling von Polypropylen und das chemische Recycling, aber auch Technologien für die energetische Gebäudeoptimierung, die Robotik und für die Produktion von Stahl und Aluminium mit Hilfe von erneuerbaren Energien. Zu den Klassikern unter den Umweltfonds zählt der „Vontobel Clean Technology B“ (LU0384406600). Die Recycling-Positionen umfassen hier führende Unternehmen in der Abfallentsorgung.

Foto: Pixabay / Shirley810

 

 

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Die Fed versucht es auf die harte Tour

Ein Kommentar von Mark Nash, Head of Fixed Income Alternatives bei Jupiter Asset Management.

(09.02.) Die Fed verweigert eine kalenderbasierte Prognose, obwohl der Markt angesichts der Inflations- und Wachstumsunsicherheit in Panik gerät: Damit scheint es die US-Notenbank auf die harte Tour zu versuchen und die Rolle der hawkischsten Zentralbank in den G10-Staaten einzunehmen.

Ergebnisbasierte Orientierungshilfen liefern dem Markt nur wenig Anhaltspunkte dafür, dass eine Zinserhöhung bevorsteht. Dies kann nur zu einer weiteren Schwäche der Anleihen führen, da mehr Laufzeitprämien bzw. Risikoprämien eingepreist werden. Aber hier geht es nicht nur um die Einpreisung der Fed-Zinsen. Die Risikoprämie ist es, die Probleme verursacht und es gibt nichts, um sie einzudämmen: Angesichts der veränderten globalen Dynamik haben die USA immer noch ein Refinanzierungsproblem. Das Defizit durch einen schwächeren US-Dollar zu finanzieren und die Zinsen niedrig zu halten, war für die Märkte viel günstiger, als die Zinsen steigen zu lassen und es auf diese Weise zu tun. Wenn der derzeitige Wachstumsschub endet, wird die Fed wahrscheinlich ihren Kurs ändern.

Dies wird auch den Dollar stützen, was zusätzliche Komplikationen mit sich bringt, da er isoliert betrachtet weniger gut für die Reflation ist. Angesichts dieser überraschenden Wende machen höhere Realzinsen und ein stärkerer Dollar höhere Volatilität an den Risikomärkten sehr viel wahrscheinlicher. Daher ist es kaum verwunderlich, dass US-Aktien im bisherigen Jahresverlauf ins Minus rutschen und festverzinsliche Wertpapiere aus Schwellenländern schwach bleiben. Die Ähnlichkeiten mit 2018 werden immer größer, da die USA erneut den Wachstums- und Zinszyklus anführen, unterstützt durch fiskalische Stimuli.

Die Wahrscheinlichkeit eines langanhaltenden Bärenmarktes bei Anleihen ist geringer, da die Dollar-Risiken steigen – Anleihen werden einfach nicht viel abgeben, wenn die Leitwährung anzieht. Kurzfristig sind die Anleihemärkte bei gutem Wachstum jedoch immer noch gefährdet, und eine Beschleunigung des Anstiegs der Realrenditen ist möglich, da ein von den USA angeführter Aufschwung und ein starker Dollar auch nicht gut für die Deckung der Defizite der USA sind. Und wie im Jahr 2018 ist dies zudem nicht gut für die Schwellenmärkte, wenn die USA überdurchschnittlich gut abschneiden, die Renditen steigen und der globale Privatsektor wieder US-Anlagen kauft.

Die Verschärfung der globalen Finanzbedingungen wirkt sich weltweit negativ aus (unter sonst gleichen Bedingungen), und wie bei der Repo-Krise 2019 könnte die Fed auch dieses Mal wieder davon überrascht werden, wie wenig nachhaltig die US-Renditen sind. Letztendlich wird die Fed wieder zu Lockerungen zurückkehren, wenn der Wachstumsschub zu Ende geht – möglicherweise im zweiten Halbjahr – und wir dann mit höheren Zinssätzen und einem höheren Dollar dastehen, wobei das Risiko wie üblich der Auslöser ist, der die amerikanische Notenbank zu einem solchen Schritt zwingt.

Die Welt braucht einen schwächeren Dollar und niedrige Realzinsen. Aufgrund des starken Wachstums kann dies vorerst ignoriert werden. Jedoch werden die Bedingungen für den Handel mit Risikoanlagen rundum schwieriger, da die Nervosität zunimmt. Man könnte sagen, dass die Fed aus ihren Fehlern nicht zu lernen scheint. Die Zentralbanken sehen nicht gerne ohnmächtig aus. Und im Nachhinein könnten sie zu dem Schluss kommen, dass sie kaum eine andere Wahl haben, als sich vor einem massiven Wachstumsschub Renditebewegungen gegenüber eher gleichgültig zu zeigen.

Foto: Jupiter AM

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Warum wahre Werte wieder gefragt sind

Angesichts steigender Inflationsraten und anziehender Renditen rücken Value-Aktien in den Fokus.

Raja Korinek. Die Nachwehen der Finanzkrise von 2008 sind bis heute zu spüren – zumindest im Segment der Value-Aktien. Es geht um Unternehmen, deren wahrer Wert sich im Börsenkurs noch nicht widerspiegelt, obwohl es sich meist um solide Qualitätsaktien handelt. Zu diesem Bereich zählen etwa Banken- aber auch Rohstoff- und zu einem Teil Gesundheitsaktien. Viele solcher Branchenaktien sind seit der Finanzkrise vor rund zwölf Jahren in Ungnade gefallen. Stattdessen lag das Hauptaugenmerk auf Wachstumsaktien – zu denen allen voran Technologietitel zählen. Sie profitierten im Vorjahr besonders kräftig von der Pandemie.

Großes Aufholpotenzial bei Value
Und so legte 2020 etwa der „MSCI Growth Index“ um knapp mehr als 34 % zu. Die drei größten Aktien darin sind Apple (ISIN: US0378331005), Microsoft (US5949181045) und Amazon (US0231351067). Der „MSCI Value Index“ beendete das Jahr hingegen mit einem leichten Minus von 0,38 %. Zu den drei größten Positionen zählen hier Johnson & Johnson (US4781601046), JP Morgan Chase (US46625H1005) und Berkshire Hathaway (US0846707026). Überhaupt hinkt die Wertentwicklung letzteren Indexes dem „MSCI Growth“ Index seit der Finanzkrise um fast 40 % nach.

Doch das Blatt könnte sich heuer wenden. Davon ist Manfred Schlumberger, Leiter Portfoliomanagement der StarCapital AG und Fondsmanager des „StarCapital Equity Value Plus“ (LU0114997082 für Privatanleger, LU0340591105), überzeugt. Im Gespräch mit dem Börsen-Kurier verweist er auf die steigenden Anleiherenditen, allen voran in den USA. „Solch eine Entwicklung kommt historisch gesehen Value-Aktien zugute, während viele Growth-Titel eher das Nachsehen haben.“

Dazu muss man ein wenig ausholen. Die Renditen sind zuletzt aufgrund der aufkeimenden Inflationsängste gestiegen. Vor allem der neue US-Präsident Joe Biden plant umfangreiche Fiskalpakete, um die Konjunktur in die Gänge zu bekommen. Das wiederum dürfte die Inflation antreiben, weshalb sich in solch einem Umfeld viele Bondinvestoren lieber von ihren Beständen trennen. Und sich angesichts steigender Refinanzierungskosten lieber bei Qualitätsaktien mit soliden Bilanzen einzukaufen.

Rohstoffnachfrage zieht an
Solche dürften etwa in der Rohstoffbranche zu finden sein. Sollte die Wirtschaft tatsächlich anziehen, steigt die Nachfrage nach Rohstoffen. Schon jetzt legten die Notierungen ein gutes Stück zu. Denn Chinas Appetit auf Kupfer, Nickel und Co. wächst wieder kräftig.

Und bei den Banken? Ihnen kommt derzeit besonders zugute, dass die langfristigen Renditen steigen, während das kurzfristige Ende auf historischem Tief verharrt. Schließlich haben die Währungshüter – auch in der Eurozone – klargestellt, dass eine Zinsanhebung noch länger nicht in Sicht ist. Das bedeutet: Für Einlagen müssen Banken ihren Kunden praktisch keine Zinsen zahlen. Demgegenüber können sie für Kredite höhere Zinsen verrechnen. Schlumberger mahnt dennoch, blindlings vor einem Investment in Bankaktien. Nicht überall seien alle Häuser effizient, er erwartet sich deshalb noch Konsolidierungen in der Branche.

Doch wie geht der erfahrene Experte im StarCapital-Portfolio vor? Zu den größten Positionen zählt Autohome (US05278C1071), eine chinesische Online-Plattform für den Autohandel und der -finanzierung. Ebenso zählen die Rohstoffunternehmen Rio Tinto (GB0007188757) und BHP Billiton (GB00BH0P3Z91) dazu wie auch die Aktien der Scandinavian Tobacco (DK0060696300).

Fotos: Adobe Stock/ Costello77

 

 

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Bitcoin: eine zwölf Jahre alte Spekulationsblase

Eine kritische Analyse der Kryptowährung von Willem H. Buiter von der Columbia University.

Am 8. Feber verkündete Elon Musks Elektroautohersteller Tesla, er habe im Jänner 1,5 MrdUSD aus seinen Barreserven in Bitcoin angelegt. Die Nachricht trug dazu bei, den ohnehin schon steil in

die Höhe geschossenen Kurs der Kryptowährung um weitere 10 % auf einen Rekordstand von mehr als 44.000 USD nach oben zu treiben. Doch im Falle Bitcoins gilt ganz besonders: Was steigt, kann genauso leicht auch wieder abstürzen.

Alte Spekulationsblase
Bitcoin wurde 2008 erfunden und nahm 2009 den Handel auf. In 2010 stieg der Wert eines Bitcoin von rund acht Hundertsteln eines US-Cents auf acht Cents. Im April 2011 wurde der Bitcoin mit 67 Cents gehandelt, bevor er dann bis November 2015 auf 327 USD stieg. Noch am 20. März vergangenen Jahres wurde der Bitcoin mit rund 6.200 USD gehandelt, doch inzwischen ist sein Kurs um mehr als das Siebenfache gestiegen.

Heute ist der Bitcoin eine perfekte, zwölf Jahre alte Spekulationsblase. Ich habe Gold einmal als „funkelnden Bitcoin“ beschrieben und den Preis des Metalls als 6.000 Jahre alte Blase charakterisiert. Das war ein bisschen unfair gegenüber dem Gold, dem in der Vergangenheit ein innerer Wert als Industrierohstoff innewohnte (das trifft heute kaum noch zu) und das als langlebiges Konsumgut noch immer weithin im Schmuck zu Einsatz kommt.

Der Bitcoin dagegen hat keinen inneren Wert und wird auch nie einen haben. Er ist ein rein spekulativer Vermögenswert – eine private Fiatwährung (Anm. kommt vom lateinischen Wort „fiat“: „Es sei getan! Es geschehe! Es werde!“ bezeichnet ein Objekt ohne inneren Wert) -, die immer gerade den Wert hat, den der Markt ihr zuschreibt.

Eigentlich ein Luxusobjekt
Doch ist der Bitcoin zudem ein sozial verschwenderischer spekulativer Vermögenswert, weil er in der Herstellung so teuer ist. Die Kosten des „Minings“ eines zusätzlichen Bitcoin – durch Lösung von Rechenrätseln mittels energieintensiver digitaler Ausrüstung – nehmen derzeit in solchem Tempo zu, dass der Gesamtbestand an der Kryptowährung auf 21 Mio Einheiten begrenzt ist.

Natürlich lässt sich, selbst wenn Bitcoins Protokoll nicht geändert wird, um ein größeres Mengenangebot zu ermöglichen, die Übung insgesamt durch Ausgabe eines Bitcoin 2, Bitcoin 3 usw. wiederholen. Die realen Kosten des Minings werden damit ebenfalls repliziert. Darüber hinaus gibt es bereits weitere etablierte Kryptowährungen – z.B. Ether -, die parallel zu Bitcoin operieren.

„Staatliche“ Fiatwährungen
Doch wie der Erfolg staatlich aus-gegebener Fiatwährungen zeigt, ist das Universum spekulativer Blasen durchaus nicht auf Kryptowährungen wie Bitcoin beschränkt. Schließlich gibt es in einer Welt flexibler Preise immer einen Gleichgewichtszustand, bei dem alle glauben, dass die offizielle Fiatwährung wertlos sei – in welchem Falls sie dann folgerichtig auch wertlos ist. Und es gibt unendlich viele „nicht fundamentale“ Gleichgewichtszustände, in denen das allgemeine Preisniveau – der Kehrwert des Kurses der Fiatwährung – entweder explosionsartig steigt und gegen unendlich geht oder implodiert und auf null fällt, selbst wenn die Geldmenge relativ stabil bleibt oder sich gar nicht ändert.

Und schließlich gibt es jenes einzigartige „fundamentale“ Gleichgewicht, bei dem das Preisniveau (und der Wert der Währung) positiv ist und weder explodiert noch implodiert. Die meisten staatlichen Fiatwährungen scheinen in diesen fundamentalen Gleichgewichtszustand hineingestolpert und dort geblieben zu sein. Die Keynesianer ignorieren diese multiplen Gleichgewichtszustände und betrachten das Preisniveau (und also den Preis des Geldes) als allein geschichtlich bestimmt; es würde allmählich durch einen Mechanismus wie die Phillips-Kurve aktualisiert, die eine stabile, inverse Beziehung zwischen (unerwarteter) Inflation und Arbeitslosigkeit postuliert.

Unabhängig davon, welche Perspektive man sich zu eigen macht: Realweltliche Hyperinflationen – man denke an die Weimarer Republik oder die jüngsten Fälle in Venezuela und Simbabwe -, bei denen sich der Wert des Geldes effektiv auf null verringert, sind keine Beispiele nicht fundamentaler Gleichgewichtszustände, sondern vielmehr fundamentaler Gleichgewichtszustände, die eine schlechte Entwicklung genommen haben. In diesen Fällen ist die Geldmenge explosionsartig angestiegen, und das Preisniveau hat entsprechend reagiert.

Private Kryptowährungen und öffentliche Fiatwährungen weisen dieselbe infinite Spanne möglicher Gleichgewichtszustände auf. Das Nullpreis-Gleichgewicht ist immer eine Möglichkeit, und dasselbe gilt für das einzigartige, manierliche fundamentale Gleichgewicht.

Risiko nicht unterschätzen
Der Bitcoin lässt derzeit eindeutig keinen dieser Gleichgewichtszustände erkennen. Stattdessen haben wir es anscheinend mit einer Variante eines nicht fundamentalen explosiven Preisgleichgewichts zu tun. Eine Variante deshalb, weil sie den möglichen, wenn auch unerwarteten Sprung des Bitcoin von seiner aktuellen explosiven Preisentwicklung entweder hin zu einem angenehmen fundamentalen Gleichgewicht oder dem nicht so angenehmen Nullpreis-Szenario zulassen muss. Diese Perspektive multipler Gleichgewichtszustände lässt es zweifellos riskant erscheinen, in Vermögensgegenstände ohne inneren Wert wie den Bitcoin und andere private Kryptowährungen zu investieren.

Die reale Welt ist natürlich nicht auf das hier skizzierte, von der etablierten Wirtschaftstheorie unterstützte Spektrum möglicher Gleichgewichtszustände beschränkt. Aber das macht den Bitcoin als Investition sogar noch riskanter.

Teslas jüngster Bitcoin-Kauf zeigt, dass ein großer zusätzlicher Käufer, der in den Markt einsteigt, den Preis der Kryptowährung deutlich in die Höhe treiben kann, und zwar sowohl direkt (bei illiquiden Märkten) als auch indirekt durch Demonstrations- und Emulationseffekte. Doch hätte ein Ausstieg eines einzigen wichtigen Marktakteurs vermutlich eine ähnliche Auswirkung in die andere Richtung. Positive oder negative Meinungsäußerungen durch Eigenhändler werden erhebliche Auswirkungen auf den Preis des Bitcoin haben.

Exzessive Volatilität
Die atemberaubende Preisvolatilität der Kryptowährung überrascht nicht. Zutiefst irrationale Marktbewegungen wie die, die den Aktienkurs von GameStop im Jänner auf nie gekannte Höhen trieb (gefolgt von einer deutlichen Korrektur), sollten als Erinnerung dienen, dass der Bitcoin ohne offensichtlichen fundamentalen Wertanker ein Lehrbuchbeispiel exzessiver Volatilität bleiben dürfte.

Dies wird sich auch mit der Zeit nicht ändern. Der Bitcoin bleibt ein Vermögensgegenstand ohne inneren Wert, dessen Marktwert alles oder nichts sein kann. Nur Akteure mit erheblicher Risikobereitschaft und einer robusten Fähigkeit, Verluste aufzufangen, sollten Bitcoin-Investments in Betracht ziehen.

Aus dem Englischen für uns übersetzt von Jan Doolan, Copyright: Project Syndicate 1995 bis 2021

Foto: Pixabay / Leamsii

 

 

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Konjunkturerholung in Aussicht

Einkaufsmanagerindizes stimmen vorsichtig optimistisch.

Michael Kordovsky. Die Impfkampagnen nehmen ihren Verlauf und eine Normalisierung der Situation rückt näher. Eine konjunkturelle Erholung bahnt sich an, zumal sowohl Konsumenten als auch Firmen Nachholbedarf bei Investitionen haben. Wie die Stimmung in der Industrie und im Dienstleistungsbereich ist, zeigen vor allem die auf standardisierten Umfragen basierenden Einkaufsmanagerindizes, die auch den wichtigen Frühindikator der Auftragseingänge enthalten. Sehr wichtig sind die ISM(Institute for Supply Management)-Umfragen in den USA.

US-Wirtschaft auf Wachstumskurs
Nach einem „Overshooting“ der Industrie im Dezember ging es im Jänner weiter aufwärts, aber nicht ganz so schnell. Der von ISM veröffentlichte Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe war zwar von Dezember auf Jänner um 1,8 %-Punkte auf 58,7 % rückläufig, doch dieser Wert entspricht noch immer einem annualisierten BIP-Wachstum von 4,4 %. Alle zehn Subindizes waren positiv und von den sechs größten verarbeitenden Branchen waren fünf auf Expansionskurs. Mit 61,1 % sehr stark zeigen sich die Auftragseingänge und auch die Exportaufträge stimmen.

Der ISM-Index für den Dienstleistungsbereich stieg von Dezember auf Jänner um 1,0 %-Punkte auf 58,7 % und somit den höchsten Stand seit Feber 2019. Der Subindex für Auftragseingänge stieg um 3,2 Punkte auf 61,8 % – also bereits acht Wachstumsmonate in Folge. Die Exportaufträge hingegen brachen massiv ein (um 10,3 %-Punkte auf 47 %).

Fed-Chef Jerome Powell kann sich allerdings im laufenden Jahr für die USA eine Wachstumsbandbreite von bis zu 6 % vorstellen. Entsprechend stiegen die Renditen zehnjähriger US-Treasuries bereits auf 1,5 %, verglichen mit 0,92 % zum Jahresende 2020. Dies deutet auf einen vorweggenommenen konjunkturellen Aufschwung hin.

China mit guten Konjunkturchancen
Für China erwartet der IWF bereits heuer ein BIP-Wachstum von 8,1 nach 2,3 % im Jahr 2020. Allerdings stellt sich die wohlberechtigte Frage, wo China so viel Wachstum generieren kann, wenn die halbe Welt noch massiv unter den Seuchenbekämpfungsmaßnahmen leidet. Entsprechend ernüchternd waren die jüngsten Industriedaten: Der „Caixin General Manufacturing PMI“ fiel von Dezember auf Jänner von 53,0 auf ein 7-Monats-Tief von 51,5 Punkten, während die Volkswirte noch 52,7 Punkte erwarteten. Produktion und Auftrags-eingänge wuchsen langsamer, während die Exportumsätze erst-mals seit sechs Monaten zurückgingen. Die Geschäftsstimmung fiel auf das niedrigste Niveau seit acht Monaten und dies trotz gestiegener Verkaufspreise, die den steilsten Anstieg seit Juni 2018 verzeichneten. Konkret bedeutet dies, dass China zunehmend von der eigenen Binnenwirtschaft abhängig wird. Allerdings kann auf diese aktuelle Zwischenphase mit einem erneuten Hochfahren der Wirtschaft in Europa und den USA für China wieder ein Wachstumsschub folgen.

Starke Industrie im Euroraum
Der vorläufig ausgewertete „Eurozone EMI Industrie“, ein Index bestehend aus der gewichteten Kombination der folgenden fünf Unterindizes: Auftragseingang (0,3), Produktion (0,25), Beschäftigung (0,2), Lieferzeiten (0,15) und Vormateriallager (0,1), stieg im Feber auf ein 36-Monatshoch von 57,7 Punkten (verglichen mit Jänner: 54,8 Punkte).

Hingegen fiel der „Flash Eurozone Service Index Geschäftstätigkeit“ auf ein Drei-Monatstief von 44,7 Punkten, während die Kontraktionsgrenze bei 50 Punkten liegt. Der vorläufige Aktivitätsindikator für die Privatwirtschaft der Eurozone, der Industrie und Dienstleistung vereint, nämlich der „IHS Markit Flash Eurozone Composite Index Produktion“, verbesserte sich wegen der starken Industrie per Saldo bereits von 47,8 auf 48,1 Punkte.

Doch die kritischen Faktoren überwiegen noch. Die Privatwirtschaftsaktivitäten deuten auf Schrumpfung hin, was Chris Williamson, Chief Business Economist bei IHS Markit, wie folgt skizziert: „Der anhaltende Corona-bedingte Lockdown schadete dem Eurozone-Servicesektor im Feber weiter erheblich. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Eurozone-BIP auch im ersten Quartal 2021 sinkt. Der beschleunigte Aufschwung in der Industrie milderte die Auswirkungen immerhin etwas ab, womit der jetzige Rückgang deutlich schwächer ausfallen dürfte als in der ersten Jahreshälfte 2020.“

Fazit: Die Stimmung aus Industrie und Dienstleistung stimmt vorsichtig optimistisch, jedoch mit einer Betonung auf „vorsichtig“.

Foto: AdobeStock / twobee

 

 

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Vermögensabsicherung mit Edelmetall mehr denn je gefragt

World Gold Council: Die Nachfrage nach Gold als Investment ist im Jahr 2020 um 40 % gestiegen.

(26.02.) Auch drei Wochen nach der Wiederöffnung der insgesamt vier Filialen in Österreich stellt die „philoro Edelmetalle GmbH“, einer der führenden privaten Edelmetallhändler im deutschsprachigen Raum, ungebrochen starke Nachfrage beim Edelmetallverkauf fest: Trotz Corona-Restriktionen war bei philoro im Laufe der vergangenen drei Wochen an manchen Tagen der bis zu dreifache Andrang eines normalen Handelstages zu verzeichnen. „Es gibt den ganz klaren Trend: Viele Menschen wollen nach dem Lockdown ihr Vermögen verstärkt mit Edelmetallen absichern. Der starke und stabile Goldkurs und die speziell im letzten Jahr deutlich wahrnehmbare Rolle von ‚Gold als sicherer Hafen‘ führen eindeutig zu einem besonders starken Nachfrageschub“, meint Philoro-Geschäftsführer Rudolf Brenner.

Überdurchschnittlich hohe Kundennachfrage steht daher in Filialen nach wie vor auf der Tagesordnung – dafür sorgt auch der starke Wunsch nach sicherer Goldanlage ebenso wie die durch die Corona-Regeln vorgeschriebenen Restriktionen beim Filialbesuch. So dürfen in Wien, Graz und Innsbruck jeweils maximal zwei Personen gleichzeitig in der Filiale betreut werden, in Salzburg ist es eine Person. Die Philoro-Filialen verfügen bei allen besonders stark nachgefragten Produkten – Barren ebenso wie Münzen; Gold ebenso wie Silber – über ausreichende Bestände, um das Kaufinteresse auch kurzfristig bedienen zu können.

Gold als Investment weltweit mit massivem Aufschwung
Das während der Corona-Pandemie massiv gewachsene Interesse an Gold als Anlageform spiegelt sich auch in den jüngsten Zahlen des World Gold Council wider: Während im Jahr 2020 die Nachfrage nach Gold im Bereich Schmuck und Juwelen (minus 34 %; von 2.122,7 to in 2019 auf 1.411,6 to in 2020) sowie im Bereich Technologie (minus 7 %; von 326,0 to in 2019 auf 301,9 to in 2020) signifikant gefallen ist, schraubte sich die Nachfrage im Bereich Gold als Investment in bislang ungeahnte Höhen: Mit einem Plus von 40 % im Vergleich zu 2019 erlebte die Nachfrage nach Gold als Anlageprodukt im Jahr 2020 einen absoluten Rekordwert. 1.773,2 Tonnen im Jahr 2020 zeigen eine deutliche Zunahme in den letzten zwei Jahren (2019: 1.269,2 Tonnen; 2018: 1.160,4 Tonnen). Insgesamt nahm die Goldnachfrage im Jahr 2020 allerdings wegen den Rückgängen bei Schmuck und Technologie um 14% ab.

Österreich und Deutschland zählen dabei in den letzten Jahren als besonders Gold-affin. So stieg die Nachfrage nach Goldbarren und Goldmünzen in Deutschland 2020 um 82 % (von 89,9 to in 2019 auf 163,4 to in 2020). In Österreich beträgt das Plus sogar 85 %: von 6,2 to in 2019 auf 11,6 to in 2020.

„Speziell im privaten Sektor verzeichnen wir ungebrochen starke Nachfrage nach Gold“, so Rudolf Brenner. „Als Folge der Pandemie und der vielfältigen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten haben viele private Anleger ihr Vermögen in Edelmetall abgesichert. Wir sehen ganz klar, dass sich diese Entwicklung und der Wunsch, das vorhandene Vermögen wirkungsvoll mit Gold abzusichern, auch in 2021 fortsetzen. Wenn nach den weltweiten Lockdowns dann die Geschäfte wieder aufgehen, wird auch die Goldnachfrage bei Schmuck und Edelmetallen wieder rasch steigen. Es ist durchaus realistisch, dass dies neuerlich positive Auswirkungen auf den Goldpreis haben wird.“

Foto: philoro EDELMETALLE GmbH

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Sind Telekomaktien die nächsten Tech-Stars?

Bei DNB Asset Management sieht man vor allem in Europa großes Aufholpotenzial.

Raja Korinek. Der Technologiesektor steht schon länger im Rampenlicht, schon allein, da viele solcher Unternehmen zu den Gewinnern der Corona-Pandemie zählen, etwa mit Clouddiensten oder dem Onlinehandel. Doch es gibt einen weiteren Tech-Bereich, der bislang weniger Aufmerksamkeit erhalten hat: der Telekommunikationssektor. Genau diesen hat der „DNB Fund – Technology“ (ISIN: LU0302296495) verstärkt im Fokus. Im Gespräch mit dem Börsen-Kurier blickt Mike Judith, Leiter des internationalen Vertriebs bei DNB Asset Management, auf die Geschehnisse vor knapp mehr als einem Jahr zurück. Da habe man eine Übergewichtung von niedrig bewerteten Aktien aufgebaut, bei denen man einen positiven Wachstumsausblick sah. Daraus resultierte auch die relativ hohe Gewichtung an Telekom-Aktien.

Europas „Telcos“ im Fokus
Dazu zählen vor allem Titel wie Vodafone (GB00BH4HKS39), Deutsche Telekom (DE0005557508) und Orange (FR0000133308). Sie hätten zudem die Krise gut überstanden, es habe nur bescheidene Änderungen bei den Schätzungen für den Gewinn je Aktie gegeben. Trotzdem lieferten die Aktien nicht die erwartete Wertentwicklung, konstatiert Judith. Er meint dennoch, „unsere hohe Überzeugung in Bezug auf Telekommunikationswerte bleibt bestehen“. Immerhin stelle die Branche eine wichtige Infrastruktur zur Verfügung, während die Konzerne aus betriebswirtschaftlicher Sicht stabile Erträge lieferten.

Obendrein habe die Krise die Bedeutung gut funktionierender Telekommunikationsnetze hervorgehoben, „was unserer Meinung nach als Katalysator für die EU wirken könnte, eine Konsolidierung der Betreiber in Europa zuzulassen“, meint der DNB-Experte. Schließlich führe eine Konsolidierung zu dichteren Netzen, höheren Kapitalerträgen und mehr Anreizen, die Netze durch Investitionen weiter zu verbessern. Diese Art der Konsolidierung habe man bereits in den USA gesehen. „Den Sektor-Aktien hat sie erheblich genützt.“

Schmerzen die Roaming-Ausfälle?
Doch wie sieht es mit Roaming-Gebühren aus? Sie sind aufgrund der Lockdowns, vor allem in Europa, teils kräftig weggebrochen. Judith will die Entwicklung aber nicht überbewerten. Denn im Schnitt machten Roaming-Umsätze nur 1 bis 2 % der Betreibereinnahmen in Europa aus. Einzig, Betreiber in Ländern, die sehr stark vom Tourismus abhängig sind, wie Griechenland, Portugal und Spanien, würden tendenziell stärker betroffen sein.

Der Fonds ist aber nicht nur in Telekomaktien investiert. Auch andere Technologietitel, wie etwa Alphabet und Microsoft sind Teil des Portfolios, jene Titel, die bereits schöne Kurszuwächse verzeichnet haben. Droht eine Blase? Judith meint, 2020 sei klar geworden, dass die Tech-Unternehmen eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der Weltwirtschaft spielen. Auf relativer Basis hat es Sinn, dass die Technologiebranche den breiteren Markt anführt. Doch auch die extrem tiefen Zinsen beflügelten Wachstumsaktien, zu denen viele Titel aus der Tech-Branche zählen. Doch einige der Kurszuwächse seien inzwischen überschwänglich, findet Judith.

Essenszusteller sind gefragt
Und dann gibt es noch weitere Trends, etwa die Essenszustellung. „Der Alltag wird immer hektischer. Consumer-Tech-Unternehmen, die helfen, Zeit zu sparen, werden weiterhin profitieren“, sagt Judith. Deshalb liegt ein weiterer Fokus im Fonds auf Aktien wie etwa Just Eat Takeaway (NL0012015705). Das zeigt auch, wie wichtig eine breite Streuung in dieser dynamischen Branche ist.

Foto: AdobeStock / sdecoret

 

 

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„Missverstandenes Japan“

Comgest-Fondsmanager Richard Kaye stellt spannende Nippon-Aktien vor.

Harald Kolerus. Von westlichen Anlegern wird das „Land der aufgehenden Sonne“ oft übersehen. Das hat unterschiedliche Ursachen: So erscheint die japanische Kultur fremd und sehr weit entfernt. Außerdem ist man bei der konjunkturellen Entwicklung hinter andere große Volkswirtschaften zurückgefallen.

Konjunktur: Nicht hervorragend
Japans BIP ist, natürlich bedingt durch die Covid-Pandemie, 2020 um 5,5 % geschrumpft, 2021 soll es wieder um eher bescheidene 2,7 % zulegen. Die USA sind hier schon etwas besser aufgestellt: 2020 schlägt ein Minus 4,6 % zu Buche, für heuer wird ein Plus von 3,7 % prognostiziert. Die Euro-Zone weist für das vergangene Jahr wiederum ein starkes Minus von 7,9 % auf, dafür soll das BIP 2021 um immerhin 4,3 % wachsen (alle Daten laut Wifo).

Dennoch wäre es laut Richard Kaye ein Fehler, Japan nicht die angemessene Beachtung zu schenken. Kaye ist Fondsmanager im Japan-Team von Comgest und zeichnet für das Management des „Comgest Growth Japan“ (ISIN: IE0004767087) mitverantwortlich. In einer Web-Präsentation meinte er, dass Japan vielleicht nicht über die spannendste konjunkturelle Entwicklung verfügen würde, dafür aber „hervorragende Unternehmen“ aufweisen könne: „Japan ist unter den großen Märkten die am stärksten missverstandene Anlageregion rund um den Globus.“ Das liege nicht zuletzt daran, dass das Land von internationalen Analysten fast schon sträflich vernachlässigt wird.

Ein anschaulicher Vergleich: Durchschnittlich werden Schätzungen zufolge Aktien in japanischen Indizes von nur sieben Analysten verfolgt; US-Titel werden hingegen im Schnitt von mehr als 40 Analysten gecovert. Kaye: „Das eröffnet uns als aktiven Fondsmanagern die Möglichkeit, Anlagechancen zu finden, bevor das der Markt tut.

Die Auswahl ist groß: Rund 3.700 Unternehmen sind an der Tokyo Stock Exchange gelistet.“ Bei der Titelselektion wird, wie immer bei Comgest, auf Qualitätswachstum als Sektionskriterium größter Wert gelegt.

Spannende Aktien
Der Fondsmanager gewährte uns bei der Präsentation auch Einblick in sein Portfolio. Ein attraktiver Titel sei etwa Recruit (JP3970300004). Kaye führte weiter aus: „In Japan wollen wir in starke gesellschaftliche Wandlungen investieren, z.B. am Arbeitsmarkt, wo immer mehr Frauen Fuß fassen. Auch lässt Japan zunehmend mehr Gastarbeiter ins Land, weil das heimische Arbeitskräfteangebot zurückgeht. Recruit ist nun eines der ältesten sowie größten Human Resources-Unternehmen Japans und ist in der Umsetzung dieser Trends sehr aktiv.“

Schlechte Ernährung, gutes Geschäft
Ein schon länger feststellbarer Trend ist eine gewisse „Verwestlichung“ Japans in einigen Lebensbereichen. Das betrifft z.B. die Ernährung, die sich dem Westen anpasst und dadurch nicht gerade gesünder geworden ist. Die Diabetes-Rate ist gestiegen. Davon können Unternehmen wie Sysmex (JP3351100007) profitieren, ein weltweit führender Spezialist für Blutuntersuchungen. Er steht für effektive und gleichzeitig kostengünstige Tests. Weitere attraktive Titel im Portfolio des „Comgest Growth Japan Fund“ sind (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): Obic, Daikin, Fanuc, Pigeon oder PPIH.

Buffett „kauft“ Japan
Spannend ist auch, dass Börsen-Guru und Langzeit-Investor Warren Buffett im vergangenen September massiv in den japanischen Markt eingestiegen ist. Eine Entscheidung, für die er sich dem Vernehmen nach 15 Jahre Zeit gelassen hat. Jetzt schien der richtige Zeitpunkt gekommen.

Ansonsten weisen die Japaner selbst einen starken Heimatbezug auf: Soll heißen, dass sie überwiegend im eigenen Aktienmarkt veranlagen. Vor allem bei institutionellen japanischen Investoren war diese Tendenz in den vergangenen Jahren wieder vermehrt auszumachen, was zu einem starken Momentum für den Nikkei führte.

Foto: Pixabay / cegoh

 

 

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Chinesische Marken: Neue Lieblinge in der Heimat

von René Kerkhoff, Analyst für die Sektoren Technologie, Automotive und Retail sowie Fondsmanager des DJE – Mittelstand & Innovation bei der DJE Kapital AG

(16.02.) Ob schicke Sportschuhe, Babynahrung, Make-up oder luxuriöse Elektro-SUVs: Durch geschicktes Marketing, günstige Preise und nicht zuletzt durch den Appell an das Nationalgefühl machen chinesische Marken auf ihrem Heimatmarkt den globalen Anbietern ernstzunehmende Konkurrenz.

Nach Skandal – chinesische Produzenten gewinnen Konsumentenvertrauen
Im Jahr 2008 erschütterte ein Skandal um verseuchtes Milchpulver die jungen Eltern im Reich der Mitte. Mindestens sechs Babys starben – und etwa 300.000 wurden schwer krank, nachdem sie eine in China hergestellte Säuglingsnahrung getrunken hatten. Diese enthielt die giftige Industriechemikalie Melamin. Der Stoff, der einen höheren Eiweißgehalt der Kleinkindernahrung vortäuschen sollte, führte zu schweren Nierenerkrankungen. Das Vertrauen in chinesische Säuglingsnahrungshersteller war dadurch zutiefst gestört. Viele chinesische Eltern stiegen auf ausländische Marken um, deren Qualität als sicher galt. Als Reaktion auf den Eklat stellten mehrere Länder, darunter Singapur und Japan, den Import von chinesischer Milch ein. Die EU verschärfte das bereits bestehende Importverbot von Milch und Milchprodukten aus China. Die chinesische Regierung verhängte drastische Strafen über die Verantwortlichen und versicherte, zukünftig entschlossen gegen Probleme bei der Lebensmittelsicherheit vorzugehen.

Inzwischen hat sich die Lage gewandelt. Unter den chinesischen Milchpulverproduzenten hat es die China Feihe Ltd. aus Peking geschafft, das Verbrauchervertrauen zurückzugewinnen und ist seit zwei Jahren führender Anbieter für Babynahrung in China. Zu Beginn war der Erfolg wohl an eine Branding-Kampagne geknüpft, die eine ausländische Provenienz implizierte: Bis 2013 war Feihe als American Dairy Inc. an der New York Stock Exchange notiert. Nach der Rückkehr zu ihrem chinesischen Namen betont Feihe, die heimische Babynahrung habe die höchste Qualität in der Geschichte und sei vergleichbar mit der der führenden globalen Marken. Außerdem verspricht die Werbung, dass ihr Produkt besser auf die Bedürfnisse chinesischer Babys abgestimmt sei als ausländische Erzeugnisse.

Zunehmender Wettbewerbsdruck für globale Marktführer
Global führende Anbieter von Babynahrung wie Nestlé oder Danone sind auf dem chinesischen Markt mittlerweile einem höheren Konkurrenzdruck durch die lokalen Anbieter ausgesetzt als noch vor wenigen Jahren. Corona hat diese Entwicklung weiter beschleunigt. Im Verlauf der Pandemie hat die chinesische Regierung den sogenannten Daigou-Handel – das bedeutet eine Person außerhalb Chinas kauft Waren für eine in China lebende Person – massiv eingeschränkt. In der Folge konnten die hohen Wachstumsraten der Vergangenheit von Nestlé und Co. nicht gehalten werden. Die rückläufige Geburtenrate in China tat ihr Übriges.

Verbesserte Qualität chinesischer Produkte
Egal ob Babynahrung, Mineralwasser, Sportbekleidung oder Hautcreme – die in China heimischen Marken machen den bekannten Marken global agierender Konzerne Konkurrenz. Qualitativ haben die chinesischen Anbieter inzwischen praktisch in allen Sparten massiv aufgeholt. Sportschuhe führender chinesischer Produzenten wie Anta Sports sind qualitativ mit den Produkten von Nike, Adidas und Co. vergleichbar, aber oftmals wesentlich günstiger. 2020 stellte erstmals ein einheimischer Produzent den – für eine gewisse Zeit – angesagtesten Turnschuh her. Doch es war nicht die verbesserte Qualität allein. In den vergangenen Jahren hat auch ein zunehmendes Nationalbewusstsein („Buy Chinese“ bzw. „Kauft chinesisch“) den einheimischen Produkten Auftrieb gegeben.

Corona-Pandemie verstärkt den Wandel
Die Covid-19-Pandemie hat auch diesen Wandel verstärkt. In Zeiten knapper oder unsicherer Haushaltsbudgets nimmt die Attraktivität günstigerer Waren zu und die lokal hergestellten Produkte kosten meist deutlich weniger als die ausländischer Markenanbieter. Hinzu kommt: Lokale Marken sind meist auch bei den führenden chinesischen Online-Plattformen besser positioniert. Da diese Plattformen in der Pandemie großen Zulauf erfahren haben, haben die multinationalen Unternehmen gegenüber den chinesischen Marken in Marketing und Vertrieb einen zunehmend schweren Stand.

Premium-Segment – noch von ausländischen Herstellern dominiert
Marktforscher bestätigen: chinesische Käufer haben inzwischen ein stärkeres Vertrauen in lokale Marken. Nach Angaben von Daxue Consulting stellen lokale Firmen mittlerweile sieben der zehn größten Kosmetikmarken. Noch 2017 waren es nur drei. Aufstrebende chinesische Marken wie die Kosmetikanbieter Perfect Diary oder Yatsen sind vom ersten Tag an eher digital, etwa bei Tmall, einem Online-Einzelhändler der Alibaba Group, präsent und investieren sehr viel in Marketing über Social-Media-Kanäle. Das drückt auf die Gewinnspanne. Yatsen zum Beispiel hat eine operative Marge von nur etwa 5 Prozent. Multinationale Unternehmen wie Estée Lauder und L’Oréal investieren zwar ebenfalls sehr viel in ihr Online-Angebot, lenken den Fokus aber ganz klar auf das deutlich profitablere Premium-Segment. Vor diesem Hintergrund sind die Marktanteilsverluste der Make-up-Linie Maybelline von L’Oréal im chinesischen Massenmarkt von rund 10 Prozent seit 2010 nicht verwunderlich. Gleichzeitig hat L’Oréal aber im Premium-Segment mit Yves Saint Laurent und Giorgio Armani zwei neue Make-up-Marken erfolgreich etabliert und konnte in den vergangenen fünf Jahren rund 15 Prozent Marktanteil hinzugewinnen. Gefährlich dürfte es für die westlichen Kosmetikhersteller daher erst werden, wenn die chinesischen Konkurrenten auch in das wesentlich lukrativere und schneller wachsende Premium-Segment für Hautpflege vordringen. Bislang kann sich hier L’Oréal mit der Marke Lancôme noch sehr gut behaupten.

Für den chinesischen Geschmack
Das Marketing der chinesischen Unternehmen kommt bei den Einheimischen an. Während die ausländische Marke den Nährwert ihrer Säuglingsnahrung anpreist, pflegt die einheimische Marke Feihe die Beziehungen zu den Verbrauchern über Treueprogramme, Hilfsgruppen für frischgebackene Eltern oder Buchbände mit Gute-Nacht-Geschichten. Und chinesische Marken passen ihre Waren zunehmend an den heimischen Geschmack an. China Mengniu Dairy Co. steigerte beispielsweise den Verkauf seiner Milchprodukte durch Innovationen wie Käse mit Ananasgeschmack und Snacks mit Tintenfisch zusätzlich zum Basisangebot aus Milch und Fruchtjoghurt.

Nur wenige internationale Konzerne sind ebenso agil und operieren mit innovativen Vertriebsstrategien. So verkaufte Estée Lauder am chinesischen „Singles’ Day“ – mit einer Livestreaming-Kampagne, Zwei-für-Eins-Rabatten und Ratenzahlungsplänen – Produkte für mehr als 2 Milliarden Yuan (mehr als 250 Millionen Euro). Und die auf Geflügel spezialisierte US-Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken (KFC) – immer noch die größte in China – ergänzte ihr Brathähnchen für Kunden, die in der Pandemie zu Hause festsaßen, mit Produkten wie schnellkochenden, sauren Schneckennudeln. Ausländische Marken dominieren bis heute in Hochpreis-Kategorien wie exklusiven Handtaschen und Luxusautos. Doch gerade die Autohersteller müssen aufpassen.

Automarkt: Der Vorsprung deutscher Topmarken schmilzt
China ist mit Abstand der größte Automarkt der Welt – und daher ein Schlüsselmarkt für deutsche Hersteller. Diese haben einen sehr guten Ruf. Bislang kaufen die Chinesen gern die top ausgestatteten Luxusmodelle und die Profitabilität in China ist für deutsche Hersteller ungleich höher als in Deutschland. Doch einer aktuellen Umfrage zufolge ist das angesagteste Auto in China kein Porsche oder Tesla mehr, sondern ein NIO. Die Marke gibt es erst seit 2014 und kann sich in Sachen Tradition und Strahlkraft (zumindest noch) nicht mit europäischen Marken messen. Dennoch hat NIO mit seinem Elektro-SUV bei Qualität und Design einen Riesensprung gemacht, bietet eine ordentliche Reichweite und ist deutlich günstiger als etwa ein vergleichbares Modell von BMW. Der Wettbewerbsdruck auf europäische Hersteller steigt durch chinesische Anbieter zunehmend.

Chinesische Automarken punkten mit innovativen Geschäftsmodellen
NIO ist nicht allein. Weitere chinesische Autohersteller wie BYD, BAIC oder Geely drängen derzeit mit neuen E-Autos auf den Markt. Sie winken nicht nur mit moderner Technik und günstigeren Preisen, sondern gehen auch neue Wege. So spart sich die dreijährige Geely-Tochter Lynk & Co ein teures Vertriebsnetz. Konfiguriert und bestellt wird online. Alternativ zum Kauf bietet Lynk auch ein günstiges Abo-Paket inklusive Wartung, Steuer und Versicherung an, bei dem die Abonnenten ihr Auto mit Dritten teilen und so auch noch Geld verdienen können. Auch Aiways startet mit einem ungewohnten Konzept für sein E-SUV. Es wartet dank neuer Akkutechnologie mit großer Reichweite auch bei Minusgraden zu einem konkurrenzfähigen Preis auf – und das nicht nur in China. In Europa können Kunden den Wagen bei den Filialen des Elektronikhändlers Euronics Probe fahren. Bestellt wird online und für die Wartung hat sich Aiways mit dem Kraftfahrzeugzubehör- und Autoteilehändler A.T.U. zusammengetan, der ein weites Werkstattnetz betreibt. Herzstück der E-Mobilität ist die Batterie. Daher brauchen Autohersteller eine Partnerschaft mit erfolgreichen und innovativen Batterieherstellern. Einer der weltweit führenden Batteriehersteller heißt CATL und sitzt in China – ein möglicher Vorteil für chinesische Automarken.

Chinesische Anbieter holen auf – und bieten interessante Anlagemöglichkeiten
Westliche Marken haben in China noch immer einen hohen Stellenwert. Doch chinesische Anbieter haben branchenübergreifend massiv aufgeholt oder sind ihrer ausländischen Konkurrenz mit Blick auf Marketing und Vertrieb oder sogar technisch zum Teil eine Nasenlänge voraus. Die E-Mobilität ist nur ein Beispiel dafür. „Kauft chinesisch“ kommt bei den chinesischen Kunden auch gut an. Für Investoren erweitern sich dadurch die Möglichkeiten, in den chinesischen Binnenmarkt zu investieren.

Foto: DJE

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Konjunkturelle Frühlingsboten

Aufbruchsstimmung im Welthandel? Heimliefertrend lässt Frachtraten explodieren.

Michael Kordovsky. Lockdown, Homeoffice, Kurzarbeit und vorübergehende Arbeitslosigkeit haben alle eines gemeinsam. Sie führen zum Rückzug in die eigenen vier Wände mit Begleiterscheinung vermehrter Onlinekäufe von unter anderem auch Möbeln, diversen Einrichtungsgegenständen, Sportgeräten, etc. Während der stationäre Einzelhandel quer durch Europa Lockdown-Pausen einlegt, zeigt sich laut Eurostat ein regelrechter Boom im Online-Handel. In der EU stieg im November und Dezember das Absatzvolumen im Versand- und Interneteinzelhandel gegenüber den Vorjahresmonaten um jeweils 35,4 bzw. 28,5 %. Irgendwo müssen die Güter hertransportiert werden und so ist es nicht verwunderlich, dass Schiffscontainer knapp werden und alleine von November bis Mitte Jänner die Frachtraten zwischen China und Nordeuropa um das Drei- bis Vierfache stiegen. Bei-spielsweise hatten sich binnen weniger Wochen die Preise für 40-Fuß-Container auf dieser Strecke von 2.000 auf 9.000 USD erhöht.

Ein Indikator, wohin der Frachtpreistrend geht, ist der „Shanghai Containerized Freight Index“ (SCFI), der die Entwicklung der Frachtraten für Container von Fernost nach Nordeuropa abbildet und erst kürzlich ein Fünf-Jahres-Hoch erreichte. Ursache: Es befinden sich noch immer nicht alle Container nach dem Stillstand im ersten Lockdown im Umlauf, zumal dieser Nachfrageschub überraschend kam und Chinas Wirtschaft bereits wieder auf Hochtouren läuft. Deshalb schätzt der IWF nach voraussichtlich 2,3 % im Jahr 2020 Chinas Wirtschaftswachstum für heuer auf 8,1 %.

China importiert mehr Rohstoffe und somit kann sich der „Baltic Dry Index“ auf hohem Niveau halten. Die Benchmark für sogenannte „Trockenfrachten“, wie Kohle, Eisenerz und Getreide, auf 23 verschiedenen Schiffsrouten stieg vom 14. Mai bis 6. Oktober von 393 auf 2.097 Punkte und oszilliert seit mehreren Monaten in einer Seitwärtsbewegung. Offensichtlich braucht Chinas Industrie wieder ausreichend Rohstoffe – eine Entwicklung, auf die auch der jüngste Ölpreisanstieg hindeuten könnte.

Erste Lichtblicke
Doch wie haben sich im Jahr 2020 die globalen Handelsströme entwickelt? Laut WTO trug das dritte Quartal zu einer Milderung der Kontraktion im Weltwarenhandel bei, zumal der Zuwachs gegenüber dem Vorquartal bei 11,6 % liegt, verglichen mit einem Minus von 12,7 % im zweiten Quartal. Auf Jahresbasis gegenüber dem dritten Quartal des Vorjahres lag jedoch die Schrumpfung noch immer bei 5,6 %, verglichen mit minus 8,2 % in den ersten drei Quartalen 2020 (im Jahresvergleich). Dieser Wert ist zwar besser als der von der WTO prognostizierte Rückgang von 9,2 %, allerdings bleibt noch eine hohe Abhängigkeit von der Ausbreitung der Impfkampagnen und dem Zeitpunkt einer nachhaltigen Normalisierung.

Positive Tendenzen können auch in Europa wahrgenommen werden: Zwar sind im Zeitraum Jänner bis November 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum die Extra-Ausfuhren der EU (Exporte der EU-Länder in Drittländer außerhalb der EU) um 10,3 % auf 1.756,6 Mrd Euro zurückgegangen, zumal es vor allem Maschinen und Fahrzeuge mit einem Minus von 14,1 % hart erwischte, doch im November hat sich auf Jahresbasis der Rückgang der EU-Extra-Ausfuhren auf 1,5 % verlangsamt. Im Handel mit China konnte in den ersten elf Monaten 2020 gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum ein Exportplus von 1,1 % erzielt werden. Die Exporte in die Türkei und nach Südkorea wuchsen sogar jeweils um 2,1 bzw. 3,5 %.

Fazit
Die globalen Handelstrends könnten schon als erste konjunkturelle Frühlingsboten gewertet werden, sofern nicht wieder weitere Lockdowns und Unterbrechungen der Lieferketten (wegen Pandemie-Eindämmung) einen Strich durch die Rechnung machen.

Foto: Pixabay / IngoMoringo

 

 

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Österreich als Pensionsvorbild für Deutschland?

Die vermeintlich paradiesischen Zustände in der Alpenrepublik täuschen.

Manfred Kainz. In Deutschland wird darüber berichtet, dass die Österreicher mit ihrem Pensionssystem besser dran sind und es sich für Deutsche lohnen würde, wegen der Rente nach Österreich auszuwandern. Die Linke fordert gar eine Reform des Deutschen Rentensystems nach dem Vorbild Österreichs. Denn hierzulande würden auch Beamte und Selbständige in das staatliche Altersvorsorgesystem einzahlen, man könne früher in Pension gehen und das Rentenniveau sei in der Alpenrepublik höher. Deshalb sollten Deutsche beim Thema Auswandern nicht nur an Mallorca denken, sondern auch an ihr Nachbarland (Studenten und manche Berufsgruppen tun da ja schon).

Alles hat zwei Seiten …
Aber ist das Austro-Altersvorsorgesystem wirklich so paradiesisch, dass es in Deutschland, zumindest von gewissen Kreisen, als nachahmenswert bezeichnet wird? „Es ist alles sehr kompliziert“, gilt wohl auch hier. Denn alles hat seinen Preis: In Österreich sind die Beitragssätze für Arbeitgeber und Arbeitnehmer höher, die Mindestversicherungszeit ist dreimal so lang, und es gibt prozentuell mehr Einzahler ins staatliche Pensionssystem als bei unserem großen Nachbarn. Außerdem wird das Austro-System neben den Beiträgen auch mit stattlichen jährlichen Milliardenzuschüssen aus dem Bundesbudget finanziert, also mit Steuergeldern, die ja auch aus dem Säckel der Bürger (und der Wirtschaft) kommen. Trotzdem führten die diversen Sozialversicherungsreformen der vergangenen Jahrzehnte sukzessive zu Leistungskürzungen für die staatliche Alterspension. Umgekehrt gibt es in Deutschland eine stärkere Zusatzpensionssäule („Riesterrente“); da ist Österreich hinten.

Menschen mündig genug
Dementsprechend würde sich etwa Christian Nuschele wünschen, dass der zusätzlichen Vorsorge „mehr Aufmerksamkeit“ gewidmet würde. Der Head of Sales and Marketing Germany and Austria von Standard Life rät im Gespräch mit dem Börsen-Kurier jedem Bürger, mit seinem Pensionskontoauszug zu einem kundigen unabhängigen Berater zu gehen und sich aufklären zu lassen; also sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie die eigene Versorgungssituation ist, sowie gemeinsam die Pensionsleistungen und die allfällige Pensionslücke zu analysieren. Für die zweite und dritte Vorsorgesäule plädiert Nuschele für eine möglichst unkomplizierte Förderung statt der aktuellen Vielzahl an Varianten, die das Ganze kompliziert macht und dazu führt, dass die Akzeptanz nicht so hoch ist, wie nötig wäre.

Auch glaubt der Kenner der verschiedenen staatlichen Systeme an die Mündigkeit der Menschen, also dass sie mit dem für die Pension Angesparten verantwortungsvoll umgehen: Das Britische „Pension Freedom“-System, in dem man sich ab dem 55-sten Lebensjahr das Vorsorgeangesparte auszahlen lassen kann, zeige, dass es nicht „verjubelt“ sondern überwiegend verantwortungsbewusst für weitere Vorsorge reinvestiert wird. Diese Mündigkeit könne man auch den Menschen hierzulande zutrauen.

Förderung gefordert
Der Vorsorgeexperte und -berater Ronald Felsner sieht im Systemvergleich Deutschland versus Österreich eher bewundernd nach Deutschland, wo man „der Wahrheit ins Auge blickt“, dass die staatliche erste Säule nicht (mehr) alles abdecken kann. Auch bei uns sollte man den Menschen „reinen Wein einschenken“, die Beiträge im Umlagesystem reduzieren, dafür das Vorsorgebewusstsein in der Bevölkerung stärken und die Eigenverantwortung fiskalpolitisch unterstützen. Es brauche einen Ausbau der zweiten und dritten Säule in Österreich, beide gehörten „viel mehr in die Breite“. Dienlich wäre dafür eine unkomplizierte Art von steuerlichem Anreiz, wenn Menschen freiwillig auf einen Teil (5 bis 10 %) ihrer Lohn- bzw. Gehaltsauzahlung verzichten und diesen Teil in ein Vorsorgeinstrument mit Verrentung überweisen (lassen). Betriebe könnten die eingesparten Lohnnebenkosten an ihre Mitarbeiter weitergeben, die das Geld eben für Eigenvorsorge verwenden könnten. Die jetzigen 25 abgabenbegünstigten Euro pro Monat für Privatvorsorge seien „nur ein Tropfen auf den heißen Stein“.

Foto: Adobe Stock / inkdrop

 

 

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Manager und Aufsichtsräte gehören versichert

D&O-Versicherungen: Skandale der jüngsten Vergangenheit mahnen zur Vorsicht.

Manfred Kainz. Spätestens seit den Wirecard- und Commerzialbank-Skandalen ist klar: Der Aufsichtsrat ist kein „Honoratioren-Club“, sondern das Überwachungs- und Kontrollorgan von Unternehmen. Und dass Vorstände ihren Job höchst sorgfältig machen, davon gehen wir alle eigentlich aus. Wenn jedoch der Vorstand bzw. die Geschäftsführung und/oder der Aufsichtsrat ihre Sorgfaltspflichten verletzen, drohen teure Haftungen für dadurch verursachte Schäden. Gegen solche Schäden gibt es D&O(Directors-and-Officers)-Versicherungen: das ist eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung, die Unternehmen für seine Organe abschließen können. In Österreich gibt es da noch Luft nach oben. Das zeigt die repräsentative Umfrage, die „Board Search“ erstmals durchgeführt hat. Das österreichische Dienstleistungsunternehmen ist auf die Suche nach qualifizierten Aufsichtsorganen im deutschsprachigen Raum spezialisiert und verfügt mit seinen internationalen Kooperationspartnern über ein weltweit aktives Netzwerk. Die Befragung zum Thema D&O-Versicherung war eine Premiere und adressierte das Netzwerk im gesamten deutschsprachigen Gebiet. Die Auswertung brachte einige interessante Ergebnisse.

Licht und Schatten
D&O-Versicherung ist noch immer ein sperriges Thema: Bei der Frage „Wie gut fühlen Sie sich mit dem Thema D&O-Versicherung vertraut? (das heißt: Begriff und Nutzen bekannt, Umfang und Grenzen der Versicherung bekannt) liegt die Selbsteinschätzung unserer Führungs- und Aufsichtsorgane zwischen gut und befriedigend. (Der Durchschnittswert belief sich auf 2,3 auf der Schulnotenskala: 1 = sehr vertraut, 5 = nicht vertraut.)

Zwar ist für 70 % der antwortenden Führungs- und Aufsichtsorgane in „ihrem“ Unternehmen eine D&O-Versicherung abgeschlossen, aber für immerhin 30 % nicht: „weil es vom Dienstgeber nicht vorgesehen ist“.

Positiv ist zweierlei: Erstens, dass 93 % jener, die mit einer D&O-Versicherung abgesichert sind, diese noch nicht in Anspruch nehmen mussten. Und zweitens: dass all jene, die sie schon in Anspruch nehmen mussten, mit ihrer Versicherung zufrieden waren. Was hingegen weniger positiv ist: Nur 48 % der D&O-Versicherten kennen ihre Polizze mit den Versicherungsbedingungen im Detail – die Mehrheit von 52 % jedoch nicht.

Informationsquellen
Die wichtigste Quelle, bei der sich Führungs- und Aufsichtsorgane zum Thema D&O-Versicherung informieren bzw. informieren würden, wenn sie Fragen haben, ist das eigene Unternehmen, gefolgt vom „Berater meines Vertrauens“. Auf Platz drei rangieren gleichauf „in meinem Netzwerk“ und „bei der Versicherungsgesellschaft meines Vertrauens“. Fachmedien und Internet werden nur eher selten als Informationsquelle herangezogen. Wobei beim Wissensstand noch Luft nach oben ist: Denn immerhin 30 % fühlen sich aus all den Quellen nicht ausreichend neutral und praktikabel informiert.

Praxisvorschläge
Die Umfragepremiere brachte aber auch einige Vorschläge von Mitwirkenden, wie D&O-Versicherungen „anwendungsfreundlicher“ werden könnten bzw. sollten: Etwa, zielgruppengenauere Polizzen anzubieten, also beispielsweise eigenständige Angebote für das Top-Management bis zum C-Level und separat für den Aufsichtsrat, bessere Versicherungsprodukte für die Zeit nach Beendigung der Position und vor allem für die Haftung „danach“.

Follow up
Der Managing Partner von „Board Search“ Josef Fritz kommentiert die Umfrage gegenüber dem Börsen-Kurier so: „Es war dies die erstmalige Befragung einer elitären Teilnehmerschaft mit repräsentativem Branchenquerschnitt aus dem gesamten deutschsprachigen Raum zum Thema D&O-Versicherung und hatte eine im internationalen Vergleich sensationelle Rücklaufquote. Die Teilnehmer waren -zum Teil sehr bekannte – Vorstände, Aufsichtsräte bzw. Geschäftsführer.“ Was die Ergebnisse betrifft, meint Fritz: „Beim Thema D&O-Versicherung sind wir im deutschsprachigen Raum zwar auf gutem Weg, aber es geht noch mehr und besser.“ Das Interesse von Seiten der Zielgruppen sei da, und gute Information von Produktgebern und Intermediären sei immer erwünscht. Deshalb wolle man die Befragungsergebnisse auch bei geeigneten Ansprechpartnern einbringen, um den Dialog zu fördern.

Foto: AdobeStock / lassedesignen

 

 

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Neue Energie fürs Portfolio

Wind- und Solarkraft werden effektiver und für Anleger attraktiver.

Harald Kolerus. Nachhaltigkeit kennt viele Gesichter und ist en vogue: Das gilt nicht zuletzt für Elektro-Autos. So stiegen die Neuzulassungen solcher Boliden 2020 in Österreich im Vergleich zum Vorjahr um fast 93 %. Nach einem Rekord von 7.778 Neuzulassungen im Dezember erreichte der Marktanteil der 2020 neu zugelassenen E-Fahrzeuge einen historischen Höchstwert von 20 %. Diesen Boom belegen die Ergebnisse einer aktuellen Studie von PwC.

Strom aus der Steckdose
Wobei natürlich rasch hinzugefügt werden muss: E-Autos sind nur so gut wie die Energie, mit der sie betrieben werden. Kohlekraftwerke und Atomstrom werden ja bereits zunehmend verbannt und auch die Öl- und Gasindustrie hat nicht mehr den leichtesten Stand.

Als Alternativen bieten sich – natürlich nicht nur im Bereich der E-Mobilität – Solar- und Windkraft an. Wobei es von Vorteil ist, dass diese erneuerbaren Quellen immer günstiger genutzt werden können. Anna Borg, CEO von Vattenfall (ISIN: XS0422688019), bestätigt in ihrem Vortrag am Handelsblatt-Energie-Gipfel im Jänner: „Es gibt mehrere Treiber für den Vormarsch erneuerbarer Energien. Einer ist sicherlich, dass mit den Klimazielen von Paris der Kampf gegen die Erderwärmung beschleunigt worden ist. Aber unterstützend wirkt auch der dramatische Verfall bei den Kosten für die zugrundeliegenden Technologien.“

So ist etwa Solarenergie bereits die günstigste Stromquelle in Deutschland, die Entstehungskosten sind mit 4 bis 5 Cent pro Kilowattstunde taxiert und somit mehr als konkurrenzfähig. 9 % am gesamten Stromverbrauch der Bundesrepublik fallen bereits auf Photovoltaik. Ebenfalls in Deutschland hat EnBW (Energie Baden-Württemberg, nach RWE und E.ON das drittgrößte Energieunternehmen Deutsch-lands; DE0005220008) bereits einen großen Solarpark in Betrieb genommen, der völlig ohne staatliche Unterstützung auskommt. Weitere solcher Projekte werden folgen.

Starker Rückenwind
Windkraft steht dem in nichts nach: Sie ist heute schon für 15 % der Energie in Europa verantwortlich. In Österreich erzeugten laut IG Windkraft Ende des Vorjahres 1.307 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 3.120 Megawatt umweltfreundlichen Strom für rund 2 Mio Haushalte. Somit können jährlich 3 Mio Tonnen CO2 vermieden werden.

Großes Potenzial, aber noch bürokratische Hürden
Die Energiebranche nähert sich also einem Wendepunkt, aktuell zählen Wind- und Solarkraft oftmals zu den preiswertesten Formen der Neugewinnung. Das haben natürlich auch die großen Multis längst erkannt: Vattenfall bezeichnet sich als Marktführer sowohl in der Onshore- als auch Offshore-Windkraft und betreibt ca. 50 Windparks in fünf Ländern. Vattenfall-CEO Borg wirft einen Blick in die nahe Unternehmens-Zukunft: „Mit dem Offshore-Windpark vor der holländischen Südküste entsteht die größte europäische Anlage dieser Art, weitere Projekte dieser Dimension sind in Planung.“

Katja Wünschel, Chief Operating Officer bei RWE (DE0007037129), rechnete beim Handelsblatt-Gipfel ebenfalls mit anhaltendem Wachstum für die Branche, sieht aber Problemzonen: „Für die Klimaziele der EU brauchen wir auch einen weiteren On-shore-Ausbau. Leider stehen hier aber noch immer bürokratische Hürden im Weg, etwa bei den langwierigen Genehmigungsverfahren.“ Eine Mahnung an die Politik.

Foto: AdobeStock / fotobi

 

 

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Politisch korrektes Glitzern

Ethik im Handel mit Edelsteinen wird heute vorausgesetzt.

Rudolf Preyer. Adam Sandler hetzt als Juwelier Howard Ratner im via Netflix streambaren Drama „Der schwarze Diamant“ (2019) von einem halsbrecherischen Deal zum nächsten: Der Diamond District von Manhattan ist in Aufruhr, weil der Adrenalinjunkie einen wertvollen schwarzen Opal auf nicht ganz koschere Weise aus den Diamantminen Äthiopiens in die USA hat einschmuggeln lassen. Denkbar ist das auch in unseren Breiten – heute ist Käufern aber bewusst, dass sie es sind, die die moralischen Standards setzen.

Ethik im Edelsteinhandel
Beim Abbau und Handel von Edelsteinen verhält es sich wie mit der Nachhaltigkeit: Ehemals Nice-to-have, wandelt sich der politisch korrekte Standort immer mehr zu einem Must-have. Beim Händler die einzelnen Stationen entlang der Verwertungskette abzufragen, signalisiert gewiss Interesse – von Vorteil ist es jedenfalls, das „1×1 der Ethik im Edelsteinhandel“ schon vorneweg zu beherrschen.

So stellt ein seriöser Händler stets (ungefragt) ein Gutachten eines unabhängigen gemmologischen Instituts zur Verfügung. Dieses dient als Echtheitszertifikat für den internationalen Markt. Die diesbezügliche versicherungstechnische Fußnote: Dieses Zertifikat gehört von den Edelsteinen getrennt aufbewahrt.

Zu den Basics gehört laut Thomas Schröck, dem Gründer und geschäftsführenden Gesellschafter von The Natural Gem, auch das Wissen um vertrauenswürdige Herstellerländer: Staaten wie Sri Lanka, Mozambique oder Myanmar haben den großmaschinellen Abbau von Edelsteinen verboten. Fundstellen werden stattdessen an einheimische Familien verpachtet.

Schröck erklärt, dass es „vergleichsweise einfach ist, für Steine aus Sri Lanka die Einhaltung von ESG-Kriterien nachzuweisen“. So wurde beispielsweise Kinderarbeit verboten – wie auch in Sambia und Mozambique. Allerdings: Seit der Norden von Mozambique von Islamisten heimgesucht wird, fällt das Land als Lieferant unter ESG-Gesichtspunkten aus. Ähnlich ist es um Myanmar bestellt: Ankäufe aus dem Land sind im Grunde wegen der Verfolgung der muslimischen Minderheit der Rohingya nicht zu vertreten.

Das vor rund 20 Jahren begründete Kimberley-Prozess-Zertifizierungssystem (KPCS) haben heute 82 Staaten ratifiziert. Dennoch liegt die Umsetzung auf nationaler Ebene – Experten gehen davon aus, dass heute etwa ein Viertel der Rohdiamanten als „Konflikt- bzw. Blutdiamanten“ gelten müssen.

Vorbild Sri Lanka
In der Inselnation südlich von Indien findet ausschließlich der sogenannte „sekundäre Abbau“ statt: das heißt, dass das Gebirge, in dem die Edelsteine entstanden sind, von der Natur bereits abgebaut wurde und dass die Edelsteine nunmehr im Lehm früherer Flüsse abgelagert sind. Diese Lehmschichten werden von Männerhand abgetragen, da es sich um schwere körperliche Arbeit handelt. Kinder sind daher auf Sri Lanka in aller Regel nicht am Abbauort anzutreffen.

Die Arbeitszeit reicht zumeist von 9 bis 15.30 Uhr. Der Grund dafür: Im tropischen Abendlicht können Edelsteine optisch nicht mehr von umgebenden Kieselsteinen unterschieden werden.

Gemeinhin ist der Abbaubetreiber auf der Insel auch für das Wohlergehen seiner Mitarbeiter und deren Familien verantwortlich. Er zahlt meist deren Arzt- und Krankenhausrechnungen und stellt auch eine Pensionskasse zur Verfügung. Im Durchschnitt beträgt der Monatslohn eines Arbeiters im Edelsteinabbau das Doppelte des Durchschnittsgehalts in Sri Lanka. Junge Männer sehen sich folglich in der Lage zu heiraten, eine Familie zu gründen und ein Eigenheim zu errichten.

Die Regierung von Sri Lanka hat außerdem vor Längerem verfügt, dass alle gefundenen Edelsteine im Land geschliffen werden müssen, um die Wertschöpfungskette zu verlängern. Außerdem wurde mit dem Ceylon Gem Lab (CGL) ein integres gemmologisches Labor eingerichtet, so Schröck, der seit 30 Jahren im internationalen Edelsteinhandel tätig ist, zum Börsen-Kurier. Mit The Natural Gem vertraut er seinen langjährigen Kontakten vor Ort und versichert, dass die gezielte Investition in Edelsteine auch unter moralischen ESG-Nachhaltigkeitskriterien standhält.

Foto: Pixabay / Peter-Lomas

 

 

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Nur die Stärke des Schwarms?

Regelrechter Run auf Silber – wir haben nachgefragt, wie es weiter gehen könnte.

Rudolf Preyer. Einen regelrechten „Run auf Silber“ gab es zuletzt. Der Grund? Der nahezu explodierende Silberpreis – erreichte dieser doch dieser Tage sein Acht-Jahres-Hoch mit deutlich über 24 Euro/Unze. Die Analogie zu den berühmten warmen Semmeln könnte auch Philoro-Edelmetall-Geschäftsführer Rudolf Brenner bemühen: Über das vorvergangene Wochenende hinweg sei die Nachfrage nach Silber „durch die Decke gegangen. Seit 30.1.2021 läuft unser Online-Shop in Österreich, Deutschland und der Schweiz auf Höchstbetrieb“. Tags darauf (ein Sonntag) seien „alle 30 Sekunden Bestellungen eingegangen“. Aber warum?

Die naheliegende Antwort ist einleuchtend: Wir befinden uns gerade in bewegten Zeiten. Edelmetalle respektive deren Beimischung in einem Depot vermitteln Sicherheit. Einer der treibenden Faktoren für den bemerkenswerten Silber-Boom scheint aber auch der Aufruf der Reddit-Trader auf den Silbermarkt gewesen zu sein: Tatsächlich haben gerade tausende Nutzer des Forums „Wall Street Bets“ auf der Plattform Reddit den Short-Spekulanten – vor allem bei der Aktie Gamestop – das Fürchten gelehrt.

Nun folgte der Schwarm offenbar dem Aufruf, massiv auf steigende Silberpreise zu wetten.

Fragt sich folglich, wie lange das noch so weitergehen wird? Brenner ist hier zuversichtlich: „Dank des hervorragenden Netzwerks mit zuverlässigen Lieferanten bei allen Edelmetallen rechnen wir damit, bei gleichbleibender Nachfrage auch über längere Zeit Silber liefern zu können.“ Ob aber die Bullen auch weiterhin ihre Hörner versilbern?

Gold und Silber lieb´ ich sehr
Nach dem Marktbeginn am Montag, dem 1. Jänner, hat der Silberkurs eine regelrechte Rallye aufs Parkett gezaubert – um sich bis zum Wochenende knapp über 22 Euro einzupendeln. „Noch ist nicht klar absehbar, ob dies ein kurzfristiger Silber-Hype ist oder ob Nachfrage und Kursentwicklung nachhaltig im Steigen sind“, erklärt Brenner. Er rechne jedenfalls mit weiteren Kursanstiegen bei Silber – auch über längere Zeiträume hinweg.

Um seine begeisterten Gefühle spüren zu können, muss man sich nur vergegenwärtigen, dass man derzeit laut dem Philoro-Edelmetalle-Geschäftsführer „ein um 40 % höheres Bestellvolumen im Online-Shop als in den stärksten Zeiten im Jahr 2020“ verzeichne. Wann das genau war? Mitten im ersten Lockdown, so die Antwort. Aktuell habe das Unternehmen somit „sehr starke Anstiege bei Silber“, aber auch eine „gleichbleibend starke Nachfrage bei Gold“, versichert Brenner.

Der drängt seine (potenziellen) Kunden freilich zur Eile: Größere Barren mit Stückelungen von 5 kg bis 1.000 Unzen Barren könnten schon rasch nur mehr schwer lieferbar sein, so der Edelmetall-Experte.

Bei kleineren Einheiten, also beispielsweise Silberbarren bis 1.000 Gramm, sei die Versorgungslage nach wie vor sehr gut: „Wir haben schon in den schwierigen Tagen des ersten Lockdowns bewiesen, dass wir auch bei enormer Nachfrage immer liefern konnten. Dies wird sich auch jetzt nicht ändern.“ Das klingt nach einem Versprechen.

Schwarmintelligenz und Fundamentaldaten
Wie sieht es aber mit dem Schwarmverhalten aus? Unabhängig von Reddit setzen unabhängige Edelmetallexperten auf hervorragende Perspektiven für den Silbermarkt im heurigen Jahr. Mit höherem Inflationsdruck und gleichzeitig auch wieder wachsender Nachfrage nach Silber als Industriematerial (z.B. in Elektronikbauteilen, Solarpaneelen oder beim 5G-Ausbau) stehen die Karten für eine nachhaltige Nachfrage nach Silber demnach sehr gut. Philoro Edelmetalle jedenfalls verspricht eine aufrechte Lieferkette.

Foto: AdobeStock / Olivier Le Moal

 

 

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Schweizer Marathonläufer an der Börse

Eidgenössische Gesellschaften, bei denen die Krise nur kurzfristig Irritationen hervorrief.

Roman Steinbauer. Der Börsen-Kurier suchte an der Schweizer Börse (SIX Swiss Exchange) Aktien von Gesellschaften, deren Entwicklung mit langfristig aufwärts gerichteten und soliden Geschäftszahlen einhergeht, Unternehmen, deren Einschnitte in der Bilanz 2020 (soweit vorhanden) als einmalige Beeinträchtigung zu sehen sind.

Unbeeindruckt oder leichte Bremsspuren
In diese Kategorie fällt das größte milchverarbeitende Schweizer Unternehmen, die Emmi AG (ISIN: CH0012829898). Die Luzerner können auf einen schwankenden aber stets steigenden Umsatzverlauf verweisen. Emmi, führend in der Vermarktung eidgenössischen Käses, vertreibt Milchprodukte in mehr als 60 Staaten. Im Heimatland unterhält die Gruppe 25 Herstellungsbetriebe, über Tochtergesellschaften wird zudem in acht Ländern im Ausland produziert. Für das Geschäftsjahr 2020 erwarten Insider eine Gewinnausschüttung von 12,6 Euro. Seit 15 Jahren hat sich der Gewinnrückfluss an die Anteilhaber verfünffacht. Die Notiz klopft erneut am Rekordstand.

Die im Anlegertrend stehende Medizintechnik führt bei der Straumann-Aktie (CH0012280076) unterdessen zu einer respektablen Bewertung. Im Oktober knackten die Valoren die 1.000-CHF-Marke, ehe eine 10-%-Korrektur einsetzte. Der Spezialist für dentale Implantologie und regenerative Zahnmedizin aus Basel forscht gemeinsam mit Kliniken und Hochschulen ebenso an Produkten zur Geweberegeneration. Komponenten werden neben der Schweiz in den USA und Schweden gefertigt und weltweit angeboten. Das jährlich hohe Wachstum von 14 bis 22 % wurde zuletzt durch Lockdowns gestoppt. Im 3. Quartal stagnierte der Umsatz (341 Mio Euro), Wertberichtigungen führten im 1. Halbjahr gar zu einem Verlust. Doch liegt der Schluss nahe, die hervorragende Langfrist-Entwicklung erfuhr nur zeitlich begrenzt eine Ebbe.

Etabliert, keineswegs Langeweile
Nimmt der Konsument in Gaststätten und in Baumärkten Produkte der Geberit Gruppe (CH0030170408) wahr, vermutet dieser kaum, welch dynamisches Wachstum immer noch hinter dem Sanitärtechnik-Spezialisten steht. Das Warenspektrum des globalen Anbieters aus Rapperswil ist für Neubauten und Renovierungen konzipiert.

In den Jahren 2013 bis 2019 schwoll der Umsatz um 46 % auf 2,835 Mrd Euro, das operative Ergebnis um 54 % auf 817 Mio Euro, die Dividendenzahlung um 51 % auf 10,4 Euro/Aktie, an. Nach Jahreswechsel erklomm die Notiz einen Rekordstand, bevor ein Rücksetzer um 10 % erfolgte. Beeindruckend ist die Kontinuität der Geschäftsentwicklung des 11.600 Mitarbeiter zählenden Unternehmens. Bezeichnend: Der „MFS International Intrinsic Value Fund“ hält ebenso Anteile. Der Streubesitz der Aktien ist mit 96 % hoch.

Es brauchte das Geschehen um Covid19 um im Vorjahr die Erlöse der Landis+Gyr (CH0371153492) erstmals seit Jahren zu drücken (-5 % auf 1,542 Mrd Euro). Die renommierte Marke aus Zug (Gründung im Jahr 1896) steht für digitale Energielösungen des Versorgungssektors wie Strom, Gas und Wasser mit Mess- und Automatisierungstools. Die Dividende entfällt für 2020 – vermutlich ein Sonderereignis. Entsprechend nutzten Langfrist-Investoren bereits im Sommer die gestutzte Notiz zum Zugreifen.

Ein abweichender Hinweis für spekulativ orientierte Anleger: Am letzten Handelstag der Vorwoche sprang die zuvor über Jahre darbende, einst florierende Kudelski-Aktie (CH0012268360) um 19 %

an. Dies, nachdem ein Personalschnitt um 500 Personen angekündigt wurde. Investoren des Anbieters digitaler Sicherheitssysteme und Lösungen für interaktive Medien hatten zuvor fünf Jahre erodierende Kurse hinzunehmen, nachdem sich Ergebnisse und Dividenden minimierten.

Foto: Adobe Stock / Jürgen Fälchle

 

 

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Ganzheitliche Gesundheitschancen

Auch abseits der Pandemie bietet der Sektor Wachstumschancen.

Raja Korinek. So leicht scheint sich die Corona-Pandemie nicht abschütteln zu lassen. Allein in Europa folgt ein Lockdown dem nächsten. Selbst in China, in dem das Virus praktisch als besiegt galt, gab es wieder vereinzelte Ausbrüche. Umso mehr rückt der Gesundheitssektor in den Fokus. Sorgen, dass die Pharmakonzerne keine Lösungen für die Mutationen hätten, müsse man sich nicht machen, betont Cyrill Zimmermann, Leiter Healthcare Funds bei Bellevue Asset Management.

Tatsächlich vermeldeten vor wenigen Tagen Biontech (ISIN: US09075V1026) und Pfizer (US7170811035), dass ihr Corona-Impfstoff weitgehend gegen die Mutation aus Südafrika wirksam sei. Moderna (US60770K1079) arbeitet wiederum an einem Auffrischungsimpfstoff gegen die britische Covid-19-Mutation. Dennoch mahnt Zimmermann gegenüber dem Börsen-Kurier in den Gesundheitssektor rein aufgrund der Corona-Meldungen zu investieren. „Wir selektieren unsere Titel nach langfristigen Wachstumsaspekten.“

Ferndiagnosen sind gefragt
Zimmermann verweist in diesem Zusammenhang etwa auf die Telemedizin, mittels der die Patienten ihren Arzt virtuell etwa über das Internet oder das Handy kontaktieren können. Davon profitierten etwa Titel wie Teladoc Health (US87918A1051) aus den USA oder die chinesischen Ping An Healthcare and Technology (KYG711391022) sowie Alibaba Health Information Technology (BMG0171K1018).

Überhaupt räumt der Bellevue-Experte dem Gesundheitssektor reichlich Potential ein. Das globale Sektorwachstum dürfte bei rund 5 % jährlich liegen. Die Trends seien dabei vielfältig. So altere die Bevölkerung weltweit jährlich im Schnitt um drei Monate. Damit wachsen Herausforderungen, etwa im Kampf gegen Krankheiten wie Alzheimer. Zudem nehme die Fettleibigkeit zu. Die Konsequenzen sollten nicht unterschätzt werden, mahnt Zimmermann. Deshalb sei auch Diabetes auf dem Vormarsch. Allein in Mexiko litten bereits mehr als 13 % der Bevölkerung an der Krankheit, gefolgt von Südafrika und Deutschland.

Günstige Bewertungen
Auch die Bewertungen im Gesundheitssektor seien im Vergleich zum breiten Aktienmarkt interessant, findet Zimmermann. Er verweist auf handfeste Prognosen: Allein für den „MSCI World Healthcare Index“ wird das KGV heuer auf 18 geschätzt. Im Vergleich dazu liegt heuer das geschätzte KGV für den MSCI Weltindex bei 22.

Dennoch sollte man die einzelnen Subsektoren genau ansehen, meint Zimmermann. Das größte Umsatzwachstum wird mit jährlich 10 % dem Bereich Biotechnologie eingeräumt, gefolgt von Generika. Auch dem Medtech-Bereich wird einiges an Potential eingeräumt. Am geringsten sind die Wachstumsaussichten für Pharmakonzerne mit jährlich rund 3 %.

Mid-Caps sind gefragt
Genau deshalb verweist Zimmermann auch auf die Notwendigkeit eines aktiven Stockpickings, anstatt nur den „MSCI World Healthcare Index“ abzubilden, um Chancen voll auszunutzen. Und so kommt es auch, dass in Portfolios wie dem“ BB Adamant Health Care Strategy“ (LU1477743386) weit mehr Mid Caps enthalten sind als im Vergleichsindex.

Auch spielen Aktien aus den Schwellenländern bei Bellevue eine weitaus größere Rolle. Schließlich gebe es dort großes Aufholpotential, meint Zimmermann.

Zu den Portfolio-Holdings zählt etwa Insulet (US45784P1012). Das US-Unternehmen stellt tragbare Insulinpumpen mit Fernüberwachung her. Wuxi Biologics (KYG970081173) aus China bietet wiederum Technologieplattformen an, auf denen neue Wirkstoffe getestet werden können.

Anleger sollten freilich auch das Währungsrisiko, das sich auch in der Zweitnotiz in Frankfurt niederschlägt, gut im Auge behalten.

Foto: Pixabay / fernandozhiminaicela

 

 

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Nachhaltige Nahrungsproduktion rentiert sich

Der Bedarf an Lebensmitteln steigt, die Antwort liegt in effizienterer Produktion.

Raja Korinek. Das Thema Nahrung rückt zunehmend in den Fokus. Die Preise für zahlreiche Agrargüter sind zuletzt kräftig gestiegen. Viele der Notierungen, etwa für Zucker, pflanzliche Öle oder auch für Fleisch, erreichten 2020 ein Dreijahreshoch, wie die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO zuletzt aufzeigte. Mit der Pandemie gewann aber auch das Thema der Versorgungssicherheit von Lebensmitteln an Bedeutung.

Umso wichtiger ist es, auf eine möglichst effiziente Wertschöpfungskette zu setzen, auch, um künftig die wachsende Zahl der Weltbevölkerung ausreichend ernähren zu können. Laut UNO dürfte diese bis zum Jahr 2050 auf fast 10 Mrd an der Zahl anschwellen. Aus diesem Grund haben die Vereinten Nationen zuletzt auch ein klares Ziel definiert: Neben der Bereitstellung von ausreichendem Zugang zu Trinkwasser soll auch kein Mensch bis zum Jahr 2030 an Hunger leiden müssen.

Nahrungsmittelbedarf steigt
Einzig, um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, müssten die globale Lebensmittelproduktion in den kommenden Jahren um rund 70 % ausgeweitet werden. Die Aufgabe dürfte aber nicht ganz so einfach zu lösen sein. Dazu müssten nämlich die Ressourcen entlang der gesamte Wertschöpfungskette bei der Nahrungsmittelproduktion weitaus effizienter eingesetzt werden. Denn von der Ernte hin zum Endverbraucher gibt es jede Menge Verschwendungen, die vermieden werden könnten.

Nebst der Effizienzsteigerung müsste künftig auch die Wirtschaftlichkeit gesteigert werden, da die Anbauflächen nicht mehr erweitert werden können und durch den Klimawandel sowie die demografische Entwicklung sogar abnehmen, konstatiert man bei der Bank Vontobel und verweist zudem auf einen weiteren Punkt: Hinzu kämen zusätzliche Herausforderungen wie der fortschreitende Arbeitskräftemangel, der Preisdruck und die wachsende Konkurrenz.

Effiziente Landwirtschaft
Genau hier kommt etwa „Smart Farming“ ins Spiel. Doch worum geht es? Es handelt sich um den Einsatz neuer Methoden und Technologien, damit die globale Landwirtschaft effizienter gestaltet werden kann. Ein Beispiel ist der Einsatz von Drohnen, die Anbauflächen vermessen und Pflanzenschutzmittel versprühen. Es geht aber auch etwa um autonome Traktoren, die Äcker selbstständig pflügen.

Selbst das Sammeln und Auswerten von Daten sind Teil dieses modernen Trends. Durch die Verwendung von Sensoren oder GPS-Diensten werden Daten über die Nutztiere, die Felder oder auch über Umwelteinflüsse gesammelt und Arbeitsabläufe optimiert. Ebenso können damit knappe Ressourcen wie Wasser und Energie effizienter verwendet werden.

Investieren in Smart Farming
Interessierte Anleger können auf den Trend beispielsweise mit dem Partizipationszertifikat auf den „Smart Farming & FoodTech Index“ der Bank Vontobel setzen (ISIN: DE000VA8HXD6). Zu den größten Titel zählen die niederländische Philips Lighting (NL00118 21392), der US-Hersteller von Landwirtschaftsmaschinen Deere (US2441991054) sowie Corteva (US22052L1044), ein Saatgut- und Agrarchemieunternehmen, eben-falls aus den USA.

Besonders risikofreudige Anleger können aber auch gehebelt auf Deere mit einem Turbo-Long-Zertifikat setzen. Ein solches Produkt bietet etwa die Société Générale an (DE000SB4UEC4). Der aktuelle Hebel liegt bei 3. Wird allerdings die Marke von 193,209 USD berührt oder unterschritten, verfällt das Zertifikat.

Foto: Pixabay / jameswheeler

 

 

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Aktienmärkte mit Potenzial von 5 bis 10 %

Absolute-Return-Strategien verfügen über die Flexibilität, marktunabhängige Renditen zu erzielen, meint Lucio Soso, Lead Portfoliomanager des BB Global Macro Fonds von Bellevue Asset Management, skizziert die aktuelle Lage an den Märkten und beleuchtet mittelfristige Perspektiven.

(04.02.) Mit Blick auf die mittelfristigen monetären und zyklischen Indikatoren erholt sich die Wirtschaft aktuell nur sehr langsam, während die Zentralbanken weiter sehr aggressiv vorgehen. Die US-Notenbank Fed hat ihre Bilanz bereits um über 3.000 Mrd USD erweitert. Dies übertrifft den Umfang aller vergangenen Programme seit 2008 zusammen (TARP und die darauffolgenden QE-Programme). Die EZB hat ihre Bilanz bis dato um 2.300 Mrd USD erweitert (aktuell 120 Mrd Euro/Monat). Da die US-Administration und die europäischen Regierungen zugleich Konjunkturprogramme zur Stimulierung der Wirtschaft ankündigen, bleibt reichlich Liquidität vorhanden. Dies ist ein positives Umfeld für Aktien, auch wenn die Wirtschaft Zeit brauchen wird, um sich zu erholen. Auch in Europa ist eine konjunkturelle Erholung sichtbar, wenn auch noch nicht so stark ausgeprägt wie in den USA.

Aktien gegenüber Staatsanleihen im Vorteil
Derzeit sind Aktien attraktiver bewertet als Staats- und Unternehmensanleihen, insbesondere in Deutschland, Japan, Italien und Großbritannien. Hingegen sind US-Aktien sehr hoch bewertet. Gemessen am Preis-Buchwert-Verhältnis (PBV) ist der US-Aktienmarkt historisch betrachtet sehr ambitioniert gepreist. Vergleicht man die Bewertung des Nasdaq-Biotechindex mit dem Nasdaq-Technologieindex, zeigt sich, dass letzterer deutlich über seinem durchschnittlichen historischen PBV handelt, während sein Biotechpendant nahe seines Durchschnitts-PBVs von 5.8 notiert. Deutsche, britische, italienische und japanische Aktien notieren knapp unter ihrem langjährigen PBV. Dies ist vor allem im Hinblick auf die negativen Renditen im Euroraum positiv. Auch die Schwellenländer und Japan sind attraktiv bewertet, während sich Schweizer Dividendentitel in der neutralen Zone bewegen.

Drei mittelfristige Szenarien
In unserem Kernszenario – mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 % – wird das Impfprogramm Zeit benötigen, aber den Märkten eine gute Basis geben. Zugleich wird die stetige Verbesserung der Pandemie als Boden für die Aktienkurse dienen. Angesichts der reichlich vorhandenen Liquidität erwarten wir für diesen Fall einen Anstieg der Aktienmärkte zwischen 5 und 10 %. Dieses Szenario ist leicht negativ für Staatsanleihen und leicht positiv für Unternehmensanleihen.

Einem positiven Szenario messen wir eine Wahrscheinlichkeit von 20 % zu. Hier kommt es zu einer starken Outperformance von Value-Titeln und Aktien aus den Emerging Markets. Beide Kategorien haben jahrelang deutlich underperformt und könnten eine starke Rally erleben. Aktien würden in diesem Szenario zwischen 5 % (S&P 500) und 10 % (Dax) steigen.

Unser negatives Szenario erhält eine Gewichtung von 20 %. Tritt dies ein, erholen sich die Finanzmärkte schneller als die reale Wirtschaft. Da die Bewertungen hoch sind, kommt es zu einer technischen Korrektur bei Aktien in Höhe von 20 %, während Hochzinsanleihen 10 % an Wert verlieren. Positiv gestaltet sich dieses Szenario indes für Staatsanleihen.

Aktuelle Positionierung des BB Global Macro
Unsere Netto-Aktienexposure beläuft sich auf 29 %, was 2 Prozentpunkte über dem langfristigen Durchschnitt liegt. Auf High-Yield-Anleihen entfallen 25 %. Zuletzt haben wir den Anteil 10-jähriger US-Treasuries von 10 % auf 45 % erhöht. Diese Position wird teilweise durch Hedges auf den 30-jährigen US-Treasury (-6 %) und 15-jährigen US-Treasury (-5 %) reduziert. Ein weiteres Hedge-Exposure auf den Dax von -3.9 % ergibt sich aus unserer neu eingeführten Optionsstrategie. Unter Berücksichtigung der jüngsten Portfolioanpassungen beläuft sich das Nicht-Staatsanleihen-Exposure aktuell auf 25 %, bei Staatsanleihen sind es 66 %.

Die Bellevue-Global-Macro-Strategie investiert weltweit im Rahmen einer Allwetterstrategie mit Absolute-Return-Ansatz. Der Fonds strebt über den Konjunkturzyklus konsistente positive jährliche Renditen bei einer Sharpe Ratio von 1 an. Im vergangenen Jahr lag die Rendite bei 2,7 %.

Foto: Bellevue AM

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Biden lässt BIP-Prognosen abheben

Für Frank Rybinski, CFA, Chef-Makrostratege bei Aegon Asset Management, bringt die neue Administration anstehende politische Veränderungen u.a. bei Ausgaben, Steuern und dem Handel mit sich.

(29.01.) Zusätzlich zu dem im Dezember 2020 verabschiedeten Konjunkturprogramm in Höhe von 900 MrdUSD dürfte es der Biden-Regierung gelingen, im ersten Quartal ein weiteres Konjunkturprogramm in ähnlicher Größenordnung zu verabschieden (das deutlich unter der ursprünglichen Forderung von Präsident Biden von 1,9 BioUSD liegt). Diese Konstellation bedeutet, dass die von uns erwartete Abschwächung in der ersten Jahreshälfte nun wahrscheinlich deutlich angekurbelt werden wird. Dies sollte die Wirtschaft bis in die letzte Jahreshälfte überbrücken, in der unserer Meinung nach eine Normalisierung einsetzen sollte. Konkret heben wir unsere BIP-Prognose für 2021 von 3,5 auf 5,2 % an. Grund dafür sind die zahlreichen Konjunkturmaßnahmen, die das von uns erwartete schwächere erste Halbjahr im Vergleich zum Zweiten ankurbeln. Sollte dies zutreffen, wäre dies das stärkste Jahreswachstum seit 1984.

Aufgrund der zweifachen Stimulierung (fiskalisch und geldpolitisch) und der Normalisierung der Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte könnte das nominale Wachstum für das Jahr im Bereich von 6 bis 7 % liegen. Wir bevorzugen weiterhin Anlagen, die von dieser Beschleunigung des Nominalwachstums im frühen Zyklus profitieren, insbesondere Aktien.

US-Dollar schwächt sich ab
Der bevorstehende starke Anstieg der schuldenfinanzierten Staatsausgaben in Kombination mit der ohnehin schon lockeren Geldpolitik der Federal Reserve ist ein Grund für einen niedrigeren US-Dollar im Laufe der Zeit. In gewisser Weise ist dies das Gegenteil der 1980er Jahre, als eine lockere Fiskalpolitik durch eine straffe Geldpolitik kompensiert wurde, die den kometenhaften Aufstieg des Dollars anheizte, der erst durch den Plaza Accord gestoppt werden konnte – die Vereinbarung der G-5-Staaten von 1985, die Wechselkurse durch Abwertung des US-Dollars gegenüber dem japanischen Yen und der Deutschen Mark zu manipulieren.

Steilere Treasury-Zinskurve:
Die Zinskurve ist in diesem Jahr bereits ziemlich steil geworden, aber wir glauben, dass sich dies noch weiter fortsetzen wird. Die Netto-Emissionen der Treasuries nehmen zu, um alle Ausgaben zu bezahlen (es wird möglicherweise eine Erhöhung der Steuern geben, aber nicht genug, um die erhöhten Defizitausgaben zu bezahlen).

Werden diese Emissionen mit einem allmählichen Anstieg der Inflationserwartungen kombiniert, ist davon auszugehen, dass sich das lange Ende der Treasury-Kurve nach oben bewegt. Gleichzeitig gehen wir von einer großen Nachfrage aus, vor allem durch die Käufe der Fed durch die quantitativen Lockerungsprogramme, so dass die Fed das kurze Ende der Kurve für die absehbare Zukunft niedrig halten wird. Diese Kombination, dass das vordere Ende niedrig bleibt und das lange Ende sich nach und nach oben bewegt, bedeutet eine weitere Versteilung.

Foto: Aegon AM

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Homeoffice als Einfallstor

Cyberkrimielle stellen vor immer neue Herausforderungen – das Homeoffice als Einfallstor.

Manfred Kainz. Die Abhängigkeit von Datenverarbeitungssystemen nimmt in allen Branchen rasant zu – und damit auch das Schadenspotential durch Cyberattacken. Und Homeoffice – zigtausende Mitarbeiter dezentralisiert in unterschiedlichen IT-Infrastrukturen – öffnet dabei weitere Einfallstore für Cyberangriffe. Ein Teil der Risikobewältigung kann über eine Versicherung gegen Cyberrisiken erfolgen. Allerdings ist das Angebot an derartigen Versicherungen für Nichtexperten neben ihrem Tagesgeschäft schwer überschaubar und der Zugang zu praktischen Informationen schwierig. „Für Interessenten ist oft nur mühsam durchschaubar, ob das Produkt oder das Verkaufsinteresse des Anbieters die Darstellung dominiert“, formuliert es Arthur Zukal, Geschäftsführer des „ReTurn – Forum für Restrukturierung und Turnaround Management“. Daher hat ein ReTurn-Webinar für seine Mitglieder das Thema nun produktunabhängig und objektiv behandelt.

Niemand gefeit
Was Cyberattacken so gefährlich macht: Es kann jeden treffen. Denn die meisten Attacken sind „Massenangriffe“, die -„gestreut wie virtueller Schrot, das in das World Wide Web fliegt“- auf Lücken in der Absicherung abzielen, warnt Harald Neuberger, Geschäftsführer der Versicherungsberatungs – Gesellschaft m.b.H. (VSB) und beeideter & gerichtlich zertifizierter Sachverständiger. Kein Trost ist, dass ganz gezielte Angriffe auf Einzelne eher selten sind, dafür aber hochspezialisiert, wo es um Ausspionieren von Wertvollem gehen kann („Digitaldiebstahl“). Denn auch Kleinunternehmen können interessante, sensible Inhalte haben.

Risikocheck
Bevor man eine Cyberversicherung abschließt, sollte man sich einige Fragen stellen, um die eigene Risikosituation zu prüfen, empfiehlt der Sachverständige: „Besitze ich sensible Daten (und wenn, ja welche), deren Verlust hohe Kosten und/oder Schadenersatzforderungen nach sich ziehen kann? Sind Kreditkartendaten (deren Verlust mit Strafen belegt ist), Gesundheitsdaten oder ähnliches gespeichert? Welcher Imageschaden entsteht mir in Folge einer Cyberattacke?“ (Anm.: Ein ramponiertes Image am Markt kann viel Geld kosten.) Weiters: Wie rasch und zu welchen Kosten kann der Betrieb wieder ins Laufen kommen? Und wie lange kann ein Betriebsstillstand andauern?

Hybrid
Eine Cyberversicherung ist eine „Hybridversicherung“, die einer-seits Risiko (für Daten, Software und digitales Gut) und anderer-seits Schäden (durch Malware, Trojaner, Viren, Spyware, Denial of Service-Angriffe) deckt, so Neuberger. Sie ist eine Kombination aus Haftpflichtversicherung, Datenversicherung und Betriebsausfallversicherung (für den Ertragsverlust aus dem Stillstand aufgrund einer Cyberattacke. Die Haftpflicht deckt neben Schäden von Dritten auch Kosten für die Abwehr von ungerechtfertigten Schadenersatzansprüchen. Voraussetzung ist aber, dass man gewisse Dinge erfüllt, wie regelmäßige Datensicherung, regelmäßige Passworteänderung und Prüfung der Netzwerksicherheit. Jede Assekuranz hat da ihre Vorgaben für Sicherungs- und Vorsorgemaßnahmen vor einem Versicherungsabschluss. Bei Nichterfüllung gibt’s keine Polizze oder sie wird sehr teuer. Daher rät der Experte, vor Versicherungsabschluss die Vorbeuge- und Sicherungssysteme „aufzupimpen“. Erst wenn der Aufwand dafür so hoch wird, dass es unrentabel ist (und ein Restrisiko bleibt), ist eine Cyberversicherung eine gute Wahl.

Bausteine
Dann geht es um die Zusammensetzung der Deckungs-„Bausteine“: Haftung, Reparatur/Wiederherstellung, Krisenmanagementkosten, Forensik, Rechtskosten, Strafzahlungen, Betriebsausfallskosten, Kosten für PR-Aktionen, Verluste aus Cyberdiebstahl (Wertpapiere/Dokumente, hochpreisig verwertbare Daten etc.), eventuell Lösegeld (in manchen Produkten inkludiert).

Was nicht geht
Aber es gibt auch einige Dinge, die nicht versicherbar sind, sogenannte „Ausschlüsse“: Ansprüche Versicherter untereinander und von verbundenen Unternehmen, Vorsatz und wissentliche Pflichtverletzung, Schäden aufgrund Störungen in öffentlicher oder privater Infrastruktur (wie Strom- oder Wasserversorgung), Erfüllungsschaden/Garantiezusagen/Vertragsstrafen, hoheitliche Eingriffe, Finanzmarkttransaktionen, rechtswidrige Datenerfassung, Patent- und Kartellrechtsverletzungen – und Glücksspiel.

Foto: Pixabay / geralt

 

 

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Makler forcieren digitale Vertriebsfitness

Corona hat die Digitalisierung beschleunigt – auch für die Versicherungsmakler.

Emanuel Lampert. „Uns war klar, dass Digitalisierung in der Versicherungswelt die Zukunft bedeutet“, sagt Christoph Berghammer, der Ende 2020 als Fachverbandsobmann der Versicherungsmakler bestätigt worden ist. „Deshalb haben wir nach der Wahl Digitalisierung als eines der Hauptthemen für 2021 definiert.“ Vergangene Woche hat der Fachverband nun einen „Leitfaden für den digitalen Vertrieb“ vorgestellt. Die Idee dafür war noch vor Corona entstanden, erfuhr dadurch aber nochmals eine Beschleunigung, wie Berghammer bei der Online-Präsentation sagte.

Erarbeitet wurde das Werk zusammen mit Rechtsanwalt Martin Pichler und der Kanzlei Brandl & Talos. Es wartet mit einem Überblick über die wichtigsten Rechtsvorschriften und mit Praxistipps auf. Makler erhalten es automatisch per Post und können es auch online beim Fachverband lesen. Basisthemen wie etwa Domainregistrierung oder die Gestaltung des Impressums werden ebenso behandelt wie Onlinevertrieb und Schadensabwicklung.

Erst Büro, dann Vertrieb
Eine Herausforderung bestand Pichler zufolge darin, einen Behelf mit Mehrwert für alle Versicherungsmakler zu schaffen, da die Digitalisierung in der Maklerschaft unterschiedlich weit fortgeschritten sei. In Bezug auf interne Prozesse und Kommunikation mit den Versicherern sei man „schon sehr weit“, am wenigsten ausgebaut dürfte die „Schnittstelle“ zwischen Makler und Kunden sein, speziell der Onlineabschluss. Für Berghammer folgt das einer gewissen Logik: erst die Digitalisierung im Büro erledigen, „damit dann auch der digitale Vertrieb funktioniert“.

Die Digitalisierung des Vertriebs sei dabei nicht nur eine rein technische Frage, so Pichler. Sie habe „ihre Tücken“: Im klassischen Beratungsgespräch lasse sich leichter herausfinden, was der Kunde braucht, Onlinevertrieb, wie er sich derzeit darstellt, eigne sich daher für Kunden, die schon eine Vorstellung von ihrem Bedarf haben.

„Wir müssen lernen, in Entscheidungsbäumen zu denken“, folgert er und meint damit ein bestimmtes Frage-Schema. Immerhin könnten sich teils hunderte Fragen stellen, bis man zur passenden Lösung gelangt. Dementsprechend könne man weniger komplexe Produkte mit geringerem Aufwand in solchen Entscheidungsbäumen abbilden.

Grundsätzlich sieht Pichler „viele Schattierungen“ zwischen rein klassischem und rein digitalem Vertrieb. „Da wird für jeden Makler ein Modell dabei sein.“ Wer weniger auf Digitalisierung setzen wolle, müsse aber wohl eher in komplexe Produkte gehen, die eben digital nicht so ohne Weiteres darzustellen sind. „Da bietet Digitalisierung noch nicht den Mehrwert.“

Neue Chancen erkennen und nutzen
Mehrwert kann sie nicht nur den Kunden bieten, sondern auch den Unternehmen. „Es geht vor allem um Kostenreduktion, um Qualitätsverbesserung, um einheitliche Bearbeitungsstandards“, sagte Raphael Toman von der Kanzlei Brandl & Talos. Letztlich biete sie überdies „eine Chance, neue Geschäftsgelegenheiten zu ergreifen und neue Kunden zu akquirieren“.

Und Angelika Sery-Froschauer warb dafür, Vertriebs- und Digitalisierungsorientierung in den Vordergrund zu rücken. Die Obfrau der WKÖ-Bundessparte Information und Consulting stützt sich auf Zahlen aus einer Accenture-Studie, wonach die Digitalisierung der Prozesse gesamtwirtschaftlich ein BIP-Wachstumspotenzial von bis zu 1,9 % jährlich freisetze. Wenn man die Nutzung künstlicher Intelligenz bis zum Zeithorizont 2015 einbeziehe, kämen noch potenzielle 1,6 % dazu.

Foto: AdobeStock / Bojan

 

 

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Lukrative Welt der Körperpflege

In der Beauty-Industrie riecht es keineswegs nach Krise.

Roman Steinbauer. Der Unternehmensberater McKinsey hält für 2020 einen Einbruch in der Beauty-Industrie von bis zu -35 % für möglich. „Data Bridge Market Research“ veranschlagt dennoch den weltweiten Umsatz im Jahr 2026 auf 531 Mrd Euro und schreibt ein Langfrist-Wachstum von beeindruckenden 5,1 % p.a. vom Vorkrisenniveau fort. Ein höheres Einkommen und Körperbewusstsein in Asien spiele dem Segment zusehends zu. Der Trend gehe klar in Richtung Organic- und Naturkosmetik. Bridge Market hebt zudem die steigende Pflege- und Duftnotennachfrage männlicher Kunden hervor.

Langfrist-Chancen führten zu Zukäufen
Aktieninvestitionen in den Sektor der Verschönerung wurden durch Lockdowns nur kurzfristig enttäuscht. Im Chartbild der Estée Lauder (ISIN: US5184391044) ist keine Krise nachvollziehbar, das Jahresende brachte gar ein neuer Höchststand.

Jüngst kräftig zugegriffen haben Investoren bei den zuvor überverkauften Papieren der Coty Inc. (US2220702037). Der in die Verlustzone geratene Konzern aus Minneapolis entwickelt und vertreibt global Produkte der Marken Calvin Klein, Hugo Boss, Gucci sowie Wella. Früh kam zudem der Wendepunkt beim Gesichts- und Lippendekoranten, ELF Beauty (US26856L1035) aus Oakland.

Imposant der Wiederaufstieg der Notiz bei MAV Beauty Brands (CA57767U1066). Die Körperpflegemarken der Kanadier inkludieren Cake Beauty, Marc Anthony und Renpure. Der aufstrebende Trend bei Inter Parfums (US4583341098) wird durch die hohe Dividenden-Rendite von nahe 3 % gestützt. Die New Yorker Gesellschaft produziert hochwertige Kosmetika für Lizenznehmer wie Burberry, Van Cleef, & Arpels, Jimmy Choo, GAP oder Banana Republic.

Der Warpaint-London-Kurs (GB00BYMF3676; die Flaggschiff-Marke W7, wird über Beauty Shops in Europa und den USA vertrieben) strebt seit Dezember steil nach oben. Auch Aktien des Favoriten der vergangenen Dekade, Kose Corp. aus Tokyo (JP3283650004; Visee, Fasio, Elsia, Suncut-Produkte), setzen Richtung Rekordstand an. Gering tangiert wurden die Titel des fernöstlichen Marktführers Shiseido (JP3351600006), obwohl im 3. Quartal der Gewinn je Aktie zur Vorjahresperiode von umgerechnet 0,40 auf 0,15 Euro einknickte.

Die L‘Oreal-Notiz (FR0000120321) gab seit November ab – allerdings nach einer Performance von +250 % seit 2008. Emotional in einer Hochschaubahn fühlen sich Anleger der Luxemburger L‘Occitane (LU0501835309). Die Papiere kamen trotz des jüngsten Anstiegs langfristig nicht vom Fleck. Ein Schicksal, das Anleger des New Yorker Haarfarb-Spezialisten Revlon (US7615256093) teilen.

Foto: Pixelio / stevepb

 

 

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Bitcoin wieder in aller Munde

Experten sehen langfristiges Potenzial, warnen aber auch vor hohen Risiken.

Patrick Baldia. Die aktuellen Bitcoin-Kursprognosen einiger Analysten wirken wie nicht von dieser Welt. So rechnet etwa Simon Peters von eToro bis Ende 2021 mit einem Kurs zwischen 70.000 und 150.000 USD. Thomas Fitzpatrick, leitender Analyst bei der US-Citibank, glaubt, dass der Bitcoin bis Ende Dezember sogar auf 318.000 USD ansteigen könnte. Und die Experten von JP Morgan gehen „langfristig“ von einem Preis von 146.000 USD aus. Kurz vor Redaktionsschluss am Montag notierte der Bitcoin bei etwas mehr als 30.000 USD.

„Wenn sich nur annähernd wiederholt, was 2017 und während der letzten Aufwärtszyklen passiert ist, sind wir noch lange nicht am Ende der Preisbewegung angelangt“, hält Bitpanda-CEO Paul Klanschek fest. Für die starke Kursentwicklung vor allem in der zweiten Hälfte des Vorjahres, die in einem Gesamtjahresplus von 300 % mündete, macht er unter anderem institutionelle Investoren verantwortlich. Ein prominentes Beispiel war der Zahldienst PayPal, der seine US-Kunden nun Bitcoin und andere Kryptowährungen handeln und aufbewahren lässt. Limitierte Assets wie der Bitcoin würden aber auch von Sorgen um die Folgen der coronabedingten Ausweitung der Geldmenge – Stichwort: Inflationsgefahr – profitieren.

„Auf Basis der gängigen Bewertungsmodelle, Stock to Flow und NVT Ratio (Network Value to Transaction Ratio, Anm.), deuten die jüngsten Preisanstiege nicht auf eine Überhitzung hin“, meint Manuel Schleifer, Finanzmarktstratege bei Raiffeisen Research, gegenüber dem Börsen-Kurier. Vielmehr würden sie eine faire Bewertung suggerieren. Daher wären auch Preisziele um die 100.000 USD nicht unrealistisch.

„Das Problem ist allerdings, dass eine Bewertungskennzahl nur so gut ist wie das zugrundeliegende Modell“, hält Schleifer fest. Und das Stock-to-Flow-Modell würde nun einmal wichtige Parameter wie etwa politische und rechtliche Einschränkungen ebenso wie makroökonomische Rahmenbedingungen und nachfrageseitige Effekte ausklammern.

„Verfolgt man eine andere Sichtweise und schaut sich etwa das Marktsentiment an, so deutet der Ansturm auf den Bitcoin auf eine Überhitzung hin“, so Schleifer weiter. Dafür spreche auch der Fear- and-Greed-Index (misst die Angst und Gier an den Märkten, Anm.), der sich seit längerem auf einem sehr hohen Niveau (aktuell: 88) befinde. Kurz- und mittelfristig suggeriere das eine größere Korrektur. In charttechnischer Hinsicht zeige sich, dass sehr viel positive News eingepreist sei. Nachsatz: „In historischer Hinsicht ist das kein gutes Zeichen.“

Schleifer spricht dem Bitcoin langfristig aber durchaus Potenzial zu. Dahinter stehe nicht zuletzt das im Bitcoin-Protokoll auf 21 Mio Stück begrenzte Angebot. „Der Preis wird allerdings nur dann nachhaltig steigen, wenn auch die Nachfrage steigt oder zumindest gleichbleibt“, so Schleifer. Auch wenn sich der Bitcoin nicht für jedermann eigne, könne er für langfristig orientierte Anleger, die das hohe Risiko und die hohe Volatilität von 85 % pro Jahr tragen könnten, durchaus interessant sein. Er verweist auf die geringe Korrelation mit anderen Assetklassen.

Ein Einstieg könne etwa über einen Ansparplan bereits mit geringen Beträgen erfolgen. Unterm Strich bekomme man so einen besseren Einstiegskurs. Da Experten auch andere gute Kryptowährungen ausmachen, die sich am Markt noch nicht durchgesetzt haben – wie etwa Ethereum oder Litecoin – könnte es sinnvoll sein, ein Investment zu diversifizieren. Dazu bieten sich einschlägige Indizes an.

Foto: Pixabay / BestGrapics_Com

 

 

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Bankaktien treten aus dem Schattendasein

Die Bankenaufsicht der EZB stimuliert Fusionen unter Finanzdienstleistern.

Roman Steinbauer. Übernahmen, Fusionen und Pleiten prägten nach der Wirtschaftskrise 2008/09 den US-Finanzsektor. Der Konzentrationsprozess führte zu einer höheren Profitabilität. Nicht so in Europa. Trotz geringer Ertragskraft hielten sich sämtliche Großinstitute über Wasser. Angesichts hoher laufender Kosten der Branche forderte nun der Vorsitzende des Aufsichtsgremiums der EZB-Bankenaufsicht, Andrea Enria, grenzüberschreitende Verschmelzungen im Euroraum, um ein weiteres Abdriften der Banken im internationalen Wettbewerb abzuwenden. Es wurde ein vereinfachter Anforderungsleitfaden für das Agieren der Aufsicht dargelegt, zu der keine überzogene Eigenkapitalvorgaben mehr vorgesehen sind. Konsolidierungen und Neuausrichtungen im Sektor sollen vereinfacht vorangetrieben werden, um die Kosteneffizienz zu straffen. So werde der Kaufpreis einer Bank unter dem Bilanzwert des Eigenkapitals akzeptiert. Enria nach werde damit Spielraum für Investitionen in Technologie und Digitalisierung geschaffen und der Rückstand zu Übersee-Mitbewerbern verringert.

Die Wirkungsweise bremst aller-dings das Umfeld einer drohenden Zunahme der Quote für Kredit-ausfälle durch Insolvenzen, das zu Misstrauen zum Zahlenwerk in den Büchern der Mitbewerber führt. Eine hohe Anzahl an Rochaden in Vorstandsetagen und nicht einheitliche Konsumentenschutz- und Insolvenzregeln lähmen Konsolidierungen derzeit zusätzlich.

Geht die Zersplitterung einem Ende zu?
Axel Weber
skizzierte als Vorstand der UBS-Direktion in der vergangenen Woche die Lage sehr drastisch: „China und die USA sind relevante Größenmärkte in der Bankenwelt. Europa ist ein fragmentierter Markt mit 27 verschiedenen Regularien einzelner Staaten. Die Europäische Union braucht eine Vertiefung des Kapitalmarktes. Dies funktioniert aber nicht in einem fragmentierten Umfeld. Ein anorganisches Wachstum (Anm. der Red.: Konsolidierungen, Übernahmen) muss und wird kommen.“ Die UBS selbst generiere laut Weber als Multi-Akteur Wachstum in Asien und den USA. Auf Europa fokussierte Großbanken seien hingegen nicht mehr in der Lage, Dividenden zu zahlen oder Aktienrückkäufe zu tätigen.

Breit angesprungene Notizen
Aktien des Finanzsegments hinkten anderen Branchen über Jahre hinweg nach. Jüngst gaben diese aber erstmals wieder ein kräftiges Lebenszeichen von sich. So zog der „F.A.Z. Banken-Index“ (ISIN: DE000SLA3AA7) seit November des Vorjahres um mehr als 20 % an. An vorderster Front erlangten Notizen der UBS-Valoren (CH0244767585) Aufmerksamkeit. Noch im ersten Quartal visiert das Institut für Privat- und Firmenkunden als globaler Vermögensverwalter und eidgenössischer Marktführer im Private Banking an, jede fünfte Filiale auf dem Heimatmarkt zu schließen. Dies, nachdem die Credit Suisse (CH0012138530) bereits 2020 für ein Viertel der Standorte ein Ende in Aussicht stellte. Turbulenzen um die UBS Group zu Gerüchten einer Anklage in den Niederlanden gegen CEO Ralph Hamers beeinträchtigten den neuen Trend der Aktie bisher nicht.

Unter den Universalbanken mit den Sparten Versicherungen, Immobilien und Leasinggeschäfte stach im letzten Quartal bereits die Wertpapier-Performance der in 30 Länder vertretenen BBVA (Banco Bilbao Vizcaya Argentaria, ES0113211835) mit +60 % hervor. Auch Anleger der HSBC (GB00054052 86) und der Société Générale (FR0000130809) spürten bereits im vergangenen Herbst mit +30 % Aufwind. Zudem erklommen zuletzt Papiere der Deutschen Bank (DE0005140008) und der BNP Paribas (FR0000131104) den höchsten Stand seit elf Monaten.

Foto: Pixabay / TobiasRehbein

 

 

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Krise sorgt für Aktien-Favoritenwechsel

Jede große Krise sorgt für Aktien-Favoritenwechsel

(14.01.) Laut den Experten von J.P. Morgan Asset Management sorgen große Krisen nicht nur für Volatilität an den Aktienmärkten, sondern bringen in der Regel auch einen Favoritenwechsel mit sich: Das Ende der Dotcom-Blase markierte beispielsweise das vorläufige Ende der Dominanz von Wachstums- und US-Aktien. Die folgende Ära von Value-Aktien und Emerging Markets fand ihr krachendes Ende in der Finanzkrise. Mit der globalen Pandemie könnte es nun an der Zeit für den nächsten Favoritenwechsel sein, so die Einschätzung von Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt: „Der US-Dollar neigt zur Schwäche – damit scheint der 10-jährige Bullenmarkt des Greenback zu Ende zu gehen, der seit der Finanzkrise stark, wenn auch fundamental gesehen teuer war. Nach den pandemiebedingten Zinssenkungen ist das Zinsdifferenzial zwischen US-Dollar und anderen Industrieländern wieder enger geworden – der US-Dollar hat als Anlagewährung an Attraktivität verloren. Mit einsetzender Erholung der Weltwirtschaft sollte dies den Kapitalstrom aus dem US-Dollar in andere Währungsräume beschleunigen“, führt der Experte aus. Nach den bisherigen Erfahrungen hat ein schwacher Dollar vor allem in den Schwellenländern für Rückenwind gesorgt. „Nachdem aktuell vor allem viele asiatische Volkswirtschaften fundamental überzeugen, sind die Voraussetzungen vielversprechend, dass wir nun am Anfang einer asiatischen Dekade stehen“, so Galler.

Wachsende Mittelschicht, regionale Freihandelszonen, erfolgreiche Pandemiebekämpfung
Dafür gibt es zahlreiche kurz- und langfristige Argumente. In den nächsten zehn Jahren dürfte sich die Mittelschicht in Asien um schätzungsweise eine Milliarde Menschen vergrößern. Dies verspricht nach Einschätzung von Tilmann Galler ein enormes Wachstum des Konsums und des regionalen Binnenmarkts. Das jüngste Abkommen über die neue Freihandelszone RCEP dürfte die Asien-Pazifik-Region zudem weiter stärken, denn es sollte den regionalen Handel zwischen den Ländern fördern und dürfte die Wertschöpfungsketten innerhalb der 15 Vertragspartner vertiefen.

Doch auch aus kurzfristiger Sicht besteht für Asien Optimismus: Die nordasiatischen Volkswirtschaften China, Korea und Taiwan, die den Großteil des investierbaren Universums repräsentieren, waren erfolgreicher darin, die Pandemie einzudämmen, als der Rest der Welt. Die Neuinfektionen mit COVID-19 betrugen selbst in der Spitze nur einen Bruchteil der anderen Regionen. „Aufgrund des begrenzten Ausbruchs in Kombination mit rigoroser Kontaktbeschränkung und Verfolgung von Infektionsketten konnte das Virus so weit zurückgedrängt werden, dass sich die Wirtschaft auf breiter Basis erholen konnte. Chinas Wirtschaft ist inzwischen wieder auf dem Vorkrisenniveau zurück – ein Zustand, von dem Europa und die USA bis jetzt nur träumen können“, stellt der Marktstratege fest.

Die Rolle des verarbeitenden Gewerbes – vom Malus zum Vorteil
Trotz des stetig wachsenden Konsums sind die asiatischen Volkswirtschaften immer noch sehr abhängig von der Dynamik im verarbeitenden Gewerbe und dem Handel. Aber was in den Jahren des eskalierenden Handelskonfliktes noch ein Malus war, ist nach Analyse von Tilmann Galler in der jetzigen Phase ein Vorteil. „Es gelingt dem produzierenden Gewerbe viel besser, sich an das Pandemieumfeld anzupassen als beispielsweise dem Dienstleistungssektor. Und so wirkt sich die aktuell relativ bessere Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes gegenüber den Dienstleistungen für Asien sehr positiv aus“, erklärt Galler.

Konjunkturdaten in China positiv, jedoch begrenzte Nachfrageimpulse
Chinas Nachfrage im Speziellen hat sich seit dem 2. Quartal 2020 deutlich erholt. Gestiegene Preise von Kupfer und Eisenerz seien nach Einschätzung des Kapitalmarktexperten ein klares Indiz dafür und sollten auch jene überzeugen, die den Konjunkturdaten aus dem Reich der Mitte eher misstrauen. Dennoch sollte man die Euphorie etwas bremsen. „Diesmal hat Peking die Wirtschaft, im Vergleich zu den früheren Schwächephasen, wo es eine enorme Kreditausweitung gegeben hat, nur relativ moderat gestützt. Das heißt, der positive Nachfrageimpuls aus China hat nicht die Kraft wie beispielsweise 2009 oder 2016, um das Wirtschaftswachstum weltweit zu beflügeln“, sagt Galler. Die Sorge um die zukünftige Finanzmarktstabilität habe die Entscheidungsträger davon abgehalten, den Geldhahn weit aufzudrehen. Die Konsequenz sei, dass von der steigenden Nachfrage in China nur die Länder mit intensiven Handelsbeziehungen zu China profitieren dürften. Exportstarke Volkswirtschaften wie Taiwan und Korea liefern über 25 % ihrer Exporte nach China und dürften wohl den stärksten Rückenwind für ihre Wirtschaft spüren. Japan liefert zwar rund 20 % der Exporte nach China, aber der Gesamtanteil der Exporte am BIP liegt bei nur 13 % – in Korea ist es mit 33 % ein Drittel der Wirtschaftsleistung.

Die Bewertung des japanischen Aktienmarkts hat nach Einschätzung von Tilmann Galler im Vergleich zu den Industrieländern ein sehr attraktives Niveau erreicht. Im Falle eines globalen Erfolgs im Kampf gegen die Pandemie könnte die Erholung der japanischen Wirtschaft auch zu einer kräftigen Erholung japanischer Aktien führen. Eine überdurchschnittliche Entwicklung wäre dann möglich, wenn der Yen in diesem Szenario nicht zu stark werde.

Weiterhin Potenzial bei asiatischen Aktien – doch differenzierter Blick nötig
Nach Einschätzung von Tilmann Galler haben asiatische Aktien trotz der guten Kursentwicklung immer noch das Potential, sich überdurchschnittlich zu entwickeln. „In unseren jährlich veröffentlichten langfristigen Ertragsschätzungen, den „Long Term Capital Market Assumptions“, erwarten wir über zehn bis 15 Jahre eine Überschussrendite von mehr als zwei Prozent pro Jahr gegenüber Industrieländeraktien“, betont Galler.

Doch gelte es bei asiatischen Aktien gleichwohl zu differenzieren – denn die Pandemie hat die Aktienmärkte Asiens gespalten. Nordasien hat die Corona-Pandemie bisher besser gemeistert als die meisten anderen Länder der Welt. Aus diesem Grund waren die Unternehmensgewinne stabiler und die Wirtschaft konnte sich auch nachhaltiger erholen als beispielsweise in Europa oder den USA. Die Risiken neuer Pandemiewellen und weiterer Lockdowns ist demnach für diese Region auch im neuen Jahr viel geringer als für den Rest der Welt. „Wir trauen Aktien aus China, Taiwan und Korea aufgrund dieser defensiven Qualitäten und dem besseren Wirtschaftswachstumsumfeld zumindest in der ersten Jahreshälfte eine überdurchschnittliche Wertentwicklung zu, solange es eben nicht sicher ist, dass die Pandemie nachhaltig überwunden wird“, sagt Experte Galler. Wer im Speziellen von der relativ starken Nachfrage in Chinas Wachstum profitieren wolle, sollte dies aufgrund des schwächeren Wachstumsimpulses aktuell durch direkte Investments in den heimischen A-Share-Markt tun.

Sobald jedoch ein Ende der Pandemie wahrscheinlicher werde, sei mit einem Favoritenwechsel zu den ASEAN-Aktien und Indien zu rechnen. „Südasien ist erheblich stärker durch die Pandemie betroffen und bietet aus diesem Grund auch mehr Aufholpotenzial. In diesem weltwirtschaftlichen Erholungsszenario sollten auch japanische Aktien aufgrund des relativ hohen Anteils zyklischer Titel profitieren“, bewertet Tilmann Galler die Situation.

Foto: JP Morgan

 

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Ist Wasserstoff heiß gelaufen?

Trotz des anhaltenden Hypes warnen Experten vor unreflektierten Zukäufen.

Patrick Baldia. Wasserstoff gilt als wichtiger Baustein auf dem Weg in eine CO2-freie Zukunft. Vorausgesetzt, der Strom mit dem Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten wird, kommt aus erneuerbaren Energiequellen. Mithilfe von Brennstoffzellen kann der gespeicherte grüne Wasserstoff beispielsweise in Fahrzeugen in elektrische Energie umgewandelt werden. Zu den weiteren Einsatzmöglichkeiten gehört auch die Industrie. In der Stahlindustrie soll etwa Wasserstoff Koks ersetzen und eine klimafreundliche Produktion ermöglichen.

Die Aktienkurse von einschlägigen Playern sind in der Vergangenheit regelrecht durch den Plafond geschossen. So hat etwa das Papier des US-Brennstoffzellenherstellers Plug Power über die vergangenen zwölf Monate ein Plus von rund 1.000 % (!) zu Buche stehen. Sehen lassen kann sich mit +570 bzw. +505 % auch die Aktienkursperformance des US-Konkurrenten FuelCell Energy und der britischen ITM Power. Aber auch die Kursentwicklung auf Einjahressicht der Papiere von Ceres Power (+410 %), Nel Asa (+280 %), Ballard Power (+210 %) und PowerCell (+140 %) hat Aktionärsherzen höherschlagen lassen.

Angesichts der imposanten Rallye, die im Übrigen bei einigen Papieren schon seit einigen Jahren anhält, stellt sich die Frage, ob das Thema nicht mittlerweile zu heiß gelaufen ist. Für die Experten der Bank of America (BofA) ist das starke Investoreninteresse an dem erneuerbaren Energieträger gerechtfertigt, wie aus einer aktuellen Studie hervorgeht. Laut Haim Israel, Head of Thematic Investing Strategy bei BofA Global Research, birgt grüner Wasserstoff – gemeinsam mit erneuerbarer Elektrizität – die Chance, die CO2-Emissionen der globalen Wirtschaft bis 2050 auf null zu reduzieren.

Israel spricht von einer „notwendigen Energierevolution“. So könne grüner Wasserstoff bis 2030 bis zu 24 % unseres Energiebedarfs abdecken. Gleichzeitig könnten einschlägige Industrien bis 2050 2,5 BioUSD pro Jahr umsetzen. Insgesamt wären mit der Transition hin zu grünem Wasserstoff Infrastruktur-Investitionsmöglichkeiten von rund 11 BioUSD verbunden.

Dass die Produktionskosten von grünem Wasserstoff, die derzeit bei 3 bis 7 USD pro kg liegen – bei Wasserstoff, der mit fossilen Energieträgern hergestellt wird, sind es 1 USD pro kg – bis 2050 auf 1 bis 2 USD sinken könnten, führt der BofA-Experte auf drei Faktoren zurück: Erstens wären die Kosten, die zur Wasserstoff-Herstellung benötigt werden, in den vergangenen fünf Jahren um 50 % gesunken – in den kommenden zehn Jahren sollen sie weiter um bis zu 90 % zurückgehen. Zweitens würden mit weiteren technischen Fortschritten weitere Kostensenkungen einhergehen. Dazu kommen ambitionierte politische Maßnahmen wie der Green Deal der EU, die ein Katalysator für weitere Innovationen und Kostensenkungen sein sollten.

So gut die Aussichten für den Markt auch sein mögen, von unreflektierten Zukäufen ist dennoch abzuraten. So verweisen etwa Experten darauf, dass vor allem viele kleinere Player noch keine Gewinne schreiben. Wer Kursanstiege angesichts des aktuellen Newsflows oder Analysteneinschätzungen des betreffenden Unternehmens für zu rasant hält, könnte zwischenzeitliche Rücksetzer für einen Einstieg nutzen. Eine Möglichkeit stellt auch ein Zertifikat von Morgan Stanley, das die tägliche Entwicklung des E-Mobilität Wasserstoff Index (ISIN: DE000SLA8F83) des Indexanbieters Solactive abbildet, dar. 2020 verzeichnete dieser ein Plus von 200 %.

Foto: AdobeStock / AA+W

 

 

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Das Reich der Mitte bleibt die Wachstumslokomotive

Der Schwellenländerexperte Sean Taylor sieht ausgehend von China eine Konjunkturbelebung.

Stefan Riedel, München. Schwellenländer werden bei der für 2021 globalen konjunkturellen Erholung vorangehen. Treibende Kraft ist dabei China, das Land, in dem die Corona-Pandemie ihren Ursprung hatte und das als einzige unter den großen Volkswirtschaften bereits 2020 wieder ein Wirtschaftswachstum verzeichnete. Allerdings sollten Anleger bei ihren Schwellenländer-Investments nicht nur auf den China-Faktor setzen, sondern die asiatisch-pazifische Region als Ganzes. Zu dieser Einschätzung kommt Sean Taylor, Chefanlagestratege der Deutschen Bank für Schwellenländer, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

„Geheimtipps“: Südkorea, Indonesien und Thailand
Asien als Ganzes steht vor einem neuen Wachstumsschub. Das im November 2020 von 15 Staaten unterzeichnete Freihandelsabkommen RCEP (Anm.: Die Regional Comprehensive Economic Partnership ist ein seit 2020 bestehendes Freihandelsabkommen zwischen den zehn ASEAN-Mitgliedsstaaten und fünf weiteren Staaten in der Region Asien-Pazifik. Es ist die größte Freihandelszone der Welt.) wird Taylor zufolge die gesamte Region mittel- bis langfristig zu einem Handelsblock formen, dessen Vorteile allen Mitgliedern zugutekommen. Das größte Potenzial für positive Überraschungen in diesem Jahr räumt Taylor Südkorea, Indonesien und Thailand ein. Mittel- bis langfristig wiederum komme China zugute, dass die Corona-Krise frühzeitig eingedämmt wurde: „Anders als die meisten westlichen Industriestaaten wird China in der Zeit danach nicht damit beschäftigt sein, den immensen Schuldenberg aus den Finanzierungsprogrammen abzutragen, die zur Bewältigung der Krise aufgelegt wurden.“ Stattdessen könne China noch mehr in den Aufbau der eigenen technologischen Infrastruktur und von extern unabhängigen Lieferketten investieren.

Zykliker bevorzugt
Vor diesem makroökonomischen Hintergrund erwartet Taylor in diesem Jahr anziehende Unternehmensgewinne bei den zyklischen Branchen und in den Servicesegmenten. Vorübergehend abflachen soll dagegen das im Vorjahr beschleunigte Wachstum bei den Nutznießern der Corona-Krise, also den E-Commerce-Spezialisten und den Unternehmen, welche die Digitalisierung der Wirtschaft vorantreiben. Auf der Währungsseite erwartet Taylor angesichts der steigenden öffentlichen Investitionen unter der neuen US-Regierung eine Abwertung des US-Dollars gegenüber asiatischen Währungen wie dem chinesischen Renminbi oder dem koreanischen Won.

In dem von ihm gemanagten Investmentfonds „DWS Invest ESG Global Emerging Markets Equities LD“ (ISIN: LU10984221009), der im Mai 2019 aufgelegt wurde, favorisiert Taylor aktuell Nicht-Basiskonsumgüter, Technologie-Hardware, Halbleiter, den Finanzsektor und auf selektiver Basis Rohstoffe. Auf geografischer Ebene sind die asiatischen Industrie- und Schwellenländer mit einem Anteil von 77 % klar übergewichtet, gefolgt von Lateinamerika mit fast 13 %. Aufgrund der niedrigen Bewertungen räumt Taylor hier Brasilien für 2021 ein großes Aufholpotenzial ein. Abwartend bleibt er dagegen bei Russland und anderen Märkten, deren Wachstum in erster Linie von der Preisentwicklung bei Erdöl und Rohstoffen getrieben ist.

Nachhaltigkeit kein Randthema mehr
Die zunehmende Attraktivität der Schwellenländer für Investoren zeigt sich für Taylor auch bei der wachsenden Rolle von Nachhaltigkeitsaspekten. Gerade in Asien legen immer mehr Unternehmen Wert auf Transparenz und gute Unternehmensführung. Zugleich verdeutliche die neue Welle an Börsengängen die wachsende Bedeutung des Finanzplatz China und seiner lokalen Investoren.

Ähnlich wie in der Realwirtschaft setzt China auf mehr Eigenständigkeit: „Immer mehr Zweitlistings von chinesischen Firmen erfolgen nicht mehr als ADRs an US-Börsen, sondern in Shanghai oder Hongkong. Auf der Anleihen-Seite forcieren regulatorische Erleichterungen den Kauf von festverzinslichten Wertpapieren durch heimische Anleger und stabilisieren damit die Währung.“ Größtes Unsicherheitsrisiko für die wirtschaftliche Entwicklung aller Schwellenländer und damit für die Performance der Investments bleibe, dass die Bekämpfung der Corona-Pandemie sich länger als erwartet hinzieht.

Foto: AdobeStock / sunnydays

 

 

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Freigehandelt statt armregiert

Die Freihandelszone „AfCFTA“ bietet neue Chancen für einen ganzen Kontinent.

Rudolf Preyer. Von den „großen Chancen auch für Europa“ spricht Sandra Bijelic von der Industriellenvereinigung gegenüber dem Börsen-Kurier: Die am 1. Jänner 2021 in Kraft getretene innerafrikanische Freihandelszone „AfCFTA“ (Africa Continental Free Trade Area) müsse auch uns interessieren, „da die EU wichtigster Handelspartner für seinen südlichen Nachbarkontinent ist. Sowohl bei den Direktinvestitionen als auch beim Warenhandel liegt die EU im weltweiten Vergleich deutlich vor China und den USA“, so Bijelic.

Gegenwärtig steuert der Kontinent weniger als 3 % der globalen Wirtschaftsleistung bei. Mehr als die Hälfte davon stammt aus Nigeria, Südafrika und Ägypten. Was versteckt sich also hinter dem Wortungetüm „AfCFTA“?

Panafrikanischer Markt nach EU-Muster
Die Ausgangslage bietet – nun, sagen wir euphemistisch – „viel Luft nach oben“: Die Fragmentierung des afrikanischen Marktes schreckt Investoren ab. Fehlende Straßen und Lagersysteme, mangelnde Kooperation der Regierungen, zeitraubende und hinderliche Ausfuhrbestimmungen sowie Unsicherheiten im juristischen Umfeld (Stichwort Korruption) erhöhen die Handelskosten auf dem Kontinent. Das wissen auch die afrikanischen Souveräne: 54 der 55 Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union (AU; Ausnahme: Eritrea) brachten daher am 7. Juli 2019 in Niamey (Niger) das interkontinentale Freihandelsabkommen „AfCFTA“ auf den Weg, das seit Jahresultimo 2021 gilt (Achtung: aber nur 34 Staaten haben das Abkommen bisher ratifiziert). Dazu Bijelic: „Die neue Freihandelszone kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, den Handelsverkehr auf dem afrikanischen Kontinent neu zu ordnen.“ Konkret: „Eine stärkere wirtschaftliche Integration bringt mehr Produktvielfalt, niedrigere Konsumentenpreise, ein höheres Einkommensniveau und politische Stabilität.“ Vom Sitz des ständigen Sekretariats in Accra (Ghana) aus soll ein panafrikanischer Markt nach EU-Muster entstehen. Das erklärte Ziel: ein freier Waren- und Personenverkehr und die Liberalisierung von Dienstleistungen.

Zurück zum Status quo: Afrikaner benötigen derzeit für zwei Drittel der afrikanischen Staaten Einreisebewilligungen. Eine Folge davon: Aktuell werden nur 17 % des Handels auf dem Kontinent mit anderen afrikanischen Staaten abgewickelt (innerhalb Europas sind es vergleichsweise 69 %).

Förderung von Rechtsstaatlichkeit unerlässlich
Fantasie ist ja gewaltig vorhanden für die rund 1,2 Mrd Menschen der – einmal umgesetzt – dann größten Freihandelszone der Welt: Diese könnte die Abhängigkeit von (Entwicklungsgeldern aus) Europa, China und den USA vermindern (die ja auch maßgeblich die afrikanischen Rohstoffvorkommen ausbeuten). So findet die industrielle Verarbeitung vieler Produkte – darunter Kakao, Kaffee, Gewürze, Baumwolle oder Tomaten – kaum auf dem Kontinent selbst statt: Der zusätzliche Wertzuwachs wird somit außerhalb Afrikas lukriert.

Volker Seitz, Autor von „Afrika wird armregiert“, beschwört, die Absichtserklärung als „sehr langfristiges Projekt“ zu verstehen: Es werde noch viele Jahre dauern, bis die Handelserleichterungen, Transitregeln und ein einheitliches Verfahren für Zollbehörden (90 % aller Zölle sollen geplantermaßen wegfallen) konsequent umgesetzt werden.

Kritisch sieht das etwa auch der kenianische Wirtschaftsanalyst Aly Khan Satchu: Vom jetzigen asymmetrischen Wirtschafts- und Informationsraum des Kontinents profitieren „viele reaktionäre Kräfte“. Und diese werden sich „mit aller Gewalt gegen Neuregelungen“ querstellen.

Importe (etwa virenabweisende Schutzausrüstungen) aus Europa, China und den USA bringen die lokalen Märkte ins Ungleichgewicht. Afrika könne mit der Freihandelszone „AfCFTA“ folglich „die Abhängigkeit vom Rest der Welt verringern“, ist Lyndia Iroulo vom Hamburger GIGA-Institut überzeugt. Sind auch Sie dieser Meinung, lohnt es sich bestimmt, beim Berater Ihres Vertrauens nach Investitionsmöglichkeiten in Afrika zu fragen. Die Weltbank jedenfalls schätzt den Anstieg von Afrikas Wirtschaftsleistung bei 335 Mrd Euro in einer Generation ein.

 

 

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Sieben Themen, die Anleger 2021 beachten sollten

(28.12.). Von defensiven Sektoren bis hin zu steileren Zinskurven.

Alex Pelteshki, Co-Manager des Aegon Strategic Global Bond Fund, beleuchtet sieben Themen und Risiken, die die Anlagemärkte im Jahr 2021 prägen dürften. „Es war ein denkwürdiges Jahr für die Welt und für die Finanzmärkte. Doch jetzt, da die Coronavirus-Krise dank rechtzeitiger Impfstoffbemühungen wohl schon im Rückspiegel zu sehen ist, ändern sich die Perspektiven für 2021 rasant.“

1. Einengung des Renditeabstands zwischen den Sektoren, doch Alpha wird outperformen
Wir erwarten weiterhin eine Renditekompression bis ins Jahr 2021 hinein und gehen davon aus, dass sich der Abstand zwischen Covid-Verlierern und Covid-Gewinnern schließlich einengt. Wir rechnen mit weiteren Gewinnen, insbesondere im Reise-, Freizeit- und Glücksspielsektor, also in Bereichen, die von der Pandemie im Jahr 2020 direkt betroffen waren und die am meisten von der Wiedereröffnung der Wirtschaft profitieren dürften. Zugleich sehen wir wenig weitere Gewinne für “defensive” Sektoren wie TMT und Versorger. Diese sind prädestiniert dafür, im Jahr 2021 unter dem Strich negative Renditen zu generieren. Insgesamt erwarten wir von nun an wenige Fortschritte bei den Leitindizes. Wir glauben vielmehr, dass die Titelselektion die Rendite Ihrer Anleiheallokation im Jahr 2021 dominieren wird, im Gegensatz zur Jagd nach Beta.

2. Vorsicht vor dem Übermut der Anleger
Zudem empfehlen wir dringend, Trades zu vermeiden, die mittlerweile totgeritten und in den Kursen eingepreist sind. Eine zunehmende Einengung der Indexniveaus ist – auch wenn mathematisch immer noch erreichbar – ein Paradebeispiel für einen solchen Trade. Seit der Ankündigung einer wohl positiven Entwicklung eines Impfstoffs ist die Stimmung der Anleger extrem optimistisch geworden. Daher notieren Positionen in (synthetischen) Kreditindizes in der Nähe der Allzeithochs.

Wir sind sehr vorsichtig, jetzt solche Trades zu tätigen. Während wir uns weiterhin auf engere Spreads zum Jahresende 2021 einstellen, reduzieren wir die Risiken, um ein Liquiditätspolster für einen günstigeren Einstiegspunkt zu schaffen.

3. Carry ist Trumpf
Long-Positionen in Cash-Bonds gegenüber Short-Positionen in Anleihe-Indizes waren dank der Begrenzung des Renditeniveaus durch die globalen Zentralbanken selten so attraktiv. Da sie nicht in der Lage waren, genügend Anleihen auf dem freien Markt zu erwerben, und von dem schnellen Stimmungswandel im Hinblick auf die Risiken überrascht wurden, mussten viele Investoren mit exorbitant hohen Bargeldpositionen dem Markt hinterherlaufen. Sie hatten kaum eine andere Wahl, als die synthetischen Anleihe-Indizes in die Nähe ihrer Allzeithochs zu bringen. Dies lässt viele Möglichkeiten offen, ein sorgfältig ausgewähltes Portfolio mit ausgesuchten Anleihen zu verwalten, die vom Markt noch übersehen werden, und das Marktrisiko für einen attraktiven Carry herauszunehmen.

4. Steilere Zinskurven
Die Zinskurven werden steiler und das allgemeine Zinsniveau dürfte im Jahr 2021 höher sein als jetzt. Allein die Tatsache, dass das kurze Ende der der Zinsstrukturkurve für Staatsanleihen durch das Dreigestirn FED, EZB und BOE stabil gehalten wird, bedeutet, dass das einzige mögliche Ausgleichsventil am langen Ende der Kurve liegt. Dennoch erwarten wir keine gravierende Zunahme der Kurvensteilheit. Während wir mit weiteren moderaten Entwicklungen dieser Art rechnen, sind die Zinskurven derzeit angemessen steil. Zudem werden sie gedeckelt, wenn man sie als restriktiv hinsichtlich der finanziellen Rahmenbedingungen betrachtet.

5. Der vorzeitige Abgesang auf die Risikoparität
Ausgehend von den obigen Ausführungen vertreten wir grundsätzlich die Gegenposition zu dem in letzter Zeit sehr gängigen Argument, dass die berühmte Risikoparität zwischen Risikoaktiva und risikofreien Staatsanleihen nicht mehr besteht. Wenngleich die Ergänzung einer traditionell auf Staatsanleihen basierenden Absicherung durch Alternativen wie Edelmetalle oder Devisen durchaus sinnvoll erscheint, sind wir dennoch vorsichtig, da es sich dabei um wesentlich volatilere und weniger stabile Möglichkeiten handelt.

Gleichzeitig wird uns der sukzessive Anstieg des globalen Zinsniveaus, der die Konsenserwartung des Marktes widerspiegelt, viele gute Gelegenheiten bieten, die Absicherung von Kreditrisiken auf eine eher traditionelle Weise neu zu strukturieren.

6. Die Rückkehr der Schwellenländer
Ausgewählte Emerging Markets bieten unserer Ansicht nach derzeit mehr Potenzial als manche Teile der Investment Grade- und High-Yield-Märkte der Industrieländer. Die deutlich schnellere, durch eine erfolgreiche Fiskalpolitik sowie die Eindämmung des Virus angetriebene Erholung – insbesondere in Asien – bringt eine zyklische Erholung zurück ins Spiel. Von diesem Trend profitieren in erster Linie die Rohstoffexporteure sowie die exportorientierten Volkswirtschaften der Alten Welt.

7. Die Positionierung der Investoren sowie ETFs können zu größeren Ausschlägen führen
Unsere größten Bedenken für das Jahr 2021 bestehen in Bezug auf die Konsenspositionierung der Anleger, den Überschwang der Anleger und die Marktliquidität. Die beiden erstgenannten hängen direkt mit dem FOMO-Faktor (Fear Of Missing Out – die Angst, etwas zu verpassen) zusammen. Angesichts der aktuellen Bewertungen gehen wir davon aus, dass wir nicht mehr weit vom Punkt der maximalen Zuversicht entfernt sind. Dies ist für sich genommen kein negativer Katalysator, könnte sich aber dazu entwickeln.

Dies führt zu unserer zweiten großen Befürchtung: die Marktliquidität. Die Kombination aus der überzogenen Positionierung und der Dominanz von Indexfonds (ETFs) könnte sehr schnell dazu führen, dass die Marktliquidität verkümmert, wenn die größten passiven Manager zusätzliche Mittel benötigen.

Beides könnte einen explosiven Cocktail bilden, der viele Portfolios in Flammen aufgehen lassen könnte. Daher halten wir uns von Crowded Trades fern und ziehen es vor, agil zu sein, wenn andere gierig sind.

Foto: Aegon AM

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Nicht Protektionismus, sondern Globalisierung schützt

Ein Gastkommentar von Stefan Beig vom Austrian Institute of Economics and Social Philosophy.

Wirtschaftspolitisch stand das vergangene Jahr im Zeichen einer Wiederbelebung des Neomerkantilismus. Als Anlass diente die Corona-Krise. Seit ihrem Beginn verfolgte die Europäische Union einen Protektionismus nach außen und einen industriepolitischen Interventionismus nach innen, was sich etwa im 750 Mrd Euro schweren EU-Wiederaufbaufonds niederschlug. Zwar sprach man lieber von „ökonomischer Souveränität“ statt von „Protektionismus“, doch leider lief das auf dasselbe hinaus. Die dabei vorgebrachten Argumente sind unhaltbar.

Lieferengpässe von Covid-19-relevanten medizinischen Produkten aus China waren zunächst der Aufhänger der merkantilistischen Wende. Im April erklärte EU-Präsident Charles Michel: „Es ist doch absurd, wenn wir die Maschinen herstellen, mit denen dann China die hier so dringend benötigten Masken produziert.“ Seine Schlussfolgerung: „Wir müssen künftig die zentralen Produkte, die wir für die Gesundheit, aber auch unsere Industrieproduktion brauchen, wieder in Europa produzieren.“

Den Worten folgten auch Taten. Frankreich verwendete Gelder des EU-Wiederaufbaufonds für Subventionen an Unternehmen, mit denen weltweite Lieferketten hinter die französischen Staatsgrenzen zurückgeholt wurden. Die Vorproduktion wurde so nach Frankreich verlagert. Bemerkenswerterweise lag der Fokus sämtlicher EU-Hilfsprogramme nicht primär auf Corona-relevanten Produkten.

So verringert man freilich nicht die Abhängigkeit von einzelnen Ländern. Wer auf einheimische statt auf asiatische Hersteller setzt, der ersetzt die eine Abhängigkeit durch eine neue. So nützt es nichts, relevante Vorprodukte im eigenen Land herzustellen, wenn dort ein Lockdown stattfindet. Abhängigkeit verringert man durch Diversifizierung, und die ermöglicht gerade die vielgeschmähte Globalisierung. Deshalb steigt durch internationale Verflechtung auch nicht wie behauptet die Störanfälligkeit. Die meisten Schocks sind übrigens länderspezifisch, und gerade in solchen Fällen hilft der Außenhandel.

Im Übrigen ist der Aufbau einheimischer Produktionskapazitäten für ein seltenes Ereignis wie eine Pandemie, das nur einmal in einer Generation eintritt, überhaupt nicht sinnvoll. Weit effektiver ist ausreichende Bevorratung.

Klar ist auch: Jeder kauft Güter zuerst dort, wo sie – bei gleicher Qualität – am günstigsten sind. Wenn wir Produkte zu wesentlich höheren Kosten woanders kaufen oder selbst herstellen, kommt uns das teurer. Im Falle von verschreibungspflichtigen Medikamenten, deren Preise nicht von Angebot und Nachfrage bestimmt werden, dürfen wir uns über steigende Kosten des Gesundheitssystems dann nicht wundern. Generell kommen Subventionen für nicht rentable Unternehmen im Inland die Allgemeinheit teuer, sie vergrößern auch nicht den Wohlstand.

Von all dem abgesehen ist die Abhängigkeit von China bei Covid-19-relevanten medizinischen Produkten schlicht ein Mythos. Der deutsche Sachverständigenrat stellte fest: 81 % der Corona-relevanten Medizinprodukte erhalten die EU-Länder aus mindestens 30 verschiedenen Ländern. Deutschlands Arzneimittelimporte stammen zu 72 % aus EU-Ländern, nur 0,8 % aus Indien und China.

Hätten sich Deutschland, Österreich und asiatische Länder hinter ihre Landesgrenzen zurückgezogen, wäre ihr heutiger Wohlstand undenkbar. Diese Staaten verdanken ihrer Integration in weltweite Lieferverflechtungen einen erheblichen Teil ihres Wohlstands. Eine Politik der verstärkten Autarkie verschenkt diese Außenhandelsvorteile, und damit den Wohlstand.

Foto: Adobe Stock / Eisenhans

 

 

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In die DAX-Aufsteiger investieren

Ein neues Zertifikat will von zwölf Top-Unternehmen profitieren.

Harald Kolerus. Der Deutsche Leitindex steht heuer vor seiner größten Reform seit der Einführung 1988 (der Börsen-Kurier hat berichtet): Im September wird der DAX von 30 auf 40 Unternehmen aufgestockt, wobei die Mitglieder künftig strengere Kriterien erfüllen müssen. Der Index soll auf diese Art und Weise modernisiert werden und mehr Titel von zukunftsträchtigen Branchen, nicht zuletzt in Zusammenhang mit Ökologie und Nachhaltigkeit, umfassen. Außerdem wird dadurch eine größere Streuung erreicht, was die Stabilität erhöhen sollte. Und natürlich: Skandalen à la Wirecard soll tunlichst der Riegel vorgeschoben werden.

Germany‘s Next Top-Aktien
Naheliegend ist, dass Unternehmen, die zu diesen DAX-Ehren kommen, sich größerer Aufmerksamkeit unter privaten Investoren und professionellen Asset-Managern erfreuen werden. Nicht zuletzt müssen nach der Aufnahme entsprechende börsengehandelte Indexfonds (ETFs) ihre Portfolios anpassen und den Leitindex 1:1 abbilden. Laut Morningstar machen ETFs auf dem DAX immerhin rund 13 Mrd Euro aus.

Vontobel hat diesen Gedankengang aufgegriffen und das Partizipationszertifikat auf den „Germany‘ next 10 Basket“ (ISIN: DE 000VQ121Z7) am Markt lanciert. Hier sind zwölf Unternehmen enthalten, die als potenzielle DAX-Aufsteiger gelten. Heiko Geiger, Zertifikate-Spezialist bei Vontobel, erklärt im Gespräch mit dem Börsen-Kurier: „Es handelt sich hier um ein taktisches Investment, nicht um ein Kernportfolio. Wenn die Aufsteiger im September feststehen, ist die Anlageidee beendet, zuvor könnte aber das Kurspotenzial gehoben werden.“ Folgerichtig wird am 17.12.2021 der Wert des Aktienkorbes zum dann aktuellen Kurs ausbezahlt und das Investment geschlossen. Natürlich kann man nach Belieben auch schon zuvor verkaufen, wenn man die Situation als günstig erachtet.

Geiger weiter: „Ein Vorteil ist, dass Investoren mit dem Zertifikat zwölf Titel so einfach wie eine einzige Aktie an der Börse handeln können. Das sorgt für Streuung und erspart es dem Anleger, sich mit Analysteneinschätzungen abzumühen, welcher Titel in den DAX kommen könnte und welcher nicht. Zudem vermeiden sie das Einzelaktienrisiko.“

Streitfall Airbus
Wie mühsam die Vorauswahl sein kann, zeigt das Beispiel Airbus, das als deutsch-französisches Unternehmen ohnedies einen etwas schwereren Stand hat und derzeit sowohl an der Deutschen Börse als auch der Euronext gehandelt wird. Für den DAX-40 wird Airbus einmal als ganz heißer Kandidat gepriesen, dann wird ihm diese Würde auch gleich wieder abgesprochen. Ein Grund dafür ist die Diskussion um geächtete Waffen, die mit den strengeren Richtlinien kollidieren könnten. Nun stellt Airbus zwar keine Streumunition, Minen etc. her, ist aber Miteigentümer des Unternehmens Ariane. Dieses wirbt für die Trägerrakete M51 als „zentrales Element der nuklearen Abschreckung“. Sehr nachhaltig klingt das nicht …

Penible Vorauswahl
Wer den „Germany‘s next 10 Basket“ zeichnet, muss sich eben mit solchen Gedanken nicht herumschlagen, die Vorauswahl der Titel wurde bereits nach dem neuen Regelwerk getroffen. Analysiert wurden z.B. der Market-Cap-Freeflow und die operativen Gewinne. Im Korb finden sich zwölf Titel, eben um einen gewissen Spielraum zu behalten. Dass aus dem Basket vielleicht gleich die Hälfte der Titel den Aufstieg nicht schafft, will Geiger aufgrund der sorgsam angewendeten Kriterien ausschließen. Im Portfolio finden sich nun Unternehmen von A (wie eben Airbus) bis Z (der Online-Händler Zalando). Bedacht wurden z.B. auch die Versicherung Hannover Rück, Siemens Energy, der Biotech-Spezialist Qiagen und Porsche. Alles in allem eine auch sektoral gut diversifizierte Short-List.

Foto: Adobe Stock / Pavel Ignatov

 

 

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Chinas mächtiger Bondmarkt boomt

Die Renditen reizen und die Qualität chinesischer Staatsanleihen ist nicht zu unterschätzen.

Raja Korinek. Es geht jetzt Schlag auf Schlag. Im vergangenen November gründete China mit 14 weiteren Nationen in der pazifischen Region die weltweit größte Freihandelszone. Genannt wird der Pakt RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership). Schon jetzt sind die Wirtschaftszahlen beachtlich: Das BIP der 15 Länder umfasst umgerechnet mehr als 25 Bio€. Auch das Investitionsabkommen zwischen China und der EU scheint endgültig fixiert.

Obendrein verfolgt das Reich der Mitte mit dem 14. Fünf-Jahres-Plan bis 2025 ehrgeizige Wachstumspläne. Unter anderem soll der Technologiesektor weiterentwickelt, der Finanzsektor modernisiert werden. Schon jetzt hat sich in diesem Bereich viel getan. Chinas Kapitalmärkte werden liquider und zunehmend für ausländisches Kapital geöffnet. „Die chinesischen Regulierungsbehörden haben sich erheblich bemüht, den Zugang des Onshore-Anleihemarktes für ausländische Investoren zu verbessern“, sagt Sabrina Jacobs, Fixed Income Investment Specialist bei Insight Investment, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Der britische Vermögensverwalter ist Teil von BNY Mellon.

Anleihemarkt rückt in den Fokus
Jacobs verweist dabei auf Programme wie „China Bond Connect“ und „China Interbank Bond Market Direct“. Das seien wichtige Meilensteine, „da sie es ausländischen Investoren ermöglichen, chinesische Anleihen einfacher und flexibler zu handeln“. Immerhin umfasst allein der Markt für chinesische Staatsanleihen in lokaler Währung umgerechnet rund 14 BioUSD (einschließlich Anleihen von Staatsbanken). „Damit ist China der zweitgrößte Staatsanleihenmarkt der Welt, hinter den USA mit rund 16 BioUSD“, sagt Jacobs. Und das erweckt auch zunehmend Interesse großer Indexanbieter. Chinesische Staatsanleihen sollen ab Oktober in den „FTSE World Government Bond Index“ aufgenommen werden. 2019 wurden die Papiere in den „Bloomberg Barclays Global Aggregate Index“ aufgenommen, in den „J.P. Morgan Government Bond Index – Emerging Markets“ vor rund einem Jahr.

Attraktive Ertragschancen
Dabei lockt der Markt nicht nur mit der zunehmenden Liquidität. Jacobs sagt, „chinesische Staatsanleihen in Lokalwährung bieten aktuell attraktive Erträge“. Mitte Dezember 2020 lag die Fünfjahres-rendite bei rund 3 %. Im Vergleich dazu betrug die Fünfjahresrendite für US-Treasuries rund 0,35 %. In Deutschland ist sie sogar im Minus.

Dabei habe sich im Vorjahr der Renditeunterschied zwischen Chinas Bondmarkt und jenen in den USA sowie Europa ausgeweitet, da die Fed und die EZB Anleihen in Rekordhöhe gekauft hatten, um ihre Volkswirtschaften zu stabilisieren. „Währenddessen hat China die Covid-Krise relativ rasch hinter sich gelassen.“

Jacobs verweist allerdings auch auf das Währungsrisiko. Die historische Volatilität des Euro gegenüber dem Yuan sei 2020 auf Jahresbasis auf etwa 7 % gestiegen. Das zeige, dass jeder Renditeanstieg durch Währungsschwankungen schnell aufgezehrt werden könne. Eine Währungsabsicherung könnte Sinn haben: „Selbst nach einer Absicherung gegenüber dem Euro oder dem US-Dollar bieten chinesische Lokalwährungsanleihen einen Renditevorteil – wenn auch in geringerem Maße.“

Stabile Investorenbasis
Jacobs verweist zudem auf einen weiteren Vorteil bei einem Investment in chinesische Staatsanleihen: So habe der Markt eine überschaubare Investorenbasis, wobei chinesische Geschäftsbanken die große Mehrheit der ausstehenden Anleihen hielten, und das meist bis Fälligkeit. Das verleihe dem Markt Stabilität, fügt Jacobs hinzu.

Foto: Adobe Stock / chungking

 

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Weltweiter IPO-Boom

Weltweiter IPO-Markt: Börsenneulinge sammeln so viel Geld ein wie zuletzt 2010

(22.12.) Ein starkes Schlussquartal verhilft dem weltweiten IPO-Markt zu neuen Höchstständen: Weltweit haben 2020 insgesamt 1.322 Unternehmen den Schritt aufs Börse-Parkett gewagt – das waren 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Das weltweite Emissionsvolumen stieg sogar um 26 Prozent auf 263 Milliarden US-Dollar und damit auf den höchsten Wert seit dem Jahr 2010.

Besonders stark gestiegen ist das Emissionsvolumen in den USA: um 69 Prozent auf 86 Milliarden US-Dollar. Die Zahl der Transaktionen an den US-Börsen kletterte um 32 Prozent auf 222. China (einschließlich Hongkong) verzeichnete ein Wachstum des Emissionsvolumens um 51 Prozent auf 116 Milliarden US-Dollar, während die Zahl der IPOs um 41 Prozent auf 514 stieg.

Auch in Europa ging es aufwärts – allerdings mit niedrigeren Wachstumsraten. Die Zahl der Börsengänge stieg um 17 Prozent auf 176, das Emissionsvolumen kletterte um neun Prozent auf 27 Milliarden US-Dollar.

Als sehr robust erwies sich das vierte Quartal auch mit einem Anstieg der weltweiten Emissionserlöse gegenüber dem sehr starken Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf 97 Milliarden US-Dollar, während die Zahl der Transaktionen um 19 Prozent auf 448 kletterte. Die positive Entwicklung war allerdings nicht auf allen IPO-Märkten spürbar. So gingen an den chinesischen Börsen die Erlöse um sechs Prozent zurück, die Zahl der Deals sank um 14 Prozent. Die USA und Europa verzeichneten im vierten Quartal hingegen deutliche Zuwächse – sowohl beim Emissionsvolumen als auch in Bezug auf die Zahl der IPOs.

Das sind Ergebnisse des aktuellen weltweiten IPO-Barometers des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY.

„Auf den ersten Blick erscheint es ungewöhnlich, dass in einem so schwierigen Jahr wie 2020 Börsengänge derartig boomen“, stellt Gerhard Schwartz, Partner und Leiter des Assurance-Bereichs bei EY Österreich, fest. „Allerdings ist ein wichtiger Treiber des IPO-Geschehens nach wie vor die enorm hohe Liquidität, die im Markt ist und nach Anlagemöglichkeiten sucht. Zudem zeigt sich derzeit einmal mehr, dass der Markt für Börsengänge relativ wenig über die Gegenwart, aber viel über die Zukunft sagt. Zum einen führte die Pandemie zu einem ungeahnten und nicht wieder rückgängig zu machenden Digitalisierungsboom, von dem gerade Börsengänge von Technologieunternehmen profitieren und weiter profitieren werden. Zum anderen beschleunigte die Pandemie Entwicklungen in vielen Branchen, für die es sonst Jahre oder Jahrzehnte brauchte. Sie hat aber gleichzeitig in vielen Gesellschaften auch erhebliche Defizite aufgedeckt, für die nun Lösungen gesucht werden“, sagt Schwartz.

„2020 war Disruption pur“, so Schwartz weiter. „Für die Wirtschaft, aber auch in Bezug auf die Art, wie wir arbeiten und einkaufen, wie wir uns fortbewegen, wie wir unsere Freizeit verbringen und wie wir kommunizieren. In diesem Jahr haben einige Trends enorm an Bedeutung gewonnen – und damit auch vielversprechenden Börsenkandidaten zu neuen Wachstumschancen verholfen. Neben dem Technologiesektor geriet gerade der Gesundheitssektor im IPO-Markt in den Fokus der Investoren.“

Auch die Herangehensweise der Unternehmen an einen Börsengang habe sich in diesem Jahr stark verändert, so Schwartz: „Die IPO-Platzierungsphase wurde dank virtueller Roadshows deutlich digitaler und schlanker. Damit einhergehend haben kürzere Roadshows das Volatilitäts- und Preisrisiko reduziert. Und in diesem Jahr haben zudem sogenannte SPAC – das sind börsennotierte Mantelgesellschaften – endgültig ihren Durchbruch in den USA gefeiert.“

„Der Fortgang der COVID 19-Impfungen und die Implikationen der US-Präsidentschaftswahl sowie des Brexits werden auf das IPO-Sentiment im Jahr 2021 Einfluss haben“, beobachtet Schwartz.

Wien am schnellsten wachsender Börsenplatz für Anleihe-Emittenten in Europa
An der Börse Wien debütierten im Jahr 2020 aktienseitig fünf Neuzugänge in den Einstiegssegmenten direct market bzw. direct market plus. Die zwei österreichischen Firmen sind die Grazer Immobilienfirma Aventa AG (direct market plus) sowie die Holding des Salzburger Nährstoff-Spezialisten Biogena Group Invest AG (direct market). Zu den internationalen Listings zählen SunMirror AG, Creactives Group S.p.A. und CAG International AG (alle direct market). Im prime market nutzten zwei Immobilienunternehmen das Jahr für Kapitalerhöhungen: Immofinanz AG (171,6 Mio. EUR) und S Immo AG (148,9 Mio. EUR). Bei Anleihen-Listings steuert die Wiener Börse auf ein weiteres Rekordjahr zu. 3.000 neue Bonds machen Wien zum schnellst wachsenden Börsenplatz für Anleihe-Emittenten in Europa.

230 SPAC-Notierungen in 2020
Nachdem im Jahr 2019 weltweit 60 SPACs (Special Purpose Acquisition Companies) an der Börse notiert wurden und dabei insgesamt 13,7 Milliarden US-Dollar eingesammelt hatten, stieg die Zahl der neuen SPAC-Listings im Jahr 2020 auf 230 – fast eine Vervierfachung. Das Emissionsvolumen lag 2020 bei 75,8 Milliarden US-Dollar.

„Der Zusammenschluss mit einem SPAC zählt zu den alternativen Optionen für IPO-Kandidaten, die in volatilen Zeiten nach einem möglichst sicheren und planbaren Weg an die Börse suchen. Gerade in den USA, zunehmend aber auch in Europa, ziehen Emittenten derzeit einen Zusammenschluss mit einem SPAC in Betracht – und das längst nicht mehr nur als “Plan B”-Option, wie es in der Vergangenheit oft der Fall war“, sagt Schwartz.

Technologie-Börsengänge dominieren – China stellt die drei größten IPOs
Im Jahr 2020 entfielen 33 Prozent der weltweiten Emissionserlöse auf IPOs von Technologieunternehmen, die gleichzeitig 24 Prozent aller Deals ausmachten. An zweiter Stelle stehen IPOs von Unternehmen aus dem Gesundheitssektor (19 % der Erlöse, 17 % der Transaktionen).

Die weltweit größte Transaktion im Jahr 2020 war der Börsengang des chinesischen Chip-Herstellers Semiconductor Manufacturing International, der 7,6 Milliarden US-Dollar einbrachte, gefolgt vom IPO des chinesischen Online Händlers JD.com, der 4,5 Milliarden US-Dollar einspielte. An dritter Stelle folgt mit einem Emissionsvolumen von 4,4 Milliarden US-Dollar das IPO des chinesischen Hochgeschwindigkeitsbahnbetreibers Beijing-Shanghai High Speed Railway. Die größte Transaktion eines europäischen Unternehmens war der Börsengang des niederländischen Kaffeekonzerns JDE Peet‘s NV, der 2,9 Milliarden US-Dollar einsammelte.

Im weltweiten Börsen-Ranking liegt in diesem Jahr die NASDAQ mit einem Volumen von 55,1 Milliarden US-Dollar auf dem ersten Platz, gefolgt von der Börse in Hongkong (50,1 Milliarden US-Dollar).

Fotorechte: © EY/Robert Herbst

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Biotech und die Herausforderungen für Anleger

Investieren in Biotech-Firmen folgt seinen eigenen Regeln. Was es dabei zu beachten gilt. Ein Gastkommentar.

Daniel Koller, Head Investment Management Team BB Biotech. Wir leben in einer Ära rasanten medizinischen Fortschritts. In den 1950er Jahren verdoppelte sich das medizinische Wissen etwa alle 50 Jahre. 2010 dauerte es 3,5 Jahre und in diesem Jahr werden es Schätzungen zufolge nur noch 73 Tage sein. Innovative Technologien und Medikamente revolutionieren die Therapien, bislang als unheilbar geltende Leiden lassen sich inzwischen dauerhaft behandeln und in Einzelfällen sogar vollständig heilen.

Die Corona-Krise rückt die Biotechnologie verstärkt in den Fokus der Investoren. Zwar haben Investoren die Wachstumsdynamik dieser Branche schon seit längerem erkannt (und auch der Börsen-Kurier berichtet regelmäßig über dieses Thema, Anm.), doch Covid-19 hat der Branche nochmals breitenwirksam Schub in der öffentlichen Wahrnehmung verliehen.

Die Branche selbst profitiert in erster Linie vom globalen Bevölkerungswachstum und der heranwachsenden Mittelschicht in Entwicklungsländern. Weltweit steigt zudem die Lebenserwartung. Verbunden mit der globalen Verwestlichung des Lebensstils führt dies zu einer starken Zunahme von Zivilisationskrankheiten wie Fettleibigkeit, Herzkreislauferkrankungen, Diabetes, Alzheimer und Krebs. Und nicht zuletzt zu weiter stark steigenden Gesundheitskosten. Neue Therapieansätze verwandeln tödliche in chronische Krankheiten und sorgen dafür, dass viele Beschwerden heute wesentlich früher und besser behandelt werden können als noch vor einigen Jahren. Neue hoch effiziente Medikamente bringen aber auch eine Entlastung auf der Kostenseite. Sie sind zwar auf den ersten Blick teuer, verkürzen aber die Therapiedauer und bringen den Patienten schneller in den Alltag zurück.

Interdisziplinärer Ansatz für die Aktienanalyse
Die Therapieverfahren werden immer vielfältiger. Und aus der Kombination neuer Ansätze erwachsen zusätzliche Chancen – auch für Anleger. Indes folgt das Investieren in Biotech-Unternehmen seinen eigenen Regeln. Anleger müssen neben den finanziellen Kennzahlen vor allem die Erfolgswahrscheinlichkeit von Medikamenten in der Entwicklung beurteilen. Auch ist die Bedarfsanalyse von zentraler Bedeutung. Das A und O ist eine strukturierte Anlagemethodik mit der dazu erforderlichen Expertise.

Der Analyse- und Selektionsprozess für Biotech-Unternehmen lässt sich schwer mit jenen für Gesellschaften anderer Branchen vergleichen. Einerseits gibt es wenige Sektoren, die einer vergleichbaren Dynamik und einem derartigen Wandel unterworfen sind. Andererseits bedingen Analyse und Aktienauswahl aufgrund der inhaltlichen Komplexität ein Zusammenspiel komplementärer Kompetenzen: Biochemiker, Molekularbiologen, Mediziner und Ökonomen sind Bestandteil eines interdisziplinären Management Teams.

Um das Verhältnis von Rendite zu Risiko optimal auszurichten, strukturieren erfahrene Vermögensverwalter ihr Portfolio gemäß einer sogenannten „S-Kurvenstrategie“. Danach werden kleinere Firmen, deren Produkte sich noch in der klinischen Entwicklung befinden, wegen des erhöhten Ausfallrisikos zunächst niedrig gewichtet. Mit dem zunehmenden Reifegrad werden die Gesellschaften profitabel und erhöhen ihren Cashflow über immer mehr zugelassene Produkte. Bei zunehmender Gewinnentwicklung der Unternehmen kann das Portfolio Management diese Position sukzessive zu einer Kernbeteiligung erweitern. Eine Reduzierung empfiehlt sich, wenn die Wachstumsdynamik abnimmt oder das künftige Wertsteigerungspotenzial in der Bewertung eingepreist ist.

Will sich ein Anleger auf neuartige Technologien fokussieren, bedingt dies eine konsequente Ausrichtung auf wachstumsstarke Biotechgesellschaften, die die nächste Generation an Medikamenten vorantreiben.

Schlüsselelement für die Medikamentenentwicklung
Anleger sollten indes kurzfristig nicht zu einseitig auf die möglichen Therapien gegen Covid-19 setzen – nicht zuletzt angesichts der Ungewissheit über die resultierende Rentabilität solcher Investitionen.

Nachhaltig interessant sind neue Technologien, die die Zukunft der Medikamentenentwicklung prägen werden. Über großes Potenzial verfügen etwa Arzneien gegen chronische sowie bislang nicht oder kaum behandelbare Krankheiten. Dazu zählen die Onkologie und die seltenen, meist genetisch bedingten Erkrankungen. Gerade die individualisierte Krebsmedizin dürfte in naher Zukunft etliche neue Produkte hervorbringen, die die Behandlungserfolge massiv steigern. Bei seltenen erblich bedingten Erkrankungen schließlich können genetische Medikamente Defekte im Erbgut dauerhaft beheben.

Risiko streuen
Anleger, die in Biotechnologie investieren wollen, haben unterschiedliche Optionen: Einzeltitel können für gut informierte Anleger ein Weg sein, die Risiken sind aber nicht zu unterschätzen. Besser man streut das Engagement und investiert diversifiziert in ein Portfolio aus Biotech-Firmen, entweder über aktiv gemanagte Anlagefonds und Investmentgesellschaften wie etwa BB Biotech oder über passive Produkte.

Foto: Pixabay / Fernandozhiminaicela

 

 

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Die lukrative Zukunft der Energiespeicherung

Der Einsatz von Batterien wächst, die Investmentchancen für Anleger ebenso.

Raja Korinek. Wenn es um den US-amerikanischen Technologiekonzern Tesla (ISIN: US88160R1014) geht, drehen sich die Meldungen längst nicht nur um den Bau von Elektroautos. Auch die Batterieherstellung steht im Fokus. So sollen am neuen deutschen Standort, in Grünheide bei Berlin, auch Batterien mit neuer Technologie produziert werden. Anfang Dezember gab zudem die südkoreanische LG Chem (KR7051910008) bekannt, die Produktion an Batteriezellen 2021 in China kräftig anzuheben, um der steigenden Nachfrage von Tesla nachzukommen.

Tatsächlich sei der wachsende Markt für Elektroautos eine wichtige Nachfragequelle für Batterien, konstatiert auch Aanand Venkatramanan, Leiter ETF-Investmentstrategien bei LGIM, gegenüber dem Börsen-Kurier. Er verweist auf Prognosen von Bloomberg New Energy Finance, denen zufolge bis zum Jahr 2030 die Zahl der strombetriebenen Boliden auf 28 Millionen Stück an der Zahl wachsen dürfte.

Wind- und Solar ausgleichen
Dabei sind die Einsatzmöglichkeiten für Batterien längst nicht auf das Transportwesen begrenzt. Auch in der Energieerzeugung sieht Nitesh Shah, Analyst bei Wisdom Tree, reichlich Potenzial und verweist in diesem Zusammenhang auf die Stromproduktion durch erneuerbare Energien. Er meint, gerade weil Wind nicht immer gleichmäßig wehe, es zu-dem auch reichlich bewölkte Tage gebe, an denen die Photovoltaik wenig Strom produziere, müsse es Zwischenspeicher geben. „Hier kommen Batterien ins Spiel, wobei solche Lösungen entweder direkt beim Produzenten oder beim Konsumenten eingesetzt werden können“, sagt Shah.

Immerhin dürften 90 % der zusätzlich generierten Stromkapazitäten im Jahr 2020 aus dem Bereich der erneuerbaren Energien kommen. Damit rechnet die Internationale Energieagentur. Dort werfen die Experten auch einen Blick in die Zukunft: Bereits 2025 dürften erneuerbare Energien den größten Anteil am gesamten Energiemarkt ausmachen.

Batteriepreise sinken
Hinzu kommt eine weitere Entwicklung: Bei Lithium-Ionen-Batterien (sie werden am häufigsten eingesetzt) sinken die Preise seit Jahren, während die Speicherkapazitäten dank neuer Technologien zunehmen. Laut Bloomberg New Energy Finance kostet eine Kilowattstunde mit solchen Batterien nur noch rund 150 USD. Bis 2030 dürfte der Preis sogar auf 70 USD sinken. Venkatramanan von LGIM erklärt zudem, dass bei einem Preis von weniger als 100 USD je Kilowattstunde die Kosten ex aequo mit jenen eines treibstoffbetriebenen Autos seien.

Mit ETFs auf den Batteriemarkt setzen
Und wie können Anleger auf die weitere Entwicklung setzen? Eine Möglichkeit bietet der „L&G Battery Value-Chain UCITS ETF“ (IE00BF0M2Z96), der insgesamt 29 Aktien umfasst. Es geht um Unternehmen, die etwa notwendige Batterietechnologien oder Rohstoffe liefern, wie zum Beispiel Lithium. Zu den größten Positionen zählen nebst Tesla auch Sony (JP3435000009) sowie Hitachi Chemical (JP3785000005). Immerhin entfällt fast die Hälfte des Fondsvermögens auf Japan.

Eine weitere Möglichkeit bietet der „WisdomTree Battery Solutions UCITS ETF“ (IE00BKLF1R75), dessen Index 93 Titel umfasst. Der Zugang ist ein wenig anders, der größte Anteil mit fast 30 % entfällt auf China. Dazu zählen Ganfeng Lithium (US3647231063) und Shenzhen Capchem Technology (CNE100000K15). Auch der US-Brennzellenhersteller Plug Power (US72919P2020) zählt dazu, sowie Livent (US53814L1089). Das US-Unternehmen stellt batterietaugliches Lithiumhydroxid her. Bei beiden Produkten müssen Anleger sowohl Kurs- als auch Währungsschwankungen beachten.

Foto: Pixabay / MikesPhotos

 

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US-Börsen: „Bewertungsniveaus nicht nachhaltig“

Experten erwarten bei den US-Indizes eine Rückkehr zu normaleren Bewertungsniveaus.

Patrick Baldia. Die großen US-Aktienindizes haben die coronabedingten Verluste vom Frühjahr längst wieder aufgeholt. So liegt etwa der Dow Jones seit Jahresbeginn mit 5,28 % im Plus. Noch deutlicher zugelegt haben der S&P 500 mit 13 % und vor allem der technologielastige NASDAQ Composite mit fast 38 %. Letztere beiden Indizes haben zuletzt sogar neue Allzeithochs erreicht. Für den Dezember gehen Analysten von einem moderaten Anstieg der US-Leitindizes aus. Aber wie geht es weiter? Vor allem angesichts der im historischen Vergleich hohen Bewertungen.

Tatsache ist, dass die Kursgewinne heuer Großteils von Technologiewerten getragen wurden – auch wenn einige zuletzt eine Verschnaufpause eingelegt haben und Zykliker wieder in den Vordergrund gerückt sind. Sie haben seit der Finanzkrise – vor allem in der jüngeren Vergangenheit – ihre Marktkapitalisierungen drastisch erhöhen können und damit die Marktkonzentration weiter vorangetrieben.

So stammen etwa die aktuellen fünf Spitzenreiter im S& P 500 mit Apple, Microsoft, Amazon, Facebook und Alphabet allesamt aus dem Technologie-Universum.

Insgesamt zeichnen die Top-10-Firmen heute für fast 30 % des gesamten Wertes des S&P 500 verantwortlich. Damit einher gehen freilich Sorgen über die Abhängigkeit des breiten Marktes von der Performance nur einiger weniger dominanter Unternehmen. „Eine hohe Marktkonzentration ist nicht zwangsläufig ein Problem – sehr wohl aber dann, wenn sie von einer kleinen Zahl von Unternehmen getrieben wird, deren zunehmende Indexgewichtungen ausschließlich auf die Ausweitung der Bewertungsmultiplikatoren und nicht auf die Verbesserung von Cashflows oder Erträgen zurückzuführen sind“, so Taymour Tamaddon, er ist Portfolio Manager und USA-Spezialist bei T. Rowe Price.

Rückkehr zu normaleren Bewertungsniveaus

„Wir glauben, dass die Bewertungsmultiplikatoren von Growth-Benchmarks in den vergangenen Monaten Niveaus erreicht haben, die auf längere Sicht nicht nachhaltig sind“, so Tamaddon weiter. Früher oder später sollte es daher zu einer Rückkehr zu normaleren Bewertungsniveaus kommen. Bis dahin wären allerdings noch gute Wachstumsmöglichkeiten zu finden. Der Anlageerfolg werde dabei Großteils davon abhängen, ob man bezüglich der Index-Schwergewichte die richtigen Entscheidungen trifft. Die große Frage ist daher, ob die in den vergangenen fünf bis zehn Jahren stark gewachsenen Large Caps den Markt auch in den kommenden fünf bis zehn Jahren treiben können.

Nach Ansicht von Tamaddon sollten Google und Facebook ihre Marktanteile weiter ausbauen und über gezielte Werbung für ihre Kunden Wert generieren können. Potenzielle Veränderungen des regulatorischen Umfelds – wie etwa in Europa – wären in dieser Einschätzung allerdings nicht berücksichtigt worden.

Sich immer wieder neu erfinden

Amazon hat für den Portfoliomanager jedenfalls schon bewiesen, dass es sich neu erfinden und neue Wachstumsfelder finden kann. „Wir glauben, dass die vielfältigen logistischen Fähigkeiten des Unternehmens ein bedeutender langfristiger Wachstumstreiber sein können. Zusätzlich könnte auch das Anzeigengeschäft, das im Vergleich zu jenem von Google und Facebook noch sehr klein ist, weiterwachsen“, meint er im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Das weitere Marktanteilwachstumspotenzial von Apple als Hardware-Unternehmen in der Mobiltelefon-Industrie sei dagegen begrenzt. „Um auch im kommenden Jahrzehnt weiterhin so erfolgreich zu sein wie in der Vergangenheit, müsste ein neues Produkt bzw. eine Dienstleistung entwickelt oder ein neues Geschäftsfeld eröffnet werden“, so Tamaddon.

Foto: Fotolia / robert cicchetti

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Konjunkturlokomotive China stützt Weltwirtschaft

Im Gegensatz zu vielen Ländern brummt die Wirtschaft in China wieder wie in besten Zeiten.

Michael Kordovsky. Ist es nicht eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet China, das Ursprungsland von Covid-19, das die Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession schlittern lässt, bereits heuer wieder auf den Wachstumskurs zurückgekehrt ist? Nach einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung um 6,8 % im ersten Quartal folgte bereits im zweiten Quartal 2020 ein Wachstum von 3,2 %, das sich im dritten Quartal auf 4,9 % beschleunigte. Im September verzeichneten sogar die Einzelhandelsumsätze mit plus 3,3 % den höchsten Zuwachs in diesem Jahr. Das war besser als Volkswirte erwarteten. Ebenso über den Erwartungen lag die Industrieproduktion, die im Oktober so wie im Vormonat um 6,9 % auf Jahresbasis wuchs, während Analysten nur von 6,5 % Plus ausgingen. Die reine Güterproduktion konnte in den Monaten September und Oktober um jeweils 7,6 bzw. 7,5 % gesteigert werden. Die Minenproduktion wuchs um 2,2 bzw. 3,5 %. Die Versorger verzeichneten indessen Zuwächse von je 4,0 bzw. 4,5 %. Von 15,9 % Zuwachs im September auf 17,6 % im Oktober beschleunigte sich die Produktion von Maschinen und der Ausrüstungsbereich wuchs im Oktober um 13,1 %, während der Output von Eisenmetallen um 11,2 % gesteigert werden konnte. Das sind gleichzeitig auch Anzeichen neuer Wachstumsimpulse!

Dass sich das Wachstum im chinesischen Industriesektor deutlich beschleunigt hat, lässt sich auch daraus ablesen, dass in den ersten zehn Monaten 2018 der Zuwachs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lediglich bei 1,8 % liegt. Die Gesamtwirtschaft wuchs in den ersten neun Monaten um 0,7 %.

Starker Außenhandel
Der Aufschwung wird getragen von Exportzuwächsen im Bereich medizinischer Ausrüstung und Produkten rund ums Homeoffice sowie höheren Staatsausgaben, Steuererleichterungen für Firmen und Zinssenkungen für Kredite. So hat beispielsweise die Chinesische Zentralbank am 20. April ihren Leitzins um 0,20 %-Punkte auf 3,85 % gesenkt. Hinzu kommt noch der weltweit starke Onlinehandel, getragen vom Platzhirschen Amazon, der sich über ein breites Produktangebot immer mehr zu einer Drehscheibe des Handels mit China entwickelt.

Entsprechend erfreulich entwickelten sich trotz der Handelskonflikte mit den USA und daraus resultierenden wechselseitigen Strafzöllen die Handelsaktivitäten: Chinas Exporte stiegen im Oktober auf Jahresbasis um 11,4 % auf 237,18 Mrd. USD – ein Wachstum, das über den Erwartungen der Analysten lag, die lediglich von 9,3 % Plus ausgingen. Damit verzeichneten die Exporte das stärkste Wachstum der vergangenen 19 Monate. Die Importe wuchsen um 4,7 % nach 13,2 % Steigerung im September. Chinas Handelsbilanzüberschuss lag im Oktober bei 58,44 Mrd. USD nach 37 Mrd. USD im September.

Mit Chinas Aufschwung verbessert sich weltweit die Nachfrage nach Erdöl, Industriemetallen und sonstigen Industrierohstoffen. Auch die Nachfrage nach Chemikalien sollte sich beleben, wovon Unternehmen der Bereiche Bergbau und Chemie profitieren würden. Chinas Anteil am kaufkraftbereinigten globalen BIP ist von 7,3 % im Jahr 2000 bis 2019 auf 17,4 % gestiegen und sollte laut Expertenerwartungen bis zum Jahr 2025 20,6 % erreicht haben. Entsprechend gilt China als Wirtschaftsfaktor und angesichts eines vom IWF für 2020 und 2021 erwarteten BIP-Wachstums von je 1,9 bzw. 8,2 % auch als Konjunkturlokomotive.

Zusätzlich positiv kann unter einer US-Präsidentschaft Bidens noch eine stabilere und besser einschätzbare Handelspolitik zur weiteren Entwicklung beitragen. Fazit: China gilt als stützender Wirtschaftsfaktor aktuell und voraussichtlich auch im kommenden Jahr.

 

 

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Grüne Investments sollen sich lohnen

Gutes Klima für Investitionen in gutes Klima. Im Gespräch mit dem Budget-Experten Jakob Schwarz von den Grünen.

Manfred Kainz. Finanzpolitik in Österreich zu machen zwischen Corona-Krise und „Green Deal“ für die Wirtschaft, ist nicht leicht. Es braucht Phantasie und Mut, die beiden Herausforderungen unter einen Hut zu bekommen und sinnvolle Signale und Maßnahmen zu setzen. Das Arbeitsprogramm der türkis-grünen Koalitionsregierung datiert aus Vor-Corona-Zeit. Was davon ist unter den Blickwinkel eines wirtschaftlichen Wiederaufbaus im Zeichen eines „grünen Wandels“ weiterhin oder umso mehr am Tapet?

Steuerreform
Wenn es nach den Grünen geht, ist der Plan einer „ökosozialen Steuerreform“ aktueller denn je, und soll über die Zeit verteilt umgesetzt werden. Zwar steckt der Teufel im Detail. Aber nachdem ökosoziale Fiskalpolitik schon in den 1990er-Jahren Teil eines Gesamtkonzepts für Ökosoziale Marktwirtschaft des Koalitionspartners ÖVP war, ist eine Umsetzung in dieser Legislaturperiode realistisch. Was heißt das aus dem Blickwinkel der Allokation von Investitionskapital? Wohin zeigt der Wegweiser für Investoren, die dem grünen Pfad folgen wollen?

Preis für CO2
Eine erste Wegmarke wurde mit der Novellierung der Normverbrauchsabgabe für Kfz schon gesetzt. Damit will man in 20 Jahren auf null CO2-Emissionen bei Neuzulassungen kommen. Wie über-haupt „CO2-Bepreisung“, die ja auch renommierte Wirtschaftsmanager wie Verbund-CEO Wolfgang Anzengruber fordern, wohl das Kernelement einer ökosozialen Steuerreform ist. Wobei aus Sicht der Grünen die CO2-Bepreisung in Summe aufkommensneutral sein soll, wie etwa Nationalratsabgeordneter Jakob Schwarz gegenüber dem Börsen-Kurier meint. Das könnte auf alternativen Wegen geschehen, so der Sprecher für Budget & Steuern, stellvertretende Klubobmann und Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen. Die Einführung einer „CO2-Steuer“ als neue Steuer wäre kommunikationsmäßig schwieriger als wenn man auf die bestehende Abgabenstruktur aufsetzen würde. Also beispielsweise einen Teil der MÖSt (Mineralöl-Steuer) als „implizite CO2-Steuer“ interpretieren. Eine mengengesteuerte Variante wäre über Zertifikate-Handel, also für die Inverkehrbringer von fossilen Energieträgern eine Zertifikate-Pflicht einzuführen.

Rückverteilen
Aufkommensneutralität heißt aber auch Rückverteilung der Einnahmen aus CO2-Bepreisung. Da hat sich die Regierung auf die Idee geeinigt, das Pendlerpauschale als ein „Rückverteilungstool“ zu nützen. Auch eine gewisse Kompensation, also Einnahmenrückverteilung, für Gebäude und Wohnen ist vorstellbar. Das soll Anreize schaffen, den Investitionslevel in Green Investments in die Höhe zu treiben. Die Idee ist generell, dass man sich mit Investitionen aus dem CO2-Preis „herauskaufen“ können soll.

Anreize
Ziel ist aber auch ein „Industrial Deal“ zur Emissionssenkung. Dazu gibt es Möglichkeiten über Anreize – wie die neue, für Ökoinvestments sogar verdoppelte Investitionsprämie. Damit Austro-Unternehmen entsprechende Investitionen vorziehen und so sogar einen internationalen Wettbewerbsvorteil lukrieren indem sie schneller sind als die Konkurrenz in anderen Ländern. Eine Anreizidee wäre auch, Finanzmittel aus dem „European Union Emissions Trading System“ (ETS), die jetzt ins Budget fließen, zweckzuwidmen und sie für emissionsreduzierende Investitionen in die Industrie zur Verfügung zu stellen. Das wäre auch ein nützliches Tool, um EU-Fondsmittel (3 Mrd. Euro sind zur Verfügung um genützt zu werden) und privates Investmentkapital zu „hebeln“, also ihre Renditeaussichten zu multiplizieren. Nicht budgetneutral sind öffentliche Investitionen zur Unterstützung der „Transformation“ in der Industrie. Dafür ist aktuell 1 Mrd. Euro p.a. budgetiert. Damit will die Regierung auch private Investments anreizen und hebeln.

Vorsprung
Alles im allem geht es darum, in „Innovationsvorsprung“ für die heimische Wirtschaft zu investieren. Das heißt, bei den Möglichkeiten, die es im Bereich klimafreundlicher Technologien und Verfahren gibt, Vorsprung auf- und auszubauen, argumentiert der Atmosphärenphysiker und Volkswirt Schwarz.

Foto: AdobeStock / lassedesign

 

 

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US-Wirtschaft und Finanzmärkte profitieren vom „Drei-J-Gespann“

Ein Kommentar von Olivier de Berranger, CIO bei Assetmanager LFDE in Paris.

(01.12.) Allem Anschein nach ist die wichtigste Eigenschaft, um in den USA gegenwärtig in eine Spitzenposition zu gelangen, ein Vorname, der mit „J“ beginnt. Nach Jerome Powell, der 2018 an die Spitze der Fed rückte, und Joe Biden, der in diesem Monat zum 46. US-Präsidenten gewählt wurde, kommt nun Janet Yellen, die jüngst als neue Chefin des US Treasury Department vorgeschlagen wurde. Seit dem 23. November ist der Name der künftigen Secretary of the Treasury, was dem Wirtschafts- und Finanzminister in anderen Ländern entspricht, bekannt. Janet Yellen wird im kommenden Januar ernannt werden, sofern der derzeit von den Republikanern kontrollierte Senat zustimmt.

Janet Yellen überzeugt mit beachtlichem Track-Record
Diese Personalie ist für die US-Wirtschaft und die Finanzmärkte eine hervorragende Nachricht. Vor allem, weil sie, die 2014 die erste Frau an der Spitze der Fed wurde, einen beispielhaften Werdegang für dieses Amt hat. Denn bisher erfüllte sie mit Bravour verschiedenste Aufgaben: in der Wissenschaft (Berkeley, Harvard, LSE), für die Regierung (Wirtschaftsberaterin von Bill Clinton) und in der Geldpolitik (von 2010 bis 2014 als Vize-Präsidentin der Fed und danach vier Jahre als Präsidentin). Darüber hinaus, weil Janet Yellen einen wichtigen politischen Trumpf verkörpert, falls der Kongress geteilt bleibt. Sie ist dem progressiven Flügel der Demokraten zuzurechnen, kann sich jedoch rühmen, bei ihrer Fed-Ernennung zahlreiche Stimmen der Republikaner erhalten zu haben und in beiden Lagern Wertschätzung zu genießen.

Aber auch, weil sie für die Bewältigung der aktuellen Herausforderungen wie geschaffen zu sein scheint. Die Arbeitslosigkeit liegt in den USA gegenwärtig bei 6,9 %, und fast die Hälfte der Arbeitnehmer, die im Zuge der COVID-Krise aus dem Arbeitsmarkt gefallen sind, steht nach wie vor im Abseits. Yellen ist als Ökonomin auf den Arbeitsmarkt spezialisiert und hat darüber hinaus mit ihrem Ehemann Georges Akerlof, einem Wirtschaftsnobelpreisträger, an diesem Thema wissenschaftlich gearbeitet.

Geldpolitische „Taube“ auf Lockerungskurs
Auch wenn sie als „Taube“ gilt, sprich eine Befürworterin lockerer Geldpolitik, kann sie geltend machen, die Zinssätze nach der Subprime-Krise als Erste angehoben zu haben, ohne die Börse Ende 2015 zu erschüttern. Sie, deren Amtszeit als Fed-Chefin von Donald Trump wider die Gepflogenheiten nicht verlängert wurde, tritt nun durch die Vordertür wieder ein. Ihr wird viel daran liegen, Haushalts- und Geldpolitik in einer wichtigen Phase bestmöglich abzustimmen. Zweifellos dürfte ihre Zusammenarbeit mit Jerome Powell, dem früheren Vize-Präsidenten der Fed in der Mandatszeit Yellens, reibungslos verlaufen. Obschon Republikaner, geizt ihr Nachfolger bei der Fed nie mit lobenden Worten für Yellen. Er führte ihre Politik in direkter Linie fort und legte den Schwerpunkt seines Mandats hierbei mehr auf Beschäftigung und Wachstum anstelle des sakrosankten Inflationsziels von 2 %.

In ihrer Amtszeit als Fed-Chefin konnte Janet Yellen gegenüber den Finanzmärkten zudem mit einer makellosen Bilanz aufwarten: Die langfristigen US-Zinssätze blieben zwischen Beginn und Ende ihres Mandats nahezu unverändert, während Aktien ohne größere Rückschläge eine Kursrally hinlegten. So stieg der S&P 500 in dieser Zeit um 72 %, das heißt annualisiert um fast 15 %.

Nun haben die USA ihr Dreigespann J-J-J, und die Rückkehr von Mario Draghi auf einen wichtigen Führungsposten könnte für Europa das Super-Trio M-M-M (Macron-Merkel-Mario) bedeuten. Zwei Starbesetzungen für die Konjunkturerholung und die Anleger.

Foto: LFDE

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Zukunftsmodell Grundeinkommen?

Die Diskussion über die „finanzielle Hängematte“ für alle ist im Zuge der Pandemie wieder aufgeflammt.

Michael Kordovsky. In den USA lebten bereits vor Corona 38 Mio Einwohner von Lebensmittelmarken. Hintergrund: In den USA ist die Sozialhilfe auf fünf Jahre im Leben beschränkt. Danach gibt es nur noch Lebensmittelgutscheine. Und die Zahl der Sozialfälle wird steigen: Alleine seit Beginn der Corona-Krise gingen in den USA ca. 10 Mio Arbeitsplätze verloren, während das Vermögen der 643 reichsten Milliardäre der USA im Zeitraum von 18. März bis 15. September um 845 Mrd USD von 2,95 auf 3,8 Bio USD wuchs. Die Forbes-Liste wird angeführt von Amazon-Gründer Jeff Bezos mit 186,2 Mrd USD. Laut einer Studie von Oxfam besaßen bereits im zweiten Quartal 2019 die damals weltweit 2.153 Milliardäre so viel wie die ärmsten 60 % der Weltbevölkerung (also 4,6 Mrd Personen, Vermögen zusammen 8,7 Bio USD!). Da wird der Ruf nach Umverteilung durch Vermögenssteuern zur Finanzierung eines bedingungslosen Grundeinkommens laut.

Wie realistisch wäre eine Umsetzung?
Nehmen wir nur einmal Österreich als ein Rechenbeispiel her, das trotz gewisser Unschärfen eine schematische Überprüfung der Machbarkeit zum Ziel hat. Ausgangssituation: Jeder Einwohner ab 20 Jahren würde – unabhängig vom sonstigen Einkommen – monatlich 1. 200 plus 120 € Kranken- und Unfallversicherung, also ins-gesamt 1.320 Euro bekommen. Dafür gibt es kein Arbeitslosengeld oder keinen Notstand mehr und auch mit der Pension würde dieser Betrag gegengerechnet.

Insgesamt waren zu Jahresbeginn 7,18 Mio Einwohner mindestens 20 Jahre alt. Würde davon jeder den genannten Betrag erhalten, wäre dies für den Staat ein Aufwand von 113,73 Mrd Euro pro Jahr bzw. 28,6 % des BIP im Jahr 2019. Nehmen wir an, von Pensionsleistungen in Höhe von rund 33 Mrd Euro können 24 Mrd Euro mit

dem Grundeinkommen deckungsgleich sein. Gleichzeitig liegen laut AMS-Ausgabenübersicht die Aufwendungen für Arbeitslosengeld und Notstandshilfe 2019 bei insgesamt ca. 3,4 Mrd Euro. Zieht man diese Beträge von 113,73 Mrd Euro ab, dann bleibt noch immer eine Finanzierungslücke von 86,33 Mrd Euro jährlich.

Dem stehen gemäß Budgetbericht 2020 lediglich Einnahmen aus Lohnsteuer von 29,5 Mrd Euro und aus Umsatzsteuern von 30,6 Mrd Euro gegenüber, während noch 9,4 Mrd Euro aus der Körperschaftssteuer stammen. Das wären zusammen bereits gut drei Viertel aller Einnahmen aus Abgaben. Selbst wenn man die Umsatzsteuersätze um ein Zehntel anheben würde und Lohn- und Körperschaftssteuereinahmen so gestalten würde, dass sie um ein Viertel steigen, würde sich die

Gesamtsumme lediglich auf maximal 12,67 Mrd Euro belaufen und es bliebe eine enorme Lücke von 73,66 Mrd Euro. Als Ausweg bleibt noch die Vermögensbesteuerung.

Vermögenssteuer als Ausweg?
2019 gingen bezüglich Vermögensverteilung in Österreich folgende Zahlen durch die Medien: Laut Forschungsinstitut für die Gesamtanalyse der Wirtschaft (ICAE) an der Johannes Kepler Universität Linz lagen die Nettovermögen (Gesamtvermögen minus Schulden) bei insgesamt 1.137 Mrd Euro. Das reichste Prozent (1 %) besitzt davon 40,5 %, während die untere Hälfte der Österreicher nur auf 2,5 % dieses Nettovermögens kommt (Quelle: Kontrast.at, 2. Oktober 2019). Würde alleine das reichste Perzentil eine jährliche Vermögenssteuer von 3 % bezahlen, so würde alleine dieses Vermögenssteueraufkommen jährlich 13,81 Mrd Euro betragen. Zahlt der Rest noch im Schnitt auf die Gesamtsumme 1,5 %, wären es insgesamt 23,96 Mrd Euro, also knapp 24 Mrd Euro.

Mit Maßnahmen, die im Rahmen einer sozialen Marktwirtschaft noch durchsetzbar wären, könnten also alleine in Österreich jährlich 36,67 Mrd Euro (9,2 % des BIP 2019) aufgebracht werden. Allerdings wären dies nur 42,5 % der Finanzierungslücke. Um wirklich die Hardcore-Version eines bedingungslosen Pro-Kopf-Einkommens von 1.320 Euro pro Monat für alle Einwohner ab 20 umsetzen zu können müssten dermaßen drastische Umverteilungsmaßnahmen ergriffen werden, die selbst mit sozialer Marktwirtschaft nicht mehr viel zu tun hätten.

Alternative: Arbeitsfreie Zeitabschnitte finanzieren
Bedingt durch die Digitalisierung ist die Welt im Umbruch und die meisten werden in ihrem Arbeitsleben mehrere unterschiedliche Berufe erlernen (müssen). Anstatt mit dem Gießkannenprinzip zu versuchen, die gesamte Bevölkerung in eine soziale Hängematte zu betten, wäre es besser, jeden Einwohner 10 bis 15 arbeitsfreie Jahre („Jahreskontingent“) seiner persönlichen Wahl zu ermöglichen, die für Bildung und/oder Reisen genützt werden können. In dieser Zeit gibt es dann beispielsweise monatlich 1.200 bis 1.500 Euro (inkl. Krankenversicherung). Dafür beschränken sich dann Sozialhilfen nur noch auf wenige Ausnahmen und wer arbeitslos ist, kann das „Jahreskontingent“ als „Joker“ ziehen. Denn bei all diesen „Geldern ohne Arbeit“ besteht die Gefahr, dass sich die Empfänger zu sehr daran gewöhnen und darauf vergessen, eines Tages wieder einer geregelten Tätigkeit nachzugehen. Das ist erwiesenermaßen die Natur des Menschen, weshalb sich generell in dieser Debatte die Frage stellt: „Wie sehr soll Faulheit belohnt und Fleiß bestraft werden?“ denn die Finanzierung derartiger sozialer Absicherungskonzepte muss letztendlich immer jemand bezahlen, der dieses Geld verdient und häufig auch hart dafür arbeitet.

Foto: Pixabay / Paul_Henri

 

 

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Biotechnologie in aller Munde

Die Branche hat mehr zu bieten als nur den Corona-Impfstoff – auch in Europa.

Raja Korinek. Inzwischen häufen sich die Schlagzeilen rund um weitere Erfolge bei der Suche nach einem Impfstoff. Waren es am 9.11. Pfizer (ISIN: US7170811035) und Biontech (US09075V1026) aus den USA, die mit Fortschritten aufhorchen ließen, vermeldete nun der US-Biotechnologiekonzern Moderna (US60770K1079) positive Nachrichten. Das Unternehmen gab bekannt, womöglich schon in wenigen Wochen den Corona-Impfstoff an die EU liefern zu können, sofern der Impfstoff die notwendige Zulassung erhalte.

Moderna mischt bei Impfstoffen mit
Moderna bestätigte in diesem Zusammenhang auch die Unterzeichnung eines Rahmenvertrags. Diesem zufolge sollen in einem ersten Schritt 80 Mio Impfstoffdosen geliefert werden, mit der Option auf 80 Mio weitere Einheiten. Der Moderna-Impfstoff hat nach eigenen Angaben eine Wirksamkeit von 94,5 %.

Anleger, die dem Aktienkurs noch reichlich Potential zutrauen, können dies etwa mit einem Faktor-Long-Zertifikat nutzen. Dabei wird die jeweils täglich prozentuelle Kursveränderungen des Basiswertes – in dem Fall ist es Moderna – mit dem Faktor des gewählten Zertifikats multipliziert. Ein
solches Produkt bietet die Bank Vontobel mit einem Faktor 2 an (ISIN: DE000VP8GA11).

Investoren sollten aber auch beachten: Sollte der Kurs der Moderna-Aktie längere Zeit seitwärts schwanken oder sinken, können sich prozentuell größere Verluste ergeben. Das liegt an der zugrundeliegenden Berechnung bei Faktor-Zertifikaten. Fällt die Aktie im Extrembeispiel an einem Tag um 50 %, muss der Kurs danach zu-nächst um 100 % steigen, damit der Kurs des Zertifikats wieder den Ausgangspunkt erreicht.

Europas Biotech-Perlen
Einzig, bei all der Euphorie rund um die Einführung eines Corona-Impfstoffes rückte vor allem die US-amerikanische Biotechnologiebranche in den Fokus – auch bei vielen Anlegern. Dabei gibt es auch in Europa jede Menge erfolgreicher Branchen-Player. Immer-hin schloss die deutsche Curevac ebenfalls unlängst einen Vertrag für die Impfstoff-Lieferung mit der EU-Kommission ab.

Und auch anderswo setzen sich europäische Biotechnologiekonzerne erfolgreich durch. Die dänische Genmab (DK0010272202) konzentriert sich etwa auf die Entwicklung von Antikörpertherapien. Vor wenigen Monaten gab der Konzern bekannt, gemeinsam mit Abbvie (US00287Y1091) die gegen Krebs gerichteten Antikörpermittel vom dänischen Konzern zu entwickeln und vermarkten.

In Deutschland fokussiert sich wiederum Evotec (DE0005664809) auf die Wirkstoffforschung und
-entwicklung gemeinsam mit Pharma- und Biotechnologieunternehmen. Vor Kurzem schloss Evotec eine Entwicklungspartnerschaft mit dem finnischen Biotechnologiekonzern Rappta Therapeutics ab. Genanntes nordisches Unternehmen – das im Übrigen nicht an der Börse notiert – ist im Bereich der Onkologie tätig. Eurofins Scientific (FR0000038259) bietet hingegen Analysenlabore an, in denen etwa Lebens- und Futtermittel untersucht werden.

Alle Player in einem Korb
Sowohl Genmab, als auch Evotec und Eurofins sind Teil des „European Biotech Index“. Dieser umfasst 30 Branchenaktien, wobei die selektierten Titel etwa in der Entwicklung oder in der biotechnologischen Herstellung von Medikamenten tätig sind. Hinzu kommt ein weiteres Detail: Im Index sind die Aktien grundsätzlich alle gleich gewichtet, wobei eine Anpassung einmal pro Quartal erfolgt. Interessierten Anlegern unter den Börsen-Kurier-Lesern bietet die UniCredit die Möglichkeit, auf die weitere Entwicklung mit einem Indexzertifikat zu setzen (DE000HX 28ET5).

Foto: Pixabay / fernandozhiminaicela

 

 

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Kostbarer Silberstreif am Horizont

Bei Jupiter AM sieht man langfristig gute Gründe für ein Investment in Gold- und Silberminenaktien.

Raja Korinek. Seit beinahe zwei Jahren erlebt der Goldpreis einen fulminanten Höhenflug. Auslöser war aber nicht die Corona-Krise. Sie beschleunigte bestenfalls die Suche nach einem sicheren Hafen. Schon im Frühjahr 2019 setzte die Notierung des gelben Edelmetalls zu einem Aufschwung an. Der Grund? Der lag in der Entscheidung der US-Notenbank. Nach einer Reihe an Zinsanhebungen 2018 entschlossen sich die Währungshüter jenseits des Atlantiks, die Anhebungen nicht mehr fortzusetzen. Schließlich fehlten ihnen ausreichend Anzeichen eines Wirtschaftsaufschwungs.

Auch der US-Handelskrieg mit China flackerte kräftig auf. Und weil angesichts der niedrigen Zinsen sichere Staatsanleihen praktisch keine Alternative boten, rückte ein Investment in Gold in den Fokus. Dabei zahlt Gold weder Zinsen noch Dividenden, hat zumindest aber kein Kontrahentenrisiko. Dieses steigt freilich in Zeiten hinaufschnellender Schuldenberge.

Negative Realzinsen als Preistreiber
Dabei sind längst nicht nur die Zinsen etwa auf Sparbücher, auf sehr niedrigem Niveau angelangt. In Deutschland, aber auch in Österreich, sind die Renditen langlaufender Staatsanleihen im Minusbereich angelangt. Bei vielen anderen soliden Anleihen winkt zwar noch ein leichtes Plus, etwa bei US-Staatsanleihen. Zieht man davon aber die Inflation ab, sind die realen Zinsen längst im Minus. „Dieser Umstand beflügelt die Nachfrage nach Gold, aber auch nach Silber, als realen Wertspeicher“, konstatiert Ned Naylor-Leyland, Head of Strategy für Gold und Silber bei Jupiter Asset Management und Fondsmanager des Merian Gold & Silver Fund (ISIN: IE00BYVJR916), im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Merian ist Teil von Jupiter Asset Management.

Was bedeutet dieser Umstand für den Merian-Fonds? Derzeit zählen vor allem einige Silberminenaktien zu den größten Fondspositionen, etwa mit Pan American Silber (CA6979001089) und First Majestic Silver (CA32076V1031). Naylor-Layland begründet dies mit dem aktuellen Umfeld, das Silberminenkonzerne begünstige. Meist steigt der Silberpreis während einer Edelmetallhausse stärker an als die Goldnotierung. „Obendrein sind die Betriebskosten oftmals geringer als jene der Goldminenunternehmen.“ Der Großteil der Silberförderung fällt nämlich als Beiprodukt beim Abbau anderer Metalle an. Gold wird hingegen direkt gefördert, weshalb die Produktion teurer ist. Hier ist der Fonds etwa in De Grey Mining (AU000000DE G6) aus Australien investiert.

Silber mit mehr Potential
Und wie könnte es weitergehen? Der Jupiter-Experte räumt Silberminentitel weiterhin das größere Potential ein. Schließlich schrumpften seit Anfang der 1980er Jahre die weltweiten Silbervorräte. Zudem wächst deren industrielle Verwendung, etwa in der Solar-, der Elektronik-, aber auch der Medizinbranche. Obendrein emittierten zahlreiche Banken Zertifikate auf Silber – eine weitere Möglichkeit für Anleger, auf die Kursbewegung zu setzen. „Angesichts dieser Entwicklungen dürfte dem Silberpreis in den kommenden Jahren noch ein kräftiger Schub bevorstehen.“

Dass in solch einem Umfeld auch die Minenkonzerne gut verdienen, hat handfeste Gründe. Noch vor Jahren mussten die Konzerne mit hohen Kosten etwa für Energie, Ausrüstung und Löhne kalkulieren. Das habe sich inzwischen geändert, die Kosten seien am Sinken, meint Naylor-Leyland, während die Preise steigen. Anleger müssen aber Kursschwankungen sowie das Währungsrisiko gut im Auge behalten.

Foto: Pixabay / Free-Photos

 

 

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Die Schwellenländeraktien START sind das neue FAANG

Von Tim Love, Investment Director für Schwellenländeraktien bei GAM Investments.

(24.11.) Obwohl die Wertentwicklung zahlreicher Schwellenländer (EM) in den Jahren 2018 und 2019 hinter der Performance des S&P 500-Index zurückblieb und sich das Jahr 2020 bislang ebenfalls in diese Serie einreiht, wäre es falsch, sich von diesen Märkten abzuwenden. Denn unter dem breiten Dach der Schwellenmärkte stemmte sich eine Gruppe von Aktien beharrlich gegen den Trend und setzt diese positive Entwicklung fort. Selbst die Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und China, die die Wertentwicklung einiger chinesischer Aktien unter Druck setzte, wirkte sich nicht negativ auf diese Unternehmen aus.

Wir bezeichnen diese Gruppe starker, innovativer Unternehmen mit dem Sammelbegriff START – für Samsung Electronics, Tencent Holdings, Alibaba Group, Reliance Industries und Taiwan Semiconductor. Unseres Erachtens wird START an den Schwellenmärkten zu einem vergleichbar bedeutenden Akronym werden wie FAANG (Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Alphabet – vormals Google) in den USA und die Performance der gesamten Anlageklasse entscheidend beeinflussen. Wir haben diese Aktien auf Basis ihrer Marktdominanz, Führungsposition, Nachhaltigkeit und Umsetzungskompetenz sowie ihres Wachstumspotenzials und Wertversprechens identifiziert.

Samsung Electronics: 5G-Geschäft und Governance mit Aufholpotenzial
Samsung Electronics dürfte unter den Anbietern von Speicherprodukten hohe Margen erzielen und seine marktführende Position durch technologischen Fortschritt festigen. Die Verbesserung der Aktionärserträge ist ein weiterer positiver Faktor. Dank seiner führenden Position bei 5G-Handys könnte Samsung enorme Gewinne erzielen, wenn es dem Unternehmen gelingt, Huawei Marktanteile abzunehmen. Das Unternehmen befindet sich in einer wesentlich besseren Position, als noch vor wenigen Monaten vermutet wurde. Insbesondere zeigt es eine gesteigerte Widerstandsfähigkeit und verbesserte Umsetzungskompetenz. Die langfristige Strategie erweist sich zunehmend als transformativ und treibt das Wachstum sowie die Erträge im Halbleitersegment voran. Im Hinblick auf die strukturellen Wachstumsmerkmale in den Bereichen Computing, 5G und Daten, den wachsenden Gesamt-Absatzmarkt, die erstklassige Umsetzung im Sektor, die liquiden Mittel von 100 Mrd USD, die hohe Free-Cashflow-Generierung und die Kapitalrendite ist der Bewertungsabschlag zu den Konkurrenten nach unserer Einschätzung nicht gerechtfertigt.

Die Governance-Praktiken von Samsung und die Geschäfte mit Tochterunternehmen geben zwar Anlass zur Sorge. Die Ernennung eines unabhängigen Verwaltungsratsmitglieds zeigt jedoch, dass das Unternehmen angesichts der Unsicherheit aufgrund der Korruptionsvorwürfe gegen den Vizepräsidenten Lee Jae-yong beabsichtigt, die Governance zu verbessern und sein Image aufzuwerten. Wir erwarten eine stärkere Unabhängigkeit und Transparenz des Verwaltungsrats. Darüber hinaus rechnen wir mit der Einführung eines unabhängigen Audit- und Compliance-Systems, sowie der Nutzung externer Benchmarks mit hohen Standards im Hinblick auf die Korruptionsbekämpfung. Dies ist nicht nur angesichts der komplexen Unternehmensstruktur wichtig, sondern auch im Hinblick auf die damit verbundenen Risiken in den Lieferketten. Das Unternehmen hat zwar formelle Beschwerdeverfahren zur effektiveren Überwachung des Engagements und der Zufriedenheit der Mitarbeitenden eingeführt. Diese Maßnahmen schützten es jedoch nicht vor Klagen aufgrund angeblicher Verstöße gegen Arbeitnehmerrechte in einigen Ländern, in die Aktivitäten aus China verlagert wurden. Wir rechnen mit zunehmend starker Beachtung von Menschenrechten und Arbeitsschutzgesetzen.

Tencent Holdings dominiert Online-Konsumentenmarkt
Tencent beherrscht den chinesischen Online-Konsumentenmarkt gemessen an den Umsätzen, der Größe und des Datendurchsatzes. Die überwiegende Anzahl der Dienstleistungen des Unternehmens zählen auf Nutzerbasis zu den Top 3 in ihrer Sparte. Die Umsätze mit Zusatzangeboten bei «In-Game»-Dienstleistungen dürften weiter wachsen, da das Unternehmen über eine umfangreiche mobile Angebotspalette verfügt und mit Weixin das größte Kommunikations- und soziale Netzwerk Chinas betreibt. Der Umsatzmix ist gut diversifiziert: 16 % werden aus Online-Werbung, 23% aus sozialen Netzwerken, 26 % aus Fintech- und Geschäftsdienstleistungen und 34 % aus Online-Spielen erzielt. Mit Barmitteln von circa 40 Mrd USD und potenziell 20 Mrd USD an freiem Cashflow in diesem Jahr verfügt das Unternehmen über robust gestützte Liquiditätsreserven. Dank seiner guten Fundamentaldaten und soliden Wachstumsaussichten konnte das Unternehmen die Schuldenlast erhöhen, ohne die Bilanzstärke zu gefährden. Den Bloomberg-Konsenserwartungen zufolge wird Tencent im Jahr 2020 den Umsatz voraussichtlich um 28 % und das Vorsteuerergebnis um 27 % steigern. Eine Ausweitung des «Gaming»-Geschäfts von Tencent auf internationale Märkte, eine stärkere Monetarisierung sozialer Werbung, umfangreichere Fintech-Angebote und strategische Upgrades, um vom Konsumenten-Internet und dem industriellen Internet zu profitieren, sind nur einige der potenziell positiven Impulsgeber für eine zukünftige Outperformance.

Tencent ist als „Variable Interest Entity“ (VIE) strukturiert und verfügt über die höchste Governance-Bewertung unter vergleichbaren Unternehmen. Die Notierung in Hongkong sollte einen besseren Aktionärsschutz bieten. Das „Gaming“- und „Social-Media“-Unternehmen unterliegt einem permanenten regulatorischen Druck zur Einhaltung der chinesischen Zensurgesetze. Tencent führte Maßnahmen zur Suchtprävention ein, unter anderem ein „Healthy-Gameplay“-System, aufgrund dessen 32 mobile Spiele wegen mutmaßlicher Nichteinhaltung von Vorschriften aus dem Angebot entfernt wurden. Ferner richtete das Unternehmen eine Elternaufsichts-Plattform ein, die Eltern beim Schutz ihrer Kinder vor der Spielsucht unterstützen soll.

Alibaba Group überzeugt mit umfassendem E-Commerce-Angebot
Alibaba bietet dank seiner Führungsposition im E-Commerce in China ein attraktives Leistungsversprechen für Händler: eine umfassende Angebotspalette, die Handel, Logistik, Marketing-Technologie, Cloud Computing, Zahlungsabwicklung und Unterhaltung umfasst. Unseres Erachtens wird das Unternehmen weiter von der beschleunigten Akzeptanz des Online-Lebensmittelhandels sowie von Cloud-Dienstleistungen und Telearbeits-Anwendungen durch Benutzer und Anbieter profitieren. Die Freisetzung weiterer Synergien unter seinen mehr als 900 Millionen Nutzern der digitalen Wirtschaft sowie seinem breiten Spektrum von Produkten und Dienstleistungen dürften dem Unternehmen ebenfalls zugutekommen.

Alibaba wickelt nahezu ein Drittel der Zahlungen des chinesischen Einzelhandels ab und dringt weiter in weniger entwickelte Bereiche vor. Ant Group, an der Alibaba mit 33% beteiligt ist, strebt mit einer Bewertung von mindestens 225 Mrd USD nach einer Doppelnotierung in Hongkong und Shanghai. Die erfahrene Unternehmensleitung wird die Produktinnovation weiter vorantreiben. Darüber hinaus erwarten wir, dass bisher noch weniger vermarktete Bereiche in den kommenden Jahren beginnen werden, signifikant zum Umsatzwachstum beizutragen. Im Geschäftsjahr 2021 dürften die Umsätze auf 100 Mrd USD zusteuern und der freie Cashflow wächst rasant. Damit verfügt Alibaba aktuell über die stärkste Bilanz seiner Unternehmensgeschichte. Wenige Technologieunternehmen, einschließlich der FAANGs, können ähnlich hohe liquide und kurzfristig angelegte Mittel vorweisen.

Dank seiner Anreizsysteme und laufenden Investitionen in die Mitarbeiterschulung ist Alibaba generell gut aufgestellt, ein attraktiver Arbeitgeber für Spitzentalente in China zu bleiben, obwohl das Unternehmen aufgrund exzessiver Arbeitszeiten und Überstunden in der Kritik steht. Die Partnerschaftsstruktur des Unternehmens ist darauf ausgelegt, Talente zu binden und zu fördern, sowie die aktualisierten sechs Unternehmensgrundsätze für langfristige Nachhaltigkeit voranzutreiben. Die schwachen Eigentümer- und Verwaltungsratsstrukturen für Minderheitsaktionäre stellen allerdings einen Grund zur Sorge dar. Aufgrund seiner Partnerschaftsstruktur und der damit verbundenen Stimmrechtsvereinbarung ist Alibaba effektiv ein kontrolliertes Unternehmen. Die VIE-Struktur des Unternehmens räumt der Konzernleitung zudem eine verstärkte Kontrolle ein, und die Eigentümerrisiken werden durch rechtliche Unsicherheiten verschärft. Strenge Datensicherheitsmaßnahmen erscheinen unerlässlich, da eine Sicherheitslücke bei der Logistiktochter Cainiao im Juni 2018 darauf hindeutet, dass das Unternehmen unverändert einem hohen Risiko ausgesetzt ist.

Reliance Industries: Diversifikation in alternative Treibstoffe und Energiequellen
Das Unternehmen will den organisierten Einzelhandels- und E-Commerce-Markt in Indien mit einem Volumen von 700 Mrd USD in Angriff nehmen. Dies soll in Höhe von mehr als 300 Mrd USD im Bereich Chemie sowie mit 50 Mrd USD in erneuerbaren Energien geschehen, da die Nachfrage von Öl auf alternative Treibstoffe umschwenkt. Die Nettoverschuldung wird im nächsten Investitionszyklus erheblich moderater als im abgelaufenen Zyklus sein, da das Unternehmen zunehmend Partnerschaften und Joint Ventures eingeht. Die Diversifikation vom reinen Raffineriegeschäft in anderweitige nachhaltige Energieformen, die Integration des Petrochemiegeschäfts, die Umleitung der Cashflows aus dem Telefongeschäft in andere digitale Bereiche und 5G-Lösungen sowie die Expansion in den Offline- und Online-Einzelhandel dürften zu einer ähnlichen Höherbewertung wie bei vergleichbaren, global agierenden Unternehmen beitragen. Unseres Erachtens werden die Vision und die Entschlossenheit des Unternehmens unterschätzt und unterbewertet.

Reliance ist ein Familienunternehmen und dürfte zukünftig über einen diversifizierteren Verwaltungsrat mit einer größeren Verantwortung der Geschäftsführung verfügen, um eine effektive Governance zu gewährleisten. Dank des höheren Umsatzanteils aus dem Telekommunikations- und Einzelhandelsgeschäft verringerte sich das ökologische Risiko. Dennoch rechnen wir mit ausdrücklichen Zielen für das Energiegeschäft zur Reduzierung der Treibhausgas- und Schadstoffemissionen. Trotz Bedenken räumen wir ein, dass das Unternehmen in jüngster Zeit zunehmend die Interessen seiner Minderheitsaktionäre berücksichtigte.

Taiwan Semiconductor (TSMC): Marktführer dank technologischem Vorsprung
TSMC ist der weltweit größte exklusive Auftragsfertiger für Halbleiterprodukte mit einem Marktanteil von rund 50%. Durch die ständige Zunahme der Halbleiterkomponenten in Mobilgeräten, das Vordringen künstlicher Intelligenz (KI) und die Verbreitung des Internets der Dinge (IoT) dürfte die weltweit benötigte Rechenleistung nachhaltig wachsen. Der größere Umsatzbeitrag aus massenproduzierten 5-Nanometer-Chips und Pläne für den Beginn der Testproduktion von 3-Nanometer-Chips im Jahr 2021 deuten auf eine Ausweitung des technologischen Vorsprungs gegenüber den Konkurrenten hin. Dies dürfte sicherstellen, dass das Unternehmen seinen dominierenden Marktanteil in den nächsten drei Jahren behaupten kann. TSMC ist der Chip-Auftragsfertiger, der am meisten in Forschung und Entwicklung investiert und über die besten Produktionsanlagen verfügt. Dadurch kann es seine Führungsposition in technologischer Hinsicht sowie in Bezug auf den Marktanteil und die Rentabilität wahren.

TSMC dominiert den Auftragsfertigungsmarkt für „Advanced-Node-Chips“ und dürfte diese Position dank Kapazitätserweiterungen und seines technologischen Vorsprungs weiter halten. Im Jahr 2020 investiert das Unternehmen schätzungsweise über 10 Mrd. USD in den Ausbau seiner „Advanced-Node“-Kapazitäten. Dies entspricht vermutlich der doppelten Summe des nächstgrößeren Konkurrenten. Nachdem das Unternehmen 2019 über 3,3 Mrd USD für 18 neue „EUV“-Maschinen (Chipbearbeitung durch extrem ultraviolette Strahlung) investierte, verfügt es über mehr als das Dreifache der „EUV“-Lithografie-Kapazitäten seiner Konkurrenten. Zudem verfügt TSMC über leistungsstarke Wassermanagement-systeme. Sein Wasserschutzplan umfasst Recycling- und Wiederverwendungsinitiativen, die potenzielle operative Risiken aufgrund von Wasserknappheit vermeiden sollen. Es bietet seinen Mitarbeitenden wettbewerbsfähige Vergütungspakete und umfassende Karriereentwicklungsprogramme. Die jährliche Mitarbeiterfluktuation ist daher im Vergleich zum Branchendurchschnitt gering. Wir erwarten, dass das Unternehmen proaktiv Halbleiter mit „Cleantech“-Anwendungen wie intelligenten Stromnetzen und erneuerbaren Energien entwickeln wird.

Foto: GAM

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Pandemischer Durchbruch

Ein Corona-Impfstoff rückt näher und verändert damit auch eine ganze Branche.

Raja Korinek. Es geht jetzt Schlag auf Schlag. Am 9. November vermeldete der US-amerikanische Pharmakonzern Pfizer (ISIN: US7170811035) gemeinsam mit dem Biotechnologiekonzern Biontech (US09075V1026) aus Deutschland einen Erfolg bei der Suche nach einem Mittel gegen das Coronavirus. Ein Impfstoff in Phase-III-Studien habe eine Erfolgsquote von mehr als 90 % erreicht. Schon eine Woche darauf vermeldete der US-Biotechnologiekonzern Moderna (US60770K1079) ebenfalls eine Erfolgsmeldung.

Doch damit dürfte längst nicht Schluss sein. Ziad Bakri, Portfolio Manager der Gesundheitsstrategie beim US-Vermögensverwalter T. Rowe Price, erwartet, dass in den kommenden sechs bis acht Monaten noch zahlreiche weitere Unternehmen – wie AstraZeneca (GB0009895292) am Montag – einen Durchbruch vermelden dürften. Platz am Markt sei ausreichend da. Schließlich würde davon die ganze Welt profitieren.

Regierungen greifen zu
Tatsächlich sichern sich schon jetzt zahlreiche Regierungen einen „Kuchen“ an künftigen Dosen. Mitte November schloss etwa die EU-Kommission mit dem Tübinger Biotechnologieunternehmen Curevac (NL001543603) einen Vertrag über den Kauf von bis zu 405 Mio Dosen Coronavirus-Impfstoff ab. Valneva (FR0004056851) vereinbarte im Sommer mit der britischen Regierung die Lieferung von bis zu 100 Mio Dosen des Covid-Impfstoffkandidaten.

Doch wann könnte es soweit sein? Bakri von T. Rowe Price rechnet mit den ersten Impfungen im kommenden Frühjahr. Er hebt auch hervor, dass zumindest bislang das Coronavirus weitaus stabiler sei als jenes, das die Influenza verursache. „Dieser Umstand hilft bei der Suche nach einem Impfstoff.“ Und nicht nur. Auch die Impfung selbst werde dadurch erleichtert, wenn man wisse, dass das Virus bis dahin mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mutiere.

Gesunde Aussichten
Freilich, die Pandemie hat letzt-endlich die gesamte Gesundheitsbranche in den Fokus gerückt. Bakri meint, sie habe dabei auch zahlreiche Trends beschleunigt, etwa jener zur Telemedizin. „Mit dem ersten Lockdown vergangenen Frühjahr erlebte der Bereich einen massiven Anstieg.“ Immer mehr Menschen suchten dann ihren Arzt lieber virtuell auf, etwa via Videokonferenz oder entsprechender App via Smartphone. Ein Unternehmen, dass davon massiv profitierte, war zum Beispiel Teladoc Health (US87918A1051) aus den USA.

Bakri verweist aber noch auf weitere Chancen im Gesundheitssektor, die angesichts der Virus-Hype zuletzt weniger im Fokus standen. Dazu zählt etwa die Demografie. In vielen Teilen der Welt wird die Bevölkerung im Schnitt immer älter, mit entsprechenden Konsequenzen. Krankheiten wie Alzheimer nehmen zu. Immer mehr Firmen forschen deshalb in diesen Bereichen nach Therapien.

Geschickte Branchenplayer
Und wie können Anleger die Chancen nutzen? Besonders wacker schlägt sich der Fonds „MEDICAL BioHealth“ (LU0119891520), der laut dem Finanzdienstleister Morningstar allein auf zehn Jahre eine Wertentwicklung von mehr als 18 % p.a. schaffte. Auf ein Jahr liegt das Plus sogar bei fast 30 %. Fondsmanager Mario Linimeier investiert gut 37 % des Portfolios in Firmen, die an der Entwicklung von Krebstherapien mitwirken. Größte Positionen sind Neurocrine Biosciences (US64125C1099) und Iovance Biotherapeutics (US 4622601007).

Auch der „Polar Capital Healthcare Opportunities Fund“ (IE00B3 NM2Q33) kann sich gut halten und schaffte auf zehn Jahre einen Wertzuwachs von 18% p.a. Größte Positionen sind Johnson & Johnson (US4781601046) sowie Horizon Pharma (IE00BQPVQZ61).

Foto: Pixabay / whitesession

 

 

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Warten auf die Normalisierung

Tilmann Galler von JP Morgan AM rechnet mit einem Paradigmenwechsel an den Börsen.

Raja Korinek. Die Welt steht wieder Kopf. In Europa, aber auch in den USA schwappt gerade die nächste Corona-Welle über. „Damit nimmt der Stress auf das Gesundheitssystem zu“, konstatiert Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management. Die Welle hat aber auch Folgen für die privaten Haushalte, allen voran in den USA. „Denn dort lässt die staatliche Unterstützung nach. Ein neues Fiskalpaket ist nicht in Sicht.“ Folglich sinkt die Sparquote wieder, die jenseits des Atlantiks vor gut einem Dreivierteljahr ein historisches Hoch von rund 25 % erreicht hatte und zuletzt auf gut 12 % gesunken ist.

Europas Fiskalpolitik im Fokus
Etwas besser gefällt Galler das Umfeld in Europa. Da gebe es nach wie vor staatliche Unterstützungen. Auch der geplante Wiederaufbaufonds sei fixiert, „muss aber noch ratifiziert werden“. Positiv hebt Galler auch hervor, dass der Einkaufsmanagerindex in der Region wieder das Vorkrisenniveau erreicht habe.

Doch jenseits des Atlantiks sieht der JP-Morgan-Experte ebenfalls Lichtblicke: „Die Auftragseingänge steigen allmählich, während Lagerbestände abgebaut werden.“ Er meint, dass das der Wirtschaft Rückenwind verschaffen dürfte. Chinas Wachstum sei bereits über dem Niveau von vor der Pandemie. Überhaupt solle 2021 das Jahr der „Normalisierung“ sein, sobald auch ein Impfstoff gefunden sei.

Zinsniveau bleibt niedrig
Doch was passiert dann mit den Zinsen? Schließlich dürfte mit einem Anspringen der Konjunktur die Inflation wieder zulegen. Galler glaubt aber nicht, dass die Zentralbanken mit Anhebungen reagieren werden. Schließlich gehe es um die Finanzierbarkeit der Fiskalprogramme. „Das wird bei steigenden Zinsen schwieriger.“ Galler verweist auch auf den Kurswechsel der US-Notenbank im Sommer. Angesichts der Tatsache, dass die Inflation in den USA derart lange unter der Zielmarke von 2 % verharre, werde man künftig ein Überschießen über diese Marke eine Zeit lang tolerieren, bevor die Leitsätze angehoben würden, so die neue Strategie.

Anderswo kann sich Galler sehr wohl eine Veränderung vorstellen: Mit der Einführung eines Impfstoffes und der Belebung der globalen Konjunktur dürfte die Rotation von Wachstums- zu Value – sogenannten Substanzaktien – anhalten. Einen kleinen Vorgeschmack gab es bereits kurz nach der Erfolgsmeldung von Pfizer und Biontech zu einem Corona-Impfstoff am 9. November. Da legten Substanzaktien, etwa aus der Reisebranche, kräftig zu, während zahlreiche Technologieaktien nachgaben.

Dabei verdeutlicht ein Blick auf die Bewertungsdifferenz des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) zwischen jenem von Wachstumsaktien (rund 28) und jenem von Substanzaktien (rund 12) die Kluft, die sich seit der Erholungsrallye nach dem Märzcrash aufgetan hat.

Weil aber noch immer zahlreiche Unsicherheiten rund um die Einführung eines Impfstoffes bestünden, rät Galler zu einer balancierten Mischung zwischen den zwei Welten.

Begrenzte Bondchancen
Und wo sieht der Profi Ertragschancen auf der Bondseite? Galler rät zu einer Beimischung chinesischer Anleihen in lokaler Währung. Dort liegen die Renditen im Schnitt bei rund 3 %. In Europa verweist er auf Chancen bei Unternehmensanleihen aus dem Investment-Grade-Segment, „allerdings im unteren Bereich, daher mit einem Rating von einem BBB“. Wer sich das Risiko zutraue, könne sich auch in den Hochzinsbereich wagen. Dort rät Galler zu den höher bewerteten Bonds, um das Risiko in Grenzen zu halten.

Foto: Pixabay / 955169

 

 

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Versicherungsschutz fürs Homeoffice nachschärfen?

Klare Rollenverteilung der Verantwortlichkeit gefordert. Im Gespräch mit GPA-Juristen Michael Gogola.

Manfred Kainz. Spätestens jetzt mit dem zweiten harten Lockdown scheint es Gewissheit zu sein: Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben. Der dringenden Empfehlung der Bundesregierung, alles, was im Homeoffice machbar ist, auch so zu machen, werden Arbeitgeber und Arbeitnehmer wohl oder übel Folge leisten.

Im Rahmen des neuen Lockdown-Maßnahmenpaketes wurde für Mitarbeiter im Homeoffice die coronabedingte Sonderbestimmung des Unfallversicherungsschutzes bis Ende März 2021 verlängert. Von Gewerkschaftsseite wünscht man sich indes, dass diese oder eine vergleichbare Sonderregelung im Dauerrecht verankert wird. Begründung: Zwar seien Dienstnehmerarbeitsunfälle zu Hause jetzt geschützt. Aber die Judikatur könnte künftig, in hoffentlich „besseren Tagen“, wieder zur vorherigen Sichtweise, wonach zwischen überwiegend betrieblich und überwiegend privat genutzten Räumen unterschieden werden müsse, zurückkehren, warnt Michael Gogola, Jurist in der Grundlagenabteilung der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Und da haben die Arbeitnehmer die Beweislast bei Unfällen zu Hause. Denn grundsätzlich gilt: Ein Unfall gilt dann als Arbeitsunfall, wenn er in ursächlichem, zeitlichem und örtlichem Zusammenhang mit der Arbeitstätigkeit steht. Zu Hause verschwimmen die Grenzen zwischen betrieblich und privat; besonders die örtliche Abgrenzung ist schwierig. Die „rechtliche Würdigung“ im Einzelfall nimmt die AUVA vor und die war schon in guten Zeiten streng.

Entgrenztes Arbeiten
Die Frage Versicherungsschutz ja oder nein hat aber noch eine andere Dimension: das Dienstnehmerhaftpflichtgesetz. Was, wenn der Mitarbeiter den Laptop des Dienstgebers kaputt macht? Wer kommt für den Schaden auf? Zu Hause ist die „Risikosphäre“ anders als im Betrieb. Auch da müsse nachgeschärft werden, fordert GPA-Experte Gogola. Arbeitgeber sollen verpflichtet werden, eine Haftpflichtversicherung auf Betriebsmittel wie Laptops abzuschließen und bei Schäden nicht auf Dritte, also auf die Homeworker zuzugreifen. Es brauche eine „klare Rollenverteilung der Verantwortlichkeit“ statt einer schleichenden Verlagerung des wirtschaftlichen Risikos und der Kosten zu den Arbeitnehmern. Weil die Gefahr eines Informationsdefizits besonders auf der Dienstnehmerseite bestehe, sollen auf betrieblicher Ebene Bedingungen als gemeinsame Standards vereinbart werden, so die GPA. Und idealerweise sollte der gesetzliche Schutz für die „entgrenzte Form des Arbeitens“ ausgeweitet werden. Für die Absicherung bei Arbeitsunfällen genauso wie zur Frage: Wie kann „der Gesundheitsschutz am Küchentisch“ gewährleistet sein? Schließlich behaupten Chefs ja, dass die Produktivität ihrer Mitarbeiter im Homeoffice meist größer sei.

Arbeitnehmersicht
Dass das Thema virulent ist und bleibt, zeigt eine repräsentative Umfrage unter Beschäftigten zum Thema zeit- und ortsungebundenes Arbeiten (Homeoffice), durchgeführt vom IFES – Institut für empirische Sozialforschung im Auftrag der Arbeiterkammer im ersten Lockdown im April. Schon damals waren 42 % der Arbeitnehmer im Homeoffice. 70 % gaben an, dass sie auch nach der Corona-Krise öfter im Homeoffice arbeiten möchten. Unter den Regelungen zu Homeoffice mit dem Arbeitgeber nannten aber nur 13 % eine zusätzliche Unfallversicherung für das Homeoffice. Zwei Drittel (65 %) verneinten, dass eine solche bestehe und 22 % wussten es nicht. 45 % gaben an, dass es eine zusätzliche Unfallversicherung für das Homeoffice bereits vor der Corona-Krise gab, 35 % sagten, dass sie erst für die Corona-Krise aufgesetzt worden sei. Und 54 % antworteten, dass die neu eingeführten Regelungen mit dem Arbeitgeber zum Homeoffice auf die Dauer der Corona-Krise beschränkt seien und dann ablaufen. Nur 17 % glaubten, dass die Regelungen voraussichtlich auch nach der Corona-Krise bestehen bleiben würden.

Foto: AdobeStock / tookapic

 

 

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Der harte Lockdown hat uns wieder

Die Nationalbank untersuchte die bisherigen Maßnahmen im Jahr 2020.

Lea Schweinegger. Am vergangenen Samstag zog die heimische Politik, unterstützt von Experten aus Medizin und Wissenschaft, abermals die Reißleine. Man ahnte aufgrund der kontinuierlich steigenden Zahlen an den Tagen davor schon, dass der „Lockdown light“ nicht ausreichen würde und ein härterer Lockdown folgen könnte. Und jetzt sind wir bereits wieder mitten drinnen. Wie im Frühjahr ist zunächst bis Anfang Dezember alles, was nicht zur Grundversorgung gehört, mit Ausnahmen geschlossen und unser persönliches Leben massiv eingeschränkt.

Teil-Lockdown ein mildes Mittel
Abseits der medizinischen Frage sind aber natürlich auch die wirtschaftlichen Auswirkungen zentral. Über diese, und speziell jene im Teil-Lockdown, informierte in der vergangenen Woche die OeNB anhand ihres wöchentlichen BIP-Indikators im Rahmen einer virtuellen Pressekonferenz. Dabei zeigt sich, dass dieser (ab 3. November) einen wesentlich geringeren Schaden angerichtet hat als der erste große Lockdown im Frühjahr. Unser BIP schrumpfte um 7 % in der ersten Woche (2. bis 8. November) gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das bedeutet: „Die mit 3. November in Kraft getretenen gesundheitspolitischen Maßnahmen des Teil-Lockdowns sind weniger weitreichend als während des ersten Lockdowns im Frühjahr dieses Jahres“, so Vizegouverneur Gottfried Haber. Der Konjunktureinbruch ist somit deutlich geringer ausgefallen als während des ersten Lockdowns. Wobei das nur eine Bestandsaufnahme darstellt und die Konsequenzen der aktuellen strengeren Phase erst zu einem späteren Zeitpunkt analysiert werden kann.

Im Detail
Die Verluste betrafen im Teillockdown mehrheitlich tourismus- und freizeitnahe Dienstleistungen. Zu den besonders betroffenen Bereichen zählten aber auch diesmal die bereits davor hart getroffenen Beherbergungsbetriebe, die Gastronomie und Veranstalter aus den Bereichen Kultur, Freizeit und Sport. Speziell in den tourismus- und freizeitnahen Dienstleistungssektoren ist es zu starken Umsatzrückgängen von teilweise mehr als 50 % gekommen, was trotz Kurzarbeitsmodell auch zu Kündigungen führte. Diese Einbrüche zeichnen zusammen für fast den gesamten Rückgang der Wirtschaftsleistung in der Kalenderwoche 45 verantwortlich.

Unterstützungsmaßnahmen
War im Teil-Lockdown der Handel, speziell im Bereich des privaten Konsums, nicht von Geschäftsschließungen betroffen, so muss man nun abwarten, welche Auswirkungen der harte Lockdown, der von Montag auf Dienstag in Kraft getreten ist, auf die Branche haben wird. Die Regierung hat sich bereit erklärt, Umsatzeinbußen zwischen 20 und 60 %, zu kompensieren.

In der Gastronomie sind es bis zu 80 %. Kaum betroffen von den Maßnahmen sind der Produktionssektor und Güterhandel. Der grenzüberschreitende Güterhandel läuft weitgehend reibungslos. Und auch der über die heimische Post und Trafiken bzw. den stationären Handel vertriebene Börsen-Kurier erscheint selbstverständlich uneingeschränkt.

Wir Kunden entscheiden!
Am 7. Dezember soll aus heutiger Sicht für das Weihnachtsgeschäft wieder geöffnet werden. Wie und in welcher Form, wird sich erst weisen. Vor allem für den Handel ist das teilweise überlebenswichtig. Die Gastronomie hat sich sowieso schon damit abgefunden, dass es heuer und Anfang 2021 weder Weihnachtsfeiern noch Bälle geben wird. Im Gegensatz dazu zählen Firmen wie Amazon und Co. natürlich zu den ganz großen Profiteuren solcher Phasen. Wobei wir das als Kunden sehr wohl ein wenig steuern können!

Foto: Adobe Stock /Godideas

 

 

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Wachablösung in den USA: Was bedeutet das für Investoren?

Wachablösung in den USA: Was bedeutet das für Investoren?

Nach einem turbulenten Wahlprozess steht nun der Demokrat Joe Biden als Nachfolger von Donald Trump und 46. US-Präsident fest. Was bedeutet der Wechsel im Weißen Haus für Investoren? Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, erwartet, dass Biden in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit eine Reihe von Maßnahmen ergreifen wird:

Erstens: Neustart der US-Wirtschaft
„Mit der Einrichtung eines Beratungsausschusses für öffentliche Gesundheit hat Biden einen wichtigen Schritt in diese Richtung unternommen. Er plant auch, den Austritt der USA aus der Weltgesundheitsorganisation rückgängig zu machen. Im Rahmen seiner „Build, Back, Better“-Initiative plant er, die Infrastruktur des Landes mit rund 700 Milliarden US-Dollar zu fördern und „den amerikanischen Einfallsreichtum für den Aufbau einer modernen Infrastruktur und einer gerechten, sauberen Energiezukunft zu mobilisieren“. Diese Mittel werden sich wahrscheinlich auf bestehende Infrastruktur wie Brücken und Rechenzentren sowie Dekarbonisierung und erneuerbare Energien konzentrieren. Ein weiteres Paket in Höhe von 2 Billionen US-Dollar, das für eine „Revolution für saubere Luft“ vorgesehen ist, zielt darauf ab, die Wirtschaft bis höchstens 2050 netto emissionsfrei zu machen.“

Zweitens: Wiederbelebung von US-Allianzen
„Die internationalen Diplomatie-Bemühungen der USA sind unter Präsident Trump schwer erschüttert worden. Biden wird daran arbeiten, dies umzukehren, indem er die Beziehungen zur NATO repariert, dem Pariser Klimaabkommen wieder beitritt und die Beziehungen zu China stärkt.

An der Heimatfront plant Biden eine Zwei-Parteien-Kommission, die das Justizwesen überprüfen und zu weniger Inhaftierungen ermutigen soll. Er hat schon früher Parteigrenzen überschritten und angedeutet, dass er mit dem Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, zusammenarbeiten wird, um Ergebnisse zu erzielen.

Der entscheidende Punkt aus europäischer Sicht ist, dass wieder mehr Normalität in die transatlantischen Beziehungen einkehren dürfte.“

Was bedeutet das für Investoren?
„Der Regierungswechsel dürfte sich positiv auf Investments in chinesische Aktien und festverzinsliche Wertpapiere auswirken, da ein Großteil der Ungewissheit verschwindet und der Renminbi tendenziell aufwerten dürfte. Allerdings dürfte der neu gewählte Präsident sich auch recht sensibel gegenüber den 70 Millionen Wählern zeigen, die Trump bevorzugten. Dies lässt vermuten, dass sich der Druck auf China und in geringerem Maße auch auf Russland künftig verstärken könnte, wenn auch nicht mit einem Tweet nach dem anderen. Da der Renminbi extrem schwach ist, stehen die Chancen gut, dass China ihn aufwerten lässt, um koordinierte Vergeltungsmaßnahmen zu vermeiden.

Wir konzentrieren uns nach wie vor auf einen von China angeführten wirtschaftlichen Aufschwung, der sich auf den asiatisch-pazifischen Raum ausbreiten dürfte und der auf der aufstrebenden Mittelschicht und dem IT-Sektor in der Region fußt. Darüber hinaus dürfte sich der Wechsel im Weißen Haus auch sehr positiv auf neue Energien und aufkommende Technologien auswirken, die durch Initiativen in den USA und der EU unterstützt werden. Wir sind uns jedoch auch bewusst, dass einige der genannten fiskalischen Maßnahmen mit einem republikanischen Senat nur schwer durchsetzbar sein werden.“

 

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Weichenstellung für die US-Wirtschaft

Die Wahlen haben über den zukünftigen wirtschaftspolitischen Kurs entschieden.

Michael Kordovsky. Die Wirtschaftsdaten von Anfang 2017 bis Ende 2019 stellen Noch-Präsident Donald Trump kein schlechtes Zeugnis aus. In diesem Zeitraum ging die Arbeitslosenquote von 4,7 auf 3,5 % und somit den niedrigsten Stand seit Dezember 1969 zurück. Die Anzahl der Vollzeitbeschäftigten stieg von 2016 bis 2019 von 123,76 auf 130,6 Mio. Die US-Wirtschaft wuchs von 2017 bis 2019 im Schnitt um 2,6 % und auch an den Aktienmärkten ging es aufwärts.

Die Schwachpunkte
Riesige Versäumnisse in der Corona-Bekämpfung erfordern jetzt radikale Maßnahmen zur Seucheneindämmung, wie einen zwischen-zeitlichen Lockdown mit Ausgangssperren. Der „President-elect“ Joe Biden hat im Gegensatz zu Trump der Pandemieeindämmung großen Stellenwert eingeräumt. Ein möglicherweise bundesweiter Lockdown nach Amtsantritt am 20. Jänner 2021 würde eine tiefe Rezession im ersten Quartal 2021 bedeuten, mit der Begleiterscheinung der höchsten Arbeitslosigkeit seit den 30er-Jahren. Der einzige alternative Lichtblick wäre eine Pflichtimpfung gegen Corona auf dem gesamten Bundesgebiet der USA. Dies setzt allerdings einen sicheren Impfstoff voraus und harte Strafen inklusive Zwangsimpfung für Impfgegner, was volkswirtschaftlich betrachtet die bessere Alternative wäre.

Biden ist allerdings positiv für die Handelspolitik. Er sollte die Sonderzölle gegen Waren aus China und jene gegen Stahl- und Aluminiumprodukte aus der EU im Zuge einer wechselseitigen Zollsenkung wieder rückgängig machen. Der globale Handel würde wieder florieren und die Beziehungen der USA zu China und der EU würden sich wieder verbessern. Gewinner wären exportorientierte Firmen aus den USA, China und vor allem der EU (insbesondere Deutschland).

Der Weg zu einer klimaneutralen Wirtschaft
Eine der ersten Amtshandlungen Bidens wird die Rückkehr zu dem von Trump gekündigten Pariser Klimaabkommen. Während Trump der Ölindustrie große Förderspielräume vor allem in Bezug auf das umstrittene Fracking gewährte, wird dies Biden stärker einschränken. Unter Trump konnte die US-Ölproduktion kräftig ausgeweitet werden von täglich 8,8 Mio Barrel Ende Dezember 2016 auf 12,9 Mio Ende Dezember 2019. Unter Biden könnte die Produktion einen kräftigen Rückwärtsgang einlegen.

Gleichzeitig könnte im Zuge eines Nuklearabkommens der Iran wieder als Lieferant auf den internationalen Ölmarkt zurückkehren. Momentan liegt die Ölproduktion des Iran bei rund 1,96 Mio Barrel pro Tag, doch nach seiner Rückkehr könnten es langfristig durch-aus mehr als 4,0 Mio werden. Dieses zusätzliche Angebot würde auf den Ölpreis drücken.

Gleichzeitig sind weltweit E-Autos und die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien im Vormarsch, eine Entwicklung, die Biden in den USA aktiv fördern wird, wovon vor allem grüne Energieerzeuger, der E-Auto-Gigant Tesla und jene Autofirmen profitieren werden, die wie beispielsweise General Motors und Ford relativ zügig auf eine umweltfreundliche Produktpalette umstellen.

Auf der Rohstoffseite sollten Nickel, Aluminium und diverse Batteriemetalle stärker nachgefragt werden, was einschlägige Bergbauunternehmen beflügeln könnte.

Dollarabschwächung plausibel
Entwicklungen unabhängig vom – nach allen zu erwartenden juristischen Kämpfen – endgültigen Wahlsieger wären eine expansive Geld- und Fiskalpolitik zum Ausgleich der Corona-Krise. Die Fed hat erst kürzlich ihr Stabilitätsziel mit einem Durchschnittsinflationswert aufgeweicht und wird unabhängig vom Präsidenten ihre expansive Geldpolitik fortsetzen, so lange sie es als nötig erachtet. Langfristig erscheint somit eine weitere Dollarabschwächung gegenüber dem Euro durchaus plausibel, während die Aktienmärkte durch niedrige Zinsen und Konjunkturprogramme gestützt würden.

Foto: Adobe Stock / John Anders Wiken

 

 

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Der Kauf auf Knopfdruck boomt

Die Krise heizt den Handel im Internet noch weiter an. Das bietet interessante Chancen.

Raja Korinek. Für die meisten Menschen sind die jüngsten Maßnahmen zu weiteren Lockdowns wenig erfreulich. Vor allem in Europa wurde zuletzt eine Reihe neuer Verbote erlassen. Und da stellt natürlich auch Österreich keine Ausnahme dar. Unter anderem wird hierzulande in den kommenden Wochen das Shopping im Geschäft erschwert, da sich in diesem Zeitraum nur eine begrenzte Menschenmenge in solchen Räumlichkeiten aufhalten darf. Und wer nachts Hunger hat, muss sich das Essen vom Lieferservice zustellen lassen.

Freilich, solche gesellschaftlichen Entwicklungen rücken einmal mehr den Online-Handel verstärkt in den Mittelpunkt. Schon bislang konnte das Geschäft mit dem E-Commerce kräftig zulegen. Die Lockdowns kurbeln den Umsatz nun weiter an, wobei diese „Stütze“ noch länger erhalten bleiben dürfte. Denn ein Ende der Corona-Krise ist derzeit nicht in Sicht. Und damit sind auch die optimistischen Prognosen zur Branchenentwicklung beim Handel im Internet durchaus nachvollziehbar. Laut Statista dürfte der globale Umsatz im Onlinehandel in diesem Jahr die Marke von 2 Bio€ knacken. Bis zum Jahr 2024 könnte der Umsatz dann sogar auf rund 2,8 Bio€ anschwellen, immerhin eine rasante Steigerung in relativ kurzer Zeit.

China an erster Stelle
Hinzu kommen regional interessante Trends: Denn der größte Brocken entfällt mit mehr als 50 % auf China. Doch auch in den USA wird fleißig im Netz geshoppt, das Land rangiert auf Platz 2. Immerhin entspringen aus diesen Ländern auch die größten E-Commerce-Betreiber.

Allein aus dem Reich der Mitte hat sich Alibaba Group (ISIN: US 01609W1027) zu einem Weltkonzern gemausert. Der Onlinehändler betreibt zudem das Online-Auktionshaus Taobao sowie den virtuellen Bezahldienstleister Alipay. Im ersten Quartal 2020/21 per Ende Juni steigerte der Konzern den Nettogewinn gegenüber dem Vorjahreswert um 28 % auf 5,6 Mrd USD. Besonderes Highlight ist für den Konzern dabei der jährliche „Single‘s Day“, der stets am 11. November stattfindet. Allein im Vorjahr setzte Alibaba an diesem Tag 35 MrdUSD um.

Sondertage auch in den USA
Freilich, in den USA ist es der „Cyber Monday“, an dem viele Onlinehändler – allen voran Amazon (US 0231351067) – mit Schnäppchen locken. Der Tag findet stets am Montag nach dem traditionellen Erntedankfest (Thanksgiving) statt, somit heuer am 30.11. Schon die Zahlen zum 3. Quartal 2020 übertrafen dabei Analystenerwartungen. Allein das operative Ergebnis wurde gegenüber dem Vorjahreswert auf 3,2 MrdUSD verdoppelt – auch, weil das Geschäft mit Cloud-Dienstleistungen blüht.

Doch der E-Commerce umfasst noch viel mehr, etwa Essenslieferanten wie Delivery Hero (DE000A 2E4K43) und Hellofresh (DE000A 161408), sowie Zahlungsdienstleister wie Square (US8522341036). All diesen Aktien sind auch Teil des E-Commerce-Index, auf den die Bank Vontobel ein Strategiezertifikat anbietet (DE000VA6U9B9). Im Index sind insgesamt 28 Titel enthalten, die ein irgendeiner Form am virtuellen Handel ihr Geld verdienen.

Mit Risiko auf Alibaba
Anleger, die sich das Risiko zutrauen, können aber auch gehebelt auf die weitere Kursentwicklung von Alibaba setzen. Möglich machen es ein Turbo-Long-Zertifikate. Ein solches bietet etwa die UniCredit an (DE000HZ3AQP9). Hier liegt der aktuelle Hebel bei 2,755. Um diesen verändert sich der Kurs des Zertifikats im Verhältnis zum Basiswert. Wird allerdings die Marke von 209 USD berührt oder unterschritten, verfällt das Zertifikat.

Foto: Pixabay / justynafaliszek

 

 

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Europäische Aktien profitieren von strukturellen Trends

Ein Kommentar von Niall Gallagher, dem Investment Director für Europäische Aktien bei GAM.

(28.10.) In den vergangenen neun Monaten haben wir enorme Veränderungen beobachtet. Gleichzeitig bestehen eine Reihe längerfristiger konjunkturunabhängiger Trends, die durch die Ereignisse in diesem Jahr teilweise beschleunigt wurden und unseres Erachtens weiter an Dynamik gewinnen werden. Eine der wichtigsten Veränderungen ist die Verlagerung der Konsumausgaben von der Offline-Welt auf Online-Kanäle. Diese Entwicklung wird sich weiter fortsetzen. Darüber hinaus konnten wir beobachten, dass Asien diese Krise wesentlich besser bewältigte als viele europäische Länder oder die USA. Die ausgeprägte Verlagerung des globalen Konsums zur asiatischen Mittelschicht wurde ebenfalls beschleunigt. Das Konzept der Heimarbeit verdeutlichte die enorme Bedeutung des digitalen Wandels, der durch die diesjährigen Ereignisse weiter vorangetrieben wird. Die Nutzung digitaler Zahlungsmethoden anstelle von Bargeld verstärkte sich ebenfalls – die meisten Menschen bevorzugen die Verwendung einer Karte oder ihres Smartphones, anstatt physisches Geld in die Hand zu nehmen. Die globale Energiewende stellt ein weiteres Thema dar, von dem man vermutlich bereits im Rahmen der Pläne für den „besseren Wiederaufbau“ gehört hat. Die fiskalpolitischen Reaktionen einiger Regierungen lassen den Wunsch erkennen, mehr Geld für grüne Initiativen auszugeben, die zur CO2-Reduzierung beitragen. Wir schätzen diese Entwicklungen bereits seit geraumer Zeit als starke Kräfte ein, die insbesondere für europäische Aktien enorme Chancen bergen. Durch die Ereignisse der vergangenen neun Monate wurden diese Kräfte sogar zusätzlich verstärkt.

Brexit bleibt jedoch Unsicherheitsfaktor

Kurzfristig hängt jedoch nach wie vor der EU-Austritt des Vereinigten Königreiches wie ein Damoklesschwert über Europa. Die Mehrzahl der Anleger vernachlässigt allerdings das Thema Brexit mittlerweile und wünscht sich nur noch, dass die gesamte Thematik von der Bildfläche verschwindet. Tatsache ist, dass es sich bei den Verhandlungen überwiegend um Spiegelfechterei und politische Taktiererei handelt. Wir gehen davon aus, dass es letztlich zu einem Abkommen kommen wird. Die Umrisse des Deals sind meiner Meinung nach relativ klar. Tatsächlich kann niemand ein Interesse daran haben, sich ohne Vereinbarung zu trennen. Trotzdem lässt sich nicht ganz ausschließen, dass es zu keinem Abkommen kommt. Dies würde die Angelegenheit erheblich verkomplizieren. Andererseits sind wir davon überzeugt, dass der Großteil des Brexit-Schadens für die britische Wirtschaft bereits entstanden ist. Die Unternehmensinvestitionen im Vereinigten Königreich gingen massiv zurück. Nach dem Abschluss eines Abkommens könnten sie sich jedoch wieder schwungvoll erholen. In der Erwartung, dass ein Deal zustande kommt, beurteilen wir daher die Anlageaussichten für das Vereinigte Königreich als relativ positiv.

Wachsender Einfluss der Schwellenländer auf Europas Aktienmärkte

Derzeit stammen über 45 % der Umsatzerlöse des europäischen Aktienmarktes aus Europa und dementsprechend 55 % von außerhalb Europas. Davon entfallen wiederum nahezu 40 % auf die Schwellenmärkte – zum weitaus größten Teil auf Asien ohne Japan und insbesondere auf China. Der Einfluss der Schwellenländer auf die Entwicklung der europäischen Aktienmärkte entspricht damit der Bedeutung Europas. Zahlreiche Unternehmen werden von einigen der entscheidenden strukturellen Trends beeinflusst, die wir beobachten. Daneben finden wir zudem weitere Unternehmen, die zwar möglicherweise nicht von den gleichen strukturellen Trends angetrieben werden, jedoch selbst attraktiv und günstig bewertet sind. Der Blick in die Zukunft sowie in die unterschiedlichen Bereiche zeigt, dass die Aktien einiger Fluggesellschaften sehr interessant werden, sobald die Menschen wieder reisen. Die europäischen Aktienmärkte weisen somit zahlreiche Faktoren auf, die unser Interesse wecken.

Auswirkungen für die Portfolioallokation

Wir gehen in unserem Anlageprozess im Allgemeinen stilunabhängig vor. Aus der Bottom-up-Perspektive bedeutet das, dass wir uns beim Portfolioaufbau aller Stilkategorien bedienen können. So gibt es Phasen, in denen wir auf Wachstum setzen, während wir zu anderen Zeiten Substanzwerte bevorzugen. Dies wird weniger von der Top-down-Einschätzung, als vielmehr von den Ergebnissen unserer Bottom-up-Analysen bestimmt. Stilfaktoren sind dennoch sehr wichtig. Sie spielen nicht nur für die Diversifikation eine entscheidende Rolle, sondern insbesondere dann, wenn es ums „Stockpicking“ geht. Da sich die Struktur der Märkte verändert, ist es wichtig, einem Prozess zu folgen, der darauf ausgerichtet ist, Faktorrisiken zu minimieren, und sich nicht zu stark von Stilen beeinflussen zu lassen. Deren treibende Kräfte ändern sich, und eine zu starke Konzentration auf einen Anlagestil kann im Falle einer Stilrotation zu sehr nachteiligen Auswirkungen führen.

Foto: GAM

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Geglückte Emission der EU-Social-Bonds

Die Kommission verlautbarte die sehr erfolgreiche Anleihen-Platzierung.

Roman Steinbauer. Die ersten Anleihen-Emissionen der EU-Kommission aus dem „SURE“-Programm (steht für „Temporary Support to mitigate Unemployment Risks in an Emergency“) wurden am 20. Oktober platziert. Zur Premiere-Auktion wurden die mit „Social-Bonds“ betitelten Schuldscheine mit einem Volumen von 10 Mrd Euro (Laufzeit 2030) bzw. eine 7 Mrd-Euro-Emission (Laufzeit 2040) am Markt untergebracht. Die Investoren-Nachfrage war ausgesprochen stark, führte zu einer 13-fachen Überzeichnung, sodass eine erfolgreiche Preisbildung für beide Produkte (das Moody‘s-Rating beträgt Aaa) erzielt wurde.

Vor allem Papiere der längeren Laufzeit wurden mit einer um 14 Basispunkte höheren Notierung als der Mid Swap (Mittelwert aus den angebotenen und vorgeschlagenen Sätzen im Interbankenhandel bzw. der Wert, bei dem eine Bank im Allgemeinen bereit ist, gegen einen 6-Monats-Euribor zu tauschen, Anm.) gut aufgenommen. Als Konsortialführer fungierten Barclays, BNP Paribas, Deutsche Bank, Nomura sowie die UniCredit. Die „Social Bond“-Säule der EU-Kommission soll in Zukunft weiterentwickelt werden und im „Nachhaltigen Finanzmarktsegment“ eine starke Stellung erobern. Damit erfolgte der Startschuss zur Wiederaufbau-Finanzierung (Recovery Fund) diverser EU-Staaten. Weitere Platzierungen folgen im Jahr 2021.

Sechs Monate bis zum Konsens
Das durch 27 EU-Mitgliedsländer gedeckte Hilfsprogramm von mehr als 87 Mrd Euro ist für den Finanzbedarf von 17 Staaten (Ungarn wurde erst am 7. Oktober miteinbezogen) der Gemeinschaft vorgesehen und auf 100 Mrd Euro erweiterbar.

Der Hilfstopf kann in Form von Krediten durch jene Mitgliedsstaaten in Anspruch genommen werden, deren öffentliche Ausgaben zur Sicherung der Beschäftigung durch Covid-19- Maßnahmen (wie Kurzarbeit) massiv anstiegen. Eine Zweckbindung ist zudem für Gesundheitsmaßnahmen am Arbeitsplatz sowie für Kosten zur Rückführung zur „normalen“ Wirtschaftsaktivität vorgesehen. Die zur Verfügung gestellten Beträge sind durch die Mitgliedsländer (in der Gewichtung durch den BIP-Anteil in der Gemeinschaft und basierend auf das EU-Budget 2020) besichert. Grundlage dafür ist die getroffene Vereinbarung zur gegenseitigen Unterstützung, zusätzliche Finanzressourcen durch Kredite zu ermöglichen.

Vom Anstoß der Initiative am 2. April bis zur Schaffung der Rahmenbedingungen (19. Mai), der Quantifizierung des Volumens (25. August), der Nennung der in Anspruch nehmenden Staaten (25. September) bis zur Klärung der Finanzhilfe an Ungarn (7. Oktober) nahm der Zeitrahmen bis zur Krisen-Liquiditätsbeschaffung sechs Monate in Anspruch.

Dauerhafte Kompetenzausweitung
Einer Veröffentlichung der EZB zufolge brachte EZB-Präsidentin Christine Lagarde Gedanken ins Spiel, den geplanten EU-Wiederaufbaufonds als dauerhaftes Instrument zu etablieren, um in weiteren Krisen konjunkturelle Stützungen bereit zu stellen. Damit soll im Notfall rasch auf einen gefüllten Haushaltsvorrat zugegriffen werden können. Die bisherige Zurückhaltung zur Debatte einer ergänzenden gemeinsamen europäischen Finanzpolitik (zur bestehenden Währungspolitik) wurde damit in Frankfurt aufgegeben. Spannungen mit einigen EU-Regierungen sind damit so gut wie vorprogrammiert. Dazu strebt Lagarde raschere Auszahlungsmodalitäten an und betonte die Notwendigkeit der Kommission, die Gelder aus dem Aufbaufonds Anfang 2021 auszuzahlen. Durchgewunken ist die Initiative aber noch nicht: Manfred Weber verknüpft als Fraktionschef der EVP im europäischen Parlament weiterhin die Auszahlung mit Fragen rechtsstaatlicher Kriterien.

Foto: Pixabay / rygrech

 

 

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Die Zukunft der US-Tech-Aktien

Bram van Santen, Portfolio-Manager bei Aegon Asset Management, kommentiert den vergangenen Amazon Prime Day und die Zukunft der US-Tech-Aktien.

(14.10.) Der Amazon Prime Day (heuer am 13. Und 14.10., Anm.) hat mittlerweile nahezu die gleiche Größenordnung wie der Black Friday. Grund sind vor allem die schnell wechselnden Trends. Die Pandemie hat Veränderungen im Verbraucherverhalten verstärkt, die bereits vor dem Ausbruch des Coronavirus einsetzten. Einer dieser Trends ist der Übergang zu einer digitalen Wirtschaft.

Unternehmen, die für diesen Trend bereits in der Vergangenheit gut positioniert waren, konnten bereits stark davon profitieren. Doch niemand profitierte mehr als die fünf größten Unternehmen im S&P 500, die so genannten „Megacap“-Aktien, Facebook, Apple, Amazon, Microsoft und Alphabet. Diese machen etwa 20 % des S&P 500 aus und bestimmen im Wesentlichen die Performance des Index. Die Megacaps haben bis heute eine erstaunliche Jahresrendite von +37 % erzielt, während andere Sektoren bestenfalls einen Bruchteil davon erreicht haben.

Im Vergleich dazu sind Aktien in anderen Regionen, wie z.B. der STOXX Europe 600, bis heute im Jahresvergleich rückläufig. Der STOXX Europe 600 hat eine hohe Gewichtung in den Sektoren der „traditionellen Wirtschaft“ wie Finanzen, Verbrauchsgüter und Industriewerte. Die bisher negativen Jahresrenditen in Europa könnten darauf hindeuten, dass Aktienanleger weniger Vertrauen in diese Art von Sektoren haben und sich stattdessen effektiv an das neue wirtschaftliche Umfeld anpassen.

Wir erwarten, dass sich diese Trends in Zukunft fortsetzen und den US-Technologieunternehmen dauerhaften Rückenwind geben werden. Dennoch könnten auch die wertschöpfungsintensiven Sektoren des STOXX Europe 600 einen Aufschwung erleben, sobald die Hauptsorgen um die Pandemie verblassen, die Weltwirtschaft wieder richtig in Schwung kommt und die realen Renditen wieder auf das Niveau vor dem Corona-Virus zurückfallen. In diesem Fall könnten wir eine Trendwende erleben, von der die Zykliker profitieren könnten.

Foto: Aegon AM

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Mit nur wenig Geld zum Erfolg

Mit Fonds- und Aktiensparplänen auch von schlechten Zeiten profitieren.

Julia Kistner. „Aktien werden in den kommenden fünf Jahren voraussichtlich niedrigere Erträge liefern als in den vergangenen zehn Jahren. Die Bewertungen sind in dieser Phase des Konjunkturzyklus hoch. Das Wirtschaftswachstum dürfte mäßig ausfallen und die Gewinnmargen der Unternehmen stehen nach wie vor unter Druck“, gibt Luca Paolini, Chefstratege der Schweizer Fondsgesellschaft Pictet, einen schaumgebremsten Aktienausblick. Andererseits sind wegen der ultralockeren Geldpolitik der Notenbanken die Zinsen weltweit auf dem Gefrierpunkt.

Wie kann man langfristig dennoch mehr aus seinem Vermögen machen? „Sparpläne sind hier das Genialste, was es gibt. Man bekommt in billigen Phasen mehr Fonds- oder Aktienanteile für das gleiche Geld“, schwärmt etwa Hendrik Leber, Gründer der ACATIS Investment KVG, gegenüber dem Börsen-Kurier.

Günstigere Durchschnittspreise
Bei Fonds- oder Aktiensparplänen investiert man Monat für Monat den gleichen Betrag in dasselbe Ansparprodukt. So erwirbt man für das gleiche Geld in schlechten Börsenzeiten mehr, in Boomphasen weniger Aktien beziehungsweise Fondsanteile und profitiert von durchschnittlich günstigeren Preisen, dem sogenannten „Cost-Average“-Effekt. „Man muss nicht mehr versuchen, das richtige Timing zu erwischen – das ohnehin sehr schwierig zu treffen ist“, meint auch Philipp von Königsmarck von Legal & General Investment Management. „Und grundsätzlich gilt: Je länger ein Sparplan läuft und je volatiler das gewählte Produkt ist, desto besser eignet sich ein Sparplan.“

Vorsicht Spesenfalle
Theoretisch kann man auch nur 20 oder 30 Euro pro Monat ansparen. Da aber oft Mindestspesen pro Transaktion anfallen, ist hier der Renditevorteil gegenüber einem Sparbuch schnell zunichte gemacht. Allerdings bieten Online-Broker für Ansparprodukte ihrer Partner oft auch spesenfreie Sparpläne an. In jedem Fall sollten die Mindestspesen pro Transaktion deutlich ermäßigt sein.

Ansparen mit Fonds
Ansparen kann man zwar auch auf Einzelaktien. Eine bessere Risikostreuung bekommt man aber mit Fonds, die auf viele und unterschiedliche Wertpapiere setzen, je nach Risikoneigung, Branche- oder Ländervorlieben. Egal, ob man einen Indexfonds oder ein Produkt mit aktivem Fondsmanager wählt, man sollte dies sorgfältig tun. Während etwa der MSCI All Country Index die Weltbörsen möglichst genau nachbildet, gewichtet der MSCI World Index die US-Börsen stärker. Der MDAX spiegelt die deutsche mittelständische Wirtschaft besser wider als der Leitindex DAX, in dem fünf Aktien – SAP, Linde, Siemens, Allianz, Deutsche Telekom – mehr als 40 % der Gewichtung ausmachen. In Europa sieht Pictet-Mann Paolini gute Chancen für deutsche Aktien aufgrund guter Fundamentaldaten und weiteren Raum für fiskalen Stimulus.

Um vom Zinseszins-Effekt stärker zu profitieren, sollte man eine thesaurierende Fondsvariante wählen, die nicht ausschüttet, sondern Dividenden wieder veranlagt.

Weitere Börsen-Kurier-Tipps: Laut Analysen fährt man günstiger, wenn man immer am 15. eines Monats den Sparplan aufstockt, als wenn man regelmäßig zu Beginn oder am Ende eines Monats einbezahlt.

Wie viel bei regelmäßiger Einzahlung etwa nach fünf bis zehn Jahren realistisch rausschauen kann, lässt sich etwa mit dem Sparrechner auf www.finanzen-rechner.net abschätzen.

Foto: Pixabay / moritz320

 

 

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Worauf es in den Emerging Markets jetzt ankommt

Chinas Covid-Krisenmanagement macht das Land wieder zum interessanten Investment.

Raja Korinek. Allmählich hellen sich die wirtschaftlichen Nachrichten wieder auf. Zwar steigen die Infektionszahlen weiter an. Dennoch geht der Internationale Währungsfonds (IWF) davon aus, dass der Konjunktureinbruch heuer nun doch nicht so heftig ausfallen dürfte wie ursprünglich befürchtet. Demnach sollte die globale Konjunktur um 4,4 % anstelle von 5,2 % einbrechen. Dabei gibt es sogar Regionen, die selbst in diesem Umfeld ein Plus verzeichnen dürften. Allein für China rechnet der IWF mit einem BIP-Wachstum von 1,9 %. 2021 dürfte es bei sogar bei 8,2 % liegen.

Die Zuversicht ist freilich nachvollziehbar. Schließlich hatte das Reich der Mitte die Ausbreitung der Corona-Pandemie früh eingedämmt, weshalb auch die Wirtschaft rasch aus dem strengen Lockdown entlassen wurde. Und das hinterlässt ebenso positive Spuren auf dem Aktienmarkt in der Region, zeigt Anita Frühwald, Country Head BNP Paribas Asset Management Austria & CEE, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier auf. Dabei haben sich vor allem einige Aktien aus dem Bereich des E-Commerce als wichtige Zugpferde erwiesen. Denn auch in China hat die Pandemie den Trend zu Online-Shopping nochmals beschleunigt.

Technologie als Zugpferd
Überhaupt setzt die Wirtschaft im Reich der Mitte zunehmend auf den Einsatz moderner Technologien. „Damit wird natürlich die Produktivität erhöht“, unterstreicht Frühwald. Sie verweist auch auf die zahlreichen Stützungsmaßnahmen seitens der Regierung, die ebenso zu einer Erholung der Konjunktur beitrugen. Obendrein legten die Exporte zuletzt wieder kräftig zu, wie aus den Daten vom September hervorging.

Doch nicht alle Regionen in den Schwellenländern können auf eine derart fulminante Trendwende verweisen. „Es gibt Länder, die noch immer stark mit der Pandemie zu kämpfen haben, aber auch mit einer steigenden Schuldenlast“, erklärt die Marktexpertin.

In diesem Zusammenhang stechen etwa Indien sowie Brasilien hervor. Zu allem Überfluss seien indische Aktien inzwischen recht teuer bewertet. „Das birgt bei einem entsprechenden Investment ein zusätzliches Risiko“, mahnt Frühwald, differenziert in den Regionen vorzugehen.

Politik als Sorgenkind
Wenig optimistisch zeigt sie sich auch in Hinblick auf die volkswirtschaftlichen Entwicklungen in der Türkei sowie in Argentinien. Tatsächlich stehen in beiden Ländern die enormen Staatsschulden, gepaart mit politischen Turbulenzen, im Fokus vieler Anleger: „Weitere Kursverluste sind in den Regionen nicht ausgeschlossen.“

Doch wie sehen die konkreten Marktdaten aus? Im Vergleich zu den entwickelten Ländern seien die Schwellenländer relativ günstig, konstatiert Frühwald. Sie meint, das sei zu einem guten Stück auf die insgesamt besseren wirtschaftlichen Fundamentaldaten in den entwickelten Ländern zurückzuführen. Der MSCI-Emerging-Markets-Index weist derzeit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf die kommenden zwölf Monate von rund 15,5 auf. Das Wachstum beim aggregierten Gewinn je Aktie wird derzeit auf knapp mehr als

15 % geschätzt. Im Vergleich dazu liegt das 12-Monats-KGV beim MSCI-Weltindex, der sich aus Industrienationen zusammensetzt, bei 21,22. Das geschätzte Wachstum beim Gewinn je Aktie liegt hier bei 39,91 %.

Fazit
Aufholpotential gibt es in den Schwellenländern. Dieses sollte jedoch möglichst anhand eines aktiven Managements genutzt werden, um von den unterschiedlichen Wachstumschancen geschickt zu profitieren und Turbulenzen möglichst zu glätten.

Foto: AdobeStock / gui yong nian

 

 

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Entscheidende Jahre für Volkswagen

Ein Hoffnungsträger für den Konzern: Der Elektro ID.3.

Stefan Riedel, München. (22.10.) Am Ende hat sich das lange Verhandeln ausgezahlt. Für 3,7 MrdUSD übernimmt Traton (ISIN: DE000TRATON7) den Bus- und Truckhersteller Navistar. Mit dieser Akquisition baut die Tochter von Volkswagen (DE0007664039) ihre Marktposition bei den Schwerlastern in den USA aus, wo bisher Daimler (DE0007100000) klar den Ton angibt. Auf dem Heimatmarkt Deutschland haben die Wolfsburger Autobauer dagegen Tesla (US88160R1014) den Kampf angesagt. 33 Mrd Euro will Volkswagen in der nach eigenem Bekunden „größten E-Offensive in der Autoindustrie“ investieren, um den Siegeszug des Platzhirschs bei den Elektroautos abzubremsen. Bis zu 75 reine Elektro-Modelle sollen bis 2029 als Serienproduktion am Standort im sächsischen Zwickau vom Band gehen. Ähnlich wie bei den konventionellen Antrieben bildet ein modularer Baukasten die technologische Basis. Den Anfang machte der Mittelklassewagen „ID.3“, von dem die ersten Modelle Mitte September ausgeliefert wurden. Mit dem „ID.4“ soll ein Elektro-SUV folgen.

VW muss hier auch in den nächsten Monaten positiven Schlagzeilen liefern, um das durch den Dieselskandal beschädigte öffentliche Image dauerhaft zu verbessern. Nach den Autokäufern und Aktionären wollen auch Anleihegläubiger auf Entschädigung klagen. Streitwert: 4 Mrd Euro. Am 25. Feber 2021 soll der Betrugsprozess gegen den ehemaligen Vorstandschef Martin Winterkorn beginnen.

Im operativen Geschäft hat Volkswagen nach dem Corona-Schock wieder in die Spur gefunden. Zum Monat Juli lag die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge nur knapp unter den Werten der Vorjahre. „Vorsichtig optimistisch ins zweite Halbjahr“ blickte das Management bei der Präsentation der Halbjahreszahlen. Ob und wie stark der Autobauer vor allem auf der Ertragsseite wieder Fahrt aufgenommen hat, wird das Zahlenwerk für das dritte Quartal zeigen, welches der vom Börsenwert viertgrößte DAX-Konzern am 29. Oktober präsentieren wird.

Die Volkswagen-Aktie zählt zu den günstigsten in ihrer Branche. Während Tesla auf 350 Mrd Euro Börsenwert kommt, bringt es VW auf knapp ein Fünftel davon. Aber auch gegenüber Daimler (DE0007100000) und BMW (DE0005190003) schneidet die Aktie gut ab. Mit dem 2021er-KGV von 6 sind Negativszenarien eingepreist. Und für 2022 erwarten die Analystenschätzungen ein Gewinnwachstum von 24 %. Darüber hinaus notiert die Aktie fast zur Hälfte unter ihrem Buchwert. Daimler und BMW sind mit fast 10 bzw. 9 deutlich höher bewertet. Dazu sind die Aktien dieser beiden Premiummarken zuletzt bereits gut gelaufen.

Bei Volkswagen könnten dagegen positive Ergebnisse und Verkaufszahlen den zuletzt weitgehend seitlich laufenden Aktienkurs wieder anschieben.

Foto: wikimedia / Alexander Migl

 

 

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Lohnen sich Öl-Aktien noch?

Zukunft offen, aber günstige Bewertungen bieten aktuell gute Einstiegsmöglichkeit.

Patrick Baldia. Umfangreiche Investitionen in die erneuerbare Energieerzeugung, eine Reduzierung der Öl- und Gasförderung bei gleichzeitigem Fokus auf eine hochwertige Förderung sowie 30 bis 35 % weniger Emissionen aus den eigenen Betriebsaktivitäten. So lässt sich in groben Zügen die von BP-CEO Bernard Looney im August vorgestellte Strategie bis 2030 zusammenfassen. Bis dahin möchte man sich zu einem völlig anderen Energieunternehmen entwickeln.

„Den Energieunternehmen ist klar, dass sie mittel- und langfristig einen Beitrag zur Eindämmung der Erderwärmung leisten müssen“, erklärt uns Hannes Loacker, Fondsmanager in der Raiffeisen KAG. Zumindest seitens der europäischen Player habe man Schritte gesehen, die in diese Richtung gehen. Dazu gehören etwa – wie im Falle von OMV, ENI oder BP – die Forcierung des Gasgeschäfts, mit dem weniger CO2-Emissionen verbunden wären. Die Unternehmen würden aber auch bei der Produktionstechnik Fortschritte machen bzw. diese auf weniger CO2-Emissionen ausrichten.

Beispielsweise will etwa die norwegische Equinor bis 2030 den Geschäftsanteil erneuerbarer Energien auf 10 bis 15 % steigern. Total hat bereits vor einigen Jahren den vierten Geschäftsbereich „Gas, erneuerbare Energie und Strom“ geschaffen und zuletzt das Ziel ausgegeben, den Anteil erneuerbarer Energie an den Gesamtinvestitionen bis 2030 auf 20 % steigern zu wollen. Royal Dutch Shell möchte wiederum verstärkt auf Wasserstoff und Biokraftstoffe setzen. Und auch die OMV bekräftigte – wie der Börsen-Kurier berichtete – bei der Hauptversammlung Ende Oktober ihre einschlägige und durchaus ambitionierte Strategie.

Trotz aller ernst gemeinter Bestrebungen ist dennoch nicht zu erwarten, dass die Energieunternehmen ihre Geschäftsmodelle vollständig über den Haufen werfen und zu reinen Erneuerbare-Energie-Playern werden. „Viele Konzerne haben auch zuletzt kommuniziert, dass Öl und Gas weiterhin ihr Hauptgeschäft bleiben wird“, so Loacker. In vielen Bereichen – wie etwa in der Chemie – werde Öl noch sehr lange ein wichtiger Rohstoff bleiben.

Auf kurze Sicht wird daher die konjunkturelle Entwicklung weiter-hin der maßgebliche Faktor für die Ölnachfrage bleiben. Laut einer Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA) wird diese – Covid-19 sei Dank – vor 2021 nicht steigen. Was erwarten die Unternehmen selbst? Die OMV hat etwa bei der HV ihre langfristige Ölpreisprognose – konkret ab 2035 – von 75 USD pro Fass der Sorte Brent auf 60 USD gesenkt. Nach 50 USD im kommenden Jahr, wird 2022 und 2023 von einem Ölpreis von 60 USD ausgegangen. Zwischen 2024 und 2029 soll dieser auf 65 USD ansteigen.

Loacker rechnet in den nächsten fünf Jahren nochmals mit einem „relativ deutlichen Anstieg“ der Ölnachfrage. „Aus dem einfachen Grund, dass in den letzten Jahren zu wenig investiert wurde“, sagt er. Um 2025 herum könnte das Angebot – „möglicherweise zum letzten Mal“ – vorübergehend knapp werden. Ab 2030/35 werde die Nachfrage voraussichtlich jährlich zurückgehen. Nachsatz: „Ab diesem Zeitpunkt wird es also zunehmend schwieriger werden Ölaktien zu einem Investment-Case zu machen.“

Noch ist das allerdings nicht der Fall. Wenn man davon ausgehe, dass sich der Ölpreis in der kommenden Dekade erhole, so wären Energieunternehmen derzeit günstig bewertet, meint Loacker. „Vor allem mit europäischen Öl- und Gasunternehmen könnte man Geld verdienen“, so der Experte.

Foto: Adobe Stock / Sodel Vladyslav

 

 

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Betriebliche Altersvorsorge – Pflicht oder Kür?

Ein Gastkommentar des Experten für betriebliches Vorsorgewesen Thomas Wondrak.

(08.10.) In Corona-Zeiten wird viel über die Einschränkungen unserer Freiheit diskutiert. Maßnahmen, die für unsere Gesundheit, Sicherheit und Grundversorgung notwendig sind, gehen sehr oft mit Beschränkungen unserer Rechte einher. Sei es durch Tempolimits auf unseren Straßen, Enteignungen zum Bau des Stromnetzes oder durch Einschränkungen der Demonstrationsfreiheit zum Schutz der Allgemeinheit vor der Übertragung des Corona-Virus.

Keine sachliche Diskussion
Wenn der freie Markt nicht funktioniert, das Allgemeinwohl über dem Wohl des Einzelnen zu stehen hat oder die Menschen vor sich vor sich selbst geschützt werden müssen, greift die Gemeinschaft respektive der Staat ein. Im Vorsorgebereich ist dies der Fall und es wird seit Jahren über die Finanzierbarkeit und auch über die künftige Art der Finanzierung (staatlich, betrieblich oder privat) diskutiert und eine oft parteipolitisch motivierte, wenig sachliche Diskussion geführt.

Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach in ihrer Rede zur Eröffnung der Plenartagung des Europäischen Parlaments von der „Vollendung der Kapitalmarktunion in der EU“ und legte auch gleich einen neuen Aktionsplan dazu vor: „starke marktbasierte Altersvorsorgesysteme können die gesetzliche Altersversorgung ergänzen, vorausgesetzt sie sind breit angelegt und inklusiv gestaltet.“

Zur Umsetzung dieses Zieles wird als erste Maßnahme noch im Herbst 2020 eine Studie zur Frage einer automatischen Mitgliedschaft in betriebliche Altersvorsorgesysteme (bAV) beauftragt. Klares Ziel der Kommission ist es, eine kapitalmarktorientierte Ergänzung in der Vorsorge zu schaffen.

Die heimische Abfertigung Neu
Den Bedenken, dass ein Zwang zur bAV nicht mit unseren Freiheitsrechten vereinbar sei, wird dadurch entgegengetreten, dass der Einzelne ein Opting-out-Recht haben soll. In Österreich wird argumentiert werden, wir hätten mit der „Abfertigung Neu“ bereits ein verpflichtendes bAV-System. Auf Grund der Auszahlungsmöglichkeiten, die von den Österreichern nur allzu gern im Anspruch genommen werden, kann man aber nicht von einem echten bAV-System sprechen. Lediglich ein verschwindend kleiner Teil wird tatsächlich für die Vorsorge im Alter verwendet.

Wenn neben der staatlichen Pension (die sicherlich durch die corona-bedingte Arbeitsmarkt- und Wirtschaftskrise stärker unter Druck geraten wird), weitere Säulen aufgebaut werden sollen, dann muss dies konsequent und sinnvoll passieren. Das bedeutet: eine signifikante, aber immer noch leistbare Beitragshöhe, extreme Beschränkung der vorzeitigen Auszahlung von Vorsorgegeldern und nachhaltige, ökologische Veranlagung der Gelder.

„Grüne“ Gelder
In Österreich werden fast 100 % der veranlagten „Abfertigung Neu“-Gelder und ein stark steigender Anteil des in den privaten Pensionskassen liegenden Vermögens „grün“ veranlagt. Damit ist der Bekämpfung der Klimakrise, dem Schutz vor (Kinder-)Ausbeutung, der Verringerung der Waffenproduktion und der Nachhaltigkeit in der Produktion gleichermaßen geholfen.

Eine EU-weite Regulierung hat den Vorteil, Ausgewogenheit im Wettbewerb herzustellen, die Altersvorsorge auf stärkere und diversifizierte Beine zu stellen und gleichzeitig andere wichtige Ziele im Interesse nachfolgender Generationen anzusteuern.

In der Pflicht
Was uns trotz der Initiative der Kommission nicht erspart bleiben wird, ist eine sachliche und auf Fakten basierte Diskussion in Österreich über unsere Pensionssysteme. Auf die Fragen der Verteilung der Lasten, die schwierigen Fragen der Finanzierung und die Entscheidung über die geeigneten Steuerungsmaßnahmen durch Förderungen, wird uns die EU keine Antworten liefern, die werden wir wohl selbst finden müssen.

So sehr wir Menschen auch hilfsbereit, altruistisch und mitfühlend sein können, in der Frage der Altersvorsorge werden wir wohl mehr Pflicht brauchen. Diese Einschränkung der Freiheit ist gegen die angemessene Versorgung aller Menschen im Alter, bei Krankheit und bei Tod abzuwägen.

Foto: Schroetter

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Virtuelle HV als „neues Normal“?

Sonderregelung soll bis Ende 2021 verlängert werden.

Christiane Süßel, Frankfurt. In Zeiten, in denen eine zweite Corona-Welle das öffentliche Leben möglicherweise wieder lahmlegt, schlägt die Debatte um die Verlängerung der Ausnahmeregelung zu virtuellen Hauptversammlungen (HV) Wogen. Ende März hatte die deutsche Bundesregierung im Zuge des ersten Lockdowns Aktiengesellschaften das Abhalten von Online-Hauptversammlung ermöglicht. Bislang war hierfür eine Satzungsänderung notwendig. Mit der Aushebelung der Zustimmung der Aktionäre konnten in diesem Jahr alle DAX-Werte mit Ausnahme von Infineon und Siemens, die ein gebrochenes Geschäftsjahr haben, ihre Aktionärsversammlungen ins Netz verlegen und blieben so beschlussfähig.

Rückblickend bilanziert Daniel Bauer, Vorstandsvorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), die heurige Saison im Gespräch als „sehr ruhig“. Einerseits hätten sich die Aktionäre sehr zurückgehalten und die Unternehmen andererseits bemüht, das reduzierte Format für alle erträglich zu gestalten. Da das Format keinerlei Diskussionen zugelassen habe, seien die Hauptversammlungen jedoch nicht informativ gewesen, kritisiert Bauer. Die schärfsten Kritikpunkte: Die Aktionäre müssen ihre Fragen an den Vorstand zwei Tage zuvor einreichen. Es besteht keine Chance, auf den Vortrag des Managements zu reagieren oder Nachfragen zu stellen. Bauer: „Eine Diskussion kommt somit nicht zustande.“ Ad hoc könnten auch keinerlei Gegenanträge oder Sonderprüfungsanträge gestellt oder das festgelegte Abstimmungsverhalten kurzfristig geändert werden. Der SdK-Vertreter: „Die Eigentümer werden also völlig entrechtet und das Management hat die volle Kontrolle.“

Das sieht die Unternehmensseite anders. Bayer war der erste DAX-Konzern, der seine HV in den virtuellen Raum verlegt hat. Da man auf keinerlei Erfahrungswerte zurückgreifen konnte, war die Vorbereitung intensiver als für eine Präsenz-HV, erzählt ein Sprecher dem Börsen-Kurier. Mit dem Ergebnis sei der Konzern sehr zufrieden. In der Spitze zählte Bayer rund 5.000 Zuschauer – mehr als bei Präsenz-Veranstaltungen. Die Präsenzquote lag mit 64 % auf dem Niveau einer normalen HV. Auch die 245 eingereichten Fragen der Aktionäre lagen über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. Sie wurden ohne Ausnahme beantwortet, unterstreicht Bayer. Dabei lagen die Kosten am Ende bei weniger als 30 % einer Präsenz-HV. Bayer geht davon aus, dass es auch 2021 keine Präsenz-HV geben kann und begrüßt daher die aktuellen Pläne des Bundes, das Notgesetz zu verlängern. „Wir prüfen derzeit sehr konkret, wie den Aktionären weitere Mitwirkungsmöglichkeiten bei einer virtuellen HV eingeräumt werden können“, erklärt Bayer.

Dennoch kreidet Bauer mit Blick auf die geplante Verlängerung des Notgesetzes bis Ende 2021 an, dass es technisch längst möglich wäre, den Aktionären virtuell dieselben Rechte wie bei einer Präsenz-HV einzuräumen. Er sieht einen mangelnden Willen des Gesetzgebers, der „anscheinend gerne den Forderungen bestimmter Lobbygruppen nachgibt.“ Aber der Aktionärsschützer räumt auch ein: „Der virtuellen Hauptversammlung gehört die Zukunft, das ist klar.“ Sie habe zweifelsohne auch Vorteile, dürfe aber eben nicht zu einer Beschränkung der Aktionärsrechte führen.

Foto: Adobe Stock / eugenepartyzan

 

 

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„Prozesse sind nicht auszuschließen“

Homeoffice wirft Versicherungsfragen auf. Experten warten gespannt, wie erste Fälle entschieden werden.

Manfred Kainz. Es ist schon Teil der „neuen Normalität“ geworden, ob man will oder nicht: das Homeoffice. Wir kennen es selbst oder von anderen: Laptop am Küchentisch, Videokonferenz mit Wohnzimmerregalen im Hintergrund. Ein Konferenzmoderator mit Humor meinte: In so viele fremde Wohnungen habe er bisher noch nie blicken können. Eigene Arbeitszimmer zu Hause waren wohl noch nie so hochgeschätzt wie in der Corona-Zeit. Mit oder ohne einem solchen: Arbeitszeit und Nichtarbeitszeit verschwimmen immer mehr.

Und das schafft Fragen rechtlicher Natur. Deshalb haben sich Politik und Sozialpartner zum Auftrag gesetzt, die neuen Herausforderungen der Homeoffice-Welt, die vom traditionellen Arbeits- und Sozialrecht nicht abgedeckt sind, gesetzlich außer Streit zu stellen. Zeitplan: bis nächstes Frühjahr. Bis dahin kann aber viel passieren.

Abgrenzungsschwierigkeit
Beispiel: War die Frage „Was gilt als Arbeitsunfall?“ schon in der „alten“ Berufswelt keineswegs immer klar beantwortbar (schlag nach bei den Kriterien der AUVA), so kommt jetzt die Frage „Unfall zu Hause berufsbedingt oder nicht?“ dazu. Stürzen am Weg vom Laptop bzw. Schreibtisch in die Küche, Verunfallen beim Schneeräumen vorm eigenen Haus, damit der Kunde herein kann … Die Abgrenzung, was berufsbedingt ist und was nicht, ist schwierig.

Wenn man sich bei Unternehmen umhört, so scheint die diesbezügliche Absicherung der Mitarbeiter kein großes Thema zu sein. Ein Manager einer großen Versicherungsgesellschaft meinte im Gespräch: Mobiles Büro „ist ein riesengroßer, ungeregelter Graubereich“, sogar in seinem eigenen Haus (!). Wenn man mögliche Unfallszenarien des Mobile Office durchdenkt, sei vieles unklar, was die Abgrenzung, Beweislast und (finanzielle) Absicherung betrifft. Deshalb empfiehlt (nicht nur) er eine private Unfallversicherung.

Staatliche Versicherung
Wohl auch, um finanziell nicht ganz abhängig von der Sozialversicherung zu sein, genauer: von der gesetzlichen Unfall- und Pensions-/Invaliditätsversicherung. Erstere zahlt, das heißt, man bekommt eine Leistung der AUVA, wenn diese den Unfall als Berufs-/Arbeitsunfall, also während des Dienstes, anerkennt. Da gab es aber schon Aha-Erlebnisse und böses Erwachen. Und die verschwimmenden Grenzen im Homeoffice machen es noch schwieriger.

Leistung aus der gesetzlichen (Invaliditäts-)Pensionsversicherung gibt es zwar jedenfalls – unabhängig davon, ob es ein Arbeitsunfall ist oder nicht – im Falle von Erwerbsunfähigkeit bzw. Invalidität als Folge eines Unfalls. Aber das große finanzielle Füllhorn darf man sich da nicht erwarten.

Privat vorsorgen
Praktiker erwarten jedenfalls, dass mit Homeoffice die Zahl der Unfälle zu Hause zunehmen wird. Denn im homeworking tun sich neue „Stresssituationen“ auf, die man aus dem Büro nicht kennt. Solche neuen Stressfaktoren erhöhen die Unfallwahrscheinlichkeit in den eigenen vier Wänden.

Und so hält auch Ewald Maitz, mehrfacher Buchautor zu Schadens-, Haftpflicht- und Unfallversicherung, Schadenexperte und bei Finanzdienstleistern bzw. Versicherungsvermittlern auch bekannt als Gründer der Datenbank www.versdb.at, im Gespräch mit

dem Börsen-Kurier den Abschluss einer privaten Unfallversicherung jedenfalls für sinnvoll – mit einer „ordentlichen“ Invaliditätsleistung. Bei so einer Versicherung gebe es keinen Streit, ob Arbeitsunfall oder Privatunfall. Und eine private Rechtsschutzversicherung kann auch nicht schaden, falls man wegen eines Homeoffice-Unfalls mit der Sozialversicherung streiten muss, oder vor dem Arbeitsgericht, wenn es Differenzen mit dem Dienstgeber gibt.

Beweisführung
Was im Zusammenhang mit Homeoffice bleibt, ist die Schwierigkeit der Beweisführung, dass es ein Unfall „im Dienst“ oder „am Weg zur Arbeit“ (zum Laptop) war. Prozesse sind nicht auszuschließen. Maitz: „Es wird spannend, wie erste Fälle entschieden werden.“

Foto: Adobe Stock / Ekaterina

 

 

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Krisenfeste Aktien für den Herbst

Weltweit immer mehr Lockdowns verunsichern Anleger. So kann man sich schützen.

Michael Kordovsky. Achtung: Die Karten werden neu gemischt. Der Biotech-Hype weicht wieder einer gewissen Ernüchterung, zumal die Konkurrenz bei Corona-Impfungen und -Medikamenten groß ist. Darüber hinaus werden Corona-Tests und Schutzmasken zu einem hart umkämpften Massengeschäft.

Weiterhin im Aufwind ist der Versand- und Interneteinzelhandel, der in der EU alleine in den Monaten Juni und Juli im Jahresvergleich um je 28,6 bzw. 19 % wuchs. Neben der in den DAX aufgestiegenen Delivery Hero (Online-Bestellplattform für Essen), Zalando und Amazon.com erscheinen Paketzusteller wie UPS und FedEx interessant. Zalando verkauft nun auch neuwertige gebrauchte Kleidungsstücke und ist somit auf schlechte Zeiten gut eingestellt. Im ersten Halbjahr 2020 stiegen

die Umsatzerlöse um 19,6 % auf 3,56 Mrd€ und der operative Cashflow von 84,6 auf 125 Mio€. Das für 2024 erwartete KGV liegt angesichts der Wachstumsdynamik bereits bei akzeptablen 24,9. FedEx konnte indessen im vergangenen Quartal (endete 31.8.) bei 13,3 % Umsatzwachstum den Gewinn/Aktie von 2,84 auf 4,72 USD steigern und das Forward-KGV für 2021/22 liegt bei günstigen 15,4.

Im weiteren Verlauf einer erneuten Krise könnten defensive Werte wie Pharmaunternehmen mit breiter Produktpalette wie z.B. Sanofi und Roche, Hersteller von Reinigungsmitteln und Nahrungsmittelproduzenten als „Stabilisatoren“ in den Portfolios gesucht sein. Sanofi überzeugte laut Zacks Investment Research in den vergangenen drei Quartalen mit drei positiven Gewinnüberraschungen in Folge. Analysten haben in den vergangenen 60 Tagen die Gewinnprognosen 2021 pro Aktie von 3,76 auf 3,87 nach oben revidiert, woraus ein zu erwartendes akzeptables KGV von 13,1 resultieren würde. Roche bietet indessen Ertragskontinuität und hat von 2016 bis 2019 den Gewinn/Aktie um 11,5 % p.a. gesteigert.

Es ist ein anhaltend hoher Pegel an Desinfektionsmittelnachfrage und Nachfrage nach diversen Hygiene- und Reinigungsprodukten im Haushalt zu erwarten. Noch über Aufholpotenzial verfügt Kimberly Clark (Seifen- und Desinfektionsspender, Hygiene-Artikel-Marke „Kleenex“) mit einem für 2021 geschätzten KGV von 18,4.

Im Bereich Nahrungsmittel und Getränke sollten Hersteller und Vertriebe von Produkten bevorzugt werden, die zu Hause konsumiert werden können und weniger abhängig sind von Gastronomie und Großveranstaltungen. Das gilt beispielsweise für die US-Bauernmarkt-Kette Sprouts Farmers Market, die vom zunehmenden Gesundheitsbewusstsein profitiert und in der Lage war, von 2015 bis 2019 ihren Cashflow von 240 auf 355 MioUSD zu steigern. Selbst im zweiten Quartal 2020 gab es noch 16 % Umsatzplus! General Mills gilt indessen mit mehr als 100 Marken auf sechs Kontinenten und einer Palette von Frühstücksflocken und Fertiggerichten als krisensicheres Unternehmen, das mit einem für 2021/22 erwarteten KGV von 16,1 auch in schlechten Zeiten über einen „Sicherheitspolster“ verfügt.

Ein Klassiker mit Mineralwasser, Eistee, Tiefkühlpizza, Eis, Kaffee und Tierfutter ist Nestlé, deren freier Cash Flow und Gewinn/Aktie im Zeitraum 2015 bis 2019 um je 4,6 bzw. 7,4 % p.a. gesteigert werden konnten.

Zwar sinkt der Stromverbrauch in Lockdown-Phasen, doch Ökostrom wird laufend gefördert und die Erzeuger können in schlechten Zeiten zu einem gewissen Grad auch Kosten anpassen. Deshalb sollte auch ein Blick auf Werte wie Verbund oder die dänische Orsted geworfen werden.

Foto: AdobeStock / photoschmidt

 

 

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Warum „Mischen“ gegen Turbulenzen hilft

Auch wenn Aktien langfristig hohe Erträge versprechen, sollte man auf Bonds nicht verzichten.

Raja Korinek. Für Anleger, die gerade vor der Entscheidung stehen, auf diesen Niveaus Aktien oder
lieber mickrig verzinste Bonds zu kaufen, ist es jetzt noch kniffliger geworden. Vergangenen Donnerstag bekräftigte nun auch die US-Notenbank ihre Entscheidung, die Zinsen noch lange niedrig zu halten. Umso mehr spricht einiges dafür, die Entscheidung zur Vermögensaufteilung auf Aktien und Anleihen den Experten von Mischfonds zu überlassen.

Bei diesen Produkten gibt es dabei unterschiedliche Ausrichtungen. Entscheidet man sich für „defensiv“, ist der Anleiheteil meist recht hoch. Das Gegenteil stellt die „offensive“ Variante dar, bei der die Aktienquote meist sehr hoch ist. Und die goldene Mitte bildet die „ausgewogene“ Variante, bei der grundsätzlich auf eine recht ausgewogene Aufteilung geachtet wird.

Goldene Mitte
„Anleger, die sich für diese Variante entscheiden, legen ganz bewusst Wert auf eine ausbalancierte Fondsaufteilung in sicherheits- und ertragsorientierte Anlageklassen“, präzisiert Kurt Eichhorn, Fondsmanager des Rententeils im „Kepler Vorsorge Mixfonds“ (ISIN: AT0000722640), der in die Kategorie „ausgewogen“ fällt. Dabei bilde der Anleiheteil in einem ausgewogenen Mischfonds, der in der Regel zur Hälfte in riskanteren Assets investiert, die stabile und schwankungsarme Basis, ergänzt der Marktexperte.

Wie das in der Praxis aussieht? Beim Kepler-Fonds liegt die strategische Gewichtung zwischen 65 % Anleihen und 35 % Aktien. Ähnliche Breiten lassen freilich auch Mitbewerber in dieser Kategorie zu. „Eine taktische Abweichung von 5 % ist aber möglich“, verweist Eichhorn auf seinen Spielraum, den er aber nicht allzu sehr ausreizt, wie er sagt. Er meint auch, die größte Herausforderung bei Mischfonds liege stark in einer guten Steuerung der Gewichtung von Aktien und Anleihen. „Dabei sehen wir im Langfristvergleich, dass es nicht unbedingt Vorteile bringt, zu stark von den strategischen Gewichtungen abzuweichen:“

Anleiheinvestments werden knifflig
Vor allem das Zinstief stellt den Profi bei der Anleihenselektion vor große Herausforderungen. Wie er sie meistert? Er sagt: „Neben klassischen Staatsanleihen werden wir bei inflationsgeschützten Anleihen fündig.“ Doch nicht nur. Unter anderem zählen auch Schwellenländer- und Bankanleihen der-zeit zum Bestand. „Unser Ansatz ist betont mittel- bis langfristig ausgerichtet. Kurzfristige Nachteile werden in Kauf genommen.“

Abseits der drei Einstufungen gibt es aber noch eine Kategorie, die in der Regel als „flexibel“ bezeichnet wird. Solche Mischfonds können grundsätzlich die Aktienquote auf 100 % hinauffahren, wenn das Management besonders zuversichtlich für diese Anlageklasse eingestellt ist.

Beachtlicher Goldanteil
Einer, dem solche Einschätzungen schon auf viele Jahre erfolgreich gelingen, ist Bert Flossbach, er ist Fondsmanager des „Flossbach von Storch – Multiple Opportunities II“ (LU1038809395). Er betont gegenüber dem Börsen-Kurier, dass der Aktienanteil mindestens 25 % beträgt. Aktuell liegt der Aktienanteil bei knapp mehr als 70 %. Was hinzu kommt: Flossbach investiert einen Teil auch in Goldinvestments, die Quote beträgt derzeit immerhin fast 10 %. Und das aus gutem Grund. Flossbach sagt, „in der Corona-Krise gibt es unter den Vermögenswerten auch Gewinner. Gold gehört dazu“.

Freilich, welchen Risikoanteil sich Anleger zutrauen, müssen sie selbst entscheiden. Doch insge-samt sollte man trotz der jüngsten Markthausse nicht auf eine vernünftige Mischung verzichten.

Foto: AdobeStock / lassedesignen

 

 

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Klimawandel: nicht alle Risiken eingepreist

Die Folgen der Erderwärmung werden sich früher oder später in den Kursen aller Unternehmen spiegeln.

Patrick Baldia. Dass der Klimawandel drastische Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft hat, wird von Jahr zu Jahr klarer. „Während sich die Folgen des Klimawandels früher kaum gezeigt haben und in erster Linie von der Wissenschaft thematisiert wurden, sind sie heute für eine breite Öffentlichkeit greifbar, wie das etwa aktuell die Waldbrände an der US-Westküste zeigen“, bringt es Walter Hatak, Leiter des ESG-Teams bei der Erste Asset Management (EAM), auf den Punkt. Dadurch steige letztlich auch der Druck auf die Politik, etwas zu unternehmen bzw. entsprechende Pakete zu verabschieden.

Trotz der erhöhten Aufmerksamkeit für den Klimawandel sind sogenannte „Transionsrisiken“ wie etwa steigende Preise für CO2-Emissionen oder veränderte Konsumentenpräferenzen bislang nur in den Kursen einiger weniger Sektoren eingepreist, wie etwa bei Ölwerten. Dass die Branchenplayer dieses Thema auf der Agenda haben, zeigen etliche Beispiele: So will sich die OMV mit der Akquisition der Borealis verstärkt in der Petrochemie- und Kunststoffindustrie positionieren. BP hat wiederum erst vor wenigen Tagen bekanntgegeben, künftig das emissionsarme Strom- und Gasgeschäft ausbauen zu wollen.

Dass der Klimawandel bislang nur auf die Bewertungen ausgewählter Sektoren – und vor allem jener, die mit stark erhöhten Transitionsrisiken konfrontiert sind – erhebliche Auswirkungen gehabt hat, hat für Maria Elena Drew, Director of Research Responsible Investing bei T. Rowe Price, einen guten Grund, wie sie dem Börsen-Kurier verrät: „Der Klimawandel hat sich noch nicht besonders stark in den kurzfristigen Cashflows des breiten Marktes niedergeschlagen.“ In vielen Fällen würden etwa Versicherungen Risiken abdecken. Gleichzeitig hätten viele Regierungen noch nicht damit begonnen, Unternehmen für Beschleuniger des Klimawandels zu regulieren oder zu besteuern.

Gesamtes Anlageuniversum betroffen
„Wir glauben, dass die Bewertungen früher oder später die Risiken des Klimawandels – ebenso wie die damit verbundenen Chancen – widerspiegeln werden“, hält Drew fest. Davon werde das gesamte Anlageuniversum betroffen sein – allerdings mit unterschiedlicher Intensität. Denn selbst wenn die globale Erderwärmung innerhalb einer Bandbreite von +1,5 oder +2 Grad Celsius gehalten werden kann, würden sich beispielsweise steigende Meeresspiegel, die zunehmende Häufigkeit von Stürmen, stärkere und häufigere Hitzewellen sowie längere Vegetationsperioden auf die Investmentlandschaft auswirken.

Für Experten besteht jedenfalls kein Zweifel daran, dass Klimarisiken beim Investieren berücksichtige werden sollten. „Unternehmen, die mit einem niedrigen oder gar keinen CO2-Fußabdruck wirtschaftlichen Nutzen schaffen können werden in einer Welt mit zunehmenden Umweltschutzbestimmungen besser positioniert sein als ihre Mitbewerber“, sagt etwa Drew. In die gleiche Kerbe schlägt auch Hotak. „Da CO2-Emissionen höhere Kosten durch steigende Steuern verursachen, ist es klar, dass jene Unternehmen, die denselben Umsatz mit weniger Treibhausgasemissionen produzieren, im Vorteil sind“, sagt er.

Einen Zeitrahmen zu definieren, bis wann bestimmte Risiken eingepreist sein könnten, ist für EAM-Fachmann Hotak sehr schwer. „Manchmal überraschend lange“, meint er. Das habe man etwa im Falle von Covid-19 gesehen. Zu Marktbewegungen sei es erst gekommen, als das Virus in Europa sichtbar wurde. Und noch etwas sei klar – wie auch das Beispiel der Waldbrände an der US-Westküste vor Augen führt: „Man braucht klare Bilder, um sich der Risiken des Klimawandels bewusst zu werden.“

Foto: Pixabay / geralt

 

 

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Das Globalisierungspendel schwingt zurück

Die Welt verändert sich und mit ihr auch die Warenströme – Globalisierung ist nicht mehr das Hauptthema

Patrick Baldia. Die Globalisierung hat ihre Spitze überschritten – und zwar nicht erst seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie. Davon gehen zumindest etliche Studien und Analysen aus. Auch wenn bestehende Verflechtungen weiter-hin aufrecht bleiben dürften, so wachse die Welt in wirtschaftlicher Hinsicht nicht weiter zusammen, heißt es etwa in einem Report der Weltbank, der Ende 2019 veröffentlicht wurde.

Dahinter stehe – neben einem veränderten politischen Umfeld – vor allem die Tatsache, dass viele Unternehmen ihre Produkte bereits global produzieren, was wenig Spielraum für weitere Vertiefungen mit sich bringe.

Auch eine aktuelle Analyse von Amundi Asset Management kommt zum Schluss, dass das Globalisierungspendel zurückschwingt – konkret seit mehr als einer Dekade. Das würden nicht zuletzt die Entwicklung der weltweiten ausländischen Direktinvestitionen nahelegen. Diese wären seit ihrem Höhepunkt im Jahr 2007 um 60 % zurückgegangen. Bei grenzüberschreitenden Finanzströmen sehe es ähnlich aus. „Der unerwartete Pandemie-Ausbruch hat diese Entwicklung nur beschleunigt“, so Alessia Berardi, Head of Emerging Markets Macro bei Amundi Asset Management, zum Börsen-Kurier.

„Als Reaktion auf die aktuelle Gesundheits- und Wirtschaftskrise überdenken viele Länder ihre Strategien hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Vernetzung, ihrer Autonomie in strategisch bedeutenden Branchen oder bei der Versorgung mit Konsumgütern – und verstärken so den Trend zur Deglobalisierung“, so Berardi weiter. Als Beispiel verweist sie auf den Gesundheitssektor. So hätten die USA zuletzt mehrere Maßnahmen ergriffen und Fördermittel freigesetzt, um die heimischen Produktionskapazitäten im Gesundheitssektor zu erhöhen, und damit eine weitere Linie der Konfrontation mit China geschaffen.

Was bedeutet diese Entwicklung für die Finanzmärkte?
Mit der Globalisierung werden bekanntlich zunehmende Korrelationen innerhalb der Anlageklassen und zwischen geografischen Regionen. „In Finanzkrisen ist allerdings häufig zu beobachten, dass die Korrelationen zwischen einzelnen Märkten deutlich ansteigen, was durch die Analyse der Fundamentaldaten nicht mehr erklärt werden kann“, so Berardi. Dieses Phänomen der „Ansteckung“ sei für Anleger sehr relevant. Schließlich wollen sie von einer Streuung ihrer Geldanlage auf unterschiedliche Risiken profitieren.

Jörg Zeuner, Chefvolkswirt bei Union Investment, ist der Ansicht, dass eine reduzierte Integration der Weltwirtschaft nicht dazu verleiten sollte, weniger international zu investieren. „Im Gegenteil: Die durch die Corona-Krise in Europa zementierten Niedrigzinsen und die hiesige Schwäche im Technologiebereich machen eine internationale Ausrichtung der Portfolios zwingender denn je“, sagt er. Die Deglobalisierung könnte auch den regionalen Gleichlauf von Investments, die Korrelation reduzieren. Nachsatz: „Das bedeutet, dass Diversifikationsvorteile steigen.“

„Anleger sollten von einem traditionellen ausgewogenen Portfolio Abstand nehmen, wenn sie in den nächsten fünf Jahren attraktive einstellige Realrenditen erzielen wollen“, so Luca Paolini, Chefstratege von Pictet Asset Management. Er empfiehlt Anlegern daher vermehrt – neben alternativen Anlagen, inflationsgeschützten Staatsanleihen und Absolute-Return-Strategien – in den Schwellenländern anzulegen.

Schwellenländeraktien haben sich in den vergangenen Wochen relativ gut entwickelt. Auch manche Fonds haben sich gut geschlagen. Mit den Top fünf im aktuellen Ranking der besten Schwellenländer-Aktienfonds von e-fundresearch waren seit Jahresbeginn zwischen 28 und 15 % drinnen. Bei den fünf besten fünf Schwellenländer-Hartwährungs-Anleihefonds steht wiederum eine Performance zwischen 6 und 1 % zu Buche. „Auf der Suche nach real positiven Renditen drängen sich Emerging-Markets-Hartwährungs-Anleihen für Investoren nahezu auf“, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG. Ein Risiko sieht sie dennoch für die Assetklasse: einen neu auflodernden Konflikt zwischen den USA und China.

Foto: AdobeStock / Eisenhans

 

 

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Platzt die Tech-Blase?

(22.09.) Nach atemberaubenden Kursgewinnen in diesem Jahr verlor der US-Technologiesektor innerhalb von nur vier Handelstagen rund 10 Prozent, setzte wieder zur Erholung an und steht seither sehr unter Beobachtung. Stuart Canning, Multi-Asset-Spezialist bei M&G Investments hat Argumente gegen den Pessimismus:

„Seit Beginn dieses Jahres legte der New York Stock Exchange FANG+ Index um 85 Prozent zu. Zeitweise notierte er sogar 50 Prozent über seinem Höchststand vor der Corona-Krise. Verständlicherweise hatte dies bereits einige Marktbeobachter skeptisch werden lassen. Es war davon die Rede, dass diese Bewegungen sehr viel mehr mit der Jagd nach Rendite zu tun hätten als mit der Realität.

Doch es gibt auch sehr gute Argumente, die gegen diese pessimistische Sichtweise sprechen. Die überdurchschnittliche Entwicklung des US-Marktes und des US-Technologiesektors ist weder neu noch für eine Welt im Lockdown völlig realitätsfremd. Wir sollten zudem äußerst vorsichtig sein und nicht etwa glauben, dass der Markt oder gar ein bestimmter Sektor „dumm“ wären.

Mehrere Gründe für scheinbar irrationales Marktverhalten
Besonders auffällig war, dass sich die Kurse von US-Technologieaktien im August stark überdurchschnittlich entwickelten, obgleich schon seit Monaten keine relative Outperformance der Gewinne mehr erkennbar war. Im Gegenteil: Die Gewinne sind zuletzt sogar leicht gesunken. Interessant ist, dass Anleger darum nach Argumenten suchten, um ihre Präferenz für diese Aktien zu rechtfertigen. Gern wurde dabei angeführt, dass Technologieunternehmen häufig Vermögenswerte „mit langer Duration“ darstellen und ihre Kurse auch deshalb steigen, weil die Zinssätze sinken. So nachvollziehbar dieses Argument auch ist, schauen wir uns als Anleger mit einem verhaltensorientierten Ansatz lieber genauer die Fälle an, in denen Inkonsistenzen zu Tage treten. Warum, zum Beispiel, ist der Faktor Duration für Technologietitel wichtig, für andere erklärte Wachstumsbereiche des Marktes aber nicht? Warum sollte dies erklären, dass der Nasdaq im August um 10 Prozent zulegte, obgleich die Renditen der langfristigen US-Staatsanleihen stiegen?

Tatsächlich sind niedrige Zinsen wohl möglicherweise eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung, um die extreme Neubewertung zu rechtfertigen. Eine Analyse von AQR Capital Management hat die empirische Beziehung zwischen der Duration und der Faktor-Performance untersucht und festgestellt, dass es eine solche Relation praktisch nicht gibt.

Kursentwicklungen spiegeln fundamentalen Hintergrund wider
Bemerkenswert ist auch, dass die jüngste Korrektur in vielen Kommentaren als etwas Notwendiges und letztlich als gut für den Technologiesektor begrüßt wurde. Derartige Argumente muten stets etwas eigen an, können uns aber etwas verraten: Dahinter steckt der Wunsch, sich selbst etwas einzureden. Das kann bereits ein Hinweis darauf sein, dass Anleger hier nicht besonders rational agieren und sich beispielsweise mehr von ihren Gefühlen und Vorlieben leiten lassen.

Bei der Analyse des Marktes sollten wir aber diese sehr kurzfristigen Verhaltensmuster nicht mit breiteren Trends verwechseln. Wir haben zwar starke Kursgewinne und eine beachtliche Neubewertung erlebt, doch diese spiegeln nach unserer Einschätzung zum Großteil den fundamentalen Hintergrund wider.

Viele Kommentare sind nach wie vor skeptisch: Mancher vergleicht die Situation heute mit der Technologieblase der späten 1990er Jahre, obwohl die Lage in Bezug auf die zugrunde liegende Rentabilität und das aktuelle Zinsniveau eine ganz andere ist.

Ein großer Teil dieses „blasen-ähnlichen“ Kursverhaltens war tatsächlich erst seit wenigen Monaten zu beobachten und ist inzwischen auch gar nicht mehr in dieser Form gegeben. Wir dürfen nicht vergessen, dass Anleger bei Investments, die schwieriger zu bewerten sind, grundsätzlich mit einer höheren Volatilität rechnen müssen. Dies gilt mit Sicherheit für viele Technologietitel – heute mehr denn je.“

Foto: M&G

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Neue strukturelle Arbeitslosigkeit?

Heute wie damals ist die hohe Arbeitslosigkeit ein großes Problem für die Vereinigten Staaten.

Michael Kordovsky. Während in Europa Kurzarbeitsmodelle eine höhere Arbeitslosigkeit verhindern, sieht es in den USA düster aus. Im Euroraum ist von April bis Juli 2020 die Zahl der Arbeitslosen nur moderat von 11,942 auf 12,793 Mio gestiegen. Somit hat sich die Arbeitslosenquote in einem überschaubaren Ausmaß, nämlich von 7,4 auf 7,9 % (verglichen mit 7,5 % im Juli 2019), verschlechtert. Dabei sind die Arbeitslosenquoten in der Corona-Zeit relativ gleichmäßig quer durch die EU-Mitgliedsstaaten angestiegen. Die höchsten Arbeitslosenquoten wiesen im Mai Griechenland (17 %), Spanien (15,8 %) und Schweden (9,4 %) auf, während sie in Tschechien mit 2,7 % am niedrigsten ist, gefolgt von Polen (3,2 %), Deutschland und Bulgarien (je 4,4 %). Solange Kurzarbeitsmodelle laufen, Steuer- und Sozialversicherungsschulden und teilweise auch Mieten gestundet werden, sind keine größeren Anstiege zu befürchten. Erst wenn diese Programme und Stundungen auslaufen, dann kann es gefährlich werden.

Massenarbeitslosigkeit in den USA
Wesentlich schlechter sieht es in den USA aus, wo weltweit die meisten Corona-Fälle bekannt sind und durch hohe Arbeitslosigkeit Kaufkraft und Konsum gedrosselt werden. In diesem Zusammenhang gilt es zu bedenken, dass der private Konsum in den USA für rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung verantwortlich ist.

Wie weit es fehlt, kann aus dem jüngsten US-Arbeitsmarktbericht für August abgelesen werden: Im August liegt die Anzahl der Arbeitslosen mit 13,55 Mio noch um 7,76 Mio über dem Level von Feber. Zwar liegt die Arbeitslosenzahl um 2,79 Mio unter dem Wert des Vormonats, doch die Zahl der neu geschaffenen Stellen war von Juli auf August von 1,734 auf 1,371 Mio rückläufig, während Volkswirte noch 1,518 Mio neu geschaffene Stellen erwarteten. Zwar erholt sich die Wirtschaft vom ersten Lockdown im Frühjahr, doch die Regierung hat per Saldo 344.000 (also am meisten) Stellen geschaffen, während nur 248.900 auf den Einzelhandel fielen. 174.000 Jobs wurden im Bereich Freizeit und Gastronomie geschaffen, jedoch in der Produktion nur 29.000, während in der Motorfahrzeug- und Ersatzteil-Branche per Saldo sogar 5.300 Stellen verschwanden. Conclusio: Die Erholung steht auf wackeligen Beinen.

Der Anteil der Arbeitsmarktteilnehmer am gesamten Arbeitskräftepotential (Partizipationsrate) ist zwar von 61,4 auf 61,7 % gestiegen, liegt aber noch immer unter dem Niveau von August 2019 (63,2 %). Es sind nicht mehr alle auf den Arbeitsmarkt zurückgekehrt. Eventuell haben bereits zahlreiche Teilnehmer die aktive Arbeitssuche aufgegeben.

Langzeitarbeitslose im Vormarsch
Ein weiterer Trend ist die strukturelle Arbeitslosigkeit. Während das Hochfahren der Wirtschaft nach dem Lockdown dazu führte, dass die Anzahl der fünf bis 14 Wochen lang Arbeitslosen um gut zwei auf 3,13 Mio zurückging, stieg von Juli auf August die Zahl jener, die schon seit mindestens 27 Wochen arbeitslos sind um 123.000 auf 1,624 Mio. Bereits in den vergangenen Monaten ist diese Zahl kontinuierlich angestiegen. Die Anzahl der 15 bis 26 Wochen lang arbeitslos Gemeldeten ist von Juni auf Juli von 1,903 auf 6,484 Mio gesprungen und stieg im August leicht weiter an, nämlich um 33.000 auf 6,52 Mio Einwohner.

Die Firmen nützen die Corona-Krise nun, um die Digitalisierung und auch Automatisierung voranzutreiben. Dies steigert ihre Effizienz und senkt Kosten. Die Verlierer: Arbeitskräfte, vor allem mit niedrigerer bis mittlerer Qualifikation. Nimmt man die Arbeitsmarktteilnehmer im Mindestalter von

25 Jahren her, so liegt bei jenen ohne High-School-Abschluss die durchschnittliche Arbeitslosenquote im August bei 12,6 %, jene der Marktteilnehmer mit entsprechendem Abschluss bei 9,8 % und bei jenen mit Universitätsabschluss bei nur 5,3 %. Diese Entwicklung erklärt auch die scheinbar starken Anstiege der Stundenlöhne. So sind nämlich die durchschnittlichen Stundenlöhne des Privatsektors um 4,9 % auf 24,81 USD gestiegen. Erklärung: Es fielen gegenüber dem Vorjahr mehr niedrig bezahlte Jobs als hochwertige qualifizierte Stellen weg, die meist ins Homeoffice ausweichen konnten.

Fazit: Die Kluft zwischen „Arm und Reich“ wird in Corona-Zeiten noch größer und aus der Forcierung der Digitalisierung wird mittelfristig eine höhere strukturelle Arbeitslosigkeit hervorgehen, weshalb ein Rückgang der US-Arbeitslosenquote von 10,2 % im Juli auf 8,4 % im August kein Anlass zu verfrühten Optimismus gibt, zumal vor einem Jahr die Arbeitslosenquote bei 3,7 % lag.

Foto: US Information Agency

 

 

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Neuer Vorstoß gegen doppelte Diskriminierung

Die Vorsorge mittels Altbauwohnungsvermietung wird in Wien massiv erschwert.

Manfred Kainz. Wer sich mit dem Vermieten einer schönen Altbauwohnung für die Vorsorge was auf die Seite legen will, hat ein Problem – zumindest in Wien: Den Richtwert für den Mietzins bei Objekten, die vor dem 8. Mai 1945 baubewilligt wurden. Dieser Richtwert ist in Wien mit 5,81 Euro je Quadratmeter ziemlich niedrig – zum Vergleich die Steiermark mit mehr als 8 Euro. Und das nennt Kaspar Erath, Obmann des Vereins zur Revitalisierung und architektonischen der Wiener Gründerzeithäuser, im ausführlichen Gespräch mit dem Börsen-Kurier mit deutlichen Worten eine „doppelte Diskriminierung Tausender Wiener Altbaueigentümer“.

Fragwürdig
Denn sie sei rechts- und verfassungswidrig und verlange seit mehr als 25 Jahren von den Betroffenen „fragwürdige Einkommensopfer“: Wiener Altbaueigentümer würden mit dem niedrigen Richtwert zu „Sozialtarifen ohne Ausgleichszahlung des Staates“ gezwungen. Bis heute begründet der Verfassungsgerichtshof den niedrigen Wiener Richtwert damit, dass für die Wiener Bevölkerung ausreichend leistbarer Wohnraum sichergestellt werden müsse und dass Wien mit rund 77 % Mietern wohn- und sozialpolitische „Besonderheiten“ aufweise.

Realität
Dass die Wiener Bevölkerung so „arm“ und auf leistbaren Wohnraum angewiesen sei wie vom VfGH dargestellt, dem widerspricht Erath mit statistischen Daten: Das durchschnittliche Einkommen sei in Wien höher als in der Steiermark, Kärnten, Tirol und Salzburg – die einen deutlich höheren Richtwert aufweisen. Und bei den Pensionseinkommen liegt Wien an der Spitze aller Bundeländer.

Trotzdem leben in Wien knapp 1,1 von 1,8 Mio Menschen in Gemeindebauten oder gemeinnützigen Wohnungen. Aber nur jeder Fünfte in diesen Wohnungen sei wirklich „sozial bedürftig“. Die anderen 80 % nehmen eigentlich jenen den Platz, die ihn wirklich brauchen würden, sieht Erath eine sozialpolitische Ungerechtigkeit.

Außerdem: Die Gemeindewohnungen sind mit Steuergeldern mitfinanziert und haben trotzdem einen höheren durchschnittlichen Richtwert als man den Privaten in schönen Altbauten erlaubt.

Forderung
Die doppelte Diskriminierung der Eigentümer von rund 200.000 privaten Altbauwohnungen über den Wiener Richtwert sieht Obmann Erath nun durch das Rechtsgutachten „Wiener Richtwert unter Diskriminierungsverdacht“ von Univ.-Prof. Thomas Müller, Institut für Öffentliches Recht, Staats- und Verwaltungslehre an der Universität Innsbruck, bestätigt. Und fordert „im Namen aller Diskriminierungsopfer eine rasche Gesetzeskorrektur und eine angemessene Schadensgutmachung“. Und zwar beispielsweise in Form einer „dynamischen, leistungsorientierten“ Förderung für die Altbaueigentümer, die mit ihren Investitionen für sanierten und verdichteten Wohnraum sorgen. Konkret stellt sich Erath eine auf 20 Jahre verkürzte AfA-Dauer (Absetzung für Abnutzung) für Stockwerkssanierungen und Dachausbauten vor. „Das wäre ein steuerlicher Leistungsanreiz, der das Wohnraumangebot vermehren und leistbares Wohnen ankurbeln würde.“

Politik gefragt
Immerhin seien allein in Wien jährlich rund 6.000 Wohnungen zu wenig am Markt und man komme mit dem Neubauen nicht nach. Weiteres Argument des Obmannes: Mit Sanierung und Dachausbau state of the art bei Isolierung etc. komme man dem „grünen“ Wunsch nach Energiesparen nach und setze auf Wohnraumverdichtung statt auf noch mehr Bodenverbrauch.

Von der Politik erwartet Erath, dass „wenn etwas aus dem Ruder läuft“, also etwa Wohnungsmangel, gegengesteuert wird, eben mit einem Programm für private Investitionen mit steuerlichen Anreizen.

Um die aktuelle Diskriminierung und das neue Gutachten zu thematisieren und Verbesserungen voranzutreiben, hat der Verein Wiener Gründerzeithäuser zu einer Podiumsdiskussion mit Vertretern der politischen Parteien und mit Prof. Thomas Müller geladen. Man darf gespannt sein, ob der Wiener Wahlkampf für mutiges Politdenken sorgt.

Foto: Pixabay / Free-Photos

 

 

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Nach Corona: Vier Trends für eine ganz Branche

Vorrang für Gesundheit, Vernetzung der Lebensbereiche, Sicherheit und vor allem Empathie.

Emanuel Lampert. Normalerweise findet der „Insurance Innovation Day“ jährlich in Wien statt. Corona ließ die Fachkonferenz heuer ins Internet ausweichen und wurde selbst zum Thema. Roger Peverelli, Mitbegründer der in den Niederlanden ansässigen „Digital Insurance Agenda (DIA) Community“, zählte vier Trends auf, die für Versicherer nach der Pandemie an Bedeutung gewinnen könnten.

Erstens: Gesundheit
Corona habe den Blick auf die Gesundheit und auf Angebote der Wellnessindustrie gelenkt. „Selbstbeobachtung“ – was isst man, wie viel sportelt man usw. – sei gefragter. Bei vielen sei die Bereitschaft sichtbar geworden, persönliche Daten zu teilen, siehe Tracing-Apps. Plattformen, die mit Tracking und Anreizen helfen, gesünder zu leben, werden „noch wichtiger“, folgerte Peverelli. Er rechnet auch mit einem Wachstum von Lebens- und Krankenversicherungen und meint, Versicherer sollten Services anbieten, die einen gesünderen Lebensstil fördern.

Zweitens: Vernetzung
Homeoffice, virtuelle Treffen, Streaming, Online-Sport: Corona habe einen „Crash-Kurs“ für digitale Vernetzung gebracht. Das beeinflusse die Mobilität. Wird das eigene Auto weniger genutzt, so forciere das eine „nutzungsbasierte“ Versicherung.

Im vernetzten Haushalt wiederum könnten Versicherer Dienste mit mehr Personalisierung anbieten, welche Risiken reduzieren und das „Heim-Management“ vereinfachen. Die Haushalts- und Eigenheimversicherung werde Aspekte wie „Internet der Dinge“ und Cybersicherheit einbeziehen müssen – nicht zuletzt, wenn sich das Zuhause zunehmend zum Arbeitsplatz wandelt. In der Branche selbst erwartet Peverelli eine stärkere Rolle für Insurtechs.

Drittens: Unsicherheit
2020 habe gezeigt, wie wenig Sicherheit es eigentlich gibt – in der Wirtschaft, am Arbeitsmarkt, durch Abhängigkeiten. Im Zusammenhang mit Corona komme eine nie dagewesene Fehl- und Desinformation hinzu. Sicherheit und Verlässlichkeit seien „wichtiger denn je“, schließt Peverelli. Der Risikoappetit der Konsumenten gehe zurück, das Interesse an Schutz nehme wahrscheinlich zu. Produkte und Dienstleistungen, die inklusive Versicherung verkauft werden, könnten „Mainstream“ werden.

Viertens: Empathie
Die Pandemie habe die Nachteile der Globalisierung spürbar gemacht, die Vorteile seien in letzter Zeit hingegen ausgeblendet worden; es werde wieder verstärkt auf Autarkie gesetzt. „Wir haben nicht viel internationale Solidarität und Koordinierung gesehen.“ Auf individueller Ebene seien während der Ausgangsbeschränkungen lang vernachlässigte Traditionen wiederentdeckt worden, der Wert der Familie sei wieder im Steigen.

In herausfordernden Zeiten bestehe der Wunsch nach Institutionen, die sich „kümmern“. Der Branche rät Peverelli deshalb, aktiv auf Kunden zuzugehen. „Zu zeigen, dass Sie sich kümmern, wird nicht vergessen werden.“ Empathie werde zu einem wichtigen Unterscheidungsmerkmal.

Foto: AdobeStock / Andrey Popov

 

 

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Der bewährte Weg des Warren Buffett

Mit seinen jüngsten Schachzügen bleibt das Orakel von Omaha seiner Strategie treu.

Raja Korinek. Dieses Datum ist für manch einen Anleger ein besonderer Tag: Am 30. August feierte Investmentlegende Warren Buffett aus dem US-Staat Omaha seinen Geburtstag, wobei er inzwischen sein 91. Lebensjahr antrat. Buffett ist mit seiner Berkshire Hathaway bekannt, einer Firma, die vor allem ein Ziel vor Augen hat: die Suche nach soliden Qualitätstiteln, deren Aktienkurse noch unterbewertet sind. Heißlaufende Wachstumsaktien, in denen jede Menge Zukunftshoffnungen stecken, lässt der langjährige Profi lieber liegen.

Langfristig hat sich die Strategie durchaus bewährt. Allein die „B“-Shares der Berkshire Hathaway (ISIN: US0846707026), die auch Kleinanleger kaufen können, haben kurz vor dem Corona-Crash ein Rekordhoch von rund 230 USD erreicht. Und in den vergangenen zehn Jahren legte die Aktie um 190 % auf Euro-Basis zu. Auch die Erholung nach dem Crash erfolgte zügig, wenn auch nicht in jenem Ausmaß, wie dies bei Wachstumswerten geschah.

Vorsicht zahlt sich aus
Freilich, genau darin sehen Kritiker wiederum eine große Schwäche in Buffetts Strategie. Doch die Vorsicht des „Orakels aus Omaha“ hat auch eine positive Seite. So fiel der Verlust der Aktie zum Beispiel am vergangenen Mittwoch, als die Nasdaq um gut 5 % an Wert verlor, weit geringer aus. Genau diese Eigenschaft wird von seinen Befürwortern wiederum geschätzt.

Heiko Geiger, Zertifikate-Experte bei der Schweizer Bank Vontobel, meint: „Buffett zählte in der Vergangenheit nicht zu den Zockern, die oftmals in hoch spekulative Titel investieren. Traditionell mag er Titel von Unternehmen, die bereits gute Gewinne erzielen und nach Möglichkeit regelmäßige Ausschüttungen vornehmen“. Auch zuletzt blieb Buffett dieser Strategie treu und kaufte sich vor wenigen Wochen bei Barrick-Gold ein. Für Geiger ist der Schritt nachvollziehbar. Er meint, mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 12, einer Dividendenrendite von aktuell 1,2 % und einem soliden Geschäftsmodell passe die Aktie relativ gut in das Schema des „Value-Investors“. Zuletzt sorgte auch Buffetts Einstieg bei japanischen Aktien für Schlagzeilen. Der Markt hinkt anderen schon seit Jahren hinten nach – und lockt mit einer Menge günstiger Chancen.

Kommt die Zepterübergabe?
Hinzu kommt eine weitere Veränderung, die Frank Fischer, CEO & CIO der Shareholder Value Management AG, gefällt. Er meint, es dürfte sich künftig ebenso lohnen, Berkshire-Aktionär zu sein. „Vor allem auch, da Buffett sein Feld wohl gut bestellt hat. Obwohl er viele Investitionen selbst verantwortet, wird immer deutlicher, dass er in den vergangenen Jahren begonnen hat, die Zügel an Todd Combs und Ted Weschler zu übergeben“.

Auch abseits eines Direktinvestments gibt es interessante Chancen. So bietet die Bank Vontobel das „Solactive Omaha Alpha Indexzertifikat“ (DE000VP7WBU0) an. Der zugrundeliegende Index investiert in 20 der mehr als 80 Titel der Berkshire Hathaway. Bei der Indexselektion wird vor allem auf den Bekanntheitsgrad der Marke und Innovationskraft geachtet. Auch die Liquidität der Aktie spielt eine Rolle. Selektiert wurden Titel wie etwa Amazon (US0231351067), Microsoft (US5949181045) und Moody’s (US6153691059).

Alternativ können Anleger mit einem Indexfonds (ETF) auf den Value-Ansatz investieren, etwa mit dem iShares Edge MSCI World Value Factor UCITS ETF (IE00B P3QZB59). Der zugrundeliegende Index setzt dabei auf unterbewertete Aktien im MSCI World Index. Bei beiden Investments müssen Anleger Kurs- und Währungsrisiko beachten.

Foto: Pixabay / pixel2013

 

 

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Renditequelle und Lebenselixier

Wasser wird immer knapper, dies erfordert hohe Investitionen in die Infrastruktur.

Christian Euler. Frankfurt. „Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser“, stellte der griechische Philosoph Thales von Milet bereits im sechsten Jahrhundert v. Chr. klar. Angesichts der zunehmenden Knappheit dieses elementaren Rohstoffes ist dieses Urteil aktueller denn je. Die verfügbare Menge an Wasser hat sich nicht verändert, seit es Wasser auf der Erde gibt – doch der Bedarf nimmt stetig zu. Der „Welttag der Ozeane“ am 8. Juni erinnert daran, dass die Erde zwar zu 70 % mit Wasser bedeckt ist, aber nicht einmal ein Hundertstel davon für den menschlichen Gebrauch verfügbar und zugänglich ist. Erschwerend kommt hinzu, dass die wachsende Weltbevölkerung immer mehr des kostbaren Nass benötigt – sei es als Trinkwasser oder in der Landwirtschaft. Nach Einschätzung der Vereinten Nationen soll der Bedarf bis 2050 um zwischen 20 und 30 % steigen. Unterdessen warnen die Weltgesundheitsorganisation und die OECD, dass schon 2025 die halbe Weltbevölkerung in Gebieten mit angespannter Wasserversorgung leben könnte. „Der Klimawandel, die Urbanisierung und die aufsteigende Mittelschicht mit verändertem Konsum- und Essverhalten – mehr Proteine bedeuten einen höheren Wasserverbrauch in Landwirtschaft und Produktion – machen den Wasser-Sektor zu einer der wachstumsstärksten Zukunftsbranchen“, glaubt Jean-Michel D’Urso, Lead Portfolio Manager des „Hornet Infrastructure – Water Fund“.

Ein drängendes Problem stellt vor diesem Hintergrund die unzureichende, veraltete und schlecht gewartete Infrastruktur dar: Breite Teile der Weltbevölkerung benötigen Anschluss an die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung und undichte Leitungen müssen ersetzt werden, während die Landwirtschaft händeringend nach intelligenten Technologien für effizientere Bewässerung sucht. Der Investitionsbedarf ist daher enorm. Branchenkenner veranschlagen den globalen Wassermarkt auf jährlich rund 600 MrdUSD.

Doppelte Rendite
Anleger können beim Thema Wasser auf eine doppelte Rendite hoffen. Zum einen dürften die immensen Investitionssummen den Branchenvertretern überdurchschnittliche Gewinne bescheren. Zum anderen lassen sich diese Investments mit gutem Gewissen tätigen, tragen sie damit doch zur Lösung eines der drängendsten Probleme der Menschheit bei.

Das Strategie-Zertifikat auf den Aqua-Index von Vontobel (DE000VF55L25) bündelt rund 30 Firmen aus drei Themengebieten mit Wasserbezug, wobei der Schwerpunkt auf wachstumsorientierten Small & Mid Caps liegt. Anleger, die börsengehandelte Indexfonds bevorzugen, finden eine probate Lösung im „Lyxor World Water ETF“ (FR0010527275), der den gleichnamigen Index widerspiegelt.

Der „Hornet Infrastructure – Water Fund“ (LI0034053376) der Liechtensteiner GN Invest AG wiederum setzt ausschließlich auf Infrastruktur-Firmen. Dies sorgte im Rückblick für geringere Schwankungen: In den vergangenen sieben Jahren belief sich die Rendite auf durchschnittlich 5 % pro Jahr – bei einer Volatilität von 10,5 %. Ein Klassiker unter den Wasser-Fonds ist der im Jänner 2000 aufgelegte Pictet-Water (LU0104884860), der seinen Wert seither kumuliert um 260 % steigern konnte. Zu den Pionieren dieser Anlageklasse zählt zudem der „RobecoSAM Sustainable Water Fund“ (LU01330611 75), der auf strukturelle Gewinner entlang der Wasserwertschöpfungskette setzt. Die jährliche Entwicklung beläuft sich seit der Lancierung im Oktober 2001 auf 6,9 %.

Foto: Pixabay / 3345408

 

 

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Investieren in Hochtechnologie

Wovon hängt eine erfolgreiche Investition in Technologie ab?

Tibor Pásztory. Technologischer Fortschritt gilt als der Wachstumstreiber schlechthin. Doch was wird heute unter Technologie verstanden? Was bedeutet „Fortschritt“? Und wovon hängt der Erfolg einer Investition in Technologie ab?

Nun könnte man stundenlang philosophieren, was „Fortschritt“ ist, und ob es sich in der Geschichte der Menschheit bei so manchem sogenannten Fortschritt nicht auch um einen Rückschritt gehandelt haben könnte. Irrwege und Sackgassen wurden jedenfalls öfters beschritten, doch ist jede technologische Weiterentwicklung und jede Forschungstätigkeit unabdingbar auch mit dem Prinzip „trial and error“ verbunden. Irren gehört demnach zum Geschäft.

Weit greifbarer, aber keineswegs unumstritten, scheint eine Beantwortung der Frage, was alles als Technologie, geschweige denn Hochtechnologie, zu betrachten sei. Bedauerlicherweise wird dieser Begriff heute allzu sehr auf das Thema Digitalisierung eingeengt. Nicht alles Hochtechnologische ist digital, und nicht alles Digitale muss zwangsläufig hochtechnologisch sein. Eine Unterstützung mechanischer Vorgänge durch digitale Steuerung gilt freilich schon seit längerem als unerlässlich, etwa in allen Bereichen der Mobilität.

Gier nach Digitalisierung
An den Börsen zählt in den letzten Jahren in erster Linie eine allzu undifferenzierte Gier nach Digitalisierung – vielleicht, weil nun einmal die wenigsten Investoren über eine technische Ausbildung verfügen, jedenfalls aber auch, weil Investments genauso Moden unterworfen sind, wie alles andere auch, und vielen Menschen ein Zug zum Lemming nicht ganz abzusprechen ist. Auf der anderen Seite ist dieser Trend nicht ganz unverständlich, blickt man auf den Erfolg von Unternehmen wie Apple, Amazon, Google und zahlreiche weitere Beispiele.
Ohne an dieser Stelle auf Einzeltitel einzugehen, sei Anlegern vor einem Einstieg in Hochtechnologiewerte – von den üblichen Auswahlkriterien wie Kursen, KGVs, Dividenden, Bilanzen, Verschuldungsgrad, Marktpositionierung etc. abgesehen – empfohlen, sich anhand „logischer“ Kriterien zu orientieren und sich folgende Fragen zu stellen: Verstehe ich das Produkt und das Geschäftsmodell? Besteht der Wert eines Unternehmens hauptsächlich aus der Bewertung einer Idee (siehe die Dotcom-Blase vor 20 Jahren) oder dient die Digitalisierung einer Steigerung der Produktivität?

Reiche Auswahl in Österreich vorhanden
Hält man sich an diese an sich simplen Regeln, werden manche Technologiewerte plötzlich um einiges (im positiven Sinne) konservativer erscheinen als zuvor. Schließlich kommt heute kein Industrieunternehmen – Stichwort Industrie 4.0 – mehr ohne Digitalisierung aus. Dies gilt erst recht für solche Unternehmen, die auf dem Weltmarkt Spitzenpositionen einnehmen.

Hier hat selbst das kleine Österreich einige Paradebeispiele für gelungene produktivitätserhöhende Digitalisierungsprozesse zu bieten, wie zum Beispiel (in alphabetischer Reihenfolge) ams, Andritz, AT&S, EVN, FACC, Kapsch TrafficCom, Lenzing, Palfinger, Pierer Industries, Polytec, RHI Magnesita, Rosenbauer, Semperit, Verbund und viele mehr. Das gleiche gilt natürlich auch für Dienstleistungsunternehmen wie A1 Telekom, Erste Group oder VIG.

Für eine reiche Auswahl an Technologietiteln an den Börsen ist gesorgt. Was noch zu kurz kommt, ist eine Öffnung des Kapitalmarktes für Start-ups. Bislang sind Investments hier noch weitgehend institutionellen Investoren bzw. Corporates („traditionellen“ Unternehmen) vorbehalten.

Erste börsennotierte Ökosysteme für Start-ups wie „startup300“ gibt es, haben aber auf dem Börsenparkett noch Lernbedarf.

Foto: Palfinger

 

 

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Die jüngste Kehrtwende der Fed

Ein Kommentar von Mark Nash, Alternative Fixed Income Fondsmanager bei Jupiter Asset Management.

Mit ihrer „Neuen Erklärung zur geldpolitischen Strategie“ hat sich die US-Notenbank (Fed) praktisch beim amerikanischen Volk für die zu starke Straffung der US-Wirtschaft in der Zeit nach der Finanzkrise entschuldigt. Ihre neue Haltung besteht darin, die durchschnittliche Inflation über einen längeren Zeitraum hinweg anzustreben. Dies ermöglicht auch Überschreitungen, sollte die Inflation über einen längeren Zeitraum unter 2 % bleiben.

Bisher war ihr kurzsichtiger Fokus auf die 2-%-Marke katastrophal: Janet Yellen erhöhte die Zinsen im Jahr 2015, als die Inflation nur 1,3 % betrug, nur um dann eine lange Pause einzulegen, als Rohstoffe, Schwellenländer und dann der US-Anleihemarkt fielen. Im Jahr 2018, als der Inflationsdruck sehr gering war, war das quantitative Straffungsprogramm der Fed ebenfalls ein großer Fehler. Die Weltwirtschaft – ohnehin schon durch Überregulierung an der Kreditvergabe gehindert und durch den Handelskrieg in Mitleidenschaft gezogen – brach ein. Der starke Dollar und die daraus resultierende US-Finanzierungskrise sorgten erneut für eine Kehrtwende der Fed.

Mit der Änderung ihrer politischen Strategie deutet die Fed effektiv an, dass sie sich bei ihrer Geldpolitik selbst nicht vertraut und eine vorzeitige Straffung verbietet. Meiner Ansicht nach sollte die Fed, anstatt diese Grenzen festzulegen, möglicherweise erwägen, die von ihr berücksichtigten Faktoren zu ändern, zum Beispiel den Einfluss internationaler Wirtschaftsfragen anzuerkennen. In einer Welt, in der Kapital frei fließt und der Dollar eine so wichtige globale Währung ist, wäre dies sicherlich sinnvoller.

Foto: Jupiter AM

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Europas Champions auf der Überholspur

Trotz des schwierigen Wirtschaftsumfelds gibt es laut Comgest einzigartige Nischenplayer.

Korinek. Die schweren Nachwehen der Corona-Pandemie werden die globale Wirtschaft vermutlich noch länger heimsuchen, wenn auch die Aktienmärkte diesen Umstand scheinbar längst ausgeblendet haben. Dort blicken viele Anleger bereits hoffnungsvoll auf die kommenden Jahre, in denen dann wieder mit einem Konjunkturaufschwung gerechnet wird. Dabei soll in Europa der geplante Wiederaufbaufonds in Höhe von 750 Mrd Euro dieser Entwicklung kräftig unter die Arme greifen. Denn vor allem die südlichen Peripherieländer wurden von der Krise hart getroffen und benötigen dringend eine Finanzhilfe, um möglichst rasch wieder auf die Beine zu kommen.

Hinzu kommt der anhaltende „Run“ auf viele Pharma- und Technologietitel, die vom aktuellen Umfeld sogar profitieren. Der Grund liegt freilich auf der Hand: Die Gesundheit steht angesichts der zunehmenden Ausbreitung des Coronavirus natürlich besonders im Fokus, ebenso wie die richtige Ausrüstung für das Arbeiten von zu Hause aus.

Langfristige Sichtweise
Auch bei der französischen Fonds-boutique Comgest hat man derzeit vor allem auf die zwei Sektoren ein Auge geworfen, etwa im „Comgest Growth Europe“ (ISIN: IE00B6X8 T619) sowie im „Comgest Growth Europe Opportunities“ (IE00BD5HXJ66). Franz Weis, er ist Teamleiter für Europa-Aktien, betont im Gespräch mit dem Börsen-Kurier allerdings, dass dies eine längerfristige Entscheidung sei, die nicht erst aufgrund der aktuellen Pandemie gefällt wurde. Schließlich stehe der Qualitätswachstumsansatz im Fokus. Weis erklärt: „Die Unternehmensanalyse hat oberste Priorität, bevor der betreffende Markt näher betrachtet wird.“ Doch worauf kommt es dem langjährigen Experten an? Er sagt, qualitativ hochwertig seien Unternehmen mit starken, nachhaltig wachsenden Geschäftsmodellen und hohen Markteintrittsbarrieren.

Um solche Titel herauszufiltern gilt es deshalb jede Menge Details zu beachten. „Bei der Analyse der Geschäftsmodelle achten wir zum Beispiel darauf, ob die Umsatzströme defensiv sind, weil die produzierten Güter auch in der Krise gefragt sind, etwa von Pharmaunternehmen, oder ob die Unternehmen wiederkehrende Erträge, etwa aus Lizenzen, verzeichnen.“ Und damit wird auch schnell klar, was insbesondere europäische Pharma- und IT-Unternehmen auszeichnet. Weis meint, beide Sektoren stehen für vorhersehbare langfristige Wachstumstrends, zum Beispiel getrieben durch die alternde Bevölkerung oder den Übergang zu Cloud-Lösungen, mit reichlich Potential für Innovationen.

Zweistelliges Gewinnwachstum
Freilich, ob sich die vorsichtige Selektion bewährt, zeigt sich vor allem während einer Krise, wobei der Crash vom März 2020 besonders rasch und heftig ausfiel. Weis lässt sich davon nicht beirren. „Hinsichtlich der Liquidität haben sich unsere Portfolios während der Krise gut behauptet.“ Dies liege zum Teil daran, dass sie sich aus defensiven Beteiligungen mit stabilen Endmärkten zusammensetzen, wie etwa bei dem Pharmariesen Roche (CH0012032048) oder dem Lebensmittelhändler Jerónimo Martins (PTJMT0AE0001).

Andere Unternehmen seien hingegen finanziell solide aufgestellt. „Obwohl die irische Fluglinie Ryanair im Höhepunkt der Krise 99 % seiner Flugzeuge am Boden halten musste, ist das Unternehmen aufgrund Nettobargeldreserven von rund 4 Mrd Euro nicht auf die Kapitalmärkte angewiesen“, erklärt Weis. Er nennt sogleich ein weiteres Beispiel: Inditex (ES0148396007), die Muttergesellschaft von Zara und Massimo Dutti, verfügte über Barvorräte in Höhe von 8 Mrd Euro, ein Umstand, der dem Konzern im April – als annähernd 90 % der Filialen des Unternehmens geschlossen hatten – zugutekam.

Und dann gibt es freilich auch die regelrechten Krisengewinner, in die Comgest ebenfalls investiert. So werde der niederländische Zahlungsdienstleister Adyen (NL0012 969182) voraussichtlich ein entscheidender Nutznießer der aktuellen Krise sein, meint Weis. Denn sie beschleunigt die Verlagerung in den Onlinehandel.

Wird der Euro zum Problem?
Damit wird jedenfalls auch schnell klar: Europas Unternehmenslandschaft kann durchaus mit zahlreichen „Champions“ aufwarten, wenn auch dies aufgrund der wirtschaftspolitischen Turbulenzen auf den ersten Blick nicht immer so evident erscheint. Allerdings sind zahlreiche Unternehmen – allen voran aus Deutschland – vom Export stark abhängig. Ob da der steigende Euro zu einer Belastung wird? Schließlich hat die Gemeinschaftswährung inzwischen die Marke von 1,19 US-Dollar zügig geknackt.

Doch Weis macht diese Entwicklung für seine Portfoliobeteiligungen wenig Sorgen. Er meint, man setze nicht auf Devisentrends oder sonstige makrowirtschaftliche Größen. „Unsere Unternehmen sollten aufgrund ihrer spezifischen Stärken und in der Lage sein, trotz makroökonomischem Gegenwind zu wachsen.“ Das werde im Jahr 2020 zwar ausnahmsweise nicht gelingen, gibt der Comgest-Experte uns gegenüber offen zu. Er sagt dennoch: „Eine eventuelle Euro-Stärke wird unsere Unternehmen jedenfalls nicht aus der Bahn werfen.“

Foto: Pixabay / MichaelGaida

 

 

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Von Niederösterreich in den Iran

Der aus Niederösterreich stammende DoN-Group-CEO Josef Donhauser im Interview über „sein“ IPO an der Teheraner Börse.

Manfred Kainz. Es ist in mehrfacher Hinsicht eine Premiere: Vor wenigen Tagen hat ein erstes österreichisches Unternehmen den Gang an der iranischen Börse erfolgreich finalisiert. Das österreichisch-iranische Joint Venture DoNA, ein Tochterunternehmen der heimischen DoN group, die seit der Gründung des Joint Venture im Jahr 2015 50 % hält, hat seine Aktien im August mit Erfolg an der Teheraner Börse angeboten, gehandelt werden kann der Wert seit 19. August. Der Titel wurde in den Börseleitindex TSETMC aufgenommen. Ein Zweitlisting in Wien ist – derzeit – nicht geplant. DoNA, mit Sitz in Teheran, ist im Office-Catering und im High-End Rail-Catering tätig (und war und ist nicht von den internationalen Sanktionen betroffen). Die DoN group ist laut eigenen Angaben Österreichs größtes privat geführtes Event- und Businesscateringunternehmen für nationale und internationale Services inklusive Restaurants, Cafés, Bars, Rail Catering, Lounge Service, Office- und Congress-Catering.

Großer Bedarf
Ein Börsegang im Iran mit österreichischer Mitwirkung trotz der internationalen Sanktionen? Ja, denn der Aktienmarkt ist eine der wenigen attraktiven Anlagemöglichkeiten für die iranische Bevölkerung. Ausländische Banken sind dort nicht (mehr) präsent, sogar der Anschluss an den SWIFT-Code fiel unter die Sanktionen. Da es aber trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten viel Investitions- und Finanzierungsbedarf in dem Land gibt, boomt die iranische Börse.

Das österreichisch-iranische Joint Venture DoNA catert seit 2015 unter anderem die exklusive iranische Privatbahn FADAK und andere (Bahn-)Unternehmen und so war eine Kapitalbeschaffung über die dortige Börse naheliegend. Aber trotzdem nicht einfach: Obwohl Catering&Food nicht von den aktuellen Sanktionen umfasst ist, wurde das IPO zwei Jahre lang intensiv von Josef Donhauser, er ist der CEO der DoN group, und seinem Management in Teheran vorbereitet.

Große Anlegerschaft
Beim IPO wurden 20 % des Grundkapitals von DoNA über die Börse abgegeben und damit ein Emissionserlös von umgerechnet 1,5 Mio Euro erzielt. Der Emissionskurs pro Aktie betrug umgerechnet 0,024 Euro. Der Erfolg kann sich sehen lassen: Es wurden 60 Mio Stück Aktien platziert – bei rund 5,3 Mio Anlegern. Bei rund 82 Mio Iranern ist das eine Aktionärsquote von rund 6,5 % der Bevölkerung – und damit deutlich mehr als etwa in Österreich. Und es hätten noch mehr sein können, denn es gab eine Überzeichnung von 20 Mio Stück. Der Emissionserlös wird für die weitere Expansion des Unternehmens verwendet: Erweiterung der Produktionsanlagen, Ausbau des Rail- und Office-Catering und neue Systemrestaurants im gesamten Land. Trotz Coronabeeinträchtigung wird so eine 50-%ige Umsatzsteigerung bis Mitte 2021 angepeilt.

Weiter Weg
Begonnen hat alles in Niederösterreich, als Donhauser die elterliche Konditorei in Kirchberg am Wechsel übernahm. Ab den 1990er-Jahren folgten Expansionsschritte in Wien und weitere Standorte österreichweit und über die Grenzen. So entstand 2015 auch das erste österreichisch-iranische Joint Venture. Im Interview mit dem Börsen-Kurier schildert Donhauser, wie „sein“ Börsegang in Teheran in der Praxis ablief:

Börsen-Kurier: Wie kann man sich das Procedere vor Ort vorstellen? Ist es sehr anders als in Europa? Stichworte Vorbereitungserfordernisse, Emissionsbank(en), Börsestandards …

Josef Donhauser: Im Grunde war es nicht viel anders als in Europa – und trotzdem ist die Börse in Teheran nicht mit europäischen Börsen vergleichbar. Auch nicht das Kaufverhalten. Die Vorbereitungen für das IPO liefen bereits über ein Jahr auf Hochtouren: etwa die Anpassung der Buchhaltungsstandards an die Vorgaben, Prüfung der Unterlagen durch zugelassene Wirtschaftsprüfer, Ausstattung des Unternehmens mit ausreichend Eigenkapital, Erfüllen sämtlicher ausufernder Formvorschriften … Wir haben alles In-House gemacht und nur ein Trading-Büro (Amin Capital) zur technischen Abwicklung der Käufe beauftragt. Generell ist die Börsenadministration in Teheran auf einen Börsegang mit internationaler Gesellschafterbeteiligung nicht wirklich vorbereitet. Die Börsenlizenz zu erhalten war dementsprechend schwer für uns als Vorreiter. Wir benötigten zwei Anläufe.

Know-how im Haus
Börsen-Kurier:
Welches Know-how braucht man vor Ort, wenn man sich nicht im europäischen sondern im türkischen Kapitalmarktrecht bewegt?

Donhauser: Wir haben uns keiner großen Anwaltsbüros bedient und haben die Gespräche direkt mit der Teheran Stock Exchange geführt. Unser Managing Director hat schon einmal ein Unternehmen an die Teheraner Börse gebracht und dementsprechende Erfahrung. Somit hatten wir das Know-how im Haus. Denn es ist generell schwer, die richtige juristische Beratung vor Ort zu bekommen, nicht nur, was einen Börsegang betrifft. Gesellschaftsrechtlich ist das Unternehmen mit einer europäischen AG vergleichbar.

Börsen-Kurier: Und wie liefen die praktischen Schritte von Antrag bis Zuteilung?

Donhauser: Ähnlich wie in Europa: Prüfung der Unterlagen, Erreichung der Zulassung, Definition der Preisspanne, Freigabe zum Handel, Kauf. Es wurden 60 Mio Shares an 5,3 Mio Anleger verkauft. Das entspricht 20 % des Grundkapitals. 92 % gingen an individuelle Anleger, 8 % an institutionelle.

Foto: DoN group

 

 

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Warum der Euro seine Stärken zeigt

Der Aufschwung der Gemeinschaftswährung bietet Anlegern auch interessante Chancen.

Raja Korinek. Noch vor wenigen Monaten hätten vermutlich die wenigsten Anleger damit gerechnet: Doch seit Mitte Mai legt der Euro allein gegenüber dem US-Dollar zügig zu. Zuletzt wurde die Marke von 1,19 USD überschritten, dem höchsten Stand seit April 2018, merkt Ulrich Kater, Chefvolkswirt bei der Deka Bank, an. Dies führt er unter anderem auf die stark steigenden Neuinfektionen in den USA zurück. Demgegenüber ergreifen Europas Regierungen zu drastischeren Maßnahmen, um eine Ausbreitung möglichst einzudämmen. Aufgrund der ungünstigen Entwicklung könnte ein Wirtschaftsaufschwung in den USA damit stärker getroffen werden, so die Befürchtungen vieler Marktteilnehmer, was auch den US-Dollar belastet.

US-Geldpolitik wird zurückhaltender
Doch auch die Aktivitäten der US-Notenbank spielen eine wichtige Rolle. Noch bis vor Kurzem lagen allein die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen ein gutes Stück über den europäischen Pendants. Das hatte reichlich ausländisches Kapital in die US-Bondmärkte angelockt, somit die US-Dollarnachfrage angeheizt. Doch diese Entwicklung hat sich schlagartig geändert. Denn die Fed hat längst auch die Zinsen drastisch gesenkt, was sich ebenso negativ auf die Renditen auswirkte. Damit ist der lukrative Zinsvorteil in den Vereinigten Staaten praktisch verpufft, weshalb viele internationale Investoren ihr Geld aus dem Markt wieder abzogen.

Da ist es wenig hilfreich, dass Notenbank-Chef Jerome Powell Ende vergangener Woche die Neuausrichtung der Geldpolitik ankündigte. „Der Übergang auf ein durchschnittliches Inflationsziel, asymmetrisch expansive Geldpolitik und eine stärkere Berücksichtigung der Geringverdiener-Segmente des Arbeitsmarktes sind die Kernbotschaften der neuen Federal Reserve Strategie“, bringt Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek die Kernaussagen auf den Punkt. Damit dürften die Zinsen auch jenseits des Atlantiks wohl noch eine lange Zeit auf einem sehr tiefen Niveau verharren.

Bei der BNP Paribas ist man jedenfalls davon überzeugt, dass der Aufwärtstrend der europäischen Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar noch eine Weile anhalten dürfte. Als weitere Stütze nennen die Experten des französischen Geldhauses zudem den EU-Wiederaufbaufonds in der Höhe von 750 Mrd Euro. Er dürfte Europas Wirtschaft ankurbeln und dem Euro zu weiterer Stärke verhelfen.

Den Aufschwung nutzen
Für risikobereite Anleger, die ebenso an ein solches Szenario glauben, bieten Zertifikate eine interessante Möglichkeit daraufzusetzen. Eine Möglichkeit ist etwa der Stay-High-Optionsschein der Deutschen Bank (ISIN: DE000DC9F0K9). Sofern bei diesem Produkt bis zum 8.1.2021 die Marke von 1,15 USD niemals berührt oder unterschritten wird, erhalten Anleger zum Laufzeitende 10 Euro pro Schein. Je nachdem, wie weit der Kaufkurs zum Zeitpunkt des Investments darunter liegt, kann sich eine größere, oder auch eine bescheidene Rendite ergeben. Grundsätzlich gilt: Je näher der aktuelle Wechselkurs an der Marke von 1,15 USD liegt, desto günstiger ist der Schein. Damit steigt aber auch das Risiko, dass diese Marke im schlimmsten Fall erreicht wird. Tritt dieses Szenario ein, verfällt das Papier.

Eine weitere Möglichkeit bietet das Turbo-Long-Zertifikat der BNP Paribas (DE000PF2P530). Dabei profitieren Anleger gehebelt von der Kursentwicklung Euro/USD, wobei der aktuelle Hebel bei 2,70 liegt. Wird allerdings die Marke von 0,75 USD berührt oder unterschritten, verfällt das Zertifikat.

Foto: Pixabay / geralt

 

 

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Die Gewinner einer zweiten Welle

Auch das Portfolio sollte für eine zweite Corona-Welle gewappnet sein. Auf welche Aktien Sie im Falle des Falles setzen sollten.

Michael Kordovsky. Überraschungseffekte bleiben diesmal aus und damit auch die Begleiterscheinungen der ersten Corona-Welle. Von einer Wiederholung der Performance im Biotech-Bereich können Anleger nur noch träumen. Zu sehr wurden diese Werte schon gehypt. Die Impfstoffentwickler Inovio Pharmaceuticals und Moderna sind bereits seit Jahresbeginn je 340 bzw. 247 % im Plus und mit einer Marktkapitalisierung von jeweils 2,4 bzw. 26,8 MrdUSD (per 19.8.) nicht mehr billig. Schutzmasken und Desinfektionsmittel werden im Zuge des mittlerweile üppigen Angebots immer mehr zu einem „Commodity Business“ und Technologieunternehmen haben starke Anstiege hinter sich.

Auf der anderen Seite sind Airline- und Tourismusaktien bereits so sehr niedergeprügelt, dass sich bei weiteren Kursrückgängen eine antizyklische Akkumulation großer Unternehmen mit hoher Überlebenswahrscheinlichkeit mittelfristig lohnen könnte. Vor allem dann, wenn sich der Lockdown in der ursprünglichen Version nicht mehr wiederholt, sondern sich auf wenige Hot Spots beschränkt, könnten Werte wie Lufthansa (staatliche Rettung) und Booking Holdings (10,4 MrdUSD Cash-Reserven) durchaus Einstiegschancen bieten.

Mögliche Pleitewelle als Auslöser
Trotz steigender Corona-Zahlen sind die Aktienmärkte liquiditätsgetrieben im Aufwärtsmodus. Als Faktor hinzukommen „Fintech-Broker“ wie Robin Hood, die keine Transaktionsspesen berechnen und so ganze Heere junger Kleinanleger gewinnen. Erst wenn sich größere Firmenpleiten mehren und sich die Ertragslage der treibenden Giganten Apple, Amazon, Alphabet, Microsoft und Facebook deutlich verschlechtert, dann ist die nächste Abwärtslawine da. Doch dies könnte sich noch bis ins Jahr 2021 hinein verzögern, denn die gefährdeten Firmen sind vorerst überbrückt und so lange nicht weltweit großflächige Lockdowns einsetzen, läuft die Erholung, wenn auch unterbrochen von zwischen-zeitlichen Turbulenzen, weiter.

Online-Handel und Logistik, Edelmetalle und Franken
Unabhängig von weiteren Szenarien hat sich der Trend hin zum Online-Handel beschleunigt. Nicht umsonst gab es im zweiten Quartal bei Amazon eine Mega-Überraschung: Laut Konsens von Zacks Investment Research erwarteten Analysten einen Gewinn von nur 1,74 USD/Aktie. Tatsächlich veröffentlichte Amazon 10,30 USD/Aktie. Einer starken Wachstumsdynamik erfreut sich auch Zalando, deren Anzahl aktiver Kunden im zweiten Quartal um 20,4 % auf 34,1 Mio wuchs, während bei 31,4 % Umsatzwachstum das bereinigte EBIT von 101,7 auf 211,9 Mio Euro anstieg. Ebenfalls über Chancen auf weitere Anstiege verfügen die niederländische Shop Apotheke Europe NV und der deutsche Kochboxen-Zustell-Service HelloFresh, der am 10. 8. seine Konzernumsatzwachstumsprognose 2020 von 55 bis 70 auf 75 bis 95 % anhob und nun anstatt einer bereinigten EBITDA-Marge von 8 bis 10 % einen Wert von 9 bis 11 % erwartet. Vom Online-Handelsboom profitierte auch der Paketzusteller United Parcel Service, dessen Umsatz im zweiten Quartal 2020 um 13,4 % auf 20,5 MrdUSD stieg, während sich der verwässerte Gewinn/Aktie um 4,6 % auf 2,03 USD verbesserte.

Doch Vorsicht: Unsicherheit bleibt ständiger Begleiter der Märkte. Als „Krisenwährungen“ sollten davon Gold und Schweizer Franken profitieren, weshalb ein Teil des Geldvermögens auf Frankenkonten und in physischem Gold gut aufgehoben wäre.

Foto: Pixabay / _freakwave

 

 

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Renditechancen mit dem Superrechner

Wer profitiert von der Quantenmechanik? Der Wettlauf um den Supercomputer ist bereits voll im Gange. (Symbolbild)

Raja Korinek. Ende Oktober 2018 fiel in Europa ein entscheidender Startschuss: Da wurde der 1 Mrd Euro schwere „Quantum Technologies Flagship“ in Wien lanciert. Die Gelder dafür stammen von der Europäischen Kommission und sollen mehr als 5.000 Unternehmen fördern, die in der Forschung der Quantentechnologien tätig sind. Mit der Entwicklung soll letztendlich ein Quantum-Netzwerk innerhalb der EU erschaffen werden.

Inzwischen ist das Thema freilich aktueller denn je. Schließlich steigt die Datenmenge, die verarbeitet werden muss, weltweit an. Und dazu braucht es immer größere, vor allem aber schnellere Rechenleistungen, die künftig von Quantencomputern geliefert werden sollen. Während herkömmliche „Bits“

Informationen lediglich als 0 oder 1 speichern, können bei Quantencomputer die elementaren Recheneinheiten – sogenannte „Qubits“ – aufgrund ihrer Eigenschaften weitaus mehr leisten.

Der Quantensprung steht bevor
Noch steht das Quanten-Computing allerdings am Beginn und ist ein äußerst sensibles System. So müssen etwa die fragilen Einheiten von Elektromagnetismus abgeschirmt werden, und funktionieren nur unter sehr niedriger Temperatur, damit Berechnungen brauchbar sind.

Dennoch, das Potential ist groß. Davon ist auch Heiko Geiger, er ist Zertifikate-Experte bei der Bank Vontobel, überzeugt. Er sagt im Gespräch mit dem Börsen-Kurier: „Der Einsatz von Quantencomputern in der medizinischen und chemischen Forschung würde die Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe enorm beschleunigen, da sie in der Lage sind, die Interaktion komplexer Moleküle gleichzeitig zu simulieren.“

Breite Einsatzmöglichkeiten
Doch das ist nicht alles. Viele Bereiche des Alltags werden immer komplexer. Dazu zählen etwa die Logistik und der Verkehr. Hier könnten Quantencomputer künftig optimale Routen berechnen. In der Finanzwelt könnten sie in der Risikoanalyse eingesetzt werden. Und in der IT-Sicherheit könnten leistungsfähigere Computer für eine abhörsichere Kommunikation in den Netzwerken sorgen.

Verständlich, dass sich immer mehr Unternehmen aus der High-Tech-Branche in diesen Bereich einbringen. Inzwischen wird auch schon darüber gestritten, wer als erstes über die sogenannte „Quantenüberlegenheit“ verfügt. Diese ist dann erreicht, wenn eine Aufgabe mittels Quanten-Computing in kürzester Zeit erledigt werden kann, während ein herkömmlicher Rechner eine unverhältnismäßig lange Zeit dafür bräuchte.

So gab etwa Ende 2019 Google, die Tochter von Alphabet (ISIN: US02079K3059), den Quanten-prozessor Sycamore mit 53 Qubits bekannt. Dieser könne nach Unternehmensangaben in 200 Sekunden eine Berechnung ausführen, für die der stärkste herkömmliche Computer rund 10.000 Jahre benötige. Kurz danach gab der Tech-Riese IBM (US4592001014) bekannt, dass in seinen Labors ebenfalls ein entsprechender Prozessor im Einsatz sei.

Auf die Zukunft setzen
Für interessierte Anleger gibt es ebenfalls die Möglichkeit, auf diese Technologie zu setzen. Konkret hat die Bank Vontobel gemeinsam mit dem deutschen Indexanbieter Solactive einen Index lanciert. Dieser bildet Aktien von 20 Unternehmen ab, die an der Entwicklung von Quantum-Computing mitmischen oder vom Einsatz der Quantentechnologie profitieren dürften. Mit einem entsprechenden Indexzertifikat (DE000VP4XD45) setzen Anleger nebst der bereits genannten Firmen etwa auch auf Siemens Healthineers (DE000SHL1006), Samsung Electronics (US7960502018) und Visa (US92826C8394).

Foto: Pixabay / TheDigitalArtist

 

 

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Erholung des Einzelhandels verlangsamt sich

Der stationäre Handel verliert in der Corona-Zeit Kunden, gekauft wird immer mehr im Netz.

Michael Kordovsky. Die Einzelhandelsumsätze in den USA stiegen gegenüber dem Vormonat im Mai und Juni um jeweils 18,3 bzw. 8,4 %. Doch im Juli lag der Zuwachs mit 1,2 % bereits unter den Erwartungen der Volkswirte von 2 %. Ebenfalls für eine Enttäuschung sorgten die Einzelhandelsumsätze in China, während in Europa der gleiche Trend zu beobachten ist. Die starke Erholungsdynamik ist somit vorbei.

Das Absatzvolumen im Euroraum ist im Mai gegenüber April um 20,3 % gestiegen ehe im Juni eine Verlangsamung auf 5,7 % folgte. Wesentlich aussagekräftiger ist die Statistik auf Jahresbasis. Noch in den Monaten März, April und Mai gab es Einbrüche im Ausmaß von je 8,2; 19,4 bzw. 3,1 % ehe im Juni wieder ein Zuwachs um 1,3 % erfolgte. Das war der erste Zuwachs seit Feber. Allerdings lässt die Steigerungsdynamik auch schon wieder langsam nach.

Divergierende Spartenentwicklung
Interessant ist auch die Absatzbetrachtung nach Bereichen: Aufgrund der Hamsterkäufe im März antizyklisch verhält sich dabei auf Jahressicht die Absatzentwicklung im Bereich „Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren“, wo 9,1 % Zuwachs im März, 2,1 % im April und 5,6 % im Mai nur noch 1,2 % im Juni gegenüberstanden. Der Bereich „Elektrische Geräte und Möbel“ drehte bereits im Mai von -38,1 % auf +3,1 % und setzte sein Wachstum mit 2,6 % im Juni fort. Besonders hart erwischt hat es den Bereich „Textilien, Bekleidung und Schuhe“, der auf Jahresbasis in den ersten sechs Monaten gegenüber dem Vorjahresniveau in jedem Monat schrumpfte. Am Höhepunkt der Kontraktion im Euroraum (April) lag dort das Minus bereits bei 80,5 %. Im Juni liegt die Schrumpfung gegenüber dem Vorjahresmonat noch immer bei 27,3 %. Und: Die massive Fokussierung auf Corona führte sogar zu einem rückläufigen Absatz bei pharmazeutischen und medizinischen Produkten.

Während in Deutschland und Österreich der verabsäumte Konsum nachgeholt wird, was Einzelhandelsabsatzsteigerungen von je 6,6 bzw. 6,5 % im Mai bzw. 3,2 bzw. 2,2 % im Juni zeigen, erlitten zuletzt Spanien, Italien und Portugal auffallend starke Rückgänge um je 4,4; 5,2 bzw. 6,3 %.

Online-Handel boomt
Wegen der eingeschränkten Mobilität und dem Trend zu mehr Online- und Telekonferenzen brachen die Absatzzahlen für Motorenkraftstoffe an den Tankstellen im April und Mai um je 47,8 bzw. 27,2 % ein, und im Juni lag der Rückgang auf Jahresbasis noch immer bei 13,6 %. Auf der anderen Seite boomt der Online-Handel wie nie zuvor. Während städtische Einkaufszentren für Besucher an Attraktivität verlieren, geht der Trend immer mehr zum Rückzug in die eigenen vier Wände und damit einhergehend explodieren die Online-Bestellungen. Lag der jährliche Zuwachs des Absatzvolumens im Versand- und Interneteinzelhandel im März mit 9,5% noch im „normalen Rahmen“, so explodierte der Zuwachs im April und Mai im Euroraum auf je 24,7 bzw. 34,8 % und auch im Juni bleibt ein Hoher Wert von 23,7 %.

Corona hat den Onlinehandel für neue Kundengruppen schmackhaft gemacht, die nun ihrer neuen Angewohnheit treu bleiben – zum Leidwesen des stationären Einzelhandels aber zum Vorteil der Online-Stores. Das hat auch entsprechende Auswirkungen auf die Börsenkurse diverser Online-Händler.

Foto: Pixabay / Preis_King

 

 

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Steht das Ende des Bargelds bevor?

Eine Börsen-Kurier-Analyse von Howard Davies, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Royal Bank of Scotland.

Vor vier Jahren plädierte der ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, Kenneth Rogoff, mit Nachdruck für die stufenweise Abschaffung des Papiergeldes. In seinem Buch Der Fluch des Geldes argumentierte Rogoff, Papiergeld, insbesondere große Banknoten, würden Steuerhinterziehung erleichtern und den Drogenhandel befeuern – und zwar entlang der gesamten Lieferkette: In einer britischen Studie aus dem Jahr 1999 wurde festgestellt, dass nur vier von 500 in London untersuchten Banknoten keine Spuren von Kokain aufwiesen.

Außerdem schränkt die Existenz von Bargeld die Geldpolitik ein. Für Zentralbanken ist die Einführung negativer Zinssätze schwieriger, wenn Anleger alternativ einen Tresor voller 100-US-Dollar-Noten haben können. Damals erschien das manchen als abstruses Argument, aber aufgrund der Covid19-Krise sind negative Zinssätze heute fixer Bestandteil der politischen Agenda in mehreren Ländern, wenn auch noch nicht in den Vereinigten Staaten.

Am „Würstelstand“ mit der Kreditkarte zahlen
Seit der Veröffentlichung von Rogoffs Buch befindet sich Bargeld als Zahlungsmechanismus auf dem Rückzug. In Schweden beispielsweise scheint die Abschaffung der Kronen-Banknote in Reichweite zu sein. Das mobile Bezahlsystem Swish beherrscht die Kleingeld-Szene. Wie alle wissen, die sich in letzter Zeit in Stockholm ein Bier kaufen wollten, bleibt durstig, wer nur eine Brieftasche mit Bargeld dabei hat.

Und die Covid19-Krise war ein weiterer Grund für die Menschen, auf Distanz zu Banknoten zu gehen. Weithin wurde nämlich berichtet, dass das Virus durch den Umgang mit Banknoten übertragen werden könnte, wodurch sich zahlreiche Verkaufsläden veranlasst sahen, Hinweistafeln mit der Aufschrift „kein Bargeld“ anzubringen. In meinem Dorf akzeptiert sogar der mobile Fisch-und-Chips-Verkaufswagen nur mehr kontaktlose Kartenzahlung. In Wirklichkeit ist dieses Schauermärchen allerdings nur wenig oder gar nicht stichhaltig. Die Weltgesundheitsorganisation teilte mit, dass keine Beweise dafür vorlägen, wonach das Coronavirus durch Banknoten übertragen wird. Das Virus überdauert auf Plastikkarten genauso lang und Christine Tait-Burkard, Expertin für Infektionskrankheiten an der Universität Edinburgh, sagte, dass Bargeld nicht als Vektor der Krankheit fungiere, „solange die Banknote nicht als Taschentuch benutzt wird, um hineinzuniesen“.

Immer weniger Bargeld im Umlauf
Aber der Schaden war angerichtet, und im ersten Monat der Krise sank die Bargeldnutzung im Vereinigten Königreich um mehr als 60 %. Die Transaktionsvolumina halbierten sich. Bei einer Umfrage gaben beinahe 75 % der Befragten an, sie erwarteten, in Zukunft Bargeld wohl weniger zu verwenden.

Dieser Trend, der sich über die gesamte entwickelte Welt ausbreitete, verlieh auch den Anbietern digitaler Bank- und Nicht-Bank-Bezahlsysteme Auftrieb. Apple Pay und PayPal geht es ausgezeichnet. Fintech-Neobanken haben ihre Nutzerbasis weiter ausgebaut, obwohl vielfach bezweifelt wird, dass es sich dabei bereits um ein nachhaltiges Geschäftsmodell handelt. Facebook wartet mit seiner Währung Libra in den Startlöchern, und ihre Unterstützer versuchen, die Aufsichtsbehörden davon zu überzeugen, dass ihr Modell sicher ist und den Bestimmungen zur Bekämpfung der Geldwäsche entspricht.

Der weitere Rückgang des Bargeldes hat auch der Arbeit der Zentralbanken an eigenen digitalen Währungen stärkeren Schwung verliehen. Mit den Banknoten hatten Bürger und Firmen jahrhundertelang eine direkte Forderung gegenüber der Zentralbank in der Hand. Sollte Bargeld verschwinden, stellt sich die Frage, ob das nicht ein Argument für die Einführung einer digitalen Zentralbankwährung wäre – ob im Großhandel, im Einzelhandel oder in beiden Bereichen. Die Bank für den Internationalen Zahlungsausgleich berichtet, dass mehrere Zentralbanken diesen Schritt aktiv erwägen, obwohl ihn noch keine wirklich gewagt hat. Die Schwedische Reichsbank könnte mit ihrer einsatzbereiten E-Krone durchaus die erste sein.

Zentralbanken wehren sich – mit mäßigem Erfolg
Steht also der Abschied vom Bargeld unmittelbar bevor? Wird sogar der Dollar den Weg alles Irdischen gehen? Die Antwort fällt nicht so klar aus. Zunächst ist festzustellen, dass zwar die Zahl der durch Bargeldtransfers abgewickelten Transaktionen auch im Bereich der Kleinbeträge tatsächlich zurückging, doch das Volumen des in Umlauf befindlichen Bargelds ist in zahlreichen Ländern sogar angestiegen. Seit Ende letzten Jahres erhöhte sich der Wert des Bargeldumlaufs laut BIZ in Italien um 8 und in den USA um 7 %. Vorsorglich angelegte Bargeldbestände sind gestiegen. Nicht nur Drogenhändler und Steuerhinterzieher finden Bargeld als Wertanlage attraktiv und schätzen Geheimhaltung. Unter den größten Volkswirtschaften hat nur in China ein absoluter Rückgang im Verhältnis zwischen physischer Währung und BIP eingesetzt.

Darüber hinaus gibt es auch Anzeichen einer politischen Reaktion gegen den Ausstieg aus Möglichkeiten zur Bargeldabwicklung. Unter Berufung auf Bedenken hinsichtlich finanzieller Ausgrenzung hat die Bank of Canada Einzelhändler aufgefordert, weiterhin Bargeld zu akzeptieren, da Menschen ohne Zugang zu Bankkonten und Karten sonst nicht einkaufen können. New York City, San Francisco und der Bundesstaat New Jersey haben es Einzelhändlern untersagt, Bargeld abzulehnen. Nicht einmal in Schweden können sich die Swishers in vollem Umfang durchsetzen. Eine Aktivistengruppe namens „Kontantupproret“ („Bargeldrebellion“) setzt sich dafür ein, dass ärmere Konsumenten weiterhin Bargeld verwenden dürfe. Im Vereinigten Königreich hat die Regierung einen Bericht über den „Zugang zu Bargeld“ veröffentlicht, in der die verpflichtende Wartung der enormen Zahl an Geldautomaten empfohlen wird, obwohl deren Nutzung rasch abnimmt.

Insgesamt ist es wohl zu früh, einen Nachruf auf den Dollarschein zu schreiben. Dazu ist die Nachfrage nach seinen Diensten noch zu stark. Für Zentralbanken könnte es sinnvoll sein, Nicht-Banken digitale Dienste anzubieten, vielleicht, um teilweise den Verlust an Seigniorage-Einnahmen (Anm. d. Red.: Der von der Zentralbank erzielte Gewinn, der durch die Emission von Zentralbankgeld entsteht) abzuwenden, die in einer von Libra dominierten Welt eher Facebook als die Länder reicher machen würden. Aber wenn die Zentralbanken nicht auch in das Kreditallokationsgeschäft einsteigen möchten, werden sie eine groß angelegte Disintermediation des Bankensystems wohl vermeiden wollen.

Beides ist möglich
Ich vermute, dass wir auf absehbare Zeit in einer Art gemischtwirtschaftlichem Zahlungssystem leben werden. Neben einer Vielzahl an Karten und direkten digitalen Überweisungen wird Bargeld weiterhin eine Rolle spielen, wenn auch eine bescheidenere als in der Vergangenheit.

Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier, © Project Syndicate 1995 – 2020

Foto: Pixabay / AhmadArdity

 

 

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Höhenflug mit Beigeschmack

Der Berliner Essenslieferant Delivery Hero steigt nächste Woche in den DAX auf – statt Wirecard.

Stefan Riedel, München. Am 24. August ist es so weit. Dann wird Delivery Hero (ISIN: DE000A2E4 K43) im DAX die Position von Wirecard (DE0007472060) einnehmen. Gegen den Zahlungsabwickler laufen Ermittlungen wegen Bilanzfälschung, Geldwäsche und Marktmanipulation. Der Online-Lieferdienst hat sich in den zwei entscheidenden Kriterien, dem Börsenwert und der Liquidität, gegenüber anderen heißen Aspiranten wie dem Aromenhersteller Symrise (DE000SYM9999) durchgesetzt.

Wachstum plausibel
Anders als bei Wirecard lassen sich bei Delivery Hero die rasanten Umsatzzuwächse nachvollziehen. In Zeiten der Corona-Krise ordern immer mehr Menschen ihr Essen online und zugleich expandiert das Berliner Unternehmen international über Zukäufe. In Europa, Asien und inzwischen auch in Lateinamerika. Das Geschäft auf dem Heimatmarkt Deutschland mit den drei Marken Foodora, Lieferheld und pizza.de hat Delivery Hero Ende 2018 an den niederländischen Wettbewerber Just Eat Take- away.com (NL0012015705) verkauft.

Operativ verdient Delivery Hero im Vergleich zu den anderen DAX-Mitgliedern aber noch kein Geld. Wann die Firma schwarze Zahlen schreiben wird, lässt Vorstandschef Niklas Östberg noch offen. „Wann wir groß genug sind“, lautet hier seine geläufige Antwort gegenüber Analysten und Anlegern. An der Börse kommt die Wachstumsstory an. Seit dem Jahrestief Ende März hat sich der Aktienkurs verdoppelt. Verdoppeln soll sich auch der Umsatz gegenüber dem Vorjahr: für 2020 hat Östberg gerade erst die Jahresprognose auf 2,6 bis 2,8 Mrd€ angehoben. 13 Analysten sprechen sich weiter für den Kauf der Aktie aus, ganze drei plädieren für Halten. „Der Rückenwind durch die Corona-Krise wird auch das traditionelle Sommerloch im laufenden Quartal ausgleichen“, ist sich etwa Silvia Cuneo von der Deutschen Bank sicher. Ihr Kursziel hat sie auf 120 € angehoben.

Schon zu teuer?
Wie ambitioniert die Aktie mittler-weile bewertet ist, zeigt der Blick auf das Verhältnis von Unternehmenswert zu Umsatz, eine wichtige Kenngröße bei Online-Essenslieferdiensten. Hier kommt Delivery Hero auf den Faktor Acht. Bei Just Eat Takeaway.com, steht hier das Sechsfache, zudem soll die Gesellschaft 2021 profitabel werden. Der deutsche Konkurrent HelloFresh (DE000A161408) wird mit dem doppelten Umsatz bewertet und soll in diesem Jahr erstmals Gewinne abliefern.

Es ist davon auszugehen, dass der DAX-Aufstieg den Aktienkurs von Delivery Hero kurzfristig weiter beflügeln wird. Allerdings steigt auch das Rückschlagsrisiko für den Fall, dass das Unternehmen bei einzelnen Quartalsergebnissen die hochfliegenden Erwartungen einmal nicht trifft – und Investoren dann stärker auf die Profitabilitäts-Kennziffern blicken.

Foto: Delivery Hero

 

 

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Die Nationalbank zeigt Humor

Karikaturisten nehmen das Geld auf die Schaufel.

Lea Schweinegger. Das liebe Geld einmal von der humorvollen Seite betrachten zu können, ist wohltuend und nimmt einer vor allem wirtschaftlich unsicheren Zeit für ein paar Stunden die Schärfe. Aber natürlich geht es in der aktuellen Sonderausstellung „Funny Money“ im Geldmuseum der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) nicht ganz so humorvoll zu wie im gleichnamigen Theaterstück des britischen Autors Ray Cooney, in dem ein Buchhalter in der U-Bahn aus Versehen den Aktenkoffer eines Fremden mitnimmt, in dem sich jede Menge Geld befindet. Dazu ist das „Money“ in der Nationalbank wohl auch zu streng bewacht. Aber zumindest wird den Besuchern Heiterkeit beim Betrachten der karikaturistischen Darstellungen zur Bedeutung des Geldes vermittelt. Die Sonderausstellung „Funny Money“ läuft aktuell und ist noch bis 2. Juli 2021 im Geldmuseum der OeNB Nationalbank zu sehen.

„Geld ist Lebensenergie“
Dass Geld allein nicht glücklich macht, weiß man. Aber gerade das Wissen um wirtschaftliche Zusammenhänge und letztlich natürlich auch um die eigenen Finanzen ist essenziell und in Österreich viel zu gering ausgebildet. Experten fordern deshalb seit Jahren, das Thema in den heimischen Lehrplänen stärker zu berücksichtigen. Und auch den Verantwortlichen in der Nationalbank ist es schon seit jeher ein besonderes Anliegen, finanzielle Bildung zu vermitteln (Infos und Material dazu finden Sie auf der Homepage der OeNB).

Humorvolle Betrachtungen
Aber zurück zum Humor: Im Geldmuseum sind aktuell 53 Karikaturen und Cartoons nationaler und internationaler Künstler wie zum Beispiel Rudi Klein, Thomas Wizany, Rolly Kirby, Pascale Velleine und Oliver Schopf zum schnöden Mammon ausgestellt. „Die satirische, kritische und humorvolle Annäherung an die Themen laden zum Nachdenken und Hinterfragen ebenso ein wie zum Lachen. Die Ausstellung ,Funny Money‘ will genau dies bei den Besucherinnen und Besuchern erreichen. Sie bietet die Möglichkeit, Geld- und Wirtschaftsgeschichte einmal von einer ungewohnten und unterhaltsamen Seite zu erleben“, so das Team des Geldmuseums dazu.

Die Wurzeln
Die Karikatur ist als eine überzeichnete, meist komische, aber auch provozierende Darstellung von gesellschaftlichen und politischen Ereignissen oder Personen schon seit dem 18. Jahrhundert weit verbreitet. Im 19. Jahrhundert, zur Zeit der Gründung von Banken und Aktiengesellschaften, fand sie auch in den diversen Wirtschaftszeitungen Eingang. Lange davor, im 16. Jahrhundert, wurden die Menschen mit satirischen Flugblättern beglückt. Die Karikaturisten der damaligen Zeit setzten Maßstäbe für die Karikatur, die noch heute Gültigkeit haben.

In dieser Ausstellung wird Besuchern einmal mehr bewusst gemacht, dass das Dreieck Geld-Währung-Wirtschaft ein zentrales Thema einer Gesellschaft ist und uns alle tagtäglich betrifft – aber eben diesmal mit einem Schuss Humor.

Foto: Geldmuseum der Belgischen Nationalbank. Honoré Daumier: „Bourse (Börse)“. Ursprünglich als schwarz-weiß Druck erschienen in Le Charivari, 27. August 1853

 

 

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Schwellenländer auf stabileren Beinen als bei früheren Schwächephasen

Ein Kommentar von Jan Sobotta, Leiter Sales Ausland, Swisscanto Asset Management International.

Ein Kommentar von Jan Sobotta, Leiter Sales Ausland, Swisscanto Asset Management International.

(11.08.) „Die Corona-Krise wird die Aktienmärkte noch eine ganze Weile beschäftigen. Die dauerhaften Auswirkungen auf Gesellschaft, Wirtschaft und Politik sind noch nicht absehbar und insbesondere Schwellenländer stehen vor enormen Herausforderungen aufgrund der Pandemie. Kurzfristig ist der wirtschaftliche Ausblick für die Emerging Markets angesichts der globalen Wachstumsverlangsamung tendenziell negativ. Zudem erwarten wir im zweiten Halbjahr ein erneutes Aufflammen des Konflikts zwischen den USA und China, welcher im anstehenden US-Wahlkampf ein Thema sein dürfte und für Schlagzeilen sorgen wird. Doch langfristig sind die Wachstumsaussichten attraktiv. So erwartet die UNO in den Schwellenländern eine Zunahme der arbeitenden Bevölkerung von rund 1,25 Milliarden Menschen in der Zeitspanne zwischen 2018 und 2050. In den entwickelten Märkten jedoch einen Rückgang von rund 70 Millionen. Das bedeutet, dass ein Großteil der zukünftigen globalen Produktion und des Konsums in den aufstrebenden Märkten stattfinden wird. Im Vergleich zu früheren Schwächephasen (beispielsweise die globale Finanzkrise im Jahr 2008 oder die so genannten ‚taper tantrums‘ in 2013) stehen die Schwellenländer auf stabileren Beinen. Die Leistungsbilanzen sind insgesamt ausgeglichener, die Auslandsverschuldung ist tiefer und es bestehen hohe Währungsreserven. Somit haben es einige Regierungen in den Schwellenländern selbst in der Hand, mittels Reformen für eine bessere Wirtschaftsentwicklung zu sorgen. Und auf Unternehmensseite ist die Verschuldung ebenfalls tief und die Cashflows sind positiv.

Wegen der demografischen Struktur, der anhaltenden Urbanisierung und des Nachholbedarfs beim Konsum wird generell erwartet, dass die Länder der Emerging Markets im Durchschnitt stärker wachsen werden als die Industriestaaten. Dabei bleiben die negativen Begleiterscheinungen des unkontrollierten Wachstums für Gesellschaft und Wirtschaft eine Herausforderung. Zu nennen sind hier die massive Umweltverschmutzung, eine unzureichende Wasserinfrastruktur, eine unterentwickelte Gesundheitsversorgung, überforderte soziale Einrichtungen oder eine sich ausweitende Einkommensschere. Der Schlüssel zur Lösung des Dilemmas zwischen dem angestrebten Wirtschaftswachstum und dessen aktuell negativen Begleiterscheinungen liegt einerseits bei der Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom Ressourcenverbrauch. Andererseits muss aber auch die Chancengleichheit für die gesamte Bevölkerung gefördert werden, damit alle vom Wohlstandswachstum profitieren können. Hierzu werden auch strukturelle Reformen und attraktive gesetzliche Rahmenbedingungen benötigt. Der private Sektor muss nicht nur seinen Teil dazu beitragen, um die Qualität und Effizienz des Wirtschaftswachstums zu verbessern, sondern er ist der Schlüssel zum Wohlstandswachstum.“

Foto: Swisscanto Invest

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Warum die Rallye an den Aktienmärkten anhält

Technologie- und Konsumaktien werden besonders gute Chancen eingeräumt.

Raja Korinek. Es ist heuer sichtlich ein Jahr der Extreme, auch an den Börsen. Am 16. März erlitt der S&P 500 mit einem Minus von 12,8 % den drittgrößten Tagesverlust seit 1928, zeigt Alexander Lechner, Leiter Multi Asset Management bei Erste Asset Management, im jüngsten Jahresausblick auf. Der Kursgewinn von rund 9 % wenige Tage nach dem Crash-Tiefpunkt war der zehnthöchste seit 1928, und damit ebenfalls durchaus kräftig.

Der Grund für die dann rasche Erholung liegt für Lechner auf der Hand: Die Notenbanken hätten zügig reagiert, etwa bei Zinssenkungen und dem Start weiterer Anleihekaufprogramme. Auch die Fiskalpolitik spielt erstmals eine wichtige Rolle. Lechner findet diese ebenfalls als eine wichtige Stütze für die Märkte. Allein in Europa ist ein 750 Mrd Euro schwerer Wiederaufbaufonds geplant, der laut EU-Parlament aber nachgeschärft werden muss. In den USA sind etwa Hilfen wie Steuererleichterungen in Höhe von rund 11 % des BIP geplant.

Unternehmen können überraschen
Der Erste-Experte sieht zudem die überraschend guten Unternehmensgewinne im zweiten Quartal 2020 als weiteren Kurstreiber. „In den USA haben mehr als die Hälfte der Unternehmen Ergebnisse veröffentlicht. Dabei haben 85 % die Schätzungen der Analysten übertroffen und nur 13 % enttäuscht“, sagt Lechner. Und in Europa? Da liegen die Gewinne bislang um 18 % unter dem Niveau des Vorjahres.

Dabei dürfte sich die Lage weiter verbessern, ist man bei NNIP überzeugt. Dort verweist man auf den Marktkonsens, der auf eine V-förmige Erholung deutet. Damit dürften die Unternehmensgewinne in den USA das Niveau von Ende 2019 übertreffen und in der Eurozone um nur knapp 5 % darunter liegen.

Eurozone bevorzugt
Regional präferiert der Stratege Patrick Moonen vom Assetmanager NNIP die Eurozone gegenüber den USA. Ihm gefällt, dass der geplante EU-Wiederaufbaufonds ein wichtiges Signal zu Einheit signalisiere, ein Umstand, den er in den USA vermisse. Vor kurzem wurden zudem Schwellenländeraktien auf ein „Übergewichten“ heraufgestuft. „China, Südkorea und Taiwan machen mehr als 60 % der Schwellenländer-Benchmark aus und haben die Covid-19-Krise gut gemanagt.“ Zudem seien deren Wirtschaft stark von New-Economy-Branchen geprägt, betont Moonen. Diese boomen vor allem seit dem Lock-Down.

Überhaupt findet Moonen Gefallen am Technologiesektor, nebst Industrietiteln und Rohstoffaktien, die beide von der Wirtschaftserholung profitieren dürften. Bei Pictet Asset Management gefallen Chefstratege Luca Paolini wiederum Konsumtitel: „Der Sektor konnte mit der Marktrallye nicht mithalten.“ Paolini meint, dass aber die Konsumausgaben mit der Wirtschaftserholung steigen, wovon die Sektor-Aktien profitieren sollten. Und dann ist da noch die „Grüne Welle“, die nach Meinung von Walter Hatack, Leiter Responsible Investments bei der Erste Asset Management, weiter rollen werde. Vor allem in Europa dürfte sie Rückenwind erfahren. Dort sind heute schon zahlreiche Gelder an Investments in eine nachhaltige Wirtschaft geknüpft.

Teure Bewertungen beachten
Allerdings sollte man die Risiken nicht außer Acht lassen. Schließ-lich haben die globalen Aktienmärkte seit dem Tiefstand von Mitte März rund 40 % zugelegt. Paolini von Pictet meint: „Unsere Modelle deuten erstmals seit September 2018 auf eine teure Bewertung in einem 20jährigen Vergleich hin.“ Und auch Ingrid Szeiler, CEO der Raiffeisen KAG, sieht kurzfristig zu viel Zuversicht eingepreist, wie sie sagt und mahnt: „Wir sind weiterhin vorsichtig positioniert.“

Foto: Adobe Stock / MQ-Illustrations

 

 

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Trotz Krise keineswegs am Boden

Für Kunst und Luxus-Artikel könnte es auch positive Effekte geben.

Lea Schweinegger. Die Finanzkrise vor rund zwölf Jahren war zwar auch für den Kunstmarkt eine große Herausforderung, aber die Einschläge waren keineswegs so verheerend wie jene am Aktienmarkt, nachdem sich die Nachricht der Lehman-Brothers-Insolvenz am 15. September 2008 rund um den Globus in Windeseile verbreitete. Denn der Kunstmarkt reagierte prompt – so als wäre er auf einen „Worst Case“ vorbereitet gewesen. Noch am selben Tag, nur ein paar Stunden nach den Meldungen lud etwa das Auktionshaus Sotheby‘s zu einer zweitägigen Auktion und bot dabei dem Publikum mehr als 200 Werke des britischen Starkünstlers Damien Hirst an. Die Auktion trug den Titel „Beautiful Inside My Head Forever“. Am Ende der zweitätigen Auktion, die Finanzwelt geriet gerade erst so richtig ins Rutschen, hatten Kunden umgerechnet 126 Mio Euro ausgegeben – für Kunst. Die Besucher der Auktion hofften natürlich, dass der Kauf eine gute Investition sei. Sie lagen mit der Annahme richtig, denn Kunst gilt nach wie vor als krisensicheres Investment. Namen der Protagonisten und Qualität spielen dabei natürlich eine große Rolle.

Damals wurde im Rahmen der Auktionstage das Hirst-Werk „Beautiful Love Strummerville Painting with beautiful Butterflies“ um mehr als 900.000 Eure verkauft; ein in Formaldehyd eingelegter Bulle brachte sogar mehr als 13 Mio Euro ein. Am Ende waren es 223 Werke des Briten, die unter den Hammer gekommen sind. Hirst erlangte allerdings schon davor mit einem bizarren Kunstwerk, einem mit Diamanten überzogenen menschlichen Schädel (der Preis betrug im Jahr 2006 rund 74 Mio Euro), weltweites Aufsehen in der Kunstwelt. Obwohl: Werk und Preis machten böses Blut und so gab es teilweise auch ein dementsprechendes negatives Feedback. Im August 2007 wurde „Hirsts Totenschädel“ ungeachtet manch empörter Zurufer abermals für 75 Mio Euro an eine Investmentgruppe weiterverkauft.

Daraus lässt sich schließen, dass qualitätsvolle Kunst auch in Krisenzeiten, oder gerade in schwierigen Zeiten, ein Investment wert ist. Der Vollständigkeit halber sei aber erwähnt, dass sich die großen Auktionshäuser im weiteren Verlauf der damaligen Krise mit großen Namen abwartend verhielten, bis die erste Phase des wirtschaftlichen Einbruchs vorüber ging.

Luxusgütermarkt legte zu
Aber nicht nur die klassische Kunst sondern auch Kunst-Objekte bzw. Luxusgüter wie Uhren und Schmuck, Haute Couture und andere schöne Markenprodukte sind relativ krisenfest. Der globale Umsatz mit Luxusgütern ist in den vergangenen zwanzig Jahren stark gewachsen, und zwar auf ein geschätztes Umsatzvolumen von rund 281 Mrd Euro im Jahr 2019. Damit haben sich die Umsätze in dieser Zeit nahezu verdreifacht. Und auch bis Mai 2020 und trotz Corona gab es heuer bereits Umsatzzahlen von rund 225 Mrd Euro. Treiber sind vor allem chinesische Konsumenten, die das weltweite Wachstum des Luxusmarktes forcierten, so das deutsche Portal Statista, an dem wir uns gerne orientieren.

Uhren sind zeitlos wertvoll
„Luxusuhren bieten auch in Krisenzeiten eine vielfältige Anlageoption durch einen stabilen Wertzuwachs. Deshalb sollten Uhrenliebhaber Einstiegsmöglichkeiten ins Auge fassen“, meint auch Communication Manager Daniel Feld von „Chrono24“, einem Online-Marktplatz für Luxusuhren, der rund 475.000 Uhren von mehr als 3.000 Händlern aus mehr als 100 Ländern im Programm hat. Feld verweist auf den durchschnittlichen Verkaufspreis begehrter Marken, der in der jüngeren Vergangenheit gestiegen ist. „Die zehn meistverkauften Modelle von ‚Audemars Piguet‘ wurden im Juli 2020 gegenüber 2015 im Mittel für 73 % mehr verkauft. Noch stärker zugelegt hat der Verkaufspreis von ‚Patek Philippe‘. Innerhalb der letzten fünf Jahre sind die Preise insgesamt um durchschnittlich 105 % gestiegen.“ Der Experte ist überzeugt, dass auch einzelne Modelle anderer bekannter Marken wie zum Beispiel Rolex, Omega und Tudor sich in Bezug auf den Werterhalt positiv entwickeln. Aber auch viele andere meinte er, würden sich als Einstieg in den Investitionsmarkt „Luxusuhr“ anbieten.

Beispiel Uhren mit Wertzuwachs
Die Omega-Speedmaster „Moon-watch“ bietet mit dem Sondermodell „First Omega in Space“ eine interessante Wertanlage: Aktuell ist die Uhr das sechstbeliebteste Omega-Modell nach Verkäufen auf „Chrono24“ und hat innerhalb der vergangenen drei Jahre eine absolute Wachstumsrate von plus 12 % hingelegt. Derzeit wird die Uhr zu Preisen von um die 4.000 Euro gehandelt. Hoher Beliebtheit erfreuen sich grundsätzlich auch die Rolex-Modelle. Zum Beispiel hat die „Rolex Datejust“ mit blauem Ziffernblatt, eine der meistverkauften Rolex-Modelle auf „Chrono24“, in den letzten drei Jahren um rund 25 % an Wert gewonnen und ist derzeit für etwa 10.000 Euro auf der Plattform zu finden. Für einen spannenden Einstieg in die Welt der Luxusuhren sieht Feld die „Seamaster Diver 300 M“, die legendäre Omega-Taucheruhr. „Die Nachfrage nach Luxusuhren auf ‚Chrono24‘ ist so hoch wie noch nie. Nach einem temporären Einbruch der Verkäufe zu Beginn der Krise liegen die globalen Verkäufe nun etwa 13 % über dem Vor-Corona-Niveau“, so abschließend auch „Chrono24“-Co-CEO Tim Stracke.

Foto: www.omegawatches.com

 

 

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Das Zahlenspiel mit der BIP-Schrumpfung

Die Kontraktion im zweiten Quartal sollte medial nicht zu sehr dramatisiert werden.

Michael Kordovsky. Das 2. Quartal zeigt das volle Ausmaß der Corona-Krise und die negativen BIP-Daten scheinen derzeit einander zu übertreffen, wobei zwischen Schrumpfungen gegenüber dem Vorquartal, annualisierten, sprich aufs Jahr hochgerechneten, Schrumpfungen gegenüber dem Vorquartal und der laut Meinung des Autors wirklich sinnvollen Messung im Vergleich zum Vorjahres-Quartalszeitraum unterschieden werden muss, denn:

Der aktuelle „Datensalat“, ins-besondere in manchen Headlines vermittelt teils eine regelrechte „Weltuntergangsstimmung“. Beispiel USA: Das reale BIP ist im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal mit einer jährlichen Rate von 32,9 % gesunken – und das nach einem Minus von 5 % im ersten Quartal. Die Netto-Exporte von Gütern und Dienstleistungen schrumpften um 64,1 % und die privaten Investitionen im Inland brachen um 49 % ein. Das klingt doch nach Apokalypse.

Aber was ist wirklich geschehen?
Diese aufs Jahr hochgerechneten Quartalvergleiche gegenüber dem Vorquartal haben zwar in den USA Tradition, doch bodenständige Volkswirte werfen auch einen Blick auf die Veränderung gegenüber dem Vorjahreszeitraum also vom 2. Quartal 2019 auf das 2. Quartal 2020 und da sieht die Welt schon wieder ganz anders aus: Da verminderte sich plötzlich der Rückgang der Wirtschaftsleistung auf -9,5 % und im ersten Quartal waren es noch 0,3 % Zuwachs. Der dramatische Exporteinbruch schrumpfte auf -23,7 % und die privaten Inlandsinvestitionen waren auf einmal nur noch um 17,9 % rückläufig.

Wesentlich nüchterner wird über China berichtet. Chinas Wirtschaftsleistung wuchs im zweiten Quartal auf Jahresbasis (gegenüber Vorjahresquartal) wieder um 3,2 %, nachdem im ersten Quartal wegen der Abriegelung von Städten und der Lockdowns die Schrumpfung bei -6,8 % lag. Im laufenden Quartal mehren sich die Anzeichen einer stärkeren Erholung. Beispielsweise stiegen im Juli Chinas Exporte im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,2 %.

Europas Krise überschaubar
In Europa veröffentlicht Eurostat beim BIP zwei Arten von Veränderungen, jene von einem Quartal auf das darauffolgende und den Vorjahresvergleich der Quartalszahlen. Die saison- und kalenderbereinigten Zahlen der vorläufigen Schnellschätzung für das 2. Quartal 2020 ergaben zwar die bei Weitem stärksten Rückgänge seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1995, doch die Gesamtgrößen vermitteln ein realistisches Bild:

Gegenüber dem 1. Quartal 2020 brach im 2. Quartal 2020 die Wirtschaftsleistung im Euroraum und der EU um jeweils 12,1 bzw. 11,9 % ein. Auf Jahresbasis, sprich vom 2. Quartal 2019 auf das 2. Quartal 2020, lagen die Rückgänge bei -15,0 bzw. -14,4 % (1. Quartal je -3,1 bzw. -2,5 %), was auf besonders restriktive Corona-Maßnahmen quer durch Europa zurückzuführen ist.

Es ist unter aktuellen Rahmenbedingungen eher unwahrscheinlich, dass sich das in dieser Form wiederholt, denn die Folge wäre eine unkontrollierbare Pleitewelle. Bereits jetzt herrscht in den Banken „Alarmstufe Rot“, denn die europäischen Geldhäuser haben ihre Risikovorsorgen für faule Kredite drastisch hochgeschraubt.

Normalisiert sich das Wirtschaftsgeschehen wieder, so ist dies eine schrittweise Rückkehr zum Wachstum, was China bereits vorexerziert hat und Länder wie Spanien, Frankreich und Italien, deren Wirtschaftsleistung auf Jahresbasis im zweiten Quartal 2020 um je 22,1 %, 19,0 % bzw. 17,3 % schrumpfte, sollten mittelfristig in der Lage sein, dann überdurchschnittlich zu wachsen bzw. besser gesagt sich zu erholen.

Foto: Pixabay / btaskinkaya

 

 

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Kann man US-Aktien noch kaufen?

(05.08.) Wann und wie sich die Weltwirtschaft von der Pandemie erholt, ist unklar. Daher wird im Moment viel darüber diskutiert, wie resilient die Aktienmärkte überhaupt noch sind.

Welche US-Titel auch in dieser Gemengelage Chancen haben, kommentiert John Weavers, Fondsmanager des M&G (Lux) North American Dividend Fund (Foto anbei):

„Der US-amerikanische Markt wird aktuell von drei Faktoren bestimmt: der Entwicklung der Corona-Krise, dem Wahlkampf und den Handelsspannungen. Langfristige Werte lassen sich trotzdem finden, denn einige Unternehmen konnten ihr strukturelles Wachstumspotenzial nach dem Crash sogar verbessern. So profitiert beispielsweise Visa davon, dass die Krise den bereits länger anhaltenden Trend hin zum bargeldlosen Bezahlen verstärkt hat. Auch Marken wie Apple oder Nike haben nach unserer Einschätzung durchaus Chancen auf weiteres Wachstum.

Nach den Wahlen: Mehr Ausgaben für Infrastruktur, aber auch höhere Steuern?

Ohne Zweifel bewegt jede Wahl die Märkte, aber der diesjährige Wettlauf entscheidet darüber, wie die drängenden Themen der US-Wirtschaft langfristig angegangen werden. Darum wird das Wahlergebnis weitreichende Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben. Welcher Kandidat auch immer gewinnt: Finanzpolitische Stimuli werden ganz oben auf der Agenda stehen und damit höhere Ausgaben in Amerikas bröckelnde Infrastruktur beinhalten. Republikaner wie Demokraten sind entschlossen, das schon so lange gepriesene Infrastrukturpaket endlich umzusetzen.

Um das Gesundheitswesen wird es auch in diesem Wahljahr wieder so manches politische Flackern geben. Aber wir glauben, dass mögliche Risiken für den Sektor durch die Nominierung von Joe Biden als Kandidat der Demokraten reduziert wurden. Die demografische Entwicklung sollte hier zusätzlich für Wachstum sorgen.

Die fiskalischen Maßnahmen haben allerdings auch eine Schattenseite: Die Rückkehr höherer Steuern. Details gibt es noch keine. Aber wir halten es für wichtig, schon jetzt die Auswirkungen abzuschätzen, die eine Erhöhung der Unternehmenssteuer mit sich bringen würde.

Der Handelskrieg zwischen den USA und China ist zwar ein Schlüsselelement der Präsidentschaft von Donald Trump, aber der Ton gegen China wird in beiden politischen Lagern deutlicher – auch, wenn er bei den Demokraten weniger aggressiv ist.

Fokus auf Energieversorger, Versicherungen und Gesundheitswesen

Für selektiv vorgehende Anleger sehen wir auch unter den aktuell erschwerten Bedingungen Einstiegsmöglichkeiten: Wir setzen bei den Technologiewerten stärker auf Software-Titel und bleiben bei Hardware-Produzenten untergewichtet. Finanzunternehmen gefallen uns unter den Zyklikern am besten – aber hier eher die Versicherungen als die Banken.

Der Klimawandel bleibt auch in den kommenden Monaten ein wichtiges Thema und so wird sich mit Papieren Erneuerbarer Energien Wachstum erzielen lassen. Darum haben wir zum ersten Mal in fünf Jahren in Energiewerte investiert und glauben, dass unsere Neuzugänge Sempra Energy und NextEra Energy von diesem strukturellen Trend profitieren werden. Das Gesundheitswesen bleibt unser Favorit im defensiven Sektor.“

Foto: M&G

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Gut gemeint – schlecht gewirkt

Eine Kundenumfrage zu MiFID II zeigt: Info-Flut überfordert und vertreibt vom Kapitalmarkt.

Manfred Kainz. Das Gegenteil von gut ist gut gemeint, heißt es. Kritiker meinen das auch in der Beurteilung der Effekte der 2. EU-Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente („Markets in Financial Instruments Directive“ MiFID II). Die ist seit 2018 in Kraft. Zwei ihrer Ziele sind die Markt- und Produkttransparenz zu erhöhen und den Anlegerschutz zu verbessern. Dafür setzen die Richtlinie und ihre nationale Umsetzung auf strenge Informations- und Dokumentationspflichten für die Anbieter und Intermediären. Nun, nach zwei Jahren Praxiserfahrungen, stellt sich die Frage: Führt(e) die Informationsbeglückung zu einer Überforderung von Kunden und erschwerte die Wertpapierberatung sogar? Bewirkte man also das Gegenteil des Beabsichtigten?

Diese Frage war Thema des Bankenkongresses KURS 2020 des Veranstalters imh, und heimische Bankenvertreter aus den Bereichen Compliance und Wertpapiere beantworteten sie mit „Ja“: Retail-Kunden würden sich ob der Informationsflut überfordert und teilweise sogar verärgert fühlen. Mittlerweile sei auch Resignation zu bemerken: „Kunden schmeißen die zugesendeten Infos halt weg.“ Das berge aber das Risiko, dass doch wichtige Informationen verloren gehen. Informationsüberforderung führe auch dazu, dass Kunden ihre Wertpapierengagements zurückfahren oder zu ausländischen Onlinebrokern ausweichen.

Ausoptieren?
Deshalb habe man als Bankensektor in der laufenden „MiFID-Review“ vorgeschlagen, dass Kunden doch die Möglichkeit haben sollten, selbst zu entscheiden, welche Infos sie erhalten wollen. Aber die für die Standards zuständige EU-Behörde ESMA (European Securities and Markets Authority) sei unnachgiebig und gegen so ein „Opting out“ von Privatkunden.

Um ihrem Wunsch, die Kunden nicht mit einer Flut an Informationen zu überfordern und zu vertreiben, gegenüber Behörden und Gesetzgebern Nachdruck zu verleihen, beschloss man banken- und sparkassenseitig, die Kunden zu befragen. Beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband war man da schneller und die Ergebnisse ihrer Kundenumfrage seien auch für das österreichische Anlegerverhalten sehr repräsentativ, wie beim Bankenkongress zu hören war. Die Kundenmeinungen sollten jedenfalls die Alarmglocken schrillen lassen.

Was Kunden (nicht) wollen
62 % der Kunden fühlen sich vom Umfang der MiFID-II-bedingten obligatorischen Informationen überfordert. 65 % verlieren den Überblick bei all den Informationen. 66 % fühlen sich nicht besser informiert. 77 % der Kunden helfen die erweiterten Informationen nicht, den Inhalt besser zu verstehen. Und 71 % der Kunden fragen, ob sie auf die Informationen verzichten können.

Raus aus Wertpapieren
Noch kontraproduktiver ist, was die Umfrage weiters zeigt. Nämlich, dass sich sehr viele Kunden vom Kapitalmarkt zurückziehen, weil sie von Infos regelrecht „überschwemmt“ werden: 27 % der Kunden möchten in Zukunft weniger am Kapitalmarkt veranlagen und sich weniger komplexen Veranlagungen zuwenden („Zurück zu Spareinlagen“), 34 % der Kunden wollen sich aus Anleihen zurückziehen. Und am alarmierendsten im Hinblick auf die private Vermögensbildung: 28 % der Kunden wollen sich aus Anlagen in Aktien zurückziehen, 29 % aus Fonds.

Fazit: „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint“ scheint auf die Auswirkungen, die MiFID II auf Anleger in der Praxis hat, zuzutreffen. Das und die Kundenreaktionen konterkarieren aber alle Bemühungen, private Vermögensbildung am Kapitalmarkt, und besonders Privataktionärstum, zu fördern. Ob das im Sinne der Erfinder ist?

Foto: Pixabay / geralt

 

 

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„Fehlentwicklungen aufzeigen und bekämpfen“

Der neue IVA-Vizepräsident Florian Beckermann im Gespräch über Themen und Ziele. 

Manfred Kainz. Er ist in der Aktionärsszene kein Unbekannter, im Gegenteil. Mit an die 200 besuchten Hauptversammlungen heimischer Aktiengesellschaften in den vergangenen zehn Jahren ist Florian Beckermann (Foto) kritisch-aktiver Aktionär und seit 2012 Vorstandsmitglied des Interessenverbandes für Anleger (IVA). In Nachfolge von Michael Knap, der seine IVA-Vizepräsidentenfunktion kürzlich ruhend stellte, hat Beckermann nun diese Funktion übernommen. Und leitet damit gewissermaßen einen Generationswechsel im IVA ein. Beckermann ist Volkswirt, Jurist, Managing Director im Immobilienbereich sowie Associate Professor für Bilanzierung & Bilanzanalyse. Der Börsen-Kurier sprach mit ihm über seine Themen und Ziele im IVA.

Pro Präsenz-HV
In Zeiten von virtuellen Hauptversammlungen bricht Beckermann eine Lanze für Präsenzversammlungen. Diese seien „das Forum der Aktionäre, wo sie dem Vorstand und Aufsichtsrat zumindest einmal im Jahr persönlich physisch in die Augen schauen können. Das Podium muss detailliert Rede und Antwort stehen und es soll eine echte offene Diskussion stattfinden“. Lebendige Aktionärskultur sei ein „People‘s business“, das digital nicht ersetzt werden könne, „und eben keine Barbara-Karlich-Show im Nachmittags-TV. Eine Hauptversammlung kann unterhalten, ist aber keine Unterhaltungsveranstaltung oder bloße Formalität“, so Beckermann.

Verbreiterung
Am Beispiel Wirecard, das auch zahlreiche österreichische Anleger betrifft, zeige sich weiters, dass Anlegeraufklärung und Anlegerschutz mittlerweile eine grenzüberschreitende, internationale Herausforderung sind. Daher formuliert er seine „Kernbotschaft“ als neuer IVA-Vize so: „Vernetzte Märkte bedürfen auch eines vernetzten Anlegerschutzes, sodass auch internationale Fehlentwicklungen schnell aufgezeigt und bekämpft werden können.“

Deshalb pflegt der IVA schon seit jeher Kontakte mit den europäischen Organisationen und Verbänden im deutschsprachigen Raum. So wie in den dortigen Organisationen üblich, wünscht sich Beckermann für die Zukunft mehr Akteure im Anlegerschutz; aus aktuellen Anlässen seien gerade auch Aufsichtsräte aufgerufen – insbesondere wenn internationale Erfahrung gegeben ist.

Young Shareholders
Weiteres Ziel Beckermanns ist es, mittels „Netzwerkarbeit“ junge Menschen zum Aktionärstum zu motivieren. Ein Kick-Off organisierte er schon im Herbst 2019 mit der gutbesuchten Premierenveranstaltung mit der World Federation of Young Investors, wo die IVA-Initiative „Young Shareholders Austria“ aus der Taufe gehoben wurde. Aktionär sein und das Recht, Anteile zu kaufen und zu verkaufen, heiße auch, Verantwortung zu haben und seine Rechte als Aktionär bzw. Depotinhaber zu kennen, ist Beckermanns Credo. Denn eines professionellen Anlegerschutzes gegen Missbräuche und Selbstbedienungsmentalität zu bedürfen, könne „jeden treffen“.

Aktionäre von morgen
Der neue IVA-Vize setzt auf junge „Aktiensparer von morgen“. Denn das seien Menschen, die sich mit Bitcoin beschäftigen, ihre Finanzangelegenheiten am Handy erledigen und über diverse (digitale) „Vehikel“ schon am Kapitalmarkt teilnehmen. Deren Interesse sei da, jetzt müsse man sie zum „Sprung“ in Aktien motivieren. „Die Stimme bei einer Hauptverssammlung zu erheben kommt mit dem Selbstbewusstsein von ganz allein.“ So gesehen will Beckermann den IVA und den Anlegerschutz „in die nächste Generation führen“ und sieht, dass bei vielen Jungen „angekommen ist, dass man sich einbringen kann“. Diese und alle anderen seien zum Mitmachen aufgerufen.

Viel Handlungsbedarf
Auch die volkswirtschaftliche Sicht ist Beckermann ein Anliegen. „Green Finance“ sei die Chance, nachhaltiges Anlegen in der Bevölkerung zu verankern und die „Elemente Stärkung des Investitionsstandortes und bewusstes Aktionärstum“ zu verbinden. Jeder habe „Verantwortung für seine finanzielle Zukunft“ und Krisen wie Corona würden zeigen, dass die Renten nicht „sicher“ sind. Daher brauche es mehr Bewusstsein, dass z. B. Pensionskassen in Aktien investieren und so dem Wirtschaftskreislauf Kapital zuführen, und dass es bei den vielgepriesenen Startups um Risikokapital geht. Eine Behalte-Frist für Aktien, ab der Erträge dann steuerfrei sind, wünscht sich Beckermann von der Politik, ebenso wie verpflichtende Realwirtschafts- und Finanzbildung im Schulsystem. Angesichts der aktuellen Anlegerschädigungsfälle verweist er auf Skandinavien: Dort lernen schon Schüler, wie man eine Bilanzanalyse macht.

Foto: Florian Beckermann

 

 

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Bewährungsprobe überstanden

Börsegehandelte Indexfonds: eine günstige Beimischung für jedes Portfolio.

Patrick Baldia. Auch wenn sie sich den Corona-bedingten Verwerfungen an den Börsen nicht entziehen konnten, so haben ETFs seit April wieder ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben. Das gilt vor allem für den europäischen Markt, wo die Anbieter laut dem Fondsanalysehaus Lipper allein im Juni Zuflüsse in der Höhe von 13,7 Mrd Euro verbuchen konnten. „Von einem De-Risking kann nicht mehr die Rede sein“, so Bahram Sadighian, Director ETF and Index Investments Austria and Eastern Europe bei BlackRock Investment Management, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Seit Anfang April habe sich das Geschäft mit passiven Fonds extrem stark entwickelt.

Auch beim Konkurrenten Vanguard gibt es derzeit wenig Anlass zum Trübsal blasen. „2020 war für uns bislang ein sehr erfolgreiches Jahr – und das trotz der sehr hohen Volatilität von 40 %“, sagt Chris Hofmann, Senior Sales im Team Deutschland & Österreich, uns gegenüber. Wie Sadighian macht auch die Vanguard-Expertin aktuell einen Trend zu Anleihen aus. „Aber nicht Wetten auf einzelne Fixed-Income-Assetklassen“, konkretisiert sie. Grundsätzlich wären derzeit sowohl Aktien- als auch Anleihen-ETFs gefragt.

Handelbarkeit zu jedem Zeitpunkt
Für Hofmann, die bereits 2009 am Trading-Desk gesessen ist, haben sich ETFs auch während der aktuellen Krise bewährt – auch wenn einige Anleihe-ETFs im März vorübergehend unter ihrem NAV gehandelt wurden. Die Expertin verweist darauf, dass ein ETF immer nur so liquide ist wie der zugrundeliegende Markt. Auch während des bisherigen Höhepunkts im März, habe sich jedenfalls gezeigt, was viele Kritiker ETFs in Krisenzeiten absprachen: Die Handelbarkeit sei zu jedem Zeitpunkt gegeben gewesen. Ähnliches berichtet auch Sadighian: „Vor allem kleinere Positionen konnten innerhalb weniger Stunden verkauft werden.“

Nicht krisensicher?
„Dass Indexfonds nicht krisensicher bzw. nicht durchgängig handelbar sind und gerade in volatilen Marktphasen aktive Manager viele Vorteile haben, sind Ammenmärchen der aktiven Fondsindustrie“, meint Ali Masarwah, Analyst beim Fondsratinghaus Morningstar. Zwar hätten sich aktiv verwaltete Fonds zu Beginn der „Corona-Korrektur“ Ende Feber teilweise besser geschlagen. Seit dem Umschwung Ende März hätten aber wiederum ETFs die Nase vorn. „Im Durchschnitt hinken aktiv verwaltete Fonds der passiven Konkurrenz hinterher – egal ob in steigenden oder fallenden Märkten“, so der Fachmann.

Dass das für praktisch alle Fondskategorien und Zeiträume gilt, zeigt das aktuelle Morningstar-Fondsbarometer. Demnach sind auf Ein-Jahressicht im Durchschnitt nur 38 % der aktiven Fonds besser als ihre Indexfonds-Konkurrenten. Über einen Zeitraum von 15 Jahren sinkt die Erfolgsbilanz auf rund 15 %. Bei Rentenfonds schneiden auf kurze Sicht nur ein Viertel der aktiven Fonds besser ab als Indexfonds. Langfristig sind es deutlich unter 20 %. Insgesamt gehen bei aktiv gemanagten Aktien- und Rentenfonds die Erfolgsquoten bei längeren Betrachtungsräumen zurück.

Kostenthema
Wenn man das Risiko einer Underperformance minimieren möchte, müsse man auch auf die Kosten schauen. Das gelte auch für aktiv verwaltete Fonds – allerdings nur die Günstigsten. Das Morningstar Fondsbarometer zeigt regelmäßig, dass Fonds, die zum günstigsten Quintil zählen, das Teuerste outperformen. „Im Durchschnitt weisen 46 % der günstigsten Fonds, aber nur 17 % der teuersten Fonds eine Outperformance auf“, so Masarwah.

Foto: Pixabay / viarami

 

 

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China bleibt Wachstumsmotor der Schwellenländer

Ein Kommentar von Emil Wolter, Portfoliomanager des Comgest Growth Emerging Markets

(22.07.) Die Weltwirtschaft steckt in einer Rezession, von der auch die Schwellenländer nicht verschont bleiben. Allerdings gibt es bei all dem Schatten, der sich derzeit breit macht, auch Licht: Aus Sicht der unabhängigen internationalen Fondsgesellschaft Comgest haben Schwellenlandaktien nach einem Jahrzehnt der schwachen Performance nun starkes Aufholpotential. Der Wachstumstreiber dieser Renaissance ist und bleibt vorerst China. Das Land hat sich nicht nur während der Covid-19-Krise, trotz Handelskrieg, Virus-Eindämmung und Dollar-Stärke, für viele als unerwarteter sicherer Hafen bewährt. Vielmehr wächst seine Bedeutung für die Weltwirtschaft sowie an den Börsen zunehmend, während sich das Reich der Mitte allmählich zum Zentrum wichtige