Gesetzesentwurf Zukunftsdepot: Kein Geschenk von Opa Stocker
Anlegerschützer Florian Beckermann fordert beim Zukunftsdepot direkte Einzahlungen durch Großeltern und andere Angehörige. Die Beschränkung auf gesetzliche Vertreter schaffe unnötige Umwege.
Ein Kommentar von Florian Beckermann, Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger.
(06.11.2026) Bundeskanzler Christian Stocker zeigte sich bei der Verkündigung des „Zukunftsdepot“, motiviert. Er wolle selbst für seine Enkelkinder einzahlen. Ein vernünftiger Ansatz. Doch sieht der jetzige Gesetzentwurf zum Zukunftsdepot gerade eine solche Möglichkeit nicht vor. Vielmehr beschränkt der Entwurf die Einzahlungen auf „gesetzliche Vertreter des Minderjährigen“, also die Obsorgeberechtigten und nicht Großeltern, Paten, Freunde oder sonstige Verwandte. Ein Punkt der zurecht einer breit gefächerten Kritik unterliegt. Oma darf schenken, aber nicht einzahlen? Das klingt lebensfremd.
Großeltern wollen zum Geburtstag nicht die zehnte Gummi-Ente, sondern einen ETF-Sparplan schenken. Die Patentante möchte zum Schulbeginn 100 Euro zum Vermögensaufbau beitragen. Antwort des Gesetzentwurfs: Schön, aber bitte nur über die Eltern. Natürlich können Angehörige ihnen Geld überlassen, das sie anschließend einzahlen. Das Verbot betrifft die direkte Einzahlung, nicht das Schenken selbst. Aber warum muss der Staat aus einer einfachen Überweisung einen administrativen Staffellauf machen? Geld erst an die Eltern, dann ans Depot – Hauptsache, der richtige Absender steht auf dem Kontoauszug. Finanzbildung auf Österreichisch: Wer sparen will, muss zuerst die Bürokratie verstehen?
Soziale Realität: In manchen Familien haben Eltern Geld, in anderen die Großeltern. Manche Kinder werden von mehreren Angehörigen unterstützt. Die Transferzahlungen beispielsweise vom Land in die Stadt sind längst Realität. Doch hier kommt ein Förderinstrument daher, das freiwillige Helfer ausbremst – etwas peinlich.
Als Gegenargument wird „Geldwäscheprävention“ ins Feld geführt. Das hinkt etwas. Natürlich ist Geldwäsche, wo es geht, zu verhindern. Doch zum einen ist der Maximalbetrag von 5.000 Euro pro Jahr nicht besonders üppig für Geldwäsche. Andererseits wäre es ein ziemlich langer Waschvorgang von maximal 18 Jahren. Drittens wäre diesem Argument mit einer einfachen administrativen Öffnung abgeholfen: Da jedem Depot ein Verrechnungskonto zugrunde liegt, könnten die Eltern einfach weitere Konten als mögliche Einzahler auf dieses Verrechnungskonto freigeben – so passiert es in Deutschland. Oder man würde Einzahlungen unter einer gewissen Schwelle grundsätzlich freistellen. Zumal ohnehin nur Überweisungen möglich sind, liegt hier kein besonderes großer Geldwäschekonfliktpunkt.
Was soll also die Einschränkung bewirken? Sie erhöht nicht die Sicherheit, verbessert nicht die Diversifikation und schützt vor keinem schlechten Fonds. Sie produziert nur Umwege.
Die Lösung ist simpel: Einzahlungen durch Angehörige und andere Dritte zulassen, sofern sie eindeutig zugeordnet werden können und die Jahressumme 5.000 Euro nicht überschreiten. Die Verfügungsbefugnis über das Depot bleibt selbstverständlich beim gesetzlichen Vertreter. Wer Vermögensaufbau ernst nimmt, muss nicht nur zum Sparen ermuntern, sondern auch das Einzahlen erlauben.
Übrigens, sind die 5.000 Euro eigentlich indexiert?
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Börsencrash: Was Anleger bei fallenden Aktienkursen tun sollten
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(06.11.2026) Kommt er oder kommt er (noch) nicht? Zuletzt waren unter Experten vermehrt Stimmen auszumachen, die mit Verweis auf die gefährliche Gemengelage mit überhöhten Tech-Bewertungen, Inflation und geopolitischen Spannungen vor einem großen Börsencrash warnen. Auch wenn Sentiment-Indikatoren derzeit keinen Anlass bieten, unmittelbar in den Alarmmodus zu verfallen, sollten sich Anleger damit auseinandersetzen, wie sie sich im Ernstfall verhalten sollen. Die Erkenntnisse der Behavioral Finance könnten dabei hilfreich sein, sagt Manfred Frühwirth, Professor am Department of Finance, Accounting & Statistics der WU Wien.
Crash: Besser geht‘s nicht
„Die meisten Menschen wissen nicht, dass der Crash eigentlich der beste Zeitpunkt ist, um zu kaufen“, so Frühwirth. Aufgrund von mehreren psychologischen Faktoren könne man dann nämlich mit großer Wahrscheinlichkeit unterbewertete Assets erwerben, meint er im Börsen-Kurier-Gespräch. Früher oder später würden nämlich die Kurse von unterbewerteten, breit diversifizierten Papieren zu ihrem Fundamentalwert zurückkehren.
Zu tun habe das unter anderem mit dem sehr häufigen Börsenfehler – im Fachjargon ist von Extrapolieren die Rede –, in der Vergangenheit beobachtete Entwicklungen wie Kursanstiege oder -verluste als Basis für eine Prognose zu nehmen. Dabei werde vergessen, dass, wenn die Medien über Kursanstiege berichten, diese bereits erfolgt seien. „Kommt man dann erst drauf, dass man auch dabei sein will, ist es oft schon zu spät“, hält Frühwirth fest.
Nicht der Masse folgen
Der Ablauf wiederholt sich: Mehr und mehr Anleger steigen ein, bis die Masse den Kurs immer weiter über den fundamentalen Wert hinaustreibt und damit eine zunehmende Überbewertung bewirkt. Laut Frühwirth würden dann irgendwann meist professionelle Anleger darauf kommen, dass die Bewertungen zu hoch seien bzw. nicht mehr zu rechtfertigen seien. Sie würden dann beginnen zu verkaufen, wodurch sich das Ganze in die andere Richtung wiederhole und es zu immer stärkeren Kursrückgängen komme. „Bis hin zu einer massiven Unterbewertung“, so Frühwirth.
Ein weiteres, in hitzigen Börsenphasen häufig zu beobachtendes Phänomen sei das Regret-Problem. Laut dem Finanzwissenschaftler beschreibt dieses ein Verhalten, das stark von der Angst getrieben wird, Entscheidungen zu treffen, die sich später als die falschen herausstellen. Die Folge: Von einer Handlung, wie etwa einem Aktienkauf, wird völlig abgesehen. Als Lösung empfiehlt Frühwirth sehr starre Regeln. „Im Crash sollte man beispielsweise für sich fixe Limits definieren, ab wann man wieder wie viel kaufen sollte.“ Bei der Titelselektion spricht die empirische Finanzliteratur eine klare Sprache: Das Branchenrisiko bzw. einzelne Aktien seien zu meiden, stattdessen sollte man breit diversifizieren.
Falscher Blick auf die Dividende
Ein ganz wichtiges Thema, das mit vielen Fehlern verbunden ist, sind für Frühwirth Dividenden. „Der größte ist wohl, nicht zu verstehen, dass man sich die Dividende praktisch selber zahlt.“ Der WU-Professor vermutet, dass sie von vielen als etwas Ähnliches wie Sparbuchzinsen gesehen werden. Allerdings seien Sparbücher Fremdkapital, während Aktien dem Eigenkapital zuzurechnen seien. Auch würden viele Anleger den Dividendenabschlag (der theoretische Kursrückgang am Ex-Dividenden-Tag, Anm.) nicht ernst nehmen in der Annahme, dieser sei schnell aufgeholt. „Das hat aber damit zu tun, dass Aktien generell einen positiven Trend aufweisen“, erklärt Frühwirth. Mit breit diversifizierten ETFs könne man daher davon ausgehen, langfristig Kursanstiege zu sehen.
Autor: Mag. Patrick Baldia
Lenzing-Aktie: Warum Analysten trotz Fortschritten vorsichtig bleiben
Nach dem Kurssturz und der Kapitalerhöhung zeigen die neuen Lenzing-Quartalszahlen erste Fortschritte beim Konzernumbau. Die Margen verbessern sich, doch hohe Verluste und die Verschuldung bleiben Herausforderungen. Was bedeutet das für die Lenzing-Aktie und wie beurteilen Analysten die weiteren Aussichten?
Erstveröffentlichung: 25.08.2026. Aktualisierung vom 1.11.2026.
Der Oktober war kein einfacher Monat für Lenzing. Die angekündigte Kapitalerhöhung sorgte für einen starken Kursrücksetzer. Notierte die Aktie Ende September bei knapp mehr als 20 €, waren es vor wenigen Tagen rund 10 €. Am 21. Oktober war es schließlich so weit: 34.756.362 neue Lenzing-Aktien wurden zu einem Bezugspreis von 8,65 € ausgegeben. Der Bruttoerlös betrug 301,2 Millionen Euro.
Für Anleger stellt sich nun die Frage, ob die Kapitalerhöhung und der laufende Konzernumbau die Voraussetzungen für eine nachhaltige Kurserholung schaffen. Die am 5. November veröffentlichten Quartalszahlen liefern dazu erste Anhaltspunkte. Während Lenzing bei der bereinigten operativen Profitabilität Fortschritte erzielt, belasten hohe Verluste und die Verschuldung weiterhin den Konzern. Analysten bleiben deshalb vorsichtig.
Lenzing-Quartalszahlen: Erste Fortschritte beim Konzernumbau
Die ersten neun Monate 2026 zeigen ein gemischtes Bild. Der Umsatz sank um 2,3 % auf 1,93 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA blieb mit 353 Millionen Euro nahezu unverändert. Die bereinigte EBITDA-Marge verbesserte sich von 17,9 auf 18,3 %. Besonders deutlich fiel die Verbesserung im dritten Quartal aus: Hier stieg die bereinigte Marge gegenüber dem Vorjahresquartal von 13,3 auf 17,3 %.
Das ausgewiesene EBITDA sank hingegen um 7 % auf 316,4 Millionen Euro. Es wurde durch Restrukturierungsaufwendungen von 36,6 Millionen Euro belastet.
Unter dem Strich verbuchte Lenzing einen Verlust von 130,3 Millionen Euro. Dazu trugen insbesondere Wertberichtigungen von 136,1 Millionen Euro auf die Standorte Heiligenkreuz und Grimsby bei. Ohne Wertberichtigungen und Restrukturierungseffekte hätte der Konzern einen bereinigten Gewinn nach Steuern von 42,4 Millionen Euro erzielt.
Die Nettofinanzverschuldung lag Ende September bei 1,42 Milliarden Euro. Dieser Wert berücksichtigt die erst im Oktober abgeschlossene Kapitalerhöhung noch nicht.
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der Konzern nun ein bereinigtes EBITDA zwischen 430 und 460 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es 425,6 Millionen Euro. Entscheidend für die weitere Entwicklung der Lenzing-Aktie wird sein, ob sich die verbesserte operative Profitabilität nachhaltig in höheren Ergebnissen und einer geringeren Verschuldung niederschlägt.
Die vollständigen Ergebnisse finden sich im Zwischenbericht für die ersten neun Monate 2026.
Lenzing-Aktie: Analysten bleiben trotz Fortschritten vorsichtig
Die Analysten bleiben bei der Lenzing-Aktie zurückhaltend. Raiffeisen Research empfiehlt „Halten“ mit einem Kursziel von 11,50 €. Die Deutsche Bank reduzierte ihr Kursziel Ende Oktober von 22 auf 12,70 € und bleibt ebenfalls bei „Halten“. Berenberg nennt 17 € als Kursziel. Alle Einschätzungen stammen noch aus der Zeit vor den Quartalszahlen vom 5. November.
Raiffeisen-Analyst Gregor Koppensteiner verweist auf die schwache Textilkonjunktur und den zunehmenden Wettbewerbsdruck: „Gleichzeitig begrenzen Überkapazitäten und die zunehmende Wettbewerbsfähigkeit asiatischer Hersteller die Auslastung und Preissetzung im Markt für Cellulosefasern.“
Robuster entwickle sich hingegen das Vliesstoffgeschäft, etwa für Hygiene- und Reinigungsprodukte. Insgesamt sieht Koppensteiner Lenzing als langfristige Erholungsgeschichte für geduldige Aktionäre. Ob die jüngsten Fortschritte bei der Profitabilität die Analysten optimistischer stimmen, bleibt abzuwarten.
Eine Übersicht der Analysteneinschätzungen veröffentlicht Lenzing auf seiner Seite Analysten & Consensus.
Was die Kapitalerhöhung für Lenzing-Aktionäre bedeutet
Die Kapitalerhöhung erfolgte im Bezugsverhältnis 10:9. Für jeweils zehn bestehende Aktien konnten Aktionäre neun neue Aktien zu 8,65 € erwerben.
Dadurch stieg die Zahl der ausgegebenen Aktien von rund 38,6 auf 73,4 Millionen. Für Aktionäre, die ihre Bezugsrechte weder ausübten noch verkauften, verringerte sich der prozentuelle Unternehmensanteil um rund 47 %. Wer seine Bezugsrechte vollständig ausübte, konnte seine Beteiligungsquote hingegen grundsätzlich erhalten.
Die Kernaktionäre unterstützten die Kapitalmaßnahme. Das Aktionärssyndikat aus der B&C-Gruppe und dem brasilianischen Zellstoffkonzern Suzano hält nach der Kapitalerhöhung weiterhin rund 52,25 % der Stimmrechte. Davon entfallen rund 39,6 % auf die B&C-Gruppe und 12,6 % auf die Suzano International Trade GmbH. Zusätzlich erwarb die Suzano Holding S.A. eine direkte Beteiligung von rund 0,8 %.
Die endgültige Aktionärsstruktur erläutert Lenzing in seiner Mitteilung vom 29. Oktober 2026.
Neue Strategie soll Lenzing profitabler machen
Mit der Ende Juli vorgestellten Strategie „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ konkretisiert Lenzing seine Neuausrichtung hin zu einem weniger zyklischen und profitableren Geschäftsportfolio. Hintergrund sind anhaltende Überkapazitäten, die zunehmende Wettbewerbsfähigkeit asiatischer Hersteller und eine geringere Zahlungsbereitschaft für nachhaltigkeitsbasierte Differenzierung im Textilgeschäft.
Mittelfristig strebt der Konzern einen Umsatzmix von jeweils rund 30 % für Textilien, Vliesstoffe und Zellstoff sowie rund 10 % für sonstige Aktivitäten an.
Teil des Umbaus ist die Neuordnung des internationalen Produktionsnetzwerks. Für den indonesischen Standort Purwakarta läuft ein Verkaufsprozess. In Heiligenkreuz im Burgenland soll die Produktion bis Ende März 2027 eingestellt werden, im britischen Grimsby bis Ende 2027. Für beide Standorte prüft Lenzing zugleich Verkaufsoptionen.
Mit dem Rückzug aus margenschwachen Standardfasern nimmt der Konzern zunächst geringere Umsätze in Kauf. Im Gegenzug sollen höherwertige Textilfasern, das Vliesstoffgeschäft und innovative Anwendungen für Hygiene- und Filterprodukte künftig stärker zum Ergebnis beitragen.
Lenzing plant Einsparungen von 120 Millionen Euro
Das Restrukturierungsprogramm sieht zusätzliche Einsparungen von insgesamt 120 Millionen Euro gegenüber 2025 vor. Sie sollen bis Ende 2027 vollständig ergebniswirksam werden.
Ein wesentlicher Teil entfällt auf den Personalabbau. Rund 600 Stellen sollen überwiegend in administrativen Bereichen wegfallen und jährliche Einsparungen von 45 Millionen Euro ermöglichen.
Ende September waren bereits die Dienstverhältnisse von mehr als 260 Vollzeitäquivalenten rechtlich beendet. Die damit verbundenen annualisierten Einsparungen beziffert Lenzing auf 27 Millionen Euro. Weitere 35 Millionen Euro sollen durch Optimierungen bei Energieverbrauch und operativen Kosten erzielt werden.
Hinzu kommen zusätzliche Einsparungen durch die Neuordnung des Produktionsnetzwerks und geringere Verwaltungskosten. Der Konzernumbau soll damit schrittweise die Profitabilität verbessern.
Lenzing will EBITDA-Marge auf 20 bis 25 % steigern
Mit dem Konzernumbau verfolgt Lenzing ambitionierte Finanzziele. Mittelfristig soll die EBITDA-Marge auf 20 bis 25 % steigen. In den ersten neun Monaten 2026 lag die ausgewiesene Marge bei 16,4 %, die um Restrukturierungseffekte bereinigte Marge bei 18,3 %.
Zugleich will das Unternehmen den Verschuldungsgrad von 3,3 Ende 2025 auf unter 2,5 senken. Das EBITDA soll durch die strategischen Maßnahmen um rund 150 Millionen Euro verbessert werden.
Zusätzlichen finanziellen Spielraum sollen die abgeschlossene Kapitalerhöhung über rund 300 Millionen Euro und neue Finanzierungsvereinbarungen im Umfang von ebenfalls rund 300 Millionen Euro schaffen. Von Letzteren war Anfang November etwa die Hälfte bereits verbindlich vereinbart. Die vollständige Umsetzung der Finanzierungsmaßnahmen ist bis Jahresende vorgesehen.
Entscheidend wird sein, ob Lenzing die geplanten Einsparungen tatsächlich realisieren und seine Profitabilität trotz des schwierigen Marktumfelds nachhaltig verbessern kann.
Lenzing-Aktie: Welche Chancen und Risiken bleiben?
Chancen: Die Kapitalerhöhung stärkt die Eigenkapitalbasis und verringert den Finanzierungsdruck. Der Ausbau des Vliesstoffgeschäfts, die geplanten Einsparungen und eine mögliche Erholung der Textilnachfrage könnten die Erträge mittelfristig verbessern. Erste Fortschritte zeigen sich bereits bei der bereinigten operativen Marge.
Risiken: Der Konzernumbau ist kostspielig und sein Erfolg noch ungewiss. Überkapazitäten, Preisdruck und die Konkurrenz asiatischer Hersteller bleiben Herausforderungen. Zudem verteilen sich künftige Gewinne durch die Kapitalerhöhung auf deutlich mehr Aktien.
Ob die Lenzing-Aktie nach dem Kurssturz wieder nachhaltig zulegen kann, hängt vor allem davon ab, ob der Konzern seine Margenziele erreicht, die Verschuldung reduziert und der Umbau des Textilgeschäfts gelingt. Die Analysten bleiben vorerst vorsichtig.
Autoren: Raja Korinek, Christian Sec
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KI-Aktien: Neue Chancen bei Hardware- und Speicherspezialisten
Nicht nur Nvidia profitiert vom KI-Boom. Speicherhersteller wie Seagate und Western Digital melden stark steigende Umsätze. Doch wie lange hält die Nachfrage nach KI-Hardware an?
(26.06.2026, aktualisiert am 04.11.2026) Der KI-Boom an der Börse geht weiter. Nachdem in der ersten Phase vor allem Hersteller von KI-Chips wie Nvidia, Broadcom oder Micron Technology im Mittelpunkt standen, rücken zunehmend weitere Unternehmen der KI-Wertschöpfungskette in den Fokus. Dazu zählen insbesondere Anbieter von Speicherlösungen und anderer Hardware für Rechenzentren.
KI-Hardware-Aktien: Seagate und Western Digital profitieren
Bernhard Ruttenstorfer, Fondsmanager des Espa Stock Techno, bezeichnet Unternehmen wie die Anbieter von Massenspeicherlösungen Seagate und Western Digital als die „Werkzeughersteller des KI-Booms“. „Auch ihr Geschäft wächst aufgrund der breiten Nachfrage und hohen Investitionen extrem“, sagte er im Gespräch mit dem Börsen-Kurier im Juni 2026 und verwies auf die bereits damals bis Ende 2027 vollen Orderbücher der Anbieter.
Western Digital: Bis zu 76 % Kurspotential
Western Digital zählt zu den weltweit führenden Herstellern von Festplatten und konzentriert sich seit der Abspaltung des Flash-Speichergeschäfts im Februar 2025 auf hochkapazitive Datenspeicher. Zu den wichtigsten Kunden zählen große Cloud- und Rechenzentrumsbetreiber. Der KI-Boom lässt den Bedarf an Speicherplatz kräftig steigen, wovon Western Digital profitiert. Die jüngsten Geschäftszahlen bestätigen die starke Nachfrage. Western Digital steigerte den Umsatz im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 um 55 % auf 4,38 Milliarden US-Dollar. Die bereinigte Bruttomarge erreichte 58,1 %. Für das laufende zweite Geschäftsquartal erwartet der Konzern einen Umsatz von rund 5,1 Milliarden US-Dollar.
Trotz des deutlichen Kursrückgangs bleibt die Mehrheit der Analysten für Western Digital optimistisch. Laut Investing.com empfehlen 21 von 26 Analysten die Aktie zum Kauf, fünf raten zum Halten. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 613,38 US-Dollar und damit rund 77 % über dem Schlusskurs vom 3. November. Allerdings haben mehrere Investmentbanken ihre Kursziele zuletzt reduziert. Die hohen Wachstumserwartungen bleiben damit ein Risiko.
Seagate Technology: Bis zu 72 Prozent Kurschance
Auch Seagate Technology, einer der weltweit führenden Hersteller hochkapazitiver Festplatten für Cloud-Anbieter und Rechenzentren, profitiert vom steigenden Speicherbedarf durch Künstliche Intelligenz. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 erzielte der Konzern einen Umsatz von 4,2 Milliarden US-Dollar und einen freien Cashflow von 1,5 Milliarden US-Dollar. An der Börse geriet die Aktie dennoch zuletzt deutlich unter Druck. Die Analysten bleiben überwiegend zuversichtlich: Laut MarketBeat empfehlen 23 von 28 Experten den Kauf, fünf raten zum Halten. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 1.001 US-Dollar. Besonders optimistisch ist Baird, das sein Kursziel Ende Oktober von 1.080 auf 1.350 US-Dollar anhob. Citi reduzierte dagegen sein Kursziel von 1.300 auf 1.050 US-Dollar, bestätigte aber die Kaufempfehlung. Zu den Risiken zählen die hohe Bewertung und eine mögliche Ausweitung der Produktionskapazitäten im Festplattenmarkt.
KI-Infrastruktur: Rechtfertigen die Umsätze die Milliardeninvestitionen?
Neben den rasant steigenden Nutzerzahlen wird der Boom auch von den enormen Summen befeuert, die US-Tech-Konzerne wie Google, Microsoft, Amazon oder Oracle in KI und KI-Infrastruktur investieren. Bereits im Juni wurde für 2026 ein Investitionsvolumen von 670 Milliarden US-Dollar und für 2027 ein weiterer Anstieg auf 790 Milliarden US-Dollar erwartet. Die entscheidende Frage bleibt, ob sich diese Ausgaben langfristig rechnen.
Für Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, kommt es darauf an, ob Cloud-Dienste, Unternehmenssoftware, KI-Abonnements und neue Anwendungen ausreichend zusätzliche Erlöse bringen, um die hohen Investitionen zu rechtfertigen. Verläuft die Monetarisierung langsamer, könnten Unternehmen ihre Investitionen kürzen, was Folgen für die gesamte KI-Wertschöpfungskette hätte, warnte der Experte bereits im Sommer.
Auch Ruttenstorfer betonte, wie wichtig es sei, dass die Kunden der „Werkzeughersteller“ von ihren Investitionen tatsächlich profitieren. „Während das vor einem Jahr noch nicht so klar war, sehen wir jetzt, dass sich das Umsatzwachstum im Cloud- und KI-Bereich mehr und mehr beschleunigt“, erklärte er im Juni. Als Beispiel nannte er Google. Der Tech-Konzern hatte im ersten Quartal 2026 im Cloud-Geschäft ein Umsatzplus von mehr als 60 % erzielt. Eine ähnliche Entwicklung beobachtete er bei Amazon und Microsoft.
Welche Unternehmen vom steigenden Strombedarf der Rechenzentren profitieren, lesen Sie in unserem Überblick über Aktien aus dem Bereich erneuerbare Energien.
Welche KI-Aktien können langfristig profitieren?
Wie können Anleger künftige Gewinner ausfindig machen? Ruttenstorfer analysiert, in welchen Bereichen der KI-Wertschöpfungskette die Nachfrage am größten ist und welche Märkte unterversorgt sind. „Dort haben die Anbieter die Möglichkeit, nicht nur das Volumen zu steigern, sondern auch die Preise zu erhöhen“, erklärt er. Galler empfiehlt Anlegern, sich auch mit der breiteren Wertschöpfungskette zu beschäftigen. Dazu zählen Energieerzeugung, Kühlung, elektrische Komponenten sowie Bau- und Ingenieurleistungen.
Für Anleger sind damit nicht nur die Hersteller von KI-Chips interessant. Auch Unternehmen, die Rechenzentren mit Speichertechnik, Stromversorgung oder Kühlsystemen ausstatten, können vom weiteren Ausbau profitieren. Allerdings sind stark steigende Umsätze nicht automatisch ein Argument für den Kauf einer Aktie. Entscheidend bleiben die Bewertung, die künftige Gewinnentwicklung und die Frage, wie viel Wachstum bereits im Aktienkurs enthalten ist.
Wie stark auch österreichische Unternehmen vom Ausbau der KI-Infrastruktur profitieren, zeigt unsere Analyse zur Infineon-Aktie und den neuen Investitionen in Villach.
OpenAI und Anthropic: Neue KI-Aktien vor dem Börsengang
Auch bei den Entwicklern großer KI-Modelle gibt es neue Entwicklungen. Besonders im Fokus stehen OpenAI und Anthropic. Das Unternehmen hat am 26. Oktober 2026 einen Börsenprospekt bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht und diesen am 2. November aktualisiert. Das Unternehmen, das hinter dem KI-Assistenten Claude steht, meldete für die ersten neun Monate 2026 einen Umsatz von 33,2 Milliarden US-Dollar, schreibt allerdings weiterhin hohe Verluste.
Auch OpenAI bereitet einen Börsengang vor. Das Unternehmen hat bereits im Juni einen vertraulichen Antrag gestellt. Ein verbindlicher Termin und die endgültige Bewertung stehen jedoch noch nicht fest. Die möglichen Börsengänge könnten Anlegern neue Möglichkeiten eröffnen, direkt in Entwickler von KI-Modellen zu investieren. Gleichzeitig dürften die hohen Bewertungen und die enormen Infrastrukturkosten eine zentrale Rolle bei der Beurteilung der Aktien spielen.
Fazit: KI-Hardware-Aktien bieten Chancen, aber keine Garantien
Die jüngsten Zahlen von Seagate und Western Digital zeigen, wie stark die Nachfrage nach Speicherlösungen für Rechenzentren inzwischen ist. Für Anleger lohnt es sich daher, nicht nur auf Nvidia und andere Chiphersteller zu achten, sondern die gesamte KI-Wertschöpfungskette zu betrachten.
Ob die Aktien langfristig attraktiv bleiben, hängt allerdings davon ab, ob die hohen Investitionen der Technologiekonzerne auch entsprechende Erträge bringen. Denn selbst Unternehmen mit starkem Umsatzwachstum können an der Börse enttäuschen, wenn die Erwartungen zu hoch sind.
Autor: Mag. Patrick Baldia
Foto: AdobeStock / Dola
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31.10.2026. Die Schlagzeilen zu Künstlicher Intelligenz (KI) dominieren anhaltend die Finanznachrichten. Dabei wächst die Sorge, ob sich die hohen Investitionen in Ausrüstung und Datenzentren rentieren werden. Manch ein Analyst hat sich die Entwicklungen näher angesehen. Laut Allianz Trade, einem deutschen Kreditversicherer, sind allein die außerbilanziellen Verpflichtungen führender US-Technologiekonzerne für KI-Infrastruktur, Rechenzentren und Energie innerhalb eines Jahres von 573 Milliarden US-Dollar auf mehr als 2,6 Billionen US-Dollar gestiegen (per Ende September).
Auch am Markt für Unternehmensanleihen sind die Konzerne aktive Teilnehmer. Laut einer Studie des Luxemburger Vermögensverwalters Assenagon haben Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft, Oracle und SpaceX in den vergangenen zwei Jahren Anleihen im Volumen von beinahe 400 Milliarden US-Dollar begeben. Bis 2029 könnte die Summe auf gut 5,5 Billionen US-Dollar hinaufschnellen.
KI-Zertifikate: Trader setzen auf steigende und fallende Kurse
Dennoch bleibt der Bereich im Fokus vieler Anleger am Markt für Zertifikate. Darauf verweist Volker Meinel, Zertifikate Experte bei der BNP Paribas, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Er sagt: „KI steht weiterhin hoch im Kurs besonders bei jenen Investoren, die laufend handeln – somit bei sogenannten ,Tradern‘“.
Discount-Zertifikate auf KI-Aktien: Chancen und Risiken
Wie aber nutzen Anleger Chancen? Auch hierzu stellt Meinel klare Tendenzen fest. Er meint: „Vor allem mit Hebelprodukten – und das sowohl auf der Long- als auch auf der Short-Seite“. Schließlich lässt sich auch mit sinkenden Kursen Geld verdienen, sofern Anleger solch einen Umstand richtig einschätzen. „Die hohen Volatilitäten dieser Aktien machen auch ‚Discount-Zertifikate‘ spannend. Je höher die Schwankung einer Aktie ist, desto attraktiver sind die Konditionen eines Discount-Zertifikates.“
Mit diesem Produkt kauft man sich in den Basiswert günstiger ein, als dieser an der Börse kostet. Dafür profitiert man von möglichen Kursanstiegen des Basiswertes begrenzt, und zwar bis zu einem fixen Cap. Nach unten hin gibt es einen Verlustpuffer in Höhe des Diskonts, zu dem man den Basiswert günstiger erworben hat. Erst wenn der Kurs des Basiswertes derart sinkt, dass selbst der Puffer aus dem Diskont aufgebraucht ist, erleidet man mit dem Zertifikat einen Verlust. Dann ist zugleich der Break-Even-Punkt unterschritten.
Turbo-Zertifikate: Auch Währungen im Fokus
Doch wie sieht es mit Chancen in Europa aus? Schließlich standen einige Zeit lang etwa deutsche Rüstungskonzerne auch im Fokus. Der BNP-Paribas-Experte meint: „Rüstung musste zuletzt besonders bei den Tradern den KI-Titeln weichen“.
Eine weitere wichtige Rolle für Euroanleger spielt die Währung. Nutzen Anleger dabei verstärkt die Chance einer Absicherung? „Den jüngsten Rückgang des Euro gerade gegenüber dem US-Dollar konnten Trader mit Short-Produkten gut begleiten, wie auch die Bewegungen am japanischen Währungsmarkt sowie die Stärke des Schweizer Franken.“ Meinel beobachtet, dass Anleger Chancen mit Turbo-Zertifikaten, und somit gehebelt, nutzen. Wird allerdings eine vorgegebene Barriere berührt oder unter- bzw. überschritten, verfällt ein Turbo-Zertifikat.
Interessierte Anleger können etwa auf einen weiteren Anstieg des US-Dollars mit einem Turbo-Long-Zertifikat mit einem aktuellen Hebel von 2,3 setzen. Auch gibt es Chancen mit Discount-Zertifikaten auf Alphabet sowie auf Microsoft. Verluste sind bei allen Produkten möglich.
Autorin: Mag. Raja Korinek
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Big-Tech-Anleihen: So profitieren Sie vom KI-Boom
Die Milliardeninvestitionen in Künstliche Intelligenz sorgen für ein wachsendes Angebot an Big-Tech-Anleihen. Amazon, Microsoft, Alphabet und Oracle bieten Anlegern unterschiedliche Renditen und Risikoprofile. Worauf es bei der Auswahl ankommt.
Die KI-Investitionen von Amazon, Alphabet, Microsoft und Co. treiben die Anleiheemissionen auf Rekordniveau. Für Anleger steigen damit auch die Risiken.
31.07.2026, aktualisiert am 04.11.2026. Der Wettlauf um Künstliche Intelligenz verschlingt immer größere Summen. Rechenzentren, Chips, Netze und eigene Energieversorgung treiben den Kapitalbedarf von Amazon, Alphabet (Google), Microsoft, Meta und Oracle nach oben. Die fünf sogenannten Hyperscaler finanzieren ihre Investitionen zunehmend über den Anleihemarkt. Damit rücken auch Hyperscaler-Anleihen stärker in den Fokus der Anleger.
Laut einer Ende Oktober 2026 veröffentlichten Analyse von LSEG hat sich das Emissionsvolumen der fünf Technologiekonzerne im Investment-Grade-Segment gegenüber 2025 bereits mehr als verdoppelt. Ende August belief sich das ausstehende Anleihevolumen der Unternehmen auf rund 500 Milliarden US-Dollar. Die wachsende Verschuldung verändert damit nicht nur die Risikoprofile einzelner Emittenten, sondern zunehmend auch die Zusammensetzung von Unternehmensanleihen-Indizes.
Big-Tech-Anleihen: Rekordemissionen belasten den Markt
Amazon platzierte im März mit 14,5 Milliarden Euro die bislang größte Emission einer Euro-Unternehmensanleihe. Sie wurde in mehreren Tranchen ausgegeben. Im Juli folgte eine US-Dollar-Emission über umgerechnet rund 22 Milliarden Euro, die um den Faktor 1,6 nur verhältnismäßig moderat überzeichnet war. Der Markt verlangte bei den acht Tranchen mit Laufzeiten von drei bis 40 Jahren bereits Risikoaufschläge zu US-Treasuries von 65 bis 145 Basispunkten.
Inzwischen nimmt das Angebot weiter zu. Laut Reuters haben US-Technologiekonzerne 2026 bereits Anleihen im Volumen von mehr als 250 Milliarden US-Dollar begeben. Allein für den europäischen Markt rechnet Fidelity mit weiteren Emissionen von 40 bis 60 Milliarden Euro. Das wachsende Angebot könnte die Risikoaufschläge erhöhen und damit auch die Finanzierungskosten anderer Unternehmen beeinflussen.
Gleichzeitig konkurrieren die Konzerne mit Staaten um Anlegerkapital. Für bestehende Anleihen bedeutet ein Anstieg der Marktrenditen Kursverluste, die bei langen Restlaufzeiten besonders stark ausfallen können.
Welche Renditen bieten Big-Tech-Anleihen?
Trotz des höheren Emissionsvolumens bieten Anleihen großer Technologiekonzerne nicht automatisch attraktive Mehrerträge gegenüber Staatsanleihen. Vor allem bei mittleren Laufzeiten bleiben die Risikoaufschläge teilweise begrenzt. Am langen Ende fallen sie zwar höher aus, dafür steigt aber auch das Zinsänderungsrisiko.
Ein weiterer Punkt: Die fünf Hyperscaler weisen erhebliche Unterschiede bei Bonität und Verschuldung auf. Laut LSEG lag das durchschnittliche Rating ihrer in den untersuchten Indizes enthaltenen Anleihen zuletzt bei A+. Oracle fällt mit einer durchschnittlichen Einstufung von BBB- deutlich ab. Der Risikoaufschlag seiner Anleihen lag rund 100 Basispunkte über jenem der anderen Hyperscaler.
Für Anleger sind deshalb neben der Rendite bis zur Fälligkeit auch die Restlaufzeit, die Bonität des Emittenten und die Währung entscheidend.
Microsoft und Alphabet: KI-Investitionen belasten Cashflows unterschiedlich
Die jüngsten Quartalszahlen zeigen, dass sich die hohen Investitionen keineswegs bei allen Technologiekonzernen gleich auswirken. Microsoft meldete Ende Oktober für sein erstes Geschäftsquartal 2026/27 ein Umsatzwachstum von 48 % im Cloud-Geschäft Azure. Gleichzeitig erzielte der Konzern einen freien Cashflow von 18,6 Milliarden US-Dollar. Die Investitionsausgaben lagen bei 45,2 Milliarden US-Dollar. Damit zeigt Microsoft, dass stark steigende KI-Ausgaben und hohe freie Cashflows durchaus vereinbar sein können.
Anders stellt sich die Entwicklung bei Alphabet dar. Der Google-Mutterkonzern steigerte den Konzernumsatz im dritten Quartal 2026 um 25 % auf 127,6 Milliarden US-Dollar. Google Cloud wuchs sogar um 103 % auf 30,7 Milliarden US-Dollar. Dennoch fiel der freie Cashflow im Quartal mit minus 9,07 Milliarden US-Dollar negativ aus. Gleichzeitig nahm Alphabet im dritten Quartal durch die Ausgabe neuer unbesicherter Anleihen netto 28,7 Milliarden US-Dollar ein. Die Zahlen verdeutlichen das Spannungsfeld: Während die Nachfrage nach KI-Dienstleistungen kräftig wächst, verschlingen die dafür erforderlichen Rechenzentren enorme Summen.
Wie Anleger auch über Aktien von den milliardenschweren Investitionen in KI profitieren können, zeigt unser Beitrag „KI-Aktien: Die neuen Gewinner bei Hardware und Speicher“.
Oracle-Anleihen: Höhere Renditen bei steigenden Bonitätsrisiken
Besonders deutlich werden die Risiken beim Software- und Cloudkonzern Oracle. S&P Global stufte das Emittentenrating am 9. Juli 2026 von BBB auf BBB- herab. Der Ausblick blieb stabil. Damit befindet sich Oracle nur noch eine Stufe über dem spekulativen Bereich. Hintergrund sind die stark steigenden Investitionsausgaben und die damit verbundene Belastung des freien Cashflows. Oracle hatte seine Investitionsplanung von ursprünglich 60 Milliarden auf 90 bis 95 Milliarden US-Dollar erhöht. Für das Geschäftsjahr 2026/27 wird ein höheres Defizit beim Free Operating Cashflow erwartet, ehe sich die Lage wieder entspannen soll.
Die höheren Renditen der Oracle-Anleihen sind deshalb nicht einfach ein zusätzlicher Ertrag, sondern auch Ausdruck des gestiegenen Kreditrisikos. Sollte sich die Finanzlage weiter verschlechtern, könnte eine weitere Herabstufung die Refinanzierung verteuern.
KI-Boom: Welche Risiken bestehen für Unternehmensanleihen?
Die Ratingagentur Moody’s warnt davor, dass der massive Ausbau der KI-Infrastruktur die Kreditqualität selbst finanzstarker Technologiekonzerne beeinträchtigen könnte. Hohe Investitionen drücken auf die freien Cashflows und erhöhen bei fremdfinanzierten Projekten die Verschuldung. Hinzu kommt, dass sich der wirtschaftliche Erfolg neuer Rechenzentren erst über Jahre hinweg zeigen wird. Während Software vergleichsweise kostengünstig vervielfältigt werden kann, erfordert generative KI erhebliche Investitionen in Gebäude, Server, Chips, Kühlung und Stromversorgung. Für Anleihegläubiger entstehen damit mehrere Risiken gleichzeitig: steigende Zinsen, eine mögliche Verschlechterung der Bonität und die Gefahr, dass die erwarteten KI-Erträge hinter den Prognosen zurückbleiben.
Der steigende Energiebedarf der Rechenzentren eröffnet auch Zulieferern neue Geschäftsmöglichkeiten. So investiert Infineon in Villach 1,1 Milliarden Euro in neue Chiptechnologie. Welche Chancen sich daraus für Anleger ergeben, zeigt unsere Analyse zur Infineon-Aktie.
Fazit: Bei Big-Tech-Anleihen genau auf die Bonität achten
Big-Tech-Anleihen bieten Anlegern die Möglichkeit, über festverzinsliche Wertpapiere an der Finanzierung des KI-Booms teilzunehmen. Die Unterschiede zwischen den Emittenten werden jedoch größer. Während Microsoft trotz hoher Investitionen beträchtliche freie Cashflows erwirtschaftet, stehen bei Alphabet und insbesondere Oracle die Finanzierungskosten und die Entwicklung der Verschuldung stärker im Fokus. Entscheidend ist deshalb nicht allein die Höhe der angebotenen Rendite. Anleger sollten auch die Restlaufzeit, das Rating, die Währung und die weitere Entwicklung der freien Cashflows berücksichtigen. Gerade bei lang laufenden Anleihen können steigende Marktzinsen und höhere Risikoaufschläge erhebliche Kursverluste verursachen.
Autor: Michael Kordovsky
Ausgewählte Hyperscaler-Bonds im Überblick
| Emittent |
ISIN |
Währung |
Rendite bis Laufzeit |
Fälligkeit |
Rating |
| Amazon.com |
US023135DD51 |
USD |
5,05 % |
13.03.2031 |
AA / A1 |
| Amazon.com |
XS3305169172 |
EUR |
3,72 % |
16.03.2032 |
AA / A1 |
| Alphabet |
XS3224609290 |
EUR |
3,61 % |
06.11.2031 |
Aa2 / AA+ |
| Alphabet |
US02079KBK25 |
USD |
4,92 % |
15.02.2031 |
Aa2 / AA+ |
| Meta Platforms |
US30303MAK80 |
USD |
7,04 % |
15.05.2056 |
AA- / Aa3 |
| Meta Platforms |
US30303M8N52 |
USD |
5,47 % |
15.05.2033 |
AA- / Aa3 |
| Microsoft |
XS0922885362 |
EUR |
3,37 % |
02.05.2033 |
AAA / Aaa |
Aktien mit hoher Dividende: Fünf ertragsstarke Titel für 2027
Tabak, Energie, Versorger und Finanzwerte – eine ertragsstarke Mischung. Intesa Sanpaolo und Enbridge überzeugen mit hohen Ausschüttungen und starken Erträgen. Auch Orange, Enel und Altria bieten für 2027 attraktive Dividenden.
Erstveröffentlichung: 10.04.2026, aktualisiert: 3.11.2026
Dividendenaktien bleiben 2026 gefragt: Weltweit schütteten börsennotierte Unternehmen im zweiten Quartal 757,8 Mrd. Dollar an ihre Aktionäre aus. Bereinigt entspricht das einem Anstieg von 7,3 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das zeigt der im September veröffentlichte Global Dividend and Buyback Index von Janus Henderson. Für das Gesamtjahr erwartet der Vermögensverwalter ein Dividendenwachstum von 5 bis 6 %. Besonders stark entwickelten sich die Ausschüttungen im Finanz- und Technologiesektor.
Doch eine hohe Dividendenrendite allein macht eine Aktie noch nicht attraktiv. Entscheidend sind die Nachhaltigkeit der Ausschüttungen, die Gewinnentwicklung und die Bewertung. Unter fünf internationalen Dividendenaktien erscheinen derzeit Intesa Sanpaolo und Enbridge besonders vielversprechend: Die italienische Großbank überzeugt mit hoher Profitabilität und großzügigen Ausschüttungen, der kanadische Pipelinebetreiber mit planbaren Cashflows und kontinuierlich steigenden Dividenden.
Dividendenaristokraten: Stabilität in schwachen Marktphasen
Wie wichtig kontinuierlich steigende Ausschüttungen sein können, zeigt eine Analyse von S&P Dow Jones Indices. Die sogenannten Dividendenaristokraten – Unternehmen aus dem S&P 500, die ihre Dividenden seit mindestens 25 Jahren ununterbrochen erhöhen, erzielten zwischen Ende 1989 und Februar 2025 in Monaten mit fallenden Aktienkursen eine durchschnittliche Überrendite von 0,87 Prozentpunkten gegenüber dem S&P 500.
Die Untersuchung unterstreicht die Bedeutung einer langfristig verlässlichen Dividendenpolitik. Allerdings schützt auch eine jahrzehntelange Ausschüttungshistorie nicht vor Kursverlusten. Bei der Auswahl der folgenden fünf Aktien wurden deshalb neben der Dividendenrendite auch die Ertragsentwicklung, die Finanzierbarkeit der Ausschüttungen und die Geschäftsaussichten für 2027 berücksichtigt.
Aktien mit hoher Dividende sind für Anleger interessant, die regelmäßige Erträge erzielen möchten. Besonders gefragt sind Unternehmen mit einer Dividendenrendite von mehr als 5 %. Doch eine hohe Ausschüttung allein macht eine Aktie noch nicht attraktiv. Entscheidend ist, ob Gewinne und Cashflows ausreichen, um die Dividende langfristig zu finanzieren und möglichst zu steigern. Worauf Anleger bei der Auswahl achten sollten und welche Rolle das Dividendenwachstum spielt, erklärt unser Leitfaden zu Dividendenaktien und langfristigem Vermögensaufbau.
Fünf internationale Aktien aus den Bereichen Banken, Energie, Infrastruktur, Telekommunikation und Tabak bieten für 2027 erwartete Dividendenrenditen zwischen rund 6 und 8 %. Am überzeugendsten erscheinen derzeit Intesa Sanpaolo und Enbridge. Die italienische Großbank verbindet hohe Gewinne mit großzügigen Ausschüttungen, während der kanadische Pipelinebetreiber durch stabile Einnahmen und kontinuierlich steigende Dividenden punktet. Auch Orange und Enel sind interessant. Bei Altria stehen den hohen Ausschüttungen dagegen strukturelle Risiken gegenüber.
Das Wichtigste in Kürze
- Intesa Sanpaolo: Die höchste prognostizierte Dividendenrendite der fünf Aktien, steigende Gewinne und eine großzügige Ausschüttungspolitik.
- Enbridge: Langfristige Verträge, planbare Cashflows und durchschnittlich 9 % jährliches Dividendenwachstum über 30 Jahre.
- Orange: Kräftiges Wachstum in Afrika und im Nahen Osten sowie steigende operative Erträge.
- Enel: Stabile Einnahmen aus Stromnetzen und eine auf Dividendenwachstum ausgerichtete Unternehmensstrategie.
- Altria: Hohe Ausschüttungen und starke Cashflows, allerdings rückläufige Zigarettenabsätze.
Welche Dividendenaktien bieten 2027 hohe Renditen?
| Aktie |
Erwartete Dividende 2027 |
Prognostizierte Dividendenrendite |
| Intesa Sanpaolo |
0,49 € |
ca. 8,4 % |
| Altria |
4,52 USD |
ca. 6,5 % |
| Enbridge |
4,01 CAD |
ca. 5,9 % |
| Orange |
0,82 € |
ca. 5,8 % |
| Enel |
0,54 € |
ca. 5,8 % |
Dividendenschätzungen für das Geschäftsjahr 2027. Die Renditen sind Orientierungswerte auf Basis der jeweils zugrunde gelegten Referenzkurse und keine einheitlichen aktuellen Marktrenditen. CAD steht für kanadische Dollar, USD für US-Dollar. Die tatsächlichen Ausschüttungen können von den Prognosen abweichen.
1. Intesa Sanpaolo – hohe Gewinne und großzügige Dividenden
Die italienische Großbank Intesa Sanpaolo zählt zu den profitabelsten Finanzinstituten Europas. In den ersten neun Monaten 2026 stieg der Nettogewinn um 8,1 % auf 8,2 Mrd. Euro. Allein im dritten Quartal verdiente die Bank 2,65 Mrd. Euro. Aufgrund der starken Geschäftsentwicklung hob das Management seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr auf deutlich mehr als 10 Mrd. Euro an.
Die wichtigsten Kennzahlen und Entwicklungen:
- Nettogewinn in den ersten neun Monaten 2026: 8,2 Mrd. Euro, plus 8,1 %
- Gewinnprognose 2026: deutlich mehr als 10 Mrd. Euro
- Geplante Bardividenden: 75 % des Jahresgewinns
- Zusätzlich Aktienrückkäufe von bis zu 20 % des Gewinns, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind
- Dividendenprognose 2027: 0,49 Euro je Aktie, nach 0,45 Euro für 2026
- Prognostizierte Dividendenrendite 2027: rund 8,4 %
- Erwarteter Gewinn je Aktie 2027: 0,64 Euro, nach 0,59 Euro für 2026
Die Ausschüttungspolitik ist ein wesentliches Argument für die Aktie. Für 2026 plant Intesa insgesamt eine Kapitalrückführung von 95 % des Gewinns, davon 75 % in Form von Bardividenden und weitere 20 % über Aktienrückkäufe. Im November werden bereits 0,22 Euro je Aktie als Zwischendividende für das Geschäftsjahr 2026 ausgezahlt. Die hohe Profitabilität und eine solide Kapitalausstattung schaffen Spielraum für weitere Ausschüttungen.
Intesa zählt derzeit zu den aussichtsreichsten Dividendenaktien der Auswahl. Die erwartete Rendite von mehr als 8 % ist besonders attraktiv, weil sie durch hohe laufende Gewinne und eine klar formulierte Ausschüttungspolitik gestützt wird. Auch der für 2027 erwartete Gewinnanstieg spricht für die Aktie. Risiken bleiben eine schwächere Konjunktur, mögliche Kreditausfälle, regulatorische Belastungen und ein Rückgang der Zinsmargen. Entscheidend wird sein, ob die Bank ihre hohe Ertragskraft auch bei einem veränderten Zinsumfeld behaupten kann.
Auch an der Wiener Börse zählen Banken zu den wichtigsten Indexwerten. Wie Erste Group, BAWAG und Raiffeisen Bank International bewertet sind und welche Gewinnprognosen Analysten erwarten, zeigt unser Vergleich der fünf größten ATX-Aktien.
2. Enbridge – Infrastrukturwert mit planbaren Cashflows
Der kanadische Pipelinebetreiber Enbridge betreibt eines der größten Energieinfrastrukturnetze Nordamerikas. Ein erheblicher Teil seiner Einnahmen stammt aus langfristigen Verträgen und Transportgebühren. Dadurch sind die Cashflows weniger stark von kurzfristigen Schwankungen der Öl- und Gaspreise abhängig als bei klassischen Energieproduzenten.
Die wichtigsten Kennzahlen und Entwicklungen:
- Eines der größten Pipeline-Netze Nordamerikas
- Transportiert Erdgas in einer Größenordnung von rund 20 % des US-Verbrauchs
- Gebührenbasierte Einnahmen sorgen für vergleichsweise stabile Cashflows
- 31 Jahre in Folge steigende Dividenden
- Durchschnittliches Dividendenwachstum über 30 Jahre: 9 % jährlich
- Annualisierte Dividende 2026: 3,88 kanadische Dollar je Aktie
- Dividendenprognose 2027: 4,01 kanadische Dollar je Aktie
- Prognostizierte Dividendenrendite 2027: rund 5,9 %
Enbridge zahlt seit mehr als 70 Jahren Dividenden. Die Ausschüttungen wurden über Jahrzehnte kontinuierlich erhöht. Für 2026 beträgt die Quartalsdividende 0,97 kanadische Dollar. Das Unternehmen strebt an, langfristig zwischen 60 und 70 % des ausschüttungsfähigen Cashflows an die Aktionäre weiterzugeben. Dadurch bleibt ein Teil der Mittel für Investitionen in neue Infrastrukturprojekte verfügbar.
Enbridge zählt neben Intesa zu den überzeugendsten Dividendenwerten für 2027. Während die italienische Bank vor allem mit einer besonders hohen erwarteten Rendite punktet, spricht bei Enbridge die langfristige Planbarkeit der Einnahmen für die Aktie. Der umfangreiche Bestand an vertraglich abgesicherten Projekten bietet zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten. Die Dividende dürfte 2027 zwar deutlich langsamer steigen als im langfristigen historischen Durchschnitt, erscheint angesichts des Geschäftsmodells aber vergleichsweise gut abgesichert.
Risiken bestehen durch die hohe Verschuldung, steigende Finanzierungskosten und den erheblichen Kapitalbedarf neuer Projekte. Für Anleger aus dem Euroraum kommt das Wechselkursrisiko des kanadischen Dollars hinzu.
3. Orange – steigende Dividenden und kräftiges Wachstum
Der französische Telekomkonzern Orange verbindet eine attraktive Dividendenrendite mit steigenden operativen Erträgen. Für das Geschäftsjahr 2027 erwarten Analysten eine Dividende von rund 0,82 Euro je Aktie, nach 0,79 Euro für 2026. Das entspricht auf Basis des zugrunde gelegten Referenzkurses einer prognostizierten Dividendenrendite von rund 5,8 %.
Die wichtigsten Kennzahlen und Entwicklungen:
- Umsatz im dritten Quartal 2026: plus 3,6 %
- EBITDAaL, das operative Ergebnis nach Leasingaufwendungen: plus 4,6 %
- Operativer Cashflow in den ersten neun Monaten: plus 8,8 %
- Umsatzwachstum in Afrika und im Nahen Osten: plus 14,2 % im dritten Quartal
- Prognose für das EBITDAaL-Wachstum 2026 auf mehr als 4,5 % angehoben
- Erwarteter organischer Cashflow 2026: rund 4,3 Mrd. Euro
- Dividendenprognose 2027: 0,82 Euro je Aktie
Besonders dynamisch entwickelt sich das Geschäft in Afrika und im Nahen Osten. Dort profitiert Orange von der steigenden Nachfrage nach Mobilfunk- und Datendiensten. Auch in Europa wächst der Konzern. Die vollständige Übernahme des spanischen Gemeinschaftsunternehmens MasOrange stärkt die Marktposition. Gleichzeitig ist damit die Verschuldung gestiegen. Zur Jahresmitte 2026 lag die Nettoverschuldung beim 2,4-Fachen des EBITDAaL. Mittelfristig strebt Orange wieder eine Quote von rund zwei an.
Zusätzliche finanzielle Belastungen könnten sich aus der geplanten Beteiligung an der Übernahme des französischen Telekomunternehmens SFR ergeben. Die Analysten beurteilen Orange dennoch überwiegend positiv. Für Dividendenanleger sprechen vor allem das operative Wachstum, steigende Cashflows und die erwarteten höheren Ausschüttungen. Die Verschuldung bleibt der wichtigste Risikofaktor.
4. Enel – steigende Dividenden beim italienischen Versorger
Der italienische Energiekonzern Enel profitiert von regulierten Stromnetzen und seiner internationalen Aufstellung. Diese Geschäftsbereiche sorgen für vergleichsweise stabile Einnahmen. Im ersten Halbjahr 2026 stieg das bereinigte EBITDA um 3,2 % auf 11,84 Mrd. Euro. Besonders die Aktivitäten in Spanien und Lateinamerika trugen zum Wachstum bei.
Die wichtigsten Kennzahlen und Entwicklungen:
- Bereinigtes EBITDA im ersten Halbjahr 2026: 11,84 Mrd. Euro, plus 3,2 %
- Dividende für das Geschäftsjahr 2025: 0,49 Euro je Aktie
- Dividendenprognose 2027: rund 0,54 Euro je Aktie
- Prognostizierte Dividendenrendite 2027: rund 5,8 %
- Erwarteter Gewinn je Aktie 2027: 0,76 Euro
- Angestrebtes durchschnittliches Dividendenwachstum 2025 bis 2028: rund 6 % jährlich
Die Strategie des Konzerns sieht steigende Gewinne und Ausschüttungen vor. Nach den von Enel veröffentlichten Analystenschätzungen dürfte der bereinigte Gewinn je Aktie von durchschnittlich 0,73 Euro für 2026 auf 0,76 Euro für 2027 steigen. Das Unternehmen setzt vor allem auf den Ausbau und die Modernisierung seiner Stromnetze sowie auf ausgewählte Investitionen in die Energieerzeugung.
Für Dividendenanleger ist Enel wegen der relativ stabilen Einnahmen und der erwarteten steigenden Ausschüttungen interessant. Die Aktie bietet allerdings nicht dieselbe Ertragsdynamik wie Intesa oder Orange. Zudem erfordern der Ausbau der Netze und die Energiewende hohe Investitionen. Verschuldung, Zinsentwicklung und regulatorische Eingriffe bleiben wichtige Risiken.
5. Altria – hohe Ausschüttungen trotz rückläufigem Zigarettenmarkt
Der US-Tabakkonzern Altria zählt zu den beständigsten Dividendenzahlern am amerikanischen Aktienmarkt. Das Unternehmen profitiert von hohen Gewinnmargen und starken Cashflows. Im August 2026 erhöhte Altria seine Quartalsdividende um 4,7 % auf 1,11 US-Dollar je Aktie. Auf das Jahr hochgerechnet entspricht das 4,44 US-Dollar. Für 2027 liegt die herangezogene Analystenschätzung bei 4,52 US-Dollar je Aktie. Bezogen auf den Referenzkurs von 69,12 US-Dollar ergibt sich daraus eine prognostizierte Dividendenrendite von rund 6,5 %.
Die wichtigsten Kennzahlen und Entwicklungen:
- 61 Dividendenerhöhungen innerhalb von 57 Jahren
- Aktuelle annualisierte Dividende: 4,44 US-Dollar je Aktie
- Dividendenprognose 2027: 4,52 US-Dollar je Aktie
- Angestrebtes jährliches Dividendenwachstum bis 2028: im mittleren einstelligen Prozentbereich
- Bereinigter Gewinn je Aktie in den ersten neun Monaten 2026: plus 5,1 %
- Gewinnprognose 2026 auf 5,66 bis 5,74 US-Dollar je Aktie angehoben
- Aktienrückkaufprogramm Ende Oktober um eine Milliarde US-Dollar aufgestockt
Neue Geschäftschancen eröffnet der wachsende Markt für rauchfreie Nikotinprodukte. Altria ist mit den Nikotinbeuteln der Marke on! vertreten und baut das Sortiment von on! PLUS weiter aus. Im dritten Quartal wurden zusätzliche Produktvarianten eingeführt. Auch E-Zigaretten spielen auf dem US-Markt eine wichtige Rolle, allerdings steht Altrias Marke NJOY vor rechtlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen.
Das traditionelle Zigarettengeschäft bleibt trotz hoher Margen rückläufig. Für Dividendenanleger ist daher entscheidend, ob Altria mit rauchfreien Produkten langfristig zusätzliche Gewinne erzielen und die sinkenden Zigarettenabsätze ausgleichen kann. Die hohen Ausschüttungen bleiben attraktiv, doch die strukturellen Risiken des Tabakgeschäfts begrenzen die Wachstumsaussichten. Im Vergleich zu Intesa und Enbridge erscheint die Aktie deshalb weniger überzeugend.
Warum Dividenden für den langfristigen Anlageerfolg wichtig sind
Dividenden leisten einen erheblichen Beitrag zur langfristigen Gesamtrendite von Aktien. Laut einer Untersuchung von Guinness Global Investors entfielen beim S&P 500 über rollierende 20-jährige Anlagezeiträume zwischen 1941 und 2019 durchschnittlich rund 57 % der Gesamtrendite auf Ausschüttungen und deren Wiederveranlagung.
Besonders interessant sind Unternehmen, die ihre Dividenden über Jahrzehnte hinweg regelmäßig steigern. Eine Analyse von S&P Dow Jones Indices zeigt, dass die sogenannten S&P-500-Dividendenaristokraten in Monaten mit fallenden Kursen zwischen 1990 und Februar 2025 durchschnittlich eine um 0,87 Prozentpunkte bessere Performance als der breite S&P 500 erzielten.
Eine hohe Dividendenrendite allein ist allerdings kein Qualitätsmerkmal. Sie kann auch entstehen, wenn der Aktienkurs aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten stark fällt. Entscheidend sind daher die Gewinnentwicklung, der Cashflow und die langfristige Finanzierbarkeit der Ausschüttungen.
Häufige Fragen zu Dividendenaktien
Welche sind die besten Dividendenaktien für 2027?
Unter den fünf untersuchten Aktien überzeugen derzeit vor allem Intesa Sanpaolo und Enbridge. Intesa bietet die höchste erwartete Dividendenrendite und eine starke Gewinnentwicklung. Enbridge punktet mit langfristig planbaren Cashflows und einer jahrzehntelangen Dividendenhistorie. Auch Orange ist wegen des operativen Wachstums interessant.
Welche Aktien geben besonders viel Dividende?
Unter den vorgestellten Unternehmen weist Intesa Sanpaolo mit einer für 2027 prognostizierten Dividendenrendite von rund 8,4 % den höchsten Wert auf. Es folgen Altria mit rund 6,5 % sowie Enbridge, Orange und Enel mit erwarteten Renditen von knapp 6 %. Die tatsächlichen Renditen hängen vom Aktienkurs und den künftigen Ausschüttungen ab.
Welche Aktien in Österreich haben die höchsten Dividenden?
Auch an der Wiener Börse finden Anleger ertragsstarke Aktien. Zu den bekannten Dividendenzahlern zählen OMV, Österreichische Post, UNIQA, Vienna Insurance Group und mehrere österreichische Banken. Welche Titel die höchste Dividendenrendite bieten, hängt vom jeweiligen Aktienkurs und den erwarteten Ausschüttungen ab. Einen ausführlichen Überblick bietet unser Beitrag über die österreichischen Dividendenaktien im ATX.
Welche internationalen Dividendenaktien könnten sich 2027 besonders gut entwickeln?
Intesa Sanpaolo, Enbridge und Orange erscheinen unter den fünf untersuchten Unternehmen besonders interessant, weil sie attraktive Dividenden mit hoher Profitabilität, stabilen Cashflows beziehungsweise operativem Wachstum verbinden. Die tatsächliche Gesamtrendite hängt allerdings neben der Ausschüttung auch von der Kursentwicklung ab. Eine verlässliche Prognose der zehn weltweit besten Dividendenaktien ist nicht möglich.
Worauf sollten Anleger bei Aktien mit hoher Dividende achten?
Neben der Dividendenrendite sind das durchschnittliche Dividendenwachstum, die Ausschüttungsquote, die Gewinnentwicklung und der freie Cashflow entscheidend. Eine außergewöhnlich hohe Rendite kann auch ein Warnsignal sein, wenn sie durch einen starken Kursverlust entsteht. Wichtig ist deshalb, ob das Unternehmen seine Dividende langfristig finanzieren und möglichst steigern kann.
Fazit: Intesa und Enbridge überzeugen am meisten
Von den fünf untersuchten Dividendenaktien erscheinen Intesa Sanpaolo und Enbridge derzeit am vielversprechendsten. Intesa verbindet eine außergewöhnlich hohe erwartete Dividendenrendite mit kräftigem Gewinnwachstum und einer großzügigen Ausschüttungspolitik. Enbridge bietet dagegen vor allem langfristig planbare Einnahmen und eine beeindruckende Dividendenhistorie. Beide Unternehmen haben damit gute Voraussetzungen, ihre Aktionäre auch künftig mit hohen Ausschüttungen zu beteiligen.
Orange und Enel sind ebenfalls interessant, wobei Orange durch die stärkere operative Wachstumsdynamik auffällt. Altria bietet zwar eine hohe Dividendenrendite, muss aber den langfristigen Rückgang des traditionellen Zigarettengeschäfts ausgleichen. Für Anleger bleibt daher entscheidend, nicht allein auf die Höhe der Dividende, sondern auch auf deren langfristige Finanzierbarkeit zu achten.
Autoren: Michael Kordovsky, aktualisiert: Anneliese Proissl
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Kreditversicherung: Wie Unternehmen Zahlungsausfälle absichern
Steigende Insolvenzen und Zahlungsausfälle gefährden die Liquidität vieler Unternehmen. Wie Kreditversicherungen Forderungen absichern und welche ergänzenden Versicherungen sinnvoll sind, erläuterten Experten der R+V.
Erstveröffentlichung: 18.3.2026, aktualisiert: 4.11.2026
71 % der österreichischen Unternehmen sind laut Umfragen von Zahlungsausfällen betroffen. Eine Kreditversicherung kann verhindern, dass daraus eine existenzbedrohende Krise wird.
Österreichs Unternehmen stehen weiterhin unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. In den ersten neun Monaten 2026 wurden laut KSV1870 insgesamt 5.150 Unternehmensinsolvenzen registriert. Das entspricht einem leichten Anstieg von 0,6 % gegenüber dem Vorjahr. Besonders problematisch: Bei 43 % der Fälle reichte das vorhandene Vermögen nicht einmal aus, um ein Insolvenzverfahren zu eröffnen. Insgesamt waren 36.100 Gläubiger betroffen, um 8,1 % mehr als im Vorjahreszeitraum.
Für Lieferanten und Geschäftspartner steigt damit das Risiko, auf offenen Forderungen sitzen zu bleiben. Wie eine Kreditversicherung Unternehmen vor Zahlungsausfällen schützen und ihre Liquidität sichern kann, erläuterten Experten der R+V Allgemeine Versicherung AG bei einer Fachtagung im März 2025. Ihre Einschätzungen sind angesichts der anhaltend hohen Insolvenzzahlen weiterhin relevant.
Was ist eine Kreditversicherung?
Eine Kreditversicherung schützt Unternehmen vor finanziellen Verlusten, wenn Geschäftskunden ihre Rechnungen nicht bezahlen. Die sogenannte Warenkreditversicherung sichert offene Forderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen ab. Sie greift je nach Vertragsbedingungen bei Insolvenz oder längerem Zahlungsverzug eines Kunden.
Der Versicherer übernimmt einen vereinbarten Teil des Forderungsausfalls und überwacht häufig auch die Bonität der Geschäftspartner. Damit können Unternehmen ihre Liquidität sichern und das Risiko von Folgeinsolvenzen verringern.
Kreditversicherung schützt auch bei Zahlungsverzug
Bereits bei der R+V-Fachtagung „Risiko und Rendite: Strategien für mehr Sicherheit von Firmenkunden“ hatte Elisabeth Poschauko, damals Leiterin Kredit und Kaution bei der R+V, auf die schwierige Situation österreichischer Unternehmen hingewiesen. Laut den von ihr angeführten Umfragen waren 71 % der heimischen Unternehmen von Zahlungsausfällen betroffen.
Während Unternehmen früher mehr Zeit gehabt hätten, sich aus wirtschaftlichen Krisen zu erholen, bleibe dafür zunehmend weniger Spielraum.
Hadi Hashemi, Chief Underwriter Kredit und Kaution bei der R+V, verwies insbesondere auf die Gefahr von Folgeinsolvenzen. Gerät ein großer Auftraggeber in wirtschaftliche Schwierigkeiten, können dessen Zahlungsausfälle auch kleinere Lieferanten in ihrer Existenz bedrohen.
Eine Warenkreditversicherung könne solche Dominoeffekte abfedern. Sie helfe nicht erst bei einer Insolvenz, sondern auch bei längerem Zahlungsverzug, erklärte Poschauko.
Nach den damals erläuterten Versicherungsbedingungen könne bereits zwei Monate nach Fälligkeit ein Zahlungsverzug als Versicherungsfall gelten. Der Versicherer ersetze den Großteil der offenen Forderung und versuche, den Rest einzutreiben. Unternehmen müssten daher nicht warten, bis ein Kunde tatsächlich insolvent werde.
Warenkreditversicherung: Schutz bei neuen Kunden und Märkten
Eine Warenkreditversicherung kann auch bei der Erschließung neuer Märkte oder beim Aufbau neuer Kundenbeziehungen sinnvoll sein. Gerade wenn Unternehmen noch wenig Erfahrung mit Geschäftspartnern haben, lässt sich deren Zahlungsfähigkeit schwer einschätzen. Auch neu gegründete Unternehmen können sich gegen Forderungsausfälle versichern. Für sie kann bereits eine größere unbezahlte Rechnung existenzbedrohend sein.
Ein weiterer Vorteil ist die laufende Überwachung der Kundenbonität. Das sei insbesondere bei langfristigen Projekten wichtig, betonte Hashemi. Denn die wirtschaftliche Situation eines Auftraggebers könne sich zwischen Vertragsabschluss und Projektende erheblich verschlechtern. Die Kosten einer Warenkreditversicherung bezifferte Hashemi mit rund zwei bis acht Promille des Umsatzes. Die tatsächliche Prämie hängt unter anderem vom versicherten Risiko, der Kundenstruktur und den vereinbarten Leistungen ab.
Garantieversicherung schont die Liquidität
Neben der Kreditversicherung spielt die Garantieversicherung eine wichtige Rolle, insbesondere im Bau- und Baunebengewerbe, Maschinenbau sowie in der Industrie. Florian Seipka, damals Underwriter Kredit- und Kautionsversicherung bei der R+V, erläuterte deren Bedeutung vor allem bei Anzahlungen und vertraglichen Garantien. Ein wesentlicher Vorteil gegenüber einer Bankgarantie oder einem Haftrücklass besteht darin, dass Unternehmen ihre Banklinien und finanziellen Spielräume schonen können.
Allerdings ist zwischen Garantie und Versicherungsschutz zu unterscheiden: Wird eine Garantie in Anspruch genommen, kann der Versicherer den ausgezahlten Betrag vom Unternehmen zurückfordern. Die Garantieversicherung dient somit vor allem der Bereitstellung von Sicherheiten und der Entlastung der Liquidität.
Vertrauensschadenversicherung ergänzt den Schutz
Eine weitere Absicherung bietet die Vertrauensschadenversicherung. Christian Narten, damals Underwriter Kredit- und Kautionsversicherung bei der R+V, bezeichnete sie als eine der am meisten unterschätzten gewerblichen Versicherungen. Sie schützt Unternehmen im vereinbarten Umfang vor finanziellen Schäden durch vorsätzliche unerlaubte Handlungen, etwa Betrug oder Veruntreuung. Damit kann sie bestehende Kredit-, Cyber- oder D&O-Versicherungen ergänzen.
Welche Absicherung Unternehmen jetzt brauchen
Die anhaltend hohe Zahl der Unternehmensinsolvenzen zeigt, wie wichtig die Absicherung offener Forderungen bleibt. Besonders für kleinere Unternehmen kann der Ausfall eines größeren Kunden schwerwiegende Folgen haben. Während die Kreditversicherung Zahlungsausfälle absichert, hilft die Garantieversicherung, Banklinien zu schonen. Die Vertrauensschadenversicherung wiederum schützt vor bestimmten vorsätzlich verursachten Vermögensschäden.
Welche Kombination sinnvoll ist, hängt von der Geschäftstätigkeit, der Kundenstruktur und den jeweiligen Risiken ab. Entscheidend ist, dass Unternehmen ihre Absicherung rechtzeitig prüfen und nicht erst reagieren, wenn ein wichtiger Geschäftspartner zahlungsunfähig wird.
Autor: Marius Perger
Heiko Geiger von Vontobel
Rohstoff-Zertifikate: Wo Anleger jetzt Chancen finden
Ölpreise im Höhenflug, Edelmetalle auf Korrekturkurs: Wo Zertifikate jetzt Chancen eröffnen.
Das Wichtigste in Kürze
-
Ölpreise steigen: Geopolitische Konflikte und Angriffe auf Tanker treiben die Notierungen von Brent und WTI.
-
Gold und Silber korrigieren: Nach einer starken Rally haben beide Edelmetalle deutlich an Wert verloren.
-
Rohstoff-Zertifikate eröffnen Chancen: Mit Hebelprodukten können Anleger sowohl auf steigende als auch auf fallende Rohstoffpreise setzen.
Risiken beachten: Hebel verstärken Kursbewegungen in beide Richtungen. Bei Knock-out-Produkten droht der Totalverlust.
Rohstoff-Zertifikate: Auf steigende und fallende Kurse setzen
(31.10.2026) Seit Monaten drehen sich zahlreiche Schlagzeilen rund um die Ereignisse an den internationalen Rohstoffmärkten. Allein der Ölpreis setzt seinen Aufwärtstrend mittlerweile wieder fort, nachdem etwa Huthi-Milizgruppen Ziele in Saudi-Arabien erneut angegriffen haben und auch Tanker zuletzt getroffen wurden. So notierte die Nordseemarke Brent – per 19. Oktober – bei knapp mehr als 109 US-Dollar je Fass.
An den Agrarmärkten hinterließen hingegen Dürren und Wetterphänomene wie El Niño tiefe Spuren. Viele der Notierungen in diesem Segment schnellten seit Jahresbeginn hinauf. All solche Umstände bekommen Konsumenten kräftig zu spüren. Aufgrund eingeschränkter Raffineriekapazitäten steigt zudem der Dieselpreis. Damit verteuert sich nicht nur das Autofahren, sondern auch der Transport von Waren und damit von Lebensmitteln.
Gehebelt auf Rohstoffe setzen
Immerhin spielen strukturierte Produkte hierbei ihre Stärken aus. „Zertifikate und vornehmlich Hebelprodukte bieten einzigartige Möglichkeiten, um in Rohstoffmärkte zu investieren“, betont Heiko Geiger (Foto) im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Anhand einer breiten Palette verschiedener Basiswerte könnten Anleger ihr Portfolio mit Positionen in Energie- und Agrarrohstoffen oder Industrie- und Edelmetallen ergänzen, erläutert der Zertifikate-Experte von der Bank Vontobel. Mit Open-End-Hebelprodukten wie etwa Mini-Futures müsse man sich zudem nicht auf einen Anlagehorizont festlegen. Schluss ist erst dann, wenn eine Knock-Out-Barriere berührt oder über- bzw. unterschritten wird. Denn Hebelprodukte bieten die Möglichkeit, sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse zu setzen.
Öl und Agrarrohstoffe: Hohe Schwankungen locken Anleger
Doch wie sieht das Interesse derzeit aus? „Seit dem Ausbruch des Iran-Konflikts führen die starken Kursschwankungen zu großem Interesse an den beiden Ölsorten Brent und WTI. Dies sehen wir auch bei Agrarrohstoffen.“ Denn Wetterphänomene wie El Niño zählten mittlerweile zu wichtigen fundamentalen Risikofaktoren für die globalen Agrarmärkte. „Anleger sehen hierbei Marktchancen und positionieren sich entsprechend mit Hebelprodukten“, so der Experte.
Gold und Silber: Nach der Rally folgt die Korrektur
Ein ebensolches Interesse zeichne sich auch für Gold und Silber ab. Die zwei Edelmetalle haben nach einer starken Hausse in den vergangenen Monaten ein gutes Stück korrigiert. „Während der Gold- und Silberhausse Ende vergangenen und Anfang dieses Jahres zählten die beiden Edelmetalle zu den am meisten gehandelten Basiswerten bei Zertifikaten und Hebelprodukten.“
Silber-Zertifikate: Chancen durch Energiewende und Digitalisierung
Geiger hebt insbesondere Eigenschaften von Silber hervor und sagt, das graue Edelmetall profitiere von mehreren langfristigen Trends: Energiewende, Elektrifizierung, Digitalisierung und eine mögliche Fortsetzung des Edelmetallzyklus. Denn Silber wird unter anderem in der Solarindustrie nachgefragt. „Diese Kombination macht den Rohstoff zu einem interessanten Baustein für Anleger, die von strukturellem Wachstum profitieren möchten.“
Gleichzeitig sollten die Risiken nicht unterschätzt werden, mahnt der Experte. „Eine schwächere Weltkonjunktur könnte die industrielle Nachfrage belasten. Auch steigende Zinsen oder ein stärkerer US-Dollar wirken häufig negativ auf Edelmetalle.“ Interessierte Anleger können etwa gehebelt mittels Mini-Long-Futures auf den weiteren Kursverlauf von Silber – mit einem aktuellen Hebel von 2,76 – sowie auf Brent-Öl – mit einem aktuellen Hebel von 2,70 – setzen. Bei beiden Produkten sind Verluste möglich.
Fazit: Rohstoff-Zertifikate bieten Chancen – aber auch Risiken
Rohstoff-Zertifikate ermöglichen Anlegern, von steigenden und fallenden Preisen bei Öl, Gold, Silber und Agrarrohstoffen zu profitieren. Besonders Silber könnte langfristig von der Energiewende und der steigenden industriellen Nachfrage profitieren. Kurzfristig bleiben die Rohstoffmärkte jedoch stark von geopolitischen Entwicklungen, Konjunktur und Zinsen abhängig.
Autorin: Mag. Raja Korinek
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Semperit-Vorstände: v.l.n.r. Helmut Sorger, Chief Financial Officer, Manfred Stanek, CEO, Gerfried Eder, Chief Industrial Officer. (c) Semperit AG Holding
Semperit-Aktie nach neuerlichem Kursrutsch: Analysten sehen bis zu 42 % Potenzial
Nach 15 % Kursverlust sehen Analysten wieder Potenzial.
Semperit-Aktie: Das Wichtigste in Kürze
- Prognose 2026: Operatives EBITDA von rund 115 Millionen Euro erwartet, 15 % mehr als bisher.
- Kursrückgang: Rund 15 % Verlust zwischen 19. und 29. Oktober.
- Kursziele: Vier Analysten sehen die Aktie zwischen 17,80 und 23,50 Euro.
- Bewertung: Erwartetes KGV 2028 von rund 7,0 auf Basis der Baader-Gewinnschätzung.
- Dividende: Baader prognostiziert für 2026 eine Ausschüttung von 0,55 Euro je Aktie.
Erstveröffentlichung am 28.08.2026, aktualisiert am 30.10.2026
Die Semperit-Aktie an der Wiener Börse gibt Anlegern derzeit Rätsel auf. Obwohl der österreichische Industriekonzern seine Gewinnprognose für 2026 am 12. Oktober deutlich angehoben hat, geriet die Aktie zuletzt kräftig unter Druck. Vom 19. bis zum 29. Oktober verlor sie rund 15 % und schloss bei 16,60 Euro. Allein am 29. Oktober betrug das Minus 6,2 %, begleitet von einem ungewöhnlich hohen Handelsvolumen. Ein konkreter unternehmensspezifischer Auslöser ist bislang nicht erkennbar.
Damit notiert die Semperit-Aktie inzwischen unter sämtlichen vier veröffentlichten Analystenkurszielen. Diese reichen von 17,80 bis 23,50 Euro und entsprechen auf Basis des Schlusskurses vom 29. Oktober einem rechnerischen Kurspotenzial von rund 7 bis 42 %. Doch wie realistisch sind diese Erwartungen angesichts der weiterhin schwierigen Industriekonjunktur?
Gewinnprognose erneut erhöht
Der österreichische Industriekonzern Semperit rechnet für 2026 nun mit einem operativen EBITDA von rund 115 Millionen Euro statt der bisher erwarteten 100 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahreswert von 79,5 Millionen Euro entspricht das einem Anstieg von rund 45 %.
Die Prognoseanhebung vom 12. Oktober geht auf eine besser als erwartete Geschäftsentwicklung im dritten Quartal zurück. Nach vorläufigen Berechnungen dürfte Semperit ein EBITDA von rund 27 Millionen Euro erzielt haben, gegenüber 21,3 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Für die ersten neun Monate zeichnet sich ein berichtetes EBITDA von rund 94 Millionen Euro ab, nach 52 Millionen Euro im Vergleichszeitraum 2025.
Allerdings berücksichtigt die angehobene Prognose für das operative EBITDA nicht die für 2026 erwarteten Projektkosten von rund 5 Millionen Euro. Hinzu kommt im dritten Quartal eine einmalige, nicht zahlungswirksame Wertminderung von voraussichtlich 8 Millionen Euro. Sie steht im Zusammenhang mit der geplanten Veräußerung nicht zum Kerngeschäft gehörender Vermögenswerte und belastet das operative Ergebnis (EBIT).
Semperit-Aktie: Analysten, Kursziele und Bewertung
Die Mehrheit der Analysten beurteilt die Semperit-Aktie positiv. Laut Investing.com empfehlen vier von fünf erfassten Experten die Aktie zum Kauf, einer zum Halten. Verkaufsempfehlungen gibt es in dieser Erhebung nicht. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 21,57 Euro.
Die einzelnen Einschätzungen unterscheiden sich allerdings:
- NuWays: 23,50 Euro, Kaufen. Im Oktober wurde das Kursziel von 22 auf 23,50 Euro angehoben.
- Baader Bank: 20 Euro, Kaufen. Analyst Volker Bosse bestätigte nach der Prognoseanhebung seine Kaufempfehlung.
- Warburg Research: 22 Euro. Die Einschätzung stammt vom Mai 2026.
- Erste Group: 17,80 Euro. Das Kursziel wurde im August von 14,20 auf 17,80 Euro erhöht.
Gemessen am Schlusskurs von 16,60 Euro liegt das rechnerische Aufwärtspotenzial zum höchsten Kursziel bei rund 42 %, zum niedrigsten bei rund 7 %. Allerdings stammen die Einschätzungen aus unterschiedlichen Monaten und berücksichtigen nicht zwangsläufig die jüngsten Kursbewegungen.
Auch die Bewertung erscheint inzwischen moderat. Die Baader Bank rechnet mit einem Anstieg des Gewinns je Aktie von 1,42 Euro im Jahr 2026 auf 2,36 Euro im Jahr 2028. Daraus ergibt sich beim Kurs von 16,60 Euro ein erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 11,7 für 2026 und rund 7,0 für 2028. Voraussetzung ist, dass Semperit die prognostizierten Gewinnsteigerungen tatsächlich erreicht. Wie Anleger solche Kennzahlen richtig einordnen, zeigt der Börsen-Kurier-Leitfaden Unterbewertete Aktien finden: Auf diese Kennzahlen kommt es an.
Cashflow zuletzt mehr als verdoppelt
Auch beim Cashflow zeigt sich die erfolgreiche Restrukturierung. Während Semperit 2022 noch einen Free Cashflow vor Unternehmensverkäufen von minus 2,8 Millionen Euro auswies, waren es 2025 bereits positive 37 Millionen Euro.
Im ersten Halbjahr 2026 hat sich der Free Cashflow gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 30,4 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Gleichzeitig verbesserte sich die Eigenkapitalquote auf rund 49,5 %. Die Nettofinanzverschuldung sank von 92 Millionen Euro Ende 2025 auf 79,9 Millionen Euro, während die liquiden Mittel von 94,8 auf 106,5 Millionen Euro stiegen.
Nach dem Verkauf des Medizingeschäfts konzentriert sich Semperit auf industrielle Elastomer-Produkte. Dazu zählen unter anderem Hydraulikschläuche, Profile, Förderbänder und Flüssigsilikon. Die stärkere Bilanz eröffnet dem Konzern zusätzlichen Spielraum für Investitionen und mögliche Akquisitionen.
Rückkehr zur Dividende erwartet
Auch für dividendenorientierte Anleger könnte Semperit wieder interessanter werden. Für das Geschäftsjahr 2025 wurde keine Dividende ausgeschüttet, nachdem für 2024 noch 0,50 Euro je Aktie bezahlt worden waren. Die Dividendenpolitik des Unternehmens sieht vor, rund 50 % des Ergebnisses nach Steuern auszuschütten. Voraussetzung sind eine entsprechend positive Geschäftsentwicklung und das Ausbleiben außergewöhnlicher Umstände.
Die Baader Bank rechnet für das Geschäftsjahr 2026 mit einer Dividende von 0,55 Euro je Aktie. Für 2027 werden 0,65 Euro und für 2028 bereits 0,80 Euro erwartet. Beim Aktienkurs von 16,60 Euro entspräche dies einer prognostizierten Dividendenrendite von 3,3 %, 3,9 % beziehungsweise 4,8 %. Die Ausschüttungen sind allerdings noch nicht beschlossen. Ob und in welcher Höhe Semperit wieder eine Dividende zahlen wird, hängt von der weiteren Geschäftsentwicklung und den entsprechenden Unternehmensbeschlüssen ab.
Semperit: Turnaround geschafft
Bereits im ersten Halbjahr 2026 war Semperit die Rückkehr in die Gewinnzone gelungen. Bei einem Umsatzanstieg von 11,1 % auf 355,9 Millionen Euro konnte das EBITDA mit 66,6 Millionen Euro mehr als verdoppelt werden. Die EBITDA-Marge stieg von 9,6 auf 18,7 %, während das Ergebnis nach Steuern mit 28,6 Millionen Euro wieder positiv ausfiel.
„Mehr Volumen, eine bessere Auslastung und die konsequente Umsetzung unserer Kosten- und Effizienzmaßnahmen haben die Profitabilität deutlich gestärkt“, erklärte Semperit-CEO Manfred Stanek. Wie Stanek gegenüber dem Börsen-Kurier ausführte, war die positive Entwicklung bereits im zweiten Halbjahr 2025 sichtbar geworden. Grundlage dafür waren umfangreiche Kosten- und Effizienzprogramme, mit denen bereits 2023 begonnen wurde. Die Strukturen wurden verschlankt, die Auslastung verbessert und die Kostenbasis reduziert.
Semperit zählt damit zu jenen österreichischen Industrieunternehmen, bei denen die operative Erholung bereits in den Geschäftszahlen sichtbar wird. Weitere Beispiele analysiert der Börsen-Kurier im Beitrag Turnaround-Aktien: Rosenbauer, AT&S und Semperit im Check.
Semperit-Aktie: Chancen und Risiken
Trotz der erfolgreichen Gewinnwende bleibt Semperit von der internationalen Industriekonjunktur abhängig. Eine schwächere Nachfrage, steigende Rohstoff- und Beschaffungskosten sowie geopolitische Unsicherheiten könnten die Margen belasten. Hinzu kommt das kurzfristige Bestellverhalten vieler Kunden, das die Planung erschwert. Entscheidend wird sein, ob Semperit höhere Kosten weiterhin durch Preismanagement, Effizienzsteigerungen und eine bessere Auslastung ausgleichen kann.
Ein weiterer Risikofaktor ist die geringe Handelsliquidität. Die B&C-Gruppe hält seit Juni 2026 rund 63,45 % der Aktien, weitere rund 10 % entfallen auf Alain de Krassny. Damit befinden sich rechnerisch nur rund 26,5 % im Streubesitz. Die hohe Eigentümerkonzentration kann den Handel erschweren und ist auch für Minderheitsaktionäre relevant. Im Frühjahr hatte B&C ihre Beteiligung durch ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot deutlich ausgebaut. Ein unmittelbarer Börsenrückzug wurde damals nicht angekündigt. Hintergründe zur Eigentümerstruktur bietet der Börsen-Kurier-Artikel Semperit nach B&C-Angebot: Was Aktionäre wissen müssen.
Für langfristig orientierte Anleger könnte die Aktie nach dem jüngsten Kursrückgang dennoch interessant sein. Die Bilanz hat sich verbessert, die Gewinne steigen und die Bewertung erscheint auf Basis der Analystenschätzungen moderat. Ob daraus weiteres Kurspotenzial entsteht, hängt vor allem davon ab, ob Semperit die höhere Profitabilität nachhaltig sichern kann.
Quartalszahlen am 12. November: Was Anleger erwarten können
Neue Hinweise auf die Nachhaltigkeit des Aufschwungs dürfte die Veröffentlichung der detaillierten Quartalszahlen am 12. November 2026 liefern. Dann wird Semperit auch einen aktualisierten Einblick in die Nachfrageentwicklung und die Belastungen durch höhere Rohstoffkosten geben.
Im Mittelpunkt steht die Frage, ob der Konzern seine operative Profitabilität trotz des schwierigen Marktumfelds halten kann. Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt ein Wechsel im Vorstand: Richard Kelsey übernimmt mit 1. November die Funktion des Finanzvorstands von Helmut Sorger. Entscheidend für die weitere Entwicklung der Semperit-Aktie wird insbesondere sein, ob das Management die angehobene EBITDA-Prognose bestätigt und positive Signale für das Geschäftsjahr 2027 liefert.
Autoren: Michael Kordovsky, Patrick Baldia, Stefan Riedel
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Eigentum statt Enteignung: Österreichs Chance am Immobilienmarkt
(30.10.2026) In Berlin wird darüber diskutiert, große private Wohnungsgesellschaften zu vergesellschaften. Anlass sind steigende Mieten und knapper Wohnraum. Doch abgesehen von katastrophalen Marktwirkungen durch diese „Aktion“, entsteht mit der Übertragung bestehender Wohnungen in öffentliches Eigentum keine einzige neue Wohnung. Österreich könnte anders antworten: Wer Wohnraum schafft, soll investieren können. Wer Eigentum erwerben will, soll nicht zuerst an den Nebenkosten scheitern. Die an dieser Stelle initiierte Forderung nach dem „Austrian Housing Act“ wird hiermit vertieft.
Die Ausgangslage ist ernüchternd. 2025 wurden österreichweit so wenig Wohnungen in neuen Gebäuden bewilligt, wie seit Beginn der Messungen 2010. Baukosten und lange Verfahren bremsen. Der Staat legt beim Eigentumswechsel noch etwas drauf: In der Regel kassiert er 3,5 % Grunderwerbsteuer, 1,1 % für die Eigentumseintragung und bei Kreditfinanzierung 1,2 % für das Pfandrecht (unbekannte Gesamtvolumina in EUR). Hinzu kommen Vertragserrichtungskosten. Man rechnet ohne Makler, Treuhandvereinbarungen etc. mit ca. 7,2 % Nebenkosten für den Erwerb – auch im internationalen Vergleich nicht billig. Die befristete Eintragungsgebührenbefreiung für Eigenheime lief Ende Juni aus.
Ein Immobilienpakt könnte an drei Stellen ansetzen:
1. Die Grunderwerbsteuer für selbst genutztes Wohneigentum und neu errichtete Mietwohnungen senken, bei Mietwohnungen zB verbunden mit langfristiger Vermietung.
2. Die wertabhängige Grundbuchseintragungsgebühr durch eine maßvolle, am tatsächlichen Aufwand orientierte Pauschale ersetzen. Eine Grundbucheintragung wird nicht doppelt so aufwendig, nur weil die Wohnung doppelt so viel kostet.
3. Die Pfandrechtseintragungsgebühr bei Wohnbau- und Sanierungsfinanzierungen abschaffen. Wer Wohnraum finanziert oder saniert, sollte dafür keine Extrarechnung erhalten.
Das kostet öffentliche Einnahmen. Allein die Grunderwerbsteuer brachte 2025 rund 1,3 Milliarde Euro, überwiegend für Gemeinden. Einnahmenausfälle müssen ehrlich beziffert und im Finanzausgleich berücksichtigt werden. Niedrigere Erwerbssteuern ersetzen zudem weder Bauland noch schnellere Genehmigungen. Deshalb gehören kürzere Verfahren, Baulandmobilisierung und verlässliche Regeln für Vermieter und Mieter dazu. Nebenbei: Wo ist die Mietrechtsnovelle? Das Richtwertchaos ist keinem Laien mehr zu erklären. Das Erreichen der Klimaziele braucht eine Anpassung an die wirtschaftlichen Gegebenheiten, sprich mehr Augenmaß.
Der Unterschied wäre dennoch klar: Berlin diskutiert darüber, wem bestehende Wohnungen gehören sollen. Österreich könnte zeigen, wie mehr Wohnungen entstehen. Eigentumsschutz schafft Vertrauen, geringere Nebenkosten öffnen Türen. Wer leistbares Wohnen will, muss Investitionen ermöglichen – nicht bloß Besitzverhältnisse verändern.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
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Infineon Aktie Prognose: Kursziel und Chancen
Infineon investiert 1,1 Milliarden Euro in eine neue Chipfertigung in Villach. Die steigende Nachfrage nach Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren eröffnet zusätzliche Wachstumschancen. Raiffeisen empfiehlt die Aktie zum Kauf und sieht ein Kursziel von 60 Euro. Was für und gegen einen Einstieg spricht.
1,1 Milliarden Euro für neue Chips in Villach.
Erstveröffentlichung am 15.05.2026, aktualisiert am 27.10.2026
Der deutsche Halbleiterhersteller Infineon (ISIN DE0006231004) setzt auf den nächsten Wachstumsschub. Bis 2034 will der Konzern rund 1,1 Milliarden Euro in seinen österreichischen Standort Villach investieren. Dort soll die weltweit erste Hochvolumenfertigung für Galliumnitrid-Leistungshalbleiter auf 300-Millimeter-Wafern entstehen. Die Produktion soll Ende 2027 anlaufen.
Für Anleger stellt sich die Frage, ob die neue Technologie der Infineon Aktie zusätzliche Kursfantasie verleiht. Denn der Konzern profitiert bereits vom Ausbau der KI-Rechenzentren. Gleichzeitig bleibt das schwächere Geschäft mit der Automobilindustrie ein Unsicherheitsfaktor.
Infineon-Aktie: Das Wichtigste in Kürze
- Milliardeninvestition: Rund 1,1 Milliarden Euro fließen bis 2034 in den Standort Villach.
- Neue Chiptechnologie: Galliumnitrid-Halbleiter sollen energieeffizientere Stromversorgung ermöglichen.
- Produktionsstart: Die neue Hochvolumenfertigung soll Ende 2027 anlaufen.
- Staatliche Förderung: Die EU-Kommission hat 319 Millionen Euro an österreichischen Beihilfen genehmigt.
- Wachstumstreiber: KI-Rechenzentren, Energie-Infrastruktur, Elektromobilität und Robotik.
- Aktienrisiken: Schwache Nachfrage aus der Automobilindustrie, Wettbewerbsdruck und hohe Wachstumserwartungen.
Infineon-Aktie Prognose: Raiffeisen sieht Kurspotenzial
Die wachsende Bedeutung des Geschäfts mit Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren könnte langfristig eine höhere Bewertung der Infineon Aktie rechtfertigen. Darauf verweist Analyst Manuel Stahl in einer Analyse von Raiffeisen International vom 15. Oktober 2026. Langfristige Kapazitätsvereinbarungen verbessern die Planbarkeit künftiger Umsätze. Gleichzeitig weist die Aktie gegenüber der Halbleiterbranche einen im historischen Vergleich ungewöhnlich hohen Bewertungsabschlag auf.
Infineon erwartet für das Geschäftsjahr 2025/26 KI-bezogene Umsätze von mehr als 1,6 Milliarden Euro. Auch Robotik, Innovationen in der Automobilindustrie und Quantencomputing eröffnen zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten.
Nach den jüngsten Kursrückgängen sieht Stahl wieder attraktives Aufwärtspotenzial. Zwar senkte er sein Kursziel von 85 auf 60 Euro, stufte die Infineon Aktie jedoch von „Halten“ auf „Kaufen“ hoch.
Die am 27. Oktober angekündigte Milliardeninvestition in Villach stärkt die langfristige technologische Position des Konzerns, dürfte aber erst mittelfristig zum Umsatz beitragen. Die Produktion soll Ende 2027 anlaufen. Entscheidend für die weitere Kursentwicklung wird sein, ob sich die steigende Nachfrage nach Leistungshalbleitern in höhere Gewinne und einen stärkeren freien Cashflow übersetzen lässt.
Infineon Aktie Prognose 2027: Welche Chancen bestehen?
Für 2027 dürfte vor allem entscheidend sein, ob Infineon das Wachstum im Geschäft mit KI-Rechenzentren fortsetzen und gleichzeitig die Schwäche im Automobilgeschäft überwinden kann. Die neue Chipfertigung in Villach soll Ende 2027 anlaufen, dürfte aber erst später größere Umsatzbeiträge liefern. Wichtig für die weitere Kursentwicklung werden deshalb die Gewinnentwicklung, die Margen und der freie Cashflow sein.
1,1 Milliarden Euro für neue Chipproduktion in Villach
Mit der am 27. Oktober angekündigten Investition baut Infineon seine Position bei Leistungshalbleitern weiter aus. Die neue Fertigung entsteht in bereits vorhandenen Reinraumflächen am Standort Villach. Dadurch sollen bestehende Produktionskapazitäten effizient genutzt und die Kosten des Ausbaus begrenzt werden. Technologisch setzt der Konzern auf Galliumnitrid, kurz GaN. Das Halbleitermaterial ermöglicht eine effizientere Stromumwandlung, geringere Energieverluste und kompaktere elektronische Bauteile.
Besonders interessant ist die Umstellung auf größere Wafer. Auf einem 300-Millimeter-Wafer können laut Infineon rund 2,3-mal so viele Chips hergestellt werden wie auf einem 200-Millimeter-Wafer. Das eröffnet langfristig Möglichkeiten für niedrigere Stückkosten und eine höhere Wettbewerbsfähigkeit.
Der Ausbau wird durch staatliche Förderungen unterstützt. Die Europäische Kommission hat Beihilfen von 319 Millionen Euro im Rahmen des europäischen Chips Acts genehmigt. Die formelle österreichische Förderzusage steht noch aus.
Warum KI-Rechenzentren für Infineon immer wichtiger werden
Infineon produziert nicht die Hochleistungsprozessoren, mit denen KI-Modelle trainiert werden. Der Konzern liefert vielmehr Halbleiter für deren Stromversorgung und Energiemanagement. Gerade hier steigt der Bedarf. Leistungsfähige KI-Server benötigen enorme Mengen an elektrischer Energie. Je effizienter diese umgewandelt und verteilt wird, desto geringer fallen Energieverluste, Kühlbedarf und Betriebskosten aus.
Die neue Galliumnitrid-Technologie kann deshalb für Betreiber großer Rechenzentren wirtschaftlich interessant sein. Doch die Einsatzmöglichkeiten reichen weit über künstliche Intelligenz hinaus. Auch Elektrofahrzeuge, industrielle Stromversorgungen, erneuerbare Energien und Robotikanwendungen benötigen effiziente Leistungselektronik.
Nach den von Infineon angeführten Marktschätzungen könnte der weltweite Markt für GaN-Leistungshalbleiter bis 2031 auf rund 3,5 Milliarden US-Dollar wachsen. Das entspräche einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von etwa 35 % zwischen 2025 und 2031. Für die Infineon Aktie ist entscheidend, welchen Anteil sich das Unternehmen an diesem Wachstum sichern und wie profitabel es die neue Technologie produzieren kann.
Infineon-Aktie: Umsatz und Gewinnentwicklung
Bereits im zweiten Geschäftsquartal 2025/26 zeigte sich die Widerstandsfähigkeit des Konzerns. Der Umsatz stieg um 6 % auf 3,8 Milliarden Euro. Das Segmentergebnis verbesserte sich um 9 % auf 653 Millionen Euro. Die entsprechende Marge erreichte 17,1 %. Vorstandschef Jochen Hanebeck erwartete damals für das zweite Halbjahr eine stärkere Nachfrage, insbesondere aus dem Bereich Energie-Infrastruktur.
Die im Mai kommunizierte Jahresprognose sah einen Umsatz von mehr als 16 Milliarden Euro und eine Segmentergebnismarge von rund 20 % vor. Die Zahlen zeigen, dass Infineon nicht ausschließlich vom KI-Boom abhängig ist. Das Unternehmen bedient zahlreiche industrielle Märkte und profitiert von der zunehmenden Elektrifizierung. Die Investition in Villach stärkt nun insbesondere jene Geschäftsfelder, denen langfristig überdurchschnittliches Wachstum zugetraut wird.
Automotive bleibt ein Risiko für die Infineon Aktie
Trotz der positiven Perspektiven im KI-Geschäft bleibt die Automobilindustrie ein Unsicherheitsfaktor. Infineon ist einer der wichtigsten Halbleiterzulieferer der Branche. Die Chips des Unternehmens werden unter anderem in Elektroautos, Steuergeräten, Fahrerassistenzsystemen und der Leistungselektronik eingesetzt.
Im zweiten Geschäftsquartal 2025/26 erreichte das Automotive-Segment einen Umsatz von rund 1,8 Milliarden Euro. Die Segmentergebnismarge lag bei 18,1 %. Insbesondere die schwächere Nachfrage nach Hochvolt-Komponenten für Elektrofahrzeuge sowie Preisdruck belasteten das Geschäft. Für Anleger ist deshalb wichtig, ob sich die Nachfrage im Automobilsektor nachhaltig erholt. Denn auch ein stark wachsendes KI-Geschäft kann eine längere Schwäche in einem der größten Geschäftsbereiche nicht unbegrenzt ausgleichen.
Neue Konzernstruktur soll Wachstum beschleunigen
Infineon will seine Organisation von vier auf drei Geschäftsbereiche verschlanken. Die neue Struktur soll die strategischen Schwerpunkte deutlicher sichtbar machen. Das Automotive-Geschäft soll künftig rund die Hälfte des Konzernumsatzes repräsentieren. Power Systems steht für etwa 30 %, Edge Systems für rund 20 %.
Besonders Power Systems dürfte von der steigenden Nachfrage nach effizienter Stromversorgung profitieren. Dazu zählen Anwendungen für Rechenzentren, Industrieanlagen und Energie-Infrastruktur. Die Neuordnung könnte Investoren helfen, die Wachstums- und Ertragsperspektiven der einzelnen Geschäftsbereiche besser einzuschätzen.
Konkurrenz bei Leistungshalbleitern nimmt zu
Infineon muss seine technologische Führungsposition gegen internationale Wettbewerber verteidigen. Die japanischen Konzerne Rohm, Toshiba und Mitsubishi Electric hatten Ende März eine Absichtserklärung über eine mögliche Zusammenlegung ihrer Leistungshalbleiter-Aktivitäten unterzeichnet.
Dabei spielt insbesondere Siliziumkarbid (SiC) eine wichtige Rolle. Dieses Material wird unter anderem in Elektrofahrzeugen und industriellen Anwendungen eingesetzt. Galliumnitrid und Siliziumkarbid sind unterschiedliche Halbleitermaterialien mit teilweise überlappenden, teilweise spezialisierten Einsatzgebieten. Beide gelten als wichtige Technologien für die effizientere Nutzung elektrischer Energie.
Mit dem Ausbau in Villach setzt Infineon nun verstärkt auf die industrielle Fertigung von Galliumnitrid. Das könnte dem Konzern einen Vorsprung bei Produktionskosten und Kapazitäten verschaffen. Ob daraus dauerhaft höhere Gewinne entstehen, hängt jedoch auch von der Preisentwicklung und dem Wettbewerb ab.
Bewertung Infineon-Aktie: Wie viel Wachstum ist eingepreist?
Die Infineon Aktie hatte im Frühjahr bereits eine kräftige Kursrallye hinter sich. Die hohen Erwartungen an KI-Rechenzentren und die Erholung anderer Absatzmärkte spiegelten sich zunehmend in der Bewertung wider. Die neue Milliardeninvestition liefert zusätzliche Argumente für die langfristige Wachstumsstory. Allerdings entstehen daraus nicht unmittelbar neue Umsätze.
Für die Bewertung sind deshalb drei Faktoren entscheidend: das künftige Gewinnwachstum, die Profitabilität der neuen Fertigung und der Kapitalbedarf für den Ausbau. Ein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) kann gerechtfertigt sein, wenn die Gewinne nachhaltig stark steigen. Sollten sich die Wachstumserwartungen jedoch nicht erfüllen, könnte die Aktie trotz guter technologischer Perspektiven unter Druck geraten.
Fazit: Neue Chancen für Anleger
Mit der Investition von 1,1 Milliarden Euro in Villach untermauert Infineon seinen Anspruch, zu den führenden Anbietern energieeffizienter Leistungshalbleiter zu gehören. Besonders die steigende Nachfrage nach Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren eröffnet langfristige Wachstumsmöglichkeiten. Die neue 300-Millimeter-Technologie könnte dem Konzern zudem Kostenvorteile verschaffen.
Für die Infineon-Aktie ist das eine positive strategische Nachricht. Ob daraus auch ein nachhaltiger Kursanstieg entsteht, hängt jedoch von der Umsetzung, der Nachfrageentwicklung und den künftigen Gewinnen ab.
Autor: Stefan Riedel, München
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FAQ zur Infineon Aktie
Wie lautet die Prognose für die Infineon Aktie?
Die langfristigen Wachstumsperspektiven werden insbesondere durch KI-Rechenzentren, Energie-Infrastruktur und neue Leistungshalbleiter-Technologien gestützt. Risiken bestehen durch die schwächere Automobilnachfrage und hohe Erwartungen an die Gewinnentwicklung.
Wie viel investiert Infineon in Österreich?
Infineon plant bis 2034 rund 1,1 Milliarden Euro am Standort Villach zu investieren. Dort soll die weltweit erste Hochvolumenfertigung für Galliumnitrid-Leistungshalbleiter auf 300-Millimeter-Wafern entstehen.
Wann beginnt die neue Chipproduktion in Villach?
Der Produktionsstart ist für Ende 2027 geplant. Der weitere Ausbau der Kapazitäten soll sich an der Nachfrage orientieren.
Wie profitiert Infineon vom KI-Boom?
Infineon liefert Halbleiter für die Stromversorgung und das Energiemanagement von KI-Rechenzentren. Mit dem steigenden Energiebedarf leistungsfähiger Server wächst die Bedeutung effizienter Stromumwandlung.
Welche Risiken bestehen für die Infineon Aktie?
Zu den wichtigsten Risiken zählen eine schwache Nachfrage aus der Automobilindustrie, zunehmender Wettbewerb, hohe Investitionskosten und mögliche Enttäuschungen beim erwarteten Gewinnwachstum.
Kospi Index: Nach dem Kurssturz 3 ETFs und 3 Aktien mit Potenzial
Nach dem massiven Kursrückgang des Kospi Index stellt sich die Frage, ob südkoreanische Aktien bereits wieder günstig bewertet sind. Drei ETFs und drei Einzelaktien mit Potenzial im Check. Warum Analysten vor weiteren Verlusten warnen und wann sich ein Einstieg lohnen könnte.
Erstveröffentlichung: 23.10.2025, aktualisiert: 27.10.2026
Südkoreas Börse meldet sich nach dem massiven Kursrutsch zurück: Der Kospi Index legte am 27. Oktober um 3,1 % auf 5.638,34 Punkte zu. Angetrieben wurde die Erholung von den Halbleiterkonzernen Samsung Electronics und SK Hynix, deren Aktien um 4,2 bzw. 5,2 % stiegen. Rückenwind kam von der Wall Street, wo Technologiewerte nach positiven Nachrichten aus der KI-Branche wieder gefragt waren. Eine kräftige Erholung an einzelnen Handelstagen bedeutet jedoch noch keine nachhaltige Trendwende. Gerade nach starken Kursverlusten sind kurzfristige Gegenbewegungen typisch.
Trotz der Gegenbewegung liegt der Kospi Index noch rund 38 % unter seinem Rekordhoch vom Juni. Es gibt auch bereits wieder positive Signale. So wuchs Südkoreas Wirtschaft im dritten Quartal stärker als erwartet.
Südkoreas Exporte sind derzeit außergewöhnlich stark. Die aktuellen Zahlen für September 2026 bestätigen das.
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Gesamtexporte: 120,9 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 83,5 % gegenüber September 2025.
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Halbleiterexporte: 60,3 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg um 262,8 %.
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Exporte ohne Halbleiter: ebenfalls ein Plus von 23 %.
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Jänner bis September: 814,5 Milliarden US-Dollar, bereits mehr als im gesamten Jahr 2025.
Das geht aus den offiziellen Exportdaten der südkoreanischen Regierung hervor. Der Aufschwung beschränkt sich nicht auf Speicherchips. Auch die Exporte ohne Halbleiter stiegen um 23 %. Der Schiffbau verzeichnete ein Plus von 29,9 %, die Kosmetikindustrie von 31,4 %. Von Jänner bis September summierten sich die Ausfuhren auf 814,5 Milliarden US-Dollar und übertrafen damit bereits den bisherigen Jahresrekord von 2025. Das geht aus den offiziellen Exportdaten des südkoreanischen Handelsministeriums hervor. Sollte allerdings die weltweite KI-Nachfrage nachlassen, könnte sich das Wachstum deutlich abschwächen. Davor warnt auch die Bank of Korea.
Kospi Index: Das Wichtigste in Kürze
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- Kursentwicklung: Seit dem Rekordhoch im Juni hat der südkoreanische Leitindex rund 38 % verloren.
- Drei ETFs: Franklin FTSE Korea, Xtrackers MSCI Korea und iShares MSCI Korea ermöglichen Investments in südkoreanische Aktien.
- Drei Einzelaktien: Samsung Electronics, SK Hynix und Hyundai Motor stehen bei verschiedenen Analysten auf den Kauflisten.
- Wachstumstreiber: Halbleiter, KI-Infrastruktur, Schiffbau und Exporte bleiben wichtige Stützen der südkoreanischen Wirtschaft.
Wer nach dem Kurssturz des Kospi-Index von den langfristigen Wachstumsperspektiven Südkoreas profitieren möchte, kann sowohl einzelne Aktien kaufen oder ETFs, die eine bereite Streuung ermöglichen. Allerdings dominieren auch hier wenige große Technologiekonzerne.
Drei ETFs für ein Investment in Südkorea
Franklin FTSE Korea UCITS ETF: Der ETF von Franklin Templeton (ISIN: IE00BHZRR030) bildet den FTSE Korea 30/18 Capped Index ab und investiert in rund 150 südkoreanische Unternehmen. Samsung Electronics und SK Hynix gehören zu den größten Positionen. Mit laufenden Kosten von lediglich 0,09 % jährlich ist er eine besonders günstige Möglichkeit, in den südkoreanischen Aktienmarkt zu investieren. Die Erträge werden wiederangelegt.
Xtrackers MSCI Korea UCITS ETF 1C: Der ETF von DWS (ISIN: LU0292100046) orientiert sich am MSCI Korea 20/35 Custom Index. Neben Technologiekonzernen umfasst er unter anderem Unternehmen aus dem Finanz- und Industriesektor. Die jährlichen Kosten betragen 0,45 %. Auch dieser ETF ist thesaurierend.
iShares MSCI Korea UCITS ETF: Der Fonds von BlackRock (ISIN: IE00B5W4TY14) bildet den MSCI Korea 20/35 Index nach. Seine größten Positionen überschneiden sich stark mit jenen der beiden anderen ETFs. Mit laufenden Kosten von 0,65 % jährlich ist er allerdings teurer.
Alle drei ETFs investieren in den südkoreanischen Aktienmarkt, bilden aber nicht unmittelbar den Kospi Index ab. Da sich ihre größten Positionen stark überschneiden, bringt der gleichzeitige Kauf aller drei Produkte kaum zusätzliche Diversifikation.
Drei südkoreanische Aktien mit Kaufempfehlungen
Wer gezielt auf einzelne Unternehmen setzen möchte, findet vor allem in der Halbleiterindustrie interessante Wachstumsperspektiven. Aber auch außerhalb des Technologiesektors gibt es Aktien, die von Analysten positiv beurteilt werden.
Samsung Electronics: Breite Aufstellung als Stärke
Samsung Electronics (ISIN: KR7005930003) zählt zu den größten Technologiekonzernen der Welt. Neben Smartphones und Unterhaltungselektronik produziert das Unternehmen Speicherchips und weitere Halbleiterkomponenten. Besonders die steigende Nachfrage nach Hochleistungsspeichern für KI-Rechenzentren eröffnet Wachstumsmöglichkeiten. Samsung arbeitet daran, seine Position im Markt für HBM-Speicher auszubauen.
Die Investmentbank HSBC hatte im August ihre Kaufempfehlung bekräftigt und auf die steigende Nachfrage nach KI-Speicherlösungen verwiesen. Allerdings bleibt die Profitabilität stark von den Preisen für Speicherchips und der Wettbewerbsposition gegenüber SK Hynix abhängig.
SK Hynix: Besonders stark im KI-Geschäft
SK Hynix (ISIN: KR7000660001) zählt zu den führenden Herstellern von HBM-Speichern, die in leistungsfähigen KI-Prozessoren eingesetzt werden. Damit profitiert das Unternehmen unmittelbar vom Ausbau der weltweiten KI-Infrastruktur. HSBC bezeichnete SK Hynix im August als bevorzugten Titel unter den beiden großen südkoreanischen Speicherchipherstellern. Auch die Analystenkonsensdaten zeigen eine überwiegend positive Einschätzung.
Die starke Spezialisierung bietet erhebliches Gewinnpotenzial, erhöht aber zugleich die Abhängigkeit vom Investitionszyklus der KI-Industrie. Sollten große Technologiekonzerne ihre Ausgaben für Rechenzentren reduzieren, könnte sich dies deutlich auf die Gewinne auswirken.
Hyundai Motor: Alternative zu Halbleiteraktien
Hyundai Motor (ISIN: KR7005380001) bietet eine Möglichkeit, außerhalb des Technologiesektors in Südkorea zu investieren. Der Automobilhersteller verfügt über eine starke internationale Marktposition und investiert in Hybrid- und Elektrofahrzeuge sowie autonomes Fahren.
Laut Analystenübersicht von Investing.com bestätigten JPMorgan im Oktober sowie Citi und Nomura im September ihre Kaufempfehlungen. Allerdings wurden die Kursziele teilweise gesenkt. Chancen ergeben sich aus einer Verbesserung der Profitabilität und neuen Technologien. Risiken bestehen durch den intensiven Wettbewerb, mögliche Handelszölle und eine schwächere Automobilnachfrage.
Kospi Index: Ist jetzt ein guter Einstiegszeitpunkt?
Was Anleger, die einen Einstieg überlegen, beachten sollten: Für Unsicherheit sorgt vor allem die Abhängigkeit vom KI-Boom. Sollten die großen US-Technologiekonzerne ihre Investitionen in Rechenzentren reduzieren, könnte sich dies unmittelbar auf die Nachfrage nach südkoreanischen Speicherchips auswirken. Auch vermeintlich günstige Bewertungen sind mit Vorsicht zu betrachten. Sinken die Gewinnerwartungen der Unternehmen, kann eine Aktie trotz erheblicher Kursverluste weiterhin teuer sein.
Für Anleger könnte es daher ratsam sein, zunächst abzuwarten, bis sich der Kospi Index stabilisiert und die Gewinnperspektiven der großen Halbleiterhersteller klarer werden. Hinweise auf eine nachhaltigere Erholung wären mehrere Wochen ohne neue Tiefststände, eine breitere Beteiligung anderer Branchen an Kursgewinnen und stabile oder steigende Gewinnprognosen.
Fazit
Südkorea bleibt dank seiner starken Technologie- und Exportindustrie ein interessanter Aktienmarkt. Nach dem massiven Kursrückgang ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass weitere Verluste folgen. Für Anleger, die auf den Kospi Index setzen möchten, könnte Geduld derzeit die bessere Strategie sein. Die vorgestellten ETFs und Einzelaktien bieten sich zunächst als Kandidaten für eine Beobachtungsliste an.
Autoren: Roman Steinbauer, Anneliese Proissl
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Krise offener Immobilienfonds: Fakten für Anleger
(23.10.2026) Die Rücknahmebeschränkungen bei Real Invest Austria, Erste Immobilienfonds und Erste Responsible Immobilienfonds zeigen, wie rasch sich Verunsicherung überträgt. Real Invest aktivierte das Gating am 29. September, die beiden Erste-Fonds folgten am 9. und 12. Oktober. Erste bestätigt, dass nach Real Invest die Rückgabeaufträge deutlich zunahmen. Gating (Rücknahmebeschränkung) ist ein Instrument des Liquiditätsmanagements bei Investmentfonds. Dabei werden Rückgabeaufträge von Anlegern vorübergehend nur anteilig ausgeführt, um bei hohen Mittelabflüssen ausreichend Liquidität zu sichern und Notverkäufe von Vermögenswerten zu vermeiden – eigentlich ein Sicherungsinstrument.
Bei der Liquidität der Fonds gibt es markante Unterschiede. Der Erste Immobilienfonds wies zum Beschlusszeitpunkt nur 4,31 % aus. Real Invest räumt ein, die gesetzliche Mindestliquidität von 10 % unterschritten zu haben, nennt aber keine genaue Quote. Der Erste Responsible Immobilienfonds lag mit 11,53 % darüber.
Für Anleger sind die Folgen einschneidend. Am ersten Tag wurden bei Real Invest 5,16 % der Rückgabeaufträge ausgeführt, beim Erste Immobilienfonds 3,14 % und beim Responsible-Fonds nur 0,22 %. Bei einem Rückgabewunsch von 10.000 Euro wären das im letzten Fall lediglich 22 Euro. Die Quoten werden unterschiedlich berechnet. Eines zeigen sie: Ein täglich veröffentlichter Fondspreis bedeutet nicht, dass Anleger ihr Geld auch abrufen können. Teils mit drastischen Folgen.
Besonders mühsam ist das Verfahren für diejenigen, die vollständig aussteigen möchten. Nicht ausgeführte Rückgabeaufträge werden bei diesen Fonds nicht automatisch auf den nächsten Handelstag übertragen. Wer an jedem Handelstag eine weitere Auszahlung erreichen will, muss daher grundsätzlich täglich neu beauftragen. Eine Pflicht dazu besteht nicht. Doch wer nicht aktiv wird, nimmt an den Rückgaben dieser Tage nicht teil. Das wirft Fragen der praktischen Gleichbehandlung auf.
Anleger sollten daher mit ihrer Depotbank klären, ob sich Rückgabeaufträge automatisieren lassen, welche Annahmeschlusszeiten gelten und welche Spesen wiederholte Aufträge verursachen. Gating bedeutet weder Insolvenz noch automatisch einen Wertverlust! Wem beim Kauf jederzeitige Verfügbarkeit zugesichert wurde, sollte Beratungsunterlagen und Risikohinweise sichern – das gilt sowieso immer. Real Invest und Erste Responsible Immobilienfonds werden von der FMA als „mündelsicher“ genannt. Inwieweit eine dauerhafte Rückgabemöglichkeit damit abgedeckt ist, muss möglicherweise juristisch geklärt werden.
Gating kann sinnvoll sein, um Notverkäufe und Nachteile für verbleibende Anleger zu vermeiden. Wie lange die Beschränkungen dauern, ist bei allen Fonds offen. Es darf aber nicht zum Dauerzustand werden, bei dem Anleger täglich um Bruchteile ihres Vermögens ansuchen müssen. Gefragt sind nachvollziehbare Ausführungsquoten, einfache Rückgabeverfahren und ein überprüfbarer Weg zurück zur normalen Rücknahme.
Die drei Fälle zeigen: Nicht nur die Bewertung der Immobilien, auch die tatsächliche Verfügbarkeit des Geldes entscheidet über das Vertrauen in einen Fonds.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
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Bank Austria Real Invest Austria sitzt auf dem Trockenen
Klumpenrisiko ETF: So reduzieren Anleger ihr Risiko
Auch Welt-ETFs bergen Klumpenrisiken. Wie Anleger die Abhängigkeit von US-Tech-Aktien verringern und ihr Depot breiter streuen.
(23.10.2026) Der Irankrieg, hartnäckige Inflation und hohe Staatsschulden belasten die Weltwirtschaft. Dennoch hält sich die Konjunktur bislang gut. KI-Investitionen stützen die USA, in China mehren sich Anzeichen einer Stabilisierung, während Europa nur schwach wächst. Die internationalen Börsen zeigen sich wenig beeindruckt. Allerdings hängt ihre Entwicklung in hohem Maß von wenigen Konzernen ab. Für Anleger, die in die seit Jahren boomenden Exchange-Traded Funds (ETFs) investieren, stellt sich damit die Frage, wie breit ihr Kapital tatsächlich gestreut ist.
Die zehn größten Unternehmen im S&P 500 vereinen laut Steiermärkischer Sparkasse Private Banking rund 40 % der Marktkapitalisierung auf sich. Technologiekonzerne dominieren; ihre Kursgewinne erhöhen ihr Gewicht.
Klumpenrisiko bei ETFs: Die große Wette auf KI
Die hohen Börsenbewertungen spiegeln die Erwartung wider, dass Milliardeninvestitionen in Rechenzentren, Chips und KI-Anwendungen künftig entsprechende Gewinne bringen. Ob das im erhofften Tempo gelingt, bleibt offen. Selbst wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen können an der Börse verlieren, wenn sie die Erwartungen verfehlen. Hinzu kommt das Zinsrisiko: Bleibt die Inflation hoch und steigen die Anleiherenditen, sinkt der heutige Wert künftiger Gewinne. Besonders hoch bewertete Wachstumsaktien reagieren darauf empfindlich.
MSCI World und Nasdaq: Dieselben Schwergewichte
Wer ETFs auf den S&P 500 und den Nasdaq-100 mit einem globalen Aktienfonds kombiniert, hält zwar drei Produkte, aber vielfach dieselben US-Konzerne. Geraten diese unter Druck, verlieren mehrere vermeintlich unabhängige Depotpositionen gleichzeitig.
Auch ein Weltindex beseitigt das Problem nicht. Die meisten großen Indizes gewichten Unternehmen nach Börsenwert. Mit jedem Kursanstieg der größten US-Konzerne wächst deshalb ihr Einfluss. Auch im Welt-ETF bleibt die Wall Street ein Schwergewicht. Christian Sajowitz und Karl Freidl vom Private Banking der Steiermärkischen Sparkasse weisen weiters darauf hin, dass die Zahl der Wertpapiere wenig über die Risikostreuung aussagt. Entscheidend seien ihre Gewichte, Überschneidungen und die Abhängigkeit von gemeinsamen wirtschaftlichen Faktoren.
Klumpenrisiko bei ETFs reduzieren: Was Anleger tun können
Ein Blick auf die größten Positionen aller Fonds zeigt, welche Unternehmen das Depot tatsächlich bestimmen. Bei starken Überschneidungen können Aktien aus anderen Regionen und kleinere Firmen die Abhängigkeit von US-Tech-Werten verringern. Auch unterschiedliche Anlagestile helfen: Value-Strategien setzen auf günstig bewertete Aktien, Wachstumsstrategien auf hohe Gewinnzuwächse. Ihre Kurse können sich unterschiedlich entwickeln.
Aktive Fondsmanager können Titel abseits der Indexriesen auswählen und Bilanzen, Bewertungen und Wachstumsaussichten prüfen. Eine Mehrrendite ist nicht garantiert: Gebühren fallen an, und während einer Tech-Rallye kann der Fonds zurückbleiben.
Das allgemeine Aktienmarktrisiko sinkt jedoch nicht allein durch zusätzliche Aktien. Wer sein Kapital bald benötigt, kann liquide Rücklagen oder hochwertige, kurzlaufende Anleihen einbeziehen. Sie können Schwankungen dämpfen, bergen aber Zins- und Bonitätsrisiken. Bei längerem Anlagehorizont und entsprechender Risikobereitschaft kann der Aktienanteil höher liegen.
ETF-Rebalancing: Gegen zu hohe Tech-Gewichtung
Nach einer Kursrallye lohnt es sich, die Depotgewichtung zu prüfen. Ist der Tech-Anteil höher als geplant, kann Rebalancing sinnvoll sein: Übergewichtete Positionen werden teilweise verkauft, untergewichtete aufgestockt. So bestimmen wenige erfolgreiche Aktien nicht zunehmend das Depotrisiko.
Autor: Klaus Schweinegger
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Agrar-Aktien, -Fonds und -ETFs: Wo Potenzial steckt
Von Landtechnik bis Saatgut: Welche Agrar-Aktien und ETFs interessant sind, wie sich Fonds unterscheiden und worauf Anleger achten sollten.
23.10.2026
Dürre und Ernteschwankungen bewegen die Agrarmärkte. Laut FAO kann das Klimaphänomen El Niño regional Dürren und Hitzeextreme verstärken oder heftigere Niederschläge und Überschwemmungen begünstigen. Unabhängig davon erhöht der Klimawandel die Belastung durch Wetterextreme. Laut Weltklimarat (IPCC) hat er das Wachstum der weltweiten Agrarproduktivität bereits gebremst, obwohl deren absolutes Niveau insgesamt gestiegen ist.
Für Aktionäre ist der Effekt zwiespältig: Höhere Agrarpreise können die Einnahmen landwirtschaftlicher Betriebe steigern, Missernten hingegen ihre Investitionskraft schwächen. Gefragt sind Geschäftsmodelle, die Anpassung ermöglichen, statt bloß auf höhere Getreidepreise zu setzen.
Welche Agrar-Aktien sind für Anleger interessant?
Deere liefert Landmaschinen und Präzisionstechnik. Der Jahresgewinn stieg von umgerechnet 1,73 Milliarden Euro im Jahr 2015 auf knapp mehr als 9 Milliarden Euro im Jahr 2023, sank aber bis 2025 auf rund 5,5 Milliarden Euro. Trotzdem lag von 2015 bis 2025 das Gewinnwachstum bei knapp 10 % p. a.
Lindsay wiederum verkauft Bewässerungssysteme: Trockenheit erhöht den Bedarf, nicht zwingend die Bestellungen. Im Geschäftsjahr 2025 wuchs ihr Bewässerungsumsatz durch das Auslandsgeschäft.
Nutrien produziert Kali- und Stickstoffdünger. In diesen Geschäftsfeldern bestimmen die Gas- und Düngerpreise die Marge. Ein knapperes Angebot an Agrarrohstoffen lässt die Gewinne nicht zwangsläufig steigen. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte Nutrien Rekordabsatzmengen bei Kaliprodukten und ein starkes Wachstum der Margen bei Eigenmarkenprodukten. Bei einem Konzernumsatzplus von 8 % stieg der Gewinn je Aktie um 11 %.
Bunge ist im Handel mit Ölsaaten und in deren Verarbeitung tätig und erzielte im zweiten Quartal 2026 höhere Ergebnisse durch starke Leistungen bei der Verarbeitung von Sojabohnen und anderen Ölsaaten sowie in der Raffination. Allerdings unterliegt der Gewinn je Aktie starken zyklischen Schwankungen. Bis 2027 erwarten Analysten laut MarketScreener einen Gewinnschub.
Corteva konzentriert sich seit der Abspaltung der Saatgutgesellschaft Vylor am 1. Oktober auf Pflanzenschutz. Bis 2028 sollte der Gewinn je Aktie laut Konsens von MarketScreener wachsen, weshalb ein für 2028 geschätztes KGV von 10,7 (Stichtag 19. Oktober) durchaus günstig erscheint.
Agrar-Fonds und ETFs: Breiter investieren statt Einzelaktien kaufen
Der iShares Agribusiness UCITS ETF (ISIN IE00B6R52143) führt mit 103 Positionen unterschiedliche Geschäftsmodelle zusammen, wobei nichtzyklische Konsumgüter und Materialien die beiden wichtigsten Sektoren sind. Ende September reichten die Top-Positionen von den Ölsaaten- und Getreideverarbeitern Archer-Daniels-Midland (ADM) und Bunge über Deere und Nutrien bis zum Phosphat- und Stickstoffdünger-Spezialisten CF Industries. Unter den Top 10 befindet sich auch der Pflanzenschutzmittelhersteller Corteva. So verteilt sich das Risiko auf eine Reihe von Firmen, auch wenn die Agrarbranche den gemeinsamen Rahmen bildet.
Beim aktiv verwalteten DWS Invest Global Agribusiness (ISIN LU0273158872) wiederum entscheidet das Fondsmanagement über die Auswahl: Neben Corteva gehörten Ende September vor allem Nutrien, K+S, CF Industries und Mosaic zu den größten Positionen. Die Branchenstruktur zeigt, welche Stufen der Agrarwirtschaft vertreten sind: Landwirtschaftliche Erzeugnisse machten 20,2 %, Düngemittel und Agrochemie 17,6 % und Nahrungsmittel und Fleisch 14,2 % aus. Geografisch dominieren die USA mit fast 44 %, gefolgt von der Schweiz mit knapp 11 %. Die LC-Klasse (Privatanleger, thesaurierend) verlor über fünf Jahre bis 19. Oktober 2,4 %, gewann über zehn Jahre aber 48,5 %.
Agrar-ETFs für Landtechnik, Saatgut und Innovation
Der im September 2026 aufgelegte VanEck Agribusiness UCITS ETF (ISIN IE000GLK5WA7) bietet über die gesamte Wertschöpfungskette der Lebensmittelproduktion hinweg Zugang zum globalen Agribusiness-Thema und investiert unter anderem auch in Unternehmen der Pflanzenforschung, Agrartechnik, Tiergesundheit, Aquakultur, Viehhaltung und des Agrarhandels. Per 19. Oktober waren Deere, Bayer (Pflanzenschutz), Vylor, Zoetis (Tiergesundheit), Nutrien und ADM am stärksten gewichtet. Das Portfolio umfasst insgesamt 46 Positionen und hat eine Gesamtkostenquote (TER) von 0,55 %.
Beim Global X AgTech & Food Innovation UCITS ETF (ISIN IE000EBFYWX3) rückt dagegen die Agrartechnik stärker in den Mittelpunkt. Deere, Kubota, CNH Industrial und AGCO stehen für Landmaschinen, Lindsay für Bewässerungstechnik. Nutrien (Dünger) und Vylor (Saatgut) ergänzen das Portfolio. Auf Deere, Nutrien, Vylor und Kubota entfielen am 19. Oktober zusammen rund 50 % des Portfolios – ein Hinweis auf die hohe Konzentration auf einzelne Werte. Auch Lebensmittelunternehmen sind vertreten. Im Vordergrund stehen jedoch Betriebsmittel und Technik. Insgesamt sind 32 Werte im Portfolio enthalten. Die jährlichen laufenden Kosten (TER) betragen 0,50 %.
Fazit: Welche Agrar-Aktien und ETFs überzeugen?
Ernteextreme schaffen Investitionsbedarf, garantieren aber keine Gewinne. Landmaschinenhersteller hängen von den Einkommen der Bauern ab, Düngemittelhersteller von Rohstoff- und Energiepreisen. Bei den Fonds und ETFs bleiben Portfoliozusammensetzung, Bewertung, Zyklik und Kosten entscheidend.
Autor: Michael Kordovsky
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| Name |
ISIN |
| iShares Agribusiness UCITS ETF USD (Acc) |
IE00B6R52143 |
| DWS Invest Global Agribusiness LC |
LU0273158872 |
| VanEck Agribusiness UCITS ETF |
IE000GLK5WA7 |
| Global X AgTech & Food Innovation UCITS ETF |
IE000EBFYWX3 |
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Düngemittel-Aktien: Vier Hersteller im Check
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Düngemittel-Aktien: Vier Hersteller im Check
Vier Düngemittel-Aktien im Vergleich: Welche Hersteller überzeugen nach dem Preisrückgang, und wo liegen die Risiken für Anleger?
Nach dem Preisboom im Frühjahr haben sich die Düngemittelmärkte deutlich verändert. Welche Aktien überzeugen, und welche Agrar-ETFs eine Alternative bieten.
Erstveröffentlichung: 22. Juni 2026. Aktualisiert: 24. Oktober 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Vier Düngemittel-Aktien: CF Industries, Nutrien, Yara International und ICL Group unterscheiden sich bei Geschäftsmodell, Bewertung und Risiken. Besonders CF Industries und Nutrien verfügen über interessante wirtschaftliche Ausgangspositionen.
- Drei Agrar-ETFs: iShares Agribusiness, VanEck Agribusiness und Rize Sustainable Future of Food ermöglichen eine breitere Streuung über die Agrarwirtschaft.
- Düngemittelpreise: Harnstoff verbilligte sich laut Weltbank von April bis September 2026 um rund 52 %. Das verändert die Gewinnaussichten der Hersteller.
Vier Düngemittel-Aktien im Vergleich
Die weltweite Nachfrage nach Pflanzennährstoffen bleibt langfristig bedeutend. Doch die Gewinne der Düngemittelhersteller hängen nicht allein von der Nachfrage ab. Auch Energiepreise, Produktionskosten, Exportbeschränkungen und die Entwicklung der Agrarpreise spielen eine wichtige Rolle.
Vier börsennotierte Unternehmen bieten unterschiedliche Zugänge zu diesem Markt.
1. CF Industries: US-Produzent mit Kostenvorteilen
Die CF Industries-Aktie (ISIN US1252691001) gehört zu den interessanten Titeln unter den Stickstoffdüngerherstellern. Der US-Konzern produziert vor allem Ammoniak, Harnstoff und andere Stickstoffprodukte.
Ein wichtiger Vorteil ist der Zugang zu vergleichsweise günstigem nordamerikanischem Erdgas. Dieses ist für die Herstellung von Stickstoffdünger sowohl Rohstoff als auch Energieträger.
Kursentwicklung: Am 22. Juni 2026 notierte CF Industries bei 103,60 USD. Bis zum 23. Oktober stieg der Kurs auf 120,68 USD. Das entspricht einem Plus von rund 16,5 % ohne Dividenden.
Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei rund 9,5. Das durchschnittliche Analystenkursziel von 128,34 USD signalisiert gegenüber dem Schlusskurs vom 23. Oktober nur noch einen begrenzten Aufschlag. Die Analystenbewertung laut Stock Analysis liegt bei Halten.
Einschätzung: CF Industries verbindet eine relativ niedrige Gewinnbewertung mit einer günstigen Kostenstruktur. Allerdings hat die Aktie bereits deutlich zugelegt. Ein weiterer Kursanstieg hängt unter anderem davon ab, ob der Konzern seine Ertragskraft bei niedrigeren Düngemittelpreisen behaupten kann.
2. Nutrien: Breite Aufstellung und positive Analystenstimmen
Die Nutrien-Aktie (ISIN CA67077M1086) bietet einen vergleichsweise breit diversifizierten Zugang zum Düngemittelmarkt. Der kanadische Konzern gehört zu den weltweit führenden Kaliproduzenten und ist außerdem im Stickstoff- und Phosphatgeschäft tätig. Zusätzlich verfügt Nutrien über ein internationales Vertriebsnetz für landwirtschaftliche Betriebsmittel.
Im zweiten Quartal 2026 erzielte Nutrien einen Umsatz von 10,81 MrdUSD und einen Nettogewinn von 1,22 MrdUSD. Im ersten Halbjahr stieg der Nettogewinn gegenüber dem Vorjahr um 9 %. Der Konzern meldete im August 2026 zudem Rekordabsätze im Kaligeschäft.
Kurs und Bewertung: Am 23. Oktober notierte die Aktie bei 69,74 USD. Das erwartete KGV beträgt rund 14,5. Die durchschnittlichen Analystenkursziele liegen bei rund 77 USD. Daraus ergibt sich rechnerisch ein Kursabstand von etwa 11 %.
Oppenheimer bestätigte am 22. Oktober die Einstufung „Outperform“, senkte das Kursziel allerdings von 80 auf 78 USD. Quelle: MarketBeat – Analystenübersicht.
Einschätzung: Nutrien bietet eine breite Produktpalette, eine starke Position im Kaligeschäft und weiterhin überwiegend positive Analysteneinschätzungen. Allerdings ist die Aktie von der Entwicklung der Agrarmärkte abhängig.
3. Yara International: Niedrige Bewertung, aber höhere Kostenrisiken
Die Yara-International-Aktie (ISIN NO0010208051) steht für einen der wichtigsten europäischen Hersteller von Stickstoffdüngern.
Der norwegische Konzern verfügt über eine internationale Produktions- und Vertriebsstruktur. Neben klassischen Düngemitteln investiert Yara in emissionsärmere Ammoniakproduktion und Spezialprodukte für die Landwirtschaft. Die europäische Produktion ist allerdings stärker von den Gaspreisen abhängig als jene nordamerikanischer Wettbewerber.
Kurs und Bewertung: Am 23. Oktober kostete die Aktie an der Börse Oslo 402,90 NOK. Das erwartete KGV liegt bei rund 9, die ausgewiesene Dividendenrendite bei etwa 5,3 %. Die durchschnittliche Analysteneinstufung lautet „Hold“. Quelle: Stock Analysis – Yara. Die Aktie notierte damit deutlich unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 599,40 NOK.
Einschätzung: Yara ist vergleichsweise niedrig bewertet und bietet eine interessante Dividendenrendite. Die Gewinnentwicklung bleibt jedoch anfällig für schwankende Gaspreise und sinkende Düngemittelpreise. Die Dividende ist nicht garantiert.
4. ICL Group: Spezialdünger und Chemie als zweites Standbein
Die ICL-Group-Aktie (ISIN IL0002810146) unterscheidet sich von reinen Stickstoffdüngerherstellern. Der israelische Konzern produziert Kali- und Phosphatdünger sowie Spezialchemikalien für industrielle Anwendungen.
Im zweiten Quartal 2026 profitierte insbesondere das Kaligeschäft von höheren Preisen. Der Umsatz dieser Sparte stieg um 22 %, das operative EBITDA um 34 %.
Kursentwicklung: Am 23. Oktober notierte die Aktie an der New Yorker Börse bei 4,77 USD. In den zurückliegenden zwölf Monaten verlor sie laut MarketBeat rund 24 %. Quellen: Stock Analysis – ICL und MarketBeat – Branchenvergleich.
Die Analysten sind zurückhaltender als bei Nutrien. Der Konsens liegt bei „Hold“. Das durchschnittliche Kursziel beträgt rund 6 USD, wobei diese Einschätzung angesichts der unterschiedlichen Geschäftsbereiche und Risiken mit Vorsicht zu betrachten ist.
Einschätzung: ICL bietet Zugang zum Kali- und Spezialchemiegeschäft. Die Aktie könnte für risikobereitere Anleger interessant sein, unterliegt aber zusätzlich geopolitischen Risiken.
Welche Düngemittel-Aktie bietet das beste Chancen-Risiko-Verhältnis?
Ein Vergleich der erwarteten KGVs zeigt Unterschiede. Niedrige Kennzahlen allein reichen allerdings nicht für eine Kaufentscheidung, da die Gewinne von Düngemittelherstellern stark schwanken können.
| Aktie |
Kurs 23.10.2026 |
Erwartetes KGV |
Analystenkonsens |
| CF Industries |
120,68 USD |
9,5 |
Halten |
| Nutrien |
69,74 USD |
14,5 |
Kaufen |
| Yara |
402,90 NOK |
9,0 |
Halten |
| ICL Group |
4,77 USD |
– |
Halten |
Quellen: Stock Analysis und MarketBeat, Stand 23. Oktober 2026. Erwartete KGVs beruhen auf Gewinnschätzungen und können sich verändern.
CF Industries überzeugt durch seine Kostenstruktur und die vergleichsweise niedrige Bewertung. Nutrien bietet die breitere geschäftliche Aufstellung und positivere Analysteneinschätzungen.
Yara erscheint auf Basis des erwarteten KGVs ebenfalls günstig, trägt aber höhere europäische Energiekostenrisiken. ICL ist wegen seiner Geschäftsmischung eine interessante Ergänzung, jedoch keine eindeutig risikoärmere Alternative.
Eine belastbare Rangfolge nach risikobereinigter Rendite erfordert zusätzlich einen Vergleich von Gewinnschwankungen, Verschuldung und Kursverlusten.
Gibt es ETFs für Düngemittel-Aktien?
Reine Düngemittel-ETFs sind im europäischen UCITS-Markt kaum verbreitet. Wer das Risiko einzelner Hersteller reduzieren möchte, kann auf breiter aufgestellte Agrar-Fonds und -ETFs zurückgreifen. Der iShares Agribusiness UCITS ETF und der aktiv verwaltete DWS Invest Global Agribusiness enthalten beispielsweise auch Düngemittelhersteller wie Nutrien und CF Industries.
Welche Fonds und ETFs sich unterscheiden und wie sie in die gesamte Agrarwirtschaft investieren, zeigt unser Beitrag Agrar-Aktien, -Fonds und -ETFs: Wo Potenzial steckt.
Was die Preise für Düngemittel beeinflusst
Düngemittel gehören zu den wichtigsten Betriebsmitteln der Landwirtschaft. Pflanzen entziehen dem Boden Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium, die durch organische oder mineralische Düngung ersetzt werden müssen. Dieser sogenannte Nährstoffausgleich ist entscheidend für die Bodenfruchtbarkeit und stabile Ernteerträge.
Warum schwanken die Harnstoffpreise so stark?
Harnstoff ist einer der weltweit wichtigsten Stickstoffdünger und enthält rund 46 % Stickstoff. Seine Herstellung aus Ammoniak und Kohlendioxid ist energieintensiv. Besonders die Erdgaspreise beeinflussen deshalb die Produktionskosten.
Nach einem außergewöhnlichen Preisanstieg im Frühjahr 2026 hat sich Harnstoff wieder deutlich verbilligt. Laut Weltbank-Rohstoffpreisstatistik fiel der durchschnittliche Preis von 856,90 USD je Tonne im April auf 407,50 USD im September – ein Rückgang um rund 52 %.
Welche Rolle spielen China, Russland und die EU?
Exportbeschränkungen Chinas, EU-Zölle auf bestimmte russische und belarussische Düngemittel sowie unsichere Transportwege können das weltweite Angebot verknappen.
Auch die europäischen CO₂-Grenzausgleichsregeln beeinflussen die Importkosten. Um die Versorgung zu erleichtern, beschloss die EU im Mai 2026 eine befristete Aussetzung bestimmter Einfuhrzölle innerhalb festgelegter Kontingente. Quelle: EU-Verordnung 2026/1181.
Was bedeutet das für Düngemittel-Aktien?
Steigende Düngemittelpreise können die Gewinne der Hersteller erhöhen. Entscheidend ist jedoch, ob die Verkaufspreise stärker steigen als die Kosten für Energie, Rohstoffe und Transport.
Unternehmen mit günstigem Erdgaszugang wie CF Industries können hier Vorteile gegenüber europäischen Produzenten haben. Sinkende Düngemittelpreise können dagegen die Gewinnmargen belasten.
Warum haben sich Düngemittel-Aktien so unterschiedlich entwickelt?
Die Kursentwicklung zeigt, dass sich der Sektor nicht einheitlich bewegt.
Während CF Industries seit Juni deutlich zulegte, stand Mosaic weiterhin unter Druck. Auch ICL verzeichnete auf Jahressicht Kursverluste. Nutrien profitierte dagegen von einer verbesserten Ertragslage und positiven Analysteneinschätzungen.
Ein wichtiger Unterschied liegt in den jeweiligen Geschäftsmodellen. Stickstoffhersteller reagieren besonders auf Gas- und Harnstoffpreise, während bei Kali- und Phosphatproduzenten andere Rohstoff- und Absatzbedingungen entscheidend sind.
Hinzu kommt, dass höhere Düngemittelpreise nicht automatisch höhere Gewinne bedeuten. Steigen gleichzeitig die Produktionskosten, können die Margen sogar sinken.
Risiken für Anleger
- Energiepreise: Besonders die Stickstoffproduktion ist von Erdgas abhängig.
- Politische Eingriffe: Exportbeschränkungen, Zölle und Umweltauflagen können Preise und Handelsströme verändern.
- Agrarpreise: Niedrige Getreidepreise können die Kaufkraft der Landwirte schwächen.
- Zyklische Gewinne: Hohe Gewinne in Boomphasen sind nicht dauerhaft garantiert.
- Aktienbewertung: Ein niedriges KGV kann auch auf erwartete Gewinnrückgänge hindeuten.
Fazit: Welche Düngemittel-Aktien überzeugen?
Unter den vier untersuchten Unternehmen bieten CF Industries und Nutrien derzeit die überzeugenderen Kombinationen aus Geschäftsmodell und Ertragslage. CF Industries profitiert von seiner Kostenstruktur, Nutrien von seiner breiten Aufstellung und dem starken Kaligeschäft.
Yara ist vergleichsweise niedrig bewertet, bleibt aber von den europäischen Energiekosten abhängig. ICL bietet mit Spezialchemikalien und Kali eine andere Ausrichtung, trägt jedoch zusätzliche Risiken.
Für Anleger, die das Risiko einzelner Unternehmen vermeiden möchten, können Agrar-ETFs eine Alternative sein. Der iShares Agribusiness UCITS ETF bietet innerhalb der vorgestellten Auswahl die längste Historie und eine vergleichsweise breite Streuung.
Der Rückgang der Düngemittelpreise seit dem Frühjahr zeigt allerdings, wie rasch sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändern können. Entscheidend sind deshalb nicht allein die langfristige Nachfrage nach Pflanzennährstoffen, sondern vor allem Kostenstruktur, Gewinnentwicklung und Bewertung der Unternehmen.
FAQ: Häufige Fragen zu Düngemittel-Aktien
Welche Düngemittel-Aktien sind interessant?
Zu den wichtigen börsennotierten Herstellern gehören CF Industries, Nutrien, Yara International, ICL Group, K+S und Mosaic. Die Unternehmen unterscheiden sich deutlich bei Produkten, Kostenstruktur und Bewertung.
Gibt es einen ETF für Düngemittel-Aktien?
Reine Düngemittel-ETFs sind im europäischen UCITS-Markt kaum verbreitet. Agrar-ETFs wie der iShares Agribusiness UCITS ETF enthalten neben Düngemittelherstellern auch andere Unternehmen der Agrarwirtschaft.
Warum sind die Harnstoffpreise 2026 gefallen?
Nach dem außergewöhnlichen Preisanstieg im Frühjahr normalisierte sich das Preisniveau deutlich. Veränderungen bei Angebot, Nachfrage und Transportbedingungen beeinflussten die Entwicklung.
Sind Düngemittel-Aktien krisensicher?
Nein. Die Nachfrage nach Pflanzennährstoffen ist zwar langfristig wichtig, die Aktienkurse reagieren aber stark auf Energiepreise, Agrarkonjunktur, politische Entscheidungen und Gewinnschätzungen.
Autoren: Roman Steinbauer, proi
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Minimum-Volatility-ETFs: So können Anleger Risiken senken
Die Angst an den Aktienmärkten wächst: Der Fear and Greed Index signalisiert extreme Furcht. Hohe Bewertungen, KI-Investitionen und geopolitische Risiken belasten die Stimmung. Zwei ETFs mit Minimum-Volatility-Strategien sollen Anlegern helfen, Kursschwankungen zu begrenzen.
Erstveröffentlichung: 27.02.2026, aktualisiert 23.10.2026
Das Börsenjahr 2026 bleibt für Anleger herausfordernd. Nach zeitweise kräftigen Kursanstiegen an den internationalen Aktienmärkten haben geopolitische Konflikte, hartnäckige Inflation und hohe Bewertungen insbesondere bei US-Technologieaktien die Unsicherheit wieder verstärkt. Hinzu kommen Zweifel, ob sich die enormen Investitionen in Künstliche Intelligenz im erwarteten Ausmaß rentieren werden. Wie rasch die Stimmung an den Börsen umschlagen kann, zeigt der CNN Fear and Greed Index.
Fear and Greed Index: Angst an den Börsen nimmt zu
Am 23. Oktober lag der Stimmungsindikator bei nur noch 21 Punkten und signalisierte damit extreme Angst unter den Anlegern. Einen Monat zuvor hatte er noch 33 Punkte angezeigt. Anfang Februar waren es zeitweise 54 Punkte gewesen.
Zur Erklärung: Der „Fear and Greed Index“ misst die Anlegerstimmung am US-Aktienmarkt und wurde vom US-Nachrichtensender CNN entwickelt. Dabei werden sieben Indikatoren herangezogen, um einzuschätzen, ob Angst oder Gier das Verhalten dominiert. Dazu zählen unter anderem Marktmomentum, Volatilität und die Nachfrage nach risikoreicheren Unternehmensanleihen. Ein Wert von 0 steht für extreme Angst unter Anlegern, ein Wert von 100 für extreme Gier. Rund 50 Punkte deuten auf eine neutrale Haltung hin.
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Die jüngste Entwicklung verdeutlicht, wie rasch sich das Börsenumfeld ändern kann. Besonders die hohen Bewertungen von US-Technologieaktien und die milliardenschweren Investitionen in Künstliche Intelligenz sorgen zunehmend für Skepsis. Meta, Microsoft, Alphabet und Amazon investieren enorme Summen in Rechenzentren, Chips und KI-Anwendungen. Ob daraus rasch entsprechende Gewinne entstehen, bleibt offen.
Zuletzt gerieten Technologieaktien deutlich unter Druck. Am 22. Oktober verlor der Nasdaq 2,6 %, während der S&P 500 um 1,2 % nachgab. Gleichzeitig verteuerte sich Rohöl angesichts des anhaltenden Irankrieges. Der Brent-Preis stieg auf mehr als 113 US-Dollar je Barrel. Höhere Energiepreise könnten die Inflation erneut anheizen und damit auch die Zinspolitik der Notenbanken beeinflussen.
Zusätzlich belasten hohe Staatsschulden, steigende Anleiherenditen und handelspolitische Unsicherheiten die Märkte. Besonders hoch bewertete Wachstumsaktien reagieren empfindlich auf steigende Finanzierungskosten. Anleger müssen deshalb weiterhin mit größeren Kursschwankungen rechnen.
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Langfristig orientierte Anleger, die trotz all dieser Entwicklungen nicht auf ein breit gestreutes Aktieninvestment verzichten wollen, können etwa auf ETFs setzen, die gezielt in schwankungsärmere Titel investieren. Solche Minimum-Volatility-Strategien sollen die Kursschwankungen gegenüber klassischen Aktienindizes begrenzen. Verluste lassen sich damit allerdings nicht ausschließen.
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So bildet beispielsweise der Invesco EURO STOXX High Dividend Low Volatility UCITS ETF den EURO iSTOXX High Dividend Low Volatility 50 Index nach. Dieser setzt auf 50 Aktien aus der Eurozone, die hohe Dividendenrenditen mit vergleichsweise geringen Kursschwankungen verbinden.
Zu den größten Positionen zählen weiterhin der österreichische Energiekonzern OMV mit 2,70 %, der französische Immobilienkonzern Gecina mit 2,88 % sowie FDJ United mit 2,93 %. Auch Mercedes-Benz (2,57 %) und der Einzelhändler Carrefour (2,44 %) sind unter den zehn größten Positionen vertreten. Auffällig ist die breite Streuung der Einzelwerte. Die zehn größten Positionen vereinen rund 27 % des Fondsvermögens auf sich. (Stand: 7. Oktober 2026)
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Die Gewichtung der einzelnen Unternehmen fällt deutlich geringer aus als bei vielen klassischen, nach Marktkapitalisierung gewichteten Aktienindizes. Dennoch bleibt der US-Anteil hoch. Die hier vorgestellte ETF-Variante ist gegenüber dem Euro währungsgesichert. Bei beiden Produkten sind aber natürlich auch Verluste möglich.
Autor: Raja Korinek
| Im Artikel vorgestellte ETFs und Aktien |
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| Name |
ISIN |
| Invesco EURO STOXX High Dividend Low Volatility UCITS ETF |
IE00BZ4BMM98 |
| iShares Edge MSCI World Min. Volatility UCITS ETF Hedged Euro |
IE00BYXPXL17 |
| Carrefour |
FR0000120172 |
| Deutsche Telekom |
DE0005557508 |
| Engie |
FR0010208488 |
| Exxon |
US30231G1022 |
| Mercedes-Benz |
DE0007100000 |
| Novartis |
CH0012005267 |
| OMV |
AT0000743059 |
Dividendenaktien: So funktionieren Rendite und Vermögensaufbau
Dividendenaktien bieten regelmäßige Erträge und Chancen auf langfristigen Vermögensaufbau. Worauf Anleger bei Dividendenrendite, Ausschüttungen und Risiken achten sollten.
Zuletzt aktualisiert: 21.10.2026
Regelmäßige Ausschüttungen können langfristig zum Anlageerfolg beitragen. Worauf Anleger bei Dividendenaktien achten sollten.
Dividendenaktien bieten Anlegern die Möglichkeit, neben Kursgewinnen regelmäßige Erträge zu erzielen. Wer die Ausschüttungen wieder anlegt, kann langfristig zusätzlich vom Zinseszinseffekt profitieren. Allerdings ist eine hohe Dividendenrendite nicht automatisch ein Qualitätsmerkmal. Entscheidend sind die Ertragskraft eines Unternehmens, seine Ausschüttungspolitik und die langfristigen Wachstumsperspektiven.
Das Wichtigste zu Dividendenaktien in Kürze
- Regelmäßige Erträge: Dividendenaktien ermöglichen laufende Ausschüttungen, ohne dass Anleger Aktien verkaufen müssen.
- Dividendenrendite: Sie zeigt das Verhältnis der jährlichen Dividende zum Aktienkurs. Eine besonders hohe Rendite kann auch ein Warnsignal sein.
- Langfristiger Vermögensaufbau: Die Wiederanlage von Dividenden kann den Zinseszinseffekt verstärken.
- Unternehmensqualität: Stabile Gewinne, eine solide Bilanz und eine nachhaltige Ausschüttungsquote sind wichtiger als die Höhe der Dividende allein.
- Steuern: In Österreich unterliegen Dividenden grundsätzlich einer Kapitalertragsteuer von 27,5 %.
Was sind Dividendenaktien?
Dividendenaktien sind Aktien von Unternehmen, die einen Teil ihres Gewinns regelmäßig an ihre Aktionäre ausschütten. Die Dividende wird üblicherweise je Aktie festgelegt. Wie viel ein Anleger erhält, hängt somit von der Anzahl seiner Aktien ab.
Viele europäische Unternehmen zahlen ihre Dividende einmal jährlich, häufig nach der Hauptversammlung. In den USA sind vierteljährliche Ausschüttungen verbreitet. Manche Unternehmen zahlen auch monatlich.
Dividenden sind allerdings nicht garantiert. Unternehmen können ihre Ausschüttungen erhöhen, reduzieren oder vollständig streichen. Selbst eine jahrzehntelange Dividendenhistorie bietet keine Gewähr für künftige Zahlungen.
Typische Merkmale etablierter Dividendenunternehmen sind:
- ein bewährtes Geschäftsmodell,
- möglichst stabile Gewinne und Cashflows,
- eine solide Bilanz,
- eine langfristig verlässliche Ausschüttungspolitik.
Nicht jedes profitable Unternehmen zahlt Dividenden. Insbesondere wachstumsorientierte Unternehmen investieren ihre Gewinne häufig vollständig in die weitere Expansion.
Wie berechnet man die Dividendenrendite?
Die Dividendenrendite gehört zu den wichtigsten Kennzahlen bei der Bewertung von Dividendenaktien. Sie zeigt, wie hoch die jährliche Ausschüttung im Verhältnis zum aktuellen Aktienkurs ausfällt.
Die Formel lautet:
Dividendenrendite = (Jährliche Dividende je Aktie ÷ Aktienkurs) × 100
Ein Beispiel: Ein Unternehmen schüttet jährlich 3 Euro je Aktie aus. Der Aktienkurs liegt bei 60 Euro. Daraus ergibt sich eine Dividendenrendite von 5 %.
Wer 100 Aktien dieses Unternehmens besitzt, erhält jährlich 300 Euro brutto an Dividenden. Nach Abzug der österreichischen Kapitalertragsteuer von 27,5 % verbleiben bei vollständiger Anwendung dieses Steuersatzes 217,50 Euro netto.
Allerdings verändert sich die Dividendenrendite mit dem Aktienkurs. Sinkt der Kurs bei unveränderter Dividende von 60 auf 40 Euro, steigt die rechnerische Rendite auf 7,5 %. Für Anleger ist das nicht zwangsläufig eine gute Nachricht: Der Kursrückgang könnte auf wirtschaftliche Probleme hindeuten, die künftig auch die Dividende gefährden.
Warum Dividendenaktien für langfristige Anleger interessant sind
Dividenden können einen wesentlichen Beitrag zur Gesamtrendite eines Aktienportfolios leisten. Neben möglichen Kursgewinnen erhalten Aktionäre laufende Ausschüttungen, die sie für ihren Lebensunterhalt verwenden oder erneut investieren können.
Gerade für langfristig orientierte Anleger kann die Wiederanlage interessant sein. Werden Dividenden zum Kauf weiterer Aktien genutzt, können auch diese zusätzlichen Aktien künftig Ausschüttungen erwirtschaften. Dadurch entsteht ein Zinseszinseffekt, sofern die Erträge kontinuierlich wieder angelegt werden und die Unternehmen ihre Dividenden aufrechterhalten.
Dividenden können zudem eine gewisse Stabilität in das Portfolio bringen. Etablierte Unternehmen mit verlässlichen Cashflows sind häufig weniger stark von hohen Wachstumserwartungen abhängig als junge Wachstumsunternehmen. Das bedeutet allerdings nicht, dass Dividendenaktien grundsätzlich weniger stark schwanken oder vor Kursverlusten schützen.
Entscheidend ist immer die Gesamtrendite aus Kursentwicklung und Dividenden. Eine Ausschüttung ist kein zusätzlicher Gewinn, der unabhängig vom Unternehmenswert entsteht. Am Ex-Dividendentag wird der Aktienkurs rechnerisch um den Dividendenbetrag angepasst, wobei die tatsächliche Kursentwicklung auch von anderen Markteinflüssen abhängt.
Hohe Dividendenrendite oder steigende Dividenden: Was ist besser?
Anleger stehen häufig vor der Entscheidung, Aktien mit besonders hohen Ausschüttungen oder Unternehmen mit niedrigeren, dafür langfristig steigenden Dividenden zu bevorzugen.
Eine hohe Dividendenrendite kann attraktiv sein, wenn laufende Einnahmen im Vordergrund stehen. Allerdings sollte geprüft werden, ob das Unternehmen seine Ausschüttungen dauerhaft finanzieren kann.
Unternehmen mit einer niedrigeren Anfangsrendite, aber kontinuierlich steigenden Gewinnen und Dividenden können dagegen langfristig interessant sein.
Ein vereinfachtes Beispiel verdeutlicht den Unterschied: Zwei Aktien kosten jeweils 100 Euro. Unternehmen A zahlt dauerhaft 6 Euro Dividende, Unternehmen B zunächst 3 Euro, erhöht seine Ausschüttung jedoch jedes Jahr um 10 %.
Nach zehn jährlichen Erhöhungen würde Unternehmen B bereits rund 7,78 Euro je Aktie ausschütten und damit Unternehmen A übertreffen. Voraussetzung ist allerdings, dass das Dividendenwachstum tatsächlich erreicht wird.
Für langfristige Anleger zählt daher nicht nur die aktuelle Dividendenrendite, sondern auch das Potenzial für künftige Ausschüttungssteigerungen.
Worauf Anleger bei Dividendenaktien achten sollten
Eine hohe Dividendenrendite allein sagt wenig über die Qualität einer Aktie aus. Entscheidend ist, ob das Unternehmen seine Ausschüttungen nachhaltig erwirtschaftet.
Besonders wichtig sind folgende Kennzahlen und Kriterien:
Ausschüttungsquote: Sie zeigt, welcher Anteil des Gewinns an Aktionäre ausgeschüttet wird. Eine sehr hohe Quote kann darauf hindeuten, dass wenig Spielraum für Investitionen oder künftige Dividendenerhöhungen bleibt. Welche Quote angemessen ist, hängt allerdings stark von der Branche ab.
Gewinnentwicklung: Unternehmen mit langfristig stabilen oder steigenden Gewinnen verfügen grundsätzlich über bessere Voraussetzungen, ihre Dividenden aufrechtzuerhalten.
Freier Cashflow: Die tatsächlich verfügbaren Zahlungsmittel sind für die Finanzierung von Dividenden besonders wichtig. Eine Ausschüttung sollte möglichst aus dem laufenden Geschäft finanziert werden können.
Verschuldung: Hohe Schulden und steigende Finanzierungskosten können den finanziellen Spielraum für Dividenden einschränken.
Dividendenhistorie: Unternehmen, die ihre Ausschüttungen über viele Jahre hinweg konstant gehalten oder gesteigert haben, können auf eine stabile Dividendenpolitik verweisen. Eine Garantie für die Zukunft ist das jedoch nicht.
Auch die Bewertung einer Aktie spielt eine Rolle. Selbst ein Unternehmen mit solider Dividendenpolitik kann bei einem überhöhten Aktienkurs ein wenig attraktives Investment sein.
Dividendenaristokraten: Unternehmen mit langer Ausschüttungshistorie
Als Dividendenaristokraten werden üblicherweise Unternehmen bezeichnet, die ihre Dividenden über mindestens 25 aufeinanderfolgende Jahre erhöht haben. Beim bekannten S&P-500-Dividendenaristokratenindex müssen die Unternehmen zusätzlich bestimmte Indexkriterien erfüllen.
Eine lange Historie steigender Dividenden kann auf ein robustes Geschäftsmodell und eine aktionärsfreundliche Ausschüttungspolitik hinweisen.
Allerdings bieten Dividendenaristokraten nicht zwangsläufig besonders hohe Dividendenrenditen. Häufig stehen vielmehr die Beständigkeit und das langfristige Wachstum der Ausschüttungen im Vordergrund.
Auch hier gilt: Vergangene Dividendenerhöhungen garantieren keine künftigen Ausschüttungen.
Zahlen Technologieunternehmen Dividenden?
Lange Zeit galten Technologieunternehmen vor allem als Wachstumswerte, die ihre Gewinne überwiegend in Forschung, Entwicklung und Expansion investierten. Mittlerweile zahlen auch große internationale Technologiekonzerne regelmäßig Dividenden.
Allerdings stehen Ausschüttungen häufig im Wettbewerb mit anderen Formen der Kapitalverwendung. Hohe Investitionen in Rechenzentren, Halbleiter und KI-Infrastruktur beanspruchen erhebliche finanzielle Mittel. Gleichzeitig spielen Aktienrückkäufe für viele Unternehmen eine wichtige Rolle.
Alexander Sikora-Sickl, Fondsmanager bei Erste Asset Management, weist darauf hin, dass Anleger ihre Erwartungen an höhere Dividenden großer Technologiekonzerne nicht zu hoch ansetzen sollten.
Für Anleger ist deshalb entscheidend, wie ein Unternehmen seine verfügbaren Mittel zwischen Investitionen, Dividenden und Aktienrückkäufen aufteilt. Eine niedrige Dividendenrendite bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Aktie langfristig weniger attraktiv ist.
Dividendenaktien und Steuern in Österreich
Neben der Bruttodividende sollten Anleger auch die steuerliche Belastung berücksichtigen. In Österreich unterliegen Dividenden aus Aktien im Privatvermögen grundsätzlich einer Kapitalertragsteuer von 27,5 %.
Bei einem österreichischen, steuereinfachen Depot wird die Steuer in der Regel automatisch einbehalten. Bei ausländischen Depots müssen Anleger die steuerpflichtigen Erträge gegebenenfalls selbst erklären.
Bei ausländischen Dividenden kann zusätzlich Quellensteuer im jeweiligen Herkunftsland anfallen. Doppelbesteuerungsabkommen regeln, in welchem Umfang diese auf die österreichische Steuer angerechnet oder im Ausland zurückgefordert werden kann.
Steuerberaterin Astrid Kirchauer von Hübner & Hübner weist zudem auf die Möglichkeiten des Verlustausgleichs hin. Wer Wertpapiere bei mehreren Banken hält, kann unter bestimmten Voraussetzungen im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung einen depotübergreifenden Verlustausgleich vornehmen.
Dabei sind die gesetzlichen Grenzen zu beachten: Nicht alle Kapitalerträge und Verluste können miteinander verrechnet werden. Insbesondere ist eine Verrechnung von Aktienverlusten mit Zinserträgen aus gewöhnlichen Bankeinlagen grundsätzlich nicht möglich.
Für Anleger zählt letztlich die Nettorendite nach Steuern und Kosten.
Fazit: Nicht die höchste Dividendenrendite entscheidet
Dividendenaktien können ein wichtiger Bestandteil einer langfristigen Anlagestrategie sein. Regelmäßige Ausschüttungen schaffen laufende Erträge, während ihre Wiederanlage den langfristigen Vermögensaufbau unterstützen kann.
Entscheidend für den Anlageerfolg ist jedoch nicht die höchste Dividendenrendite. Wichtiger sind stabile Gewinne, solide Cashflows, eine tragfähige Ausschüttungspolitik und langfristige Wachstumsperspektiven.
Wer zusätzlich auf eine breite Streuung über Unternehmen, Branchen und Regionen achtet, kann die Risiken einzelner Dividendenaktien reduzieren. Auch bei einer Dividendenstrategie bleibt die Gesamtrendite aus Kursentwicklung und Ausschüttungen das entscheidende Maß für den Anlageerfolg.
Häufig gestellte Fragen zu Dividendenaktien
Was sind Dividendenaktien?
Dividendenaktien sind Aktien von Unternehmen, die einen Teil ihres Gewinns an ihre Aktionäre ausschütten. Die Zahlungen erfolgen je nach Unternehmen beispielsweise jährlich oder vierteljährlich.
Wie hoch ist eine gute Dividendenrendite?
Eine allgemein gültige Grenze gibt es nicht. Entscheidend ist, ob die Ausschüttung langfristig durch Gewinne und Cashflows gedeckt ist. Eine ungewöhnlich hohe Dividendenrendite kann auch auf einen starken Kursverlust und erhöhte Risiken hinweisen.
Wie berechnet man die Dividendenrendite?
Die jährliche Dividende je Aktie wird durch den aktuellen Aktienkurs dividiert und mit 100 multipliziert. Bei 3 Euro Dividende und 60 Euro Aktienkurs beträgt die Dividendenrendite 5 %.
Sind Dividendenaktien für Anfänger geeignet?
Dividendenaktien können auch für Einsteiger interessant sein. Allerdings sollten Anleger die Risiken einzelner Unternehmen berücksichtigen und auf ausreichende Diversifikation achten.
Sind Dividenden in Österreich steuerpflichtig?
Ja. Dividenden unterliegen grundsätzlich einer Kapitalertragsteuer von 27,5 %. Bei ausländischen Aktien können zusätzliche Quellensteuern anfallen.
Können Dividenden gestrichen werden?
Ja. Unternehmen können ihre Dividenden jederzeit reduzieren oder streichen, beispielsweise bei sinkenden Gewinnen, finanziellen Schwierigkeiten oder hohem Investitionsbedarf.
Autorin: Anneliese Proissl
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Standortfrage: Wo bleibt der Austrian Housing Act?
(16.10.2026) Amerika macht‘s mal wieder vor: Wie lässt sich Wohnraum schaffen, ohne Fördertöpfe zu bemühen? Mit dem parteiübergreifenden „21st Century ROAD to Housing Act“ setzt Washington auf einfachere Bauverfahren, weniger regulatorische Hindernisse und günstigere Bauweisen. Ziel: Bürgernähe, Standortaufwertung und „dem Amerikaner unter 40 ein Eigenheim zu ermöglichen“, so die mächtige demokratische Senatorin Elisabeth Warren. Der Grundgedanke ist überzeugend: Leistbares Wohnen entsteht nicht nur durch staatliche Förderung. Es muss sich auch wieder lohnen, Wohnungen zu bauen. Eine Überlegung, die Österreich dringend aufgreifen sollte.
Hierzulande ist die Lage ernüchternd. 2025 wurden nur noch knapp 32.000 Wohnungen in neuen Gebäuden bewilligt, weniger als halb so viele wie 2019. Für 2026 sieht die Lage noch deutlich schlechter aus. Gestiegene Baukosten, hohe Finanzierungskosten und komplizierte Verfahren haben zahlreiche Projekte schlicht unwirtschaftlich gemacht. Die politische Diskussion droht mit Mietpreisbremsen oder vermeintlicher Spekulationsbekämpfung – weitere Dämpfer.
Wie könnte also ein Austrian Housing Act aussehen? An erster Stelle müsste eine Reform des Baurechts stehen. Österreich leistet sich neun verschiedene Bauordnungen. Gemeinsame technische Richtlinien sorgen zwar für eine gewisse Harmonisierung, doch bleiben zahlreiche Abweichungen. Warum sollten vergleichbare Gebäude in Vorarlberg andere technische Anforderungen erfüllen müssen als in Niederösterreich? Einheitliche Mindeststandards und mehr Freiheit bei der baulichen Umsetzung könnten serielles und modulares Bauen erleichtern. Sicherheit und Qualität müssen dabei selbstverständlich erhalten bleiben.
Zweitens braucht der Wohnbau verbindliche Fristen. Für gewöhnliche Bauvorhaben auf bereits gewidmeten Grundstücken sollte eine Entscheidung innerhalb von 120 Tagen das Ziel sein. Dazu gehören vollständig digitale Einreichungen, eine zentrale Anlaufstelle und abgestimmte Behördenverfahren – da geht bereits jetzt etwas vorwärts. Denn jede Verzögerung kostet Geld. Und diese Kosten finden sich später im Kaufpreis oder in der Miete wieder. Die Diskussion um UVP-Verfahren ist konstruktiv mitzudenken.
Drittens müsste die Wirtschaftlichkeit des Bauens wieder stärker berücksichtigt werden. Technische Vorschriften sollten regelmäßig auf ihren tatsächlichen Nutzen und ihre Kosten überprüft werden. Nicht jede gut gemeinte zusätzliche Anforderung rechtfertigt die daraus entstehenden Mehrkosten.
Viertens braucht es langfristig verlässliche Regeln. Wohnbauprojekte werden über Jahrzehnte kalkuliert. Häufige Änderungen bei Steuern, Mietrecht oder Förderbedingungen schaffen Unsicherheit und verteuern die Finanzierung. Rechtsstaatlichkeit und Planungssicherheit sind deshalb handfeste Standortfaktoren. Das heimische Mietrecht ist weiterhin ein internationales Kuriosum, ja Schreckgespenst.
Die Wohnbaufinanzierung muss leichter werden. Angesichts des Zinsniveaus eine schwierige Aufgabe. Ein internationaler Faktor, der kaum national zu lösen ist. Die Einbindung von gezielten Garantien oder neuen Finanzierungspartnern (z. B. Pensionskassen) kann helfen.
Fazit: Die Idee des Austrian Housing Acts hat eine Stoßrichtung: Österreich sollte endlich über die Kosten nachdenken, die der Staat selbst verursacht. Hier gilt es sich zu verbessern. Effizienter zu werden. Hindernisse zu beseitigen.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
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Neue Chancen für Privatanleger: Private Markets, darunter Private Equity, Private Debt und Infrastruktur, werden zunehmend auch für Privatanleger zugänglich.
Das Wichtigste zu Private Markets
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Neue Chancen für Privatanleger: Private Markets, darunter Private Equity, Private Debt und Infrastruktur, werden zunehmend auch für Privatanleger zugänglich.
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16.10.2026
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Seit einigen Jahren ist eine für Anleger unerfreuliche Entwicklung auszumachen: Immer weniger Unternehmen sind bereit, an die Börse zu gehen. Allein in den USA ist die Zahl der gelisteten Firmen zwischen 1996 und 2025 um mehr als die Hälfte zurückgegangen Laut Experten ist die Börsenmüdigkeit vor allem auf die zunehmende Regulierung, die Compliance-Anforderungen und die damit verbundenen Kosten sowie auf die erweiterten Möglichkeiten zur Aufnahme privaten Kapitals zurückzuführen.
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Rechtliche Voraussetzungen für Privatanleger
Diese Produkte richten sich an sogenannte qualifizierte Privatkunden. Der Gesetzgeber knüpft diese Einstufung insbesondere an folgende Voraussetzungen:
- Der Anleger verfügt über unbelastete Bankguthaben und Finanzinstrumente von mehr als 250.000 Euro.
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- Der Anleger verfügt über ausreichenden Sachverstand, Erfahrungen und Kenntnisse, um die Chancen und Risiken der Veranlagung beurteilen zu können.
Fondsauswahl für Privatanleger steigt
Immer mehr Asset Manager richten sich mit eigenen Lösungen an Privatanleger. Nur ein Beispiel: Im ersten Halbjahr legte die Erste Asset Management einen nach der „ELTIF 2.0“-Verordnung strukturierten Erste Private Markets Evergreen ELTIF auf.
Schelhammer Capital bietet Private Equity seit 2001 an. „Wir wollten unseren Kunden die Möglichkeit geben, wie die großen Privatstiftungen zu investieren“, erklärt Bernadette Ules, Geschäftsführerin des Tochterunternehmens GBG Private Markets, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Private Real Estate und Private Credit biete man aufgrund der geringen Renditeaussichten nicht an. Venture Capital sei wiederum wegen der damit verbundenen hohen Ausfallrate von rund 70 % kein Thema.
GBG Private Markets bietet vier Produkte für entsprechend qualifizierten Anlegern dieser Kategorie an: Mehr Infos zu den Produkten erhalten Sie hier.
Private Equity: Warum Liquidität Rendite kosten kann
„Die Frage, wie Liquidität und illiquide Vermögenswerte miteinander vereinbart werden können, bleibt aus unserer Sicht ein zentraler Aspekt der Produktgestaltung bei Private Equity“, so Ules. Daher bevorzuge man langfristig ausgerichtete Strukturen ohne zusätzliche Liquiditätsversprechen. In Wahrheit koste Liquidität nämlich Geld bzw. bedeute weniger Rendite. Man dürfe nicht vergessen, dass man sich mit einem Private Equity Investment an der Entwicklung realer Unternehmen beteilige. „Diese Prozesse lassen sich nicht beschleunigen und benötigen Zeit, um ihr Potenzial zu entfalten“, so Ules.

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Private Equity in Österreich: Mittelstand im Fokus der Investoren
Nach Einschätzung von Robert Hufnagel, Partner, M&A Advisory Lead, Transactions & Corporate Finance, EY-Parthenon bei EY Österreich, wird der österreichische Markt, der sich 2026 trotz geopolitischer Unsicherheiten bisher robust entwickelt habe, vor allem von internationalen Investoren geprägt. „Neben strategischen Käufern sehen wir insbesondere Private-Equity-Fonds aus Deutschland, dem Vereinten Königreich, Frankreich und den USA“, meint er zum Börsen-Kurier. In ihrem Fokus stünden Technologie, Software, industrielle Marktführer, Business Services, Healthcare sowie Infrastruktur- und Energiethemen. Nachsatz: „Der heimische Mittelstand bleibt dabei ein Investitionsziel, insbesondere wenn Unternehmen über technologische Kompetenzen, Nischenführerschaften oder starke Exportpositionen verfügen.“
Private Debt in Österreich: Internationale Fonds dominieren
Das heimische Private-Markets-Ökosystem ist für Hufnagel „weiterhin unterentwickelt“. „Während Deutschland über größere PE-Häuser verfügt, müssen österreichische Unternehmen weiterhin häufig auf internationale Sponsoren zurückgreifen“, so der EY-Experte. Noch deutlicher sei dies im Bereich Private Debt, wo größere Finanzierungen oft von internationalen Kreditfonds übernommen würden, die überwiegend in London oder anderen internationalen Finanzzentren angesiedelt seien.
Autor: Mag. Patrick Baldia
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16.10.2026.
Oikocredit: Investieren mit sozialem und ökologischem Nutzen
Während auf den klassischen Kapitalmärkten vor allem die finanzielle Rendite zählt, verbindet die internationale Genossenschaft Oikocredit seit mehr als 50 Jahren Geldanlage mit sozialer und ökologischer Wirkung. Oikocredit zählt weltweit zu den größten privaten Impact-Investoren in der Entwicklungsfinanzierung. Die Genossenschaft investiert über Kredite und Unternehmensbeteiligungen in Projekte und Unternehmen im globalen Süden. Im Mittelpunkt stehen der Zugang zu Finanzdienstleistungen, nachhaltige Landwirtschaft und erneuerbare Energien. Anlegern bietet Oikocredit damit eine Geldanlage, bei der die messbare soziale und ökologische Wirkung wichtiger ist als die finanzielle Rendite.
Der Börsen-Kurier sprach mit Klaus Bergsmann, dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des österreichischen Förderkreises von Oikocredit, über Impact-Investing in einer sich verändernden Welt.
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Impact Investing: 40 Millionen Menschen erreicht
Börsen-Kurier: Auf der letzten Oikocredit-Generalversammlung im September wurde über die weltweiten Unsicherheiten gesprochen, die auch die Entwicklungszusammenarbeit belasten. Wie resilient zeigt sich das Modell von Oikocredit aktuell angesichts politischer Konflikte und des Klimawandels?
Klaus Bergsmann: Das Modell zeigt weiterhin seine Stärke: Mit Finanzierungen von insgesamt knapp 934 Millionen Euro erreichen wir rund 40 Millionen Menschen über 474 Partner – Menschen im Globalen Süden, 64 % davon im ländlichen Raum. In direkten Befragungen berichteten 69 % unserer Kundinnen und Kunden von höheren Einkommen; 87 % davon führen die Zuwächse auf ihre Mitgliedschaft in unseren Partnerorganisationen zurück.
Allerdings war das wirtschaftliche Ergebnis von Oikocredit International in den vergangenen beiden Jahren negativ – vor allem aufgrund klimabedingter Ernteausfälle und Verluste aus Währungsrisiken. Daraus ziehen wir Konsequenzen: Derzeit unterstützen wir 36 landwirtschaftliche Genossenschaften gezielt beim Aufbau von Klimaresilienz. Denn Finanzierung allein ist nicht genug – Oikocredit begleitet seine Partner auch mit Training. Und wir stehen damit nicht allein: Zunehmend investieren auch institutionelle Anleger mit, um diese globalen Herausforderungen gemeinsam anzugehen.
Oikocredit: Nach Verlustjahren wieder Hoffnung auf Dividende
Börsen-Kurier: Oikocredit International durchläuft eine größere Umstrukturierung. Welche konkreten Veränderungen bedeutet das für die Anlegerinnen und Anleger hier in Österreich?
Bergsmann: Die Veränderungen auf der Investorenseite reagieren auf die Verluste der vergangenen Jahre und auf politisch volatile globale Rahmenbedingungen. Für Anlegerinnen und Anleger in Österreich bleibt das Veranlagungsprodukt unverändert attraktiv. Denn Oikocredit stellt höchste ethische Anforderungen.
Ziel der Umstrukturierung ist die Rückkehr zu finanziellem Wachstum, denn die Nachfrage nach Oikocredits Leistungen im Globalen Süden wächst ständig. Wachstum ist die Grundlage für Dividenden: 2026 dürfen wir wieder zuversichtlich auf eine Dividende hoffen. Auch das Anlegerinteresse wächst unverändert – in den traditionellen Investorenländern des Nordens und zunehmend international, befeuert von der weltweit positiven Wirkung Oikocredits.
84 % der Endkunden sind Frauen
Börsen-Kurier: Sie waren selbst vor Ort in Indien, um sich ein Bild der Partner zu machen. Welche Begegnung oder Geschichte hat Sie dabei am tiefsten geprägt, und was beobachten Sie aktuell?
Bergsmann: Prägend war das Leuchten in den Augen der Menschen, die über unsere Partner Kapital und Know-how erhalten – und ihr Stolz, aus eigener Kraft ein besseres Leben für ihre Familien geschaffen zu haben. Solche Einblicke bietet unser Förderkreis heute auch Organisationen, Firmen und Privatpersonen: in den Bereichen Kaffee, Kakao, Bildung und vor allem Klima.
Laut unserem jüngsten Wirkungsbericht sind 84 % unserer Endkundschaft Frauen. Frauen sind weltweit noch immer gesellschaftlich benachteiligt – schon deshalb ist ihre Förderung wichtig. Zudem nutzen sie wirtschaftliche Chancen verlässlich. Ihre Finanzierung ist daher sozial wirksam und wirtschaftlich sinnvoll. Näheres zeigt der „Wirkungsbericht 2025“ von Oikocredit International auf unserer Website.
Börsen-Kurier: Wenn Sie auf die Kernidee der „Hilfe zur Selbsthilfe“ blicken: Wie hat sich der Begriff von sozialem Investment über die Jahrzehnte gewandelt?
Bergsmann: Vor 50 Jahren war soziales Investment vor allem von Idealismus geprägt und in der Finanzwelt kaum verankert. Oikocredit entstand aus einer ökumenischen Idee: Kirchen wollten ihr Geld so anlegen, dass es Menschen im Globalen Süden eine faire Chance gibt. Inzwischen ist „Social Impact Investment“ ein weltweit wachsendes Segment mit immer mehr Anbietern. Gewandelt hat sich auch unser Verständnis von Hilfe zur Selbsthilfe: Kapital allein genügt nicht.
Unsere Mitarbeiterin Silvia Astner traf in Guatemala Wilson Castro (Foto). Er fand nach seinem Studium keine Stelle und kehrte in den Betrieb seiner Eltern zurück. Heute webt er wunderbare Stoffe und kann sie dank seines Studiums gut vermarkten – begleitet von unserem Partner Reficom mit Kapital und Know-how. Seit 35 Jahren trägt der Förderkreis diese Idee in Österreich weiter.
Social Impact Investing: Mehr als nur Kapital bereitstellen
Börsen-Kurier: Das Ehrenamt nimmt in Ihrem Leben einen extrem hohen Stellenwert ein. Was motiviert Sie persönlich, so viel Energie in eine ökumenische Genossenschaft wie Oikocredit zu stecken?
Bergsmann: Nach einem spannenden Berufsleben der Gesellschaft etwas zurückzugeben, ist sehr erfüllend. Jeder noch so kleine Kredit von Oikocredit kann dazu beitragen, die Zukunft einer Familie zu sichern – dieses Ziel ist jede Anstrengung wert. Daneben engagiere ich mich in meiner Pfarre und ehrenamtlich im Vorstand von Fairtrade. Solange es mir möglich ist, möchte ich weiterhin einen positiven Beitrag zur Gesellschaft leisten.
Wir danken für das Gespräch.
Das Interview führte Klaus Schweinegger
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Externe Schocks werden unterschätzt
Erstveröffentlichung: 15. Mai 2024, aktualisiert: 14. Oktober 2026
Börsianer holen ihre entscheidungsrelevanten Zahlen, Daten und Fakten primär aus Publikationen über Investments und wirtschaftliche Entwicklungen. Das erscheint auch logisch. Doch immer wieder treten Ereignisse ein, die sämtliche Prognosen über Bord werfen. Dazu zählen einschneidende Ereignisse wie Naturkatastrophen, Kriege und Pandemien. Die Wirkung dieser externen Schocks auf Wirtschaft und Börsengeschehen wird häufig unterschätzt, obwohl sie die Wirtschaftsgeschichte entscheidend geprägt haben. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele.
Externe Schocks in der Volkswirtschaft: Definition und Auswirkungen
In der Volkswirtschaft bezeichnet man als externe Schocks unerwartete Einflüsse, die von außen auf die Ökonomien einwirken. Dazu zählen Kriege, Pandemien, Naturkatastrophen oder plötzliche Veränderungen der Energiepreise. Sie können Produktion und Nachfrage beeinträchtigen, Lieferketten unterbrechen, die Inflation antreiben und das Wirtschaftswachstum bremsen. Auch an der Börse können solche Ereignisse erhebliche Kursbewegungen auslösen.
Kriege als externe Schocks: Inflation, Rezession und Kapitalvernichtung
So hatte der verlorene Erste Weltkrieg (1914 bis 1918) infolge der enormen Kriegsfolgekosten, hoher Staatsschulden und einer übermäßigen Geldschöpfung in der Weimarer Republik 1923 eine Hyperinflation zur Folge. Die wirtschaftliche und politische Instabilität begünstigte den Aufstieg radikaler Kräfte und trug neben weiteren Faktoren zum Weg in den Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945) bei.
Danach folgte eine lange Phase wirtschaftlichen Aufschwungs, zunächst getragen vom Wiederaufbau. Ab den 1990er-Jahren eröffneten sich durch den Zusammenbruch des Ostblocks neue Märkte in Mittel- und Osteuropa sowie in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Gleichzeitig wurden nach dem Ende des Kalten Krieges vielerorts Rüstungsausgaben reduziert, wodurch finanzielle Mittel für andere wirtschaftliche Zwecke frei wurden.
Die Terroranschläge vom 11. September 2001 verdeutlichten erneut, wie unerwartete Ereignisse die Finanzmärkte erschüttern können. Die New Yorker Börse blieb vom 11. bis zum 14. September für vier Handelstage geschlossen. Nach der Wiedereröffnung am 17. September verlor der Dow Jones rund 7,1 %. Die Anschläge verstärkten die ohnehin angespannte Stimmung nach dem Platzen der Technologieaktienblase.
Straße von Hormus: Externer Schock für die Weltwirtschaft
Wie stark geopolitische Konflikte die Volkswirtschaft beeinflussen können, zeigt aktuell die Straße von Hormus. Seit Beginn des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran Ende Februar 2026 ist der Schiffsverkehr durch die strategisch wichtige Meerenge massiv beeinträchtigt. Durch sie wurden 2025 täglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukte transportiert – etwa ein Viertel des weltweiten seegestützten Ölhandels. Hinzu kommt knapp ein Fünftel des globalen Handels mit Flüssigerdgas (LNG).
Die Folgen reichen weit über den Nahen Osten hinaus. Lieferausfälle, höhere Transport- und Versicherungskosten sowie steigende Energiepreise belasten Unternehmen und Verbraucher. Der Ölpreisschock verstärkt den Inflationsdruck und bremst das Wirtschaftswachstum. Auch die Börsen reagieren auf die Unsicherheit.
Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) errechnete in einer Analyse, dass der Ölpreis bei einer vollständigen Sperre der Meerenge ohne Gegenmaßnahmen auf 101 bis 146 USD je Barrel Brent steigen könnte. Strategische Ölreserven und alternative Transportwege können den Preisanstieg allerdings abmildern.
Die Krise zeigt, wie ein regionaler Konflikt innerhalb kurzer Zeit zu einem externen Schock für die gesamte Weltwirtschaft werden kann.
Ukrainekrieg: Wie Energiepreisschocks die Wirtschaft belasten
Der russische Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 löste einen weiteren externen Schock für die Weltwirtschaft aus. Die Preise für Erdöl und Erdgas stiegen massiv und bremsten die wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Pandemie. Die hohe Inflation und die darauf folgenden Zinserhöhungen verteuerten Investitionen für Unternehmen und die Finanzierung von Eigenheimen.
Vor allem Europa litt unter den gestiegenen Energiekosten. Das Wirtschaftswachstum schwächte sich deutlich ab. Besonders energieintensive Industrien gerieten unter Druck, während die Kaufkraft der privaten Haushalte durch die Teuerung sank.
Auch 2026 bleibt der Ukrainekrieg ein geopolitischer Risikofaktor. Hinzu kommen die Konflikte im Nahen Osten und die damit verbundenen Risiken für die Energieversorgung. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet in seinem im Oktober 2026 veröffentlichten Weltwirtschaftsausblick ein globales Wachstum von 3,1 % für 2026 und 3,4 % für 2027. Gleichzeitig warnt er vor den wirtschaftlichen Folgen anhaltend hoher Energiepreise und weiterer geopolitischer Eskalationen.
Ölpreisschocks: Wie Kriege Inflation und Rezession auslösen
Ein historisches Beispiel für die volkswirtschaftlichen Folgen eines Energiepreisschocks ist der Jom-Kippur-Krieg im Oktober 1973. Am 6. Oktober griffen Ägypten und Syrien Israel an, um die 1967 von Israel besetzten Gebiete auf der Sinai-Halbinsel und den Golanhöhen zurückzuerobern.
Arabische Erdölexporteure drosselten daraufhin ihre Förderung und verhängten Ölembargos gegen mehrere Staaten, die Israel unterstützten. Der Ölpreis vervielfachte sich. Die Folgen waren eine stark steigende Inflation, höhere Produktionskosten und eine schwere Rezession in zahlreichen Industrieländern.
In den USA erreichte die Inflationsrate im Dezember 1974 rund 12,3 %. Die amerikanische Wirtschaft befand sich von November 1973 bis März 1975 in einer Rezession. Auch spätere Konflikte im Nahen Osten, darunter die iranische Revolution 1979, der Iran-Irak-Krieg und die Kuwait-Krise 1990, führten zu erheblichen Verwerfungen auf den Energiemärkten.
Diese Beispiele zeigen, wie externe Schocks über steigende Rohstoffpreise auf die gesamte Volkswirtschaft wirken können. Höhere Energiepreise verteuern Produktion und Transport, belasten die Kaufkraft und können über steigende Inflation eine restriktivere Geldpolitik auslösen.
Wirtschaftliche Folgen von Kriegen: BIP-Verluste und steigende Inflation
Eine Studie vom Kiel Institut für Weltwirtschaft, „Die Kosten des Krieges“, analysierte die wirtschaftlichen Auswirkungen von mehr als 150 Kriegen seit 1870. Das Ergebnis: In den unmittelbar betroffenen Kriegsgebieten sinkt das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) fünf Jahre nach Kriegsbeginn im Durchschnitt um rund 30 %, während die Inflation um etwa 15 Prozentpunkte steigt. Auch Nachbarländer und weiter entfernte Volkswirtschaften müssen wirtschaftliche Schäden hinnehmen, wobei diese mit zunehmender geografischer Entfernung tendenziell abnehmen.
Für die Ukraine errechneten die Studienautoren auf Basis historischer Erfahrungen bis 2026 einen kumulierten BIP-Verlust von rund 120 MrdUSD und einen Rückgang des Kapitalstocks um mehr als 950 MrdUSD. Die wirtschaftlichen Schäden für nicht unmittelbar am Krieg beteiligte Drittländer wurden auf rund 250 MrdUSD geschätzt, davon etwa 70 MrdUSD für die Europäische Union.
Dabei handelt es sich um modellbasierte Schätzungen aus dem Jahr 2024 und nicht um bereits festgestellte tatsächliche Schäden bis 2026.
Pandemien als externe Schocks für die Weltwirtschaft
Auch die Corona-Pandemie wurde in ihren ersten Wochen vielfach unterschätzt. Ihre wirtschaftlichen Folgen waren jedoch gravierend. Im Jahr 2020 schrumpfte die globale Wirtschaftsleistung um rund 3 %. Lockdowns, unterbrochene Lieferketten und Produktionsausfälle belasteten zahlreiche Branchen. Besonders stark betroffen waren unter anderem Tourismus, Luftfahrt und Gastronomie.
Die Pandemie zeigte zugleich, wie eng die Weltwirtschaft miteinander verflochten ist. Produktionsausfälle in einzelnen Ländern führten zu Lieferengpässen auf anderen Kontinenten. In Verbindung mit der anschließenden wirtschaftlichen Erholung und weiteren Angebotsengpässen trugen diese Entwicklungen zum weltweiten Inflationsanstieg bei.
Schon die Spanische Grippe von 1918 bis 1920 hatte weitreichende wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen. Studien zu historischen Pandemien verdeutlichen, dass schwere Gesundheitskrisen auch langfristig Investitionen, Arbeitskräfteangebot und Wirtschaftswachstum beeinflussen können.
Klimawandel und Naturkatastrophen: Folgen für die Volkswirtschaft
Neben Kriegen und Pandemien gewinnen klimabedingte Risiken für die Weltwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Hitzewellen, Dürren, Waldbrände und Überschwemmungen können Produktionsanlagen und Infrastruktur beschädigen, Ernten vernichten und Lieferketten unterbrechen.
Die wirtschaftlichen Folgen reichen von höheren Lebensmittelpreisen bis zu steigenden Versicherungs- und Wiederaufbaukosten. Besonders betroffen sind Landwirtschaft, Energieversorgung, Verkehr und zahlreiche energieintensive Industriezweige.
Doch wie hoch können die volkswirtschaftlichen Schäden durch den Klimawandel tatsächlich ausfallen?
Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Paul Waidelich von der ETH Zürich untersuchte anhand von Prognosen aus 33 globalen Klimamodellen die Auswirkungen auf das weltweite Bruttoinlandsprodukt. Die 2024 in der Fachzeitschrift „Nature Climate Change“ veröffentlichte Studie „Erhebliche globale Kosten der Klimauntätigkeit” berücksichtigt neben steigenden Durchschnittstemperaturen auch Veränderungen der Niederschläge und Temperaturschwankungen.
Das Ergebnis: Bei einer globalen Erwärmung um 3 °C könnte das weltweite BIP gegenüber einem Szenario ohne zusätzliche Erwärmung um durchschnittlich rund 10 % niedriger ausfallen. Besonders stark wären wirtschaftlich schwächere Länder in niedrigen geografischen Breiten betroffen.
Die Forscher betonen, dass die Berücksichtigung von Temperaturschwankungen und Extremereignissen die geschätzten wirtschaftlichen Schäden erhöht. Werden solche Faktoren nicht ausreichend berücksichtigt, besteht die Gefahr, die langfristigen Kosten des Klimawandels zu unterschätzen.
Wie Klimaschocks Inflation und Wirtschaftswachstum beeinflussen
Besonders problematisch sind die indirekten Auswirkungen klimabedingter Ereignisse. Dürren und Überschwemmungen können beispielsweise Ernteausfälle verursachen und dadurch die Preise wichtiger Agrarrohstoffe erhöhen.
Steigende Lebensmittel- und Energiepreise belasten wiederum die Kaufkraft der Verbraucher und die Kostenstruktur der Unternehmen. Halten solche Preisschübe länger an, können sie auch die Inflationserwartungen beeinflussen und die Geldpolitik vor zusätzliche Herausforderungen stellen.
Der Zusammenhang zwischen Klimawandel, Inflation und Wirtschaftswachstum wird damit zunehmend relevant. Anders als ein einmaliger externer Schock können klimabedingte Belastungen wiederholt auftreten und langfristig die Produktionsbedingungen ganzer Regionen verändern.
Fazit: Was externe Schocks für Wirtschaft und Börse bedeuten
Die Entwicklungen rund um die Straße von Hormus, der Ukrainekrieg und die geopolitischen Spannungen zwischen China und Taiwan zeigen, wie rasch externe Schocks die Weltwirtschaft beeinflussen können. Hinzu kommen zunehmende Klimarisiken durch Hitzewellen, Dürren und Naturkatastrophen. Für Anleger sind diese Entwicklungen besonders relevant, weil sie Energiepreise, Inflation, Zinsen und Unternehmensgewinne beeinflussen und damit auch die Börsen unter Druck setzen können. Umso wichtiger ist es, über klassische Wirtschaftsdaten und Unternehmenskennzahlen hinauszublicken und geopolitische sowie klimatische Risiken bei Anlageentscheidungen zu berücksichtigen.
Autor: Michael Kordovsky
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(02.10.2026) Offene Immobilienfonds leben in einem strukturellen Widerspruch: Anleger erwarten eine kurzfristige Verfügbarkeit, investiert wird aber in langfristige und nur begrenzt liquide Vermögenswerte. Solange Zuflüsse und Rückgaben im Gleichgewicht bleiben, funktioniert es. Gerät der Markt ins Wanken, zeigt sich seine Schwachstelle. Österreichs größter offener Immo-fonds steckt in Liquiditäts-Schwierigkeiten, trotz des klingenden Bank-Namens. Ein Desaster für Anleger und die Reputation des Marktes – die Anbahnung war sichtbar …
Seit 29. September 2026 ist die Rücknahme von Anteilen der Real Invest Austria beschränkt. Der unmittelbare Auslöser war nach Angaben der Gesellschaft die Unterschreitung der gemäß § 32 ImmoInvFG vorgesehenen Mindestliquidität von 10 % in Verbindung mit stark steigenden Rückgabeansuchen.
Besonders deutlich wird die Anspannung an der aktuellen Ausführungsquote: Am 29. September konnten lediglich 5,16 % der eingereichten Rückgabeaufträge ausgeführt werden. Wer an diesem Tag 100 Euro zurückhaben wollte, erhielt rechnerisch nur gut 5 E. Das ist keine vollständige Aussetzung der Rücknahme, bedeutet für Anleger aber eine erhebliche Einschränkung der Verfügbarkeit ihres Kapitals!
Die Entwicklung kommt nicht überraschend. Schon im Frühjahr 2026 berichtete der Fonds von erheblichen Nettomittelabflüssen über mehrere Jahre. Gleichzeitig wurden zahlreiche Immobilien verkauft, um Liquidität zu schaffen. Damit ist die Rücknahmebeschränkung weniger ein plötzliches Einzelereignis als der vorläufige Höhepunkt eines länger andauernden Liquiditätsprozesses.
Genau hier liegt das zentrale Risiko. Immobilien lassen sich eben nicht beliebig schnell verkaufen. Je stärker der Rückgabedruck steigt, desto größer wird der Zwang, weitere Objekte zu veräußern. Erfolgen solche Verkäufe unter Zeitdruck, drohen schlechtere Preise, höhere Transaktionskosten oder eine Verschlechterung der Portfoliostruktur. Die Kosten würden vor allem jene Anleger tragen, die im Fonds verbleiben. Bis am Ende nur noch unverkäufliche Immobilien bleiben.
Positiv ist, dass bislang keine Hinweise auf eine Abwicklung des Fonds vorliegen. Liquidität und Solvenz sind unterschiedliche Dinge. Ein Immobilienfonds kann über werthaltige Objekte verfügen und dennoch kurzfristig nicht genug Bargeld haben, um hohe Rückgabewünsche zu bedienen.
Ist der Anleger gut informiert? Auf wesentliche Fragen nennt die Gesellschaft keine konkreten Zahlen: Wie hoch war die tatsächlich verfügbare Liquidität am 29. September? Wie groß waren die offenen Rückgabeaufträge? Welcher Rücknahmestau besteht inzwischen? Zu welchen Preisen werden weitere Immobilien verkauft? Und ab welchem Liquiditätsniveau soll die Beschränkung wieder aufgehoben werden?
Gerade bei Österreichs größtem offenen Immobilienfonds reicht der Hinweis auf tägliche Berechnungen und gesetzliche Vorgaben nur bedingt aus. In einer solchen Situation ist Transparenz selbst ein Instrument des Liquiditätsmanagements.
Die Situation der Real Invest Austria bedeutet für viele Anleger eine große Enttäuschung. Gerade die Primadonna der UniCredit/Bank Austria im Retail-Vertrieb stößt an ihre Grenzen. Der Fall zeigt exemplarisch, warum tägliche Rückgabemöglichkeiten und langfristige Immobilieninvestments strukturell nur schwer zusammenpassen. Der Fall wird uns weiter begleiten.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Goldminen-Aktien: Diese Aktien haben Potenzial
Newmont, Barrick, Agnico Eagle und Alamos Gold im Vergleich: Welche Goldminen-Aktien trotz der jüngsten Goldpreiskorrektur Chancen bieten und wo Anleger vorsichtig sein sollten.
Aktualisiert am 21. Oktober 2026
Goldminen-Aktien bieten Anlegern die Chance, überproportional von steigenden Goldpreisen zu profitieren. Doch nach der starken Kursrally und der jüngsten Korrektur des Edelmetalls kommt es stärker auf die Auswahl einzelner Unternehmen an. Während niedrige Förderkosten und hohe Cashflows für etablierte Produzenten sprechen, bieten andere Unternehmen zusätzliche Chancen durch Produktionswachstum oder einen Konzernumbau. Vier Goldminen-Aktien zeigen, wo noch Potenzial besteht und welche Risiken Anleger berücksichtigen sollten.
Das Wichtigste zu Goldminen-Aktien
- Goldpreis unter Druck: Am 21. Oktober notierte Gold bei rund 4.130 USD je Feinunze. Höhere Zinserwartungen und steigende Energiepreise belasten das Edelmetall.
- Vier Aktien im Vergleich: Agnico Eagle überzeugt mit niedrigen Förderkosten, Newmont mit hohem Cashflow, Barrick mit Umbaupotenzial und Alamos Gold mit langfristigen Wachstumsprojekten.
- Bewertung entscheidend: Nach der Rally sind Goldminen-Aktien nicht mehr pauschal günstig.
- Kosten als Wettbewerbsvorteil: Niedrige Produktionskosten schützen die Gewinnmargen, wenn der Goldpreis fällt.
- Höhere Chancen, höhere Risiken: Goldminen-Aktien reagieren häufig stärker auf Goldpreisbewegungen als das Edelmetall selbst.
Welche Goldminen-Aktien haben noch Potenzial?
Nicht jeder Goldproduzent profitiert gleichermaßen von hohen Goldpreisen. Entscheidend sind die Produktionskosten, die Entwicklung der Fördermengen, der freie Cashflow und die Bewertung der Aktie.
Vier Unternehmen stehen beispielhaft für unterschiedliche Anlagestrategien:
| Goldminen-Aktie |
Stärke |
Wichtigstes Risiko |
| Agnico Eagle |
Niedrige Kosten, starke Bilanz |
Anspruchsvolle Bewertung |
| Newmont |
Hoher Cashflow, Aktienrückkäufe |
Goldpreisabhängigkeit |
| Barrick Mining |
Konzernumbau, mögliche Wertfreisetzung |
Höhere Förderkosten |
| Alamos Gold |
Wachstum durch neue Projekte |
Operative Rückschläge |
Agnico Eagle: Qualitätsaktie mit niedrigen Förderkosten
Agnico Eagle zählt zu den großen Goldproduzenten mit vergleichsweise niedrigen Produktionskosten. Im zweiten Quartal 2026 lagen die All-in Sustaining Costs (AISC) bei 1.459 USD je Unze. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen Kosten zwischen 1.400 und 1.550 USD.
Gleichzeitig erwirtschaftete Agnico Eagle im zweiten Quartal einen Rekord-Free-Cashflow von 1,34 Milliarden USD. Ende Juni verfügte der Konzern über eine Nettocashposition von rund 3,27 Milliarden USD.
Die Kombination aus niedrigen Kosten, hoher Liquidität und solider Bilanz macht Agnico Eagle zu einem vergleichsweise robusten Unternehmen innerhalb des Sektors.
Allerdings hat Qualität ihren Preis. Anleger müssen berücksichtigen, dass ein Teil der positiven Geschäftsentwicklung bereits in der Aktienbewertung enthalten sein kann.
Anleger-Fazit: Agnico Eagle ist besonders für Anleger interessant, die innerhalb des Goldminensektors auf finanzielle Stabilität und niedrige Förderkosten setzen. Das größte Risiko liegt in einer zu hohen Einstiegsbewertung.
Newmont: Hoher Cashflow und attraktive Ausschüttungen
Newmont gehört zu den weltweit führenden Goldproduzenten. Im zweiten Quartal 2026 förderte der Konzern rund 1,3 Millionen Unzen Gold und erwirtschaftete einen Rekord-Free-Cashflow von 2,2 Milliarden USD.
Die AISC lagen im Quartal bei 1.621 USD je Unze. Für das Gesamtjahr erwartet Newmont rund 1.680 USD.
Der hohe Cashflow ermöglicht dem Unternehmen, Schulden abzubauen, Dividenden auszuschütten und eigene Aktien zurückzukaufen. Seit dem vorherigen Quartalsbericht erwarb Newmont eigene Aktien im Wert von rund 1,7 Milliarden USD.
Auch das US-Finanzmagazin Barron’s hatte sich im August trotz des vorangegangenen starken Kursanstiegs positiv geäußert. Als Argumente wurden unter anderem die Cashflow-Entwicklung und die Bewertung genannt.
Entscheidend bleibt allerdings, ob Newmont seine hohe Profitabilität auch bei einem niedrigeren Goldpreis aufrechterhalten kann.
Anleger-Fazit: Newmont ist besonders für Anleger interessant, die neben möglichen Kursgewinnen Wert auf Cashflow und Ausschüttungen legen. Die anstehenden Quartalszahlen dürften zusätzliche Hinweise auf die weitere Entwicklung liefern.
Barrick Mining: Kurspotenzial durch Konzernumbau
Barrick Mining bietet eine andere Ausgangslage. Der Konzern verfügt über bedeutende Goldvorkommen, arbeitet jedoch mit höheren Förderkosten als Agnico Eagle und Newmont.
Im zweiten Quartal 2026 steigerte Barrick seine Goldproduktion gegenüber dem Vorquartal um 11 % auf 796.000 Unzen. Die AISC lagen bei 1.866 USD je Unze.
Für das Gesamtjahr erwartet Barrick eine Goldproduktion zwischen 2,90 und 3,25 Millionen Unzen sowie AISC zwischen 1.760 und 1.950 USD.
Zusätzliche Kursfantasie könnte der geplante Börsengang des nordamerikanischen Geschäfts bringen. Barrick beabsichtigt, einen Minderheitsanteil von 10 bis 15 % dieser Einheit an die Börse zu bringen.
Ein solcher Schritt könnte verborgene Unternehmenswerte sichtbarer machen. Ob daraus tatsächlich ein Mehrwert für die Aktionäre entsteht, hängt allerdings von der Bewertung und der konkreten Umsetzung ab.
Anleger-Fazit: Barrick ist vor allem für risikobereitere Anleger interessant, die auf eine erfolgreiche Neuausrichtung und steigende Produktionsmengen setzen. Höhere Kosten machen den Konzern jedoch anfälliger für sinkende Goldpreise.
Alamos Gold: Wachstumschancen mit erhöhtem Risiko
Alamos Gold setzt stärker auf den Ausbau seiner Produktion. Eine wichtige Rolle spielt dabei der kanadische Island Gold District.
Im zweiten Quartal 2026 produzierte Alamos 130.600 Unzen Gold und erwirtschaftete einen freien Cashflow von 143,5 Millionen USD.
Allerdings musste das Unternehmen seine Jahresprognose nach operativen Problemen bei der Mine Young-Davidson reduzieren. Statt ursprünglich 570.000 bis 650.000 Unzen werden nun 510.000 bis 560.000 Unzen erwartet.
Gleichzeitig erhöhte Alamos seine AISC-Prognose auf 1.775 bis 1.875 USD je Unze. Neben Produktionsproblemen belasten gestiegene Arbeits- und Auftragnehmerkosten das Unternehmen.
Langfristig soll vor allem der Ausbau des Island Gold District für höhere Fördermengen sorgen. Gelingt es, die Projekte erfolgreich umzusetzen und die Kosten zu stabilisieren, könnte dies die Ertragskraft verbessern.
Anleger-Fazit: Alamos Gold bietet langfristiges Wachstumspotenzial, ist aber mit höheren operativen Risiken verbunden. Entscheidend wird sein, ob das Unternehmen seine Produktionsziele wieder verlässlich erreicht.
Goldminen-Aktien: Ist nach der Rally noch ein Einstieg sinnvoll?
Goldminen-Aktien haben in den vergangenen Monaten teilweise kräftige Kursgewinne erzielt. Die jüngste Goldpreiskorrektur zeigt allerdings, wie schnell sich die Rahmenbedingungen ändern können.
Am 21. Oktober fiel der Goldpreis zeitweise auf den niedrigsten Stand seit dem 15. Oktober. Mit rund 4.130 USD je Feinunze lag er deutlich unter dem Niveau von Mitte September.
Als Belastungsfaktoren gelten insbesondere die Erwartungen weiterer US-Zinserhöhungen sowie steigende Energiepreise. Höhere Zinsen machen verzinsliche Anlagen gegenüber Gold attraktiver. Gleichzeitig verteuert teures Erdöl den Betrieb vieler Goldminen.
Für Anleger bedeutet das: Ein niedrigerer Aktienkurs nach einer Korrektur ist nicht automatisch eine günstige Einstiegschance. Entscheidend ist, ob die erwarteten Unternehmensgewinne den aktuellen Börsenwert rechtfertigen.
Wie Anleger anhand von Kennzahlen und Unternehmensbewertungen unterbewertete Aktien finden können, erklärt ein ausführlicher Ratgeber des Börsen-Kurier.
Bei Goldminen-Aktien mit niedrigen Förderkosten und soliden Bilanzen kann eine Kursschwäche eher Chancen eröffnen als bei hoch verschuldeten Produzenten mit steigenden Kosten.
Warum Goldminen-Aktien stärker schwanken als Gold
Goldminen-Aktien besitzen einen besonderen Gewinnhebel auf den Goldpreis. Steigt der Verkaufspreis des Edelmetalls, während die Produktionskosten weitgehend stabil bleiben, können die Gewinne der Unternehmen überproportional zunehmen.
Dieser Effekt funktioniert allerdings auch in die andere Richtung.
Ein vereinfachtes Beispiel zeigt den Zusammenhang:
| Kennzahl je Unze |
Szenario A |
Szenario B |
| Goldpreis |
4.100 USD |
3.500 USD |
| AISC |
1.700 USD |
1.700 USD |
| Rechnerische Differenz |
2.400 USD |
1.800 USD |
Sinkt der Goldpreis in diesem Beispiel um rund 15 %, verringert sich die Differenz zwischen Verkaufspreis und AISC um 25 %.
Diese Differenz ist allerdings nicht mit dem tatsächlichen Unternehmensgewinn gleichzusetzen. Weitere Kosten, Steuern, Investitionen und mögliche Absicherungsgeschäfte beeinflussen das Ergebnis.
Für Anleger erklärt der Zusammenhang dennoch, warum Goldminen-Aktien häufig deutlich stärker schwanken als das Edelmetall.
Förderkosten: Welche Goldminen besonders profitabel arbeiten
Eine der wichtigsten Kennzahlen für die Bewertung von Goldproduzenten sind die All-in Sustaining Costs (AISC).
Sie umfassen neben den eigentlichen Förderkosten auch wesentliche Aufwendungen, die zur Aufrechterhaltung der Produktion erforderlich sind.
Die zuletzt veröffentlichten Jahresprognosen zeigen erhebliche Unterschiede:
| Unternehmen |
Erwartete AISC 2026 je Unze |
| Agnico Eagle |
1.400–1.550 USD |
| Newmont |
rund 1.680 USD |
| Barrick Mining |
1.760–1.950 USD |
| Alamos Gold |
1.775–1.875 USD |
Nicht alle Unternehmen berechnen und berichten ihre Kosten vollständig identisch. Die Werte sind daher nur eingeschränkt vergleichbar.
Niedrige Produktionskosten verschaffen Unternehmen grundsätzlich einen größeren finanziellen Spielraum. Sie können auch bei fallenden Goldpreisen profitabel bleiben und verfügen häufig über mehr Mittel für Dividenden, Investitionen oder Aktienrückkäufe.
Allerdings sollten Anleger nicht allein auf die AISC achten. Auch die Qualität der Goldvorkommen, der Investitionsbedarf und die politische Stabilität der Förderländer beeinflussen den langfristigen Unternehmenserfolg.
Goldminen-ETF oder einzelne Goldminen-Aktien?
Wer nicht auf einzelne Unternehmen setzen möchte, kann über börsengehandelte Fonds in mehrere Goldproduzenten gleichzeitig investieren.
Ein bekanntes Beispiel ist der VanEck Gold Miners ETF (GDX). Er bildet die Entwicklung eines Korbs großer und mittelgroßer Goldminenunternehmen ab. Zu den bedeutenden Unternehmen des Sektors zählen Newmont, Agnico Eagle und Barrick Mining.
Ein weiterer wichtiger Gradmesser ist der NYSE Arca Gold BUGS Index (HUI). Er umfasst internationale Goldproduzenten, die ihre Goldproduktion nicht oder nur begrenzt langfristig gegen Preisänderungen absichern.
Der Vorteil einer breiten Streuung: Probleme bei einzelnen Minen oder Unternehmen fallen weniger stark ins Gewicht als bei einer Direktanlage in nur eine Aktie.
Allerdings bleiben Goldminen-ETFs stark vom Goldpreis und der allgemeinen Entwicklung des Minensektors abhängig. Zudem können auch breit gestreute Fonds erhebliche Kursverluste erleiden.
Für europäische Privatanleger ist außerdem wichtig, auf die Verfügbarkeit entsprechender UCITS-Produkte zu achten.
Wer dagegen unmittelbar an der Entwicklung des Goldpreises teilhaben möchte, findet andere Anlageinstrumente. Welche Möglichkeiten ETCs und Zertifikate auf Gold bieten, erklärt der Börsen-Kurier in einem eigenen Beitrag.
Goldminen-Aktien mit Dividende: Welche Unternehmen ausschütten
Neben möglichen Kursgewinnen können Goldminen-Aktien regelmäßige Ausschüttungen bieten.
Mehrere große Produzenten haben ihre Aktionäre zuletzt über Dividenden und Aktienrückkäufe am Unternehmenserfolg beteiligt.
- Newmont: Für das zweite Quartal 2026 wurde eine Dividende von 0,26 USD je Aktie erklärt.
- Barrick Mining: Der Konzern zahlte für das zweite Quartal eine Dividende von 0,175 USD je Aktie.
- Agnico Eagle: Das Unternehmen erklärte zuletzt eine Quartalsdividende von 0,45 USD je Aktie und kaufte zusätzlich eigene Aktien zurück.
Eine hohe Dividende allein ist allerdings kein Qualitätsmerkmal. Entscheidend ist, ob die Ausschüttungen auch bei niedrigeren Goldpreisen aus dem laufenden Cashflow finanziert werden können.
Goldpreis-Prognose: Was Goldminen-Aktien künftig antreibt
Die weitere Entwicklung der Goldminen-Aktien hängt wesentlich vom Goldpreis ab. Dabei spielen vier Faktoren eine zentrale Rolle.
1. Zinsen und US-Dollar
Steigende Zinsen können den Goldpreis belasten, weil das Edelmetall selbst keine laufenden Erträge abwirft. Ein stärkerer US-Dollar macht Gold für Anleger außerhalb des Dollarraums zudem häufig teurer.
2. Nachfrage von Investoren und Notenbanken
Gold bleibt für viele Investoren ein Instrument zur Diversifikation. Auch Zentralbanken nutzen das Edelmetall zur Streuung ihrer Währungsreserven.
Veränderungen bei ETF-Zuflüssen, physischer Investmentnachfrage und Zentralbankkäufen können den Markt erheblich beeinflussen.
3. Begrenztes Wachstum der Goldproduktion
Neue Goldminen benötigen oft viele Jahre von der Erschließung bis zur Förderung. Selbst hohe Goldpreise führen daher nicht automatisch zu einem raschen Anstieg des Angebots.
Das kann die Preise langfristig unterstützen, garantiert jedoch keine steigenden Notierungen.
4. Energiepreise und geopolitische Risiken
Geopolitische Unsicherheit kann die Nachfrage nach Gold erhöhen. Gleichzeitig können Krisen aber auch die Produktionskosten von Goldminen steigen lassen.
Besonders hohe Energiepreise belasten Unternehmen, deren Förderung viel Diesel, Strom und Transportleistung benötigt.
Welche Rolle geopolitische Krisen und langfristige Nachfragetrends für die Rohstoffmärkte spielen, analysiert der Börsen-Kurier im Beitrag Rohstoffpreise – getrieben von Krisen und industriellem Superzyklus.
Fazit: Welche Goldminen-Aktien bieten die besten Chancen?
Goldminen-Aktien bleiben eine interessante Möglichkeit, an der Entwicklung des Goldmarktes teilzuhaben. Nach den starken Kursbewegungen ist eine sorgfältige Auswahl jedoch wichtiger denn je.
Agnico Eagle überzeugt durch niedrige Förderkosten und eine starke Bilanz. Newmont bietet hohen Cashflow und laufende Ausschüttungen. Barrick Mining könnte von einem erfolgreichen Konzernumbau profitieren, während Alamos Gold langfristiges Produktionswachstum verspricht, dafür aber höhere Risiken mitbringt.
Welche Aktie tatsächlich das größte Kurspotenzial besitzt, hängt nicht nur von der operativen Qualität ab, sondern auch vom jeweiligen Einstiegskurs und der Bewertung.
Für Anleger gilt deshalb: Nicht allein auf einen steigenden Goldpreis setzen, sondern Kosten, Cashflow, Wachstum und Bewertung der einzelnen Goldminen-Aktien vergleichen.
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Betriebliche Vorsorge in Österreich: Was die Reform bringt
Erstmals veröffentlicht: 22. Mai 2026, aktualisiert: 9. Oktober 2026
Die betriebliche Vorsorge in Österreich wird reformiert. Arbeitnehmer sollen künftig ihre Ansprüche aus der Abfertigung Neu leichter in eine lebenslange Zusatzpension umwandeln können. Zudem werden neue Veranlagungsmodelle ohne Kapitalgarantie geschaffen, Abfertigungskonten zusammengeführt und Verwaltungskosten gesenkt. Der Nationalrat hat die Reform am 23. September 2026 beschlossen. Die neuen Regeln sollen am 1. Jänner 2028 in Kraft treten, wie das österreichische Parlament berichtet.
Doch reichen diese Maßnahmen aus, um das Pensionssystem langfristig zu stärken? Die Ökonomin Monika Köppl-Turyna hält weitergehende Reformen für notwendig. Bei einer Veranstaltung der Österreichischen Gesellschaft für Versicherungsfachwissen (GVFW) im Mai 2026 sprach sie sich unter anderem für höhere Arbeitgeberbeiträge und eine automatische Einbeziehung von Arbeitnehmern in die betriebliche Altersvorsorge aus.
Betriebliche Vorsorge: Was sich ab 2028 ändert
Die Reform soll die betriebliche Altersvorsorge als zweite Säule des österreichischen Pensionssystems stärken. Im Mittelpunkt steht die Abfertigung Neu. Dafür zahlen Arbeitgeber derzeit 1,53 % des monatlichen Bruttoentgelts einschließlich Sonderzahlungen in eine betriebliche Vorsorgekasse ein, wie die Finanzmarktaufsicht (FMA) erläutert.
Künftig können Arbeitnehmer erworbene Abfertigungsansprüche kostenfrei in eine Pensionskasse übertragen. Dafür wird ein gesetzliches Standardprodukt geschaffen, das auch Beschäftigten ohne bestehende Betriebspension offensteht. Alternativ ist eine Übertragung in eine Lebensversicherung möglich.
Zudem müssen Vorsorgekassen ab 2028 neben der klassischen Abfertigung Neu eine sogenannte Vorsorge-Veranlagungsgemeinschaft anbieten. Diese ermöglicht eine langfristigere und risikoreichere Veranlagung mit höheren Ertragschancen. Dafür entfällt allerdings die Kapitalgarantie. Auch der vorzeitige Zugriff auf das angesparte Kapital ist grundsätzlich ausgeschlossen, wobei Ausnahmen für Härtefälle vorgesehen sind.
Die bisherige Abfertigung Neu mit Kapitalgarantie bleibt bestehen. Die Wahl des neuen Veranlagungsmodells ist freiwillig. Das geht aus den Erläuterungen des Parlaments zur Reform hervor.
Weitere Maßnahmen betreffen die automatische Zusammenführung länger beitragsfreier Abfertigungskonten und geringere Verwaltungskosten. Laut Bundesregierung sollen Konten, auf die seit drei Jahren keine Beiträge mehr eingezahlt wurden, grundsätzlich bei der aktuell zuständigen Vorsorgekasse gebündelt werden. Arbeitnehmer können dem widersprechen.
Warum Experten höhere Beiträge zur betrieblichen Vorsorge fordern
Für Köppl-Turyna geht die Reform nicht weit genug. Die Universitätsprofessorin verwies bei der GVFW-Veranstaltung auf die hohe Belastung des österreichischen Staatshaushalts durch Pensionen.
Im Jahr 2024 flossen nach den von ihr präsentierten Zahlen 15,5 % des Bruttoinlandsprodukts in Pensionen. In Ländern wie Dänemark, den Niederlanden und Schweden lag der entsprechende Anteil demnach bei 7 bis 8 %. Die österreichischen Pensionsausgaben von 74,9 Mrd. Euro stellte sie den Ausgaben für Wirtschaft, Infrastruktur und Umwelt von 22,4 Mrd. Euro gegenüber.
Um die staatliche Pension langfristig zu ergänzen, empfiehlt Köppl-Turyna eine stärkere kapitalgedeckte Altersvorsorge. Die Beitragssätze sollten schrittweise auf 3 bis 5 % steigen. Gleichzeitig müsse verhindert werden, dass die Lohnnebenkosten insgesamt zunehmen. Dafür schlägt sie eine entsprechende Senkung der Pensionsversicherungsbeiträge vor.
Auch der derzeitige Beitragssatz von 1,53 % für die Abfertigung Neu sollte nach Ansicht der Ökonomin erhöht werden.
Automatische Betriebspension für alle Arbeitnehmer?
Ein weiterer Vorschlag betrifft die automatische Teilnahme an der betrieblichen Altersvorsorge. Arbeitnehmer ohne bestehende betriebliche Pensionslösung sollten nach dem sogenannten Auto-Enrollment-Prinzip automatisch in ein Vorsorgesystem aufgenommen werden.
Dabei würde ein Opt-out-Modell gelten: Arbeitnehmer wären zunächst einbezogen, könnten der Teilnahme aber widersprechen. Köppl-Turyna hält diesen Ansatz für wirksamer als ein Opt-in-System, bei dem Beschäftigte selbst aktiv werden müssen.
Sie verwies auf wissenschaftliche Untersuchungen, wonach verpflichtende Pensionsfonds die nationale Sparquote erhöhen können. Freiwillige Vorsorgemodelle führten dagegen häufig nur dazu, dass bereits vorhandenes Vermögen anders angelegt wird. Aus ihrer Sicht wären Arbeitgeberbeiträge besonders sinnvoll.
Auch steuerlich sieht die Ökonomin Reformbedarf. Sie empfiehlt für die zweite und dritte Säule des Pensionssystems ein einheitliches EET-Modell. Dabei bleiben Einzahlungen und Veranlagungserträge während der Ansparphase steuerfrei, während die späteren Rentenzahlungen besteuert werden.
Vorsorgekassen und Pensionskassen: Wo liegt der Unterschied?
In Österreich gibt es unterschiedliche Formen der betrieblichen Vorsorge. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen Vorsorgekassen und Pensionskassen.
Betriebliche Vorsorgekassen verwalten die Beiträge zur Abfertigung Neu. Arbeitgeber zahlen dafür laufend 1,53 % des Bruttoentgelts einschließlich Sonderzahlungen ein. Die erworbenen Ansprüche bleiben grundsätzlich auch bei einem Arbeitgeberwechsel erhalten. Unter bestimmten Voraussetzungen ist eine Auszahlung möglich. Die gesetzliche Kapitalgarantie schützt die eingezahlten Beiträge, nicht jedoch deren Kaufkraft. Quelle: FMA – Abfertigung Neu.
Pensionskassen dienen dagegen unmittelbar der Finanzierung einer zusätzlichen Betriebspension. Die Beiträge werden langfristig am Kapitalmarkt veranlagt. Im Ruhestand wird daraus eine zusätzliche Pension ausbezahlt.
Bislang hat nur knapp ein Viertel der unselbstständig Erwerbstätigen in Österreich Anspruch auf eine Leistung aus einer Pensionskasse. Die FMA bezifferte das verwaltete Vermögen der Pensionskassen Ende 2025 auf 30,4 Mrd. Euro.
Die Reform soll beide Systeme stärker miteinander verbinden. Arbeitnehmer können damit ihre Ansprüche aus der Abfertigung Neu künftig leichter für eine lebenslange Zusatzpension nutzen. Allerdings ist nach einer Übertragung in eine Pensionskasse keine freie Verfügung über das Kapital bei Pensionsantritt mehr möglich, wie das Parlament erläutert.
Wie Pensionsfonds die Wirtschaft stärken können
Eine stärkere betriebliche Altersvorsorge könnte nach Einschätzung von Köppl-Turyna nicht nur Arbeitnehmern, sondern auch der Wirtschaft zugutekommen.
Sie verwies bei ihrem GVFW-Vortrag auf Studien, denen zufolge ein um 1 % höheres Pensionsfondsvermögen das Wirtschaftswachstum um bis zu 0,07 % erhöhen könne. Entscheidend sei dabei die Qualität der Kapitalveranlagung. Besonders ein höherer Aktienanteil könne positive Wachstumsimpulse auslösen.
Pensionsfonds seien zudem wichtige Kapitalgeber für junge, innovative Unternehmen. Länder mit einer starken zweiten und dritten Säule der Altersvorsorge verfügten häufig auch über einen besser entwickelten Markt für Risikokapital.
Als Beispiele nannte Köppl-Turyna Dänemark, die Niederlande, Estland und Großbritannien. Österreich liege bei der Verfügbarkeit von Venture Capital dagegen deutlich zurück.
Unternehmen könnten ebenfalls profitieren. Köppl-Turyna verwies auf Untersuchungen, die bei Unternehmen mit Pensionsfonds-Beteiligungen eine höhere Patentaktivität und Stundenproduktivität feststellen.
Reicht die Reform für höhere Pensionen?
Auch in der anschließenden Diskussion der GVFW-Veranstaltung wurde deutlich, dass die betriebliche Vorsorge allein nicht sämtliche Herausforderungen des Pensionssystems lösen kann.
Ralph Müller, Generaldirektor der Wiener Städtischen Versicherung, sprach sich für eine Anhebung des Pensionsantrittsalters aus, ohne dadurch zusätzliche Ansprüche gegenüber dem staatlichen System zu schaffen.
SPÖ-Nationalratsabgeordneter Kai Jan Krainer hielt dagegen, dass kurzfristig vor allem niedrigere Pensionsanpassungen wirksam wären. Maßnahmen wie ein höheres Pensionsantrittsalter oder längere Durchrechnungszeiträume würden ihre volle Wirkung erst nach Jahrzehnten entfalten.
Für eine stärkere Kombination von staatlicher und kapitalgedeckter Altersvorsorge plädierte NEOS-Nationalratsabgeordneter Christoph Pramhofer. Kapitalgedeckte Systeme könnten langfristig vom Zinseszinseffekt profitieren. Eine Verbindung von Umlageverfahren und Kapitaldeckung sei daher sinnvoller als die ausschließliche Finanzierung über eines der beiden Systeme.
Pramhofer sprach sich ebenfalls für höhere Beiträge zu den Vorsorgekassen aus. Seinen Angaben bei der GVFW-Veranstaltung zufolge könnten Beiträge von 1,53 % die Nettopension um rund 10 % erhöhen, bei 3 % wären es etwa 20 %. Diese Werte sind als Modellannahmen zu verstehen, nicht als garantierte Pensionserhöhung.
Andreas Csurda, Vorstandsmitglied der Allianz Pensionskasse und stellvertretender Obmann des Vorsorgeverbandes der Wirtschaftskammer, sieht die Reformbereitschaft in Österreich allerdings weiterhin begrenzt. Er plädierte für längere Veranlagungszeiträume und den Abbau von Kapitalgarantien, um höhere Erträge zu ermöglichen.
Die beschlossene Reform greift einen Teil dieser Forderungen auf. Eine allgemeine automatische Betriebspension und höhere verpflichtende Arbeitgeberbeiträge sind jedoch nicht vorgesehen. Damit bleibt die Frage offen, wie Österreich die kapitalgedeckte Altersvorsorge breiter in der Bevölkerung verankern kann.
Autor: Marius Perger
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Zuletzt aktualisiert: 9. Oktober 2026
Österreichs Pensionssystem steht unter finanziellem Druck. Die Bevölkerung altert, die Zahl der Pensionisten steigt und damit auch die Belastung für das Budget. Die Bundesregierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS hat mit der Verschärfung der Korridorpension und der Einführung der Teilpension erste Reformen umgesetzt. Mit der Aktivpension folgt 2027 eine weitere Maßnahme. Doch wie weit sollen die Reformen gehen? Vor allem beim gesetzlichen Pensionsalter und bei der Finanzierung der Altersvorsorge unterscheiden sich die Positionen der Parteien.
FPÖ und ÖVP: Unterschiedliche Wege bei der Pensionsreform
Die FPÖ lehnt eine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters ebenso ab wie eine automatische Anpassung an die steigende Lebenserwartung. FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch bekräftigte diese Position im Juni 2026 als Reaktion auf entsprechende Forderungen der NEOS.
Stattdessen wollen die Freiheitlichen die abschlagsfreie Frühpension nach 45 Arbeitsjahren wieder einführen. Einen entsprechenden Antrag behandelte der Sozialausschuss des Nationalrats im Februar 2026. Er wurde vertagt. Quelle: Parlament
Die ÖVP setzt vor allem auf Anreize, damit Menschen länger arbeiten. Dazu gehört die Aktivpension, die ab 2027 einen steuerbegünstigten Zuverdienst nach Erreichen des Regelpensionsalters ermöglicht. ÖVP-Sozialsprecher August Wöginger begründete die Reform im Nationalrat damit, dass sich Arbeit auch neben der Pension finanziell lohnen müsse. Quelle: Parlament, 23. September 2026
Zudem unterstützt die ÖVP den Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge. Das Regierungsprogramm sieht außerdem einen Nachhaltigkeitsmechanismus vor, der bei höheren Pensionsausgaben zusätzliche Reformschritte auslösen soll. Eine automatische Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters ist derzeit nicht beschlossen.
SPÖ: Gesetzliches Pensionsalter beibehalten
Die SPÖ will am bestehenden gesetzlichen Pensionsantrittsalter festhalten und das tatsächliche Antrittsalter durch bessere Arbeitsbedingungen erhöhen. In einem Antrag zum Bundesparteitag im März 2026 forderte sie altersgerechte Arbeitsplätze, betriebliche Gesundheitsförderung und ein Bonus-Malus-System für Unternehmen, das die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer fördern soll.
Zudem sollen die gesetzlichen Pensionen grundsätzlich an die Inflation angepasst und die Ausgleichszulage bis 2029 schrittweise an die Armutsgrenze herangeführt werden. Quelle: SPÖ, Anträge zum Bundesparteitag 2026
Als Regierungspartei trägt die SPÖ allerdings auch die Pensionsanpassung 2026 mit, bei der höhere Pensionen nicht vollständig um die Inflation erhöht wurden.
Die neue Aktivpension unterstützt die SPÖ ebenfalls. Sozialsprecher Josef Muchitsch verwies im September im Nationalrat darauf, dass Menschen, die über das gesetzliche Pensionsalter hinaus arbeiten können und wollen, davon profitieren sollen.
NEOS: Pensionsalter an Lebenserwartung koppeln
Die NEOS fordern die deutlichste Änderung beim gesetzlichen Pensionsalter. Sie wollen dieses schrittweise an die steigende Lebenserwartung koppeln. Nach ihrer Auffassung reichen die bisherigen Maßnahmen nicht aus, um die langfristige Finanzierung des Systems zu sichern.
In ihrem aktuellen Pensionsprogramm verweisen die NEOS auf die steigenden Bundesausgaben und den demografischen Wandel. Der beschlossene Nachhaltigkeitsmechanismus soll sichtbar machen, ob die Pensionsausgaben vom vorgesehenen Finanzpfad abweichen. Bei einer Überschreitung müssen weitere Maßnahmen folgen.
Darüber hinaus fordern die NEOS ein automatisches Pensionssplitting mit Widerspruchsmöglichkeit. Pensionsgutschriften aus Erwerbstätigkeit sollen während der Kindererziehungsphase zwischen den Eltern aufgeteilt werden, um Nachteile durch Erwerbsunterbrechungen zu verringern.
Grüne: Gegen Aktivpension, für Beschäftigung Älterer
Die Grünen lehnen die neue Aktivpension in ihrer beschlossenen Form ab. Ihr Sozialsprecher Markus Koza kritisierte im September 2026, dass Erwerbstätige nach Erreichen des Regelpensionsalters steuerlich besser behandelt würden als jüngere Arbeitnehmer mit vergleichbarem Einkommen.
Stattdessen fordern die Grünen ein Bonus-Malus-System für Unternehmen. Betriebe, die überdurchschnittlich viele ältere Menschen beschäftigen, sollen Vorteile erhalten, während Unternehmen mit geringer Beschäftigung Älterer zusätzliche Beiträge leisten sollen.
Auch eine Begrenzung besonders hoher Pensionen gehört zu ihren Forderungen. Einen entsprechenden Antrag behandelte der Sozialausschuss im Februar 2026. Quelle: Parlament
Was sich bei den Pensionen 2026 und 2027 ändert
Unabhängig von den unterschiedlichen Parteipositionen sind bereits mehrere Reformen beschlossen:
Korridorpension: Seit Jänner 2026 steigen das frühestmögliche Antrittsalter schrittweise von 62 auf 63 Jahre und die erforderlichen Versicherungszeiten von 40 auf 42 Jahre. Die Änderungen erfolgen abhängig vom Geburtsdatum in Zweimonatsschritten. Quelle: oesterreich.gv.at
Teilpension: Seit 1. Jänner 2026 können Beschäftigte mit entsprechendem Pensionsanspruch ihre Arbeitszeit um 25 bis 75 % reduzieren und gleichzeitig einen Teil ihrer Pension beziehen. Dafür ist die Zustimmung des Arbeitgebers erforderlich. Weitere Informationen dazu: Pensionsversicherung
Pensionserhöhung: Pensionen bis zu einem monatlichen Gesamtpensionseinkommen von 2.500 Euro wurden 2026 um 2,7 % erhöht. Darüber beträgt die Erhöhung pauschal 67,50 Euro. Quelle: Sozialministerium
Aktivpension: Ab 1. Jänner 2027 können Menschen, die das Regelpensionsalter erreicht haben und weiterarbeiten, einen Steuerfreibetrag von bis zu 1.250 Euro monatlich nutzen. Zudem entfallen für Beschäftigte im Regelpensionsalter die eigenen Pensionsversicherungsbeiträge. Der Bundesrat gab der Reform am 8. Oktober 2026 grünes Licht. Quelle: Parlament
Streitpunkt Pensionsalter
Die bisherigen Reformen sollen vor allem dazu beitragen, Menschen länger im Erwerbsleben zu halten. Eine generelle Anhebung des gesetzlichen Regelpensionsalters wurde nicht beschlossen.
Während die NEOS eine Kopplung an die Lebenserwartung fordern, lehnen FPÖ und SPÖ eine solche Erhöhung ab. Die ÖVP setzt im Rahmen der Regierungsvereinbarung auf längeres Arbeiten, steuerliche Anreize und zusätzliche betriebliche Vorsorge. Die Grünen wollen vor allem die Beschäftigung älterer Menschen fördern.
Ob diese Maßnahmen ausreichen, um die steigenden Pensionsausgaben langfristig zu finanzieren, bleibt offen.
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Aktien-Timing oder Risikostreuung: Was bringt mehr?
Zuletzt aktualisiert: 9. Oktober 2026
Wer Geld anlegen will, steht häufig vor derselben Frage: Jetzt investieren oder auf günstigere Kurse warten? Gerade nach starken Kursanstiegen erscheint es verlockend, auf eine Korrektur zu setzen. Doch selbst professionelle Investoren schaffen es selten, die Entwicklung der Aktienmärkte dauerhaft richtig vorherzusagen. Für den langfristigen Vermögensaufbau und die Altersvorsorge ist deshalb eine andere Entscheidung oft wichtiger: Wie breit soll das Vermögen gestreut werden?
Warum der richtige Einstiegszeitpunkt überschätzt wird
Anleger, die auf den perfekten Einstiegszeitpunkt warten, müssen gleich zweimal richtigliegen: beim Kauf und beim späteren Wiedereinstieg, wenn sie zwischenzeitlich aus dem Markt aussteigen. Das gelingt auf Dauer nur wenigen.
Wer nach Kursrückgängen verkauft, läuft Gefahr, die anschließende Erholung zu verpassen. Umgekehrt kann auch ein Einstieg nach starken Kursgewinnen zunächst Verluste bringen. Kurzfristige Marktbewegungen lassen sich nicht zuverlässig vorhersagen.
Langfristig sind deshalb vor allem der Anlagehorizont, die Zusammensetzung des Portfolios und die Bereitschaft entscheidend, zwischenzeitliche Verluste auszuhalten.
Das bedeutet allerdings nicht, dass der Einstiegszeitpunkt völlig gleichgültig ist. Wer sein gesamtes Vermögen unmittelbar vor einem starken Kursrückgang investiert, kann Jahre benötigen, um die Verluste wieder auszugleichen. Dieses Risiko lässt sich durch eine zeitliche Aufteilung der Investitionen abfedern.
Einmalanlage oder Sparplan: Was bringt der Cost-Average-Effekt?
Wer einen größeren Betrag investieren möchte, kann diesen auf mehrere Käufe verteilen. Solche Tranchenkäufe reduzieren das Risiko, die gesamte Summe zu einem ungünstigen Zeitpunkt anzulegen. Allerdings können sie auch Rendite kosten, wenn die Kurse während der Wartezeit steigen.
Bei regelmäßigen Einzahlungen, etwa über einen ETF-Sparplan, wird unabhängig von der jeweiligen Marktlage investiert. Für einen gleichbleibenden Betrag erhalten Anleger bei niedrigen Kursen mehr Fondsanteile und bei hohen Kursen weniger. Dieser Mechanismus wird als Cost-Average-Effekt bezeichnet.
Ein Sparplan garantiert jedoch weder Gewinne noch eine bessere Rendite als eine sofortige Einmalanlage. Sein Vorteil liegt vor allem darin, dass Anleger kontinuierlich investieren, ohne ständig über den richtigen Kaufzeitpunkt entscheiden zu müssen.
Zu beachten sind außerdem die Transaktionskosten. Bei kleinen Anlagebeträgen können Mindestgebühren die Rendite erheblich schmälern.
Eine Untersuchung des Vermögensverwalters Vanguard zeigt allerdings, dass die sofortige Einmalanlage historisch meist besser abgeschnitten hat. In einer Auswertung globaler Aktienmarktdaten für 1976 bis 2022 erzielte sie in 68 % der untersuchten Zeiträume ein besseres Ergebnis als die Verteilung des Betrags auf drei Monate. Für Anleger, die größere Kursschwankungen fürchten, können Tranchenkäufe dennoch sinnvoll sein. Weitere Informationen zur Studie: Vanguard Research, Cost averaging: Invest now or temporarily hold your cash?
Weltweit investieren: Warum das globale BIP einen Blick wert ist
Neben der zeitlichen Streuung spielt die geografische Verteilung des Vermögens eine zentrale Rolle. Dabei lohnt sich ein Blick auf die tatsächliche Wirtschaftsleistung einzelner Länder und Regionen.
Nach den vom Internationalen Währungsfonds (IWF) stammenden Daten für 2025, gemessen am kaufkraftbereinigten Bruttoinlandsprodukt (BIP), ergibt sich folgendes Bild:
| Land |
Anteil am Welt-BIP 2025 (PPP) |
| China |
19,1 % |
| USA |
14,6 % |
| Indien |
8,1 % |
| Japan |
3,2 % |
| Deutschland |
3,1 % |
Quelle: IWF-Daten, aufbereitet von Worldometer. Die Werte sind gerundet.
Die Zahlen zeigen, wie stark sich das wirtschaftliche Gewicht inzwischen nach Asien verschoben hat. China ist nach Kaufkraftparität die größte Volkswirtschaft der Welt, Indien liegt bereits vor Japan und Deutschland.
Für Anleger stellt sich damit eine interessante Frage: Sollte die geografische Zusammensetzung ihres Portfolios stärker die weltweite Wirtschaftsleistung widerspiegeln?
BIP oder Börsenkapitalisierung: Wie global sind Welt-ETFs?
Die meisten globalen Aktienindizes gewichten Unternehmen nach ihrer Börsenkapitalisierung und nicht nach der Wirtschaftsleistung ihres Heimatlandes. Deshalb dominieren US-Aktien viele internationale Aktienportfolios, obwohl der Anteil der USA an der kaufkraftbereinigten Weltwirtschaft deutlich geringer ist.
Das ist nicht automatisch ein Nachteil. Schließlich erzielen große US-Konzerne einen erheblichen Teil ihrer Umsätze außerhalb der Vereinigten Staaten. Zudem hängt die Börsenkapitalisierung nicht nur von der Wirtschaftsleistung ab, sondern auch von Unternehmensgewinnen, Bewertungen und der Zahl börsennotierter Unternehmen.
Umgekehrt ist nicht die gesamte Wirtschaftsleistung eines Landes über Aktien investierbar. Gerade in Schwellenländern spielen staatliche Unternehmen und nicht börsennotierte Betriebe eine große Rolle.
Dennoch kann ein Vergleich der Wirtschaftsgewichte mit der Zusammensetzung globaler Aktienindizes helfen, regionale Konzentrationen sichtbar zu machen. Anleger sollten dabei beachten, dass der MSCI World nur Industrieländer umfasst. Breiter aufgestellt sind Indizes wie der MSCI ACWI oder der FTSE All-World, die auch Schwellenländer berücksichtigen.
Eine zusätzliche Gewichtung von China, Indien oder anderen Wachstumsmärkten kann die geografische Verteilung verändern, erhöht aber unter Umständen auch politische, regulatorische und währungsbedingte Risiken.
ETFs, Anleihen und Gold: Risikostreuung über Anlageklassen
Globale Diversifikation allein schützt nicht vor größeren Verlusten. Wenn Aktienmärkte weltweit gleichzeitig fallen, können auch breit gestreute Aktien-ETFs erheblich an Wert verlieren.
Deshalb kommt es nicht nur auf die geografische Verteilung an, sondern auch auf die Mischung verschiedener Anlageklassen.
Anleihen können ein Aktienportfolio stabilisieren, sofern Bonität, Laufzeit und Zinsrisiken entsprechend gewählt werden. Anleihen-ETFs ermöglichen eine breite Streuung über unterschiedliche Emittenten und Laufzeiten. Sie sind allerdings ebenfalls Kursschwankungen ausgesetzt, insbesondere bei steigenden Zinsen.
Gold wiederum kann als Beimischung zur Diversifikation beitragen, etwa in Phasen geopolitischer Unsicherheit oder bei Vertrauensverlusten gegenüber bestimmten Währungen. Es wirft jedoch weder Zinsen noch Dividenden ab und kann selbst stark im Preis schwanken.
Entscheidend ist daher nicht, möglichst viele unterschiedliche Produkte zu besitzen. Vielmehr sollten die einzelnen Bestandteile eines Portfolios unterschiedliche Risiken abdecken.
Aktive Fonds oder ETFs: Wer streut Risiken besser?
Für den langfristigen Vermögensaufbau stehen Anlegern sowohl klassische Investmentfonds als auch börsengehandelte Indexfonds (ETFs) zur Verfügung. ETFs ermöglichen eine breite Streuung über zahlreiche Unternehmen und Märkte, meist zu vergleichsweise niedrigen laufenden Kosten.
Wie schwer es für aktive Fondsmanager ist, ihre Vergleichsindizes zu schlagen, zeigt die aktuelle SPIVA-Europe-Analyse von S&P Dow Jones Indices. Im Jahr 2025 blieben 71 % der in Euro denominierten, aktiv verwalteten globalen Aktienfonds hinter dem S&P World zurück. Bei europäischen Aktienfonds waren es sogar 82 %, die ihren Vergleichsindex nicht erreichten. Quelle: S&P Dow Jones Indices, SPIVA Europe Year-End 2025.
Dennoch können aktive Fonds in bestimmten Marktsegmenten Vorteile bieten, etwa bei weniger liquiden Unternehmensanleihen oder in Schwellenländern mit geringer Transparenz. Fondsmanager können dort einzelne Emittenten gezielt auswählen und Risiken aktiv steuern. Ob daraus nach Abzug der Kosten tatsächlich eine bessere Rendite entsteht, ist allerdings offen.
Eine weitere Variante sind sogenannte Active ETFs. Sie verbinden aktives Portfoliomanagement mit der börsentäglichen Handelbarkeit eines ETFs. Auch traditionelle Fondsgesellschaften wie Franklin Templeton setzen auf solche Produkte.
Für Anleger ist jedoch weniger die Produktform entscheidend als die Frage, welche Risiken sie damit eingehen und ob die Strategie zu ihrem Anlagehorizont passt.
Fazit: Risiken steuern statt Kurse vorhersagen
Wer langfristig Vermögen aufbauen oder für die Pension vorsorgen möchte, sollte sich nicht ausschließlich auf den vermeintlich günstigsten Einstiegszeitpunkt konzentrieren.
Wichtiger ist eine Anlagestrategie, die unterschiedliche Marktphasen überstehen kann. Dazu gehören eine breite geografische Streuung, eine angemessene Mischung verschiedener Anlageklassen und ein Anlagehorizont, der auch vorübergehende Verluste zulässt.
Der Blick auf die globale Wirtschaftsleistung kann dabei helfen, die tatsächliche geografische Verteilung eines Aktienportfolios kritisch zu hinterfragen. Er ersetzt jedoch keine Analyse der investierbaren Kapitalmärkte.
Denn während sich die Entwicklung der Börsenkurse kaum zuverlässig vorhersagen lässt, können Anleger selbst entscheiden, welche Risiken sie eingehen und wie breit sie ihr Vermögen streuen.
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Mehr Macht für die ESMA?
(02.10.2026) Florian Beckermann Wenn es hierzulande um die Performance der FMA geht, wird die Debatte schnell wüst und emotional: Die Behörde sei zu langsam, zu fragmentiert, zu wenig Durchsetzungsstark. Aufgebläht mit Daten, die schwerlich verfügbar seien, überbordender Formalismus-Irrsinn und schwacher internationaler Anlegerschutz hört man dabei ebenso. Diese Kritik gilt nicht nur für Wien, auch andere Mitgliedstaaten schwächeln. Brüssel will darauf bis zum Ende des Jahres reagieren: Mit dem Market Integration and Supervision Package, kurz MISP, will die Kommission nicht nur Hindernisse im europäischen Kapitalmarkt beseitigen, sondern auch die Rolle der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA deutlich stärken. Klingt zunächst vernünftig: Wer einen europäischen Kapitalmarkt will, braucht irgendwann europäische Aufsicht.
Tatsächlich ist die heutige Konstruktion widersprüchlich. Unternehmen können ihre Dienstleistungen grenzüberschreitend anbieten, beaufsichtigt werden sie aber vielfach national. Unterschiedliche Überwachungsintensität und Ressourcen der Behörden sorgen für Durcheinander. Hier setzt MISP an. Die ESMA soll insbesondere bei bedeutenden grenzüberschreitenden Marktakteuren mehr direkte Verantwortung übernehmen. Genannt werden unter anderem Wertpapierverwahrer, Handelsplätze und Krypto-Dienstleister.
Für Anleger hat das Charme: Eine einheitliche Aufsicht könnte regulatorische Arbitrage erschweren. Wer europaweit tätig ist, muss überall mit vergleichbaren Maßstäben rechnen. ESMA selbst verweist auf weniger „Forum Shopping“, bessere europäische Daten und die Möglichkeit, Marktmissbrauch, Liquiditätsprobleme oder systemische Risiken früher zu erkennen.
Bei grenzüberschreitenden Anlageangeboten ist das spannend. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das Passporting allein noch keinen europäischen Anlegerschutz schafft. Die ESMA stellte 2026 zwar Fortschritte bei der nationalen Aufsicht grenzüberschreitender Wertpapierdienstleistungen fest. Gerade dieser Befund zeigt aber auch: Harmonisierung kann durch bessere Zusammenarbeit funktionieren, ohne automatisch jede Kompetenz zu zentralisieren.
Kritik an der Idee: Nationale Aufseher kennen ihren Markt, die Geschäftsmodelle und die lokalen Besonderheiten. Die Pariser ESMA kann europäische Daten besser überblicken, aber nicht zwangsläufig einen österreichischen Mittelständler besser beurteilen als die FMA. Mehr Zuständigkeiten können außerdem neue Schnittstellen schaffen. Dann beaufsichtigt nicht eine Behörde weniger, sondern Europa möglicherweise doppelt oder gar nicht.
Noch ist nichts entschieden. Typisch Brüssel rittert man um den Umfang der direkten ESMA-Aufsicht, die Definition „bedeutender“ Marktteilnehmer, die Machtverteilung innerhalb der ESMA sowie die künftige Rolle der nationalen Behörden. Die Verhandlungen sollen im Oktober abgeschlossen werden.
Fazit: Für den Anleger relevant, sollte die Frage nicht lauten: ESMA oder nationale Aufsicht? Sondern, welche Aufsichtsebene kann welches Problem besser lösen? Und, welche Vorteile hat ein Kleinanleger davon? MISP wäre ein Fortschritt, wenn Europa dort zentralisiert, wo Märkte tatsächlich europäisch sind: Bei großen grenzüberschreitenden Akteuren, gemeinsamen Daten und einheitlicher Rechtsdurchsetzung. Wo Märkte national bleiben, sollte auch lokales Wissen Gewicht behalten. Wie
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
„ATX nach wie vor attraktiv und günstig“
Schoellerbank setzt auf taktische Sektorallokation – Finanz und Industrie dominieren.
(02.10.2026) Anlässlich der Präsentation des neuen „Schoellerbank Aktien Österreich Fonds“ lud die Schoellerbank Journalisten zum Gespräch mit Stefan Bruckbauer, UniCredit Bank Austria Chefvolkswirt, und Jörg Moshuber, Investmentvorstand der Schoellerbank Invest AG. Dabei begann Bruckbauer mit einem globalen Überblick, und dies mit einem weinenden und einem lachenden Auge: „Infolge des Iran-Krieges ist erneut ein Ansteigen des Ölpreises zu verspüren. Die Gaspreise bleiben aber bislang immer noch unter dem Niveau von 2022, dem Beginn des Krieges.“
Globales Umfeld: KI tonangebend
Dies sei unangenehm, aber nicht tonangebend. Das sei weiterhin der Technologiesektor, und hier wiederum die Konjunktur der Künstlichen Intelligenz. Dabei erinnert Bruckbauer an die Tatsache, dass die 25 größten KI-Unternehmen bereits ein rundes Drittel der globalen Börsenkapitalisierung ausmachten. Auch bezögen sich zeitweise bis zur Hälfte aller Börsenbewegungen auf den Sektor der Künstlichen Intelligenz.
Da auch das KI-Business untrennbar mit der traditionellen Wirtschaft verbunden ist – „nicht nur bei Software und Halbleitern“, wie Bruckbauer immer wieder betont – sei nur ein Blick aus ganzheitlicher Perspektive sinnvoll, um die Entwicklung der Börsenkurse nachvollziehen zu können: „Es gibt keine Abkoppelung der Börse von der realen Wirtschaft“, stellt er trocken fest. Die Künstliche Intelligenz habe sich dabei aber im vergangenen halben Jahr durch-aus verändert, ergänzt Moshuber: „Die KI-Unternehmen hatten enorme Kredite aufgenommen und müssen diese nun zurückzahlen. Dies nimmt ihnen finanzielle Ressourcen, die dann dem Cashflow fehlen.“ Dies werde in der KI-Branche die Spreu vom Weizen trennen.
„Börsen leben von Hoffnung“
Trotzdem gehen die Börsenkurse der KI-Unternehmen nach oben. „Es geht hier nicht um die Vergangenheit, sondern um eine Hoffnung auf die Zukunft“, erinnert Bruckbauer an eine oft verdrängte Börsenweisheit. Dies hängt natürlich auch mit der offensichtlichen vorsichtigen Erholung der Weltwirtschaft zusammen, die sich nach einem globalen Rückgang seit März (also nach Beginn des Iran-Krieges; Anm.) nun zu erholen scheint, allen voran in China.
Dies gilt auch für den Euroraum, wo der Einkaufsmanagerindex für die Industrieproduktion im August auf 53,4 angestiegen ist, den höchsten Wert seit 2022, als sich die Weltwirtschaft von der Covid-Pandemie erholte. Auch in Deutschland, wo die BIP-Prognose für 2026 und 2027 im Vergleich zur Prognose vom Frühjahr angehoben worden ist, zeigt sich die erwähnte Hoffnung nach einem langen stimmungsmäßigen Wellental. In puncto Industrieproduktion und Einzelhandel zeigt sich Österreichs Wachstum allerdings stärker als das deutsche, und das liegt wohl an der tiefen Verflechtung Österreichs mit den CEE-Märkten, die selbst wiederum dynamischer performen als der österreichische Markt.
Österreichs Aktien performen weiterhin
Nicht nur 2025 hat der ATX eine weltweit beachtete Performance hingelegt. Ein Vergleich mit anderen Indices über die letzten fünf Jahre – inklusive dem MSCI China – ist mehr als herzeigbar. Trotzdem seien die Preise der Aktien noch als relativ günstig zu bewerten, meint Moshuber. Gleichzeitig soll in Österreich das reale BIP-Wachstum heuer nur von 0,6 auf 0,8 % steigen, während die Inflationsprognose für 2026 nur von 3,6 (2025) auf 3,2 % zurückgeht. Dieser Wert liegt im internationalen Durchschnitt, könnte aber nächstes Jahr bei einem Ölpreis von mehr als 100 USD pro Barrel und einem TTF-Gaspreis von mehr als 70 E auf bis zu 4 % steigen.
Plädoyer für den ATX
Moshuber zieht folgende Argumente heran, die für ein Investment in ATX-Werte sprechen. Die Preise seien, wie schon erwähnt, eher günstig, es gebe eine ausgeprägte Dividendenstärke, der ATX enthalte echte Qualitätsunternehmen, der ATX profitiere von der Performance der CEE-Wirtschaft, und nicht zuletzt gebe es eine gewaltige Perspektive auf ein Engagement beim Wiederaufbau der Ukraine nach einem Ende des Krieges.
Summa summarum: Auch der heimische Leitindex bewegt sich nicht unbeeinflusst von externen Faktoren, hat aber einige gute Karten im Ärmel. Die Asset Allocation des „Schoellerbank Aktien Österreich Fonds“ (ISIN: AT0000A3V 2G9) setzt jedenfalls auf eine taktische Sektorallokation – in erster Linie Finanzsektor und Industrie – und eine flexible Gewichtung mit Fokus auf den ATX Prime. „Auslandsösterreicher”“, also an ausländischen Börsen notierte österreichische Unternehmen, stehen jedoch auch in der Auswahl. Als Musterportfolio werden (mit Anteilen zwischen 7,5 und 4,5 %) OMV, RBI, Bawag, Erste Group, Andritz, Voestalpine, Verbund, AT&S, Strabag und VIG genannt.
Autor: Mag. Tibor Pásztory
Oekostrom AG: Kapitalerhöhung, Wachstumspläne und möglicher Börsengang
Wofür die Oekostrom AG die Mittel aus der Kapitalerhöhung einsetzen will und welche Rolle ein möglicher Börsengang an der Wiener Börse in der Wachstumsstrategie spielt, erläutert CEO Ulrich Streibl im Gespräch mit Börsen-Kurier-Chefredakteur Tibor Pásztory.
02.10.2026
Nach zwei Kapitalerhöhungen 2021 und 2022 führt die Oekostrom AG nach längerem wieder eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung von Wachstumsprojekten durch. Der Bezugsrechtshandel endete vor kurzem. In dieser Zeit konnten Bestandsaktionäre neue Aktien im Bezugsverhältnis 4,1 zu 1 zu einem Ausgabepreis von 30 Euro zeichnen oder ihre Bezugsrechte an Dritte weitergeben. Nun folgt das öffentliche Angebot verbleibender Aktien in Österreich und Deutschland zu einem Ausgabepreis von 32 Euro. Damit ist es an der Zeit, sich die geplante Mittelverwendung näher anzusehen.
Börsen-Kurier-Chefredakteur Tibor Pásztory unterhielt sich darüber mit CEO Ulrich Streibl.
Börsen-Kurier: Bei Ihrer letzten Hauptversammlung hat man deutlich gespürt, dass es bei Ihren Aktionären ein Umdenken gegeben hat, vom rein ökologischen hin zu einem stärkeren ökonomischen Interesse. Trügt der Schein?
Ulrich Streibl: Nein, das stimmt. Ökologie und Ökonomie sind kein Widerspruch. Und die Energiewende zählt zu den größten Wachstumsmärkten der kommenden Jahrzehnte. In den vergangenen fünf Jahren haben wir damit 35 Millionen Euro verdient und eine zweistellige Eigenkapitalrendite erzielt. Und der Strombedarf wird sich in den Bereichen Mobilität, Industrie und künstliche Intelligenz noch weiter erhöhen. Aber wir bedienen auch weiter die ökologische Komponente. Wir betreiben eine Strombilanzgruppe und können garantieren, dass unser Strom aus erneuerbaren Quellen in Österreich stammt.
Börsen-Kurier: Wie fassen Sie Ihr Geschäftsmodell in kurzen Worten zusammen?
Streibl: Wir haben drei Geschäftsfelder: Produktion, Handel und Vertrieb von Strom. Wir produzieren mit Windkraft und Photovoltaik. Im Bereich Handel bieten wir einen flexiblen Strombezug und ein Speichermanagement an und vermarkten auch Strom anderer Produzenten. Im Bereich Vertrieb versorgen wir über 100.000 Kunden und wir sind in der Lage, Wärmepumpen zu steuern und uns nach der stündlichen Preisbildung zu orientieren.
Oekostrom AG: Wachstum und Eigenkapitalrendite
Börsen-Kurier: Wie finanzieren Sie sich?
Streibl: Wir streben bei jeder Investition einen Eigenkapitalanteil von 20 bis 30 % an. Damit sind wir „bankable“ und können den Rest mit Fremdkapital finanzieren. Weil wir schnell wachsen, führen wir alle paar Jahre eine Kapitalerhöhung durch. Damit sind wir bis jetzt sehr gut gefahren und verfügen über 3.100 Aktionäre, die sich einer Erhöhung der Bilanzsumme seit 2020 von 35 auf 165 Millionen Euro erfreuen durften. Das Eigenkapital hat sich im selben Zeitraum von 13 auf 55 Millionen Euro erhöht.
Börsengang: Direct Market Plus als erster Schritt
Börsen-Kurier: Können Sie ewig so weitermachen? Schließlich denken Sie seit langem über einen Börsengang nach.
Streibl: Sie haben recht, wir denken seit längerem über den Gang an die Börse nach und unterwerfen uns auch freiwillig den wesentlichen Börsenregeln. Ein Listing im Direct Market Plus wäre ein Einstieg, um dann Schritt für Schritt ins Börsendasein hineinzuwachsen. Das Verhältnis von vorhandenem Kapital zu vorhandenen Projekten muss jedenfalls immer passen.
Kapitalerhöhung finanziert Solar- und Speicherprojekte
Börsen-Kurier: Um im Hier und Jetzt zu bleiben: Wie planen Sie die Mittelverwendung aus der derzeit laufenden Kapitalerhöhung?
Streibl: Die Mittel sollen in konkrete, kurzfristig realisierbare Projekte fließen, die zusätzliche Erzeugungs- und Speicherkapazitäten schaffen und neue Ertragsquellen erschließen. Im Bereich Produktion planen wir daher die größte PV-Anlage Oberösterreichs in einem Joint Venture mit der Energie AG Oberösterreich. Weitere PV-Anlagen sind in Kärnten und der Slowakei geplant. Und was Speicher anbelangt, finanzieren wir einen Batteriespeicher beim Hybridkraftwerk im burgenländischen Parndorf, um der sogenannten „Dunkelflaute“ zu begegnen. Zusätzlich sollen weitere Mittel in das Repowering zweier bestehender Windkraftstandorte fließen. Diese Projekte brauchen 20 bis 30 Millionen Euro an Gesamtkapital.
Börsen-Kurier: Und wie sieht es in den Bereichen Handel und Vertrieb aus?
Streibl: Im Energiehandel gehört die Oekostrom AG zu den Top-Unternehmen in Österreich. Wir vermarkten auch den Strom anderer Produzenten. Diese Stromlieferdienstleistungen sind sehr stark IT-getrieben. Die Investitionen in diesem Bereich sowie in den Aufbau einer Handelsgesellschaft in Deutschland benötigen binnen drei Jahren ein Investment von 5 Millionen Euro. Um eine ähnliche Größenordnung geht es im Vertriebsbereich. Auch hier dreht sich alles um Digitalisierung, wenn unsere Energiemanagementsysteme der jeweiligen Strompreisbildung optimal folgen wollen.
Lange Genehmigungsverfahren bremsen die Energiewende
Börsen-Kurier: Wie sieht es bei den Genehmigungen aus?
Streibl: Ein wunder Punkt! Diese verlaufen hierzulande viel zu langsam mit einer Durchschnittsdauer von zehn Jahren. Diese Verfahren sollten nicht länger als zwei Jahre dauern. Sonst sollte die Genehmigung automatisch folgen. Weiters unterliegen die Förderungen der Speicher einer Überprüfung der „Systemdienlichkeit“ – eine Scheinwissenschaft, denn in Wahrheit benötigen wir aktuell jeden Speicher. Aber auch wenn es nicht einfach ist: Österreich bietet gute Chancen bei erneuerbaren Energien – und die nutzen wir.
Börsen-Kurier: Danke für das Gespräch.
Interview: Mag. Tibor Pásztory
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Hochzinsanleihen: Wo Anleger über 8 % Rendite erzielen können
Acht Prozent Zinsrendite als spekulative Konkurrenz zu Aktien.
(02.10.2026) Attraktive Zinsrenditen durch gefallene Einstiegskurse rücken in Europa und in den USA Anleihen wieder in den Blickpunkt der Investoren. Dabei locken insbesondere Hochzinsbonds der Unternehmen die Kapitalanleger an. Ob die Aktienmärkte da-durch einen Dämpfer erleiden werden, bleibt abzuwarten.
Hohe Renditen als Stimulus
In den Vereinigten Staaten lag nach Angaben des Finanzdatenportals Macrotrend die durchschnittliche Zinsdifferenz (auch Risikoprämien bzw. Spreads genannt) zwischen Staatspapieren und den in Übersee benannten Corporate High Yield Bonds bei gleicher Laufzeit am 24. September bei 2,86 %. Da selbst das dem US-Finanzministerium untergeordnete Treasury Department bereits über 5,2 % für 10-jährige Titel zu bieten hat, erzielen Zeichner derartiger Hochzinsobligationen der Unternehmen bereits teils eine ansehnliche Zinsrendite von mehr als 8 %. Diese Anleihekategorie zieht bei günstigen Marktkonstellationen wiederholt Kapital an. Der Reiz liegt in wiederkehrenden Erträgen in attraktiver Zinshöhe. Ein größeres Ausfallrisiko wird dabei seitens der Investoren in Kauf genommen.
Unternehmensemittenten im High-Yield-Bond-Universum weist die Finanzanalyse-Plattform TradingView tabellarisch aus. Demnach erzielen in den USA Obligationen von Brighthouse Financial oder Charter Communications Renditen, die 8 % übersteigen. Durch außerordentlich hohe Verbindlichkeiten gesellen sich ebenso Schuldtitel der prominenten Oracle zur Auswahl. Aber auch mit Anleihen von Time Warner Cable bietet sich eine potenzielle Ausbeute auf diesem Niveau.
Druck auf die Schuldenstruktur
Für jene emittierenden Unternehmen der Hochzinsanleihen, die durch eine geringere Bonität seitens der Ratingagenturen keinen Investment-Grade-Status erhalten, verschärft sich durch hohe Zinssätze indes das Risikoprofil. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am 26. September in einem Beitrag betonte, stünden vor allem US-Schuldner vor Herausforderungen. Würden doch künftig hohe Volumina an Krediten fällig, die zur Zeit der Corona-Krise zu einem niedrigen Zins untergebracht worden seien. Unternehmen kämen deshalb unter Druck, da diese Verbindlichkeiten mehrheitlich zu hohen Zinskonditionen abgelöst werden müssten. Reuters zufolge steigt der jährliche Umfang der Fälligkeiten in den USA von umgerechnet 504 Milliarden Euro im Jahr 2027 stufenweise auf etwa 906 Milliarden Euro im Jahr 2030.
Höheres Risiko für Anleger
Ein Engagement der Gläubiger basiert auf dem Vertrauen in die Gesellschaft, die Liquidität zur Bedienung der Zinstermine aufrechterhalten zu können. Hochzinsanleihen erfordern eingehende Recherchen, um das Risiko von Zahlungsausfällen oder eines Totalverlusts einschätzen zu können. Da eine fundierte Abwägung für Kleinanleger zumeist nicht möglich ist, werden am Markt auch Fonds für Hochzinsanleihen offeriert.
Nach jüngsten Auswertungen von e-Fundresearch gehörten heuer beispielsweise der seit 14 Jahren gemanagte „DWS Invest Euro High Yield Corporates“, der „Euro High Yield Short Duration Bond“ der BNP Paribas sowie der „Pimco European High Yield Bond Fund“ zu lukrativen Produkten. Doch spielen bei der Auswahl weitere Parameter eine Rolle. Da bei Engagements in anderen Wirtschaftsräumen Währungseinflüsse durchschlagen, betont etwa die DWS im Zusammenhang mit der hauseigenen Variante deren Hedging-Strategie.
Autor: Roman Steinbauer
Im Artikel vorgestellte Fonds und Unternehmen
| Name |
ISIN |
| DWS Invest Euro High Yield Corporates |
LU0616839766 |
| BNP Paribas Euro High Yield Short Duration Bond |
LU1022394404 |
| PIMCO GIS European High Yield Bond |
IE00BK9YL102 |
| Name |
ISIN |
| Brighthouse Financial |
US10922NAG88 |
| Charter Communications |
US16119P1084 |
| Oracle Corp. |
US68389X1054 |
| AT&T (Time Warner 2018 übernommen) |
US00206R1023 |
Satori Studios/AdobeStock
Mögliche Alternativen zu Staatsanleihen
Kurse von Staatsanleihen geraten verstärkt unter Druck. Auf der Suche nach neuen Chancen.
(25.09.2026) Die globalen Anleihemärkte stehen vor großen Umbrüchen. Grund sind die wachsenden öffentlichen Schulden in zahlreichen Industrienationen wie auch die Zinswende, die allein in der Eurozone, den USA und zuletzt auch in Japan eingeleitet wurde. So erhöhte die Bank of Japan am 18. September den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 % und damit auf den höchsten Stand seit 1995. Schließlich gelte es, die stärker anziehende Inflation aufgrund steigender Energiepreise einzudämmen. Die Folgen sind bei den Kursen von Staatsanleihen deutlich zu sehen. Sie geraten unter Druck.
Bedarf an Alternativen wächst
„Der Bedarf an Alternativen und Ergänzungen zu herkömmlichen Staatsanleihen wächst damit“, konstatiert Werner Krämer, Senior Economic Analyst bei Lazard Asset Management. Obendrein ist seit 2005 die Zahl jener Staaten mit einem AAA-Rating etwa im „Bloomberg Global Aggregate Bond Index“ stark gesunken. Krämer verweist im aktuellen Umfeld auf Covered Bonds als eine mögliche Alternative.
Mit Covered Bonds sind Anleihen gemeint, die durch einen Deckungsstock abgesichert sind. Dieser kann aus Immobilienkrediten (etwa bei Pfandbriefen) oder Krediten an den öffentlichen Sektor sowie aus Schiffs- und Flugzeugfinanzierungen bestehen. Selbst Unternehmenskredite können gebündelt werden. Dieser Pool kann dann als Besicherung für Covered Bonds herhalten. Obendrein falle der Deckungsstock im Falle einer Pleite des Emittenten nicht in die Insolvenzmasse.
Rekordjahr 2026
Doch wie sieht der Markt aktuell aus? Hierzu liefert UBS-Analystin Annalaura Capuano einen Überblick. Demnach erreichte Ende vergangenen Jahres das globale Volumen umgerechnet rund 3,4 Billionen Euro, somit ein weiteres Hoch. Rund 90 % davon entfallen auf mit Hypotheken besicherte Covered Bonds. Und mehr als 60 % der Papiere wurden in Euro emittiert. Doch das ist nicht alles. Allein von Jänner bis September des laufenden Jahres wurden bereits mehr solcher Papiere emittiert als im gesamten vergangenen Jahr. Innerhalb Europas dominieren mittlerweile Covered Bonds aus Frankreich etwa den „iBoxx Euro Covered Index“, gefolgt von Deutschland.
Interessierten Anlegern rät Krämer allerdings, breit gestreut in diese Anlageklasse zu investieren, und erläutert in diesem Zusammenhang weitere Besonderheiten des Marktes: Er sei schließlich stark fragmentiert und weniger liquide als der Markt für große Staatsanleihen. Obendrein sollten Anleger die unterschiedlichen Rechtsrahmen der einzelnen Länder beachten. Deckungsstöcke seien ebenso unterschiedlich ausgestaltet wie die Strukturen der Anleihen. Zumindest habe aber die europäische Harmonisierung das Sicherheits- und Transparenzniveau erhöht und die Vergleichbarkeit verbessert.
Unterschiedliche Ansätze
Im „Schroder ISF Securitised Credit Fund“ haben derzeit 64 % der Papiere ein AAA-Rating. Weitere 23 % des Portfolios entfallen auf „Collateralized Loan Obligations“ aus der EU, bei denen Unternehmenskredite gebündelt werden. Insgesamt machen die USA rund 61 % aus, gefolgt von der Eurozone mit 30 %.
Der „BNP Paribas Flexi I Structured Credit Europe AAA Fonds“ investiert zu einem guten Teil in Pfandbriefe sowie in weitere Covered Bonds. Der Großteil der Emittenten ist aus Europa. Zudem wird fast nur in Euro denominierte Anleihen investiert. Und gut 90 % der Emittenten haben ein AAA-Rating. Bei beiden Produkten sind auch Verluste möglich.
Autorin: Mag. Raja Korinek
| Im Artikel vorgestellte Produkte |
| Name |
ISIN |
| Schroder ISF Securitised Credit Fund |
LU1662754586 |
| BNP Paribas FlexI I Structured Credit Europe AAA Fund |
LU1815416448 |
Sasun Bughdaryan/Unsplash
Rendite mit Risikopuffer
BB, Fallen Angels und kürzere Laufzeiten bieten Chancen im High-Yield-Markt.
(25.09.2026) Hochzinsanleihen bieten wieder optisch attraktive Erträge, doch hohe absolute Renditen bedeuten noch keine angespannte Marktsituation. US-High-Yield-Bonds rentieren derzeit grob im Bereich von 7 bis 8 % p.a., Euro-High-Yield-Bonds rund 1,5 Prozentpunkte niedriger. Gleichzeitig sind die Risikoaufschläge im historischen Vergleich relativ niedrig. Wer heute nur dem höchsten Kupon folgt, erhält somit relativ wenig zusätzlichen Puffer für eine Verschlechterung der Bonität.
Qualität vor Kupon
S&P Global Ratings bezifferte die gleitende Zwölfmonats-Ausfallrate spekulativ gerateter Unternehmen im Juni 2026 auf 3,7 % in den USA und 2,6 % in Europa. Bis Juni 2027 erwartet die Ratingagentur im Basisszenario Raten von 3,75 % in den USA und 3,0 % in Europa.
Das Refinanzierungsrisiko konzentriert sich weiterhin auf schwächere Bonitäten. Intensive Refinanzierungsaktivitäten im ersten Halbjahr 2026 verschoben laut S&P Global Ratings den Fälligkeitengipfel europäischer Speculative-Grade-Schulden von 2028 auf 2031, wobei für 2031 nun 280,6 Milliarden US-Dollar an Fälligkeiten ausgewiesen werden. 2028 entfallen allerdings noch 111 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 21 % der Fälligkeiten auf Schulden der Ratingkategorie B.
Bonität macht den Unterschied
Auch auf breiterer europäischer Ebene bleibt der Refinanzierungsbedarf hoch: Laut ESMA werden fast 50 % der ausstehenden Unternehmensanleihen im EWR innerhalb der kommenden vier Jahre fällig; 11 % dieses Volumens entfallen auf High Yield. Bei Unternehmensanleihen, die erst ab 2030 fällig werden, liegt der Anteil von High-Yield-Papieren dagegen nur bei 5 %. Das zeigt, dass sich die Refinanzierungsrisiken stärker auf schwächere Bonitäten konzentrieren. Innerhalb des Hochzinssegments bieten BB-Anleihen dabei eine höhere Bonität als Papiere der Ratingklassen B oder CCC.
Chancen nach dem Downgrade
Ein interessanter Qualitätsfilter sind „Fallen Angels“: Anleihen, die bei der Emission Investment Grade waren und später auf High Yield abgestuft wurden. Sie liegen häufig im BB-Bereich. Nach Herabstufungen kann zusätzlicher Verkaufsdruck entstehen, weil manche institutionellen Investoren solche Titel nicht mehr halten dürfen. Dann können – sofern die Fundamentaldaten stimmen – neue Einstiegschancen entstehen.
Der „VanEck Global Fallen Angel High Yield Bond UCITS ETF“ bildet dieses Segment global ab. Die TER beträgt 0,40 %, und per Ende August liegt die Rendite bis Fälligkeit bei ca. 6,5 %. Eine Alternative mit Euro-Währungsabsicherung ist der „iShares Fallen Angels High Yield Corp Bond UCITS ETF“. Er hält rund 190 Positionen, weist eine Mindestrendite von 5,90 % und eine gewichtete durchschnittliche Restlaufzeit von 5,62 Jahren auf. Die TER beträgt 0,55 %.
Kürzer ist defensiver
Wer Zins- und Refinanzierungsrisiken begrenzen will, kann die Laufzeit verkürzen. Der österreichische „Amundi Global High Yield Bond Low Duration“ hält die Duration unter drei Jahren. Ende August lag die modifizierte Duration (Zinshebel) bei 2,06, die Rendite bei 5,16 % und das Durchschnittsrating bei B+. Wechselkursrisiken werden durch Absicherungsgeschäfte reduziert.
Für mittlere Laufzeiten bietet „Robeco High Yield Bonds EH EUR“ einen qualitätsorientierten Ansatz. Der Fonds investiert überwiegend in Industrieländer, ist breit diversifiziert und bevorzugt strukturell das höher geratete High-Yield-Segment. Ende August lag das Portfoliorating bei Ba1/Ba2, die durchschnittliche Restlaufzeit bei rund 4,2 Jahren und die Yield-to-Worst bei 5,03 %.
Für reines Euro-High-Yield ist der „iShares Broad € High Yield Corp Bond UCITS ETF“ eine günstige Indexlösung. Er umfasst rund 700 Positionen, weist per 17. September eine Effektivverzinsung von rund 6,0 % und eine durchschnittliche Restlaufzeit von 3,62 Jahren auf. Die TER beträgt 0,20 %.
Fazit
Bei vergleichsweise engen Spreads sprechen BB-Qualität, Fallen Angels und eine kürzere bis mittlere Duration für einen selektiven Zugang zum Hochzinssegment. Das blinde Jagen nach den höchsten Kupons erhöht dagegen vor allem das Kreditrisiko.
Autor: Michael Kordovsky
| Im Artikel erwähnte Produkte |
| Fondsname |
ISIN |
| VanEck Global Fallen Angel High Yield Bond UCITS ETF |
IE00BF540Z61 |
| iShares Fallen Angels High Yield Corp Bond UCITS ETF |
IE00BF3N7219 |
| Amundi Global High Yield Bond Low Duration |
AT0000A13YS0 |
| Robeco High Yield Bonds EH EUR |
LU243182812 |
| iShares Broad € High Yield Corp Bond UCITS ETF |
IE00BG0J4B71 |
Neue Regeln gegen Greenwashing
Werbung mit Umweltvorteilen muss künftig konkreteren Vorgaben entsprechen.
(25.09.2026) Mit 27. September 2026 treten in Österreich neue Bestimmungen des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) in Kraft. Damit wird eine EU-Richtlinie umgesetzt, die Konsumenten besser vor irreführenden Umweltaussagen schützen soll. Unternehmen müssen künftig genauer darauf achten, welche ökologischen Eigenschaften sie ihren Produkten zuschreiben.
Pauschale grüne Versprechen eingeschränkt
Allgemeine Umweltaussagen wie „umweltfreundlich“, „grün“, „ökologisch“ oder „klimafreundlich“ dürfen künftig nur verwendet werden, wenn dafür eine anerkannte hervorragende Umweltleistung nachgewiesen werden kann. Als Nachweis kann beispielsweise das EU-Umweltzeichen dienen.
Konkrete und überprüfbare Angaben bleiben hingegen möglich. Statt ein Produkt pauschal als umweltfreundlich zu bezeichnen, können Unternehmen beispielsweise eine belegbare Aussage darüber treffen, dass für seine Herstellung Energie aus erneuerbaren Quellen verwendet wurde.
Auch darf ein positiver Umweltaspekt eines einzelnen Produktbestandteils nicht dazu genutzt werden, das gesamte Produkt oder Unternehmen als besonders umweltfreundlich darzustellen.
Strengere Regeln für „klimaneutral“
Eine wesentliche Änderung betrifft Werbung mit Klimaneutralität. Aussagen, wonach ein Produkt etwa „klimaneutral“ oder „CO2-neutral“ sei, sind künftig unzulässig, wenn sie darauf beruhen, dass die entstandenen Treibhausgasemissionen lediglich durch Klimaschutzprojekte kompensiert werden.
Strenger werden auch Versprechen für die Zukunft. Wer etwa ankündigt, bis zu einem bestimmten Jahr klimaneutral zu werden, benötigt dafür klare, objektive und überprüfbare Verpflichtungen, messbare und zeitgebundene Ziele sowie einen realistischen Umsetzungsplan. Die Fortschritte müssen regelmäßig von einem unabhängigen externen Experten überprüft
werden.
Nicht jedes grüne Siegel ist erlaubt
Auch bei Nachhaltigkeitssiegeln wird genauer hingeschaut. Eigene Gütesiegel können Unternehmen künftig nicht ohne Weiteres verwenden. Sie müssen auf einem Zertifizierungssystem beruhen oder von staatlichen Stellen festgesetzt sein. Bei Zertifizierungssystemen ist unter anderem eine unabhängige Kontrolle vorgesehen.
Bei Begriffen wie „nachhaltig“ ist besondere Vorsicht geboten. Nach den Erläuterungen zur österreichischen Gesetzesnovelle kann eine solche Aussage neben Umweltaspekten auch soziale oder andere Eigenschaften eines Produkts vermitteln. Ein Umweltzeichen allein reicht daher nicht zwangsläufig aus, um ein Produkt pauschal als nachhaltig zu bewerben.
Die neuen Vorschriften sollen es Konsumenten erleichtern, tatsächliche Umweltvorteile von bloßen Werbeversprechen zu unterscheiden.
Finanzbranche ebenso in der Pflicht
Die neuen UWG-Regeln betreffen auch Finanzprodukte in vollem Umfang. Werbliche Bezeichnungen wie „nachhaltiges Portfolio“, „grüner Fonds“ oder „ökologisches Investment“ fallen unter das Verbot allgemeiner Umweltaussagen. Solche Begriffe dürfen in Broschüren, auf Websites oder Apps nicht mehr pauschal genutzt werden, es sei denn, die hervorragende Umweltleistung des gesamten Finanzprodukts lässt sich lückenlos und detailliert nachweisen.
Pablo Merchán Montes/Unsplash
AT&S-Aktie: KI-Boom beschleunigt den Turnaround
KKI-Boom und neue Großkunden treiben das Wachstum von AT&S. Die Prognose für 2026/27 wurde deutlich angehoben.
AT&S-Aktie: Prognose und wichtigste Zahlen
Das Wichtigste in Kürze
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Strategie: AT&S setzt unter CEO Michael Mertin verstärkt auf High-End-Microelectronics.
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Wachstumstreiber: KI und High-Performance Computing sorgen für eine steigende Nachfrage nach IC-Substraten.
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Quartalszahlen: Umsatz im ersten Quartal 2026/27 um 37,5 % auf 548,7 Millionen Euro gestiegen.
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Profitabilität: EBITDA-Marge auf 30,1 % verbessert, Periodengewinn von 40,8 Millionen Euro.
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AT&S-Aktie – Prognose 2026/27: Umsatzwachstum von 45 bis 55 % und bereinigte EBITDA-Marge von 32 bis 37 % erwartet.
Aktualisiert am 23.09.2026
Die AT&S-Aktie zählt zu den auffälligsten Turnaround-Titeln an der Wiener Börse. Hinter der Kursentwicklung steht auch ein tiefgreifender strategischer Umbau: Unter CEO Michael Mertin positioniert sich AT&S zunehmend als Technologiepartner für High-End-Microelectronics. Besonders die Nachfrage nach IC-Substraten für Künstliche Intelligenz (KI) und High-Performance Computing sorgt inzwischen für zusätzliches Wachstum.
Wie stark sich die operative Entwicklung verbessert hat, zeigen die jüngsten Zahlen. Im ersten Quartal 2026/27 stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 37,5 % auf 548,7 Millionen Euro, währungsbereinigt betrug das Plus 40 %. Das EBITDA erhöhte sich um 134 % auf 165 Millionen Euro, die EBITDA-Marge erreichte 30,1 %. Das EBIT von 73,4 Millionen Euro lag bereits über den 65,6 Millionen Euro des gesamten vorangegangenen Geschäftsjahres. Nach einem Verlust von 55,9 Millionen Euro im Vorjahresquartal erzielte AT&S einen Periodengewinn von 40,8 Millionen Euro.
Neuer Führungsstil als Ausgangspunkt
Dabei sah die Situation vor nicht allzu langer Zeit deutlich schwieriger aus. Hohe Investitionen und Unsicherheiten in der Halbleiterindustrie belasteten das Unternehmen. Hinzu kamen der Tod des langjährigen Firmenpatriarchen Hannes Androsch und Fragen rund um die Neuordnung der Führung.
Mit der Anfang 2025 die Führung übernahm, begann auch eine strategische Neuausrichtung. Mertin bringt seinen Ansatz nüchtern auf den Punkt: „Unsere Bilanzsumme von 4,6 Mrd Euro repräsentiert eingesetztes Kapital, das sich rechnen muss. Dazu müssen Sie immer ehrlich sein und nie etwas versprechen, das Sie nicht halten können“ – mit Betonung auf „immer“.
Neben Veränderungen und einer Verschlankung von Aufsichtsrat und Vorstand wurde auch die Unternehmensstrategie neu ausgerichtet.
Vom Leiterplattenhersteller zum Technologiepartner
Wer ein Unternehmen neu aufstellen will, sollte zunächst seine realen wie potenziellen Kunden und deren Bedürfnisse betrachten. Dabei zeigte sich, dass der Bedarf weit über die bloße Herstellung von Leiterplatten hinausgeht. Sie sind zunehmend als Subsystem höherer Anwendungen zu verstehen.
AT&S setzt deshalb stärker auf Entwicklungspartnerschaften. Das Unternehmen will sich damit vom Auftragsfertiger zum strategischen Technologiepartner seiner Kunden entwickeln. Zu den relevanten Märkten zählen Kommunikation, Robotik, Optoelektronik, Automobil sowie Flug- und Weltraumtechnik. Eine immer wichtigere Rolle spielen zudem große Technologiekonzerne und sogenannte Hyperscaler.
AT&S positioniert sich damit zunehmend als Spezialist für High-End-Microelectronics.
KI wird zum Wachstumstreiber
Besonders deutlich zeigt sich der Strategiewechsel bei Anwendungen für Künstliche Intelligenz und High-Performance Computing. AT&S baut seine Zusammenarbeit mit dem Chiphersteller AMD und dem US-Technologiekonzern Marvell Technology aus. Im September bestätigte AT&S, dass Marvell jener zweite Großkunde ist, für den zusätzliche Produktionskapazitäten geschaffen werden sollen.
Am Standort Kulim in Malaysia plant AT&S dafür Investitionen von insgesamt 1,5 bis 2 Milliarden Euro. Vorgesehen sind der weitere Ausbau des zweiten Werks und eine neue Produktionsanlage für IC-Substrate und fortschrittliche Chipverpackungstechnologien. Langfristige Kundenvereinbarungen sollen die Investitionen absichern. Die erweiterte Kooperation mit Marvell stärkt damit die Wachstumsperspektiven im Geschäft mit KI-Rechenzentren.
AT&S: Prognose für 2026/27 deutlich angehoben
Angesichts der hohen Nachfrage erhöhte AT&S bereits im Juni seine Prognose für das Geschäftsjahr 2026/27. Statt eines währungsbereinigten Umsatzwachstums von 30 bis 35 % erwartet der Konzern nun 45 bis 55 %. Die prognostizierte EBITDA-Marge wurde von 25 bis 29 % auf 32 bis 37 % angehoben. Nach dem starken ersten Quartal bestätigte der Vorstand diesen Ausblick.
Globale Standorte und „China for China“
Mertin sagte im Gespräch mit dem Börsen-Kurier, AT&S habe mehr Kunden als Kapazität. Das Unternehmen hält deshalb an seinen Standorten in Österreich, China, Indien und Malaysia fest, stellt diese aber teilweise neu auf.
Für China gilt dabei „China for China“. Bei anderen Märkten sei eine solche regionale Trennung nicht überall möglich, so der CEO im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Für den stark wachsenden Defense-Bereich kämen bei einem „local for local“-Ansatz hingegen nur NATO-Staaten infrage.
Auch in Chongqing erweitert AT&S seine Kapazitäten für High-End-IC-Substrate. Das Unternehmen begründete diesen Schritt mit der zusätzlichen Nachfrage eines Großkunden, ausgelöst durch den steigenden Bedarf an Rechenleistung für KI-Anwendungen.
Profitabilität verbessert sich deutlich
Der Strategiewechsel zeigt sich zunehmend in der Profitabilität. Im Geschäftsjahr 2025/26 war der Umsatz währungsbereinigt um 21 % auf rund 1,8 Milliarden Euro gestiegen. Das EBITDA erreichte 418 Millionen Euro und eine Marge von 23,3 %. Das Konzernergebnis war mit minus 25,6 Millionen Euro allerdings noch negativ.
Im ersten Quartal 2026/27 gelang nun auch beim Ergebnis der Sprung ins Plus. Neben dem Periodengewinn von 40,8 Millionen Euro verbesserte sich das Ergebnis je Aktie von minus 1,55 Euro im Vorjahresquartal auf plus 0,93 Euro. Der operative Free Cashflow blieb mit 5 Millionen Euro positiv. Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit betrug 39,9 Millionen Euro.
Bereits im Geschäftsjahr 2025/26 führte AT&S die Ergebnisverbesserung unter anderem auf höhere Volumina, das Kosten- und Effizienzprogramm sowie ein besseres Preisumfeld zurück.
Währungen bleiben ein wichtiger Faktor
AT&S erzielt mehr als 80 % seines Umsatzes mit US-amerikanischen Unternehmen und generiert den Großteil der Erlöse in US-Dollar. Gleichzeitig fallen wesentliche Teile der Produktionskosten in asiatischen Währungen an, während das Unternehmen in Euro bilanziert. Währungsschwankungen können Umsatz und Ergebnis daher erheblich beeinflussen. AT&S gibt seine aktuelle Wachstumsprognose deshalb währungsbereinigt an.
Daneben bleiben geopolitische Risiken und mögliche Engpässe bei bestimmten Materialien Unsicherheitsfaktoren. Diese Risiken sind nach Angaben des Unternehmens in der aktuellen Prognose nicht berücksichtigt.
AT&S stärkt die Finanzierung
Der Ausbau der Kapazitäten erfordert erhebliche finanzielle Mittel. Ein im Mai noch geplanter Finanzierungsschritt wurde inzwischen umgesetzt: Im Juni platzierte AT&S eine tief nachrangige Hybrid-Wandelschuldverschreibung ohne Laufzeitende über 400 Millionen Euro. Bis zum ersten Zinsanpassungstag im Juni 2031 beträgt der Zinssatz 2,5 % pro Jahr.
Die Eigenkapitalquote erhöhte sich per Ende Juni auf 29,0 %, nach 22,6 % zum Ende des Geschäftsjahres 2025/26. Das Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA verbesserte sich von 3,2 auf 1,9.
Für das laufende Geschäftsjahr plant AT&S Nettoinvestitionen von rund 1 bis 1,2 Milliarden Euro. Trotz des hohen Investitionsvolumens erwartet der Vorstand einen positiven operativen Free Cashflow.
AT&S-Aktie: Sehen Analysten noch Kurspotenzial?
Trotz des starken Kursanstiegs sehen mehrere Analysten weiteres Potenzial für die AT&S Aktie, allerdings gehen die Einschätzungen ungewöhnlich weit auseinander. ODDO BHF stufte AT&S Anfang September von „Neutral“ auf „Outperform“ hoch und erhöhte das Kursziel von 160 auf 220 Euro. Die Deutsche Bank bestätigte nach den jüngsten Quartalszahlen ihre Kaufempfehlung und hob das Kursziel von 310 auf 320 Euro an.
Cantor Fitzgerald nennt 245 Euro, während Aletheia Capital mit 600 Euro besonders optimistisch ist. Deutlich skeptischer ist Berenberg: Die Bank empfiehlt die Aktie zum Verkauf und setzt das Kursziel bei lediglich 100 Euro an. Die Erste Group überarbeitet ihre Einschätzung derzeit. Stand 4.9.2026.
Die große Bandbreite zeigt, wie viel von der weiteren Geschäftsentwicklung abhängt. Für die optimistische Sicht sprechen das starke Wachstum, die deutlich gestiegene Profitabilität und die hohe Nachfrage nach IC-Substraten für KI und High-Performance Computing. Gleichzeitig hat die Aktie bereits einen erheblichen Teil des Turnarounds vorweggenommen. Entscheidend wird daher sein, ob AT&S die hohen Wachstums- und Margenziele tatsächlich erreicht und die milliardenschweren Kapazitätserweiterungen in entsprechend steigende Gewinne und Cashflows übersetzen kann.
Fazit: AT&S Aktie mit deutlich besseren Zahlen
Der Turnaround von AT&S ist inzwischen mehr als eine Börsenstory. Der Strategiewechsel hin zu High-End-IC-Substraten, KI-Anwendungen und engeren Entwicklungspartnerschaften schlägt sich zunehmend in Umsatz und Ergebnis nieder. Das starke erste Quartal und der deutlich angehobene Ausblick liefern dafür operative Belege.
Der Wachstumskurs bleibt allerdings kapitalintensiv. Gleichzeitig ist AT&S von Währungen, der Halbleiterkonjunktur und geopolitischen Entwicklungen abhängig. Für die weitere Entwicklung der AT&S Aktie wird deshalb entscheidend sein, ob das hohe Wachstum dauerhaft in steigende Gewinne und Cashflows übersetzt werden kann.
Autor: Mag. Tibor Pasztory
aktualisiert von Anneliese Proissl
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Zinsen gegen Öl – und Österreich zahlt die Rechnung
(19.09.2026) Florian Beckermann. Die Europäische Zentralbank erhöht wieder die Zinsen. Um 0,25 % steigen die Leitzinsen, der Einlagenzins liegt nun bei 2,5 %. Die Botschaft soll Entschlossenheit vermitteln: Inflation wird bekämpft. Doch vielleicht zeigt die Entscheidung vor allem etwas anderes: Wie schwer sich die EZB damit tut, zwischen Lehrbuch und wirtschaftlicher Realität zu unterscheiden. Eine Kurzanalyse.
Die Stärke: Die EZB verteidigt ihre Glaubwürdigkeit. Preisstabilität ist ihr Auftrag, hohe Inflation kann sie nicht einfach ignorieren. Die Notenbank signalisiert Sparern, Unternehmen und Märkten: Wir haben unser Ziel nicht vergessen. Das Inflationsziel muss glaubwürdig sein.
Die Schwäche: Zinsen können nicht jede Form von Inflation bekämpfen. Wenn Öl, Gas und andere Rohstoffe aufgrund geopolitischer Verwerfungen teurer werden, entsteht zunächst ein Angebotsschock. Eine Zinserhöhung fördert weder zusätzliches Öl noch Gas. Sie macht lediglich Kredite teurer, bremst Investitionen und schwächt die Nachfrage.
Genau hier fehlt der EZB, wie oft unter Christine Lagarde bemängelt, das Gespür für Märkte. Sie schaut auf Inflationsmodelle und Kernraten. Märkte funktionieren aber nicht im Modell. Sie reagieren auf Liquidität, Finanzierungskosten, Risiko und vor allem auf Erwartungen. Eine Zinserhöhung wirkt deshalb oft toxisch im Kopf der Marktteilnehmer.
Chancen? Gelingt es der EZB, Inflationserwartungen frühzeitig einzufangen, könnte sie später umso schneller wieder lockern. Gleichzeitig verhindert sie eine Situation, in der sich Preissteigerungen dauerhaft in Löhnen und Verträgen festsetzen – was in Österreich gern scheitert.
Risiko: Die EZB könnte eine schwache europäische Konjunktur zusätzlich belasten. Und Österreich trifft das besonders. Unsere Wirtschaft wächst kaum, Investitionen bleiben schwach und die Finanzierungskosten sind für Unternehmen im internationalen Wettbewerb bereits ein Nachteil. Besonders sichtbar im Immobilienmarkt. Dort hatten fallende Zinsen gerade begonnen, etwas Luft zu verschaffen. Wohnungen wurden wieder finanzierbarer, Projekte wieder eher kalkulierbar. Nun wird dieser Prozess erneut gebremst. Aber Immobilien sind nur das Symptom. Dasselbe gilt für Industrieinvestitionen, Unternehmensübernahmen, Start-ups und Infrastruktur.
Kapital hat einen Preis – und die EZB erhöht ihn gerade für einen gesamten Wirtschaftsraum. Das Problem liegt dabei tiefer: Geldpolitik wirkt asymmetrisch. Eine Zinserhöhung trifft nicht jene, die Öl verteuern oder geopolitische Konflikte verursachen. Sie trifft den Häuslbauer, das Unternehmen mit Investitionsplänen und den Staat bei seiner Refinanzierung.
Österreich spürt das besonders deutlich, weil wir gleichzeitig unter höherer Inflation und schwächerem Wachstum leiden. Genau deshalb wäre von einer europäischen Zentralbank etwas mehr Sensibilität für unterschiedliche wirtschaftliche Ausgangslagen zu erwarten.
Gegen zu viel Nachfrage sind höhere Zinsen wirksam. Gegen teure Energie und geopolitische Unsicherheit sind sie bestenfalls ein Umweg.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Globale Unternehmensanleihen: Hohe laufende Erträge bieten Puffer gegen Volatilität
Eine Einschätzung von Peter Becker, Fixed Income Investment Director bei Capital Group.
(10.09.2026) „Die Kreditspreads sind inzwischen wieder sehr eng. Das bedeutet aber nicht, dass Unternehmensanleihen unattraktiv geworden sind“, sagt Becker. „Das aktuell hohe Ausgangsrenditeniveau schafft einen wichtigen Puffer gegen moderate Spreadausweitungen und bildet zugleich eine solide Grundlage für künftige Erträge.“
Im zweiten Quartal erzielten globale Investment-Grade-Unternehmensanleihen, gemessen am Bloomberg Global Corporate Investment Grade Index in US-Dollar und währungsgesichert, eine Rendite von 1,8 Prozent. Gleichzeitig blieb die Emissionstätigkeit außergewöhnlich hoch. Sowohl in den USA als auch in Europa kamen große Volumina neuer Unternehmensanleihen an den Markt. In den USA war der Juni sogar der bislang stärkste Monat für Investment-Grade-Neuemissionen. Die starke Nachfrage der Anleger konnte dieses zusätzliche Angebot jedoch weitgehend aufnehmen.
Robuste Fundamentaldaten treffen auf starke Nachfrage
Ein wesentlicher Stützpfeiler des Marktes seien die weiterhin soliden Unternehmensbilanzen. „Die Kombination aus soliden Fundamentaldaten, niedrigen Ausfallerwartungen und attraktiven laufenden Erträgen sorgt für eine anhaltend robuste Nachfrage“, erklärt Becker. „Das zeigt sich besonders daran, wie problemlos der Markt bislang selbst sehr hohe Emissionsvolumina aufgenommen hat.“ Gleichzeitig hätten hohe Gesamtrenditen und die defensiveren Eigenschaften qualitativ hochwertiger Unternehmensanleihen zusätzliche Mittelzuflüsse in den Investment-Grade-Markt angezogen. Trotz der Befürchtung, dass das Rekordangebot zu steigenden Kreditspreads führen könnte, blieb die Nachfrage breit genug, um die Emissionen ohne größere Verwerfungen zu absorbieren. Entsprechend bewegten sich die Spreads zum Quartalsende wieder in Richtung ihrer Mehrjahrestiefs.
Dabei verändere sich auch die Zusammensetzung des Angebots. „Das hohe Angebot ist nicht nur Ausdruck klassischer Refinanzierungsbedürfnisse“, so Becker. „Auch Investitionen in KI, Infrastruktur sowie Unternehmensaktivitäten wie Fusionen und Übernahmen sorgen für zusätzlichen Finanzierungsbedarf. Entscheidend ist deshalb, ob die Nachfrage mit diesem Angebot Schritt halten kann. Bislang ist das der Fall.“
Laufende Erträge gewinnen an Bedeutung
Angesichts der mittlerweile engen Kreditspreads rücke die laufende Rendite stärker in den Mittelpunkt. Die aktuell attraktiven Ausgangsrenditen könnten moderate Spreadausweitungen teilweise abfedern und zugleich eine solide Grundlage für künftige Gesamterträge bilden. Damit seien die Risiken jedoch nicht verschwunden. „Anleger sollten die engen Spreads nicht mit einem risikofreien Umfeld verwechseln“, betont Becker. „Geopolitische Entwicklungen, Inflation und fiskalische Sorgen können jederzeit neue Volatilität auslösen. Der Vorteil des aktuellen Umfelds ist jedoch, dass höhere laufende Erträge einen Teil solcher Schwankungen auffangen können.“
Titelselektion gewinnt an Bedeutung
Damit verschiebe sich auch die Quelle künftiger Erträge. Laut Becker werden laufende Erträge und eine sorgfältige Auswahl einzelner Anleihen zunehmend wichtiger. Denn während die Kreditspreads nur noch begrenzten zusätzlichen Spielraum bieten, sprechen gesunde Unternehmensfundamentaldaten, eine robuste Investorennachfrage und ein vergleichsweise niedriges Ausfallrisiko weiterhin für dieses Segment. „Investment-Grade-Unternehmensanleihen sollten aus unserer Sicht weiterhin ein wichtiger Portfolioanker sein“, resümiert Becker. „Sie verbinden attraktive laufende Erträge mit soliden Fundamentaldaten und Diversifikationspotenzial. Gerade in einem volatileren Umfeld, in dem Staatsanleihen als Portfolioanker aufgrund hoher Staatsschulden in Frage gestellt werden, ist diese Kombination wertvoll – vorausgesetzt, Anleger bleiben bei der Auswahl der einzelnen Anleihen selektiv.“
Warum Wachstumsaktien einen neuen Ansatz brauchen
Ein Kommentar von ist Christophe Braun, Equity Investment Director bei Capital Group.
(16.09.2026) Die 15 Jahre nach der globalen Finanzkrise boten nach Einschätzung Brauns nahezu ideale Bedingungen für Wachstumsaktien. Niedrige Zinsen, ein schwaches gesamtwirtschaftliches Wachstum und der Aufstieg weniger kapitalintensiver Geschäftsmodelle rund um mobiles Internet und Cloud-Technologie hätten einen außergewöhnlich langen Wachstumszyklus ermöglicht. In diesem Umfeld habe häufig bereits ein breit angelegtes Engagement in Wachstums-, Technologie- oder Themenindizes ausgereicht, um den Gesamtmarkt zu übertreffen.
Heute sei die Ausgangslage anspruchsvoller. Strukturell höhere Zinsen erhöhten die Anforderungen an Bewertungen, während geopolitische Konflikte und die disruptive Wirkung künstlicher Intelligenz etablierte Geschäftsmodelle vor neue Herausforderungen stellten. Hinzu komme die hohe Marktkonzentration: Die zehn größten Unternehmen im MSCI ACWI Growth Index machten Ende März 2026 mehr als 40 Prozent des Indexgewichts aus. „Anleger sollten Wachstum deshalb nicht abschreiben. Sie sollten aber genauer unterscheiden, welche Unternehmen Innovation tatsächlich in nachhaltige Erträge und langfristige Wettbewerbsvorteile übersetzen können“, erklärt Braun. Pauschale Wachstumsengagements seien in einem volatileren Umfeld weniger erfolgversprechend als die fundamentale Analyse einzelner Unternehmen.
KI bietet Chancen entlang der gesamten Wertschöpfungskette
Ein zentrales Wachstumsfeld bleibe die künstliche Intelligenz (KI). Die Technologie befinde sich trotz der bereits hohen Investitionen noch in einer frühen Entwicklungsphase. Allein die vier großen Cloud-Anbieter Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta dürften 2026 zusammen mehr als 600 Milliarden US-Dollar investieren. Ein erheblicher Teil dieser Ausgaben dürfte in den Ausbau der für KI erforderlichen Infrastruktur fließen.
Die Größenordnung müsse allerdings ins Verhältnis zum potenziellen wirtschaftlichen Einsatzgebiet gesetzt werden. Der wirtschaftliche Beitrag wissensbasierter Tätigkeiten werde weltweit auf 40 bis 50 Billionen US-Dollar geschätzt. Bereits eine begrenzte Marktdurchdringung könne daher eine erhebliche Nachfrage nach KI-Anwendungen und der zugrunde liegenden Infrastruktur erzeugen.
Für Anleger sei es wichtig, nicht ausschließlich auf die bekanntesten Plattform- und Halbleiterunternehmen zu blicken. Da KI deutlich kapitalintensiver sei als frühere Technologiewellen, entstünden Chancen entlang einer breiten physischen Wertschöpfungskette – von Halbleitern und Fertigungsanlagen über Rechenzentren und Energieinfrastruktur. Mit zunehmender Verbreitung könnten sich die Chancen weiter in Richtung Software, spezialisierter Anwendungen, Robotik und autonomer Systeme verschieben.
Gesundheitssektor: Innovation trifft auf moderate Bewertungen
Auch im Gesundheitssektor sieht Braun langfristige Wachstumsmöglichkeiten. Fortschritte bei Genomsequenzierung und Datenverarbeitung ermöglichten zunehmend präzise Behandlungen für Krankheiten, für die bislang keine ausreichenden Therapien existierten. Dies betreffe unter anderem Adipositas, Krebs, kognitive Erkrankungen und akute Schmerzen.
Gleichzeitig hätten Gesundheitsaktien in den vergangenen Jahren unter handelspolitischen, regulatorischen und politischen Unsicherheiten gelitten. Dadurch sei ihre relative Bewertung gegenüber dem breiten Aktienmarkt deutlich gesunken. Lediglich während der globalen Finanzkrise und der Corona-Pandemie habe der Sektor auf vergleichbar niedrigen relativen Bewertungsniveaus gehandelt.
„Die Kombination aus wissenschaftlichem Fortschritt, langfristig steigendem medizinischem Bedarf und vergleichsweise moderaten Bewertungen macht den Gesundheitssektor besonders interessant“, erläutert Braun. Entscheidend bleibe jedoch auch hier die Einzeltitelauswahl.
Industrieunternehmen mit strukturellem Wachstumspotenzial
Ein dritter Chancenbereich seien traditionelle Industriesektoren. Diese hätten während des von niedrigen Zinsen geprägten Wachstumszyklus lange im Schatten weniger kapitalintensiver Technologieunternehmen gestanden. Neue Technologien und geopolitische Veränderungen könnten nun jedoch eine Renaissance auslösen.
Elektrifizierung, Automatisierung, die regionale Neuordnung von Lieferketten, der Ausbau von Rechenzentren, die Erholung des kommerziellen Luftverkehrs und steigende Verteidigungsausgaben eröffneten vielen Industrieunternehmen mehrjährige Wachstumsperspektiven. Dadurch könnten sich bislang stark zyklische Geschäftsmodelle zunehmend in strukturelle Wachstumsunternehmen verwandeln.
„Wachstum ist heute nicht mehr ausschließlich in den klassischen Technologiesektoren zu finden“, betont Braun. „Industrieunternehmen, die Elektrifizierung, Automatisierung oder den Ausbau digitaler Infrastruktur ermöglichen, können ebenfalls über lange Zeiträume steigende Erträge erzielen.“
Fazit: Selektivität statt undifferenzierter Wachstumsinvestments
Die langfristigen Wachstumsthemen seien weiterhin überzeugend. Wie Anleger daran teilhaben können, habe sich jedoch verändert. In einem Umfeld höherer Zinsen, erhöhter geopolitischer Unsicherheit und anspruchsvoller Bewertungen komme es stärker auf belastbare Geschäftsmodelle, nachhaltige Ertragsquellen und eine disziplinierte Bewertung an.
Aus Sicht Brauns spricht dies für einen breit diversifizierten Bottom-up-Ansatz. Wachstumschancen sollten über unterschiedliche Sektoren, Regionen und Unternehmensgrößen hinweg gesucht werden. Gleichzeitig gelte es, eine zu starke Abhängigkeit von einzelnen Themen oder wenigen großen Unternehmen zu vermeiden.
„Die Phase, in der Anleger Wachstum weitgehend undifferenziert kaufen konnten, dürfte vorüber sein“, resümiert Braun. „Innovation bleibt ein wichtiger Renditetreiber. Entscheidend ist nun, jene Unternehmen zu identifizieren, die daraus dauerhaftes und profitables Wachstum entwickeln können.“
Moslem Daneshzadeh/Unsplash
Von ExxonMobil bis Total: Aktien für Ihr Depot
Von ExxonMobil bis Total: Aktien und ETFs für Ihr Depot.
(18.09.2026) Der Ölpreis zieht kräftig an. Allein am 9. September übersprang die europäische Ölsorte, die Nordseemarke Brent, 100 US-Dollar je Fass. Denn die Straße von Hormus bleibt gesperrt. Am 10. September haben Huthi-Milizen zudem die Kontrolle über die jemenitische Hafenstadt Mokka am Roten Meer übernommen und kontrollieren damit eine weitere wichtige Meerenge. Nun hat auch noch Saudi-Arabien seine Ost-West-Pipeline aufgrund von Drohnenangriffen abgedreht.
Bereits am 5. September verkündeten das internationale Ölkartell und seine Partner – die Opec+ –, ihre Produktionsziele im Oktober nicht weiter anzuheben. Vergangenen Herbst war eine Förderanhebung in monatlichen Schritten beschlossen worden, um die Kürzung von 2023 wieder rückgängig zu machen. Allerdings macht der Irankrieg einigen Mitgliedern zu schaffen; die Produktion blieb zuletzt hinter den vereinbarten Mengen zurück.
Weniger Diesel am Weltmarkt
Und weil zahlreiche Raffinerien in Russland beschossen wurden, exportiert das Land seit Juli keinen Diesel mehr. Damit fällt der einst zweitgrößte Weltmarktlieferant aus, ein Umstand, der sich in stark steigenden Preisen widerspiegelt. Folglich ist der Crack-Spread – die Spanne zwischen dem Öl- und dem Dieselpreis – ebenso nach oben geschnellt. Zuletzt erreichte die Differenz ein Rekordhoch von 106 US-Dollar.
Selbst der Gaspreis bleibt von den geopolitischen Konflikten nicht verschont. Denn Katar stoppte seine LNG-Exporte, nachdem iranische Drohnen im März eine wichtige Produktionsanlage getroffen hatten. Qatar Energy hatte gut ein Fünftel der weltweiten LNG-Versorgung abgedeckt, wovon ein großer Teil nach Asien ging. Grundsätzlich sind die asiatischen Länder stärker als Europa von LNG aus dem Nahen Osten abhängig, doch die Lieferketten sind nun gestört. Die Länder fragen folglich verstärkt US-LNG nach, das eigentlich nach Europa verschifft wird.
Energiefirmen verdienen kräftig
Für Branchenaktien sind die Entwicklungen bislang positiv. „Die höheren Öl- und die zuletzt vor allem kräftig gestiegenen Gaspreise verbessern die Ergebnisse der Energieunternehmen deutlich. Eine gewisse geopolitische Risikokomponente dürfte erhalten bleiben und der herannahende Winter die Gaspreise stützen“, so Aaron Albers, Analyst bei Raiffeisen Research. Die britische Shell erzielte im zweiten Quartal 2026 einen bereinigten Nettogewinn von knapp 10 Milliarden US-Dollar, eine Verdoppelung im Jahresvergleich. Neben höheren Öl- und Gaspreisen profitierte der Konzern insbesondere von einem starken Handels- und Raffineriegeschäft, wie es heißt.
Ähnlich stark war das Ergebnis der französischen TotalEnergies. Der Konzern steigerte das bereinigte Nettoergebnis um 67 % im Vergleich zum Vorjahreswert auf 6 Milliarden US-Dollar. ExxonMobil konnte den Gewinn unter dem Strich im Jahresvergleich auf 14,5 Milliarden US-Dollar ebenfalls verdoppeln. Noch stärker legte der Nettogewinn von Chevron auf knapp 12 Milliarden US-Dollar zu.
Anleger, die ihr Investment auf Europas Energiekonzerne streuen wollen, können dies mit dem „State Street SPDR MSCI Europe Energy UCITS ETF“ tun. Mehr als die Hälfte wird in UK-Branchenaktien investiert, gefolgt von Frankreich und Italien. Selbst die heimische OMV ist vertreten. Der „iShares S&P 500 Energy Sector UCITS ETF“ investiert rund 70 % des Vermögens in US-Aktien. Zu den Titeln zählen nebst den zwei zuvor genannten Aktien etwa Valero Energy und Marathon Petroleum. Bei beiden Produkten sind Verluste möglich.
Autorin: Mag. Raja Korinek
| Im Artikel vorgestellte Produkte und Aktien |
| Name |
ISIN |
| State Street SPDR MSCI Europe Energy UCITS ETF |
IE00BKWQ0F09 |
| iShares S&P 500 Energy Sector UCITS ETF |
IE00B42NKQ00 |
| Chevron |
US1667641005 |
| ExxonMobil |
US30233Q1085 |
| Marathon Petroleum |
US56585A1025 |
| OMV |
AT0000743059 |
| Shell |
GB00BP6MXD84 |
| TotalEnergies |
FR0000120271 |
| Valero Energy |
US91913Y1001 |
Börsen-Aktien: Wenn Turbulenzen die Gewinne treiben
Warum Clearing, Daten und Indizes die Gewinne treiben.
(18.09.2026) Für Börsenbetreiber muss der Aktienmarkt nicht ständig steigen. Entscheidend ist vielmehr, dass gehandelt, abgesichert und gecleart wird. Genau davon profitierten die großen Plattformen zuletzt. Auch die Handelsaktivität nahm kräftig zu. Das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen im Aktienhandel der NYSE stieg 2025 um 40 % auf den Rekordwert von 3,35 Milliarden Aktien. Auf Xetra und an der Börse Frankfurt erhöhte sich der gesamte Orderbuchumsatz von 1,31 Billionen Euro 2024 auf 1,76 Billionen Euro 2025. Besonders dynamisch entwickelte sich der ETF- und ETP-Handel auf Xetra: Das Volumen sprang um 52,7 % auf 352,4 Milliarden Euro.
2026 bleibt die Aktivität hoch. ICE meldete im ersten Halbjahr erneut starke Handels- und Clearingerlöse. Der Umsatz abzüglich transaktionsabhängiger Aufwendungen stieg um 12,5 %. Bei der CME Group stiegen die Umsätze aus dem Handel und jene aus Datenservices. Bei der Deutschen Börse sorgten vor allem die turbulenten ersten Monate des laufenden Jahres für Rückenwind. Hohe Volatilität und geopolitische Unsicherheit – insbesondere die Spannungen im März – belebten die Handelsaktivität deutlich. Genau darin liegt der Charme des Geschäftsmodells: Unsicherheit kann für Anleger unangenehm sein, für die Betreiber der Handelsinfrastruktur bedeutet sie häufig zusätzliche Transaktionen.
Wenn Bewegung Geld bringt
Bei Intercontinental Exchange (ICE), der Mutter der New York Stock Exchange, wuchsen von 2006 bis 2025 die um Sonderposten bereinigten Gewinne je Aktie um 15 % p. a. und der um Sonderposten bereinigte freie Cashflow konnte im ersten Halbjahr 2026 um 28,5 % auf 2,6 Milliarden US-Dollar gesteigert werden. Dabei verdient ICE längst nicht nur mit dem Aktienhandel, sondern ebenso mit Terminbörsen, Clearing, Marktdaten und Konnektivität.
Noch direkter ist der Hebel bei CME Group. Futures und Optionen auf Zinsen, Aktienindizes, Rohstoffe oder Währungen werden gerade dann intensiv genutzt, wenn Investoren Risiken absichern wollen. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Nettogewinn um weitere 10,8 %, nach einem Plus von 15,5 % im Jahr 2025.
Die Deutsche Börse ist breiter aufgestellt. Neben Xetra und Eurex gehören Clearstream, das Fondsgeschäft sowie ISS STOXX zum Konzern. Die Expansionsgeschwindigkeit des Konzerns beeindruckt: Von 2021 bis 2025 wuchsen der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit von 909 auf 2.810 Millionen Euro und der Gewinn je Aktie von 6,59 auf 10,90 Euro.
Die zweite Mautstelle
Noch interessanter wird das Modell bei Daten und Indizes. Wer Finanzmärkte professionell nutzt, braucht Kursdaten, Benchmarks, Ratings, Analysen und Indexlizenzen – unabhängig davon, ob der Markt gerade steigt oder fällt. Viele dieser Leistungen werden über Abonnements oder langfristige Verträge bezahlt und sorgen damit für planbarere Erlöse.
LSEG kombiniert Börse und Clearing mit Datenplattformen sowie FTSE-Russell-Indizes. Der Gewinn vor Steuern stieg 2025 kräftig und legte auch im ersten Halbjahr 2026 nochmals um 29 % zu. MSCI wiederum verdient vor allem an Indizes, Analytik und ESG-Daten. Besonders attraktiv sind vermögensabhängige Indexgebühren: Je mehr Kapital in ETFs und andere Produkte auf MSCI-Indizes fließt, desto höher die Einnahmen. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Nettogewinn um 26,3 %.
Damit entstehen mehrere interessante Börsenstorys: CME ist der direkteste Volatilitätshebel. ICE verbindet Börse, Derivate und Daten; die Deutsche Börse kombiniert Handel, Clearing und Verwahrung. LSEG und MSCI besitzen dagegen besonders hohe wiederkehrende Daten- und Indexerlöse. Ganz immun gegen schwächere Märkte sind auch sie nicht – doch das Geschäftsmodell ist breiter abgestützt als jenes vieler klassischer Finanzwerte. Somit sind auch etwas höhere Bewertungen gerechtfertigt.
Aktuell könnte die fundamentale Aktienbewertung genannter Werte weitere Kursanstiege zulassen.
Autor: Michael Kordovsky
| Im Artikel vorgestellte Aktien |
| Aktie |
ISIN |
| CME Group |
US12572Q1058 |
| Deutsche Börse |
DE0005810055 |
| XIntercontinental Exchange |
US45866F1049 |
| London Stock Exchange Group |
GB00B0SWJX34 |
| MSCI |
US55354G1004 |
Skulpturen kaufen: Diese Künstler sollten Sammler kennen
Limitierte Auflagen und Auktionserfolge prägen den Markt.
(18.09.2026) Haben Sie sich im Museum schon einmal dabei erwischt, wie Sie um ein Kunstwerk herumgegangen sind, nur um zu spüren, wie es sich im Raum breitmacht? Im Gegensatz zur Malerei, die man bequem von der Wand abliest, verlangt uns die Skulptur Bewegung ab. Sie verführt uns zum Hinsehen, Umkreisen – und manchmal auch zum Schmunzeln.
Der Körper im Raum
Schaut man auf den internationalen Kunstmarkt, gibt es einen Namen, an dem niemand vorbeikommt: Alberto Giacometti. Seine extrem dünnen, fast zerbrechlichen Bronze-Gestalten erzielen auf Weltauktionen regelmäßig Summen von über 100 Millionen US-Dollar. Giacometti hat gezeigt, dass nicht die Masse der Figur entscheidet, sondern wie sie den Raum um sich herum verändert.
In Österreich ging man die Sache traditionell etwas handfester an. Fritz Wotruba meißelte die menschliche Figur aus schweren, kubischen Steinblöcken und schuf damit Bauwerke für die Ewigkeit. Joannis Avramidis brachte eine fast musikalische Harmonie in seine Bronze-Säulen, Alfred Hrdlicka schlug mit unbändiger Wucht politische Statements in den harten Marmor. Das war Kunst zum Anfassen, massiv und voller handwerklicher Meisterschaft.
Bronze als Marktmodell
Doch Skulptur ist im Kunsthandel auch ein faszinierendes ökonomisches Phänomen. Anders als das einmalige Unikat der Malerei erlaubt der Bronzeguss limitierte Auflagen. Diese Multiplizierbarkeit macht dreidimensionale Werke für Sammler attraktiv, weil sie Einstiegsmöglichkeiten in unterschiedlichen Preissegmenten bietet. Gleichzeitig schützt eine strikte Limitierung den Marktwert und garantiert die Seltenheit des Objekts.
Doch die Zeiten änderten sich. Warum sollte eine Skulptur eigentlich immer nur starr im Museum auf einem Sockel stehen?
Vom Sockel in den Raum
Pioniere wie Wander Bertoni zeigten schon früh, wie Skulptur, Architektur und Natur miteinander verschmelzen können. Sein Skulpturenpark am Neusiedler See steht bis heute für diese Öffnung in den Raum. Wie viel Urkraft und Dynamik in monumentaler Bildhauerei steckt, bewies auch Jos Pirkner: Seine gewaltige Bullen-Gruppe für Red Bull zeigt eindrucksvoll, welche Energie Bronze ausstrahlen kann, wenn ein Meister sie formt.
Den Schritt zum radikalen Witz vollendete schließlich Erwin Wurm. Er zeigte der Welt, dass eine Skulptur auch eine Gurke, ein verformtes Auto oder ein Mensch sein kann, der sich einen Stift in die Nase steckt. Seine „One Minute Sculptures“ machten den Betrachter selbst zum Kunstwerk – mit viel Humor und internationalem Erfolg.
Zwischen Auktion und Idee
Dass dreidimensionale Arbeiten heute auf dem globalen Parkett Rekordpreise erzielen, liegt nicht zuletzt an ihrer Präsenz im öffentlichen und privaten Raum. Skulpturen sind emotionale Ankerpunkte in Sammlungen und repräsentative Wertanlagen. Sie verlangen nach Architektur, Licht und einem Gegenüber, das bereit ist, sich auf die physische Erfahrung des Raumes einzulassen.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Auktionssälen wider: Während heimische Sammler im Dorotheum oder im Kinsky nach wie vor verlässlich auf die solide Bronze von Wotruba, Avramidis oder Bertoni bieten – Kunst für die Ewigkeit –, greift das internationale Publikum bei Messen wie der Art Basel auch zu großen, überraschenden Konzepten.
Am Ende bleibt die Erkenntnis: Ob aus schwerem Granit, gegossener Bronze oder als flüchtige Idee – die dreidimensionale Kunst hat sich längst von ihren alten Fesseln befreit. Und das macht das Hinsehen heute spannender denn je.
Autorin: Lea Schweinegger
Markus Kammermann/Unsplash
LNG-Aktien: Steigende Gaspreise sorgen für neue Chancen
Nächster Schub für LNG-Exporteure: Den Flüssigerdgas-Lieferanten spielen Engpässe in die Karten.
Kurzfassung:
- Europas knappe Gasspeicher könnten die LNG-Preise weiter treiben.
- Goldman Sachs hält einen Anstieg auf bis zu 100 Euro je MWh für möglich.
- Davon könnten LNG-Anbieter wie Cheniere Energy und Venture Global profitieren.
- Einige LNG-Aktien haben nach kräftigen Kursgewinnen zuletzt wieder nachgegeben.
- Für Anleger zählen neben dem Gaspreis auch Bewertung, Verträge und Exportkapazitäten.
(aktualisiert am 16.09.2026)
Knappes LNG-Angebot könnte Gaspreise weiter treiben
Nach 2022 bescheren Preisanstiege für Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) Exportnationen aktuell abermals ein lukratives Umfeld. Die Nachrichtenagentur Bloomberg veröffentlichte dazu am 24. August eine Stellungnahme der Investmentbank Goldman Sachs. Die Analysten des Finanzhauses halten für diesen Winter in Europa sogar eine extreme Zuspitzung der Gaspreise für möglich.
Seitens Goldman Sachs wird ins Treffen geführt, dass die (derzeit zu einem guten Teil rar gefüllten) Vorräte zur Gänze aufgestockt werden. In diesem Fall sollten die Preise bis auf rund 100 Euro je MWh anziehen, um das angestrebte Volumen akquirieren zu können. Da die derzeitige Notiz um 66 Euro/MWh schwankt, würde dies einem Preisauftrieb um bis zu 50 % gleichkommen. Zum Zeitpunkt der Prognose notierte der Gaspreis bei rund 66 Euro/MWh. Mittlerweile notiert der europäische TTF-Gaspreis bei rund 81 Euro/MWh.
LNG-Preise: Europa konkurriert mit Asien
Allerdings führen die Experten an, dass dieses Szenario voraussetzt, dass die Lieferblockaden durch die Straße von Hormus Bestand haben und die Spot-LNG-Preise in Asien auf hohem Niveau bleiben. Laut Goldman Sachs tue sich Europa äußerst schwer, im Wettbewerb mit asiatischen Staaten LNG-Kontingente zu sichern – die EU habe oft das Nachsehen.
Geringe Verfügbarkeit treibt Preise
Wie Daten des Europäischen Interessenverbandes der Betreiber von Gasinfrastruktur mit Sitz in Brüssel (Gas Infrastructure Europe) zeigen, sind die Gasspeicher Europas mit Stand 15. September im Durchschnitt zu 68,7 % gefüllt – jene der größten Industrienation in der EU, Deutschland, zu 56,0 %. Dies stellt weiterhin einen für diese Jahreszeit außergewöhnlich niedrigen Füllstand dar. Dazu komme eine magere Angebotssituation, die noch knapper sei als im turbulenten Jahr 2022. Die Schlüsse daraus: Zu den derzeitigen Erdgaspreisen am Dutch Title Transfer Facility (TTF; der maßgebliche virtuelle Handelspunkt im niederländischen Gasnetz, über den der Erdgashandel abgewickelt wird; Anm.) werde es kaum gelingen, den erforderlichen Nachschub zu bekommen.
Goldman Sachs erwartet bis Anfang 2027 keine Normalisierung des knappen LNG-Angebots. Auch auf lange Sicht sieht die Branche einer Expansion entgegen. Nach jüngsten Prognosen des Marktforschungsunternehmens Fortune Business Insights vom August werde das jährliche globale Marktvolumen bis zum Jahr 2032 um 4,1 % p.a. zunehmen und den Wert von 227 Milliarden US-Dollar (195 Milliarden Euro) erreichen.
Cheniere Energy als führender LNG-Exporteur
An den Aktienmärkten führt dieser Umstand einmal mehr zu Kursfantasien bei den Aktien der LNG-Exporteure aus Nordamerika. Verspricht die hohe Nachfrage, des auf -164 Grad gekühlten Rohstoffes doch lukrative Lieferabschlüsse.
In erster Linie rücken einmal mehr die Titel des LNG-Exporteurs Cheniere Energy in den Vordergrund. Die Texaner liefern nicht nur den Rohstoff selbst, sondern unterhalten auch das betreffende Leitungsnetz sowie die LNG-Terminals im heimischen Bundesstaat. Nach kräftigen Kursgewinnen hat die Cheniere-Aktie im September zuletzt wieder nachgegeben. Am 15. September schloss sie bei 270,98 US-Dollar, nachdem sie Anfang September zeitweise knapp 300 US-Dollar erreicht hatte. Das KGV lag Ende der Vorwoche nach Angaben der Analyseplattform Macrotrend mit dem Faktor 18 eher auf neutralem Terrain.
Golar LNG, Flex LNG und NextDecade im Blick
Abgesehen von globalen Energie-Multis profitieren vom LNG-Geschäftsfeld spezifische Mitbewerber wie
- Venture Global
- Auf den LNG-Transport mittels Spezialschiffen sind wiederum die norwegische Golar LNG (aus einer Reederei hervorgegangen, Sitz auf den Bermudas) sowie Flex LNG (auf den British Virgin Islands registriert) fokussiert. Golar LNG ist mit einem KGV von 58 ambitioniert bewertet, aber sich aktuell nach wie vor im Aufwärtstrend befindet.
- NextDecade aus Ohio befindet sich mit der Errichtung neuer Infrastruktur wiederum auf dem Weg zu einer der größten LNG-Exportanlagen.
Was die Kursrückgänge im September für Anleger bedeuten
Einige der genannten LNG-Aktien haben seit Mitte September wieder nachgegeben. Das steht nicht zwingend im Widerspruch zu den guten Aussichten für den LNG-Markt: Ein Teil der Erwartungen an steigende Gaspreise war nach den vorangegangenen Kursgewinnen bereits eingepreist. Zudem profitieren die Unternehmen unterschiedlich stark von höheren Spotpreisen, da langfristige Lieferverträge, Kosten, Bewertung und vorhandene Exportkapazitäten eine wichtige Rolle spielen.
Für Anleger bleibt die Aussicht auf anhaltend hohe LNG-Preise damit grundsätzlich positiv. Gleichzeitig zeigt die jüngste Kursentwicklung, dass LNG-Aktien keine reine Wette auf steigende Gaspreise sind und die Auswahl der Einzeltitel entscheidend bleibt.
Autor: Roman Steinbauer
| Im Artikel angeführte Aktien |
| Name |
ISIN |
| Cheniere Energy |
US16411R2085 |
| Venture Global |
US92333F1012 |
| Flex LNG Ltd. |
BMG359472021 |
| Golar LNG Ltd. |
BMG9456A1009 |
| NextDecade |
US65342K1051 |
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Ein konkretes Beispiel ist der Aluminiumprodukthersteller Amag. Im ersten Halbjahr 2026 ermöglichten operative Stärke am Standort Ranshofen und höhere Aluminiumpreise eine positive Ertragsentwicklung. Bei einem Anstieg der Umsatzerlöse um 8,2 % auf 850,7 Millionen Euro konnte das Betriebsergebnis (Ebit) um fast 62 % auf 62,8 Millionen Euro gesteigert werden.
Das Segment Walzen, auf das der Löwenanteil des Umsatzes entfällt, berichtet von Nachfrageimpulsen im Automobil- und Wärmetauscherbereich sowie einer positiven Nachfrageentwicklung in der Luftfahrt. Dieses Segment konnte bei einer Steigerung der Absatzmenge um 7,7 % auf 117.200 Tonnen das Ebit um fast 56 % auf 31,7 Millionen Euro steigern. Nach dem heurigen Gewinnsprung geht der Analystenkonsens von MarketScreener in den kommenden Jahren von einer relativ stabilen Ertragslage aus.
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Auf Jahressicht verdoppelt hat sich der Aktienkurs des Luftfahrtzulieferers FACC. Der aus vier Analystenschätzungen bestehende Konsens von MarketScreener hat im Zeitraum vom 18. Februar bis zum 31. August 2026 seine Gewinnschätzung je Aktie für 2027 von 1,08 auf 1,50 E angehoben. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 8,6 % auf 526,3 Millionen Euro und das Ebit um 38 % auf 25,3 Millionen Euro.
Wichtigster Kunde blieb Airbus mit rund 52 % Umsatzanteil. Allein die A320-Familie steuerte rund 39 % zum Konzernumsatz bei. Business Jets waren mit rund 17 % der zweitgrößte Umsatztreiber. Gleichzeitig zeigt das konzernweite Kostensenkungs- und Effizienzprogramm CORE zunehmend Wirkung. Laut Konsens sollte der Gewinn pro Aktie bis 2028 deutlich wachsen. Das für 2028 geschätzte KGV liegt bei einem Kurs von 16,90 Euro bei relativ günstigen 9,4.
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Die Oberbank konnte im ersten Halbjahr 2026 ihren Periodenüberschuss nach Steuern um 11 % auf 199 Millionen Euro steigern und zeichnet sich durch eine hohe harte Kernkapitalquote von 19,09 % aus, während die Quote notleidender Kredite (NPL-Ratio) mit 2,94 % niedrig bleibt. Die Ratingagentur Standard & Poor’s bewertet die Oberbank mit A- und stabilem Ausblick.
Polytec-Aktie: Turnaround mit weiterem Kurspotenzial
Nach einer längeren Talfahrt feiert die Aktie des Automobilzulieferers Polytec Group ein Comeback. Bereits im Turnaround-Jahr 2025 waren 80 % des Produktportfolios unabhängig vom Verbrennungsmotor. Gleichzeitig treibt das Unternehmen den Ausbau des Geschäfts außerhalb der Autoindustrie voran. Mittelfristig soll der Non-Automotive-Bereich rund 30 % des Konzernumsatzes ausmachen.
Obwohl sich im ersten Halbjahr 2026 der Umsatz infolge einer gezielten Optimierung des Produkt- und Produktionsportfolios um knapp ein Fünftel verringerte, konnte das Ebit um 47 % auf 8,3 Millionen Euro gesteigert werden und das Ergebnis nach Steuern stieg von 1,4 auf 4,7 Millionen Euro. Die Nettoverschuldung konnte um 43 % auf 29,6 Millionen Euro reduziert werden.
Die Analysten rechnen von 2025 bis 2028 mit einem Gewinnwachstum je Aktie von 17,2 % pro Jahr. Sollte dies eintreten, wäre bei einem Kurs von 5,00 Euro das für 2028 geschätzte KGV von 6,8 durchaus günstig. Trotz des bereits kräftigen Kursanstiegs sehen Analysten noch Luft nach oben: Der Konsens von MarketScreener sieht aktuell rund 50 % Kurspotenzial (Stand: 14.9.2026).
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Der Ausbau neuer Standorte, Indexanpassungen und die Integration neuer Mieter in allen Märkten ermöglichten im ersten Halbjahr einen Umsatzanstieg um 7,8 % auf 148,4 Millionen Euro, während das Ebit um 4,8 % auf 56,1 Millionen Euro stieg. Aktuell tendiert der Aktienkurs seitwärts, doch Schuldenabbau und kontinuierliche Einnahmen sprechen mittel bis langfristig für Kursanstiege.
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EVN-Aktie: Höhere Prognose und weiteres Kurspotenzial
Trotz schwieriger Wetteredingungen deutliches Gewinnplus nach drei Quartalen.
(04.09.2026) Für die EVN sind die ersten drei Quartale 2025/26 ganz gut gelaufen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stieg der Umsatz um 3,1 % auf 2,4 Milliarden Euro, das Ebitda verbesserte sich um 4,9 % auf 748,5 Millionen Euro. Das Ergebnis legte sogar um 20,8 % auf 525,1 Millionen Euro zu.
Dabei waren die Wetterbedingungen bekanntlich durchaus herausfordernd – in allen Kernmärkten des Energieversorgers lag der Wind- und Wasserertrag deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Dennoch konnten die erneuerbaren Erzeugungskapazitäten ausgebaut werden, konkret um 0,9 % auf 1.805 GWh.
Neue Energieparks in Niederösterreich
„Die Wetterentwicklung seit Jahresbeginn hat uns gezeigt, wie wichtig Diversifikation und Flexibilität in der Energiebranche sind“, brachte es Vorstandsdirektorin Alexandra Wittmann am Donnerstag der Vorwoche in einem Conference Call auf den Punkt. Daher werde man auch weiterhin den Fokus auf den Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung legen. Gleichzeitig sollen Batteriespeicherlösungen die Flexibilität erhöhen. Positiv: Bis Ende Juni konnte die Windkraftkapazität der EVN auf 570 MW erhöht werden. Weitere Projekte sind am Laufen – neue Windparks entstehen etwa in Neusiedl an der Zaya und in Großkrut-Poysdorf. Die Leistung des Windparks Großsiernig soll wiederum im Zuge von Modernisierungsarbeiten auf 26,5 MW gesteigert werden.
Weiter ausgebaut wird auch die Ladeinfrastruktur. Dass diese Strategie Sinn macht, zeigt die steigende Zahl an Elektroautos in Österreich. Ende Juli waren erstmals mehr als 300.000 rein elektrisch betriebene Pkw zugelassen, die meisten mit rund 62.000 in Niederösterreich. Ein weiterer zentraler Investitionsschwerpunkt ist auch die Trinkwasserversorgung in Niederösterreich, in die derzeit jährlich zwischen 20 und 25 Millionen Euro investiert wird. „Auch wenn es sich dabei um einen vergleichsweise kleinen Geschäftszweig handelt, ist er für uns ein wichtiger Teil unseres Infrastrukturportfolios“, sagt Wittmann und verweist auf 650.000 Kunden in Niederösterreich.
Investitionsprogramm auf Schiene
Für Experten steht die Wichtigkeit der langfristigen Investitionsstrategie des Unternehmens im Hinblick auf die Transformation des Energiesystems und die langfristige Versorgungssicherheit bei Strom und Wasser jedenfalls außer Frage. Zur Erinnerung: Bis 2030 sollen jährlich rund 1 Milliarden Euro investiert werden, davon 80 % in Niederösterreich. Zu den Investitionsschwerpunkten gehören der Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung, die Modernisierung der Stromnetze und die niederösterreichische Trinkwasserversorgung. „Das Investitionsprogramm für 2025/26 läuft nach Plan“, bestätigt Wittmann.
Nicht zuletzt wegen der starken Investitionstätigkeit erwartet die unter anderem für Finanzen zuständige Vorstandsdirektorin bis Ende September einen Anstieg der Nettoverschuldung auf 1,2 Milliarden Euro. „Die finanzielle Flexibilität unseres Unternehmens bleibt dennoch gesichert und solide“, sagt Wittmann und verweist auf vertraglich gesicherte Kreditlinien in der Höhe von 765 Millionen Euro.
Für das Gesamtjahr erwartet das EVN-Management nun ein Konzernergebnis in einer Bandbreite von 470 bis 490 Millionen Euro (zuvor: 430 bis 480 Millionen Euro). Dahinter stehen auch unbare positive Einmaleffekte als Folge der Entkonsolidierung des internationalen Projektgeschäfts bzw. des Verkaufs der Umwelttechnik-Tochter WTE Wassertechnik an die Strabag.
+7 % seit Jahresbeginn
Die positive Entwicklung der EVN-Aktie hat sich zuletzt fortgesetzt. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von rund 7 % zu Buche. Über die vergangenen zwölf Monate lag die Performance bei rund 26 %. Schaut man sich die aktuellen Kursziele der Analysten an, die sich in einer Bandbreite von 29,50 bis 36 Euro bewegen, so könnte die EVN-Aktie noch etwas Luft nach oben haben. Auffallend ist die überwiegend positive Einstellung der Experten. Bei vier von insgesamt fünf lautet die Empfehlung entweder „Kaufen“, „Outperform“ oder „Add“.
Für Christoph Schultes, Analyst bei der Erste Group, gehört die EVN-Aktie zu den günstigsten im Peer-Group-Vergleich. Pierre-Alexandre Ramondenc von AlphaValue zählt wiederum den stabilen Heimmarkt Niederösterreich, das prognostizierbare Geschäftsmodell mit einem hohen Anteil an regulierten Einnahmen und den 12,6-%-Anteil am Verbund zu den Argumenten für die EVN. Kritisch sieht er hingegen unter anderem den geringen Free-Float von rund 20 %, der die Liquidität einschränkt sowie die begrenzten Wachstumsaussichten mit „sehr konservativen Zielen“ bei der Kapazität erneuerbarer Energien.
Autor: Mag. Patrick Baldia
Einzeltitel auswählen: 6 wichtige Merkmale vielversprechender Aktien
Wie kann man jene wenigen Aktien identifizieren, die auf längere Sich die Performance
des Marktes treiben? Der Börsen-Kurier verrät einige Anhaltspunkte.
Kurzfassung
- Nur 46 US-Aktien erzeugten laut US-Finanzwissenschaftler die Hälfte der Nettowertschöpfung des US-Aktienmarktes seit 1926.
- Profitabilität und steigende Cash-Bestände zählen zu den Merkmalen besonders starker Unternehmen.
- Organisches Wachstum und hohe F&E-Ausgaben können beim Stockpicking weitere Hinweise liefern.
- Hohe Verschuldung trat häufiger bei später besonders schwachen Aktien auf.
- Sechs Merkmale können helfen, Einzeltitel auszuwählen.
Nur wenige Aktien treiben langfristig den Markt. Worauf Anleger bei der Auswahl von Einzeltiteln achten können.
Wer Einzeltitel auswählen möchte, steht vor einer anspruchsvollen Aufgabe. Die Erkenntnisse des US-Finanzwissenschaftlers Hendrik Bessembinder dürften vor allem so manchen passionierten Stockpicker ernüchtern. Der Professor an der Arizona State University hat seine viel beachteten Untersuchungen inzwischen aktualisiert und dafür 29.754 US-Aktien über einen Zeitraum von 100 Jahren – von 1926 bis 2025 – analysiert. Das Ergebnis: Während Aktien insgesamt enorme Vermögenszuwächse brachten, erlitten langfristige Anleger bei fast 60 % der untersuchten Aktien Vermögenseinbußen. Noch bemerkenswerter: Nur 46 Unternehmen waren für die Hälfte der gesamten Nettowertschöpfung des US-Aktienmarktes von 91 Billionen USD verantwortlich. Quelle: Hendrik Bessembinder, „One Hundred Years in the U.S. Stock Markets“, März 2026.
Die Auswahl der richtigen Einzeltitel ist also alles andere als einfach. „Wer allerdings in Aktien investiert, kommt nicht darum herum, sich damit intensiv zu beschäftigen“, sagte Bernd Kiegler, Fondsmanager bei der Raiffeisen KAG, im ursprünglichen Gespräch mit dem Börsen-Kurier.
Welche Merkmale können bei der Aktienauswahl helfen? Bessembinder hat sich auch mit dieser Frage beschäftigt. Seine Untersuchungen von US-Aktien seit 1950 zeigen einige auffällige Gemeinsamkeiten besonders starker Titel. Eine Garantie für künftige Kursgewinne liefern sie allerdings nicht.
1. Profitabilität
Ein wichtiger Ansatzpunkt ist die Ertragskraft des Unternehmens. Kiegler empfiehlt, den in der Vergangenheit – beispielsweise über fünf bis sechs Jahre – erwirtschafteten operativen Gewinn (EBIT) zu betrachten. Dabei sollte auch die EBIT-Marge als Maß für die Profitabilität berücksichtigt werden.
„Bei einem Wert von 1 bis 2 % ist das Geschäftsmodell angreifbar bzw. bei starker Konkurrenz kann das Unternehmen schnell in der Verlustzone landen“, warnt Kiegler. Als Orientierung nannte er eine durchschnittliche EBIT-Marge von mindestens 5 bis 10 %.
Dass Profitabilität eine Rolle spielt, zeigen auch Bessembinders Untersuchungen. Unternehmen mit besonders starken Ergebnissen über Zehnjahreszeiträume waren im Durchschnitt profitabler als andere Unternehmen. Umgekehrt gehörte geringe Profitabilität zu den Merkmalen, die bei den später besonders schwachen Aktien häufiger zu beobachten waren. Quelle: Hendrik Bessembinder, „Extreme Stock Market Performers, Part III und IV“, 2020.
2. Steigende Cash-Bestände
Ein weiteres auffälliges Merkmal ist die Entwicklung der liquiden Mittel. In Bessembinders Untersuchung wiesen Unternehmen mit besonders starken langfristigen Ergebnissen eine überdurchschnittlich starke Cash-Akkumulation auf.
Von 22 untersuchten fundamentalen Unternehmensmerkmalen laut der Untersuchung von Bessembinder gehörte diese zu den wenigen Faktoren, die bei den besonders starken Unternehmen statistisch hervorstachen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ein hoher Cash-Bestand automatisch eine gute Aktie ausmacht. Entscheidend ist vielmehr die Entwicklung des Unternehmens im Zusammenspiel mit weiteren Faktoren.
3. Organisches Wachstum
Auch rasches Wachstum der Vermögenswerte war bei den besonders starken Unternehmen überdurchschnittlich häufig zu beobachten. Bessembinders Untersuchung verweist dabei insbesondere auf organisches Wachstum – also Wachstum aus dem Unternehmen selbst und nicht primär durch Übernahmen.
Es kann beispielsweise durch steigende Produktion, neue Produkte oder die Expansion des bestehenden Geschäfts entstehen. In der Untersuchung gehörte rasches Wachstum der Vermögenswerte gemeinsam mit der starken Cash-Akkumulation zu den auffälligsten Merkmalen der Unternehmen mit besonders guten langfristigen Ergebnissen.
4. Investitionen in Forschung und Entwicklung
Ein weiteres Ergebnis überrascht auf den ersten Blick: Besonders starke Unternehmen gaben im Durchschnitt mehr für Forschung und Entwicklung (F&E) aus und waren gleichzeitig profitabler.
Noch interessanter für die Aktienauswahl: Höhere F&E-Ausgaben in einem vorausgegangenen Zehnjahreszeitraum gehörten zu den Merkmalen, die laut Bessembinder statistisch mit besonders hohen Aktienrenditen im darauffolgenden Jahrzehnt verbunden waren.
F&E-Ausgaben allein sind freilich kein Qualitätsmerkmal. Sie zeigen aber, wie wichtig Innovation und die Fähigkeit eines Unternehmens sein können, in zukünftiges Wachstum zu investieren.
5. Verschuldung im Auge behalten
Auch die Finanzierung eines Unternehmens verdient Aufmerksamkeit. Bessembinders Untersuchung zur Vorhersage besonders guter und schlechter Aktienentwicklungen zeigt: Unternehmen, deren Aktien im folgenden Jahrzehnt zu den schwächsten gehörten, waren zuvor tendenziell stärker verschuldet.
Für Anleger bedeutet das nicht, Unternehmen mit Schulden grundsätzlich auszusortieren. Die Ergebnisse sprechen aber dafür, die Verschuldung bei der Auswahl von Einzeltiteln nicht außer Acht zu lassen.
6. Die Bewertung muss passen
„Der wichtigste Ansatzpunkt beim Investieren, der allerdings für Laien schwer einzuschätzen ist, ist, dass ein Unternehmen billig sein muss“, so Kiegler im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.
Ein mögliches Kriterium zur Einschätzung der Bewertung ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Kiegler sieht diese Kennzahl insbesondere bei Finanzwerten als relevant. Bei Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen kann wiederum EV/Sales – der Unternehmenswert inklusive Nettoverschuldung im Verhältnis zum Umsatz – Hinweise darauf liefern, ob sich die Bewertung eher am unteren oder oberen Ende des historischen Spektrums bewegt.
Dabei sollte die Bewertung jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Interessant ist auch, warum es für ein Unternehmen zuletzt gut oder schlecht gelaufen ist und ob zyklische oder strukturelle Gründe dahinterstehen. Ebenso wichtig ist die Einschätzung der zukünftigen Ertragskraft.
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang allerdings ein Ergebnis von Bessembinder: In seiner Untersuchung der fundamentalen Merkmale besonders starker Aktien gehörte die Bewertung nicht zu den wenigen statistisch signifikanten Faktoren. Das bedeutet nicht, dass der Kaufpreis einer Aktie unwichtig ist. Es zeigt vielmehr, wie schwierig es ist, außergewöhnliche langfristige Kursentwicklungen anhand einzelner Kennzahlen vorherzusagen.
Auch gute Aktien können stark fallen
Bessembinders Forschung liefert noch eine wichtige Erkenntnis für Anleger: Selbst Aktien, die sich langfristig außergewöhnlich gut entwickelten, mussten zwischenzeitlich erhebliche Kursverluste verkraften.
Bei den 100 erfolgreichsten Aktien-Zehnjahresperioden seit 1950 betrug der stärkste zwischenzeitliche Kursrückgang innerhalb dieser erfolgreichen Jahrzehnte im Durchschnitt 32,5 %. In der jeweils vorausgegangenen Dekade lag der durchschnittliche maximale Rückgang sogar bei 51,6 %, so Bessembinder im Artikel über extreme Aktienmarktperformance.
Die Auswahl von Einzeltiteln bleibt damit anspruchsvoll. Profitabilität, steigende Cash-Bestände, organisches Wachstum, Investitionen in Forschung und Entwicklung, eine tragfähige Verschuldung und die Bewertung liefern Anhaltspunkte für die Analyse eines Unternehmens. Keine dieser Größen erlaubt für sich allein eine verlässliche Prognose.
Bessembinders aktuelle 100-Jahres-Analyse zeigt vielmehr, wie stark sich die langfristige Wertschöpfung des Aktienmarktes auf wenige Titel konzentriert. Für Anleger ist das zugleich ein Argument, bei der Auswahl von Einzeltiteln genau hinzusehen – und das Risiko ausreichend zu streuen.
Wer Einzeltitel auswählen möchte, sollte deshalb sechs Merkmale liefern Anlegern Anhaltspunkte für die Auswahl von Einzeltiteln, aber keine Erfolgsformel. Bessembinders Forschung zeigt vielmehr, wie schwierig es ist, jene wenigen Aktien frühzeitig zu erkennen, die langfristig einen großen Teil der Marktrendite erwirtschaften. Gerade deshalb bleiben eine gründliche Aktienanalyse und ausreichende Diversifikation entscheidend.
Autoren: Patrick Baldia, Anneliese Proissl
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Die unsichtbare Pensions-Bombe in der Staatsbilanz
(03.09.2026) Florian Beckermann. Wenn über staatliche Haftungen gesprochen wird, entsteht schnell der Eindruck, es handle sich um eine klar umrissene Zahl. Österreich weist Bundeshaftungen nach Maastricht-Kriterien von rund 89 Milliarden Euro aus. Das klingt beträchtlich – und entspricht bereits einem erheblichen Teil eines jährlichen Bundesbudgets. Doch diese Zahl erzählt einen winzigen Teil der Geschichte.
Denn ein Staat hat nicht nur jene Verpflichtungen, die in einer Haftungsübersicht des Finanzministeriums stehen. Er gibt weitere Versprechen ab. Und sein größtes Versprechen heißt: Pension.
Ökonomisch betrachtet ist ein Pensionsanspruch nichts anderes als die Zusage zukünftiger Zahlungen. Der Unterschied zu einer klassischen Haftung besteht darin, wie darüber Buch geführt wird. Für eine Garantie an ein Unternehmen wird ein Haftungsrahmen ausgewiesen. Für die zukünftige Pension eines heute Erwerbstätigen wird hingegen grundsätzlich keine entsprechende Verbindlichkeit in der Staatsschuld verbucht.
Die bereits erworbenen Ansprüche aus den staatlichen Pensionssystemen Österreichs erreichen nach volkswirtschaftlichen Berechnungen einen Barwert von weit mehr als 1,5 Billionen Euro. Diese Summe ist natürlich keine heute fällige Schuld. Pensionen werden über Jahrzehnte ausgezahlt, Beiträge stehen ihnen gegenüber, Gesetze können geändert werden und der Barwert hängt erheblich von Zinsen, Lebenserwartung und Pensionsalter ab.
Aber deshalb verschwindet die Verpflichtung nicht. Sie wächst mit allen Konsequenzen. Das Pensionssystem funktioniert im Wesentlichen nach dem Umlageprinzip. Die Generation von morgen finanziert die Ansprüche der Generation von heute. Das ist gesellschaftlich legitim, historisch bedingt und politisch gewollt. Finanzwirtschaftlich bedeutet es jedoch: Der Staat hat enorme langfristige Zahlungsversprechen abgegeben, ohne dafür einen korrespondierenden Kapitalstock aufzubauen! Gerade hier schrillte in vielen skandinavischen Ländern in der Vergangenheit der Alarm deutlich. Wie soll das finanziert werden, wenn die Steuern mal nicht so sprudeln und strukturelle Krisen kommen? Ist es tragbar, derart langfristige Verpflichtungen fast ausschließlich aus zukünftigen Steuereinnahmen und Beiträgen bedienen zu wollen?
Nein, lautete die nordische Antwort. Also begann man Pensionseinnahmen auch über den Kapitalmarkt zu veranlagen – sprich in Aktien. Dies geschah, wie wir heute neidlos anerkennen müssen, mit großem Erfolg und der entsprechenden Professionalität. Wenn über einen Zukunftsfonds, einen Staatsfonds oder zusätzliche Investments der Republik gesprochen wird, dominiert häufig die Frage: Welches Risiko übernimmt der Staat? Die Frage müsste lauten: Was passiert, wenn der Staat es nicht tut?
Der Paradigmenwechsel ist groß: Ein selbst veranlagender Staatsfonds hieße, dass man den Kapitalmarkt nicht mehr derart verteufeln kann, da man schließlich an ihm teilnimmt. Es hieße, dass sich auch die Bürger aus Bürgerinteresse für die Performance des Staates und seiner Anlagen interessiert. Es hieße, dass der Bürger vielleicht sogar selbst ein Interesse am Kapitalmarkt entwickelt. Es hieße wachsende Möglichkeiten im Budget und die Entschärfung einer Bombe. Schöne neue Welt.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Österreich liebt Kapital. Wann liebt es den Anleger?
Auf dem Europäischen Forum in Alpbach wird dieser Tage unter dem Motto „How Europe Wins“ darüber nachgedacht, wie Europa wettbewerbsfähiger, souveräner und investitionsfähiger werden kann. Die Antwort wird vermutlich viele Panels, Strategiepapiere und Anglizismen hervorbringen. Dabei wäre ein Teil davon ziemlich einfach: Europa braucht Menschen, die bereit sind, ihr eigenes Geld zu riskieren und Investoren zu werden.
Ein paar Täler weiter liefert Lenzing dazu praktischen Anschauungsunterricht. Der Konzern steckt mitten in einer tiefgreifenden Transformation – der Hut brennt. Neue Finanzierungen von bis zu 300 MioE sollen die Bilanz stärken. Sie werden wirksam, wenn auch die Eigentümer (sprich: die Aktionäre) frisches Eigenkapital von bis zu 300 Millionen bereitstellen. Am Dienstag waren deshalb die Aktionäre gefragt – und sie waren dafür (Pfeil S. x).
Erkenntnis: Das ist der Moment, in dem der sonst so gern übersehene Investor plötzlich systemrelevant wird. Es ist kein Geheimnis: Österreich liebt Investitionen. Investoren sind ihm verdächtig. Zu lange fuhr man im ideologischen Kreisverkehr nach links.
Jetzt wollen Milliarden für Energiewende, Infrastruktur, Digitalisierung, Start-ups und Industrieumbau mobilisiert werden. Längst beklagt man zu wenig Eigenkapital, zu geringe Börsenaktivität und eine im internationalen Vergleich schwache Aktienkultur. Aber gleichzeitig besteuern wir Anleger, regulieren sie bis ins Kleingedruckte und behandeln sie teils wie Kleinkinder. Paradox: Beim Gewinn heißt der Aktionär dann Spekulant. Beim Verlust ist er selbst schuld. Und wenn ein Unternehmen neues Eigenkapital braucht, heißt er plötzlich Hoffnungsträger.
Diese wirtschaftliche Kurzsichtigkeit haben andere Länder bereits abgelegt. Eigenkapital fällt nicht vom Himmel. Eigenkapital ist Geld, das jemand freiwillig zur Verfügung stellt, obwohl er nicht weiß, ob er es vollständig zurückbekommt. Der Anleger steht in der Schlange ganz hinten: Natürlich werden Arbeitnehmer bezahlt, Lieferanten stellen Rechnungen, Banken verlangen Zinsen und der Staat seine Steuern. Was übrig bleibt, gehört ihm. Wenn nichts übrig bleibt, eben auch.
Europa redet derzeit viel über strategische Autonomie. Wirtschaftliche Autonomie beginnt jedoch beim Kapital. Wer seine Unternehmen aus eigener Kraft finanzieren will, braucht starke Eigentümer, breite Kapitalmärkte und Bürger, die am Produktivvermögen beteiligt sind. „How Europe Wins?“ Vielleicht indem wir aufhören, den Anleger als Übel des Kapitalismus zu behandeln. Denn ohne Eigentümer gibt es keine Eigenverantwortung. Ohne Eigenkapital keine Transformation. Und ohne Menschen, die bereit sind, eigenes Geld zu riskieren, bleibt von Europas großen Zukunftsplänen am Ende vor allem eines übrig: eine gute Gelegenheit für ausländische Investoren oder eben nichts.
FACC-Aktie 2026: Wachstum stark, Kurspotenzial begrenzt?
Das Wichtigste in Kürze
- FACC steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr 2026 um 8,6 % auf 526 Mio. Euro.
- Das EBIT legte um 38 % auf 25,3 Mio. Euro zu.
- Für 2026 erwartet FACC 10 bis 15 % Umsatzwachstum.
- Ab 2027 soll die EBIT-Marge auf mehr als 8 % steigen.
- Luftfahrt und Drohnen versprechen weiteres Wachstum.
- Die Analysten sind positiv, beim Kurspotenzial der FACC-Aktie jedoch zurückhaltender.
(28.08.2026) Zahlreiche Branchen leiden unter den gegenwärtigen geopolitischen Gegebenheiten – nicht so die Flugbranche, und schon gar nicht FACC als Hersteller zahlreicher Komponenten für Flugzeuge, Drohnen und Raumfahrt. Demzufolge konnte der Umsatz im erst en Halbjahr 2026 um 8,6 % auf 526 Millionen Euro gesteigert werden. Im Gesamtjahr soll die Ein-Milliarden-Euro-Grenze überschritten werden. Wichtiger noch: Das Ebit stieg im selben Zeitraum um 38 % auf 25,3 Millionen Euro. Damit liegt die Ebit-Marge bei 4,8 % (vgl. 3,8 %) – eine klare Verbesserung, aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange.
Luftfahrtboom treibt FACC-Wachstum
Worauf sind diese Steigerungen zurückzuführen? CEO Robert Machtlinger (Bild) erklärt dies einerseits mit dem derzeitigen Luftfahrtboom, andererseits mit der Umsetzung des Effizienzprogramms C.O.R.E., bei dem es nicht um die Neuerfindung des Rades geht, sondern um viele kleine und mittlere Verbesserungen bei den einzelnen Prozessen und in der Kostenstruktur.
Die derzeitige – und wohl auch langfristige – hohe Nachfrage in der Luftfahrtindustrie soll global zum Bau von mehr als 42.000 neuen Flugzeugen führen, von denen knapp die Hälfte ältere Modelle ersetzen wird. Von diesen seien 18.260 von den Airlines bereits fix bestellt. „Wir sind bei allen relevanten Herstellern vertreten“, verweist der CEO auf die günstige Marktpositionierung des Unternehmens. Zu den eigenen Highlights gehört ihm zufolge die Entwicklung der Kabine des Businessjets Embraer Praetor. Dieser sei aufgrund neuer Technologien und Materialien ein Gamechanger, so Machtlinger.
FACC investiert in Österreich und Kroatien
Seit knapp sechs Jahren fertigt das Unternehmen auch in Kroatien, wo das Werk nördlich von Zagreb auf 550 Mitarbeiter angewachsen ist und mehr als 30 Millionen Euro investiert wurden. Die Frage, ob die niedrigeren Lohnstückkosten in Kroatien heutzutage angesichts der Automatisierung noch eine große Rolle spielten, bejaht Machtlinger.
Trotzdem wird auch in Österreich kräftig erweitert: Dort werden 120 Millionen Euro in ein neues Werk investiert, mit dem die derzeit bestehende Fertigungskapazität von Aerostructures-Komponenten verdoppelt wird. Mit der Investition verbunden ist die Einrichtung eines separaten Forschungsbereiches, in dem Fertigungsprozesse und Technologien entwickelt werden, die bei der nächsten Generation an Verkehrsflugzeugen zum Einsatz kommen werden.
Drohnen sollen zum Wachstumstreiber werden
Im zweiten Halbjahr soll auch die Drohnenproduktion weiter vorangetrieben werden. FACC beschäftigt sich bereits seit 2017 mit diesbezüglichen Entwicklungsaufträgen in Höhe von 100 MioUSD, die jetzt zu einer Serienfertigung führen. Für 2027 rechnet Machtlinger mit einem Wachstum des Drohnenbereiches im zweistelligen Prozentbereich, sodass man sogar überlegt, den Drohnenbereich als eigene Division zu führen.
FACC stärkt Cashflow und Bilanz
Der Frage, ob der Iran-Krieg der Branche nicht schade, entgegnet Machtlinger mit einem Chart, der für Februar 2026 (den Beginn des Krieges) tatsächlich ein spontanes Absacken der internationalen Flugverkehrsentwicklung (vor allem im Nahen Osten) zeigt. Mittlerweile sei das Reiseaufkommen im arabischen Raum aber wieder auf 80 % des Vorkriegswertes angestiegen. „Die Entwicklung zeigt sich ähnlich wie beim Ausbruch von Covid 2020“, so Machtlinger, aber man habe daraus gelernt und reagiere schneller. „Wir sind deutlich resilienter geworden“, so der CEO.
„Die FACC muss ihre Investitionen steuern können“, hatte CFO Florian Heindl vor zwei Jahren erklärt. Heute kann sie es auf Basis eines Free Cashflows von knapp 50 Millionen Euro. Dazu gehört auch ein „Deleveraging“, eine Verringerung der Nettoverschuldung. Das Verhältnis Nettoverschuldung zum Ebitda liege derzeit bei 2,05. Bei 2,0 beginnt der Investmentgrade und damit der Zugang zu deutlich besseren Bankenkonditionen.
FACC-Prognose 2026: Marge soll deutlich steigen
Im Gesamtjahr 2026 werde der Umsatz um 10 bis 15 % wachsen, so Heindl. Die Ebit-Marge werde dann zwischen 5,25 und 6,25 % liegen. Ab dem Geschäftsjahr 2027 will das Unternehmen eine Marge von mehr als 8 % erreichen. Das Effizienzprogramm C.O.R.E. bleibe aufrecht. Vor allem aber – es geht wieder um das Thema Resilienz – werde es Umschichtungen bei den Lieferanten geben. Manche Glieder der Lieferkette werden sogar gesplittet, um Ausfallsrisken zu minimieren. Auch könne so dem allgemein immer gängigeren Local-for-Local-Prinzip stärker Rechnung getragen werden. Das Interior-Geschäft hat seine Zukunft in Kroatien, obwohl auch dort (und auch in China) die Löhne im Steigen begriffen sind.
FACC-Aktie: Was sagen die Analysten?
Erste Group, Montega und ODDO BHF empfehlen die Aktie zum Kauf, allerdings mit Kurszielen zwischen 16 und 18,70 Euro, also trotz eindeutiger Wachstumstendenz nicht weit entfernt vom derzeitigen Kurs.
Chinesischer Großaktionär als Kursbremse?
Ein mögliches Handicap liegt am 55,5-prozentigen Mehrheitsanteil der AVIC Cabin Systems, einer Tochtergesellschaft der staatlichen Aviation Industry Corporation of China (AVIC), eines großen chinesischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns. Dieser verhindert den Einstieg größerer westlicher Finanzinvestoren, deren Richtlinien meist ein Engagement in Unternehmen mit staatlich-chinesischem Mehrheitsaktionär verbieten. Eine Reduktion auf unter 50 %, etwa im Wege einer Kapitalerhöhung, könnte einigen Investoren Türen öffnen, was sich wiederum positiv auf den Kurs auswirken würde.
Autor: Mag. Tibor Pásztory
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Nach dem kräftigen Kursanstieg sind Analysten allerdings vorsichtig. Das durchschnittliche Kursziel liegt derzeit mit rund 57,70 Euro sogar unter dem aktuellen Kurs; zehn von 15 erfassten Analysten empfehlen, die Aktie zu halten.
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UBS bestätigte im August Neutral mit 71 Euro, während Deutsche Bank Buy mit 76 Euro (aktuell 69 Euro) beibehielt. Interessant: UBS lobte zwar die starken Quartalszahlen, sieht für die kommenden zwölf Monate aber weiterhin Herausforderungen.
Mit Chemie-Aktien ETF breit streuen
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Autorin: Anneliese Proissl
Uniqa-Strategie 2025–2028: Wachstum, Dividende und Ziele
Profitabilitätssteigerungen und „Netto-Null-Emissionen“ stehen dabei im Fokus.
22.08.2026
Mit der Uniqa-Strategie 2025–2028 hat die Uniqa Insurance Group die Weichen für stärkeres Wachstum, höhere Profitabilität und steigende Dividenden gestellt. Das Strategieprogramm „Uniqa 3.0 – Growing Impact 2025–2028“ setzt vor allem auf profitables Wachstum, Effizienzsteigerungen und den Ausbau der Marktposition in Österreich sowie Zentral- und Osteuropa (CEE).
Nach einem starken Start hat der Versicherungskonzern seine ursprünglich festgelegten Finanzziele inzwischen sogar angehoben. Für Anleger stellt sich damit vor allem die Frage: Was bedeutet die Uniqa-Strategie 2025–2028 für Wachstum, Gewinn und Dividende – und damit für die Uniqa-Aktie?
Das Wichtigste zur Uniqa-Strategie 2025–2028
- Die Prämien sollen bis 2028 im Schnitt um rund 6 % pro Jahr wachsen.
- Für Österreich werden rund 4 %, international rund 8 % Wachstum pro Jahr angestrebt.
- Das Ergebnis je Aktie soll jährlich um mindestens 7 % steigen.
- Die Netto-Combined-Ratio soll bei höchstens 93 % liegen.
- Der Return on Equity (ROE) soll nachhaltig mehr als 13 % erreichen.
- UNIQA strebt eine progressive, also jährlich steigende Dividende an.
- Die Ausschüttungsquote soll zwischen 50 und 60 % liegen.
Was steckt hinter „Uniqa 3.0 – Growing Impact“?
Die Uniqa-Strategie 2025–2028 läuft unter dem Namen „Uniqa 3.0 – Growing Impact“. Ihr Fokus liegt auf profitablem Wachstum, weiteren Effizienzsteigerungen und dem Ausbau der starken Marktposition in Österreich und CEE.
Uniqa will Investitionen schneller in Kundenzufriedenheit, Wachstum und Ertrag übersetzen. Neben den finanziellen Zielen bilden deshalb auch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit zentrale Säulen der Strategie.
Gleichzeitig soll das Geschäftsmodell stärker diversifiziert werden. Österreich soll Stabilität und Effizienz liefern, während die internationalen Märkte stärker zum Wachstum beitragen. Zusätzlich sieht der Konzern Potenzial bei Gesundheitsdienstleistungen außerhalb des klassischen Versicherungsgeschäfts.
Uniqa hebt die Ziele bis 2028 an
Zum Start der Strategie hatte UNIQA ein durchschnittliches Prämienwachstum von rund 5 % pro Jahr und ein jährliches Wachstum des Ergebnisses je Aktie von mindestens 6 % angepeilt. Der Return on Equity sollte nachhaltig über 12 % und die Netto-Combined-Ratio unter 94 % liegen.
Nach dem erfolgreichen ersten Jahr der Uniqa-Strategie 2025–2028 wurden die Finanzziele Ende 2025 angehoben.
Bis 2028 strebt UNIQA nun ein durchschnittliches jährliches Prämienwachstum von rund 6 % an. In Österreich sollen es rund 4 %, in den internationalen Märkten weiterhin rund 8 % sein.
Auch bei der Profitabilität liegt die Messlatte höher: Das Ergebnis je Aktie soll jährlich um mindestens 7 % wachsen, die Netto-Combined-Ratio bei höchstens 93 % liegen und der Return on Equity nachhaltig mehr als 13 % erreichen.
Damit sind die finanziellen Ziele der UNIQA Strategie 2025–2028 mittlerweile ambitionierter als bei ihrem Start.
Beste Dienstleisterin und Arbeitgeberin als Ziel
Uniqa will im Rahmen der Strategie nicht nur finanziell wachsen. Der Konzern verfolgt drei übergeordnete Ziele: Er will beste Dienstleisterin für seine Kunden, beste Arbeitgeberin für seine Mitarbeiter und wirtschaftlich erfolgreich sein.
Gemessen werden soll die Entwicklung unter anderem anhand eines Kundenzufriedenheitsindex, eines Mitarbeiterzufriedenheitsindex und eines Engagement-Index. Damit macht UNIQA neben Finanzkennzahlen auch die Qualität der Kundenbeziehungen und die Attraktivität als Arbeitgeber zu messbaren Bestandteilen der Strategie.
Österreich sorgt für Stabilität, CEE für Wachstum
Eine wichtige Säule der Strategie ist die geografische Diversifikation. Österreich bildet weiterhin das Rückgrat des Konzerns, während insbesondere die Märkte in Zentral- und Osteuropa stärkeres Wachstum liefern sollen.
Im österreichischen Geschäft setzt Uniqa vor allem auf Schaden- und Unfallversicherung sowie Gesundheit. Gleichzeitig sollen Effizienzsteigerungen und Digitalisierung die Profitabilität verbessern.
International steht beschleunigtes Wachstum im Vordergrund. Uniqa verfügt in vielen CEE-Märkten über starke Marktpositionen und will dort stärker wachsen als der jeweilige Markt.
Zusätzlich sieht der Konzern Wachstumspotenzial im Gesundheitsbereich – sowohl im klassischen Versicherungsgeschäft als auch bei Gesundheitsdienstleistungen.
Was bedeutet die Strategie für die Uniqa-Aktie?
Für Anleger ist vor allem die Kombination aus Gewinnwachstum und steigenden Ausschüttungen interessant. UNIQA positioniert sich ausdrücklich als Dividendentitel.
Die Strategie sieht eine Ausschüttungsquote von 50 bis 60 % sowie eine progressive Dividende vor. Damit soll die Dividende je Aktie von Jahr zu Jahr steigen – vorausgesetzt, Geschäftsentwicklung und Kapitalausstattung lassen dies zu.
Attraktiver für Anleger soll die UNIQA Aktie zudem durch diversifizierte Erträge und Gewinnströme, eine robuste Kapitalposition und eine starke Governance werden. Während in Österreich Stabilität und Effizienz im Vordergrund stehen, setzt UNIQA in den internationalen Märkten auf beschleunigtes Wachstum und Profitabilität.
Für Anleger hängt die Attraktivität der UNIQA Aktie damit nicht allein von der Dividende ab. Entscheidend wird sein, ob es dem Konzern gelingt, das geplante Gewinnwachstum zu erreichen und gleichzeitig Profitabilität und Kapitalstärke auf hohem Niveau zu halten.
Uniqa-Strategie 2025–2028: Wie weit ist der Konzern?
Der bisherige Verlauf zeigt, dass UNIQA bei der Umsetzung schneller vorangekommen ist als ursprünglich erwartet. Im Geschäftsjahr 2025 stiegen die verrechneten Prämien um 8,2 % auf 8,36 Mrd. Euro. Das Konzernergebnis erhöhte sich um 22,2 % auf 424,8 Mio. Euro.
Auch bei wichtigen Profitabilitätskennzahlen lag UNIQA bereits auf einem hohen Niveau: Die Netto-Combined-Ratio erreichte 91,7 %, der Return on Equity 14,3 %.
Auch im ersten Halbjahr 2026 setzte sich das Wachstum fort. Die Prämien stiegen konzernweit um 12 %. In Österreich betrug das Wachstum 4,2 %, in den internationalen Märkten 6,9 %.
Damit liegt UNIQA bei mehreren Kennzahlen bereits auf oder über dem für 2028 angestrebten Niveau. Entscheidend wird allerdings sein, ob sich diese Entwicklung über die gesamte Strategieperiode nachhaltig fortsetzen lässt.
Zinsen, Inflation und Naturkatastrophen bleiben Risiken
Zinsen, Inflation und Naturkatastrophen zählen zu den wesentlichen Risiken, die UNIQA im Rahmen der Strategie 2025–2028 aktiv managen will.
Aufgrund des hohen Anteils von Kranken- und Lebensversicherungen ist UNIQA vergleichsweise zinssensitiv. Entsprechend wichtig ist das Asset-Liability-Management, bei dem Vermögensanlagen und langfristige Verpflichtungen möglichst gut aufeinander abgestimmt werden.
Inflationsrisiken begegnet UNIQA unter anderem durch Indexanpassungen und eine dynamische Preisgestaltung. In Österreich sind 98 % der Verträge indexangepasst und verfügen über lange Laufzeiten. In den internationalen Märkten dominieren dagegen häufig Ein-Jahres-Verträge, wodurch Preise dynamischer angepasst werden können.
Gegen die finanziellen Folgen von Naturkatastrophen setzt der Konzern zudem auf Rückversicherung. Mit UNIQA Re verfügt die Gruppe seit 2003 über einen eigenen Rückversicherer. Seit 2023 werden auch Rückversicherungsverträge für Dritte gezeichnet.
Klimatransition: Netto-Null bis 2050
Auch die Klimatransition ist Teil der Uniqa-Strategie 2025–2028. Der Versicherer will bis 2040 in Österreich und bis 2050 im Gesamtkonzern Netto-Null-Emissionen im Versicherungsgeschäft und im eigenen Betrieb erreichen. Für die Veranlagung gilt das Ziel bis 2050.
Dabei sollen die CO₂-Emissionen so weit wie möglich reduziert und verbleibende Restemissionen durch sogenannte „Carbon Removals“, etwa Moor-Renaturierung oder CO₂-Abscheidung, ausgeglichen werden.
Den größten Hebel sieht UNIQA in der Veranlagung. Bereits 2020 begann der Konzern mit dem schrittweisen Ausstieg aus Investments in fossile Energieträger. Die „Phase-out-Strategie“ sieht vor, keine neuen Investments in den betroffenen Bereichen zu tätigen und bestehende Engagements schrittweise abzubauen. Unternehmen, die ihre Geschäftsmodelle transformieren wollen, sollen dabei begleitet werden.
Für bestehende Investments gelten konkrete Ausstiegsziele: Bis 2030 ist der Ausstieg aus Kohle und Öl vorgesehen, bis 2035 aus Gas sowie den geringen Nuklear-Investments. Damit will UNIQA auch das Risiko sogenannter „Stranded Assets“ reduzieren – also von Vermögenswerten, die durch die Energie- und Klimatransformation deutlich an Wert verlieren könnten. Parallel dazu soll der Anteil nachhaltiger Investments steigen.
Auch das Versicherungsgeschäft wird schrittweise auf die Klimaziele ausgerichtet. Seit 2019 zeichnet UNIQA kein Neugeschäft im Bereich Kohle mehr, seit 2024 keines im Bereich Öl und seit 2025 auch keines im Bereich Erdgas. Ab 2030 will der Konzern nicht mehr in Kohle und Öl, ab 2035 auch nicht mehr in Erdgas tätig sein. Bestehende Unternehmenskunden sollen bei der Transformation ihrer Geschäftsmodelle unterstützt werden.
Die dritte Säule bildet der eigene Betrieb. Bis 2030 soll die Firmenflotte auf Elektrofahrzeuge umgestellt werden; bis 2035 will UNIQA aus Öl- und Gasheizungen aussteigen.
Damit umfasst die Klimatransition drei zentrale Bereiche: Kapitalanlage, Versicherungsgeschäft und eigenen Betrieb. Die Maßnahmen sollen nicht nur Emissionen reduzieren, sondern auch langfristige finanzielle Risiken aus der Transformation der Wirtschaft begrenzen.
Fazit: Was die Uniqa-Strategie 2025–2028 für Anleger bedeutet
Die Uniqa-Strategie 2025–2028 verbindet stärkeres Wachstum mit höheren Profitabilitätszielen und einer progressiven Dividendenpolitik. Die Kombination aus dem stabilen Österreich-Geschäft und den wachstumsstärkeren CEE-Märkten soll für diversifizierte Ertragsquellen sorgen.
Gleichzeitig geht die Strategie über reine Finanzziele hinaus: Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit, eine starke Governance, eine robuste Kapitalposition sowie die Klimatransition gehören ebenfalls zum langfristigen Kurs des Konzerns.
Der Start ist gelungen. Bereits nach dem ersten Strategie-Jahr konnte Uniqa seine ursprünglichen Finanzziele anheben. Für Anleger werden bis 2028 vor allem Gewinnwachstum, Combined Ratio und Dividende entscheidend sein. Gelingt es Uniqa, die angehobenen Ziele nachhaltig zu erreichen, könnte die Strategie die Position des Versicherers als Dividendenaktie weiter stärken.
Autorin: Anneliese Proissl
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- Uniqa steigert die Prämien im ersten Halbjahr um 12 %
- Gute Kapitalmärkte und geringe Großschäden geben Rückenwind
- Das Ergebnis vor Steuern steigt auf 326,5 Mio. Euro
- Uniqa bestätigt die Ergebnisprognose für 2026
- Nach 136 % Kursplus in drei Jahren fällt die Aktie deutlich
20.08.2026
Starke Halbjahreszahlen reichen der Uniqa-Aktie am Donnerstag nicht für weitere Kursgewinne. Der Titel verliert nach Veröffentlichung der Ergebnisse zeitweise knapp 5 %. Dabei steigert der Versicherer seinen Vorsteuergewinn um 10,5 % und bestätigt die Jahresprognose.
Damit rückt neben der operativen Entwicklung zunehmend die Bewertung der UNIQA-Aktie in den Fokus.
Uniqa wächst im ersten Halbjahr kräftig
Die ersten sechs Monate 2026 seien für Uniqa „sehr zufriedenstellend verlaufen“, betont CEO Andreas Brandstetter im Halbjahresfinanzbericht. Es sei gelungen, profitables Wachstum mit einer erfreulichen Ergebnisentwicklung zu verbinden.
Rückenwind kam vom stabilen Kerngeschäft, der besonders guten Performance der Kapitalveranlagung sowie dem Ausbleiben größerer Naturkatastrophen.
Die verrechneten Prämien erhöhten sich im ersten Halbjahr um 12 % auf 4,92 Mrd. Euro. Alle Geschäftsbereiche trugen zum Wachstum bei. Wichtigster Wachstumstreiber war die Schaden- und Unfallversicherung, unterstützt von einer starken Entwicklung der Krankenversicherung und weiterem Wachstum in der Lebensversicherung.
Auch regional ist das Wachstum breit aufgestellt: Uniqa International steigerte das verrechnete Prämienvolumen um 6,9 % auf mehr als 1,8 Mrd. Euro, Uniqa Österreich um 4,2 % auf knapp 2,6 Mrd. Euro.
Kapitalmärkte geben zusätzlichen Rückenwind
Das zugrunde liegende Versicherungsgeschäft blieb mit einer Combined Ratio von 91,6 % in der Schaden- und Unfallversicherung stark. Positiv wirkten sich laut CFO/CRO Kurt Svoboda unter anderem diszipliniertes Underwriting und das Ausbleiben größerer Naturkatastrophenschäden aus.
Einen wesentlichen Beitrag lieferte außerdem die Kapitalveranlagung. Das Finanzergebnis verdoppelte sich vor allem aufgrund der günstigen Kapitalmarktentwicklung auf 176 Mio. Euro.
„Mit einer Kapitalanlagerendite von 3,3 % und einer Wiederveranlagungsrendite von 4,3 % sind wir gut aufgestellt, um in den kommenden Jahren nachhaltige Erträge zu erzielen“, betont Svoboda.
Unter dem Strich erhöhte sich das Ergebnis vor Steuern von 295,5 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum auf 326,5 Mio. Euro.
Uniqa-Aktie: Ist die Bewertung noch attraktiv?
Nach dem starken Kursanstieg der vergangenen Jahre stellt sich für Anleger zunehmend die Bewertungsfrage. Für 2026 wird derzeit laut onvista.de ein KGV von rund 12,5 bei einem erwarteten Gewinnwachstum von rund 5,6 % veranschlagt.
Ein KGV in dieser Größenordnung erscheint für sich genommen nicht besonders hoch. Im Verhältnis zum erwarteten Gewinnwachstum lässt sich daraus allerdings auch keine offensichtliche Unterbewertung ableiten. Bei einem Versicherer sollte diese Kennzahl ohnehin nicht isoliert betrachtet werden. Für Anleger sind unter anderem auch Dividende, Kapitalausstattung und die Stabilität der Versicherungserträge entscheidend.
Die jüngsten Kursverluste stehen damit einer weiterhin starken längerfristigen Performance gegenüber. Ob die operative Entwicklung ausreicht, um nach der kräftigen Rally weiteres Kurspotenzial zu schaffen, dürfte wesentlich davon abhängen, wie sich Gewinne, Kapitalanlage und Schadenentwicklung weiter entwickeln.
Uniqa bestätigt Ausblick für 2026
Nach einem starken Jahresauftakt habe Uniqa die Dynamik im zweiten Quartal beibehalten und befinde sich auf dem besten Weg, die Ziele für 2026 zu erreichen, betont CFO/CRO Kurt Svoboda.
Das Unternehmen bestätigt seine Prognose eines Ergebnisses vor Steuern zwischen 540 und 570 Mio. Euro. Voraussetzung ist, dass außergewöhnlich hohe Belastungen durch Naturkatastrophen oder größere Kapitalmarktverwerfungen ausbleiben.
Unsicherheiten bleiben bestehen. Uniqa verweist auf instabile geopolitische Rahmenbedingungen und eine mögliche Zunahme wetterbedingter Schäden. Gleichzeitig soll das Wachstum in Österreich und Zentral- und Osteuropa fortgesetzt und das externe Rückversicherungsgeschäft schrittweise ausgebaut werden.
Starkes Geschäftsjahr 2025 als Basis
Bereits 2025 hatte Uniqa deutlich zugelegt. Die verrechneten Prämien stiegen um 8,2 % auf 8,35 Mrd. Euro. Das Ergebnis vor Steuern erhöhte sich um 16,9 % auf 516,4 Mio. Euro, das Konzernergebnis um 22,2 % auf 424,8 Mio. Euro.
Vom starken Geschäftsjahr profitieren auch die Aktionäre: Die Dividende wurde um 20 % auf 0,72 Euro je Aktie erhöht.
Mit den Halbjahreszahlen zeigt sich nun, dass die Uniqa seinen operativen Wachstumskurs 2026 fortsetzt. Nach dem starken Kursanstieg der vergangenen drei Jahre wird für Anleger aber zunehmend entscheidend, ob das künftige Gewinnwachstum mit der Entwicklung der UNIQA-Aktie Schritt halten kann.
Autoren: Tibor Pásztory und Anneliese Proissl
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Scheuchs Rücktritt: Gesundheit und gute Governance – der Versuch einer Annäherung
(15.08.2026) Ein Kommentar von IVA-Präsident Florian Beckermann.
Heimo Scheuchs Rücktritt als Vorstandsvorsitzender der Wienerberger AG aus gesundheitlichen Gründen ist eine persönliche Entscheidung. Sie verdient Respekt. Nach mehr als 17 Jahren an der Spitze beendet er seine Ära unerwartet – Wienerberger wäre ohne ihn nicht so eine Erfolgsgeschichte. Über Ursachen, Diagnosen oder Hintergründe zu spekulieren, verbietet sich. Das sollte selbstverständlich sein. Und dennoch berührt dieser Rücktritt eine Frage, die der Kapitalmarkt selten stellt:
Welche Rolle spielt Gesundheit in guter Governance?
Wir sprechen oft über Risikomanagement, Compliance, Nachfolgeplanung und Kontrollsysteme. Wir prüfen Bilanzen, Vergütungen und Zielerreichung. Unternehmen werden aber von Menschen geführt. Menschen sind keine unbegrenzt belastbaren Faktoren. Sie können erkranken, erschöpfen, ausfallen oder Mutter werden. Das ist keine Schwäche, sondern Teil menschlicher Existenz. Die Demut und Achtsamkeit davor kommt oft zu kurz.
Der Aufsichtsrat hat nicht die Aufgabe, in das Privatleben eines Vorstands einzudringen. Gesundheit ist eine sinnvolle Privatsache. Aber er muss Strukturen schaffen, in denen kein Unternehmen von der permanenten Verfügbarkeit einer einzelnen Person abhängt. Stellvertretung, Nachfolgeplanung, ein funktionierendes Vorstandsteam und eine Kultur, in der auch ein Spitzenmanager Grenzen ziehen darf, sind Ausdruck institutioneller Reife.
Ein Unternehmen, das zu stark um eine dominante Führungspersönlichkeit gebaut ist, trägt ein massives Governance-Risiko.
Kommt dem einen oder anderen Marktteilnehmer jetzt ein unangenehmer Schauer? Banken haben so etwas längst institutionalisiert. Ein Unternehmen, das zu stark um eine dominante Führungspersönlichkeit gebaut ist, trägt ein massives Governance-Risiko. Gute Führung zeigt sich paradoxerweise auch darin, organisatorisch entbehrlich zu werden. Oft hört man: Jeder ist ersetzbar. Einzig fehlt der Glaube.
Heimo Scheuch hat Wienerberger über viele Jahre unvergleichlich geprägt. Gerade deshalb erinnert sein Rücktritt daran, wie schnell sich die Perspektive ändern kann: Was gestern Kontinuität hieß, ist heute Nachfolge. Der Aufsichtsrat hat mit der interimistischen Bestellung von Gerhard Hanke für Kontinuität gesorgt. Hanke kann das. Er ist ein anderer Typ. Aktionäre kennen und vertrauen ihm.
Als Anlegervertreter wünsche ich mir in solchen Momenten zweierlei: Ruhe auf Seiten des Unternehmens und Anstand auf Seiten des Kapitalmarkts. Aktionäre haben ein legitimes Interesse an einer geordneten Nachfolge. Sie haben aber keinen Anspruch auf die gesundheitliche Privatsphäre eines Menschen.
Humane Governance schützt die Würde der Menschen, die Verantwortung tragen.
Fazit
Gesundheit und Governance haben eine Gemeinsamkeit. Sie setzen Grenzen. Nicht alles, was relevant ist, ist messbar. Nicht alles, was ein Unternehmen wissen möchte, darf es wissen. Und nicht jede Unterbrechung ist ein Versagen. Kapitalmärkte denken gern in Renditen und Perioden. Gute Governance denkt weiter. Sie schützt das Unternehmen, wenn Personen wechseln. Und eine humane Governance schützt zugleich die Würde der Menschen, die Verantwortung tragen.
Börsen-Kurier-Kolumnist Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Was bringt das zweite Halbjahr 2026?
Erste Asset Management: In den USA bleibt Technologie Treiber, in Europa Banken und Pharma.
(13.08.). Die negativen Schlagzeilen reißen nicht ab. Zwischen dem Iran und den USA ist keine Einigung in Sicht. In der Ukraine tobt der Krieg weiter. Doch an den globalen Börsen haben zahlreiche Indizes neue Höchststände erklommen.
In einem Pressegespräch zum Halbjahresausblick 2026 der Erste Asset Management – der Börsen-Kurier war dabei – ging Tamás Menyhárt, Senior Fondsmanager des Erste Responsible Stock Global Fond, auf die Entwicklungen ein. So seien die Bewertungen am S&P, gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), sogar zurückgegangen. Zuletzt sei das geschätzte KGV auf die kommenden 12 Monate auf gut 20 gesunken. Und liege damit im 5-Jahres-Durchschnitt.
KI und Cloud bleiben Treiber
Denn die Unternehmensgewinne steigen kräftig, etwa im Technologiesektor, in dem zahlreiche Konzerne in den Ausbau Künstlicher Intelligenz (KI) investieren. Viele solcher Unternehmen, wie zum Beispiel Microsoft und Amazon, bauen damit nämlich ihr Cloud-Geschäft aus. Weil auch der Bedarf an Speicherplatz wachse, würden immer mehr Datenzentren gebaut, wovon jede Menge Ausrüster – wie etwa der Chipentwickler Nvidia – profitierten. Christoph Vahs, Senior Fondsmanager des Erste Responsible Stock America Fonds verwies in diesem Zusammenhang auf weitere Marktentwicklungen und hob den Chiphersteller Micron Technology, der Computer, Handys und Datenzentren ausrüstet, hervor: „Der Konzern hat derart viele Aufträge, dass er das Geschäft mit Endkunden beendet hat.“
Auch in Europa können einige Unternehmen von dem Trend profitieren, zum Beispiel Siemens Energy und Schneider Electric, wie es weiters heißt. Letzteres Unternehmen aus Frankreich liefert Lüftungs- und Kühlsysteme und sorgt für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung in Datenzentren.
Energie und Banken legen zu
Auch die Entwicklungen in den Sektoren Energie und Banken stechen positiv hervor, betonte Menyhárt. Der Umstand trifft ebenso auf Europa zu, eine Region, in der solche Titel in den entsprechenden Indizes höher gewichtet sind als in den USA.
Doch wie könnte es weitergehen? „Wir sehen aktuell keine Blase im KI-Sektor, wie von manchen Marktbeobachtern befürchtet wird“, konstatierte Menyhárt. Er verwies in diesem Zusammenhang auch auf jenen Umstand, dass der IT-Sektor in den USA derzeit unter dem historischen Schnitt bewertet sei. So liegt das KGV am S&P 500 Information Technology Sector bei rund 22,7 und damit unter dem 5-Jahres-Durchschnitt von knapp 26. Kursrücksetzer könne man freilich nie ausschließen. Doch solchen Aspekten kann Menyhárt auch Positives abgewinnen. „Den jüngsten Rücksetzer am Philadelphia Semiconductor Index im Juni nutzten Anleger dazu, verstärkt in andere Sektoren zu investieren. Der US-Markt gewinnt damit an Breite, eine gesunde Entwicklung.“
Gesundheit holt auf
Vahs ergänzte, ihm gefallen in den USA auch Banken und Gesundheitsaktien wie etwa Eli Lilly und Amgen. Die Geschäftsmodelle seien gut aufgestellt, die Übernahmetätigkeit nehme wieder zu. Immer wieder kaufen große Pharmakonzerne erfolgsversprechende Biotechnologiefirmen auf, um ihre Pipeline damit wieder zu stärken.
Auch in Europa sieht Menyhárt in ebendiesem Sektor, der noch zuvor unter der Zollunsicherheit in den USA gelitten hatte, reichlich Chancen. Doch hier kam es vergangenen Sommer zu einer vorläufigen Einigung. Und letztlich bleibt der Experte für Europas Banken zuversichtlich. Sie würden anhaltend von den mittlerweile höheren Zinsen profitieren.
Autorin: Mag. Raja Korinek
| Im Artikel vorgestellte Produkte und Aktien |
|
| Name |
ISIN |
| Erste Responsible Stock Global Fonds |
AT0000646799 |
| Erste Responsible Stock America Fonds |
AT0000812862 |
| Amazon |
US0231351067 |
| Amgen |
US0311621009 |
| Eli Lilly |
US5324571083 |
| Micron Technology |
US5951121038 |
| Microsoft |
US5949181045 |
| Nvidia |
US67066G1040 |
| Schneider Electric |
FR0000121972 |
| Siemens Energy |
DE000ENER6Y0 |
Unterbewertete Aktien finden: Auf diese Kennzahlen kommt es an
Wie lassen sich unterbewertete Aktien erkennen? Fünf Schritte zeigen, wie Anleger KGV, Cashflow, Bilanz und Geschäftsmodell prüfen und teure Fehlentscheidungen vermeiden.
09.08.2026
Kurzfassung
Unterbewertete Aktien sind Unternehmen, deren Börsenkurs unter ihrem geschätzten fairen Wert liegt. Doch eine niedrige Bewertung allein macht noch keine Kaufchance. Entscheidend sind aussagekräftige Kennzahlen, ein solides Geschäftsmodell und mögliche Katalysatoren für eine Neubewertung.
Dieser Leitfaden zeigt, wie Anleger unterbewertete Aktien erkennen, welche Kennzahlen dabei zählen und wie sich sogenannte Value Traps vermeiden lassen.
Was sind unterbewertete Aktien?
Unterbewertete Aktien sind Titel, deren aktueller Börsenkurs unter dem geschätzten fairen Unternehmenswert liegt. Hinweise darauf liefern Kennzahlen wie KGV, EV/EBIT oder Eigenkapitalrendite (ROE).
Eine niedrige Bewertung kann unterschiedliche Gründe haben: eine zyklische Schwäche der Branche, vorübergehende Gewinnrückgänge, hohe Verschuldung oder schlicht geringes Interesse der Investoren.
Wichtig: Unterbewertung bedeutet nicht automatisch, dass der Kurs steigen wird. Die entscheidende Frage lautet deshalb:
Warum bewertet der Markt dieses Unternehmen derzeit so niedrig – und was könnte daran etwas ändern?
Unterbewertete Aktien finden: In fünf Schritten
-
Aktien vorauswählen: Mit einem Aktienscreener nach Unternehmen mit niedrigen Bewertungskennzahlen suchen. Dabei zunächst nur Unternehmen derselben Branche vergleichen.
-
Bewertung prüfen: KGV, EV/EBIT und gegebenenfalls KBV mit dem Branchendurchschnitt und den historischen Werten vergleichen.
-
Profitabilität untersuchen: Eigenkapitalrendite, Gewinnentwicklung und Free Cashflow analysieren. Eine niedrige Bewertung ist wenig wert, wenn die Erträge dauerhaft sinken.
-
Bilanz und Risiken kontrollieren: Verschuldung, Liquidität und Wettbewerbsposition beurteilen. Hohe Schulden können eine vermeintlich günstige Aktie riskant machen.
-
Fairen Wert und Kurstreiber einschätzen: Einen begründeten Unternehmenswert ermitteln und prüfen, welche Entwicklungen eine Neubewertung auslösen könnten.
Welche Kennzahlen zeigen unterbewertete Aktien?
Eine einzelne Kennzahl reicht nicht aus, um eine Unterbewertung festzustellen. Anleger sollten mehrere Größen miteinander vergleichen.
| Kennzahl |
Aussage |
| KGV |
Setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn. Ein niedriges KGV kann auf eine günstige Bewertung, aber auch auf schwache Gewinnaussichten hindeuten. |
| EV/EBIT |
Zeigt, wie hoch das operative Geschäft bewertet wird und berücksichtigt dabei auch die Verschuldung. |
| ROE |
Die Eigenkapitalrendite zeigt, wie effizient ein Unternehmen sein Eigenkapital einsetzt. |
| Free Cashflow |
Gibt Aufschluss darüber, wie viel Geld nach notwendigen Investitionen tatsächlich zur Verfügung steht. |
Renaud nutzt für seine Vorauswahl vor allem EV/EBIT und ROE. Ein höheres EV/EBIT kann gerechtfertigt sein, wenn gleichzeitig eine hohe Profitabilität zu erwarten ist. Ein niedriges EV/EBIT wird hingegen besonders interessant, wenn das Unternehmen dauerhaft eine hohe Eigenkapitalrendite erzielt.
Kennzahlen sollten zudem mit früheren Jahren und mit Unternehmen derselben Branche verglichen werden. Ein niedriges KGV allein macht eine Aktie noch nicht günstig.
Geschäftsmodell und Bilanz prüfen
Nach der Vorauswahl folgt die Unternehmensanalyse. Anleger sollten unter anderem prüfen:
- Wie verdient das Unternehmen sein Geld?
- Wie stark ist seine Wettbewerbsposition?
- Entwickeln sich Umsatz und Gewinne nachhaltig?
- Wie solide ist die Bilanz?
- Wie hoch ist die Verschuldung?
- Wie entwickelt sich der Cashflow?
- Gibt es langfristige Wettbewerbsvorteile?
Entscheidend ist, ob die niedrige Bewertung auf vorübergehende Probleme oder strukturelle Schwächen zurückzuführen ist.
Katalysatoren für steigende Kurse erkennen
Eine unterbewertete Aktie kann lange günstig bleiben. Deshalb sucht Renaud nach konkreten Auslösern, die zu einer Neubewertung führen könnten. Bei seinen Investments erwartet er innerhalb von drei bis sechs Monaten ein Kurspotenzial von mindestens 10 %.
Mögliche Katalysatoren sind:
- steigende Gewinne und Margen
- Schuldenabbau
- zyklische Erholung einer Branche
- Managementwechsel oder strategische Neuausrichtung
- Restrukturierungen
- Unternehmensübernahmen
- sinkende Risikoaufschläge
Erst wenn sich die Erwartungen an die künftige Entwicklung verbessern, kann aus einer niedrigen Bewertung tatsächlich eine Kurschance entstehen.
Value Trap: Wenn eine günstige Aktie zur Falle wird
Nicht jede niedrig bewertete Aktie ist eine Kaufgelegenheit. Manche Unternehmen erscheinen dauerhaft günstig, weil ihre Probleme struktureller Natur sind. Anleger sprechen dann von einer Value Trap.
Warnsignale sind beispielsweise dauerhaft sinkende Gewinne, hohe Verschuldung, rückläufige Cashflows, schrumpfende Absatzmärkte oder eine nachlassende Wettbewerbsfähigkeit.
Deshalb sollte ein niedriges KGV nie das einzige Kaufargument sein. Entscheidend ist, ob realistische Gründe für eine Verbesserung des Geschäfts und damit für eine Neubewertung der Aktie bestehen.
Österreichische Nebenwerte mit Nachholpotenzial
Auch an der Wiener Börse gibt es Unternehmen, die im Schatten der großen ATX-Werte stehen. Gerade bei kleineren Titeln können eine niedrige Bewertung, steigende Gewinne und neue Wachstumsimpulse interessant werden.
→ Welche österreichischen Nebenwerte derzeit mit soliden Gewinnaussichten und möglichem Kurspotenzial auffallen, lesen Sie hier: 5 österreichische Nebenwerte mit Potenzial
Kaufen und Verkaufen: Disziplin gehört zur Strategie
Renaud legt bereits beim Kauf eines Titels ein Verkaufsziel fest. Grundlage ist die erwartete Rückkehr von Profitabilität und Bewertung zum Mittelwert.
Steigt der Kurs, reduziert er seine Position schrittweise. Wird das Kursziel erreicht, verkauft er vollständig. Ändern sich die fundamentalen Voraussetzungen, kann er auch vorher verkaufen – selbst wenn dabei ein Verlust entsteht.
Damit soll verhindert werden, dass aus einer ursprünglich rationalen Investmententscheidung ein dauerhaftes Festhalten an einer Aktie wird.
Fazit: Unterbewertete Aktien brauchen mehr als ein niedriges KGV
Unterbewertete Aktien zu finden bedeutet nicht, möglichst billige Titel zu kaufen. Entscheidend ist die Kombination aus attraktiver Bewertung, solidem Geschäftsmodell und einem möglichen Katalysator für steigende Kurse.
Für Anleger heißt das: Kennzahlen liefern die Vorauswahl. Ob daraus tatsächlich eine Kaufchance wird, entscheidet erst die Analyse des Unternehmens und seiner Perspektiven.
Autorin: Anneliese Proissl
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Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV): Wann ist eine Aktie günstig?
Österreichische Beteiligungs AG: Das Volksinvestment im Vergleich
30.7.2026. Ein Kommentar von Florian Beckermann, Präsident des IVA (Interessenverband für Anleger).
Österreich besitzt über die ÖBAG Beteiligungen im Wert von rund 32 Milliarden Euro – zum großen Teil an der Börse notiert. Das ist kein abstraktes Staatsvermögen, es ist das Investmentkonto der Menschen in Österreich, nur ohne Depotauszug.
Überblick: Unter den internationalen Staatsfonds wirkt die ÖBAG klein. Norwegens Staatsvehikel Norges verwaltet umgerechnet rund 1,93 Billionen Euro. Seine langfristige Rendite von 6,64 % entspricht rechnerisch einem jährlichen Wertzuwachs von etwa 22.800 E je Einwohner. Der Fond Temasek aus Singapur besitzt ein Portfolio von rund 352 Milliarden Euro und erwirtschaftete über zehn Jahre durchschnittlich 7,1 % – rund 4.100 Euro pro Einwohner und Jahr.
Das Volumen der ÖBAG entspricht etwa 3.470 Euro Staatsvermögen je Einwohner. Die 2026 an die Republik fließenden Dividenden machen rund 171 Euro pro Kopf aus. Würde die ÖBAG langfristig Renditen wie Norges oder Temasek erreichen, wären es jährlich etwa 230 bis 250 Euro Wertzuwachs je Österreicher. Vereinfacht: Steuern oder Schulden, die man nicht zahlen muss.
Welche politischen Rahmenbedingungen sind dafür erforderlich? Norwegens Antwort: Parlament und Finanzministerium definieren Auftrag, Risikorahmen und ethische Leitplanken. Operativ investiert Norges nach einem transparenten Mandat. Singapur geht noch deutlicher vor: Die Regierung ist Eigentümerin von Temasek, greift laut Governance-Regeln aber weder in Investitionsstrategien noch in einzelne Geschäftsentscheidungen ein. Plakativ: Die Politik bestimmt das „Warum“, professionelle Organe entscheiden über das „Wie“. Darin liegt ein Teil des Erfolgs.
Man erkennt schnell: Unabhängigkeit bedeutet nicht Verantwortungslosigkeit. Ein klarer Auftrag, messbare Ziele, starke Kontrolle und Rechenschaft funktionieren nachhaltig. Wer im politischen Tagesgeschäft gefangen ist, kann kaum über zehn oder zwanzig Jahre Kapital allokieren. Wertsteigerung, Versorgungssicherheit, Innovation, Beschäftigung und nachhaltige Dividenden sind die richtigen Leitplanken der positiven Entwicklung.
Die ÖBAG hat viel erreicht. Seit 2019 flossen mehr als 8 Milliarden Euro an Dividenden an die Republik; allein für 2025 erhält der Staat aus den verwalteten Beteiligungen 1,577 Milliarden Euro. An den Aktienmärkten wirkt die erarbeitete Unabhängigkeit einstweilen wertschaffend, diese zu sichern ist eine Grundvoraussetzung für die Nachfolger von Edith Hlawati an der Spitze der ÖBAG. Weiterdenken ist dennoch erforderlich: Verbesserte Transparenz für das Volks-Investment zugunsten eines jeden Österreichers würde die Tätigkeit der ÖBAG unterstreichen. Es ist nicht verboten, dies in eine langfristige Standortverantwortung einzuweben, aber ohne an einer politischen Fernbedienung zu hängen. Es wäre verkürzt gedacht, zu glauben, dass andere Staatsfonds nicht auch patriotisch und nachhaltig denken würden.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Voestalpine Aktie: reichlich Stoff für mehr Rendite
Der Stahlkonzern überzeugt mit starker Bilanz, ordentlichen Margen und günstiger Bewertung.
(17.08.2026) Voestalpine zeigt sich in einem schwierigen Marktumfeld weiter korrosionsresistent und ertragsstark. Dabei lag der operative Gewinn im ersten Quartal des im März endenden Geschäftsjahres 2026/27 leicht unter den Erwartungen. Zugleich hätten sich nach den Worten von Finanzvorstand Gerald Meyer höhere Rohstoffkosten in höhere Preise niedergeschlagen. Darüber hinaus habe ein Großteil der Rückvergütungen von Zöllen aus den USA bereits stattgefunden.
Schuldenberg schrumpft
Gut kommt an den Börsen an, dass Voestalpine finanziell immer besser aufgestellt ist.
Der Free Cashflow stieg auf 224 Millionen Euro. Davon stammten zwar etwa 150 Millionen Euro aus dem Verkauf von Voestalpine Böhler Profil. Verglichen mit dem Vorjahr schaffte es der Konzern aber zugleich, die Nettofinanzverschuldung weiter um 28,7 % auf 1 Milliarden Euro und die Gearing Ratio, also das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital, von 19,4 auf 12,9 % zu drücken.
Dazu kommen positive Signale aus dem operativen Geschäft. Neben den Zahlen meldete der Konzern den größten Einzelauftrag in seiner Firmenhistorie: Auf 470 Millionen Euro beläuft sich das Auftragsvolumen für Komponenten im Rahmen des europäischen Schienennetzprojekts Rail Baltica. In Kanada wiederum hat das Unternehmen eine langfristige Liefervereinbarung mit Canadian National für lokal produzierte Spezialgleislösungen abgeschlossen.
Jahresprognose bestätigt
Das Ebitda für das laufende Geschäftsjahr soll in einer Bandbreite von 1,6 bis 1,85 Milliarden Euro herauskommen. Im besten Fall sind das über 20 % mehr als die 1,5 Milliarden Euro vom Vorjahr.
Beim Free Cashflow hat Voestalpine die Prognose von 200 auf 250 Millionen Euro angehoben. Damit hat Voestalpine auch den weiteren Weg vorgezeichnet: Der Stahlkonzern will weiter seine Schulden abbauen und mit neuen Großprojekten wachsen. Fortschritte gibt es auch bei den Nachhaltigkeitszielen im Rahmen der Greentec-Steel-Projekte. 2027 sollen die Elektrolichtbogenöfen an den Standorten Linz und Donawitz in Betrieb gehen. Erklärtes Ziel ist es, die Kapazität für CO2-reduzierten Stahl bis 2030 auf 1,5 Millionen Tonnen jährlich zu steigern.
Im Hinblick auf das Marktumfeld zeigt sich Voestalpine vorsichtig optimistisch und erwartet, dass sich die Lage auf dem europäischen Stahlmarkt verbessert. Beeinträchtigungen durch die extreme Trockenheit sieht Konzernchef Herbert Eibensteiner zurzeit nicht: „Ein geringer Prozentsatz der Logistikströme läuft über die Donau, alle bisherigen Einschränkungen können auf Bahnseite kompensiert werden.“
Hohe Marge, niedrige Bewertung
Fundamental spricht also einiges dafür, dass die Aktie ihren guten Lauf fortsetzt. Die operative Ebitda-Marge lag zuletzt bei 12,4 % und damit fast doppelt so hoch wie bei den europäischen Wettbewerbern ArcelorMittal und Salzgitter. Und während sich ThyssenKrupp noch mitten in der Neuaufstellung befindet, hat Voestalpine mit fünf Produktgruppen ein klares Profil. Dazu kommt die weiterhin günstige Bewertung. Ein 2028er-KGV von 9 und ein Buchwert von 1 sind weiterhin günstig für einen profitablen Stahlproduzenten, für den die Konsensschätzungen der Analysten innerhalb der nächsten zwei Jahre eine Gewinnverdoppelung erwarten.
Autor: Stefan Riedel, München
| Im Artikel angeführte Aktien |
| Name |
ISIN |
| Voestalpine |
(AT0000937503) |
| Arcelormittal |
(LU1598757687) |
| Salzgitter |
(DE0006202005) |
| ThyssenKrupp |
(DE0007500001) |
Erste Group setzt auf Polen: Warum sich die Milliardenübernahme schon jetzt bezahlt macht
Die Erste Group mit viel Wachstum und hohem Potenzial in Zentraleuropa.
Kurzfassung
Die milliardenschwere Übernahme der Santander Bank Polska zeigt bereits nach wenigen Monaten Wirkung. Für die Erste Group entwickelt sich Polen zum wichtigsten Wachstumsmotor – und könnte den Konzern langfristig stärker prägen als der österreichische Heimatmarkt.
Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick
- 📈 Nettogewinn: 2 Mrd. Euro (inkl. Polen)
- 💶 Kundenkredite: 283 Mrd. Euro
- 💰 Verwaltetes Vermögen: 112 Mrd. Euro
- 🇵🇱 Neue Privatkunden in Polen: 306.000
- 📊 Betriebsergebnis aus Polen: 1,1 Mrd. Euro
- 📈 BIP-Wachstum Polen 2026: 3,6 %
- 🇦🇹 Österreich: 0,7 %
(03.08.2026)
Erste Group steigert Gewinn und verwaltetes Vermögen
Hoch zufrieden zeigt sich die Erste Group mit ihrem Halbjahresergebnis. So konnten die
- Kundenkredite im ersten Halbjahr auf 283 Milliarden Euro erhöht werden.
- Damit wurde bereits jetzt das Gesamtjahresziel von 285 Milliarden Euro so gut wie erreicht und entsprechend auf 290 Milliarden Euro ausgeweitet.
- Auch die Einlagen sind auf 324 Milliarden Euro gestiegen,
- und das verwaltete Vermögen konnte seit Jahresbeginn um 8 % auf knapp 112 Milliarden Euro gesteigert werden.
- Der Nettogewinn auf vergleichbarer Basis stieg um 7,6 % auf 1,83 Milliarden Euro.
Santander Bank Polska liefert bereits starke Beiträge
Bei all diesen Werten ist die Akquisition der Santander Bank Polska (nunmehr Erste Bank Polska) noch gar nicht eingerechnet. Inklusive dieser lag etwa der Nettogewinn bei 2 Milliarden Euro.
Bosek: Zentraleuropa bleibt Europas Wachstumsmotor auch 2026
Warum Zentraleuropa schneller wächst als Österreich
Doch diese Zahlen erzählen nur die halbe Wahrheit, denn es geht um mehr. Bereits seit Jahren fungiert die Erste Group als einer der Big Player im östlichen Mitteleuropa. „Zentraleuropa bleibt Europas Wachstumsmotor auch 2026“, so der CEO.
In den sieben Kernmärkten der Erste Group außerhalb Österreichs sei das reale BIP
- zwischen dem Ausbruch der Finanzkrise 2007 bis Ende 2025 durchschnittlich um 63 % gestiegen.
- Auch heuer liege das BIP-Wachstum durchschnittlich bei 2,3 %,
- wobei Polen mit 3,6 % den absoluten Spitzenwert einnehme.
- Zum Vergleich: Österreich kann nur 0,7 % ausweisen, die Eurozone gar nur 0,5 %.
Kreditqualität in Osteuropa überrascht positiv
Durchaus despektierlich wird dem „Osten“ auch heute noch oft mit einer gewissen Reserviertheit, wenn nicht sogar mit Misstrauen, begegnet. Dabei ist die Non-Performing-Loan-Quote (die Quote notleidender Kredite) in den meisten „östlichen“ Auslandsmärkten der Erste Group ähnlich oder sogar niedriger als in Österreich. Selbst in Rumänien, dem als am schwierigsten geltenden, liegt sie bei 2,9 % (in Österreich bei 2,6 %).
Warschau wird für die Erste Group immer wichtiger
Mit der Akquisition von 49 % der Santander Bank Polska – finanziert aus eigenen Mitteln – hat die Erste Group offensichtlich einen goldenen Griff gemacht und die Basis für einen bleibenden Wert geschaffen. Um es zu verdeutlichen:
- Im ersten Halbjahr erwirtschaftete die Erste ohne Polen ein Betriebsergebnis in Höhe von 3,3 Milliarden Euro.
- Mit Polen kamen noch 1,1 Milliarden Euro hinzu.
- Seit Jahresbeginn konnte die Bank auch 306.000 neue polnische Retail-Kunden hinzugewinnen.
- Ebenso wurde das verwaltete Vermögen dank Erste Bank Polska um 7,7 Milliarden Euro erhöht.
Börse Warschau: Die größte der Region
Die Kundenstruktur Firmen- und Privatkunden im Verhältnis eins zu eins sei ideal, so Bosek, und es dürfe nicht vergessen werden, dass der polnische Markt nicht nur aus Warschau bestehe (Anm.: Polen war 1795 bis 1918 unter Russland, Preußen und Österreich aufgeteilt, weswegen neben dem russisch beherrschten Warschau das altösterreichische Krakau und ehemals preußische Großstädte wie Danzig und Breslau eigene Wirtschaftszentren wurden). Diese geographische Diversifizierung erhöhe das Geschäftspotenzial, so Bosek. Nebenbei bemerkt ist die Warschauer Börse die größte Börse der Region. Kurios übrigens: Die Neubeschilderung sämtlicher Santander-Bankstellen als Erste Bank Polska musste an einem einzigen Wochenende erfolgen.
Peter Bosek überrascht mit dem ÖBAG-Vorschlag
Nein, keine Sorge: Peter Bosek ist nicht der KPÖ beigetreten, nur weil er vor Journalisten bei der Präsentation der Halbjahresergebnisse von „Verstaatlichung“ redete … Sein Gedankenspiel orientiert sich auch nicht an der eher unglückseligen heimischen Verstaatlichten früherer Jahrzehnte, sondern an einer Idee, die auch den österreichischen Kapitalmarkt auffrischen würde. So stellt er den Gedanken zur Diskussion, 15 % der Österreichischen Beteiligungs AG (ÖBAG) an die Börse zu bringen. „Mit den auf diese Weise lukrierten Erlösen könnte die ÖBAG dann Anteile an der Telekom Austria oder an der OMV zukaufen und die heimische Infrastruktur besser schützen“, so der Erste-Group-CEO.
Unsere kritische Infrastruktur ist nicht in österreichischer Hand!
Mehr IPOs notwendig
Wie kommt er darauf? Die Erste Group will die wirtschaftliche Entwicklung unterstützen, sowohl in den CEE-Märkten als auch in Österreich. Dazu gehört die Entwicklung des Kapitalmarktes ebenso wie jene der Unternehmen. „Nicht nur Künstliche Intelligenz, sondern IT allgemein gehören hier dazu“, so CFO Stefan Dörfler, der klar feststellt: „Wir brauchen in Europa mehr Börsengänge.“ Hier lehnt sich Bosek weit aus dem Fenster: „Unsere kritische Infrastruktur ist nicht in österreichischer Hand!“ Eine Aufstockung des ÖBAG-Anteils (um mehr handelt es sich ja nicht) würde die Resilienz der heimischen Infrastruktur erhöhen. Immerhin seien ihre Kunden seit Corona viel resilienter geworden, etwa bei ihren Lieferketten, konstatiert Risikovorständin Alexandra Habeler-Drabek.
Ungarn bleibt vorerst ein Zukunftsmarkt
Auch auf den ungarischen Markt hat die Bank nach dem Regierungswechsel ein aufmerksames Auge, will aber abwarten, wie sich die Dinge weiterentwickeln. „Heuer wird sich nichts mehr tun, aber wir sehen ein positives Momentum“, so der CEO. Dabei betont er den „ungarischen Unternehmerspirit“, sieht aber auch das hohe ungarische Budgetdefizit. Auch setzt er Hoffnung auf eine Reaktivierung der Zusammenarbeit der Visegrad-Staaten Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn.
Autor: Mag. Tibor Pásztory
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Mit Investitionen gegen die Flaute
Strompreise und Dürre kosten den Verbund viel Geld.
(03.08.2026). Auch eine langjährige begleitende Studie der Universität für Bodenkultur mit Partnern bestätigt es: Der Klimawandel verursacht immer höhere Verdunstungen und relevante Veränderungen in der Saisonalität der Niederschläge. Feuchtere, aber schneearme Winter und trockenere Sommer sind die Folge. Demzufolge ergab die Wasserführung im ersten Halbjahr 2026 den schlechtesten Wert der vergangenen 100 Jahre, so Verbund-CEO Michael Strugl. Dies kostet einen schwerpunktmäßig auf Wasserkraft spezialisierten Energieerzeuger wie die Verbund AG so richtig Geld, genauer gesagt 370 Millionen Euro Ebitda im ersten Halbjahr.
Klima mindert Ergebnis
Das Ebitda von 1,06 Milliarden Euro liegt nun ein Viertel unter dem Vorjahreswert, obwohl der Umsatz nur um 11 % auf 3,6 Milliarden Euro zurückging. Das Konzernergebnis sank um 35,4 % auf 518 Millionen Euro, das Ergebnis pro Aktie lag nun bei 1,49 statt 2,31 Euro wie im Vorjahr. Auch andere Kennzahlen haben sich demzufolge nicht verbessert. Der operative Cashflow sank um 35 % auf 875 Millionen Euro und der Free Cashflow vor Dividenden um 72 % auf 219 Millionen Euro. Dafür stieg die Verschuldung um 35,5 % auf 3,8 Milliarden Euro. „Der Nettoverschuldungsgrad von nunmehr 36,2 % wird von den Ratings aber immer noch als sehr gut angesehen“, betont CFO Peter Kollmann.
Erhöhung der Resilienz
An ein bloßes Hinnehmen dieses Zustandes denkt man dabei freilich nicht und setzt auf eine Diversifizierung im Erzeugungsmix von Wasser-, Wind- und Sonnenenergie sowie einen Ausbau von Speicherkapazitäten durch Pump- und Batteriespeicher. Auch Netzausbau, Resilienzmanagement, ökologische Maßnahmen und, last but not least, Hedging spielen eine Rolle. In die Revitalisierung bestehender Laufwasserkraftwerke wurden bzw. werden von 2020 bis 2032 rund 610 Millionen Euro investiert, für Renaturierung und Artenschutz (von 2001 bis 2027) mehr als 400 Millionen Euro. Weiters wird bei Wind- und Sonnenenergie geographisch diversifiziert. Und zusätzlich ist 1,3 GW installierte Leistung bei erneuerbaren Energien in Österreich, Deutschland, Spanien, Italien, Rumänien und Albanien geplant.
Investitionen als Gegenmaßnahmen
Die Investitionsdevise lautet ergo vorwärts und nicht zurück. In Zahlen ausgedrückt, stiegen die Investitionen in regulierte Infrastruktur im ersten Halbjahr gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 38 % auf 217 Millionen Euro, diejenigen in Erneuerbare Erzeugung um 33 % auf 344 Millionen Euro. In den nächsten zwei Jahren sollen insgesamt 6,8 Milliarden Euro an Investitionen geleistet werden, davon 2,5 Milliarden Euro in den Ausbau des Netzes, das bekanntermaßen immer wieder als Achillesferse des Elektrizitätsangebots gilt.
Geopolitik und Strompreise
Auch von der Geopolitik bleiben die Ergebnisse des Verbundes nicht unberührt. „Der Iran-Krieg führt zu höheren Gaspreisen und diese wiederum zu höheren Strompreisen“, erklärt Kollmann und rechnet vor: „Jede Veränderung des Stromgroßhandelspreises um auch nur einen Euro pro Megawattstunde wirkt sich bei uns auf plus/minus 2,1 Millionen Euro im Ergebnis aus.“ Noch extremer verhält es sich bei der Hydrokoeffizienz (der Erzeugung von Wasserkraft), wo sich eine Veränderung um 1 % auf plus/minus knapp 10 Millionen Euro auswirkt.
Ausblick angepasst
Unter diesen Umständen muss der Verbund seinen Ausblick für 2026 anpassen. Demzufolge wird für das Gesamtjahr 2026 ein Ebitda zwischen 2,1 und 2,4 Milliarden Euro und ein bereinigtes Konzernergebnis zwischen 1,05 und 1,2 Milliarden Euro erwartet. Als Ausschüttungsquote werden weiterhin 45 bis 55 %, bezogen auf das um Einmaleffekte bereinigte Konzernergebnis, angestrebt. Aber der Ausblick 2026 sei gar nicht mehr der Einzige, der zähle, so Strugl. Wichtiger sei derjenige auf 2027 und die folgenden Jahre.
Autor: Mag. Tibor Pásztory
Hybridantrieb als Weltpremiere
Revolutionärer Auftrieb für die Luftfahrt. Welche Aktien profitieren.
(31.07.2026). Bei der jährlichen und weltweit bedeutendsten Messe der Luft- und Raumfahrtindustrie, der britischen Farnborough Airshow (von 20. bis 24. Juli), zeichnete sich diesmal ein vielbeachteter und zukunftsweisender technischer Durchbruch ab. Die staatliche US-amerikanische National Aeronautics and Space Administration (NASA) stellte am ersten Tag der Veranstaltung eine Weltneuheit vor: Den Prototypen eines Hybrid-Flugantriebs, der in Zusammenarbeit mit GE Aerospace, Beta Technologies sowie dem Boeing-Konzern entwickelt wurde. Als Vorzeigemodell diente eine modifizierte Saab 340B, ein Tiefdecker in Form eines Mittelstreckenflugzeugs (bisher serienmäßig mit Turboprop-Triebwerken und Propellern ausgestattet), die bis zu 39 Passagieren Platz bietet.
Hybridantrieb als Weltpremiere
Die Innovation soll sich künftig als Kraftstoff sparendes Antriebssystem etablieren. Technisch wurden dabei Elektromotoren, eine Gasturbine und diverse Energiespeicher kombiniert. Die Leiterin der NASA-Luftfahrtabteilung für Technologie und Forschung, Laurie Grindle, betonte im Zuge der Produktpräsentation, Ziel der Fertigung wäre es gewesen, zu zeigen, dass mit dieser Variante ein Flugzeug in der Größe eines Regionaljets ohne Leistungsverlust angetrieben werden könne. Sie wies insbesondere auf das heutige Erfordernis hin, mit der Industrie aktiv zusammenzuarbeiten, um derart bahnbrechende Ideen in reife Technologien umzusetzen.
Wenn auch bei zahlreichen Testflügen in den vergangenen Monaten vorerst nur Flüge über 30.000 Fuß (9,14 km) am Stück absolviert wurden, konnte dem Publikum dennoch ein funktionierender Ansatz vorgestellt werden.
Mehr Technologie-Offenheit?
Das leichte Petroleum (Kerosin), das in der Luftfahrt seit Jahrzehnten voluminöse Gasturbinentriebwerke antreibt, wird wohl noch über Jahre eine Vormachtstellung behaupten. Nach Darstellung der Branchenplattform AirEvents arbeiten die Wissenschaft und Industrie aber intensiv an Methoden, CO2-neutrales Kerosin effizient und in großem Maßstab zu produzieren. Eine Herausforderung sei es dabei, eine reibungslose technologische Brücke zwischen erneuerbaren Energien und der chemischen Industrie zu schaffen. Gelte es doch vorrangig, Strom aus erneuerbaren Energien in chemische Energieträger wie Kerosin umzuwandeln. Bisher galt der Prozess der CO2-Elektrolyse, bei dem Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid zu Synthesegas umgewandelt werden (Ausgangsstoff für die Herstellung von Kerosin), für die Massenanwendung im Flugverkehr als nahezu alternativlos, um die Luftfahrt umweltgerechter umzugestalten.
Autor: Roman Steinbauer
| Im Artikel angeführte Aktien |
| Name |
ISIN |
| GE Aerospace |
US3696043013 |
| Beta Technologies |
US0869211039 |
| SAAB (B) |
SE0021921269 |
Lohnt sich jetzt ein Einstieg in Bitcoin?
Experten: Kombination aus Geopolitik und Zinserhöhungen als Belastung.
📈 Bitcoin-Prognose: Trotz eines Kursverlusts von rund 40 % in den vergangenen zwölf Monaten sehen Experten von 21Shares wieder Aufwärtspotenzial.
Warum Geopolitik, Zinspolitik und der geplante Clarity Act in den USA über das nächste Bitcoin-Comeback entscheiden könnten.
Bitcoin Key Facts
- Aktueller Trend: Korrekturphase
- Tief 2026: 58.000 US-Dollar
- Prognose 21Shares: 100.000 US-Dollar bis Ende 2026
- Chancen: sinkende Zinsen, Clarity Act, institutionelle Nachfrage
- Risiken: Geopolitik, ETF-Abflüsse, Zinserhöhungen
(04.08.2026) Während eine Hitzewelle große Teile Europas fest im Griff hat, ist der seit Herbst 2025 anhaltende sogenannte „Krypto-Winter“ weiter voll im Gange. Als der Bitcoin im Juni ein neues Jahrestief bei 58.000 erreichte, erwies sich wohl die Hoffnung vieler Anleger auf ein Ende des Abwärtstrends als verfrüht. Auch in den kommenden Wochen sei weiter Geduld angesagt, mit steigenden Kursen sei erst wieder um den Jahreswechsel zu rechnen, so der Grundtenor unter Experten.
Bitcoin Entwicklung: Welche Rolle Geopolitik und Zinsen spielen
„Zuletzt hat die Kombination aus Geopolitik und möglichen Zinserhöhung den Bitcoin-Kurs belastet“, erklärt Bernhard Wenger, Head of Northern Europe bei 21Shares, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Vor allem das Wiederaufflammen des Iran-Kriegs habe sich negativ auf die größte Kryptowährung ausgewirkt. Aber auch hohe Abflüsse aus Bitcoin-ETFs in den USA und der KI-Hype an den Börsen hätten dafür gesorgt, dass der Krypto-Winter weiter anhält. Nichtdestotrotz wird bei 21Shares weiter am Basisszenario, einer Erholung des Bitcoins auf 100.000 USD bis Ende 2026, festgehalten.
Bitcoin-Prognose: Warum Experten wieder steigende Kurse erwarten
Eine These für den Kryptomarkt für 2026, nämlich, dass der Vierjahreszyklus des Bitcoins, vor allem aufgrund der fortschreitenden institutionellen Adaption, durchbrochen wird, hat sich hingegen als nicht richtig erwiesen. Zur Erinnerung: Das Zyklusmodell geht davon aus, dass auf ein Halving (die alle vier Jahre stattfindende Halbierung der Belohnung für das Schürfen von Bitcoin, die das Angebot begrenzt, Anm.) eine Korrektur folgt und nach einem bis eineinhalb Jahren wieder mit einer Hausse zu rechnen ist.
Wenger: “Es ist derzeit ein guter Zeitpunkt, um in die weltweit gefragteste Kryptowährung zu investieren.”
„In den nächsten Wochen kann es noch zu weiteren Kursverlusten kommen. Gegen Jahresende bzw. spätestens ab Anfang 2027 werden wir dann wieder einen steigenden Bitcoin-Kurs erleben“, so Wenger. Der 21Shares-Experte ist jedenfalls überzeugt, dass derzeit ein guter Zeitpunkt ist, um in die weltweit gefragteste Kryptowährung zu investieren.
Was der Clarity Act für Bitcoin und Altcoins bedeutet
Ein potenzieller Kurstreiber sei etwa der Clarity Act, ein wichtiges Marktstrukturgesetz, das klare Regeln für digitale Assets schafft und – entgegen dem Wunsch von US-Präsident Donald Trump – nicht vor der Sommerpause vom US-Senat verabschiedet werden konnte. Wenger geht davon aus, dass vor allem Altcoins (alle anderen Kryptowährungen außer Bitcoin, Anm.) vom Clarity Act profitieren sollten. Diese hatten zuletzt auch nicht ihre beste Zeit. „Viele Altcoin-Geschäftsmodelle wurden, was die Profitabilität betrifft, infrage gestellt“, erklärt Wenger. Er empfiehlt Anlegern, Altcoins wie Aktien von Fall zu Fall zu betrachten oder als Alternative auf Baskets bzw. Indizes zu setzen.
Sind Ethereum, Solana und Cardano ebenfalls interessant?
Aber auch mit Ethereum, Solana, Cardano und Konsorten sei Geduld gefragt. „Altcoins werden erst dann wieder steigende Kurse erleben, wenn der Bitcoin an Fahrt aufnimmt“, so Wenger abschließend.
Bitcoin-Prognose: Chancen und Risiken im Überblick
| Einflussfaktor |
Belastung oder Chance? |
| Geopolitik |
Belastung |
| Zinserhöhungen |
Belastung |
| ETF-Zuflüsse |
Chance |
| Clarity Act |
Chance |
| Institutionelle Investoren |
Chance |
Autor: Mag. Patrick Baldia
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Inflation: So schützen Anleger ihr Vermögen
Hohe Energiepreise und Rohstoff-Engpässe: Wie Anleger von einer steigenden Teuerung profitieren können.
(31.07.2026). Wenngleich es auch immer wieder Hoffnung gibt, ist der Krieg im Nahen Osten erneut eskaliert. Die Folgen sind allein an den Rohstoffmärkten deutlich sichtbar. So sind die Notierungen für Gas und Rohöl zuletzt wieder kräftig gestiegen. Dabei übersprang etwa die Nordseesorte Brent kurzzeitig die Marke von 100 USD je Fass und sank am vergangenen Montag wieder auf rund 85 USD. Die Schwankungen dürften hoch bleiben, die Sorge vor einer erneut stärker steigenden Inflation wächst.
Die europäischen Währungshüter sind jedenfalls auf der Hut. Auf ihrer jüngsten Sitzung hat die EZB den Einlagensatz zwar auf 2,25 % belassen. Doch EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellte klar, dass die Auswirkungen des Energieschocks auf die Inflation noch nicht vollständig zum Tragen gekommen seien. Im Juni stieg sie im Jahresvergleich um 2,8 % und damit etwas weniger stark als im Mai. Sollte die Teuerung tatsächlich wieder stärker anziehen, wird mit einer Zinsanhebung im September gerechnet. In ihrer Juni-Prognose rechnet die EZB mit einer Inflationsrate für 2026 im Schnitt von 3 %.
Inflationsrisiken bleiben
„Aufgrund der hohen Energiepreise und der anhaltenden geopolitischen Risiken sind die Inflationsrisiken noch nicht vollständig verschwunden“, konstatiert auch Josefina Rodriguez, Volkswirtin bei Vanguard. Schon jetzt ziehen solche Aspekte immer weitere Kreise. Der Dieselpreis steigt, wodurch sich Transporte verteuern. Auch die Notierungen von Düngemitteln steigen. Deren Export ist ebenfalls vom Konflikt im Nahen Osten beeinträchtigt.
Obendrein steigt der Strompreis in Europa an der Leipziger Energiebörse und liegt bereits deutlich über dem Niveau von 70 E von Ende April. Damals waren die Hoffnungen auf Friedensgespräche groß, ein Umstand, der zu Rücksetzern bei den Energiepreisen führte. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank, meint, wichtigster Preistreiber bleibe dabei Erdgas. „Am Strommarkt setzt – nach dem Merit-Order-Prinzip – in der Regel das teuerste Kraftwerk den Preis. Trotz des Ausbaus erneuerbarer Energien sind dies häufig weiterhin Gaskraftwerke, sodass Erdgas den Strompreis maßgeblich beeinflusst.“
Auf die Teuerung setzen
Anleger, die mit einer stärker steigenden Inflationsrate rechnen, können auf solch eine Entwicklung mit einem Zertifikat setzen. Die „Inflations-Anleihe 30“ der Raiffeisen Bank International zahlt für das erste und zweite Laufzeitjahr einen Zinssatz in Höhe der Inflationsrate. Dabei wird der harmonisierte Verbraucherpreisindex der Eurozone – ex Tabak – jeweils vom April herangezogen. In den Folgejahren erhalten Anleger einen Fixzinssatz von 2,5 % p.a. Die Rückzahlung nach dem vierten Jahr erfolgt zu 100 % vom Nominale. Letzter Bewertungstag ist der 23. Juli 2030.
Auch inflationsindexierte Anleihen könnten im aktuellen Umfeld Chancen bieten. Bei solchen Papieren werden meist Kupon und Nominale regelmäßig an die Inflationsrate angepasst. Steigt zudem die Nachfrage nach solchen Papieren, legt auch der Kurs zu. Der „UBS Core BBG Euro Inflation Linked Bd 1-10 UCITS ETF EUR“ veranlagt in solche Anleihen mit Laufzeiten bis zu zehn Jahren. Größte regionale Gewichtung nimmt Frankreich mit knapp mehr als 45 % ein, gefolgt von Italien und Spanien. Wie bei allen Investments sind bei diesen Produkten auch Verluste möglich.
Autor: Mag. Raja Korinek
| Im Artikel vorgestellte Produkte |
| Name |
ISIN |
| Inflations-Anleihe 30 der Raiffeisen Bank International |
AT0000A3VE50 |
| UBS Core BBG Euro Inflation Linked Bd 1-10 UCITS ETF EUR |
LU1645380368 |
Gestörte HV-Saison 2026
(03.07.2026). Mit der Do-&-Co-Hauptversammlung kommende Woche setzt die reguläre Saison ihren beliebten Schlusspunkt – nicht nur kulinarisch ein Highlight. Grund genug, kurz zurück auf die Saison zu blicken: Die wirtschaftliche Bilanz kann sich sehen lassen. Operativ war vieles Routine. Problematisch wurde es dort, wo sich Störer der Hauptversammlung zu bedienen suchten – so prominent bei RBI, OMV, Strabag und zuletzt höchst emotional bei der Voestalpine. Eine gestörte Saison.
Eines ist klar: Störer kommen nicht wegen der Dividende – und schon gar nicht wegen des Buffets –, sondern mit einer ominösen Mission. Sie betrachten die Hauptversammlung weniger als Organ einer Aktiengesellschaft, sondern als offene Bühne. Mikrofon bedeutet Auftritt, Geschäftsordnung, Aktiengesetz oder HV-Kultur sind ihnen wurscht. Manche bringen Transparente mit, andere Trillerpfeifen, wieder andere einfach nur Abtransportschwierigkeiten. Die HV-Szene hat sich darauf eingestellt. Glücklich ist sie damit nicht.
Protest gehört zu einer offenen Aktienkultur. Aktionäre dürfen kritisieren, problematisieren und den Vorstand und Aufsichtsrat fordern. Genau dafür gibt es die Hauptversammlung. Dafür wird sie so sehr geschätzt. Problematisch wird es dort, wo das eigentliche Ziel nicht mehr die Debatte, sondern der Auftritt für die eigene (digitale) Echokammer ist und deren Reizpunkte den Aktionären verborgen bleiben. Vor sich hin monologisierenden Individuen ohne Ziel oder Syntax ist schwer zu folgen. Mit Gewissens-Statements, die die künstliche Intelligenz in der U-Bahn auf dem Weg zur HV entworfen hat, erfährt man keinerlei Zuspruch, noch haben sie konkret etwas mit dem Unternehmen zu tun. Die „Vergesellschaftung“ zu fordern und damit die eigene Enteignung ist ein HV-Insich-Witz. Der Protest verliert sich im Irgendwo auf dem Weg nach Nirgendwo. Eine entfernte gesellschaftspolitische Dimension? Schwer erkennbar.
Es verwundert nicht, dass dies schnell als Störung um der Störung willen aufgefasst wird. Daher war es nachvollziehbar, wenn dem ein oder anderen Aufsichtsrat oder Aktionär der Geduldsfaden riss. Schreiduell inklusive – über den Modus Operandi und die Länge der Zündschnur lässt sich trefflich streiten, Toleranz gehört auch zur Kultur.
Glücklicherweise wurde der Aufruf des IVA zur Gewaltlosigkeit weitgehend beachtet – zumindest zwischen den Aktionären und Störern. Dem beherzten Eingreifen des Saaldienstes ist der Abschluss mancher HV vor 24 Uhr sicher zu verdanken. Unter dem Strich hat sich die Hauptversammlung gegenüber den Störern gut behauptet und das offene Präsenzformat hat seine Resilienz bewiesen. Das ist eine gute Nachricht. Die Kosten für die Sicherheit sind die negative Seite. Die Frage, ob es eine finanzielle Haftung seitens der Störer geben sollte, dürften letztlich die Gerichte beantworten. Zukünftig sollten sich die Versammlungsleiter zusätzlich zu kritischen Aktionären, Aktivisten und friedlichen Protestierenden auf den Umgang mit Störern vorbereiten. Leichter wird der Job in der Saison 2027 sicher nicht.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
ATX Analyse 2026: Warum der Wiener Leitindex trotz Rekordhoch attraktiv bleibt
ATX Kursentwicklung im ersten Halbjahr 2026
Starke Outperformance gegenüber internationalen Indizes
(17.07.2026). Der Höhenflug des ATX vom Vorjahr hat sich in der ersten Jahreshälfte 2026 nahtlos fortgesetzt. Mit einem Plus von rund 20 % – inklusive Dividenden waren es sogar knapp 25 % – ließ der heimische Leitindex unter anderem Euro Stoxx 600 (+7,1 %), den Dax (+2,5 %) und den S&P 500 deutlich hinter sich.
Treiber des Höhenflugs: Finanzsektor, Gewinne, AT&S‑Rallye
Dahinter sehen Experten vor allem die hohe Gewichtung des Finanzsektors, der eine starke Performance ablieferte, die gute Entwicklung der Unternehmensgewinne sowie einzelne Überraschungen, wie etwa die Kursexplosion der AT&S-Aktie, die seit Jahresbeginn um unglaubliche 480 % (!) zulegte.
KGV im langjährigen Durchschnitt
„Obwohl der ATX nahe seinem jüngsten Allzeit-Hoch bei über 6.500 Punkten notiert, liegt die aktuelle Bewertung auf KGV-Basis mit 12,1x in etwa im Schnitt der vergangenen zehn Jahre“, so Erste-Group-Analystin Martina Valenta in einer aktuellen Studie.
Vergleich mit Euro Stoxx 600 und S&P 500
Sie verweist auf Euro Stoxx 600 (17x) und S&P 500 (25x). Auch Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft, sieht die Bewertungen aktuell im „normalen Bereich“. Den im Vorjahr gestarteten Aufholprozess des ATX hält er für abgeschlossen. „Die Aktien werden nicht günstiger werden“, so Wögerbauer, der auch den „3 Banken Österreich-Fonds“ (ISIN: AT0000662275) managt, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.
Ausblick für das zweite Halbjahr 2026
ATX bleibt unter den globalen Top‑Performern
Manfred Sibrawa, Senior Portfolio Manager bei Amundi Austria und zuständig für den „Amundi Austria Stock“ (AT0000857412), erwartet für das zweite Halbjahr ein „ähnliches Bild“. „Die Themen, die die erste Jahreshälfte geprägt haben, werden weiter dominant sein“, meint er gegenüber dem Börsen-Kurier. „Der Finanzsektor bleibt weiterhin attraktiv, bietet unverändert hohe Dividendenrenditen und hat in einem Umfeld steigender Zinsen weiteren Rückenwind.“
CEE‑Orientierung als Vorteil
Für einen anhaltend positiven Trend spreche auch die Orientierung vieler Unternehmen in Richtung Osteuropa, wo auch künftig mit hohem Wachstum zu rechnen sei.
Auch 2026 sollte der ATX zu den weltweit besten Aktienindizes gehören
zeigt sich auch Wögerbauer optimistisch. Im Übrigen bleibt er auch über die „Ausnahmejahre“ 2025 und 2026 hinaus positiv gestimmt.
Unternehmen mit Potenzial: Palfinger, Strabag, Wienerberger
„Es gibt an der Wiener Börse viele Unternehmen, denen ich auch in den kommenden Jahren viel zutraue“, so der Experte, um im selben Atemzug auf Palfinger, Strabag und Wienerberger zu verweisen.
Gewinnentwicklung als entscheidender Performance‑Faktor
Allerdings werde die Performance wieder in erster Linie von der Entwicklung der Gewinne abhängen. Konkret sollte sich diese im höheren einstelligen Bereich einpendeln. Kleines Detail am Rande: Für 2026 und 2027 liegen die Gewinnprognosen der ATX-Unternehmen im Schnitt über jenen Europas.
VIG als günstig bewertete Ausnahme im Finanzsektor
Nach den deutlichen Kursanstiegen sehen die Analysten der Erste Group jedenfalls bei den Finanztiteln im ATX nur noch begrenztes Aufwärtspotenzial. „Eine Ausnahme bildet die VIG, die im Branchenvergleich weiterhin günstig bewertet erscheint“, so Martina Valenta. Positiv eingeschätzt werden zudem Strabag und Palfinger. Der Hintergrund: Die Bauwerte sollten von staatlichen Konjunktur- und Infrastrukturprogrammen – wie etwa den deutschen – profitieren.
EVN als weiterer Tipp
Ein weiterer Top-Pick des Analysehauses: EVN.
Risiken und Marktbeobachtung
„Genau beobachten muss man die geopolitische Lage, die bei einer massiven Eskalation den Trend brechen könnte“, empfiehlt Sibrawa auch mögliche Risiken nicht zu vergessen. Auch die teilweise deutlich gestiegenen Bewertungen im Tech-Sektor solle man aufmerksam verfolgen. „Hier könnte es sehr rasch zu einer Änderung der Einschätzungen kommen, was den Markt generell unter Druck setzen könnte“, sagt der Amundi-Fondsmanager abschließend.
Autor: Mag. Patrick Baldia
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Jennifer Salavarieta/Unsplash
Rüstungsaktien: Die europäischen Profiteure der Aufrüstung
Die Unabhängigkeit von den USA soll wachsen. Für Anleger ergeben sich Chancen.
Kurzfassung
- Nato‑Staaten erhöhen ihre Verteidigungsbudgets kräftig – Europa will unabhängiger von den USA werden.
- Deutschland plant bis 2030 massive Mehrausgaben und stärkt die Bundeswehr.
- Rheinmetall, Renk und Thales melden neue Großaufträge und strategische Zukäufe.
- ETF bietet breite Streuung – Verluste sind dennoch möglich.
Europas Verteidigungsbudgets wachsen rasant
(17.07.2026). Der jüngste Gipfel des nordatlantischen Verteidigungsbündnisses war mit Spannung erwartet worden. Ein Ergebnis ist bemerkenswert: So werden die europäischen Länder ihre Verteidigungsausgaben nochmals kräftig erhöhen, auch um die Abhängigkeit von den USA zu verringern.
USA bleiben führend bei Militärausgaben
Derzeit sind die Vereinigten Staaten aber immer noch Spitzenreiter. Allein heuer investiert die Großmacht wechselkurs- und inflationsbereinigt rund 850 Milliarden US-Dollar in Verteidigung. Die restlichen 31 Nato-Mitglieder kommen auf insgesamt 634 Milliarden US-Dollar.
Deutschland erhöht Verteidigungsetat deutlich
Vor allem Deutschland verstärkt sein Engagement. Für 2027 sind im bundesdeutschen Kernhaushalt Ausgaben von rund 109,7 Milliarden Euro geplant. Dies ist ein Drittel mehr als 2026. Und bis zum Jahr 2030 sollen die Ausgaben auf knapp 184 Milliarden Euro wachsen. Hinzu sollen 2027 weitere rund 30 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen kommen.
Milliarden für Modernisierung der Bundeswehr
Das Geld fließt beispielsweise an den deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall, von dem die deutsche Bundeswehr etwa Munition und gepanzerte Fahrzeuge bestellt hat. Im April gab der Konzern einen weiteren Milliardenauftrag der Bundeswehr im Wert von 1,04 Milliarden Euro für Infanterieausrüstung bekannt. Die Aktie hat dennoch seit dem Hoch von knapp 2.000 E im vergangenen September zuletzt kräftig an Wert verloren.
Rheinmetall unter Druck trotz neuer Großaufträge
Dazu trugen mehrere Faktoren bei, so etwa das plötzliche Aus des Rüstungsprojekts zur Entwicklung der deutschen F126-Fregatte. Für Rheinmetall hätte es ein Auftragsvolumen von 12,8 Milliarden Euro bedeutet und wäre der größte Vertrag in der Unternehmensgeschichte gewesen. Zuvor hatte der Konzern außerdem mit seinem Jahresergebnis 2025 enttäuscht. Doch Rheinmetall bleibt am Ball und hat vor wenigen Tagen bekannt gegeben, mit dem US-Rüstungskonzern Lockheed Martin ATACMS-Raketen in Deutschland fertigen zu wollen.
Renk meldet Rekordaufträge
Auch Renk, Hersteller von Komponenten für die Antriebstechnik und Prüfsystemen, hegt große Pläne. Anfang Juli gab der Konzern den Kauf von David Brown Defence bekannt. Der britische Zulieferer produziert Hochpräzisionsgetriebe für Marine- und Landanwendungen. Mit diesem Schritt will Renk sich Zugang zu Marineprogrammen in Großbritannien, Kanada und Australien verschaffen.
Die Zahlen für das erste Quartal 2026 unterstreichen die Dynamik:
- 582,3 Mio. Euro Auftragseingang – Rekord für ein erstes Quartal
- 6,9 Mrd. Euro Auftragsbestand – ebenfalls Rekordwert
Marineschiffbauer TKMS mit U-Boot-Auftrag
Der deutsche Marineschiffbauer TKMS erhielt wiederum von Kanada den Auftrag zum Bau von bis zu zwölf U-Booten. Details werden noch ausgehandelt.
Thales stärkt Unterwasserkompetenz
Anderswo in Europa sind Branchenfirmen ebenfalls aktiv. Der französische Aerospace-Konzern Thales möchte den Unterwasserdrohnen-Spezialisten Exail übernehmen und sicherte sich dazu in einem ersten Schritt die Anteile der Gründerfamilie Gorgé in Höhe von 35,51 %. Mit dem Schritt möchte Thales seine Position im Markt für Unterwasserkriegsführung stärken.
Breite Streuung über ETF möglich
Viele der genannten Unternehmen – mit Ausnahme von Lockheed Martin – sind Teil des HANetf Future of European Defence Screened UCITS ETF. Der Index umfasst 26 europäische Verteidigungs‑ und Sicherheitsunternehmen, darunter:
- Saab (Schweden)
- Rolls‑Royce Holdings (Großbritannien)
- Bittium (Finnland; abhörsichere Kommunikationssysteme)
Anleger sollten beachten, dass trotz breiter Streuung Verluste möglich sind.
Fazit: Europas Verteidigungsindustrie im Umbruch
Europa erhöht seine Verteidigungsausgaben so stark wie seit Jahrzehnten nicht. Deutschland treibt die Modernisierung der Bundeswehr voran, während Unternehmen wie Rheinmetall, Renk und Thales ihre Kapazitäten ausbauen und neue Märkte erschließen. Für Anleger bleibt der Sektor dynamisch, aber volatil – und politisch stark beeinflusst.
Autor: Mag. Raja Korinek
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Rendite mit Aufrüstung
Werden Rüstungsaktien in ESG-Fonds salonfähig?
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| Name |
ISIN |
| HANetf Future of European Defence Screened UCITS ETF |
IE000I7E6HL0 |
| Bittium |
FI0009007264 |
| Exail |
FR0000062671 |
| Renk |
DE000RENK730 |
| Rheinmetall |
DE0007030009 |
| Rolls-Royce |
GB00B63H8491 |
| Saab |
SE0021921269 |
| Thales |
FR0000121329 |
| TKMS |
DE000TKMS001 |
Tech-Aktien: Wo es noch Chancen gibt
Zulieferer der Hyperscaler im Fokus der Investoren.
(17.07.2026). In drei Jahren konnte man sein Geld mit Technologie-Aktien verdreifachen, leitete Martin Kwauka, Initiator des Finanzjournalistenforums, ein Pressegespräch zum Thema „Favoritenwechsel bei Tech-Aktien?“ vor kurzem ein. Auch heuer gab es Zuwächse um 20 % und die Erwartungen der Anleger sind weiterhin hoch. Nach einem guten ersten Quartal startet nun die Berichtssaison über das zweite Vierteljahr.
Christoph Olbrich, Fondsmanager des „Gutmann Pure Innovation“ (ISIN: AT0000A2VB88), der mehr als 60 % seines Portfolios in Tech-Aktien veranlagt hat, betont die starken Gewinnanstiege und erfreulichen Ergebnisse des ersten Quartals: Es handle sich nicht um eine Blase, allerdings stelle sich die Frage, wie lange die Gewinne noch steigen können.
Die Rolle der Hyperscaler
Eine entscheidende Rolle komme den Hyperscalern (Anbieter von Cloud-Computing und Datenmanagement, die riesige Rechenzentren betreiben, wie Amazon, Microsoft und Google; Anm.) zu. Beim Ausbau der KI-Infrastruktur handle es sich nicht um einen einfachen Boom, sondern um einen Superzyklus, der sich über Jahre hinzieht, so Olbrich. Davon profitieren die Speicherhersteller besonders. Sie haben ihre Ergebnisse zuletzt vervielfacht, nun gehe es darum, wie nachhaltig ihre Gewinne sind und wie lange sie Margen von mehr als 80 % halten können.
Bernhard Ruttenstorfer, Fondsmanager des „Erste Stock Techno“ (AT0000753504 (T)), erwartet im zweiten Quartal ein Gewinnwachstum von 60 % – getrieben durch Speicher- und Hardwarehersteller. Die mangelnde Verfügbarkeit von Halbleitern und Hardware treibe die Preise, worunter die Hyperscaler derzeit allerdings leiden. Deren Marktmacht sei aber enorm und „sie werden letztlich entscheiden, wie es weitergeht“, so Ruttenstorfer. Derzeit würden sie Rentabilität noch nicht beachten, noch gehe es um Umsatzwachstum, „koste es, was es wolle“.
Was die Investoren betrifft, so seien diese gewohnt, dass ihre Erwartungen übertroffen werden, betont Ruttenstorfer: „Es muss geliefert werden.“ Bis Anfang Juni sei der Optimismus groß gewesen, ergänzt Olbrich. Zuletzt habe es aber kleinere Korrekturen gegeben, vor allem jene, die das Geld ausgeben, hätten eine Underperformance gezeigt. Und es stelle sich die Frage, wie lange die Hyperscaler noch bereit sein werden, ihre Cashflows an ihre Lieferanten abzuliefern. Andererseits scheinen sich die Investitionen auszuzahlen, die Nachfrage sei hoch und ein Ausbau der Rechenleistung erforderlich. Schlüsselfrage sei, ob die Hyperscaler weiter nachlegen werden.
Wo die Experten sonst noch Chancen sehen
Sowohl Ruttenstorfer als auch Olbrich haben zuletzt in Ausrüster investiert. Man solle tiefer in die Wertschöpfungskette blicken, empfiehlt Olbrich. Beispiel „analoge Halbleiter“: Sie seien über die vergangenen Jahre vernachlässigt worden, seien jetzt aber in den Boom eingestiegen und hätten starke Zahlen geliefert. Oder Softwarehersteller: Vor allem in den Bereichen Cyber Security und Infrastruktur sei das Interesse der Investoren wieder gestiegen. Und Ruttenstorfer betont, dass die Hyperscaler nicht nur Chips, sondern auch Software zukaufen: „Sie machen nicht alles selbst.“ Chancen würden sich auch bei Zulieferern aus China ergeben, die an amerikanische Kunden verkaufen. Und auch chinesische KI-Anbieter von Künstlicher Intelligenz seien interessant. Ruttenstorfer: „Was sie bei Autos und Solar gemacht haben, machen sie auch bei AI.“
Thema Bewertung
Was die Bewertung der Aktien betrifft, sei es gerade bei Technologietiteln wichtig, nicht das Billigste zu kaufen, so Ruttenstorfer. Entscheidend sei das Momentum auf der Umsatz- und Gewinnseite: „Wenn die Gewinne steigen, ist eine hohe Bewertung kein Problem.“
Autor: Marius Perger
Foto: Getty Images für Unsplash+
Batterie-Aktien: Die besten Unternehmen, Chancen und Prognosen 2026
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29.7. 2026
Batterie-Aktien im Überblick
Batterie-Aktien gehören zu den wichtigsten Zukunftsthemen an den Börsen. Ohne leistungsfähige Batteriesysteme wären Elektroautos, stationäre Energiespeicher oder der Ausbau erneuerbarer Energien kaum denkbar. Gleichzeitig wächst der weltweite Strombedarf durch Rechenzentren und Anwendungen der Künstlichen Intelligenz rasant. Entsprechend hoch ist der Bedarf an modernen Speichertechnologien.
Für Anleger eröffnet dies interessante Chancen – allerdings nicht ohne Risiken. Nach dem Boom der Jahre 2020 und 2021 gerieten viele Batterie-Aktien unter Druck. Sinkende Lithiumpreise, Überkapazitäten und eine schwächere Dynamik bei Elektroautos belasteten zahlreiche Unternehmen. Dennoch sehen viele Analysten die langfristigen Wachstumsperspektiven weiterhin positiv.
Dieser Artikel zeigt, welche Batterie-Aktien zu den wichtigsten Unternehmen der Branche zählen, warum die Kurse zuletzt gefallen sind, wie Experten die Einstiegschancen bewerten und welche Batterie-ETFs als Alternative infrage kommen.
Warum Batterie-Aktien ein Zukunftsthema bleiben
Der weltweite Batteriemarkt wächst weiter dynamisch. Nach Schätzungen von Fortune Business Insights soll das Marktvolumen von rund 200,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 auf 431,8 Milliarden US-Dollar bis 2034 steigen. Das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von rund zehn Prozent. Treiber sind vor allem Elektrofahrzeuge, stationäre Energiespeicher und der Ausbau erneuerbarer Energien.
Neben der Elektromobilität gewinnt ein zweiter Trend zunehmend an Bedeutung: Batteriespeicher für Stromnetze. Sie gleichen Schwankungen bei Wind- und Solarenergie aus und ermöglichen eine stabilere Stromversorgung. Nach Einschätzung von BloombergNEF entwickelt sich dieser Bereich in den kommenden Jahren zu einem der wichtigsten Wachstumsmärkte der Batteriebranche.
Auch geopolitische Entwicklungen sprechen für die Branche. Europa und die USA investieren Milliardenbeträge in eigene Batteriefabriken, um ihre Abhängigkeit von asiatischen Lieferketten zu reduzieren. Neue Gigafactories entstehen unter anderem in Deutschland, Frankreich und den USA. Davon profitieren nicht nur Batteriehersteller, sondern auch Produzenten von Batteriematerialien, Maschinenbauunternehmen und Spezialchemiekonzerne.
Batterie-Aktien profitieren von der gesamten Wertschöpfungskette
Wer in Batterie-Aktien investiert, setzt nicht nur auf Hersteller von Batteriezellen. Die Branche umfasst die gesamte Wertschöpfungskette – von der Förderung wichtiger Rohstoffe bis zum Recycling ausgedienter Batterien.
Dazu gehören insbesondere:
- Lithium-, Nickel-, Graphit- und Kobaltproduzenten
- Hersteller von Kathoden-, Anoden- und Elektrolytmaterialien
- Produzenten von Batteriezellen und Batteriesystemen
- Unternehmen für Energiespeicher
- Spezialisten für Batterierecycling
Gerade diese breite Wertschöpfungskette eröffnet Anlegern unterschiedliche Investmentmöglichkeiten. Während Rohstoffunternehmen stark von den Preisen für Lithium oder Nickel abhängen, profitieren Batteriehersteller vor allem von steigenden Produktionsmengen. Recyclingunternehmen gewinnen wiederum an Bedeutung, weil Batterierohstoffe künftig verstärkt wiederverwertet werden sollen.
Die wichtigsten Batterie-Aktien weltweit
Die Batteriebranche wird heute von wenigen großen Unternehmen dominiert. Viele davon stammen aus Asien, das weiterhin den größten Teil der weltweiten Batterieproduktion kontrolliert.
| Unternehmen |
Schwerpunkt |
Besonderheit |
| CATL |
Batteriezellen |
Weltmarktführer für Elektroautobatterien |
| BYD |
Elektroautos und Batterien |
Vertikal integrierter Konzern mit eigener Zellproduktion |
| LG Energy Solution |
Batteriezellen |
Bedeutender Lieferant internationaler Autohersteller |
| Samsung SDI |
Hochleistungsbatterien |
Fokus auf Premiumfahrzeuge und Energiespeicher |
| Panasonic |
Batteriezellen |
Langjähriger Technologiepartner von Tesla |
| Albemarle |
Lithium |
Einer der weltweit größten Lithiumproduzenten |
| SQM |
Lithium |
Führender Produzent aus Chile |
| Umicore |
Batteriematerialien und Recycling |
Spezialist für Kreislaufwirtschaft |
Während Unternehmen wie CATL oder LG Energy Solution unmittelbar von der steigenden Nachfrage nach Batteriezellen profitieren, reagieren Rohstoffunternehmen wie Albemarle oder SQM deutlich stärker auf Schwankungen der Lithiumpreise. Für Anleger kann daher eine Kombination verschiedener Geschäftsmodelle sinnvoll sein.
Batteriehersteller stehen an einem entscheidenden Engpass
Ein wesentlicher Teil der Wertschöpfung entfällt auf Hersteller von Batteriezellen und Batteriematerialien. Besonders gefragt sind Kathodenmaterialien wie Lithium-Eisenphosphat (LFP) oder Nickel-Mangan-Kobalt (NMC). Sie zählen zu den teuersten Bestandteilen einer Batterie und bestimmen maßgeblich deren Leistungsfähigkeit.
Gleichzeitig konzentriert sich ein großer Teil der Verarbeitung wichtiger Batterierohstoffe auf China. Nach Branchenschätzungen wird dort ein Großteil (rund 70 Prozent) des weltweit geförderten Lithiums, Nickels und Graphits weiterverarbeitet. Diese starke Abhängigkeit gilt als einer der Gründe, warum Europa und die USA den Aufbau eigener Lieferketten massiv fördern.
Für Batterie-Aktien eröffnet diese Entwicklung langfristig zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten. Unternehmen, die Schlüsseltechnologien oder kritische Materialien liefern, könnten überdurchschnittlich vom Ausbau der Batterieindustrie profitieren.
Warum Batterie-Aktien zuletzt gefallen sind
Nach dem Boom der Jahre 2020 und 2021 haben viele Batterie-Aktien deutlich an Wert verloren. Betroffen waren nicht nur Hersteller von Batteriezellen, sondern auch Lithiumproduzenten und Zulieferer entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dahinter stehen mehrere Faktoren, die gleichzeitig auf die Branche wirkten.
Schwächeres Wachstum bei Elektroautos
Der wichtigste Belastungsfaktor war die geringere Dynamik auf dem Markt für Elektrofahrzeuge. Nach Einschätzung von BloombergNEF steigen die weltweiten Verkaufszahlen zwar weiter, allerdings nicht mehr so rasant wie noch vor wenigen Jahren erwartet. Gleichzeitig gewinnen Plug-in-Hybride Marktanteile. Sie benötigen kleinere Batterien als reine Elektroautos, wodurch die Nachfrage nach Batteriezellen langsamer wächst.
Für viele Batterie-Aktien bedeutete dies niedrigere Wachstumserwartungen – und damit sinkende Bewertungen an der Börse.
Lithiumpreis unter Druck
Besonders stark traf die Korrektur Unternehmen aus dem Rohstoffsektor. Nachdem sich der Lithiumpreis während des Batteriebooms vervielfacht hatte, sorgten neue Förderkapazitäten und eine vorübergehend schwächere Nachfrage für einen deutlichen Preisrückgang.
Davon betroffen waren unter anderem große Lithiumproduzenten wie Albemarle oder SQM. Ihre Gewinne hängen wesentlich von der Entwicklung der Rohstoffpreise ab. Entsprechend gaben auch viele Lithium-Aktien kräftig nach.
Überkapazitäten belasten Batteriehersteller
Hinzu kommt, dass vor allem in China enorme Produktionskapazitäten aufgebaut wurden. Das Angebot an Batteriezellen stieg zeitweise schneller als die Nachfrage. Die Folge waren sinkende Preise und geringere Gewinnmargen vieler Hersteller.
Nach Angaben von BloombergNEF fielen die Preise für Lithium-Ionen-Batteriepacks 2024 so stark wie seit 2017 nicht mehr. Verantwortlich waren niedrigere Rohstoffkosten, intensiver Wettbewerb und Überkapazitäten in der Produktion.
Höhere Zinsen treffen Wachstumswerte
Auch das Zinsumfeld spielte eine wichtige Rolle. Batterie-Aktien zählen überwiegend zu den Wachstumswerten. Steigen die Zinsen, werden zukünftige Gewinne an der Börse geringer bewertet. Davon waren neben Batterieherstellern auch zahlreiche Technologieunternehmen betroffen.
Die Kursverluste spiegeln deshalb nicht nur die Entwicklung der Batteriebranche wider, sondern auch die veränderten Rahmenbedingungen an den Kapitalmärkten.
Wie Experten die Einstiegschancen bewerten
Trotz der deutlichen Kurskorrekturen beurteilen viele Marktbeobachter die langfristigen Perspektiven der Batteriebranche weiterhin positiv. Die aktuelle Schwäche wird häufig als Normalisierung nach dem Boom und nicht als Ende des Wachstumstrends interpretiert.
Nach Einschätzung von BloombergNEF bleibt die Nachfrage nach Batterien langfristig hoch. Während sich das Wachstum bei Elektroautos etwas verlangsamt, entwickelt sich die stationäre Energiespeicherung zu einem zweiten wichtigen Wachstumsmotor. Großspeicher werden zunehmend benötigt, um Strom aus Wind- und Solaranlagen zwischenzuspeichern und Stromnetze zu stabilisieren.
Auch der Ausbau von Rechenzentren und Anwendungen der Künstlichen Intelligenz erhöht den weltweiten Bedarf an leistungsfähigen Energiespeichern.
Analysten sehen deshalb insbesondere bei Unternehmen mit technologischen Wettbewerbsvorteilen, einer starken Marktstellung oder einer breiten Kundenbasis attraktive Chancen. Deutlich vorsichtiger beurteilen sie dagegen reine Rohstoffunternehmen, deren Geschäftsentwicklung stärker von den schwankenden Preisen für Lithium oder Nickel abhängt.
Batteriebranche: Prognose 2026 und 2027
Nach Einschätzung verschiedener Marktforschungsinstitute bleibt die Batteriebranche einer der wichtigsten Wachstumsmärkte der kommenden Jahre.
Prognose für 2026
Für 2026 erwarten Experten vor allem:
- steigende Investitionen in stationäre Batteriespeicher,
- einen weiteren Ausbau von Gigafactories in Europa und den USA,
- eine zunehmende Elektrifizierung des Verkehrs,
- wachsende Nachfrage durch Rechenzentren und KI-Anwendungen,
- anhaltend hohe Investitionen in erneuerbare Energien.
Nach Einschätzung von BloombergNEF dürfte insbesondere der Markt für stationäre Energiespeicher deutlich stärker wachsen als noch vor wenigen Jahren erwartet.
Prognose für 2027
Auch für 2027 rechnen Analysten mit strukturellem Wachstum. Im Mittelpunkt stehen dabei:
- steigende Bedeutung des Batterierecyclings,
- sinkende Produktionskosten durch technologische Fortschritte,
- zunehmende Verbreitung von Natrium-Ionen-Batterien als Ergänzung zu Lithium-Ionen-Technologien,
- weitere Konsolidierung der Batteriehersteller.
Vor allem Unternehmen mit hoher Innovationskraft und einer starken Marktposition könnten davon profitieren.
Langfristige Prognose bis 2034
Die langfristigen Aussichten bleiben ebenfalls positiv. Nach Schätzungen von Fortune Business Insights soll der weltweite Batteriemarkt von 200,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 auf 431,8 Milliarden US-Dollar bis 2034 wachsen. Das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von rund zehn Prozent.
Die größten Wachstumstreiber bleiben:
- Elektrofahrzeuge,
- Energiespeicher für Stromnetze,
- Industrieanwendungen,
- Rechenzentren,
- erneuerbare Energien.
Für Anleger bedeutet dies: Die Batteriebranche bleibt trotz kurzfristiger Kursschwankungen ein langfristiger Zukunftsmarkt. Entscheidend wird jedoch sein, jene Batterie-Aktien auszuwählen, die technologisch führend sind und ihre Wettbewerbsposition auch in einem anspruchsvolleren Marktumfeld behaupten können.
Welche Batterie-Aktien bevorzugen Analysten?
Nach den deutlichen Kursrückgängen in der Batteriebranche rücken viele Unternehmen wieder stärker in den Fokus von Analysten. Dabei stehen weniger kurzfristige Kursgewinne als vielmehr Marktführerschaft, technologische Kompetenz und langfristige Wachstumsperspektiven im Vordergrund. Besonders gefragt sind Unternehmen, die von mehreren Trends gleichzeitig profitieren – etwa Elektromobilität, stationäre Energiespeicher und Batterierecycling.
Viele Analysten bevorzugen derzeit Unternehmen mit technologischer Führungsposition, starken Bilanzen und internationaler Präsenz. Dazu zählen insbesondere CATL, BYD und LG Energy Solution, die vom langfristigen Wachstum der Elektromobilität und stationärer Energiespeicher profitieren könnten. Im Rohstoffbereich beobachten Marktteilnehmer Albemarle und SQM genau, da deren Bewertung stark vom Lithiumpreis abhängt. Langfristig könnte zudem das Batterierecycling an Bedeutung gewinnen, wovon Unternehmen wie Umicore profitieren dürften.
CATL bleibt weltweit die Nummer eins
Der chinesische Konzern CATL (Contemporary Amperex Technology) ist der weltweit größte Hersteller von Batteriezellen für Elektrofahrzeuge. Das Unternehmen beliefert zahlreiche internationale Automobilhersteller und investiert Milliarden in neue Batterietechnologien sowie Produktionskapazitäten. Analysten sehen die starke Marktstellung und die hohe Innovationskraft als wesentliche Wettbewerbsvorteile.
BYD überzeugt mit vertikaler Integration
BYD zählt zu den wenigen Unternehmen, die sowohl Elektrofahrzeuge als auch Batterien selbst entwickeln und produzieren. Diese vertikale Integration verschafft dem Konzern Kostenvorteile und macht ihn unabhängiger von Zulieferern. Viele Analysten sehen BYD deshalb als einen der strukturellen Gewinner der Elektrifizierung des Verkehrs.
LG Energy Solution setzt auf internationale Expansion
Der südkoreanische Batteriehersteller LG Energy Solution gehört zu den wichtigsten Lieferanten großer Automobilkonzerne in Europa und Nordamerika. Neue Produktionsstandorte außerhalb Asiens sollen die Lieferketten diversifizieren und von staatlichen Förderprogrammen profitieren.
Albemarle und SQM bleiben Wetten auf den Lithiumpreis
Die Lithiumproduzenten Albemarle und SQM zählen zu den wichtigsten Vertretern des Rohstoffsegments. Nach dem deutlichen Rückgang der Lithiumpreise bewerten viele Analysten diese Titel wieder differenzierter. Steigende Lithiumpreise könnten den Unternehmen erhebliches Erholungspotenzial eröffnen, gleichzeitig bleiben sie stärker von den Schwankungen des Rohstoffmarktes abhängig als Batteriehersteller.
Umicore profitiert vom Batterierecycling
Mit dem zunehmenden Einsatz von Elektrofahrzeugen wächst auch die Bedeutung des Batterierecyclings. Umicore gilt in Europa als einer der führenden Anbieter in diesem Bereich. Das Unternehmen entwickelt Technologien zur Rückgewinnung wertvoller Metalle wie Lithium, Nickel und Kobalt und profitiert langfristig von strengeren Nachhaltigkeits- und Recyclingvorgaben.
Die 10 wichtigsten Batterie-Aktien im Überblick
Die Batteriebranche umfasst weit mehr als reine Batteriehersteller. Anleger können in Unternehmen investieren, die Rohstoffe fördern, Batteriezellen produzieren, Materialien entwickeln oder Batterien recyceln. Dadurch profitieren sie von unterschiedlichen Wachstumstreibern und reduzieren das Risiko, ausschließlich von einem Teilmarkt abhängig zu sein.
| Unternehmen |
Bereich |
Warum interessant? |
| CATL (China) |
Batteriezellen |
Weltmarktführer für Batterien von Elektrofahrzeugen und stationären Energiespeichern. Profitiert von Skaleneffekten und hoher Innovationskraft. |
| BYD (China) |
Elektroautos & Batterien |
Entwickelt und produziert Fahrzeuge und Batterien selbst. Die vertikale Integration verschafft dem Konzern Kostenvorteile. |
| LG Energy Solution (Südkorea) |
Batteriezellen |
Einer der wichtigsten Zulieferer internationaler Autohersteller mit neuen Werken in Europa und Nordamerika. |
| Samsung SDI (Südkorea) |
Batteriezellen |
Spezialisiert auf Hochleistungsbatterien für Premiumfahrzeuge sowie stationäre Energiespeicher. |
| Panasonic Holdings (Japan) |
Batteriezellen |
Langjähriger Technologiepartner von Tesla und führend bei Lithium-Ionen-Batterien. |
| Albemarle (USA) |
Lithium |
Einer der weltweit größten Lithiumproduzenten. Profitiert überdurchschnittlich von steigenden Lithiumpreisen. |
| SQM (Chile) |
Lithium |
Bedeutender Lithiumförderer mit kostengünstiger Produktion und wichtigen Vorkommen in der Atacama-Wüste. |
| Umicore (Belgien) |
Batteriematerialien & Recycling |
Führend bei Kathodenmaterialien und Batterierecycling – ein wachsender Markt mit steigender Bedeutung. |
| POSCO Future M (Südkorea) |
Batteriematerialien |
Produziert Kathoden- und Anodenmaterialien und profitiert vom Ausbau der Batterieproduktion. |
| Ganfeng Lithium (China) |
Lithium & Verarbeitung |
Einer der größten integrierten Lithiumkonzerne weltweit – von der Förderung bis zur Weiterverarbeitung. |
Worauf Anleger bei der Auswahl von Batterie-Aktien achten sollten
Nicht jede Batterie-Aktie profitiert gleichermaßen vom Wachstum der Branche. Für Anleger sind vor allem folgende Kriterien entscheidend:
-
- Marktstellung: Gehört das Unternehmen zu den führenden Anbietern?
- Technologie: Verfügt es über eigene Patente oder innovative Batteriekonzepte?
- Finanzkraft: Kann das Unternehmen hohe Investitionen stemmen?
- Kundenbasis: Beliefert es mehrere große Automobilhersteller?
- Bewertung: Ist die Aktie nach der Kurskorrektur attraktiv bewertet?
- Diversifikation: Deckt das Unternehmen mehrere Bereiche der Batterie-Wertschöpfungskette ab?
- Bewertung: Spiegelt der Aktienkurs bereits sehr hohe Erwartungen wider oder erscheint die Bewertung im historischen Vergleich attraktiv?
Batterie-Aktien reagieren auch unterschiedlich auf Marktveränderungen.
-Lithiumproduzenten wie Albemarle, SQM oder Ganfeng Lithium hängen vor allem von den Rohstoffpreisen ab
– Zellhersteller wie CATL, BYD oder LG Energy Solution profitieren stärker von der Nachfrage nach Elektroautos und Energiespeichern.
– Unternehmen wie Umicore oder POSCO Future M besetzen mit Batteriematerialien und Recycling attraktive Nischen innerhalb der Wertschöpfungskette.
Nach Einschätzung vieler Analysten könnten gerade Marktführer mit einer starken Bilanz und technologischen Wettbewerbsvorteilen zu den Gewinnern der nächsten Wachstumsphase zählen. Gleichzeitig bleibt die Batteriebranche zyklisch. Anleger sollten daher nicht ausschließlich auf einzelne Titel setzen, sondern ihr Portfolio breit diversifizieren – etwa über verschiedene Batterie-Aktien oder ergänzend über einen Batterie-ETF.
ETFs als einfache Einstiegsmöglichkeit in den Markt
Wer lieber breit gestreut investiert, findet mit Batterie-ETFs eine Alternative zu Einzelaktien. Welche Produkte sich unterscheiden und worauf Anleger achten sollten, lesen Sie in unserem ausführlichen Vergleich der Batterie-ETFs.
Autorin: Anneliese Proissl
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Inhaltsverzeichnis
- Was sind volatile Märkte?
- Warum entstehen volatile Märkte?
- Welche Chancen bieten volatile Märkte?
- Welche Risiken sollten Anleger kennen?
- Strategien für volatile Märkte
- Welche Anlageklassen entwickeln sich unterschiedlich?
- Häufige Fehler in turbulenten Börsenphasen
- Fazit
27.7.2026
Was sind volatile Märkte?
Von volatilen Märkten spricht man, wenn die Kurse innerhalb kurzer Zeit deutlich steigen oder fallen. Die Volatilität misst dabei die Stärke dieser Schwankungen. Je höher die Volatilität, desto größer sind die täglichen Kursbewegungen.
Typische Auslöser sind:
- Zinserhöhungen der Notenbanken
- geopolitische Krisen
- Wirtschaftsdaten
- Unternehmenszahlen
- politische Entscheidungen
- überraschende Ereignisse an den Finanzmärkten
Volatilität ist dabei weder positiv noch negativ. Sie beschreibt lediglich das Ausmaß der Kursschwankungen.
Warum entstehen volatile Märkte?
Finanzmärkte reagieren laufend auf neue Informationen. Verändern sich die Erwartungen der Anleger plötzlich, steigen Kauf- oder Verkaufsaufträge sprunghaft an.
Besonders starke Schwankungen treten häufig auf bei:
- Notenbanksitzungen
- Inflationsdaten
- Arbeitsmarktdaten aus den USA
- Quartalsberichten großer Unternehmen
- geopolitischen Konflikten
- Finanzkrisen
Auch psychologische Faktoren spielen eine wichtige Rolle. Angst und Gier verstärken Marktbewegungen oftmals zusätzlich.
Welche Chancen bieten volatile Märkte?
Starke Kursrückgänge bedeuten nicht zwangsläufig schlechte Aussichten. Vielmehr können sie attraktive Einstiegsmöglichkeiten schaffen.
Chancen ergeben sich beispielsweise durch:
- günstigere Bewertungen hochwertiger Unternehmen
- regelmäßige Sparpläne, die automatisch mehr Anteile kaufen
- langfristigen Vermögensaufbau
- höhere Ertragspotenziale nach starken Korrekturen
Historisch folgten auf viele größere Börsenkorrekturen wieder Erholungsphasen. Garantien dafür gibt es allerdings nicht.
Welche Risiken sollten Anleger kennen?
Hohe Volatilität erhöht gleichzeitig das Risiko kurzfristiger Verluste.
Zu den wichtigsten Risiken zählen:
- emotionale Fehlentscheidungen
- Panikverkäufe
- hohe Hebelwirkungen bei Derivaten
- Liquiditätsengpässe
- Fehleinschätzungen der weiteren Marktentwicklung
Wer kurzfristig auf steigende oder fallende Kurse spekuliert, sollte sich der erhöhten Risiken bewusst sein.
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5. Strategien für volatile Märkte
1. Langfristig investieren
Langfristig orientierte Anleger profitieren häufig davon, Marktschwankungen auszuhalten. Historisch konnten sich Aktienmärkte nach Krisen immer wieder erholen.
2. Diversifikation
Eine breite Streuung über verschiedene Regionen, Branchen und Anlageklassen reduziert das Risiko einzelner Positionen.
3. Sparpläne nutzen
Regelmäßige Investitionen führen dazu, dass bei fallenden Kursen automatisch mehr Anteile gekauft werden. Dadurch kann sich der durchschnittliche Einstiegskurs langfristig verbessern.
4. Liquiditätsreserve halten
Wer ausreichend Reserven besitzt, muss Wertpapiere in schwachen Marktphasen nicht verkaufen und kann attraktive Kaufgelegenheiten nutzen.
5. Emotionen kontrollieren
Viele Verluste entstehen nicht durch die Märkte selbst, sondern durch impulsive Entscheidungen. Eine vorher festgelegte Anlagestrategie hilft, auch in turbulenten Phasen diszipliniert zu bleiben.
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Welche Anlageklassen entwickeln sich unterschiedlich?
Nicht alle Anlageklassen reagieren gleich auf volatile Märkte.
Aktien bieten langfristig die höchsten Renditechancen, schwanken jedoch stärker.
Anleihen können das Depot stabilisieren, reagieren jedoch auf Veränderungen des Zinsniveaus.
Gold wird häufig als sicherer Hafen betrachtet und gewinnt in Krisenzeiten teilweise an Bedeutung.
Liquidität bietet Flexibilität, erzielt langfristig aber meist geringere Renditen als Sachwerte.
Je nach Risikobereitschaft kann eine ausgewogene Kombination verschiedener Anlageklassen sinnvoll sein.
Häufige Fehler in volatilen Märkten
Viele Anleger verschlechtern ihre Rendite durch vermeidbare Fehler.
Dazu gehören:
- Verkäufe aus Angst
- fehlende Diversifikation
- übermäßiger Einsatz von Hebelprodukten
- Markt-Timing
- Investitionen ohne klare Strategie
Wer langfristige Ziele verfolgt und an einer durchdachten Anlagestrategie festhält, kann Marktschwankungen häufig besser bewältigen.
Fazit
Volatile Märkte gehören dauerhaft zum Börsenalltag. Sie erhöhen kurzfristig die Unsicherheit, eröffnen langfristig jedoch häufig attraktive Einstiegsmöglichkeiten. Entscheidend ist weniger die Vorhersage der nächsten Marktbewegung als eine breit diversifizierte Anlagestrategie, die auch stärkere Kursschwankungen aushält.
Autorin: Anneliese Proissl
Foto: AdobeStock / Nomad Soul
Krypto-Zertifikate: Alles, was Anleger wissen müssen
27.07.2026
Krypto-Zertifikate bieten Anlegern die Möglichkeit, an der Wertentwicklung von Bitcoin, Ethereum und anderen Kryptowährungen teilzuhaben – ganz ohne Wallet, Private Keys oder den direkten Kauf digitaler Coins. Der Handel erfolgt einfach über das Wertpapierdepot wie bei einer Aktie.
Doch Krypto-Zertifikate sind nicht die einzige Möglichkeit, in Kryptowährungen zu investieren. Inzwischen stehen auch physisch besicherte Krypto-ETPs sowie ETNs zur Verfügung. Welche Unterschiede bestehen, welche Risiken Anleger kennen sollten und welche Produkte sich für welchen Anlegertyp eignen, zeigt dieser Überblick.
Was sind Krypto-Zertifikate?
Krypto-Zertifikate sind strukturierte Schuldverschreibungen, die die Entwicklung einer Kryptowährung nahezu eins zu eins nachbilden. Anleger besitzen dabei jedoch nicht den eigentlichen Coin, sondern ein Wertpapier, dessen Kurs von Bitcoin oder einer anderen Kryptowährung abhängt.
Der große Vorteil: Es ist weder ein Wallet noch technisches Know-how erforderlich. Kauf und Verkauf erfolgen bequem über das Depot bei der Hausbank oder dem Onlinebroker.
Typische Varianten sind:
- Open-End-Partizipationszertifikate
- Tracker-Zertifikate
Vorteile von Krypto-Zertifikaten
Krypto-Zertifikate bieten mehrere Vorteile:
- einfacher Handel über das Wertpapierdepot
- kein Wallet und keine Private Keys erforderlich
- Handel über regulierte Börsen
- unkomplizierter Zugang zu Kryptowährungen
Gerade für Einsteiger stellen Krypto-Zertifikate daher häufig den einfachsten Zugang zur Anlageklasse dar.
Welche Risiken haben Krypto-Zertifikate?
Neben den Kursschwankungen der Kryptowährungen sollten Anleger vor allem das Emittentenrisiko beachten.
Da Krypto-Zertifikate Schuldverschreibungen einer Bank sind, besteht das Risiko, dass Anleger im Insolvenzfall des Emittenten Verluste erleiden können. Zudem sind viele Zertifikate nicht physisch mit Kryptowährungen hinterlegt.
Auch Gebühren unterscheiden sich je nach Anbieter deutlich.
Beispiel: Vontobel Bitcoin-Zertifikat
Ein bekanntes Produkt ist das Bitcoin-Zertifikat von Vontobel.
Merkmale:
- Typ: Open-End-Partizipationszertifikat
- Abbildung: Bitcoin nahezu 1:1
- Handel über das Depot
- kein Wallet erforderlich
- Emittentenrisiko der Bank Vontobel
Krypto-Zertifikate oder Krypto-ETPs?
Während Krypto-Zertifikate auf einer Schuldverschreibung beruhen, sind viele Krypto-ETPs physisch besichert. Das bedeutet: Die zugrunde liegenden Coins werden tatsächlich bei einem regulierten Verwahrer im Cold Storage hinterlegt.
Dadurch unterscheiden sich beide Anlageformen erheblich.
| Merkmal |
Krypto-Zertifikate |
Krypto-ETPs |
| Wallet erforderlich |
Nein |
Nein |
| Physisch hinterlegt |
Nein |
Ja |
| Emittentenrisiko |
Ja |
deutlich geringer |
| Börsenhandel |
Ja |
Ja |
Zu den bekanntesten Anbietern physisch besicherter Krypto-ETPs zählen unter anderem:
Direkt in Kryptowährungen investieren
Wer Bitcoin oder Ethereum direkt kaufen möchte, kann dies über regulierte Handelsplattformen erledigen.
Swissquote bietet beispielsweise den Handel mit mehr als 50 Kryptowährungen an und übernimmt die Verwahrung über eine FINMA-regulierte Schweizer Bank.
Für österreichische Anleger ist Swissquote zugänglich, allerdings nicht steuereinfach.
ETNs als weitere Alternative
Eine weitere Möglichkeit stellen ETNs (Exchange Traded Notes) dar.
Bekannt ist insbesondere XBT Provider, heute Teil von CoinShares. Die Produkte gehören zu den ältesten börsengehandelten Bitcoin-Anlagen Europas.
Im Unterschied zu physisch besicherten ETPs handelt es sich bei ETNs ebenfalls um Schuldverschreibungen. Anleger tragen daher ein Emittentenrisiko.
Häufige Fragen zu Krypto-Zertifikaten
Sind Krypto-Zertifikate sicher?
Krypto-Zertifikate unterliegen der Regulierung der jeweiligen Börsen und Emittenten. Allerdings besteht zusätzlich zum Kursrisiko ein Emittentenrisiko.
Benötigt man ein Wallet?
Nein. Genau darin liegt einer der größten Vorteile von Krypto-Zertifikaten.
Was ist der Unterschied zwischen Krypto-Zertifikaten und ETPs?
Krypto-ETPs sind häufig physisch mit den jeweiligen Kryptowährungen besichert. Krypto-Zertifikate sind dagegen Schuldverschreibungen eines Emittenten.
Für wen eignen sich Krypto-Zertifikate?
Sie eignen sich vor allem für Anleger, die unkompliziert über ihr Wertpapierdepot in Kryptowährungen investieren möchten, ohne sich mit Wallets oder der technischen Verwahrung digitaler Coins beschäftigen zu müssen.
Fazit
Krypto-Zertifikate bieten einen einfachen Einstieg in die Welt der Kryptowährungen und ermöglichen Investments ohne Wallet oder eigene Verwahrung. Wer allerdings besonderen Wert auf eine physische Hinterlegung legt, sollte auch Krypto-ETPs in Betracht ziehen. Welche Anlageform die bessere ist, hängt letztlich von der persönlichen Anlagestrategie, dem gewünschten Sicherheitsniveau und der Risikobereitschaft ab.
Autorin: Anneliese Proissl
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Inhaltsverzeichnis
- Was sind Krypto-Assets?
- Was ist der Unterschied zwischen Kryptowährungen und Krypto-Assets?
- Welche Krypto-Assets gibt es?
- Warum gilt Bitcoin als digitales Gold?
- Blockchain einfach erklärt
- Welche Chancen bieten Krypto-Assets?
- Welche Risiken haben Krypto-Assets?
- Wie werden Krypto-Assets reguliert?
- Was ist MiCA?
- Fazit
Was sind Krypto-Assets?
Krypto-Assets sind digitale Vermögenswerte, die auf der Blockchain-Technologie basieren. Zu den bekanntesten Krypto-Assets zählen Bitcoin und Ethereum. Sie ermöglichen den digitalen Transfer von Werten ohne zentrale Instanz wie eine Bank und eröffnen Anlegern neue Investmentmöglichkeiten. Gleichzeitig sind sie mit hohen Kursschwankungen und regulatorischen Risiken verbunden.
Krypto-Assets haben sich in den vergangenen Jahren von einem Nischenmarkt zu einer eigenständigen Anlageklasse entwickelt. Immer mehr Banken, Vermögensverwalter und institutionelle Investoren beschäftigen sich mit digitalen Vermögenswerten oder bieten entsprechende Produkte an.
Für Privatanleger sind Krypto-Assets heute über regulierte Handelsplattformen oder börsengehandelte Produkte deutlich einfacher zugänglich als noch vor wenigen Jahren.
Was ist der Unterschied zwischen Kryptowährungen und Krypto-Assets?
Die Begriffe werden häufig synonym verwendet, sind jedoch nicht identisch.
Kryptowährungen sind digitale Zahlungsmittel, die auf kryptografischen Verfahren beruhen. Bitcoin oder Litecoin wurden ursprünglich entwickelt, um Zahlungen ohne Banken abzuwickeln.
Krypto-Assets ist dagegen der umfassendere Begriff. Er bezeichnet sämtliche digitalen Vermögenswerte auf Blockchain-Basis – darunter Kryptowährungen, Utility Token, Security Token oder Stablecoins.
Auch die Europäische Union verwendet im Rahmen der MiCA-Verordnung bewusst den Begriff Krypto-Assets, da er die gesamte Anlageklasse umfasst.
Welche Krypto-Assets gibt es?
Die wichtigsten Gruppen sind:
Bitcoin
Bitcoin ist das bekannteste Krypto-Asset und gleichzeitig das größte nach Marktkapitalisierung. Aufgrund seiner begrenzten Menge von maximal 21 Millionen Coins wird Bitcoin häufig als digitales Gold bezeichnet.
Ethereum
Ethereum ist weit mehr als eine Kryptowährung. Die Blockchain ermöglicht sogenannte Smart Contracts und bildet die Grundlage zahlreicher Anwendungen im Bereich DeFi, NFTs oder tokenisierte Vermögenswerte.
Stablecoins
Stablecoins sind an klassische Währungen wie den Euro oder US-Dollar gekoppelt und sollen starke Kursschwankungen vermeiden.
Weitere Token
Darüber hinaus existieren tausende weitere Krypto-Assets mit unterschiedlichen Funktionen – von Zahlungs-Token über Governance-Token bis hin zu tokenisierten Wertpapieren.
Warum gilt Bitcoin als digitales Gold?
Ein wesentlicher Unterschied zu klassischen Währungen besteht in der begrenzten Geldmenge.
Während Zentralbanken die Geldmenge erhöhen können, ist bei Bitcoin technisch festgelegt, dass niemals mehr als 21 Millionen Coins existieren werden.
Diese künstliche Knappheit macht Bitcoin für viele Anleger zu einem digitalen Wertspeicher. Anders als bei Gold ist zudem jederzeit transparent nachvollziehbar, wie viele Bitcoin bereits im Umlauf sind und wie viele noch erzeugt werden können.
Blockchain einfach erklärt
Die Blockchain bildet das technologische Fundament vieler Krypto-Assets.
Vereinfacht handelt es sich um ein digitales Register, das weltweit auf zahlreichen Computern gleichzeitig gespeichert wird. Jede Transaktion wird in Blöcken dokumentiert und kryptografisch mit vorherigen Blöcken verknüpft.
Dadurch entstehen mehrere Vorteile:
- hohe Transparenz
- sehr hohe Fälschungssicherheit
- keine zentrale Kontrollinstanz
- dauerhafte Dokumentation aller Transaktionen
Um die Blockchain zu manipulieren, müsste ein Angreifer einen Großteil der Rechenleistung beziehungsweise der Validierungsmechanismen kontrollieren. Bei etablierten Netzwerken wie Bitcoin gilt dies als äußerst unwahrscheinlich.
Welche Chancen bieten Krypto-Assets?
Für Anleger ergeben sich mehrere Chancen.
Diversifikation
Krypto-Assets können ein Portfolio ergänzen und eine zusätzliche Anlageklasse darstellen.
Technologische Innovation
Blockchain-Anwendungen entwickeln sich stetig weiter und ermöglichen neue Geschäftsmodelle, etwa im Bereich tokenisierter Vermögenswerte oder digitaler Finanzdienstleistungen.
Wachsende Akzeptanz
Immer mehr Banken, Vermögensverwalter und Unternehmen integrieren Krypto-Assets in ihre Strategien. Gleichzeitig entstehen regulierte Anlageprodukte wie Krypto-ETPs oder ETFs in verschiedenen Märkten.
Welche Risiken haben Krypto-Assets?
Trotz ihres Potenzials bleiben Krypto-Assets mit erheblichen Risiken verbunden.
Hohe Kursschwankungen
Bitcoin und andere Krypto-Assets zählen weiterhin zu den volatilsten Anlageklassen. Kursbewegungen von mehreren Prozent innerhalb eines Tages sind keine Seltenheit.
Regulatorische Veränderungen
Neue gesetzliche Vorgaben können Geschäftsmodelle und Handelsmöglichkeiten verändern.
Technologische Risiken
Fehler bei der Verwahrung privater Schlüssel oder Angriffe auf Handelsplattformen können zu Vermögensverlusten führen. Deshalb gewinnen regulierte Anbieter und professionelle Verwahrung zunehmend an Bedeutung.
Energieverbrauch
Der Energieverbrauch von Bitcoin wird regelmäßig diskutiert.
Das Proof-of-Work-Verfahren benötigt erhebliche Rechenleistung. Andere Netzwerke setzen mittlerweile auf deutlich energieeffizientere Verfahren wie Proof of Stake. Ethereum hat diesen Wechsel bereits vollzogen.
Wie werden Krypto-Assets reguliert?
Mit der zunehmenden Bedeutung digitaler Vermögenswerte wächst auch die Regulierung.
Die Europäische Union verfolgt das Ziel, einheitliche Standards für Transparenz, Verbraucherschutz und Marktaufsicht zu schaffen.
Auch steuerlich behandeln viele Staaten Krypto-Assets inzwischen ähnlich wie klassische Kapitalanlagen.
Was ist MiCA?
MiCA steht für Markets in Crypto-Assets Regulation.
Die Verordnung schafft erstmals einen europaweit einheitlichen Rechtsrahmen für Krypto-Assets.
Sie regelt unter anderem:
- Krypto-Börsen
- Broker
- Wallet-Anbieter
- Stablecoins
- Informationspflichten
- Verbraucherschutz
- Marktaufsicht
MiCA gilt seit Ende 2024 in allen EU-Mitgliedstaaten und soll für mehr Transparenz und Rechtssicherheit sorgen.
Fazit
Krypto-Assets haben sich von einer technischen Innovation zu einer eigenständigen Anlageklasse entwickelt. Mit Bitcoin, Ethereum und anderen digitalen Vermögenswerten entstehen neue Möglichkeiten für Anleger, Unternehmen und das Finanzsystem insgesamt.
Gleichzeitig bleiben Krypto-Assets mit Risiken verbunden. Hohe Kursschwankungen, regulatorische Veränderungen und technologische Entwicklungen erfordern ein gutes Verständnis der Anlageklasse.
Durch die Einführung der MiCA-Verordnung und die zunehmende Beteiligung institutioneller Investoren gewinnt der Markt jedoch an Reife. Für viele Experten werden Krypto-Assets künftig eine dauerhafte Ergänzung klassischer Anlageformen sein – nicht als Ersatz, sondern als weiterer Baustein eines diversifizierten Portfolios.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was sind Krypto-Assets?
Krypto-Assets sind digitale Vermögenswerte, die auf einer Blockchain basieren. Dazu zählen unter anderem Bitcoin, Ethereum und Stablecoins.
Sind Bitcoin und Krypto-Assets dasselbe?
Nein. Bitcoin ist eines von vielen Krypto-Assets. Der Begriff Krypto-Assets umfasst die gesamte Anlageklasse digitaler Vermögenswerte.
Was ist die Blockchain?
Die Blockchain ist ein dezentrales digitales Register, in dem Transaktionen dauerhaft, transparent und fälschungssicher gespeichert werden.
Sind Krypto-Assets sicher?
Die Blockchain-Technologie gilt als sehr sicher. Dennoch unterliegen Krypto-Assets starken Kursschwankungen und bergen Risiken bei der Verwahrung oder durch regulatorische Änderungen.
Was ist MiCA?
MiCA ist die europäische Verordnung für Krypto-Assets. Sie schafft einheitliche Regeln für Anbieter, Emittenten und Anleger innerhalb der Europäischen Union.
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Bitcoin: Warum hohe Kursschwankungen ein Mythos sind
Wandeldarlehen: Worauf Unternehmen achten sollten
Sie sind international schon länger bekannt, und durchdringen nun auch in Österreich den Markt: die sogenannten „Wandeldarlehen“.
Wandeldarlehen – wichtigste Insights
- Darlehen mit Wandlungsoption in Unternehmensanteile
- Kapitalüberbrückung bis zur nächsten Finanzierungsrunde
- kein Mitspracherecht für Darlehensgeber
- Einstiegschance & Bewertungssicherung
- Wandlungsrecht möglich, Wandlungspflicht nicht
- rechtliche Struktur: Darlehensvertrag + Wandlungsvereinbarung + Kapitalerhöhung
- Risiken: Insolvenz, Verwässerung, FMA‑Einstufung als Einlagengeschäft
Warum Wandeldarlehen relevant sind
- – Start‑ups & KMU nutzen sie als flexible Finanzierung
- – schnelle Liquidität ohne sofortige Zinsbelastung
- – Bewertungsschutz für Investoren
- – rechtliche Fallstricke nehmen zu
- – FMA prüft verstärkt Einlagengeschäfte
Was ist ein Wandeldarlehen?
Der Begriff ist vielen aus dem finanzenglischen Fachbegriff „convertibles“ bekannt, vor allem im Zusammenhang mit „bonds“. Aber auch im Konnex mit Darlehen an Unternehmen ist die Gestaltungsform „convertible“ einsetzbar.
Ein Wandeldarlehen ist ein fest verzinstes Darlehen. Dabei gibt der Darlehensgeber dem Unternehmen, der Gesellschaft, ein fest verzinstes Darlehen, das unter vertraglich definierten Bedingungen in Unternehmensanteile umgewandelt wird. Der Darlehensgeber verzichtet im Wandlungsfall auf Rückzahlung und erhält stattdessen Anteile an der Gesellschaft.
Der Darlehensgeber erhält zunächst einen Rückzahlungsanspruch – dieser wird bei Wandlung durch Gesellschaftsanteile ersetzt.
Warum Unternehmen Wandeldarlehen nutzen
Überbrückungsfunktion:
– Liquidität bis zur nächsten Kapitalerhöhung
– schnelle Finanzierung ohne komplexe Investorenprozesse
Vorteile für Unternehmen:
– frisches Kapital ohne sofortige Zinszahlungen
– kein Mitspracherecht des Darlehensgebers
– flexible Strukturierung
Vorteile für Darlehensgeber:
– Einstiegschance ins Unternehmen
– Bewertungssicherung für nächste Finanzierungsrunde
– Rückzahlungsanspruch, falls keine Wandlung erfolgt
– Wandlungsrecht möglich, aber keine Pflicht
Rechtliche Struktur eines Wandeldarlehens
Um so ein Darlehen an eine Gesellschaft in Eigenkapital wandeln zu können, braucht
es drei rechtliche Strukturierungsschritte:
- die Darlehensvereinbarung zwischen Unternehmen und Darlehensgeber,
- die Zusage der Gesellschafter einen Kapitalerhöhungsbeschluss unter Bezugsrechtsausschluss zu fassen und
- die Zusage des Darlehensgebers, die Kapitalerhöhung zu übernehmen und dafür auf die Darlehensrückforderung samt Zinsen zu verzichten.
Was die Darlehensvereinbarung regelt
- Vertraglich zu regeln sind zum einen die Eckpunkte der Verpflichtung der Darlehensbegebung,
- der Darlehensbetrag,
- die Auszahlung der Valuta,
- die Zinskonditionen (Höhe, Berechnungsmethode und Zinsfälligkeit) und
- die Rückzahlungsfälligkeit.
Es braucht eine „Wandlungsvereinbarung“
- Dazu gehört eine „Wandlungsanzeige“ des Darlehensgebers über seinen Forderungsverzicht und die Sacheinlage,
- die Verpflichtung des Darlehensgebers zur Übernahme der neu ausgegebenen Stammeinlage,
- die Kriterien für die Wandlung (also der „Trigger Event“ und die Bewertung).
- die Gesellschaftermitwirkung, also ihr Kapitalerhöhungsbeschluss mit Bezugsrechtsausschluss.
Risiken bei Wandeldarlehen
1. Insolvenzrisiko
Werden mit einem Wandeldarlehen laufende Betriebskosten oder andere Aufwendungen finanziert, ohne dass dadurch entsprechend werthaltige Vermögenswerte entstehen oder ausreichende Erträge erzielt werden, kann sich die finanzielle Lage der Gesellschaft verschlechtern. Im Extremfall kann dies zu einer insolvenzrechtlichen Überschuldung führen.
Mögliche Vorsorgemaßnahme
Eine qualifizierte Nachrangigkeit kann bei entsprechender vertraglicher Ausgestaltung dazu beitragen, dass die Darlehensforderung bei der Prüfung einer rechnerischen Überschuldung nicht berücksichtigt wird. Sie ersetzt jedoch keine solide Unternehmensfinanzierung und muss rechtlich wirksam vereinbart werden
2. Verwässerung der Beteiligung
Nimmt ein Unternehmen mehrere Wandeldarlehen von unterschiedlichen Investoren auf, kann es bei einer späteren Umwandlung in Geschäftsanteile oder Aktien zu einer Verwässerung kommen. Das bedeutet: Der Anteil der bisherigen Gesellschafter und unter Umständen auch jener früherer Wandeldarlehensgeber am Unternehmen wird kleiner.
Mögliche Schutzmechanismen:
- Mitzeichnungsrecht: Bestehende Wandeldarlehensgeber erhalten das Recht, sich auch an späteren Wandeldarlehen zu beteiligen.
- Feste Bewertungsregeln: Der Wandlungspreis oder die Unternehmensbewertung wird bereits im Vertrag festgelegt oder durch Schutzklauseln abgesichert, damit spätere Finanzierungsrunden die Beteiligung nicht unangemessen verwässern.
- Zustimmungsrechte: Das Unternehmen darf weitere Wandeldarlehen oder wesentliche Änderungen bestehender Wandeldarlehen – etwa bei Laufzeit, Zinssatz, Wandlungsbedingungen oder Unternehmensbewertung – nur mit Zustimmung der bisherigen Darlehensgeber vereinbaren.
Aufsichtsrechtliches Risiko
Werden standardisierte Wandeldarlehen von einer Vielzahl von Investoren eingeworben, kann im Einzelfall eine Einstufung als konzessionspflichtiges Einlagengeschäft nach dem Bankwesengesetz (BWG) in Betracht kommen. Ob eine Bankkonzession erforderlich ist, hängt jedoch von der konkreten Vertragsgestaltung und den wirtschaftlichen Merkmalen des Modells ab. Nachrangigkeit oder eine echte Wandlungspflicht können das Risiko reduzieren, schließen eine aufsichtsrechtliche Prüfung aber nicht automatisch aus.
Autor: Anneliese Proissl
Nach Kursrücksetzer: Porr-Aktie nach Konsolidierung wieder interessant
Nach dem Rekordjahr 2025 stehen die Ampeln bei der Porr weiter auf Grün.
Porr Aktie 2026 – wichtigste Insights
- Kursschwankungen: –13 % in vier Wochen, seit dem Tief Ende Juli auf Erholungskurs
- Rekordjahr 2025: bestes Ergebnis in 157 Jahren
- 80 % Kursplus im Vorjahr
- volle Auftragsbücher
- Baukonjunktur in Europa zieht an
- starke Position in Deutschland
- neue Märkte: Healthcare & Datenzentren
Was die Aktie attraktiv macht
- ATX‑Aufnahme
- starke Pipeline
- Infrastrukturboom in Deutschland
- Healthcare‑Expansion,
- Wachstum bei Verkehrsinfrastruktur, Umwelttechnik und Rechenzentren
- Bewertung mit KGV13 fair bis leicht billig. Solides Investment für Langfrist-Investoren
15.8.2026
Porr: Entwicklung der Aktie
Zuletzt ging es für Anleger der Porr-Aktie an der Börse etwas holprig zu. Die Kurse gingen binnen vier Wochen um 13 Prozent zurück, um gegen Ende Juli wieder zu einer Erholung anzusetzen. Dieser Rücksetzer wirkt auch eher wie eine gesunde Konsolidierung nach der kräftigen Kursentwicklung als ein Zeichen für eine Verschlechterung der Fundamentaldaten. Denn die jüngste Vergangenheit ist bei Porr gekennzeichnet von Glanz und Glorie.
Rekordjahr stärkt die Aktie
„2025 war ein sehr gutes Jahr für die Porr. 2026 hat die Chance noch besser zu werden“, so Porr-CEO Karl-Heinz Strauss zu Beginn der 146. ordentlichen Hauptversammlung am vergangenen Mittwoch im Wien Museum – wenig überraschend einem Projekt des Baukonzerns.
Das vergangene Geschäftsjahr als „sehr gut“ zu bezeichnen, greift dabei fast zu kurz: 2025 war das beste Jahr in der 157-jährigen (!) Geschichte des Unternehmens.
Porr Aktie kaufen? – Bewertung & Potenzial
Ob die Korrektur bereits eine attraktive Einstiegsgelegenheit bietet, hängt nun davon ab, ob Porr die hohen Erwartungen mit den nächsten Quartalszahlen und einer weiter steigenden Profitabilität bestätigen kann.
Entscheidend sind neben vollen Auftragsbücher, eine anziehende Baukonjunktur in Europa und der Erfolg neue Wachstumsmärkte wie Healthcare und Datenzentren zu erschließen.
Risiken für die Porr-Aktie
Gleichzeitig bleiben Risiken wie Fachkräftemangel und konjunkturelle Unsicherheiten bestehen. Ob sich ein Einstieg lohnt, hängt daher maßgeblich davon ab, ob sich die positive Ergebnisentwicklung nachhaltig fortsetzt.
Highlights der Porr 2025
- Großprojekte wie die Luegbrücke in Tirol
- Ausbau eines Windparks in Rumänien
- Eisenbahntunnel zwischen Warschau und Lodz in Polen
- Übernahme der Vamed-Tochter Viacana und Ausbau des Healthcare-Bereichs
- Aufnahme der Aktie in den ATX
Auch an der Börse überzeugte die Porr: Die Aktie legte 2025 um mehr als 80 % zu.
Porr Entwicklung 2026: Baukonjunktur & volle Auftragsbücher
Für das laufende Geschäftsjahr 2026 zeigt sich das Management optimistisch. Die europäische Baukonjunktur gewinnt wieder an Dynamik, die Auftragsbücher sind gut gefüllt und neue Wachstumsmärkte werden erschlossen.
„Wir haben viel vor im Gesundheitsbereich“, sagt CEO Strauss und verwies auf den hohen Bedarf an neuer Krankenhausinfrastruktur in Deutschland.
Wachstumstreiber Deutschland: „Die größte Baustelle Europas“
Besonders große Chancen sieht die Porr im deutschen Markt. „Deutschland wird die größte Baustelle Europas werden“, so Strauss.
Der Baukonzern will dabei von seinem USP profitieren: Projekte aus einer Hand – von der Planung bis zur schlüsselfertigen Übergabe. Das gilt sowohl für Krankenhäuser als auch für Datenzentren, die als weiteres wachstumsstarkes Geschäftsfeld gelten.
„Wir sind heute in der Lage jedes Großprojekt umzusetzen“, erklärte der CEO.
Porr-Strategie: Kernmärkte und Aufbau-Chancen
Strategisch setzt die Porr weiterhin auf ihre Kernmärkte:
- Österreich
- Deutschland
- Polen
- Slowakei
- Tschechien
- Rumänien
- Schweiz
Norwegen wird hingegen verlassen. „Dort passiert nichts, obwohl das Land im Geld schwimmt“, so Strauss.
In Katar will man – entgegen früherer Aussagen – vorerst bleiben. „Einiges, was zuletzt bei Angriffen des Irans zerstört wurde, muss ja wieder aufgebaut werden“, erklärte der CEO.
Langfristig sieht sich die Porr gut positioniert. Nachhaltigkeit und Digitalisierung bleiben zentrale Themen. Gleichzeitig stellt die demografische Entwicklung den Konzern vor Herausforderungen.
Strauss: “Ein entscheidender Punkt wird sein, ob wir genug Leute haben werden, um große Projekte umzusetzen”
Sein Ziel: „Wir wollen nicht die Größten werden, aber die Besten bleiben.“
Risiko‑Check Porr-Aktie
Risiken:
- Margendruck durch steigende Baukosten
- Verzögerungen bei Infrastrukturprojekten
- Gewinnmitnahmen nach der starken Kursentwicklung
- Baukonjunktur abhängig von Zinsen
- volatile Rohstoffpreise
Fazit Porr-Aktie
Die Porr startete nach dem Rekordjahr 2025 mit Rückenwind ins Jahr 2026. Volle Auftragsbücher, wachsender Infrastrukturbedarf – insbesondere in Deutschland – sowie eine klare strategische Ausrichtung sprechen für weiteres Wachstum.
Der jüngste Kursrückgang wirkte wie eine Konsolidierung, nicht wie ein Trendbruch. Das zeigt auch der jüngste Aufschwung. Risiken bleiben, doch die Fundamentaldaten sind stark.
Autor: Patrick Baldia
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3 ATX-Aktien mit Nachzügler-Potential
Rupert‑Heinrich Staller und die Renaissance des Privataktionärs
Aktiv-Investor Rupert-Heinrich Staller im Exklusiv-Gespräch mit dem Börsen-Kurier.
Das Wichtigste in Kürze:
– Rupert‑Heinrich Staller erklärt, warum Hauptversammlungen für Aktionäre unverzichtbar sind
– Er kritisiert die zunehmende juristische Absicherung von Vorständen und den Verlust direkter Antworten
– Proxy‑Voting‑Services gewinnen an Einfluss, dennoch erlebt die HV eine Renaissance
– Welche Rolle die Staller Investments GmbH als aktiver Investor
– Er spricht über Vorbereitung, Kosten, Proxy‑Voting‑Services und die Renaissance des Privataktionärs.
Rupert-Heinricht Staller
Er ist Eigentümer der Staller Investments GmbH und zählt zu den aktivsten Privataktionären Österreichs. Im Börsen‑Kurier‑Interview spricht er über die Renaissance der Hauptversammlung, die Rolle von Proxy‑Voting‑Services und seine Erfahrungen als aktiver Investor.
Wandel bei Hauptversammlungen
Entscheidungen abzunicken oder gar während der Hauptversammlungen einzunicken, ist nicht mehr gängige Praxis. Die Aktionäre mischen bei der Firmenpolitik längst aktiv mit und nehmen das Management in die Mangel. Organe werden auf den HVs nicht mehr automatisch von den Aktionären entlastet – siehe Bayer. Ähnlich wie einst Paul Achleitner, der sich beispielsweise als Aufsichtsratschef der Deutschen Bank für die gescheiterte Fusion mit der Commerzbank eingesetzt hatte. Auch in Österreich melden sich die Privataktionäre zu Wort, wie etwa Aktiv-Investor Rupert-Heinrich Staller.
Rupert‑Heinrich Staller über die Rolle aktiver Aktionäre
Was reizt Rupert-Heinrich Staller an Hauptversammlungen?
Börsen‑Kurier: Kaum eine Hauptversammlung ohne Rupert‑Heinrich Staller. Was reizt Sie daran?
Rupert‑Heinrich Staller: „Die meisten Hauptversammlungen finden ganz gut ohne mich statt. Manche meinen, mit mir ist es einfach ein bisschen lustiger. Für die anwesenden Aktionäre ist es aber oft informativer und darauf kommt es an. Dabei höre ich, man mag es glauben oder nicht, am liebsten nur andächtig zu, ohne mich zu Wort zu melden. Der Reiz der Hauptversammlung ist leicht erklärt: Sie ist das Hochamt im Jahreskalender eines Unternehmens. Manchmal ähnelt sie allerdings eher einer Generalbeichte, da muss ich ab und an den Beichtvater spielen.“
Eine Hauptversammlung etwa von Erste Group, UNIQA, RBI, Ottakringer oder Frauenthal wird es ohne mich auch in den nächsten Jahren nicht geben.
Engagement und Vorbereitung
Engagement der Staller Investments GmbH auf Hauptversammlungen
Börsen‑Kurier: Die HV‑Hochsaison hat begonnen. Wo und wie wollen Sie sich aktiv einbringen?
Staller: „Ich bringe mich immer dort ein, wo meine Investmentgesellschaft Anteile hält und ich Diskussions‑ und Handlungsbedarf sehe, mal mehr, mal weniger, sehr oft auch spontan. Aber so viel sei verraten: Eine Hauptversammlung etwa von Erste Group, UNIQA, RBI, Ottakringer oder Frauenthal wird es ohne mich auch in den nächsten Jahren nicht geben. Eine besondere Herausforderung wird sicher die heurige Hauptversammlung der Erste sein. Der scheidende Andreas Treichl würde sich, so flüstert man mir, über ein paar nette Abschiedsworte von mir freuen. Das bereitet mir schon jetzt schlaflose Nächte.“
Erfolge, Niederlagen und Erfahrungen
Siege und Rückschläge der Staller Investments GmbH
Börsen‑Kurier: Was sind die aktuell größten Siege und Niederlagen der Staller Investments GmbH aktuell? Die RHI‑Fusion mit Magnesita und Umzug nach London hatten Sie ja massiv bekämpft.
Staller: „Über Siege und Niederlagen mögen andere entscheiden, ich muss zugeben, dass mir auch Niederlagen Spaß machen. Erstens lerne ich dabei und zweitens schärfen selbige den Charakter. Zur Hauptversammlung der RHI‑Magnesita in einem kleinen Hotelzimmer auf einem niederländischen Flughafen werde ich sicher nicht reisen. Das hat weder Informations‑ noch Unterhaltungswert.“
Renaissance der HV – Einschätzungen von Rupert‑Heinrich Staller
Renaissance der HV – Einschätzungen von Rupert‑Heinrich Staller
Was sich grundlegend geändert hat
Börsen‑Kurier: Was hat sich auf der HV grundlegend geändert?
Staller: „Die wesentliche Änderung ist wohl aus der Angst der Verwaltungsorgane vor Klagen und aus dem immer größer werdenden Haftungsrisiko entstanden. Leider werden mittlerweile fast alle Fragen dergestalt beantwortet, dass die eigentlichen Inhalte vom Backoffice vorbereitet, dann von Juristen auf Risiken abgeklopft und von den Vorständen oder allenfalls vom Aufsichtsratsvorsitzenden Stunden später als vermeintliche Antwort nur noch vorgelesen werden. Der besondere Reiz der Unmittelbarkeit geht dadurch verloren. Das ist bedauerlich und in Wirklichkeit peinlich, wenn Vorstandsvorsitzende mit Millionen‑Gagen nur noch willfährige Vorleser geben. Ein Vorstand muss sein Geschäft beherrschen und zumindest allgemeine Fragen aus der Hüfte beantworten können.“
Nehmen Sie eine typische Hauptversammlung von Berkshire Hathaway als Beispiel: Warren Buffett antwortet mit Witz und fundiertem Wissen direkt auf die Fragen seiner Aktionäre und das stundenlang. Dabei ist der gute Mann 88 Jahre alt!“
Wer heute auf Hauptversammlungen erscheint
Privatanleger oder Stimmrechtsvertreter?
Börsen‑Kurier: Kommen zu den Hauptversammlungen heute eigentlich auch noch viele Privatanleger oder nur noch Stimmrechtsvertreter?
Staller: „Wir erleben derzeit so etwas wie eine Renaissance der Hauptversammlung und das ist gut so. Einerseits kann sich der Privataktionär über sein Unternehmen nirgendwo besser und direkter einen Eindruck verschaffen als auf der Jahresversammlung aller Eigentümer. Andererseits stehen die Leitungsorgane des Unternehmens nur dort unter Wahrheitspflicht. Genau das macht es so spannend. Im Vier‑Augen‑Gespräch zwischen Investor bzw. Analyst und CEO oder CFO, dem sogenannten One‑on‑One, gibt es strenggenommen genau das nicht. Ich selbst habe unzählige dieser One‑on‑Ones erlebt und hatte nicht nur einmal das Gefühl, einen Märchenerzähler aus 1001 Nacht vor mir zu haben. Schlussendlich dürfen wir nicht vergessen, dass eben nur auf der Hauptversammlung Beschlüsse gefasst werden.“
Proxy‑Voting‑Services und ihre Bedeutung für Aktionäre
Elektronische Abstimmungen und Stimmrechtsberater
Börsen‑Kurier: Aber fallen die nicht schon vor der HV durch elektronische Abstimmungen?
Staller: „Der Einfluss von sogenannten ‚Proxy Voting Services‘, die institutionellen Investoren vorab Empfehlungen zum Abstimmungsverhalten für eben diese Beschlüsse geben, nimmt sicher weiter zu. Wobei ich derzeit auch den Trend feststelle, dass etwa große Fondsgesellschaften in Deutschland sich durchaus wieder vermehrt direkt in Hauptversammlungen einbringen, wie zuletzt bei Bayer, wo nach harscher Kritik dem Vorstand die Entlastung verweigert wurde.“
Rolle der Stimmrechtsvertreter
Aufstand der Großen oder Werkzeug der Kleinen?
Börsen‑Kurier: Das ist doch der Aufstand großer Stimmrechtsvertreter, nicht der kleinen Einzelaktionäre.
Staller: „Wer nicht selbst auf eine Hauptversammlung gehen kann, bedient sich eben dieser Proxy Voter beziehungsweise eines Stimmrechtsvertreters. In Österreich bietet diesen Service der Anlegerschutzverband IVA.“
Vorbereitung auf Hauptversammlungen
Wie Staller sich vorbereitet
Börsen‑Kurier: Sie bereiten sich akribisch auf die HVs vor, wie genau?
Staller: „Die Vorbereitung ist relativ einfach. Lesen und darüber nachdenken. Wobei es mir wichtig ist, ein Unternehmen das ganze Jahr über zu begleiten und sich am Laufenden zu halten. Zudem lese ich Einzel‑ und Marktanalysen. Bei Bilanzen pflege ich manchmal auch ein bisschen nachzurechnen, Excel sei Dank. Die Tagesordnung allein genügt nicht, man muss sich schon auch die einzelnen Beschlussvorschläge oder etwa die Unterlagen zu den Wahlvorschlägen in den Aufsichtsrat anschauen.“
Finanzierung und Aufwand
Wer bezahlt die HV‑Besuche?
Börsen‑Kurier: Finanzieren Sie alle Ihre „HV‑Ausflüge“ aus der eigenen Tasche?
Staller: „Natürlich, das sind überschaubare betriebsnotwendige Aufwendungen im Rahmen des Geschäftsgegenstandes der Staller Investments GmbH. Die notwendigen Kosten rechtlicher Beratung verbuche ich sozusagen unter Forschungs‑ und Entwicklungsaufwendungen im Aktienrecht.“
Digitale Zukunft der HV
Sind Präsenz-HVs noch sinnvoll?
Börsen‑Kurier: Hat HV‑Präsenz im digitalen Zeitalter noch Sinn?
Staller: „Solange uns nichts Besseres einfällt, ist die Präsenzhauptversammlung schlicht und einfach notwendig. Optimieren kann man immer. Wünschenswert sind sicher kurze, informative Präsentationen wie die direkte Beantwortung von Aktionärsfragen. Man sollte sich überlegen, ob das oft überlange Vorlesen von reinen Formalien nicht gekürzt werden könnte. Was mir aber seit Jahren wirklich gegen den Strich geht ist die Unkultur, das Buffet vor dem Ende der Versammlung zu eröffnen. Es kommt dann regelmäßig zum Exodus aus dem Saal während der Sitzung.“
Investmentstrategie
Investiert Staller nur dort, auf die HVs er auch hingeht?
Börsen‑Kurier: Investieren Sie nur in Aktien, deren HVs Sie besuchen?
Staller: „Einfache Antwort, nein. Bei der BKS halte ich zum Beispiel vor allem Additional Tier 1‑Anleihen. Ganz generell sollte die Hauptversammlung für jeden nachhaltig interessierten Aktionär, ob privat oder institutionell, ein zentraler Ort der Meinungsbildung über sein Investment sein.“
Selbstverständnis als Aktionär
Ist Staller ein Shareholder‑Aktivist?
Börsen‑Kurier: Würden Sie sich selbst als Shareholder‑Aktivist bezeichnen?
Staller: „In meinem Selbstverständnis müsste jeder Shareholder dem Grunde nach ein Aktivist sein, weil er auf der Hauptversammlung aktiv sein Rede‑ und Fragerecht ausüben können soll. Das gebietet schon das Aktienrecht. Ich möchte andere Aktionäre motivieren, dies auch zu tun.“
Fazit
Das Interview zeigt, wie stark Rupert‑Heinrich Staller und die Staller Investments GmbH die österreichische HV‑Kultur prägen. Die Renaissance des Privataktionärs, die direkte Interaktion mit Vorständen und die Bedeutung des Rede‑ und Fragerechts bleiben zentrale Themen – damals wie heute.
Hinweis zur Aktualität
Dieses Interview wurde 2019 geführt. Alle Aussagen beziehen sich auf die damalige Marktsituation.
Zur Person Rupert-Heinrich Staller
Rupert‑Heinrich Staller ist seit 2006 alleiniger Eigentümer und Geschäftsführer der Staller Investments GmbH mit Sitz in Wien. Die Gesellschaft fungiert als seine persönliche Beteiligungsholding und hält Anteile an zahlreichen österreichischen börsennotierten Unternehmen. Er ist äußerst aktiv als Investor. So trat er bei der Ottakringer Getränke AG 2024 als maßgeblicher Kleinaktionär auf und verhandelte eine deutliche Verbesserung für Kleinaktionäre im Zuge eines Übernahmeangebots. Quelle: IVA (Interessenverband für Anleger). Das Unternehmen notiert nicht mehr an der Börse.
Bei der Frauenthal Holding AG erstritt die Staller Investments GmbH eine letztinstanzliche Entscheidung in einer Anfechtungsklage, die ein Stimmrechtsverbot bestätigte.
Foto: Kati Bruder
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„Anlegerschutz täglich in Gefahr“ – Beckermann über ATX, HV-Saison & Politik
KI-Boom: Droht jetzt der Tech-Crash?
Ob er kommt oder nicht: Ein reinigendes Gewitter kann nie schaden.
(03.07.2026) Nach börslichen Höheflügen der Sonderklasse im abgelaufenen Jahr begann 2026 mit vorsichtig-realistischem Optimismus. Erste Group Research-Chef Friedrich Mostböck etwa sah das (damalige) geopolitische Momentum (Venezuela) aus Börsensicht nicht dramatisch und vermutete die größere Gefahr in einem Grönland-Konflikt mit der EU. Überdies stünden Höchstständen im Dax, ATX und anderen Indizes immer noch moderate KGVs gegenüber. Am 28. Februar begannen jedoch die US-Angriffe auf den Iran, was natürlich niemand voraussagen hatte können. Die Börsen gaben daraufhin kurzfristig nach, um bald wieder Höchststände zu erreichen. Man gewöhnt sich eben schnell an so ziemlich alles …
Erinnerungen kommen hoch
Doch auch die verzwickte Situation am Golf änderte nichts an der guten Börsenlaune, da sich der Fokus der Kapitalmärkte in einer Mischung aus Kalkül und Gier auf die Künstliche Intelligenz fokusiert. Da auf diesem Gebiet aller-dings bislang nur die Wenigsten Geld verdienen, werden wohl Ausdrücke, die wir aus der Dotcom-Blase kennen, wie „Cashburningrate“ oder „Stranded Investment“, wieder an Popularität gewinnen.
Den bisherigen Gipfel dieser Entwicklung erreichte wohl Elon Musk mit seinem SpaceX-Börsengang, mit dem eigentlich andere defizitäre Bereiche des Musk-Imperiums querfinanziert werden sollten. Ein Pyramidenspiel auf höchstem Niveau?
Als weitere Folge gilt KI an den Börsen längst als überrepräsentiert, auch in zahlreichen ETFs. Zusätzlich zog SpaceX auch Geld aus anderen Tech-Aktien ab. Die Erfahrung aus der Dotcom-Blase oder vorhergegangenen technischen Revolutionen wie dem Automobilbau um 1900 sagt uns aller-dings auch, dass bei jedem Meilenstein technologischer Entwicklung nur eine Handvoll Gewinner übrigbleiben. Und das bezieht sich nicht nur auf KI, sondern auch auf Chip- und Leiterplattenhersteller als deren Grundlage.
Dazu meint AT&S-CEO Michael Mertin auf Anfrage des Börsen-Kurier allerdings: „Wir sehen keine Überhitzung des Marktes, denn wir stehen mit allen unseren Kunden im Silicon Valley in engem Kontakt und kennen ihre Road Maps für die kommenden Jahre. Da stehen nachhaltige Businessmodelle dahinter. Selbst wenn einzelne Aktien aktuell überbewertet erscheinen und es daher kurzfristig zu Kursrückgängen kommen sollte, sehen wir die langfristigen profitablen Wachstumsperspektiven weiterhin als intakt an.“
Wenn sich die Spreu vom Weizen trennt
Ob die Tech-Aktienkurse derzeit wirklich überhitzt sind, darüber scheiden sich die Geister, preisgünstig sind sie jedenfalls nicht. Solange es keine wirklich attraktiven Alternativen zur Aktie gibt, werden Aktienkurse aber auch nicht dramatisch fallen – sofern die Geopolitik keine weiteren schlechten Streiche spielt.
Was als Warnsignal allerdings oft übersehen wird, ist das Desinteresse an den „traditionellen“ Industrien (die längst nicht mehr so traditionell sind; Anm.). Dies führt schon seit längerem zu konjunkturellen Dellen und zu schlechter Stimmung, allen voran in Deutschland.
Dass das Münchner Ifo-Insitut nun feststellt, dass sich dessen deutscher Geschäftsklimaindex im Juni leicht auf 85,6 Punkte verbessert hat, ändert daran nichts. Eine Korrektur im Tech-Sektor würde aber vermutlich keinen großen Schaden anrichten. Man könnte die Spreu vom Weizen trennen, und es gäbe wieder attraktivere Einstiegskurse – wichtig wäre das auch für kapitalmarktbasierte Vorsorge- und Pensionsmodelle.
Autor: Tibor Pásztory
Bild: KI generiert/Börsen-Kurier
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EU: Mit Millionenstrafen gegen Korruption
Florian Beckermann (03.07.2026). Den Staaten der europäischen Union entstehen jährlich durch Korruption Schäden von rund 990 MrdE, so Zahlen von Transparency International. Es besteht daher Handlungsbedarf. Die neue EU-Anti-Korruptionsrichtlinie markiert, wie vom Börsen-Kurier bereits berichtet, einen Paradigmenwechsel im europäischen Wirtschafts- und Strafrecht. Ziel ist es, Korruptionsdelikte unionsweit einheitlich zu definieren, Sanktionen zu harmonisieren und Prävention sowie Strafverfolgung deutlich zu stärken. Erfasst werden nicht nur klassische Bestechung und Bestechlichkeit im öffentlichen Sektor, sondern auch Korruption in der Privatwirtschaft, Einflussnahme, Veruntreuung, Behinderung der Justiz sowie die Verschleierung korruptionsbedingter Vermögenswerte. Darüber hinaus verpflichtet die Richtlinie die Mitgliedstaaten zur Einrichtung spezialisierter Anti-Korruptionsstellen und zur Entwicklung nationaler Präventionsstrategien!
Für börsennotierte Unternehmen sind die Auswirkungen erheblich. Compliance-Systeme müssen überprüft und vielfach erweitert werden. Interne Kontrollmechanismen, Hinweisgebersysteme, Due-Diligence-Prozesse sowie Schulungen für Führungskräfte und Mitarbeiter gewinnen an Bedeutung.
Besonders relevant ist die verschärfte Unternehmenshaftung: Juristische Personen können mit Geldbußen von 3 bis 5 % des weltweiten Jahresumsatzes oder mit bis zu 40 MioE belegt werden. Gleichzeitig steigt das persönliche Haftungsrisiko für Vorstände und Aufsichtsgremien, wenn organisatorische Mängel Korruptionshandlungen begünstigen.
Die Vorteile liegen in einer stärkeren Rechtssicherheit innerhalb des Binnenmarktes. Einheitliche Strafnormen reduzieren regulatorische Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten und fördern fairen Wettbewerb. Unternehmen mit bereits etablierten Compliance-Strukturen profitieren von einem höheren Vertrauen bei Investoren, Geschäftspartnern und Kapitalmärkten. Langfristig kann die Richtlinie damit Governance-Standards verbessern und Wettbewerbsverzerrungen durch Korruption reduzieren – so der Wunsch.
Demgegenüber wird kritisiert, dass insbesondere international tätige Unternehmen mit erheblichen zusätzlichen Compliance-Kosten konfrontiert werden. Neue Dokumentations-, Kontroll- und Berichtspflichten erhöhen den administrativen Aufwand. Zudem kann die Auslegung einzelner Tatbestände verunsichern, bzw. gelten diese als nicht weitreichend genug. Auch eine mögliche Überregulierung, insbesondere wenn nationale Umsetzungen voneinander abweichen oder extraterritoriale Sachverhalte erfasst werden, ist denkbar.
Es ist noch nicht ersichtlich, ob eine sinnvolle Harmonisierung, eine teure Bürokratieübung oder ein „Goldplating-Wettlauf“ entsteht. Die Richtlinie wurde im April 2026 endgültig verabschiedet, trat am 31. Mai 2026 in Kraft und ist von den Mitgliedstaaten grundsätzlich innerhalb von 24 Monaten – somit bis zum 1. Juni 2028 – in nationales Recht umzusetzen; für nationale Risikoanalysen und Strategien gilt teilweise eine Frist von 36 Monaten. In Österreich gibt es dazu noch keine konkreten Vorschläge.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Voest HV 2026: Kritik, Polizeieinsatz und offene Fragen trotz guter Entwicklung
Kurzzusammenfassung
- Polizeieinsatz bei der Voest HV nach lautstarken Aktivistenmeldungen
- Kritik an der Nachfolge des AR‑Vorsitzenden sorgt für zusätzliche Unruhe
- Positive Geschäftsentwicklung trotz Belastungen durch US‑Zölle
Immer weniger Aktionäre bei Voest-Hauptversammlung
(03.07.2026) Es scheinen immer weniger Anteilseigner zu sein, die sich im Linzer Design Center zur Hauptversammlung der Voestalpine, einer der früher größten Hauptversammlung Österreichs zusammenfinden. Es waren diesmal wohl nur mehr halb so viele wie vor der Corona-Pandemie.
Aktivisten schreien und singen ihre Proteste heraus
Die Anwesenden wurden aber nicht enttäuscht, denn neben dem interessanten Bericht von CEO Herbert Eibensteiner gab es „Schreimeldungen“ sowie eine gesungene Meldung von Aktivisten, die aber zum Großteil allesamt unverständlich blieben. Ergebnis: AR-Vorsitzender Wolfgang Eder wurde sehr grantig und ließ die drei Herren aus dem Saal entfernen und der Polizei übergeben, wofür es spontanen Applaus gab.
Wir haben bewiesen, dass unsere Strategie nicht nur auf dem Papier funktioniert
Voest-Vorstand: Bericht über abgelaufenes Geschäftsjahr
So konnte Eibensteiner schlussendlich ohne weitere Störung berichten, dass man im abgelaufenen Geschäftsjahr eine positive Entwicklung verzeichnen konnte. „Wir haben bewiesen, dass unsere Strategie nicht nur auf dem Papier funktioniert“, freute er sich. Leider habe es massive Belastungen durch die US-Zölle gegeben.
In der Luftfahrt werden Sie keinen Airbus finden, in dem kein Teil von der Voestalpine steckt
Diese Geschäftsbereiche liefen sehr gut
Man hat renditeschwache Bereiche reorganisiert, sehr gut liefen die Geschäfte bei Railway Systems, in der Luftfahrt und der Lagerlogistik. „In der Luftfahrt werden Sie keinen Airbus finden, in dem kein Teil von der Voestalpine steckt“, so der CEO. „Und bei der Lagerlogistik haben wir unseren bisher größten Auftrag für ein Hochregallager in Istanbul bekommen.“
Wichtiger Wachstumsbereich: Greentec-Stahl
Auch Greentec Steel war weiterhin ein großes Thema, hier skizzierte Eibensteiner die Fortschritte und den weiteren Fahrplan (der Börsen-Kurier berichtete).
Diskussionen um Eders Nachfolge
Im Anschluss daran sagte Wolfgang Eder einige Worte zu seinem bevorstehenden Rücktritt 2027 und erklärte, dass man mitten im Auswahlverfahren für einen Nachfolger sei und er sicher bald einen geeigneten Kandidaten präsentieren werde können. Dies wurde von (Interessensverband für Anleger) IVA-Vorstand Florian Beckermann kritisiert, der meinte, dass ein zu künftiger AR-Vorsitzender eigentlich mindestens ein Jahr im AR sitzen müsste. „Aber wir wählen heute niemanden“, zeigte er sich wenig erfreut. Eder erklärte dazu später, dass diese Vorgehensweise antiquiert („So habe ich es auch noch auf der Uni gelernt.“) und nicht mehr zeitgemäß sei. „Es gibt genug Beispiele – AT&S, Oberbank und andere – bei denen es auch funktioniert hat!“
Kritik: Abbildung der eigenhändigen Unterschrift des Wirtschaftsprüfers fehlt
Ein weiteres „Steckenpferd“ Beckermanns zeigte sich in seiner Kritik daran, dass im Geschäftsbericht die Abbildung der eigenhändigen Unterschrift des Wirtschaftsprüfers fehlte. „Im Original-Prüfbericht ist sie sehr wohl vorhanden“, erklärte dazu Eibensteiner. „Und die elektronische Signatur ist heutzutage eigentlich schon normal. Die reicht jedem, außer anscheinend Ihnen.“
Generaldebatte Voest
Beantwortung der Fragen verlief chaotisch
Die Generaldebatte verlief durchaus gesittet, es gab eine Menge Fragen. Leider gerieten die Antworten sehr durcheinander, sodass man teilweise nicht mehr wusste, welche Frage welches Aktionärs gerade behandelt wurde.
Kosten des Greentec Steel und Vorbestellungen
Nahezu allen Meldungen waren Fragen zu Greentec Steel gemein und drehten sich um die Frage nach dem Endpreis pro Tonne. Hierzu erklärte das Management – wie in den vergangenen drei Jahren auch -, man könne das jetzt noch gar nicht sagen, und es werde schon zu einem Preisbildungsprozess kommen. „Aber das ist die Zukunft, das müssen wir machen“, so Eibensteiner. „Und der ‚Green Deal‘ kommt bestimmt!“, unterstrich er. Jedenfalls konnte man erfahren, dass die Voestalpine Vorbestellungen von rund 300.000 Tonnen hat.
Umsatz Catering-Tochter und Gärtnerei
Dank zweier aktiver Linzer Anteilseigner erfuhr das Auditorium auch, dass die Caseli (Catering-Tochter, Anm.) einen Umsatz von rund 30 Millionen Euro und ein Ergebnis von 2 Millionen Euro erzielte, die Gärtnerei („Die ist ungefähr ein Zehntel“) 2 Millionen Euro umsetzt und ein Ergebnis von rund 200.000 Euro erwirtschaftet hat.
Kosten Lehrlingswohnheim Kapfenberg
Das Lehrlingswohnheim in Kapfenberg hat 17 Millionen Euro gekostet („Keine Förderung“), und die Logistiktochter Logserv besitzt kaum eigene Waggons: „Die werden zum Großteil angemietet.“ Die Frage nach der Auslastung der zwei Werke in China sowie jene nach dem Bezug vom Erzberg wurden nicht beantwortet.
Voest-HV: Abstimmungsverhalten
Bei sehr vielen Enthaltungen wurden alle Vorschläge angenommen, wobei 5 % gegen die Entlastung des AR, rund 7 % gegen die AR-Vergütung und mehr als 35 % der verbliebenen Anteilseigner gegen den Vergütungsbericht stimmten.
Autor: Cornelius M. Pirch
Bild: Copyright voestalpine AG
| Auf einen Blick: |
| Anwesend: |
62,46 % GK |
| Information: |
3-4 |
| Organisation: |
1 |
| Stimmung: |
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Banken- und Versicherungsaktien: Mehr Substanz als die Bewertungen zeigen
Banken, Versicherer und Zahlungsdienstleister haben sich seit der Finanzkrise grundlegend verändert. Viele Anleger unterschätzen, wie sehr sich die Rahmenbedingungen für den Sektor verbessert haben.
(30.06.2026) Finanzwerte werden von vielen Anlegern noch immer durch die Brille der globalen Finanzkrise betrachtet. Banken gelten als zyklisch, regulierungsanfällig und riskant; Versicherer als schwerfällig; Zahlungsdienstleister werden oft eher dem Technologiesektor zugerechnet. Diese Sicht greift zunehmend zu kurz. Der Finanzsektor von heute ist nicht mehr der Finanzsektor von 2008. Der Sektor ist deutlich widerstandsfähiger geworden. Banken und Versicherer haben seit der Finanzkrise Kapital aufgebaut, ihre Liquidität verbessert, das Risikomanagement gestärkt und ihre Geschäftsmodelle unter strengeren aufsichtsrechtlichen Vorgaben angepasst. Banken verfügen heute über Kapital von höherer Qualität, unterliegen Stresstests, Liquiditätsquoten, Verschuldungsgrenzen und einer stärker vorausschauenden Risikovorsorge. Versicherer arbeiten unter risikosensitiveren Solvabilitätsregeln, mit stärkerer Unternehmensführung, größerer Transparenz und strengerer Aufsicht. Damit tritt der Sektor mit einer deutlich größeren Fähigkeit, Schocks abzufedern, in den aktuellen Konjunkturzyklus ein als vor 2008. Banken und Versicherer sind weniger verschuldet, liquider, besser beaufsichtigt und transparenter. In einem Abschwung dürften sie daher eher als Stabilisatoren denn als Verstärker wirken. Robustheit sollte allerdings nicht mit Immunität verwechselt werden.
Genau hier liegt die Anlagechance. Trotz der starken Branchenentwicklung der vergangenen Jahre bleiben die Erwartungen vieler Anleger verhalten. Die Bewertungen sind weiterhin attraktiv, und solide Kapitalpositionen stützen hohe Kapitalrenditen. Aus unserer Sicht haben sich die Fundamentaldaten des Sektors nachhaltiger verbessert, als es die aktuellen Markterwartungen widerspiegeln. Anleger haben daher Spielraum, das langfristige Wertschöpfungspotenzial von Finanzwerten neu zu bewerten.
Europäische Banken werden weiter unterschätzt
Besonders deutlich zeigt sich das bei europäischen Banken. Ein gewisser Bewertungsabschlag gegenüber US-Instituten ist weiterhin gerechtfertigt. Europa wächst strukturell langsamer, die Banken- und Kapitalmärkte sind fragmentierter, politische und regulatorische Risiken sind höher, und die Kapitalmarktinfrastruktur ist weniger entwickelt. Doch das Ausmaß und die Dauerhaftigkeit dieses Abschlags erscheinen überzogen. Die Märkte unterschätzen, wie nachhaltig sich die Rentabilität vieler europäischer Banken verbessert hat, wie stark ihre Kapitalausstattung heute ist und mit welcher Disziplin überschüssiges Kapital inzwischen verwaltet und ausgeschüttet wird.
Die besten europäischen Institute sollten deshalb nicht länger als angeschlagene Altbanken betrachtet werden, sondern als ausgereifte, gut kapitalisierte Unternehmen, die Kapitalrenditen steigern und über die Zeit attraktiven Shareholder Value schaffen können. Das gilt umso mehr, als Europa vor enormen Investitionsaufgaben steht. Der Draghi-Bericht beziffert den zusätzlichen Investitionsbedarf auf rund 750 bis 800 Milliarden Euro pro Jahr, um Innovationslücken zu schließen, die Wettbewerbsfähigkeit im Energiebereich zu verbessern, die Industrie zu dekarbonisieren sowie Sicherheit und Widerstandsfähigkeit zu stärken. Ein fragmentiertes Finanzsystem wird Schwierigkeiten haben, Kapital in dieser Größenordnung zu mobilisieren. Europa braucht deshalb stärkere Banken, tiefere Kapitalmärkte und eine funktionierende Spar- und Investitionsunion.
Zahlungsdienstleister sind die Technologiegewinner des Sektors
Neben klassischen Banken bieten auch andere Segmente des Finanzsektors strukturelle Chancen. Zahlungsnetzwerke wie Visa und Mastercard sind längst nicht mehr nur klassische Finanzwerte. Sie entwickeln sich zunehmend zu technologiegestützten Infrastrukturunternehmen. Ihr Wert liegt nicht mehr allein in der Kartenakzeptanz, sondern in sicheren, tokenisierten, datenreichen und weltweit interoperablen Zahlungsfunktionen – für Karten, digitale Wallets, E-Commerce, B2B-Zahlungen, Stablecoins und neue digitale Geschäftsmodelle. Damit weisen diese Unternehmen technologieähnliche Merkmale auf: Netzwerkeffekte, hohe Skalierbarkeit, starke Datenvorteile und wiederkehrende Transaktionsaktivitäten. Gleichzeitig bleiben sie tief im regulierten Finanzsystem verankert und sind politischen sowie regulatorischen Risiken ausgesetzt. Gerade diese Mischung macht sie interessant: Sie verbinden strukturelles Wachstum mit einer zentralen Rolle in der globalen Finanzinfrastruktur.
KI kann Produktivität und Effizienz deutlich verbessern
Auch künstliche Intelligenz wird den Finanzsektor verändern. Kurzfristig dürften die größten Effekte bei Produktivität und operativer Effizienz liegen. Finanzunternehmen sind prozess- und datenintensiv und haben hohe Kostenbasen in Technologie, Compliance, Kundenservice, Kreditprüfung und Backoffice. KI kann Routineaufgaben automatisieren, die Dokumentenbearbeitung verbessern, Softwareentwicklung beschleunigen und Mitarbeiter produktiver machen. Besonders konkrete Anwendungsfälle zeichnen sich im Risikomanagement und in der Betrugsprävention ab.
Davon können sowohl etablierte Institute als auch Fintechs profitieren. Große Anbieter verfügen über vertrauensvolle Kundenbeziehungen, umfangreiche Datensätze, Compliance-Kapazitäten und die Möglichkeit, Technologie- und Regulierungskosten auf eine breite Kundenbasis zu verteilen. Fintechs wiederum können neue Lösungen ohne Altlasten entwickeln und dort Marktanteile gewinnen, wo KI bessere Nutzererlebnisse oder effizientere Prozesse ermöglicht.
Entscheidend ist aber: In KI zu investieren ist nicht dasselbe wie einen KI-Vorteil zu haben. Gewinner werden jene Unternehmen sein, die Daten, Größe, Regulierungskompetenz und Umsetzungsdisziplin verbinden.
Die Risiken bleiben beherrschbar, aber real
Die Risiken bleiben dennoch real. Das wichtigste klassische Risiko ist die Kreditqualität. Ein schwächeres makroökonomisches Umfeld könnte in Teilen des Sektors zu höheren Kreditausfällen führen. Die Ausgangslage ist jedoch besser als in früheren Zyklen: Das Kreditwachstum war insgesamt disziplinierter, die Kapitalausstattung robuster, die Kreditvergabestandards haben sich verbessert, und die Rechnungslegung verlangt eine frühzeitigere Erfassung möglicher Verluste.
Das zweite große Risiko ist die operative Widerstandsfähigkeit, insbesondere Cybersicherheit. Finanzunternehmen sind immer stärker digitalisiert und vernetzt. Damit steigen auch die potenziellen Folgen von Cyberangriffen, Betrug und Betriebsstörungen. Für Anleger ist deshalb entscheidend, nicht nur auf Bewertung und Kapitalrenditen zu achten, sondern auch auf Bilanzstärke, Risikokultur, Technologieinvestitionen und die Qualität des Managements.
Anleger sollten das Wertschöpfungspotenzial neu bewerten
Für die kommenden zwölf Monate dürfte der Markt vor allem die Nachhaltigkeit der Wertschöpfung im Finanzsektor unterschätzen. Viele Finanzunternehmen sind besser kapitalisiert, disziplinierter und stärker auf Renditen ausgerichtet als in früheren Zyklen. Sie verfügen über die Bilanzstärke, um von der Sanierungsphase in eine Phase aktiver Wertschöpfung überzugehen – sei es durch organisches Wachstum, Dividenden, Aktienrückkäufe oder Akquisitionen.
Für Anleger sind deshalb jene Finanzunternehmen besonders attraktiv, die nachhaltige Wettbewerbsvorteile, disziplinierte Kapitalallokation und robuste langfristige Wertschöpfungsprofile verbinden. Dazu zählen gut kapitalisierte Banken, Versicherer mit Preissetzungsmacht, technologieähnliche Zahlungsdienstleister sowie Investmentbanken und Banken mit starken Investmentbanking-Sparten.
Der Finanzsektor ist heute besser kapitalisiert, widerstandsfähiger, technologisch anspruchsvoller und strategisch wichtiger für die Finanzierung von Wachstum und Transformation als vor der Finanzkrise. Genau deshalb sollten Anleger Finanzwerte nicht länger unterschätzen.
Budgetsanierung zulasten von Einzelunternehmen und KMU
Das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft trägt eine unverhältnismäßig hohe Last. Ein Kommentar von Martin Trettler, Obmann der Fachgruppe Finanzdienstleister der WKNÖ.
Ein Kommentar von Martin Trettler, Obmann der Fachgruppe Finanzdienstleister der WKNÖ über die Folgen der Streichung des investitionsbedingten Gewinnfreibetrages.
(03.07.2026) Ganz Österreich wurde zuletzt ob den guten Leistungen der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft in eine positive Euphorie versetzt. Das Gezeigte ist nach 28 Jahren WM-Abstinenz sehr ansehnlich.
Nachteil für Freiberufler und Selbständige
Was auf der einen Seite eine positive Grundstimmung im Land auslöst, dämpfen auf der anderen Seite die Ankündigungen diverser Sparmaßnahmen. Denn in der Realpolitik sind die Tage des Sparzwanges eingekehrt.
Neben vielen anderen Punkten trifft die Streichung des investitionsbedingten Gewinnfreibetrages in Form des Ankaufs von Wertpapieren sehr viele Freiberufler und Selbständige besonders hart.
Ungleichbehandlung
Obwohl diese Maßnahme laut aktuellem Informationsstand mit Ende 2029 wieder ausläuft, wirkt sich das bei vielen braven Steuerzahlern sehr negativ aus. Was hier zu wenig bedacht wurde, ist die Tatsache, dass vor allem bei Dienstleistungsberufen Investitionen in Wirtschaftsgüter begrenzt sind und der Ankauf von Wertpapieren die einzige sinnvolle Maßnahme darstellt. Dass der eine Weg offen bleibt und der andere geschlossen wird, ist schlicht und einfach eine Ungleichbehandlung und widerspricht dem Gleichheitsprinzip!
Welches Bild dadurch von den Entscheidungsträgern vermittelt wird, brauche ich hier nicht umfassend erläutern. Der Beigeschmack einer Bestrafung aller leistungswilligen, braven Steuerzahler im Land bleibt und kann auch nicht vom Tisch gewischt werden.
Andere Maßnahmen verpuffen
Die Senkung der Lohnnebenkosten betrifft viele EPUs nicht, wirkt sich daher tendenziell für Einnahmen-Ausgabenrechner kaum aus. Auch die Einführung des Sachbezugs für E-Autos trifft wiederum alle, die bereits auf E-Mobilität umgestiegen sind – ökopolitisch in Anbetracht der globalen Erwärmung ein fatales Signal.
Pensionsproblematik
Im aktuellen Regierungsprogramm wird die Stärkung der zweiten (betrieblichen) und dritten (privaten) Säule der Pensionsvorsoge als vorrangiges Ziel definiert. Viele österreichische Einzelunternehmer haben die investitionsbedingten Gewinnfreibeträge als Vorsorgeinstrument genutzt, eingedenk der Tatsache, dass die demographische Entwicklung in unserem Land das staatliche Umlageverfahren bei weitem nicht finanzieren kann.
Eine aktuelle Zahl dazu: Rund 20 Milliarden Euro werden aus dem Steuertopf in das Pensionssystem gepumpt, Tendenz stark steigend – und das bei einem aktuellen Verhältnis von etwa drei Beitragszahlern zu einem Pensionsbezieher. Bis 2050 sinkt das Verhältnis auf 2:1, so viel zur Realität!
Stückwerk statt großer Wurf
Hier nun den Sparstift anzusetzen, erscheint weder durchdacht noch längerfristig sinnvoll zu sein. Alle verantwortungsvollen Politiker müssen ihre Entscheidungen auf faktenbasierten Modellen aufbauen, ansonsten fährt man über kurz oder lang das System an die Wand. Es ist endlich an der Zeit, die großen Probleme anzugehen und nicht mit Stückwerk den Fleckerlteppich diverser Budgetmaßnahmen Jahr für Jahr weiter zu weben, noch undurchsichtiger, noch komplizierter, noch diffuser.
Große Belastungen für Fleißige
Kurzum habe ich den Eindruck, dass das Rückgrat unserer österreichischen Wirtschaft, die Vielzahl der Einzelunternehmer und KMUs, unverhältnismäßig viel für die Budgetsanierung in den nächsten Jahren beizutragen hat. Als leistungsorientierten Unternehmer lassen mich diese Maßnahmen mit Zweifeln zurück.
Was ich als Selbständiger tagtäglich umsetzen muss, um langfristig erfolgreich zu wirtschaften, erwarte ich mir natürlich von staatlicher Seite auch! Wo sind die Grundregeln eines vorsichtig kalkulierenden Kaufmanns geblieben? Wo sind die Eckpfeiler der Maastricht-Kriterien geblieben? Ich denke da an Zeiten von 60 % Gesamtverschuldung im Verhältnis zum BIP? Wo ist der demütige Umgang mit öffentlichen Geldern? Demütig im Sinne von einer Finanzgebarung, die so konzipiert ist, als ob es das eigene Geld wäre, das ausgegeben wird.
Stückwerk und Fleckerlteppich: Sinnfrage poppt auf
Kurzum stelle ich mir als Unternehmer bzw. Selbständiger in Österreich in Anbetracht dieser Maßnahmen die ehrliche Frage: Zahlt sich der ganze Einsatz überhaupt noch aus? Ist nicht jeder Input, den ich mehr zu leisten gewillt bin, am Ende des Tages ein Opfer eines fiskalisch minimierten Outputs?
Obwohl ich Optimist bin, kann ich obige Frage nicht mit einem bedingungslosen Ja beantworten! Ein ehemaliger Bundeskanzler hat einmal festgestellt, dass alles sehr kompliziert sei. Ja, wenn man sich von Stückwerk zu Stückwerk und Fleckerlteppich zu Fleckerlteppich hantelt, und Nein, wenn man das große Ganze im Auge behält und in Generationen statt von Wahl zu Wahl denkt.
Mein Appell an die Regierung
Unsere Entscheidungsträger sollten sich eine große Scheibe von unseren Team-Kickern abschneiden: Es zählt nur die Mannschaft und nie das Ego. UND man setzt sich große Ziele und handelt mutig danach!
Bild: KI generiert / Börsen-Kurier
Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV): Wann ist eine Aktie günstig?
Kurzfassung
- Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) zeigt, ob eine Aktie unter oder über Buchwert notiert – aber es ist nur ein grober Indikator.
- Beispiele wie OMV, Voestalpine, AT&S und Andritz zeigen: Analysten bewerten oft völlig anders als das KBV vermuten lässt.
- Immaterielle Werte wie Patente, Marken und Know-how verzerren den Buchwert erheblich.
- Zukunftskennzahlen wie Book-to-Bill sind oft aussagekräftiger als der reine Buchwert.
- Hohe Renditeerwartungen – etwa bei der Bawag – können ein hohes KBV rechtfertigen.
Was ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)?
Das Kurs-Buchwert-Verhältnis, kurz KBV, gehört zu den klassischen Kennzahlen zur Bewertung von Aktien. Es zeigt, wie der Markt ein Unternehmen im Verhältnis zu seinem bilanziellen Eigenkapital bewertet.
Vereinfacht ausgedrückt:
KBV = Börsenwert ÷ Buchwert des Eigenkapitals
Ein KBV von 1 bedeutet, dass ein Unternehmen an der Börse ungefähr mit seinem bilanziellen Eigenkapital bewertet wird. Bei einem KBV von 2 beträgt der Börsenwert das Doppelte des Buchwerts.
Für Anleger stellt sich damit die Frage: Ist eine Aktie mit einem KBV unter 1 automatisch günstig – und eine Aktie mit einem hohen KBV teuer?
So einfach ist es nicht.
Was bedeutet ein KBV unter 1?
Bei einem KBV unter 1 liegt der Börsenwert eines Unternehmens unter seinem bilanziellen Eigenkapital. Auf den ersten Blick kann das auf eine Unterbewertung hindeuten.
An der Wiener Börse finden sich dafür Beispiele. So wurde die OMV zuletzt unter ihrem Buchwert bewertet, auch bei Voestalpine lag das KBV in der Nähe dieser Schwelle.
Doch ein niedriges KBV kann unterschiedliche Ursachen haben. Der Markt kann beispielsweise schwächere Gewinne, hohe Investitionen, Branchenrisiken oder eine niedrige künftige Rentabilität erwarten.
Ein KBV unter 1 ist deshalb ein möglicher Hinweis auf eine günstige Bewertung – aber noch kein Kaufsignal.
Warum ein hohes KBV nicht automatisch teuer ist
Umgekehrt muss eine Aktie mit einem hohen Kurs-Buchwert-Verhältnis nicht überbewertet sein.
Das zeigt etwa AT&S. Der Leiterplattenhersteller wurde zuletzt mit einem Vielfachen seines Buchwerts bewertet. Auch beim Maschinenbauer Andritz liegt der Börsenwert deutlich über dem bilanziellen Eigenkapital.
Dass Investoren bereit sind, deutlich mehr als den Buchwert zu bezahlen, kann gute Gründe haben. Entscheidend ist, welche Gewinne und Renditen ein Unternehmen künftig mit seinem Kapital erwirtschaften kann.
Ein profitables Unternehmen mit guten Wachstumsaussichten kann daher ein deutlich höheres KBV rechtfertigen als ein Unternehmen, das sein Eigenkapital nur schwach verzinst.
Wo liegen die Schwächen des KBV?
Der Buchwert bildet nicht zwangsläufig den tatsächlichen wirtschaftlichen Wert eines Unternehmens ab.
Besonders deutlich wird das bei Unternehmen, deren Wert stark auf Patenten, Marken, Software, Forschung oder Know-how beruht. Solche immateriellen Werte werden in der Bilanz nur teilweise erfasst.
Das KBV blickt außerdem auf den bilanziellen Ist-Zustand. Es sagt wenig darüber aus, wie sich Umsatz, Gewinne und Cashflows künftig entwickeln werden.
Eine Aktie kann deshalb trotz niedrigen KBV teuer sein, wenn die Gewinne dauerhaft sinken. Umgekehrt kann ein Unternehmen mit hohem KBV attraktiv bewertet sein, wenn es hohe Renditen erzielt und stark wächst.
Bei welchen Aktien ist das KBV besonders aussagekräftig?
Wie wichtig das Kurs-Buchwert-Verhältnis ist, hängt stark von der Branche ab.
Bei Banken und anderen Finanzunternehmen spielt der Buchwert traditionell eine größere Rolle, weil ein wesentlicher Teil ihrer Vermögenswerte und Verbindlichkeiten in der Bilanz abgebildet wird.
Doch auch hier sollte das KBV gemeinsam mit der Profitabilität betrachtet werden.
Ein Beispiel ist die Bawag. Ihr Kurs-Buchwert-Verhältnis liegt deutlich über dem Buchwert. Gleichzeitig erwarten Analysten eine sehr hohe Eigenkapitalrendite. Eine hohe Profitabilität kann daher auch eine entsprechend höhere Bewertung rechtfertigen.
Ähnliches zeigt die Entwicklung der Erste Group Bank: 2022 und 2023 lag ihre Bewertung noch unter dem Buchwert. Inzwischen liegt die Marktkapitalisierung deutlich darüber.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur: Wie hoch ist das KBV?
Sondern auch: Welche Rendite erwirtschaftet das Unternehmen mit seinem Eigenkapital?
KBV nie isoliert betrachten
Das Kurs-Buchwert-Verhältnis kann Anlegern eine erste Orientierung geben. Für sich allein reicht die Kennzahl jedoch nicht aus, um zu entscheiden, ob eine Aktie günstig oder teuer ist.
Je nach Unternehmen sollten weitere Kennzahlen hinzukommen, beispielsweise:
- Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)
- EV/EBIT
- Eigenkapitalrendite (ROE)
- Verschuldung
- Free Cashflow
- Gewinn- und Wachstumsaussichten
Besonders aufschlussreich ist die Kombination aus Bewertung und Profitabilität. Ein niedriges KBV bei dauerhaft schwacher Eigenkapitalrendite kann ein Warnsignal sein. Ein höheres KBV kann dagegen gerechtfertigt sein, wenn ein Unternehmen hohe und nachhaltige Renditen erwirtschaftet.
→ Wie Anleger verschiedene Bewertungskennzahlen kombinieren und echte Kaufchancen von sogenannten Value Traps unterscheiden können, zeigt unser Leitfaden „Unterbewertete Aktien finden“.
Fazit: Wann spricht das KBV für eine günstige Aktie?
Ein niedriges Kurs-Buchwert-Verhältnis kann ein erster Hinweis auf eine unterbewertete Aktie sein. Es beantwortet aber nicht die entscheidende Frage, warum der Markt ein Unternehmen niedrig bewertet.
Für Anleger gilt daher:
KBV unter 1 + schwache Profitabilität = nicht automatisch günstig.
Höheres KBV + hohe nachhaltige Rendite = nicht automatisch teuer.
Erst gemeinsam mit Profitabilität, Bilanzqualität und Geschäftsaussichten wird das Kurs-Buchwert-Verhältnis zu einer aussagekräftigen Kennzahl für die Aktienbewertung.
Autor: Christian Sec
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Billig-Yuan kostet Wachstum
China schadet deutscher Wirtschaft massiv.
(03.07.2026) Die globalen Ungleichgewichte verschärfen sich. Ein wesentlicher Grund ist der hohe Leistungsbilanzüberschuss Chinas, dessen Yuan von vielen Experten als unterbewertet angesehen wird. Der vergleichsweise schwache Wechselkurs stärkt die Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Exporte, während deutsche Produkte im Reich der Mitte an Preisattraktivität verlieren.
Wie groß der Einfluss des Yuan tatsächlich ist, zeigt eine Simulation des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW): Wäre die chinesische Währung fair bewertet, läge das deutsche Bruttoinlandsprodukt zwischen 2026 und 2028 kumuliert um rund 43 MrdE höher. Das preisbereinigte BIP in der Bundesrepublik und dem Euroraum würde bei einer fairen Bewertung des Yuan im Jahr 2028 um bis zu 0,3 % höher ausfallen.
Unfairer Konkurrenzdruck
Vor allem exportorientierte Schlüsselbranchen wie Maschinenbau, Chemie und Automobilindustrie leiden unter den verzerrten Wettbewerbsbedingungen. Der vergleichsweise schwache Yuan stärkt die Preiswettbewerbsfähigkeit chinesischer Exporte, während deutsche Produkte in China an Attraktivität verlieren. Entsprechend weitete sich das deutsche Handelsbilanzdefizit im Warenhandel mit China 2025 auf den Rekordwert von rund 90 Milliarden Euro aus.
„Für den freien Handel ist Chinas Währungsmanagement Gift“, sagt Studienautor Jürgen Matthes, der beim IW die Internationale Wirtschaftspolitik, Finanz- und Immobilienmärkte leitet. Die Unterbewertung des Yuan ermögliche es chinesischen Unternehmen, ihre Produkte deutlich günstiger auf den Weltmärkten anzubieten, als es unter fairen Wettbewerbsbedingungen möglich wäre. „China spielt mit gezinkten Karten“, so Matthes.
Der Ökonom geht noch weiter: „Durch die gestiegenen Defizite im Handel mit China sowie vor allem durch die Anteilsverluste auf den globalen Exportmärkten trägt der zu erheblichen Teilen unfaire Konkurrenzdruck Chinas damit maßgeblich zur Deindustrialisierung in Europa und Deutschland bei.“ Die EU und Deutschland sollten daher nach Ansicht von Matthes versuchen, auf China einzuwirken, damit es die nötigen Reformen für ein Rebalancing vornimmt.
Handelspolitische Gegenmaßnahmen
Sollte Peking darauf nicht mit ausreichender Konsequenz reagieren, sollte die EU Ausgleichszölle erheben. „Derartige gezielte und gut begründete Ausgleichszölle haben nichts mit Protektionismus zu tun“, schreiben die Autoren um Matthes, „vielmehr sind sie ein Instrument der Ordnungs- und Wettbewerbspolitik“.
Die Studie liefert ein weiteres Argument dafür, dass die Probleme der deutschen Industrie nicht ausschließlich hausgemacht sind. Neben hohen Energiepreisen und strukturellen Standortnachteilen spielt auch der internationale Wettbewerbsrahmen eine wichtige Rolle. Solange China seine Unternehmen über einen dauerhaft schwachen Yuan begünstigt, bleibt der Ruf nach handelspolitischen Gegenmaßnahmen nachvollziehbar. Die Herausforderung besteht darin, faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, ohne in einen neuen Protektionismus abzurutschen.
Autor: Christian Euler, Frankfurt
Foto: Eric Prouzet auf Unsplash
ATX Kaufempfehlung: Die spannendsten Aktien an der Wiener Börse
Nach der kräftigen Kursrally folgte an der Wiener Börse im Oktober eine deutliche Korrektur. Welche ATX-Aktien bieten angesichts der gesunkenen Kurse noch Potenzial? Analysten sehen Chancen bei profitablen Banken und ausgewählten Industriewerten.
Aktualisiert: 9. Oktober 2026
Inhaltsverzeichnis
ATX Prognose 2026: Wie viel Potenzial bleibt?
- Erste Group: Bankenaktie mit starkem Osteuropa-Geschäft
- Vienna Insurance Group: Gewinnwachstum und Dividenden
- Andritz: Wachstum durch Energie- und Umwelttechnik
- PORR: Potenzial durch Infrastrukturinvestitionen
- SBO: Ölservice-Aktie mit hohem Risiko
- Agrana: Ergebniswende statt defensiver Dividendenwert
ATX-Entwicklung 2026: Hohe Kursgewinne, steigende Risiken
Der österreichische Aktienmarkt zählt auch 2026 zu den stärkeren Börsen Europas. Bereits 2025 hatte der Aktienindex der Wiener Börse, der ATX, mit einem Kursplus von 45,41 % sein bestes Börsenjahr seit 2005 verzeichnet. Im ersten Halbjahr 2026 legte der Leitindex um weitere rund 20 % zu. Die Rallye setzte sich zunächst fort: Anfang Oktober erreichte der ATX mit 7.043 Punkten ein neues Jahreshoch. Danach folgte eine deutliche Korrektur. Allein im Oktober verlor der Index 6,36 % und schloss am 30. Oktober bei 6.420,03 Punkten. Trotz des Rückschlags lag der ATX damit seit Jahresbeginn noch immer 20,77 % im Plus.
Für Anleger stellt sich damit eine entscheidende Frage: Welche ATX-Aktien sind nach den starken Kursanstiegen noch kaufenswert?
Dabei lohnt sich der Blick auf Unternehmen, deren Gewinne weiter steigen könnten, die im Branchenvergleich günstig bewertet sind oder von einer Erholung ihrer Märkte profitieren dürften.
ATX Kaufempfehlungen: Aktien im Überblick
| Aktie |
Was für den Titel spricht |
Wichtigstes Risiko |
| Erste Group |
Profitabilität und Wachstum in CEE |
Zinsen und Kreditrisiken |
| Vienna Insurance Group |
Gewinnwachstum und Dividenden |
Höhere Schadensbelastung |
| Andritz |
Auftragsbestand und Umwelttechnik |
Schwache Industriekonjunktur |
| PORR |
Infrastruktur und Bauinvestitionen |
Projektkosten und Margen |
| SBO |
Erholung der Ölservice-Nachfrage |
Ölpreis und Investitionszyklen |
| Agrana |
Mögliche Ergebniswende |
Zucker- und Energiepreise |
Die Übersicht zeigt die wesentlichen Investmentthesen und Risiken. Sie ist keine Rangliste nach aktuellem Kurspotenzial. Nicht für alle Unternehmen liegen gleichermaßen aktuelle, verifizierte Analystenempfehlungen vor.
ATX: Kursrückgang seit Jahreshoch
Nach den kräftigen Kursgewinnen der vergangenen beiden Jahre sind die Erwartungen an die Unternehmen gestiegen. Anfang Oktober erreichte der ATX mit 7.043 Punkten einen neuen Jahreshöchststand, bevor eine deutliche Korrektur einsetzte. Bis zum 30. Oktober fiel der Leitindex auf 6.420,03 Punkte zurück. Das entspricht einem Rückgang von rund 8,8 % gegenüber dem Jahreshoch.
Trotz dieser Entwicklung lag der ATX seit Jahresbeginn noch immer 20,77 % im Plus. Die Korrektur zeigt allerdings, dass auch der Wiener Aktienmarkt anfällig für Gewinnmitnahmen bleibt. Gleichzeitig unterscheiden sich die Perspektiven der einzelnen Unternehmen erheblich.
Vier Faktoren bestimmen die weitere ATX-Entwicklung
- Unternehmensgewinne: Können Banken, Versicherungen und Industrieunternehmen ihre Ergebnisse weiter steigern und die Gewinnerwartungen erfüllen?
- Zinsentwicklung: Wie beeinflussen die Geldpolitik der EZB und die Finanzierungskosten die Ertragsaussichten der Unternehmen?
- Energiepreise: Welche Folgen haben Öl- und Gaspreise für Produktionskosten, Inflation und Konsumnachfrage?
- Wachstum in Zentral- und Osteuropa (CEE): Können österreichische Unternehmen weiterhin von ihren starken Marktpositionen und den Wachstumsaussichten dieser Region profitieren?
Eine pauschale ATX-Kursprognose greift deshalb zu kurz. Entscheidend wird sein, ob die Unternehmensgewinne weiter steigen und die Bewertungen rechtfertigen. Gerade nach der starken Rallye dürften Anleger verstärkt darauf achten, welche Unternehmen ihre Wachstumsziele tatsächlich erreichen.
Welche ATX-Aktien Analysten zum Kauf empfehlen
1. Finanzbranche
Erste Group: Polen-Expansion bringt neuen Wachstumsschub
Die Erste Group zählt zu den profitabelsten Bankkonzernen in Zentral- und Osteuropa. Mit der Übernahme der Erste Bank Polska hat der Konzern seine Marktposition weiter ausgebaut. Auch das bestehende Geschäft wächst kräftig.
Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Betriebserträge stärker als die Kosten. Die Kosten-Ertrags-Relation verbesserte sich von 47,7 auf 44,4 %. Zwar sorgte die erstmalige Einbeziehung der polnischen Bank für einen deutlichen Ertragssprung, doch auch ohne diesen Effekt legten der Zinsüberschuss um 6,1 % und der Provisionsüberschuss um 8,8 % zu.
Gleichzeitig verbesserte sich die Kreditqualität: Der Anteil notleidender Kredite (NPL-Ratio) sank gegenüber dem Vorjahr von 2,5 auf 2,3 %.
Was für die Erste-Group-Aktie spricht:
- Polen-Expansion: Die Erste Bank Polska liefert zusätzliche Erträge und eröffnet neue Wachstumsmöglichkeiten.
- Steigende Profitabilität: Die Kosten wachsen langsamer als die Erträge.
- Solide Kreditqualität: Der Anteil notleidender Kredite ist weiter gesunken.
- Ambitionierte Gewinnziele: Bis 2030 will das Management den bereinigten Gewinn je Aktie von 7,72 € (2025) auf mehr als 15 € nahezu verdoppeln.
Auch Analysten rechnen mit deutlichem Gewinnwachstum. Der Konsens von 17 Analysten bei MarketScreener erwartet einen Anstieg des Gewinns je Aktie von 9,84 € im Jahr 2026 auf 12,33 € im Jahr 2028.
Bei einem Aktienkurs von 116,30 € entspräche das für 2028 einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 9,4. Voraussetzung ist allerdings, dass die prognostizierten Gewinne tatsächlich erreicht werden.
Das Risiko: Eine schwächere Konjunktur in Zentral- und Osteuropa, steigende Kreditausfälle oder höhere Integrationskosten in Polen könnten das Gewinnwachstum bremsen.
Vienna Insurance Group: Gewinnwachstum und Dividenden mit Substanz
Die Vienna Insurance Group (VIG) zählt zu den führenden Versicherungsgruppen in Zentral- und Osteuropa. Mit der im Mai 2026 abgeschlossenen Übernahme der Nürnberger Versicherung stärkt der Konzern seine Marktposition in Deutschland. Gleichzeitig setzt sich die positive Ergebnisentwicklung fort.
Auch für Dividendenanleger ist die Aktie der Vienna Insurance Group interessant: Seit dem Börsengang 1994 hat der Versicherer jedes Jahr eine Dividende ausgeschüttet. Für das Geschäftsjahr 2025 stieg sie von 1,55 auf 1,73 € je Aktie. Bei einem Aktienkurs von 65,50 € entspricht das einer Dividendenrendite von 2,64 %.
Was für die VIG-Aktie spricht:
- Gewinnwachstum: Analysten erwarten zwischen 2025 und 2028 einen durchschnittlichen Gewinnanstieg von rund 10 % jährlich.
- Attraktive Bewertung: Auf Basis der erwarteten Gewinne für 2028 ergibt sich ein KGV von rund 7,5.
- Dividendenkontinuität: Seit mehr als 30 Jahren zahlt die VIG ohne Unterbrechung Dividenden
- Expansion: Die Nürnberger-Übernahme stärkt die Position auf dem deutschen Versicherungsmarkt.
Die Kombination aus erwartetem Gewinnwachstum und vergleichsweise niedriger Bewertung könnte der Aktie weiteres Kurspotenzial eröffnen. Voraussetzung ist allerdings, dass die VIG ihre Gewinnziele erreicht und die Integration der Nürnberger erfolgreich verläuft.
Das Risiko: Höhere Schäden durch Naturkatastrophen, steigende Kosten und mögliche Belastungen aus der Übernahme könnten die Profitabilität beeinträchtigen.
2. Industrie & Maschinenbau
Andritz
UBS gibt für den Industrie‑Technologieanbieter Andritz eine Kaufempfehlung aus. Begründung der Empfehlung:
- Nach den Quartalszahlen hat UBS das Kursziel angehoben und die Kaufempfehlung bestätigt.
- Ausschlaggebend war der starke Auftragseingang, insbesondere die hohe Dynamik im Neugeschäft.
- Die Analysten argumentieren, dass Andritz vom Markt noch immer wie ein klassischer zyklischer Maschinenbauer bewertet werde, obwohl sich das Unternehmen zunehmend zu einem strukturellen Wachstumswert entwickle.
- UBS sieht deshalb weiteres Kurspotenzial.
Die Deutsche Bank Research ist für den steirischen Techkonzern und Maschinenbauer ebenfalls positiv gestimmt und erhöhte ebenfalls ihr Kursziel und bekräftigte die Kaufempfehlung.
Positiv bewertet werden:
- der Rekord-Auftragsbestand,
- erfolgreiche Kostensenkungsmaßnahmen,
- erwartetes Gewinnwachstum in allen vier Geschäftsbereichen.
- Die Analysten sehen die Grundlage für eine nachhaltige Verbesserung von Umsatz und Profitabilität.
Diese Empfehlung wurde ausgesprochen, obwohl bei einem Kunden von Andritz, Schuler, die deutsche Tochtergesellschaft im Segment Metals, die stark von der Automobilindustrie abhängt, 500 Stellen abgebaut werden. Generell verzögert die zyklische Abkühlung der globalen Industrie, im Speziellen der Autoindustrie, derzeit Investitionsentscheidungen, was auch Andritz zu spüren bekommt. Doch gleichzeitig entwickeln sich andere Geschäftsbereiche bei Andritz deutlich besser. Deshalb sind Analysten trotz der negativen Nachrichten insgesamt positiv für die Aktie gestimmt.
Gut entwickeln sich die übrige Andritz-Geschäfte
- Wasserkraft (Hydro)
- Zellstoff & Papier
- Umwelt- und Recyclingtechnik
- Servicegeschäft.
Denn der Konzern profitiert von:
-
- Investitionen in Energie‑ und Umwelttechnik
- steigender Nachfrage nach Recycling‑ und Ressourceneffizienz‑Lösungen
- einer starken Position im Metalltechnik‑Segment
- einem Servicegeschäft, das stabile Cashflows liefert.
Weiterführende Story: Erneuerbare Energien: Aktien, die jetzt liefern
3. Bau & Infrastruktur
PORR – Kurspotenzial nach deutlicher Korrektur
Die PORR-Aktie hat seit Mitte September rund 19 % an Wert verloren. Auslöser des besonders starken Kursrückgangs am 23. September war die Platzierung einer Hybrid-Wandelanleihe über 150 Mio. €. Die damit verbundene Aktienplatzierung zu 33 € führte zu zusätzlichem Verkaufsdruck. Analysten der Raiffeisen Bank International bewerteten den Rückgang überwiegend als technisch bedingt.
Fundamental zeigt sich der österreichische Baukonzern weiterhin robust. Im ersten Halbjahr 2026 stieg das Betriebsergebnis um 15,6 %, der Periodengewinn um 23,9 %. Der Auftragsbestand erreichte 9,84 Mrd. € und sichert die Auslastung für rund eineinhalb Jahre.
Was für PORR spricht:
- Hoher Auftragsbestand: Mit 9,84 Mrd. € verfügt der Konzern über eine gute Auslastung.
- Steigende Profitabilität: Das EBIT wuchs im ersten Halbjahr trotz leicht rückläufiger Umsätze zweistellig.
- Infrastrukturinvestitionen: Bahn-, Energie- und Verkehrsprojekte bieten Wachstumsmöglichkeiten, insbesondere in Deutschland und Zentral- und Osteuropa.
- Kurspotenzial: Die veröffentlichten Analystenkursziele liegen zwischen 36 und 46 € und damit deutlich über dem Kursniveau von Mitte Oktober.
Risiken bestehen im rückläufigen Auftragseingang, der gestiegenen Nettoverschuldung und möglichen Verwässerungseffekten durch die Wandelanleihe. Auch Projektverzögerungen und Kostensteigerungen können die Margen belasten.
Für Anleger bleibt PORR damit ein interessanter, aber konjunktursensitiver Infrastrukturwert. Entscheidend für eine nachhaltige Kurserholung wird sein, ob der Konzern seine hohe Auftragsbasis in steigende Gewinne und einen stärkeren Cashflow umsetzen kann.
- solide Bilanz nach den Restrukturierungsjahren
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EZB Zinserhöhung Pro und Contra: Kritiker warnen vor Fehlentscheidungen
4. Energie & Ölservice
SBO – Steigende Aufträge nähren Hoffnung auf Trendwende
Die SBO-Aktie notiert rund 22 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Der starke Gewinneinbruch im ersten Halbjahr 2026 und die Unsicherheit über die Investitionen der Öl- und Gasindustrie belasten den Titel. Gleichzeitig mehren sich die Anzeichen einer operativen Erholung.
Während der Umsatz im ersten Halbjahr um 19,3 % zurückging und der Nettogewinn nahezu vollständig einbrach, stieg der Auftragseingang um 8,5 % auf 235,3 Mio. €. Auch der Auftragsbestand legte deutlich zu. Im zweiten Quartal verbesserte sich das Betriebsergebnis gegenüber dem Vorquartal bereits um 52,2 %.
Was für SBO spricht:
- Trendwende bei den Aufträgen: Der Auftragseingang wächst wieder, der Auftragsbestand liegt 31,7 % über dem Jahresbeginn.
- Technologischer Vorsprung: SBO ist auf hochpräzise Komponenten und Spezialausrüstung für die Energieindustrie spezialisiert.
- Neue Wachstumsmärkte: Geothermie, 3D-Metalldruck und Hochleistungswerkstoffe verringern langfristig die Abhängigkeit vom Öl- und Gasgeschäft.
- Solide Liquidität: Ende Juni verfügte SBO über liquide Mittel von rund 255 Mio. €.
- Kurspotenzial: Das durchschnittliche Analystenkursziel von 34,40 € liegt rund 17 % über dem Kursniveau vom 20. Oktober.
Allerdings bleibt die Erholung mit Risiken verbunden. Die EBITDA-Marge sank im ersten Halbjahr von 17,5 auf 11,8 %, die Nettoverschuldung stieg. Entscheidend ist nun, ob die höheren Auftragseingänge wieder zu steigenden Umsätzen und Gewinnen führen.
Für risikobereite Anleger bleibt SBO eine interessante Turnaround-Spekulation. Bestätigt sich die operative Erholung, könnte die Aktie überdurchschnittlich profitieren. Der nächste wichtige Prüfstein sind die Quartalszahlen am 26. November.
5. Defensiver Wert
Agrana – Stabilität, Dividende, CEE‑Stärke
Agrana bleibt 2026 ein defensiver Stabilitätswert im ATX. Im ersten Quartal 2026 profitierte das Unternehmen von stabileren Zuckerpreisen, während Energiepreise erneut anzogen. Die Stärke des Geschäftsmodells liegt in der breiten Diversifikation über Zucker, Stärke und Frucht.
Agrana bleibt abhängig von:
- Zuckerpreisen
- Energiepreisen
- globalen Agrarrohstofftrends
Doch genau diese Faktoren sind im Kurs weitgehend eingepreist. Für Investoren interessant bleiben:
- stabile Dividendenpolitik
- defensive Positionierung
- starke Marktstellung in CEE
Agrana ist kein Wachstumswert – aber ein verlässlicher Dividendenbringer und ein Titel, der in volatilen Marktphasen Stabilität bietet.
Attraktive Dividendentitel im ATX
Düngemittel-Aktien im Höhenflug: Warum Hersteller jetzt profitieren
Aktuelle Makrotrends, die für ATX-Anleger entscheidend sind
Zinsen
Die EZB‑Politik bleibt der wichtigste Treiber für Bau, Immobilien, Banken und Industrie.
Energiepreise
Volatilität wirkt sich direkt auf SBO, OMV und Agrana aus.
CEE‑Konjunktur
Der ATX profitiert traditionell stark von Osteuropa – ein Vorteil gegenüber vielen westeuropäischen Indizes.
Geopolitik
Lieferketten, Energieabhängigkeiten und regionale Konflikte bleiben Risikofaktoren.
Risiko‑Check 2026
- Tech‑Bewertungen könnten kippen
- Geopolitische Lage bleibt unsicher
- Baukonjunktur in Deutschland schwach
- Energiepreise volatil
Fazit: Wo Anleger im Herbst 2026 Chancen finden
Der ATX bleibt ein Markt für Value‑Investoren, Dividendenjäger und langfristig orientierte Anleger. Underperformer bieten besonders attraktive Chancen, weil:
- der Gesamtmarkt stark gelaufen ist
- so mancher Titel noch Bewertungsabschläge aufweist
- strukturelle Trends (CEE, Energie, Industrie) intakt bleiben.
Wer selektiv vorgeht, findet im ATX 2026 mehrere Nachzügler, die bei einer Normalisierung der Rahmenbedingungen erhebliches Aufholpotenzial haben.
Autoren: Michael Kordovsky. Anneliese Proissl
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Die besten Klimawandel‑Aktien 2026: Energieeffizienz und Green‑IT im Fokus
Neue Daten aus Juli 2026 zeigen: Energieeffizienz und Green‑IT wachsen doppelt so schnell wie klassische Erneuerbare – und liefern die stabilsten Renditen.
Kurzfassung:
- Energieeffizienz wächst schneller als Solar & Wind
- Green‑IT verdoppelt Marktvolumen bis 2029
- Gebäudesektor verursacht 1/3 des Energieverbrauchs
- Analysten empfehlen 10 klare Klimawandel‑Aktien
- Tech‑Korrektur schafft neue Einstiegsgelegenheiten
- Energieeinsparung schlägt Energieerzeugung
(7.7.2026)
Die aktuellen Profiteure des Klimawandels
Die Diskussion über nachhaltiges Investieren dreht sich oft um Windkraft und Solarenergie. Zwar wachsen diese Bereiche weiter, doch hoher Wettbewerbsdruck, sinkende Margen und Insolvenzen im Zulieferbereich begrenzen die Renditen. Die aktuellen Klimawandel‑Profiteure entstehen dort, wo Energie eingespart, Gebäude modernisiert und digitale Infrastruktur effizienter wird. Genau diese Felder zählen derzeit zu den strukturell stärksten Wachstumsmärkten. Diese Märkte sind zudem weniger abhängig von Rohstoffpreisen, weniger volatil und stärker politisch unterstützt.
Für Anleger bedeutet das: Wer Klimawandel‑Profiteure identifizieren will, muss den Blick weiten — weg von den klassischen Erneuerbaren, hin zu Energieeffizienz‑Investments und Green‑IT‑Strukturen.
Energetisches Bauen & Sanieren – der unterschätzte Renditehebel
40 % Investitionswachstum in nur zehn Jahren
Zwischen 2011 und 2022 stiegen die Investitionen in energetische Sanierungen um fast 40 % auf 67 Mrd. Euro. 2023 gab es eine leichte Delle, aber strukturell bleibt der Trend intakt.
Warum dieser Sektor zu den wichtigsten Klimawandel‑Profiteuren zählt:
- Gebäude verursachen ein Drittel des gesamten Energieverbrauchs
- Sanierungen sind politisch gewollt und regulatorisch gestützt
- Förderprogramme stabilisieren Nachfrage
- Unternehmen profitieren von planbaren, langfristigen Aufträgen
- Margen sind höher als im Wind/Solar‑Segment
Für Anleger entsteht hier ein Markt, der weniger volatil ist — und stärker von strukturellem Bedarf getragen wird.
Green IT – der am schnellsten wachsende Klimawandel‑Profiteur
Marktvolumen verdoppelt sich bis 2029
Rechenzentren verbrauchen heute so viel Energie wie ganz Deutschland inklusive Haushalten, Industrie und öffentlicher Einrichtungen. Das macht Green IT zu einem zentralen Hebel der Dekarbonisierung und damit zu einer der spannendsten Bereiche in der Kategorie Klimawandel-Aktien.
Aktuelle Zahlen:
- Marktvolumen 2024: 24 Mrd. USD
- Prognose 2029: 50 Mrd. USD
- CAGR: 16 %
Green IT umfasst:
- energieeffiziente Server
- Kühltechnologien
- Software zur Lastoptimierung
- nachhaltige Cloud‑Architekturen
Damit wird Green IT zu einem der dynamischsten Klimawandel‑Profiteure der kommenden Jahre. Quelle: Eurostat, Renewable Energy Statistics.
🟩 Worauf Anleger bei Green‑IT‑Investments achten sollten
Investments in Clean‑Tech‑ und Green‑IT‑Unternehmen gelten als strategisch spannend, gehören aber gleichzeitig zu den volatilsten und risikoreichsten Segmenten des gesamten Technologiemarkts. Die Branche ist stark abhängig von staatlichen Förderprogrammen, Zinsumfeld, Projektzyklen, Lieferketten und der Kapitalintensität großer Infrastrukturvorhaben.
Worauf Anleger bei der Auswahl von Green-IT-Aktien achten sollten
Anleger sollten daher besonders auf Margenentwicklung, Auftragslage, Projektverschiebungen, Bewertungshöhe, Cashflow‑Stabilität und die Zyklizität einzelner Teilmärkte achten.
Während Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen, etwa in Energieeffizienz oder Chipfertigung, vergleichsweise robust bleiben, zeigen Speicher‑ und Infrastrukturwerte immer wieder extreme Ausschläge. Der jüngste Kursverfall bei Fluence Energy verdeutlicht, wie schnell sich Marktstimmung drehen kann, wenn Margen unter Druck geraten oder Projekte verzögert werden. Vor diesem Hintergrund lohnt ein genauer Blick auf jene Clean‑Tech‑Aktien, die Analysten aktuell positiv einschätzen – und auf die Risiken, die Anleger im Auge behalten sollten.
10 Top Aktien, die vom Klimawandel profitieren
Top‑5 Energieeffizienz‑Aktien
Segment: Energieeffizienz, Smart Grids, Rechenzentrums‑Optimierung
- Mehrere Investmentgesellschaften wie HSBC, BNP Paribas und Jefferies) stufen Schneider im Juli 2026 als Outperform ein.
- Treiber: Rechenzentren‑Energieeffizienz, KI‑optimierte Laststeuerung, EU‑Green‑Deal‑Investitionen. Warum relevant: Schneider ist 2026 einer der größten Profiteure des Booms energiehungriger KI‑Rechenzentren.
Die Aktie ist in den vergangenen zwölf Monaten um knapp 25 Prozent gestiegen.
Globaler Marktführer für Gebäudeeffizienz, Automatisierung und Industrie‑Energieoptimierung.
Analystenmeinung: Deutsche Bank, UBS, Goldman Sachs → Buy
Relevanz: Energieeffiziente Gebäude & Industrieprozesse → Breit diversifiziert, hohe Resilienz, starke Analystenbasis.
Die Aktie ist im letzten Monat um fast vier Prozent gestiegen und in den letzten fünf Jahren stetig gestiegen. Gesamtkurszuwachs seither: 112 %.
Weltmarktführer für energieeffiziente Rechenzentren – ein Kernbereich der Green‑IT.
Analysten: UBS, JPMorgan, RBC → Buy Relevanz: Hyperscale‑Effizienz, KI‑Lasten, nachhaltige Data‑Center‑Architektur → Direkter Profiteur des KI‑Booms und des Effizienztrends.
Hat in der letzten Wochen allerdings um mehr als acht Prozent verloren. In den vergangenen fünf Jahren legte die Aktie um 27 Prozent zu.
Spezialist für energieeffiziente Kühlung und Stromversorgung in Rechenzentren.
Analysten: JPMorgan, Goldman Sachs, Jefferies → Buy
Relevanz: Effizienzsteigerung in KI‑Rechenzentren → Einer der stärksten Green‑IT‑Titel 2026
Kursplus in fünf Jahren: 158 %. Hat im letzten Monat keine Kursverluste hinnehmen müssen.
Warum in den Top‑5: Globaler Anbieter für Industrie‑Automatisierung, Energieoptimierung und Smart‑Grid‑Technologie. Analysten: Morgan Stanley, UBS, JPMorgan → Buy
Relevanz: Effizienz in Produktion, Stromnetzen, Industrie → Breit aufgestellt, stabil, stark empfohlen.
An der Börse mit Plus 84 % im vergangenen Jahr.
Die besten fünf Aktien in der Chipfertigung & energieeffiziente Halbleiter
Segment: Energieeffiziente Chips, Leistungselektronik, E‑Mobilität Analystenmeinung:
- UBS, BofA und JP Morgan bleiben im Juli 2026 positiv.
- Fokus: SiC‑Halbleiter, energieeffiziente Chips für Rechenzentren und Industrie. Warum relevant: Infineon ist Europas Schlüsselplayer für „Green Chips“ – also Halbleiter, die Energieverbrauch senken.
Die Aktie ist im vergangenen Monat allerdings wie beispielsweise Nvidia um rund 9 Prozent gefallen. Weitere Kursrücksetzer könnten vor dem nächsten Aufschwung noch folgen.
Segment: EUV‑Lithografie, energieeffiziente Chipproduktion.
- Analysten (Morgan Stanley, BofA) bleiben bullish, trotz Tech‑Volatilität.
- Treiber: Effizientere Chipfertigung → geringerer Energieverbrauch pro Rechenleistung. Warum relevant: ASML ist indirekt Green‑IT, weil moderne KI‑Chips ohne ASML‑Technologie nicht existieren.
Seit Juli 2026 geht es allerdings auch beim niederländischen Chiphersteller an der Börse bergab. Zuwarten bis sich die Lage stabilisiert hat, dürfte auch hier für Einsteiger das Mittel der Wahl sein.
Segment: Energieeffiziente Grafikprozessoren. Sie sind wichtig für extrem rechenintensive Aufgaben, wie KI‑Modelle trainieren und ausführen, Video‑Rendering, Simulationen und Datenanalyse.
Analystenmeinung: Morgan Stanley, UBS, Goldman Sachs und Bank of America bleiben trotz Tech‑Korrektur positiv für die Aktie.
Treiber: Hoher Effizienzsprung pro Watt durch neue GPU‑Generationen, steigende Nachfrage nach KI‑Rechenzentren, Agentic‑AI‑Workloads.
Warum relevant: Nvidia ist der zentrale Anbieter für energieeffiziente KI‑Infrastruktur. Die GPUs reduzieren den Energieverbrauch pro Rechenleistung deutlich und sind damit ein Kernbaustein der Green‑IT‑Architektur.
Performance: Trotz eines Rückgangs von rund neun Prozent in 14 Tagen bleibt der Analystenkonsens bullish. Kursziele zwischen 270 und 320 Dollar zeigen das strukturelle Wachstumspotenzial, getragen von strukturellem Wachstum in KI‑Rechenzentren und Agentic‑AI‑Workloads.
Spezialist für EPYC‑Serverchips. Sie gelten als besonders energieeffizient. Das sind Hochleistungs‑Prozessoren, die speziell für Rechenzentren, Cloud‑Infrastruktur und KI‑Workloads entwickelt wurden. Sie gehören zu den wichtigsten Bausteinen moderner Green‑IT‑Architekturen, weil sie deutlich mehr Rechenleistung pro Watt liefern als klassische Server‑CPUs.
Analystenmeinung: UBS: Buy, Jefferies: Buy
Relevanz: AMD profitiert vom Trend zu „Green Compute“ in Hyperscale‑Rechenzentren.
Die Aktie hat zwar in der ersten Juliwoche wie viele andere Techaktien auch nachgegeben, aber im Gegensatz zu anderen in den vergangenen vier Wochen um insgesamt rund zehn Prozent zugelegt. Die Aktie hat in einem Jahr 320 Prozent an Wert gewonnen.
Software‑optimierte Speicherlösungen für erneuerbare Energie und Rechenzentren.
Analysten: JP Morgan: Overweight, HSBC: Buy
Relevanz: Fluence ist einer der wichtigsten US‑Player für digitale Netzeffizienz.
Das letzte Monat glich mit Minus 27 Prozent Kursverlust aber einem Blutbad. Es zeigt wie risikobehaftet solche Investments auch sein können. Der Einbruch ist auf Margendruck, Projektverzögerungen und die hohe Volatilität im Clean‑Tech‑Sektor zurückzuführen. Analysten bleiben langfristig positiv, stufen die Aktie aber als klar risikobehaftet ein.
Klimawandel: Top ETFs, um von den Highflyern der Branche zu profitieren
Da Einzelaktien im grünen Sektor oft stark schwanken, nutzen viele Anleger kostengünstige ETFs. Diese investieren regelbasiert nach den Kriterien des Pariser Klimaabkommens:
- iShares MSCI EMU Paris-Aligned Climate UCITS ETF (ISIN: IE00BL6K8D99): Konzentriert sich auf europäische Unternehmen mit strikten Klimazielen. Schneider Electric, Infineon und Siemens unter den Top-Positionen. Ebenfalls mit hohen Kurszuwächsen seit März.
Fazit: Die besten Klimawandel‑Aktien sind Effizienz-Spezialisten
Die Energiewende wird oft über Windräder und Solarpanels erzählt. Doch die Daten zeigen klar: Die besten Klimawandel‑Aktien entstehen dort, wo Energie eingespart, Gebäude modernisiert und digitale Infrastruktur effizienter wird.
Energieeffizienz und Green‑IT sind die strukturellen Gewinner – mit:
- stabilen Geschäftsmodellen
- klaren politischen Rahmenbedingungen
- starken Wachstumszahlen
- hoher Relevanz für globale Dekarbonisierung
Für Anleger ist das die Chance, früh in jene Bereiche zu investieren, die den Klimawandel nicht nur bekämpfen, sondern langfristig profitabel gestalten.
Autorin: Anneliese Proissl
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Recycling‑Aktien profitieren vom Boom der Kreislaufwirtschaft
Tochtergesellschaften: Warum sie für Unternehmen unverzichtbar sind
Zusammenfassung
- Tochtergesellschaften sichern Wachstum, Innovation und internationale Expansion.
- Österreichische Unternehmen hatten 2023 8.015 Auslandstöchter – deutlich mehr als 2020.
- Beispiele von OMV, Mayr‑Melnhof, Wienerberger und VIG zeigen, wie Töchter neue Märkte öffnen und Geschäftsmodelle transformieren.
- Großprojekte wie Neptun Deep können Produktion und Gewinne massiv steigern.
- Tochtergesellschaften stärken Marktführerschaft, Diversifikation und regionale Präsenz.
Warum Tochtergesellschaften für Unternehmen unverzichtbar sind
Tochtergesellschaften sind für die Zukunftsfähigkeit von Konzernen essenziell. Sie sichern Wachstum, eröffnen neue Geschäftsfelder und ermöglichen die regionale Expansion. Österreichische Unternehmen verfügten laut Statistik Austria zum Jahresende 2023 über 8.015 Auslandstöchter – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 6.731 Einheiten im Jahr 2020.
Die Voestalpine hält rund 500 Konzerngesellschaften, Wienerberger rund 170, die OMV 123 konsolidierte Unternehmen, davon 88 im Ausland. Voraussetzung für den Status einer Tochtergesellschaft ist der beherrschende Einfluss des Mutterunternehmens, meist durch eine Eigentumsmehrheit.
Voraussetzung um eine Tochtergesellschaft zu gründen
Voraussetzung für ein Unternehmen, um den Status einer Tochter zu erhalten ist, dass ein Mutterunternehmen beherrschenden Einfluss auf das Tochterunternehmen ausüben kann, was meist mit einer Eigentumsmehrheit verbunden ist.
Neue Wege durch Tochtergesellschaften
Neben anderen Gründen sorgen Töchter einerseits dafür, dass sie neue zukunftsträchtige Geschäftszweige für das Unternehmen eröffnen, und andererseits dafür, das traditionelle Geschäftsmodell auf andere Regionen auszuweiten.
OMV: Wie durch Töchter Geschäftsmodelle massiv erweitern werden sollen
- Dies zeigt das Beispiel der OMV: Durch die Energiewende verlieren Treibstoffe an Bedeutung, daher stockte der Konzern seine Anteile am Chemiekonzern Borealis auf 75 % auf. Die Tochtergesellschaft ist Symbol für die Neuorientierung des Konzerns.
- Seit 2004 besitzt der Ölkonzern mit 51 % die Mehrheit am rumänischen Öl- und Gasversorger Petrom, mittlerweile OMV Petrom, dem größten Energieunternehmen Südosteuropas.
Größte Erdgasprojekt der EU mit OMV-Tochter – Potential: 100 Milliarden Kubik
Die rumänische OMV-Tochter, sie ist eine 50-zu-50-Partnerschaft mit dem staatlichen Erdölunternehmen Romgaz. Sie wollen bis zu 4-Milliarden-Euro in das gigantische Gasexplorationsprojekt im Schwarzen Meer investieren wird. Das Projekt liegt im rumänischen Teil des Schwarzen Meeres und gilt als zentral für die Energieversorgung Südosteuropas.
Das Projekt gilt als transformativ. Neptun Deep ist das größte Erdgasprojekt der EU und das erste rumänische Tiefsee‑Offshore‑Gasfeld. Es wird von OMV Petrom und Romgaz entwickelt und soll ab 2027 Gas liefern.
Das Potenzial des Gasfeldes schätzt OMV Petrom auf insgesamt 100 Mrd Kubikmeter. Wenn das Gas fließt, soll es die Position der OMV-Gruppe in der Schwarzmeer-Region und in Südosteuropa massiv stärken. Einschätzungen von Analysten zufolge könnte die Gasförderung im Vollbetrieb, der ab 2028 erwartet wird, um rund drei Viertel steigen. Gleichzeitig wird mit einem Gewinnanstieg von etwa 40 % gerechnet, sobald die Produktion vollständig läuft.
Insgesamt hat die OMV 2025 ihre Konzernstruktur weiter ausgebaut und mehrere neue Gesellschaften konsolidiert. Die Zahl der Tochter- und Beteiligungsunternehmen liegt deutlich über den früheren 123 Einheiten.
Mayr-Melnhof: Globale Expansion durch Zukäufe
Die Mayr‑Melnhof‑Gruppe (MM) weist laut Konzernbericht 2025 insgesamt 69 konsolidierte Unternehmen aus, davon 42 Gesellschaften mit Sitz in der Eurozone. Im vergangenen Jahr übernahm MM den britischen Verpackungsspezialisten Essentra Packaging, einschließlich seiner Produktionsstandorte in Europa, den USA und Puerto Rico, zu einem Kaufpreis von rund 312 Millionen Euro.
Ziel der Tochter: Neue Wachstumspfade
Mit dieser Tochtergesellschaft verfolgt MM das Ziel, neue Wachstumspfade zu erschließen, sich als globaler Anbieter im Bereich Pharma‑Sekundärverpackungen zu etablieren und gleichzeitig die Marktposition in den USA weiter zu stärken.
Marktführerschaft durch starke Tochtergesellschaften
Wienerberger stärkt mit integrierter US-Tochter seine US-Marktposition
Mit der Integration der US‑Tochter Meridian Brick stärkte Ziegelproduzent Wienerberger seine Marktposition erheblich und zählt heute zu den führenden Anbietern von Fassadenlösungen in Nordamerika.
Vienna Insurance Group: Breite Präsenz in CEE und Österreich
Die Vienna Insurance Group (VIG) hat Versicherungsgesellschaften in 30 Staaten – hauptsächlich in den CEE‑Ländern und Osteuropa. Mit ihren Gesellschaften belegt die VIG nach Marktanteilen in Nordmazedonien, der Slowakei, Bulgarien, im Baltikum und in Ungarn den ersten Platz. In Ungarn konnte die Marktführerschaft durch den Kauf des Geschäfts der niederländischen Aegon in Ungarn fixiert werden. Mit ihren Österreich‑Tochtergesellschaften Wiener Städtische und Donau‑Versicherung ist die VIG mit mehr als 21 % Marktanteil vor der Uniqa Marktführer in Österreich. Die (VIG) hat zudem mit der Nürnberger Beteiligungs-AG (NÜRNBERGER) eine Zusammenschlussvereinbarung unterzeichnet, die eine Übernahme der Nürnberger umfasst.
Ziel der VIG bis 2028: Ausbau der Marktführerschaft in CEE und ein starkes profitables Wachstum.
Autor: Christian Sec
Nominale Besteuerung als unterschätzter Renditefaktor
Florian Beckermann (26.06.2026). Die meisten modernen Steuersysteme besteuern vielfach nominale Einkünfte. Das bedeutet, dass die Steuer auf den Geldbetrag erhoben wird, der zufließt, unabhängig davon, ob dieser Zuwachs auf eine reale Wertsteigerung oder lediglich auf die Geldentwertung durch Inflation zurückzuführen ist. Eine Besteuerung von Einkünften nach Abzug der Inflation würde hingegen nur den realen Einkommenszuwachs erfassen. Besonders bei Kapitaleinkünften hätte ein solcher Ansatz weitreichende ökonomische Folgen.
Kurzfassung
- Nominale Besteuerung führt dazu, dass Anleger trotz Gewinn real verlieren.
- Inflation entwertet Erträge, bevor die KESt zusätzlichabgezogen wird.
- Beispiel: 2,25 % Zinsen bei 3,7 % Inflation → real –1,45 %.
- KESt auf den nominalen Ertrag verschärft den Verlust auf –2,07 %.
- Eine inflationsbereinigte Besteuerung würde reale Gewinne und Fairness stärken.
Ein Kommentar von Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger (26.06.2026).
Wie Inflation und KESt reale Verluste erzeugen
Die meisten modernen Steuersysteme besteuern vielfach nominale Einkünfte. Das bedeutet, dass die Steuer auf den Geldbetrag erhoben wird, der zufließt, unabhängig davon, ob dieser Zuwachs auf eine reale Wertsteigerung oder lediglich auf die Geldentwertung durch Inflation zurückzuführen ist. Eine Besteuerung von Einkünften nach Abzug der Inflation würde hingegen nur den realen Einkommenszuwachs erfassen. Besonders bei Kapitaleinkünften hätte ein solcher Ansatz weitreichende ökonomische Folgen.
Beispiel: 2,25 % Zinsen bei 3,7 % Inflation
Die Schieflage ist klar ersichtlich: Erhält ein österreichischer Anleger beispielsweise eine Verzinsung in Höhe des aktuellen EZB-Einlagenzinses von 2,25 % auf dem Sparbuch bei einer Inflationsrate (VPI Mai 2026) von 3,7 %, erleidet er real einen Verlust. Zusätzlich wird der nominale Ertrag besteuert, d.h. zum Entwertungsverlust von 1,45 % kommt noch die KESt in Höhe von 0,619 % hinzu. In Summe sind das minus 2,07 % – ein satter Realverlust.
Warum Scheingewinne die Kapitalbildung bremsen
Eine inflationsbereinigte Besteuerung würde diese Verzerrung beseitigen. Kapitalerträge würden nur insoweit besteuert, als sie die Kaufkraft des Vermögens tatsächlich erhöhen. Dies würde die Neutralität des Steuersystems stärken und verhindern, dass Inflation die reale Steuerlast heimlich erhöht. Anleger könnten ihre Entscheidungen stärker an wirtschaftlichen Fundamentaldaten statt an steuerlichen Effekten ausrichten.
Langfristige Verzerrungen bei Aktien, Anleihen und Immobilien
Bei Aktien, Anleihen oder Immobilien kumulieren sich Inflationswirkungen über viele Jahre. Wird ein Vermögenswert nach Jahren mit Gewinn verkauft, besteht ein großer Teil des nominalen Wertzuwachses oft nur aus dem Inflationsausgleich. Die Besteuerung dieses Scheingewinns mindert die reale Rendite und reduziert die Anreize zur Kapitalbildung. Eine Besteuerung realer Gewinne könnte daher die Sparquote erhöhen und Investitionen fördern.
Fairness: Besteuerung nach realer Leistungsfähigkeit
Auch aus Gründen der Steuergerechtigkeit erscheint das plausibel. Das Leistungsfähigkeitsprinzip verlangt, dass Steuern an der tatsächlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit anknüpfen. Wer lediglich seine Kaufkraft erhält, erzielt keinen echten Vermögenszuwachs. Die Besteuerung inflationsbedingter Scheingewinne widerspricht daher dem Leitgedanken einer Besteuerung nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. Natürlich ist die Ermittlung inflationsbereinigter Einkünfte administrativ nicht leicht, aber lösbar. Zudem würden die Steuereinnahmen des Staates insbesondere in Phasen hoher Inflation sinken. Das muss kein schlechter Gegeneffekt sein.
Ökonomische Effekte einer inflationsbereinigten Steuer
Insgesamt spricht viel dafür, insbesondere Kapitaleinkünfte nach Abzug der Inflation zu besteuern. Eine solche Regelung würde die Besteuerung stärker an realen wirtschaftlichen Gewinnen ausrichten, die Kapitalbildung fördern und die steuerliche Fairness erhöhen. Langfristig könnte eine inflationsbereinigte Besteuerung zu einem effizienteren und gerechteren Steuersystem beitragen.
Krebsforschung‑Aktien im Aufwind
Erfolgreiche Markteintritte bahnbrechender Therapien bleiben Spekulation.
Kurzfassung
- Krebsforschung‑Aktien zeigen starke Kursbewegungen, ausgelöst durch neue Therapieansätze und hohe Anlegerfantasie
- Revolution Medicines treibt mit RAS‑Forschung den Sektor – trotz ambitionierter Bewertung und fehlender Umsätze
- Erasca bleibt hochvolatil: Clinical‑Stage‑Status, starke Kapitalbasis, aber keine Erlöse
- Relay Therapeutics setzt auf KI‑gestützte Proteinanalysen und erreicht neue Kurshochs
- Digitale Pathologie & Präzisionsmedizin gelten als zentrale Wachstumstreiber für Krebsforschung‑Aktien
(26.06.2026) Dass im Halbleitersektor oder rund um das Wachstum Künstlicher Intelligenz traditionelle Bewertungsmuster von Aktien nicht mehr herangezogen werden, ist eine akzeptierte Erkenntnis. Ähnliche Kurshöhenflüge griffen unterdessen aber auch auf den Gesundheitsbereich über.
Digitale Pathologie und KI-Onkologie entfachen Anlegerphantasien
Der Glaube an bahnbrechende Anwendungen neuer Krebstherapien entfachen unter Anlegern enorme Fantasien. Zugleich gedeihen Visionen, es eröffne sich für Unternehmen ein disruptiver Effekt auf bisherige Krebsbehandlungsmuster. Laut dem Fachmagazin Springer Nature gilt die Entwicklung der digitalen Pathologie und der Einsatz Künstlicher Intelligenz vor allem für die Präzisionsonkologie als Hoffnungsträger und Treiber.
Neue Zugänge und entscheidende Ausdauer
Revolution Medicines – RAS‑Forschung als Kurstreiber
Eine neue Ära, zielgerichteter Therapieansätze für weit verbreitete Krebsarten (bis zu 30 % aller Diagnosen) zu entwickeln, strebt dabei Revolution Medicines an. Auf der Homepage der Gesellschaft heißt es selbstbewusst: „Wir sind Revolutionäre.“ Ziel der kalifornischen Gesellschaft ist nicht geringer, als die Fähigkeit, das monomere G-Protein RAS, das Mutationen in vielen Tumoren antreibt, zu steuern und somit Behandlungsparadigmen zu revolutionieren.
Die Notiz der Aktie des Unternehmens katapultierte sich innerhalb eines Jahres von umgerechnet 30 auf zuletzt 142 Euro (der Titel wird auch an der Börse Stuttgart gehandelt). Allerdings überschritt Revolution Medicines Marktkapitalisierung bereits die Schwelle von mehr als 30 Milliarden Euro. Zwar kann die Gesellschaft auf eine Eigenkapitalquote von 68 % verweisen (dieser Faktor ist für das Durchhaltevermögen während der Forschungsphase bedeutsam), angesichts der zurzeit noch fehlenden Umsätze erscheint die Bewertung allerdings äußerst ambitioniert.
Eingepreiste Erfolge bei weiteren Krebsforschung‑Aktien
Auf dem Pfad der RAS-Krebsforschung vollziehen sich folglich auch bei Mitbewerbern der Präzisionsonkologie heftige, teils erratische Kursbewegungen.
Erasca – Clinical Stage und hohe Volatilität
Erasca aus San Diego generiert ebenso noch keine Erlöse und kann auf eine Eigenkapitalquote von 80 % verweisen. Das Unternehmen befindet sich mit seinen Anwendungen in der „Clinical Stage“-Phase. Dies bedeutet, die Laborversuche sind abgeschlossen, die neu entwickelten Therapien werden bereits in klinischen Studien an Patienten getestet. Zweistellige Ausschläge der Notizen sind eher Normalität als Ausnahme. Mit einer Kapitalisierung von 3,71 Milliarden Euro fallen die Vorschusslorbeeren geringer aus.
Relay Therapeutics – KI‑gestützte Proteinbewegungen
Dies gilt ebenso für Titel der Relay Therapeutics (aktuell mit 3,02 Milliarden Euro bewertet). Das Papier steuert derzeit auf ein neues Hoch bei 17 US-Dollar (14,60 Euro) zu. Relay zielt auf einen Wandel in der Pharmakologie, in der Proteine nicht als starre Struktur betrachtet werden. Künstliche Intelligenz und Biophysik sollen vielmehr die dynamischen Bewegungen von Proteinen in Echtzeit verstehen.
Fazit
Börsennotierte Unternehmen, die sich der Krebsforschung widmen sind ein hochdynamisches Segment, geprägt von wissenschaftlichen Durchbrüchen, ambitionierten Bewertungen und enormer Anlegerfantasie. Die Kombination aus RAS‑Forschung, digitaler Pathologie und KI‑gestützten Therapieansätzen sorgt für starke Kursbewegungen, doch der Weg zu marktreifen Produkten ist lang. Für Anleger bedeutet das: Chancen ja, aber mit deutlichem Risiko.
Autor: Roman Steinbauer
| Im Artikel angeführte Aktien |
| Name |
ISIN |
| Revolution Medicines |
US76155X1000 |
| Erasca |
US29479A1088 |
| Relay Therapeutics |
US75943R1023 |
Longevity: Warum gesundes Altern zum Investmentthema wird
Ein Gastkommentar von Marcel Fritsch von der Schweizer Bellevue Asset Management.
(26.06.) Unsere Lebenserwartung steigt kontinuierlich. Doch die Zahl gesunder Lebensjahre wächst deutlich langsamer. Aber wie lassen sich diese zusätzlichen Lebensjahre gesund, aktiv und unabhängig gestalten? Die Lösung dieses Dilemmas zählt zu den wichtigsten Wachstumstreibern im globalen Gesundheitswesen und eröffnet attraktive Investmentchancen.
Die Gesundheitsspanne ist die zentrale ökonomische Variable der Langlebigkeit. Zwischen 2000 und 2019 stieg die globale Lebenserwartung um 6,5 Jahre, die gesunde Lebenserwartung jedoch nur um 5,4 Jahre – die Differenz beträgt heute durchschnittlich 9,6 Jahren und wächst weiter. Diese zusätzlichen Jahre sind häufig von chronischen Erkrankungen geprägt – und verursachen einen großen Teil der Gesundheitskosten. Verantwortlich sind insbesondere Erkrankungen wie kardiometabolische Krankheiten (z. B. Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen), Neurodegeneration (z. B. Alzheimer oder Parkinson) und altersbedingter Funktionsverlust (z. B. Muskelabbau oder Mobilitätseinschränkungen).
Die ökonomische Logik ist klar: Wert entsteht dort, wo diese Lücke reduziert wird – nicht dort, wo Lebenszeit isoliert verlängert wird. Hier manifestiert sich Langlebigkeit als Investmentthema: neue Wege in der Prävention und Früherkennung sowie Lösungen, die Krankheitsverläufe verlangsamen, Hospitalisierungen reduzieren und Selbstständigkeit erhalten.
Die Wertschöpfung entlang der Langlebigkeit folgt klar identifizierbaren Mechanismen – und lässt sich heute bereits auf konkrete Geschäftsmodelle herunterbrechen. Entscheidend ist dabei nicht die technologische Innovation an sich, sondern ihre Fähigkeit, klinische Ergebnisse messbar zu verbessern und gleichzeitig die Kostenstruktur des Gesundheitssystems nachhaltig zu verändern.
1. Prävention und Früherkennung durch digitales Gesundheitsmonitoring
Digitale Monitoring-Lösungen verschieben Diagnose und Intervention deutlich nach vorne, indem sie kontinuierlich physiologische Daten erfassen und frühe Risikosignale sichtbar machen – von Wearables wie Oura oder Apple bis hin zu klinisch validierten Systemen wie CGM von Abbott und Dexcom oder kardiologischen Patches von iRhythm. Der Wert entsteht durch die Vermeidung akuter Ereignisse, die Verzögerung chronischer Krankheitsverläufe und die Reduktion kostenintensiver Eskalationen. Gleichzeitig bauen integrierte Datenökosysteme strukturelle Wettbewerbsvorteile auf.
2. Minimalinvasive Interventionen für eine höhere Lebensqualität
Minimalinvasive und robotergestützte Verfahren verlagern den Fokus von reiner Reparatur hin zum Erhalt von Mobilität und Autonomie, indem sie Eingriffe präziser, schonender und früher im Krankheitsverlauf ermöglichen – etwa durch Systeme von Stryker oder Intuitive Surgical. Der ökonomische Nutzen liegt in kürzeren Erholungszeiten, geringeren Komplikationsraten, weniger Folgeeingriffen sowie einer zunehmenden Verlagerung in den ambulanten Bereich.
3. Zielgerichtete Behandlung altersbedingter Erkrankungen
Fortschritte in der Pharmakotherapie adressieren zunehmend krankheitsübergreifende biologische Mechanismen statt isolierter Indikationen – insbesondere entlang der kardiometabolischen Achse (Novo Nordisk, Eli Lilly, Amgen) sowie in der Neurodegeneration (Biogen, Eisai, Eli Lilly) und der Onkologie (Merck & Co., AstraZeneca).
Der Nutzen für Anleger
Für Investoren liegt die Attraktivität des Longevity-Trends in seiner langfristigen Planbarkeit. Gefragt sind Unternehmen, die dazu beitragen, Menschen länger gesund und selbstständig zu halten und gleichzeitig die steigenden Kosten alternder Gesellschaften zu begrenzen. Dort, wo medizinischer Fortschritt auf einen klaren gesellschaftlichen und ökonomischen Bedarf trifft, entstehen nachhaltige Wachstumschancen.
Foto: Getty Images für Unsplash+
Gieriger Irrsinn á la Dot-Com-Bubble
Florian Beckermann (19.06.2026). Die Gier an der Börse gehört dazu wie die Angst. Die Gier flüstert dem Anleger ins Ohr: „Warum bist Du nicht dabei? Warum nur zehn Prozent Profit? Warum nicht hundert?“
An der Börse ist Gier deshalb so gefährlich, weil sie sich als Vernunft ausgibt. Während Angst zumindest offen zugibt, verrückt zu sein. Die Gier trägt einen maßgeschneiderten Anzug, präsentiert PowerPoint-Folien und hat einen Hochglanz-IPO-Prospekt. Sie erklärt, dass diesmal alles anders sei. Dass alte Regeln nicht mehr gelten. Dass Bewertungen überholt sind, man neu denken müsse. Dass Gewinne aktuell überschätzt werden und Verluste zum im Aufbau befindlichen Geschäftsmodell gehören.
Wir erinnern uns an die Gier der Dot-Com-Bubble Ende der 1990er-Jahre. Damals entdeckte die Welt das Internet und war zu Recht begeistert. Aus Begeisterung wurde Euphorie. Aus Euphorie entstand ein kollektiver Realitätsverlust. Unternehmen mussten oft nur ein „.com“ im Namen tragen, um Investoren anzulocken. Plötzlich schossen die Bewertungen von Internetfirmen in astronomische Höhen. Manche Unternehmen hatten weder Gewinne noch ein gescheites Büro, aber sie verfügten über etwas Wichtiges: eine aufregende Business-Story. Anleger kauften Aktien in der Hoffnung, sie später noch teurer an jemanden weiterzuverkaufen. Die fundamentale Frage, ob ein Unternehmen jemals profitabel werden könnte, wurde als störender Pessimismus, ja Technologiefeindlichkeit betrachtet. Der Glaube an die Story überwog. Wie bei jeder Spekulationsblase stieg die Stimmung mit den steigenden Aktienkursen. Wer warnte, wurde belächelt. Zögernde wurden behandelt, als hätten sie das Internet durch Brieftauben ersetzen wollen. Doch irgendwann setzte die Realität ihren Fuß in die Tür. Rechnungen wollten in Cash bezahlt werden. Ups … Erwartungen zerplatzten, die Kurse stürzten ab. Milliarden verdampften. Wirtschaftsgeschichte hieß es dann. Kleinanleger zahlten die Zeche – wie immer.
Die Dot-Com-Bubble zeigt bis heute, dass technologische Revolutionen und finanzielle Vernunft zwei unterschiedliche Dinge sind. Der gierige Anleger verliert die Fähigkeit, zwischen Vision und Illusion zu unterscheiden.
Die Parallelen zwischen der aktuellen KI-Welle, den möglichen Börsengängen von OpenAI, Anthropic oder SpaceX und den damaligen Verhältnissen der Dot-Com-Bubble zu erraten, ist jedem selbst überlassen. Selbst die KI würde SpaceX-Aktien nur unter Einschränkungen kaufen. Gier, in all den oben beschriebenen Facetten, war und ist jedenfalls ein schlechter Anlageberater. Wer langfristig erfolgreich investieren will, muss auf Analyse, Geduld, Diversifikation und Disziplin setzen. Das gescheite Abwägen zwischen Risiko und Chance und nicht die Überbewertung der Story ist die Lehre aus der Dot-Com-Bubble. Vielleicht sollte man bei dem aktuellen Hype an diesen Irrsinn zurückdenken.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Wiener Aktien mit Potenzial 2026: Drei ATX‑Prime‑Nachzügler mit Aufholchance
19.06.2026
Kurzzusammenfassung
- Drei ATX‑Prime‑Nachzügler 2026 zeigen trotz schwachem Jahresstart Aufholpotenzial
- Wienerberger: Belastungsfaktoren kurzfristig, Fundamentaldaten und Bewertung langfristig attraktiv
- EuroTeleSites: Stabiler Cashflow, neue Standorte, mögliche Neubewertung
- Palfinger: Analysten sehen starke Wachstumsperspektiven
Der ATX Prime lag zu Beginn der Woche auf Jahressicht 43 % und seit Jahresbeginn 19 % im Plus. Elf Titel notieren auf Sicht von zwölf Monaten dennoch im Minus. Nicht alle haben Aufholpotenzial. Drei Werte verdienen daher einen genaueren Blick.
ATX-Aktienempfehlungen:
Wienerberger: Bewertungsdruck trotz starker Fundamentaldaten
Aktuelle Belastungsfaktoren
Schlusslicht im ATX mit rund minus 20 Prozent seit Jahresbeginn ist die Aktie von Wienerberger. Noch 2025 konnte das Unternehmen bei leichtem Umsatzanstieg den Gewinn nach Steuern auf 168 Millionen Euro verdoppeln und den freien Cashflow von 417 auf 474 Millionen Euro steigern. Auf die vereinbarte Übernahme der Italcer-Gruppe, eines Herstellers keramischer Lösungen, folgte wenige Monate später die geplante Übernahme der Univerzum Group, des führenden Herstellers von Hintermauerziegeln in Serbien.
Doch bereits mit der Veröffentlichung der Zahlen zum ersten Quartal zeigte sich zunehmende Unsicherheit, auch im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten und möglichen Lieferkettenverwerfungen. Zwar sind die gestiegenen Energiekosten laut Medienberichten zu über 80 % abgesichert, doch der Konzern spürt höhere Kunststoffpreise. Steigende Material-, Transport- und Lohnkosten belasten. Bei 7 % Umsatzrückgang drehte im ersten Quartal das Ebit von +40 auf -2 Millionen Euro ins Minus.
Bewertung & KGV‑Einordnung bis 2028
Allerdings stimmt der westeuropäische Markt zuversichtlich, und es besteht noch die Möglichkeit von Preiserhöhungen, weshalb das Management im Mai noch an seinem operativen Ebitda-Ziel von 810 Millionen Euro (2025: 754 Millionen Euro) festhielt.
Laut MarketScreener rechnen Analysten in den kommenden Jahren mit deutlichen Ertragssteigerungen, weshalb die Aktie bei einem Kurs von 23,3 Euro mit einem für 2028 geschätzten KGV von 7,8 besonders günstig erscheint.
EuroTeleSites: Infrastrukturwert mit Neubewertungsfantasie
Cashflows und Geschäftsmodell
Die Aktie der an der Wiener Börse notierenden EuroTeleSites, dem führenden Anbieters von Telekommunikationsinfrastruktur und -lösungen in der CEE-Region, liegt auf Jahressicht rund 9 % im Minus. Das Unternehmen profitiert von regelmäßigen Cashflows aus technischer Infrastruktur und konnte 2025 den Umsatz um 3,7 % auf 280 Millionen Euro steigern, während das Jahresergebnis von knapp 30 auf mehr als 33 Millionen Euro stieg.
Wachstum durch neue Standorte
Im ersten Quartal 2026 erweiterte das Unternehmen sein Portfolio durch die Inbetriebnahme von 42 neuen Standorten auf insgesamt 13.837. Dies und Indexierungseffekte ließen im ersten Quartal bei einem Umsatzwachstum von 7,1 % auf 72,5 Millionen Euro das Ebitda um 7,9 % auf 64,3 Millionen Euro steigen. Die Eigenkapitalquote hat sich binnen zwölf Monaten (bis 31. März) von 17,1 auf 19,9 % verbessert. Mit einem weiteren Schuldenabbau sollte eine positive Bewertungsanpassung einhergehen.
Bewertungsszenarien laut Analysten
Abgeleitet aus den Analystenprognosedaten von Finanzen.at läge bei einem Kurs von 4,7 Euro das für 2028 erwartete KGV bei 14,8, wobei Neubewertungen von Sachanlagen nicht berücksichtigt wurden.
Palfinger: Wachstumswert mit Analysten‑Rückenwind
Marktumfeld und Nachfrage
Die Analysten attestieren dem Kranhersteller Palfinger starke Wachstumsperspektiven. Vier Kaufempfehlungen stehen einer Outperform-Einstufung gegenüber. Von 2026 bis 2028 sollte laut MarketScreener-Konsens der Gewinn je Aktie von 2,95 auf 4,24 Euro wachsen, woraus bei einem Kurs von 34,6 Euro ein für 2028 geschätztes KGV von 8,1 resultieren würde.
Analystenstimmen und Ratings
Im ersten Quartal 2026 schloss Palfinger mit dem US-Unternehmen ICON eine Partnerschaft im Bereich des robotergestützten 3D-Drucks für die Bauindustrie. Im Marine-Bereich setzte sich mit Großprojekten im Offshore-Windbereich die positive Entwicklung fort. Bei 1,6 % Umsatzwachstum konnte im ersten Quartal das Konzernergebnis um 11,8 % gesteigert werden. Nach der aktuellen Seitwärtsbewegung könnte der Aktienkurs wieder nach oben ausbrechen.
Autor: Michael Kordovsky
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Börse Japan: Attraktive Exportaktien
Yen-Schwäche, Exportkraft und Gewinnrekorde treiben den Markt.
Kurz-Fassung
- Der schwache Yen bleibt ein Risiko für Euro-Anleger, aber ein Gewinnhebel für Exportkonzerne an der Börse Japan.
- Die Exportdynamik und starke Industrieunternehmen treiben die Japan-Story 2026.
- 5 Aktien im Nikkei, dem Leitindex der Börse Japan, die als Exporteure besonders profitieren und 3 ETF-Tipps.
1. Yen-Schwäche und Börsenrally: Die doppelte Japan-Story
(19.06.2026)
- Der japanische Yen hat bis zum 16. Juni auf Fünfjahressicht gegenüber dem Euro um 28,7 % abgewertet.
- Im gleichen Zeitraum ist der Nikkei 225 um 137 % auf 69.405 Punkte gestiegen.
- Damit zeigt sich die doppelte Japan-Story: Für Euro-Anleger bleibt die Währung ein Risiko, für viele global tätige japanische Unternehmen ist sie ein Ertragshebel. Ein schwacher Yen verbessert die Wettbewerbsfähigkeit im Ausland und erhöht den in Yen umgerechneten Wert internationaler Umsätze. Exportnahe Industrie-, Technologie- und Maschinenbaukonzerne konnten so mehr vom globalen Nachfrageboom in Gewinne umsetzen.
2. Exportentwicklung Japan im Überblick
Jahreszuwächse der Exporte
| Japans Exportzuwächse |
| 2021: |
+21,5 % |
| 2022: |
+18,2 % |
| 2023: |
+2,7 % |
| 2024: |
+6,2 % |
| 2025: |
+3,1 % |
Exporte und globale Nachfrage
Japan ist keine reine Exportmaschine. Exporte von Waren und Dienstleistungen machten 2024 laut Weltbank 22,8 % des BIP aus. Die Binnenwirtschaft bleibt wichtig, doch der Außenhandel wirkt als Stabilisator. Die Warenexporte erreichten im Kalenderjahr 2025 laut japanischem Finanzministerium 110.400 Milliarden Yen, das sind umgerechnet rund 596 Milliarden Euro, und stiegen um 3,1 %. Im April 2026 beschleunigte sich der Exportwert um 14,8 %. Nach Asien waren es +16,1 %, nach China +15,5 %, nach Taiwan +27,6 %, in die USA +9,5 % und nach Westeuropa +22,4 %. Strukturell dominieren Transportausrüstung, Maschinen, Elektromaschinen und Halbleiter.
3. Makroökonomische Lage Japans: Solide, aber nicht spektakulär
Makroökonomisch ist das Bild solide, aber unspektakulär. Von 2021 bis 2025 lag das reale BIP-Wachstum im Schnitt bei rund 1,3 %, mit einer Bandbreite von -0,2 % im Jahr 2024 bis +3,6 % im Jahr 2021. Für 2026 erwartet der IWF nur 0,7 % Wachstum, aber einen Leistungsbilanzüberschuss von 3,8 % des BIP nach 4,8 % im Jahr 2025. Die Inflationsprognosen liegen bei 2,2 % für 2026 und 2,3 % für 2027. Im April fiel die Kerninflation ohne frische Lebensmittel auf 1,4 % und lag unter dem 2-%-Ziel der Bank of Japan (BoJ). Eine Entwarnung ist das nicht: Die BoJ hob ihre Median-Prognose für diese Kernrate im Fiskaljahr 2026 von 1,9 auf 2,8 % an. Hauptgründe sind Ölpreise, Nahostrisiken und Importkosten. Der schwache Yen bleibt ein Segen für die Exporteure, aber eine Belastung für die Energieimporte und die Kaufkraft.
4. Was für japanische Exportaktien spricht
Börse Japan: Trotz aktueller Schwächephase japanischer Exportunternehmen
Zwar gab es laut Bloomberg und Nikkei Asia zuletzt merkliche Kursrückgang vieler großer japanischer Export- und Technologiewerte, was vor allem auf die deutliche Yen-Aufwertung seit April zurückzuführen, die die in Yen umgerechneten Auslandsgewinne belastet.
Analysten von Goldman Sachs, JP Morgan und Bloomberg Intelligence sehen japanische Exportwerte trotz der jüngsten Rücksetzer strukturell im Vorteil. Goldman Sachs verweist auf die anhaltenden Corporate‑Governance‑Reformen, die zu höheren Kapitalrenditen, mehr Rückkäufen und steigenden Dividenden führen (Goldman Sachs Japan Equity Outlook 2026).
Zusätzlich kam es laut MarketWatch und MarketScreener im Mai/Juni zu einer globalen Tech-Korrektur. Der Nikkei 225 stieg zwar dennoch weiter, weil er stark von Finanzwerten, Immobilien, Handel und inländischen Zyklikern getragen wurde – Sektoren, die von einem stärkeren Yen und höheren Zinsen profitieren. Damit erklärt sich die Divergenz: Der Index steigt, aber exportlastige Schwergewichte korrigieren.
Bloomberg Intelligence betont, dass Japan in globalen Zukunftsbereichen wie Halbleitern, Automatisierung, Energieinfrastruktur und Maschinenbau weiterhin Weltmarktführer ist und von strukturellem Nachfragewachstum profitiert). Laut JP Morgan stützt zudem Japans hoher Leistungsbilanzüberschuss die Investitionskraft der Unternehmen (Asia Equity Strategy 2026). Und laut Nikkei Asia erwarten viele Analysten, dass der Yen langfristig schwach bis moderat bleibt – ein Vorteil für Exporteure.
Toyota – globaler Qualitätswert
Toyota bleibt der größte Yen-Hebel unter den Industriewerten. In den Geschäftsjahren 2022/23 bis 2025/26 stieg der Umsatz um 10,8 % p.a. Der Nettogewinn erhöhte sich von umgerechnet 13,2 auf 20,7 Milliarden Euro. Allerdings zeigen die Gewinne volatile Schwankungen. Die Aktie ist jedoch in den vergangenen sechs Monaten 20 % verloren, ist aber ein globaler Qualitätswert mit hoher Exportrelevanz.
Mitsubishi Heavy Industries zeigt die stärkere Gewinnstory. 2025/26 legte der Umsatz um 14,1 % auf 26,8 Milliarden Euro zu und der Nettogewinn stieg um 35 % auf 1,8 Milliarden Euro. Auch der Cashflow war 2025/26 im Aufwind. Der Konzern profitiert von Energieanlagen, Gasturbinen, Verteidigung, Luftfahrt und Infrastruktur. Verlor aber in den letzten 3 Monaten an der Börse leicht.
Hitachi – Infrastruktur & Digitalisierung
Hitachi ist der breite Infrastruktur- und Digitalisierungswert. Im Geschäftsjahr 2025/26 stieg der Umsatz um 8,2 % auf rund 57 Milliarden Euro, das bereinigte Ebita um 21 % und der freie Cashflow um 121,6 % auf knapp 7,2 Milliarden Euro. Für den Zeitraum 2024/25 bis 2027/28 nennt Hitachi 7 bis 9 % jährliches Umsatzwachstum als Ziel sowie für das Geschäftsjahr 2027/28 eine Verbesserung der bereinigten Ebitda-Marge auf 13 bis 15 % (2025/26: 12,4 %). Ein besonderes Wachstum erwartet sich das Unternehmen im Bereich Energieinfrastruktur. Kursrückgang der vergangenen drei Monate: – 4,4%
Sony – globaler Entertainment- und Elektronikkonzern
Sony ist weniger ein klassischer Exporteur als globaler Entertainment-, Sensor- und Elektronikkonzern. Von 2015/16 bis 2024/25 stieg der um Sonderposten bereinigte Gewinn je Aktie um 25,2 % p.a. 2025/26 zeigten Umsatz und operatives Ergebnis Zuwächse von 3,7 % bzw. 13,4 %. Für 2026/27 erwartet Sony trotz leicht sinkender Erlöse ein Wachstum des Nettogewinns von 12,5 %. Kursrückgang in den vergangenen sechs Monaten : 20,8 %.
Tokyo Electron – Halbleiterausrüstung & KI-Boom: 120 % Kursgewinn in 6 Monaten, Kauftipp
Tokyo Electron ist wiederum ein Exportunternehmen aus der Halbleiterausrüstung. 2025/26 stieg bei stabilem Umsatz der Gewinn je Aktie um 6,1 %. Rückenwind liefern KI, Speicherchips, Rechenzentren und Halbleiterinvestitionen. Der Analystenkonsens von MarketScreener rechnet von 2024/25 bis 2027/28 mit einem Gewinnwachstum von 18,4 % p.a. 120 % Kursgewinn in 6 Monaten. Trotzdem stärkste Kaufempfehlung laut Bloomberg von diesen fünf Aktien.
Börse Japan Bewertung
Bewertungsseitig ist Japan nicht mehr billig, aber relativ attraktiv. Der MSCI Japan wies per 29. Mai ein KGV von 20,9, ein Forward-KGV von 17,5 und eine Dividendenrendite von mehr als 1,8 % auf. Der MSCI World lag beim KGV bei knapp über 24,7 und beim Forward-KGV bei 19,6.
Auf Jahressicht lag Japan mit 32,2 % vor dem MSCI World mit 28 %, auf zehn Jahre aber mit rund 10 % p.a. hinter dem Weltindex mit 13,65 % p.a. Fazit: Japan hat aufgeholt, ohne bereits überhitzt zu wirken.
Börse Japan: 3 verschiedene ETF-Zugänge für Anleger
Drei ETFs bieten unterschiedliche Zugänge. Der Amundi Prime Japan UCITS ETF DR ist mit 0,05 % Kosten die Preisbrecher-Lösung: physisch replizierend, ausschüttend und mit rund 300 Large- und Mid Caps breit gestreut. Top-Positionen sind Toyota, Mitsubishi UFJ, Hitachi, Sumitomo Mitsui und Sony.
Wer das Yen-Risiko reduzieren will, prüft den SPDR MSCI Japan EUR Hedged UCITS ETF. (Benchmark: MSCI Japan, Euro-Hedge, 0,17 % TER, thesaurierend und Streuung auf 168 Werte).
Etwas spezieller ist der WisdomTree Japan Equity UCITS ETF EUR Hedged Acc, der dividendenzahlende Unternehmen fundamental gewichtet und mittels ESG-Filter weiter selektiert.
Unser Fazit
Japan zündet, aber die besten Chancen liegen nicht im blinden Indexkauf, sondern in Qualitätsunternehmen, breiter Streuung und bewusst gesteuertem Währungsrisiko.
Autor: Michael Kordovsky
Foto: Getty Images für Unsplash+
| Im Artikel genannte Aktien und Fonds |
| Name |
ISIN |
| Toyota Motor |
JP3633400001 |
| Mitsubishi Heavy Industries |
JP3900000005 |
| Hitachi |
JP3788600009 |
| Sumitomo Mitsui |
JP3890350006 |
| Sony |
JP3435000009 |
| Tokyo Electron |
JP3571400005 |
| Amundi Prime Japan UCITS ETF DR |
LU1931974775 |
| SPDR MSCI Japan EUR Hedged UCITS ETF |
IE00BZ0G8C04 |
| WisdomTree Japan Equity UCITS ETF EUR |
IE00BYQCZJ13 |
We are Family
Der ATX Family: langfristig chancenreich, kurzfristig oft zyklisch
(19.06.) 19 % des weltweiten Wirtschaftsumsatzes werden von Familienunternehmen erwirtschaftet, wie eine aktuelle Studie des Wirtschaftsberaters Deloitte zeigt.
Outperformance
Familienunternehmen zeichnen sich vor allem durch Resilienz und Langlebigkeit aus. Zahlreiche Untersuchungen, etwa der UBS & PwC Global Family Business Report, weisen darauf hin, dass gründer- und familienkontrollierte Aktiengesellschaften den Gesamtmarkt über längere Zeiträume deutlich übertreffen. Dabei werden immer wieder ähnliche Gründe genannt, die besonders im Langfristvergleich für Familienunternehmen sprechen: Während angestellte Manager häufig bonusgetrieben von Quartal zu Quartal agieren, denken Familien in Generationen. Zudem zeigen Studien, dass Familienbetriebe im Durchschnitt eine höhere Gesamtkapitalrentabilität, höhere operative Margen und eine geringere Verschuldung aufweisen.
Resilienter
Untersuchungen des Handelsblatt Research Instituts und der DZ Bank kommen außerdem zu dem Ergebnis, dass Familienunternehmen deutlich höhere Eigenkapitalquoten besitzen. In Krisenzeiten schützt sie das vor existenziellen Schieflagen – weshalb sie sich nach wirtschaftlichen Einbrüchen nachweislich schneller erholen. Allerdings ist auch ein Familienunternehmen nie frei von seiner Geschichte. „Bei einem Familienunternehmen ist die Familienzugehörigkeit samt der damit oft verbundenen Historie ein eigener Faktor, was zu Entscheidungsmustern führen kann, die sich teilweise deutlich von internationalen Kapitalmarktusancen unterscheiden“, erklärt Wolfgang Matejka, Assetmanager der Wiener Privatbank, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.
Zyklische Werte
Die Börsen tragen den Besonderheiten von Familienunternehmen mit eigenen Indizes Rechnung. In Deutschland gibt es etwa den DAXplus Family Index. Beim österreichischen ATX Family Index werden Unternehmen berücksichtigt, deren Gründerfamilien sowie Vorstände oder Aufsichtsräte zwischen 25 und 75 % der Anteile halten und die im Prime Market gelistet sind.
Derzeit erfüllen 14 Unternehmen des Prime-Market-Segments der Wiener Börse diese Kriterien. Die Branchenstruktur ist stark konzentriert: Rund ein Viertel entfällt auf Anlagen- und Maschinenbau (Andritz, Palfinger), ein weiteres gutes Viertel auf das Bauwesen (Porr, Strabag) und rund 22 % auf Hardware und Ausrüstung (AT&S, Kapsch TrafficCom). Entsprechend besteht der ATX Family fast ausschließlich aus zyklischen Werten. Klassische defensive Sektoren wie Versorger oder Telekommunikation fehlen vollständig. Eine Sonderrolle nimmt das Cateringunternehmen Do & Co ein, das im Family Index enthalten ist und sich zwischen zyklischem und defensivem Geschäftsmodell bewegt.
Höhere Vola
Bei der Wertentwicklung der vergangenen fünf Jahre liegen der Leitindex ATX Prime und der ATX Family nahezu gleichauf – beide konnten ihren Wert in diesem Zeitraum beinahe verdoppeln. Allerdings mit unterschiedlichen Mustern: In der Rezession der vergangenen beiden Jahre entwickelte sich der ATX Family aufgrund seiner zyklischen Ausrichtung deutlich schwächer als der Leitindex. In den vergangenen Monaten konnte er diesen Rückstand durch eine Überperformance jedoch wieder aufholen. Die Auswahl an Finanzinstrumenten für ein Investment in den ATX Family bleibt überschaubar. Die RBI bietet derzeit übrigens ein Open-End-Indexzertifikat (ISIN: AT0000A203R6) an.
Autor: Christian Sec
Foto: AdobeStock / mirifadapt
Listing Act oder Listing Crap?
Der Listing Act ist in Österreich umgesetzt. FMA und Industrie feiern einen wichtigen Schritt für den Kapitalmarkt. Für den Anlegerschutz überwiegen die Risiken: Bewährte Schutzmechanismen werden zugunsten einer kurzfristigen Steigerung der Börsenattraktivität aufgegeben. Der Anleger muss viel Engagement investieren. Die Schwellen purzeln und damit das Vertrauen in die Märkte.
Vorab das Positive: Kapitalmarktprospekte zu vereinfachen war längst überfällig, außer für Spezialisten und Juristen haperte es grundsätzlich am Verständnis. Auch die Konkretisierung der Ad-hoc-Pflichten scheint partiell eine positive Entwicklung zu sein.
Kritik: Geringere Streubesitzanteile beim Börsengang. Ein ausreichender Streubesitz ist keine bürokratische Formalität, sondern eine zentrale Voraussetzung für liquide und faire Märkte. Wenn nur ein kleiner Teil der Aktien tatsächlich gehandelt werden kann, entstehen enge Märkte mit geringen Umsätzen. Schon vergleichsweise kleine Kauf- oder Verkaufsaufträge können erhebliche Kursschwankungen auslösen. Für Privatanleger wird es schwieriger, den tatsächlichen Wert eines Unternehmens einzuschätzen. Gleichzeitig steigt die Gefahr von Marktmanipulationen, Kurstreiberei und spekulativen Überbewertungen. Das kennt man in Österreich bereits!
Zweitens: Die bisherige Mindestbestandsdauer vor Börsengang sollte sicherstellen, dass ein Unternehmen seine wirtschaftliche Tragfähigkeit zumindest über einen gewissen Zeitraum unter Beweis gestellt hat. Nun senkt man diese Hürde, und es steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Geschäftsmodelle an die Börse gelangen, die noch nicht ausreichend erprobt sind oder deren wirtschaftliche Nachhaltigkeit fraglich ist – eine solche Erleichterung wurde in den USA für die Aufnahme von Space-Ex und anderen KI-Unternehmen in die Indizes geschaffen und teils heftig kritisiert. Die Börse wird zum Experimentierfeld – oder Zockerei? Anleger investieren ihr Erspartes in der Erwartung, dass grundlegende Qualitätsanforderungen erfüllt sind. Werden diese Standards abgesenkt, verlagert sich das Risiko zunehmend auf die Investoren. Gerade Privatanleger verfügen häufig nicht über die Ressourcen, um junge und komplexe Geschäftsmodelle umfassend zu analysieren.
Hinzu kommt das politische Ziel, mehr KMU an die Börse zu bringen, das an der wirtschaftlichen Realität vorbeigeht. Für die meisten KMU ist eine Börsennotierung nicht sinnvoll. Die Kosten für Investor Relations, Corporate Governance, Compliance, Prüfungspflichten und laufende Publizität bleiben auch nach regulatorischen Erleichterungen erheblich. Viele mittelständische Unternehmen bevorzugen aus guten Gründen Bankfinanzierungen, Förderinstrumente oder private Beteiligungskapitalgeber. Wer glaubt, dass eine Lockerung der Börsenregeln automatisch zu einer Welle von KMU-Börsengängen führt, verkennt die tatsächlichen Bedürfnisse des Mittelstands.
Fazit: Der Listing Act stellt die Interessen der Emittenten über jene der Anleger und fabriziert mehr Risiko. Starke Kapitalmärkte entstehen nicht durch niedrigere Standards, sondern durch Transparenz, Liquidität und Vertrauen. Werden diese Grundpfeiler geschwächt, zahlen am Ende die Anleger den Preis.
Josue Isai Ramos Figueroa für Unsplash
“Green Deal der EU ist der Brandbeschleuniger für den Abschwung”
Die Flughafen-HV 2026 bot viel Sachlichkeit und tiefe Einblicke.
Zahlen und Ergebnisse der Flughafen Wien HV 2026
(12.06.) Michael O’Leary mag im Preiskampf gegen staatliche Regulierer und Flughafenbetreiber ja manchmal obsiegen, gegen eine ausgeprägte Gewitterfront in der Adria-Region hat aber auch der streitbare Ire keine Chance. Und so hatte der Wettergott am Tag der diesjährigen Flughafen-HV ironischerweise weder mit seiner Fluglinie Ryanair noch mit dem Schreiber dieser Zeilen, der gleich nach der Aktionärsversammlung in einen Flieger Richtung Süden springen wollte, Erbarmen.
Andererseits hatte der Börsen-Kurier bei dieser (Un-)Gelegenheit auch die Chance, sich ausführlich ein Bild von den in der HV erwähnten Fortschritten im Bereich Non-Aviation der Flughafen Wien AG überzeugen – und letztlich auch die Verspätung des Fluges für diesen Bericht in einem der schönen neuen Lokale zu nützen.
Geschäftsjahr 2025: Umsatzplus und Passagierrekord
Die von Günther Ofner und Julian Jäger präsentierten Zahlen der Flughafen Wien HV 2026 zeigen ein insgesamt starkes Jahr:
- Umsatz: +7,2 % auf 1,13 Mrd. Euro (inkl. Košice und Malta, deren Ergebnisbeiträge weiter steigen)
- Passagiere gesamt: 43,4 Mio. (+4,9 %), davon:
- Malta: 10,1 Mio.
- Košice: 0,8 Mio.
Belastung durch Einmaleffekt „3. Piste“
Das operative Bild wurde durch einen einmaligen Sondereffekt eingetrübt:
- Wertberichtigung: knapp 56 Mio. Euro
- Grund: endgültiges Aus der „3. Piste“
- Folge: Trotz guter Entwicklung konnte nur rund die Hälfte des Effekts kompensiert werden.
Auswirkungen auf Ergebnis und Dividende
- Ebitda: −6,8 % auf 442,3 Mio. Euro
- Dividende: bleibt bei 1,65 EuroDa es sich um einen Einmaleffekt handelt, bleibt die Dividende für 2025 mit 1,65 Euro unverändert.
Politische Spannungen und Regulierungsdebatten
Ausblick und Politik
Heuer sei man, so Ofner, aufgrund weiterhin positiver Passagier- und Non-Aviation-Zahlen gut ins Jahr gestartet. Das Ergebnis wird auf Vorjahresniveau erwartet und die Guidance (Umsatz: 1.050 Millionen; Ebitda: 415 Millionen Euro) soll halten. Einen Boom gebe es weiterhin bei Betriebsansiedelungen und der „Meilenstein“ Süderweiterung des Terminal 3 soll in die finale Phase kommen.
Green Deal der EU ist der Brandbeschleuniger für den Abschwung
Kritik am EU‑Green‑Deal
Bevor die 65 anwesenden Aktionäre zu Wort kamen, teilte Ofner noch gegen den „Green Deal“ der EU aus, den er als „Brandbeschleuniger für den Abschwung“ bezeichnete. Und auch Jäger ärgerte sich über die Regulierer in der Politik, die Fluglinien aus Wien vertreiben (siehe Ryanair und Wizzair). Die Absage der 3. Piste sei allerdings aus rein wirtschaftlichen Gründen und in Absprache mit den Hauptkunden (v.a. Lufthansa) erfolgt. Sie sei einfach nicht mehr notwendig, da das weitere Wachstum in Schwechat in erster Linie über größere Flugzeuge erfolgen wird.
Flughafen Wien HV: Generaldebatte
Flugabgabe als Standortnachteil
Diese eröffnete wie gewohnt der IVA in Person von Michael Knap. Der Anlegervertreter bedankte sich eingangs bei „Vorstand und allen Mitarbeitern“ dafür, dass die Dividende nicht angerührt wurde. Seine Fragen betrafen in weiterer Folge u.a. den Stand beim Thema Flugabgabe. Vom Podium hieß es, dass man in regem Austausch mit der Politik sei, sich nach der Budgetrede mehr Klarheit erhoffe und natürlich am Thema dranbleibe. Grundsätzlich sei die Steuer ein massiver Standortnachteil, da nur ein Nachbar (D) diese auch einhebe.
AUA‑Kostenkritik und Lufthansa‑Beziehung
Die von Knap angesprochene medial geäußerten Kritik der AUA-Chefin an angeblich hohen Kosten in Wien, sorgte ebenfalls für Unverständnis, da das Verhältnis von Preis und Qualität in Wien ein sehr gutes sei; außerdem führe man laufend „faire Gespräche mit der Lufthansa-Gruppe“ auch zu den Tarifen und sehe hier kein Problem.
Airlines, Marktumfeld und Ryanair‑Thematik
Ryanair und Wizz Air: Abzug oder Stabilität?
Bezüglich der eingangs erwähnten Ryanair sei aktuell mit keinem weiteren Abzug von Flugzeugen zu rechnen, da der Sommerflugplan ja bereits aktiv ist. Auf die für die 3. Piste gekauften Grundstücke und Immobilien angesprochen, erklärte der Vorstand, dass es genau Pläne gäbe zu Verpachtungen, den Tausch von Flächen, einer zukünftigen Verwendung sowie auch zu Verkäufen.
CAT‑Stilllegung 2027 und wirtschaftliche Folgen
Die aufgrund der Sanierung der S-Bahn-Stammstrecke durch die ÖBB notwendige Stilllegung des City Airport Train (CAT; 50,1 % hält der Flughafen, 49,9 % die ÖBB-Personenverkehr AG) von September bis Ende Oktober 2027 liegt hingegen schwerer im Magen. Wie es sich wirtschaftlich auswirke, können man noch nicht sagen, so Jäger, aber es werde sicher kein gutes Jahr für den CAT. Die Kosten dafür (auch für den Schienenersatzverkehr) trage zu 100 % CAT und könne man nicht auf die ÖBB abwälzen.
Flugbewegungen und private Aviation
Interessante Antworten auf Fragen anderer Aktionäre betrafen neben klassischen Umweltthemen etwa die Flugbewegungen privater Flieger (mehr als 4.000 im Jahr), oder die Parkeinnahmen am Flughafen 2025 (64,2 Millionen Euro), das Kultur- und Sportsponsoring (je 480.000 Euro; primär „in der Nachbarschaft“), und zu guter Letzt den Privataktionärstag, der am 7. Oktober wieder stattfinden soll.
Und so kann sich der Streubesitz, der beim Flughafen nur rund 6 % beträgt, auf eine weitere interessante Veranstaltung in Wien-Schwechat im heurigen Jahr freuen.
Autor: Klaus Schweinegger
Foto: Josue Isai Ramos Figueroa für Unsplash
Recycling‑Aktien profitieren vom Boom der Kreislaufwirtschaft
Das Wichtigste in Kürze
- Recycling‑Aktien profitieren von Urbanisierung, Rohstoffknappheit und ESG‑Regulierung
- Abfallmengen steigen weltweit stark – Investitionsdruck wächst
- US‑Werte wie WM, Republic, Waste Connections liefern stabiles Wachstum
- In Europa sind Unternehmen der Recycling-Aktien Tomra, Umicore, Aurubis breit im Kreislauftrend positioniert
- ETF‑Option: Circular‑Economy‑Produkte für breitere Abdeckung
Recycling‑Aktien: Was die Nachfrage treibt
(12.06.2026) Recycling Aktien gewinnen weltweit an Bedeutung, weil steigende Abfallmengen, strengere ESG‑Regulierungen und die Kreislaufwirtschaft neue Investitionschancen schaffen. Unternehmen aus Abfallentsorgung, Sortiertechnologie und Metallrecycling profitieren von langfristigen Trends wie Urbanisierung, Rohstoffknappheit und dem politischen Druck, Materialien effizienter im Wirtschaftskreislauf zu halten.
Kreislaufwirtschaft als Effizienzmotor
Durch den Einsatz von Stahlschrott lassen sich 58 % CO₂ und 72 % Energie gegenüber Primärproduktion einsparen. Recyceltes Aluminium benötigt 95 % weniger Energie, Kupfer 85 % weniger als die Herstellung aus Rohstoffen.
Diese Effizienzgewinne machen die Kreislaufwirtschaft zu einem strategischen Hebel für Industrie, Energie und Klimapolitik – und zu einem langfristigen Investmentthema.
Immer mehr Investoren setzen daher auf Recycling Aktien, weil nachhaltige Abfall- und Metallrecyclingprozesse zu den wichtigsten Zukunftsmärkten zählen.
Warum der Abfallberg wächst
Laut UN Environment Programme steigt das kommunale Abfallaufkommen von 2,1 Mrd. Tonnen (2023) auf 3,8 Mrd. Tonnen (2050). Die globalen Kosten der Abfallwirtschaft lagen 2020 bei 200 Mrd. Euro, inklusive Folgekosten bei 310 Mrd. Euro – Tendenz stark steigend.
EU‑Daten 2023:
- 79,7 Mio. Tonnen Verpackungsabfälle
- 177,8 kg pro Einwohner
- 67,5 % Recyclingquote (Ziel 2030: 70 %)
- Kunststoffrecycling: 42 % (Ziel 2030: 55 %)
Recycling als Rohstoffquelle
Die Internationale Energieagentur sieht Recycling als Schlüssel zur Versorgungssicherheit:
- Kupfer & Kobalt: bis 40 % weniger Bedarf an neuer Minenentwicklung
- Lithium & Nickel: rund 25 % weniger
- Hoher Investitionsbedarf in Batterien, Elektronikschrott, Industriemetalle
Starke US‑Recycling‑Aktien
Im klassischen US-Abfallgeschäft sind Waste Management und Republic Services Basiswerte.
-
Waste Management
WM erzielte 2025 25,2 Mrd. USD Umsatz. Q1/2026:
- EBITDA +5,9 %
- Marge +70 Basispunkte
- Recycling/Energie/Deponiegas: 235–255 Mio. USD Zusatz‑EBITDA (2026)
- Ziel 2027: ~1 Mrd. USD EBITDA aus Nachhaltigkeitssegmenten
2. Republic Services
2025:
- EBITDA 5,3 Mrd. USD (+6,6 %)
- Marge 32 %
- Operativer Cashflow +9,2 %
- Freier Cashflow +11,5 % 2026 Q1: Umsatz +2,6 % 2025 gingen 9 Projekte für erneuerbares Erdgas in Betrieb.
3. Waste Connections
Fokus auf margenstarke Sekundärmärkte. 2020–2025:
- Umsatzwachstum 11,7 % p.a.
- EBITDA‑Wachstum 13,5 % p.a. 2025:
- Umsatz 9,5 Mrd. USD
- EBITDA 3,1 Mrd. USD Zacks‑Konsens: EPS‑Wachstum 2027: +12,4 %
4. Clean Harbors
Eine Spezialrolle spielt Clean Harbors. Der Konzern ist in Nordamerika führend bei Umwelt- und Industriedienstleistungen, Sonderabfällen, Entsorgung und Ölrecycling über Safety-Kleen.
In den Jahren 2021 bis 2025 konnte das Unternehmen das um Sonderposten bereinigte Ebita um 15 % p. a. (CAGR) steigern.
2021–2025:
- EBITDA‑Wachstum 15 % p.a.
Europas Recycling‑Aktien
-
Tomra Systems
Am alten Kontinent ist Tomra Systems interessant, ein Spezialist für Pfandrücknahme, Sortiertechnologie und Food-Sorting, der von langfristigen Regulierungen und Pfandflaschensystemen profitiert.
Ein größerer Ertragssprung ist in den vergangenen Jahren noch ausgeblieben, doch der Analystenkonsens von MarketScreener prognostiziert dies ab 2027.
2.Umicore
Umicore ist nach dem Einbruch im Batteriematerialgeschäft wieder stärker als Recycling-, Katalysator- und Spezialmaterialkonzern zu sehen. Nach Rückschlag im Batteriematerialgeschäft wieder stärker als Recycling‑ und Spezialmaterialkonzern positioniert.
2025:
- EBITDA 847 Mio. Euro (+11 %)
- Marge 24 % 2026: Erwartetes EBITDA nahe 1 Mrd. Euro.
3. Aurubis
Aurubis: Kupfer‑ und Multimetallkonzern mit starker Recyclingbasis. Das Unternehmen verarbeitet, Konzentrate, Schrotte, industrielle Rückstände und komplexe Recyclingmaterialien zu Kupfer, Edelmetallen und weiteren Metallen.
2024/25: operatives EBT 355 Mio. Euro
2025/26: Erwartung 425–525 Mio. Euro
Neue US‑Recyclinganlage in Richmond stärkt Nordamerika‑Präsenz.
ETF‑Lösung für breitere Abdeckung von Recycling Aktien
Ein ETF auf Recycling Aktien ist der VanEck Circular Economy UCITS ETF.
Dieser investiert in Unternehmen aus den Bereichen:
- Wasseraufbereitung
- Waste‑to‑Energy
- Biofuels
- Abfallwirtschaft & Müllentsorgung
- Metallrecycling
Damit deckt er das gesamte Spektrum der Kreislaufwirtschaft ab – sinnvoll für Anleger, die nicht einzelne Recycling‑Aktien auswählen möchten.
Kreislaufwirtschaft‑Aktien im Überblick
Kreislaufwirtschaft Aktien umfassen Unternehmen aus Abfallentsorgung, Sortiertechnologie, Metallrecycling und nachhaltiger Rohstoffgewinnung. Besonders gesucht werden derzeit Müll Recycling Aktien sowie Aktien Müllentsorgung, da diese Firmen stabile Cashflows, hohe Regulierungsbarrieren und langfristige Nachfrage bieten. Die Kombination aus strukturellem Wachstum und defensiver Geschäftslogik macht den Sektor attraktiv für langfristige Anleger.
Fazit: Recycling‑Aktien bleiben ein struktureller Langfristtrend
Recycling‑Aktien verbinden defensives Geschäftsmodell mit strukturellem Wachstum. Steigende Abfallmengen, strengere ESG‑Regulierung und die Notwendigkeit, kritische Rohstoffe im Kreislauf zu halten, sorgen für einen langfristig stabilen Nachfragepfad. Unternehmen aus Abfallentsorgung, Sortiertechnologie und Metallrecycling profitieren von hohen Markteintrittsbarrieren, planbaren Cashflows und politischem Rückenwind.
US‑Werte wie Waste Management, Republic Services oder Waste Connections liefern seit Jahren robuste Margen und kontinuierliches Wachstum. In Europa bleiben Tomra, Umicore und Aurubis zentrale Bausteine der Kreislaufwirtschaft – mit klaren regulatorischen Treibern und wachsendem Recyclingbedarf bei Metallen und Batterien.
Für Anleger, die das Thema breiter abdecken möchten, bieten Circular‑Economy‑ETFs eine stabile Möglichkeit, den gesamten Sektor abzubilden. Insgesamt zeigt sich: Recycling‑Aktien sind kein kurzfristiger Trend, sondern ein langfristiges Investmentthema, das von globalen Megatrends getragen wird und sich laufend weiterentwickelt.
Autor: Michael Kordovsky
Foto: Curated Lifestyle für Unsplash+
| Im Artikel genannte Aktien und Produkte |
|
| Name |
ISIN |
| WM |
(US94106L1098) |
| Republic Services |
(US7607591002) |
| Waste Connections |
(CA94106B1013) |
| Clean Harbors |
(US1844961078) |
| Tomra Systems |
(NO0012470089) |
| Umicore |
(BE0974320526) |
| Aurubis |
(DE0006766504) |
| VanEck Circular Economy UCITS ETF |
(IE0001J5A2T9) |
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Bitcoin im Portfolio: Wie viel Kryptowährung für Anleger sinnvoll sein kann
Experte empfiehlt einen Portfolio-Anteil von 2 bis 5 % als Stabilisator.
Viele Anleger fragen sich, ob Bitcoin trotz hoher Kursschwankungen ins Depot gehört. Experten sehen Kryptowährungen zunehmend als Beimischung – entscheidend sind Gewichtung, Risikomanagement und ein langfristiger Anlagehorizont.
Bitcoin ist längst mehr als ein Spekulationsobjekt
Noch vor wenigen Jahren galt Bitcoin vor allem als Spielwiese für risikofreudige Anleger. Inzwischen beschäftigen sich auch Vermögensverwalter, Banken und institutionelle Investoren intensiv mit der größten Kryptowährung der Welt. Mit der Zulassung regulierter Bitcoin-Produkte und einem wachsenden Interesse professioneller Investoren stellt sich für viele Privatanleger eine neue Frage: Welche Rolle kann Bitcoin heute in einem ausgewogenen Portfolio spielen?
Bernhard Wenger, Head of Northern Europe beim Krypto-Asset-Manager 21Shares, sieht Bitcoin längst nicht mehr nur als Spekulationsobjekt. Entscheidend sei vielmehr, wie sich die Kryptowährung langfristig als eigenständige Anlageklasse entwickle.
Bitcoin bleibt volatil – die Schwankungen nehmen aber langfristig ab
Bitcoin zählt weiterhin zu den schwankungsintensivsten Anlageklassen. Gleichzeitig beobachten Experten seit Jahren einen Trend zu einer geringeren Volatilität.
„Die Volatilität am Kryptomarkt bleibt zwar hoch, hat über einen längeren Zeitraum aber abgenommen“, erklärt Bernhard Wenger im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.
Dazu trägt nach Ansicht vieler Marktbeobachter vor allem die zunehmende Beteiligung institutioneller Investoren bei. Mit wachsender Marktgröße und höherer Liquidität können extreme Kursschwankungen langfristig seltener werden – auch wenn geopolitische Ereignisse oder Zinspolitik weiterhin für deutliche Ausschläge sorgen.
Wie viel Bitcoin gehört ins Depot?
Die wohl wichtigste Frage lautet nicht, ob Anleger Bitcoin kaufen sollten, sondern wie hoch der Anteil im Portfolio sein sollte.
Wenger empfiehlt eine vorsichtige Beimischung.
„Wir empfehlen einen Anteil von zwei bis fünf Prozent.“
Eine solche Gewichtung ermögliche es Anlegern, an möglichen Kurssteigerungen teilzuhaben, ohne das Gesamtrisiko des Portfolios übermäßig zu erhöhen.
Viele Vermögensverwalter verfolgen heute einen ähnlichen Ansatz und betrachten Bitcoin zunehmend als Ergänzung zu Aktien, Anleihen oder Gold – nicht als Ersatz.
Kann Bitcoin ein Portfolio stabilisieren?
Auf den ersten Blick erscheint diese Aussage überraschend. Schließlich gilt Bitcoin als besonders schwankungsanfällig.
Wenger sieht dennoch Potenzial.
„In der richtigen Menge wird Bitcoin ein Portfolio stabilisieren.“
Der Hintergrund: Bitcoin entwickelt sich nicht dauerhaft im Gleichklang mit Aktien oder Anleihen. Diese teilweise unabhängige Entwicklung kann die Diversifikation eines Portfolios verbessern. Allerdings gibt es Ausnahmen. In schweren Marktkrisen geraten häufig nahezu alle Anlageklassen gleichzeitig unter Druck.
Institutionelle Anleger treiben die Entwicklung
Ein wesentlicher Unterschied zu den Anfangsjahren des Bitcoins ist die zunehmende Beteiligung professioneller Investoren.
Banken, Vermögensverwalter und institutionelle Anleger beschäftigen sich heute intensiver mit digitalen Vermögenswerten als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig erleichtern regulierte Krypto-Produkte vielen Investoren den Zugang zum Markt.
Diese Entwicklung dürfte nach Ansicht vieler Experten langfristig dazu beitragen, den Markt weiter zu professionalisieren.
Ethereum, Solana und Stablecoins gewinnen an Bedeutung
Neben Bitcoin entwickeln sich auch andere Bereiche des Kryptomarktes weiter.
Wenger verweist insbesondere auf Ethereum und Solana, deren Netzwerke kontinuierlich ausgebaut werden. Gleichzeitig gewinnen Stablecoins für den Zahlungsverkehr und die Tokenisierung klassischer Vermögenswerte zunehmend an Bedeutung.
Für Anleger gilt jedoch: Nicht jede Kryptowährung eignet sich gleichermaßen als langfristige Geldanlage. Projekte sollten ähnlich sorgfältig analysiert werden wie Unternehmen am Aktienmarkt.
Worauf Anleger achten sollten
Wer erstmals in Bitcoin investieren möchte, sollte einige Grundregeln beachten:
- Bitcoin nur als Beimischung nutzen.
- Langfristig investieren.
- Schwankungen aushalten können.
- Regulierte Anbieter bevorzugen.
- Das Risiko breit streuen.
Häufige Fragen
Wie viel Bitcoin sollte ein Anleger halten?
Experten empfehlen häufig eine Beimischung von zwei bis fünf Prozent des Gesamtportfolios. Die optimale Gewichtung hängt jedoch von der persönlichen Risikobereitschaft ab.
Ist Bitcoin heute weniger volatil?
Die Kursschwankungen bleiben hoch, sind nach Einschätzung vieler Experten langfristig jedoch rückläufig.
Kann Bitcoin ein Portfolio stabilisieren?
Als kleine Beimischung kann Bitcoin die Diversifikation verbessern. In schweren Börsenkrisen sind jedoch auch Kryptowährungen nicht vor Kursverlusten geschützt.
Sind nur Bitcoin oder auch andere Kryptowährungen interessant?
Neben Bitcoin beobachten Experten insbesondere Ethereum, Solana und Stablecoins. Anleger sollten jedoch jedes Projekt einzeln beurteilen.
Autor: Patrick Baldia
Foto: 21Shares / amanda nicolic photography
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Schnelle Trendwechsel an der Börse: Warum Marktbewegungen 2026 so abrupt verlaufen
Anleger müssen schneller und flexibler auf Umwälzungen reagieren.
(22.06.2026 aktualisiert).
Schnelle Trendwechsel prägen die Börse 2026
KI‑getriebene Marktmechanismen, algorithmischer Handel und häufigere Umschichtungen führen dazu, dass Anlagetrends kürzer werden. Analysen von BIZ, J.P. Morgan und UBS – ergänzt um aktuelle Marktbewegungen im Frühjahr 2026 – zeigen, wie stark sich Marktregime verändern und was das für Anleger bedeutet.
Warum schnelle Trendwechsel die Börse 2026 dominieren
Die vergangenen Jahre waren von einem außergewöhnlich stabilen KI‑Boom geprägt, der rund drei Jahre anhielt. Solche „Dauerläufer“ werden jedoch seltener. Themen, die kurzfristig zu Trends stilisiert wurden – etwa vegane Lebensmittel oder Cannabis‑Aktien – verschwanden bereits binnen weniger Monate wieder aus dem Fokus der Anleger.
Diese Entwicklung setzt sich 2026 fort. Seit März ist eine deutliche Rotation zu beobachten: Während große US‑Technologiewerte nach einer Phase starker Übertreibungen mehrfach abrupt korrigierten, verlagerten institutionelle Investoren Kapital in japanische und europäische Standardwerte. Diese Umschichtungen erfolgten innerhalb weniger Handelstage – ein Muster, das die zunehmende Geschwindigkeit von Trendwechseln unterstreicht.
BIZ: Märkte verändern sich schneller und grundlegender
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) betont in ihrem Rückblick auf das Schlussquartal 2025, dass sich die Einflussfaktoren an den Finanzmärkten immer rascher und grundlegender verändern.
Trotz äußerlicher Ruhe im Dezember 2025 registrierte die BIZ deutliche Umschichtungen: eine Meidung großer US‑Konzerne, eine steigende Attraktivität europäischer und japanischer Aktien sowie einen verstärkten Aufschwung in Schwellenländern. Diese Bewegungen markieren laut BIZ den Beginn eines neuen Marktregimes – eines, in dem schnelle Trendwechsel zur Normalität werden.
Die Entwicklungen im Frühjahr 2026 bestätigen diese Einschätzung: Die Marktstimmung kippte mehrfach zwischen „Soft Landing“ und „Reflation“, ausgelöst durch widersprüchliche Konjunkturdaten und wechselnde Erwartungen an die US‑Notenbank. Innerhalb weniger Wochen wechselten Anleger zwischen Risikoappetit und Risikoaversion – mit entsprechenden Ausschlägen in Aktien, Anleihen und Rohstoffen.
Wenn logische Argumente plötzlich verpuffen
Wie abrupt Trendbrüche heute erfolgen können, zeigte die BIZ bereits am Beispiel der Gold‑Rallye Anfang 2025. Der Höhenflug endete innerhalb weniger Tage, ausgelöst durch massive Auflösungen von Hebelprodukten. Im März 2025 wurden Gold und Silber nicht mehr als sichere Häfen, sondern zunehmend wie risikoreiche Anlagen gehandelt.
Ein ähnliches Muster zeigte sich im Mai 2026 erneut: Nach einem starken Jahresauftakt verloren Edelmetalle innerhalb kurzer Zeit an Boden, als die Märkte ihre Erwartungen an die Zinswende neu justierten. Die traditionelle Rolle von Gold als Stabilitätsanker wurde damit erneut infrage gestellt.
J.P. Morgan: Technologische Sprünge beschleunigen Trendwechsel
Der Marktausblick von J.P. Morgan für 2026 zeigt, dass technologische Entwicklungen, die tief in den Alltag eingreifen, zugleich als Beschleuniger für kürzere Anlagetrends wirken. Rasante Informationsverbreitung, algorithmischer Handel und höhere Volatilität führen dazu, dass Marktbewegungen intensiver und unvorhersehbarer werden.
Diese Dynamik zeigte sich zuletzt besonders deutlich bei KI‑Aktien: Einzelne Titel verzeichneten im Frühjahr 2026 zweistellige Kursbewegungen innerhalb weniger Tage – sowohl nach oben als auch nach unten. Nachrichten, die früher über Wochen eingepreist wurden, wirken heute innerhalb von Stunden.
UBS Global Wealth Management: Kurzfristige Bewegungen aktiv nutzen
UBS Global Wealth Management setzte bereits im Sommer 2025 verstärkt auf Strategien, die kurzfristige Marktbewegungen aktiv nutzen. Die jüngsten Entwicklungen bestätigen diesen Ansatz: Die schnelle Rotation zwischen Regionen, Sektoren und Stilen macht flexible Allokationen wichtiger denn je.
Was bedeutet das für Anleger 2026?
Schockereignisse konnten schon immer langfristige Aufwärtstrends abrupt beenden. Neu ist laut J.P. Morgan jedoch die zunehmende Bedeutung chronischer Störeffekte: häufigere Wechsel der Marktstimmung, raschere Zyklen zwischen geldpolitischer Straffung und Lockerung sowie höhere und unberechenbarere Marktschwankungen.
Hausse‑Phasen bleiben möglich, werden aber öfter durch plötzliche Rückgänge unterbrochen. Die Ereignisse des Frühjahrs 2026 – von der Tech‑Korrektur über die Zinswende‑Unsicherheit bis zur Rohstoffvolatilität – zeigen, wie schnell sich Marktregime ändern können.
Fazit: Schnelle Trendwechsel prägen die Börse 2026
Die Analysen von BIZ, J.P. Morgan und UBS – ergänzt um die jüngsten Marktbewegungen – zeichnen ein klares Bild: Schnelle Trendwechsel an der Börse werden 2026 zur Normalität. Anlagetrends sind kürzer, volatiler und stärker technologiegetrieben. Wer erfolgreich investieren will, braucht weniger starre Überzeugungen – und mehr taktische Flexibilität.
Autor: Roman Steinbauer
Foto: Adobe Stock / Pungu x / mit KI generiert
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HV der OMV: Ziellose Proteste
Florian Beckermann (05.06.2026). Wer die OMV-HV-Historie kennt, hatte es befürchtet: Proteste, Krawall. So hat der Interessenverband für Anleger (IVA) in einem offenen Brief zur Zurückhaltung aufgerufen – um für einen friedlichen Ablauf zu werben und um das Institut der Hauptversammlung für alle Aktionäre als solches zu schützen. Nach der HV muss man feststellen: Nicht jeder scheint die Zeichen verstanden zu haben, denn etwas mehr als 30 Personen wollten „Chaos stiften“. Die Sucht nach Befriedigung der eigenen Bubble war wohl größer.
Vor Ort: Zunächst mag die Sachfremdheit des Protests erstaunen. Allen voran die Forderung nach „Vergesellschaftung“ des Unternehmens (Anm. Überführung ins Staatsvermögen). Auf der Aktionärsversammlung die Enteignung der Aktionäre zu fordern ist schlicht deplatziert. Man mag fragen, ob die eigene Enteignung gleich mitgefordert wird? Oder hatte das der Vollmachtgeber nicht berücksichtigt? Allein aus der klimaaktivistischen Sicht macht dieser Gedanke wenig Sinn, wäre doch viel Staatskapital für diesen Stunt nötig. Es wäre wohl deutlich besser in entsprechenden Klimaschutzprojekten einzusetzen. Neben vielen anderen Argumenten. Die Aktionäre reagierten nachvollziehbarerweise mit Unmut.
Die Art des Protests war ferner bemerkenswert: Ein Skandieren von „Mehr Öl!“ oder die emotionalisierend vorgetragene „Generationenfrage“ (Anm. Ressourcenverbrauch zu Lasten künftiger Generationen und nachteilige Schaffung von Klimarisiken) bestimmten die Meldungen. Mag ob der Selbstironie noch ein Schmunzeln der Aktionäre dabei gewesen sein, auf das Geschäftsmodell der OMV ging niemand ein. Weder die Nachhaltigkeitsberichterstattung noch die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie waren thematisch vertreten. Eine konkrete Auseinandersetzung mit dem Unternehmen als Transformator fand nicht statt. Natürlich sind dafür das konkrete Studium der Unterlagen und das Verständnis eines globalen Konzerns Voraussetzung.
Einmal mehr zeigt sich, dass Protest als Selbstzweck die Überzeugungskraft der Argumente schwächt. Mit Krawall mögen die Störer Aufmerksamkeit erhaschen, Respekt jedoch verlieren sie. Insbesondere dann, wenn der Aktivismus inhaltlich ziellos umherirrt und unkonkret wirkt. Es wurde die Chance verpasst, sich konstruktiv für Klimafragen auf der Versammlung der Aktionäre einzusetzen. Man erkennt, dass auch in der Klimaaktivistenszene radikale Kräfte die Bühne übernehmen, wenn die konstruktiven Kräfte Lust und Zeit verlieren.
Zurück bleibt der befürchtete Missbrauch der Hauptversammlung, die sich dennoch behauptete. Sie lebt von der Debatte, nicht von Trillerpfeifen oder vom Niederbrüllen – wie jedes demokratische Forum. Sie zu schädigen, ist ein Angriff auf das Eigentum und die offene, liberale Aktionärsdemokratie. Dem Fingerspitzengefühl des Versammlungsleiters Lutz Feldmann und dem konsequenten Einschreiten des Saaldienstes war es zu verdanken, dass eine Balance zwischen „Störerinteresse“ und Aktionären gefunden wurde.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
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Österreichs Bankenabgabe: “15 Jahre sind genug!”
EZB Zinserhöhung Pro und Contra: Kritiker warnen vor Fehlentscheidungen
Kritiker sehen Mario Draghis Vermächtnis gefährdet und warnen vor Zinserhöhungen.
Wegweisender Draghi-Report über Wettbewerbsfähigkeit der EU findet kein Gehör
(05.06.) Der ehemalige EZB-Chef (2011 bis 2019) und spätere italienische Ministerpräsident Mario Draghi (2021 bis 2022) hatte seinerzeit in seinem allgemein als schonungslos bezeichneten „Draghi-Report“, in dem er ohne die üblichen Umschweife und sehr konkret auf notwendige Reformen zugunsten der europäischen Wettbewerbsfähigkeit hinwies, etwas zustande gebracht, das vor und nach ihm niemandem gelungen ist, nämlich Applaus von der Linken bis zu Viktor Orbán zu erhalten. Nun scheint man auf ihn weniger zu hören.
Mario Draghi Vorschlag: Jährlich 800 Mrd. Euro für Wachstum
Der Report konzentrierte sich neben anderen Vorschlägen auf den Schwerpunkt, Wachstum des europäischen BIP durch ein großzügiges Hineinpumpen von 750 bis 800 Mrd Euro jährlich in den Markt zu erzielen.
1. Für ökologische Transformation und Verteidigung
Dieses Geld sollte Innovation, ökologische Transformation (in erster Linie eine Dekarbonisierung) und – schon damals – den militärischen Verteidigungsbereich stärken bzw. finanzieren.
2. Unabhängige Lieferketrten
Auch drängte Draghi auf eine größere Unabhängigkeit europäischer Lieferketten.
Sein zum Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise 2012 verkündetes Motto „Whatever it takes“ ist in die europäische Wirtschaftsgeschichte eingegangen. Zahlreiche Kapitalmarktteilnehmer bezeichneten sein Vorgehen als eine Art neuen Marschallplan. Historisch ist vor allem seine Mahnung zu einem gemeinsamen Vorgehen der Eurostaaten zu würdigen. Andere Stimmen kritisieren wiederum die durch die hohen Geldmengen verursachte Inflation.
Zielkonflikte der Notenbanken: Inflation vs. Konjunktur
Auch Notenbanken sind nicht allmächtig. Als (wörtlich zu nehmende) Währungshüter besteht ihre Hauptaufgabe darin, das Vertrauen in die jeweilige Währung und damit deren Wert zu erhalten und den Wertverfall des Geldes, sprich: die Inflation, im Zaum zu halten. Dies geschieht, wann immer es notwendig scheint, durch Drehen der Zinsschraube nach oben oder unten. Sollte man meinen …
1. Kritik: Proaktives Handeln der EZB fehlt
Denn die europäischen Institutionen fallen vor allem durch Untätigkeit auf, meinen viele Marktteilnehmer: „Was den Pragmatismus und den proaktiven Ansatz betrifft, die Draghis Amtszeit an der Spitze der Europäischen Zentralbank geprägt haben, scheint es heute kaum mehr als ein kurzes Zwischenspiel gewesen zu sein“, kommentiert beispielsweise der französische Vermögensverwalter LFDE.
2. Kritik: EZB konzentriert sich zu sehr auf hohe Energiepreise
Worum geht es? Dass die derzeitige Konjunktur europaweit wie global angesichts der zahlreichen Krisen, allen voran des instabilen geopolitischen Umfelds, ein äußerst volatiles Bild abgibt, weiß eigentlich schon jedes Kind. Kritiker des derzeitigen EZB-Kurses weisen, ganz im Sinne der seinerzeitigen draghischen Politik darauf hin, dass es möglicherweise notwendig werde, die Konjunktur durch Zinssenkungen (oder wenigstens den Verzicht auf Zinserhöhungen) zu stützen. Stattdessen konzentriere sich die EZB allein auf die hohen Energiepreise infolge des Iran-Krieges und deren Auswirkungen auf die Inflationsraten.
Argumente beider Seiten: Glaubwürdigkeit vs. Wirtschaftsstütze
Tatsächlich führen beide Seiten nachvollziehbare Argumente in die Diskussion. Olli Rehn, Gouverneur der finnischen Zentralbank, EU-Kommissar a.D. und Mitglied des EZB-Rates, meint, man werde wohl gezwungen sein, die Zinssätze anzuheben, um Glaubwürdigkeit zu bewahren. In dasselbe Horn stößt, wie bereits berichtet, EZB-Direktorin Isabel Schnabel in einem Reuters-Interview: „Aus heutiger Sicht halte ich eine Zinserhöhung im Juni für nötig.“ (Die nächste EZB-Zinssitzung findet am 11. Juni statt; Anm.)
2008 und 2011: Zinserhöhungen zur falschen Zeit
Einig sind sich beide Seiten darin, dass die Fehler von 2008 und 2011 nicht wiederholt werden dürften, als die EZB zu spät auf den Anstieg der Inflation reagierte und die Zinssätze zu einem völlig falschen Zeitpunkt erhöhte, als es mit der Konjunktur wieder bergab ging. Die Folgen, ein Dahindümpeln der europäischen Wirtschaft, seien fatal gewesen.
Es ist nicht so wichtig, welchen Weg man in der Geldpolitik wähle, sondern dass man diesen konsequent geht.
Konsequenz als Leitlinie: Was Experten fordern
Was also tun? Starke Stimmen in der EZB sehen sich an ihre Hauptverantwortung, die Stabilisierung des Geldes, erinnert und geben der Inflationsbekämpfung Vorrang. Die Kritiker, die die Erhaltung der Konjunktur in den Vordergrund stellen, warnen vor einer Zinserhöhung. Gewissermaßen haben beide recht. Auch darf an die Traditionen der Vor-Euro-Ära erinnert werden, als Hartwährungsländer wie Deutschland allergischer auf Inflation reagierten als die romanischen Volkswirtschaften. Dies steckt bis heute in der jeweiligen DNA. Der ehemalige CEO der Erste Group, Andreas Treichl, hat zu Zeiten der Finanzkrise jedenfalls gemeint, in erster Linie sei nicht so wichtig, welchen Weg man in der Geldpolitik wähle, sondern dass man diesen konsequent ginge.
Autor: Mag. Tibor Pásztory
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Die Geldpolitik der EZB im historischen Vergleich: Warum sich die 1980er nicht wiederholen lassen
Bei der Allianz stimmt das globale Umfeld
Versicherer muss aber neue Märkte erschließen, um höhere Kursregionen für die Aktie zu rechtfertigen.
Kurz-Zusammenfassung
- Allianz steigert operativen Gewinn und peilt 17,4 Mrd. Euro für 2026 an
- Globaler Versicherungsboom treibt strukturelles Wachstum
- Indien wird zum Schlüsselmarkt für langfristige Expansion
- Joint Ventures stärken Marktpräsenz in Schaden, Kranken und künftig Leben
- Aktie nahe Allzeithoch, Bewertung moderat, aber Wachstumserwartungen gedämpft
- Hohe Solvency-II-Quote ermöglicht Dividenden und Aktienrückkäufe
- Einstiegschance bei Rücksetzern Richtung 370 Euro
Bei der Allianz stimmt das globale Umfeld
Operatives Wachstum trägt die Aktie
Versicherer muss aber neue Märkte erschließen, um höhere Kursregionen für die Aktie zu rechtfertigen.
(05.06.). Beim weltweit zweitgrößten Versicherer Allianz läuft es auch im neuen Geschäftsjahr. Der operative Gewinn kletterte im ersten Quartal um 6,6 % auf einen neuen Rekordwert von 4,5 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr sieht Vorstandschef Oliver Bäte den Dax-Konzern hier auf gutem Weg, die Jahresprognose von 17,4 Milliarden Euro zu erreichen. Zugleich bewegt sich die Aktie nahe ihres Allzeithochs bei 397 Euro, das sie Anfang Mai erreicht hatte.
Globaler Versicherungsboom treibt strukturelles Wachstum
Starke Dynamik in Kranken- und Schadenversicherung
Wie stark das strukturelle Wachstum der globalen Versicherungsmärkte aktuell ist, hat die im hauseigenen Allianz Research tätige Marktforschung mit ihrem gerade veröffentlichten Global Insurance Report 2026 untermauert. Demnach wuchs die globale Versicherungswirtschaft 2025 um 7,1 % auf 6,9 Billionen Euro, was deutlich über dem Zehnjahresschnitt von 5,6 % liegt. Besonders stark schnitten die Prämien der Krankenversicherer ab, die um 12,3 % zulegten und damit den besten Wert seit 2014 schafften. Dagegen normalisierte sich das Prämienwachstum im Schaden- und Unfallsegment nach dem Preisboom von 8,5 % im Vorjahr wieder auf 3,8 %.
Allianz: Asien, speziell Indien, wird zum Wachstumsmotor
Für die nächsten zehn Jahre erwartet Allianz Research ein globales Jahreswachstum von 5,3 %. Mehr als die Hälfte des prognostizierten Zuwachses von fast 5,3 Billionen Euro soll aus Asien kommen. Indien ragt dabei als Wachstumsmarkt heraus: Die Versicherungsdurchdringung liegt derzeit bei lediglich 3,8 % des BIP bei Pro-Kopf-Ausgaben von rund 85 Euro. Das Aufholpotenzial ist also enorm.
Allianz setzt strategisch auf Indien
Joint Ventures öffnen den Zugang zum Subkontinent
Über das gerade gegründete Joint Venture Jio Allianz General Insurance Limited (JAGIL) klinkt sich die Allianz in den indischen Markt ein. JAGIL soll auf dem Subkontinent Schaden- und Krankenversicherungen anbieten. Separat laufen Verhandlungen zu einem zweiten Joint Venture für das Geschäft mit Lebensversicherungen. Der Ausbau von Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz soll vor allem mit dem Großteil des verbleibenden Gewinns von 1,1 Milliarden Euro aus dem Verkauf des Bajaj-Joint-Venture finanziert werden.
Was die Aktie jetzt braucht: neue Wachstumsimpulse
Analysten uneins – Bewertung moderat
Um die Investoren weiter für den Kauf der Aktie der Allianz zu begeistern, braucht die Allianz neue Wachstumsimpulse. Neun Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf, sieben plädieren für Halten und zwei für Reduzieren. Die Kursziele schwanken zwischen 330 und 504 Euro. Mit einem 2027er KGV von unter 12 ist die Allianz-Aktie ähnlich bewertet wie die Papiere des italienischen Rivalen Generali. Und auch bei der für 2026 geschätzten Dividendenrendite von knapp unter 5 % liegen die beiden Versicherer gleichauf. Allerdings erwarten die Analysten bei Generali für die nächsten zwei Jahre ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 10 gegenüber 6 % bei der Allianz.
Solvency-II-Quote ermöglicht starke Kapitalrückflüsse
Aktienrückkäufe stützen den Kurs
Ein dicker Pluspunkt bei der Allianz ist die zuletzt weiter auf 221 % gestiegene Solvency-II-Quote, die sich damit am oberen Ende der historischen Bandbreite bewegt. Dieser Wert bestimmt maßgeblich, wie viel Spielraum Versicherer für Dividenden und Aktienrückkäufe haben. Kumuliert hat die Allianz seit März 842,5 Millionen Euro für Aktienrückkäufe eingesetzt. Das gesamte bis zum Jahresende laufende Rückkaufprogramm ist auf 2,5 Milliarden Euro angelegt, was den Aktienkurs weiter stützen wird.
Einstiegschance: Rücksetzer abwarten
Für neue Engagements in die Aktie empfiehlt es sich, Rücksetzer bis 370 Euro abzuwarten.
Autor: Stefan Riedel, München
Foto: Allianz
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FACC-Dividende: Aktionäre erhalten wieder eine Ausschüttung
(05.06.) Zum zweiten Mal lud der Innviertler Luftfahrtzulieferer in die FACC-Academy zur Hauptversammlung. Der Einladung waren mehr als 80 Aktionäre gefolgt, die nicht enttäuscht wurden.
Der Beginn der HV gestaltete sich wie schon gewohnt: AR-Vorsitzender Chengkuan Wang erklärte, dass er wegen fehlender Deutschkenntnisse die HV nicht leiten könne, worauf – ebenfalls wie immer – IVA-Vorstandsmitglied Michael Knap zum Vorsitzenden gewählt wurde und diese Aufgabe wieder mit viel Routine bewältigte. Knap schien übrigens auch dieses Jahr an der Abfassung des „Skripts“ beteiligt gewesen zu sein, da Redundanzen der Vorjahre (wie die dreimalige Verlesung eines Tagesordnungspunktes, Anm.) nicht mehr vorkamen.
FACC mit Rekordumsatz und höherem EBIT
Und so konnte der sichtlich zufriedene CEO Robert Machtlinger (Foto) über ein neues Rekordjahr mit einem Umsatz von 984,4 Millionen Euro (+11 %) und einem Ebit von 42,3 Millionen Euro berichten. „Das liegt auch daran, dass sich Boeing im vergangenen Jahr sichtlich erholt und die Produktion wieder gesteigert hat“, erläuterte er. So stiegen die Boeing-Auslieferungen 2025 auf 600 Einheiten im Vergleich zu 348 im Jahr davor. Das Geschäft mit Airbus läuft ohnehin gut wie immer.
Sehr positiv: bei den Business Jets (Hauptkunden Bombardier und Embraer) sind die Umsätze stark gewachsen. „Das ist darauf zurückzuführen, dass es immer mehr Anbieter von Mietflugzeugen dieser Klasse gibt, die relativ große Flotten anlegen“, erklärte Machtlinger. Hier ist FACC Weltmarktführer bei Kabinenausstattungen, der Anteil am Umsatz liegt inzwischen bei 18 %.
FACC investiert 120 Millionen Euro in Österreich
Ebenfalls erfreulich ist die Tatsache, dass man am Standort St. Martin im Innkreis bis 2028 um rund 120 Millionen Euro ein neues Werk für Aerostructures errichten wird. Hier soll auch ein neuer Forschungsbereich für Zukunftstechnologien wie z. B. KI und weitere Automatisierung entstehen. „Gründe dafür gibt es einige“, führte Machtlinger aus. „Wir haben qualifiziertes Personal, die Strukturen sind vorhanden und F&E sowie die Testanlagen sind auch schon hier. Würden wir woanders neu bauen, würde das ein Vielfaches kosten.“
Im Anschluss ging CFO Florian Heindl auf die Geschäftszahlen ein, wobei er einräumte, dass ihm die Ebit-Marge von 4,3 % „immer noch zu wenig“ ist. „Da wollen wir auf jeden Fall mehr“, meinte er. Auf spätere Nachfrage von IVA-Mann Florian Beckermann erklärte der Vorstand, bei den Aerostructures sei das Potenzial, mehr als 10 % zu erreichen, vorhanden. „Bei Engines & Nacelles, wo auch das Drohnengeschäft angesiedelt ist, sind wir ohnehin bei mehr als 12 %.“
FACC-Dividende: Aktionär fordert Verzicht
Zu Beginn der Generaldebatte stellte ein bekannter Linzer Aktionär, der sich diesmal ausnahmsweise nicht über den Aktienkurs beschweren konnte, den Antrag, man solle keine Dividende zahlen, um das Geld im Unternehmen zu lassen. Das Podium gab dazu keinen Kommentar ab, nur Beckermann widersprach ihm und meinte, die Dividende sei etwas dürftig und außerdem „wohl eher symbolisch“.
Zu seiner Frage nach Auswirkungen der US-Politik erklärte Machtlinger, dass man diese im Blick behalte, aber „es storniert keiner deswegen Bestellungen, weil derzeit zwischen 2.500 und 5.200 Flugzeuge fehlen“.
Ein anderer Anteilseigner wollte wissen, wieviel Ebit-Marge man 2025 durch das CORE-Programm erzielt hätte. „Das kann man nicht allein durch CORE beziffern“, antwortete Heindl. „CORE bedeutet ja nicht nur Einsparungen, es ist viel umfassender. Die höhere Marge liegt auch an außerordentlichen Preiserhöhungen, unter anderem wegen der Inflation und steigender Kosten.“
Dank eines weiteren Anteilseigners erfuhren die Anwesenden dann noch, dass man insgesamt 2,5 Millionen Euro in Schulungsmaßnahmen investiert hat und die Anzahl der F&E-Mitarbeiter bei rund 600, davon 400 in Österreich, liegt. Und die FACC hält knapp 400 Patente.
FACC-Dividende trotz Kritik beschlossen
Die Abstimmungen verliefen alle im Sinne der Anträge, wobei die neue Vergütungspolitik mit fast 2 Mio Gegenstimmen am wenigsten Zustimmung fand.
Autor: Cornelius M. Pirch
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FACC-Aktie: Wie viel Kurspotenzial bleibt noch?
| Auf einen Blick: |
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| Anwesend: |
64,24 % GK |
| Information: |
Gut |
| Organisation: |
Sehr gut |
| Stimmung: |
Freundlich (gut) |
| Dividende: |
1,10 Euro/Aktie |
| Ex-Tag: |
1.6. Zahltag: 5.6. |
Mercosur: Auswirkungen auf österreichische Industrie
Die Auswirkungen des Freihandelsabkommens sind für große Konzerne überschaubar.
- Mercosur Auswirkungen Österreich: EU‑Mercosur‑Abkommen abgeschlossen, rechtliche Einstufung als EU‑only weiter offen.
- Politische Blockaden: Frankreich und Österreich bremsen wegen Umwelt- und Agrarstandards.
- Zollabbau: 91 % der Zölle sollen fallen, EU‑Unternehmen könnten 4 Mrd. € jährlich sparen.
- Geringe Effekte für Österreichs Industrie: Voestalpine, Palfinger, Kapsch, Lenzing, Wienerberger und ams Osram kaum betroffen.
- Einzelne Chancen: Andritz profitiert potenziell durch günstigere Maschinenexporte in Mercosur‑Staaten.
Mercosur Auswirkungen Österreich: Politische Unsicherheiten bleiben
(akt. 6.7.2026) Die Europäische Union und die vier Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay haben ihre Verhandlungen über ein umfassendes Freihandelsabkommen abgeschlossen – wie aus der Mitteilung des Rates vom 17. Januar 2026 hervorgeht, in unterzeichnet im „Interim Trade Agreement“ (iTA).
EU-only Entscheidung und rechtliche Bewertung offen
Ob das Abkommen als „EU-only“ eingestuft wird, ist Stand Mitte 2026 weiterhin ungeklärt. Die Europäische Kommission hat keine Entscheidung und keinen Zeitplan veröffentlicht – wie aus der aktuellen Übersicht der Kommission hervorgeht, die den Status weiterhin als „pending legal assessment“ nennt.
Mercosur Auswirkungen Österreich: Blockaden durch Mitgliedstaaten
Frankreich und Österreich bremsen das Abkommen 2026
Mehrere Mitgliedstaaten, darunter Frankreich und Österreich, haben 2026 erneut politische Vorbehalte geäußert, insbesondere wegen Umwelt- und Agrarstandards. Wie aus der Berichterstattung von Euractiv vom 12. Juni 2026 hervorgeht, blockieren diese Staaten weiterhin eine Einstufung als EU-only.
Mercosur Auswirkungen: Wirtschaftliche Effekte laut EU-Kommission
Zollabbau und mögliche Einsparungen für EU-Unternehmen
Während Fachjuristinnen und Fachjuristen die möglichen Ratifizierungswege prüfen, bewertet die Industriellenvereinigung (IV) den Abschluss der Verhandlungen als historische Einigung. Rund 91 % der Zölle auf europäische Exporte in die Mercosur-Region sollen entfallen – wie aus der Folgenabschätzung der EU-Kommission hervorgeht, die 2026 erneut bestätigt wurde.
Laut EU-Kommission könnten Unternehmen in der EU dadurch jährlich rund 4 Mrd. Euro einsparen – wie aus der aktualisierten wirtschaftlichen Bewertung 2026 hervorgeht.
Auswirkung auf börsennotierte Unternehmen in Österreich erwartet
Warum Österreichs Industrie kaum vom Zollabbau profitiert
Die großen börsennotierten Industrieunternehmen selbst sehen das Mercosur-Abkommen nicht ganz so euphorisch, wie eine Umfrage des Börsen-Kurier-Partners Interessenverband für Anleger (IVA) anlässlich der Hauptversammlungen 2024 ergab. Die großen Betriebe sind meist schon mit Produktionsstätten in Südamerika aktiv und nutzen gleichzeitig Südamerika als Absatzmarkt und sind daher nicht so sehr von Zöllen betroffen.
Mercosur Auswirkungen auf Voestalpine im Südamerika-Geschäft
Der aktuelle Umsatz der voestalpine in Lateinamerika (Südamerika) beträgt im Geschäftsjahr 2025/26 rund 447,3 Mio. Euro. Das entspricht drei Prozent des Konzernumsatzes. Diese wurden überwiegend von Voestalpine-Standorten in Südamerika umgesetzt. Nur ein überschaubarer Teil der Geschäftstätigkeit am südamerikanischen Kontinent erfolgte aufgrund von Exporten von europäischen Voestalpine-Standorten, erklärt der Konzern in der Umfrage. Umgekehrt wurden Lieferungen von Standorten der Voest-alpine in Südamerika nach Europa nur in einem geringen Ausmaß getätigt. Demzufolge ist die Voest-alpine direkt nur vereinzelt vom Mercosur-Abkommen betroffen.
Mercosur Auswirkungen auf Palfinger, Kapsch und Andritz
Auch Palfinger, das rund 5 % des Umsatzes in Südamerika erwirtschaftet, würde von den wegfallenden Zöllen wenig profitieren, weil der Konzern die Strategie verfolgt, in der Region für die Region zu produzieren (Local-for-Local). Jedoch würde ein Abschluss Palfinger insofern zugutekommen, als damit bessere Rahmenbedingungen für Investitionen und Kooperationen in Mercosur-Staaten die regionale Produktion und Rohstoffbeschaffung erleichtern würden, was sich positiv auf die globale Lieferkette auswirken sollte, wie CEO Andreas Klauser auf Anfrage des Börsen-Kurier erklärt.
Ähnliches gilt für Kapsch TrafficCom. Südamerika ist ein wichtiger Markt für den Mautsystementwickler, vor allem als Wachstumsmarkt. Jedoch hat das Mercosur-Abkommen für den Konzern nur bedingt Auswirkungen, da der Großteil der Wertschöpfungskette innerhalb der Region stattfindet, so das Unternehmen uns gegenüber.
Positive Effekte für Andritz erwartet
Positive Effekte hätte der Zollabbau für den Maschinenbauer Andritz. So meint dieser bei der IVA-Umfrage, dass die Zollerleichterungen die Exporte von Maschinen und Komponenten für Projekte in die Mercosur-Staaten günstiger machen.
Lenzing, Wienerberger und ams Osram ebenfalls mit geringer Relevanz
Der Holzfaserproduzent Lenzing sieht sich in dieser Umfrage kaum betroffen von dem Abkommen. Auch der Baustoffproduzent Wienerberger hat derzeit keine laufenden Geschäftsaktivitäten in Südamerika und sah die Auswirkungen im vergangenen Jahr noch als nicht wesentlich an.
Der Chip- und Sensorikkonzern ams Osram ist zwar in den Mercosur-Staaten geschäftlich tätig, allerdings spielen diese Märkte für den Gesamtumsatz eine untergeordnete Rolle, wie man gegenüber dem Börsen-Kurier erklärt. So hätte eine endgültige Ratifizierung des Abkommens keine nennenswerten Auswirkungen auf das Geschäft des Konzerns.
Autor: Christian Sec
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Voestalpine Hauptversammlung 2026: Kritik trotz guter Entwicklung
Die Geldpolitik der EZB im historischen Vergleich: Warum sich die 1980er nicht wiederholen lassen
Historischer Blick: Die Volcker‑Ära als Referenzpunkt
Als die Inflation in den USA zwischen 1979 und 1980 auf fast 15 % kletterte, reagierte die Federal Reserve unter Paul Volcker mit einer drastischen Straffung der Geldpolitik. Die Fed Funds Rate wurde zeitweise auf 20 % angehoben – deutlich über die Inflationsrate. Diese Phase extrem hoher realer Zinsen führte dazu, dass die Teuerung bis 1982 wieder auf unter 4 % fiel. Quelle: OECD
In Deutschland lagen Anfang der 1980er‑Jahre positive Realzinsen vor: Die Inflationsrate betrug 1980/81 rund 5–6 %, während der Diskontsatz der Bundesbank auf 7–7,5 % angehoben wurde.
Diese historische Erfahrung gilt bis heute als Musterbeispiel erfolgreicher Inflationsbekämpfung.
Die Lage im Jahr 2022: Schnelle, aber begrenzte Zinsschritte
USA – kräftige Straffung nach verspäteter Reaktion
2022 hat die US‑Notenbank die Zinsen in kurzer Zeit stark erhöht: Von März bis Juli stieg die Fed Funds Rate von 0–0,25 % auf 2,25–2,50 %. Der Markt erwartete für September eine weitere Anhebung um 75 Basispunkte – ein außergewöhnlich schneller Straffungszyklus.
Die Inflation lag im August 2022 bei 8,3 %, nachdem sie bereits 2021 von 1,4 % auf 7,0 % gestiegen war. Die Fed reagierte damit deutlich später als in der Volcker‑Ära.
Eurozone – stärkste Anhebung seit zwei Jahrzehnten
Die EZB erhöhte 2022 ihre Leitzinsen in zwei Schritten um insgesamt 1,25 Prozentpunkte. Am 8. September folgte mit 0,75 Prozentpunkten die größte Einzelanhebung seit 22 Jahren.
Die Inflation stieg im Euroraum von 5,1 % (Jänner) auf 9,1 % (August). Gleichzeitig hob die EZB ihre Inflationsprognosen deutlich an:
- 2022: von 6,8 % auf 8,1 %
- 2023: von 3,5 % auf 5,5 %
- Annäherung an 2 %: erst ab 2024 erwartet
Marktindikatoren wie der 2‑Jahres‑EUR‑Swapsatz (2,57 % per 16. September 2022) signalisierten weitere Zinsschritte bis etwa 2,5 %.
Warum die 1980er‑Strategie heute nicht wiederholbar ist
Der entscheidende Unterschied: Staatsverschuldung
Die wirtschaftliche Lage – hohe Inflation, geopolitische Unsicherheit, Rezessionsrisiken – erinnert oberflächlich an die frühen 1980er‑Jahre. Doch ein Faktor macht eine Wiederholung der Volcker‑Politik unmöglich:
Die Staatsverschuldung ist heute so hoch wie nie zuvor in Friedenszeiten.
USA
- 1980: 30,9 % des BIP
- 2022: rund 122,8 % des BIP
Damit ist die Schuldenquote viermal so hoch wie zu Beginn der Volcker‑Ära. Zinsen von 10–20 % wären für die öffentlichen Haushalte nicht tragbar. Selbst 5 % gelten bereits als mögliche Obergrenze. Quelle: Weltbank.
Eurozone
Deutschland liegt mit 68,2 % (Q1 2022) noch im moderaten Bereich. Doch mehrere große Volkswirtschaften sind hoch verschuldet:
- Frankreich: 114,4 %
- Spanien: 118,4 %
- Portugal: 127,0 %
- Italien: 155,6 %
- Griechenland: 189,3 %
Ein EZB‑Hauptrefinanzierungssatz von 3 % wäre bereits der höchste Stand seit 2008 – und könnte in einigen Ländern eine neue Schuldenkrise auslösen.
Ausblick – Straffung ja, Volcker‑Schock nein
Die Zentralbanken werden ihre Zinsen weiter anheben, um die Inflation einzudämmen. Doch die Spielräume sind begrenzt:
- Zu hohe Zinsen → Risiko von Schuldenkrisen
- Zu niedrige Zinsen → anhaltend hohe Inflation
Daher ist ein moderater, schrittweiser Zinspfad wahrscheinlicher als ein radikaler Volcker‑Schock. Die EZB dürfte 2022/23 weiter anheben, aber deutlich unter den historischen Niveaus der 1980er bleiben.
FAQ
Wie stark kann die EZB die Zinsen noch erhöhen?
Marktindikatoren deuten auf einen möglichen Höchststand von rund 2,5–3,0 % hin.
Warum sind hohe Zinsen heute gefährlicher als früher?
Weil die Staatsverschuldung in vielen Ländern ein Mehrfaches des Niveaus der 1980er beträgt.
Kann die Inflation ohne drastische Zinsschritte sinken?
Ja, wenn Energiepreise, Lieferketten und Nachfrage sich normalisieren – aber der Prozess dauert länger.
Droht eine Schuldenkrise in Europa?
Ein zu schneller oder zu starker Zinsschritt könnte Länder wie Italien oder Griechenland unter Druck setzen.
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EZB Zinserhöhung Pro und Contra: Kritiker warnen vor Fehlentscheidungen
Sesselkleber und Overboarding (Kommentar)
40‑%‑Quote und ihre Folgen
Florian Beckermann (29.05.2026). Die Umsetzung der gesetzlichen Geschlechterquote von 40 % im Aufsichtsrat zum Jahresende erzeugt bei „Sesselklebern“ aller Art Angst. An manchen Stellen wird rotiert. In manchen Unternehmen wird eher negiert. Manche börsengelistete Aktiengesellschaft hat die Quote längst erfüllt – langsam die Mehrheit. Frage: Wer wird noch schnell verlängert? Und dann: Wo finden wir die passende Frau? Zuweilen wirkt die Auswahl handgestrickt. Nicht alle Aktionäre zeigen sich zufrieden.
12‑Jahres‑Grenze und Corporate Governance
Auch wenn es einige Aufsichtsräte nicht gerne hören, international gelten mittlerweile zwölf Jahre als magische Schallgrenze für die Dauer einer Aufsichtsratstätigkeit und gute Corporate Governance. Bei Amtszeiten darüber hinaus wird angenommen, dass bereits eine Art der Abhängigkeit oder Betriebsblindheit eingetreten ist. Verantwortung zu übernehmen, heißt auch die eigene Nachfolge rechtzeitig zu planen und vorzubereiten. Leider geschieht dies nicht immer zeitnah. Allzu lang glaubt manch Aufsichtsrat an die Unabkömmlichkeit seiner Fähigkeiten oder Person. Ohne zu erkennen, dass er längst ein Problem geworden ist. Ein zu umtanzendes Ego, ein Faxgerät mit Befindlichkeiten, ein lebendes Patronage-System.
Was Aktionäre sehen – und was nicht
Die wenigsten Aktionäre sehen das. Aktionäre treffen die Person höchstens bei der Hauptversammlung. Sie können sich kaum ein Bild über die Dynamik des Aufsichtsrats machen. Bei all der Berichterstattung über die Aufsichtsräte in den Geschäftsberichten, scheint diese soziale Komponente kaum abbildbar. Gleichwohl ist es dem Streubesitzaktionär schwer vermittelbar, eine Negativentscheidung zu Ungunsten eines bestehenden Aufsichtsrats ad hoc zu treffen. Man muss sich auf die Selbstevaluierung des Aufsichtsrats verlassen. Intern betrachtet ist sie, auch bei guter Durchführung, selten eine Übung die zu echtem Umdenken in der Besetzung des Aufsichtsrats führt.
Overboarding und die Gefahr der Überlastung
Viele Beobachter der österreichischen Szene unken seit der Einführung der Geschlechterquote, dass hier nur eine spezifische Gruppe von Frauen zu Zuge kommen wird. Die reale Gefahr des Overboarding. Das beschreibt die Überlastung von Aufsichtsräten durch zu viele Mandate gleichzeitig. Es kann dazu führen, dass weniger Zeit für einzelne Unternehmen bleibt, Entscheidungen oberflächlicher getroffen und Kontrollaufgaben vernachlässigt werden. Zudem steigt das Risiko von Interessenkonflikten und Fehlentscheidungen. Für Unternehmen kann dies eine schwächere Corporate Governance, geringere Effizienz sowie Vertrauensverlust bei Investoren bedeuten. Als gäbe es nicht genug geeignete Frauen.
Sozialer Druck als Korrektiv
Korrektiv „Sozialer Druck“? Manchmal. Sesselkleber gelten im Unternehmen irgendwann als Witzfiguren. Die Öffentlichkeit schmunzelt oder straft mit Verachtung. Ähnliches gilt für überlastete Aufsichtsrätinnen: Ihre Qualifikationen können sie womöglich nicht umfassend abrufen, also werden sie nur für das Minimumerfordernis belangt. Das kann nicht unbedingt im Sinne des Aktionärs und der Woman-on-Board-Richtlinie sein.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
KI‑Aktien Asien: Warum Taiwan und Südkorea jetzt profitieren
Vor allem der Tech-Boom treibt die Kurse an. Doch auch anderswo gibt es Chancen.
(29.05.2026). Für Schlagzeilen sorgen weiterhin große US-Technologiekonzerne aufgrund Künstlicher Intelligenz (KI). Anleger räumen dessen Einsatz große Wachstumsperspektiven ein. Auch in den Schwellenländern profitieren vor allem die Börsen in Südkorea sowie in Taiwan kräftig. „Korea und Taiwan gehören zu den großen Gewinnern im laufenden Jahr, da die dortigen Technologieunternehmen enorm von KI-bezogenen Investitionsausgaben profitieren“, konstatiert Tilmann Galler, Kapitalmarktexperte bei J.P. Morgan Asset Management.
Positive Aussichten
Der Experte verweist auf handfeste Entwicklungen. So seien die Gewinnheraufstufungen in diesem Sektor derart stark, dass die Bewertungen von Schwellenländeraktien unter dem Strich gesunken seien. Galler präzisiert: Zu Jahresbeginn lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beim „MSCI Emerging Markets Index“ bei dem 13,3-fachen der 12-Monats-Gewinnprognosen. Inzwischen ist es auf das 12-fache gesunken. Der Aufwind hinterlässt auch insgesamt Spuren am Index. Darin ist die IT-Branche inzwischen mit knapp mehr als 36 % gewichtet.
Hinzu kommen weitere Aspekte. So steigen die Rohstoffpreise – ein Umstand, der entsprechenden Exportländern Geld in die Staatskasse spült. Dazu zählen einige Regionen in Lateinamerika. Chile ist großer Kupferexporteur. Aus Brasilien kommen unter anderem jede Menge Eisenerz, Agrargüter und Erdöl. Tatsächlich sei das Land Nettoenergieexporteur, betont Edgar Walk, Chefvolkswirt bei Metzler Asset Management.
Der Metzler-Experte verweist zudem auf einen übergeordneten Trend: So wurden historisch Phasen einer US-Dollar-Stärke oft durch eine straffere US-Geldpolitik eingeleitet. Dies sei Walk zufolge der Auftakt für Kapitalabflüsse, Währungsabwertungen und Finanzkrisen in den Schwellenländern gewesen. „Die Erfahrungen der frühen 1980er-Jahre, der Asienkrise oder die Ankündigung der Fed 2013, Anleihekäufe zu senken, haben sich jedoch tief ins institutionelle Gedächtnis eingegraben.“
Daher sei im jüngsten Straffungszyklus 2022 bis 2023 die befürchtete breite Krisenwelle ausgeblieben. „Das lag vor allem an drei Verbesserungen: teilweise flexiblere Währungen, glaubwürdigere geldpolitische Regime und eine deutlich geringere Abhängigkeit von Fremdwährungsschulden.“ Walk zufolge sei dies womöglich die wichtigste strukturelle Nachricht für Schwellenländerinvestoren. Die Anlageklasse sei zwar nicht gegen Dollarschocks immun geworden, aber weniger fragil. Somit dürfte auch der aktuelle Dollaranstieg weniger belasten.
Chancen mit Fonds
Im „M&G (Lux) Asian Fund“ entfällt die größte Gewichtung auf den taiwanesischen Chiphersteller TSMC, der vom KI-Boom profitiert. Der mit Abstand wichtigste Auftragsfertiger ist Nvidia. Der südkoreanische Chiphersteller SK Hynix zählt ebenfalls zu den größten Einzeltiteln. Zu den wichtigsten Kunden zählen nebst Nvidia auch Alphabet-Tochter Google und Microsoft, um etwa deren Rechenzentren auszustatten. Auch in Samsung Electronics, Tencent Holdings und die HDFC Bank wird investiert.
Der „Lazard Emerging Markets Equity Fund“ ist breiter aufgestellt. Knapp mehr als die Hälfte entfällt auf Asien. Dazu zählen nebst den genannten Chipaktien etwa ASE Technology aus Taiwan. Das Unternehmen ist Auftragsfertiger für die Montage und das Testen von Halbleitern. China Construction Bank wie auch die ungarische OTP Bank sowie der mexikanische Finanzdienstleister Banorte sind ebenfalls Teil der Top-Holdings. Bei beiden Produkten sind Verluste möglich.
Autor: Mag. Raja Korinek
Foto: Getty Images für Unsplash+
| Fonds und Aktien aus dem Artikel |
|
| Name |
ISIN |
| M&G (Lux) Asian Fund |
LU1670618187 |
| Lazard Emerging Markets Equity Fund |
IE00BYQ4FT75 |
| Alphabet |
US02079K3059 |
| ASE Technology |
TW0003711008 |
| Banorte |
MXP370711014 |
| China Construction Bank |
CNE1000002H1 |
| HDFC Bank |
US40415F1012 |
| Microsoft |
US5949181045 |
| Nvidia |
US67066G1040 |
| OTP Bank |
HU0000061726 |
| Samsung Electronics |
KR7005930003 |
| SK Hynix |
KR7000660001 |
UBM in tiefgreifender Transformation
CEO Thomas Winkler bei der HV: „Turnaround erst am Anfang.“
(29.05.2026). Dass es möglich ist, trotz aller Formalitäten eine HV innerhalb von weniger als zwei Stunden über die Bühne zu bringen, bewies die UBM Development AG bei ihrer 145. ordentlichen Hauptversammlung in der Vorwoche. Zu verdanken war dies vor allem der kompakten und zügigen Versammlungsleitung durch den Aufsichtsratsvorsitzenden Karl-Heinz Strauss, der einleitend betonte, UBM befinde sich in „einer der tiefgreifendsten Transformationen der Unternehmensgeschichte“.
Ende des Krisenmodus
2025 sei es gelungen, nach vier Jahren den Krisenmodus zu durchbrechen und wieder ein positives Ergebnis zu erzielen, betonte CEO Thomas Winkler (im Bild mit seinem Vorstandsteam) in seiner Präsentation. Mit der strategischen Neuausrichtung habe man schneller als der Mitbewerb auf das Marktumfeld reagiert, doch der Turnaround sei erst am Anfang. UBM wolle zukünftig eine Zwei-Produkt-Strategie verfolgen: bezahlbares Wohnen und Premiumwohnen. Und CFO Patric Thate erläuterte, im Rahmen des Portfolio-Rebalancings sollen für bezahlbares Wohnen 0,8 bis 1,1 Milliarden Euro zur Verfügung stehen.
Realisiert werden soll bezahlbares Wohnen durch Systembauweise mit einem hohen Vorfertigungsgrad, so CTO Peter Schaller. Die Bauzeit soll um 30 % reduziert werden, Typengenehmigungen könnten die Einreichzeiten verkürzen. UBM sei gerade dabei, ein erstes Projekt umzusetzen.
Eine quantitative Guidance für das laufende Jahr sei derzeit nicht möglich, so Winkler. Geplant sei eine „rigorose Umsetzung“ des Portfolio-Rebalancings, bei Immobilienverkäufen befinde man sich in fortgeschrittenen Verhandlungen. Angesichts der zunehmenden Angebots-Nachfrage-Lücke zeigt sich Winkler optimistisch, dass UBM 2027 von einem neuen Gleichgewicht profitieren werde.
Kritik an Portfolio-Rebalancing und Finanzierung
IVA-Präsident Florian Beckermann würdigte in seiner Wortmeldung die Leistung, in diesen Zeiten als Immobilienentwickler eine „schwarze Null“ zu liefern. Skeptisch zeigte er sich aber, ob Wohnen „das Richtige für UBM“ sei. Es gebe viel Wettbewerb und UBM sei nie Kostenführer, sondern immer Premiumanbieter gewesen. Und er hinterfragte, ob mit der Transformation die Corporate Identity von UBM erodiere.
Winkler gestand zu, dass auch andere Anbieter auf die Idee kommen, Wohnen entwickeln zu wollen, der Zugang zu Kapital werde aber schwieriger. UBM sei Premiumdeveloper, aber „wir können auch günstig entwickeln“. Entscheidend dafür sei ein Paradigmenwechsel: die – von der Bauindustrie vorangetriebene – Verlagerung der Baustelle in die Fabrik. Die industrielle Fertigung führe zu Skaleneffekten und niedrigeren Baukosten. Zielmargen seien 20 % im Premiumbereich und 10 % bei bezahlbarem Wohnen, hier werde man das Geschäft „mit der Masse“ machen. Es stelle sich zwar die Frage nach der Corporate Identity, UBM sei aber in der Vergangenheit bei mehreren Änderungen erfolgreich gewesen.
Mehrere Aktionärsfragen beschäftigten sich mit der Finanzierung des Unternehmens. Ein Aktionär kritisierte, dass Hybridkapital und Aktien als Eigenkapital ausgewiesen werden, ein Drittel des Eigenkapitals sei nicht den Aktionären zuzurechnen. Thate betonte, dass diese Ausweisung gängige Praxis und rechtlich korrekt sei. Die höheren Zinsen neuer Emissionen seien dem Zinsanstieg am Kapitalmarkt geschuldet. Man sei dem Markt ausgesetzt und zahle marktübliche Zinsen. Thate betonte aber, dass die meisten Immobilienunternehmen derzeit nicht in der Lage wären, Anleihen zu begeben.
Frage nach Dividende
Kritik gab es auch am Aktienrückkauf. Die Idee dahinter sei gewesen, zu kaufen, wenn es aufgrund der Marktsituation keine Käufer gebe, so Winkler. Dies sei durchaus erfolgreich gewesen, der Kurs sei 2025 deutlich gestiegen. Dass der Kurs zuletzt deutlich nachgab, liege daran, dass derzeit „gegen die Aktie gehandelt“ werde. Bis auf Weiteres seien keine Aktienrückkäufe mehr geplant. Und zur Frage Beckermanns, wann UBM wieder dividendenfähig sein werde, erklärte Winkler, man werde wieder Dividende zahlen, wenn es einen ausschüttungsfähigen Gewinn gebe.
Autor: Marius Perger
Foto: Philipp Horak für UBM
Stärke durch Sparen
Florian Beckermann (22.05.2026). Der Bürger soll Energie sparen, Wasser sparen, fürs Alter sparen, für Krisen vorsorgen und am besten noch Verständnis dafür aufbringen, dass trotz Rekordsteuern angeblich „kein Geld da“ ist. Dabei ist Sparen nichts Ideologisches, sondern schlichte Vernunft. Wer spart, schafft Sicherheit.
Sparen ist die praktische Kunst, sich gegen die Willkür des Lebens zu wappnen: Die legendäre kaputte Waschmaschine, der Jobverlust, die Inflation, die Krise – all das verliert seinen Schrecken, wenn man nicht jeden Monat finanziell am Abgrund balanciert. So hält der österreichische Bürger einen Betrag von weit über 30.000 E im Schnitt in Reserve – eine solide Summe, Tendenz steigend!
Sparer besitzen damit etwas Gefährliches: die Möglichkeit, Nein zu sagen. Nein zum teuren Kredit. Nein zur Existenzangst. Nein zur Abhängigkeit vom Staat. Der Sparer kauft keinen Luxus, sondern Würde. Der finanziell Unabhängige wird damit politisch anspruchsvoll. Vielleicht wird Sparen deshalb von manchen Funktionären misstrauisch betrachtet. Wer Reserven hat, denkt langfristig. Länger als der politische Horizont mancher.
Die freiwillige Ausgabenreduktion der Österreicher spiegelt somit die Budgetlage des Staates konträr wider. Die Bürger tun das, was der Staat tun müsste. Die Magie liegt im Ausgabenverzicht. Jede Sanierung fängt hier an. Das Ausgabenmanagement wird zur wichtigsten Aufgabe der Gesellschaft.
Erwartungshaltung: Für Milliarden an Bürokratiekosten und Subventionen ist längst das Verständnis verschwunden – insbesondere dann, wenn gar ins Pensionssystem gegriffen wird. Österreich spart mehr und erwartet das auch vom eigenen Staat. Der Wunsch nicht finanziell erpressbar zu sein, der Wunsch nach Krisenresistenz, der Wunsch nach Kontrolle schwingt mit. Klientelpolitik und Unmengen an Förderungen passen nicht in ein kollektives Sparbedürfnis.
Die Rückbesinnung auf die stärkenden Effekte des Sparens ist eine politische Notwendigkeit, die sich nicht im Kleinklein verlieren darf. Jeder gute Manager besitzt die Fähigkeit, in kurzer Zeit Einsparungen in Höhe von 10 bis 15 % vorzuschlagen und umzusetzen – oft ist es ein Wochenende. Natürlich muss ein Staat auf Ausgewogenheit seiner Sparentscheidungen achten. Man kann sicher sein, dass dies nie zur Freude aller gelingen wird. Doch für die Vorbereitungen gab es jahrelang Zeit. Jetzt bedarf es einer echten Sparpolitik, eines echten Kostenmanagements, einer echten Wiederherstellung der fiskalischen Sparsouveränität und der Einigkeit, dies umsetzen. Die Konfetti-Geld-Politik erntete kurzen Applaus – Sparpolitik erntet das Gegenteil. Kein Terrain für Applaus-Junkies. Ein Terrain für echte Verantwortung. Zukunft: Man mag davon träumen, was möglich wäre, wenn aus Sparen ein Anlegen wird. Wenn zum Ausgabenverzicht noch eine Strategie hinzutritt. Dann wird aus Sparen eine nationale Stärke (siehe Norwegen).
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Starker Start ins Jahr 2026
Dividenden steigen im ersten Quartal um 8,2 % auf 419 Milliarden US-Dollar.
(21.06.2026) Die weltweiten Dividenden sind stark in das Jahr 2026 gestartet und im ersten Quartal auf Gesamtbasis um 8,2 % auf einen Rekordwert von 419 Milliarden US-Dollar gestiegen. Begünstigt wurde dies durch Wechselkurseffekte und hohe einmalige Sonderdividenden. Dies geht aus dem aktuellen Dividendenradar von Capital Group hervor, einem Teil der Capital Group Global Equity Study. Die zugrunde liegende Kernwachstumsrate lag im ersten Quartal im Jahresvergleich bei 5,2 % – ein repräsentativeres Maß für die Dividendenentwicklung, das sich auch im mittleren Dividendenwachstum je Aktie widerspiegelte.
Sektortrends
Eine Wende im Rohstoffzyklus führte dazu, dass Bergbauunternehmen nach Jahren von Kürzungen infolge schwacher Profitabilität im ersten Quartal der wichtigste Wachstumstreiber waren. Sie machten ein Fünftel des globalen Anstiegs im ersten Quartal aus, wobei insbesondere Goldminenunternehmen Stärke zeigten. Allgemeine Finanzwerte (+16,2 %), Halbleiter (+10,2 %), Software (+9,5 %) und Maschinenbau (+8,9 %) verzeichneten ebenfalls ein starkes bereinigtes Wachstum.
Die drei größten ausschüttenden Sektoren im ersten Quartal – Pharmaunternehmen, Banken und Energieunternehmen – steigerten ihre Ausschüttungen langsamer als der Gesamtmarkt. Die Dividenden im Energiesektor stiegen lediglich um 3,1 %, was den Druck auf die Gewinne bereits vor der Ölkrise sowie die Auswirkungen von Aktienrückkäufen widerspiegelt. Die Ausschüttungen der Banken wurden insbesondere durch Kürzungen in China, Brasilien und Schweden belastet. Die Dividenden im Pharmasektor stiegen bereinigt um Sondereffekte um 4,3 %. Kein Unternehmen im Capital Group Index nahm Kürzungen vor, einige der größten Dividendenzahler erhöhten ihre Ausschüttungen jedoch nur geringfügig.
Regionale Trends
Unter den großen Regionen wurde das stärkste Wachstum in Australien, Indien, den USA und Kanada verzeichnet, während das Vereinigte Königreich, Europa und China schwächer abschnitten. Japan, der Großteil Asiens und Europas sowie einige Schwellenländer weisen typischerweise relativ geringe Ausschüttungen im ersten Quartal auf, weshalb lokale Wachstumsraten weniger repräsentativ für das Gesamtjahr sind.
In Deutschland erreichten die Dividenden im ersten Quartal 2026 7,5 Milliarden US-Dollar, nach 6,0 Milliarden US-Dollar im ersten Quartal 2025. Dies entspricht einem Gesamtwachstum von 25,8 % und einem Kernwachstum der Dividenden von 11,4 %. Damit lag Deutschland deutlich über dem Kernwachstum von Europa ex UK von 3,4 % sowie dem globalen Durchschnitt von 5,2 % im ersten Quartal. Das Wachstum wurde teilweise durch wiederaufgenommene Ausschüttungen im Industriesektor unterstützt, während der stärkere Euro im Vergleich zum ersten Quartal 2025 das ausgewiesene Wachstum zusätzlich begünstigte.
Für den weiteren Verlauf des Jahres 2026 belässt Capital Group seine Dividendenprognose bei 2,20 Billionen US-Dollar, was einem Gesamtwachstum von 5,1 % im Jahresvergleich entspricht. Sonderdividenden und Wechselkurse leisten jedoch einen größeren Beitrag als erwartet, was auf ein Kernwachstum von 4,7 % hindeutet – leicht unterhalb der Gesamtwachstumsrate.
Alexandra Haggard, Head of Asset Class Services für Europa und Asien-Pazifik bei Capital Group, kommentiert: „Diese Entwicklungen zeigen, dass aktive Manager mit umfassenden Research-Kapazitäten zunehmend gut positioniert sind, um Unternehmen zu identifizieren, die über die Fähigkeit und den Willen verfügen, Dividenden langfristig zu zahlen und zu steigern. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die globalen Dividenden mehr als verdoppelt, unterstützt durch steigende Unternehmensgewinne und eine breiter verankerte Dividendenkultur in den verschiedenen Märkten. Der Beginn in das Jahr 2026 war ermutigend – selbst angesichts zunehmender geopolitischer Unsicherheit sowie anhaltendem Kosten- und Energiedruck. Während diese Herausforderungen die Kosten einiger Unternehmen erhöhen, können dividendenzahlende Aktien zur Stabilisierung von Portfolios beitragen, wenn die Märkte volatiler werden. In diesem Umfeld sind fundiertes Research und Selektivität entscheidend, und aktive Manager sind gut positioniert, um jene Unternehmen zu identifizieren, die ihre Dividenden langfristig aufrechterhalten und steigern können.“
Die neue Geografie des Kapitals
Südkoreas Chips ausverkauft bis 2026, Brasiliens Seltene Erden kaum erschlossen.
(20.05.2026) Achtzehn Monate Rally, und noch immer sind die meisten Investoren untergewichtet. Das ist die paradoxe Ausgangslage an den Emerging Markets im Frühjahr 2026. Während der Iran-Konflikt den Ölpreis von 60 auf zwischenzeitlich 120 Dollar trieb und Reflexe Richtung Safe-Haven auslöste, zeichnen die Fundamentaldaten ein differenzierteres Bild — eines, das aktive Anleger nicht ignorieren sollten – ein Kommentar von Marcus Weyerer, Kapitalmarktexperte ETFs von Franklin Templeton erklärt.
Der Dollar: Kirsche, nicht Kuchen
Lange galt der Dollar als das einer der entscheidenden Makroindikatoren für Schwellenländer-Investments. Diese Ära ist vorbei, zumindest in ihrer absoluten Form. Der Dollar ist „the cherry on the cake“. Wenn die Kirsche fehlt, ist der Kuchen trotzdem noch lecker.
Entscheidender ist die strukturelle Untergewichtung, von der Profi- wie Privatanleger gleichermaßen betroffen sind. Noch immer liegen aktive globale Fonds deutlich unter der Benchmark-Gewichtung der Emerging Markets, trotz der Rally der letzten anderthalb Jahre. Als Makro-Rückenwind wirkt dabei nicht nur der schwächere Dollar (der DXY-Index notiert 2 bis 3% im Minus gegenüber von vor einem Jahr, beim Hoch zur Iran-Eskalation zuletzt wieder leicht erholt), sondern vor allem ein strukturell günstigeres Finanzierungsumfeld: Rund 4,5 Billionen Dollar an Dollar-denominierten Verbindlichkeiten lasten auf Schwellenländern. Jeder Prozentpunkt weniger im Dollar-Zinsniveau entlastet die Financial Conditions erheblich.
Das Iran-Szenario zeigt, dass der Dollar bei geopolitischen Schocks reflexartig aufwertet. Doch die Reaktion fiel dieses Mal gedämpfter aus als in vergleichbaren Stressphasen früherer Jahre. Eine ähnliche Situation vor ein paar Jahren hätte wohl eine deutlich stärkere Reaktion hervorgerufen.
Ölpreisschock: Differenzierung ist wichtig
Ein höherer Ölpreis trifft die Emerging Markets nicht gleichmäßig. Die unmittelbare Reaktion ist meist jedoch ein breiter Risk-off-Reflex: Anleger ziehen Kapital aus riskanteren Märkten ab, der Dollar gewinnt als Safe Haven, und EM-Aktien geraten unter Druck. Doch dieser erste Reflex verschleiert die eigentliche Wirkung. Wie sieht es in den einzelnen Ländern aus?
Indien: Das Land ist strukturell ein Ölimporteur. Als Faustregel gilt: Steigt der Ölpreis um 10 Dollar pro Barrel, kann das Indien 15 bis 20 Basispunkte des Bruttoinlandsproduktes kosten — über höhere Importkosten, fiskalische Subventionen für Kraftstoff und steigende Unternehmenskosten. Der Ölpreis ist von rund 60 Dollar auf zwischenzeitlich 120 Dollar gestiegen, zuletzt bei etwa 90 Dollar. Bei einem anhaltend höheren Niveau von 100 Dollar — also einem Plus von 40 Dollar — wären das gut 80 Basispunkte weniger Wachstum. Für ein Land, das dieses Jahr eigentlich mit 6,8 Prozent BIP-Wachstum kalkuliert hatte, wäre das schmerzhaft — brächte aber immer noch solides Wachstum von rund 6 Prozent.
China: Peking bezieht erhebliche Mengen iranisches Öl. Kurzfristig helfen strategische Reserven und alternative Lieferwege über Russland. Mittelfristig aber könnte ein anhaltender Iran-Konflikt Chinas Energieversorgung strukturell verteuern, gerade wenn iranisches Öl durch Sanktionen langfristig ausfällt. Gleichzeitig sitzt China geopolitisch in einer Zwickmühle: Weder hat Peking ein Interesse an eskalierenden Energiepreisen, noch kann es offen den US-Forderungen im Iran-Konflikt folgen, ohne eigene Verbündete zu verprellen.
Saudi-Arabien: Der Exporteur profitiert prinzipiell von höheren Preisen, aber nur, solange seine Exportrouten offen sind. Im direkten Spannungsfeld des Konflikts ist das keine Selbstverständlichkeit. Das Land leidet unter dem klassischen Dilemma des Ressourcenreichtums: Profitiert von hohen Preisen, ist aber gleichzeitig der Instabilität der Region ausgesetzt.
Brasilien: Klarer Gewinner. Das Land ist Ölexporteur und profitiert direkt. Dazu kommen Rohstoff-Diversifikation (Industriemetalle, Nahrungsmittel, seltene Erden), geografische Distanz zum Konfliktherd und eine wachsende geopolitische Bedeutung als Rohstofflieferant für die USA.
KI und Chips: Die 80-Prozent-Story aus Seoul
Wer den eigentlichen Treiber der Emerging-Markets-Rally sucht, landet unweigerlich in Südkorea. Dort hat ein Markt in 12 Monaten um weit mehr als 100 Prozent zugelegt. Der KOSPI ist eine Fahnenstange, getragen von einer fundamentalen Knappheit: Memory-Chips.
80 Prozent der globalen High-Bandwidth-Memory-Chips (HBM) werden in Südkorea produziert — primär von Samsung und SK Hynix. Die restlichen 20 Prozent kommen von Micron in den USA. Drei Unternehmen also kontrollieren nahezu die gesamte Weltproduktion eines Bauteils, das für KI-Systeme unverzichtbar ist. HBM-Chips ermöglichen nicht nur das Training von KI-Modellen, sondern vor allem auch deren Betrieb, das sogenannte Inferenz, also das Abrufen von Antworten in Echtzeit.
Das Angebot ist so knapp, dass die Produktionskapazitäten für das Jahr 2026 bereits vollständig ausverkauft sind und neue Kapazitäten erst Mitte 2027 ans Netz gehen. Die Nachfrage kommt von den Hyperscalern und die aktuelle Berichtssaison lässt erahnen, dass der Durst von Microsoft, Amazon, Google und Co. nach Memory 2027 dann noch einmal deutlich höher liegen dürfte.
Korea ist aus unserer Sicht auch eine strukturelle Absicherung gegen einen KI-Enttäuschungsfall: Selbst wenn die Hyperscaler in drei Jahren feststellen, dass sie zu viel investiert haben, das Geld ist bereits bei Samsung und SK Hynix. Die Chiplieferanten kassieren bis auf weiteres unabhängig davon, ob KI die versprochenen Renditen bringt.
Der Schweinezyklus im Chipmarkt — der in der Vergangenheit bei nachlassender Konjunktur brutal zuschlug — scheint strukturell unterbrochen: Wir sind vermutlich erst 20 bis 30 Prozent in dieser Buildout-Phase. Auch hier zeigt die Berichtssaison zum ersten Quartal, dass keiner der großen Investoren in Chips und Infrastruktur riskieren möchte, im Wettrennen zur KI-Dominanz den Anschluss zu verlieren.
China: Das National Team drückt auf die Bremse
Chinesische Aktien schwächeln — aber nicht aus den Gründen, die meist bekannt sind, wie zum Beispiel der seit Jahren schwache Immobilienmarkt. Der eigentliche Bremsklotz ist derzeit die chinesische Regierung selbst, genauer: das sogenannte „Nationalteam“. Dieses lose Bündnis aus staatlichen Banken, Versicherern und Pensionsfonds war in den vergangenen Jahren immer dann aktiv, wenn der Markt absackte, indem es kaufte. Derzeit geschieht das Gegenteil.
Hintergrund: Das Verhältnis ausstehender Margin Kredite (Kreditspekulation) zur Marktkapitalisierung war auf Niveaus von 2015 gestiegen, damals hatte die Regierung nicht eingegriffen, mit katastrophalen Folgen. Diesmal tritt Peking behutsam auf die Bremse, vor allem bei A-Shares, die im Hang Seng nicht enthalten sind. Das dämpft kurzfristig die Kurse, zeugt aber von einem besonnenen Ansatz der chinesischen Behörden.
Für langfristig orientierte Investoren ist das strukturell positiv zu werten: Peking handelt antizyklisch. Die Schwäche ist regulatorisch erzwungen, nicht fundamental begründet. Hinzu kommt: Das Universum «China» ist komplexer als der Hang Seng suggeriert. Professionelle Anleger kombinieren A-Shares (Festland), Hong-Kong-notierten H-Shares und US-gelistete ADRs zu einem vollständigen Bild.
Fundamental sprechen strukturelle Faktoren für China: Mehr als die Hälfte der globalen Patente kommen aus China, 66 Prozent des globalen Wirtschaftswachstums entfallen auf Emerging Markets — mit China als größtem Einzelbaustein. Die Untergewichtung in institutionellen Portfolios, jahrelang durch den „Uninvestierbar“-Narrativ genährt, ist noch nicht vollständig aufgeholt. Das schafft Nachholpotenzial.
Brasilien: Der stille Gewinner der Rohstoffgeopolitik
Brasilien ist nach Korea Franklin Templetons derzeit bevorzugter Emerging Markets Markt, und der Iran Konflikt hat dieses Argument noch verstärkt. Das Land kombiniert in seltener Weise: Ölexporte, Nahrungsmittelexporte, Industriemetalle und — strategisch wichtiger denn je — seltene Erden.
Konkret: Brasilien besitzt 20 Prozent der globalen Reserven seltener Erden, produziert aber derzeit nur etwa 1 Prozent des weltweiten Outputs. Der gesamte Verarbeitungssektor liegt in China. Sollte das Auseinanderdriften von USA und China weitergehen und Washington Versorgungsketten für kritische Materialien diversifizieren wollen — ein Prozess, der Jahrzehnte dauert, aber bereits begonnen hat —, dann ist Brasilien einer von wenigen möglichen Alternativen.
Die Binnenwirtschaft zeigt ein ambivalentes Bild: Die Zentralbank hat den Leitzins auf 15 Prozent erhöht, in einem globalen Umfeld sinkender Zinsen ein aggressiver Schritt. Die Inflation liegt bei rund 4 Prozent, leicht oberhalb des Zielbands (3 Prozent ±1,5 Prozentpunkte), aber noch innerhalb des akzeptablen Korridors. Das schafft erheblichen Spielraum für Zinssenkungen.
Das strukturelle Defizitproblem bleibt: Sozialausgaben sind inflationsindexiert und per Gesetz festgeschrieben, eine grundlegende Reform ist politisch kaum durchsetzbar, jedenfalls nicht unter der aktuellen Linksregierung von Lula. Die Parlamentswahlen im Oktober 2026 könnten eine Wende bringen, möglicherweise unter Flavio Bolsonaro; das wäre markttechnisch positiv, setzt aber eine parlamentarische Mehrheit voraus.
Obwohl Brasiliens makroökonomische Stabilität auch dem hohen Anteil des Binnenkonsums zu verdanken ist, ist für Indexanleger das Konsumthema eher zweitrangig: Der Aktienmarkt wird von Öl- und Rohstoffunternehmen sowie dem Finanzsektor dominiert. Consumer Staples und Discretionary sind nur marginal vertreten. Brasilien ist für Anleger in erster Linie eine Rohstoff-Story mit Zinssenkungsoption.
Rosenbauer: Turnaround fast geschafft
Bei Rosenbauer lief das Geschäft sehr gut.
(22.05.2026)
Ergebnis Rosenbauer 2025 Zusammenfassung
Rosenbauer hat 2025 ein beeindruckendes Ergebnis vorgelegt und damit den Turnaround nahezu abgeschlossen. Der Feuerwehrausrüster steigerte den Umsatz um 9,4 % auf 1,429 Milliarden Euro, halbierte die Verschuldung und erzielte ein Ergebnis vor Steuern von über 54,7 Millionen Euro. Der Auftragsbestand von 2,35 Milliarden Euro sorgt zusätzlich für Planungssicherheit und weiteres Wachstum.
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Diese Zahlen standen im Mittelpunkt der 34. ordentlichen Hauptversammlung in Leonding, die im Vergleich zum Vorjahr unter einem deutlich besseren Stern verlief. CEO Robert Ottel sprach vom „erfolgreichsten Geschäftsjahr in der 160‑jährigen Unternehmensgeschichte“.
Innovation im Fokus: Der Panther jetzt auch elektrisch
Zu Beginn gab Ottel einen Überblick über das Unternehmen und hob das Flughafenlöschfahrzeug Panther hervor – das internationale Aushängeschild von Rosenbauer. Die neue elektrische Version ist bereits am Flughafen Dallas (Texas) im Einsatz. Für Ottel ein „eindrucksvoller Beweis unserer Innovationskraft“.
Komplexe Einzelanfertigungen – Stärke und Herausforderung
Rosenbauer fertigt jedes Feuerwehrauto als maßgeschneiderte Einzelanfertigung, abgestimmt auf die Anforderungen der jeweiligen Einsatzorganisation. Die hohe Komplexität bringe jedoch auch Herausforderungen mit sich, wie Ottel offen einräumte.
Rosenbauer: Starkes Wachstum 2025
Gleichbleiben ist leichter als wachsen, glauben Sie mir!
Dass Ergebnis des vergangenen Jahres kann sich sehen lassen: Der Umsatz stieg um 9,4 % auf 1,429 Milliarden Euro, die Verschuldung wurde halbiert und das Ergebnis vor Steuern lag bei mehr als 54,7 Millionen Euro. „Das hört sich ja sehr gut an, aber eine solche Steigerung muss ein Unternehmen auch ein-mal verkraften“, so Ottel. „Gleichbleiben ist leichter als wachsen, glauben Sie mir!“
Ausblick 2026: Wachstum, US‑Offensive und höhere Marge
Zufrieden zeigte er sich auch mit dem Auftragsbestand, der bei 2,35 Milliarden Euro liegt. Das verspricht auch für 2026 ein Wachstum, das unter anderem durch stärkere Bearbeitung des US-Marktes erreicht werden soll. „Dort sind wir Nummer drei, das ist nicht unser Anspruch“, erklärte der CEO.
Prognosen für 2026:
- Umsatzprognose: rund 1,6 Mrd. Euro
- EBIT‑Marge: etwa 6 %
- US‑Markt: stärkere Bearbeitung
Aktionäre zufrieden – Dividende 2027 in Aussicht
In der folgenden Generaldebatte kamen viele Redner zu Wort, die ebenfalls ihrer Zufriedenheit mit dem fast geschafften Turnaround zum Ausdruck brachten. Die Frage nach einer möglichen Dividende kam natürlich zur Sprache. „Wenn 2026 so verläuft, wie wir es erwarten, werden wir wohl nächstes Jahr wieder eine Dividende vorschlagen können“, so Ottel.
Kritik und klare Worte
Dagegen verwehre ich mich auf Schärfste
Ein Aktionär, der sich über Fehler im Geschäftsbericht mokierte und unterstellte, man habe die Erstellung „wohl nicht ernst genommen“ rief eine heftige Reaktion hervor: „Dagegen verwehre ich mich auf Schärfste“, wurde Ottel laut. „Wir nehmen das sehr wohl ernst, wenn Fehler drin sind, haben wir schlecht gearbeitet, aber uns Unernst vorzuwerfen verdirbt mir den Tag!“
Weitere Themen:
Ein anderer Anteilseigner monierte, dass im vergangenen Jahr die AR-Vergütung um 27 % gestiegen sei. „Da vergessen Sie aber, dass in den fünf Jahren davor nur die Inflation abgegolten wurde“, entgegnete der scheidende AR-Vorsitzende Christoph Reisinger.
- AR‑Erweiterung: Nicht sehr gefiel einigen Aktionären auch, dass man die Anzahl der AR-Mitglieder auf sechs erhöhen wollte, gegen die beiden Kandidatinnen hatte aber keiner etwas einzuwenden.
Abstimmungen: Alle Punkte angenommen
Nach knapp drei Stunden wurden sämtliche Tagesordnungspunkte im Sinne der Verwaltung beschlossen. Neu in den Aufsichtsrat gewählt wurden:
- Michaela Scheibelauer
- Cornelia Zeinler
Live aus der HV: Cornelius M. Pirch
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Banken und Versicherer sind Ertragsbringer mit anhaltend hoher CEE-Fantasie.
22.05.2026
Wiener Finanzsektor schlägt den Markt deutlich
Der Wiener Finanzsektor hat den breiten Markt zuletzt klar geschlagen. Während der ATX auf 52 Monate knapp 34 % im Plus liegt, brachte es der ATX FIN mit Erste Group, RBI und Bawag sowie mit VIG und Uniqa auf rund 50 %. Steigende Zinsen stützen Margen und Kapitalerträge, hohe Immobilienpreise halten den Wohnbaukreditbedarf aufrecht, und Zentral- und Osteuropa bleibt für Finanzwerte ein Markt vor der Haustüre. Damit zeigt der Wiener Finanzsektor erneut seine Stärke im europäischen Vergleich. Besonders Banken und Versicherer im Wiener Finanzsektor profitieren von stabilen Kapitalquoten, soliden Erträgen und regionalen Wachstumsmärkten. Insgesamt bestätigt der Wiener Finanzsektor seine Rolle als Outperformer im ATX.
Banken im Wiener Finanzsektor: Gewinne, Zinsen und Sonderfälle
Erste Group: Wachstumsschub trotz Wertberichtigungen
Die Erste Group lieferte für das vergangene Jahr 2025 gute Zahlen. Der Zinsüberschuss stieg um 3,5 % auf 7,8 Milliarden Euro, der Provisionsüberschuss um 8,6 % auf 3,2 Milliarden Euro und das Periodenergebnis um 12,3 % auf 3,5 Milliarden Euro. Die Polen-Expansion verstärkte im ersten Quartal 2026 den Wachstumsschub. Das Betriebsergebnis verzeichnete ein Plus von 48,7 %. Allerdings bremsten im Zuge der Erstkonsolidierung erhöhte Wertberichtigungen für das gesamte erworbene Portfolio vorübergehend die Gewinndynamik.
Trotzdem stieg das den Eigentümern des Mutterunternehmens zuzurechnende Periodenergebnis um 18,2 %. Die Kreditausfälle bleiben niedrig, die CET-1-Quote liegt bei soliden 14,5 %. Im Zuge des zur Gänze aus Eigenmitteln finanzierten Kaufes der Erste Bank Polska schraubt das Institut für 2025 die Dividende je Aktie auf 0,75 Euro zurück.
Doch der Analystenkonsens von MarketScreener bleibt positiv: Von 2026 bis 2028 sollte der Gewinn je Aktie von rund 9,50 auf 11,72 Euro steigen, was bei einem Kurs von 97 Euro ein für 2028 geschätztes KGV von günstigen 8,3 wäre. Und ab 2026 halten die Analysten wieder Dividendenrenditen von mehr als 4 % für möglich.
Bawag Group: Effizienz, Wachstum und starke Dividendenstory
Wachstumsperle im Bankensektor
Die Bawag Group zählt generell zu den Wachstumsperlen mit hoher Effizienz. Von 2017 bis 2025 stieg der Gewinn pro Aktie um 12 % p. a. (CAGR). Die Dividendenausschüttung konnte für die Geschäftsjahre 2017 bis 2025 von 0,58 auf 6,25 Euro je Aktie gesteigert werden, während die Cost-Income-Ratio (CIR) im gleichen Zeitraum von 47 auf 36 % zurückging.
Die heute paneuropäische und US‑amerikanische Bankengruppe ist durch eine Reihe von Akquisitionen gewachsen. 2025 steigerte sie bei einem um 40 % höheren Nettozinsertrag von 1.837 Mio Euro den Nettogewinn um 13 % auf 860 Millionen Euro. Bis zum Jahr 2028 peilt das Institut einen Nettogewinn von über 1,2 Milliarden Euro an. Trotz Expansion blieb 2025 die Quote notleidender Kredite unverändert bei 0,8 %. Die CET-1-Quote liegt mit 14,2 % im soliden Bereich.
Moody‘s stuft das Emittenten-Rating der Bawag Group mit A1 und positivem Ausblick ein. Der Analystenkonsens von MarketScreener rechnet von 2026 bis 2028 mit einem Gewinnanstieg je Aktie von 12,41 auf 16,39 Euro, woraus bei einem Kurs von 145 Euro ein für 2028 günstiges erwartetes KGV von 8,8 resultiert. Die aktuelle Dividendenrendite beträgt 4,3 %.
Raiffeisen Russland (RBI): Starkes Kerngeschäft trotz Russland-Risiko
Operative Stärke außerhalb Russlands
Der Raiffeisen Bank International bleibt der risikoreichere Ertragswert. Ex Russland stieg der Konzerngewinn 2025 um 48 % auf 1,44 Milliarden Euro. Die Kernerträge legten, getrieben durch beschleunigtes Kreditwachstum, um 3 % auf 6,19 Milliarden Euro zu. Die Nettozinsspanne konnte sich mit 2,95 Prozentpunkten fast auf Vorjahresniveau halten.
Die positive Entwicklung setzte sich außerhalb Russlands im ersten Quartal 2026 operativ fort: Das Betriebsergebnis ohne Russland stieg um 12 %. Hingegen belasten deutlich geringere Betriebserträge in Russland, höhere Bankenabgaben sowie gestiegene Risikokosten das Konzernergebnis. Doch mit einer harten Kernkapitalquote von 14,9 % außerhalb Russlands ist die RBI gut aufgestellt.
Der aus 13 Analysten bestehende Konsens von MarketScreener hat jedenfalls seit Ende Jänner seine Gewinnprognosen deutlich nach oben geschraubt. In den kommenden Jahren sollten sich die Gewinne je Aktie auf hohem Niveau halten und das für 2028 erwartete KGV liegt auf Basis eines Kurses von 46,14 Euro bei 6,9, was auf einen Abschlag für das Russland-Risiko zurückzuführen ist. Die aktuelle Dividendenrendite beträgt rund 3,5 %.
Versicherer im Wiener Finanzsektor: Prämienwachstum und stabile Dividenden
VIG: Jahrzehntelange Dividendenkontinuität
Die Vienna Insurance Group (VIG) hat seit 1994 jedes Jahr eine Dividende bezahlt. Von 2015 bis 2024 stieg diese von 0,60 auf 1,55 Euro, und für 2025 wird eine Anhebung um 12 % auf 1,73 Euro vorgeschlagen. Ermöglicht wurde das bisherige Dividendenwachstum durch entsprechende Gewinnzuwächse je Aktie – so etwa um 21,8 % p. a. in den Jahren 2021 bis 2025.
Versicherungstechnisch hat das Unternehmen gut gewirtschaftet, was durch deutlich geringere Unwetterschäden unterstützt wurde. In der Folge war die Netto Combined Ratio von 93,4 auf 90,1 % rückläufig. Gleichzeitig stiegen die von der VIG verrechneten Prämien um 7,1 %, wobei Polen und Rumänien auffällig positiv abschnitten.
Das Ergebnis je Aktie konnte um 33,7 % auf 6,46 Euro gesteigert werden. Ein großer Meilenstein in der Expansion ist die geplante und von der EU-Kommission genehmigte Übernahme der Nürnberger Beteiligungs-AG. Analysten rechnen von 2025 bis 2028 mit einem Gewinnwachstum je Aktie von 10,9 % p. a. und auf Basis eines Kurses von 67 Euro liegt das für 2028 geschätzte KGV noch immer bei günstigen 7,6.
Uniqa: Starkes Prämienwachstum und solide Profitabilität
Breit gestützte Ergebnisverbesserung
Die Prämien der Uniqa stiegen 2025 um 8,2 % auf 8,36 Milliarden Euro. Haupttreiber waren Schaden und Unfall mit plus 10 % sowie Krankenversicherung mit plus 6,3 %. International legten die Prämien um 9,8 % zu. Die bessere Netto Combined Ratio ermöglichte einen Anstieg des Konzernergebnisses um 22,2 % auf 424,8 Millionen Euro. Ein Dividendenanstieg um 20 % auf 0,72 Euro je Aktie bedeutet auf Basis eines Kurses von 17,04 Euro eine Dividendenrendite von 4,2 %. Der Schätzungskonsens von MarketScreener erwartet in den kommenden Jahren weitere Steigerungen beim Gewinn je Aktie und bei der Dividende. Das für 2028 geschätzte KGV liegt aktuell bei akzeptablen 10,4.
Autor: Michael Kordovsky
Automobilzulieferer Österreich: Entwicklung, Markt & Perspektiven 2015–2026
Entwicklung Autohersteller: Japan und USA wachsen – deutsche verlieren Boden
Die globale Autoindustrie ist mit einem spürbar schwierigen Umfeld konfrontiert. Besonders die deutschen Hersteller bekommen den Gegenwind zu spüren. Während die 18 größten Autokonzerne weltweit im ersten Quartal 2026 insgesamt ein Umsatzplus von knapp zwei Prozent erzielten, legten die japanischen Produzenten um rund vier Prozent zu. Die US‑Hersteller konnten ihre Erlöse sogar um fünf Prozent steigern. Ganz anders die Lage in Deutschland: Die drei großen Konzerne mussten im selben Zeitraum ein Minus von vier Prozent hinnehmen.
Auch beim Ergebnisvergleich liegen die US‑Autobauer klar voran: Ihre Gewinne schnellten um 83 Prozent nach oben, während die deutschen Hersteller gleichzeitig ein Minus von 23 Prozent verkraften mussten. Insgesamt konnten lediglich acht der analysierten Unternehmen ihre Profitabilität steigern. Zehn Konzerne – darunter sämtliche deutschen Anbieter – meldeten dagegen rückläufige Gewinne.
Die Zahlen für das 1. Quartal 2026 im Überblick:
- Umsatz Autohersteller weltweit (Top 19 OEMs): +1,7 bis +2 %
- Japan: +4 %
- USA: +5 %
- Deutschland: –4,0 bis –4,3 %
- Gewinnentwicklung Autohersteller:
- USA: +83 %
- Deutschland: –23 %
- China: –43 %
- Japan: stark belastet durch Honda‑Abschreibungen
Die Herausforderungen für die Automobilindustrie sind noch lange nicht überwunden
„Die Entwicklungen zeigen, dass die Herausforderungen für die Automobilindustrie noch lange nicht überwunden sind“, sagt Axel Preiss, Leiter Industrials bei EY Österreich. „Die Branche befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Strukturwandel: Rückläufige Absatzmärkte, hohe Überkapazitäten und der verzögerte Hochlauf der Elektromobilität belasten die Ergebnisse weiterhin.“
Entwicklung: Mehrheit der größten Autozulieferer weltweit mit Umsatzrückgängen
Diese Entwicklung trifft natürlich auch die Autozulieferer mit voller Wucht. Das Produktionsvolumen der Autozulieferer reichte bereits 2025 laut einer Studie von AlixPartners nicht aus, um genügend Wachstum für Zulieferer zu generieren, zumindest nicht außerhalb Chinas. Rund 62 der 100 größten Zulieferunternehmen mussten laut Studie Umsatzrückgänge hinnehmen. Negative Wechselkurseffekte herausgerechnet, wäre das Wachstum trotzdem nur minimal ausgefallen.
Margendruck durch schwankende E-Autonachfrage
Die durchschnittliche Marge der Top‑Zulieferer ist zuletzt spürbar unter Druck geraten und von 5,8 auf 5,2 Prozent zurückgegangen. Besonders herausfordernd war die Situation für Unternehmen, die stark auf die Elektromobilität ausgerichtet sind. Dort führten eine unbeständige Nachfrage, verzögerte Produktionsstarts neuer Modelle und politische Unsicherheiten zu erheblichen Sonderabschreibungen und unausgelasteten Kapazitäten.
Chinas Automobilzulieferer geben zunehmend den Ton an
Die globale Zulieferindustrie verändert sich rasant. Chinesische Unternehmen gewinnen dabei zunehmend an Einfluss. Erstmals zählt China, gemessen an der Zahl der vertretenen Firmen, zu den drei stärksten Nationen im Ranking der Top‑100‑Zulieferer. Beim Umsatzanteil liegen chinesische Player inzwischen laut Studie nahezu auf Augenhöhe mit den USA. Besonders bemerkenswert: Mit CATL hat es erstmals ein chinesischer Konzern unter die drei größten Automobilzulieferer der Welt geschafft.
Warum Chinas Autohersteller und -Zulieferer im Vorteil sind
Chinas struktureller Vorteil beruht laut Studie von AlixPartners nicht allein auf technologischer Innovation, sondern auch auf dauerhaft niedrigeren Produktionskosten. Seit dem Jahr 2000 sind die Erzeugerpreise in der Volksrepublik deutlich langsamer gestiegen als in Deutschland oder den USA. Dadurch verfügen chinesische Zulieferer heute über signifikante Kostenvorteile gegenüber ihren westlichen Konkurrenten.
Österreichische Autozulieferer von Krise gebeutelt
2024 sank der Branchenumsatz um 9,2 Prozent auf 28,41 Milliarden Euro, laut ARGE Automotive Zulieferindustrie. Auch bei den Beschäftigten zeigt sich demnach erstmals seit Jahren ein deutlicher Rückgang: Rund 5.000 Stellen wurden gestrichen, womit die Branche Ende 2024 insgesamt 76.900 Mitarbeiter beschäftigte. ARGE-Vorsitzender Dietmar Schäfer fürchtete bereits im Vorjahr, dass weitere Arbeitsplätze verloren gehen – und das nachhaltig.
Bedeutung der Automobilzulieferer Österreich für die Volkswirtschaft
Die Automobilzulieferer Österreich zählen seit Jahren zu den wichtigsten industriellen Wertschöpfungsketten des Landes. Die Branche sichert laut ARGE 2025 indirekt 192.000 Arbeitsplätze und generiert eine Wertschöpfung von knapp 15,8 Mrd. Euro.
Zum Vergleich: 2015 erwirtschaftete die Branche einen Produktionswert von 20,7 Mrd. Euro, generierten 6,1 Mrd. Euro Wertschöpfung und beschäftigten 72.500 Menschen.
Damit ist Österreich trotz sinkender Beschäftigung ein hochspezialisierter Standort für Leichtbau, Stahlinnovationen, Aluminium und Kunststoffkomponenten – ein zentraler Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit der Automobilzulieferer Österreich.
Historische Entwicklung der Automobilzulieferer Österreich (2015–2026)
Wachstum und technologische Trends 2015–2016
2015 prägten zwei Trends die Branche: Leichtbau und Abgasreduktion. Diese Entwicklungen führten zu einer verstärkten Substitution von Stahl durch Aluminium sowie Plastic & Composites – ein Vorteil für österreichische Unternehmen wie AMAG und Polytec. Auch die voestalpine setzte mit phs‑ultraform und später phs‑directform neue Maßstäbe im Bereich hochfester, leichter Stahltypen. Für die Automobilzulieferer Österreich bedeutete dies eine Phase technologischer Dynamik, aber auch steigenden Kostendrucks, höherer Qualitätsanforderungen und kürzerer Produktzyklen.
Globaler Aufschwung bis zum Rekordjahr 2019
McKinsey prognostizierte für die globale Zulieferindustrie ein Marktvolumen von 2 Billionen Euro bis 2020. Treiber waren:
- Wachstum in Asien
- Nachfrage nach kleineren Fahrzeugen
- Expansiver Ersatzteilmarkt
- Neue Technologien
2019 erreichte die Branche weltweit tatsächlich ein Rekordvolumen von 1,1 Billionen Dollar. Auch die Automobilzulieferer Österreich profitierten stark von dieser Phase.
Der COVID‑19‑Einbruch 2020
Marktvolumen und Auswirkungen
Die Global Automotive Supplier Study 2020 (Roland Berger & Lazard) dokumentiert:
- >25 % Umsatzrückgang im ersten Halbjahr
- 16 % Rückgang der weltweiten Fahrzeugproduktion
- Marktvolumen 2020: 900–950 Mrd. USD
Damit blieb die Branche unter der 1‑Billion‑Marke, aber deutlich robuster als viele andere Industrien. Für die Automobilzulieferer Österreich bedeutete die Krise eine abrupte Unterbrechung des Wachstumspfads, jedoch keine strukturelle Schwächung.
Stagnation und Transformation 2021–2023
Stagformation als neues Zwischenstadium
Die Global Automotive Supplier Study 2025 beschreibt die Jahre nach der Pandemie als Phase der:
- Stabilisierung
- Stagnation
- Transformation („Stagformation“)
Zulieferer mussten gleichzeitig investieren und Kosten senken – eine schwierige Balance. Die Automobilzulieferer Österreich standen vor denselben Herausforderungen: E‑Mobilität, Elektronik, Software und Nachhaltigkeit erhöhten den Innovationsdruck.
Rückkehr zum Wachstum 2024–2026
Das „härtere neue Normal“
Die BCG Automotive Supplier Study 2026 zeigt:
- Die Branche wächst wieder.
- Die Wettbewerbsintensität ist jedoch deutlich höher.
- Margen bleiben unter Druck.
- E‑Mobilität, Batteriekomponenten und Leistungselektronik gewinnen massiv an Bedeutung.
- Verbrennernahe Komponenten verlieren an Volumen, bleiben aber relevant.
Für die Automobilzulieferer Österreich bedeutet das:
- Vorteil durch Spezialisierung (Stahl, Leichtbau, Aluminium, Composites)
- Hoher Exportanteil bleibt Stärke
- Standortkosten bleiben Herausforderung
- Innovationsdruck steigt weiter
Strukturelle Herausforderungen für die Automobilzulieferer Österreich
Interdependente Belastungsfaktoren
Studien nennen konsistent:
- Globalisierung und Verlagerung der OEM‑Aktivitäten
- Nachhaltigkeit und CO₂‑Regulatorik
- Demografischer Wandel
- Rohstoffpreisvolatilität
- Kürzere Produktzyklen
- Höhere Qualitätsanforderungen
- Technologischer Wandel (E‑Mobilität, Software, Elektronik)
Diese Faktoren wirken verstärken sich gegenseitig – besonders relevant für die Automobilzulieferer Österreich, die stark exportorientiert sind.
Börsennotierte Autozulieferer Österreich
Produktion hochfester Stähle und Komponenten, die auch im Automotive‑Bereich verwendet werden.
- Starkes Automotive‑Exposure
- Technologischer Vorsprung durch kontinuierliche F&E‑Investitionen
- Erfolgreiche Entwicklung neuer Stahltypen (phs‑ultraform, phs‑directform)
Verfügt über Aluminiumwalzprodukte, die unter anderem in der Automobilindustrie eingesetzt werden
- Automotive‑Exposure
- Fokus auf Legierungen und Walzprodukte
- Geringere Abhängigkeit vom Primäraluminiumpreis
Polytec ist der einzige reine Automobilzulieferer, der in Österreich börsennotiert ist.
Die Polytec Holding ist ein international tätiger Anbieter von Kunststoffkomponenten und Systemlösungen für die Automobilindustrie. Das Unternehmen entwickelt und produziert:
- Exterieur‑Bauteile (Stoßfänger, Verkleidungen)
- Interieur‑Komponenten
- Akustik‑ und NVH‑Bauteile
- Technische Kunststoffteile für funktionale Anwendungen
Polytec ist in Europa breit aufgestellt und beliefert sowohl OEMs als auch Tier‑1‑Zulieferer.
Strategische Ausrichtung
Die Gruppe arbeitet an der Weiterentwicklung ihres Portfolios in Richtung:
- Leichtbau
- E‑Mobilität (z. B. Komponenten für neue Fahrzeugplattformen)
- Funktionsintegration in Kunststoffmodulen
Polytec ist damit ein klassischer „Tier‑2/Tier‑1‑naher“ Zulieferer mit Fokus auf Kunststofftechnologie.
Fazit: Position der Automobilzulieferer Österreich im Jahr 2026
2026: Transformation beschleunigt sich
Österreich erlebt 2026 laut EY eine dynamische, aber herausfordernde Transformation der Automobil- und E‑Mobilitätsindustrie:
- Produktionswert der österreichischen Autoindustrie: 28,5 Mrd. Euro
- Beschäftigte: über 200.000 Menschen
- Elektromobilität wächst um 42 %
- Lieferketten werden neu strukturiert und digitalisiert
Das zeigt: Die Branche ist weiterhin stark, aber mitten in einem tiefgreifenden Wandel.
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Des Wirtschaftsprüfers Unterschrift
Florian Beckermann (15.05.2026). Der Wirtschaftsprüfer wird von der Hauptversammlung gewählt. Er nimmt als Externer die wichtige Prüfung der Bücher vor. Der Bestätigungsvermerk hat eine große Signalwirkung im Investorenkreis. Nicht zuletzt durch die Wirecard-Causa steht die Reputation der Prüfungsgesellschaft mit auf dem Spiel. Die Unterschrift des Wirtschaftsprüfers dient dazu, das Ergebnis seiner Prüfung verbindlich zu bestätigen: Der Jahresabschluss wurde nach den geltenden gesetzlichen und fachlichen Standards geprüft, das Ergebnis wird vermerkt. Die Unterschrift bezieht sich auf den Jahresabschluss mit Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Anhang und häufig ebenso auf den Lagebericht und den dazugehörigen Bestätigungsvermerk. Der Wirtschaftsprüfer übernimmt Verantwortung für sein Prüfungsurteil. Dies schafft Vertrauen bei Banken, Investoren, Behörden und Gesellschaftern, weil diese davon ausgehen können, dass die Unternehmenszahlen unabhängig geprüft wurden. Außerdem besitzt die Unterzeichnung rechtliche Bedeutung, da ein Prüfungsvermerk ohne ordnungsgemäße Unterschrift in vielen Fällen nicht wirksam ist. Gleichzeitig wird dadurch nachvollziehbar, wer die Prüfung durchgeführt hat. Eine Haftungsfrage geht damit einher.
Angesichts dieser übergeordneten Bedeutung stellt sich die Frage, warum wird die Unterschrift im Geschäftsbericht vielfach nicht mehr abgedruckt? Gegen die Unterschrift werden vor allem Datenschutz-, Sicherheits- und Haftungsgründe angeführt. Die originale handschriftliche Unterschrift befindet sich in der Regel auf dem offiziellen Prüfungsvermerk beziehungsweise auf den eingereichten Originalunterlagen. Im veröffentlichten Geschäftsbericht wird dagegen oft lediglich der Name der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und des verantwortlichen Prüfers genannt. Es gibt Missbrauchsangst: Würde die handschriftliche Signatur öffentlich verbreitet, könnte sie für Fälschungen verwendet werden. Zudem ist für die rechtliche Wirksamkeit entscheidend, dass die unterschriebene Originalfassung existiert, nicht unbedingt deren Abdruck im veröffentlichten Bericht. Hinzu kommt, dass viele Geschäftsberichte heute elektronisch veröffentlicht werden. Dabei werden Unterschriften häufig technisch ersetzt, etwa durch den maschinenschriftlichen Namen oder durch qualifizierte elektronische Signaturen im Hintergrund.
Die Kritik: Das Originaldokument bekommt der Investor fast nie zu Gesicht. Die Publizitätsfunktion ist in Realität kaum existent. Gleichzeitig wird eine Prüfung durch den Wirtschaftsprüfer (Bestätigungsvermerk, Corporate-Governance-Bericht, nichtfinanzieller Bericht u.v.a.) aktuell nahezu inflationär verwendet. Eine elektronische Signatur ist sehr fälschungssicher. Wer eine große Publikumsgesellschaft für tausende von Investoren prüft, sollte zumindest deren Transparenzinteresse höher gewichten als die private Angst vor Unterschriftsmissbrauch. Es wäre im Sinne der Investoren, Wirtschaftsprüfer und Emittenten, die Prüfung mit mehr Leben und Transparenz zu füllen.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Doppelt so hohe F&E-Ausgaben der US-Konzerne
US-Konzerne erhöhen Ausgaben um elf Prozent, europäische um fünf Prozent.
(02.05.2026). Die weltweiten Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) steigen weiter – getrieben vor allem von den großen US-Technologiekonzernen. Allein die sogenannten „Big Five“ Alphabet, Apple, Microsoft, Amazon und Meta erhöhten ihre F&E-Investitionen im vergangenen Jahr um fast 46 Milliarden Euro – ein Plus von 21 Prozent.
Eine Folge des Investitionsbooms bei den US-Technologieunternehmen: Der Abstand zwischen den USA und Europa wird immer größer. Während die US-Unternehmen ihre F&E-Budgets im vergangenen Jahr um elf Prozent ausweiteten, betrug das Plus bei europäischen Unternehmen lediglich fünf Prozent, bei deutschen sogar nur drei Prozent. Asiatische Unternehmen steigerten ihre Ausgaben um neun Prozent.
Auch bei der F&E-Quote – also dem Anteil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben am Umsatz – liegen die US-Konzerne deutlich vorn: Sie investierten durchschnittlich 9,2 Prozent ihres Umsatzes in F&E, europäische Unternehmen 6,7 Prozent und asiatische 4,7 Prozent.
Und: Von den größten F&E-Investoren der Welt haben sieben ihren Sitz in den USA, zwei in Europa und einer in Asien. Volkswagen ist wie im Vorjahr der größte F&E-Investor Europas und belegt im globalen Ranking erneut den siebten Rang, gefolgt von Roche auf Platz 8.
Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die die 500 börsennotierten Unternehmen mit den größten F&E-Budgets weltweit untersucht wurden.
Gunther Reimoser, Country Managing Partner von EY Österreich, beobachtet: „Insbesondere der Aufschwung im Bereich der Künstlichen Intelligenz führt dazu, dass Technologieunternehmen ihre Forschungsausgaben kontinuierlich auf neue Rekordwerte schrauben. Weder das derzeit verhaltene globale Wirtschaftswachstum noch erhöhte geopolitische Risiken haben diese Entwicklung bislang signifikant beeinträchtigt.“
Abseits der Tech-Giganten zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild. So reduzierten 33 Prozent der US-Unternehmen im Ranking im vergangenen Jahr ihre F&E-Ausgaben. In Europa schrumpften die Investitionen bei 35 Prozent der Unternehmen, in Asien bei 30 Prozent.
Auch im Ranking zeigt sich die eher vorsichtige Investitionsstrategie europäischer Unternehmen. Während 2024 noch 132 europäische Unternehmen unter den Top-500 vertreten waren, sank ihre Zahl 2025 auf 126. Die Zahl der nordamerikanischen Unternehmen blieb mit 147 stabil, die der asiatischen stieg von 215 auf 220.
Reimoser stellt fest, dass Europa offenbar immer größere Probleme hat, mit dem Tempo der Innovationen und Investitionen in den USA und Asien Schritt zu halten. Insbesondere die großen US-Technologiefirmen vergrößern ihren Vorsprung ständig durch hohe Ausgaben für neue Entwicklungen.
Konjunkturflaute bremst vor allem europäische Unternehmen
Die hohen F&E-Ausgaben zu stemmen fällt den US-Unternehmen vergleichsweise leicht, weil ihre Gewinne sprudeln: Allein die fünf größten US-Technologiekonzerne erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen operativen Gewinn von 261 Milliarden Euro – 21 Prozent mehr als im Vorjahr.
Insgesamt steigerten alle US-Unternehmen im Ranking ihren Gewinn um 20 Prozent. Asiatische Unternehmen erzielten ein Plus von fünf Prozent, während europäische Unternehmen einen Gewinnrückgang von fünf Prozent verzeichneten. Auch beim Umsatz entwickelten sich die Regionen unterschiedlich: Während die Umsätze europäischer Unternehmen stagnierten, legten asiatische Konzerne um fünf Prozent und US-Unternehmen sogar um acht Prozent zu.
„Europäische Top-Unternehmen verzeichnen seit mehreren Jahren eine schwächere Entwicklung im Vergleich zu ihrem Mitbewerb aus Asien und den USA. Diese Entwicklung ist unter anderem auf geopolitische Faktoren, insbesondere den Krieg in der Ukraine, hohe Energiepreise sowie die insgesamt hohe wirtschaftliche Unsicherheit zurückzuführen. In diesem Umfeld steigen die Anforderungen an Investitionsentscheidungen deutlich – insbesondere bei Zukunftsprojekten wie Forschung und Entwicklung, die naturgemäß mit Risiken verbunden sind. Dennoch gilt: Wer keine Risiken eingeht, verzichtet auf das Potenzial für echte Innovationen. Eine langfristige Reduzierung der F&E-Investitionen würde die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig beeinträchtigen“, stellt Reimoser fest.
Reimoser weist darauf hin, dass hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung allein nicht automatisch mehr Innovation bedeuten. Unternehmen müssen intern Strukturen schaffen, die Innovation und Flexibilität fördern. Die Innovationsgeschwindigkeit chinesischer Firmen zeigt, wie Entwicklungsprozesse stark verkürzt und technologische Neuerungen schnell auf den Markt gebracht werden können. Letztlich ist Innovationskraft nicht nur eine Frage von Milliardenbudgets, sondern hängt auch vom unternehmerischen Umfeld ab.
Künstliche Intelligenz nimmt eine entscheidende Rolle ein. Reimoser hebt hervor: „KI bietet insbesondere für Unternehmen, die unter Kostendruck stehen, erhebliche Potenziale. Sie ermöglicht effizientere Entwicklungsprozesse, Kostensenkungen und eröffnet neue Anwendungsgebiete.“
Pharmakonzerne investieren am meisten
Die höchste F&E-Intensität weisen traditionell Pharma-Unternehmen auf, bei denen der Anteil der Forschungsausgaben am Gesamtumsatz im vergangenen Jahr im Durchschnitt bei 15,0 Prozent lag. Die europäischen Pharmakonzerne lagen mit 14,7 Prozent unter den amerikanischen Wettbewerbern (16,4 %), aber oberhalb der asiatischen Unternehmen (13,6 %).
Als überdurchschnittlich innovationsfreudig erweist sich Europa in erster Linie in der Automobilindustrie: Während die europäischen Automobilunternehmen 6,9 Prozent ihres Umsatzes in F&E investieren, liegt der Anteil in Nordamerika bei 4,1 Prozent und in Asien bei 4,6 Prozent.
Hohe Forschungsausgaben gehen mit höheren Margen einher
Branchenübergreifend zeigt sich ein klarer Zusammenhang zwischen hoher F&E-Intensität und Profitabilität. Über alle 500 Unternehmen hinweg erzielten besonders forschungsintensive Unternehmen im vergangenen Jahr eine durchschnittliche EBIT-Marge von 14,1 Prozent. Unternehmen mit niedrigen F&E-Ausgaben kamen dagegen nur auf 8,8 Prozent.
Besonders deutlich ist dieser Effekt in der Informationstechnologie: Hier lag die EBIT-Marge bei stark forschenden Unternehmen bei 18,8 Prozent, bei vergleichsweise wenig investierenden Unternehmen hingegen nur bei 5,9 Prozent.
„Hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung sind keine Garantie für den Markterfolg“, erklärt Reimoser. „Dennoch ist deutlich erkennbar, dass Unternehmen mit überdurchschnittlichem Erfolg signifikant mehr Mittel in Forschung und Entwicklung investieren. Unternehmen, denen dies nicht möglich ist, laufen Gefahr, langfristig ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.“
Rohstoffpreise – getrieben von Krisen und industriellem Superzyklus
Ein Kommentar der Experten der Steiermärkische Sparkasse Private Banking.
(08.05.2026). Die Rohstoff- und Edelmetallmärkte haben in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Renaissance erlebt. Auch 2026 bleibt das Umfeld für Anlegerinnen und Anleger spannend und anspruchsvoll. Insbesondere die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen nimmt weltweit deutlich zu. Dahinter stehen stabile Wachstumstrends wie künstliche Intelligenz, erneuerbare Energien, Energiespeicherung und Elektromobilität, schreiben die Leiter des Steiermärkische Sparkasse Private Banking, Karl Freidl und Christian Sajowitz, im aktuellen Marktkommentar. Bei den meisten Rohstoffen muss aber mit hoher Volatilität gerechnet werden.
Öl bleibt im Fokus
Kaum ein Rohstoff beschäftigt die Weltwirtschaft und die Investorinnen und Investoren derzeit so sehr wie das „schwarze Gold“, das trotz Energiewende mit einem Anteil von rund 30 Prozent immer noch einer der Hauptenergieträger der Welt ist. Infolge des Iran-Krieges und der Blockade einer der wichtigsten Transportwege für Öllieferungen, der Straße von Hormuz, kommt es weltweit zu Engpässen und massiven Preisanstiegen bei Rohöl und bei verarbeiteten Produkten wie zum Beispiel Dieselkraftstoff. Das treibt die Inflation an und führt zu Mutmaßungen über baldige Leitzinserhöhungen in den USA und Europa.
Der jüngste, politisch begründete Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus dem Öl-Kartell Opec (bisher 12 Mitgliedstaaten) sowie der Opec plus (bisher 22 Staaten) per 1. Mai führte unmittelbar zu Spekulationen, dass die Ölpreise nachgeben könnten. Das überraschende Ausscheren der Emirate bedeutet zunächst eine Schwächung der Opec, die bislang trotz interner Meinungsverschiedenheiten nach außen stets um Einigkeit bemüht war. Die Ölförderstaaten setzen nun aber ihre Strategie der schrittweisen Produktionserhöhung fort. Eine Kerngruppe aus jetzt nur mehr sieben statt acht Ländern gab eine Ausweitung der geplanten Tagesförderung um 188.000 Barrel (je 159 Liter) ab Juni bekannt. In den vergangenen Monaten waren die Produktionsziele für April und Mai um jeweils 206.000 Barrel angehoben worden. Knapp 10 Prozent entfielen auf die Emirate, die nun im Kartell fehlen. Die aktuellen Entscheidungen der Ölstaaten sind aber unerheblich, solange die Meeresenge von Hormuz blockiert bleibt.
Lithium & Co – Zukunftsmärkte mit Risiko
Lithium, Nickel und Seltene Erden stehen im Zentrum der Energiewende. Elektroautos, Batteriespeicher und High-Tech-Produktion treiben die Nachfrage. Allerdings sind diese Märkte stark abhängig von politischen Eingriffen, Förderprojekten und Preisschwankungen. Der Zugang zu kritischen Rohstoffen entwickelt sich zunehmend zu einem geopolitischen Thema und zur Frage der nationalen Sicherheit. Besonders die starke Abhängigkeit von China sorgt international für Besorgnis. So wurden im Rahmen der Handelsgespräche zwischen den USA und China bereits Exportbeschränkungen für bestimmte Seltene Erden verschärft. Dazu zählen Materialien, die in Elektromotoren, Elektronik, Medizintechnik sowie industriellen und militärischen Anwendungen eingesetzt werden. Regierungen bemühen sich daher verstärkt um lokale Produktionskapazitäten und schließen strategische Partnerschaften mit Rohstoffunternehmen. Allerdings dürften dauerhaft höhere Preise notwendig sein, um ausreichende Investitionen in neue Förderprojekte zu ermöglichen. Somit bergen diese Metalle für risikofreudige Investorinnen und Investoren hohe Wachstumschancen, sind aber gleichzeitig von hoher Volatilität und Zyklusabhängigkeit gekennzeichnet.
Kupfer – Profiteur der Energiewende
Kaum ein Rohstoff wird derzeit so häufig im Zusammenhang mit Zukunftstechnologien genannt wie Kupfer. Der Ausbau von Stromnetzen, Rechenzentren und erneuerbaren Energien sorgt für eine strukturell steigende Nachfrage. Marktanalysen deuten weiterhin auf ein mögliches Angebotsdefizit hin – ein klassisches Umfeld für steigende Preise. Kupfer gilt somit wie Silber als einer der wichtigsten Profiteure der Energiewende und der Digitalisierung – allerdings mit zyklischen Rücksetzern.
Gold – der klassische sichere Hafen?
Gold bleibt auch 2026 einer der zentralen Bausteine im Rohstoff-Portfolio vieler Investorinnen und Investoren. Das Edelmetall profitiert von seiner Rolle als Krisenabsicherung und Portfolio-Stabilisator, zahlt aber weder Zinsen noch Dividenden und ist stets als langfristiges Investment zu sehen. Speziell die letzten Wochen und Monate zeigten auf, wie volatil Gold auf geopolitische Unsicherheiten reagieren kann. Während der Goldpreis in den letzten fünf Jahren offenbar nur einen Weg – und zwar nach oben – gekannt hatte, kam es nach Ausbruch des Krieges am Golf im März 2026 zu einer massiven Kurskorrektur. Diese eigentlich widersprüchliche Entwicklung zeigt, dass Gold nicht immer Profiteur von Krisen sein muss – insbesondere, wenn ein Konflikt so schwierig einzuschätzen ist wie der Krieg zwischen dem Iran einerseits sowie Israel und den USA andererseits.
Der kurzfristige Ausblick ist somit unklar, doch eine Reihe von Fundamentaldaten sprechen für Gold. Die Käufe des öffentlichen Sektors liegen weiterhin deutlich über den Durchschnittswerten vor der Pandemie, da bedeutende Zentralbanken Devisenreserven umschichten – etwa vom US-Dollar zu Gold. Insbesondere China und Indien stehen auf der Käuferseite, während US-Fonds zuletzt größere Mengen an goldgedeckten Fonds verkauften. Auch Russland baute zuletzt einen Teil seiner Goldreserven ab, wenn auch in geringem Ausmaß. Das Edelmetall bleibt mit rund 45 Prozent ein bedeutender Teil der russischen Devisenreserven.
Das Wachstum des gesamten Goldangebots dürfte moderat ausfallen und um rund 1,4 Prozent im Jahresvergleich zunehmen, da die Bergbauunternehmen nahezu mit voller Kapazität arbeiten. Dämpfend für den Goldpreis könnten sich mögliche kommende Zinserhöhungen in den USA und Europa infolge der steigenden Preise auswirken. Höhere Renditen bei fix verzinsten Anlageprodukten werden von den Marktteilnehmern in der Regel als Alternative zu Gold gesehen.
Die volatile Variante: Silber
Silber stand immer etwas im Schatten von Gold. Doch mit dem steigenden Bedarf für moderne Technologien wie der Elektronik, Photovoltaik und Elektromobilität steigt die Nachfrage. Die Silberpreis-Entwicklung wird von risikofreudigen Anlegern genau beobachtet. Denn Silber ist nicht nur Industrie-, sondern auch Edelmetall. Genau diese Doppelrolle sorgt für höhere Schwankungen, aber auch für Chancen. Die Nachfrage bleibt ein entscheidender Preistreiber. Gleichzeitig reagiert der Silberpreis stärker auf Konjunkturzyklen als Gold. Längerfristig sehen Analysten Silber in einem Aufwärtstrend.
SW Umwelttechnik: Familienunternehmen mit internationalem Fokus
SW Umwelttechnik setzt auf Rumänien und hofft auf die EU-Gelder für Ungarn.
(15.05.2026). Die im Standard Market Auction der Wiener Börse gelistete SW Umwelttechnik Aktie der Stoiser & Wolschner AG steht für ein traditionsreiches, bis heute familiär geführtes Unternehmen. Trotz der starken Wurzeln im Klagenfurter Becken blickt der 116 Jahre alte Spezialist für Betonfertigteile längst über Österreich hinaus: Ungarn mit 260 und vor allem Rumänien mit rund 470 Mitarbeitern sind heute die wichtigsten Märkte – Österreich folgt mit 55 Beschäftigten. Diese internationale Ausrichtung wurde den – neben vier Generationen der Familie Wolschner – anwesenden Aktionären bereits zu Beginn der 29. ordentlichen Hauptversammlung in Klagenfurt bewusst.
- Die SW Umwelttechnik Aktie profitiert dabei von ihrer starken Position im südosteuropäischen Infrastrukturmarkt, der für langfristige Investoren zunehmend relevant wird.
- Das Unternehmen produziert Betonfertigteile für Tiefbau, Verkehrsinfrastruktur und Umwelttechnik – ein Segment, das in der Region stark von EU‑Investitionen getragen wird.
Interkulturell aufgestellt
Nachdem Aufsichtsratschef Reinhard Iro seine aus Altersgründen letzte HV mit einem kurzen, humorvollen Einstieg eröffnete, ging CEO Klaus Einfalt vor 21 Aktionären auf Firmenphilosophie und Marktumfeld ein.
Einfalt, der das Unternehmen seit zehn Jahren führt und es 1995 durch seinen Schwiegervater Heinz Wolschner an die Börse gebracht wurde, betonte mehrfach die Bedeutung der internationalen Belegschaft und die gelebte Ost‑West‑Verbindung. Diese kulturelle Breite sei ein zentraler Grund für die Resilienz im herausfordernden Vorjahr mit rückläufiger Bautätigkeit. Das Unternehmen verarbeitet jährlich rund 250.000 m³ Beton – ein Volumen vergleichbar mit der Wiener Staatsoper – und richtet seinen Fokus weiterhin stark auf Südosteuropa.
Einfalt, der das von seinem Schwiegervater Heinz Wolschner 1995 an die Börse gebrachte Unternehmen seit zehn Jahren leitet, betonte mehrfach seine Wertschätzung gegenüber der internationalen Belegschaft sowie die gelebte Ost-West-Verbindung im Konzern. Dies sei auch ein Mitgrund für die „Resilienz“ im „herausfordernden Umfeld“ des vergangenen Jahres mit seiner geringeren Bautätigkeit gewesen. Das Unternehmen, das ihm zufolge 250.000 m³ Beton – vergleichbar mit dem Volumen der Wiener Staatsoper – verarbeitet, lege seinen Fokus folglich auch auf die Märkte Südosteuropas.
- Diese Ost‑West‑Struktur gilt als zentraler Wettbewerbsvorteil, da sie stabile Nachfrage auch in volatilen Baujahren ermöglicht.
EU‑Mittel als langfristiges Potenzial
In Rumänien und Ungarn sorgen EU‑Fördergelder für stabile Nachfrage. Einfalt verwies auf den im EU‑Vergleich niedrigen Anteil an Kanalanschlüssen sowie die geringe Autobahndichte in Rumänien – beides Bereiche mit großem Investitionsbedarf.
- Gerade Rumänien gilt als struktureller Wachstumsmarkt, da große Infrastrukturprogramme bis 2030 finanziert sind.
2025: Ein schwieriger Start
CFO János Váczi zeigte sich offen: Man sei optimistisch ins Jahr gestartet, „doch es kam anders“. In Ungarn stagnierte das Wachstum, in Rumänien ließen Nachfrage und Investitionsbereitschaft nach. Positiv sei jedoch, dass öffentliche Projekte – vor allem in Rumänien – weiterliefen. In Ungarn hingegen fehlten EU‑Mittel, weshalb Projekte teilweise nicht rentabel waren. Hoffnung gebe es durch die neue Regierung, doch unklar bleibe, wie schnell Gelder tatsächlich in der Wirtschaft ankommen.
- Für Anleger bedeutet das: Die kurzfristige Entwicklung bleibt volatil, die mittel- bis langfristigen Perspektiven hängen stark an EU‑Fördermitteln.
Rumänien überholt Ungarn
Aufgrund dieser Situation hat Rumänien (Umsatzanteil: 48 %) Ungarn (40 %) auch als größten Markt überholt. Der Gesamtumsatz ging aber in Summe von 116,6 auf 112,5 Millionen Euro im Vorjahr zurück. Der Bereich „Tiefbau und Verkehr“ lief dabei wesentlich besser als „Hochbau und Wohnen“. Der Gewinn nach Steuern konnte von 1,1 auf 3,1 Millionen Euro erhöht werden. Ausschlaggebend war ein deutlich verbessertes Finanzergebnis aufgrund geringerer Aufwendungen für Fremdwährungsbewertungen.
- Trotz des leichten Umsatzrückgangs zeigt der Gewinnsprung eine robuste operative Basis. Die Marge verbessert sich deutlich – ein positives Signal für die SW Umwelttechnik Aktie.
SW Umwelttechnik: Ausblick und Dividende
Heuer erwartet das Unternehmen in den Kernmärkten eine nur schrittweise konjunkturelle Erholung. Man setze vor allem auf die Nutzung von Wachstumschancen in Rumänien. Nach 0,4 Euro im Vorjahr können sich die Aktionäre jedenfalls über eine Anhebung der Dividende auf 1,3 Euro/Aktie freuen.
- Die deutliche Erhöhung der Dividende unterstreicht die solide Finanzlage und signalisiert Vertrauen des Managements in die weitere Entwicklung.
Austausch mit den Aktionären
In der Fragerunde ging es unter anderem um die Produktion von Spaltböden aus Beton. Einfalt erklärte, dass diese Form ausschließlich in Ungarn für die Schweinezucht zugelassen sei.
Ein weiterer Aktionär erkundigte sich nach der Zusammenarbeit mit Porr. Einfalt bestätigte, dass Porr ein wichtiger Kunde in Rumänien sei, jedoch ohne Exklusivität.
Zum starken HUF meinte CFO Váczi: „Ja, mein Herz geht auf, wenn ich die Wechselkurse sehe; allerdings stellt der rumänische Leu einen kleinen Wermutstropfen dar.“
Eine Anregung, das Grundstück des Firmensitzes in Klagenfurt zu verkaufen und an den Stadtrand zu ziehen, lehnte Einfalt klar ab.
Wahlen, Abschied und Buffet
Die Abstimmungen wurden dann nach gut zwei Stunden ohne jegliche Gegenstimmen durchgeführt. Neu in den Aufsichtsrat, der von 7 auf 8 Mitglieder erweitert wurde, wurden Andrea Domberger (Kelag), Harald Kogler (zuletzt CEO von Hirsch Servo) sowie der studierte Bauingenieur Roland Waldenhofer gewählt.
Nach der Verabschiedung von Reinhard Iro („In seine Zeit fallen die besten Jahre in der Unternehmensgeschichte.“) wurde noch zu einem Buffet geladen, bei dem sich die anwesenden Aktionäre mit Vorstand, Aufsichtsrat und Eigentümerfamilie sehr entspannt austauschen konnten.
Autor: Klaus Schweinegger
Foto: SW Umwelttechnik
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Autor: Christian Euler, Frankfurt
Bild: Joshua Kettle für Unsplash
Die ältesten Unternehmen der Wiener Börse – Ranking, Geschichte & Bedeutung
Die ältesten Unternehmen der Wiener Börse zeigen Stabilität, Substanz und teils überraschend Dynamik.
Kurzfassung
- Die ältesten börsennotierten Unternehmen Österreichs sind Porr, Wienerberger und UBM.
- Viele Traditionsunternehmen zeigen überdurchschnittliche Langfrist‑Performance.
- Das Ranking umfasst 20 Unternehmen mit Erstnotizen zwischen 1869 und 1992.
- Besonders stabil: Industrie, Bau, Versorger, Regionalbanken.
Inhaltsverzeichnis
- Warum Traditionsunternehmen relevant bleiben
- Die drei ältesten Unternehmen der Wiener Börse
- Porr
- Wienerberger
- UBM Development
Weitere Traditionsunternehmen
- Semperit
- Linz Textil
- Maschinenfabrik Heid
- Manner
- Stadlauer Malzfabrik
- IPO‑Welle der 1980er‑Jahre
- Die ältesten Unternehmen im ATX
- Ranking: Die 20 ältesten Unternehmen
14.5.2026
Warum die ältesten Unternehmen der Wiener Börse relevant bleiben
Die ältesten Unternehmen der Wiener Börse prägen seit über 150 Jahren den österreichischen Kapitalmarkt. Viele dieser Traditionsgesellschaften zeigen bis heute Stabilität, Substanz und langfristige Ertragskraft. Das Ranking zeigt, welche Unternehmen am längsten gelistet sind – und welche davon heute noch eine wichtige Rolle spielen.
Sie zeigen, dass Alter kein Nachteil ist. Viele dieser Gesellschaften verbinden Substanz, Stabilität und überraschende Ertragsdynamik – und bleiben damit relevante Fixpunkte im österreichischen Kapitalmarkt.
Ranking: Die ältesten Unternehmen der Wiener Börse
Die ältesten kontinuierlich notierenden Gesellschaften sind Porr, Wienerberger und UBM Development. Trotz unterschiedlicher Geschäftsmodelle eint sie eine robuste Aufstellung und eine langfristig solide Entwicklung.
1. Porr – Erstnotiz 1869
Baukonzern mit ATX‑Status und langfristiger Ertragskraft
Porr steigerte sein Ebit über mehrere Jahre hinweg deutlich und bleibt operativ solide aufgestellt. Analysten erwarten weiterhin steigende Gewinne je Aktie und ein im Branchenvergleich attraktives Bewertungsniveau.
Laut MarketScreener wurden die Gewinnschätzungen für die kommenden Jahre zuletzt nach oben revidiert. Für den Zeitraum 2025 bis 2026 erwarten Analysten einen Anstieg des Gewinns je Aktie von 2,87 auf 3,61 Euro. Auf Basis eines Aktienkurses von 30,55 Euro ergibt sich ein geschätztes 2027er‑KGV von 8,5 – ein im Branchenvergleich nach dem starken Kursanstieg fair bis günstig bewertet und gilt als gutes Langzeitinvestment.
Baustoffkonzern & Profiteur eines Infrastrukturzyklus
Wienerberger zählt zu den Dauerläufern der Wiener Börse und bleibt operativ solide aufgestellt. Auf Basis eines Aktienkurses von 27,02 Euro liegt das erwartete Kurs‑/Cash‑Flow‑Verhältnis 2027 bei 6,9, das KGV bei 7,8. Analysten gehen weiterhin von einem deutlichen Ergebnissprung aus – getragen von Effizienzmaßnahmen, einer stabilen Nachfrage im Infrastrukturbereich und möglichen Impulsen durch Investitionsprogramme in Europa und den USA.
Immobilienentwickler mit langer Kapitalmarkttradition
UBM konzentriert sich weiterhin auf die Kernmärkte Deutschland und Österreich; die Projektpipeline besteht inzwischen zu rund 60 % aus Wohnimmobilien. Nach zwei Verlustjahren erwarten Analysten für 2025 eine Rückkehr in die Gewinnzone. Für 2026 und 2027 rechnen sie mit deutlich stärkeren Ergebnisanstiegen, getragen von einer stabilisierten Nachfrage, geringeren Finanzierungskosten und einer fokussierten Projektstrategie.
Weitere Traditionsunternehmen der Wiener Börse
Semperit – Transformation eines Industrieklassikers
Semperit, die viertälteste börsennotierte AG in Wien, hat ihre Transformation von klassischen Gummiprodukten hin zu Industrie- und Polymeranwendungen weiter vorangetrieben. Aufgrund der Unsicherheiten rund um mögliche US‑Einfuhrzölle wurde die Ebitda‑Prognose leicht nach unten angepasst. Analysten rechnen jedoch ab 2026 wieder mit spürbaren Umsatz- und Ergebnissteigerungen, getragen von einer stabilisierten Nachfrage und Effizienzmaßnahmen im Konzern.
Linz Textil: Solide Bilanz, geringe Liquidität
Linz Textil zählt zu den traditionsreichsten Industrieunternehmen an der Wiener Börse und wird im Standard Market Auction gehandelt. Die Gesellschaft weist eine Marktkapitalisierung von rund 72 Mio. Euro auf. Für 2024 meldete das Unternehmen einen Umsatz von 69 Mio. Euro sowie ein Ebit von 2,9 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote lag per 30. Juni 2026 bei sehr soliden 85 %, was die konservative Bilanzstruktur unterstreicht. Trotz der geringen Handelsliquidität bleibt Linz Textil ein stabiler, langfristig ausgerichteter Nischenplayer.
Die Maschinenfabrik Heid, eines der ältesten börsennotierten Unternehmen Österreichs, weist eine Marktkapitalisierung von rund 5,4 Mio. Euro auf. Der letzte gehandelte Kurs lag Mitte September 2025 bei 1,38 Euro. Operativ ist die Gesellschaft seit Jahren nur noch sehr eingeschränkt aktiv und fungiert primär als Finanz- und Beteiligungsholding. Der Handel bleibt extrem illiquide, was die Aktie für institutionelle Anleger kaum investierbar macht.
Manner – Markenstärke & steigender Cashflow
Der Süßwarenhersteller Manner zeigt seit mehreren Jahren eine kontinuierlich positive Entwicklung. Der Umsatz stieg zwischen 2019 und 2024 von 206,9 Mio. Euro auf 288,4 Mio. Euro. Besonders dynamisch entwickelte sich der Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit, der im selben Zeitraum von 11,3 Mio. Euro auf 44 Mio. Euro zulegte. Auch im 1. Halbjahr 2025 setzte sich der Ertragsanstieg fort. Nach einer längeren Seitwärtsphase könnte die Aktie angesichts der robusten Fundamentaldaten wieder neue Impulse erhalten.
Stadlauer Malzfabrik: Besitzgesellschaft mit stabiler Struktur
Die Stadlauer Malzfabrik AG, seit 1922 an der Wiener Börse gelistet, verfügt über eine Marktkapitalisierung von rund 29,1 Mio. Euro. Der Handel ist sehr illiquide, da die Gesellschaft primär als Besitz- und Beteiligungsholding für die Stamag Stadlauer Malzfabrik GesmbH fungiert. Die Struktur ist stabil, aber für den Kapitalmarkt bleibt das Unternehmen aufgrund der geringen Liquidität nur eingeschränkt relevant.
Die IPO‑Welle der 1980er‑Jahre – Neue Ära an der Wiener Börse
Die zweite Hälfte der 1980er brachte eine Belebung des Wiener Kapitalmarkts.
Lenzing (IPO 1985)
Der Faserhersteller zeigt traditionell zyklische Ertragsschwankungen und befindet sich aktuell in einer herausfordernden Marktphase.
Regionalbanken BKS, BTV und Oberbank (IPO 1986)
Alle drei Institute sind bis heute an der Wiener Börse gelistet und gelten als stabile Regionalbanken mit konservativen Geschäftsmodellen.
Versorger aus der Privatisierungsphase
Zu den bedeutendsten Privatisierungs‑Listings zählen:
Sie prägen bis heute den österreichischen Leitindex.
🏛️ Welche der ältesten Unternehmen sind heute im ATX?
Die 20 ältesten in Wien gelisteten Unternehmen (Quelle: Wiener Börse)
| ISIN |
Name |
Erstnotiz |
| AT0000609607 |
Porr AG |
08.04.1869 |
| AT0000831706 |
Wienerberger AG |
15.04.1869 |
| AT0000815402 |
UBM Development AG |
10.04.1873 |
| AT0000785555 |
Semperit AG Holding |
27.09.1890 |
| AT0000723606 |
Linz Textil Holding AG |
28.07.1890 |
| AT0000690151 |
Maschinenfabrik Heid AG |
04.05.1906 |
| AT0000728209 |
Josef Manner & Comp. AG |
14.05.1919 |
| AT0000797303 |
Stadlauer Malzfabrik AG |
13.03.1922 |
| AT0000644505 |
Lenzing AG |
19.09.1985 |
| AT0000624705 |
BKS Bank AG |
01.07.1986 |
| AT0000625108 |
Oberbank AG |
01.07.1986 |
| AT0000625504 |
BTV Vier Länder Bank AG |
01.07.1986 |
| AT0000743059 |
OMV AG |
03.12.1987 |
| AT0000641352 |
CA Immobilien Anlagen AG |
20.04.1988 |
| AT0000746409 |
Verbund AG |
06.12.1988 |
| AT0000741053 |
EVN AG |
27.11.1989 |
| AT0000767306 |
Rath AG |
20.12.1989 |
| AT0000640552 |
Burgenland Holding AG |
14.05.1990 |
| AT0000762406 |
Frauenthal Holding AG |
10.06.1991 |
| AT00000VIE62 |
Flughafen Wien AG |
15.06.1992 |
Autor: Michael Kordovsky
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14.5.2026
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Warum die Zielgruppe 50plus so vielfältig ist
Die Generation 50plus ist heute aktiver und heterogener als je zuvor. Menschen in diesem Alter stehen mitten im Berufsleben, planen eine Betriebsübergabe, strukturieren ein Erbe oder bereiten sich auf den Ruhestand vor. Finanzexperte Wolfgang Ellmaier von well.co.at betont: „Nicht das Alter ist entscheidend, sondern der Zeithorizont der einzelnen Lebensziele.“
Welche Lebensphasen ab 50 besonders relevant sind
Viele erleben große Veränderungen – beruflich, familiär oder gesundheitlich. Gleichzeitig rücken Themen wie Vermögensstrukturierung, Sicherheit und finanzielle Freiheit stärker in den Fokus. Die Frage „Wie lange reicht mein Vermögen?“ wird zentral.
Der wichtigste erste Schritt – eine klare Bestandsaufnahme
Vermögensbilanz und Asset‑Analyse
Eine professionelle Finanzplanung 50plus beginnt immer mit einem Status Quo: Alle Assets werden inklusive Rendite, Risiko, Kosten und steuerlicher Behandlung erfasst.
Einnahmen, Ausgaben und Liquiditätsströme
Private Einnahmen und Ausgaben sowie die Liquiditätsströme zwischen Konten, Depots und Immobilien werden detailliert abgebildet.
Lebensziele in finanzielle Szenarien übersetzen
Mit Tools wie der von Ellmaier entwickelten Software Well+ lassen sich Lebensziele in konkrete Finanzszenarien übersetzen – etwa frühere Pensionierung, Immobilienentscheidungen oder Marktentwicklungen. Die Ergebnisse werden grafisch visualisiert und schaffen Klarheit.
Finanzplanung 50plus bedeutet Chancen nutzen und Risiken steuern
Pensionslücke und Entnahmephase planen
Viele Menschen möchten wissen, wie sie ihre Pensionslücke schließen und wie lange ihr Vermögen tatsächlich reicht.
Steueroptimierung für Kapital und Immobilien
Steuern sind ein zentraler Hebel: Optimierungen bei Kapitalerträgen, Immobilien oder Schenkungen können langfristig enorme Wirkung entfalten.
Liquidität langfristig sichern
Liquidität ist ein Schlüsselthema – nicht nur für Notfälle, sondern auch für planbare Lebensziele wie Reisen, Umbauten oder Gesundheitskosten.
Warum der Zeithorizont entscheidend ist – nicht das Alter
Die drei Liquiditätsschichten
Ellmaier strukturiert Vermögen in drei Schichten:
- kurzfristige Rücklagen
- mittelfristige Planungen
- langfristiger Kapitalaufbau
Langfristige Veranlagung trotz 50plus
Der langfristige Teil darf – und soll – wachstumsorientiert veranlagt sein. Viele Menschen haben noch einen Planungshorizont von 20 bis 40 Jahren.
Wachstumsorientierte Investments sinnvoll einsetzen
Kapital kann lebenslang veranlagt bleiben. Nur der benötigte Teil wird entnommen, der Rest arbeitet weiter – steuerlich optimiert und strategisch geplant.
Professionelle Finanzberatung 50plus – was sie wirklich bringt
Struktur statt Bauchgefühl
Viele Menschen besitzen Vermögen, aber keinen Überblick. Beratung schafft Ordnung und Prioritäten.
Transparenz über Risiken und Chancen
Mit klaren Szenarien werden Risiken sichtbar und Chancen greifbar.
Begleitung über alle Lebensphasen
Gute Berater begleiten nicht als Produktverkäufer, sondern als wirtschaftliche Partner – über Jahrzehnte hinweg.
Pensionsplanung einfach erklärt
– Visualisierung von Einnahmen, Ausgaben und Steuern
Moderne Finanzplanung zeigt alle relevanten Faktoren über die gesamte Lebensspanne – verständlich und visuell.
– Szenarienvergleich für bessere Entscheidungen
Kunden sehen sofort, wie sich Entscheidungen auswirken – etwa frühere Pensionierung, Immobilienverkauf oder Schenkungen.
– Wie lange das Vermögen wirklich reicht
Die zentrale Frage wird transparent beantwortet: Reicht mein Vermögen für meine Ziele und meinen Lebensstil?
Fazit – Finanzplanung 50plus schafft Klarheit und Zukunftssicherheit
Inhalt: Klaus Schweinegger
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Altersvorsorge: Warum der Blick auf weltweites BIP nicht zu unterschätzen ist
Investieren in Luxusgüter: Die Chancen sind wieder intakt
Eine interessante Möglichkeit, auf das Potenzial des Marktes zu setzen.
10.05.2026.
1. Luxusgütermarkt 2026: Die Erholung ist da
Nach zwei Jahren mit Abschwung und anschließender Stabilisierung zeigt der globale Luxusgütermarkt 2026 wieder klare Stärke. Laut UBS wird ein Umsatzwachstum von rund 5 % erwartet, der Gewinn pro Aktie soll um 12 % steigen. BNP Paribas rechnet mit +6 % Umsatz, verweist jedoch auf:
- begrenzte Visibilität
- makroökonomische Risiken
- unternehmensspezifische Belastungsfaktoren
Asien bleibt der wichtigste Wachstumstreiber
Eine aktuelle Deloitte‑Studie zeigt: Asien ist 2026 der zentrale Treiber der Luxusbranche.
Erwartete Wachstumsraten:
- China: +19 %
- Japan: +19 %
- Mittlerer Osten: +18 %
- Indien: +12 %
- Europa: +9 %
Orsolya Hegedüs (Deloitte Österreich) betont: “Innovation, Personalisierung und digitale Einkaufserlebnisse werden entscheidend.” Klassische Flagship‑Stores verlieren an Relevanz , Experience Retail gewinnt.
Um seine starke Position zu halten, müsse der europäische Markt verstärkt auf Innovation, Personalisierung und digitale Einkaufserlebnisse setzen, erklärt Orsolya Hegedüs, Partnerin bei Deloitte Österreich. Klassische, distanzierte Flagship‑Stores hätten „ein Ablaufdatum“.
3. Künstliche Intelligenz verändert die Luxusbranche
Bereits 41 % der Luxusunternehmen setzen KI ein – Tendenz steigend.
KI‑Modelle übernehmen im E‑Commerce:
- personalisierte Produktempfehlungen
- automatisierte Vorauswahl
- individuelle Beratung entlang des Kaufprozesses
Ein zweiter Megatrend: Second‑Hand‑Luxus. Laut Deloitte:
- 70 % bieten Reparaturservices
45 % kooperieren mit Resale‑Plattformen
4. Wie Anleger 2026 vom Luxusboom profitieren können
Der Luxusgütersektor gilt als strukturell wachstumsstark und vergleichsweise konjunkturresistent. Für Anleger bieten sich drei Wege:
a) Luxusaktien
Typische Vertreter des Sektors:
b) Fonds & ETFs
Breite Diversifikation über globale Luxus‑ oder Konsumfonds.
c) Luxusgüter‑Zertifikate
5. Zertifikate im Detail
Der Luxusgütersektor gilt aufgrund seiner hohen Wachstumsraten und der vergleichsweise geringen Konjunkturabhängigkeit als attraktives Investmentthema. Neben Aktien und Fonds gewinnen Zertifikate zunehmend an Bedeutung.
Capped Bonus‑Zertifikate
Beispiel: Société Générale auf LVMH.
- Barriere: 450 €
- Laufzeit: bis 18. September 2026
- Auszahlung: 750 €, wenn die Barriere nicht verletzt wird
- Bei Barrierebruch: Teilnahme an der Kursentwicklung bis zum Cap
- Tilgung: bar oder in Form der Aktie
„Bonuszertifikat LVMH“, „Capped Bonus Funktionsweise“.
Indexzertifikate
Weniger komplex – ideal für Anleger, die den gesamten Sektor abbilden wollen.
BNP Paribas – World Luxury Index (20 größte Luxusunternehmen) u. a. LVMH, Richemont, Porsche, Tiffany → Open‑End‑Tracker‑Zertifikat ohne Laufzeitbegrenzung.
Vontobel Luxury Performance Index u. a. Hermès, Moncler, Prada, Kering → Open‑End‑Index‑Zertifikat für langfristige Partizipation.
SEO‑Signal: „Luxury Index Zertifikat“, „World Luxury Index“.
6. Fazit: Luxus bleibt ein strukturelles Wachstumssegment
2026 zeigt der Luxusgütermarkt wieder klare Stärke:
- Asien treibt das Wachstum
- KI transformiert Vertrieb und Kundenbindung
- Second‑Hand wird zum profitablen Zusatzmarkt
- Zertifikate bieten neue Investmentzugänge
Für Anleger bleibt der Sektor ein spannendes, langfristig wachsendes Investmentthema – mit vielfältigen Möglichkeiten, an der globalen Nachfrage zu partizipieren.
Im Artikel vorgestellte Zertifikate
| Name |
ISIN |
| SocGen BO.C.Z LVMH |
DE000FD3QD28 |
| BNP Paribas O.E.T.Z World Lux. |
DE000BN1LUX6 |
| Vontobel Luxury Performance-Index |
DE000SLA9VL7 |
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Goldminen-Aktien 2026: Welche Titel nach der Rally noch Potenzial haben
Tag der Arbeit – Tage der Leistung
Florian Beckermann (08.05.2026). Am 1. Mai wird jedes Jahr der Tag der Arbeit gefeiert. Kein harmloser Feiertag, sondern eine politisch aufgeladene Erinnerung. Seine Wurzeln liegen in den Arbeiterkämpfen des 19. Jahrhunderts.
Später wurde er von der internationalen Arbeiterbewegung als Symboltag gewählt. Ein Tag, an dem soziale Konflikte sichtbar gemacht werden sollten. Er erinnert daran, dass grundlegende Arbeitsrechte – Arbeitszeitbegrenzung, Kündigungsschutz, soziale Absicherung oder Kinderarbeitsverbot – nicht „gegeben“ sind, sondern erkämpft wurden.
Wer heute in die Arbeitsrealität schaut, stellt schnell fest, dass die Arbeiterkämpfe von damals heute wenig Relevanz haben. Homeoffice oder Workation kann man durchaus als gelungenen Endpunkt der Bewegung bezeichnen. Der Arbeitgeber ist dabei für viele kein gesellschaftliches Feindbild mehr, sondern ein bemitleidenswerter Workaholic zwischen Finanzamt und Insolvenzgericht. Verkehrte Welt.
Es heißt, dass Unternehmer Motivation suchen. Es heißt, dass sich eine Leistungsdepression breit macht. Zugegeben, die ausweglose und horrende Abgabenlast zugunsten des Staates ist eine sinnraubende Motivationshürde.
Doch hat Leistung auch ein Akzeptanzproblem, bis hin zum sozialen Bruch. Insbesondere jüngere Generationen negieren die Leistungsgesellschaft. Es entsteht eine als antriebslos wahrgenommene Masse. Deren berufliche Neigungen können mit den kalkulierten Zielvorgaben beispielsweise chinesischer Volkswirtschaftsmodelle nicht mithalten.
Es wird klar: Die bestehende Leistungsgesellschaft rutscht in massive Schwierigkeiten – in Ökonomie, in Akzeptanz und im Narrativ kann sie sich nicht durchsetzen. Die soziale Kampffähigkeit ist nicht wahrnehmbar. Mileis argentinische Verhältnisse als Extremfall einmal ausgenommen.
Man muss kein Hellseher sein, um die Kausalketten dieses Befundes für die Zukunft zu verfolgen: Abstieg. Angst. Wie ist das zu stoppen?
Mit einem Symboltag der Leistung ist es nicht getan – 364 Tage wären besser. Die politische Förderung der gesellschaftlichen Verarmung muss erkannt und beendet werden. Nur wer Leistung ermöglicht und würdigt, kann die berechtigten sozialen und ökologischen Wünsche einer Gesellschaft zu einem Top-Niveau ausbauen.
Das mag egoistisch klingen und beglückt nicht mit kollektiver Freizeit eines 1. Mai. Aber es ist für unser Gesellschaftsmodell unabdingbar. Die Senkung der Steuerlast und eine breite Mitarbeiterbeteiligung sind immens wichtige Bausteine für Unternehmertum und finanzielle Freiheit. Echte Bürokratieeffizienz und Stolz auf einen schlanken Staat kommen hinzu. Das Fundament jedoch ist die Akzeptanz von Leistung. Nur so lässt sich eine zukünftige Kausalkette ersinnen, die mit Aufstieg und Erfolg verbunden ist. Nur so sind die Lebensentwürfe künftiger Generationen mit höheren Freiheiten realisierbar.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
WEB bereitet Börsengang vor
Das Unternehmen bleibt sich treu und verändert sich doch.
(08.05.2026). Langjährige Börsen-Kurier-Leser wissen es: Wir besuchen seit vielen Jahren jede Hauptversammlung der WEB Windenergie – immerhin verfügt das Unternehmen mit mehr als 7.000 Aktionären über einen größeren Streubesitz als der eine oder andere ATX-Wert. Und diese scheinen immer mit Leib und Seele dabei, auch wenn dabei über vieles diskutiert wird.
🌬️ Schwaches Windjahr belastet Ergebnis und Dividende
Trotz stabiler Stromproduktion war 2025 erneut kein gutes Windjahr. Das zeigt sich deutlich im Ergebnis: Der Gewinn je Aktie ist von 5,7 auf 3,9 Euro zurückgegangen – und damit sinkt auch die Dividende spürbar, nämlich von 2,30 auf 1,50 Euro je Aktie. Die Ausschüttungsquote bleibt mit knapp 39 % nahezu unverändert, doch das Ergebnis nach Steuern fällt von 20,3 auf 14,7 Millionen Euro.
Operativ blieb der Umsatz mit 168 Millionen Euro stabil, ebenso die Stromproduktion von 1.579 GWh. Auffällig ist jedoch, dass diese Leistung aus mehr Windkraftanlagen erzielt wurde – ein Hinweis auf schwächere Windbedingungen und damit geringere Erträge pro Anlage.
🌍 Geografische Diversifikation als Antwort auf Windrisiken
Die schwache Ergebnisentwicklung ist vor allem auf außergewöhnlich schlechte Windbedingungen zurückzuführen – dem größten operativen Risiko eines Windparkbetreibers. Gleichzeitig stiegen die Finanzaufwendungen deutlich: Die Zinszahlungen erhöhten sich von 18,4 auf 22,7 Millionen Euro, bedingt durch mehrere vom Markt gut angenommene Anleiheemissionen.
Um das wetterbedingte Ertragsrisiko zu reduzieren, setzt das Unternehmen auf geografische Diversifikation und beschleunigte Expansion. Im Geschäftsjahr 2025 gingen drei Windparks und sieben Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 40 MW in Betrieb. Zusätzlich wurde der Bau weiterer Projekte mit rund 145 MW gestartet – ein klarer Schritt hin zu breiterer regionaler Risikostreuung.
Vorständin Stefanie Markut betont im Gespräch mit dem Börsen‑Kurier, dass die Energiekrise nach der Blockade der Straße von Hormus die Bedeutung erneuerbarer Energien erneut unterstreiche. Die strategische Leitlinie laute daher: „Rentables Wachstum“.
🌍 Internationale Expansion und Großprojekte im Überblick
Der von der WEB bearbeitete Markt umfasst neben Österreich und Deutschland auch Frankreich, die Slowakei, Kanada, die USA und weitere Länder. Besonders hervor sticht das kanadische Projekt Weavers Mountain, das mit 94,4 MW das größte Einzelprojekt in der Unternehmensgeschichte darstellt. Weitere wichtige Meilensteine sind der Windpark Poilly in Frankreich sowie Wörbzig II in Sachsen‑Anhalt.
Die Investitionen in neue und im Bau befindliche Kraftwerke beliefen sich 2025 auf 180 Millionen Euro. „Die Bilanzsumme liegt nun erstmals bei mehr als 1 Milliarde Euro“, erklärt CFO Michael Trcka zufrieden.
👥 Mitarbeiterbeteiligungsprogramm
Mit der Expansion wächst auch der Personalstand: Seit 2021 ist er um mehr als 100 Personen auf knapp 300 gestiegen. Trotz dieser Entwicklung sind die Personalkosten 2025 leicht gesunken, vor allem aufgrund geringerer erfolgsabhängiger Prämien. „So sind die Zugeständnisse zwischen Aktionären und Mitarbeitern gerecht aufgeteilt“, erklärt CFO Michael Trcka.
Für die Belegschaft gibt es dennoch Grund zur Hoffnung: Auf der ordentlichen Hauptversammlung am 29. Mai 2026 soll unter anderem ein Aktienrückkaufprogramm beschlossen werden, das die Basis für ein zukünftiges Mitarbeiterbeteiligungsprogramm bilden soll. Dieses Modell könnte allen Beteiligten zugutekommen – insbesondere vor dem Hintergrund des für Mitte 2028 geplanten Börsengangs. In früheren Jahren galt ein solcher Schritt für viele WEB‑Aktionäre noch als No‑Go.
📈 Börsengang in Vorbereitung
Durch den geplanten WEB IPO 2027 soll eine Erweiterung des Streubesitzes durch Mitarbeiter die Sorge vor einer möglichen Kontrolle durch Großinvestoren reduziert werden. Zusätzlich will das Unternehmen durch die Beibehaltung von Namensaktien Einflusskonzentrationen verhindern. Stückaktien sollen erst nach dem geplanten IPO für neue Aktionäre ausgegeben werden.
Die Börsenpläne sollen auf der Hauptversammlung näher vorgestellt werden. Ein formaler Beschluss ist für die HV 2027 vorgesehen – allerdings mit einer hohen Hürde: 80 % Zustimmung sind erforderlich.
Wer die Aktionärsbasis der WEB kennt, weiß, dass dafür erhebliche Überzeugungsarbeit nötig sein wird. Der wortgewaltige Aufsichtsratsvorsitzende Josef Schweighofer, der gefühlt jeden der rund 7.000 Aktionäre beim Vornamen kennt, tritt nach 24 Jahren gemeinsam mit zwei weiteren AR‑Mitgliedern nicht mehr an – und wird 2027 hoffentlich nicht fehlen, wenn es um die entscheidende Abstimmung geht.
Autor: Tibor Pásztory
Bild: Andreas Biedermann
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Ökostrom Tarife in Österreich 2026: Preise, Kostenstruktur & Sparpotenzial für Haushalte
Weshalb sich der Blick gen Osten lohnen kann
Das Wirtschaftswachstum dürfte auch heuer solide bleiben, die Chancen sind da.
(08.05.2026). Die Schwellenländer haben in jüngster Zeit für reichlich Aufmerksamkeit gesorgt, insbesondere, da die zahlreichen Konfliktherde in ebensolchen Regionen toben. Neben der Ukraine verschärft sich der Krieg zwischen dem Iran und den USA. Die Straße von Hormus bleibt gesperrt, die Energiepreise steigen weiter an.
Vorschusslorbeeren für Ungarns neue Regierung
Doch wie sieht es in der Region Zentral- und Osteuropa (Central and Eastern Europe, kurz CEE) aus? Hier sorgte zuletzt ein weiteres Ereignis für reichlich Aufsehen, die Parlamentswahl in Ungarn am 12. April. Schließlich war es ein knappes Rennen zwischen dem bislang amtierenden Ministerpräsidenten Viktor Orbán und seinem Herausforderer und Wahlsieger Peter Magyar.
Die Nachricht kam in der Politik sowie an den Finanzmärkten (der Börsen-Kurier berichtete) sichtlich gut an: „Das Ende der 16-jährigen Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán schürt an den Märkten die Hoffnung, dass Ungarn nun die belastete Beziehung zu Brüssel wieder ins Lot bringt“, konstatiert Ronald Schneider, Leiter für den Bereich Anleihen, CEE & Global Emerging Markets bei Raiffeisen Capital Management.
Schneider hebt eine weitere Entwicklung hervor und sagt, dass auch ungarische Aktien, Anleihen und insbesondere die Währung, der Forint sich im Zuge der Nachrichtenlage und in Erwartung einer kooperativeren Ausrichtung nach Europa gut entwickelt. „Während vor der Wahl noch große Unsicherheit herrschte, legte der Forint zuletzt eine beeindruckende Rallye hin.“ Und der BUX, der Leitindex an der Budapester Börse mit 16 der größten Titel, schnellte am Montag nach den Wahlen zum ersten Mal in der Geschichte auf knapp 140.000 Punkte. Auch der HTX (Hungarian Traded Index) erreichte zwischenzeitlich ein neues Rekordhoch von 11.272 Punkten.
Wiener Börse mit Ost-Index
Letzterer Index wurde von der Wiener Börse ins Leben gerufen und wird auch von ihr berechnet. Darin enthalten sind sieben Titel, etwa Magyar Telekom, OTP Bank und der Pharmawert Richter Gedeon. Der HTX ist obendrein Teil des CECE-Index, der ebenfalls von der Wiener Börse berechnet wird. Dieser Index bildet die Wertentwicklung der wichtigsten Börsenfirmen in der CEE-Region ab. Neben ungarischen Unternehmen sind vor allem polnische, aber auch tschechische Titel enthalten. Insgesamt kommen 30 Aktien im Index vor.
Polen voran
An der Warschauer Börse dominieren dabei insbesondere Bankentitel. Da sind die robusten Wirtschaftsaussichten freilich eine gute Stütze. Die Prognosen sind jedenfalls positiv. So meint Richard Grieveson, stellvertretender Direktor des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw), „Spitzenreiter beim Wirtschaftswachstum unter den östlichen EU-Mitgliedern wird 2026 neuerlich Polen mit 3,6 % sein“. Damit dürften diese Länder sowohl im laufenden Jahr als auch 2027 trotz der aktuellen Schwierigkeiten wieder mehr als doppelt so stark wachsen wie die Eurozone, meint der wiiw-Experte.
Als Anleger profitieren
Investoren können auf die weitere CECE-Kursentwicklung mit dem „Raiffeisen CECE Euro Indexzertifikat“ setzen. Enthalten sind etwa auch polnische Aktien wie etwa Bank Polska Kasa Opieki. Hinzu kommt der Kupferproduzent KGHM Polska Miedz und der Supermarktbetreiber Dino Polska. Aus Tschechien zählen der Versorger CEZ und Komercni Banka dazu. Auch die Erste Group und VIG sind im CECE-Index enthalten, da sie eine Zweitnotiz an der Prager Börse haben.
Anleger müssen beachten, dass Verluste mit diesem Produkt möglich sind.
| Im Artikel vorgestellte Zertifikate und Aktien |
|
| Name |
ISIN |
| Raiffeisen CECE Euro Indexzertifikat |
AT0000489034 |
| Bank Polska Kasa Opieki |
PLPEKAO00016 |
| CEZ |
CZ0005112300 |
| Dino Polska |
PLDINPL00011 |
| Erste Group |
AT0000652011 |
| KGHM Polska Miedz |
PLKGHM000017 |
| Komercni Banka |
CZ0008019106 |
| Magyar Telekom |
HU0000073507 |
| OTP Bank |
HU0000061726 |
| Richter Gedeon |
HU0000123096 |
| VIG |
AT0000908504 |
Autor: Mag. Raja Korinek
Bild: AdobeStock / Tom Korcak
Warum Wandelanleihen 2026 weiter an Stärke gewinnen
Die Mischwesen aus Aktie und Anleihe bewähren sich vor allem in schwierigen Börsenphasen.
7.5.2026
Wandelanleihen behaupten sich in schwierigen Marktphasen
Die Mischung aus Aktie und Anleihe zeigt gerade in volatilen Zeiten ihre Stärke.
Wandelanleihen haben im Vorjahr für Aufsehen gesorgt. Mit einer Performance im niedrigen zweistelligen Bereich haben diese global veranlagten Papiere Aktien klar hinter sich gelassen.
„Die spezifischen Eigenschaften der Wandelanleihen führen dazu, dass ihr Wert in Phasen sinkender Aktienkurse weniger stark fällt als jener der zugrundeliegenden Aktie“,
erklärt Carl Fox, Leiter Wandelanleihen bei Union Investment, dem Börsen-Kurier.
Dagegen sei die Wertentwicklung in Zeiten stark steigender Aktienmärkte immer mehr im Einklang mit den zugrundeliegenden Titeln.
Stabilität in Krisen: Marktreaktionen seit Zollregime und Iran‑Krieg
Wie sich die Papiere seit geopolitischen Schocks und dem „Liberation Day“ behaupteten.
In Zeiten, in denen Aktien unter Druck kommen, etwa nach dem „Liberation Day“, als die die USA unter Präsident Donald Trump am 2. April 2025 ein neues, umfassendes Zollregime verkündeten. Ein Beispiel ist auch der Iran-Krieg. Dieses Ereignis löste weltweit starke Marktreaktionen aus und gilt seither als wichtiger Wendepunkt für die Finanzmärkte. Auch seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar 2026 haben Wandelanleihen vergleichsweise weniger verloren bzw. sich als stabiler erwiesen.
Ein österreichischer Fonds unter den globalen Top‑Performern
Der Convertinvest Fair & Sustainable Fund profitiert von KI‑ und Wachstumsbranchen.
Bis Mitte April hat etwa der breite Markt für die Papiere, gemessen am FTSE Global Vanilla Hedged CB (EUR)-Index, um 7 % zugelegt. Der S&P 500 ist seit Jahresbeginn hingegen nur um knapp 5 % gestiegen.
Zu den absoluten Top-Performern auf globaler Ebene hat 2025 auch ein heimischer Wandelanleihen-Fonds gezählt. Der „Convertinvest Fair & Sustainable Fund“ (AT0000A21KZ0) hat ein Kursplus von rund 20 % erzielt, innerhalb der vergangenen 12 Monate 33,8 Prozent.
Wachstumsbranchen als Renditetreiber — KI, Hardware, Datenzentren und Nebenwerte im Fokus
Wie der Managing Director Gerhard Kratochwil von Convert Invest im Gespräch mit dem Börsen-Kurier verrät, liegt das vor allem am Fokus auf Wachstumsbranchen bzw. Themen wie KI, Hardware, Datenzentren, Alternative Energy und Weltraumfahrt und damit auch auf Nebenwerten, die ja Large Caps 2025 hinter sich ließen.
Der hat ein Kursplus von rund 20 % erzielt. Wie der Managing Director Gerhard Kratochwil im Gespräch mit dem Börsen-Kurier verrät, liegt das vor allem am Fokus auf Wachstumsbranchen bzw. Themen wie KI, Hardware, Datenzentren, Alternative Energy und Weltraumfahrt und damit auch auf Nebenwerten, die ja Large Caps 2025 hinter sich ließen.
Emissionen auf Rekordniveau — Warum 2025 und 2026 starke Jahre für Neuemissionen sind
Auch heuer zeichnet sich ein gutes Jahr für Wandelanleihen ab. Nach dem Rekord-Emissionsvolumen von mehr als 160 Milliarden Euro im Jahr 2025, wurden im 1. Quartal bereits Convertibles mit einem Volumen von rund 60 Milliarden Euro neu platziert.
Gewinnerwartungen stützen den Markt — US‑ und Europa‑Prognosen bis 2028
Optimistisch stimmen Kratochwil die US-Gewinnerwartungen, die sich für die Jahre 2026 bis 2028 bei einem Plus von 40 % belaufen.
Bewertungen bleiben attraktiv — Warum Experten keine Überhitzung sehen
„In Europa liegt das erwartete Gewinnwachstum immerhin bei rund 20 %“, sagt er. Nachsatz des Experten: „Dazu kommt, dass die Bewertungen nicht exzessiv sind.“
Ertragsperspektiven bis 2026 — Erwartete 6 % Rendite im defensiven Segment
Bei Union Investment ist man angesichts der erwarteten Gewinnentwicklung der Emittenten ebenfalls positiv für den weiteren Jahresverlauf gestimmt. „Wir schätzen den Wertzuwachs für das defensivere Segment des Wandelanleihenmarktes bis Ende 2026 mit rund 3 bis 4 % ein, was einem Ertrag von etwa 6 % für das Gesamtjahr entsprechen dürfte“, sagt Fox.
Technologie und Halbleiter als Schlüsselbranchen — Welche Emittenten besonders profitieren könnten
Fox hält Branchen wie den Technologie- und Hardwaresektor im Speziellen rund um die Produktion von Halbleitern für besonders interessant. Emittenten aus Südkorea und den USA sollten vom anhaltenden hohen Investitionsvolumen in KI-
KI-Investitionen treiben Nachfrage — Datenzentren, Cloud und Power‑Up‑Versorger im VorteilAnwendungen und Datenzentren profitieren.
„Wir gehen davon aus, dass die teils sehr hohen Wachstumsprognosen auch erfüllbar sind“, so Fox. Vom allgemeinen Investitionsboom in neue Technologien sollten auch Emittenten aus den Bereichen Cloud Computing und KI-Anwendungen profitieren können. Ebenfalls Chancen bieten würden Versorger aus dem Bereich „Power Up“, die den erhöhten Energiebedarf der Rechenzentren abdecken können.
Autor: Mag. Patrick Baldia
Bild: Adobe Stock / Shankar
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Was jetzt für Wandelanleihen spricht
Semperit nach B&C-Angebot: Was Aktionäre jetzt wissen müssen
Kurfassung
B&C‑Übernahmeangebot dominiert HV
Semperit‑Zahlen: Schwaches H1, starkes H2; 2026 wieder Wachstum erwartet
Umsatzziel 1 Mrd. Euro bleibt strategische Schwelle
Rico‑Übernahme laut Management werthaltig, Markt gedreht
Buchwert vs. Angebot: 20,20 € je Aktie vs. 15 € Angebot
Mögliche letzte HV bei erfolgreichem Delisting
Risiken 2026: Preise, Rohstoffe, Nachfrageunsicherheit
Nach Übernahmeangebot: 137. o. Hauptversammlung könnte die letzte gewesen sein
(30.04.2026) Die 137. ordentliche Hauptversammlung der Semperit AG könnte rückblickend als Wendepunkt gelten: Erstmals tagte das Unternehmen unter dem Eindruck des Übernahmeangebots der B&C Holding. Für Anleger stellt sich damit die Frage, wie es strategisch weitergeht und ob diese HV tatsächlich die letzte ihrer Art gewesen sein könnte.
Rahmenbedingungen 2025: Schwieriger Start, starkes zweites Halbjahr
CEO Manfred Stanek betonte, die Rahmenbedingungen seien 2025 „alles andere als einfach gewesen“. Vor allem zu Jahresbeginn habe es deutliche Zurückhaltung auf Kundenseite gegeben, das zweite Halbjahr habe jedoch eine klare Erholung gezeigt. Das zeige, welches Potenzial in Semperit steckt, sobald die Auslastung steigt.
Strategisches Ziel: 1 Milliarde Euro Umsatz als Schwelle
Semperit verfolgt weiterhin das Ziel „profitablen Wachstums“. Der angestrebte Umsatz von 1 Milliarde Euro sei eine „entscheidende wirtschaftliche Schwelle“, so Stanek. Ab dieser Größenordnung sei eine hohe Auslastung erreichbar – der zentrale Hebel des Geschäftsmodells. Auch CFO Helmut Sorger stellte das Wachstum in den Mittelpunkt.
Hebelwirkung der Zahlen
- Umsatzrückgang von 14 % im ersten Halbjahr → Ebitda –52 %
- Umsatzplus von 5 % im zweiten Halbjahr → Ebitda +31 %
Für 2026 erwartet Stanek eine Rückkehr auf den Wachstumspfad: Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich und ein operatives Ebitda von 95 Mio. Euro (Vorjahr: 83,6 Mio. Euro). Risiken sieht er in Preissteigerungen, Rohstoffengpässen und Nachfrageunsicherheiten. Mittelfristige Treiber seien die deutsche Infrastrukturoffensive, steigende EU‑Verteidigungsausgaben und der Wiederaufbau der Ukraine.
B&C‑Angebot: Keine Details vor HV – Transparenz angekündigt
Zum Übernahmeangebot der B&C Holding (15 Euro/Aktie) gab es auf der HV keine Auskünfte. Stanek und Aufsichtsratschef Thomas Cord Prinzhorn verwiesen auf die gesetzlich vorgeschriebenen Stellungnahmen, die „spätestens am 4. Mai“ veröffentlicht werden.
Ein Aktionär fragte dennoch nach zentralen Kennzahlen:
- Buchwert je Aktie: 20,20 Euro
- Meldepflichtige Aktionäre per Ende 2025: B&C Gruppe 58,5 %, De Krassny GmbH 10,07 %, Rest Streubesitz
Rico‑Übernahme: Strategisch sinnvoll, Markt gedreht
IVA‑Vorstandsmitglied Michael Knap wollte wissen, ob die 2023 erworbene Rico Group Ursache für die schwächere Entwicklung der SEA‑Division sei und ob der Firmenwert von 50 Mio. Euro werthaltig ist.
Stanek betonte, Rico sei ein „perfekter Fit“ mit starkem Wachstumspotenzial. Auftragseingang und Auftragsstand lägen über Vorjahr.
CFO Sorger ergänzte:
- Investition sorgfältig geplant
- Erwartungen werden erfüllt
- Markt hat sich von Verkäufer‑ zu Käufermarkt gedreht
- Impairment‑Tests bestätigen Werthaltigkeit
Aktionärsfragen: Zölle, Defense, Steuern, Marktposition
Weitere Themen der HV:
- US‑Zölle: 1,8 Mio. Euro Belastung, keine strukturelle Schwächung
- Defense‑Pläne: Einstieg in klar definierte Nischen, Know‑how‑Aufbau läuft
- Effektivsteuersatz >60 %: „rechnerischer Wert“, Steuern fallen dort an, wo Gewinne erzielt werden
- Marktposition: 35 % Weltmarktanteil bei Rolltreppenhandläufen
- Hochwasser Thailand: 9‑wöchige Unterbrechung, Schäden versichert
- F&E: 181 Mitarbeiter, 38 Patentfamilien
- Recycling: Einsatz von Synthetikgummi (EU/USA), Ruß (EU), recyceltem Stahl (China)
Eine Dividende wurde nicht vorgeschlagen. Prinzhorn und Marion A. Weissenberger‑Eibl wurden in den Aufsichtsrat wiedergewählt.
Was Anleger jetzt beachten müssen
Seit 16. März 2026 ist die Aktie von 11,5 Euro um rund 30 Prozent auf 15 Euro bis zu 12. Mai 2026 gestiegen.
Das B&C‑Angebot dominiert die strategische Zukunft von Semperit.
Für Aktionäre sind folgende Punkte entscheidend:
- Bewertung: Buchwert 20,20 Euro je Aktie vs. Angebot 15 Euro
- Fristen: Stellungnahmen des Vorstands und Aufsichtsrats bis spätestens 4. Mai
- Szenarien:
- Annahmequote erreicht → Delisting möglich
- Annahmequote verfehlt → Semperit bleibt börsennotiert, strategische Neuausrichtung wahrscheinlich
FAQ: Die wichtigsten Fragen zur Semperit‑HV
Was bedeutet das B&C‑Angebot für Kleinaktionäre?
Sie können das Angebot annehmen oder ablehnen. Die Stellungnahmen von Vorstand und Aufsichtsrat liefern eine Empfehlung.
Warum könnte dies die letzte HV gewesen sein?
Bei erfolgreichem Übernahmeangebot und anschließendem Delisting wären künftige HVs nicht mehr öffentlich.
Wie hoch ist der Buchwert je Aktie?
20,20 Euro.
Welche Risiken sieht das Management für 2026?
Preissteigerungen, Rohstoffengpässe, Nachfrageunsicherheiten.
Ausblick
Die HV 2026 stand klar im Schatten des B&C‑Übernahmeangebots. Die kommenden Wochen werden entscheidend dafür sein, ob Semperit als börsennotierter Industriekonzern weitergeführt wird – oder ob ein Eigentümerwechsel die strategische Richtung grundlegend verändert.
Autor: Marius Perger
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Nach 80 % Kursplus: Warum Porr 2026 noch stärker werden könnte
Semperit: Eine Analyse der Ereignisse seit 2011 und ihrer Bedeutung heute
Die Probleme der Vergangenheit – vom Ende der Handschuhproduktion bis zu strukturellen Verlusten – zwangen Semperit zu einem tiefgreifenden Kurswechsel. Die Bereinigung des Portfolios und der Fokus auf Kernkompetenzen haben das Unternehmen neu positioniert. Diese Transformation erklärt, warum Semperit heute ein interessanter Übernahmekandidat ist.
Semperit 2026: Warum die Fehler der Fahnemann‑Ära bis heute nachwirken
Semperit steht 2026 erneut an einem Wendepunkt. Ein Übernahmeangebot, eine Hauptversammlung, die möglicherweise die letzte in dieser Form war, und ein Konzern, der sich neu positionieren muss. Um die aktuelle Lage zu verstehen, lohnt der Blick zurück auf eine Phase, die Semperit strukturell geschwächt hat: die Jahre 2011 bis 2017 unter CEO Thomas Fahnemann.
Damals verlor Semperit nicht nur sein profitabelstes Geschäft, sondern auch einen Teil seiner industriellen Basis. Die Handschuhsparte, einst Wachstumsmotor und globaler Wettbewerbsvorteil, wurde durch Managementfehler, eskalierende Konflikte und strategische Fehleinschätzungen nachhaltig beschädigt.
Timeline: Vom Joint-Venture-Erfolg zum strategischen Bruch
1989–2010 – Erfolgsmodell Thailand Semperit und Sri Trang bauen in Hatyai und Surat Thani eines der weltweit größten Latexhandschuh-Joint-Ventures auf. Die Werke liefern über Jahrzehnte hohe Margen und werden zum wichtigsten Umsatz- und Gewinnbringer.
2011 – Führungswechsel Rainer Zellner übergibt ein schuldenfreies Unternehmen an Thomas Fahnemann.
2012 – Eskalation mit dem Partner Unter der Führung Fahnemanns kam es zu erheblichen Spannungen mit dem thailändischen Joint-Venture-Partner Sri Trang, unter anderem im Zusammenhang mit der operativen Steuerung des Gemeinschaftsunternehmens.
2013 – Probleme werden öffentlich Auf der HV sollen Konflikte heruntergespielt worden sein, obwohl sie kursrelevant waren.
2014–2017 – Rechtsstreit und Verlust der Handschuhsparte Ein Schiedsverfahren soll Semperit die vollständige Kontrolle über SSC sichern. Das Gegenteil passiert: Die Werke werden Sri Trang zugesprochen, das Konkurrenzverbot fällt, Semperit verliert seine profitabelste Sparte.
2016 – Erster Jahresverlust seit 20 Jahren EBIT fällt von 99 Mio (2011) auf 27 Mio. Fahnemann tritt 2017 zurück.
Die strukturellen Folgen: Ein Konzern verliert seinen Wachstumsmotor
Der Verlust der thailändischen Handschuhproduktion war mehr als ein operativer Rückschlag. Er bedeutete:
- Wegfall eines Geschäfts, das über 40 % des Konzernumsatzes ausmachte
- Verlust eines globalen Wettbewerbsvorteils
- ein Schiedsgerichtsurteil, das Semperit sogar neue Konkurrenz eröffnete
- ein strategisches Loch, das bis heute spürbar ist
Diese Schwächung erklärt, warum Semperit in den Folgejahren einen langen Turnaround brauchte und warum der Konzern 2026 trotz operativer Fortschritte strukturell verwundbarer ist.
Warum der Verlust der Handschuhsparte schwer wiegt
Die Handschuhsparte war:
- hochprofitabel
- global skalierbar
- strategisch wertvoll
Ihr Verlust ist irreversibel. Das ist ein struktureller Effekt, kein operativer.
2017–2020: Stabilisierung und Neuausrichtung von Semperit
Nach dem Führungswechsel beginnt Semperit mit einer Bereinigung:
- Kostensenkungen
- Fokussierung auf Industrieprodukte
- operative Verbesserungen
Der Konzern wird wieder profitabel, aber ohne den früheren starken Wachstumstreiber.
2020–2021: Pandemie-Boom – ein kurzer Höhenflug
COVID-19 bringt einen massiven, aber temporären Gewinnschub. Die Nachfrage nach medizinischen Handschuhen explodiert – ein Sondereffekt, der 2022 wieder verpufft.
2021–2023: Strategischer Schnitt – Ausstieg aus Sempermed
Semperit verkauft die Handschuhsparte vollständig. Ein konsequenter Schritt, aber auch das endgültige Ende eines Bereichs, der früher fast die Hälfte des Konzernumsatzes ausmachte.
2023–2025: Konzentration auf das Industriegeschäft
Semperit wird ein klassischer Industriewert:
- stabile, aber nicht dynamische Margen
- hoher Investitionsbedarf
- intensiver Wettbewerb
- solide Cashflows, aber begrenztes organisches Wachstum
Der Konzern ist gesund, aber nicht stark.
Semperit ist heute auch deshalb ein reiner Industriekonzern, weil es keine Alternative gab. Das ist nicht schlecht, aber es ist ein anderes Unternehmen als vor 2016. Die Transformation war eine Folge der damaligen Fehler.
2026: Übernahmeangebot – die logische Folge einer langen Entwicklung
Dass Semperit 2026 ein Übernahmeziel ist, überrascht daher nicht. Die Gründe liegen nicht nur im aktuellen Marktumfeld, sondern in der strukturellen Entwicklung seit dem Verlust der Handschuhsparte.
Die zentrale Erkenntnis: Semperit hat sich operativ erholt. Semperit ist heute ein stabiler, gut geführter Industriekonzern, aber ohne die strategische Schlagkraft, die es vor dem Thailand-Debakel hatte. Die Erholung ist real. Die strukturelle Verwundbarkeit ist es ebenfalls.
Turnaround-Aktien im ATX 2026: Rosenbauer, AT&S, Semperit im Check
Neue ÖBAG-Strategie: Machtanspruch mit Konfliktpotenzial
Florian Beckermann (30.04.2026). Im globalen Wettkampf, nationale Interessen zu betonen, scheint auf den ersten Blick politisch vernünftig. Insofern vollzieht Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer mit der neuen ÖBAG-Strategie einen rationalen Paradigmenwechsel: Weg von einer fiskalisch orientierten Beteiligungsholding hin zu einem aktiven industriepolitischen Instrument. Alles gut? Für die Miteigentümer nicht unbedingt.
Kern der Strategie: Die ÖBAG als „Standortholding“
Kern der Strategie ist die Transformation der ÖBAG zur „Standortholding“. Beteiligungen sollen stabile Dividenden liefern und (!) aktiv gesteuert zur wirtschaftlichen Entwicklung beitragen. Konkret: eine stärkere Einflussnahme auf Unternehmensstrategien mit Fokus auf Innovation, Infrastruktur, Energiesicherheit und technologische Souveränität. Die ÖBAG wird zu einem Steuerungsinstrument, das über Schlüsselunternehmen wie OMV, Verbund oder Telekom Austria indirekt Strukturpolitik betreibt. Nachvollziehbar: In Zeiten geopolitischer Unsicherheit soll die Kontrolle über Infrastruktur und Schlüsselindustrien gesichert werden – wenn man sie denn jemals verloren hat. Die Strategie folgt einem internationalen Trend, Beteiligungen gezielter zur Standortpolitik einzusetzen. Es duftet nach Interventionismus. Macht als Strategie verkleidet.
Konflikte mit Kapitalmarkt und Streubesitz
Für Streubesitzaktionäre und den internationalen Kapitalmarkt birgt das Konflikte. Diese investieren mit dem Ziel der Renditeoptimierung und erwarten eine klare Orientierung am Shareholder-Value – ohne Wenn und Aber. Wenn der Staat mit „other people‘s money“ politisch agieren will, wird’s gefährlich. Denn die nächste Wahl kommt bestimmt und das ist kein Aktionärstermin.
Operative Risiken
Operativ überspitzt: Wenn Beteiligungsunternehmen etwa in ökonomisch sinnlose Infrastruktur, Hochrisiko-Start-ups oder Innovationen à la „Kaufhaus Österreich“ investieren müssen, beeinflusst dies nicht nur die Gewinne, sondern auch die Reputation.
Börsengelistete AGs sind nicht die Spardose oder der Selbstbedienungsladen des Staates. Wer das möchte, muss ein Angebot machen und die Gesellschaften von der Börse nehmen.
Zuerst Emanzipation vom Staat, nun droht Erosion
Unter Edith Hlawati hat sich die ÖBAG weitgehend von politischer Einflussnahme emanzipiert und mit Global-Playern syndiziert. Wird dies durch die neue Strategie erodiert, schlittert man auch in Konflikte mit den Partnern. Bewertungsabschläge drohen sowieso. Hart erarbeitetes Vertrauen wäre dahin. Viel Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel.
Chancen? Natürlich können langfristige Investitionen Wettbewerbsvorteile schaffen. Natürlich kann ein staatlicher Ankeraktionär in Krisenzeiten stabilisierend wirken.
Die ÖBAG-Strategie scheint ein klassischer Zielkonflikt zwischen Staatsinteressen und Kapitalmarktlogik zu werden. Warten wir auf Details. Es ist zu hoffen, dass es gelingt, die neue Rolle mit klaren Corporate-Governance-Regeln und Personen zu verbinden – nur dann kann die Strategie sowohl standortpolitisch wirksam werden als auch kapitalmarktfähig bleiben.
Autor dieses Kommentars ist Florian Beckermann, Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
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Turnaround-Aktien im ATX 2026: Rosenbauer, AT&S, Semperit im Check
Große Gewinnchancen nach Sparprogrammen und operativen Verbesserungen.
(30.04.2026). Turnaround-Aktien versprechen hohe Gewinne – aber auch Risiken
Was sind Turnaround-Aktien? Chancen und Risiken
Turnaround-Aktien üben auf Investoren seit jeher einen besonderen Reiz aus. Denn dabei handelt es sind Unternehmen, die nach einer Phase schwacher Geschäftsentwicklung oder Verluste wieder auf einen Wachstumskurs einschwenken. Auslöser sind häufig Restrukturierungen, Kostensenkungen oder strategische Neuausrichtungen.
Für Anleger sind solche Aktien besonders interessant, da sie oft noch niedrig bewertet sind und bei erfolgreicher Wende überdurchschnittliche Kursgewinne ermöglichen. Gleichzeitig ist das Risiko hoch: Verzögert sich die Erholung oder bleibt sie aus, drohen weitere Kursverluste.
Wichtige Indikatoren für einen gelungenen Turnaround sind eine nachhaltig verbesserte Kostenbasis, steigende Margen, ein wachsender Auftragsbestand sowie erste sichtbare Ergebnisverbesserungen in den Quartalszahlen. Entscheidend ist, ob die Wende bereits in den Zahlen erkennbar ist oder noch hauptsächlich auf Erwartungen basiert.
Das Chance-Risiko-Profil ist jedoch zweischneidig: Während hohe Gewinne locken, sind mögliche Kursverluste bei länger als erwarteter Durststrecke ebenfalls realistisch.
Woran erkennt man einen echten Turnaround?
- steigendes EBIT
- sinkende Kostenbasis
- positive Quartalszahlen
Rosenbauer: Vorbildlicher Turnaround
Wie ein gelungener Turnaround aussehen kann, zeigt Rosenbauer. Der Feuerwehrausrüster steigerte 2025 den Umsatz um 9,4 % auf 1,43 Milliarden Euro und erhöhte das Ebit von 64,9 auf 84,5 Millionen Euro. Effizienzmaßnahmen wirkten sich dabei spürbar positiv aus.
Ein hoher Auftragsbestand sollte weiteres Wachstum ermöglichen. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Vorstand einen Umsatz von rund 1,6 Milliarden Euro sowie eine Ebit-Marge von 6 %.
AT&S: Turnaround-Aktie mit Wachstumspotenzial
AT&S zählt zu den aktuell spannendsten Turnaround-Stories an der Wiener Börse. Dank intensivierter Kosten- und Effizienzprogramme drehte der Leiterplatten- und IC-Substrat-Hersteller im Geschäftsjahr 2024/25 das Konzernergebnis von -37 auf +90 Millionen Euro. Gleichzeitig stieg das Ebit von 31 auf 277 Millionen Euro.
In der Aussendung zum dritten Quartal 2025/26 war bereits von einer um 120 Millionen Euro reduzierten Kostenbasis im Vorjahr sowie weiteren nachhaltigen Einsparungen von mindestens 160 Millionen Euro die Rede. Im dritten Quartal 2025/26 drehte das Konzernergebnis im Vergleich zum Vorjahresquartal von -32,6 auf +24,2 Millionen Euro.
Parallel dazu arbeitet AT&S seit Jahren an Glassubstraten für die nächste Generation moderner Mikrochip-Packages. Mit Kernkompetenzen bei Through-Glass-Vias, fortschrittlicher Kupferstrukturierung und panelbasierter Fertigung adressiert das Unternehmen Zukunftsfelder wie KI, High Performance Computing, Hochgeschwindigkeitskommunikation und Photonik.
Analysten rechnen für die Geschäftsjahre 2026/27 und 2027/28 mit kräftigen Ertragssprüngen.
Semperit: Übernahmefantasie und operative Verbesserung
Semperit befindet sich bereits in einer späten Phase der Wende und erhielt zuletzt ein überraschendes Übernahmeangebot der Mehrheitsaktionärin B&C Holding Österreich (15 E je Aktie).
Nach dem Verlustjahr 2023 und der deutlichen Erholung 2024 blieb 2025 trotz schwieriger Märkte ein kleiner Nettogewinn von 0,4 Millionen Euro. Das Ebitda ging um 6,4 % auf 79,5 Millionen Euro zurück.
Die Ertragssituation verbesserte sich jedoch in der zweiten Jahreshälfte 2025 deutlich: Strategische Fokussierung, Vertriebsinitiativen und Kosteneinsparungen von 6 Millionen Euro führten dazu, dass die Ebitda-Marge vom ersten auf das zweite Halbjahr 2025 von 9,6 auf 14,3 % anstieg.
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Vorstand bei einem Umsatzwachstum im höheren einstelligen Prozentbereich mit einem Anstieg des operativen Ebitda (vor Projektkosten für das Digitalisierungsprojekt oneERP) von 83,6 auf rund 95 Millionen Euro.
Laut Schätzungskonsens von MarketScreener wird für 2026 ein Gewinnsprung von 0,02 auf etwa 0,99 Euro je Aktie erwartet, mit einem weiteren Anstieg auf 1,73 Euro je Aktie bis 2028.
Fazit: Turnaround-Aktien bieten Chancen – aber nicht ohne Risiko
Börsen bieten immer wieder Sorgenkinder mit neuer Ertragsdynamik. Anleger sollten jedoch genau unterscheiden, ob die Wende bereits in den Zahlen sichtbar ist oder noch vor allem auf Erwartungen beruht.
Börsen bieten auch immer wieder Sorgenkinder mit neuer Ertragsdynamik. Anleger sollten jedoch genau unterscheiden, ob die Wende bereits in den Zahlen sichtbar ist oder noch vor allem auf Erwartungen beruht.
Autor: Michael Kordovsky
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Semperit will zurück auf den Wachstumspfad
Attraktive Dividendentitel
Gefährliches Umfeld für Austro-AGs
CA Immo CEO Viscius: „Heute bessere Immobilien als 2018“
HV der CA Immo beschließt niedrigere Dividende, der Immobilienkonzern schaffte 2025 wieder den Sprung in die Gewinnzone.
(06.05.2026) 2025 habe es zahlreiche Herausforderungen und Unsicherheiten gegeben, betonte CEO Keegan Viscius in seiner in englischer Sprache gehaltenen und simultan übersetzten Präsentation bei der 39. ordentlichen Hauptversammlung der CA Immo am Mittwoch. Das Unternehmen sei aber widerstandsfähig geblieben, man habe Meilensteine erreicht und die Fundamentaldaten gestärkt.
Die Kapitalrotation sei konsequent fortgesetzt worden:
70 % der Bestandsimmobilien liegen inzwischen in Deutschland, der Büroanteil beträgt 98 %. “Wir verfügen heute über bessere Immobilien und einen klareren Marktfokus als 2018″ erklärt Viscius. Jenem Jahr, in dem Starwood eingestiegen ist.
„Wir sind auf dem richtigen Weg“ – Werttreiber und strategische Stoßrichtung
CEO Viscius zeigte sich überzeugt, dass sich die CA Immo auf dem richtigen Weg befindet und gut positioniert sei, ihre Ziele zu erreichen. Werttreiber seien die Vermietung von Leerständen, organisches Wachstum durch die Fertigstellung der Projekte und der Verkauf von Nicht-Kern-Assets, was die zukünftige Rendite verbessere.
Finanzvorstand Schillhofer: Premium-Strategie zahlt sich aus
Finanzvorstand Andreas Schillhofer hob die positiven Effekte der strategischen Positionierung als „Premium-Büroanbieter“ hervor. Die Kapitalrotation der vergangenen Jahre habe das Portfolio widerstandsfähiger gemacht.
2025 habe man:
- ein positives Bewertungsergebnis erzielt
- die Gewinnzone erreicht
- einen FFO1 deutlich über der Zielsetzung ausgewiesen
Zudem verfüge die CA Immo über ein Investment-Grade-Rating, und die Aktie notiere ohne Abschlag auf den Buchwert.
Portfolio im Fokus und viele Fragen zur Kapitalrotation
Im Zentrum vieler Fragen stand die „Kapitalrotation“. Dabei werden nicht-strategische Assets verkauft, Kriterien dafür seien Lage, Rendite, Alter, Nachhaltigkeit und Qualität, so Schillhofer.
- Ziel sei es, die Resilienz des Portfolios zu stärken. Man müsse die Konkurrenz am Büromarkt zur Kenntnis nehmen, für die CA Immo sei deshalb „premium“ wichtig.
- In Deutschland seien zusätzliche Mietsteigerungen möglich, während die Mietmärkte in Osteuropa schwächer seien.
- Die Renditen in Prag und Budapest blieben hinter jenen in den Kernmärkten zurück, ergänzte Viscius.
Die durch Verkäufe freigesetzten Mittel sollen genutzt werden für:
- Akquisitionen
- Bilanzstärkung
- AktienrückkäufeWas brachten Immobilienverkäufe wirklich?
Viscius betonte mehrfach die „disziplinierten Underwriting-Kriterien“:
- Verkäufe im Vorjahr lagen im Schnitt 4 % über Buchwert
- nur zwei Objekte unter Buchwert
Erst nach mehrmaliger Nachfrage gab er preis:
- 8 der 17 verkauften Immobilien waren im Jahr davor abgewertet
- 2 Objekte hatten Zuschreibungen
Informationen zu Käufern oder Renditen einzelner Objekte würden nicht veröffentlicht.
Projektentwicklung in Deutschland – alles in Plan
Zu Immobilienentwicklungen in Deutschland betonte Viscius, die drei Projekte Upbeat, Anna-Lindh-Haus (Foto) und Karlsgärten in Berlin würden sich im Budget und im Zeitplan befinden und seien voll vorvermietet. Man verfolge eine klare Wachstumsstrategie und beobachte den Markt hinsichtlich Akquisitionen kontinuierlich. 2025 habe man mehrere Projekte in Berlin und München geprüft, aber keine Käufe getätigt.
Buwog, Klagen, alte Verfahren – und warum es einen langen Atem braucht
Zu den Klagen gegen die Republik Österreich im Zusammenhang mit der Causa „Buwog“ erklärte Schillhofer, man habe aus Kostengründen eine „kleine“ Klage über 1 Millionen Euro eingebracht mit dem Ziel, dass die Ansprüche dem Grunde nach anerkannt werden.
Hier rechne man mit einer Entscheidung nicht vor 2030, anschließend wolle man dann einen Betrag von 1,9 Milliarden Euro einklagen. Experten hätten bestätigt, dass eine „Obsiegenswahrscheinlichkeit“ bestehe, diese sei durch die rechtskräftige Verurteilung von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser im Buwog-Korruptionsprozess gestiegen. Zu vier Anfechtungsklagen von „Petrus Advisers“ gegen Hauptversammlungsbeschlüsse früherer Jahre, in denen Sonderprüfungen abgelehnt wurden, erklärte Schillhofer, das sei „alles überholt“, er bedauere die Verfahren, sei aber „guter Dinge“.
Finanzierung, Zinsen und Dividende – die großen Aktionärsthemen
Aktionärssorgen über die Finanzierungsstrategie entgegnete Schillhofer, man habe bewiesen, dass man kapitalmarktfähig sei, das Investment-Grade-Rating sei Grundlage für den Kapitalmarktzugang. Die CA Immo habe Zugang zu besicherten und unbesicherten Instrumenten, man strebe kostenoptimierte Lösungen an. Zum Risiko von Zinsänderungen erläuterte er, dass die Immobilienbewertung von höheren Zinsen profitieren würde, während man bei der Finanzierung abgesichert sei; steigende Zinsen würden die CA Immo „erst über die Zeit“ treffen.
Warum hat die CA Immo die Dividende gesenkt?
Zur Aktionärskritik an der von 1 Euro auf 90 Cent gesenkten Dividende erklärte Schillhofer, dies entspreche der Dividendenpolitik, und außerdem habe man Aktien zurückgekauft, was den Aktionären ebenfalls nütze: „Das muss man zusammen betrachten.“
Wo es deutliche Gegenstimmen gab
Nach zwei Pausen waren zur Beschlussfassung nur noch rund 20 Personen im Festsaal der alten Börse. Da IVA-Präsident Florian Beckermann jedoch 307 Aktionäre vertrat, kam es bei einzelnen Tagesordnungspunkten – etwa der Entlastung des Aufsichtsrats oder dem Vergütungsbericht – zu deutlichen Gegenstimmen aus dem Streubesitz.
Autor: Marius Perger
Foto: CA Immo / Anna-Lindh-Haus, Berlin
Addiko: EZB tatenlos – wer zahlt?
Florian Beckermann (24.04.2026). Jedem Aktionär der Addiko Bank AG fällt es schwer, wieder auf die Dividendenzahlung zu verzichten. Insbesondere dann, wenn die Konkurrenz kräftig verdient und ausschüttet. Die „Bedenken“ des Regulators münden zum zweiten Mal in einer Dividendenblockade. Dabei gibt es keinen formaljuristischen Bescheid oder Erlass. Nein, der Regulator agiert durch den Druck der operativen Macht. Eine Macht, die in sachfremden Überwachungsfragen so intensiv gelebt werden kann, dass sie zu größerem „Schaden“ am Kreditinstitut führt – eigentlich eine untragbare Tatsachenschaffung des Regulators. Wobei der Regulator sich in diesem Fall aus einer Gruppe aus verschiedenen Überwachungsorganen zusammensetzt, die von der EZB geleitet wird. Es ist also nicht direkt auszumachen, wer hinter dieser Posse steckt.
Als vor knapp zwei Jahren die serbische Alta Gruppe bei der Bank einstieg, sorgte sie schnell für hochgezogene Augenbrauen. Rasant sicherte man sich große Anteilspakete, die juristischen Hausaufgaben wurden vergessen. Berechtigte Skepsis über Alta machte sich am Markt breit und hielt an. Der Regulator sah sich nicht in der Lage, konkret vorzugehen, also sperrte man die Dividende durch genannten Druck – bis heute. In den vergangenen zwei Jahren entstand eine juristische Hängepartie, deren Zeche alle (!) Aktionäre zu zahlen haben. Ist das nicht genug Zeit eine regulatorische Entscheidung zu treffen oder eine Lösung zu suchen, die nicht jeden Aktionär benachteiligt? Erfolgreiche Beispiele dafür gab es in der jüngsten Vergangenheit.
Konsequenz: Die Gewinne der Addiko landen in der Bilanz und führen zur Überkapitalisierung. Die Eigenkapitalrentabilität rauscht in den Keller aufgrund des zu hohen Nenners. Aktionäre werfen das Handtuch. Der Handel in Frankfurt wird aufgegeben. Der Börsenhandel in Wien landet im Auktionsmarkt. Eine Marktenge entsteht, die kaum noch als solide Ausgangsbasis für eine Stand-Alone-Bewertung herhalten kann. In dieser Situation kommen die Übernahmeangebote der RBI und NLB. Es wäre naiv zu glauben, dass diese die Auswirkungen der Blockade nicht nutzen würden. Oder sollte es besser heißen „ausnutzen“?
Als „absurd“ beschreiben Aktionäre am Rande der Hauptversammlung das Verhalten des Regulators: „Als Addiko-Aktionär ist die Alta Gruppe nicht gut genug, aber im RBI-Carve-out-Plan kann man ihnen eine ganze Bank verkaufen? Wie passt das zusammen?“ Eine Entscheidung des Regulators wird nur auf eine andere Ebene geschoben. Ob sie dann erfolgt, ist fraglich. Auch Alta braucht regulatorische Klarheit.
Die offensichtliche Entscheidungsschwäche der EZB wirft kein gutes Licht auf den Rechtsstaat EU und seine Bürokratiemacht. Die sonst so makellose Kompetenz bekommt Risse durch Taktieren. Für den außenstehenden Aktionär unverständlich, teuer und unnötig.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Neue Steuerdebatte in Europa
EU-Finanzminister fordern Abgabe auf „Zufallsgewinne“ von Energiekonzernen.
(24.04.2026). Infolge des Iran-Konflikts sind Benzin und Diesel sprunghaft teurer geworden. Glaubt man Greenpeace, dann verdienten die Mineralölkonzerne allein im März 2,5 Milliarden Euro zusätzlich an den teuer tankenden Autofahrern in der EU. Diese „Übergewinne“ wecken die Begehrlichkeiten von SPÖ-Finanzminister Markus Marterbauer und vier seiner europäischen Amtskollegen. In einem gemeinsamen Brief an EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra fordern sie, dass „diejenigen, die von den Folgen des Krieges profitieren, ihren Teil dazu beitragen müssen, die Belastung für die breite Öffentlichkeit zu mildern“.
Was ist Übergewinn?
Laut Duden ist eine Übergewinnsteuer eine „von großen Unternehmen zu entrichtende Steuer auf einen vergleichsweisen überproportional hohen Gewinn“. Stellt sich die Frage, ab wann ein Gewinn überproportional hoch ist? Schon 2022, als die Energiepreise infolge des Angriffs Russlands auf die Ukraine massiv stiegen, legte der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) dazu ein konkretes Modell vor.
Das Modell der Gewerkschaft
Übergewinn ist für den ÖGB jener Gewinn eines Geschäftsjahres (gemessen am Ebitda, dem Betriebsergebnis vor Abschreibungen, Finanzergebnis und Steuern), der über dem Durchschnitt der drei vorangegangenen Geschäftsjahre liegt. Ab 110 % dieses Referenzwertes sollten 60 %, ab 130 sogar 90 % davon als Sondersteuer an den Staat abgeführt werden. Die Bagatellgewinngrenze von 10 % gestand der ÖGB den Energiekonzernen als kleine Gewinnsteigerung zu. Tatsächlich geworden sind es auf EU-Ebene sowie befristet auf die Jahre 2022 und 2023 dann 33 % Sondersteuer auf Gewinne, die mehr als 20 % über dem Durchschnitt lagen.
Was passiert mit Sondersteuern?
Geht es nach den fünf EU-Finanzministern, würde es die Sondersteuer auf Zufallsgewinne der Energiekonzerne „ermöglichen, vorübergehende Entlastungen, insbesondere für Verbraucher, zu finanzieren und die steigende Inflation einzudämmen, ohne die öffentlichen Haushalte zusätzlich zu belasten.“
Rückblickend auf das Jahr 2022 stellen wir jedoch fest, dass die damaligen Mehreinnahmen weder den österreichischen Staatshaushalt entlastet noch die heimische Inflationsrate eingedämmt haben. Budgetdefizit und Inflation lagen weiterhin deutlich über dem EU-Durchschnitt.
Über-Performance
Im Zuge der geopolitischen Konflikte der vergangenen Jahre haben nicht nur Ölkonzerne, sondern auch opportunistische Anleger „Zufallsgewinne“ erzielt, beispielsweise wenn sie in Rüstungsaktien oder fossile Energieträger investiert haben. Müssen erfolgreiche Anleger fürchten, dass auch die „vergleichsweise überproportional hohen“ Kursgewinne ihrer Investments mit einer Sondersteuer abgeschöpft werden?
Denn, so könnten sozialdemokratische Finanzminister argumentieren, wer trotz hoher Steuern und Abgaben, steigenden Mieten und Lebenshaltungskosten sowie teurem Sprit und Strom immer noch so viel Geld übrighat, dass er oder sie in Wertpapiere investieren kann, muss doch nicht auch noch mit Überperformance belohnt werden.
Noch ist es nicht so weit. Wollen wir hoffen, dass die Diskussion über Steuern auf Zufallsgewinne von Energiekonzernen nicht die Büchse der Pandora öffnet und auf erfolgreiche Investoren überschwappt.
Autor: Andreas Dolezal
Foto: Adobe Stock / Bluedesign
Märkte glauben nicht an längeren Iran-Krieg
Zuletzt haben sich an den Börsen einige spannende Einstiegschancen ergeben.
(24.04.2026). Es ist kaum zu glauben: So sehr der Iran-Krieg die Börsen seit Anfang März auch beschäftigt hat, was sich in hoher Volatilität und wiederholten Kursrücksetzern manifestiert hat, so wenig haben sie unterm Strich seitdem verloren. In der vergangenen Woche hat etwa der Waffenstillstand zwischen den Konfliktparteien, ebenso wie gute Quartalszahlen, eine regelrechte Erholungs-Rallye an den Märkten ausgelöst. Nicht nur S&P 500 und Nasdaq kletterten auf neue Allzeithochs, auch der ATX erreichte eine neue historische Bestmarke bei rund 5.900 Punkten.
„Dass seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs vor allem die Öl- und Gaspreise gestiegen sind, war den Anlegern in Europa, den USA und auch in Asien offensichtlich relativ egal“, sagt Roland Zauner, Manager des „KEPLER D-A-CH-Plus Aktienfonds“, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier, um im selben Atemzug in den Raum zu stellen, dass die Situation „vielleicht falsch eingeschätzt wird“. „Die Märkte glauben nach wie vor nicht, dass der Konflikt lange dauern wird.“
Gefahr: Massiver Inflationsanstieg
„Dauert der Krieg noch lange an, ist ein massiver Anstieg der Inflation zu erwarten“, so Zauner weiter. Auch in den USA würden die Preise früher oder später steigen. Allerdings würde auch im Falle eines baldigen Endes die Inflation nicht von heute auf morgen zurückgehen. „Was man nicht vergessen darf, ist, dass im Iran durch die Angriffe viel Infrastruktur zerstört wurde, darunter auch wichtige Anlagen der Erdöl- und Gasindustrie“, sagt Zauner. Nachsatz des Experten: „Bis alles wieder funktionsfähig ist, wird es lange dauern.“
An der Börse wurde die Risikobereitschaft der Anleger zuletzt auch durch robuste Unternehmensgewinne gestützt. Als zentrale Markttreiber erwiesen sich einmal mehr vor allem Technologie- und KI-Aktien. „Wir beobachten breite Umsatzzuwächse und ein Investitionsvolumen, das bereits heute historisch ist – bei gleichzeitig moderaten Bewertungen. Jene von US-Technologieaktien liegen inzwischen wieder auf dem Niveau des Gesamtmarktes“, sieht Ann-Katrin Petersen, Leiterin Kapitalmarktstrategie Deutschland, Schweiz, Österreich und Osteuropa bei BlackRock, in einem aktuellen Kommentar gute Chancen bei KI-bezogenen thematischen Anlagen.
Kurspotenzial an der Wiener Börse
Auch an der Wiener Börse haben sich in den vergangenen Wochen interessante Einstiegsgelegenheiten bei Aktien ergeben, die weniger gut unterwegs waren. Zu den Kaufempfehlungen mit niedrigem KGV und der größten Lücke zwischen aktuellem Kurs und Kursziel zählen bei der Erste Group derzeit etwa Kontron, Palfinger, UBM und VIG. Durchaus ansehnliches Kurspotenzial bieten auch Do & Co, Verbund und Strabag. Dass etwa beim heimischen Baukonzern, nachdem die Uniqa in der vergangenen Woche ein größeres Aktienpaket platziert hat, der Streubesitz auf 20 % gestiegen ist, schätzt Erste-Group-Analystin Martina Valenta in einer aktuellen Marktanalyse als „längerfristig positiv für die Aktie“ ein.
Zauner hat nach eigenen Angaben in den letzten Wochen für seinen Fonds nur wenige Trades getätigt. Unter anderem hat er eine Uniqa-Position aufgebaut und die OMV reduziert. Ebenfalls zugekauft wurde auch der italienische Gasversorger Italgas. Insgesamt habe zuletzt der Österreich-Anteil der Performance des KEPLER D-A-CH Plus Aktienfonds am meisten geholfen, während die deutschen und schweizerischen Positionen die Kursentwicklung belastet haben. „In der aktuellen Situation ist man mit einem breit diversifizierten Portfolio gut beraten“, empfiehlt der Kepler-Experte Anlegern abschließen.
Autor: Patrick Baldia
Das Wichtigste zum Start der Stablecoins europäischer Banken
Zwölf europäische Großbanken entwickeln digitale Währung auf Blockchain-Basis.
(19.04.2026).
1. Stablecoins wachsen rasant – und Europa zieht nach
Die globale Marktkapitalisierung von Stablecoins erreicht 2026 ein Allzeithoch von rund 315 Mrd. US‑Dollar – Tendenz stark steigend. Analysten erwarten bis 2030 ein Marktvolumen von bis zu 4 Billionen US‑Dollar. Stablecoins sind digitale Token, die 1:1 an Fiatwährungen wie Euro oder US‑Dollar gebunden sind und damit deutlich weniger volatil als Bitcoin oder andere Kryptowährungen.
2. Regulierung als Wachstumstreiber
Ein zentraler Treiber ist die Regulierung:
- In der EU gilt seit Ende 2024 die MiCA‑Verordnung – sie schafft Transparenz, Anlegerschutz und klare Regeln für Emittenten.
- In den USA trat 2025 der Genius Act in Kraft.
„Das neue regulatorische Framework ist auch für traditionelle Banken ein Booster“, sagt Christian Wolf, Head of Strategic Partnerships & Ecosystems bei der RBI.
3. Zwölf Großbanken entwickeln einen Euro‑Stablecoin
Die RBI ist Gründungsmitglied von Qivalis, einem Konsortium aus zwölf europäischen Großbanken, das einen Euro‑Stablecoin entwickelt. Laut Qivalis‑CEO Jan‑Oliver Sell soll der Start im Sommer 2026 erfolgen – das Lizenzierungsverfahren läuft.
Der Markt ist bislang stark USD‑dominiert:
- 99 % der globalen Stablecoin‑Marktkapitalisierung entfallen auf USD‑Stablecoins wie
Der Euro‑Stablecoin soll die digitale Souveränität Europas stärken und einen fragmentierten Markt verhindern.
4. Warum Euro‑Stablecoins wichtig werden
Stablecoins sind:
- digital
- schnell
- kostengünstig
- global einsetzbar
Sie ergänzen klassische Zahlungsdienste und sichern langfristig das Kerngeschäft der Banken ab.
Wichtige Use Cases:
- Cross‑Border‑Zahlungen
- Abwicklung tokenisierter Vermögenswerte
- Settlement in Echtzeit
- Automatisierte Transaktionen via Smart Contracts
5. Wie ein Euro‑Stablecoin funktioniert
Der Mechanismus ist einfach:
- Ein Kunde (Bank oder Finanzinstitut) kauft Stablecoins.
- Der Emittent hinterlegt denselben Betrag in Fiat‑Währung als Reserve.
- Bei Rückgabe der Token werden diese vernichtet („burned“) und der Fiat‑Betrag ausgezahlt.
Transaktionen können mit Smart Contracts kombiniert werden – Programme, die automatisch ausgeführt werden und unveränderlich auf der Blockchain liegen.
6. Stablecoins einfach erklärt
7. RBI sieht vier große Krypto‑Trends für 2026
Christian Wolf nennt vier Entwicklungen, die den Markt prägen:
1) B2B‑Zahlungen über Stablecoins steigen stark
Unternehmen nutzen Stablecoins zunehmend für internationale Zahlungen.
2) KI und Krypto wachsen zusammen
Agentenbasierte KI könnte künftig:
- Zahlungen ausführen
- Handelsstrategien umsetzen
- Portfolios verwalten
3) eID schafft sichere digitale Identität
Der elektronische Identitätsnachweis soll Online‑Services sicherer machen und Betrug reduzieren.
4) Schutz vor Quantencomputern
Mehrere Initiativen arbeiten an quantensicheren Verschlüsselungen, um zukünftige Risiken zu minimieren.
8. Tokenisierung als nächster Schritt
Die RBI arbeitet parallel an der Tokenisierung klassischer Assetklassen:
- Anleihen
- Zertifikate
- Edelmetalle
- Immobilien
Je nach Ausgestaltung können diese entweder MiCA‑regulierte Kryptowerte oder MiFID2‑Finanzinstrumente sein. Stablecoins bilden dabei den zentralen Abwicklungsbaustein.
⭐ Fazit: Der Euro‑Stablecoin wird ein strategischer Meilenstein für Europas Finanzsystem
Mit Qivalis entsteht erstmals ein bankengetragener Euro‑Stablecoin, der:
- regulatorisch abgesichert
- technologisch skalierbar
- institutionell akzeptiert
- geopolitisch relevant
ist.
Europa positioniert sich damit im globalen Wettbewerb um digitale Währungen – und schafft eine Alternative zu den dominierenden USD‑Stablecoins.
Autor: Patrick Baldia
Foto: Unsplash / Woliul-Hasan
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Der nächste Versuch: EU-Inc.
Florian Beckermann (17.04.2026). Alle Schaltjahre poppt aus der EU eine neue Rechtsform auf und Gesellschaftsrechtler bekommen schwitzige Hände. Die Start-up-Szene jubelt: aktueller Titel „EU-Inc.“. Nachvollziehbarer Wunsch ist die längst überfällige Schaffung einer einheitlichen europäischen Kapitalgesellschaft. Grenzüberschreitend und ohne nationale Fragmentierung. Für Investoren ein bedeutender Fortschritt: Eine standardisierte Rechtsform könnte Transaktionskosten senken, die Vergleichbarkeit erhöhen und die Kapitalmobilität innerhalb Europas stärken. Insbesondere institutionelle Investoren profitieren von klaren, harmonisierten Regeln. Was beispielsweise in den USA längst Standard ist, ist in Europa keine gemähte Wiese. Zu sehr liebt man den eigenen Saft.
Was soll die EU-Inc. können? Ziel ist es eine Gesellschaft online innerhalb von 48 Stunden unter 100 E Kosten und ohne Grundkapital zu registrieren, die europaweit bekannt ist. Ansonsten ist viel individuell ausgestaltbar – Vorteil wie Nachteil zugleich. Beispielsweise werden einige US-Elemente übernommen, das Auseinanderfallen von Firmensitz und Verwaltung – bei uns eher unbekanntes Terrain.
Rechtssicherheit für Investoren ist zentral – und genau hier liegt eine der größten Herausforderungen: Kein Notariatsakt? Welches Register? Welches Insolvenzrecht? Welche nationale Mitbestimmung oder steuerliche Behandlung? Alles unklar. Es kann ein hybrides Konstrukt mit wirren Zuständigkeiten entstehen. Für die Durchsetzbarkeit von Anlegerrechten sind einheitliche Standards für Transparenz, Haftung von Vorständen und Minderheitenschutz notwendig, um Vertrauen zu schaffen. Für Investoren wäre eine EU-Inc. nur dann attraktiv, wenn sie ein vergleichbares Maß an Rechtssicherheit bietet wie etablierte Rechtsformen in den USA.
Es ist zusätzlich davon auszugehen, dass ein regulatorischer, negativer Wettbewerb zwischen Mitgliedstaaten zu einem „Race to the Bottom“ führt, bei dem Unternehmen gezielt die laxesten Vorschriften wählen. In den USA und weltweit als so genannter „Delaware-Effekt“ bekannt. Ein Wettlauf um Laxheit des Gesellschaftsrechts. Unterschiedliche nationale Gerichte könnten dieselbe EU-Inc. unterschiedlich auslegen, was Rechtsunsicherheit erhöht und Investitionsentscheidungen erschwert.
Wenig verwunderlich sind die größten Gegner einer EU-Inc. vor allem Mitgliedstaaten mit etablierten nationalen Gesellschaftsrechten. Auch Gewerkschaften zweifeln, insbesondere wenn Mitbestimmungsrechte unter Druck geraten. Zudem stehen nationale Anwaltskammern und die Beratungsindustrie einer Vereinheitlichung teils skeptisch gegenüber, da sie von der Komplexität bestehender Systeme profitieren.
Insgesamt bietet die EU-Inc. Chancen für Anleger, insbesondere durch erhöhte Effizienz und Marktintegration. Ohne klare, durchsetzbare Regeln droht jedoch das Gegenteil: mehr Unsicherheit statt weniger. Entscheidend ist daher, ob es gelingt, rechtliche Einheitlichkeit mit effektiver Aufsicht zu verbinden und dadurch Vertrauen zu schaffen. Sonst gibt’s den nächsten Versuch.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Sasun Bughdaryan/Unsplash
Gefährliches Umfeld für Austro-AGs
(17.04.2026). Geopolitische Risiken stellen für die Unternehmen nicht zuletzt aus aktuellem Anlass wohl das größte geschäftliche Risiko dar. Mit dem Iran-Krieg ist die Straße von Hormus faktisch geschlossen – und damit eine ganz zentrale Exportroute. Normalerweise werden etwa 20 % des weltweiten Öl- und Erdgasaufkommens durch diese Passage transportiert. Der Preisschub bei Öl und Gas betrug in den vergangenen Wochen 60 %, erklärt Gabriel Felbermayr, Wifo-Chef, bei der aktuellen Konjunkturprognose. Dies wirkt sich unmittelbar auf Produktion und Investitionen aus und könne das Wachstum deutlich dämpfen.
Als Öl-, Gas- und Chemieunternehmen mit Aktivitäten in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Nutzung der Straße von Hormus für den Öltransport ist die OMV direkt vom Krieg betroffen. „Aufgrund der Unsicherheit und Störungen im internationalen Handel sind die globalen Öl- und Erdgaspreise infolge der militärischen Aktionen deutlich gestiegen, weitere Volatilität wird erwartet. Die Finanzergebnisse der OMV könnten durch die Unfähigkeit, Lieferverträge zu erfüllen, sowie durch die Volatilität derivativer Finanzinstrumente beeinträchtigt werden“, so das Unternehmen. OMV fördert in den VAE rund 51.000 Barrel Rohöl täglich und ist über Borealis an Borouge beteiligt, das Polymerlösungen exportiert – die Straße von Hormus ist dabei die zentrale Route.
Rohstoffpreisvolatilität wirkt sich auch auf andere Märkte, insbesondere auf EU-Emissionszertifikate, aus und erhöht die finanziellen Risiken. Zudem besteht eine Netto-Long-Position in US-Dollar aus Ölverkäufen; per Ende 2025 waren rund 222 Millionen Euro bis 2027 abgesichert.
Hohe Energiekosten
Auch für den Baustoffhersteller Wienerberger stellen Energieversorgung und -kosten ein zentrales Risiko dar. 2025 betrugen die Energiekosten 384 Millionen Euro bzw. 8,4 % des Umsatzes, verteilt auf Erdgas (55 %), Strom (39 %) und Sonstiges. Rund 70 % werden durch Termingeschäfte oder Fixpreisverträge abgesichert. Höhere Energiepreise belasten zudem die Baukonjunktur, die auch in diesem Jahr laut Wifo kein Wachstum erleben wird. Das Hauptgeschäftsrisiko Wienerbergers liegt in der Abhängigkeit vom Bauzyklus, der wiederum von Zinsen und Konsumverhalten abhängig ist. Das Wifo hat nach dem Kriegsausbruch im Nahen Osten bereits das Konsumwachstum auf 0,3 % für dieses Jahr nach unten revidiert.
Fixe Verträge und Trockenheit
Beim Maschinenbauhersteller Andritz liegt neben Konjunktur und Geopolitik ein zentrales Risiko in Großprojekten mit Fixpreisen, bei denen Kostenüberschreitungen Margen stark belasten können. Andritz verweist im Jahresbericht darauf, dass in der Vergangenheit in diesem Bereich bereits signifikante Verluste entstanden sind. Erkenntnisse aus der Vergangenheit dienen als Grundlage für die kontinuierliche Weiterentwicklung des Risikomanagements.
Beim Energieversorger Verbund sind die Risiken anders gelagert: Das A+ Rating wurde 2026 unter anderem aufgrund der schlechten Wasserführung auf „CreditWatch negative“ gesetzt. Rund 90 % der Stromerzeugung stammen aus Wasserkraft. 2025 lag der Erzeugungskoeffizient aufgrund der Trockenheit und der daraus resultierenden schlechten Wasserführung deutlich unter dem Durchschnitt. Die Produktion sank um 24,2 % und die Effizienz der Produktion um über 20 %. Solche Schwankungen traten auch früher auf und glichen sich meist aus, erklärt der Verbund in seinem Jahresbericht. Zusätzlich stellen Stürme potenzielle Gefahren für Windanlagen dar und auch bei Photovoltaikanlagen können Extremwetterereignisse die Energieerzeugung beeinträchtigen, so der Verbund.
Autor: Christian Sec
Das magische Dreieck der Geldanlage
Wie viel Risiko will ich in Kauf nehmen? Wie viel Rendite darf ich erwarten?
17.04.2026
Abseits geopolitischer Turbulenzen stehen Anleger immer vor derselben Kernfrage:
Wie viel Risiko bin ich bereit einzugehen, welche Rendite erwarte ich – und wie wichtig ist mir Liquidität?
Genau hier setzt das magische Dreieck der Geldanlage an – eines der wichtigsten Grundprinzipien für jede Investmententscheidung.
Was ist das magische Dreieck der Geldanlage?
Das magische Dreieck beschreibt den Zielkonflikt zwischen drei zentralen Faktoren:
- Rendite (Ertrag)
- Risiko (Schwankung und Verlustgefahr)
- Liquidität (Verfügbarkeit des Geldes)
Der Begriff „magisch“ ist dabei kein Zufall:
Alle drei Ziele gleichzeitig zu maximieren ist praktisch unmöglich.
Magisches Dreieck einfach erklärt
Risiko
Risiko bedeutet Unsicherheit. Anleger müssen damit rechnen, dass:
- der Wert einer Anlage schwankt
- Verluste entstehen
- die tatsächliche Rendite geringer ausfällt als erwartet
Rendite
Die Rendite ist der Ertrag einer Geldanlage, meist in Prozent pro Jahr.
Grundregel:
Je höher die Rendite, desto höher meist das Risiko.
Liquidität
Liquidität beschreibt, wie schnell eine Anlage zu Geld gemacht werden kann – ohne größere Verluste.
Zielkonflikt im magischen Dreieck
Das magische Dreieck der Geldanlage basiert auf einem klaren Prinzip:
- Hohe Rendite + geringes Risiko → meist geringe Liquidität
- Hohe Liquidität + geringes Risiko → meist niedrige Rendite
- Hohe Rendite + hohe Liquidität → meist hohes Risiko
👉 Anleger müssen immer einen Kompromiss eingehen.
Beispiele für das magische Dreieck in der Praxis
Sparbuch / Tagesgeld
- Risiko: sehr gering
- Rendite: sehr niedrig
- Liquidität: sehr hoch
Aktien
- Risiko: hoch
- Rendite: langfristig hoch
- Liquidität: hoch
Anleihen
- Risiko: gering bis mittel
- Rendite: moderat
- Liquidität: hoch
Immobilien
- Risiko: mittel
- Rendite: mittel
- Liquidität: gering
Welche Strategie passt zu welchem Anleger?
Die Gewichtung im magischen Dreieck hängt stark von individuellen Faktoren ab:
- Anlageziel (z. B. Altersvorsorge vs. kurzfristige Rücklage)
- Risikobereitschaft
- Anlagehorizont
- Finanzielle Situation
Eine bewährte Strategie ist die Diversifikation – also die Streuung über mehrere Anlageklassen, um Risiko, Rendite und Liquidität auszubalancieren.
Glide Path: Das magische Dreieck im Lebensverlauf
Viele Anleger passen ihre Strategie im Zeitverlauf an („Glide Path“):
- 20–40 Jahre: Fokus auf Rendite (hoher Aktienanteil)
- 40–60 Jahre: ausgewogene Mischung
- ab 60: Fokus auf Sicherheit und Liquidität
👉 Das Portfolio wird mit zunehmendem Alter konservativer.
Fazit: Warum das magische Dreieck entscheidend ist
Das magische Dreieck der Geldanlage zeigt eine zentrale Wahrheit:
Die perfekte Geldanlage gibt es nicht.
Jede Entscheidung ist ein Kompromiss zwischen:
- Rendite
- Risiko
- Liquidität
Wer dieses Prinzip versteht, trifft langfristig bessere Investmententscheidungen – und bleibt auch in turbulenten Marktphasen strategisch stabil.
Autor: Red./ks
Foto: Adobe Stock / Kebox
Ricardo Niels Mayer/Fotolia
Wasserknappheit: Welche Aktien und Fonds profitieren
Die Ressourcen sind begrenzt, der Verbrauch steigt. Ein Investment bietet Chancen.
Erstveröffentlichung: 28. Juli 2026 | Aktualisiert: 25. Oktober 2026
Wasser wird weltweit zu einer immer wertvolleren Ressource. Klimawandel, Bevölkerungswachstum und steigender Verbrauch erhöhen den Druck auf die Wasserversorgung. Gleichzeitig müssen Städte ihre Leitungsnetze modernisieren und Industrieunternehmen effizienter mit Wasser umgehen. Für Anleger entstehen daraus langfristige Investitionsmöglichkeiten – von klassischen Trinkwasser-Aktien über Wassertechnik bis zu spezialisierten Fonds und ETFs.
Doch welche Wasseraktien sind interessant, wie hoch sind ihre Bewertungen und welche Unternehmen zahlen Dividenden?
Wasseraktien: Das Wichtigste in Kürze
-
Wasserversorger: American Water Works und Veolia bieten Zugang zum Geschäft mit Trinkwasser und Infrastruktur.
-
Wassertechnik: Xylem, Pentair und Kurita profitieren vom Bedarf an Pumpen, Filtern und Wasseraufbereitung.
-
Dividenden: Klassische Versorger sind für einkommensorientierte Anleger besonders interessant, allerdings nicht zwangsläufig hochrentabel.
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Bewertung: Viele Wassertechnologie-Aktien werden mit hohen Kurs-Gewinn-Verhältnissen gehandelt.
-
Fonds und ETFs: Pictet-Water, iShares Global Water und weitere Produkte ermöglichen eine Streuung über zahlreiche Unternehmen.
Wasseraktien-Liste: Diese Unternehmen sind interessant
Wer in Wasseraktien investieren möchte, kann zwischen unterschiedlichen Geschäftsmodellen wählen. Klassische Wasserversorger verdienen an der Versorgung von Haushalten und Unternehmen. Technologieanbieter entwickeln dagegen Lösungen, um Wasser aufzubereiten, einzusparen oder effizienter zu verteilen.
Die Unternehmen unterscheiden sich erheblich bei Wachstum, Bewertung und Dividendenpolitik. Nicht jede Wasseraktie profitiert im gleichen Ausmaß von Wasserknappheit.
Welche Wasseraktien haben gute Geschäftsaussichten?
Xylem: Wassertechnik für Städte und Industrie
Der US-Konzern Xylem gehört zu den führenden Anbietern von Wassertechnologie. Das Unternehmen produziert Pumpen, Messsysteme und digitale Lösungen zur Überwachung von Wasser- und Abwassernetzen.
Im zweiten Quartal 2026 erzielte Xylem einen Umsatz von rund 2,3 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg um 16 %. Damit zeigt sich, dass der Konzern auch wirtschaftlich vom Modernisierungsbedarf der Wasserinfrastruktur profitiert.
Die Aktie gilt allerdings als vergleichsweise hoch bewertet. Anleger bezahlen für die erwarteten Wachstumschancen einen deutlichen Aufschlag gegenüber vielen klassischen Versorgern.
American Water Works: Trinkwasser-Aktie mit Dividende
American Water Works zählt zu den wichtigsten börsennotierten Wasserversorgern der USA. Das Unternehmen betreibt Wasser- und Abwassernetze und investiert kontinuierlich in deren Ausbau.
Die Nachfrage nach Trinkwasser ist vergleichsweise konjunkturunabhängig. Allerdings unterliegt das Unternehmen staatlicher Regulierung, insbesondere bei der Festlegung zulässiger Tarife.
Im Juli 2026 bestätigte American Water Works eine Quartalsdividende von 0,895 US-Dollar je Aktie. Das entspricht einer annualisierten Ausschüttung von 3,58 US-Dollar. Langfristig strebt der Konzern ein jährliches Dividendenwachstum von 7 bis 9 % an.
Für Anleger, die regelmäßige Ausschüttungen suchen, ist American Water Works daher einen näheren Blick wert. Zu berücksichtigen sind die Bewertung und die hohe Kapitalintensität des Geschäfts.
Veolia: Europäische Wasseraktie mit breitem Geschäftsmodell
Der französische Konzern Veolia ist in der Trinkwasserversorgung, Abwasseraufbereitung sowie im Abfall- und Energiemanagement tätig.
Im ersten Halbjahr 2026 erzielte Veolia einen Umsatz von 22,19 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) stieg um 5 % auf 3,55 Milliarden Euro. Der bereinigte Nettogewinn erhöhte sich um 10,4 % auf 837 Millionen Euro.
Veolia profitiert von strengeren Umweltauflagen und steigenden Investitionen in Wasserinfrastruktur. Gleichzeitig ist das Unternehmen breiter aufgestellt als reine Wassertechnologie-Anbieter.
Für europäische Anleger ist Veolia auch deshalb interessant, weil die Aktie in Euro notiert und eine Dividende ausschüttet.
Kurita Water Industries: Wasseraufbereitung für die Chipindustrie
Das japanische Unternehmen Kurita Water Industries ist auf industrielle Wasseraufbereitung spezialisiert.
Zu den wichtigsten Kunden gehören Halbleiterhersteller, Chemieunternehmen und andere Industriebetriebe. Gerade die Chipproduktion benötigt große Mengen hochreinen Wassers.
Kurita profitiert damit nicht nur vom langfristigen Wasserbedarf, sondern auch von Investitionen in moderne Produktionsanlagen. Risiken ergeben sich aus der Industriekonjunktur, der Aktienbewertung und für Euro-Anleger aus dem Wechselkurs des Yen.
Pentair und Ecolab: Weitere Wassertechnik-Aktien
Pentair entwickelt Filter- und Pumpensysteme für Haushalte, Gewerbe und Industrie. Der Konzern ist damit stärker auf technische Anwendungen ausgerichtet als klassische Wasserversorger.
Ecolab bietet Lösungen zur Wasseraufbereitung, Hygiene und Effizienzsteigerung für Unternehmen. Besonders interessant ist das Geschäft mit industriellem Wassermanagement.
Beide Unternehmen profitieren von der Notwendigkeit, Wasser effizienter einzusetzen. Allerdings sind ihre Aktien nicht ausschließlich vom Wassersektor abhängig.
Wasseraktien mit hoher Dividende: Welche Titel kommen infrage?
Wasseraktien werden häufig als defensive Dividendenwerte betrachtet. Dabei bestehen deutliche Unterschiede zwischen Versorgern und Technologieunternehmen.
| Unternehmen |
Dividendenprofil |
| American Water Works |
Regelmäßige Quartalsdividende, langfristiges Wachstumsziel |
| Veolia |
Regelmäßige Ausschüttungen, abhängig vom Geschäftsergebnis |
| Xylem |
Dividendenzahler mit stärkerem Technologiefokus |
| Pentair |
Regelmäßige Ausschüttungen |
| Ecolab |
Dividendenzahler, Fokus stärker auf Wachstum |
Die höchste Dividendenrendite ist nicht automatisch die beste Wahl. Entscheidend sind die Ausschüttungsquote, die Verschuldung und die Fähigkeit, die Dividende langfristig aus dem freien Cashflow zu finanzieren.
Gerade bei Wasserversorgern müssen Anleger berücksichtigen, dass hohe Investitionen in Leitungen und Anlagen einen erheblichen Teil der verfügbaren Mittel beanspruchen.
Deutsche Wasseraktien: Welche Unternehmen gibt es?
In Deutschland sind viele Trinkwasserversorger kommunal organisiert und nicht an der Börse notiert. Anleger können jedoch in deutsche Unternehmen investieren, die Technologien für Wasserversorgung und Wasseraufbereitung anbieten.
Ein Beispiel ist KSB, ein Hersteller von Pumpen und Armaturen, die unter anderem in der Wasser- und Abwasserwirtschaft eingesetzt werden. Auch Siemens bietet Automatisierungs- und Steuerungstechnik für Wasseranlagen an. Allerdings macht die Wasserwirtschaft bei Siemens nur einen Teil des Geschäfts aus.
Wer gezielt in klassische Wasserversorger investieren möchte, findet daher in den USA, Frankreich und Großbritannien eine größere Auswahl.
Wasserfonds und Wasser-ETFs: Breiter in den Wassersektor investieren
Anleger müssen nicht auf einzelne Wasseraktien setzen. Spezialisierte Fonds und ETFs investieren in zahlreiche Unternehmen aus der Wasserwirtschaft und verringern damit das Einzelwertrisiko.
Drei Wasserfonds im Überblick
Pictet-Water (ISIN LU0104884860) gehört zu den etablierten aktiv verwalteten Wasserfonds. Das Portfolio umfasst Unternehmen aus Wasseraufbereitung, Infrastruktur und Wasserversorgung.
KBI Water Fund (ISIN IE00B5630V84) investiert in internationale Wasserunternehmen. Zu den im bisherigen Portfolio genannten Titeln zählen Xylem, Kurita und Veolia. Die aktuelle Gewichtung kann sich verändern.
BNP Paribas Funds Aqua konzentriert sich ebenfalls auf Unternehmen, die Lösungen für Wasserknappheit, Wasserversorgung und effiziente Wassernutzung anbieten.
Bei aktiv verwalteten Fonds sollten Anleger insbesondere die laufenden Kosten und mögliche Ausgabeaufschläge prüfen.
Drei Wasser-ETFs im Vergleich
Der iShares-ETF bildet den S&P Global Water Index ab und investiert in internationale Unternehmen der Wasserwirtschaft. Die hier genannte Anteilsklasse schüttet Erträge aus.
Der L&G Clean Water ETF legt den Schwerpunkt auf Unternehmen, die Technologien und Dienstleistungen für sauberes Wasser anbieten. Der Global X Clean Water ETF konzentriert sich ebenfalls auf Wasseraufbereitung, Speicherung und Verteilungsinfrastruktur.
Die beiden letztgenannten ETFs sind thesaurierend.
Warum Wasserknappheit zum Investmentthema wird
Laut dem Weltwasserbericht der UNESCO entfallen rund 70 % der weltweiten Süßwasserentnahmen auf die Landwirtschaft. Gleichzeitig steigt der Wasserbedarf in Städten und Industrie.
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) warnt in ihrem Bericht 2025 vor der zunehmenden Belastung der Wasserressourcen durch Klimawandel und Bodendegradation.
Auch Europa muss investieren. Nach einem Bericht der Europäischen Kommission erreichen nur 39,5 % der Oberflächengewässer einen guten ökologischen Zustand beziehungsweise ein gutes ökologisches Potenzial. Beim chemischen Zustand sind es lediglich 26,8 %.
Davon können Unternehmen profitieren, die Leitungsnetze modernisieren, Wasser reinigen oder den Verbrauch reduzieren. Zusätzliche Nachfrage entsteht durch die Halbleiterindustrie und Rechenzentren, die auf leistungsfähige Kühl- und Wassersysteme angewiesen sind.
Welche Risiken haben Wasseraktien
Wasser wird zwar unabhängig von der Konjunktur benötigt. Das bedeutet aber nicht, dass Wasseraktien krisensicher sind. Vor allem hohe Bewertungen können zum Problem werden. Wenn Unternehmen bereits mit hohen Kurs-Gewinn-Verhältnissen gehandelt werden, müssen sie die erwarteten Wachstumsraten erst erfüllen. Hinzu kommen staatliche Preisregulierungen bei Wasserversorgern, hohe Infrastrukturkosten und Zinsrisiken. Für europäische Anleger spielen bei US-amerikanischen und japanischen Aktien außerdem Wechselkursschwankungen eine Rolle. Auch Wasserfonds und Wasser-ETFs sind keine vollständig breit gestreuten Weltaktienanlagen. Sie konzentrieren sich auf einen Wirtschaftsbereich und sollten deshalb eher als Ergänzung eines diversifizierten Depots betrachtet werden.
Fazit: Welche Wasseraktien sind für Anleger interessant?
Wer ein vergleichsweise defensives Geschäftsmodell und regelmäßige Dividenden sucht, kann sich American Water Works und Veolia näher ansehen. Xylem und Kurita bieten dagegen einen stärkeren Zugang zu Wassertechnologie und industrieller Wasseraufbereitung. Dabei müssen Anleger die teilweise hohen Bewertungen berücksichtigen.
Wasserfonds und ETFs sind eine Alternative für Investoren, die nicht auf einzelne Unternehmen setzen möchten. Entscheidend bleiben die Zusammensetzung, Kosten und Bewertung der enthaltenen Aktien.
Wasserknappheit ist ein langfristiger Wachstumstreiber – aber nicht jede Wasseraktie ist deshalb automatisch ein gutes Investment.
Autorin: Raja Korinek, proi
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Das neue deutsche Altersvorsorgedepot – ein Vorbild?
Kommentar von Florian Beckermann (10.04.2026)
Deutschland schafft Fakten: Das neue Altersvorsorgedepot kommt
Während die Regierung/en) in Österreich seit 2011 über die Verbesserung der Altersvorsorge sinniert(en), schafft man in Deutschland Fakten. Die performance-schwache Riester-Rente wird in Pension geschickt. Ein neues „Altersvorsorgedepot“ wird ab 2027 einfacher und renditestärker sein. Die Fortschritte sind bemerkenswert, aber nicht unproblematisch.
Während die Regierung in Österreich noch über die Verbesserung der Altersvorsorge sinniert (seit 2011), schafft man in Deutschland Fakten. Die performance-schwache Riester-Rente wird in Pension geschickt. Ein neues „Altersvorsorgedepot“ wird ab 2027 einfacher und renditestärker sein. Die Fortschritte sind bemerkenswert, aber nicht unproblematisch.
Wie das Altersvorsorgedepot Deutschland funktioniert
Im Kern handelt es sich um ein staatlich gefördertes Depot, in das Sparer regelmäßig Geld einzahlen. Vor allem soll in breit gestreute Kapitalanlagen wie Fonds oder ETFs investiert werden. Anders als bei der Riester-Rente gibt es keine Kapitalgarantie mehr. Ziel ist es, langfristig höhere Renditen zu ermöglichen. Der Staat fördert das Sparen weiterhin: Statt komplizierter Zulagen gibt es künftig prozentuale Zuschüsse auf die eigenen Einzahlungen. Für kleinere Sparbeträge ist die Förderung besonders hoch, wodurch vor allem Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen profitieren sollen. Zusätzlich können Sparer flexibel selbst entscheiden, wie ihr Geld angelegt wird. Die Auszahlungsphase ist gestaltbar: zwischen lebenslanger Rente und zeitlich begrenzten Auszahlungsplänen. Gleichzeitig bleibt für sicherheitsorientierte Personen die Option bestehen, Produkte mit teilweiser oder vollständiger Kapitalgarantie zu wählen – wieder eine Kostenfrage. Technisch wird ein einfach zu führendes Standarddepot eingeführt, mit gedeckelten Kosten (1 %), das über Basisfunktionen verfügt. Hier sollen Wettbewerb und Transparenz geschaffen werden. Möglicherweise soll dies mit Hilfe eines staatlichen „Bürgerkontos“ als Wettbewerber geschehen.
Systemwechsel: Vom Garantieprodukt zum kapitalgedeckten Altersvorsorgedepot
Insgesamt lässt sich das neue Altersvorsorgekonto als Systemwechsel beschreiben: Weg von garantiebasierten, oft renditeschwachen Versicherungsprodukten hin zu einem stärker kapitalmarktorientierten, flexibleren und einfacheren Vorsorgemodell mit staatlicher Förderung. Mit allen dazugehörigen Bedenken.
Kritikpunkte: Wo das Altersvorsorgedepot Deutschland Lücken hat
Alles gut? Nein. Eine direkte Beteiligung am Aktienmarkt ist nicht vorgesehen. ETF-Sparpläne sind bereits weitgehend billiger zu bekommen. Die Fondsindustrie darf sich freuen. Spannend wird ebenso das Bürgerkonto: Wird man seitens des Staates hier lenkend eingreifen? Die Paternalisten laufen Sturm: Sparer seien den Schwankungen der Kapitalmärkte ausgesetzt. Das höchste Anlagerisiko schlechthin. Die Argumente kennt man.
Fazit: Was Österreich vom Altersvorsorgedepot Deutschland lernen kann
Fazit: Deutschland lernt. Die unbeliebte Riester-Rente hat zurecht ein Ende gefunden. Nun wagt man (endlich) mehr Freiheitsgrade für die Anleger. Die Unterstützung der Eigenverantwortung des Anlegers ist eine gute Entscheidung. Warum in den zugelassenen Produktklassen keine europäischen Aktiendirektinvestments erlaubt sein sollen, erschließt sich dabei jedoch nicht. Die Kosten werden entscheidend für den Erfolg des neuen Modells sein. Für Österreich finden sich positive Ansätze – noch flexibler und billiger scheint leicht möglich.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Mehr Sicherheit mit Qualitätsaktien
Im aktuellen Umfeld halten Experten eine moderat defensive Positionierung für sinnvoll.
(10.042026). Ein sofortiges Ende des Iran-Krieges zeichnet sich trotz Entspannungssignale und einem ersten Waffenstillstand weiter nicht ab. Auch wenn sich die Aktienmärkte bislang erstaunlich resilient gezeigt haben, und die Anleger offensichtlich nicht von einer nachhaltigen Störung der globalen Lieferketten ausgehen, steht für Experten fest: Ein länger andauernder Konflikt oder ein sich ausweitender Konflikt stellt ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar. „Insbesondere ein signifikanter Anstieg der Ölpreise könnte den inflationären Druck erhöhen und die Handlungsspielräume der Zentralbanken einschränken“, meint Karin Kunrath, CIO bei Raiffeisen Capital Management, zum Börsen-Kurier.
„Vor diesem Hintergrund erscheint eine moderat defensivere Positionierung aktuell sinnvoll – insbesondere für Anleger mit kürzerem Anlagehorizont oder erhöhter Risikosensitivität“, so Kunrath weiter. Eine vollständige Risikoaversion hält sie jedoch – „auf Basis des aktuellen Wissensstands“ – nicht für angebracht, „da strukturelle Wachstumstreiber weiterhin intakt sind“. Für Anleger könnte daher derzeit eine Mischung aus Sicherheit und Qualität – sprich nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen, stabilen Cashflows und resilienten Geschäftsmodellen – sowie Wachstumspotenzial der richtige Zugang sein. Nicht zuletzt auch aufgrund der jüngsten positiven Prognosen für das globale Gewinnwachstum.
„Zinssenkungen komplett ausgepreist“
„Im aktuellen Umfeld wäre ich mit Aktien, die schwache Bilanzzahlen aufweisen, etwas vorsichtiger, weil Zinssenkungen derzeit komplett ausgepreist sind und Firmen, die eine starke Bilanzstruktur haben und solide finanziert sind, profitieren sollten“, sagt auch Wilhelm Spitaler, Leiter Portfoliomanagement bei Erste Asset Management, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Unternehmen, die auf der Finanzierungsseite schlechter aufgestellt sind, würde ein möglicher Zinsanstieg über Gebühr unter Druck setzen. „Qualitätsfirmen sind hingegen tendenziell weniger verschuldet, gut mit Eigenkapital ausgestattet und bieten hohe Renditen.“
Mit zu defensiven Titeln – etwa aus den Bereichen Telekom und Konsum – tut sich Spitaler hingegen „etwas schwer“. „Sie bieten wenig Wachstumschancen, dafür aber stabile Erträge und relativ gute Dividenden.“ Mit dem von ihm gemanagten Erste Stock Quality (AT0000A2HV66) ist er stark in US-Titeln investiert. In den USA finde man auch die interessantesten Qualitätsaktien, die gleichzeitig auch Wachstumschancen bieten würden, erklärt er. Ein Blick auf die aktuelle Positionierung: Mit rund 35 % ist Informationstechnologie die größte Sektorenposition, gefolgt von Industrie (Anteil: 21 %) und Kommunikationsdienste (12 %). Zu den Top-10-Unternehmen gehören Novartis, ABB, ASML Holding, Amazon, Apple und Meta.
Experten-Tipps: Konsum, Versorger, Gesundheit
„Wir sind gerade dabei, die Zusammensetzung unseres Portfolios zu revidieren und werden wahrscheinlich den IT-Bereich abbauen und uns stärker in Richtung Konsum, Gesundheitswesen und Versorgungsbetriebe positionieren“, so Spitaler. Auch Industrieunternehmen werde man zukaufen, etwa aus dem Bereich Rüstung und Verteidigung. „Diese Aktien werden in Zukunft eine stärkere Rolle in Qualitätsaktienportfolios spielen“, erklärt der Fondsmanager.
Für die Experten von Raiffeisen Capital Management bieten aktuell die Sektoren Gesundheit & Pharma, Defensiver Konsum, Versorger und Telekommunikation „interessante Ansatzpunkte“. „Sie vereinen typischerweise eine geringe Zyklizität mit stabilen Erträgen und bieten damit insbesondere in unsicheren Marktphasen eine gewisse Robustheit“, hält Kunrath abschließend fest.
Im Artikel genannte Aktien:
| Unternehmen |
ISIN |
| ABB |
CH0012221716 |
| Amazon |
US0231351067 |
| Apple |
US0378331005 |
| ASML Holding |
NL0010273215 |
| Meta |
US30303M1027 |
| Novartis |
CH0012005267 |
Autor: Mag. Patrick Baldia
Foto: Adobe Stock / Andrei / mit KI generiert
Iran-Krieg macht Clean Energy wieder attraktiver
Erleben Investments in erneuerbare Energien in Folge hoher Ölpreise eine Renaissance?
10.04.2026. Die jüngsten geopolitischen Spannungen im Nahen Osten zeigen drastisch, wie abhängig die Weltwirtschaft weiterhin von fossilen Energieträgern ist. Die Abwandlung eines berühmten Goethe‑Zitats bringt es auf den Punkt: „Nach Öl und Gas drängt, am Öl und Gas hängt doch alles.“ Mit der Sperre der Straße von Hormus – einer der wichtigsten Energiearterien der Welt – und dem Angriff auf die Gasverflüssigungsanlage Ras Laffan in Katar sind die Preise für Öl und Gas sprunghaft gestiegen. Rund 20 Prozent der globalen Öl‑ und LNG‑Transporte liefen bis zum Iran‑Konflikt durch diese Meerenge. Die Folgen sind weltweit spürbar.
Teure Energie: Die unmittelbaren Auswirkungen
Die Preissteigerungen treffen Konsumenten und Unternehmen gleichermaßen:
- Tanken wird teurer, weltweit.
- Industrie und Produktion leiden unter höheren Energiepreisen.
- Inflationäre Effekte werden mit Verzögerung sichtbar.
- Selbst Elektroautofahrer profitieren nur kurzfristig – rund 30 Prozent des europäischen Stroms stammen weiterhin aus fossilen Quellen.
Der Konflikt wird damit nicht nur Energie, sondern auch Wohlstand kosten.
Ruf nach Alternativen: Clean Energy rückt wieder in den Fokus
Mit steigenden Preisen wächst der Druck auf Politik und Wirtschaft, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren. Clean Energy – insbesondere Photovoltaik, Windkraft und Wärmepumpen – erlebt einen deutlichen Nachfrageanstieg.
Beispiele aus dem DACH‑Raum:
- Eon meldet seit Beginn des Iran‑Konflikts eine Verdoppelung der Nachfrage nach Photovoltaik‑Anlagen.
- Enpal verzeichnet 70 Prozent mehr Anfragen als im Vormonat.
Die geopolitische Lage wirkt damit wie ein Katalysator für Investitionen in erneuerbare Energien.
Clean Energy im Marktcheck: Warum die Branche zuletzt schwächelte
Trotz langfristiger Wachstumsperspektiven hatten viele nachhaltige Energieunternehmen in den vergangenen drei Jahren mit Gegenwind zu kämpfen:
- Gestiegene Zinsen machten Projekte weniger rentabel.
- Viele kleinere Hersteller hatten die Abkehr von Nullzinsen nicht einkalkuliert.
- Förderbedingungen und Einspeisevergütungen verschlechterten sich.
- Der Kapitalmarkt entzog Clean‑Energy‑Titeln zeitweise massiv Vertrauen.
Finanzexperte Robert Zepnik bringt es auf den Punkt: Viele Unternehmen hätten die Zinswende „nicht am Radar“ gehabt – mit spürbaren Folgen für Wirtschaftlichkeit und Rendite.
Trendwende: Clean‑Energy‑Investments holen wieder auf
Die jüngsten Daten zeigen eine klare Erholung:
- In der Ein‑Jahres‑Betrachtung holen viele Solar‑, Wind‑ und Clean‑Energy‑Fonds sichtbar auf.
- Die YTD‑Performance 2026 bestätigt diesen Trend.
- Seit Beginn des Iran‑Konflikts am 28. Februar zeigt sich ein deutlicher Rebound.
Während klassische Indizes wie S&P 500, EuroSTOXX 50 und sogar Gold Verluste verzeichneten, konnten sich nachhaltige Energieinvestments vergleichsweise stabil behaupten.
So kletterte der Kurs des Pictet – Clean Energy Transition Fonds (ISIN: LU0280435388) binnen weniger Tage um fast sechs Prozent in die Höhe.
Fazit: Clean Energy wird zur strategischen Notwendigkeit
Die geopolitischen Ereignisse verdeutlichen, wie verletzlich die globale Energieversorgung bleibt. Gleichzeitig zeigen sie, dass Clean Energy nicht nur ein ökologisches, sondern zunehmend ein ökonomisches und geopolitisches Sicherheitsprojekt ist.
- Erneuerbare Energien reduzieren Abhängigkeiten.
- Sie stabilisieren langfristig Energiepreise.
- Sie bieten Anlegern Chancen in einem strukturell wachsenden Markt.
Die aktuelle Krise könnte damit zum Wendepunkt werden – hin zu einer Energiezukunft, die weniger von Krisenregionen und fossilen Preisschocks abhängig ist.
Autor: Andres Dolezal
Foto: Adobe Stock / Adam 21
Ökostrom: Warum viele Anbieter grün werben, aber wenige liefern
5.5.2026
Österreichs Strommarkt im Wandel
Der österreichische Strommarkt befindet sich seit 2022 in einer Phase intensiver Transformation. Der Anteil erneuerbarer Energien liegt bereits bei über 80 % und soll bis 2030 weiter steigen. Ab 2040 soll die Stromerzeugung vollständig CO₂‑frei erfolgen. Parallel dazu gewinnen dynamische Tarife an Bedeutung, weil sie Netzstabilität fördern und Lastspitzen reduzieren.
Ökostrom-Angebote: Viele Labels, wenig echte Qualität
Österreich hat 129 Stromanbieter, davon werben über 120 mit Ökostrom. Doch laut den Stromanbieter‑Checks von WWF und GLOBAL 2000 erfüllen nur zwei Anbieter die höchsten Qualitätsstandards. Weitere rund zwölf Anbieter gelten als solide Grünstromanbieter mit nachweislich hochwertiger Erzeugung.
Warum so viele „Ökostromanbieter“?
- Österreich hat eine gesetzliche Stromkennzeichnungspflicht
- viele Anbieter nutzen Herkunftsnachweise (HKN) aus dem Ausland
- Zertifikate können Strom „grün färben“, ohne dass er aus neuen erneuerbaren Anlagen stammt
Das erklärt, warum viele Tarife als Ökostrom gelten, aber nur wenige tatsächlich zur Energiewende beitragen.
Die wichtigsten Ökostromanbieter 2026
Top‑Ökostromanbieter laut Umweltschutzorganisationen
- AAE Naturstrom – österreichisches Familienunternehmen, hohe Eigenerzeugung, österreichweit lieferbar
- WEB Windenergie AG – privates Windkraftunternehmen, starker Ausbau, österreichweit verfügbar
Solide Anbieter
- oekostrom AG – größter unabhängiger Ökostromanbieter, eigene Wind‑ und PV‑Erzeugung
- illwerke vkw – hohe Eigenerzeugung, klare Klimastrategie
Neue Tarifmodelle: Dynamisch & flexibel
Die oekostrom AG hat zwei innovative Produkte vorgestellt:
- oeko spot+ – dynamischer Tarif mit Preisinfos in Echtzeit
- smartSparen – automatische Steuerung von Großgeräten (z. B. Wärmepumpen, E‑Autos) über Preissignale
Ziel ist es, Preisschwankungen zu nutzen, ohne Komfort einzubüßen. Der Kunde soll nicht merken, was im Hintergrund passiert.
Ökostrom-Tarife im Vergleich
Ein Vergleich der 15 größten Anbieter zeigt deutliche Preisunterschiede:
- oekostrom AG: 2,00 ct/kWh, keine Servicepauschale
- e‑friends: 7,90 ct/kWh + 6,98 € Servicepauschale/Monat (Stand: 12.5.2026)
Die Preisunterschiede entstehen fast ausschließlich beim Energiepreis, nicht bei den Netzkosten.
Was kostet 1 kWh Strom in Österreich?
Ein Haushalt mit rund 3.500 kWh Jahresverbrauch zahlt aktuell – inklusive Netzkosten, Steuern und Abgaben – 23 bis 35 Cent pro kWh. Der Durchschnittspreis liegt bei 29 Cent/kWh (April 2026).
Laut E‑Control unterscheiden sich die Energiepreise der Anbieter um bis zu 60 %. Ein Lieferantenwechsel bleibt daher der wichtigste Hebel, um Stromkosten zu senken.
Einspeisetarife für PV‑Haushalte
Aktuelle Einspeisetarife für überschüssigen PV‑Strom variieren je nach Anbieter deutlich. Vergleichsplattformen zeigen:
- fixe Einspeisetarife
- variable Spotmarkt‑Modelle
- regionale Unterschiede
Für viele Haushalte lohnt sich ein jährlicher Tarifcheck.
Fazit: Österreich bleibt Ökostrom‑Vorreiter – aber Qualität entscheidet
Österreich hat einen der höchsten Anteile erneuerbarer Energie in Europa. Doch trotz über 120 Ökostrom‑Labels erfüllen nur wenige Anbieter die höchsten Standards. Dynamische Tarife, Smart‑Meter‑Modelle und flexible Verbrauchssteuerung werden 2026 zum neuen Normal. Für Haushalte gilt: Tarife vergleichen, Herkunft prüfen, Energiepreis im Blick behalten.
Wenn du möchtest, kann ich dir jetzt auch eine Kurzversion für Social Media oder eine Startseiten‑Teaserfassung erstellen.
Noch eine etwas ausführlichere Version
Alles klar, Anneliese — hier kommt eine etwas ausführlichere, aber weiterhin kompakte, österreich‑fokussierte, journalistisch klare Version. Sie bleibt seriös, faktenbasiert, nicht zu lang, und eignet sich perfekt für Börsen‑Kurier, Startseite oder Newsletter.
Ich habe die Struktur leicht erweitert, damit der Artikel runder, vollständiger und professioneller wirkt — ohne auszuschweifen.
⭐ Ökostrom‑Entwicklung in Österreich: Markt, Qualität & Tarife 2026
Österreichs Energiemarkt im Wandel
Der österreichische Strommarkt befindet sich seit 2022 in einer Phase tiefgreifender Veränderung. Der Anteil erneuerbarer Energien liegt bereits bei über 80 %, getragen vor allem von Wasserkraft, Windkraft und Photovoltaik. Bis 2030 soll dieser Anteil weiter steigen, und ab 2040 strebt Österreich eine vollständig CO₂‑freie Stromerzeugung an. Parallel dazu gewinnen dynamische Tarife an Bedeutung, weil sie Netzstabilität fördern und Lastspitzen reduzieren.
Ökostrom-Angebote: Viele Labels, wenig echte Qualität
Österreich verfügt über 129 Stromanbieter, und mehr als 120 davon bewerben ihre Tarife als Ökostrom. Doch laut den regelmäßigen Stromanbieter‑Checks von WWF und GLOBAL 2000 erfüllen nur zwei Anbieter die höchsten Qualitätsstandards. Weitere rund zwölf Anbieter gelten als solide Grünstromanbieter mit nachweislich hochwertiger Erzeugung.
Warum gibt es so viele „Ökostromanbieter“?
- Österreich hat eine gesetzliche Stromkennzeichnungspflicht
- viele Anbieter nutzen Herkunftsnachweise (HKN) aus dem Ausland
- Zertifikate können Strom „grün färben“, ohne dass er aus neuen erneuerbaren Anlagen stammt
Damit erklärt sich, warum über 120 Anbieter Ökostrom bewerben, aber nur wenige tatsächlich einen Beitrag zur Energiewende leisten.
Die wichtigsten Ökostromanbieter 2026
Top‑Ökostromanbieter laut Umweltschutzorganisationen
- AAE Naturstrom – österreichisches Familienunternehmen, hohe Eigenerzeugung, österreichweit lieferbar
- WEB Windenergie AG – privates Windkraftunternehmen, starker Ausbau, österreichweit verfügbar
Solide Anbieter
- oekostrom AG – größter unabhängiger Ökostromanbieter, eigene Wind‑ und PV‑Erzeugung
- illwerke vkw – hohe Eigenerzeugung, klare Klimastrategie
Neue Tarifmodelle: Dynamisch, flexibel und digital
Die Digitalisierung des Strommarkts schreitet voran. Mit einer Smart‑Meter‑Abdeckung von über 90 % ist Österreich eines der führenden Länder Europas. Dynamische Tarife werden dadurch massentauglich.
Die oekostrom AG hat zwei neue Produkte vorgestellt:
- oeko spot+ – dynamischer Tarif mit Preisinfos in Echtzeit
- smartSparen – automatische Steuerung von Großgeräten (Wärmepumpen, E‑Autos) über Preissignale
Ziel ist es, Preisschwankungen zu nutzen, ohne Komfort einzubüßen. Der Kunde soll nicht merken, was im Hintergrund passiert.
Beim Tarif „Oeko Spot+“ erhalten Oekostrom-Kunden auf ihr Smartphone Informationen darüber, wann der Strompreis günstig ist. Das ermögliche es beispielsweise, Waschmaschinen oder Geschirrspüler so zu programmieren, dass Kosten gespart werden.
Bei der Option Smart sparen werden Großgeräte wie Wärmepumpen oder E-Autos über Preissignale von der Oekostrom von außen gesteuert. Dabei werde aber gewährleistet, dass bei der Raumheizung Temperaturschwellen nicht unterschritten werden. Und bei E-Fahrzeugen wird der Ladevorgang zwar gestoppt, wenn der Strom teuer ist, gleichzeitig aber sichergestellt, dass der gewünschte Ladestatus zu einem bestimmten Zeitpunkt erreicht ist. Oberste Prämisse sei es gewesen, den Komfort der Kunden nicht einzuschränken: „Der Kunde soll nicht merken, was im Hintergrund passiert“, so Steiner.
Hier geht es zum Chart, der die tägliche Spotpreisentwicklung anzeigt: SPOT Preis – oekostrom AG.
Ökostrom-Tarife im Vergleich
Ein Vergleich der 15 größten Anbieter zeigt deutliche Preisunterschiede:
- oekostrom AG: 2,00 ct/kWh, keine Servicepauschale
- e‑friends: 7,90 ct/kWh + 6,98 € Servicepauschale/Monat (Stand: 12.5.2026)
Die Unterschiede entstehen fast ausschließlich beim Energiepreis, nicht bei den Netzkosten.
Was kostet 1 kWh Strom in Österreich?
Ein Haushalt mit rund 3.500 kWh Jahresverbrauch zahlt aktuell – inklusive Netzkosten, Steuern und Abgaben – 23 bis 35 Cent pro kWh. Der Durchschnittspreis liegt bei 29 Cent/kWh (April 2026).
Laut E‑Control unterscheiden sich die Energiepreise der Anbieter um bis zu 60 %. Ein Lieferantenwechsel bleibt daher der wichtigste Hebel, um Stromkosten zu senken.
Einspeisetarife für PV‑Haushalte
Österreichs Haushalte werden zunehmend zu aktiven Marktteilnehmern. PV‑Anlagen, Batteriespeicher und E‑Autos machen viele zu „Prosumern“. Die Einspeisetarife variieren je nach Anbieter deutlich:
- fixe Einspeisetarife
- variable Spotmarkt‑Modelle
- regionale Unterschiede
Vergleichsplattformen zeigen, dass sich ein jährlicher Tarifcheck für PV‑Besitzer besonders lohnt.
Fazit: Österreich bleibt Ökostrom‑Vorreiter – aber Qualität entscheidet
Österreich hat einen der höchsten Erneuerbaren‑Anteile Europas. Doch trotz über 120 Ökostrom‑Labels erfüllen nur wenige Anbieter die höchsten Standards. Dynamische Tarife, Smart‑Meter‑Modelle und flexible Verbrauchssteuerung werden 2026 zum neuen Normal. Für Haushalte gilt: Tarife vergleichen, Herkunft prüfen, Energiepreis im Blick behalten. Nur so lässt sich echter Ökostrom von „grün gefärbtem“ Strom unterscheiden.
Was kostet ein 1 kWh Strom in den einzelnen Bundesländern Österreichs?
Ein Haushalt in Österreich mit rund 3.500 kWh Jahresverbrauch zahlt derzeit – inklusive Netzentgelten, Steuern und Abgaben – zwischen 23 und 35 Cent pro kWh. Der durchschnittliche Ökostrom‑Tarif liegt damit bei etwa 29 Cent pro Kilowattstunde (Stand: April 2026). Während die Netzkosten regional fix sind, unterscheiden sich die Energiepreise der Anbieter laut E‑Control um bis zu 60 %. Ein Wechsel des Stromlieferanten bleibt daher der wichtigste Hebel, um die eigenen Ökostrom‑Kosten zu senken.
Was kostet 1 kWh Strom – Strompreis in Österreich 2026
Autoren: Marius Perger
Foto: oekostrom AG
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Ökostrom Tarife in Österreich 2026: Preise, Kostenstruktur & Sparpotenzial für Haushalte
Österreichs Bankenabgabe: “15 Jahre sind genug!”
Kommentar von Aktionärsschützer Florian Beckermann (06.03.2026). Diskutieren wir (wieder) über Abschöpfung. Die Einhebung der österreichischen Bankenabgabe steht auf dem gesetzlichen Prüfstand. Ist sie gut oder kann sie weg? In Wahrheit ist sie das, was man eine Sondersteuer nennt: Eine fiskalische Extrawurst für den Finanzsektor. Oder handelt es sich etwa um eine faire Adressierung eines überproportionalen staatlichen Risikos? Blättern wir durch die Argumente. Ökonomisch ist die Sache einfach: Steuerkosten verschwinden nicht, werden weitergegeben. Eine Bankenabgabe trifft nicht „die bösen Banker“, sondern Kreditnehmer, Sparer, Mittelständler. Wer glaubt, man könne einen zentralen Finanzintermediär verteuern, ohne die Realwirtschaft zu belasten, dem ist nicht zu helfen.
Diskutieren wir (wieder) über Abschöpfung
Die Einhebung der österreichischen Bankenabgabe steht auf dem gesetzlichen Prüfstand. Ist sie gut oder kann sie weg? In Wahrheit ist sie das, was man eine Sondersteuer nennt: Eine fiskalische Extrawurst für den Finanzsektor. Oder handelt es sich etwa um eine faire Adressierung eines überproportionalen staatlichen Risikos? Blättern wir durch die Argumente. Ökonomisch ist die Sache einfach: Steuerkosten verschwinden nicht, werden weitergegeben. Eine Bankenabgabe trifft nicht „die bösen Banker“, sondern Kreditnehmer, Sparer, Mittelständler. Wer glaubt, man könne einen zentralen Finanzintermediär verteuern, ohne die Realwirtschaft zu belasten, dem ist nicht zu helfen.
Bankenabgabe: Sondersteuer oder notwendige Risikoabgeltung?
Fiskalische Moralpolitik nach Anlass ist ein Fass ohne Boden.
Sondersteuern untergraben die Systematik des Steuerrechts. Heute die Banken und Energieversorger, morgen der Einzelhandel, Vermieter und Fahrradfahrer? Fiskalische Moralpolitik nach Anlass ist ein Fass ohne Boden. Eine zusätzliche Abgabe ist oft kein Sicherheitsinstrument, sondern ein Strafzuschlag mit Dauercharakter.
Politisch fungierte sie als aktivistisches Arzneimittel. Sie signalisierte Härte gegenüber „den Banken“, die der Steuerzahler rettete. Dass es Sparkassen, Genossenschaftsbanken und global tätige Institute mit unterschiedlichen Risikoprofilen gibt, ist egal. Eine Differenzierung stört die Dramaturgie. Also zahlt die Branche pauschal. Für 2025/26 sollen es nun 500 Millionen Euro von den Banken sein.
Die Bankenabgabe im historischen Kontext
Denkt man an die Einführung 2011 zurück, in die Schockwellen der Finanzkrise, so hatte sie den Charakter der Risikoentschädigung für den Steuerzahler – schon damals nicht zur Freude der Aktionäre. Auch wenn sie finanziell eine Fußnote darstellte. Seitdem ist viel Zeit vergangen.
Eine Regulierungslawine hat den Finanzsektor überzogen.
Basel III, CRR, CRD IV usw. sind reale Vorschriften mit realen Milliardenkosten. Eigenkapitalquoten wurden erhöht, Liquiditätspuffer aufgebläht, Stresstests ritualisiert. Wer heute eine Bank führt, verbringt mehr Zeit mit EZB-Tabellen als mit Kreditentscheidungen. Diese Maßnahmen haben die Erholung der heimischen Bankenlandschaft über ein Jahrzehnt gehemmt. Und in dieser ohnehin überregulierten Landschaft soll die Bankenabgabe bestehen bleiben?
Die Bankenabgabe ist ein Denkmal politischer Empörung und soll nun eine gut steuerbare Einnahmequelle werden.
Längst fordern europäische Verbände die Lockerung von NPL-Regeln, Kapitalbindungen, Puffern und Sicherheiten-Bewertungen. Der Finanzsektor muss sich weiterentwickeln können, sonst wird er international abgehängt. Die Bankenabgabe ist kein Bollwerk gegen Krisen, denn sie fließt nicht in eine spezifische Krisenvorsorge. Wer Stabilität will, braucht klare Regeln, keine symbolischen Strafkassen im allgemeinen Steuersack. Sie ist ein Denkmal politischer Empörung und soll nun eine gut steuerbare Einnahmequelle werden.
Fazit:
Wenn es um die Zukunft dieser Abgabe geht, so fällt das Urteil eindeutig aus: Sie kann weg. Ersatzlos! 15 Jahre sind genug. Abschöpfung ist kein nachhaltiges Steuerkonzept, sondern eine Sonderbelastung mit Strafcharakter.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
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“Anlegerschutz täglich in Gefahr” – Beckermann über ATX, HV-Saison & politische Versäumnisse. Link zur Story: Börsen-Kurier Online
Welche Strategie im Inflationskampf?
Der österreichische Aktiensparer ist aktuell mit einer enormen Teuerung konfrontiert, die durch gestiegene Energiepreise – insbesondere beim Öl und Gas – geprägt ist. Strompreise werden folgen. Das ahnt jeder. Diese Entwicklung wirkt auf die Inflation und Aktienmärkte aus. Ein Ausflug in die Grundannahmen der Volkswirtschaft.
Florian Beckermann (27.03.2026). Steigende Ölpreise erhöhen zunächst die Produktions- und Transportkosten in nahezu allen Wirtschaftssektoren. Unternehmen geben diese Kosten teilweise an Konsumenten weiter, was die allgemeine Preissteigerung antreibt. Durch breitgefächerte Indexierung kommt in Österreich die Beschleunigung der Lohn-Preisspirale hinzu, ein mitunter nachteiliger Standortsondereffekt. Im Euroraum lag die Inflation in den vergangenen Jahren deutlich über dem EZB-Zielwert, wobei Energie ein wesentlicher Treiber war. Durch die Krise im Iran tritt dieses Gesamtszenario wieder ein.
Für Aktienanleger ergeben sich daraus mehrere Effekte. Einerseits profitieren Energieunternehmen von hohen Ölpreisen, was sich in überdurchschnittlichen Kursentwicklungen dieser Branche niederschlagen kann – wenn ihnen nicht regulatorische
Ketten angelegt werden und Abschöpfung droht. Andererseits geraten energieintensive Industrien – etwa Chemie, Transport oder Teile der Produktion – unter Druck, da ihre Margen sinken. Dies führt häufig zu schwächerer Kursentwicklung.
Ein weiterer zentraler Faktor ist die Geldpolitik. Um die Inflation zu bekämpfen hat die EZB nur ein bekanntes Mittel: Zinserhöhung. Höhere Zinsen wirken sich in der Regel negativ auf Aktienbewertungen aus, da zukünftige Gewinne stärker abgezinst werden. Gerade in der jetzigen wirtschaftlichen Situation der EU kann das Anziehen der Zinsschraube toxisch für die zarte Entwicklung in Zentraleuropa wirken. Oft agieren Zentralbanken zu spät und zu schwach.
Gleichzeitig bieten steigende Zinsen Anlegern wieder Alternativen zu Aktien, etwa in Sparprodukten. Dies kann Kapital aus den Aktienmärkten abziehen und zusätzlich Druck auf die Kurse ausüben. Ein alter Hut.
Historisch betrachtet zeigen Aktienmärkte jedoch eine gewisse Anpassungsfähigkeit an inflationäre Phasen. Unternehmen mit starker Preissetzungsmacht können steigende Kosten besser weitergeben und ihre Gewinne stabilisieren. Ebenso gelten Sachwerte – darunter Aktien – langfristig als ein gewisser Schutz gegen Inflation, auch wenn kurzfristige Schwankungen erheblich sein können.
Für den Aktiensparer bedeutet dies, dass eine differenzierte Betrachtung notwendig ist. Die Entwicklung einzelner Branchen kann stark auseinandergehen. Während Energie- und Rohstofftitel profitieren können, stehen andere Sektoren vor Herausforderungen. Eine breite Diversifikation sowie ein langfristiger Anlagehorizont bleiben daher zentrale Strategien, um mit den Auswirkungen von Inflation und Energiepreisschwankungen umzugehen.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Großes Risikopotenzial durch US-Autokredite
Noch wenig beachtet brodelt in den USA eine neue Subprime-Krise.
(27.03.2026). Abseits spektakulärer Einschnitte durch die aktuelle weltpolitische Lage lauert rund um den gewichtigsten Wirtschaftszweig der Vereinigten Staaten seit Monaten weiteres Ungemach. Und es ist wohl dem erfolgreichen Aktienjahr 2025 zu verdanken, dass ein potenzieller Brandherd am US-Autokreditmarkt nicht schon im vergangenen Herbst aufloderte.
Allerdings wies die britische Tageszeitung The Guardian bereits am 17. Oktober in einem Beitrag auf womöglich dramatische Folgen durch Ungleichgewichte in dieser Geschäftssparte hin und bezeichnete die Lage als „Alarmzustand“, der für die gesamte US-Wirtschaft Folgen haben könnte.
Erst die Spitze eines Eisbergs?
Die im September erfolgte Insolvenz der, auf Subprime-Kredite für US-Gebrauchtwagen spezialisierten, texanischen Tricolor Holdings (25.000 Gläubiger wurden in Mitleidenschaft gezogen) nur als Einzelunfall um betrügerische Aktivitäten anzusehen, scheint in diesem Zusammenhang als zu kurz gegriffen. Gegenüber dem Guardian gab Jamie Dimon die eindrückliche Warnung aus: „Ist erst eine Kakerlake zu sehen, sind weitere nicht fern.“ Der CEO von JPMorgan Chase bezog sich auf den großen Umfang an Kfz-Finanzierungen, die über Jahre leichtfertig an nicht kreditwürdige Verbraucher vergeben wurden.
Auch nach Angaben des Branchenverbands Allied Finance Adjusters nehmen die Spannungen um notleidende Autokredite (Subprime-Darlehen) zu, infolgedessen auch die Anzahl der Autopfändungen. Zur Einordnung: Autokredite mit minderer Bonität machen zwar nur einen Bruchteil des gesamten Autokreditgeschäfts mit einem Volumen von 1,7 Billion US-Dollar (1,42 Billionen Euro) aus. Doch nähren sich Befürchtungen, die Zunahme notleidender Autokredite offenbare darüber hinaus Probleme einkommensschwacher Haushalte auf den Kreditmärkten. So hat der Ökonom Brett House von der Columbia Business School betont: „Schwierigkeiten bei der Autokreditvergabe werden oft als Vorbote für sich verschärfende Umstände der Wirtschaft angesehen. Denn Amerikaner mit niedrigerem Einkommen bedienen Kfz-Kreditzahlungen vorrangig.“ Somit könne der Schluss gezogen werden, die finanzielle Haushaltslage sei enorm angespannt.
Daten bestätigen Liquiditätsknappheit
Nach Angaben des Guardian sind rund 100 Millionen US-Amerikaner ins Autokreditgeschäft involviert. Die Fremdfinanzierung habe bei Neuwagen 85 % und bei Gebrauchtfahrzeugen 55 % erreicht. Nach Wohn-Hypotheken und Studentenkrediten stellten Autokredite den drittgrößten Konsumkreditmarkt in den USA dar. In den zurückliegenden Jahren hätte sich zudem der Zeitraum, der für die rechnerische Begleichung der Darlehen aufgewendet werden muss, verlängert. Nach Daten des Beratungs- und Dienstleistungsunternehmens COX Automotive waren bis 2020 dafür noch 23 Wochengehälter notwendig. 2023 mussten bereits 44 Wochengehälter aufgewendet werden und die Tendenz steige.
Unterdessen liege die monatliche Höhe der Kfz-Privatkredite im Durchschnitt bei 750 US-Dollar (646 Euro). Mit 1,73 Millionen beschlagnahmten Autos sei zudem 2024 (Daten für 2025 stehen noch aus) die Zahl gegenüber 2022 um 43 % gestiegen. Die Ratingagentur Fitch beziffert den Anteil an Autokreditnehmern mit geringer Bonität (mindestens 60 Tage mit Zahlungen im Verzug) unterdessen auf 6,5 %. Brancheninsider sehen eine offensive Nutzung von Kreditmodifikationen, um Zahlungsrückstände zu verkürzen, Zwangsvollstreckungen abzuwenden und Zeit zu gewinnen.
Carvana-Aktie als Negativ-Indikator
Der jüngste Kursrutsch (-35 % seit Mitte Jänner) der davor emporgeschossenen Aktien des US-Online-Gebrauchtwagenhändlers Carvana (er bietet auch Finanzierungen an), stellte zuletzt ein negatives Omen für den Sektor dar. Mehrfach stand das Unternehmen in der Kritik, Autokredite an Personen mit schlechter Bonität (Subprime-Kreditnehmer) zu vergeben.
Autor: Roman Steinbauer
Foto: Adobe Stock / Daria / mit KI generiert
Bitcoin-Volatilität: Was Experten jetzt erwarten
Bitcoin-Volatilität bleibt für viele Anleger ein wichtiges Thema. Doch wie stark schwankt Bitcoin heute tatsächlich? Bernhard Wenger von 21Shares erklärt, warum die Volatilität langfristig sinkt und welche Rolle institutionelle Investoren spielen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Kursschwankungen von Bitcoin sind langfristig rückläufig, bleiben kurzfristig aber hoch.
- Experten sehen eine sinkende Volatilität, weil institutionelle Investoren den Markt zunehmend prägen.
- Für viele langfristig orientierte Anleger kann eine Beimischung von 1 bis 5 % sinnvoll sein.
- Die MiCA-Verordnung und das wachsende Interesse professioneller Investoren stärken den regulierten Kryptomarkt.
10.04.2026
„Entscheidend ist weniger der kurzfristige Marktimpuls, sondern die Nachfrage nach Bitcoin als Alternative zum Finanzsystem.“ – Bernhard Wenger, 21Shares.
Der gebürtige Grazer Bernhard Wenger, Head of Northern Europe bei 21Shares, einem Schweizer Finanzdienstleister, der börsengehandelte Krypto‑Produkte (ETPs) entwickelt und anbietet, spricht über die turbulenten Wochen an den Finanzmärkten, die Rolle von Bitcoin in geopolitischen Krisen und die wachsende Bedeutung von Krypto-Produkten für professionelle Anleger.
Bitcoin-Prognose: Welche Kursszenarien 21Shares erwartet
Wenger sieht kurzfristig Potenzial für eine Erholung, betont aber die Abhängigkeit von geopolitischen und makroökonomischen Faktoren.
- Positives Szenario: 80.000–90.000 USD
- Seitwärtsphase bei Unsicherheit: 65.000–75.000 USD
- Eskalation: Rücksetzer auf 50.000–58.000 USD
Langfristig entscheidend sei, wie stark Bitcoin als Alternative zum bestehenden Finanzsystem nachgefragt wird.
Bitcoin-Volatilität: Warum die Schwankungen langfristig sinken könnten
„Die Volatilität ist in den vergangenen Jahren stetig gesunken.“
Wenger widerspricht dem gängigen Narrativ der extremen Schwankungen:
- Volatilität sinkt langfristig
- zeitweise sogar unter Gold
- Diversifikation durch Kombination mit traditionellen Assets sinnvoll
Ein Beispiel: BOLD, ein Bitcoin‑Gold‑Produkt von 21Shares, bietet ein ausgewogenes Risiko‑Rendite‑Profil.
Bitcoin im Portfolio: Wie hoch sollte die Beimischung sein?
„Für Buy-and-Hold-Investoren liegt die typische Allokation bei 1 bis 5 %.“
Professionelle Anleger wissen um Chancen und Risiken, aber nicht jeder ist Day-Trader, so Wenger und empfiehlt:
- langfristiger Horizont
- kleine, aber gezielte Beimischung
- klare Risikodefinition
Bitcoin kaufen: Worauf Einsteiger achten sollten
„Erst informieren, dann investieren.“
Krypto sei eine relativ neue Anlageklasse, die Diversifikation und langfristiges Potenzial bietet. Regulierte Produkte wie jene von 21Shares ermöglichen einen einfachen und transparenten Zugang.
MiCA-Verordnung: Was die neuen Regeln für Bitcoin bedeuten
„MiCA stärkt das Vertrauen in regulierte Krypto-Produkte weiter.“
Die EU‑Verordnung schafft einheitliche Standards. Physisch besicherte Krypto‑ETPs existieren jedoch bereits seit Jahren mit hohem Sicherheitsniveau.
Professionelle Anleger: Nachfrage steigt – Kunden üben Druck aus
„Berater sollten zumindest eine durchdachte Krypto-Lösung anbieten.“
Wenger beobachtet:
- stark steigendes Interesse bei Vermögensberatern und institutionellen Investoren
- viele große Finanzinstitute bauen Krypto-Angebote auf
- Endkunden fragen aktiv nach Krypto-Exposure
Für Berater gehe es weniger um hohe Quoten, sondern um Relevanz im Kundengespräch und eine gezielte Beimischung zur Diversifikation.
Interview: Klaus Schweinegger
Häufige Fragen zur Bitcoin-Volatilität
Warum schwankt der Bitcoin-Kurs so stark?
Der Bitcoin-Kurs reagiert sensibel auf geopolitische Ereignisse, Zinsentscheidungen, regulatorische Entwicklungen und Veränderungen der Anlegerstimmung. Auch Zu- und Abflüsse bei Bitcoin-ETFs können die Kurse kurzfristig deutlich beeinflussen.
Ist die Bitcoin-Volatilität heute geringer als früher?
Nach Einschätzung von Bernhard Wenger, Head of Northern Europe bei 21Shares, ist die Volatilität von Bitcoin in den vergangenen Jahren tendenziell gesunken. Grund dafür sei unter anderem die zunehmende Beteiligung institutioneller Investoren.
Wie viel Bitcoin sollte ein Anleger im Portfolio halten?
21Shares hält für langfristig orientierte Anleger eine Beimischung von 1 bis 5 Prozent des Portfolios für sinnvoll. Die konkrete Gewichtung hängt jedoch von der individuellen Risikobereitschaft und den Anlagezielen ab.
Welche Bedeutung hat die MiCA-Verordnung für Bitcoin?
Die europäische MiCA-Verordnung schafft erstmals einheitliche Regeln für Krypto-Assets und soll den Anlegerschutz sowie die Transparenz am Markt verbessern. Experten erwarten dadurch mehr Vertrauen in regulierte Krypto-Produkte.
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Krypto‑Assets, Blockchain und Bitcoin: Chancen und Risiken
Krypto-Assets verstehen: Der große Ratgeber für Anleger
Investieren in unendliche Weiten
Die Raumfahrt ist keine exotische Branche mehr, die Chancen für Anleger sind spannend.
(27.03). Der Weltraum rückt zunehmend in den Fokus – auch bei vielen Anlegern. Allein die jüngsten Pläne von Tesla-Chef Elon Musk sorgten für reichlich Aufsehen. So hat er noch vor dem geplanten Börsengang seiner Weltraumfirma SpaceX, die etwa den satellitengestützten Internetdienst Starlink betreibt, die verlustträchtige xAI übernommen. Auch die weiteren Vorhaben sind ambitioniert. So plant SpaceX den Bau von Rechenzentren im Weltall, die entsprechend im Orbit mit Photovoltaik gespeist werden sollen.
Doch die Konkurrenz schläft ebenso wenig. Der Onlinehändler und Cloud-Dienst-Anbieter Amazon ist mit 32 Satelliten auf der europäischen Trägerrakete „Ariane 6“ Mitte Februar in den Weltraum gestartet. Damit soll das bestehende Satellitennetzwerk Amazon Leo gestärkt werden. Leo steht für „Low Earth Orbit“ und umfasst die niedrige Erdumlaufbahn. Derzeit hat Amazon Leo 175 Satelliten im All.
Kommunikation als Treiber
Überhaupt finde gerade eine Revolution im All statt, konstatiert Alicia Daurignac, Analystin beim französischen Vermögensverwalter LFDE. „Mittlerweile befinden sich fast 15.000 Satelliten im Orbit“, sagt Daurignac und sieht die Satellitenkommunikation als eine der wichtigsten Wachstumsmotoren. Der Markt, der derzeit auf mehr als 20 Milliarden US-Dollar geschätzt werde, dürfte bis 2034 jährlich im Schnitt um gut 20 % wachsen, verweist die LFDE-Expertin auf Schätzungen der „United Nations Office for Outer Space Affairs“.
Private ersetzen den Staat
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt. Einst wurde der Bereich von staatlichen Agenturen dominiert. Inzwischen hat sich dieses verstärkt hin zu einem kommerziellen Wirtschaftssektor entwickelt, in dem Unternehmen aus den Bereichen Satellitentechnik, Raketenstarts, Kommunikation und anderen Weltraumanwendungen rasch wachsen, auch da die Kosten für den Zugang zum Weltall sinken. LFDE-Expertin Daurignac verweist zudem auf den steigenden Konnektivitätsbedarf. „Damit entwickelt sich die Satellitenbranche zu einem Kernbereich der Raumfahrtindustrie“.
Wer sind die Player?
Anleger können auf die Weltraumbranche etwa mit dem „Echiquier Space Fund“ setzen. Darin wurden reine Weltraum-Player wie Rocket Lab, Planet Labs und Firefly Aerospace, aber auch Karman Holdings, die in der Weltraumverteidigung mitmischt, im Februar aufgestockt. Letzterer Konzern stellt unter anderem Komponenten für Lenkwaffen und taktische Verteidigungssysteme her. Obendrein erzeugt Karman Trägerraketen, mit denen Satelliten ins All gebracht werden. Firefly Aerospace aus den USA bietet Dienstleistungen an, die Flüge zum Mond ermöglichen und Satelliten befördern.
USA dominieren
Der „VanEck Space Innovators UCITS ETF“ bildet den „MVIS Global Space Industry ESG Index“ ab und investiert in 25 Unternehmen ebenfalls vorwiegend aus den USA, die in der Raumfahrt tätig sind. Dazu zählt nebst Rocket Lab und Planet Labs etwa AST SpaceMobile. Letzteres Unternehmen arbeitet an einem satellitengestützten Breitband-Mobilfunknetzwerk, ohne dass spezielle Hardware erforderlich ist. Damit sollen Funklöcher geschlossen und eine Verbindung aus dem Weltall ermöglicht werden.
Anleger sollten aber auch die Risiken vor allem bei technologielastigen Unternehmen beachten: Solche Titel schwanken in unsicheren Zeiten oftmals stärker. Zudem werden internationale Lieferketten aufgrund des Iran-Kriegs unterbrochen, ein Umstand, der zu Lieferengpässen bei wichtigen elektronischen Komponenten führen könnte.
Autor: Mag. Raja Korinek
Foto: Getty Images für Unsplash
| Im Artikel vorgestellte Produkte und Aktien |
|
| Name |
ISIN |
| Echiquier Space Fund |
LU2466448532 |
| VanEck Space Innovators UCITS ETF |
IE000YU9K6K2 |
| AST SpaceMobile |
US00217D1000 |
| Firefly Aerospace |
US31816X1063 |
| Karman Holdings |
US4859241048 |
| Planet Labs |
US72703X1063 |
| Rocket Lab |
US7731211089 |
Investieren in unsicheren Zeiten
Florian Beckermann (20.03.2026). Florian Beckermann. Auf den ersten Blick wird klar: Das Übernahmeoffert der UniCredit für die Commerzbank ist kein strategischer Geniestreich oder Griff in die Mailänder Schatzkiste. Mit einem Gebot von rund 30 E je Aktie liegt man in etwa 6 E unter den Höchstwerten der Commerzbank-Aktie der vergangenen Monate und beinahe auf dem aktuellen Börsenkursniveau. Wer sollte dazu verkaufen? Nach Monaten der Ruhe wirkt es wie ein zögerlicher Sparer-Vorstoß aus dem Off. Dabei ist eines klar, jetzt wo man den Fuß in der Tür hat und bereits der größte Einzelaktionär (ca. 30 %) ist, wird kein Cent zu viel ausgegeben. So klingt die 35-Milliarden-Gesamtoffert-Summe zwar viel, ist aber realistischerweise ein knausriger Windhauch.
Doch der Reihe nach: Nach Jahren der Restrukturierung beginnt die Bank endlich, ihre operative Stärke zu entfalten. CEO Bettina Orlopp befeuert gekonnt die gesamte Klaviatur der Wert-Treibung – sehr zur Freude der Aktionäre. Außer für diejenigen, die noch Anteile zukaufen wollen. Von rund 10 Euro kletterte die Aktie auf Höchstwerte um die 36 Euro je Aktie im Jänner. Seit ein paar Wochen erfolgt eine Aktienkurskorrektur, die die UniCredit nutzen will. Für die Aktionäre kommt das Angebot zur Unzeit und zu einem zu niedrigen Preis. Ein klassischer Übernahmeaufschlag fehlt.
Wie verhalten sich die Aktionäre? Die Bundesrepublik Deutschland (aktuell rund 12 %) hat die Commerzbank in der Finanzkrise mit Milliarden gerettet. Der Verkauf des ersten großen Anteilspaktes von rund 9 % im Jahr 2024 an UniCredit durch die Bundesrepublik ist ein schlechter Nachweis der Fähigkeiten des deutschen Finanzministeriums, um am Investmentbanking-Markt lukrativ zu reüssieren. Ein ökonomischer Offenbarungseid. Jetzt gibt man sich in Berlin zurückhaltend und zeigt sich ablehnend – nicht zuletzt gibt es politischen Druck bzw. ein Umdenken, dass UniCredit vielleicht doch nicht der richtige Partner sei.
Hat man etwa nach Österreich geschaut? Es ist kein Geheimnis, dass die UniCredit Bank Austria für die Wertschaffung in Österreich leider nur noch ein Schatten früherer Tage ist. Vielleicht mag Berlin aus dieser Erfahrung lernen und auf Commerzbank übertragen. Es ist auch kein Geheimnis, dass UniCredit Boss Andrea Orcel mit der forschen Übernahmestrategie nicht nur in Berlin, sondern auch auf dem heimischen Parkett politischen „Grant“ ausfasst und daran scheitert.
Letztlich bleibt die große Masse des Streubesitzes mit institutionellen Investoren und privaten Anlegern, die individuell strategisch einen möglichen Verkauf evaluiert und möglicherweise große Pakete anzubringen gewillt ist – oder zu dem Preisniveau eher nicht. Für Belegschaft und Management rund um Orlopp ist das Offert natürlich nicht attraktiv oder verständlich. Die eigene Entmachtung vor Augen ist das nachvollziehbar. Entscheidungen würden künftig in Mailand fallen, nicht mehr in Frankfurt. Die beinahe legendäre Commerzbank-Identität und deren Bindung an den deutschen Mittelstand würde verdampfen.
Fazit: Orcel will die Kursrallye-Pause nutzen und Fakten schaffen. Dazu will er aber keine finanzielle Überzeugungsarbeit leisten. Orlopp, Belegschaft und der Streubesitz haben daran nur bedingt Interesse, sehen sie doch in der eigenständigen Weiterentwicklung mehr Potenzial als in der UniCredit-Aktie. Fortsetzung folgt – mit Emotionen.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Energiekrise & Co: Investieren in unsicheren Zeiten
Wirtschaftliche Unsicherheit gehört zu den Konstanten an den Finanzmärkten.
(13.03.2026) Die aktuellen Kriegsgeschehnisse und die rasant steigenden Energiepreise erfordern von Anlegerinnen Anlegern wieder einmal gute Nerven. Denn die meisten Aktienkurse schmelzen fast ebenso dahin wie Schnee in der Märzsonne, Gold als Krisengewinnler legt nochmals deutlich zu und die unmittelbare Zukunft hängt von der Dauer des Krieges der USA und Israel gegen den Iran ab. Doch die Historie zeigt: Wirtschaftliche Unsicherheit gehört zu den Konstanten an den Finanzmärkten. Während kurzfristige Marktschwankungen häufig für Nervosität sorgen, zeigen historische Daten: Mit der richtigen Strategie kann man auch in schwierigen Zeiten stabile Renditen erzielen, schreiben die Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking im jüngsten Marktkommentar.
In unsicheren Zeiten geht es beim Investieren weniger darum, den perfekten Gewinn zu finden, sondern darum, Risiken zu streuen und Stabilität aufzubauen. Ob geopolitische Konflikte, steigende Zinsen, Inflationsschübe oder Rezessionsängste – mit einigen Grundregeln übersteht man auch turbulente Phasen an den Märkten.
Diversifikation als Grundprinzip
Eine der wichtigsten Regeln beim Investieren lautet für gestern, heute und morgen: Nicht alles auf eine Karte setzen. Gerade in unsicheren Marktphasen bewährt sich eine breite Streuung über verschiedene Anlageklassen, um Verluste einzelner Sektoren oder Regionen abzufedern.
Aktien sind langfristig der wichtigste Wachstumstreiber eines Portfolios. Statt jedoch auf einzelne Titel zu setzen, greifen viele Investoren auf breit gestreute Investments, also zum Beispiel passiv gemanagte Indexfonds (ETFs), zurück, die ganze Märkte abbilden. Populär sind globale Aktienindizes wie der MSCI World Index oder der FTSE All-World Index. Diese Indizes bündeln Tausende Unternehmen aus verschiedenen Regionen und Branchen und versuchen damit, das Risiko einzelner Fehlentwicklungen zu reduzieren.
Durch das Konstruktionsmodell von ETFs stellen sich aber viele Experten seit einiger Zeit die Frage nach deren Resilienz und ob diese eine sichere Basis eines gut diversifizierten Aktienportfolios bilden. Im Laufe der Jahre ist es nämlich bei ETFs zu einer extrem starken Übergewichtung von US-Aktien gekommen. Insbesondere US-Technologie-Aktien beeinflussen innerhalb dieses Segments aufgrund ihrer starken Performance maßgeblich die Kursentwicklungen. Viele große Investoren – wie z.B. der Norwegische Staatsfonds – ziehen aus dieser Entwicklung bereits die Konsequenzen und wählen andere Gewichtungsmethoden. Seit rund 6 Monaten zeigen einige aktiv gemanagte Investmentfonds, bei denen Fondsmanager Investment-Entscheidungen treffen, eine deutlich bessere Performance als passiv gemanagte Fonds.
Ergänzend dazu können Anleihen, Rohstoffe oder Liquiditätsreserven das Portfolio stabilisieren und Kursschwankungen mildern.
Neben Investments selbst spielt auch die Liquiditätsplanung eine wichtige Rolle. Eine gewisse Liquiditätsreserve verhindert, dass Anlegerinnen und Anleger in Krisenzeiten gezwungen sind, langfristige Anlagen zu ungünstigen Kursen zu verkaufen.
Durchtauchen oder laufend investieren?
„Time in the Market“ statt „Timing the Market“ ist ein oft zitierter Rat der Börsenprofis. Im deutschsprachigen Raum lautet eine ähnliche Regel „Hin und her macht Taschen leer“. Während viele Anleger versuchen, in Krisenzeiten den idealen Aus- oder Einstiegszeitpunkt zu finden, erweist sich das in der Praxis jedoch als schwierig – selbst für professionelle Investoren.
Das heißt, Kursverluste bis zu einem gewissen Maß auszuhalten, ist oft die bessere Alternative. Ein eindrückliches Beispiel lieferte der Kursverfall zu Beginn der Covid-Krise im Jahr 2020, der innerhalb kurzer Zeit wieder aufgeholt wurde. Wer die Nerven behalten hatte, wurde belohnt.
Eine Alternative ist das regelmäßige Investieren über Sparpläne. Durch den sogenannten Cost-Average-Effekt werden Anteile sowohl zu höheren als auch zu niedrigeren Kursen gekauft, wodurch sich der durchschnittliche Einstiegspreis über die Zeit glättet.
Auch eine konsequente Strategie ist Teil eines vernünftigen Vermögensplans. Profis investieren oft strikt nach dem Prinzip des antizyklischen Investierens: Das heißt, um ein stabiles Verhältnis zwischen den Assetklassen eines Portfolios, also zum Bespiel 50% Aktien und 50% Anleihen, beizubehalten, wird bei fallenden Kursen gekauft und bei steigenden verkauft.
Qualitätstitel gewinnen an Bedeutung
In volatilen Marktphasen rücken häufig qualitativ hochwertige Unternehmen in den Fokus der Investoren. Firmen mit stabilen Cashflows, starken Marktpositionen und soliden Bilanzen gelten als widerstandsfähiger gegenüber wirtschaftlichen Abschwüngen. Diese sogenannten „Blue Chips“ haben globale Geschäftsmodelle, starke Marken und vergleichsweise stabile Einnahmequellen.
Gold als Absicherung
In Zeiten wirtschaftlicher oder politischer Instabilität gewinnt häufig ein klassischer Wertspeicher an Bedeutung: Gold. Das Edelmetall wird seit Jahrhunderten als Schutz gegen Inflation, Währungsabwertung und geopolitische Risiken genutzt. Zwar wirft Gold keine laufenden Erträge ab, doch ein kleiner Portfolioanteil – zwischen fünf und zehn Prozent – kann als Absicherung gegen extreme Marktereignisse dienen.
Langfristige Perspektive entscheidend
Die wichtigste Lektion für Investorinnen und Investoren lautet jedoch: Unsicherheit ist ein fester Bestandteil der Märkte. Wer langfristig investiert, breit diversifiziert und emotionale Entscheidungen vermeidet, erhöht seine Chancen auf stabile Renditen erheblich. Krisen sorgen kurzfristig für Turbulenzen – langfristig haben sich die globalen Kapitalmärkte jedoch immer wieder als erstaunlich widerstandsfähig erwiesen. Für disziplinierte Investoren können gerade unsichere Zeiten daher auch Chancen bieten.
Eine Mischung aus Chancen und Unsicherheiten
Wie sich Anleger auf eine mögliche Marktkorrektur vorbereiten können.
(17.03.2026) „Es gibt viele Gründe, mit Optimismus auf das Jahr 2026 zu blicken“, sagt Arne Tölsner, Head of Client Group Dach bei Capital Group. Mit Blick nach vorne zeige das globale Umfeld eine Mischung aus Chancen und Unsicherheiten. In den USA würden sich die monetären Bedingungen weiter lockern, Deregulierung könnte die Kreditvergabe ankurbeln, und Anreize auf der Angebotsseite würden Fertigung und Technologie zusätzlichen Schwung verleihen. „Auf der anderen Seite des Atlantiks, in Europa, dürfte das Wachstum dadurch gestützt werden, dass Deutschland seine fiskalische Zurückhaltung aufgibt und ein Paket im Umfang von 500 Milliarden Euro für Infrastruktur und Verteidigung auflegt“, so Tölsner. „Und in Asien setzen Unternehmensreformen in großen Volkswirtschaften wie Japan und Korea Aktionärswerte frei, während von China erwartet wird, dass es seine Wirtschaft weiter stimuliert.“
Hohe Bewertungen begrenzen den Spielraum
Auch wenn der gesamtwirtschaftliche Ausblick konstruktiv erscheine, bleibe ein wesentlicher Knackpunkt bestehen: Aktien sind teuer. Die meisten Aktienmärkte weltweit hätten in jedem der vergangenen drei Jahre starke annualisierte Renditen im zweistelligen Bereich erzielt. „Die Unternehmensgewinne waren zwar im Allgemeinen solide, doch die Kurs-Gewinn-Verhältnisse an den meisten großen Märkten liegen weltweit deutlich über den Durchschnittswerten der vergangenen zehn Jahre“, erläutert Tölsner. „Der in den Märkten eingepreiste Optimismus lässt nur wenig Raum für Enttäuschungen.“ Hinzu komme, dass es fast immer unvorhergesehene Überraschungen gebe – selbst wenn der Ausblick positiv sei. Diese könnten aus geopolitischen Entwicklungen entstehen, darunter die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten, aus politischen Fehlentscheidungen oder aus der disruptiven Kraft der künstlichen Intelligenz.
Rückgänge gehören zum normalen Marktverlauf
Insgesamt sei es daher nicht unvernünftig, in den kommenden Monaten mit einer gewissen Marktkorrektur zu rechnen. Anleger sollten jedoch bedenken, dass Rückgänge ein gesunder und häufiger Bestandteil von Marktzyklen seien. In den vergangenen 20 Jahren habe der mittlere Rückgang des MSCI ACWI Index vom Höchststand bis zum Tiefpunkt innerhalb eines Kalenderjahres bei 12 Prozent gelegen, in US-Dollar gerechnet. Trotz dieser regelmäßigen Rückschläge habe sich die Gesamtrendite für Anleger im selben Zeitraum auf 455 Prozent belaufen.
„Das größere Risiko für Anleger ist daher nicht die Aussicht auf eine Korrektur an sich, sondern die Art und Weise, wie sie darauf reagieren“, betont Tölsner. „Volatilität kann verunsichern und fördert oft ein Denken in Extremen.“ Den richtigen Zeitpunkt für Markthöchststände zu treffen, sei daher äußerst schwierig: Wer zu früh verkaufe, riskiere weitere Kursgewinne zu verpassen, während ein Wiedereinstieg nach einer Korrektur leicht zu Zögern oder schlechtem Timing führen könne. Gerade Letzteres könne teuer werden, weil sich Märkte schnell erholen könnten, während Anleger noch an der Seitenlinie stehen. Über vollständige Marktzyklen hinweg könnten solche Verhaltensfehler den langfristigen Erträgen stärker schaden als die Rückgänge selbst.
Vorbereitung ist wichtiger als Vorhersage
„Ein belastbarer Ansatz konzentriert sich stärker auf Vorbereitung und Navigation als auf Vorhersagen“, sagt der Experte. „Das bedeutet, Volatilität als Teil des Anlagewegs zu akzeptieren.“ Diversifikation bleibe dabei zentral, allerdings nicht als rein passive Übung. Portfolios, die stark auf eine enge Auswahl von Vermögenswerten, Regionen oder Themen konzentriert seien, könnten in steigenden Märkten gut abschneiden, seien aber anfälliger, wenn sich die Bedingungen ändern würden. „Eine breitere und ausgewogenere Aufstellung der Renditequellen – über Anlagestile, Regionen und Geschäftsmodelle hinweg – kann helfen, die Abhängigkeit von einem einzigen Ergebnis zu verringern, selbst in einem Umfeld erhöhter geopolitischer Unsicherheit“, so Tölsner.
Bewertungsdisziplin werde in dieser Phase des Zyklus zunehmend wichtiger. Vermögenswerte, deren Preise bereits Perfektion voraussetzen würden, böten weniger Schutz, wenn sich die Stimmung drehe. Das stärke das Argument für eine selektive Beteiligung statt für ein wahlloses Engagement. Das bedeute nicht, dass Wachstumschancen grundsätzlich gemieden werden sollten. Vielmehr spreche es für eine sorgfältige Prüfung, wo Erwartungen bereits in den Preisen enthalten seien und wo die Fundamentaldaten noch Unterstützung bieten würden. Sich auf eine Korrektur vorzubereiten, heiße also nicht, sich an die Seitenlinie zurückzuziehen oder langfristige Themen aufzugeben. Es bedeute stattdessen, Wachstumschancen mit Anlagen zu verbinden, die Volatilität abfedern und Flexibilität bieten können, wenn Märkte Risiken neu bewerten.
„Ein Beispiel dafür ist die stabilisierende Rolle, die Dividenden in einem Aktienportfolio spielen können“, so Tölsner. „Diese wird oft erst dann vollständig geschätzt, wenn Marktstress bereits eingetreten ist. Dieses Muster zeigt sich immer wieder, wenn sich Anleger nach Rückgängen einkommensorientierten Strategien zuwenden, angezogen von deren relativer Widerstandskraft. In vielen Fällen wären die Ergebnisse jedoch stärker gewesen, wenn die Positionierung bereits vor der Korrektur aufgebaut worden wäre.“ Wichtig sei zudem, dass Dividendenchancen nicht auf reife oder wachstumsschwächere Branchen beschränkt seien. Heute befänden sich dividendenzahlende Unternehmen in einer breiten Palette von Sektoren, darunter Technologie, Gesundheit und Industrie.
Disziplin bleibt der entscheidende Faktor
In dieser Phase des Zyklus gehe es bei Widerstandskraft weniger um ununterbrochene Gewinne als vielmehr darum, wie durchdacht Portfolios aufgebaut seien. „Marktkorrekturen sind nichts, das man fürchten sollte, sondern etwas, auf das man sich vorbereiten sollte“, resümiert Tölsner. „Anleger, die Volatilität als normale Eigenschaft der Märkte akzeptieren und Diversifikation, Bewertungsbewusstsein sowie aktive Auswahl anwenden, sind oft besser aufgestellt, um auch in unsicheren Zeiten investiert zu bleiben.“ Solange der Optimismus hoch bleibe, könne sich genau diese Disziplin letztlich als wertvoller erweisen als jede Vorhersage darüber, was als Nächstes komme.
Öl-Poker: Spezial-Dienstleister im Brennpunkt
Steigender Bedarf an Förderplattformen und Equipment zu erwarten.
Roman Steinbauer (20.03.). Ölpreisprognosen gleichen im gegenwärtigen Umfeld einem Glücksspiel. Nachvollziehbar ist hingegen, dass sich Investitionen in Aktien relevanter Marktakteure aus dem Bereich Ölförder- und Arbeitsplattformen erhöht haben. Dabei verzeichneten zuletzt besonders die Kurse jener Gesellschaften, die mobile Offshore-Bohreinheiten (Mobile Offshore Drilling Units) anbieten, einen imposanten Auftrieb.
Um den Einsatzort auf See möglichst rasch auf eine neue Position verlegen zu können, basieren die Geschäftsmodelle auf teils komplexen Dienstleistungsverträgen zwischen Bohrunternehmen und Öl- und Gasgesellschaften. Im Vordergrund stehen dabei schwimmende oder am Meeresboden zu verankernde Bohrschiffe und Plattformen für tiefe Gewässer. Unabkömmlich sind in diesem Zusammenhang die Einsätze von Jack-up-Rigs (Hubbohr-Vorrichtungen) und Semi-Submersibles (Halbtauchern), spezielle Wasserfahrzeuge oder Bohrinseln, die durch Fluten von Ballasttanks unter Wasser getaucht werden, um ihre Stabilität zu erhöhen.
Insider senden Kaufsignale
Als großer Vertreter im Segment mobiler Förderstationen sowie rund um Bohrdienstleistungen im Öl- und Gassektor agiert die Schweizer Gesellschaft Transocean. Das Unternehmen mit Sitz in Steinhausen beschäftigt global 5.530 Mitarbeiter und ist primär an der NYSE gelistet (der Titel wird zudem an deutschen Börsen wie Frankfurt oder Stuttgart gehandelt), nachdem es sich 2016 vom Handelsplatz Zürich zurückzog.
Als positives Signal galt unter Beobachtern die „Form-4-Meldung“ an die US-Börsenaufsicht SEC am 26. September des Vorjahres über den Zukauf von 4 Mio. Aktien des Direktors Frederik Wilhelm Mohn, der nun über die Perestroika AS 8,8 % der Anteile hält. Unter weiteren Anteilseignern finden sich prominente Investmenthäuser wie die Vanguard Group (8,8 %), BlackRock Fund Advisors (8,0 %) sowie Dimensional Fund Advisors mit 3,9 %. Zu den Mitbewerbern zählen die texanischen Gesellschaften Seadrill (schwimmende Bohrvorrichtungen) sowie die Noble Corp., die eine nahezu gleich lautende Palette wie Transocean bietet. Auf aktuellem Kursniveau bringt die Noble-Aktie Anlegern eine attraktive Dividendenrendite von 4,3 %. Auf die Beistellung von Hubbohrvorrichtungen für seichtes Gewässer hat sich wiederum die norwegische Borr Drilling spezialisiert.
Nachfrageanstieg vorgezeichnet
Abgesehen von den derzeitigen politischen Turbulenzen stellt vor allem der Baker Hughes Rig Count (wöchentlich erhoben durch den gleichnamigen US-Servicedienstleister, Anm.) einen bedeutenden Indikator für die Aktivitäten der Ölbranche dar. Dieser Geschäftsbarometer misst die Anzahl aktiver Öl-Bohrplattformen (an Land und Offshore) in den USA. Er unterstützt nicht nur Prognosen bezüglich des Öl-Fördervolumens, sondern zeigt Dienstleistern auch die Inanspruchnahme von Öltanker-Kapazitäten in der Ölbranche auf.
Demnach waren in den USA in der Woche per 13. März 411 Ölbohranlagen (Gasprojekte nicht inkludiert) in Betrieb. Im Vergleich zu vor zwölf Monaten ist das zwar ein Minus von 16 %, doch zeichnet sich ein Wendepunkt ab. Anhand des Baker-Hughes-Reports der Vorwoche war bereits ein leichter Anstieg (+2) zu beobachten. Die Analysten der Gesellschaft erwarten auf der Basis vorliegender Berechnungsmodelle im Laufe des Jahres 2027 ein Überschreiten der Schwelle von 460 Öl-Förderstandorten. Ergänzend zu diesem Ausblick nahmen im Vergleich von Jänner zu Februar 2026 auf internationaler Ebene die Öl- und Gas-Aktivitäten bereits um deutliche 3 % zu.
Autor: Roman Steinbauer
Foto: Adobe Stock / Tgad /Generiert mit KI
Im Artikel angeführte Aktien
| Name |
ISIN |
| Transocean Ltd. |
CH0048265513 |
| Noble Corp. |
GB00BFG3KF26 |
| Borr Drilling |
BMG1466R1732 |
| Seadrill Ltd. |
BMG7998G1069 |
Konjunktur: Die kommenden Wochen sind entscheidend
Sorgt der Iran-Krieg für eine Verlangsamung, eine Abkühlung oder gar eine Rezession?
Michael Kordovsky (20.03.2026). Noch sind langfristig höhere Energiepreise nicht in Stein gemeißelt, da eine Reihe strategischer Maßnahmen zur Entspannung an der Preisfront ergriffen werden kann. Zuletzt hat etwa die IEA strategische Reserven im Rekordausmaß freigegeben und sogar eine Lockerung der Sanktionen gegen Russland ist kein absolutes Tabu mehr.
Aber Märkte reagieren sensibel auf eingesetzte und erwartete Veränderungen. Mittlerweile liegt die Forward Rate im 3-Monats-Euribor für Dezember 2026 bereits zwischen 2,40 und 2,50 %. Das impliziert bereits zwei Leitzinsanhebungen der EZB im laufenden Jahr. Noch kurz vor dem Iran-Krieg lag der 3-Monats-Euribor bei 2,013 %. Bis zum 13. März erfolgte ein Anstieg auf 2,157 %. In diesem Zeitraum verteuerte sich ein Fass der Ölsorte Brent um knapp 44 %.
Starker Anstieg im März erwartet
Laut vorläufigen Daten von Eurostat war die im HVPI der Eurozone mit 9,05 % gewichtete Energiepreiskomponente im Februar auf Jahresbasis noch um 3,2 % rückläufig, während sie auf Monatsbasis bereits um 0,6 % anstieg. Im Jänner verzeichneten die Energiepreise auf Monatsbasis noch einen Rückgang um 0,8 %. Entsprechend stark dürfte dann der Anstieg für März ausfallen.
Noch ist die (vorläufige) Inflationsrate im Euroraum im Februar auf niedrigem Niveau lediglich von 1,7 auf 1,9 % leicht angestiegen. Doch das droht sich nun schlagartig zu ändern. Mit steigenden Inputkosten und höheren Zinsen ist plötzlich die Wirtschaft mit höheren Kosten konfrontiert. Die Folge ist ein zurückhaltendes Investitionsverhalten auf breiter Front und ein vorsichtiges Einkaufsverhalten des Groß- und Einzelhandels, während es in der Industrie aus Angst vor Lieferkettenunterbrechungen zu größeren Vorratskäufen von Rohstoffen kommen kann, die ihrerseits ein inflationäres Szenario verstärken.
Alte Konjunkturdynamiken
Noch ist der Zeitraum seit Kriegsausbruch zu kurz, um klare Aussagen zu tätigen. Möglicherweise hat bereits das Vorfeld dieses Szenarios eine leicht bremsende Wirkung entfaltet. Doch lassen wir nachstehend die Fakten aktueller Einkaufsmanager-Indizes sprechen.
Der von S&P Global erstellte „HCOB Eurozone Composite PMI“ basiert auf Umfragen unter rund 5.000 Industrie- und Dienstleistungsunternehmen im Euroraum und stieg im Februar von 51,3 Punkten im Vormonat auf ein Drei-Monatshoch von 51,9 Punkten. Er signalisiert damit den 14. Wachstumsmonat in Folge. Gleichzeitig verbesserten sich die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist gegenüber Jänner und erreichten den höchsten Wert seit Mai 2024. Anders war das Ergebnis des von der EU-Kommission veröffentlichten „Economic Sentiment Indicator“ (ESI), der im Euroraum und der EU gegenüber dem Vormonat leicht rückläufig war und sich unter dem langfristigen Trend befindet. Eine Stimmungsverschlechterung zeigte sich im Februar in der EU vor allem im Servicesektor, in geringerem Ausmaß auch in der Industrie und am Bau.
In den USA fiel im Februar der „S&P Global US Services PMI Business Activity Index“ von 52,7 auf 51,7 Punkte und somit auf den niedrigsten Wert seit April 2025. Wirft man einen Blick auf den S&P Global US Manufacturing PMI, dann sieht man hier das schwächste Wachstum seit sieben Monaten. Allerdings hat sich das BIP-Wachstum in den USA bereits zuvor vom dritten auf das vierte Quartal 2025 von 2,3 auf 2,0 % verlangsamt – eine leichte Wachstumsverlangsamung, die u.a. auf den Government Shutdown zurückzuführen war.
Fazit: In der EU und in den USA kann aus diesen Daten noch keine konjunkturelle Wirkung des Iran-Konflikts abgelesen werden.
Welche Signale kommen aus China?
Die jüngsten Einkaufsmanager-Index-Daten zeigen eine Diskrepanz zwischen offiziellen Staatsdaten und privaten Umfragen. Der offizielle NBS-Einkaufsmanager-Index fiel im Februar weiter von 49,3 auf 49 Punkte und war somit den zweiten Monat in Folge im Kontraktionsbereich, bedingt durch Produktionspausen während des verlängerten Neujahresfestes. Hingegen stieg der sogenannte „RatingDog China General Manufacturing Index“ im Februar von 50,3 auf 52,1 Punkte und somit auf den höchsten Stand seit Dezember 2020. Dies deutet darauf hin, dass kleinere exportorientierte Privatunternehmen deutlich optimistischer sind als staatliche Großbetriebe. Tatsächlich wuchsen in der Jänner-Februar-Periode 2026 die Exporte im Vorjahresvergleich um 18,3 %. In China hat sich der Iran-Konflikt in diesen Daten demnach nicht niedergeschlagen.
Time-Lags beachten
Ölschocks wirken sich zeitverzögert über höhere Zinsen, geändertes Investitionsverhalten der Betriebe und vorsichtigeres Konsumverhalten negativ auf die Wirtschaft aus. Anfänglich werden aber noch strategische Ölreserven im Falle von Knappheit eingesetzt und Betriebe arbeiten alte Aufträge ab. Sollte der Iran-Krieg weiter anhalten und die Ölpreise auch noch in zwei bis drei Monaten über 100 US-Dollar pro Barrel liegen, dann ist weltweit mit einer spürbaren konjunkturellen Abkühlung zu rechnen. Im Falle massiv erhöhter Öl- und Gaspreise, die über ein Jahr lang anhalten, ist selbst eine globale Rezession nicht mehr auszuschließen.
Autor: Michael Kordovsky
Foto: AdobeStock / Treety
Airline‑Aktien im Krisenmodus: Warum geopolitische Schocks auch neue Chancen eröffnen
Geopolitische Krisenzeiten bieten aber auch immer wieder Einstiegskurse.
(13.03.2026). Einmal mehr wird die Luftfahrtbranche durch Krisenherde und drastisch anziehende Spritkosten in Mitleidenschaft gezogen. Die Abschläge der Notizen weiteten sich innerhalb der ersten beiden Märzwochen teils bis auf 30 % aus. Kaum ein anderer Sektor reagiert so sensibel und so schnell auf Krisen wie die Airlines.
Warum Airline‑Aktien stärker einbrechen als Industriewerte
Airlines gelten traditionell als hochvolatil. Gründe dafür:
- Hohe Abhängigkeit von Energiepreisen
- Stark schwankende Nachfrage in Krisenzeiten
- Hohe Fremdkapitalquoten, die bei steigenden Zinsen belasten
- Geringe Margen, besonders bei Billig-Airlines
- Hoher Beta-Faktor (≥ 1,3) – stärkere Schwankungen als der Gesamtmarkt
Analysten passen ihre Gewinnprognosen derzeit fast täglich an. Erwartete der Branchen-Dachverband, die International Air Transport Association (IATA), für 2025 noch eine Ertragsspanne von 6,6 %, rückt diese Marke angesichts der aktuellen Lage in weite Ferne.
Und wiederum zeigt sich: An den Aktienmärkten vollziehen sich in diesem Segment Kurseinbrüche in weitaus schärferem Tempo als es gewöhnlich bei Titeln klassischer Industriezweige vorkommt. Kalkulationen, inwieweit die zurzeit abrupt hochschießenden Kerosinpreise sowie die einbrechende Reisenachfrage in vielen Regionen bisher veranschlagte operative Gewinnmargen des Sektors beeinträchtigen, werden so gut wie täglich nachjustiert – und seitens diverser Finanzanalysten Gewinnprognosen in rascher Abfolge auch gekappt.
Schätzte der Branchen-Dachverband, die International Air Transport Association (IATA), die Ertragsspanne für 2025 im Median noch auf 6,6 %, rückt diese Quote für heuer vorerst in die Ferne. Denn auch ein weiterer Einfluss droht Kostenbelastungen zu steigern. So weisen Fluglinien durchwegs hohe Fremdkapitalquoten aus. Aktuell von besonderer Relevanz ist dies deshalb, da höhere Ölpreise die Aussicht auf anziehende Inflationsraten und nachfolgend somit höhere Zinssätze schüren.
Chancen für kurzfristige Anleger: Hohe Volatilität als Vorteil
Anteilhaber an Fluglinien hatten (vor allem in den USA) in der Vergangenheit nicht nur eine höhere Anzahl an Insolvenzen zu verdauen als der Durchschnitt anderer Geschäftssparten. Der Bewegungscharakteristik der Aktien der Luftfahrtgesellschaften haftet stets ein hoher Beta-Faktor von zumindest 1,3 an. Dieser Indikator, ein Maß für die Volatilität bzw. die Schwankungsanfälligkeit eines Wertpapiers im Vergleich zum Gesamtmarkt (die Zahl 1 steht für marktkonform), weist klar auf das erhöhte Kursrisiko in der Sparte hin.
Trotz aller Risiken bieten Airline‑Aktien immer wieder attraktive Einstiegsmöglichkeiten. Der hohe Beta‑Faktor sorgt dafür, dass positive Nachrichten ebenso schnell durchschlagen wie negative. Besonders Trader und kurzfristig orientierte Anleger nutzen diese Dynamik.
Gerade aber die Eigenschaft des hohen Drehmoments der Notizen deckt wiederum die Ansprüche jener Investoren ab, die von genauen Beobachtungen und Gewinnrevisionen zu profitieren gedenken. Führen doch Aufhellungen mitten im Krisenmodus oft ebenso rasch zu abrupten, positiven Neueinschätzungen.
Durch die Kampfpreis-Strategie und knappen Gewinnmargen trifft dies umso mehr auf die Valoren der „Billig-Airlines“ zu.
Betroffene Titel sind unter anderem:
Ein erhöhtes Quantum an Risikobereitschaft benötigen Anleger aber auch bei
Bewertung: Attraktive KGVs trotz hoher Risiken – sofern Erträge nicht einbrechen
Die StockAnalyses beleuchtet das Aktiensegment der Airlines in einer erstellten Kategorie, die alle 18 börsennotierten Unternehmen in den Vereinigten Staaten umfasst.
- Marktkapitalisierung: 170,4 Mrd. USD
- Durchschnittliches KGV: 12,3 (nach Kursrückgängen sehr attraktiv)
- Dividendenrendite: 1,45 %
- Gewinnmarge 2025 (USA): 4,83 %
Besonders auffällig: American Airlines dominiert das Handelsvolumen an der NYSE die Luftfahrt-Titel – oft stärker als alle anderen 17 US‑Airlines zusammen.
Fazit: Hochrisikosektor mit selektiven Chancen
Airline‑Aktien bleiben ein Segment für risikobewusste Anleger. Die Branche reagiert extrem auf geopolitische Entwicklungen, Energiepreise und Nachfrageeinbrüche. Gleichzeitig entstehen gerade in Krisenphasen immer wieder attraktive Einstiegspunkte – vorausgesetzt, die Erträge brechen nicht dauerhaft ein.
Autor: Roman Steinbauer
Foto: Adobe Stock / indyntk / Generiert mit KI
Im Artikel vorgestellte Aktien
| Name |
ISIN |
| International Airlines Group (AIG) |
ES0177542018 |
| Norwegian Air Shuttle |
NO0010196140 |
| Wizz Air |
JE00BN574F90 |
| Ryanair |
IE00BYTBXV33 |
| EasyJet |
GB00B7KR2P84 |
| Air France-KLM |
FR001400J770 |
| Lufthansa |
DE0008232125 |
| Turkish Airlines (Turk Hava Yollari) |
US90010R1095 (ADR) |
| American Airlines |
US02376R1023 |
| Southwest Airlines |
US8447411088 |
| United Airlines |
US9100471096 |
Investmentfonds: Thesaurierend oder ausschüttend?
Planbare Einnahmen stehen dem Vorteil des Zinseszinseffekt gegenüber.
(13.03.) Wer sein Geld in Investmentfonds veranlagt, steht früher oder später vor einer grundlegenden Entscheidung: ausschüttend oder thesaurierend? Hinter diesen beiden Varianten verbirgt sich mehr als nur eine technische Feinheit. Es geht um Liquidität, Steuern und psychologische Effekte, schreiben die Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking im jüngsten Marktkommentar. Am allerwichtigsten sei jedoch die passende Strategie für die jeweilige Lebensphase, bei der eine fachliche Beratung oft sehr nützlich ist.
Zwei Wege
Ausschüttende Fonds zahlen Erträge regelmäßig an die Anlegerinnen und Anleger aus – meist jährlich oder halbjährlich. Thesaurierende Fonds hingegen behalten diese Erträge im Fondsvermögen und investieren sie automatisch wieder. Das Geld bleibt also „im System“ und erhöht den Wert der Fondsanteile. Beide Varianten sind in Österreich weit verbreitet – bei klassischen Publikumsfonds ebenso wie bei ETFs.
Der Reiz regelmäßiger Auszahlungen
Für viele Privatanleger haben ausschüttende Fonds einen klaren Vorteil: planbare Einnahmen. Gerade in der Pension oder als Ergänzung zum laufenden Einkommen können regelmäßige Ausschüttungen attraktiv sein. Das Kapital bleibt investiert, dennoch fließt Geld aufs Konto. Auch psychologisch wirken Ausschüttungen oft befriedigend. Während Kursgewinne nur „am Papier“ existieren, sind überwiesene Erträge real greifbar.
Allerdings hat diese Variante auch Nachteile. Wird das ausgeschüttete Geld nicht wieder angelegt, geht ein Teil des Zinseszinseffekts verloren. Langfristig kann das die Vermögensentwicklung bremsen. Auf die Ausschüttungen fallen in Österreich in der Regel sofort Steuern an.
Thesaurierung: Die stille Kraft des Zinseszinses
Thesaurierende Fonds reinvestieren die Erträge automatisch, wodurch das Fondsvermögen kontinuierlich wächst – und mit ihm der Wert der Anteile. Gerade bei langen Anlagehorizonten kann dieser Mechanismus einen deutlichen Unterschied machen.
Für Berufstätige in der Ansparphase – etwa beim Vermögensaufbau oder für die Altersvorsorge – sind thesaurierende Fonds daher oft die bevorzugte Wahl. Sie erfordern keinen zusätzlichen Aufwand für die Wiederveranlagung und entfalten den Zinseszinseffekt optimal. Ganz ohne steuerliche Auswirkungen bleibt jedoch auch diese Variante nicht.
An einem sehr vereinfachten Rechenbeispiel einer Veranlagung von 10.000 Euro auf zehn Jahre zeigt sich der Unterschied: Ein Fonds, der die Erträge wiederveranlagt (thesaurierend), erzielt bei einer durchschnittlich angenommenen Rendite von 5 % nach Steuern einen Gewinn von rund 4.275 E. Bei einem ausschüttenden Fonds mit denselben Eckdaten beläuft sich der Gewinn auf 3.625 E.
Die steuerliche Behandlung
In Österreich fällt für die Erträge bei Fonds die KESt (Kapitalertragsteuer) von derzeit 27,5 % an. Entscheidend ist: Auch bei thesaurierenden Fonds werden Erträge steuerlich erfasst – selbst, wenn diese nicht ausbezahlt werden.
Die depotführende Bank führt die Steuer automatisch ab, auch auf so genannte „ausschüttungsgleiche Erträge“. Das bedeutet: Der steuerliche Vorteil einer vollständigen Steuerstundung bis zum Verkauf, wie er in manchen anderen Ländern besteht, ist in Österreich eingeschränkt.
Dennoch bleibt der Zinseszinseffekt innerhalb des Fonds erhalten, da nur die Steuer abgeführt wird, nicht aber das gesamte Ertragspotenzial entnommen wird.
Welche Variante?
Die Frage, ob man sich für Ausschüttungen oder die Wiederveranlagung entscheidet, hängt stark von der persönlichen Situation ab. In der Ansparphase bieten thesaurierende Fonds oft Vorteile durch automatisches Wachstum. In der Entnahmephase können ausschüttende Fonds regelmäßige Einnahmen sichern. Selbstverständlich sind auch Mischstrategien – vor allem bei größerem Vermögen – eine Option.
„Ausschüttend oder thesaurierend?“ ist keine Frage von richtig oder falsch, sondern von Zielsetzung und Lebensphase. Während thesaurierende Fonds den langfristigen Vermögensaufbau effizient unterstützen, bieten ausschüttende Fonds laufende Liquidität und psychologische Sicherheit.
Für österreichische Anleger gilt: Die steuerlichen Rahmenbedingungen sind komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Wer investiert, sollte daher nicht nur auf Rendite und Kosten achten, sondern auch auf die Struktur des Fonds – und im Zweifel den Rat eines Beraters einholen.
Autor: Steiermärkische Sparkasse Private Banking
Foto: Adobe Stock / yevgeniya131988 / Generiert mit KI
AMLA: Neue EU‑Behörde verschärft Pflichten für Anleger
Neue EU-Behörde weitet Auskunfts- und Transparenzpflichten für Anleger weiter aus
13.03.2026. Als Anlegerin und Anleger fragen Sie sich vielleicht, warum Ihnen Hausbank oder Finanzberater vor einem geplanten Investment so viele persönliche Fragen stellen: Staatsbürgerschaft, Wohn- und Geburtsort, Herkunft des Anlagebetrags, ob Sie ein wichtiges politisches Amt bekleiden und welchen Beruf Sie in welcher Branche ausüben. All das hält der Finanzdienstleister Ihres Vertrauens schriftlich fest, um seinen Pflichten zur Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung nachzukommen.
Warum Finanzdienstleister immer mehr Informationen abfragen
Als Anlegerin und Anleger fragen Sie sich vielleicht, warum Ihnen Hausbank oder Finanzberater vor einem geplanten Investment so viele persönliche Fragen stellen: Staatsbürgerschaft, Wohn- und Geburtsort, Herkunft des Anlagebetrags, ob Sie ein wichtiges politisches Amt bekleiden und welchen Beruf Sie in welcher Branche ausüben. . All das hält der Finanzdienstleister Ihres Vertrauens schriftlich fest, um seinen Pflichten zur Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, nachzukommen.
Neue EU‑Anti‑Geldwäschebehörde AMLA nimmt Arbeit auf
Mit den neuen EU‑Vorschriften zur Geldwäschebekämpfung wurde 2024 die Anti‑Money Laundering Authority (AMLA) gegründet. Die Behörde soll:
- große Finanzdienstleister direkt beaufsichtigen
- nationale Meldestellen koordinieren
- europaweit einheitliche Standards festlegen
- die Umsetzung der neuen Regeln ab 10. Juli 2027 überwachen
Ende 2025 beschäftigte die AMLA bereits 120 Mitarbeiter, im Vollbetrieb sollen es 430 sein – ähnlich viele wie die österreichische FMA im Jahr 2024.
Wichtig: Die AMLA richtet sich nicht direkt an Bürger, sondern an Finanzinstitute. Sie verhängt keine Strafen gegen Privatpersonen, sondern sorgt für einheitliche Aufsicht und strengere Vorgaben.
Neue Standards: Was Anleger ab 2027 erwartet
Die AMLA arbeitet derzeit an mehreren technischen Regulierungsstandards. Allein der Standard zu den „Informationen für die Erfüllung von Sorgfaltspflichten“ umfasst 44 Seiten.
Für Anleger bedeutet das: Ab Juli 2027 werden Finanzdienstleister noch mehr Daten erheben müssen.
Welche persönlichen Daten künftig verpflichtend sind
Finanzinstitute müssen künftig unter anderem erfassen:
- alle im Ausweis angegebenen Vor‑ und Nachnamen
- sämtliche Staatsbürgerschaften
- Geburtsdatum, Geburtsland und – falls ersichtlich – Geburtsort
- Echtheitsprüfung der Ausweisdokumente
- Beruf, Branche und geografische Tätigkeit
- Haupteinnahmequelle
- politisch exponierter Status (PEP)
- mögliche finanzielle Sanktionen
Zusätzliche Pflichten für Unternehmen
Juristische Personen müssen offenlegen:
- vertretungsbefugte Personen (z. B. Geschäftsführer)
- wirtschaftliche Eigentümer
- leitende Führungskräfte
Diese Angaben werden anhand von Registern überprüft.
Mittelherkunft und Transaktionsverhalten im Fokus
Kernpunkt der Geldwäscheprävention bleibt die Herkunft der Gelder. Anleger müssen diese künftig noch detaillierter belegen – etwa durch:
- Steuerbescheide
- Gehaltsabrechnungen
- Erbschaftsunterlagen
Zusätzlich müssen Finanzdienstleister Informationen einholen über:
- geplanten Anlagebetrag
- Veranlagungszweck
- erwartete Anzahl und Art der Transaktionen
- Volumen und Häufigkeit der Geldbewegungen
Ein Anleger brachte es kürzlich ironisch auf den Punkt: „Bald werde ich auch noch mein Lieblingslied und meine Schuhgröße bekanntgeben müssen.“
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Autor: Andreas Dolezal
Foto: Frank van Hulst / Unsplash+
Der Wettlauf um KI verändert die Märkte
Ein Marktkommentar von Tim Murray, Kapitalmarktstratege T. Rowe Price.
(03.06.) Der Markt wirkt nicht irrational, sondern rational, aber nervös. Die allgemeinen Trends sind weitgehend nachvollziehbar. Die wirtschaftliche Lage, politische Veränderungen und die Ertragsdynamik spiegeln sich in den Vermögenspreisen wider. Allerdings hat sich die Struktur des Marktes verändert. Da das System deutlich mehr momentumgetriebenes Kapital enthält, können Bewegungen übertrieben ausfallen. Die Richtung ist oft gerechtfertigt, aber das Ausmaß schießt regelmäßig über das Ziel hinaus. Was möglicherweise unterschätzt wird, ist die Möglichkeit, dass wir uns mitten in einem Regimewechsel befinden.
In den 15 Jahren nach der globalen Finanzkrise agierten Mega-Cap-Technologieunternehmen in einem ungewöhnlich günstigen Umfeld. Sie erzielten ein außergewöhnliches Umsatzwachstum bei gleichzeitig steigenden Margen – eine seltene Leistung in dieser Größenordnung. Sie revolutionierten Branchen mit relativ geringer Kapitalintensität, erschlossen sich eigene Nischen und vermieden weitgehend direkte Konkurrenz untereinander. Dieses Umfeld verändert sich derzeit.
Der Wettlauf um künstliche Intelligenz hat die Landschaft grundlegend verändert. Diese Unternehmen sind nicht mehr kapitalarm, sondern tätigen beispiellose Investitionen. Allein in den nächsten zwei Jahren werden die fünf großen Hyperscaler voraussichtlich mehr als 1,4 Billionen US-Dollar in Sachanlagen investieren. Gleichzeitig stehen sie in direktem Wettbewerb miteinander und mit finanzstarken privaten Herausforderern wie OpenAI, Anthropic und xAI. Hinzu kommt die Geschwindigkeit der KI-Innovation, die das Potenzial hat, nahezu jedes informationsbasierte Geschäftsmodell zu revolutionieren. Damit sind die Voraussetzungen für einen bedeutenden Umbruch in der Branche gegeben.
Die Gewinner der letzten 15 Jahre könnten vor einer schwierigeren Phase stehen. Gleichzeitig könnte sich ein starker Superzyklus im Energie- und Rohstoffbereich entwickeln, der diesen beispiellosen Ausbau der Infrastruktur unterstützt.
Auch die These, dass aktives Management tot sei, verdient eine Neubewertung. Der Markt hat gerade eine außergewöhnliche Phase mit einer engen Führungsriege hinter sich, in der eine Handvoll dominanter Unternehmen ihre Vormachtstellung Jahr für Jahr ausgebaut haben. In diesem Umfeld hatten passive Strategien natürlich Hochkonjunktur.
Wenn sich der Markt jedoch in Richtung eines wettbewerbsintensiveren, kapitalintensiveren und disruptiveren Regimes verschiebt, dürfte die Streuung zunehmen, und genau hier hat aktives Management in der Vergangenheit einen Mehrwert geschaffen. Strukturell könnte sich das Umfeld so entwickeln, dass Selektivität wieder belohnt wird.
Aus Sektorsicht stechen Industrie, Energie und Rohstoffe hervor. Es gibt zyklische Unterstützung durch fiskalische und monetäre Dynamiken, aber noch wichtiger ist, dass sich unter der Oberfläche eine strukturelle Nachfrage aufbaut, die durch Investitionen in KI-Infrastruktur und die Neuausrichtung globaler Lieferketten angetrieben wird. Diese Kombination aus zyklischen und langfristigen Rückenwindfaktoren ist überzeugend.
Gleichzeitig scheint nichts völlig uninvestierbar zu sein. Die meisten Sektoren sind eine gemischte Sache. Der Fokus liegt nun weniger auf einer allgemeinen Vermeidung als vielmehr auf einer disziplinierten Selektivität innerhalb der Sektoren.
Wie KI die Strommärkte neu ordnet
Energie wird zum Engpassfaktor: ein Kommentar von Christophe Braun, Equity Investment Director bei Capital Group.
(02.03.2026) Der rasante Ausbau künstlicher Intelligenz und die Reindustrialisierung der USA könnten die Energiebranche in eine neue Phase strukturellen Wachstums führen, erläutert Christophe Braun, Equity Investment Director bei Capital Group. Nach einem Jahrzehnt stagnierender Stromnachfrage zeichne sich nun ein fundamentaler Nachfrageimpuls ab.
Rechenzentren machten derzeit rund vier Prozent des US-Stromverbrauchs aus. Bis 2030 könnte dieser Anteil jedoch auf neun bis 14 Prozent steigen. „Wenn es einen Faktor gibt, der die Entwicklung von KI und die Reindustrialisierung der USA maßgeblich bestimmt, dann ist es elektrische Energie“, so Braun.
Nachfrageboom trifft auf strukturelle Engpässe
Parallel zum Ausbau digitaler Infrastruktur seien in den USA Investitionen von mehr als drei Billionen US-Dollar in neue industrielle Kapazitäten geplant – von Halbleiterfertigung bis Pharmaindustrie. Doch das Stromangebot werde nicht im gleichen Tempo wie die Nachfrage wachsen können.
Mehrere strukturelle Restriktionen dürften die Kapazitäten für die Energieerzeugung bis mindestens 2030 begrenzen. Turbinen für Gaskraftwerke hätten teilweise Lieferzeiten von bis zu fünf Jahren, Netzanschlüsse für neue Kapazitäten könnten fünf bis sieben Jahre in Anspruch nehmen. Zudem sei seit 2014 kein Nettozubau von Kohlekraftwerken erfolgt, während weitere Anlagen vom Netz gingen. „Wir sehen keine spekulative Überinvestition wie Ende der 1990er-Jahre, sondern ein strukturelles Spannungsfeld zwischen Nachfrage und Angebot“, erklärt Braun.
Versorger werden zu Wachstumstreibern
Vor diesem Hintergrund wandelten sich Stromversorger zu zentralen Enablern wirtschaftlicher Expansion. Die Folge: Technologieunternehmen sicherten sich zunehmend langfristige Stromlieferverträge, insbesondere mit Kernkraftbetreibern, um CO₂-freie Grundlastkapazitäten zu gewährleisten. Mit zunehmender Auslastung der Nuklearkapazitäten dürften Vereinbarungen für die Stromlieferung auch mit Erzeugern fossiler Energie folgen, insbesondere mit Anbietern verlässlicher Grundlast, also dauerhaft verfügbarer Stromkapazitäten unabhängig von Tageszeit oder Wetterbedingungen.
Strukturell zeichne sich ein beschleunigtes Gewinnwachstum ab: Regulierte Versorger hätten in der Vergangenheit typischerweise ein jährliches Gewinnwachstum von fünf bis sieben Prozent erzielt, projizierten nun jedoch sieben bis neun Prozent oder mehr – getrieben durch steigende Investitionen in Netze und Erzeugungskapazitäten.
Auf Sektorebene habe sich diese Dynamik bereits gezeigt: Der Utilities-Sektor habe zuletzt eine der höchsten Gewinnwachstumsraten innerhalb des S&P 500 verzeichnet und liege deutlich über historischen Durchschnittswerten.
Industrie- und Rohstoffwerte profitieren mit
Die Dynamik erfasse auch Industrie- und Materialwerte. Unternehmen, die Turbinen, Generatoren und Hochleistungsstromsysteme liefern, berichteten von steigenden Auftragseingängen. Auch im Rohstoffbereich zeichne sich struktureller Druck ab: Der steigende Bedarf an Netzinfrastruktur, Rechenzentren und Elektromobilität erhöhe insbesondere die Nachfrage nach Kupfer. Prognosen deuteten auf ein mögliches Angebotsdefizit von rund sechs Millionen Tonnen bis 2035 hin. „Denn digitale Infrastruktur und Elektrifizierung sind untrennbar miteinander verbunden“, betont Braun.
Fazit: Energie als strategischer Engpass
Bislang sei die Stromerzeugungs- und Netzinfrastruktur ein wenig beachteter Bereich der Wirtschaft gewesen. Doch nun gebe es in diesem Sektor einen strategischen Engpass, wodurch er zu einem zentralen Investmentthema werde. Mehrere Nachfragequellen – KI, Reindustrialisierung und Elektromobilität – träfen auf strukturelle Angebotsbegrenzungen.
„Energie ist nicht mehr nur Hintergrundrauschen der Wirtschaft, sondern ein entscheidender Wettbewerbsfaktor“, resümiert Braun. „Entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Stromerzeugung über Netzinfrastruktur bis hin zu Industrie- und Rohstoffunternehmen – entstehen dadurch neue Investitionsperspektiven.“
„Anlegerschutz täglich in Gefahr“ – Beckermann über ATX, HV-Saison & Politik
Das Wichtigste in Kürze:
– Wie Privatanleger die aktuelle Marktlage einschätzen
– Warum die Wiener Börse trotz Realwirtschaftsproblemen outperformt
– Welche Rolle virtuelle HVs künftig spielen
– Was die neue Geschlechterquote bedeutet
– Warum der Anlegerschutz laut IVA „täglich in Gefahr“ ist
06.03.2026
Einordnung und Hintergrund
Die Eskalation im Nahen Osten hat die weltweiten Börsen auf Talfahrt geschickt. Davor erreichten viele Indizes aber All‑Time‑Highs – auch der ATX. Parallel dazu hat in Österreich die Hauptversammlungssaison begonnen.
Klaus Schweinegger vom Börsen‑Kurier sprach in diesem Kontext mit Florian Beckermann, Präsidenten des IVA – Interessenverband für Anleger, über Hintergründe und seine Erwartungen an die HV‑Saison 2026.
Stimmung der Privatanleger
Performance des ATX und Anlegerstimmung
Börsen‑Kurier: Traditionell hat die EVN die HV‑Saison in der Vorwoche eröffnet. Wie schätzen Sie die Stimmung unter den heimischen Privatanlegern ein – der ATX hat ja bis zur Eskalation im Nahen Osten vor ein paar Tagen ausgezeichnet performt?
Florian Beckermann: „Die ATX‑Performance war bis vor kurzem sehr stark, das stimmt. Die Wiener Börse verzeichnet traditionell eine starke Gewichtung auf die Bank‑ und Versicherungstitel, Stichworte: Raiffeisenbank International, Erste Group, VIG oder Uniqa. Alle diese legten in den vergangenen zwölf Monaten eine außerordentliche Aktienkursperformance vor, was diese Erholung ermöglichte. Dennoch sind den heimischen Privatanlegern die wirtschaftlichen Probleme auf nationaler Basis völlig bewusst. Eine Euphorie mag ich dort nicht erkennen. Eher das Gegenteil.“
Internationale Wahrnehmung der Wiener Börse
Outperformance trotz Realwirtschaft
Börsen‑Kurier: Sie sagen es. Wie erklären Sie sich die enorme Outperformance angesichts einer sich nur langsam erholenden Realwirtschaft und auch der Wirtschaftsskandale Signa, Wienwert oder ganz aktuell Sun Contracting?
Beckermann: „Die Lücke zur Realwirtschaft ist frappant. Dennoch wird unser Markt international geschätzt. Das liegt an der internationalen Ausrichtung, aber auch an guter Stakeholder‑Arbeit. Die genannten Cases haben mit der Börse nichts oder nur indirekt zu tun. Sie sind zwar schlecht für die betroffenen Anleger, aber im Verhältnis zum Volumen der Gesamtbörse zu vernachlässigen. Ein Glücksfall.“
Kapitalmarkt und Politik
Die neue Industriestrategie
Börsen‑Kurier: In diesem Umfeld hat die Bundesregierung vor kurzem eine Industriestrategie veröffentlicht. Was erwarten Sie davon? Und könnte sich daraus ein Anschub für den heimischen Kapitalmarkt entwickeln?
Beckermann: „Zunächst ist es gut, eine Strategie formuliert zu haben. Die Bundesregierung hat die Zeichen der Zeit erkannt. Leider fehlt der Strategie gewissermaßen der Treibstoff, der Kapitalmarkt. Hier muss die Regierung noch einmal ran, sonst wird die Industriestrategie zum peinlichen Stückwerk eines Wunschkonzerts.“
Präsenz‑ vs. virtuelle Hauptversammlungen
Transparenz und Governance
Börsen‑Kurier: Die Satzungsermächtigung zur Durchführung von virtuellen Hauptversammlungen war nach der Pandemie ein großer Streitpunkt. Anders als in Deutschland hat sich das Präsenzformat bei uns anscheinend durchgesetzt. Ein Sieg der Transparenz und Offenheit und letztlich auch einer für den IVA?
Beckermann: „Wie eine HV abgehalten wird, ist wichtig für die Aktionäre. Anders als bei uns, gibt es in Deutschland Gesellschaften, die aus verschiedenen Gründen ihre Aktionäre nicht sehen wollen. Das wird zunehmend negativ beurteilt – aus der Perspektive der Transparenz, Governance und Hauptversammlungskultur. Diesen Pfad beschreitet in Österreich aktuell eigentlich kein börsengelistetes Unternehmen. Das ist vernünftig. Wir haben auf diesen Irrweg von Anfang an hingewiesen, aber von Sieg würde ich nicht sprechen.“
Virtuelle HVs 2026
Wo sie sinnvoll sind – und wo nicht
Börsen‑Kurier: Rechnen Sie heuer überhaupt noch mit irgendeiner virtuellen HV?
Beckermann: „Bei nicht‑börsengelisteten Aktiengesellschaften kann die virtuelle HV Sinn ergeben. Dort wird das Format weiter praktiziert. Für Publikumsgesellschaften ist uns für dieses Jahr bisher keine virtuelle HV bekannt. Aber man weiß ja nie! Viele Aktionäre sehen diese Entwicklung als sehr positiv. Ein Asset für unseren Markt über die Grenzen Österreichs hinaus.“
Vergütung & Geschlechterquote
Was 2026 wichtig wird
Börsen‑Kurier: Vergütungsberichte und Geschlechterquoten waren und sind immer wieder eines der Themen. Was erwartet uns 2026?
Beckermann: „Das Vergütungsberichtswesen hat über die Jahre ein nationales Eigenleben entwickelt. Häufiger Kritikpunkt war die fehlende Vergütungszurechnung. Nach den Stimmrechtsberatern wird ab dieser Saison der internationale Maßstab herangezogen. Hier kommt es also zu negativem Voting. In Sachen Geschlechterquote müssen wir die Woman‑on‑Board‑Richtlinie umsetzen. Die Lösung für Österreich liegt nun in einer 40 % Quote für das unterrepräsentierte Geschlecht im Aufsichtsrat. Da kommt noch nicht jedes Unternehmen hin. Es gibt Anpassungsbedarf.“
Qualität der HVs
Teilnehmerzahlen und Entwicklung
Börsen‑Kurier: Sie besuchen seit vielen Jahren als professioneller Teilnehmer die HVs. Wie hat sich die Qualität der Veranstaltungen entwickelt, und machen Sie sich Sorgen bezüglich der Teilnehmerzahlen?
Beckermann: „Jein! Seit der zweiten EU‑Aktionärsrechterichtlinie hat die Präsenz zugenommen. Insbesondere institutionelle Aktionäre sind vertreten. Das ist eine gute Entwicklung. Die physische Präsenz vor Ort ist da komplexer zu beurteilen. Spannende HVs mit interessanten Tagesordnungspunkten erfreuen sich immer guter Frequenz. Manche Unternehmen kümmern sich auch gern um viel Präsenz bei einer Standard‑HV. Andere sehen in der HV eine lästige Pflicht und wurschteln sich durch. Das merken natürlich die Aktionäre und verlieren das Interesse.“
Appell an die Anleger
„Der Anlegerschutz ist täglich in Gefahr“
Börsen‑Kurier: Und abschließend Ihr Appell an unsere Leserinnen und Leser?
Beckermann: „Zunächst Danke, dass es sie gibt! Der Börsen‑Kurier‑Leser hat einen Wissensvorsprung. Der IVA und die Leser pflegen eine sehr erfolgreiche Verbindung. Wir können noch viel gemeinsam für den Kapitalmarkt erreichen. Ich möchte die Leser ermuntern, weiter aktiv und kritisch zu sein. Der Anlegerschutz ist täglich in Gefahr.“
Foto: IVA
Zur Person: Florian Beckermann
Funktion: Präsident des IVA – Interessenverband für Anleger
Schwerpunkt: Anlegerschutz, Corporate Governance, Hauptversammlungskultur
Tätigkeit: Seit vielen Jahren einer der sichtbarsten Vertreter der österreichischen Privatanleger; regelmäßiger Teilnehmer an Hauptversammlungen börsennotierter Unternehmen
Bekannt für: klare Positionen zu Transparenz und Governance – Einsatz für Präsenz‑Hauptversammlungen – kritische Begleitung von Vergütungsberichten und Stimmrechtsstrukturen – aktive Rolle in der Weiterentwicklung des österreichischen Kapitalmarkts
Organisation: IVA – Interessenverband für Anleger (gegründet 1991)
Relevanz: zentrale Stimme für Privatanleger in Österreich; wichtiger Ansprechpartner in Fragen des Anlegerschutzes und der Aktionärsrechte
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Wie Anleger mit ETCs und Zertifikaten flexibel auf Gold und Öl setzen können
Rohstoffe im Aufwind: Die Chancen mit Zertifikaten können vielfältig genutzt werden
9.3.2026 Rohstoffe zählen aktuell zu den dynamischsten Anlageklassen weltweit. Besonders das Gold sorgt für Rekordmeldungen: Auf Jahressicht legte der Preis um mehr als 77 % zu, über fünf Jahre sogar um knapp 200 % – jeweils in US-Dollar (Stand: 2. März).
Getrieben wird die Rallye vor allem durch massive Goldkäufe zahlreicher Notenbanken, insbesondere aus Schwellenländern. Gleichzeitig erhöhen geopolitische Spannungen und handelspolitische Konflikte die Unsicherheit an den Märkten. In solchen Phasen steigt traditionell die Nachfrage nach sicheren Häfen – und Gold profitiert.
Gold: Die Hausse könnte weitergehen
„Unser Research erwartet einen weiter steigenden Goldpreis“, sagt Volker Meinel, Leiter Zertifikate bei BNP Paribas, im Gespräch mit dem Börsen‑Kurier. Zwar habe sich die Euphorie der Anleger, die Ende 2025 und Anfang 2026 besonders ausgeprägt war, zuletzt etwas beruhigt. Ob der Nahostkonflikt erneut für Auftrieb sorgt, bleibt abzuwarten.
Fest steht: Das Interesse an Gold-Zertifikaten war zuletzt enorm. „Es gab Tage, an denen Gold der meistgehandelte Basiswert für Zertifikate war“, so Meinel.
Ölpreis unter geopolitischem Einfluss
Nicht nur Edelmetalle stehen im Fokus. Auch der Ölmarkt reagiert empfindlich auf die jüngsten geopolitischen Entwicklungen. Der Angriff der USA und Israels auf den Iran hat die Nervosität erhöht.
Der Preis für Brent-Rohöl stieg von rund 60 USD zu Jahresbeginn auf zuletzt 77,47 USD. Wie es weitergeht, hängt maßgeblich vom weiteren Verlauf der Eskalation ab.
ETCs und Zertifikate: Zugang zu Rohstoffen – ohne physischen Besitz
Anleger können sowohl auf Gold als auch auf Öl über ETCs (Exchange Traded Commodities) setzen. Diese funktionieren ähnlich wie Zertifikate, sind jedoch mit einem Kollateral besichert, das im Fall einer Emittenteninsolvenz ausgezahlt wird.
Öl: Futures statt physischer Lieferung
Bei Öl-ETCs erwerben Anleger nicht den Rohstoff selbst. Stattdessen investieren Anbieter in Futures, also Terminkontrakte auf die künftige Preisentwicklung. Diese können vom aktuellen Kassapreis abweichen – je nach Markterwartung nach oben oder unten.
Um Preisschwankungen zwischen verschiedenen Fälligkeiten abzufedern, setzt das „RICI Enhanced Brent Öl (TR) ETC“ von BNP Paribas auf drei unterschiedliche Futures:
- den nächstfälligen Future (derzeit Juni),
- den übernächsten Future (derzeit Dezember),
- sowie einen dritten Future, der abhängig von der Marktlage gewählt wird, um ungünstige Preisstrukturen zu vermeiden.
Aktuell handelt es sich ebenfalls um den Dezember-Future.
Zertifikate: Wachsende Nachfrage trotz Zinsen
Was passiert, wenn Anleiherenditen weiter steigen und Bonds wieder attraktiver werden?
Meinel sieht das gelassen: „Unsere Experten erwarten heuer keine Änderung der Zinssituation – weder in Europa noch in den USA.“
Stattdessen rechnet er mit einem weiter steigenden Interesse an Zertifikaten. Besonders bemerkenswert: Auch die jüngere Generation zeigt zunehmend Mut am Kapitalmarkt. „Da kommt man an Zertifikaten und Optionsscheinen kaum vorbei“, so der langjährige Experte.
Autor: Raja Korinek
Foto: BNP Paribas
Im Artikel vorgestellte Zertifikate
| Name |
ISIN |
| RICI Enhanced Brent Öl (TR) ETC |
DE000PB6R1B1 |
| Gold ETC |
DE000PS7G0L8 |
Bitcoin zwischen Reife und Risiko: Was Anleger jetzt wissen sollten
Eine kritische Analyse der Kryptowährung von Willem H. Buiter von der Columbia University.
Einordnung: Vom Nischenprojekt zum wichtigen Anlagebaustein
Bitcoin wurde 2008 entwickelt und startete 2009 in den Handel. Bereits 2010 explodierte der Kurs von wenigen Hundertsteln eines US‑Cents auf acht Cents. 2011 stieg der Preis auf 67 Cents und erreichte bis 2015 rund 327 USD. Noch im März des Vorjahres lag Bitcoin bei etwa 70.000 USD – heute notiert er bei rund 69.000 USD. Für viele Ökonomen ist Bitcoin damit ein Paradebeispiel für extreme Volatilität: enorme Wertzuwächse, aber ebenso starke Rückschläge. Gleichzeitig zeigen langfristige Daten, dass die Schwankungsbreite in den vergangenen Jahren tendenziell abgenommen hat – ein Hinweis darauf, dass der Markt reifer, liquider und institutionell geprägter geworden ist. Auch die zunehmende Regulierung und die Einführung professioneller Anlageprodukte haben dazu beigetragen, dass Bitcoin heute stärker in traditionelle Finanzstrukturen eingebettet ist.
Kein innerer Wert: Warum Bitcoin ein spekulativer Vermögenswert ist
Im Gegensatz zu Gold, das historisch als Rohstoff und Schmuckmetall genutzt wurde, besitzt Bitcoin keinen inneren Wert. Er ist eine private Fiatwährung, deren Preis ausschließlich durch Marktstimmung entsteht. Damit ist Bitcoin ein Luxusobjekt – allerdings eines, das reale Kosten verursacht.
Befürworter sehen in Bitcoin dennoch einen möglichen digitalen Wertspeicher, da das Angebot begrenzt ist und die Kryptowährung unabhängig von staatlicher Geldpolitik funktioniert. Diese Knappheit und die programmierte Emissionsrate sind zentrale Argumente derjenigen, die Bitcoin langfristig als „digitales Gold“ betrachten.
Hohe Mining‑Kosten
Mining bezeichnet den Prozess, mit dem neue Bitcoins entstehen und Transaktionen im Netzwerk bestätigt werden. Computer lösen dabei komplexe mathematische Aufgaben. Wer diese Aufgabe zuerst löst, erhält neue Bitcoins als Belohnung. Dieser Prozess benötigt viel Rechenleistung und damit Energie – deshalb gilt Mining als energieintensiv.
Das energieintensive Mining begrenzt das Bitcoin‑Angebot auf maximal 21 Millionen Einheiten. Auch wenn das Protokoll unverändert bleibt, können jederzeit neue Kryptowährungen entstehen, die auf ähnlichen technischen Prinzipien basieren – inklusive vergleichbarer ökologischer und ökonomischer Anforderungen. Parallel dazu existieren bereits etablierte Alternativen wie Ethereum, die das Spektrum digitaler Anlageformen weiter verbreitern und teilweise energieeffizientere Verfahren nutzen.
Fiatwährungen vs. Kryptowährungen: Parallelen und Risiken
Auch staatliche Fiatwährungen können theoretisch wertlos werden – Hyperinflationen wie in der Weimarer Republik, Venezuela oder Simbabwe zeigen das. Doch im Normalfall bewegen sich staatliche Währungen in einem fundamentalen Gleichgewicht, während private Kryptowährungen wie Bitcoin eine unendliche Spannbreite möglicher Preisgleichgewichte aufweisen – inklusive des Nullpreises.
Worauf der Bitcoin-Kurs basiert
Der aktuelle Bitcoin‑Kurs basiert weiterhin nicht auf fundamentalen Erträgen, sondern auf Erwartungen, Marktstimmung und Liquidität. Aus ökonomischer Sicht entspricht das einem Preisgleichgewicht, das theoretisch stark steigen oder auch kollabieren kann. Gleichzeitig hat sich der Markt in den vergangenen Jahren deutlich stabilisiert: höhere Liquidität, strengere Regulierung und institutionelle Produkte wie ETFs haben die Schwankungsbreite reduziert und die Marktstruktur professionalisiert.
Die historische Bitcoin‑Wertentwicklung zeigt, dass sich der Markt über die Jahre professionalisiert hat – ein Aspekt, der die langfristige Stabilität zwar nicht garantiert, aber die Marktmechanik verändert.
Bitcoin: Wer sind die einflussreichen Marktteilnehmer?
Der Kauf von 1,5 Mrd. USD in Bitcoin durch Tesla Anfang 2021 führte zu einem deutlichen Preisanstieg – ein Beispiel dafür, wie einzelne große Marktteilnehmer kurzfristig starke Impulse auslösen können. Der gleiche Mechanismus funktioniert jedoch auch in die andere Richtung: Größere Verkäufe oder kritische Aussagen prominenter Akteure können den Kurs ebenso rasch unter Druck setzen.
Auch heute bleibt Bitcoin anfällig für solche Effekte – etwa durch institutionelle Zuflüsse in große ETFs, regulatorische Entscheidungen oder öffentliche Kommentare einflussreicher Marktteilnehmer. Gleichzeitig zeigt die zunehmende institutionelle Beteiligung, dass Bitcoin stärker in regulierte Finanzstrukturen eingebettet wird.
Bitcoin: Warum der Vermögenswert instabil bleibt
Bitcoin bleibt ein Vermögenswert ohne fundamentalen Wertanker, weshalb sein Kurs stärker auf Angebot und Nachfrage, Marktstimmung und Liquidität reagiert als klassische Anlageformen. Da keine Cashflows oder realwirtschaftliche Erträge zugrunde liegen, kann der Preis in kurzer Zeit deutlich steigen oder fallen.
Auch externe Faktoren wie regulatorische Entscheidungen, institutionelle Zuflüsse, ETF‑Bewegungen oder Verkäufe großer Marktteilnehmer können kurzfristig spürbare Ausschläge verursachen. Diese Abhängigkeit von Stimmungs‑ und Liquiditätseffekten verhindert, dass Bitcoin die Stabilität traditioneller Wertspeicher erreicht.
Gleichzeitig zeigt die Entwicklung der vergangenen Jahre, dass der Markt zunehmend reift: Die Volatilität ist langfristig rückläufig, die Liquidität höher, und professionelle Produkte wie ETPs und ETFs haben den Zugang strukturiert. Trotz dieser Fortschritte bleibt Bitcoin jedoch ein spekulatives Asset, dessen Wertentwicklung stark schwanken kann.
Fazit: Bitcoin ist ein risikoreiches Asset in einem gereiften Markt
In den vergangenen Jahren hat sich der Markt rund um Bitcoin deutlich weiterentwickelt: Die Regulierung wurde in vielen Ländern verschärft, institutionelle Produkte wie ETPs und ETFs haben den Zugang professionalisiert, und die Volatilität ist langfristig betrachtet tendenziell gesunken. Gleichzeitig bleibt Bitcoin ein digitaler Vermögenswert ohne inneren Wert, dessen Preis stark schwanken und im Extremfall auch kollabieren kann.
Für Anleger mit hoher Risikobereitschaft kann Bitcoin dennoch eine Beimischung darstellen – vorausgesetzt, sie sind sich der möglichen Verluste bewusst und betrachten das Investment als spekulativen Baustein innerhalb eines breit diversifizierten Portfolios. Die zunehmende Marktstrukturierung, Professionalisierung und Regulierung zeigen jedoch, dass Bitcoin heute nicht mehr das unregulierte Nischenexperiment früherer Jahre ist, sondern ein global beachtetes Anlagephänomen mit wachsender institutioneller Bedeutung.
Foto: Pixabay / Leamsii
Kapitalschutz-Zertifikate: ideal für den Einstieg in den Kapitalmarkt
Im Gespräch mit den beiden ZFA-Vorständen Philipp Arnold und Uwe Kolar.
Mehr Selbstentscheider: Online‑Handel und einfache Produkte boomen
Der Markt für Zertifikate wächst – und verändert sich. Immer mehr Selbstentscheider handeln online, gleichzeitig entdecken auch Berater und konservative Anleger die Vorteile standardisierter, transparenter Produkte. Entwicklungen, die den Markt prägen und warum Zertifikate für viele Anlegergruppen attraktiver werden.
- Die Zahl der Selbstentscheider steigt,
- Online‑Plattformen gewinnen an Bedeutung,
- gefragt sind einfache, standardisierte Zertifikate, die ohne komplexe Strukturen auskommen.
Doch Zertifikate sind jedoch nicht nur für erfahrene Online‑Trader geeignet. Auch Berater könnten ihren Kunden damit spezielle, maßgeschneiderte Lösungen anbieten – insbesondere, wenn Sicherheit und Transparenz im Vordergrund stehen.
Kapitalgarantie und Teilschutz: Warum Berater auf sichere Zertifikate setzen
Für viele Berater sind Produkte mit Kapitalgarantie oder Teilschutz besonders interessant. Uwe Kolar betont:
- Sie sind leicht verständlich,
- transparent,
- ohne versteckte Kosten,
- und bieten Anlegern einen klaren Rahmen für ihre Erwartungen.
Ein weiterer Vorteil: Zertifikate erleichtern den laufenden Kundendialog. Die Chance, immer wieder etwas im Portfolio zu drehen, bietet Anknüpfungspunkte beim Kunden.
Schnelle Emission: Zertifikate reagieren blitzschnell auf Trends
Ein entscheidender Vorteil gegenüber vielen anderen Anlageformen: Zertifikate können extrem schnell emittiert werden.
Während andere Produkte oft regulatorische Bewilligungen benötigen, können Emittenten bei Zertifikaten innerhalb kürzester Zeit auf neue Markttrends reagieren.
Damit lassen sich „große Themen“ abdecken – von Rohstoffen über Technologie bis hin zu Nachhaltigkeit.
Zudem bildet das Auszahlungsprofil eines Zertifikats den Markt nicht 1:1 ab. Möglich sind etwa:
- Fixkupons,
- Bonuszahlungen bei Seitwärtsbewegungen,
- Kapitalschutz oder Teilschutz,
- asymmetrische Renditeprofile.
ESG: Nachhaltigkeitsthema auch am Zertifikatmarkt
ESG – Umwelt, Soziales und Unternehmensführung – zählt auch im Zertifikatemarkt zu den wichtigsten Themen.
Arnold spricht von einem „extremen Schwung“, der auch in den kommenden Jahren „gigantisch“ bleiben werde.
Wichtige Beobachtungen:
- Auch Selbstentscheider achten zunehmend auf ESG‑Kriterien.
- Die Rendite bleibt entscheidend – doch der Mythos, ESG koste Performance, verliert an Bedeutung.
- Besonders beliebt ist der Best‑in‑Class‑Ansatz, der breite, marktähnliche Investments ermöglicht.
Neben Nachhaltigkeit zählen auch Technologie‑Megatrends wie
- Künstliche Intelligenz,
- Robotik,
- Digitalisierung, zu den gefragtesten Themen im Zertifikate‑Universum.
Kapitalmarkt: Sicherheit bleibt für viele zentral
Ein wesentlicher Grund für den Erfolg von Zertifikaten im Niedrigzinsumfeld: Mit dem Sparbuch ist nichts zu verdienen.
Zertifikate mit Kapitalschutz ermöglichen vielen Anlegern den ersten Schritt in den Kapitalmarkt. Nach zwei bis drei Jahren Erfahrung wagen viele den nächsten Schritt – etwa in
- Bonuszertifikate,
- Fixkuponvarianten,
- oder Produkte mit moderatem Risiko.
Der Sicherheitsgedanke bleibe jedoch wichtig: Kapitalschutz bleibt gefragt, Teilschutz gewinnt an Bedeutung.
Junge Anleger: klare Botschaften, digitale Kommunikation, einfache Produkte
Arnold betont, dass es in der Kommunikation mit jungen Anlegern besondere Herausforderungen gibt:
- Sie wollen Lösungen für ihre Bedürfnisse,
- klare, verständliche Botschaften,
- digitale, schnelle Kommunikation,
- und einfache, kostengünstige Produkte.
Zertifikate sind hier im Vorteil: Sie benötigen kein großes Portfolio, sind preislich attraktiv und bieten strukturierte, nachvollziehbare Renditechancen.
Und: Auch junge Menschen erkennen zunehmend, dass sie sich langfristig um ihre Geldanlage kümmern müssen.
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Foto: Pixabay / Robert Kneschke
100-Mrd.-Markt: Neue Adipositas‑Medikamente läuten nächste Phase ein
Adipositas wird zur globalen Gesundheitskrise
Laut einer aktuellen Studie im The Lancet leiden weltweit bereits über eine Milliarde Menschen an Übergewicht oder Fettleibigkeit. 2020 waren 38 % der Weltbevölkerung über fünf Jahre übergewichtig – bis 2035 dürfte dieser Anteil auf 51 % steigen. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von 3 %. Seit 1975 hat sich die Zahl der Betroffenen nahezu verdreifacht.
Ein Markt mit enormem Wachstumspotenzial
Trotz der dramatischen Zahlen werden in den USA bislang nur 2 % der Adipositas‑Patienten medizinisch behandelt. Der Markt für sichere und effektive Therapien ist daher weit offen. Für die kommenden Jahre wird ein jährliches Wachstum von 25–30 % erwartet (CAGR 2022–2030).
Derzeit dominieren Novo Nordisk und Eli Lilly den Markt für sogenannte GLP‑1‑Medikamente, . Bisher war Novo Nordisk der Marktführer. Dieser schätzt den Umsatz für den globalen Adipositasmarkt auf 100 Mrd. US‑Dollar bis 2030. Die Pipeline umfasst Wirkstoffkombinationen wie CagriSema und Amycretin, die das Potenzial haben, die nächste Generation der Adipositastherapie zu prägen.
Aktien von Novo Nordisk um fast 80 Prozent abgestürzt
Doch das Feld der Gewinner und Verlierer in diesem hart umkämpften Markt ist noch klar verteilt und herbe Rückschlägen müssen stets auch von Anlegern einkalkuliert werden. So ist die Aktie von Novo Nordisk von Mitte 2024 bis März 2025 um 76 Prozent abgestürzt und weist nur noch ein KGV von 10 auf.
Gründe für den Kursrückgang von Novo Nordisk
Eine wichtige Studie zu CagriSema, einem Hoffnungsträger der nächsten GLP‑1‑Generation, hat das primäre Ziel verfehlt. In einem direkten Vergleich zeigte sich das Medikament weniger wirksam als Eli Lillys Zepbound, was das Vertrauen der Anleger erschütterte.
Ein weiteres Problem: Novo Nordisk musste die Preise seiner Blockbuster‑Medikamente um bis zu 50 Prozent senken, um im US‑Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. Das belastet Margen und zukünftige Gewinne erheblich.
Novo Nordisk: Umsatz- und Gewinnrückgang für 2026 prognostiziert
Für 2026 erwartet das Unternehmen nun einen Rückgang von Umsatz und operativem Gewinn um 5–13 % – ein Schock für einen Konzern, der jahrelang zweistellig gewachsen ist.
Analysten sehen langfristig dennoch Potential
Trotz Rückschlägen bleibt Novo Nordisk laut Morningstar und Business Insider ein Kernwert im Adipositas‑Segment. Das Unternehmen ist weiterhin Marktführer bei Abnehm-Medikamenten wie Wegovy und Ozempic. Analysten sehen langfristig großes Potenzial, auch wenn kurzfristige Risiken bestehen.
Adipositas-Medikamente: Wettbewerb nimmt Fahrt auf
Dennoch Rückschlägen arbeiten mindestens sieben Biopharma-Unternehmen fieberhaft an neuen Wirkstoffen mit noch stärkerem Gewichtsverlust. Darunter
Amgen (orale Pille gegen Übergewicht, statt Spritze)
Viking Therapeutics (starke Phase-2-Daten)
Structure Therapeutics (ebenfalls orales Medikamente zur Adipositastherapie)
Roche über Akquisitionen im Feld aktiv
Rückschläge bei Novo Nordisk bringt Vorteil für Eli Lilly
Der Rückschlag bei Novo Nordisk stärkt Konkurrent Eli Lilly gleich doppelt:
- Zepbound/Mounjaro gelten nun klar als wirksamere Therapien gegen Fettleibigkeit.
- Lilly hat eine breitere Pipeline, die in Studien teils deutlich stärkere Gewichtsreduktionen zeigt.
- Die Preissenkungen von Novo Nordisk erhöhen den Druck auf die Margen, während Lilly seine Preise stabiler halten kann.
Für Investoren bedeutet das: Der Marktführer könnte sich dauerhaft verschieben.
Markt für Pillen für die Gewichtsreduktion wird neu bewertet
Der Sektor war extrem hoch bewertet – mit Erwartungen, die fast nur perfekte Daten zuließen. Der Absturz von Novo Nordisk führt zu:
- Bewertungsabschlägen bei allen diesen Spezialisten für Appetitzügler
- höherer Risikoprämie für Biotech‑Werte mit Adipositasfokus
- kritischerer Sicht auf diese sogenannten „Next‑Gen‑GLP‑1“ (Kombinationstherapien, orale Biologika)
Das Narrativ „Appetithemmer lösen alles“ wird durch ein realistischeres Bild ersetzt.
Segment für Appetitzügler‑Medikamente wird differenzierter
Trotz des Kurssturzes bleibt der Adipositasmarkt einer der größten Wachstumsmärkte im Gesundheitssektor:
- über 1 Milliarde Betroffene weltweit
- nur 2 % der Patienten in den USA werden überhaupt behandelt
- erwartetes Marktvolumen bis 2030: 100 Mrd. USD.
Der Kurssturz ist also kein Ende des Booms, sondern der Beginn einer neuen Phase, in der Wettbewerb, Evidenz und Preisgestaltung stärker zählen als reine Euphorie.
Foto: AdobeStock / tournee
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Anlegen ist Notwehr
Florian Beckermann (27.02.2026). Eine Generation steht vor einem Problem: Geht sich die Altersvorsorge aus? Nicht zuletzt der gefühlte Abstieg der nationalen Wettbewerbsfähigkeit gilt für viele als klares Indiz, dass die Minimalanforderungen des staatlichen Altersvorsorgesystems nicht genügen werden. Allenthalben heißt es dann „Eigenverantwortung übernehmen“ und „für das Alter sparen“. Junge Menschen sollen investieren – aber bitte nur so, wie es in das enge Raster staatlicher Aufsicht passt? Freiheit ja, doch nur in regulierbarer Dosierung. Die Erträge werden hoch besteuert oder abgeregelt. Zusätzlich bedroht durch die Demographie. Und Erbschaftssteuer soll das Startkapital verdampfen lassen.
Kapitalanlage ist dann kein Luxus, sondern Notwehr. Wer heute zwanzig oder dreißig ist, weiß, dass dem umlagefinanzierten Rentenversprechen die Demographie im Nacken sitzt. Die nüchterne Konsequenz lautet: früh investieren, breit streuen, langfristig denken. Eine wachsende Minderheit sieht diese Realität und wagt den Schritt auf den Markt z. B. mit ETFs. Doch nur wenige entscheiden sich für das direkte Investment in die Aktien der heimischen Betriebe, die das langfristige (!) Eigenkapital so dringend brauchen können. Die Verteufelung der
Börse als „Casino“ trägt langfristige Früchte. Die soziale Abschreckung funktioniert besonders in Österreich.
Mehr noch, überbordende Regulierung wird als „Anlegerschutz“ verkauft. Während in Wahrheit die Bürger für doof gehalten werden. Die regulatorischen Informationspflichten wachsen ins Absurde, Kleingedrucktes gleicht einem juristischen Minenfeld und jede Reform bringt neue Detailvorschriften – die kaum jemand liest. Der jüngste Kapitalmarktprospekt des deutschen Börsengangs von ASTA Energy umfasste weit mehr als 300 Seiten in englischer Sprache. Junge Menschen, die vielleicht 100 E im Monat investieren wollen, sehen sich einem Apparat gegenüber, der suggeriert: Ohne Expertenstatus investiert man in ein Hochrisikoprojekt. Dann lässt man es besser.
Fiskalische Logik: Kapitalerträge werden besteuert, deren bloße Möglichkeit aus bereits versteuertem Einkommen erwächst. Wer langfristig Vermögen aufbauen will, läuft durch ein Spalier der Abschöpfung. Das Signal ist auch hier eindeutig: Sparsamkeit und Risikobereitschaft sind ein not-wendiges Übel, solange sie nicht zu erfolgreich sind. Besonders perfide ist die psychologische Wirkung. Anstatt junge Menschen an unternehmerisches Denken, Beteiligungskultur und Aktienbesitz heranzuführen, kultiviert man Misstrauen, Altersarmut und Sparmatratzen. Investieren erscheint
als etwas Gefährliches, Spekulatives, moralisch Fragwürdiges – während gleichzeitig staatliche Schuldenaufnahme als alternativlos gilt.
Fazit: Die wirtschaftliche und demographische Notwehrlage provoziert die private Vorsorge unter steuerlichem und regulatorischem Sperrfeuer. Wer es ernst meint mit Generationengerechtigkeit, muss die Kapitalanlage für junge Menschen vereinfachen und steuerlich entlasten sowie Startkapital ermöglichen. Alles andere ist Heuchelei im Mantel der Fürsorge.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
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Florian Beckermann (20.02.2026). Immer mehr Österreicher wünschen sich finanzielle Freiheit. Das Hamsterrad durchbrechen, emotional wichtige Inhalte realisieren. Es vergeht kaum ein Gespräch mit jungen Anlegern, das nicht dieses Thema umkreist. Doch was ist damit gemeint? Wo lauern Gefahren? Finanzielle Freiheit, in seiner ausgeprägtesten Form beinhaltet die Erstreitung des Lebensunterhalts ohne aktive Erwerbstätigkeit ausschließlich mit passivem Einkommen, wie Zinsen, Dividenden und Mieteinnahmen. Insbesondere die Freiheit, seine Zeit frei einzuteilen, gilt als erstrebenswert. Sie ist abzugrenzen von der finanziellen Unabhängigkeit: Einem Leben ohne Arbeit, aber mit bewusst eingeschränktem Lebensstil. Eine subjektive Entscheidung.
Vorteile
Die gesellschaftlichen Vorteile liegen auf der Hand: Geringere soziale Spannungen und Polarisierung, Resilienz gegenüber wirtschaftlichen Krisen, Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und Unabhängigkeit vom Staat. Im Hinblick auf Abwanderung ist letzteres weniger interessant für den Staat. Dennoch unterstützungswürdig? Insgesamt zeigt sich dieser weitgehend desinteressiert, dem Bürger auf diesem Weg zu helfen. Zu stark sind die vornehmlich finanziellen Interessen an der Erhaltung von Millionen Menschen in einer Erwerbsstruktur. Das auch finanziell freie Bürger kräftig Steuern zahlen, ist gleichgültig – ein Auswuchs der Neiddebatte.
Gegnerschaft
So haben eine Vielzahl von politischen Parteien in Europa sich eine Unmenge an Hinderungsstrategien überlegt, diese bürgerliche Freiheit nicht entstehen zu lassen – absurderweise. Selbst kleinstes Wachstum in dieser Art der Selbsterhaltung wird aktuell mit der Keule der Erbschaftssteuer oder Vermögenssteuer bedroht. Die Pläne der niederländischen Regierung zur Abschöpfung unrealisierter Gewinne sind der Vernichtungsschlag. Sprachpolizeiliche Begriffsverquirler sehen in der „finanziellen Freiheit“ eine nachteilige Verquickung von Schlagworten des Neoliberalismus, der Finanzbranche oder gar des Antifeminismus (sic!). Technische Feindschaft wird durch den digitalen Euro verortet. Dieser kann eine finanzielle Durchleuchtung weiter erleichtern und dem intransparenten Freiheitsprivatissimum widersprechen. Surreal.
Fazit: Privates Risikokapital für Innovation, Wohnraum, Technologie, erneuerbare Energie usw. erhält man so nicht. Sollen wirklich ausländische Finanzinvestoren alle diese Zukunftsbereiche beherrschen? Für Private gilt: Technische Flexibilität und Wachsamkeit sind Grundvoraussetzungen zur Absicherung dieses Lebenstraums. Nach US-Studien geben beinahe 50 % der Millennials an, dass die finanzielle Freiheit ihr Lebensziel ist. Über 50 % der „Gen Z“ erwartet vor 60 Jahren in Rente zu gehen. Ob der Staaten mit der Behinderung dieser Lebensentwürfe auf dem richtigen Dampfer unterwegs sind, scheint fragwürdig.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Was 2026 für Pharma-Aktien spricht
Mehr FDA‑Zulassungen, starkes Wachstum und günstige Bewertungen machen Pharma‑Aktien attraktiv.
Pharma-Aktien profitieren von steigenden FDA‑Zulassungen
(20.02.2026) Zwischen 2000 und 2010 gab es in den USA durchschnittlich nur 23 FDA‑Zulassungen pro Jahr. 2025 waren es bereits 46 Neuzulassungen, davon rund die Hälfte für seltene Erkrankungen.
Mehr Zulassungen bedeuten:
- mehr Umsatzpotenzial
- schnellere Marktdurchdringung
- höhere Innovationskraft der Branche
Ein klarer Rückenwind für Pharma Aktien.
Weltweiter Medikamentenmarkt wächst stark
Laut der Researchfirma Towards Healthcare soll der globale Medikamentenmarkt bis 2035 jährlich um 6,04 % wachsen – auf über 3 Billionen USD. Das stärkste Wachstum wird im Immunologie‑Segment erwartet.
Für Anleger bedeutet das: Pharma Aktien bleiben ein struktureller Wachstumsmarkt.
Pharma-Aktien sind trotz Potenzial günstig bewertet
Trotz der starken Perspektiven ist der globale Gesundheitssektor aktuell mit Abschlägen bewertet:
- MSCI World Pharma/Biotech/Life Sciences Forward‑KGV: 17,69
- MSCI World Forward‑KGV: 20,02
Die Underperformance der letzten zehn Jahre hat die Bewertungen gedrückt – was langfristig orientierten Anlegern Chancen eröffnet.
Historisch zeigt sich die Stärke der Branche: Seit 1994 erzielte der Pharma‑Index 10,55 % p.a., gegenüber 8,99 % p.a. im MSCI World.
Pharma-Aktien mit Wachstumspotenzial
Gilead Sciences: Aufwärtsrevisionen und starke Pipeline
Analysten erwarten für Gilead bis 2027 ein Gewinnwachstum von 10,5 % p.a. Treiber sind:
- starke HIV‑Präventionsprodukte
- neue Therapien in Onkologie, Zelltherapie und Entzündungen
Ein geschätztes KGV 2027 von 18,7 lässt weiteres Kurspotenzial zu.
BioNTech: mRNA‑Spezialist mit breiter Pipeline
BioNTech verfügt über mehr als 20 Präparate in Phase II und III. Besonders aussichtsreich ist der Antikörper BNT327, ein Immuntherapie‑Kandidat für verschiedene Tumorarten wie:
- kleinzelliger Lungenkrebs
- nicht‑kleinzelliger Lungenkrebs
- Brustkrebs
Bei einem Kurs von 77,37 € ergibt sich ein geschätztes KGV 2027 von 10,9 – sehr attraktiv für ein Unternehmen mit dieser Pipeline.
Regeneron Pharmaceuticals: Starker Partner, starke Pipeline
Regeneron ist Partner von Sanofi bei Dupixent und Anbieter von Eylea zur Behandlung von Netzhauterkrankungen.
Analysten erwarten:
- +19 % Gewinnwachstum je Aktie in 2027
- +19 % Gewinnwachstum je Aktie in 2028
Ein geschätztes KGV 2028 von 14,3 signalisiert weiteres Kurspotenzial.
Novartis: Breit diversifizierter Pharma‑Riese
Novartis ist in Onkologie, Immunologie, Herz‑Kreislauf, Neurologie und Stoffwechsel breit aufgestellt.
Erwartungen:
- 10,7 % Gewinnwachstum p.a. von 2025 bis 2028
- geschätztes KGV 2028 von 16,7
Ein stabiler, globaler Qualitätswert unter den Pharma-Aktien.
Autor: Michael Kordovsky
Foto: Unsplash/ac
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Hohe Unternehmensinsolvenzen 2026: Die Gründe
Was wird entscheidend für diese globale Entwicklung: Zinsenhöhe oder Wachstum? Eine Analyse.
(20.02.2026) Die Zahl der weltweiten Unternehmensinsolvenzen bleibt 2026 auf einem hohen Niveau, zeigt jedoch erstmals leichte Anzeichen einer Stabilisierung. Laut der aktuellen Prognose des Kreditversicherers Coface Kreditversicherung für jede Unternehmensgröße | Coface wird trotz sinkender Leitzinsen und geldpolitischer Entspannung weiterhin ein globaler Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um 2,8 % erwartet – ein moderateres Wachstum als in den Vorjahren.
Finanzierungskosten als entscheidender Faktor
Die Nachhaltigkeit dieser Erholung hängt stark vom Zinsumfeld ab. Schon eine Erhöhung um 25 Basispunkte könnte die globale Insolvenzentwicklung wieder kippen und den Anstieg auf +4 bis +5 % treiben. Coface betont: Die Entwicklung der Insolvenzen 2026 wird weniger vom Wachstum als vom Tempo der geldpolitischen Anpassung abhängen – die Finanzierungskosten werden zum entscheidenden Faktor.
Besonders gefährdete Branchen
Besonders unter Druck stehen laut Coface Unternehmen aus der Bau-, Chemie- und Textilindustrie. In Europa sind zudem exportorientierte Sektoren wie der Automobilbau und seine Zulieferer besonders exponiert.
„Eher Verschnaufpause als eine Trendwende“
„Das Jahr 2026 dürfte eher eine Verschnaufpause als eine echte Trendwende bringen. Die Insolvenzzahlen stabilisieren sich nur, wenn die Finanzierungskosten nicht wieder ansteigen“, erklärt Markus Kuger, Head of Economic Research D‑A‑CH bei Coface. Die aktuelle Lage bleibt damit angespannt – und stark abhängig vom Zinsumfeld.
Fragile Stabilisierung trotz hoher Verschuldung
Auch Dagmar Koch, Country Managerin Coface Österreich, spricht von einer „Stabilisierung auf hohem Niveau“, die jedoch „fragil“ bleibt. Die Unternehmensverschuldung ist weiterhin hoch, Kreditbedingungen haben sich zuletzt unerwartet verschärft, und die Margen stehen unter Druck. Besonders exponierte Branchen zeigen weiterhin deutliche Spannungsanzeichen.
Unternehmensinsolvenzen in Europa: Länder im Überblick
In Europa bleibt der Ausblick eng an die Entwicklung der Finanzierungskosten gekoppelt. Coface erwartet für 2026:
- Deutschland: +1 %
- Frankreich: +2 %
- Vereinigtes Königreich: +2 %
- Italien: –2 % (bedingt durch Verfahrensreformen)
- Niederlande: +4 % (Rückkehr zum Vor‑Pandemie‑Niveau)
Diese Zahlen zeigen: Die Dynamik der Unternehmensinsolvenzen variiert stark – und folgt klar der Zinsentwicklung.
Finanzierungskosten als zentraler Treiber der Insolvenzentwicklung
„Der europäische Kontinent reagiert weiterhin äußerst empfindlich auf die Kreditkosten“, so Coface. Ein verhaltenes BIP‑Wachstum von unter 1 % und ein Zinsniveau, das trotz EZB‑Senkungen weiterhin über dem Durchschnitt von 2009–2022 liegt, werden 2026 zu einem moderaten Anstieg der Unternehmensinsolvenzen in Österreich führen, erklärt Kuger.
Nordamerika: Auseinanderlaufende Entwicklungen
In Nordamerika erwartet Coface eine deutliche Divergenz:
- USA: +4 % – belastet durch abkühlende Konjunktur und Zollerhöhungen
- Kanada: –5 % – nach langem Wachstumszyklus deutlicher Rückgang
Die Insolvenzentwicklung folgt hier unterschiedlichen wirtschaftlichen Zyklen und politischen Rahmenbedingungen.
Fazit: Unternehmensinsolvenzen 2026 hängen am Zinstropf
Coface bringt es auf den Punkt: Die Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen 2026 wird weniger vom Wachstum als vom Tempo der geldpolitischen Anpassung abhängen. Die Finanzierungskosten werden damit zum entscheidenden Faktor für das kommende Jahr.
Autor: Emanuel Lampert
Foto: AdobeStock Andrey Profoto
Historischer Hintergrund: Vom Ölreichtum zum Finanzvermögen
Steiermärkische Sparkasse Private Banking analysiert das Erfolgsmodell des norwegischen Staatsfonds im Detail.
(20.02.2026) Die Erfolgsgeschichte begann Ende der 1960er‑Jahre mit der Entdeckung großer Erdöl- und Erdgasvorkommen in der Nordsee. Um eine Überhitzung der Wirtschaft und Abhängigkeit von Rohstoffpreisen zu vermeiden, beschloss Norwegen 1990 die Gründung eines Staatsfonds.
1996 erfolgten die ersten Einzahlungen. 2006 wurde der Fonds in Government Pension Fund Global umbenannt – als Symbol für langfristige finanzielle Stabilität.
So funktioniert der norwegischer Staatsfonds
Der norwegische Staatsfonds – offiziell Government Pension Fund Global (GPFG) – ist mit fast 2 Billionen Euro Vermögen (Ende 2025) der größte Staatsfonds der Welt. Er gilt als internationales Vorzeigemodell: Nicht nur, weil das rohstoffreiche Norwegen seine Einnahmen für künftige Generationen sichert, sondern auch aufgrund seiner langfristig erfolgreichen Investmentstrategie. Geduld, eine breite Diversifikation und politische Disziplin sind die Eckpfeiler des Erfolges, so die Experten der Steiermärkischen Sparkasse Private Banking.
Investmentstrategie: Rund 70 % Aktienquote
Verwaltet wird der norwegische Staatsfonds von der Norges Bank Investment Management (NBIM). Investiert wird breit gestreut in:
- Aktien
- Anleihen
- Immobilien
- Infrastruktur für erneuerbare Energien (v. a. Wind und Solar)
Die Zielallokation liegt bei etwa 70 % Aktien und 30 % Anleihen. Nur rund 2 % fließen in Immobilien und Infrastruktur. Ende 2025 hielt der Fonds 1,5 % aller weltweit börsennotierten Aktien – insgesamt rund 7.200 Beteiligungen.
Globale Beteiligungen: Von Apple bis Siemens
Der norwegische Staatsfonds investiert in Unternehmen in fast 70 Ländern. Die größten Positionen liegen in den USA, gefolgt von Japan, Großbritannien, Deutschland und Frankreich. Die größte Einzelposition war Ende 2025 Nvidia mit einem Anteil von 1,26 %.
Anleihen und Immobilien: Fokus auf Stabilität
Auch bei Anleihen dominiert die USA, gefolgt von Japan, Deutschland, Großbritannien und Kanada. Das Immobilienvermögen konzentriert sich vor allem auf Wohnimmobilien in Frankreich. Im Infrastrukturbereich investiert der Fonds überwiegend in Solar- und Windprojekte in Spanien, Deutschland, Dänemark und Großbritannien.
Ethische Investitionsregeln als Markenzeichen
Der norwegische Staatsfonds ist bekannt für strenge ESG‑Kriterien. Ausgeschlossen werden Unternehmen, die:
- Atomwaffen oder Streumunition herstellen
- schwere Umweltzerstörung verursachen
- Menschenrechte verletzen
- stark in Kohleförderung involviert sind
Der Fonds nutzt seine Stimmrechte aktiv, um Transparenz, Klimaschutz und gute Unternehmensführung zu fördern.
Kapitalerhalt als oberstes Prinzip
Die norwegische Haushaltsregel ist zentral für den Erfolg: Nur die Rendite wird genutzt, das Kapital bleibt unangetastet.
Der Staat darf jährlich nur rund 3 % entnehmen – die langfristig erwartete Rendite. Dadurch bleibt der Fonds geschützt vor kurzfristigen politischen Interessen und sichert:
- stabile Staatsfinanzen
- ein robustes Sozialsystem
- wirtschaftliche Stabilität trotz schwankender Öl- und Gaspreise
- nachhaltigen Wohlstand für zukünftige Generationen
Autor: Steiermärkische Private Banking
Foto: Getty Images für Unsplash+
Gezillmert oder ungezillmert? Die Unterschiede
Die Rolle von Standard Life in der privaten Vorsorge
(20.02.2026) Unumstritten bildet die erste Säule – das staatliche Pensionssystem – die Basis der Altersversorgung. Während die zweite Säule politisch im Fokus steht, rückt die private Vorsorge zunehmend in den Hintergrund. Dabei spielen Versicherungen eine zentrale Rolle.
Der Börsen‑Kurier sprach in Wien mit Christian Nuschele, Head of Distribution für Deutschland und Österreich bei Standard Life, über Chancen und Herausforderungen.
Fondspolizzen als effiziente Vorsorgelösung
Fondspolizzen seien in Österreich durch steuerliche Vorteile eine besonders effiziente Möglichkeit, Vermögen für die Pension aufzubauen. Nuschele betont: Langfristigkeit ist entscheidend. Nur wer investiert bleibt, profitiert von den Märkten.
Doch zuerst müsse das Bewusstsein bei den Beratern ankommen: „Wenn der Berater nicht weiß, wofür er beim Kunden steht, kann er ihn nicht überzeugen.“
Gezillmert oder ungezillmert? Die Produktwahl hängt vom Alter ab
Vorsorge früh beginnen
Was man in jungen Jahren nicht spart, lässt sich später kaum aufholen. Für junge Versicherte empfiehlt Nuschele klassische, gezillmerte Produkte, die langfristig Zinseszinseffekte und Steuervorteile bieten.
Mit 40+ ändern sich die Prioritäten
Wenn das berufliche Leben stabiler wird, kommen ungezillmerte Varianten ins Spiel. Mit 40 oder 45 Jahren sei meist klar, wie viel zusätzlich zur Seite gelegt werden kann. Gezillmerte Produkte machen in diesem Alter wenig Sinn.
Vorteile ungezillmerter Produkte
Ein großer Vorteil: Bei ungezillmerten Produkten kann bis zum Zweifachen der geplanten Prämie zugezahlt werden – ohne höhere Versicherungssteuer wie bei Einmalerlägen.
Auch Flexibilität ist ein Pluspunkt:
- Zahlungen können ausgesetzt werden
- Aufstockungen sind möglich
- Kosten und Vergütungen sind nicht vorab „verbraucht“
Beratung als Schlüssel zur erfolgreichen Vorsorge
Wichtig sei, die demografische Entwicklung realistisch zu erklären – ohne Untergangsszenarien. Das System bleibe bestehen, aber nicht in der bisherigen Höhe.
Die Frage „Was werde ich später brauchen?“ müsse pragmatisch beantwortet werden. Berater sollten Kunden langfristig begleiten und regelmäßig prüfen:
- Passen die Produkte noch?
- Haben sich Lebensumstände geändert?
- Muss nachjustiert werden?
Die Generation 50+: Warum Vorsorge weiterhin sinnvoll ist
Auch für über 50‑Jährige eignen sich ungezillmerte Produkte. Denn das durchschnittlich angesparte Vermögen reicht oft nur für 15 Jahre – zu wenig bei steigender Lebenserwartung.
Hier geht es um:
- Analyse der vorhandenen Mittel
- Zusammenspiel von erster und zweiter Säule
- Planung der letzten Erwerbsjahre
Vertrauen ist entscheidend: „Ein Kunde spricht nicht über alles mit einem Berater, den er erst zwei Jahre kennt.“
Steuervorteile, die oft übersehen werden
Einmalerläge bieten attraktive steuerliche Vorteile: Nach 15 Jahren (bzw. 10 Jahren ab dem 50. Lebensjahr) fallen nur 4 % Versicherungssteuer an – deutlich weniger als die Steuerlast auf Erträge von Bankkonten oder Depots.
Standard Life engagiert sich sozial
Standard Life unterstützt seit 18 Jahren die Österreichische Krebshilfe Wien. Die aktuelle Spende von 6.000 € fließt in das Projekt „Zurück ins Leben“, das Betroffene beim Wiedereinstieg in den Alltag begleitet.
Autor: Marius Perger
Foto: Standard Life
Führungskultur: Wo bleibt ein Rücktritt?
Florian Beckermann. Der Rücktritt vom Amt ist in Österreich ein mythologisches Wesen. Man hat von ihm gehört, irgendwo zwischen Drachen und Einhörnern, doch gesehen hat ihn noch niemand. Er soll erscheinen, so heißt es, wenn Verantwortung übernommen wird. In Freiwilligkeit erscheint er sowieso nie. Wenn überhaupt, erfolgt eher ein Umtritt. Die Blutgrätsche lässt grüßen.
Fehler werden nicht gemacht, sie geschehen einfach. Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten existieren, aber nur als dekorative Gobelins in Ministerien und Vorstandsetagen. Wenn etwas schiefläuft, tritt nicht der Verursacher zurück, sondern die Realität einen Schritt zur Seite, um niemanden zu behelligen. Schuld ist stets das System, der Markt, das Wetter oder, besonders beliebt, die „Komplexität der Lage“.
Die Rücktrittskultur dieses Landes ist theoretisch vorhanden und praktisch ignoriert. Man bekennt sich zur Verantwortung wie zu einem guten Vorsatz am Neujahrsmorgen – ernsthaft, öffentlich und ohne jede Absicht, ihn einzuhalten. Statt Rücktritten gibt es Pressekonferenzen, Spin-Doktoren telefonieren die Nächte durch – so wie Fitnesscenter mit Anmeldungen im Jänner reüssieren. Statt Konsequenzen gibt es Arbeitsgruppen, Expertenkreise. Statt Einsicht gibt es Bedauern, vorzugsweise im Passiv: „Es wurden Fehler gemacht.“
Bemerkenswert ist die erstaunliche Haltbarkeit im Amt. Skandale werden ausgesessen. Wer doch einmal ins Straucheln gerät, wird nicht entlassen, sondern „neu aufgestellt“. Das ist keine Flucht, das ist ein Perspektivwechsel mit Dienstwagen – bei ähnlichen Bezügen selbstverständlich. Rücktritt wäre schließlich ein Schuldeingeständnis und Schuldeingeständnisse gefährden Karrieren. Sollte man nicht zumindest respektvoll einen solchen Schritt akzeptieren?
Die Öffentlichkeit agiert passiv. Ein Unterhaltungsfaktor spielt mit. Empörung wird in haushaltsüblichen Portionen konsumiert, Empathie mit den Verantwortlichen oder Shitstorms inklusive. Man weiß ja, wie stressig Macht ist und wie böse Social Media sein können. Und morgen ist ohnehin ein neuer Aufreger fällig. Eine Erinnerung gilt als unhöflich.
So bleibt der Rücktritt ein exotischer Import aus fremden Ländern. Eine echte Fehlerkultur ist ein Fremdwort. Manch einer mag darin eine gewisse Unreife verorten. Die Effekte sind beachtlich. Was bei Hans nicht zu Konsequenzen führt, wird Hänschen verführen. Allenfalls eine Mittelklasse kann aus einem solchen Umfeld entstehen. Junge Menschen, die etwas bewegen wollen, werden durch diese Kultur langfristig frustriert. Eine Kultur des Wegsehens etabliert sich. Ein Abstieg muss unweigerlich folgen. Wäre es nicht sinnvoll, Rücktritte gesellschaftlich deutlich positiver zu goutieren?
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Capital Group veröffentlicht Kapitalmarkterwartungen 2026
Die langfristigen Erwartungen des globalen aktiven Investmentmanagers für die nächsten 20 Jahre bleiben weitgehend unverändert.
(11.02.2026) Capital Group, einer der weltweit größten und erfahrensten aktiven Investmentmanager mit einem verwalteten Vermögen von über 3 Billionen US-Dollar, hat seine Kapitalmarkterwartungen (Capital Market Assumptions, CMAs) für 2026 veröffentlicht. Diese skizzieren die langfristigen Erwartungen des Unternehmens hinsichtlich Renditen, Korrelationen und Volatilitäten für die wichtigsten Assetklassen über einen Zeitraum von 20 Jahren. Die Schätzungen für Aktien- und Anleiherenditen sind im Vergleich zu 2025 leicht gesunken. Das Unternehmen hält an einem konstruktiven langfristigen Ausblick fest, der durch stabile Inflationstrends, Produktivitätsgewinne und ein breiteres Chancenspektrum für diversifizierte, langfristige und aktiv gemanagte Portfolios gestützt wird.
Aktives Management leistet weiterhin einen wesentlichen Beitrag zu den globalen Märkten – durch Preisfindung und eine effiziente Kapitalallokation. Der langfristige Investmentansatz von Capital Group basiert auf jahrzehntelanger Erfahrung über verschiedene Marktzyklen hinweg. Im Jahr 2025 führten die Investmentexperten weltweit mehr als 22.000 Gespräche mit Unternehmen, die wertvolle Einblicke lieferten und zur Ausgestaltung der langfristigen Annahmen des Unternehmens beitragen.
„Unsere Kapitalmarkterwartungen für 2026 spiegeln eine Welt wider, in der kurzfristige Unsicherheiten und strukturelle Veränderungen neben langfristigen Chancen bestehen“, sagt Alexandra Haggard, Head of Asset Class Services für Europa und Asien-Pazifik bei Capital Group. „Während sich unsere Renditeerwartungen für die wichtigsten Assetklassen über einen Zeitraum von 20 Jahren leicht abgeschwächt haben, sehen wir als langfristige Investoren weiterhin ein konstruktives Umfeld mit Investitionsmöglichkeiten in den globalen Märkten, gestützt durch Innovationszyklen, Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz und eine Inflation, die nahe an den Zielwerten der Zentralbanken verankert bleibt. KI bleibt ein struktureller Treiber langfristiger wirtschaftlicher Widerstandsfähigkeit durch Produktivitätsgewinne, und in einem komplexeren Umfeld unterstreicht dies die Bedeutung von aktivem Investieren und einer sorgfältigen Navigation.“
Die Kapitalmarkterwartungen von Capital Group für 2026 weisen auf Folgendes hin:
• Reales BIP: Die Wachstumserwartungen sind weitgehend stabil. Die USA liegen mit 2,4 Prozent leicht höher; die Eurozone und das Vereinigte Königreich verbleiben bei 1,3 Prozent, während die Schwellenländer (3,0 Prozent) und Japan (0,7 Prozent) leicht niedriger ausfallen.
• Inflation: Die Erwartungen sind weitgehend unverändert und bewegen sich weiterhin nahe an den Zielwerten der Zentralbanken – rund 2 Prozent in Europa und Japan sowie 2,3 Prozent in den USA und im Vereinigten Königreich. Kurzfristig beträgt die Inflation in den USA und Japan rund 3 Prozent. Für Indien wird ein Wert von über 3 Prozent erwartet, während Europa und das Vereinigte Königreich näher bei 2 Prozent liegen.
• Aktien: Die Renditeerwartungen wurden nach einer starken Marktentwicklung und erhöhten Bewertungen leicht nach unten angepasst. Die Prognosen liegen nun bei 6,1 Prozent für US-Aktien, 5,7 Prozent für entwickelte Märkte außerhalb der USA und 6,5 Prozent für Schwellenländer.
• Anleihen: Die Renditen werden aufgrund niedrigerer Ausgangsrenditen leicht niedriger erwartet, auch wenn höhere langfristige Zinsannahmen einen gewissen Ausgleich bieten. Die Bedingungen bleiben deutlich besser als im außergewöhnlich niedrigen Zinsumfeld der vergangenen zwei Jahrzehnte. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen wird über einen Zeitraum von 20 Jahren mit 4,2 Prozent prognostiziert (gegenüber 3,9 Prozent im Vorjahr).
• Währungen: Der US-Dollar dürfte sich moderat um –0,5 Prozent pro Jahr abschwächen. Yen und Yuan werden im Vergleich zum Vorjahr voraussichtlich aufwerten, während Euro und Pfund weiter nachgeben dürften, sodass die Gesamtauswirkungen auf den US-Dollar insgesamt weitgehend ausgeglichen sind.
Gewinner der europäischen Aufrüstung: Verteidigungselektronik
Ein Kommentar von Ben Leyland, Senior Fund Manager der JOHCM Global Opportunities-Strategie.
(11.02.2026) Europäische Verteidigungsaktien haben sich stark entwickelt. Sie sind zwar nicht mehr günstig, doch die Bewertungen spiegeln weiterhin eher konservative Annahmen wider und preisen lediglich das untere Ende eines plausiblen Wachstumsspektrums für die kommenden 10 bis 15 Jahre ein. Zwar wird die Verschiebung der Verteidigungsausgaben – von unter 2 % des BIP vor 2020 hin zu 3 % und darüber hinaus – von den Märkten teilweise berücksichtigt, sie erfasst jedoch nur einen Teil des Potenzials. Zusätzliche Aufwärtschancen ergeben sich aus Veränderungen im Beschaffungsverhalten sowie aus der Zusammensetzung der Verteidigungsausgaben.
Unsere Analyse zeigt, dass europäische Rüstungsunternehmen mindestens für die nächsten 5 bis 10 Jahre mit einem zweistelligen Wachstum rechnen können. Selbst ein moderater Anstieg der Verteidigungsausgaben von 2 % auf 3 % des BIP stützt ein Wachstum im niedrigen zweistelligen Prozentbereich für den Sektor. Zwei besonders wirkungsvolle, bislang unterschätzte „Wachstumsmultiplikatoren“ könnten zusätzliches Aufwärtspotenzial schaffen:
• Anstieg der Ausrüstungsintensität: Derzeit werden nur etwa 30 bis 35 % der Verteidigungsbudgets für Ausrüstung aufgewendet, was angesichts der Modernisierung der Streitkräfte erheblichen Spielraum lässt.
• „Buy Europe“-Beschaffung: Von diesen Ausgaben für Ausrüstung flossen in der Vergangenheit lediglich etwa 30 % an europäische Anbieter, bedingt durch die starke Abhängigkeit von US-Unternehmen. Die EU-Kommission hat dieses Ziel angehoben und strebt an, bis 2030 rund 50 % und bis 2035 etwa 60 % bei europäischen Lieferanten zu investieren.
Diese Dynamiken untermauern das Potenzial für ein nachhaltiges Wachstum im mittleren bis hohen Zehnerprozentbereich, wobei Aufwärtsszenarien in bestimmten Phasen sogar in den niedrigen 20-Prozent-Bereich reichen können. Diese Einschätzung wird durch jüngste Kapitalmarkt-Updates führender europäischer Verteidigungsunternehmen gestützt, die das Vertrauen des Managements widerspiegeln, dass politische Verpflichtungen in konkrete Aufträge münden werden.
Verteidigungselektronik gewinnt strukturell an Bedeutung
Nicht alle Engagements im Verteidigungssektor sind gleichwertig. Da Automatisierung, Cyberfähigkeiten und elektronische Abschreckung eine immer zentralere Rolle in der Kriegsführung einnehmen, gewinnt Verteidigungselektronik strukturell stärker an Bedeutung als traditionelle Hardware wie Panzer oder Munition. Letztere hat zwar das jüngste Wachstum vorangetrieben, bietet aber eine geringere Nachhaltigkeit.
Wir bevorzugen elektronische Systeme mit langen Zyklen gegenüber Verbrauchsgütern mit kurzem Lebenszyklus. Diese langfristig angelegten elektronischen Systeme werden häufig als C4ISR bezeichnet (Command, Control, Communications, Computers, Intelligence, Surveillance and Reconnaissance – Führung, Kontrolle, Kommunikation, Computer, Aufklärung, Überwachung und Erkundung). Der Begriff wurde 1996 vom US-Verteidigungsministerium geprägt. Sie profitieren von strukturellem Wachstum, da Streitkräfte umfassende Modernisierungsprozesse durchlaufen. Außerdem verfügen sie über eine höhere Resilienz gegenüber Waffenstillständen und Konfliktlösungen und sind breiter über verschiedene Plattformen und geografische Regionen hinweg einsetzbar.
Dieser Wandel verändert die Prioritäten bei Verteidigungsinvestitionen grundlegend und stärkt die Rolle von Elektronik- und C4ISR-Unternehmen bei der Bereitstellung moderner Abschreckungsfähigkeiten. Wir halten Unternehmen wie Thales bereits seit der Zeit vor COVID, was unsere langjährige Überzeugung im Verteidigungssektor widerspiegelt. Diese Unternehmen stellen gewissermaßen das „Gehirn“ moderner militärischer Fähigkeiten dar – langfristige Produkte, die von nachhaltiger Modernisierung profitieren, statt von kurzfristigen Konfliktdynamiken abhängig zu sein.
Wir haben den Verteidigungssektor stets als investierbar angesehen, gestützt durch hohe Markteintrittsbarrieren und einen begrenzten Wettbewerb aus China. Unsere ursprüngliche Investmentthese für Thales basierte auf Diversifikation und strategischer Optionalität, wobei die seit 2022 steigenden europäischen Verteidigungsbudgets unsere Überzeugung weiter gestärkt haben.
Im Gegensatz dazu sind einige andere Verteidigungsunternehmen, wie Rheinmetall, stärker kurzzyklischen Produkten wie Raketen und Munition ausgesetzt, deren Nachfrage nach Waffenruhen deutlich zurückgehen kann. Angesichts der langfristigen Unterinvestition in die europäische Verteidigung sind wir überzeugt, dass auf Elektronik fokussierte Unternehmen am besten für ein dauerhaftes Wachstum positioniert sind.
Rheinmetall, Hensoldt und RENK Group mit ehrgeizigen Wachstumsplänen
Die jüngsten Kapitalmarktentwicklungen europäischer Rüstungsunternehmen bestärken uns in der Zuversicht, dass höhere Verteidigungsbudgets zu Aufträgen führen werden. Deutsche Konzerne wie Rheinmetall, Hensoldt und die RENK Group haben ehrgeizige Wachstumsziele vorgelegt: Rheinmetall strebt für die nächsten fünf Jahre ein Umsatzwachstum von 35 bis 40 % an, während Hensoldt und Renk eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) von etwa 15 bis 20 % erwarten. Diese Prognosen stimmen mit unserer Analyse überein, die auf ein anhaltendes Wachstum im hohen Zehnerbereich für den gesamten Sektor hindeutet.
Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Nach einer starken Rallye Anfang 2025 legten die Verteidigungsaktien eine Pause ein, da die Märkte darauf warteten, dass politische Zusagen in Aufträge umgesetzt werden – eine typische Verzögerung in Verteidigungszyklen. Wir glauben nicht, dass der Sektor überbewertet ist; die Bewertungen spiegeln weiterhin das Ausmaß, die Dauer und die Qualität der Chancen wider. Angesichts der soliden strukturellen Treiber, höherer Budgets, steigender Ausrüstungsintensität, zunehmender Beschaffungen in Europa und einer Verlagerung hin zu langlebigen Elektronikprodukten bleibt die europäische Verteidigungsindustrie ein überzeugendes langfristiges Thema mit Potenzial für nachhaltiges Gewinnwachstum und Bewertungsunterstützung in den nächsten zehn Jahren.
ams Osram: Aktionäre honorieren den Umbau
Starker Zugriff auf die Anteilscheine des Unternehmens an der SIX Swiss.
(13.02.2026) Roman Steinbauer. Die Abschlankung bei ams Osram schreitet voran. Der steirisch-bayerische Technologiekonzern steckt mitten in einer finanziellen und operativen Umstrukturierung sowie Straffung des Produktsortiments. Dies wurde bei der Jahrespressekonferenz am Dienstag zu den Ergebnissen des 4. Quartals und des Gesamtjahres 2025 von CEO Aldo Kamper sowie von CFO Rainer Irle einmal mehr deutlich. Kamper betonte eingangs: „Es ist genau hinzusehen. Ohne die Dollar-Schwäche wird der positive Trend noch deutlicher.“ Der Finanzvorstand wiederum prognostizierte nach diesem „Übergangsjahr“ eine baldige Rating-Aufstufung. Konnte doch die jährliche Zinslast auf 150 Millionen Euro reduziert werden.
Worte, die Aktionäre hören wollten
Nach der virtuell gehaltenen Veranstaltung um den (dramatisch anmutenden) Umbau des Unternehmens die entscheidende Frage des Tages– auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters – gleich vorweg: „Wann werden wir schwarze Zahlen sehen?“ Die Antwort Irles folgte schnell, spontan, aber bestimmt wirkend: „Wenn wir die Finanzierungskosten weitgehend reduziert haben – in diesem Jahr werden wir es noch nicht schaffen.“ Doch implizierte dies, dass 2027 die Talsohle endgültig durchschritten sein könnte. Irle räumte dazu ein, es würden heuer immerhin noch Abfindungskosten belastend wirken.
Mit dieser Aussage wurde an die Investoren (neben dem verbesserten Zahlenwerk) aber eine außerordentliche Nachricht gesendet, die umgehend an der Börse Niederschlag fand. So zog die Notiz der Aktien an der SIX Swiss Exchange – bei hohen Handelsumsätzen – an diesem (sonst mauen) Börsentag um 8,4 % deutlich an.
Abschütteln der Zinslast, Liquidität sichern
Hohe Verbindlichkeiten zu reduzieren, steht somit weiter im Brennpunkt des Geschehens. Erst am 21. Jänner wickelte das Unternehmen einen Teilrückkauf ausstehender Wandelanleihen mittels eines Angebots mit Fälligkeit 2027 ab (Höhe: 760 Millionen Euro; Kupons von 2,125 %; ISIN: DE000A283WZ3).
Nach der Veräußerung des nicht-optischen Analog-Automotive-, Industrie- und Medizin-Sensorgeschäfts um 570 Millionen Euro an den deutschen Infineon-Konzern (wirksam im 2. Quartal 2026; stand für Erlöse von rund 220 Millionen Euro) sei für die strategische Neu-Ausrichtung nun zusätzlich finanzielle Flexibilität geschaffen worden. Des Weiteren bringe ein neu aufgelegtes Sparprogramm mit dem Titel „Simplify“ Effizienzsteigerungen und betriebliche Straffungen, das bis 2028 eine Kostenreduktion um 220 Millionen Euro herbeiführen soll.
Einordnung der Produktstrategie
Wo derzeit die Stärken der ams Osram liegen, sollen laut Kamper die Kompetenz und Investitionen weiter ausgebaut werden. So richte sich die Konzentration ab sofort auf die zukunftsträchtige „Digital Photonics“-Sparte als Hauptgeschäftsstrang. Dieser Komplex steht für die Digitalisierung der Lichterzeugung durch Pixel-Emitter und Sensoren in Kombination mit intelligenter Elektronik. Bereits aktuell sieht sich die Gesellschaft bei intelligenten optischen Halbleitern für Lichtemission und Sensorik in führender Position. Das nach eigener Darstellung „breiteste Portfolio modernster optischer Halbleitertechnologien“ der Branche – von optischen Emittern samt Treiber- und Power-ICs bis zu optischen Sensoren und Sensormodulen – bekomme somit einen klaren Vorrangstatus. Am traditionellen Automobil-Lampengeschäft (verlaufe stagnierend bis stabil) halte das Management deswegen fest, um mit dem steten Free-Cashflow der Sparte das Wachstum im Halbleitergeschäft zu unterstützen. Dazu werde es laut Kamper aus Kostengründen teils Auslagerungen bei Produktfamilien von deutschen Standorten ins Werk nach Malaysia geben. Für den Standort Graz-Premstätten äußerte Kamper wörtlich: „Die Größenordnung wird bestehen bleiben.“
Kurzausblick und Zielsetzung – Vision 2030
Bei einer fiktiven Annahme eines Wechselkurses von 1,19 USD/Euro wurden seitens Irle für das laufende Quartal Erlös-Schätzungen in einer Spanne von 710 bis 810 Millionen Euro prognostiziert, während die Ebitda-Marge 15 % (+/- 1,5 %) erreichen soll. Für das Geschäftsjahr 2030 und darüber hinaus sei laut dem Vorstand ein Langfrist-Zielkorridor definiert worden. Das Umsatzwachstum im Halbleitergeschäft soll sich sodann im mittleren bis hohen einstelligen Bereich bewegen. Das Ebitda werde einen Anteil von 25 % erreichen, der Free Cashflow 200 Millionen Euro betragen.
Prognose Gesamtjahr 2026
Angesichts der Veräußerungen von Teilsparten und der Annahme eines schwächeren US-Dollars rechnet das Unternehmen im Jahresvergleich mit einem moderaten Rückgang der Umsätze. Das bereinigte Ebitda werde durch Einmal-Effekte im Zusammenhang mit Desinvestitionen, höheren Edelmetallpreisen und weiteren Faktoren belastet.
Foto: Fredrik Prince (ams-osram employee)
Erneuerbare Energien: Aktien, die jetzt liefern
Wind, Solar und moderne Energieinfrastruktur liegen aktuell im Trend.
(13.02.2026) Michael Kordovsky. Nach der harten Phase 2022 bis 2024 wirkte das vergangene Jahr in vielen Segmenten wie ein Wendepunkt. Die Marktbereinigung hat Preisdruck und Projektstornos reduziert, Lieferketten sind stabiler, und die Nachfrage nach Strom wächst durch Elektrifizierung und Rechenzentren. Gleichzeitig verbessert sich die Planbarkeit der Rahmenbedingungen: In den USA stützen langfristige Steuergutschriften den Ausbau erneuerbarer Energien, in Europa wird öffentliche Förderung stärker an wettbewerbliche Modelle und zweiseitige Preisgarantien gebunden.
Solar dominiert, Wind bleibt Wachstumssäule
Das Marktwachstum ist inzwischen gut belegt. Die IEA erwartet, dass die globalen jährlichen Erneuerbaren-Zubauten von 666 GW (2024) auf nahezu 935 GW bis 2030 steigen, wobei Solar und Wind rund 95 % aller Zubauten stellen. In der IEA-Perspektive dominiert Solar auch in den nächsten fünf Jahren. Für Wind bezeichnet das GWEC (Global Wind Energy Council) 2024 als Rekordjahr mit 117 GW Neuinstallationen. Im Zeitraum 2025 bis 2030 sollen 981 GW (164 GW pro Jahr) an neuer Kapazität hinzukommen, was einer prognostizierten durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) für den Zeitraum 2025 bis 2030 von 8,8 % entspricht.
Grüne Energie und moderne Energieinfrastruktur
Siemens Energy hat 2025 die operative Wende geschafft: Der Konzern steigerte für das Geschäftsjahr 2025 seinen Nettogewinn um 26,2 % auf 1.685 Millionen Euro, die Gewinnmarge liegt bei 6,0 % und der Free Cashflow vor Steuern sprang von 1.859 Millionen Euro auf 4.663 Millionen Euro. Die Windkraft-Sparte Siemens Gamesa sollte im laufenden Fiskaljahr die Gewinnzone erreichen. Der Analystenkonsens von MarketScreener rechnet für heuer mit einem Gewinnsprung auf 3,64 Euro je Aktie bevor bis 2028 ein Anstieg auf 6,62 Euro erfolgen sollte, woraus bei einem Kurs von 152 Euro ein für 2027/28 geschätztes KGV von 23 resultiert.
Bei Nordex zeigt sich die Marktbereinigung im Ergebnis: Im dritten Quartal 2025 stieg das Ebitda um 90,1 % auf 135,9 Millionen Euro, die Ebitda-Marge verbesserte sich auf Jahressicht von 4,3 auf 8,0 %, das Periodenergebnis von 3,9 auf 51,7 Millionen Euro. Laut Analystenkonsens sollte der Gewinn je Aktie von 2025 bis 2027 von 1,038 auf 1,605 Euro steigen, woraus bei einem Kurs von 32,74 Euro ein für 2027 erwartetes KGV von 20,4 resultiert.
Westliche Welt weiter am Drücker
Im Solarsektor bleibt First Solar ein Vorzeigeunternehmen der „westlichen Welt“. Für die ersten drei Quartale 2025 verzeichnete das Unternehmen einen Umsatzanstieg um 31,4 % auf 3,54 Milliarden USD (rund 3 Milliarden Euro) und einen Anstieg des Gewinns pro Aktie um 20,8 %. Zusätzlich kündigte First Solar den Ausbau der US-Fertigung an: Eine neue Anlage mit 3,7 GW Kapazität soll mit Produktionsstart ab Ende 2026 und Hochlauf in der ersten Jahreshälfte 2027 errichtet werden. Laut Schätzungen sollte sich der Gewinn je Aktie von 2025 bis 2027 in etwa verdoppeln und per 6. Februar läge das für 2027 geschätzte KGV bei günstigen 7,7.
Ein Profiteur der steigenden Stromnachfrage aus Rechenzentren in den USA ist Floridas größter Stromversorger NextEra Energy. Das Unternehmen ist laut eigenen Angaben weltgrößter Erzeuger erneuerbarer Energien aus Wind und Sonne und wies von 2020 bis 2024 ein Cashflow-Wachstum von 13,6 % p.a. auf.
Unterschätzter Hebel bei Netzen und Effizienz
Schneider Electric, ein Basisinvestment grüner Fonds, berichtet für das dritte Quartal 2025 von Wachstum im Energiemanagement, wo die anhaltende Nachfrage nach Rechenzentren die Leistung vorantreibt, unterstützt durch Investitionen in die Netzinfrastruktur. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 9 % auf 10 Milliarden Euro. Laut historischen Datenreihen lag von 2015 bis 2024 das Gewinnwachstum je Aktie bei 13,6 % p.a. und von 2025 bis 2027 sollte der Gewinn je Aktie weiter von 7,90 auf 10,97 Euro wachsen, woraus bei einem Kurs von 252,90 Euro ein für 2027 geschätztes KGV von akzeptablen 23,1 resultiert.
Ein ähnlicher Wert ist ABB, ein Unternehmen, das in der Entwicklung von KI-Rechenzentren der nächsten Generation mit NVIDIA zusammenarbeitet und nach dem Verkauf seiner Robotik-Division an SoftBank nun auf die Bereiche Elektrifizierung und Prozessautomatisierung fokussiert ist.
Im Artikel vorgestellte Aktien
| Konzern |
ISIN |
12-Monats-Performance |
| Nordex |
DE000A0D6554 |
184 % |
| Siemens Energy |
DE000ENER6Y0 |
167 % |
| ABB |
CH0012221716 |
35 % |
| First Solar |
US3364331070 |
30 % |
| NextEra Energy |
US65339F1012 |
29 % |
| Schneider Electrics |
FR0000121972 |
6 % |
| Quelle: Comdirect vom 06.02.2026 |
Zukunft der Personenversicherung: Merkur‑Vorstände über Leben, Kranken und BU
Merkur-Vorstände zur Zukunft von Lebens-, Kranken- und Berufsunfähigkeitsversicherung.
Kurz-Zusammenfassung
- Merkur Versicherung wächst stark in Leben, Kranken und BU – dank klarer Strategie und erfolgreicher Übernahme der Nürnberger.
- Fondsgebundene Produkte und biometrische Versicherungen gewinnen an Bedeutung, während die klassische Lebensversicherung an Zukunft verliert.
- Die dritte Säule der Altersvorsorge wird durch Demografie und politische Versäumnisse immer wichtiger.
- In der Krankenversicherung fordert Merkur mehr Transparenz und Standards bei Wahlärzten.
- Im Bereich Berufsunfähigkeitsversicherung baut Merkur seine langjährige Expertise aus und profitiert vom steigenden Marktinteresse.
Herausforderungen für die Personenversicherung
Merkur-Vorstände zur Zukunft von Lebens-, Kranken- und Berufsunfähigkeitsversicherung.
Die Lebensversicherung erlebte in den vergangenen Jahren schwierige Zeiten – das Niedrigzinsumfeld machte der klassischen Lebensversicherung das Leben schwer, die fondsgebundene litt unter Volatilitäten am Kapitalmarkt. Die Zukunft der Personenversicherung und aktuelle Herausforderungen standen deshalb im Zentrum eines Interviews mit Markus Spellmeyer und Markus Zahrnhofer im Merkur Campus, dem Headquarter der Merkur Gruppe in Graz. Vor allem Mut habe es gebraucht, in dieser Situation im Frühjahr 2022 die damalige Nürnberger Versicherung AG in Österreich zu übernehmen, betont Spellmeyer, Vorstandsmitglied der Merkur Versicherung AG, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.
Am österreichischen Markt im Bereich der Personenversicherungen kommt man an uns nicht mehr an uns vorbei
Strategische Neuausrichtung der Merkur
Vom Krankenversicherer zum umfassenden Personenversicherer
Als ein „Pionier“ in der Sparte Krankenversicherung sei es die Strategie der Merkur gewesen, sich als „Personenversicherer“ in Österreich zu positionieren und kein Einspartenversicherer zu sein. Man stand dabei vor der Entscheidung, die nötige Expertise selbst aufzubauen oder zu „schauen, was am Markt möglich ist“. Als sich dann dazu die Möglichkeit ergab, kaufte Merkur die Nürnberger – wie sich heute zeigt, ein „sehr guter und strategisch richtiger Schritt“, so Spellmeyer. Damit habe man das Portfolio auf fondsgebundene Lebensversicherungen und biometrische Versicherungen erweitert, sodass „jetzt, nach drei Jahren, man am österreichischen Markt im Bereich der Personenversicherungen nicht mehr an uns vorbeikommt“.
Wachstumstreiber im Lebensversicherungsmarkt
Marktentwicklung, Neugeschäft und Wettbewerb
Mit der Übernahme der Nürnberger Versicherung habe die Merkur einen klaren Plan verfolgt, so Zahrnhofer, er ist CEO der Merkur Lebensversicherung AG: Im Fokus standen dabei Kunden, Vertriebspartner und Service. Wichtig sei es gewesen dafür das richtige Umfeld zu schaffen, das habe man „in geordnete Bahnen gelenkt“. Und das wirke sich auch in der Realität aus, so Spellmeyer. So sei der Lebensversicherungsmarkt in Österreich von September 2024 bis September 2025 um 3,2 % gewachsen, die Merkur Lebensversicherung habe in diesem Zeitraum aber um 11,3 % zulegen können. Und im Neugeschäft habe man einen Zuwachs um 40 % erzielt, wobei es bei Verträgen mit laufender Prämie sogar ein Plus von 50 % gegeben habe. Zahrnhofer: „Der Markt wächst mit Einmalerlägen, wir auch mit laufender Prämie.“ Geholfen habe dabei aber auch der Weggang der HDI Leben.
Demografische Bombe ist die beste Werbung
Altersvorsorge im Wandel
Demografie, dritte Säule und Zukunft der Lebensversicherung
Um die Zukunft der fondsgebundenen Lebensversicherung macht sich Zahrnhofer jedenfalls keine Sorgen. Denn die „demografische Bombe“ sei die beste Werbung: „Der Markt ist angerichtet.“ Angesichts der Unsicherheiten, die sich durch die Veränderung des Verhältnisses zwischen Beschäftigten und Pensionisten für die staatliche Pension ergeben, komme das Thema jetzt sukzessive auch an die Öffentlichkeit. In Zukunft werde es in der Altersvorsorge deshalb aller drei Säulen bedürfen, ist Zahrnhofer überzeugt: „Man braucht etwas Individuelles“ und Merkur sei „stark in der dritten Säule“. Die klassische Lebensversicherung habe allerdings keine Zukunft, ergänzt Spellmeyer.
Politische Verantwortung und Rahmenbedingungen
Warum klare Kommunikation notwendig ist
„Die Politik muss Tacheles reden und nicht alles schönfärben“, betont Spellmeyer in diesem Zusammenhang. In Deutschland sei man bereits über seinen Schatten gesprungen und habe erklärt, dass die gesetzliche Rente nicht reichen werde und private Vorsorge nötig ist.
Für die Kommunikation in die breite Masse sei es nötig, dass die Politik den ersten Schritt macht. „Wir schieben den Stein an, ins Rollen bringen muss ihn die Politik“, sagt Zahrnhofer. Denn mit der österreichischen Mentalität, „es wird schon gehen“, werde es eng werden.
Befinden uns mit unserem Gesundheitssystem im Schlaraffenland
Entwicklung in der Krankenversicherung
Transparenz, Standards und Systemverantwortung
Im Bereich der Krankenversicherung sei man in Österreich dagegen schon ein Stück weiter, so Spellmeyer. Vor allem aber müsse es uns bewusstwerden, dass wir uns mit unserem Gesundheitssystem im Schlaraffenland befänden.
Kritik äußert Spellmeyer daran, dass Wahlärzte hierzulande „frei sind, was die Rechnungslegung betrifft“: Es gebe keine Standards, andere Länder würden das dagegen „ordentlich regeln“. So könne es aber nicht weitergehen: „Auch wir als Versicherer müssen kalkulieren können.“ Die heimischen Versicherer hätten im Jahr 2024 insgesamt 2,6 Milliarden Euro ausbezahlt und seien damit eine wichtige Stütze des gesetzlichen Systems. Die Ärztekammer verteidige die aktuelle Regelung, doch das sei nicht im Sinn der Allgemeinheit. Es sei deshalb „Zeit, dass alle an einen Tisch kommen“.
Und Zahrnhofer macht darauf aufmerksam, dass die Probleme ineinandergreifen: Es gehe auch darum, dass Menschen möglichst lange im Arbeitsmarkt bleiben können. Wichtig sei es, dass sie dafür auch selbst Verantwortung übernehmen.
Berufsunfähigkeitsversicherung fixer Bestandteil unserer Strategie
Berufsunfähigkeitsversicherung im Aufwind
30 Jahre Expertise und steigende Nachfrage
Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung profitiere Merkur von der 30-jährigen Expertise, die unter Nürnberger-Flagge aufgebaut wurde, sagt Zahrnhofer. Sie sei „fixer Bestandteil unserer Strategie“, seit ihrer Überarbeitung im Vorjahr verzeichne man eine deutlich positive Entwicklung.
Nach wie vor besteht im Bereich der Berufsunfähigkeitsversicherung in Österreich Nachholbedarf. Zahrnhofer betont, Merkur habe dies zum Thema gemacht, Geld in die Hand genommen und sie aktiv beworben. Mittlerweile habe der Markt aber verstanden, „dass das ein Thema in Österreich ist“, auch andere Anbieter würden hier proaktiv agieren.
„Wir sind froh, dass das auch andere verstanden haben“, ergänzt Spellmeyer, und, optimistisch: „Wir werden unser Stück vom Kuchen abbekommen.“
Autor: Marius Perger
Foto: Merkur Versicherung AG
Digitaler Euro: EZB schuldet Antworten
Florian Beckermann. Der digitale Euro steht vor der Tür. In Brüssel soll in diesem Jahr entschieden werden und es herrscht bisher weitgehend Einigkeit, dass er kommen wird. Eine echte Opposition hat sich nicht herausgebildet, obwohl es viele offene Fragen gibt. Nicht nur Anleger sind verunsichert. Schafft die Europäische Zentralbank (EZB) eine Lösung, ohne ein Problem zu haben?
Argumente für die Einführung eines digitalen Euros
Der digitale Euro ist ein von der EZB geplantes, staatliches, digitales Zahlungsmittel, das das Bargeld ergänzen, aber nicht ersetzen soll. Er wäre direktes Zentralbankgeld, analog dem Bargeld, nur in elektronischer Form. EZB-Ziel ist die Sicherstellung, dass Zentralbankgeld auch im digitalen Zeitalter verfügbar bleibt.
Weiters sollen die Abhängigkeit Europas von privaten und meist außereuropäischen Zahlungsanbietern wie Visa, Mastercard oder PayPal verringert und eine einheitliche, europaweit nutzbare digitale Zahlungsinfrastruktur geschaffen werden. Der digitale Euro soll über Banken und Zahlungsdienstleister genutzt werden, wobei die EZB das Geld ausgibt, aber nicht selbst die Kundenbeziehungen führt. Eine tatsächliche Einführung wäre ab 2029 realistisch.
Geplant sind Obergrenzen für Guthaben in digitalen-Euro-Wallets, um Risiken für das Bankensystem zu begrenzen, sowie hohe Datenschutzstandards, einschließlich begrenzter Offline-Funktionen, die Bargeld ähneln sollen.
Argumente, die dennoch gegen einen digitalen Euro sprechen:
- Risiko Finanzstabilität: Kritiker befürchten, dass Menschen in Krisenzeiten ihr Geld massenhaft von Geschäftsbanken in den digitalen Euro verschieben könnten, da dieser als besonders sicher gilt. Das könnte Banken Liquidität entziehen – selbst dann, wenn Guthabenobergrenzen vorgesehen sind.
- Begrenzter praktischer Nutzen: Viele Verbraucher nutzen bereits heute schnelle, günstige und komfortable digitale Zahlungsmethoden, sodass der digitale Euro aus Sicht vieler Ökonomen kaum einen echten Mehrwert bietet. Gerade erst haben große europäische Geschäftsbanken das Zahlungsprojekt „Wero“ gestartet. Wenn der digitale Euro hier nicht hineinpasst, gewinnt er keine Freunde.
- Hohe Entwicklungs-, Einführungs- und Betriebskosten, die von der Allgemeinheit oder dem Finanzsektor getragen werden müssten. Besonders stark diskutiert werden außer dem Datenschutz- und Überwachungsbedenken.
- Zahlungen kontrollierbar. Auch wenn die EZB betont, dass sie keine individuellen Zahlungsprofile erstellen will und Privatsphäre ein zentrales Designziel sei, Zahlungsstromkontrolle ist dennoch möglich.
- Beim Schwurblerthema „Bargeldverbot“ gewinnt das digitale Zentralbankgeld volle Relevanz.
- Programmierbarkeit des elektronischen Euros ist problematisch: Kann er überall im und auch außerhalb des Euroraums genutzt werden? Gibt es ein Verfallsdatum, bis wann man ihn genutzt haben muss?
Fazit: Das staatliche Digitalgeld ist ein strategisch motiviertes Projekt, mit dem die EZB Europas geldpolitische Souveränität im digitalen Raum sichern will. Das ist gut. USA und China sind längst weiter. Gleichzeitig stehen dem Projekt in Europa erhebliche Zweifel gegenüber: Am Nutzen für die Bürger, an den Kosten, an möglichen Risiken/Chancen für das Bankensystem sowie an der gesellschaftlichen Akzeptanz. Die EZB sollte mit einer Antwortoffensive beginnen, sonst platzt ein solches Projekt schnell am Angst macher-Populismus.
Edelsteine als Geldanlage: Welche Steine sich als Investment eignen
Kurzfassung
06.02.2026. Edelsteine gehören zu den ältesten Wertträgern der Menschheitsgeschichte. Als Anlageform funktionieren sie jedoch völlig anders als Gold oder Silber. Während Edelmetalle weltweit standardisiert und tagesaktuell bepreist sind, entsteht der Wert eines Edelsteins aus einem Zusammenspiel von objektiven Qualitätskriterien und subjektiver Wahrnehmung.
Der Markt ist fragmentiert, historisch gewachsen und stark von Expertise geprägt – ein Vorteil für Kenner, aber ein Risiko für Einsteigerinnen.
Für wen eignen sich Edelsteine als Investment?
Edelsteine sind keine kurzfristige Anlage. Gründe:
- begrenzte Liquidität
- keine tagesaktuellen Preise
- hohe Verhandlungsspannen
Als langfristige Beimischung können sie jedoch attraktiv sein – dank:
- materieller Knappheit
- kulturellem Wert
- ästhetischer Qualität
Wer investiert, kauft Substanz – aber auch Vertrauen in Farbe, Herkunft und Geschichte.
Was den Wert eines Edelsteins bestimmt
Der Preis eines Edelsteins ergibt sich aus den klassischen „4C“:
- Color (Farbe)
- Clarity (Reinheit)
- Cut (Schliff)
- Carat (Gewicht)
Bei Farbedelsteinen gilt die Farbe als wichtigster Faktor. Ein kleiner Stein mit außergewöhnlicher Farbintensität kann teurer sein als ein größerer, blasser Stein.
Rubine: Spitzenpreise bis 250.000 Euro pro Karat
Rubine zählen zu den begehrtesten Farbedelsteinen. Besonders wertvoll sind Steine mit dem legendären „Pigeon Blood“-Rot aus Myanmar.
- Hochwertige Rubine (1–2 Karat): 80.000 bis über 250.000 Euro pro Karat
- Preisfaktoren: Farbintensität, Gleichmäßigkeit, Reinheit, Herkunft, Zertifizierung
Die Kombination aus Seltenheit und Nachfrage sorgt für stabile Höchstpreise.
Saphire: 30.000 bis 100.000 Euro pro Karat und mehr
Auch bei Saphiren entscheidet die Farbe über den Wert.
- Kaschmir-Saphire (unbehandelt): extrem selten, teils sechsstellige Beträge pro Karat
- Padparadscha-Saphire (rosa‑orange): 30.000 bis 100.000 Euro pro Karat
Ihre geringe Verfügbarkeit macht sie besonders preisstabil.
Herkunft als Werttreiber: Kolumbien, Myanmar, Kaschmir
Die Herkunft eines Edelsteins wirkt wie eine Marke – und beeinflusst den Preis erheblich.
Beispiele für Herkunftsprämien
- Kolumbianische Smaragde: 15.000–60.000 Euro pro Karat
- Paraíba-Turmaline (Brasilien/Mosambik): fünf- bis sechsstellige Preise
- Myanmar-Rubine: Spitzenpreise weltweit
Wichtig: Herkunft muss durch Zertifikate belegbar sein.
Zertifikate: GIA, SSEF und Gübelin als Goldstandard
Im hochwertigen Segment sind Zertifikate unverzichtbar. Sie dokumentieren:
- Farbe
- Reinheit
- Behandlungen
- Herkunft
- Schliffqualität
Ohne Zertifikat ist ein Wiederverkauf im Premiumsegment kaum möglich. Aber: Ein Zertifikat ersetzt nicht die ästhetische Ausstrahlung eines Steins.
Behandlungen: Wertmindernd, aber marktüblich
Viele Edelsteine werden behandelt, um Farbe oder Klarheit zu verbessern:
- Erhitzen (Rubine, Saphire)
- Ölen (Smaragde)
Unbehandelte Steine erzielen 30–100 % höhere Preise, da sie seltener und authentischer sind.
Edelsteine kaufen: Worauf Anleger achten sollten
Der Kauf unterscheidet sich stark von klassischen Investments:
- keine Preislisten
- keine standardisierten Märkte
- hohe Bedeutung persönlicher Expertise
Wichtige Fragen vor dem Kauf
- Soll der Stein getragen, gesammelt oder wiederverkauft werden?
- Welches Budget steht zur Verfügung?
- Welche Qualitätskriterien sind unverzichtbar?
Tipp: Edelsteine mittlerer Größe
Mittlere Größen mit harmonischer Farbe und gutem Schliff sind oft sinnvoller als spektakuläre Einzelstücke.
Beispiel:
- Der „Sunrise Ruby“ erzielte über 30 Mio. USD
- Viele hochwertige Schmuckstücke wechseln bei Auktionen für einige tausend Euro den Besitzer
Der Markt ist breit – und stark qualitätsabhängig.
Qualität, Dokumentation, Nachfrage – die drei entscheidenden Faktoren
Für den langfristigen Wert eines Edelsteins zählen:
- Qualität (Farbe, Reinheit, Schliff)
- Dokumentation (Zertifikate, Herkunftsnachweise)
- Nachfrage (Markttrends, Seltenheit)
Steine ohne klare Dokumentation werden bei Auktionen deutlich niedriger bewertet.
Auktionen als Orientierung
Auktionen zeigen, welche Qualitäten tatsächlich gefragt sind. Wichtig ist jedoch:
- fixe Preisobergrenze
- keine emotionale Bietdynamik
- Vergleich mehrerer Lose
Auktionen eignen sich hervorragend zur Marktbeobachtung.
Wo Vorsicht geboten ist
- Modische Farbtrends sind oft kurzlebig
- Große Steine mit schwacher Ausstrahlung sind schwer verkäuflich
- Karatgewicht allein sagt wenig über den Wert aus
Autorin: Brigitte Schweinegger
Börse Indien: Die Erfolgsstory geht in die nächste Runde
Chancen für Anleger in Indien, der Wachstumschampion unter den Schwellenländern.
Stefan Riedel, München (06.02.). Einen Markt von zwei Milliarden Menschen und 25 % der globalen Wirtschaftsleistung umfasst das in der vergangenen Woche zwischen der EU und Indien abgeschlossene Freihandelsabkommen. Der für die nächsten Jahre geplante Abbau von Zöllen wird die Bereitschaft vieler europäischer Unternehmen erhöhen, auf dem Subkontinent zu investieren. Europäische Anleger wiederum sollten auf die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft unter den großen Schwellenländern einen intensiveren Blick werfen als bisher.
2026: Wirtschaftswachstum in Indien von rund 7 Prozent prognostiziert – die Gründe
Die indische Regierung rechnet für das im April beginnende Fiskaljahr mit 6,8 bis 7,2 % Wirtschaftswachstum. Auf die von Donald Trump erhobenen Importzölle von 50 % reagiert sie zum einen mit der Senkung der Mehrwertsteuer, um den privaten Konsum anzukurbeln. Zugleich erhöht sie die Investitionen in den Ausbau der Infrastruktur. Dazu wächst die Bedeutung des Privatkonsums, auch in den ländlichen Regionen, die von einer verbesserten Agrarproduktion und steigenden Reallöhnen profitieren: Innerhalb von zehn Jahren hat er sich bis 2023 auf 2,2 Bio USD nahezu verdoppelt.
Qualität hat ihren Preis: Indische Aktien hoch bewertet
Charakteristisch für indische Aktien ist ihre gegenüber anderen asiatischen Märkten hohe Bewertung. Im Dezember lag das 2026er KGV aller im MSCI India enthaltenen 157 Unternehmen bei 25 und damit um die Hälfte über der Bewertung des MSCI China. Die hohe Bewertung reflektiert die hohen Gewinnerwartungen und die gegenüber anderen asiatischen Märkten häufig besseren bilanziellen Kennziffern von indischen Unternehmen.
Dollar-Schwäche: Stocken ausländische Investoren Indien-Depot auf?
Anuj Arora, Head Emerging Market & Asia Pacific Equities bei J.P.Morgan Asset Management, sieht angesichts der Schwäche des US-Dollars jetzt gute Chancen, dass ausländische institutionelle Investoren auf der Suche nach mehr Diversifikation ihre in den letzten Jahren reduzierte aktive Gewichtung in Indien wieder auf stocken: „Die Kombination aus steigenden Investitionsausgaben des Privatsektors mit einem wach senden Verbrauch der Privathaus halte würde höhere Bewertungen rechtfertigen.“
Indien-Investment: Geringe Korrelationen und gute Fundamentaldaten
Alessia Berardi, Head of Economics im Amundi Institute, sieht bei Indien-Investments vor allem zwei große Vorteile: „Indische Aktien weisen eine unterdurchschnittliche Korrelation mit globalen wie auch mit Schwellenländeraktien auf. Entscheidend dabei ist die besonders geringe Korrelation mit China, was auf unterschiedliche Wirtschaftsstrukturen und politische Treiber hinweist.“ Die Fundamentaldaten seien der zweite entscheidende Faktor: „Diese sind eng mit dem Binnenmarkt verbunden, was einen Schutz vor geopolitisch bedingten Handelsspannungen bietet.“
Börse Indien: Vier spannende Anlageoptionen
- Der im Mai 2018 aufgelegte iShares MSCI India UCITS ETF (ISIN: IE00BZCQB185) (iShares MSCI India UCITS ETF | NDIA) bietet ein breit diversifiziertes Investment in 85 % der gesamten Marktkapitalisierung des indischen Aktienmarktes. Mit rund 4,3 MilliardenEuro Volumen zählt er auch zu den größten handelbaren Indien-ETFs. Branchenseitig stehen der Finanzsektor, Software, Autohersteller sowie Öl- und Gasindustrie in der Summe für fast die Hälfte der Indexgewichtung.
- Robeco Indian Equities D (Indian Equities D EUR – LU0491217419 | Robeco Deutschland) in den letzten fünf Jahren eine Performance von 68 % erzielt und damit den MSCI India deutlich outperformt, der im selben Zeitraum knapp 40 % zulegte. Mit mehr als 70 Einzelwerten ist das Fondsportfolio des sparplanfähigen Produkts über etliche Branchen breit gestreut.
- Der im Oktober 2005 aufgelegte Franklin India Fund ( Franklin India Fund – A (acc) EUR – LU0231205187) ist nicht nur ein Klassiker unter den Fondsprodukten mit dem Anlagefokus Indien, sondern mit 2,8 Milliarden Euro Volumen auch einer der größten. Der Finanzsektor und zyklische Konsumgüter stellen mehr als 40 % der Fondsgewichtung. Unter den Einzelwerten ist der Mischkonzern Reliance Industries aus Sicht des Wachstumspotenzials und der Aktienbewertung eine gute Wahl. Das Unternehmen ist in unterschiedlichsten Branchen wie der Petrochemie, der Telekommunikation, dem Einzelhandel und der Energieversorgung unterwegs.
- Unter den Einzelwerten ist der Mischkonzern Reliance Industries (Reliance Industries AKTIE | INE002A01018 | 946078 | | Realtime Kurs ) aus Sicht des Wachstumspotenzials und der Aktienbewertung eine gute Wahl. Das Unternehmen ist in unterschiedlichsten Branchen wie der Petrochemie, der Telekommunikation, dem Einzelhandel und der Energieversorgung unterwegs.
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Raiffeisen Bank International: RBI schlägt 1,60 Euro vor
Die Erträge der Raiffeisen Bank International – ohne Raiffeisen Russland – sprudeln. Auch der Blick in die Zukunft ist optimistisch.
(06.02.2026). Die Raiffeisen Bank International AG (Raiffeisen Bank International AG ) hat im abgelaufenen Jahr ein außerordentlich gutes Ergebnis hingelegt, wenngleich der eine oder andere Analyst noch mehr erwartet hätte. Der sich seiner baldigen Pensionierung erfreuende RBI-CEO Johann Strobl übergibt seinem Nachfolger Michael Höllerer trotz offener Rechtsstreitigkeiten rund um das Russlandgeschäft ein gut bestelltes Haus.
Raiffeisenbank International Dividende 2026: 45 % mehr je Aktie
Die RBI schlug für das Geschäftsjahr 2025 eine um 45 % höhere Dividende von 1,60 Euro je Aktie vor. Damit will die Bank ihre starke Ertragsentwicklung außerhalb Russlands unterstreichen. Trotz der anhaltenden Unsicherheiten rund um das Russlandgeschäft blickt das Management optimistisch in die Zukunft.
Russland-Risiko: RBI sieht sich auch für den Ernstfall gerüstet
Um die Sicht auf das nicht-russische Kerngeschäft zu schärfen, bilanziert die Bank mit und ohne Russland und Belarus. Gleichzeitig wird betont, dass auch für ein etwaiges Worst-Case-Szenario vorgesorgt sei. Ihren Optimismus möchte die Bank mit der höheren Dividende unter Beweis stellen.
RBI-Gewinn außerhalb Russlands steigt um 48 %
Dass es bei der RBI 2025 gut laufen würde, war schon lange klar. Der Markt hatte dies mit einer Beinahe-Kursverdoppelung quittiert. Ein Ergebnisanstieg um 48 % auf 1,44 Milliarden Euro im Kernmarkt (ohne Russland) bzw. um 19 % auf 1,37 Milliarden Euro (mit Russland) legt nun den Nachweis vor.
Verantwortlich für diese Entwicklung waren Steigerungen im Kreditgeschäft um 6 % und ein um 9 % gestiegener Provisionsüberschuss von 2 Milliarden Euro, vor allem in Rumänien, Ungarn und Tschechien. Die Kernerträge stiegen um 3 % auf 6,19 Milliarden Euro. Die harte Kernkapitalquote (ohne Russland) liegt nun bei 15,5 %.
Weiterführende Analyse: Wie sind die Gewinnprognosen der RBI bis 2028 einzuschätzen, und welche Kursziele erwarten Analysten? Mehr dazu im Börsen-Kurier-Artikel „RBI-Aktie: Nach 57 % Kursplus noch Potenzial?“.
Raiffeisenbank Russland: Droht eine Entkonsolidierung?
Inkludiert ist hier allerdings wiederum die Annahme eines Worst-Case-Szenarios bezüglich des Russland-Geschäftes – sollte die RBI die Raiffeisenbank Russland ohne Schadenersatz entkonsolidieren müssen und dadurch deren gesamtes Eigenkapital verlieren.
Russland-Geschäft: Rechtsstreit um zwei Milliarden Euro
Zur Erinnerung: Als Folge westlicher Sanktionen gegenüber der Rasperia-Gruppe um Putin-Freund Oleg Deripaska waren deren Strabag-Aktien eingefroren worden, worauf ein Königsberger (heute: Kaliningrad) Gericht die Kernaktionäre (also RBI) zu Schadenersatz in Höhe von 2 Milliarden Euro verurteilte. Das Verfahren war zum Berichtszeitpunkt noch im Laufen.
RBI hofft auf Lockerung der Rasperia-Sanktionen
Ginge es nach Strobl, würde die EU ihre Sanktionen gegen Rasperia einstellen. „In Brüssel denkt man über unterschiedliche Themen nach“, verleiht er seiner Hoffnung Ausdruck, dass besagte Aktien freigegeben und andere Kompensationsmöglichkeiten gefunden würden.
Raiffeisenbank Russland: Eigenkapital steigt auf 5,6 Milliarden Euro
Der Geschäftsabbau der Raiffeisenbank Russland soll jedenfalls auch 2026 fortgesetzt werden, wenngleich deren Eigenkapital durch Gewinnrücklagen und Dividendenbeschränkungen paradoxerweise auf 5,6 Milliarden Euro gestiegen ist.
RBI: Osteuropäische Märkte entwickeln sich positiv
Bis auf Polen, wo die Bank mit den negativen Folgen der Vergabe zahlreicher Fremdwährungskredite im Schweizer Franken kämpft, kann die RBI auf ihren übrigen östlichen Märkten durchwegs mit positiven Informationen für ihre Aktionäre aufwarten.
Häufige Fragen zur Dividende der Raiffeisenbank International 2026
Wie hoch ist die RBI-Dividende 2026?
Die Raiffeisen Bank International schlug für das Geschäftsjahr 2025 eine Dividende von 1,60 Euro je Aktie vor. Das entspricht einer Erhöhung um 45 % gegenüber dem Vorjahr.
Warum will die RBI ihre Dividende erhöhen?
Grundlage ist die starke Ertragsentwicklung außerhalb Russlands. Das Konzernergebnis im Kernmarkt stieg 2025 um 48 % auf 1,44 Milliarden Euro.
Welche Risiken bestehen für die RBI-Dividende?
Das Russlandgeschäft bleibt ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor. Neben rechtlichen und regulatorischen Risiken können auch die künftige Gewinnentwicklung und Kapitalanforderungen Einfluss auf mögliche Ausschüttungen haben.
Autor: Tibor Pásztory
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RBI-Aktie: Ist nach 57 % Kursplus noch Luft nach oben?
Kampf dem „Biedermeier-Effekt“ und der Selbstverzwergung
Florian Beckermann. Wirtschaftliche Unsicherheit, politische Ängste und Pessimismus fördern eine Hinwendung nach innen zu Sicherheit und Gewissheit: Der „Biedermeier-Effekt“. Nach dem renommierten Edelman Trust Barometer 2026 für 28 Wirtschaftsnationen, dominiert weltweit inzwi-schen eine abgeschottete Vertrauenshaltung: 7 von 10 Menschen sind nicht bereit oder zögern, jemandem zu vertrauen, der sich von ihnen unterscheidet. Ein Rekordwert.
Doch diese Art des Isolationismus, ja lokale Selbstverzwergung, beschränkt vorteilhafte Fortschrittsentwicklungen nachhaltig. Was im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung noch eine Charakterfrage sein kann, ist für Unternehmen toxisch. Sie müssen gegen diese Abschottung angehen und den Biedermeier bekämpfen – nicht nur um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Unternehmensintern: Bleiben vertrauensbeschränkende Unterschiede schlecht adressiert, werden sie die Produktivität behindern. Die Führungsstärke des Managements wird untergraben. Der Widerstand gegen Innovation verhärtet sich. Gegen geopolitische Abschottung sind multinationale Unternehmen nahezu verpflichtet sich zu einem polynationalen Modell weiterzuentwickeln. Ein (gegebenenfalls teures) Modell was auf Investitionen in langfristige lokale Beziehungen ausgerichtet ist.
Doch wie gelingt ein Brückenbau? Interessanterweise werden Unternehmen im Rahmen der Vertrauensvermittlung die höchsten Kompetenzen zugesprochen (den letzten Platz nehmen übrigens „Regierungen“ hier ein). Wobei Vertrauensvermittlung eine Strategie und Kompetenz für Institutionen oder Einzelpersonen ist. Sie konzentriert sich darauf, Menschen dort abzuholen, wo sie stehen, statt zu versuchen, sie zu verändern. Vorurteilsfreies Zuhören und das Übersetzen unterschiedlicher Realitäten sind zwei zentrale Kompetenzen eines Vertrauensvermittlers. Richtig umgesetzt, kann dies Gräben überbrücken. Unternehmen weisen beim Thema Vertrauensvermittlung die geringste Lücke zwischen Erwartung und tatsächlicher Leistung auf und genießen ein hohes Maß an Vertrauen bei ihren Mitarbeitenden.
Fazit: Angesichts dieser Zwänge und Chancen sind die Handelsabkommen der EU (Mercosur, Indien usw.) eine politische Antwort. Sie sollen Rahmenbedingungen schaffen, die den Brückenbau für Unternehmen zu erleichtern. Dass sich im Förder-Nirwana befindliche Branchen, wie die europäische Landwirtschaft, auflehnen, mag auch einem dortigen Biedermeier-Effekt geschuldet sein. Unabhängig vom Ausgang der Mercosur-Posse mag sich die EU einer Fehleranalyse unterziehen: Warum braucht es erst den Druck der geopolitischen Katastrophen, um solcherart Abkommen politisch über die Ziellinie zu bekommen?
Und, hat man in Brüssel verstanden, dass die Strategie des „Wandel durch Handel“ nicht besonders erfolgreich war zuletzt? Jedenfalls ist der Kampf gegen den Isolationismus aufgenommen.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
US-Aktienmärkte in der Ära Trump II: Quo vadis?
Ein Kommentar der Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking.
(23.01.2026) Ungeachtet der unberechenbaren Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump und seinen fortgesetzten Affronts gegenüber internationalen Partnern performten die US-Aktienmärkte im Jahr 2025 sehr stark mit Zuwächsen zwischen 13 und 20 Prozent bei den wichtigsten Indices. Nun stellt sich die Frage, ob sich die US-Märkte auch im Jahr 2026 ähnlich robust zeigen werden. Dafür werfen die Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking einen Blick auf jene Faktoren, die heuer voraussichtlich maßgeblich das Börsengeschehen in den USA beeinflussen werden.
Wer folgt Powell nach?
Zunächst wird 2026 stark von der Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve geprägt sein. Erwartungen gehen dahin, dass die Fed möglicherweise die Zinssätze stabil hält oder schrittweise senkt – in der Regel reagieren Aktien darauf positiv. Eine höher als erwartete Inflation oder ein schwächerer Arbeitsmarkt könnten Zinsanpassungen allerdings verzögern, was den Entwicklungen der Aktienkurse abträglich sein könnte. Zudem sind alle Augen darauf gerichtet, wen Trump zum Nachfolger von Notenbankchef Jerome Powell bestimmen wird. Dessen Amtszeit endet im Mai 2026. Als Favoriten für diese bedeutende Position gelten einige erfahrene Ökonominnen und Finanzexperten mit politischem Hintergrund, darunter Kevin Hassett, Chris Waller, Michelle Bowman, Kevin Warsh sowie Wall-Street-Profi Rick Rieder. Alle stehen grundsätzlich für eine traditionelle Geldpolitik, haben sich zuletzt jedoch auffallend Trump-nah positioniert. Dass sich Trump eine lockere Geldpolitik wünscht, ist kein Geheimnis und hat in den letzten Monaten immer wieder für Kraftproben zwischen ihm und Powell geführt. Ein Ende der Unabhängigkeit der Fed ist aber aus heutiger Sicht unwahrscheinlich. Grund dafür sind starke institutionelle Schutzmechanismen und fachlich qualifizierte Kandidatinnen und Kandidaten für Führungspositionen.
Fiskaleffekte und Unternehmensgewinne
Darüber hinaus könnten Fiskalpakete und staatliche Stimulierungen den Konsum und Investitionen anregen, was einen positiven Effekt auf Aktien haben könnte. Auch eine solide Entwicklung der Gewinne börsennotierter Unternehmen würde die Märkte weiterhin stützen. Dem stehen „teure“ Bewertungen gegenüber, die bei verlangsamten Gewinnwachstum eine Korrektur auslösen könnten. Ebenso würden eine aggressive Handels- und Zollpolitik oder politische Unsicherheiten Risiken für die Märkte und die globale Nachfrage bedeuten.
Die AI-Wachstumsstory?
Die Performance des US-Marktes wird zusätzlich stark vom Fortbestand der AI-Wachstumsstory abhängen. Die Investitionen in Künstliche Intelligenz, der starke Fokus auf Innovation sowie das Gewinnwachstum der AI-Unternehmen bleiben zentrales Thema. Schon seit geraumer Zeit warnen aber Experten, dass sich eine Blase – ähnlich der Dotcom-Blase der 2000er Jahre – aufbauen könnte. Ein Platzen könnte den Markt hart treffen.
Midterm-Wahlen
Nicht zuletzt ist das Jahr 2026 in den USA wieder ein Wahljahr. Bei den so genannten Midterm-Wahlen im November werden im Kongress das Repräsentantenhaus und der Senat gewählt. Beide Kammern vertreten die Legislative und sind daher entscheidend für Trumps politischen Handlungsspielraum. Wenn die Republikaner unter Trump – wie vielerorts erwartet – Mandate verlieren, droht eine zunehmende politische Spaltung, was die Finanzmärkte gewiss genau beobachten werden.
Fazit: Die gute Performance der US-Märkte in den vergangenen Jahren ist keine Polizze für die Zukunft. 2026 wird ein abwechslungsreiches Jahr und Gelassenheit sollte das oberste Gebot für Investoren am US-Aktienmarkt sein. Eine breite und globale Diversifikation reduziert Risiken im Portfolio.
EY Start-up Investment Barometer 2025
Internationale Investorengruppen ziehen sich weiter zurück – Wachstumskapital bleibt zentraler Engpass für Österreichs Start-ups.
(27.01.2026). Der österreichische Start-up-Finanzierungsmarkt bleibt 2025 stark unter Druck. Nach dem deutlichen Rückgang im Vorjahr setzt sich die strukturelle Schwäche bei Investitionen fort. Zwar kommen weiterhin Finanzierungsrunden zustande, doch großvolumige Wachstumsfinanzierungen bleiben die Ausnahme. Besonders deutlich zeigt sich dies in der Zusammensetzung der Investorinnen und Investoren und der Herkunft des Kapitals.
Das sind die Ergebnisse des Start-up Investment Barometers 2025 der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY in Zusammenarbeit mit Invest.Austria, dem führenden Netzwerk für Investoren am vorbörslichen Kapitalmarkt in Österreich. Berücksichtigt wurden veröffentlichte Finanzierungsrunden in Unternehmen mit Hauptsitz in Österreich, deren Gründung höchstens zehn Jahre zurückliegt.
Internationales Kapital zieht sich schrittweise zurück
Ein Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt eine klare Verschiebung in der Investorenstruktur. In den Boomjahren 2021 und 2022 spielte internationales Kapital eine dominierende Rolle. Im Jahr 2021 entfielen zeitweise mehr als 90 Prozent des gesamten Investitionsvolumens auf internationale Investoren. Dieser außergewöhnlich hohe Anteil war jedoch kein struktureller Normalzustand, sondern das Ergebnis einiger weniger extrem großvolumigen Finanzierungsrunden: Vier Mega-Deals mit jeweils über 100 Millionen Euro verzerrten die Statistik massiv nach oben.
Mit dem Ende der Boomphase änderte sich dieses Bild grundlegend. 2022 lag der Anteil des internationalen Kapitals noch bei rund 40 bis 45 Prozent, getragen von einzelnen größeren Wachstumsrunden. 2024 sank dieser Anteil bereits auf rund ein Drittel des investierten Kapitals. 2025 verstärkte sich der Trend weiter: Nur noch rund ein Viertel des investierten Kapitals stammt aus rein internationalen Investorenrunden – und das bei insgesamt deutlich gesunkenem Gesamtvolumen.
„Diese Entwicklung ist kein kurzfristiger Ausreißer, sondern Ausdruck einer strukturellen Marktveränderung. Internationale Geldgeber investieren dort, wo ausreichend Deal-Größe, Wachstumstiefe und verlässliche Anschlussfinanzierungen vorhanden sind – und genau daran fehlt es derzeit in kleineren Märkten wie Österreich. Der extrem hohe internationale Kapitalanteil in den Boomjahren war stark von wenigen Großdeals getrieben. Heute sehen wir das andere Extrem: Ohne ausreichend große Wachstumsrunden ziehen sich internationale Investorinnen und Investoren schrittweise zurück. Das ist ein strukturelles Signal und kein zyklisches“, sagt Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich.
Heimisches Kapital stabilisiert – kann die Lücke aber nicht schließen
Parallel dazu gewinnt heimisches Kapital relativ an Bedeutung. Knapp ein Drittel (31 %) des investierten Kapitals wird 2025 von ausschließlich österreichischen Investorinnen und Investoren getragen. Besonders im Seed- und Early-Stage-Bereich sichern heimische Geldgeberinnen und Geldgebern weiterhin die Basis des Ökosystems.
Gleichzeitig zeigt sich eine klare Grenze: Bei größeren Wachstumstickets stoßen österreichische Kapitalgeber an strukturelle Limits. Großvolumige Anschlussfinanzierungen lassen sich aus dem heimischen Markt allein kaum darstellen.
Gemischte Konsortien dominieren – bleiben aber klein
Ein Großteil des investierten Kapitals entfällt 2025 weiterhin auf gemischte Investorenkonsortien, in denen österreichische und internationale Kapitalgeber gemeinsam investieren. Diese Co-Investments unterstreichen grundsätzlich die internationale Anschlussfähigkeit des Standorts. Gleichzeitig bleiben auch diese Runden überwiegend kleinvolumig. Ohne größere Ankerinvestor und ausreichend Wachstumskapital gelingt es nur eingeschränkt, Finanzierungsrunden in einer Größenordnung zu strukturieren, die für Skalierung und internationale Expansion notwendig wäre.
Verschiebung bei Investorentypen verstärkt den Engpass
Auch die Zusammensetzung der Investorinnen und Investoren hat sich 2025 weiter verschoben. Der Markt wird zunehmend von Business Angels, kleineren Venture-Capital-Fonds sowie Bestandsinvestor getragen. Große internationale Growth-Fonds treten hingegen kaum mehr als neue Lead-Investoren auf und fokussieren sich primär auf das Management bestehender Portfolios. Diese Entwicklung verstärkt den Trend zu kleineren Ticketgrößen und verlängert Finanzierungszyklen, insbesondere für Start-ups und Scale-ups in späteren Entwicklungsphasen.
„Das Problem ist nicht fehlendes Interesse, sondern fehlende Tiefe im Markt. Ohne ausreichendes Wachstumskapital bleibt Skalierung die Ausnahme – genau hier entscheidet sich, ob aus Start-ups internationale Player werden“, so Haas.
Wachstumskapital bleibt der zentrale Engpass
Die Analyse zeigt klar: Der österreichische Start-up-Markt funktioniert in der Breite, stößt aber bei Wachstumskapital systematisch an Grenzen. Internationale Investor agieren selektiver, heimische Investor können größere Tickets nicht ersetzen, und gemischte Konsortien bleiben zu klein, um nachhaltige Skalierung zu ermöglichen.
Aus Investoren-Sicht sind die notwendigen Hebel seit Jahren bekannt: wettbewerbsfähige steuerliche Rahmenbedingungen, moderne Mitarbeiterbeteiligungsmodelle, weniger regulatorische Komplexität und vor allem die Mobilisierung institutionellen Kapitals.
Ein zentraler Baustein ist die rasche und konsequente Umsetzung des angekündigten Rot-Weiß-Rot-Dachfonds, der gezielt institutionelles Kapital – etwa von Pensions- und Versicherungsfonds – in Venture Capital lenken soll.
„Österreich hat viele engagierte Investoren und starke Gründerteams. Doch der Einbruch des Investitionsvolumens um 56 Prozent ist ein unüberhörbares Alarmsignal. Damit international erfolgreiche Scale-ups entstehen, braucht es jetzt die richtigen Rahmenbedingungen, da wir sonst innerhalb Europas den Anschluss verlieren. Gerade in Zeiten angespannter Budgets und knapper Fördermittel ist die Mobilisierung privater Mittel alternativlos. Die meisten europäischen Länder haben bereits steuerliche Anreizsysteme umgesetzt, um mehr Kapital in Innovationen zu lenken. Parallel dazu sollte der angekündigte Dachfonds nicht nur rasch umgesetzt, sondern auch attraktiv ausgestaltet werden. Nur durch eine international marktgerechte Struktur lässt sich sicherstellen, dass institutionelles Kapital endlich in ausreichender Menge gezielt in das Ökosystem fließt und die kritische Lücke beim Wachstumskapital schließt“, sagt Daniela Haunstein, Managing Director von Invest.Austria.
Standortentscheidung fällt jetzt
Der Rückgang internationalen Kapitals, die Verschiebung bei Investorentypen und der anhaltende Engpass bei Wachstumskapital markieren eine entscheidende Phase für den Start-up-Standort Österreich. Ob es gelingt, wieder mehr großvolumige Finanzierungsrunden zu ermöglichen und internationale Investorinnen und Investoren zurückzugewinnen, hängt maßgeblich von den jetzt getroffenen Weichenstellungen ab.
„Kapital ist vorhanden – es wird aber vorsichtiger eingesetzt. Gelingt es, das Umfeld für Wachstumskapital gezielt zu verbessern, kann Österreich seine Attraktivität als Investitionsstandort nachhaltig stärken“, so Haas abschließend.
Vermögensaufbau mit Dividendenfonds
Die Rendite muss nicht nur aus den Kursgewinnen der Aktien kommen.
Michael Kordovsky (30.01.2026). Dividenden wirken auf den ersten Blick banal. Ein Unternehmen schüttet einen Teil des Gewinns aus, Anleger erhalten laufende Erträge. Für den langfristigen Vermögensaufbau ist aber nicht die Höhe der aktuellen Dividendenrendite entscheidend, sondern die Kontinuität. Nur wer Dividenden über viele Jahre stabil zahlen und idealerweise steigern kann, liefert jene Ertragsqualität, die sich in Krisen als Puffer erweist und langfristig auch die Gesamtrendite stützt.
Warum Ertragskontinuität so wichtig ist
Hohe Dividendenrenditen entstehen häufig dann, wenn Kurse bereits gefallen sind. Das kann ein Warnsignal sein: Der Markt preist sinkende Gewinne oder eine unsichere Ausschüttung ein. Für Anleger zählt daher weniger „hoch“, sondern „haltbar“. Kontinuierliche Dividenden sind meist Ergebnis robuster Geschäftsmodelle, solider Bilanzen und disziplinierter Kapitalallokation. Genau das sind Eigenschaften, die in schwachen Marktphasen tendenziell helfen, Drawdowns zu begrenzen.
Stabile Dividenden-Aristokraten
Obwohl derzeit infolge der anhaltenden Technologieaktienhausse Indexschwergewichte die Performance-Statistik prägen und so manche Value-Aktien vorübergehend etwas „alt“ aussehen lassen, zeigte sich bei den 92 Aktien des S&P Global Dividend Aristocrats zumindest eine gewisse Stabilität – bei gleichzeitig günstiger Bewertung. Der Index misst die Performance jener Aktien mit der höchsten Dividendenrendite innerhalb des S&P Global Broad Market Index (BMI), sofern die Unternehmen eine Dividendenpolitik verfolgen, bei der Ausschüttungen seit mindestens zehn aufeinanderfolgenden Jahren erhöht oder zumindest konstant gehalten wurden. Die Fundamentaldaten überzeugen: Das Forward-KGV liegt bei 12,6, die indikative Dividendenrendite bei 5 %. Die Zehnjahresperformance lag bei 8,54 % p.a. (per 31.12.25). Die aktuellen Bewertungsniveaus stellen hier bereits eine gewisse Kursabsicherung nach unten dar.
Vorsicht Falle!
Nicht jede Hochdividendenstrategie outperformt immer. Gerade eine reine „Yield-Jagd“ kann in Value-Fallen führen. Der Mehrwert entsteht häufig dort, wo Dividendenqualität (Stabilität, Deckung durch Cashflow, Bilanzkraft) mit Bewertung und Risikokontrolle kombiniert wird.
Was sie leisten – und wo Risiken liegen
Dividendenfonds bündeln solche Qualitätskriterien in einem Produkt. Das kann praktisch sein, weil Manager oder Indexregeln Unternehmen mit schwacher Ausschüttungsqualität aussortieren und eine breite Streuung liefern. Gleichzeitig gibt es typische Risiken:
• Sektor-Klumpenrisiken: Viele Dividendenstrategien sind strukturell in Finanzwerte, Energie, Basiskonsum oder Versorger übergewichtet.
• Zinssensitivität: In Phasen stark steigender Anleiherenditen verlieren „Bond Proxies“ (Versorger, Immobilienaktien) oft an Attraktivität.
Langfristig bewährte Dividendenfonds und ETFs
Ein „bestes“ Produkt gibt es nicht. Sinnvoller ist eine Auswahl etablierter, breit investierender Strategien, die in Europa verfügbar sind und einen klaren Prozess haben. Mit einer Fünfjahresperformance von 18,7 % p.a. per Ende Dezember 2025 erscheint der „VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders UCITS ETF“ attraktiv. Er deckt 100 Positionen ab, verfügt mit nur 23 % US-Anteil über eine ausgewogene Länderallokation und weist ein Portfolio-KGV von lediglich 14,2 auf. Top-Positionen sind Exxon Mobil, Verizon Communications, Nestlé, Pfizer und Roche.
Der „SPDR S&P Global Dividend Aristocrats UCITS ETF“ wiederum liegt per 23. Jänner insgesamt immerhin knapp über 50 % im Plus.
Als Fonds interessant erscheint auch der „DWS Top Dividende LD“, der bei einer ausgewogenen Ländergewichtung Taiwan Semiconductor, Agnico Eagle Mines, Johnson & Johnson, Shell PLC und NextEra Energy am stärksten gewichtet.
Mit einem Plus von 54 % in den vergangenen fünf Jahren ist auch der „Fidelity Funds – Global Dividend Fund A-ACC-Euro“ ein Thema. Er investiert in dividendenstarke Qualitätsunternehmen mit ansteigenden Erträgen, stabilen Cashflows, einfachen, verständlichen Geschäftsmodellen und wenigen oder gar keinen Verbindlichkeiten in der Bilanz. ESG-Aspekte fließen in den Investmentprozess ein. Zu den Top-Positionen zählen u.a. Taiwan Semiconductor, Roche, Unilever und Novartis.
Foto: Adobe Stock / Apops
Ein starkes Comeback der Bayer-Aktie
Neue Medikamente drängen die Monsanto-Altlasten in den Hintergrund.
Roman Steinbauer (30.01.2026). Jene Investoren, die noch vor einem Jahr – im Umfeld größter Unsicherheiten – Aktien des einstigen Flaggschiffs der europäischen Pharma-Gesellschaften erwarben, schätzen sich nun glücklich. Stufenweise bis auf 0,11 Euro/Aktie (2024) gestutzte Dividenden (für das Geschäftsjahr 2022 wurden noch 2,40 Euro ausgezahlt) bewogen Value-Anleger noch zuvor zum Ausstieg aus dem Titel. Wenn auch noch nicht absehbar ist, wann Bayer die Ausschüttung erstmals wieder erhöhen wird: Die künftige Entwicklung der Gewinne dürfte deutlich nach oben zeigen. Kräftige Dividenden-Anhebungen rücken wieder näher.
Doppel-Stimulation der Notiz
Nach zermürbenden Quartalen ist zu verfolgen, wie die Kursentwicklung des Leverkusener Unternehmens nun an Aufwärts-Momentum gewinnt. Die Marktkapitalisierung kommt mit 44 Milliarden Euro erstmals wieder an den Wert der Umsatzerlöse von 47 Milliarden Euro (2024) heran. Die Bank of America (BofA) gab erst in der Vorwoche eine Kaufempfehlung mit einem neuen Ziel für die Aktie von 55 Euro (nach 35 Euro zuvor) aus. Die Investmentstrategen erkennen einen „großen Schritt“ nach vorne, um die im Zuge der Monsanto-Übernahme „geerbten“ und jahrelang belastenden Bilanz-Rückstellungen durch Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten in den USA zu beenden. Der BofA zufolge stehen für das Unternehmen die Chancen nun bei 70 %, die Klagswellen im eigenen Sinne abschließen zu können.
Umsatztreiber durch neue Arzneien
Wie das Handelsblatt nach einem Interview mit dem Chef der Bayer-Pharmasparte, Stefan Oelrich, bei der JP Morgan-Health-Konferenz aus San Francisco bereits am 15. Jänner berichtete, entpuppt sich für Bayer mit dem neuen Prostatakrebs-Medikament Nubeqa ein ausgesprochener Hoffnungsträger. Nubeqa könnte in der Pharmasparte nach weiteren Zulassungen weit höhere jährliche Umsätze (bisher auf 3 Milliarden Euro geschätzt) generieren als von Analysten bisher angenommen. Damit sei sogar ein Übertreffen des Verkaufsvolumens des Blutverdünners Xarelto (der Patentverlust von Xarelto wirkt sich heuer letztmals belastend auf die Bilanz aus) möglich. Oelrich sagte: „Mit großer Wahrscheinlichkeit ist Nubeqa das prägendste Produkt, das wir je hatten.“ Nach der EU-Zulassung von Eylea (Behandlung von Netzhautvenenverschlüssen) und der beschleunigten FDA-Zulassung für Sevabertinib in den USA (ein Medikament gegen eine Lungenkrebsvariante) nähert sich der Pharma-Portfolio-Mix wieder der Erfolgsspur.
Foto: Mediaparts / generiert mit KI
Immobilien: Erste Anzeichen eines zarten Aufschwungs
Das Investitionsvolumen nimmt allmählich wieder zu, die Ankaufsrenditen sind aussichtsreich.
Raja Korinek (30.01.2026). Das Umfeld für Immobilien war in den vergangenen Jahren denkbar schwierig. Die Pandemie sorgte für einen Einbruch am Büromarkt, danach belasteten steigende Zinsen die Immobilienfinanzierungen. Das Schlimmste könnte nun ausgestanden sein, betont Martin Prandl (Foto), Head of Österreich-Sales der französischen Corum Asset Management, bei seiner Präsentation der Jahreszahlen 2025 in dieser Woche in Wien. Der Börsen-Kurier war dabei.
Prandl verweist auf eine leichte Erholung am europäischen Immobilienmarkt. So lag 2023 das Investitionsvolumen bei 128 Milliarden Euro, im Jahr danach bereits bei 162 Milliarden Euro. Einen leichten Rückgang gab es dabei im vergangenen Jahr auf 160 Milliarden Euro. Berücksichtigt werden bei solchen Erhebungen gewerblich genutzte Immobilien. Dabei sieht der Corum-Experte mehrere Gründe für die insgesamt leichte Erholung und nennt dazu etwa die Rückkehr zu Büros: „Die Zeit des reinen ‚Home-Office‘ ist zu Ende.“ Auch Logistik sei gefragt. Immerhin werden zahlreiche solcher Zentren für Waren des Online-Handels benötigt.
Steigendes Volumen – auch in Österreich
Bei der französischen Muttergesellschaft Corum Butler profitiert man jedenfalls vom steigenden Interesse an Immobilieninvestments. Allein 2025 erreichten die Neuzuflüsse 1,6 Milliarden Euro, während es im Vorjahr 1,2 Milliarden Euro waren. Neuzuflüsse von heimischen Anlegern lagen bei rund 32 Millionen Euro, die Gelder flossen dabei in Corum Origin und Corum XL. Bei diesen Produkten handelt es sich um zwei Immobilienfonds mit der französischen Rechtsform einer „Sociétes Civiles de Placement Immobilier“.
So sind die Fonds täglich handelbar, Mieteinnahmen und Gewinne aus Veräußerungen werden ausgeschüttet. Allein im vergangenen Jahr erreichte die Ausschüttungsquote beim Origin 6,5 % und 5,3 % beim XL. „Damit wurden die Zielrenditen bei beiden Fonds erneut übertroffen“, unterstreicht Prandl. Eine Garantie stellen diese freilich nicht dar. Obendrein fallen bei einem Investment in die Fonds Gebühren an, und zwar knapp 12 % je Anteilsschein. Sie werden beim Verkauf der Anteile verrechnet.
Prandl verweist auf weitere Details: So werde, wenn überhaupt, nur kurzfristig mit Fremdkapital in den Fonds gearbeitet. Auch gebe es kein Bauherrenrisiko. „Wir sind keine Projektentwickler.“ Oben-drein würden sich Mieter grundsätzlich auf einen Kündigungsverzicht – in der Regel zwischen vier bis sechs Jahre – einlassen.
Stabile Mieter
Doch wie gehen die Experten bei diesen zwei Portfolios vor? Der Origin investiert innerhalb der
Eurozone Millionen Euro MioE erworben. Die durchschnittliche Ankaufsrendite lag bei 8,45 %. Im April des vergangenen Jahres wurde etwa ein Bürogebäude in Mailand um 39,6 Millionen Euro mit einer Ankaufsrendite von 7,8 % erworben. Zu den Mietern zählen Pfizer und NXP Semiconductors.
Der XL investiert auch in weitere Regionen, so etwa in Norwegen, Großbritannien und Kanada. Der Fonds investierte 2025 knapp mehr als 150 Millionen Euro in sechs Immobilien mit einer Ankaufsrendite von 7,56 %. Zu den Beispielen zählt vorigen März der Kauf von einer Einzelhandelsfläche im britischen Cheltenham um 14 Millionen Euro mit einer Ankaufsrendite von 7,14 %. Vermietet wurde an Lidl und Starbucks. Von höheren Renditeversprechen lasse man sich hingegen nicht anlocken, ergänzt Prandl. So seien jüngst Immobilien in einigen Regionen Osteuropas angeboten worden. Aufgrund mangelnder Transparenz habe man aber abgelehnt.
Foto: Corum
Batteriespeicher: Das Rad des 21. Jahrhunderts
Der Schlüssel für die effizientere Nutzung von Strom in E-Autos, Haushalten und Rechenzentren.
Stefan Riedel, München (30.01.2026). Der globale Batteriespeicherboom nimmt immer mehr Fahrt auf. 315 Gigawattstunden und damit 50 % mehr als noch vor einem Jahr wurden nach Berechnungen der Marktforscher von Benchmark Mineral Intelligence 2025 installiert. Bis zu 100.000 Drei-Personen-Haushalte lassen sich damit ein Jahr lang mit Strom versorgen. Allein der globale Markt für mobile Energiespeicher, so hat eine Marktstudie des Forschungsinstituts Fortune Business Insights berechnet, soll zwischen 2024 und 2032 von 51,1 auf 156,2 illiarden USD zulegen.
Drei milliardenschwere Zielmärkte
Elektrofahrzeuge und stationäre Energiespeicher (ESS) bilden da-bei gut 90 % des globalen Marktes für Batteriespeicher. Das mit Abstand größte Wachstumspotenzial sieht Richard Buschbeck, Senior Research Manager bei der Fondsboutique TEQ Capital, in den nächsten Jahren im ESS-Bereich: „ESS werden immer wichtiger, damit der Strom genau dann zur Verfügung steht, wenn er wirklich gebraucht wird. Durch die immer weiter fallenden Kosten für Batteriesysteme wird die Kombination aus Solar, Wind und ESS zur günstigsten Stromquelle.“
Ein weiterer Zukunftsmarkt für Speichertechnologien ist der enorme Strombedarf für Rechenzentren und Daten-Infrastruktur. Vor allem die Nutzung der künstlichen Intelligenz erfordert eine stabile und planbare Stromversorgung. Daniel Zimmerer, Portfolio Manager von Swisscanto-Themenfonds, geht davon aus, dass die Datencenter für Künstliche Intelligenz zusammen mit den Erneuerbaren Energien dem gesamten Energiespeichersegment für Batterien, kurz BESS, in den nächsten Jahren voraussichtlich jährliche zweistellige Wachstumsraten bescheren werden.
Lithium-Ionen-Batterien, kurz LIBs, haben sich dabei als dominierende Speichertechnologie etabliert. Als mögliche Alternative könnten Natrium-Ionen-Batterien laut dem TEQ-Experten Buschbeck den kommerziellen Durchbruch schaffen. „Sie versprechen niedrigere Materialkosten, haben aber eine niedrigere Energiedichte, was bei kostensensitiven Endmärkten wie ESS weniger ins Gewicht fällt.“
Weites Blue-Chip-Universum
Spannend für Anleger sind zum einen Energiedienstleister wie Siemens Energy und NextEra Energy oder Versorger wie RWE, die auch an Speicherlösungen mitverdienen. Die E-Auto-Hersteller BYD und Tesla sind eine weitere Option. Deutlich spekulativer sind Zulieferer und Hersteller von Rohstoffen und Chemikalien wie Ganfeng Lithium, Albemarle und Umicore, die für die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien benötigt werden.
Alexander Funk, Geschäftsführer bei RezooM Capital, favorisiert Konzerne wie Samsung SDI, Panasonic oder CATL aus China, die als weltgrößte Batteriehersteller hier auch unterwegs sind. Als Beispiel für Nischenplayer nennt der Experte Enphase Energy aus den USA: „Mit seiner IQ-Batterie für das Speichern von Solarstrom und intelligentem Energiemanagement hat Enphase einen Wachstumstreiber für die nächsten Jahre. Oder nehmen wir Sunrun, den früheren Vertriebspartner von Tesla für deren Wallboxen, die jetzt mit der eigenen Brightbox unterwegs sind.“
Eine Aktie, drei Produkte
Samsung SDI produziert Lithium-Ionen-Batterien, Batterien für Elektroautos, Energiespeichersysteme und Elektronikkomponenten. Angesichts des bis 2027 erwarteten Gewinnsprungs ist die Aktie günstig bewertet. Unter den ETFs bietet der im Jänner 2018 aufgelegte „L&G Battery Value-Chain UCITS ETF“ eine Diversifikation aus 38 Firmen aus den Bereichen Speichertechnologien und Metallproduktion. Technologiefonds wie der TEQ Clean Technologies oder rezooM World sind unter anderem in Unternehmen investiert, die eine technologische Vorreiterrolle bei Energieeffizienz und erneuerbaren Energien spielen.
Foto: Adobe Stock / peterschreiber.media
Industriestrategie: Wo ist die Finanzindustrie?
Florian Beckermann. Es ist vollbracht. Endlich hat Österreich eine Industriestrategie! Besser „haben“ als „hätte“. Die Bundesregierung hat geliefert, auch wenn sich die Lieferung liest, wie ein realitätsferner Wunschzettel ans Christkind. Doch so muss das sein, wenn man hochhinaus will – Realisierbarkeit oder Konkretisierung stehen auf einem anderen Blatt.
Wichtig: Die Regierung hat wieder entdeckt, dass Wohlstand nicht aus Workshops, Berichtswesen oder Sitzkreisen, sondern aus Fabrikhallen, Laboren und Risiken kommt – eigentlich ein Festtag für Rückgewinnung der Freiheiten des Unternehmertums gegenüber der fulminanten und alles beherrschenden Staatsquote. Nur eines fehlt. Ausgerechnet das, ohne das all die schönen Industrie-Visionen ungefähr so realistisch sind wie ein Stahlwerk ohne Strom: Die Finanzindustrie und der Kapitalmarkt.
Dass Kapital organisiert werden muss, dass Risikofinanzierung eine eigene Infrastruktur braucht, dass Banken und Kapitalmärkte über den Erfolg mitentscheiden – all das bleibt einstweilen ausgespart? Man will eine Industriestrategie, aber bitte ohne Finanzkapitalismus? Man mag eine gewisse Nostalgiekomponente verorten.
Dabei wäre die Finanzindustrie eigentlich eines der naheliegendsten Industrieprodukte Österreichs! Besonders naheliegend ist das deshalb, weil sie längst selbst eine der stärksten Industrien des Landes ist: Extrem datengetrieben, extrem hoch reguliert, extrem technologieintensiv – Tendenz weiter steigend. Längst bräuchte es Anreize diese Stärke Österreichs weiter zu stärken. Nicht nur um in den Expansionsländern der Finanzindustrie zu reüssieren, sondern gerade dem heimischen Markt eine Dynamik zu verschaffen.
Es geht dabei auch um eine marktwirtschaftliche Regulierungsfunktion, ja Werthaltigkeitstestung. Finanzindustrie, Kapitalmärkte und insbesondere Risikokapitalgeber prüfen strategisch, professionell und mit einem marktwirtschaftlichen Horizont. Perspektiven, die bei Förder-Calls mit Antragsfrist nur schwerlich abgedeckt werden können. Stichwort Bürokratieabbau: Förderwesen produziert Anträge, Richtlinien, Berichtspflichten und Compliance-Kosten. Unternehmer optimieren dann nicht ihr Produkt, sondern ihre Förderfähigkeit. Innovationskraft wird durch Formularlogik ersetzt. Wollten wir das nicht gerade abschaffen?
Fazit: Solange die Finanzindustrie politisch als (notwendiges) Übel gilt und nicht als strategischer Hebel, bleibt jede Industriestrategie ein netter Regierungswunschzettel. Wer in weiterer Perspektive das europäische Sparvermögen in die Wettbewerbsfähigkeit Europas einbringen möchte, muss die Finanzindustrie mitdenken. Wer angesichts der globalen Verwerfungen noch meint, dass man solche Maßnahmen aus ideologischen Gründen auslassen muss, hat die Klima- und Wettbewerbszeichen der Zeit nicht verstanden.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Die höchsten Gewinnmargen 2026
Die Weltwirtschaft verändert sich. Welche Branchen profitieren werden.
Roman Steinbauer (23.01.2026). Die Entwicklung der operativen Umsatzrendite bzw. Gewinnmarge (Ebit-Marge) bleibt für Aktienanleger ein ganz entscheidender Faktor. Im Zuge globaler Umwälzungen und ökonomischer Neuausrichtungen ganzer Volkswirtschaften beim Export unterliegt die Rentabilität vieler Branchen zunehmend volatilen Schwankungen.
Die New Yorker Research-Plattform IBISWorld erstellte, basierend auf Experten-Analysen zu 1.300 Unternehmen, Prognosen zu sich verändernden Gewinnmargen in diversen Wirtschaftskategorien. Den höchsten Profitabilitätsanstieg sollte 2026 demnach die Branche Hotel & Resorts mit +2,9 % erreichen. Im Industriesektor bleibt die Luft- und Raumfahrt mit +2,8 % im Blickpunkt.
Rentable Nischenbranchen sind wiederum vorrangig für die US-Märkte vorhanden. Da diese Trends vorgeben, lassen sich aber Rückschlüsse auf andere bedeutende Regionen ableiten. IBISWorld sieht hier an vorderster Front HR-Dienstleister (Personalverwaltung, Recruiting, Verträge). Die Gewinnquote sollte in dieser Kategorie mit beeindruckenden 96,1 % zu Buche schlagen.
Starke Marktposition festigt Kontinuität
Abgesehen von jenen Gesellschaften, die in Bereichen wie dem Online-Gaming tätig sind, stehen die großen Zahlungsabwickler mit einer hohen und soliden Rentabilität auch weit oben. Laut der Finanzplattform für Langzeit-Investoren Macrotrends verzeichnete Visa mit Ende September eine Netto-Gewinnmarge von 50,15 %. Mitbewerber MasterCard glänzte im gleichen Zeitraum immerhin mit 45,28 %, während sich American Express mit 15 % abzufinden hatte.
Der Einzelhandel hat vergleichsweise generell mit geringen Aufschlägen zu operieren (der Handelsriese Walmart weist eine Gewinnspanne von unter 3 % auf).
Autohersteller im Abseits
Wie schnell heute in einer Industriesparte die Effizienz schwindet, zeigt die Autoindustrie mit nur wenigen Lichtblicken. Nach Angaben des deutschen Verbands der Automobilindustrie (VDA) drücken weiterhin mehrere Faktoren deutlich auf die Profitabilität. Die Notwendigkeit hoher Investitionen in neue Technologien sowie unter Erwartungen liegende Absätze im Elektro-Segment erhöhen die Preiskämpfe. Traditionsreiche europäische Produzenten stehen zusätzlich unter dem Druck schwindender Marktanteile.
Der Interessenvertretung nach habe Deutschland im Vorjahr seinen Platz als zweitgrößter Produktionsstandort zwar gefestigt. Dennoch werde es vorerst kaum möglich sein, geschwundene Gewinnanteile zurückzuerobern. Der VDA beruft sich auf die Datenlage bis 30. September 2025. Diese weist eine im Median scharf sinkende durchschnittliche Ebit-Marge auf nur noch 5,5 % (2024: 7,8 %) bei den führenden Herstellern auf. Der durchschnittliche Gewinn pro Pkw sank um 34 % auf noch 2.218 Euro. Auch wenn Toyota und Hyundai ebenso an Ertragskraft verloren, lieferten die Asiaten mit 8,4 % bzw. 7,5 % die höchste Umsatzrendite ab.
Magnificent Seven verlieren an Zugkraft
Die hohen Gewinnmargen der sieben Tech-Aktien-Stars („Magnificent Seven“) der vergangenen Jahre könnten indes an den Börsen an Zugkraft einbüßen. So zitierte das Handelsblatt in der Ausgabe vom 2. Jänner u.a. den Ökonomen und CEO von Yardeni Research Ed Yardeni mit der aufrüttelnden Aussage, dass Alphabet, Nvidia, Amazon & Co 2026 aus dem Fokus rücken würden.
Foto: Adobe Stock / Rusman Gilmanshin
| Prognosen / Globaler Anstieg der Gewinnmarge |
| Branche |
2026 zum Vorjahr |
| Hotels & Resorts |
+2,9 % |
| Militär- und Raumfahrt |
+2,8 % |
| Käse-Industrie |
+2,2 % |
| Cargo-Flugzeuge |
+1,8 % |
| Terminals für Container und Seestreitkräfte |
+1,8 % |
| Biotechnologie |
+1,7 % |
| Tabakindustrie |
+1,0 % |
| Banking & Brokerage |
+1,0 % |
| Militär-Marine-Schiffbau |
+0,7 % |
| Quelle: IBISWorld Report |
| Prognosen / Spitzen-Umsatzrenditen einzelner Segmente in den USA |
| Branche |
Geschätzte Gewinnmarge 2026 |
| HR Dienstleistungen |
96 % |
| Gesundheit & Sicherheit |
94 % |
| Personalvermittlung-Gesundheitssektor |
91 % |
| Psychologische Betreuung |
88 % |
| Transportlogistik chemischer Stoffe |
85 % |
| Grundstücksverpachtung |
83 % |
| Software-Entwicklung für Finanzmanagement |
82 % |
| Physiotherapeutische Rehabilitation |
82 % |
| Personalvermittlung-Führungspositionen |
81 % |
| Quelle: IBISWorld Report |
| Im Artikel angeführte Aktien |
| Name |
ISIN |
| Visa Inc. |
US92826C8394 |
| MasterCard |
US57636Q1040 |
| American Express |
US0258161092 |
| Walmart |
US9311421039 |
| Toyota Motor Corp. |
JP3633400001 |
| Hyundai Motor |
KR7005380001 |
| Alphabet Kat. C |
US02079K1079 |
| Nvidia |
US67066G1040 |
| Amazon |
US0231351067 |
Knorr-Bremse hat sich neu aufgestellt
Der Weltmarktführer erhöht dank Verschlankungen und Zukäufen wieder das Wachstumstempo.
Stefan Riedel, München (23.01.2026). Mit Knorr-Bremse (DE000KBX1006) kommen viele Menschen täglich in Kontakt. Das Unternehmen aus dem Münchener Norden kommt bei den Bremssystemen für Schienenfahrzeuge auf einen globalen Marktanteil von 50 %. Bei den Bremsen für Lkws, Busse, Anhänger und Landmaschinen sind es 30 %. Und seitdem das im Sommer 2023 verabschiedete Wachstumsprogramm Früchte trägt, hat sich die im MDax gelistete Aktie in den letzten zwei Jahren wieder langsam nach oben gearbeitet.
Neuausrichtung greift
„Wir müssen Knorr-Bremse nicht neu erfinden, aber wieder auf Kurs bringen“, gab Vorstandschef Marc Llistosella die strategische Richtung vor. In der Praxis ging es darum, drei Maßnahmen umzusetzen: Kosten senken, Tochtergesellschaften veräußern und im Segment Bahntechnik über Akquisitionen international expandieren. Die Investitionen und Portfoliobereinigungen kosteten Knorr-Bremse 2024 Umsatz und Gewinn.
2025 zeigte die Tendenz im Laufe der einzelnen Quartale aber wieder klar nach oben. Im dritten Geschäftsquartal legte der Umsatz um 2,7 % auf fast 1,9 Milliarden Euro zu. Noch besser sieht es beim Auftragseingang aus, der um 5,2 % auf fast 2 Milliarden Euro stieg. Damit verfehlte Knorr-Bremse zwar die Prognose, erreichte aber bei der operativen Ebit-Marge mit einer Verbesserung von 12,3 auf 13,3 % den höchsten Wert seit 16 Quartalen.
Jahreszahlen versprechen Spannung
Wenn Knorr-Bremse am 19. Februar die Jahreszahlen präsentiert, geht es zum einen darum, ob die eigenen Prognosen realisiert wurden. Das Management erwartet 7,8 bis 8,1 Milliarden Euro Umsatz, eine operative Ebit-Marge zwischen 12,5 und 13,5% nach 12,3% im Vorjahr und dazu 700 bis 800 Millionen Euro Free Cashflow, was im optimistischen Szenario die 730 Millionen Euro von 2024 deutlich übertreffen würde. Besonders spannend werden jedoch die Aussagen zum künftigen Wachstumskurs. „Wir passen 2025 unsere Strukturen an, sodass wir nächstes Jahr verstärkt das Thema nachhaltiges Wachstum und Expansion adressieren können“, hatte sich Finanzvorstand Frank Weber dazu bei den letzten Quartalszahlen geäußert.
Wachstum durch Zukäufe
Ein Zukauf spielt dabei eine wichtige Rolle. 500 Millionen Euro hatte Knorr-Bremse im Juli 2025 für die Schweizer Duagon-Gruppe auf den Tisch gelegt. Duagon ist auf Hardware und Software für sicherheitsrelevante Anwendungen vor allem in der Bahnindustrie spezialisiert. Knorr-Bremse erhofft sich hier Synergien für die Bahnsparte, für die beiden Töchter Selectron und KB Signaling in der Signaltechnik und bei Bremssystemen. Rund 175 Millionen Euro Umsatz und eine operative Ebit-Marge von 16 %, also über dem aktuellen Konzern-Durchschnitt, soll Duagon 2026 einbringen, und dann ab 2028 jährliche Synergieeffekte von 5 bis 10 Millionen Euro.
Defensives Investment
Bleibt die Bewertung der Aktie, die sich mit rund 59 % Anteilen mehrheitlich im Besitz der Familienstiftung des langjährigen, 2021 verstorbenen Konzernlenkers Heinz-Hermann Thiele befindet. Das 2026er-KGV von mehr als 20 lässt hier noch Luft nach oben für ein Unternehmen, das mit einer führenden Position in einer Marktnische bis 2026 auf der Gewinnseite um mehr als 25 % wachsen soll. Wer sich auf der Suche nach einem Qualitätstitel mit niedriger Verschuldung und nachhaltigem Geschäftsmodell befindet, trifft mit Knorr-Bremse eine gute Wahl.
Foto: Knorr Bremse
Gold als Sachwert
Rekordpreise und die Renaissance des Schmucks.
Lea Schweinegger (23.01.2026). Während die Feinunze derzeit bei mehr als 4.500 US-Dollar notiert, behauptet sich Goldschmuck zunehmend als emotionale und materielle Sachwertanlage. Ein Blick auf die Dynamik eines Marktes, der trotz Rekordpreisen nie aus der Mode kommt.
In der über hundertjährigen Geschichte des Börsen-Kurier gab es nur wenige Phasen, in denen Gold eine derart dominante Rolle spielte wie im Marktumfeld zu Beginn des Jahres 2026. Mit einem kräftigen zweistelligen Plus innerhalb der vergangenen zwölf Monate hat das Edelmetall seine Funktion als „sicherer Hafen“ erneut unter Beweis gestellt und ist zu einem zentralen Baustein moderner Portfolios geworden. Während institutionelle Anleger vor allem auf börsengehandelte Produkte und Goldminen setzen, erlebt eine klassische Form des Goldbesitzes eine stille Renaissance: hochwertiger Goldschmuck.
Die Ökonomie des Glanzes
Was für professionelle Investoren Barren oder Münzen im Tresor sind, ist für viele Privatanleger das Erbstück oder die gezielte Investition in 18-karätigen Schmuck. Der wirtschaftliche Hintergrund ist klar: Unsicherheiten rund um Staatsverschuldung, Zinsentwicklung und geopolitische Konflikte haben den Goldpreis in Regionen geführt, die vor wenigen Jahren noch als unrealistisch galten. Langfristige Marktprognosen einzelner Analysten reichen deutlich über bisherige Rekordniveaus hinaus, wenngleich sie mit Vorsicht zu interpretieren sind.
Schmuck als „tragbare Währung“
Für den österreichischen Markt mit seiner starken Affinität zu physischen Werten bedeutet das hohe Preisniveau eine Zäsur. Juweliere berichten von einem klar zweigeteilten Trend. Erstens gewinnt bei Neukäufen die Materialqualität an Bedeutung. Gefragt sind vor allem hohe Legierungen wie 750er Gold (18 Karat), da hier der reine Goldanteil einen wesentlichen Teil des Kaufpreises ausmacht. Zweitens erlebt historischer Schmuck eine Aufwertung. Der hohe Goldpreis macht sogenanntes „Alt- und Bruchgold“ zu einer liquiden Reserve. Viele ältere Stücke bestehen aus Rotgold, einer Goldlegierung mit erhöhtem Kupferanteil, die dem Metall seine warme Farbe verleiht und zugleich für hohe Stabilität sorgt.
Historisch wurden vor allem 333er-, 585er- und 750er-Legierungen verwendet. Während niedrigere Feingehalte vor allem im Alltags- und Gebrauchsschmuck verbreitet waren, steht 750er Rotgold für hochwertige Goldschmiedearbeiten mit hohem Verarbeitungswert. Schmuck aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde häufig in diesen Legierungen gefertigt, da sie langlebig, gut formbar und widerstandsfähig waren.
Für Anleger ist Rotgold daher doppelt interessant: Es verbindet klar kalkulierbaren Materialwert mit handwerklicher und historischer Substanz. Dass solche Stücke heute deutlich über dem reinen Schmelzwert gehandelt werden, zeigen aktuelle Auktionsergebnisse.
Beim Wiener Dorotheum erzielten historische Armbänder und Ketten aus der Zeit um 1900 zuletzt Zuschläge im hohen fünf- bis sechsstelligen Bereich. Auch im Auktionshaus Kinsky werden qualitätsvolle Goldarbeiten mit klarer Provenienz regelmäßig deutlich über Materialwert verkauft.
Nachhaltigkeit und Werterhalt
Ein zusätzlicher Faktor ist das wachsende Interesse an sogenanntem „Second Life Gold“. Recyceltes Gold ist längst kein Nischenprodukt mehr, sondern Standard in der gehobenen Goldschmiedekunst. Es trägt sowohl zur Ressourcenschonung als auch zu einer transparenten Wertschöpfungskette bei.
Fazit
Gold bleibt auch 2026 ein zentraler Teil im Depot. Ob als Münze, Barren oder meisterhaft gefertigter Schmuck – die Beständigkeit des Metalls überdauert Marktzyklen. Physisches Gold behauptet sich auch im digitalen Zeitalter als verlässlicher Wertspeicher.
Foto: KI-generierte Illustration
Kommunikation ist alles!
Erstes Wiener HV-Kolleg zu gesetzlichen Rahmenbedingungen und HV-Kultur.
Red/tp (23.01.2026). Spannende Diskussionen bot das 1. Wiener HV-Kolleg des Börsen-Kurier-Partners Interessenverband der Anleger (IVA) in Kooperation mit der auf Kapitalmarktfragen spezialisierten international tätigen Kanzlei Kinstellar in deren Räumlichkeiten. Schwerpunktthemen waren die Evolution der rechtlichen Rahmenbedingungen (Panel 1), Diversität und Anlegerschutz (Panel 3) sowie Listing-Act und Omnibus-Verordnung (Panel 2). Letzteres wurde durch Börsen-Kurier-Chefredakteur Tibor Pásztory (am Bild rechts) moderiert.
In seinen Begrüßungsworten warnte IVA-Präsident Florian Beckermann (am Bild links) vor einer Unterschätzung der Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz (etwa aufgrund von deren Nutzung durch aktivistisch Investierende) sowie vor der allzu hohen Staatsquote hierzulande. „Österreich könnte das bessere Deutschland werden!“, rief er zu einer selbstbewussteren Haltung auf.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen
Schnell wurde klar, dass die ausgeprägte Bürokratie auf europäischer wie österreichischer Ebene einen großen Hemmschuh für den heimischen Kapitalmarkt darstellt. Auch fehle ein überzeugendes europäisches Gesellschaftsrecht. „Die Societas Europea (SE) war kein großer Erfolg“, stellte Sonja Bydlinski, Professorin für Gesellschaftsrecht, trocken fest.
Auch der Green Deal war ein großes Thema. Dieser betrifft nun aufgrund der Omnibus-Verordnung deutlich weniger Unternehmen als bisher. Allerdings: „Einzelne Bausteine herauszunehmen ist schwieriger als das Ganze zu gestalten“, wie Alfred Lejsak, Vorsitzender des Österreichischen Arbeitskreises für Corporate Governance, der selbst in Brüssel an vielen Entwürfen mitgearbeitet hat, meinte. Auch er ortet Lücken im EU-Recht und vermisst einen kapitalmarktrelevanten Generalpensionskassenvertrag in Österreich. Notar Christian Mayer wiederum stößt sich an Störaktionen durch Aktivisten, die mit der Wahrung von Aktionärsrechten nichts zu tun haben. Marco Wolfsberger, Geschäftsführer der Übernahmekommission, wies auf die wachsende Komplexität im Übernahmerecht insbesondere in Insolvenzfällen hin. Hier sei man an ein „Fristenkorsett“ von fünf Monaten gebunden, wie er es ausdrückte. „Wie soll sich das ausgehen?“, fragt er sich.
Mehr als nur Pflichtübungen
Moderator Tibor Pásztory erinnerte daran, dass die Abhaltung von Hauptversammlungen nicht isoliert, sondern im Rahmen der gesamten Investor Relations zu sehen sei. Es ginge daher um weitaus mehr als die bloße Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, sondern um Kommunikation generell. Dies begänne bereits bei der Einberufung der HV.
Unisono erklärten die Diskussionsteilnehmer, dass die Umstellung vom Amtsblatt zur Elektronischen Verlautbarungs- und Informationsplattform des Bundes (EVI) keine großen Auswirkungen gezeigt hätte. Eine als ungenau erachtete Einberufung der Volkswagen AG sei vom Deutschen Bundesgerichtshof allerdings gekippt worden, mahnte Petra Heindl, Rechtsanwältin bei Kinstellar und „Hausherrin“ der Veranstaltung. Susanne Aglas-Reindl, Head of Investor Relations A1 Telekom Austria Group und Vorstandsmitglied des Cercle Investor Relations Austria (CIRA), wies wiederholt auf das A & O ihrer jahrelangen Erfahrungen aus der Praxis hin, nämlich allumfassende Kommunikation. Auch Josef Baumüller, Aktivist und Wissenschaftler an der TU Wien, der sich wesentlich mit den IFRS Reporting Standards beschäftigt hat, begrüßt diese Haltung.
Durchaus unterschiedlich zeigten sich die Meinungen der Teilnehmer hingegen zu virtuellen Hauptversammlungen. Während die meisten zwischen Befürwortung und neutraler Haltung zu verorten waren, zeigte sich nur der Moderator aus Journalistensicht strikt dagegen. Einhelligkeit bestand hingegen bei der Skepsis gegenüber der Einführung von Mehrstimmrechtsaktien. Diese Position vertritt im Übrigen auch der IVA.
Listing Act und Omnibus-Verordnung
Als ziemliches Sammelsurium erweist sich der (vom Österreichischen Nationalrat allerdings noch nicht beschlossene) Listing Act, ein Reformpaket der EU, wie Martin Wenzl, Head of Listings & Indices der Wiener Börse AG, bestätigt. Dieses soll Börsengänge und Kapitalerhöhungen erleichtern und Pflichten wie Kosten börsennotierter Unternehmen reduzieren, ohne dabei den Anlegerschutz zu mindern. Wenzl sprach hier konkret die im Listing Act enthaltene Prospektverordnung an.
Auch bei der Omnibus-Verordnung handelt es sich um ein Sammelwerk verschiedener Maßnahmen, die einer Vereinfachung und dem Bürokratieabbau dienen sollen. Gerhard Marterbauer, Partner bei Deloitte, erläuterte den aktuellen Stand, demzufolge nun deutlich weniger Unternehmen in Österreich betroffen sind. Den wichtigsten Bereich stellt dabei die Nachhaltigkeits- und Reporting-Regulatorik dar. Edith Leiner, Prüferin im Accounting- und IFRS-Enforcement-Team der Finanzmarktaufsicht, wies hier auf die Wichtigkeit des Europäischen Trilogs „Kommission – Rat – Parlament“ hin, um die Verordnung bei den betroffenen Standards wie CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) oder EU-Taxonomie umzusetzen.
Zahlreiche Einzelbestimmungen
Leiner interessiert sich ihrer Position gemäß besonders für die Marktmissbrauchsverordnung. Ihr geht es vor allem um das Thema Insidergeschäfte, und hier wiederum um die Frage, ab wann eine Ad-hoc-Meldung veröffentlicht werden muss, um Insidergeschäfte verhindern zu können. Insgesamt jedoch wird der Listing Act als positiv gewertet, wie Marterbauer aufgrund der Prospektvereinfachungen bei Börsengängen bestätigt. Auch bei Kapitalerhöhungen seien vereinfachte Dokumente und höhere Schwellenwerte zur Verpflichtung vollständiger Prospekte vorgesehen.
Grundvoraussetzung für eine Rechtsgültigkeit in Österreich ist der Beschluss des Nachhaltigkeitsberichtsgesetzes (NaBeG) durch den Nationalrat. Edith Leiner und Martin Wenzl erwarten diesen für Ende Februar.
„Miteinander reden“
Auch das dritte Panel nahm sich teilweise derselben Themen an, etwa des Leitungspositionengesetzes (GesLeiPoG). Hier taten sich neben der deutsch-amerikanischen Stimmrechtsvertreterin Katryna Krüger und dem Gründer Andreas Posavac vor allem der Investor Rupert-Heinrich Staller kurzweilig hervor. Hier ging es vor allem um die Gegenüberstellung von Investoren- und Emittenteninteressen. Angesprochen wurden dabei internationale Tendenzen bei KI und ESG, den Einfluss internationaler Investoren, Frauenquoten in Aufsichtsräten oder Vergütungssysteme. Aber – wieder einmal – auch ganz stark um Kommunikation: „In einer Präsenz-HV kann man dem CEO sagen, dass er ein Trottel ist“, fasste Staller dies humoristisch zusammen.
Foto: Annex Productions / Florian Arnoldner
Aktionärs-Aktivismus 2026: Was steht auf der Agenda?
Florian Beckermann. Für börsengelistete Unternehmen zeichnet sich wieder ein intensives und facettenreicheres Engagement der Aktionäre ab. Vorreiter dafür sind häufig Tendenzen aus Großbritannien, wo Aktionärs-Aktivismus die größte Rolle europaweit spielt. Danach folgen Deutschland, die Schweiz und die skandinavischen Staaten.
Laut der Beratungsgesellschaft Alvarez & Marsal könnten im Jahr 2026 deutlich mehr als 50 britische Gesellschaften im Visier aktivistischer Investoren stehen und entsprechende, wegweisende Kampagnen aufzeigen, so der Activist Alert. In Europa stehen insgesamt rund 140 Unternehmen im Fokus. Wenig überraschend, liegt der sektorale Schwerpunkt bei Consumer Goods und klassischer Industrie (ca. 50 %), gefolgt von Technologie- und Energieunternehmen.
Thematisch: Entsprechend der Entwicklung der vergangenen Jahre ist eine weitere Verlagerung der Interessen prognostiziert. War noch vor wenigen Jahren die Themengruppe um „Governance“ klar Vorreiter, ist aktuell die Frage der Kapitalallokation und Operations/Strategy beinahe gleich auf. Dies mag angesichts der konkreten Schwerpunkte wenig verwundern.
Als besonders interessant schiebt sich nach der Studie von A&M die Wertentwicklung aus der KI und dessen Implementierung/Disruption auf den ersten Platz des Aktionärsinteresses. Wobei Wertschaffung und Wertzerstörung durch die Technologie berücksichtigt werden. Es ist keineswegs klar, dass KI gewinnbringend bei jedem
Unternehmen einsetzbar ist. Die Bubble-Gefahr bzw. das Investitionsrisiko wird adressiert werden. Geopolitik, die Wettbewerbssituation mit China (insbesondere Handelsrouten) folgen auf den Plätzen zwei und drei.
Die Inkonsistenz von Equity-Stories, Glaubwürdigkeitsthemen und Führungsschwäche als klassische Aktivistenthemen treffen auf einen stärker werdenden Übernahmemarkt. Das Wiedererstarken von M&A-Transaktionen am europäischen Kapitalmarkt ist ein Resultat niedriger Zinsen und einem Pouvoir an „trockenem Pulver“. Es mag jedoch zu sektoral unterschiedlichen Gewichtungen kommen, da nicht jeder Markt über eine Vielzahl „attraktiver“ Unternehmen verfügt. So ist das Vereinigte Königreich stark bei Consumer Goods, Österreich im Banken- und Finanzsektor – siehe Erste Group und Santander Polska.
Woher? Die große Mehrheit der Aktivistengruppen wird durch Fonds aus den USA finanziert (41%). Insbesondere durch die Erschwerung von ESG-verbundenen Kampagnen durch die US-Börsenaufsicht SEC, kam es 2025 zu einer Zunahme in Europa, wo solche Aktivitäten verstärkt auftraten.
Fazit: Neben den nationalen Eigenheiten in Österreich werden auch die genannten Themen auf der kommenden Hauptversammlungssaison zur Sprache kommen. Ob einzelne Kampagnen hier greifen werden, ist noch offen. Der IVA setzt mit seinen Schwerpunktfragen seit 15 Jahren dabei auf Kontinuität und transparentes Monitoring. Diese werden dieser Tage veröffentlicht.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Ölpreis im Jahr 2026: Spiegel struktureller Veränderungen
Ein Kommentar der Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking.
(09.01.2026) Trotz bärischer Aussichten für die Ölpreise im Jahr 2026 trieben die Unruhen in Venezuela die Notierungen zu Wochenbeginn kurzfristig in die Höhe. Am Montag dieser Woche stiegen diese als Reaktion auf die Unruhen in Venezuela um mehr als 1 Prozent. Es dürfte sich jedoch um eine kurzfristige Volatilität handeln, da sämtliche Analysen für das laufende Jahr 2026 von einem Überangebot ausgehen, schreiben die Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking im jüngsten Marktkommentar. Bereits am Dienstag folgte eine leichte Gegenreaktion auf den Preisanstieg von Montag.
Venezuela ist Gründungsmitglied der Organisation der Erdölexportländer (OPEC) und verfügt über die weltweit größten Ölreserven mit etwa 303 Milliarden Barrel. Allerdings befindet sich der Ölsektor seit langem im Niedergang, was hauptsächlich auf zu geringe Investitionen und die Sanktionen der USA zurückzuführen ist.
Ein Markt im Überschuss
Nach Jahren hoher Volatilität dürften sich die Ölpreise demnach nun auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau einpendeln. Analysten, Energieagenturen und Rohstoffhändler erwarten für das soeben begonnene Jahr keinen neuen Ölboom, sondern einen Markt, der von Überangebot, gedämpfter Nachfrage und geopolitischen Störfeuern geprägt ist.
Der wichtigste Treiber dieser Prognosen ist das Angebot. Die Förderung der Erdöl-produzierenden Länder, die sich vor 10 Jahren zur erweiterten OPEC, der so genannten OPEC+ zusammengeschlossen haben (Algerien, Äquatorialguinea, Gabun, Iran, Irak, Kongo, Kuwait, Libyen, Nigeria, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Venezuela. Russland, Kasachstan, Oman, Aserbaidschan, Brunei, Malaysia, Mexiko, Bahrain, Südsudan, Sudan), bleibt trotz interner Spannungen hoch. Gleichzeitig bauen die USA ihre Rolle als weltweit größter Ölproduzent weiter aus. Dazu kommt, dass abhängig von den künftigen politischen Entwicklungen aus Venezuela oder Iran zusätzliche Mengen auf den Markt kommen könnten. In Summe rechnen viele Beobachter für 2026 mit einem strukturellen Überangebot.
Selbst moderate Förderkürzungen würden vermutlich kaum ausreichen, um den Markt nachhaltig zu verknappen. Das erklärt, warum die meisten Prognosen für Brent-Rohöl nur Preise zwischen rund 55 und 62 US-Dollar pro Barrel sehen. Für die US-Sorte WTI liegen die Schätzungen meist noch etwas darunter.
Schwache Nachfrage
Auf der Nachfrageseite fehlen die Impulse. Das globale Wirtschaftswachstum verläuft verhalten, insbesondere in China, das lange Zeit als Wachstumsmotor des Ölmarktes galt. Gleichzeitig zeigen Effizienzgewinne, Elektromobilität und der Ausbau erneuerbarer Energien zunehmend Wirkung. Der weltweite Ölverbrauch wächst zwar weiter – aber langsamer.
Für viele Ökonomen ist entscheidend, dass ohne einen kräftigen Nachfrageanstieg dem Ölpreis die Grundlage für einen dauerhaften Aufwärtstrend fehlt.
Geopolitik bleibt Unsicherheitsfaktor
Ganz ohne Risiken ist der Ausblick dennoch nicht. Konflikte im Nahen Osten, neue Sanktionen gegen Russland oder politische Umbrüche in Förderländern können jederzeit zu kurzfristigen Preissprüngen führen. Längerfristig werden sich die Auswirkungen möglicher neuer Szenarien aber voraussichtlich in Grenzen halten.
Geopolitische Ereignisse würden für Volatilität sorgen, aber keine Trendwende bedeuten, so die Experten. Solange das Angebot hoch bleibt, dürften Preisschocks rasch wieder abklingen.
Verbraucher und Wirtschaft profitieren
Für Verbraucher in Europa könnte ein moderater Ölpreis 2026 stabilere Energie- und Kraftstoffkosten bedeuten – vorausgesetzt, Steuern und Abgaben steigen nicht weiter. Für Förderländer hingegen wird der finanzielle Spielraum enger. Staaten mit hohen Haushaltsabhängigkeiten vom Ölpreis stehen vor der Herausforderung, ihre Ausgaben an niedrigere Einnahmen anzupassen.
Frequentis-Aktie startet stark ins neue Jahr
Nach +180 % im Vorjahr: Verteidigungsinvestitionen geben neue Impulse.
Patrick Baldia (16.01.2026). Was nun? Diese Frage beschäftigt vermutlich gerade nicht wenige Frequentis-Aktionäre. Nach einem Jahr wie 2025, in dem die Aktie des Spezialisten für Kommunikations- und Informationssysteme für Kontrollzentralen mit sicherheitskritischen Aufgaben einen Kursanstieg von nicht weniger als 180 % erlebte, ist das auch nicht weiter verwunderlich. Bislang zeigte die Aktie jedenfalls auch im neuen Jahr keine Schwäche: Zu Buche steht ein vorläufiges Kursplus von rund 12 %.
Analysten eher vorsichtig
Die Mehrheit der vier Analysten, die die Aktie aktuell covern, ist jedenfalls eher vorsichtig, was ihre weitere Entwicklung betrifft: Dreimal „halten“ bzw. „neutral“ stehen einer „Kauf“-Empfehlung gegenüber. Die Kursziele bewegen sich zwischen 53,94 und 81 Euro, liegen damit allesamt unter dem aktuellen Kurs von 81,6 Euro (Stand kurz vor Redaktionsschluss, Anm.). Werden Späteinsteiger weitere Impulse setzen können?
Im laufenden Geschäftsjahr ist Frequentis stark unterwegs: Sowohl Auftragsbestand und Auftragseingänge als auch die Umsätze konnten bislang deutlich gesteigert werden. Damit kann das Unternehmen den positiven Trend der vergangenen Jahre bestätigen. Dabei profitiert man auch von der Kundenstruktur, die sich zu 90 % aus Behörden zusammensetzt, sowie insgesamt von verstärkten Investitionen in Mobilität und Sicherheit. Gegenüber dem Vorjahr zielt das Management jedenfalls auf ein Umsatzplus von 10 %, eine Steigerung des Auftragseingangs im unteren zweistelligen Prozentbereich und eine Ebit-Marge zwischen 6,5 und 7 %.
Verteidigung als Wachstumstreiber
Das Management geht davon aus, in den kommenden Jahren von steigenden Verteidigungsausgaben, sprich Investitionen in Flugsicherung und Luftverteidigung, zu profitieren. So soll etwa die Kontrollzentralen-Infrastruktur modernisiert werden, um die Einbindung von Drohnen in die Systeme zu ermöglichen. Ein unmittelbarer Sprung bei Auftragseingängen und Umsatz wird allerdings nicht erwartet. „Beschaffungsprozesse laufen oft über mehrere Jahre und zuerst wird in militärische Hardwarekomponenten investiert, bevor diese über Softwarelösungen in Kontrollzentralen eingebunden werden“, erklärt das Vorstandsteam im Bericht für das 1. Halbjahr 2025.
Militäraufträge ab 2027
Auch Analysten erwarten, dass Frequentis ein Profiteur der steigenden Verteidigungsausgaben der Nato-Staaten sein wird. Vor allem „das Timing der Auftragseingänge ist allerdings unsicher“, meint Philip Hettich von ODDO BHF in einer Analyse Ende des Vorjahres. Er glaubt, dass die Aufträge ab Anfang 2027 zu fließen beginnen werden, sobald die neue Hardware beschafft wird und die Anforderungen für deren Integration zuverlässig eingeschätzt werden können.
Foto: Adobe Stock / indyntk / mit KI generiert
„Wir denken nicht daran, die Aktienquote zu reduzieren“
Experte: Entwicklung der Weltwirtschaft wichtiger als tägliche Geopolitik.
Patrick Baldia (16.01.2026). Alois Wögerbauer, Fondsmanager und Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft, spricht im Exklusiv-Interview mit dem Börsen-Kurier über das angelaufene Aktienjahr.
Börsen-Kurier: Bei unserem letzten Gespräch im Herbst meinten Sie, dass Sie kürzlich die globale Aktienquote erhöht hätten, um an der Jahresendrallye teilzunehmen. Man darf also gratulieren?
Alois Wögerbauer: Ja, das hat gut funktioniert. Der Hintergedanke war, dass normalerweise in guten Aktienjahren der Lauf auch zum Jahresende anhält.
Börsen-Kurier: Wie geht es jetzt weiter, sollte man als Anleger jetzt vorsichtiger vorgehen?
Wögerbauer: Unsere Aktienquote bleibt hoch und wir denken auch nicht daran, sie zu reduzieren. Schließlich entwickelt sich die Weltwirtschaft weiter relativ stabil. Auch 2026 und 2027 wird mit einem Wachstum von jeweils 3 % gerechnet. Und das ist für uns wichtiger als die tägliche Geopolitik. Auch, dass sich die Unternehmensgewinne gut entwickeln. Heuer wird ein durchschnittliches Wachstum von 8 % erwartet. Dasselbe gilt für die Aktienkurse. Kurz: Es gibt keinen wirklichen Grund, von einer Trendwende an der Börse auszugehen.
Börsen-Kurier: Die geopolitischen Entwicklungen bereiten Ihnen keine Sorgen? Der Markt hat sich zuletzt davon relativ unbeeindruckt gezeigt, obwohl eine Menge passiert ist.
Wögerbauer: Dass der Markt gelassen geblieben ist, hat zwei Gründe: Erstens ist der globale Veranlagungsdruck hoch. Egal, ob in Europa, den USA oder Asien, viele Anleger beunruhigt die Entwicklung der Staatsschulden. Sie wollen sich mit Assets – sprich Aktien, Gold und Kryptowährungen – vor der Abwertung der traditionellen Währungen und in weiterer Folge vor Kaufkraftverlusten absichern. Zweitens wirkt sich die Geopolitik in den meisten Fällen nicht auf die Geschäftsmodelle der Unternehmen aus.
Börsen-Kurier: Sehen Sie wirklich keine Themen, die für die Entwicklung der Börse entscheidend sind?
Wögerbauer: Wenn ich zwei aussuchen müsste, dann drängt sich vor allem die Frage auf, wie nach der Ära Powell das Zusammenspiel zwischen US-Präsident Donald Trump und dem künftigen Fed-Chef laufen wird. Wird sich die Person unter Druck setzen lassen? Wenn ja, hätte das gravierende Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit der Fed, die Entwicklung des Dollars und letztlich auch die Performance der Börse. Das zweite entscheidende Thema ist, dass KI weiter Impulse für die Wirtschaft liefert.
Börsen-Kurier: Sie sehen also keine KI-Blase?
Wögerbauer: Nein, denn Blasen, über die alle reden, sind in der Regel auch keine. Bei KI geht es letztlich um die Frage, ob die Technologie den Nutzern bzw. Unternehmen Produktivitätsfortschritte bringt. Und da bin ich eher im Lager der Optimisten und sehe Profiteure auf breiter Ebene.
Börsen-Kurier: Lassen Sie uns über die Wiener Börse reden. Würden Sie beispielsweise einen Frequentis-Aktionär nach dem Kursplus von rund 180 % im Vorjahr aktuell empfehlen, seine Position aufzustocken?
Wögerbauer: Klar scheint, dass wir in Wien heuer nicht eine ähnliche starke Performance sehen werden wie 2025. Allerdings bedeutet das nicht, dass sich der Wiener Markt schlecht entwickeln wird.
Aber zurück zu Ihrer Frage: Frequentis ist ein tolles Unternehmen. Dasselbe gilt aber auch für andere Top-Performer des Vorjahres wie Strabag oder VIG. Ich würde jedenfalls derzeit nichts verkaufen. Gleichzeitig würde ich auf dem aktuellen Niveau auch nicht mit großer Eile nachkaufen. Sehr wohl würde ich jedoch bei Rückgängen nachkaufen.
Börsen-Kurier: Könnte 2026 die Stunde einiger Aktien schlagen, die im Vorjahr wenig beachtet oder gar unterschätzt worden sind?
Wögerbauer: Da gibt es einige Kandidaten. Palfinger steht meiner Meinung nach vor guten Jahren. Viele Chancen sehe ich auch bei Wienerberger und Rosenbauer. RHI Magnesita könnte von steigenden Rohstoffpreisen profitieren. Das Unternehmen wird oft unterschätzt, weil Wien als Nebenschauplatz gilt. Die OMV könnte wiederum aufholen, wenn sich die Fusion zwischen Borealis und Borouge materialisiert, und FACC befindet sich in einer spannenden Phase, in der sich Investitionen in Aufträge ummünzen lassen.
Foto: Eric Kruegl / office@kruegl.at
Bitcoin-Prognose 2026: Wie nachhaltig ist die Kurserholung?
Nach einem Kurssturz von mehr als 50 % hat sich der Bitcoin deutlich erholt. Doch Analysten warnen vor einer verfrühten Entwarnung. Welche Chancen und Risiken bestehen für Anleger?
Erstveröffentlichung: 16.01.2026, aktualisiert: 14.10.2026
Das Wichtigste zur Bitcoin-Prognose 2026
- Kursentwicklung: Vom Rekordhoch bei rund 126.000 US-Dollar im Oktober 2025 fiel Bitcoin bis Mitte 2026 auf etwa 58.000 Dollar. Zuletzt notierte die Kryptowährung bei rund 83.000 Dollar.
- Krypto-Winter: Der zwischenzeitliche Einbruch von rund 54 % bestätigt die Warnungen vor einer längeren Schwächephase. Ob diese bereits überwunden ist, bleibt offen.
- Bitcoin-ETFs: Nach hohen Zuflüssen im September verzeichneten US-Spot-Bitcoin-ETFs im Oktober wieder Nettoabflüsse.
- Ausblick: Zinsentwicklung, institutionelle Nachfrage und das Vierjahreszyklus-Modell bleiben entscheidende Faktoren für die weitere Bitcoin-Prognose.
Bitcoin-Kurs: Nach dem Absturz folgt die Erholung
Der Bitcoin hat seinen Ruf als äußerst volatile Anlageklasse auch 2026 bestätigt. Nachdem die größte Kryptowährung im Oktober 2025 ein Rekordhoch von rund 126.000 US-Dollar erreicht hatte, setzte eine ausgeprägte Korrektur ein. Bis Mitte 2026 fiel der Bitcoin-Kurs auf etwa 58.000 Dollar. Damit verlor die Kryptowährung zeitweise rund 54 % ihres Wertes.
Seither hat sich der Markt deutlich erholt. Mitte Oktober notierte Bitcoin wieder bei rund 83.000 Dollar und damit etwa 43 % über seinem zwischenzeitlichen Tief. Vom historischen Höchststand ist die Kryptowährung allerdings weiterhin rund 34 % entfernt.
Die entscheidende Frage für Anleger lautet nun: Handelt es sich um den Beginn eines neuen Aufwärtstrends oder lediglich um eine Erholung innerhalb einer längerfristigen Abwärtsphase?
Quelle: Wall Street Journal, 10. Oktober 2026
Krypto-Winter 2026: Analyst warnte bereits im Jänner
Bereits Anfang 2026 hatte Manuel Schleifer, Senior Equity Market Strategist bei der Raiffeisen Bank International (RBI), im Gespräch mit dem Börsen-Kurier vor einer längeren Schwächephase gewarnt.
„Aktuell stehen wir möglicherweise vor einem neuerlichen Krypto-Winter“, erklärte Schleifer damals. Für ihn deutete sich bereits in der zweiten Jahreshälfte 2025 das Ende des jüngsten Bullenmarktzyklus an.
Als eine mögliche Ursache für die damalige Kurskorrektur nannte der Experte die überhöhten Erwartungen der Anleger. Insbesondere US-Präsident Donald Trump hatte im Wahlkampf zahlreiche kryptofreundliche Maßnahmen angekündigt. Obwohl einige davon umgesetzt wurden, konnte dies die hohen Erwartungen am Markt offenbar nicht dauerhaft erfüllen.
Schleifer hielt einen weiteren Kursrückgang für wahrscheinlich. Einen Einbruch um 80 %, wie er in früheren Krypto-Wintern zu beobachten war, erwartete er allerdings nicht.
Die weitere Entwicklung gab seiner damaligen Einschätzung zumindest teilweise recht: Der Bitcoin verlor gegenüber seinem Rekordhoch mehr als die Hälfte seines Wertes. Die anschließende Erholung zeigt allerdings auch, wie schnell sich die Stimmung am Kryptomarkt wieder drehen kann.
Bitcoin und der Vierjahreszyklus: Wiederholt sich die Geschichte?
Ein wesentliches Erklärungsmodell für die Entwicklung des Bitcoin-Kurses ist der sogenannte Vierjahreszyklus. Dieser orientiert sich am Bitcoin-Halving, das ungefähr alle vier Jahre stattfindet.
Beim Halving wird die Belohnung halbiert, die Miner für die Bereitstellung neuer Bitcoin erhalten. Dadurch verlangsamt sich das Wachstum des Bitcoin-Angebots.
Historisch folgten auf diese Ereignisse mit zeitlicher Verzögerung häufig starke Kursanstiege, bevor der Markt in eine längere Korrektur überging. Das bislang letzte Halving fand im April 2024 statt. Das Rekordhoch vom Oktober 2025 würde zeitlich durchaus in dieses Muster passen.
Allerdings ist umstritten, ob sich der Vierjahreszyklus auch künftig in ähnlicher Form wiederholt. Denn der Bitcoin-Markt hat sich verändert: Mit der Zulassung börsengehandelter Spot-Bitcoin-ETFs in den USA Anfang 2024 wurde die Kryptowährung für institutionelle und private Investoren leichter zugänglich.
Auch die zunehmende Beteiligung professioneller Vermögensverwalter könnte dazu führen, dass frühere Kursmuster an Aussagekraft verlieren.
Eine Analyse von Galaxy Research vom Juni 2026 hielt einen weiteren Kursrückgang auf 40.000 bis 46.000 Dollar für möglich. Dieses Szenario beruhte auf historischen Bewertungs- und Zyklusmustern und war ausdrücklich keine sichere Kursprognose.
Quelle: Galaxy Research, Juni 2026
Bitcoin-ETFs: Institutionelle Nachfrage schwankt
Ein wichtiger Unterschied zu früheren Krypto-Zyklen ist die zunehmende Bedeutung institutioneller Investoren. Besonders die US-Spot-Bitcoin-ETFs beeinflussen inzwischen die Nachfrage.
Wie stark diese schwanken kann, zeigte sich zuletzt im September und Oktober 2026. Zwischen dem 17. und 29. September flossen den US-Spot-Bitcoin-ETFs insgesamt rund 3,08 Mrd. Dollar zu.
Anfang Oktober drehte sich das Bild allerdings. Allein am 7. Oktober verzeichneten die Fonds Nettoabflüsse von rund 485 Mio. Dollar, am darauffolgenden Tag weitere 244 Mio. Dollar. Am 13. Oktober wurden wieder Zuflüsse von rund 176 Mio. Dollar registriert. Insgesamt blieb die Bilanz für Oktober bis dahin jedoch negativ.
Für Anleger sind diese Mittelbewegungen ein wichtiger Indikator. Anhaltende ETF-Zuflüsse können zusätzliche Nachfrage schaffen und den Bitcoin-Kurs stützen. Umgekehrt können größere Abflüsse den Verkaufsdruck verstärken.
Quelle: Invezz, 14. Oktober 2026
Bitcoin-Prognose: Welche Rolle spielen Zinsen und Inflation?
Neben den ETF-Mittelströmen gewinnen makroökonomische Faktoren an Bedeutung. Dazu zählen vor allem die US-Geldpolitik, die Entwicklung der Anleiherenditen und die Stärke des US-Dollars.
Bereits im Jänner hatte Schleifer darauf hingewiesen, dass der Bitcoin-Kurs auf rückläufige Zinsen zunächst kaum reagiert hatte.
Grundsätzlich können niedrigere Zinsen risikoreichere Anlagen attraktiver machen. Eine automatische positive Wirkung auf Bitcoin lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
Hohe Anleiherenditen und ein starker Dollar können die Nachfrage nach Kryptowährungen belasten. Umgekehrt könnten sinkende Zinsen und eine höhere Risikobereitschaft der Anleger die Erholung unterstützen.
Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Manche Investoren betrachten Bitcoin als möglichen Schutz gegen die langfristige Entwertung staatlicher Währungen. Hohe Staatsdefizite und Inflationssorgen können daher ebenfalls die Nachfrage beeinflussen. Ob Bitcoin diese Schutzfunktion tatsächlich zuverlässig erfüllt, ist angesichts seiner starken Kursschwankungen allerdings umstritten.
Die Citigroup hat ihr Zwölfmonats-Kursziel für Bitcoin zuletzt von 82.000 auf 113.000 Dollar angehoben. Das zeigt, dass trotz der jüngsten Verluste weiterhin beträchtliches Aufwärtspotenzial gesehen wird.
Quelle: Wall Street Journal, 10. Oktober 2026
Ist der Krypto-Winter vorbei? Was für und gegen Bitcoin spricht
Die kräftige Erholung seit dem Jahrestief spricht dafür, dass sich die Nachfrage nach Bitcoin wieder stabilisiert hat. Auch die stärkere Einbindung institutioneller Investoren unterscheidet den heutigen Markt von früheren Krypto-Wintern.
Eine nachhaltige Trendwende ist damit allerdings noch nicht bestätigt.
Utkarsh Ahuja vom Krypto-Hedgefonds Moon Pursuit Capital warnte am 14. Oktober, dass die jüngste Widerstandsfähigkeit des Bitcoin-Kurses noch keine dauerhafte Erholung garantiere. Entscheidend sei, ob die institutionelle Nachfrage wieder nachhaltig zunehme.
Quelle: Barron’s, 14. Oktober 2026
Für Anleger ergeben sich daraus drei mögliche Szenarien:
Positives Szenario: Die ETF-Zuflüsse ziehen wieder an, die US-Geldpolitik unterstützt risikoreichere Anlagen und Bitcoin kann die jüngsten Kursgewinne ausbauen. Dann wäre eine weitere Annäherung an das Rekordhoch denkbar.
Neutrales Szenario: Bitcoin bewegt sich über längere Zeit seitwärts. Die Erholung vom Jahrestief hält zwar an, für einen nachhaltigen Aufwärtstrend fehlt jedoch zusätzliche Nachfrage.
Negatives Szenario: Institutionelle Investoren ziehen wieder verstärkt Kapital ab, während hohe Zinsen und ein starker Dollar die Risikobereitschaft belasten. Dann könnte der Bitcoin-Kurs erneut deutlich unter Druck geraten.
Fazit: Bitcoin bleibt eine Anlage mit hohen Chancen und Risiken
Die Bitcoin-Prognose für den Rest des Jahres 2026 bleibt von erheblicher Unsicherheit geprägt. Der zwischenzeitliche Kurseinbruch von mehr als 50 % zeigt, dass selbst die zunehmende Professionalisierung des Marktes starke Verluste nicht verhindert.
Gleichzeitig macht die anschließende Erholung deutlich, wie rasch sich das Kräfteverhältnis zwischen Käufern und Verkäufern verändern kann.
Für Anleger ist deshalb weniger entscheidend, ob der Bitcoin-Kurs kurzfristig steigt oder fällt. Wichtiger ist, ob die institutionelle Nachfrage nachhaltig zurückkehrt und sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern.
Autor: Patrick Baldia
Foto: Adobe Stock / Jearu / generiert mit KI
Politisch ausgelöster Anschub für Ölservice-Gesellschaften
Schlumberger, Halliburton, SBO und Co.: die internationalen Ölservice-Gesellschaften im Vergleich.
Roman Steinbauer (16.01.2026). Die Durchsetzung der Kontrolle und des Ausbaus der Ölförderkapazitäten in lateinamerikanischen Staaten durch die USA lässt die Aktien der Erdölgesellschaften in neuem Licht erscheinen. Einerseits verbessern sich die Perspektiven für Ölfördermultis bezüglich einer höheren Profitabilität kaum (Eine expansivere Förderung übt immerhin auf die Ölnotizen mittelfristig Druck aus), andererseits hellen sich die Aussichten der technischen Ausrüster in dieser Industrie eklatant auf. Entsprechend sprangen die Titel der Marktführer für Förderequipment und Servicedienstleistungen während der vergangenen zwei Wochen kräftig an.
Ein abruptes Erwachen der Notizen
Abgesehen vom Ausblick auf eine starke Auftragslage weisen die (auch an deutschen Börsen notierten) Aktien der Unternehmen dieser Sparte ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis auf und präsentieren sich größtenteils als Dividendenlieferanten. Vorrangig finden an den Finanzmärkten dabei die Wertpapiere von Baker Hughes (Bohranalysen bis Ausstattungsmaterial), Schlumberger (Kartografierung bis zur Erschließung von Lagerstätten), Nabors (Bohrarbeiten) oder Halliburton (Wartungs-, Entwicklungs- und Planungs-Services) Beachtung.
SBO sieht sich optimal positioniert
Geschäftlicher Nutznießer der (umstrittenen) Expansion der USA in südlichere Staaten des Kontinents ist aber ebenso die heimische SBO (Schoeller-Bleckmann Precision Technology). Auf Anfrage des Börsen-Kurier zum aktuellen Stand erklärte das Unternehmen: „In diesem Zusammenhang ist SBO gut positioniert. Wir punkten mit technologischer Stärke und Nischenkompetenz und verfügen auch in Venezuela über das geografische Setup. Unsere guten Kundenbeziehungen führen zu einer möglichen Teilhabe an dortigen Projekten, sollten diese anlaufen.“ Zu hohe Erwartungen dämpfte SBO aber mit dem Nachsatz: „Analysten erwarten eher eine langsame Produktionserhöhung und es hängt viel davon ab, wie sich rechtliche und politische Rahmenbedingungen entwickeln.“
Für die Ternitzer hat die Entwicklung jedenfalls rascher Relevanz als noch vor Jahresende gedacht. Die laufende Diversifizierung zu einem vielseitigen Anbieter von komplexen Stahl-Hochpräzisionsteilen (Geschäftsgliederung in Precision Technology und Energy Equipment) bietet generell zusätzliche Perspektiven und sollte durch ein derartiges „Öl-Equipment-Revival“ kaum beeinträchtigt sein.
Foto: Adobe Stock / Nice Seven / mit KI generiert
Eckdaten angeführter Ölservice-Gesellschaften
| Name |
KGV |
Div.-Rendite |
ISIN |
| Baker Hughes |
14 |
2,05 % |
US05722G1004 |
| Schlumberger |
12 |
2,90 % |
AN8068571086 |
| Halliburton |
10 |
2,50 % |
US4062161017 |
| SBO |
10 |
5,90 % |
AT0000946652 |
Österreich 2026: Börse als Illusion und Weckruf
Florian Beckermann. Unsere Wirtschaftsprognosen werden gerade vorsichtig optimistisch formuliert, in Wahrheit sind sie aber äußerst vage. Die Produktivität dümpelt, die Industrie verzweifelt und Investitionen bleiben aus: Die Stimmung ist am Tiefpunkt. Aber die Börse feierte Erfolge, die wie aus einer Parallelwelt wirken. Der ATX steht auf einem Allzeithoch, die Dividenden sprudeln – auch weil der Finanzminister Markus Marterbauer Geld braucht. Doch diese Kursgewinne sind kein Vertrauensbeweis in den Standort. Die Börse läuft, weil Kapital global vagabundiert, nicht weil Österreich seine Hausaufgaben gemacht hätte. Die Börse prosperiert nicht, weil Österreich wettbewerbsfähiger wird, sondern trotzdem. Sie lebt von internationalem (US-)Kapital und von der Konzentration auf wenige Großkonzerne wie VIG oder Erste Group mit Auslandsexponierung, die aktuell gut performen. Das Ergebnis ist eine gefährliche Illusion, denn für die Realwirtschaft bleibt davon wenig übrig. Kleine und mittlere Unternehmen kämpfen mit Arbeitskräftemangel, Überregulierung und Steuerlast. Innovationen sind Mangelware.
Der Abstand zwischen Finanzmarkt und Realwirtschaft macht sichtbar, wo der Staat versagt. Wer 2026 ernsthaft Wachstum will, muss Kapital mobilisieren und in die richtigen Bahnen lenken: Durch echten Wettbewerb, Entbürokratisierung, durch steuerliche Anreize für Eigenkapital und durch einen Arbeitsmarkt, der Leistung ermöglicht statt verhindert. Ein Markt, der Vermögensaufbau zulässt. Gerade darin liegt der erste Weckruf für Strukturreformen.
Der zweite kommt vom nördlichen Nachbarn. Auch hier gaukelt der Dax eine Illusion vor. In Wahrheit ist Deutschlands Industrieelite massiv verunsichert. Ideenlos hängt Berlin in den Seilen. Die enge Verbundenheit zwischen den Ländern steht außer Frage. Doch es läge an Österreich, jetzt aus dem wirtschaftlichen Schatten herauszutreten – um sich selbst zu retten. Doch statt sich abzusetzen, kopiert man deutsche Fehler weiter im Kleinformat? Dabei könnte man leicht attraktiver sein: mit einfacherer Verwaltung, wettbewerbsfähiger Besteuerung, verlässlicher Energiepolitik und einer industriefreundlichen Regulierung. Österreich müsste sich als das positionieren, was Deutschland nicht mehr ist: ein berechenbarer, investitionsfreundlicher Produktions- und Innovationsstandort im Herzen Europas. Doch dafür müsste man aufhören, den Inflations-Feuerteufel oder den Staatsquoten-Weltmeister zu geben, mit Abschöpfungs- oder Neiddebatten Investoren zu vergraulen oder sich mit Detailregulierungen zu beschäftigen. Die Rückkehr zur Faktenlage und Leadership helfen dabei ungemein. 2026 wird zeigen, ob Österreich diese Chancen erkennt. Schellhorns Quick-Wins sind gut. Jetzt kommt mit der Industriestrategie echte Arbeit auf uns zu, und eine Schlüsselqualifikation ist gefragt: Mut.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Hat Europa auch 2026 die Nase vorn?
Für den „alten Kontinent“ würden Fiskalpolitik und attraktive Bewertungen sprechen, so Experten.
Patrick Baldia (09.01.2026). Dass der Euro Stoxx 50 sowohl den S&P 500 als auch den Nasdaq hinter sich lässt, kommt nicht allzu oft vor. Streng genommen war das in den vergangenen 20 Jahren nur alle vier Jahre der Fall. 2025 war es jedenfalls wieder so weit: Während der Leitindex, der die 50 größten Unternehmen des Euroraums abbildet, um mehr als 23 % zulegte, haben S&P 500 und Nasdaq eine Performance von rund 16 bzw. 20 % zu Buche stehen. Ist es realistisch, dass Europa heuer die USA wieder schlägt? „Damit es wieder so kommt, muss entweder das amerikanische Gewinnwachstum nachlassen oder das Gewinnwachstum in Europa stärker steigen, als es beim derzeitigen Konjunkturausblick plausibel erscheint – oder die Bewertungen in Europa und den USA nähern sich an“, erklärt Chris Iggo, CIO Core bei AXA Investment Managers, die Voraussetzungen für einen neuerlichen Triumph europäischer Aktien.
Sorgen um US-Bewertungen
Iggo ist jedenfalls nicht wirklich überzeugt von einem kräftigen Kursanstieg der großen US-Tech-Indizes. Sorgen bereiten dem Experten weiterhin die Bewertungen und die Konzentration -Stichwort: Tech-Werte. Optimistischer ist er hingegen für Europa eingestellt. Dort sei mit höheren Aktiengewinnen zu rechnen, „zumal die deutschen Ausgabenprogramme das Wachstum stärken könnten“, so Iggo.
Christian Kopf, Leiter Portfoliomanagement Renten bei Union Investment, glaubt, dass im Euroraum vor allem die Fiskalpolitik das Wachstum ankurbeln dürfte. Er geht davon aus, dass sich die positiven Effekte vor allem in der zweiten Jahreshälfte zeigen werden – also „leicht zeitverzögert“. Der Aufschwung dürfte also an Breite gewinnen. In Europa wären die Bewertungen vergleichsweise attraktiv, weil IT-Dienstleister sowie Bau- und Infrastrukturanbieter von den Fiskalpaketen profitieren könnten. Insgesamt bevorzugt man bei Union Investment im Aktienbereich allerdings die USA gegenüber Europa.
Dax: Rückenwind von der Konjunktur
Bei der Commerzbank ist man „vorsichtig optimistisch“ auf den Dax eingestellt. Der deutsche Leitindex dürfte heuer erstmals seit vielen Jahren wieder Rückenwind von der Konjunktur erhalten, so Aktien-Experte Andreas Hürkamp in einer aktuellen Analyse. Zurückzuführen sei das weiterhin auf das große Fiskalpaket der deutschen Regierung und die steigenden Verteidigungsausgaben in Europa. „Für die Dax-Unternehmensgewinne halten wir ein Gewinnwachstum von 6 bis 8 % für möglich, während sich Bewertungskennzahlen wie das KGV auf hohem Niveau seitwärts bewegen dürften“, hält Hürkamp fest.
Noch optimistischer ist man beim Assetmanager DWS. Der globale Aktienchef Benjardin Gärtner glaubt, dass die Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben 2026 einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass das Gewinnwachstum im Dax im zweistelligen Bereich liegen dürfte. So positiv der Experte auch für deutsche Aktien eingestellt ist, auch er glaubt, dass die USA 2026 der aussichtsreichste Aktienmarkt sein werden. „Die Unternehmensgewinne dürften in den USA in den kommenden zwei Jahren zweistellig wachsen, angetrieben von der technologischen Entwicklung, insbesondere durch den verstärkten Einsatz von KI“, so Gärtner.
Anlagetipp: Europäische Indexschwergewichte
Das sich verbessernde Gewinnwachstum der Unternehmen spricht auch nach Einschätzung der Experten von J.P. Morgan Asset Management für europäische Aktien. Dieses werde durch eine voraussichtliche Verlangsamung oder das Ende der Euro-Aufwertung sowie stabileren Energiepreisen gestützt. Anlegern empfiehlt man, in Europa selektiv vorzugehen und sich auf drei Hauptbereiche zu konzentrieren: Banken, Unternehmen, die von der Fiskalpolitik profitieren, sowie „GRANOLAS“, sprich die elf Indexschwergewichte GSK, Roche, ASML, Novo Nordisk, Nestlé, Novartis, L’Oréal, LVMH, Astra Zeneca, Sanofi und SAP. Sie hätten seit Anfang 2022 eine unterdurchschnittliche Performance erzielt.
Foto: Adobe Stoc / MNStudio / mit KI generiert
Das bunte Eigenleben der Textilaktien
Wie sich die Werte von Inditex, Prada und Hugo Boss im positiven Börsenumfeld schlagen.
Roman Steinbauer (09.01.2026). Nach wie vor zählen die Titel der spanischen Inditex (Zara, Pull&Bear bis Massimo Dutti) zum Top-Aktieninvestment in der Textilbranche. Nicht das erste Mal hielten viele Anleger die Papiere bereits für zu hoch bewertet und tippten auf ein Ende des jahrelangen Kursanstiegs. Die neuerliche Spitze der Notierung um 56 Euro bewies jedoch, dass diese Annahme ein Irrtum ist. Angetrieben wurden die Kursavancen durch jüngste Stellungnahmen des Analysehauses Jefferies, das eine Bewertung von 67 Euro pro Anteilschein als gerechtfertigt hält und eine Kaufempfehlung abgab. Die Umsatz- und Ergebnisperspektiven für 2026 wurden neuerlich angehoben.
Ignoriertes Premium-Segment
Von prominenten Namen im Luxussegment profitieren Aktionäre hingegen derzeit kaum. Auch die Übernahme weiterer Elite-Marken zieht zurzeit keine Aktieninvestitionen an. Der Umstand, dass die Prada Group nun vollständig das Modehaus Versace übernimmt (das prominente Mailänder Unternehmen war zuvor in die Capri Holding/USA eingegliedert, Anm.) stimulierte die Entwicklung der Wertpapiere bisher nicht. Doch weist Prada seit 19 Quartalen ununterbrochenes Wachstum auf. In den ersten neun Monaten 2025 kletterten die Gesamterlöse gegenüber 2024 um 9 % auf 3,65 Milliarden Euro, wobei die Marke Miu Miu mit +41 % einen regelrechten Boom verzeichnet. Derzeit notiert der Titel mit dem 21-Fachen des Gewinns.
Umstrukturierung bei Hugo Boss
Nach zwei enttäuschenden Börsenjahren hoffen die Aktionäre von Hugo Boss weiter auf einen Aufschwung. Vorerst bleiben die Prognosen des Konzerns eher unerfreulich. 2026 sei als „Übergangsjahr“ zu sehen und ein Umsatzrückgang um einen „mittleren bis hohen einstelligen Prozentsatz“ zu erwarten. Im Zusammenhang mit einer Strategie laufe unterdessen ein Umbau des Sortiments und des Vertriebs. Die Metzinger beabsichtigen abzuspecken, um den Fokus auf die Profitabilität zu legen. Um langfristig die Ebit-Marge auf 12 % zu heben, würden Einbußen bei den Erlösen in Kauf genommen. Zur Optimierung der Ziele sei dabei Einigkeit mit dem Großaktionär, der Frasers Group, die 25 % der Anteile hält, erreicht worden. Auch stehe die Auszahlung einer möglichst attraktiven Dividende (die Rendite erreicht anhand der aktuellen Notiz 3,1 %) nicht mehr im Vordergrund. Nach Angaben des Vorstands gelte es vielmehr, den Unternehmenswert zu steigern. Dabei werde die Damenmode deutlicher von der Herrenbekleidung abgegrenzt und ins Rampenlicht gebracht sowie die Marke Hugo forciert. Der im deutschen MDax gelistete Titel sprang bisher nicht an. Die dünnen Umsätze weisen indes kaum noch auf Abgabedruck hin.
Foto: Adobe Stock / Piter2121
| Rating Inditex |
| Analysehaus |
Bewertung |
| Jefferies |
Kaufen |
| Bernstein Research |
Outperform |
| RBC Capital Markets |
Outperform |
| UBS |
Kaufen |
| Deutsche Bank |
Halten |
| Rating Hugo Boss |
| Analysehaus |
Bewertung |
| JP Morgan Chase & Co |
Neutral |
| Deutsche Bank |
Halten |
| Jefferies |
Halten |
| RBC Capital Markets |
Outperform |
| DZ Bank |
Kaufen |
| Warburg |
Kaufen |
| Rating Prada |
| Analysehaus |
Bewertung |
| Credit Suisse |
Outperform |
| Morgan Stanley |
Neutral |
Mit Vorsicht in die Märkte investieren
Das Jahr 2026 könnte volatil werden. Zertifikate-Experten sehen aber selbst dann große Chancen.
Raja Korinek. Das vergangene Börsenjahr war von reichlich Turbulenzen geprägt – wenngleich die Märkte ein schönes Plus verzeichneten. Vor allem geopolitische Konflikte sorgten für reichlich Schwankungen. Gerade in solch einem Umfeld spielen Zertifikate ihre Stärken aus, da Anleger mit diesen Papieren grundsätzlich auf unterschiedliche Szenarien setzen können. Wie aber könnte es weitergehen? Der Börsen-Kurier sprach mit Branchenprofis zu ihren Fazits für 2025 und holte einen Ausblick für das neue Börsenjahr ein.
Dabei sticht ein Aspekt hervor: Das Interesse an Zertifikaten wächst. Das von Privatanlegern investierte Volumen erreichte mit 17,2 Milliarden Euro per Ende September 2025 ein Rekordniveau. Der Fokus ist ebenso klar: „Traditionell ist das Sicherheitsbedürfnis österreichischer Anleger hoch“, betont Philipp Arnold von Raiffeisen Zertifikate.
Sicherheit bleibt gefragt
Dies spiegle sich entsprechend im investierten Volumen wider. „Wir sehen eine stark steigende Nachfrage bei Zertifikaten mit Sicherheitsmechanismen wie z.B. Kapitalschutz- und Teilschutz-Produkte.“ Beide Arten wiesen ein geringeres Risiko als ein Direktinvestment in Aktien oder ETFs auf.
Ähnlich lautet der Tenor bei der Erste Group. Zertifikate-Experte Uwe Kolar verweist auf das starke Interesse 2025 für Teilschutzprodukte etwa auf den Euro Stoxx 50 oder Euro Stoxx Banken sowie auf die vermehrte Nachfrage nach 100 % kapitalgarantierten Anleihen auf Indizes und Gold. Letztere Zertifikate-Form könnte auch heuer im Fokus stehen. Kolar verweist in diesem Zusammenhang sowohl auf das aktuelle Zinsumfeld wie auch auf die insgesamt passablen Dividendenzahlungen vieler Konzerne. Beide Faktoren ermöglichten ein interessantes Chancen-Risiko-Profil bei Garantieprodukten. „Allerdings gilt der Kapitalschutz nur zum Laufzeitende. Während der Laufzeit kann der Kurs unter den Emissionspreis sinken“, mahnt Arnold.
Wie turbulent wird es heuer?
Der Raiffeisen-Experte wirft obendrein einen Blick auf das neue Jahr und sagt: „Viele potenzielle Anleger stehen vor der entscheidenden Frage, ob sie jetzt noch in den Aktienmarkt einsteigen sollen“. Die Indizes sind 2025 schließlich stark gestiegen. „Und wirtschaftliche sowie geopolitische Unsicherheiten werden uns weiterhin begleiten.“ Bei Kapitalschutz- oder Teilschutz-Zertifikaten, die mit Absicherungsmechanismen ausgestattet sind, sei es nicht notwendig, den perfekten Einstiegszeitpunkt zu suchen. Das Risiko, „zum falschen Moment“ investiert zu sein, werde Arnold zufolge spürbar gesenkt. Allerdings sind dafür die Chancen nach oben hin begrenzt.
Entsprechende Produkte
Der „Erste Bank US Tech Garant-Anleihe (IV) 25-30“ hat eine feste Laufzeit von fünf Jahren. Die Rückzahlung am Laufzeitende erfolgt zumindest zu 100 % und maximal zu 125 % vom Nominale. Dabei hängt die Wertentwicklung von einem Aktienkorb ab, in dem sechs US-Technologieaktien gleichgewichtet sind: Alphabet (Class C), Amazon, Apple, Meta Platforms, Microsoft und Nvidia. Das Produkt ist währungsgesichert; Fälligkeit ist am 30.12.2030.
Beim Raiffeisen Kapitalschutz-Zertifikat „Dividendenaktien Winner 112 % XIII“ erfolgt die Rückzahlung zum Laufzeitende zu mindestens 112 % und maximal 128 % vom Nominale. Ausschlaggebend ist die Wertentwicklung des „STOXX Global Select Dividend 100 Index“, der die 100 dividendenstärksten Aktien weltweit umfasst. Rückzahlungstermin ist der 28.1.2032. Das Produkt ist noch bis 26.1.2025 in Zeichnung.
Foto: Adobe Stock / Movix / mit KI generiert
2026 zwischen Zinssenkungen, KI-Superzyklus und neuen Chancen in Europa
Der Börsen-Kurier im Gespräch mit dem CIO von DNB Asset Management Knut Hellandsvik.
Red./ks. Gemeinsam mit dem CIO von DNB Asset Management blicken wir auf das begonnene Anlagejahr 2026. Er sieht vielfältige Chancen im Umfeld einer wieder anziehenden Weltwirtschaft.
Börsen-Kurier: Herr Hellandsvik, viele Anleger blicken mit Respekt auf 2026 – aufgrund von Geopolitik, Wachstum und Inflation. Wie ist Ihre Gesamteinschätzung?
Knut Hellandsvik: Die Weltwirtschaft geht aus Sicht vieler Vermögensverwalter mit erfreulichen Perspektiven in das Jahr 2026. Die Kombination aus geldpolitischer Entlastung, fiskalischen Impulsen und einer anhaltenden Investitionswelle im Bereich künstlicher Intelligenz könnte das Wachstum trotz geopolitischer Risiken stützen. Gleichzeitig verändern technologische Trends, Energiepolitik und neue geopolitische Prioritäten die Sektorlandschaft an den Kapitalmärkten spürbar.
Börsen-Kurier: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Treiber, die die Weltwirtschaft 2026 tragen könnten?
Hellandsvik: Für 2026 wird eine robuste Entwicklung der Weltwirtschaft erwartet. Entscheidend dafür sind voraussichtlich Zinssenkungen in den wichtigsten Volkswirtschaften sowie umfangreiche staatliche Unterstützungsprogramme, insbesondere in den USA, der Eurozone und China.
Börsen-Kurier: Die Inflation bleibt in vielen Regionen ein zentrales Thema. Wie erwarten Sie die Entwicklung – und wie reagieren die Notenbanken?
Hellandsvik: Für das Inflationsgeschehen zeichnet sich ein allmähliches Nachlassen der Preisdynamik ab, auch wenn viele Volkswirtschaften das Zwei-Prozent-Ziel noch nicht vollständig erreichen dürften. Sinkende Energiepreise, geringere Tarifbelastungen und ein Abklingen der Dienstleistungsinflation sprechen für eine Entspannung. Belastend wirken hingegen weiterhin die Strompreise sowie steigende Kosten im Wohnungsmarkt. Die Notenbanken könnten dennoch genügend Spielraum sehen, um ihren geldpolitischen Kurs zu lockern.
Börsen-Kurier: Die Kursentwicklung bei KI-Schwergewichten war beeindruckend. Wie groß ist aus Ihrer Sicht die Gefahr einer Blase?
Hellandsvik: Die Börsenrallye rund um KI-Schwergewichte hat vielfach die Frage nach einer Blasenbildung aufgeworfen. Die hohen Bewertungen haben ihren Grund in starken Geschäftsmodellen, solidem Cashflow, robusten Bilanzen und hohen Margen. Kurzfristige Korrekturen bleiben denkbar, doch die Ausweitung der Wertschöpfungskette und zunehmende Monetarisierung der Technologie dürften den Sektor weiter stärken.
Börsen-Kurier: Wo sehen Sie 2026 die strukturellen Gewinner?
Hellandsvik: Mehrere Branchen gelten als strukturelle Gewinner des kommenden Jahres. Der Gesundheitssektor profitiert von demografischen Trends, wachsendem Wohlstand und technologischen Fortschritten. KI-gestützte Arzneientwicklung, präzisere Diagnostik und effizientere klinische Studien könnten den Sektor voranbringen — flankiert durch attraktive Bewertungen und steigende Fusions- und Übernahmeaktivitäten.
Börsen-Kurier: Die USA und China dominieren viele Zukunftsfelder. Wo sehen Sie dennoch Europas und Nordics Stärken?
Hellandsvik: Obwohl Märkte wie die USA und China nach wie vor dominieren, sieht der europäische und nordische Unternehmenssektor in mehreren Bereichen nachhaltige Wettbewerbsvorteile. Dazu zählen industrielle Automatisierung, Elektrifizierung, Logistik, Unternehmenssoftware, Telekommunikationsinfrastruktur und Energieeffizienz. Auch die europäische Halbleiterindustrie bleibt wichtig, während der Verteidigungs- und Pharmasektor ebenso internationales Gewicht behält wie die Luxusgüterindustrie.
Börsen-Kurier: Zum Abschluss: Was macht 2026 für Anleger so interessant – und wo liegen die Chancen?
Hellandsvik: Das Jahr 2026 könnte sich zu einem wirtschaftlich freundlichen Umfeld entwickeln. Unterstützung kommt aus sinkenden Zinsen, staatlichen Anreizen, abnehmenden Handelshindernissen und einer nachhaltigen Investitionsdynamik. Inflation und geopolitische Risiken bleiben Herausforderungen, doch der strukturelle Aufschwung in Gesundheit, Technologie, Infrastruktur und erneuerbaren Energien eröffnet Anlegern vielfältige Chancen.
Foto: DNB AM
Mit Vorsicht in die Märkte investieren
Das Jahr 2026 könnte volatil werden. Zertifikate-Experten sehen aber selbst dann große Chancen.
Raja Korinek (02.01.2026). Das vergangene Börsenjahr war von reichlich Turbulenzen geprägt – wenngleich die Märkte ein schönes Plus verzeichneten. Vor allem geopolitische Konflikte sorgten für reichlich Schwankungen. Gerade in solch einem Umfeld spielen Zertifikate ihre Stärken aus, da Anleger mit diesen Papieren grundsätzlich auf unterschiedliche Szenarien setzen können. Wie aber könnte es weitergehen? Der Börsen-Kurier sprach mit Branchenprofis zu ihren Fazits für 2025 und holte einen Ausblick für das neue Börsenjahr ein.
Dabei sticht ein Aspekt hervor: Das Interesse an Zertifikaten wächst. Das von Privatanlegern investierte Volumen erreichte mit 17,2 MrdE per Ende September 2025 ein Rekordniveau. Der Fokus ist ebenso klar: „Traditionell ist das Sicherheitsbedürfnis österreichischer Anleger hoch“, betont Philipp Arnold von Raiffeisen Zertifikate.
Sicherheit bleibt gefragt
Dies spiegle sich entsprechend im investierten Volumen wider. „Wir sehen eine stark steigende Nachfrage bei Zertifikaten mit Sicherheitsmechanismen wie z.B. Kapitalschutz- und Teilschutz-Produkte.“ Beide Arten wiesen ein geringeres Risiko als ein Direktinvestment in Aktien oder ETFs auf.
Ähnlich lautet der Tenor bei der Erste Group. Zertifikate-Experte Uwe Kolar verweist auf das starke Interesse 2025 für Teilschutzprodukte etwa auf den Euro Stoxx 50 oder Euro Stoxx Banken sowie auf die vermehrte Nachfrage nach 100 % kapitalgarantierten Anleihen auf Indizes und Gold. Letztere Zertifikate-Form könnte auch heuer im Fokus stehen. Kolar verweist in diesem Zusammenhang sowohl auf das aktuelle Zinsumfeld wie auch auf die insgesamt passablen Dividendenzahlungen vieler Konzerne. Beide Faktoren ermöglichten ein interessantes Chancen-Risiko-Profil bei Garantieprodukten. „Allerdings gilt der Kapitalschutz nur zum Laufzeitende. Während der Laufzeit kann der Kurs unter den Emissionspreis sinken“, mahnt Arnold.
Wie turbulent wird es heuer?
Der Raiffeisen-Experte wirft obendrein einen Blick auf das neue Jahr und sagt: „Viele potenzielle Anleger stehen vor der entscheidenden Frage, ob sie jetzt noch in den Aktienmarkt einsteigen sollen“. Die Indizes sind 2025 schließlich stark gestiegen. „Und wirtschaftliche sowie geopolitische Unsicherheiten werden uns weiterhin begleiten.“ Bei Kapitalschutz- oder Teilschutz-Zertifikaten, die mit Absicherungsmechanismen ausgestattet sind, sei es nicht notwendig, den perfekten Einstiegszeitpunkt zu suchen. Das Risiko, „zum falschen Moment“ investiert zu sein, werde Arnold zufolge spürbar gesenkt. Allerdings sind dafür die Chancen nach oben hin begrenzt.
Entsprechende Produkte
Der „Erste Bank US Tech Garant-Anleihe (IV) 25-30“ hat eine feste Laufzeit von fünf Jahren. Die Rückzahlung am Laufzeitende erfolgt zumindest zu 100 % und maximal zu 125 % vom Nominale. Dabei hängt die Wertentwicklung von einem Aktienkorb ab, in dem sechs US-Technologieaktien gleichgewichtet sind: Alphabet (Class C), Amazon, Apple, Meta Platforms, Microsoft und Nvidia. Das Produkt ist währungsgesichert; Fälligkeit ist am 30.12.2030.
Beim Raiffeisen Kapitalschutz-Zertifikat „Dividendenaktien Winner 112 % XIII“ erfolgt die Rückzahlung zum Laufzeitende zu mindestens 112 % und maximal 128 % vom Nominale. Ausschlaggebend ist die Wertentwicklung des „STOXX Global Select Dividend 100 Index“, der die 100 dividendenstärksten Aktien weltweit umfasst. Rückzahlungstermin ist der 28.1.2032. Das Produkt ist noch bis 26.1.2025 in Zeichnung.
Foto: Adobe Stick / Artfulaura
Nischenthemen mit Langfrist-Potenzial
Gesundheitsaktien, Cybersecurity, Wasser und Konsumgüter als Bausteine für 2026.
Michael Kordovsky (02.01.2026). Der medizinische Fortschritt – auch jenseits von „Lifestyle-Medikamenten“ zum Abnehmen – schreitet voran. Zudem zeigten Anfang Oktober 2025 Gesundheitsaktien den größten Bewertungsabschlag gegenüber dem Gesamtmarkt seit 2009. Der „MSCI World Pharmaceuticals, Biotechnology and Life Sciences Index“ weist per Ende November 2025 ein Forward-KGV von nur 17,4 auf, verglichen mit 20,3 im MSCI World. Allerdings hat in den vergangenen Monaten der Aufholprozess bereits gestartet. Doch der langjährige Wachstumstrend spricht für eine längere Phase solider Performance.
Das gilt vor allem für den Biotech-Markt, der laut Grand View Research von 2024 bis 2030 (CAGR) um 14,1 % p.a. auf umgerechnet rund 3,3 BioE wachsen sollte. Interessant erscheint somit der 250 Positionen abdeckende „iShares Nasdaq US Biotechnology UCITS ETF“. Dessen größte Positionen sind Amgen, Gilead Sciences (Behandlung von HIV und Hepatitis C), Vertex (Medikamente gegen Mukoviszidose) und Regeneron Pharmaceuticals.
Wer hingegen kostengünstig den globalen Gesundheitssektor (Pharma, Biotech, Labor- und Medizintechnik sowie weitere Dienstleistungen für die Gesundheitsbranche) abdecken möchte, sollte einen Blick auf den „Xtrackers MSCI World Health Care UCITS ETF“ werfen, der 121 Positionen enthält und dabei Eli Lilly (Abnehmmedikamente), Johnson & Johnson (Pharma- und „L‘Oréal“ Medizintechnik) und AbbVie (Pharma) am stärksten gewichtet.
Dauerrenner Cloud, KI und Regulierung
Cybersecurity ist nicht mehr nur ein Trend. Der Marktforscher Gartner Inc. rechnet damit, dass die weltweiten Ausgaben für Informationssicherheit weiter deutlich zulegen und nennt für den Zeitraum 2023 bis 2028 ein Wachstumstempo von 11,7 % p.a. Das Thema wird durch KI getrieben, weil Angriffe effizienter werden, gleichzeitig aber auch Abwehrsysteme neu aufgebaut werden müssen. Dazu kommt: Cloud-Migration, Lieferkettenrisiken und strengere Vorgaben für kritische Infrastruktur zwingen Unternehmen zu konstanten Investitionen.
Der „iShares Digital Security UCITS ETF“ bündelt globale Anbieter aus Netzwerksicherheit, Identitätsmanagement und Infrastrukturprotektion. Ähnliche Themen, aber mit anderem Index-Ansatz und teils abweichender Titelselektion deckt der „L&G Cyber Security UCITS ETF“ ab, der Broadcom (Endpunktsicherheit, Netzwerksicherheit, Informations- und E-Mail-Sicherheit), Cisco und CrowdStrike (Ransomware-Schutz, Bedrohungserkennung und -abwehr), Akamai Technologies (u.a. Sicherheit für Cloud) und Fortinet (Firewalls) am stärksten gewichtet.
Wasserknappheit und Infrastruktur
Beim Wasser geht es 2026 nicht nur um Moral, sondern auch um volkswirtschaftliche Resilienz. Das World Resources Institute (WRI) zeigt, dass bis 2050 ein großer Teil der globalen Wirtschaftsleistung in Regionen mit hohem Wasserstress liegen wird. Die OECD verweist in Analysen zu wasserbezogenen Risiken ebenfalls auf spürbare makroökonomische Schäden in besonders betroffenen Gegenden. Daraus entstehen Investitionsfelder: die sogenannte Leckage-Reduktion, Netzsanierung, Mess- und Steuertechnik, Aufbereitung, Wiederverwendung sowie energieeffiziente Entsalzung.
Als ETF-Klassiker mit globalen Versorgern und Ausrüstern relativ breit diversifiziert und eher infrastrukturlastig ist der „iShares Global Water UCITS ETF“. Dessen größte Positionen sind die brasilianische SABESP (Wasser- und Abwasserwirtschaft), Xylem (Wasseraufbereitung) und American Water Works (Wasserversorger in den USA). Eine Ergänzung dazu wäre der „L&G Clean Water UCITS ETF“, dessen zugrundeliegender Index einen Fokus auf Lösungen für sauberes Wasser hat, weshalb die Zusammensetzung eine Reihe technisch innovativer Unternehmen enthält.
Konsumgüter und Nahrungsmittel: defensiv und im Umbau
In einem Jahr mit politischen Risiken und einer unsicheren Wachstumsentwicklung bleibt der Basiskonsum ein Stabilitätsanker. Bewertungsseitig ist das Segment im globalen Vergleich nicht extrem, die MSCI-Daten zeigen für Konsumgüter des täglichen Bedarfs ein moderates Niveau im historischen Rahmen.
Spannend ist 2026 vor allem der Umbau großer Konzerne: Nestlé hat in den vergangenen Quartalen Kostensenkungen, Portfolioprüfung und eine stärkere Fokussierung auf Kernfelder betont, inklusive weiterer Schritte zur Straffung. Kraft Heinz arbeitet parallel an einer Aufspaltung in zwei Einheiten, um Komplexität zu reduzieren und Kapital effizienter zu allokieren.
Als defensives ETF-Basisinvestment und Ruhepol neben zyklischeren Themen geeignet ist in diesem Zusammenhang der 94 Werte abdeckende „SPDR MSCI World Consumer Staples UCITS ETF“, der Walmart, Costco, Procter & Gamble, Coca-Cola und Nestlé am stärksten gewichtet. Wer die Thematik mit europäischen Werten abdecken möchte, wird im „iShares MSCI Europe Consumer Staples Sector UCITS ETF“ fündig, der Nestlé, Unilever, British American Tobacco und L‘Oréal am stärksten gewichtet und insgesamt 37 Positionen hält.
Foto: Adobe Stock / Adam121