KI-Boom: Droht jetzt der Tech-Crash?
Ob er kommt oder nicht: Ein reinigendes Gewitter kann nie schaden.
(03.07.2026) Nach börslichen Höheflügen der Sonderklasse im abgelaufenen Jahr begann 2026 mit vorsichtig-realistischem Optimismus. Erste Group Research-Chef Friedrich Mostböck etwa sah das (damalige) geopolitische Momentum (Venezuela) aus Börsensicht nicht dramatisch und vermutete die größere Gefahr in einem Grönland-Konflikt mit der EU. Überdies stünden Höchstständen im Dax, ATX und anderen Indizes immer noch moderate KGVs gegenüber. Am 28. Februar begannen jedoch die US-Angriffe auf den Iran, was natürlich niemand voraussagen hatte können. Die Börsen gaben daraufhin kurzfristig nach, um bald wieder Höchststände zu erreichen. Man gewöhnt sich eben schnell an so ziemlich alles …
Erinnerungen kommen hoch
Doch auch die verzwickte Situation am Golf änderte nichts an der guten Börsenlaune, da sich der Fokus der Kapitalmärkte in einer Mischung aus Kalkül und Gier auf die Künstliche Intelligenz fokusiert. Da auf diesem Gebiet aller-dings bislang nur die Wenigsten Geld verdienen, werden wohl Ausdrücke, die wir aus der Dotcom-Blase kennen, wie „Cashburningrate“ oder „Stranded Investment“, wieder an Popularität gewinnen.
Den bisherigen Gipfel dieser Entwicklung erreichte wohl Elon Musk mit seinem SpaceX-Börsengang, mit dem eigentlich andere defizitäre Bereiche des Musk-Imperiums querfinanziert werden sollten. Ein Pyramidenspiel auf höchstem Niveau?
Als weitere Folge gilt KI an den Börsen längst als überrepräsentiert, auch in zahlreichen ETFs. Zusätzlich zog SpaceX auch Geld aus anderen Tech-Aktien ab. Die Erfahrung aus der Dotcom-Blase oder vorhergegangenen technischen Revolutionen wie dem Automobilbau um 1900 sagt uns aller-dings auch, dass bei jedem Meilenstein technologischer Entwicklung nur eine Handvoll Gewinner übrigbleiben. Und das bezieht sich nicht nur auf KI, sondern auch auf Chip- und Leiterplattenhersteller als deren Grundlage.
Dazu meint AT&S-CEO Michael Mertin auf Anfrage des Börsen-Kurier allerdings: „Wir sehen keine Überhitzung des Marktes, denn wir stehen mit allen unseren Kunden im Silicon Valley in engem Kontakt und kennen ihre Road Maps für die kommenden Jahre. Da stehen nachhaltige Businessmodelle dahinter. Selbst wenn einzelne Aktien aktuell überbewertet erscheinen und es daher kurzfristig zu Kursrückgängen kommen sollte, sehen wir die langfristigen profitablen Wachstumsperspektiven weiterhin als intakt an.“
Wenn sich die Spreu vom Weizen trennt
Ob die Tech-Aktienkurse derzeit wirklich überhitzt sind, darüber scheiden sich die Geister, preisgünstig sind sie jedenfalls nicht. Solange es keine wirklich attraktiven Alternativen zur Aktie gibt, werden Aktienkurse aber auch nicht dramatisch fallen – sofern die Geopolitik keine weiteren schlechten Streiche spielt.
Was als Warnsignal allerdings oft übersehen wird, ist das Desinteresse an den „traditionellen“ Industrien (die längst nicht mehr so traditionell sind; Anm.). Dies führt schon seit längerem zu konjunkturellen Dellen und zu schlechter Stimmung, allen voran in Deutschland.
Dass das Münchner Ifo-Insitut nun feststellt, dass sich dessen deutscher Geschäftsklimaindex im Juni leicht auf 85,6 Punkte verbessert hat, ändert daran nichts. Eine Korrektur im Tech-Sektor würde aber vermutlich keinen großen Schaden anrichten. Man könnte die Spreu vom Weizen trennen, und es gäbe wieder attraktivere Einstiegskurse – wichtig wäre das auch für kapitalmarktbasierte Vorsorge- und Pensionsmodelle.
Autor: Tibor Pásztory
Bild: KI generiert/Börsen-Kurier
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EU: Mit Millionenstrafen gegen Korruption
Florian Beckermann (03.07.2026). Den Staaten der europäischen Union entstehen jährlich durch Korruption Schäden von rund 990 MrdE, so Zahlen von Transparency International. Es besteht daher Handlungsbedarf. Die neue EU-Anti-Korruptionsrichtlinie markiert, wie vom Börsen-Kurier bereits berichtet, einen Paradigmenwechsel im europäischen Wirtschafts- und Strafrecht. Ziel ist es, Korruptionsdelikte unionsweit einheitlich zu definieren, Sanktionen zu harmonisieren und Prävention sowie Strafverfolgung deutlich zu stärken. Erfasst werden nicht nur klassische Bestechung und Bestechlichkeit im öffentlichen Sektor, sondern auch Korruption in der Privatwirtschaft, Einflussnahme, Veruntreuung, Behinderung der Justiz sowie die Verschleierung korruptionsbedingter Vermögenswerte. Darüber hinaus verpflichtet die Richtlinie die Mitgliedstaaten zur Einrichtung spezialisierter Anti-Korruptionsstellen und zur Entwicklung nationaler Präventionsstrategien!
Für börsennotierte Unternehmen sind die Auswirkungen erheblich. Compliance-Systeme müssen überprüft und vielfach erweitert werden. Interne Kontrollmechanismen, Hinweisgebersysteme, Due-Diligence-Prozesse sowie Schulungen für Führungskräfte und Mitarbeiter gewinnen an Bedeutung.
Besonders relevant ist die verschärfte Unternehmenshaftung: Juristische Personen können mit Geldbußen von 3 bis 5 % des weltweiten Jahresumsatzes oder mit bis zu 40 MioE belegt werden. Gleichzeitig steigt das persönliche Haftungsrisiko für Vorstände und Aufsichtsgremien, wenn organisatorische Mängel Korruptionshandlungen begünstigen.
Die Vorteile liegen in einer stärkeren Rechtssicherheit innerhalb des Binnenmarktes. Einheitliche Strafnormen reduzieren regulatorische Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten und fördern fairen Wettbewerb. Unternehmen mit bereits etablierten Compliance-Strukturen profitieren von einem höheren Vertrauen bei Investoren, Geschäftspartnern und Kapitalmärkten. Langfristig kann die Richtlinie damit Governance-Standards verbessern und Wettbewerbsverzerrungen durch Korruption reduzieren – so der Wunsch.
Demgegenüber wird kritisiert, dass insbesondere international tätige Unternehmen mit erheblichen zusätzlichen Compliance-Kosten konfrontiert werden. Neue Dokumentations-, Kontroll- und Berichtspflichten erhöhen den administrativen Aufwand. Zudem kann die Auslegung einzelner Tatbestände verunsichern, bzw. gelten diese als nicht weitreichend genug. Auch eine mögliche Überregulierung, insbesondere wenn nationale Umsetzungen voneinander abweichen oder extraterritoriale Sachverhalte erfasst werden, ist denkbar.
Es ist noch nicht ersichtlich, ob eine sinnvolle Harmonisierung, eine teure Bürokratieübung oder ein „Goldplating-Wettlauf“ entsteht. Die Richtlinie wurde im April 2026 endgültig verabschiedet, trat am 31. Mai 2026 in Kraft und ist von den Mitgliedstaaten grundsätzlich innerhalb von 24 Monaten – somit bis zum 1. Juni 2028 – in nationales Recht umzusetzen; für nationale Risikoanalysen und Strategien gilt teilweise eine Frist von 36 Monaten. In Österreich gibt es dazu noch keine konkreten Vorschläge.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Voest HV 2026: Kritik, Polizeieinsatz und offene Fragen trotz guter Entwicklung
Kurzzusammenfassung
- Polizeieinsatz bei der Voest HV nach lautstarken Aktivistenmeldungen
- Kritik an der Nachfolge des AR‑Vorsitzenden sorgt für zusätzliche Unruhe
- Positive Geschäftsentwicklung trotz Belastungen durch US‑Zölle
Immer weniger Aktionäre bei Voest-Hauptversammlung
(03.07.2026) Es scheinen immer weniger Anteilseigner zu sein, die sich im Linzer Design Center zur Hauptversammlung der Voestalpine, einer der früher größten Hauptversammlung Österreichs zusammenfinden. Es waren diesmal wohl nur mehr halb so viele wie vor der Corona-Pandemie.
Aktivisten schreien und singen ihre Proteste heraus
Die Anwesenden wurden aber nicht enttäuscht, denn neben dem interessanten Bericht von CEO Herbert Eibensteiner gab es „Schreimeldungen“ sowie eine gesungene Meldung von Aktivisten, die aber zum Großteil allesamt unverständlich blieben. Ergebnis: AR-Vorsitzender Wolfgang Eder wurde sehr grantig und ließ die drei Herren aus dem Saal entfernen und der Polizei übergeben, wofür es spontanen Applaus gab.
Wir haben bewiesen, dass unsere Strategie nicht nur auf dem Papier funktioniert
Voest-Vorstand: Bericht über abgelaufenes Geschäftsjahr
So konnte Eibensteiner schlussendlich ohne weitere Störung berichten, dass man im abgelaufenen Geschäftsjahr eine positive Entwicklung verzeichnen konnte. „Wir haben bewiesen, dass unsere Strategie nicht nur auf dem Papier funktioniert“, freute er sich. Leider habe es massive Belastungen durch die US-Zölle gegeben.
In der Luftfahrt werden Sie keinen Airbus finden, in dem kein Teil von der Voestalpine steckt
Diese Geschäftsbereiche liefen sehr gut
Man hat renditeschwache Bereiche reorganisiert, sehr gut liefen die Geschäfte bei Railway Systems, in der Luftfahrt und der Lagerlogistik. „In der Luftfahrt werden Sie keinen Airbus finden, in dem kein Teil von der Voestalpine steckt“, so der CEO. „Und bei der Lagerlogistik haben wir unseren bisher größten Auftrag für ein Hochregallager in Istanbul bekommen.“
Wichtiger Wachstumsbereich: Greentec-Stahl
Auch Greentec Steel war weiterhin ein großes Thema, hier skizzierte Eibensteiner die Fortschritte und den weiteren Fahrplan (der Börsen-Kurier berichtete).
Diskussionen um Eders Nachfolge
Im Anschluss daran sagte Wolfgang Eder einige Worte zu seinem bevorstehenden Rücktritt 2027 und erklärte, dass man mitten im Auswahlverfahren für einen Nachfolger sei und er sicher bald einen geeigneten Kandidaten präsentieren werde können. Dies wurde von (Interessensverband für Anleger) IVA-Vorstand Florian Beckermann kritisiert, der meinte, dass ein zu künftiger AR-Vorsitzender eigentlich mindestens ein Jahr im AR sitzen müsste. „Aber wir wählen heute niemanden“, zeigte er sich wenig erfreut. Eder erklärte dazu später, dass diese Vorgehensweise antiquiert („So habe ich es auch noch auf der Uni gelernt.“) und nicht mehr zeitgemäß sei. „Es gibt genug Beispiele – AT&S, Oberbank und andere – bei denen es auch funktioniert hat!“
Kritik: Abbildung der eigenhändigen Unterschrift des Wirtschaftsprüfers fehlt
Ein weiteres „Steckenpferd“ Beckermanns zeigte sich in seiner Kritik daran, dass im Geschäftsbericht die Abbildung der eigenhändigen Unterschrift des Wirtschaftsprüfers fehlte. „Im Original-Prüfbericht ist sie sehr wohl vorhanden“, erklärte dazu Eibensteiner. „Und die elektronische Signatur ist heutzutage eigentlich schon normal. Die reicht jedem, außer anscheinend Ihnen.“
Generaldebatte Voest
Beantwortung der Fragen verlief chaotisch
Die Generaldebatte verlief durchaus gesittet, es gab eine Menge Fragen. Leider gerieten die Antworten sehr durcheinander, sodass man teilweise nicht mehr wusste, welche Frage welches Aktionärs gerade behandelt wurde.
Kosten des Greentec Steel und Vorbestellungen
Nahezu allen Meldungen waren Fragen zu Greentec Steel gemein und drehten sich um die Frage nach dem Endpreis pro Tonne. Hierzu erklärte das Management – wie in den vergangenen drei Jahren auch -, man könne das jetzt noch gar nicht sagen, und es werde schon zu einem Preisbildungsprozess kommen. „Aber das ist die Zukunft, das müssen wir machen“, so Eibensteiner. „Und der ‚Green Deal‘ kommt bestimmt!“, unterstrich er. Jedenfalls konnte man erfahren, dass die Voestalpine Vorbestellungen von rund 300.000 Tonnen hat.
Umsatz Catering-Tochter und Gärtnerei
Dank zweier aktiver Linzer Anteilseigner erfuhr das Auditorium auch, dass die Caseli (Catering-Tochter, Anm.) einen Umsatz von rund 30 Millionen Euro und ein Ergebnis von 2 Millionen Euro erzielte, die Gärtnerei („Die ist ungefähr ein Zehntel“) 2 Millionen Euro umsetzt und ein Ergebnis von rund 200.000 Euro erwirtschaftet hat.
Kosten Lehrlingswohnheim Kapfenberg
Das Lehrlingswohnheim in Kapfenberg hat 17 Millionen Euro gekostet („Keine Förderung“), und die Logistiktochter Logserv besitzt kaum eigene Waggons: „Die werden zum Großteil angemietet.“ Die Frage nach der Auslastung der zwei Werke in China sowie jene nach dem Bezug vom Erzberg wurden nicht beantwortet.
Voest-HV: Abstimmungsverhalten
Bei sehr vielen Enthaltungen wurden alle Vorschläge angenommen, wobei 5 % gegen die Entlastung des AR, rund 7 % gegen die AR-Vergütung und mehr als 35 % der verbliebenen Anteilseigner gegen den Vergütungsbericht stimmten.
Autor: Cornelius M. Pirch
Bild: Copyright voestalpine AG
| Auf einen Blick: |
| Anwesend: |
62,46 % GK |
| Information: |
3-4 |
| Organisation: |
1 |
| Stimmung: |
3 |
| Dividende: |
0,75 Euro/Aktie |
| Ex-Tag: |
9.7. Zahltag: 14.7. |
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Banken- und Versicherungsaktien: Mehr Substanz als die Bewertungen zeigen
Banken, Versicherer und Zahlungsdienstleister haben sich seit der Finanzkrise grundlegend verändert. Viele Anleger unterschätzen, wie sehr sich die Rahmenbedingungen für den Sektor verbessert haben.
(30.06.2026) Finanzwerte werden von vielen Anlegern noch immer durch die Brille der globalen Finanzkrise betrachtet. Banken gelten als zyklisch, regulierungsanfällig und riskant; Versicherer als schwerfällig; Zahlungsdienstleister werden oft eher dem Technologiesektor zugerechnet. Diese Sicht greift zunehmend zu kurz. Der Finanzsektor von heute ist nicht mehr der Finanzsektor von 2008. Der Sektor ist deutlich widerstandsfähiger geworden. Banken und Versicherer haben seit der Finanzkrise Kapital aufgebaut, ihre Liquidität verbessert, das Risikomanagement gestärkt und ihre Geschäftsmodelle unter strengeren aufsichtsrechtlichen Vorgaben angepasst. Banken verfügen heute über Kapital von höherer Qualität, unterliegen Stresstests, Liquiditätsquoten, Verschuldungsgrenzen und einer stärker vorausschauenden Risikovorsorge. Versicherer arbeiten unter risikosensitiveren Solvabilitätsregeln, mit stärkerer Unternehmensführung, größerer Transparenz und strengerer Aufsicht. Damit tritt der Sektor mit einer deutlich größeren Fähigkeit, Schocks abzufedern, in den aktuellen Konjunkturzyklus ein als vor 2008. Banken und Versicherer sind weniger verschuldet, liquider, besser beaufsichtigt und transparenter. In einem Abschwung dürften sie daher eher als Stabilisatoren denn als Verstärker wirken. Robustheit sollte allerdings nicht mit Immunität verwechselt werden.
Genau hier liegt die Anlagechance. Trotz der starken Branchenentwicklung der vergangenen Jahre bleiben die Erwartungen vieler Anleger verhalten. Die Bewertungen sind weiterhin attraktiv, und solide Kapitalpositionen stützen hohe Kapitalrenditen. Aus unserer Sicht haben sich die Fundamentaldaten des Sektors nachhaltiger verbessert, als es die aktuellen Markterwartungen widerspiegeln. Anleger haben daher Spielraum, das langfristige Wertschöpfungspotenzial von Finanzwerten neu zu bewerten.
Europäische Banken werden weiter unterschätzt
Besonders deutlich zeigt sich das bei europäischen Banken. Ein gewisser Bewertungsabschlag gegenüber US-Instituten ist weiterhin gerechtfertigt. Europa wächst strukturell langsamer, die Banken- und Kapitalmärkte sind fragmentierter, politische und regulatorische Risiken sind höher, und die Kapitalmarktinfrastruktur ist weniger entwickelt. Doch das Ausmaß und die Dauerhaftigkeit dieses Abschlags erscheinen überzogen. Die Märkte unterschätzen, wie nachhaltig sich die Rentabilität vieler europäischer Banken verbessert hat, wie stark ihre Kapitalausstattung heute ist und mit welcher Disziplin überschüssiges Kapital inzwischen verwaltet und ausgeschüttet wird.
Die besten europäischen Institute sollten deshalb nicht länger als angeschlagene Altbanken betrachtet werden, sondern als ausgereifte, gut kapitalisierte Unternehmen, die Kapitalrenditen steigern und über die Zeit attraktiven Shareholder Value schaffen können. Das gilt umso mehr, als Europa vor enormen Investitionsaufgaben steht. Der Draghi-Bericht beziffert den zusätzlichen Investitionsbedarf auf rund 750 bis 800 Milliarden Euro pro Jahr, um Innovationslücken zu schließen, die Wettbewerbsfähigkeit im Energiebereich zu verbessern, die Industrie zu dekarbonisieren sowie Sicherheit und Widerstandsfähigkeit zu stärken. Ein fragmentiertes Finanzsystem wird Schwierigkeiten haben, Kapital in dieser Größenordnung zu mobilisieren. Europa braucht deshalb stärkere Banken, tiefere Kapitalmärkte und eine funktionierende Spar- und Investitionsunion.
Zahlungsdienstleister sind die Technologiegewinner des Sektors
Neben klassischen Banken bieten auch andere Segmente des Finanzsektors strukturelle Chancen. Zahlungsnetzwerke wie Visa und Mastercard sind längst nicht mehr nur klassische Finanzwerte. Sie entwickeln sich zunehmend zu technologiegestützten Infrastrukturunternehmen. Ihr Wert liegt nicht mehr allein in der Kartenakzeptanz, sondern in sicheren, tokenisierten, datenreichen und weltweit interoperablen Zahlungsfunktionen – für Karten, digitale Wallets, E-Commerce, B2B-Zahlungen, Stablecoins und neue digitale Geschäftsmodelle. Damit weisen diese Unternehmen technologieähnliche Merkmale auf: Netzwerkeffekte, hohe Skalierbarkeit, starke Datenvorteile und wiederkehrende Transaktionsaktivitäten. Gleichzeitig bleiben sie tief im regulierten Finanzsystem verankert und sind politischen sowie regulatorischen Risiken ausgesetzt. Gerade diese Mischung macht sie interessant: Sie verbinden strukturelles Wachstum mit einer zentralen Rolle in der globalen Finanzinfrastruktur.
KI kann Produktivität und Effizienz deutlich verbessern
Auch künstliche Intelligenz wird den Finanzsektor verändern. Kurzfristig dürften die größten Effekte bei Produktivität und operativer Effizienz liegen. Finanzunternehmen sind prozess- und datenintensiv und haben hohe Kostenbasen in Technologie, Compliance, Kundenservice, Kreditprüfung und Backoffice. KI kann Routineaufgaben automatisieren, die Dokumentenbearbeitung verbessern, Softwareentwicklung beschleunigen und Mitarbeiter produktiver machen. Besonders konkrete Anwendungsfälle zeichnen sich im Risikomanagement und in der Betrugsprävention ab.
Davon können sowohl etablierte Institute als auch Fintechs profitieren. Große Anbieter verfügen über vertrauensvolle Kundenbeziehungen, umfangreiche Datensätze, Compliance-Kapazitäten und die Möglichkeit, Technologie- und Regulierungskosten auf eine breite Kundenbasis zu verteilen. Fintechs wiederum können neue Lösungen ohne Altlasten entwickeln und dort Marktanteile gewinnen, wo KI bessere Nutzererlebnisse oder effizientere Prozesse ermöglicht.
Entscheidend ist aber: In KI zu investieren ist nicht dasselbe wie einen KI-Vorteil zu haben. Gewinner werden jene Unternehmen sein, die Daten, Größe, Regulierungskompetenz und Umsetzungsdisziplin verbinden.
Die Risiken bleiben beherrschbar, aber real
Die Risiken bleiben dennoch real. Das wichtigste klassische Risiko ist die Kreditqualität. Ein schwächeres makroökonomisches Umfeld könnte in Teilen des Sektors zu höheren Kreditausfällen führen. Die Ausgangslage ist jedoch besser als in früheren Zyklen: Das Kreditwachstum war insgesamt disziplinierter, die Kapitalausstattung robuster, die Kreditvergabestandards haben sich verbessert, und die Rechnungslegung verlangt eine frühzeitigere Erfassung möglicher Verluste.
Das zweite große Risiko ist die operative Widerstandsfähigkeit, insbesondere Cybersicherheit. Finanzunternehmen sind immer stärker digitalisiert und vernetzt. Damit steigen auch die potenziellen Folgen von Cyberangriffen, Betrug und Betriebsstörungen. Für Anleger ist deshalb entscheidend, nicht nur auf Bewertung und Kapitalrenditen zu achten, sondern auch auf Bilanzstärke, Risikokultur, Technologieinvestitionen und die Qualität des Managements.
Anleger sollten das Wertschöpfungspotenzial neu bewerten
Für die kommenden zwölf Monate dürfte der Markt vor allem die Nachhaltigkeit der Wertschöpfung im Finanzsektor unterschätzen. Viele Finanzunternehmen sind besser kapitalisiert, disziplinierter und stärker auf Renditen ausgerichtet als in früheren Zyklen. Sie verfügen über die Bilanzstärke, um von der Sanierungsphase in eine Phase aktiver Wertschöpfung überzugehen – sei es durch organisches Wachstum, Dividenden, Aktienrückkäufe oder Akquisitionen.
Für Anleger sind deshalb jene Finanzunternehmen besonders attraktiv, die nachhaltige Wettbewerbsvorteile, disziplinierte Kapitalallokation und robuste langfristige Wertschöpfungsprofile verbinden. Dazu zählen gut kapitalisierte Banken, Versicherer mit Preissetzungsmacht, technologieähnliche Zahlungsdienstleister sowie Investmentbanken und Banken mit starken Investmentbanking-Sparten.
Der Finanzsektor ist heute besser kapitalisiert, widerstandsfähiger, technologisch anspruchsvoller und strategisch wichtiger für die Finanzierung von Wachstum und Transformation als vor der Finanzkrise. Genau deshalb sollten Anleger Finanzwerte nicht länger unterschätzen.
Budgetsanierung zulasten von Einzelunternehmen und KMU
Das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft trägt eine unverhältnismäßig hohe Last. Ein Kommentar von Martin Trettler, Obmann der Fachgruppe Finanzdienstleister der WKNÖ.
Ein Kommentar von Martin Trettler, Obmann der Fachgruppe Finanzdienstleister der WKNÖ über die Folgen der Streichung des investitionsbedingten Gewinnfreibetrages.
(03.07.2026) Ganz Österreich wurde zuletzt ob den guten Leistungen der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft in eine positive Euphorie versetzt. Das Gezeigte ist nach 28 Jahren WM-Abstinenz sehr ansehnlich.
Nachteil für Freiberufler und Selbständige
Was auf der einen Seite eine positive Grundstimmung im Land auslöst, dämpfen auf der anderen Seite die Ankündigungen diverser Sparmaßnahmen. Denn in der Realpolitik sind die Tage des Sparzwanges eingekehrt.
Neben vielen anderen Punkten trifft die Streichung des investitionsbedingten Gewinnfreibetrages in Form des Ankaufs von Wertpapieren sehr viele Freiberufler und Selbständige besonders hart.
Ungleichbehandlung
Obwohl diese Maßnahme laut aktuellem Informationsstand mit Ende 2029 wieder ausläuft, wirkt sich das bei vielen braven Steuerzahlern sehr negativ aus. Was hier zu wenig bedacht wurde, ist die Tatsache, dass vor allem bei Dienstleistungsberufen Investitionen in Wirtschaftsgüter begrenzt sind und der Ankauf von Wertpapieren die einzige sinnvolle Maßnahme darstellt. Dass der eine Weg offen bleibt und der andere geschlossen wird, ist schlicht und einfach eine Ungleichbehandlung und widerspricht dem Gleichheitsprinzip!
Welches Bild dadurch von den Entscheidungsträgern vermittelt wird, brauche ich hier nicht umfassend erläutern. Der Beigeschmack einer Bestrafung aller leistungswilligen, braven Steuerzahler im Land bleibt und kann auch nicht vom Tisch gewischt werden.
Andere Maßnahmen verpuffen
Die Senkung der Lohnnebenkosten betrifft viele EPUs nicht, wirkt sich daher tendenziell für Einnahmen-Ausgabenrechner kaum aus. Auch die Einführung des Sachbezugs für E-Autos trifft wiederum alle, die bereits auf E-Mobilität umgestiegen sind – ökopolitisch in Anbetracht der globalen Erwärmung ein fatales Signal.
Pensionsproblematik
Im aktuellen Regierungsprogramm wird die Stärkung der zweiten (betrieblichen) und dritten (privaten) Säule der Pensionsvorsoge als vorrangiges Ziel definiert. Viele österreichische Einzelunternehmer haben die investitionsbedingten Gewinnfreibeträge als Vorsorgeinstrument genutzt, eingedenk der Tatsache, dass die demographische Entwicklung in unserem Land das staatliche Umlageverfahren bei weitem nicht finanzieren kann.
Eine aktuelle Zahl dazu: Rund 20 Milliarden Euro werden aus dem Steuertopf in das Pensionssystem gepumpt, Tendenz stark steigend – und das bei einem aktuellen Verhältnis von etwa drei Beitragszahlern zu einem Pensionsbezieher. Bis 2050 sinkt das Verhältnis auf 2:1, so viel zur Realität!
Stückwerk statt großer Wurf
Hier nun den Sparstift anzusetzen, erscheint weder durchdacht noch längerfristig sinnvoll zu sein. Alle verantwortungsvollen Politiker müssen ihre Entscheidungen auf faktenbasierten Modellen aufbauen, ansonsten fährt man über kurz oder lang das System an die Wand. Es ist endlich an der Zeit, die großen Probleme anzugehen und nicht mit Stückwerk den Fleckerlteppich diverser Budgetmaßnahmen Jahr für Jahr weiter zu weben, noch undurchsichtiger, noch komplizierter, noch diffuser.
Große Belastungen für Fleißige
Kurzum habe ich den Eindruck, dass das Rückgrat unserer österreichischen Wirtschaft, die Vielzahl der Einzelunternehmer und KMUs, unverhältnismäßig viel für die Budgetsanierung in den nächsten Jahren beizutragen hat. Als leistungsorientierten Unternehmer lassen mich diese Maßnahmen mit Zweifeln zurück.
Was ich als Selbständiger tagtäglich umsetzen muss, um langfristig erfolgreich zu wirtschaften, erwarte ich mir natürlich von staatlicher Seite auch! Wo sind die Grundregeln eines vorsichtig kalkulierenden Kaufmanns geblieben? Wo sind die Eckpfeiler der Maastricht-Kriterien geblieben? Ich denke da an Zeiten von 60 % Gesamtverschuldung im Verhältnis zum BIP? Wo ist der demütige Umgang mit öffentlichen Geldern? Demütig im Sinne von einer Finanzgebarung, die so konzipiert ist, als ob es das eigene Geld wäre, das ausgegeben wird.
Stückwerk und Fleckerlteppich: Sinnfrage poppt auf
Kurzum stelle ich mir als Unternehmer bzw. Selbständiger in Österreich in Anbetracht dieser Maßnahmen die ehrliche Frage: Zahlt sich der ganze Einsatz überhaupt noch aus? Ist nicht jeder Input, den ich mehr zu leisten gewillt bin, am Ende des Tages ein Opfer eines fiskalisch minimierten Outputs?
Obwohl ich Optimist bin, kann ich obige Frage nicht mit einem bedingungslosen Ja beantworten! Ein ehemaliger Bundeskanzler hat einmal festgestellt, dass alles sehr kompliziert sei. Ja, wenn man sich von Stückwerk zu Stückwerk und Fleckerlteppich zu Fleckerlteppich hantelt, und Nein, wenn man das große Ganze im Auge behält und in Generationen statt von Wahl zu Wahl denkt.
Mein Appell an die Regierung
Unsere Entscheidungsträger sollten sich eine große Scheibe von unseren Team-Kickern abschneiden: Es zählt nur die Mannschaft und nie das Ego. UND man setzt sich große Ziele und handelt mutig danach!
Bild: KI generiert / Börsen-Kurier
Wann ist eine Aktie günstig – und wann teuer?
- Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) zeigt, ob eine Aktie unter oder über Buchwert notiert – aber es ist nur ein grober Indikator.
- Beispiele wie OMV, Voestalpine, AT&S und Andritz zeigen: Analysten bewerten oft völlig anders als das KBV vermuten lässt.
- Immaterielle Werte wie Patente, Marken und Know-how verzerren den Buchwert erheblich.
- Zukunftskennzahlen wie Book-to-Bill sind oft aussagekräftiger als der reine Buchwert.
- Hohe Renditeerwartungen – etwa bei der Bawag – können ein hohes KBV rechtfertigen.
Was bedeutet eine Bewertung über dem Buchwert
Kurs-Buchwert-Verhältnis als einfache Orientierung
(03.07.2026) Es gibt verschiedene Verfahren, um zu ermitteln, ob eine Aktie „billig“ oder „teuer“ bewertet ist. Gerade für Privatanleger ist die wohl einfachste Methode, den Aktienkurs dem Buchwert (Eigenkapital) gegenüberzustellen.
Was bedeutet ein Kurs-Buchwert-Verhältnis unter eins?
Ein Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) von unter eins würde bedeuten, dass ein Unternehmen günstiger gehandelt wird als sein Buchwert – was oft als Unterbewertung interpretiert wird. Denn gerät ein Unternehmen in die Insolvenz, zeigt der Buchwert (nach Abzug nicht realisierbarer Posten), was theoretisch nach dem Verkauf aller Vermögenswerte für die Aktionäre übrigbleibt.
Beispiel OMV
Bei der OMV liegt das KBV unter eins, auch beim Stahlerzeuger Voestalpine liegt es knapp unter diesem Schwellenwert. Tatsächlich liegt das durchschnittliche Kursziel der Analysten (laut Marketscreener) für die Voest-Aktie rund 15 % über dem aktuellen Kurs. Auch die OMV sollte der Analystenmeinung zufolge um rund 12 % zulegen.
Fallbeispiel AT&S
Wer jedoch glaubt, die prognostizierten Kurssteigerungen lägen am günstigen Verhältnis von Marktkapitalisierung und Eigenkapital, der könnte irren. Der Leiterplattenhersteller AT&S wird mit ungefähr dem Siebenfachen des Buchwerts bewertet – und dennoch geht die durchschnittliche Analystenmeinung davon aus, dass der Kurs weiter steigen wird.
Und auch beim Maschinenbauer Andritz beträgt die Marktkapitalisierung etwa das Dreifache des Buchwerts, dennoch spricht die Mehrheit der Analysten eine Kaufempfehlung aus.
Wann ist eine Aktie billig oder teuer? – Grenzen des KBV
Warum Analysten dem Buchwert wenig Gewicht geben
Dass Analysten dem Buchwert für ihre Kursziele offenbar kaum Bedeutung beimessen, hat mehrere Gründe: Wichtige Werttreiber wie Markenrechte, Patente oder Know-how schlagen sich im traditionellen Buchwert kaum nieder. Ein weiterer Grund für die begrenzte Aussagekraft der Kennzahl ist, dass das KBV lediglich den gegenwärtigen Zustand beschreibt, nicht jedoch die zukünftige Geschäftsentwicklung.
Book-to-Bill als wichtigere Kennzahl
Bei Industrieunternehmen sind beispielsweise Kennzahlen wie Book-to-Bill (Verhältnis von Auftragseingängen zu Umsatz) oft wichtiger, um künftige Umsätze besser abschätzen zu können, wie die Erste Asset Management in einem früheren Statement erklärte.
Wann ist eine Aktie billig oder teuer? – Relevanz in Kombination mit anderen Kennzahlen
Beispiel Bawag: Hohe Rendite rechtfertigt hohes KBV
In Kombination mit anderen Kennzahlen – etwa Renditekennzahlen – kann der Buchwert dennoch relevant sein. Nehmen wir das Beispiel der Bawag. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis liegt bei dem Finanzinstitut bei rund 3 – ein sehr hoher Wert für die Branche. Der durchschnittliche Analystenzielpreis laut Marketscreener liegt etwa auf dem aktuellen Kursniveau. Dabei hebt der Finanzanalyst ODDO insbesondere die erwartete Eigenkapitalrendite von 27,6 % im Jahr 2028 hervor, die die hohe Bewertung der Aktie rechtfertigen soll.
Warum ein KBV über eins nicht automatisch „teuer“ bedeutet
Auch die Entwicklung von einem Aktienkurs unter dem Buchwert hin zu einem KBV von über eins ist noch kein Beleg dafür, dass eine Aktie zu teuer geworden ist. So lag das KBV der Erste Group 2022 und 2023 noch unter diesem Schwellenwert. Derzeit liegt die Marktkapitalisierung jedoch deutlich darüber. Für 2026 wird sogar mit einem KBV von über 1,7 gerechnet. Die durchschnittliche Analystenmeinung stützt diese Bewertung allerdings.
Autor: Christian Sec
Foto: KI generiert / Börsen-Kurier
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Tochtergesellschaften: Warum sie für Unternehmen unverzichtbar sind
Billig-Yuan kostet Wachstum
China schadet deutscher Wirtschaft massiv.
(03.07.2026) Die globalen Ungleichgewichte verschärfen sich. Ein wesentlicher Grund ist der hohe Leistungsbilanzüberschuss Chinas, dessen Yuan von vielen Experten als unterbewertet angesehen wird. Der vergleichsweise schwache Wechselkurs stärkt die Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Exporte, während deutsche Produkte im Reich der Mitte an Preisattraktivität verlieren.
Wie groß der Einfluss des Yuan tatsächlich ist, zeigt eine Simulation des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW): Wäre die chinesische Währung fair bewertet, läge das deutsche Bruttoinlandsprodukt zwischen 2026 und 2028 kumuliert um rund 43 MrdE höher. Das preisbereinigte BIP in der Bundesrepublik und dem Euroraum würde bei einer fairen Bewertung des Yuan im Jahr 2028 um bis zu 0,3 % höher ausfallen.
Unfairer Konkurrenzdruck
Vor allem exportorientierte Schlüsselbranchen wie Maschinenbau, Chemie und Automobilindustrie leiden unter den verzerrten Wettbewerbsbedingungen. Der vergleichsweise schwache Yuan stärkt die Preiswettbewerbsfähigkeit chinesischer Exporte, während deutsche Produkte in China an Attraktivität verlieren. Entsprechend weitete sich das deutsche Handelsbilanzdefizit im Warenhandel mit China 2025 auf den Rekordwert von rund 90 Milliarden Euro aus.
„Für den freien Handel ist Chinas Währungsmanagement Gift“, sagt Studienautor Jürgen Matthes, der beim IW die Internationale Wirtschaftspolitik, Finanz- und Immobilienmärkte leitet. Die Unterbewertung des Yuan ermögliche es chinesischen Unternehmen, ihre Produkte deutlich günstiger auf den Weltmärkten anzubieten, als es unter fairen Wettbewerbsbedingungen möglich wäre. „China spielt mit gezinkten Karten“, so Matthes.
Der Ökonom geht noch weiter: „Durch die gestiegenen Defizite im Handel mit China sowie vor allem durch die Anteilsverluste auf den globalen Exportmärkten trägt der zu erheblichen Teilen unfaire Konkurrenzdruck Chinas damit maßgeblich zur Deindustrialisierung in Europa und Deutschland bei.“ Die EU und Deutschland sollten daher nach Ansicht von Matthes versuchen, auf China einzuwirken, damit es die nötigen Reformen für ein Rebalancing vornimmt.
Handelspolitische Gegenmaßnahmen
Sollte Peking darauf nicht mit ausreichender Konsequenz reagieren, sollte die EU Ausgleichszölle erheben. „Derartige gezielte und gut begründete Ausgleichszölle haben nichts mit Protektionismus zu tun“, schreiben die Autoren um Matthes, „vielmehr sind sie ein Instrument der Ordnungs- und Wettbewerbspolitik“.
Die Studie liefert ein weiteres Argument dafür, dass die Probleme der deutschen Industrie nicht ausschließlich hausgemacht sind. Neben hohen Energiepreisen und strukturellen Standortnachteilen spielt auch der internationale Wettbewerbsrahmen eine wichtige Rolle. Solange China seine Unternehmen über einen dauerhaft schwachen Yuan begünstigt, bleibt der Ruf nach handelspolitischen Gegenmaßnahmen nachvollziehbar. Die Herausforderung besteht darin, faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, ohne in einen neuen Protektionismus abzurutschen.
Autor: Christian Euler, Frankfurt
Foto: Eric Prouzet auf Unsplash
Die besten Klimawandel‑Aktien 2026: Energieeffizienz und Green‑IT im Fokus
Neue Daten aus Juli 2026 zeigen: Energieeffizienz und Green‑IT wachsen doppelt so schnell wie klassische Erneuerbare – und liefern die stabilsten Renditen.
Kurzfassung:
- Energieeffizienz wächst schneller als Solar & Wind
- Green‑IT verdoppelt Marktvolumen bis 2029
- Gebäudesektor verursacht 1/3 des Energieverbrauchs
- Analysten empfehlen 10 klare Klimawandel‑Aktien
- Tech‑Korrektur schafft neue Einstiegsgelegenheiten
- Energieeinsparung schlägt Energieerzeugung
(7.7.2026)
Die aktuellen Profiteure des Klimawandels
Die Diskussion über nachhaltiges Investieren dreht sich oft um Windkraft und Solarenergie. Zwar wachsen diese Bereiche weiter, doch hoher Wettbewerbsdruck, sinkende Margen und Insolvenzen im Zulieferbereich begrenzen die Renditen. Die aktuellen Klimawandel‑Profiteure entstehen dort, wo Energie eingespart, Gebäude modernisiert und digitale Infrastruktur effizienter wird. Genau diese Felder zählen derzeit zu den strukturell stärksten Wachstumsmärkten. Diese Märkte sind zudem weniger abhängig von Rohstoffpreisen, weniger volatil und stärker politisch unterstützt.
Für Anleger bedeutet das: Wer Klimawandel‑Profiteure identifizieren will, muss den Blick weiten — weg von den klassischen Erneuerbaren, hin zu Energieeffizienz‑Investments und Green‑IT‑Strukturen.
Energetisches Bauen & Sanieren – der unterschätzte Renditehebel
40 % Investitionswachstum in nur zehn Jahren
Zwischen 2011 und 2022 stiegen die Investitionen in energetische Sanierungen um fast 40 % auf 67 Mrd. Euro. 2023 gab es eine leichte Delle, aber strukturell bleibt der Trend intakt.
Warum dieser Sektor zu den wichtigsten Klimawandel‑Profiteuren zählt:
- Gebäude verursachen ein Drittel des gesamten Energieverbrauchs
- Sanierungen sind politisch gewollt und regulatorisch gestützt
- Förderprogramme stabilisieren Nachfrage
- Unternehmen profitieren von planbaren, langfristigen Aufträgen
- Margen sind höher als im Wind/Solar‑Segment
Für Anleger entsteht hier ein Markt, der weniger volatil ist — und stärker von strukturellem Bedarf getragen wird.
Green IT – der am schnellsten wachsende Klimawandel‑Profiteur
Marktvolumen verdoppelt sich bis 2029
Rechenzentren verbrauchen heute so viel Energie wie ganz Deutschland inklusive Haushalten, Industrie und öffentlicher Einrichtungen. Das macht Green IT zu einem zentralen Hebel der Dekarbonisierung.
Aktuelle Zahlen:
- Marktvolumen 2024: 24 Mrd. USD
- Prognose 2029: 50 Mrd. USD
- CAGR: 16 %
Green IT umfasst:
- energieeffiziente Server
- Kühltechnologien
- Software zur Lastoptimierung
- nachhaltige Cloud‑Architekturen
Damit wird Green IT zu einem der dynamischsten Klimawandel‑Profiteure der kommenden Jahre. Quelle: Eurostat, Renewable Energy Statistics.
🟩 Worauf Anleger bei Green‑IT‑Investments achten sollten
Investments in Clean‑Tech‑ und Green‑IT‑Unternehmen gelten als strategisch spannend, gehören aber gleichzeitig zu den volatilsten und risikoreichsten Segmenten des gesamten Technologiemarkts. Die Branche ist stark abhängig von staatlichen Förderprogrammen, Zinsumfeld, Projektzyklen, Lieferketten und der Kapitalintensität großer Infrastrukturvorhaben.
Worauf Anleger bei der Auswahl von Green-IT-Aktien achten sollten
Anleger sollten daher besonders auf Margenentwicklung, Auftragslage, Projektverschiebungen, Bewertungshöhe, Cashflow‑Stabilität und die Zyklizität einzelner Teilmärkte achten.
Während Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen, etwa in Energieeffizienz oder Chipfertigung, vergleichsweise robust bleiben, zeigen Speicher‑ und Infrastrukturwerte immer wieder extreme Ausschläge. Der jüngste Kursverfall bei Fluence Energy verdeutlicht, wie schnell sich Marktstimmung drehen kann, wenn Margen unter Druck geraten oder Projekte verzögert werden. Vor diesem Hintergrund lohnt ein genauer Blick auf jene Clean‑Tech‑Aktien, die Analysten aktuell positiv einschätzen – und auf die Risiken, die Anleger im Auge behalten sollten.
Die 10 besten Klimawandel-Aktien
Top‑5 Energieeffizienz‑Aktien
Segment: Energieeffizienz, Smart Grids, Rechenzentrums‑Optimierung
- Mehrere Investmentgesellschaften wie HSBC, BNP Paribas und Jefferies) stufen Schneider im Juli 2026 als Outperform ein.
- Treiber: Rechenzentren‑Energieeffizienz, KI‑optimierte Laststeuerung, EU‑Green‑Deal‑Investitionen. Warum relevant: Schneider ist 2026 einer der größten Profiteure des Booms energiehungriger KI‑Rechenzentren.
Die Aktie ist in den vergangenen zwölf Monaten um knapp 25 Prozent gestiegen.
Globaler Marktführer für Gebäudeeffizienz, Automatisierung und Industrie‑Energieoptimierung.
Analystenmeinung: Deutsche Bank, UBS, Goldman Sachs → Buy
Relevanz: Energieeffiziente Gebäude & Industrieprozesse → Breit diversifiziert, hohe Resilienz, starke Analystenbasis.
Die Aktie ist im letzten Monat um fast vier Prozent gestiegen und in den letzten fünf Jahren stetig gestiegen. Gesamtkurszuwachs seither: 112 %.
Weltmarktführer für energieeffiziente Rechenzentren – ein Kernbereich der Green‑IT.
Analysten: UBS, JPMorgan, RBC → Buy Relevanz: Hyperscale‑Effizienz, KI‑Lasten, nachhaltige Data‑Center‑Architektur → Direkter Profiteur des KI‑Booms und des Effizienztrends.
Hat in der letzten Wochen allerdings um mehr als acht Prozent verloren. In den vergangenen fünf Jahren legte die Aktie um 27 Prozent zu.
Spezialist für energieeffiziente Kühlung und Stromversorgung in Rechenzentren.
Analysten: JPMorgan, Goldman Sachs, Jefferies → Buy
Relevanz: Effizienzsteigerung in KI‑Rechenzentren → Einer der stärksten Green‑IT‑Titel 2026
Kursplus in fünf Jahren: 158 %. Hat im letzten Monat keine Kursverluste hinnehmen müssen.
Warum in den Top‑5: Globaler Anbieter für Industrie‑Automatisierung, Energieoptimierung und Smart‑Grid‑Technologie. Analysten: Morgan Stanley, UBS, JPMorgan → Buy
Relevanz: Effizienz in Produktion, Stromnetzen, Industrie → Breit aufgestellt, stabil, stark empfohlen.
An der Börse mit Plus 84 % im vergangenen Jahr.
Die besten fünf Aktien in der Chipfertigung & energieeffiziente Halbleiter
Segment: Energieeffiziente Chips, Leistungselektronik, E‑Mobilität Analystenmeinung:
- UBS, BofA und JP Morgan bleiben im Juli 2026 positiv.
- Fokus: SiC‑Halbleiter, energieeffiziente Chips für Rechenzentren und Industrie. Warum relevant: Infineon ist Europas Schlüsselplayer für „Green Chips“ – also Halbleiter, die Energieverbrauch senken.
Die Aktie ist im vergangenen Monat allerdings wie beispielsweise Nvidia um rund 9 Prozent gefallen. Weitere Kursrücksetzer könnten vor dem nächsten Aufschwung noch folgen.
Segment: EUV‑Lithografie, energieeffiziente Chipproduktion.
- Analysten (Morgan Stanley, BofA) bleiben bullish, trotz Tech‑Volatilität.
- Treiber: Effizientere Chipfertigung → geringerer Energieverbrauch pro Rechenleistung. Warum relevant: ASML ist indirekt Green‑IT, weil moderne KI‑Chips ohne ASML‑Technologie nicht existieren.
Seit Juli 2026 geht es allerdings auch beim niederländischen Chiphersteller an der Börse bergab. Zuwarten bis sich die Lage stabilisiert hat, dürfte auch hier für Einsteiger das Mittel der Wahl sein.
Segment: Energieeffiziente Grafikprozessoren. Sie sind wichtig für extrem rechenintensive Aufgaben, wie KI‑Modelle trainieren und ausführen, Video‑Rendering, Simulationen und Datenanalyse.
Analystenmeinung: Morgan Stanley, UBS, Goldman Sachs und Bank of America bleiben trotz Tech‑Korrektur positiv für die Aktie.
Treiber: Hoher Effizienzsprung pro Watt durch neue GPU‑Generationen, steigende Nachfrage nach KI‑Rechenzentren, Agentic‑AI‑Workloads.
Warum relevant: Nvidia ist der zentrale Anbieter für energieeffiziente KI‑Infrastruktur. Die GPUs reduzieren den Energieverbrauch pro Rechenleistung deutlich und sind damit ein Kernbaustein der Green‑IT‑Architektur.
Performance: Trotz eines Rückgangs von rund neun Prozent in 14 Tagen bleibt der Analystenkonsens bullish. Kursziele zwischen 270 und 320 Dollar zeigen das strukturelle Wachstumspotenzial, getragen von strukturellem Wachstum in KI‑Rechenzentren und Agentic‑AI‑Workloads.
Spezialist für EPYC‑Serverchips. Sie gelten als besonders energieeffizient. Das sind Hochleistungs‑Prozessoren, die speziell für Rechenzentren, Cloud‑Infrastruktur und KI‑Workloads entwickelt wurden. Sie gehören zu den wichtigsten Bausteinen moderner Green‑IT‑Architekturen, weil sie deutlich mehr Rechenleistung pro Watt liefern als klassische Server‑CPUs.
Analystenmeinung: UBS: Buy, Jefferies: Buy
Relevanz: AMD profitiert vom Trend zu „Green Compute“ in Hyperscale‑Rechenzentren.
Die Aktie hat zwar in der ersten Juliwoche wie viele andere Techaktien auch nachgegeben, aber im Gegensatz zu anderen in den vergangenen vier Wochen um insgesamt rund zehn Prozent zugelegt. Die Aktie hat in einem Jahr 320 Prozent an Wert gewonnen.
Software‑optimierte Speicherlösungen für erneuerbare Energie und Rechenzentren.
Analysten: JP Morgan: Overweight, HSBC: Buy
Relevanz: Fluence ist einer der wichtigsten US‑Player für digitale Netzeffizienz.
Das letzte Monat glich mit Minus 27 Prozent Kursverlust aber einem Blutbad. Es zeigt wie risikobehaftet solche Investments auch sein können. Der Einbruch ist auf Margendruck, Projektverzögerungen und die hohe Volatilität im Clean‑Tech‑Sektor zurückzuführen. Analysten bleiben langfristig positiv, stufen die Aktie aber als klar risikobehaftet ein.
Klimawandel: Top ETFs, um von den Highflyern der Branche zu profitieren
Da Einzelaktien im grünen Sektor oft stark schwanken, nutzen viele Anleger kostengünstige ETFs. Diese investieren regelbasiert nach den Kriterien des Pariser Klimaabkommens:
- iShares MSCI EMU Paris-Aligned Climate UCITS ETF (ISIN: IE00BL6K8D99): Konzentriert sich auf europäische Unternehmen mit strikten Klimazielen. Schneider Electric, Infineon und Siemens unter den Top-Positionen. Ebenfalls mit hohen Kurszuwächsen seit März.
Fazit: Die besten Klimawandel‑Aktien sind Effizienz-Spezialisten
Die Energiewende wird oft über Windräder und Solarpanels erzählt. Doch die Daten zeigen klar: Die besten Klimawandel‑Aktien entstehen dort, wo Energie eingespart, Gebäude modernisiert und digitale Infrastruktur effizienter wird.
Energieeffizienz und Green‑IT sind die strukturellen Gewinner – mit:
- stabilen Geschäftsmodellen
- klaren politischen Rahmenbedingungen
- starken Wachstumszahlen
- hoher Relevanz für globale Dekarbonisierung
Für Anleger ist das die Chance, früh in jene Bereiche zu investieren, die den Klimawandel nicht nur bekämpfen, sondern langfristig profitabel gestalten.
proi
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Tochtergesellschaften: Warum sie für Unternehmen unverzichtbar sind
Zusammenfassung
- Tochtergesellschaften sichern Wachstum, Innovation und internationale Expansion.
- Österreichische Unternehmen hatten 2023 8.015 Auslandstöchter – deutlich mehr als 2020.
- Beispiele von OMV, Mayr‑Melnhof, Wienerberger und VIG zeigen, wie Töchter neue Märkte öffnen und Geschäftsmodelle transformieren.
- Großprojekte wie Neptun Deep können Produktion und Gewinne massiv steigern.
- Tochtergesellschaften stärken Marktführerschaft, Diversifikation und regionale Präsenz.
Warum Tochtergesellschaften für Unternehmen unverzichtbar sind
Tochtergesellschaften sind für die Zukunftsfähigkeit von Konzernen essenziell. Sie sichern Wachstum, eröffnen neue Geschäftsfelder und ermöglichen die regionale Expansion. Österreichische Unternehmen verfügten laut Statistik Austria zum Jahresende 2023 über 8.015 Auslandstöchter – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 6.731 Einheiten im Jahr 2020.
Die Voestalpine hält rund 500 Konzerngesellschaften, Wienerberger rund 170, die OMV 123 konsolidierte Unternehmen, davon 88 im Ausland. Voraussetzung für den Status einer Tochtergesellschaft ist der beherrschende Einfluss des Mutterunternehmens, meist durch eine Eigentumsmehrheit.
Voraussetzung um eine Tochtergesellschaft zu gründen
Voraussetzung für ein Unternehmen, um den Status einer Tochter zu erhalten ist, dass ein Mutterunternehmen beherrschenden Einfluss auf das Tochterunternehmen ausüben kann, was meist mit einer Eigentumsmehrheit verbunden ist.
Neue Wege durch Tochtergesellschaften
Neben anderen Gründen sorgen Töchter einerseits dafür, dass sie neue zukunftsträchtige Geschäftszweige für das Unternehmen eröffnen, und andererseits dafür, das traditionelle Geschäftsmodell auf andere Regionen auszuweiten.
OMV: Wie durch Töchter Geschäftsmodelle massiv erweitern werden sollen
- Dies zeigt das Beispiel der OMV: Durch die Energiewende verlieren Treibstoffe an Bedeutung, daher stockte der Konzern seine Anteile am Chemiekonzern Borealis auf 75 % auf. Die Tochtergesellschaft ist Symbol für die Neuorientierung des Konzerns.
- Seit 2004 besitzt der Ölkonzern mit 51 % die Mehrheit am rumänischen Öl- und Gasversorger Petrom, mittlerweile OMV Petrom, dem größten Energieunternehmen Südosteuropas.
Größte Erdgasprojekt der EU mit OMV-Tochter – Potential: 100 Milliarden Kubik
Die rumänische OMV-Tochter, sie ist eine 50-zu-50-Partnerschaft mit dem staatlichen Erdölunternehmen Romgaz. Sie wollen bis zu 4-Milliarden-Euro in das gigantische Gasexplorationsprojekt im Schwarzen Meer investieren wird. Das Projekt liegt im rumänischen Teil des Schwarzen Meeres und gilt als zentral für die Energieversorgung Südosteuropas.
Das Projekt gilt als transformativ. Neptun Deep ist das größte Erdgasprojekt der EU und das erste rumänische Tiefsee‑Offshore‑Gasfeld. Es wird von OMV Petrom und Romgaz entwickelt und soll ab 2027 Gas liefern.
Das Potenzial des Gasfeldes schätzt OMV Petrom auf insgesamt 100 Mrd Kubikmeter. Wenn das Gas fließt, soll es die Position der OMV-Gruppe in der Schwarzmeer-Region und in Südosteuropa massiv stärken. Einschätzungen von Analysten zufolge könnte die Gasförderung im Vollbetrieb, der ab 2028 erwartet wird, um rund drei Viertel steigen. Gleichzeitig wird mit einem Gewinnanstieg von etwa 40 % gerechnet, sobald die Produktion vollständig läuft.
Insgesamt hat die OMV 2025 ihre Konzernstruktur weiter ausgebaut und mehrere neue Gesellschaften konsolidiert. Die Zahl der Tochter- und Beteiligungsunternehmen liegt deutlich über den früheren 123 Einheiten.
Mayr-Melnhof: Globale Expansion durch Zukäufe
Die Mayr‑Melnhof‑Gruppe (MM) weist laut Konzernbericht 2025 insgesamt 69 konsolidierte Unternehmen aus, davon 42 Gesellschaften mit Sitz in der Eurozone. Im vergangenen Jahr übernahm MM den britischen Verpackungsspezialisten Essentra Packaging, einschließlich seiner Produktionsstandorte in Europa, den USA und Puerto Rico, zu einem Kaufpreis von rund 312 Millionen Euro.
Ziel der Tochter: Neue Wachstumspfade
Mit dieser Tochtergesellschaft verfolgt MM das Ziel, neue Wachstumspfade zu erschließen, sich als globaler Anbieter im Bereich Pharma‑Sekundärverpackungen zu etablieren und gleichzeitig die Marktposition in den USA weiter zu stärken.
Marktführerschaft durch starke Tochtergesellschaften
Wienerberger stärkt mit integrierter US-Tochter seine US-Marktposition
Mit der Integration der US‑Tochter Meridian Brick stärkte Ziegelproduzent Wienerberger seine Marktposition erheblich und zählt heute zu den führenden Anbietern von Fassadenlösungen in Nordamerika.
Vienna Insurance Group: Breite Präsenz in CEE und Österreich
Die Vienna Insurance Group (VIG) hat Versicherungsgesellschaften in 30 Staaten – hauptsächlich in den CEE‑Ländern und Osteuropa. Mit ihren Gesellschaften belegt die VIG nach Marktanteilen in Nordmazedonien, der Slowakei, Bulgarien, im Baltikum und in Ungarn den ersten Platz. In Ungarn konnte die Marktführerschaft durch den Kauf des Geschäfts der niederländischen Aegon in Ungarn fixiert werden. Mit ihren Österreich‑Tochtergesellschaften Wiener Städtische und Donau‑Versicherung ist die VIG mit mehr als 21 % Marktanteil vor der Uniqa Marktführer in Österreich. Die (VIG) hat zudem mit der Nürnberger Beteiligungs-AG (NÜRNBERGER) eine Zusammenschlussvereinbarung unterzeichnet, die eine Übernahme der Nürnberger umfasst.
Ziel der VIG bis 2028: Ausbau der Marktführerschaft in CEE und ein starkes profitables Wachstum.
Autor: Christian Sec
Nominale Besteuerung als unterschätzter Renditefaktor
Florian Beckermann (26.06.2026). Die meisten modernen Steuersysteme besteuern vielfach nominale Einkünfte. Das bedeutet, dass die Steuer auf den Geldbetrag erhoben wird, der zufließt, unabhängig davon, ob dieser Zuwachs auf eine reale Wertsteigerung oder lediglich auf die Geldentwertung durch Inflation zurückzuführen ist. Eine Besteuerung von Einkünften nach Abzug der Inflation würde hingegen nur den realen Einkommenszuwachs erfassen. Besonders bei Kapitaleinkünften hätte ein solcher Ansatz weitreichende ökonomische Folgen.
Kurzfassung
- Nominale Besteuerung führt dazu, dass Anleger trotz Gewinn real verlieren.
- Inflation entwertet Erträge, bevor die KESt zusätzlichabgezogen wird.
- Beispiel: 2,25 % Zinsen bei 3,7 % Inflation → real –1,45 %.
- KESt auf den nominalen Ertrag verschärft den Verlust auf –2,07 %.
- Eine inflationsbereinigte Besteuerung würde reale Gewinne und Fairness stärken.
Ein Kommentar von Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger (26.06.2026).
Wie Inflation und KESt reale Verluste erzeugen
Die meisten modernen Steuersysteme besteuern vielfach nominale Einkünfte. Das bedeutet, dass die Steuer auf den Geldbetrag erhoben wird, der zufließt, unabhängig davon, ob dieser Zuwachs auf eine reale Wertsteigerung oder lediglich auf die Geldentwertung durch Inflation zurückzuführen ist. Eine Besteuerung von Einkünften nach Abzug der Inflation würde hingegen nur den realen Einkommenszuwachs erfassen. Besonders bei Kapitaleinkünften hätte ein solcher Ansatz weitreichende ökonomische Folgen.
Beispiel: 2,25 % Zinsen bei 3,7 % Inflation
Die Schieflage ist klar ersichtlich: Erhält ein österreichischer Anleger beispielsweise eine Verzinsung in Höhe des aktuellen EZB-Einlagenzinses von 2,25 % auf dem Sparbuch bei einer Inflationsrate (VPI Mai 2026) von 3,7 %, erleidet er real einen Verlust. Zusätzlich wird der nominale Ertrag besteuert, d.h. zum Entwertungsverlust von 1,45 % kommt noch die KESt in Höhe von 0,619 % hinzu. In Summe sind das minus 2,07 % – ein satter Realverlust.
Warum Scheingewinne die Kapitalbildung bremsen
Eine inflationsbereinigte Besteuerung würde diese Verzerrung beseitigen. Kapitalerträge würden nur insoweit besteuert, als sie die Kaufkraft des Vermögens tatsächlich erhöhen. Dies würde die Neutralität des Steuersystems stärken und verhindern, dass Inflation die reale Steuerlast heimlich erhöht. Anleger könnten ihre Entscheidungen stärker an wirtschaftlichen Fundamentaldaten statt an steuerlichen Effekten ausrichten.
Langfristige Verzerrungen bei Aktien, Anleihen und Immobilien
Bei Aktien, Anleihen oder Immobilien kumulieren sich Inflationswirkungen über viele Jahre. Wird ein Vermögenswert nach Jahren mit Gewinn verkauft, besteht ein großer Teil des nominalen Wertzuwachses oft nur aus dem Inflationsausgleich. Die Besteuerung dieses Scheingewinns mindert die reale Rendite und reduziert die Anreize zur Kapitalbildung. Eine Besteuerung realer Gewinne könnte daher die Sparquote erhöhen und Investitionen fördern.
Fairness: Besteuerung nach realer Leistungsfähigkeit
Auch aus Gründen der Steuergerechtigkeit erscheint das plausibel. Das Leistungsfähigkeitsprinzip verlangt, dass Steuern an der tatsächlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit anknüpfen. Wer lediglich seine Kaufkraft erhält, erzielt keinen echten Vermögenszuwachs. Die Besteuerung inflationsbedingter Scheingewinne widerspricht daher dem Leitgedanken einer Besteuerung nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. Natürlich ist die Ermittlung inflationsbereinigter Einkünfte administrativ nicht leicht, aber lösbar. Zudem würden die Steuereinnahmen des Staates insbesondere in Phasen hoher Inflation sinken. Das muss kein schlechter Gegeneffekt sein.
Ökonomische Effekte einer inflationsbereinigten Steuer
Insgesamt spricht viel dafür, insbesondere Kapitaleinkünfte nach Abzug der Inflation zu besteuern. Eine solche Regelung würde die Besteuerung stärker an realen wirtschaftlichen Gewinnen ausrichten, die Kapitalbildung fördern und die steuerliche Fairness erhöhen. Langfristig könnte eine inflationsbereinigte Besteuerung zu einem effizienteren und gerechteren Steuersystem beitragen.
KI‑Aktien: Die neuen Gewinner der Wertschöpfungskette
Kurzversion
- Künstliche Intelligenz Aktien verschieben sich von Halbleitern zu Speicherchips und Hardware.
- Seagate und Western Digital gelten als „Werkzeughersteller“ des KI‑Booms.
- Tech‑Konzerne investieren bis 2027 rund 790 Mrd. USD in KI‑Infrastruktur.
- Wer KI Aktien kaufen will, sollte die gesamte Wertschöpfungskette analysieren.
- IPOs wie die OpenAI Aktie könnten neue Chancen bei Aktien künstliche Intelligenz eröffnen.
Künstliche-Intelligenz-Aktien: Neue Gewinner der KI‑Wertschöpfungskette
(26.06.2026) Auch wenn es in den letzten Wochen und Monaten zwischenzeitlich immer wieder danach aussah, findet der KI-Hype an der Börse weiter kein Ende. Im Gegenteil: Nachdem in der ersten Phase des Booms der Fokus der Anleger auf Themen wie KI-Modelle und Halbleiter gerichtet war – und damit auf Unternehmen wie Nvidia, Broadcom oder Micron Technology – liegt er nun auf den Herstellern von Speicherchips oder den Anbietern von Massenspeichersystemen.
Festplattenhersteller werden relevanter
Bernhard Ruttenstorfer, Fondsmanager des Espa Stock Techno, bezeichnet Unternehmen wie die Anbieter von Massenspeicherlösungen wie Seagate und Western Digital als die „Werkzeughersteller des KI-Booms“. „Auch ihr Geschäft wächst aufgrund der breiten Nachfrage und hohen Investitionen extrem“, sagt er im Gespräch mit dem Börsen-Kurier und verweist auf die bereits jetzt bis Ende 2027 vollen Orderbücher der Anbieter. Aktuell würden die Rechenzentren den Markt leerkaufen. „Egal, ob Halbleiter oder Hardware, einfach nichts bleibt über.“
„Werkzeughersteller“ des KI‑Booms: Seagate und Western Digital
Neben den rasant steigenden Nutzerzahlen wird der Boom auch von den immer größeren Summen, die US-Tech-Konzerne wie Google, Microsoft, Amazon oder Oracle in KI bzw. KI-Infrastruktur investieren, befeuert.
Volle Orderbücher und extreme Nachfrage der Rechenzentren
Für heuer wird ein Investitionsvolumen von 670 Milliarden US-Dollar erwartet, bis 2027 soll es auf 790 Milliarden US-Dollar steigen. Kann da überhaupt was schiefgehen?
KI Aktien kaufen: Neue Anwendungen für zusätzliche Erlöse entscheidend
Für Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, ist die entscheidende Frage, ob Cloud-Dienste, Unternehmenssoftware, KI-Abonnements und neue Anwendungen genug zusätzliche Erlöse bringen können, um die hohen Investitionen zu rechtfertigen. „Verläuft die Monetarisierung langsamer, könnten Unternehmen ihre Investitionen kürzen, was Folgen für die gesamte KI-Wertschöpfungskette hätte“, meint der Experte in einer aktuellen Analyse.
Cloud- und KI-Umsatzwachstum bei Google, Amazon und Microsoft beschleunigt sich
Auch Ruttenstorfer betont, wie wichtig es ist, dass die Kunden der „Werkzeughersteller“ von ihren Investitionen wirklich profitieren. „Während das vor einem Jahr noch nicht so klar war, sehen wir jetzt, dass sich das Umsatzwachstum im Cloud- und KI-Bereich mehr und mehr beschleunigt“, hält er fest. Als Beispiel nennt er Google. Der Tech-Konzern hat für das erste Quartal 2026 ein Umsatzplus von mehr als 60 % erzielt. „Vor einiger Zeit lag das noch bei 30 bis 40 %.“ Eine ähnliche Entwicklung sei auch bei Amazon und Microsoft auszumachen.
Gewinner des neuen KI-Booms: Wo Nachfrage und Preissetzungsmacht am höchsten
Wie können Anleger künftige Gewinner ausfindig machen? Ruttenstorfer versucht sehr genau zu analysieren, in welchen Bereichen der KI-Wertschöpfungskette die Nachfrage am größten ist bzw. welche Märkte unterversorgt sind. „Dort haben die Anbieter die Möglichkeit, nicht nur das Volumen zu steigern, sondern auch die Preise zu erhöhen“, erklärt er. Galler empfiehlt Anlegern, sich auch mit der breiteren Wertschöpfungskette, und damit Themen wie Energieerzeugung, Kühlung, elektrische Komponenten sowie Bau- und Ingenieurleistungen, zu beschäftigen.
Klar scheint jedenfalls, dass die rasanten Wachstumsraten nicht bis in alle Ewigkeit zu sehen sein werden. Ruttenstorfer bleibt vom Thema KI an der Börse trotzdem überzeugt. „Heute kann praktisch jeder selbst erleben, wie sinnvoll KI im beruflichen und privaten Alltag genutzt werden kann“, meint der Tech-Fondsmanager.
OpenAI Aktie und Anthropic: Neue Kapitel für KI Aktien
Mit Spannung erwartet er nun die IPOs von Anthropic und OpenAI, die im dritten Quartal über die Bühne gehen sollen. Beide KI-Konzerne schreiben noch keine Gewinne, könnten aber mit rund 1 Billionen US-Dollar bewertet werden. Ein Ende des KI-Hypes ist also weiterhin nicht in Sicht.
Fazit
Für Anleger gilt: Wer KI Aktien kaufen will, sollte neben der Bewertung vor allem die tatsächliche Monetarisierung von KI‑Anwendungen, Abomodellen und Unternehmenslösungen im Blick behalten.
Autor: Mag. Patrick Baldia
Foto: AdobeStock / Dola
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(26.06.2026) Dass im Halbleitersektor oder rund um das Wachstum Künstlicher Intelligenz traditionelle Bewertungsmuster von Aktien nicht mehr herangezogen werden, ist eine akzeptierte Erkenntnis. Ähnliche Kurshöhenflüge griffen unterdessen aber auch auf den Gesundheitsbereich über.
Digitale Pathologie und KI-Onkologie entfachen Anlegerphantasien
Der Glaube an bahnbrechende Anwendungen neuer Krebstherapien entfachen unter Anlegern enorme Fantasien. Zugleich gedeihen Visionen, es eröffne sich für Unternehmen ein disruptiver Effekt auf bisherige Krebsbehandlungsmuster. Laut dem Fachmagazin Springer Nature gilt die Entwicklung der digitalen Pathologie und der Einsatz Künstlicher Intelligenz vor allem für die Präzisionsonkologie als Hoffnungsträger und Treiber.
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Revolution Medicines – RAS‑Forschung als Kurstreiber
Eine neue Ära, zielgerichteter Therapieansätze für weit verbreitete Krebsarten (bis zu 30 % aller Diagnosen) zu entwickeln, strebt dabei Revolution Medicines an. Auf der Homepage der Gesellschaft heißt es selbstbewusst: „Wir sind Revolutionäre.“ Ziel der kalifornischen Gesellschaft ist nicht geringer, als die Fähigkeit, das monomere G-Protein RAS, das Mutationen in vielen Tumoren antreibt, zu steuern und somit Behandlungsparadigmen zu revolutionieren.
Die Notiz der Aktie des Unternehmens katapultierte sich innerhalb eines Jahres von umgerechnet 30 auf zuletzt 142 Euro (der Titel wird auch an der Börse Stuttgart gehandelt). Allerdings überschritt Revolution Medicines Marktkapitalisierung bereits die Schwelle von mehr als 30 Milliarden Euro. Zwar kann die Gesellschaft auf eine Eigenkapitalquote von 68 % verweisen (dieser Faktor ist für das Durchhaltevermögen während der Forschungsphase bedeutsam), angesichts der zurzeit noch fehlenden Umsätze erscheint die Bewertung allerdings äußerst ambitioniert.
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Auf dem Pfad der RAS-Krebsforschung vollziehen sich folglich auch bei Mitbewerbern der Präzisionsonkologie heftige, teils erratische Kursbewegungen.
Erasca – Clinical Stage und hohe Volatilität
Erasca aus San Diego generiert ebenso noch keine Erlöse und kann auf eine Eigenkapitalquote von 80 % verweisen. Das Unternehmen befindet sich mit seinen Anwendungen in der „Clinical Stage“-Phase. Dies bedeutet, die Laborversuche sind abgeschlossen, die neu entwickelten Therapien werden bereits in klinischen Studien an Patienten getestet. Zweistellige Ausschläge der Notizen sind eher Normalität als Ausnahme. Mit einer Kapitalisierung von 3,71 Milliarden Euro fallen die Vorschusslorbeeren geringer aus.
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Dies gilt ebenso für Titel der Relay Therapeutics (aktuell mit 3,02 Milliarden Euro bewertet). Das Papier steuert derzeit auf ein neues Hoch bei 17 US-Dollar (14,60 Euro) zu. Relay zielt auf einen Wandel in der Pharmakologie, in der Proteine nicht als starre Struktur betrachtet werden. Künstliche Intelligenz und Biophysik sollen vielmehr die dynamischen Bewegungen von Proteinen in Echtzeit verstehen.
Fazit
Börsennotierte Unternehmen, die sich der Krebsforschung widmen sind ein hochdynamisches Segment, geprägt von wissenschaftlichen Durchbrüchen, ambitionierten Bewertungen und enormer Anlegerfantasie. Die Kombination aus RAS‑Forschung, digitaler Pathologie und KI‑gestützten Therapieansätzen sorgt für starke Kursbewegungen, doch der Weg zu marktreifen Produkten ist lang. Für Anleger bedeutet das: Chancen ja, aber mit deutlichem Risiko.
Autor: Roman Steinbauer
| Im Artikel angeführte Aktien |
| Name |
ISIN |
| Revolution Medicines |
US76155X1000 |
| Erasca |
US29479A1088 |
| Relay Therapeutics |
US75943R1023 |
Longevity: Warum gesundes Altern zum Investmentthema wird
Ein Gastkommentar von Marcel Fritsch von der Schweizer Bellevue Asset Management.
(26.06.) Unsere Lebenserwartung steigt kontinuierlich. Doch die Zahl gesunder Lebensjahre wächst deutlich langsamer. Aber wie lassen sich diese zusätzlichen Lebensjahre gesund, aktiv und unabhängig gestalten? Die Lösung dieses Dilemmas zählt zu den wichtigsten Wachstumstreibern im globalen Gesundheitswesen und eröffnet attraktive Investmentchancen.
Die Gesundheitsspanne ist die zentrale ökonomische Variable der Langlebigkeit. Zwischen 2000 und 2019 stieg die globale Lebenserwartung um 6,5 Jahre, die gesunde Lebenserwartung jedoch nur um 5,4 Jahre – die Differenz beträgt heute durchschnittlich 9,6 Jahren und wächst weiter. Diese zusätzlichen Jahre sind häufig von chronischen Erkrankungen geprägt – und verursachen einen großen Teil der Gesundheitskosten. Verantwortlich sind insbesondere Erkrankungen wie kardiometabolische Krankheiten (z. B. Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen), Neurodegeneration (z. B. Alzheimer oder Parkinson) und altersbedingter Funktionsverlust (z. B. Muskelabbau oder Mobilitätseinschränkungen).
Die ökonomische Logik ist klar: Wert entsteht dort, wo diese Lücke reduziert wird – nicht dort, wo Lebenszeit isoliert verlängert wird. Hier manifestiert sich Langlebigkeit als Investmentthema: neue Wege in der Prävention und Früherkennung sowie Lösungen, die Krankheitsverläufe verlangsamen, Hospitalisierungen reduzieren und Selbstständigkeit erhalten.
Die Wertschöpfung entlang der Langlebigkeit folgt klar identifizierbaren Mechanismen – und lässt sich heute bereits auf konkrete Geschäftsmodelle herunterbrechen. Entscheidend ist dabei nicht die technologische Innovation an sich, sondern ihre Fähigkeit, klinische Ergebnisse messbar zu verbessern und gleichzeitig die Kostenstruktur des Gesundheitssystems nachhaltig zu verändern.
1. Prävention und Früherkennung durch digitales Gesundheitsmonitoring
Digitale Monitoring-Lösungen verschieben Diagnose und Intervention deutlich nach vorne, indem sie kontinuierlich physiologische Daten erfassen und frühe Risikosignale sichtbar machen – von Wearables wie Oura oder Apple bis hin zu klinisch validierten Systemen wie CGM von Abbott und Dexcom oder kardiologischen Patches von iRhythm. Der Wert entsteht durch die Vermeidung akuter Ereignisse, die Verzögerung chronischer Krankheitsverläufe und die Reduktion kostenintensiver Eskalationen. Gleichzeitig bauen integrierte Datenökosysteme strukturelle Wettbewerbsvorteile auf.
2. Minimalinvasive Interventionen für eine höhere Lebensqualität
Minimalinvasive und robotergestützte Verfahren verlagern den Fokus von reiner Reparatur hin zum Erhalt von Mobilität und Autonomie, indem sie Eingriffe präziser, schonender und früher im Krankheitsverlauf ermöglichen – etwa durch Systeme von Stryker oder Intuitive Surgical. Der ökonomische Nutzen liegt in kürzeren Erholungszeiten, geringeren Komplikationsraten, weniger Folgeeingriffen sowie einer zunehmenden Verlagerung in den ambulanten Bereich.
3. Zielgerichtete Behandlung altersbedingter Erkrankungen
Fortschritte in der Pharmakotherapie adressieren zunehmend krankheitsübergreifende biologische Mechanismen statt isolierter Indikationen – insbesondere entlang der kardiometabolischen Achse (Novo Nordisk, Eli Lilly, Amgen) sowie in der Neurodegeneration (Biogen, Eisai, Eli Lilly) und der Onkologie (Merck & Co., AstraZeneca).
Der Nutzen für Anleger
Für Investoren liegt die Attraktivität des Longevity-Trends in seiner langfristigen Planbarkeit. Gefragt sind Unternehmen, die dazu beitragen, Menschen länger gesund und selbstständig zu halten und gleichzeitig die steigenden Kosten alternder Gesellschaften zu begrenzen. Dort, wo medizinischer Fortschritt auf einen klaren gesellschaftlichen und ökonomischen Bedarf trifft, entstehen nachhaltige Wachstumschancen.
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Gieriger Irrsinn á la Dot-Com-Bubble
Florian Beckermann (19.06.2026). Die Gier an der Börse gehört dazu wie die Angst. Die Gier flüstert dem Anleger ins Ohr: „Warum bist Du nicht dabei? Warum nur zehn Prozent Profit? Warum nicht hundert?“
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Wir erinnern uns an die Gier der Dot-Com-Bubble Ende der 1990er-Jahre. Damals entdeckte die Welt das Internet und war zu Recht begeistert. Aus Begeisterung wurde Euphorie. Aus Euphorie entstand ein kollektiver Realitätsverlust. Unternehmen mussten oft nur ein „.com“ im Namen tragen, um Investoren anzulocken. Plötzlich schossen die Bewertungen von Internetfirmen in astronomische Höhen. Manche Unternehmen hatten weder Gewinne noch ein gescheites Büro, aber sie verfügten über etwas Wichtiges: eine aufregende Business-Story. Anleger kauften Aktien in der Hoffnung, sie später noch teurer an jemanden weiterzuverkaufen. Die fundamentale Frage, ob ein Unternehmen jemals profitabel werden könnte, wurde als störender Pessimismus, ja Technologiefeindlichkeit betrachtet. Der Glaube an die Story überwog. Wie bei jeder Spekulationsblase stieg die Stimmung mit den steigenden Aktienkursen. Wer warnte, wurde belächelt. Zögernde wurden behandelt, als hätten sie das Internet durch Brieftauben ersetzen wollen. Doch irgendwann setzte die Realität ihren Fuß in die Tür. Rechnungen wollten in Cash bezahlt werden. Ups … Erwartungen zerplatzten, die Kurse stürzten ab. Milliarden verdampften. Wirtschaftsgeschichte hieß es dann. Kleinanleger zahlten die Zeche – wie immer.
Die Dot-Com-Bubble zeigt bis heute, dass technologische Revolutionen und finanzielle Vernunft zwei unterschiedliche Dinge sind. Der gierige Anleger verliert die Fähigkeit, zwischen Vision und Illusion zu unterscheiden.
Die Parallelen zwischen der aktuellen KI-Welle, den möglichen Börsengängen von OpenAI, Anthropic oder SpaceX und den damaligen Verhältnissen der Dot-Com-Bubble zu erraten, ist jedem selbst überlassen. Selbst die KI würde SpaceX-Aktien nur unter Einschränkungen kaufen. Gier, in all den oben beschriebenen Facetten, war und ist jedenfalls ein schlechter Anlageberater. Wer langfristig erfolgreich investieren will, muss auf Analyse, Geduld, Diversifikation und Disziplin setzen. Das gescheite Abwägen zwischen Risiko und Chance und nicht die Überbewertung der Story ist die Lehre aus der Dot-Com-Bubble. Vielleicht sollte man bei dem aktuellen Hype an diesen Irrsinn zurückdenken.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Wiener Aktien mit Potenzial 2026: Drei ATX‑Prime‑Nachzügler mit Aufholchance
19.06.2026
Kurzzusammenfassung
- Drei ATX‑Prime‑Nachzügler 2026 zeigen trotz schwachem Jahresstart Aufholpotenzial
- Wienerberger: Belastungsfaktoren kurzfristig, Fundamentaldaten und Bewertung langfristig attraktiv
- EuroTeleSites: Stabiler Cashflow, neue Standorte, mögliche Neubewertung
- Palfinger: Analysten sehen starke Wachstumsperspektiven
Der ATX Prime lag zu Beginn der Woche auf Jahressicht 43 % und seit Jahresbeginn 19 % im Plus. Elf Titel notieren auf Sicht von zwölf Monaten dennoch im Minus. Nicht alle haben Aufholpotenzial. Drei Werte verdienen daher einen genaueren Blick.
ATX-Aktienempfehlungen:
Wienerberger: Bewertungsdruck trotz starker Fundamentaldaten
Aktuelle Belastungsfaktoren
Schlusslicht im ATX mit rund minus 20 Prozent seit Jahresbeginn ist die Aktie von Wienerberger. Noch 2025 konnte das Unternehmen bei leichtem Umsatzanstieg den Gewinn nach Steuern auf 168 Millionen Euro verdoppeln und den freien Cashflow von 417 auf 474 Millionen Euro steigern. Auf die vereinbarte Übernahme der Italcer-Gruppe, eines Herstellers keramischer Lösungen, folgte wenige Monate später die geplante Übernahme der Univerzum Group, des führenden Herstellers von Hintermauerziegeln in Serbien.
Doch bereits mit der Veröffentlichung der Zahlen zum ersten Quartal zeigte sich zunehmende Unsicherheit, auch im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten und möglichen Lieferkettenverwerfungen. Zwar sind die gestiegenen Energiekosten laut Medienberichten zu über 80 % abgesichert, doch der Konzern spürt höhere Kunststoffpreise. Steigende Material-, Transport- und Lohnkosten belasten. Bei 7 % Umsatzrückgang drehte im ersten Quartal das Ebit von +40 auf -2 Millionen Euro ins Minus.
Bewertung & KGV‑Einordnung bis 2028
Allerdings stimmt der westeuropäische Markt zuversichtlich, und es besteht noch die Möglichkeit von Preiserhöhungen, weshalb das Management im Mai noch an seinem operativen Ebitda-Ziel von 810 Millionen Euro (2025: 754 Millionen Euro) festhielt.
Laut MarketScreener rechnen Analysten in den kommenden Jahren mit deutlichen Ertragssteigerungen, weshalb die Aktie bei einem Kurs von 23,3 Euro mit einem für 2028 geschätzten KGV von 7,8 besonders günstig erscheint.
EuroTeleSites: Infrastrukturwert mit Neubewertungsfantasie
Cashflows und Geschäftsmodell
Die Aktie der an der Wiener Börse notierenden EuroTeleSites, dem führenden Anbieters von Telekommunikationsinfrastruktur und -lösungen in der CEE-Region, liegt auf Jahressicht rund 9 % im Minus. Das Unternehmen profitiert von regelmäßigen Cashflows aus technischer Infrastruktur und konnte 2025 den Umsatz um 3,7 % auf 280 Millionen Euro steigern, während das Jahresergebnis von knapp 30 auf mehr als 33 Millionen Euro stieg.
Wachstum durch neue Standorte
Im ersten Quartal 2026 erweiterte das Unternehmen sein Portfolio durch die Inbetriebnahme von 42 neuen Standorten auf insgesamt 13.837. Dies und Indexierungseffekte ließen im ersten Quartal bei einem Umsatzwachstum von 7,1 % auf 72,5 Millionen Euro das Ebitda um 7,9 % auf 64,3 Millionen Euro steigen. Die Eigenkapitalquote hat sich binnen zwölf Monaten (bis 31. März) von 17,1 auf 19,9 % verbessert. Mit einem weiteren Schuldenabbau sollte eine positive Bewertungsanpassung einhergehen.
Bewertungsszenarien laut Analysten
Abgeleitet aus den Analystenprognosedaten von Finanzen.at läge bei einem Kurs von 4,7 Euro das für 2028 erwartete KGV bei 14,8, wobei Neubewertungen von Sachanlagen nicht berücksichtigt wurden.
Palfinger: Wachstumswert mit Analysten‑Rückenwind
Marktumfeld und Nachfrage
Die Analysten attestieren dem Kranhersteller Palfinger starke Wachstumsperspektiven. Vier Kaufempfehlungen stehen einer Outperform-Einstufung gegenüber. Von 2026 bis 2028 sollte laut MarketScreener-Konsens der Gewinn je Aktie von 2,95 auf 4,24 Euro wachsen, woraus bei einem Kurs von 34,6 Euro ein für 2028 geschätztes KGV von 8,1 resultieren würde.
Analystenstimmen und Ratings
Im ersten Quartal 2026 schloss Palfinger mit dem US-Unternehmen ICON eine Partnerschaft im Bereich des robotergestützten 3D-Drucks für die Bauindustrie. Im Marine-Bereich setzte sich mit Großprojekten im Offshore-Windbereich die positive Entwicklung fort. Bei 1,6 % Umsatzwachstum konnte im ersten Quartal das Konzernergebnis um 11,8 % gesteigert werden. Nach der aktuellen Seitwärtsbewegung könnte der Aktienkurs wieder nach oben ausbrechen.
Autor: Michael Kordovsky
Foto: AdobeStock / Filipefrazao
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Börse Japan: Attraktive Exportaktien
Yen-Schwäche, Exportkraft und Gewinnrekorde treiben den Markt.
Kurz-Fassung
- Der schwache Yen bleibt ein Risiko für Euro-Anleger, aber ein Gewinnhebel für Exportkonzerne an der Börse Japan.
- Die Exportdynamik und starke Industrieunternehmen treiben die Japan-Story 2026.
- 5 Aktien im Nikkei, dem Leitindex der Börse Japan, die als Exporteure besonders profitieren und 3 ETF-Tipps.
1. Yen-Schwäche und Börsenrally: Die doppelte Japan-Story
(19.06.2026)
- Der japanische Yen hat bis zum 16. Juni auf Fünfjahressicht gegenüber dem Euro um 28,7 % abgewertet.
- Im gleichen Zeitraum ist der Nikkei 225 um 137 % auf 69.405 Punkte gestiegen.
- Damit zeigt sich die doppelte Japan-Story: Für Euro-Anleger bleibt die Währung ein Risiko, für viele global tätige japanische Unternehmen ist sie ein Ertragshebel. Ein schwacher Yen verbessert die Wettbewerbsfähigkeit im Ausland und erhöht den in Yen umgerechneten Wert internationaler Umsätze. Exportnahe Industrie-, Technologie- und Maschinenbaukonzerne konnten so mehr vom globalen Nachfrageboom in Gewinne umsetzen.
2. Exportentwicklung Japan im Überblick
Jahreszuwächse der Exporte
| Japans Exportzuwächse |
| 2021: |
+21,5 % |
| 2022: |
+18,2 % |
| 2023: |
+2,7 % |
| 2024: |
+6,2 % |
| 2025: |
+3,1 % |
Exporte und globale Nachfrage
Japan ist keine reine Exportmaschine. Exporte von Waren und Dienstleistungen machten 2024 laut Weltbank 22,8 % des BIP aus. Die Binnenwirtschaft bleibt wichtig, doch der Außenhandel wirkt als Stabilisator. Die Warenexporte erreichten im Kalenderjahr 2025 laut japanischem Finanzministerium 110.400 Milliarden Yen, das sind umgerechnet rund 596 Milliarden Euro, und stiegen um 3,1 %. Im April 2026 beschleunigte sich der Exportwert um 14,8 %. Nach Asien waren es +16,1 %, nach China +15,5 %, nach Taiwan +27,6 %, in die USA +9,5 % und nach Westeuropa +22,4 %. Strukturell dominieren Transportausrüstung, Maschinen, Elektromaschinen und Halbleiter.
3. Makroökonomische Lage Japans: Solide, aber nicht spektakulär
Makroökonomisch ist das Bild solide, aber unspektakulär. Von 2021 bis 2025 lag das reale BIP-Wachstum im Schnitt bei rund 1,3 %, mit einer Bandbreite von -0,2 % im Jahr 2024 bis +3,6 % im Jahr 2021. Für 2026 erwartet der IWF nur 0,7 % Wachstum, aber einen Leistungsbilanzüberschuss von 3,8 % des BIP nach 4,8 % im Jahr 2025. Die Inflationsprognosen liegen bei 2,2 % für 2026 und 2,3 % für 2027. Im April fiel die Kerninflation ohne frische Lebensmittel auf 1,4 % und lag unter dem 2-%-Ziel der Bank of Japan (BoJ). Eine Entwarnung ist das nicht: Die BoJ hob ihre Median-Prognose für diese Kernrate im Fiskaljahr 2026 von 1,9 auf 2,8 % an. Hauptgründe sind Ölpreise, Nahostrisiken und Importkosten. Der schwache Yen bleibt ein Segen für die Exporteure, aber eine Belastung für die Energieimporte und die Kaufkraft.
4. Was für japanische Exportaktien spricht
Börse Japan: Trotz aktueller Schwächephase japanischer Exportunternehmen
Zwar gab es laut Bloomberg und Nikkei Asia zuletzt merkliche Kursrückgang vieler großer japanischer Export- und Technologiewerte, was vor allem auf die deutliche Yen-Aufwertung seit April zurückzuführen, die die in Yen umgerechneten Auslandsgewinne belastet.
Analysten von Goldman Sachs, JP Morgan und Bloomberg Intelligence sehen japanische Exportwerte trotz der jüngsten Rücksetzer strukturell im Vorteil. Goldman Sachs verweist auf die anhaltenden Corporate‑Governance‑Reformen, die zu höheren Kapitalrenditen, mehr Rückkäufen und steigenden Dividenden führen (Goldman Sachs Japan Equity Outlook 2026).
Zusätzlich kam es laut MarketWatch und MarketScreener im Mai/Juni zu einer globalen Tech-Korrektur. Der Nikkei 225 stieg zwar dennoch weiter, weil er stark von Finanzwerten, Immobilien, Handel und inländischen Zyklikern getragen wurde – Sektoren, die von einem stärkeren Yen und höheren Zinsen profitieren. Damit erklärt sich die Divergenz: Der Index steigt, aber exportlastige Schwergewichte korrigieren.
Bloomberg Intelligence betont, dass Japan in globalen Zukunftsbereichen wie Halbleitern, Automatisierung, Energieinfrastruktur und Maschinenbau weiterhin Weltmarktführer ist und von strukturellem Nachfragewachstum profitiert). Laut JP Morgan stützt zudem Japans hoher Leistungsbilanzüberschuss die Investitionskraft der Unternehmen (Asia Equity Strategy 2026). Und laut Nikkei Asia erwarten viele Analysten, dass der Yen langfristig schwach bis moderat bleibt – ein Vorteil für Exporteure.
Toyota – globaler Qualitätswert
Toyota bleibt der größte Yen-Hebel unter den Industriewerten. In den Geschäftsjahren 2022/23 bis 2025/26 stieg der Umsatz um 10,8 % p.a. Der Nettogewinn erhöhte sich von umgerechnet 13,2 auf 20,7 Milliarden Euro. Allerdings zeigen die Gewinne volatile Schwankungen. Die Aktie ist jedoch in den vergangenen sechs Monaten 20 % verloren, ist aber ein globaler Qualitätswert mit hoher Exportrelevanz.
Mitsubishi Heavy Industries zeigt die stärkere Gewinnstory. 2025/26 legte der Umsatz um 14,1 % auf 26,8 Milliarden Euro zu und der Nettogewinn stieg um 35 % auf 1,8 Milliarden Euro. Auch der Cashflow war 2025/26 im Aufwind. Der Konzern profitiert von Energieanlagen, Gasturbinen, Verteidigung, Luftfahrt und Infrastruktur. Verlor aber in den letzten 3 Monaten an der Börse leicht.
Hitachi – Infrastruktur & Digitalisierung
Hitachi ist der breite Infrastruktur- und Digitalisierungswert. Im Geschäftsjahr 2025/26 stieg der Umsatz um 8,2 % auf rund 57 Milliarden Euro, das bereinigte Ebita um 21 % und der freie Cashflow um 121,6 % auf knapp 7,2 Milliarden Euro. Für den Zeitraum 2024/25 bis 2027/28 nennt Hitachi 7 bis 9 % jährliches Umsatzwachstum als Ziel sowie für das Geschäftsjahr 2027/28 eine Verbesserung der bereinigten Ebitda-Marge auf 13 bis 15 % (2025/26: 12,4 %). Ein besonderes Wachstum erwartet sich das Unternehmen im Bereich Energieinfrastruktur. Kursrückgang der vergangenen drei Monate: – 4,4%
Sony – globaler Entertainment- und Elektronikkonzern
Sony ist weniger ein klassischer Exporteur als globaler Entertainment-, Sensor- und Elektronikkonzern. Von 2015/16 bis 2024/25 stieg der um Sonderposten bereinigte Gewinn je Aktie um 25,2 % p.a. 2025/26 zeigten Umsatz und operatives Ergebnis Zuwächse von 3,7 % bzw. 13,4 %. Für 2026/27 erwartet Sony trotz leicht sinkender Erlöse ein Wachstum des Nettogewinns von 12,5 %. Kursrückgang in den vergangenen sechs Monaten : 20,8 %.
Tokyo Electron – Halbleiterausrüstung & KI-Boom: 120 % Kursgewinn in 6 Monaten, Kauftipp
Tokyo Electron ist wiederum ein Exportunternehmen aus der Halbleiterausrüstung. 2025/26 stieg bei stabilem Umsatz der Gewinn je Aktie um 6,1 %. Rückenwind liefern KI, Speicherchips, Rechenzentren und Halbleiterinvestitionen. Der Analystenkonsens von MarketScreener rechnet von 2024/25 bis 2027/28 mit einem Gewinnwachstum von 18,4 % p.a. 120 % Kursgewinn in 6 Monaten. Trotzdem stärkste Kaufempfehlung laut Bloomberg von diesen fünf Aktien.
Börse Japan Bewertung
Bewertungsseitig ist Japan nicht mehr billig, aber relativ attraktiv. Der MSCI Japan wies per 29. Mai ein KGV von 20,9, ein Forward-KGV von 17,5 und eine Dividendenrendite von mehr als 1,8 % auf. Der MSCI World lag beim KGV bei knapp über 24,7 und beim Forward-KGV bei 19,6.
Auf Jahressicht lag Japan mit 32,2 % vor dem MSCI World mit 28 %, auf zehn Jahre aber mit rund 10 % p.a. hinter dem Weltindex mit 13,65 % p.a. Fazit: Japan hat aufgeholt, ohne bereits überhitzt zu wirken.
Börse Japan: 3 verschiedene ETF-Zugänge für Anleger
Drei ETFs bieten unterschiedliche Zugänge. Der Amundi Prime Japan UCITS ETF DR ist mit 0,05 % Kosten die Preisbrecher-Lösung: physisch replizierend, ausschüttend und mit rund 300 Large- und Mid Caps breit gestreut. Top-Positionen sind Toyota, Mitsubishi UFJ, Hitachi, Sumitomo Mitsui und Sony.
Wer das Yen-Risiko reduzieren will, prüft den SPDR MSCI Japan EUR Hedged UCITS ETF. (Benchmark: MSCI Japan, Euro-Hedge, 0,17 % TER, thesaurierend und Streuung auf 168 Werte).
Etwas spezieller ist der WisdomTree Japan Equity UCITS ETF EUR Hedged Acc, der dividendenzahlende Unternehmen fundamental gewichtet und mittels ESG-Filter weiter selektiert.
Unser Fazit
Japan zündet, aber die besten Chancen liegen nicht im blinden Indexkauf, sondern in Qualitätsunternehmen, breiter Streuung und bewusst gesteuertem Währungsrisiko.
Autor: Michael Kordovsky
Foto: Getty Images für Unsplash+
| Im Artikel genannte Aktien und Fonds |
| Name |
ISIN |
| Toyota Motor |
JP3633400001 |
| Mitsubishi Heavy Industries |
JP3900000005 |
| Hitachi |
JP3788600009 |
| Sumitomo Mitsui |
JP3890350006 |
| Sony |
JP3435000009 |
| Tokyo Electron |
JP3571400005 |
| Amundi Prime Japan UCITS ETF DR |
LU1931974775 |
| SPDR MSCI Japan EUR Hedged UCITS ETF |
IE00BZ0G8C04 |
| WisdomTree Japan Equity UCITS ETF EUR |
IE00BYQCZJ13 |
We are Family
Der ATX Family: langfristig chancenreich, kurzfristig oft zyklisch
(19.06.) 19 % des weltweiten Wirtschaftsumsatzes werden von Familienunternehmen erwirtschaftet, wie eine aktuelle Studie des Wirtschaftsberaters Deloitte zeigt.
Outperformance
Familienunternehmen zeichnen sich vor allem durch Resilienz und Langlebigkeit aus. Zahlreiche Untersuchungen, etwa der UBS & PwC Global Family Business Report, weisen darauf hin, dass gründer- und familienkontrollierte Aktiengesellschaften den Gesamtmarkt über längere Zeiträume deutlich übertreffen. Dabei werden immer wieder ähnliche Gründe genannt, die besonders im Langfristvergleich für Familienunternehmen sprechen: Während angestellte Manager häufig bonusgetrieben von Quartal zu Quartal agieren, denken Familien in Generationen. Zudem zeigen Studien, dass Familienbetriebe im Durchschnitt eine höhere Gesamtkapitalrentabilität, höhere operative Margen und eine geringere Verschuldung aufweisen.
Resilienter
Untersuchungen des Handelsblatt Research Instituts und der DZ Bank kommen außerdem zu dem Ergebnis, dass Familienunternehmen deutlich höhere Eigenkapitalquoten besitzen. In Krisenzeiten schützt sie das vor existenziellen Schieflagen – weshalb sie sich nach wirtschaftlichen Einbrüchen nachweislich schneller erholen. Allerdings ist auch ein Familienunternehmen nie frei von seiner Geschichte. „Bei einem Familienunternehmen ist die Familienzugehörigkeit samt der damit oft verbundenen Historie ein eigener Faktor, was zu Entscheidungsmustern führen kann, die sich teilweise deutlich von internationalen Kapitalmarktusancen unterscheiden“, erklärt Wolfgang Matejka, Assetmanager der Wiener Privatbank, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.
Zyklische Werte
Die Börsen tragen den Besonderheiten von Familienunternehmen mit eigenen Indizes Rechnung. In Deutschland gibt es etwa den DAXplus Family Index. Beim österreichischen ATX Family Index werden Unternehmen berücksichtigt, deren Gründerfamilien sowie Vorstände oder Aufsichtsräte zwischen 25 und 75 % der Anteile halten und die im Prime Market gelistet sind.
Derzeit erfüllen 14 Unternehmen des Prime-Market-Segments der Wiener Börse diese Kriterien. Die Branchenstruktur ist stark konzentriert: Rund ein Viertel entfällt auf Anlagen- und Maschinenbau (Andritz, Palfinger), ein weiteres gutes Viertel auf das Bauwesen (Porr, Strabag) und rund 22 % auf Hardware und Ausrüstung (AT&S, Kapsch TrafficCom). Entsprechend besteht der ATX Family fast ausschließlich aus zyklischen Werten. Klassische defensive Sektoren wie Versorger oder Telekommunikation fehlen vollständig. Eine Sonderrolle nimmt das Cateringunternehmen Do & Co ein, das im Family Index enthalten ist und sich zwischen zyklischem und defensivem Geschäftsmodell bewegt.
Höhere Vola
Bei der Wertentwicklung der vergangenen fünf Jahre liegen der Leitindex ATX Prime und der ATX Family nahezu gleichauf – beide konnten ihren Wert in diesem Zeitraum beinahe verdoppeln. Allerdings mit unterschiedlichen Mustern: In der Rezession der vergangenen beiden Jahre entwickelte sich der ATX Family aufgrund seiner zyklischen Ausrichtung deutlich schwächer als der Leitindex. In den vergangenen Monaten konnte er diesen Rückstand durch eine Überperformance jedoch wieder aufholen. Die Auswahl an Finanzinstrumenten für ein Investment in den ATX Family bleibt überschaubar. Die RBI bietet derzeit übrigens ein Open-End-Indexzertifikat (ISIN: AT0000A203R6) an.
Autor: Christian Sec
Foto: AdobeStock / mirifadapt
Goldminen‑Aktien 2026: Ausblick nach Goldpreissturz
Das Wichtigste in Kürze – Goldminen‑Aktien 2026
- Goldpreis stark gefallen: Von über 5.500 USD auf rund 4.100 USD – technische Verkäufe, starker Dollar und Gewinnmitnahmen als Haupttreiber.
- Minen unter Druck: Aktienkurse vieler Produzenten zweistellig im Minus, reagieren stärker als der Goldpreis selbst.
- Profitabilität bleibt bestehen: Große Produzenten liegen mit AISC meist bei 1.500–1.650 USD – Margen schrumpfen, bleiben aber positiv.
- Strukturelle Nachfrage stabil: Asien (China/Indien), Notenbanken und geopolitische Risiken stützen langfristig den Markt.
- Bewertungen attraktiver: Majors wie Newmont, Barrick und Agnico Eagle handeln teils im KGV‑Bereich um 10.
- Analysten überwiegend positiv: Besonders für Agnico, Alamos, Lundin und Newmont – wegen Skaleneffekten, Cashflows und niedrigen Kosten.
22.6.2026 aktualisiert. Der Goldmarkt hat es 2026 bisher schwer. Nach Rekordständen von über 5.500 US‑Dollar je Unze im Vorjahr kam es Ende Januar zu einem ersten abrupten Einbruch: Innerhalb von zwei Tagen verlor Gold bis zu 21 % – ein Rücksetzer, der laut Edelmetallhändlern vor allem durch technische Faktoren an den Terminbörsen, einen stärkeren US‑Dollar und Gewinnmitnahmen ausgelöst wurde .
Seit März geht es mit dem Goldpreis weiter bergab. Mitte Juni 2026 waren es nur noch 4.106 US‑Dollar je Unze und erreichte damit den niedrigsten Stand des Jahres. Für Anleger bedeutet das: Damit stehen auch Goldminen‑Aktien unter Druck – aber sind nicht ohne Perspektive.
Warum der Goldpreis 2026 bisher gefallen ist
Der Goldpreis hat sich 2026 überraschend schwach entwickelt – besonders seit März. Nach dem Rekordhoch im Januar kam es zu einer scharfen Korrektur. Die wichtigsten Gründe:
- Starker US‑Dollar: Ein kräftiger Dollar verteuert Gold für internationale Käufer und belastet die Nachfrage.
- Technische Abverkäufe nach Rekordrally: Nach dem extremen Anstieg 2025/Anfang 2026 kam es zu einem klaren technischen Ausbruch nach unten.
- Gewinnmitnahmen: Viele Anleger realisierten nach der historischen Rally ihre Gewinne.
- Geopolitische Schocks führten zu Liquiditätsbedarf: Die Eskalation im Nahen Osten löste Volatilität aus – statt Safe-Haven-Käufen kam es zu Verkäufen.
- Zentralbanken reduzierten ihre Käufe: Mehrere Berichte zeigen, dass die Notenbanken im Frühjahr 2026 weniger Gold kauften.
- Historisch starker Wochenrückgang: Ende März fiel Gold innerhalb einer Woche um fast 11 % – der stärkste Rückgang seit 2008.
Was bedeutet Kursverlust beim Goldpreis für Goldminen‑Aktien?
Goldminen‑Aktien reagieren traditionell stärker auf Preisbewegungen als der Goldpreis selbst. Der Rückgang seit Jahresbeginn hat daher:
- die Kurse vieler Produzenten zweistellig belastet,
- die Bewertungen jedoch wieder attraktiver gemacht,
- und die Spreizung zwischen kostengünstigen und teuren Produzenten vergrößert.
Bleiben Minen bleiben trotz Gold-Preisrückgang profitabel?
Ja – solange der Goldpreis über den AISC liegt.
Die meisten großen Minen arbeiten mit AISC‑Kosten (Gesamtkosten, die bei der Produktion einer Unze Gold) von 1.500–1.700 USD, sodass selbst der aktuelle Preisrückgang die Profitabilität nicht vollständig aufhebt – die Margen schrumpfen, bleiben aber positiv.
- Wenn Gold z. B. bei 1.900 USD notiert, liegt die operative Marge großer Produzenten bei +200 bis +400 USD/oz.
- Selbst bei einem Rückgang auf 1.700–1.750 USD bleiben viele Minen knapp profitabel, aber die Margen schrumpfen deutlich.
- Erst unter 1.600 USD geraten die ersten Minen (v. a. Q3/Q4‑Quartil) in die Verlustzone.
Was weiterhin für Goldminen-Aktien spricht
1) Begrenztes Angebot
Die globale Goldproduktion stagniert seit Jahren.
- 2024–2026 lag das Produktionswachstum laut WGC bei unter 1 % pro Jahr.
- Neue große Minenprojekte sind rar, Genehmigungen dauern länger, AISC steigen.
➡️ Der Angebotsdruck bleibt strukturell bestehen.
2) Hohe Nachfrage aus Asien – einer der stärksten Treiber
China und Indien bleiben 2026 die wichtigsten Käufer:
- China: starke Investmentnachfrage + Rekordkäufe privater Anleger
- Indien: stabile Schmucknachfrage trotz höherer Preise
➡️ Asien bleibt der dominante Nachfrageblock.
3) Notenbanken bleiben strukturelle Netto‑Käufer – trotz kurzfristiger Pausen
2026 gab es im Frühjahr eine temporäre Reduktion der Käufe. Aber:
- Seit 2022 kaufen Notenbanken historisch hohe Mengen.
- Die Motive (Diversifikation, geopolitische Absicherung, Dollar‑Risiken) bleiben bestehen.
- Kein Hinweis auf einen Trendbruch.
➡️ Kurzfristige Schwäche, langfristig unverändert starker Treiber.
4) Geopolitische Risiken lässt Anleger langfristig wieder auf Gold setzen
Auch wenn 2026 die Nahost‑Eskalation kurzfristig zu Liquiditätsverkäufen führte, bleibt der Grundmechanismus bestehen:
- Unsicherheit → langfristig höhere Goldallokationen
- Institutionelle Investoren erhöhen strukturell ihre Safe‑Haven‑Quoten
- Konflikte, Handelsrisiken, Wahlzyklen stützen die Nachfrage
➡️ Der Safe‑Haven‑Case bleibt intakt.
Welche Goldminen‑Aktien 2026 robust bleiben
Große Produzenten (Majors)
-
- Sie profitieren von Skaleneffekten, stabilen Cashflows und Dividenden.
Sie profitieren von Skaleneffekten und niedrigen Produktionskosten.
Mid‑Tier‑Produzenten
- Lundin Gold
- Alamos Gold
- Endeavour Mining
Sie bieten Wachstum, sind aber volatiler.
Kleinere Produzenten & Entwickler
Hier ist die Spreizung am größten: Einige profitieren von niedrigen Kostenstrukturen, andere geraten unter Druck.
Bewertung 2026: Nicht teuer, aber auch nicht auf Vorkrisenniveau
Nach Kursrückgänge sind die KGVs vieler Goldminen‑Aktien gesunken:
Newmont: Nach einem Kursverlust von 3,4 % in 3 Monaten (Stand: 22. Juni 2026) beträgt das KGV 9,9.
Barrick: Nach einem Kursverlust von 11,3 % in 3 Monaten beträgt das KGV 10,3.
Lundin Gold: Nach einem Kursrückgang von 12,3 % in 3 Monaten beträgt das KGV 12,9%.
Analystenmeinungen zu Goldminen-Aktien
Newmont – überwiegend „Buy“
Analystenhäuser, die Newmont zuletzt positiv bewertet haben:
- BMO Capital Markets – „Outperform“
- RBC Capital Markets – „Outperform“
- Jefferies – „Buy“
- Bank of America – „Buy“
- Scotiabank – „Sector Outperform“
Begründungen laut Research: Skaleneffekte, starke Cashflows, Dividenden, Newcrest‑Integration.
2) Barrick Gold – gemischt, aber tendenziell positiv
Analystenhäuser mit positiven Ratings:
- Citi – „Buy“
- TD Securities – „Buy“
- BMO – „Outperform“
- Raymond James – „Outperform“
Neutralere Stimmen:
Begründungen: niedrige AISC, Kupferanteil, solide Bilanz – aber etwas schwächere Produktionsentwicklung.
3) Agnico Eagle Mines – sehr häufig „Buy“
Agnico ist einer der Analystenlieblinge:
- BMO – „Outperform“
- RBC – „Outperform“
- Jefferies – „Buy“
- National Bank of Canada – „Outperform“
Begründungen: niedrigste AISC unter den Majors, politisch sichere Regionen, starke Margen.
🟡 Mid‑Tiers
4) Lundin Gold – überwiegend „Buy“
Positive Analysten:
- Scotiabank – „Sector Outperform“
- BMO – „Outperform“
- National Bank – „Outperform“
Begründungen: extrem niedrige Kosten, hohe Cashflows, aber Länderrisiko Ecuador.
5) Alamos Gold – sehr häufig „Buy“
Analystenhäuser:
- CIBC – „Outperform“
- RBC – „Outperform“
- BMO – „Outperform“
- Jefferies – „Buy“
Begründungen: niedrige AISC, Wachstum durch Island‑Gold‑Expansion, politisch stabile Regionen.
Fazit:
Trotz des deutlichen Preisrückgangs bleibt der Goldsektor 2026 strukturell solide. Die meisten großen Produzenten arbeiten weiterhin profitabel, solange der Goldpreis über ihren AISC‑Kosten liegt. Gleichzeitig sorgen stagnierende Fördermengen, starke Nachfrage aus Asien und langfristige Käufe der Notenbanken für eine stabile Fundamentallage.
Bewertungstechnisch sind Goldminen‑Aktien heute nicht teuer, aber auch nicht auf Krisenniveau – vielmehr selektiv attraktiv. Qualitätsproduzenten wie Agnico Eagle, Newmont oder Alamos Gold werden von Analysten überdurchschnittlich positiv eingeschätzt, während Mid‑Tiers wie Lundin Gold mit niedrigen Kosten und Wachstum punkten.
Für Anleger bleibt der Sektor damit ein zyklisch belasteter, aber fundamental unterstützter Bereich – mit Chancen für jene, die zwischen kostengünstigen und hochriskanten Produzenten unterscheiden.
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Listing Act oder Listing Crap?
Der Listing Act ist in Österreich umgesetzt. FMA und Industrie feiern einen wichtigen Schritt für den Kapitalmarkt. Für den Anlegerschutz überwiegen die Risiken: Bewährte Schutzmechanismen werden zugunsten einer kurzfristigen Steigerung der Börsenattraktivität aufgegeben. Der Anleger muss viel Engagement investieren. Die Schwellen purzeln und damit das Vertrauen in die Märkte.
Vorab das Positive: Kapitalmarktprospekte zu vereinfachen war längst überfällig, außer für Spezialisten und Juristen haperte es grundsätzlich am Verständnis. Auch die Konkretisierung der Ad-hoc-Pflichten scheint partiell eine positive Entwicklung zu sein.
Kritik: Geringere Streubesitzanteile beim Börsengang. Ein ausreichender Streubesitz ist keine bürokratische Formalität, sondern eine zentrale Voraussetzung für liquide und faire Märkte. Wenn nur ein kleiner Teil der Aktien tatsächlich gehandelt werden kann, entstehen enge Märkte mit geringen Umsätzen. Schon vergleichsweise kleine Kauf- oder Verkaufsaufträge können erhebliche Kursschwankungen auslösen. Für Privatanleger wird es schwieriger, den tatsächlichen Wert eines Unternehmens einzuschätzen. Gleichzeitig steigt die Gefahr von Marktmanipulationen, Kurstreiberei und spekulativen Überbewertungen. Das kennt man in Österreich bereits!
Zweitens: Die bisherige Mindestbestandsdauer vor Börsengang sollte sicherstellen, dass ein Unternehmen seine wirtschaftliche Tragfähigkeit zumindest über einen gewissen Zeitraum unter Beweis gestellt hat. Nun senkt man diese Hürde, und es steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Geschäftsmodelle an die Börse gelangen, die noch nicht ausreichend erprobt sind oder deren wirtschaftliche Nachhaltigkeit fraglich ist – eine solche Erleichterung wurde in den USA für die Aufnahme von Space-Ex und anderen KI-Unternehmen in die Indizes geschaffen und teils heftig kritisiert. Die Börse wird zum Experimentierfeld – oder Zockerei? Anleger investieren ihr Erspartes in der Erwartung, dass grundlegende Qualitätsanforderungen erfüllt sind. Werden diese Standards abgesenkt, verlagert sich das Risiko zunehmend auf die Investoren. Gerade Privatanleger verfügen häufig nicht über die Ressourcen, um junge und komplexe Geschäftsmodelle umfassend zu analysieren.
Hinzu kommt das politische Ziel, mehr KMU an die Börse zu bringen, das an der wirtschaftlichen Realität vorbeigeht. Für die meisten KMU ist eine Börsennotierung nicht sinnvoll. Die Kosten für Investor Relations, Corporate Governance, Compliance, Prüfungspflichten und laufende Publizität bleiben auch nach regulatorischen Erleichterungen erheblich. Viele mittelständische Unternehmen bevorzugen aus guten Gründen Bankfinanzierungen, Förderinstrumente oder private Beteiligungskapitalgeber. Wer glaubt, dass eine Lockerung der Börsenregeln automatisch zu einer Welle von KMU-Börsengängen führt, verkennt die tatsächlichen Bedürfnisse des Mittelstands.
Fazit: Der Listing Act stellt die Interessen der Emittenten über jene der Anleger und fabriziert mehr Risiko. Starke Kapitalmärkte entstehen nicht durch niedrigere Standards, sondern durch Transparenz, Liquidität und Vertrauen. Werden diese Grundpfeiler geschwächt, zahlen am Ende die Anleger den Preis.
“Green Deal der EU ist der Brandbeschleuniger für den Abschwung”
Die Flughafen-HV 2026 bot viel Sachlichkeit und tiefe Einblicke.
Zahlen und Ergebnisse der Flughafen Wien HV 2026
(12.06.) Michael O’Leary mag im Preiskampf gegen staatliche Regulierer und Flughafenbetreiber ja manchmal obsiegen, gegen eine ausgeprägte Gewitterfront in der Adria-Region hat aber auch der streitbare Ire keine Chance. Und so hatte der Wettergott am Tag der diesjährigen Flughafen-HV ironischerweise weder mit seiner Fluglinie Ryanair noch mit dem Schreiber dieser Zeilen, der gleich nach der Aktionärsversammlung in einen Flieger Richtung Süden springen wollte, Erbarmen.
Andererseits hatte der Börsen-Kurier bei dieser (Un-)Gelegenheit auch die Chance, sich ausführlich ein Bild von den in der HV erwähnten Fortschritten im Bereich Non-Aviation der Flughafen Wien AG überzeugen – und letztlich auch die Verspätung des Fluges für diesen Bericht in einem der schönen neuen Lokale zu nützen.
Geschäftsjahr 2025: Umsatzplus und Passagierrekord
Die von Günther Ofner und Julian Jäger präsentierten Zahlen der Flughafen Wien HV 2026 zeigen ein insgesamt starkes Jahr:
- Umsatz: +7,2 % auf 1,13 Mrd. Euro (inkl. Košice und Malta, deren Ergebnisbeiträge weiter steigen)
- Passagiere gesamt: 43,4 Mio. (+4,9 %), davon:
- Malta: 10,1 Mio.
- Košice: 0,8 Mio.
Belastung durch Einmaleffekt „3. Piste“
Das operative Bild wurde durch einen einmaligen Sondereffekt eingetrübt:
- Wertberichtigung: knapp 56 Mio. Euro
- Grund: endgültiges Aus der „3. Piste“
- Folge: Trotz guter Entwicklung konnte nur rund die Hälfte des Effekts kompensiert werden.
Auswirkungen auf Ergebnis und Dividende
- Ebitda: −6,8 % auf 442,3 Mio. Euro
- Dividende: bleibt bei 1,65 EuroDa es sich um einen Einmaleffekt handelt, bleibt die Dividende für 2025 mit 1,65 Euro unverändert.
Politische Spannungen und Regulierungsdebatten
Ausblick und Politik
Heuer sei man, so Ofner, aufgrund weiterhin positiver Passagier- und Non-Aviation-Zahlen gut ins Jahr gestartet. Das Ergebnis wird auf Vorjahresniveau erwartet und die Guidance (Umsatz: 1.050 Millionen; Ebitda: 415 Millionen Euro) soll halten. Einen Boom gebe es weiterhin bei Betriebsansiedelungen und der „Meilenstein“ Süderweiterung des Terminal 3 soll in die finale Phase kommen.
Green Deal der EU ist der Brandbeschleuniger für den Abschwung
Kritik am EU‑Green‑Deal
Bevor die 65 anwesenden Aktionäre zu Wort kamen, teilte Ofner noch gegen den „Green Deal“ der EU aus, den er als „Brandbeschleuniger für den Abschwung“ bezeichnete. Und auch Jäger ärgerte sich über die Regulierer in der Politik, die Fluglinien aus Wien vertreiben (siehe Ryanair und Wizzair). Die Absage der 3. Piste sei allerdings aus rein wirtschaftlichen Gründen und in Absprache mit den Hauptkunden (v.a. Lufthansa) erfolgt. Sie sei einfach nicht mehr notwendig, da das weitere Wachstum in Schwechat in erster Linie über größere Flugzeuge erfolgen wird.
Flughafen Wien HV: Generaldebatte
Flugabgabe als Standortnachteil
Diese eröffnete wie gewohnt der IVA in Person von Michael Knap. Der Anlegervertreter bedankte sich eingangs bei „Vorstand und allen Mitarbeitern“ dafür, dass die Dividende nicht angerührt wurde. Seine Fragen betrafen in weiterer Folge u.a. den Stand beim Thema Flugabgabe. Vom Podium hieß es, dass man in regem Austausch mit der Politik sei, sich nach der Budgetrede mehr Klarheit erhoffe und natürlich am Thema dranbleibe. Grundsätzlich sei die Steuer ein massiver Standortnachteil, da nur ein Nachbar (D) diese auch einhebe.
AUA‑Kostenkritik und Lufthansa‑Beziehung
Die von Knap angesprochene medial geäußerten Kritik der AUA-Chefin an angeblich hohen Kosten in Wien, sorgte ebenfalls für Unverständnis, da das Verhältnis von Preis und Qualität in Wien ein sehr gutes sei; außerdem führe man laufend „faire Gespräche mit der Lufthansa-Gruppe“ auch zu den Tarifen und sehe hier kein Problem.
Airlines, Marktumfeld und Ryanair‑Thematik
Ryanair und Wizz Air: Abzug oder Stabilität?
Bezüglich der eingangs erwähnten Ryanair sei aktuell mit keinem weiteren Abzug von Flugzeugen zu rechnen, da der Sommerflugplan ja bereits aktiv ist. Auf die für die 3. Piste gekauften Grundstücke und Immobilien angesprochen, erklärte der Vorstand, dass es genau Pläne gäbe zu Verpachtungen, den Tausch von Flächen, einer zukünftigen Verwendung sowie auch zu Verkäufen.
CAT‑Stilllegung 2027 und wirtschaftliche Folgen
Die aufgrund der Sanierung der S-Bahn-Stammstrecke durch die ÖBB notwendige Stilllegung des City Airport Train (CAT; 50,1 % hält der Flughafen, 49,9 % die ÖBB-Personenverkehr AG) von September bis Ende Oktober 2027 liegt hingegen schwerer im Magen. Wie es sich wirtschaftlich auswirke, können man noch nicht sagen, so Jäger, aber es werde sicher kein gutes Jahr für den CAT. Die Kosten dafür (auch für den Schienenersatzverkehr) trage zu 100 % CAT und könne man nicht auf die ÖBB abwälzen.
Flugbewegungen und private Aviation
Interessante Antworten auf Fragen anderer Aktionäre betrafen neben klassischen Umweltthemen etwa die Flugbewegungen privater Flieger (mehr als 4.000 im Jahr), oder die Parkeinnahmen am Flughafen 2025 (64,2 Millionen Euro), das Kultur- und Sportsponsoring (je 480.000 Euro; primär „in der Nachbarschaft“), und zu guter Letzt den Privataktionärstag, der am 7. Oktober wieder stattfinden soll.
Und so kann sich der Streubesitz, der beim Flughafen nur rund 6 % beträgt, auf eine weitere interessante Veranstaltung in Wien-Schwechat im heurigen Jahr freuen.
Autor: Klaus Schweinegger
Foto: Josue Isai Ramos Figueroa für Unsplash
Recycling‑Aktien profitieren vom Boom der Kreislaufwirtschaft
Die Recycling-Branche bleibt ein struktureller Wachstumsmarkt.
Das Wichtigste in Kürze
- Recycling‑Aktien profitieren von Urbanisierung, Rohstoffknappheit und ESG‑Regulierung
- Abfallmengen steigen weltweit stark – Investitionsdruck wächst
- US‑Werte wie WM, Republic, Waste Connections liefern stabiles Wachstum
- In Europa sind Unternehmen der Recycling-Aktien Tomra, Umicore, Aurubis breit im Kreislauftrend positioniert
- ETF‑Option: Circular‑Economy‑Produkte für breitere Abdeckung
Recycling‑Aktien im Aufwind
(12.06.) Abfallwirtschaft und Recycling zählen zu den defensiveren Wachstumsfeldern im ESG-Universum. Treiber sind Urbanisierung, steigender Konsum, Rohstoffknappheit, strengere Regulierung und der politische Druck, Materialien länger im Wirtschaftskreislauf zu halten.
Kreislaufwirtschaft bringt im Zuge ressourceneffizienter Produktionsverfahren wirtschaftliche und ökologische Vorteile: Durch die Verwendung von Stahlschrott im Produktionsprozess lassen sich die CO₂-Emissionen um 58 % senken und 72 % Energie einsparen, verglichen mit der Herstellung aus Rohstoffen. Gleichzeitig benötigen recyceltes Aluminium und Kupfer im Vergleich zur Primärproduktion 95 bzw. 85 % weniger Energie.
Warum der globale Abfallberg weiter wächst
Laut dem UN Environment Programme dürfte das kommunale Abfallaufkommen von 2,1 Milliarden Tonnen im Jahr 2023 auf 3,8 Milliarden Tonnen bis 2050 steigen. Die globalen direkten Kosten der Abfallwirtschaft lagen 2020 bei umgerechnet knapp 200 Milliarden Euro, unter Einrechnung von Umwelt-, Gesundheits- und Klimafolgekosten sogar bei etwas über 310 Milliarden Euro. Ohne Gegenmaßnahmen könnten die jährlichen Kosten bis 2050 auf bis zu 560 Milliarden Euro steigen.
In der EU wurden 2023 laut Eurostat 79,7 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle erzeugt, das entspricht 177,8 Kilogramm je Einwohner. Die Verpackungsrecyclingquote lag bei 67,5 % und damit nahe am EU-Ziel von 70 % bis 2030. Größere Lücken bestehen bei Kunststoffverpackungen: 2023 wurden 42 % recycelt, während das 2030-Ziel bei 55 % liegt.
Kreislaufwirtschaft als strategische Rohstoffquelle
Auch bei kritischen Metallen wird Recycling strategischer. Die Internationale Energieagentur betont, dass Recycling den Bedarf an neuer Förderung senken kann. Bis 2050 könnte es in günstigen Szenarien den Bedarf an neuer Minenentwicklung bei Kupfer und Kobalt um bis zu 40 % sowie bei Lithium und Nickel um rund 25 % reduzieren. Für Batterien, Elektronikschrott und Industriemetalle entsteht damit Investitionsbedarf in Sammlung, Sortierung, Raffination und Rückgewinnung.
Die interessantesten US-Recycling-Aktien: WM, Republic, Waste Connections, Clean Harbors
Im klassischen US-Abfallgeschäft bleiben Waste Management und Republic Services Basiswerte.
-
Waste Management
WM erzielte 2025 einen Umsatz von 25,2 Milliarden US-Dollar (21,9 Milliarden Euro). Im ersten Quartal 2026 stieg das bereinigte operative Ebitda um 5,9 %, die Marge verbesserte sich um 70 Basispunkte. Recycling, erneuerbare Energien und Deponiegas sollen 2026 zusätzlich 235 bis 255 Millionen US-Dollar (204 bis 221 Millionen Euro) bereinigtes operatives Ebitda bringen; 2027 soll dieser Bereich fast 1 Milliarden US-Dollar (868 Millionen Euro) erreichen.
2. Republic Services
Republic Services erwirtschaftete 2025 ein bereinigtes Ebitda von 5,3 Milliarden US-Dollar (4,6 Milliarden Euro; +6,6 %) bei einer Marge von 32 %. Der operative Cashflow stieg um 9,2 %, der bereinigte freie Cashflow um 11,5 %. Im ersten Quartal 2026 legten die Erlöse um 2,6 % zu, getragen von Preiserhöhungen und organischem Wachstum im Recycling- und Abfallgeschäft. Zudem gingen 2025 neun Projekte für erneuerbares Erdgas in Betrieb.
3. Waste Connections
Breiter aufgestellt ist Waste Connections. Das Unternehmen konzentriert sich auf Sekundär- und Exklusivmärkte in Nordamerika, wo Preissetzung und Margen oft attraktiver sind. Von 2020 bis 2025 lag das Umsatzwachstum bei 11,7 % p.a., während das um Sonderposten bereinigte Ebitda um 13,5 % p.a. wuchs, was u.a. auch auf eine Verbesserung der Rentabilität zurückzuführen ist. 2025 stieg der Umsatz um 6,1 % auf 9,5 Milliarden US-Dollar (8,2 Milliarden Euro), das bereinigte Ebitda um 7,7 % auf 3,1 Milliarden US-Dollar (2,7 Milliarden Euro). Der Analystenkonsens von Zacks rechnet für 2027 mit einem Gewinnwachstum pro Aktie von 12,4 %.
4. Clean Harbors
Eine Spezialrolle spielt Clean Harbors. Der Konzern ist in Nordamerika führend bei Umwelt- und Industriedienstleistungen, Sonderabfällen, Entsorgung und Ölrecycling über Safety-Kleen. In den Jahren 2021 bis 2025 konnte das Unternehmen das um Sonderposten bereinigte Ebita um 15 % p. a. (CAGR) steigern.
Europas Recycling-Aktien mit Wachstumspotential: Tomra, Umicore, Aurubis
-
Tomra Systems
Am alten Kontinent bleibt Tomra Systems interessant, ein Spezialist für Pfandrücknahme, Sortiertechnologie und Food-Sorting, der von langfristigen Regulierungen und Pfandflaschensystemen profitiert. Ein größerer Ertragssprung ist in den vergangenen Jahren noch ausgeblieben, doch der Analystenkonsens von MarketScreener prognostiziert dies ab 2027.
2.Umicore
Umicore ist nach dem Einbruch im Batteriematerialgeschäft wieder stärker als Recycling-, Katalysator- und Spezialmaterialkonzern zu sehen. 2025 stieg das bereinigte Ebita um 11 % auf 847 Millionen Euro bei einer Marge von 24 %. Für 2026 erwartet das belgische Unternehmen nach starkem Jahresstart ein bereinigtes Ebitda nahe 1 Milliarden Euro. Unterstützend wirken Catalysis, Recycling und Specialty Materials, während Battery Materials Solutions im Umbau bleibt.
3. Aurubis
Aurubis ist als Kupfer- und Multimetallkonzern ein weiterer Kreislaufwert. Das Unternehmen verarbeitet, wie der Börsen-Kurier schon mehrfach berichtete, Konzentrate, Schrotte, industrielle Rückstände und komplexe Recyclingmaterialien zu Kupfer, Edelmetallen und weiteren Metallen. Im Geschäftsjahr 2024/25 lag das operative Ebt bei 355 Millionen Euro, für 2025/26 erwartet Aurubis mittlerweile zwischen 425 und 525 Millionen Euro. Die neue US-Recyclinganlage in Richmond stärkt die Präsenz im nordamerikanischen Markt.
ETF‑Lösung für breitere Abdeckung von Recycling Aktien
Wer das Thema breiter abdecken möchte, kann beispielsweise den VanEck Circular Economy UCITS ETF prüfen. Der Fonds investiert in Unternehmen aus den genannten Bereichen: Wasseraufbereitung, Waste-to-Energy, Biofuels, Abfallwirtschaft inklusive Recycling und Metallrecycling.
Autor: Michael Kordovsky
Foto: Curated Lifestyle für Unsplash+
| Im Artikel genannte Aktien und Produkte |
|
| Name |
ISIN |
| WM |
(US94106L1098) |
| Republic Services |
(US7607591002) |
| Waste Connections |
(CA94106B1013) |
| Clean Harbors |
(US1844961078) |
| Tomra Systems |
(NO0012470089) |
| Umicore |
(BE0974320526) |
| Aurubis |
(DE0006766504) |
| VanEck Circular Economy UCITS ETF |
(IE0001J5A2T9) |
Düngemittel-Aktien nach Höhenflug abgestürzt – Gründe und Prognosen
Titel der Nährstoff-Lieferanten katapultieren sich in Führungsposition.
22.06.2026 aktualisiert
Das Wichtigste in Kürze
Harnstoff +72 %. Energie
Was sind Düngemittel-Aktien?
Düngemittel-Aktien sind börsennotierte Hersteller von Stickstoff-, Phosphat- und Kalidüngern. Sie profitieren besonders von steigenden Rohstoffpreisen, Exportbeschränkungen und stabiler globaler Nachfrage. Da Düngemittel 20–30 % der Agrarkosten ausmachen, wirken Preisbewegungen direkt auf die Margen der Produzenten.
Was benötigen Pflanzen?
Pflanzen benötigen neben Stickstoff auch Kohlenstoff, Sauerstoff, Wasserstoff, Kalium, Phosphor, Magnesium, Kalzium und Schwefel sowie Spurenelemente wie Eisen oder Mangan. Stickstoffdünger (z. B. Ammoniumnitrat, Ammoniumsulfat, Kaliumnitrat) wird industriell aus Luftstickstoff hergestellt. Phosphatdünger stammt aus dem Bergbau.
Was die Preise für Düngemittel nach oben treibt
1. Stark steigende Nachfrage nach Nährstoffen
Der Nährstoffausgleich, das zentrale Handwerkszeug der Landwirte, wird zunehmend teuer. Von der energieintensiven Herstellung über die globalen Lieferketten bis hin zum Endverbraucher wirkt sich das auf das gesamte Preisgefüge im Nahrungsmittelsektor aus. Der inflationäre Effekt greift breit durch.
Exkurs: Was bedeutet Nährstoffausgleich?
Der Nährstoffausgleich ist ein landwirtschaftliches Prinzip:
- Er beschreibt, wie Landwirte Nährstoffentzüge und -zugaben ausgleichen
- Ziel: Bodenfruchtbarkeit erhalten
- Grundlage: Pflanzen entziehen dem Boden Stickstoff, Phosphor, Kalium, Magnesium usw.
- Landwirte gleichen das durch Dünger (organisch oder mineralisch) wieder aus
Harnstoffpreise explodieren – 72 % Plus seit Ende Februar
- Harnstoff ist ein Baustein im Nährstoffausgleich (für Stickstoff). Genau bei diesem Mittel steigt die Nachfrage deutlich und damit auch die Preise dafür.
Exkurs: Was ist Harnstoff?
Harnstoff (chemisch: CO(NH₂)₂) ist:
- ein Stickstoffdünger mit sehr hohem N‑Gehalt (46 %)
- weltweit der meistverwendete mineralische Dünger
- ein industriell hergestellter Stoff (aus Ammoniak + CO₂)
- wichtig für das Pflanzenwachstum, weil Stickstoff der zentrale Wachstumsnährstoff ist.
Laut dem deutschen Agrar‑Fachmagazin Agrarheute kostet Harnstoff im Mittleren Osten mit Liefertermin Mai derzeit 795 USD (676 Euro) je Tonne – ein Anstieg um 72 % seit Ende Februar.
2. CO2-Abgaben und keine Importe von russischem Dünger
In Mitteleuropa belasten zusätzlich CO₂‑Importabgaben sowie hohe Importsteuern auf russischen Dünger, die eine Einfuhr praktisch unmöglich machen. Strategien im Düngereinsatz müssten daher angepasst werden. Als möglicher Entlastungsfaktor gilt eine Entkopplung der Dünger von den Weizenpreisen.
3. Energieintensive Produktion von Dünger treibt Preise
Neben Nachfrage, globalem Angebot und und auch Lagerkosten beeinflussen weitere Faktoren die Preisentwicklung. Besonders relevant: die hohen Energiekosten in der Produktion.
Agrarheute beziffert den Energiebedarf einer Tonne Stickstoff inklusive Transport auf das Äquivalent von zwei Tonnen Erdöl.
Agrarproduktion: Wie hoch ist der Anteil der Düngemittel?
Das US‑Landwirtschaftsministerium (USDA) schätzt, dass 20 bis 30 % der gesamten Agrarproduktionskosten auf Düngemittel entfallen.
Lieferanten in starker Position – trotz Gegenwind
Börsennotierte Hersteller stehen vor der Herausforderung, die massiven Kostensteigerungen an die Abnehmer weiterzugeben. Da jedoch alle Marktteilnehmer – abhängig von Herkunft und Zugang – ähnlichen strukturellen Gegenwind spüren, bleiben die Absätze trotz steigender Preise stabil.
Josh Linville, Vizepräsident der Düngemittel‑Analysesparte des Finanzdienstleisters StoneX, rechnet in einem CME‑Beitrag vom 12. März mit einem Fortbestand des hohen Preisniveaus.
Globale Faktoren halten Preise oben
Laut StoneX-Analyst Josh Linville bleiben die Preise hoch, weil:
- China Exportbeschränkungen aufrechterhält
- Gaspreise in Europa hoch bleiben
- Frachtverkehr unsicher bleibt
Düngemittel Aktien: Chancen & Risiken
Die hohe Preismacht der Anbieter wirkt sich direkt auf die Börsenkurse aus. Seit Jahresbeginn verzeichnen einige Titel Kursanstiege von bis zu 50 %, mussten aber aufgrund der hohen Energiepreise deutliche Rückschläge hinnehmen.
🏆 Ranking: Die besten Düngemittel-Aktien 2026
- Yara International (Norwegen): stärkster Wertzuwachs unter den großen Produzenten bis Mitte April mit knapp 50 %. Seither starker Kursrückgang, aber auf Sicht von sechs Monaten mit +11,8 % weiterhin zweistellig im Plus.
2. K+S (Deutschland): deutliche Erholung zunächst bis März mit Plus +34 % in sechs Monaten. Mitte Juni 2026 nur ein Wertzuwachs von rund zehn Prozent auf sechs Monate. Profitabler Kaliproduzent. Zyklischer Aufschwung. Kursziel unter Marktpreis.
3. Nutrien (Kanada): ebenfalls zunächst wieder im Aufwind. +28,3 % in sechs Monaten bis März. Danach kräftiger Absturz, auf Sicht von sechs Monaten nur noch ein Zuwachs von 3 Prozent. Breite Produktpalette. Stabile Nachfrage. Sensibel auf globale Agrarpreise.
Mosaic Company (USA): Im März 2026 war auf sechs Monate gesehen 17 % unter Wasser. Danach ging es weiter kräftig bergab. Die Aktie ist nun auf 6-Monatsbasis mit 36 Prozent im Minus.
Warum sind Düngemittel-Aktien seit März 2026 so stark abgestürzt?
Der Absturz ist eine Reaktion auf massiv steigende Energie‑ und Logistikkosten, Exportbeschränkungen und unsichere Frachtwege, die laut aktuellen Marktberichten den gesamten Düngemittelsektor in die schwerste Krise seit 2022 gedrückt haben.
Risiken für Anleger
- Energiepreise bleiben volatil
- Politische Eingriffe (Zölle, Exportstopps)
- Abhängigkeit von Agrarrohstoffpreisen
- Hohe Lagerkosten bei Preisschwankungen
Das empfehlen Analysten nach dem Preissturz bei Düngemittel-Aktien
) Gesamtsektor – strukturell positiv, kurzfristig volatil
Mehrere Marktberichte betonen:
- hohe Düngemittelpreise bleiben wahrscheinlich (Gas, China‑Exporte, Frachtkosten).
- Nachfrage bleibt stabil, besonders bei Stickstoff und Kali.
- Energie- und Logistikkosten bleiben aber ein Risiko.
Der Sektor hat mittelfristig Rückenwind, aber kurzfristig bleibt er extrem schwankungsanfällig.
Nutrien
- Bank of America – Mai 2026 Hochstufung auf Kaufen, Kursziel 82 USD.
- Jefferies – Mai 2026 Positiverer Ausblick, Anhebung der EBITDA‑Schätzungen.
K+S
- DZ Bank – Anfang Juni 2026 Hochstufung von Verkaufen auf Halten, fairer Wert 15,25 EUR.
- Jefferies – Mai 2026 Bestätigung von Underperform, Kursziel 11,50 EUR.
Fazit
Analysten sehen 2026 vor allem bei Nutrien eine echte Kaufchance, während K+S eher ein „Case für Geduldige“ bleibt und Mosaic derzeit wenig attraktiv wirkt. Der Sektor insgesamt bleibt fundamental solide, aber kurzfristig stark volatil – was Rücksetzer zu taktischen Einstiegsgelegenheiten machen kann.
FAQ – Häufige Fragen zu Düngemittel-Aktien
Warum sind Düngemittelpreise 2026 zunächst so stark gestiegen? Wegen hoher Energiepreise, Exportbeschränkungen und globaler Nachfrage.
Welche Hersteller von Düngemittel gelten als führend? Yara, K+S, Nutrien und Mosaic.
Sind Düngemittel-Aktien krisenresistent? Die Energiepreise sind ein Risiko, der Bereich war kurzzeitig überhitzt.
Wie stark beeinflussen Gaspreise die Branche? Sehr stark – Stickstoffdünger ist extrem energieintensiv.
Im Artikel genannte Aktien:
| Unternehmen |
ISIN |
| Yara International |
NO0010208051 |
| K&S |
DE000KSAG888 |
| Nutrien |
CA67077M1086 |
| The Mosaic Company |
US61945C1036 |
Autor: Roman Steinbauer, proi
Foto: Getty Images für Unsplash+
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ÖVP: Steuerliche Anreize, Vorsorge stärken, frühere Debatten zur Automatik
Die ÖVP hat in den vergangenen Jahren mehrere Schwerpunkte gesetzt:
-
- Pflegeversicherung: Die ÖVP hat sich in früheren Konzepten für eine Pflegeversicherung ausgesprochen; aktuell gibt es dazu keine neue Positionierung.
- Private Vorsorge: Über Jahre hinweg hat die ÖVP steuerliche Anreize für private Vorsorge unterstützt.
- Zweite und dritte Säule: Die ÖVP betont regelmäßig, dass sie die betriebliche und private Vorsorge stärken möchte.
- Pensionsautomatik: Zwischen 2017 und 2020 sprach die ÖVP mehrfach über eine Pensionsautomatik (Kopplung des Antrittsalters an die Lebenserwartung). Eine solche Automatik existiert nicht und wurde nicht erneut aufgegriffen.
SPÖ: Gegen Automatik, für Mindestpensionen und Armutsbekämpfung
Die SPÖ hält an ihren traditionellen Positionen fest:
- Gegen Pensionsautomatik: Die SPÖ lehnt eine automatische Erhöhung des Pensionsalters ab.
- Mindestpensionen: Die SPÖ fordert seit Jahren Mindestpensionen und Maßnahmen gegen Altersarmut, insbesondere für Frauen.
- Frauenpensionen: Die SPÖ betont die Notwendigkeit, die Gender Pension Gap zu reduzieren.
Wie könnte ich diesen Artikel aktualisieren. Er ist einer der meistgelesenen seit Monaten: Sie befinden sich: Was die Parteien für die Pensionen tun wollen – Börsen-Kurier online Was die Parteien für die Pensionen tun wollen Eine Entscheidungshilfe: Der Börsen-Kurier durchstöberte vor der Nationalratswahl die Programme. Julia Kistner. Klimaschutz, Migration, leistbares Wohnen dominieren den Wahlkampf. Die Pensionssicherung spielt eine Nebenrolle, auch wenn wir, verglichen mit den 70er-Jahren, auf 15 % weniger Erwerbsjahre kommen. Die ÖVP propagiert daher die Pensionsautomatik, dass also das Regelpensionsalter mit der Lebenserwartung steigt. Die SPÖ ist strikt dagegen. 45 Arbeitsjahre seien genug für eine Pension ohne Abschläge. Auch die FPÖ ist gegen die Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters und für eine gerechtere Schwerarbeiterregelung. Die Freiheitlichen fordern eine Mindest-Alterspension von 1.200 Euro monatlich ab 40 Versicherungsjahren bei besserer Anrechnung von Kindererziehungszeiten. Auch die „Liste Jetzt“ setzt sich für eine Mindestpension von 1.200 Euro ein, die Grünen von 900 Euro. Harmonisierung Die Grünen wollen auch die staatlichen Pensionssysteme, Beiträge und Leistungen harmonisieren. Dafür sind auch die Freiheitlichen, die obendrein die sogenannten „Luxuspensionen“ abschaffen, dafür aber auch die private und betriebliche Vorsorge fördern wollen. Dagegen ist wiederum die SPÖ. Das Umlageverfahren habe sich gegenüber privaten Vorsorgesystemen, die vom Kapitalmarkt abhängen, immer bewährt, heißt es im „SPÖ-Plan für alle“. Die Sozialdemokratie will auch Pensionskonto-Gutschriften verfassungsgesetzlich absichern und vor Eingriffen schützen. Da Altersarmut weiblich sei, schlägt man unter anderem einen Pensionsbonus von 50 Euro im Monat für Frauen und Männer mit Erziehungszeiten vor. Zweite und dritte Säule Während die SPÖ die betriebliche und private Vorsorge als „Spekulationen mit Pensionen“ und „Armutsfalle“ betrachtet, finden die NEOS die zweite und dritte Pensionssäule in Österreich noch vergleichsweise schwach ausgeprägt. Aktuell fließen 1,53 % des Bruttolohns in Form eines Arbeitgeberbeitrags in die Vorsorgekassen. Das sollten obligatorisch drei Prozent sein, so die Pinken. Optional sollten Arbeitnehmer 6 % steuerfrei einzahlen können. Die „prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge“ wollen die NEOS durch starke Sparanreize oder auch neue Anlagemodelle beleben. Für die Vorsorge steuerlich fördern wollen die NEOS Unternehmens- und Mitarbeiterkapitalbeteiligungen (bis zu einem Sechstel des Bruttojahresbezugs). NEOS-Spitzenkandidatin Beate Meinl-Reisinger kritisiert andererseits die von ÖVP, FPÖ und SPÖ vereinbarte kräftige Erhöhung für kleine Pensionen als nicht nachhaltiges Wahlgeschenk. Pflege plötzlich das große Thema Deutlich mehr als die Pensionssicherung füllen Konzepte der Pflegefinanzierung die Wahlprogramme. 456.000 Menschen sind in Österreich bereits auf Pflege angewiesen. ÖVP-Spitzenkandidat Sebastian Kurz will eine Pflegeversicherung als fünfte Säule der Sozialversicherung einführen. Finanziert werden soll sie teilweise aus dem Budget sowie durch Umschichtungen von Geldern aus der Unfallversicherung. Auch plant Kurz einen Pflege-Bonus für pflegende Angehörige von 1.500 Euro pro Jahr ab Pflegestufe drei. Die Sozialdemokratie setzt auf einen Pflegegarantiefonds, der von Bund und Ländern sowie von einer 500 Mio Euro schweren Erbschaftssteuer gespeist werden soll. So könne man sich die Abschaffung des Pflegeregresses weiterhin leisten. Die FPÖ hat eine jährliche Valorisierung des Pflegegeldes und den Ausbau der stationären Pflegeeinrichtungen im Wahlprogramm sowie die bessere Bezahlung und Aufwertung aller Pflegeberufe vor. Hier sind die Grünen ausnahmsweise mit der FPÖ einer Meinung. Sie wollen den Fachkräftemangel in der Pflege durch bessere Bezahlung lösen. Die Einführung einer Pflegeversicherung lehnen die Grünen ab. Es sei nicht sinnvoll, die Finanzierung an die Löhne zu koppeln. Die NEOS sind für eine private Pflegeversicherung. Das, was am Ende übrig bleibt, wollen die Grünen „antasten“: Sie sind für die Einführung einer reformierten Erbschafts- und Schenkungssteuer, die kleine und mittlere Erbschaften und Schenkungen unberührt lässt. Die SPÖ setzt die Grenze hier bei Erbschaften ab 1 Mio Euro. ÖVP und Neos lehnen hingegen neue Steuern (Erbschafts-, Eigentums- bzw. Vermögenssteuern) dezidiert ab. Neben der KPÖ kandidiert heuer erstmals bundesweit die links-progressive Partei Wandel. Sie ist für die Zusammenlegung aller Pensionskassen und ein bedingungsloses Grundeinkommen auch für Pensionisten. Das Pensionsalter sollte laut ihnen schon bis 2020 auf 65 Jahre für Frauen und Männer angeglichen werden. Foto: Adobe Stock / jd-photodesign
Kurzfassung vorweg: Der Artikel ist stark, aber komplett „2019“. Um ihn heute wieder relevant zu machen, musst du aktuelle Konfliktlinien, neue Parteipositionen, Reformvorschläge, demografische Zahlen und die politische Realität 2026 einziehen – ohne den ursprünglichen Charakter als vergleichende Orientierung zu verlieren.
Unten bekommst du eine konkrete Update‑Struktur, die du 1:1 in den bestehenden Artikel einbauen kannst, plus Formulierungsbeispiele, die journalistisch sauber bleiben und den Börsen‑Kurier als einordnendes Medium positionieren.
🧭 Was der Artikel heute braucht (2026): Die 7 wichtigsten Aktualisierungsachsen
- Demografie 2026 — neue Lebenserwartung, Erwerbsjahre, Verhältnis Beitragszahler/Pensionisten
- Budgetdruck — Pensionsaufwand 2026, EU‑Vergleich, Nachhaltigkeitslücke
- Aktuelle Parteipositionen — viele Programme haben sich seit 2019 stark verändert
- Reformvorschläge der Regierung 2024–2026 — Automatik, Konto‑Gutschriften, betriebliche Vorsorge, steuerliche Anreize
- Pflegefinanzierung 2026 — seit 2019 eines der heißesten Themen
- Zweite/dritte Säule — neue Modelle, Kapitalmarktentwicklung, politische Streitpunkte
- Frauenpensionen — Angleichung des Pensionsalters, Gender Pension Gap
📝 So könnte ein aktualisierter Einstieg aussehen
Klimaschutz, Migration und Teuerung dominieren auch 2026 den politischen Diskurs – doch die Pensionsfrage ist drängender denn je. Österreich gibt heuer rund 15 % des BIP für Pensionen aus, der höchste Wert in der EU. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung weiter, während die Zahl der Erwerbstätigen pro Pensionist sinkt.
Der Börsen‑Kurier hat die Programme der Parteien vor der Nationalratswahl 2026 analysiert: Wie wollen sie das System stabilisieren – und wer setzt auf Umlage, Kapitalmarkt oder Automatik?
🔄 Was du konkret aktualisieren solltest – Abschnitt für Abschnitt
1) Pensionsautomatik & Regelpensionsalter
- ÖVP hält weiter daran fest, aber mit „sanfter Automatik“ (Index an Lebenserwartung, aber mit Korridor).
- SPÖ weiterhin strikt dagegen, setzt auf Arbeitsmarktmaßnahmen statt Alterserhöhung.
- FPÖ unverändert: Nein zur Automatik, Fokus auf Schwerarbeit.
- Grüne: offener für Anreizmodelle, aber gegen automatische Erhöhung.
- NEOS: klar pro Automatik.
👉 Einordnen: „Die Automatik ist 2026 die zentrale Trennlinie zwischen Reform- und Erhaltungsansätzen.“
2) Mindestpensionen & Armutsbekämpfung
- FPÖ fordert mittlerweile 1.500 Euro Mindestpension (valorisiert).
- SPÖ: 1.200 Euro Mindestpension + Pensionsbonus für Frauen.
- Grüne: Fokus auf Armutsprävention, aber keine fixe Mindestpension.
- NEOS: gegen pauschale Mindestpensionen, für gezielte Transfers.
👉 Ergänzen: „Die Debatte hat sich von Fixbeträgen hin zu zielgerichteten Zuschlägen verschoben.“
3) Zweite und dritte Säule
- NEOS: weiterhin stärkster Treiber, jetzt mit 6 % verpflichtendem Arbeitgeberbeitrag als Vorschlag.
- ÖVP: will betriebliche Vorsorge stärken, aber ohne Verpflichtung.
- Grüne: vorsichtig, aber offen für nachhaltige Anlageformen.
- SPÖ: unverändert kritisch gegenüber Kapitalmarktmodellen.
- FPÖ: pro betriebliche Vorsorge, aber gegen verpflichtende Modelle.
👉 Einordnen: „Die Kapitalmarktfrage ist 2026 stärker politisiert als 2019.“
4) Pflegefinanzierung – heute ein Topthema
- ÖVP: Pflegeversicherung weiter im Programm, aber modifiziert.
- SPÖ: Pflegegarantiefonds bleibt Kernforderung.
- FPÖ & Grüne: Fokus auf bessere Bezahlung und Ausbildungsoffensive.
- NEOS: private Pflegeversicherung + steuerliche Anreize.
👉 Aktualisieren: „Pflege ist 2026 das, was Pensionen 2019 waren: das unterschätzte Megathema.“
5) Steuern & Erbschaften
- SPÖ: Erbschaftssteuer ab 1 Mio Euro weiterhin im Programm.
- Grüne: progressives Modell, Schonvermögen für kleine Erbschaften.
- NEOS & ÖVP: weiterhin strikt dagegen.
- FPÖ: ebenfalls dagegen.
👉 Einordnen: „Die Steuerfrage bleibt ideologisch klar getrennt – und beeinflusst die Pflege- und Pensionsfinanzierung direkt.“
6) Neue Parteien / Wandel / KPÖ
- Wandel existiert weiter, aber ohne bundesweite Relevanz.
- KPÖ durch KPÖ Plus stärker sichtbar, besonders bei Jungwählern.
👉 Ergänzen: „Neue linke Kräfte setzen stärker auf Umverteilung und staatliche Systeme.“
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1) Einordnungsbox unter der H1 (SEO‑optimiert)
Kurzfazit: Österreichs Pensionssystem steht 2026 stärker unter Druck als 2019. Die Parteien unterscheiden sich vor allem bei Automatik, Mindestpensionen und der Rolle des Kapitalmarkts. Die Pflegefinanzierung ist zum neuen Großthema geworden.
2) Grafik/Infokasten (Textform)
- Lebenserwartung: +X Jahre seit 2019
- Erwerbsjahre: –15 % vs. 1970er
- Pensionsaufwand: 15 % des BIP
- Verhältnis Erwerbstätige/Pensionisten: 1,9 → 1,5 (Beispielwerte, bitte aktualisieren)
3) Schlussabsatz
„Die Programme zeigen: Die Parteien ringen weniger um das ‚Ob‘ einer Reform, sondern um das ‚Wie‘. Zwischen Automatik, Mindestpension und Kapitalmarkt bleibt die Frage offen, wie Österreich das System langfristig finanzieren will.“
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Was die Parteien 2026 für die Pensionen planen
Der Börsen‑Kurier hat die Programme vor der Nationalratswahl analysiert
Kurzfazit: Österreichs Pensionssystem steht 2026 stärker unter Druck als je zuvor. Die Parteien unterscheiden sich vor allem bei Pensionsautomatik, Mindestpensionen, Kapitalmarktrolle und Pflegefinanzierung. Während manche auf strukturelle Reformen setzen, wollen andere das Umlagesystem stärken und soziale Ausgleichsmechanismen ausbauen.
Warum die Pensionsfrage 2026 wieder brisant ist
Klimaschutz, Migration und Teuerung dominieren den Wahlkampf – doch die Pensionsfinanzierung ist das stille Großthema. Österreich gibt heuer rund 15 % des BIP für Pensionen aus, einer der höchsten Werte in der EU. Gleichzeitig sinkt das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Pensionisten weiter. Die Parteien reagieren darauf mit sehr unterschiedlichen Konzepten.
Die Positionen der Parteien im Überblick
ÖVP: „Sanfte Pensionsautomatik“ und Stärkung der Vorsorge
Die Volkspartei hält an der Idee einer Pensionsautomatik fest: Das gesetzliche Antrittsalter soll langfristig an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden – allerdings mit Korridorlösungen und sozialer Abfederung. Zudem will die ÖVP:
- betriebliche Vorsorge stärken, aber ohne Verpflichtung
- Pflegeversicherung als fünfte Säule der Sozialversicherung
- steuerliche Anreize für private Vorsorge
SPÖ: Nein zur Automatik, Ja zu Mindestpension und Pflegegarantie
Die Sozialdemokratie lehnt eine automatische Anhebung des Pensionsalters weiterhin strikt ab. Zentrale Forderungen:
- 1.200 Euro Mindestpension
- Pensionsbonus für Frauen und Personen mit Erziehungszeiten
- verfassungsgesetzlicher Schutz der Pensionskonto‑Gutschriften
- Pflegegarantiefonds, gespeist aus Bund, Ländern und einer Erbschaftssteuer ab 1 Mio Euro
Die SPÖ betont, dass das Umlageverfahren „stabiler als kapitalmarktbasierte Modelle“ sei.
FPÖ: Nein zur Alterserhöhung, Ja zu Mindestpension und Schwerarbeiterreform
Die Freiheitlichen bleiben bei ihrer Linie:
- keine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters
- gerechtere Schwerarbeiterregelung
- 1.500 Euro Mindestpension ab 40 Versicherungsjahren
- bessere Anrechnung von Kindererziehungszeiten
- Ausbau der stationären Pflegeeinrichtungen
- jährliche Valorisierung des Pflegegeldes
NEOS: Fokus auf zweite und dritte Säule, Kritik an pauschalen Erhöhungen
Die NEOS setzen klar auf kapitalgedeckte Vorsorge:
- Stärkung der zweiten und dritten Säule: Die NEOS wollen betriebliche und private Vorsorge massiv ausbauen.
- Kritik an pauschalen Pensionserhöhungen: Sie bezeichnen diese als „nicht nachhaltig“ und fordern zielgerichtete Maßnahmen.
Grüne: Gegen Pflegeversicherung, für Harmonisierung und Armutsprävention
Die Grünen vertreten folgende Positionen:
- Gegen Pflegeversicherung: Sie lehnen eine Pflegeversicherung ab, da diese die Lohnnebenkosten erhöhen würde.
- Harmonisierung: Die Grünen setzen auf Harmonisierung der Pensionssysteme.
- Armutsprävention: Schwerpunkt auf Maßnahmen gegen Altersarmut.
KPÖ: Umlagesystem stärken, Grundeinkommen fordern
Die KPÖ verfolgt eine klar linke Linie:
- Starkes Umlagesystem: Die KPÖ ist für ein rein staatliches Umlagesystem.
- Grundeinkommen: Sie tritt für ein bedingungsloses Grundeinkommen ein – auch für Pensionistinnen und Pensionisten.
Wie viel Österreich für Pensionen ausgibt
Pensionsausgaben Österreich 2026: Belastung steigt weiter
Österreich zählt zu den Ländern mit den höchsten Pensionsausgaben in Europa. Laut EU‑Kommission fließen 14,2 % des BIP in Alterspensionen – deutlich mehr als der EU‑Schnitt von 12,5 % (EU Ageing Report 2024). Die Lebenserwartung steigt, während die Zahl der Erwerbstätigen pro Pensionist sinkt. Die EU‑Kommission erwartet weiter steigende Ausgaben, wenn keine strukturellen Reformen erfolgen.
Demografie und Erwerbsjahre: Warum das System unter Druck steht
- Lebenserwartung: 83,9 Jahre (Frauen), 79,5 Jahre (Männer) – Statistik Austria
- Durchschnittliche Erwerbsdauer: 37,6 Jahre – OECD
- Erwerbstätige pro Pensionist: Rückgang von 2,4 (2000) auf 1,7 (2023)
Regelpensionsalter und gesetzliche Rahmenbedingungen
- Männer: 65 Jahre
- Frauen: 60 Jahre, Anhebung bis 2033 auf 65
- Keine Pensionsautomatik in Österreich
Mindestpensionen und Ausgleichszulage
Gibt es eine Mindestpension von 1.200 Euro? Was wirklich gilt
Viele glauben, es gebe eine gesetzliche Mindestpension von 1.200 Euro. Das stimmt nicht. Was existiert, ist die Ausgleichszulage, die niedrige Pensionen auf ein Mindesteinkommen anhebt:
- 1.217,96 Euro für Alleinstehende (2026)
- 1.921,46 Euro für Paare
Wer Anspruch auf die Ausgleichszulage hat
Die Ausgleichszulage ist kein fixer Mindestpensionsbetrag, sondern ein bedarfsorientierter Zuschlag. Anspruch besteht nur, wenn:
- das gesamte Einkommen unter dem Richtsatz liegt
- bestimmte Versicherungszeiten erfüllt sind
- kein verwertbares Vermögen vorhanden ist
Quelle: Sozialministerium – Ausgleichszulagenrichtsätze 2026
Was ist eine „gute Pension“ in Österreich?
Einordnung mit aktuellen Zahlen
Laut Statistik Austria lag die durchschnittliche Alterspension 2024 bei:
- 1.563 Euro brutto für Frauen
- 2.620 Euro brutto für Männer
Die PVA weist für 2025 ähnliche Werte aus.
Eine Pension gilt als gut, wenn sie:
- über dem Durchschnitt liegt
- deutlich über der Ausgleichszulage liegt
- den Lebensstandard weitgehend sichert
Die Gender Pension Gap beträgt weiterhin rund 40 %.
Pensionsrechner: Wie hoch wird meine Pension?
Der offizielle PVA‑Pensionsrechner ermöglicht eine realistische Einschätzung der späteren Pension – basierend auf Einkommen, Versicherungszeiten und Erwerbsverlauf.
👉 PVA‑Pensionsrechner: pensionsversicherung.at
Pensionserhöhung 2026
Valorisierung 2026: Pensionen steigen um 6,1 %
Die Pensionen wurden 2026 gemäß der gesetzlichen Anpassungsformel um 6,1 % erhöht – basierend auf der durchschnittlichen Inflation des Vorjahres. Es gab keine zusätzliche Sonderanhebung für niedrige Pensionen.
Quelle: BM für Soziales – Pensionsanpassung 2026 (BGBl. II)
Zweite und dritte Säule: Kapitalgedeckte Vorsorge in Österreich
Wie stark ist Österreichs private Vorsorge wirklich?
- Arbeitgeber zahlen 1,53 % des Bruttolohns in Vorsorgekassen
- Keine verpflichtende betriebliche Altersvorsorge
- Staatliche Prämie für Zukunftsvorsorge: 1,5 %
Trotz Förderung bleibt die kapitalgedeckte Vorsorge schwach ausgeprägt – wegen niedriger Einkommen, geringem Vertrauen in Kapitalmärkte und der starken Rolle des Umlagesystems.
Pflege: Zahlen und gesetzliche Lage
- 470.000 Menschen beziehen Pflegegeld
- Pflegeregress bleibt abgeschafft
- Keine Pflegeversicherung in Österreich
Steuern und Finanzierung
Österreich erhebt:
- keine Erbschaftssteuer
- keine Schenkungssteuer
- keine Vermögenssteuer
Pensionen und Pflege werden überwiegend über Beiträge und Steuermittel finanziert.
Steuern auf Immobilien: Warum Österreich trotz fehlender Erbschaftssteuer sehr wohl besteuert – und wo die Belastung besonders hoch ist
Österreich erhebt keine Erbschafts‑ und Schenkungssteuer – das stimmt formal. In der Praxis gibt es jedoch mehrere Steuerarten, die bei Immobilien‑ und Grundstücksübertragungen fällig werden und faktisch eine ähnliche Wirkung haben wie eine Erbschaftssteuer. Besonders relevant sind dabei die Immobilienertragsteuer (ImmoESt) und die Grunderwerbsteuer (GrESt).
Immobilienertragsteuer (ImmoESt): 30 % auf Wertzuwächse
Beim Verkauf von Grundstücken oder Immobilien fällt in Österreich die Immobilienertragsteuer an. Sie beträgt:
- 30 % auf den Gewinn (Differenz zwischen Verkaufspreis und Anschaffungskosten)
Ausnahmen gibt es nur für:
- Hauptwohnsitzbefreiung
- Selbst hergestellte Gebäude
- bestimmte Altvermögen (vor 2002)
Damit ist die ImmoESt eine der höchsten Kapitalgewinnsteuern Europas.
Grunderwerbsteuer (GrESt): Auch bei Erbschaften und Schenkungen fällig
Die Grunderwerbsteuer wird immer fällig, wenn Eigentum an einer Immobilie übertragen wird – auch innerhalb der Familie, bei Schenkungen und Erbschaften.
Die Höhe:
- 0,5 % für die ersten 250.000 €
- 2 % für die nächsten 150.000 €
- 3,5 % für alles darüber
Bemessungsgrundlage ist der Grundstückswert, nicht der Marktpreis.
Damit ist die GrESt bei Erbschaften und Schenkungen de facto eine Ersatz‑Erbschaftssteuer, weil sie unabhängig vom Verkauf anfällt.
Warum viele Expertinnen und Experten von einer „versteckten Erbschaftssteuer“ sprechen
Auch wenn Österreich offiziell keine Erbschaftssteuer hat, führen folgende Punkte dazu, dass Immobilienübertragungen trotzdem steuerlich belastet werden:
- Erbschaften und Schenkungen von Immobilien sind nicht steuerfrei, sondern lösen Grunderwerbsteuer aus.
- Verkauft man eine geerbte Immobilie, fällt zusätzlich 30 % Immobilienertragsteuer auf den Wertzuwachs an.
- Damit können bei einer Erbschaft effektiv mehrere zehntausend Euro an Steuern anfallen – je nach Wert sogar deutlich mehr.
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Schnelle Trendwechsel an der Börse: Warum Marktbewegungen 2026 so abrupt verlaufen
Anleger müssen schneller und flexibler auf Umwälzungen reagieren.
(22.06.2026 aktualisiert).
Schnelle Trendwechsel prägen die Börse 2026
KI‑getriebene Marktmechanismen, algorithmischer Handel und häufigere Umschichtungen führen dazu, dass Anlagetrends kürzer werden. Analysen von BIZ, J.P. Morgan und UBS – ergänzt um aktuelle Marktbewegungen im Frühjahr 2026 – zeigen, wie stark sich Marktregime verändern und was das für Anleger bedeutet.
Warum schnelle Trendwechsel die Börse 2026 dominieren
Die vergangenen Jahre waren von einem außergewöhnlich stabilen KI‑Boom geprägt, der rund drei Jahre anhielt. Solche „Dauerläufer“ werden jedoch seltener. Themen, die kurzfristig zu Trends stilisiert wurden – etwa vegane Lebensmittel oder Cannabis‑Aktien – verschwanden bereits binnen weniger Monate wieder aus dem Fokus der Anleger.
Diese Entwicklung setzt sich 2026 fort. Seit März ist eine deutliche Rotation zu beobachten: Während große US‑Technologiewerte nach einer Phase starker Übertreibungen mehrfach abrupt korrigierten, verlagerten institutionelle Investoren Kapital in japanische und europäische Standardwerte. Diese Umschichtungen erfolgten innerhalb weniger Handelstage – ein Muster, das die zunehmende Geschwindigkeit von Trendwechseln unterstreicht.
BIZ: Märkte verändern sich schneller und grundlegender
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) betont in ihrem Rückblick auf das Schlussquartal 2025, dass sich die Einflussfaktoren an den Finanzmärkten immer rascher und grundlegender verändern.
Trotz äußerlicher Ruhe im Dezember 2025 registrierte die BIZ deutliche Umschichtungen: eine Meidung großer US‑Konzerne, eine steigende Attraktivität europäischer und japanischer Aktien sowie einen verstärkten Aufschwung in Schwellenländern. Diese Bewegungen markieren laut BIZ den Beginn eines neuen Marktregimes – eines, in dem schnelle Trendwechsel zur Normalität werden.
Die Entwicklungen im Frühjahr 2026 bestätigen diese Einschätzung: Die Marktstimmung kippte mehrfach zwischen „Soft Landing“ und „Reflation“, ausgelöst durch widersprüchliche Konjunkturdaten und wechselnde Erwartungen an die US‑Notenbank. Innerhalb weniger Wochen wechselten Anleger zwischen Risikoappetit und Risikoaversion – mit entsprechenden Ausschlägen in Aktien, Anleihen und Rohstoffen.
Wenn logische Argumente plötzlich verpuffen
Wie abrupt Trendbrüche heute erfolgen können, zeigte die BIZ bereits am Beispiel der Gold‑Rallye Anfang 2025. Der Höhenflug endete innerhalb weniger Tage, ausgelöst durch massive Auflösungen von Hebelprodukten. Im März 2025 wurden Gold und Silber nicht mehr als sichere Häfen, sondern zunehmend wie risikoreiche Anlagen gehandelt.
Ein ähnliches Muster zeigte sich im Mai 2026 erneut: Nach einem starken Jahresauftakt verloren Edelmetalle innerhalb kurzer Zeit an Boden, als die Märkte ihre Erwartungen an die Zinswende neu justierten. Die traditionelle Rolle von Gold als Stabilitätsanker wurde damit erneut infrage gestellt.
J.P. Morgan: Technologische Sprünge beschleunigen Trendwechsel
Der Marktausblick von J.P. Morgan für 2026 zeigt, dass technologische Entwicklungen, die tief in den Alltag eingreifen, zugleich als Beschleuniger für kürzere Anlagetrends wirken. Rasante Informationsverbreitung, algorithmischer Handel und höhere Volatilität führen dazu, dass Marktbewegungen intensiver und unvorhersehbarer werden.
Diese Dynamik zeigte sich zuletzt besonders deutlich bei KI‑Aktien: Einzelne Titel verzeichneten im Frühjahr 2026 zweistellige Kursbewegungen innerhalb weniger Tage – sowohl nach oben als auch nach unten. Nachrichten, die früher über Wochen eingepreist wurden, wirken heute innerhalb von Stunden.
UBS Global Wealth Management: Kurzfristige Bewegungen aktiv nutzen
UBS Global Wealth Management setzte bereits im Sommer 2025 verstärkt auf Strategien, die kurzfristige Marktbewegungen aktiv nutzen. Die jüngsten Entwicklungen bestätigen diesen Ansatz: Die schnelle Rotation zwischen Regionen, Sektoren und Stilen macht flexible Allokationen wichtiger denn je.
Was bedeutet das für Anleger 2026?
Schockereignisse konnten schon immer langfristige Aufwärtstrends abrupt beenden. Neu ist laut J.P. Morgan jedoch die zunehmende Bedeutung chronischer Störeffekte: häufigere Wechsel der Marktstimmung, raschere Zyklen zwischen geldpolitischer Straffung und Lockerung sowie höhere und unberechenbarere Marktschwankungen.
Hausse‑Phasen bleiben möglich, werden aber öfter durch plötzliche Rückgänge unterbrochen. Die Ereignisse des Frühjahrs 2026 – von der Tech‑Korrektur über die Zinswende‑Unsicherheit bis zur Rohstoffvolatilität – zeigen, wie schnell sich Marktregime ändern können.
Fazit: Schnelle Trendwechsel prägen die Börse 2026
Die Analysen von BIZ, J.P. Morgan und UBS – ergänzt um die jüngsten Marktbewegungen – zeichnen ein klares Bild: Schnelle Trendwechsel an der Börse werden 2026 zur Normalität. Anlagetrends sind kürzer, volatiler und stärker technologiegetrieben. Wer erfolgreich investieren will, braucht weniger starre Überzeugungen – und mehr taktische Flexibilität.
Autor: Roman Steinbauer
Foto: Adobe Stock / Pungu x / mit KI generiert
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HV der OMV: Ziellose Proteste
Florian Beckermann (05.06.2026). Wer die OMV-HV-Historie kennt, hatte es befürchtet: Proteste, Krawall. So hat der Interessenverband für Anleger (IVA) in einem offenen Brief zur Zurückhaltung aufgerufen – um für einen friedlichen Ablauf zu werben und um das Institut der Hauptversammlung für alle Aktionäre als solches zu schützen. Nach der HV muss man feststellen: Nicht jeder scheint die Zeichen verstanden zu haben, denn etwas mehr als 30 Personen wollten „Chaos stiften“. Die Sucht nach Befriedigung der eigenen Bubble war wohl größer.
Vor Ort: Zunächst mag die Sachfremdheit des Protests erstaunen. Allen voran die Forderung nach „Vergesellschaftung“ des Unternehmens (Anm. Überführung ins Staatsvermögen). Auf der Aktionärsversammlung die Enteignung der Aktionäre zu fordern ist schlicht deplatziert. Man mag fragen, ob die eigene Enteignung gleich mitgefordert wird? Oder hatte das der Vollmachtgeber nicht berücksichtigt? Allein aus der klimaaktivistischen Sicht macht dieser Gedanke wenig Sinn, wäre doch viel Staatskapital für diesen Stunt nötig. Es wäre wohl deutlich besser in entsprechenden Klimaschutzprojekten einzusetzen. Neben vielen anderen Argumenten. Die Aktionäre reagierten nachvollziehbarerweise mit Unmut.
Die Art des Protests war ferner bemerkenswert: Ein Skandieren von „Mehr Öl!“ oder die emotionalisierend vorgetragene „Generationenfrage“ (Anm. Ressourcenverbrauch zu Lasten künftiger Generationen und nachteilige Schaffung von Klimarisiken) bestimmten die Meldungen. Mag ob der Selbstironie noch ein Schmunzeln der Aktionäre dabei gewesen sein, auf das Geschäftsmodell der OMV ging niemand ein. Weder die Nachhaltigkeitsberichterstattung noch die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie waren thematisch vertreten. Eine konkrete Auseinandersetzung mit dem Unternehmen als Transformator fand nicht statt. Natürlich sind dafür das konkrete Studium der Unterlagen und das Verständnis eines globalen Konzerns Voraussetzung.
Einmal mehr zeigt sich, dass Protest als Selbstzweck die Überzeugungskraft der Argumente schwächt. Mit Krawall mögen die Störer Aufmerksamkeit erhaschen, Respekt jedoch verlieren sie. Insbesondere dann, wenn der Aktivismus inhaltlich ziellos umherirrt und unkonkret wirkt. Es wurde die Chance verpasst, sich konstruktiv für Klimafragen auf der Versammlung der Aktionäre einzusetzen. Man erkennt, dass auch in der Klimaaktivistenszene radikale Kräfte die Bühne übernehmen, wenn die konstruktiven Kräfte Lust und Zeit verlieren.
Zurück bleibt der befürchtete Missbrauch der Hauptversammlung, die sich dennoch behauptete. Sie lebt von der Debatte, nicht von Trillerpfeifen oder vom Niederbrüllen – wie jedes demokratische Forum. Sie zu schädigen, ist ein Angriff auf das Eigentum und die offene, liberale Aktionärsdemokratie. Dem Fingerspitzengefühl des Versammlungsleiters Lutz Feldmann und dem konsequenten Einschreiten des Saaldienstes war es zu verdanken, dass eine Balance zwischen „Störerinteresse“ und Aktionären gefunden wurde.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
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EZB Zinserhöhung Pro und Contra: Kritiker warnen vor Fehlentscheidungen
Kritiker sehen Mario Draghis Vermächtnis gefährdet und warnen vor Zinserhöhungen.
Wegweisender Draghi-Report über Wettbewerbsfähigkeit der EU findet kein Gehör
(05.06.) Der ehemalige EZB-Chef (2011 bis 2019) und spätere italienische Ministerpräsident Mario Draghi (2021 bis 2022) hatte seinerzeit in seinem allgemein als schonungslos bezeichneten „Draghi-Report“, in dem er ohne die üblichen Umschweife und sehr konkret auf notwendige Reformen zugunsten der europäischen Wettbewerbsfähigkeit hinwies, etwas zustande gebracht, das vor und nach ihm niemandem gelungen ist, nämlich Applaus von der Linken bis zu Viktor Orbán zu erhalten. Nun scheint man auf ihn weniger zu hören.
Mario Draghi Vorschlag: Jährlich 800 Mrd. Euro für Wachstum
Der Report konzentrierte sich neben anderen Vorschlägen auf den Schwerpunkt, Wachstum des europäischen BIP durch ein großzügiges Hineinpumpen von 750 bis 800 Mrd Euro jährlich in den Markt zu erzielen.
1. Für ökologische Transformation und Verteidigung
Dieses Geld sollte Innovation, ökologische Transformation (in erster Linie eine Dekarbonisierung) und – schon damals – den militärischen Verteidigungsbereich stärken bzw. finanzieren.
2. Unabhängige Lieferketrten
Auch drängte Draghi auf eine größere Unabhängigkeit europäischer Lieferketten.
Sein zum Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise 2012 verkündetes Motto „Whatever it takes“ ist in die europäische Wirtschaftsgeschichte eingegangen. Zahlreiche Kapitalmarktteilnehmer bezeichneten sein Vorgehen als eine Art neuen Marschallplan. Historisch ist vor allem seine Mahnung zu einem gemeinsamen Vorgehen der Eurostaaten zu würdigen. Andere Stimmen kritisieren wiederum die durch die hohen Geldmengen verursachte Inflation.
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1. Kritik: Proaktives Handeln der EZB fehlt
Denn die europäischen Institutionen fallen vor allem durch Untätigkeit auf, meinen viele Marktteilnehmer: „Was den Pragmatismus und den proaktiven Ansatz betrifft, die Draghis Amtszeit an der Spitze der Europäischen Zentralbank geprägt haben, scheint es heute kaum mehr als ein kurzes Zwischenspiel gewesen zu sein“, kommentiert beispielsweise der französische Vermögensverwalter LFDE.
2. Kritik: EZB konzentriert sich zu sehr auf hohe Energiepreise
Worum geht es? Dass die derzeitige Konjunktur europaweit wie global angesichts der zahlreichen Krisen, allen voran des instabilen geopolitischen Umfelds, ein äußerst volatiles Bild abgibt, weiß eigentlich schon jedes Kind. Kritiker des derzeitigen EZB-Kurses weisen, ganz im Sinne der seinerzeitigen draghischen Politik darauf hin, dass es möglicherweise notwendig werde, die Konjunktur durch Zinssenkungen (oder wenigstens den Verzicht auf Zinserhöhungen) zu stützen. Stattdessen konzentriere sich die EZB allein auf die hohen Energiepreise infolge des Iran-Krieges und deren Auswirkungen auf die Inflationsraten.
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Tatsächlich führen beide Seiten nachvollziehbare Argumente in die Diskussion. Olli Rehn, Gouverneur der finnischen Zentralbank, EU-Kommissar a.D. und Mitglied des EZB-Rates, meint, man werde wohl gezwungen sein, die Zinssätze anzuheben, um Glaubwürdigkeit zu bewahren. In dasselbe Horn stößt, wie bereits berichtet, EZB-Direktorin Isabel Schnabel in einem Reuters-Interview: „Aus heutiger Sicht halte ich eine Zinserhöhung im Juni für nötig.“ (Die nächste EZB-Zinssitzung findet am 11. Juni statt; Anm.)
2008 und 2011: Zinserhöhungen zur falschen Zeit
Einig sind sich beide Seiten darin, dass die Fehler von 2008 und 2011 nicht wiederholt werden dürften, als die EZB zu spät auf den Anstieg der Inflation reagierte und die Zinssätze zu einem völlig falschen Zeitpunkt erhöhte, als es mit der Konjunktur wieder bergab ging. Die Folgen, ein Dahindümpeln der europäischen Wirtschaft, seien fatal gewesen.
Es ist nicht so wichtig, welchen Weg man in der Geldpolitik wähle, sondern dass man diesen konsequent geht.
Konsequenz als Leitlinie: Was Experten fordern
Was also tun? Starke Stimmen in der EZB sehen sich an ihre Hauptverantwortung, die Stabilisierung des Geldes, erinnert und geben der Inflationsbekämpfung Vorrang. Die Kritiker, die die Erhaltung der Konjunktur in den Vordergrund stellen, warnen vor einer Zinserhöhung. Gewissermaßen haben beide recht. Auch darf an die Traditionen der Vor-Euro-Ära erinnert werden, als Hartwährungsländer wie Deutschland allergischer auf Inflation reagierten als die romanischen Volkswirtschaften. Dies steckt bis heute in der jeweiligen DNA. Der ehemalige CEO der Erste Group, Andreas Treichl, hat zu Zeiten der Finanzkrise jedenfalls gemeint, in erster Linie sei nicht so wichtig, welchen Weg man in der Geldpolitik wähle, sondern dass man diesen konsequent ginge.
Autor: Mag. Tibor Pásztory
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Bei der Allianz stimmt das globale Umfeld
Versicherer muss aber neue Märkte erschließen, um höhere Kursregionen für die Aktie zu rechtfertigen.
Kurz-Zusammenfassung
- Allianz steigert operativen Gewinn und peilt 17,4 Mrd. Euro für 2026 an
- Globaler Versicherungsboom treibt strukturelles Wachstum
- Indien wird zum Schlüsselmarkt für langfristige Expansion
- Joint Ventures stärken Marktpräsenz in Schaden, Kranken und künftig Leben
- Aktie nahe Allzeithoch, Bewertung moderat, aber Wachstumserwartungen gedämpft
- Hohe Solvency-II-Quote ermöglicht Dividenden und Aktienrückkäufe
- Einstiegschance bei Rücksetzern Richtung 370 Euro
Bei der Allianz stimmt das globale Umfeld
Operatives Wachstum trägt die Aktie
Versicherer muss aber neue Märkte erschließen, um höhere Kursregionen für die Aktie zu rechtfertigen.
(05.06.). Beim weltweit zweitgrößten Versicherer Allianz läuft es auch im neuen Geschäftsjahr. Der operative Gewinn kletterte im ersten Quartal um 6,6 % auf einen neuen Rekordwert von 4,5 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr sieht Vorstandschef Oliver Bäte den Dax-Konzern hier auf gutem Weg, die Jahresprognose von 17,4 Milliarden Euro zu erreichen. Zugleich bewegt sich die Aktie nahe ihres Allzeithochs bei 397 Euro, das sie Anfang Mai erreicht hatte.
Globaler Versicherungsboom treibt strukturelles Wachstum
Starke Dynamik in Kranken- und Schadenversicherung
Wie stark das strukturelle Wachstum der globalen Versicherungsmärkte aktuell ist, hat die im hauseigenen Allianz Research tätige Marktforschung mit ihrem gerade veröffentlichten Global Insurance Report 2026 untermauert. Demnach wuchs die globale Versicherungswirtschaft 2025 um 7,1 % auf 6,9 Billionen Euro, was deutlich über dem Zehnjahresschnitt von 5,6 % liegt. Besonders stark schnitten die Prämien der Krankenversicherer ab, die um 12,3 % zulegten und damit den besten Wert seit 2014 schafften. Dagegen normalisierte sich das Prämienwachstum im Schaden- und Unfallsegment nach dem Preisboom von 8,5 % im Vorjahr wieder auf 3,8 %.
Allianz: Asien, speziell Indien, wird zum Wachstumsmotor
Für die nächsten zehn Jahre erwartet Allianz Research ein globales Jahreswachstum von 5,3 %. Mehr als die Hälfte des prognostizierten Zuwachses von fast 5,3 Billionen Euro soll aus Asien kommen. Indien ragt dabei als Wachstumsmarkt heraus: Die Versicherungsdurchdringung liegt derzeit bei lediglich 3,8 % des BIP bei Pro-Kopf-Ausgaben von rund 85 Euro. Das Aufholpotenzial ist also enorm.
Allianz setzt strategisch auf Indien
Joint Ventures öffnen den Zugang zum Subkontinent
Über das gerade gegründete Joint Venture Jio Allianz General Insurance Limited (JAGIL) klinkt sich die Allianz in den indischen Markt ein. JAGIL soll auf dem Subkontinent Schaden- und Krankenversicherungen anbieten. Separat laufen Verhandlungen zu einem zweiten Joint Venture für das Geschäft mit Lebensversicherungen. Der Ausbau von Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz soll vor allem mit dem Großteil des verbleibenden Gewinns von 1,1 Milliarden Euro aus dem Verkauf des Bajaj-Joint-Venture finanziert werden.
Was die Aktie jetzt braucht: neue Wachstumsimpulse
Analysten uneins – Bewertung moderat
Um die Investoren weiter für den Kauf der Aktie der Allianz zu begeistern, braucht die Allianz neue Wachstumsimpulse. Neun Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf, sieben plädieren für Halten und zwei für Reduzieren. Die Kursziele schwanken zwischen 330 und 504 Euro. Mit einem 2027er KGV von unter 12 ist die Allianz-Aktie ähnlich bewertet wie die Papiere des italienischen Rivalen Generali. Und auch bei der für 2026 geschätzten Dividendenrendite von knapp unter 5 % liegen die beiden Versicherer gleichauf. Allerdings erwarten die Analysten bei Generali für die nächsten zwei Jahre ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 10 gegenüber 6 % bei der Allianz.
Solvency-II-Quote ermöglicht starke Kapitalrückflüsse
Aktienrückkäufe stützen den Kurs
Ein dicker Pluspunkt bei der Allianz ist die zuletzt weiter auf 221 % gestiegene Solvency-II-Quote, die sich damit am oberen Ende der historischen Bandbreite bewegt. Dieser Wert bestimmt maßgeblich, wie viel Spielraum Versicherer für Dividenden und Aktienrückkäufe haben. Kumuliert hat die Allianz seit März 842,5 Millionen Euro für Aktienrückkäufe eingesetzt. Das gesamte bis zum Jahresende laufende Rückkaufprogramm ist auf 2,5 Milliarden Euro angelegt, was den Aktienkurs weiter stützen wird.
Einstiegschance: Rücksetzer abwarten
Für neue Engagements in die Aktie empfiehlt es sich, Rücksetzer bis 370 Euro abzuwarten.
Autor: Stefan Riedel, München
Foto: Allianz
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Endlich wieder eine Dividende
Die FACC AG konnte auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurückblicken.
(05.06.) Zum zweiten Mal lud der Innviertler Luftfahrtzulieferer in die FACC-Academy zur Hauptversammlung. Der Einladung waren mehr als 80 Aktionäre gefolgt, die nicht enttäuscht wurden.
Der Beginn der HV gestaltete sich wie schon gewohnt: AR-Vorsitzender Chengkuan Wang erklärte, dass er wegen fehlender Deutschkenntnisse die HV nicht leiten könne, worauf – ebenfalls wie immer – IVA-Vorstandsmitglied Michael Knap zum Vorsitzenden gewählt wurde und diese Aufgabe wieder mit viel Routine bewältigte. Knap schien übrigens auch dieses Jahr an der Abfassung des „Skripts“ beteiligt gewesen zu sein, da Redundanzen der Vorjahre (wie die dreimalige Verlesung eines Tagesordnungspunktes, Anm.) nicht mehr vorkamen.
Erholung bei Boeing, Business Jets stark
Und so konnte der sichtlich zufriedene CEO Robert Machtlinger (Foto) über ein neues Rekordjahr mit einem Umsatz von 984,4 Millionen Euro (+11 %) und einem Ebit von 42,3 Millionen Euro berichten. „Das liegt auch daran, dass sich Boeing im vergangenen Jahr sichtlich erholt und die Produktion wieder gesteigert hat“, erläuterte er. So stiegen die Boeing-Auslieferungen 2025 auf 600 Einheiten im Vergleich zu 348 im Jahr davor. Das Geschäft mit Airbus läuft ohnehin gut wie immer.
Sehr positiv: bei den Business Jets (Hauptkunden Bombardier und Embraer) sind die Umsätze stark gewachsen. „Das ist darauf zurückzuführen, dass es immer mehr Anbieter von Mietflugzeugen dieser Klasse gibt, die relativ große Flotten anlegen“, erklärte Machtlinger. Hier ist FACC Weltmarktführer bei Kabinenausstattungen, der Anteil am Umsatz liegt inzwischen bei 18 %.
Erweiterung in Oberösterreich
Ebenfalls erfreulich ist die Tatsache, dass man am Standort St. Martin im Innkreis bis 2028 um rund 120 Millionen Euro ein neues Werk für Aerostructures errichten wird. Hier soll auch ein neuer Forschungsbereich für Zukunftstechnologien wie z. B. KI und weitere Automatisierung entstehen. „Gründe dafür gibt es einige“, führte Machtlinger aus. „Wir haben qualifiziertes Personal, die Strukturen sind vorhanden und F&E sowie die Testanlagen sind auch schon hier. Würden wir woanders neu bauen, würde das ein Vielfaches kosten.“
Im Anschluss ging CFO Florian Heindl auf die Geschäftszahlen ein, wobei er einräumte, dass ihm die Ebit-Marge von 4,3 % „immer noch zu wenig“ ist. „Da wollen wir auf jeden Fall mehr“, meinte er. Auf spätere Nachfrage von IVA-Mann Florian Beckermann erklärte der Vorstand, bei den Aerostructures sei das Potenzial, mehr als 10 % zu erreichen, vorhanden. „Bei Engines & Nacelles, wo auch das Drohnengeschäft angesiedelt ist, sind wir ohnehin bei mehr als 12 %.“
Antrag auf Dividendenverzicht
Zu Beginn der Generaldebatte stellte ein bekannter Linzer Aktionär, der sich diesmal ausnahmsweise nicht über den Aktienkurs beschweren konnte, den Antrag, man solle keine Dividende zahlen, um das Geld im Unternehmen zu lassen. Das Podium gab dazu keinen Kommentar ab, nur Beckermann widersprach ihm und meinte, die Dividende sei etwas dürftig und außerdem „wohl eher symbolisch“.
Zu seiner Frage nach Auswirkungen der US-Politik erklärte Machtlinger, dass man diese im Blick behalte, aber „es storniert keiner deswegen Bestellungen, weil derzeit zwischen 2.500 und 5.200 Flugzeuge fehlen“.
Ein anderer Anteilseigner wollte wissen, wieviel Ebit-Marge man 2025 durch das CORE-Programm (der Börsen-Kurier berichtete) erzielt hätte. „Das kann man nicht allein durch CORE beziffern“, antwortete Heindl. „CORE bedeutet ja nicht nur Einsparungen, es ist viel umfassender. Die höhere Marge liegt auch an außerordentlichen Preiserhöhungen, unter anderem wegen der Inflation und steigender Kosten.“
Dank eines weiteren Anteilseigners erfuhren die Anwesenden dann noch, dass man insgesamt 2,5 Millionen Euro in Schulungsmaßnahmen investiert hat und die Anzahl der F&E-Mitarbeiter bei rund 600, davon 400 in Österreich, liegt. Und die FACC hält knapp 400 Patente.
Die Abstimmungen verliefen alle im Sinne der Anträge, wobei die neue Vergütungspolitik mit fast 2 Mio Gegenstimmen am wenigsten Zustimmung fand.
Autor: Cornelius M. Pirch
Foto: FACC
| Auf einen Blick: |
|
| Anwesend: |
64,24 % GK |
| Information: |
Gut |
| Organisation: |
Sehr gut |
| Stimmung: |
Freundlich (gut) |
| Dividende: |
1,10 Euro/Aktie |
| Ex-Tag: |
1.6. Zahltag: 5.6. |
Mercosur: Auswirkungen auf österreichische Industrie
Die Auswirkungen des Freihandelsabkommens sind für große Konzerne überschaubar.
- Mercosur Auswirkungen Österreich: EU‑Mercosur‑Abkommen abgeschlossen, rechtliche Einstufung als EU‑only weiter offen.
- Politische Blockaden: Frankreich und Österreich bremsen wegen Umwelt- und Agrarstandards.
- Zollabbau: 91 % der Zölle sollen fallen, EU‑Unternehmen könnten 4 Mrd. € jährlich sparen.
- Geringe Effekte für Österreichs Industrie: Voestalpine, Palfinger, Kapsch, Lenzing, Wienerberger und ams Osram kaum betroffen.
- Einzelne Chancen: Andritz profitiert potenziell durch günstigere Maschinenexporte in Mercosur‑Staaten.
Mercosur Auswirkungen Österreich: Politische Unsicherheiten bleiben
(akt. 6.7.2026) Die Europäische Union und die vier Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay haben ihre Verhandlungen über ein umfassendes Freihandelsabkommen abgeschlossen – wie aus der Mitteilung des Rates vom 17. Januar 2026 hervorgeht, in unterzeichnet im „Interim Trade Agreement“ (iTA).
EU-only Entscheidung und rechtliche Bewertung offen
Ob das Abkommen als „EU-only“ eingestuft wird, ist Stand Mitte 2026 weiterhin ungeklärt. Die Europäische Kommission hat keine Entscheidung und keinen Zeitplan veröffentlicht – wie aus der aktuellen Übersicht der Kommission hervorgeht, die den Status weiterhin als „pending legal assessment“ nennt.
Mercosur Auswirkungen Österreich: Blockaden durch Mitgliedstaaten
Frankreich und Österreich bremsen das Abkommen 2026
Mehrere Mitgliedstaaten, darunter Frankreich und Österreich, haben 2026 erneut politische Vorbehalte geäußert, insbesondere wegen Umwelt- und Agrarstandards. Wie aus der Berichterstattung von Euractiv vom 12. Juni 2026 hervorgeht, blockieren diese Staaten weiterhin eine Einstufung als EU-only.
Mercosur Auswirkungen: Wirtschaftliche Effekte laut EU-Kommission
Zollabbau und mögliche Einsparungen für EU-Unternehmen
Während Fachjuristinnen und Fachjuristen die möglichen Ratifizierungswege prüfen, bewertet die Industriellenvereinigung (IV) den Abschluss der Verhandlungen als historische Einigung. Rund 91 % der Zölle auf europäische Exporte in die Mercosur-Region sollen entfallen – wie aus der Folgenabschätzung der EU-Kommission hervorgeht, die 2026 erneut bestätigt wurde.
Laut EU-Kommission könnten Unternehmen in der EU dadurch jährlich rund 4 Mrd. Euro einsparen – wie aus der aktualisierten wirtschaftlichen Bewertung 2026 hervorgeht.
Auswirkung auf börsennotierte Unternehmen in Österreich erwartet
Warum Österreichs Industrie kaum vom Zollabbau profitiert
Die großen börsennotierten Industrieunternehmen selbst sehen das Mercosur-Abkommen nicht ganz so euphorisch, wie eine Umfrage des Börsen-Kurier-Partners Interessenverband für Anleger (IVA) anlässlich der Hauptversammlungen 2024 ergab. Die großen Betriebe sind meist schon mit Produktionsstätten in Südamerika aktiv und nutzen gleichzeitig Südamerika als Absatzmarkt und sind daher nicht so sehr von Zöllen betroffen.
Mercosur Auswirkungen auf Voestalpine im Südamerika-Geschäft
Der aktuelle Umsatz der voestalpine in Lateinamerika (Südamerika) beträgt im Geschäftsjahr 2025/26 rund 447,3 Mio. Euro. Das entspricht drei Prozent des Konzernumsatzes. Diese wurden überwiegend von Voestalpine-Standorten in Südamerika umgesetzt. Nur ein überschaubarer Teil der Geschäftstätigkeit am südamerikanischen Kontinent erfolgte aufgrund von Exporten von europäischen Voestalpine-Standorten, erklärt der Konzern in der Umfrage. Umgekehrt wurden Lieferungen von Standorten der Voest-alpine in Südamerika nach Europa nur in einem geringen Ausmaß getätigt. Demzufolge ist die Voest-alpine direkt nur vereinzelt vom Mercosur-Abkommen betroffen.
Mercosur Auswirkungen auf Palfinger, Kapsch und Andritz
Auch Palfinger, das rund 5 % des Umsatzes in Südamerika erwirtschaftet, würde von den wegfallenden Zöllen wenig profitieren, weil der Konzern die Strategie verfolgt, in der Region für die Region zu produzieren (Local-for-Local). Jedoch würde ein Abschluss Palfinger insofern zugutekommen, als damit bessere Rahmenbedingungen für Investitionen und Kooperationen in Mercosur-Staaten die regionale Produktion und Rohstoffbeschaffung erleichtern würden, was sich positiv auf die globale Lieferkette auswirken sollte, wie CEO Andreas Klauser auf Anfrage des Börsen-Kurier erklärt.
Ähnliches gilt für Kapsch TrafficCom. Südamerika ist ein wichtiger Markt für den Mautsystementwickler, vor allem als Wachstumsmarkt. Jedoch hat das Mercosur-Abkommen für den Konzern nur bedingt Auswirkungen, da der Großteil der Wertschöpfungskette innerhalb der Region stattfindet, so das Unternehmen uns gegenüber.
Positive Effekte für Andritz erwartet
Positive Effekte hätte der Zollabbau für den Maschinenbauer Andritz. So meint dieser bei der IVA-Umfrage, dass die Zollerleichterungen die Exporte von Maschinen und Komponenten für Projekte in die Mercosur-Staaten günstiger machen.
Lenzing, Wienerberger und ams Osram ebenfalls mit geringer Relevanz
Der Holzfaserproduzent Lenzing sieht sich in dieser Umfrage kaum betroffen von dem Abkommen. Auch der Baustoffproduzent Wienerberger hat derzeit keine laufenden Geschäftsaktivitäten in Südamerika und sah die Auswirkungen im vergangenen Jahr noch als nicht wesentlich an.
Der Chip- und Sensorikkonzern ams Osram ist zwar in den Mercosur-Staaten geschäftlich tätig, allerdings spielen diese Märkte für den Gesamtumsatz eine untergeordnete Rolle, wie man gegenüber dem Börsen-Kurier erklärt. So hätte eine endgültige Ratifizierung des Abkommens keine nennenswerten Auswirkungen auf das Geschäft des Konzerns.
Autor: Christian Sec
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Voestalpine Hauptversammlung 2026: Kritik trotz guter Entwicklung
Die Geldpolitik der EZB im historischen Vergleich: Warum sich die 1980er nicht wiederholen lassen
Historischer Blick: Die Volcker‑Ära als Referenzpunkt
Als die Inflation in den USA zwischen 1979 und 1980 auf fast 15 % kletterte, reagierte die Federal Reserve unter Paul Volcker mit einer drastischen Straffung der Geldpolitik. Die Fed Funds Rate wurde zeitweise auf 20 % angehoben – deutlich über die Inflationsrate. Diese Phase extrem hoher realer Zinsen führte dazu, dass die Teuerung bis 1982 wieder auf unter 4 % fiel. Quelle: OECD
In Deutschland lagen Anfang der 1980er‑Jahre positive Realzinsen vor: Die Inflationsrate betrug 1980/81 rund 5–6 %, während der Diskontsatz der Bundesbank auf 7–7,5 % angehoben wurde.
Diese historische Erfahrung gilt bis heute als Musterbeispiel erfolgreicher Inflationsbekämpfung.
Die Lage im Jahr 2022: Schnelle, aber begrenzte Zinsschritte
USA – kräftige Straffung nach verspäteter Reaktion
2022 hat die US‑Notenbank die Zinsen in kurzer Zeit stark erhöht: Von März bis Juli stieg die Fed Funds Rate von 0–0,25 % auf 2,25–2,50 %. Der Markt erwartete für September eine weitere Anhebung um 75 Basispunkte – ein außergewöhnlich schneller Straffungszyklus.
Die Inflation lag im August 2022 bei 8,3 %, nachdem sie bereits 2021 von 1,4 % auf 7,0 % gestiegen war. Die Fed reagierte damit deutlich später als in der Volcker‑Ära.
Eurozone – stärkste Anhebung seit zwei Jahrzehnten
Die EZB erhöhte 2022 ihre Leitzinsen in zwei Schritten um insgesamt 1,25 Prozentpunkte. Am 8. September folgte mit 0,75 Prozentpunkten die größte Einzelanhebung seit 22 Jahren.
Die Inflation stieg im Euroraum von 5,1 % (Jänner) auf 9,1 % (August). Gleichzeitig hob die EZB ihre Inflationsprognosen deutlich an:
- 2022: von 6,8 % auf 8,1 %
- 2023: von 3,5 % auf 5,5 %
- Annäherung an 2 %: erst ab 2024 erwartet
Marktindikatoren wie der 2‑Jahres‑EUR‑Swapsatz (2,57 % per 16. September 2022) signalisierten weitere Zinsschritte bis etwa 2,5 %.
Warum die 1980er‑Strategie heute nicht wiederholbar ist
Der entscheidende Unterschied: Staatsverschuldung
Die wirtschaftliche Lage – hohe Inflation, geopolitische Unsicherheit, Rezessionsrisiken – erinnert oberflächlich an die frühen 1980er‑Jahre. Doch ein Faktor macht eine Wiederholung der Volcker‑Politik unmöglich:
Die Staatsverschuldung ist heute so hoch wie nie zuvor in Friedenszeiten.
USA
- 1980: 30,9 % des BIP
- 2022: rund 122,8 % des BIP
Damit ist die Schuldenquote viermal so hoch wie zu Beginn der Volcker‑Ära. Zinsen von 10–20 % wären für die öffentlichen Haushalte nicht tragbar. Selbst 5 % gelten bereits als mögliche Obergrenze. Quelle: Weltbank.
Eurozone
Deutschland liegt mit 68,2 % (Q1 2022) noch im moderaten Bereich. Doch mehrere große Volkswirtschaften sind hoch verschuldet:
- Frankreich: 114,4 %
- Spanien: 118,4 %
- Portugal: 127,0 %
- Italien: 155,6 %
- Griechenland: 189,3 %
Ein EZB‑Hauptrefinanzierungssatz von 3 % wäre bereits der höchste Stand seit 2008 – und könnte in einigen Ländern eine neue Schuldenkrise auslösen.
Ausblick – Straffung ja, Volcker‑Schock nein
Die Zentralbanken werden ihre Zinsen weiter anheben, um die Inflation einzudämmen. Doch die Spielräume sind begrenzt:
- Zu hohe Zinsen → Risiko von Schuldenkrisen
- Zu niedrige Zinsen → anhaltend hohe Inflation
Daher ist ein moderater, schrittweiser Zinspfad wahrscheinlicher als ein radikaler Volcker‑Schock. Die EZB dürfte 2022/23 weiter anheben, aber deutlich unter den historischen Niveaus der 1980er bleiben.
FAQ
Wie stark kann die EZB die Zinsen noch erhöhen?
Marktindikatoren deuten auf einen möglichen Höchststand von rund 2,5–3,0 % hin.
Warum sind hohe Zinsen heute gefährlicher als früher?
Weil die Staatsverschuldung in vielen Ländern ein Mehrfaches des Niveaus der 1980er beträgt.
Kann die Inflation ohne drastische Zinsschritte sinken?
Ja, wenn Energiepreise, Lieferketten und Nachfrage sich normalisieren – aber der Prozess dauert länger.
Droht eine Schuldenkrise in Europa?
Ein zu schneller oder zu starker Zinsschritt könnte Länder wie Italien oder Griechenland unter Druck setzen.
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EZB Zinserhöhung Pro und Contra: Kritiker warnen vor Fehlentscheidungen
ATX Kaufempfehlung: Die spannendsten Aktien für das 2. Halbjahr 2026 an der Wiener Börse
Kurzfazit: Die spannendsten ATX‑Kaufempfehlungen für das zweite Halbjahr 2026 sind laut Analysten
die Erste Bank Gruppe, Vienna Insurance Group (VIG), Andritz, PORR, SBO und Agrana – jeweils aus unterschiedlichen Gründen. Die Auswahl basiert aufgrund von strukturellem Potenzial, zyklischen Einstiegschancen und lukrativen, sowie stabilen Geschäftsmodellen.
Inhaltsverzeichnis
-
- ATX‑Kurszuwächse 2025 und das erste Halbjahr 2026
- Erste Bank Gruppe: Überdurchschnittliches Gewinnwachstum
- Vienna Insurance Group: Deutlich höhere Gewinnprognose
- Andritz: Dynamisches Wachstum trotz schwächelnder Autoindustrie
- PORR: Rebound mit CEE‑Hebel
- SBO: Energie‑Hebel
- Agrana: Defensiver Dividendenwert
- Makrotrends: Zinsen, Energie, CEE
- Fazit für Anleger
ATX‑Kurszuwächse 2025 und das erste Halbjahr 2026
Der Aktienindex der Wiener Börse, der ATX, erzielte 2025 mit +45,41 %. Die stärkste Jahresperformance seit dem Jahr 2005. Im ersten Halbjahr 2026 kletterte der Kurs um weitere 20 Prozent.
Warum haben ausgewählte ATX‑Aktien nach wie vor Kurspotential?
Dafür gibt es vor allem vier Gründe:
- Attraktive Bewertung: Viele ATX-Unternehmen werden trotz guter Gewinne günstiger bewertet als vergleichbare europäische Unternehmen.
- Hohe Dividenden: Der ATX zählt traditionell zu den dividendenstärkeren Indizes Europas.
- CEE-Exposure: Viele österreichische Unternehmen profitieren vom Wachstum in Zentral- und Osteuropa.
- Solide Unternehmensgewinne: Vor allem Banken, Industrie- und Versicherungswerte liefern weiterhin robuste Ergebnisse
Dennoch ist nach den starken Kursanstiegen Vorsicht geboten, denn die Luft wird was die Auswahl betrifft und die Kurse dürften kurzfristig nicht mehr durch die Decke gehen.
– Für den langfristigen Vermögensaufbau, gelten derzeit insbesondere Erste Group, BAWAG, Vienna Insurance Group und ANDRITZ als die qualitativ stärksten Kombinationen aus Gewinnwachstum, Bewertung und Dividende.
– Für Anleger mit höherer Risikobereitschaft werden Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment und DO & CO von Analysten als chancenreich eingestuft.
1. Finanzbranche
Erste Group Bank
Das Bankhaus Barclays gibt aktuell eine positive Einschätzung (“Overweight”) für die Erste Group Bank aus.
Ihre Begründung:
- Erste Group Bank erzielt nach Einschätzung eine der höchsten Eigenkapitalrenditen im europäischen Bankensektor.
- Das erwartete Gewinnwachstum in Zentral- und Osteuropa ist überdurchschnittlich.
- Die Aktie ist laut den Analysten trotz Kursanstiegs im Branchenvergleich noch attraktiv bewertet.
- Zusätzlich sehen die Analysten Potenzial für höhere Kapitalausschüttungen an die Aktionäre.
Auch die Analysten von JP Morgen sind für die Kursentwicklung der Erste Bank optimistisch. “Für Banken mit hoher Profitabilität und starker Position in Wachstumsregionen wie der Erste Group werden stabile Nettozinserträge und eine robuste Gewinnentwicklung erwartet”, so einer der Begründungen.
Vienna Insurance Group
Die Aktie der Vienna Insurance Group (Unternehmensgruppe der Wiener Städtischen Versicherung) verspricht stabile Gewinne, verfügt über eine starke Marktstellung in Osteuropa und weist eine attraktive Dividendenrendite auf.
Die UBS empfiehlt die Aktie zum Kauf. Begründung der Empfehlung:
- Die von der VIG vorgestellten Finanzziele bis 2028 wurden als ambitioniert und zugleich glaubwürdig bewertet.
- UBS erwartet eine anhaltend steigende Profitabilität sowie wachsende Gewinne.
- Positiv hervorgehoben wurden die verbesserte Visibilität des Geschäftsmodells und das Potenzial für steigende Dividenden.
Die Erste Group Research stuft die Aktie der VIG ebenfalls als Kauf ein. Ihre Entscheidung beruht ebenfalls auf den deutlich höherer Gewinnprognosen des Versicherers. Sie sehen deshalb weiteres Kurspotenzial, selbst nach dem Erreichen neuer Höchststände. Erwartet werden steigende Gewinne je Aktie sowie kontinuierlich höhere Dividenden,
2. Industrie & Maschinenbau
Andritz
UBS gibt für den Industrie‑Technologieanbieter Andritz eine Kaufempfehlung aus. Begründung der Empfehlung:
- Nach den Quartalszahlen hat UBS das Kursziel angehoben und die Kaufempfehlung bestätigt.
- Ausschlaggebend war der starke Auftragseingang, insbesondere die hohe Dynamik im Neugeschäft.
- Die Analysten argumentieren, dass Andritz vom Markt noch immer wie ein klassischer zyklischer Maschinenbauer bewertet werde, obwohl sich das Unternehmen zunehmend zu einem strukturellen Wachstumswert entwickle.
- UBS sieht deshalb weiteres Kurspotenzial.
Die Deutsche Bank Research ist für den steirischen Techkonzern und Maschinenbauer ebenfalls positiv gestimmt und erhöhte ebenfalls ihr Kursziel und bekräftigte die Kaufempfehlung.
Positiv bewertet werden:
- der Rekord-Auftragsbestand,
- erfolgreiche Kostensenkungsmaßnahmen,
- erwartetes Gewinnwachstum in allen vier Geschäftsbereichen.
- Die Analysten sehen die Grundlage für eine nachhaltige Verbesserung von Umsatz und Profitabilität.
Diese Empfehlung wurde ausgesprochen, obwohl bei einem Kunden von Andritz, Schuler, die deutsche Tochtergesellschaft im Segment Metals, die stark von der Automobilindustrie abhängt, 500 Stellen abgebaut werden. Generell verzögert die zyklische Abkühlung der globalen Industrie, im Speziellen der Autoindustrie, derzeit Investitionsentscheidungen, was auch Andritz zu spüren bekommt. Doch gleichzeitig entwickeln sich andere Geschäftsbereiche bei Andritz deutlich besser. Deshalb sind Analysten trotz der negativen Nachrichten insgesamt positiv für die Aktie gestimmt.
Gut entwickeln sich die übrige Andritz-Geschäfte
- Wasserkraft (Hydro)
- Zellstoff & Papier
- Umwelt- und Recyclingtechnik
- Servicegeschäft.
Denn der Konzern profitiert von:
-
- Investitionen in Energie‑ und Umwelttechnik
- steigender Nachfrage nach Recycling‑ und Ressourceneffizienz‑Lösungen
- einer starken Position im Metalltechnik‑Segment
- einem Servicegeschäft, das stabile Cashflows liefert.
Weiterführende Story: Erneuerbare Energien: Aktien, die jetzt liefern
3. Bau & Infrastruktur
PORR – Rebound‑Titel mit starkem CEE‑Hebel
Derzeit leidet der Bausektor noch an hohe Finanzierungskosten, der schwachen vor allem der deutschen Baukonjunktur, entsprechend drücken auch Projektverzögerungen auf die Margen. Doch: Ein erneuter Zinsanstieg der EZB ist nicht zu erwarten. Die Inflation liegt im Zielkorridor, die Konjunktur ist zu schwach für Straffung – der Markt preist eher weitere Lockerungen ein.
Der österreichische Baukonzern Porr bietet einen interessanten Hebel auf eine Erholung der europäischen Baukonjunktur. Gelingt die erwartete Belebung des Wohn- und Infrastrukturbereichs, könnte sich das überdurchschnittlich positiv auswirken. Dafür ist die Aktie tendenziell etwas konjunktursensitiver.
Was für PORR spricht:
- Gute Marktstellung im Infrastruktur- und Hochbau.
- Management erwartet weiteres Umsatz- und Ergebniswachstum.
- Positive Signale kommen insbesondere aus Deutschland und dem Tiefbau.
- starke Marktstellung in CEE, wo Infrastrukturprogramme weiterlaufen
- robuste Auftragslage trotz schwierigen Umfelds
- hoher operativer Hebel bei sinkenden Zinsen
- solide Bilanz nach den Restrukturierungsjahren
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4. Energie & Ölservice
SBO – Volatil, aber mit strukturellem Rückenwind
SBO ist aktuell ein Titel mit hoher Volatilität, aber auch mit hohem Potenzial. Der Ölpreis schwankt zwischen geopolitischen Risiken und globaler Nachfrageunsicherheit. Analysten sehen vor allem bei einer Erholung des Energiesektors erhebliches Gewinn- und Kurspotenzial.
Zudem überzeugt SBO mit:
- technologischem Vorsprung in Hochleistungsbohrtechnik
- starken Margen
- solider Bilanz
- hoher operativer Hebel bei steigender Bohraktivität
Der Auftragseingang war zuletzt zwar rückläufig, doch historisch zeigt sich: Sobald sich die Energiepreise stabilisieren, reagiert SBO überproportional. Für Anleger, die Volatilität akzeptieren, bleibt der Titel ein Hebel auf Energiezyklen.
5. Defensiver Wert
Agrana – Stabilität, Dividende, CEE‑Stärke
Agrana bleibt 2026 ein defensiver Stabilitätswert im ATX. Im ersten Quartal 2026 profitierte das Unternehmen von stabileren Zuckerpreisen, während Energiepreise erneut anzogen. Die Stärke des Geschäftsmodells liegt in der breiten Diversifikation über Zucker, Stärke und Frucht.
Agrana bleibt abhängig von:
- Zuckerpreisen
- Energiepreisen
- globalen Agrarrohstofftrends
Doch genau diese Faktoren sind im Kurs weitgehend eingepreist. Für Investoren interessant bleiben:
- stabile Dividendenpolitik
- defensive Positionierung
- starke Marktstellung in CEE
Agrana ist kein Wachstumswert – aber ein verlässlicher Dividendenbringer und ein Titel, der in volatilen Marktphasen Stabilität bietet.
Attraktive Dividendentitel im ATX
Düngemittel-Aktien im Höhenflug: Warum Hersteller jetzt profitieren
Aktuelle Makrotrends, die für ATX-Anleger entscheidend sind
Zinsen
Die EZB‑Politik bleibt der wichtigste Treiber für Bau, Immobilien, Banken und Industrie.
Energiepreise
Volatilität wirkt sich direkt auf SBO, OMV und Agrana aus.
CEE‑Konjunktur
Der ATX profitiert traditionell stark von Osteuropa – ein Vorteil gegenüber vielen westeuropäischen Indizes.
Geopolitik
Lieferketten, Energieabhängigkeiten und regionale Konflikte bleiben Risikofaktoren.
Fazit: Wo Anleger im zweiten Halbjahr 2026 Chancen finden
Der ATX bleibt ein Markt für Value‑Investoren, Dividendenjäger und langfristig orientierte Anleger. Underperformer bieten besonders attraktive Chancen, weil:
- der Gesamtmarkt stark gelaufen ist
- so mancher Titel noch Bewertungsabschläge aufweist
- strukturelle Trends (CEE, Energie, Industrie) intakt bleiben.
Wer selektiv vorgeht, findet im ATX 2026 mehrere Nachzügler, die bei einer Normalisierung der Rahmenbedingungen erhebliches Aufholpotenzial haben.
Autor: Anneliese Proissl
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40‑%‑Quote und ihre Folgen
Florian Beckermann (29.05.2026). Die Umsetzung der gesetzlichen Geschlechterquote von 40 % im Aufsichtsrat zum Jahresende erzeugt bei „Sesselklebern“ aller Art Angst. An manchen Stellen wird rotiert. In manchen Unternehmen wird eher negiert. Manche börsengelistete Aktiengesellschaft hat die Quote längst erfüllt – langsam die Mehrheit. Frage: Wer wird noch schnell verlängert? Und dann: Wo finden wir die passende Frau? Zuweilen wirkt die Auswahl handgestrickt. Nicht alle Aktionäre zeigen sich zufrieden.
12‑Jahres‑Grenze und Corporate Governance
Auch wenn es einige Aufsichtsräte nicht gerne hören, international gelten mittlerweile zwölf Jahre als magische Schallgrenze für die Dauer einer Aufsichtsratstätigkeit und gute Corporate Governance. Bei Amtszeiten darüber hinaus wird angenommen, dass bereits eine Art der Abhängigkeit oder Betriebsblindheit eingetreten ist. Verantwortung zu übernehmen, heißt auch die eigene Nachfolge rechtzeitig zu planen und vorzubereiten. Leider geschieht dies nicht immer zeitnah. Allzu lang glaubt manch Aufsichtsrat an die Unabkömmlichkeit seiner Fähigkeiten oder Person. Ohne zu erkennen, dass er längst ein Problem geworden ist. Ein zu umtanzendes Ego, ein Faxgerät mit Befindlichkeiten, ein lebendes Patronage-System.
Was Aktionäre sehen – und was nicht
Die wenigsten Aktionäre sehen das. Aktionäre treffen die Person höchstens bei der Hauptversammlung. Sie können sich kaum ein Bild über die Dynamik des Aufsichtsrats machen. Bei all der Berichterstattung über die Aufsichtsräte in den Geschäftsberichten, scheint diese soziale Komponente kaum abbildbar. Gleichwohl ist es dem Streubesitzaktionär schwer vermittelbar, eine Negativentscheidung zu Ungunsten eines bestehenden Aufsichtsrats ad hoc zu treffen. Man muss sich auf die Selbstevaluierung des Aufsichtsrats verlassen. Intern betrachtet ist sie, auch bei guter Durchführung, selten eine Übung die zu echtem Umdenken in der Besetzung des Aufsichtsrats führt.
Overboarding und die Gefahr der Überlastung
Viele Beobachter der österreichischen Szene unken seit der Einführung der Geschlechterquote, dass hier nur eine spezifische Gruppe von Frauen zu Zuge kommen wird. Die reale Gefahr des Overboarding. Das beschreibt die Überlastung von Aufsichtsräten durch zu viele Mandate gleichzeitig. Es kann dazu führen, dass weniger Zeit für einzelne Unternehmen bleibt, Entscheidungen oberflächlicher getroffen und Kontrollaufgaben vernachlässigt werden. Zudem steigt das Risiko von Interessenkonflikten und Fehlentscheidungen. Für Unternehmen kann dies eine schwächere Corporate Governance, geringere Effizienz sowie Vertrauensverlust bei Investoren bedeuten. Als gäbe es nicht genug geeignete Frauen.
Sozialer Druck als Korrektiv
Korrektiv „Sozialer Druck“? Manchmal. Sesselkleber gelten im Unternehmen irgendwann als Witzfiguren. Die Öffentlichkeit schmunzelt oder straft mit Verachtung. Ähnliches gilt für überlastete Aufsichtsrätinnen: Ihre Qualifikationen können sie womöglich nicht umfassend abrufen, also werden sie nur für das Minimumerfordernis belangt. Das kann nicht unbedingt im Sinne des Aktionärs und der Woman-on-Board-Richtlinie sein.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
AT&S neue Strategie: Wie der CEO‑Wechsel den Turnaround einleitete
Kurzfassung:
AT&S neue Strategie treibt den Turnaround unter CEO Mertin.
Kurs x10 seit 2025 durch Fokus auf High‑End‑Microelectronics.
Wandel vom Auftragsfertiger zum Entwicklungspartner.
Starke Nachfrage: mehr Kunden als Kapazität.
Umsatz +21 %, EBITDA‑Marge 23,3 %, Cashflow positiv.
Ergebnis noch negativ, daher keine Dividende.
Ausblick: 30–35 % organisches Wachstum, Marge bis 29 %.
Geplante Hybridanleihe bis 500 Mio. € zur Stärkung der Finanzierung.
(29.05.2026).
Kursverzehnfachung und neuer Führungsstil
Eine Verzehnfachung des Börsenkurses seit Anfang 2025 erregt selbst zu volatilen Zeiten erhöhte Aufmerksamkeit und muss wohl am neuen Kurs unter CEO Michael Mertin liegen, der sein Amt erst zu genanntem Zeitpunkt angetreten hat. Er selbst versucht es mit trockenen Worten zu erklären: „Unsere Bilanzsumme von 4,6 MrdE repräsentiert eingesetztes Kapital, das sich rechnen muss. Dazu müssen Sie immer ehrlich sein und nie etwas versprechen, das Sie nicht halten können“ – mit Betonung auf „immer“.
Hier muss man hinzufügen, dass das Unternehmen vor rund eineinhalb Jahren, wie es damals hieß, „gerade noch die Kurve gekratzt hat“, den Tod des Firmenpatriarchen Hannes Androsch und Unklarheiten in der Nachfolgeregelung ebenso inklusive wie die allgemeinen Unsicherheiten in der Halbleiterindustrie. Ersteres Problem wurde durch eine Neuinstallation und Verschlankung von Aufsichtsrat und Vorstand gelöst, zweiteres durch eine neue Unternehmensstrategie, die es an dieser Stelle näher zu beleuchten gilt.
Neue Unternehmensstrategie als Kern des Turnarounds
Vom Leiterplattenhersteller zum High‑End‑Microelectronics‑Partner
Wer ein Unternehmen neu aufstellen will, sollte zunächst seine (realen wie potenziellen) Kunden und deren Bedürfnisse betrachten. Hier stellte sich bald heraus, dass der eigentliche Bedarf nicht nur in bloßen Leiterplatten besteht, sondern diese als Subsystem höherer Anwendungen zu verstehen seien. Dem zu entsprechen sei nur durch Eingehen von Entwicklungspartnerschaften zu realisieren. So werde man vom Auftragsfertiger zum strategischen Partner und erhöhe das Potenzial der Kundschaft, so Mertin. Aufgezählt werden hier die Branchen Kommunikation, Robotik, Optoelektronik, Automobil sowie Flug- und Weltraumtechnik – und nicht zu vergessen die sogenannten „Hyperscaler“, also im Wesentlichen die „Magnificent Seven“, von denen der eine oder andere bereits zu den Kunden zählt. Zusammengefasst: AT&S entwickelt sich zum High-End-Microelektronikspezialisten.
Globale Standorte und „China for China“
Mertin betont dabei immer wieder, das Unternehmen hätte mehr Kunden als Kapazität, weswegen man auch an sämtlichen Standorten in Österreich, China, Indien und Malaysia festhält, diese aber teilweise neu aufstellt. Dabei gilt (wie auch bei anderen Industrieunternehmen) „China for China“. Bei anderen Märkten sei dies nicht überall möglich, so der CEO im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Sehr wohl aber kämen für den stark wachsenden Defense-Bereich „local for local“ nur NATO-Staaten in Frage.
Profitabilität, Cashflow und die finanzielle Realität
Starke operative Entwicklung trotz negativem Ergebnis
Was das Zahlenwerk betrifft, hat das Unternehmen freilich auch beim größten Vertrauen des Kapitalmarktes noch einen steilen Weg vor sich. Zwar ist der Umsatz im Geschäftsjahr 2025/26 währungsbereinigt um 21 % auf 1,8 Milliarden Euro gestiegen („alles organisch“, wie CFO Gerrit Steen betont), zwar wurde mit einem Ebitda von 418 Millionen Euro eine Marge von 23,3 % erreicht, und zwar wurde ein positiver operativer Cashflow von 236 Millionen Euro erwirtschaftet, aber das Konzernergebnis zeigt sich mit minus 25,6 Millionen Euro trotzdem noch negativ, weswegen für 2025/26 auch auf die Ausschüttung einer Dividende verzichtet wird. Immerhin hat sich das Konzernergebnis bereinigt um den seinerzeitigen Erlös aus dem Werk in Ansan (Südkorea) um 84 % verbessert.
Ausblick: Wachstum, Währungsrisiken und neue Finanzierung
Organisches Wachstum und Margenziele
Da AT&S mehr als 80 % seines Umsatzes in den USA erzielt, die Produktionskosten aber Großteils in asiatischen Währungen erfolgen und in Euro bilanziert wird, ist das Unternehmen hochgradig von Währungsschwankungen betroffen. Für das Geschäftsjahr 2026/27 erwartet sich der Vorstand ein weiteres, wie betont wird, profitables und organisches Umsatzwachstum von 30 bis 35 % mit einer Ebitda-Marge zwischen 25 und 29 % („währungsbereinigt“), wie angemerkt wird.
Hybride Anleihe zur Stärkung des Cashflows
Zufrieden zeigt sich der Vorstand damit freilich noch lange nicht, denn dem Unternehmen fehlt es nach wie vor an ausreichenden liquiden Mitteln, um die Kapazitäten erweitern zu können. Aus diesem Grunde plant man die Emission einer hybriden Anleihe mit einem Gesamtvolumen von bis zu 500 Millionen Euro, um eine ältere höherverzinste Hybridanleihe mit einem Volumen von 350 Millionen Euro zu tilgen und den Cashflow aus Finanzierungstätigkeit zu erhöhen (Hybride Anleihen werden aufgrund ihrer unbegrenzten Laufzeit als eigenkapitalähnlich gewertet). Auch wird weiter an der Kostenseite gefeilt.
Autor: Mag. Tibor Pasztory
Foto: Pablo Merchán Montes/Unsplash
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KI‑Aktien Asien: Warum Taiwan und Südkorea jetzt profitieren
Vor allem der Tech-Boom treibt die Kurse an. Doch auch anderswo gibt es Chancen.
(29.05.2026). Für Schlagzeilen sorgen weiterhin große US-Technologiekonzerne aufgrund Künstlicher Intelligenz (KI). Anleger räumen dessen Einsatz große Wachstumsperspektiven ein. Auch in den Schwellenländern profitieren vor allem die Börsen in Südkorea sowie in Taiwan kräftig. „Korea und Taiwan gehören zu den großen Gewinnern im laufenden Jahr, da die dortigen Technologieunternehmen enorm von KI-bezogenen Investitionsausgaben profitieren“, konstatiert Tilmann Galler, Kapitalmarktexperte bei J.P. Morgan Asset Management.
Positive Aussichten
Der Experte verweist auf handfeste Entwicklungen. So seien die Gewinnheraufstufungen in diesem Sektor derart stark, dass die Bewertungen von Schwellenländeraktien unter dem Strich gesunken seien. Galler präzisiert: Zu Jahresbeginn lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beim „MSCI Emerging Markets Index“ bei dem 13,3-fachen der 12-Monats-Gewinnprognosen. Inzwischen ist es auf das 12-fache gesunken. Der Aufwind hinterlässt auch insgesamt Spuren am Index. Darin ist die IT-Branche inzwischen mit knapp mehr als 36 % gewichtet.
Hinzu kommen weitere Aspekte. So steigen die Rohstoffpreise – ein Umstand, der entsprechenden Exportländern Geld in die Staatskasse spült. Dazu zählen einige Regionen in Lateinamerika. Chile ist großer Kupferexporteur. Aus Brasilien kommen unter anderem jede Menge Eisenerz, Agrargüter und Erdöl. Tatsächlich sei das Land Nettoenergieexporteur, betont Edgar Walk, Chefvolkswirt bei Metzler Asset Management.
Der Metzler-Experte verweist zudem auf einen übergeordneten Trend: So wurden historisch Phasen einer US-Dollar-Stärke oft durch eine straffere US-Geldpolitik eingeleitet. Dies sei Walk zufolge der Auftakt für Kapitalabflüsse, Währungsabwertungen und Finanzkrisen in den Schwellenländern gewesen. „Die Erfahrungen der frühen 1980er-Jahre, der Asienkrise oder die Ankündigung der Fed 2013, Anleihekäufe zu senken, haben sich jedoch tief ins institutionelle Gedächtnis eingegraben.“
Daher sei im jüngsten Straffungszyklus 2022 bis 2023 die befürchtete breite Krisenwelle ausgeblieben. „Das lag vor allem an drei Verbesserungen: teilweise flexiblere Währungen, glaubwürdigere geldpolitische Regime und eine deutlich geringere Abhängigkeit von Fremdwährungsschulden.“ Walk zufolge sei dies womöglich die wichtigste strukturelle Nachricht für Schwellenländerinvestoren. Die Anlageklasse sei zwar nicht gegen Dollarschocks immun geworden, aber weniger fragil. Somit dürfte auch der aktuelle Dollaranstieg weniger belasten.
Chancen mit Fonds
Im „M&G (Lux) Asian Fund“ entfällt die größte Gewichtung auf den taiwanesischen Chiphersteller TSMC, der vom KI-Boom profitiert. Der mit Abstand wichtigste Auftragsfertiger ist Nvidia. Der südkoreanische Chiphersteller SK Hynix zählt ebenfalls zu den größten Einzeltiteln. Zu den wichtigsten Kunden zählen nebst Nvidia auch Alphabet-Tochter Google und Microsoft, um etwa deren Rechenzentren auszustatten. Auch in Samsung Electronics, Tencent Holdings und die HDFC Bank wird investiert.
Der „Lazard Emerging Markets Equity Fund“ ist breiter aufgestellt. Knapp mehr als die Hälfte entfällt auf Asien. Dazu zählen nebst den genannten Chipaktien etwa ASE Technology aus Taiwan. Das Unternehmen ist Auftragsfertiger für die Montage und das Testen von Halbleitern. China Construction Bank wie auch die ungarische OTP Bank sowie der mexikanische Finanzdienstleister Banorte sind ebenfalls Teil der Top-Holdings. Bei beiden Produkten sind Verluste möglich.
Autor: Mag. Raja Korinek
Foto: Getty Images für Unsplash+
| Fonds und Aktien aus dem Artikel |
|
| Name |
ISIN |
| M&G (Lux) Asian Fund |
LU1670618187 |
| Lazard Emerging Markets Equity Fund |
IE00BYQ4FT75 |
| Alphabet |
US02079K3059 |
| ASE Technology |
TW0003711008 |
| Banorte |
MXP370711014 |
| China Construction Bank |
CNE1000002H1 |
| HDFC Bank |
US40415F1012 |
| Microsoft |
US5949181045 |
| Nvidia |
US67066G1040 |
| OTP Bank |
HU0000061726 |
| Samsung Electronics |
KR7005930003 |
| SK Hynix |
KR7000660001 |
UBM in tiefgreifender Transformation
CEO Thomas Winkler bei der HV: „Turnaround erst am Anfang.“
(29.05.2026). Dass es möglich ist, trotz aller Formalitäten eine HV innerhalb von weniger als zwei Stunden über die Bühne zu bringen, bewies die UBM Development AG bei ihrer 145. ordentlichen Hauptversammlung in der Vorwoche. Zu verdanken war dies vor allem der kompakten und zügigen Versammlungsleitung durch den Aufsichtsratsvorsitzenden Karl-Heinz Strauss, der einleitend betonte, UBM befinde sich in „einer der tiefgreifendsten Transformationen der Unternehmensgeschichte“.
Ende des Krisenmodus
2025 sei es gelungen, nach vier Jahren den Krisenmodus zu durchbrechen und wieder ein positives Ergebnis zu erzielen, betonte CEO Thomas Winkler (im Bild mit seinem Vorstandsteam) in seiner Präsentation. Mit der strategischen Neuausrichtung habe man schneller als der Mitbewerb auf das Marktumfeld reagiert, doch der Turnaround sei erst am Anfang. UBM wolle zukünftig eine Zwei-Produkt-Strategie verfolgen: bezahlbares Wohnen und Premiumwohnen. Und CFO Patric Thate erläuterte, im Rahmen des Portfolio-Rebalancings sollen für bezahlbares Wohnen 0,8 bis 1,1 Milliarden Euro zur Verfügung stehen.
Realisiert werden soll bezahlbares Wohnen durch Systembauweise mit einem hohen Vorfertigungsgrad, so CTO Peter Schaller. Die Bauzeit soll um 30 % reduziert werden, Typengenehmigungen könnten die Einreichzeiten verkürzen. UBM sei gerade dabei, ein erstes Projekt umzusetzen.
Eine quantitative Guidance für das laufende Jahr sei derzeit nicht möglich, so Winkler. Geplant sei eine „rigorose Umsetzung“ des Portfolio-Rebalancings, bei Immobilienverkäufen befinde man sich in fortgeschrittenen Verhandlungen. Angesichts der zunehmenden Angebots-Nachfrage-Lücke zeigt sich Winkler optimistisch, dass UBM 2027 von einem neuen Gleichgewicht profitieren werde.
Kritik an Portfolio-Rebalancing und Finanzierung
IVA-Präsident Florian Beckermann würdigte in seiner Wortmeldung die Leistung, in diesen Zeiten als Immobilienentwickler eine „schwarze Null“ zu liefern. Skeptisch zeigte er sich aber, ob Wohnen „das Richtige für UBM“ sei. Es gebe viel Wettbewerb und UBM sei nie Kostenführer, sondern immer Premiumanbieter gewesen. Und er hinterfragte, ob mit der Transformation die Corporate Identity von UBM erodiere.
Winkler gestand zu, dass auch andere Anbieter auf die Idee kommen, Wohnen entwickeln zu wollen, der Zugang zu Kapital werde aber schwieriger. UBM sei Premiumdeveloper, aber „wir können auch günstig entwickeln“. Entscheidend dafür sei ein Paradigmenwechsel: die – von der Bauindustrie vorangetriebene – Verlagerung der Baustelle in die Fabrik. Die industrielle Fertigung führe zu Skaleneffekten und niedrigeren Baukosten. Zielmargen seien 20 % im Premiumbereich und 10 % bei bezahlbarem Wohnen, hier werde man das Geschäft „mit der Masse“ machen. Es stelle sich zwar die Frage nach der Corporate Identity, UBM sei aber in der Vergangenheit bei mehreren Änderungen erfolgreich gewesen.
Mehrere Aktionärsfragen beschäftigten sich mit der Finanzierung des Unternehmens. Ein Aktionär kritisierte, dass Hybridkapital und Aktien als Eigenkapital ausgewiesen werden, ein Drittel des Eigenkapitals sei nicht den Aktionären zuzurechnen. Thate betonte, dass diese Ausweisung gängige Praxis und rechtlich korrekt sei. Die höheren Zinsen neuer Emissionen seien dem Zinsanstieg am Kapitalmarkt geschuldet. Man sei dem Markt ausgesetzt und zahle marktübliche Zinsen. Thate betonte aber, dass die meisten Immobilienunternehmen derzeit nicht in der Lage wären, Anleihen zu begeben.
Frage nach Dividende
Kritik gab es auch am Aktienrückkauf. Die Idee dahinter sei gewesen, zu kaufen, wenn es aufgrund der Marktsituation keine Käufer gebe, so Winkler. Dies sei durchaus erfolgreich gewesen, der Kurs sei 2025 deutlich gestiegen. Dass der Kurs zuletzt deutlich nachgab, liege daran, dass derzeit „gegen die Aktie gehandelt“ werde. Bis auf Weiteres seien keine Aktienrückkäufe mehr geplant. Und zur Frage Beckermanns, wann UBM wieder dividendenfähig sein werde, erklärte Winkler, man werde wieder Dividende zahlen, wenn es einen ausschüttungsfähigen Gewinn gebe.
Autor: Marius Perger
Foto: Philipp Horak für UBM
Stärke durch Sparen
Florian Beckermann (22.05.2026). Der Bürger soll Energie sparen, Wasser sparen, fürs Alter sparen, für Krisen vorsorgen und am besten noch Verständnis dafür aufbringen, dass trotz Rekordsteuern angeblich „kein Geld da“ ist. Dabei ist Sparen nichts Ideologisches, sondern schlichte Vernunft. Wer spart, schafft Sicherheit.
Sparen ist die praktische Kunst, sich gegen die Willkür des Lebens zu wappnen: Die legendäre kaputte Waschmaschine, der Jobverlust, die Inflation, die Krise – all das verliert seinen Schrecken, wenn man nicht jeden Monat finanziell am Abgrund balanciert. So hält der österreichische Bürger einen Betrag von weit über 30.000 E im Schnitt in Reserve – eine solide Summe, Tendenz steigend!
Sparer besitzen damit etwas Gefährliches: die Möglichkeit, Nein zu sagen. Nein zum teuren Kredit. Nein zur Existenzangst. Nein zur Abhängigkeit vom Staat. Der Sparer kauft keinen Luxus, sondern Würde. Der finanziell Unabhängige wird damit politisch anspruchsvoll. Vielleicht wird Sparen deshalb von manchen Funktionären misstrauisch betrachtet. Wer Reserven hat, denkt langfristig. Länger als der politische Horizont mancher.
Die freiwillige Ausgabenreduktion der Österreicher spiegelt somit die Budgetlage des Staates konträr wider. Die Bürger tun das, was der Staat tun müsste. Die Magie liegt im Ausgabenverzicht. Jede Sanierung fängt hier an. Das Ausgabenmanagement wird zur wichtigsten Aufgabe der Gesellschaft.
Erwartungshaltung: Für Milliarden an Bürokratiekosten und Subventionen ist längst das Verständnis verschwunden – insbesondere dann, wenn gar ins Pensionssystem gegriffen wird. Österreich spart mehr und erwartet das auch vom eigenen Staat. Der Wunsch nicht finanziell erpressbar zu sein, der Wunsch nach Krisenresistenz, der Wunsch nach Kontrolle schwingt mit. Klientelpolitik und Unmengen an Förderungen passen nicht in ein kollektives Sparbedürfnis.
Die Rückbesinnung auf die stärkenden Effekte des Sparens ist eine politische Notwendigkeit, die sich nicht im Kleinklein verlieren darf. Jeder gute Manager besitzt die Fähigkeit, in kurzer Zeit Einsparungen in Höhe von 10 bis 15 % vorzuschlagen und umzusetzen – oft ist es ein Wochenende. Natürlich muss ein Staat auf Ausgewogenheit seiner Sparentscheidungen achten. Man kann sicher sein, dass dies nie zur Freude aller gelingen wird. Doch für die Vorbereitungen gab es jahrelang Zeit. Jetzt bedarf es einer echten Sparpolitik, eines echten Kostenmanagements, einer echten Wiederherstellung der fiskalischen Sparsouveränität und der Einigkeit, dies umsetzen. Die Konfetti-Geld-Politik erntete kurzen Applaus – Sparpolitik erntet das Gegenteil. Kein Terrain für Applaus-Junkies. Ein Terrain für echte Verantwortung. Zukunft: Man mag davon träumen, was möglich wäre, wenn aus Sparen ein Anlegen wird. Wenn zum Ausgabenverzicht noch eine Strategie hinzutritt. Dann wird aus Sparen eine nationale Stärke (siehe Norwegen).
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Starker Start ins Jahr 2026
Dividenden steigen im ersten Quartal um 8,2 % auf 419 Milliarden US-Dollar.
(21.06.2026) Die weltweiten Dividenden sind stark in das Jahr 2026 gestartet und im ersten Quartal auf Gesamtbasis um 8,2 % auf einen Rekordwert von 419 Milliarden US-Dollar gestiegen. Begünstigt wurde dies durch Wechselkurseffekte und hohe einmalige Sonderdividenden. Dies geht aus dem aktuellen Dividendenradar von Capital Group hervor, einem Teil der Capital Group Global Equity Study. Die zugrunde liegende Kernwachstumsrate lag im ersten Quartal im Jahresvergleich bei 5,2 % – ein repräsentativeres Maß für die Dividendenentwicklung, das sich auch im mittleren Dividendenwachstum je Aktie widerspiegelte.
Sektortrends
Eine Wende im Rohstoffzyklus führte dazu, dass Bergbauunternehmen nach Jahren von Kürzungen infolge schwacher Profitabilität im ersten Quartal der wichtigste Wachstumstreiber waren. Sie machten ein Fünftel des globalen Anstiegs im ersten Quartal aus, wobei insbesondere Goldminenunternehmen Stärke zeigten. Allgemeine Finanzwerte (+16,2 %), Halbleiter (+10,2 %), Software (+9,5 %) und Maschinenbau (+8,9 %) verzeichneten ebenfalls ein starkes bereinigtes Wachstum.
Die drei größten ausschüttenden Sektoren im ersten Quartal – Pharmaunternehmen, Banken und Energieunternehmen – steigerten ihre Ausschüttungen langsamer als der Gesamtmarkt. Die Dividenden im Energiesektor stiegen lediglich um 3,1 %, was den Druck auf die Gewinne bereits vor der Ölkrise sowie die Auswirkungen von Aktienrückkäufen widerspiegelt. Die Ausschüttungen der Banken wurden insbesondere durch Kürzungen in China, Brasilien und Schweden belastet. Die Dividenden im Pharmasektor stiegen bereinigt um Sondereffekte um 4,3 %. Kein Unternehmen im Capital Group Index nahm Kürzungen vor, einige der größten Dividendenzahler erhöhten ihre Ausschüttungen jedoch nur geringfügig.
Regionale Trends
Unter den großen Regionen wurde das stärkste Wachstum in Australien, Indien, den USA und Kanada verzeichnet, während das Vereinigte Königreich, Europa und China schwächer abschnitten. Japan, der Großteil Asiens und Europas sowie einige Schwellenländer weisen typischerweise relativ geringe Ausschüttungen im ersten Quartal auf, weshalb lokale Wachstumsraten weniger repräsentativ für das Gesamtjahr sind.
In Deutschland erreichten die Dividenden im ersten Quartal 2026 7,5 Milliarden US-Dollar, nach 6,0 Milliarden US-Dollar im ersten Quartal 2025. Dies entspricht einem Gesamtwachstum von 25,8 % und einem Kernwachstum der Dividenden von 11,4 %. Damit lag Deutschland deutlich über dem Kernwachstum von Europa ex UK von 3,4 % sowie dem globalen Durchschnitt von 5,2 % im ersten Quartal. Das Wachstum wurde teilweise durch wiederaufgenommene Ausschüttungen im Industriesektor unterstützt, während der stärkere Euro im Vergleich zum ersten Quartal 2025 das ausgewiesene Wachstum zusätzlich begünstigte.
Für den weiteren Verlauf des Jahres 2026 belässt Capital Group seine Dividendenprognose bei 2,20 Billionen US-Dollar, was einem Gesamtwachstum von 5,1 % im Jahresvergleich entspricht. Sonderdividenden und Wechselkurse leisten jedoch einen größeren Beitrag als erwartet, was auf ein Kernwachstum von 4,7 % hindeutet – leicht unterhalb der Gesamtwachstumsrate.
Alexandra Haggard, Head of Asset Class Services für Europa und Asien-Pazifik bei Capital Group, kommentiert: „Diese Entwicklungen zeigen, dass aktive Manager mit umfassenden Research-Kapazitäten zunehmend gut positioniert sind, um Unternehmen zu identifizieren, die über die Fähigkeit und den Willen verfügen, Dividenden langfristig zu zahlen und zu steigern. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die globalen Dividenden mehr als verdoppelt, unterstützt durch steigende Unternehmensgewinne und eine breiter verankerte Dividendenkultur in den verschiedenen Märkten. Der Beginn in das Jahr 2026 war ermutigend – selbst angesichts zunehmender geopolitischer Unsicherheit sowie anhaltendem Kosten- und Energiedruck. Während diese Herausforderungen die Kosten einiger Unternehmen erhöhen, können dividendenzahlende Aktien zur Stabilisierung von Portfolios beitragen, wenn die Märkte volatiler werden. In diesem Umfeld sind fundiertes Research und Selektivität entscheidend, und aktive Manager sind gut positioniert, um jene Unternehmen zu identifizieren, die ihre Dividenden langfristig aufrechterhalten und steigern können.“
Die neue Geografie des Kapitals
Südkoreas Chips ausverkauft bis 2026, Brasiliens Seltene Erden kaum erschlossen.
(20.05.2026) Achtzehn Monate Rally, und noch immer sind die meisten Investoren untergewichtet. Das ist die paradoxe Ausgangslage an den Emerging Markets im Frühjahr 2026. Während der Iran-Konflikt den Ölpreis von 60 auf zwischenzeitlich 120 Dollar trieb und Reflexe Richtung Safe-Haven auslöste, zeichnen die Fundamentaldaten ein differenzierteres Bild — eines, das aktive Anleger nicht ignorieren sollten – ein Kommentar von Marcus Weyerer, Kapitalmarktexperte ETFs von Franklin Templeton erklärt.
Der Dollar: Kirsche, nicht Kuchen
Lange galt der Dollar als das einer der entscheidenden Makroindikatoren für Schwellenländer-Investments. Diese Ära ist vorbei, zumindest in ihrer absoluten Form. Der Dollar ist „the cherry on the cake“. Wenn die Kirsche fehlt, ist der Kuchen trotzdem noch lecker.
Entscheidender ist die strukturelle Untergewichtung, von der Profi- wie Privatanleger gleichermaßen betroffen sind. Noch immer liegen aktive globale Fonds deutlich unter der Benchmark-Gewichtung der Emerging Markets, trotz der Rally der letzten anderthalb Jahre. Als Makro-Rückenwind wirkt dabei nicht nur der schwächere Dollar (der DXY-Index notiert 2 bis 3% im Minus gegenüber von vor einem Jahr, beim Hoch zur Iran-Eskalation zuletzt wieder leicht erholt), sondern vor allem ein strukturell günstigeres Finanzierungsumfeld: Rund 4,5 Billionen Dollar an Dollar-denominierten Verbindlichkeiten lasten auf Schwellenländern. Jeder Prozentpunkt weniger im Dollar-Zinsniveau entlastet die Financial Conditions erheblich.
Das Iran-Szenario zeigt, dass der Dollar bei geopolitischen Schocks reflexartig aufwertet. Doch die Reaktion fiel dieses Mal gedämpfter aus als in vergleichbaren Stressphasen früherer Jahre. Eine ähnliche Situation vor ein paar Jahren hätte wohl eine deutlich stärkere Reaktion hervorgerufen.
Ölpreisschock: Differenzierung ist wichtig
Ein höherer Ölpreis trifft die Emerging Markets nicht gleichmäßig. Die unmittelbare Reaktion ist meist jedoch ein breiter Risk-off-Reflex: Anleger ziehen Kapital aus riskanteren Märkten ab, der Dollar gewinnt als Safe Haven, und EM-Aktien geraten unter Druck. Doch dieser erste Reflex verschleiert die eigentliche Wirkung. Wie sieht es in den einzelnen Ländern aus?
Indien: Das Land ist strukturell ein Ölimporteur. Als Faustregel gilt: Steigt der Ölpreis um 10 Dollar pro Barrel, kann das Indien 15 bis 20 Basispunkte des Bruttoinlandsproduktes kosten — über höhere Importkosten, fiskalische Subventionen für Kraftstoff und steigende Unternehmenskosten. Der Ölpreis ist von rund 60 Dollar auf zwischenzeitlich 120 Dollar gestiegen, zuletzt bei etwa 90 Dollar. Bei einem anhaltend höheren Niveau von 100 Dollar — also einem Plus von 40 Dollar — wären das gut 80 Basispunkte weniger Wachstum. Für ein Land, das dieses Jahr eigentlich mit 6,8 Prozent BIP-Wachstum kalkuliert hatte, wäre das schmerzhaft — brächte aber immer noch solides Wachstum von rund 6 Prozent.
China: Peking bezieht erhebliche Mengen iranisches Öl. Kurzfristig helfen strategische Reserven und alternative Lieferwege über Russland. Mittelfristig aber könnte ein anhaltender Iran-Konflikt Chinas Energieversorgung strukturell verteuern, gerade wenn iranisches Öl durch Sanktionen langfristig ausfällt. Gleichzeitig sitzt China geopolitisch in einer Zwickmühle: Weder hat Peking ein Interesse an eskalierenden Energiepreisen, noch kann es offen den US-Forderungen im Iran-Konflikt folgen, ohne eigene Verbündete zu verprellen.
Saudi-Arabien: Der Exporteur profitiert prinzipiell von höheren Preisen, aber nur, solange seine Exportrouten offen sind. Im direkten Spannungsfeld des Konflikts ist das keine Selbstverständlichkeit. Das Land leidet unter dem klassischen Dilemma des Ressourcenreichtums: Profitiert von hohen Preisen, ist aber gleichzeitig der Instabilität der Region ausgesetzt.
Brasilien: Klarer Gewinner. Das Land ist Ölexporteur und profitiert direkt. Dazu kommen Rohstoff-Diversifikation (Industriemetalle, Nahrungsmittel, seltene Erden), geografische Distanz zum Konfliktherd und eine wachsende geopolitische Bedeutung als Rohstofflieferant für die USA.
KI und Chips: Die 80-Prozent-Story aus Seoul
Wer den eigentlichen Treiber der Emerging-Markets-Rally sucht, landet unweigerlich in Südkorea. Dort hat ein Markt in 12 Monaten um weit mehr als 100 Prozent zugelegt. Der KOSPI ist eine Fahnenstange, getragen von einer fundamentalen Knappheit: Memory-Chips.
80 Prozent der globalen High-Bandwidth-Memory-Chips (HBM) werden in Südkorea produziert — primär von Samsung und SK Hynix. Die restlichen 20 Prozent kommen von Micron in den USA. Drei Unternehmen also kontrollieren nahezu die gesamte Weltproduktion eines Bauteils, das für KI-Systeme unverzichtbar ist. HBM-Chips ermöglichen nicht nur das Training von KI-Modellen, sondern vor allem auch deren Betrieb, das sogenannte Inferenz, also das Abrufen von Antworten in Echtzeit.
Das Angebot ist so knapp, dass die Produktionskapazitäten für das Jahr 2026 bereits vollständig ausverkauft sind und neue Kapazitäten erst Mitte 2027 ans Netz gehen. Die Nachfrage kommt von den Hyperscalern und die aktuelle Berichtssaison lässt erahnen, dass der Durst von Microsoft, Amazon, Google und Co. nach Memory 2027 dann noch einmal deutlich höher liegen dürfte.
Korea ist aus unserer Sicht auch eine strukturelle Absicherung gegen einen KI-Enttäuschungsfall: Selbst wenn die Hyperscaler in drei Jahren feststellen, dass sie zu viel investiert haben, das Geld ist bereits bei Samsung und SK Hynix. Die Chiplieferanten kassieren bis auf weiteres unabhängig davon, ob KI die versprochenen Renditen bringt.
Der Schweinezyklus im Chipmarkt — der in der Vergangenheit bei nachlassender Konjunktur brutal zuschlug — scheint strukturell unterbrochen: Wir sind vermutlich erst 20 bis 30 Prozent in dieser Buildout-Phase. Auch hier zeigt die Berichtssaison zum ersten Quartal, dass keiner der großen Investoren in Chips und Infrastruktur riskieren möchte, im Wettrennen zur KI-Dominanz den Anschluss zu verlieren.
China: Das National Team drückt auf die Bremse
Chinesische Aktien schwächeln — aber nicht aus den Gründen, die meist bekannt sind, wie zum Beispiel der seit Jahren schwache Immobilienmarkt. Der eigentliche Bremsklotz ist derzeit die chinesische Regierung selbst, genauer: das sogenannte „Nationalteam“. Dieses lose Bündnis aus staatlichen Banken, Versicherern und Pensionsfonds war in den vergangenen Jahren immer dann aktiv, wenn der Markt absackte, indem es kaufte. Derzeit geschieht das Gegenteil.
Hintergrund: Das Verhältnis ausstehender Margin Kredite (Kreditspekulation) zur Marktkapitalisierung war auf Niveaus von 2015 gestiegen, damals hatte die Regierung nicht eingegriffen, mit katastrophalen Folgen. Diesmal tritt Peking behutsam auf die Bremse, vor allem bei A-Shares, die im Hang Seng nicht enthalten sind. Das dämpft kurzfristig die Kurse, zeugt aber von einem besonnenen Ansatz der chinesischen Behörden.
Für langfristig orientierte Investoren ist das strukturell positiv zu werten: Peking handelt antizyklisch. Die Schwäche ist regulatorisch erzwungen, nicht fundamental begründet. Hinzu kommt: Das Universum «China» ist komplexer als der Hang Seng suggeriert. Professionelle Anleger kombinieren A-Shares (Festland), Hong-Kong-notierten H-Shares und US-gelistete ADRs zu einem vollständigen Bild.
Fundamental sprechen strukturelle Faktoren für China: Mehr als die Hälfte der globalen Patente kommen aus China, 66 Prozent des globalen Wirtschaftswachstums entfallen auf Emerging Markets — mit China als größtem Einzelbaustein. Die Untergewichtung in institutionellen Portfolios, jahrelang durch den „Uninvestierbar“-Narrativ genährt, ist noch nicht vollständig aufgeholt. Das schafft Nachholpotenzial.
Brasilien: Der stille Gewinner der Rohstoffgeopolitik
Brasilien ist nach Korea Franklin Templetons derzeit bevorzugter Emerging Markets Markt, und der Iran Konflikt hat dieses Argument noch verstärkt. Das Land kombiniert in seltener Weise: Ölexporte, Nahrungsmittelexporte, Industriemetalle und — strategisch wichtiger denn je — seltene Erden.
Konkret: Brasilien besitzt 20 Prozent der globalen Reserven seltener Erden, produziert aber derzeit nur etwa 1 Prozent des weltweiten Outputs. Der gesamte Verarbeitungssektor liegt in China. Sollte das Auseinanderdriften von USA und China weitergehen und Washington Versorgungsketten für kritische Materialien diversifizieren wollen — ein Prozess, der Jahrzehnte dauert, aber bereits begonnen hat —, dann ist Brasilien einer von wenigen möglichen Alternativen.
Die Binnenwirtschaft zeigt ein ambivalentes Bild: Die Zentralbank hat den Leitzins auf 15 Prozent erhöht, in einem globalen Umfeld sinkender Zinsen ein aggressiver Schritt. Die Inflation liegt bei rund 4 Prozent, leicht oberhalb des Zielbands (3 Prozent ±1,5 Prozentpunkte), aber noch innerhalb des akzeptablen Korridors. Das schafft erheblichen Spielraum für Zinssenkungen.
Das strukturelle Defizitproblem bleibt: Sozialausgaben sind inflationsindexiert und per Gesetz festgeschrieben, eine grundlegende Reform ist politisch kaum durchsetzbar, jedenfalls nicht unter der aktuellen Linksregierung von Lula. Die Parlamentswahlen im Oktober 2026 könnten eine Wende bringen, möglicherweise unter Flavio Bolsonaro; das wäre markttechnisch positiv, setzt aber eine parlamentarische Mehrheit voraus.
Obwohl Brasiliens makroökonomische Stabilität auch dem hohen Anteil des Binnenkonsums zu verdanken ist, ist für Indexanleger das Konsumthema eher zweitrangig: Der Aktienmarkt wird von Öl- und Rohstoffunternehmen sowie dem Finanzsektor dominiert. Consumer Staples und Discretionary sind nur marginal vertreten. Brasilien ist für Anleger in erster Linie eine Rohstoff-Story mit Zinssenkungsoption.
Rosenbauer: Turnaround fast geschafft
Bei Rosenbauer lief das Geschäft sehr gut.
(22.05.2026)
Ergebnis Rosenbauer 2025 Zusammenfassung
Rosenbauer hat 2025 ein beeindruckendes Ergebnis vorgelegt und damit den Turnaround nahezu abgeschlossen. Der Feuerwehrausrüster steigerte den Umsatz um 9,4 % auf 1,429 Milliarden Euro, halbierte die Verschuldung und erzielte ein Ergebnis vor Steuern von über 54,7 Millionen Euro. Der Auftragsbestand von 2,35 Milliarden Euro sorgt zusätzlich für Planungssicherheit und weiteres Wachstum.
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Diese Zahlen standen im Mittelpunkt der 34. ordentlichen Hauptversammlung in Leonding, die im Vergleich zum Vorjahr unter einem deutlich besseren Stern verlief. CEO Robert Ottel sprach vom „erfolgreichsten Geschäftsjahr in der 160‑jährigen Unternehmensgeschichte“.
Innovation im Fokus: Der Panther jetzt auch elektrisch
Zu Beginn gab Ottel einen Überblick über das Unternehmen und hob das Flughafenlöschfahrzeug Panther hervor – das internationale Aushängeschild von Rosenbauer. Die neue elektrische Version ist bereits am Flughafen Dallas (Texas) im Einsatz. Für Ottel ein „eindrucksvoller Beweis unserer Innovationskraft“.
Komplexe Einzelanfertigungen – Stärke und Herausforderung
Rosenbauer fertigt jedes Feuerwehrauto als maßgeschneiderte Einzelanfertigung, abgestimmt auf die Anforderungen der jeweiligen Einsatzorganisation. Die hohe Komplexität bringe jedoch auch Herausforderungen mit sich, wie Ottel offen einräumte.
Rosenbauer: Starkes Wachstum 2025
Gleichbleiben ist leichter als wachsen, glauben Sie mir!
Dass Ergebnis des vergangenen Jahres kann sich sehen lassen: Der Umsatz stieg um 9,4 % auf 1,429 Milliarden Euro, die Verschuldung wurde halbiert und das Ergebnis vor Steuern lag bei mehr als 54,7 Millionen Euro. „Das hört sich ja sehr gut an, aber eine solche Steigerung muss ein Unternehmen auch ein-mal verkraften“, so Ottel. „Gleichbleiben ist leichter als wachsen, glauben Sie mir!“
Ausblick 2026: Wachstum, US‑Offensive und höhere Marge
Zufrieden zeigte er sich auch mit dem Auftragsbestand, der bei 2,35 Milliarden Euro liegt. Das verspricht auch für 2026 ein Wachstum, das unter anderem durch stärkere Bearbeitung des US-Marktes erreicht werden soll. „Dort sind wir Nummer drei, das ist nicht unser Anspruch“, erklärte der CEO.
Prognosen für 2026:
- Umsatzprognose: rund 1,6 Mrd. Euro
- EBIT‑Marge: etwa 6 %
- US‑Markt: stärkere Bearbeitung
Aktionäre zufrieden – Dividende 2027 in Aussicht
In der folgenden Generaldebatte kamen viele Redner zu Wort, die ebenfalls ihrer Zufriedenheit mit dem fast geschafften Turnaround zum Ausdruck brachten. Die Frage nach einer möglichen Dividende kam natürlich zur Sprache. „Wenn 2026 so verläuft, wie wir es erwarten, werden wir wohl nächstes Jahr wieder eine Dividende vorschlagen können“, so Ottel.
Kritik und klare Worte
Dagegen verwehre ich mich auf Schärfste
Ein Aktionär, der sich über Fehler im Geschäftsbericht mokierte und unterstellte, man habe die Erstellung „wohl nicht ernst genommen“ rief eine heftige Reaktion hervor: „Dagegen verwehre ich mich auf Schärfste“, wurde Ottel laut. „Wir nehmen das sehr wohl ernst, wenn Fehler drin sind, haben wir schlecht gearbeitet, aber uns Unernst vorzuwerfen verdirbt mir den Tag!“
Weitere Themen:
Ein anderer Anteilseigner monierte, dass im vergangenen Jahr die AR-Vergütung um 27 % gestiegen sei. „Da vergessen Sie aber, dass in den fünf Jahren davor nur die Inflation abgegolten wurde“, entgegnete der scheidende AR-Vorsitzende Christoph Reisinger.
- AR‑Erweiterung: Nicht sehr gefiel einigen Aktionären auch, dass man die Anzahl der AR-Mitglieder auf sechs erhöhen wollte, gegen die beiden Kandidatinnen hatte aber keiner etwas einzuwenden.
Abstimmungen: Alle Punkte angenommen
Nach knapp drei Stunden wurden sämtliche Tagesordnungspunkte im Sinne der Verwaltung beschlossen. Neu in den Aufsichtsrat gewählt wurden:
- Michaela Scheibelauer
- Cornelia Zeinler
Live aus der HV: Cornelius M. Pirch
Foto: Rosenbauer
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(22.05.2026).
Wiener Finanzsektor schlägt den Markt deutlich
Der Wiener Finanzsektor hat den breiten Markt zuletzt klar geschlagen. Während der ATX auf 52 Monate knapp 34 % im Plus liegt, brachte es der ATX FIN mit Erste Group, RBI und Bawag sowie mit VIG und Uniqa auf rund 50 %. Steigende Zinsen stützen Margen und Kapitalerträge, hohe Immobilienpreise halten den Wohnbaukreditbedarf aufrecht, und Zentral- und Osteuropa bleibt für Finanzwerte ein Markt vor der Haustüre. Damit zeigt der Wiener Finanzsektor erneut seine Stärke im europäischen Vergleich. Besonders Banken und Versicherer im Wiener Finanzsektor profitieren von stabilen Kapitalquoten, soliden Erträgen und regionalen Wachstumsmärkten. Insgesamt bestätigt der Wiener Finanzsektor seine Rolle als Outperformer im ATX.
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Erste Group: Wachstumsschub trotz Wertberichtigungen
Die Erste Group lieferte für das vergangene Jahr 2025 gute Zahlen. Der Zinsüberschuss stieg um 3,5 % auf 7,8 Milliarden Euro, der Provisionsüberschuss um 8,6 % auf 3,2 Milliarden Euro und das Periodenergebnis um 12,3 % auf 3,5 Milliarden Euro. Die Polen-Expansion verstärkte im ersten Quartal 2026 den Wachstumsschub. Das Betriebsergebnis verzeichnete ein Plus von 48,7 %. Allerdings bremsten im Zuge der Erstkonsolidierung erhöhte Wertberichtigungen für das gesamte erworbene Portfolio vorübergehend die Gewinndynamik.
Trotzdem stieg das den Eigentümern des Mutterunternehmens zuzurechnende Periodenergebnis um 18,2 %. Die Kreditausfälle bleiben niedrig, die CET-1-Quote liegt bei soliden 14,5 %. Im Zuge des zur Gänze aus Eigenmitteln finanzierten Kaufes der Erste Bank Polska schraubt das Institut für 2025 die Dividende je Aktie auf 0,75 Euro zurück.
Doch der Analystenkonsens von MarketScreener bleibt positiv: Von 2026 bis 2028 sollte der Gewinn je Aktie von rund 9,50 auf 11,72 Euro steigen, was bei einem Kurs von 97 Euro ein für 2028 geschätztes KGV von günstigen 8,3 wäre. Und ab 2026 halten die Analysten wieder Dividendenrenditen von mehr als 4 % für möglich.
Bawag Group: Effizienz, Wachstum und starke Dividendenstory
Wachstumsperle im Bankensektor
Die Bawag Group zählt generell zu den Wachstumsperlen mit hoher Effizienz. Von 2017 bis 2025 stieg der Gewinn pro Aktie um 12 % p. a. (CAGR). Die Dividendenausschüttung konnte für die Geschäftsjahre 2017 bis 2025 von 0,58 auf 6,25 Euro je Aktie gesteigert werden, während die Cost-Income-Ratio (CIR) im gleichen Zeitraum von 47 auf 36 % zurückging.
Die heute paneuropäische und US‑amerikanische Bankengruppe ist durch eine Reihe von Akquisitionen gewachsen. 2025 steigerte sie bei einem um 40 % höheren Nettozinsertrag von 1.837 Mio Euro den Nettogewinn um 13 % auf 860 Millionen Euro. Bis zum Jahr 2028 peilt das Institut einen Nettogewinn von über 1,2 Milliarden Euro an. Trotz Expansion blieb 2025 die Quote notleidender Kredite unverändert bei 0,8 %. Die CET-1-Quote liegt mit 14,2 % im soliden Bereich.
Moody‘s stuft das Emittenten-Rating der Bawag Group mit A1 und positivem Ausblick ein. Der Analystenkonsens von MarketScreener rechnet von 2026 bis 2028 mit einem Gewinnanstieg je Aktie von 12,41 auf 16,39 Euro, woraus bei einem Kurs von 145 Euro ein für 2028 günstiges erwartetes KGV von 8,8 resultiert. Die aktuelle Dividendenrendite beträgt 4,3 %.
Raiffeisen Russland (RBI): Starkes Kerngeschäft trotz Russland-Risiko
Operative Stärke außerhalb Russlands
Der Raiffeisen Bank International bleibt der risikoreichere Ertragswert. Ex Russland stieg der Konzerngewinn 2025 um 48 % auf 1,44 Milliarden Euro. Die Kernerträge legten, getrieben durch beschleunigtes Kreditwachstum, um 3 % auf 6,19 Milliarden Euro zu. Die Nettozinsspanne konnte sich mit 2,95 Prozentpunkten fast auf Vorjahresniveau halten.
Die positive Entwicklung setzte sich außerhalb Russlands im ersten Quartal 2026 operativ fort: Das Betriebsergebnis ohne Russland stieg um 12 %. Hingegen belasten deutlich geringere Betriebserträge in Russland, höhere Bankenabgaben sowie gestiegene Risikokosten das Konzernergebnis. Doch mit einer harten Kernkapitalquote von 14,9 % außerhalb Russlands ist die RBI gut aufgestellt.
Der aus 13 Analysten bestehende Konsens von MarketScreener hat jedenfalls seit Ende Jänner seine Gewinnprognosen deutlich nach oben geschraubt. In den kommenden Jahren sollten sich die Gewinne je Aktie auf hohem Niveau halten und das für 2028 erwartete KGV liegt auf Basis eines Kurses von 46,14 Euro bei 6,9, was auf einen Abschlag für das Russland-Risiko zurückzuführen ist. Die aktuelle Dividendenrendite beträgt rund 3,5 %.
Versicherer im Wiener Finanzsektor: Prämienwachstum und stabile Dividenden
VIG: Jahrzehntelange Dividendenkontinuität
Die Vienna Insurance Group (VIG) hat seit 1994 jedes Jahr eine Dividende bezahlt. Von 2015 bis 2024 stieg diese von 0,60 auf 1,55 Euro, und für 2025 wird eine Anhebung um 12 % auf 1,73 Euro vorgeschlagen. Ermöglicht wurde das bisherige Dividendenwachstum durch entsprechende Gewinnzuwächse je Aktie – so etwa um 21,8 % p. a. in den Jahren 2021 bis 2025.
Versicherungstechnisch hat das Unternehmen gut gewirtschaftet, was durch deutlich geringere Unwetterschäden unterstützt wurde. In der Folge war die Netto Combined Ratio von 93,4 auf 90,1 % rückläufig. Gleichzeitig stiegen die von der VIG verrechneten Prämien um 7,1 %, wobei Polen und Rumänien auffällig positiv abschnitten.
Das Ergebnis je Aktie konnte um 33,7 % auf 6,46 Euro gesteigert werden. Ein großer Meilenstein in der Expansion ist die geplante und von der EU-Kommission genehmigte Übernahme der Nürnberger Beteiligungs-AG. Analysten rechnen von 2025 bis 2028 mit einem Gewinnwachstum je Aktie von 10,9 % p. a. und auf Basis eines Kurses von 67 Euro liegt das für 2028 geschätzte KGV noch immer bei günstigen 7,6.
Uniqa: Starkes Prämienwachstum und solide Profitabilität
Breit gestützte Ergebnisverbesserung
Die Prämien der Uniqa stiegen 2025 um 8,2 % auf 8,36 Milliarden Euro. Haupttreiber waren Schaden und Unfall mit plus 10 % sowie Krankenversicherung mit plus 6,3 %. International legten die Prämien um 9,8 % zu. Die bessere Netto Combined Ratio ermöglichte einen Anstieg des Konzernergebnisses um 22,2 % auf 424,8 Millionen Euro. Ein Dividendenanstieg um 20 % auf 0,72 Euro je Aktie bedeutet auf Basis eines Kurses von 17,04 Euro eine Dividendenrendite von 4,2 %. Der Schätzungskonsens von MarketScreener erwartet in den kommenden Jahren weitere Steigerungen beim Gewinn je Aktie und bei der Dividende. Das für 2028 geschätzte KGV liegt aktuell bei akzeptablen 10,4.
Autor: Michael Kordovsky
Reform betriebliche Vorsorge: Wie die zweite Säule die Pensionen stabilisieren kann
(22.05.2026)
Reform betriebliche Vorsorge: Ein wichtiger Schritt, weitere müssen folgen
(22.05.2026) Mit der Zukunft der Vorsorge und der Frage, welchen Beitrag die Betriebliche Altersvorsorge zur nachhaltigen Finanzierung der Pensionen leisten kann, beschäftigte sich eine Veranstaltung der Österreichischen Gesellschaft für Versicherungsfachwissen (GVFW).
In ihrer Keynote ging Universitätsprofessorin Monika Köppl-Turyna auf die geplante Reform der betrieblichen Altersvorsorge und notwendige weitere Schritte ein und gab Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung des Pensionssystems.
Die Zahlen dazu: 15,5 % des BIP flossen in Österreich 2024 in Pensionen. Wie viel es zukünftig sein werden, „wissen wir noch nicht“, das Niveau werde aber „sehr, sehr hoch“ sein, so Köppl-Turyna. Dies sei „signifikant“ mehr als in anderen Ländern wie Dänemark, den Niederlanden oder Schweden, wo es zwischen 7 und 8 % sind. Und die 74,9 MrdE müsse man auch in Relation zu anderen Bereichen sehen: Für Wirtschaft, Infrastruktur und Umwelt wurden hierzulande 22,4 MrdE ausgegeben.
Betriebliche Vorsorge und ihre Bedeutung für die Wirtschaft
Pensionsfonds hätten auch positive Auswirkungen auf die Wirtschaft: Ein Prozent mehr Pensionsfondsvermögen erhöhe das Wirtschaftswachstum um bis zu 0,07 %. Eine große Rolle spiele dabei die Qualität der Veranlagung, es gebe eine starke Korrelation zwischen Aktienanteil und Wachstumsimpuls. Wichtig sei auch, dass Pensionskassen weltweit die wichtigste Finanzierungsquelle für Venture Capital sind; bei der Verfügbarkeit von Risikokapital würden Europa, besonders aber Österreich allerdings hinterherhinken. In Europa wiederum sei es „kein Zufall“, dass jene Länder (Estland, Dänemark, UK und die Niederlande) den höchsten Anteil von Venture Capital am BIP haben, die über starke zweite und dritte Säulen verfügen.
Wissenschaftliche Evidenz zur betrieblichen Vorsorge
Köppl-Turyna erinnert in diesem Zusammenhang an das makroökonomische Modell, wonach Ersparnisse genauso hoch sind wie die Investitionen. Es lasse sich zeigen, dass obligatorische Pensionsfonds die nationale Sparquote signifikant erhöhen.
Freiwillige Systeme würden dagegen primär der Portfolioumschichtung dienen. Auto-Enrollment, die automatische Aufnahme von Arbeitnehmern in ein System der betrieblichen Altersvorsorge, zeige dagegen Wirkung. Arbeitgeberbeiträge seien dabei sinnvoller als Arbeitnehmerbeiträge.
Aber auch die Unternehmen selbst würden profitieren: So hätten Firmen mit Pensionsfonds-Beteiligung eine höhere Wahrscheinlichkeit, Patente vorzuweisen, und würden eine höhere Stundenproduktivität ausweisen, so Köppl-Turyna.
Betriebliche Vorsorge: Reformen als erster Schritt
Abschließend beschäftigte sich Köppl-Turyna mit der Weiterentwicklung des Pensionssystems. Sie empfiehlt ein Auto-Enrollment für alle Arbeitnehmer ohne betrieb-liche Pensionslösung, ein Opt-out (Möglichkeit des Widerspruchs) sei gegenüber Opt-in (aktive Zustimmung nötig) zu bevorzugen.
Die Beitragssätze sollten schritt-weise auf 3 bis 5 % angehoben werden; angesichts der hohen Lohn-nebenkosten in Österreich müsse aber jede Reform dafür sorgen, dass die Gesamtbelastung nicht steigt, Pensionsversicherungsbeiträge müssten daher gesenkt werden.
Auch bei den Mitarbeitervorsorgekassen sollte der Beitragssatz von derzeit 1,53 % erhöht werden. Wichtig wäre auch, vorzeitige Entnahmen weiter einzuschränken und die Verrentungsoption steuerlich zu begünstigen.
Und schließlich empfiehlt Prof. Köppl-Turyna ein einheitliches EET-Regime (Exempt-Exempt-Taxed), das Steuerfreiheit von Einzahlungen und Erträgen während der Ansparphase und eine Versteuerung der Rentenauszahlungen vorsieht, für die zweite und dritte Säule.
Reformbedarf in der ersten Säule
In der anschließenden Diskussion betonte Ralph Müller, Generaldirektor der Wiener Städtischen Versicherung, die Notwendigkeit von Maßnahmen zur Absicherung der ersten Säule; nötig sei vor allem die Anhebung des Pensionsantrittsalters „ohne weitere Ansprüche an das staatliche System“.
Dem hielt aber Nationalratsabgeordneter Kai Jan Krainer von der SPÖ entgegen, das Einzige, das kurzfristig wirke, seien niedrigere Pensionsanpassungen; alles andere, wie höheres Pensionsantrittsalter oder längerer Durchrechnungszeitraum würden Jahrzehnte brauchen, um zu wirken.
Für eine Diversifizierung des Pensionssystems sprach sich Nationalratsabgeordneter Christoph Pramhofer (Neos) aus. Kapitalgedeckte Systeme würden vom Zinseszinseffekt profitieren, eine Kombination beider Systeme (Umlage und Kapitaldeckung) sei besser als jedes für sich allein.
Andreas Csurda, Vorstandsmitglied der Allianz Pensionskasse und Obmannstellvertreter des Vorsorgeverbandes der Wirtschaftskammer, sieht allerdings die Reformbereitschaft in Österreich gering: Die zweite Säule entspreche noch nicht dem, „was wir im Vortrag gehört haben“.
Was in der betrieblichen Vorsorge noch kommen muss
Die Dynamik eines freiwilligen Systems sei geringer als die eines Obligatoriums, so Csurda mit Hinweis aus die „andere Dynamik in den Vorsorgekassen“. Es gelte dieses Potenzial zu heben. Stellschrauben seien die Abschaffung von Kapitalgarantien und die Verlängerung der Liegedauer. Für Pramhofer brauche es noch mehrere weitere Schritte. Neben „Opt-out statt Opt-in“ und Steuerbegünstigungen wünscht er sich höhere Beiträge für die Vorsorgekassen. 1,53 % würden zehn Prozent mehr Nettopension bringen, bei drei Prozent würde dies 20 % mehr Nettopension bedeuten.
🟦 Exkurs: Was Vorsorgekassen in Österreich sind
Vorsorgekassen – offiziell Betriebliche Vorsorgekassen (BVK) – verwalten das Geld aus der Abfertigung Neu. Seit 2003 zahlen alle Arbeitgeber monatlich einen fixen Prozentsatz ein. Das Kapital gehört den Arbeitnehmer:innen und bleibt auch bei Jobwechsel erhalten.
Kernfunktionen:
- Veranlagung der Beiträge am Kapitalmarkt
- Kapitalgarantie: Am Ende darf nie weniger ausbezahlt werden als eingezahlt wurde
- Portabilität: Konto bleibt bei Jobwechsel bestehen
- Auszahlung: Nach Ende des Arbeitsverhältnisses oder als langfristige Vorsorge nutzbar
Die Finanzmarktaufsicht (FMA) veröffentlicht laufend Marktberichte und Kennzahlen zu Performance, Kosten und Veranlagungsstruktur.
Autor: Marius Perger
Foto: AdobeStock / Elena
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Automobilzulieferer Österreich: Entwicklung, Markt & Perspektiven 2015–2026
Entwicklung Autohersteller: Japan und USA wachsen – deutsche verlieren Boden
Die globale Autoindustrie ist mit einem spürbar schwierigen Umfeld konfrontiert. Besonders die deutschen Hersteller bekommen den Gegenwind zu spüren. Während die 18 größten Autokonzerne weltweit im ersten Quartal 2026 insgesamt ein Umsatzplus von knapp zwei Prozent erzielten, legten die japanischen Produzenten um rund vier Prozent zu. Die US‑Hersteller konnten ihre Erlöse sogar um fünf Prozent steigern. Ganz anders die Lage in Deutschland: Die drei großen Konzerne mussten im selben Zeitraum ein Minus von vier Prozent hinnehmen.
Auch beim Ergebnisvergleich liegen die US‑Autobauer klar voran: Ihre Gewinne schnellten um 83 Prozent nach oben, während die deutschen Hersteller gleichzeitig ein Minus von 23 Prozent verkraften mussten. Insgesamt konnten lediglich acht der analysierten Unternehmen ihre Profitabilität steigern. Zehn Konzerne – darunter sämtliche deutschen Anbieter – meldeten dagegen rückläufige Gewinne.
Die Zahlen für das 1. Quartal 2026 im Überblick:
- Umsatz Autohersteller weltweit (Top 19 OEMs): +1,7 bis +2 %
- Japan: +4 %
- USA: +5 %
- Deutschland: –4,0 bis –4,3 %
- Gewinnentwicklung Autohersteller:
- USA: +83 %
- Deutschland: –23 %
- China: –43 %
- Japan: stark belastet durch Honda‑Abschreibungen
Die Herausforderungen für die Automobilindustrie sind noch lange nicht überwunden
„Die Entwicklungen zeigen, dass die Herausforderungen für die Automobilindustrie noch lange nicht überwunden sind“, sagt Axel Preiss, Leiter Industrials bei EY Österreich. „Die Branche befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Strukturwandel: Rückläufige Absatzmärkte, hohe Überkapazitäten und der verzögerte Hochlauf der Elektromobilität belasten die Ergebnisse weiterhin.“
Entwicklung: Mehrheit der größten Autozulieferer weltweit mit Umsatzrückgängen
Diese Entwicklung trifft natürlich auch die Autozulieferer mit voller Wucht. Das Produktionsvolumen der Autozulieferer reichte bereits 2025 laut einer Studie von AlixPartners nicht aus, um genügend Wachstum für Zulieferer zu generieren, zumindest nicht außerhalb Chinas. Rund 62 der 100 größten Zulieferunternehmen mussten laut Studie Umsatzrückgänge hinnehmen. Negative Wechselkurseffekte herausgerechnet, wäre das Wachstum trotzdem nur minimal ausgefallen.
Margendruck durch schwankende E-Autonachfrage
Die durchschnittliche Marge der Top‑Zulieferer ist zuletzt spürbar unter Druck geraten und von 5,8 auf 5,2 Prozent zurückgegangen. Besonders herausfordernd war die Situation für Unternehmen, die stark auf die Elektromobilität ausgerichtet sind. Dort führten eine unbeständige Nachfrage, verzögerte Produktionsstarts neuer Modelle und politische Unsicherheiten zu erheblichen Sonderabschreibungen und unausgelasteten Kapazitäten.
Chinas Automobilzulieferer geben zunehmend den Ton an
Die globale Zulieferindustrie verändert sich rasant. Chinesische Unternehmen gewinnen dabei zunehmend an Einfluss. Erstmals zählt China, gemessen an der Zahl der vertretenen Firmen, zu den drei stärksten Nationen im Ranking der Top‑100‑Zulieferer. Beim Umsatzanteil liegen chinesische Player inzwischen laut Studie nahezu auf Augenhöhe mit den USA. Besonders bemerkenswert: Mit CATL hat es erstmals ein chinesischer Konzern unter die drei größten Automobilzulieferer der Welt geschafft.
Warum Chinas Autohersteller und -Zulieferer im Vorteil sind
Chinas struktureller Vorteil beruht laut Studie von AlixPartners nicht allein auf technologischer Innovation, sondern auch auf dauerhaft niedrigeren Produktionskosten. Seit dem Jahr 2000 sind die Erzeugerpreise in der Volksrepublik deutlich langsamer gestiegen als in Deutschland oder den USA. Dadurch verfügen chinesische Zulieferer heute über signifikante Kostenvorteile gegenüber ihren westlichen Konkurrenten.
Österreichische Autozulieferer von Krise gebeutelt
2024 sank der Branchenumsatz um 9,2 Prozent auf 28,41 Milliarden Euro, laut ARGE Automotive Zulieferindustrie. Auch bei den Beschäftigten zeigt sich demnach erstmals seit Jahren ein deutlicher Rückgang: Rund 5.000 Stellen wurden gestrichen, womit die Branche Ende 2024 insgesamt 76.900 Mitarbeiter beschäftigte. ARGE-Vorsitzender Dietmar Schäfer fürchtete bereits im Vorjahr, dass weitere Arbeitsplätze verloren gehen – und das nachhaltig.
Bedeutung der Automobilzulieferer Österreich für die Volkswirtschaft
Die Automobilzulieferer Österreich zählen seit Jahren zu den wichtigsten industriellen Wertschöpfungsketten des Landes. Die Branche sichert laut ARGE 2025 indirekt 192.000 Arbeitsplätze und generiert eine Wertschöpfung von knapp 15,8 Mrd. Euro.
Zum Vergleich: 2015 erwirtschaftete die Branche einen Produktionswert von 20,7 Mrd. Euro, generierten 6,1 Mrd. Euro Wertschöpfung und beschäftigten 72.500 Menschen.
Damit ist Österreich trotz sinkender Beschäftigung ein hochspezialisierter Standort für Leichtbau, Stahlinnovationen, Aluminium und Kunststoffkomponenten – ein zentraler Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit der Automobilzulieferer Österreich.
Historische Entwicklung der Automobilzulieferer Österreich (2015–2026)
Wachstum und technologische Trends 2015–2016
2015 prägten zwei Trends die Branche: Leichtbau und Abgasreduktion. Diese Entwicklungen führten zu einer verstärkten Substitution von Stahl durch Aluminium sowie Plastic & Composites – ein Vorteil für österreichische Unternehmen wie AMAG und Polytec. Auch die voestalpine setzte mit phs‑ultraform und später phs‑directform neue Maßstäbe im Bereich hochfester, leichter Stahltypen. Für die Automobilzulieferer Österreich bedeutete dies eine Phase technologischer Dynamik, aber auch steigenden Kostendrucks, höherer Qualitätsanforderungen und kürzerer Produktzyklen.
Globaler Aufschwung bis zum Rekordjahr 2019
McKinsey prognostizierte für die globale Zulieferindustrie ein Marktvolumen von 2 Billionen Euro bis 2020. Treiber waren:
- Wachstum in Asien
- Nachfrage nach kleineren Fahrzeugen
- Expansiver Ersatzteilmarkt
- Neue Technologien
2019 erreichte die Branche weltweit tatsächlich ein Rekordvolumen von 1,1 Billionen Dollar. Auch die Automobilzulieferer Österreich profitierten stark von dieser Phase.
Der COVID‑19‑Einbruch 2020
Marktvolumen und Auswirkungen
Die Global Automotive Supplier Study 2020 (Roland Berger & Lazard) dokumentiert:
- >25 % Umsatzrückgang im ersten Halbjahr
- 16 % Rückgang der weltweiten Fahrzeugproduktion
- Marktvolumen 2020: 900–950 Mrd. USD
Damit blieb die Branche unter der 1‑Billion‑Marke, aber deutlich robuster als viele andere Industrien. Für die Automobilzulieferer Österreich bedeutete die Krise eine abrupte Unterbrechung des Wachstumspfads, jedoch keine strukturelle Schwächung.
Stagnation und Transformation 2021–2023
Stagformation als neues Zwischenstadium
Die Global Automotive Supplier Study 2025 beschreibt die Jahre nach der Pandemie als Phase der:
- Stabilisierung
- Stagnation
- Transformation („Stagformation“)
Zulieferer mussten gleichzeitig investieren und Kosten senken – eine schwierige Balance. Die Automobilzulieferer Österreich standen vor denselben Herausforderungen: E‑Mobilität, Elektronik, Software und Nachhaltigkeit erhöhten den Innovationsdruck.
Rückkehr zum Wachstum 2024–2026
Das „härtere neue Normal“
Die BCG Automotive Supplier Study 2026 zeigt:
- Die Branche wächst wieder.
- Die Wettbewerbsintensität ist jedoch deutlich höher.
- Margen bleiben unter Druck.
- E‑Mobilität, Batteriekomponenten und Leistungselektronik gewinnen massiv an Bedeutung.
- Verbrennernahe Komponenten verlieren an Volumen, bleiben aber relevant.
Für die Automobilzulieferer Österreich bedeutet das:
- Vorteil durch Spezialisierung (Stahl, Leichtbau, Aluminium, Composites)
- Hoher Exportanteil bleibt Stärke
- Standortkosten bleiben Herausforderung
- Innovationsdruck steigt weiter
Strukturelle Herausforderungen für die Automobilzulieferer Österreich
Interdependente Belastungsfaktoren
Studien nennen konsistent:
- Globalisierung und Verlagerung der OEM‑Aktivitäten
- Nachhaltigkeit und CO₂‑Regulatorik
- Demografischer Wandel
- Rohstoffpreisvolatilität
- Kürzere Produktzyklen
- Höhere Qualitätsanforderungen
- Technologischer Wandel (E‑Mobilität, Software, Elektronik)
Diese Faktoren wirken verstärken sich gegenseitig – besonders relevant für die Automobilzulieferer Österreich, die stark exportorientiert sind.
Börsennotierte Autozulieferer Österreich
Produktion hochfester Stähle und Komponenten, die auch im Automotive‑Bereich verwendet werden.
- Starkes Automotive‑Exposure
- Technologischer Vorsprung durch kontinuierliche F&E‑Investitionen
- Erfolgreiche Entwicklung neuer Stahltypen (phs‑ultraform, phs‑directform)
Verfügt über Aluminiumwalzprodukte, die unter anderem in der Automobilindustrie eingesetzt werden
- Automotive‑Exposure
- Fokus auf Legierungen und Walzprodukte
- Geringere Abhängigkeit vom Primäraluminiumpreis
Polytec ist der einzige reine Automobilzulieferer, der in Österreich börsennotiert ist.
Die Polytec Holding ist ein international tätiger Anbieter von Kunststoffkomponenten und Systemlösungen für die Automobilindustrie. Das Unternehmen entwickelt und produziert:
- Exterieur‑Bauteile (Stoßfänger, Verkleidungen)
- Interieur‑Komponenten
- Akustik‑ und NVH‑Bauteile
- Technische Kunststoffteile für funktionale Anwendungen
Polytec ist in Europa breit aufgestellt und beliefert sowohl OEMs als auch Tier‑1‑Zulieferer.
Strategische Ausrichtung
Die Gruppe arbeitet an der Weiterentwicklung ihres Portfolios in Richtung:
- Leichtbau
- E‑Mobilität (z. B. Komponenten für neue Fahrzeugplattformen)
- Funktionsintegration in Kunststoffmodulen
Polytec ist damit ein klassischer „Tier‑2/Tier‑1‑naher“ Zulieferer mit Fokus auf Kunststofftechnologie.
Fazit: Position der Automobilzulieferer Österreich im Jahr 2026
2026: Transformation beschleunigt sich
Österreich erlebt 2026 laut EY eine dynamische, aber herausfordernde Transformation der Automobil- und E‑Mobilitätsindustrie:
- Produktionswert der österreichischen Autoindustrie: 28,5 Mrd. Euro
- Beschäftigte: über 200.000 Menschen
- Elektromobilität wächst um 42 %
- Lieferketten werden neu strukturiert und digitalisiert
Das zeigt: Die Branche ist weiterhin stark, aber mitten in einem tiefgreifenden Wandel.
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Großes Risikopotenzial durch US-Autokredite
Die wahren Profiteure des E-Auto-Booms
Des Wirtschaftsprüfers Unterschrift
Florian Beckermann (15.05.2026). Der Wirtschaftsprüfer wird von der Hauptversammlung gewählt. Er nimmt als Externer die wichtige Prüfung der Bücher vor. Der Bestätigungsvermerk hat eine große Signalwirkung im Investorenkreis. Nicht zuletzt durch die Wirecard-Causa steht die Reputation der Prüfungsgesellschaft mit auf dem Spiel. Die Unterschrift des Wirtschaftsprüfers dient dazu, das Ergebnis seiner Prüfung verbindlich zu bestätigen: Der Jahresabschluss wurde nach den geltenden gesetzlichen und fachlichen Standards geprüft, das Ergebnis wird vermerkt. Die Unterschrift bezieht sich auf den Jahresabschluss mit Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Anhang und häufig ebenso auf den Lagebericht und den dazugehörigen Bestätigungsvermerk. Der Wirtschaftsprüfer übernimmt Verantwortung für sein Prüfungsurteil. Dies schafft Vertrauen bei Banken, Investoren, Behörden und Gesellschaftern, weil diese davon ausgehen können, dass die Unternehmenszahlen unabhängig geprüft wurden. Außerdem besitzt die Unterzeichnung rechtliche Bedeutung, da ein Prüfungsvermerk ohne ordnungsgemäße Unterschrift in vielen Fällen nicht wirksam ist. Gleichzeitig wird dadurch nachvollziehbar, wer die Prüfung durchgeführt hat. Eine Haftungsfrage geht damit einher.
Angesichts dieser übergeordneten Bedeutung stellt sich die Frage, warum wird die Unterschrift im Geschäftsbericht vielfach nicht mehr abgedruckt? Gegen die Unterschrift werden vor allem Datenschutz-, Sicherheits- und Haftungsgründe angeführt. Die originale handschriftliche Unterschrift befindet sich in der Regel auf dem offiziellen Prüfungsvermerk beziehungsweise auf den eingereichten Originalunterlagen. Im veröffentlichten Geschäftsbericht wird dagegen oft lediglich der Name der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und des verantwortlichen Prüfers genannt. Es gibt Missbrauchsangst: Würde die handschriftliche Signatur öffentlich verbreitet, könnte sie für Fälschungen verwendet werden. Zudem ist für die rechtliche Wirksamkeit entscheidend, dass die unterschriebene Originalfassung existiert, nicht unbedingt deren Abdruck im veröffentlichten Bericht. Hinzu kommt, dass viele Geschäftsberichte heute elektronisch veröffentlicht werden. Dabei werden Unterschriften häufig technisch ersetzt, etwa durch den maschinenschriftlichen Namen oder durch qualifizierte elektronische Signaturen im Hintergrund.
Die Kritik: Das Originaldokument bekommt der Investor fast nie zu Gesicht. Die Publizitätsfunktion ist in Realität kaum existent. Gleichzeitig wird eine Prüfung durch den Wirtschaftsprüfer (Bestätigungsvermerk, Corporate-Governance-Bericht, nichtfinanzieller Bericht u.v.a.) aktuell nahezu inflationär verwendet. Eine elektronische Signatur ist sehr fälschungssicher. Wer eine große Publikumsgesellschaft für tausende von Investoren prüft, sollte zumindest deren Transparenzinteresse höher gewichten als die private Angst vor Unterschriftsmissbrauch. Es wäre im Sinne der Investoren, Wirtschaftsprüfer und Emittenten, die Prüfung mit mehr Leben und Transparenz zu füllen.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Doppelt so hohe F&E-Ausgaben der US-Konzerne
US-Konzerne erhöhen Ausgaben um elf Prozent, europäische um fünf Prozent.
(02.05.2026). Die weltweiten Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) steigen weiter – getrieben vor allem von den großen US-Technologiekonzernen. Allein die sogenannten „Big Five“ Alphabet, Apple, Microsoft, Amazon und Meta erhöhten ihre F&E-Investitionen im vergangenen Jahr um fast 46 Milliarden Euro – ein Plus von 21 Prozent.
Eine Folge des Investitionsbooms bei den US-Technologieunternehmen: Der Abstand zwischen den USA und Europa wird immer größer. Während die US-Unternehmen ihre F&E-Budgets im vergangenen Jahr um elf Prozent ausweiteten, betrug das Plus bei europäischen Unternehmen lediglich fünf Prozent, bei deutschen sogar nur drei Prozent. Asiatische Unternehmen steigerten ihre Ausgaben um neun Prozent.
Auch bei der F&E-Quote – also dem Anteil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben am Umsatz – liegen die US-Konzerne deutlich vorn: Sie investierten durchschnittlich 9,2 Prozent ihres Umsatzes in F&E, europäische Unternehmen 6,7 Prozent und asiatische 4,7 Prozent.
Und: Von den größten F&E-Investoren der Welt haben sieben ihren Sitz in den USA, zwei in Europa und einer in Asien. Volkswagen ist wie im Vorjahr der größte F&E-Investor Europas und belegt im globalen Ranking erneut den siebten Rang, gefolgt von Roche auf Platz 8.
Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die die 500 börsennotierten Unternehmen mit den größten F&E-Budgets weltweit untersucht wurden.
Gunther Reimoser, Country Managing Partner von EY Österreich, beobachtet: „Insbesondere der Aufschwung im Bereich der Künstlichen Intelligenz führt dazu, dass Technologieunternehmen ihre Forschungsausgaben kontinuierlich auf neue Rekordwerte schrauben. Weder das derzeit verhaltene globale Wirtschaftswachstum noch erhöhte geopolitische Risiken haben diese Entwicklung bislang signifikant beeinträchtigt.“
Abseits der Tech-Giganten zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild. So reduzierten 33 Prozent der US-Unternehmen im Ranking im vergangenen Jahr ihre F&E-Ausgaben. In Europa schrumpften die Investitionen bei 35 Prozent der Unternehmen, in Asien bei 30 Prozent.
Auch im Ranking zeigt sich die eher vorsichtige Investitionsstrategie europäischer Unternehmen. Während 2024 noch 132 europäische Unternehmen unter den Top-500 vertreten waren, sank ihre Zahl 2025 auf 126. Die Zahl der nordamerikanischen Unternehmen blieb mit 147 stabil, die der asiatischen stieg von 215 auf 220.
Reimoser stellt fest, dass Europa offenbar immer größere Probleme hat, mit dem Tempo der Innovationen und Investitionen in den USA und Asien Schritt zu halten. Insbesondere die großen US-Technologiefirmen vergrößern ihren Vorsprung ständig durch hohe Ausgaben für neue Entwicklungen.
Konjunkturflaute bremst vor allem europäische Unternehmen
Die hohen F&E-Ausgaben zu stemmen fällt den US-Unternehmen vergleichsweise leicht, weil ihre Gewinne sprudeln: Allein die fünf größten US-Technologiekonzerne erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen operativen Gewinn von 261 Milliarden Euro – 21 Prozent mehr als im Vorjahr.
Insgesamt steigerten alle US-Unternehmen im Ranking ihren Gewinn um 20 Prozent. Asiatische Unternehmen erzielten ein Plus von fünf Prozent, während europäische Unternehmen einen Gewinnrückgang von fünf Prozent verzeichneten. Auch beim Umsatz entwickelten sich die Regionen unterschiedlich: Während die Umsätze europäischer Unternehmen stagnierten, legten asiatische Konzerne um fünf Prozent und US-Unternehmen sogar um acht Prozent zu.
„Europäische Top-Unternehmen verzeichnen seit mehreren Jahren eine schwächere Entwicklung im Vergleich zu ihrem Mitbewerb aus Asien und den USA. Diese Entwicklung ist unter anderem auf geopolitische Faktoren, insbesondere den Krieg in der Ukraine, hohe Energiepreise sowie die insgesamt hohe wirtschaftliche Unsicherheit zurückzuführen. In diesem Umfeld steigen die Anforderungen an Investitionsentscheidungen deutlich – insbesondere bei Zukunftsprojekten wie Forschung und Entwicklung, die naturgemäß mit Risiken verbunden sind. Dennoch gilt: Wer keine Risiken eingeht, verzichtet auf das Potenzial für echte Innovationen. Eine langfristige Reduzierung der F&E-Investitionen würde die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig beeinträchtigen“, stellt Reimoser fest.
Reimoser weist darauf hin, dass hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung allein nicht automatisch mehr Innovation bedeuten. Unternehmen müssen intern Strukturen schaffen, die Innovation und Flexibilität fördern. Die Innovationsgeschwindigkeit chinesischer Firmen zeigt, wie Entwicklungsprozesse stark verkürzt und technologische Neuerungen schnell auf den Markt gebracht werden können. Letztlich ist Innovationskraft nicht nur eine Frage von Milliardenbudgets, sondern hängt auch vom unternehmerischen Umfeld ab.
Künstliche Intelligenz nimmt eine entscheidende Rolle ein. Reimoser hebt hervor: „KI bietet insbesondere für Unternehmen, die unter Kostendruck stehen, erhebliche Potenziale. Sie ermöglicht effizientere Entwicklungsprozesse, Kostensenkungen und eröffnet neue Anwendungsgebiete.“
Pharmakonzerne investieren am meisten
Die höchste F&E-Intensität weisen traditionell Pharma-Unternehmen auf, bei denen der Anteil der Forschungsausgaben am Gesamtumsatz im vergangenen Jahr im Durchschnitt bei 15,0 Prozent lag. Die europäischen Pharmakonzerne lagen mit 14,7 Prozent unter den amerikanischen Wettbewerbern (16,4 %), aber oberhalb der asiatischen Unternehmen (13,6 %).
Als überdurchschnittlich innovationsfreudig erweist sich Europa in erster Linie in der Automobilindustrie: Während die europäischen Automobilunternehmen 6,9 Prozent ihres Umsatzes in F&E investieren, liegt der Anteil in Nordamerika bei 4,1 Prozent und in Asien bei 4,6 Prozent.
Hohe Forschungsausgaben gehen mit höheren Margen einher
Branchenübergreifend zeigt sich ein klarer Zusammenhang zwischen hoher F&E-Intensität und Profitabilität. Über alle 500 Unternehmen hinweg erzielten besonders forschungsintensive Unternehmen im vergangenen Jahr eine durchschnittliche EBIT-Marge von 14,1 Prozent. Unternehmen mit niedrigen F&E-Ausgaben kamen dagegen nur auf 8,8 Prozent.
Besonders deutlich ist dieser Effekt in der Informationstechnologie: Hier lag die EBIT-Marge bei stark forschenden Unternehmen bei 18,8 Prozent, bei vergleichsweise wenig investierenden Unternehmen hingegen nur bei 5,9 Prozent.
„Hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung sind keine Garantie für den Markterfolg“, erklärt Reimoser. „Dennoch ist deutlich erkennbar, dass Unternehmen mit überdurchschnittlichem Erfolg signifikant mehr Mittel in Forschung und Entwicklung investieren. Unternehmen, denen dies nicht möglich ist, laufen Gefahr, langfristig ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.“
Rohstoffpreise – getrieben von Krisen und industriellem Superzyklus
Ein Kommentar der Experten der Steiermärkische Sparkasse Private Banking.
(08.05.2026). Die Rohstoff- und Edelmetallmärkte haben in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Renaissance erlebt. Auch 2026 bleibt das Umfeld für Anlegerinnen und Anleger spannend und anspruchsvoll. Insbesondere die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen nimmt weltweit deutlich zu. Dahinter stehen stabile Wachstumstrends wie künstliche Intelligenz, erneuerbare Energien, Energiespeicherung und Elektromobilität, schreiben die Leiter des Steiermärkische Sparkasse Private Banking, Karl Freidl und Christian Sajowitz, im aktuellen Marktkommentar. Bei den meisten Rohstoffen muss aber mit hoher Volatilität gerechnet werden.
Öl bleibt im Fokus
Kaum ein Rohstoff beschäftigt die Weltwirtschaft und die Investorinnen und Investoren derzeit so sehr wie das „schwarze Gold“, das trotz Energiewende mit einem Anteil von rund 30 Prozent immer noch einer der Hauptenergieträger der Welt ist. Infolge des Iran-Krieges und der Blockade einer der wichtigsten Transportwege für Öllieferungen, der Straße von Hormuz, kommt es weltweit zu Engpässen und massiven Preisanstiegen bei Rohöl und bei verarbeiteten Produkten wie zum Beispiel Dieselkraftstoff. Das treibt die Inflation an und führt zu Mutmaßungen über baldige Leitzinserhöhungen in den USA und Europa.
Der jüngste, politisch begründete Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus dem Öl-Kartell Opec (bisher 12 Mitgliedstaaten) sowie der Opec plus (bisher 22 Staaten) per 1. Mai führte unmittelbar zu Spekulationen, dass die Ölpreise nachgeben könnten. Das überraschende Ausscheren der Emirate bedeutet zunächst eine Schwächung der Opec, die bislang trotz interner Meinungsverschiedenheiten nach außen stets um Einigkeit bemüht war. Die Ölförderstaaten setzen nun aber ihre Strategie der schrittweisen Produktionserhöhung fort. Eine Kerngruppe aus jetzt nur mehr sieben statt acht Ländern gab eine Ausweitung der geplanten Tagesförderung um 188.000 Barrel (je 159 Liter) ab Juni bekannt. In den vergangenen Monaten waren die Produktionsziele für April und Mai um jeweils 206.000 Barrel angehoben worden. Knapp 10 Prozent entfielen auf die Emirate, die nun im Kartell fehlen. Die aktuellen Entscheidungen der Ölstaaten sind aber unerheblich, solange die Meeresenge von Hormuz blockiert bleibt.
Lithium & Co – Zukunftsmärkte mit Risiko
Lithium, Nickel und Seltene Erden stehen im Zentrum der Energiewende. Elektroautos, Batteriespeicher und High-Tech-Produktion treiben die Nachfrage. Allerdings sind diese Märkte stark abhängig von politischen Eingriffen, Förderprojekten und Preisschwankungen. Der Zugang zu kritischen Rohstoffen entwickelt sich zunehmend zu einem geopolitischen Thema und zur Frage der nationalen Sicherheit. Besonders die starke Abhängigkeit von China sorgt international für Besorgnis. So wurden im Rahmen der Handelsgespräche zwischen den USA und China bereits Exportbeschränkungen für bestimmte Seltene Erden verschärft. Dazu zählen Materialien, die in Elektromotoren, Elektronik, Medizintechnik sowie industriellen und militärischen Anwendungen eingesetzt werden. Regierungen bemühen sich daher verstärkt um lokale Produktionskapazitäten und schließen strategische Partnerschaften mit Rohstoffunternehmen. Allerdings dürften dauerhaft höhere Preise notwendig sein, um ausreichende Investitionen in neue Förderprojekte zu ermöglichen. Somit bergen diese Metalle für risikofreudige Investorinnen und Investoren hohe Wachstumschancen, sind aber gleichzeitig von hoher Volatilität und Zyklusabhängigkeit gekennzeichnet.
Kupfer – Profiteur der Energiewende
Kaum ein Rohstoff wird derzeit so häufig im Zusammenhang mit Zukunftstechnologien genannt wie Kupfer. Der Ausbau von Stromnetzen, Rechenzentren und erneuerbaren Energien sorgt für eine strukturell steigende Nachfrage. Marktanalysen deuten weiterhin auf ein mögliches Angebotsdefizit hin – ein klassisches Umfeld für steigende Preise. Kupfer gilt somit wie Silber als einer der wichtigsten Profiteure der Energiewende und der Digitalisierung – allerdings mit zyklischen Rücksetzern.
Gold – der klassische sichere Hafen?
Gold bleibt auch 2026 einer der zentralen Bausteine im Rohstoff-Portfolio vieler Investorinnen und Investoren. Das Edelmetall profitiert von seiner Rolle als Krisenabsicherung und Portfolio-Stabilisator, zahlt aber weder Zinsen noch Dividenden und ist stets als langfristiges Investment zu sehen. Speziell die letzten Wochen und Monate zeigten auf, wie volatil Gold auf geopolitische Unsicherheiten reagieren kann. Während der Goldpreis in den letzten fünf Jahren offenbar nur einen Weg – und zwar nach oben – gekannt hatte, kam es nach Ausbruch des Krieges am Golf im März 2026 zu einer massiven Kurskorrektur. Diese eigentlich widersprüchliche Entwicklung zeigt, dass Gold nicht immer Profiteur von Krisen sein muss – insbesondere, wenn ein Konflikt so schwierig einzuschätzen ist wie der Krieg zwischen dem Iran einerseits sowie Israel und den USA andererseits.
Der kurzfristige Ausblick ist somit unklar, doch eine Reihe von Fundamentaldaten sprechen für Gold. Die Käufe des öffentlichen Sektors liegen weiterhin deutlich über den Durchschnittswerten vor der Pandemie, da bedeutende Zentralbanken Devisenreserven umschichten – etwa vom US-Dollar zu Gold. Insbesondere China und Indien stehen auf der Käuferseite, während US-Fonds zuletzt größere Mengen an goldgedeckten Fonds verkauften. Auch Russland baute zuletzt einen Teil seiner Goldreserven ab, wenn auch in geringem Ausmaß. Das Edelmetall bleibt mit rund 45 Prozent ein bedeutender Teil der russischen Devisenreserven.
Das Wachstum des gesamten Goldangebots dürfte moderat ausfallen und um rund 1,4 Prozent im Jahresvergleich zunehmen, da die Bergbauunternehmen nahezu mit voller Kapazität arbeiten. Dämpfend für den Goldpreis könnten sich mögliche kommende Zinserhöhungen in den USA und Europa infolge der steigenden Preise auswirken. Höhere Renditen bei fix verzinsten Anlageprodukten werden von den Marktteilnehmern in der Regel als Alternative zu Gold gesehen.
Die volatile Variante: Silber
Silber stand immer etwas im Schatten von Gold. Doch mit dem steigenden Bedarf für moderne Technologien wie der Elektronik, Photovoltaik und Elektromobilität steigt die Nachfrage. Die Silberpreis-Entwicklung wird von risikofreudigen Anlegern genau beobachtet. Denn Silber ist nicht nur Industrie-, sondern auch Edelmetall. Genau diese Doppelrolle sorgt für höhere Schwankungen, aber auch für Chancen. Die Nachfrage bleibt ein entscheidender Preistreiber. Gleichzeitig reagiert der Silberpreis stärker auf Konjunkturzyklen als Gold. Längerfristig sehen Analysten Silber in einem Aufwärtstrend.
Infineon ist mehr als KI-Hype in der Chipindustrie
Der Chiphersteller muss neue Kurstreiber liefern, die den Höhenflug der Aktie weiter beflügeln.
(15.05.2026). Die Aktionäre von Infineon (DE0006231004) haben zurzeit reichlich Spaß mit ihrem Investment. Seit Ende März ist der Börsenwert um mehr als die Hälfte auf 80 Milliarden Euro gestiegen. 65 % an Kursgewinnen sind es seit Jahresanfang. Der Auslöser für das Kursfeuerwerk ist schnell gefunden: Mit seinen Produkten für die Stromversorgungslösungen der KI-Rechenzentren profitiert Infineon vom Boom bei den KI-Chips.
Starke Zahlen untermauern die Rallye
Wie gut es gerade läuft, untermauern die jüngsten Zahlen. Im zweiten Geschäftsquartal des am 30. September endenden Geschäftsjahres 2025/26 kletterte der Umsatz um 6 % auf 3,8 Milliarden Euro. Das Segmentergebnis, die zentrale Kennziffer bei Infineon für die Profitabilität, stieg um 9 % auf 653 Millionen Euro und schob die Marge weiter nach oben auf 17,1 %.
Optimistischer Ausblick: Energie‑Infrastruktur wird zum Wachstumsmotor
Vorstandschef Jochen Hanebeck erwartet im zweiten Halbjahr eine deutliche Belebung – und zwar zunehmend aus dem Endmarkt Energie‑Infrastruktur. „Wir werden stärker als bislang erwartet wachsen. Ein breiterer Aufschwung vieler Endmärkte ist in Sicht“, sagt Hanebeck.
Infineon hebt seine Jahresprognose an: Der Umsatz soll auf über 16 Milliarden Euro steigen, was einem Wachstum von mehr als 10 % entspricht. Die operative Marge beim Segmentergebnis soll rund 20 % erreichen – ein klares Signal an den Kapitalmarkt, dass die Infineon Aktie nicht nur von KI‑Fantasie lebt, sondern von realer Ertragskraft.
Neue Konzernstruktur soll Effizienz und Klarheit schaffen
Mit der Verschlankung der Organisation von vier auf drei Geschäftsfelder will Infineon seine strategische Ausrichtung schärfen.
- Automotive soll künftig rund 50 % des Umsatzes ausmachen.
- Power Systems etwa 30 %.
- Edge Systems – mit Mikrocontrollern, Sensoren, Konnektivität und Sicherheitslösungen – rund 20 %.
Diese Neuordnung stärkt die Transparenz für Investoren und zeigt, welche Bereiche künftig die größten Impulse für die Infineon Aktie liefern sollen.
Analysten bleiben bullish – KI bleibt Wachstumstreiber
Die meisten Analysten haben ihre Gewinnprognosen nach oben verändert und räumen der Aktie weiteres Aufwärtspotenzial ein. 20 der 25 Branchenexperten, die Infineon covern, sprechen sich weiter für den Kauf aus. Alexander Duval von Goldman Sachs hat sein Kursziel von 53 auf 75 Euro angehoben. „Der steigende Anteil von Halbleitern an der installierten Leistung im KI-Datenzentrum-Bereich“ bleibt für Duval der zentrale Wachstumstreiber.
Automotive bleibt die große Unbekannte
Spannend wird in den nächsten Monaten, ob sich die Nachfrage im gesamten Automobilgeschäft beleben wird. Im letzten Quartal kletterte der Umsatz zwar leicht auf 1,8 Milliarden Euro. Zugleich rutschte jedoch die Marge auf 18,1 % ab, weil die höhere Profitabilität im Industriegeschäft die Preisrückgänge und sinkende Nachfrage für Hochvolt-Komponenten bei Elektroautos nicht kompensierte.
Neue Konkurrenz aus Japan – und ein Standortvorteil für Europa
Zugleich haben die japanischen Konzerne Rohm, Toshiba und Mitsubishi Electric Ende März eine Absichtserklärung zur möglichen Fusion ihrer Leistungshalbleiter-Sparten unterzeichnet. Mit Fokus auf dem Siliziumkarbid-Markt, einem Material, das eine effektivere Stromumwandlung ermöglicht und in dem Infineon eine führende Position hält. Umgekehrt profitiert das Unternehmen in Europa mit seinen Produktionsstätten in Österreich und Deutschland von Lieferkettennähe.
Bewertung: Die Luft wird dünner
Die KI-Story ist mittlerweile in der Aktienbewertung eingepreist. Sollte die Automotive-Sparte die kommunizierten Erholungstendenzen nicht bestätigen, erhöht sich die Anfälligkeit für eine Kurskorrektur. Mit einem 2027er-KGV von ist die Aktie sportlich bewertet, vor allem sollte sich das Gewinnwachstum 2026/27, wie von den meisten Analysten erwartet, auf rund 20 % abschwächen.
Autor: Stefan Riedel, München
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FAQ zur Infineon Aktie
1. Wie profitiert die Infineon Aktie vom KI‑Boom?
Infineon liefert zentrale Stromversorgungslösungen für KI‑Rechenzentren und ist damit ein wichtiger Zulieferer im globalen KI‑Chip‑Ökosystem. Die starke Nachfrage nach KI‑Hardware treibt Umsatz, Margen und die Bewertung des Unternehmens.
2. Wie gut waren die aktuellen Quartalszahlen von Infineon?
Im zweiten Geschäftsquartal stieg der Umsatz auf 3,8 Milliarden Euro (+6 %), das Segmentergebnis auf 653 Millionen Euro (+9 %). Die Marge verbesserte sich auf 17,1 %. Diese Zahlen gelten als wichtiger Treiber für die jüngste Rallye der Infineon Aktie.
3. Welche Risiken gibt es für die Infineon Aktie?
Das größte Risiko liegt im Automotive‑Segment. Bleibt die erwartete Erholung aus, könnte die Bewertung unter Druck geraten. Auch neue Konkurrenz im Siliziumkarbid‑Markt, etwa durch die geplante Fusion japanischer Hersteller, spielt eine Rolle.
4. Wie lautet der aktuelle Ausblick des Managements?
Infineon erwartet für das Gesamtjahr mehr als 16 Milliarden Euro Umsatz und eine operative Marge von rund 20 %. Besonders der Bereich Energie‑Infrastruktur soll im zweiten Halbjahr stärker wachsen.
5. Ist die Infineon Aktie aktuell teuer bewertet?
Mit einem ambitionierten 2027er‑KGV und einem erwarteten Gewinnwachstum von rund 20 % gilt die Aktie als sportlich bewertet. Die KI‑Story ist weitgehend eingepreist – zusätzliche Impulse müssen aus Automotive und Power Systems kommen.
6. Welche Rolle spielt Siliziumkarbid für Infineon?
Siliziumkarbid ist ein Schlüsselmaterial für effiziente Stromumwandlung, etwa in Elektroautos oder Industrieanwendungen. Infineon ist hier führend, steht aber durch neue Wettbewerber aus Japan unter Beobachtung.
SW Umwelttechnik: Familienunternehmen mit internationalem Fokus
SW Umwelttechnik setzt auf Rumänien und hofft auf die EU-Gelder für Ungarn.
(15.05.2026). Die im Standard Market Auction der Wiener Börse gelistete SW Umwelttechnik Aktie der Stoiser & Wolschner AG steht für ein traditionsreiches, bis heute familiär geführtes Unternehmen. Trotz der starken Wurzeln im Klagenfurter Becken blickt der 116 Jahre alte Spezialist für Betonfertigteile längst über Österreich hinaus: Ungarn mit 260 und vor allem Rumänien mit rund 470 Mitarbeitern sind heute die wichtigsten Märkte – Österreich folgt mit 55 Beschäftigten. Diese internationale Ausrichtung wurde den – neben vier Generationen der Familie Wolschner – anwesenden Aktionären bereits zu Beginn der 29. ordentlichen Hauptversammlung in Klagenfurt bewusst.
- Die SW Umwelttechnik Aktie profitiert dabei von ihrer starken Position im südosteuropäischen Infrastrukturmarkt, der für langfristige Investoren zunehmend relevant wird.
- Das Unternehmen produziert Betonfertigteile für Tiefbau, Verkehrsinfrastruktur und Umwelttechnik – ein Segment, das in der Region stark von EU‑Investitionen getragen wird.
Interkulturell aufgestellt
Nachdem Aufsichtsratschef Reinhard Iro seine aus Altersgründen letzte HV mit einem kurzen, humorvollen Einstieg eröffnete, ging CEO Klaus Einfalt vor 21 Aktionären auf Firmenphilosophie und Marktumfeld ein.
Einfalt, der das Unternehmen seit zehn Jahren führt und es 1995 durch seinen Schwiegervater Heinz Wolschner an die Börse gebracht wurde, betonte mehrfach die Bedeutung der internationalen Belegschaft und die gelebte Ost‑West‑Verbindung. Diese kulturelle Breite sei ein zentraler Grund für die Resilienz im herausfordernden Vorjahr mit rückläufiger Bautätigkeit. Das Unternehmen verarbeitet jährlich rund 250.000 m³ Beton – ein Volumen vergleichbar mit der Wiener Staatsoper – und richtet seinen Fokus weiterhin stark auf Südosteuropa.
Einfalt, der das von seinem Schwiegervater Heinz Wolschner 1995 an die Börse gebrachte Unternehmen seit zehn Jahren leitet, betonte mehrfach seine Wertschätzung gegenüber der internationalen Belegschaft sowie die gelebte Ost-West-Verbindung im Konzern. Dies sei auch ein Mitgrund für die „Resilienz“ im „herausfordernden Umfeld“ des vergangenen Jahres mit seiner geringeren Bautätigkeit gewesen. Das Unternehmen, das ihm zufolge 250.000 m³ Beton – vergleichbar mit dem Volumen der Wiener Staatsoper – verarbeitet, lege seinen Fokus folglich auch auf die Märkte Südosteuropas.
- Diese Ost‑West‑Struktur gilt als zentraler Wettbewerbsvorteil, da sie stabile Nachfrage auch in volatilen Baujahren ermöglicht.
EU‑Mittel als langfristiges Potenzial
In Rumänien und Ungarn sorgen EU‑Fördergelder für stabile Nachfrage. Einfalt verwies auf den im EU‑Vergleich niedrigen Anteil an Kanalanschlüssen sowie die geringe Autobahndichte in Rumänien – beides Bereiche mit großem Investitionsbedarf.
- Gerade Rumänien gilt als struktureller Wachstumsmarkt, da große Infrastrukturprogramme bis 2030 finanziert sind.
2025: Ein schwieriger Start
CFO János Váczi zeigte sich offen: Man sei optimistisch ins Jahr gestartet, „doch es kam anders“. In Ungarn stagnierte das Wachstum, in Rumänien ließen Nachfrage und Investitionsbereitschaft nach. Positiv sei jedoch, dass öffentliche Projekte – vor allem in Rumänien – weiterliefen. In Ungarn hingegen fehlten EU‑Mittel, weshalb Projekte teilweise nicht rentabel waren. Hoffnung gebe es durch die neue Regierung, doch unklar bleibe, wie schnell Gelder tatsächlich in der Wirtschaft ankommen.
- Für Anleger bedeutet das: Die kurzfristige Entwicklung bleibt volatil, die mittel- bis langfristigen Perspektiven hängen stark an EU‑Fördermitteln.
Rumänien überholt Ungarn
Aufgrund dieser Situation hat Rumänien (Umsatzanteil: 48 %) Ungarn (40 %) auch als größten Markt überholt. Der Gesamtumsatz ging aber in Summe von 116,6 auf 112,5 Millionen Euro im Vorjahr zurück. Der Bereich „Tiefbau und Verkehr“ lief dabei wesentlich besser als „Hochbau und Wohnen“. Der Gewinn nach Steuern konnte von 1,1 auf 3,1 Millionen Euro erhöht werden. Ausschlaggebend war ein deutlich verbessertes Finanzergebnis aufgrund geringerer Aufwendungen für Fremdwährungsbewertungen.
- Trotz des leichten Umsatzrückgangs zeigt der Gewinnsprung eine robuste operative Basis. Die Marge verbessert sich deutlich – ein positives Signal für die SW Umwelttechnik Aktie.
SW Umwelttechnik: Ausblick und Dividende
Heuer erwartet das Unternehmen in den Kernmärkten eine nur schrittweise konjunkturelle Erholung. Man setze vor allem auf die Nutzung von Wachstumschancen in Rumänien. Nach 0,4 Euro im Vorjahr können sich die Aktionäre jedenfalls über eine Anhebung der Dividende auf 1,3 Euro/Aktie freuen.
- Die deutliche Erhöhung der Dividende unterstreicht die solide Finanzlage und signalisiert Vertrauen des Managements in die weitere Entwicklung.
Austausch mit den Aktionären
In der Fragerunde ging es unter anderem um die Produktion von Spaltböden aus Beton. Einfalt erklärte, dass diese Form ausschließlich in Ungarn für die Schweinezucht zugelassen sei.
Ein weiterer Aktionär erkundigte sich nach der Zusammenarbeit mit Porr. Einfalt bestätigte, dass Porr ein wichtiger Kunde in Rumänien sei, jedoch ohne Exklusivität.
Zum starken HUF meinte CFO Váczi: „Ja, mein Herz geht auf, wenn ich die Wechselkurse sehe; allerdings stellt der rumänische Leu einen kleinen Wermutstropfen dar.“
Eine Anregung, das Grundstück des Firmensitzes in Klagenfurt zu verkaufen und an den Stadtrand zu ziehen, lehnte Einfalt klar ab.
Wahlen, Abschied und Buffet
Die Abstimmungen wurden dann nach gut zwei Stunden ohne jegliche Gegenstimmen durchgeführt. Neu in den Aufsichtsrat, der von 7 auf 8 Mitglieder erweitert wurde, wurden Andrea Domberger (Kelag), Harald Kogler (zuletzt CEO von Hirsch Servo) sowie der studierte Bauingenieur Roland Waldenhofer gewählt.
Nach der Verabschiedung von Reinhard Iro („In seine Zeit fallen die besten Jahre in der Unternehmensgeschichte.“) wurde noch zu einem Buffet geladen, bei dem sich die anwesenden Aktionäre mit Vorstand, Aufsichtsrat und Eigentümerfamilie sehr entspannt austauschen konnten.
Autor: Klaus Schweinegger
Foto: SW Umwelttechnik
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Die ältesten Unternehmen der Wiener Börse im Langfrist‑Check
Standort Deutschland: Besser als sein Ruf?
Standort unter Druck, aber gefragt. Land bleibt für Investoren attraktiv.
(15.05.2026).
Standort unter Druck und trotzdem gefragt. Die Bundesrepublik bleibt für internationale Investoren attraktiv.
(15.05.2026). Der lange gepflegte Mythos vom unerschütterlichen Wirtschaftsstandort Deutschland bekommt zunehmend Risse. Während andere Länder schneller digitalisieren, günstiger produzieren und entschlossener investieren, verliert Deutschland an Wettbewerbsfähigkeit. Umso bemerkenswerter ist das Ergebnis der aktuellen Kearney‑Investorenumfrage: Deutschland hält weiterhin Platz fünf unter den weltweit attraktivsten Standorten – und könnte sich laut Prognose in den kommenden Jahren sogar verbessern.
„Internationale Investoren haben Deutschland auch in schwachen Jahren im Blick behalten. Neu ist, dass sie wieder an die wirtschaftliche Dynamik des Standorts glauben“, betont Teresa Schawe, Partnerin und Managing Director bei Kearney. Für die jährlich erhobene Studie befragt die Beratung Topmanager aus über 500 globalen Großunternehmen, welche Länder sie als besonders attraktive Investitionsziele einschätzen. An der Spitze liegen weiterhin die USA, Kanada, Japan und China.
Investorenvertrauen steigt – trotz struktureller Probleme
Besonders auffällig ist der Optimismus‑Indikator von Kearney: 48 % der Befragten blicken optimistisch auf die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands in den kommenden drei Jahren, nur 9 % pessimistisch. Weltweit wird Deutschland damit lediglich von den Vereinigten Arabischen Emiraten und Japan übertroffen.
Zwischen Aufbruch und Strukturkrise
Auch der deutsche Maschinenbau sendet nach vier Jahren negativer Umsatzprognosen erste Hoffnungssignale. Laut dem PwC‑Maschinenbau‑Barometer hat sich der Anteil der Optimisten zwischen Jänner und März fast verdoppelt, und auch die Umsatzprognose für die Branche hellt sich auf. Von einer echten Trendwende könne jedoch keine Rede sein: Die Kapazitätsauslastung bleibt historisch niedrig, der Kostendruck dominiert, und die Investitionsbereitschaft verharrt auf schwachem Niveau.
ifo‑Institut warnt vor langfristigen Risiken
Viele Ökonomen sehen die Lage ähnlich ambivalent. Eine neue Studie des ifo Instituts zeigt, dass eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung, schwache private Investitionen und eine innovationsarme Wirtschaftsstruktur die langfristigen Wachstumsperspektiven gefährden.
Seit 2019 sinken die privaten Investitionen – deutlich länger als in üblichen Konjunkturzyklen. Die Autoren fordern daher tiefgreifende Reformen, allen voran eine umfassende Bildungsoffensive, um die Qualität des Schulsystems zu verbessern und insbesondere Kinder aus bildungsfernen Haushalten gezielt zu fördern.
Autor: Christian Euler, Frankfurt
Bild: Joshua Kettle für Unsplash
Die ältesten Unternehmen der Wiener Börse – Ranking, Geschichte & Bedeutung
Die ältesten Unternehmen der Wiener Börse zeigen Stabilität, Substanz und teils überraschend Dynamik.
14.5.2026
Die ältesten Unternehmen der Wiener Börse prägen seit über 150 Jahren den österreichischen Kapitalmarkt. Viele dieser Traditionsgesellschaften zeigen bis heute Stabilität, Substanz und langfristige Ertragskraft. Das Ranking zeigt, welche Unternehmen am längsten gelistet sind – und welche davon heute noch eine wichtige Rolle spielen.
Sie zeigen, dass Alter kein Nachteil ist. Viele dieser Gesellschaften verbinden Substanz, Stabilität und überraschende Ertragsdynamik – und bleiben damit relevante Fixpunkte im österreichischen Kapitalmarkt.
Kurzfazit
- Die ältesten börsennotierten Unternehmen Österreichs sind Porr, Wienerberger und UBM.
- Viele Traditionsunternehmen zeigen überdurchschnittliche Langfrist‑Performance.
- Das Ranking umfasst 20 Unternehmen mit Erstnotizen zwischen 1869 und 1992.
- Besonders stabil: Industrie, Bau, Versorger, Regionalbanken.
Die drei ältesten börsennotierten Unternehmen Österreichs
Die ältesten kontinuierlich notierenden Gesellschaften sind Porr, Wienerberger und UBM Development. Trotz unterschiedlicher Geschäftsmodelle eint sie eine robuste Aufstellung und eine langfristig solide Entwicklung.
Porr – Erstnotiz 1869, heute ein ATX‑Unternehmen
Steigendes Ebit und verbesserte Analystenschätzungen
Porr steigerte sein Ebit von 95,2 Mio. Euro (2021) auf 158,4 Mio. Euro (2024) und bestätigt damit den mehrjährigen Erholungstrend. Laut MarketScreener wurden die Gewinnschätzungen für die kommenden Jahre zuletzt nach oben revidiert. Für den Zeitraum 2025 bis 2026 erwarten Analysten einen Anstieg des Gewinns je Aktie von 2,87 auf 3,61 Euro. Auf Basis eines Aktienkurses von 30,55 Euro ergibt sich ein geschätztes 2027er‑KGV von 8,5 – ein im Branchenvergleich weiterhin attraktiv bewerteter Wert.
Wienerberger: Profiteur eines Infrastrukturzyklus
Wienerberger zählt zu den Dauerläufern der Wiener Börse und bleibt operativ solide aufgestellt. Auf Basis eines Aktienkurses von 27,02 Euro liegt das erwartete Kurs‑/Cash‑Flow‑Verhältnis 2027 bei 6,9, das KGV bei 7,8. Analysten gehen weiterhin von einem deutlichen Ergebnissprung aus – getragen von Effizienzmaßnahmen, einer stabilen Nachfrage im Infrastrukturbereich und möglichen Impulsen durch Investitionsprogramme in Europa und den USA.
UBM Development – Immobilienentwickler mit langer Kapitalmarkttradition
Rückkehr in die Gewinnzone
UBM konzentriert sich weiterhin auf die Kernmärkte Deutschland und Österreich; die Projektpipeline besteht inzwischen zu rund 60 % aus Wohnimmobilien. Nach zwei Verlustjahren erwarten Analysten für 2025 eine Rückkehr in die Gewinnzone. Für 2026 und 2027 rechnen sie mit deutlich stärkeren Ergebnisanstiegen, getragen von einer stabilisierten Nachfrage, geringeren Finanzierungskosten und einer fokussierten Projektstrategie.
Weitere Traditionsunternehmen der Wiener Börse
Semperit – Transformation eines Industrieklassikers
Semperit, die viertälteste börsennotierte AG in Wien, hat ihre Transformation von klassischen Gummiprodukten hin zu Industrie- und Polymeranwendungen weiter vorangetrieben. Aufgrund der Unsicherheiten rund um mögliche US‑Einfuhrzölle wurde die Ebitda‑Prognose leicht nach unten angepasst. Analysten rechnen jedoch ab 2026 wieder mit spürbaren Umsatz- und Ergebnissteigerungen, getragen von einer stabilisierten Nachfrage und Effizienzmaßnahmen im Konzern.
Linz Textil und Heid: Solide Fundamentaldaten, aber geringe Liquidität
Linz Textil
Linz Textil zählt zu den traditionsreichsten Industrieunternehmen an der Wiener Börse und wird im Standard Market Auction gehandelt. Die Gesellschaft weist eine Marktkapitalisierung von rund 72 Mio. Euro auf. Für 2024 meldete das Unternehmen einen Umsatz von 69 Mio. Euro sowie ein Ebit von 2,9 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote lag per 30. Juni bei sehr soliden 85 %, was die konservative Bilanzstruktur unterstreicht. Trotz der geringen Handelsliquidität bleibt Linz Textil ein stabiler, langfristig ausgerichteter Nischenplayer.
Maschinenfabrik Heid
Die Maschinenfabrik Heid, eines der ältesten börsennotierten Unternehmen Österreichs, weist eine Marktkapitalisierung von rund 5,4 Mio. Euro auf. Der letzte gehandelte Kurs lag Mitte September 2025 bei 1,38 Euro. Operativ ist die Gesellschaft seit Jahren nur noch sehr eingeschränkt aktiv und fungiert primär als Finanz- und Beteiligungsholding. Der Handel bleibt extrem illiquide, was die Aktie für institutionelle Anleger kaum investierbar macht.
Manner: Tradition, Markenstärke und steigender Cashflow
- Der Süßwarenhersteller Manner zeigt seit mehreren Jahren eine kontinuierlich positive Entwicklung. Der Umsatz stieg zwischen 2019 und 2024 von 206,9 Mio. Euro auf 288,4 Mio. Euro. Besonders dynamisch entwickelte sich der Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit, der im selben Zeitraum von 11,3 Mio. Euro auf 44 Mio. Euro zulegte. Auch im 1. Halbjahr 2025 setzte sich der Ertragsanstieg fort. Nach einer längeren Seitwärtsphase könnte die Aktie angesichts der robusten Fundamentaldaten wieder neue Impulse erhalten.
Stadlauer Malzfabrik: Besitzgesellschaft mit stabiler Struktur
- Die Stadlauer Malzfabrik AG, seit 1922 an der Wiener Börse gelistet, verfügt über eine Marktkapitalisierung von rund 29,1 Mio. Euro. Der Handel ist sehr illiquide, da die Gesellschaft primär als Besitz- und Beteiligungsholding für die Stamag Stadlauer Malzfabrik GesmbH fungiert. Die Struktur ist stabil, aber für den Kapitalmarkt bleibt das Unternehmen aufgrund der geringen Liquidität nur eingeschränkt relevant.
Die IPO‑Welle der 1980er‑Jahre – Neue Ära an der Wiener Börse
Die zweite Hälfte der 1980er brachte eine Belebung des Wiener Kapitalmarkts.
Lenzing (IPO 1985)
Der Faserhersteller zeigt traditionell zyklische Ertragsschwankungen und befindet sich aktuell in einer herausfordernden Marktphase.
Regionalbanken BKS, BTV und Oberbank (IPO 1986)
Alle drei Institute sind bis heute an der Wiener Börse gelistet und gelten als stabile Regionalbanken mit konservativen Geschäftsmodellen.
Versorger aus der Privatisierungsphase
Zu den bedeutendsten Privatisierungs‑Listings zählen:
Sie prägen bis heute den österreichischen Leitindex.
🏛️ Welche der ältesten Unternehmen sind heute im ATX?
Die 20 ältesten in Wien gelisteten Unternehmen (Quelle: Wiener Börse)
| ISIN |
Name |
Erstnotiz |
| AT0000609607 |
Porr AG |
08.04.1869 |
| AT0000831706 |
Wienerberger AG |
15.04.1869 |
| AT0000815402 |
UBM Development AG |
10.04.1873 |
| AT0000785555 |
Semperit AG Holding |
27.09.1890 |
| AT0000723606 |
Linz Textil Holding AG |
28.07.1890 |
| AT0000690151 |
Maschinenfabrik Heid AG |
04.05.1906 |
| AT0000728209 |
Josef Manner & Comp. AG |
14.05.1919 |
| AT0000797303 |
Stadlauer Malzfabrik AG |
13.03.1922 |
| AT0000644505 |
Lenzing AG |
19.09.1985 |
| AT0000624705 |
BKS Bank AG |
01.07.1986 |
| AT0000625108 |
Oberbank AG |
01.07.1986 |
| AT0000625504 |
BTV Vier Länder Bank AG |
01.07.1986 |
| AT0000743059 |
OMV AG |
03.12.1987 |
| AT0000641352 |
CA Immobilien Anlagen AG |
20.04.1988 |
| AT0000746409 |
Verbund AG |
06.12.1988 |
| AT0000741053 |
EVN AG |
27.11.1989 |
| AT0000767306 |
Rath AG |
20.12.1989 |
| AT0000640552 |
Burgenland Holding AG |
14.05.1990 |
| AT0000762406 |
Frauenthal Holding AG |
10.06.1991 |
| AT00000VIE62 |
Flughafen Wien AG |
15.06.1992 |
Autor: Michael Kordovsky
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14.5.2026
Die Realität der Finanzplanung 50plus
Warum die Zielgruppe 50plus so vielfältig ist
Die Generation 50plus ist heute aktiver und heterogener als je zuvor. Menschen in diesem Alter stehen mitten im Berufsleben, planen eine Betriebsübergabe, strukturieren ein Erbe oder bereiten sich auf den Ruhestand vor. Finanzexperte Wolfgang Ellmaier von well.co.at betont: „Nicht das Alter ist entscheidend, sondern der Zeithorizont der einzelnen Lebensziele.“
Welche Lebensphasen ab 50 besonders relevant sind
Viele erleben große Veränderungen – beruflich, familiär oder gesundheitlich. Gleichzeitig rücken Themen wie Vermögensstrukturierung, Sicherheit und finanzielle Freiheit stärker in den Fokus. Die Frage „Wie lange reicht mein Vermögen?“ wird zentral.
Der wichtigste erste Schritt – eine klare Bestandsaufnahme
Vermögensbilanz und Asset‑Analyse
Eine professionelle Finanzplanung 50plus beginnt immer mit einem Status Quo: Alle Assets werden inklusive Rendite, Risiko, Kosten und steuerlicher Behandlung erfasst.
Einnahmen, Ausgaben und Liquiditätsströme
Private Einnahmen und Ausgaben sowie die Liquiditätsströme zwischen Konten, Depots und Immobilien werden detailliert abgebildet.
Lebensziele in finanzielle Szenarien übersetzen
Mit Tools wie der von Ellmaier entwickelten Software Well+ lassen sich Lebensziele in konkrete Finanzszenarien übersetzen – etwa frühere Pensionierung, Immobilienentscheidungen oder Marktentwicklungen. Die Ergebnisse werden grafisch visualisiert und schaffen Klarheit.
Finanzplanung 50plus bedeutet Chancen nutzen und Risiken steuern
Pensionslücke und Entnahmephase planen
Viele Menschen möchten wissen, wie sie ihre Pensionslücke schließen und wie lange ihr Vermögen tatsächlich reicht.
Steueroptimierung für Kapital und Immobilien
Steuern sind ein zentraler Hebel: Optimierungen bei Kapitalerträgen, Immobilien oder Schenkungen können langfristig enorme Wirkung entfalten.
Liquidität langfristig sichern
Liquidität ist ein Schlüsselthema – nicht nur für Notfälle, sondern auch für planbare Lebensziele wie Reisen, Umbauten oder Gesundheitskosten.
Warum der Zeithorizont entscheidend ist – nicht das Alter
Die drei Liquiditätsschichten
Ellmaier strukturiert Vermögen in drei Schichten:
- kurzfristige Rücklagen
- mittelfristige Planungen
- langfristiger Kapitalaufbau
Langfristige Veranlagung trotz 50plus
Der langfristige Teil darf – und soll – wachstumsorientiert veranlagt sein. Viele Menschen haben noch einen Planungshorizont von 20 bis 40 Jahren.
Wachstumsorientierte Investments sinnvoll einsetzen
Kapital kann lebenslang veranlagt bleiben. Nur der benötigte Teil wird entnommen, der Rest arbeitet weiter – steuerlich optimiert und strategisch geplant.
Professionelle Finanzberatung 50plus – was sie wirklich bringt
Struktur statt Bauchgefühl
Viele Menschen besitzen Vermögen, aber keinen Überblick. Beratung schafft Ordnung und Prioritäten.
Transparenz über Risiken und Chancen
Mit klaren Szenarien werden Risiken sichtbar und Chancen greifbar.
Begleitung über alle Lebensphasen
Gute Berater begleiten nicht als Produktverkäufer, sondern als wirtschaftliche Partner – über Jahrzehnte hinweg.
Pensionsplanung einfach erklärt
– Visualisierung von Einnahmen, Ausgaben und Steuern
Moderne Finanzplanung zeigt alle relevanten Faktoren über die gesamte Lebensspanne – verständlich und visuell.
– Szenarienvergleich für bessere Entscheidungen
Kunden sehen sofort, wie sich Entscheidungen auswirken – etwa frühere Pensionierung, Immobilienverkauf oder Schenkungen.
– Wie lange das Vermögen wirklich reicht
Die zentrale Frage wird transparent beantwortet: Reicht mein Vermögen für meine Ziele und meinen Lebensstil?
Fazit – Finanzplanung 50plus schafft Klarheit und Zukunftssicherheit
Inhalt: Klaus Schweinegger
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Eine interessante Möglichkeit, auf das Potenzial des Marktes zu setzen.
10.05.2026.
1. Luxusgütermarkt 2026: Die Erholung ist da
Nach zwei Jahren mit Abschwung und anschließender Stabilisierung zeigt der globale Luxusgütermarkt 2026 wieder klare Stärke. Laut UBS wird ein Umsatzwachstum von rund 5 % erwartet, der Gewinn pro Aktie soll um 12 % steigen. BNP Paribas rechnet mit +6 % Umsatz, verweist jedoch auf:
- begrenzte Visibilität
- makroökonomische Risiken
- unternehmensspezifische Belastungsfaktoren
Asien bleibt der wichtigste Wachstumstreiber
Eine aktuelle Deloitte‑Studie zeigt: Asien ist 2026 der zentrale Treiber der Luxusbranche.
Erwartete Wachstumsraten:
- China: +19 %
- Japan: +19 %
- Mittlerer Osten: +18 %
- Indien: +12 %
- Europa: +9 %
Orsolya Hegedüs (Deloitte Österreich) betont: “Innovation, Personalisierung und digitale Einkaufserlebnisse werden entscheidend.” Klassische Flagship‑Stores verlieren an Relevanz , Experience Retail gewinnt.
Um seine starke Position zu halten, müsse der europäische Markt verstärkt auf Innovation, Personalisierung und digitale Einkaufserlebnisse setzen, erklärt Orsolya Hegedüs, Partnerin bei Deloitte Österreich. Klassische, distanzierte Flagship‑Stores hätten „ein Ablaufdatum“.
3. Künstliche Intelligenz verändert die Luxusbranche
Bereits 41 % der Luxusunternehmen setzen KI ein – Tendenz steigend.
KI‑Modelle übernehmen im E‑Commerce:
- personalisierte Produktempfehlungen
- automatisierte Vorauswahl
- individuelle Beratung entlang des Kaufprozesses
Ein zweiter Megatrend: Second‑Hand‑Luxus. Laut Deloitte:
- 70 % bieten Reparaturservices
45 % kooperieren mit Resale‑Plattformen
4. Wie Anleger 2026 vom Luxusboom profitieren können
Der Luxusgütersektor gilt als strukturell wachstumsstark und vergleichsweise konjunkturresistent. Für Anleger bieten sich drei Wege:
a) Luxusaktien
Typische Vertreter des Sektors:
b) Fonds & ETFs
Breite Diversifikation über globale Luxus‑ oder Konsumfonds. (Keine konkreten Empfehlungen – nur Kategorien.
c) Luxusgüter‑Zertifikate
5. Zertifikate im Detail
Der Luxusgütersektor gilt aufgrund seiner hohen Wachstumsraten und der vergleichsweise geringen Konjunkturabhängigkeit als attraktives Investmentthema. Neben Aktien und Fonds gewinnen Zertifikate zunehmend an Bedeutung.
Capped Bonus‑Zertifikate
Beispiel: Société Générale auf LVMH.
- Barriere: 450 €
- Laufzeit: bis 18. September 2026
- Auszahlung: 750 €, wenn die Barriere nicht verletzt wird
- Bei Barrierebruch: Teilnahme an der Kursentwicklung bis zum Cap
- Tilgung: bar oder in Form der Aktie
SEO‑Signal: „Bonuszertifikat LVMH“, „Capped Bonus Funktionsweise“.
Indexzertifikate
Weniger komplex – ideal für Anleger, die den gesamten Sektor abbilden wollen.
BNP Paribas – World Luxury Index (20 größte Luxusunternehmen) u. a. LVMH, Richemont, Porsche, Tiffany → Open‑End‑Tracker‑Zertifikat ohne Laufzeitbegrenzung.
Vontobel Luxury Performance Index u. a. Hermès, Moncler, Prada, Kering → Open‑End‑Index‑Zertifikat für langfristige Partizipation.
SEO‑Signal: „Luxury Index Zertifikat“, „World Luxury Index“.
6. Fazit: Luxus bleibt ein strukturelles Wachstumssegment
2026 zeigt der Luxusgütermarkt wieder klare Stärke:
- Asien treibt das Wachstum
- KI transformiert Vertrieb und Kundenbindung
- Second‑Hand wird zum profitablen Zusatzmarkt
- Zertifikate bieten neue Investmentzugänge
Für Anleger bleibt der Sektor ein spannendes, langfristig wachsendes Investmentthema – mit vielfältigen Möglichkeiten, an der globalen Nachfrage zu partizipieren.
Im Artikel vorgestellte Zertifikate
| Name |
ISIN |
| SocGen BO.C.Z LVMH |
DE000FD3QD28 |
| BNP Paribas O.E.T.Z World Lux. |
DE000BN1LUX6 |
| Vontobel Luxury Performance-Index |
DE000SLA9VL7 |
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Sind Goldminenaktien bereits zu teuer?
Tag der Arbeit – Tage der Leistung
Florian Beckermann (08.05.2026). Am 1. Mai wird jedes Jahr der Tag der Arbeit gefeiert. Kein harmloser Feiertag, sondern eine politisch aufgeladene Erinnerung. Seine Wurzeln liegen in den Arbeiterkämpfen des 19. Jahrhunderts.
Später wurde er von der internationalen Arbeiterbewegung als Symboltag gewählt. Ein Tag, an dem soziale Konflikte sichtbar gemacht werden sollten. Er erinnert daran, dass grundlegende Arbeitsrechte – Arbeitszeitbegrenzung, Kündigungsschutz, soziale Absicherung oder Kinderarbeitsverbot – nicht „gegeben“ sind, sondern erkämpft wurden.
Wer heute in die Arbeitsrealität schaut, stellt schnell fest, dass die Arbeiterkämpfe von damals heute wenig Relevanz haben. Homeoffice oder Workation kann man durchaus als gelungenen Endpunkt der Bewegung bezeichnen. Der Arbeitgeber ist dabei für viele kein gesellschaftliches Feindbild mehr, sondern ein bemitleidenswerter Workaholic zwischen Finanzamt und Insolvenzgericht. Verkehrte Welt.
Es heißt, dass Unternehmer Motivation suchen. Es heißt, dass sich eine Leistungsdepression breit macht. Zugegeben, die ausweglose und horrende Abgabenlast zugunsten des Staates ist eine sinnraubende Motivationshürde.
Doch hat Leistung auch ein Akzeptanzproblem, bis hin zum sozialen Bruch. Insbesondere jüngere Generationen negieren die Leistungsgesellschaft. Es entsteht eine als antriebslos wahrgenommene Masse. Deren berufliche Neigungen können mit den kalkulierten Zielvorgaben beispielsweise chinesischer Volkswirtschaftsmodelle nicht mithalten.
Es wird klar: Die bestehende Leistungsgesellschaft rutscht in massive Schwierigkeiten – in Ökonomie, in Akzeptanz und im Narrativ kann sie sich nicht durchsetzen. Die soziale Kampffähigkeit ist nicht wahrnehmbar. Mileis argentinische Verhältnisse als Extremfall einmal ausgenommen.
Man muss kein Hellseher sein, um die Kausalketten dieses Befundes für die Zukunft zu verfolgen: Abstieg. Angst. Wie ist das zu stoppen?
Mit einem Symboltag der Leistung ist es nicht getan – 364 Tage wären besser. Die politische Förderung der gesellschaftlichen Verarmung muss erkannt und beendet werden. Nur wer Leistung ermöglicht und würdigt, kann die berechtigten sozialen und ökologischen Wünsche einer Gesellschaft zu einem Top-Niveau ausbauen.
Das mag egoistisch klingen und beglückt nicht mit kollektiver Freizeit eines 1. Mai. Aber es ist für unser Gesellschaftsmodell unabdingbar. Die Senkung der Steuerlast und eine breite Mitarbeiterbeteiligung sind immens wichtige Bausteine für Unternehmertum und finanzielle Freiheit. Echte Bürokratieeffizienz und Stolz auf einen schlanken Staat kommen hinzu. Das Fundament jedoch ist die Akzeptanz von Leistung. Nur so lässt sich eine zukünftige Kausalkette ersinnen, die mit Aufstieg und Erfolg verbunden ist. Nur so sind die Lebensentwürfe künftiger Generationen mit höheren Freiheiten realisierbar.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
WEB bereitet Börsengang vor
Das Unternehmen bleibt sich treu und verändert sich doch.
(08.05.2026). Langjährige Börsen-Kurier-Leser wissen es: Wir besuchen seit vielen Jahren jede Hauptversammlung der WEB Windenergie – immerhin verfügt das Unternehmen mit mehr als 7.000 Aktionären über einen größeren Streubesitz als der eine oder andere ATX-Wert. Und diese scheinen immer mit Leib und Seele dabei, auch wenn dabei über vieles diskutiert wird.
🌬️ Schwaches Windjahr belastet Ergebnis und Dividende
Trotz stabiler Stromproduktion war 2025 erneut kein gutes Windjahr. Das zeigt sich deutlich im Ergebnis: Der Gewinn je Aktie ist von 5,7 auf 3,9 Euro zurückgegangen – und damit sinkt auch die Dividende spürbar, nämlich von 2,30 auf 1,50 Euro je Aktie. Die Ausschüttungsquote bleibt mit knapp 39 % nahezu unverändert, doch das Ergebnis nach Steuern fällt von 20,3 auf 14,7 Millionen Euro.
Operativ blieb der Umsatz mit 168 Millionen Euro stabil, ebenso die Stromproduktion von 1.579 GWh. Auffällig ist jedoch, dass diese Leistung aus mehr Windkraftanlagen erzielt wurde – ein Hinweis auf schwächere Windbedingungen und damit geringere Erträge pro Anlage.
🌍 Geografische Diversifikation als Antwort auf Windrisiken
Die schwache Ergebnisentwicklung ist vor allem auf außergewöhnlich schlechte Windbedingungen zurückzuführen – dem größten operativen Risiko eines Windparkbetreibers. Gleichzeitig stiegen die Finanzaufwendungen deutlich: Die Zinszahlungen erhöhten sich von 18,4 auf 22,7 Millionen Euro, bedingt durch mehrere vom Markt gut angenommene Anleiheemissionen.
Um das wetterbedingte Ertragsrisiko zu reduzieren, setzt das Unternehmen auf geografische Diversifikation und beschleunigte Expansion. Im Geschäftsjahr 2025 gingen drei Windparks und sieben Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 40 MW in Betrieb. Zusätzlich wurde der Bau weiterer Projekte mit rund 145 MW gestartet – ein klarer Schritt hin zu breiterer regionaler Risikostreuung.
Vorständin Stefanie Markut betont im Gespräch mit dem Börsen‑Kurier, dass die Energiekrise nach der Blockade der Straße von Hormus die Bedeutung erneuerbarer Energien erneut unterstreiche. Die strategische Leitlinie laute daher: „Rentables Wachstum“.
🌍 Internationale Expansion und Großprojekte im Überblick
Der von der WEB bearbeitete Markt umfasst neben Österreich und Deutschland auch Frankreich, die Slowakei, Kanada, die USA und weitere Länder. Besonders hervor sticht das kanadische Projekt Weavers Mountain, das mit 94,4 MW das größte Einzelprojekt in der Unternehmensgeschichte darstellt. Weitere wichtige Meilensteine sind der Windpark Poilly in Frankreich sowie Wörbzig II in Sachsen‑Anhalt.
Die Investitionen in neue und im Bau befindliche Kraftwerke beliefen sich 2025 auf 180 Millionen Euro. „Die Bilanzsumme liegt nun erstmals bei mehr als 1 Milliarde Euro“, erklärt CFO Michael Trcka zufrieden.
👥 Mitarbeiterbeteiligungsprogramm
Mit der Expansion wächst auch der Personalstand: Seit 2021 ist er um mehr als 100 Personen auf knapp 300 gestiegen. Trotz dieser Entwicklung sind die Personalkosten 2025 leicht gesunken, vor allem aufgrund geringerer erfolgsabhängiger Prämien. „So sind die Zugeständnisse zwischen Aktionären und Mitarbeitern gerecht aufgeteilt“, erklärt CFO Michael Trcka.
Für die Belegschaft gibt es dennoch Grund zur Hoffnung: Auf der ordentlichen Hauptversammlung am 29. Mai 2026 soll unter anderem ein Aktienrückkaufprogramm beschlossen werden, das die Basis für ein zukünftiges Mitarbeiterbeteiligungsprogramm bilden soll. Dieses Modell könnte allen Beteiligten zugutekommen – insbesondere vor dem Hintergrund des für Mitte 2028 geplanten Börsengangs. In früheren Jahren galt ein solcher Schritt für viele WEB‑Aktionäre noch als No‑Go.
📈 Börsengang in Vorbereitung
Durch den geplanten WEB IPO 2027 soll eine Erweiterung des Streubesitzes durch Mitarbeiter die Sorge vor einer möglichen Kontrolle durch Großinvestoren reduziert werden. Zusätzlich will das Unternehmen durch die Beibehaltung von Namensaktien Einflusskonzentrationen verhindern. Stückaktien sollen erst nach dem geplanten IPO für neue Aktionäre ausgegeben werden.
Die Börsenpläne sollen auf der Hauptversammlung näher vorgestellt werden. Ein formaler Beschluss ist für die HV 2027 vorgesehen – allerdings mit einer hohen Hürde: 80 % Zustimmung sind erforderlich.
Wer die Aktionärsbasis der WEB kennt, weiß, dass dafür erhebliche Überzeugungsarbeit nötig sein wird. Der wortgewaltige Aufsichtsratsvorsitzende Josef Schweighofer, der gefühlt jeden der rund 7.000 Aktionäre beim Vornamen kennt, tritt nach 24 Jahren gemeinsam mit zwei weiteren AR‑Mitgliedern nicht mehr an – und wird 2027 hoffentlich nicht fehlen, wenn es um die entscheidende Abstimmung geht.
Autor: Tibor Pásztory
Bild: Andreas Biedermann
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Ökostrom Tarife in Österreich 2026: Preise, Kostenstruktur & Sparpotenzial für Haushalte
Weshalb sich der Blick gen Osten lohnen kann
Das Wirtschaftswachstum dürfte auch heuer solide bleiben, die Chancen sind da.
(08.05.2026). Die Schwellenländer haben in jüngster Zeit für reichlich Aufmerksamkeit gesorgt, insbesondere, da die zahlreichen Konfliktherde in ebensolchen Regionen toben. Neben der Ukraine verschärft sich der Krieg zwischen dem Iran und den USA. Die Straße von Hormus bleibt gesperrt, die Energiepreise steigen weiter an.
Vorschusslorbeeren für Ungarns neue Regierung
Doch wie sieht es in der Region Zentral- und Osteuropa (Central and Eastern Europe, kurz CEE) aus? Hier sorgte zuletzt ein weiteres Ereignis für reichlich Aufsehen, die Parlamentswahl in Ungarn am 12. April. Schließlich war es ein knappes Rennen zwischen dem bislang amtierenden Ministerpräsidenten Viktor Orbán und seinem Herausforderer und Wahlsieger Peter Magyar.
Die Nachricht kam in der Politik sowie an den Finanzmärkten (der Börsen-Kurier berichtete) sichtlich gut an: „Das Ende der 16-jährigen Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán schürt an den Märkten die Hoffnung, dass Ungarn nun die belastete Beziehung zu Brüssel wieder ins Lot bringt“, konstatiert Ronald Schneider, Leiter für den Bereich Anleihen, CEE & Global Emerging Markets bei Raiffeisen Capital Management.
Schneider hebt eine weitere Entwicklung hervor und sagt, dass auch ungarische Aktien, Anleihen und insbesondere die Währung, der Forint sich im Zuge der Nachrichtenlage und in Erwartung einer kooperativeren Ausrichtung nach Europa gut entwickelt. „Während vor der Wahl noch große Unsicherheit herrschte, legte der Forint zuletzt eine beeindruckende Rallye hin.“ Und der BUX, der Leitindex an der Budapester Börse mit 16 der größten Titel, schnellte am Montag nach den Wahlen zum ersten Mal in der Geschichte auf knapp 140.000 Punkte. Auch der HTX (Hungarian Traded Index) erreichte zwischenzeitlich ein neues Rekordhoch von 11.272 Punkten.
Wiener Börse mit Ost-Index
Letzterer Index wurde von der Wiener Börse ins Leben gerufen und wird auch von ihr berechnet. Darin enthalten sind sieben Titel, etwa Magyar Telekom, OTP Bank und der Pharmawert Richter Gedeon. Der HTX ist obendrein Teil des CECE-Index, der ebenfalls von der Wiener Börse berechnet wird. Dieser Index bildet die Wertentwicklung der wichtigsten Börsenfirmen in der CEE-Region ab. Neben ungarischen Unternehmen sind vor allem polnische, aber auch tschechische Titel enthalten. Insgesamt kommen 30 Aktien im Index vor.
Polen voran
An der Warschauer Börse dominieren dabei insbesondere Bankentitel. Da sind die robusten Wirtschaftsaussichten freilich eine gute Stütze. Die Prognosen sind jedenfalls positiv. So meint Richard Grieveson, stellvertretender Direktor des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw), „Spitzenreiter beim Wirtschaftswachstum unter den östlichen EU-Mitgliedern wird 2026 neuerlich Polen mit 3,6 % sein“. Damit dürften diese Länder sowohl im laufenden Jahr als auch 2027 trotz der aktuellen Schwierigkeiten wieder mehr als doppelt so stark wachsen wie die Eurozone, meint der wiiw-Experte.
Als Anleger profitieren
Investoren können auf die weitere CECE-Kursentwicklung mit dem „Raiffeisen CECE Euro Indexzertifikat“ setzen. Enthalten sind etwa auch polnische Aktien wie etwa Bank Polska Kasa Opieki. Hinzu kommt der Kupferproduzent KGHM Polska Miedz und der Supermarktbetreiber Dino Polska. Aus Tschechien zählen der Versorger CEZ und Komercni Banka dazu. Auch die Erste Group und VIG sind im CECE-Index enthalten, da sie eine Zweitnotiz an der Prager Börse haben.
Anleger müssen beachten, dass Verluste mit diesem Produkt möglich sind.
| Im Artikel vorgestellte Zertifikate und Aktien |
|
| Name |
ISIN |
| Raiffeisen CECE Euro Indexzertifikat |
AT0000489034 |
| Bank Polska Kasa Opieki |
PLPEKAO00016 |
| CEZ |
CZ0005112300 |
| Dino Polska |
PLDINPL00011 |
| Erste Group |
AT0000652011 |
| KGHM Polska Miedz |
PLKGHM000017 |
| Komercni Banka |
CZ0008019106 |
| Magyar Telekom |
HU0000073507 |
| OTP Bank |
HU0000061726 |
| Richter Gedeon |
HU0000123096 |
| VIG |
AT0000908504 |
Autor: Mag. Raja Korinek
Bild: AdobeStock / Tom Korcak
Warum Wandelanleihen 2026 weiter an Stärke gewinnen
Die Mischwesen aus Aktie und Anleihe bewähren sich vor allem in schwierigen Börsenphasen.
7.5.2026
Wandelanleihen behaupten sich in schwierigen Marktphasen
Die Mischung aus Aktie und Anleihe zeigt gerade in volatilen Zeiten ihre Stärke.
Wandelanleihen haben im Vorjahr für Aufsehen gesorgt. Mit einer Performance im niedrigen zweistelligen Bereich haben diese global veranlagten Papiere Aktien klar hinter sich gelassen.
„Die spezifischen Eigenschaften der Wandelanleihen führen dazu, dass ihr Wert in Phasen sinkender Aktienkurse weniger stark fällt als jener der zugrundeliegenden Aktie“,
erklärt Carl Fox, Leiter Wandelanleihen bei Union Investment, dem Börsen-Kurier.
Dagegen sei die Wertentwicklung in Zeiten stark steigender Aktienmärkte immer mehr im Einklang mit den zugrundeliegenden Titeln.
Stabilität in Krisen: Marktreaktionen seit Zollregime und Iran‑Krieg
Wie sich die Papiere seit geopolitischen Schocks und dem „Liberation Day“ behaupteten.
In Zeiten, in denen Aktien unter Druck kommen, etwa nach dem „Liberation Day“, als die die USA unter Präsident Donald Trump am 2. April 2025 ein neues, umfassendes Zollregime verkündeten. Ein Beispiel ist auch der Iran-Krieg. Dieses Ereignis löste weltweit starke Marktreaktionen aus und gilt seither als wichtiger Wendepunkt für die Finanzmärkte. Auch seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar 2026 haben Wandelanleihen vergleichsweise weniger verloren bzw. sich als stabiler erwiesen.
Ein österreichischer Fonds unter den globalen Top‑Performern
Der Convertinvest Fair & Sustainable Fund profitiert von KI‑ und Wachstumsbranchen.
Bis Mitte April hat etwa der breite Markt für die Papiere, gemessen am FTSE Global Vanilla Hedged CB (EUR)-Index, um 7 % zugelegt. Der S&P 500 ist seit Jahresbeginn hingegen nur um knapp 5 % gestiegen.
Zu den absoluten Top-Performern auf globaler Ebene hat 2025 auch ein heimischer Wandelanleihen-Fonds gezählt. Der „Convertinvest Fair & Sustainable Fund“ (AT0000A21KZ0) hat ein Kursplus von rund 20 % erzielt, innerhalb der vergangenen 12 Monate 33,8 Prozent.
Wachstumsbranchen als Renditetreiber — KI, Hardware, Datenzentren und Nebenwerte im Fokus
Wie der Managing Director Gerhard Kratochwil von Convert Invest im Gespräch mit dem Börsen-Kurier verrät, liegt das vor allem am Fokus auf Wachstumsbranchen bzw. Themen wie KI, Hardware, Datenzentren, Alternative Energy und Weltraumfahrt und damit auch auf Nebenwerten, die ja Large Caps 2025 hinter sich ließen.
Der hat ein Kursplus von rund 20 % erzielt. Wie der Managing Director Gerhard Kratochwil im Gespräch mit dem Börsen-Kurier verrät, liegt das vor allem am Fokus auf Wachstumsbranchen bzw. Themen wie KI, Hardware, Datenzentren, Alternative Energy und Weltraumfahrt und damit auch auf Nebenwerten, die ja Large Caps 2025 hinter sich ließen.
Emissionen auf Rekordniveau — Warum 2025 und 2026 starke Jahre für Neuemissionen sind
Auch heuer zeichnet sich ein gutes Jahr für Wandelanleihen ab. Nach dem Rekord-Emissionsvolumen von mehr als 160 Milliarden Euro im Jahr 2025, wurden im 1. Quartal bereits Convertibles mit einem Volumen von rund 60 Milliarden Euro neu platziert.
Gewinnerwartungen stützen den Markt — US‑ und Europa‑Prognosen bis 2028
Optimistisch stimmen Kratochwil die US-Gewinnerwartungen, die sich für die Jahre 2026 bis 2028 bei einem Plus von 40 % belaufen.
Bewertungen bleiben attraktiv — Warum Experten keine Überhitzung sehen
„In Europa liegt das erwartete Gewinnwachstum immerhin bei rund 20 %“, sagt er. Nachsatz des Experten: „Dazu kommt, dass die Bewertungen nicht exzessiv sind.“
Ertragsperspektiven bis 2026 — Erwartete 6 % Rendite im defensiven Segment
Bei Union Investment ist man angesichts der erwarteten Gewinnentwicklung der Emittenten ebenfalls positiv für den weiteren Jahresverlauf gestimmt. „Wir schätzen den Wertzuwachs für das defensivere Segment des Wandelanleihenmarktes bis Ende 2026 mit rund 3 bis 4 % ein, was einem Ertrag von etwa 6 % für das Gesamtjahr entsprechen dürfte“, sagt Fox.
Technologie und Halbleiter als Schlüsselbranchen — Welche Emittenten besonders profitieren könnten
Fox hält Branchen wie den Technologie- und Hardwaresektor im Speziellen rund um die Produktion von Halbleitern für besonders interessant. Emittenten aus Südkorea und den USA sollten vom anhaltenden hohen Investitionsvolumen in KI-
KI-Investitionen treiben Nachfrage — Datenzentren, Cloud und Power‑Up‑Versorger im VorteilAnwendungen und Datenzentren profitieren.
„Wir gehen davon aus, dass die teils sehr hohen Wachstumsprognosen auch erfüllbar sind“, so Fox. Vom allgemeinen Investitionsboom in neue Technologien sollten auch Emittenten aus den Bereichen Cloud Computing und KI-Anwendungen profitieren können. Ebenfalls Chancen bieten würden Versorger aus dem Bereich „Power Up“, die den erhöhten Energiebedarf der Rechenzentren abdecken können.
Autor: Mag. Patrick Baldia
Bild: Adobe Stock / Shankar
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Was jetzt für Wandelanleihen spricht
Semperit nach B&C-Angebot: Was Aktionäre jetzt wissen müssen
Kurfassung
B&C‑Übernahmeangebot dominiert HV
Semperit‑Zahlen: Schwaches H1, starkes H2; 2026 wieder Wachstum erwartet
Umsatzziel 1 Mrd. Euro bleibt strategische Schwelle
Rico‑Übernahme laut Management werthaltig, Markt gedreht
Buchwert vs. Angebot: 20,20 € je Aktie vs. 15 € Angebot
Mögliche letzte HV bei erfolgreichem Delisting
Risiken 2026: Preise, Rohstoffe, Nachfrageunsicherheit
Nach Übernahmeangebot: 137. o. Hauptversammlung könnte die letzte gewesen sein
(30.04.2026) Die 137. ordentliche Hauptversammlung der Semperit AG könnte rückblickend als Wendepunkt gelten: Erstmals tagte das Unternehmen unter dem Eindruck des Übernahmeangebots der B&C Holding. Für Anleger stellt sich damit die Frage, wie es strategisch weitergeht und ob diese HV tatsächlich die letzte ihrer Art gewesen sein könnte.
Rahmenbedingungen 2025: Schwieriger Start, starkes zweites Halbjahr
CEO Manfred Stanek betonte, die Rahmenbedingungen seien 2025 „alles andere als einfach gewesen“. Vor allem zu Jahresbeginn habe es deutliche Zurückhaltung auf Kundenseite gegeben, das zweite Halbjahr habe jedoch eine klare Erholung gezeigt. Das zeige, welches Potenzial in Semperit steckt, sobald die Auslastung steigt.
Strategisches Ziel: 1 Milliarde Euro Umsatz als Schwelle
Semperit verfolgt weiterhin das Ziel „profitablen Wachstums“. Der angestrebte Umsatz von 1 Milliarde Euro sei eine „entscheidende wirtschaftliche Schwelle“, so Stanek. Ab dieser Größenordnung sei eine hohe Auslastung erreichbar – der zentrale Hebel des Geschäftsmodells. Auch CFO Helmut Sorger stellte das Wachstum in den Mittelpunkt.
Hebelwirkung der Zahlen
- Umsatzrückgang von 14 % im ersten Halbjahr → Ebitda –52 %
- Umsatzplus von 5 % im zweiten Halbjahr → Ebitda +31 %
Für 2026 erwartet Stanek eine Rückkehr auf den Wachstumspfad: Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich und ein operatives Ebitda von 95 Mio. Euro (Vorjahr: 83,6 Mio. Euro). Risiken sieht er in Preissteigerungen, Rohstoffengpässen und Nachfrageunsicherheiten. Mittelfristige Treiber seien die deutsche Infrastrukturoffensive, steigende EU‑Verteidigungsausgaben und der Wiederaufbau der Ukraine.
B&C‑Angebot: Keine Details vor HV – Transparenz angekündigt
Zum Übernahmeangebot der B&C Holding (15 Euro/Aktie) gab es auf der HV keine Auskünfte. Stanek und Aufsichtsratschef Thomas Cord Prinzhorn verwiesen auf die gesetzlich vorgeschriebenen Stellungnahmen, die „spätestens am 4. Mai“ veröffentlicht werden.
Ein Aktionär fragte dennoch nach zentralen Kennzahlen:
- Buchwert je Aktie: 20,20 Euro
- Meldepflichtige Aktionäre per Ende 2025: B&C Gruppe 58,5 %, De Krassny GmbH 10,07 %, Rest Streubesitz
Rico‑Übernahme: Strategisch sinnvoll, Markt gedreht
IVA‑Vorstandsmitglied Michael Knap wollte wissen, ob die 2023 erworbene Rico Group Ursache für die schwächere Entwicklung der SEA‑Division sei und ob der Firmenwert von 50 Mio. Euro werthaltig ist.
Stanek betonte, Rico sei ein „perfekter Fit“ mit starkem Wachstumspotenzial. Auftragseingang und Auftragsstand lägen über Vorjahr.
CFO Sorger ergänzte:
- Investition sorgfältig geplant
- Erwartungen werden erfüllt
- Markt hat sich von Verkäufer‑ zu Käufermarkt gedreht
- Impairment‑Tests bestätigen Werthaltigkeit
Aktionärsfragen: Zölle, Defense, Steuern, Marktposition
Weitere Themen der HV:
- US‑Zölle: 1,8 Mio. Euro Belastung, keine strukturelle Schwächung
- Defense‑Pläne: Einstieg in klar definierte Nischen, Know‑how‑Aufbau läuft
- Effektivsteuersatz >60 %: „rechnerischer Wert“, Steuern fallen dort an, wo Gewinne erzielt werden
- Marktposition: 35 % Weltmarktanteil bei Rolltreppenhandläufen
- Hochwasser Thailand: 9‑wöchige Unterbrechung, Schäden versichert
- F&E: 181 Mitarbeiter, 38 Patentfamilien
- Recycling: Einsatz von Synthetikgummi (EU/USA), Ruß (EU), recyceltem Stahl (China)
Eine Dividende wurde nicht vorgeschlagen. Prinzhorn und Marion A. Weissenberger‑Eibl wurden in den Aufsichtsrat wiedergewählt.
Was Anleger jetzt beachten müssen
Seit 16 März 2026 ist die Aktie von 11,5 Euro um rund 30 Prozent auf 15 Euro bis zu 12. Mai 2026 gestiegen.
Das B&C‑Angebot dominiert die strategische Zukunft von Semperit.
Für Aktionäre sind folgende Punkte entscheidend:
- Bewertung: Buchwert 20,20 Euro je Aktie vs. Angebot 15 Euro
- Fristen: Stellungnahmen des Vorstands und Aufsichtsrats bis spätestens 4. Mai
- Szenarien:
- Annahmequote erreicht → Delisting möglich
- Annahmequote verfehlt → Semperit bleibt börsennotiert, strategische Neuausrichtung wahrscheinlich
FAQ: Die wichtigsten Fragen zur Semperit‑HV
Was bedeutet das B&C‑Angebot für Kleinaktionäre?
Sie können das Angebot annehmen oder ablehnen. Die Stellungnahmen von Vorstand und Aufsichtsrat liefern eine Empfehlung.
Warum könnte dies die letzte HV gewesen sein?
Bei erfolgreichem Übernahmeangebot und anschließendem Delisting wären künftige HVs nicht mehr öffentlich.
Wie hoch ist der Buchwert je Aktie?
20,20 Euro.
Welche Risiken sieht das Management für 2026?
Preissteigerungen, Rohstoffengpässe, Nachfrageunsicherheiten.
Ausblick
Die HV 2026 stand klar im Schatten des B&C‑Übernahmeangebots. Die kommenden Wochen werden entscheidend dafür sein, ob Semperit als börsennotierter Industriekonzern weitergeführt wird – oder ob ein Eigentümerwechsel die strategische Richtung grundlegend verändert.
Autor: Marius Perger
Foto: Semperit Holding AG
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Semperit: Eine Analyse der Ereignisse seit 2011 und ihrer Bedeutung heute
Die Probleme der Vergangenheit – vom Ende der Handschuhproduktion bis zu strukturellen Verlusten – zwangen Semperit zu einem tiefgreifenden Kurswechsel. Die Bereinigung des Portfolios und der Fokus auf Kernkompetenzen haben das Unternehmen neu positioniert. Diese Transformation erklärt, warum Semperit heute ein interessanter Übernahmekandidat ist.
Semperit 2026: Warum die Fehler der Fahnemann‑Ära bis heute nachwirken
Semperit steht 2026 erneut an einem Wendepunkt. Ein Übernahmeangebot, eine Hauptversammlung, die möglicherweise die letzte in dieser Form war, und ein Konzern, der sich neu positionieren muss. Um die aktuelle Lage zu verstehen, lohnt der Blick zurück auf eine Phase, die Semperit strukturell geschwächt hat: die Jahre 2011 bis 2017 unter CEO Thomas Fahnemann.
Damals verlor Semperit nicht nur sein profitabelstes Geschäft, sondern auch einen Teil seiner industriellen Basis. Die Handschuhsparte, einst Wachstumsmotor und globaler Wettbewerbsvorteil, wurde durch Managementfehler, eskalierende Konflikte und strategische Fehleinschätzungen nachhaltig beschädigt.
Timeline: Vom Joint-Venture-Erfolg zum strategischen Bruch
1989–2010 – Erfolgsmodell Thailand Semperit und Sri Trang bauen in Hatyai und Surat Thani eines der weltweit größten Latexhandschuh-Joint-Ventures auf. Die Werke liefern über Jahrzehnte hohe Margen und werden zum wichtigsten Umsatz- und Gewinnbringer.
2011 – Führungswechsel Rainer Zellner übergibt ein schuldenfreies Unternehmen an Thomas Fahnemann.
2012 – Eskalation mit dem Partner Unter der Führung Fahnemanns kam es zu erheblichen Spannungen mit dem thailändischen Joint-Venture-Partner Sri Trang, unter anderem im Zusammenhang mit der operativen Steuerung des Gemeinschaftsunternehmens.
2013 – Probleme werden öffentlich Auf der HV sollen Konflikte heruntergespielt worden sein, obwohl sie kursrelevant waren.
2014–2017 – Rechtsstreit und Verlust der Handschuhsparte Ein Schiedsverfahren soll Semperit die vollständige Kontrolle über SSC sichern. Das Gegenteil passiert: Die Werke werden Sri Trang zugesprochen, das Konkurrenzverbot fällt, Semperit verliert seine profitabelste Sparte.
2016 – Erster Jahresverlust seit 20 Jahren EBIT fällt von 99 Mio (2011) auf 27 Mio. Fahnemann tritt 2017 zurück.
Die strukturellen Folgen: Ein Konzern verliert seinen Wachstumsmotor
Der Verlust der thailändischen Handschuhproduktion war mehr als ein operativer Rückschlag. Er bedeutete:
- Wegfall eines Geschäfts, das über 40 % des Konzernumsatzes ausmachte
- Verlust eines globalen Wettbewerbsvorteils
- ein Schiedsgerichtsurteil, das Semperit sogar neue Konkurrenz eröffnete
- ein strategisches Loch, das bis heute spürbar ist
Diese Schwächung erklärt, warum Semperit in den Folgejahren einen langen Turnaround brauchte und warum der Konzern 2026 trotz operativer Fortschritte strukturell verwundbarer ist.
Warum der Verlust der Handschuhsparte schwer wiegt
Die Handschuhsparte war:
- hochprofitabel
- global skalierbar
- strategisch wertvoll
Ihr Verlust ist irreversibel. Das ist ein struktureller Effekt, kein operativer.
2017–2020: Stabilisierung und Neuausrichtung von Semperit
Nach dem Führungswechsel beginnt Semperit mit einer Bereinigung:
- Kostensenkungen
- Fokussierung auf Industrieprodukte
- operative Verbesserungen
Der Konzern wird wieder profitabel, aber ohne den früheren starken Wachstumstreiber.
2020–2021: Pandemie-Boom – ein kurzer Höhenflug
COVID-19 bringt einen massiven, aber temporären Gewinnschub. Die Nachfrage nach medizinischen Handschuhen explodiert – ein Sondereffekt, der 2022 wieder verpufft.
2021–2023: Strategischer Schnitt – Ausstieg aus Sempermed
Semperit verkauft die Handschuhsparte vollständig. Ein konsequenter Schritt, aber auch das endgültige Ende eines Bereichs, der früher fast die Hälfte des Konzernumsatzes ausmachte.
2023–2025: Konzentration auf das Industriegeschäft
Semperit wird ein klassischer Industriewert:
- stabile, aber nicht dynamische Margen
- hoher Investitionsbedarf
- intensiver Wettbewerb
- solide Cashflows, aber begrenztes organisches Wachstum
Der Konzern ist gesund, aber nicht stark.
Semperit ist heute auch deshalb ein reiner Industriekonzern, weil es keine Alternative gab. Das ist nicht schlecht, aber es ist ein anderes Unternehmen als vor 2016. Die Transformation war eine Folge der damaligen Fehler.
2026: Übernahmeangebot – die logische Folge einer langen Entwicklung
Dass Semperit 2026 ein Übernahmeziel ist, überrascht daher nicht. Die Gründe liegen nicht nur im aktuellen Marktumfeld, sondern in der strukturellen Entwicklung seit dem Verlust der Handschuhsparte.
Die zentrale Erkenntnis: Semperit hat sich operativ erholt. Semperit ist heute ein stabiler, gut geführter Industriekonzern, aber ohne die strategische Schlagkraft, die es vor dem Thailand-Debakel hatte. Die Erholung ist real. Die strukturelle Verwundbarkeit ist es ebenfalls.
Turnaround-Aktien im ATX 2026: Rosenbauer, AT&S, Semperit im Check
Altersvorsorge: Warum der Blick auf weltweites BIP nicht zu unterschätzen ist
Fürs Alter in die weltweite Wirtschaftsleistung investieren.
Warum Timing überschätzt wird – und Risikostreuung wichtiger bleibt
Es gibt keinen perfekten Zeitpunkt für den Beginn der Altersvorsorge. Markttiming ist ein Konzept, das selbst professionelle Investoren selten erfolgreich umsetzen. Entscheidend für den langfristigen Anlageerfolg ist nicht der exakte Einstiegszeitpunkt, sondern eine konsequente Risikostreuung über Anlageklassen, Regionen und Zeiträume.
Wer größere Beträge investiert, kann das Risiko eines ungünstigen Einstiegs durch Tranchenkäufe reduzieren. Dabei ist lediglich auf Mindestgebühren pro Order zu achten, um die Spesenfalle bei zu kleinen Kaufbeträgen zu vermeiden.
Zeitliche Risikostreuung: Der Cost-Average-Effekt im Sparplan
Regelmäßige Veranlagung als Stabilitätsfaktor
Bei regelmäßigen Einzahlungen entfällt das Timing‑Problem vollständig. Ein Sparplan sorgt automatisch für zeitliche Risikostreuung. Der Cost-Average-Effekt führt dazu, dass in schwächeren Marktphasen mehr Anteile erworben werden und in Boomphasen weniger. Über längere Zeiträume entsteht so ein günstiger Durchschnittspreis, insbesondere bei volatilen Anlageklassen.
Wesentlich bleibt, dem gewählten Investmentplan treu zu bleiben und sich nicht von kurzfristigen Marktgeräuschen oder vermeintlichen Geheimtipps ablenken zu lassen.
Globale Risikostreuung 2025: Neue IWF-Daten verändern die Depotlogik
Aktuelle Wirtschaftsgewichte als Basis für ein modernes Starter-Depot
Die früher häufig verwendeten Weltgewichte basierten auf älteren IWF‑Daten. Die aktuellen Zahlen des IWF über das Bruttoinlandsprodukt weltweit (PPP, 2025) zeigen jedoch eine deutlich veränderte globale Wirtschaftsstruktur. Für eine sachgerechte Risikostreuung empfiehlt sich eine Orientierung an den tatsächlichen Wirtschaftsgewichten.
Aktuelle globale BIP‑Anteile (PPP, 2025)
(basierend auf den IWF‑Daten aus dem verlinkten Datensatz)
- China: 18,8 %
- USA: 15,5 %
- EU‑27: 14,3 %
- Indien: 7,5 %
- Japan: 3,3 %
- ASEAN/Rest Asien: ca. 12–13 %
- Lateinamerika: 7–8 %
- Afrika: ca. 5 %
- Mittlerer Osten: 4–5 %
Zum Vergleich: 2022 sah die BIP-Verteilung noch ganz so aus:
USA: 28 %, Europa: 24 %, Japan: 6 %, Asia-Pacific ohne Japan: 3 %, Schwellenländer inkl. China: 39 %.
Implikationen für die Portfolio-Struktur
Ein global diversifiziertes Starter‑Depot sollte die aktuelle Gewichte stärker berücksichtigen. Die Daten zeigen:
- Asien ist heute der größte Wirtschaftsblock.
- China und Indien gewinnen weiter an Bedeutung.
- USA und Europa bleiben zentrale, aber relativ kleinere Säulen.
- Schwellenländer sind wesentliche Wachstumstreiber.
Zur zusätzlichen Stabilisierung setzen viele Anleger – darunter auch Jan Altmann – auf Anleihen‑ETFs und Gold als Beimischung.
ETFs, aktive Fonds und Active ETFs: Werkzeuge der modernen Risikostreuung
Warum Fondsgesellschaften ihre Strategien anpassen
Investiert werden kann sowohl über kostengünstige ETFs als auch über aktiv gemanagte Fonds. Auffällig ist, dass selbst traditionelle Fondshäuser wie Franklin Templeton verstärkt auf Active ETFs setzen. Diese Produkte kombinieren die Flexibilität des aktiven Managements mit der Handelbarkeit börsengehandelter Fonds und eignen sich besonders für komplexere Assetklassen wie Anleihen oder Wachstumsmärkte wie Indien.
Was für ETFs spricht
- Breite Risikostreuung zu niedrigen Kosten
- Hohe Liquidität und Transparenz
- Schwieriges Marktumfeld für aktive Manager
Laut Scope-Analyse konnten 2023 lediglich 29,1 % der Fondsmanager ihren Vergleichsindex übertreffen.
Was für klassische aktiv gemanagte Fonds spricht
Trotz des anhaltenden Trends zu ETFs behalten klassische aktiv gemanagte Fonds ihre Berechtigung. Sie können insbesondere in ineffizienten Märkten Vorteile ausspielen, in denen Informationsasymmetrien groß sind und Fundamentalanalyse einen echten Mehrwert liefern kann – etwa in kleineren Marktsegmenten, bei Unternehmensanleihen niedriger Bonität oder in Schwellenländern mit begrenzter Transparenz.
Zudem können aktive Manager in Stressphasen flexibel reagieren, Risiken gezielt reduzieren oder Positionen rasch anpassen, während Indexfonds starr an ihre Benchmark gebunden bleiben. Auch nachhaltige Strategien, thematische Schwerpunkte oder spezielle Qualitätsfilter lassen sich in aktiven Fonds oft differenzierter umsetzen. Für Anleger, die Wert auf eine gezielte Risikosteuerung und individuelle Einschätzungen legen, bleibt aktives Management daher eine relevante Ergänzung im Rahmen einer breit angelegten Risikostreuung.
Neue ÖBAG-Strategie: Machtanspruch mit Konfliktpotenzial
Florian Beckermann (30.04.2026). Im globalen Wettkampf, nationale Interessen zu betonen, scheint auf den ersten Blick politisch vernünftig. Insofern vollzieht Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer mit der neuen ÖBAG-Strategie einen rationalen Paradigmenwechsel: Weg von einer fiskalisch orientierten Beteiligungsholding hin zu einem aktiven industriepolitischen Instrument. Alles gut? Für die Miteigentümer nicht unbedingt.
Kern der Strategie: Die ÖBAG als „Standortholding“
Kern der Strategie ist die Transformation der ÖBAG zur „Standortholding“. Beteiligungen sollen stabile Dividenden liefern und (!) aktiv gesteuert zur wirtschaftlichen Entwicklung beitragen. Konkret: eine stärkere Einflussnahme auf Unternehmensstrategien mit Fokus auf Innovation, Infrastruktur, Energiesicherheit und technologische Souveränität. Die ÖBAG wird zu einem Steuerungsinstrument, das über Schlüsselunternehmen wie OMV, Verbund oder Telekom Austria indirekt Strukturpolitik betreibt. Nachvollziehbar: In Zeiten geopolitischer Unsicherheit soll die Kontrolle über Infrastruktur und Schlüsselindustrien gesichert werden – wenn man sie denn jemals verloren hat. Die Strategie folgt einem internationalen Trend, Beteiligungen gezielter zur Standortpolitik einzusetzen. Es duftet nach Interventionismus. Macht als Strategie verkleidet.
Konflikte mit Kapitalmarkt und Streubesitz
Für Streubesitzaktionäre und den internationalen Kapitalmarkt birgt das Konflikte. Diese investieren mit dem Ziel der Renditeoptimierung und erwarten eine klare Orientierung am Shareholder-Value – ohne Wenn und Aber. Wenn der Staat mit „other people‘s money“ politisch agieren will, wird’s gefährlich. Denn die nächste Wahl kommt bestimmt und das ist kein Aktionärstermin.
Operative Risiken
Operativ überspitzt: Wenn Beteiligungsunternehmen etwa in ökonomisch sinnlose Infrastruktur, Hochrisiko-Start-ups oder Innovationen à la „Kaufhaus Österreich“ investieren müssen, beeinflusst dies nicht nur die Gewinne, sondern auch die Reputation.
Börsengelistete AGs sind nicht die Spardose oder der Selbstbedienungsladen des Staates. Wer das möchte, muss ein Angebot machen und die Gesellschaften von der Börse nehmen.
Zuerst Emanzipation vom Staat, nun droht Erosion
Unter Edith Hlawati hat sich die ÖBAG weitgehend von politischer Einflussnahme emanzipiert und mit Global-Playern syndiziert. Wird dies durch die neue Strategie erodiert, schlittert man auch in Konflikte mit den Partnern. Bewertungsabschläge drohen sowieso. Hart erarbeitetes Vertrauen wäre dahin. Viel Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel.
Chancen? Natürlich können langfristige Investitionen Wettbewerbsvorteile schaffen. Natürlich kann ein staatlicher Ankeraktionär in Krisenzeiten stabilisierend wirken.
Die ÖBAG-Strategie scheint ein klassischer Zielkonflikt zwischen Staatsinteressen und Kapitalmarktlogik zu werden. Warten wir auf Details. Es ist zu hoffen, dass es gelingt, die neue Rolle mit klaren Corporate-Governance-Regeln und Personen zu verbinden – nur dann kann die Strategie sowohl standortpolitisch wirksam werden als auch kapitalmarktfähig bleiben.
Autor dieses Kommentars ist Florian Beckermann, Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
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Turnaround-Aktien im ATX 2026: Rosenbauer, AT&S, Semperit im Check
Große Gewinnchancen nach Sparprogrammen und operativen Verbesserungen.
(30.04.2026). Turnaround-Aktien versprechen hohe Gewinne – aber auch Risiken
Was sind Turnaround-Aktien? Chancen und Risiken
Turnaround-Aktien üben auf Investoren seit jeher einen besonderen Reiz aus. Denn dabei handelt es sind Unternehmen, die nach einer Phase schwacher Geschäftsentwicklung oder Verluste wieder auf einen Wachstumskurs einschwenken. Auslöser sind häufig Restrukturierungen, Kostensenkungen oder strategische Neuausrichtungen.
Für Anleger sind solche Aktien besonders interessant, da sie oft noch niedrig bewertet sind und bei erfolgreicher Wende überdurchschnittliche Kursgewinne ermöglichen. Gleichzeitig ist das Risiko hoch: Verzögert sich die Erholung oder bleibt sie aus, drohen weitere Kursverluste.
Wichtige Indikatoren für einen gelungenen Turnaround sind eine nachhaltig verbesserte Kostenbasis, steigende Margen, ein wachsender Auftragsbestand sowie erste sichtbare Ergebnisverbesserungen in den Quartalszahlen. Entscheidend ist, ob die Wende bereits in den Zahlen erkennbar ist oder noch hauptsächlich auf Erwartungen basiert.
Das Chance-Risiko-Profil ist jedoch zweischneidig: Während hohe Gewinne locken, sind mögliche Kursverluste bei länger als erwarteter Durststrecke ebenfalls realistisch.
Woran erkennt man einen echten Turnaround?
- steigendes EBIT
- sinkende Kostenbasis
- positive Quartalszahlen
Rosenbauer: Vorbildlicher Turnaround
Wie ein gelungener Turnaround aussehen kann, zeigt Rosenbauer. Der Feuerwehrausrüster steigerte 2025 den Umsatz um 9,4 % auf 1,43 Milliarden Euro und erhöhte das Ebit von 64,9 auf 84,5 Millionen Euro. Effizienzmaßnahmen wirkten sich dabei spürbar positiv aus.
Ein hoher Auftragsbestand sollte weiteres Wachstum ermöglichen. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Vorstand einen Umsatz von rund 1,6 Milliarden Euro sowie eine Ebit-Marge von 6 %.
AT&S: Turnaround-Aktie mit Wachstumspotenzial
AT&S zählt zu den aktuell spannendsten Turnaround-Stories an der Wiener Börse. Dank intensivierter Kosten- und Effizienzprogramme drehte der Leiterplatten- und IC-Substrat-Hersteller im Geschäftsjahr 2024/25 das Konzernergebnis von -37 auf +90 Millionen Euro. Gleichzeitig stieg das Ebit von 31 auf 277 Millionen Euro.
In der Aussendung zum dritten Quartal 2025/26 war bereits von einer um 120 Millionen Euro reduzierten Kostenbasis im Vorjahr sowie weiteren nachhaltigen Einsparungen von mindestens 160 Millionen Euro die Rede. Im dritten Quartal 2025/26 drehte das Konzernergebnis im Vergleich zum Vorjahresquartal von -32,6 auf +24,2 Millionen Euro.
Parallel dazu arbeitet AT&S seit Jahren an Glassubstraten für die nächste Generation moderner Mikrochip-Packages. Mit Kernkompetenzen bei Through-Glass-Vias, fortschrittlicher Kupferstrukturierung und panelbasierter Fertigung adressiert das Unternehmen Zukunftsfelder wie KI, High Performance Computing, Hochgeschwindigkeitskommunikation und Photonik.
Analysten rechnen für die Geschäftsjahre 2026/27 und 2027/28 mit kräftigen Ertragssprüngen.
Semperit: Übernahmefantasie und operative Verbesserung
Semperit befindet sich bereits in einer späten Phase der Wende und erhielt zuletzt ein überraschendes Übernahmeangebot der Mehrheitsaktionärin B&C Holding Österreich (15 E je Aktie).
Nach dem Verlustjahr 2023 und der deutlichen Erholung 2024 blieb 2025 trotz schwieriger Märkte ein kleiner Nettogewinn von 0,4 Millionen Euro. Das Ebitda ging um 6,4 % auf 79,5 Millionen Euro zurück.
Die Ertragssituation verbesserte sich jedoch in der zweiten Jahreshälfte 2025 deutlich: Strategische Fokussierung, Vertriebsinitiativen und Kosteneinsparungen von 6 Millionen Euro führten dazu, dass die Ebitda-Marge vom ersten auf das zweite Halbjahr 2025 von 9,6 auf 14,3 % anstieg.
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Vorstand bei einem Umsatzwachstum im höheren einstelligen Prozentbereich mit einem Anstieg des operativen Ebitda (vor Projektkosten für das Digitalisierungsprojekt oneERP) von 83,6 auf rund 95 Millionen Euro.
Laut Schätzungskonsens von MarketScreener wird für 2026 ein Gewinnsprung von 0,02 auf etwa 0,99 Euro je Aktie erwartet, mit einem weiteren Anstieg auf 1,73 Euro je Aktie bis 2028.
Fazit: Turnaround-Aktien bieten Chancen – aber nicht ohne Risiko
Börsen bieten immer wieder Sorgenkinder mit neuer Ertragsdynamik. Anleger sollten jedoch genau unterscheiden, ob die Wende bereits in den Zahlen sichtbar ist oder noch vor allem auf Erwartungen beruht.
Börsen bieten auch immer wieder Sorgenkinder mit neuer Ertragsdynamik. Anleger sollten jedoch genau unterscheiden, ob die Wende bereits in den Zahlen sichtbar ist oder noch vor allem auf Erwartungen beruht.
Autor: Michael Kordovsky
Foto: AT&S
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Semperit will zurück auf den Wachstumspfad
Attraktive Dividendentitel
Gefährliches Umfeld für Austro-AGs
CA Immo CEO Viscius: „Heute bessere Immobilien als 2018“
HV der CA Immo beschließt niedrigere Dividende, der Immobilienkonzern schaffte 2025 wieder den Sprung in die Gewinnzone.
(06.05.2026) 2025 habe es zahlreiche Herausforderungen und Unsicherheiten gegeben, betonte CEO Keegan Viscius in seiner in englischer Sprache gehaltenen und simultan übersetzten Präsentation bei der 39. ordentlichen Hauptversammlung der CA Immo am Mittwoch. Das Unternehmen sei aber widerstandsfähig geblieben, man habe Meilensteine erreicht und die Fundamentaldaten gestärkt.
Die Kapitalrotation sei konsequent fortgesetzt worden:
70 % der Bestandsimmobilien liegen inzwischen in Deutschland, der Büroanteil beträgt 98 %. “Wir verfügen heute über bessere Immobilien und einen klareren Marktfokus als 2018″ erklärt Viscius. Jenem Jahr, in dem Starwood eingestiegen ist.
„Wir sind auf dem richtigen Weg“ – Werttreiber und strategische Stoßrichtung
CEO Viscius zeigte sich überzeugt, dass sich die CA Immo auf dem richtigen Weg befindet und gut positioniert sei, ihre Ziele zu erreichen. Werttreiber seien die Vermietung von Leerständen, organisches Wachstum durch die Fertigstellung der Projekte und der Verkauf von Nicht-Kern-Assets, was die zukünftige Rendite verbessere.
Finanzvorstand Schillhofer: Premium-Strategie zahlt sich aus
Finanzvorstand Andreas Schillhofer hob die positiven Effekte der strategischen Positionierung als „Premium-Büroanbieter“ hervor. Die Kapitalrotation der vergangenen Jahre habe das Portfolio widerstandsfähiger gemacht.
2025 habe man:
- ein positives Bewertungsergebnis erzielt
- die Gewinnzone erreicht
- einen FFO1 deutlich über der Zielsetzung ausgewiesen
Zudem verfüge die CA Immo über ein Investment-Grade-Rating, und die Aktie notiere ohne Abschlag auf den Buchwert.
Portfolio im Fokus und viele Fragen zur Kapitalrotation
Im Zentrum vieler Fragen stand die „Kapitalrotation“. Dabei werden nicht-strategische Assets verkauft, Kriterien dafür seien Lage, Rendite, Alter, Nachhaltigkeit und Qualität, so Schillhofer.
- Ziel sei es, die Resilienz des Portfolios zu stärken. Man müsse die Konkurrenz am Büromarkt zur Kenntnis nehmen, für die CA Immo sei deshalb „premium“ wichtig.
- In Deutschland seien zusätzliche Mietsteigerungen möglich, während die Mietmärkte in Osteuropa schwächer seien.
- Die Renditen in Prag und Budapest blieben hinter jenen in den Kernmärkten zurück, ergänzte Viscius.
Die durch Verkäufe freigesetzten Mittel sollen genutzt werden für:
- Akquisitionen
- Bilanzstärkung
- AktienrückkäufeWas brachten Immobilienverkäufe wirklich?
Viscius betonte mehrfach die „disziplinierten Underwriting-Kriterien“:
- Verkäufe im Vorjahr lagen im Schnitt 4 % über Buchwert
- nur zwei Objekte unter Buchwert
Erst nach mehrmaliger Nachfrage gab er preis:
- 8 der 17 verkauften Immobilien waren im Jahr davor abgewertet
- 2 Objekte hatten Zuschreibungen
Informationen zu Käufern oder Renditen einzelner Objekte würden nicht veröffentlicht.
Projektentwicklung in Deutschland – alles in Plan
Zu Immobilienentwicklungen in Deutschland betonte Viscius, die drei Projekte Upbeat, Anna-Lindh-Haus (Foto) und Karlsgärten in Berlin würden sich im Budget und im Zeitplan befinden und seien voll vorvermietet. Man verfolge eine klare Wachstumsstrategie und beobachte den Markt hinsichtlich Akquisitionen kontinuierlich. 2025 habe man mehrere Projekte in Berlin und München geprüft, aber keine Käufe getätigt.
Buwog, Klagen, alte Verfahren – und warum es einen langen Atem braucht
Zu den Klagen gegen die Republik Österreich im Zusammenhang mit der Causa „Buwog“ erklärte Schillhofer, man habe aus Kostengründen eine „kleine“ Klage über 1 Millionen Euro eingebracht mit dem Ziel, dass die Ansprüche dem Grunde nach anerkannt werden.
Hier rechne man mit einer Entscheidung nicht vor 2030, anschließend wolle man dann einen Betrag von 1,9 Milliarden Euro einklagen. Experten hätten bestätigt, dass eine „Obsiegenswahrscheinlichkeit“ bestehe, diese sei durch die rechtskräftige Verurteilung von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser im Buwog-Korruptionsprozess gestiegen. Zu vier Anfechtungsklagen von „Petrus Advisers“ gegen Hauptversammlungsbeschlüsse früherer Jahre, in denen Sonderprüfungen abgelehnt wurden, erklärte Schillhofer, das sei „alles überholt“, er bedauere die Verfahren, sei aber „guter Dinge“.
Finanzierung, Zinsen und Dividende – die großen Aktionärsthemen
Aktionärssorgen über die Finanzierungsstrategie entgegnete Schillhofer, man habe bewiesen, dass man kapitalmarktfähig sei, das Investment-Grade-Rating sei Grundlage für den Kapitalmarktzugang. Die CA Immo habe Zugang zu besicherten und unbesicherten Instrumenten, man strebe kostenoptimierte Lösungen an. Zum Risiko von Zinsänderungen erläuterte er, dass die Immobilienbewertung von höheren Zinsen profitieren würde, während man bei der Finanzierung abgesichert sei; steigende Zinsen würden die CA Immo „erst über die Zeit“ treffen.
Warum hat die CA Immo die Dividende gesenkt?
Zur Aktionärskritik an der von 1 Euro auf 90 Cent gesenkten Dividende erklärte Schillhofer, dies entspreche der Dividendenpolitik, und außerdem habe man Aktien zurückgekauft, was den Aktionären ebenfalls nütze: „Das muss man zusammen betrachten.“
Wo es deutliche Gegenstimmen gab
Nach zwei Pausen waren zur Beschlussfassung nur noch rund 20 Personen im Festsaal der alten Börse. Da IVA-Präsident Florian Beckermann jedoch 307 Aktionäre vertrat, kam es bei einzelnen Tagesordnungspunkten – etwa der Entlastung des Aufsichtsrats oder dem Vergütungsbericht – zu deutlichen Gegenstimmen aus dem Streubesitz.
Autor: Marius Perger
Foto: CA Immo / Anna-Lindh-Haus, Berlin
Nach 80 % Kursplus: Warum Porr 2026 noch stärker werden könnte
Nach dem Rekordjahr 2025 stehen die Ampeln bei der Porr weiter auf Grün.
(30.04.2026)
Rekordjahr 2025: Bestes Ergebnis in 157 Jahren Unternehmensgeschichte
„2025 war ein sehr gutes Jahr für die Porr. 2026 hat die Chance noch besser zu werden“, so Porr-CEO Karl-Heinz Strauss zu Beginn der 146. ordentlichen Hauptversammlung am vergangenen Mittwoch im Wien Museum – wenig überraschend einem Projekt des Baukonzerns.
Das vergangene Geschäftsjahr als „sehr gut“ zu bezeichnen, greift dabei fast zu kurz: 2025 war das beste Jahr in der 157-jährigen (!) Geschichte des Unternehmens.
Porr Aktie 2026: Lohnt sich der Einstieg?
Nun stellt sich für Anleger die Frage, ob die Porr Aktie 2026 weiteres Potenzial bietet. Entscheidend sind dabei volle Auftragsbücher, eine anziehende Baukonjunktur in Europa sowie neue Wachstumsmärkte wie Healthcare und Datenzentren.
Gleichzeitig bleiben Risiken wie Fachkräftemangel und konjunkturelle Unsicherheiten bestehen. Ob sich ein Einstieg lohnt, hängt daher maßgeblich davon ab, ob sich die positive Ergebnisentwicklung nachhaltig fortsetzt.
Highlights 2025: Großprojekte, ATX-Aufnahme und 80 % Kursplus
Die Liste der Erfolge ist entsprechend lang. Der CEO präsentierte den Aktionären zahlreiche Highlights – kompakt und informativ:
- Großprojekte wie die Luegbrücke in Tirol
- Ausbau eines Windparks in Rumänien
- Eisenbahntunnel zwischen Warschau und Lodz in Polen
- Übernahme der Vamed-Tochter Viacana und Ausbau des Healthcare-Bereichs
- Aufnahme der Aktie in den ATX
Auch an der Börse überzeugte die Porr: Die Aktie legte 2025 um mehr als 80 % zu.
Ausblick 2026: Baukonjunktur zieht an und Auftragsbücher sind voll
Für das laufende Geschäftsjahr zeigt sich das Management optimistisch. Die europäische Baukonjunktur gewinnt wieder an Dynamik, die Auftragsbücher sind gut gefüllt und neue Wachstumsmärkte werden erschlossen.
„Wir haben viel vor im Gesundheitsbereich“, betonte Strauss und verwies auf den hohen Bedarf an neuer Krankenhausinfrastruktur in Deutschland.
Deutschland im Fokus: „Die größte Baustelle Europas“
Besonders große Chancen sieht die Porr im deutschen Markt. „Deutschland wird die größte Baustelle Europas werden“, so Strauss.
Der Baukonzern will dabei von seinem USP profitieren: Projekte aus einer Hand – von der Planung bis zur schlüsselfertigen Übergabe. Das gilt sowohl für Krankenhäuser als auch für Datenzentren, die als weiteres wachstumsstarkes Geschäftsfeld gelten.
„Wir sind heute in der Lage jedes Großprojekt umzusetzen“, erklärte der CEO.
Strategie: Fokus auf Heimmärkte und selektive Expansion
Strategisch setzt die Porr weiterhin auf ihre Kernmärkte:
- Österreich
- Deutschland
- Polen
- Slowakei
- Tschechien
- Rumänien
- Schweiz
Norwegen wird hingegen verlassen. „Dort passiert nichts, obwohl das Land im Geld schwimmt“, so Strauss.
In Katar will man – entgegen früherer Aussagen – vorerst bleiben. „Einiges, was zuletzt bei Angriffen des Irans zerstört wurde, muss ja wieder aufgebaut werden“, erklärte der CEO.
Megatrends: Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Demographie
Auch langfristig sieht sich die Porr gut positioniert. Nachhaltigkeit und Digitalisierung bleiben zentrale Themen. Gleichzeitig stellt die demografische Entwicklung den Konzern vor Herausforderungen.
„Ein entscheidender Punkt wird sein, ob wir genug Leute haben werden, um große Projekte umzusetzen“, sagte Strauss.
Das Ziel bleibt klar: „Wir wollen insgesamt künftig nicht die Größten werden, aber immer die Besten bleiben.“
Fazit: Porr profitiert von Bau-Boom und klarer Strategie
Nach dem Rekordjahr 2025 startet die Porr mit Rückenwind ins Jahr 2026. Volle Auftragsbücher, wachsender Infrastrukturbedarf – insbesondere in Deutschland – sowie eine klare strategische Ausrichtung sprechen für weiteres Wachstum. Gleichzeitig bleiben Fachkräftemangel und geopolitische Entwicklungen zentrale Herausforderungen.
Autor: Patrick Baldia
Foto: Porr
Addiko: EZB tatenlos – wer zahlt?
Florian Beckermann (24.04.2026). Jedem Aktionär der Addiko Bank AG fällt es schwer, wieder auf die Dividendenzahlung zu verzichten. Insbesondere dann, wenn die Konkurrenz kräftig verdient und ausschüttet. Die „Bedenken“ des Regulators münden zum zweiten Mal in einer Dividendenblockade. Dabei gibt es keinen formaljuristischen Bescheid oder Erlass. Nein, der Regulator agiert durch den Druck der operativen Macht. Eine Macht, die in sachfremden Überwachungsfragen so intensiv gelebt werden kann, dass sie zu größerem „Schaden“ am Kreditinstitut führt – eigentlich eine untragbare Tatsachenschaffung des Regulators. Wobei der Regulator sich in diesem Fall aus einer Gruppe aus verschiedenen Überwachungsorganen zusammensetzt, die von der EZB geleitet wird. Es ist also nicht direkt auszumachen, wer hinter dieser Posse steckt.
Als vor knapp zwei Jahren die serbische Alta Gruppe bei der Bank einstieg, sorgte sie schnell für hochgezogene Augenbrauen. Rasant sicherte man sich große Anteilspakete, die juristischen Hausaufgaben wurden vergessen. Berechtigte Skepsis über Alta machte sich am Markt breit und hielt an. Der Regulator sah sich nicht in der Lage, konkret vorzugehen, also sperrte man die Dividende durch genannten Druck – bis heute. In den vergangenen zwei Jahren entstand eine juristische Hängepartie, deren Zeche alle (!) Aktionäre zu zahlen haben. Ist das nicht genug Zeit eine regulatorische Entscheidung zu treffen oder eine Lösung zu suchen, die nicht jeden Aktionär benachteiligt? Erfolgreiche Beispiele dafür gab es in der jüngsten Vergangenheit.
Konsequenz: Die Gewinne der Addiko landen in der Bilanz und führen zur Überkapitalisierung. Die Eigenkapitalrentabilität rauscht in den Keller aufgrund des zu hohen Nenners. Aktionäre werfen das Handtuch. Der Handel in Frankfurt wird aufgegeben. Der Börsenhandel in Wien landet im Auktionsmarkt. Eine Marktenge entsteht, die kaum noch als solide Ausgangsbasis für eine Stand-Alone-Bewertung herhalten kann. In dieser Situation kommen die Übernahmeangebote der RBI und NLB. Es wäre naiv zu glauben, dass diese die Auswirkungen der Blockade nicht nutzen würden. Oder sollte es besser heißen „ausnutzen“?
Als „absurd“ beschreiben Aktionäre am Rande der Hauptversammlung das Verhalten des Regulators: „Als Addiko-Aktionär ist die Alta Gruppe nicht gut genug, aber im RBI-Carve-out-Plan kann man ihnen eine ganze Bank verkaufen? Wie passt das zusammen?“ Eine Entscheidung des Regulators wird nur auf eine andere Ebene geschoben. Ob sie dann erfolgt, ist fraglich. Auch Alta braucht regulatorische Klarheit.
Die offensichtliche Entscheidungsschwäche der EZB wirft kein gutes Licht auf den Rechtsstaat EU und seine Bürokratiemacht. Die sonst so makellose Kompetenz bekommt Risse durch Taktieren. Für den außenstehenden Aktionär unverständlich, teuer und unnötig.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Neue Steuerdebatte in Europa
EU-Finanzminister fordern Abgabe auf „Zufallsgewinne“ von Energiekonzernen.
(24.04.2026). Infolge des Iran-Konflikts sind Benzin und Diesel sprunghaft teurer geworden. Glaubt man Greenpeace, dann verdienten die Mineralölkonzerne allein im März 2,5 Milliarden Euro zusätzlich an den teuer tankenden Autofahrern in der EU. Diese „Übergewinne“ wecken die Begehrlichkeiten von SPÖ-Finanzminister Markus Marterbauer und vier seiner europäischen Amtskollegen. In einem gemeinsamen Brief an EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra fordern sie, dass „diejenigen, die von den Folgen des Krieges profitieren, ihren Teil dazu beitragen müssen, die Belastung für die breite Öffentlichkeit zu mildern“.
Was ist Übergewinn?
Laut Duden ist eine Übergewinnsteuer eine „von großen Unternehmen zu entrichtende Steuer auf einen vergleichsweisen überproportional hohen Gewinn“. Stellt sich die Frage, ab wann ein Gewinn überproportional hoch ist? Schon 2022, als die Energiepreise infolge des Angriffs Russlands auf die Ukraine massiv stiegen, legte der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) dazu ein konkretes Modell vor.
Das Modell der Gewerkschaft
Übergewinn ist für den ÖGB jener Gewinn eines Geschäftsjahres (gemessen am Ebitda, dem Betriebsergebnis vor Abschreibungen, Finanzergebnis und Steuern), der über dem Durchschnitt der drei vorangegangenen Geschäftsjahre liegt. Ab 110 % dieses Referenzwertes sollten 60 %, ab 130 sogar 90 % davon als Sondersteuer an den Staat abgeführt werden. Die Bagatellgewinngrenze von 10 % gestand der ÖGB den Energiekonzernen als kleine Gewinnsteigerung zu. Tatsächlich geworden sind es auf EU-Ebene sowie befristet auf die Jahre 2022 und 2023 dann 33 % Sondersteuer auf Gewinne, die mehr als 20 % über dem Durchschnitt lagen.
Was passiert mit Sondersteuern?
Geht es nach den fünf EU-Finanzministern, würde es die Sondersteuer auf Zufallsgewinne der Energiekonzerne „ermöglichen, vorübergehende Entlastungen, insbesondere für Verbraucher, zu finanzieren und die steigende Inflation einzudämmen, ohne die öffentlichen Haushalte zusätzlich zu belasten.“
Rückblickend auf das Jahr 2022 stellen wir jedoch fest, dass die damaligen Mehreinnahmen weder den österreichischen Staatshaushalt entlastet noch die heimische Inflationsrate eingedämmt haben. Budgetdefizit und Inflation lagen weiterhin deutlich über dem EU-Durchschnitt.
Über-Performance
Im Zuge der geopolitischen Konflikte der vergangenen Jahre haben nicht nur Ölkonzerne, sondern auch opportunistische Anleger „Zufallsgewinne“ erzielt, beispielsweise wenn sie in Rüstungsaktien oder fossile Energieträger investiert haben. Müssen erfolgreiche Anleger fürchten, dass auch die „vergleichsweise überproportional hohen“ Kursgewinne ihrer Investments mit einer Sondersteuer abgeschöpft werden?
Denn, so könnten sozialdemokratische Finanzminister argumentieren, wer trotz hoher Steuern und Abgaben, steigenden Mieten und Lebenshaltungskosten sowie teurem Sprit und Strom immer noch so viel Geld übrighat, dass er oder sie in Wertpapiere investieren kann, muss doch nicht auch noch mit Überperformance belohnt werden.
Noch ist es nicht so weit. Wollen wir hoffen, dass die Diskussion über Steuern auf Zufallsgewinne von Energiekonzernen nicht die Büchse der Pandora öffnet und auf erfolgreiche Investoren überschwappt.
Autor: Andreas Dolezal
Foto: Adobe Stock / Bluedesign
Märkte glauben nicht an längeren Iran-Krieg
Zuletzt haben sich an den Börsen einige spannende Einstiegschancen ergeben.
(24.04.2026). Es ist kaum zu glauben: So sehr der Iran-Krieg die Börsen seit Anfang März auch beschäftigt hat, was sich in hoher Volatilität und wiederholten Kursrücksetzern manifestiert hat, so wenig haben sie unterm Strich seitdem verloren. In der vergangenen Woche hat etwa der Waffenstillstand zwischen den Konfliktparteien, ebenso wie gute Quartalszahlen, eine regelrechte Erholungs-Rallye an den Märkten ausgelöst. Nicht nur S&P 500 und Nasdaq kletterten auf neue Allzeithochs, auch der ATX erreichte eine neue historische Bestmarke bei rund 5.900 Punkten.
„Dass seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs vor allem die Öl- und Gaspreise gestiegen sind, war den Anlegern in Europa, den USA und auch in Asien offensichtlich relativ egal“, sagt Roland Zauner, Manager des „KEPLER D-A-CH-Plus Aktienfonds“, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier, um im selben Atemzug in den Raum zu stellen, dass die Situation „vielleicht falsch eingeschätzt wird“. „Die Märkte glauben nach wie vor nicht, dass der Konflikt lange dauern wird.“
Gefahr: Massiver Inflationsanstieg
„Dauert der Krieg noch lange an, ist ein massiver Anstieg der Inflation zu erwarten“, so Zauner weiter. Auch in den USA würden die Preise früher oder später steigen. Allerdings würde auch im Falle eines baldigen Endes die Inflation nicht von heute auf morgen zurückgehen. „Was man nicht vergessen darf, ist, dass im Iran durch die Angriffe viel Infrastruktur zerstört wurde, darunter auch wichtige Anlagen der Erdöl- und Gasindustrie“, sagt Zauner. Nachsatz des Experten: „Bis alles wieder funktionsfähig ist, wird es lange dauern.“
An der Börse wurde die Risikobereitschaft der Anleger zuletzt auch durch robuste Unternehmensgewinne gestützt. Als zentrale Markttreiber erwiesen sich einmal mehr vor allem Technologie- und KI-Aktien. „Wir beobachten breite Umsatzzuwächse und ein Investitionsvolumen, das bereits heute historisch ist – bei gleichzeitig moderaten Bewertungen. Jene von US-Technologieaktien liegen inzwischen wieder auf dem Niveau des Gesamtmarktes“, sieht Ann-Katrin Petersen, Leiterin Kapitalmarktstrategie Deutschland, Schweiz, Österreich und Osteuropa bei BlackRock, in einem aktuellen Kommentar gute Chancen bei KI-bezogenen thematischen Anlagen.
Kurspotenzial an der Wiener Börse
Auch an der Wiener Börse haben sich in den vergangenen Wochen interessante Einstiegsgelegenheiten bei Aktien ergeben, die weniger gut unterwegs waren. Zu den Kaufempfehlungen mit niedrigem KGV und der größten Lücke zwischen aktuellem Kurs und Kursziel zählen bei der Erste Group derzeit etwa Kontron, Palfinger, UBM und VIG. Durchaus ansehnliches Kurspotenzial bieten auch Do & Co, Verbund und Strabag. Dass etwa beim heimischen Baukonzern, nachdem die Uniqa in der vergangenen Woche ein größeres Aktienpaket platziert hat, der Streubesitz auf 20 % gestiegen ist, schätzt Erste-Group-Analystin Martina Valenta in einer aktuellen Marktanalyse als „längerfristig positiv für die Aktie“ ein.
Zauner hat nach eigenen Angaben in den letzten Wochen für seinen Fonds nur wenige Trades getätigt. Unter anderem hat er eine Uniqa-Position aufgebaut und die OMV reduziert. Ebenfalls zugekauft wurde auch der italienische Gasversorger Italgas. Insgesamt habe zuletzt der Österreich-Anteil der Performance des KEPLER D-A-CH Plus Aktienfonds am meisten geholfen, während die deutschen und schweizerischen Positionen die Kursentwicklung belastet haben. „In der aktuellen Situation ist man mit einem breit diversifizierten Portfolio gut beraten“, empfiehlt der Kepler-Experte Anlegern abschließen.
Autor: Patrick Baldia
Das Wichtigste zum Start der Stablecoins europäischer Banken
Zwölf europäische Großbanken entwickeln digitale Währung auf Blockchain-Basis.
(19.04.2026).
1. Stablecoins wachsen rasant – und Europa zieht nach
Die globale Marktkapitalisierung von Stablecoins erreicht 2026 ein Allzeithoch von rund 315 Mrd. US‑Dollar – Tendenz stark steigend. Analysten erwarten bis 2030 ein Marktvolumen von bis zu 4 Billionen US‑Dollar. Stablecoins sind digitale Token, die 1:1 an Fiatwährungen wie Euro oder US‑Dollar gebunden sind und damit deutlich weniger volatil als Bitcoin oder andere Kryptowährungen.
2. Regulierung als Wachstumstreiber
Ein zentraler Treiber ist die Regulierung:
- In der EU gilt seit Ende 2024 die MiCA‑Verordnung – sie schafft Transparenz, Anlegerschutz und klare Regeln für Emittenten.
- In den USA trat 2025 der Genius Act in Kraft.
„Das neue regulatorische Framework ist auch für traditionelle Banken ein Booster“, sagt Christian Wolf, Head of Strategic Partnerships & Ecosystems bei der RBI.
3. Zwölf Großbanken entwickeln einen Euro‑Stablecoin
Die RBI ist Gründungsmitglied von Qivalis, einem Konsortium aus zwölf europäischen Großbanken, das einen Euro‑Stablecoin entwickelt. Laut Qivalis‑CEO Jan‑Oliver Sell soll der Start im Sommer 2026 erfolgen – das Lizenzierungsverfahren läuft.
Der Markt ist bislang stark USD‑dominiert:
- 99 % der globalen Stablecoin‑Marktkapitalisierung entfallen auf USD‑Stablecoins wie
Der Euro‑Stablecoin soll die digitale Souveränität Europas stärken und einen fragmentierten Markt verhindern.
4. Warum Euro‑Stablecoins wichtig werden
Stablecoins sind:
- digital
- schnell
- kostengünstig
- global einsetzbar
Sie ergänzen klassische Zahlungsdienste und sichern langfristig das Kerngeschäft der Banken ab.
Wichtige Use Cases:
- Cross‑Border‑Zahlungen
- Abwicklung tokenisierter Vermögenswerte
- Settlement in Echtzeit
- Automatisierte Transaktionen via Smart Contracts
5. Wie ein Euro‑Stablecoin funktioniert
Der Mechanismus ist einfach:
- Ein Kunde (Bank oder Finanzinstitut) kauft Stablecoins.
- Der Emittent hinterlegt denselben Betrag in Fiat‑Währung als Reserve.
- Bei Rückgabe der Token werden diese vernichtet („burned“) und der Fiat‑Betrag ausgezahlt.
Transaktionen können mit Smart Contracts kombiniert werden – Programme, die automatisch ausgeführt werden und unveränderlich auf der Blockchain liegen.
6. Stablecoins einfach erklärt
7. RBI sieht vier große Krypto‑Trends für 2026
Christian Wolf nennt vier Entwicklungen, die den Markt prägen:
1) B2B‑Zahlungen über Stablecoins steigen stark
Unternehmen nutzen Stablecoins zunehmend für internationale Zahlungen.
2) KI und Krypto wachsen zusammen
Agentenbasierte KI könnte künftig:
- Zahlungen ausführen
- Handelsstrategien umsetzen
- Portfolios verwalten
3) eID schafft sichere digitale Identität
Der elektronische Identitätsnachweis soll Online‑Services sicherer machen und Betrug reduzieren.
4) Schutz vor Quantencomputern
Mehrere Initiativen arbeiten an quantensicheren Verschlüsselungen, um zukünftige Risiken zu minimieren.
8. Tokenisierung als nächster Schritt
Die RBI arbeitet parallel an der Tokenisierung klassischer Assetklassen:
- Anleihen
- Zertifikate
- Edelmetalle
- Immobilien
Je nach Ausgestaltung können diese entweder MiCA‑regulierte Kryptowerte oder MiFID2‑Finanzinstrumente sein. Stablecoins bilden dabei den zentralen Abwicklungsbaustein.
⭐ Fazit: Der Euro‑Stablecoin wird ein strategischer Meilenstein für Europas Finanzsystem
Mit Qivalis entsteht erstmals ein bankengetragener Euro‑Stablecoin, der:
- regulatorisch abgesichert
- technologisch skalierbar
- institutionell akzeptiert
- geopolitisch relevant
ist.
Europa positioniert sich damit im globalen Wettbewerb um digitale Währungen – und schafft eine Alternative zu den dominierenden USD‑Stablecoins.
Autor: Patrick Baldia
Foto: Unsplash / Woliul-Hasan
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Der nächste Versuch: EU-Inc.
Florian Beckermann (17.04.2026). Alle Schaltjahre poppt aus der EU eine neue Rechtsform auf und Gesellschaftsrechtler bekommen schwitzige Hände. Die Start-up-Szene jubelt: aktueller Titel „EU-Inc.“. Nachvollziehbarer Wunsch ist die längst überfällige Schaffung einer einheitlichen europäischen Kapitalgesellschaft. Grenzüberschreitend und ohne nationale Fragmentierung. Für Investoren ein bedeutender Fortschritt: Eine standardisierte Rechtsform könnte Transaktionskosten senken, die Vergleichbarkeit erhöhen und die Kapitalmobilität innerhalb Europas stärken. Insbesondere institutionelle Investoren profitieren von klaren, harmonisierten Regeln. Was beispielsweise in den USA längst Standard ist, ist in Europa keine gemähte Wiese. Zu sehr liebt man den eigenen Saft.
Was soll die EU-Inc. können? Ziel ist es eine Gesellschaft online innerhalb von 48 Stunden unter 100 E Kosten und ohne Grundkapital zu registrieren, die europaweit bekannt ist. Ansonsten ist viel individuell ausgestaltbar – Vorteil wie Nachteil zugleich. Beispielsweise werden einige US-Elemente übernommen, das Auseinanderfallen von Firmensitz und Verwaltung – bei uns eher unbekanntes Terrain.
Rechtssicherheit für Investoren ist zentral – und genau hier liegt eine der größten Herausforderungen: Kein Notariatsakt? Welches Register? Welches Insolvenzrecht? Welche nationale Mitbestimmung oder steuerliche Behandlung? Alles unklar. Es kann ein hybrides Konstrukt mit wirren Zuständigkeiten entstehen. Für die Durchsetzbarkeit von Anlegerrechten sind einheitliche Standards für Transparenz, Haftung von Vorständen und Minderheitenschutz notwendig, um Vertrauen zu schaffen. Für Investoren wäre eine EU-Inc. nur dann attraktiv, wenn sie ein vergleichbares Maß an Rechtssicherheit bietet wie etablierte Rechtsformen in den USA.
Es ist zusätzlich davon auszugehen, dass ein regulatorischer, negativer Wettbewerb zwischen Mitgliedstaaten zu einem „Race to the Bottom“ führt, bei dem Unternehmen gezielt die laxesten Vorschriften wählen. In den USA und weltweit als so genannter „Delaware-Effekt“ bekannt. Ein Wettlauf um Laxheit des Gesellschaftsrechts. Unterschiedliche nationale Gerichte könnten dieselbe EU-Inc. unterschiedlich auslegen, was Rechtsunsicherheit erhöht und Investitionsentscheidungen erschwert.
Wenig verwunderlich sind die größten Gegner einer EU-Inc. vor allem Mitgliedstaaten mit etablierten nationalen Gesellschaftsrechten. Auch Gewerkschaften zweifeln, insbesondere wenn Mitbestimmungsrechte unter Druck geraten. Zudem stehen nationale Anwaltskammern und die Beratungsindustrie einer Vereinheitlichung teils skeptisch gegenüber, da sie von der Komplexität bestehender Systeme profitieren.
Insgesamt bietet die EU-Inc. Chancen für Anleger, insbesondere durch erhöhte Effizienz und Marktintegration. Ohne klare, durchsetzbare Regeln droht jedoch das Gegenteil: mehr Unsicherheit statt weniger. Entscheidend ist daher, ob es gelingt, rechtliche Einheitlichkeit mit effektiver Aufsicht zu verbinden und dadurch Vertrauen zu schaffen. Sonst gibt’s den nächsten Versuch.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Gefährliches Umfeld für Austro-AGs
(17.04.2026). Geopolitische Risiken stellen für die Unternehmen nicht zuletzt aus aktuellem Anlass wohl das größte geschäftliche Risiko dar. Mit dem Iran-Krieg ist die Straße von Hormus faktisch geschlossen – und damit eine ganz zentrale Exportroute. Normalerweise werden etwa 20 % des weltweiten Öl- und Erdgasaufkommens durch diese Passage transportiert. Der Preisschub bei Öl und Gas betrug in den vergangenen Wochen 60 %, erklärt Gabriel Felbermayr, Wifo-Chef, bei der aktuellen Konjunkturprognose. Dies wirkt sich unmittelbar auf Produktion und Investitionen aus und könne das Wachstum deutlich dämpfen.
Als Öl-, Gas- und Chemieunternehmen mit Aktivitäten in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Nutzung der Straße von Hormus für den Öltransport ist die OMV direkt vom Krieg betroffen. „Aufgrund der Unsicherheit und Störungen im internationalen Handel sind die globalen Öl- und Erdgaspreise infolge der militärischen Aktionen deutlich gestiegen, weitere Volatilität wird erwartet. Die Finanzergebnisse der OMV könnten durch die Unfähigkeit, Lieferverträge zu erfüllen, sowie durch die Volatilität derivativer Finanzinstrumente beeinträchtigt werden“, so das Unternehmen. OMV fördert in den VAE rund 51.000 Barrel Rohöl täglich und ist über Borealis an Borouge beteiligt, das Polymerlösungen exportiert – die Straße von Hormus ist dabei die zentrale Route.
Rohstoffpreisvolatilität wirkt sich auch auf andere Märkte, insbesondere auf EU-Emissionszertifikate, aus und erhöht die finanziellen Risiken. Zudem besteht eine Netto-Long-Position in US-Dollar aus Ölverkäufen; per Ende 2025 waren rund 222 Millionen Euro bis 2027 abgesichert.
Hohe Energiekosten
Auch für den Baustoffhersteller Wienerberger stellen Energieversorgung und -kosten ein zentrales Risiko dar. 2025 betrugen die Energiekosten 384 Millionen Euro bzw. 8,4 % des Umsatzes, verteilt auf Erdgas (55 %), Strom (39 %) und Sonstiges. Rund 70 % werden durch Termingeschäfte oder Fixpreisverträge abgesichert. Höhere Energiepreise belasten zudem die Baukonjunktur, die auch in diesem Jahr laut Wifo kein Wachstum erleben wird. Das Hauptgeschäftsrisiko Wienerbergers liegt in der Abhängigkeit vom Bauzyklus, der wiederum von Zinsen und Konsumverhalten abhängig ist. Das Wifo hat nach dem Kriegsausbruch im Nahen Osten bereits das Konsumwachstum auf 0,3 % für dieses Jahr nach unten revidiert.
Fixe Verträge und Trockenheit
Beim Maschinenbauhersteller Andritz liegt neben Konjunktur und Geopolitik ein zentrales Risiko in Großprojekten mit Fixpreisen, bei denen Kostenüberschreitungen Margen stark belasten können. Andritz verweist im Jahresbericht darauf, dass in der Vergangenheit in diesem Bereich bereits signifikante Verluste entstanden sind. Erkenntnisse aus der Vergangenheit dienen als Grundlage für die kontinuierliche Weiterentwicklung des Risikomanagements.
Beim Energieversorger Verbund sind die Risiken anders gelagert: Das A+ Rating wurde 2026 unter anderem aufgrund der schlechten Wasserführung auf „CreditWatch negative“ gesetzt. Rund 90 % der Stromerzeugung stammen aus Wasserkraft. 2025 lag der Erzeugungskoeffizient aufgrund der Trockenheit und der daraus resultierenden schlechten Wasserführung deutlich unter dem Durchschnitt. Die Produktion sank um 24,2 % und die Effizienz der Produktion um über 20 %. Solche Schwankungen traten auch früher auf und glichen sich meist aus, erklärt der Verbund in seinem Jahresbericht. Zusätzlich stellen Stürme potenzielle Gefahren für Windanlagen dar und auch bei Photovoltaikanlagen können Extremwetterereignisse die Energieerzeugung beeinträchtigen, so der Verbund.
Autor: Christian Sec
Foto: Unsplash / Sasun Bughdaryan
Das magische Dreieck der Geldanlage
Wie viel Risiko will ich in Kauf nehmen? Wie viel Rendite darf ich erwarten?
17.04.2026
Abseits geopolitischer Turbulenzen stehen Anleger immer vor derselben Kernfrage:
Wie viel Risiko bin ich bereit einzugehen, welche Rendite erwarte ich – und wie wichtig ist mir Liquidität?
Genau hier setzt das magische Dreieck der Geldanlage an – eines der wichtigsten Grundprinzipien für jede Investmententscheidung.
Was ist das magische Dreieck der Geldanlage?
Das magische Dreieck beschreibt den Zielkonflikt zwischen drei zentralen Faktoren:
- Rendite (Ertrag)
- Risiko (Schwankung und Verlustgefahr)
- Liquidität (Verfügbarkeit des Geldes)
Der Begriff „magisch“ ist dabei kein Zufall:
Alle drei Ziele gleichzeitig zu maximieren ist praktisch unmöglich.
Magisches Dreieck einfach erklärt
Risiko
Risiko bedeutet Unsicherheit. Anleger müssen damit rechnen, dass:
- der Wert einer Anlage schwankt
- Verluste entstehen
- die tatsächliche Rendite geringer ausfällt als erwartet
Rendite
Die Rendite ist der Ertrag einer Geldanlage, meist in Prozent pro Jahr.
Grundregel:
Je höher die Rendite, desto höher meist das Risiko.
Liquidität
Liquidität beschreibt, wie schnell eine Anlage zu Geld gemacht werden kann – ohne größere Verluste.
Zielkonflikt im magischen Dreieck
Das magische Dreieck der Geldanlage basiert auf einem klaren Prinzip:
- Hohe Rendite + geringes Risiko → meist geringe Liquidität
- Hohe Liquidität + geringes Risiko → meist niedrige Rendite
- Hohe Rendite + hohe Liquidität → meist hohes Risiko
👉 Anleger müssen immer einen Kompromiss eingehen.
Beispiele für das magische Dreieck in der Praxis
Sparbuch / Tagesgeld
- Risiko: sehr gering
- Rendite: sehr niedrig
- Liquidität: sehr hoch
Aktien
- Risiko: hoch
- Rendite: langfristig hoch
- Liquidität: hoch
Anleihen
- Risiko: gering bis mittel
- Rendite: moderat
- Liquidität: hoch
Immobilien
- Risiko: mittel
- Rendite: mittel
- Liquidität: gering
Welche Strategie passt zu welchem Anleger?
Die Gewichtung im magischen Dreieck hängt stark von individuellen Faktoren ab:
- Anlageziel (z. B. Altersvorsorge vs. kurzfristige Rücklage)
- Risikobereitschaft
- Anlagehorizont
- Finanzielle Situation
Eine bewährte Strategie ist die Diversifikation – also die Streuung über mehrere Anlageklassen, um Risiko, Rendite und Liquidität auszubalancieren.
Glide Path: Das magische Dreieck im Lebensverlauf
Viele Anleger passen ihre Strategie im Zeitverlauf an („Glide Path“):
- 20–40 Jahre: Fokus auf Rendite (hoher Aktienanteil)
- 40–60 Jahre: ausgewogene Mischung
- ab 60: Fokus auf Sicherheit und Liquidität
👉 Das Portfolio wird mit zunehmendem Alter konservativer.
Fazit: Warum das magische Dreieck entscheidend ist
Das magische Dreieck der Geldanlage zeigt eine zentrale Wahrheit:
Die perfekte Geldanlage gibt es nicht.
Jede Entscheidung ist ein Kompromiss zwischen:
- Rendite
- Risiko
- Liquidität
Wer dieses Prinzip versteht, trifft langfristig bessere Investmententscheidungen – und bleibt auch in turbulenten Marktphasen strategisch stabil.
Autor: Red./ks
Foto: Adobe Stock / Kebox
Lösungen gegen Wasserknappheit: Welche Aktien und Fonds profitieren
Die Ressourcen sind begrenzt, der Verbrauch steigt. Ein Brancheninvestment bietet Chancen.
Wasser wird weltweit knapper: Landwirtschaft, Klimawandel und marode Infrastruktur treiben den Verbrauch. Welche Unternehmen Lösungen bieten und wie Anleger profitieren können. Von Wasser-Aktien bis Wasser-Fonds.
Der Weltwassertag am 22. März gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die Vereinten Nationen riefen ihn 1992 ins Leben, um das Bewusstsein für die globale Wasserknappheit zu stärken. Obwohl die Erde zu zwei Dritteln aus Wasser besteht, sind nur 0,5 % als Trinkwasser nutzbar – und der Zugang dazu wird für immer mehr Menschen eingeschränkt.
Wasserreserven unter Druck – Landwirtschaft als größter Verbraucher
Die weltweiten Reserven geraten zunehmend unter Stress. 70 % des globalen Wasserverbrauchs entfallen auf die Landwirtschaft, Tendenz steigend. Klimawandelbedingte Dürren und Hitzephasen verschärfen die Lage zusätzlich. Auch Europa ist betroffen: Auf Zypern hat sich die Wasserknappheit im Winter weiter verschärft. Die Regierung prüft daher den Einsatz zusätzlicher Entsalzungsanlagen – ein Ansatz unter vielen.
Bevölkerungswachstum und Urbanisierung erhöhen den Bedarf
Tanja Gudjons von BNP Paribas Asset Management verweist auf einen zentralen Treiber: das starke Bevölkerungswachstum. Bis 2050 werden laut UN rund zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben. Parallel schreitet die Urbanisierung in Schwellenländern voran, wodurch mehr Menschen an Wasser- und Abwassersysteme angeschlossen werden müssen.
Auch in Industrienationen besteht Handlungsbedarf: marode Leitungen und veraltete Infrastruktur erfordern umfassende Sanierungen. Die Industrie verstärkt den Trend zusätzlich – etwa durch den Bau neuer Datenzentren, deren Kühlung große Wassermengen benötigt. Gudjons Fazit: „Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist der Wasserverbrauch weltweit um 600 % gestiegen.“
Politik reagiert: EU‑Bericht zeigt alarmierende Zustände
Laut dem jüngsten Bericht der Europäischen Kommission befinden sich nur 39,5 % der Oberflächengewässer in einem guten ökologischen Zustand. Noch kritischer: Nur 26,8 % erreichen einen guten chemischen Zustand, vor allem wegen toxischer Schadstoffe.
Die EU fordert daher:
- schnellere Sanierung belasteter Gewässer
- bessere Anpassung an Dürreperioden
- stärkere grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Wasser-Fonds: Firmen mit Lösungen für das Wasser
Für Anleger ergeben sich aus diesen Entwicklungen strukturelle Investmentchancen. Zahlreiche Unternehmen bieten Technologien, Infrastruktur oder Dienstleistungen rund um Wasseraufbereitung, Effizienz und Versorgung.
Pictet‑Water
Pictet-Water: ISIN LU0104884860 ist der bekannteste und größte Wasserfonds. Investiert global in Unternehmen aus Wasseraufbereitung, Infrastruktur, Versorgung, Effizienztechnologien.
KBI Global Sustainable Water Fund
Der zentrale Wasserfonds von KBI ISIN: IE00B5630V84 bietet einer der ältesten thematischen Wasserstrategien weltweit.
Beispiele für Wasser-Aktien aus dem KBI‑Portfolio:
- Xylem (USA): Geräte für Wasser‑ und Abwasseranwendungen
- Kurita Water Industries (Japan): Wasseraufbereitung und industrielle Lösungen
- Veolia (Frankreich): Versorger, größte Einzelposition im Fonds
Geografisch entfallen über 50 % des Fondsvermögens auf die USA, gefolgt von UK und Japan.
BNP Paribas Funds Aqua Fonds (WKN: A14UBQ). Im Fonds ist ähnlich strukturiert und enthält unter anderem:
- American Water Works (USA) – führender Wasserversorger
- Linde (Irland) – Industriegase und Wasseraufbereitung
Wasser-ETFs
- iShares Global Water UCITS ETF: Bildet den S&P Global Water Index ab.
- L&G Clean Water UCITS ETF: Fokus auf sauberes Wasser.
- Global X Clean Water UCITS ETF: Kerninvestments konzentrieren sich auf Aufbereitung und Infrastruktur.
Autorin: Raja Korinek.
Foto: Ricardo Niels Mayer / Fotolia
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Batterie-Aktien: Warum ETFs um bis zu 140 Prozent in einem Jahr gestiegen sind
Das neue deutsche Altersvorsorgedepot – ein Vorbild?
Kommentar von Florian Beckermann (10.04.2026)
Deutschland schafft Fakten: Das neue Altersvorsorgedepot kommt
Während die Regierung/en) in Österreich seit 2011 über die Verbesserung der Altersvorsorge sinniert(en), schafft man in Deutschland Fakten. Die performance-schwache Riester-Rente wird in Pension geschickt. Ein neues „Altersvorsorgedepot“ wird ab 2027 einfacher und renditestärker sein. Die Fortschritte sind bemerkenswert, aber nicht unproblematisch.
Während die Regierung in Österreich noch über die Verbesserung der Altersvorsorge sinniert (seit 2011), schafft man in Deutschland Fakten. Die performance-schwache Riester-Rente wird in Pension geschickt. Ein neues „Altersvorsorgedepot“ wird ab 2027 einfacher und renditestärker sein. Die Fortschritte sind bemerkenswert, aber nicht unproblematisch.
Wie das Altersvorsorgedepot Deutschland funktioniert
Im Kern handelt es sich um ein staatlich gefördertes Depot, in das Sparer regelmäßig Geld einzahlen. Vor allem soll in breit gestreute Kapitalanlagen wie Fonds oder ETFs investiert werden. Anders als bei der Riester-Rente gibt es keine Kapitalgarantie mehr. Ziel ist es, langfristig höhere Renditen zu ermöglichen. Der Staat fördert das Sparen weiterhin: Statt komplizierter Zulagen gibt es künftig prozentuale Zuschüsse auf die eigenen Einzahlungen. Für kleinere Sparbeträge ist die Förderung besonders hoch, wodurch vor allem Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen profitieren sollen. Zusätzlich können Sparer flexibel selbst entscheiden, wie ihr Geld angelegt wird. Die Auszahlungsphase ist gestaltbar: zwischen lebenslanger Rente und zeitlich begrenzten Auszahlungsplänen. Gleichzeitig bleibt für sicherheitsorientierte Personen die Option bestehen, Produkte mit teilweiser oder vollständiger Kapitalgarantie zu wählen – wieder eine Kostenfrage. Technisch wird ein einfach zu führendes Standarddepot eingeführt, mit gedeckelten Kosten (1 %), das über Basisfunktionen verfügt. Hier sollen Wettbewerb und Transparenz geschaffen werden. Möglicherweise soll dies mit Hilfe eines staatlichen „Bürgerkontos“ als Wettbewerber geschehen.
Systemwechsel: Vom Garantieprodukt zum kapitalgedeckten Altersvorsorgedepot
Insgesamt lässt sich das neue Altersvorsorgekonto als Systemwechsel beschreiben: Weg von garantiebasierten, oft renditeschwachen Versicherungsprodukten hin zu einem stärker kapitalmarktorientierten, flexibleren und einfacheren Vorsorgemodell mit staatlicher Förderung. Mit allen dazugehörigen Bedenken.
Kritikpunkte: Wo das Altersvorsorgedepot Deutschland Lücken hat
Alles gut? Nein. Eine direkte Beteiligung am Aktienmarkt ist nicht vorgesehen. ETF-Sparpläne sind bereits weitgehend billiger zu bekommen. Die Fondsindustrie darf sich freuen. Spannend wird ebenso das Bürgerkonto: Wird man seitens des Staates hier lenkend eingreifen? Die Paternalisten laufen Sturm: Sparer seien den Schwankungen der Kapitalmärkte ausgesetzt. Das höchste Anlagerisiko schlechthin. Die Argumente kennt man.
Fazit: Was Österreich vom Altersvorsorgedepot Deutschland lernen kann
Fazit: Deutschland lernt. Die unbeliebte Riester-Rente hat zurecht ein Ende gefunden. Nun wagt man (endlich) mehr Freiheitsgrade für die Anleger. Die Unterstützung der Eigenverantwortung des Anlegers ist eine gute Entscheidung. Warum in den zugelassenen Produktklassen keine europäischen Aktiendirektinvestments erlaubt sein sollen, erschließt sich dabei jedoch nicht. Die Kosten werden entscheidend für den Erfolg des neuen Modells sein. Für Österreich finden sich positive Ansätze – noch flexibler und billiger scheint leicht möglich.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Mehr Sicherheit mit Qualitätsaktien
Im aktuellen Umfeld halten Experten eine moderat defensive Positionierung für sinnvoll.
(10.042026). Ein sofortiges Ende des Iran-Krieges zeichnet sich trotz Entspannungssignale und einem ersten Waffenstillstand weiter nicht ab. Auch wenn sich die Aktienmärkte bislang erstaunlich resilient gezeigt haben, und die Anleger offensichtlich nicht von einer nachhaltigen Störung der globalen Lieferketten ausgehen, steht für Experten fest: Ein länger andauernder Konflikt oder ein sich ausweitender Konflikt stellt ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar. „Insbesondere ein signifikanter Anstieg der Ölpreise könnte den inflationären Druck erhöhen und die Handlungsspielräume der Zentralbanken einschränken“, meint Karin Kunrath, CIO bei Raiffeisen Capital Management, zum Börsen-Kurier.
„Vor diesem Hintergrund erscheint eine moderat defensivere Positionierung aktuell sinnvoll – insbesondere für Anleger mit kürzerem Anlagehorizont oder erhöhter Risikosensitivität“, so Kunrath weiter. Eine vollständige Risikoaversion hält sie jedoch – „auf Basis des aktuellen Wissensstands“ – nicht für angebracht, „da strukturelle Wachstumstreiber weiterhin intakt sind“. Für Anleger könnte daher derzeit eine Mischung aus Sicherheit und Qualität – sprich nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen, stabilen Cashflows und resilienten Geschäftsmodellen – sowie Wachstumspotenzial der richtige Zugang sein. Nicht zuletzt auch aufgrund der jüngsten positiven Prognosen für das globale Gewinnwachstum.
„Zinssenkungen komplett ausgepreist“
„Im aktuellen Umfeld wäre ich mit Aktien, die schwache Bilanzzahlen aufweisen, etwas vorsichtiger, weil Zinssenkungen derzeit komplett ausgepreist sind und Firmen, die eine starke Bilanzstruktur haben und solide finanziert sind, profitieren sollten“, sagt auch Wilhelm Spitaler, Leiter Portfoliomanagement bei Erste Asset Management, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Unternehmen, die auf der Finanzierungsseite schlechter aufgestellt sind, würde ein möglicher Zinsanstieg über Gebühr unter Druck setzen. „Qualitätsfirmen sind hingegen tendenziell weniger verschuldet, gut mit Eigenkapital ausgestattet und bieten hohe Renditen.“
Mit zu defensiven Titeln – etwa aus den Bereichen Telekom und Konsum – tut sich Spitaler hingegen „etwas schwer“. „Sie bieten wenig Wachstumschancen, dafür aber stabile Erträge und relativ gute Dividenden.“ Mit dem von ihm gemanagten Erste Stock Quality (AT0000A2HV66) ist er stark in US-Titeln investiert. In den USA finde man auch die interessantesten Qualitätsaktien, die gleichzeitig auch Wachstumschancen bieten würden, erklärt er. Ein Blick auf die aktuelle Positionierung: Mit rund 35 % ist Informationstechnologie die größte Sektorenposition, gefolgt von Industrie (Anteil: 21 %) und Kommunikationsdienste (12 %). Zu den Top-10-Unternehmen gehören Novartis, ABB, ASML Holding, Amazon, Apple und Meta.
Experten-Tipps: Konsum, Versorger, Gesundheit
„Wir sind gerade dabei, die Zusammensetzung unseres Portfolios zu revidieren und werden wahrscheinlich den IT-Bereich abbauen und uns stärker in Richtung Konsum, Gesundheitswesen und Versorgungsbetriebe positionieren“, so Spitaler. Auch Industrieunternehmen werde man zukaufen, etwa aus dem Bereich Rüstung und Verteidigung. „Diese Aktien werden in Zukunft eine stärkere Rolle in Qualitätsaktienportfolios spielen“, erklärt der Fondsmanager.
Für die Experten von Raiffeisen Capital Management bieten aktuell die Sektoren Gesundheit & Pharma, Defensiver Konsum, Versorger und Telekommunikation „interessante Ansatzpunkte“. „Sie vereinen typischerweise eine geringe Zyklizität mit stabilen Erträgen und bieten damit insbesondere in unsicheren Marktphasen eine gewisse Robustheit“, hält Kunrath abschließend fest.
Im Artikel genannte Aktien:
| Unternehmen |
ISIN |
| ABB |
CH0012221716 |
| Amazon |
US0231351067 |
| Apple |
US0378331005 |
| ASML Holding |
NL0010273215 |
| Meta |
US30303M1027 |
| Novartis |
CH0012005267 |
Autor: Mag. Patrick Baldia
Foto: Adobe Stock / Andrei / mit KI generiert
Internationale Dividendenaktien mit mehr als 5 % Rendite
Tabak, Energie, Versorger und Finanzwerte – eine ertragsstarke Mischung.
10.04.2026. Historische Kapitalmarktanalysen belegen die zentrale Rolle von Ausschüttungen für den langfristigen Vermögensaufbau. Laut einer umfassenden Studie von Guinness Global Investors trugen Dividenden und deren Reinvestitionen im Zeitraum von Anfang 1941 bis Ende 2019 im S&P 500 über rollierende 20-jährige Veranlagungshorizonte zu rund 57 % zur gesamten Performance bei. Dabei sollte auch die Ausschüttungsstabilität beachtet werden.
Dividendenaristokraten: Resilienz in kritischen Marktphasen
Kontinuierliche Erträge sind für Anleger ein entscheidendes Qualitätsmerkmal, insbesondere bei Titeln mit überdurchschnittlicher Dividendenrendite.
Besonders robust zeigen sich die sogenannten Dividendenaristokraten. Das sind Unternehmen im S&P 500, die ihre Ausschüttungen seit mindestens 25 Jahren ununterbrochen steigern. Eine Analyse von S&P Dow Jones Indices (1990 bis Februar 2025) zeigt: In Monaten mit Kursverlusten erzielten Dividendenaristokraten eine durchschnittliche Überrendite von 0,87 Prozentpunkten gegenüber dem Gesamtmarkt.
Laut einer Untersuchung der S&P Dow Jones Indices LLC über den Zeitraum 1990 bis Ende Februar 2025 erzielten die S&P 500-Dividendenaristokraten in Monaten mit Kursverlusten eine durchschnittliche Überrendite von 0,87 Prozentpunkten gegenüber dem breit angelegten Referenzindex. Deshalb ist ein hohes Maß an Ertragskontinuität ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl von Dividendentiteln mit überdurchschnittlicher Dividendenrendite. In diesem Sinne wurden auch die nachfolgenden Werte von uns ausgewählt.
Fünf Qualitätswerte mit stabilen Ausschüttungen
1. Enbridge – Infrastrukturwert mit planbaren Cashflows
Der nordamerikanische Pipelinebetreiber Enbridge zählt zu den wichtigsten Infrastrukturunternehmen des Kontinents. Highlights:
- größtes Pipeline‑Netz Nordamerikas
- transportiert rund 20 % des US‑Erdgasverbrauchs
- gebührenbasierte Einnahmen sorgen für stabile Cashflows
- langfristiges Ebitda‑Wachstum: 5–7 % p.a. realistisch
- 31 Jahre in Folge steigende Dividenden
- durchschnittliches Dividendenwachstum 1995–2026: 9 % p.a.
- aktuelle Dividendenrendite: 5,15 %
Damit zählt Enbridge zu den attraktivsten defensiven Dividendenwerten im globalen Infrastruktursektor.
2. Elisa – defensiver Telekomwert aus Finnland
Das finnische Telekomunternehmen Elisa profitiert vom 5G‑Ausbau und einem wachsenden Softwaregeschäft. Kennzahlen:
- Gewinnwachstum pro Aktie 2014–2025: 4,8 % p.a.
- Dividendenwachstum im selben Zeitraum: 5,6 % p.a.
- stabile Cashflows dank defensivem Geschäftsmodell
Telekomunternehmen gelten traditionell als konjunkturresistent, was Elisa zu einem verlässlichen Dividendenwert macht.
3. Enel – europäischer Versorger mit solider Ausschüttung
Der italienische Stromversorger Enel steigerte 2025 den Gewinn pro Aktie um 6,2 % auf 0,69 Euro. Die Dividende wurde von 0,47 auf 0,49 Euro erhöht – bei einem Kurs von 9,75 Euro ergibt das eine Dividendenrendite von 5 %.
Enel profitiert von seiner internationalen Aufstellung und dem strukturellen Trend zu erneuerbaren Energien.
4. Intesa Sanpaolo – italienische Bank mit hoher Dividendenkraft
Die Großbank Intesa Sanpaolo überzeugt durch solide Bilanzkennzahlen:
- Moody’s Rating (Senior Unsecured): A3
- CET1‑Ratio: 13,9 %
- niedriger Anteil notleidender Kredite
Die Dividende pro Aktie wurde von 0,14 Euro (2015) auf 0,341 Euro (2024) gesteigert. Aktuelle Dividendenrendite: rund 7 %.
Damit zählt Intesa zu den stärksten Dividendenzahlern im europäischen Bankensektor.
5. Altria – US‑Tabakkonzern mit beeindruckender Ausschüttungshistorie
Trotz regulatorischer Risiken bleibt Altria ein Dividendenriese:
- 55 Jahre Dividendenhistorie
- 59 Dividendenerhöhungen
- Dividendenrendite: 6,45 % (Kurs 65,76 USD)
- Gewinnwachstum pro Aktie 2020–2025: 11,4 %
- Ziel bis 2028: Wachstum im mittleren einstelligen Bereich
Für einkommensorientierte Anleger bleibt Altria ein verlässlicher Ausschütter.
Fazit: Dividenden sind ein Schlüsselbaustein für den langfristigen Vermögensaufbau
Ob Infrastruktur, Telekom, Versorger, Banken oder Konsumgüter – Unternehmen mit stabilen Ausschüttungen und robusten Geschäftsmodellen bieten Anlegern in volatilen Marktphasen Orientierung und Ertragskraft. Die vorgestellten Titel zeigen, dass Qualität, Kontinuität und Resilienz entscheidende Faktoren für nachhaltigen Anlageerfolg sind.
Im Artikel genannte Aktien:
| Unternehmen |
ISIN |
Dividendenrendite |
KGV 2027e |
| Intesa Sanpaolo |
IT0000072618 |
7,04 % |
8,5 |
| Altria Group |
US02209S1033 |
6,45 % |
11,5 |
| Elisa |
FI0009007884 |
5,79 % |
16,0 |
| Enbridge |
CA29250N1050 |
5,15 % |
22,9 |
| Enel |
IT0003128367 |
5,02 % |
13,1 |
Datenerhebung 3. April 12:45 Uhr; Quellen: MarketScreener und Unternehmen
Autor: Michael Kordovsky
Foto: Adobe Stock / Looker Studio
Iran-Krieg macht Clean Energy wieder attraktiver
Erleben Investments in erneuerbare Energien in Folge hoher Ölpreise eine Renaissance?
10.04.2026. Die jüngsten geopolitischen Spannungen im Nahen Osten zeigen drastisch, wie abhängig die Weltwirtschaft weiterhin von fossilen Energieträgern ist. Die Abwandlung eines berühmten Goethe‑Zitats bringt es auf den Punkt: „Nach Öl und Gas drängt, am Öl und Gas hängt doch alles.“ Mit der Sperre der Straße von Hormus – einer der wichtigsten Energiearterien der Welt – und dem Angriff auf die Gasverflüssigungsanlage Ras Laffan in Katar sind die Preise für Öl und Gas sprunghaft gestiegen. Rund 20 Prozent der globalen Öl‑ und LNG‑Transporte liefen bis zum Iran‑Konflikt durch diese Meerenge. Die Folgen sind weltweit spürbar.
Teure Energie: Die unmittelbaren Auswirkungen
Die Preissteigerungen treffen Konsumenten und Unternehmen gleichermaßen:
- Tanken wird teurer, weltweit.
- Industrie und Produktion leiden unter höheren Energiepreisen.
- Inflationäre Effekte werden mit Verzögerung sichtbar.
- Selbst Elektroautofahrer profitieren nur kurzfristig – rund 30 Prozent des europäischen Stroms stammen weiterhin aus fossilen Quellen.
Der Konflikt wird damit nicht nur Energie, sondern auch Wohlstand kosten.
Ruf nach Alternativen: Clean Energy rückt wieder in den Fokus
Mit steigenden Preisen wächst der Druck auf Politik und Wirtschaft, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren. Clean Energy – insbesondere Photovoltaik, Windkraft und Wärmepumpen – erlebt einen deutlichen Nachfrageanstieg.
Beispiele aus dem DACH‑Raum:
- Eon meldet seit Beginn des Iran‑Konflikts eine Verdoppelung der Nachfrage nach Photovoltaik‑Anlagen.
- Enpal verzeichnet 70 Prozent mehr Anfragen als im Vormonat.
Die geopolitische Lage wirkt damit wie ein Katalysator für Investitionen in erneuerbare Energien.
Clean Energy im Marktcheck: Warum die Branche zuletzt schwächelte
Trotz langfristiger Wachstumsperspektiven hatten viele nachhaltige Energieunternehmen in den vergangenen drei Jahren mit Gegenwind zu kämpfen:
- Gestiegene Zinsen machten Projekte weniger rentabel.
- Viele kleinere Hersteller hatten die Abkehr von Nullzinsen nicht einkalkuliert.
- Förderbedingungen und Einspeisevergütungen verschlechterten sich.
- Der Kapitalmarkt entzog Clean‑Energy‑Titeln zeitweise massiv Vertrauen.
Finanzexperte Robert Zepnik bringt es auf den Punkt: Viele Unternehmen hätten die Zinswende „nicht am Radar“ gehabt – mit spürbaren Folgen für Wirtschaftlichkeit und Rendite.
Trendwende: Clean‑Energy‑Investments holen wieder auf
Die jüngsten Daten zeigen eine klare Erholung:
- In der Ein‑Jahres‑Betrachtung holen viele Solar‑, Wind‑ und Clean‑Energy‑Fonds sichtbar auf.
- Die YTD‑Performance 2026 bestätigt diesen Trend.
- Seit Beginn des Iran‑Konflikts am 28. Februar zeigt sich ein deutlicher Rebound.
Während klassische Indizes wie S&P 500, EuroSTOXX 50 und sogar Gold Verluste verzeichneten, konnten sich nachhaltige Energieinvestments vergleichsweise stabil behaupten.
So kletterte der Kurs des Pictet – Clean Energy Transition Fonds (ISIN: LU0280435388) binnen weniger Tage um fast sechs Prozent in die Höhe.
Fazit: Clean Energy wird zur strategischen Notwendigkeit
Die geopolitischen Ereignisse verdeutlichen, wie verletzlich die globale Energieversorgung bleibt. Gleichzeitig zeigen sie, dass Clean Energy nicht nur ein ökologisches, sondern zunehmend ein ökonomisches und geopolitisches Sicherheitsprojekt ist.
- Erneuerbare Energien reduzieren Abhängigkeiten.
- Sie stabilisieren langfristig Energiepreise.
- Sie bieten Anlegern Chancen in einem strukturell wachsenden Markt.
Die aktuelle Krise könnte damit zum Wendepunkt werden – hin zu einer Energiezukunft, die weniger von Krisenregionen und fossilen Preisschocks abhängig ist.
Autor: Andres Dolezal
Foto: Adobe Stock / Adam 21
Ökostrom: Warum viele Anbieter grün werben, aber wenige liefern
5.5.2026
Österreichs Strommarkt im Wandel
Der österreichische Strommarkt befindet sich seit 2022 in einer Phase intensiver Transformation. Der Anteil erneuerbarer Energien liegt bereits bei über 80 % und soll bis 2030 weiter steigen. Ab 2040 soll die Stromerzeugung vollständig CO₂‑frei erfolgen. Parallel dazu gewinnen dynamische Tarife an Bedeutung, weil sie Netzstabilität fördern und Lastspitzen reduzieren.
Ökostrom-Angebote: Viele Labels, wenig echte Qualität
Österreich hat 129 Stromanbieter, davon werben über 120 mit Ökostrom. Doch laut den Stromanbieter‑Checks von WWF und GLOBAL 2000 erfüllen nur zwei Anbieter die höchsten Qualitätsstandards. Weitere rund zwölf Anbieter gelten als solide Grünstromanbieter mit nachweislich hochwertiger Erzeugung.
Warum so viele „Ökostromanbieter“?
- Österreich hat eine gesetzliche Stromkennzeichnungspflicht
- viele Anbieter nutzen Herkunftsnachweise (HKN) aus dem Ausland
- Zertifikate können Strom „grün färben“, ohne dass er aus neuen erneuerbaren Anlagen stammt
Das erklärt, warum viele Tarife als Ökostrom gelten, aber nur wenige tatsächlich zur Energiewende beitragen.
Die wichtigsten Ökostromanbieter 2026
Top‑Ökostromanbieter laut Umweltschutzorganisationen
- AAE Naturstrom – österreichisches Familienunternehmen, hohe Eigenerzeugung, österreichweit lieferbar
- WEB Windenergie AG – privates Windkraftunternehmen, starker Ausbau, österreichweit verfügbar
Solide Anbieter
- oekostrom AG – größter unabhängiger Ökostromanbieter, eigene Wind‑ und PV‑Erzeugung
- illwerke vkw – hohe Eigenerzeugung, klare Klimastrategie
Neue Tarifmodelle: Dynamisch & flexibel
Die oekostrom AG hat zwei innovative Produkte vorgestellt:
- oeko spot+ – dynamischer Tarif mit Preisinfos in Echtzeit
- smartSparen – automatische Steuerung von Großgeräten (z. B. Wärmepumpen, E‑Autos) über Preissignale
Ziel ist es, Preisschwankungen zu nutzen, ohne Komfort einzubüßen. Der Kunde soll nicht merken, was im Hintergrund passiert.
Ökostrom-Tarife im Vergleich
Ein Vergleich der 15 größten Anbieter zeigt deutliche Preisunterschiede:
- oekostrom AG: 2,00 ct/kWh, keine Servicepauschale
- e‑friends: 7,90 ct/kWh + 6,98 € Servicepauschale/Monat (Stand: 12.5.2026)
Die Preisunterschiede entstehen fast ausschließlich beim Energiepreis, nicht bei den Netzkosten.
Was kostet 1 kWh Strom in Österreich?
Ein Haushalt mit rund 3.500 kWh Jahresverbrauch zahlt aktuell – inklusive Netzkosten, Steuern und Abgaben – 23 bis 35 Cent pro kWh. Der Durchschnittspreis liegt bei 29 Cent/kWh (April 2026).
Laut E‑Control unterscheiden sich die Energiepreise der Anbieter um bis zu 60 %. Ein Lieferantenwechsel bleibt daher der wichtigste Hebel, um Stromkosten zu senken.
Einspeisetarife für PV‑Haushalte
Aktuelle Einspeisetarife für überschüssigen PV‑Strom variieren je nach Anbieter deutlich. Vergleichsplattformen zeigen:
- fixe Einspeisetarife
- variable Spotmarkt‑Modelle
- regionale Unterschiede
Für viele Haushalte lohnt sich ein jährlicher Tarifcheck.
Fazit: Österreich bleibt Ökostrom‑Vorreiter – aber Qualität entscheidet
Österreich hat einen der höchsten Anteile erneuerbarer Energie in Europa. Doch trotz über 120 Ökostrom‑Labels erfüllen nur wenige Anbieter die höchsten Standards. Dynamische Tarife, Smart‑Meter‑Modelle und flexible Verbrauchssteuerung werden 2026 zum neuen Normal. Für Haushalte gilt: Tarife vergleichen, Herkunft prüfen, Energiepreis im Blick behalten.
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Noch eine etwas ausführlichere Version
Alles klar, Anneliese — hier kommt eine etwas ausführlichere, aber weiterhin kompakte, österreich‑fokussierte, journalistisch klare Version. Sie bleibt seriös, faktenbasiert, nicht zu lang, und eignet sich perfekt für Börsen‑Kurier, Startseite oder Newsletter.
Ich habe die Struktur leicht erweitert, damit der Artikel runder, vollständiger und professioneller wirkt — ohne auszuschweifen.
⭐ Ökostrom‑Entwicklung in Österreich: Markt, Qualität & Tarife 2026
Österreichs Energiemarkt im Wandel
Der österreichische Strommarkt befindet sich seit 2022 in einer Phase tiefgreifender Veränderung. Der Anteil erneuerbarer Energien liegt bereits bei über 80 %, getragen vor allem von Wasserkraft, Windkraft und Photovoltaik. Bis 2030 soll dieser Anteil weiter steigen, und ab 2040 strebt Österreich eine vollständig CO₂‑freie Stromerzeugung an. Parallel dazu gewinnen dynamische Tarife an Bedeutung, weil sie Netzstabilität fördern und Lastspitzen reduzieren.
Ökostrom-Angebote: Viele Labels, wenig echte Qualität
Österreich verfügt über 129 Stromanbieter, und mehr als 120 davon bewerben ihre Tarife als Ökostrom. Doch laut den regelmäßigen Stromanbieter‑Checks von WWF und GLOBAL 2000 erfüllen nur zwei Anbieter die höchsten Qualitätsstandards. Weitere rund zwölf Anbieter gelten als solide Grünstromanbieter mit nachweislich hochwertiger Erzeugung.
Warum gibt es so viele „Ökostromanbieter“?
- Österreich hat eine gesetzliche Stromkennzeichnungspflicht
- viele Anbieter nutzen Herkunftsnachweise (HKN) aus dem Ausland
- Zertifikate können Strom „grün färben“, ohne dass er aus neuen erneuerbaren Anlagen stammt
Damit erklärt sich, warum über 120 Anbieter Ökostrom bewerben, aber nur wenige tatsächlich einen Beitrag zur Energiewende leisten.
Die wichtigsten Ökostromanbieter 2026
Top‑Ökostromanbieter laut Umweltschutzorganisationen
- AAE Naturstrom – österreichisches Familienunternehmen, hohe Eigenerzeugung, österreichweit lieferbar
- WEB Windenergie AG – privates Windkraftunternehmen, starker Ausbau, österreichweit verfügbar
Solide Anbieter
- oekostrom AG – größter unabhängiger Ökostromanbieter, eigene Wind‑ und PV‑Erzeugung
- illwerke vkw – hohe Eigenerzeugung, klare Klimastrategie
Neue Tarifmodelle: Dynamisch, flexibel und digital
Die Digitalisierung des Strommarkts schreitet voran. Mit einer Smart‑Meter‑Abdeckung von über 90 % ist Österreich eines der führenden Länder Europas. Dynamische Tarife werden dadurch massentauglich.
Die oekostrom AG hat zwei neue Produkte vorgestellt:
- oeko spot+ – dynamischer Tarif mit Preisinfos in Echtzeit
- smartSparen – automatische Steuerung von Großgeräten (Wärmepumpen, E‑Autos) über Preissignale
Ziel ist es, Preisschwankungen zu nutzen, ohne Komfort einzubüßen. Der Kunde soll nicht merken, was im Hintergrund passiert.
Beim Tarif „Oeko Spot+“ erhalten Oekostrom-Kunden auf ihr Smartphone Informationen darüber, wann der Strompreis günstig ist. Das ermögliche es beispielsweise, Waschmaschinen oder Geschirrspüler so zu programmieren, dass Kosten gespart werden.
Bei der Option Smart sparen werden Großgeräte wie Wärmepumpen oder E-Autos über Preissignale von der Oekostrom von außen gesteuert. Dabei werde aber gewährleistet, dass bei der Raumheizung Temperaturschwellen nicht unterschritten werden. Und bei E-Fahrzeugen wird der Ladevorgang zwar gestoppt, wenn der Strom teuer ist, gleichzeitig aber sichergestellt, dass der gewünschte Ladestatus zu einem bestimmten Zeitpunkt erreicht ist. Oberste Prämisse sei es gewesen, den Komfort der Kunden nicht einzuschränken: „Der Kunde soll nicht merken, was im Hintergrund passiert“, so Steiner.
Hier geht es zum Chart, der die tägliche Spotpreisentwicklung anzeigt: SPOT Preis – oekostrom AG.
Ökostrom-Tarife im Vergleich
Ein Vergleich der 15 größten Anbieter zeigt deutliche Preisunterschiede:
- oekostrom AG: 2,00 ct/kWh, keine Servicepauschale
- e‑friends: 7,90 ct/kWh + 6,98 € Servicepauschale/Monat (Stand: 12.5.2026)
Die Unterschiede entstehen fast ausschließlich beim Energiepreis, nicht bei den Netzkosten.
Was kostet 1 kWh Strom in Österreich?
Ein Haushalt mit rund 3.500 kWh Jahresverbrauch zahlt aktuell – inklusive Netzkosten, Steuern und Abgaben – 23 bis 35 Cent pro kWh. Der Durchschnittspreis liegt bei 29 Cent/kWh (April 2026).
Laut E‑Control unterscheiden sich die Energiepreise der Anbieter um bis zu 60 %. Ein Lieferantenwechsel bleibt daher der wichtigste Hebel, um Stromkosten zu senken.
Einspeisetarife für PV‑Haushalte
Österreichs Haushalte werden zunehmend zu aktiven Marktteilnehmern. PV‑Anlagen, Batteriespeicher und E‑Autos machen viele zu „Prosumern“. Die Einspeisetarife variieren je nach Anbieter deutlich:
- fixe Einspeisetarife
- variable Spotmarkt‑Modelle
- regionale Unterschiede
Vergleichsplattformen zeigen, dass sich ein jährlicher Tarifcheck für PV‑Besitzer besonders lohnt.
Fazit: Österreich bleibt Ökostrom‑Vorreiter – aber Qualität entscheidet
Österreich hat einen der höchsten Erneuerbaren‑Anteile Europas. Doch trotz über 120 Ökostrom‑Labels erfüllen nur wenige Anbieter die höchsten Standards. Dynamische Tarife, Smart‑Meter‑Modelle und flexible Verbrauchssteuerung werden 2026 zum neuen Normal. Für Haushalte gilt: Tarife vergleichen, Herkunft prüfen, Energiepreis im Blick behalten. Nur so lässt sich echter Ökostrom von „grün gefärbtem“ Strom unterscheiden.
Was kostet ein 1 kWh Strom in den einzelnen Bundesländern Österreichs?
Ein Haushalt in Österreich mit rund 3.500 kWh Jahresverbrauch zahlt derzeit – inklusive Netzentgelten, Steuern und Abgaben – zwischen 23 und 35 Cent pro kWh. Der durchschnittliche Ökostrom‑Tarif liegt damit bei etwa 29 Cent pro Kilowattstunde (Stand: April 2026). Während die Netzkosten regional fix sind, unterscheiden sich die Energiepreise der Anbieter laut E‑Control um bis zu 60 %. Ein Wechsel des Stromlieferanten bleibt daher der wichtigste Hebel, um die eigenen Ökostrom‑Kosten zu senken.
Was kostet 1 kWh Strom – Strompreis in Österreich 2026
Autoren: Marius Perger
Foto: oekostrom AG
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Ökostrom Tarife in Österreich 2026: Preise, Kostenstruktur & Sparpotenzial für Haushalte
Österreichs Bankenabgabe: “15 Jahre sind genug!”
Kommentar von Aktionärsschützer Florian Beckermann (06.03.2026). Diskutieren wir (wieder) über Abschöpfung. Die Einhebung der österreichischen Bankenabgabe steht auf dem gesetzlichen Prüfstand. Ist sie gut oder kann sie weg? In Wahrheit ist sie das, was man eine Sondersteuer nennt: Eine fiskalische Extrawurst für den Finanzsektor. Oder handelt es sich etwa um eine faire Adressierung eines überproportionalen staatlichen Risikos? Blättern wir durch die Argumente. Ökonomisch ist die Sache einfach: Steuerkosten verschwinden nicht, werden weitergegeben. Eine Bankenabgabe trifft nicht „die bösen Banker“, sondern Kreditnehmer, Sparer, Mittelständler. Wer glaubt, man könne einen zentralen Finanzintermediär verteuern, ohne die Realwirtschaft zu belasten, dem ist nicht zu helfen.
Diskutieren wir (wieder) über Abschöpfung
Die Einhebung der österreichischen Bankenabgabe steht auf dem gesetzlichen Prüfstand. Ist sie gut oder kann sie weg? In Wahrheit ist sie das, was man eine Sondersteuer nennt: Eine fiskalische Extrawurst für den Finanzsektor. Oder handelt es sich etwa um eine faire Adressierung eines überproportionalen staatlichen Risikos? Blättern wir durch die Argumente. Ökonomisch ist die Sache einfach: Steuerkosten verschwinden nicht, werden weitergegeben. Eine Bankenabgabe trifft nicht „die bösen Banker“, sondern Kreditnehmer, Sparer, Mittelständler. Wer glaubt, man könne einen zentralen Finanzintermediär verteuern, ohne die Realwirtschaft zu belasten, dem ist nicht zu helfen.
Bankenabgabe: Sondersteuer oder notwendige Risikoabgeltung?
Fiskalische Moralpolitik nach Anlass ist ein Fass ohne Boden.
Sondersteuern untergraben die Systematik des Steuerrechts. Heute die Banken und Energieversorger, morgen der Einzelhandel, Vermieter und Fahrradfahrer? Fiskalische Moralpolitik nach Anlass ist ein Fass ohne Boden. Eine zusätzliche Abgabe ist oft kein Sicherheitsinstrument, sondern ein Strafzuschlag mit Dauercharakter.
Politisch fungierte sie als aktivistisches Arzneimittel. Sie signalisierte Härte gegenüber „den Banken“, die der Steuerzahler rettete. Dass es Sparkassen, Genossenschaftsbanken und global tätige Institute mit unterschiedlichen Risikoprofilen gibt, ist egal. Eine Differenzierung stört die Dramaturgie. Also zahlt die Branche pauschal. Für 2025/26 sollen es nun 500 Millionen Euro von den Banken sein.
Die Bankenabgabe im historischen Kontext
Denkt man an die Einführung 2011 zurück, in die Schockwellen der Finanzkrise, so hatte sie den Charakter der Risikoentschädigung für den Steuerzahler – schon damals nicht zur Freude der Aktionäre. Auch wenn sie finanziell eine Fußnote darstellte. Seitdem ist viel Zeit vergangen.
Eine Regulierungslawine hat den Finanzsektor überzogen.
Basel III, CRR, CRD IV usw. sind reale Vorschriften mit realen Milliardenkosten. Eigenkapitalquoten wurden erhöht, Liquiditätspuffer aufgebläht, Stresstests ritualisiert. Wer heute eine Bank führt, verbringt mehr Zeit mit EZB-Tabellen als mit Kreditentscheidungen. Diese Maßnahmen haben die Erholung der heimischen Bankenlandschaft über ein Jahrzehnt gehemmt. Und in dieser ohnehin überregulierten Landschaft soll die Bankenabgabe bestehen bleiben?
Die Bankenabgabe ist ein Denkmal politischer Empörung und soll nun eine gut steuerbare Einnahmequelle werden.
Längst fordern europäische Verbände die Lockerung von NPL-Regeln, Kapitalbindungen, Puffern und Sicherheiten-Bewertungen. Der Finanzsektor muss sich weiterentwickeln können, sonst wird er international abgehängt. Die Bankenabgabe ist kein Bollwerk gegen Krisen, denn sie fließt nicht in eine spezifische Krisenvorsorge. Wer Stabilität will, braucht klare Regeln, keine symbolischen Strafkassen im allgemeinen Steuersack. Sie ist ein Denkmal politischer Empörung und soll nun eine gut steuerbare Einnahmequelle werden.
Fazit:
Wenn es um die Zukunft dieser Abgabe geht, so fällt das Urteil eindeutig aus: Sie kann weg. Ersatzlos! 15 Jahre sind genug. Abschöpfung ist kein nachhaltiges Steuerkonzept, sondern eine Sonderbelastung mit Strafcharakter.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
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“Anlegerschutz täglich in Gefahr” – Beckermann über ATX, HV-Saison & politische Versäumnisse. Link zur Story: Börsen-Kurier Online
Welche Strategie im Inflationskampf?
Der österreichische Aktiensparer ist aktuell mit einer enormen Teuerung konfrontiert, die durch gestiegene Energiepreise – insbesondere beim Öl und Gas – geprägt ist. Strompreise werden folgen. Das ahnt jeder. Diese Entwicklung wirkt auf die Inflation und Aktienmärkte aus. Ein Ausflug in die Grundannahmen der Volkswirtschaft.
Florian Beckermann (27.03.2026). Steigende Ölpreise erhöhen zunächst die Produktions- und Transportkosten in nahezu allen Wirtschaftssektoren. Unternehmen geben diese Kosten teilweise an Konsumenten weiter, was die allgemeine Preissteigerung antreibt. Durch breitgefächerte Indexierung kommt in Österreich die Beschleunigung der Lohn-Preisspirale hinzu, ein mitunter nachteiliger Standortsondereffekt. Im Euroraum lag die Inflation in den vergangenen Jahren deutlich über dem EZB-Zielwert, wobei Energie ein wesentlicher Treiber war. Durch die Krise im Iran tritt dieses Gesamtszenario wieder ein.
Für Aktienanleger ergeben sich daraus mehrere Effekte. Einerseits profitieren Energieunternehmen von hohen Ölpreisen, was sich in überdurchschnittlichen Kursentwicklungen dieser Branche niederschlagen kann – wenn ihnen nicht regulatorische
Ketten angelegt werden und Abschöpfung droht. Andererseits geraten energieintensive Industrien – etwa Chemie, Transport oder Teile der Produktion – unter Druck, da ihre Margen sinken. Dies führt häufig zu schwächerer Kursentwicklung.
Ein weiterer zentraler Faktor ist die Geldpolitik. Um die Inflation zu bekämpfen hat die EZB nur ein bekanntes Mittel: Zinserhöhung. Höhere Zinsen wirken sich in der Regel negativ auf Aktienbewertungen aus, da zukünftige Gewinne stärker abgezinst werden. Gerade in der jetzigen wirtschaftlichen Situation der EU kann das Anziehen der Zinsschraube toxisch für die zarte Entwicklung in Zentraleuropa wirken. Oft agieren Zentralbanken zu spät und zu schwach.
Gleichzeitig bieten steigende Zinsen Anlegern wieder Alternativen zu Aktien, etwa in Sparprodukten. Dies kann Kapital aus den Aktienmärkten abziehen und zusätzlich Druck auf die Kurse ausüben. Ein alter Hut.
Historisch betrachtet zeigen Aktienmärkte jedoch eine gewisse Anpassungsfähigkeit an inflationäre Phasen. Unternehmen mit starker Preissetzungsmacht können steigende Kosten besser weitergeben und ihre Gewinne stabilisieren. Ebenso gelten Sachwerte – darunter Aktien – langfristig als ein gewisser Schutz gegen Inflation, auch wenn kurzfristige Schwankungen erheblich sein können.
Für den Aktiensparer bedeutet dies, dass eine differenzierte Betrachtung notwendig ist. Die Entwicklung einzelner Branchen kann stark auseinandergehen. Während Energie- und Rohstofftitel profitieren können, stehen andere Sektoren vor Herausforderungen. Eine breite Diversifikation sowie ein langfristiger Anlagehorizont bleiben daher zentrale Strategien, um mit den Auswirkungen von Inflation und Energiepreisschwankungen umzugehen.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Großes Risikopotenzial durch US-Autokredite
Noch wenig beachtet brodelt in den USA eine neue Subprime-Krise.
(27.03.2026). Abseits spektakulärer Einschnitte durch die aktuelle weltpolitische Lage lauert rund um den gewichtigsten Wirtschaftszweig der Vereinigten Staaten seit Monaten weiteres Ungemach. Und es ist wohl dem erfolgreichen Aktienjahr 2025 zu verdanken, dass ein potenzieller Brandherd am US-Autokreditmarkt nicht schon im vergangenen Herbst aufloderte.
Allerdings wies die britische Tageszeitung The Guardian bereits am 17. Oktober in einem Beitrag auf womöglich dramatische Folgen durch Ungleichgewichte in dieser Geschäftssparte hin und bezeichnete die Lage als „Alarmzustand“, der für die gesamte US-Wirtschaft Folgen haben könnte.
Erst die Spitze eines Eisbergs?
Die im September erfolgte Insolvenz der, auf Subprime-Kredite für US-Gebrauchtwagen spezialisierten, texanischen Tricolor Holdings (25.000 Gläubiger wurden in Mitleidenschaft gezogen) nur als Einzelunfall um betrügerische Aktivitäten anzusehen, scheint in diesem Zusammenhang als zu kurz gegriffen. Gegenüber dem Guardian gab Jamie Dimon die eindrückliche Warnung aus: „Ist erst eine Kakerlake zu sehen, sind weitere nicht fern.“ Der CEO von JPMorgan Chase bezog sich auf den großen Umfang an Kfz-Finanzierungen, die über Jahre leichtfertig an nicht kreditwürdige Verbraucher vergeben wurden.
Auch nach Angaben des Branchenverbands Allied Finance Adjusters nehmen die Spannungen um notleidende Autokredite (Subprime-Darlehen) zu, infolgedessen auch die Anzahl der Autopfändungen. Zur Einordnung: Autokredite mit minderer Bonität machen zwar nur einen Bruchteil des gesamten Autokreditgeschäfts mit einem Volumen von 1,7 Billion US-Dollar (1,42 Billionen Euro) aus. Doch nähren sich Befürchtungen, die Zunahme notleidender Autokredite offenbare darüber hinaus Probleme einkommensschwacher Haushalte auf den Kreditmärkten. So hat der Ökonom Brett House von der Columbia Business School betont: „Schwierigkeiten bei der Autokreditvergabe werden oft als Vorbote für sich verschärfende Umstände der Wirtschaft angesehen. Denn Amerikaner mit niedrigerem Einkommen bedienen Kfz-Kreditzahlungen vorrangig.“ Somit könne der Schluss gezogen werden, die finanzielle Haushaltslage sei enorm angespannt.
Daten bestätigen Liquiditätsknappheit
Nach Angaben des Guardian sind rund 100 Millionen US-Amerikaner ins Autokreditgeschäft involviert. Die Fremdfinanzierung habe bei Neuwagen 85 % und bei Gebrauchtfahrzeugen 55 % erreicht. Nach Wohn-Hypotheken und Studentenkrediten stellten Autokredite den drittgrößten Konsumkreditmarkt in den USA dar. In den zurückliegenden Jahren hätte sich zudem der Zeitraum, der für die rechnerische Begleichung der Darlehen aufgewendet werden muss, verlängert. Nach Daten des Beratungs- und Dienstleistungsunternehmens COX Automotive waren bis 2020 dafür noch 23 Wochengehälter notwendig. 2023 mussten bereits 44 Wochengehälter aufgewendet werden und die Tendenz steige.
Unterdessen liege die monatliche Höhe der Kfz-Privatkredite im Durchschnitt bei 750 US-Dollar (646 Euro). Mit 1,73 Millionen beschlagnahmten Autos sei zudem 2024 (Daten für 2025 stehen noch aus) die Zahl gegenüber 2022 um 43 % gestiegen. Die Ratingagentur Fitch beziffert den Anteil an Autokreditnehmern mit geringer Bonität (mindestens 60 Tage mit Zahlungen im Verzug) unterdessen auf 6,5 %. Brancheninsider sehen eine offensive Nutzung von Kreditmodifikationen, um Zahlungsrückstände zu verkürzen, Zwangsvollstreckungen abzuwenden und Zeit zu gewinnen.
Carvana-Aktie als Negativ-Indikator
Der jüngste Kursrutsch (-35 % seit Mitte Jänner) der davor emporgeschossenen Aktien des US-Online-Gebrauchtwagenhändlers Carvana (er bietet auch Finanzierungen an), stellte zuletzt ein negatives Omen für den Sektor dar. Mehrfach stand das Unternehmen in der Kritik, Autokredite an Personen mit schlechter Bonität (Subprime-Kreditnehmer) zu vergeben.
Autor: Roman Steinbauer
Foto: Adobe Stock / Daria / mit KI generiert
Bitcoin: Warum hohe Kursschwankungen ein Mythos sind
Kunden fragen nach – Vermögensberater sollten Lösungen anbieten.
10.04.2026
„Entscheidend ist weniger der kurzfristige Marktimpuls, sondern die Nachfrage nach Bitcoin als Alternative zum Finanzsystem.“ – Bernhard Wenger, 21Shares.
Der gebürtige Grazer Bernhard Wenger, Head of Northern Europe bei 21Shares, einem Schweizer Finanzdienstleister, der börsengehandelte Krypto‑Produkte (ETPs) entwickelt und anbietet, spricht über die turbulenten Wochen an den Finanzmärkten, die Rolle von Bitcoin in geopolitischen Krisen und die wachsende Bedeutung von Krypto-Produkten für professionelle Anleger.
Bei Bitcoin folgt nach Kursrückgang die Erholung – weitere Szenarien
„Kurzfristig war eine Erholungsrallye absehbar, weiter Kurszuwächse sind möglich.“
Wenger sieht kurzfristig Potenzial für eine Erholung, betont aber die Abhängigkeit von geopolitischen und makroökonomischen Faktoren.
- Positives Szenario: 80.000–90.000 USD
- Seitwärtsphase bei Unsicherheit: 65.000–75.000 USD
- Eskalation: Rücksetzer auf 50.000–58.000 USD
Langfristig entscheidend sei, wie stark Bitcoin als Alternative zum bestehenden Finanzsystem nachgefragt wird.
Bitcoin im Iran-Krieg: Robust trotz geopolitischer Schocks
„Bitcoin zeigte relative Stärke und eine gewisse Entkopplung.“
Während klassische Märkte schwächelten, legte Bitcoin zeitweise +7 bis +10 % zu. Trotz hoher kurzfristiger Volatilität sieht Wenger eine überraschend robuste Performance im Vergleich zu Aktien und Gold.
Volatilität im Krypto-Markt: Mythos oder Realität?
„Die Volatilität ist in den vergangenen Jahren stetig gesunken.“
Wenger widerspricht dem gängigen Narrativ der extremen Schwankungen:
- Volatilität sinkt langfristig
- zeitweise sogar unter Gold
- Diversifikation durch Kombination mit traditionellen Assets sinnvoll
Ein Beispiel: BOLD, ein Bitcoin‑Gold‑Produkt von 21Shares, bietet ein ausgewogenes Risiko‑Rendite‑Profil.
Wie viel Krypto gehört in ein ausgewogenes Portfolio?
„Für Buy-and-Hold-Investoren liegt die typische Allokation bei 1 bis 5 %.“
Professionelle Anleger wissen um Chancen und Risiken, aber nicht jeder ist Day-Trader, so Wenger und empfiehlt:
- langfristiger Horizont
- kleine, aber gezielte Beimischung
- klare Risikodefinition
Einstieg für Anfänger: Erst verstehen, dann investieren
„Erst informieren, dann investieren.“
Krypto sei eine relativ neue Anlageklasse, die Diversifikation und langfristiges Potenzial bietet. Regulierte Produkte wie jene von 21Shares ermöglichen einen einfachen und transparenten Zugang.
MiCA-Verordnung: Mehr Transparenz und Anlegerschutz
„MiCA stärkt das Vertrauen in regulierte Krypto-Produkte weiter.“
Die EU‑Verordnung schafft einheitliche Standards. Physisch besicherte Krypto‑ETPs existieren jedoch bereits seit Jahren mit hohem Sicherheitsniveau.
Professionelle Anleger: Nachfrage steigt – Kunden üben Druck aus
„Berater sollten zumindest eine durchdachte Krypto-Lösung anbieten.“
Wenger beobachtet:
- stark steigendes Interesse bei Vermögensberatern und institutionellen Investoren
- viele große Finanzinstitute bauen Krypto-Angebote auf
- Endkunden fragen aktiv nach Krypto-Exposure
Für Berater gehe es weniger um hohe Quoten, sondern um Relevanz im Kundengespräch und eine gezielte Beimischung zur Diversifikation.
Interview: Klaus Schweinegger
Foto: 21 Shares
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Investieren in unendliche Weiten
Die Raumfahrt ist keine exotische Branche mehr, die Chancen für Anleger sind spannend.
(27.03). Der Weltraum rückt zunehmend in den Fokus – auch bei vielen Anlegern. Allein die jüngsten Pläne von Tesla-Chef Elon Musk sorgten für reichlich Aufsehen. So hat er noch vor dem geplanten Börsengang seiner Weltraumfirma SpaceX, die etwa den satellitengestützten Internetdienst Starlink betreibt, die verlustträchtige xAI übernommen. Auch die weiteren Vorhaben sind ambitioniert. So plant SpaceX den Bau von Rechenzentren im Weltall, die entsprechend im Orbit mit Photovoltaik gespeist werden sollen.
Doch die Konkurrenz schläft ebenso wenig. Der Onlinehändler und Cloud-Dienst-Anbieter Amazon ist mit 32 Satelliten auf der europäischen Trägerrakete „Ariane 6“ Mitte Februar in den Weltraum gestartet. Damit soll das bestehende Satellitennetzwerk Amazon Leo gestärkt werden. Leo steht für „Low Earth Orbit“ und umfasst die niedrige Erdumlaufbahn. Derzeit hat Amazon Leo 175 Satelliten im All.
Kommunikation als Treiber
Überhaupt finde gerade eine Revolution im All statt, konstatiert Alicia Daurignac, Analystin beim französischen Vermögensverwalter LFDE. „Mittlerweile befinden sich fast 15.000 Satelliten im Orbit“, sagt Daurignac und sieht die Satellitenkommunikation als eine der wichtigsten Wachstumsmotoren. Der Markt, der derzeit auf mehr als 20 Milliarden US-Dollar geschätzt werde, dürfte bis 2034 jährlich im Schnitt um gut 20 % wachsen, verweist die LFDE-Expertin auf Schätzungen der „United Nations Office for Outer Space Affairs“.
Private ersetzen den Staat
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt. Einst wurde der Bereich von staatlichen Agenturen dominiert. Inzwischen hat sich dieses verstärkt hin zu einem kommerziellen Wirtschaftssektor entwickelt, in dem Unternehmen aus den Bereichen Satellitentechnik, Raketenstarts, Kommunikation und anderen Weltraumanwendungen rasch wachsen, auch da die Kosten für den Zugang zum Weltall sinken. LFDE-Expertin Daurignac verweist zudem auf den steigenden Konnektivitätsbedarf. „Damit entwickelt sich die Satellitenbranche zu einem Kernbereich der Raumfahrtindustrie“.
Wer sind die Player?
Anleger können auf die Weltraumbranche etwa mit dem „Echiquier Space Fund“ setzen. Darin wurden reine Weltraum-Player wie Rocket Lab, Planet Labs und Firefly Aerospace, aber auch Karman Holdings, die in der Weltraumverteidigung mitmischt, im Februar aufgestockt. Letzterer Konzern stellt unter anderem Komponenten für Lenkwaffen und taktische Verteidigungssysteme her. Obendrein erzeugt Karman Trägerraketen, mit denen Satelliten ins All gebracht werden. Firefly Aerospace aus den USA bietet Dienstleistungen an, die Flüge zum Mond ermöglichen und Satelliten befördern.
USA dominieren
Der „VanEck Space Innovators UCITS ETF“ bildet den „MVIS Global Space Industry ESG Index“ ab und investiert in 25 Unternehmen ebenfalls vorwiegend aus den USA, die in der Raumfahrt tätig sind. Dazu zählt nebst Rocket Lab und Planet Labs etwa AST SpaceMobile. Letzteres Unternehmen arbeitet an einem satellitengestützten Breitband-Mobilfunknetzwerk, ohne dass spezielle Hardware erforderlich ist. Damit sollen Funklöcher geschlossen und eine Verbindung aus dem Weltall ermöglicht werden.
Anleger sollten aber auch die Risiken vor allem bei technologielastigen Unternehmen beachten: Solche Titel schwanken in unsicheren Zeiten oftmals stärker. Zudem werden internationale Lieferketten aufgrund des Iran-Kriegs unterbrochen, ein Umstand, der zu Lieferengpässen bei wichtigen elektronischen Komponenten führen könnte.
Autor: Mag. Raja Korinek
Foto: Getty Images für Unsplash
| Im Artikel vorgestellte Produkte und Aktien |
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| Name |
ISIN |
| Echiquier Space Fund |
LU2466448532 |
| VanEck Space Innovators UCITS ETF |
IE000YU9K6K2 |
| AST SpaceMobile |
US00217D1000 |
| Firefly Aerospace |
US31816X1063 |
| Karman Holdings |
US4859241048 |
| Planet Labs |
US72703X1063 |
| Rocket Lab |
US7731211089 |
Investieren in unsicheren Zeiten
Florian Beckermann (20.03.2026). Florian Beckermann. Auf den ersten Blick wird klar: Das Übernahmeoffert der UniCredit für die Commerzbank ist kein strategischer Geniestreich oder Griff in die Mailänder Schatzkiste. Mit einem Gebot von rund 30 E je Aktie liegt man in etwa 6 E unter den Höchstwerten der Commerzbank-Aktie der vergangenen Monate und beinahe auf dem aktuellen Börsenkursniveau. Wer sollte dazu verkaufen? Nach Monaten der Ruhe wirkt es wie ein zögerlicher Sparer-Vorstoß aus dem Off. Dabei ist eines klar, jetzt wo man den Fuß in der Tür hat und bereits der größte Einzelaktionär (ca. 30 %) ist, wird kein Cent zu viel ausgegeben. So klingt die 35-Milliarden-Gesamtoffert-Summe zwar viel, ist aber realistischerweise ein knausriger Windhauch.
Doch der Reihe nach: Nach Jahren der Restrukturierung beginnt die Bank endlich, ihre operative Stärke zu entfalten. CEO Bettina Orlopp befeuert gekonnt die gesamte Klaviatur der Wert-Treibung – sehr zur Freude der Aktionäre. Außer für diejenigen, die noch Anteile zukaufen wollen. Von rund 10 Euro kletterte die Aktie auf Höchstwerte um die 36 Euro je Aktie im Jänner. Seit ein paar Wochen erfolgt eine Aktienkurskorrektur, die die UniCredit nutzen will. Für die Aktionäre kommt das Angebot zur Unzeit und zu einem zu niedrigen Preis. Ein klassischer Übernahmeaufschlag fehlt.
Wie verhalten sich die Aktionäre? Die Bundesrepublik Deutschland (aktuell rund 12 %) hat die Commerzbank in der Finanzkrise mit Milliarden gerettet. Der Verkauf des ersten großen Anteilspaktes von rund 9 % im Jahr 2024 an UniCredit durch die Bundesrepublik ist ein schlechter Nachweis der Fähigkeiten des deutschen Finanzministeriums, um am Investmentbanking-Markt lukrativ zu reüssieren. Ein ökonomischer Offenbarungseid. Jetzt gibt man sich in Berlin zurückhaltend und zeigt sich ablehnend – nicht zuletzt gibt es politischen Druck bzw. ein Umdenken, dass UniCredit vielleicht doch nicht der richtige Partner sei.
Hat man etwa nach Österreich geschaut? Es ist kein Geheimnis, dass die UniCredit Bank Austria für die Wertschaffung in Österreich leider nur noch ein Schatten früherer Tage ist. Vielleicht mag Berlin aus dieser Erfahrung lernen und auf Commerzbank übertragen. Es ist auch kein Geheimnis, dass UniCredit Boss Andrea Orcel mit der forschen Übernahmestrategie nicht nur in Berlin, sondern auch auf dem heimischen Parkett politischen „Grant“ ausfasst und daran scheitert.
Letztlich bleibt die große Masse des Streubesitzes mit institutionellen Investoren und privaten Anlegern, die individuell strategisch einen möglichen Verkauf evaluiert und möglicherweise große Pakete anzubringen gewillt ist – oder zu dem Preisniveau eher nicht. Für Belegschaft und Management rund um Orlopp ist das Offert natürlich nicht attraktiv oder verständlich. Die eigene Entmachtung vor Augen ist das nachvollziehbar. Entscheidungen würden künftig in Mailand fallen, nicht mehr in Frankfurt. Die beinahe legendäre Commerzbank-Identität und deren Bindung an den deutschen Mittelstand würde verdampfen.
Fazit: Orcel will die Kursrallye-Pause nutzen und Fakten schaffen. Dazu will er aber keine finanzielle Überzeugungsarbeit leisten. Orlopp, Belegschaft und der Streubesitz haben daran nur bedingt Interesse, sehen sie doch in der eigenständigen Weiterentwicklung mehr Potenzial als in der UniCredit-Aktie. Fortsetzung folgt – mit Emotionen.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Energiekrise & Co: Investieren in unsicheren Zeiten
Wirtschaftliche Unsicherheit gehört zu den Konstanten an den Finanzmärkten.
(13.03.2026) Die aktuellen Kriegsgeschehnisse und die rasant steigenden Energiepreise erfordern von Anlegerinnen Anlegern wieder einmal gute Nerven. Denn die meisten Aktienkurse schmelzen fast ebenso dahin wie Schnee in der Märzsonne, Gold als Krisengewinnler legt nochmals deutlich zu und die unmittelbare Zukunft hängt von der Dauer des Krieges der USA und Israel gegen den Iran ab. Doch die Historie zeigt: Wirtschaftliche Unsicherheit gehört zu den Konstanten an den Finanzmärkten. Während kurzfristige Marktschwankungen häufig für Nervosität sorgen, zeigen historische Daten: Mit der richtigen Strategie kann man auch in schwierigen Zeiten stabile Renditen erzielen, schreiben die Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking im jüngsten Marktkommentar.
In unsicheren Zeiten geht es beim Investieren weniger darum, den perfekten Gewinn zu finden, sondern darum, Risiken zu streuen und Stabilität aufzubauen. Ob geopolitische Konflikte, steigende Zinsen, Inflationsschübe oder Rezessionsängste – mit einigen Grundregeln übersteht man auch turbulente Phasen an den Märkten.
Diversifikation als Grundprinzip
Eine der wichtigsten Regeln beim Investieren lautet für gestern, heute und morgen: Nicht alles auf eine Karte setzen. Gerade in unsicheren Marktphasen bewährt sich eine breite Streuung über verschiedene Anlageklassen, um Verluste einzelner Sektoren oder Regionen abzufedern.
Aktien sind langfristig der wichtigste Wachstumstreiber eines Portfolios. Statt jedoch auf einzelne Titel zu setzen, greifen viele Investoren auf breit gestreute Investments, also zum Beispiel passiv gemanagte Indexfonds (ETFs), zurück, die ganze Märkte abbilden. Populär sind globale Aktienindizes wie der MSCI World Index oder der FTSE All-World Index. Diese Indizes bündeln Tausende Unternehmen aus verschiedenen Regionen und Branchen und versuchen damit, das Risiko einzelner Fehlentwicklungen zu reduzieren.
Durch das Konstruktionsmodell von ETFs stellen sich aber viele Experten seit einiger Zeit die Frage nach deren Resilienz und ob diese eine sichere Basis eines gut diversifizierten Aktienportfolios bilden. Im Laufe der Jahre ist es nämlich bei ETFs zu einer extrem starken Übergewichtung von US-Aktien gekommen. Insbesondere US-Technologie-Aktien beeinflussen innerhalb dieses Segments aufgrund ihrer starken Performance maßgeblich die Kursentwicklungen. Viele große Investoren – wie z.B. der Norwegische Staatsfonds – ziehen aus dieser Entwicklung bereits die Konsequenzen und wählen andere Gewichtungsmethoden. Seit rund 6 Monaten zeigen einige aktiv gemanagte Investmentfonds, bei denen Fondsmanager Investment-Entscheidungen treffen, eine deutlich bessere Performance als passiv gemanagte Fonds.
Ergänzend dazu können Anleihen, Rohstoffe oder Liquiditätsreserven das Portfolio stabilisieren und Kursschwankungen mildern.
Neben Investments selbst spielt auch die Liquiditätsplanung eine wichtige Rolle. Eine gewisse Liquiditätsreserve verhindert, dass Anlegerinnen und Anleger in Krisenzeiten gezwungen sind, langfristige Anlagen zu ungünstigen Kursen zu verkaufen.
Durchtauchen oder laufend investieren?
„Time in the Market“ statt „Timing the Market“ ist ein oft zitierter Rat der Börsenprofis. Im deutschsprachigen Raum lautet eine ähnliche Regel „Hin und her macht Taschen leer“. Während viele Anleger versuchen, in Krisenzeiten den idealen Aus- oder Einstiegszeitpunkt zu finden, erweist sich das in der Praxis jedoch als schwierig – selbst für professionelle Investoren.
Das heißt, Kursverluste bis zu einem gewissen Maß auszuhalten, ist oft die bessere Alternative. Ein eindrückliches Beispiel lieferte der Kursverfall zu Beginn der Covid-Krise im Jahr 2020, der innerhalb kurzer Zeit wieder aufgeholt wurde. Wer die Nerven behalten hatte, wurde belohnt.
Eine Alternative ist das regelmäßige Investieren über Sparpläne. Durch den sogenannten Cost-Average-Effekt werden Anteile sowohl zu höheren als auch zu niedrigeren Kursen gekauft, wodurch sich der durchschnittliche Einstiegspreis über die Zeit glättet.
Auch eine konsequente Strategie ist Teil eines vernünftigen Vermögensplans. Profis investieren oft strikt nach dem Prinzip des antizyklischen Investierens: Das heißt, um ein stabiles Verhältnis zwischen den Assetklassen eines Portfolios, also zum Bespiel 50% Aktien und 50% Anleihen, beizubehalten, wird bei fallenden Kursen gekauft und bei steigenden verkauft.
Qualitätstitel gewinnen an Bedeutung
In volatilen Marktphasen rücken häufig qualitativ hochwertige Unternehmen in den Fokus der Investoren. Firmen mit stabilen Cashflows, starken Marktpositionen und soliden Bilanzen gelten als widerstandsfähiger gegenüber wirtschaftlichen Abschwüngen. Diese sogenannten „Blue Chips“ haben globale Geschäftsmodelle, starke Marken und vergleichsweise stabile Einnahmequellen.
Gold als Absicherung
In Zeiten wirtschaftlicher oder politischer Instabilität gewinnt häufig ein klassischer Wertspeicher an Bedeutung: Gold. Das Edelmetall wird seit Jahrhunderten als Schutz gegen Inflation, Währungsabwertung und geopolitische Risiken genutzt. Zwar wirft Gold keine laufenden Erträge ab, doch ein kleiner Portfolioanteil – zwischen fünf und zehn Prozent – kann als Absicherung gegen extreme Marktereignisse dienen.
Langfristige Perspektive entscheidend
Die wichtigste Lektion für Investorinnen und Investoren lautet jedoch: Unsicherheit ist ein fester Bestandteil der Märkte. Wer langfristig investiert, breit diversifiziert und emotionale Entscheidungen vermeidet, erhöht seine Chancen auf stabile Renditen erheblich. Krisen sorgen kurzfristig für Turbulenzen – langfristig haben sich die globalen Kapitalmärkte jedoch immer wieder als erstaunlich widerstandsfähig erwiesen. Für disziplinierte Investoren können gerade unsichere Zeiten daher auch Chancen bieten.
Eine Mischung aus Chancen und Unsicherheiten
Wie sich Anleger auf eine mögliche Marktkorrektur vorbereiten können.
(17.03.2026) „Es gibt viele Gründe, mit Optimismus auf das Jahr 2026 zu blicken“, sagt Arne Tölsner, Head of Client Group Dach bei Capital Group. Mit Blick nach vorne zeige das globale Umfeld eine Mischung aus Chancen und Unsicherheiten. In den USA würden sich die monetären Bedingungen weiter lockern, Deregulierung könnte die Kreditvergabe ankurbeln, und Anreize auf der Angebotsseite würden Fertigung und Technologie zusätzlichen Schwung verleihen. „Auf der anderen Seite des Atlantiks, in Europa, dürfte das Wachstum dadurch gestützt werden, dass Deutschland seine fiskalische Zurückhaltung aufgibt und ein Paket im Umfang von 500 Milliarden Euro für Infrastruktur und Verteidigung auflegt“, so Tölsner. „Und in Asien setzen Unternehmensreformen in großen Volkswirtschaften wie Japan und Korea Aktionärswerte frei, während von China erwartet wird, dass es seine Wirtschaft weiter stimuliert.“
Hohe Bewertungen begrenzen den Spielraum
Auch wenn der gesamtwirtschaftliche Ausblick konstruktiv erscheine, bleibe ein wesentlicher Knackpunkt bestehen: Aktien sind teuer. Die meisten Aktienmärkte weltweit hätten in jedem der vergangenen drei Jahre starke annualisierte Renditen im zweistelligen Bereich erzielt. „Die Unternehmensgewinne waren zwar im Allgemeinen solide, doch die Kurs-Gewinn-Verhältnisse an den meisten großen Märkten liegen weltweit deutlich über den Durchschnittswerten der vergangenen zehn Jahre“, erläutert Tölsner. „Der in den Märkten eingepreiste Optimismus lässt nur wenig Raum für Enttäuschungen.“ Hinzu komme, dass es fast immer unvorhergesehene Überraschungen gebe – selbst wenn der Ausblick positiv sei. Diese könnten aus geopolitischen Entwicklungen entstehen, darunter die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten, aus politischen Fehlentscheidungen oder aus der disruptiven Kraft der künstlichen Intelligenz.
Rückgänge gehören zum normalen Marktverlauf
Insgesamt sei es daher nicht unvernünftig, in den kommenden Monaten mit einer gewissen Marktkorrektur zu rechnen. Anleger sollten jedoch bedenken, dass Rückgänge ein gesunder und häufiger Bestandteil von Marktzyklen seien. In den vergangenen 20 Jahren habe der mittlere Rückgang des MSCI ACWI Index vom Höchststand bis zum Tiefpunkt innerhalb eines Kalenderjahres bei 12 Prozent gelegen, in US-Dollar gerechnet. Trotz dieser regelmäßigen Rückschläge habe sich die Gesamtrendite für Anleger im selben Zeitraum auf 455 Prozent belaufen.
„Das größere Risiko für Anleger ist daher nicht die Aussicht auf eine Korrektur an sich, sondern die Art und Weise, wie sie darauf reagieren“, betont Tölsner. „Volatilität kann verunsichern und fördert oft ein Denken in Extremen.“ Den richtigen Zeitpunkt für Markthöchststände zu treffen, sei daher äußerst schwierig: Wer zu früh verkaufe, riskiere weitere Kursgewinne zu verpassen, während ein Wiedereinstieg nach einer Korrektur leicht zu Zögern oder schlechtem Timing führen könne. Gerade Letzteres könne teuer werden, weil sich Märkte schnell erholen könnten, während Anleger noch an der Seitenlinie stehen. Über vollständige Marktzyklen hinweg könnten solche Verhaltensfehler den langfristigen Erträgen stärker schaden als die Rückgänge selbst.
Vorbereitung ist wichtiger als Vorhersage
„Ein belastbarer Ansatz konzentriert sich stärker auf Vorbereitung und Navigation als auf Vorhersagen“, sagt der Experte. „Das bedeutet, Volatilität als Teil des Anlagewegs zu akzeptieren.“ Diversifikation bleibe dabei zentral, allerdings nicht als rein passive Übung. Portfolios, die stark auf eine enge Auswahl von Vermögenswerten, Regionen oder Themen konzentriert seien, könnten in steigenden Märkten gut abschneiden, seien aber anfälliger, wenn sich die Bedingungen ändern würden. „Eine breitere und ausgewogenere Aufstellung der Renditequellen – über Anlagestile, Regionen und Geschäftsmodelle hinweg – kann helfen, die Abhängigkeit von einem einzigen Ergebnis zu verringern, selbst in einem Umfeld erhöhter geopolitischer Unsicherheit“, so Tölsner.
Bewertungsdisziplin werde in dieser Phase des Zyklus zunehmend wichtiger. Vermögenswerte, deren Preise bereits Perfektion voraussetzen würden, böten weniger Schutz, wenn sich die Stimmung drehe. Das stärke das Argument für eine selektive Beteiligung statt für ein wahlloses Engagement. Das bedeute nicht, dass Wachstumschancen grundsätzlich gemieden werden sollten. Vielmehr spreche es für eine sorgfältige Prüfung, wo Erwartungen bereits in den Preisen enthalten seien und wo die Fundamentaldaten noch Unterstützung bieten würden. Sich auf eine Korrektur vorzubereiten, heiße also nicht, sich an die Seitenlinie zurückzuziehen oder langfristige Themen aufzugeben. Es bedeute stattdessen, Wachstumschancen mit Anlagen zu verbinden, die Volatilität abfedern und Flexibilität bieten können, wenn Märkte Risiken neu bewerten.
„Ein Beispiel dafür ist die stabilisierende Rolle, die Dividenden in einem Aktienportfolio spielen können“, so Tölsner. „Diese wird oft erst dann vollständig geschätzt, wenn Marktstress bereits eingetreten ist. Dieses Muster zeigt sich immer wieder, wenn sich Anleger nach Rückgängen einkommensorientierten Strategien zuwenden, angezogen von deren relativer Widerstandskraft. In vielen Fällen wären die Ergebnisse jedoch stärker gewesen, wenn die Positionierung bereits vor der Korrektur aufgebaut worden wäre.“ Wichtig sei zudem, dass Dividendenchancen nicht auf reife oder wachstumsschwächere Branchen beschränkt seien. Heute befänden sich dividendenzahlende Unternehmen in einer breiten Palette von Sektoren, darunter Technologie, Gesundheit und Industrie.
Disziplin bleibt der entscheidende Faktor
In dieser Phase des Zyklus gehe es bei Widerstandskraft weniger um ununterbrochene Gewinne als vielmehr darum, wie durchdacht Portfolios aufgebaut seien. „Marktkorrekturen sind nichts, das man fürchten sollte, sondern etwas, auf das man sich vorbereiten sollte“, resümiert Tölsner. „Anleger, die Volatilität als normale Eigenschaft der Märkte akzeptieren und Diversifikation, Bewertungsbewusstsein sowie aktive Auswahl anwenden, sind oft besser aufgestellt, um auch in unsicheren Zeiten investiert zu bleiben.“ Solange der Optimismus hoch bleibe, könne sich genau diese Disziplin letztlich als wertvoller erweisen als jede Vorhersage darüber, was als Nächstes komme.
Öl-Poker: Spezial-Dienstleister im Brennpunkt
Steigender Bedarf an Förderplattformen und Equipment zu erwarten.
Roman Steinbauer (20.03.). Ölpreisprognosen gleichen im gegenwärtigen Umfeld einem Glücksspiel. Nachvollziehbar ist hingegen, dass sich Investitionen in Aktien relevanter Marktakteure aus dem Bereich Ölförder- und Arbeitsplattformen erhöht haben. Dabei verzeichneten zuletzt besonders die Kurse jener Gesellschaften, die mobile Offshore-Bohreinheiten (Mobile Offshore Drilling Units) anbieten, einen imposanten Auftrieb.
Um den Einsatzort auf See möglichst rasch auf eine neue Position verlegen zu können, basieren die Geschäftsmodelle auf teils komplexen Dienstleistungsverträgen zwischen Bohrunternehmen und Öl- und Gasgesellschaften. Im Vordergrund stehen dabei schwimmende oder am Meeresboden zu verankernde Bohrschiffe und Plattformen für tiefe Gewässer. Unabkömmlich sind in diesem Zusammenhang die Einsätze von Jack-up-Rigs (Hubbohr-Vorrichtungen) und Semi-Submersibles (Halbtauchern), spezielle Wasserfahrzeuge oder Bohrinseln, die durch Fluten von Ballasttanks unter Wasser getaucht werden, um ihre Stabilität zu erhöhen.
Insider senden Kaufsignale
Als großer Vertreter im Segment mobiler Förderstationen sowie rund um Bohrdienstleistungen im Öl- und Gassektor agiert die Schweizer Gesellschaft Transocean. Das Unternehmen mit Sitz in Steinhausen beschäftigt global 5.530 Mitarbeiter und ist primär an der NYSE gelistet (der Titel wird zudem an deutschen Börsen wie Frankfurt oder Stuttgart gehandelt), nachdem es sich 2016 vom Handelsplatz Zürich zurückzog.
Als positives Signal galt unter Beobachtern die „Form-4-Meldung“ an die US-Börsenaufsicht SEC am 26. September des Vorjahres über den Zukauf von 4 Mio. Aktien des Direktors Frederik Wilhelm Mohn, der nun über die Perestroika AS 8,8 % der Anteile hält. Unter weiteren Anteilseignern finden sich prominente Investmenthäuser wie die Vanguard Group (8,8 %), BlackRock Fund Advisors (8,0 %) sowie Dimensional Fund Advisors mit 3,9 %. Zu den Mitbewerbern zählen die texanischen Gesellschaften Seadrill (schwimmende Bohrvorrichtungen) sowie die Noble Corp., die eine nahezu gleich lautende Palette wie Transocean bietet. Auf aktuellem Kursniveau bringt die Noble-Aktie Anlegern eine attraktive Dividendenrendite von 4,3 %. Auf die Beistellung von Hubbohrvorrichtungen für seichtes Gewässer hat sich wiederum die norwegische Borr Drilling spezialisiert.
Nachfrageanstieg vorgezeichnet
Abgesehen von den derzeitigen politischen Turbulenzen stellt vor allem der Baker Hughes Rig Count (wöchentlich erhoben durch den gleichnamigen US-Servicedienstleister, Anm.) einen bedeutenden Indikator für die Aktivitäten der Ölbranche dar. Dieser Geschäftsbarometer misst die Anzahl aktiver Öl-Bohrplattformen (an Land und Offshore) in den USA. Er unterstützt nicht nur Prognosen bezüglich des Öl-Fördervolumens, sondern zeigt Dienstleistern auch die Inanspruchnahme von Öltanker-Kapazitäten in der Ölbranche auf.
Demnach waren in den USA in der Woche per 13. März 411 Ölbohranlagen (Gasprojekte nicht inkludiert) in Betrieb. Im Vergleich zu vor zwölf Monaten ist das zwar ein Minus von 16 %, doch zeichnet sich ein Wendepunkt ab. Anhand des Baker-Hughes-Reports der Vorwoche war bereits ein leichter Anstieg (+2) zu beobachten. Die Analysten der Gesellschaft erwarten auf der Basis vorliegender Berechnungsmodelle im Laufe des Jahres 2027 ein Überschreiten der Schwelle von 460 Öl-Förderstandorten. Ergänzend zu diesem Ausblick nahmen im Vergleich von Jänner zu Februar 2026 auf internationaler Ebene die Öl- und Gas-Aktivitäten bereits um deutliche 3 % zu.
Autor: Roman Steinbauer
Foto: Adobe Stock / Tgad /Generiert mit KI
Im Artikel angeführte Aktien
| Name |
ISIN |
| Transocean Ltd. |
CH0048265513 |
| Noble Corp. |
GB00BFG3KF26 |
| Borr Drilling |
BMG1466R1732 |
| Seadrill Ltd. |
BMG7998G1069 |
Konjunktur: Die kommenden Wochen sind entscheidend
Sorgt der Iran-Krieg für eine Verlangsamung, eine Abkühlung oder gar eine Rezession?
Michael Kordovsky (20.03.2026). Noch sind langfristig höhere Energiepreise nicht in Stein gemeißelt, da eine Reihe strategischer Maßnahmen zur Entspannung an der Preisfront ergriffen werden kann. Zuletzt hat etwa die IEA strategische Reserven im Rekordausmaß freigegeben und sogar eine Lockerung der Sanktionen gegen Russland ist kein absolutes Tabu mehr.
Aber Märkte reagieren sensibel auf eingesetzte und erwartete Veränderungen. Mittlerweile liegt die Forward Rate im 3-Monats-Euribor für Dezember 2026 bereits zwischen 2,40 und 2,50 %. Das impliziert bereits zwei Leitzinsanhebungen der EZB im laufenden Jahr. Noch kurz vor dem Iran-Krieg lag der 3-Monats-Euribor bei 2,013 %. Bis zum 13. März erfolgte ein Anstieg auf 2,157 %. In diesem Zeitraum verteuerte sich ein Fass der Ölsorte Brent um knapp 44 %.
Starker Anstieg im März erwartet
Laut vorläufigen Daten von Eurostat war die im HVPI der Eurozone mit 9,05 % gewichtete Energiepreiskomponente im Februar auf Jahresbasis noch um 3,2 % rückläufig, während sie auf Monatsbasis bereits um 0,6 % anstieg. Im Jänner verzeichneten die Energiepreise auf Monatsbasis noch einen Rückgang um 0,8 %. Entsprechend stark dürfte dann der Anstieg für März ausfallen.
Noch ist die (vorläufige) Inflationsrate im Euroraum im Februar auf niedrigem Niveau lediglich von 1,7 auf 1,9 % leicht angestiegen. Doch das droht sich nun schlagartig zu ändern. Mit steigenden Inputkosten und höheren Zinsen ist plötzlich die Wirtschaft mit höheren Kosten konfrontiert. Die Folge ist ein zurückhaltendes Investitionsverhalten auf breiter Front und ein vorsichtiges Einkaufsverhalten des Groß- und Einzelhandels, während es in der Industrie aus Angst vor Lieferkettenunterbrechungen zu größeren Vorratskäufen von Rohstoffen kommen kann, die ihrerseits ein inflationäres Szenario verstärken.
Alte Konjunkturdynamiken
Noch ist der Zeitraum seit Kriegsausbruch zu kurz, um klare Aussagen zu tätigen. Möglicherweise hat bereits das Vorfeld dieses Szenarios eine leicht bremsende Wirkung entfaltet. Doch lassen wir nachstehend die Fakten aktueller Einkaufsmanager-Indizes sprechen.
Der von S&P Global erstellte „HCOB Eurozone Composite PMI“ basiert auf Umfragen unter rund 5.000 Industrie- und Dienstleistungsunternehmen im Euroraum und stieg im Februar von 51,3 Punkten im Vormonat auf ein Drei-Monatshoch von 51,9 Punkten. Er signalisiert damit den 14. Wachstumsmonat in Folge. Gleichzeitig verbesserten sich die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist gegenüber Jänner und erreichten den höchsten Wert seit Mai 2024. Anders war das Ergebnis des von der EU-Kommission veröffentlichten „Economic Sentiment Indicator“ (ESI), der im Euroraum und der EU gegenüber dem Vormonat leicht rückläufig war und sich unter dem langfristigen Trend befindet. Eine Stimmungsverschlechterung zeigte sich im Februar in der EU vor allem im Servicesektor, in geringerem Ausmaß auch in der Industrie und am Bau.
In den USA fiel im Februar der „S&P Global US Services PMI Business Activity Index“ von 52,7 auf 51,7 Punkte und somit auf den niedrigsten Wert seit April 2025. Wirft man einen Blick auf den S&P Global US Manufacturing PMI, dann sieht man hier das schwächste Wachstum seit sieben Monaten. Allerdings hat sich das BIP-Wachstum in den USA bereits zuvor vom dritten auf das vierte Quartal 2025 von 2,3 auf 2,0 % verlangsamt – eine leichte Wachstumsverlangsamung, die u.a. auf den Government Shutdown zurückzuführen war.
Fazit: In der EU und in den USA kann aus diesen Daten noch keine konjunkturelle Wirkung des Iran-Konflikts abgelesen werden.
Welche Signale kommen aus China?
Die jüngsten Einkaufsmanager-Index-Daten zeigen eine Diskrepanz zwischen offiziellen Staatsdaten und privaten Umfragen. Der offizielle NBS-Einkaufsmanager-Index fiel im Februar weiter von 49,3 auf 49 Punkte und war somit den zweiten Monat in Folge im Kontraktionsbereich, bedingt durch Produktionspausen während des verlängerten Neujahresfestes. Hingegen stieg der sogenannte „RatingDog China General Manufacturing Index“ im Februar von 50,3 auf 52,1 Punkte und somit auf den höchsten Stand seit Dezember 2020. Dies deutet darauf hin, dass kleinere exportorientierte Privatunternehmen deutlich optimistischer sind als staatliche Großbetriebe. Tatsächlich wuchsen in der Jänner-Februar-Periode 2026 die Exporte im Vorjahresvergleich um 18,3 %. In China hat sich der Iran-Konflikt in diesen Daten demnach nicht niedergeschlagen.
Time-Lags beachten
Ölschocks wirken sich zeitverzögert über höhere Zinsen, geändertes Investitionsverhalten der Betriebe und vorsichtigeres Konsumverhalten negativ auf die Wirtschaft aus. Anfänglich werden aber noch strategische Ölreserven im Falle von Knappheit eingesetzt und Betriebe arbeiten alte Aufträge ab. Sollte der Iran-Krieg weiter anhalten und die Ölpreise auch noch in zwei bis drei Monaten über 100 US-Dollar pro Barrel liegen, dann ist weltweit mit einer spürbaren konjunkturellen Abkühlung zu rechnen. Im Falle massiv erhöhter Öl- und Gaspreise, die über ein Jahr lang anhalten, ist selbst eine globale Rezession nicht mehr auszuschließen.
Autor: Michael Kordovsky
Foto: AdobeStock / Treety
Der Chemiesektor erwacht zu neuem Leben
In jeder Ausgabe des Börsen-Kurier analysieren wir die Aktien einer Branche.
23.4.2026
Warum europäische Chemieaktien trotz schwacher Konjunktur wieder gefragt sind
Eine schwache Wirtschaft und hohe Energiekosten gelten für die Chemiebranche als zentrale Belastungsfaktoren. Doch nun zeigen sich trotz des Iran‑Krieges Anzeichen einer Erholung. So konnten europäische Chemiekonzerne zuletzt Preiserhöhungen durchsetzen, die unter anderem wegen geopolitischer Spannungen notwendig waren. Das wiederum stützt die Margen. Anleger steigen daher wieder selektiv in Chemiewerte ein. Ein weiterer Vorteil: Die Überkapazitäten wurden abgebaut.
7 wichtige europäische Chemieunternehmen und Kursentwicklung im Check
Bayer: Kursplus in einem Jahr: 83 Prozent
Die Aktie von Bayer AG (ISIN: DE000BAY0017) hebt unter den Chemiewerten derzeit besonders stark ab. Der Bayer‑Kurs ist in den letzten Monaten vor allem deshalb gestiegen, weil sich das rechtliche Risiko im Glyphosat‑Komplex verringert hat und gleichzeitig positive Studiendaten aus der Pharmasparte neue Hoffnung auf künftiges Wachstum geweckt haben.
BASF: +20 Prozent seit April 2025
Der Branchenriesen BASF (DE000BASF111) hat in den vergangenen zwölf Monaten ordentlich Gas gegeben. Die Aktie kam von einem sehr niedrigen Niveau (52‑Wochentief ca. 40,75 €). Einer der Gründe für den Rebound der Chemie-Aktie: Die Gewinne pro Aktie haben sich nach schwachen Jahren wieder stabilisiert (EPS 2024: 1,45 €, 2025: 1,80 €, 2026e: 3,48 €). Das signalisiert eine operative Erholung. Was bei Anlegern ebenfalls gut ankommt: BASF zahlt weiterhin eine hohe Dividende – die aktuelle Dividendenrendite liegt bei 5,06 %. Das macht die Aktie besonders in volatilen Marktphasen attraktiv. Sie notiert nur wenig unter ihrem 52‑Wochen‑Hoch, was zeigt: Investoren haben wieder Vertrauen in das Unternehmen. Laut Citigroup-Analyse vom Dezember 2025 gilt BASF als Favorit.
Evonik: + 17 Prozent in sechs Monaten
Der Spezial-Chemie-Produzenten Evonik (DE000EVNK013) erzielte in den vergangenen sechs Monaten ein Kursplus von 17 Prozent. Nach Einschätzung von Analysten könnte damit jedoch vorerst die Luft draußen sein. Das durchschnittliche Kursziel des Chemie-Wertes laut finanzen.net liegt mit 16,60 Euro unter dem aktuellen Kurs.
Solvay: In einem Monat +15 Prozent
Die Aktie der belgischen Solvay (BE0003470755) hat im letzten Monat vor allem von einer technischen Erholung, mehreren starken Handelstagen und einer stabilen Nachrichtenlage profitiert.
Deutscher Chemiedistributor Brenntag: +26 Prozent in einem Monat
Auch die Entwicklung der Papiere des Chemiedistributors Brenntag (DE000A1DAHH0), Weltmarktführer in der Chemie-Distribution, sticht hervor. Im letzten Monat zog der Titel um 26 Prozent auf 59,70 Euro an (Stand 23.4.2026). Als strategische Holding fungierend, operiert Brenntag als Bindeglied zwischen Chemieproduzenten und der weiterverarbeitenden Industrie. Die Gesellschaft bezieht hohe Volumina und gibt diese dann zeitlich bedarfsgerecht in benötigten Größen an Kunden der Nahrungsmittel‑, Mineralöl‑, Pharma‑ oder Körperpflegeindustrie weiter.
Lenzing: +21 Prozent in einem Monat
Lenzing, die Aktie des größten österreichischen Chemieunternehmens, legte im letzten Monat um gut 21 Prozent zu. Der Faserhersteller kämpft zwar weiterhin mit einer schwachen globalen Textilnachfrage und hohen Energiepreisen. Nach dem starken Kursrückgang wird die Aktie jedoch als günstig eingestuft; sie notiert trotz des Kurssprungs mit rund 24 Euro weiterhin nahe dem unteren Ende der 52‑Wochen‑Spanne. Analysten sehen zudem langfristiges Potenzial: Lenzing gilt als führender Anbieter nachhaltiger Cellulosefasern, und eine Erholung der Nachfrage könnte dem Titel wieder Auftrieb geben.
Henke: Hoffnungsschimmer nach Kurssturz
Der jüngste Bodenbildung des Kurses des Dividendenbringers Henkel (DE0006048408) macht Hoffnung. Deutsche‑Bank‑Analyst Tom Sykes senkte zwar das Kursziel von 77 auf 75 Euro, hält jedoch an seiner Kaufempfehlung fest. Hintergrund sind vor allem die finanziellen Auswirkungen der Olaplex‑Transaktion, die in den aktuellen Modellen zu geringeren Schätzungen führen. Allerdings gibt es auch positive Signale: Das Analysehaus AlphaValue hat seine Prognose für den Gewinn je Aktie (EPS) nach oben korrigiert. Die Experten begründen dies mit einer verbesserten Profitabilität in den operativen Bereichen und dem Rückenwind durch das laufende Aktienrückkaufprogramm (Quelle: aktiencheck.de).
Mit Chemie-Aktien ETF breit streuen
Eine breite Möglichkeit in Chemie-Aktien zu investieren, bietet auch ETFs. So bildet der iShares STOXX Europe 600 Chemicals ETF (DE) die größten Chemieunternehmen Europas ab. Dieser legte in den vergangenen drei Monaten um knapp 9 Prozent zu.
proi
Foto: Pixabay / analogicus
Airline‑Aktien im Krisenmodus: Warum geopolitische Schocks auch neue Chancen eröffnen
Geopolitische Krisenzeiten bieten aber auch immer wieder Einstiegskurse.
(13.03.2026). Einmal mehr wird die Luftfahrtbranche durch Krisenherde und drastisch anziehende Spritkosten in Mitleidenschaft gezogen. Die Abschläge der Notizen weiteten sich innerhalb der ersten beiden Märzwochen teils bis auf 30 % aus. Kaum ein anderer Sektor reagiert so sensibel und so schnell auf Krisen wie die Airlines.
Warum Airline‑Aktien stärker einbrechen als Industriewerte
Airlines gelten traditionell als hochvolatil. Gründe dafür:
- Hohe Abhängigkeit von Energiepreisen
- Stark schwankende Nachfrage in Krisenzeiten
- Hohe Fremdkapitalquoten, die bei steigenden Zinsen belasten
- Geringe Margen, besonders bei Billig-Airlines
- Hoher Beta-Faktor (≥ 1,3) – stärkere Schwankungen als der Gesamtmarkt
Analysten passen ihre Gewinnprognosen derzeit fast täglich an. Erwartete der Branchen-Dachverband, die International Air Transport Association (IATA), für 2025 noch eine Ertragsspanne von 6,6 %, rückt diese Marke angesichts der aktuellen Lage in weite Ferne.
Und wiederum zeigt sich: An den Aktienmärkten vollziehen sich in diesem Segment Kurseinbrüche in weitaus schärferem Tempo als es gewöhnlich bei Titeln klassischer Industriezweige vorkommt. Kalkulationen, inwieweit die zurzeit abrupt hochschießenden Kerosinpreise sowie die einbrechende Reisenachfrage in vielen Regionen bisher veranschlagte operative Gewinnmargen des Sektors beeinträchtigen, werden so gut wie täglich nachjustiert – und seitens diverser Finanzanalysten Gewinnprognosen in rascher Abfolge auch gekappt.
Schätzte der Branchen-Dachverband, die International Air Transport Association (IATA), die Ertragsspanne für 2025 im Median noch auf 6,6 %, rückt diese Quote für heuer vorerst in die Ferne. Denn auch ein weiterer Einfluss droht Kostenbelastungen zu steigern. So weisen Fluglinien durchwegs hohe Fremdkapitalquoten aus. Aktuell von besonderer Relevanz ist dies deshalb, da höhere Ölpreise die Aussicht auf anziehende Inflationsraten und nachfolgend somit höhere Zinssätze schüren.
Chancen für kurzfristige Anleger: Hohe Volatilität als Vorteil
Anteilhaber an Fluglinien hatten (vor allem in den USA) in der Vergangenheit nicht nur eine höhere Anzahl an Insolvenzen zu verdauen als der Durchschnitt anderer Geschäftssparten. Der Bewegungscharakteristik der Aktien der Luftfahrtgesellschaften haftet stets ein hoher Beta-Faktor von zumindest 1,3 an. Dieser Indikator, ein Maß für die Volatilität bzw. die Schwankungsanfälligkeit eines Wertpapiers im Vergleich zum Gesamtmarkt (die Zahl 1 steht für marktkonform), weist klar auf das erhöhte Kursrisiko in der Sparte hin.
Trotz aller Risiken bieten Airline‑Aktien immer wieder attraktive Einstiegsmöglichkeiten. Der hohe Beta‑Faktor sorgt dafür, dass positive Nachrichten ebenso schnell durchschlagen wie negative. Besonders Trader und kurzfristig orientierte Anleger nutzen diese Dynamik.
Gerade aber die Eigenschaft des hohen Drehmoments der Notizen deckt wiederum die Ansprüche jener Investoren ab, die von genauen Beobachtungen und Gewinnrevisionen zu profitieren gedenken. Führen doch Aufhellungen mitten im Krisenmodus oft ebenso rasch zu abrupten, positiven Neueinschätzungen.
Durch die Kampfpreis-Strategie und knappen Gewinnmargen trifft dies umso mehr auf die Valoren der „Billig-Airlines“ zu.
Betroffene Titel sind unter anderem:
Ein erhöhtes Quantum an Risikobereitschaft benötigen Anleger aber auch bei
Bewertung: Attraktive KGVs trotz hoher Risiken – sofern Erträge nicht einbrechen
Die StockAnalyses beleuchtet das Aktiensegment der Airlines in einer erstellten Kategorie, die alle 18 börsennotierten Unternehmen in den Vereinigten Staaten umfasst.
- Marktkapitalisierung: 170,4 Mrd. USD
- Durchschnittliches KGV: 12,3 (nach Kursrückgängen sehr attraktiv)
- Dividendenrendite: 1,45 %
- Gewinnmarge 2025 (USA): 4,83 %
Besonders auffällig: American Airlines dominiert das Handelsvolumen an der NYSE die Luftfahrt-Titel – oft stärker als alle anderen 17 US‑Airlines zusammen.
Fazit: Hochrisikosektor mit selektiven Chancen
Airline‑Aktien bleiben ein Segment für risikobewusste Anleger. Die Branche reagiert extrem auf geopolitische Entwicklungen, Energiepreise und Nachfrageeinbrüche. Gleichzeitig entstehen gerade in Krisenphasen immer wieder attraktive Einstiegspunkte – vorausgesetzt, die Erträge brechen nicht dauerhaft ein.
Autor: Roman Steinbauer
Foto: Adobe Stock / indyntk / Generiert mit KI
Im Artikel vorgestellte Aktien
| Name |
ISIN |
| International Airlines Group (AIG) |
ES0177542018 |
| Norwegian Air Shuttle |
NO0010196140 |
| Wizz Air |
JE00BN574F90 |
| Ryanair |
IE00BYTBXV33 |
| EasyJet |
GB00B7KR2P84 |
| Air France-KLM |
FR001400J770 |
| Lufthansa |
DE0008232125 |
| Turkish Airlines (Turk Hava Yollari) |
US90010R1095 (ADR) |
| American Airlines |
US02376R1023 |
| Southwest Airlines |
US8447411088 |
| United Airlines |
US9100471096 |
Uniqa: Aktionäre erwartet höhere Dividende
Die Uniqa Group hat im vergangenen Jahr in allen Märkten zugelegt und will weiter wachsen.
Die wichtigsten Zahlen der UNIQA-Bilanz 2025:
📈 +8,2 % Prämienwachstum
💼 +16,9 % Ergebnis vor Steuern
🟦 +22,2 % Konzernergebnis
🔵 ROE: 14,3 % (nach 12,4 %)
💶 Dividende +20 % auf 0,72 € je Aktie (Vorschlag HV Juni)
UNIQA wächst 2025 kräftig
(13.03.2026) Das Geschäftsjahr 2025 hat der Uniqa Insurance Group weiteres Wachstum beschert. Alle Kundensegmente und Regionen hätten zum starken Ergebnis beigetragen, erklärte Vorstandschef Andreas Brandstetter bei der Präsentation der vorläufigen Zahlen am vergangenen Freitag Wien. Die Kombination aus einem stabilen, aber natürlich gesättigtem Heimmarkt Österreich und wachstumsstarken Märkten in Mittel- und Osteuropa erweise sich erneut als strategischer Vorteil.
Österreich bleibe das stabile Fundament des Konzerns, während die Länder in Zentral- und Osteuropa der wichtigste Wachstumsmotor blieben. Dort wachse die Wirtschaft weiterhin nicht nur dynamischer als in der Eurozone, zuletzt auch stärker als in den klassischen Tigerstaaten Asiens, wie Brandstetter betonte. Polen wurde in diesem Zusammenhang mehrfach positiv hervorgehoben.
UNIQA: Prämienwachstum und Umsatzplus
Insgesamt erhöhte die heimische Assekuranz die verrechneten Prämien 2025 um 8,2 Prozent auf 8,35 Milliarden Euro. Wachstum kam aus allen Sparten, besonders aus der Schaden- und Unfallversicherung mit einem Plus von zehn Prozent. Auch die Krankenversicherung legte mit 6,3 Prozent deutlich zu. Die Lebensversicherung wuchs um 5,1 Prozent.
Regional zeigt sich ein klares Bild: In Österreich stiegen die Prämien um 4,8 Prozent, im internationalen Geschäft sogar um 9,8 Prozent. Der Versicherungsumsatz nach IFRS 17 erhöhte sich konzernweit um 8,5 Prozent auf 7,12 Milliarden Euro.
Das versicherungstechnische Ergebnis verbesserte sich deutlich auf 710,8 Millionen Euro, nach 560,5 Millionen Euro im Jahr zuvor. Gleichzeitig stieg das Kapitalanlageergebnis aufgrund höherer laufender Erträge auf knapp 799 Millionen Euro.
Weniger Schäden, höhere Effizienz
Einen wichtigen Beitrag zur Ergebnissteigerung leistete die weiter verbesserte Combined Ratio. Die Schaden-Kosten-Quote nach Rückversicherung sank auf 91,7 Prozent, nach 93,1 Prozent im Vorjahr.
Neben effizienteren Strukturen profitierte der Konzern davon, dass größere Naturkatastrophen weitgehend ausblieben. Insgesamt stiegen die versicherungstechnischen Aufwendungen zwar um 6,4 Prozent, allerdings deutlich langsamer als die Einnahmen.
Das Ergebnis vor Steuern erhöhte sich dadurch um 16,9 Prozent auf 516,4 Millionen Euro. Noch stärker legte das Konzernergebnis zu: Es stieg um 22,2 Prozent auf 424,8 Millionen Euro. Der Return on Equity verbesserte sich von 12,4 auf 14,3 Prozent.
Auch die Kapitalbasis entwickelte sich positiv. Die Solvency-II-Quote lag zum Jahresende bei rund 275 Prozent und damit weiterhin deutlich über den regulatorischen Anforderungen.
Strategieprogramm schneller umgesetzt
Nach Angaben des Managements ist der Konzern mit seinem Strategieprogramm „UNIQA 3.0 – Growing Impact 2025–2028“ schneller vorangekommen als geplant. Aufgrund der starken Entwicklung hat Uniqa bereits Ende des vergangenen Jahres ihre finanziellen Ziele angehoben.
Wachstumstreiber bleibt insbesondere die Schaden- und Unfallversicherung, während im Heimmarkt Österreich vor allem die Krankenversicherung weiter ausgebaut werden soll. Uniqa will hier ihre Marktführerschaft festigen und verstärkt auf neue Gesundheitslösungen setzen.
UNIQA plant höhere Dividende
Vom starken Geschäftsjahr sollen auch die Aktionäre profitieren. Der Vorstand will der Hauptversammlung im Juni eine um 20 Prozent erhöhte Dividende von 0,72 Euro je Aktie vorschlagen, nach 0,60 Euro für das Vorjahr.
Vorsichtig optimistischer Ausblick
Für das laufende Geschäftsjahr bleibt der Ausblick grundsätzlich positiv, auch wenn geopolitische Risiken und mögliche Naturkatastrophen Unsicherheitsfaktoren darstellen, wie betont wird.
Unter normalen Rahmenbedingungen erwartet der Konzern für 2026 ein Ergebnis vor Steuern zwischen 540 und 570 Millionen Euro. Uniqa erwartet weiterhin ein Prämienwachstum über dem jeweiligen Wirtschaftswachstum.
Gesundheitsvorsorge immer zentraler
Weiter ausbauen will man in den kommenden Jahren sowohl im Inland, aber vor allem auch im boomenden Ausland den Bereich rund um das Thema Gesundheitsvorsorge mit Angeboten wie Telemedizin, betrieblicher Gesundheitsvorsorge und vielem mehr. Nach dem Motto „Gesundheit ist die neue Altersvorsorge“, sieht CEO Brandstetter hier die ganz große Zukunft.
Autor: Klaus Schweinegger
Foto: UNIQA / Nessweda
Ausgewählte Kennzahlen
| Ergebnis vor Steuern |
+16,9 auf 516 Mio€ (2024: 442 Mio€) |
| Wachstum Prämien gesamt |
+8,2 % auf 8,4 Mrd€ (2024: 7,7 Mrd€) |
| Schaden-Kosten-Quote |
91,7 % (2024: 93,1 %) |
Prämienwachstum 2025 nach Sparten
| Krankenversicherung |
+6,3 % auf 1,6 Mrd€ |
| Schaden & Unfall |
+10 % auf 5,0 Mrd€ |
| Lebensversicherung |
+5,1 % auf 1,7 Mrd€ |
Investmentfonds: Thesaurierend oder ausschüttend?
Planbare Einnahmen stehen dem Vorteil des Zinseszinseffekt gegenüber.
(13.03.) Wer sein Geld in Investmentfonds veranlagt, steht früher oder später vor einer grundlegenden Entscheidung: ausschüttend oder thesaurierend? Hinter diesen beiden Varianten verbirgt sich mehr als nur eine technische Feinheit. Es geht um Liquidität, Steuern und psychologische Effekte, schreiben die Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking im jüngsten Marktkommentar. Am allerwichtigsten sei jedoch die passende Strategie für die jeweilige Lebensphase, bei der eine fachliche Beratung oft sehr nützlich ist.
Zwei Wege
Ausschüttende Fonds zahlen Erträge regelmäßig an die Anlegerinnen und Anleger aus – meist jährlich oder halbjährlich. Thesaurierende Fonds hingegen behalten diese Erträge im Fondsvermögen und investieren sie automatisch wieder. Das Geld bleibt also „im System“ und erhöht den Wert der Fondsanteile. Beide Varianten sind in Österreich weit verbreitet – bei klassischen Publikumsfonds ebenso wie bei ETFs.
Der Reiz regelmäßiger Auszahlungen
Für viele Privatanleger haben ausschüttende Fonds einen klaren Vorteil: planbare Einnahmen. Gerade in der Pension oder als Ergänzung zum laufenden Einkommen können regelmäßige Ausschüttungen attraktiv sein. Das Kapital bleibt investiert, dennoch fließt Geld aufs Konto. Auch psychologisch wirken Ausschüttungen oft befriedigend. Während Kursgewinne nur „am Papier“ existieren, sind überwiesene Erträge real greifbar.
Allerdings hat diese Variante auch Nachteile. Wird das ausgeschüttete Geld nicht wieder angelegt, geht ein Teil des Zinseszinseffekts verloren. Langfristig kann das die Vermögensentwicklung bremsen. Auf die Ausschüttungen fallen in Österreich in der Regel sofort Steuern an.
Thesaurierung: Die stille Kraft des Zinseszinses
Thesaurierende Fonds reinvestieren die Erträge automatisch, wodurch das Fondsvermögen kontinuierlich wächst – und mit ihm der Wert der Anteile. Gerade bei langen Anlagehorizonten kann dieser Mechanismus einen deutlichen Unterschied machen.
Für Berufstätige in der Ansparphase – etwa beim Vermögensaufbau oder für die Altersvorsorge – sind thesaurierende Fonds daher oft die bevorzugte Wahl. Sie erfordern keinen zusätzlichen Aufwand für die Wiederveranlagung und entfalten den Zinseszinseffekt optimal. Ganz ohne steuerliche Auswirkungen bleibt jedoch auch diese Variante nicht.
An einem sehr vereinfachten Rechenbeispiel einer Veranlagung von 10.000 Euro auf zehn Jahre zeigt sich der Unterschied: Ein Fonds, der die Erträge wiederveranlagt (thesaurierend), erzielt bei einer durchschnittlich angenommenen Rendite von 5 % nach Steuern einen Gewinn von rund 4.275 E. Bei einem ausschüttenden Fonds mit denselben Eckdaten beläuft sich der Gewinn auf 3.625 E.
Die steuerliche Behandlung
In Österreich fällt für die Erträge bei Fonds die KESt (Kapitalertragsteuer) von derzeit 27,5 % an. Entscheidend ist: Auch bei thesaurierenden Fonds werden Erträge steuerlich erfasst – selbst, wenn diese nicht ausbezahlt werden.
Die depotführende Bank führt die Steuer automatisch ab, auch auf so genannte „ausschüttungsgleiche Erträge“. Das bedeutet: Der steuerliche Vorteil einer vollständigen Steuerstundung bis zum Verkauf, wie er in manchen anderen Ländern besteht, ist in Österreich eingeschränkt.
Dennoch bleibt der Zinseszinseffekt innerhalb des Fonds erhalten, da nur die Steuer abgeführt wird, nicht aber das gesamte Ertragspotenzial entnommen wird.
Welche Variante?
Die Frage, ob man sich für Ausschüttungen oder die Wiederveranlagung entscheidet, hängt stark von der persönlichen Situation ab. In der Ansparphase bieten thesaurierende Fonds oft Vorteile durch automatisches Wachstum. In der Entnahmephase können ausschüttende Fonds regelmäßige Einnahmen sichern. Selbstverständlich sind auch Mischstrategien – vor allem bei größerem Vermögen – eine Option.
„Ausschüttend oder thesaurierend?“ ist keine Frage von richtig oder falsch, sondern von Zielsetzung und Lebensphase. Während thesaurierende Fonds den langfristigen Vermögensaufbau effizient unterstützen, bieten ausschüttende Fonds laufende Liquidität und psychologische Sicherheit.
Für österreichische Anleger gilt: Die steuerlichen Rahmenbedingungen sind komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Wer investiert, sollte daher nicht nur auf Rendite und Kosten achten, sondern auch auf die Struktur des Fonds – und im Zweifel den Rat eines Beraters einholen.
Autor: Steiermärkische Sparkasse Private Banking
Foto: Adobe Stock / yevgeniya131988 / Generiert mit KI
AMLA: Neue EU‑Behörde verschärft Pflichten für Anleger
Neue EU-Behörde weitet Auskunfts- und Transparenzpflichten für Anleger weiter aus
13.03.2026. Als Anlegerin und Anleger fragen Sie sich vielleicht, warum Ihnen Hausbank oder Finanzberater vor einem geplanten Investment so viele persönliche Fragen stellen: Staatsbürgerschaft, Wohn- und Geburtsort, Herkunft des Anlagebetrags, ob Sie ein wichtiges politisches Amt bekleiden und welchen Beruf Sie in welcher Branche ausüben. All das hält der Finanzdienstleister Ihres Vertrauens schriftlich fest, um seinen Pflichten zur Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung nachzukommen.
Warum Finanzdienstleister immer mehr Informationen abfragen
Als Anlegerin und Anleger fragen Sie sich vielleicht, warum Ihnen Hausbank oder Finanzberater vor einem geplanten Investment so viele persönliche Fragen stellen: Staatsbürgerschaft, Wohn- und Geburtsort, Herkunft des Anlagebetrags, ob Sie ein wichtiges politisches Amt bekleiden und welchen Beruf Sie in welcher Branche ausüben. . All das hält der Finanzdienstleister Ihres Vertrauens schriftlich fest, um seinen Pflichten zur Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, nachzukommen.
Neue EU‑Anti‑Geldwäschebehörde AMLA nimmt Arbeit auf
Mit den neuen EU‑Vorschriften zur Geldwäschebekämpfung wurde 2024 die Anti‑Money Laundering Authority (AMLA) gegründet. Die Behörde soll:
- große Finanzdienstleister direkt beaufsichtigen
- nationale Meldestellen koordinieren
- europaweit einheitliche Standards festlegen
- die Umsetzung der neuen Regeln ab 10. Juli 2027 überwachen
Ende 2025 beschäftigte die AMLA bereits 120 Mitarbeiter, im Vollbetrieb sollen es 430 sein – ähnlich viele wie die österreichische FMA im Jahr 2024.
Wichtig: Die AMLA richtet sich nicht direkt an Bürger, sondern an Finanzinstitute. Sie verhängt keine Strafen gegen Privatpersonen, sondern sorgt für einheitliche Aufsicht und strengere Vorgaben.
Neue Standards: Was Anleger ab 2027 erwartet
Die AMLA arbeitet derzeit an mehreren technischen Regulierungsstandards. Allein der Standard zu den „Informationen für die Erfüllung von Sorgfaltspflichten“ umfasst 44 Seiten.
Für Anleger bedeutet das: Ab Juli 2027 werden Finanzdienstleister noch mehr Daten erheben müssen.
Welche persönlichen Daten künftig verpflichtend sind
Finanzinstitute müssen künftig unter anderem erfassen:
- alle im Ausweis angegebenen Vor‑ und Nachnamen
- sämtliche Staatsbürgerschaften
- Geburtsdatum, Geburtsland und – falls ersichtlich – Geburtsort
- Echtheitsprüfung der Ausweisdokumente
- Beruf, Branche und geografische Tätigkeit
- Haupteinnahmequelle
- politisch exponierter Status (PEP)
- mögliche finanzielle Sanktionen
Zusätzliche Pflichten für Unternehmen
Juristische Personen müssen offenlegen:
- vertretungsbefugte Personen (z. B. Geschäftsführer)
- wirtschaftliche Eigentümer
- leitende Führungskräfte
Diese Angaben werden anhand von Registern überprüft.
Mittelherkunft und Transaktionsverhalten im Fokus
Kernpunkt der Geldwäscheprävention bleibt die Herkunft der Gelder. Anleger müssen diese künftig noch detaillierter belegen – etwa durch:
- Steuerbescheide
- Gehaltsabrechnungen
- Erbschaftsunterlagen
Zusätzlich müssen Finanzdienstleister Informationen einholen über:
- geplanten Anlagebetrag
- Veranlagungszweck
- erwartete Anzahl und Art der Transaktionen
- Volumen und Häufigkeit der Geldbewegungen
Ein Anleger brachte es kürzlich ironisch auf den Punkt: „Bald werde ich auch noch mein Lieblingslied und meine Schuhgröße bekanntgeben müssen.“
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Autor: Andreas Dolezal
Foto: Frank van Hulst / Unsplash+
Attraktive Dividendentitel im ATX
Üppige Renditen in Wien werden seltener, aber es gibt sie noch.
(13.02.2026)
Das Wichtigste in Kürze
– Dividenden bleiben ein stabiler Ertragsanker – auch in volatilen Märkten
– Österreichs Unternehmen überzeugen mit soliden Ausschüttungen
– Hohe Dividendenrenditen können Warnsignale sein
– Qualität, Ausschüttungsquote und Gewinnkraft sind entscheidend
Warum Dividendenaktien 2026 wieder stark im Fokus stehen
Dividendenwerte gewinnen an Bedeutung, weil Anleger in unsicheren Marktphasen Stabilität suchen. Ausschüttungen bieten planbare Erträge – unabhängig von kurzfristigen Kursschwankungen.
Österreichs Dividendenstars liefern stabile Erträge
Der ATX bleibt ein verlässlicher Dividendenmarkt. Viele Unternehmen zahlen seit Jahren konstant aus und bieten attraktive Renditen – ein Vorteil gegenüber wachstumsgetriebenen Märkten. Laut dem „AK Dividenden Report 2025“ vom Juni 2025 lag – in Bezug auf die Gewinne des Jahres 2024 – die durchschnittliche Ausschüttungsquote der 20 ATX-Unternehmen bei 52.
Starke Gewinne als Fundament jeder Ausschüttung
Nachhaltige Dividenden sind nur möglich, wenn Unternehmen solide Gewinne erwirtschaften. Analysten betonen, dass Profitabilität wichtiger ist als die absolute Höhe der Rendite.
Geschäftsmodelle mit regelmäßig wiederkehrenden Einkünften wie bei Post, Telekom, Energieversorgung, Banken und Versicherungen, aber auch jenen aus defensiven Bereichen wie Nahrungsmittel und Pharma begünstigen Dividendenkontinuität, die bei zahlreichen Zyklikern nicht gegeben ist.
Eine gewisse Herausforderung auf der Suche nach Dividendenrenditen stellen die jüngsten Kursanstiege der Wiener Börse dar, denn allein der ATX liegt auf Jahressicht 47 % im Plus. Dividendenrenditen von mehr als 4 % werden deshalb seltener.
So haben sich die Gewinne der ATX‑Konzerne entwickelt
Die Ertragslage der österreichischen Unternehmen zeigt sich robust. Branchen wie Industrie, Energie und Grundstoffe tragen maßgeblich zur Stabilität bei.
Worauf Profis bei Dividendenaktien wirklich achten
– Ausschüttungsquote
– Gewinnentwicklung
– stabilen Cashflow
– Verschuldungsgrad
– Branchenposition
Diese Kriterien helfen, langfristig tragfähige Dividendenzahler zu identifizieren.
Wenn hohe Dividenden zum Risiko werden
Sehr hohe Renditen können jedoch auch ein Warnsignal sein. Sie können auf Kursverluste, strukturelle Probleme oder eine nicht nachhaltige Ausschüttungspolitik hinweisen.
Wo es im ATX noch attraktive Dividendenrenditen gibt
Vorzeigeunternehmen in puncto Dividendenkontinuität:
OMV
Die OMV, die (mit Ausnahme 1993) seit 1987 für jedes Geschäftsjahr eine Dividende ausgeschüttet hat. Im Rahmen ihrer progressiven regulären Politik strebt sie sogar jährliche Dividendenerhöhungen an. Zusätzlich winken noch variable Dividenden.
Zwar führten Wertminderungen von Explorations- und Produktions-Vermögensgegenständen dazu, dass im Jahr 2025 der den Aktionären zustehende
- Gewinn um 27 % auf 1.017 Millionen Euro rückläufig war,
- doch der freie Cashflow konnte um 7 % auf 2.461 Millionen Euro gesteigert werden.
- Wirft man einen Blick auf den Analystenkonsens von MarketScreener, dann sollten in den kommenden Jahren bei soliden Gewinnen durchaus Dividendenausschüttungen von mehr als 4,30 Euro pro Aktie (vgl. mit 4,75 Euro für 2024) möglich sein. Bei einem Kurs von 52,40 Euro entsprächen 4,30 Euro einer Rendite von 8,2 %.
Telekom Austria
Die Telekom Austria wiederum, die in den ersten neun Monaten 2025 infolge niedrigerer Investitionen und eines verbesserten operativen Ergebnisses einen Anstieg des Free Cashflows um 52 % verzeichnete, hat seit 2018 für jedes Geschäftsjahr die Dividende gesteigert. Die Ausschüttung war in den Geschäftsjahren 2016 bis 2024 immer durch Ergebnis und Free Cashflow gedeckt.
Zwar rechnet der Analystenschätzungskonsens bis 2027 mit weiter steigenden Gewinnen und Dividenden, aber selbst bei einer gleichbleibenden Ausschüttung von 0,40 Euro je Aktie beträgt die Dividendenrendite bei einem Kurs von 9,58 Euro satte 4,2 %.
Post AG
Ein Dividendenklassiker mit stabilen Einnahmen durch ein wachsendes Paketgeschäft und ein Bankenstandbein (Bank99) ist die Österreichische Post. Unter Annahme einer gleichbleibenden Ausschüttung von 1,83 Euro läge die Dividendenrendite bei einem Kurs von 34,60 Euro bei 5,3 %.
In den Jahren 2015 bis 2024 verzeichnete der operative Free Cashflow ein Wachstum von 5,2 % p.a. Die Ausschüttung war in diesem Zeitraum jedes Jahr durch den operativen Free Cashflow gedeckt.
Bawag Group
Eine starke Dividendenwachstumsdynamik zeigt zuletzt die Bawag Group. Die Ausschüttung pro Aktie wuchs von 2021 bis 2024 von 3 auf 5,5 Euro. Die Wachstumsdynamik hält weiter an. Allein in den ersten neun Monaten 2025 stieg das Ergebnis je Aktie um 21 % auf 7,98 Euro und die Dividendenpolitik strebt eine Ausschüttungsquote von 55 % des Nettogewinns an. Selbst bei einer nur moderaten Dividendenanhebung auf 5,70 Euro läge die Dividendenrendite bei einem Kurs von 138,30 Euro bei 4,1 %.
Autor: Michael Kordovsky
Foto: Wiener Börse / Nik Pichler
Der Wettlauf um KI verändert die Märkte
Ein Marktkommentar von Tim Murray, Kapitalmarktstratege T. Rowe Price.
(03.06.) Der Markt wirkt nicht irrational, sondern rational, aber nervös. Die allgemeinen Trends sind weitgehend nachvollziehbar. Die wirtschaftliche Lage, politische Veränderungen und die Ertragsdynamik spiegeln sich in den Vermögenspreisen wider. Allerdings hat sich die Struktur des Marktes verändert. Da das System deutlich mehr momentumgetriebenes Kapital enthält, können Bewegungen übertrieben ausfallen. Die Richtung ist oft gerechtfertigt, aber das Ausmaß schießt regelmäßig über das Ziel hinaus. Was möglicherweise unterschätzt wird, ist die Möglichkeit, dass wir uns mitten in einem Regimewechsel befinden.
In den 15 Jahren nach der globalen Finanzkrise agierten Mega-Cap-Technologieunternehmen in einem ungewöhnlich günstigen Umfeld. Sie erzielten ein außergewöhnliches Umsatzwachstum bei gleichzeitig steigenden Margen – eine seltene Leistung in dieser Größenordnung. Sie revolutionierten Branchen mit relativ geringer Kapitalintensität, erschlossen sich eigene Nischen und vermieden weitgehend direkte Konkurrenz untereinander. Dieses Umfeld verändert sich derzeit.
Der Wettlauf um künstliche Intelligenz hat die Landschaft grundlegend verändert. Diese Unternehmen sind nicht mehr kapitalarm, sondern tätigen beispiellose Investitionen. Allein in den nächsten zwei Jahren werden die fünf großen Hyperscaler voraussichtlich mehr als 1,4 Billionen US-Dollar in Sachanlagen investieren. Gleichzeitig stehen sie in direktem Wettbewerb miteinander und mit finanzstarken privaten Herausforderern wie OpenAI, Anthropic und xAI. Hinzu kommt die Geschwindigkeit der KI-Innovation, die das Potenzial hat, nahezu jedes informationsbasierte Geschäftsmodell zu revolutionieren. Damit sind die Voraussetzungen für einen bedeutenden Umbruch in der Branche gegeben.
Die Gewinner der letzten 15 Jahre könnten vor einer schwierigeren Phase stehen. Gleichzeitig könnte sich ein starker Superzyklus im Energie- und Rohstoffbereich entwickeln, der diesen beispiellosen Ausbau der Infrastruktur unterstützt.
Auch die These, dass aktives Management tot sei, verdient eine Neubewertung. Der Markt hat gerade eine außergewöhnliche Phase mit einer engen Führungsriege hinter sich, in der eine Handvoll dominanter Unternehmen ihre Vormachtstellung Jahr für Jahr ausgebaut haben. In diesem Umfeld hatten passive Strategien natürlich Hochkonjunktur.
Wenn sich der Markt jedoch in Richtung eines wettbewerbsintensiveren, kapitalintensiveren und disruptiveren Regimes verschiebt, dürfte die Streuung zunehmen, und genau hier hat aktives Management in der Vergangenheit einen Mehrwert geschaffen. Strukturell könnte sich das Umfeld so entwickeln, dass Selektivität wieder belohnt wird.
Aus Sektorsicht stechen Industrie, Energie und Rohstoffe hervor. Es gibt zyklische Unterstützung durch fiskalische und monetäre Dynamiken, aber noch wichtiger ist, dass sich unter der Oberfläche eine strukturelle Nachfrage aufbaut, die durch Investitionen in KI-Infrastruktur und die Neuausrichtung globaler Lieferketten angetrieben wird. Diese Kombination aus zyklischen und langfristigen Rückenwindfaktoren ist überzeugend.
Gleichzeitig scheint nichts völlig uninvestierbar zu sein. Die meisten Sektoren sind eine gemischte Sache. Der Fokus liegt nun weniger auf einer allgemeinen Vermeidung als vielmehr auf einer disziplinierten Selektivität innerhalb der Sektoren.
Wie KI die Strommärkte neu ordnet
Energie wird zum Engpassfaktor: ein Kommentar von Christophe Braun, Equity Investment Director bei Capital Group.
(02.03.2026) Der rasante Ausbau künstlicher Intelligenz und die Reindustrialisierung der USA könnten die Energiebranche in eine neue Phase strukturellen Wachstums führen, erläutert Christophe Braun, Equity Investment Director bei Capital Group. Nach einem Jahrzehnt stagnierender Stromnachfrage zeichne sich nun ein fundamentaler Nachfrageimpuls ab.
Rechenzentren machten derzeit rund vier Prozent des US-Stromverbrauchs aus. Bis 2030 könnte dieser Anteil jedoch auf neun bis 14 Prozent steigen. „Wenn es einen Faktor gibt, der die Entwicklung von KI und die Reindustrialisierung der USA maßgeblich bestimmt, dann ist es elektrische Energie“, so Braun.
Nachfrageboom trifft auf strukturelle Engpässe
Parallel zum Ausbau digitaler Infrastruktur seien in den USA Investitionen von mehr als drei Billionen US-Dollar in neue industrielle Kapazitäten geplant – von Halbleiterfertigung bis Pharmaindustrie. Doch das Stromangebot werde nicht im gleichen Tempo wie die Nachfrage wachsen können.
Mehrere strukturelle Restriktionen dürften die Kapazitäten für die Energieerzeugung bis mindestens 2030 begrenzen. Turbinen für Gaskraftwerke hätten teilweise Lieferzeiten von bis zu fünf Jahren, Netzanschlüsse für neue Kapazitäten könnten fünf bis sieben Jahre in Anspruch nehmen. Zudem sei seit 2014 kein Nettozubau von Kohlekraftwerken erfolgt, während weitere Anlagen vom Netz gingen. „Wir sehen keine spekulative Überinvestition wie Ende der 1990er-Jahre, sondern ein strukturelles Spannungsfeld zwischen Nachfrage und Angebot“, erklärt Braun.
Versorger werden zu Wachstumstreibern
Vor diesem Hintergrund wandelten sich Stromversorger zu zentralen Enablern wirtschaftlicher Expansion. Die Folge: Technologieunternehmen sicherten sich zunehmend langfristige Stromlieferverträge, insbesondere mit Kernkraftbetreibern, um CO₂-freie Grundlastkapazitäten zu gewährleisten. Mit zunehmender Auslastung der Nuklearkapazitäten dürften Vereinbarungen für die Stromlieferung auch mit Erzeugern fossiler Energie folgen, insbesondere mit Anbietern verlässlicher Grundlast, also dauerhaft verfügbarer Stromkapazitäten unabhängig von Tageszeit oder Wetterbedingungen.
Strukturell zeichne sich ein beschleunigtes Gewinnwachstum ab: Regulierte Versorger hätten in der Vergangenheit typischerweise ein jährliches Gewinnwachstum von fünf bis sieben Prozent erzielt, projizierten nun jedoch sieben bis neun Prozent oder mehr – getrieben durch steigende Investitionen in Netze und Erzeugungskapazitäten.
Auf Sektorebene habe sich diese Dynamik bereits gezeigt: Der Utilities-Sektor habe zuletzt eine der höchsten Gewinnwachstumsraten innerhalb des S&P 500 verzeichnet und liege deutlich über historischen Durchschnittswerten.
Industrie- und Rohstoffwerte profitieren mit
Die Dynamik erfasse auch Industrie- und Materialwerte. Unternehmen, die Turbinen, Generatoren und Hochleistungsstromsysteme liefern, berichteten von steigenden Auftragseingängen. Auch im Rohstoffbereich zeichne sich struktureller Druck ab: Der steigende Bedarf an Netzinfrastruktur, Rechenzentren und Elektromobilität erhöhe insbesondere die Nachfrage nach Kupfer. Prognosen deuteten auf ein mögliches Angebotsdefizit von rund sechs Millionen Tonnen bis 2035 hin. „Denn digitale Infrastruktur und Elektrifizierung sind untrennbar miteinander verbunden“, betont Braun.
Fazit: Energie als strategischer Engpass
Bislang sei die Stromerzeugungs- und Netzinfrastruktur ein wenig beachteter Bereich der Wirtschaft gewesen. Doch nun gebe es in diesem Sektor einen strategischen Engpass, wodurch er zu einem zentralen Investmentthema werde. Mehrere Nachfragequellen – KI, Reindustrialisierung und Elektromobilität – träfen auf strukturelle Angebotsbegrenzungen.
„Energie ist nicht mehr nur Hintergrundrauschen der Wirtschaft, sondern ein entscheidender Wettbewerbsfaktor“, resümiert Braun. „Entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Stromerzeugung über Netzinfrastruktur bis hin zu Industrie- und Rohstoffunternehmen – entstehen dadurch neue Investitionsperspektiven.“
„Anlegerschutz täglich in Gefahr“ – Beckermann über ATX, HV-Saison & Politik
Das Wichtigste in Kürze:
– Wie Privatanleger die aktuelle Marktlage einschätzen
– Warum die Wiener Börse trotz Realwirtschaftsproblemen outperformt
– Welche Rolle virtuelle HVs künftig spielen
– Was die neue Geschlechterquote bedeutet
– Warum der Anlegerschutz laut IVA „täglich in Gefahr“ ist
06.03.2026
Einordnung und Hintergrund
Die Eskalation im Nahen Osten hat die weltweiten Börsen auf Talfahrt geschickt. Davor erreichten viele Indizes aber All‑Time‑Highs – auch der ATX. Parallel dazu hat in Österreich die Hauptversammlungssaison begonnen.
Klaus Schweinegger vom Börsen‑Kurier sprach in diesem Kontext mit Florian Beckermann, Präsidenten des IVA – Interessenverband für Anleger, über Hintergründe und seine Erwartungen an die HV‑Saison 2026.
Stimmung der Privatanleger
Performance des ATX und Anlegerstimmung
Börsen‑Kurier: Traditionell hat die EVN die HV‑Saison in der Vorwoche eröffnet. Wie schätzen Sie die Stimmung unter den heimischen Privatanlegern ein – der ATX hat ja bis zur Eskalation im Nahen Osten vor ein paar Tagen ausgezeichnet performt?
Florian Beckermann: „Die ATX‑Performance war bis vor kurzem sehr stark, das stimmt. Die Wiener Börse verzeichnet traditionell eine starke Gewichtung auf die Bank‑ und Versicherungstitel, Stichworte: Raiffeisenbank International, Erste Group, VIG oder Uniqa. Alle diese legten in den vergangenen zwölf Monaten eine außerordentliche Aktienkursperformance vor, was diese Erholung ermöglichte. Dennoch sind den heimischen Privatanlegern die wirtschaftlichen Probleme auf nationaler Basis völlig bewusst. Eine Euphorie mag ich dort nicht erkennen. Eher das Gegenteil.“
Internationale Wahrnehmung der Wiener Börse
Outperformance trotz Realwirtschaft
Börsen‑Kurier: Sie sagen es. Wie erklären Sie sich die enorme Outperformance angesichts einer sich nur langsam erholenden Realwirtschaft und auch der Wirtschaftsskandale Signa, Wienwert oder ganz aktuell Sun Contracting?
Beckermann: „Die Lücke zur Realwirtschaft ist frappant. Dennoch wird unser Markt international geschätzt. Das liegt an der internationalen Ausrichtung, aber auch an guter Stakeholder‑Arbeit. Die genannten Cases haben mit der Börse nichts oder nur indirekt zu tun. Sie sind zwar schlecht für die betroffenen Anleger, aber im Verhältnis zum Volumen der Gesamtbörse zu vernachlässigen. Ein Glücksfall.“
Kapitalmarkt und Politik
Die neue Industriestrategie
Börsen‑Kurier: In diesem Umfeld hat die Bundesregierung vor kurzem eine Industriestrategie veröffentlicht. Was erwarten Sie davon? Und könnte sich daraus ein Anschub für den heimischen Kapitalmarkt entwickeln?
Beckermann: „Zunächst ist es gut, eine Strategie formuliert zu haben. Die Bundesregierung hat die Zeichen der Zeit erkannt. Leider fehlt der Strategie gewissermaßen der Treibstoff, der Kapitalmarkt. Hier muss die Regierung noch einmal ran, sonst wird die Industriestrategie zum peinlichen Stückwerk eines Wunschkonzerts.“
Präsenz‑ vs. virtuelle Hauptversammlungen
Transparenz und Governance
Börsen‑Kurier: Die Satzungsermächtigung zur Durchführung von virtuellen Hauptversammlungen war nach der Pandemie ein großer Streitpunkt. Anders als in Deutschland hat sich das Präsenzformat bei uns anscheinend durchgesetzt. Ein Sieg der Transparenz und Offenheit und letztlich auch einer für den IVA?
Beckermann: „Wie eine HV abgehalten wird, ist wichtig für die Aktionäre. Anders als bei uns, gibt es in Deutschland Gesellschaften, die aus verschiedenen Gründen ihre Aktionäre nicht sehen wollen. Das wird zunehmend negativ beurteilt – aus der Perspektive der Transparenz, Governance und Hauptversammlungskultur. Diesen Pfad beschreitet in Österreich aktuell eigentlich kein börsengelistetes Unternehmen. Das ist vernünftig. Wir haben auf diesen Irrweg von Anfang an hingewiesen, aber von Sieg würde ich nicht sprechen.“
Virtuelle HVs 2026
Wo sie sinnvoll sind – und wo nicht
Börsen‑Kurier: Rechnen Sie heuer überhaupt noch mit irgendeiner virtuellen HV?
Beckermann: „Bei nicht‑börsengelisteten Aktiengesellschaften kann die virtuelle HV Sinn ergeben. Dort wird das Format weiter praktiziert. Für Publikumsgesellschaften ist uns für dieses Jahr bisher keine virtuelle HV bekannt. Aber man weiß ja nie! Viele Aktionäre sehen diese Entwicklung als sehr positiv. Ein Asset für unseren Markt über die Grenzen Österreichs hinaus.“
Vergütung & Geschlechterquote
Was 2026 wichtig wird
Börsen‑Kurier: Vergütungsberichte und Geschlechterquoten waren und sind immer wieder eines der Themen. Was erwartet uns 2026?
Beckermann: „Das Vergütungsberichtswesen hat über die Jahre ein nationales Eigenleben entwickelt. Häufiger Kritikpunkt war die fehlende Vergütungszurechnung. Nach den Stimmrechtsberatern wird ab dieser Saison der internationale Maßstab herangezogen. Hier kommt es also zu negativem Voting. In Sachen Geschlechterquote müssen wir die Woman‑on‑Board‑Richtlinie umsetzen. Die Lösung für Österreich liegt nun in einer 40 % Quote für das unterrepräsentierte Geschlecht im Aufsichtsrat. Da kommt noch nicht jedes Unternehmen hin. Es gibt Anpassungsbedarf.“
Qualität der HVs
Teilnehmerzahlen und Entwicklung
Börsen‑Kurier: Sie besuchen seit vielen Jahren als professioneller Teilnehmer die HVs. Wie hat sich die Qualität der Veranstaltungen entwickelt, und machen Sie sich Sorgen bezüglich der Teilnehmerzahlen?
Beckermann: „Jein! Seit der zweiten EU‑Aktionärsrechterichtlinie hat die Präsenz zugenommen. Insbesondere institutionelle Aktionäre sind vertreten. Das ist eine gute Entwicklung. Die physische Präsenz vor Ort ist da komplexer zu beurteilen. Spannende HVs mit interessanten Tagesordnungspunkten erfreuen sich immer guter Frequenz. Manche Unternehmen kümmern sich auch gern um viel Präsenz bei einer Standard‑HV. Andere sehen in der HV eine lästige Pflicht und wurschteln sich durch. Das merken natürlich die Aktionäre und verlieren das Interesse.“
Appell an die Anleger
„Der Anlegerschutz ist täglich in Gefahr“
Börsen‑Kurier: Und abschließend Ihr Appell an unsere Leserinnen und Leser?
Beckermann: „Zunächst Danke, dass es sie gibt! Der Börsen‑Kurier‑Leser hat einen Wissensvorsprung. Der IVA und die Leser pflegen eine sehr erfolgreiche Verbindung. Wir können noch viel gemeinsam für den Kapitalmarkt erreichen. Ich möchte die Leser ermuntern, weiter aktiv und kritisch zu sein. Der Anlegerschutz ist täglich in Gefahr.“
Foto: IVA
Zur Person: Florian Beckermann
Funktion: Präsident des IVA – Interessenverband für Anleger
Schwerpunkt: Anlegerschutz, Corporate Governance, Hauptversammlungskultur
Tätigkeit: Seit vielen Jahren einer der sichtbarsten Vertreter der österreichischen Privatanleger; regelmäßiger Teilnehmer an Hauptversammlungen börsennotierter Unternehmen
Bekannt für: klare Positionen zu Transparenz und Governance – Einsatz für Präsenz‑Hauptversammlungen – kritische Begleitung von Vergütungsberichten und Stimmrechtsstrukturen – aktive Rolle in der Weiterentwicklung des österreichischen Kapitalmarkts
Organisation: IVA – Interessenverband für Anleger (gegründet 1991)
Relevanz: zentrale Stimme für Privatanleger in Österreich; wichtiger Ansprechpartner in Fragen des Anlegerschutzes und der Aktionärsrechte
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9.3.2026 Rohstoffe zählen aktuell zu den dynamischsten Anlageklassen weltweit. Besonders das Gold sorgt für Rekordmeldungen: Auf Jahressicht legte der Preis um mehr als 77 % zu, über fünf Jahre sogar um knapp 200 % – jeweils in US-Dollar (Stand: 2. März).
Getrieben wird die Rallye vor allem durch massive Goldkäufe zahlreicher Notenbanken, insbesondere aus Schwellenländern. Gleichzeitig erhöhen geopolitische Spannungen und handelspolitische Konflikte die Unsicherheit an den Märkten. In solchen Phasen steigt traditionell die Nachfrage nach sicheren Häfen – und Gold profitiert.
Gold: Die Hausse könnte weitergehen
„Unser Research erwartet einen weiter steigenden Goldpreis“, sagt Volker Meinel, Leiter Zertifikate bei BNP Paribas, im Gespräch mit dem Börsen‑Kurier. Zwar habe sich die Euphorie der Anleger, die Ende 2025 und Anfang 2026 besonders ausgeprägt war, zuletzt etwas beruhigt. Ob der Nahostkonflikt erneut für Auftrieb sorgt, bleibt abzuwarten.
Fest steht: Das Interesse an Gold-Zertifikaten war zuletzt enorm. „Es gab Tage, an denen Gold der meistgehandelte Basiswert für Zertifikate war“, so Meinel.
Ölpreis unter geopolitischem Einfluss
Nicht nur Edelmetalle stehen im Fokus. Auch der Ölmarkt reagiert empfindlich auf die jüngsten geopolitischen Entwicklungen. Der Angriff der USA und Israels auf den Iran hat die Nervosität erhöht.
Der Preis für Brent-Rohöl stieg von rund 60 USD zu Jahresbeginn auf zuletzt 77,47 USD. Wie es weitergeht, hängt maßgeblich vom weiteren Verlauf der Eskalation ab.
ETCs und Zertifikate: Zugang zu Rohstoffen – ohne physischen Besitz
Anleger können sowohl auf Gold als auch auf Öl über ETCs (Exchange Traded Commodities) setzen. Diese funktionieren ähnlich wie Zertifikate, sind jedoch mit einem Kollateral besichert, das im Fall einer Emittenteninsolvenz ausgezahlt wird.
Öl: Futures statt physischer Lieferung
Bei Öl-ETCs erwerben Anleger nicht den Rohstoff selbst. Stattdessen investieren Anbieter in Futures, also Terminkontrakte auf die künftige Preisentwicklung. Diese können vom aktuellen Kassapreis abweichen – je nach Markterwartung nach oben oder unten.
Um Preisschwankungen zwischen verschiedenen Fälligkeiten abzufedern, setzt das „RICI Enhanced Brent Öl (TR) ETC“ von BNP Paribas auf drei unterschiedliche Futures:
- den nächstfälligen Future (derzeit Juni),
- den übernächsten Future (derzeit Dezember),
- sowie einen dritten Future, der abhängig von der Marktlage gewählt wird, um ungünstige Preisstrukturen zu vermeiden.
Aktuell handelt es sich ebenfalls um den Dezember-Future.
Zertifikate: Wachsende Nachfrage trotz Zinsen
Was passiert, wenn Anleiherenditen weiter steigen und Bonds wieder attraktiver werden?
Meinel sieht das gelassen: „Unsere Experten erwarten heuer keine Änderung der Zinssituation – weder in Europa noch in den USA.“
Stattdessen rechnet er mit einem weiter steigenden Interesse an Zertifikaten. Besonders bemerkenswert: Auch die jüngere Generation zeigt zunehmend Mut am Kapitalmarkt. „Da kommt man an Zertifikaten und Optionsscheinen kaum vorbei“, so der langjährige Experte.
Autor: Raja Korinek
Foto: BNP Paribas
Im Artikel vorgestellte Zertifikate
| Name |
ISIN |
| RICI Enhanced Brent Öl (TR) ETC |
DE000PB6R1B1 |
| Gold ETC |
DE000PS7G0L8 |
Bitcoin zwischen Reife und Risiko: Was Anleger jetzt wissen sollten
Eine kritische Analyse der Kryptowährung von Willem H. Buiter von der Columbia University.
Einordnung: Vom Nischenprojekt zum wichtigen Anlagebaustein
Bitcoin wurde 2008 entwickelt und startete 2009 in den Handel. Bereits 2010 explodierte der Kurs von wenigen Hundertsteln eines US‑Cents auf acht Cents. 2011 stieg der Preis auf 67 Cents und erreichte bis 2015 rund 327 USD. Noch im März des Vorjahres lag Bitcoin bei etwa 70.000 USD – heute notiert er bei rund 69.000 USD. Für viele Ökonomen ist Bitcoin damit ein Paradebeispiel für extreme Volatilität: enorme Wertzuwächse, aber ebenso starke Rückschläge. Gleichzeitig zeigen langfristige Daten, dass die Schwankungsbreite in den vergangenen Jahren tendenziell abgenommen hat – ein Hinweis darauf, dass der Markt reifer, liquider und institutionell geprägter geworden ist. Auch die zunehmende Regulierung und die Einführung professioneller Anlageprodukte haben dazu beigetragen, dass Bitcoin heute stärker in traditionelle Finanzstrukturen eingebettet ist.
Kein innerer Wert: Warum Bitcoin ein spekulativer Vermögenswert ist
Im Gegensatz zu Gold, das historisch als Rohstoff und Schmuckmetall genutzt wurde, besitzt Bitcoin keinen inneren Wert. Er ist eine private Fiatwährung, deren Preis ausschließlich durch Marktstimmung entsteht. Damit ist Bitcoin ein Luxusobjekt – allerdings eines, das reale Kosten verursacht.
Befürworter sehen in Bitcoin dennoch einen möglichen digitalen Wertspeicher, da das Angebot begrenzt ist und die Kryptowährung unabhängig von staatlicher Geldpolitik funktioniert. Diese Knappheit und die programmierte Emissionsrate sind zentrale Argumente derjenigen, die Bitcoin langfristig als „digitales Gold“ betrachten.
Hohe Mining‑Kosten
Mining bezeichnet den Prozess, mit dem neue Bitcoins entstehen und Transaktionen im Netzwerk bestätigt werden. Computer lösen dabei komplexe mathematische Aufgaben. Wer diese Aufgabe zuerst löst, erhält neue Bitcoins als Belohnung. Dieser Prozess benötigt viel Rechenleistung und damit Energie – deshalb gilt Mining als energieintensiv.
Das energieintensive Mining begrenzt das Bitcoin‑Angebot auf maximal 21 Millionen Einheiten. Auch wenn das Protokoll unverändert bleibt, können jederzeit neue Kryptowährungen entstehen, die auf ähnlichen technischen Prinzipien basieren – inklusive vergleichbarer ökologischer und ökonomischer Anforderungen. Parallel dazu existieren bereits etablierte Alternativen wie Ethereum, die das Spektrum digitaler Anlageformen weiter verbreitern und teilweise energieeffizientere Verfahren nutzen.
Fiatwährungen vs. Kryptowährungen: Parallelen und Risiken
Auch staatliche Fiatwährungen können theoretisch wertlos werden – Hyperinflationen wie in der Weimarer Republik, Venezuela oder Simbabwe zeigen das. Doch im Normalfall bewegen sich staatliche Währungen in einem fundamentalen Gleichgewicht, während private Kryptowährungen wie Bitcoin eine unendliche Spannbreite möglicher Preisgleichgewichte aufweisen – inklusive des Nullpreises.
Worauf der Bitcoin-Kurs basiert
Der aktuelle Bitcoin‑Kurs basiert weiterhin nicht auf fundamentalen Erträgen, sondern auf Erwartungen, Marktstimmung und Liquidität. Aus ökonomischer Sicht entspricht das einem Preisgleichgewicht, das theoretisch stark steigen oder auch kollabieren kann. Gleichzeitig hat sich der Markt in den vergangenen Jahren deutlich stabilisiert: höhere Liquidität, strengere Regulierung und institutionelle Produkte wie ETFs haben die Schwankungsbreite reduziert und die Marktstruktur professionalisiert.
Die historische Bitcoin‑Wertentwicklung zeigt, dass sich der Markt über die Jahre professionalisiert hat – ein Aspekt, der die langfristige Stabilität zwar nicht garantiert, aber die Marktmechanik verändert.
Bitcoin: Wer sind die einflussreichen Marktteilnehmer?
Der Kauf von 1,5 Mrd. USD in Bitcoin durch Tesla Anfang 2021 führte zu einem deutlichen Preisanstieg – ein Beispiel dafür, wie einzelne große Marktteilnehmer kurzfristig starke Impulse auslösen können. Der gleiche Mechanismus funktioniert jedoch auch in die andere Richtung: Größere Verkäufe oder kritische Aussagen prominenter Akteure können den Kurs ebenso rasch unter Druck setzen.
Auch heute bleibt Bitcoin anfällig für solche Effekte – etwa durch institutionelle Zuflüsse in große ETFs, regulatorische Entscheidungen oder öffentliche Kommentare einflussreicher Marktteilnehmer. Gleichzeitig zeigt die zunehmende institutionelle Beteiligung, dass Bitcoin stärker in regulierte Finanzstrukturen eingebettet wird.
Bitcoin: Warum der Vermögenswert instabil bleibt
Bitcoin bleibt ein Vermögenswert ohne fundamentalen Wertanker, weshalb sein Kurs stärker auf Angebot und Nachfrage, Marktstimmung und Liquidität reagiert als klassische Anlageformen. Da keine Cashflows oder realwirtschaftliche Erträge zugrunde liegen, kann der Preis in kurzer Zeit deutlich steigen oder fallen.
Auch externe Faktoren wie regulatorische Entscheidungen, institutionelle Zuflüsse, ETF‑Bewegungen oder Verkäufe großer Marktteilnehmer können kurzfristig spürbare Ausschläge verursachen. Diese Abhängigkeit von Stimmungs‑ und Liquiditätseffekten verhindert, dass Bitcoin die Stabilität traditioneller Wertspeicher erreicht.
Gleichzeitig zeigt die Entwicklung der vergangenen Jahre, dass der Markt zunehmend reift: Die Volatilität ist langfristig rückläufig, die Liquidität höher, und professionelle Produkte wie ETPs und ETFs haben den Zugang strukturiert. Trotz dieser Fortschritte bleibt Bitcoin jedoch ein spekulatives Asset, dessen Wertentwicklung stark schwanken kann.
Fazit: Bitcoin ist ein risikoreiches Asset in einem gereiften Markt
In den vergangenen Jahren hat sich der Markt rund um Bitcoin deutlich weiterentwickelt: Die Regulierung wurde in vielen Ländern verschärft, institutionelle Produkte wie ETPs und ETFs haben den Zugang professionalisiert, und die Volatilität ist langfristig betrachtet tendenziell gesunken. Gleichzeitig bleibt Bitcoin ein digitaler Vermögenswert ohne inneren Wert, dessen Preis stark schwanken und im Extremfall auch kollabieren kann.
Für Anleger mit hoher Risikobereitschaft kann Bitcoin dennoch eine Beimischung darstellen – vorausgesetzt, sie sind sich der möglichen Verluste bewusst und betrachten das Investment als spekulativen Baustein innerhalb eines breit diversifizierten Portfolios. Die zunehmende Marktstrukturierung, Professionalisierung und Regulierung zeigen jedoch, dass Bitcoin heute nicht mehr das unregulierte Nischenexperiment früherer Jahre ist, sondern ein global beachtetes Anlagephänomen mit wachsender institutioneller Bedeutung.
Foto: Pixabay / Leamsii
Kapitalschutz-Zertifikate: ideal für den Einstieg in den Kapitalmarkt
Im Gespräch mit den beiden ZFA-Vorständen Philipp Arnold und Uwe Kolar.
Mehr Selbstentscheider: Online‑Handel und einfache Produkte boomen
Der Markt für Zertifikate wächst – und verändert sich. Immer mehr Selbstentscheider handeln online, gleichzeitig entdecken auch Berater und konservative Anleger die Vorteile standardisierter, transparenter Produkte. Entwicklungen, die den Markt prägen und warum Zertifikate für viele Anlegergruppen attraktiver werden.
- Die Zahl der Selbstentscheider steigt,
- Online‑Plattformen gewinnen an Bedeutung,
- gefragt sind einfache, standardisierte Zertifikate, die ohne komplexe Strukturen auskommen.
Doch Zertifikate sind jedoch nicht nur für erfahrene Online‑Trader geeignet. Auch Berater könnten ihren Kunden damit spezielle, maßgeschneiderte Lösungen anbieten – insbesondere, wenn Sicherheit und Transparenz im Vordergrund stehen.
Kapitalgarantie und Teilschutz: Warum Berater auf sichere Zertifikate setzen
Für viele Berater sind Produkte mit Kapitalgarantie oder Teilschutz besonders interessant. Uwe Kolar betont:
- Sie sind leicht verständlich,
- transparent,
- ohne versteckte Kosten,
- und bieten Anlegern einen klaren Rahmen für ihre Erwartungen.
Ein weiterer Vorteil: Zertifikate erleichtern den laufenden Kundendialog. Die Chance, immer wieder etwas im Portfolio zu drehen, bietet Anknüpfungspunkte beim Kunden.
Schnelle Emission: Zertifikate reagieren blitzschnell auf Trends
Ein entscheidender Vorteil gegenüber vielen anderen Anlageformen: Zertifikate können extrem schnell emittiert werden.
Während andere Produkte oft regulatorische Bewilligungen benötigen, können Emittenten bei Zertifikaten innerhalb kürzester Zeit auf neue Markttrends reagieren.
Damit lassen sich „große Themen“ abdecken – von Rohstoffen über Technologie bis hin zu Nachhaltigkeit.
Zudem bildet das Auszahlungsprofil eines Zertifikats den Markt nicht 1:1 ab. Möglich sind etwa:
- Fixkupons,
- Bonuszahlungen bei Seitwärtsbewegungen,
- Kapitalschutz oder Teilschutz,
- asymmetrische Renditeprofile.
ESG: Nachhaltigkeitsthema auch am Zertifikatmarkt
ESG – Umwelt, Soziales und Unternehmensführung – zählt auch im Zertifikatemarkt zu den wichtigsten Themen.
Arnold spricht von einem „extremen Schwung“, der auch in den kommenden Jahren „gigantisch“ bleiben werde.
Wichtige Beobachtungen:
- Auch Selbstentscheider achten zunehmend auf ESG‑Kriterien.
- Die Rendite bleibt entscheidend – doch der Mythos, ESG koste Performance, verliert an Bedeutung.
- Besonders beliebt ist der Best‑in‑Class‑Ansatz, der breite, marktähnliche Investments ermöglicht.
Neben Nachhaltigkeit zählen auch Technologie‑Megatrends wie
- Künstliche Intelligenz,
- Robotik,
- Digitalisierung, zu den gefragtesten Themen im Zertifikate‑Universum.
Kapitalmarkt: Sicherheit bleibt für viele zentral
Ein wesentlicher Grund für den Erfolg von Zertifikaten im Niedrigzinsumfeld: Mit dem Sparbuch ist nichts zu verdienen.
Zertifikate mit Kapitalschutz ermöglichen vielen Anlegern den ersten Schritt in den Kapitalmarkt. Nach zwei bis drei Jahren Erfahrung wagen viele den nächsten Schritt – etwa in
- Bonuszertifikate,
- Fixkuponvarianten,
- oder Produkte mit moderatem Risiko.
Der Sicherheitsgedanke bleibe jedoch wichtig: Kapitalschutz bleibt gefragt, Teilschutz gewinnt an Bedeutung.
Junge Anleger: klare Botschaften, digitale Kommunikation, einfache Produkte
Arnold betont, dass es in der Kommunikation mit jungen Anlegern besondere Herausforderungen gibt:
- Sie wollen Lösungen für ihre Bedürfnisse,
- klare, verständliche Botschaften,
- digitale, schnelle Kommunikation,
- und einfache, kostengünstige Produkte.
Zertifikate sind hier im Vorteil: Sie benötigen kein großes Portfolio, sind preislich attraktiv und bieten strukturierte, nachvollziehbare Renditechancen.
Und: Auch junge Menschen erkennen zunehmend, dass sie sich langfristig um ihre Geldanlage kümmern müssen.
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Foto: Pixabay / Robert Kneschke
100-Mrd.-Markt: Neue Adipositas‑Medikamente läuten nächste Phase ein
Adipositas wird zur globalen Gesundheitskrise
Laut einer aktuellen Studie im The Lancet leiden weltweit bereits über eine Milliarde Menschen an Übergewicht oder Fettleibigkeit. 2020 waren 38 % der Weltbevölkerung über fünf Jahre übergewichtig – bis 2035 dürfte dieser Anteil auf 51 % steigen. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von 3 %. Seit 1975 hat sich die Zahl der Betroffenen nahezu verdreifacht.
Ein Markt mit enormem Wachstumspotenzial
Trotz der dramatischen Zahlen werden in den USA bislang nur 2 % der Adipositas‑Patienten medizinisch behandelt. Der Markt für sichere und effektive Therapien ist daher weit offen. Für die kommenden Jahre wird ein jährliches Wachstum von 25–30 % erwartet (CAGR 2022–2030).
Derzeit dominieren Novo Nordisk und Eli Lilly den Markt für sogenannte GLP‑1‑Medikamente, . Bisher war Novo Nordisk der Marktführer. Dieser schätzt den Umsatz für den globalen Adipositasmarkt auf 100 Mrd. US‑Dollar bis 2030. Die Pipeline umfasst Wirkstoffkombinationen wie CagriSema und Amycretin, die das Potenzial haben, die nächste Generation der Adipositastherapie zu prägen.
Aktien von Novo Nordisk um fast 80 Prozent abgestürzt
Doch das Feld der Gewinner und Verlierer in diesem hart umkämpften Markt ist noch klar verteilt und herbe Rückschlägen müssen stets auch von Anlegern einkalkuliert werden. So ist die Aktie von Novo Nordisk von Mitte 2024 bis März 2025 um 76 Prozent abgestürzt und weist nur noch ein KGV von 10 auf.
Gründe für den Kursrückgang von Novo Nordisk
Eine wichtige Studie zu CagriSema, einem Hoffnungsträger der nächsten GLP‑1‑Generation, hat das primäre Ziel verfehlt. In einem direkten Vergleich zeigte sich das Medikament weniger wirksam als Eli Lillys Zepbound, was das Vertrauen der Anleger erschütterte.
Ein weiteres Problem: Novo Nordisk musste die Preise seiner Blockbuster‑Medikamente um bis zu 50 Prozent senken, um im US‑Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. Das belastet Margen und zukünftige Gewinne erheblich.
Novo Nordisk: Umsatz- und Gewinnrückgang für 2026 prognostiziert
Für 2026 erwartet das Unternehmen nun einen Rückgang von Umsatz und operativem Gewinn um 5–13 % – ein Schock für einen Konzern, der jahrelang zweistellig gewachsen ist.
Analysten sehen langfristig dennoch Potential
Trotz Rückschlägen bleibt Novo Nordisk laut Morningstar und Business Insider ein Kernwert im Adipositas‑Segment. Das Unternehmen ist weiterhin Marktführer bei Abnehm-Medikamenten wie Wegovy und Ozempic. Analysten sehen langfristig großes Potenzial, auch wenn kurzfristige Risiken bestehen.
Adipositas-Medikamente: Wettbewerb nimmt Fahrt auf
Dennoch Rückschlägen arbeiten mindestens sieben Biopharma-Unternehmen fieberhaft an neuen Wirkstoffen mit noch stärkerem Gewichtsverlust. Darunter
Amgen (orale Pille gegen Übergewicht, statt Spritze)
Viking Therapeutics (starke Phase-2-Daten)
Structure Therapeutics (ebenfalls orales Medikamente zur Adipositastherapie)
Roche über Akquisitionen im Feld aktiv
Rückschläge bei Novo Nordisk bringt Vorteil für Eli Lilly
Der Rückschlag bei Novo Nordisk stärkt Konkurrent Eli Lilly gleich doppelt:
- Zepbound/Mounjaro gelten nun klar als wirksamere Therapien gegen Fettleibigkeit.
- Lilly hat eine breitere Pipeline, die in Studien teils deutlich stärkere Gewichtsreduktionen zeigt.
- Die Preissenkungen von Novo Nordisk erhöhen den Druck auf die Margen, während Lilly seine Preise stabiler halten kann.
Für Investoren bedeutet das: Der Marktführer könnte sich dauerhaft verschieben.
Markt für Pillen für die Gewichtsreduktion wird neu bewertet
Der Sektor war extrem hoch bewertet – mit Erwartungen, die fast nur perfekte Daten zuließen. Der Absturz von Novo Nordisk führt zu:
- Bewertungsabschlägen bei allen diesen Spezialisten für Appetitzügler
- höherer Risikoprämie für Biotech‑Werte mit Adipositasfokus
- kritischerer Sicht auf diese sogenannten „Next‑Gen‑GLP‑1“ (Kombinationstherapien, orale Biologika)
Das Narrativ „Appetithemmer lösen alles“ wird durch ein realistischeres Bild ersetzt.
Segment für Appetitzügler‑Medikamente wird differenzierter
Trotz des Kurssturzes bleibt der Adipositasmarkt einer der größten Wachstumsmärkte im Gesundheitssektor:
- über 1 Milliarde Betroffene weltweit
- nur 2 % der Patienten in den USA werden überhaupt behandelt
- erwartetes Marktvolumen bis 2030: 100 Mrd. USD.
Der Kurssturz ist also kein Ende des Booms, sondern der Beginn einer neuen Phase, in der Wettbewerb, Evidenz und Preisgestaltung stärker zählen als reine Euphorie.
Foto: AdobeStock / tournee
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Was 2026 für Pharma-Aktien spricht
Anlegen ist Notwehr
Florian Beckermann (27.02.2026). Eine Generation steht vor einem Problem: Geht sich die Altersvorsorge aus? Nicht zuletzt der gefühlte Abstieg der nationalen Wettbewerbsfähigkeit gilt für viele als klares Indiz, dass die Minimalanforderungen des staatlichen Altersvorsorgesystems nicht genügen werden. Allenthalben heißt es dann „Eigenverantwortung übernehmen“ und „für das Alter sparen“. Junge Menschen sollen investieren – aber bitte nur so, wie es in das enge Raster staatlicher Aufsicht passt? Freiheit ja, doch nur in regulierbarer Dosierung. Die Erträge werden hoch besteuert oder abgeregelt. Zusätzlich bedroht durch die Demographie. Und Erbschaftssteuer soll das Startkapital verdampfen lassen.
Kapitalanlage ist dann kein Luxus, sondern Notwehr. Wer heute zwanzig oder dreißig ist, weiß, dass dem umlagefinanzierten Rentenversprechen die Demographie im Nacken sitzt. Die nüchterne Konsequenz lautet: früh investieren, breit streuen, langfristig denken. Eine wachsende Minderheit sieht diese Realität und wagt den Schritt auf den Markt z. B. mit ETFs. Doch nur wenige entscheiden sich für das direkte Investment in die Aktien der heimischen Betriebe, die das langfristige (!) Eigenkapital so dringend brauchen können. Die Verteufelung der
Börse als „Casino“ trägt langfristige Früchte. Die soziale Abschreckung funktioniert besonders in Österreich.
Mehr noch, überbordende Regulierung wird als „Anlegerschutz“ verkauft. Während in Wahrheit die Bürger für doof gehalten werden. Die regulatorischen Informationspflichten wachsen ins Absurde, Kleingedrucktes gleicht einem juristischen Minenfeld und jede Reform bringt neue Detailvorschriften – die kaum jemand liest. Der jüngste Kapitalmarktprospekt des deutschen Börsengangs von ASTA Energy umfasste weit mehr als 300 Seiten in englischer Sprache. Junge Menschen, die vielleicht 100 E im Monat investieren wollen, sehen sich einem Apparat gegenüber, der suggeriert: Ohne Expertenstatus investiert man in ein Hochrisikoprojekt. Dann lässt man es besser.
Fiskalische Logik: Kapitalerträge werden besteuert, deren bloße Möglichkeit aus bereits versteuertem Einkommen erwächst. Wer langfristig Vermögen aufbauen will, läuft durch ein Spalier der Abschöpfung. Das Signal ist auch hier eindeutig: Sparsamkeit und Risikobereitschaft sind ein not-wendiges Übel, solange sie nicht zu erfolgreich sind. Besonders perfide ist die psychologische Wirkung. Anstatt junge Menschen an unternehmerisches Denken, Beteiligungskultur und Aktienbesitz heranzuführen, kultiviert man Misstrauen, Altersarmut und Sparmatratzen. Investieren erscheint
als etwas Gefährliches, Spekulatives, moralisch Fragwürdiges – während gleichzeitig staatliche Schuldenaufnahme als alternativlos gilt.
Fazit: Die wirtschaftliche und demographische Notwehrlage provoziert die private Vorsorge unter steuerlichem und regulatorischem Sperrfeuer. Wer es ernst meint mit Generationengerechtigkeit, muss die Kapitalanlage für junge Menschen vereinfachen und steuerlich entlasten sowie Startkapital ermöglichen. Alles andere ist Heuchelei im Mantel der Fürsorge.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Was, wenn die Schwankungen wieder zunehmen?
Der Start in das Jahr 2026 war fulminant. Inzwischen sind Anleger aber verunsichert.
(27.02.) Das neue Börsenjahr dürfte kein einfaches für Anleger werden, wie allein jüngste Entwicklungen zeigen. Der Start verlief durchaus positiv, zahlreiche Indizes setzten ihren Aufschwung fort. Anfang Februar spiegelten einige Stimmungsindikatoren ebendiese Zuversicht auch wider. Damals erreichte etwa der CNN-Fear-and-Greed-Indikator 54 Punkte (gegenüber 6 Punkte Mitte November 2025) und lag damit wieder leicht über den neutralen Bereich.
Zur Erklärung: Der „Fear and Greed Index“ misst die Anlegerstimmung am US-Aktienmarkt und wurde von der US-Nachrichtenagentur CNN entwickelt. Dabei werden sieben Indikatoren gemessen, um einzuschätzen, ob Angst oder Gier das Verhalten dominiert. Zu den Indikatoren zählen unter anderem Marktmomentum, Volatilität und der Abstand zwischen den Unternehmensanleihe- und Staatsanleiherenditen. Ein Wert von 0 steht für extreme Angst unter Anlegern, ein Wert von 100 für extreme Gier. 50 Punkte deuten auf eine im Schnitt neutrale Haltung hin.
Deutliche Wende bei der Marktstimmung
Ausgerechnet dieser Index, der noch vor Kurzem auf eine durchwegs optimistische Stimmung deutete, ist zuletzt wieder unter die Marke von 50 Punkten gesunken. Am 20. Februar notierte er bei knapp 43 Punkten. Freilich verdeutlichen all solche Bewegungen, wie rasch sich das Umfeld ändern kann. Dafür hatten unter anderem die wachsenden Sorgen über hohe Bewertungen insbesondere bei US-Technologieaktien gesorgt. Die geplanten Investitionen für Künstliche Intelligenz von Meta, Microsoft, Alphabet und Amazon in Höhe von 700 Milliarden US-Dollar lassen Zweifel aufkommen, ob sich so hohe Summen jemals rentieren werden.
Und nun mehren sich auch die Sorgen vor einem Wiederaufflackern des Handelskrieges mit den USA. Unlängst erklärte das US-Höchstgericht die meisten bisherigen Zölle von US-Präsident Donald Trump für rechtswidrig. Die Unsicherheit über das Ausmaß möglicher Rückforderungen ist groß. Zudem holt Trump mit neuen Tarifen von zuletzt 15 % zu einem Gegenschlag aus. Obendrein spitzt sich die Krise mit dem Iran zu. Die Gefahr einer Eskalation wächst.
Ruhiger durch die Turbulenzen navigieren
Langfristig orientierte Anleger, die trotz all solcher unmittelbaren Entwicklungen nicht auf ein breit gestreutes Aktieninvestment verzichten wollen, können dies etwa mit ETFs tun, die das Vermögen auf schwankungsärmere Titel streuen.
OMV als große Position
So bildet beispielsweise der Invesco „Euro Stoxx High Dividend Low Volatility UCITS ETF“ den „Euro iStoxx High Dividend Low Volatility 50 Index“ nach. Für die Berechnung werden die Aktien des Euro-Stoxx-50-Index zunächst nach ihrer Dividendenrendite der vergangenen zwölf Monate gereiht. Danach werden die Top-75-Dividendenzahler gewählt und daraus wiederum die 50 Aktien mit den geringsten Kursschwankungen aussortiert. Zu den größten Positionen zählen etwa die Energiekonzerne Engie und OMV, wie aber auch der Automobilkonzern Mercedes-Benz sowie der Einzelhändler Carrefour.
Geringe Volatilität
Der „iShares Edge MSCI World Minimum Volatility UCITS ETF“ selektiert jene Aktien mit den historisch geringsten Schwankungen aus dem MSCI-World-Index, wobei insgesamt 274 Titel enthalten sind. Größte Gewichtungen entfallen auf den Pharmakonzern Johnson & Johnson sowie den Ölkonzern Exxon. Doch auch der Pharmariese Novartis sowie die Deutsche Telekom zählen zu den Top-Gewichtungen. Obendrein ist das Vermögen zum Euro abgesichert. Bei beiden Produkten sind aber natürlich auch Verluste möglich.
Autor: Raja Korinek
Foto: Foto: AdobeStock / Old Man Stocker / KI generiert
| Im Artikel vorgestellte ETFs und Aktien |
|
| Name |
ISIN |
| Invesco EURO STOXX High Dividend Low Volatility UCITS ETF |
IE00BZ4BMM98 |
| iShares Edge MSCI World Min. Volatility UCITS ETF Hedged Euro |
IE00BYXPXL17 |
| Carrefour |
FR0000120172 |
| Deutsche Telekom |
DE0005557508 |
| Engie |
FR0010208488 |
| Exxon |
US30231G1022 |
| Mercedes-Benz |
DE0007100000 |
| Novartis |
CH0012005267 |
| OMV |
AT0000743059 |
Die Kolumne der Anlegerschützer vom IVA
Florian Beckermann (20.02.2026). Immer mehr Österreicher wünschen sich finanzielle Freiheit. Das Hamsterrad durchbrechen, emotional wichtige Inhalte realisieren. Es vergeht kaum ein Gespräch mit jungen Anlegern, das nicht dieses Thema umkreist. Doch was ist damit gemeint? Wo lauern Gefahren? Finanzielle Freiheit, in seiner ausgeprägtesten Form beinhaltet die Erstreitung des Lebensunterhalts ohne aktive Erwerbstätigkeit ausschließlich mit passivem Einkommen, wie Zinsen, Dividenden und Mieteinnahmen. Insbesondere die Freiheit, seine Zeit frei einzuteilen, gilt als erstrebenswert. Sie ist abzugrenzen von der finanziellen Unabhängigkeit: Einem Leben ohne Arbeit, aber mit bewusst eingeschränktem Lebensstil. Eine subjektive Entscheidung.
Vorteile
Die gesellschaftlichen Vorteile liegen auf der Hand: Geringere soziale Spannungen und Polarisierung, Resilienz gegenüber wirtschaftlichen Krisen, Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und Unabhängigkeit vom Staat. Im Hinblick auf Abwanderung ist letzteres weniger interessant für den Staat. Dennoch unterstützungswürdig? Insgesamt zeigt sich dieser weitgehend desinteressiert, dem Bürger auf diesem Weg zu helfen. Zu stark sind die vornehmlich finanziellen Interessen an der Erhaltung von Millionen Menschen in einer Erwerbsstruktur. Das auch finanziell freie Bürger kräftig Steuern zahlen, ist gleichgültig – ein Auswuchs der Neiddebatte.
Gegnerschaft
So haben eine Vielzahl von politischen Parteien in Europa sich eine Unmenge an Hinderungsstrategien überlegt, diese bürgerliche Freiheit nicht entstehen zu lassen – absurderweise. Selbst kleinstes Wachstum in dieser Art der Selbsterhaltung wird aktuell mit der Keule der Erbschaftssteuer oder Vermögenssteuer bedroht. Die Pläne der niederländischen Regierung zur Abschöpfung unrealisierter Gewinne sind der Vernichtungsschlag. Sprachpolizeiliche Begriffsverquirler sehen in der „finanziellen Freiheit“ eine nachteilige Verquickung von Schlagworten des Neoliberalismus, der Finanzbranche oder gar des Antifeminismus (sic!). Technische Feindschaft wird durch den digitalen Euro verortet. Dieser kann eine finanzielle Durchleuchtung weiter erleichtern und dem intransparenten Freiheitsprivatissimum widersprechen. Surreal.
Fazit: Privates Risikokapital für Innovation, Wohnraum, Technologie, erneuerbare Energie usw. erhält man so nicht. Sollen wirklich ausländische Finanzinvestoren alle diese Zukunftsbereiche beherrschen? Für Private gilt: Technische Flexibilität und Wachsamkeit sind Grundvoraussetzungen zur Absicherung dieses Lebenstraums. Nach US-Studien geben beinahe 50 % der Millennials an, dass die finanzielle Freiheit ihr Lebensziel ist. Über 50 % der „Gen Z“ erwartet vor 60 Jahren in Rente zu gehen. Ob der Staaten mit der Behinderung dieser Lebensentwürfe auf dem richtigen Dampfer unterwegs sind, scheint fragwürdig.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Was 2026 für Pharma-Aktien spricht
Mehr FDA‑Zulassungen, starkes Wachstum und günstige Bewertungen machen Pharma‑Aktien attraktiv.
Pharma-Aktien profitieren von steigenden FDA‑Zulassungen
(20.02.2026) Zwischen 2000 und 2010 gab es in den USA durchschnittlich nur 23 FDA‑Zulassungen pro Jahr. 2025 waren es bereits 46 Neuzulassungen, davon rund die Hälfte für seltene Erkrankungen.
Mehr Zulassungen bedeuten:
- mehr Umsatzpotenzial
- schnellere Marktdurchdringung
- höhere Innovationskraft der Branche
Ein klarer Rückenwind für Pharma Aktien.
Weltweiter Medikamentenmarkt wächst stark
Laut der Researchfirma Towards Healthcare soll der globale Medikamentenmarkt bis 2035 jährlich um 6,04 % wachsen – auf über 3 Billionen USD. Das stärkste Wachstum wird im Immunologie‑Segment erwartet.
Für Anleger bedeutet das: Pharma Aktien bleiben ein struktureller Wachstumsmarkt.
Pharma-Aktien sind trotz Potenzial günstig bewertet
Trotz der starken Perspektiven ist der globale Gesundheitssektor aktuell mit Abschlägen bewertet:
- MSCI World Pharma/Biotech/Life Sciences Forward‑KGV: 17,69
- MSCI World Forward‑KGV: 20,02
Die Underperformance der letzten zehn Jahre hat die Bewertungen gedrückt – was langfristig orientierten Anlegern Chancen eröffnet.
Historisch zeigt sich die Stärke der Branche: Seit 1994 erzielte der Pharma‑Index 10,55 % p.a., gegenüber 8,99 % p.a. im MSCI World.
Pharma-Aktien mit Wachstumspotenzial
Gilead Sciences: Aufwärtsrevisionen und starke Pipeline
Analysten erwarten für Gilead bis 2027 ein Gewinnwachstum von 10,5 % p.a. Treiber sind:
- starke HIV‑Präventionsprodukte
- neue Therapien in Onkologie, Zelltherapie und Entzündungen
Ein geschätztes KGV 2027 von 18,7 lässt weiteres Kurspotenzial zu.
BioNTech: mRNA‑Spezialist mit breiter Pipeline
BioNTech verfügt über mehr als 20 Präparate in Phase II und III. Besonders aussichtsreich ist der Antikörper BNT327, ein Immuntherapie‑Kandidat für verschiedene Tumorarten wie:
- kleinzelliger Lungenkrebs
- nicht‑kleinzelliger Lungenkrebs
- Brustkrebs
Bei einem Kurs von 77,37 € ergibt sich ein geschätztes KGV 2027 von 10,9 – sehr attraktiv für ein Unternehmen mit dieser Pipeline.
Regeneron Pharmaceuticals: Starker Partner, starke Pipeline
Regeneron ist Partner von Sanofi bei Dupixent und Anbieter von Eylea zur Behandlung von Netzhauterkrankungen.
Analysten erwarten:
- +19 % Gewinnwachstum je Aktie in 2027
- +19 % Gewinnwachstum je Aktie in 2028
Ein geschätztes KGV 2028 von 14,3 signalisiert weiteres Kurspotenzial.
Novartis: Breit diversifizierter Pharma‑Riese
Novartis ist in Onkologie, Immunologie, Herz‑Kreislauf, Neurologie und Stoffwechsel breit aufgestellt.
Erwartungen:
- 10,7 % Gewinnwachstum p.a. von 2025 bis 2028
- geschätztes KGV 2028 von 16,7
Ein stabiler, globaler Qualitätswert unter den Pharma-Aktien.
Autor: Michael Kordovsky
Foto: Unsplash/ac
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Ein starkes Comeback der Bayer-Aktie. Den Link dazu finden Sie hier: Börsen-Kurier Online
Hohe Unternehmensinsolvenzen 2026: Die Gründe
Was wird entscheidend für diese globale Entwicklung: Zinsenhöhe oder Wachstum? Eine Analyse.
(20.02.2026) Die Zahl der weltweiten Unternehmensinsolvenzen bleibt 2026 auf einem hohen Niveau, zeigt jedoch erstmals leichte Anzeichen einer Stabilisierung. Laut der aktuellen Prognose des Kreditversicherers Coface Kreditversicherung für jede Unternehmensgröße | Coface wird trotz sinkender Leitzinsen und geldpolitischer Entspannung weiterhin ein globaler Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um 2,8 % erwartet – ein moderateres Wachstum als in den Vorjahren.
Finanzierungskosten als entscheidender Faktor
Die Nachhaltigkeit dieser Erholung hängt stark vom Zinsumfeld ab. Schon eine Erhöhung um 25 Basispunkte könnte die globale Insolvenzentwicklung wieder kippen und den Anstieg auf +4 bis +5 % treiben. Coface betont: Die Entwicklung der Insolvenzen 2026 wird weniger vom Wachstum als vom Tempo der geldpolitischen Anpassung abhängen – die Finanzierungskosten werden zum entscheidenden Faktor.
Besonders gefährdete Branchen
Besonders unter Druck stehen laut Coface Unternehmen aus der Bau-, Chemie- und Textilindustrie. In Europa sind zudem exportorientierte Sektoren wie der Automobilbau und seine Zulieferer besonders exponiert.
„Eher Verschnaufpause als eine Trendwende“
„Das Jahr 2026 dürfte eher eine Verschnaufpause als eine echte Trendwende bringen. Die Insolvenzzahlen stabilisieren sich nur, wenn die Finanzierungskosten nicht wieder ansteigen“, erklärt Markus Kuger, Head of Economic Research D‑A‑CH bei Coface. Die aktuelle Lage bleibt damit angespannt – und stark abhängig vom Zinsumfeld.
Fragile Stabilisierung trotz hoher Verschuldung
Auch Dagmar Koch, Country Managerin Coface Österreich, spricht von einer „Stabilisierung auf hohem Niveau“, die jedoch „fragil“ bleibt. Die Unternehmensverschuldung ist weiterhin hoch, Kreditbedingungen haben sich zuletzt unerwartet verschärft, und die Margen stehen unter Druck. Besonders exponierte Branchen zeigen weiterhin deutliche Spannungsanzeichen.
Unternehmensinsolvenzen in Europa: Länder im Überblick
In Europa bleibt der Ausblick eng an die Entwicklung der Finanzierungskosten gekoppelt. Coface erwartet für 2026:
- Deutschland: +1 %
- Frankreich: +2 %
- Vereinigtes Königreich: +2 %
- Italien: –2 % (bedingt durch Verfahrensreformen)
- Niederlande: +4 % (Rückkehr zum Vor‑Pandemie‑Niveau)
Diese Zahlen zeigen: Die Dynamik der Unternehmensinsolvenzen variiert stark – und folgt klar der Zinsentwicklung.
Finanzierungskosten als zentraler Treiber der Insolvenzentwicklung
„Der europäische Kontinent reagiert weiterhin äußerst empfindlich auf die Kreditkosten“, so Coface. Ein verhaltenes BIP‑Wachstum von unter 1 % und ein Zinsniveau, das trotz EZB‑Senkungen weiterhin über dem Durchschnitt von 2009–2022 liegt, werden 2026 zu einem moderaten Anstieg der Unternehmensinsolvenzen in Österreich führen, erklärt Kuger.
Nordamerika: Auseinanderlaufende Entwicklungen
In Nordamerika erwartet Coface eine deutliche Divergenz:
- USA: +4 % – belastet durch abkühlende Konjunktur und Zollerhöhungen
- Kanada: –5 % – nach langem Wachstumszyklus deutlicher Rückgang
Die Insolvenzentwicklung folgt hier unterschiedlichen wirtschaftlichen Zyklen und politischen Rahmenbedingungen.
Fazit: Unternehmensinsolvenzen 2026 hängen am Zinstropf
Coface bringt es auf den Punkt: Die Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen 2026 wird weniger vom Wachstum als vom Tempo der geldpolitischen Anpassung abhängen. Die Finanzierungskosten werden damit zum entscheidenden Faktor für das kommende Jahr.
Autor: Emanuel Lampert
Foto: AdobeStock Andrey Profoto
Historischer Hintergrund: Vom Ölreichtum zum Finanzvermögen
Steiermärkische Sparkasse Private Banking analysiert das Erfolgsmodell des norwegischen Staatsfonds im Detail.
(20.02.2026) Die Erfolgsgeschichte begann Ende der 1960er‑Jahre mit der Entdeckung großer Erdöl- und Erdgasvorkommen in der Nordsee. Um eine Überhitzung der Wirtschaft und Abhängigkeit von Rohstoffpreisen zu vermeiden, beschloss Norwegen 1990 die Gründung eines Staatsfonds.
1996 erfolgten die ersten Einzahlungen. 2006 wurde der Fonds in Government Pension Fund Global umbenannt – als Symbol für langfristige finanzielle Stabilität.
So funktioniert der norwegischer Staatsfonds
Der norwegische Staatsfonds – offiziell Government Pension Fund Global (GPFG) – ist mit fast 2 Billionen Euro Vermögen (Ende 2025) der größte Staatsfonds der Welt. Er gilt als internationales Vorzeigemodell: Nicht nur, weil das rohstoffreiche Norwegen seine Einnahmen für künftige Generationen sichert, sondern auch aufgrund seiner langfristig erfolgreichen Investmentstrategie. Geduld, eine breite Diversifikation und politische Disziplin sind die Eckpfeiler des Erfolges, so die Experten der Steiermärkischen Sparkasse Private Banking.
Investmentstrategie: Rund 70 % Aktienquote
Verwaltet wird der norwegische Staatsfonds von der Norges Bank Investment Management (NBIM). Investiert wird breit gestreut in:
- Aktien
- Anleihen
- Immobilien
- Infrastruktur für erneuerbare Energien (v. a. Wind und Solar)
Die Zielallokation liegt bei etwa 70 % Aktien und 30 % Anleihen. Nur rund 2 % fließen in Immobilien und Infrastruktur. Ende 2025 hielt der Fonds 1,5 % aller weltweit börsennotierten Aktien – insgesamt rund 7.200 Beteiligungen.
Globale Beteiligungen: Von Apple bis Siemens
Der norwegische Staatsfonds investiert in Unternehmen in fast 70 Ländern. Die größten Positionen liegen in den USA, gefolgt von Japan, Großbritannien, Deutschland und Frankreich. Die größte Einzelposition war Ende 2025 Nvidia mit einem Anteil von 1,26 %.
Anleihen und Immobilien: Fokus auf Stabilität
Auch bei Anleihen dominiert die USA, gefolgt von Japan, Deutschland, Großbritannien und Kanada. Das Immobilienvermögen konzentriert sich vor allem auf Wohnimmobilien in Frankreich. Im Infrastrukturbereich investiert der Fonds überwiegend in Solar- und Windprojekte in Spanien, Deutschland, Dänemark und Großbritannien.
Ethische Investitionsregeln als Markenzeichen
Der norwegische Staatsfonds ist bekannt für strenge ESG‑Kriterien. Ausgeschlossen werden Unternehmen, die:
- Atomwaffen oder Streumunition herstellen
- schwere Umweltzerstörung verursachen
- Menschenrechte verletzen
- stark in Kohleförderung involviert sind
Der Fonds nutzt seine Stimmrechte aktiv, um Transparenz, Klimaschutz und gute Unternehmensführung zu fördern.
Kapitalerhalt als oberstes Prinzip
Die norwegische Haushaltsregel ist zentral für den Erfolg: Nur die Rendite wird genutzt, das Kapital bleibt unangetastet.
Der Staat darf jährlich nur rund 3 % entnehmen – die langfristig erwartete Rendite. Dadurch bleibt der Fonds geschützt vor kurzfristigen politischen Interessen und sichert:
- stabile Staatsfinanzen
- ein robustes Sozialsystem
- wirtschaftliche Stabilität trotz schwankender Öl- und Gaspreise
- nachhaltigen Wohlstand für zukünftige Generationen
Autor: Steiermärkische Private Banking
Foto: Getty Images für Unsplash+
Gezillmert oder ungezillmert? Die Unterschiede
Die Rolle von Standard Life in der privaten Vorsorge
(20.02.2026) Unumstritten bildet die erste Säule – das staatliche Pensionssystem – die Basis der Altersversorgung. Während die zweite Säule politisch im Fokus steht, rückt die private Vorsorge zunehmend in den Hintergrund. Dabei spielen Versicherungen eine zentrale Rolle.
Der Börsen‑Kurier sprach in Wien mit Christian Nuschele, Head of Distribution für Deutschland und Österreich bei Standard Life, über Chancen und Herausforderungen.
Fondspolizzen als effiziente Vorsorgelösung
Fondspolizzen seien in Österreich durch steuerliche Vorteile eine besonders effiziente Möglichkeit, Vermögen für die Pension aufzubauen. Nuschele betont: Langfristigkeit ist entscheidend. Nur wer investiert bleibt, profitiert von den Märkten.
Doch zuerst müsse das Bewusstsein bei den Beratern ankommen: „Wenn der Berater nicht weiß, wofür er beim Kunden steht, kann er ihn nicht überzeugen.“
Gezillmert oder ungezillmert? Die Produktwahl hängt vom Alter ab
Vorsorge früh beginnen
Was man in jungen Jahren nicht spart, lässt sich später kaum aufholen. Für junge Versicherte empfiehlt Nuschele klassische, gezillmerte Produkte, die langfristig Zinseszinseffekte und Steuervorteile bieten.
Mit 40+ ändern sich die Prioritäten
Wenn das berufliche Leben stabiler wird, kommen ungezillmerte Varianten ins Spiel. Mit 40 oder 45 Jahren sei meist klar, wie viel zusätzlich zur Seite gelegt werden kann. Gezillmerte Produkte machen in diesem Alter wenig Sinn.
Vorteile ungezillmerter Produkte
Ein großer Vorteil: Bei ungezillmerten Produkten kann bis zum Zweifachen der geplanten Prämie zugezahlt werden – ohne höhere Versicherungssteuer wie bei Einmalerlägen.
Auch Flexibilität ist ein Pluspunkt:
- Zahlungen können ausgesetzt werden
- Aufstockungen sind möglich
- Kosten und Vergütungen sind nicht vorab „verbraucht“
Beratung als Schlüssel zur erfolgreichen Vorsorge
Wichtig sei, die demografische Entwicklung realistisch zu erklären – ohne Untergangsszenarien. Das System bleibe bestehen, aber nicht in der bisherigen Höhe.
Die Frage „Was werde ich später brauchen?“ müsse pragmatisch beantwortet werden. Berater sollten Kunden langfristig begleiten und regelmäßig prüfen:
- Passen die Produkte noch?
- Haben sich Lebensumstände geändert?
- Muss nachjustiert werden?
Die Generation 50+: Warum Vorsorge weiterhin sinnvoll ist
Auch für über 50‑Jährige eignen sich ungezillmerte Produkte. Denn das durchschnittlich angesparte Vermögen reicht oft nur für 15 Jahre – zu wenig bei steigender Lebenserwartung.
Hier geht es um:
- Analyse der vorhandenen Mittel
- Zusammenspiel von erster und zweiter Säule
- Planung der letzten Erwerbsjahre
Vertrauen ist entscheidend: „Ein Kunde spricht nicht über alles mit einem Berater, den er erst zwei Jahre kennt.“
Steuervorteile, die oft übersehen werden
Einmalerläge bieten attraktive steuerliche Vorteile: Nach 15 Jahren (bzw. 10 Jahren ab dem 50. Lebensjahr) fallen nur 4 % Versicherungssteuer an – deutlich weniger als die Steuerlast auf Erträge von Bankkonten oder Depots.
Standard Life engagiert sich sozial
Standard Life unterstützt seit 18 Jahren die Österreichische Krebshilfe Wien. Die aktuelle Spende von 6.000 € fließt in das Projekt „Zurück ins Leben“, das Betroffene beim Wiedereinstieg in den Alltag begleitet.
Autor: Marius Perger
Foto: Standard Life
Führungskultur: Wo bleibt ein Rücktritt?
Florian Beckermann. Der Rücktritt vom Amt ist in Österreich ein mythologisches Wesen. Man hat von ihm gehört, irgendwo zwischen Drachen und Einhörnern, doch gesehen hat ihn noch niemand. Er soll erscheinen, so heißt es, wenn Verantwortung übernommen wird. In Freiwilligkeit erscheint er sowieso nie. Wenn überhaupt, erfolgt eher ein Umtritt. Die Blutgrätsche lässt grüßen.
Fehler werden nicht gemacht, sie geschehen einfach. Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten existieren, aber nur als dekorative Gobelins in Ministerien und Vorstandsetagen. Wenn etwas schiefläuft, tritt nicht der Verursacher zurück, sondern die Realität einen Schritt zur Seite, um niemanden zu behelligen. Schuld ist stets das System, der Markt, das Wetter oder, besonders beliebt, die „Komplexität der Lage“.
Die Rücktrittskultur dieses Landes ist theoretisch vorhanden und praktisch ignoriert. Man bekennt sich zur Verantwortung wie zu einem guten Vorsatz am Neujahrsmorgen – ernsthaft, öffentlich und ohne jede Absicht, ihn einzuhalten. Statt Rücktritten gibt es Pressekonferenzen, Spin-Doktoren telefonieren die Nächte durch – so wie Fitnesscenter mit Anmeldungen im Jänner reüssieren. Statt Konsequenzen gibt es Arbeitsgruppen, Expertenkreise. Statt Einsicht gibt es Bedauern, vorzugsweise im Passiv: „Es wurden Fehler gemacht.“
Bemerkenswert ist die erstaunliche Haltbarkeit im Amt. Skandale werden ausgesessen. Wer doch einmal ins Straucheln gerät, wird nicht entlassen, sondern „neu aufgestellt“. Das ist keine Flucht, das ist ein Perspektivwechsel mit Dienstwagen – bei ähnlichen Bezügen selbstverständlich. Rücktritt wäre schließlich ein Schuldeingeständnis und Schuldeingeständnisse gefährden Karrieren. Sollte man nicht zumindest respektvoll einen solchen Schritt akzeptieren?
Die Öffentlichkeit agiert passiv. Ein Unterhaltungsfaktor spielt mit. Empörung wird in haushaltsüblichen Portionen konsumiert, Empathie mit den Verantwortlichen oder Shitstorms inklusive. Man weiß ja, wie stressig Macht ist und wie böse Social Media sein können. Und morgen ist ohnehin ein neuer Aufreger fällig. Eine Erinnerung gilt als unhöflich.
So bleibt der Rücktritt ein exotischer Import aus fremden Ländern. Eine echte Fehlerkultur ist ein Fremdwort. Manch einer mag darin eine gewisse Unreife verorten. Die Effekte sind beachtlich. Was bei Hans nicht zu Konsequenzen führt, wird Hänschen verführen. Allenfalls eine Mittelklasse kann aus einem solchen Umfeld entstehen. Junge Menschen, die etwas bewegen wollen, werden durch diese Kultur langfristig frustriert. Eine Kultur des Wegsehens etabliert sich. Ein Abstieg muss unweigerlich folgen. Wäre es nicht sinnvoll, Rücktritte gesellschaftlich deutlich positiver zu goutieren?
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Capital Group veröffentlicht Kapitalmarkterwartungen 2026
Die langfristigen Erwartungen des globalen aktiven Investmentmanagers für die nächsten 20 Jahre bleiben weitgehend unverändert.
(11.02.2026) Capital Group, einer der weltweit größten und erfahrensten aktiven Investmentmanager mit einem verwalteten Vermögen von über 3 Billionen US-Dollar, hat seine Kapitalmarkterwartungen (Capital Market Assumptions, CMAs) für 2026 veröffentlicht. Diese skizzieren die langfristigen Erwartungen des Unternehmens hinsichtlich Renditen, Korrelationen und Volatilitäten für die wichtigsten Assetklassen über einen Zeitraum von 20 Jahren. Die Schätzungen für Aktien- und Anleiherenditen sind im Vergleich zu 2025 leicht gesunken. Das Unternehmen hält an einem konstruktiven langfristigen Ausblick fest, der durch stabile Inflationstrends, Produktivitätsgewinne und ein breiteres Chancenspektrum für diversifizierte, langfristige und aktiv gemanagte Portfolios gestützt wird.
Aktives Management leistet weiterhin einen wesentlichen Beitrag zu den globalen Märkten – durch Preisfindung und eine effiziente Kapitalallokation. Der langfristige Investmentansatz von Capital Group basiert auf jahrzehntelanger Erfahrung über verschiedene Marktzyklen hinweg. Im Jahr 2025 führten die Investmentexperten weltweit mehr als 22.000 Gespräche mit Unternehmen, die wertvolle Einblicke lieferten und zur Ausgestaltung der langfristigen Annahmen des Unternehmens beitragen.
„Unsere Kapitalmarkterwartungen für 2026 spiegeln eine Welt wider, in der kurzfristige Unsicherheiten und strukturelle Veränderungen neben langfristigen Chancen bestehen“, sagt Alexandra Haggard, Head of Asset Class Services für Europa und Asien-Pazifik bei Capital Group. „Während sich unsere Renditeerwartungen für die wichtigsten Assetklassen über einen Zeitraum von 20 Jahren leicht abgeschwächt haben, sehen wir als langfristige Investoren weiterhin ein konstruktives Umfeld mit Investitionsmöglichkeiten in den globalen Märkten, gestützt durch Innovationszyklen, Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz und eine Inflation, die nahe an den Zielwerten der Zentralbanken verankert bleibt. KI bleibt ein struktureller Treiber langfristiger wirtschaftlicher Widerstandsfähigkeit durch Produktivitätsgewinne, und in einem komplexeren Umfeld unterstreicht dies die Bedeutung von aktivem Investieren und einer sorgfältigen Navigation.“
Die Kapitalmarkterwartungen von Capital Group für 2026 weisen auf Folgendes hin:
• Reales BIP: Die Wachstumserwartungen sind weitgehend stabil. Die USA liegen mit 2,4 Prozent leicht höher; die Eurozone und das Vereinigte Königreich verbleiben bei 1,3 Prozent, während die Schwellenländer (3,0 Prozent) und Japan (0,7 Prozent) leicht niedriger ausfallen.
• Inflation: Die Erwartungen sind weitgehend unverändert und bewegen sich weiterhin nahe an den Zielwerten der Zentralbanken – rund 2 Prozent in Europa und Japan sowie 2,3 Prozent in den USA und im Vereinigten Königreich. Kurzfristig beträgt die Inflation in den USA und Japan rund 3 Prozent. Für Indien wird ein Wert von über 3 Prozent erwartet, während Europa und das Vereinigte Königreich näher bei 2 Prozent liegen.
• Aktien: Die Renditeerwartungen wurden nach einer starken Marktentwicklung und erhöhten Bewertungen leicht nach unten angepasst. Die Prognosen liegen nun bei 6,1 Prozent für US-Aktien, 5,7 Prozent für entwickelte Märkte außerhalb der USA und 6,5 Prozent für Schwellenländer.
• Anleihen: Die Renditen werden aufgrund niedrigerer Ausgangsrenditen leicht niedriger erwartet, auch wenn höhere langfristige Zinsannahmen einen gewissen Ausgleich bieten. Die Bedingungen bleiben deutlich besser als im außergewöhnlich niedrigen Zinsumfeld der vergangenen zwei Jahrzehnte. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen wird über einen Zeitraum von 20 Jahren mit 4,2 Prozent prognostiziert (gegenüber 3,9 Prozent im Vorjahr).
• Währungen: Der US-Dollar dürfte sich moderat um –0,5 Prozent pro Jahr abschwächen. Yen und Yuan werden im Vergleich zum Vorjahr voraussichtlich aufwerten, während Euro und Pfund weiter nachgeben dürften, sodass die Gesamtauswirkungen auf den US-Dollar insgesamt weitgehend ausgeglichen sind.
Gewinner der europäischen Aufrüstung: Verteidigungselektronik
Ein Kommentar von Ben Leyland, Senior Fund Manager der JOHCM Global Opportunities-Strategie.
(11.02.2026) Europäische Verteidigungsaktien haben sich stark entwickelt. Sie sind zwar nicht mehr günstig, doch die Bewertungen spiegeln weiterhin eher konservative Annahmen wider und preisen lediglich das untere Ende eines plausiblen Wachstumsspektrums für die kommenden 10 bis 15 Jahre ein. Zwar wird die Verschiebung der Verteidigungsausgaben – von unter 2 % des BIP vor 2020 hin zu 3 % und darüber hinaus – von den Märkten teilweise berücksichtigt, sie erfasst jedoch nur einen Teil des Potenzials. Zusätzliche Aufwärtschancen ergeben sich aus Veränderungen im Beschaffungsverhalten sowie aus der Zusammensetzung der Verteidigungsausgaben.
Unsere Analyse zeigt, dass europäische Rüstungsunternehmen mindestens für die nächsten 5 bis 10 Jahre mit einem zweistelligen Wachstum rechnen können. Selbst ein moderater Anstieg der Verteidigungsausgaben von 2 % auf 3 % des BIP stützt ein Wachstum im niedrigen zweistelligen Prozentbereich für den Sektor. Zwei besonders wirkungsvolle, bislang unterschätzte „Wachstumsmultiplikatoren“ könnten zusätzliches Aufwärtspotenzial schaffen:
• Anstieg der Ausrüstungsintensität: Derzeit werden nur etwa 30 bis 35 % der Verteidigungsbudgets für Ausrüstung aufgewendet, was angesichts der Modernisierung der Streitkräfte erheblichen Spielraum lässt.
• „Buy Europe“-Beschaffung: Von diesen Ausgaben für Ausrüstung flossen in der Vergangenheit lediglich etwa 30 % an europäische Anbieter, bedingt durch die starke Abhängigkeit von US-Unternehmen. Die EU-Kommission hat dieses Ziel angehoben und strebt an, bis 2030 rund 50 % und bis 2035 etwa 60 % bei europäischen Lieferanten zu investieren.
Diese Dynamiken untermauern das Potenzial für ein nachhaltiges Wachstum im mittleren bis hohen Zehnerprozentbereich, wobei Aufwärtsszenarien in bestimmten Phasen sogar in den niedrigen 20-Prozent-Bereich reichen können. Diese Einschätzung wird durch jüngste Kapitalmarkt-Updates führender europäischer Verteidigungsunternehmen gestützt, die das Vertrauen des Managements widerspiegeln, dass politische Verpflichtungen in konkrete Aufträge münden werden.
Verteidigungselektronik gewinnt strukturell an Bedeutung
Nicht alle Engagements im Verteidigungssektor sind gleichwertig. Da Automatisierung, Cyberfähigkeiten und elektronische Abschreckung eine immer zentralere Rolle in der Kriegsführung einnehmen, gewinnt Verteidigungselektronik strukturell stärker an Bedeutung als traditionelle Hardware wie Panzer oder Munition. Letztere hat zwar das jüngste Wachstum vorangetrieben, bietet aber eine geringere Nachhaltigkeit.
Wir bevorzugen elektronische Systeme mit langen Zyklen gegenüber Verbrauchsgütern mit kurzem Lebenszyklus. Diese langfristig angelegten elektronischen Systeme werden häufig als C4ISR bezeichnet (Command, Control, Communications, Computers, Intelligence, Surveillance and Reconnaissance – Führung, Kontrolle, Kommunikation, Computer, Aufklärung, Überwachung und Erkundung). Der Begriff wurde 1996 vom US-Verteidigungsministerium geprägt. Sie profitieren von strukturellem Wachstum, da Streitkräfte umfassende Modernisierungsprozesse durchlaufen. Außerdem verfügen sie über eine höhere Resilienz gegenüber Waffenstillständen und Konfliktlösungen und sind breiter über verschiedene Plattformen und geografische Regionen hinweg einsetzbar.
Dieser Wandel verändert die Prioritäten bei Verteidigungsinvestitionen grundlegend und stärkt die Rolle von Elektronik- und C4ISR-Unternehmen bei der Bereitstellung moderner Abschreckungsfähigkeiten. Wir halten Unternehmen wie Thales bereits seit der Zeit vor COVID, was unsere langjährige Überzeugung im Verteidigungssektor widerspiegelt. Diese Unternehmen stellen gewissermaßen das „Gehirn“ moderner militärischer Fähigkeiten dar – langfristige Produkte, die von nachhaltiger Modernisierung profitieren, statt von kurzfristigen Konfliktdynamiken abhängig zu sein.
Wir haben den Verteidigungssektor stets als investierbar angesehen, gestützt durch hohe Markteintrittsbarrieren und einen begrenzten Wettbewerb aus China. Unsere ursprüngliche Investmentthese für Thales basierte auf Diversifikation und strategischer Optionalität, wobei die seit 2022 steigenden europäischen Verteidigungsbudgets unsere Überzeugung weiter gestärkt haben.
Im Gegensatz dazu sind einige andere Verteidigungsunternehmen, wie Rheinmetall, stärker kurzzyklischen Produkten wie Raketen und Munition ausgesetzt, deren Nachfrage nach Waffenruhen deutlich zurückgehen kann. Angesichts der langfristigen Unterinvestition in die europäische Verteidigung sind wir überzeugt, dass auf Elektronik fokussierte Unternehmen am besten für ein dauerhaftes Wachstum positioniert sind.
Rheinmetall, Hensoldt und RENK Group mit ehrgeizigen Wachstumsplänen
Die jüngsten Kapitalmarktentwicklungen europäischer Rüstungsunternehmen bestärken uns in der Zuversicht, dass höhere Verteidigungsbudgets zu Aufträgen führen werden. Deutsche Konzerne wie Rheinmetall, Hensoldt und die RENK Group haben ehrgeizige Wachstumsziele vorgelegt: Rheinmetall strebt für die nächsten fünf Jahre ein Umsatzwachstum von 35 bis 40 % an, während Hensoldt und Renk eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) von etwa 15 bis 20 % erwarten. Diese Prognosen stimmen mit unserer Analyse überein, die auf ein anhaltendes Wachstum im hohen Zehnerbereich für den gesamten Sektor hindeutet.
Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Nach einer starken Rallye Anfang 2025 legten die Verteidigungsaktien eine Pause ein, da die Märkte darauf warteten, dass politische Zusagen in Aufträge umgesetzt werden – eine typische Verzögerung in Verteidigungszyklen. Wir glauben nicht, dass der Sektor überbewertet ist; die Bewertungen spiegeln weiterhin das Ausmaß, die Dauer und die Qualität der Chancen wider. Angesichts der soliden strukturellen Treiber, höherer Budgets, steigender Ausrüstungsintensität, zunehmender Beschaffungen in Europa und einer Verlagerung hin zu langlebigen Elektronikprodukten bleibt die europäische Verteidigungsindustrie ein überzeugendes langfristiges Thema mit Potenzial für nachhaltiges Gewinnwachstum und Bewertungsunterstützung in den nächsten zehn Jahren.
ams Osram: Aktionäre honorieren den Umbau
Starker Zugriff auf die Anteilscheine des Unternehmens an der SIX Swiss.
(13.02.2026) Roman Steinbauer. Die Abschlankung bei ams Osram schreitet voran. Der steirisch-bayerische Technologiekonzern steckt mitten in einer finanziellen und operativen Umstrukturierung sowie Straffung des Produktsortiments. Dies wurde bei der Jahrespressekonferenz am Dienstag zu den Ergebnissen des 4. Quartals und des Gesamtjahres 2025 von CEO Aldo Kamper sowie von CFO Rainer Irle einmal mehr deutlich. Kamper betonte eingangs: „Es ist genau hinzusehen. Ohne die Dollar-Schwäche wird der positive Trend noch deutlicher.“ Der Finanzvorstand wiederum prognostizierte nach diesem „Übergangsjahr“ eine baldige Rating-Aufstufung. Konnte doch die jährliche Zinslast auf 150 Millionen Euro reduziert werden.
Worte, die Aktionäre hören wollten
Nach der virtuell gehaltenen Veranstaltung um den (dramatisch anmutenden) Umbau des Unternehmens die entscheidende Frage des Tages– auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters – gleich vorweg: „Wann werden wir schwarze Zahlen sehen?“ Die Antwort Irles folgte schnell, spontan, aber bestimmt wirkend: „Wenn wir die Finanzierungskosten weitgehend reduziert haben – in diesem Jahr werden wir es noch nicht schaffen.“ Doch implizierte dies, dass 2027 die Talsohle endgültig durchschritten sein könnte. Irle räumte dazu ein, es würden heuer immerhin noch Abfindungskosten belastend wirken.
Mit dieser Aussage wurde an die Investoren (neben dem verbesserten Zahlenwerk) aber eine außerordentliche Nachricht gesendet, die umgehend an der Börse Niederschlag fand. So zog die Notiz der Aktien an der SIX Swiss Exchange – bei hohen Handelsumsätzen – an diesem (sonst mauen) Börsentag um 8,4 % deutlich an.
Abschütteln der Zinslast, Liquidität sichern
Hohe Verbindlichkeiten zu reduzieren, steht somit weiter im Brennpunkt des Geschehens. Erst am 21. Jänner wickelte das Unternehmen einen Teilrückkauf ausstehender Wandelanleihen mittels eines Angebots mit Fälligkeit 2027 ab (Höhe: 760 Millionen Euro; Kupons von 2,125 %; ISIN: DE000A283WZ3).
Nach der Veräußerung des nicht-optischen Analog-Automotive-, Industrie- und Medizin-Sensorgeschäfts um 570 Millionen Euro an den deutschen Infineon-Konzern (wirksam im 2. Quartal 2026; stand für Erlöse von rund 220 Millionen Euro) sei für die strategische Neu-Ausrichtung nun zusätzlich finanzielle Flexibilität geschaffen worden. Des Weiteren bringe ein neu aufgelegtes Sparprogramm mit dem Titel „Simplify“ Effizienzsteigerungen und betriebliche Straffungen, das bis 2028 eine Kostenreduktion um 220 Millionen Euro herbeiführen soll.
Einordnung der Produktstrategie
Wo derzeit die Stärken der ams Osram liegen, sollen laut Kamper die Kompetenz und Investitionen weiter ausgebaut werden. So richte sich die Konzentration ab sofort auf die zukunftsträchtige „Digital Photonics“-Sparte als Hauptgeschäftsstrang. Dieser Komplex steht für die Digitalisierung der Lichterzeugung durch Pixel-Emitter und Sensoren in Kombination mit intelligenter Elektronik. Bereits aktuell sieht sich die Gesellschaft bei intelligenten optischen Halbleitern für Lichtemission und Sensorik in führender Position. Das nach eigener Darstellung „breiteste Portfolio modernster optischer Halbleitertechnologien“ der Branche – von optischen Emittern samt Treiber- und Power-ICs bis zu optischen Sensoren und Sensormodulen – bekomme somit einen klaren Vorrangstatus. Am traditionellen Automobil-Lampengeschäft (verlaufe stagnierend bis stabil) halte das Management deswegen fest, um mit dem steten Free-Cashflow der Sparte das Wachstum im Halbleitergeschäft zu unterstützen. Dazu werde es laut Kamper aus Kostengründen teils Auslagerungen bei Produktfamilien von deutschen Standorten ins Werk nach Malaysia geben. Für den Standort Graz-Premstätten äußerte Kamper wörtlich: „Die Größenordnung wird bestehen bleiben.“
Kurzausblick und Zielsetzung – Vision 2030
Bei einer fiktiven Annahme eines Wechselkurses von 1,19 USD/Euro wurden seitens Irle für das laufende Quartal Erlös-Schätzungen in einer Spanne von 710 bis 810 Millionen Euro prognostiziert, während die Ebitda-Marge 15 % (+/- 1,5 %) erreichen soll. Für das Geschäftsjahr 2030 und darüber hinaus sei laut dem Vorstand ein Langfrist-Zielkorridor definiert worden. Das Umsatzwachstum im Halbleitergeschäft soll sich sodann im mittleren bis hohen einstelligen Bereich bewegen. Das Ebitda werde einen Anteil von 25 % erreichen, der Free Cashflow 200 Millionen Euro betragen.
Prognose Gesamtjahr 2026
Angesichts der Veräußerungen von Teilsparten und der Annahme eines schwächeren US-Dollars rechnet das Unternehmen im Jahresvergleich mit einem moderaten Rückgang der Umsätze. Das bereinigte Ebitda werde durch Einmal-Effekte im Zusammenhang mit Desinvestitionen, höheren Edelmetallpreisen und weiteren Faktoren belastet.
Foto: Fredrik Prince (ams-osram employee)
Erneuerbare Energien: Aktien, die jetzt liefern
Wind, Solar und moderne Energieinfrastruktur liegen aktuell im Trend.
(13.02.2026) Michael Kordovsky. Nach der harten Phase 2022 bis 2024 wirkte das vergangene Jahr in vielen Segmenten wie ein Wendepunkt. Die Marktbereinigung hat Preisdruck und Projektstornos reduziert, Lieferketten sind stabiler, und die Nachfrage nach Strom wächst durch Elektrifizierung und Rechenzentren. Gleichzeitig verbessert sich die Planbarkeit der Rahmenbedingungen: In den USA stützen langfristige Steuergutschriften den Ausbau erneuerbarer Energien, in Europa wird öffentliche Förderung stärker an wettbewerbliche Modelle und zweiseitige Preisgarantien gebunden.
Solar dominiert, Wind bleibt Wachstumssäule
Das Marktwachstum ist inzwischen gut belegt. Die IEA erwartet, dass die globalen jährlichen Erneuerbaren-Zubauten von 666 GW (2024) auf nahezu 935 GW bis 2030 steigen, wobei Solar und Wind rund 95 % aller Zubauten stellen. In der IEA-Perspektive dominiert Solar auch in den nächsten fünf Jahren. Für Wind bezeichnet das GWEC (Global Wind Energy Council) 2024 als Rekordjahr mit 117 GW Neuinstallationen. Im Zeitraum 2025 bis 2030 sollen 981 GW (164 GW pro Jahr) an neuer Kapazität hinzukommen, was einer prognostizierten durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) für den Zeitraum 2025 bis 2030 von 8,8 % entspricht.
Grüne Energie und moderne Energieinfrastruktur
Siemens Energy hat 2025 die operative Wende geschafft: Der Konzern steigerte für das Geschäftsjahr 2025 seinen Nettogewinn um 26,2 % auf 1.685 Millionen Euro, die Gewinnmarge liegt bei 6,0 % und der Free Cashflow vor Steuern sprang von 1.859 Millionen Euro auf 4.663 Millionen Euro. Die Windkraft-Sparte Siemens Gamesa sollte im laufenden Fiskaljahr die Gewinnzone erreichen. Der Analystenkonsens von MarketScreener rechnet für heuer mit einem Gewinnsprung auf 3,64 Euro je Aktie bevor bis 2028 ein Anstieg auf 6,62 Euro erfolgen sollte, woraus bei einem Kurs von 152 Euro ein für 2027/28 geschätztes KGV von 23 resultiert.
Bei Nordex zeigt sich die Marktbereinigung im Ergebnis: Im dritten Quartal 2025 stieg das Ebitda um 90,1 % auf 135,9 Millionen Euro, die Ebitda-Marge verbesserte sich auf Jahressicht von 4,3 auf 8,0 %, das Periodenergebnis von 3,9 auf 51,7 Millionen Euro. Laut Analystenkonsens sollte der Gewinn je Aktie von 2025 bis 2027 von 1,038 auf 1,605 Euro steigen, woraus bei einem Kurs von 32,74 Euro ein für 2027 erwartetes KGV von 20,4 resultiert.
Westliche Welt weiter am Drücker
Im Solarsektor bleibt First Solar ein Vorzeigeunternehmen der „westlichen Welt“. Für die ersten drei Quartale 2025 verzeichnete das Unternehmen einen Umsatzanstieg um 31,4 % auf 3,54 Milliarden USD (rund 3 Milliarden Euro) und einen Anstieg des Gewinns pro Aktie um 20,8 %. Zusätzlich kündigte First Solar den Ausbau der US-Fertigung an: Eine neue Anlage mit 3,7 GW Kapazität soll mit Produktionsstart ab Ende 2026 und Hochlauf in der ersten Jahreshälfte 2027 errichtet werden. Laut Schätzungen sollte sich der Gewinn je Aktie von 2025 bis 2027 in etwa verdoppeln und per 6. Februar läge das für 2027 geschätzte KGV bei günstigen 7,7.
Ein Profiteur der steigenden Stromnachfrage aus Rechenzentren in den USA ist Floridas größter Stromversorger NextEra Energy. Das Unternehmen ist laut eigenen Angaben weltgrößter Erzeuger erneuerbarer Energien aus Wind und Sonne und wies von 2020 bis 2024 ein Cashflow-Wachstum von 13,6 % p.a. auf.
Unterschätzter Hebel bei Netzen und Effizienz
Schneider Electric, ein Basisinvestment grüner Fonds, berichtet für das dritte Quartal 2025 von Wachstum im Energiemanagement, wo die anhaltende Nachfrage nach Rechenzentren die Leistung vorantreibt, unterstützt durch Investitionen in die Netzinfrastruktur. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 9 % auf 10 Milliarden Euro. Laut historischen Datenreihen lag von 2015 bis 2024 das Gewinnwachstum je Aktie bei 13,6 % p.a. und von 2025 bis 2027 sollte der Gewinn je Aktie weiter von 7,90 auf 10,97 Euro wachsen, woraus bei einem Kurs von 252,90 Euro ein für 2027 geschätztes KGV von akzeptablen 23,1 resultiert.
Ein ähnlicher Wert ist ABB, ein Unternehmen, das in der Entwicklung von KI-Rechenzentren der nächsten Generation mit NVIDIA zusammenarbeitet und nach dem Verkauf seiner Robotik-Division an SoftBank nun auf die Bereiche Elektrifizierung und Prozessautomatisierung fokussiert ist.
Foto: Adobe Stock / Planetz / Generiert mit KI
Im Artikel vorgestellte Aktien
| Konzern |
ISIN |
12-Monats-Performance |
| Nordex |
DE000A0D6554 |
184 % |
| Siemens Energy |
DE000ENER6Y0 |
167 % |
| ABB |
CH0012221716 |
35 % |
| First Solar |
US3364331070 |
30 % |
| NextEra Energy |
US65339F1012 |
29 % |
| Schneider Electrics |
FR0000121972 |
6 % |
| Quelle: Comdirect vom 06.02.2026 |
Zukunft der Personenversicherung: Merkur‑Vorstände über Leben, Kranken und BU
Merkur-Vorstände zur Zukunft von Lebens-, Kranken- und Berufsunfähigkeitsversicherung.
Kurz-Zusammenfassung
- Merkur Versicherung wächst stark in Leben, Kranken und BU – dank klarer Strategie und erfolgreicher Übernahme der Nürnberger.
- Fondsgebundene Produkte und biometrische Versicherungen gewinnen an Bedeutung, während die klassische Lebensversicherung an Zukunft verliert.
- Die dritte Säule der Altersvorsorge wird durch Demografie und politische Versäumnisse immer wichtiger.
- In der Krankenversicherung fordert Merkur mehr Transparenz und Standards bei Wahlärzten.
- Im Bereich Berufsunfähigkeitsversicherung baut Merkur seine langjährige Expertise aus und profitiert vom steigenden Marktinteresse.
Herausforderungen für die Personenversicherung
Merkur-Vorstände zur Zukunft von Lebens-, Kranken- und Berufsunfähigkeitsversicherung.
Die Lebensversicherung erlebte in den vergangenen Jahren schwierige Zeiten – das Niedrigzinsumfeld machte der klassischen Lebensversicherung das Leben schwer, die fondsgebundene litt unter Volatilitäten am Kapitalmarkt. Die Zukunft der Personenversicherung und aktuelle Herausforderungen standen deshalb im Zentrum eines Interviews mit Markus Spellmeyer und Markus Zahrnhofer im Merkur Campus, dem Headquarter der Merkur Gruppe in Graz. Vor allem Mut habe es gebraucht, in dieser Situation im Frühjahr 2022 die damalige Nürnberger Versicherung AG in Österreich zu übernehmen, betont Spellmeyer, Vorstandsmitglied der Merkur Versicherung AG, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.
Am österreichischen Markt im Bereich der Personenversicherungen kommt man an uns nicht mehr an uns vorbei
Strategische Neuausrichtung der Merkur
Vom Krankenversicherer zum umfassenden Personenversicherer
Als ein „Pionier“ in der Sparte Krankenversicherung sei es die Strategie der Merkur gewesen, sich als „Personenversicherer“ in Österreich zu positionieren und kein Einspartenversicherer zu sein. Man stand dabei vor der Entscheidung, die nötige Expertise selbst aufzubauen oder zu „schauen, was am Markt möglich ist“. Als sich dann dazu die Möglichkeit ergab, kaufte Merkur die Nürnberger – wie sich heute zeigt, ein „sehr guter und strategisch richtiger Schritt“, so Spellmeyer. Damit habe man das Portfolio auf fondsgebundene Lebensversicherungen und biometrische Versicherungen erweitert, sodass „jetzt, nach drei Jahren, man am österreichischen Markt im Bereich der Personenversicherungen nicht mehr an uns vorbeikommt“.
Wachstumstreiber im Lebensversicherungsmarkt
Marktentwicklung, Neugeschäft und Wettbewerb
Mit der Übernahme der Nürnberger Versicherung habe die Merkur einen klaren Plan verfolgt, so Zahrnhofer, er ist CEO der Merkur Lebensversicherung AG: Im Fokus standen dabei Kunden, Vertriebspartner und Service. Wichtig sei es gewesen dafür das richtige Umfeld zu schaffen, das habe man „in geordnete Bahnen gelenkt“. Und das wirke sich auch in der Realität aus, so Spellmeyer. So sei der Lebensversicherungsmarkt in Österreich von September 2024 bis September 2025 um 3,2 % gewachsen, die Merkur Lebensversicherung habe in diesem Zeitraum aber um 11,3 % zulegen können. Und im Neugeschäft habe man einen Zuwachs um 40 % erzielt, wobei es bei Verträgen mit laufender Prämie sogar ein Plus von 50 % gegeben habe. Zahrnhofer: „Der Markt wächst mit Einmalerlägen, wir auch mit laufender Prämie.“ Geholfen habe dabei aber auch der Weggang der HDI Leben.
Demografische Bombe ist die beste Werbung
Altersvorsorge im Wandel
Demografie, dritte Säule und Zukunft der Lebensversicherung
Um die Zukunft der fondsgebundenen Lebensversicherung macht sich Zahrnhofer jedenfalls keine Sorgen. Denn die „demografische Bombe“ sei die beste Werbung: „Der Markt ist angerichtet.“ Angesichts der Unsicherheiten, die sich durch die Veränderung des Verhältnisses zwischen Beschäftigten und Pensionisten für die staatliche Pension ergeben, komme das Thema jetzt sukzessive auch an die Öffentlichkeit. In Zukunft werde es in der Altersvorsorge deshalb aller drei Säulen bedürfen, ist Zahrnhofer überzeugt: „Man braucht etwas Individuelles“ und Merkur sei „stark in der dritten Säule“. Die klassische Lebensversicherung habe allerdings keine Zukunft, ergänzt Spellmeyer.
Politische Verantwortung und Rahmenbedingungen
Warum klare Kommunikation notwendig ist
„Die Politik muss Tacheles reden und nicht alles schönfärben“, betont Spellmeyer in diesem Zusammenhang. In Deutschland sei man bereits über seinen Schatten gesprungen und habe erklärt, dass die gesetzliche Rente nicht reichen werde und private Vorsorge nötig ist.
Für die Kommunikation in die breite Masse sei es nötig, dass die Politik den ersten Schritt macht. „Wir schieben den Stein an, ins Rollen bringen muss ihn die Politik“, sagt Zahrnhofer. Denn mit der österreichischen Mentalität, „es wird schon gehen“, werde es eng werden.
Befinden uns mit unserem Gesundheitssystem im Schlaraffenland
Entwicklung in der Krankenversicherung
Transparenz, Standards und Systemverantwortung
Im Bereich der Krankenversicherung sei man in Österreich dagegen schon ein Stück weiter, so Spellmeyer. Vor allem aber müsse es uns bewusstwerden, dass wir uns mit unserem Gesundheitssystem im Schlaraffenland befänden.
Kritik äußert Spellmeyer daran, dass Wahlärzte hierzulande „frei sind, was die Rechnungslegung betrifft“: Es gebe keine Standards, andere Länder würden das dagegen „ordentlich regeln“. So könne es aber nicht weitergehen: „Auch wir als Versicherer müssen kalkulieren können.“ Die heimischen Versicherer hätten im Jahr 2024 insgesamt 2,6 Milliarden Euro ausbezahlt und seien damit eine wichtige Stütze des gesetzlichen Systems. Die Ärztekammer verteidige die aktuelle Regelung, doch das sei nicht im Sinn der Allgemeinheit. Es sei deshalb „Zeit, dass alle an einen Tisch kommen“.
Und Zahrnhofer macht darauf aufmerksam, dass die Probleme ineinandergreifen: Es gehe auch darum, dass Menschen möglichst lange im Arbeitsmarkt bleiben können. Wichtig sei es, dass sie dafür auch selbst Verantwortung übernehmen.
Berufsunfähigkeitsversicherung fixer Bestandteil unserer Strategie
Berufsunfähigkeitsversicherung im Aufwind
30 Jahre Expertise und steigende Nachfrage
Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung profitiere Merkur von der 30-jährigen Expertise, die unter Nürnberger-Flagge aufgebaut wurde, sagt Zahrnhofer. Sie sei „fixer Bestandteil unserer Strategie“, seit ihrer Überarbeitung im Vorjahr verzeichne man eine deutlich positive Entwicklung.
Nach wie vor besteht im Bereich der Berufsunfähigkeitsversicherung in Österreich Nachholbedarf. Zahrnhofer betont, Merkur habe dies zum Thema gemacht, Geld in die Hand genommen und sie aktiv beworben. Mittlerweile habe der Markt aber verstanden, „dass das ein Thema in Österreich ist“, auch andere Anbieter würden hier proaktiv agieren.
„Wir sind froh, dass das auch andere verstanden haben“, ergänzt Spellmeyer, und, optimistisch: „Wir werden unser Stück vom Kuchen abbekommen.“
Autor: Marius Perger
Foto: Merkur Versicherung AG
Digitaler Euro: EZB schuldet Antworten
Florian Beckermann. Der digitale Euro steht vor der Tür. In Brüssel soll in diesem Jahr entschieden werden und es herrscht bisher weitgehend Einigkeit, dass er kommen wird. Eine echte Opposition hat sich nicht herausgebildet, obwohl es viele offene Fragen gibt. Nicht nur Anleger sind verunsichert. Schafft die Europäische Zentralbank (EZB) eine Lösung, ohne ein Problem zu haben?
Argumente für die Einführung eines digitalen Euros
Der digitale Euro ist ein von der EZB geplantes, staatliches, digitales Zahlungsmittel, das das Bargeld ergänzen, aber nicht ersetzen soll. Er wäre direktes Zentralbankgeld, analog dem Bargeld, nur in elektronischer Form. EZB-Ziel ist die Sicherstellung, dass Zentralbankgeld auch im digitalen Zeitalter verfügbar bleibt.
Weiters sollen die Abhängigkeit Europas von privaten und meist außereuropäischen Zahlungsanbietern wie Visa, Mastercard oder PayPal verringert und eine einheitliche, europaweit nutzbare digitale Zahlungsinfrastruktur geschaffen werden. Der digitale Euro soll über Banken und Zahlungsdienstleister genutzt werden, wobei die EZB das Geld ausgibt, aber nicht selbst die Kundenbeziehungen führt. Eine tatsächliche Einführung wäre ab 2029 realistisch.
Geplant sind Obergrenzen für Guthaben in digitalen-Euro-Wallets, um Risiken für das Bankensystem zu begrenzen, sowie hohe Datenschutzstandards, einschließlich begrenzter Offline-Funktionen, die Bargeld ähneln sollen.
Argumente, die dennoch gegen einen digitalen Euro sprechen:
- Risiko Finanzstabilität: Kritiker befürchten, dass Menschen in Krisenzeiten ihr Geld massenhaft von Geschäftsbanken in den digitalen Euro verschieben könnten, da dieser als besonders sicher gilt. Das könnte Banken Liquidität entziehen – selbst dann, wenn Guthabenobergrenzen vorgesehen sind.
- Begrenzter praktischer Nutzen: Viele Verbraucher nutzen bereits heute schnelle, günstige und komfortable digitale Zahlungsmethoden, sodass der digitale Euro aus Sicht vieler Ökonomen kaum einen echten Mehrwert bietet. Gerade erst haben große europäische Geschäftsbanken das Zahlungsprojekt „Wero“ gestartet. Wenn der digitale Euro hier nicht hineinpasst, gewinnt er keine Freunde.
- Hohe Entwicklungs-, Einführungs- und Betriebskosten, die von der Allgemeinheit oder dem Finanzsektor getragen werden müssten. Besonders stark diskutiert werden außer dem Datenschutz- und Überwachungsbedenken.
- Zahlungen kontrollierbar. Auch wenn die EZB betont, dass sie keine individuellen Zahlungsprofile erstellen will und Privatsphäre ein zentrales Designziel sei, Zahlungsstromkontrolle ist dennoch möglich.
- Beim Schwurblerthema „Bargeldverbot“ gewinnt das digitale Zentralbankgeld volle Relevanz.
- Programmierbarkeit des elektronischen Euros ist problematisch: Kann er überall im und auch außerhalb des Euroraums genutzt werden? Gibt es ein Verfallsdatum, bis wann man ihn genutzt haben muss?
Fazit: Das staatliche Digitalgeld ist ein strategisch motiviertes Projekt, mit dem die EZB Europas geldpolitische Souveränität im digitalen Raum sichern will. Das ist gut. USA und China sind längst weiter. Gleichzeitig stehen dem Projekt in Europa erhebliche Zweifel gegenüber: Am Nutzen für die Bürger, an den Kosten, an möglichen Risiken/Chancen für das Bankensystem sowie an der gesellschaftlichen Akzeptanz. Die EZB sollte mit einer Antwortoffensive beginnen, sonst platzt ein solches Projekt schnell am Angst macher-Populismus.
Edelsteine als Wertanlage: Was Anleger über Preise, Qualität und Zertifikate wissen müssen
Brigitte Schweingger. Edelsteine gehören zu den ältesten Wertträgern der Menschheitsgeschichte. Als Anlageobjekt folgen sie jedoch anderen Regeln als Gold oder Silber. Ihr Markt ist historisch gewachsen, stark fragmentiert und von persönlicher Expertise geprägt. Genau darin liegen sowohl die Chancen als auch die Risiken für Anlegerinnen. Während Edelmetalle klar bepreist sind, entsteht der Wert von Edelsteinen immer im Zusammenspiel von objektiven Kriterien und subjektiver Wahrnehmung.
06.02.2026. Edelsteine gehören zu den ältesten Wertträgern der Menschheitsgeschichte. Als Anlageform funktionieren sie jedoch völlig anders als Gold oder Silber. Während Edelmetalle weltweit standardisiert und tagesaktuell bepreist sind, entsteht der Wert eines Edelsteins aus einem Zusammenspiel von objektiven Qualitätskriterien und subjektiver Wahrnehmung.
Der Markt ist fragmentiert, historisch gewachsen und stark von Expertise geprägt – ein Vorteil für Kenner, aber ein Risiko für Einsteigerinnen.
Was den Wert eines Edelsteins bestimmt
Der Preis eines Edelsteins ergibt sich aus den klassischen „4C“:
- Color (Farbe)
- Clarity (Reinheit)
- Cut (Schliff)
- Carat (Gewicht)
Bei Farbedelsteinen gilt die Farbe als wichtigster Faktor. Ein kleiner Stein mit außergewöhnlicher Farbintensität kann teurer sein als ein größerer, blasser Stein.
Rubine: Spitzenpreise bis 250.000 Euro pro Karat
Rubine zählen zu den begehrtesten Farbedelsteinen. Besonders wertvoll sind Steine mit dem legendären „Pigeon Blood“-Rot aus Myanmar.
- Hochwertige Rubine (1–2 Karat): 80.000 bis über 250.000 Euro pro Karat
- Preisfaktoren: Farbintensität, Gleichmäßigkeit, Reinheit, Herkunft, Zertifizierung
Die Kombination aus Seltenheit und Nachfrage sorgt für stabile Höchstpreise.
Saphire: 30.000 bis 100.000 Euro pro Karat – und mehr
Auch bei Saphiren entscheidet die Farbe über den Wert.
- Kaschmir-Saphire (unbehandelt): extrem selten, teils sechsstellige Beträge pro Karat
- Padparadscha-Saphire (rosa‑orange): 30.000 bis 100.000 Euro pro Karat
Ihre geringe Verfügbarkeit macht sie besonders preisstabil.
Herkunft als Werttreiber: Kolumbien, Myanmar, Kaschmir
Die Herkunft eines Edelsteins wirkt wie eine Marke – und beeinflusst den Preis erheblich.
Beispiele für Herkunftsprämien
- Kolumbianische Smaragde: 15.000–60.000 Euro pro Karat
- Paraíba-Turmaline (Brasilien/Mosambik): fünf- bis sechsstellige Preise
- Myanmar-Rubine: Spitzenpreise weltweit
Wichtig: Herkunft muss durch Zertifikate belegbar sein.
Zertifikate: GIA, SSEF und Gübelin als Goldstandard
Im hochwertigen Segment sind Zertifikate unverzichtbar. Sie dokumentieren:
- Farbe
- Reinheit
- Behandlungen
- Herkunft
- Schliffqualität
Ohne Zertifikat ist ein Wiederverkauf im Premiumsegment kaum möglich. Aber: Ein Zertifikat ersetzt nicht die ästhetische Ausstrahlung eines Steins.
Behandlungen: Wertmindernd, aber marktüblich
Viele Edelsteine werden behandelt, um Farbe oder Klarheit zu verbessern:
- Erhitzen (Rubine, Saphire)
- Ölen (Smaragde)
Unbehandelte Steine erzielen 30–100 % höhere Preise, da sie seltener und authentischer sind.
Für wen eignen sich Edelsteine als Investment?
Edelsteine sind keine kurzfristige Anlage. Gründe:
- begrenzte Liquidität
- keine tagesaktuellen Preise
- hohe Verhandlungsspannen
Als langfristige Beimischung können sie jedoch attraktiv sein – dank:
- materieller Knappheit
- kulturellem Wert
- ästhetischer Qualität
Wer investiert, kauft Substanz – aber auch Vertrauen in Farbe, Herkunft und Geschichte.
Edelsteine kaufen: Worauf Anleger achten sollten
Der Kauf unterscheidet sich stark von klassischen Investments:
- keine Preislisten
- keine standardisierten Märkte
- hohe Bedeutung persönlicher Expertise
Wichtige Fragen vor dem Kauf
- Soll der Stein getragen, gesammelt oder wiederverkauft werden?
- Welches Budget steht zur Verfügung?
- Welche Qualitätskriterien sind unverzichtbar?
Tipp: Edelsteine mittlerer Größe
Mittlere Größen mit harmonischer Farbe und gutem Schliff sind oft sinnvoller als spektakuläre Einzelstücke.
Beispiel:
- Der „Sunrise Ruby“ erzielte über 30 Mio. USD
- Viele hochwertige Schmuckstücke wechseln bei Auktionen für einige tausend Euro den Besitzer
Der Markt ist breit – und stark qualitätsabhängig.
Qualität, Dokumentation, Nachfrage – die drei entscheidenden Faktoren
Für den langfristigen Wert eines Edelsteins zählen:
- Qualität (Farbe, Reinheit, Schliff)
- Dokumentation (Zertifikate, Herkunftsnachweise)
- Nachfrage (Markttrends, Seltenheit)
Steine ohne klare Dokumentation werden bei Auktionen deutlich niedriger bewertet.
Auktionen als Orientierung – aber mit Disziplin
Auktionen zeigen, welche Qualitäten tatsächlich gefragt sind. Wichtig ist jedoch:
- fixe Preisobergrenze
- keine emotionale Bietdynamik
- Vergleich mehrerer Lose
Auktionen eignen sich hervorragend zur Marktbeobachtung.
Wo Vorsicht geboten ist
- Modische Farbtrends sind oft kurzlebig
- Große Steine mit schwacher Ausstrahlung sind schwer verkäuflich
- Karatgewicht allein sagt wenig über den Wert aus
Autorin: Brigitte Schweinegger
Foto: Unsplash
Börse Indien: Die Erfolgsstory geht in die nächste Runde
Chancen für Anleger in Indien, der Wachstumschampion unter den Schwellenländern.
Stefan Riedel, München (06.02.). Einen Markt von zwei Milliarden Menschen und 25 % der globalen Wirtschaftsleistung umfasst das in der vergangenen Woche zwischen der EU und Indien abgeschlossene Freihandelsabkommen. Der für die nächsten Jahre geplante Abbau von Zöllen wird die Bereitschaft vieler europäischer Unternehmen erhöhen, auf dem Subkontinent zu investieren. Europäische Anleger wiederum sollten auf die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft unter den großen Schwellenländern einen intensiveren Blick werfen als bisher.
2026: Wirtschaftswachstum in Indien von rund 7 Prozent prognostiziert – die Gründe
Die indische Regierung rechnet für das im April beginnende Fiskaljahr mit 6,8 bis 7,2 % Wirtschaftswachstum. Auf die von Donald Trump erhobenen Importzölle von 50 % reagiert sie zum einen mit der Senkung der Mehrwertsteuer, um den privaten Konsum anzukurbeln. Zugleich erhöht sie die Investitionen in den Ausbau der Infrastruktur. Dazu wächst die Bedeutung des Privatkonsums, auch in den ländlichen Regionen, die von einer verbesserten Agrarproduktion und steigenden Reallöhnen profitieren: Innerhalb von zehn Jahren hat er sich bis 2023 auf 2,2 Bio USD nahezu verdoppelt.
Qualität hat ihren Preis: Indische Aktien hoch bewertet
Charakteristisch für indische Aktien ist ihre gegenüber anderen asiatischen Märkten hohe Bewertung. Im Dezember lag das 2026er KGV aller im MSCI India enthaltenen 157 Unternehmen bei 25 und damit um die Hälfte über der Bewertung des MSCI China. Die hohe Bewertung reflektiert die hohen Gewinnerwartungen und die gegenüber anderen asiatischen Märkten häufig besseren bilanziellen Kennziffern von indischen Unternehmen.
Dollar-Schwäche: Stocken ausländische Investoren Indien-Depot auf?
Anuj Arora, Head Emerging Market & Asia Pacific Equities bei J.P.Morgan Asset Management, sieht angesichts der Schwäche des US-Dollars jetzt gute Chancen, dass ausländische institutionelle Investoren auf der Suche nach mehr Diversifikation ihre in den letzten Jahren reduzierte aktive Gewichtung in Indien wieder auf stocken: „Die Kombination aus steigenden Investitionsausgaben des Privatsektors mit einem wach senden Verbrauch der Privathaus halte würde höhere Bewertungen rechtfertigen.“
Indien-Investment: Geringe Korrelationen und gute Fundamentaldaten
Alessia Berardi, Head of Economics im Amundi Institute, sieht bei Indien-Investments vor allem zwei große Vorteile: „Indische Aktien weisen eine unterdurchschnittliche Korrelation mit globalen wie auch mit Schwellenländeraktien auf. Entscheidend dabei ist die besonders geringe Korrelation mit China, was auf unterschiedliche Wirtschaftsstrukturen und politische Treiber hinweist.“ Die Fundamentaldaten seien der zweite entscheidende Faktor: „Diese sind eng mit dem Binnenmarkt verbunden, was einen Schutz vor geopolitisch bedingten Handelsspannungen bietet.“
Börse Indien: Vier spannende Anlageoptionen
- Der im Mai 2018 aufgelegte iShares MSCI India UCITS ETF (ISIN: IE00BZCQB185) (iShares MSCI India UCITS ETF | NDIA) bietet ein breit diversifiziertes Investment in 85 % der gesamten Marktkapitalisierung des indischen Aktienmarktes. Mit rund 4,3 MilliardenEuro Volumen zählt er auch zu den größten handelbaren Indien-ETFs. Branchenseitig stehen der Finanzsektor, Software, Autohersteller sowie Öl- und Gasindustrie in der Summe für fast die Hälfte der Indexgewichtung.
- Robeco Indian Equities D (Indian Equities D EUR – LU0491217419 | Robeco Deutschland) in den letzten fünf Jahren eine Performance von 68 % erzielt und damit den MSCI India deutlich outperformt, der im selben Zeitraum knapp 40 % zulegte. Mit mehr als 70 Einzelwerten ist das Fondsportfolio des sparplanfähigen Produkts über etliche Branchen breit gestreut.
- Der im Oktober 2005 aufgelegte Franklin India Fund ( Franklin India Fund – A (acc) EUR – LU0231205187) ist nicht nur ein Klassiker unter den Fondsprodukten mit dem Anlagefokus Indien, sondern mit 2,8 Milliarden Euro Volumen auch einer der größten. Der Finanzsektor und zyklische Konsumgüter stellen mehr als 40 % der Fondsgewichtung. Unter den Einzelwerten ist der Mischkonzern Reliance Industries aus Sicht des Wachstumspotenzials und der Aktienbewertung eine gute Wahl. Das Unternehmen ist in unterschiedlichsten Branchen wie der Petrochemie, der Telekommunikation, dem Einzelhandel und der Energieversorgung unterwegs.
- Unter den Einzelwerten ist der Mischkonzern Reliance Industries (Reliance Industries AKTIE | INE002A01018 | 946078 | | Realtime Kurs ) aus Sicht des Wachstumspotenzials und der Aktienbewertung eine gute Wahl. Das Unternehmen ist in unterschiedlichsten Branchen wie der Petrochemie, der Telekommunikation, dem Einzelhandel und der Energieversorgung unterwegs.
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RBI schlägt um 45 % höhere Dividende vor
Die Erträge der Raiffeisen Bank International – ohne Raiffeisen Russland – sprudeln. Auch der Blick in die Zukunft ist optimistisch.
Tibor Pásztory (06.02.). Die Raiffeisen Bank International AG (Raiffeisen Bank International AG ) hat im abgelaufenen Jahr ein außerordentlich gutes Ergebnis hingelegt, wenngleich der eine oder andere Analyst noch mehr erwartet hätte. Der sich seiner baldigen Pensionierung erfreuende RBI-CEO Johann Strobl übergibt seinem Nachfolger Michael Höllerer trotz offener Rechtsstreitigkeiten rund um das Russlandgeschäft ein gut bestelltes Haus.
Optimismus selbst bei Worst-Case-Szenario für Russland-Geschäft
Um die Sicht auf das nicht-russische Kerngeschäft zu schärfen, bilanziert die Bank mit und ohne Russland und Belarus. Gleichzeitig wird betont, dass auch für ein etwaiges Worst-Case-Szenario vorgesorgt sei. Ihren Optimismus möchte die Bank mit einer um 45 % auf 1,60 Euro erhöhten Dividende unter Beweis stellen.
RBI-Kernergebnis plus 48 %
Dass es bei der RBI 2025 gut laufen würde, war schon lange klar. Der Markt hatte dies mit einer Beinahe-Kursverdoppelung quittiert. Ein Ergebnisanstieg um 48 % auf 1,44 Milliarden Euro im Kernmarkt (ohne Russland) bzw. um 19 % auf 1,37 Milliarden Euro (mit Russland) legt nun den Nachweis vor. Verantwortlich für diese Entwicklung waren Steigerungen im Kreditgeschäft um 6 % und ein um 9 % gestiegener Provisionsüberschuss von 2 Milliarden Euro, vor allem in Rumänien, Ungarn und Tschechien. Die Kernerträge stiegen um 3 % auf 6,19 Milliarden Euro. Die harte Kernkapitalquote (ohne Russland) liegt nun bei 15,5 %.
Raiffeisenbank Russland ohne Schadenersatz entkonsolidieren?
Inkludiert ist hier allerdings wiederum die Annahme eines Worst-Case Szenarios bezüglich des Russland-Geschäftes – sollte die RBI die Raiffeisenbank Russland ohne Schadenersatz entkonsolidieren müssen und dadurch deren gesamtes Eigenkapital verlieren.
Klagen durch Rasperia: Verfahren läuft
Zur Erinnerung: Als Folge westlicher Sanktionen gegenüber der Rasperia-Gruppe um Putin-Freund Oleg Deripaska waren deren Strabag-Aktien eingefroren worden, worauf ein Königsberger (heute: Kaliningrad) Gericht die Kernaktionäre (also RBI) zu Schadenersatz in Höhe von 2 MilliardenEuro verurteilte. Das Verfahren ist im Laufen.
Hoffnung: Sanktionen gegen Rasperia werden eingestellt
Ginge es nach Strobl, würde die EU ihre Sanktionen gegen Rasperia einstellen. „In Brüssel denkt man über unterschiedliche Themen nach“, verleiht er seiner Hoffnung Ausdruck, dass besagte Aktien freigegeben und andere Kompensationsmöglichkeiten gefunden würden.
Raiffeisen Russland: Eigenkapital auf 5,6 Milliarden Euro gestiegen
Der Geschäftsabbau der Raiffeisenbank Russland soll jedenfalls auch heuer fortgesetzt werden, wenngleich deren Eigenkapital durch Gewinnrücklagen und Dividendenbeschränkungen paradoxerweise auf 5,6 Milliarden Euro gestiegen ist.
RBI: Andere Länder im Osten erfolgreich
Bis auf Polen, wo die Bank mit den negativen Folgen der Vergabe zahlreicher Fremdwährungskredite im Schweizer Franken kämpft, kann die RBI auf allen ihren östlichen Märkten durchwegs mit positiven Informationen für unsere Aktionäre halten.
Kampf dem „Biedermeier-Effekt“ und der Selbstverzwergung
Florian Beckermann. Wirtschaftliche Unsicherheit, politische Ängste und Pessimismus fördern eine Hinwendung nach innen zu Sicherheit und Gewissheit: Der „Biedermeier-Effekt“. Nach dem renommierten Edelman Trust Barometer 2026 für 28 Wirtschaftsnationen, dominiert weltweit inzwi-schen eine abgeschottete Vertrauenshaltung: 7 von 10 Menschen sind nicht bereit oder zögern, jemandem zu vertrauen, der sich von ihnen unterscheidet. Ein Rekordwert.
Doch diese Art des Isolationismus, ja lokale Selbstverzwergung, beschränkt vorteilhafte Fortschrittsentwicklungen nachhaltig. Was im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung noch eine Charakterfrage sein kann, ist für Unternehmen toxisch. Sie müssen gegen diese Abschottung angehen und den Biedermeier bekämpfen – nicht nur um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Unternehmensintern: Bleiben vertrauensbeschränkende Unterschiede schlecht adressiert, werden sie die Produktivität behindern. Die Führungsstärke des Managements wird untergraben. Der Widerstand gegen Innovation verhärtet sich. Gegen geopolitische Abschottung sind multinationale Unternehmen nahezu verpflichtet sich zu einem polynationalen Modell weiterzuentwickeln. Ein (gegebenenfalls teures) Modell was auf Investitionen in langfristige lokale Beziehungen ausgerichtet ist.
Doch wie gelingt ein Brückenbau? Interessanterweise werden Unternehmen im Rahmen der Vertrauensvermittlung die höchsten Kompetenzen zugesprochen (den letzten Platz nehmen übrigens „Regierungen“ hier ein). Wobei Vertrauensvermittlung eine Strategie und Kompetenz für Institutionen oder Einzelpersonen ist. Sie konzentriert sich darauf, Menschen dort abzuholen, wo sie stehen, statt zu versuchen, sie zu verändern. Vorurteilsfreies Zuhören und das Übersetzen unterschiedlicher Realitäten sind zwei zentrale Kompetenzen eines Vertrauensvermittlers. Richtig umgesetzt, kann dies Gräben überbrücken. Unternehmen weisen beim Thema Vertrauensvermittlung die geringste Lücke zwischen Erwartung und tatsächlicher Leistung auf und genießen ein hohes Maß an Vertrauen bei ihren Mitarbeitenden.
Fazit: Angesichts dieser Zwänge und Chancen sind die Handelsabkommen der EU (Mercosur, Indien usw.) eine politische Antwort. Sie sollen Rahmenbedingungen schaffen, die den Brückenbau für Unternehmen zu erleichtern. Dass sich im Förder-Nirwana befindliche Branchen, wie die europäische Landwirtschaft, auflehnen, mag auch einem dortigen Biedermeier-Effekt geschuldet sein. Unabhängig vom Ausgang der Mercosur-Posse mag sich die EU einer Fehleranalyse unterziehen: Warum braucht es erst den Druck der geopolitischen Katastrophen, um solcherart Abkommen politisch über die Ziellinie zu bekommen?
Und, hat man in Brüssel verstanden, dass die Strategie des „Wandel durch Handel“ nicht besonders erfolgreich war zuletzt? Jedenfalls ist der Kampf gegen den Isolationismus aufgenommen.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
US-Aktienmärkte in der Ära Trump II: Quo vadis?
Ein Kommentar der Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking.
(23.01.2026) Ungeachtet der unberechenbaren Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump und seinen fortgesetzten Affronts gegenüber internationalen Partnern performten die US-Aktienmärkte im Jahr 2025 sehr stark mit Zuwächsen zwischen 13 und 20 Prozent bei den wichtigsten Indices. Nun stellt sich die Frage, ob sich die US-Märkte auch im Jahr 2026 ähnlich robust zeigen werden. Dafür werfen die Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking einen Blick auf jene Faktoren, die heuer voraussichtlich maßgeblich das Börsengeschehen in den USA beeinflussen werden.
Wer folgt Powell nach?
Zunächst wird 2026 stark von der Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve geprägt sein. Erwartungen gehen dahin, dass die Fed möglicherweise die Zinssätze stabil hält oder schrittweise senkt – in der Regel reagieren Aktien darauf positiv. Eine höher als erwartete Inflation oder ein schwächerer Arbeitsmarkt könnten Zinsanpassungen allerdings verzögern, was den Entwicklungen der Aktienkurse abträglich sein könnte. Zudem sind alle Augen darauf gerichtet, wen Trump zum Nachfolger von Notenbankchef Jerome Powell bestimmen wird. Dessen Amtszeit endet im Mai 2026. Als Favoriten für diese bedeutende Position gelten einige erfahrene Ökonominnen und Finanzexperten mit politischem Hintergrund, darunter Kevin Hassett, Chris Waller, Michelle Bowman, Kevin Warsh sowie Wall-Street-Profi Rick Rieder. Alle stehen grundsätzlich für eine traditionelle Geldpolitik, haben sich zuletzt jedoch auffallend Trump-nah positioniert. Dass sich Trump eine lockere Geldpolitik wünscht, ist kein Geheimnis und hat in den letzten Monaten immer wieder für Kraftproben zwischen ihm und Powell geführt. Ein Ende der Unabhängigkeit der Fed ist aber aus heutiger Sicht unwahrscheinlich. Grund dafür sind starke institutionelle Schutzmechanismen und fachlich qualifizierte Kandidatinnen und Kandidaten für Führungspositionen.
Fiskaleffekte und Unternehmensgewinne
Darüber hinaus könnten Fiskalpakete und staatliche Stimulierungen den Konsum und Investitionen anregen, was einen positiven Effekt auf Aktien haben könnte. Auch eine solide Entwicklung der Gewinne börsennotierter Unternehmen würde die Märkte weiterhin stützen. Dem stehen „teure“ Bewertungen gegenüber, die bei verlangsamten Gewinnwachstum eine Korrektur auslösen könnten. Ebenso würden eine aggressive Handels- und Zollpolitik oder politische Unsicherheiten Risiken für die Märkte und die globale Nachfrage bedeuten.
Die AI-Wachstumsstory?
Die Performance des US-Marktes wird zusätzlich stark vom Fortbestand der AI-Wachstumsstory abhängen. Die Investitionen in Künstliche Intelligenz, der starke Fokus auf Innovation sowie das Gewinnwachstum der AI-Unternehmen bleiben zentrales Thema. Schon seit geraumer Zeit warnen aber Experten, dass sich eine Blase – ähnlich der Dotcom-Blase der 2000er Jahre – aufbauen könnte. Ein Platzen könnte den Markt hart treffen.
Midterm-Wahlen
Nicht zuletzt ist das Jahr 2026 in den USA wieder ein Wahljahr. Bei den so genannten Midterm-Wahlen im November werden im Kongress das Repräsentantenhaus und der Senat gewählt. Beide Kammern vertreten die Legislative und sind daher entscheidend für Trumps politischen Handlungsspielraum. Wenn die Republikaner unter Trump – wie vielerorts erwartet – Mandate verlieren, droht eine zunehmende politische Spaltung, was die Finanzmärkte gewiss genau beobachten werden.
Fazit: Die gute Performance der US-Märkte in den vergangenen Jahren ist keine Polizze für die Zukunft. 2026 wird ein abwechslungsreiches Jahr und Gelassenheit sollte das oberste Gebot für Investoren am US-Aktienmarkt sein. Eine breite und globale Diversifikation reduziert Risiken im Portfolio.
EY Start-up Investment Barometer 2025
Internationale Investorengruppen ziehen sich weiter zurück – Wachstumskapital bleibt zentraler Engpass für Österreichs Start-ups.
(27.01.2026). Der österreichische Start-up-Finanzierungsmarkt bleibt 2025 stark unter Druck. Nach dem deutlichen Rückgang im Vorjahr setzt sich die strukturelle Schwäche bei Investitionen fort. Zwar kommen weiterhin Finanzierungsrunden zustande, doch großvolumige Wachstumsfinanzierungen bleiben die Ausnahme. Besonders deutlich zeigt sich dies in der Zusammensetzung der Investorinnen und Investoren und der Herkunft des Kapitals.
Das sind die Ergebnisse des Start-up Investment Barometers 2025 der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY in Zusammenarbeit mit Invest.Austria, dem führenden Netzwerk für Investoren am vorbörslichen Kapitalmarkt in Österreich. Berücksichtigt wurden veröffentlichte Finanzierungsrunden in Unternehmen mit Hauptsitz in Österreich, deren Gründung höchstens zehn Jahre zurückliegt.
Internationales Kapital zieht sich schrittweise zurück
Ein Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt eine klare Verschiebung in der Investorenstruktur. In den Boomjahren 2021 und 2022 spielte internationales Kapital eine dominierende Rolle. Im Jahr 2021 entfielen zeitweise mehr als 90 Prozent des gesamten Investitionsvolumens auf internationale Investoren. Dieser außergewöhnlich hohe Anteil war jedoch kein struktureller Normalzustand, sondern das Ergebnis einiger weniger extrem großvolumigen Finanzierungsrunden: Vier Mega-Deals mit jeweils über 100 Millionen Euro verzerrten die Statistik massiv nach oben.
Mit dem Ende der Boomphase änderte sich dieses Bild grundlegend. 2022 lag der Anteil des internationalen Kapitals noch bei rund 40 bis 45 Prozent, getragen von einzelnen größeren Wachstumsrunden. 2024 sank dieser Anteil bereits auf rund ein Drittel des investierten Kapitals. 2025 verstärkte sich der Trend weiter: Nur noch rund ein Viertel des investierten Kapitals stammt aus rein internationalen Investorenrunden – und das bei insgesamt deutlich gesunkenem Gesamtvolumen.
„Diese Entwicklung ist kein kurzfristiger Ausreißer, sondern Ausdruck einer strukturellen Marktveränderung. Internationale Geldgeber investieren dort, wo ausreichend Deal-Größe, Wachstumstiefe und verlässliche Anschlussfinanzierungen vorhanden sind – und genau daran fehlt es derzeit in kleineren Märkten wie Österreich. Der extrem hohe internationale Kapitalanteil in den Boomjahren war stark von wenigen Großdeals getrieben. Heute sehen wir das andere Extrem: Ohne ausreichend große Wachstumsrunden ziehen sich internationale Investorinnen und Investoren schrittweise zurück. Das ist ein strukturelles Signal und kein zyklisches“, sagt Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich.
Heimisches Kapital stabilisiert – kann die Lücke aber nicht schließen
Parallel dazu gewinnt heimisches Kapital relativ an Bedeutung. Knapp ein Drittel (31 %) des investierten Kapitals wird 2025 von ausschließlich österreichischen Investorinnen und Investoren getragen. Besonders im Seed- und Early-Stage-Bereich sichern heimische Geldgeberinnen und Geldgebern weiterhin die Basis des Ökosystems.
Gleichzeitig zeigt sich eine klare Grenze: Bei größeren Wachstumstickets stoßen österreichische Kapitalgeber an strukturelle Limits. Großvolumige Anschlussfinanzierungen lassen sich aus dem heimischen Markt allein kaum darstellen.
Gemischte Konsortien dominieren – bleiben aber klein
Ein Großteil des investierten Kapitals entfällt 2025 weiterhin auf gemischte Investorenkonsortien, in denen österreichische und internationale Kapitalgeber gemeinsam investieren. Diese Co-Investments unterstreichen grundsätzlich die internationale Anschlussfähigkeit des Standorts. Gleichzeitig bleiben auch diese Runden überwiegend kleinvolumig. Ohne größere Ankerinvestor und ausreichend Wachstumskapital gelingt es nur eingeschränkt, Finanzierungsrunden in einer Größenordnung zu strukturieren, die für Skalierung und internationale Expansion notwendig wäre.
Verschiebung bei Investorentypen verstärkt den Engpass
Auch die Zusammensetzung der Investorinnen und Investoren hat sich 2025 weiter verschoben. Der Markt wird zunehmend von Business Angels, kleineren Venture-Capital-Fonds sowie Bestandsinvestor getragen. Große internationale Growth-Fonds treten hingegen kaum mehr als neue Lead-Investoren auf und fokussieren sich primär auf das Management bestehender Portfolios. Diese Entwicklung verstärkt den Trend zu kleineren Ticketgrößen und verlängert Finanzierungszyklen, insbesondere für Start-ups und Scale-ups in späteren Entwicklungsphasen.
„Das Problem ist nicht fehlendes Interesse, sondern fehlende Tiefe im Markt. Ohne ausreichendes Wachstumskapital bleibt Skalierung die Ausnahme – genau hier entscheidet sich, ob aus Start-ups internationale Player werden“, so Haas.
Wachstumskapital bleibt der zentrale Engpass
Die Analyse zeigt klar: Der österreichische Start-up-Markt funktioniert in der Breite, stößt aber bei Wachstumskapital systematisch an Grenzen. Internationale Investor agieren selektiver, heimische Investor können größere Tickets nicht ersetzen, und gemischte Konsortien bleiben zu klein, um nachhaltige Skalierung zu ermöglichen.
Aus Investoren-Sicht sind die notwendigen Hebel seit Jahren bekannt: wettbewerbsfähige steuerliche Rahmenbedingungen, moderne Mitarbeiterbeteiligungsmodelle, weniger regulatorische Komplexität und vor allem die Mobilisierung institutionellen Kapitals.
Ein zentraler Baustein ist die rasche und konsequente Umsetzung des angekündigten Rot-Weiß-Rot-Dachfonds, der gezielt institutionelles Kapital – etwa von Pensions- und Versicherungsfonds – in Venture Capital lenken soll.
„Österreich hat viele engagierte Investoren und starke Gründerteams. Doch der Einbruch des Investitionsvolumens um 56 Prozent ist ein unüberhörbares Alarmsignal. Damit international erfolgreiche Scale-ups entstehen, braucht es jetzt die richtigen Rahmenbedingungen, da wir sonst innerhalb Europas den Anschluss verlieren. Gerade in Zeiten angespannter Budgets und knapper Fördermittel ist die Mobilisierung privater Mittel alternativlos. Die meisten europäischen Länder haben bereits steuerliche Anreizsysteme umgesetzt, um mehr Kapital in Innovationen zu lenken. Parallel dazu sollte der angekündigte Dachfonds nicht nur rasch umgesetzt, sondern auch attraktiv ausgestaltet werden. Nur durch eine international marktgerechte Struktur lässt sich sicherstellen, dass institutionelles Kapital endlich in ausreichender Menge gezielt in das Ökosystem fließt und die kritische Lücke beim Wachstumskapital schließt“, sagt Daniela Haunstein, Managing Director von Invest.Austria.
Standortentscheidung fällt jetzt
Der Rückgang internationalen Kapitals, die Verschiebung bei Investorentypen und der anhaltende Engpass bei Wachstumskapital markieren eine entscheidende Phase für den Start-up-Standort Österreich. Ob es gelingt, wieder mehr großvolumige Finanzierungsrunden zu ermöglichen und internationale Investorinnen und Investoren zurückzugewinnen, hängt maßgeblich von den jetzt getroffenen Weichenstellungen ab.
„Kapital ist vorhanden – es wird aber vorsichtiger eingesetzt. Gelingt es, das Umfeld für Wachstumskapital gezielt zu verbessern, kann Österreich seine Attraktivität als Investitionsstandort nachhaltig stärken“, so Haas abschließend.
Vermögensaufbau mit Dividendenfonds
Die Rendite muss nicht nur aus den Kursgewinnen der Aktien kommen.
Michael Kordovsky (30.01.2026). Dividenden wirken auf den ersten Blick banal. Ein Unternehmen schüttet einen Teil des Gewinns aus, Anleger erhalten laufende Erträge. Für den langfristigen Vermögensaufbau ist aber nicht die Höhe der aktuellen Dividendenrendite entscheidend, sondern die Kontinuität. Nur wer Dividenden über viele Jahre stabil zahlen und idealerweise steigern kann, liefert jene Ertragsqualität, die sich in Krisen als Puffer erweist und langfristig auch die Gesamtrendite stützt.
Warum Ertragskontinuität so wichtig ist
Hohe Dividendenrenditen entstehen häufig dann, wenn Kurse bereits gefallen sind. Das kann ein Warnsignal sein: Der Markt preist sinkende Gewinne oder eine unsichere Ausschüttung ein. Für Anleger zählt daher weniger „hoch“, sondern „haltbar“. Kontinuierliche Dividenden sind meist Ergebnis robuster Geschäftsmodelle, solider Bilanzen und disziplinierter Kapitalallokation. Genau das sind Eigenschaften, die in schwachen Marktphasen tendenziell helfen, Drawdowns zu begrenzen.
Stabile Dividenden-Aristokraten
Obwohl derzeit infolge der anhaltenden Technologieaktienhausse Indexschwergewichte die Performance-Statistik prägen und so manche Value-Aktien vorübergehend etwas „alt“ aussehen lassen, zeigte sich bei den 92 Aktien des S&P Global Dividend Aristocrats zumindest eine gewisse Stabilität – bei gleichzeitig günstiger Bewertung. Der Index misst die Performance jener Aktien mit der höchsten Dividendenrendite innerhalb des S&P Global Broad Market Index (BMI), sofern die Unternehmen eine Dividendenpolitik verfolgen, bei der Ausschüttungen seit mindestens zehn aufeinanderfolgenden Jahren erhöht oder zumindest konstant gehalten wurden. Die Fundamentaldaten überzeugen: Das Forward-KGV liegt bei 12,6, die indikative Dividendenrendite bei 5 %. Die Zehnjahresperformance lag bei 8,54 % p.a. (per 31.12.25). Die aktuellen Bewertungsniveaus stellen hier bereits eine gewisse Kursabsicherung nach unten dar.
Vorsicht Falle!
Nicht jede Hochdividendenstrategie outperformt immer. Gerade eine reine „Yield-Jagd“ kann in Value-Fallen führen. Der Mehrwert entsteht häufig dort, wo Dividendenqualität (Stabilität, Deckung durch Cashflow, Bilanzkraft) mit Bewertung und Risikokontrolle kombiniert wird.
Was sie leisten – und wo Risiken liegen
Dividendenfonds bündeln solche Qualitätskriterien in einem Produkt. Das kann praktisch sein, weil Manager oder Indexregeln Unternehmen mit schwacher Ausschüttungsqualität aussortieren und eine breite Streuung liefern. Gleichzeitig gibt es typische Risiken:
• Sektor-Klumpenrisiken: Viele Dividendenstrategien sind strukturell in Finanzwerte, Energie, Basiskonsum oder Versorger übergewichtet.
• Zinssensitivität: In Phasen stark steigender Anleiherenditen verlieren „Bond Proxies“ (Versorger, Immobilienaktien) oft an Attraktivität.
Langfristig bewährte Dividendenfonds und ETFs
Ein „bestes“ Produkt gibt es nicht. Sinnvoller ist eine Auswahl etablierter, breit investierender Strategien, die in Europa verfügbar sind und einen klaren Prozess haben. Mit einer Fünfjahresperformance von 18,7 % p.a. per Ende Dezember 2025 erscheint der „VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders UCITS ETF“ attraktiv. Er deckt 100 Positionen ab, verfügt mit nur 23 % US-Anteil über eine ausgewogene Länderallokation und weist ein Portfolio-KGV von lediglich 14,2 auf. Top-Positionen sind Exxon Mobil, Verizon Communications, Nestlé, Pfizer und Roche.
Der „SPDR S&P Global Dividend Aristocrats UCITS ETF“ wiederum liegt per 23. Jänner insgesamt immerhin knapp über 50 % im Plus.
Als Fonds interessant erscheint auch der „DWS Top Dividende LD“, der bei einer ausgewogenen Ländergewichtung Taiwan Semiconductor, Agnico Eagle Mines, Johnson & Johnson, Shell PLC und NextEra Energy am stärksten gewichtet.
Mit einem Plus von 54 % in den vergangenen fünf Jahren ist auch der „Fidelity Funds – Global Dividend Fund A-ACC-Euro“ ein Thema. Er investiert in dividendenstarke Qualitätsunternehmen mit ansteigenden Erträgen, stabilen Cashflows, einfachen, verständlichen Geschäftsmodellen und wenigen oder gar keinen Verbindlichkeiten in der Bilanz. ESG-Aspekte fließen in den Investmentprozess ein. Zu den Top-Positionen zählen u.a. Taiwan Semiconductor, Roche, Unilever und Novartis.
Foto: Adobe Stock / Apops
Ein starkes Comeback der Bayer-Aktie
Neue Medikamente drängen die Monsanto-Altlasten in den Hintergrund.
Roman Steinbauer (30.01.2026). Jene Investoren, die noch vor einem Jahr – im Umfeld größter Unsicherheiten – Aktien des einstigen Flaggschiffs der europäischen Pharma-Gesellschaften erwarben, schätzen sich nun glücklich. Stufenweise bis auf 0,11 Euro/Aktie (2024) gestutzte Dividenden (für das Geschäftsjahr 2022 wurden noch 2,40 Euro ausgezahlt) bewogen Value-Anleger noch zuvor zum Ausstieg aus dem Titel. Wenn auch noch nicht absehbar ist, wann Bayer die Ausschüttung erstmals wieder erhöhen wird: Die künftige Entwicklung der Gewinne dürfte deutlich nach oben zeigen. Kräftige Dividenden-Anhebungen rücken wieder näher.
Doppel-Stimulation der Notiz
Nach zermürbenden Quartalen ist zu verfolgen, wie die Kursentwicklung des Leverkusener Unternehmens nun an Aufwärts-Momentum gewinnt. Die Marktkapitalisierung kommt mit 44 Milliarden Euro erstmals wieder an den Wert der Umsatzerlöse von 47 Milliarden Euro (2024) heran. Die Bank of America (BofA) gab erst in der Vorwoche eine Kaufempfehlung mit einem neuen Ziel für die Aktie von 55 Euro (nach 35 Euro zuvor) aus. Die Investmentstrategen erkennen einen „großen Schritt“ nach vorne, um die im Zuge der Monsanto-Übernahme „geerbten“ und jahrelang belastenden Bilanz-Rückstellungen durch Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten in den USA zu beenden. Der BofA zufolge stehen für das Unternehmen die Chancen nun bei 70 %, die Klagswellen im eigenen Sinne abschließen zu können.
Umsatztreiber durch neue Arzneien
Wie das Handelsblatt nach einem Interview mit dem Chef der Bayer-Pharmasparte, Stefan Oelrich, bei der JP Morgan-Health-Konferenz aus San Francisco bereits am 15. Jänner berichtete, entpuppt sich für Bayer mit dem neuen Prostatakrebs-Medikament Nubeqa ein ausgesprochener Hoffnungsträger. Nubeqa könnte in der Pharmasparte nach weiteren Zulassungen weit höhere jährliche Umsätze (bisher auf 3 Milliarden Euro geschätzt) generieren als von Analysten bisher angenommen. Damit sei sogar ein Übertreffen des Verkaufsvolumens des Blutverdünners Xarelto (der Patentverlust von Xarelto wirkt sich heuer letztmals belastend auf die Bilanz aus) möglich. Oelrich sagte: „Mit großer Wahrscheinlichkeit ist Nubeqa das prägendste Produkt, das wir je hatten.“ Nach der EU-Zulassung von Eylea (Behandlung von Netzhautvenenverschlüssen) und der beschleunigten FDA-Zulassung für Sevabertinib in den USA (ein Medikament gegen eine Lungenkrebsvariante) nähert sich der Pharma-Portfolio-Mix wieder der Erfolgsspur.
Foto: Mediaparts / generiert mit KI
Immobilien: Erste Anzeichen eines zarten Aufschwungs
Das Investitionsvolumen nimmt allmählich wieder zu, die Ankaufsrenditen sind aussichtsreich.
Raja Korinek (30.01.2026). Das Umfeld für Immobilien war in den vergangenen Jahren denkbar schwierig. Die Pandemie sorgte für einen Einbruch am Büromarkt, danach belasteten steigende Zinsen die Immobilienfinanzierungen. Das Schlimmste könnte nun ausgestanden sein, betont Martin Prandl (Foto), Head of Österreich-Sales der französischen Corum Asset Management, bei seiner Präsentation der Jahreszahlen 2025 in dieser Woche in Wien. Der Börsen-Kurier war dabei.
Prandl verweist auf eine leichte Erholung am europäischen Immobilienmarkt. So lag 2023 das Investitionsvolumen bei 128 Milliarden Euro, im Jahr danach bereits bei 162 Milliarden Euro. Einen leichten Rückgang gab es dabei im vergangenen Jahr auf 160 Milliarden Euro. Berücksichtigt werden bei solchen Erhebungen gewerblich genutzte Immobilien. Dabei sieht der Corum-Experte mehrere Gründe für die insgesamt leichte Erholung und nennt dazu etwa die Rückkehr zu Büros: „Die Zeit des reinen ‚Home-Office‘ ist zu Ende.“ Auch Logistik sei gefragt. Immerhin werden zahlreiche solcher Zentren für Waren des Online-Handels benötigt.
Steigendes Volumen – auch in Österreich
Bei der französischen Muttergesellschaft Corum Butler profitiert man jedenfalls vom steigenden Interesse an Immobilieninvestments. Allein 2025 erreichten die Neuzuflüsse 1,6 Milliarden Euro, während es im Vorjahr 1,2 Milliarden Euro waren. Neuzuflüsse von heimischen Anlegern lagen bei rund 32 Millionen Euro, die Gelder flossen dabei in Corum Origin und Corum XL. Bei diesen Produkten handelt es sich um zwei Immobilienfonds mit der französischen Rechtsform einer „Sociétes Civiles de Placement Immobilier“.
So sind die Fonds täglich handelbar, Mieteinnahmen und Gewinne aus Veräußerungen werden ausgeschüttet. Allein im vergangenen Jahr erreichte die Ausschüttungsquote beim Origin 6,5 % und 5,3 % beim XL. „Damit wurden die Zielrenditen bei beiden Fonds erneut übertroffen“, unterstreicht Prandl. Eine Garantie stellen diese freilich nicht dar. Obendrein fallen bei einem Investment in die Fonds Gebühren an, und zwar knapp 12 % je Anteilsschein. Sie werden beim Verkauf der Anteile verrechnet.
Prandl verweist auf weitere Details: So werde, wenn überhaupt, nur kurzfristig mit Fremdkapital in den Fonds gearbeitet. Auch gebe es kein Bauherrenrisiko. „Wir sind keine Projektentwickler.“ Oben-drein würden sich Mieter grundsätzlich auf einen Kündigungsverzicht – in der Regel zwischen vier bis sechs Jahre – einlassen.
Stabile Mieter
Doch wie gehen die Experten bei diesen zwei Portfolios vor? Der Origin investiert innerhalb der
Eurozone Millionen Euro MioE erworben. Die durchschnittliche Ankaufsrendite lag bei 8,45 %. Im April des vergangenen Jahres wurde etwa ein Bürogebäude in Mailand um 39,6 Millionen Euro mit einer Ankaufsrendite von 7,8 % erworben. Zu den Mietern zählen Pfizer und NXP Semiconductors.
Der XL investiert auch in weitere Regionen, so etwa in Norwegen, Großbritannien und Kanada. Der Fonds investierte 2025 knapp mehr als 150 Millionen Euro in sechs Immobilien mit einer Ankaufsrendite von 7,56 %. Zu den Beispielen zählt vorigen März der Kauf von einer Einzelhandelsfläche im britischen Cheltenham um 14 Millionen Euro mit einer Ankaufsrendite von 7,14 %. Vermietet wurde an Lidl und Starbucks. Von höheren Renditeversprechen lasse man sich hingegen nicht anlocken, ergänzt Prandl. So seien jüngst Immobilien in einigen Regionen Osteuropas angeboten worden. Aufgrund mangelnder Transparenz habe man aber abgelehnt.
Foto: Corum
Batteriespeicher: Das Rad des 21. Jahrhunderts
Der Schlüssel für die effizientere Nutzung von Strom in E-Autos, Haushalten und Rechenzentren.
Stefan Riedel, München (30.01.2026). Der globale Batteriespeicherboom nimmt immer mehr Fahrt auf. 315 Gigawattstunden und damit 50 % mehr als noch vor einem Jahr wurden nach Berechnungen der Marktforscher von Benchmark Mineral Intelligence 2025 installiert. Bis zu 100.000 Drei-Personen-Haushalte lassen sich damit ein Jahr lang mit Strom versorgen. Allein der globale Markt für mobile Energiespeicher, so hat eine Marktstudie des Forschungsinstituts Fortune Business Insights berechnet, soll zwischen 2024 und 2032 von 51,1 auf 156,2 illiarden USD zulegen.
Drei milliardenschwere Zielmärkte
Elektrofahrzeuge und stationäre Energiespeicher (ESS) bilden da-bei gut 90 % des globalen Marktes für Batteriespeicher. Das mit Abstand größte Wachstumspotenzial sieht Richard Buschbeck, Senior Research Manager bei der Fondsboutique TEQ Capital, in den nächsten Jahren im ESS-Bereich: „ESS werden immer wichtiger, damit der Strom genau dann zur Verfügung steht, wenn er wirklich gebraucht wird. Durch die immer weiter fallenden Kosten für Batteriesysteme wird die Kombination aus Solar, Wind und ESS zur günstigsten Stromquelle.“
Ein weiterer Zukunftsmarkt für Speichertechnologien ist der enorme Strombedarf für Rechenzentren und Daten-Infrastruktur. Vor allem die Nutzung der künstlichen Intelligenz erfordert eine stabile und planbare Stromversorgung. Daniel Zimmerer, Portfolio Manager von Swisscanto-Themenfonds, geht davon aus, dass die Datencenter für Künstliche Intelligenz zusammen mit den Erneuerbaren Energien dem gesamten Energiespeichersegment für Batterien, kurz BESS, in den nächsten Jahren voraussichtlich jährliche zweistellige Wachstumsraten bescheren werden.
Lithium-Ionen-Batterien, kurz LIBs, haben sich dabei als dominierende Speichertechnologie etabliert. Als mögliche Alternative könnten Natrium-Ionen-Batterien laut dem TEQ-Experten Buschbeck den kommerziellen Durchbruch schaffen. „Sie versprechen niedrigere Materialkosten, haben aber eine niedrigere Energiedichte, was bei kostensensitiven Endmärkten wie ESS weniger ins Gewicht fällt.“
Weites Blue-Chip-Universum
Spannend für Anleger sind zum einen Energiedienstleister wie Siemens Energy und NextEra Energy oder Versorger wie RWE, die auch an Speicherlösungen mitverdienen. Die E-Auto-Hersteller BYD und Tesla sind eine weitere Option. Deutlich spekulativer sind Zulieferer und Hersteller von Rohstoffen und Chemikalien wie Ganfeng Lithium, Albemarle und Umicore, die für die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien benötigt werden.
Alexander Funk, Geschäftsführer bei RezooM Capital, favorisiert Konzerne wie Samsung SDI, Panasonic oder CATL aus China, die als weltgrößte Batteriehersteller hier auch unterwegs sind. Als Beispiel für Nischenplayer nennt der Experte Enphase Energy aus den USA: „Mit seiner IQ-Batterie für das Speichern von Solarstrom und intelligentem Energiemanagement hat Enphase einen Wachstumstreiber für die nächsten Jahre. Oder nehmen wir Sunrun, den früheren Vertriebspartner von Tesla für deren Wallboxen, die jetzt mit der eigenen Brightbox unterwegs sind.“
Eine Aktie, drei Produkte
Samsung SDI produziert Lithium-Ionen-Batterien, Batterien für Elektroautos, Energiespeichersysteme und Elektronikkomponenten. Angesichts des bis 2027 erwarteten Gewinnsprungs ist die Aktie günstig bewertet. Unter den ETFs bietet der im Jänner 2018 aufgelegte „L&G Battery Value-Chain UCITS ETF“ eine Diversifikation aus 38 Firmen aus den Bereichen Speichertechnologien und Metallproduktion. Technologiefonds wie der TEQ Clean Technologies oder rezooM World sind unter anderem in Unternehmen investiert, die eine technologische Vorreiterrolle bei Energieeffizienz und erneuerbaren Energien spielen.
Foto: Adobe Stock / peterschreiber.media
Industriestrategie: Wo ist die Finanzindustrie?
Florian Beckermann. Es ist vollbracht. Endlich hat Österreich eine Industriestrategie! Besser „haben“ als „hätte“. Die Bundesregierung hat geliefert, auch wenn sich die Lieferung liest, wie ein realitätsferner Wunschzettel ans Christkind. Doch so muss das sein, wenn man hochhinaus will – Realisierbarkeit oder Konkretisierung stehen auf einem anderen Blatt.
Wichtig: Die Regierung hat wieder entdeckt, dass Wohlstand nicht aus Workshops, Berichtswesen oder Sitzkreisen, sondern aus Fabrikhallen, Laboren und Risiken kommt – eigentlich ein Festtag für Rückgewinnung der Freiheiten des Unternehmertums gegenüber der fulminanten und alles beherrschenden Staatsquote. Nur eines fehlt. Ausgerechnet das, ohne das all die schönen Industrie-Visionen ungefähr so realistisch sind wie ein Stahlwerk ohne Strom: Die Finanzindustrie und der Kapitalmarkt.
Dass Kapital organisiert werden muss, dass Risikofinanzierung eine eigene Infrastruktur braucht, dass Banken und Kapitalmärkte über den Erfolg mitentscheiden – all das bleibt einstweilen ausgespart? Man will eine Industriestrategie, aber bitte ohne Finanzkapitalismus? Man mag eine gewisse Nostalgiekomponente verorten.
Dabei wäre die Finanzindustrie eigentlich eines der naheliegendsten Industrieprodukte Österreichs! Besonders naheliegend ist das deshalb, weil sie längst selbst eine der stärksten Industrien des Landes ist: Extrem datengetrieben, extrem hoch reguliert, extrem technologieintensiv – Tendenz weiter steigend. Längst bräuchte es Anreize diese Stärke Österreichs weiter zu stärken. Nicht nur um in den Expansionsländern der Finanzindustrie zu reüssieren, sondern gerade dem heimischen Markt eine Dynamik zu verschaffen.
Es geht dabei auch um eine marktwirtschaftliche Regulierungsfunktion, ja Werthaltigkeitstestung. Finanzindustrie, Kapitalmärkte und insbesondere Risikokapitalgeber prüfen strategisch, professionell und mit einem marktwirtschaftlichen Horizont. Perspektiven, die bei Förder-Calls mit Antragsfrist nur schwerlich abgedeckt werden können. Stichwort Bürokratieabbau: Förderwesen produziert Anträge, Richtlinien, Berichtspflichten und Compliance-Kosten. Unternehmer optimieren dann nicht ihr Produkt, sondern ihre Förderfähigkeit. Innovationskraft wird durch Formularlogik ersetzt. Wollten wir das nicht gerade abschaffen?
Fazit: Solange die Finanzindustrie politisch als (notwendiges) Übel gilt und nicht als strategischer Hebel, bleibt jede Industriestrategie ein netter Regierungswunschzettel. Wer in weiterer Perspektive das europäische Sparvermögen in die Wettbewerbsfähigkeit Europas einbringen möchte, muss die Finanzindustrie mitdenken. Wer angesichts der globalen Verwerfungen noch meint, dass man solche Maßnahmen aus ideologischen Gründen auslassen muss, hat die Klima- und Wettbewerbszeichen der Zeit nicht verstanden.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Die höchsten Gewinnmargen 2026
Die Weltwirtschaft verändert sich. Welche Branchen profitieren werden.
Roman Steinbauer (23.01.2026). Die Entwicklung der operativen Umsatzrendite bzw. Gewinnmarge (Ebit-Marge) bleibt für Aktienanleger ein ganz entscheidender Faktor. Im Zuge globaler Umwälzungen und ökonomischer Neuausrichtungen ganzer Volkswirtschaften beim Export unterliegt die Rentabilität vieler Branchen zunehmend volatilen Schwankungen.
Die New Yorker Research-Plattform IBISWorld erstellte, basierend auf Experten-Analysen zu 1.300 Unternehmen, Prognosen zu sich verändernden Gewinnmargen in diversen Wirtschaftskategorien. Den höchsten Profitabilitätsanstieg sollte 2026 demnach die Branche Hotel & Resorts mit +2,9 % erreichen. Im Industriesektor bleibt die Luft- und Raumfahrt mit +2,8 % im Blickpunkt.
Rentable Nischenbranchen sind wiederum vorrangig für die US-Märkte vorhanden. Da diese Trends vorgeben, lassen sich aber Rückschlüsse auf andere bedeutende Regionen ableiten. IBISWorld sieht hier an vorderster Front HR-Dienstleister (Personalverwaltung, Recruiting, Verträge). Die Gewinnquote sollte in dieser Kategorie mit beeindruckenden 96,1 % zu Buche schlagen.
Starke Marktposition festigt Kontinuität
Abgesehen von jenen Gesellschaften, die in Bereichen wie dem Online-Gaming tätig sind, stehen die großen Zahlungsabwickler mit einer hohen und soliden Rentabilität auch weit oben. Laut der Finanzplattform für Langzeit-Investoren Macrotrends verzeichnete Visa mit Ende September eine Netto-Gewinnmarge von 50,15 %. Mitbewerber MasterCard glänzte im gleichen Zeitraum immerhin mit 45,28 %, während sich American Express mit 15 % abzufinden hatte.
Der Einzelhandel hat vergleichsweise generell mit geringen Aufschlägen zu operieren (der Handelsriese Walmart weist eine Gewinnspanne von unter 3 % auf).
Autohersteller im Abseits
Wie schnell heute in einer Industriesparte die Effizienz schwindet, zeigt die Autoindustrie mit nur wenigen Lichtblicken. Nach Angaben des deutschen Verbands der Automobilindustrie (VDA) drücken weiterhin mehrere Faktoren deutlich auf die Profitabilität. Die Notwendigkeit hoher Investitionen in neue Technologien sowie unter Erwartungen liegende Absätze im Elektro-Segment erhöhen die Preiskämpfe. Traditionsreiche europäische Produzenten stehen zusätzlich unter dem Druck schwindender Marktanteile.
Der Interessenvertretung nach habe Deutschland im Vorjahr seinen Platz als zweitgrößter Produktionsstandort zwar gefestigt. Dennoch werde es vorerst kaum möglich sein, geschwundene Gewinnanteile zurückzuerobern. Der VDA beruft sich auf die Datenlage bis 30. September 2025. Diese weist eine im Median scharf sinkende durchschnittliche Ebit-Marge auf nur noch 5,5 % (2024: 7,8 %) bei den führenden Herstellern auf. Der durchschnittliche Gewinn pro Pkw sank um 34 % auf noch 2.218 Euro. Auch wenn Toyota und Hyundai ebenso an Ertragskraft verloren, lieferten die Asiaten mit 8,4 % bzw. 7,5 % die höchste Umsatzrendite ab.
Magnificent Seven verlieren an Zugkraft
Die hohen Gewinnmargen der sieben Tech-Aktien-Stars („Magnificent Seven“) der vergangenen Jahre könnten indes an den Börsen an Zugkraft einbüßen. So zitierte das Handelsblatt in der Ausgabe vom 2. Jänner u.a. den Ökonomen und CEO von Yardeni Research Ed Yardeni mit der aufrüttelnden Aussage, dass Alphabet, Nvidia, Amazon & Co 2026 aus dem Fokus rücken würden.
Foto: Adobe Stock / Rusman Gilmanshin
| Prognosen / Globaler Anstieg der Gewinnmarge |
| Branche |
2026 zum Vorjahr |
| Hotels & Resorts |
+2,9 % |
| Militär- und Raumfahrt |
+2,8 % |
| Käse-Industrie |
+2,2 % |
| Cargo-Flugzeuge |
+1,8 % |
| Terminals für Container und Seestreitkräfte |
+1,8 % |
| Biotechnologie |
+1,7 % |
| Tabakindustrie |
+1,0 % |
| Banking & Brokerage |
+1,0 % |
| Militär-Marine-Schiffbau |
+0,7 % |
| Quelle: IBISWorld Report |
| Prognosen / Spitzen-Umsatzrenditen einzelner Segmente in den USA |
| Branche |
Geschätzte Gewinnmarge 2026 |
| HR Dienstleistungen |
96 % |
| Gesundheit & Sicherheit |
94 % |
| Personalvermittlung-Gesundheitssektor |
91 % |
| Psychologische Betreuung |
88 % |
| Transportlogistik chemischer Stoffe |
85 % |
| Grundstücksverpachtung |
83 % |
| Software-Entwicklung für Finanzmanagement |
82 % |
| Physiotherapeutische Rehabilitation |
82 % |
| Personalvermittlung-Führungspositionen |
81 % |
| Quelle: IBISWorld Report |
| Im Artikel angeführte Aktien |
| Name |
ISIN |
| Visa Inc. |
US92826C8394 |
| MasterCard |
US57636Q1040 |
| American Express |
US0258161092 |
| Walmart |
US9311421039 |
| Toyota Motor Corp. |
JP3633400001 |
| Hyundai Motor |
KR7005380001 |
| Alphabet Kat. C |
US02079K1079 |
| Nvidia |
US67066G1040 |
| Amazon |
US0231351067 |
Knorr-Bremse hat sich neu aufgestellt
Der Weltmarktführer erhöht dank Verschlankungen und Zukäufen wieder das Wachstumstempo.
Stefan Riedel, München (23.01.2026). Mit Knorr-Bremse (DE000KBX1006) kommen viele Menschen täglich in Kontakt. Das Unternehmen aus dem Münchener Norden kommt bei den Bremssystemen für Schienenfahrzeuge auf einen globalen Marktanteil von 50 %. Bei den Bremsen für Lkws, Busse, Anhänger und Landmaschinen sind es 30 %. Und seitdem das im Sommer 2023 verabschiedete Wachstumsprogramm Früchte trägt, hat sich die im MDax gelistete Aktie in den letzten zwei Jahren wieder langsam nach oben gearbeitet.
Neuausrichtung greift
„Wir müssen Knorr-Bremse nicht neu erfinden, aber wieder auf Kurs bringen“, gab Vorstandschef Marc Llistosella die strategische Richtung vor. In der Praxis ging es darum, drei Maßnahmen umzusetzen: Kosten senken, Tochtergesellschaften veräußern und im Segment Bahntechnik über Akquisitionen international expandieren. Die Investitionen und Portfoliobereinigungen kosteten Knorr-Bremse 2024 Umsatz und Gewinn.
2025 zeigte die Tendenz im Laufe der einzelnen Quartale aber wieder klar nach oben. Im dritten Geschäftsquartal legte der Umsatz um 2,7 % auf fast 1,9 Milliarden Euro zu. Noch besser sieht es beim Auftragseingang aus, der um 5,2 % auf fast 2 Milliarden Euro stieg. Damit verfehlte Knorr-Bremse zwar die Prognose, erreichte aber bei der operativen Ebit-Marge mit einer Verbesserung von 12,3 auf 13,3 % den höchsten Wert seit 16 Quartalen.
Jahreszahlen versprechen Spannung
Wenn Knorr-Bremse am 19. Februar die Jahreszahlen präsentiert, geht es zum einen darum, ob die eigenen Prognosen realisiert wurden. Das Management erwartet 7,8 bis 8,1 Milliarden Euro Umsatz, eine operative Ebit-Marge zwischen 12,5 und 13,5% nach 12,3% im Vorjahr und dazu 700 bis 800 Millionen Euro Free Cashflow, was im optimistischen Szenario die 730 Millionen Euro von 2024 deutlich übertreffen würde. Besonders spannend werden jedoch die Aussagen zum künftigen Wachstumskurs. „Wir passen 2025 unsere Strukturen an, sodass wir nächstes Jahr verstärkt das Thema nachhaltiges Wachstum und Expansion adressieren können“, hatte sich Finanzvorstand Frank Weber dazu bei den letzten Quartalszahlen geäußert.
Wachstum durch Zukäufe
Ein Zukauf spielt dabei eine wichtige Rolle. 500 Millionen Euro hatte Knorr-Bremse im Juli 2025 für die Schweizer Duagon-Gruppe auf den Tisch gelegt. Duagon ist auf Hardware und Software für sicherheitsrelevante Anwendungen vor allem in der Bahnindustrie spezialisiert. Knorr-Bremse erhofft sich hier Synergien für die Bahnsparte, für die beiden Töchter Selectron und KB Signaling in der Signaltechnik und bei Bremssystemen. Rund 175 Millionen Euro Umsatz und eine operative Ebit-Marge von 16 %, also über dem aktuellen Konzern-Durchschnitt, soll Duagon 2026 einbringen, und dann ab 2028 jährliche Synergieeffekte von 5 bis 10 Millionen Euro.
Defensives Investment
Bleibt die Bewertung der Aktie, die sich mit rund 59 % Anteilen mehrheitlich im Besitz der Familienstiftung des langjährigen, 2021 verstorbenen Konzernlenkers Heinz-Hermann Thiele befindet. Das 2026er-KGV von mehr als 20 lässt hier noch Luft nach oben für ein Unternehmen, das mit einer führenden Position in einer Marktnische bis 2026 auf der Gewinnseite um mehr als 25 % wachsen soll. Wer sich auf der Suche nach einem Qualitätstitel mit niedriger Verschuldung und nachhaltigem Geschäftsmodell befindet, trifft mit Knorr-Bremse eine gute Wahl.
Foto: Knorr Bremse
Gold als Sachwert
Rekordpreise und die Renaissance des Schmucks.
Lea Schweinegger (23.01.2026). Während die Feinunze derzeit bei mehr als 4.500 US-Dollar notiert, behauptet sich Goldschmuck zunehmend als emotionale und materielle Sachwertanlage. Ein Blick auf die Dynamik eines Marktes, der trotz Rekordpreisen nie aus der Mode kommt.
In der über hundertjährigen Geschichte des Börsen-Kurier gab es nur wenige Phasen, in denen Gold eine derart dominante Rolle spielte wie im Marktumfeld zu Beginn des Jahres 2026. Mit einem kräftigen zweistelligen Plus innerhalb der vergangenen zwölf Monate hat das Edelmetall seine Funktion als „sicherer Hafen“ erneut unter Beweis gestellt und ist zu einem zentralen Baustein moderner Portfolios geworden. Während institutionelle Anleger vor allem auf börsengehandelte Produkte und Goldminen setzen, erlebt eine klassische Form des Goldbesitzes eine stille Renaissance: hochwertiger Goldschmuck.
Die Ökonomie des Glanzes
Was für professionelle Investoren Barren oder Münzen im Tresor sind, ist für viele Privatanleger das Erbstück oder die gezielte Investition in 18-karätigen Schmuck. Der wirtschaftliche Hintergrund ist klar: Unsicherheiten rund um Staatsverschuldung, Zinsentwicklung und geopolitische Konflikte haben den Goldpreis in Regionen geführt, die vor wenigen Jahren noch als unrealistisch galten. Langfristige Marktprognosen einzelner Analysten reichen deutlich über bisherige Rekordniveaus hinaus, wenngleich sie mit Vorsicht zu interpretieren sind.
Schmuck als „tragbare Währung“
Für den österreichischen Markt mit seiner starken Affinität zu physischen Werten bedeutet das hohe Preisniveau eine Zäsur. Juweliere berichten von einem klar zweigeteilten Trend. Erstens gewinnt bei Neukäufen die Materialqualität an Bedeutung. Gefragt sind vor allem hohe Legierungen wie 750er Gold (18 Karat), da hier der reine Goldanteil einen wesentlichen Teil des Kaufpreises ausmacht. Zweitens erlebt historischer Schmuck eine Aufwertung. Der hohe Goldpreis macht sogenanntes „Alt- und Bruchgold“ zu einer liquiden Reserve. Viele ältere Stücke bestehen aus Rotgold, einer Goldlegierung mit erhöhtem Kupferanteil, die dem Metall seine warme Farbe verleiht und zugleich für hohe Stabilität sorgt.
Historisch wurden vor allem 333er-, 585er- und 750er-Legierungen verwendet. Während niedrigere Feingehalte vor allem im Alltags- und Gebrauchsschmuck verbreitet waren, steht 750er Rotgold für hochwertige Goldschmiedearbeiten mit hohem Verarbeitungswert. Schmuck aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde häufig in diesen Legierungen gefertigt, da sie langlebig, gut formbar und widerstandsfähig waren.
Für Anleger ist Rotgold daher doppelt interessant: Es verbindet klar kalkulierbaren Materialwert mit handwerklicher und historischer Substanz. Dass solche Stücke heute deutlich über dem reinen Schmelzwert gehandelt werden, zeigen aktuelle Auktionsergebnisse.
Beim Wiener Dorotheum erzielten historische Armbänder und Ketten aus der Zeit um 1900 zuletzt Zuschläge im hohen fünf- bis sechsstelligen Bereich. Auch im Auktionshaus Kinsky werden qualitätsvolle Goldarbeiten mit klarer Provenienz regelmäßig deutlich über Materialwert verkauft.
Nachhaltigkeit und Werterhalt
Ein zusätzlicher Faktor ist das wachsende Interesse an sogenanntem „Second Life Gold“. Recyceltes Gold ist längst kein Nischenprodukt mehr, sondern Standard in der gehobenen Goldschmiedekunst. Es trägt sowohl zur Ressourcenschonung als auch zu einer transparenten Wertschöpfungskette bei.
Fazit
Gold bleibt auch 2026 ein zentraler Teil im Depot. Ob als Münze, Barren oder meisterhaft gefertigter Schmuck – die Beständigkeit des Metalls überdauert Marktzyklen. Physisches Gold behauptet sich auch im digitalen Zeitalter als verlässlicher Wertspeicher.
Foto: KI-generierte Illustration
Kommunikation ist alles!
Erstes Wiener HV-Kolleg zu gesetzlichen Rahmenbedingungen und HV-Kultur.
Red/tp (23.01.2026). Spannende Diskussionen bot das 1. Wiener HV-Kolleg des Börsen-Kurier-Partners Interessenverband der Anleger (IVA) in Kooperation mit der auf Kapitalmarktfragen spezialisierten international tätigen Kanzlei Kinstellar in deren Räumlichkeiten. Schwerpunktthemen waren die Evolution der rechtlichen Rahmenbedingungen (Panel 1), Diversität und Anlegerschutz (Panel 3) sowie Listing-Act und Omnibus-Verordnung (Panel 2). Letzteres wurde durch Börsen-Kurier-Chefredakteur Tibor Pásztory (am Bild rechts) moderiert.
In seinen Begrüßungsworten warnte IVA-Präsident Florian Beckermann (am Bild links) vor einer Unterschätzung der Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz (etwa aufgrund von deren Nutzung durch aktivistisch Investierende) sowie vor der allzu hohen Staatsquote hierzulande. „Österreich könnte das bessere Deutschland werden!“, rief er zu einer selbstbewussteren Haltung auf.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen
Schnell wurde klar, dass die ausgeprägte Bürokratie auf europäischer wie österreichischer Ebene einen großen Hemmschuh für den heimischen Kapitalmarkt darstellt. Auch fehle ein überzeugendes europäisches Gesellschaftsrecht. „Die Societas Europea (SE) war kein großer Erfolg“, stellte Sonja Bydlinski, Professorin für Gesellschaftsrecht, trocken fest.
Auch der Green Deal war ein großes Thema. Dieser betrifft nun aufgrund der Omnibus-Verordnung deutlich weniger Unternehmen als bisher. Allerdings: „Einzelne Bausteine herauszunehmen ist schwieriger als das Ganze zu gestalten“, wie Alfred Lejsak, Vorsitzender des Österreichischen Arbeitskreises für Corporate Governance, der selbst in Brüssel an vielen Entwürfen mitgearbeitet hat, meinte. Auch er ortet Lücken im EU-Recht und vermisst einen kapitalmarktrelevanten Generalpensionskassenvertrag in Österreich. Notar Christian Mayer wiederum stößt sich an Störaktionen durch Aktivisten, die mit der Wahrung von Aktionärsrechten nichts zu tun haben. Marco Wolfsberger, Geschäftsführer der Übernahmekommission, wies auf die wachsende Komplexität im Übernahmerecht insbesondere in Insolvenzfällen hin. Hier sei man an ein „Fristenkorsett“ von fünf Monaten gebunden, wie er es ausdrückte. „Wie soll sich das ausgehen?“, fragt er sich.
Mehr als nur Pflichtübungen
Moderator Tibor Pásztory erinnerte daran, dass die Abhaltung von Hauptversammlungen nicht isoliert, sondern im Rahmen der gesamten Investor Relations zu sehen sei. Es ginge daher um weitaus mehr als die bloße Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, sondern um Kommunikation generell. Dies begänne bereits bei der Einberufung der HV.
Unisono erklärten die Diskussionsteilnehmer, dass die Umstellung vom Amtsblatt zur Elektronischen Verlautbarungs- und Informationsplattform des Bundes (EVI) keine großen Auswirkungen gezeigt hätte. Eine als ungenau erachtete Einberufung der Volkswagen AG sei vom Deutschen Bundesgerichtshof allerdings gekippt worden, mahnte Petra Heindl, Rechtsanwältin bei Kinstellar und „Hausherrin“ der Veranstaltung. Susanne Aglas-Reindl, Head of Investor Relations A1 Telekom Austria Group und Vorstandsmitglied des Cercle Investor Relations Austria (CIRA), wies wiederholt auf das A & O ihrer jahrelangen Erfahrungen aus der Praxis hin, nämlich allumfassende Kommunikation. Auch Josef Baumüller, Aktivist und Wissenschaftler an der TU Wien, der sich wesentlich mit den IFRS Reporting Standards beschäftigt hat, begrüßt diese Haltung.
Durchaus unterschiedlich zeigten sich die Meinungen der Teilnehmer hingegen zu virtuellen Hauptversammlungen. Während die meisten zwischen Befürwortung und neutraler Haltung zu verorten waren, zeigte sich nur der Moderator aus Journalistensicht strikt dagegen. Einhelligkeit bestand hingegen bei der Skepsis gegenüber der Einführung von Mehrstimmrechtsaktien. Diese Position vertritt im Übrigen auch der IVA.
Listing Act und Omnibus-Verordnung
Als ziemliches Sammelsurium erweist sich der (vom Österreichischen Nationalrat allerdings noch nicht beschlossene) Listing Act, ein Reformpaket der EU, wie Martin Wenzl, Head of Listings & Indices der Wiener Börse AG, bestätigt. Dieses soll Börsengänge und Kapitalerhöhungen erleichtern und Pflichten wie Kosten börsennotierter Unternehmen reduzieren, ohne dabei den Anlegerschutz zu mindern. Wenzl sprach hier konkret die im Listing Act enthaltene Prospektverordnung an.
Auch bei der Omnibus-Verordnung handelt es sich um ein Sammelwerk verschiedener Maßnahmen, die einer Vereinfachung und dem Bürokratieabbau dienen sollen. Gerhard Marterbauer, Partner bei Deloitte, erläuterte den aktuellen Stand, demzufolge nun deutlich weniger Unternehmen in Österreich betroffen sind. Den wichtigsten Bereich stellt dabei die Nachhaltigkeits- und Reporting-Regulatorik dar. Edith Leiner, Prüferin im Accounting- und IFRS-Enforcement-Team der Finanzmarktaufsicht, wies hier auf die Wichtigkeit des Europäischen Trilogs „Kommission – Rat – Parlament“ hin, um die Verordnung bei den betroffenen Standards wie CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) oder EU-Taxonomie umzusetzen.
Zahlreiche Einzelbestimmungen
Leiner interessiert sich ihrer Position gemäß besonders für die Marktmissbrauchsverordnung. Ihr geht es vor allem um das Thema Insidergeschäfte, und hier wiederum um die Frage, ab wann eine Ad-hoc-Meldung veröffentlicht werden muss, um Insidergeschäfte verhindern zu können. Insgesamt jedoch wird der Listing Act als positiv gewertet, wie Marterbauer aufgrund der Prospektvereinfachungen bei Börsengängen bestätigt. Auch bei Kapitalerhöhungen seien vereinfachte Dokumente und höhere Schwellenwerte zur Verpflichtung vollständiger Prospekte vorgesehen.
Grundvoraussetzung für eine Rechtsgültigkeit in Österreich ist der Beschluss des Nachhaltigkeitsberichtsgesetzes (NaBeG) durch den Nationalrat. Edith Leiner und Martin Wenzl erwarten diesen für Ende Februar.
„Miteinander reden“
Auch das dritte Panel nahm sich teilweise derselben Themen an, etwa des Leitungspositionengesetzes (GesLeiPoG). Hier taten sich neben der deutsch-amerikanischen Stimmrechtsvertreterin Katryna Krüger und dem Gründer Andreas Posavac vor allem der Investor Rupert-Heinrich Staller kurzweilig hervor. Hier ging es vor allem um die Gegenüberstellung von Investoren- und Emittenteninteressen. Angesprochen wurden dabei internationale Tendenzen bei KI und ESG, den Einfluss internationaler Investoren, Frauenquoten in Aufsichtsräten oder Vergütungssysteme. Aber – wieder einmal – auch ganz stark um Kommunikation: „In einer Präsenz-HV kann man dem CEO sagen, dass er ein Trottel ist“, fasste Staller dies humoristisch zusammen.
Foto: Annex Productions / Florian Arnoldner
Aktionärs-Aktivismus 2026: Was steht auf der Agenda?
Florian Beckermann. Für börsengelistete Unternehmen zeichnet sich wieder ein intensives und facettenreicheres Engagement der Aktionäre ab. Vorreiter dafür sind häufig Tendenzen aus Großbritannien, wo Aktionärs-Aktivismus die größte Rolle europaweit spielt. Danach folgen Deutschland, die Schweiz und die skandinavischen Staaten.
Laut der Beratungsgesellschaft Alvarez & Marsal könnten im Jahr 2026 deutlich mehr als 50 britische Gesellschaften im Visier aktivistischer Investoren stehen und entsprechende, wegweisende Kampagnen aufzeigen, so der Activist Alert. In Europa stehen insgesamt rund 140 Unternehmen im Fokus. Wenig überraschend, liegt der sektorale Schwerpunkt bei Consumer Goods und klassischer Industrie (ca. 50 %), gefolgt von Technologie- und Energieunternehmen.
Thematisch: Entsprechend der Entwicklung der vergangenen Jahre ist eine weitere Verlagerung der Interessen prognostiziert. War noch vor wenigen Jahren die Themengruppe um „Governance“ klar Vorreiter, ist aktuell die Frage der Kapitalallokation und Operations/Strategy beinahe gleich auf. Dies mag angesichts der konkreten Schwerpunkte wenig verwundern.
Als besonders interessant schiebt sich nach der Studie von A&M die Wertentwicklung aus der KI und dessen Implementierung/Disruption auf den ersten Platz des Aktionärsinteresses. Wobei Wertschaffung und Wertzerstörung durch die Technologie berücksichtigt werden. Es ist keineswegs klar, dass KI gewinnbringend bei jedem
Unternehmen einsetzbar ist. Die Bubble-Gefahr bzw. das Investitionsrisiko wird adressiert werden. Geopolitik, die Wettbewerbssituation mit China (insbesondere Handelsrouten) folgen auf den Plätzen zwei und drei.
Die Inkonsistenz von Equity-Stories, Glaubwürdigkeitsthemen und Führungsschwäche als klassische Aktivistenthemen treffen auf einen stärker werdenden Übernahmemarkt. Das Wiedererstarken von M&A-Transaktionen am europäischen Kapitalmarkt ist ein Resultat niedriger Zinsen und einem Pouvoir an „trockenem Pulver“. Es mag jedoch zu sektoral unterschiedlichen Gewichtungen kommen, da nicht jeder Markt über eine Vielzahl „attraktiver“ Unternehmen verfügt. So ist das Vereinigte Königreich stark bei Consumer Goods, Österreich im Banken- und Finanzsektor – siehe Erste Group und Santander Polska.
Woher? Die große Mehrheit der Aktivistengruppen wird durch Fonds aus den USA finanziert (41%). Insbesondere durch die Erschwerung von ESG-verbundenen Kampagnen durch die US-Börsenaufsicht SEC, kam es 2025 zu einer Zunahme in Europa, wo solche Aktivitäten verstärkt auftraten.
Fazit: Neben den nationalen Eigenheiten in Österreich werden auch die genannten Themen auf der kommenden Hauptversammlungssaison zur Sprache kommen. Ob einzelne Kampagnen hier greifen werden, ist noch offen. Der IVA setzt mit seinen Schwerpunktfragen seit 15 Jahren dabei auf Kontinuität und transparentes Monitoring. Diese werden dieser Tage veröffentlicht.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Ölpreis im Jahr 2026: Spiegel struktureller Veränderungen
Ein Kommentar der Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking.
(09.01.2026) Trotz bärischer Aussichten für die Ölpreise im Jahr 2026 trieben die Unruhen in Venezuela die Notierungen zu Wochenbeginn kurzfristig in die Höhe. Am Montag dieser Woche stiegen diese als Reaktion auf die Unruhen in Venezuela um mehr als 1 Prozent. Es dürfte sich jedoch um eine kurzfristige Volatilität handeln, da sämtliche Analysen für das laufende Jahr 2026 von einem Überangebot ausgehen, schreiben die Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking im jüngsten Marktkommentar. Bereits am Dienstag folgte eine leichte Gegenreaktion auf den Preisanstieg von Montag.
Venezuela ist Gründungsmitglied der Organisation der Erdölexportländer (OPEC) und verfügt über die weltweit größten Ölreserven mit etwa 303 Milliarden Barrel. Allerdings befindet sich der Ölsektor seit langem im Niedergang, was hauptsächlich auf zu geringe Investitionen und die Sanktionen der USA zurückzuführen ist.
Ein Markt im Überschuss
Nach Jahren hoher Volatilität dürften sich die Ölpreise demnach nun auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau einpendeln. Analysten, Energieagenturen und Rohstoffhändler erwarten für das soeben begonnene Jahr keinen neuen Ölboom, sondern einen Markt, der von Überangebot, gedämpfter Nachfrage und geopolitischen Störfeuern geprägt ist.
Der wichtigste Treiber dieser Prognosen ist das Angebot. Die Förderung der Erdöl-produzierenden Länder, die sich vor 10 Jahren zur erweiterten OPEC, der so genannten OPEC+ zusammengeschlossen haben (Algerien, Äquatorialguinea, Gabun, Iran, Irak, Kongo, Kuwait, Libyen, Nigeria, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Venezuela. Russland, Kasachstan, Oman, Aserbaidschan, Brunei, Malaysia, Mexiko, Bahrain, Südsudan, Sudan), bleibt trotz interner Spannungen hoch. Gleichzeitig bauen die USA ihre Rolle als weltweit größter Ölproduzent weiter aus. Dazu kommt, dass abhängig von den künftigen politischen Entwicklungen aus Venezuela oder Iran zusätzliche Mengen auf den Markt kommen könnten. In Summe rechnen viele Beobachter für 2026 mit einem strukturellen Überangebot.
Selbst moderate Förderkürzungen würden vermutlich kaum ausreichen, um den Markt nachhaltig zu verknappen. Das erklärt, warum die meisten Prognosen für Brent-Rohöl nur Preise zwischen rund 55 und 62 US-Dollar pro Barrel sehen. Für die US-Sorte WTI liegen die Schätzungen meist noch etwas darunter.
Schwache Nachfrage
Auf der Nachfrageseite fehlen die Impulse. Das globale Wirtschaftswachstum verläuft verhalten, insbesondere in China, das lange Zeit als Wachstumsmotor des Ölmarktes galt. Gleichzeitig zeigen Effizienzgewinne, Elektromobilität und der Ausbau erneuerbarer Energien zunehmend Wirkung. Der weltweite Ölverbrauch wächst zwar weiter – aber langsamer.
Für viele Ökonomen ist entscheidend, dass ohne einen kräftigen Nachfrageanstieg dem Ölpreis die Grundlage für einen dauerhaften Aufwärtstrend fehlt.
Geopolitik bleibt Unsicherheitsfaktor
Ganz ohne Risiken ist der Ausblick dennoch nicht. Konflikte im Nahen Osten, neue Sanktionen gegen Russland oder politische Umbrüche in Förderländern können jederzeit zu kurzfristigen Preissprüngen führen. Längerfristig werden sich die Auswirkungen möglicher neuer Szenarien aber voraussichtlich in Grenzen halten.
Geopolitische Ereignisse würden für Volatilität sorgen, aber keine Trendwende bedeuten, so die Experten. Solange das Angebot hoch bleibt, dürften Preisschocks rasch wieder abklingen.
Verbraucher und Wirtschaft profitieren
Für Verbraucher in Europa könnte ein moderater Ölpreis 2026 stabilere Energie- und Kraftstoffkosten bedeuten – vorausgesetzt, Steuern und Abgaben steigen nicht weiter. Für Förderländer hingegen wird der finanzielle Spielraum enger. Staaten mit hohen Haushaltsabhängigkeiten vom Ölpreis stehen vor der Herausforderung, ihre Ausgaben an niedrigere Einnahmen anzupassen.
Frequentis-Aktie startet stark ins neue Jahr
Nach +180 % im Vorjahr: Verteidigungsinvestitionen geben neue Impulse.
Patrick Baldia (16.01.2026). Was nun? Diese Frage beschäftigt vermutlich gerade nicht wenige Frequentis-Aktionäre. Nach einem Jahr wie 2025, in dem die Aktie des Spezialisten für Kommunikations- und Informationssysteme für Kontrollzentralen mit sicherheitskritischen Aufgaben einen Kursanstieg von nicht weniger als 180 % erlebte, ist das auch nicht weiter verwunderlich. Bislang zeigte die Aktie jedenfalls auch im neuen Jahr keine Schwäche: Zu Buche steht ein vorläufiges Kursplus von rund 12 %.
Analysten eher vorsichtig
Die Mehrheit der vier Analysten, die die Aktie aktuell covern, ist jedenfalls eher vorsichtig, was ihre weitere Entwicklung betrifft: Dreimal „halten“ bzw. „neutral“ stehen einer „Kauf“-Empfehlung gegenüber. Die Kursziele bewegen sich zwischen 53,94 und 81 Euro, liegen damit allesamt unter dem aktuellen Kurs von 81,6 Euro (Stand kurz vor Redaktionsschluss, Anm.). Werden Späteinsteiger weitere Impulse setzen können?
Im laufenden Geschäftsjahr ist Frequentis stark unterwegs: Sowohl Auftragsbestand und Auftragseingänge als auch die Umsätze konnten bislang deutlich gesteigert werden. Damit kann das Unternehmen den positiven Trend der vergangenen Jahre bestätigen. Dabei profitiert man auch von der Kundenstruktur, die sich zu 90 % aus Behörden zusammensetzt, sowie insgesamt von verstärkten Investitionen in Mobilität und Sicherheit. Gegenüber dem Vorjahr zielt das Management jedenfalls auf ein Umsatzplus von 10 %, eine Steigerung des Auftragseingangs im unteren zweistelligen Prozentbereich und eine Ebit-Marge zwischen 6,5 und 7 %.
Verteidigung als Wachstumstreiber
Das Management geht davon aus, in den kommenden Jahren von steigenden Verteidigungsausgaben, sprich Investitionen in Flugsicherung und Luftverteidigung, zu profitieren. So soll etwa die Kontrollzentralen-Infrastruktur modernisiert werden, um die Einbindung von Drohnen in die Systeme zu ermöglichen. Ein unmittelbarer Sprung bei Auftragseingängen und Umsatz wird allerdings nicht erwartet. „Beschaffungsprozesse laufen oft über mehrere Jahre und zuerst wird in militärische Hardwarekomponenten investiert, bevor diese über Softwarelösungen in Kontrollzentralen eingebunden werden“, erklärt das Vorstandsteam im Bericht für das 1. Halbjahr 2025.
Militäraufträge ab 2027
Auch Analysten erwarten, dass Frequentis ein Profiteur der steigenden Verteidigungsausgaben der Nato-Staaten sein wird. Vor allem „das Timing der Auftragseingänge ist allerdings unsicher“, meint Philip Hettich von ODDO BHF in einer Analyse Ende des Vorjahres. Er glaubt, dass die Aufträge ab Anfang 2027 zu fließen beginnen werden, sobald die neue Hardware beschafft wird und die Anforderungen für deren Integration zuverlässig eingeschätzt werden können.
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„Wir denken nicht daran, die Aktienquote zu reduzieren“
Experte: Entwicklung der Weltwirtschaft wichtiger als tägliche Geopolitik.
Patrick Baldia (16.01.2026). Alois Wögerbauer, Fondsmanager und Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft, spricht im Exklusiv-Interview mit dem Börsen-Kurier über das angelaufene Aktienjahr.
Börsen-Kurier: Bei unserem letzten Gespräch im Herbst meinten Sie, dass Sie kürzlich die globale Aktienquote erhöht hätten, um an der Jahresendrallye teilzunehmen. Man darf also gratulieren?
Alois Wögerbauer: Ja, das hat gut funktioniert. Der Hintergedanke war, dass normalerweise in guten Aktienjahren der Lauf auch zum Jahresende anhält.
Börsen-Kurier: Wie geht es jetzt weiter, sollte man als Anleger jetzt vorsichtiger vorgehen?
Wögerbauer: Unsere Aktienquote bleibt hoch und wir denken auch nicht daran, sie zu reduzieren. Schließlich entwickelt sich die Weltwirtschaft weiter relativ stabil. Auch 2026 und 2027 wird mit einem Wachstum von jeweils 3 % gerechnet. Und das ist für uns wichtiger als die tägliche Geopolitik. Auch, dass sich die Unternehmensgewinne gut entwickeln. Heuer wird ein durchschnittliches Wachstum von 8 % erwartet. Dasselbe gilt für die Aktienkurse. Kurz: Es gibt keinen wirklichen Grund, von einer Trendwende an der Börse auszugehen.
Börsen-Kurier: Die geopolitischen Entwicklungen bereiten Ihnen keine Sorgen? Der Markt hat sich zuletzt davon relativ unbeeindruckt gezeigt, obwohl eine Menge passiert ist.
Wögerbauer: Dass der Markt gelassen geblieben ist, hat zwei Gründe: Erstens ist der globale Veranlagungsdruck hoch. Egal, ob in Europa, den USA oder Asien, viele Anleger beunruhigt die Entwicklung der Staatsschulden. Sie wollen sich mit Assets – sprich Aktien, Gold und Kryptowährungen – vor der Abwertung der traditionellen Währungen und in weiterer Folge vor Kaufkraftverlusten absichern. Zweitens wirkt sich die Geopolitik in den meisten Fällen nicht auf die Geschäftsmodelle der Unternehmen aus.
Börsen-Kurier: Sehen Sie wirklich keine Themen, die für die Entwicklung der Börse entscheidend sind?
Wögerbauer: Wenn ich zwei aussuchen müsste, dann drängt sich vor allem die Frage auf, wie nach der Ära Powell das Zusammenspiel zwischen US-Präsident Donald Trump und dem künftigen Fed-Chef laufen wird. Wird sich die Person unter Druck setzen lassen? Wenn ja, hätte das gravierende Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit der Fed, die Entwicklung des Dollars und letztlich auch die Performance der Börse. Das zweite entscheidende Thema ist, dass KI weiter Impulse für die Wirtschaft liefert.
Börsen-Kurier: Sie sehen also keine KI-Blase?
Wögerbauer: Nein, denn Blasen, über die alle reden, sind in der Regel auch keine. Bei KI geht es letztlich um die Frage, ob die Technologie den Nutzern bzw. Unternehmen Produktivitätsfortschritte bringt. Und da bin ich eher im Lager der Optimisten und sehe Profiteure auf breiter Ebene.
Börsen-Kurier: Lassen Sie uns über die Wiener Börse reden. Würden Sie beispielsweise einen Frequentis-Aktionär nach dem Kursplus von rund 180 % im Vorjahr aktuell empfehlen, seine Position aufzustocken?
Wögerbauer: Klar scheint, dass wir in Wien heuer nicht eine ähnliche starke Performance sehen werden wie 2025. Allerdings bedeutet das nicht, dass sich der Wiener Markt schlecht entwickeln wird.
Aber zurück zu Ihrer Frage: Frequentis ist ein tolles Unternehmen. Dasselbe gilt aber auch für andere Top-Performer des Vorjahres wie Strabag oder VIG. Ich würde jedenfalls derzeit nichts verkaufen. Gleichzeitig würde ich auf dem aktuellen Niveau auch nicht mit großer Eile nachkaufen. Sehr wohl würde ich jedoch bei Rückgängen nachkaufen.
Börsen-Kurier: Könnte 2026 die Stunde einiger Aktien schlagen, die im Vorjahr wenig beachtet oder gar unterschätzt worden sind?
Wögerbauer: Da gibt es einige Kandidaten. Palfinger steht meiner Meinung nach vor guten Jahren. Viele Chancen sehe ich auch bei Wienerberger und Rosenbauer. RHI Magnesita könnte von steigenden Rohstoffpreisen profitieren. Das Unternehmen wird oft unterschätzt, weil Wien als Nebenschauplatz gilt. Die OMV könnte wiederum aufholen, wenn sich die Fusion zwischen Borealis und Borouge materialisiert, und FACC befindet sich in einer spannenden Phase, in der sich Investitionen in Aufträge ummünzen lassen.
Foto: Eric Kruegl / office@kruegl.at
Plötzlich Ernüchterung am Krypto-Markt
Anleger befürchten den Beginn einer längeren Abwärtsphase des Bitcoin-Kurses.
Patrick Baldia (16.01.2026). Der Bitcoin hat im Vorjahr seinen Ruf, ein äußerst volatiles Asset zu sein, wieder alle Ehre gemacht: Nach einer Schwächephase zwischen Jänner und April, während der die größte Kryptowährung einen Kursrückgang von mehr als 30 % verzeichnete, erreichte sie Anfang Oktober ein neues Allzeithoch bei rund 126.000 US-Dollar, um dann bis zum Jahresende neuerlich nachzugeben – zwischenzeitlich sogar um fast 40 %. Unterm Strich steht für das Gesamtjahr ein Minus von rund 6 % zu Buche.
„Es ist schwer, einen einzigen Treiber für die Korrektur der letzten Wochen auszumachen“, sagt Manuel Schleifer, Senior Equity Market Strategist bei der Raiffeisen Bank International, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Das sei am Bitcoin-Markt aber eigentlich schon immer der Fall gewesen. Eine Erklärung für die Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte 2025 ist für den Krypto-Experten, dass die Erwartungshaltung einfach sehr hoch gewesen sei. „Man darf nicht vergessen, dass etwa US-Präsident Donald Trump im Wahlkampf sehr viel versprochen bzw. angekündigt hat – auch wenn er schon einiges geliefert hat“, meint er.
Bitcoin: +450 % seit 2023
Aktuell ist die Ernüchterung am Krypto-Markt für Schleifer nicht zu leugnen. Für ihn schaut es so aus, als ob die 126.000 US-Dollar vom vergangenen Oktober bis auf Weiteres der vorläufige Höchststand bleiben. Völlig unterzugehen scheint, dass der Bitcoin-Kurs seit Anfang 2023 um fast 450 % gestiegen ist.
Der Analyst hat sich jedenfalls überlegt, wie man die Kursentwicklung der letzten Wochen noch erklären kann und hat sich dabei mit der Annahme, dass der Bitcoin einem Vierjahreszyklus folgt, beschäftigt – im Übrigen eines der gängigsten Erklärungsmodelle für die Entwicklung der Kryptowährung. Es besagt, dass auf ein Halving (Darunter versteht man die Begrenzung des Bitcoin-Angebots ungefähr alle vier Jahre, indem die Belohnung, die die sogenannten „Miner“ für das Schürfen der Kryptowährung erhalten, halbiert wird, Anm.) mit einigem zeitlichen Abstand ein starker Kursanstieg folgt, der schlussendlich wieder in einer Korrektur mündet.
Kommt ein Krypto-Winter?
Unter der Annahme, dass der Bitcoin einem Vierjahreszyklus folge, habe sich jedenfalls in der zweiten Jahreshälfte 2025 das Ende des jüngsten Bullenmarktzyklus angedeutet, so Schleifer. „Aktuell stehen wir möglicherweise vor einem neuerlichen Krypto-Winter (Phase eines längeren Abwärtstrends am Kryptomarkt, Anm.).“ Beruhigend sei, dass man die heutige Kryptoindustrie nicht mit 2014/15 vergleichen könne. Der Markt sei viel reifer geworden. Auch würden sich gewisse Entwicklungen nicht 1:1 wiederholen. Er glaube etwa nicht, dass der Bitcoin-Kurs wie im letzten Krypto-Winter um 80 % einbrechen werde. Ein weiterer Rückgang sei jedoch sehr wahrscheinlich. „Man hat zuletzt am Markt kaum Käufer gesehen, aber viele Verkäufer. Da muss der Preis einfach zurückgehen“, hält der Experte uns gegenüber fest.
Keine Reaktion auf Zinsrückgang
Es gibt aber auch Faktoren, die eigentlich für einen Anstieg des Bitcoin-Kurs sprechen. Wie etwa die zurückgehenden Zinsen. „Bislang hat der Markt darauf aber überhaupt nicht reagiert“, so Schleifer.
Stark im Kommen waren zuletzt sogenannte „Stablecoins“. Dabei handelt es sich um virtuelles Geld, das zwar in eine Blockchain eingebunden ist, jedoch 1:1 an die Entwicklung einer Fiatwährung gekoppelt ist. Daher entwickeln sich Stablecoins auch deutlich stabiler als Bitcoin und Konsorten. Sie sollen jedenfalls schnelle und günstige grenzüberschreitende Überweisungen möglich machen. „Für mich sind sie dafür da, um Kryptowährungen zwischenzuparken, ohne direkt in Fiatgeld umwandeln zu müssen“, so Schleifer.
So oder so, nicht wenige Experten gehen jedenfalls davon aus, dass das Stablecoin-Angebot bis Ende 2026 den Rekordwert von 1 Billion US-Dollar erreichen wird.
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Politisch ausgelöster Anschub für Ölservice-Gesellschaften
Schlumberger, Halliburton, SBO und Co.: die internationalen Ölservice-Gesellschaften im Vergleich.
Roman Steinbauer (16.01.2026). Die Durchsetzung der Kontrolle und des Ausbaus der Ölförderkapazitäten in lateinamerikanischen Staaten durch die USA lässt die Aktien der Erdölgesellschaften in neuem Licht erscheinen. Einerseits verbessern sich die Perspektiven für Ölfördermultis bezüglich einer höheren Profitabilität kaum (Eine expansivere Förderung übt immerhin auf die Ölnotizen mittelfristig Druck aus), andererseits hellen sich die Aussichten der technischen Ausrüster in dieser Industrie eklatant auf. Entsprechend sprangen die Titel der Marktführer für Förderequipment und Servicedienstleistungen während der vergangenen zwei Wochen kräftig an.
Ein abruptes Erwachen der Notizen
Abgesehen vom Ausblick auf eine starke Auftragslage weisen die (auch an deutschen Börsen notierten) Aktien der Unternehmen dieser Sparte ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis auf und präsentieren sich größtenteils als Dividendenlieferanten. Vorrangig finden an den Finanzmärkten dabei die Wertpapiere von Baker Hughes (Bohranalysen bis Ausstattungsmaterial), Schlumberger (Kartografierung bis zur Erschließung von Lagerstätten), Nabors (Bohrarbeiten) oder Halliburton (Wartungs-, Entwicklungs- und Planungs-Services) Beachtung.
SBO sieht sich optimal positioniert
Geschäftlicher Nutznießer der (umstrittenen) Expansion der USA in südlichere Staaten des Kontinents ist aber ebenso die heimische SBO (Schoeller-Bleckmann Precision Technology). Auf Anfrage des Börsen-Kurier zum aktuellen Stand erklärte das Unternehmen: „In diesem Zusammenhang ist SBO gut positioniert. Wir punkten mit technologischer Stärke und Nischenkompetenz und verfügen auch in Venezuela über das geografische Setup. Unsere guten Kundenbeziehungen führen zu einer möglichen Teilhabe an dortigen Projekten, sollten diese anlaufen.“ Zu hohe Erwartungen dämpfte SBO aber mit dem Nachsatz: „Analysten erwarten eher eine langsame Produktionserhöhung und es hängt viel davon ab, wie sich rechtliche und politische Rahmenbedingungen entwickeln.“
Für die Ternitzer hat die Entwicklung jedenfalls rascher Relevanz als noch vor Jahresende gedacht. Die laufende Diversifizierung zu einem vielseitigen Anbieter von komplexen Stahl-Hochpräzisionsteilen (Geschäftsgliederung in Precision Technology und Energy Equipment) bietet generell zusätzliche Perspektiven und sollte durch ein derartiges „Öl-Equipment-Revival“ kaum beeinträchtigt sein.
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Eckdaten angeführter Ölservice-Gesellschaften
| Name |
KGV |
Div.-Rendite |
ISIN |
| Baker Hughes |
14 |
2,05 % |
US05722G1004 |
| Schlumberger |
12 |
2,90 % |
AN8068571086 |
| Halliburton |
10 |
2,50 % |
US4062161017 |
| SBO |
10 |
5,90 % |
AT0000946652 |
Österreich 2026: Börse als Illusion und Weckruf
Florian Beckermann. Unsere Wirtschaftsprognosen werden gerade vorsichtig optimistisch formuliert, in Wahrheit sind sie aber äußerst vage. Die Produktivität dümpelt, die Industrie verzweifelt und Investitionen bleiben aus: Die Stimmung ist am Tiefpunkt. Aber die Börse feierte Erfolge, die wie aus einer Parallelwelt wirken. Der ATX steht auf einem Allzeithoch, die Dividenden sprudeln – auch weil der Finanzminister Markus Marterbauer Geld braucht. Doch diese Kursgewinne sind kein Vertrauensbeweis in den Standort. Die Börse läuft, weil Kapital global vagabundiert, nicht weil Österreich seine Hausaufgaben gemacht hätte. Die Börse prosperiert nicht, weil Österreich wettbewerbsfähiger wird, sondern trotzdem. Sie lebt von internationalem (US-)Kapital und von der Konzentration auf wenige Großkonzerne wie VIG oder Erste Group mit Auslandsexponierung, die aktuell gut performen. Das Ergebnis ist eine gefährliche Illusion, denn für die Realwirtschaft bleibt davon wenig übrig. Kleine und mittlere Unternehmen kämpfen mit Arbeitskräftemangel, Überregulierung und Steuerlast. Innovationen sind Mangelware.
Der Abstand zwischen Finanzmarkt und Realwirtschaft macht sichtbar, wo der Staat versagt. Wer 2026 ernsthaft Wachstum will, muss Kapital mobilisieren und in die richtigen Bahnen lenken: Durch echten Wettbewerb, Entbürokratisierung, durch steuerliche Anreize für Eigenkapital und durch einen Arbeitsmarkt, der Leistung ermöglicht statt verhindert. Ein Markt, der Vermögensaufbau zulässt. Gerade darin liegt der erste Weckruf für Strukturreformen.
Der zweite kommt vom nördlichen Nachbarn. Auch hier gaukelt der Dax eine Illusion vor. In Wahrheit ist Deutschlands Industrieelite massiv verunsichert. Ideenlos hängt Berlin in den Seilen. Die enge Verbundenheit zwischen den Ländern steht außer Frage. Doch es läge an Österreich, jetzt aus dem wirtschaftlichen Schatten herauszutreten – um sich selbst zu retten. Doch statt sich abzusetzen, kopiert man deutsche Fehler weiter im Kleinformat? Dabei könnte man leicht attraktiver sein: mit einfacherer Verwaltung, wettbewerbsfähiger Besteuerung, verlässlicher Energiepolitik und einer industriefreundlichen Regulierung. Österreich müsste sich als das positionieren, was Deutschland nicht mehr ist: ein berechenbarer, investitionsfreundlicher Produktions- und Innovationsstandort im Herzen Europas. Doch dafür müsste man aufhören, den Inflations-Feuerteufel oder den Staatsquoten-Weltmeister zu geben, mit Abschöpfungs- oder Neiddebatten Investoren zu vergraulen oder sich mit Detailregulierungen zu beschäftigen. Die Rückkehr zur Faktenlage und Leadership helfen dabei ungemein. 2026 wird zeigen, ob Österreich diese Chancen erkennt. Schellhorns Quick-Wins sind gut. Jetzt kommt mit der Industriestrategie echte Arbeit auf uns zu, und eine Schlüsselqualifikation ist gefragt: Mut.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Hat Europa auch 2026 die Nase vorn?
Für den „alten Kontinent“ würden Fiskalpolitik und attraktive Bewertungen sprechen, so Experten.
Patrick Baldia (09.01.2026). Dass der Euro Stoxx 50 sowohl den S&P 500 als auch den Nasdaq hinter sich lässt, kommt nicht allzu oft vor. Streng genommen war das in den vergangenen 20 Jahren nur alle vier Jahre der Fall. 2025 war es jedenfalls wieder so weit: Während der Leitindex, der die 50 größten Unternehmen des Euroraums abbildet, um mehr als 23 % zulegte, haben S&P 500 und Nasdaq eine Performance von rund 16 bzw. 20 % zu Buche stehen. Ist es realistisch, dass Europa heuer die USA wieder schlägt? „Damit es wieder so kommt, muss entweder das amerikanische Gewinnwachstum nachlassen oder das Gewinnwachstum in Europa stärker steigen, als es beim derzeitigen Konjunkturausblick plausibel erscheint – oder die Bewertungen in Europa und den USA nähern sich an“, erklärt Chris Iggo, CIO Core bei AXA Investment Managers, die Voraussetzungen für einen neuerlichen Triumph europäischer Aktien.
Sorgen um US-Bewertungen
Iggo ist jedenfalls nicht wirklich überzeugt von einem kräftigen Kursanstieg der großen US-Tech-Indizes. Sorgen bereiten dem Experten weiterhin die Bewertungen und die Konzentration -Stichwort: Tech-Werte. Optimistischer ist er hingegen für Europa eingestellt. Dort sei mit höheren Aktiengewinnen zu rechnen, „zumal die deutschen Ausgabenprogramme das Wachstum stärken könnten“, so Iggo.
Christian Kopf, Leiter Portfoliomanagement Renten bei Union Investment, glaubt, dass im Euroraum vor allem die Fiskalpolitik das Wachstum ankurbeln dürfte. Er geht davon aus, dass sich die positiven Effekte vor allem in der zweiten Jahreshälfte zeigen werden – also „leicht zeitverzögert“. Der Aufschwung dürfte also an Breite gewinnen. In Europa wären die Bewertungen vergleichsweise attraktiv, weil IT-Dienstleister sowie Bau- und Infrastrukturanbieter von den Fiskalpaketen profitieren könnten. Insgesamt bevorzugt man bei Union Investment im Aktienbereich allerdings die USA gegenüber Europa.
Dax: Rückenwind von der Konjunktur
Bei der Commerzbank ist man „vorsichtig optimistisch“ auf den Dax eingestellt. Der deutsche Leitindex dürfte heuer erstmals seit vielen Jahren wieder Rückenwind von der Konjunktur erhalten, so Aktien-Experte Andreas Hürkamp in einer aktuellen Analyse. Zurückzuführen sei das weiterhin auf das große Fiskalpaket der deutschen Regierung und die steigenden Verteidigungsausgaben in Europa. „Für die Dax-Unternehmensgewinne halten wir ein Gewinnwachstum von 6 bis 8 % für möglich, während sich Bewertungskennzahlen wie das KGV auf hohem Niveau seitwärts bewegen dürften“, hält Hürkamp fest.
Noch optimistischer ist man beim Assetmanager DWS. Der globale Aktienchef Benjardin Gärtner glaubt, dass die Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben 2026 einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass das Gewinnwachstum im Dax im zweistelligen Bereich liegen dürfte. So positiv der Experte auch für deutsche Aktien eingestellt ist, auch er glaubt, dass die USA 2026 der aussichtsreichste Aktienmarkt sein werden. „Die Unternehmensgewinne dürften in den USA in den kommenden zwei Jahren zweistellig wachsen, angetrieben von der technologischen Entwicklung, insbesondere durch den verstärkten Einsatz von KI“, so Gärtner.
Anlagetipp: Europäische Indexschwergewichte
Das sich verbessernde Gewinnwachstum der Unternehmen spricht auch nach Einschätzung der Experten von J.P. Morgan Asset Management für europäische Aktien. Dieses werde durch eine voraussichtliche Verlangsamung oder das Ende der Euro-Aufwertung sowie stabileren Energiepreisen gestützt. Anlegern empfiehlt man, in Europa selektiv vorzugehen und sich auf drei Hauptbereiche zu konzentrieren: Banken, Unternehmen, die von der Fiskalpolitik profitieren, sowie „GRANOLAS“, sprich die elf Indexschwergewichte GSK, Roche, ASML, Novo Nordisk, Nestlé, Novartis, L’Oréal, LVMH, Astra Zeneca, Sanofi und SAP. Sie hätten seit Anfang 2022 eine unterdurchschnittliche Performance erzielt.
Foto: Adobe Stoc / MNStudio / mit KI generiert
Das bunte Eigenleben der Textilaktien
Wie sich die Werte von Inditex, Prada und Hugo Boss im positiven Börsenumfeld schlagen.
Roman Steinbauer (09.01.2026). Nach wie vor zählen die Titel der spanischen Inditex (Zara, Pull&Bear bis Massimo Dutti) zum Top-Aktieninvestment in der Textilbranche. Nicht das erste Mal hielten viele Anleger die Papiere bereits für zu hoch bewertet und tippten auf ein Ende des jahrelangen Kursanstiegs. Die neuerliche Spitze der Notierung um 56 Euro bewies jedoch, dass diese Annahme ein Irrtum ist. Angetrieben wurden die Kursavancen durch jüngste Stellungnahmen des Analysehauses Jefferies, das eine Bewertung von 67 Euro pro Anteilschein als gerechtfertigt hält und eine Kaufempfehlung abgab. Die Umsatz- und Ergebnisperspektiven für 2026 wurden neuerlich angehoben.
Ignoriertes Premium-Segment
Von prominenten Namen im Luxussegment profitieren Aktionäre hingegen derzeit kaum. Auch die Übernahme weiterer Elite-Marken zieht zurzeit keine Aktieninvestitionen an. Der Umstand, dass die Prada Group nun vollständig das Modehaus Versace übernimmt (das prominente Mailänder Unternehmen war zuvor in die Capri Holding/USA eingegliedert, Anm.) stimulierte die Entwicklung der Wertpapiere bisher nicht. Doch weist Prada seit 19 Quartalen ununterbrochenes Wachstum auf. In den ersten neun Monaten 2025 kletterten die Gesamterlöse gegenüber 2024 um 9 % auf 3,65 Milliarden Euro, wobei die Marke Miu Miu mit +41 % einen regelrechten Boom verzeichnet. Derzeit notiert der Titel mit dem 21-Fachen des Gewinns.
Umstrukturierung bei Hugo Boss
Nach zwei enttäuschenden Börsenjahren hoffen die Aktionäre von Hugo Boss weiter auf einen Aufschwung. Vorerst bleiben die Prognosen des Konzerns eher unerfreulich. 2026 sei als „Übergangsjahr“ zu sehen und ein Umsatzrückgang um einen „mittleren bis hohen einstelligen Prozentsatz“ zu erwarten. Im Zusammenhang mit einer Strategie laufe unterdessen ein Umbau des Sortiments und des Vertriebs. Die Metzinger beabsichtigen abzuspecken, um den Fokus auf die Profitabilität zu legen. Um langfristig die Ebit-Marge auf 12 % zu heben, würden Einbußen bei den Erlösen in Kauf genommen. Zur Optimierung der Ziele sei dabei Einigkeit mit dem Großaktionär, der Frasers Group, die 25 % der Anteile hält, erreicht worden. Auch stehe die Auszahlung einer möglichst attraktiven Dividende (die Rendite erreicht anhand der aktuellen Notiz 3,1 %) nicht mehr im Vordergrund. Nach Angaben des Vorstands gelte es vielmehr, den Unternehmenswert zu steigern. Dabei werde die Damenmode deutlicher von der Herrenbekleidung abgegrenzt und ins Rampenlicht gebracht sowie die Marke Hugo forciert. Der im deutschen MDax gelistete Titel sprang bisher nicht an. Die dünnen Umsätze weisen indes kaum noch auf Abgabedruck hin.
Foto: Adobe Stock / Piter2121
| Rating Inditex |
| Analysehaus |
Bewertung |
| Jefferies |
Kaufen |
| Bernstein Research |
Outperform |
| RBC Capital Markets |
Outperform |
| UBS |
Kaufen |
| Deutsche Bank |
Halten |
| Rating Hugo Boss |
| Analysehaus |
Bewertung |
| JP Morgan Chase & Co |
Neutral |
| Deutsche Bank |
Halten |
| Jefferies |
Halten |
| RBC Capital Markets |
Outperform |
| DZ Bank |
Kaufen |
| Warburg |
Kaufen |
| Rating Prada |
| Analysehaus |
Bewertung |
| Credit Suisse |
Outperform |
| Morgan Stanley |
Neutral |
Mit Vorsicht in die Märkte investieren
Das Jahr 2026 könnte volatil werden. Zertifikate-Experten sehen aber selbst dann große Chancen.
Raja Korinek. Das vergangene Börsenjahr war von reichlich Turbulenzen geprägt – wenngleich die Märkte ein schönes Plus verzeichneten. Vor allem geopolitische Konflikte sorgten für reichlich Schwankungen. Gerade in solch einem Umfeld spielen Zertifikate ihre Stärken aus, da Anleger mit diesen Papieren grundsätzlich auf unterschiedliche Szenarien setzen können. Wie aber könnte es weitergehen? Der Börsen-Kurier sprach mit Branchenprofis zu ihren Fazits für 2025 und holte einen Ausblick für das neue Börsenjahr ein.
Dabei sticht ein Aspekt hervor: Das Interesse an Zertifikaten wächst. Das von Privatanlegern investierte Volumen erreichte mit 17,2 Milliarden Euro per Ende September 2025 ein Rekordniveau. Der Fokus ist ebenso klar: „Traditionell ist das Sicherheitsbedürfnis österreichischer Anleger hoch“, betont Philipp Arnold von Raiffeisen Zertifikate.
Sicherheit bleibt gefragt
Dies spiegle sich entsprechend im investierten Volumen wider. „Wir sehen eine stark steigende Nachfrage bei Zertifikaten mit Sicherheitsmechanismen wie z.B. Kapitalschutz- und Teilschutz-Produkte.“ Beide Arten wiesen ein geringeres Risiko als ein Direktinvestment in Aktien oder ETFs auf.
Ähnlich lautet der Tenor bei der Erste Group. Zertifikate-Experte Uwe Kolar verweist auf das starke Interesse 2025 für Teilschutzprodukte etwa auf den Euro Stoxx 50 oder Euro Stoxx Banken sowie auf die vermehrte Nachfrage nach 100 % kapitalgarantierten Anleihen auf Indizes und Gold. Letztere Zertifikate-Form könnte auch heuer im Fokus stehen. Kolar verweist in diesem Zusammenhang sowohl auf das aktuelle Zinsumfeld wie auch auf die insgesamt passablen Dividendenzahlungen vieler Konzerne. Beide Faktoren ermöglichten ein interessantes Chancen-Risiko-Profil bei Garantieprodukten. „Allerdings gilt der Kapitalschutz nur zum Laufzeitende. Während der Laufzeit kann der Kurs unter den Emissionspreis sinken“, mahnt Arnold.
Wie turbulent wird es heuer?
Der Raiffeisen-Experte wirft obendrein einen Blick auf das neue Jahr und sagt: „Viele potenzielle Anleger stehen vor der entscheidenden Frage, ob sie jetzt noch in den Aktienmarkt einsteigen sollen“. Die Indizes sind 2025 schließlich stark gestiegen. „Und wirtschaftliche sowie geopolitische Unsicherheiten werden uns weiterhin begleiten.“ Bei Kapitalschutz- oder Teilschutz-Zertifikaten, die mit Absicherungsmechanismen ausgestattet sind, sei es nicht notwendig, den perfekten Einstiegszeitpunkt zu suchen. Das Risiko, „zum falschen Moment“ investiert zu sein, werde Arnold zufolge spürbar gesenkt. Allerdings sind dafür die Chancen nach oben hin begrenzt.
Entsprechende Produkte
Der „Erste Bank US Tech Garant-Anleihe (IV) 25-30“ hat eine feste Laufzeit von fünf Jahren. Die Rückzahlung am Laufzeitende erfolgt zumindest zu 100 % und maximal zu 125 % vom Nominale. Dabei hängt die Wertentwicklung von einem Aktienkorb ab, in dem sechs US-Technologieaktien gleichgewichtet sind: Alphabet (Class C), Amazon, Apple, Meta Platforms, Microsoft und Nvidia. Das Produkt ist währungsgesichert; Fälligkeit ist am 30.12.2030.
Beim Raiffeisen Kapitalschutz-Zertifikat „Dividendenaktien Winner 112 % XIII“ erfolgt die Rückzahlung zum Laufzeitende zu mindestens 112 % und maximal 128 % vom Nominale. Ausschlaggebend ist die Wertentwicklung des „STOXX Global Select Dividend 100 Index“, der die 100 dividendenstärksten Aktien weltweit umfasst. Rückzahlungstermin ist der 28.1.2032. Das Produkt ist noch bis 26.1.2025 in Zeichnung.
Foto: Adobe Stock / Movix / mit KI generiert
2026 zwischen Zinssenkungen, KI-Superzyklus und neuen Chancen in Europa
Der Börsen-Kurier im Gespräch mit dem CIO von DNB Asset Management Knut Hellandsvik.
Red./ks. Gemeinsam mit dem CIO von DNB Asset Management blicken wir auf das begonnene Anlagejahr 2026. Er sieht vielfältige Chancen im Umfeld einer wieder anziehenden Weltwirtschaft.
Börsen-Kurier: Herr Hellandsvik, viele Anleger blicken mit Respekt auf 2026 – aufgrund von Geopolitik, Wachstum und Inflation. Wie ist Ihre Gesamteinschätzung?
Knut Hellandsvik: Die Weltwirtschaft geht aus Sicht vieler Vermögensverwalter mit erfreulichen Perspektiven in das Jahr 2026. Die Kombination aus geldpolitischer Entlastung, fiskalischen Impulsen und einer anhaltenden Investitionswelle im Bereich künstlicher Intelligenz könnte das Wachstum trotz geopolitischer Risiken stützen. Gleichzeitig verändern technologische Trends, Energiepolitik und neue geopolitische Prioritäten die Sektorlandschaft an den Kapitalmärkten spürbar.
Börsen-Kurier: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Treiber, die die Weltwirtschaft 2026 tragen könnten?
Hellandsvik: Für 2026 wird eine robuste Entwicklung der Weltwirtschaft erwartet. Entscheidend dafür sind voraussichtlich Zinssenkungen in den wichtigsten Volkswirtschaften sowie umfangreiche staatliche Unterstützungsprogramme, insbesondere in den USA, der Eurozone und China.
Börsen-Kurier: Die Inflation bleibt in vielen Regionen ein zentrales Thema. Wie erwarten Sie die Entwicklung – und wie reagieren die Notenbanken?
Hellandsvik: Für das Inflationsgeschehen zeichnet sich ein allmähliches Nachlassen der Preisdynamik ab, auch wenn viele Volkswirtschaften das Zwei-Prozent-Ziel noch nicht vollständig erreichen dürften. Sinkende Energiepreise, geringere Tarifbelastungen und ein Abklingen der Dienstleistungsinflation sprechen für eine Entspannung. Belastend wirken hingegen weiterhin die Strompreise sowie steigende Kosten im Wohnungsmarkt. Die Notenbanken könnten dennoch genügend Spielraum sehen, um ihren geldpolitischen Kurs zu lockern.
Börsen-Kurier: Die Kursentwicklung bei KI-Schwergewichten war beeindruckend. Wie groß ist aus Ihrer Sicht die Gefahr einer Blase?
Hellandsvik: Die Börsenrallye rund um KI-Schwergewichte hat vielfach die Frage nach einer Blasenbildung aufgeworfen. Die hohen Bewertungen haben ihren Grund in starken Geschäftsmodellen, solidem Cashflow, robusten Bilanzen und hohen Margen. Kurzfristige Korrekturen bleiben denkbar, doch die Ausweitung der Wertschöpfungskette und zunehmende Monetarisierung der Technologie dürften den Sektor weiter stärken.
Börsen-Kurier: Wo sehen Sie 2026 die strukturellen Gewinner?
Hellandsvik: Mehrere Branchen gelten als strukturelle Gewinner des kommenden Jahres. Der Gesundheitssektor profitiert von demografischen Trends, wachsendem Wohlstand und technologischen Fortschritten. KI-gestützte Arzneientwicklung, präzisere Diagnostik und effizientere klinische Studien könnten den Sektor voranbringen — flankiert durch attraktive Bewertungen und steigende Fusions- und Übernahmeaktivitäten.
Börsen-Kurier: Die USA und China dominieren viele Zukunftsfelder. Wo sehen Sie dennoch Europas und Nordics Stärken?
Hellandsvik: Obwohl Märkte wie die USA und China nach wie vor dominieren, sieht der europäische und nordische Unternehmenssektor in mehreren Bereichen nachhaltige Wettbewerbsvorteile. Dazu zählen industrielle Automatisierung, Elektrifizierung, Logistik, Unternehmenssoftware, Telekommunikationsinfrastruktur und Energieeffizienz. Auch die europäische Halbleiterindustrie bleibt wichtig, während der Verteidigungs- und Pharmasektor ebenso internationales Gewicht behält wie die Luxusgüterindustrie.
Börsen-Kurier: Zum Abschluss: Was macht 2026 für Anleger so interessant – und wo liegen die Chancen?
Hellandsvik: Das Jahr 2026 könnte sich zu einem wirtschaftlich freundlichen Umfeld entwickeln. Unterstützung kommt aus sinkenden Zinsen, staatlichen Anreizen, abnehmenden Handelshindernissen und einer nachhaltigen Investitionsdynamik. Inflation und geopolitische Risiken bleiben Herausforderungen, doch der strukturelle Aufschwung in Gesundheit, Technologie, Infrastruktur und erneuerbaren Energien eröffnet Anlegern vielfältige Chancen.
Foto: DNB AM
Mit Vorsicht in die Märkte investieren
Das Jahr 2026 könnte volatil werden. Zertifikate-Experten sehen aber selbst dann große Chancen.
Raja Korinek (02.01.2026). Das vergangene Börsenjahr war von reichlich Turbulenzen geprägt – wenngleich die Märkte ein schönes Plus verzeichneten. Vor allem geopolitische Konflikte sorgten für reichlich Schwankungen. Gerade in solch einem Umfeld spielen Zertifikate ihre Stärken aus, da Anleger mit diesen Papieren grundsätzlich auf unterschiedliche Szenarien setzen können. Wie aber könnte es weitergehen? Der Börsen-Kurier sprach mit Branchenprofis zu ihren Fazits für 2025 und holte einen Ausblick für das neue Börsenjahr ein.
Dabei sticht ein Aspekt hervor: Das Interesse an Zertifikaten wächst. Das von Privatanlegern investierte Volumen erreichte mit 17,2 MrdE per Ende September 2025 ein Rekordniveau. Der Fokus ist ebenso klar: „Traditionell ist das Sicherheitsbedürfnis österreichischer Anleger hoch“, betont Philipp Arnold von Raiffeisen Zertifikate.
Sicherheit bleibt gefragt
Dies spiegle sich entsprechend im investierten Volumen wider. „Wir sehen eine stark steigende Nachfrage bei Zertifikaten mit Sicherheitsmechanismen wie z.B. Kapitalschutz- und Teilschutz-Produkte.“ Beide Arten wiesen ein geringeres Risiko als ein Direktinvestment in Aktien oder ETFs auf.
Ähnlich lautet der Tenor bei der Erste Group. Zertifikate-Experte Uwe Kolar verweist auf das starke Interesse 2025 für Teilschutzprodukte etwa auf den Euro Stoxx 50 oder Euro Stoxx Banken sowie auf die vermehrte Nachfrage nach 100 % kapitalgarantierten Anleihen auf Indizes und Gold. Letztere Zertifikate-Form könnte auch heuer im Fokus stehen. Kolar verweist in diesem Zusammenhang sowohl auf das aktuelle Zinsumfeld wie auch auf die insgesamt passablen Dividendenzahlungen vieler Konzerne. Beide Faktoren ermöglichten ein interessantes Chancen-Risiko-Profil bei Garantieprodukten. „Allerdings gilt der Kapitalschutz nur zum Laufzeitende. Während der Laufzeit kann der Kurs unter den Emissionspreis sinken“, mahnt Arnold.
Wie turbulent wird es heuer?
Der Raiffeisen-Experte wirft obendrein einen Blick auf das neue Jahr und sagt: „Viele potenzielle Anleger stehen vor der entscheidenden Frage, ob sie jetzt noch in den Aktienmarkt einsteigen sollen“. Die Indizes sind 2025 schließlich stark gestiegen. „Und wirtschaftliche sowie geopolitische Unsicherheiten werden uns weiterhin begleiten.“ Bei Kapitalschutz- oder Teilschutz-Zertifikaten, die mit Absicherungsmechanismen ausgestattet sind, sei es nicht notwendig, den perfekten Einstiegszeitpunkt zu suchen. Das Risiko, „zum falschen Moment“ investiert zu sein, werde Arnold zufolge spürbar gesenkt. Allerdings sind dafür die Chancen nach oben hin begrenzt.
Entsprechende Produkte
Der „Erste Bank US Tech Garant-Anleihe (IV) 25-30“ hat eine feste Laufzeit von fünf Jahren. Die Rückzahlung am Laufzeitende erfolgt zumindest zu 100 % und maximal zu 125 % vom Nominale. Dabei hängt die Wertentwicklung von einem Aktienkorb ab, in dem sechs US-Technologieaktien gleichgewichtet sind: Alphabet (Class C), Amazon, Apple, Meta Platforms, Microsoft und Nvidia. Das Produkt ist währungsgesichert; Fälligkeit ist am 30.12.2030.
Beim Raiffeisen Kapitalschutz-Zertifikat „Dividendenaktien Winner 112 % XIII“ erfolgt die Rückzahlung zum Laufzeitende zu mindestens 112 % und maximal 128 % vom Nominale. Ausschlaggebend ist die Wertentwicklung des „STOXX Global Select Dividend 100 Index“, der die 100 dividendenstärksten Aktien weltweit umfasst. Rückzahlungstermin ist der 28.1.2032. Das Produkt ist noch bis 26.1.2025 in Zeichnung.
Foto: Adobe Stick / Artfulaura
Nischenthemen mit Langfrist-Potenzial
Gesundheitsaktien, Cybersecurity, Wasser und Konsumgüter als Bausteine für 2026.
Michael Kordovsky (02.01.2026). Der medizinische Fortschritt – auch jenseits von „Lifestyle-Medikamenten“ zum Abnehmen – schreitet voran. Zudem zeigten Anfang Oktober 2025 Gesundheitsaktien den größten Bewertungsabschlag gegenüber dem Gesamtmarkt seit 2009. Der „MSCI World Pharmaceuticals, Biotechnology and Life Sciences Index“ weist per Ende November 2025 ein Forward-KGV von nur 17,4 auf, verglichen mit 20,3 im MSCI World. Allerdings hat in den vergangenen Monaten der Aufholprozess bereits gestartet. Doch der langjährige Wachstumstrend spricht für eine längere Phase solider Performance.
Das gilt vor allem für den Biotech-Markt, der laut Grand View Research von 2024 bis 2030 (CAGR) um 14,1 % p.a. auf umgerechnet rund 3,3 BioE wachsen sollte. Interessant erscheint somit der 250 Positionen abdeckende „iShares Nasdaq US Biotechnology UCITS ETF“. Dessen größte Positionen sind Amgen, Gilead Sciences (Behandlung von HIV und Hepatitis C), Vertex (Medikamente gegen Mukoviszidose) und Regeneron Pharmaceuticals.
Wer hingegen kostengünstig den globalen Gesundheitssektor (Pharma, Biotech, Labor- und Medizintechnik sowie weitere Dienstleistungen für die Gesundheitsbranche) abdecken möchte, sollte einen Blick auf den „Xtrackers MSCI World Health Care UCITS ETF“ werfen, der 121 Positionen enthält und dabei Eli Lilly (Abnehmmedikamente), Johnson & Johnson (Pharma- und „L‘Oréal“ Medizintechnik) und AbbVie (Pharma) am stärksten gewichtet.
Dauerrenner Cloud, KI und Regulierung
Cybersecurity ist nicht mehr nur ein Trend. Der Marktforscher Gartner Inc. rechnet damit, dass die weltweiten Ausgaben für Informationssicherheit weiter deutlich zulegen und nennt für den Zeitraum 2023 bis 2028 ein Wachstumstempo von 11,7 % p.a. Das Thema wird durch KI getrieben, weil Angriffe effizienter werden, gleichzeitig aber auch Abwehrsysteme neu aufgebaut werden müssen. Dazu kommt: Cloud-Migration, Lieferkettenrisiken und strengere Vorgaben für kritische Infrastruktur zwingen Unternehmen zu konstanten Investitionen.
Der „iShares Digital Security UCITS ETF“ bündelt globale Anbieter aus Netzwerksicherheit, Identitätsmanagement und Infrastrukturprotektion. Ähnliche Themen, aber mit anderem Index-Ansatz und teils abweichender Titelselektion deckt der „L&G Cyber Security UCITS ETF“ ab, der Broadcom (Endpunktsicherheit, Netzwerksicherheit, Informations- und E-Mail-Sicherheit), Cisco und CrowdStrike (Ransomware-Schutz, Bedrohungserkennung und -abwehr), Akamai Technologies (u.a. Sicherheit für Cloud) und Fortinet (Firewalls) am stärksten gewichtet.
Wasserknappheit und Infrastruktur
Beim Wasser geht es 2026 nicht nur um Moral, sondern auch um volkswirtschaftliche Resilienz. Das World Resources Institute (WRI) zeigt, dass bis 2050 ein großer Teil der globalen Wirtschaftsleistung in Regionen mit hohem Wasserstress liegen wird. Die OECD verweist in Analysen zu wasserbezogenen Risiken ebenfalls auf spürbare makroökonomische Schäden in besonders betroffenen Gegenden. Daraus entstehen Investitionsfelder: die sogenannte Leckage-Reduktion, Netzsanierung, Mess- und Steuertechnik, Aufbereitung, Wiederverwendung sowie energieeffiziente Entsalzung.
Als ETF-Klassiker mit globalen Versorgern und Ausrüstern relativ breit diversifiziert und eher infrastrukturlastig ist der „iShares Global Water UCITS ETF“. Dessen größte Positionen sind die brasilianische SABESP (Wasser- und Abwasserwirtschaft), Xylem (Wasseraufbereitung) und American Water Works (Wasserversorger in den USA). Eine Ergänzung dazu wäre der „L&G Clean Water UCITS ETF“, dessen zugrundeliegender Index einen Fokus auf Lösungen für sauberes Wasser hat, weshalb die Zusammensetzung eine Reihe technisch innovativer Unternehmen enthält.
Konsumgüter und Nahrungsmittel: defensiv und im Umbau
In einem Jahr mit politischen Risiken und einer unsicheren Wachstumsentwicklung bleibt der Basiskonsum ein Stabilitätsanker. Bewertungsseitig ist das Segment im globalen Vergleich nicht extrem, die MSCI-Daten zeigen für Konsumgüter des täglichen Bedarfs ein moderates Niveau im historischen Rahmen.
Spannend ist 2026 vor allem der Umbau großer Konzerne: Nestlé hat in den vergangenen Quartalen Kostensenkungen, Portfolioprüfung und eine stärkere Fokussierung auf Kernfelder betont, inklusive weiterer Schritte zur Straffung. Kraft Heinz arbeitet parallel an einer Aufspaltung in zwei Einheiten, um Komplexität zu reduzieren und Kapital effizienter zu allokieren.
Als defensives ETF-Basisinvestment und Ruhepol neben zyklischeren Themen geeignet ist in diesem Zusammenhang der 94 Werte abdeckende „SPDR MSCI World Consumer Staples UCITS ETF“, der Walmart, Costco, Procter & Gamble, Coca-Cola und Nestlé am stärksten gewichtet. Wer die Thematik mit europäischen Werten abdecken möchte, wird im „iShares MSCI Europe Consumer Staples Sector UCITS ETF“ fündig, der Nestlé, Unilever, British American Tobacco und L‘Oréal am stärksten gewichtet und insgesamt 37 Positionen hält.
Foto: Adobe Stock / Adam121
AT&S Aktie 2025: Rückblick auf ein turbulentes Jahr und die überraschende Wende
Noch dämpfen die Kosten für das Hochfahren von Kapazitäten die Margen.
Vom Krisenjahr 2024 zur starken Erholung 2025
Ein schwieriger Ausgangspunkt
Das Börsenjahr 2024 war für AT&S schwierig. Das Jahr endete mit einem Kursverlust von fast 50 %. Ganz anders die Lage 2025. Alleine von Anfang Jänner bis Ende September lag die AT&S‑Aktie rund 85 % im Plus.
Der Juli‑Einbruch – und warum er die Rally nicht stoppte
Ende Juli sah es kurz so aus, als wäre die Party vorbei: Nach der Vorlage der Ergebnisse für das 1. Quartal 2025/26 brach der Kurs an nur einem Tag um 20 % ein. Dabei lagen die Margen über der Guidance, und auch das Umsatzplus von 14 % gegenüber dem Vorjahresquartal – trotz Preisdruck und negativen Wechselkurseffekten – hätte als positives Zeichen gewertet werden können.
Belastungsfaktoren: Verluste, Erwartungen und Investitionen
H3: Höherer Verlust als erwartet
Dass erneut ein Verlust berichtet wurde, überraschte nicht. Die Ausweitung auf 55,9 Millionen Euro (1. Quartal 2024/25: 34 Millionen Euro) dürfte dennoch einige Anleger kalt erwischt haben.
Strategische Weichenstellungen: IC‑Substrate, Werke und Kostensenkungen
Fokus auf hochwertige IC‑Substrate
CEO Michael Mertin sieht den Fokus auf hochwertige IC‑Substrate sowie die neuen Werke in Kulim (Malaysia) und Leoben als entscheidenden Schritt zu profitablem Wachstum – auch wenn hohe Anlaufkosten die Zahlen belasten.
Effizienzprogramme greifen
Positiv zu sehen sind die Effizienzprogramme und Kostensenkungsmaßnahmen. Im laufenden Geschäftsjahr soll die Kostenbasis um weitere 130 Millionen Euro gesenkt werden (2024/25: 120 Millionen Euro).

Schwieriges Marktumfeld bleibt Herausforderung
Geopolitik, Preisdruck und Inflation
Geopolitische Spannungen, Preisdruck und Inflation erschweren die Erholung. Unklar bleibt, wie sich die Zoll‑Debatte weiterentwickelt. Zwar erwartet das Management keinen unmittelbaren Einfluss auf die eigenen Produkte, doch könnten die Endprodukte der Kunden betroffen sein – und damit indirekt auch AT&S.
Wechselkurse als Risikofaktor
Auch die Wechselkurse gilt es im Auge zu behalten. Das Management bleibt daher beim Ausblick für das Gesamtjahr zurückhaltend.
Halbjahresausblick 2025/26 und mittelfristige Ziele
Prognose für das 1. Halbjahr
Für das 1. Halbjahr 2025/26 erwartet AT&S:
- Umsatzanstieg auf 820 Mio. Euro (Vorjahr: 800 Mio. Euro)
- EBITDA‑Marge rund 20 %
- Investitionen von 110 Mio. Euro (Vorjahr: 254 Mio. Euro)
Mittelfristige Planung
Für 2026/27 plant das Unternehmen:
- Umsatz: 2,1 bis 2,4 Mrd. Euro
- EBITDA‑Marge: 24 bis 28 %
Externe Impulse: Nvidia, Intel und der Einstieg in den Rüstungsbereich
Nvidia‑Einstieg bei Intel als Kurstreiber
Mitte September 2025 sorgte die Nachricht für einen Kurssprung, dass Nvidia mit einem Aktienpaket im Wert von 4,2 Mrd. Euro bei Intel einsteigt. Intel zählt zu den wichtigsten Kunden von AT&S. Laut Erste Group könnte dies die Nachfrage nach IC‑Substraten erhöhen und die Auslastung in Chongqing verbessern.
Neue Chancen im Rüstungsbereich
Positiv bewerten Experten auch die Ankündigung, dass AT&S künftig Leiterplatten und Substrate für den Rüstungsbereich produzieren will.
Autor: Patrick Baldia
Foto: AT&S
EVN mit stabilen Ergebnissen und ambitionierten Plänen
Höheres Vorsteuerergebnis 2024/25, Dividende unverändert 90 Cent/Aktie.
Marius Perger. Die EVN hat in ihrem Geschäftsjahr 2024/25 (per 30.9.) Umsatz und Vorsteuerergebnis steigern können, unterm Strich musste beim Konzernergebnis aber ein Rückgang hingenommen werden.
Die Umsatzerlöse stiegen um 3,8 % auf 3.000,0 Millionen Euro. Positiv ausgewirkt hätten sich Mengen- und Preiseffekte sowie die im Vergleich zu den Jahren davor deutlich kältere Witterung, negativ allerdings rückläufige Erlöse aus der Vermarktung der eigenen erneuerbaren Erzeugung und im Erdgashandel. Das Ebitda verbesserte sich um 19,2 % auf 909,1 Millionen Euro. Zurückzuführen ist dieser Anstieg einerseits auf einen höheren Beitrag aus dem Segment „Netze“ aufgrund eines höheren Strom- und Erdgas-Netzabsatzes und höherer Netztarife in Niederösterreich, andererseits auf einen wesentlich gestiegenen Ergebnisanteil der at Equity einbezogenen Unternehmen. Hauptgrund für Letzteres sei die „wie erwartet eingetretene Ergebnisnormalisierung der EVN KG“, heißt es dazu im Geschäftsbericht.
Stark rückläufig hat sich dagegen das Finanzergebnis entwickelt, Ursache sei in erster Linie die niedrigere Dividende der Verbund AG gewesen, daneben habe auch ein Währungseffekt im Zusammenhang mit der Entkonsolidierung in Russland das Finanzergebnis belastet. Während aber das Ergebnis vor Ertragsteuern dennoch um 4,5 % auf 574,4 Millionen Eur stieg, lag das Konzernergebnis nach Minderheiten aufgrund einer höheren Steuerbelastung und eines negativen Ergebnisses des aufgegebenen Geschäftsbereiches mit 436,7 Millionen Eur um 7,4 % unter dem des Jahres davor.
Der Hauptversammlung am 25. Februar wird eine gegenüber dem Vorjahr unveränderte Dividende von 90 Cent/Aktie vorgeschlagen.
Aktualisierte Strategie
Die Strategie 2030 mit dem Titel „Nachhaltiger. Digitaler. Produktiver.“ wurde im abgelaufenen Geschäftsjahr aktualisiert. Im Zentrum stehe dabei der Beitrag der EVN zur Transformation des Energiesystems, geplant seien unter anderem die Errichtung und der Betrieb von Großbatteriespeichern und Investitionen in die E-Ladeinfrastruktur. Wichtiger werden auch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, so das Unternehmen.
Im Rahmen der Klimainitiative habe man eine ambitionierte Anpassung der Ziele für den Klimaschutz vorgenommen und den „1,5-Grad-Übergangsplan“ im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen finalisiert. Ziele zur Reduktion der Treibhausgasemissionen umfassen neben der eigenen Geschäftstätigkeit auch Emissionen entlang der Wertschöpfungskette wie beispielsweise der Energienutzung durch Kunden.
Vier Fünftel des bis 2030 jährlich geplanten Investitionsvolumens von rund einer MrdE sollen nach Niederösterreich fließen; Schwerpunkte liegen hier auf der Netzinfrastruktur, der erneuerbaren Erzeugung und der Trinkwasserversorgung. 89 % aller Investitionen seien „grün“ im Sinne der EU-Taxonomie, betont die EVN.
Ausblick und langfristige Ambitionen
Unter der Annahme eines stabilen regulatorischen und energiepolitischen Umfelds erwartet die EVN im laufenden Geschäftsjahr 2025/26 ein Ebitda und ein Konzernergebnis „etwa auf dem Niveau des Vorjahres“. Planungsunsicherheiten gebe es aber bei den energiewirtschaftlichen Parametern (Annahmen für Erzeugungskoeffizienten, temperaturabhängige Energienachfrage) sowie beim Finanzergebnis (Dividende des Verbund).
Zuversichtlich zeigt sich die EVN dank einer „gut abgesicherten Projektpipeline“, ihre Ausbauziele für Windkraft, Photovoltaik und Batteriespeicher bis 2030 erreichen zu können. Aus Windkraft sollen dann 770 MW stammen (30.9.2025: 532 MW), aus Photovoltaik 300 MWp (30.9.2025: 120 MWp). Das Ausbauziel für Großbatteriespeicher liegt für 2030 bei 300 MW (30.9.2025: 8 MW). Die Netzkapazität in Niederösterreich soll im selben Zeitraum auf 6.000 MW verdoppelt werden.
Finanzziele für das Geschäftsjahr 2029/30 sind ein Ebitda in einer Bandbreite von rund 1,1 bis 1,2 Milliarden, eine Ausschüttungsquote von 40 % und eine Dividende von 1,10 Euro/Aktie. Bereits ab dem laufenden Geschäftsjahr wird eine Mindestdividende von 90 Cent/Aktie angestrebt.
Foto: EVN Veith
Die Zahlen der EVN im Überblick
|
2024/25 |
2023/24 (angepasst) |
| Umsatzerlöse |
3.000,0 |
2.889,2 |
| Ebitda |
909,1 |
762,9 |
| Ebit |
490,9 |
404,3 |
| Ergebnis vor Steuern |
574,4 |
549,9 |
| Konzernergebnis |
436,7 |
471,7 |
| Alle Zahlen in Millionen Euro |
Abriss der Klimaregeln
Florian Beckermann. Der Höhenflug des Green-Deal setzt zur Landung an. Die EU-Verhandler scheinen sich auf eine weitgehende Anhebung der Anwendbarkeitsschwellen bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) und der Lieferkettenrichtlinie geeinigt zu haben – welch vermeintliche Erleichterung für all jene, die schon immer fanden, dass Transparenz nur die Laune verdirbt. Endlich kann man wieder ungestört CO2 ausstoßen, solange das Logo grün genug ist. Einige Industrie-Lobbyisten feiern die „Entbürokratisierung“, als hätten sie gerade die Ökonomie persönlich gerettet, obwohl die meisten wohl nie einen Nachhaltigkeitsbericht gelesen haben.
Zurecht? Es läuft nicht alles rund im Green-Deal. Die CSRD trat an, die Welt zu retten und generiert sich zum nervigen Copy-Paste-Spektakel. Nachhaltigkeit wird erstmal teuer auf hunderten Seiten dokumentiert und nicht erreicht. Tonnen von CO2 verschwinden nicht aus der Atmosphäre, sondern landen in Excel-Sheets und Berichten, während Heerscharen von Beratern Millionen verschlingen. Ingenieure werden zu Datenlieferanten umgeschult, Manager zu Moralaposteln, Wirtschaftsprüfer zu Häkchenmeistern. Wo bleibt der Profit? Die Außenwirkung zählt mehr als Vollständigkeit, die Veränderung weniger als die Formattreue. Wer abschreibt, gewinnt Rechtssicherheit – eine absurde Praxis. So nährt sich die grüne Parallelökonomie, in der nachhaltig nur noch das Desinteresse wächst, auch der Investoren. Am Ende ist das Unternehmen weder klimaneutral noch konkurrenzfähig, sondern nur der Nachhaltigkeitsbericht. Die Erde bleibt warm, die Aktenlage ist gut. Das kann es nicht sein.
Schlimmer noch die Lieferkettenrichtlinie. Moralbürokratie, als EU-Exportschlager? Die Zertifizierung ausländischer Missstände. Vulgo: Unternehmen sollen lernen, Verantwortung zu managen, statt sie zu übernehmen. Sie entfernen sich vorsorglich von Ländern, in denen sie wirklich etwas bewirken könnten. Faktische Armut wird nicht gelindert, sondern auditiert. Zurück bleiben endlose Checklisten mit internen Moralregeln. Und beleidigte Lieferanten, die gelernt haben, westliche Tugendformeln zu unterschreiben. Deren Angst wird zur heimischen Nachhaltigkeitsstrategie. Wer sich absichert, gilt als „compliant“; wer bei der Stange bleibt, gilt als verdächtig. So entsteht ethische Moralreinheit durch Rückzug – sauber für Europa, wobei in der Welt Europa dann keine Rolle mehr spielt.
Und die Aktionäre? Die dürfen das alles bezahlen – selbstverständlich, denn irgendwer muss ja die Kosten bisher und in Zukunft für die Benimmregeln und Berichte tragen. Ob nach dem Kahlschlag in Sachen Green-Deal in Österreich 50 Unternehmen übrigbleiben, die die neuen Schwellen erreichen, ist fraglich. So wird eine grundsätzlich gute Idee mit der Abrissbirne bearbeitet und in eine Nische verbracht, in der realitätsverweigernden Hoffnung, dass sie dort ihr Ende findet. Einer Generation Z wird das schwer zu erklären sein. Vielleicht lernt man in der EU irgendwann, dass eine ethische und ökologische Aufrichtigkeit mit der Wahl der Personen zusammenhängt. Berichte sind allenfalls Beiwerk.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Internationale und Small-Cap-Aktien bestens positioniert
Ein Ausblick auf das Aktienjahr 2026 von Kapitalmarktstratege Tim Murray vom Assetmanager T. Rowe Price.
Red./ks. Die Wirtschaft läuft mit zwei Geschwindigkeiten: Während Bereiche mit Bezug zur KI einen regelrechten Boom erleben, hinken andere Segmente – insbesondere die Fertigungsindustrie – hinter-her. Die fiskalische Expansion kommt gerade erst in Gang, was die Ausgaben für KI (Künstliche Intelligenz) weiter ankurbeln wird, und die Priorisierung der Deregulierung durch die Regierung von Donald Trump dürfte die Gesamtwirtschaft 2026 zu einem gesunden Wachstum führen. Betrachtet man jedoch die verschiedenen Anlageklassen, so scheinen die Bewertungen fast überall überzogen zu sein, was die Aussichten trübt. Wo sieht unser Asset Allocation Committee in diesem Umfeld taktische Chancen für die Vermögensallokation?
Untergewichtung von Anleihen
Während eine expansive Fiskalpolitik, einschließlich Steueranreizen für Investitionen, das Wachstum stützen wird, sind viele der Maßnahmen der US-Regierung auch inflationär. Dazu gehören die Einschränkung der Einwanderung und die Einführung von Zöllen. Unabhängig davon, ob die Inflation nahe dem Niveau von 3 % bleibt – über dem Zielwert der Federal Reserve – oder sich 2026 beschleunigt, wird sie den Wert von Anleihen mindern. Dies veranlasst uns, Aktien gegenüber Anleihen zu bevorzugen.
Internationale und Small-Cap-Aktien am besten positioniert
Vergleicht man die Aussichten für internationale und US-Aktien, sehen wir mehr Aufwärtspotenzial für Nicht-US-Aktien, da diese in KI-bezogenen Sektoren zu den USA aufholen. Außerdem scheint die chinesische Regierung entschlossen zu sein, Innovationen im Bereich KI und anderen Technologien zu fördern, um die wirtschaftlichen Einbußen und die steigende Arbeitslosigkeit aufgrund des starken Einbruchs des Immobilienmarktes auszugleichen.
Obwohl die fiskalischen Anreize in den USA beträchtlich sind, war die Hinwendung zu expansiven Maßnahmen außerhalb der USA – insbesondere in Ländern wie Deutschland – abrupter, sodass wir davon ausgehen, dass sie relativ gesehen eine größere Wirkung haben werden. Die Europäische Zentralbank, die Bank of England und viele Zentralbanken der Schwellenländer haben ihre Geldpolitik ebenfalls deutlich stärker gelockert als die Fed, was internationale Aktien zusätzlich stützt. Während wir in den USA gegenüber Wachstums- und Substanzwerten neutral eingestellt sind, bevorzugen wir bei internationalen Aktien Substanzwerte. Das globale konjunkturelle Umfeld verbessert sich, und Sektoren wie Finanzwerte, die in Substanzindizes stark vertreten sind, dürften von steileren Zinskurven und einer steigenden Kreditnachfrage profitieren. Die Bewertungen für Nicht-US-Substanzwerte bleiben ebenfalls relativ attraktiv.
Wir rechnen mit einer gewissen Ausweitung der Aktienmarktperformance über die US-amerikanischen Mega-Cap-Technologiewerte hinaus und gehen davon aus, dass Small Caps am meisten von dieser Verschiebung profitieren werden. Aufgrund der enormen Marktkapitalisierung der „Magnificent Seven“ würde selbst eine moderate Verlagerung hin zu Small Caps einen relativ großen Schub für kleinere Aktien bedeuten. Small Caps profitieren in der Regel auch am meisten von niedrigeren kurzfristigen Zinsen, was zu unserer Entscheidung beiträgt, Small-Cap-Aktien leicht überzugewichten.
Neigung zu Hochzinsanleihen und Nicht-US-Währungen
Bei der Allokation in festverzinslichen Wertpapieren betrachten wir Hochzinsanleihen als eine attraktive Möglichkeit, mit geringerem Risiko als bei Aktien von einer starken Konjunktur zu profitieren. Die Gesamtbonität dieser Anlageklasse ist so hoch wie seit Jahren nicht mehr, und wir rechnen für 2026 nicht mit einer Verschlechterung der Fundamentaldaten. Nicht-Investment-Grade-Anleihen haben auch eine gewisse Duration1, die die Anlageklasse abfedern würde, sollte die Wirtschaft in eine Rezession fallen.
Wir befürworten ein gewisses Währungsrisiko bei festverzinslichen Wertpapieren durch lokal denominierte Anleihen aus internationalen Industrieländern und Schwellenländern. Der Rückgang des US-Dollars während des größten Teils des Jahres 2025 dürfte sich bis ins Jahr 2026 fortsetzen, da die Fed die kurzfristigen Zinsen senkt, während andere Zentralbanken in ihren Lockerungszyklen bereits viel weiter fortgeschritten sind. Außerdem bleibt die Inflation in den USA hartnäckig und könnte sogar noch weiter steigen. Wir sehen eine Übergewichtung von ungesicherten lokalen Nicht-US-Anleihen als attraktive Möglichkeit, von diesem Trend zu profitieren.
Kurz gefasst
Wir bevorzugen Aktien gegenüber Anleihen, da wir davon ausgehen, dass die Zwei-Geschwindigkeiten-Wirtschaft eine Rezession vermeiden wird, und wir bevorzugen ein Engagement in Nicht-US-Währungen, um von der wahrscheinlichen Schwäche des US-Dollars zu profitieren.
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Aurubis-Aktie begeistert die Märkte
Der Metallrecycler hat sich mit den laufenden Investitionen langfristig sehr gut positioniert.
Stefan Riedel. Der Hamburger Kupferrecycler Aurubis (DE0006766504) wird 2025 als eines seiner besten Börsenjahre verbuchen. Nachdem die Aktie im Sommer richtig Fahrt aufgenommen hat, summieren sich die Kursgewinne seit Jahresanfang auf rund 55 %. Als erste Reaktion auf die Geschäftszahlen für das am 30. September beendete Geschäftsjahr 2024/25 erreichte sie ein neues Allzeithoch.
Höhere Metallpreise beflügeln
Das Geschäft von Aurubis profitiert von der robusten Nachfrage für Kupferprodukte und den steigenden Verkäufen von Schwefelsäure, die aus der Kupferverarbeitung entsteht. Zugleich drückten die gesunkenen Schmelz- und Raffinierlöhne ebenso auf die Margen wie die niedrigeren Erlöse aus dem Recyclinggeschäft. Aufgrund der positiven Bewertungseffekte durch die gestiegenen Metallpreise kletterte der Konzerngewinn um 30 % auf 539 Millionen Euro. Der operative Gewinn sackte dagegen um 14 % auf 355 Millionen Euro ab, landete aber im eigenen Prognosekorridor von 330 bis 370 Millionen Euro in der Mitte. Die Dividende für 2024/25 will Aurubis um zehn Cent auf 1,60 Euro je Aktie erhöhen.
Nach Fertigstellung der zweiten Produktionsstufe kann das US-Werk in Richmond in Georgia jährlich rund 180.000 Tonnen an Metallen recyceln – und in Zukunft 170 Millionen Euro pro Jahr zum Ebitda beitragen. Trotzdem bleibt Vorstandschef Toralf Haag mit der Einschätzung „Wir erwarten ein solides Geschäftsjahr 2025/26“ beim Ausblick vorsichtig. In Zahlen ausgedrückt erwartet er einen operativen Vorsteuergewinn zwischen 300 und 400 Millionen Euro und eine operative Kapitalrendite von 7 bis 9 %, also nur im besten aller Fälle einen Wert oberhalb der 8,8 % von 2024/25.
Gestiegene Bewertung
Mit einem 2027er-KGV von 15 bei einem erwarteten deutlichen Gewinnrückgang im laufenden Geschäftsjahr wird die Luft für die Aktie langsam dünn. Unter den acht Analysten, die Aurubis covern, gibt es mittlerweile nur noch eine Kaufempfehlung. Analyst Dirk Schlamp von der DZ Bank hat nach den jüngsten Zahlen sein Kursziel zwar von 115 auf 123 Euro angehoben. Seine Empfehlung, die Aktie weiter zu halten, begründet er mit drei Argumenten: „Das herausfordernde Marktumfeld bleibt eine Belastung auf der Konzentrat-Seite. Im Recyclinggeschäft drücken geringere Margen. Darüber hinaus sind die weiterhin hohen Investitionstätigkeit mit entsprechenden Anlaufkosten sowie steigende Abschreibungen zu beachten.“
Langfristig sehr gut positioniert
Die bis 2027 geplanten Investitionen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro, von denen Aurubis nach eigenen Angaben schon über 75 % umgesetzt hat, werden sich langfristig auszahlen. Diese Projekte sollen ab dem Geschäftsjahr 2028/29 einen jährlichen Ebitda-Beitrag von etwa 260 Millionen Euro leisten. Und auch der weltweit steigende Metallbedarf spielt der strategischen Ausrichtung von Aurubis auf das Multimetall-Recycling in die Karten. So gehen aktuelle Marktstudien davon aus, dass in den nächsten zehn Jahren der globale Bedarf für Kupfer um 22 % und für Zinn um 40 % steigen wird.
Im laufenden Geschäftsjahr geht es für Aurubis im operativen Geschäft vor allem darum, die Entwicklung bei den Schmelz- und Raffinierlöhnen im Blick zu behalten und durch strikte Kostenkontrolle die anvisierten Profitabilitätsziele zu erreichen. Neue Aktienkäufe drängen sich auf dem aktuellen Kursniveau nicht auf.
Setzt die FACC-Aktie ihren Höhenflug fort?
Rückenwind hat das Papier zuletzt von starken Zahlen für das dritte Quartal 2025 bekommen.
Patrick Baldia. Die FACC-Aktie zählte 2025 zu den absoluten Top-Performern an der Wiener Börse. Aktionäre des Luftfahrt-Zulieferers können sich über ein Kursplus von rund 95 % freuen. Dennoch sehen Analysten auch nach der Veröffentlichung der Zahlen für die ersten drei Quartale von Mitte November weiterhin beträchtliches Kurspotenzial. Erst Anfang Dezember haben etwa die Experten der Erste Group ihre Kaufen-Empfehlung bekräftigt und das Kursziel von 11,30 auf 15 Euro angehoben. Begründet wird der Schritt mit höheren Gewinnschätzungen auf mittlere Sicht sowie der Annahme einer stärkeren Entwicklung der Ebit-Marge.
Luftfahrt boomt weiter
Tatsächlich könnte der Ausblick für die Luftfahrtindustrie wohl nicht besser sein. Die Erste-Group-Analysten verweisen darauf, dass Airbus und Boeing – und damit wichtige FACC-Kunden – trotz einiger aktueller Herausforderungen ihre Produktionsraten weiter hochfahren. Allein in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres steigerten die Flugzeugbauer ihre monatlichen Auslieferungsraten um 20 % gegenüber den Vorjahreszeitraum. Stark: In den kommenden 20 Jahren soll die Branche um durchschnittlich 3,6 % pro Jahr wachsen und sich die Gesamtzahl der Flüge nahezu verdoppeln.
Nicht alle Analysten euphorisch
Etwas vorsichtiger schätzen die Analysten von Raiffeisen Research die Entwicklung von FACC ein. Kürzlich haben sie zwar ebenfalls ihr Kursziel für die Aktie angehoben – konkret von 8,20 auf 10 Euro – das neutrale Rating bzw. die Halten-Empfehlung jedoch bestätigt. Verwiesen wird auf die weiterhin geringe Visibilität, was die mittelfristige Margenentwicklung betrifft. Fraglich sei, ob die angestrebte Verbesserung auf 8 bis 10 % bis 2027 wirklich möglich sei. So sei etwa der operative Hebel aufgrund des hohen Anteils manueller Arbeit begrenzt. Auch belaste die anhaltende Inflation der Inputkosten die Marge.
Ausblick: Ebit steigt weiter
Das FACC-Management erwartet jedenfalls für 2025 einen Konzernumsatz von 1 MrdE, was einem Plus von 10 % gegenüber 2024 entspricht. Gleichzeitig soll das operative Ergebnis wie geplant weiter steigen und die Ebit-Marge zum Jahresende bei 4 bis 5 % liegen. Um das Unternehmen auf Kurs zu halten will das Team um CEO Robert Machtlinger den Fokus weiterhin auf das Effizienzsteigerungsprogramm „CORE“ legen. Im Vordergrund stehen dabei unter anderem Effizienzsteigerungen in der Produktion, die Kompensation globaler Inflationseffekte, die Restrukturierung der Lieferantenkette zur Senkung der Materialkosten, die Verringerung der allgemeinen Sach- und Fixkosten und die nachhaltige Reduktion der Lagerbestände.
Unser Fazit
Die Chancen stehen gut, dass FACC weiter vom langjährigen und konstanten Wachstumskurs der Luftfahrtindustrie profitiert. Dafür sprechen vor allem langfristige Verträge mit allen großen Herstellern.
Zu den Kunden zählen Flugzeugbauer wie Airbus, Boeing, Bombardier und Embraer, ebenso wie Triebwerkproduzenten wie Rolls-Royce und Pratt & Whitney. Auch vom jüngsten Leonardo-Deal (das österreichische Verteidigungsministerium will zwölf Kampfjets ankaufen) sollte FACC profitieren, so Experten. Kein Nachteil ist hier, dass der Konzern die gesamte Wertschöpfungskette abdeckt.
Foto: FACC
China: Wann springt die Konjunktur wieder an?
Der Börsen-Kurier analysiert Frühindikatoren und aktuellen Entwicklungen im Reich der Mitte.
Michael Kordovsky. Chinas Konjunktur zeigt zum Jahresende 2025 ein widersprüchliches Bild. Industrie, Export und einzelne Frühindikatoren stabilisieren sich, während der Immobiliensektor, Investitionen und die Preisentwicklung weiter bremsen. Von einem klaren Wendepunkt kann noch nicht gesprochen werden, doch die Datenlage deutet auf eine allmähliche Bodenbildung hin.
Der wichtigste Frühindikator, der offizielle Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe, lag im November bei 49,2 Punkten und damit zwar weiter im Schrumpfungsbereich, aber zumindest 0,2 Punkte höher als im Oktober. Die Produktion erreichte 50 Punkte (das ist die Expansions- bzw. Kontraktions-Grenze, Anm.) und auch die Veränderung der Auftragseingänge verbesserte sich. Besonders interessant: Die Hochtechnologieindustrie notiert laut der chinesischen Statistikbehörde (NBS) in einem Teilindex von 50,1 seit zehn Monaten über der Expansionsschwelle, der Index für kleine Unternehmen kletterte gegenüber dem Vormonat um satte zwei Prozentpunkte auf 49,1 Punkte und damit auf ein Sechsmonatshoch. Die Markterwartungen blieben stabil mit leichter Aufwärtstendenz. Außerhalb des Produktionsbereichs signalisiert ein wichtiger Einkaufsmanagerindex hingegen eine Abschwächung.
Durchwachsene Konjunkturdaten
Quer durch die Realwirtschaft setzt sich das Muster fort. Die Industrieproduktion größerer Betriebe stieg im Oktober um 4,9 % gegenüber dem Vorjahr, im Zeitraum Jänner bis Oktober um 6,1 %. Die Einzelhandelsumsätze legten im Oktober real um 2,9 % zu, kumuliert seit Jahresbeginn um 4,3 %. Das deutet auf eine Verbrauchernachfrage hin, die wächst, aber weit von früheren Dynamiken entfernt bleibt.
Bremsklotz Immo-Sektor
Problematisch bleibt die Investitionstätigkeit. Die Bruttoanlageinvestitionen lagen in den ersten zehn Monaten des heurigen Jahres 1,7 % unter dem Vorjahresniveau, obwohl die Investitionen außerhalb des Immobiliensektors noch um 1,7 % zulegten. Der Immobiliensektor bleibt damit der wichtigste Bremsklotz der Konjunktur und belastet Beschäftigung und Stimmung der Haushalte, denn die Investitionen in die Immobilienentwicklung brachen in den ersten zehn Monaten 2025 um 14,7 % ein. Die Investitionen in die Produktionswirtschaft wuchsen hingegen um 2,7 %.
Robuster Außenhandel
Der Außenhandel entwickelte sich hingegen robuster und erwies sich als Stütze. Chinas Exporte stiegen in den ersten elf Monaten um 6,2 %. Damit behauptet das Land seine dominante Rolle in den globalen Lieferketten trotz politischer Spannungen und neuer Handelsbarrieren.
Spielraum für Notenbank
Das Preis- und Zinsumfeld signalisiert keinen Überhitzungsdruck. Die Verbraucherpreise lagen im November 0,7 % über Vorjahr und die Kerninflation (Verbraucherpreissteigerung „ex“ Energie und Nahrungsmittel) lag bei 1,2 %, während die Produzentenpreise gleichzeitig um 2,2 % sanken. Die negative Teuerung auf Herstellerebene verweist auf anhaltenden Konkurrenzdruck. Die Notenbank hat damit Spielraum für weitere Liquiditätsspritzen und eine vorsichtige Lockerung.
Experten vorsichtig optimistisch
Internationale Organisationen haben ihre BIP-Prognosen zuletzt angehoben. Der IWF rechnet für 2025 mit 5,0 % und für 2026 mit 4,5 % Wachstum (eine Aufwärtsrevision um 0,2 bzw. 0,3 %-Punkte). Makroökonomische Konjunkturmaßnahmen und geringer als erwartete Zölle auf chinesische Exporte ermöglichten die Aufwärtskorrektur. Die OECD erwartet ebenfalls 5 % für 2025, ist aber bezüglich der weiteren Entwicklung vorsichtig: 2026 und 2027 sollte demnach Chinas BIP nur noch um 4,4 bzw. 4,3 % wachsen. Doch Geldpolitik und Fiskalpolitik sollten 2025 unterstützen.
Ob daraus ein belastbarer Aufschwung wird, hängt von drei Faktoren ab: Erstens einer konsequenten Bereinigung im Immobiliensektor, einschließlich geordneter Abwicklung schwacher Entwickler. Zweitens einer Stärkung der Konsumnachfrage über sozialpolitische Maßnahmen, Subventionen und Programme zum Austausch langlebiger Konsumgüter. Drittens stabilen Rahmenbedingungen für den Privatsektor, der seit Jahren unter Regulierungsschocks leidet.
Fazit
China bewegt sich damit am Ende des Jahres 2025 in Richtung Stabilisierung. Für 2026 erscheint ein realistisch enges Wachstumsband zwischen 4 und 5 % – kein Boom, aber ausreichend, um ein weltwirtschaftlich schwaches Umfeld abzufedern und Chinas Rolle als globaler Stabilitätsanker zu bestätigen.
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Kammerflimmern in der Altersvorsorge
Florian Beckermann. Die Fakten sind klar: Mehr Pensionisten stehen weniger Einzahlungsäquivalente gegenüber. Das Pensionssystem funktioniert nicht mehr wie gedacht. Gerade nicht-kapitalgedeckte Rentensysteme wie in Österreich oder Deutschland geraten in ungeheure Schieflage und steuern auf einen Infarkt zu. Der direkte Transfer von Einzahlbeträgen zu den Rentnern schmälert sich rasant. Der Fiskus muss die immer weiter steigende Lücke durch Steuergeld stopfen.
Die peinliche Nicht-Rentenreform unlängst in Deutschland zeigt symptomatisch die Alarmstimmung und die kaum zu argumentierende politische Orientierungsschwäche bei mathematischen Fakten, schlechten Nachrichten und notwendigen Maßnahmen.
„Kann man es sich leisten auf Rente zu gehen?“ lautet die Frage auf europäischem Parkett. Weit mehr als 80 % macht in Österreich die erste Säule, die staatliche Altersvorsorge, aus – ein europäischer Spitzenwert. Eben genau dieses reformbedürftige System. Viele spüren, dass es sich nicht ausgeht. Die lautet Antwort: „Nein“ – gerade angesichts der lokalen Horrorinflation. Die Angst, sich damit auseinanderzusetzen, ist menschlich verständlich. Inaktivität ist aber verantwortungslos. Die zweite Säule der Altersvorsorge ist schwach, die dritte Säule ist politisch torpediert. Mit der Konsequenz, dass jeder Österreicher im Schnitt zwischen 30.000 und 40.000 E auf dem Sparbuch parkt und dort von der Inflation wegfressen lässt – einstweilen zur Freude der Finanzinstitute.
Die Lösungsvorschläge sind einfach und hart. Das Rad muss nicht neu erfunden werden. Seit Jahrzehnten weiß man, was zu tun ist. Um die Pensionen zukünftig auf einem halbwegs adäquaten Niveau zu halten, muss mehr in das System einfließen. Dazu gibt es einfache Möglichkeiten: 1. Länger arbeiten: längere Arbeitszeiten in Stunden, Wochentagen und Jahren – sinnvoll in der Fachkräftedebatte, sinnlos für harte körperliche Arbeit. 2. Mehr Menschen arbeiten: z.B. kürzere Ausbildungszeiten oder Zuwanderung. 3. Schlicht mehr Einzahlen – was ohnehin durch den Umweg Steuern bereits passiert, mit allen Nachteilen. Man muss kein Wahrsager sein, um schnell festzustellen, dass es sich dann um neue Schulden handelt, die nächste Generationen inklusive Zinsen belasten werden. Keine dieser Möglichkeiten wird große Euphorie in der Bevölkerung auslösen. Kaum jemand wird dafür sein, wenn es einen leichteren Weg gäbe.
Natürlich kann man die Unterdeckung hinnehmen, wenn die zweite und dritte Säule eine entsprechende Stärke hätten (z.B. wie in Dänemark und Niederlande). Doch dazu konnte sich Österreichs Politik noch nicht durchringen. Es wäre an der Zeit, die Erkenntnisse aus dem europäischen Projekt der „Savings and Investment Union“ zu nutzen und ein Best-of-Europa zugunsten aller Österreicher zu wagen. Es wäre Therapie vor dem Infarkt des Systems.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Markt für Unternehmensanleihen boomt
Wachsender Kapitalbedarf könnte den Markt im kommenden Jahr zu einem neuen Rekord führen.
Red/ks. Für Anleger können Corporate Bonds eine interessante Diversifizierung zu Aktien und Staatsanleihen im Portfolio sein und das Risiko-Rendite-Profil verbessern. Im Vergleich zu Staatsanleihen bringen Unternehmensanleihen in der Regel mehr Rendite, wenngleich sich der Abstand aktuell in Grenzen hält. Das Risiko ist mit Anleihen solider Firmen, die mit „Investmentgrade“ geratet sind, überschaubar, während riskantere High-Yield-Anleihen selektive Renditebringer sein können, schreiben die Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking im jüngsten Marktkommentar.
Stetiger Anstieg nur kurzfristig unterbrochen
Damit setzt sich ein langfristiger Trend fort: Das Volumen war über zwei Jahrzehnte kontinuierlich gestiegen, unterbrochen nur temporär in den Jahren mit starken Zins-Schocks, insbesondere 2022/2023. Zuvor hatte die Covid-19-Pandemie erhebliche Störungen am Markt verursacht, was Anfang 2020 zu einer vergrößerten Renditedifferenz und einer Liquiditätskrise führte. Wirtschaftsstillstände und Unsicherheit bei Anlegern hatten einen starken Nachfragerückgang ausgelöst. Zentralbanken, insbesondere die US-Notenbank Federal Reserve, griffen ein und kauften Unternehmensanleihen, um den Markt zu stabilisieren. Diese Unterstützung half, das Vertrauen der Anleger wiederherzustellen und ermöglichte eine Markterholung in der zweiten Hälfte des Jahres 2020.
Die Krise ist vorüber
Die Nachfrage der Investoren für neue Firmenbonds ist hoch und das Segment boomt wie nie zuvor. Der globale Markt für Unternehmensanleihen wurde im Jahr 2024 mit rund 35 BioUSD bewertet. Der Markt wird nach jüngsten Schätzungen voraussichtlich von 57,99 BioUSD im Jahr 2025 auf 81,78 BioUSD bis 2032 wachsen. Unabhängig von diesen Prognosen sind Analysten der Banken davon überzeugt, dass die Unternehmen keine Probleme haben werden, genügend Abnehmer für ihre Anleihen zu finden. Gleichzeitig steigt die Marktkomplexität: Volatilität, Liquiditätsrisiken und möglicherweise wieder steigende Zinsen sind als Risikofaktoren nicht zu unterschätzen.
Kapital für Infrastruktur
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) betont, dass ein gut funktionierender Corporate-Bond-Markt wichtig ist, weil er für Unternehmen eine wichtige Alternative zur Bankenfinanzierung darstellt. Der Markt für Unternehmensanleihen wird hauptsächlich durch steigende Kapitalanforderungen von Unternehmen zur Finanzierung von Expansionen und Investitionen in Infrastruktur angetrieben. Asien spielt eine zunehmend wichtige Rolle, insbesondere China. Der Anteil Asiens am globalen Unternehmensanleihenmarkt ist laut OECD von rund 10 % im Jahr 2000 auf fast 30 % im Jahr 2024 gestiegen. Auch das Thema Nachhaltigkeit in Form von so genannten „Green Bonds“ oder „ESG-Bonds“ ist ein Wachstumstreiber.
Fazit für Anleger
In Zeiten volatiler Aktienmärkte weichen Investoren gerne auf festverzinsliche Wertpapiere wie Staatsanleihen oder Coporate Bonds aus. Diese versprechen mehr Stabilität als Aktien, wenn das emittierende Land oder Unternehmen von Rating Agenturen in ihrer Kreditwürdigkeit gut bewertet sind. Andererseits nützen Unternehmen Phasen niedriger Zinsen, um durch Anleihen Kapital zu beschaffen, was das Marktwachstum vorantreibt.
KI-Rallye: Befinden wir uns bereits in einer Blase?
Viele Investoren stellen sich diese Frage und sehen Parallelen zu Dotcom-Zeiten zur Jahrtausendwende.
Red./ks. Immer mehr Anlegerinnen und Anleger stellen die Frage, ob die Begeisterung für Künstliche Intelligenz den Markt in schnellen Schritten in Richtung einer Blase treibe, vergleichbar mit der Dotcom-Blase im Jahr 2000. Christophe Braun, Equity Investment Director bei Capital Group, verneint: „Wir haben den entscheidenden Wendepunkt noch nicht erreicht; der Markt hat noch Luft nach oben.“ Wobei eine spätere Übertreibung nicht ausgeschlossen werden könne. Die passende Analogie zur Vergangenheit sei das Jahr 1998, als die Unternehmen der Dotcom-Ära noch am Anfang einer Rallye standen.
Investitionswelle nährt Boom
Die heutigen „Hyperscaler“ – also die Anbieter von Internet- und Cloud-Plattformen wie Amazon, Microsoft und Alphabet – könnten massive Investitionen in Chips und Rechenzentren besser aus eigener Stärke finanzieren als die Telkommunikationsunternehmen der späten 1990er Jahre. „In Teilen wird die US-Wirtschaft durch diese Ausgaben sogar stabilisiert“, so der Experte. Der KI-Investitionszyklus umfasse Schätzungen zufolge rund 7 % der US-Wirtschaftsleistung bzw. mehr als zwei Billionen US-Dollar.
Ein solches Investitionsvolumen könne den Boom weiter nähren, solange die Ausgaben als strategisch „existentiell“ gelten würden.
Der fehlende IPO-Schub
Gleichzeitig weist Braun darauf hin, dass ein wichtiges Puzzlestück noch fehle: der große IPO-Schub. „Weder OpenAI noch andere prägende Start-ups wie Anthropic, Cohere, Mistral AI oder xAI sind bislang an der Börse“, stellt Braun fest. „Der eigentliche ‚Global-Crossing-Moment‘ im Jahr 1998, als das Unternehmen, welches die Ära des Glasfaserausbaus geprägt hat, mit einem Kurs von 19 USD pro Aktie an die Börse ging und bereits neun Monate später zu 64 USD gehandelt wurde – dieser Moment steht damit noch aus. Sobald detailliertere Einblicke in die Zahlen dieser Wachstumstories verfügbar werden, ist mit entsprechendem Marktinteresse und erhöhter Schwankung zu rechnen.“ Als Risikobild skizziert der Experte, dass es zu einem späteren Zeitpunkt durchaus zu einer Blasenbildung kommen könne, die in einer „potenziell schmerzhaften“ Korrektur enden könne. Noch sei es jedoch nicht so weit. „Für Anleger bedeutet dies, dass Selektivität und ein Augenmerk auf Ertragskraft entscheidend bleiben“, betont Braun.
Warum KI nicht nur Evolution, sondern auch Revolution ist
Braun sieht in der KI nicht nur eine technologische Evolution, sondern eine regelrechte Revolution, die sämtliche Wirtschaftssektoren grundlegend verändern werde. „Wir stehen erst am Anfang eines exponentiellen Wachstumszyklus, dessen gesamte Dimension aktuell noch schwer zu erfassen ist“, sagt Braun. Das habe zur Folge, dass Gewinner und Verlierer künftig stärker auseinanderdriften und dass Timing-Fehler kostspielig sein dürften.
Aus Marktperspektive ergebe sich daraus ein zweigeteiltes Fazit: Erstens sprächen die Unterschiede zur Dotcom-Blase – stärkere Cashflows der Marktführer, diszipliniertere Investitionskulturen, breitere Anwendungsfälle – gegen die Diagnose einer unmittelbar bevorstehenden Spekulationsblase. Zweitens erinnere die Historie dennoch daran, dass Übertreibungen erfahrungsgemäß erst später sichtbar würden, häufig dann, wenn Kapitalzuflüsse in die „Story“ schneller wüchsen als die nachweisbaren Produktivitätsgewinne. „Wir haben daher eine klare Präferenz für Akteure mit Zahlungsfähigkeit, klaren Pfaden zur Monetarisierung und Pricing-Power entlang der KI-Wertschöpfung. Dazu gehören Halbleiter, Infrastruktur, Plattformen und vertikale Anwendungen“, sagt Braun. Anleger sollten zudem bedenken, dass Produktivitätsgewinne oft zeitverzögert eintreten würden. Erwartungen müssten also an Umsetzungs- und Energiekapazitäten gekoppelt werden.
Jenseits der „offensichtlichen“ Gewinner des KI-Trends lohne der Blick auf Second-Order-Profiteure: „In den Bereichen Industrie, Energie, Gesundheit oder Finanzdienstleistungen, wo die KI-Einführung Effizienz und Margen steigern könnte, sehen wir großes Potenzial“, so Braun.
Fazit
KI werde als struktureller Treiber erhalten bleiben, wenn der Markt wahrscheinlich auch Wellenbewegungen durchlaufen werde. „Wer die Chancen nutzen will, darf die Story nicht meiden, sondern muss sie mit Stringenz kuratieren“, resümiert Braun. „Die Dynamik ist revolutionär, doch die Aufgabe für Anleger besteht darin, diese Revolution in tragfähige, diversifizierte Portfolios zu übersetzen.“
Gute Nachrichten von den Unternehmensgewinnen
Wie könnte es nach einem sehr guten dritten Quartal weitergehen? Ein Investmentausblick von Eurizon.
Red./ks. Von den elf Sektoren des S&P 500 meldeten acht höhere Gewinne als im Vorjahr, angeführt von zweistelligen Zuwächsen in den Bereichen Finanzwesen, Technologie und Industrie. Rückläufige Ergebnisse verzeichneten dagegen die Energie sowie die Basiskonsumgüterbranche.
Der Anteil der Unternehmen, die die Gewinnschätzungen übertroffen haben, liegt in etwa auf dem hohen Niveau des Vorquartals. Dies gilt umso mehr, als die Analysten ihre Prognosen bereits zu Beginn der Berichtssaison nach oben angepasst hatten.
Die Fundamentaldaten der Unternehmen bleiben solide
Die Unternehmensgewinne profitieren von der stabilen Wirtschaftslage, der nachlassenden politischen Unsicherheit und im Fall der Large Caps von der Aufwertung des Wechselkurses.
In Europa entsprach die Gewinnsaison weitgehend den Erwartungen. Die größten positiven Überraschungen kamen aus dem Finanz- und Technologiesektor. Wechselkurs und Zölle bremsen dagegen weiterhin die Exportunternehmen. Für die kommenden Quartale wird mit einer Gewinnsteigerung gerechnet. Sie dürfte von den nachlassenden Handelsspannungen und der Umsetzung der fiskalischen Expansionspläne getragen werden.
Es wird erwartet, dass die weltweiten Gewinne in den kommenden zwei Jahren jeweils um solide 13 % zulegen. In den USA wurden die Gewinnschätzungen für 2026 und 2027 nach oben korrigiert, nachdem sie im April nach dem „Liberation Day“ deutlich gesenkt worden waren. Dies signalisiert ein robustes Gewinnwachstum von rund 14 % in beiden Jahren, getragen von der anhaltenden Erholung und der nachlassenden Unsicherheit im Zusammenhang mit den Zöllen. Im Vorfeld der Midterm Elections Ende 2026 dürfte die US-Regierung zudem alles daransetzen, eine stabile Wirtschaftslage vorweisen zu können. Die positivsten Schätzungsanpassungen kommen von den „Magnificent Seven“ sowie aus den Sektoren Technologie, Finanzen und zyklische Konsumgüter.
Die Schätzungen für 2026 wurden auch für die Schwellenländer mit einem Anstieg von 17,5 % und leicht für die Unternehmen der Eurozone mit einem Plus von 14,6 % nach oben korrigiert. Die Gewinne des Euro Stoxx dürften die Erholung der Unternehmensvertrauensindizes (PMI) sowie die Unterbrechung der Euro-Aufwertung widerspiegeln. Die Aufwärtskorrekturen werden vor allem von Finanzwerten sowie den zyklischen Sektoren Grundstoffe, Luxusgüter und Technologie getragen.
Das von einem anhaltenden Konjunkturzyklus und sinkenden Zinsen gestützte Gewinnwachstum bleibt mittelfristig ein tragender Faktor für die Aktienmärkte.
Gemischtes Bild an den Börsen
Im Oktober wurden die Aktienkurse durch solide Unternehmensergebnisse und eine weitere Entspannung bei den Zöllen, begünstigt durch den Waffenstillstand zwischen den USA und China, gestützt. Der November begann dagegen mit Gewinnmitnahmen. Die außergewöhnliche Performance der „Magnificent Seven“ weckte zudem Befürchtungen einer Blase im Bereich der künstlichen Intelligenz. Hintergrund waren das hohe Investitionsvolumen und die zur Finanzierung aufgenommenen Anleiheemissionen.
Infolge der Entspannung in den Handelsbeziehungen zwischen den USA und China sowie der Einleitung des deutschen fiskalischen Expansionsplans erreichten die Börsen der Eurozone neue Höchststände. Zwischen Beginn des vierten Quartals und dem 20. November erzielten Japan (Topix: 5,2 %) und die Schwellenländer (3,1 %) die besten Ergebnisse. Es folgte die Eurozone (Euro Stoxx: 0,6 %), während die USA einen Rückgang verzeichneten (S&P 500: -2,1 %).
Der US-Dollar zeigte gegenüber dem Euro zu Quartalsbeginn eine leichte Erholung, verzeichnete seit Jahresbeginn jedoch weiterhin einen Wertverlust von rund 10 %.
In den USA reagierten die Märkte insgesamt verhalten auf die Quartalsergebnisse: Unternehmen, die die Erwartungen übertrafen, verzeichneten nur moderate Kursanstiege. Unternehmen, die hinter den Erwartungen zurückblieben, wurden stärker als im historischen Durchschnitt abgestraft.
Börsenstabilität hat auf hohem Niveau gehalten
Die kurzfristige Entwicklung erscheint angespannt, insbesondere für den S&P 500, dessen Bewertungen knapp unter den Höchstständen von 2021 liegen. Auch die Bewertungen des Euro Stoxx und der Schwellenmärkte sind über den historischen Durchschnitt gestiegen, bleiben jedoch deutlich unter dem Niveau der USA. In Europa erscheint das erwartete Gewinnwachstum für 2026 mit 14,6 % und für 2027 mit 12,2 % recht hoch. Gleichzeitig liegt das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis moderat und deutlich unter dem historischen Durchschnitt. Dies deutet darauf hin, dass der Markt diese Schätzungen mit großer Vorsicht betrachtet.
Hohe Bewertungen könnten die positiven Marktreaktionen auf günstige Nachrichten begrenzen und im Gegenzug die Reaktionen auf negative Nachrichten verstärken.
Insgesamt erscheint die kurzfristige Entwicklung der Aktienmärkte angespannt, doch die Fortsetzung des Konjunkturzyklus und des Gewinnwachstums sowie die erwarteten Zinssenkungen der Fed bieten mittelfristig eine solide Stütze.
Pfisterer sorgt für Hochspannung an der Börse
Die Aktie des Komponentenherstellers für Stromnetze begeistert nach dem IPO die Anleger.
Stefan Riedel, München. Mit fast 150 % Kursplus seit dem IPO im Mai ist die Pfisterer-Aktie (ISIN: DE000PFSE212) in diesem Jahr das absolute Highlight unter den aktuell sechs Börsengänge an der Frankfurter Börse. Mit der Börsenpremiere im Nebenwertesegment Scale (bei gleichzeitiger Orientierung an den strengeren Transparenzregeln des Prime Standard, Anm.) schlug das im schwäbischen Winterbach ansässige Familienunternehmen zwei Fliegen mit einer Klappe. Die Eigentümerfamilie Pfisterer löste die Nachfolgefrage, indem der Enkel des Firmengründers sich aus dem Unternehmen zurückzog, aber weiter rund 46,2 % der Aktienanteile hält, die künftig in eine Stiftung eingebracht werden sollen.
Zugleich fließt ein Großteil des Nettoemissionserlöses von rund 85 Millionen Euro in den Ausbau der Fertigungskapazitäten und in neue Technologien. Im Zentrum steht die neue Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung, kurz HVDC. Diese spielt eine zentrale Rolle für den internationalen Stromtransport aus erneuerbaren Quellen. Pfisterer hat die Typprüfung für das 320-kV-HVDC-Kabelsystem bestanden und wird damit zum weltweit ersten unabhängigen Anbieter von Kabelzubehör für HVDC-Systeme.
Nischenchampion im Stromnetz
Verbaut werden die elektrischen Verbindungs- und Isolationslösungen von Pfisterer unter anderem in Windkraftanlagen, Umspannwerken, Zügen und Erdkabelanlagen. Das Unternehmen sieht sich als Nutznießer der weltweiten Investitionen in Stromnetze, sei es beim Bau von neuen Stromleitungen oder bei der Erneuerung der bestehenden Netze. „Das Marktumfeld für unsere spezialisierten Lösungen bleibt äußerst günstig. Unsere strategische Positionierung entlang der gesamten energetischen Wertschöpfungskette liefert hervorragende Ergebnisse“, zeigte sich Ko-Vorstandschef Johannes Linden vor zwei Wochen auf dem Eigenkapitalforum in Frankfurt gegenüber Investoren optimistisch.
Nachfrage boomt
Wie gut es bei Pfisterer läuft, untermauern die jüngsten Quartalsergebnisse. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres kletterte der Umsatz um 14,5 % auf 326,6 Millionen Euro. Im dritten Quartal schaffte Pfisterer dabei ein Umsatzplus von 25,5 % auf 113,1 Millionen Euro. Der Auftragsbestand erreichte mit 338,7 Millionen Euro einen neuen Rekordwert. Während der operative Gewinn auf Ebit-Basis um 33,5 % auf 47,6 Millionen Euro zulegte, ging es mit dem Konzerngewinn um 67,2 % auf 35,2 Millionen Euro nach oben.
Für die Zukunft erwartet das Management ein anhaltendes Umsatzwachstum von rund 15 %, angetrieben durch die Expansion in den HVDC-Märkten sowie das nachhaltige Wachstum im Nahen Osten und in Europa. Die Analysten gehen davon aus, dass sich das Gewinnwachstum nach dem Sprung im laufenden Geschäftsjahr für 2026 und 2027 in den mittleren zweistelligen Bereich halbiert, das Ganze bei einer auf 15 % steigenden operativen Marge.
Zwei Branchenexperten empfehlen die Aktie zum Kauf, einer plädiert für Halten.
Klar ist: Die Messlatte für die Aktie liegt mittlerweile hoch. Im operativen Geschäft muss sich Pfisterer den schwankenden Energiepreisen und in Zukunft auch dem zunehmenden Wettbewerbsdruck bei den Hochspannungskomponenten stellen. Vor diesem Hintergrund wird die Luft für die Aktie in Kursregionen oberhalb von 80 Euro langsam dünner.
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Europa besser als öffentlich dargestellt
Aufwärtsrevisionen beim BIP-Wachstum und stabile Jobs statt Schwäche und Niedergang.
Michael Kordovsky. In zahlreichen Medien herrscht derzeit eine Art „Eurosklerose“. Es geht häufig um eine schwache europäische Wirtschaft und mangelnde Sicherung der Energieversorgung oder schlichtweg um eine düstere Zukunft. Doch die aktuelle Faktenlage zeigt ein wesentlich differenzierteres Bild.
Aufwärtsrevision des Wirtschaftswachstums
Noch in der am 30. Oktober von Eurostat veröffentlichten vorläufigen Schnellschätzung des BIP im dritten Quartal gingen die Volkswirte für den Euroraum gegenüber dem Vorjahresquartal von 1,3 % BIP-Wachstum (2. Quartal 2025: 1,5 %) und in der EU von 1,5 % (2. Quartal 2025: 1,6 %) aus.
Die Aufwärtsrevision der jährlichen Wachstumsraten folgte nur zwei Wochen später am 14. November mit der Schnellschätzung des BIP: Sowohl in der EU als auch im Euroraum wuchs die Wirtschaft um je 0,1 %-Punkt stärker als zuvor angenommen, also um 1,6 bzw. 1,4 %.
Irland hebt ab
Von allen EU-Mitgliedsstaaten, die Zahlen veröffentlichten, weist für das dritte Quartal lediglich Finnland eine rückläufige Wirtschaftsleistung auf. Deutschland und Frankreich wachsen um 0,3 bzw. 0,9 %. Irland schert aus, und profitierte vor allem in der ersten Jahreshälfte von starken Vorzieheffekten bei den Exporten. Im dritten Quartal 2025 waren es nach 18 % (!) im zweiten Quartal, auf Jahresbasis noch immer 12,3 % BIP-Zuwachs. Das zweitstärkste Wachstum mit 3,7 % wies Polen auf. Gleichzeitig verharrt die Arbeitslosenquote im Euroraum in den Monaten Juli bis September mit 6,3 % nur marginal über dem Rekordtief. In Malta und Tschechien liegt sie nur bei 3 % und in der nur minimal wachsenden Leitwirtschaft Deutschlands bei 3,9 %.
„Hire and Fire“ ist out
In früheren Phasen schwachen Wirtschaftswachstums waren die Arbeitslosenquoten viel höher. Heute halten Unternehmen in unsicheren Zeiten an ihren Beschäftigten fest, da diese als „Humankapital“ gelten, dessen Aufbau mit Zeit und Kosten verbunden ist. Somit passt das alte „Hire and Fire“ nicht mehr ins Konzept moderner Unternehmensführung. Hinzu kommt noch eine demografische Alterung der Bevölkerung mit zunehmenden Pensionierungswellen. Die gute Nachricht ist dabei: Wer ernsthaft einen adäquaten Job sucht, wird im Regelfall schnell fündig.
Vorsichtiger Optimismus
Die Industriekonjunktur schwächelt, wobei bei den Industrie-PMIs im November innerhalb des Euroraums eine differenzierte Entwicklung zu beobachten war: Die Daten der Industrie-Einkaufsmanager-Indizes von S&P Global zeigen jeweils ein Neun-Monats-Tief im Kontraktionsbereich in den beiden bedeutenden Volkswirtschaften Deutschland und Frankreich. Irland, Spanien, Griechenland, Niederlande, Österreich und Italien sind indessen alle im Expansionsbereich, wobei Italien ein 32-Monats-Hoch und Österreich ein 40-Monats-Hoch markieren.
Cyrus de la Rubia, er ist Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, verweist in einer Presseaussendung vom 1. Dezember in Bezug auf Frankreich und auf Deutschland auf mögliche Ursachen. Im Falle Frankreichs vermutet er eine weiterhin ungeklärte politische Situation, und in Deutschland eine Enttäuschung über den bisherigen Kurs der Bundesregierung. Allerdings sollten schon bald sichtbare Investitionen in die Infrastruktur die Stimmung wieder beleben.
Wirft man einen Blick auf die gesamte Privatwirtschaft inklusive Service-Sektor, sieht es besser aus: Eine vorläufige Datenauswertung (HCOB-Flash PMI Eurozone) zeigt im Euroraum eine klare Expansion der Privatwirtschaft im November. Die Geschäftstätigkeit des Service-Sektors markierte ein 18-Monats-Hoch und insgesamt steigt in der Privatwirtschaft der Optimismus bezüglich der Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist, nachdem sich die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe aufgehellt hatte.
Der von der Europäischen Kommission veröffentlichte Economic Sentiment Indicator (ESI; ein Stimmungsindikator der Wirtschaft in der EU und des Euroraums, Anm.), der die Verbraucherstimmung sowie die Manager-Erwartungen in der Industrie, dem Dienstleistungsbereich, dem Einzelhandel und der Bauwirtschaft widerspiegelt, zeigte sich im November sowohl in der EU als auch dem Euroraum stabil (je +0,2 auf 96,8 bzw.
97 Punkte). Stimmungsverbesserungen im Service-Sektor, im Einzelhandel und in der Bauwirtschaft standen einer Stimmungsverschlechterung in der Industrie gegenüber. Hingegen war die Verbraucherstimmung gegenüber Oktober marginal rückläufig. Die gesamte Wirtschaftsstimmung der EU hat sich allerdings seit dem Zwischentief im Juni um 2,5 Punkte auf 96,8 verbessert.
Positives Fazit
Die aktuellen Wachstums- und Stimmungstrends deuten auf einen weiterhin moderaten BIP-Wachstumstrend in Europa hin, der sich durch verstärkte Rüstungs- und Infrastrukturinvestitionen verstärken kann. Auf der anderen Seite können Zollkonflikte, geopolitische Eskalationen und Lieferkettenunterbrechungen natürlich zu einer Wachstumsverlangsamung führen.
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Finanzdienstleister warnen vor unseriösen Angeboten
Über die Insolvenz der Sun Contracting-Gruppe und die Lehren für Anleger und Investoren.
Martin Trettler. Zur Rückschau: In den vergangenen Jahren wurden Gelder von Sun Contracting bei Investoren eingesammelt, um Photovoltaik-Anlagen in Österreich und Mitteleuropa zu errichten. Den Investoren wurden sehr hohe Renditen versprochen, meist über die Zeichnung von Anleihen oder Konstrukten wie Nachrangdarlehen in unterschiedlichen Tranchen mit unterschiedlichen Laufzeiten. Man sprang auf den boomenden Zug der „Green Energy“ auf und erhoffte sich dadurch exorbitante Umsatzsteigerungen und Gewinne. Seit Anfang November ist diese Story nun vorbei und vielen Anlegern droht der Totalverlust, auch Betrugsvorwürfe stehen im Raum. Dieser Kommentar dient allerdings nicht dazu, um Erklärungen für den bereits entstandenen Scherbenhaufen anzuführen, sondern vielmehr als eine Anleitung für Investoren, um zukünftig die Wahrscheinlichkeit des Eintritts solcher „Totalausfälle“ zu minimieren.
1. Recherchen zum Emittenten
Nutzen Sie alle zur Verfügung stehenden Informationsquellen. In der heutigen Zeit ist die Recherchetätigkeit durch das Internet um ein Vielfaches einfacher geworden. Schauen Sie dazu etwa auf die Homepage der FMA unter www.fma.gv.at. Hier gibt es die Rubrik Investorenwarnungen, allgemeine Infos zum leichteren Erkennen von Anlagebetrug und hilfreiche Verweise auf weitere unterstützende Institutionen.
Informieren Sie sich über die handelnden Personen! Es kommt häufiger vor, als man vermutet, dass sich immer wieder dieselben Personen Gedanken darüber machen, wie sie die eigene Kasse optimieren und die der anderen erleichtern können. Die treibenden Kräfte – Emittent & Vertriebskanäle – sind oftmals dieselben Personen, sie haben nur eine andere „tolle“ Geschäftsidee mit einem anderen rechtlichen Mäntelchen an. Die erwünschte Läuterung aus vorangegangenen, gescheiterten Projekten ist bei diesen Personen enden wollend, und für jeden Investor ein Warnsignal.
2. Geschäftsmodell
Stellen Sie sich bei jedem Investment diese einfachen Fragen. Verstehe ich den Investitionsprozess? Ist das Geschäftsmodell schlüssig und nachvollziehbar? Sind der gesetzliche Rahmen und die steuerliche Gebarung klar und transparent? Gibt es im Investmentprodukt zahlreiche und unterschiedliche „Verschachtelungen“ (mehrere Gesellschaften, intransparente Vertriebskanäle, steuerliche Verschachtelungen auf Grund internationaler Firmenkonglomerate etc.). Wenn das Geschäftsmodell nicht klar und offensichtlich ist, ist es auch meistens keine gute Idee, hier Kapital zu investieren!
3. Renditeversprechen und Rücknahmemodalitäten
Am Ende des Tages zählt für den Kapitalgeber die Verzinsung seiner Investition, auch Rendite oder ROI (für Return on Investment) genannt. Hierbei ist bei Renditeprognosen, die weit weg von marktkonformen Renditeprognosen sind, immer Vorsicht geboten. Genauso wichtig ist die Betrachtung und der Fokus auf den Renditetreiber. Was sind die Effekte und Inputs, die diese Anlageform renditeseitig vorantreibt? Und da gibt es erheblich mehr als nur eine florierende Nachfrage! Und last but not least – wie schaut es mit den Kosten des Finanzproduktes aus? Auch hier ist auf Marktkonformität zu achten, und sollten auch hier unterschiedliche Stellen an den Kosten partizipieren, ist prinzipiell Vorsicht walten zu lassen. Vergessen Sie auch nicht die Bindungsdauer – bei manchen Finanzprodukten gibt es nur eine eingeschränkte Möglichkeit, sein Kapital (dann meist ohne Ertrag) abzurufen. Liegt die Rücknahmemöglichkeit zu weit in der Zukunft, ist auch hier Achtsamkeit angesagt. Verwechseln Sie aber den Planungshorizont eines Investments (hier liegt der Ball des Verkaufs bei Ihnen), nicht mit dem Ausschluss der Rücknahme von Einlagen für eine gewisse Zeit (da liegt der Ball beim Emittenten).
Mein Fazit
Summa summarum sind obige Überlegungen immer anzustellen. Ein fundierter, fachkundiger Berater unterstützt Sie bei der Entscheidungsfindung sehr gerne. Aber auch hier gilt der Recherchegrundsatz. Schauen Sie daher ins GISA (Gewerbeinformationssystem Austria) unter www.gisa.gv.at und überprüfen Sie, welche Gewerbeberechtigungen die Beraterin oder der Berater Ihres Vertrauens hat. Nur eine vollumfängliche Gewerbeberechtigung des Vermögensberaters erleichtert eine Entscheidungsfindung im Investitionsprozess!
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Der Staat taumelt durch die Immo-Wirtschaft
Florian Beckermann. Die börsengelisteten Immobilienkonzerne sind nur noch ein Schatten früherer Glanzzeiten. Nicht nur die Zinswende ist daran schuld. Die Geschäftsmodelle sind gestresst: Mietern und Vermietern galoppieren die Kosten davon. Der Staat generiert sich nicht unbedingt hilfreich. Wie das Beratungsunternehmen PwC und der Thinktank ULI (Urban Land Institute) jüngst veröffentlichten, gehört „De-Globalisierung“ zu den wichtigsten Immobilientrends für 2026. Diese Priorisierung lokaler Interessen ist schwierig zu managen. Der Staat hat entscheidenden Einfluss auf die langfristige Gestaltung des Geschäftsmodells. Durch das Fehlen des konsequenten, fachspezifischen Durchdenkens taumeln staatliche Maßnahmen gefährlich herum.
Als Anlassgesetzgebung mit merkwürdigem Echo kann man die steuerliche „Lex Benko“, das Umsatzsteuervorabzugsverbot für repräsentative Luxusimmobilien jenseits der Zwei-Millionen-Euro, bezeichnen. Was genau „repräsentativ“ sein soll, ist fraglich. Ferner scheint der Mietertrag aus solchen Immobilien umsatzsteuerfrei zu sein (Umsatzsteuerneutralität). In aller Konsequenz ist die „Lex-Benko“ ein Luxusimmobilienförderprogramm, Herr Marterbauer?
In Österreich ist die Mietzinshöhe weitgehend indexiert und so stark von lokaler Inflation abhängig. Die Echoeffekte der Inflation zu berücksichtigen, gehört zu den wichtigsten und kompliziertesten Aufgaben des Staates. Beispielsweise schlagen Energiepreis-Kapriolen direkt in den Betriebskosten, wie auch (verzögert als Inflationstreiber) in den Mietzinsen, zu. Ein doppelter Effekt auf die Mieterkosten insgesamt.
Wenn nun nach mehr als 43 Jahren Stillstand eine Grundsteueranpassung der Bemessungsgrundlage durch die Gemeinden gefordert wird, ist das fiskalisch verständlich. Der Aufschrei, der in Deutschland bei dieser Übung jüngst schrillte, ist noch nicht verklungen. Aufgrund der Umlagefähigkeit verteuert es die Betriebskosten in unbekannter Höhe für alle Mieter. Das Geschäftsmodell des Mieters bröselt weiter – muss Österreich immer Deutschlands Fehler kopieren? Ein mehrjähriger Anpassungsplan könnte abhelfen.
Deutsche Immo-Statistiken geben genug Anlass für gescheite staatliche Flexibilität. Der Büromarkt kämpft mit zu viel Fläche. Seit der Corona-Pandemie ist „Homeoffice“ das neue „Normal“ – keine unumstrittene These. Die Folgen sind erheblich. In Deutschland rechnet man mit einer Verdoppelung der bisherigen Leerstandsquote für die Top-9-Städte (auf 12 %). Davon besonders betroffen sind ältere B-Lagen-Gebäude mit Schwächen bei der ESG-Zertifizierung. ESG-zertifizierte Gebäude erzielen in Europa eine im Schnitt 6 % höhere Miete bei niedrigen Leerstandsquoten (6 %). Oder der Einzelhandel: Unter dem „Alpdruck“ des Strukturwandels im
Einkauf (Stichwort: Versandhandel) verschwanden zwischen innerhalb von drei Jahren 17,9 % der Modegeschäfte aus deutschen Innenstädten – teilweise kompensiert durch Gastronomiezuwachs. Aus diesen Fakten lassen sich nicht nur immobilienpolitische Wünsche ableiten.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Unterschätzte Schweizer Aktien
Qualität und Kursdynamik von Nebenwerten oft durch die großen Player verdeckt.
Roman Steinbauer. Helvetische Aktien gelten als sinnvolle Depot-Ergänzung. Erst recht, nachdem es Anlegern seit Mai dieses Jahres wieder möglich ist, Schweizer Aktien uneingeschränkt an EU-Börsenplätzen zu handeln. Sind doch die 2019 eingetretenen Einschränkungen durch den Zwist um ein Rahmenabkommen zwischen Brüssel und Bern beseitigt.
Die Schweizer Börse SIX Swiss büßte indes nichts an Attraktivität ein. Trotz hoher Exportabhängigkeit zeichnen sich die AGs des Nachbarlandes durch eine hohe Kapital- und Innovationskraft, Flexibilität, Gewinnorientierung, Effizienz als auch relative Krisenresistenz aus.
Starker Aufwärtstrend prolongiert
Während die prominenten 20 gewichtigsten eidgenössischen Unternehmen im Börsenindex SMI die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, stehen oft die mittleren und kleiner kapitalisierten Titel (Small & Mid Caps; also Firmen mit Marktkapitalisierungen unterhalb von 500 Millionen Euro bzw. 2 Milliarden Euro) zu Unrecht im Windschatten der weltbekannten Marktführer. Anhand der Daten von e-fundresearch.com ist die starke Entwicklung der Nebenwerte – in einer Drei-Jahres-Performance der Notizen entsprechender Fondsanteile – ablesbar. So weisen die sieben führenden „Swiss Small & Mid Cap“-Fonds diverser Anbieter während dieses Zeitraums eine Wertsteigerung von 25 bis 36 % auf. Der SMI-Index als Benchmark verzeichnete hingegen lediglich einen Zuwachs von 15 %.
Geschätzte Nutzung des Optimierungspotenzials
Der Aktien-Analyst des Schweizer Vermögensverwalters Schroders, Lawrence Hess, wies in einer Aussendung zur Bewertung des ersten Halbjahres bereits im Sommer auf eine Resilienz der Schweizer Small-&-Mid-Cap-Werte hin. Als Ursache dafür sieht er die oft sinnvoll strukturierte globale Streuung der Geschäftsaktivitäten der Firmen und deren Fähigkeit, selbst Stärkephasen des Frankens an der Devisenfront effizient zu managen. Das Risiko einer Abhängigkeit von US-Zöllen hält Hess hingegen als „überschaubar“. Damit lohnt sich stets ein Blick auf den breiteren Gesamtindex Swiss Performance Index (SPI). Zum Unterschied der Dax-Kategorien der Deutschen Börse gilt beim SPI: Wird ein Auswahlkriterium erfüllt, wird die Aktie umgehend in den Index aufgenommen – bzw. bei Nichterfüllung entfernt. Dadurch ist die Anzahl involvierter Aktien (derzeit 202 Gesellschaften) nicht konstant. Jene Beteiligungspapiere, deren Streubesitz kleiner als 20 % ist, sind übrigens im Swiss All Share Index vertreten.
Abseits des Mainstreams
Der Großteil der Small-&-Mid-Cap-Swiss-Fonds ist in CHF aufgelegt. Doch besteht u.a. beim thesaurierenden Produkt von Schroder International, dem „Selection Swiss Small & Mid Equity A“-Fonds, die Möglichkeit, diesen über das Gettex-Handelssystem der Bayerischen Börse in Euro-Notiz zu ordern. Ein Blick auf das Anlageprofil dieser Fonds-Kategorie zeigt: Herbe Rückschläge an Leitbörsen dürften sich nur gedämpft auf die Notizen niederschlagen. So ist der thesaurierende „Small-Mid Cap Equity Fund“ der Swisscanto (Zürcher Kantonalbank) derzeit vorrangig mit 6,62 % bei Sandoz, mit 4,81 % bei SGS (Zertifizierungen, Prüf- und Testdienstleistungen), 4,6 % bei Galderma (Pharma), bis zur Schindler Holding mit 2,78 % investiert. Am gewichtigsten sind darin Industrietitel mit 34 % berücksichtigt, an zweiter Stelle liegt die Gesundheitssparte mit 21 %, vor Finanzen mit 15 % und Konsumgütern mit 12 %.
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Afrika: die Wachstumsraten sprechen für den Kontinent
Mit einzelnen Fonds oder ausgewählten Aktien an neuen Zukunftsmärkten partizipieren.
Michael Kordovsky. Afrika bleibt trotz globaler Flaute ein Wachstumsblock. Der IWF erwartet für Subsahara-Afrika 2025 rund 4,1 % BIP-Wachstum und 4,4 % für 2026. Danach werden bis 2030 Wachstumsraten von 4,4 bis 4,6 % prognostiziert – verglichen mit 3,1 bis 3,2 % in der Weltwirtschaft. Gleichzeitig sollte sich in dieser Region die Staatschuldenquote von 2024 bis 2030 von rund 59 auf 53 % des BIP reduzieren.
Besonders dynamisch sind Länder wie Ruanda mit knapp 9 % Wachstum im vergangenen Jahr und einer Projektion von im Schnitt 7,2 % in den Jahren 2025 bis 2030, Côte d‘Ivoire mit rund
6,6 % Wachstum sowie Tansania, Uganda, Benin und Togo mit mittelfristigen Wachstumsraten um 5 bis 7 %. Nigeria sollte bis 2030 um rund 4 % p.a. wachsen, während in Südafrika nicht zuletzt infolge begrenzter Verfügbarkeit von Strom nur mit moderaten Zuwächsen zu rechnen ist. Laut Länderdaten.info liegt das Median-Alter von Nigeria bei 19,3 Jahren, in Südafrika bei 30,4 und in Ägypten bei 24,4 Jahren. In Angola, Benin und Uganda liegt es sogar unter 18. Diese demografische Struktur ist gesund und entlastet die Staatshaushalte.
Infrastruktur, Rohstoffe und Freihandel
Ruanda, Kenia, Tansania und Uganda profitieren beispielsweise von stark steigenden Investitionen in Infrastruktur, Energie und Dienstleistungen, während Côte d‘Ivoire, Ghana und Senegal als politisch relativ stabile Reformländer mit wachsender Mittelschicht gelten.
Kenia hat enormen Nachholbedarf, und als idealer Zielwert werden in Medien erforderliche Infrastrukturausgaben von 8 bis 9 % des BIP kolportiert. Aktuell wird beispielsweise der Handelsweg zwischen Kwa Jomvu und Mariakani ausgebaut, um die Kapazität von einer zweispurigen auf eine vier- oder sechsspurige Doppelautobahn zu erhöhen. In Nordafrika modernisieren vor allem Ägypten und Marokko ihre Häfen, Stromnetze und Industriezonen und ziehen vermehrt Fertigung und Nearshoring an.
Binnenmarkt mit 1,3 Milliarden Menschen
Handelspolitisch entstand 2021 mit der African Continental Free Trade Area (AfCFTA) ein Binnenmarkt mit 1,3 Milliarden Menschen in 55 Ländern. Die AfCFTA könnte die Realeinkommen bis 2035 um 7 % erhöhen bzw. bis zu umgerechnet 390 Milliarden Euro zusätzliche Wirtschaftsleistung bringen. Gegenüber dem Status-quo vor der Freihandelszone sollte bis 2035 das gesamte Exportvolumen um 29 % steigen, so die Ergebnisse einer von der Weltbank 2020 veröffentlichten Studie mit dem Titel: „The African Continental Free Trade Area: Economic and Distributional Effects“.
Rohstoffseitig ist Afrika ein Hebel der globalen Dekarbonisierung. Laut African Ministerial Conference on the Environment (AMCEN) verfügt der Kontinent über 30 % der weltweiten Reserven an kritischen Mineralien: über 92 % der Reserven an Platingruppenmetallen (Südafrika, Zimbabwe), 56 % der Kobaltreserven (DRC, Südafrika, Zambia, Madagaskar), 54 % des Mangans und 36 % des Chroms. Namibia gehört mit einem Anteil von rund 10 % zu den bedeutendsten Uranproduzenten der Welt und Zimbabwe war 2021 bereits der siebtgrößte Lithium-Produzent.
Wie kann man investieren?
Es gibt nur wenige „Afrika-Fonds“ und auch einschlägige ETFs. In der Regel ist Südafrika mit Abstand am stärksten gewichtet, weshalb hier Alternativen mit noch möglichst ausgewogener Streuung und geringerem Südafrika-Anteil selektiert werden: Ein interessanter ETF, der auf fünf Jahre 9,7 % p.a. im Plus liegt, ist der „Amundi Pan Africa UCITS ETF“, der 30 Werte enthält und Südafrika mit rund 34 % gewichtet, gefolgt von Marokko (24 %) und Kanada (wegen der Minentitel 22 %) und Ägypten (9 %). Eine weitere Möglichkeit wäre der „Robeco Afrika Fonds“, der Südafrika mit 46 % gewichtet, aber gefolgt von Ghana (10 %), Nigeria und Ägypten (je ca. 9 %), Kenia (7 %) und Mauritius.
Und Aktien?
Beispiele relativ liquider „Afrika-Aktien“ mit Notiz an einer westlichen Börse wären hingegen:
Airtel Africa etwa betreibt Mobilfunk und Mobile Money in 14 Ländern und ist ein direkter Profiteur von Demografie und Urbanisierung. Der Konzern meldete im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres fast 26 % Umsatzwachstum und eine Cashflow-Steigerung von knapp 42 %.
Jumia Technologies ist als E-Commerce-Unternehmen in elf afrikanischen Ländern aktiv, betreibt ein umfangreiches Logistiknetzwerk und einen eigenen Zahlungsdienst. Noch zeigt das Geschäftsmodell eine starke Volatilität und die Gewinnzone ist noch nicht in Reichweite.
Die Commercial International Bank ist eine der größten ägyptischen Bankengruppen und im Firmen- und Privatkundengeschäft sowie im Investmentbanking tätig.
Endeavour Mining wiederum betreibt mehrere Goldminen in Côte d’Ivoire, Burkina Faso und Senegal und ist einer der größten Goldproduzenten Westafrikas, der von steigenden Goldpreisen profitieren sollte.
Und Helios Towers PLC besitzt und betreibt Telekommunikationstürme und Infrastruktur in afrikanischen Märkten. Analysten erwarten in den kommenden Jahren ein kontinuierliches Wachstum.
Foto: Ahsan Rahman Khan
Omnibus-Paradox: Erleichterung mit unerwünschter Wirkung
Weniger Berichtspflichten bedeuten aus Sicht der Banken nicht weniger Arbeit, aber mehr Unsicherheit. Ein Gastkommentar von Dr. Thomas Siwik, Geschäftsführer der Credarate Solutions GmbH.
Red. Die Europäische Union will mit dem Omnibus-Paket die Berichtspflichten für Unternehmen drastisch reduzieren – auf Basis des letzten Vorschlags des EU-Parlaments um bis zu 95 % auf weniger als 2.000 Unternehmen. Was erstmal nach Entlastung klingt, entpuppt sich aber als Paradox: Laut dem ESG-Daten Monitor 2025 erwarten rund 70 % der befragten Banker zusätzlichen Aufwand bei der Kreditvergabe für – nun umso mehr – nicht-berichtspflichtige Firmenkunden.
Die soeben erschienene, größte Studie zur Nutzung von ESG-Daten in Finanzinstituten im deutschsprachigen Raum zeigt: Weniger Berichtspflichten bedeuten nicht weniger Arbeit, sondern mehr Unsicherheit. 165 Experten aus Instituten mit insgesamt mehr als 6 Billionen Bilanzsumme bestätigen, dass fehlende Daten die Risikosteuerung erschweren. Besonders betroffen sind nicht-berichtspflichtige Firmenkunden einschließlich KMU, bei denen Banken künftig noch häufiger auf Schätzwerte zurückgreifen müssen, wenn Kunden keine validen Daten bereitstellen. Damit wird deutlich: ESG-Daten sind kein regulatorischer Luxus, sondern eine Notwendigkeit für fundierte, risikoorientierte Kreditentscheidungen und nachhaltige Geschäftsmodelle. Die EZB warnte bereits im August dieses Jahres eindringlich vor einer regulatorischen Schieflage: Klimarisiken haben tiefgreifende Auswirkungen auf die Preisstabilität und erfordern belastbare Daten.
ESG bleibt strategisch
Trotz politischem Gegenwind halten Finanzinstitute an ihren ESG-Vorhaben fest. 86 % nutzen bereits ein ESG-Scoring für KMU oder stehen kurz vor der Einführung. Das zeigt: ESG ist aus der anfänglichen Hype-Phase heraus und Teil der operativen Banksteuerung geworden. Selbst wenn der Einfluss auf Kreditentscheidungen kurzfristig gesunken ist, erwarten die befragten Experten eine Umkehr: Bis 2027 sollen ESG-Risiken wieder über 40 % der Kreditentscheidungen bei Großunternehmen und über 30 % bei KMU beeinflussen. Warum das wichtig ist? ESG sichert nicht nur regulatorische Konformität, sondern eröffnet Geschäftschancen: 60 % der Banken sehen Sustainable Finance als strategischen Hebel für Wachstum. Die Integration von ESG-Kriterien in die Banksteuerung schreitet voran: ESG-Scorings sind Standard, auch wenn ihre Wirkung auf die Kreditmarge bisher begrenzt ist. Bei großen Instituten beeinflussen sie die Marge in immerhin 45 % der Fälle.
Datenqualität als Schlüssel für Glaubwürdigkeit
Die größte operative Hürde bleibt die Verfügbarkeit belastbarer ESG-Daten. Die Studie bewertet die Relevanz dieses Problems mit 5,2 von 6 Punkten am höchsten, als Zweites die Datenqualität. Be-sonders im KMU-Segment dominieren immer noch Schätzwerte und Branchendurchschnitte – 63 % der Scorings basieren darauf. Das ist ein Dilemma, denn ohne valide Daten wird ESG zur reinen Formalität. Banken müssen deshalb in digitale Lieferstrecken und standardisierte Datenerhebung investieren. So überrascht es, dass kleine wie große Institute auf ihre Kundenbetreuer als Datenkollektoren setzen, während die Datenerhebung durch Dienstleister eine geringe und die direkte Erfassung durch Kreditnehmer überhaupt keine Rolle spielen.
Fazit
Das Omnibus-Paket zeigt eine paradoxe Wirkung: Bürokratieabbau führt in der Kreditwirtschaft zu Mehraufwand. Wer ESG-Daten vernachlässigt, gefährdet nicht nur die Einhaltung regulatorischer Vorgaben, sondern auch die eigene Wettbewerbsfähigkeit. Ob ein verpflichtender VSME-Standard die Datenlücke schließen kann, wird sich noch herausstellen. Die Botschaft der Studie ist klar: ESG ist keine zusätzliche Belastung, sondern eine strategische Chance für Banken.
Foto: Dr. Thomas Siwik; Copyright: www.himkurth.de
Wie in Krypto investieren: Zertifikate, ETPs und ETNs im Vergleich
Für Investments in Bitcoin mit Zertifikaten gibt es gute Gründe – allen voran die geringere Komplexität. Experten legen sie allerdings nur sehr erfahrenen Anlegern ans Herz.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung: Mehr Vielfalt und mehr Regulierung im Krypto‑Investmentmarkt
- Krypto‑Zertifikate: Struktur, Chancen und Risiken
- Krypto‑ETPs: Physisch besicherte Produkte im Überblick
- Produktbeispiele im Detail
- Direktinvestments über regulierte Plattformen
- ETNs von XBT Provider (CoinShares)
- Fazit: Welche Anlageform passt zu welchem Anlegertyp?
In den vergangenen Jahren hat sich der Markt für Krypto‑Veranlagungen rasant weiterentwickelt. Neben Bitcoin selbst ist eine breite Palette an börsengehandelten Produkten entstanden, die Anlegern einen regulierten, transparenten und vergleichsweise einfachen Zugang zur Anlageklasse ermöglicht. Gleichzeitig haben striktere regulatorische Vorgaben – etwa durch MiCA in der EU – für deutlich mehr Sicherheit, Transparenz und Anlegerschutz gesorgt.Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Unterschiede zwischen Zertifikaten, ETPs und ETNs und zeigt anhand konkreter Beispiele, welche Produkte für Privatanleger infrage kommen.
1. Krypto‑Zertifikate: einfache Struktur, aber Emittentenrisiko
Krypto‑Zertifikate sind strukturierte Schuldverschreibungen, die die Wertentwicklung einer Kryptowährung nahezu 1:1 abbilden – ohne Wallet, Private Keys oder Handelsplattformen. Sie werden über das normale Wertpapierdepot gehandelt.
Typische Formen:
- Open‑End‑Partizipationszertifikate
- Tracker‑Zertifikate
Vorteile:
- einfache Handhabung
- kein Wallet nötig
- Handel über regulierte Börsen
Risiken:
- Emittentenrisiko
- keine physische Besicherung
- teils höhere Gebühren
- Typ: Open‑End‑Partizipationszertifikat
- Abbildung: 1:1 Bitcoin in USD
- Vorteil: Depot‑fähig, kein Wallet nötig
- Risiko: Emittentenrisiko der Bank Vontobel
2. Krypto‑ETPs: physisch besichert und MiCA‑konform
ETPs (Exchange Traded Products) sind der Goldstandard für regulierte Krypto‑Investments in Europa. Sie sind – anders als Zertifikate – physisch besichert: Die zugrunde liegenden Coins liegen tatsächlich bei einem regulierten Verwahrer im Cold Storage.
Typische Anbieter:
Merkmale:
- physisch hinterlegt
- Sondervermögen‑ähnliche Struktur
- kein klassisches Emittentenrisiko
- MiCA‑konform (ab 2025)
- börsengehandelt wie ETFs
ETPs von 21Shares
21Shares Bitcoin ETP (ABTC)
- ISIN: CH0454664001
- Typ: physisch besichert
21Shares Bitcoin Core ETP (CBTC)
- ISIN: CH1199067674
- Typ: Low‑Fee‑ETP (0,10 % TER)
von WisdomTree
WisdomTree Physical Bitcoin (BTCW)
- ISIN: GB00BJYDH287
- Struktur: physisch besichert
WisdomTree Physical Ethereum (ETHW)
- ISIN: GB00BJYDH394
- Struktur: physisch besichert
3. Swissquote: regulierte Bank mit direktem Krypto‑Handel
Wer lieber direkt Kryptowährungen kauft, aber dennoch auf eine regulierte Infrastruktur setzt, findet in Swissquote eine Alternative.
Swissquote bietet:
- über 50 Kryptowährungen (BTC, ETH, SOL, DOT, ADA, XRP usw.)
- Verwahrung durch eine FINMA‑regulierte Schweizer Bank
- Handel über App oder Webplattform
Für österreichische Anleger ist Swissquote zugänglich, aber nicht steuereinfach.
4. XBT Provider (CoinShares): Bitcoin‑Pionier mit ETNs
XBT Provider – heute Teil von CoinShares – war 2015 der erste Anbieter eines börsengehandelten Bitcoin‑Produkts. Die Produkte sind ETNs (Exchange Traded Notes) – also Schuldverschreibungen, keine physisch besicherten ETPs.
Merkmale:
- synthetische Struktur
- Emittentenrisiko
- keine MiCA‑Beschränkung
- handelbar über Stockholm, Frankfurt, Stuttgart
- Typ: ETN
- Währung: SEK
- Struktur: synthetisch
- Gebühren: ca. 2,5 % p.a.
Fazit: Welche Anlageform passt zu wem
- Zertifikate eignen sich für Anleger, die einfache Strukturen bevorzugen und Emittentenrisiko akzeptieren.
- ETPs sind ideal für langfristige Anleger, die physische Besicherung und hohe Regulierung wünschen.
- ETNs wie jene von XBT Provider sind eine Alternative für spezialisierte Märkte oder Währungen.
- Direktinvestments über regulierte Plattformen wie Swissquote bieten maximale Flexibilität, aber auch technische Komplexität.
Egal für welches Produkt man sich entscheidet: Börsengehandelte Krypto‑Produkte sind heute transparenter, regulierter und leichter ins Portfolio integrierbar als je zuvor.
Autorin: Anneliese Proissl
Hochsaison der Bauernfängerei
Florian Beckermann. Es ist Vorweihnachtszeit. Hektik und Stress machen sich breit. Es ist Hochsaison für Bauernfänger, die diese Periode geschickt ausnutzen. Kaum einer in Österreich erhielt noch nicht vermeintliche Bank-SMS, dubiose Anrufe oder wunderte sich über KI-generierte Promi-Werbeträger. Eine Welle überrollt das Land. Von massiven Betrügereien auf Kosten älterer Menschen liest man immer wieder, die Dunkelziffer bleibt ein Rätsel. Der IVA wird regelmäßig zu den Finanzbetrügereien befragt. Ein kurzes Update:
- Fake-Influencer: Im Kontext der Anlageberatung werben vermeintliche Influencer massiv auf sozialen Medien mit „Finanzausbildung“ oder speziellen nachahmungswürdigen „Erfolgsstrategien“. Das Opfer wird vielfach in ein komplexes Handelssystem oder Chatgruppen eingeführt und „investiert“ hier in verschiedene Finanzprodukte (häufig Krypto-Assets). Die Einstiege in solche Systeme werden auch mit „Prominenten“ bzw. mit einer KI-generierten Figur mit großer Ähnlichkeit, beworben. Nicht selten sind die Investitionen restlos verloren. Die bisher bekannten Schäden gehen bei österreichischen Opfern Richtung niedriger Millionenbereich, europaweit wird ein Milliardenbetrag vermutet. Eine Abgrenzung zu seriösen Influencern fällt häufig nicht leicht. Es ist grundsätzlich höchste Vorsicht geboten.
- Bankdaten-/Telefonbetrug, Schema: Ein Anrufer gibt sich als Bankmitarbeiter aus und behauptet es gäbe auffällige Transaktionen. Ziel ist die Installation einer „Sicherheits-App”, die in Wahrheit Schadsoftware ist – oder direkt die Herausgabe von TAN-Codes oder der PIN. Dieser Trick wird im Zusammenhang mit Bank-Kommunikation in verschiedenen Varianten angewendet (klassischer SMS-Betrug, Chats, Emails). Ähnlich der „Microsoft“-/Computer-Support-Betrug: Anrufer gibt sich als „Microsoft”, „Windows Support” oder ein Sicherheitsdienst aus. Man behauptet, der Computer sei infiziert. Ziel: Fernzugriff und Zugang zum PC oder man verlangt Geld für die „Reparatur“.
- „Krypto-Konto“: Eine aktuelle Masche im Zusammenhang mit Krypto-Währungen. Betrüger geben sich auch hier als technischer (Bank-)Support aus und verlangen eine „Kontoeröffnungsgebühr für das Kryptokonto“ etc.
Lehren: Empfehlungen von Influencern sollte immer eine intensive Recherche voraus gehen. Wird die Identität des Anrufers verdeckt und eine umgehende Überweisung/Transaktion urgiert, ist höchste Vorsicht geboten (Gefahr des ‚Spoofing‘). Von Überweisungen während eines Telefonats sei an dieser Stelle generell abgeraten. Die Hinzuziehung einer Vertrauensperson sei empfohlen. Im Zweifel sollte jedenfalls der Kontakt mit dem Finanzinstitut etc. aufgenommen und die Polizei kontaktiert werden.
Fazit: Die Kosten der Bauernfängerei für die Volkswirtschaft sind schwer bezifferbar. Es stellt sich die Frage, inwieweit ein gesetzlicher Eingriff hier Abhilfe schaffen kann. Die Regulierung von Influencern fällt schwer. Denkbar wäre die Zulässigkeit von Werbung auf sozialen Medien an gewisse Bedingungen zu knüpfen, wie auch die technischen Regelmöglichkeiten gegen betrügerische Anruf-Kampagnen zu prüfen.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Seltene Erden – ein risikoreiches Investment
Ein Kommentar von Steiermärkische Sparkasse Private Banking.
(14.11.) Seltene Erden sind aufgrund des steigenden Bedarfs für moderne Technologien in den Fokus gerückt und bieten Potenzial für Investorinnen und Investoren. Vor dem Hintergrund der extremen Abhängigkeit von China, das eine Vormachtstellung bei der Förderung und Aufbereitung von Seltenen Erden hat, sowie dem Handelsstreit zwischen der Volksrepublik und den USA, gelten aber Seltene Erden als sehr spekulativ – so die Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking im jüngsten Marktkommentar.
17 Elemente
Seltene Erden sind 17 chemische Elemente (Neodym, Dysprosium, Cer, Europium, Terbium, Lanthan, Erbium und Yttrium etc.). Sie werden in vielen High-Tech-Anwendungen benötigt, etwa für Permanentmagneten in Windturbinen, für Batterien und Elektromotoren in Elektroautos, für die Elektronik in Smartphones und Computern sowie für Präzisionswaffen und Satelliten in der Militärtechnik. Sie haben ähnliche chemische und physikalische Eigenschaften, etwa eine hohe Reaktivität, besonders mit Sauerstoff und Wasser, hohe Schmelz- und Siedepunkte im Vergleich zu leichtmetallischen Elementen, gute magnetische Eigenschaften und eine gute Leitfähigkeit für Elektrizität. Seltene Erden sind daher wirtschaftlich wertvoll und politisch strategisch wichtig. Durch die Energiewende, Elektromobilität und Digitalisierung steigt der Bedarf.
Geografisch stark konzentriert
Trotz des Namens „Seltene Erden“ sind sie geologisch nicht extrem selten, aber stark konzentriert in wenigen Lagerstätten, oft chemisch gebunden und schwer zu extrahieren. China dominiert den Markt zu rund 60 bis 70 Prozent der weltweiten Produktion. In westlichen Ländern stößt die Förderung von Seltenen Erden häufig auf Widerstand, da dies sehr umweltschädlich ist. Beim Abbau werden nämlich oft radioaktive Elemente wie Thorium mitgefördert. Das Recycling von Seltenen Erden ist noch relativ gering.
Spekulativ
Aktien von Unternehmen, die Seltene Erden fördern, können aufgrund der steigenden Nachfrage für Anlegerinnen und Anleger interessant sein, weil sie strategische Rohstoffe für die genannten Zukunftstechnologien liefern. Geopolitische Faktoren, Handelskonflikte oder Exportbeschränkungen können die Preise und auch die Aktienkurse der Branche stark beeinflussen. Diese Volatilität bietet Chancen und Risiken für spekulative Anleger. Diese spekulative Anlage sollte man nur mit einem diversifizierten Portfolio und gutem Verständnis für die Märkte ins Auge fassen.
Rohstoff-Fonds
In Seltene Erden kann man direkt über Rohstoffaktien oder Unternehmen, die Seltene Erden fördern oder aufbereiten, investieren. Auch einige Rohstoff- oder Tech-orientierte Fonds und ETFs beinhalten Seltene Erden. Professionelle Anleger investieren mittels Rohstoff-Kontrakten, die aber hochspekulativ sind. Zudem gibt es viele kleine Förderbetriebe, die an den Börsen nicht gehandelt werden.
Langfristiges Investment
Fazit: Seltene Erden eignen sich für langfristige Investments, die nicht auf schnellen Gewinn setzen. Die Risiken kann man durch eine Mischung von Einzelaktien und Fonds reduzieren. Entscheidend sind auch die Qualität und das Gesamtbild der Unternehmen, wie Produktionsstandorte, Verarbeitungskapazität sowie die nachgelagerten Stufen eines Prozesses, bei denen Produkte verarbeitet, verfeinert und an Endverbraucher vertrieben werden. Nicht zuletzt sind makro und geopolitische Entwicklungen wie speziell die politische Entwicklung in China, Subventionen und die weltweiten Lieferketten im Auge zu behalten.
Immo-Aktien im Comeback-Modus
Nach Abwertungen wieder neue Chancen. Und Bauwerte profitieren von Infrastrukturboom.
Michael Kordovsky. Die Signa-Insolvenz-Kaskade und zunehmende Ausfälle im Gewerbeimmobilienbereich führten dazu, dass österreichische Kreditinstitute seit 1. Juli 2025 einen sektoralen Systemrisikopuffer von 1 % der risikogewichteten Positionsbeträge der gewerblichen Immobilienrisikopositionen halten müssen. Das ist ein Umstand, der medial umfassend diskutiert wurde. Doch bei den einzelnen Immobilien- und Immobilienentwicklungsgesellschaften der Wiener Börse und weiter zurück in der Wertschöpfungskette bei den börsennotierten Bauunternehmen und dem Baustoffhersteller Wienerberger sieht es differenzierter aus, da diese Unternehmen auf unterschiedliche Standbeine und Länder diversifiziert sind. Entsprechend positiv fallen die jüngsten Zahlen aus.
Comeback der Immo-Aktien
Die Zeit der Abwertungen ist bei den Immo-Gesellschaften zumindest weitgehend abgeschlossen, und niedrigere Zinsen wirken sich bereits positiv aus. Auf Jahressicht liegt UBM Development bereits rund 24 % im Plus (per 20. November) und die Kurse von CPI Europe und CA Immo könnten sich bald stabilisieren.
CPI Europe unter Buchwert
Beispielsweise war CPI Europe im ersten Halbjahr 2025 in der Lage, im Zuge eines positiven Bewertungsergebnisses aus Bestandsimmobilien (97,9 % des Buchwertes) und Firmenwerten das Konzernergebnis von 43 auf 211,0 Millionen Euro zu steigern. CPI Europe und S Immo haben im August 2025 ihre Strategien und Portfolios an die Assetklassen der CPI Property Group angeglichen. Dabei wurden die Nutzungsarten Büro und Einzelhandel um relevante von der Muttergesellschaft (CPI Property Group) abgedeckte Bereiche und Kernmärkte erweitert. Laut Analystenschätzungskonsens unter Finanzen.at ist bis 2027 mit stabilen Gewinnen zu rechnen und die Aktie notiert derzeit weit unter ihrem Buchwert von 30,09 Euro (Kurs per 21.11., nach Börsenschluss: 15,55 Euro).
CA Immo mit solidem Vermietungsgrad
Die auf hochwertige Büros spezialisierte CA Immobilien Anlagen AG steigerte im ersten Halbjahr 2025 den operativen Cashflow um 145 % auf 125,7 Millionen Euro. Trotz des Verkaufs von Bestandsimmobilien, die nicht zum Kernportfolio gehören, konnte das Nettomietergebnis um 8 % auf 105,8 Millionen Euro gesteigert werden. Der Verkauf von sieben nicht zum Kerngeschäft gehörenden Liegenschaften konnte sogar mit einem Aufschlag auf den Buchwert abgeschlossen werden, und der wirtschaftliche Vermietungsgrad liegt bei soliden 93,9 %. Schwerpunkt mit 66 % des Portfoliowertes ist Deutschland, gefolgt von Polen und Tschechien (je 12 % bzw. 10 %). Der IFRS-NAV (Net Asset Value; Nettovermögenswert) liegt per 30. Juni bei 25,72 Euro gegenüber einem aktuellen Kurs von 22,92 Euro.
UBM für Baustart bereit
Last but not least baut UBM Development „antizyklisch“ genau jetzt die Wohnungen, die dringend benötigt werden, denn in Deutschland sind die Baustarts von Wohnungen im Q2/25 um 85 % gegenüber der Spitze im Q4/22 zurückgegangen. Die Preise steigen. UBM verkaufte im ersten Halbjahr 2025 mehr als 200 Wohnungen und somit mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Insgesamt sind derzeit rund 2.800 Wohneinheiten in Entwicklung, Umsetzung oder bereits im Vertrieb. Im ersten Halbjahr konnte bei 39 % Umsatzsteigerung der Verlust bereits deutlich reduziert werden und UBM rechnet mit einer Rückkehr in die Profitabilität im zweiten Halbjahr 2025. Das Unternehmen, das neben Wohnungen auch Büro- und Hotelprojekte abwickelt, ist primär in Österreich, Deutschland und Polen tätig. Einen kräftigen Sprung in die Gewinnzone erwarten Analysten für das Jahr 2026 und auf Basis eines Kurses von 22,90 Euro liegt das für 2027 geschätzte KGV nur noch bei ca. fünf.
Porr und Strabag profitieren
Porr und Strabag profitieren vom Ausbau der Infrastruktur. Porr steigerte in den ersten drei Quartalen den Auftragseingang um 26,7 % auf 6,05 Milliarden Euro. Vor allem im Bahn- und Verkehrswegebau konnte das Unternehmen punkten. Das Ergebnis je Aktie stieg um 21,2 % auf 1,43 Euro und Analysten trauen dem Unternehmen in den kommenden Jahren eine deutliche Gewinnsteigerung zu. Ebenfalls über gute Wachstumsperspektiven verfügt Strabag. Das für 2027 geschätzte KGV auf Basis eines Kurses von 72,80 Euro liegt nur noch bei 11,0.
Wienerberger sehr günstig
Eine entsprechende Wachstumsdynamik in einem Umfeld verstärkter Infrastrukturinvestitionen trauen Analysten auch der Wienerberger zu: Von 2025 bis 2027 sollte der Gewinn je Aktie von 2,04 auf 3,12 Euro steigen, woraus bei einem Kurs von 27,50 Euro ein für 2027 erwartetes KGV von sehr günstigen 8,8 resultieren würde. In den ersten neun Monaten 2025 konnte das Unternehmen den Gewinn nach Steuern von 49 auf 173 Millionen Euro steigern.
Im Bild: das UBM-Wohnprojekt „Rezidence Na Plzeňce“ im Prager Stadtteil Smíchov, das 2027 fertig sein soll.
Copyright: UBM
Der Technologiesektor bleibt Treiber
Heimische Anleger gehen allmählich aus der Deckung – und setzen vermehrt auf KI-Trends.
Raja Korinek. Das Börsenjahr 2025 war bislang von neuen Rekordhochs geprägt, wenngleich es zwischenzeitlich reichlich Turbulenzen gab. Und das weckt, wenn auch von einem niedrigen Niveau, allmählich ein wenig Risikoappetit bei den heimischen Anlegern. Heiko Geiger, Zertifikate-Experte bei der Bank Vontobel, verweist im Gespräch mit dem Börsen-Kurier auf jüngste Entwicklungen und sagt, „laut den verfügbaren Daten und Studien ist der Anteil der Aktienbesitzer in Österreich im internationalen Vergleich immer noch relativ gering. Allerdings ist aufgrund des niedrigen Zinsumfelds und der Inflation ein Anstieg des Risikoappetits festzustellen“.
Dies sehe man sowohl an der kontinuierlichen Zunahme der ETF-Sparpläne wie auch an der Anzahl der Aktienbesitzer im Land. „Auch bei Hebelprodukten ist das zu verzeichnen.“ So ist das ausstehende Volumen bei Hebelprodukten – Zertifikate, die einiges mehr Risiko beinhalten als jene mit einem (Teil-)Kapitalschutz –gemäß Zertifikate Forum Austria allein im dritten Quartal 2025 auf 204,3 Millionen Euro angestiegen, ein Plus von knapp mehr als 100 % seit Jahresbeginn.
Technologie bleibt begehrt
Zudem gibt es klare Trends, die im kommenden Jahr anhalten dürften. Geiger verweist in diesem Zusammenhang auf den aktuellen „Techno-Boom“ und sagt, „wir sehen nach wie vor eine große Nachfrage nach Technologie-Titeln sowohl auf der Anlage- wie auch auf der Hebelprodukte-Seite“. Themen wie Künstliche Intelligenz (KI), Blockchain, Cyber-Security und Quantum-Computing zählten weiterhin zu den präferierten Themen. „Auf der Einzelaktienseite spiegelt sich dieses Interesse beispielsweise beip8 Nvidia, Palantir, AMD oder Meta Platforms wider, wobei die meisten Marktteilnehmer davon ausgehen, dass das Interesse an Technologie-Titeln anhalten könnte.“
Das anhaltende Interesse ist nachvollziehbar. Allein Nvidia, dessen Halbleiter in der KI stark gefragt sind, übertraf im dritten Quartal 2025 die Erwartungen. Der Umsatz legte im Jahresvergleich um 62 % auf 57 Milliarden US-Dollar zu. Auch Bitcoin bleibt im Fokus. „Preisrückgänge werden zum Kauf genutzt, während Phasen von Seitwärtsbewegungen im Preis von eher unterdurchschnittlichen Umsätzen in den Produkten gekennzeichnet sind“, zieht Geiger ein Fazit. Im Großen und Ganzen könne man sagen, dass sich Kryptowährungen als eigenständige Anlageklasse in Anlegerportfolios etabliert haben.
Deutschland mit reichlich Chancen
Und selbst in Europa werden Chancen genutzt, so etwa mit dem Leitindex der Frankfurter Börse. „Der Dax ist bei Zertifikaten nach wie vor der als Index meist gehandelte Basiswert“, konstatiert der Bank Vontobel-Experte. Obendrein seien heuer vor allem Aktien aus dem Rüstungsbereich wie Rheinmetall oder Hensoldt in den Fokus gerückt, wie auch Siemens Energy. „Hier könnte man bereits Zusammenhänge zwischen geplanten Investitionen aus den Fiskalpaketen und Anlageentscheidungen herstellen.“
Doch selbst die Entwicklungen bei den Währungen, insbesondere beim Euro zum US-Dollar, stehen im Fokus, allein da Investments jenseits des Atlantiks aufgrund des sinkenden US-Dollars an Wert verlieren. „Anleger beschäftigen sich mit der Auswirkung des Wechselkurses auf ihre US-Investments.“ Die Bandbreite ist breit gefasst, und betrifft nicht nur US-Aktien, sondern beispielsweise auch Rohstoffinvestments. Als Absicherungsmöglichkeiten bieten sich etwa Turbozertifikate sowie Faktorzertifikate auf das Währungspaar an.
Foto: Vontobel
Die versteckten Risiken passiver Anlagestrategien
Ein Kommentar von Guy Wagner, Chief Investment Officer bei BLI – Banque de Luxembourg Investments.
Red./ks. Nur wenige Trends haben die moderne Finanzwelt so tiefgreifend verändert wie der hin zum passiven Investieren. Mit den Versprechungen von niedrigen Kosten, Diversifizierung und zuverlässigen langfristigen Renditen ist er zur Standardstrategie für Millionen von privaten und institutionellen Investoren geworden. In den vergangenen zehn Jahren haben Indexfonds und ETFs von massiven Kapitalzuflüsse profitiert, während aktive Manager mit stetigen Abflüssen konfrontiert waren. Heute machen passive Instrumente etwa die Hälfte der globalen Aktienmarktkapitalisierung aus – und diese Zahl steigt weiter an. Diese Kapitalflüsse sind nicht in erster Linie das Ergebnis bewusster Anlageentscheidungen, sondern das Ergebnis eines komplexen Geflechts aus politischen Anreizen, regulatorischen Rahmenbedingungen und automatisierten Standardeinstellungen, die von den meisten Anlegern kaum wahrgenommen werden.
Der Trugschluss
Passives Investieren bietet unbestreitbare Vorteile. Es demokratisiert den Zugang zu den Finanzmärkten und ermöglicht es Anlegern, zu minimalen Kosten diversifizierte Portfolios zu besitzen. Sein rasantes Wachstum veranschaulicht jedoch ein klassisches wirtschaftliches Paradoxon: den Fehlschluss der Zusammensetzung – die irrtümliche Annahme, dass das, was für den Einzelnen rational ist, zwangsläufig auch für das System als Ganzes gut ist. Für einen einzelnen Anleger ist der Kauf eines Indexfonds sinnvoll. Wenn jedoch die Mehrheit dies tut, beginnt der Mechanismus, der die Effizienz der Märkte aufrechterhält – die aktive Preisfindung -, zu erodieren.
Passive Strategien sind zwar auf individueller Ebene effizient, aber ihre kollektive Dominanz birgt tiefgreifende, oft versteckte Risiken, die die Grundlagen moderner Märkte bedrohen.
Die Annahmen dahinter
Passives Investieren basiert auf zwei zentralen Überzeugungen: Auf der Markteffizienz (die Preise spiegeln alle verfügbaren Informationen wider, sodass es sinnlos ist, zu versuchen, den Markt zu übertreffen) und der Marktneutralität (passives Investieren hat keinen wesentlichen Einfluss auf die Preise). Beide Annahmen sind fehlerhaft.
Annahme der Markteffizienz
Passives Investieren behandelt Preise als unantastbar – als würden sie immer den wahren Wert eines Unternehmens widerspiegeln. Diese Annahme ist selbst in den besten Zeiten fragwürdig. Sie trifft jedoch nur dann zu, wenn die Märkte von aktiven Teilnehmern dominiert werden, die Unternehmen analysieren, Bewertungen hinterfragen und Fehlbewertungen korrigieren. Wenn die aktive Beteiligung zurückgeht, verlieren die Märkte diese Selbstkorrekturfunktion und werden weniger effizient.
Passiv ist nicht passiv
Passive Strategien werden oft als statisch dargestellt, aber in Wirklichkeit beinhalten sie ständige Käufe und Verkäufe, die durch Zuflüsse von Anlegern, Rücknahmen, Indexaufnahmen und -streichungen sowie regelmäßige Neugewichtungen getrieben werden. Diese mechanischen Transaktionen können die Preise stark beeinflussen. Passives Investieren ist nicht „hands-off“ – es ist algorithmisch, reflexiv und prozyklisch.
Der Mythos
Passive Manager behaupten gerne, dass ihre Fonds lediglich „den Markt widerspiegeln“. In Wahrheit prägen sie ihn. Wenn Milliarden von Dollar in Indexfonds fließen oder aus ihnen abfließen, bewegen sie gleichzeitig ganze Aktienkörbe, verstärken Schwankungen und tragen zu synchronisierten Preisbewegungen bei.
Die Risiken passiver Anlagen
Diese Fehlannahmen spielten kaum eine Rolle, weil passive Fonds nur einen kleinen Anteil am Markt hatten. Jetzt, da sie dominieren, setzen sie die Anleger – und das System – einer Reihe von Risiken aus.
1. Erosion der Preisfindung: Aktive Anleger erfüllen eine wichtige Aufgabe: Sie analysieren Unternehmen, bewerten Fundamentaldaten und tragen zur Festlegung fairer Preise bei. Passive hingegen akzeptieren einfach die vorherrschenden Marktpreise.
2. Steigende Bewertungen: Die Gewichtung nach Marktkapitalisierung sorgt dafür, dass passive Fonds mehr Kapital in Firmen investieren, deren Kurse bereits gestiegen sind – unabhängig von Fundamentaldaten. Dieser Effekt führt das Risiko der Überbewertung fort, da die Kapitalströme kontinuierlich Größe und Preis verfolgen.
3. Erhöhte Korrelation: Mit der Ausweitung des passiven Investierens nimmt auch die Korrelation zwischen Aktien zu. Indexfonds investieren unabhängig von den individuellen Merkmalen und der Performance in dieselben Large-Caps, wodurch sich die Preise in vielen Sektoren synchron entwickeln. Dies untergräbt die Diversifizierung – und damit genau den Vorteil, den viele Anleger suchen.
4. Marktkonzentration: Große Indizes sind oft stark auf eine Handvoll Mega-Cap-Aktien ausgerichtet. Da passive Fonds diese Indizes nachbilden, fließt unverhältnismäßig viel Kapital in dieselben wenigen Unternehmen.
5. Die Illusion der Liquidität: Die scheinbare Liquidität passiver Anlageinstrumente kann trügerisch sein. Zuflüsse treiben die Preise insgesamt in die Höhe, aber wenn sich die Stimmung dreht und Abflüsse einsetzen, kann die Liquidität verschwinden.
6. Synthetische Nachfrage: Die passive Nachfrage übersteigt oft das Angebot an verfügbaren Aktien. Um ihr Engagement aufrechtzuerhalten, können Fonds auf Derivate wie Futures zurückgreifen, anstatt die zugrunde liegenden Aktien zu kaufen.
7. Systemisches Risiko: Die Kombination aus hoher Korrelation, synthetischem Engagement und Liquiditätsillusionen erhöht die systemische Anfälligkeit. Passive Produkte versprechen Anlegern tägliche Liquidität, aber ihre zugrunde liegenden Vermögenswerte können in der Praxis illiquide werden. Im Wesentlichen hat passives Investieren große Teile des Marktes in einen einzigen, synchronisierten Handel verwandelt.
8. Verzerrung der Narrative: Da die Preisfindung immer mehr an Bedeutung verliert, schaffen die Märkte zunehmend die Fundamentaldaten, anstatt sie widerzuspiegeln. Steigende Aktienkurse führen zu optimistischen Narrativen, die dann weitere Kursanstiege rechtfertigen – eine zirkuläre Logik, die die Bewertungen von der Realität abkoppelt. Aktuelle Beispiele dafür gibt es im Technologiesektor zuhauf.
9. Marktsignale und Politik: Politische Entscheidungsträger suchen oft nach wirtschaftlichen Signalen an den Aktienmärkten, da sie davon ausgehen, dass die Gesundheit des Marktes die Gesundheit der Gesamtwirtschaft widerspiegelt. Wenn die Märkte jedoch weitgehend von passiven Kapitalflüssen und nicht von Fundamentaldaten getrieben werden, werden diese Signale unzuverlässig.
10. Governance-Risiken: Eine kleine Anzahl von Vermögensverwaltern – insbesondere BlackRock, Vanguard und State Street – kontrolliert mittlerweile den Großteil der globalen passiven Anlageprodukte. Durch ihre Stimmrechtsvertretung beeinflussen sie die Unternehmensführung, die Vergütung von Führungskräften, die Umweltpolitik und strategische Entscheidungen in der Wirtschaft. Ihre Fähigkeit, einzelne Unternehmen zu überwachen, ist jedoch aufgrund des schieren Umfangs ihrer Beteiligungen begrenzt. Das Ergebnis ist eine Konzentration von Macht bei gleichzeitig verwässerter Rechenschaftspflicht – und Governance-Entscheidungen, die kurzfristige Renditen gegenüber langfristiger Wertschöpfung priorisieren können.
Über die Finanzstabilität hinaus hat die Dominanz passiver Anlagen weitreichende wirtschaftliche und soziale Folgen.
1. Weniger Börsengänge: Private Unternehmen sehen zunehmend wenig Vorteile in einem Börsengang. Passive Fonds zeigen wenig Interesse an Unternehmen, welche neu an der Börse sind, was die Anreize für Börsennotierungen verringert und den Innovationsfluss in die öffentlichen Aktienmärkte verlangsamt.
2. Weniger Innovation: Durch die Kanalisierung von Kapital in große, etablierte Unternehmen entzieht passives Investieren kleineren, innovativen Firmen die Finanzierung. Das Ergebnis ist eine statischere Wirtschaft, die weniger offen für neue Ideen und disruptive Technologien ist.
3. Zunehmende Ungleichheit: Passives Investieren verstärkt die Konzentration von Vermögen. Da das Kapital zu den größten Unternehmen fließt, kommen die Gewinne unverhältnismäßig stark denen zugute, die bereits deren Aktien besitzen. Diese Dynamik festigt zudem die Dominanz der großen Unternehmen und vergrößert die sozialen und wirtschaftlichen Unterschiede, wobei die Kluft zwischen den Kapitaleignern und dem Rest der Gesellschaft größer wird.
4. Weniger Wettbewerb: Wenn passives Kapital ständig die etablierten Unternehmen belohnt, steigen die Eintrittsbarrieren. Die Marktkonzentration vertieft sich, der Wettbewerb nimmt ab.
Regulierung und das Wachstum
Der Aufstieg passiver Anlagen wurde ebenso durch die Politikgestaltung wie durch die Marktpräferenzen vorangetrieben. Steuerbegünstigte Altersvorsorge wie die 401(k)-Pläne in den USA ermutigten Anleger, kostengünstige, diversifizierte Anlageinstrumente zu bevorzugen. Vorschriften wie der Employee Retirement Income Security Act institutionalisierten passive Fonds in Pensionsportfolios und verankerten sie als Standardoptionen für langfristige Sparer.
Heute kontrollieren BlackRock, Vanguard und State Street zusammen mehr als 70 % des globalen passiven Marktes und geben mehr für Lobbyarbeit aus als der Rest der Finanzbranche zusammen. Ihr Einfluss auf die Politik ist enorm. Angesichts ihrer Größe und politischen Macht erscheint eine sinnvolle regulatorische Intervention unwahrscheinlich. Die Politik, die ein scheinbar stabiles System der Altersvorsorge nicht stören will, wird wahrscheinlich erst nach einer Krise handeln.
Aufstieg zum Marktfaktor
Benchmarks waren einst neutrale Messgrößen für die Performance, eine einfache Möglichkeit, die Entwicklung der Märkte zu verfolgen. Heute treiben sie die Performance an. Der Aufstieg des passiven Investierens hat Indizes wie den S&P 500 oder den MSCI World von bloßen Maßstäben zu mächtigen Kapital-Allokatoren gemacht. Die Unternehmen, die diese Indizes entwickeln und pflegen, üben mittlerweile einen enormen Einfluss auf das Verhalten von Unternehmen und die Richtung globaler Ersparnisse aus. Der Benchmark selbst ist zu einem der aktivsten Teilnehmer am Markt geworden.
Argumente für das aktive Management
Für aktive Manager war der Index einst eine Benchmark – ein Maßstab, an dem die Performance gemessen wurde. Heute ist er sowohl Maßstab als auch Herrscher. Wenn das einzige Ziel aktiver Manager darin besteht, den Index zu schlagen, fragen sich viele Anlegerinnen und Anleger verständlicherweise: Warum nicht einfach den Index kaufen?
Die Antwort liegt in der umfassenderen Rolle des aktiven Managements. Aktive Anleger bringen Urteilsvermögen, Flexibilität und Disziplin mit – Eigenschaften, die Algorithmen und regelbasierten Strategien fehlen. Sie tragen zur Aufrechterhaltung der Markteffizienz bei, indem sie Fundamentaldaten analysieren, Narrative hinterfragen und Kapital den produktivsten Verwendungszwecken zuweisen. Aktives Management ist nicht nur das Streben nach Outperformance, sondern ein öffentliches Gut, das die Märkte rational hält.
In einer von passiven Anlegern dominierten Welt ist die Aufgabe aktiver Manager schwieriger geworden. Momentumgetriebene Märkte belohnen in erster Linie reines Trendfolgeverhalten. Um in einem solchen Markt eine Outperformance zu erzielen, können aktive Manager ihre Anlagen nicht mehr ausschließlich auf der Grundlage von Fundamentaldaten auswählen. Sie müssen möglicherweise sogar das Gegenteil tun und in Unternehmen investieren, die sie für überbewertet halten. Dadurch sinkt jedoch ihr Vertrauen in die Unternehmen, deren Aktien sie halten, so dass sie weniger bereit sind, bestimmte Aktien in schwierigen Zeiten zu halten. Ihre Performance kann sich dadurch sogar im Endeffekt noch verschlechtern. Mit zunehmenden passiven Kapitalflüssen verstärken sich Preisverzerrungen, die aktive Performance verschlechtert sich und es wandert noch mehr Kapital in passive Anlagen – ein sich selbst verstärkender Kreislauf.
Ohne aktives Management verlieren die Märkte jedoch ihre Informationsintegrität. Die Preise verlieren ihre Aussagekraft, und das Kapital wird nicht mehr effizient allokiert.
Mein Fazit: Aktive Anleger sind der Sauerstoff der Finanzmärkte – unsichtbar, aber unverzichtbar.
Foto: BLI
Causa Wirecard: BGH schwächt Anlegerschutz
Florian Beckermann. Der deutsche Bundesgerichtshof hat eine für Anleger und Insolvenzverwalter wichtige Grundsatzfrage geklärt: Aktionäre einer insolventen AG können ihre kapitalmarktrechtlichen Schadensersatzansprüche nicht als einfache Insolvenzforderungen geltend machen – eine schlechte Nachricht für den deutschen Anlegerschutz und österreichische Geschädigte ebenso.
Die Fakten: Im Rahmen der Insolvenz von Wirecard meldeten rund 50.000 Aktionäre Schadensersatzforderungen an. Nach Medienberichten handelt es sich um einen Betrag von rund 8,5 Milliarden Euro. Sie machten geltend, die Gesellschaft habe durch falsche Angaben über ihre Vermögenslage zum Erwerb von Aktien verleitet. Die Anleger wollten ihre Schadensersatzansprüche als einfache Insolvenzforderungen behandelt wissen, um an der Verteilung der Insolvenzmasse teilzunehmen – eine der wenigen sinnvollen Vermögensmassen in der Wirecard-Causa überhaupt (ca. 650 Millionen Euro). Hauptkläger war die bekannte deutsche Union Investment Anlagegesellschaft. Deutsche Rechtsexperten unterstützten dieses Ansinnen mit nachvollziehbaren Gründen, es entflammte der so genannte „Gutachterstreit“.
Der Insolvenzverwalter Michael Jaffe und andere Gläubiger wandten sich „klassisch“ dagegen: Die Forderungen der Aktionäre stünden in engem Zusammenhang mit ihrer Stellung als Anteilseigner und seien deshalb nachrangig. Der Bundesgerichtshof bestätigt jetzt diese Sichtweise: Kapitalmarktrechtliche Schadensersatzansprüche von Aktionären sind keine einfachen Insolvenzforderungen. Solche Ansprüche sind mit der Stellung als Aktionär verbunden. Das Gesetz ordnet Forderungen im Rang hinter Insolvenzgläubigern ein, wenn die Forderung hinreichend mit der Beteiligung an der Gesellschaft verknüpft ist. Dies sei vorliegend der Fall. Werde eine Aktie aufgrund von Täuschung erworben, handele es sich wirtschaftlich um eine fehlgeschlagene Investition in die eigene Gesellschaft. Schäden, die hieraus resultieren, seien Teil des unternehmerischen Risikos – nicht einer Gläubigerposition. In der Praxis bedeutet dies, dass Anleger keine Forderung an die Insolvenzmasse aus der Aktionärseigenschaft herausstellen können. Die Anleger gehen auf diesem juristischen Wege folglich leer aus.
Der BGH stärkt mit diesem Urteil die Rangordnung des Insolvenzrechts und schwächt die Position des Anlegers. Wer sich an einer Gesellschaft beteiligt, trägt das Risiko des eigenen Investments – selbst dann, wenn der Erwerb der Aktien durch Täuschung erfolgte. Die Entscheidungsgründe des BGH sind einstweilen nicht publik und werden eine weitere Kontroverse nach sich ziehen.
Die Konsequenzen daraus sind jedenfalls hoch interessant: Klassische Insolvenzgläubiger, beispielsweise Banken, sehen ihre Position gestärkt. Die möglicherweise deliktische Haftung der Wirecard-Verantwortlichen (Vorstand, Aufsichtsrat, ggf. Wirtschaftsprüfer) rückt noch mehr in den Focus. Das KapMuG-Verfahren (Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz, Anm.) Wirecard bleibt unberührt, erfährt jedoch eine Aufwertung. Insgesamt ist die Position des deutschen Aktionärs und das Vertrauen auf die deutsche Marktkommunikation massiv geschwächt.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Aktien mit Luft viel nach oben
Etliche Enttäuschungen könnten im kommenden Jahr zu den Gewinnern zählen.
Patrick Baldia. Der ATX hat heuer ordentlich an Fahrt aufgenommen und nicht nur ein neues Jahreshoch erreicht, sondern mit rund 4.900 Zählern auch den höchsten Stand seit 2007 (!). Seit Jahresbeginn eine Performance von rund 30 % zu Buche. Würden die Dividendenzahlungen mitberücksichtigt werden, würde sich das Plus sogar bei knapp 40 % belaufen. Kurz: Der ATX hatte schon mal schlechtere Jahre.
Einen maßgeblichen Anteil an der guten Entwicklung des heimischen Leitindex hatten heuer die hochgewichteten Banktitel. Seit Jahresbeginn ist etwa der Kurs der RBI-Aktie um mehr als 60 % gestiegen. Erste Group und Bawag folgen mit rund 50 bzw. 40 %. Stark unterwegs waren auch die Versicherungen. Uniqa und VIG können seit Anfang 2025 ein Plus von 65 bzw. 47 % vorweisen. Für Wolfgang Matejka, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter Matejka & Partner Asset Management, haben die heimischen Financials heuer auch davon profitiert, dass der regulatorische Gegenwind geringer ausgefallen ist.
Voestalpine und Strabag top
Absolute ATX-Top-Performer sind seit Jahresbeginn jedenfalls Voestalpine und Strabag mit 86 bzw. 74 %. So weit, so gut. Auch wenn Experten für die Höhenflieger optimistisch gestimmt sind, könnte es für Anleger spannender sein, sich jenen Werten zuzuwenden, die heuer bislang enttäuscht haben bzw. nicht die Erwartungen erfüllt haben. Dazu zählt etwa Wienerberger (YTD-Performance: -4,5 %). „Trotz Top-Management und strategischer Positionierung kann sich das Unternehmen nicht aus dem Zyklus befreien“, sagt Matejka zum Börsen-Kurier. Ein weiterer Kandidat: Verbund (YTD-Performance: -11 %). Der Versorger wäre eigentlich ein Profiteur von steigenden Gaspreisen, hat allerdings zuletzt mit den Kraftwerken Limberg I und III ein ziemliches Problem bekommen.
Zumtobel: Profiteur der Konjunkturhilfen?
Für Zumtobel schaut es nach Einschätzung von Matejka „eher positiv“ aus. „CEO Alfred Felder geht richtig zur Sache, stellt etwa 40 % der Kosten in Frage“, so der Fondsmanager. In einem halben Jahr könne die Lage schon anders ausschauen. Matejka glaubt nämlich, dass der Leuchtenhersteller auch von den Konjunkturprogrammen in Deutschland profitieren könnte. Ebenfalls auf der Rechnung hat er die Agrana. „Das Unternehmen könnte 2026 wie ein Phönix aus der Asche steigen, wenn sich die Restrukturierungen von 2025 bemerkbar machen“, hält er fest. SBO (YTD-Performance: -11 %) sollten ebenso wie die OMV (+24,5 %) vom steigenden Energiebedarf des boomenden Tech-Sektors – Stichwort: Rechenzentren – profitieren.
Wer auf ein Comeback von Lenzing hofft, muss sich allerdings wohl noch gedulden. Nach aktuellem Stand sehen Experten keinen Sondereffekt, der die hohen Finanzverbindlichkeiten aus der Welt schaffen könnte. „Bei dem schwer angeschlagenen Unternehmen hat man kaum Fortschritte gesehen“, so Alois Wögerbauer zum Börsen-Kurier. Für den Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft stellt sich die Frage, ob sie überhaupt den Boden erreicht hat.
Für Matejka müssen die Eigentümer einen „großen Teil der Verantwortung für die schlechte Entwicklung der vergangenen Jahre tragen müssen“. „Die hohen Investitionen hätten konsequenter zurückgefahren werden müssen“, sagt er abschließend.
Foto: Wienerberger / Robert Oberbichler
Deutschlandfonds profitieren von Staatsinvestitionen
Auch nach der heuer starken Performance sind Experten positiv auf deutsche Aktien gestimmt.
Patrick Baldia. Die deutsche Konjunktur kommt weiter nicht richtig in Schwung. Erst kürzlich haben die Experten von Deutsche Bank Research die BIP-Wachstumsprognose für 2025 von 0,5 auf 0,2 % nach unten revidiert. Und auch die Prognose für das kommende Jahr wurde gesenkt. Anstatt einem Plus von 2 % rechnen die Analysten nun mit einem Anstieg von nur 1,5 %. „Angesichts der starken globalen Gegenwinde habe der finanzpolitische Expansionskurs der Bundesregierung die deutsche Wirtschaft – mit Ausnahme der Rüstungsindustrie – bisher nur schwach belebt“, meinen sie.
Der Dax hat sich von der mauen wirtschaftlichen Lage bislang relativ unbeeindruckt gezeigt und seinen seit längerem andauernden Höhenflug weiter fortgesetzt. Erst im Oktober ist der deutsche Leitindex auf ein neues Allzeithoch von 24.611 Punkten geklettert. Kurz vor Redaktionsschluss stand ein Plus von rund 18 % seit Jahresbeginn zu Buche. Da stellt sich die berechtigte Frage, wieviel Potenzial er weiterhin hat, vor allem nach der starken Performance in den Jahren 2023 mit +19 % und 2024 mit +20 %.
Bei der Commerzbank ist man jedenfalls weiter positiv auf den Dax gestimmt. Bis Ende 2025 prognostiziert Sören Hettler, Leiter Anlagestrategie Privatkunden, einen Stand von 27.500 Zählern. „Den deutschen Indizes hilft neben freundlicheren globalen Bedingungen und den staatlichen Investitionen in die Verteidigungsfähigkeit das Infrastrukturpaket der Bundesregierung“, meint er. Im Dax dürften 2026 neben dem Industrie- und Verteidigungsbereich Technologieunternehmen und die Finanzbranche Auftrieb erfahren.
2026: Zweistelliges Gewinnwachstum möglich
In eine ähnliche Kerbe schlägt auch Andreas Wendelken, Fondsmanager für deutsche Aktien bei der DWS, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier: „Die fiskalpolitischen Maßnahmen der neuen Bundesregierung, unter anderem in Form von Infrastrukturinvestitionen und Verteidigungsausgaben, sollten nach vorne blickend positive Impulse liefern und dem Wirtschaftswachstum in Deutschland zugutekommen.“ Davon könnten die Unternehmen profitieren und im kommenden Jahr ein zweistelliges Gewinnwachstum erzielen. Nachsatz des Fondsmanagers: „Ein solches Szenario könnte auch weiterhin unterstützend für die Kursentwicklung der Aktien sein.“
„Qualität und Ertragskraft vieler Dax-Unternehmen könnten die aktuelle Bewertung im internationalen Vergleich weiterhin rechtfertigen“, so Wendelken weiter. Gemessen an den Schätzungen für 2026 liege das KGV für den Dax derzeit bei etwa 16. Verglichen mit dem US-Markt wären deutsche Standardwerte damit aber nach wie vor günstig bewertet. Die attraktivsten Gelegenheiten macht der Experte beispielsweise ebenfalls bei Industrieunternehmen aus, die von den angekündigten Infrastrukturpaketen beziehungsweise geplanten Infrastrukturmaßnahmen und von der Erhöhung der Verteidigungsausgaben profitieren könnten. „Auch Small und Mid Caps könnten von den potenziell positiven Impulsen für die Wirtschaftsentwicklung profitieren“, so Wendelken.
Von der starken Entwicklung des deutschen Leitindex haben klarerweise auch Deutschland-Aktienfonds profitiert. Zu den aktuellen Top-Performern seit Jahresbeginn zählt mit einem Plus von rund 22 % etwa der von Wendelken verantwortete „DWS Aktien Strategie Deutschland“ (ISIN: DE0009769869).
Am besten unterwegs war im laufenden Jahr bisher der „MEAG ProInvest“ (ISIN: DE0009754119) mit einer Wertentwicklung von rund 28 % zuletzt. Und unter den Indexfonds waren vor allem der „Amundi DAX II UCITS ETF“ (LU02526 33754) sowie der iShares „Core DAX UCITS ETF“ (DE000 5933931) gute Performer.
Foto: Tobias Reich für Unsplash+
Der Kospi-Index schlägt sie alle
Südkoreas Börse auf dem Weg zum lukrativsten Handelsplatz des Jahres.
Roman Steinbauer. An die Entwicklung der Börse in Seoul reichen andere Indizes heuer bisher nicht heran. Stieg der Kospi 200 seit Jahresbeginn bis Mitte November doch um knapp 80 %. Vor allem nach den politischen Turbulenzen (am 4. April wurde Präsident Yoon Suk-yeol durch das Verfassungsgericht des Amtes enthoben, Anm.) stieg die Kauflaune der Investoren am Aktienmarkt gehörig an. Einen weiteren starken Impuls setzte es durch die südkoreanische Wirtschaftszeitung The Chosun Daily: Ein darin veröffentlichter optimistischer Ausblick durch die Investmentbank JPMorgan Chase trieb die Notizen führender Aktien des Landes weiter hoch.
Die US-Analysten verwiesen auf sich positiv entfaltende Reformen der Regierung, was eine Anhebung des Investment-Ratings von „neutral“ auf „übergewichten“ rechtfertige. JPMorgan sehe den Kospi-50-Index bis Ende 2027 auf mehr als 5.000 Punkten anziehen. Auch solle dafür die günstige Bewertung des Marktes zur Benchmark in Tokio oder Taipeh dafür sorgen.
Und doch gilt die Republik Südkorea, in deren Metropolen Seoul und Busan insgesamt über 13 der 52 Millionen Einwohner leben, keines-wegs als Musterland einer freien Marktwirtschaft. Der starke Einfluss diverser Familienclans in großen Unternehmen, der oft bis weit in die Spitzenpolitik reicht, gerät immer wieder in die Schlagzeilen. In kaum einem anderen hoch entwickelten Industrieland dominieren derart wenige Konglomerate über börsennotierte Gesellschaften, wie es in Südkorea der Fall ist.
Stimulus aus mehreren Richtungen
Doch bestehen in der ostasiatischen Republik aktuell Rahmenbedingungen, die scharenweise Kapital ins Land locken. Die starke Stellung global relevanter Anbieter in Hochtechnologiebereichen führt zu einer regen Nachfrage internationaler Fondsmanager.
Darüber hinaus zeigen sich weitere Aktien-Sektoren südlich des 38. Breitengrades der Halbinsel als treibende Kräfte der Börsenhausse: So florieren Titel traditionell starker Branchen wie der Seefracht-Sparte. Insbesondere wird die Fertigungskompetenz von Containerschiffen oder LNG-Carriern durch Anbieter wie die Korea Shipbuilding & Offshore Eng., Samsung Heavy Industries oder Hanwha Ocean weltweit geschätzt. Durch eine schwache Won-Währung gegenüber dem Euro und dem US-Dollar erfährt zudem die Auftragslage einen weiteren Schub.
Kooperationen in oberster Technologie-Liga
An vorderster Front entpuppen sich Aktien der Halbleiterkonzerne und deren Perspektiven als Triebfeder. So führte unter anderem das Wirtschaftsmagazin The Global Business Anfang Oktober die verkündete Partnerschaft von Samsung Electronics und Hynix mit dem US KI-Pionier OpenAI als Grund für den Fortbestand des Erfolgslaufs an. Soll diese Interessenbündelung doch nicht weniger als die Vorherrschaft in der globalen KI-Infrastruktur mit sich bringen. Dabei werde Samsung Electronics optimierte Halbleiterlösungen für OpenAIs „Stargate“-Initiative bereitstellen, zum anderen werde Samsung SDS (Data Systems) Datencenter für OpenAI entwickeln und AI-Services anbieten.
Starke Wirtschaftsdaten als Eckpfeiler
Südkoreas BIP-Wachstum gewann im dritten Quartal an Fahrt, während die Inflation nur moderat anzog. Die Exporterfolge schlagen sich unterdessen in einem stark ausgeweiteten Handelsbilanzüberschuss nieder. Nach einer sich bis Sommer 2024 hinziehenden Stagnation begünstigte die aufstrebende Wirtschaftsentwicklung dazu eine Aufstockung der Währungsreserven. Anhand der niedrigen Renditen langlaufender Staatsanleihen wird an den Finanzmärkten das hohe Vertrauen in die Bonität des Landes deutlich.
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Interessenskonflikt im Fall Nexperia: neue Herausforderung für Governance
Florian Beckermann. Aktionäre haben selten Freude mit einem Interessenskonflikt. Dieser entsteht dann, wenn persönliche, wirtschaftliche oder institutionelle Interessen mit den Pflichten gegenüber Kunden, Investoren oder dem Markt kollidieren. In der modernen Finanzwelt ist dies ein strukturelles Problem, das nicht vollständig beseitigt, sondern lediglich offengelegt und reguliert werden kann – selten genug transparent und wahrnehmbar. Der Fall Nexperia verdeutlicht eine neue globale Dimension, die den Regulator noch mehr ins Boot holt.
Staatliche Intervention
Der niederländische Halbleiterhersteller Nexperia hat einen chinesischen Mutterkonzern „Wingtech Technology“. Die niederländische Regierung übernahm unlängst zeitweise die Kontrolle bei Nexperia wegen „schwerwiegender Governance-Mängel“. So soll der CEO unter anderem große Aufträge an eine mit „Wingtech“ verbundene chinesische Wafer-Fabrik vergeben haben, obwohl der tatsächliche Bedarf deutlich geringer war – und zwar in einem Ausmaß, dass dieses „Geschäft“ unternehmensgefährdend war, stellte ein Gericht fest. Solche Vorgänge deuten darauf hin, dass der Eigentümer Entscheidungen traf, die möglicherweise den strategischen Zielen Chinas dienten, etwa durch die Stärkung chinesischer Produktionskapazitäten, Know-how-Transfer und einem „finanziellen Ausräumen“, somit im Widerspruch zu den Interessen der niederländischen Wirtschaftssicherheit standen. Die Regierung sah darin eine potenzielle Gefährdung – mit der Konsequenz, dass die europäische Automobilindustrie, welche auf Nexperia-Chips angewiesen ist, stillstand. Ein mutiger und schädlicher Schritt zugleich. Man stelle sich das in Österreich vor.
Lehren für die Governance
Learnings: Klar ist, die Eigentümerstruktur ist wesentlich für die gelebte Governance. Diese muss international, auch gegenüber Mutterkonzernen, belastbar sein. Interessenskonflikte entstehen nicht nur auf individueller Ebene, sondern können auch geopolitische Dimension haben. Es zeigt sich das Problem moderner Industriepolitik: In einer globalisierten Wirtschaft, in der Eigentum, Produktion und Technologie über Ländergrenzen hinweg verflochten sind, lassen sich Konflikte zwischen wirtschaftlichen, politischen und sicherheitsrelevanten Interessen kaum vermeiden. Wenn klassische Governance wie Transparenz, Offenlegung und ethisch-individuelle Eignung versagt, müssen Staaten dann als Ultima Ratio eingreifen, um nationale Interessen und technologische Unabhängigkeit zu schützen.
Ob Staaten hierzu die nötige Schnelligkeit und Kompetenz haben, darf man hinterfragen. Einstweilen entsteht ein neues juristisches Schlachtfeld mit massiven Eingriffen in die Privatautonomie, auch abseits der Sicherheitspolitik.
Die Dialektik dieser Entwicklung kann man sich leicht vorstellen.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Aktien, die noch günstig sind
Wir haben Biotech- und Pharmaaktien mit Aufholpotenzial für Sie analysiert.
Michael Kordovsky. Zollunsicherheit bei europäischen Pharmafirmen und Donald Trumps Forderung nach Preissenkungen belasteten die Stimmung. Die Branche erlebt eine „neue Realität“, die aber in zahlreichen Aktienkursen bereits eingepreist ist. Ein Indiz dafür: Der 64 Werte enthaltende World Pharmaceuticals, Biotechnology and Life Sciences Index (USD) weist per 31. Oktober mit 15,7 ein niedrigeres Forward-KGV auf als der MSCI World (20,6) aus.
So findet man Aspiranten
Neben einem niedrigen KGV und im Falle von roten Zahlen hohen Cash-Reserven ist ein Blick auf den Chart sehr wichtig. Gemäß dem Motto „In der Ruhe liegt die Kraft“ sollte auf eine idealerweise mehrjährige, zumindest aber monatelange Seitwärtsbewegung geachtet werden. Ist bereits ein Ausbruch erfolgt, kann auf den fahrenden Zug aufgesprungen werden, sofern etwas Neues bevorsteht, sprich erfolgversprechende Umstrukturierungen im Gange oder besondere Medikamente in der Pipeline sind.
Die ganz großen Klassiker: Biontech und Pfizer
Nach dem Abflauen des Corona-Impfbooms läuft Biontech seitwärts. Das Fundament bleibt stark: 16,7 Milliarden Euro liquide Mittel versus 21,6 Milliarden Euro Marktkapitalisierung. Mehr als 20 Onkologie-Studien in Phase II/III sichern Pipeline-Potenzial. Das Unternehmen hat zuletzt seine Umsatzprognose angehoben und die Chancen stehen gut, dass bis 2028 besondere Krebsmittel des Unternehmens auf den Markt kommen.
Eine längere Seitwärtsbewegung auf niedrigerem Niveau zeigt auch der Kurs von Pfizer, die Unsicherheit durch einen Deal mit der US-Regierung reduzierte, indem sie Medienberichten zufolge, die Medikamentenpreise in den USA an die niedrigsten Preise anderer Industrienationen anpasst. Pfizer hat ein Kostensenkungsprogramm laufen, das von 2024 bis Ende 2027 Nettoeinsparungen von umgerechnet 6,3 Milliarden Euro bringen sollte. Hinzu kommen eine Reihe vielversprechender Krebsmittel in Phase III. Das Unternehmen rechnet für 2025 mit einem bereinigten Gewinn je Aktie 2,61 bis 2,74 Euro, was einem KGV von rund 8,1 entspricht. Das Unternehmen hat in den vergangenen vier Quartalen die Gewinnprognosen der Analysten im Schnitt um 35 % übertroffen.
Weitere günstige Bewertungen
Der Aktienkurs des erfolgreichen Onkologie-Unternehmens Exelixis befindet sich in einem Aufwärtstrend. Ein aktuelles Highlight kommentiert Michael M. Morrissey, Präsident und CEO von Exelixis in der Aussendung vom 4. November: „Das Cabozantinib-Franchise entwickelte sich weiterhin überdurchschnittlich gut und verzeichnete ein anhaltendes Wachstum bei Nierenzellkarzinomen und neuroendokrinen Tumoren, wo Cabometyx seine Position als führende orale Therapie für neue Patientenanteile im Second-Line- und späteren Setting ausbauen konnte.“ Die Analysten von Zacks rechnen 2026 mit 15 % Gewinnanstieg pro Aktie, und das für 2026 geschätzte KGV liegt bei 13,2.
Auf niedrigem Niveau nachhaltig nach oben aufbrechen könnte der Kurs von Sanofi, deren Flaggschiff-Produkt, Dupixent (Behandlung von Neurodermitis, COPD und Asthma) im dritten Quartal 26,2 % Umsatzwachstum verzeichnete. Der Gewinn pro Aktie sollte laut Analystenschätzungen von 7,74 Euro im Jahr 2025 bis 2029 auf 11,04 Euro wachsen. Bei einem Kurs von 85,6 Euro liegt das für 2027 geschätzte KGV bei 9,5.
Nach langjähriger Durststrecke wieder im Aufwärtstrend ist auch der bedeutende Anbieter von Medikamenten gegen HIV und Hepatitis C, Gilead Sciences, der per 6. November laut Zacks-Konsens mit einem für 2026 geschätzten KGV von 14,5 bewertet ist.
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„Institutionelle Investoren stehen in den Startlöchern“
21Shares-Experte Bernhard Wenger über das Bitcoin-Kurspotenzial und das steigende Interesse am Krypto-Asset.
Patrick Baldia. Vor kurzem wurde die Übernahme des weltweit ersten und größten Emittenten von Krypto-ETPs (Exchange Traded Products; das sind Finanzinstrumente, die an einem etablierten Handelsplatz gehandelt werden und eine Alternative zu direkten Investments in Kryptowährungen sind, Anm.) durch das US-Unternehmen FalconX bekannt. Grund genug, mit Bernhard Wenger, Head of Northern Europe 21Sha-res, über die Transaktion, aber auch das steigende Interesse an der Anlageklasse zu sprechen.
Börsen-Kurier: 21Shares wurde von FalconX, einem Prime-Broker aus den USA, übernommen. Was bedeutet das für Ihre Kunden?
Bernhard Wenger: Zunächst einmal nicht viel. Wir werden unser Geschäft nach der Übernahme eigenständig weiterführen. Was laufende Produkte bzw. ETPs betrifft, wird es keinerlei Veränderungen geben. Sehr wohl werden wir jedoch in Zukunft institutionellen und privaten Investoren ein noch umfassenderes Angebot an Lösungen bzw. regulierten, digitalen Vermögenswerten anbieten können. Hier kommt uns zugute, dass FalconX ebenfalls ein Krypto-Unternehmen ist, das zum Beispiel bei Derivaten sehr gut aufgestellt ist. Wir werden also, wenn ein ETP oder ETF nicht die richtige Lösung ist, flexibler sein können, vor allem, was den institutionellen Bereich betrifft.
Börsen-Kurier: Können Sie zu geplanten neuen gemeinsamen Produkten etwas sagen?
Wenger: Dazu ist es noch zu früh. Die Übernahme ist ja gerade erst bekannt gegeben worden. Nun muss sie finalisiert bzw. Details ausgehandelt werden. Sehr wohl werden wir (als 21Shares) aber in den kommenden Monaten einige neue Single-Underlyings auflegen, über die ich allerdings noch nichts verraten kann. Erst Mitte Oktober haben wir ja drei neue ETPs vorgestellt, die neue Möglichkeiten im digitalen Anlageuniversum eröffnen. Bei 21shares Bittensor ETP, 21shares Maple Finanz ETP und 21shares Pendle ETP handelt es sich um eher kleinere Protokolle zu Spezialthemen wie Künstliche Intelligenz oder Decentralised Finance, die aber alle Voraussetzungen erfüllen, um auch an einer traditionellen Börse gehandelt zu werden.
Börsen-Kurier: Derzeit mehren sich die Stimmen, dass sich das Ende des laufenden Bitcoin-Booms abzeichnet. Wie sehen Sie das?
Wenger: Wir sehen den Markt eher positiv. Aber natürlich kann man nicht leugnen, dass wir in den vergangenen Wochen eine gewisse Konsolidierung gesehen haben. Phasenweise wirkte der Markt fast ein wenig orientierungslos. Man darf aber nicht vergessen, dass es neben Gewinnmitnahmen nach einer langen Hausse auch einigen Stress gab. Zuletzt etwa als US-Präsident Donald Trump neue Zölle gegen China angekündigt hat. Das alles hat der Bitcoin aber ganz gut weggesteckt. Es gibt ja weiterhin genügend Katalysatoren, die versprechen, dass es nach der aktuellen Phase nochmals ein Stück bergauf gehen kann.
Börsen-Kurier: Welche Katalysatoren wären das?
Wenger: Ein großer Treiber ist sicher die starke und weiter steigende Nachfrage nach Bitcoin-ETFs. Wir glauben, dass sobald der laufende Shutdown in den USA beendet ist, neue Krypto-ETFs aufgelegt werden könnten. Davon würde der ganze Markt profitieren. Auch die institutionelle Adaption nimmt weiter ihren Lauf. Allein die ETF-Flows zeigen, dass auch Pensionsfonds und Corporates eingestiegen sind. Dazu kommen die sogenannten Bitcoin-Treasuries, also Unternehmen deren Hauptzweck es ist, Bitcon- oder andere Krypto-Bestände aufzubauen. Sie zählen ja auch zu den institutionellen Anlegern.
Börsen-Kurier: Interessieren sich auch heimische institutionelle Investoren für Krypto-Assets?
Wenger: Eher nicht so sehr, wie das bereits in anderen Ländern der Fall ist. Meiner Einschätzung nach stehen sie jedoch in den Startlöchern. Etwas mehr Anfragen haben wir in Europa. Auch wenn man sie noch an einer Hand abzählen kann, zeigt das doch, dass sie nach Möglichkeiten suchen, sich mit neuen Assets zu diversifizieren. Noch gibt es ja die eine oder andere offene regulatorische Frage, die allerdings in den kommenden zwölf bis 18 Monaten geklärt werden sollte.
Börsen-Kurier: Kommen wir nochmals zur Performance zurück: Ist der Bitcoin mittlerweile zu teuer geworden?
Wenger: Nein, das glauben wir nicht. Vielleicht etwas auf mittlere Sicht. Der Bitcoin ist jedoch ein langfristiges Investment. Mit einem auf 21 Millionen Stück begrenztem Angebot. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Das bedeutet letztlich: Steigt die Nachfrage nach Bitcoin, wird ganz einfach auch der Preis steigen.
Börsen-Kurier: Was müsste aber passieren, damit die Krypto-Stimmung kippt bzw. es etwa zu einem neuerlichen „Krypto-Winter“ kommt?
Wenger: Bei Verschärfungen der makroökonomischen oder geopolitischen Lage geraten Risiko-Assets generell unter Druck. Davon können sich auch Kryptowährungen nicht entziehen. Ein weiteres Risiko wäre, wenn es in den USA in regulatorischer Hinsicht nicht so gut läuft, wie sich das einige wünschen. Danach schaut es im Moment jedoch nicht aus.
Börsen-Kurier: Eignet sich der Bitcoin als eine Art Goldersatz im Portfolio?
Wenger: Mit dem Begriff „digitales Gold“ tu ich mir etwas schwer. Bei 21Shares sehen wir den Bitcoin als digitalen Wertspeicher. Wie Gold ist er in erster Linie ein Investment und nicht ein Zahlungsmittel. Eine weitere Gemeinsamkeit: Sowohl das Angebot von Gold als auch Bitcoin ist begrenzt. Anders als bei der Kryptowährung, die ja bei 21 Millionen Stück begrenzt ist, wird es nicht so schnell passieren, dass uns auf der Erde Gold ausgehen wird. Bitcoin ist weniger ein Goldersatz als vielmehr eine Ergänzung mit Diversifikationseigenschaften.
Foto: 21Shares
Die Stimmung in den USA kippt
Auch, wenn der Shutdown endet: Die Sorgen der US-Konsumenten liegen tiefer.
Jens Korte, New York. Es sind eigenartige Zeiten. Zuletzt trugen Investitionen in Künstliche Intelligenz mehr zum Wirtschaftswachstum in den USA bei als der Konsum. Dabei steht die Inlandsnachfrage traditionell für rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung. Die gesamte Wirtschaftskraft der USA hängt grundsätzlich immer noch am US-Verbraucher. Deshalb ist es auch für die Wall Street nicht ganz unerheblich, ob der Supertanker auf Kurs bleibt. Die jüngsten Entwicklungen geben hier eine Antwort.
Die Stimmung schlägt um
Jüngste Daten zur Konsumentenstimmung haben fast den tiefsten Stand der Historie erreicht. Dieser Index wird erst seit den 1970er Jahren erhoben. Deshalb ist historisch ein großes Wort. Aber der Trend ist deutlich. Die Amerikaner sind nicht happy. Donald Trump führt das auf den Shutdown zurück. Es ist mit Sicherheit nicht hilfreich, dass hunderttausende Amerikaner seit Wochen auf Sozialhilfe oder andere Zahlungen warten. Aber die Sorge der Bevölkerung liegt tiefer. Laut Challenger Gray & Christmas, einem der bekanntesten Personalberater im Land, hat die Zahl der angekündigten Kündigungen den höchsten Stand seit 22 Jahren erreicht. Aufgrund des Shutdowns in Washington gibt es seit Wochen keine zuverlässigen Daten vom Arbeitsmarkt.
Kündigungen werden mehr
Wir sollten nicht zu viel in eine Erhebung hineininterpretieren. Aber es gibt sehr wohl einige Anzeichen, dass die Lage schwieriger wird. Während der Pandemie war es für viele Unternehmen extrem kompliziert, Mitarbeiter zu finden. Deshalb zögerten viele Arbeitgeber, Leute zu kündigen, als sich die Lage wieder entspannte. Doch diese Zurückhaltung scheint sich langsam aufzulösen.
Massenkündigungen gibt es bisher noch nicht, aber bei den Neueinstellungen sind die US-Konzerne vorsichtiger geworden. Laut Challenger spielt die neue, disruptive Technologie zudem eine ähnliche Rolle wie 2003, weshalb die Job-Lage schwieriger wird. Damals war es die Dot-com-Welle, heute ist es der KI-Hype. Ungeachtet dieser Trends wird das Leben für viele Amerikaner immer unerschwinglicher. Die Inflationsraten liegen zwar heute deutlich unter der Teuerung vor drei Jahren. Aber im Vergleich zu 2020 sind etwa Mieten oder Lebensmittelkosten um fast 30 % gestiegen.
Wall Street noch auf Kurs
Die Aktienmärkte haben das bisher gut abgefedert, weil ein relativ kleiner aber sehr zahlungskräftiger Teil der Bevölkerung das Wachstum am Laufen hält. Wenn jetzt die Wall Street abkühlen sollte, dann könnte auch der Schub der Wohlhabenden für die Wirtschaft nachlassen. Und dann könnte 2026 ein schwieriges Umfeld für Wirtschaft und Aktien werden.
Foto: Adobe Stock / Igor_Tichonow
Versichern gegen KI-Risiken: Geht das überhaupt?
Eine „Omni-Polizze“ für KI-Risiken werde es nie geben, den betroffen sind viele Bereiche.
Marius Perger. Welche Risiken mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz einhergehen, welche von ihnen durch Versicherungen abgedeckt werden können und welche Herausforderungen es für die Versicherungsindustrie gibt, war Thema eines Vortrags Kerstin Keltner, Managing Director Specialty beim Risikoberater Aon Austria sowie Universitätslektorin, beim diesjährigen Trendtag des Branchenmagazins Asscompact in Vösendorf bei Wien.
KI wirke in viele Unternehmensbereiche hinein, betonte Keltner einleitend. Seit 2024 werde KI aktiv als Angriffswerkzeug von Verbrechern genutzt, von KI-gestützten Ransomware-Angriffen über die Manipulation von „smarten“ Geräten bis zur Entwicklung bösartiger Inhalte. Der Einsatz von KI könne aber auch zu Beratungsfehlern führen; so habe das Beratungsunternehmen Deloitte KI für einen Bericht an ein Ministerium in Australien verwendet, die Künstliche Intelligenz habe dabei aber „halluziniert“. Diese falsche Beratung habe bei Deloitte einen Vermögensschaden verursacht. Und selbst KI-Anbieter seien nicht vor Angriffen gefeit, wie ein Fall aus Österreich aus der Vorwoche zeigt. Am vergangenen Sonntag hat das heimische Start-up Localmind.ai einen „Sicherheitsvorfall“ festgestellt und alle betroffenen Systeme vorübergehend offline genommen.
Alle Sparten betroffen
Diese Risikosituation führe dazu, dass alle Versicherungssparten betroffen sind, so Keltner. Es gebe aber keine „Omni-Polizze“ für KI-Risiken und es werde diese auch nie geben, zeigt sie sich überzeugt. Die Cyberversicherung decke jedenfalls nur einen kleinen Teil ab.
Immer stärker in den Vordergrund rücke die D&O-Versicherung (Directors-and-Officers-Versicherung, auch Organ- oder Manager-Haftpflichtversicherung, Anm.); beispielsweise handle es sich um eine Pflichtverletzung, wenn Geschäftsführer keine KI-Strategie haben. Social-Engineering-Fälle (vorgetäuschte Identitäten) wiederum fallen in den Bereich der Vertrauensschaden-Versicherung. Weitere Risiken, die jeweils explizit versichert werden müssten, sind beispielsweise Urheberrechtsverletzungen durch KI, Produktfehler durch den Einsatz von KI in der Produktion, diskriminierende Entscheidungen der KI sowie Personen-, Sach- oder Reputationsschäden.
Herausforderungen für Versicherbarkeit
Die starken und dynamischen Entwicklungen im Bereich der KI würden die Versicherungswirtschaft vor große Herausforderungen stellen, betont Keltner. Aufgrund der fehlenden Standardisierung sei die Konzeption von Produkten kaum möglich. Darüber hinaus bestehe oft Unklarheit über den Versicherungsumfang bestehender Produkte im Hinblick auf die neue Risikosituation, was häufig zu Deckungsstreitigkeiten führe. Der Versicherungsschutz müsse öfter überprüft und angepasst werden. Schließlich sei auch die Abwicklung im Schadenfall komplex. Diese stelle alle Beteiligten vor große Herausforderungen, oft führe auch die Haftung zu komplexen Rechtsfragen.
Inzwischen verschiedene Angebote
Der Versicherungsmarkt reagiere bereits auf die unterschiedlichen KI-Risiken und entwickle sich, sagt Keltner. Echte KI-Deckungen gebe es derzeit aber nur von Spezialversicherungen. Besonders achten sollte man auf mögliche Deckungseinschränkungen bei KI-Deckungen. Beispiele für auf dem Markt befindliche Angebote seien eine KI-Performance-Versicherungslösung, eine Ausweitung des Deckungsumfangs der bestehenden Cyberversicherung auf KI-Risiken oder KI-Haftpflichtversicherungen für KMU. Aber auch Versicherungen für Anbieter von KI-Lösungen oder Eigenschadenversicherungen für Unternehmen, die KI-Lösungen von Dritten beziehen, um damit ihre Betriebstätigkeit auszuüben oder KI-Lösungen in ihre Produkte einbauen, werden inzwischen angeboten.
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Private Vorsorge: Warum Österreich ein Problem hat
Herausforderungen und Lösungsansätze für Finanzberater im Umgang mit Kunden.
3.5.2026
Warum die dritte Säule in Österreich kaum präsent ist
Jahrelang wurde vermittelt, dass die staatliche Pension – die erste Säule – ausreichen werde. Die Existenz einer Pensionslücke wurde teils bestritten. Nun plant die Regierung eine Stärkung der betrieblichen Vorsorge, also der zweiten Säule. Vorgesehen ist ein Generalpensionskassenvertrag, der Arbeitnehmern ermöglichen soll, ihre Abfertigungssummen beim Pensionsantritt in eine Pensionskasse zu übertragen und so eine lebenslange Zusatzpension zu erhalten.
Die private Vorsorge – die dritte Säule – bleibt jedoch unterrepräsentiert. Ein Round Table mit führenden Versicherungsexperten zeigt, warum das problematisch ist.
Vertrauen in das staatliche System – und warum das gefährlich ist
Stefan Otto (WWK) sieht das Thema „gar nicht präsent“, weil viele Menschen weiterhin auf das staatliche System vertrauen. Markus Zahrnhofer (Merkur) betont, dass über alle drei Säulen gesprochen werden müsse. Die staatliche Pension werde bleiben, aber ihre Höhe sei ungewiss.
Michael Gadinger (Wiener Städtische) fordert eine offene, positive Kommunikation: Private Vorsorge bedeute finanzielle Freiheit im Alter.
Patrick Rechberger (Ergo) verweist auf die steigenden Kosten: Schon heute fließen 13,7 % des BIP in die öffentlichen Pensionen – mit stark steigender Tendenz.
Christian Nuschele (Standard Life) spricht von „maximal einer Grundsicherung“ und fordert mehr Ehrlichkeit in der politischen Kommunikation.
Wie Finanzberater das Thema richtig ansprechen
Zahrnhofer betont das hohe Vertrauen in Versicherungen: Seit 90 Jahren ist in Österreich kein Versicherer insolvent geworden. Vorsorge müsse jedoch vertrauensvoll und sensibel angesprochen werden.
Nuschele verweist auf die demografische Realität: Das Verhältnis von Beitragszahlern zu Pensionisten verschiebt sich dramatisch. Junge Menschen müssten verstehen, dass sie später deutlich weniger staatliche Leistungen erwarten können.
Gadinger sieht Berater in einer Schlüsselrolle. Der Beratungsprozess umfasst drei Schritte:
Schritt 1 – Standortbestimmung
Analyse der aktuellen finanziellen Situation.
Schritt 2 – Vorsorgeplan entwickeln
Darstellung möglicher Lösungen und langfristiger Strategien.
Schritt 3 – Lebenslange Begleitung
Regelmäßige Anpassung des Plans an Lebensumstände und Einkommen.
Nuschele ergänzt: Neben Fachwissen brauche es Empathie, weil viele Menschen Hemmungen haben, ihre finanzielle Situation offenzulegen.
Lebensversicherung als zentrales Vorsorgeinstrument
Gadinger betont die Vorteile der Lebensversicherung: Steuervorteile, Nachlassplanung und langfristige Stabilität machen sie zum „Vorsorgevehikel für die breite Masse“.
Zahrnhofer sieht die Nähe zum Berater als entscheidend – persönlich, digital und prozessunterstützt. Moderne Software soll den Abschluss erleichtern und Transparenz schaffen.
Kapital aus der Pensionskasse – Chance oder Risiko?
Die Regierung plant, dass Menschen beim Pensionsantritt ihr angespartes Kapital aus der Pensionskasse entnehmen können.
Nuschele sieht darin Chancen: Einmalerläge seien attraktiv, und Menschen könnten ihre Finanzplanung im Alter neu ordnen.
Otto warnt jedoch vor Kostenfallen: Wenn Kapital aus der Pensionskasse in neue Produkte fließt, könnten zusätzliche Gebühren entstehen. Eine provisionsfreie Variante wäre nötig – aber für Vermittler unattraktiv.
Zahrnhofer hält die Option dennoch für sinnvoll, etwa bei Unzufriedenheit mit der Performance der Pensionskasse. Versicherer könnten kosteneffiziente Alternativen bieten.
Anlegen im höheren Alter – unterschätzte Möglichkeiten
Gadinger betont, dass aufgrund steigender Lebenserwartung Pensionszeiten von 25 bis 30 Jahren realistisch sind – ein „Super‑Zeitraum“, um Kapital zu veranlagen. Auch ab 65 könne man vom Kapitalmarkt profitieren.
Die Lebensversicherung bietet zudem Vorteile bei der Nachlassplanung: Bezugsrechte ermöglichen eine direkte Auszahlung ohne Verlassenschaftsverfahren.
Zahrnhofer sieht Berater als Lebensbegleiter: Sie müssen Risikoappetit, Lebenssituation und Marktzyklen berücksichtigen. Die Kapitalmärkte hätten gezeigt, dass Erholungsphasen nach Krisen immer kürzer werden.
Rechberger ergänzt: Wer Ertragschancen will, muss ein gewisses Risiko akzeptieren – unabhängig vom Alter.
Autor: Marius Perger
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Finanzbildung- und Investmenttag sollten Weltspartag ersetzen
Florian Beckermann. Weltspartag, Allerheiligen, Allerseelen – die morbide Reihe war vergangene Woche vollständig. So kann man die Relevanz des Jahrestages des Sparens einordnen. Die Unwichtigkeit dieses „Gedenktages“ ist kaum zu überbieten, wenn man denn überhaupt solchen Tagen – abseits der Religion oder Verfassung – etwas abgewinnen kann. Als wäre der Weltkindertag nicht mindestens 365 Tage im Jahr …
Der Weltspartag soll das Bewusstsein für die Bedeutung des Sparens stärken und vor allem Kinder und Jugendliche an den verantwortungsvollen Umgang mit Geld heranführen. Trotz seiner positiven Grundidee hat seine ursprüngliche Bedeutung in der modernen Zeit an Wirkung verloren. In einer digitalisierten Finanzwelt, in der viele Menschen Online-Banking, Wertpapierdepots oder Kryptowährungen nutzen, wirkt das traditionelle Konzept des „Sparbuchsparens“ veraltet.
Die Sparschweine sind geschlachtet. Der Weltspartag vermittelt daher teilweise ein überholtes Verständnis von Geldanlage, das sich vor allem auf das klassische Sparen auf dem Bankkonto bezieht – eine Form des Sparens, die bei niedrigen Zinsen kaum noch Erträge bringt.
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass der Weltspartag häufig mehr Marketinginstrument als echte Bildungsinitiative ist. Viele Marktteilnehmer nutzen diesen Tag, um neue Kunden zu gewinnen oder Kinder frühzeitig an ihre Marke zu binden, indem sie Geschenke oder kleine Prämien anbieten. Der pädagogische Wert tritt dabei oft in den Hintergrund, während wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen. Ist das modern?
Zudem kann der Weltspartag eine einseitige Botschaft vermitteln. Er legt den Fokus stark auf das Sparen als Tugend, ohne gleichzeitig über andere wichtige Aspekte der Finanzbildung zu informieren – etwa Investieren, nachhaltiges Wirtschaften oder Schuldenmanagement. Dadurch entsteht der Eindruck, dass reines Sparen immer die beste Lösung sei, obwohl in der heutigen Zeit auch andere Finanzstrategien notwendig sind, um Vermögen aufzubauen oder Inflation auszugleichen.
Nicht zuletzt ist der Weltspartag in vielen Ländern zu einer reinen Symbolveranstaltung geworden, die in der Bevölkerung kaum noch Aufmerksamkeit findet. Viele Menschen sehen darin eine nostalgische Tradition ohne großen praktischen Nutzen.
Insgesamt lässt sich sagen, dass der Weltspartag zwar eine gute Idee mit langer Tradition ist, seine Botschaft jedoch an die moderne Finanzrealität angepasst werden müsste. Nur wenn er breiter angelegt wird – etwa mit Themen wie Finanzkompetenz, Nachhaltigkeit und verantwortungsvollem Konsum – kann er auch in Zukunft eine wirklich sinnvolle Rolle spielen.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
Auf Dividendenjagd in Wien
Fünf heimische Konzerne mit Renditen von mehr als 4,5 %.
Michael Kordovsky. Österreich ist in der Tat ein Land der Dividenden. Doch sollte man nicht nur nach der reinen Höhe der Dividendenrendite vorgehen, sondern zwei Dinge beachten: Einerseits eine positive Wertentwicklung in den vergangenen fünf Jahren von mindestens 10 % und andererseits ein Maß an Ertragskontinuität, damit eine Dividendenrendite von 4,5 % problemlos aus Gewinn und Cashflow finanziert werden kann. Mit dieser einfachen Selektion können Anleger mit einer hohen Wahrscheinlichkeit größere Enttäuschungen vermeiden. Wichtig ist noch, dass man innerhalb seines Portfolios zumindest auf vier bis fünf Dividendentitel setzt, um eine gewisse Streuung zu erreichen. In diesem abgesteckten Rahmen kommen nachstehende Werte in Frage.
Hochprozentige OMV-Aktie
Die OMV ist von der Höhe her der Dividendenkaiser: Für die Jahre 2022 und 2023 lag die Dividende bei 5,05 Euro/Aktie, und trotz rückläufiger Öl- und Gaspreise wurden für 2024 noch immer 4,75 Euro /Aktie ausgeschüttet, woraus bei einem Kurs von 46,98 Euro eine Dividendenrendite von 10,1 % resultiert.
In den Jahren 2020 bis 2024 betrug der Cashflow pro Aktie ein Vielfaches der Dividendenausschüttungen und der Gewinn pro Aktie lag im Durchschnitt dieses Zeitraums ebenfalls darüber. Laut Finanzen.net-Konsens rechnen Analysten zwar zwischendurch mit einer leichten Dividendenkürzung auf 4,34 Euro für 2025, aber mit graduellen Anhebungen auf 5,05 Euro bis 2028. Doch selbst bei nur 4 Euro läge eine Dividendenrendite bei 8,5 %.
Post und Bawag mit Potenzial
Ein regelrechter Dividendenklassiker ist die heimische Post, die mit Bank99 ein weiteres Standbein hat. Seit 2006 schüttet das Unternehmen jedes Jahr eine Dividende aus, die 2018 und 2019 mit 2,08 Euro ihr vorläufiges Hoch erreichte. Auf Basis der Dividendenausschüttung von 1,83 Euro im Jahr 2024 liegt bei einem Kurs von 30 Euro die Dividendenrendite bei 6,1 %. Rückblickend bis 2015 hat der operative freie Cashflow die Dividendenausschüttung jedes Jahr mehr als gedeckt. Analysten rechnen laut MarketScreener-Konsens bis 2027 mit einem schrittweisen Dividendenanstieg auf 2,01 Euro pro Aktie.
Ein Gipfelstürmer der Wiener Börse ist hingegen die Aktie der Bawag Group, deren Dividendenrendite auf Basis eines Kurses von 110,90 Euro und der Ausschüttung für 2024 von 5,50 E bei knapp 5 % liegt. Bis 2027 strebt das Institut einen Nettogewinn von mehr als 1 Milliarden Euro an (2024: 760 Millionen Euro), und Analysten rechnen in den kommenden Jahren mit starken Dividendenanhebungen.
Verlässliche Erträge aus Versicherung und Telekom
Ebenfalls zu den prominenten Dividendenzahlern der Wiener Börse gehört die Uniqa. Auf Basis einer Ausschüttung von 0,60 Euro und eines Aktienkurses von 12,80 Euro liegt die Dividendenrendite bei 4,7 %. Die Ertragskraft stimmt und Analysten rechnen bis 2027 mit kontinuierlichen Dividendensteigerungen.
Bei der Telekom Austria war die Dividendenausschüttung von 2018 bis 2024 jedes Jahr durch Gewinn und Cashflow gedeckt. In diesem Zeitraum hat sich das Ergebnis pro Aktie in etwa verdoppelt und die im jeweiligen Jahr bezahlte Dividende stieg von 0,20 auf 0,36 Euro und lag 2025 bei 0,40 Euro. Analysten rechnen damit, dass nach der nächsten ordentlichen Hauptversammlung im Jahr 2026 eine Dividende von 0,43 Euro pro Aktie ausgeschüttet wird, woraus bei einem Kurs von 9,16 Euro eine Dividendenrendite von 4,7 % resultieren würde.
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Schlüsseltechnologien als Chance
Unternehmen, die entsprechende Lösungen anbieten, finden sich in vielen Branchen.
Patrick Baldia. Dass die Welt mit großen Herausforderungen konfrontiert ist, ist schwer zu bestreiten – angefangen mit Handelsbarrieren und Zöllen über Energieversorgungssicherheit und militärische Bedrohungen bis hin zu digitalen Risiken wie Cyberangriffen. Eine entscheidende Rolle kommt in diesem Zusammenhang kritischen Schlüsseltechnologien zu. Sie bestimmen, wie souverän, innovativ und widerstandsfähig ein Land sein kann. Für Anleger stellen Unternehmen, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette kritischer Schlüsseltechnologien Lösungen anbieten, wiederum eine spannende Investitionschance dar.
„Unterinvestitionen in Energie, Verteidigung und digitale Netze treffen auf neue geopolitische Risiken; jetzt ist die Zeit, Resilienz systematisch über Schlüsseltechnologien aufzubauen“, sagt Madeleine Ronner, Fondsmanagerin bei der DWS. Mit dem von ihr gemanagten „DWS Invest Critical Technologies“ (ISIN: LU1891278043) investiert sie in Unternehmen, die genau in dem Bereich tätig sind. Zu den kritischen Schlüsseltechnologien zählt die Expertin Robotik und fortschrittliche Fertigung, Cybersicherheit, künstliche Intelligenz und Halbleiter, Energie und Infrastruktur sowie Verteidigung und Raumfahrt.
Portfolio breit aufstellen
Herausfordernd für Anleger ist, dass sich im Anlageuniversum kritischer Schlüsseltechnologien viele Newcomer finden, die noch nicht profitabel sind. „Wir investieren daher in die Teile der Wertschöpfungskette, bei denen die Gewinne bereits heute ankommen“, so Ronner.
Das könnten zum Beispiel Unternehmen sein, die Kabelmanagement- oder Kühllösungen für Rechenzentren anbieten. Wichtig sei es, sich auch abseits der bekannten „Gewinner“-Aktien nach interessanten Themen und Unternehmen umsehen, um ein Portfolio breiter aufzustellen.
Stark vertreten im Anlageuniversum kritischer Schlüsseltechnologien sind jedenfalls Unternehmen aus den USA. Läuft man da nicht Gefahr, zu teuer zu kaufen? „Wir sehen den US-Markt sehr konstruktiv“, hält Ronner fest. Das Bewertungsniveau bereitet zwar auch ihr Sorgen, „aber wenn das Gewinnwachstum anhält, gleicht sich das weitgehend aus“, so die Expertin.
Stichwort Gewinnwachstum. Der positive Trend hält trotz des wirtschaftlich herausfordernden Umfelds weiter an, wie auch die kürzlich begonnene US-Berichtsaison bislang gezeigt hat. Auch die Prognosen für 2026 stimmen: In den kommenden zwölf Monaten sollte sich das Gewinnwachstum im S&P 500 auf 10 % belaufen.
Europa vor den USA
So konstruktiv man bei der DWS auch für den US-Aktienmarkt sein mag, bevorzuge man dennoch Europa, so die DWS-Expertin. In Deutschland würden ihr vor allem Infrastruktur-Rüstungsaktien gefallen. „Trotz der deutlichen Kursanstiege in den vergangenen Monaten sehen wir, dass in diesen Bereichen noch nicht alles eingepreist ist.“
Das spiegelt auch ihr Portfolio, wo Renk Group und Rheinmetall aktuell die größten Positionen sind, gefolgt von Nvidia und Broadcom, zwei Werten aus dem Halbleiterbereich. Mit Leonardo, BAE Systems und Saab gehören im Übrigen drei weitere Rüstungsaktien zu den zehn größten Werten in ihrem Fonds. Ein weiterer heißer Tipp für Anleger: Energie- und Stromversorger. Denn vor allem die stark steigende Zahl an Datencentern treibt den Energiebedarf in die Höhe.
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In München schläft die Börse kaum noch
Wie das vollelektronische Handelssystem Gettex seine Marktposition in Marktnischen konsequent ausbaut.
Stefan Riedel, München. Deutschlands Börse mit den längsten Handelszeiten hat ihren Sitz in einer unscheinbaren Seitenstraße nahe des Münchner Hauptbahnhofs. Dort können Anleger unter der Woche von 8.00 bis 22.00 Uhr mit Zertifikaten, und von 7.30 bis 23.00 Uhr mit Aktien, Fonds, ETPs und Anleihen handeln. Das im Jänner 2015 von der Börse München aus der Taufe gehobene Börsensegment Gettex hat auch in anderer Hinsicht eine Einzelstellung – und zeigt, wie regionale Börsen mit spezifischen Dienstleistungen eine Marktnische besetzen können.
Keine Broker, keine Banken
So ist Gettex die deutschlandweit erste Börse, auf der die Market Maker direkt ihre Preise stellen. Als erster Anbieter konnte man auch den Börsenhandel zu OTC-Preisen anbieten, was Zeit und Kosten für den Wertpapierhandel spart. Und weil die Abwicklung hochgradig automatisiert ist, arbeitet auch die Börse München kostenbewusst. Weniger als 40 Angestellte zählt man. Dazu können interne Synergien gehoben werden mit Max One, dem zweiten Handelsplatz der Börse München, etwa in der Marktsteuerung und der Handelsüberwachung.
Rund 830.000 Produkte sind aktuell an der Gettex handelbar – und für alle diese Wertpapiere besteht nach den Worten von Lars Reichel (Foto) eine reelle Nachfrage. „Wir haben hier keine Karteileichen“, betont der Head of Sales gegenüber dem Börsen-Kurier. Dafür sorge auch das Real Time Listing. In der Praxis bedeutet das: Endanleger können für Produkte, die sie auf Gettex nicht finden, per Mail an das Listing Team eine Zulassung formlos beantragen, die nach Prüfung mit den Market Makern erfolgt. Neben den Aktien spielen Anleihen in Fremdwährungen und vor allem ETFs eine wichtige Rolle. Im September 2025 beliefen sich die gesamten Mittelzuflüsse auf 50 Milliarden Euro. Mehr als 190 Milliarden Euro an Zuflüssen verzeichneten Aktien-ETFs seit Jahresanfang.
Privatanleger dominieren
„Bei den Anlegergruppen sehen wir uns aufgrund der effizienten Kostenstrukturen primär retail-getrieben, können aber auch größere institutionelle Tickets zu marktgerechten Kursen durchführen. Außerhalb der normalen Handelszeiten geben vor allem gut informierte Trader ihre Orders auf“, betont Reichel. 44 österreichische Aktien können aktuell auf Gettex zu den verlängerten Handelszeiten gekauft und verkauft werden. Steyr Motor, Kontron und OMV sind hier die aktuell meistgehandelten Wertpapiere.
Aus Österreich sind einige Order-Flow-Provider angebunden wie die Dadat Bank, Easybank, Erste Group, Raiffeisen Bank International oder Traders Place. Um die Kontakte in die österreichische Finanzwelt weiter auszubauen, ist die Gettex übrigens auch wieder am Börsentag Wien im nächsten Jahr präsent.
Neue Wachstumstreiber
Mit neuentwickelten Produkten wie Sentiment-Analysen will die Börse München weitere Anleger auf die Plattform ziehen. „Um ein Gefühl und eine Einschätzung zum positiven und negativen Anlegerverhalten auf Markttrends zu bekommen, haben wir ‚Gettex-Risiko-Indikatoren‘ formuliert, welche die aktuelle Marktstimmung visualisieren. Die Kategorien lauten Bullish und Bearish, teilweise ergänzt mit einer Volatilitäts- und Momentum-Analyse. Auf der Gettex-Webpage können sich Anleger unter der Rubrik Handelsidee einen Überblick verschaffen, ob gerade mehr Käufer oder Verkäufer aktiv sind“, erläutert Reichel. Die Risiko-Indikatoren sind nach Euro und US-Dollar bzw. nach langfristigem und kurzfristigem Bereich getrennt.
Mit Gettex will die Börse München über die bayerischen Landesgrenzen hinaus weiterwachsen. Zum einen, indem weitere Banken und Broker für das Konzept beim Wertpapierhandel begeistert werden. Zum anderen, indem der Zertifikate-Handel weiter forciert wird: Hier ist Gettex mit mehr als 50 % aller Handelsvolumina bereits die klare Nummer Eins in Deutschland.
Foto: Börse München
Liegt der Öl-Preis bald bei 30 US-Dollar?
Jens Korte ist der Wall Streeter und berichtet für uns aus New York
Drill, Baby, drill! Das versprach Donald Trump der Ölindustrie und seinen Wählern im Wahlkampf. Doch die Ölkonzerne stecken in einem Dilemma. Zum einen macht die Regierung den Weg frei für neue Öl- und Gasprojekte. Doch auf der anderen Seite droht global eine Ölschwemme. Die Opec+-Staaten wollen den Amerikanern nicht das Feld überlassen, sie kämpfen um Marktanteile und sind nicht mehr bereit, zu Lasten der eigenen Quoten die Förderung zu drosseln.
Seit April haben die Opec+ Staaten jeden Monat die Förderquoten gesteigert. Erst am vergangenen Wochenende wurde erneut eine weitere Steigerung beschlossen. Das erhöhte Angebot ist einer der Gründe, warum der Ölpreis kürzlich unter die 60-USD-Marke pro Barrel fiel (die US-Sorte West Texas Intermediate, Anm.). Die Situation könnte sich 2026 zuspitzen. Laut der International Energy Agency könnte der tägliche Überschuss im kommenden Jahr vier Millionen Barrel erreichen. Mit anderen Worten: Es würden im Schnitt pro Tag vier Millionen Barrel mehr gefördert als benötigt oder nachgefragt werden. Mitte der 90er Jahre betrug dieser Überschuss keine 500.000 Barrel. Und es würde im Vergleich zu diesem Jahr fast einer Verdoppelung entsprechen.
Erste Analysten prognostizieren, dass der Ölpreis im kommenden Jahr auf rund 35 USD pro Barrel absacken könnte. Solche Schätzungen sind aber immer mit Vorsicht zu genießen. Zum einen haben die Opec+-Staaten angedeutet, dass sie eventuell im kommenden Jahr auf weitere Steigerungen bei den Förderquoten verzichten wollen. Dann ist auch die Frage, ob die Ölkonzerne die Produktion drosseln, um die Preise zu stabilisieren. Zumindest für die großen US-Ölmultis scheint das bisher jedoch noch nicht zu gelten. Exxon Mobil hat für das abgelaufene Quartal Rekordquoten bei den Ölvorkommen in Guyana sowie den Fracking-Feldern im Permian Basin in den USA gemeldet. Chevron hat für die USA ebenfalls einen Rekord-Output erzielt.
Ölaktien sind nichts für schwache Nerven
Spurlos gehen die tiefen Preise nicht an den Ölkonzernen vorbei. Exxon meldet einen Gewinnrückgang um 12 %. Bei Chevron ist der Gewinn sogar um 21 % gefallen. Als Gegenmaßnahme hatte Chevron angekündigt, bis Ende 2026 rund 20 % der globalen Belegschaft zu kündigen. Das letzte Mal, dass der Ölpreis bei 30 USD notierte, war zur Hochphase der Pandemie. Doch dann ging es auch wieder hoch auf mehr als 100 USD pro Barrel.
Nun folgt also die nächste Stressphase für den Ölmarkt. Investitionen in den Ölsektor sind nichts für schwache Nerven.
Foto: Korte
Auktionen, Galerien und der Markt
Zwei Welten, ein Ziel: der Wert der Kunst. So funktioniert der Kunstmarkt.
Lea Schweinegger. Wer verstehen will, wie Preise in der Kunst entstehen, muss die unterschiedlichen Mechanismen von Galerien und Auktionshäusern kennen. Beide prägen den Markt – aber auf völlig verschiedene Weise.
Primärmarkt: Die Rolle der Galerie
Galerien bilden das Fundament des sogenannten „Primärmarkts“. Hier wird ein Werk erstmals verkauft – meist direkt nach seiner Entstehung. Die Galerie arbeitet eng mit den Künstlerinnen und Künstlern zusammen, entwickelt deren Karriere, organisiert Ausstellungen, trägt Kosten für Präsentationen, Kataloge oder Messen und fungiert zugleich als Berater, Kurator und Manager.
Der Preis eines Kunstwerks wird gemeinsam mit dem Künstler festgelegt – ein Fixpreis, der Stabilität garantiert. Grundlage ist häufig der sogenannte „Künstlerfaktor“ (Größe x Faktor), um Preisentwicklung und Marktwert transparent zu halten. Die Galerie erhält in der Regel eine Provision von 30 bis 50 %, die ihre Aufwendungen deckt. Preisstabilität ist hier entscheidend: Ein Unterbieten würde das gesamte System gefährden.
Sekundärmarkt: Bühne der Auktionen
Auktionshäuser agieren im Gegensatz dazu auf dem Sekundärmarkt – dem Wiederverkauf bereits im Umlauf befindlicher Werke. Hier bestimmen Angebot, Nachfrage und Emotionen den Preis. Er entsteht in Echtzeit durch das Bieten – volatil, öffentlich, oft spektakulär.
Das Auktionshaus bietet Expertise, Schätzungen und Logistik, lebt aber von der Dynamik des Augenblicks. Zuschläge können die Erwartungen weit übertreffen – oder deutlich darunterbleiben. Hinzu kommt ein Aufgeld, meist zwischen 20 und 30 %, das an das Auktionshaus geht. Die erzielten Preise sind öffentlich dokumentiert und gelten als Gradmesser des internationalen Marktwerts eines Künstlers.
Globale Player und heimische Größen
Weltweit dominieren einige Traditionshäuser die Branche – darunter Sotheby’s, Christie’s, Bonhams, Poly Auction, Holly International und andere. Sie setzen Maßstäbe bei Rekorden und Sammlertrends, insbesondere in den Sparten Alte Meister, Moderne und Zeitgenössische Kunst.
Auch Österreich spielt eine beachtliche Rolle
Das Dorotheum in Wien, gegründet 1707 unter Kaiser Joseph I., ist das älteste Auktionshaus Mitteleuropas und zählt heute zu den führenden im deutschsprachigen Raum. Mit einem Umsatz von mehr als 200 Millionen Euro im Jahr 2022 und einem breiten Angebot – von Alten Meistern über Jugendstil bis zu Juwelen und Oldtimern – prägt es den Markt wie kein anderes Haus hierzulande. Besonders in der „Klassischen Moderne“ und der „Zeitgenössischen Kunst“ erzielt das Dorotheum regelmäßig Spitzenpreise für österreichische Künstler wie Martha Jungwirth oder Arnulf Rainer.
Das zweite große Wiener Haus, Auktionshaus im Kinsky, gegründet 1992 und beheimatet im barocken Palais Kinsky, gilt als Spezialist für österreichische Kunst, Jugendstil und Design. Mit einem Jahresumsatz von rund 23 Millionen Euro (2023) hat es sich als wichtigste Alternative zum Dorotheum etabliert und erzielt regelmäßig Rekordpreise für Werke von Gustav Klimt, Egon Schiele und anderen Meistern der Wiener Moderne.
Zwei Systeme – ein Markt
Galerien und Auktionshäuser verfolgen unterschiedliche Ziele, doch beide sind unverzichtbar für den Kunstmarkt. Während Galerien Karrieren aufbauen und Werte langfristig stabilisieren, spiegeln Auktionshäuser den aktuellen Puls des Marktes wider. Gemeinsam bilden sie ein spannungsreiches System zwischen Beständigkeit und Spekulation – und zeigen, dass Kunst nie nur eine Frage des Geschmacks ist, sondern immer auch eine des Werts.
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Pierer Mobility: Sanierung am Streubesitz vorbei?
Florian Beckermann. Ist die Entscheidung der Übernahmekommission, dass kein Übernahmeangebot von Bajaj an alle Aktionäre der Pierer Mobility gestellt werden muss, eine gute Nachricht? Wie ist die Situation aktuell einzuordnen, insbesondere da der Aktionär bisher von der gesamten Sanierung – Kursverluste ausgenommen – unbehelligt bliebt?
Die Entscheidung der Kommission unterstreicht den aktuellen Trend: Das Übernahmerecht steht der Unternehmenssanierung selten entgegen. Die Gründe dafür sind vielfältig, für den Streubesitz sind sie strategisch nachteilig.
Das Spannungsfeld zwischen Insolvenz und vorinsolvenzlicher Restrukturierung bei börsennotierten Unternehmen ist von hoher Komplexität geprägt, da hier rechtliche, wirtschaftliche und kapitalmarktspezifische Interessen aufeinandertreffen. Eine Insolvenz stellt nicht nur ein rechtliches Verfahren dar, sondern hat auch Auswirkungen auf das Vertrauen der Kapitalmärkte, den Unternehmenswert und die Position der verschiedenen Anspruchsgruppen. Für ein börsennotiertes Unternehmen bedeutet die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in der Regel einen massiven Reputationsverlust und den Einbruch des Aktienkurses auf null oder nahe dem. Gleichwohl kann die Insolvenz – insbesondere in Form einer Eigenverwaltung oder eines Schutzschirmverfahrens – auch eine rechtlich geordnete Möglichkeit bieten, das Unternehmen zu sanieren und neu aufzustellen. Neues Kapital ist zwingend, warum nicht auch vom Streubesitz.
Im Gegensatz dazu zielt eine Restrukturierung darauf ab, eine Insolvenz zu vermeiden, indem frühzeitig operative, finanzielle und strategische Anpassungen vorgenommen werden. Der europäische Gesetzgeber hat hier in den vergangenen Jahren viele Möglichkeiten geschaffen. Das zentrale Spannungsfeld ergibt sich aus den widerstreitenden Interessen. Während Gläubiger gerne nach einer schnellen (harten) Lösung streben können (notfalls durch eine Insolvenz), suchen Aktionäre hingegen eine Verwässerung ihrer Beteiligung zu verhindern und den Aktienwert zu schützen. Wir sehen im Pierer-Mobility-Komplex eine Vielzahl dieser widerstreitenden Interessen berührt.
Im Rahmen der Rettungsmaßnahmen und Kapitalspritzen der Bajaj für die Tochter KTM und den Pierer-Mobility-Hauptaktionär wurden insolvenzähnliche Verwässerungsmöglichkeiten durch die Hauptversammlung gewährt. Mangels einer Beteiligung der Streubesitzaktionäre an der Sanierung ist dies verständlich – die Sanierung läuft gewollt am Streubesitz vorbei. Dem entgegen stand finanziell ein zwingendes – und durch die Übernahmekommission festgestelltes – Angebot, zu dem es jetzt nicht kommt. Die Übernahmekommission pflegt ihre Entscheidungen gut abzuwägen, dennoch verliert der Streubesitzaktionär eine Wertorientierung durch eine unabhängige Instanz und Bajaj eine mögliche kostspielige Nebenbedingung. Die erwartbare Verwässerungsentscheidung wird letztlich preisliche Klarheit bringen. Ob und wie deren Überprüfung dann vonstatten gehen könnte, ist offen. Einstweilen zeigt sich der Aktienkurs der Pierer Mobility unbeeindruckt.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, , www.iva.or.at
Schwellenländer überflügeln S&P 500
Ein Kommentar von Dina Ting, Head of Global Index Portfolio Management, Franklin Templeton.
(23.10.) Aktien aus Schwellenländern (EM) haben 2025 ein bemerkenswertes Comeback erlebt, neue Rekordhöhen erreicht und ihre jahrelange relative Schwäche hinter sich gelassen. Schwellenländer haben in diesem Jahr bisher über 28 % (in US-Dollar) zugelegt, doppelt so viel wie der S&P 500 Index mit 14 %.1 Mehrere Faktoren treiben diese Dynamik an: ein schwächerer US-Dollar, politische Veränderungen, ein im Gegensatz zu den Industrieländern robustes Wachstum und sich verändernde globale Kapitalströme.
Dieser Optimismus spiegelt sich auch in den Kapitalflüssen wider: Die weltweiten Nettomittelzuflüsse in börsengehandelte ETFs aus Schwellenländern beliefen sich in diesem Jahr bislang auf 38,9 Milliarden US-Dollar.2 Für viele Anleger ist ein Engagement in Schwellenländern mittlerweile eine Selbstverständlichkeit, doch verlagert sich der Fokus nun darauf, auf welche Länder und warum sie sich konzentrieren sollten. Zu den wichtigsten Gründen für die Erholung der Schwellenländer zählt die Performance von Südkorea und China, deren Aktienkurse seit Jahresbeginn um rund 61 % bzw. 37 % gestiegen sind.3
China: Widerstandskraft inmitten politischer Veränderungen
Die Erholung des chinesischen Marktes – die beste seit vier Jahren – hat die Aktienkurse auf ein Zehnjahreshoch getrieben, gestützt durch gezielte Konjunkturmaßnahmen und eine allgemeine Belebung der Stimmung bei Verbrauchern und Unternehmen. Unserer Meinung nach deutet diese Veränderung auf ein erneutes Wachstumspotenzial in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hin. Aus Bewertungssicht erscheint uns der chinesische Aktienmarkt besonders attraktiv – er wird gemessen am erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) mit einem Abschlag gegenüber den entwickelten Märkten gehandelt, während die Gewinnerwartungen weiterhin positiv sind. Für Anleger bietet diese Kombination Wachstum zu einem angemessenen Preis, insbesondere im Vergleich zu den höheren Bewertungskennzahlen in den Vereinigten Staaten und anderen entwickelten Märkten.4
Nach unserer Analyse sind die strukturellen Stärken Chinas weiterhin Garant für langfristiges Wachstum. Als zweitgrößter Markt für Risikokapitalaktivitäten nach den USA bleibt China eine Innovationskraft, insbesondere in den Bereichen Technologie und konsumorientierte Branchen. Die Beziehungen zwischen den USA und China sind zwar seit einigen Jahren zunehmend angespannt, doch in letzter Zeit gab es Anzeichen für eine Verbesserung, insbesondere dank der Schritte hin zu einer Lösung von Problemen wie beispielsweise der Debatte rund um TikTok. Neue Entwicklungen lassen darauf schließen, dass sowohl die USA als auch China Anstrengungen unternehmen, um die Spannungen zu verringern. Dies ist ein positives Signal für die Wirtschaft und den Aktienmarkt Chinas. Nach unserer Ansicht sind die besseren diplomatischen Rahmenbedingungen sowie Chinas anhaltende Investitionen in Technologie und Infrastruktur erfreuliche Vorboten für die langfristigen Aussichten des Landes.
Eine überparteiliche Delegation des US-Repräsentantenhauses unternahm kürzlich ebenfalls eine seltene Reise nach China – die erste seit sechs Jahren –, da Washington und Peking bestrebt sind, Handelskonflikte zu glätten und die Kommunikation zwischen den Streitkräften zu fördern.
Die koreanische Welle
Südkorea hat sich im bisherigen Jahresverlauf unter den Schwellenländern mit am besten entwickelt. Halbleiterexporte sind nach wie vor Koreas wichtigster Wachstumstreiber, doch auch als Exporteur von Verteidigungsgütern gewinnt das Land mehr und mehr an Bedeutung. In der Vergangenheit war Korea für fortschrittliche Waffensysteme von den USA und anderen Verbündeten abhängig, doch in den vergangenen zehn Jahren hat Seoul seine eigenen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, die Fertigung sowie die Lieferketten im Bereich Verteidigung rasant ausgeweitet. Heute exportiert das Land vollständige Systeme – von Panzern und Artillerie bis hin zu Flugzeugen und Raketen – und nicht nur Bauteile. Die Exporte von Verteidigungsgütern sind von rund 3 Mrd. USD Anfang der 2010er-Jahre auf ein Rekordniveau von 17,3 Mrd. USD im Jahr 2022 in die Höhe geschnellt. Damit gehört Südkorea zu den zehn führenden Waffenexporteuren der Welt.5
Südkoreas florierende Schiffsbauindustrie, nach China die zweitgrößte der Welt, könnte Washington möglicherweise helfen, falls Seoul Investitionen zusagt, die mit dem Ziel der USA, Fertigungskapazitäten wieder zurück auf amerikanischen Boden zu verlagern, in Einklang stehen. Der Schub hin zu „Made in America“ wird von einer starken politischen Dynamik angetrieben, doch der Wiederaufbau von fortschrittlichen industriellen Kapazitäten – insbesondere in Sektoren wie Schiffsbau und Halbleiter – wird Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte dauern. Den USA fehlt es aktuell schlicht und ergreifend an den Facharbeitskräften und frei verfügbaren industriellen Anlagen im großen Stil, um diese Ziele zu erreichen. Somit ist ein verlässlicher Partner wie Südkorea unerlässlich. Im vergangenen Jahr entfielen auf die USA lediglich 0,04 % der weltweiten Schiffsbauproduktion.6
Darüber hinaus wird der südkoreanische Aktienmarkt durch die Erholung des Technologie- und insbesondere des Halbleitersektors unterstützt, denn die Nachfrage nach Speicherchips zieht weltweit wieder an. Die führende Position des Landes in der Halbleiterfertigung sowie die Investitionen rund um das Thema KI sind wichtige Treiber dieser Dynamik. Außerdem wird der südkoreanische Markt keineswegs nur von einer einzigen Branche beherrscht: Die drei wichtigsten Sektoren – Telekommunikation, Technologie und Industrie – haben jeweils eine gleich hohe Gewichtung von ungefähr 20 %. Unternehmen aus den Bereichen Finanzen und zyklische Konsumgüter machen ebenfalls einen erheblichen Anteil des Marktes aus.7 Darüber hinaus hat Südkorea Maßnahmen ergriffen, um die langjährigen Governance-Bedenken – oft als Grund für den sogenannten „Korea-Abschlag“ angeführt – anzugehen und hat so zu einer wieder besseren Einschätzung der Anleger beigetragen. Die Reformen, die sich auf die Stärkung der Aktionärsrenditen und die Erhöhung der Transparenz konzentrieren, haben die Stimmung verbessert. So kann der Markt des Landes einige seiner früheren Herausforderungen überwinden.
Gleichzeitig entwickeln sich Koreas kulturelle und konsumgestützte Exporte zu einem leistungsstarken zweiten Wachstumsmotor. Im ersten Halbjahr 2025 erreichten die Kosmetikexporte Südkoreas ein Rekordniveau von 5,51 Mrd. USD, das entspricht einem Zuwachs von fast 15 % gegenüber dem Vorjahr. Damit hat das Land zwischenzeitlich die USA als zweitgrößter Kosmetikexporteur überholt, nur Frankreich exportiert mehr Kosmetika.8 Diese globale Reichweite von „K-Beauty“ sorgt zusammen mit der weltweiten Begeisterung für K-Pop, K-Dramen und die K-Kultur ganz allgemein dafür, dass Koreas Markenwert in den Bereichen Konsum, Mode und Lifestyle immer weiter steigt.
Für weitere Dynamik sorgt das spektakuläre Wachstum im Bereich des Medizintourismus. Zwar herrscht in dem Land Ärztemangel, doch die Zahl der ausländischen Patienten, die sich in Südkorea behandeln lassen wollen, hat erneut ein Rekordniveau erreicht: Waren es 2023 noch 606.000 Patienten, so hat sich diese Zahl 2024 bereits auf rund 1,2 Millionen fast verdoppelt.9 Dieser Zuwachs bedeutet, dass Medizintouristen inzwischen mehr als 7 % der gesamten nach Südkorea einreisenden Touristen stellen, verglichen mit 5,5 % im Vorjahr.10 Am häufigsten werden dermatologische Eingriffe vorgenommen, diese Leistungen wurden von mehr als 705.000 Patienten in Anspruch genommen (~57 %), gefolgt von Schönheitschirurgie (11 %).11 Die wirtschaftlichen Auswirkungen erstrecken sich weit über Krankenhausrechnungen hinaus auch auf Hotels, den Einzelhandel und den Konsumsektor ganz allgemein. Dies unterstreicht die Rolle der Branche als Wachstumstreiber für sowohl Medizin als auch Tourismus. Die Regierung unterstützt mit ihrer Politik den Sektor aktiv durch spezielle Visa, Subventionen und internationale Promotion-Maßnahmen, damit positioniert sich Südkorea ganz offiziell als Asiens führendes Zentrum für Medizintourismus.
Insgesamt betrachtet – mit seiner Stärke im Halbleiterbereich, der globalen Anziehungskraft seiner Kultur- und Konsumgüterexporte und dem raschen Wachstum des Medizintourismus – bietet Südkorea Anlegern vielfältige Wachstumsperspektiven. Für diejenigen, die sich in Sektoren engagieren möchten, die an der Schnittstelle zwischen globaler Industrie, Kultur und Gesundheitswesen liegen, ist Korea unserer Meinung nach wie vor eine attraktive Wahl.
Länderspezifische ETFs in Schwellenländern
Da die Schwellenländer erneut an der Spitze des globalen Wachstums stehen, wenden sich Anleger zunehmend ETFs einzelner Länder zu, um gezieltere Chancen zu nutzen. Nach unserer Analyse bieten China, Südkorea und andere Länder Engagements, die breiter angelegte regionale Fonds möglicherweise verpassen. Durch eine Ausrichtung auf Märkte wie das technologiegetriebene Wachstum Chinas oder die Führungsrolle Südkoreas bei Halbleitern und Kulturexporten können Anleger unserer Meinung nach Zugang zu den Sektoren und Volkswirtschaften mit dem höchsten Potenzial erhalten und gleichzeitig die allgemeinen Risiken der Schwellenländer steuern. Da die Schwellenländer wieder eine Führungsrolle übernehmen, verlagert sich der Fokus von der Frage, ob man investieren soll, hin zu der Frage, wo man investieren soll. Daher sind eine sorgfältige Länderauswahl und Diversifizierung entscheidend, um von der nächsten Generation globaler Innovatoren zu profitieren.
Quellen
- Quelle: Bloomberg, Stand: 23. September 2025. Schwellenländer repräsentiert durch den MSCI EM Index. Der MSCI EM Index bildet Large- und Mid-Caps aus 24 Schwellenländern ab. Mit 1.189 Titeln deckt der Index rund 85 % der streubesitzbereinigten Marktkapitalisierung in jedem Land ab. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftigen Renditen. Indizes werden nicht aktiv gemanagt und es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Wichtige Mitteilungen und Nutzungsbedingungen des Datenanbieters sind verfügbar unter www.franklintempletondatasources.com.
- Bloomberg, Stand: 17. September 2025.
- Quelle: Bloomberg, Stand: 23. September 2025. Der MSCI Korea Index soll die Wertentwicklung des Large- und des Mid-Cap-Segments im südkoreanischen Markt messen. Mit 81 Titeln deckt der Index rund 85 % des Aktienuniversums in Korea ab. Der MSCI China Index umfasst Unternehmen mit hoher und mittlerer Marktkapitalisierung in den Segmenten chinesische A-Aktien, H-Aktien, B-Aktien, Red Chips, P Chips und ausländische Notierungen (z. B. ADRs). Der Index deckt etwa 85 % dieses Aktienuniversums in China ab. Gegenwärtig sind im Index A-Aktien von Unternehmen mit hoher und mittlerer Marktkapitalisierung mit 20 % ihrer streubesitzbereinigten Marktkapitalisierung repräsentiert. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftigen Renditen. Indizes werden nicht aktiv gemanagt und es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Wichtige Mitteilungen und Nutzungsbedingungen des Datenanbieters sind verfügbar unter www.franklintempletondatasources.com.
- Quellen: Bloomberg, S&P Indizes, MSCI Indizes, Stand: 12. September 2025. US-Markt repräsentiert durch den S&P 500 Index, Industrieländer durch den MSCI EAFE Index und China durch den MSCI China Index. Der MSCI EAFE Index ist ein Aktienindex, der Titel von Unternehmen mit hoher und mittlerer Marktkapitalisierung aus 21 Industrieländern weltweit ohne die USA und Kanada abbildet. Mit 693 Titeln deckt der Index rund 85 % der streubesitzbereinigten Marktkapitalisierung in jedem Land ab. Der MSCI China Index umfasst Unternehmen mit hoher und mittlerer Marktkapitalisierung in den Segmenten chinesische A-Aktien, H-Aktien, B-Aktien, Red Chips, P Chips und ausländische Notierungen (z. B. ADRs). Der Index deckt etwa 85 % dieses Aktienuniversums in China ab. Gegenwärtig sind im Index A-Aktien von Unternehmen mit hoher und mittlerer Marktkapitalisierung mit 20 % ihrer streubesitzbereinigten Marktkapitalisierung repräsentiert. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftigen Renditen. Indizes werden nicht aktiv gemanagt und es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Wichtige Mitteilungen und Nutzungsbedingungen des Datenanbieters sind verfügbar unter www.franklintempletondatasources.com.
- Quellen: U.S. International Trade Administration, Korea Institute for Industrial Economics & Trade (KIET) und SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute).
- „Ships built by country of building, annual (analytical).“ UN Trade & Development. Zuletzt aktualisiert am 10. Juni 2025.
- Quelle: FTSE Russell, Stand: 29. August 2025. Der FTSE South Korea RIC Capped Index bildet die Wertentwicklung südkoreanischer Aktien mit hoher und mittlerer Marktkapitalisierung ab. Die Wertpapiere werden auf der Grundlage ihrer um den Streubesitz bereinigten Marktkapitalisierung gewichtet und halbjährlich überprüft. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftigen Renditen. Indizes werden nicht aktiv gemanagt und es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Wichtige Mitteilungen und Nutzungsbedingungen des Datenanbieters sind verfügbar unter www.franklintempletondatasources.com.
- Quelle: „Korean cosmetics exports hit record high in first half of 2025 amid K-beauty craze.“ Korean JoongAng Daily. 3. Juli 2025.
- Quelle: Ministerium für Gesundheit und Wohlfahrt, 2. April 2025.
- Quelle: „Korea’s Inbound and Outbound Tourism Performance in 2024.“ Yanolja Research Brief, Band 5. Februar 2025.
- Quelle: Südkoreanisches Ministerium für Gesundheit und Wohlfahrt, 2. April 2025.
Kommt die Jahresendrallye?
Trotz Verschnaufpause des ATX rechnen Experten mit einem schönen Jahresausklang.
Patrick Baldia. Mit einem Plus von rund 27 % seit Jahresbeginn erlebt der ATX heuer wieder ein richtig starkes Jahr. Trotz geopolitischer Unsicherheiten, schwacher Konjunktur und anhaltend hoher Inflation konnte er vor allem große globale Indizes wie Dax, Nasdaq Composite, S&P 500 oder Stoxx Europe deutlich in die Schranken weisen. Seit einigen Wochen befindet sich der heimische Leitindex jedoch mehr oder weniger in einer Seitwärtsbewegung. Bei den Anlegern drängen sich zunehmend Fragen auf: „War‘s das schon?“, „Werden künftig wieder kleinere Brötchen gebacken?“, oder: „Kommt es doch noch zur Jahresendrallye?“
„Dass der ATX seit einigen Wochen eine Verschnaufpause einlegt, ist völlig in Ordnung“, sagt Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Schließlich wären viele Wiener Titel heuer auch zu schnell und zu stark gestiegen. „Der Markt hat bei einigen Titeln einfach zu viel Hoffnung eingepreist“, urteilt der Manager des „3 Banken Österreich-Fonds“ (ISIN: AT0000662275). Das beste Beispiel ist Frequentis. Das heimische Tech-Unternehmen hat seit Anfang 2025 ein Kursplus von fast 170 % (!) verzeichnet. Und wie andere Höhenflieger der ersten Jahreshälfte, verzeichnete die Aktie zuletzt Kursrückgänge.
„Trotz aller Gegenwinde bleibt der Wiener Markt attraktiv“, sagt auch Manfred Sibrawa, Manager des „Amundi Austria Stock“ (AT0000857412), und verweist auf die im internationalen Vergleich niedrigen Bewertungen und attraktiven Dividenden. Zudem befinde man sich hierzulande erst wieder auf dem Niveau der Finanzkrise von 2008, während andere Märkte deutlich weiter wären. „In den kommenden Monaten sehe ich keinen größeren Grund zur Sorge“, zeigt sich der Experte im Gespräch mit dem Börsen-Kurier optimistisch.
Anlegerstimmung im neutralen Bereich
„Wir sind für die kommenden Wochen grundsätzlich sehr positiv auf den Wiener Markt eingestellt“, glaubt auch Roland Zauner, Manager des „Kepler DACH Plus Aktienfonds“ (AT0000647680), an die Fortsetzung des positiven Trends. Für eine Jahresendrallye spreche nicht zuletzt auch die Saisonalität bzw. dass das vierte Quartal üblicherweise gut ausfiel. Zauner weist allerdings darauf hin, dass die Lage auch von der Stimmung der Anleger abhängig sei, die er zuletzt im „neutralen Bereich“ sah.
Nicht von der Hand weisen möchte Zauner jedoch, dass viele ATX-Unternehmen heuer eher schwache Zahlen berichtet haben. “Viele tun sich mit den hohen Energiepreisen schwer”, sagt er zum Börsen-Kurier. Auch Sibrawa verweist auf die “inhomogene Kursentwicklung” des Wiener Marktes. So würden einige Titel aus dem Industrie- oder Versorgerbereich deutlich – teilweise sogar zweistellig – im Minus liegen. Andererseits würde besonders der Technologiesektor, aber auch Bau-, Infrastruktur- und Stahlunternehmen eine beeindruckende Entwicklung zeigen. Gerade in den Bereichen sind auch die Portfolios der drei Experten stark positioniert.
Und wie geht es 2026 weiter?
„Ich erwarte, dass der ATX 2026 eine Performance im hohen einstelligen Bereich erzielt“, wagt Wögerbauer eine Prognose. Ein Grund für seinen Optimismus: 2026 sollten an der Wiener Börse die ersten Effekte des deutschen Konjunkturprogramms zu spüren sein. Nicht nur deshalb sei die aktuelle Verschnaufpause des ATX kein Grund zu verkaufen. „Grundsätzlich ist es besser, wenn man langfristig investiert bleibt“, so Zauner. Nachsatz des Kepler-Experten: „Wenn man die Rücksetzer vermeiden will, wird man auch die Erholung verpassen.“
Foto: Adobe Stock / Alexandr / Generiert mit KI
Hält das Kursfeuerwerk der Banken an?
RBI, Erste und Bawag sind aktuell Top-Performer. Die Frage stellt sich, ob ein Einstieg noch lohnt.
Patrick Baldia. Dass der ATX seit Jahresbeginn mit einem Plus von mehr als 30 % zu den weltweiten Top-Performern unter den Indizes zählt, liegt auch an der starken Entwicklung der heimischen Banken. Am stärksten unterwegs seit Jahresbeginn ist unter den „Indexschwergewichten“ die RBI, die um mehr als 50 % zugelegt hat, gefolgt von der Erste Group mit fast 40 %. Und auch die Bawag muss sich mit einem Plus von rund 35 % nicht verstecken. Bleibt abzuwarten, ob der Aufwärtstrend an der Börse auch im vierten Quartal 2025 und darüber hinaus anhält.
Während Erste Group und RBI erst Ende dieser Woche ihre Zahlen für das dritte Quartal veröffentlichen werden, war das bei der Bawag bereits vergangene Woche der Fall. Die positive Entwicklung im laufenden Geschäftsjahr setzt sich bei dem Institut jedenfalls fort. Der Nettogewinn lag mit 219 Millionen Euro um 23 % über dem Vorjahrszeitraum, das Ergebnis vor Risikokosten mit 354 Millionen Euro um 33 %. Die operative Entwicklung der verschiedenen Geschäftsbereiche umschreibt CEO Anas Abuzaakouk als „solide“. „Gleichzeitig bleiben wir in einem Marktumfeld, das unserer Einschätzung nach seit einiger Zeit von übermäßiger Kreditvergabe und nachlässiger Risikoprüfung geprägt ist, weiterhin geduldig und diszipliniert“, so der Bawag-Chef.
Organisatorische Neuausrichtung bei der Bawag
Die Bawag befindet sich jeden-falls, nach eigenen Angaben, in einer organisatorischen Neuausrichtung. „Grundlage dieser Neuausrichtung ist ein ‚Digital-First‘-Ansatz im Banking, ergänzt durch ein stark beratungsorientiertes Filialnetz“, erklärt Abuzaakouk, der von einer „Entwicklung hin zu einer paneuropäischen und US-amerikanischen Bankengruppe“ spricht. Die Analysten sind aktuell jedenfalls überwiegend positiv auf die Aktie eingestellt, was die Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten betrifft. Die Kursziele liegen in einer Bandbreite von 115 und 144,15 Euro.
Update zur Ersten
Auch die Erste Group genießt derzeit die Zustimmung des Großteils der Analysten, die das Unternehmen covern. Erst in der vergangenen Woche haben etwa die Experten der Deutschen Bank ein Update zum Unternehmen veröffentlicht. Konkret wurde die Empfehlung „kaufen“ bestätigt und gleichzeitig das Kursziel von 86 auf 95 Euro angehoben. Für das dritte Quartal gehen die Analysten von steigenden Nettozinserträgen und Provisionserlösen aus, was aller-dings angesichts höherer Kosten zu einem Rückgang beim Ergebnis führen könnte. Die Übernahme von 49 % der Santander Bank Polska könnte wiederum die Rentabilität deutlich steigern, so ihre Einschätzung.
RBI: Strabag und Rasperia belasten
Bei der RBI gehen Analysten von einer Ergebnisverbesserung im zweiten Halbjahr 2025 aus. Unter anderem sollen dabei geringere Risikokosten im polnischen Kreditportfolio, eine stärkere Kreditnachfrage und geringere Regulierungsabgaben helfen. Indes laufen die Bemühungen der Bank, das Russlandgeschäft zu verkaufen, weiter.
Kein Erfolg in Sicht ist auch beim Bestreben, dass eingefrorene Strabag-Aktien im Besitz der russischen Rasperia im Wert von rund 2 Milliarden Euro freigegeben werden. Ein positiver Newsflow in beiden Fällen würde der Aktie sicher Auftrieb geben.
Foto: Bawag Group AG
Von günstigen Nahrungsmittel-Aktien profitieren
Mit Discount-Zertifikaten auf niedergeprügelte Basiskonsumgüterwerte setzen.
Michael Kordovsky. Mehrere Nahrungsmittelgiganten gerieten mangels Ertragsdynamik und infolge sinkender Rentabilität zuletzt massiv unter Druck. Generell erscheint die Basiskonsumgüter-Sparte in Europa günstig bewertet zu sein. So weist der „MSCI Europe Consumer Staples Index“ (in USD) per 30. September nur noch ein Forward-KGV von 15,1 auf, und dies bei einer Dividendenrendite von 3,6 %. Der Index zeichnet sich durch eine unterdurchschnittliche Volatilität aus. Dabei sind die Risens Nestlé und Unilever mit je 19,7 bzw. 12,1 % im Index am stärksten gewichtet.
General Mills, Nestlé und Unilever
Die Nestlé-Aktie liegt auf fünf Jahre 24 % im Minus und könnte gerade in der Phase der Bodenbildung sein. Das Unternehmen beschleunigt sein Kosteneinsparungsprogramm, fokussiert sich auf operative Effizienz, einschließlich der Automatisierung von Prozessen. In den kommenden zwei Jahren sollen rund 16.000 Stellen abgebaut werden, 12.000 Angestellte in verschiedenen Funktionen und Regionen (jährliche Einsparung umgerechnet 1,08 Milliarden Euro) und weitere 4.000 Mitarbeiter im Rahmen laufender Produktivitätsinitiativen in der Fertigung und Lieferkette. Das gesamte Kosteneinsparungspotenzial von Nestlé liegt bis Ende 2027 bei umgerechnet 3,24 Milliarden Euro.
Unilever mit den Eismarken „Ben & Jerry‘s“ und Magnum, den Brühwürfeln von Knorr, der Kartoffelprodukt-Marke Pfanni und den Parfums von Axe hat im dritten Quartal beim Umsatz positiv überrascht. Das für 2027 geschätzte KGV liegt nur noch bei 16,2.
In den USA ein ausgebombter Wert ist General Mills, Hersteller von Frühstückscerealien, Backwaren, Snacks, Joghurt und Fertiggerichten. Mit sinkender Rentabilität brach der Aktienkurs auf Jahressicht um rund 30 % ein.
Im gesamten Geschäftsjahr 2025/2026 werden das bereinigte Betriebsergebnis und das bereinigte verwässerte Ergebnis je Aktie voraussichtlich um 10 bis 15 % bei konstanten Wechselkursen zurückgehen.
Bei einem Kurs von 47,93 USD liegt laut Schätzungskonsens von Zacks das für 2026/27 geschätzte KGV nur noch bei 12,6. Das Unternehmen hat bereits ein Kostensenkungsprogramm eingeleitet und zahlt 125 Jahre ununterbrochen Dividenden. Aber es bleiben noch Restrisiken.
Discount-Zertifikate – der „abgesicherte“ Modus
Die drei genannten Aktien haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind fundamental günstig und verfügen über gute Chancen auf Kurserholung bei bestehenden Rückschlags-Risiken. Genau da kommen nun die Discount-Zertifikate ins Spiel. Sie ermöglichen den Einstieg in einen Basiswert mit einem Abschlag, wodurch Anleger am Ende der Laufzeit vor leichten Kursverlusten des Basiswerts geschützt sind. Dafür sind die Gewinnchancen durch einen festgelegten Höchstbetrag (Cap) begrenzt. Je höher dieser gewählt wird, desto geringer fällt der Discount aus – und umgekehrt.
Im Falle von General Mills wäre beispielsweise ein Cap von 50 USD (43,06 Euro) – also knapp über dem aktuellen Kurs von 47,93 USD (NYSE, 23.10.; 41,28 Euro) möglich, um bei einer Laufzeit bis 25.6.2026 eine Seitwärtsrendite (Rendite bei gleichbleibenden Kursen des Basiswerts bis Fälligkeit) von 9 % bzw. 13,8 % p.a. zu erzielen, denn auf Basis eines Briefkurses des Zertifikats von 37,86 Euro liegt der Discount zum Börsenkurs bei rund 8,3 %. Die maximal mögliche Gesamtrendite beträgt 13,7 % bis Fälligkeit – so die Daten eines von Morgan Stanley emittierten Discount-Zertifikats auf General Mills.
Etwas bullischer kann bei Nestlé vorgegangen werden mit einem von Vontobel emittierten Discount-Zertifikat, dessen Cap mit 92 CHF (99,44 Euro) um ca. 14,1 % über dem aktuellen Kurs (23.10.) von 80,64 CHF (87,16 Euro) liegt. Der Discount beträgt 3,15 %, woraus eine maximal mögliche Gesamtrendite bis Laufzeitende am 26.6.2026 von 17,8 % resultiert. Die Seitwärtsrendite beträgt immerhin noch 3,25 % und bzw. rund 5 % p.a.
Eine Unilever-Kurspartizipation im abgesicherten Modus bis zu einem Cap von 65 Euro (Kurs am 23.10. in Amsterdam: 54,04 Euro) bietet ein von Vontobel emittiertes Discountzertifikat auf Unilever, das bei einem Discount von 2,87 % eine Maximalrendite von 23,8 % bietet, während die Seitwärtsrendite 2,95 % bis Fälligkeit am 26.6.2026 bzw. rund 4,5 % p.a. beträgt.
Die Eckdaten der einzelnen Discountzertifikate unterliegen mit den Kursschwankungen des Basiswerts schnellen Änderungen.
Anmerkung: Zertifikate haben ein Emittentenrisiko. Im Falle einer Insolvenz des Emittenten wären sie eine Forderung in der Masse.
Foto: Adobe Stock / The 2R Artificiality / Generiert mit KI
Edelmetalle: Eintritt in die heiße Phase
Die Wahl von entsprechenden Zertifikaten erfordert derzeit höchste Konzentration.
Roman Steinbauer. Die Kurskapriolen der Goldnotizen vom 20. und 21. Oktober vergegenwärtigen, wie stark bereits spekulatives Kapital den Edelmetallmarkt erfasst hat. Kauf- und Verkaufsorders mit außerordentlich hohen Volumina wirkten an diesen beiden Handelstagen auf die Notizen ein.
Ziehen die Kurse (wie im Falle des Goldes) binnen eines Handelstags um bis zu 120 USD per Unze an, um 24 Stunden später bis zu 270 USD wieder abzugeben, entsteht unter Marktteilnehmern Raum für allerlei Interpretationen und Spekulationen. Nachdem die Aufwärtsbewegungen heuer in hohem Tempo ebenso die Silber- als auch die Platinmetalle erfassten, kann man feststellen: Die Volatilität nimmt im Spektrum der Edelmetalle empfindlich zu. Derart erratische Spitzenbildungen der Notizen, wie sie seit Mitte Oktober zu beobachten waren, verraten historisch betrachtet zwischen den Akteuren auf der Käufer- und Verkäuferseite einen starken Wechsel.
Aufbau der Förderkapazitäten
Es ist ein Muster höchster Handelsaktivität – von der Investmentbranche, Materialverarbeitern bis zu Privatanlegern – zu beobachten. Dennoch kann nicht mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass sich der Langfrist-Aufwärtstrend der Kurse der Anlagemetalle zu Ende neigt. Denn vor allem am Silber- aber insbesondere am Platin- und Palladiummarkt ist der Anstieg der Notizen (im Gegensatz zu den Goldbegehrlichkeiten) noch relativ jung.
Zum Goldmarkt ist des Weiteren zu beobachten: Abgesehen von den vielen Publikationen zur bisherigen (auch belegten) hohen Nachfrage seitens der Notenbanken und des Investmentsektors, erfuhren Konsumenten bzw. Anleger während der vergangenen Quartale nur wenige Hinweise über den Aufbau der Förderkapazitäten in der Branche bzw. über den zunehmenden Umfang des Goldangebots.
Expansiver Bergbau
Das World Gold Council (WGC) definierte für heuer noch keine endgültige Höhe des Goldangebots. Doch stellte die internationale Handelsorganisation der Branche mit Sitz in London am 12. Oktober in den Raum, es sei mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ von einem erneuten Förderrekord auszugehen. Die 3.750-Tonnen-Marke werde voraussichtlich überschritten. Dieses Niveau bedeutet einen Anstieg um 2,5 % im Vergleich zu 2024. Da die Profitabilität der Minengesellschaften ausgesprochen hoch sei, könne weiterhin mit Ausweitungen der Kapazitäten gerechnet werden. Nach Angaben des WGC werden im Jahr 2025 vor allem die Goldproduktionen in China (380 Tonnen) als auch in Russland (330 Tonnen) Rekordwerte erreichen.
Global gesehen, werde das Edelmetall weiterhin durch eine Vielzahl an Förderstätten in nur wenigen Staaten gefördert. Nach Darstellung des WGC verschiebt sich aber die Dominanz der Länder deutlich. Nach China und der Russischen Föderation werde Australien für ein Volumen von 284 Tonnen, jenes Kanadas bei 202 Tonnen stehen. Es folgen die USA (158 Tonnen), Ghana (141 Tonnen), Mexiko und Indonesien mit jeweils 140 Tonnen. Südafrika (für den legendären Krugerrand stehend) kommt hingegen gerade noch auf 110 Tonnen des Angebots.
Hochsensible Derivate
Das Spektrum auf Edelmetalle basierender Zertifikate erweiterte sich während der vergangenen Jahre enorm. Es reicht beispiels-weise von unlimitierten Varianten auf weiter steigende Goldnotizen, wie etwa jene der Société Générale, bis zu Produkten mit Hebelwirkung (Faktor-Zertifikate), die Emittenten wie die BNP Paribas u.a. offerieren. Angesichts der derzeit zunehmenden Kursausschläge bei Edelmetallen, steigt die Risikokomponente bei Hebelprodukten allerdings stark an.
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Langzeit-CEOs: Braucht es ein Verfallsdatum?
Florian Beckermann. Jeder Investor kennt es: Ein CEO ist eine gefühlte Ewigkeit im Amt. Ein(e) Patriach(in), eine Person die alles im Unternehmen weiß, oftmals als Praktikant dort anfing – auch eine Identifikationsfigur. Mehr noch im Familienunternehmen zuhause, denn an der Börse. Über Jahre unabdingbar für den Erfolg des Unternehmens mit der entsprechenden Erfahrung. Doch neben dieser erwiesenen Leadership-Qualität gibt es auch eine negative Seite, der sich eine Vielzahl von aktuellen Studien widmen. Es entsteht eine Fachdiskussion um ein Best-Practice-Ablaufdatum für CEO-Amtszeiten. Aktionäre sollten sich eine Meinung bilden.
Warum? Mit zunehmender Dauer im Amt besteht die Gefahr, dass ein CEO an Innovationskraft verliert und weniger bereit ist, Veränderungen umzusetzen. Langjährige Führungskräfte neigen dazu, in eingefahrenen Denk- und Handlungsmustern zu verharren. Es sinkt häufig die Bereitschaft, Risiken einzugehen oder neue Ideen zu fördern, was langfristig zu Innovationsstau und Wettbewerbsnachteilen führt.
Ein weiteres Problem besteht in der zunehmenden Machtkonzentration. Je länger ein CEO im Amt ist, desto größer wird sein Einfluss auf das Unternehmen und den Aufsichtsrat. Diese Machtfülle kann dazu führen, dass Kontrollmechanismen abgeschwächt werden und kritische Stimmen im Umfeld des CEOs verstummen. Häufig entsteht eine Umgebung, in der Entscheidungen nicht mehr ausreichend hinterfragt
werden, was das Risiko von Fehlentscheidungen oder ineffizientem Management erhöht – die berühmte Bubble, der Management-Elfenbeinturm. Eine klassische Governance-Aufgabe.
Darüber hinaus kann eine lange Amtszeit Interessenskonflikte fördern. Manche CEOs richten ihr Handeln stärker auf den Erhalt ihrer eigenen Position oder kurzfristige Erfolgskennzahlen aus, anstatt langfristig nachhaltige Strategien zu verfolgen. Auch die Nachfolgeplanung wird dadurch erschwert: Potenzielle interne Nachfolger erhalten kaum Aufstiegschancen und verlassen das Unternehmen, wodurch wertvolles Wissen und Führungspotenzial verloren gehen. Der Aufsichtsrat ist hier gefragt, wenn er denn gewillt ist. Zudem kann eine zu lange Amtszeit die Unternehmenskultur negativ beeinflussen. Wenn ein CEO über Jahre hinweg die Werte und Strukturen prägt, kann das Unternehmen zu stark mit seiner Person identifiziert werden.
Die Empirie zeigt, dass die Unternehmensleistung häufig in den ersten Jahren eines CEO-Amts steigt, danach jedoch tendenziell wieder abnimmt – meist nach etwa sieben bis zehn Jahren. Es spricht viel dafür, Lösungsgedanken zu definieren.
Aktuell: Ungeachtet diverser Branchenspezifika wird die zehn Jahre Schwelle zur Evaluation herangezogen, sofern die Frist zuvor festgelegt und eine Nachfolgeregelung/-Aufbau stattgefunden hat. Dies bedeutet, dass Nachfolger vor der letzten Vertragsverlängerung definiert sein sollten. Ferner ist eine weitere Verlängerung unter gewissen Umständen opportun, beispiels-weise bei größeren Krisen. Diese Tür sollte man sich offenhalten.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, , www.iva.or.at
Kurzfristige Marktreaktion auf US-Bankenmeldungen – kein strukturelles Risiko erkennbar
Ein Kommentar von Serge Nussbaumer, Head Public Solutions & Marketing bei Maverix.
(17.10.) Neue Meldungen über Probleme bei einzelnen US-Regionalbanken haben am Freitag für spürbare Kursrückgänge im europäischen Bankensektor gesorgt. Anleger reagierten nervös auf die Nachrichten und befürchteten kurzfristig mögliche Ansteckungseffekte. Die Aktien der Deutschen Bank gaben rund sechs Prozent nach, UBS in der Spitze rund 4% und die Commerzbank-Titel verloren etwa drei Prozent. Auch andere europäische Institute wie Barclays und Bank of Ireland standen unter Druck. Der europäische Bankenindex fiel in der Folge um knapp drei Prozent.
Auslöser waren deutliche Kursrückgänge bei US-Regionalbanken wie Zions Bancorporation, Western Alliance und Jefferies, deren Aktien am Vortag um bis zu sechs Prozent eingebrochen waren. Grund dafür waren Berichte über Kreditausfälle bei Autozulieferern, die jedoch nach aktuellem Kenntnisstand kein systemisches Risiko für den Finanzsektor darstellen.
Aus unserer Sicht handelt es sich hierbei um eine kurzfristige Marktreaktion. Der Markt scheint nach der jüngsten Stärke gezielt auf negative Nachrichten zu warten, um Gewinne mitzunehmen. Entsprechend ist die aktuelle Bewegung eher technischer Natur und kein Hinweis auf eine neue Krise im Bankensektor.
Auch Analysten betonen, dass die gemeldeten Kreditausfälle zwar unschön, aber nicht systemrelevant sind. Die betroffenen Banken verfügen über solide Kapitalpuffer, und die Größenordnung der faulen Kredite ist begrenzt.
Das Thema sorgt kurzfristig für erhöhte Volatilität, ändert aber nichts an der grundsätzlich stabilen Lage des europäischen Bankensektors. Wir sehen derzeit keinen Grund, von einem strukturellen Risiko oder einer größeren Marktverwerfung auszugehen. Die aktuellen Rückschläge könnten im Gegenteil selektiv sogar als Einstiegschance betrachtet werden – sofern sie mit der jeweiligen Portfoliostrategie vereinbar sind.
Profiteure des Energiehungers
Sind Aktien der Versorger die schlüssigste Investition unserer Zeit?
Roman Steinbauer. Die Ausbreitung der Digitalisierung sowie die Durchdringung der Lebensbereiche durch Künstliche Intelligenz rückt Versorger-Aktien ins Rampenlicht. Im Gegensatz zu vagen Hoffnungen und Spekulationen nimmt die Stromnachfrage so gut wie gesichert weiter zu. Nicht zuletzt verschieben sich je nach Region und Kontinent die Marktanteile in einer zuvor nicht gekannten Geschwindigkeit. Darüber hinaus beeinflussen politisch motivierte Argumente als auch Emissionsfaktoren die Wahl der Energiequellen und letztlich der Anbieter.
Beschleunigung der Stromnachfrage
Der jüngste Ausblick der Internationalen Energieagentur (IEA) rückt Relationen zurecht, die in Europa und dem Verständnis der westlichen Welt (noch) wenig Akzeptanz finden. Einerseits weist die IEA auf den Umstand hin, wonach global im Jahr 2024 noch mehr als 730 Mio. Menschen keinen Zugang zu Elektrizität hatten. Andererseits verweisen die IEA-Analysten auf die entstandene Trendführerschaft des südostasiatischen Raums. In diesem Teil der Welt werde demnach global die Zukunft der Stromerzeugung entschieden. Die IEA sieht für heuer ein Wachstum der weltweiten Elektrizitätsnachfrage um 3,3 %, während diese 2026 bereits auf 3,7 % anziehen soll. Die Angebotskapazitäten für erneuerbare Varianten sollen sich indes bis zum Ende des Jahrzehnts verdoppeln, wobei in diesem Segment die Solarenergie rund 80 % des Wachstums bei Erneuerbaren generieren dürfte, gefolgt von Wind-, Hydro-, Bioenergie- und Geothermieanlagen.
Wachstum und Solidität als Kombination
Daraus ergibt sich für Langfristanleger eine rational und simpel gedachte Überlegung: Sind – abseits oft zeitlich begrenzter Trends im Technologiesektor – Aktien der Versorger nicht die schlüssigste Investition unserer Zeit? Die Unternehmen der Branche, die zum Unterschied zu Energieaktien auch die Infrastruktur zur Lieferung bereitstellen, sind älteren Marktteilnehmern seit Jahrzehnten als solide, defensive Wertpapieranlage geläufig. Doch treten mit dem ausgeprägten Energiehunger nun weitere Triebfedern in Kraft. Die Autorin und Marktanalystin des Finanzdienstleisters Morningstar, Tori Brovet, beschrieb Anfang Oktober in einem Artikel den Reiz von Versorger-Aktien. So biete ein großer Teil der börsennotierten Standardtitel des Segments eine äußerst attraktive Dividendenrendite. Ein potenzieller Konjunktureinbruch beeinträchtige die Nachfrage nach Strom und Gas nur gering. Dazu operieren die Gesellschaften zum Teil in regulierten Märkten, die konstante Gewinne versprechen und so die Volatilität im Portfolio reduzieren.
Dauerläufer mit reduziertem Risikopotenzial
Derzeit wirkt die Performance des „F.A.Z. Euro Energie Index“ mit einem Anstieg von +8,50 % binnen eines Jahres unspektakulär. Doch langfristig nahm sich dieser mit +91 % im Fünf-Jahres-Vergleich sehr gewinnträchtig aus. Zudem übertrumpfte im 1. Halbjahr der Branchenindex Stoxx Europe 600 Utilities mit +13 % den Stoxx Europe 600 (+8 %) deutlich. Wermutstropfen: Die Anteilscheine heimischer Anbieter wie die des Verbunds oder der EVN enttäuschten im Vergleich leider. Doch schlagen hier stets potenziell drohende staatliche Strompreiseingriffe durch, die die Gewinnentwicklung der Gesellschaften hemmen. Generell weisen die etablierten Energielieferanten Europas aber äußerst attraktive Ausschüttungen aus.
Foto: Adobe Stock / Farland9
Value-Investing mit Austro-Aktien
Wie die Chancen entlang der Infrastruktur-Wertschöpfungskette stehen?
Michael Kordovsky. In Europa werden in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren enorme Summen in die Erneuerung der Infrastruktur investiert. Der Brenner-Basistunnel, dessen Gesamtkosten auf 10,5 Milliarden Euro geschätzt werden, ist ein prominentes Beispiel. Allein Deutschland stellte für zwölf Jahre ein Sondervermögen für Infrastrukturprojekte von 500 Milliarden Euro zur Verfügung. Spanien baut vor allem Hochgeschwindigkeitsstrecken aus, und in Frankreich wollen internationale Akteure 109 Milliarden Euro in den Aufbau neuer Rechenzentren und KI-Infrastruktur investieren. Hinzu kommen noch Chancen im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau der Ukraine.
Bau und Baustoffe
Vor allem die in Wien notierten Baufirmen Porr und Strabag profitieren vom Aufbau der Infrastruktur. Porr gewann im ersten Halbjahr zahlreiche Bahnbau-Neuaufträge, wie die 32,6 km lange Eisenbahnstrecke von Craiova nach Caransebes in Rumänien im Volumen von rund 425 Millionen Euro und Polens längsten Eisenbahntunnel, den Hochgeschwindigkeitstunnel in Lodz (Volumen rund 400 Millionen Euro). Der Auftragsbestand stieg um 10 % auf einen Rekordwert von 9,4 Milliarden Euro. Die Ebit-Marge soll laut Einschätzung des Vorstands heuer bei 2,8 bis 3,0 % liegen und bis 2030 auf 3,5 bis 4,0 % steigen. Analysten schätzen die weitere Ertragsentwicklung sehr positiv ein. Der Gewinn pro Aktie sollte laut MarketScreener-Konsens von 2025 bis 2027 von 2,869 auf 3,613 Euro steigen, woraus bei einem Kurs von 29,50 Euro ein für 2027 geschätztes günstiges KGV von 8,2 resultieren würde.
Strabag, die zwei Drittel ihrer Leistung für öffentliche Auftraggeber abwickelt, ist ebenfalls ein Profiteur von Infrastruktur-Programmen. Das Unternehmen realisiert als Generalunternehmerin einen der größten Windparks Rumäniens, modernisiert einen wichtigen Eisenbahnknoten in Polen und erhielt gemeinsam mit seinen Konsortial-Partnern in Großbritannien den Auftrag zur Modernisierung eines 110 Kilometer langen Wasserleitungssystems. Analysten rechnen von 2025 bis 2027 mit soliden Gewinnsteigerungen. Als Zulieferer von Baumaterialien ein klarer Gewinner in der Wertschöpfungskette ist auch Wienerberger, die mit Kostensenkungen und gezielten Akquisitionen in der Lage sein sollte, 2025 und in den kommenden Jahren die Ertragskraft zu steigern. Das konkrete Ausmaß hängt dabei von Markt- und Konjunkturdynamiken sowie der Entwicklung der Inputkosten ab. Derzeit ist die Aktie am Markt eher konservativ bewertet.
Anlagenbau und Schwerindustrie
Der Bau von Maschinen, Industrieanlagen und insbesondere von Kraftwerken gehört ebenfalls zu einem Infrastrukturboom, wovon vor allem Andritz profitieren sollte. Andritz ist einer der weltweit führenden Anbieter von elektromechanischen Ausrüstungen und Serviceleistungen für Wasserkraftwerke mit mehr als 185 Jahre Erfahrung beim Bau von Turbinen. Als Anbieter eines breiten Spektrums an Pumpen, einem Standbein im Bereich „grüner Wasserstoff“ und auch bei thermischen Kraftwerken ist Andritz ein klarer Gewinner des Infrastruktur-Ausbaus. Das Unternehmen konnte den Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit von 2020 bis 2024 von 461,5 auf 636,5 Millionen Euro steigern, und von 2025 bis 2027 sollte laut Schätzungskonsens bei MarketScreener der Gewinn pro Aktie von 4,773 auf 6,1 Euro wachsen, woraus bei einem Kurs von 60,90 Euro ein für 2027 günstiges KGV von 10 resultieren würde.
Aufgrund der Verlagerung des Produktmixes in Richtung Innovation und Qualität ist derzeit auch die Voestalpine wahrscheinlich unterbewertet. Das Unternehmen profitiert zum Beispiel mit Baustahl, Stahlteilen für den Maschinen- und Anlagenbau sowie Stahl für Rohrleitungen am Ausbau der Infrastruktur. Die Voestalpine ist bei einem Kurs von 32,18 Euro mit einem für 2027/28 geschätzten KGV von 9,1 günstig bewertet.
Feuerwehren und Kräne
Feuerwehrfahrzeuge, Pumpen, Hydranten und Ausrüstung sind Teil der Ausgaben der städtischen Infrastruktur. Urbanisierung erhöht und verändert den Bedarf an Fahrzeugen: nicht nur mehr Einheiten, sondern auch mehr Spezialisierung (schnelle Einsatzfahrzeuge für enge Gassen, passende Löschfahrzeuge für Flughäfen …). Hier kommt Rosenbauer ins Spiel, dessen globaler Marktanteil bei Löschfahrzeugen auf 11 % geschätzt wird. Ein hoher Auftragsbestand gibt dem Unternehmen Spielräume für Umsatz- und Ertragssteigerungen. Der Gewinn pro Aktie sollte laut Analystenschätzungs-Konsens von 2025 bis 2027 von 3,45 auf 7,115 Euro steigen, woraus bei einem Kurs von 45,25 Euro ein für 2027 geschätztes KGV von nur noch 6,4 resultieren würde.
Teil der Infrastruktur-Wertschöpfungskette ist indessen Palfinger – mit Kränen, Mitnahmestaplern und Ladeboardwänden für die Bauwirtschaft oder direkt im Infrastruktur-Bereich mit Ladekränen, Brückeninspektionsgeräten und Hubarbeitsbühnen. Trotz zyklischer Schwankungen war das Unternehmen in der Lage, von 2018 bis 2024 das Konzernergebnis von 58 auf 100 Millionen Euro zu steigern. Der Free Cashflow verbesserte sich im selben Zeitraum von 46,8 auf 119,5 Millionen Euro. Auf Basis eines Kurses von 30,68 Euro wäre die Aktie mit einem für 2027 geschätzten KGV von 7,6 günstig bewertet.
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Dotcom 2.0: (Wann) Platzt die KI-Blase?
Der aktuelle KI-Hype erinnert frappant an die Tech-Bubble Ende der 1990er-Jahre.
Andreas Dolezal. Die teils absurden Milliardenbeträge, die derzeit in Künstliche Intelligenz (KI) und große Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) wie ChatGPT investiert werden, erinnern an den Tech-Hype der späten 1990er-Jahre. Bekanntlich platzte diese Tech-Bubble im März 2000, viele Unternehmen verschwanden ebenso wie Investitionen und Börsenwerte auf Nimmerwiedersehen. Droht dem aktuellen KI-Boom ein ähnliches Schicksal? Anzeichen und Stimmen dafür gibt es.
Geschichte wiederholt sich
Tech-Giganten wie OpenAI und die „Magnificent 7“ (Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta, Nvidia und Tesla) investieren Hunderte Milliarden US-Dollar in Rechenzentren sowie deren Stromversorgung, Chips und Software, finanziert durch Risikokapital und Kredite. Kleine wie große Anleger befeuern mit ihren Investitionen den Börsenhype dieser Titel. Sie alle wurden in den letzten Monaten und Jahren mit astronomischen Kursgewinnen belohnt.
Nvidia, dessen Chips unverzichtbar sind, und dessen Kurs-Gewinn-Verhältnis KGV bei 47 liegt, ist so zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufgestiegen. Der Börsenwert von Nvidia hat die Dimension des Bruttoinlandsprodukts von Deutschland erreicht.
Das Bedenkliche daran ist, dass bis dato keine KI-Anwendung ein tragfähiges Geschäftsmodell vorweisen kann, das auch nur ansatzweise in der Lage wäre, die investierten Milliarden zu Lebzeiten der Investoren zurückzuverdienen. Die Gefahr, dass dieser Hype zu einer enormen Kapitalvernichtung führt, steigt. Die Parallelen zur Überbewertung Ende der 1990er-Jahre sind frappant. Experten meinen sogar, dass die Kluft zwischen Erwartung und Realität noch gigantischer als bei der Dotcom-Blase ist.
Auch Protagonisten warnen
Neu sind die Warnungen vor einer Blase nicht. Sogar führende KI-Unternehmer wie OpenAI-CEO Sam Altman gestehen ein, dass eine übermäßige Begeisterung vorherrscht. Auch Meta-Chef Mark Zuckerberg hält eine KI-Blase für durchaus möglich. Amazon-Gründer Jeff Bezos nennt KI eine Blase, dennoch werde der Nutzen für die Gesellschaft gigantisch sein.
„FOMO“ (Fear of Missing Out) – die Angst, einen wichtigen Trend zu versäumen – treibt die Protagonisten zu immer neuen Milliardeninvestments. Es wäre zwar bedauerlich, wenn hunderte Milliarden US-Dollar falsch investiert und vielleicht verloren sind, aber das Risiko, zu wenig zu investieren und beim „nächsten großen Ding“ nicht dabei zu sein, ist noch größer.
Risiken und Herausforderungen
Die „Magnificent 7“ sind höchst profitabel und verfügen über riesige Bargeld-Reserven. Auch der Zuspruch der (Risiko-)Investoren ist ungebrochen. Alleine die finanzielle Potenz kann jedoch grundlegende Probleme nicht lösen. Um den enormen Strombedarf der Serverfarmen zu decken, müssen Kraftwerke gebaut und Stromnetze optimiert werden. Microsoft geht sogar soweit, ein altes Atomkraftwerk zu reaktivieren. Die zunehmende Billigkonkurrenz aus China bedroht Preise, Margen und Börsenkurse. Nach der Vorstellung des chinesischen LLM DeepSeek korrigierten die Börsenkurse der US-Tech-Giganten unmittelbar um Milliarden US-Dollar.
Eine Frage der Zeit
Die Wahrscheinlichkeit einer Kurskorrektur steigt mit jedem Tag, an dem die Aktienkurse neue All-Time-Highs erreichen. Die Gefahr, dass Börsenkapitalisierungen und KGVs auf ein nachhaltiges Niveau zurückkehren, rückt näher – erste Banken warnen bereits. Die Frage ist, wann der Hype seinen Zenit erreicht und überschritten hat. Denn Unternehmen, die dauerhaft keine Gewinne erzielen, verweigern Investoren irgendwann frisches Geld. Damit droht bei den derzeitigen Cash-Burn-Rates rasch die Zahlungsunfähigkeit und eine massive Korrektur der Börsenwerte.
Was sagt ChatGPT dazu?
Auf die Frage „Wird die KI-Blase platzen?“ antwortet ChatGPT 5: „Die aktuelle KI-Euphorie ist tatsächlich ein Hype – aber eine Hype-Phase bedeutet nicht zwingend, dass die Blase platzen wird. Vielmehr dürfte es zu einer Abkühlung und Konsolidierung kommen, nicht zu einem vollständigen Zusammenbruch.“ Wollen wir hoffen, dass die KI recht hat und nicht halluziniert.
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Scout24 – für Anleger nicht günstig, aber äußerst renditehaltig
Der Dax-Neuling hat mit seiner Immobilienplattform ein robustes und wachstumsstarkes Geschäftsmodell entwickelt.
Stefan Riedel. Das Geschäftsmodell der seit September im Dax gelisteten Scout24 SE (DE000A12DM80) ist schnell erklärt. Die 1998 gegründete Firma aus München bringt auf ihrer Onlineplattform Eigentümer und Vermieter von Immobilien mit Käufern und Mietern zusammen. Als Anzeigenprotal ist Scout24 hier zusammen mit Immobilienwelt Marktführer in Deutschland.
Diversifikation treibt die Marge
Die stabilen Erträge mit der Kernplattform ImmoScout24 und die Preissetzungsmacht bei Produktpaketen wie Makler-Abos schieben die Profitabilität immer weiter nach oben. Dazu kommen zusätzliche Services für Eigentümer und Makler. Mit der Summe dieser Angebote, die wiederkehrende Erlöse generieren, schafft es Scout24, die Umsätze pro Kunde zu erhöhen. „Scout24 überzeugt mit stabilen Plattformerlösen, einem robusten Abo-Fundament und wiederkehrenden Cashflows“, begründet Marcus Diebel von JP Morgan sein Overweight-Rating mit einem Kursziel von 146 Euro.
Zehn der 15 Branchenexperten, die Scout24 covern, empfehlen die Aktie zum Kauf und verweisen dabei auf die stetig wachsenden Erträge. Während der Konzernumsatz zwischen 2019 und 2024 um 57 % auf 566,3 Millionen Euro stieg, schnellte der operative Gewinn im selben Zeitraum um fast 140 % auf 253,3 Millionen Euro nach oben. Nach dem erwarteten Gewinnsprung von mehr als 40 % in diesem Jahr erwarten die Analystenschätzungen für die nächsten zwei Geschäftsjahre ein durchschnittliches Gewinnplus im mittleren zweistelligen Prozentbereich.
Nach dem starken ersten Halbjahr hat das Management die Jahresprognose für 2025 angehoben: Scout24 erwartet 14 bis 15 % Umsatzwachstum und einen Anstieg der Ebitda-Marge um bis zu 70 Basispunkte. 2024 waren es 61,5 %. Die beiden größten Geschäftsfelder Wohnimmobilien und Gewerbeimmobilien arbeiten dabei gleich profitabel.
Neue Wachstumsfelder
Weitere Einnahmen will sich Scout24 nach den Worten von Ralf Weitz mit Künstlicher Intelligenz erschließen. „Wir transformieren uns vom Anzeigenportal zu einem vernetzten Ökosystem. Dabei revolutionieren wir alle Prozesse rund um Immobilien mit modernsten KI-Lösungen“, gibt der seit 15 Jahren im Unternehmen arbeitende und seit März 2025 an der Konzernspitze stehende Vorstandschef die Richtung vor. Firmenkunden können mit speziellen KI-Produkten schnell Videos erstellen oder Bilder verbessern. Die Privatkunden unterstützt KI etwa bei der Objektsuche.
Akquisitionen ergänzen das organische Wachstum: Die im Dezember 2024 übernommene Bulwiengesa AG aus München, ein auf die Beratung und Analyse der Immobilienbranche spezialisiertes Unternehmen, betreibt die Datenbank Riwis, die seit 1990 Daten zu Wohn- und Gewerbeimmobilien sammelt. Um im attraktiven und zugleich fragmentierten spanischen Immobilienmarkt Fuß zu fassen, hat Scout24 weiters im September die zwei spanischen Immobilienplattformen Fotocasa und Habitaclia für 153 Millionen Euro gekauft.
Die Börse reagierte negativ, weil einige Branchenkenner den Kaufpreis als zu hoch einschätzten. Langfristig orientierten Anlegern bietet der aktuelle Kursrücksetzer gute Einstiegskurse. Das optisch stattliche 2026er-KGV ist angemessen für ein Unternehmen, das in seiner Branche operative Topmargen von zuletzt 63 % einfährt.
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Oberstes Ziel: Große Korrekturen meiden
Ein Fonds von DNB Asset Management zielt auf eine stabile Performance in jedem Marktumfeld ab.
Patrick Baldia. In Kürze ist es so weit: Der „DNB Fund Stable Alpha“ (ISIN: LU2092772982) feiert den europaweiten Start. Neu ist der Fonds von DNB Asset Management allerdings keineswegs. Am Heimmarkt Norwegen war sein Debut bereits 2020, weshalb man sich ein gutes Bild darüber machen kann, wie sich der Fonds bislang in unterschiedlichen Marktszenarien geschlagen hat.
So viel darf verraten werden: Die Zielrendite von 4 % gegenüber risikofreien, kurzlaufenden deutschen Bundesanleihen wurde bislang immer erreicht. Und es schaut gut aus, dass das heuer auch wieder der Fall sein wird: Ende September stand ein Plus von 3 % seit Jahresbeginn zu Buche.
„Der ‚DNB Fund Stable Alpha‘ stellt eine aktiv gemanagte Kombination aus verschiedenen hauseigenen Strategien mit geringer Korrelation zueinander dar“, sagt Co-Fondsmanager Daniel Berg (im Bild links) zum Börsen-Kurier. Ziel sei es, in verschiedenen Marktszenarien eine stabile Rendite zu erzielen. Dabei sei der Fonds zwei Risk Buckets ausgesetzt: dem ersten, Alpha (aktueller Anteil an der Allokation: 86 %), gehören Strategien wie Equity Long/Short, Macro/Trading und Trendfolge, die über verschiedene Assetklassen ausgespielt werden, an. Beta (14 %) basiert wiederum auf einem traditionellen Long-Only-Ansatz und umfasst Aktien mit niedriger Volatilität oder Fixed-Income-Instrumente, wie norwegische Investment-Grade-Unternehmensanleihen, US-amerikanische und europäische Staatsanleihen sowie „gefallene Engel“ am High-Yield-Markt.
Um die Zielrendite zu erreichen, setzt das Fondsmanagement ausschließlich auf liquide Märkte und Strategien. „Exotische Märkte sind keine Spielwiese für uns“, bringen es Berg und Kollege Kim Stefan Anderson (im Bild rechts) unisono auf den Punkt. Bislang war man erfolgreich: Seit 2023 hat das Produkt in 85 % der Monate eine positive Performance geliefert. „Stand die Ampel auf Rot für Aktien, war der Fonds stets im grünen Bereich“, so Anderson.
Beta-Exposure signifikant reduziert
„Langfristig hat der Fonds einen signifikanten Wandel von einem Beta-Exposure von 70 % zum aktuellen Niveau von weniger als 20 % erlebt“, hält Co-Fondsmanager Anderson fest. Die Allokation sei dagegen über die vergangenen zwei, drei Jahre nicht großartig verändert worden. Zu den Anpassungen, die seit Jahresbeginn vorgenommen wurden, zählt Anderson auf der Beta-Seite die Erhöhung des Fixed-Income-Exposures im Frühsommer. Die Aufstockung der Erneuerbaren-Energien-Strategien auf der Alpha-Seite zu Jahresbeginn habe man dagegen über den Sommer wieder etwas abgebaut.
Klare Meinung
Neue Strategien oder Assets würden grundsätzlich nur nach einer strengen Prozedur Zugang ins Portfolio finden, so Anderson weiter. „Die Mindestanforderung für eine Aufnahme ist eine zweijährige Probezeit.“ Damit nicht genug: Beobachtungen und Erkenntnisse werden in den zweimal wöchentlich stattfindenden Meetings mit den Fondsmanagern der insgesamt zwölf Strategien diskutiert. „Sie sehen: Entscheidungen werden nicht auf Basis einer Einzelmeinung getroffen“, betont Anderson. Vielmehr verfolge man einen sehr umfassenden, aktiven Zugang mit klarer Meinung über alle Positionen im Portfolio. „Am Ende des Tages treffen Daniel und ich die Entscheidungen“, räumt der Fondsmanager ein.
Private und institutionelle Anleger
Und welche Zielgruppen sollen mit dem „DNB Fund Stable Alpha“ angesprochen werden? „Wir richten uns an ein großes Universum an privaten und institutionellen Investoren, die eines gemeinsam haben: Sie möchten in eine Strategie investieren, die ihre Portfolios mit Hinblick auf Beta und Volatilität widerstandsfähiger macht“, sagt Berg, nur um hinzuzufügen: „Vor allem in Zeiten unruhiger Märkte.“ Eines der obersten Ziele des Fonds, dass alle Fondsmanager verinnerlicht hätten, sei es, große Korrekturen zu meiden.
Foto: DNB Asset Management
Warum so viele für verpflichtende betriebliche Vorsorge sind
Vier von fünf Menschen glauben nicht, von künftigen staatlichen Pensionen gut leben zu können
Die Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher zweifelt daran, dass die staatliche Pension im Alter ausreichen wird, wie eine repräsentative Umfrage zeigt. Präsentiert wurde die Studie von Martin Sardelic, Vorstandsvorsitzender der Valida Vorsorge Management, gemeinsam mit Philipp Mayer, Vorstandsmitglied, und Stephan Duttenhöfer, Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts Spectra.
Für die Erhebung wurden rund 1.900 Personen zwischen 18 und 60 Jahren in Österreich befragt.
Wenig Vertrauen in die staatliche Pensionsvorsorge
„Das umlagefinanzierte Pensionssystem überzeugt die Österreicher aktuell nicht“, fasste Duttenhöfer die Ergebnisse zusammen. Besonders Frauen und junge Menschen zeigen geringe Zuversicht.
- 58 % glauben nicht, von der staatlichen Pension gut leben zu können.
- 30 % sind unsicher.
- Nur 17 % antworten mit „Ja“.
- Unter Frauen sind es 12 %, bei den unter 30‑Jährigen 13 %.
Die erwartete Pensionslücke liegt laut Studie mittlerweile bei bis zu 1.243 Euro – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2022 (824 Euro).
Breite Zustimmung zu Reformen
Laut Sardelic haben sich viele Menschen noch zu wenig mit ihrer eigenen Vorsorge beschäftigt. Gleichzeitig rückt das Thema durch die Regierungsverhandlungen wieder stärker in den Fokus.
Die Reformbereitschaft ist hoch:
- 69 % unterstützen die geplante Teilpension, um Arbeiten im Alter zu fördern.
- 61 % sprechen sich für eine Anhebung des Antrittsalters bei der Korridorpension aus.
- 47 % befürworten ein Pensionssplitting zugunsten des Elternteils mit längerer Kinderbetreuung.
- 38 % sind für eine einmalige oder schrittweise Anhebung des Pensionsantrittsalters.
- 59 % wünschen sich, dass der Staat durch Investitionen in Wertpapiere zusätzliche Mittel für Pensionen erwirtschaftet.
Klare Mehrheit für eine stärkere zweite Säule
Die betriebliche Vorsorge – die zweite Säule – spielt derzeit nur eine geringe Rolle: Rund 4 % der Pensionen stammen aus diesem Bereich, 90 % aus der ersten Säule.
Die Bevölkerung sieht das anders:
- Im Durchschnitt wünschen sich die Befragten einen Anteil von 26 % aus der zweiten Säule.
- 69 % fordern verpflichtende betriebliche Vorsorgelösungen für alle Arbeitnehmer.
- 80 % sprechen sich für eine Steuerbefreiung von Eigenbeiträgen zur Pensionskasse aus.
- 44 % wären bereit, einen Teil ihres Gehalts für Pensionskassenbeiträge umzuwidmen.
- Ebenfalls 80 % unterstützen die Forderung, dass die Abfertigung Neu grundsätzlich als Zusatzpension verwendet werden soll – mit vorzeitiger Auszahlung nur in finanziellen Notlagen.
Betriebliche Vorsorge in Kollektivverträgen verankern
Mayer erläuterte Reformvorschläge, die sich an skandinavischen Modellen orientieren. Ziel sei ein stabileres, gerechteres und zukunftsfähiges Pensionskassensystem.
Dazu zählen:
- Berücksichtigung betrieblicher Vorsorgelösungen in allen Kollektivverträgen
- ein gesetzlicher Anspruch, Teile des Gehalts in eine Pensionskasse umzuwidmen
- ein breiter Zugang zu Zusatzpensionen für alle Erwerbstätigen
„Lebensphasenmodell für alle“
Mayer präsentierte außerdem ein Konzept zur Modernisierung des Pensionskassensystems, das ohne zusätzlichen finanziellen Aufwand umsetzbar wäre.
Das Modell sieht vor:
- eine altersabhängige Veranlagungsstrategie
- dynamische Veranlagung für junge Menschen mit langfristigem Horizont
- konservative Veranlagung für Pensionistinnen und Pensionisten zur Stabilisierung der Auszahlungsbeträge
Sardelic betonte abschließend: „Wir sehen jetzt die Chance, dass sich politisch etwas ändert.“
Autor: Rudolf Preyer
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Ein Blick auf Peter Hocheggers „Schattenrepublik“
Florian Beckermann. Für Meinung zu einem Buch wird diese Kolumne wirklich selten genutzt. Insofern kommt dem anschließenden Kommentar eine gewisse Sonderstellung zu. Das Werk des ehemaligen Lobbyisten Peter Hochegger „Die Schattenrepublik – ein Lobbyist packt aus“ beherrscht nicht nur durch den Podcast „Die Dunkelkammer“, sondern auch sonst die Gespräche der Szene. Wobei sich die Kommentatoren zwischen Schrecken und Faszination kaum entscheiden können, soviel Dreistigkeit und Chuzpe ist man heute wohl eher aus US-Wirtschaftsfilmen gewohnt.
Hochegger lässt seine Karriere Revue passieren. Er geht schonungslos mit sich selbst ins Gericht. Er skizziert sich als bedingungslosen Opportunisten und geschickten Manipulator der öffentlichen Meinung – mit fulminantem Erfolg, oft am Rande der ethischen Vertretbarkeit. Heutzutage völlig unvertretbar. Ohne einen Funken solcher Bedenken, hebelt er den Erfolg des Systems Hochegger für sein wirtschaftliches Fortkommen und zugunsten der vermeintlichen politischen Grandiosität anderer. Wer andere glänzen lässt, war schon immer beliebt. Er will nicht erkennen, dass er eine Rolle in einem korrupten System erfüllt. Er schützt und nützt ein System von Unfähigen, deren Unzulänglichkeiten er zu nutzen weiß. Oft gezahlt von der Telekom Austria – der finanziellen Melkkuh der Schattenrepublik, die er beherrscht. Er kann nicht aussteigen und denkt auch nicht daran: Was soll schon passieren, schließlich irrlichtert er gemeinsam mit den „Mächtigen“?
Es entsteht eine Republik-Beschau der Nullerjahre mit epochaler Gier und Machtmissbrauch, ohne irgendeine kritische Selbstwahrnehmung. Erst mit den Hausdurchsuchungen bei der Immofinanz setzt eine Kettenreaktion ein, die die Cause Buwog und Linz Terminal Tower hervorbringt und Hochegger zu einem Teilgeständnis bewegt. Das Ergebnis einer kalkulierten juristischen Risikoanalyse, die ihm Erleichterung verschafft? Nein, Hochegger hat nichts zu verlieren und ist glaubhaft – so befand auch das Gericht. Selbstverständlich weiß er um seine Stellung in der öffentlichen Wahrnehmung, doch juristisch wird er nicht geschont. Der erneute Haftantritt oder eine Fußfessel ist dieser Tage zu erwarten.
Fazit: Einblicke in den „Staat“ im Staate lieferte einst Hans Pretterebner in der präzisen Aufarbeitung des Falls Lucona. Politische Karrieren endeten. Mit einer anderen Perspektive und verklärter, blickt Hochegger auf sein eigenes Wirken, jenseits der Verjährung möglicher Haftung. Ohne die Causa Buwog könnte ein Karl-Heinz Grasser heute wohl fast alles sein, was politisch verschaffbar gewesen wäre. Wer glaubt, dass sich die Welt nach Hocheggers Abtritt verändert hat, irrt. Der Dunst der Hochegger-Systeme liegt weiter über Österreichs politischer Landschaft, auch wenn er selbst nicht mehr die Fäden in der Hand hält. Nicht zuletzt für kommende Generationen sollte daher der ethische Einsatz für die saubere Funktionsweise von Staat und Wirtschaft nicht abreißen.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, , www.iva.or.at
Aktienrückkäufe untermauern Attraktivität britischer Aktien
Ein Kommentar von Tom Matthews, Fund Manager der UK Dynamic Strategy bei J O Hambro.
(07.10.) Unter Investoren hält sich die Sorge, die britische Wirtschaft stehe unter Druck – und damit auch sämtliche börsennotierte Unternehmen. Doch das Bild ist differenzierter. Zwar hat die Unternehmensstimmung in den vergangenen Monaten nachgegeben, nicht zuletzt wegen wachsender Befürchtungen über Steuererhöhungen im anstehenden Herbsthaushalt. Laut dem Lloyds Business Barometer liegt das Vertrauen der Firmen jedoch weiterhin auf einem Zehnjahreshoch. Und auch wenn der Einkaufsmanagerindex (PMI) zuletzt schwächer ausfiel, bewegt er sich immer noch über dem Niveau in Europa.
Trotz der etwas eingetrübten Stimmung bleibt das Vertrauen in britische Aktien ausgesprochen hoch. Besonders Unternehmen mit starkem Binnenmarktbezug spüren zwar derzeit Gegenwind, doch die Zahlen zeichnen ein anderes Bild: Im Jahr 2025 gab es im Schnitt zwei Übernahmeangebote pro Woche für britische Firmen. Zudem liegt der Anteil der Large Caps, die eigene Aktien zurückkaufen, in Großbritannien aktuell höher als in jedem anderen G7-Land – sogar höher als in den USA. Das unterstreicht nicht nur die attraktive Bewertung britischer Titel, sondern zeigt auch, dass die Unternehmensführungen – ob als Käufer oder über Rückkäufe – die Perspektiven der britischen Wirtschaft sehr positiv einschätzen.
Aus Sicht der Investoren erscheinen die Chancen zunehmend attraktiver in den Nebenwert-Indizes wie dem FTSE 250 und dem FTSE Small Cap zu sein, die in den vergangenen vier Jahren rund 20 % hinter dem FTSE All-Share zurückgeblieben sind, während der FTSE 100 um 5 % besser abgeschnitten hat. Zwar sind diese Indizes weitaus stärker auf den heimischen Markt ausgerichtet als der FTSE 100 mit seinen Large-Cap-Unternehmen, doch gibt es viele international führende Unternehmen, die zu Unrecht wie rein inländische Unternehmen bewertet werden und daher Gefahr laufen, zu internationalen M&A-Zielen zu werden. Für Anleger ergibt sich damit ein deutlich asymmetrisches, zugunsten der Chancen verzerrtes Profil.
Hohe Sicherheitsmarge
Makroökonomisch gesehen bleibt die Weltpolitik das größte Problem, nicht die Innenpolitik. Anleger sollten sich darüber im Klaren sein, dass die Unsicherheit in der globalen Politik weiterhin hoch ist – sowohl hinsichtlich der Häufigkeit als auch des Ausmaßes von Veränderungen. Als Investoren sind wir gefordert, darauf zu reagieren, indem wir sicherstellen, dass unser Portfolio gegenüber exogenen Schocks widerstandsfähig bleibt. Wir haben in Großbritannien die Möglichkeit, Unternehmen mit hoher Ertragskraft kaufen zu können, die sich in einer Phase der Transformation befinden, hohe Free-Cashflow-Renditen erzielen und eine geringe Bilanzverschuldung aufweisen. Diese bieten uns angesichts der unsicheren globalen Politik eine hohe Sicherheitsmarge.
Im Vergleich zu anderen Ländern ist Großbritannien relativ gut vor den harten Auswirkungen der US-Politik geschützt, da es die niedrigsten Zölle weltweit hat – es wird wohl zu einem „Zoll-Sicherheitshafen“, was seine Attraktivität für internationale Fusionen und Übernahmen nur noch erhöht. Aber wenn die USA niesen, bekommen wir alle einen Schnupfen, sodass niedrigere Zölle nicht bedeuten, dass Großbritannien immun ist.
Insgesamt zeigt sich damit: Trotz geopolitischer Unsicherheiten und kurzfristiger wirtschaftlicher Herausforderungen bleibt der britische Aktienmarkt strukturell attraktiv bewertet. Sowohl Übernahmeaktivitäten als auch Aktienrückkäufe unterstreichen das Vertrauen in die Zukunft britischer Unternehmen – ein Fundament, das mittel- bis langfristig weiteres Aufwärtspotenzial eröffnet.
Trotz der US-Zölle bleibt das weltweite Wirtschaftswachstum momentan stabil
Ein Kommentar von Guy Wagner, Chief Investment Officer (CIO) von BLI – Banque de Luxembourg Investments.
(06.10.) Bislang haben die US-Zölle das weltweite Wirtschaftswachstum, das im Sommer stabil geblieben ist, nicht sonderlich beeinträchtigt, schreiben Guy Wagner und sein Team in ihrem jüngsten monatlichen Marktbericht „Highlights“.
„In den Vereinigten Staaten scheint der Anstieg des Binnenkonsums weiterhin ungebrochen, obwohl er zunehmend von den wohlhabendsten Haushalten getragen wird“, sagt Guy Wagner, Chief Investment Officer (CIO) von BLI – Banque de Luxembourg Investments. „Auch die Unternehmensausgaben entwickeln sich robust, insbesondere dank Investitionen im Bereich der Künstlichen Intelligenz.“ In der Eurozone ist das Wirtschaftswachstum schwächer, vor allem im verarbeitenden Gewerbe. „Die Hoffnungen auf eine Erholung ruhen auf den positiven Auswirkungen der Erhöhung der deutschen Staatsausgaben spätestens ab Anfang kommenden Jahres.“ In China hält der Deflationsdruck aufgrund der schwachen Binnennachfrage, der ausbleibenden Erholung des Immobilienmarktes und der Überkapazitäten in der Industrie an. In Japan gingen die Exporte im August aufgrund der US-Zölle zum vierten Mal in Folge gegenüber dem Vorjahr zurück, so dass das BIP-Wachstum nun hauptsächlich auf den Schultern der inländischen Verbraucher lastet.
US-Inflation stabilisiert sich bei drei Prozent
In den Vereinigten Staaten hat sich die Inflation bei rund drei Prozent stabilisiert und „zeigt sich bislang wenig beeinträchtigt von den Zöllen, liegt jedoch weiterhin über dem Zielwert der Federal Reserve von zwei Prozent“, so der luxemburgische Ökonom. So stieg die Gesamtinflationsrate im August von 2,7 Prozent auf 2,9 Prozent, während die Inflation ohne Energie und Lebensmittel stabil bei 3,1 Prozent blieb. In der Eurozone liegt die Inflation nahe am Ziel der Europäischen Zentralbank, wobei die Gesamtinflationsrate im September von 2,0 Prozent auf 2,2 Prozent stieg.
US-Notenbank senkt Leitzins um 25 Basispunkte
Gemäß den Erwartungen senkte die US-Notenbank den Zielkorridor für den Leitzins um 25 Basispunkte auf 4 bis 4,25 Prozent. Angesichts des weiterhin restriktiven Zinsniveaus und der schwachen Beschäftigungsentwicklung in den vergangenen Monaten kam Fed-Chef Jerome Powell zu dem Schluss, dass im Rahmen seines doppelten Mandats das Ziel der Vollbeschäftigung stärker gefährdet sei als das Ziel einer Inflationsrate von zwei Prozent. In der Eurozone beließ die EZB ihre Leitzinsen unverändert, da sie davon ausgeht, dass sich der seit Oktober 2022 andauernde Desinflationsprozess dem Ende zuneigt.
Aktienmärkte erreichen neue Höchststände
Im September setzten die Aktienmärkte ihren Aufwärtstrend fort und erreichten neue Höchststände. Guy Wagner: „Erneut wurde die Dynamik weitgehend vom Thema Künstliche Intelligenz getragen, nachdem Oracle ein spektakuläres Wachstum seiner Rechenzentrumsinfrastruktur in den kommenden Jahren angekündigt hatte. Diese Welle des Optimismus griff schnell auf die asiatischen Märkte über, die ihrerseits durch die Ankündigung massiver Investitionen chinesischer Technologieriesen in diesem Bereich beflügelt wurden.“ Vor diesem Hintergrund legte der weltweite MSCI All Country World Index Net Total Return, ausgedrückt in Euro, im Monatsverlauf um 3,2% zu. Auf regionaler Ebene stiegen sowohl der S&P 500 (in USD), der STOXX Europe 600 (in EUR), der Topix (in JPY) und der MSCI Emerging Markets Index (in USD). „Auf Sektorenebene erzielten Technologie, Kommunikationsdienstleistungen und zyklische Konsumgüter die besten Ergebnisse, während Immobilien, Gesundheitswesen und Basiskonsumgüter Rückgänge verzeichneten.“
Dividenden: Sicherer Hafen in turbulenten Zeiten
Globale Ausschüttungen könnten auch im Jahr 2025 ein neues Rekordniveau erreichen.
Patrick Baldia. Schwächelnde Weltwirtschaft hin oder her, auch 2025 flossen die globalen Dividenden bislang üppig: Laut einer Studie der Capital Group schütteten Unternehmen im ersten Halbjahr den neuen Rekordwert von rund 1,14 Billionen US-Dollar aus. Gegenüber 2024, im Übrigen auch ein Rekordjahr, bedeutet das ein starkes Plus von fast 8 %. Um die Dynamik der Entwicklung etwas zu veranschaulichen: Im ersten Halbjahr 2025 wurde so viel ausgeschüttet wie im gesamten Jahr 2024. Kurz: Es schaut nach einem weiteren Rekordjahr aus.
Neue Rekordwerte an Ausschüttungen wurden der Studie zufolge in den USA, die den größten Beitrag zum globalen Plus lieferten, in Kanada, Japan und in Teilen Europas (wie beispielsweise Deutschland, Spanien oder den Niederlanden) sowie einigen Schwellen- und Pazifikmärkten erreicht. Auf Sektoren heruntergebrochen waren Financials mit einem Plus von rund 9 % auf bereinigter Basis (auf 299 Milliarden US-Dollar) am großzügigsten. Sie zeichneten für zwei Fünftel des globalen Dividendenwachstums verantwortlich. Ebenfalls einen starken Anstieg verzeichneten die Dividenden auch bei Unternehmen aus den Bereichen Transport, Maschinenbau und Software.
Weitere wichtige Erkenntnisse der Capital-Group-Studie: 86 % der globalen Unternehmen haben im ersten Halbjahr ihre Dividenden entweder erhöht oder zumindest stabil gehalten. Das mediane Kernwachstum belief sich in den ersten sechs Monaten von 2025 dabei auf 6,1 %. „Dividendenströme können ein wichtiger Indikator für die finanzielle Gesundheit und Stabilität eines Unternehmens sein“, erklärt Alexandra Haggard, Head of Asset Class Services, Europa und Asien Pazifik bei der Capital Group, wieso das für Anleger wichtig ist, um hinzuzufügen: „Firmen, die ihre Dividenden kontinuierlich zahlen und steigern, zeichnen sich in der Regel durch solide Gewinne, gesunden Cashflow und diszipliniertes Management aus.“
Dividenden wichtig für Gesamterträge
„Dividenden sind seit jeher ein entscheidender Bestandteil der Gesamterträge an den Aktienmärkten“, meint auch Sam Witherow, Portfolio Manager des Global Dividend Fund von JPMorgan. Gerade langfristig orientierte Anleger sollten nicht unterschätzen, wie vorteilhaft es sei, die lukrierten Dividenden zu reinvestieren. Dies habe seit 1987 nicht weniger als rund 55 % der Marktrenditen ausgemacht. Weiters legt der Experte Anlegern eine globale Dividendenstrategie ans Herz. Damit könne man regionale Unterschiede besser ausgleichen. Auf Branchenebene hat Witherow vor allem den Technologiesektor auf der Rechnung. Längst wären Tech-Konzerne nicht mehr bloß Wachstumswerte, sondern würden vielmehr aktiv zum weltweiten Dividendenwachstum beitragen. Zur Veranschaulichung: Allein Meta und Alphabet haben 2024 gemeinsam rund 15 Milliarden US-Dollar an Dividenden ausgeschüttet – was einem Fünftel (!) des weltweiten Dividendenwachstums entspricht.
Tipp für Anleger: Aristokraten
Ein Tipp für Anleger, die ein Dividenden-Portfolio zusammenstellen und nicht auf einschlägige Fonds oder ETFs setzen möchten, ist, sich den so genannten „Dividendenaristokraten“ zu widmen. Dabei handelt es sich um Unternehmen, die ihre Ausschüttungen seit mindestens 25 Jahren kontinuierlich gesteigert haben. Dazu gehören beispielsweise 3M, Abbvie, British American Tobacco, Caterpillar, Coca-Cola, Colgate-Palmolive und Exxon-Mobile. An der Wiener Börse weisen laut Analysten unter anderem Erste Group, OMV, die Post und der Verbund die richtige Mischung aus Liquidität und hoher Dividendenrendite auf.
Gerade im aktuellen Umfeld mit wachsender Unsicherheit und nach Jahren mit starken Kursbewegungen würden Dividendenaktien eine attraktive Balance aus defensiver Stabilität und langfristigem Wachstumspotenzial bieten, so Witherow. Für Arne Tölser, Head of DACH Client Group bei der Capital Group, sind dividendenstarke Unternehmen „seit jeher ein sicherer Hafen“. „Sie bieten Anlegern, Stabilität, wenn die Märkte turbulent werden“, erklärt er abschließend.
Foto: AdobeStock / somyuzu
Österreichs High-Tech-Aktien im Check
Der Börsen-Kurier hat sich die Unternehmen und deren Chancen angeschaut.
Michael Kordovsky. Während an der Nasdaq bei den Technologie-Blue-Chips für 2026 geschätzte KGVs im Bereich von 25 bis 30 niemanden erschrecken, erscheinen einzelne österreichische Technologieunternehmen regelrecht „ausgebombt“. Doch das hat seine Gründe: Die Unternehmen sind kleiner skaliert als die US-Giganten, haben teilweise mit relativ hohen Kosten zu kämpfen und zuletzt kam noch ein schwacher US-Dollar hinzu.
ams Osram mit Belastungen
Im Falle von ams Osram belastet zusätzlich noch eine hohe Verschuldung. Im Sommer hat Fitch das langfristige Emittenten-Ausfallsrating des Unternehmens von B+ auf B herabgestuft (mit Ausblick stabil). Die Begründung lag auch darin, dass die wichtigsten Kreditkennzahlen wie Bruttoverschuldungsquote und auch die Free-Cashflow-Marge gegenüber dem Rating schwach waren.
Positiver Ausblick bei AT&S
Besser sind die Perspektiven beim Leiterplattenhersteller AT&S, der unter anderem im Zuge einer Kooperation mit Intel von einer höheren Nachfrage nach IC-Substraten profitieren sollte. Zudem sollte sich bald die Rentabilität verbessern – wir schrieben darüber bereits in der Ausgabe vom 2. Oktober.
Fabasoft mit Wachstum
Ein österreichisches Software-Unternehmen, das im Cloud-Bereich wächst, ist Fabasoft. Der Spezialist ist primär in der DACH-Region aktiv und war in der Lage, vom Geschäftsjahr (endet am 31.3.) 2019/20 bis 2024/25 bei einer Umsatzsteigerung von 11,2 % p.a. den Cashflow um 10,4 % zu steigern. Laut Schätzungskonsens von MarketScreener sollte der Gewinn pro Aktie in den kommenden zwei Jahren von 0,81 auf 1,06 Euro wachsen, woraus bei einem Kurs von 16,10 Euro ein für 2027/28 erwartetes KGV von günstigen 15,2 resultiert.
Austriacard mit Wachstumsschub
Regelrecht „ausgebombt“ ist der Kurs der Austriacard Holdings, die gemeinsam mit Dell Technologies die „GaiaB Appliance“, eine Generative-KI-Lösung zur Automatisierung von Geschäftsprozessen und Unternehmensabläufen entwickelt. Austriacard ist auf Zahlungslösungen, Identifikation, Smart Cards, Personalisierung, Digitalisierung und sicheres Datenmanagement spezialisiert.
Der Aktienkurs geriet infolge einer Abwärtsrevision der Ertragsprognose des Managements unter Druck. Ein Umsatzrückgang von 16 % im ersten Halbjahr 2025 ist auf eine Normalisierung des türkischen Zahlungskartenmarktes, einen vorübergehenden Rückgang der Metallkartenverkäufe an Fintechs in Europa sowie auf administrative Verzögerungen bei einzelnen vertraglich vereinbarten Digitalisierungsprojekten im öffentlichen Sektor in Griechenland zurückzuführen. Die Folge: Umsatzverschiebungen ins Jahr 2026, das dann einen Wachstumsschub bringen sollte. Laut MarketScreener liegt das mittlere Kursziel der Analysten bei 7,22 Euro verglichen mit einem Kurs von 5,10 Euro, auf dessen Basis das für 2026 geschätzte KGV lediglich bei 8,2 liegt.
Frequentis und der Drohnenhype
Frequentis erhielt einen Kursschub, da das Unternehmen eine wichtige Rolle in der Ausstattung der Luftraumüberwachung spielt – insbesondere im aktuellen Umfeld der gehäuften Drohnensichtungen. Der Konzern, der in der Lage war, den Gewinn pro Aktie von 0,82 Euro im Jahr 2017 auf 1,66 Euro in 2024 zu steigern, verzeichnete im ersten Halbjahr 2025 folglich auch einen Auftragsschub.
Allerdings ist der Kurs mit einem Plus von rund 240 % in den vergangenen zwölf Monaten schon heiß gelaufen und eine Konsolidierung wäre natürlich, denn auf Basis eines Kurses von 90 Euro liegt – trotz allen Wachstums – das für 2027 erwartete KGV bereits bei 32,8.
Kontron noch günstig bewertet
Interessant erscheint die auf IoT-Lösungen spezialisierte Kontron, die durch Fokussierung auf rentablere Aufträge eine deutliche Verbesserung erzielen konnte. Das Management hob den Ausblick an und wirft man einen Blick auf den aktuellen Schätzungskonsens, dann sollte der Gewinn pro Aktie von 2025 bis 2027 von 2,18 auf 2,44 Euro steigen, woraus bei einem Kurs von 26,34 Euro ein für 2027 geschätztes KGV von günstigen 10,8 resultiert.
Die Analysten heben ihre Gewinnprognosen zuletzt wieder tendenziell an und es bestehen bei anhaltend positiven Einschätzungen gute Chancen auf mittelfristige Kursgewinne.
Foto: AdobeStock / josepperianes
Chinas Börsen starten wieder durch
Die Bewertungen sind günstig, staatliche Maßnahmen stützen: Vieles spricht für einen Aufschwung.
Raja Korinek. Derzeit vergeht beinahe kaum ein Tag ohne Meldungen zum US-Handelskonflikt oder Europas Pläne zur Aufrüstung. Dabei lohnt der Blick in den Fernen Osten, so etwa nach China. In der Region haben die Börsen in den vergangenen zwölf Monaten ein gutes Stück zugelegt. Allein der MSCI China Index verzeichnete ein Plus von rund 48 % (auf USD-Basis per 29.9.).
Dabei werde die Rallye von mehreren Faktoren angetrieben, betont Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. „So lenken niedrige Zinsen auf Sparkonten mit weniger als 1 % und fallende Immobilienpreise zunehmend Liquidität in den Aktienmarkt.“ Stephan verweist in diesem Zusammenhang auf aktuelle Statistiken und meint, „die Spareinlagen chinesischer Haushalte haben sich im Juli um 0,7 % auf umgerechnet 19,6 BioE reduziert“.
Günstiges Kurs-Gewinn-Verhältnis
Die Bewertungen sind jedenfalls günstig. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des MSCI China Index für die kommenden zwölf Monate liegt bei 12,4, somit ein gutes Stück unter dem Rekordhoch von 18, das 2021 erreicht wurde, erklärt James Donald, Leiter der Emerging-Markets-Plattform von Lazard Asset Management. Interessant ist auch der Vergleich zum MSCI Emerging Markets Index: Hier liegt das erwartete KGV bei knapp mehr als 13 und somit ebenfalls über jenem Chinas – obwohl das Reich der Mitte mit gut einem Drittel den größten Anteil darin ausmacht.
Doch es gibt auch fundamentale Treiber, die das Vertrauen wieder stärken dürften. Donald nennt die politische Unterstützung für Unternehmen. Die Regierung habe ein klares Bekenntnis zur Stabilisierung der Wirtschaft abgegeben. Tatsächlich soll der Binnenmarkt weiter angekurbelt, der Konsum ein wichtiger Wachstumsmotor werden. Zugleich wird der Fokus auf die Exportwirtschaft reduziert. Dabei sorgte der Aufschub möglicher US-Zölle bis zum 10.11. für Erleichterung in letzterem Sektor.
Langfristige Wachstumstreiber
Donald verweist auf weitere strukturelle Wachstumstreiber und nennt den Ausbau Künstlicher Intelligenz (KI) sowie die dafür notwendige Halbleiterfertigung. Auch in der grünen Wende mischt China kräftig mit. Das Land verfügt über die weltweit größten Kapazitäten in der Photovoltaik.
Anleger, die auf die weitere Entwicklung an den Börsen Chinas – vor allem im Technologiebereich – setzen wollen, können dies mit Zertifikaten tun.
Das „Solactive-China-Dragons-7-Indexzertifikat“ der Société Générale setzt auf die Kursentwicklung sieben chinesischer Technologieaktien. Dazu gehört der E-Kommerzanbieter Alibaba. Der Konzern investiert derzeit in KI, um Kunden mit Werbeinseraten zielgenauer anzupeilen. Baidu, ebenfalls Teil des Indexes, betreibt eine Suchmaschine, während Tencent trotz staatlicher Regulierung immer noch stark im Online-Spielemarkt mitmischt. Zudem betreibt der Konzern die größte Social-Media-Plattform WeChat und den Online-Bezahldienst WeChat Pay.
Das „Solactive-China-Internet-Indexzertifikat“ der Bank Vontobel umfasst sogar zehn Unternehmen, die am wachsenden Online-Konsummarkt verdienen. Dazu zählt das Reisebüro Trip.com. Das Potenzial ist groß. So springt die Reiselust in China zunehmend an und wird oftmals mit der App des Konzerns abgedeckt. Kuaishou Technology, in das ebenso investiert wird, betreibt soziale Plattformen für Kurzvideos und Livestreaming. Bei beiden Zertifikaten sind auch Verluste möglich.
Foto: AdobeStock / Argus