„Kunst ist mehr als nur ein Investment“

Der Börsen-Kurier im Gespräch mit dem Auktionator Otto Hans Ressler.

Lea Schweinegger. Der Auktionator Otto Hans Ressler zählt zu den gefragtesten Kunstexperten in Österreich und darüber hinaus. Ressler ist geschäftsführender Gesellschafter der „Ressler Kunst Auktionen GmbH“. Das Auktionshaus ist auf zeitgenössische und moderne Kunst, vorwiegend österreichischer Provenienz, spezialisiert. Zwei Mal im Jahr, im Feber und im September, finden im Auktionshaus Versteigerungen statt. Dieses befindet sich im Kunst- und Kulturzentrum der ehemaligen Ankerbrotfabrik im 10. Wiener Gemeindebezirk.

Der Experte ist allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Kunst. Bevor der Auktionator, ein gebürtiger Steirer, mit Partnern das eigene Auktionshaus gründete, leitete er das Grazer Dorotheum, danach die Kunstabteilung des Wiener Dorotheums und als geschäftsführender Gesellschafter das Auktionshaus im Kinsky. Seine zweite Liebe gehört der Schriftstellerei, mit der er in den 70er Jahren begann. Zwölf Bücher, darunter Fachbücher und Romane, sind von ihm bereits erschienen. Das letzte Buch „Der Mikl“, ein Roman über das Leben des Künstlers Josef Mikl, erschien 2015. Nun folgt in Kürze ein weiteres Werk mit dem Titel „Die Verleumdung“. Es sollte noch im Feber oder Anfang März erscheinen.

Börsen-Kurier: In den klassischen Mix der Anlageformen wie Aktien, Immobilien und Gold mischt sich verstärkt auch die Anlage in Kunstobjekte – sozusagen als gute Beimischung. Selbstverständlich aber nur qualitativ hochwertige, wobei die Namen der Protagonisten eine wichtige Rolle spielen. Ist Kunst eine Geldanlage, Herr Ressler?

Otto Hans Ressler: Kunst ist eine Geldanlage, das lässt sich nicht leugnen. Im höchsten Preissegment ist mein Eindruck aber, dass die Käufer von Kunstwerken von der Kunst so weit entfernt sind wie die Finanzspekulanten von der Realwirtschaft. Da wird längst nur mehr mit fiktiven Werten gehandelt wird, ohne Bezug zur Realität. Die Werke werden dann in riesigen Depots in der Schweiz und anderswo eingelagert. Unmoralisch ist das nicht, aber schade – in erster Linie für die Käufer selbst. Mit der Reduzierung zum Investment geht viel verloren. Denn Kunst ist viel mehr. Sie ist eine Herausforderung der Sinne, ein Imperativ der Haltung, eine Frage der persönlichen Überzeugungen.

Börsen-Kurier: In Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise litt auch der internationale Kunstmarkt beziehungsweise der Kunsthandel. Bloomberg zufolge sind Umsätze und Preise damals eingebrochen. Der Crash hatte somit auch die Auktionssäle der großen Häuser erreicht. Andererseits soll die Krise auf die heimischen Auktionshäuser keinen Einfluss gehabt haben.

Ressler: Es ist richtig, dass 2009 die Umsätze bei den großen Häusern dramatisch eingebrochen sind. Auch ich habe damals mit einem deutlichen Rückgang gerechnet und konsequent Kosten eingespart, besonders bei der Werbung. Das Ergebnis dieser Zurückhaltung war, dass der Umsatz im Kinsky 2009 um 35 % gegenüber dem Vorjahr anstieg. Der Grund war, dass es in Österreich kaum Spekulation in Kunst gibt. Ich kenne einen einzigen Sammler, der sich stolz „Spekulant“ nennt, aber so gut wie nie verkauft, also keine Spekulationsgewinne lukriert. Das ist kein Spekulant, sondern ein Sammler, der seine Leidenschaft rationalisiert.

Börsen-Kurier: Und wie beurteilen Sie den österreichischen Kunstmarkt heute, bzw. welche Rolle spielt heimische zeitgenössische Kunst international?

Ressler: Unter den (laut Ranking von Artfacts, das die Ausstellungsintensität weltweit misst) 100 erfolgreichsten Künstlern befinden sich sieben Österreicher: Erwin Wurm, Franz West, Valie Export, Arnulf Rainer, Heimo Zobernig, Günter Brus und Hermann Nitsch. Da Österreich nur 1 Promille der Population beiträgt, ist das eine herausragende Position. Auch gemessen am Kunstumsatz pro Kopf nimmt Österreich einen Platz ganz vorne ein. Das zu ermitteln ist ein bisschen schwierig, weil die Kunstumsätze in New York, London und Hongkong, ja den Ländern der Käufer zugeordnet werden müssten. Wenn man das herausrechnet, ist Wien die Nr. 1. Das heißt, hierzulande geben die Menschen (im Durchschnitt) mehr Geld für Kunst aus als in jedem anderen Land. Auch der Vorsprung gegenüber Deutschland ist beträchtlich. Natürlich muss man die Kirche im Dorf lassen und eingestehen, dass die wirklich hohen Preise anderswo erzielt werden. Aber es gibt keinen Grund, sich kleiner zu machen, als man ist.

Börsen-Kurier: Am 25. März findet bei Ihnen wieder eine Auktion zeitgenössischer Kunst statt. Ihr Haus ist auf hochwertige zeitgenössische und moderne Kunst, vorwiegend österreichischer Provenienz, spezialisiert. In welche Österreicher würden Sie persönlich investieren?

Ressler: Es gibt eine ganze Reihe von Künstlern, die mich begeistern – und es vergeht keine Auktion bei uns, dem Kinsky oder im Dorotheum, wo ich nicht etwas entdecke und mitbieten möchte. Die Künstler, von denen ich mehrere Werke besitze, sind Arnulf Rainer, Hubert Scheibl und Eduard Angeli. Aber ich schätze Rudi Stanzel ganz besonders, und seine Werke sind besonders krass unterbewertet. Von den jungen Künstlerinnen und Künstlern möchte ich Arbeiten von Esther Stocker, von Anemona Crisan, von Claudia Hirtl und von Klaus Mosettig vorrangig erwerben. Bei einer solchen Aufzählung habe ich immer das schlechte Gefühl, einen (mir) wichtigen Künstler zu vergessen. Also: Die Liste ist nach oben offen!

Börsen-Kurier: Kann man sagen, dass die Kauflaune der Kunstsammler ungebrochen oder sogar wieder im Steigen begriffen ist?

Ressler: Nach der Auktion am 28. Jänner würde ich sagen, die Kauflaune ist ungebrochen und sogar im Steigen begriffen. Der Kreis der Menschen, die Kunst kaufen, wächst, und die Sammler, die sich schon länger engagieren, haben noch immer Hunger auf Kunst. Es macht momentan besonders viel Spaß, Auktionator zu sein.

Foto: Ressler Kunst Auktionen GmbH

 

 

Nachhaltigkeit: saubere Sache oder Etikettenschwindel?

Verantwortungsvolles Anlegen ist „in“, die Produktvielfalt nimmt zu, aber nicht jedes Investment ist sinnvoll. (14.02.)

Christian Euler, Frankfurt. Ethische Geldanlagen, Green Money oder Social Responsible Investment: Nachhaltigkeit kennt viele Begriffe. Das Kürzel ESG wiederum steht für Environmental, Social und Governance, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.

Laut dem Marktbericht 2018 des Branchenverbands „Forum Nachhaltige Geldanlagen“ belief sich die Summe des nachhaltig angelegten Kapitals Ende 2017 in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf 171 Mrd Euro. In Österreich machten derartige Fonds und Mandate stolze 8,3 % am Gesamtmarkt aus.

„Nachhaltigkeit in den Portfolios gewinnt weiter an Bedeutung“, resümiert Olaf John, Head of Business Development Europe bei Insight Investment, „die überwiegende Mehrheit der europäischen Investoren plant, in den nächsten drei Jahren die ESG-Faktoren Umwelt, Soziales und Unternehmensführung deutlich zu erhöhen.“ John sieht in den sogenannten „ESG-Themen“ wichtige Treiber für den Wert einer Kapitalanlage und geht davon aus, dass diese Faktoren bei der Analyse von Unternehmen und Ländern in den kommenden Jahren stärker an Bedeutung gewinnen werden.

Angesichts des schnell wachsenden Angebots an Investmentprodukten fragen sich viele Anleger: Wie grün sind Nachhaltigkeitsfonds wirklich? Tatsache ist: Das einst zarte Pflänzchen dieser Investmentspezies ist längst zu einem kaum durchdringbaren Dschungel geworden. Ebenso wenig überschaubar ist die Vielzahl an Ratings, Kennziffern und Gütesiegeln, die Nachhaltigkeit bescheinigen sollen. „Es ist nicht alles grün, was mit diesem Label versehen wird“, bringt es Jon Sigurdsen auf den Punkt. Als leitender Portfoliomanager im Bereich erneuerbare Energien bei DNB Asset Management weiß Sigurdsen, von was er spricht. Die norwegische Investmentboutique lancierte vor 30 Jahren den ersten nachhaltigen Anlagepool. „Investoren finden in ihren Fonds immer wieder Aktien von Firmen vor, die nur vorgeben, nachhaltig zu handeln“, berichtet der Experte.

Unter Kapitalmarktprofis kursiert dieses Phänomen unter dem Begriff „Greenwashing“. Ein Beispiel: Viele ökologisch angehauchte Fonds investieren in den Online-Handel, weil diese Firmen meist große Gewinne erwirtschaften, aber nur wenig direkte Kohlendioxid-Emissionen verursachen. „Für uns hat das weniger mit Nachhaltigkeit zu tun, weil die Online-Anbieter Zusteller und Partnerfirmen rund um den Globus schicken, die wiederum für Emissionen verantwortlich sind“, sagt Branchenkenner Sigurdsen.

Die kaum mehr zu überblickende Bandbreite der mittlerweile mehr als 1.600 Investmentfonds, die allein in Europa unter dem Prädikat „nachhaltig“ firmieren, sorgt bei vielen Investoren für Verwirrung – zumal Transparenz und Mindeststandards häufig auf der Strecke bleiben.

Anleger sollten daher genau darauf achten, wie das Depot zusammengesetzt ist und wie streng die Auswahlkriterien sind. Weniger Einschränkungen gibt es beispielsweise beim sogenannten Best-in-Class-Prinzip: In den Anlagetopf wandern Aktien von Unternehmen, die in ihrem jeweiligen Sektor Klassenbeste beim Thema Nachhaltigkeit sind. So können auch Titel von Ölproduzenten oder Atomkraftwerksbetreibern enthalten sein, solange sie nur sauberer wirtschaften als die Konkurrenz.

„Schon ein Blick auf die zehn größten Positionen kann deutlich machen, wie ,Grün’ ein Fonds tatsächlich ist“, meint DNB-Portfoliomanager Sigurdsen.

Ein Anhaltspunkt können auch Anlageprodukte sein, denen das Siegel des „Forum Nachhaltige Geldanlagen“ verliehen wurde. Es basiert auf einem gleichermaßen strengen wie transparenten Ansatz und setzt im deutschsprachigen Raum die Vorgaben des europäischen Dachverbands für nachhaltige Geldanlage um.

Hilfreich ist auch ein Blick in den Nachhaltigkeitsbericht des Fondsanbieters. Hier wird schnell klar, ob sich das Unternehmen auch selbst strenge Auflagen setzt.

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E-Mobilität als Investmentchance

Was die Zukunft des Autofahrens den Anlegern bringt. (14.02.)

Raja Korinek. Inzwischen vergeht kaum ein Tag ohne neue Meldungen aus der Welt der Elektromobilität. Jüngst waren es etwa Ford und Volkswagen. Sie kündigten eine Allianz auf der US-Automesse in Detroit an. Unter anderem soll die Zusammenarbeit selbstfahrende Autos, Mobilitätsdienste und Elektroautos umfassen. Was einmal mehr zeigt, wie ernst es den Autobauern mit der Umstellung auf strombetriebene Boliden ist.

Einzig, wie rasch der Wandel vorangehen wird, das bleibt freilich abzuwarten. Jedenfalls forcieren auch andere Branchenkonzerne eifrig den Umstieg. Bis zum Jahr 2025 plant etwa BMW 25 voll- oder teilelektrisierten Fahrzeugreihen. Der Volkswagen-Konzern will bis dahin unter anderem 50 Elektroauto-Modelle anbieten.

Wer baut Batterien?
Mit dieser Entwicklung rücken auch die entsprechenden Komponenten in den Fokus, allen voran die Batterie. Denn ohne sie rennt freilich nichts. Derzeit kommen die weltweit größten Batterieproduzenten aus Asien. In China sind es etwa Unternehmen wie BYD (ISIN: CNE100000296) und Lishen, in Südkorea LG Chem Ltd. (KR705 1910008) und Samsung (KR70059 30003). Anders in Europa, die Region spielt derzeit noch eine kleine Rolle, auch wenn die Politik versucht, Initiativen beispielsweise in Deutschland zu setzen.

Doch wer Batterien herstellen möchte, benötigt freilich auch die entsprechenden Rohstoffe. Dabei ist Lithium ein wichtiger Bestandteil leistungsfähiger Akkus. Immerhin stecken in einem Standard-Akku für Elektroautos gut 10 Kilo Lithium, in den Tesla-Modellen können es bis zu 40 Kilo sein.

Zertifikate auf die Mobilität
Für Anleger gibt es Zertifikate, die genau diese Themen abdecken. Eines davon ist das Open-End-Partizipationszertifikat auf den „Solactive Battery Energy Storage Performance-Index“ von Vontobel (DE000VL5 3BE). Der Index bildet die Kursentwicklung von 14 Unternehmen ab, die in der Wertschöpfungskette der Batterieherstellung (Lithiumförderung, Chemiefirmen, Batterieproduzenten) tätig sind. Dazu zählt nebst LG Chem der US-Batteriehersteller Enersys (US29275Y1029) und die chinesische Tianneng Power International (KYG8655K 1094), ebenfalls ein Batteriehersteller.

Eine weitere Möglichkeit bietet das Open-End-Indexzertifikat auf den „Solactive Elektromobilität und Autonomes Fahren Technologieträger Index“ der UBS (DE000 UBS9EM9). Der Index enthält 20 Unternehmen, die führende Technologieträger im Bereich Elektroautos und autonomes Fahren sind.

Autobauer verpönt
Autohersteller werden außen vorgelassen aufgrund der Unwägbarkeiten beim Übergang in eine neue Mobilitätsära. Zu den größten Indexpositionen zählen vielmehr die Technologiefirma Toshiba (JP3 592200004) sowie der Halbleiterhersteller Rohm (JP3982800009), beide sind aus Japan. Die europäischen Netzwerkausrüster Nokia (FI0009000681) und Ericsson (SE0 000108656) zählen ebenso dazu.

Bei beiden Zertifikaten muss man aber das Kurs- als auch das Währungsrisiko beachten.

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Aktienrückkäufe geraten unter Beschuss

USA: Demokraten fordern eine Regulierung des Rückerwerbes eigener Anteilsscheine.

Roman Steinbauer. Einer „hemmungslosen Freiheit der AGs“ zur Kurspflege durch Aktienrückkäufe soll nach dem Willen der Demokraten bald ein Riegel vorgeschoben werden. Mit diesen Worten schießt sich die Oppositionspartei in den USA im Vorfeld des Kandidaten-Rennens zum Präsidentschaftswahlkampf im Herbst 2020 ein. Dazu stehe die Einbringung einer Gesetzesinitiative im Senat bevor.

In einem Gastkommentar der New York Times vom 3. Feber urteilen der parteilose Senator Bernie Sanders und Chuck Schumer (demokratischer Senatsfraktionschef) Aktienrückkauf-Programme scharf ab. Die Autoren fordern in einem Appel eine Beschränkung des Rückerwerbes eigener Anteilsscheine. Das aufgefahrene Geschütz stützt sich dabei auf Vergleiche, Relationen und ethische Aspekte zum Wohlstand der Allgemeinheit. So habe 2018 die Aktien-Rückkaufpraxis der S&P-500-Unternehmen in einem Rekordumfang von mehr als 1 BioUSD gegipfelt. Zwischen 2008 und 2017 hätten laut Sanders 466 der im Index geführten Gesellschaften 53 % des Profits dafür aufgewendet und weitere 40 % an Dividenden ausgeschüttet. Die eingesetzte Liquidität käme weder Gemeinden, Bundesstaaten noch Mitarbeitern zugute. Faktoren, die laut den Senatoren von 1950 bis in die 1970er-Jahre auf Unternehmensebene Berücksichtigung fanden. Heute würden die öffentliche Hand für die erstellte Infrastruktur, die Bildungseinrichtungen sowie der Staat für die Rechtssicherheit kein Geld davon sehen. Die stimulierende Wirkung der Aktienrückkäufe auf die Kursnotiz (der Gewinn pro Aktie teilt sich auf weniger Papiere auf und erhöht damit die Attraktivität der Titel, Anm. der Red.) sei zugunsten der Managementgehälter und stehe über allem. Zudem werde die Unternehmenssubstanz langfristig ausgehöhlt.

EU-Raum: Ankunft des Themas nur eine Frage der Zeit
Auch sehen Langfrist-Aktionäre seit jeher Aktienrückkaufprogramme keineswegs nur positiv. Die Stock-Buyback-Strategie wurde bislang auch dahingehend interpretiert, es fehle der AG an Investitionsperspektiven, um entsprechende Renditen zu gewährleisten. Zudem halten es Anteilseigner oft für sinnvoller, das Geld im Unternehmen zu belassen oder nach Lösungen zu suchen, um in eine höhere Produktivität zu investieren. Sanders und Schumer nützen die Pro-Argumentationsschwächen. Für politische Parteien in Europa könnte dies bald eine Vorlage darstellen, das Thema populistisch zu verwerten – abgesehen von der Erfordernis eines differenzierten Blickes zur jeweiligen Motivation jedes Aktien-Rückkaufprogrammes.

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Schwellenländer-Aktien: Die Story bleibt intakt

Die Schwellenländer könnten im Jahr 2019 schneller wachsen als die Weltwirtschaft insgesamt. James Donald, Leiter der Schwellenländer-Plattform des Vermögensverwalters Lazard Asset Management, erwartet, dass Aktien der aufstrebenden Volkswirtschaften gute Anlagechancen bieten.

Nach einem schwierigen Jahr zeichnen sich für das Jahr 2019 positive Trends in den Schwellenländern ab“, sagt Donald. Seiner Analyse zufolge weisen einige aufstrebende Volkswirtschaften solide Fundamentaldaten auf: Die Haushaltsdefizite sind überschaubar, die Realzinsen im Vergleich zu den Industriestaaten hoch, das Schuldenniveau niedrig und die Wachstumsaussichten erfreulich. „Die Schwellenländer befinden sich in einer guten Position, schneller als die Weltwirtschaft insgesamt zu wachsen“, so Donald.

Aus Sicht der Anleger interessant: Der starke US-Dollar sei bisher nur für einzelne Schwellenländer eine große Herausforderung gewesen, es habe keine weitreichende Ansteckung gegeben. Zwar habe sich der Wachstumsabstand zwischen den Schwellenländern und den Industrieländern 2018 verringert, doch der Experte von Lazard Asset Management kommt zu der Einschätzung, dass sich dieser 2019 wieder erhöhen dürfte.

Deutlich wurde aus Sicht des Experten, dass Anleger stark zwischen Schwellenländern unterscheiden: Staaten mit großem Engagement im starken US-Dollar mit gleichzeitig den größten Leistungsbilanzdefiziten seien von Anlegern diszipliniert worden, so Donald. Staaten dagegen, die besser positioniert seien, hätten die Erwartungen zuletzt in den meisten Fällen übertroffen. Doch auch gefährdete Länder zeigten im letzten Quartal 2018 leichte Verbesserungen.

Das sind erfreulichere Aussichten für Investoren als im Vorjahr. Im Jahr 2018 waren die Aktien der Schwellenländer stark gefallen. Der Grund? Makroökonomische und geopolitische Entwicklungen trübten die Marktstimmung: Neben einer Divergenz des weltweiten Wirtschaftswachstums gehörten der starke US-Dollar, Handelskonflikte, Sanktionen und das Schreckgespenst des Populismus dazu. Der MSCI Emerging Markets Index gab 2018 um 14,6 Prozent nach, allein im vierten Quartal waren es 7,5 Prozent.

Die USA ruhten sich aus, Schwellenländer legten Reformen auf
„Wir bei Lazard Asset Management erwarten, dass das Gewinnwachstum der USA 2019 nachlassen und unter das Niveau der Schwellenländer fallen könnte. Während die USA sich auf dem positiven Trend ausgeruht haben, gab es in den Schwellenländer notwendige und teilweise erzwungene Anpassungen“, erklärt Donald.

„Die Unsicherheit und Volatilität an den Finanzmärkten dürfte auch in diesem Jahr anhalten“, erwartet Donald. Dabei dürften vor allem drei Faktoren einen starken Einfluss entfalten: die Entwicklung des US-Dollar, der Zustand der Weltwirtschaft und der Fortgang der globalen Handelskonflikte. Die Stärke des US-Dollar dürfte dabei Donald zufolge vor allem in zwei eher extremen Szenarien weiter gestützt werden. Das eine sei ein überdurchschnittlich starkes Wachstum der US-Wirtschaft, das andere ein erhebliches Schrumpfen der Weltwirtschaft. Sollten andere Regionen jedoch die Wachstumslücke zu den USA schließen oder die Weltwirtschaft insgesamt moderat, aber nachhaltig wachsen, könnte dies eher einen Abwärtsdruck auf den Dollarkurs auslösen, denn Anleger könnten auf die Idee kommen, dass die Währung überbewertet ist. „Zudem hat das Handelsdefizit der USA kürzlich ein Zehn-Jahres-Hoch erreicht. Weltweit könnten sich Anleger daher veranlasst fühlen, ihre Anlagen in den USA zu überdenken“, sagt Donald.

In Bezug auf die globale Wirtschaft gab es zuletzt Anzeichen einer Verlangsamung. In Europa verzeichneten Frühindikatoren zuletzt Rückgänge von ihren zuvor hohen Niveaus. Der vierteljährliche Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Eurozone um 0,2 Prozent war der niedrigste seit 2014. Deutschland wies im dritten Quartal sogar ein negatives Wachstum (-0,2 Prozent) auf, Japans Wert lag bei -0,3 Prozent. Zwei Szenarien sind laut Donald möglich: „Wenn sich das Wirtschaftswachstum in den USA noch stärker entwickelt, Europa und China dagegen schwächeln sollten, dann werden die Investoren ein verlangsamtes Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern erleben. Eine stark schrumpfende US-Wirtschaft würde aufgrund der großen Bedeutung der USA für das weltweite Wirtschaftswachstum ebenso Druck auf die Schwellenländer ausüben. Wenn sich das US-Wachstum andererseits nur verlangsamen sollte und eine globale Rezession vermieden wird, werden die Aktien der Schwellenländer höchstwahrscheinlich von dieser Entwicklung profitieren.“

Die andauernden Handelskonflikte sind schließlich für Donald einer der größten Unsicherheitsfaktoren mit Blick auf den weiteren Jahresverlauf. Vorläufig sei die Erhöhung von Zöllen auf Importe aus China durch die USA bis zum 1. März ausgesetzt – doch viel hänge davon ab, was danach geschehe. „Selbst die teilweise Beilegung des Streits oder eine Stabilisierung der Situation könnte eine starke Stütze für die Performance von Schwellenländeraktien sein“, so Donald. „Anderseits könnten die Märkte auch langfristig unter Druck geraten, sollten die Handelsstreitigkeiten dauerhaft ein großes Problem bleiben.“

Dennoch bleibt Donald vorsichtig optimistisch für Schwellenländer-Aktien. Dazu trägt auch die inzwischen günstige Bewertung bei. Zum Ende des Jahres 2018 habe das rollierende Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des MSCI Emerging Markets Index nur noch bei 11,8 gelegen, was einem Abschlag von 35 Prozent gegenüber US-Aktien entsprach. Das ist deutlich mehr als der historische Durchschnitt von 20 Prozent. Hinzu kommen ein womöglich stärkeres Gewinnwachstum als in den USA und vergleichsweise attraktive Dividendenrenditen.

Donalds Fazit: „Anleger können Emerging-Markets-Aktien aus taktischen Gründen halten. Aber wir glauben auch, dass die Emerging-Markets-Story weiterhin gültig ist: Das Wachstumspotenzial in diesen Ländern ist höher als anderswo, die Institutionen stabilisieren sich, eine wachsende Mittelklasse von Verbrauchern entsteht. Das gilt unabhängig von höheren Kursschwankungen oder kurzfristigen Änderungen in der Anlegerstimmung.“

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Gesundheitsausgaben in Asien steigen kontinuierlich an

Auch wenn der Handelsstreit aktuell verschreckt: Anleger sollten das Mega-Thema im Auge behalten.

Raja Korinek. Es ist letztendlich die harte Realität, die dem weltweiten Gesundheitssektor immer mehr Gewinne beschert. Dabei steht vor allem die Demografie im Fokus, denn die Menschen werden immer älter. Und sie brauchen natürlich eine intensive Pflege, etwa für altersbedingte Krankheiten. Dazu liefert Japan sogar ein Extrembeispiel. Denn dort werden mehr Windeln für Pensionisten als für Babies verkauft, zeigt Cyrill Zimmermann, er ist der Leiter für Gesundheitsfonds bei Bellevue Asset Management, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier auf.

Und der Lebenswandel
Ein weiterer Aspekt, der den Sektor prägt, ist der Lebenswandel. Der Homo Sapiens wandle sich zum „McSapiens“ formuliert es Zimmermann überspitzt und verweist auf den weltweit ungesunden Ernährungsstil. „In Neuseeland wurde früher Fisch gefangen. Nun wird der Hunger mit Fastfood gestillt.“

Freilich mit entsprechenden Auswirkungen auf die Gesundheit. So sei es wenig verwunderlich, dass Diabetes zunehme. Wenigstens nehmen auch die Innovationen bei Therapien zu, betont Zimmermann.

Langfristige Wachstumstreiber
Dabei seien alle drei Themen die langfristigen Wachstumstreiber für den Gesundheitssektor. Immerhin beträgt das jährliche Plus bei den weltweiten Gesundheitsausgaben gut 5 %. Vor allem in China findet gerade ein rasanter Aufholprozess statt, betont Zimmermann. Dort liegen die Kosten erst bei 5,3 % des Bruttosozialproduktes. Im Vergleich dazu liegt der Quotient in Österreich bei knapp mehr als 10 %, in den USA bei 16,8 %.

Handelsstreit verschreckt
Einzig, zahlreiche Anleger verschreckt derzeit der Handelsstreit zwischen China und den USA. Zu Unrecht, betont Zimmermann. Die meisten Pharmafirmen aus dem Reich der Mitte seien primär am Binnenmarkt tätig. Dabei gibt es noch einen weiteren Trend, der für den Markt spricht: Das Reich der Mitte werde zunehmend als moderner Standort für Forschung und Entwicklung ausgebaut. Schon 2017 waren 110 Medikamente neu in der klinischen Entwicklung.

Auch seien westliche Pharmakonzerne inzwischen längst willkommen, hebt Zimmermann positiv hervor. Das zeige sich am Beispiel der Marketingpartnerschaften, etwa zwischen Celgene und BeiGene oder Sandoz und Hengrui. Auch gewinnen chinesischen Generika (Nachahmerprodukte von jenen Medikamenten, bei denen das Patent abgelaufen ist; Anm.) zunehmend an Marktanteilen im Inland.

Wie investieren?
Des Weiteren gibt es zahlreiche Neuheiten, etwa im Bereich der Immuno-Onkologie. Hier mischt gerade BeiGene (ISIN: US07725L 1026), aber auch Hutchison China MediTech Limited (US44 842L1035) mit. Bei Diabetes sei Hua Medicine (KYG4644K1022) erfolgreich.

Doch wie können Anleger abseits Einzeltitelinvestments von der asiatischen Region profitieren? Beispielsweise über Investmentfonds. Immerhin investiert der „BB Adamant Asia Pacific Healthcare (Lux) Fonds“ (LU1587985570) rund 37 % in chinesische Titel, gefolgt von japanischen Aktien mit 32,5 % und indischen Branchenwerten (11,7 %). In Bezug auf Sektoren entfällt mit 33,7 % der größte Anteil auf Hersteller von Generika, gefolgt von Medtech und Pharmakonzernen. Es bleibt ein spannendes Thema.

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Vier Defensiv-Strategien für 2019

WisdomTree rückt die Abmilderung des Abwärtsrisikos in den Vordergrund.

Rudolf Preyer. Zu Beginn des Jahres 2019 machen sich Investoren vielerorts Gedanken, was im Fall einer Rezession tatsächlich passieren könnte. Weitgehend angeführt von US-Aktien, haben die globalen Märkte seit der Finanzkrise von 2008 eine „ziemlich robuste Phase“ durchlaufen, schickt Christopher Gannatti, Head of Research bei WisdomTree Europe, voraus. Die Volatilitätskennzahlen lassen nun aber – gegenüber dem Jahresbeginn 2017 bzw. 2018 – auf ein insgesamt erhöhtes Risikoniveau schließen. Der Investmentexperte formuliert hier vier defensive Strategien zur Risikominimierung im neuen Jahr.

Historisch niedrige Bewertungen aufspüren
Wenn Investoren auf sehr niedrig bewertete Titel – teilweise sogar auf historischen Tiefständen – stoßen, könne es sich dabei um ein Signal handeln, dass ein Großteil des dominierenden Risikos bereits eingepreist wurde, so Gannatti. Diese Art von Strategie wird in der Regel mit antizyklischem Investieren (Contrarian-Strategie) in Verbindung gebracht.

Mögliche Handelsplätze für diesen Ansatz sieht der WisdomTree-Chefanalyst in Schwellenmärkten, in italienischen Aktien – insbesondere aus dem dortigen Finanzsektor – und in japanischen Aktien.

Aktien mit hoher Dividendenrendite finden
Ein Aspekt der zweiten Strategie von Gannatti besteht darin, dass bei Aktien immer ein Dividenden- und ein Preisanteil in die Berechnung der Gesamtrendite einfließen. Der Dividendenanteil ist im schlechtesten Fall null, wohingegen der Preisanteil positiv, null oder negativ sein kann.

Bei einer auf Aktien mit hohen Dividenden fokussierten Strategie verschiebt sich die Generierung der Gesamtrendite hin zu Dividenden – und da der Dividendenanteil an der Rendite weniger volatil ist, bietet dies im Rahmen einer Aktienstrategie eine Möglichkeit zur Senkung des Risikos.

Der andere Aspekt bezieht sich auf die Tatsache, dass Aktien mit höheren Renditen tendenziell in eher defensiv aufgestellten Sektoren, z.B. im Bereich der Versorgungsbetriebe, zu finden sind. Mögliche Märkte für diesen Ansatz sieht WisdomTree in Schwellenmarkt-, europäischen- und US-Aktien.

Potenzial zur Abmilderung des Abwärtsrisikos
Kennzahlen wie der Cboe Volatility Index (VIX) gehen typischerweise steil nach oben, wenn sich die Aktienmärkte in stark negative Phasen begeben, so Gannatti. Der VIX erfülle eine wichtige Signalfunktion, da er die zukunftsbezogenen Erwartungen an die künftige Volatilität des S&P 500 angibt: Die Kurse von bestimmten Anlagen – wie Put-Optionen, denen der S&P 500 als Index zugrunde liegt – steigen in der Regel entsprechend eines steigenden VIX an. Erinnert wird dabei an eine bekannte Strategie, bei der man Put-Optionen auf den S&P 500 verkaufen und dadurch die Prämien einnehmen kann.

In den USA erreichten Aktien Anfang Oktober 2018 Rekordhochs und die Bewertungen lagen gegenüber anderen weltweiten Märkten relativ hoch. Rekordkurse und hohe relative Bewertungen geben den Investoren tendenziell mehr Grund, sich um ein Abwärtsrisiko Sorgen zu machen. Dazu Gannatti: „Diese Sorge ist unseres Erachtens ein kritischer Faktor, um eine Strategie zur Schreibung von Put-Optionen in Betracht zu ziehen.“ Wo man diese Strategie einsetzen könnte? Der WisdomTree-Experte verweist diesbezüglich auf US-Aktien.

Traditionelle sichere Anlagen
Gannatti: „Wir stimmen zu, dass das Halten von Aktien bei zunehmender Volatilität zu einem weniger erstrebenswerten Ansatz werden kann – unabhängig davon, ob das Risiko bei diesem Ansatz in irgendeiner Form abgemildert wird oder nicht.“

Wenn die Volatilität steigt, weil ein erhöhtes geopolitisches Risiko wahrgenommen wird, könnte daher Gold eine Überlegung wert sein: In turbulenten Zeiten werde Gold nämlich mit einem – im Vergleich zu Aktien – differenzierten Renditestrom assoziiert.

Einen anderen Weg könnten bestimmte Währungen, wie der US-Dollar oder der japanische Yen, aufzeigen: „Beide Währungen haben gezeigt, dass sie bei steigender Volatilität ebenfalls im Wert steigen können“, so Gannatti von WisdomTree abschließend.

Foto: Pixabay/JESHOOTS

 

 

Fonds als Teil der Vorsorge

Der Börsen-Kurier sprach mit Stephan Hoppe von Standard Life über zeitgemäße Altersvorsorge.

Rudolf Preyer, Börsen-Kurier: Lohnt sich aus Ihrer Sicht der Abschluss eines Versicherungsproduktes überhaupt noch?

Stephan Hoppe: Der Abschluss eins Versicherungsproduktes lohnt sich auf jeden Fall. Denn nur ein Versicherungsprodukt kann den Kunden die Absicherung für das Langlebigkeitsrisiko bieten. Ziel einer Rentenversicherung ist es ja, eine lebenslange Rente bzw. Einkommen zu sichern.

Börsen-Kurier: Was empfehlen Sie konkret?

Hoppe: Ich kann raten, sich für ein fondsgebundenes Produkt zu entscheiden. Denn bei Fondspolicen gibt es in der Fondsauswahl interessante Anlagekonzepte – sowohl für konservative als auch für chancenorientierte Kunden. Das Entscheidende ist, einen Investmentmotor zu wählen, der zu den individuellen Bedürfnissen passt.

Börsen-Kurier: Wie wählen Sie Investmentfonds für die Altersvorsorgeprodukte bei Standard Life aus?

Hoppe: Unsere Fonds sollten eine sehr gute Leistungsbilanz über einen längeren Zeitraum haben. Fonds werden in einem Altersvorsorgeprodukt wesentlich weniger getauscht als in der Direktanlage. Das bedeutet, dass wir nach Fonds Ausschau halten, die eine längere Historie haben, vor allem wenn wir über die etablierten Anlageklassen der europäischen, amerikanischen oder globalen Aktien sprechen.

Börsen-Kurier: Sie setzen auch auf unabhängige Ratings?

Hoppe: Anleger kommen deutlich einfacher mit etablierten Ratings zurecht als mit vielen quantitativen Daten. Somit haben wir uns entschieden, ein Hauptaugenmerk auf die Ratings von Morningstar, Scope und FWW zu legen. Ziel ist es, einen möglichst hohen Anteil des Fondsuniversums mit vier oder fünf Sternen beziehungsweise einem A- oder B-Rating zu haben.

Börsen-Kurier: Was leisten Sie in der regelmäßigen Überprüfung der Fondspolice?

Hoppe: Wir überprüfen unser Angebot zwei Mal im Jahr. Sollte sich beim dritten Review keine Verbesserung eingestellt haben, werden wir solche Fonds aus dem Neugeschäft nehmen und bessere Alternativen bereitstellen. Hier zeigt sich übrigens ein weiterer Vorteil von Fondspolicen: Bei einem reinen Wechsel des Investments fällt keine Versteuerung an.

Börsen-Kurier: Sie haben Ihre Fondspalette grundlegend überarbeitet?

Hoppe: Wir haben unsere Fondspalette um mehr als 60 neue Fonds erweitert – und zwar von renommierten Gesellschaften wie Acatis, Flossbach von Storch, First Private, Comgest oder Blackrock, aber auch von Investmentboutiquen. Im Segment Aktien Europa haben wir unser Angebot von drei auf neun Fonds ausgebaut. Somit sind nun in unserer Fondspalette Pan Europa, Euroland, wachstumsorientierte sowie valueorientierte Fonds zu finden. Natürlich bieten wir auch im sehr beliebten Small Caps-Bereich interessante Fonds. Auch den Bereich der Mischfonds/Multi-Asset-Fonds haben wir verstärkt und das Thema Nachhaltigkeit erweitert. Neu aufgenommen haben wir einige Themenfonds wie Healthcare, Technologie oder Robotics.

Börsen-Kurier: Wie beurteilen Sie den Trend zu Themenfonds?

Hoppe: Für immer mehr Anleger ist es wichtig, ihr Kapital nicht nur über Anlageklassen und Regionen hinweg zu streuen, sondern darüber hinaus auf einzelne Branchen oder Trends zu setzen. Dem sollte auch eine moderne Fondspolice Rechnung tragen. Es ist durchaus eine spannende Idee, Themen wie Healthcare als möglichen Satelliten mit in sein Portfolio aufzunehmen. Aber auch Fonds, die Technologie oder Industrie 4.0 bzw. Robotics im Fokus haben, können mit entsprechendem Anlagehorizont gute Renditen bringen. Außerdem wird das Thema Nachhaltigkeit zunehmend wichtiger.

Börsen-Kurier: Abschließend: Was erwarten Sie für das angelaufene Jahr?

Hoppe: Grundsätzlich erwarte ich, dass die volatilen Entwicklungen, die wir am Ende des Jahres 2018 gesehen haben, auch das Jahr 2019 bestimmen werden. Der Trend zu breit gestreuten Anlageprodukten – und hier vor allem zu Multi-Asset-Lösungen – wird nach wie vor anhalten. Sicherlich werden in diesem volatilen Umfeld auch risikobasierte Lösungen, wie etwa unsere MyFolios, gefragt sein. Auf der Aktienfondsseite werden Dividendenstrategien weiterhin in der Gunst der Anleger weit oben stehen. Erfreulich ist dabei zu sehen, dass Anleger mit mehr Risikoappetit Fonds beimischen, die in kleine Aktienwerte – in die sogenannten Small Caps – investieren.

Foto: Standard Life

 

 

Banken im „Touchpoints“-Wettbewerb

Immer mehr Kunden wünschen flexible Kontaktmöglichkeiten zu ihren Instituten.

Lea Schweinegger. Vergangene Woche präsentierten der Finanz Marketing Verband (FMVÖ) und Google die Ergebnisse des sogenannten „Omnichannel-Readiness-Index“ für Banken. Aber was versteht man darunter überhaupt?

Der Omni-Channel-Betrieb wurde vor Jahren aufgebaut, damit Banken ihre Produkte einem Kunden parallel über verschiedene Kanäle anbieten können. Gemeint sind damit die persönliche Beratung bzw. Filialen, Call Center und das Internet. Der Trend bei der Abwicklung von Bankgeschäften geht zwar eindeutig in Richtung digitaler Banking-Methoden im Bereich Service und Beratung, laut Umfragen, will jedoch die Mehrheit aller Kunden mehrere Kanäle im Zuge eines Produktabschlusses – im Kontakt zur Bank – nutzen. Der Index misst nun, wie weit die Geldhäuser darauf vorbereitet sind und wie Banken On- und Offline-Kommunikationskanäle intelligent verbinden sollten.

Reisebegleitung
Wie will man nun den Kundenanforderungen nach einem 360-Grad-Angebot gerecht werden? Dafür benötigt es eben einer durchdachten „Customer Journey“ oder Reisebegleitung, wenn man so will, die sowohl offline agiert wie auch mittels digitaler „Touchpoints“. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, brauchen die Institute sowohl technische als auch organisatorische Veränderungen und einen Bewusstseinswandel.

Persönlicher Kontakt
Die Daten dieser ersten Studie wurden von der Marktforschungsagentur MindTake in Form einer Kundenbefragung im September 2018 erhoben. „Der persönliche Kontakt zum Kundenberater, sei es zu Fragen der Kontoführung oder zum Abschluss neuer Produkte, ist für Kunden momentan noch an erster Stelle. Banken sollten jedoch beachten, dass der Trend unaufhaltsam in Richtung digitaler Touchpoints geht“, meinte FMVÖ-Vorstand Robert Sobotka im Rahmen des Pressegesprächs. Laut der Studie erledigen 89 % der befragten Personen ihre Bankangelegenheiten auch elektronisch. Nicht digitale Kontaktmöglichkeiten wie Telefon oder Filialbesuche werden aber ebenso von 89 % genutzt. „Wie die Studie ergeben hat, schätzen Kunden vor allem individualisierte Service-Möglichkeiten, zum Beispiel die Rückrufmöglichkeit durch einen bestimmten Berater“, ergänzte Sobotka.

Neben einer Kundenbefragung wurden auch die Onlineauftritte von mehr als 20 heimischen Banken in fünf Kategorien analysiert. Sehr gut schnitten dabei die Sparkasse Tirol, die Steiermärkische Bank und Sparkasse sowie die Sparkasse Oberösterreich ab. „Unser Ziel war es, mit dem Index einen klaren Überblick der Potentiale für Banken zu schaffen – also Klarheit, was sich Kunden, und vor allem potentielle Neukunden von ihrer Bank wünschen und erwarten. In vielen Fällen ist das die Verbindung von digitalen und stationären Kontaktpunkten“, so auch Matthias Zacek von Google Austria.

Für die Studie wurden in ganz Österreich 1.007 Personen im Alter zwischen 18 und 69 Jahren mittels Computer Assisted Web Interviews befragt. Die Teilnehmer waren ausschließlich Kunden von österreichischen Banken.

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Die Lehren aus Davos

Globale Antworten gesucht: das Weltwirtschaftsforum im Resümee.

Rudolf Preyer. Kommt die Rede auf das Weltwirtschaftsforum in Davos, wird zunächst meist gefragt: Und wer war nicht dabei?

Die 49. Ausgabe des World Economic Forums (WEF) musste ohne die britische Premierministerin Theresa May und ohne Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron auskommen: die hatten genug innenpolitische Probleme. US-Präsident Donald Trump begründete seine Absage mit Verweis auf den – mittlerweile beendeten – Haushaltsstreit.

Nichtsdestoweniger debattierten rund 3.000 Teilnehmer vergangene Woche im Graubündner Bergdorf zum Generalmotto „Globalisierung 4.0“ – zur vierten industriellen Revolution, die WEF-Chef Klaus Schwab so zusammenfasste: „Wir befinden uns in einem Kampf zwischen Menschen und Robotern.“

Was nehmen die Davos-Akteure also vom „Prä-Jubiläums-Summit“ mit auf den Heimweg?

Spots auf Topics
Der UBS-Präsident Axel Weber hielt eine Konsolidierung unter den europäischen Großbanken für notwendig. Ratlos hingegen wirkte die Facebook-Managerin Sheryl Sandberg angesichts allseitiger Sicherheitsbedenken gegenüber US-Tech-Giganten: „Bitte vergessen Sie nicht, wie viel Gutes wir tun.“ Eindrücklich zeigte das WEF 2019, dass der europäische Kontinent im weltweiten Technologie-Ringen von den USA und China zum Zusehen verdammt wird.

Mit einer zur umfassenden Überwachung verzweckten künstlichen Intelligenz bedrohe der chinesische Präsident Xi Jinping offene Gesellschaften rund um den Globus, ätzte der Investor und Philanthrop George Soros. Jack Ma von Alibaba – Chinas E-Commerce-Riese – prophezeite gar, dass der Wettlauf um neue Technologien in den Dritten Weltkrieg münden könnte.

Die Österreich-Tangente
Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz plädierte für ein „neues europäisches Selbst-bewusstsein“, die Expertise bei Elektroautos und Batterien müsse ebenso wie in digitalen Schlüsselfeldern ausgebaut werden: „Wir sollten wieder der Kontinent der Unternehmensgründungen werden“, sagte Europas jüngster Regierungschef vor den versammelten Wirtschaftseliten. Mit den Bossen von Internetkonzernen erläuterte Kurz die geplante Digitalsteuer, die Österreich den IT-Riesen auferlegen möchte – vorerst im EU-Alleingang.

Harter Schnitt: Russland habe Energie immer zur politischen Einflussnahme und als Druckmittel benutzt, kritisierte Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaite am durch die Ostsee führenden Gaspipeline-Projekt Nord Stream 2, an dem auch die OMV beteiligt ist. Die baltischen Staaten und Polen verstehen die – bereits mit dem Bau begonnene – Trasse nicht nur als ökonomische sondern auch als sicherheitspolitische Bedrohung, die Ukraine fürchtet um ein Austrocknen ihrer Transitleitungen in die EU.

Die zum Umdenken aufgerufene deutsche Regierung schmetterte dieses Anliegen ab: Kanzlerin Angela Merkel erklärte, dass Deutschland auch weiterhin Erdgas aus Russland beziehen werde (wolle man auf Kohle und Kernkraft verzichten) – sei doch schließlich der Kompromiss „ein Ergebnis des Handelns verantwortlicher Politik“, so Merkel (wohl auch mit Blick auf den Brexit).

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Sprunghafte Belebung

Eine überraschende Wendung hob die Goldnotierung über 1.300.

Andreas Fastl, Commodity Trader. „Monster Move“ nannten einige englische Kommentare die Kursbewegung. Gold war schon unter die Linie von 1.280 USD gerutscht, da sprang es innerhalb eines Tages über die jüngsten Hochs und über die psychologische Marke auf ein Sieben-Monats-Hoch von 1.303 USD.

Die am Freitag veröffentlichten „Jobless Claims“ boten keinen Hinweis auf die Motive der Käufer, denn sie kamen mit 199.000 sogar unter den erwarteten Zahlen (218.000) herein.

Vom Aktiensegment kam kein besorgniserregendes Signal (der S&P500 pendelt zurzeit in einer Konsolidierung zwischen 2.680 und 2.640), und Donald Trump hat im Streit um das Verwaltungsbudget vorübergehend eingelenkt.

Der Brexit geht zwar in seine heißeste Phase, hat aber vermutlich nicht die Kraft alleine den globalen Goldmarkt zu beeinflussen. Die Lage in Venezuela ist „im Fluss“ („fluid“ im Originalton), hat aber ebenso keine weltweite Wirkung.

Diese Woche steht allerdings das erste FED-Meeting 2019 an, und das könnte sehr wohl den Ausschlag für die Edelmetalle gegeben haben: Silber sprang von 15,25 auf 15,75 USD, Platin verbesserte sich mäßig von 788 auf 803 und Palladium befestigte sich von 1.270 auf 1.330.

Dazu passt ganz gut ein zeitgleicher Kursrutsch im US-Dollar. Im Index fiel er am Freitag von 96,40 auf 95,40 was gut zum Ausdruck bringt, dass die Märkte ihre Erwartung einer Zinsanhebung zurückgeschraubt haben.

Diesmal folgt der Entscheidungs-Bekanntgabe die große – bisher nur vierteljährliche – Pressekonferenz, in der das FOMC seine Prognosen und Pläne darlegt. Ab heuer wird es das Frage-Antwort-Spiel nach jeder FED-Sitzung geben, unabhängig vom vierteljährlichen Prognoseteil.

Warum das alles so detailliert?  Man kann gut mitverfolgen, wie ernst die Fed ihre Aufgabe nimmt, die Märkte zu beruhigen (was wahrscheinlich auch bitter nötig ist, wenn man z.B. an Apple denkt), und man kann daraus schließen, dass die jüngst prognostizierten Katastrophen doch nicht so „sicher“ stattfinden werden. Das könnte dazu führen, dass Gold & Co. doch relativ schwach bleiben.

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Warum Rezessionen ihren Schrecken verlieren

J.P. Morgan Asset Management: Warum Rezessionen ihren Schrecken verlieren 

  • Analyse von Daten seit 1948 zeigt veränderten Ablauf von US-Rezessionen.
  • Stabilere Verfassung der US-Wirtschaft lässt Abschwünge moderater ausfallen
  • Wahrscheinlichkeit für Beginn einer Rezession dürfte erst 2022 die 50-Prozent-Marke übersteigen

Die USA befinden sich in einer Spätphase des Konjunkturzyklus. Ob und wann die nächste Rezession kommt, ist jedoch noch nicht abzusehen. Die Experten von J.P. Morgan Asset Management gehen allerdings davon aus, dass der nächste Abschwung voraussichtlich weniger schwerwiegend ausfallen dürfte als in der Vergangenheit. Denn insgesamt sind die Wirtschaftszyklen der führenden Volkswirtschaften der Welt in den letzten Jahrzehnten stabiler geworden. Eine Folge dessen sei aber auch, dass auf eine Rezession folgende Erholungsphasen weniger kräftig ausfallen. Dies sind die Ergebnisse einer Analyse im Rahmen des langfristigen Kapitalmarktausblicks „Long Term Capital Market Assumptions“ (kurz: LTCMA) von J.P. Morgan Asset Management.

Auf dem Weg zu mehr wirtschaftlicher Stabilität
Für die Analyse fokussierte sich das Team um David Kelly, Chief Global Market Strategist bei J.P. Morgan Asset Management, auf US-Rezessionen, da ein Abschwung in den USA häufig auf andere Länder überspringt. Betrachtet wurden Rezessionen seit 1948 – insgesamt fallen elf Abschwünge in diesen Beobachtungszeitraum.

„Unser Research zeigt, dass die US-Wirtschaft in den letzten 70 Jahren allmählich immer stabiler geworden ist“, erklärt David Kelly. „Das Wachstum hat sich erheblich verlangsamt, die Rezessionen sind im Allgemeinen aber moderater – und Aufschwünge dafür schwächer geworden. Da geringere konjunkturelle Schwankungen gegenüber der Verlangsamung des Wachstums allgemein überwiegen, treten Rezessionen im Laufe der Zeit darüber hinaus weniger häufig auf“.

Nach Ansicht von Kelly scheint diese wirtschaftliche Stabilisierung vor allem dadurch bedingt, dass Unternehmen in den USA die Verwaltung ihrer Lagerbestände verbessert haben und zudem moderatere Ausschläge bei den Staatsausgaben sowie bei der Volatilität auf dem Immobilienmarkt für geringfügigere Verwerfungen gesorgt haben. Ferner habe der Dienstleistungssektor, der stabiler als der Fertigungssektor ist, seit Ende des Zweiten Weltkriegs zunehmend an Bedeutung für die US-Wirtschaft gewonnen.

„Genauso wie die Abwärtsrisiken für die Wirtschaft in den USA abgenommen haben, stumpfen aber auch die Instrumente für eine Stimulierung des Wachstums in den vergangenen Jahren ab. So ist insbesondere der Spielraum der Finanz- und Geldpolitik, einen starken V-förmigen Aufschwung auszulösen, geringer geworden“, erklärt Kelly.

Weniger häufige, flachere Einbrüche und moderatere Aufschwünge
Wann könnte die nächste Rezession voraussichtlich einsetzen? „Auf der Grundlage der US-Daten für die letzten 20 Jahre deuten unsere Simulationen darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit für den Beginn einer Rezession erst ab dem dritten Quartal 2022 die Marke von 50 Prozent übersteigt – das heißt zwei Quartale später als auf der Grundlage der Erfahrung der vorangegangenen 50 Jahre der Fall gewesen wäre“, sagt David Kelly.

Hervorzuheben ist allerdings, dass diese Analyse – vor dem Hintergrund eines moderateren Konjunkturzyklus –nur auf die langfristigen Wirtschaftstrends hinweist. Sie berücksichtigt weder die derzeitigen, kurzfristigen fiskalpolitischen Anreize für die US-Wirtschaft noch die momentan niedrige Arbeitslosigkeit im Land, die jeweils das Risiko für eine Rezession im Jahr 2019 oder 2020 erhöhen, da die fiskalpolitischen Anreize auslaufen und ein Mangel an Arbeitskräften das Wirtschaftswachstum hemmt.

Trotzdem deuten nach Ansicht von David Kelly die Wirtschaftstrends auf lange Sicht darauf hin, dass Anleger im Gegensatz zu früher heute realistisch mit einigen zusätzlichen Quartalen anhaltenden Wachstums im Konjunkturzyklus rechnen können. Anleger können auch davon ausgehen, dass zukünftige Einbrüche weniger dramatisch und die anschließende Erholung schwächer ausfallen werden. Im Durchschnitt ist die Wirtschaft in den USA in den 11 Rezessionen der Nachkriegszeit real um 1,9 Prozent geschrumpft und in den drei Jahren nach Ende einer jeden Rezession um 13,9 Prozent gewachsen.

Basierend auf dem Verhalten der Wirtschaft in den letzten 20 Jahren könnte eine hypothetische zukünftige Rezession einen kleineren Rückgang von 1,4 Prozent vom Höchststand bis zum Tiefststand mit sich bringen. Allerdings müsste eventuell auch davon ausgegangen werden, dass die Wirtschaft in den ersten drei Jahren des Aufschwungs nur mehr um 7,0 Prozent wachsen wird.

Die Auswirkungen für Anleger
„Unsere Analyse ist weniger darauf ausgelegt, für Anleger den genauen Zeitpunkt des nächsten Abschwungs vorherzusehen, sondern vielmehr die Risiken und ihre mögliche Entwicklung zu erkennen“, erklärt David Kelly.

Beispielsweise könnte eine immer einfallsreichere Geldpolitik vonnöten sein, um eine flachere Erholung zu stützen, was wiederum bedeutet, dass die Zinsen im nächsten Jahrzehnt niedriger sein könnten als ansonsten zu erwarten gewesen wäre. Die Marktvolatilität könnte trotzdem genauso heftig ausfallen wie in der Vergangenheit – vor allem, wenn ein stabileres wirtschaftliches Umfeld bedeutet, dass Ungleichgewichte und Vermögensblasen längere Zeit haben, um sich aufzubauen. Insgesamt dürften Anleger nach Ansicht von David Kelly zwar feststellen, dass sich wirtschaftliche Wachstumstrends im Vergleich zur Vergangenheit verlangsamen, sie könnten sich aber damit trösten, dass die Weltwirtschaft voraussichtlich stabiler sein werde.

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Auch Finanzmärkte reagieren auf Trump

Eine Börsen-Kurier-Analyse von Prof. Nouriel Roubini von der New York University

Nouriel Roubin, New York. Die Finanzmärkte haben endlich registriert, dass Donald Trump US-Präsident ist. Angesichts der Tatsache, dass die Welt inzwischen seit zwei Jahren unverantwortliche öffentliche Erklärungen und Tweets des mächtigsten Mannes der Welt erduldet, stellt sich die offensichtliche Frage: „Warum hat das so lange gedauert?“

Zunächst einmal hatten sich bislang viele Anleger gesagt, dass Hunde, die bellen, nicht beißen. Sie waren bereit, Trump einen Vertrauensvorschuss einzuräumen, solange er Steuersenkungen, Deregulierung und andere für den Unternehmenssektor und die Anleger günstige politische Maßnahmen verfolgte. Und viele vertrauten darauf, dass die „Erwachsenen im Raum“ Trump letztlich bremsen und dafür sorgen würden, dass die Politik seiner Regierung die Schutzgitter der Orthodoxie nicht überspränge.

Am Anfang ging alles gut
Diese Annahmen erwiesen sich in Trumps erstem Amtsjahr als mehr oder weniger berechtigt, als wirtschaftliches Wachstum und Erwartungen auf steigende Unternehmensgewinne – bedingt durch anstehende Steuersenkungen und Deregulierung – zu einer starken Börsenentwicklung führten. Die US-Aktienindizes stiegen 2017 um mehr als 20 %.

2018 jedoch, und insbesondere in den letzten Monaten, änderte sich die Lage radikal. Obwohl die Unternehmensgewinne (dank der Steuersenkungen) um mehr als 20 % stiegen, stagnierten die Aktienkurse für den größten Teil des Jahres und sind zuletzt deutlich gefallen. Die marktbreiten Indizes liegen derzeit noch im Korrekturbereich (was einen Rückgang von 10 % gegenüber dem jüngsten Höchstwert beschreibt), während die Indizes für Technologieaktien wie der Nasdaq bereits einen Bärenmarkt (einen Rückgang von 20 % oder mehr) erleben.

Trump machte viele Fehler
Auch wenn die erhöhte Volatilität an den Finanzmärkten Besorgnis über China, Italien und andere Volkswirtschaften der Eurozone sowie über wichtige Schwellenländer widerspiegelt, sind die jüngsten Turbulenzen weitgehend auf Trump zurückzuführen. Das Jahr begann mit dem Inkrafttreten einer unverantwortlichen Steuersenkung, die die langfristigen Zinsen in die Höhe trieb und in einer Volkswirtschaft, die bereits nahe der Vollbeschäftigung war, für eine Überzuckerung sorgte. Bereits im Februar dann führten wachsende Befürchtungen darüber, dass die Inflation über den Zielwert der US Federal Reserve von 2 % steigen könnte, zu einem ersten deutlichen Rückgang der Risikoneigung.

Dann folgten Trumps Handelskriege mit China und anderen wichtigen US-Handelspartnern. Die Sorgen an den Märkten über die protektionistische Politik der Regierung sind im Jahresverlauf mal gestiegen und mal gefallen, doch jetzt erreichen sie einen neuen Höhepunkt. Die jüngsten US-Maßnahmen gegenüber China scheinen einen umfassenderen Handels-, Wirtschafts- und geopolitischen Kalten Krieg einzuläuten.

Neue Problemfelder
Eine zusätzliche Sorge ist, dass Trumps übrige Politik stagflationäre Auswirkungen (nachlassendes Wachstum bei gleichzeitig steigender Inflation) haben könnte. Schließlich plant Trump, die ausländischen Direktinvestitionen in den USA zu begrenzen, und er hat bereits weitreichende Einwanderungsbeschränkungen umgesetzt, die die Zunahme des Arbeitskräfte-Angebots zu einem Zeitpunkt verringern werden, zu dem die Alterung der Erwerbsbevölkerung sowie Inkongruenzen bei Qualifikationsangebot und -nachfrage bereits ein wachsendes Problem darstellen.

Auch hat die Regierung bisher keinen Plan zur Verbesserung der Infrastruktur vorgelegt, um die Produktivität des privaten Sektors anzukurbeln oder den Übergang zu einer grünen Wirtschaft zu beschleunigen. Und auf Twitter und anderswo drischt Trump weiterhin auf die Unternehmen ein und kritisiert sie wegen Einstellungs-, Produktions-, Investitions- und Preissetzungspraktiken, wobei er sich besonders auf Technologieunternehmen konzentriert, die sich ohnehin schon einem allgemeinen Gegenwind und zunehmendem Wettbewerb durch chinesische Konkurrenten ausgesetzt sehen.

Trump und die „übrige“ Welt
Auch die Schwellenmärkte wurden durch die US-Politik durchgerüttelt. Die Steuerimpulse und die Straffung der Geldpolitik haben die kurz- und langfristigen Zinsen in die Höhe getrieben und zu einer Stärkung des US-Dollars geführt. Infolgedessen leiden die Schwellenländer unter einer Kapitalflucht und einer Zunahme ihrer auf Dollar lautenden Schulden. Die stark exportabhängigen Schwellenländer leiden unter niedrigeren Rohstoffpreisen, und alle, die auch nur indirekt mit China Handel treiben, bekommen die Auswirkungen des Handelskrieges zu spüren.

Selbst Trumps Ölpolitik hat zu Volatilität geführt. Nachdem die Wiederaufnahme der US-Sanktionen gegen den Iran die Ölpreise in die Höhe getrieben hatte, führten die Bemühungen der Regierung, Ausnahmeregelungen zu finden und Saudi-Arabien durch Druck zur Steigerung seiner eigenen Produktion zu bewegen, zu einem steilen Preisrückgang. Zwar profitierten die US-Verbraucher von den niedrigeren Ölpreisen; die Aktienkurse der US-Energieunternehmen jedoch taten das nicht. Zudem ist eine übermäßige Volatilität der Ölpreise für Produzenten und Verbraucher gleichermaßen schlecht, denn sie behindert vernünftige Investitions- und Konsumentscheidungen.

Verschlimmert wird die Lage noch dadurch, dass nun klar ist, dass die Steuersenkungen des letzten Jahres fast ausschließlich dem Unternehmenssektor zugutekamen, nicht jedoch – in Gestalt höherer (inflationsbereinigter) Reallöhne – den privaten Haushalten. Daher könnte der private Konsum bald zurückgehen, was die Wirtschaftsentwicklung weiter untergraben würde.

Trumps Tweets verunsichern
Mehr als alles andere jedoch ist der steile Rückgang der Aktienkurse in den USA und weltweit während des letzten Quartals eine Reaktion auf Trumps eigene Äußerungen und Handlungen. Noch schlimmer als das (trotz des jüngsten mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping vereinbarten „Waffenstillstands“) erhöhte Risiko eines ausgewachsenen Handelskrieges mit China sind Trumps öffentliche Angriffe auf die Fed, die schon im Frühjahr 2018 begannen, als die US-Wirtschaft noch mit mehr als
4 % wuchs.

Angesichts dieser früheren Attacken reagierten die Märkte in diesem Monat verschreckt, als die Fed berechtigterweise entschied, die Zinsen anzuheben, und zugleich ein allmählicheres Tempo bei den Zinserhöhungen in 2019 signalisierte. Höchstwahrscheinlich ist die relativ aggressive Reaktion der Fed eine Antwort auf Trumps Drohungen ihr gegenüber. Angesichts der feindseligen Tweets des Präsidenten musste Notenbankchef Jerome Powell signalisieren, dass die Notenbank politisch unabhängig bleibt.

Dann jedoch folgte Trumps Entscheidung, wegen der Weigerung des Kongresses, seine nutzlose Mauer an der Grenze zu Mexiko zu finanzieren, große Bereiche der US-Bundesverwaltung lahmzulegen. Dies versetzte die Märkte in eine an Panik grenzende Stimmung. Und auf den „Government Shutdown“ folgten dann rasch Berichte, dass Trump Powell entlassen wolle – ein Schritt, der eine Korrektur in einen Crash verwandeln könnte. Unmittelbar vor den Weihnachtsferien war US-Finanzminister Steven Mnuchin gezwungen, eine öffentliche Erklärung zur Beruhigung der Märkte abzugeben. Er verkündete, dass Trump doch nicht plane, Powell zu entlassen, und dass die Finanzlage der US-Banken solide sei, was faktisch die Frage aufwarf, ob sie das wirklich sind.

Es wird ungemütlich
Jüngste die Wirtschaftspolitik nicht zwangsläufig beeinflussende Veränderungen innerhalb der Regierung verunsichern die Märkte zusätzlich. Mit dem Abschied von John Kelly (dem Stabschef des Weißen Hauses) und Verteidigungsminister James Mattis werden die letzten „Erwachsenen im Raum“ verschwinden. Die Koterie von Wirtschaftsnationalisten und außenpolitischen Scharfmachern, die bleibt, wird jede Laune Trumps mitmachen.

Beim gegenwärtigen Stand der Dinge lässt sich ein ausgewachsener geopolitischer Konflikt mit China nicht ausschließen. Ein neuer Kalter Krieg würde faktisch zu einer Entglobalisierung führen und die Lieferketten überall auf der Welt in Mitleidenschaft ziehen, insbesondere jedoch – wie zuletzt die Fälle ZTE und Huawei signalisieren – im Technologiesektor. Zugleich scheint Trump auf Teufel komm raus darauf bedacht, den Zusammenhalt der Europäischen Union und der NATO zu untergraben, und das zu einer Zeit, in der Europa wirtschaftlich und politisch fragil ist. Und Sonderermittler Robert Muellers Untersuchung der Russlandverbindungen von Trumps Wahlkampfteam im Jahr 2016 hängt wie ein Damoklesschwert über Trumps Präsidentschaft.

Trump ist inzwischen der „Dr. Strangelove“ der Finanzmärkte. Wie der irre Paranoiker in Stanley Kubricks klassischem Spielfilm flirtet er mit der garantierten wechselseitigen wirtschaftlichen Vernichtung. Nun, da die Märkte die Gefahr erkannt haben, ist das Risiko einer Finanzkrise und einer globalen Rezession gewachsen.

Aus dem Englischen übersetzt von Jan Doolan, © Project Syndicate 1995 – 2019
Foto: wikimedia/Petty Officer 2nd Class Patrick Kelley

 

 

Svoboda: „Mit 50 ist es zu spät!“

Der neue VVO-Präsident über aktuelle Herausforderungen für die Vorsorge.

Manfred Kainz. Die Bundesregierung hat sich ja die Reform und Ausbau des Pflegesystems auf die Fahnen geheftet. Dazu wird wohl auch das Neudenken der finanziellen Vorsorge und die Frage nach einer Art Pflegeversicherung verbunden sein müssen. Laut Kurt Svoboda, im Hauptberuf Vorstandsvorsitzender bzw. CEO der UNIQA Österreich Versicherungen AG und CFO/CRO der UNIQA Group, habe der VVO den politisch Verantwortlichen Unterstützung angeboten, auch in einem eigenen Positionspapier. Der neue Verbandspräsident plädiert im Gespräch mit dem Börsen-Kurier für „eine gute Kombination aus sozialer Absicherung durch den Staat und der Förderung von freiwilliger zusätzlicher privater Absicherung“. Diese könne über den Weg der bewährten Lebensversicherung und anderer Pensionsvorsorgeprodukte erfolgen und jene begünstigen, die privat pflegevorsorgen (wollen).

Kombination
Ein „Stand-alone-Pflegeprodukt“ mache wenig Sinn, aber in Kombination mit bestehenden bewährten Vorsorgeprodukten könne ein Teil der Rentenzahlungen eben für die Pflege ausbezahlt werden. Wachsender Bedarf bestehe, denn die Zahl der von Pflegebedürftigkeit Betroffenen Österreicher werde in den kommenden Jahren von rund  450.000 auf 550.000 steigen. Außerdem sieht Svoboda, dass die nachwachsenden Generationen mit dem Thema anders umgehen müssen. Daher sei Aufklärung und Information – auch seitens der Politik – umso wichtiger. Für die Pflege vorzusorgen, könne und sollte schon bei den Jungen „kleinteilig“ beginnen. „Mit 50 ist es zu spät“, mahnt der VVO-Präsident.

Grenzenloses Risiko
Auch zur neuen Herausforderung Cybercrime nimmt Svoboda Stellung. So kritisiert etwa die Finanzmarktaufsicht, dass sich der Cyberversicherungsmarkt noch intransparent darstelle. Es gebe gravierende Unterschiede in den Begriffsdefinitionen was eine Cyberversicherung ist, und auch deren Leistungsspektrum sei relativ heterogen. Laut FMA befänden sich Anbieter in diesem – zunehmend wettbewerbsintensiven – Markt in einem „Spannungsfeld“ zwischen der Nutzung von „Erstanbietervorteilen“ zur schnellen Gewinnung von Marktanteilen und dem Anspruch der risikoadäquaten Prämienkalkulation. Da wegen der hohen Dunkelziffer der cyberangriffsverursachten Schäden noch umfassende Erfahrungswerte fehlen, sei eine „angemessene“ Prämienbestimmung „herausfordernd“. Es bestehe ein „nicht zu unterschätzendes Risiko einer zu niedrigen Bepreisung“, so die FMA.

Und Svoboda bestätigt das Problem der hohen Dunkelziffer: Rund ein Fünftel der tatsächlichen Cyberangriffsfälle werde gar nicht gemeldet. Auch die Heterogenität von Cybercrime unterstreicht der VVO-Präsident: Die Antwort auf die Frage „Was ist Cyberrisk?“ habe eine Palette, die laufend breiter werde. Umso wichtiger sei es daher, der Bevölkerung und den Betrieben klar zu machen, welche Gefahren lauern können. Zu dieser Aufklärung trage die Versicherungswirtschaft einen hohen Anteil bei.

Was die Bepreisung von Cyberriskprodukten betrifft, so verweist Svoboda darauf, dass dies eine historisch „junge“ Versicherungssparte sei, die sich aber rasant entwickelt. Daher müsse man auch bei der Bepreisung rasant schnell sein. Auch das Bewusstsein um die internationale Dimension des Problems sei für die Prävention notwendig. „Denn Cybercrime macht nicht am Walserberg oder am Brenner Halt!“ Der VVO habe daher eine starke grenzübergreifende Kooperation mit dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Reputationsverlust
Svoboda warnt uns gegenüber auch davor, neben den materiellen Schäden den immateriellen Schaden aus Cybercrime zu unterschätzen: „Reputationsverlust von Unternehmen ist ein ernstes Emerging Risk geworden.“ Daher sei „Awarenessbildung“ eine Aufgabe, die noch vor uns allen liege. Wobei beim Versichern nicht der Gedanke „Hoffentlich bekomme ich das Eingezahlte zurück“, sondern Vorsorge gegen ein existenzbedrohendes Risiko im Vordergrund stehen solle.

Services statt Produkte
Was die Herausforderung aus der Digitalisierung für die Versicherungsbranche betrifft, sieht der VVO-Präsident das Kundenver-halten „kurzlebiger“ werden. Dauerbeziehungen werden von Anlassfallbedürfnissen abgelöst. Wobei die Kunden dabei immer mehr auf den Servicenutzen schauen: Sie wollen nicht mehr nur „ein Produkt“ kaufen, sondern erwarten sich umfassende Dienstleistung. Dieses „Umdenken“ müsse in der Versicherungswirtschaft stattfinden, aber man sei auf gutem Weg. Denn als traditionelles Geschäft mit 400 Jahren Geschichte sei man es gewöhnt, Veränderungsprozesse durchzumachen. „Das Kundenverhalten bestimmt das Unternehmensverhalten.“ Daher ist Svobodas Ziel, „dass wir, wie der Onlinehandel, die Versicherungskunden 7 Tage/24 Stunden auf ihrer Bedürfnisreise begleiten“.

Foto: Irene Schaur

 

 

Bankhaus Krentschker sieht „rotierende Risiken“

Vorhang auf für ein bewegtes Jahr mit anhaltender Marktvolatilität.

Rudolf Preyer. Zum Jahresbeginn stellte das Bankhaus Krentschker seine strategische Positionierung in der Vermögensanlage vor. Als Gastredner durfte Vorstand Alexander Eberan, der auch durch das Expertengespräch führte, Christian Helmenstein, den Chefökonomen der Österreichischen Industriellenvereinigung (IV), begrüßen.

Dieser machte drei geoökonomische Risiken namhaft. Erstens die immer weiter wachsende Kreditblase in China: „Ich kann nicht sagen wann, aber ich kann sagen, dass diese Blase platzen wird.“ Zweitens die mangelnde Reformfreudigkeit der EU: „Italien wird das erste Land sein, das in die Rezession kippt.“ Und drittens die wachsende Verschuldung der Emerging Markets.

Was uns 2019 erwarte? Helmenstein verwendete die sehr bildliche Vorstellung von „rotierenden Risiken“. Aber: Auf einen allfälligen Abschwung müsse nicht zwangsläufig eine Rezession folgen, er gehe vielmehr von einem „langsamen Normalwachstum“ aus.

Erhöhte Volatilität
Florian Schuh
, er ist Portfoliomanager im Bankhaus Krentschker, sieht Anlagemöglichkeiten aktuell vor allem im defensiven Sektor und bei hochqualitativen Firmen. Bei Anlagen in Emerging Markets beabsichtige er, selektiver vorzugehen. Anleihen verstehe er derzeit generell „eher als Stabilisatoren denn als Renditebringer“. Die Aktienquote sollte zumindest 50 % betragen, so Schuh.

Die reduzierten Wachstumsaussichten sowie politische Unsicherheiten seien bei den Aktienkursen weltweit schon eingepreist. Zu
favorisieren seien „insbesondere globale Qualitätsaktien mit mäßiger Verschuldungsquote und stabilen Erträgen“.

Sehe man vom Euro/US-Dollar-Wechselkursrisiko ab, seien Aktieninvestments in US-Dollar (USA und Schwellenländer) die „erste Wahl“. Auf Grund unverändert expansiver Geldpolitik mit niedrigen Zinsen findet Schuh auch Aktien aus Europa und Japan „interessant“.

Buy and hold-Strategie: „ad acta!“
Das Bankhaus Krentschker erwartet für heuer ein stabiles, wenngleich leicht abgeschwächtes Wachstum (BIP global: 2018e +3,7 %, 2019e +3,4 %). Gleichzeitig dürfte eine rückläufige Inflation den Bedarf an Leitzinserhöhungen bremsen. Im Lichte des US-Handelsstreits mit China, des Brexit, der Staatsschulden Italiens sowie der EU-Parlamentswahlen werden Anleger noch eine Zeit lang „stabile Nerven“ brauchen.

Während für die USA ein BIP-Wachstum von 2,5 % (2018e: 2,9 %) bei einer Arbeitslosenquote von 3,7 % (2018e: 3,9 %) prognostiziert wird, erwarten die Experten von Krentschker für die Eurozone ein BIP-Wachstum von 1,5 % (2018e: 1,9 %) bei einer Arbeitslosenquote von 7,9 % (2018e: 8,2 %).

Helmenstein und Schuh sind sich soweit einig: „Überbordende Bewertungen im Aktienbereich“ dünnen aus, Safe Havens werden immer wichtiger, und generell solle man nicht versuchen, „den Markt zu treiben“.

Krentschker-Vorstand Eberan fasste zusammen: In der Vermögensverwaltung könne man die Buy and hold-Strategie „ad acta“ legen. Nach einer 10-jährigen Aktienhausse habe man künftig mit höheren Volatilitäten zu rechnen. „Professionelles Management wird somit umso wichtiger.“

Foto: Krentscker

 

 

Auf Wasserstoff setzen

Neue Milliardenmärkte im Bereich der Autoindustrie sind entstanden – börsennotierte Gesellschaften noch in frühem Entwicklungsstadium.

Michael Kordovsky. Im Dezember 2018 hat sich die EU auf neue Grenzwerte geeinigt: Autohersteller sollen bis 2030 den CO2-Ausstoß von Neuwagen um 37,5 % gegenüber 2021 reduzieren. Für leichte Nutzfahrzeuge ist eine CO2-Reduktion um 31 % vorgesehen. Beide Fahrzeugklassen sollten bis 2025 eine Minderung um 15 % erreicht haben.

Für die Auto-Nation Deutschland würde das bedeuten, dass bis 2030 beinahe jedes zweite zugelassene Neufahrzeug mit elektrifiziertem Antrieb ausgestattet sein müsste. In anderen Ländern haben fossile Verbrennungsmotoren bereits ein Ablaufdatum: Norwegen soll ab 2025 emissionsfrei sein, die Niederlande voraussichtlich ab 2030, Großbritannien und Frankreich ab 2040. Besonders ehrgeizig sind die Pläne in China, nämlich bis 2020 mindestens 5 Mio Autos mit E-Antrieb auf den Straßen.

Doch herkömmliche E-Autos könnten bald der Brennstoffzellen-Technologie zum Opfer fallen. Hindernisse sind eine schlechte Ökobilanz bezüglich benötigter Batterierohstoffe und Entsorgung alter Batterien, lange Ladezeiten und die notwendige Infrastruktur für Ladestationen. Die Brennstoffzellen sind einfacher: Es sind zwei Platten durch eine Membran getrennt. Sauerstoff aus der Umgebungsluft wird auf der einen Seite zugeleitet, der Wasserstoff auf der anderen. Durch die in der Brennstoffzelle ablaufenden Reaktionen entstehen Elektrizität, Wasser und Wärme. Der Strom treibt einen Elektromotor an und als Emission entsteht lediglich Wasserdampf. Brennstoffzellensysteme sind doppelt so effizient wie ein Verbrennungsmotor. Mittlerweile sind bei Brennstoffzellenautos Reichweiten von mehr als 600 km möglich. Die Betankung mit verdichtetem Wasserstoff dauert ungefähr vier Minuten.

Laut einer aktuellen Studie der Marktforscher der IMARC Group soll der globale Brennstoffzellenmarkt von 2018 bis 2023 um 13,4 % pro Jahr (CAGR) auf 8,4 MrdUSD wachsen. Brennstoffzellen finden  Einsatz in Nutzfahrzeugen wie Gabelstaplern, Lastwägen, Bussen, aber auch in Zügen. Darüber hinaus können Brennstoffzellen, dort wo kein Zugang zum Stromnetz besteht, der dezentralen Energieversorgung dienen, z.B. auf Ölfeldern und -plattformen, beim Campen oder in Wetterstationen.

Doch ins Blickfeld der Anleger geraten Brennstoffzellen durch die zunehmenden Einsatz in Pkw, und hier sind Hyundai und Toyota (Toyota Mirai) mit Wasserstoffautos in Serie weit fortgeschritten. Die Reichweiten von Hyundais ix35 und Nexo (SUV) liegen bei je 594 bzw. 756 km.

Weitere Autohersteller mit Brennstoffzellen-Pkw sind Daimler, Honda und Renault. Laut Reuters-Konsens mit einem KGV 2019 von 8,3 besonders interessant erscheint von den Autoherstellern mit Brennstoffzellen-Bezug Hyundai (ISIN: USY3847212 51).

Doch damit Brennstoffzellenautos zum Mainstream werden können, bedarf es des Ausbaus des Tankstellennetzes: Das H2-Mobility-Konsortium, an dem Daimler, OMV, Total, Shell, Linde und
Air Liquide beteiligt sind, hat in Deutschland erst 59 Wasserstofftankstellen in Betrieb, aber rund 1.000 wären für eine gute Versorgung erforderlich. Hier kommt nun die norwegische Nel ASA (NO0010081235) ins Spiel, die Tankstellen für H2 baut, Geräte zur Aufspaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff herstellt und mit dem RotoLyzer über ein mit Lkw transportables System der Wasserstoffproduktion verfügt. Achtung spekulativ: Der Break-Even könnte noch eine Weile dauern. Highlight ist allerdings, dass Nel für die Wasserstoff-Fahrzeugflotte von Anheuser-Busch 448 Elektrolyseure und Betankungsausrüstung liefert (Umsatzpotenzial rund 500 MioUSD).

Ebenfalls noch in einer frühen Phase ist das Business-Modell der britischen ITM Power (GB00B013 0H42), spezialisiert auf Geräte zur Aufspaltung von Wasser und Wasserstoff für Brennstoffzellenprodukte.

Eine wesentliche Rolle in einem möglichen Wasserstoff-Boom würden die beiden Brennstoffzellenhersteller Ballard Power Systems (CA0585861085) und Plug Power (US72919P2020) spielen, die bereits in den kommenden Jahren vor dem Sprung in die Gewinnzone stehen könnten. Amazon verwendet Gabelstapler mit Brennstoffzellenantrieb von Plug Power und laut jüngstem Unternehmensausblick soll Plug Power 2019 bei Bruttoumsätzen von 235 bis 245 MioUSD ein positives bereinigtes EBITDA erzielen.

Highlight bei Ballard ist die Kooperation mit dem führenden Dieselmotorenhersteller Weichai (China), der über eine Kapitalerhöhung für 163,6 MioUSD 19,9 % der Anteile an Ballard übernahm und mit dem Unternehmen ein Joint Venture für Chinas Brennstoffzellenmarkt vereinbarte. Das Joint Venture soll die nächste Generation von Ballards LCS Brennstoffzellen-Stacks für Busse, Trucks und Gabelstapler herstellen. Für exklusive Rechte zur Herstellung erhält Ballard 90 MioUSD.

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Die Ruhe nach dem Sturm – ein optimistischer Ausblick

Nicht alle Experten erwarten im laufenden Jahr einbrechende Märkte.

Raja Korinek. Viele Anleger hat das abgelaufene Jahr gehörig verunsichert. Was auch verständlich ist. Schließlich haben allein die weltweiten Börsen kräftig nachgelassen. Oberndrein dürfte das Wirtschaftswachstum einen Dämpfer erhalten.

Dennoch gibt sich Richard Barwell, Chefökonom bei der BNP Paribas Asset Management, zuversichtlich. Allein in der Eurozone dürfte das Wirtschaftswachstum heuer um rund 0,3 bis 0,4 % pro Quartal zulegen. Denn die Zinsen dürften niedrig bleiben, der Arbeitsmarkt sei mit einer relativ niedrigen Arbeitslosenquote von 8 % recht robust, und den Menschen bliebe genügend Einkommen übrig, um auch den Konsum anzukurbeln, listet Barwell unterstützende Gründe auf.

Allerdings dürfte in der Eurozone allmählich auch die Inflation anziehen, schon allein, da die Lohnstückkosten nach oben tendierten. Eine Entwicklung, der nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt werde, findet Barwell: „Die EZB wird sie jedenfalls genau im Auge behalten müssen.“ Zumindest der gesunkene Ölpreis wirke sich dämpfend auf die Gesamtinflationsrate aus, in der auch die Preise für Nahrungsmittel und Energie berücksichtigt werden. „Sollte hingegen die Kernrate weiter nach oben klettern, müssen die Währungshüter agieren“, mahnt der Ökonom.

Auch der globale Handel sollte anziehen. Allein der Dieselskandal, der für eine Delle beim Verkauf deutscher Autos sorgte, dürfte allmählich bewältigt werden, sieht Barwell Grund zum Optimismus. Grundsätzlich würden aber die Schwellenländer bessere Zahlen aufweisen. „Insgesamt wächst der globale Handel um gut 4 % p.a., eine gesunde Entwicklung.“ Sorgen machten dem BNP-Paribas-Experten allerdings der ungewisse Ausgang der Handelsgespräche zwischen den USA und China.

Chancen auf eine Eskalation zwischen den zwei Großmächten stünden derzeit hoch. Zu allem Überfluss bleibt den zwei Seiten nicht mehr allzu viel Zeit. Denn US-Präsident Donald Trump hat eine Aussetzung weiterer Zölle vorerst nur bis zum Anfang März dieses Jahres angekündigt. Dabei würden einige Bereiche unter einer fehlenden Einigung besonders leiden, betont der Wirtschaftsexperte, zu denen etwa der Devisenmarkt aber auch Automobilaktien zählen dürften. „Indirekt wäre das globale Sentiment und der Handel betroffen“, fügt Barwell hinzu, der auch die Entwicklungen in UK genau beobachtet. Dort rechnet er noch mit einem längeren – politischen – Tauziehen, eine klare Lösung sei noch immer nicht in Sicht.

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Unterschiedliche Prognosen für das Konjunkturmetall Kupfer

Wie steht („Dr. Copper“) zu kommenden Entwicklungen?

Andreas Fastl, Commodity Trader. Zum Jahreswechsel beschäftigte sich das Analyse-Team der New Yorker COMEX mit kommenden Bedrohungen. Und obwohl der Titel („Dr. Copper“) wieder dessen Indikatoreigenschaft hervorhebt, wird es – erste Überraschung – zumeist als passiv beschrieben.

2016/2017 stieg der Kupferkurs im Konjunkturboom um 72 %. 2018 reagierte er sensibel und fiel um rund 20 %, was man als Vorwarnung verstehen kann.

Beachtenswert ist jedoch die Einschätzung des chinesischen Wachstums, denn – zweite Überraschung – im Unterschied zu vielen, die die offiziell aus Peking gemeldeten 6,5 % als notorisch übertrieben betrachten, schätzt die COMEX das Waschstum real weit höher ein – auf rund 9 %. Sie bezieht sich auf den Li-Keqiang-Index der sich aus Elektrizitätsverbrauch, Bahnfracht und Kreditvolumen zusammensetzt, und – dritte Überraschung – dem Kupferpreis voraus läuft. So betrachtet zeigt Kupfer mit seinen Verlusten 2018 einen deutliche Indikatorfunktion zur Weltkonjunktur, läuft aber seinerseits dem LKI um drei bis fünf Monate hinterher.

Ein Einbruch in Chinas Verbrauch könnte von keinem anderen Wirtschaftsraum abgefangen werden, trotzdem sieht die Analyse das Wachstum ungefährdet, solange Peking eine intelligente Stimulierungs-Politik fährt.

In der westlichen Welt jedoch bedrohen EU-Probleme (Brexit, Italien) Konjunktur und Kupferpreis, trotzdem wird der dominante Faktor im USD-Verlauf jenseits des Atlantiks gesehen.

Im Dezember sorgte sich das Analyse-Team noch, dass die Fed die geplanten Zinsstraffungen zu stur durchziehen könnte, denn das würde dem Buntmetall über die zwei Hebel schaden: A) Höherer USD wegen höheren Zinsen (Kupfer korreliert zumeist wie Gold negativ mit dem USD), und B) ganz direkt über die fallende fundamentale Nachfrage.

Heute wissen wir, dass die FED flexibel agiert, aber was sie mit der Anpassung der Zinsschritte nicht beeinflussen kann, ist ein Anstieg des USD im Fall einer Euro-Katastrophe.

In der aktuellen Einschätzung wird man sich also vor monokausalen Modellen in Acht nehmen müssen.

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US-Aktien: Einstellige Erträge wahrscheinlich

Ein Überblick der Capital Group, wie sich die US-Wirtschaft und -Aktien voraussichtlich entwickeln dürften. (08.01.)

Einstellige Erträge bei US-Aktien wahrscheinlich

(08.01.) Der Konjunkturzyklus geht in die Endphase. Folglich dürften sich die großen Volkswirtschaften im Jahr 2019 – konträr zu ihrem synchronen Aufschwung Anfang 2018 – auseinanderentwickeln. Die schwächere Konjunktur in Europa und China sorgt für Ungewissheit. Die US-amerikanische Wirtschaft wächst hingegen noch immer recht ordentlich. Die beiden Portfoliomanager Don O’Neal und Greg Johnson von Capital Group geben einen Überblick, wie sich die US-Wirtschaft und -Aktien voraussichtlich zukünftig entwickeln dürften.

Konjunkturzyklus in den USA neigt sich dem Ende
„Vermutlich geht der Konjunkturzyklus bald zu Ende, aber er kann auch in die Verlängerung gehen. Konjunkturzyklen können lange dauern. Alles hängt von den Fundamentaldaten ab“, schätzt O’Neal die derzeitige Lage ein. Der Konjunkturzyklus in den USA ist mit am weitesten vorangeschritten: Die Arbeitslosenquote ist so niedrig wie seit 49 Jahren nicht mehr, die Löhne steigen immer schneller und der Inflationsdruck nimmt zu. Zusätzlich hat die US-amerikanische Zentralbank Fed bereits damit begonnen die Geldpolitik zu straffen. Und obwohl das alles auf ein Ende des Zyklus hindeutet, ist die US-Konjunktur noch immer stark.

Hohe Bewertungen mindern die Ertragsaussichten
Seit Beginn der Hausse im März 2009 konnte der Standard & Poor’s 500 Composite Index um knapp 400 % dazu gewinnen – und dass trotz der irritierenden Volatilität im vergangenen Jahr 2018. Obwohl neben den Aktienkursen auch die Unternehmensgewinne angestiegen sind, haben die Bewertungen seitdem deutlich zugelegt. Wer aber genau hinschaut, kann am amerikanischen Aktienmarkt durchaus attraktive Titel identifizieren.

Selektion birgt Chancen am US-Aktienmarkt
Es sind allerdings nicht alle Marktsegmente gleich bewertet: Da insbesondere einige wenige innovative Technologie- und Konsumgüterunternehmen für Kursgewinne verantwortlich waren, sind andere Marktsegmente weniger hoch bewertet. Die Wachstumsprognosen manch anderer Unternehmen sind aber bei weitem schwächer. Das und die höhere Volatilität sind Gründe, warum Investoren bei der Auswahl ihrer amerikanischen Aktien sehr sorgfältig vorgehen. „Ich achte auf Unternehmensgewinne, Aktienbewertungen und Zinsen. Für die nächsten Jahre kann ich mir nur einstellige Erträge vorstellen“, so Johnson. „Noch gibt es Chancen, aber man muss selektiv sein.“

Biotechnologie- und Pharmaaktien haben Potenzial
Interessant könnten insbesondere Biotechnologie- und Pharmaaktien werden. Bislang wurde die Kursentwicklung solcher Unternehmen nämlich von negativen Schlagzeilen über die Medikamentenpreise gebremst. Da viele Unternehmen aus dem Bereich aber volle Produktpipelines haben, besitzen sie das Potenzial noch stark zuzulegen. So könnten beispielsweise die Biotechnologieunternehmen AbbVie und Gilead Sciences bald mehrere Krebstherapien zur Marktreife bringen. Für Investoren mache es Sinn, nach Unternehmen zu suchen, die vom Ende des Zyklus profitieren können. „Wer auf Wachstum setzt, sollte über Unternehmen mit langfristigen Perspektiven und großen Märkten nachdenken“, so Johnson. „Für defensive Strategien können sich Unternehmen eignen, die ihre Dividenden voraussichtlich nicht kürzen.“

Zinshausbesitzer fühlen sich diskriminiert

Haftungsklage gegen die Republik: Wiener Zinshausbesitzer fragwürdig im Stich gelassen?

Brigitta Schwarzer. Der Obmann Kaspar Erath wählte beim Pressegespräch am 13. Dezember 2018 klare Worte: „Die Wiener Zinshausbesitzer zweifeln langsam an den Grundfesten des Rechtsstaats. In hunderten Mietrechtsverfahren hat es die Richterschaft nicht für notwendig erachtet, im Hinblick auf die offensichtliche Diskriminierung durch den Wiener Richtwert den Verfassungsgerichtshof anzurufen.“

Dahinter steckt der sogenannte Wiener Richtwert. Es ist dies eine per Bundesgesetz festgelegte Obergrenze für Mietpreise in Altbauten mit einem Baujahr vor 1945.

Wien hat mit rund 15.000 privaten Gründerzeithäusern weltweit den nahezu größten Althausbestand aus einer Epoche.

„220.000 Altbauwohnungen gerieten damit über den Wiener Richtwert in die Knochenmühle der Politik“, konstatiert Erath.

Unter dem sozialdemokratischen Kanzler Franz Vranitzky wurden bundesländerweise unterschiedlich hohe Richtwerte im Richtwertgesetz 1993 verankert, durch den Nationalrat beschlossen und vom Bundespräsidenten als verfassungskonform unterzeichnet.

Der Wiener Richtwert steht aktuell bei 5,58 Euro Nettomiete pro Quadratmeter, in der Steiermark hingegen bei 7,70 Euro. Dazu kommt bei befristeten Mieten ein Abschlag von 25 %, sodass sich die Nettomiete/Quadratmeter in Wien dann auf 4,19 Euro beläuft. Der Unterschied der Mieteinnahmen zwischen den Wiener Zinshausbesitzern und ihren Kollegen in der Steiermark beträgt somit rund 40 %.

Während bei den Lohn-, Material- und Baukosten bundesländerweit keine gravierenden Unterschiede bestehen, sind die Grundkosten in Wien seit jeher die höchsten in Österreich. Die niedrigsten Grundstückspreise in Wien sind vergleichbar mit den teuersten in der Steiermark, bei den besseren und sehr guten Lagen in Wien kommt es gegenüber der Steiermark zu einem Preisunterschied um bis zu 800 %.

„Wie kann man in einem Rechtsstaat wie Österreich die Wiener Hauseigentümer zu einem solchen Sonderopfer zwingen?“ beklagt Erath.

Der Verein zur Revitalisierung und architektonischen Aufwertung der Wiener Gründerzeithäuser  betont daher schon seit Jahren: „Eine Einnahmenseinbuße von rund 40 % ist schreiendes Unrecht, signalisiert Willkür und legt den Verdacht der Verfassungswidrigkeit nahe.“ Erath reklamiert zu den bisherigen Ergebnissen der Höchstrichter, dass der mehrfach vorgebrachte Diskriminierungstatbestand vom Verfassungsgerichtshof nur formell, jedoch noch nie inhaltlich beurteilt wurde.

Die den Wiener Zinshausbesitzern zugefügte Schadenshöhe ist beispiellos in der 2. Republik, es geht seit 1994 um eine Summe von rund 5 Mrd Euro.

Dieses Geld fehlt bei Renovierungen, auch deshalb haben die Verfallserscheinungen der Gründerzeithäuser sowie die Abrisszahlen ein erschreckendes Ausmaß erreicht.

Der VfGH hat bisherige Beschwerden zum Wiener Richtwert, zum Lagezuschlagsverbot in Gründerzeitvierteln sowie zum pauschalierten Befristungsabschlag abgewiesen und mit dem großen Spielraum des Gesetzgebers argumentiert.

Seine Logik: Leistbarer Wohnraum muss auch Bevölkerungsgruppen mit geringem Einkommen zugänglich sein.

Erath protestiert: „Unrecht darf niemals zur politischen Manövriermasse werden. Sozialwohnungen sind gut und recht, das ist aber allein die Aufgabe des Staates, die er aus unseren Steuermitteln zu bestreiten hat.“

Bei den Entscheidungen des VfGH sieht der Verein daher eine Schieflage und hat im Jänner 2018 den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) angerufen. Leider ist kurzfristig keine Entscheidung zu erwarten.

Auch um Verjährungsansprüche hintanzuhalten, entschied man sich nun für eine Haftungsklage gegen die Republik. Die Klage wird zurzeit von Rechtsanwalt Wolfram Proksch vorbereitet.

Beim Pressegespräch präsentierte Erath neben dem Forderungskatalog um die Haftungsklage auch ein neu durchdachtes Mietrechts- und Sanierungskonzept für Wien.

Es umfasst gut 100.000 neue Wohnungen über Dachausbauten und Stockwerkssanierungen im Altbestand der rund 20.000 privaten und gemeindeeigenen Zinshäuser, für die kein neuer Quadratmeter Bauland benötigt würde. Erath sieht im konkreten Plan greifbare Vorteile für die Mieter, er hat aber auch Leistungsanreize für die Eigentümer generiert. Das ambitionierte Ziel ist vorgegeben, Wien könnte mit einem prognostizierten Bauvolumen von mehr als 20 MrdE den Wohnbedarf der Großstadt vollständig bedienen und damit den Mietern mit einem größeren Angebot und Preisvorteilen eine wirkliche Hilfe bieten.

Die Leistungsvorgaben im neuen Konzept beinhalten auch Fassadenerneuerungen im Bereich der Gründerzeithäuser, wodurch das Stadtbild bereits innerhalb einer Dekade massiv profitieren würde.

Foto: Tiberius Gracchus/Fotolia.com (Symbolfoto

 

 

Ziel: Erlösausfälle 2019 wieder ausgleichen

Der Börsen-Kurier im Gespräch mit Warimpex-CFO Daniel Folian.

Patrick Baldia, Börsen-Kurier: Herr Folian, welche Highlights zeichnen sich für die Warimpex heuer ab?

Daniel Folian: Auch 2019 steht für uns ganz im Zeichen des organischen Wachstums. Der Fokus liegt dabei auf dem Aufbau unseres Immobilienbestandes, indem wir laufende Entwicklungsprojekte rasch fertigstellen, neue Projekte zeitnahe auf Schiene bringen und cashflowbringende Assets mit Potenzial erwerben. So freuen wir uns im ersten Quartal 2019 auf die Eröffnung des Mogilska Office in Krakau und planen zudem, unsere aktuellen Entwicklungsprojekte in Krakau, Bialystok und St. Petersburg rasch zum Baustart zu führen.

Börsen-Kurier: Wann werden Sie die Umsatzlücke, die durch den Teilportfolioverkauf im Jahr 2017 entstanden ist, über Entwicklungen und Akquisitionen ausgleichen können?

Folian: Unser Ziel ist es, 2019 die Erlösausfälle wieder auszugleichen – und das mit einer deutlich geringeren Verschuldung. Wie bereits erwähnt, setzen wir dafür zum einen auf strategische Zukäufe cashflowbringender Assets als auch auf unsere Projektentwicklungen. So erwarten wir aufgrund der im Oktober 2018 erfolgten Fertigstellung des Ogrodowa Office in Lodz sowie der Fertigstellung des Mogilska Office in Krakau im Frühjahr 2019 eine deutliche Umsatzsteigerung sowie eine Verbesserung des Bruttoertrags.

Börsen-Kurier: Bislang haben Sie sich nach dem Teilportfolioverkauf – über Entwicklungen und Akquisitionen – überwiegend dem Bürobereich gewidmet. Planen Sie künftig auch im Hotelbereich aktiv zu werden?

Folian: Unser Know-how stammt immer noch aus der Hotelentwicklung und es ist unser Ziel, vielversprechende Gelegenheiten, die sich in diesem Bereich ergeben, auch in Zukunft zu nutzen. Neben unserem Engagement in den CEE-Kernmärkten Polen und Ungarn prüfen wir derzeit auch Optionen in Westeuropa. Im Falle einer geplanten Akquisition in Deutschland sind die Verhandlungen bereits fortgeschritten. Es handelt sich dabei um eine Hotelimmobilie, die aber auch über Erweiterungsflächen verfügt, auf denen man Büros realisieren könnte. Sollte der Deal zustande kommen, kaufen wir dort Cashflow ein mit einem zusätzlichen Entwicklungspotenzial. Diesen Weg sind wir auch in der Vergangenheit bereits mehrfach gegangen, wo wir Grundstücksreserven neben von uns entwickelten Hotels für die Errichtung von Bürogebäuden genutzt haben, da viele Hotels optimal durch Büro- und Konferenzräumlichkeiten ergänzt werden – und umgekehrt.

Börsen-Kurier: Bitte geben Sie einen kurzen Ausblick für 2019 auf die für Warimpex relevanten Immobilienmärkte.

Folian: In Polen gehen wir auch für das Jahr 2019 von einer starken Entwicklung im Office Bereich aus, da sich die gute wirtschaftliche Lage positiv auf die Unternehmen auswirkt, diese expandieren und passende Büroflächen benötigen. Der Boom im Office Bereich ist besonders in den Sekundärmärkten abseits von Warschau sichtbar, wo das Angebot an vermietbaren Flächen gegenüber der polnischen Hauptstadt kontinuierlich aufholt.

Der kontinuierliche Anstieg des Investmentvolumens wird sich auch in Ungarn weiter fortsetzen. Dies ist vor allem auf die relativ hohen Renditen zurückzuführen. Vor allem der Budapester Büromarkt entwickelt sich sehr gut – die Nachfrage nach zentral gelegenen, gut angebundenen Büroflüchen ist hoch, die Leerstandsquote befindet sich derzeit auf einem Rekordtief. Aus diesem Grund sehen wir in Budapest auf jeden Fall großes Potential.

An Russland halten wir auch 2019 fest – aktuell ist es jedoch schwierig, eine Prognose für den Rubel und die russische Wirtschaft zu treffen. Die Nachfrage nach A-Klasse Büroimmobilien ist in St. Petersburg weiterhin stark und die Renditen sehr interessant.

Börsen-Kurier: Und wird sich der Brexit auf die CEE-Büromärkte auswirken?

Folian: Die CEE-Länder könnten zu den großen Gewinnern des Brexit werden, da viele Back-Office-Bereiche, die bisher in Großbritannien angesiedelt waren, nach Warschau, Prag oder Bukarest verlagert werden. Für die Mitarbeiter werden dann natürlich auch Büroflächen benötigt.

Foto: Warimpex

 

 

Das neue Königsmetall

Palladium weist höchste Kursvolatilität bei Metallen auf.

Roman Steinbauer. Nicht nur chemisch reagiert das beliebte Metall bei hoher Temperatur sensibel. Trotz des beachtlichen Anstiegs des Goldpreises während den letzten Wochen, hat Palladium wieder die Nase vorne, eine Konstellation wie zwischen den Jahren 1998 und 2003. Damals schoss der silberweiße Werkstoff erstmals weit über die 1.000-USD-Marke. Auch der nunmehrige Preisanstieg verläuft entsprechend steil. Das seltene Schwestermetall des Platins (das zu diesem auch chemisch verwandte Eigenschaften aufweist) erreichte in der Vorwoche die 1.300-USD-Barriere, nachdem erst 25 Handelstage zuvor die 1.200er-Marke rasch durchbrochen wurde.

Wende durch Diesel-Abgasaffäre
Palladium wird als Lamellen-Trägermaterial bei der Herstellung von Katalysatoren für benzingetriebene KFZ bevorzugt, da es reaktiver als Platin ist und die höchste Absorptionsfähigkeit aller Elemente für Wasserstoff aufweist. Eine Nachfrageverschiebung zu Lasten von Platin (Einsatz bei Diesel-Varianten) war daher seit geraumer Zeit vorauszusehen. Der zunehmende Palladium-Verbrauch der KFZ-Industrie ist eminent, da Benzin-Pkw seit Jahren zulasten von Dieselfahrzeugen Marktanteile gewinnen. Die entstandene Preiskluft zueinander, wagte sich aber noch 2016 kaum ein Analyst zu prognostizieren. Anhand der Schätzungen des Portals Statista wird sich das beanspruchte Volumen für 2018 auf 8,1 Mio Unzen (oz) belaufen und somit für 80 % des Gesamtverbrauches stehen – weit vor Elektronik (850.000 oz) und der Chemiesektor (500.000 oz). Die Nachfragedynamik (laut Anglo American Platinum +8,1 % in 2017) ist nicht mehr haltbar. Aber die Produzenten des begehrten Übergang-Metalls kommen dem Bedarf dennoch nicht nach.

Die Preisrallye schlägt unterdessen klar auf der Kostenseite der Kfz-Hersteller durch. Lieferengpässe werden über Jahre befürchtet. Doch hängt die Förderung unmittelbar an der Nickel- und Platinhebung.

Steven Dunn, ETF-Stratege bei Aberdeen Standard Investments, betont die empfindliche Preistreiber-Ursache dieser unausgewogenen Angebots- Nachfragesituation. Das rare Element werde hauptsächlich in zwei Ländern gefördert und es sei nicht möglich, die Palladium-Gewinnung zeitnah anzukurbeln. „Mehr als vier Fünftel der weltweiten Produktion werden im Zuge der Förderung als Nebenprodukt aus Platinminen in Südafrika und Nickelstätten in Russland gewonnen. Damit ist eine Abhängigkeit zur profitablen Hebung zyklischer Rohstoffe gegeben“, skizziert Dunn die angespannte Situation. Die marginale Produktionserhöhung werde alleine durch einzelne Zusatzorders der Autoindustrie absorbiert. Das Angebotsdefizit könne noch über Jahre anhalten. Dazu weist er vor allem auf die steigende Leihzins-Rate des Edelmetalls hin.

Mit ETC-Zertifikaten wie mit jenen von BNP Paribas (ISIN: DE000PB8PAL7) oder höheren Hebel der Commerzbank (DE000E TC0761) sind „Wetten“ auf steigende Notizen möglich. Das Wissen um die Historie einstiger Euphorien führt unter Edelmetallhändlern aber zu Skepsis. Von Jänner 2001 bis Frühjahr 2003 implodierte die Notiz des chemischen Elements (Symbol: „Pd“) von 1.080 auf unter 170 USD.

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Trotz Zurückhaltung an den Märkten bieten Einzelwerte Chancen

Zak Smerczak, Analyst und Portfoliomanager bei der unabhängigen internationalen Fondsgesellschaft Comgest, erläutert seine Markteinschätzungen für das Jahr 2019. Comgest investiert konsequent in Qualitätswachstumsaktien. Vor dem Hintergrund historisch hoher Bewertungen an vielen Märkten rät Smerczak Anlegern zur Vorsicht und empfiehlt eine Bottom-up-Analyse der einzelnen Unternehmen mit Schwerpunkt auf der Beständigkeit von Wachstumschancen.

„Mit Blick auf das Jahr 2019 sind wir eher vorsichtig und legen das Augenmerk zum einen auf die Bewertungen, zum anderen auf die Kontinuität von Wachstumschancen. Wir haben im Comgest Growth World verschiedene Positionen reduziert, darunter auch Titel, die wir teilweise mehr als zehn Jahre gehalten haben, weil uns die Wachstumsaussichten weniger sicher erscheinen, aber mehr noch, weil wir die Bewertungen im historischen Vergleich als eher hoch ansehen. Dies traf insbesondere auf Titel der Informationstechnologie und industriellen Automatisierung zu.

Trotzdem gibt es unserer Auffassung nach weiterhin viele robuste Geschäftsmodelle, die unabhängig von Standort oder Branche, in nahezu jedem konjunkturellen Umfeld ein vorhersehbares, stabiles und nachhaltiges Ertragswachstum für langfristig orientierte Anleger bieten. Ein Segment, in dem wir neue Anlagen gefunden oder bestehende Positionen ausgebaut haben, sind die US-amerikanischen und europäischen Basiskonsumgüter, die angesichts wachsender Inflationsangst, steigendem Preisdruck bei Rohstoffen und Verwerfungen in den Vertriebswegen zuletzt in Ungnade gefallen waren. Beispiele für attraktive Werte in dem Segment sind Church & Dwight (eine neue Anlage) und Unilever (eine bereits bestehende Position). Wir sind davon überzeugt, dass beide Unternehmen ein kontinuierliches und vorhersehbares Umsatzwachstum im hohen einstelligen Bereich erzielen und ihre Renditen mittels Kostenoptimierung sowie operativem Leverage verbessern werden, indem sie in neue Märkte vordringen, die ihnen unter dem Strich ein niedriges, aber beständiges Ertragswachstum im zweistelligen Bereich ermöglichen.

Daneben bieten führende Anbieter medizinischer Geräte wie Medtronic und Becton Dickinson beständige und gut vorhersehbare überdurchschnittliche Wachstumschancen, die durch die Einführung innovativer Produkte, die Durchdringung von Schwellenmärkten sowie eine wettbewerbsfähige Preisgestaltung getrieben werden (auch wenn es in einigen Fällen Druck durch Gesundheitsreformen geben kann). Wir haben unsere Positionen in diesen Unternehmen im Verlauf des Jahres erhöht und konnten dabei von sehr günstigen Bewertungen profitieren.

Beim Blick auf länderspezifische Chancen für 2019 finden wir vor allem in Japan neue Anlagemöglichkeiten in einem von Analysten nach wie vor wenig beachteten Markt, bei dem Konsensprognosen unserer Erfahrung nach im Allgemeinen das Wachstumspotenzial unterschätzen. Einzelhändler wie Fast Retailing (Eigentümer der Marke Uniqlo), Seven & I und Don Quijote profitieren alle von einem stetig wachsenden Filialumsatz, der Eröffnung neuer Filialen und einer Margensteigerung. Darüber hinaus profitieren alle vom wachsenden Tourismus nach Japan, insbesondere aus China, wo im Falle von Fast Retailing auch viele Filialen eröffnet und hohe Wachstumszahlen erzielt werden.

Unabhängig von den Entwicklungen auf der Makroseite glauben wir, dass wir auch im neuen Jahr Wachstumsanlagen mit stabiler und vorhersehbarer Gewinnentwicklung zu attraktiven Bewertungen ausfindig machen werden.“

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Der nächste Abschwung im Euroraum steht an

Die Wahlen zum Europäischen Parlament im Mai nächsten Jahres werden wahrscheinlich von den inneren Dämonen Europas heimgesucht, angefangen beim Konflikt mit der populistischen italienischen Regierung über ihren Haushalt bis hin zur fremdenfeindlichen Front, die sich in den Visegrád-Staaten gebildet hat. Auch die Krise der traditionellen Parteien der Mitte ist noch lange nicht gelöst. Aber wenn Europa, wie aktuelle Indikatoren vermuten lassen, eine Konjunkturabschwächung bevorsteht, könnte sich der Diskurs im Vorfeld der Wahlen deutlich ändern.

Bis vor wenigen Monaten herrschte die Meinung vor, dass die Wirtschaftskrise auch für die am stärksten betroffenen Länder der Peripherie der Eurozone vorbei sei. Infolgedessen verlagerten die Europäer ihre Aufmerksamkeit auf andere Themen wie Flüchtlinge und Sicherheit, die die politische Stabilität bedrohten und den Konsens über das europäische Projekt untergruben.

Doch das BIP-Wachstum in der Eurozone verlangsamt sich seit seinem Höchststand im dritten und vierten Quartal 2017. Die anhaltende Abschwächung der Wirtschaft im Euroraum – sogar in Deutschland schrumpfte das BIP im dritten Quartal 2018 – verheißt nichts Gutes für die EU, der sowohl eine politische als auch eine wirtschaftliche Krise bevorstehen könnte.

Die Frage liegt nahe, warum die Erholung im Euroraum abflaut, obwohl sie durch eine expansive Geldpolitik stark unterstützt wird. Wenn das Wachstum tatsächlich seinen Höhepunkt erreicht hat, würde dies bedeuten, dass die potenzielle Wachstumsrate der Eurozone rund 1 % beträgt.

Dieses Wachstum des potenziellen Produktionsniveaus – etwa die Hälfte des Trends vor der Krise – geht mit einer Gesamtarbeitslosenquote von etwa 8 % einher.

Europa und seine Herausforderungen
Im nachlassenden Wachstum der Eurozone spiegeln sich alte und neue strukturelle Probleme, das Erbe der letzten Krise (das immer noch auf der Qualität der Vermögenswerte der Banken lastet), die hohe Verschuldung in einigen Ländern und externe Schocks wider, die die Nachfrage beeinträchtigt haben. Mit anderen Worten ist Europa mit Herausforderungen für sein potenzielles Wachstum sowie mit negativen zyklischen Kräften konfrontiert. Vor allem Letztere erfordern eine energische Reaktion – nicht zuletzt, weil der Wirtschaft des Euroraums, wenn sie in naher Zukunft in eine Rezession geraten sollte, nur begrenzte politische Instrumente zur Verfügung stehen, um ihr entgegenzuwirken.

Obwohl Europa über bessere Instrumente für das Krisenmanagement verfügt als bei der letzten Rezession im Jahr 2011, bleiben sie unvollständig. Darüber hinaus wird die Europäische Zentralbank weniger Spielraum haben, um die Geldpolitik zur Ankurbelung der Wirtschaft zu nutzen: Die Zinsen liegen bereits bei null, und ein neues Wertpapierkaufprogramm wäre unweigerlich umstritten.

„Alte“ Fehler müssen vermieden werden
Die Fiskalpolitik befindet sich in einer ähnlich schwachen Position. Natürlich ist es wichtig, den Fehler zu vermeiden, der 2009 gemacht wurde, als die Staats- und Regierungschefs der EU eine rasche Haushaltskonsolidierung einleiteten, bevor die Erholung Fahrt aufgenommen hatte. Um der konjunkturellen Abschwächung entgegenzuwirken, wären jedoch weitere Impulse erforderlich.

Eine erneute Rezession würde jedoch zu einer noch tieferen Spaltung der Finanzmärkte auf nationaler Ebene führen und gleichzeitig die Korrelation zwischen Länder- und Bankenrisiko verstärken. Viele Länder hätten einen begrenzten Spielraum für eine anti-zyklische Finanzpolitik, entweder aufgrund der EU-Vorschriften für die Staatsverschuldung oder weil die Markttoleranz für Staatsverschuldung in einer Währungsunion geringer ist, wie sich seit 2010 zeigt. Steigende Risikoprämien untergraben die expansive Wirkung von Haushaltsdefiziten auch in Rezessionen.

Darüber hinaus gibt es angesichts des Fehlens einer gemeinsamen Fiskalkapazität keine Institution oder keinen Mechanismus, der einen fiskalpolitischen Impuls für die gesamte Eurozone geben könnte. Reformen im Hinblick auf dieses Problem sind in den nächsten Monaten nicht zu erwarten.

Zusammenarbeit ist gefragt
Wenn die Finanzkraft eines Landes geschwächt ist, könnte es normalerweise mit einer Koordinierung der Geld- und Fiskalpolitik reagieren. Damit das in der Eurozone funktioniert, müssten alle Mitgliedsländer zusammenarbeiten. Sie sollten sich auf einem der unzähligen formellen und informellen Treffen der Staats- und Regierungschefs der Eurozone und der Finanzminister auf eine gemeinsame politische Haltung einigen.

Dies würde die Märkte nicht vollständig beruhigen, denn es ist unwahrscheinlich, dass eine Einigung eine unbeschränkte gemeinsame Haftung für neue Schuldtitel von bereits verschuldeten Ländern beinhalten würde. Aber es würde zeigen, dass die Länder der Eurozone die Bedeutung der politischen Koordinierung anerkennen, sei es die fiskalische Konsolidierung in guten Zeiten oder die antizyklische Finanzpolitik in schlechten Zeiten, um die Wahrscheinlichkeit einer Schuldenkrise in den schwächeren Volkswirtschaften der Währungsunion zu minimieren.

Noch wichtiger ist, dass eine solche Koordinierung dazu beitragen würde, das gegenseitige Vertrauen wiederherzustellen, das in Europa unbestritten fehlt. Auf diese Weise ließe sich der von Ländern wie Italien angewandten Taktik, auf Konfrontationskurs mit den EU-Behörden zu gehen, eine klare Absage erteilen. Wenn die Wählerinnen und Wähler in der gesamten EU im Mai wählen gehen, könnte eine solche Botschaft eine Wende herbeiführen.

Aus dem Englischen von Sandra Pontow. © Project Syndicate 1995 – 2018
Foto: Le0mnd/Fotolia

 

 

Nicht Glück, die richtige Strategie entscheidet

Der Jahreswechsel ist ein idealer Zeitpunkt, um die eigene Finanzplanung einer Überprüfung zu unterziehen. Wir haben bei Experten Karl Freidl, dem Leiter des Vermögensmanagements im Bankhaus Krentschker, nachgefragt, was er Anlegern aktuell raten würde.

Börsen-Kurier: Was sollte ein Anleger unbedingt noch vor Jahresende tun?

Karl Freidl: Das Jahresende ist eine gute Zeit für ein „Update“ der Finanzplanung. Man sollte Veranlagungsziele generell schriftlich formulieren und überprüfen – am besten natürlich mit der Familie. Denn letztlich geht es auch darum, Vermögen an die nächste Generation weiterzugeben – und die „finanzielle Bildung“ spielt dabei eine wichtige Rolle.

Im Grunde agiert man wie ein Unternehmen – von der Inventur bis hin zum Reporting und einer allfälligen Kurskorrektur. Auch wenn das ein wenig bürokratisch klingt – es ist der effektivste Weg, seine Ziele zu erreichen! Ich kann nur jedem Anleger eine grundlegende Vermögensbilanz empfehlen (sprich wie hoch ist der Barbestand, der Anleihen- und der Aktienteil und ev. andere Vermögenswerte, wie Immobilien usw.), sowie eine regelmäßige Überprüfung, ob die Veranlagungsziele mit der Zusammensetzung des Portfolios übereinstimmen. Hier steht der persönliche Kundenberater natürlich als ständiger Begleiter zur Seite.

Erst viel weiter hinten steht bei den Prioritäten die Frage, ob ich die richtigen Aktien ausgewählt habe, ob ich Gewinn mitnehmen soll oder noch schnell in diese oder jene Branche investiere usw. – vieles davon ist reine Spekulation. Es geht aber nicht um Glück, sondern um die richtige Strategie. Jetzt ist der beste Zeitpunkt, diese zu überprüfen.

Börsen-Kurier: Apropos jetziger Zeitpunkt: Die USA erhöhen die Zinsen weiter – wie lange kann Europa bei Niedrigzinsen bleiben?

Freidl: Die EZB fährt mit Jahresende ihre Anleihen-Kaufprogramme zurück – wird aber nach unserer Einschätzung erst im 4. Quartal 2019 beginnen, auf der Zinsseite tätig zu werden. Bis es hier jedoch zu einem spürbaren Effekt für Sparer kommt, da reden wir frühestens von Ende 2020, wenn nicht noch länger. Bis Sparbücher wieder deutlich über der Inflationsrate verzinst sind, werden jedenfalls noch viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte vergehen.

Börsen-Kurier: Und was bedeutet die aktuelle Zinslandschaft für Bankkunden und Anleger? Gibt es Handlungsbedarf?

Freidl: Der Handlungsbedarf ist nicht „aktuell“, sondern besteht schon seit langem! Sollte die Inflation weiter steigen, so ist anzunehmen, dass sich Sachwerte auch weiter verteuern werden. Anstatt auf den nächsten Crash bzw. Einstiegszeitpunkt zu warten, könnte man sich ebenso die Frage stellen, ob es überhaupt die Aktienkurse und Immobilienpreise sind, die steigen, oder ob nicht das Geld weniger wert geworden ist! Genau das sieht man, wenn man seine Veranlagungsziele klar formuliert und laufend überprüft. Dann kommen Sie nicht in die Situation, dass Sie immer größere Barmittel vor sich her schieben, die schlussendlich immer weniger wert werden.

Börsen-Kurier: Auch geopolitische Turbulenzen spielen eine ganz große Rolle. Kann man als Privatanleger ein Portfolio überhaupt dagegen absichern?

Freidl: Die Frage ist eher, ob man es überhaupt versuchen soll. Ein alter Spruch heißt „politische Börsen haben kurze Beine“: Anlageentscheidungen auf kurzfristigen politischen Strömungen aufzubauen halten wir für keine sinnvolle Strategie. Wollen wir wirklich nach jedem Tweet des US-Präsidenten unser Portfolio umschichten? Nein. Wir setzen auf eine langfristige Strategie, die wir diszipliniert einhalten.

Börsen-Kurier: Kommen wir zu einem vorsichtigen Ausblick. Wie wird aus Ihrer Sicht das Jahr 2019 werden?

Freidl: Das Jahr 2019 steht im Banne der US-Zinserhöhungen und dem Ende der Ära Draghi! Wie wird die Notenbankpolitik danach aussehen, und wie wird sich das auf den Aktienmarkt auswirken? Die grundlegende Frage ist, ob der 30-jährige Trend sinkender Zinsen nicht überhaupt zu Ende ist. Wer Kapital bei aktuell 2 % Inflation nachhaltig erhalten möchte, muss Änderungen in seiner Vermögensaufteilung vornehmen, wenn der Ertragsanteil bisher vorwiegend von Anleihen gekommen ist, so wie das in den vergangenen 18 Jahren der Fall gewesen ist.

Inwieweit man die deutlich höhere Volatilität von höheren Aktienanteilen akzeptieren kann, hängt dabei sehr stark vom Anlagehorizont und den persönlichen emotionalen Befindlichkeiten ab. Nur wer bereit ist diese Schwankungen auch durchzuhalten wird am Ende erfolgreich sein bei der Veranlagung. Wer das nicht möchte wird sich damit auseinandersetzen müssen, dass die Kaufkraft seines Geldes zurückgeht – wie das Eis auf unseren Gletschern – langsam aber sicher. Wir halten es grundsätzlich mit Warren Buffet – die besten Jahre stehen uns erst bevor.

Das Interview führte Marius Perger
Foto: Bankhaus Krentschker

 

 

Auch von fallenden Bitcoin-Kursen profitieren

Bekanntermaßen können Kryptowährungen stark in die Höhe schießen oder tief in den Keller rauschen. Mit den neuen Vontobel Mini-Futures sollte man für beide Szenarien gewappnet sein.

Wer hat Mails mit solchen oder ähnlichen Botschaften noch nicht erhalten: „Leute werden durch Bitcoin reich“, „Sie können der nächste Millionär werden!“. Nun ja, solche „Geheimtipps“ kann man getrost links liegen lassen, aber sollte man deshalb auch gleich die gesamte Bitcoin-Story vergessen?

Revolution oder Flopp?
Umstritten sind Kryptowährungen allemal, das Spektrum reicht von glühenden Befürwortern, die eine sinnvolle Revolution des gesamten Geldsystems sehen, bis zu vehementen Kritikern, die hier bloß Geschäftemacherei und wilde Spekulation vermuten (der Börsen-Kurier berichtete ausführlich in den vergangenen Monaten). Unglaublich: Mittlerweile tummeln sich bereits an die 2.000 unterschiedliche Kryptowährungen am Markt. Nicht umsonst wurde wohl „Kryptomanie“ von der Financial Community hinter „Strafzöllen“ zum Börsenunwort des Jahres gewählt.

Weitgehend unter Experten unumstritten ist hingegen, dass die den Alternativwährungen zugrundeliegende Blockchain-Technologie zukunftsweisend ist. Es handelt sich dabei um ein offenes, dezentral geführtes „Logbuch“, das Transaktionen sicher, dauerhaft und effizient aufzeichnet und speichert. Gerne wird die Blockchain als ein zentraler Baustein der Wirtschaft von morgen bezeichnet. Laut Berechnungen der Deutschen Bank aber auch der Unternehmensberatung Accenture sollen bis 2027 rund 10 % des BIPs in Blockchains gespeichert sein.

Ausgefeilte Investmentmöglichkeiten
Aber kehren wir zurück zum ursprünglichen Ausgangspunkt, dem Bitcoin. Es ist mühselig zu erwähnen, dass man nicht sein gesamtes Portfolio in Kryptowährungen stecken sollte, aber eine kleine Position könnte für den einen oder anderen Investor schon seinen Reiz ausüben.

Wobei sich die Frage stellt: Wie veranlagt man am besten in Bitcoin & Co.?

Eine Möglichkeit bieten Bitcoin-Partizipationszertifikat von Vontobel, die es schon seit geraumer Zeit gibt, wie das „Open End Partizipationszertifikat auf Bitcoin“ (ISIN: DE000VL3TBC7) oder das „Open End Partizipationszertifikat auf Bitcoin Cash“ (DE000VL99BC4).

Mit solchen Zertifikaten konnten Anleger bisher jedoch ausschließlich an einem steigenden Kurs des Bitcoin gegenüber dem US-Dollar partizipieren. Damit Anleger auch auf fallende Kurse setzen können, hat Vontobel sogenannte „Mini Futures“ auf den Bitcoin emittiert. Wer mit Hebel in die Währung Bitcoin investieren möchte, dem bietet Vontobel fünf Mini Futures, jeweils drei Long- und zwei Short-Produkte, mit denen er seine Marktmeinung umsetzen kann.

Heiko Geiger
, er ist Spezialist für strukturierte Produkte bei Vontobel, dazu im Gespräch mit dem Börsen-Kurier: „Die Mini-Futures sind für risiko-bewusste Anleger interessant. Sie müssen sich bewusst sein, dass der Basiswert, also der Bitcoin, eine hohe Volatilität aufweist und keine extrem hohe Liquidität vorhanden ist. Das neue hier ist natürlich, dass man auch an sinkenden Kursen partizipieren kann. Wenn ich eine negative Meinung zum Bitcoin habe, kann ich also mit unterschiedlichem Hebel ,short’ gehen. Wobei manche Investoren ja auch ein volatiles Marktumfeld suchen, die man speziell mit Hebelprodukten nutzen kann.“

Umfangreiche Produktpalette
Zur Auswahl stehen nun folgende Produkte: zwei Long Mini Futures mit unterschiedlichem Hebel (DE000VN9RLY9; DE000VS04PR7) sowie drei Short Mini Futures ebenfalls mit unterschiedlicher Hebelwirkung (DE000VN9RL27; DE000VS04PT3; DE000VS04PU1). Geiger führt abschließend noch an, dass die Short Mini Futures auch zur Absicherung von Long-Positionen eingesetzt werden können: „Also wenn man der Meinung ist, dass der Bitcoin langfristig steigen wird und man sich gegen temporäre Verluste absichern will. Bitcoin-Partizipations-Zertifikate und unsere neuen Mini Futures geben jedenfalls ein anschauliches Beispiel dafür, wie strukturierte Produkte Märkte und auch ,exotische’ Basiswerte zugänglich und damit investierbar machen können.“

Autor: Mag. Harald Kolerus
Foto: Pixabay/geralt

 

 

Verlangsamung des Welthandels lässt Wirtschaftswachstum der Eurozone 2019 weiter sinken

„Für 2019 und 2020 erwarten wir einen weiteren Rückgang des Wachstums im Euroraum“, prognostiziert Apolline Menut, Ökonomin bei AXA IM.

Die Wirtschaftstätigkeit im Euroraum entwickelte sich 2018 weitestgehend enttäuschend. Nach einem Wachstumsschub im Jahr 2017 von +0,8 Prozentpunkten verringerte sich das Nettohandelsvolumen. Die Auswirkungen der vorausgegangenen Euro-Aufwertung, die Verlangsamung des Welthandels und die steigenden Handelsspannungen dämpften das Exportwachstum. „Für 2019 und 2020 erwarten wir einen weiteren Rückgang des Wirtschaftswachstums im Euroraum auf 1,4 bzw. 1,2 %“, prognostiziert Apolline Menut, Ökonomin für die Eurozone bei AXA Investment Managers.

Rückgang der Investitionstätigkeit erwartet
Als wichtigster Wachstumstreiber gilt der private Konsum, der sich jedoch trotz solider Lohnerhöhungen, einer weiterhin lockeren Kreditvergabe und steuerlicher Impulse insbesondere in Deutschland leicht abschwächen dürfte. Zudem sollten die Investitionen moderat ausfallen: „Zu erwarten ist, dass die Investitionstätigkeit von 3,1 % im Jahr 2018 auf 2,4 % 2019 und 2,1 % 2020 sinkt. Davon dürften vor allem die Unternehmen betroffen sein“, erklärt die Expertin. Lediglich der Bausektor werde sich dank anhaltend hoher Immobilienpreise und günstiger Kreditbedingungen als relativ stabil erweisen.

Eine expansive Finanzpolitik im Jahr 2019 wird das Wachstum im Euroraum voraussichtlich in Höhe von 0,3 Basispunkten des Bruttoinlandsprodukts ankurbeln. In Deutschland sieht der Haushalt 2019 eine fiskalische Lockerung um rund 0,75 % des Bruttoinlandsprodukts vor. „Das Wachstum in Italien wird sich 2019 schwächer entwickeln als in anderen Euro-Ländern und auf 0,6 % absinken, während Spanien trotz der Normalisierung des Wachstums auf 2,2 % die Führung übernimmt. In Deutschland und Frankreich sollte das Wachstum auf 1,4 % zurückgehen“, schätzt Menut.

Italien stellt größtes Risiko für Eurozone dar
Das größte Risiko im Jahr 2019 berge Italien. Der Marktdruck könne steigen, wenn die Wirtschaft weiter nachlässt und die Ratingagenturen ihre Einschätzungen nach unten korrigieren. „Wir erwarten zwar übergreifende Effekte auf die Wirtschaft, nicht jedoch auf den Finanzsektor. Sollten jedoch andere europäische Peripheriestaaten mit Finanzproblemen angesteckt werden und der Staaten-Banken-Kreislauf wieder davon betroffen sein, könnten höhere Zinsen, ein reduziertes Kreditangebot sowie ein Vertrauensschock die Folge sein. Dann wäre die Europäische Zentralbank gezwungen, von ihrer Normalisierung der Geldpolitik abzuweichen“, lautet die Analyse der Expertin.

Die Gesamtinflation im Euroraum hat sich im Jahresverlauf tendenziell erhöht und das Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2 % aufgrund höherer Energiepreise mehrmals erreicht. Für das Gesamtjahr 2018 sollte sie bei 1,8 % liegen. Dagegen wird für 2019 und 2020 ein Absinken der durchschnittlichen Inflation auf 1,7 % bzw. 1,4 % erwartet. Die Kerninflation bewegte sich 2018 weitestgehend bei etwa 1,0 % auf Jahresbasis. „Die Löhne sollten im Einklang mit der Entwicklung des Arbeitsmarktes solide ansteigen. Vor diesem Hintergrund dürfte sich die Kerninflation allmählich erholen und auf 1,2 % 2019 und 1,5 % 2020 steigen“, sagt Menut.

Ende der negativen Zinspolitik in Sicht
Obwohl sich eine Verlangsamung der Wirtschaft abzeichne und die Kerninflation immer noch deutlich vom Ziel der Europäischen Zentralbank entfernt sein sollte, dürfte die Notenbank nach Ansicht der Expertin im September 2019 eine Normalisierung der Einlagenzinsen um 15 Basispunkte anstreben. Zudem könnte sie ihre negative Zinspolitik beenden. Der finanzielle Rettungsschirm könnte jedoch nach wie vor aufrechterhalten werden, indem der EZB-Rat Maßnahmen im Bereich der Liquiditätsdynamik beschließt und das bestehende Programm für gezielte langfristige Refinanzierungsgeschäfte („Targeted longer-term refinancing operations“, GLRG) in Höhe von 740  Mrd Euro verlängert oder sogar ein neues Programm ankündigt.

Ein weiteres geldpolitisches Instrument zur Aufrechterhaltung des Rettungsschirms wäre eine sogenannte „Operation Twist“: Tilgungszahlungen von Wertpapieren, die im Rahmen des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten („Asset Purchase Programme“) fällig werden, könnten so reinvestiert werden, dass eine Verzerrung in Richtung längerer Laufzeiten stattfindet. „Davon betroffen wären schätzungsweise rund 221 Mrd Euro zwischen Oktober 2018 und Oktober 2019. Allerdings gibt es dabei technische Einschränkungen zu beachten, zum Beispiel die Obergrenze von 33 % für Käufe je Emission und Emittent. Auch das Prinzip der Marktneutralität könnte durch diese Maßnahme in Mitleidenschaft gezogen werden“, gibt Menut zu bedenken.

Foto: Fotolia/Korta

Auch 2019 werden die USA die Nase vorne haben

Die Zeiten eines synchronen Aufschwungs scheinen nun endgültig ein Ende zu finden, ist man beim Assetmanager JP Morgan der Ansicht

Zuletzt verzeichneten die internationalen Aktienmärkte fast täglich kräftige Rücksetzer. Dabei hatten zahlreiche Prognosen noch eine Jahresendrallye für durchaus möglich gehalten.

Doch mit der Verhaftung der Finanzchefin des chinesischen Telekomausrüsters Huawei in Kanada – auf Gesuch der USA – wächst wieder die Sorge um eine Eskalation des Handelskriegs. Dabei gab es heuer wenigstens in den USA noch ein Wirtschaftswachstum: „Denn die Zeiten eines weltweit synchronen Wirtschaftswachstums sind zu Ende“, konstatiert Tilmann Galler, Global Market Strategist bei JP Morgan Asset Management, in Wien.

Auch US-Wachstum sinkt
Umso mehr ist der Blick auf 2019 interessant. Da werde sich das Wachstum selbst in den USA abflachen: „Es wird aber keinen Absturz geben, vielmehr eine Annäherung an das langfristige Trendwachstum“, sagt Galler. Denn nach wie vor brummt vor allem der Arbeitsmarkt auf Hochtouren, und die Arbeitslosenquote ist mit 3,7 % auf dem tiefsten Stand seit den 1960er Jahren. Mit entsprechend positiven Konsequenzen. Das damit einhergehende Lohnwachstum „euphorisiere den Verbraucher regelrecht“, betont der Stratege.

Immerhin hat der Index für das US-Verbrauchervertrauen beinahe das Rekordhoch von 1999 erreicht, damals lag der Index bei rund 145 Indexpunkten. Und das ist weit über dem Tief, das 2009 mit einem Indexstand von gut 25 Punkten erreicht wurde. Dennoch, sollte die US-Notenbank die Zinsen noch allzu weit anheben, sodass vielleicht sogar eine „3“ vor dem Komma stehen könnte, „bestehen für 2020 Rezessionsrisiken“.

Handelskrieg belastet
Anders die Entwicklung diesseits des Atlantiks. Hier zeichnet sich ein weniger erfreuliches Bild ab. Denn in der Eurozone hat das Wachstum bereits drei Quartale hintereinander enttäuscht. Allein der steigende Euro habe Exporte belastet, der anziehende Ölpreis wirke sich dämpfend aus, betont Galler. Doch bei beiden Einflussfaktoren gibt es derzeit eine Entspannung. Bleiben noch der Handelskrieg, sowie der Wachstumsabschwung in den Schwellenländern, die das Wachstum in der Eurozone weiter belasten könnten.

Weniger Sorgen bereitet Galler inzwischen die Entwicklungen rund um Italiens Budget. „Die Regierung realisiert, wie kostspielig es auf den Kapitalmärkten wird, keinen vernünftigen Plan zu präsentieren.“ Somit seien versöhnlichere Töne aus Rom in Richtung Brüssel zu vernehmen.

Auch anderswo sieht Galler positive Signale, etwa auf der Unternehmensebene. Dort ziehe schließlich das Kreditwachstum bei den Nicht-Finanzunternehmen allmählich wieder an, ein ermutigendes Zeichen, wie er meint. Obendrein sind die Finanzierungskosten noch immer sehr niedrig, denn im Gegensatz zu den USA sind die Leitzinsen bislang noch nicht angehoben worden. Auch sei die Wirtschaft in der Eurozone erst in der Hälfte des Zyklus – in den USA bereits im Spätzyklus.

Gewinnwachstum sinkt
Dort verpufft allmählich auch noch die Steuersenkung, und der Kostendruck für die Unternehmen nimmt zu. Grund sind steigende Refinanzierungs- sowie Lohnkosten. Deshalb dürfte es beim Gewinnwachstum eine Angleichung mit Europa aber auch den Schwellenländern geben. Das prognostizierte KGV schätzt man bei JP Morgan Asset Management für die USA auf 16 ein, für Europa ohne Großbritannien auf rund 13. Und in den Schwellenländern, da dürfte es sogar noch niedriger ausfallen.

Autorin: Mag. Raja Korinek
Foto:olly – Fotolia.com

 

 

Die OMV stellt ihre Nachhaltigkeitsstrategie vor

Warum die OMV „nicht deppat“ ist, erklärt Vorstandsvorsitzender Rainer Seele: Der Konzern konzentriert sich auf umweltfreundlichere Energieformen, eine höhere Frauenquote und Sicherheit am Arbeitsplatz.

Ein Wort wird in den Chefetagen von Öl- und Gasunternehmen wohl nicht gerne gehört: Divestment. Darunter versteht man den Rückzug von Anlegern aus bestimmten Sektoren, vor allem aus fossilen Brennstoffen. Ein Trend der Fahrt aufgenommen hat: Laut der Plattform energiezukunft.eu haben innerhalb der Divestment-Bewegung mehr als 700 Institutionen einen Betrag von etwa 5,45 BioUSD, sowie mehr als 58.000 Privatpersonen rund 5,2 MrdUSD aus Kohle-, Öl- und Gaskonzernen abgezogen. Nachhaltige Investments können heute also nicht mehr milde belächelt werden, wie das in nicht allzu lange vergangenen Tagen noch oft der Fall war.

„Sind kein Öl-Konzern“
Diese Botschaft ist natürlich auch schon lange bei Rainer Seele, dem Vorstandsvorsitzenden der OMV, angekommen. Er trimmt seinen Konzern zunehmend auf grüne Themen, wobei vor kurzem der weitere Fahrplan bis 2025 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Hier betonte der OMV-Chef: „Wir sind kein Öl-Unternehmen, auch wenn das unser Ursprung ist. Wir sind aber zu einem integrierten Öl-, Erdgas- und Chemie-Konzern gewachsen. Wir wollen in erster Linie ein Lieferant für leistbaren Energie sein, der zu günstigen Konditionen und in höchster Qualität produziert. Dabei stellen wir Energie und Wärme zu den umweltfreundlichsten Bedingungen zur Verfügung.“

Die Nachhaltigkeitsstrategie 2025 umfasst nun fünf Schwerpunktbereiche: „Gesundheit, Sicherheit und Umwelt“, „CO2-Effizienz“, „Innovation“, „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ sowie „Geschäftsgrundsätze und soziale Verantwortung“. Seele: „Wenn ich an Nachhaltigkeit denke – ein Thema das immer mehr an Bedeutung gewinnen wird – denke ich natürlich auch an die Absicherung der OMV, sie soll auch in 20,
30 und 50 Jahren ein erfolgreiches Unternehmen und essentieller Arbeitgeber in Österreich sein.“

„Nicht deppat“
Apropos Arbeitsplätze, hier will die OMV noch stärker auf „Frauen-Power“ setzen. Zur Untermauerung greift der gebürtige Deutsche Seele auch schon mal in die Schatzkiste des Wienerischen: „Wir als OMV wären ja ,deppat’, wenn wir das Potenzial unserer weiblichen Mitarbeiter nicht nützen würden. Heute haben wir einen Frauenanteil von 18 % in der Führungsebene, langfristig soll er auf 50 % angehoben werden.“

Wechseln wir jetzt vom Arbeits- in den Umweltbereich, hier steigt der OMV-Boss bildlich gesprochen vermehrt auf‘s Gas: „Die OMV unterstützt die Umstellung von Kohle auf Erdgas. Wenn die kohlebasierte Stromerzeugung zunehmend durch Gas ersetzt wird, kann rund die Hälfte der Emissionen vermieden werden. Ich möchte aber auch, dass Erdgas in ihrem Zusammenhang mit Mobilität wiederentdeckt wird. Das Erdgasauto sollte als wertvolle Alternative in Betracht gezogen werden.“

Ausgehend von den Basiswerten des Jahres 2010 will die OMV unter anderem durch die Umsetzung der Weltbank-Initiative „Zero Routine Flaring by 2030“ bis 2025 die CO2-Intensität ihrer Geschäftstätigkeit um 19 % senken. Die CO2-Intensität des Produktportfolios soll um 4 % reduziert werden.“

OMV an der Börse
Wie nachhaltig hat sich zuletzt der Aktienkurs der OMV entwickelt? Auf Sicht eines Jahres fällt die Performance mit rund 17 % minus natürlich nicht erfreulich aus – in den vergangenen drei Jahren steht aber ein saftiger Zuwachs von rund 70 % zu Buche. Im Zeitraum von fünf Jahren sind es immerhin 25 % plus. Das kann sich sehen lassen. Wobei nicht verschwiegen werden darf, dass sich die Aktie charttechnisch gesehen noch in einem Abwärtstrend befindet.

Autor: Mag. Harald Kolerus
Foto: OMV AG

 

 

Expertin: Handelskrieg könnte eskalieren

Waren die USA vor zehn Jahren noch das Exportland Nr. 1 vieler Emerging Markets, hat sich hier China mittlerweile an die Spitze geschoben. Überhaupt dürfte das Verhältnis China – Amerika auch im neuen Jahr allesentscheidend sein.

Aneeka Gupta, Associate Director beim in London ansässigen ETF- und ETP-Anbieter WisdomTree, war die diesjährige Referentin des schon traditionellen – und gut besuchten – „WisdomTree Business-Lunch“ in Wien. Nach einem Bericht über ihre Ausführungen zu Gold in der vergangenen Ausgabe des Börsen-Kurier, im Folgenden Guptas Ausblicke in den Bereichen Edel- und Industriemetalle, aber auch für den Energiesektor und für Emerging Markets.

Der beste Weg, Silber ein-zuschätzen, sei der Blick auf Gold – im Unterschied zu diesem seien bei Silber aber das physische Angebot und die Nachfrage entscheidend. Gupta sieht Silber generell im Aufwind – und rechnet bis zum Juni 2019 mit einem Anstieg auf rund 17 USD/oz. Sie prognostiziert einen Anstieg der Investitionen der Bergbauunternehmen und was die weltweite Silber-Produktion betrifft: hier sieht Gupta den Höhepunkt bereits länger schon erreicht (und zwar zu Anfang des Jahres 2018).

Gupta fragte zudem, welche Metalle von der wachsenden Nachfrage nach Elektrofahrzeugen profitieren, und machte – auch aufgrund der modernen Batteriemischungen – die Metalle Nickel, Kobalt und Mangan namhaft. Punkto Rohölpreise sah die WisdomTree-Analytikerin diese „in den Bärenmarkt“ eindringen.

„Unsolide Handelspartner“?
In den Emerging Markets (EM) belaste die Unsicherheit über die „Solidität“ der US-Handelspolitik das Sentiment, auch der starke US-Dollar, so Gupta. Insgesamt spiegeln die Abflüsse aus den Schwellenländern die schwachen Aktienentwicklungen in den Emerging Markets wider. Ein weiterer wichtiger Indikator sei hier auch, dass die Inflation in den EMs deutlich an Tempo gewinne. Aber, so Gupta: Die derzeitige EM-Volatilität liege immer noch unter ihrem langfristigen Durchschnitt.

Stichwort Handelskriege: Besonders interessant sind die Änderungen des Hauptziels des jeweiligen Exports für ausgewählte Emerging Markets. Exportierten Länder wie Brasilien, Südafrika und Thailand im Jahr 2007 noch hauptsächlich in die USA, ist der Export-Partner-Nr.-1 dieser Nationen inzwischen China. In das Reich der Mitte exportieren aber mittlerweile auch schon Russland und Indonesien in der Hauptsache. Chinas Haupthandelspartner hingegen – wie schon 2007 – ist nach wie vor Amerika, was erahnen lasse, dass der Bereich Trade Wars große Sprengkraft bereithalte, erklärt Gupta. In der
Erschließung des Markts für E-Fahrzeuge sei China jedenfalls aktuell führend – vergangenes Jahr entfielen fast drei Viertel der globalen E-Fahrzeug-Verkäufe auf China.

Autor: Mag. Rudolf Preyer
Foto: Fotolia/Irontango

 

 

Der Kapitalmarkt ist männlich, aber Frauen sind die besseren Trader

Am Kapitalmarkt sind mehr männliche Teilnehmer aktiv als weibliche. Trotz dieses Ungleichgewichts gibt es Studien, dass Frauen die besseren Trader sind.

Laut einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) aus dem heurigen Jahr nehmen 15 % der Frauen (in Deutschland, Anm.) am Kapitalmarkt teil. Das heißt: sie investieren in Derivate, Fonds, Aktien usw. Von den Männern im Nachbarland sind hingegen 22 % am Kapitalmarkt aktiv beteiligt.

 „Zu wenig selbstbewusst“
Das Brokerhaus GKFX liegt laut eigenen Angaben mit seinem Anteil an weiblichen Tradern zwar über dem Durchschnitt, dennoch meint Österreich-Chef Arkadius Materla in diesem Zusammenhang, dass sich Frauen aktiver einbringen sollten. Als Gründe führt er auch Studien an, die zeigen sollen, dass Frauen oft bessere Erfolge als Männer erzielen.

„Teilweise liegt der Mangel an Frauen auch an ihnen selbst, da sie generell selbstkritischer und weniger selbstbewusst als ihre männlichen Kollegen sind“, ergänzt dazu die Kapitalmarktexpertin und Buchautorin Sandra Navidi.

Zahlen sprechen für sich
„Forschungen belegen, dass Frauen Risiken umsichtig verwalten, langfristig Denken, relativ unvoreingenommene Entscheidungen treffen und letztendlich häufig eine höhere Kapitalrendite erzielen“, so Navidi. Unterstrichen wird die These von einer Untersuchung von Fidelity aus dem Vorjahr: Dieser zufolge erwirtschaften weibliche Kunden im Schnitt 0,4 % mehr als Männer. Navidi: „Männer werden in der Finanzwelt oft als kompetenter wahrgenommen, was an ganz unbewussten psychologischen Mechanismen liegt und nicht zuletzt in einem immer noch patriarchalisch geprägten Gesellschaftsbild begründet ist.“

Buffett als Vorbild
Laut Materla gibt es verschiedene Gründe, weswegen Frauen erfolgreicher traden. „Einerseits meiden sie unkalkulierbare Risiken und gehen selten riskante Trades ein. Andererseits sind sie geduldig“, analysiert der GKFX-Mann. Geduld zahlt sich eben aus. Auch Warren Buffet gehört bekanntlich zu der „Buy and Hold“-Fraktion. „Eigenschaften wie Beharrlichkeit und Nervenstärke sind in der Finanzwelt eher bei Frauen zu finden“, findet Materla.

Und die Gründe, warum es weniger weibliche Trader gibt? „Sind sie zu feminin, werden sie nicht ernst genommen. Machen sie sich zu sehr männliche Verhaltensweisen, wie beispielsweise Durchsetzungsfähigkeit oder bestimmtes Auftreten, zu eigen, wird das häufig negativ wahrgenommen. Frauen werden zudem nachweislich aufgrund von tatsächlicher Leistung befördert, während dies bei Männern bereits aufgrund ihres Potenzials erfolgt“, so Navidi kritisch.

Konstant Wettbewerbsfähig
„Um erfolgreich zu traden, bedarf es eines strikten Risikomanagements. Und vielleicht sind genau dabei Frauen ihren männlichen Kollegen überlegen“, fügt Materla hinzu. Und Navidi abschließend: „Obwohl Frauen als Portfoliomanager konstant wettbewerbsfähige Ergebnisse erzielt haben, gehören sie immer noch zu einer vom Aussterben bedrohten Art.“                                 

red./ks
Foto: MG RTL D_Spreitzenbarth

 

 

Trotz Schwankungen erreicht Notierung Vierjahreshoch

Die begonnene Heizsaison und der langfristig steigende Energiebedarf haben den Gaspreis zuletzt ordentlich angeheizt. Auf diese Entwicklung können Anleger auch mit Zertifikaten setzen.

Manchmal muss man länger warten, um zumindest ein wenig recht an der Börse zu bekommen. So geschehen etwa beim Erdgas, das in den USA an der Börse gehandelt wird. Genauer gesagt wird dort der Preis für die Sorte „Henry Hub Natural Gas“ in Dollar per Millionen Btu (kurz: MMBtu) gehandelt, wobei Btu die Abkürzung für die Einheit „British Thermal Units“ ist. Henry Hub ist wiederum das wichtige Verteilerzentrum für Erdgas im US-Bundesstaat Louisiana.

Einen besonders kräftigen Höhenflug erlebte die Notierung im Jahr 2008, da schoss der Preis auf rund 16 USD per MMBtu. Danach folgte in Mitten der großen Finanzkrise ein heftiger Kurssturz. Seither pendelt der Preis in einer großzügigen Bandbreite. Doch seit einigen Wochen gibt es ein kräftiges Lebenszeichen. „Nachdem der Preis jüngst in nur zwei Handelstagen von 4,93 USD per MMBtu auf 3,88 USD abgestürzt war, kletterte die Notierung in der Spitze wieder auf 4,86 USD“, blickt Chefrohstoffanalyst Frank Schallenberger von der LBBW zurück.

Niedrige Lagerbestände
Am Markt herrsche schließlich die Sorge vor einer Knappheit, begründet Schallenberger die Entwicklung gegenüber dem Börsen-Kurier. „Die Lagerbestände für diese Jahreszeit liegen auf dem tiefsten Stand seit 2002.“ Und das ausgerechnet vor Beginn der kommenden Heizperiode, was die Sorge noch verschlimmert, zeigt man bei der Commerzbank auf.

Freilich, das sind kurzfristige Trends, die dennoch eine große Wirkung haben. Es gibt aber auch eine langfristige Entwicklung, die durchaus für eine nachhaltigere Wende beim Gaspreis sprechen könnte. Schließlich steigt der jährliche Energieverbrauch rund um den Globus stetig an. Zugleich rückt aber auch der Klimaschutz zunehmend in den Vordergrund. Die Abhängigkeit bei der Stromproduktion durch Kohle soll deshalb sinken. Und das macht wiederum den Einsatz von Erdgas interessanter, denn dessen Ökobilanz ist bei der Stromproduktion weit umweltfreundlicher.

Gas statt Kohle
Dabei dürfte der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge der Höhepunkt des weltweiten Kohleverbrauchs bereits 2014 erreicht worden sein. Seither nimmt der Einsatz ab. Selbst in China, dem größten Verbraucher von Kohle, sinke die Nachfrage nach dem fossilen Energieträger. Bis 2040 soll der Rückgang bei gut 15 % liegen, rechnet die Analysten der IEA vor. Aber auch anderswo gibt es einen Rückgang: In den USA beträgt er gut 30 %, in Europa liegt er sogar bei minus 65 %. Erdgas werde laut IEA Kohle bis 2030 deshalb weltweit als zweitwichtigste Energiequelle ablösen.

Dollarrisiko beachten
Für risikobereite Anleger gibt es die Möglichkeit, auf die künftige Entwicklung des Henry Hub Gas Price Future in den USA zu setzen. Möglich machen es Zertifikate, die auf entsprechende Derivate setzen. BNP Paribas bietet dazu ein ETC – ein besichertes Zertifikat – an (ISIN: DE000PB6G AS5).

Vontobel wiederum bietet die Möglichkeit, gehebelt auf den Gaspreis mit dem „Call-Sprinter-Open-End-Zertifikat“ zu setzen (DE000VN7QCC0). Der Hebel liegt aktuell bei 2,34. Dieser schrumpft aber, je weiter der Preis ansteigt, wird hingegen größer, wenn der Preis sinkt. Sollte der Gaspreis allzu stark fallen, und die Marke von 2,49 USD berühren oder unterschreiten, verfällt das Zertifikat wertlos.

Grundsätzlich müssen Anleger bei Rohstoffinvestments stets starke Schwankungen in Kauf nehmen, und das Dollarrisiko beachten.

Auch Privatanleger können rund um den Rohstoff „Erdgas“ investieren – mit Zertifikaten

Autorin: Mag. Raja Korinek
Foto: Pixabay/Magnascan

 

 

Im Lebensversicherungsmantel Multi-Asset-Portfolios ansparen

Privatanleger können in Fondspolizzen den Cost-Average-Effekt für sich arbeiten lassen und KESt-frei ein Multi-Asset-Portfolio aufbauen. Der Börsen-Kurier zeigt Angebote mit großer Fondsauswahl.

Schon alleine mit einer Kombination aus Value-Aktienfonds, wie beispielsweise diversen Dividendenfonds, mit Staats- und Unternehmensanleihenfonds, High Yield- und Emerging-Markets-Bond-Fonds kann das Chancen-Risiko-Verhältnis eines Portfolios optimiert werden. Alternative Investments und funktionierende Absolute-Return-Mischfonds können die Diversifikation noch abrunden.

Das Besondere bei sogenannten FLV(für Fondsgebundene Lebensversicherung)-Sparplänen ist dabei der Cost-Average-Effekte: Da immer der gleiche Betrag einbezahlt wird, kauft man bei höheren Fondspreisen weniger und bei niedrigeren mehr Fondsanteile. Werden etwa monatlich 100 Euro einbezahlt kauft man bei einem Fondspeis von 10 Euro zehn Anteile. Steigt der Preis auf 15 Euro, sind es 6,67, und bei Rückschlägen auf 7 Euro sind es 14,29 Anteile. Berechnet man nur in diesen drei Fällen den durchschnittlichen Einstandspreis, so liegt er bei 9,69 Euro im Gegensatz zu 10 Euro bei Buy-and-Hold.

Allerdings wird der Cost-Average-Effekt im Verhältnis zu den Risiken aus dem bereits angesparten Vermögen umso schwächer, je weiter die Laufzeit voranschreitet. Macht beispielsweise nach zwölf Monaten die nächste Einzahlung noch 8,33 % der Summe bisheriger Einzahlungen aus, so sinkt dieses Ausmaß nach fünf Jahren bereits auf 1,67 %. Umso wichtiger ist ein „Lebenszykluskonzept“: Im Falle einer Laufzeit von 15 Jahren kann in den ersten fünf Jahren dynamisch mit Aktienfonds-Schwerpunkt angespart werden, während in der Mitte schon ein ausgewogenerer Multi-Asset-Mix erforderlich ist und spätestens ab dem letzten Drittel der Laufzeit eine sukzessive Umschichtung riskanter Assets in offene Immobilienfonds und vor allem geldmarktnahe Rentenfonds erfolgen sollte.

Breite Streuung möglich
In der Regel können in einer Polizze nur maximal zehn verschiede Fonds erworben werden. Deshalb sollte eine sorgfältige Fondsauswahl vorgenommen werden. Alternativ können auch flexible Misch- und (Multi-Asset-)Dachfonds eingesetzt werden.

Hier passende Angebote sind etwa die „Helvetia Cle-Vesto“ oder „Helvetia CleVesto Platinum-Fondssparpläne“ mit rund 200 Fonds und drei gemanagten Portfolios (Mindestansparsummen monatlich ab 25 bzw. 50 Euro). So stehen neben einem breiten Spektrum an Aktienfonds inklusive der Bereiche Nachhaltigkeit, Rohstoffförderung und Emerging-Markets noch eine Reihe von Mischfonds zur Auswahl, darunter auch der Absolute Return-Fonds, „Flossbach von Storch – Multiple Opportunities II R“,  der bei einer Sharpe-Ratio von 0,77 in den vergangenen fünf Jahren +33,5 % erzielte. Hinzukommen Schwellenländer-Anleihen-Fonds, unter anderem von Templeton und Pictet, und als Beimischung auch der Managed Futures Fund, „MAN AHL Trend Alternative DNY H EUR Acc“. Beide Helvetia-Produkte ermöglichen zwölfmal jährlich eine kostenlose Neuaufteilung von Fondssparprämien und vorhandener Positionen und es gibt auch noch die Möglichkeiten eines jährlichen Rebalancings oder der Umschichtung eines Prozentsatzes des Ertrags auf ein Sicherungskonto.

Unter dem Aspekt einer schnellen Portfolio-Umschichtung interessant ist auch das 08/16-Fonds-Konzept der Nürnberger. Die überlegte Fondsauswahl zeigt sich unter anderem in den beiden Klassikern „DWS Vermögensbildungsfonds I“ und „Templeton Growth (Euro) Fund“  oder dem „FFPB Dividenden Select“ (tarifabhängig erhältlich), der es in den vergangenen fünf Jahren bei einer Sharpe Ratio von 0,64 auf eine Performance von 37,4 % per 30.11. brachte. Hinzukommen der renommierte offene Immobilienfonds „LLB Semper Real Estate“, eine Reihe von Garantie- und Wertsicherungsfonds sowie diverse bewährte Renten- und Mischfonds.

Eine Auswahl von mehr als 100 Fonds (darunter auch der „Nordea 1 Stable Return Fund BP EUR Acc“ oder der „CarmignacPatrimoine)“ bieten auch die Tarife „UFOS Premium“ oder „UFOS Flexibel“ der Wiener Städtischen.

Über gute Ertragsaussichten verfügt weiters die aufgeschobene fondsgebundene Rentenversicherung mit Kapitalwahlrecht „B-Smart Invest“ von Standard Life, die Kosten über die gesamte Vertragslaufzeit verteilt. Performancefaktor ist auch hier eine solide Auswahl bewährter Fonds wie des „DJE Dividende & Substanz P, DWS Concept Kaldemorgen LC“ (Absolute Return) oder des „KEPLER Vorsorge Mixfonds“ in Kombination mit interessanten Themen-Aktienfonds wie etwa dem „Pictet – Robotics-P“ und anderen.

Autor: Michael Kordovsky
Foto: Fotolia/Sven Hoppe

 

 

Die (US-)Zinsstrukturkurve als ökonomisches Frühwarnsystem

Anleger und Volkswirte sind derzeit gleichermaßen in Alarmbereitschaft. Franz Wenzel, Anlagestratege für institutionelle Kunden bei AXA Investment Managers, sieht die sich abflachende Zinsstrukturkurve als einen der Gründe dafür. (05.12.)

„An der Börse wird sie als recht treffsicheres Frühwarnsystem gehandelt, da sie in der Vergangenheit oft mit längerem zeitlichem Vorlauf auf eine Rezession hindeutete.“ In der Tat hat sich die US-Zinsstrukturkurve, also die Differenz zwischen langfristigen Zinsen und dem Zins für kurzfristige Anleihen, von 260 Basispunkten Anfang 2014 auf aktuell um die 20 Basispunkte abgeflacht. „Die Sorge um eine inverse Zinsstruktur macht umso mehr die Runde auf dem Börsenparkett, seit es quasi sicher ist, dass die US-Notenbank die Geldmarktzinsen von aktuell 2,25 Prozent im Laufe des Jahres 2019 weiter Richtung 3 Prozent anheben wird und damit auch die Renditen für zweijährige Anleihen ansteigen werden“, so Wenzel weiter.

Demgegenüber spiegele das lange Zinsende die Wachstums- und vielmehr die Inflationserwartung der Marktteilnehmer wider. Die restriktivere Geldpolitik leite sich primär aus der Sorge um überbordende Inflationserwartungen ab, die die Notenbank zum Handeln zwingen. „Damit tritt aber ein Widerspruch offen zutage. Zwar wird sich im kommenden Jahr wohl die konjunkturelle Dynamik leicht beruhigen – wir erwarten eine Wachstumsabschwächung von 2,9 Prozent im laufenden auf circa 2,25 Prozent im kommenden Jahr. Demgegenüber wird die Inflation aber weiter um die 2-Prozent-Marke pendeln“, sagt Wenzel. Eine ähnliche Hausnummer werde auch an den Börsen gehandelt. So notiere die Rendite von 10-jährigen US-Break-even-Anleihen aktuell bei circa 2,2 Prozent. Vor diesem Hintergrund und sofern der Handelsstreit zwischen Amerika und China nicht weiter ausufere, sollte am langen Zinsende durchaus noch Luft nach oben bestehen und damit eine weitere Abflachung der Zinsstrukturkurve zumindest auf absehbare Zeit abgefedert werden können.

Zinsdifferenzen von Unternehmensanleihen seien heute ein weiteres Utensil im Werkzeugkasten der Konjunktur- und Börsenanalytiker. „Steigende Ausfallraten sind ein treffsicheres Indiz für ein zunehmendes Konjunkturrisiko und bieten damit, korrigiert um die Ausfallraten, eine komplementäre Sicht aus der Perspektive der Realwirtschaft“, so Wenzel weiter.

Die Kombination aus beiden Indikatoren sei ein sehr verlässliches Instrument und deute heute auf eine Rezessionswahrscheinlichkeit von etwa 30 Prozent hin. Zwar hatte in der Vergangenheit eine solche Wahrscheinlichkeit keine Rezession zur Folge – allerdings seien Investoren gut beraten, die sich mehrenden Warnsignale nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

„Die aktuelle Börsenschwäche interpretieren wir allerdings vielmehr als Reaktion auf die zahlreichen politischen Unwägbarkeiten, die sich rund um den Globus spannen, auf eine sich leicht abschwächende Konjunktur und auf steigende Zinsen. Es kann heute kaum ein Zweifel daran bestehen, dass wir uns in der konjunkturellen Spätphase befinden, in welcher die Konjunkturdynamik einen Gang zurückschaltet und die Inflation, unterstützt von Lohnerhöhungen oberhalb des Produktivitätswachstums, weiter ansteigt“, so Wenzel. Dies sei insbesondere in den USA der Fall, wo die Löhne mittlerweile um die 3 Prozent zulegen. Das Produktivitätswachstum mit circa 1 Prozent hinke deutlich hinterher. „Das belastet auch das Gewinnwachstum, für welches wir für 2019 bestenfalls einstellige Zuwächse erwarten“, sagt der Anlagestratege.

Damit seien besonnene Investoren gut beraten, sich für 2019 eher die Philosophie „in Kursstärke Gewinne mitnehmen“ zu eigen zu machen. „Sich von einem übertriebenen Pessimismus, der auf der kurzfristigen Stimmungslage basiert, treiben zu lassen, war noch nie eine gute Anlagestrategie und ist es weiterhin nicht. Insofern haben die mahnenden Signale der Zinsstrukturkurve und die daraus resultierenden Warnsignale ihre Legitimation“, schließt Wenzel.

Foto: alterfalter/Fotolia

2019 großes Finale in den Schwellenländern?

„Für 2019 erwarte ich ein Finale in den Schwellenländern, und zwar indem gleich einige Top-Down-Faktoren den Anlageertrag positiv beeinflussen“, startet Kim Catechis, Head of Global Emerging Markets bei der Legg Mason-Tochtergesellschaft Martin Currie, in seinen Ausblick für das kommende Jahr. (26.11.)

Insbesondere das Zurückrudern im Handelskrieg zwischen China und den USA sowie den Einfluss neuer multilateraler Handelsabkommen, die gleich mehrere Schwellenländer umfassen, sollten nach Meinung von Catechis das Wirtschaftswachstum in diesem Teil der Welt für die nächste Dekade stützen: „In einem solchen Marktumfeld konzentrieren wir uns gleich auf eine ganze Reihe spannender Anlagethemen in den Schwellenländern, etwa Technologie, Binnenkonsum, die Durchdringung von Finanzdienstleistungen oder der sich wandelnde Energiemix. Sie alle werden von der langfristig zunehmenden Urbanisierung, der wachsenden Mittelschicht und dem zunehmenden Binnenhandel innerhalb der Schwellenländer getrieben, der nun durch Handelsabkommen wie dem Regional Comprehensive Economic Partnership oder dem Trans-Pacific Partnership weiter untermauert wird.“

Trotz dieses überaus positiven Gesamtausblicks gibt es natürlich auch Risiken, vor denen auch der Legg-Mason-Schwellenländerexperte warnt:

„Der anhaltende Handelskrieg zwischen den USA und China, die Aufwärtsdynamik der US-Zinsen und der daraus resultierende starke US-Dollar bleiben auch 2019 die wesentlichen Sorgen für Unternehmen und Anleger. Wir sind jedoch verhalten optimistisch, dass die Auswirkungen dieser Risiken begrenzt bleiben oder sich teils sogar auflösen.“ Als Beispiel für seinen vorsichtigen Optimismus gibt Catechis die Spannungen zwischen China und den USA an, wo eine Deeskalation vermutlich wesentlich wahrscheinlicher sei als allgemein angenommen. Er glaubt nicht daran, dass China einknicken wird, sondern eher, dass die USA zurückrudern und dabei einen vermeintlichen Sieg zur Wahrung des eigenen Gesichts feiern werden.

Der Aufwärtstrend bei den US-Zinsen wird wohl auch 2019 weiter anhalten, glaubt Catechis hingegen. Wobei der starke Dollar für die meisten Schwellenländer kaum zu einem Problem werden sollte. Die Verschuldung der Staaten sei gering und es gelte auch keine Wechselkursbindung zu verteidigen. „Ich glaube fest daran, dass Schwellenländer im kommenden Jahr einen deutlichen Mehrwert im Rahmen einer globalen Aktienallokation bieten werden“, betont Kim Catechis. Die Eigenkapitalrendite laufe mit Blick auf den MSCI World Index nahezu synchron zu der der Industrienationen. Lediglich die Kurs-Buchwert- und Kurs-Eigenkapital-Verhältnisse seien im historischen Vergleich sowie zu den Industrienationen betrachtet niedrig – was wichtig zu realisieren sei.

Autor: Legg Mason
Foto: moofushi/Fotolia

Schwieriges Börsejahr, obwohl fundamental viel passt

Ein weltweit sehr herausforderndes Börseumfeld machte heuer viele Aktienempfehlungen der Experten zu Underperformern. Der heimische ATX war dabei vor allem von externen Faktoren belastet.

Auch wenn das Börsejahr 2018 noch nicht ganz zu Ende ist, und es durchaus möglich ist, dass der ATX doch noch etwas Boden gut macht, so kann an dieser Stelle gesagt werden: Der Leitindex hat sich heuer keineswegs so entwickelt hat, wie das Experten zum Ende des Vorjahres erwartet hatten. „Der ATX sollte sich auch 2018 positiv entwickeln, allerdings etwas moderater“, lautete nämlich der Grundtenor unter den damals vom Börsen-Kurier befragten Analysten und Fondsmanagern. Die aktuelle Realität: der ATX steht mit 11 % im Minus.

Fundamentales Umfeld passt
In einer Hinsicht hatten Experten sehr wohl recht: Die größten Risiken für den ATX waren 2018 geopolitischer Natur. Tatsächlich drückten Themen wie der Brexit, die globalen Handelskonflikte oder die Italien-Problematik auf das Sentiment am Wiener Marktplatz. Dass es auch für große europäische Indizes wie DAX (-14 %) oder EuroStoxx 50 (-11 %) nicht das beste Jahr war, ist da nur ein schwacher Trost. Vor allem angesichts der Tatsache, dass die Rahmenbedingungen an der Wiener Börse eigentlich passen: Gewinnwachstum und Bewertungen stimmen und auch der Konjunkturmotor in der CEE-Region brummt weiter ordentlich.

Angesichts des schwierigen und von Verunsicherung geprägten Umfelds ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich viele vermeintliche Top-Picks für 2018 als Enttäuschung entpuppt haben. Sowohl Friedrich Mostböck, Chefanalyst der Erste Group, als auch Wolfgang Matejka, Geschäftsführer Matejka & Partner, hatten Ende des Vorjahres etwa die STRABAG auf der Rechnung. „Die Aktie sollte von der guten Konjunktur in der Bauindustrie profitieren“, meinten sie. Seit Jahresbeginn hat das Papier jedenfalls um rund 10 % verloren. Auch der Erste Group-Tipp Palfinger (Year-to-Date: -17,17 %) stellte sich als Underpeformer heraus, ebenso wie die Matejka-Empfehlung Polytec (-52 %).

Bei der RCB standen Ende des Vorjahres VIG (-9,10 %) und EVN (-15,81 %) ganz oben auf der Empfehlungsliste. Für den Versicherungskonzern spreche die leichte Erholung des Renditeniveaus, für den Versorger die Aussicht auf Großaufträge, meinte Chefanalyst Bernd Maurer. Enttäuschend entwickelte sich auch die Agrana (-32,29 %), die Ende des Vorjahres noch zu den Favorites von Alois Wögerbauer, Fondsmanager und Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft, zählte, ebenso wie Lenzing (-25,37 %).

Gewinnwarnung bei voestalpine
Dass es mit der Aktie der voestalpine, die seit Anfang Jänner einen Kursrückgang von 40,4 % verzeichnete, derart bergab gehen würde, war sicherlich auch nicht absehbar. Erst kürzlich – der Börsen-Kurier berichtete – überraschte der Stahlkonzern auch noch mit einer Gewinnwarnung. Diese wurde neben Schwierigkeiten – sprich ein Brand und Hochwasser – im neuen Werk in Texas, auch mit „negativen Effekten und Verwerfungen der internationalen Handelsströme aus den immer zahlreicher eingesetzten protektionistischen Maßnahmen von inzwischen einer Vielzahl an Ländern“ begründet. Der RBI (-14,21 %), im Vorjahr mit einer Jahresperformance von rund +70 % noch Top-Performer, machte wiederum das Russland-Exposure zu schaffen.

Autor: Mag. Patrick Baldia
Foto: Pixabay/Skeeze

 

 

Die Klausurtagung der Niederösterreichischen Finanzdienstleister

Strengere gesetzliche Auflagen schützen die Konsumenten. Für die Finanzdienstleistungsbranche bedeutet dies eine stetige Anpassung an immer neue Normen. Die gewerblichen Vermögensberater sind dafür gut gerüstet.

Die Klausurtagung der niederösterreichischen Finanzdienstleister fand dieses Jahr in Langenlois statt. Dabei kommen alljährlich die Standesvertreter zusammen. Denn in turbulenten Zeiten auf den Finanzmärkten ist es notwendig, sich thematisch und strategisch permanent weiter zu bilden. Gewerbliche Vermögensberater gibt es flächendeckend in allen Bezirken Niederösterreichs (Sie finden sie unter www.noe-finanzdienstleister.at). Sie sind teilweise auf bestimmte Sachbereiche spezialisiert, teilweise bilden sie Netzwerke, um den gesamten Bogen der Finanzdienstleistungen von Finanzierungen über Versicherungen bis hin zu Veranlagungen darzustellen.

Strenge Prüfung
Inhaltlich beschäftigte sich die Klausur vor allem mit der Umsetzung der EU-Richtlinie IDD (Insurance Distribution Directive), den Prüfmechanismen der Finanzmarktaufsicht (FMA) sowie die aktuelle Stellung der Lebensversicherung.

Alfred Fuchs von der FMA informierte über die Prüfungsarten bei Wertpapierfirmen und Wertpapierdienstleistungsunternehmen. Bei den Konsumenten viel zu wenig bekannt ist, dass die heimischen Wertpapierunternehmen sehr streng überwacht und geprüft werden – ähnlich wie die Banken. Dies ist aber ein unglaublich wichtiger Faktor für die Sicherheit der Konsumenten und ein starker Wettbewerbsvorteil gegen-über Veranlagungsformen, die keiner staatlichen Prüfung unterliegen.

Ausgezeichnete Produkte
Der Aktuar Johannes Wirius sprach über die Rolle der Lebensversicherung. Er hält sie nach wie vor für eine sehr gut geeignete Anlageform. Sie gibt es in verschiedenen Ausformungen für verschiedene Einsatzbereiche: Als Einmalerlag, als Ansparform, mit Risikoanteil, ohne Risikoanteil, Auszahlung als Rente, Auszahlung einmalig usw. Für den Konsumenten bedeutet dies, sich vor einer Produktauswahl ausgiebig beraten zu lassen.

Beste Zukunftsaussichten
Obmann Michael Holzer freute sich, den Klausurteilnehmern die Initiative für Finanzbildung vorzustellen. Sie wurde von steirischen Kollegen ins Leben gerufen und wird auf Initiative Holzers auf Niederösterreich übertragen. Holzer: „Es gibt unverändert einen sehr hohen Nachholbedarf in Sachen Finanzwissen in den Schulen. Mit dieser Initiative werden wir diesen ein Stück weit verringern.“

Eine Herausforderung ist auch die rasante Veränderung in der Kommunikation zwischen Beratern und Konsumenten, Stichwort „IT-Generation“. Dazu der Obmann: „Wir setzen alles daran, dass insbesondere unser hoher Qualitätsstandard in der Beratung zumindest beibehalten wird. Unsere Betriebe sind sehr flexibel und können alle technologischen Veränderungen mitmachen. Dies bietet uns auch Chancen, die Qualitätsstandards in Zukunft sogar noch weiter zu verbessern.“

Autor: Rudolf Erdner
Foto: WKNÖ

 

 

Warum Unternehmer so sind, wie sie sind

Um als Unternehmer erfolgreich zu sein, müsse man vor allem Durchsetzungsvermögen haben, so ein Ergebnis einer Studie. Als wesentliches Charakteristikum unternehmerischen Erfolges sehen die meisten den finanziellen Erfolg. Erfolg ist aber nicht der Hauptmotivator.

Im Auftrag der Volksbank Wien hat das Gallup Institut im Sommer österreichweit 1.000 Unternehmer zu den Themenbereichen „Merkmale & Mindset“, „Leben & Arbeit“, „Antrieb & Motivation“ sowie „Bilanz & Zukunft“ befragt. Generaldirektor Gerald Fleischmann dazu: „Mit unserer Studie wollen wir zum besseren Verständnis von Unternehmerinnen und Unternehmern in Österreich beitragen.“ In Summe zeige die Studie ein „überaus positives Bild“ der Lebenswelt österreichischer Unternehmer. „Sie verfolgen selbstbestimmt und mit vollem Engagement ihre unternehmerischen Ziele und sind dabei mit ihrem Berufsleben überdurchschnittlich zufrieden“, so Fleischmann weiter.

Der typische Unternehmer
Unternehmer haben eine höhere Bildung als der österreichische Durchschnitt, so die Studie. 20 % von ihnen haben einen akademischen Abschluss, 24 % Matura. In der Gesamtbevölkerung verfügen nur 30 % mindestens über eine Matura. Darüber hinaus haben 69 % der Unternehmer eine formelle Ausbildung für ihren Beruf abgeschlossen, 23 % seien „durch Learning by Doing ins Unternehmertum hineingewachsen“, so die Studie. Ein-Personen-Unternehmer sind hier mit 30 % stärker vertreten.

Zur Frage, was Unternehmer als wichtig ansehen, um unternehmerisch erfolgreich sein zu können, steht Durchsetzungsvermögen mit 61 % an erster Stelle. Dahinter rangieren mit 32 % Geschäftstüchtigkeit und mit 19 % emotionale Intelligenz. Für 48 % der Befragten sind finanzieller Erfolg bzw. der Gewinn wesentlich für den unternehmerischen Erfolg. Zufriedene und loyale Kunden (28 %) sowie gute Auftragslage und Wachstum (22 %) sind dafür ebenfalls wichtig, Freude am Beruf oder Status dagegen weniger bedeutend.

Immer 60-Stunden-Woche
Durchschnittlich arbeiten Unternehmer 58 Stunden an 5,9 Tagen der Woche. Dabei zeigt die Studie aber deutliche Unterschiede. So arbeiten Unternehmer in der Land- und Forstwirtschaft mit 68 Stunden an 6,6 Tagen am längsten. Ebenfalls meistens ohne einen einzigen freien Tag kommen Unternehmer in Tourismus und Gastronomie aus: Sie arbeiten an 6,4 Tagen in der Woche insgesamt 63 Stunden. Deutlich kürzer ist die Arbeitszeit bei Industriellen mit durchschnittlich 57 Stunden.

Unternehmer gönnen sich auch weniger Urlaub, als es ihren Mitarbeitern zusteht. Inklusive Samstagen und Sonntagen sind es durchschnittlich 21 Tage im Jahr, wobei Unter-45-Jährige mit 22 Tagen länger Urlaub machen als die Über-60-Jährigen (19 Tage). 39 % der Befragten erklärten, wenig Freizeit zu haben, 19 % hätten sogar „kaum Freizeit“. Über so viel Freizeit wie sie wollen verfügen nur 5 % der Unternehmer, über eine ausgeglichene Work-Life-Balance können sich 37 % freuen – bei größeren Unternehmen ab einem Jahresumsatz von 1 Mio Euro sind es sogar 47 %.

Wie man selbstständig wird
Sein eigener Chef zu sein, selbstständig zu arbeiten, Freiheit und Karriere: Diese Persönlichkeitsfaktoren sind laut Studie für 34 % der Befragten das Hauptmotiv gewesen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Für Männer war dies mit 40 % deutlich wichtiger als für Frauen (25 %). Umgekehrt sieht es mit externen Faktoren aus: 43 % der Frauen, aber nur 27 % der Männer (insgesamt: 33 % der Befragten) wurden in ein Unternehmen hineingeboren, haben hineingeheiratet, sind hineingewachsen oder
es wurde ihnen angeboten. Selbstverwirklichung und Begeisterung – Leidenschaft, Idealismus oder der Wunsch eigene Ideen und Träume zu verwirklichen, waren dagegen nur für 24 % Grund, Unternehmer zu werden.

Autor: Marius Perger
Foto: Pixabay/geralt

 

 

Global Market: Fast 600 internationale Aktien in Wien handelbar

Wie an anderen ausländischen Marktplätzen auch können an der Wiener Börse internationale Aktien gehandelt werden. Und das Angebot wächst stetig.

Der Global Market, das im Juni 2017 ins Leben gerufene Segment für internationale Aktien an der Wiener Börse, wächst und wächst. Erst in der vergangenen Woche wurde das bestehende Angebot um ausgewählte Werte der New York Stock Exchange und der NASDAQ erweitert. Damit können heimische Privatanleger – an sie richtet sich der Global Market letztlich – nun unter anderem auch in klingende Namen wie Hewlett Packard, Trivago, Match Group und Fossil investieren. Insgesamt sind derzeit fast 600 internationale Aktien – dabei handelt es sich durchwegs um Blue Chips – aus 24 Ländern an der Wiener Börse handelbar.

1,5 Mrd Euro Umsatz seit dem Start
„Das Angebot wird gut angenommen, was auch die kontinuierliche Wachstumsrate unterstreicht“, zeigt sich Thomas Rainer, Head of Member Sales & Business Development an der Wiener Börse, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier zufrieden mit der bisherigen Entwicklung des Global Market. Bislang wurden in dem Segment 1,5 Mrd Euro umgesetzt, was sich angesichts des etwas mehr als einjährigen Bestehens durchaus sehen lassen kann. „Man darf nicht vergessen, dass wir im Juni 2017 bei null gestartet sind und der Global Market heute unser zweitstärkstes Segment nach dem Prime Market ist“, hält Rainer fest.

Bei der Auswahl der handelbaren Aktien hat man sich an verschiedenen Studien zum Anlageverhalten der Österreicher orientiert, ebenso wie an Zahlenmaterial der Österreichischen Nationalbank (OeNB). Dabei herausgekommen ist – wenig überraschend -, dass heimische Privatanleger einen sehr starken „home-bias“ verfolgen, also in erster Linie an österreichischen Aktien interessiert sind. An der zweiten Stelle rangieren aber bereits Papiere aus den USA, gefolgt von Titeln aus Deutschland, der Schweiz und anderen europäischen Ländern.

Auch was die Umsätze im Global Market betrifft, haben die USA (derzeit gibt es an der Wiener Börse 177 handelbare US-Werte) und Deutschland (158) die Nase vorn. Heiß begehrt sind auch an anderen Marktplätzen notierende Aktien mit starkem Österreich-Bezug, wie RHI Magnesita oder ams. Wenn man sich die Nachfrage nach handelbaren Aktien aus den Emerging Markets – etwa aus China und Russland – anschaut, so wird laut Rainer in erster Linie „gekauft, was gekannt wird“. Dementsprechend werden von den insgesamt 18 erhältlichen russischen Werten etwa Gazprom und Lukoil „regelmäßig angenommen“.

„Die explizite Auswahl des Handelsplatzes Wiener Börse trifft entweder der Anleger selbst oder – ohne, dass er es in der Regel weiß – dessen Online-Broker oder Bank“, erklärt Rainer. Ob selbst oder durch einen Intermediär gekauft wird, wirkt sich auch auf die anfallenden Spesen aus. Rainer verweist auf die unterschiedliche Spesenstruktur der Online-Broker und Banken. Insgesamt sei der Aktienkauf an der Wiener Börse aber „um ein paar Euro billiger“ als am tatsächlichen Schauplatz des jeweiligen Listings. Ein Riesenvorteil: Alle im Global Market handelbaren Aktien sind in Euro denominiert.

Ein weiterer Vorteil des Aktienkaufs im Global Market: die Preise werden kontinuierlich aktualisiert. Das bedeute, dass die Ergebnisdaten der ausländischen Börsen, die oft erst nach dem Börseschluss in Wien (17:30 Uhr, Anm.) veröffentlicht werden, ebenso wie jene aus dem außerbörslichen Handel, zu Beginn des Wiener Handelstages  um 9 Uhr bereits eingepreist sind, so Rainer im Börsen-Kurier-Gespräch. Für Handel zu „dynamischen Kursen“ sorgen die drei Market Maker Baader Bank, Lang & Schwarz sowie RCB.                     

Autor: Mag. Patrick Baldia
Foto: Fotolia/Sergey Nivens

 

 

Marinomed: Wieder einmal ein Börsegang in Wien

Das biopharmazeutische Unternehmen Marinomed Biotech AG hat nun endgültig ihren Gang an die Wiener Börse bekannt gegeben. Die Aktien sollen zum Amtlichen Handel, Marktsegment prime market, zugelassen werden.

Mariomed ist ein vor zwölf Jahren gegründetes Unternehmen mit Sitz in Wien, das sich einer schnelleren Heilung von Allergie-, Atemwegs- und Augenkrankheiten verschrieben hat, deren globaler Markt bei 24 Mrd USD liegen soll. Möglich werden soll dies Entwicklungsvorstand Eva Prieschl-Grassauer zufolge durch eine bessere Löslichkeit der Wirkstoffe auf Basis der unternehmenseigenen Plattform Marinosolv (der Börsen-Kurier berichtete ausführlich).

Nun gilt es, die Plattform weiter zu entwickeln, ebenso die sich bereits auf dem Markt befindliche Carragelose-Plattform gegen Erkältungen. Zu diesem Zweck sollen bis zu 50 Mio Euro über einen Gang an die Wiener Börse lukriert werde. Die Preisspanne der Aktie bewegt sich zwischen 75 und 90 Euro. Angeboten werden bis zu 480.000 Stück neue Inhaberaktien, dazu ein Greenshoe in Höhe von 72.000 Stück. Rechnerisch ist es daher möglich, dass sich der Emissionserlös in Richtung von nur 30 Mio Euro bewegt. Das Angebot besteht neben einer Privatplatzierung bei ausländischen Institutionellen aus einem öffentlichen Angebot an private wie institutionelle Anleger. Die Aktien sind zwar theoretisch bereits für das Geschäftsjahr 2018 dividendenberechtigt, bis auf weiteres sind jedoch keine Ausschüttungen geplant, wie CEO Andreas Grassauer bestätigt.

Derzeit schreibt Marinomed noch Verluste. Leicht irritierend erweisen sich dabei Zeitungsmeldungen, mit dem Börsengang sei auch der Break-even-Punkt erreicht. Das ist schon alleine deswegen unmöglich, da sich Emissionserlöse bei Kapitalgesellschaften in der Bilanz, nicht jedoch in der Gewinn- und Verlustrechnung wiederfinden. Zweifellos aber kann ein Erreichen der Gewinnschwelle mit dem lukrierten Kapital schneller in Sichtweite kommen. Im Übrigen gibt das Unternehmen keine Guidance. Der Börsengang wird durch die Erste Group Bank begleitet. Laut deren Vorstandsmitglied Peter Bosek handle es sich bei Marinomed „endlich einmal um ein Geschäftsmodell, das ich ohne lange Erklärungen verstehe“. CEO Grassauer selbst hält die Aktie eher für Institutionelle geeignet.

Die Angebotsfrist läuft voraussichtlich bis zum 29. November, eine vorzeitige Schließung bleibt vorbehalten. Der endgültige Bezugspreis wird auf Basis des Bookbuilding-Verfahrens bestimmt. Als Erstnotiz und Valutatag ist der 4. Dezember vorgesehen.

Am Bild (v.l.n.r.): Die Vorstände der Marinomed Helmut Baranyovszki, Renate Moser, Andreas Grassauer, Eva-Prieschl-Grassauer und Pascal Schmidt

Autor: Mag. Tibor Pásztory
Foto: Marinomed

 

 

Gold, Silber und Co. lockten Besucher an

In München fand am 9. und 10. November die Internationale Edelmetall- und Rohstoffmesse statt. Wir waren dort.

Die Lokation war originell gewählt: In der ehemaligen Industriehalle, die zu einem Museum der MVG (Münchner Verkehrsgesellschaft) umfunktioniert wurde, fanden sich zwischen zur Seite geschobenen alten Tramway-Waggons gut 75 Ausstellungskojen und zwei abgetrennte Vortragsbereiche mit Bühne und Videowall. Entsprechend war die Messe auch sehr gut besucht, wobei sich sowohl interessierte Kunden als auch Fachpublikum durch die Gänge drängten. Der Eintritt mit 10 Euro hat sich im Anbetracht der exzellenten Vorträge gespickt mit hochkarätigen Referenten schnell gerechnet. Es war für jeden Geschmack etwas zu finden.

Die Aussteller konzentrierten sich auf die fachlich-inhaltliche Vorstellung ihres Unternehmens. Werbegeschenke und Benefits, wie sie in Österreich bei Messen üblich sind, fanden sich eher selten. Die Messe konzentriert sich auf das Wesentliche. Neben den auch in Österreich bekannten Namen wie Münze Österreich und Philoro fanden sich vor allem Minengesellschaften und Explorationsunternehmen aus Kanada, Australien und USA.

Bei jenen Ständen, wo Silber- und Goldmünzen angeboten wurden, etwa bei Philoro, standen Menschenschlangen angestellt. Auf Nachfrage warum, kam ein knappe Antwort: „bis 9.999 Euro  kann ein anonymes Tafelgeschäft getätigt werden. Viele Tagesbesucher nutzen die Gelegenheit, Papiergeld in Sachwerte zu tauschen“.

Die Fachvorträge waren alle bis auf den letzten Platz besetzt. Bei interessanten Themen und Vortragenden standen aus Platzmangel an Stühlen sogar Zuhörer an der Seite, im Gang oder im hinteren Bereich. So gesehen beim Vortrag von Roland-Peter Stöferle, der sich einen Namen mit seinem jährlich erscheinenden Goldreport mit dem Titel „In Gold we Trust“ gemacht hat. Dieser kann auch über die Seite www.philoro.at down-geloadet werden.

Natürlich haben die Referenten ihre Botschaft an den Mann bzw. an die Frau gebracht. Wobei auffällig war, dass eine große Mehrheit die aktuelle Wirtschaftssituation kritisch bis angespannt sieht. Die weltweite Verschuldung der Staaten, Donald Trumps „Sanktionspolitik“, eine kreditfinanzierte Immobilienblase in China, charttechnische Signale, ein mögliches bevorstehendes Kippen der Zinskurve in Richtung invasiv, und die ungezügelte Geldmengenvermehrung wurden angesprochen. All das wurde zur Unterstützung an Argumenten in Richtung Investment in Edelmetalle wie Gold, Silber und Platin aufgefahren.

Kurse von Rohstoffaktien befinden sich bei einem Vergleich über die letzten zehn Jahre am unteren Ende, sodass ein vorsichtiger Einstieg interessant erscheint. Natürlich kann eine sich abschwächende Konjunktur oder Vorzeichen einer nahenden Rezession noch tiefere Kurse auslösen. Das eigenverantwortliche Handeln ist gefragt. Große Chancen bedingen auf der Gegenseite auch hohe Risiken. Die anstrengende Tagesreise von Wien nach München hat sich gelohnt, sodass nächstes Jahr dieser Termin auch für den Börsen-Kurier wieder fix eingeplant ist.

Aus München berichtete Heribert Laaber
Foto: Philoro

 

 

Die Wahl der Indizes wird wichtiger

Seit Beginn des Jahres zählen die US‐Aktienmärkte gerechnet auf Eurobasis zu den Top‐Performern. Standard‐Indizes wie der MSCI USA oder der S&P 500 kletterten um bis zu 13 %. Noch besser lief es für Unternehmen des NASDAQ 100. Der Index stieg um 22,7 %. (15.11.)

Nach allgemeiner Ansicht befinden sich die US‐Märkte nun im Spätzyklus. „In einer solchen Phase sind in der Regel weiterhin Chancen vorhanden“, sagt Heike FürpaßPeter vom französischen ETF‐Anbieter Lyxor. „Sie sind allerdings nicht mehr breit über alle Sektoren verteilt. Ein selektives Vorgehen wird damit noch wichtiger.“ Für ETF‐Anleger bedeute dies, stärker auf die Indizes zu schauen, die ihren Investments zugrunde liegen bzw. ihren Anlagepräferenzen entsprechen.

Hierbei bieten sich zwei Methoden an. Zum einen lassen sich die Indizes daraufhin abklopfen, in welchem Umfang sie verschiedene Sektoren gewichten. Gehen Investoren davon aus, dass etwa der Sektor der Informationstechnologie weiterhin die Nase vorn haben wird, so sollten sie einen Index auswählen, der entsprechende Titel stark berücksichtigt. In Frage kämen dann etwa der NASDAQ 100 oder der Russell 100 Growth. Während im ersten Index Unternehmen der Informationstechnologie mit 59,8 % gewichtet sind, macht ihr Anteil beim Russell 100 Growth 42,1 % aus. Erwarten die Anleger, dass sich in den kommenden Monaten Finanztitel besonders gut entwickeln werden, so steht ihnen mit dem S&P 500 Banks ein Index zu Verfügung, der zu 100 Prozent in Finanztitel investiert ist. Investoren, die ein solches Klumpen-Risiko scheuen, können zum Beispiel den FTSE USA EPRA/NAREIT wählen. Hier ist die Gewichtung mit 43,6 % deutlich geringer. Stehen hingegen Versorgungsunternehmen im Fokus der Anleger, so sollten diese einen Bogen um Standardindizes wie zum Beispiel den Morningstar US Large‐Mid‐Cap oder den MSCI USA machen und stattdessen auf den FTSE USA Core Infrastructure setzen. Letzterer berücksichtigt Versorgungsunternehmen zu fast 50 %.

Unabhängig von der Betrachtung einzelner Sektoren lassen sich Indizes auch dadurch unterscheiden, wie stark sie zyklische oder defensive Branchen gewichten. Zyklische Branchen schneiden vor allem in starken Konjunkturphasen gut ab. Defensive Branchen wie zum Beispiel der Gesundheitssektor hingegen entwickeln sich relativ unabhängig von Konjunkturschwankungen. Allerdings ist ihr Kurspotenzial geringer. „Gerade jetzt, da sich Investoren eine Meinung bilden müssen, wie lange der Zyklus in den USA noch anhält, kann die Wahl des richtigen Index je nach Einschätzung eine wichtige Rolle spielen“, so Fürpaß‐Peter.

Neigt der Investor eher zur Vorsicht, sollte er einen Index wie den FTSE USA Core Infrastructure wählen. Hier machen defensive Titel mit 61,7 %  die Mehrheit des Underlyings  aus. Nahezu ausgewogen ist das Verhältnis hingegen beim FTSE USA Qual/Vol/Yield‐Index. Glaubt der Anleger an die Fortsetzung der positiven Konjunkturentwicklung in den USA, kann er zyklische Branchentitel etwa mit dem Russell 2000 oder dem Dow Jones Industry Average‐Index übergewichten.

 

Foto: Archiv

Mehr Umsatz, weniger Gewinn

Im ersten Halbjahr 2018/19 konnte die voestalpine ihren Umsatz wieder um 5,9 % auf ein Rekordniveau steigern, das Ergebnis war jedoch rückläufig, wie Vorstandschef Wolfgang Eder in Wien mitteilte.

Dafür gab es mehrere Gründe. Zum einen wurde der Handelskonflikt zwischen den USA und China schlagend, was sich auf das Wachstum dort auswirkte. „Die meisten negativen Effekte haben wir in China gesehen, in den USA sind sie verkraftbar“, erklärte Wolfgang Eder. „Dort waren wir aber mit erhöhten Hochlaufkosten im Automobilbereich konfrontiert“, so der Vorstand weiter. Außerdem war das Werk in Texas zunächst durch Regenfälle beeinträchtigt, ein Brand im Oktober führte zu einem weiteren ungeplanten Stillstand.

Dazu kam eine schlechtere Entwicklung in der europäischen Autoindustrie, die vor allem durch das neue Abgasemissions-Testverfahren WLTP ausgelöst wurde. „Vor allem bei den deutschen Automobilherstellern geht die Umrüstung zu langsam, was die Produktion sinken lässt, und das wird sich wohl noch bis Weihnachten hinziehen“, meinte Eder.

Sanierung abgeschlossen
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sah Eder den Abschluss der Sanierung des Hochofen A in Linz, da einerseits die Arbeiten planmäßig verliefen, andererseits aber Investitionen von mehr als 180 MioE notwendig waren: „Und das drückt mit rund 150 MioE natürlich zusätzlich auf das Ergebnis“, erläuterte der CEO. Er betonte aber, dass das Ergebnis trotz des EBIT-Rückgangs um 17,9 % auf 480 MioE kein Drama ist: „Das ist immer noch ein gutes Ergebnis und liegt im Bereich des Normalen.“

Ebenfalls ein Kostentreiber für die voestalpine war das Niedrigwasser auf den europäischen Flüssen, das für den Konzern einen wichtigen Transportweg lahmlegte. Der Transport der Güter mit Lkw und Bahn kommt auch teurer als per Schiff.

Für das zweite Halbjahr rechnet Eder mit einer etwas besseren Entwicklung, aber auch mit erhöhten Kosten, vor allem durch die steigenden Energiepreise. Auch bei den Kosten für die Emissionszertifikate sieht er eine Steigerung um ein Vielfaches. „Die Zertifikate kosteten uns bisher ca. 60 MioE, ich denke, dass wir in Zukunft um 25 bis 50 MioE mehr dafür zahlen werden müssen“, so der Vorstandvorsitzende. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen erwartet er für das Gesamtjahr ein EBITDA von rund 1,8 MrdE und ein EBIT von etwas weniger als 1 MrdE.

Autor: Cornelius M. Pirch
Foto: voestalpine

 

 

Ethisches Investment findet man auch an der Wiener Börse

Immer mehr Anleger investieren in Green Bonds – auch in Österreich. An der Wiener Börse sind heuer vier Anleihen emittiert worden.

Der Markt für Green Bonds wächst weiter mit rasantem Tempo. Nachdem sich das Emissionsvolumen 2007, dem Jahr in dem die erste grüne Anleihe aufgelegt wurde, bei
1 MrdUSD belief, waren es im bisherigen Jahresverlauf nicht weniger als 123,9 MrdUSD. Green Bonds liegen – ebenso wie Social Bonds – auch an der Wiener Börse stark im Trend. Heuer wurden vier Anleihen mit einem Volumen von 518,1 MioE emittiert, was einem Plus von 46,8 % entspricht. Insgesamt sind an der Wiener Börse derzeit neun Green und Social Bonds mit einem Gesamtemissionsvolumen von 1,63 MrdE gelistet.

Für Susanne Hasenhüttl, sie  ist wissenschaftliche Projektleiterin Grünes Investment bei der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT), kommt das stark steigende Emissionsvolumen keineswegs überraschend. „Ich sehe einen direkten Zusammenhang mit den klimarelevanten Aktivitäten und Plänen, die auf EU-Ebene laufen“, sagt sie im Gespräch mit dem  Börsen-Kurier. Dazu gehöre etwa der Aktionsplan für nachhaltige Finanzierung sowie das Legislativpaket, das teilweise schon vorliege. Aber auch die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens hätten die Emissionstätigkeit getrieben.

Euro-Emissionen überwiegenAuch bei Assetmanager NN Investment Partners führt man die Tatsache, dass zuletzt mehr Regierungen und Unternehmen mit grünen Emissionen an den Markt gegangen sind, auf das Pariser Klimaabkommen zurück. So hätten etwa Länder wie Frankreich, China und die USA Green Bonds in beträchtlicher Höhe ausgegeben. Auch wenn die Emissionen nach wie vor überwiegend in Euro denominiert sind, wären auch andere Währungen hinzugekommen, um Investoren anzulocken. „Wir sind zuversichtlich, dass das Interesse an sozialen und nachhaltigen Anleihen weiter zunehmen wird“, meint Bram Bos, leitender Portfoliomanager für Grüne Anleihen bei NN Investment Partners.

„Green Bonds leisten einen wertvollen Beitrag zur Finanzierung einer globalen Energiewende“, bringt es Thomas Motsch, Fondsmanager im Team „Nachhaltige Investments“ bei der Raiffeisen KAG, auf den Punkt. Der Hintergrund: Mit Grünen Anleihen würden nur Projekte finanziert, die sich auch positiv auf den Klimaschutz auswirken. Noch nicht breit etabliert sind hingegen Social Bonds – mit denen Maßnahmen und Projekte im sozialen Bereich finanziert werden. Nichtsdestoweniger haben sie zuletzt auch einen starken Anstieg erlebt. Dieser könnte durch den Markteintritt einer größeren Anzahl an multinationalen Emittenten weitere Unterstützung erfahren, heißt es bei NN Investment Partners. Aktuelle Beispiele wären Starbucks und Danone.

Nicht von der Hand zu weisen ist allerdings, dass sich die meisten Green-Bond-Emissionen an institutionelle Investoren richten. Das gilt laut Hasenhüttl auch für den österreichischen Markt. Eine der wenigen Ausnahmen für Privatanleger würden die Green Bonds der BKS Bank darstellen. Sehr wohl an Privatanleger würden sich dagegen einschlägige Investmentfonds richten.

Emissionen sollten zunehmen
Wie können Privatanleger sichergehen, dass es sich bei einer Emission wirklich um einen Green Bond handelt? Hasenhüttl empfiehlt, sich auf Emittenten, die sich den so genannten „Green Bond Principles“ verschrieben haben, zu konzentrieren. Dabei handelt es sich um ein nicht verpflichtendes Rahmenwerk für die Emission Grüner Anleihen, das durch Richtlinien zu Transparenz, Offenlegung und Berichterstattung die Integrität am Markt fördern soll. „Die meisten Emittenten halten sich daran“, so Hasenhüttl. Ein weiterer Anhaltspunkt wären Second Party Opinions und damit eine Art Gutachten, die von Nachhaltigkeits-Research-Agenturen erstellt und bei seriösen Emissionen mittlerweile dazugehören würden. Hasenhüttl glaubt auch, dass das Österreichische Umweltzeichen für Nachhaltige Finanzprodukte, das 2019 überarbeitet wird, bald Kriterien
für Green Bonds enthalten könnte.

Die ÖGUT-Expertin ist jedenfalls guter Dinge, dass die Emissionen von Green Bonds in Österreich weiter zunehmen werden. „Von den bisherigen Emittenten weiß man, dass sie weitere Papiere begeben wollen.“ Schließlich spreche es auch für deren Glaubwürdigkeit, wenn die Emission eines Green Bonds nicht nur eine einmalige „Aktion“ darstelle, sondern wiederholt stattfinde.

Autor: Mag. Patrick Baldia
Foto: Fotolia/kanachaifoto

 

 

Der frühere Langweiler ist bei den Börsianern angesagt

Immer profitabler, ein stark laufendes Auslandsgeschäft und künftige Einnahmen aus dem Ausbau der Breitbandtechnologie sind die größten Kurstreiber für den Telekomkonzern. Als Zuckerl obendrauf gibt es für die Aktionäre üppige Dividendenausschüttungen.

Medienwirksam auftreten kann Tim Höttges, markante Aussagen inklusive. „Es geht in allen Bereichen des Konzerns bergauf“, verkündete der Vorstandschef der Deutschen Telekom (ISIN: DE0006048432) bei der Präsentation der Geschäftszahlen für das dritte Quartal. Und: „Wir wollen jedes Funkloch in Deutschland jagen.“

Das jüngste Zahlenwerk kann sich in der Tat sehen lassen. Im Zeitraum Juli bis September kletterte der Umsatz konzernweit um knapp 5 % auf 19,1 MrdE, das operative Ergebnis um 8,5 % auf 6,2 MrdE. Unter dem Strich stieg der Konzerngewinn bei 1,11 MrdE auf mehr als das Doppelte. Allerdings hatten 2017 Sondereffekte das Ergebnis belastet.

Richtig stark läuft vor allem das Geschäft bei T-Mobile US und im europäischen Ausland. Erstmals einbezogen wurde außerdem der für 1,8 MrdE übernommene österreichische Kabelanbieter UPC Austria. Aber auch bei der seit Jahren schwächelnden IT-Tochter T-Systems zeigt die Tendenz nach oben. Zu einem wichtigen Wachstumstreiber entwickeln sich hier die Cloud-Angebote, in denen die Telekom Datenspeicher und -verarbeitung in Rechenzentren anbietet.

Für 2018 hat Höttges zum dritten Mal die Prognose angehoben. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) soll auf Basis der Wechselkurse vom Vorjahr 23,6 MrdE erreichen. Richtig Geld in die Hand nehmen will Höttges für den flächendeckenden Ausbau des neuen Mobilfunkstandards 5G. Bis 2025, so die ambitionierte Vorgabe, will der Konzern 99 % der deutschen Bevölkerung mit Geschwindigkeiten von mindestens 100 Megabit pro Sekunde versorgen. Derzeit könnten 24,4 Mio Haushalte von insgesamt rund 40 Mio Haushalten ein entsprechendes Telekom-Produkt buchen.

Investoren greifen zu
Angesagt ist die Telekom auch an der Börse. Allein seit Anfang September hat der Aktienkurs gegen den negativen Markttrend um 10 % zugelegt. Dass der defensive Telekomsektor in turbulenten Börsenzeiten als sicherer Hafen gilt, ist ein Grund, aber beileibe nicht der einzige. Gut kommt auch an, dass es die Deutsche Telekom im Vergleich zu manchem Wettbewerber versteht, ihre Ertragskraft kontinuierlich zu steigern. So kam die operative Marge von 2014 bis 2017 von 10,7 auf 12,5 % voran. Damit schließt der Konzern langsam zu Wettbewerbern wie Telefonica (ES0178430E18) auf und hat Vodafone (GB00BH4HKS39) bereits übertroffen.

Noch besser entwickelt sich der Free Cashflow: zwischen den Jahren 2013 und 2017 stieg er per anno im Schnitt um 10 %. Daraus finanziert der Konzern seine hohen Dividendenausschüttungen. Hier können sich die Aktionäre auf eine höhere Beteiligung für das laufende Jahr freuen. Die Ausschüttung von Dividenden sowie Zahlungen für Mobilfunklizenzen ausgeklammert, soll der Mittelzufluss im Gesamtjahr bei rund 6,3 MrdE liegen und damit um 100 MioE höher ausfallen, als bislang erwartet.

Autor: Stefan Riedel, München
Foto: Deutsche Teleko

 

 

Welche Aktien die Wallstreet-Magnaten aktuell kaufen

In unsicheren Börsenzeiten wie jetzt ist es besonders interessant zu sehen, wie die weltweit reichsten und erfolgreichsten Investoren veranlagen. (08.11.)

Sie hatten lange den Gesamtmarkt outperformt und verfügen über ein Milliardenvermögen: die weltweit erfolgreichsten Portfoliomanager. Aktien, die von diesen erfahrenen Größen im aktuell unsicheren Umfeld erworben werden, könnten sich – sollte es nicht zu einer Rezession kommen – als besonders lukrativ erweisen.

Die gute Nachricht: In den USA lassen sich die Transaktionen größerer Portfoliomanager mit einer gewissen Zeitverzögerung zurückverfolgen. Die im Jahr 1975 gemäß dem Securities Exchange Act von 1934 vom US-Kongress verabschiedete „Section 13 (f)“ sieht vor, dass jeder institutionelle Fondsmanager mit mehr als 100 MioUSD an verwaltetem Vermögen einmal pro Quartal seine Positionen an die US-Börsenaufsicht übermitteln muss. Online-Dienstleister wie z.B. GuruFocus (www. gurufocus.com) sammeln diese Informationen und bereiten sie übersichtlich auf. Auf ihrer Webseite kann man die Transaktionen und Portfolios einzelner Fondsmanager und Consensus Picks der sogenannten „Gurus“, also die zuletzt am häufigsten gekauften Aktien, verfolgen.

Im zweiten Quartal 2018 zählen dazu u.a. der Stromversorger Evergy, der Deep­est-Discounter Dollar-Tree (1-USD-Artikel), Jefferies Financial Group, Wyndham Hotels & Resorts, das Online-Glücksspiel-Unternehmen The Stars Group, J. M. Smucker (Nahrungsmittel/Getränke), Vornado Realty Trust (Immobilien), Wyndham Destinations (Urlaubsquartiere), Cars.com (Online-Automarktplatz) und Altice (Telekom-Services). An diesen Stock-Picks ist bereits eine etwas defensivere Ausrichtung erkennbar.

Besonders nützlich sind die Transaktionsinfos bei mittel- bis langfristig orientieren Value-Inves­toren, die auch bereit sind, Aktien über längere Zeiträume zu halten. Hier ist Warren Buffett der Klassiker, dessen Vermögen 84 MrdUSD beträgt. Von 1965 bis 2017 konnte er den Buchwert seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway um 19,1 % p.a. steigern (vgl. mit 9,9 % p.a. im S&P 500 samt Dividenden). Mit der B-Aktie von Berkshire Hathaway (ISIN: US0846707026) können sogar Kleinanleger an Buffetts Erfolgen teilhaben. Zuletzt hat er seine Position in Apple-Aktien (ISIN: US0378331005) aufgestockt.

David Tepper, der 1993 den Hedge­fonds Appaloosa Management gründete, verfügt über ein Vermögen von 11 MrdUSD und hat im zweiten Quartal größere Neupositionen in KeyCorp (Bank; ISIN: US4932671088), dem Security-Software-Anbieter Symantec (ISIN: US871503 1089) und Citizens Financial Group (Banken, ISIN: US1746101054) aufgebaut. Ebenfalls hat er den Halbleiterhersteller Micron Technology (ISIN: US5951121038) stark aufgestockt.

George Soros hingegen baute im zweiten Quartal größere Neupositionen im Musik-Streaming-Dienst Spotify Technology (ISIN: LU1778762911), in AT&T (ISIN: US00206R1023) und dem Internet-Radio Pandora Media (ISIN: US6983541078) auf. Massiv aufgestockt hat er den Weltmarktführer bei Auto-Chips, NXP Semiconductors (ISIN: NL0009538784), der autonomes Fahren ermöglicht.

Interessant sind auch die Transaktionen des mittel- bis langfristig orientierten Value-Investors Bill Nygren, dessen Oakmark Fund es in den vergangenen zehn Jahren (per 31.10.2018) auf ein Plus von 14,31 % p.a. brachte (vgl. mit 13,24 % p.a. im S&P 500 Total Return Index). Seine größten Neuengagements im zweiten Quartal waren der Pharmariese Bristol-Myers Squibb (ISIN: US1101221083) und das Marktforschungs- und IT-Beratungsunternehmen Gartner (ISIN: US3666511072).

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)
Foto: deagreez/Fotolia

 

 

Auf Besuch in London

Die Analysten sind sich einig: Der Jahresausklang dürfte alles andere als langweilig werden – bei einem stabilen US-Dollar könnten Gold und Silber ordentlich zulegen, auch in den Emerging Markets lässt sich auf zahlreiche „goldverdächtige Titel“ setzen.

Auf Einladung von WisdomTree, der Exchange-Traded Funds (ETF) und Exchange-Traded Products (ETP) anbietet, und Yield PR war der Börsen-Kurier einziger österreichischer Medienvertreter einer exklusiven Analyse-Session.

Head of Europe, David J. Abner, begrüßte mit den Worten: „Bei WisdomTree versuchen wir, Kunden auf die Kapitalmarktseite zu ziehen.“ Der „ETP-Pionier“ sprach einführend zum Haus, das in London allein 75 Mitarbeiter beschäftigt, und eine Vermögensbasis in Europa von aktuell 17 Mrd USD aufweist. Die vier Kernbereiche sind Metalle, Commodities, Usit-Fonds und Short Leverage-Produkte.

Thiemo Storz, Associate Director German Speaking Regions, erklärte, dass er den österreichischen Markt offenen Auges beobachte und mit institutionellen Asset-Managern zusammenarbeite.

Legt Silber im Windschatten von Gold zu?
Silber sei in den vergangenen Monaten vor allem aufgrund seiner hohen Korrelation mit Gold (das ebenfalls nachgab) unter Druck geraten, so der WisdomTree Research Director Nitesh Shah. Jedoch: „Der Rückgang des Silberkurses lässt unseres Erachtens darauf schließen, dass das Metall überverkauft und der jüngste Pessimismus überzogen ist.“

Die Silberpreise könnten kurzfristig also – angetrieben von einer angenommenen Erholung der Goldpreise – steigen. „Auf Grundlage unserer Modellprognosen gehen wir davon aus, dass der Silberkurs von derzeit rund 14,2 USD/oz. auf etwa 16,3 USD/oz. im dritten Quartal 2019 steigen wird.“ Shah bemerkt auch eine mittelfristige Nachfrage-Unterstützung bei Silber.

Gold-Asset für risikoaverse Investoren
„Gold scheint reif für eine durch Short-Eindeckungen ausgelöste Rallye zu sein“, so Shah. Für den US-Dollar bestehe das Risiko einer Abwertung (obgleich er einen amerikanisch-chinesischen Währungskrieg für „eher unwahrscheinlich“ hält), was den Goldpreis historisch gesehen stützt.

Mehrere Faktoren könnten für die Rückkehr einer risikoaversen Stimmung sorgen und den Investoren die defensiven Qualitäten von Gold in Erinnerung rufen: Einerseits sind dies allfällige Spannungen an den Finanzmärkten, dann ergebnislose Brexit-Verhandlungen, und schließlich tritt hier auch das Risiko von Handelskriegen auf den Plan, hierzu Nitesh Shah: „Wir erwarten nicht, dass der zunehmende Protektionismus in den USA der weltweiten wirtschaftlichen Nachfrage schaden wird. Sollte das Tauziehen um protektionistische Maßnahmen jedoch eskalieren, könnte dies auf dem Markt zu einer risikoaversen Haltung führen.“ Und also folglich dem Interesse an Gold einen Auftrieb geben.

EM: „Wachstum auf robustem Level“
Trotz einer „düsteren Entwicklung“ im ersten Halbjahr 2018 haben die Emerging Markets gegen Ende des Jahres „viel zu erwarten“, so Associate Director Research Aneeka Gupta. Die Fundamentaldaten sprechen dafür und auch die jeweiligen Inflationswerte scheinen „relativ unter Kontrolle“ zu sein.

Gupta geht weiterhin davon aus, dass sich der Wachstumsunterschied zwischen Schwellen- und Industrieländern weiter ausdehnen wird, die meisten EM-Währungen empfindet sie im Vergleich zum US-Dollar allerdings als unterbewertet. Gupta: „Wir sehen den US-Dollar an seinem Gipfel angekommen.“

Der Return on Equity steigt bei Aktien aus Schwellenländern weiter, so verzeichnete im Q2/2018 beinahe jeder vierte (22 %) der zum MSCI Emerging Market Index gehörenden Titel „positive Gewinnüberraschungen“. Die WisdomTree-Analystin Aneeka Gupta resümiert: „Die derzeitige Volatilität der aufstrebenden Märkte liegt immer noch unter ihrem langfristigen Durchschnitt.“

Autor: Mag. Rudolf Preyer, London (rp@finanzmedien.at)
Foto: RStone/Fotolia

 

 

Vorsorgebewusstsein ist zumindest vorhanden

Mehr als 4.000 Menschen in fünf Ländern wurden zum Thema „finanzielle Zuversicht“ befragt. Weniger als die Hälfte davon ist optimistisch, mehr als 40 % fürchten, im Alter nicht über genügend Geld zu verfügen. Knapp 70 % aller Österreicher fühlen sich laut Studie auch selbst für ihre Altersvorsorge verantwortlich.

Das Schweizer Umfrageforschungsunternehmen Link Marketing Services AG hat im Auftrag der Swiss Life AG im Frühjahr eine laut Angaben repräsentative Studie zum Thema „Finanzielle Zuversicht“ durchgeführt. Das Ergebnis wurde anlässlich des Weltspartages vergangene Woche präsentiert.

Im Rahmen einer Online-Erhebung wurden insgesamt 4.157 Menschen zwischen 18 und 79 Jahren in fünf Ländern befragt. Jeweils rund ein Fünftel der Studienteilnehmer kam aus der Schweiz, aus Österreich, Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Je ein Viertel der Befragten zählte in jedem Land zur Altersgruppe der „Millennials“ (18 bis 35 Jahre), der „Generation X“ (36 bis 50 Jahre), der „Babyboomer“ (51 bis 65 Jahre) sowie der „Veteranen“ (66 bis 79 Jahre).

Weniger als die Hälfte zuversichtlich
46 % aller Befragten erklärten, hinsichtlich ihrer finanziellen Situation zuversichtlich zu sein. Sehr große Unterschiede zeigten sich laut der groß angelegten Studie in den fünf Ländern sowohl regional als auch zwischen den einzelnen Generationen. Während 50 % der 66- bis 79-Jährigen zuversichtlich in die Zukunft blicken, sind es in der „Generation X“ und bei den „Baby Boomers“ jeweils nur 44 %. Etwas optimistischer haben sich die „Millennials“ gezeigt: 48 % von ihnen gaben an, zuversichtlich zu sein, so das Ergebnis der Umfrage unter den 4.000 Menschen.

Schweiz vorne, Frankreich auf dem letzten Platz
Am wohlsten dürften sich Schweizer mit ihrer finanziellen Situation fühlen. 65 % von ihnen zeigen sich zuversichtlich, vergleichsweise geringe 27 % finanziell gestresst.

Im Vergleich der fünf Länder an zweiter Stelle rangiert Österreich: 48 % Zuversichtlichen stehen 39 % Gestresste gegenüber. Weniger Optimismus zeigt sich beim Nachbarn  Deutschland (44 % zuversichtlich, 40 % gestresst). In Großbritannien liegt die Zahl der finanziell Gestressten mit 42 % leicht über der Zahl der Zuversichtlichen (41 %). Schlusslicht in der Studie war Frankreich. Mehr als die Hälfte der Befragten zeigt sich finanziell gestresst (53 %), nur jeder Dritte ist zuversichtlich (32 %).

Die Gründe für den finanziellen Stress
Die Unsicherheit, im Alter nicht über genügend Geld zu verfügen, ist für 42 % der Befragten Grund für ihren finanziellen Stress. 32 % haben kein Vertrauen in das staatliche Pensionssystem, 30 % haben aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustandes finanzielle Sorgen.

Nur knapp die Hälfte der Studienteilnehmer (48 %) glaubt, dass sie aufgrund bisher getätigter Vorsorge im Alter über ausreichende fin-anzielle Ressourcen verfügen werde. Unter den abgefragten Millennials würden darüber hinaus in etwa drei Viertel keine Vorstellung über die eigenen Finanzen im Alter haben, so Swiss Life in der Aussendung.

Wer für Altersvorsorge verantwortlich ist
Drei Viertel aller Befragten sehen sich selbst für die Altersvorsorge verantwortlich. Die größte Zustimmung gibt es hier mit 86 % in der Schweiz, die geringste mit 69 % in Österreich.

Mehr als vier von fünf Studienteilnehmern seien bereit, ihren Lebensstil anzupassen und mehr vorzusorgen, um im Alter den gewünschten Lebensstandard aufrechterhalten zu können. 52 % würden dafür mehr sparen, 40 % länger arbeiten und 36 % Ersparnisse anlegen. Für 44 % ist laut Studie auch der Staat für die Altersvorsorge verantwortlich, für 35 % die Pensionskasse (Mehrfachantworten waren möglich).

Autor: Marius Perger (redaktion@boersen-kurier.at)
Foto: YakobchukOlena/Fotolia

 

 

Aktien bleiben eine gute Wahl

Hohe Bewertungen und langsameres Wachstum drücken die Anlegerstimmung. Steigende US-Zinsen könnten vor Investitionen abschrecken. Trotz der steigenden Volatilität sind die Aussichten für globale Aktienmärkte aber generell günstig. (02.11.)

Sorgen über steigende Zinsen, Handelskonflikte, erhöhte Bewertungen und das sich verlangsamende Wachstum haben zu Kurskorrekturen an den globalen Aktienmärkten geführt. Noch ist nicht klar, wie lange der Ausverkauf noch andauern wird. Investoren fragen sich, was die Volatilität treibt und ob die jüngste Tendenz ein Vorzeichen für die künftige Entwicklung ist. „Ein Teil des Rückenwinds, der die US-Aktienmärkte angetrieben hat – 2018 gab es neue Höchststände – könnten sich im kommenden Jahr zum Gegenwind wandeln“, sagt Jeff Rottinghaus, Portfoliomanager für US Large Caps bei T. Rowe Price. „Auch wenn das Umfeld investorenfreundlich bleibt, könnte es deutlich schwieriger werden.“ Die US-Wirtschaft und die Unternehmensgewinne seien 2018 stark gewachsen. Zugleich sei es teilweise zu übertriebenen Bewertungen gekommen. Ein langsameres Wachstum erscheine wahrscheinlich, da die Zinsen steigen und die Auswirkungen der jüngsten Steuersenkungen verblassen. Trotz des Abschwungs und der gestiegenen Volatilität bleiben die Voraussetzungen an den internationalen Aktienmärkten aber immer noch günstig.

Die Zinsen und Inflation seien in Japan und in vielen entwickelten europäischen Ländern nach wie vor niedrig und die Märkte dort immer noch attraktiv bewertet – zudem sich das Wachstum der Unternehmensgewinne fortsetzen dürfte. Obwohl sich Schwellenländer in diesem Jahr unterdurchschnittlich entwickelt haben, seien sie aus fundamentaler Sicht attraktiver als die USA und die meisten anderen Industrieländer.

Marktpsychologie ist wichtig
Im Zuge der starken US-Wirtschaft, der guten Joblage und der steigenden Löhne wird erwartet, dass die US-Notenbank (Fed) an ihrer geplanten schrittweisen Leitzinserhöhung festhält. Steigende Zinsen wiederum könnten die Kreditkosten erhöhen und Verbraucher und Unternehmen von Käufen und Investitionen abschrecken und letztlich die Wirtschaftsdynamik in den USA verlangsamen. Alan Levenson, Chefökonom für den U.S. Raum, geht davon aus, dass die Fed in nächster Zeit stärker an der Zinsschraube drehen wird. „In den vergangenen zehn Jahren war die Erwartungshaltung so, dass die Fed der US-Wirtschaft bei Bedarf zur Hilfe eilt. Das derzeitige Risiko besteht jedoch genau darin, dass sie nicht im Stande sein wird, die Märkte jederzeit zu stabilisieren“, sagt Quentin Fitzsimmons, Portfoliomanager und Mitglied des Fixed Income Global Investmentteams und fügt hinzu: „Ich denke, dass jetzt die Marktpsychologie eine wichtige Rolle spielt. In diesem Sinne werden die Märkte sehr empfindlich auf kurzfristige fundamentale Entwicklungen reagieren.“

Außer Frage steht, dass die anhaltenden Handelsspannungen zwischen den USA und China für erhebliche Unruhe auf den Märkten sorgt. Zwar gibt es laut Larry Puglia, U.S. Large-Cap Core Growth Portfoliomanager, Hoffnung, dass die Vereinbarungen mit der Europäische Union sowie Mexiko und Kanada zu faireren Handelsbedingungen führen. Zugleich gibt er zu bedenken, dass „es derzeit verfrüht wäre, Investitionsentscheidungen zu treffen, die davon ausgehen, dass der Handelskonflikt erfolgreich gelöst wird“.

Aktien nach wie vor als beste Wahl

Obwohl Abschwünge immer beunruhigend sind und temporäre Turbulenzen zu erwarten seien, blieben die Aussichten für die internationalen Aktienmärkte generell günstig. „Während das Wirtschafts- und Kapitalmarktumfeld so günstig ist wie seit einiger Zeit nicht mehr, sollten Investoren nicht erwarten, dass sich die Rendite des Marktes auf unbestimmte Zeit fortsetzt“, sagt Don Peters, Diversified MidCap Growth and TaxEfficient Equity Portfoliomanager. „Angesichts der starken Performance der letzten Jahre wäre es nicht verwunderlich, wenn die Aktienmarktrenditen in den kommenden Jahren sinken würden. Allerdings sind Aktien nach wie vor die beste Wahl für Anleger, die ein langfristiges Kapitalwachstum anstreben.“

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Die große Blockchain-Lüge

Allgemein erleben die Kryptowährungen inzwischen eine nicht besonders kryptische Apokalypse. Der Wert führender Coins wie Ether, EOS, Litecoin und XRP ist jeweils um über 80 % gefallen, tausende anderer digitaler Währungen sind um 90 bis 99 % abgestürzt, und die restlichen wurde als unverhohlene Betrüger entlarvt. (01.11.)

Angesichts des öffentlichen blutigen Spektakels an den Märkten haben sich die Propagandisten dieser Währungen auf die letzte Zuflucht des Kryptoschurken zurückgezogen: Eine Verteidigung von „Blockchain“, der Distributed-Ledger-Software, die allen Kryptowährungen zugrundeliegt. Blockchain wurde als potenzielles Allheilmittel für alles von Armut und Hunger bis hin zum Krebs bejubelt. Tatsächlich ist es die am stärksten hochgejubelte – und am wenigsten nützlichste – Technologie in der menschlichen Geschichte.

Fantastische Geldvermehrung für einige Wenige
In Wahrheit ist Blockchain nicht mehr als ein glorifiziertes Datenblatt. Aber es hat sich zugleich zu einem Schlagwort für eine liberalistische Ideologie entwickelt, die alle Regierungen, Notenbanken, traditionellen Finanzinstitute und realweltlichen Währungen als unmoralische Machtkonzentrationen behandelt, die es zu vernichten gilt. Die ideale Welt der Blockchain-Fundamentalisten ist eine, in der die gesamte Wirtschaftsaktivität und sämtliche menschliche Interaktion einer anarchistischen oder liberalistischen Dezentralisierung unterliegen. Sie hätten es gern, dass das gesamte gesellschaftliche und politische Leben auf Public Ledgers endet, die angeblich „permissionless“ (allgemein zugänglich) und „trustless“ (nicht auf einen glaubwürdigen Intermediär wie etwa eine Bank angewiesen) sind.

Doch statt eine Utopie einzuläuten, hat Blockchain eine vertraute Form von wirtschaftlicher Hölle hervorgebracht. Einige wenige eigennützige weiße Männer (es gibt kaum Frauen oder Minderheiten im Blockchain-Universum), die sich als Heilsbringer für die armen, marginalisierten, bankenlosen Massen der Welt stilisierten, haben aus dem Nichts Milliardenvermögen angehäuft. Doch man muss sich nur die massive Zentralisierung der Macht unter den „Minern“, Börsen, Entwicklern und Vermögensinhabern von Kryptowährungen ansehen, um zu erkennen, dass es bei Blockchain nicht um Dezentralisierung und Demokratie geht, sondern um Gier.

Wer hat die Kontrolle?
So kontrolliert etwa eine kleine Gruppe von Unternehmen – die zumeist in „Bollwerken“ der Demokratie wie Russland, Georgien und China angesiedelt sind – zwischen zwei Dritteln und drei Vierteln der gesamten Kryptomining-Aktivität, und alle treiben sie routinemäßig die Transaktionskosten in die Höhe, um ihre fetten Gewinnmargen zu steigern. Anscheinend hätten es die Blockchain-Fanatiker gern, dass wir unser Vertrauen in ein anonymes Kartell setzen, das keinerlei rechtsstaatlichen Regeln unterliegt, als Notenbanken und regulierten Finanzmittlern zu vertrauen.

Vergleich mit Kryptowährungen
Ein ähnliches Muster zeichnet sich beim Handel mit Kryptowährungen ab. Volle 99 % aller Transaktionen spielen sich auf zentralisierten Börsen ab, die regelmäßig gehackt werden. Und anders als echtes Geld ist einmal gehacktes Kryptovermögen weg, und zwar für immer.

Zudem hat die Zentralisierung der Kryptoentwicklung (z.B. haben die Fundamentalisten den Ethereum-Schöpfer Vitalik Buterin als „wohlmeinenden Diktator auf Lebenszeit“ bezeichnet) die Behauptung: „Der Code ist Gesetz“ – so als sei die Blockchain-Anwendungen zugrundeliegende Software unveränderbar – bereits widerlegt. In Wahrheit haben die Entwickler die uneingeschränkte Macht, als Richter und Geschworene zu agieren. Wenn etwas schiefgeht bei einem ihrer fehlerhaften „intelligenten“ Scheinverträge und ein massiver Hackereinbruch erfolgt, ändern sie einfach den Code und überführen mit einem „Fork“ völlig willkürlich eine scheiternde Währung in eine andere, was zeigt, dass das gesamte „Trustless“-Unterfangen von Anfang nicht vertrauenswürdig war.

Ein letzter Punkt: Das Vermögen im Kryptouniversum ist sogar noch stärker konzentriert als das in Nordkorea. Ein Gini-Koeffizient von 1 bedeutet, dass eine einzige Person 100 % des Einkommens/Vermögens eines Landes kontrolliert. In Nordkorea liegt der Wert bei 0,86, in den durch relativ starke Ungleichheit geprägten USA bei 0,41 und für Bitcoin bei verblüffenden 0,88.

Mythos
Es sollte klar sein, dass die behauptete „Dezentralisierung“ ein von den diese Scheinbranche kontrollierenden Pseudomilliardären propagierter Mythos ist. Nun, da die Kleinanleger, die durch Täuschung auf den Kryptomarkt gelockt wurden, sämtlich ihr letztes Hemd verloren haben, sitzen die verbleibenden Schwindler auf Bergen von Scheinvermögen, die, wenn sie versuchen sollten, ihre „Vermögenswerte“ zu Geld zu machen, sofort weg sind.

Was Blockchain selbst angeht, so gibt es keine Institution unter der Sonne – egal, ob Bank, Unternehmen, NGO oder staatliche Behörde -, die ihre Bilanz oder ihr Transaktions- oder Geschäftsregister auf öffentliche, allgemein zugängliche dezentralisierte Peer-to-Peer-Ledgers stellen würde. Es gibt keinen überzeugenden Grund, warum derartige interne, überaus wertvolle Informationen öffentlich erfasst sein sollten.

Verwechslungsgefahr
In Fällen, wo Distributed-Ledger-Technologien – als sogenannte Enterprise DLTs – tatsächlich zum Einsatz kommen, haben sie zudem nichts mit Blockchain zu tun. Es handelt sich dabei um private Anwendungen, die zentralisiert auf nur wenigen kontrollierten Registern gespeichert sind. Um darauf zuzugreifen, braucht man eine nur entsprechend qualifizierten Personen erteilte Zugangsberechtigung. Und vielleicht am wichtigsten: Sie basieren auf vertrauenswürdigen Instanzen, die ihre Glaubwürdigkeit im Laufe der Zeit unter Beweis gestellt haben. Was allesamt bedeutet: Es handelt sich nur dem Namen nach um „Blockchains“.

Es sagt eine Menge aus, dass alle „dezentralisierten“ Blockchains, wenn sie denn tatsächlich genutzt werden, letztlich als zentralisierte, mit Zugangsbeschränkungen versehene Datenbanken enden. Insofern hat Blockchain noch nicht einmal die gängige elektronische Tabellenkalkulation verbessert, die 1979 erfunden wurde.

Keine ernstzunehmende Einrichtung würde je zulassen, dass ihre Transaktionen von einem anonymen, aus dem Schatten der autoritären Kleptokratien der Welt heraus
operierenden Kartell verifiziert werden. Es ist daher keine Überraschung, dass, wenn „Blockchain“ in einem traditionellen Umfeld praxiserprobt wurde, es entweder auf dem Müll gelandet ist oder in eine private, mit Zugangsbeschränkungen versehene Datenbank umgewandelt wurde, die nicht mehr ist als ein Excel-Datenblatt oder eine Datenbank mit einem irreführenden Namen.

Autor Nouriel Roubini ist CEO von Roubini Macro Associates und Professor für Ökonomie an der Stern School of Business der New York University. Aus dem Englischen von Jan Doolan, © Project Syndicate 1995 – 2018

Foto: Pixabay/geralt

 

 

Der „Timing-Falle“ ein Schnippchen schlagen

Viele Anleger steigen zu spät in den Aktienmarkt ein oder verkaufen zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Anouch Wilhelms von der Commerzbank erklärt, wie sich solche Fehler vermeiden lassen. (01.11.)

Aktien sind zweifellos ein probates Anlageinstrument, vor allem langfristig gesehen ist ihre Performance ungeschlagen. Sie sind gleichzeitig auch etwas für Selbstentscheider; zuerst entschließt man sich prinzipiell für Investments in Aktien, in einem zweiten Schritt kommt die Wahl des Produkts, über das man partizipieren will. Hier stehen unter anderem Einzeltitel, Fonds bzw. ETFs oder Zertifikate zur Verfügung. Dann stellt sich natürlich die wichtige Frage: Wann steige ich ein, und wann verkaufe ich wieder. Hier sind wir bereits bei einem Knackpunkt angelangt, wie Anouch Wilhelms, Director Equity Markets & Commodities, Public Distribution bei der Commerzbank, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier erläutert: „Leider legen die meisten Anleger ein sehr schlechtes Timing an den Tag. Wenn die Aktienmärkte steigen, ist die Grundstimmung besser, die Investoren suchen aber nach der Gewissheit, eine gute Entscheidung zu treffen. Sie orientieren sich an historischen Kursen, die ein scheinbar bedenkenloses Einsteigen nahelegen. Nach dem Motto: Es ist in den vergangenen zehn Jahren an den Börsen gut gegangen, jetzt und in Zukunft wird es deshalb ebenfalls gutgehen. Diese Einschätzung ist aber nicht korrekt.“

Laut Wilhelms, der durchaus eine Lanze für den weiteren Ausbau der Aktienkultur brechen möchte, führt diese Sichtweise oftmals dazu, dass Anleger gerade dann in die Aktienmärkte einsteigen, wenn sie am Höhepunkt angelangt sind. Das Ergebnis kann brutal ausfallen, etwa wenn man kurz vor dem Platzen der New Economy-Blase zur Jahrtausendwende oder der Lehman-Pleite 2008 die Kauforder losgelassen hatte. Wilhelms fügt hinzu: „Vice versa bietet sich ein guter Einstiegszeitpunkt, wenn die Märkte, am Boden liegen’. Doch dann ist meist der News-Flow so schlecht, dass Anleger vor Investments zurückschrecken.“

Sparplan statt Spekulation
Aber welcher Ausweg führt aus dem geschilderten Dilemma? Denn schließlich kann niemand seriös prognostizieren, wann genau die Märkte ihren Zenit übereschreiten und somit auch nicht den perfekten Kauf- bzw. Verkaufszeitpunkt festlegen. Wilhelms weiß die Antwort: „Der beste Weg ist es, sich ganz einfach des Timing-Problems zu entledigen. Dafür eignen sich Sparpläne, die etwa mit ETFs oder Zertifikaten eingerichtet werden können. Diese Strategie eignet sich für den langfristigen Vermögensaufbau, weil regelmäßig und konsequent der gleiche Betrag investiert wird. Das verleiht den Anlegern doppelten Grund zur Freude: Steigen die Kurse, freut man sich ohnedies. Stagnieren oder fallen die Kurse, freue ich mich darüber, günstiger einkaufen zu können.“

Um diese Strategie umzusetzen, findet sich bei der Commerzbank bspw. ein Index-Zertifikat (ISIN: DE000CD2JKY8) auf den DAX, einem der nach wie vor wichtigsten europäischen und weltweiten Börsenindizes. Wer noch breiter streuen möchte, könnte auf den ETF MSCI World (LU0392494562) zurückgreifen, der für globale Diversifikation sorgt. Natürlich lassen sich mit ETFs und Zertifikaten nicht nur die Aktienmärkte abdecken, auch an Anleihen oder Rohstoffen kann man derart partizipieren.

Dividende als Sahnehäubchen
Ein weiteres interessantes Detail soll an dieser Stelle den Lesern des Börsen-Kurier nicht verschwiegen werden: Die ETFs der Commerzbank sind „Ausschütter“, was für den DAX eine jährliche Dividendenrendite von rund 3,4 % für die Anleger bedeutet. Im Rohstoffbereich bei Öl und Gas liegt die Quote sogar noch höher und kommt auf stolze
4,6 % p.a. 

Autor: Mag. Harald Kolerus

Foto: Pixabay/geralt

 

 

Nach schönen Gewinnen „angeln“

Mit der Deutschen Bank können Anleger in „das Auto der Zukunft“, bargeldloses Bezahlen und – besonders spannend – in einen Fischzucht-Index investieren. (01.11.)

Die Welt verändert sich in einem rasanten Tempo. Wer hätte noch vor wenigen Jahren daran gedacht, dass selbstfahrende Autos in nicht allzu ferner Zukunft wahrscheinlich unsere Straßen bevölkern werden? Oder das Bezahlen mit dem Smartphone zur üblichen Praxis werden wird? X-markets (das Spezialisten-Team der Deutschen Bank für strukturierte Produkte) zollt solchen Trends Rechnung und deckt sie mit Zertifikaten zu speziellen Themenindizes ab.

So kann man etwa mit dem Auto der Zukunft Index Zertifikat (ISIN: DE000DS8AUT5) in Automobilzulieferer investieren, ohne die eine Weiterentwicklung hin zum autonomen Fahren gar nicht möglich wäre. Christian-Hendrik Knappe, Produktexperte bei X-markets, formuliert im Gespräch mit dem Börsen-Kurier plastisch: „Mit diesem Zertifikat können Investoren sozusagen schon heute in das Auto von morgen einsteigen.“

Nicht die einzige Zukunftsidee bei X-markets: Das Mobile Payment Index Zertifikat (DE000DS8PAY5) bildet die Kursentwicklung von 20 internationalen Unternehmen ab, die im elektronischen/mobilen Payment-Sektor tätig sind und hier die Mehrheit ihrer Umsätze generieren. Knappe: „Ohne Bargeld und Geldbörse überall bezahlen zu können mag ich. Und das Smartphone habe ich ohnedies immer dabei. So sehen das wohl immer mehr Menschen.“

Lachs statt DAX
Besonders originell ist ein weiteres Zertifikat aus dem Hause X-markets. Es bildet einen Index mit Fisch-Aquakultur-Unternehmen ab und bietet somit die Möglichkeit, am weltweit steigenden Fischkonsum zu partizipieren. Der Mix aus zunehmender Welt-bevölkerung, wachsendem Wohlstand und dem damit einhergehenden höheren Fischverzehr treibt die Nachfrage an: Nach Angaben des Branchenführers Marine Harvest wurden global 1995 rund 15 kg Fisch pro Kopf und Jahr „verputzt“. 2025 sollen es bereits fast 22 kg sein. Dazu meint Knappe: „Der weltweite Fischkonsum steigt auch laut OECD-Prognosen – warum soll nicht auch das Depot davon profitieren? Der Freitag und das Weihnachtsfest waren bei mir übrigens schon immer mit Fisch verknüpft.“

Ein Investment in diese Nische wird durch das X-markets-Zertifikat auf den Nordic Fish Farmer Index (DE000DM9 SEA5) ermöglicht. Er bildet die Kursentwicklung von bis zu zehn Unternehmen ab, deren operative Hauptgeschäftsfelder in den Bereichen Zucht und Fang, Fischzuchtanlagen sowie der Verpackung und dem Vertrieb von Fisch liegen. Die Nettodividenden werden in den Index reinvestiert. Das Aktienuniversum konzentriert sich hierbei auf Unternehmen, deren Heimatbörse in Dänemark, Schweden, Norwegen bzw. Finnland ist, wo jeweils große Fischfangtraditionen herrschen.

Aktuell sind sieben Unternehmen enthalten: Austevoll Seafood, Bakkafrost, Grieg Seafood, Leroy Seafood, Marine Harvest, Norway Royal Salmon und Salmar. Um Bestandteil des Index zu sein, muss unter anderem der Börsenwert mindestens 500 Mio Euro betragen. Maximal zehn Titel dürfen vertreten sein, die Zusammensetzung wird halbjährlich überprüft.

Knappe abschließend: „Der erwähnte steigende Hunger nach Fisch hat natürlich auch die Konsequenz, dass ein harter Kampf um Fischfanggebiete ausgebrochen ist und Überfischung in vielen Weltmeeren ein Problem darstellt. Der Bereich der Aquakultur, also von Fischfarmen, liegt deshalb im Trend.“ Garantiert kein Anglerlatein.

Autor: Mag. Harald Kolerus

Foto: Pixabay/stevepb

 

 

Drückt China auf die Stimmung in den USA?

Laut Sascha Sadowski vom Online-Broker LYNX gibt es Grund zur Sorge, auch wenn es aktuell in China wieder etwas bergauf zu gehen scheint.

Während die Chinesischen Märkte in diesem Jahr etwa 26 % verloren haben und auch der Oktober mit einem Minus von voraussichtlich rund 12 % nach weiteren Verlusten aussieht, geht es den US-Märkten, abgesehen von kleineren Einbrüchen, längerfristig betrachtet weiter gut. Der S&P Index liegt 2018 bei einem Plus von ca. 4,5 %, was sollte amerikanische Anleger also die Börse in Shanghai angehen? Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online Broker LYNX, warnt jedoch davor, sich zu sehr in Sicherheit zu wiegen, denn es gibt durchaus Grund zur Sorge auch wenn, es aktuell in China wieder etwas bergauf zu gehen scheint. „Die chinesische Regierung unternimmt im Moment große Anstrengungen, um den Absturz ihrer Börsen zu bremsen, allerdings muss sich noch zeigen, ob die Bemühungen auf Dauer Wirkung zeigen“, so Sadowski. Der Wochenanfang stimmt jedenfalls erst einmal positiv.

Eine Analyse der Zahlen der letzten zehn Jahre von CNBC zeigt allerdings, dass schlechte Zeiten an den Chinesischen Märkten oft auch schlechte Zeiten in den USA bedeuten. In rund 70 % der Fälle, in denen die Kurse in Shanghai in 30 Tagen um mehr als zehn Prozent gefallen sind, mussten auch die US-Aktien Wertverluste hinnehmen. „Die Analyse weist für den S&P beispielsweise im Schnitt einen Einbruch von 4,8 % aus und für den Nasdaq sogar 5,3 Prozent. Besonders große Bluechips sind meistens betroffen. Allein Goldman Sachs verlor in diesen Perioden durchschnittlich 10,6 % und nur in 18 % der Fälle konnte der Kurs der Aktie trotz der Einbußen in China zulegen“, erklärt Sadowski. Weitere betroffene Aktien sind Dupont (-9,37 %), Caterpillar (-7,92 %), American Express (-6,87 %) und Intel (-5,95 %).

Doch nicht nur amerikanische Bluechips sind betroffen, auch Rohstoffproduzenten haben in der Vergangenheit mit Problemen zu kämpfen gehabt, wenn es in China turbulent wurde. „Nur in 16 % der Fälle konnten die Aktien der Rohstoffproduzenten dem Drachen trotzen. Etwas besser sieht es im Energiesektor aus, hier liefen immerhin noch 20 % der Trades positiv ab“, so Sadowski.

Doch auch wer sich von Aktien fernhält und auf andere Investments ausweicht, kann dem schlechten Einfluss der chinesischen Märkte nicht entfliehen, befürchtet der Experte. „Bei den Rohstoffen selbst sieht es nicht besser aus als bei den Aktien ihrer Produzenten. Kupfer beispielsweise verliert im Zuge von Kurseinbrüchen in China in 78 % der Fälle 8,3 %, Öl liegt mit 70 % negativen Trades sogar bei einem Verlust von 8,5 %“, rechnet Sadowski vor. Die Zahlen zeigen aber auch, dass es durchaus noch sichere Häfen für Investoren gibt. „Gold lag in mehr als 50 % der Fälle im positiven Bereich, wenn auch nur mit durchschnittlich 0,6 %. Und auch der Dollar schlägt sich normalerweise nicht schlecht. Auch hier haben Investoren eine 50:50-Chance, dass er im Plus landet.“

„Die Retrospektive zeigt, dass amerikanische Werte nicht etwa losgelöst von den chinesischen Märkten agieren. Folgt man dem allgemeinen Trend in diesem Jahr, könnte es also durchaus auch in den USA zu weiteren Kurseinbrüchen kommen. Das hängt nun zum einen davon ab, wie sich die Stabilisierungsmaßnahmen der Chinesen auf deren Märkte auswirken und ob sie dauerhaft Erfolg haben und zum anderen natürlich vom immer noch schwelenden Handelskrieg der beiden Länder“, resümiert Sadowski.

Foto: moofushi/Fotolia

Trotz Schwächen ist es für einen Einbruch der weltweiten Konjunktur noch zu früh

Die Welt zeigt sich gespalten, erste Staaten sind in die Rezession abgerutscht. Die USA bleiben das Zugpferd, aber auch Europa schlägt sich einigermaßen wacker. Ein Kommentar von Christian Heger von HSBC.

Die Konjunktur liefert derzeit ein gespaltenes Bild: Auf der einen Seite ist das synchrone Wachstum der Weltwirtschaft vorbei. Erste Emerging Markets wie die Türkei, Argentinien und Südafrika befinden sich bereits in einer Rezession. Auf der anderen Seite ist es aber für einen weltweiten Einbruch der Konjunktur noch zu früh. Dies liegt vor allem an der hohen Dynamik der USA. Der durch die Steuersenkungen ausgelöste Fiskalimpuls entfaltet aktuell seine volle Wirkung. So hat die Stimmung der Verbraucher das höchste Niveau seit Oktober 2000 erreicht. Mittlerweile sind die Wachstumsprognosen für die USA für 2018 auf gut 3 % angehoben worden.

In der Eurozone konnten die optimistischen Schätzungen vom Jahresbeginn nicht gehalten werden, mit knapp 2 % liegt der Zuwachs 2018 aber höher als das mittelfristige Potenzialwachstum von 1,5 %. Selbst Handelskonflikte und Brexit-Sorgen trübten bisher die Stimmung bei den Unternehmen nicht spürbar ein. Die Chinesen antworten auf die sich abzeichnenden Probleme bei den Exporten mit zusätzlichen Impulsen von der Geld- und Fiskalpolitik.

Auch wenn der Spielraum für expansive Schritte angesichts der hohen Verschuldung klein ist, sollte die Marke von gut 6 % Wachstum erreicht werden. Insgesamt dürfte der Zuwachs der Weltwirtschaft in den nächsten Quartalen über 3 % liegen.

Auch auf der Zinsseite sind die besten Zeiten für die Kapitalmärkte vorbei. Die von der US-Notenbank Fed bereits vor zwei Jahren eingeleitete Wende zu einer restriktiven Geld-politik hat weltweit alle Regionen erfasst. Außerhalb der USA verläuft der Trend zu höheren Zinsen aber nur langsam. Angesichts niedriger Kerninflationsraten haben insbesondere die Europäer und Japaner nur wenig Anlass, ihren expansiven Kurs vorschnell aufzugeben. In den Emerging Markets geht außer in China die Phase niedriger Zinsen zu Ende. Argentinien und die Türkei mussten sogar bereits mit kräftigen Zinserhöhungen dem Verfall ihrer Währungen entgegensteuern. In den USA lassen anziehende Inflationsraten und eine boomende Konjunktur noch mindestens vier Zinserhöhungen bis Ende 2019 erwarten. Zusammen mit den rückläufigen Käufen der Notenbanken wird sich das Liquiditätsumfeld in den nächsten Monaten weiter eintrüben.

Keine Euphorie erkennbar

Trotz schwierigerer Rahmendaten ist es für einen generellen Abschwung aber noch zu früh. Selbst das reduzierte globale Wachstum reicht für steigende Unternehmensgewinne. Der Zinsanstieg ist noch zu moderat, um die Aktien von der relativen Bewertung unter Druck zu setzen.

Gleichzeitig ist von einer der Trendwende oft vorangehenden Euphoriephase nichts zu sehen. Anleger sollten daher Aktien nicht übergewichten. Die erwartete Fortsetzung einer Trading Range rechtfertigt aber weiterhin eine neutrale Positionierung.

Ein Kommentar von Christian Heger von HSBC Deutschland

Foto: Pixabay/Free-Photos

 

 

Mit nachhaltigen Investments Beitrag zum Klimaschutz leisten

Der Weltklimarat warnte jüngst: Nur durch schnelle, weitreichende und beispiellose Änderungen kann das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, erreicht werden. Dazu gibt es einige Anlageideen.

Anfang Oktober schlug der Weltklimarat IPCC (für Intergovernmental Panel on Climate Change) einmal mehr Alarm. Werde die Erderwärmung nicht auf 1,5 Grad begrenzt, drohen drastische Folgen für Mensch und Umwelt – wie etwa mehr Hitzewellen, Starkregen und Dürren -, hieß es bei einer Plenarsitzung im südkoreanischen Incheon. Um diese zu verhindern, sei es notwendig, den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase drastisch zu reduzieren. Die Voraussetzung dafür: Schnelle, weitreichende und beispiellose Änderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen.

Verhalten überdenken

Es ist also jeder gefordert, sein Verhalten zu überdenken. Dass das durchaus auch auf das Investieren zutrifft, steht für Experten fest. „Anleger können mit nachhaltigen Investments einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz leisten“, sagt etwa Thomas Motsch, Fondsmanager im Team „Nachhaltige Investments“ bei der Raiffeisen KAG. Vergleiche man etwa Unternehmen aus den hauseigenen Nachhaltigkeitsfonds mit solchen, die in einem Index wie dem MSCI World enthalten sind, zeige sich, dass Erstere nur halb so viel CO2 ausstoßen. Auch verbrauchen sie um zwei Drittel weniger Wasser und verursachen bis zu 90 % weniger Abfall.

Wie Motsch im Gespräch mit dem Börsen-Kurier erklärt, werde in seinem Team auf Basis eines sehr strengen Nachhaltigkeitsansatzes investiert. „Eine thematische Herangehensweise verfolgen wir nicht so sehr, sondern sind stark von der Nachhaltigkeitsbewertung getrieben“, sagt er. Konkret würden Unternehmen mit dem Raiffeisen ESG-Score hinsichtlich der Faktoren Umwelt, Gesellschaft und Unternehmensführung eingeschätzt. Im Portfolio landen aber nicht nur Firmen, die im Bereich Klima- und Umweltschutz tätig sind, sondern – wie etwa beim „Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Aktien“ (ISIN: AT0000677919) – auch „normale“ Namen wie Accenture, Microsoft oder Cisco.

„Die Unternehmen, die wir auswählen, zählen zu den besten in ihren Sektoren – auch was die Themen Umwelt- und Klimaschutz sowie CO2-Reduzierung betrifft“, so Motsch weiter. Aber natürlich sei man auch in Unternehmen investiert, die im Bereich erneuerbare Energie aktiv wären. Dazu zählen unter anderem der dänische Windkraftanlagenbauer Vestas, der belgische Materialtechnologie- und Recyclingkonzern Umicore sowie der heimische Versorger Verbund.

Ausschließlich in Unternehmen aus der Umweltbranche investiert wiederum der „Erste WWF Stock Environment“ (AT0000705678). Im Vordergrund stehen dabei die Themen Wasseraufbereitung und -versorgung, Recycling und Abfallwirtschaft, erneuerbare Energie, Energie-Effizienz und Mobilität. „Das Umfeld war heuer relativ schwierig für Umweltaktien“, sagt Fondsmanager Clemens Klein. Unter anderem wegen der US-Zölle auf chinesische Solaranlagen, der Kürzung von Photovoltaik-Förderungen durch die chinesische Regierung sowie der Enttäuschung des Marktes darüber, dass Indien seine Klimaziele langsamer umsetzt als angekündigt, hätten sich einige Segmente schwer getan. „Ich bin dennoch unverändert positiv für den Sektor Erneuerbare Energie“, so Klein.

Green Bonds: Markt wächst

Einen wertvollen Beitrag zum Thema globale Energiewende  kann man auch mit Green Bonds bzw. Klimaschutzanleihen – die sich sowohl in Portfolios der Raiffeisen KAG als auch der EAM finden – leisten. Der Hintergrund: Mit ihnen werden ausschließlich Projekte finanziert, die einen positiven Impact in Richtung Klimaschutz aufweisen. Der grüne Anleihenmarkt wächst jedenfalls schnell: Nach 73 Mrd Euro im Jahr 2016, kam es im Vorjahr zu Neuemissionen in der Höhe von 112 Mrd Euro. Für diesen Anstieg waren vor allem verbesserte Richtlinien und Klassifikationen, politische Unterstützung und eine stark steigende Anlegernachfrage verantwortlich, hält man bei NN Investment Partners fest.

„Wir erwarten für grüne und nachhaltige Anleihen, dass die Bandbreite an Ländern, Branchen, Währungen und Bonitätsratings zunehmen wird“, so Bram Bos, leitender Portfoliomanager für grüne Anleihen bei NN Investment Partners. Für Investoren, die eine nachhaltigere Ausrichtung ihrer Anlagen anstreben, eröffne das mehr Möglichkeiten, in Umweltschutz zu investieren, ohne ihre Strategie zu verändern oder auf Rendite zu verzichten.

 Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

Foto: Pixabay/geralt

 

 

Investieren, um die Welt zu retten

Die Investmenttage brachten teils überraschende Erkenntnisse: Jupiter „rettet die Welt“, Vontobel bietet „nachhaltige Zertifikate mit Airbag“ an, Gold kommt wieder, so umgeht Comgest Draw-down-Phasen, China wächst gesünder, Japan boomt aufgrund sinkender Lohnkosten, und die ESG-Auflagen der EU wuchern wild.

Beim traditionellen Hüttenabend sagte ein treuer Teilnehmer der Investmenttage, dass man das eigene Investment nur den klügsten Köpfen überlassen sollte, und einige von diesen durfte Alexander Langgruber, Managing Partner von Yield Public Relations, zur Jubiläums-Ausgabe der Investmenttage in St. Johann in Tirol begrüßen.

Noch kurz die Welt retten

Karl Banyai, Sales Director bei Jupiter Asset Management, hat mit seiner Jupiter Global Enivronmental & Sustainable-Strategie (der Fonds verfügt über rund 70 Titel) nichts weniger als die Rettung der Welt vor: Investiert wird ausschließlich in Unternehmen, die „Lösungen für die Probleme dieser Welt gefunden haben“. Bankaktien finden sich im Übrigen nicht darin.

Etablierte Problemlösungen müssen es schon sein, dies umso mehr, da anzunehmen ist, dass die weltweite Mittelschicht in den kommenden Jahren um eine Milliarde Menschen wächst: Vernunftgeleiteter Konsum ist somit das Gebot der Stunde. Jupiter offeriert auch eine Multi-Asset- Fonds-Variante namens Global Ecology Diversified: So viel Zuversicht muss schon sein, dass sich die Welt noch retten lässt!

Nachhaltigkeit auch bei Zertifikaten

Judith Schmidt, Director der Bank Vontobel Europe AG, präsentierte im Rahmen der Investmenttage 2018 die neue Plattform „Vontobel deritrade“, das „Onlineportal für strukturierte Produkte“. Vontobel wurde jüngst von oekom research als Prime geratet, und darf sich folglich als „nachhaltig“ im Zertifikate-Bereich bezeichnen.

Eine Kapitalgarantie ist „in Zeiten von Niedrigzinsen kaum möglich“, so Schmidt, Vontobel setzt demzufolge auf ein Fixkupon-Express-Zertifikat mit Airbag und tiefem Strike. Als Basiswert dient dabei der EuroStoxx 50, inkorporiert ist eine Verlustabdeckung von bis zu 50 %. Bei der Variante ohne „Airbag“ ist ein höheres Risiko, folglich eine höhere Verzinsung drinnen.

Gold: der Glanz kommt wieder zurück

Thiemo Storz ist Associate Director beim ETC-Anbieter WisdomTree. Sah es Storz‘  Einschätzung gemäß Anfang des Jahres noch „düster“ aus, haben jüngst spekulative Futures-Positionen gedreht, und zwar erstmals seit 15 Jahren.

Storz geht sogar so weit, zu sagen, dass ihn eine „kleine Gold-Jahresend-Rallye“ nicht überraschen würde. Aktuell notiert das Edelmetall bei rund 1.230 USD je Unze. Im Worst-Case-Szenario vermutet WisdomTree den Jahresendpreis bei 1.080 USD, das Basis-Szenario geht von 1.320 USD aus, und im Best-Case kratzt der Kurs zum Jahresultimo an der 1.510-Marke, so Storz, dessen „Favorit für dieses Jahr“ aber Silber ist: Die sich ankündigende E-Mobilität, auch die Verbreitung der Photovoltaik seien hier Nachfragetreiber, zudem gebe es bei Silber seit nahezu fünf Jahren ein Angebotsdefizit.

Den Draw down umgehen

Dieter Wimmer, Leiter Sales Austria bei Comgest, beschäftigte sich mit der Frage, wie man bei reduzierter Volatilität in Qualitätswachstumsaktien investieren kann. Zuvorderst definierte er eine Qualitätsaktie mit den Kriterien „geringe Schulden, gute Produkte und ein Markt, den man auch morgen noch braucht“.

Wimmers Antwort auf mögliche Draw-down-Phasen ist der „Comgest Growth Global Flex“ (ISIN: IE00BZ0X9R35), der quasi mit mehreren Absicherungs-Tools arbeitet. Konkret formuliertes Ziel ist dabei, im Fall der Fälle weniger als der Markt zu verlieren, der Draw down soll dabei auf 15 % limitiert sein, die Volatilität auf 8 %.

Und nach oben? Zwei Drittel der Performance sollen es schon sein, Short-Positionen auf einen adäquaten Aktienindex-Future werden dabei herangezogen. Überdies lässt sich auch das FX-Risiko absichern.

China: sinkende Wachstumsraten, höhere Qualität

Jasmine Kang fokussiert ihr Comgest-China-Portfolio auf etwa 30 bis 35 Aktien. Dabei setzt sie auf Wachstumswerte, auf Marktführer. Kang ist davon überzeugt, dass das langfristige Gewinnwachstum „ihrer Unternehmen“ die Performance pusht. Zwar nehmen die Wachstumsraten der chinesischen Volkswirtschaft gegenwärtig ab, aber: „Diese Entwicklung ist gesünder, als noch vor wenigen Jahren“, ist sich Kang sicher. Chinas Volkswirtschaft löst sich von seiner Kapital- und Exportorientierung, stattdessen werde zunehmend auf den Heimatmarkt, auch auf den Dienstleistungssektor gesetzt, das BIP/Kopf sei „stabil“.

Die Analysten seien den zukünftigen Megatrends auf der Spur, so Kang, generell gelte: „Unsere Volatilität ist niedriger als die der Benchmarks.“

„Ausländischer Ansprechpartner japanischer CEOs“

Dan Carter ist Fondsmanager des mit regelmäßig rund 40 Werten gefüllten „Jupiter Japan Select“ (ISIN: LU042509 2995). Nippon verzeichne ein beträchtliches Gewinnwachstum, was vor allem den sinkenden Lohnkosten geschuldet sei. Die Menschen werden immer älter, und verdienen im Alter auch relativ besser als Jüngere: Jetzt, wo viele ältere Personen die Pension antreten, kommen junge Menschen nach, die zu deutlich schmäleren Löhnen ihre Jobs antreten.

Investiert werde in die Bereiche Krankenvorsorge, sowie Pensionisten- bzw. Krankenhäuser. Carter: „Wir suchen Unternehmen, die soziale Probleme lösen.“ Ein wenig stolz ist er schon: „Wir sind das einzige ausländische Institut, mit denen japanische CEOs sprechen.“

„ESG-Wildwuchs und nachhaltige Wachstumsraten“

Otto Lucius vom Österreichischen Verband Financial Planners thematisierte in seiner Präsentation den heimischen Markt für sogenannte „nachhaltige bzw. grüne Investments“, und eröffnete apodiktisch: „Wer glaubt, mit MiFID II, PRIIPS und IDD sei das Ärgste überstanden, den muss ich enttäuschen.“

Lucius sprach in Zusammenhang mit den ESG-konformen EU-Auflagen von „Wildwuchs“ und kritisierte, dass die ESMA zwar bereits heuer „auf Nachhaltigkeit“ prüfe, die diesbezüglichen Prüfungskriterien aber erst im kommenden Jahr definiert werden. Hier schlummere ein „ungeheures Prozessrisiko“.

Die Teilnehmer der Investmenttage wissen, warum sie den nächsten Termin im Oktober 2019 schon jetzt drei Mal unterstreichen: Die Investmenttage versammeln hervorragende Speaker und bieten einen originellen Rahmen fürs Networking.

Zum Bild: Hier versammeln sich die Referenten der Partnergesellschaften vor dem Tagungsort, dem Hotel Post. In der hinteren Reihe (v.l.n.r.) sind dies Otto Lucius (Österreichischer Verband Financial Planners), Alexander Langgruber (von Veranstalter Yield Public Relations) und Karl Banyai (Jupiter Asset Management). Die Speaker in der vorderen Reihe (v.l.n.r.) sind Thiemo Storz (Wisdom Tree), Judith Schmidt (Bank Vontobel Europe AG) und Dieter Wimmer (Comgest).

Autor: Mag. Rudolf Preyer (rp@finanzmedien.at)

(Der Börsen-Kurier war auf Einladung bei den Investmenttagen in St. Johann, Anm.)

Foto: Yield

 

 

Strategien für vorsichtige „Bullen“

Einen Aktiencrash erwarten Experten zwar nicht. Fraglich bleibt aber, wie weit die Börsenbarometer demnächst noch steigen werden. Zertifikate bieten Lösungen für jedes Marktszenario.

Die jüngsten Rücksetzer an den Börsen waren ein deutlicher Weckruf. Anscheinend wird sich die langjährige Rallye seit der Finanzkrise von 2008 nicht mehr ohne Turbulenzen fortsetzen lassen. Vor allem US-Technologiewerte mussten in der vergangenen Woche Verluste hinnehmen. Beim Assetmanager NN Investmentpartners hat Ewout van Schaick, Leiter des Bereichs Multi-Asset, jedenfalls die Konsequenzen gezogen, und Aktien nunmehr untergewichtet.

Noch gibt es aber genügend Faktoren, die für ein Aktieninvestment sprechen, finden andere Fachleute. So verweist etwa Richard Turnill, der globale Chef-Investmentstratege bei BlackRock, auf die starken Fundamentaldaten sowie das Momentum bei den Unternehmensgewinnen.

Zertifikate als Alternative

Für Anleger, die vorerst mit seitwärts tendierenden Märkten oder nur noch leichten Zuwächsen rechnen, gibt es Alternativen, etwa mit Zertifikaten. Sowohl Bonus- als auch Discountzertifikate bieten die Chance auf (begrenzte) Gewinne, entweder in Form von Bonuszahlungen oder Kursgewinnen. Und zwar auf Indizes sowie auf einzelne Aktien. Wer sich dabei auf Europa beschränkt, geht zudem kein Währungsrisiko ein.

Bleibt noch die Frage, wie die Produkte funktionieren. Bei einem Bonuszertifikat profitieren Anleger so lange vom Kursanstieg des Basiswertes, bis nach oben hin ein fix eingezogener Cap erreicht worden ist. Darüber hinaus ist dann Schluss, egal wie weit der Kurs des Basiswertes noch ansteigt. Dafür kassiert man zu Laufzeitende eine Bonusrendite – sowie das eingesetzte Kapital.

Verluste sind möglich

Das gilt aber nur, wenn während der Laufzeit der Kurs des Basiswertes nicht allzu kräftig sinkt, und dabei eine Barriere berührt oder unterschreitet. Dann verfallen Bonuszahlung und Kapitalgarantie. Zudem richtet sich dann die weitere Kursentwicklung des Zertifikats an jener des Basiswertes – nach oben hin aber wieder höchstens bis zum Cap.

Die Raiffeisen Centrobank bietet ein entsprechendes Zertifikat (Basiswert: Eurostoxx 50, ISIN: AT0000 A1V1A6) mit einer Laufzeit bis 1.7.2022 an. Die aktuelle Bonusrendite liegt bei 13,25 %, der Cap bei 4.130,26 Punkten, während die Barriere bei 1.686,52 Punkten eingezogen ist.

Diskont als Einnahme, Verlust jedoch möglich

Eine weitere Chance bieten Discountzertifikate. Hier kauft man einen Basiswert zu einem niedrigeren Preis ein, als dieser zu jenem Zeitpunkt an der Börse kostet. Dafür sind diese Zertifikate auch mit einem Cap ausgestattet. Steigt der Kurs des Basiswerts darüber, lukrieren Anleger trotzdem nur einen maximalen Kursgewinn bis zu diesem Cap.

Doch was, wenn der Basiswert sich bis Laufzeitende seitwärts bewegt? Dann kassiert man zumindest die Differenz zwischen dem Diskont, zu dem man eingestiegen ist, und dem Kurs des Basiswerts bei der Tilgung. Anders hingegen, wenn die Märkte fallen – das dritte mögliche Szenario. Sinkt der Kurs des Basiswerts derart kräftig, dass der festgelegte Break-Even-Punkt unterschritten wird, ist der Vorteil aus dem Diskont gegenüber einem Direktkauf des Basiswerts aufgebraucht, und man erleidet einen Verlust.

Hier bietet zum Beispiel die BNP Paribas ein Zertifikat (DE000PP7 M997) mit Laufzeit bis 18. 1.2019 auf den Eurostoxx 50 an. Der Cap liegt bei 3.200 Punkten, der aktuelle Discount bei 3,43 %. Und die Seitwärtsrendite beträgt 3,56 % – falls der Markt zu Laufzeitende seitwärts notiert hat.

Autorin: Mag. Raja Korinek (redaktion@boersen-kurier.at)
Foto: Fotolia/mostij

 

 

Wo die Bullen hausen

Ein Erfolg stellt sich eher bei Langfrist-Investments ein, so das Credo von Christian Pabst von Fidelity International, der beim Wiener Clubabend von InvestmentClub-Austria herausstrich: „Bullenmärkte sterben nicht an Altersschwäche!“

Der InvestmentClub-Austria (investmentclub-austria.com) ist immer wieder für aufsehenerregende Ereignisse gut: So konnten die Teilnehmer des Clubabends (mit dem „magischen Datum“ 10.10.) live erleben, wie zeitgleich an der NYSE die Börsenkurse der FANG-Tech-Giganten (Facebook, Amazon, Netflix, Google) in den Keller rasselten. Der Vollständigkeit halber: Tags darauf fiel der DAX zum Handelsauftakt auf den tiefsten Stand seit Jänner 2017. All das spielte sich vor den Augen der Clubmitglieder ab, denn der Gastreferent Christian Pabst, Sales Director von Fidelity International, wies eingangs seines Vortrages – mit dem Smartphone in der Hand aktuelle Kursentwicklungen aufzeigend – darauf hin, dass Börsen dies- und jenseits des Atlantiks dieser Tage äußerst volatil sind, „es herrscht
eine gewisse Verunsicherung“.

Pabst brachte es auf den Punkt: „FANG-Aktien haben wir schon seit einiger Zeit nicht mehr in einigen unseren Investmentfonds.“ Die habe man vorsorglich erst gar nicht oder nur in kleinerer Gewichtung gekauft – wie man an der aktuellen Abwärtsbewegung dieser Tech-Werte sieht: zu Recht. Aber, und das ist das Credo, das der Referent in seiner packenden direkten Ansprache immer wieder unterstrich: „Ich beschäftige mich mit Langfristanlagen, die sind wesentlich erfolgreicher.“

„Hin und her macht die Taschen leer!“
Pabst untermauerte den Langfrist-Ansatz mit einem Blick ins 10-Jahres-Zeitfenster: Habe man vor zehn Jahren in US-Technologieaktien den Gegenwert von 10.000 Euro investiert, und diese „rechtzeitig“ am 4.10.2018 verkauft, habe man heute rund 41.000 Euro lukriert. Pabst erinnerte in diesem Zusammenhang an eine alte Börsenweisheit: „Hin und her macht die Taschen leer!“

Bei Fidelity habe man eine klare Börsenmeinung, so der Veranlagungsexperte, „wir tätigen Nachkäufe in attraktive Asset-Klassen“. Denn, „Bullenmärkte sterben nicht an Altersschwäche“. Nachsatz Pabst: „Höchstens an zu gierigen Marktteilnehmern.“

Der Investmentexperte sieht aber aktuell viele „Zweifler“ im Markt, und weiter: „Wenn in der Masse keine positive Stimmung vorhanden ist, ist es relativ möglich, dass wir uns nicht in einer Blase befinden.“

Pabst erinnerte an das Börsengeschehen vor zehn Jahren: Exakt am 10.10. gab der DAX massiv nach, bekanntermaßen schlitterte nur wenig Zeit davor im September 2008 Lehman Brothers in den USA in den Konkurs.

Diesen Merksatz gab Pabst den Mitgliedern des InvestmentClub-Austria mit auf den Weg: „Der risikolose Zins von früher ist heute das zinslose Risiko.“ Und was den Ausblick für 2019 betrifft: Hier sieht Pabst zwar eine mögliche Verlangsamung des Wachstums, aber speziell in Korrekturphasen „immer wieder attraktive Chancen bei der Veranlagung in höher verzinsten Anlageklassen“.

Immer up to date
Der Präsident Hans-Peter Schweighofer lädt zum Beitritt in den InvestmentClub-Austria ein, die nächste Generalversammlung findet am 14. November in der Wiener Börse statt. Gewiss ist: Mit dem und in dem InvestmentClub-Austria bleibt es spannend.

Autor: Mag. Rudolf Preyer (rp@finanzmedien.at)
Foto: Börsen-Kurier

 

 

Mix aus Faktoren drückt auf die Kurse

Kryptowährungen, wie der Bitcoin, mussten seit dem Ende des Vorjahres empfindliche Kursverluste hinnehmen. Ein neuerlicher Höhenflug ist derzeit nicht in Sicht.

Ist der Hype rund um den Bitcoin und andere Kryptowährungen schon wieder vorbei? Auch wenn es vielleicht etwas verfrüht scheint, hier eine klare Aussage zu treffen, so ist sicherlich die Euphorie unter den Investoren fürs Erste verflogen.

Das ist aber auch nicht weiter verwunderlich: Alleine der Kurs des Bitcoin und damit jener Kryptowährung mit der weltweit größten Marktkapitalisierung, ist seit dem Erreichen des historischen Höchststands von in etwa 20.000 USD im Vorjahr auf zuletzt nur rund 6.190 USD abgestürzt. Kaum besser erging es anderen Krpytowährungen.

Gewinne realisiert

Laut CoinMarketCap, einem Kryptowährungs-Kursdatenanbieter, weisen die etwas mehr als 2.000 Kryptowährungen heute eine Marktkapitalisierung von rund 201 MrdUSD auf. Detail am Rande: Im vergangenen Dezember waren es noch um die 800 MrdUSD. Hinter dem drastischen Rückgang sehen Experten eine Reihe von Faktoren: Der wohl gewichtigste ist dabei, dass viele Investoren nach den rasanten Kursanstiegen im Vorjahr schlicht und einfach Gewinne realisiert haben. Nicht wenige davon,
die schon eine Weile investiert waren, konnten sich über ein ansehnliches Sümmchen freuen. Andere hätten sich wiederum aufgrund von Sicherheitsbedenken – ausgelöst durch diverse Hackerangriffe – von ihren Kryptowährungen getrennt.

Für Mati Greenspan, er ist Senior-Market-Analyst bei der Social-Trading-Plattform eToro, dürften auch die zunehmenden Regulierungsbemühungen auf die Kurse der digitalen Währungen gedrückt haben. „In diversen Schlüsselmärkten ergeben sich für Krypto-Enthusiasten daraus Erfolge und Rückschläge“, meint er. Dass die US-Börsenaufsicht Securities Exchange Commission (SEC) noch immer keinen Bitcoin-gedeckten ETF genehmigt habe, sorge ebenfalls für negative Stimmung unter den Anlegern. Dazu kommen noch Gerüchte, dass Goldman Sachs möglicherweise doch von den Plänen abweicht, einen „Bitcoin Trading Desk“ zu eröffnen – auch wenn das Unternehmen selbst erklärte, noch keine endgültige Entscheidung getroffen zu haben.

Trotz der sehr schwierigen Rahmenbedingungen sieht Greenspan auch einige Hoffnungsschimmer. So verfüge der neue, von US-Präsident Donald Trump nominierte, SEC-Kommissar Elad Roisman Berichten zufolge über eine deutlich kryptofreundlichere Einstellung als sein Vorgänger. „Roisman könnte die Spitze zugunsten eines Bitcoin-gedeckten ETFs und anderer Krypto-Produkte anführen“, sagt er.

Zusammenbruch?

Weniger Anlass zum Optimismus gibt eine aktuelle Studie von Juniper Research („The Future of Cryptocurrency: Bitcoin & Altcoin Trends & Challenges 2018 – 2023“, Anm.). Demnach könnten dem Markt für Kryptowährungen noch schwierigere Zeiten bevorstehen, als das im „Seuchenjahr“ 2018 bislang der Fall war. Schlimmstenfalls drohe sogar ein völliger Zusammenbruch bzw. eine Implosion.

Die Studienautoren verweisen in diesem Zusammenhang auf zwei einschneidende Entwicklungen: den starken Rückgang in der Zahl der täglichen Bitcoin-Transaktionen sowie den Einbruch des Transaktionsvolumens. Tatsächlich: Wurden Ende 2017 noch rund  360.000 Bitcoin-Transaktionen pro Tag gemessen, waren es diesen September nur noch 230.000. Noch dramatischer fiel der Rückgang des Transaktionswertes aus: Zwischen Ende 2017 und September 2018 steht ein Einbruch von rund 3 Mrd. USD zu Buche. Ein weiteres Anzeichen der Schwäche des Marktes für Kryptowährungen ist für die Studienautoren, dass er von Entwicklungen wie der Brexit-Krise oder dem Handelskonflikt zwischen den USA und China nicht profitiert hat. Dies wären eigentlich ideale Rahmenbedingungen für einen Wechsel von traditionellen  hin zu Krypto-Währungen.

Alternative Blockchain

Während ein Einstieg in Kryptowährungen zum jetzigen Zeitpunkt als äußerst riskant eingeschätzt werden kann – es sei denn man gehörte zur Gruppe der „Krypto-Afficionados“, die die aktuelle Situation als „vorübergehenden Bärenmarkt“ sehen und dementsprechend auf die günstigen Einstiegskurse verweisen, so gilt die zugrundeliegende Technologie, die Blockchain, als durchaus interessante Investmentmöglichkeit. Kurz zusammengefasst: Sie ermöglicht die digitale – und fälschungssichere – Dokumentation von Transaktionen.

Die Blockchain ermöglicht jedenfalls vielfältige Anwendungsmöglichkeiten in zahlreichen Sektoren – angefangen von der Finanzwirtschaft, über das Gesundheitswesen, bis hin zur Energiewirtschaft. Anleger können hier zwischen Einzelinvestments, Indizes oder Zertifikaten wählen.            

Autor: Mag. Patrick Baldlia (redaktion@boersen-kurier.at)
Foto: Fotolia/rcfotostock

 

 

T. Rowe Price: Wie lange hält sich die gute Stimmung an den US-Aktienmärkten?

Das anhaltende Wachstum der Unternehmensgewinne ist auf Höchststand, die Fundamentaldaten sind robust, somit gibt es weiterhin gute Aussichten für US-Märkte. (08.10.)

Wie lange hält die gute Stimmung an den US-Aktienmärkten noch an? Das fragen sich nach dem turbulenten Sommer immer mehr Anleger. Zwar kann ein Großteil der jüngsten Volatilität der Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und China zugeschrieben werden. Jedoch besteht kein Zweifel darüber, dass die Marktschwankungen auch unabhängig davon im Jahr 2018 allgemein zugenommen haben. Im Zuge der inzwischen hohen Bewertungen am US-Markt und des allmählich steigenden Leitzinses glauben einige, dass ein Ende des Konjunkturaufschwungs in Sicht ist. Während die Risiken im Hinblick auf Handel und Inflation stärker in den Vordergrund gerückt sind, werden letztendlich die makro- und mikroökonomischen Daten zeigen, wohin die Reise geht.

Die US-Wirtschaft wächst nun schon das zehnte Jahr in Folge – dies ist die zweitlängste Wachstumsphase in der Geschichte der USA. Viele Anleger glauben deshalb, dass die Uhr runtertickt und die nächste Rezession schon vor der Tür steht. „Davon sind wir noch ein gutes Stück entfernt. Dafür sprechen zumindest die robusten Fundamentaldaten in den USA“, sagt Julian Cook, Portfolioexperte für US-Aktienmärkte bei T. Rowe Price. Seiner Einschätzung nach ist das Ende des Wirtschaftsbooms noch nicht erreicht. „Normalerweise geht ein Zyklusende mit steigender Inflation, einer aggressiven Geldpolitik und einem Rückgang der Gewinnmargen der Unternehmen einher. Bislang sehen wir dafür keine Anzeichen“, unterstreicht der Experte. Zwar stiegen die Zinsen, allerdings von einer sehr tiefen Basis aus. Cook betont, dass das aktuelle Umfeld von einer moderaten Geldpolitik gekennzeichnet sei.

 

Interessant findet er, dass sich auf makroökonomischer Ebene das Muster des globalen Wachstums im Jahr 2018 verändert habe. Während das Wirtschaftswachstum im Rest der Welt möglicherweise Anfang 2018 seinen Zenit erreichte habe, falle das Tempo und die Stärke des US-Wachstums ins Auge. „Diese Dynamik dürfte in den USA bis 2019 anhalten. Das Verbrauchervertrauen und das Geschäftsklima bleiben positiv. Der US-Arbeitsmarkt ist in einer exzellenten Verfassung. Und die Arbeitslosenquote ist so gering wie seit Jahrzehnten nicht mehr“, sagt Julian Cook. Seit Beginn der Datenerfassung gebe es erstmals mehr offene Stellen als Arbeitssuchende. Hinzu komme, dass die Löhne steigen, was die robusten Konsumausgaben weiter unterstützen sollte. Der Portfoliospezialist räumt ein, dass die US-Unternehmensgewinne wahrscheinlich ihren Höchststand erreicht hätten. Auch die Bewertungen der US-Aktienmärkte seien derzeit überdurchschnittlich hoch. „Angesichts der starken Gewinnentwicklung sind die Kurs-Gewinn-Verhältnisse bei den Unternehmen in unseren Augen jedoch nicht überbewertet“, so Cook.

Als Störfaktoren für US-Aktien könnten eine hohe Inflation und die daraus folgende geldpolitische Reaktion der US-Notenbank (Fed) in Frage kommen. Sollte die Fed die Zinsen zu schnell anheben, können sie die US-Wirtschaft abwürgen und das Land in eine Rezession stürzen. „Ein solches Szenario erscheint uns allerdings unwahrscheinlich, da sich die Notenbank bislang bei den Zinsanhebungen gemäßigt verhalten hat. Es gibt keinen Grund dafür, diesen Kurs nun zu ändern. Solange das Gewinnwachstum anhält, erwarten wir, dass Aktien sich weiterhin gut entwickeln werden“, hebt Cook hervor. Zwar glaubt er, dass die Volatilität an den Märkten weiterhin hoch bleibt und es dadurch zu Rückschlägen kommt. Alles in allem bleibe man jedoch zuversichtlich, dass der aktuelle US-Marktzyklus sich fortsetze. „Die Wirtschaft wächst stark, die Unternehmensgewinne sind weiterhin beeindruckend. Die Bewertungen sind überdurchschnittlich, aber nicht extrem, hoch. Vor diesem Hintergrund bleibt unsere positive Einschätzung für den US-Aktienmarkt unverändert.“

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Die Erfolgsgeheimnisse der Spitzenperformer

Die Wiener Börse ist ein Paradies für Market-Timer und Stockpicker. Das zeigt auch ein Blick auf die Kursgewinner der vergangenen zehn Jahre.

In den vergangenen zehn Jahren bis 1.10.2018 verzeichnete der ATX ein Plus von 21,6 %, inklusive Dividenden lag die Performance bei 62,5 % bzw. knapp 5 % pro Jahr. Doch der Wiener Aktienmarkt ist aufgrund der enormen Performance-Streuung der einzelnen Werte ein klassischer Markt für Stockpicker. Dies zeigt vor allem ein Blick auf die Top-5-Kursgewinner im ATX – angeführt vom Airline-Caterer DO & CO, dessen Erfolgsgeheimnis in (derzeit weltweit 31) Großküchen liegt, die täglich frisch kochen und neben den Fluglinien auch Lounges und Restaurants vor Ort beliefern können, woraus Skaleneffekte resultieren. Nach zwischenzeitlichen Einbrüchen, da Anleger größere Probleme im türkischen Markt befürchteten, setzte infolge durchaus ermutigender Quartalszahlen ein kräftiger Rebound des Aktienkurses ein. Zuletzt zog das Unternehmen zwei Großaufträge von British Airways und Iberia an Land, was die positive Stimmung verstärkte. In den vergangenen zehn Jahren konnte mit DO & CO ein Kursgewinn von 394,7 % (17,3 % p.a.) erzielt werden, zumal das EBIT von 2007/08 bis 2017/18 von 14,66 auf 50,64 Mio€ wuchs.

Mit einem Kursgewinn von jeweils 339,1 bzw. 254,7 % in den vergangenen zehn Jahren die Plätze 2 und 3 belegen die beiden Immobiliengesellschaften CA Immo und S-Immo. Hier liegt der Grund im Ausverkauf im Zuge der Finanzkrise. Vor allem die (Aktienrückkauf-)Skandale bei zwei einst unter Kleinanlegern beliebten Immobiliengesellschaften erschütterten das Vertrauen der Anleger, was auch andere heimische
Immowerte unter Druck setzte.

Sowohl der Kurs von CA Immo als auch von S Immo fiel während der Panikphase in der Finanzkrise auf einen Bruchteil seines Ausgangswertes. Die Erholung des Marktes und eine solide Investmentstrategie des Managements führten darauf zu entsprechenden Kursanstiegen. Zugute kam den beiden Unternehmen ihr vergleichsweise solides Immobilienportfolio. Zuletzt kam auch noch Übernahmephantasie ins Spiel.

Konjunkturzyklische Aspekte sind bei Andritz und Lenzing durchaus im Spiel, denn vor zehn Jahren herrschte ein steiler Abschwung. Doch dass beide Werte es im Betrachtungszeitraum auf beachtliche Kurssteigerungen von je 232 bzw. 187 % brachten, ist Management-Leistung in Kombination mit globaler Marktführerschaft zu verdanken. Während das Management von Andritz die Expansion durch gezielte Akquisitionen beherrscht, punktet Lenzing mit innovativen Fasern wie Tencel (in Jeans, Unterwäsche, Sportbekleidung, Handtüchern etc.) oder Veocel (in Wischtüchern und Hygieneprodukten). Lenzing ist Weltmarktführer bei nachhaltigen botanischen Cellulose-Fasern. Aktuell steht der Aktienkurs wegen eines Projektstopps in den USA unter Druck, während es zuvor Unsicherheiten bezüglich der Kapazitätsentwicklungen im Standard-Viskose-Markt gab. Der jüngste Rückschlag ist aber bereits für manche Analys­ten übertrieben. Beispielsweise Baader-Analystin Laura Lopez Pineda empfiehlt Lenzing nach wie vor zum Kauf (Kursziel 118 €). Bei einem Kurs von 89,55 € wäre die Aktie mit einem erwarteten Forward-KGV 2019 von 12,1 durchaus günstig.

Andritz hingegen ist Weltmarktführer in der Umformtechnik (Schuler) und einer der weltweit führenden Lieferanten von Anlagen, Ausrüstungen und Serviceleistungen für Wasserkraftwerke sowie die Zellstoff- und Papierindustrie. Gemäß I/B/E/S-Konsens rechnen Analysten mit einer Gewinnsteigerung/Aktie von 2,89 € im Jahr 2018 auf 3,42 € bis 2020, woraus ein Forward-KGV 2020 von 14,6 resultieren würde.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at);
Foto: Wiener Börse

 

 

Politische Faktoren statt solider Daten

Die Wirtschaftsdaten für Österreich waren zuletzt anhaltend stark, wieder günstigere Bewertungen und solide Gewinnwachstumsraten sprechen zusätzlich für ein Aufwärtspotenzial. Politische Risiken dürften allerdings für zwischenzeitliches Störfeuer sorgen.

Zwei zentrale Fragen klärte RBI-Chefanalyst Peter Brezinschek anlässlich der Präsentation der Kapitalmarktszenarien „Österreich & CEE“ sowie „Global“. Die Grundsatzfrage – „Wird es eine Aktien-Hausse forever geben?“ – wurde negativ beschieden: „Irgendwann geht jeder Zyklus zu Ende.“ Aber auch die daran anschließende Frage – „Stehen wir unmittelbar vor einer Trendwende?“ – wurde verneint.

ATX: „Wiederaufnahme Aufwärtstrend“
Heuer soll der heimische BIP-Zuwachs 3 % betragen, um sich im nächsten Jahr in einem Korridor von 1,7 bis 1,9 % zu bewegen (dieser Rückgang sei hauptsächlich den wirtschaftlichen Entwicklungen in Deutschland, Frankreich und Italien geschuldet). Aber nach wie vor herrsche in Österreich ein „robuster privater Konsum“ und „solide wachsende Unternehmensinvestitionen“. Beim ATX prognostiziere man eine „Wiederaufnahme des Aufwärtstrends bis ins Frühjahr 2019 auf Basis der Unternehmensgewinne“.

Auf konkrete Empfehlungen angesprochen, antwortete Bernd Maurer, der Chefanalyst der Raiffeisen Centrobank, gegenüber Journalisten, dass er unter den „Zyklikern“ Phantasie erkenne bei Wienerberger und Palfinger; bei den „defensiven Aktien“ fallen ihm EVN, der Flughafen, und die Telekom ein; punkto „Öl-Geschäft“ kämen ihm die OMV und Schoeller-Bleckmann in den Sinn; und in der Finanzbranche drängen sich die VIG und die Erste auf: „Alles Kaufempfehlungen!“

„Moderate Bewertung“
Die Refinanzierungskosten bleiben für die heimischen Unternehmen günstig: Die EZB hat ihren Kurs bestätigt, bis in den Sommer 2019 keine Zinsanhebungen durchzuführen. Die Bewertung des ATX sei „mittlerweile wieder als moderat einzuschätzen“: Die RBI nimmt für den österreichischen Leitindex ein nächstjähriges KGV von 10,7 an. Auf Basis der aggregierten bereinigten Schätzungen wird für den ATX ein Zuwachs bei den Unternehmensgewinnen von 12,8 % erwartet.

Fazit: „Die robuste österreichische Konjunkturdynamik, solide Gewinnwachstumsaussichten für 2019 und ein weiterhin expansives geldpolitisches Umfeld stimmen uns auf die nächsten Monate positiv, europäische und globale politische Faktoren dürften aber zwischenzeitlich für Störfeuer sorgen.“ Die „notorische Brexit-Frage“ beantwortete Brezinschek dahingehend, dass er mit „Neuwahlen plus Neuabstimmung“ rechne.

Autor: Mag. Rudolf Preyer
Foto: Wiener Börse

 

 

Großes Potenzial in Nischensegmenten

Heimische Immobilienunternehmen blicken optimistisch in die Zukunft. Zu den größten Potenzialträgern gehören für sie derzeit deutsche Wohnimmobilien.

Der Oktober hat es wahrlich in sich in München. Unmittelbar nach dem Ende des Oktoberfests startete mit der Expo Real bereits der nächste Event. Auch wenn die Fachmesse für Immobilien und Investoren weitaus weniger Besucher anlockt als „die Wies’n“, wo sich heuer rund 6 Mio Menschen einfanden, so sind die Veranstalter dennoch zufrieden. Bereits im Vorfeld hatte Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München, einen Rekord-Anmeldestand bei den Ausstellern (2.041) vermeldet.

Die Stimmung unter den Branchenplayern scheint jedenfalls zu passen. So hat eine Online-Umfrage des Veranstalters unter 1.380 Immobilien-profis vor der Expo Real ergeben, dass 66 % der Befragten weiterhin positive Verhältnisse in der Immobilienwirtschaft sehen. Nicht weniger als 62 % erwarten in Deutschland steigende Investitionssummen in Immobilien, rund 31 % zumindest gleichbleibende.

Westeuropa: Hohes Preisniveau
Aber auch der Börsen-Kurier hat sich unter heimischen Expo- Real-Teilnehmern umgehört. “Wir blicken grundsätzlich positiv in die Zukunft, was das Investitionsvolumen betrifft”, meint Daniel Folian, stellvertretender Vorstandsvorsitzender beim börsenotierten Hotel- und Büroimmobilienentwickler Warimpex. Er hat den Eindruck, dass sich die Preise in Westeuropa auf hohem Niveau stabilisiert haben und nicht mehr steigen werden. „In der CEE-Region schaut das anders aus und wir rechnen hier weiterhin mit Wertzuwächsen“, so Folian.

Auch bei der CA Immo ist man für die Zukunft optimistisch eingestellt. „Investoren haben nach wie vor starken Anlagedruck, der sich vor allem in Immobilieninvestments entlädt“, so CEO Andreas Quint gegenüber dem Börsen-Kurier. Wirtschaftswachstum gepaart mit niedrigen Zinsen und politischer Unsicherheit begünstige das Immobiliengeschäft – und es gebe keine Anzeichen dafür, dass sich diese Rahmenbedingungen so bald merkbar ändern.

„Zurzeit beobachten wir in vielen unserer Märkte ein sehr hohes Preisniveau“, sagt Ernst Vejdovszky, CEO der S Immo. Vor allem Deutschland habe in den letzten Jahren eine sehr dynamische Entwicklung verzeichnet, und auch die CEE-Märkte würden sehr stark performen. „In diesem Umfeld ist es für uns entscheidend, Nischen zu finden, in denen sich ein Investment für unsere Anleger noch lohnt“, so Vejdovszky. Sein Unternehmen konzentriere sich derzeit auf mittelgroße deutsche Städte mit entsprechendem Wachstumspotenzial – sowohl demographisch als auch wirtschaftlich. Attraktiv wären beispielsweise Märkte wie Leipzig, Rostock oder Kiel.

„Generell wäre meine Erwartung, dass Deutschland zumindest noch ein bis zwei Jahre einen sehr dynamischen Investmentmarkt sieht“, so Vejdovszky weiter. In Österreich gehe er von einem gleichbleibenden Niveau aus – auch hier gebe es immer wieder ausgewählte attraktive Investitionsmöglichkeiten. In Osteuropa sehe er ein stark steigendes Interesse – sowohl auf der Investoren- als auch auf der Mieterseite.

Laut der Expo-Real-Umfrage sehen die Befragten unter den Immobiliensegmenten drei große Potenzialträger: Wohn-immobilien, City-Logistik-Objekte sowie Gesundheits- und Pflegeimmobilien. Damit sollen Nischensegmente abseits der klassischen Anlageobjekte wie Büro und Einzelhandel auf das größte Interesse stoßen. „Dass der zunehmende Zuzug in städtische Ballungsräume das Thema urbanes Wohnen beflügelt, ist klar und wird sich unserer Einschätzung nach auch weiter fortsetzen“, so Quint. Davon profitiere man allerdings auch als innerstädtischer Büro-Bestandshalter. Schließlich wollen die Menschen nicht nur urban wohnen, sondern auch innerstädtisch und in einem attraktiven Umfeld arbeiten.

CEE: B-Städte interessant
Auch für Folian zählen die angeführten Nischensegmente – „ganz allgemein“ – zu den größten Potenzialträgern. „Im Besonderen muss man immer schauen, wo was konkret entwickelt wird.“ Beispiel sehe man in der CEE-Region durchaus größeren Bedarf an Büroflächen in Städten abseits der großen Metropolen. So erfreue sich beispielsweise ein neues unternehmenseigenes Büroprojekt im polnischen Lodz einer guten Nachfrage. Ähnlich sei auch die Lage in Krakau.

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)
Foto: Pixabay/Free-Photos

 

 

Trotz Handelskriege günstige Einstiegsniveaus

Geopolitische Konflikte haben die Schwellenländerbörsen arg gebeutelt. Vor allem kleine Werte sind teils zu Unrecht in den Sog geraten – und bieten deshalb einen günstigen Einstieg.

Inzwischen geht es bereits um einen dreistelligen Milliardenbetrag, zumindest im Zollstreit zwischen den USA und China. Ein Ende des Handelsstreits zwischen den USA und China ist nicht in Sicht. Und so trennen sich auch immer mehr Anleger von ihren Investments in den Schwellenländern. Dabei hatten schon die steigenden US-Zinsen und der stärkere Dollar für Turbulenzen gesorgt, zeigt Chetan Sehgal, Fondsmanager des „Templeton Emerging Markets Smaller Companies Fund“ (ISIN: LU0300743431) auf.

Allerdings wurden bei dem Abverkauf in den Emerging Markets sämtliche Bereiche über einen Kamm geschoren, ohne auf einzelne Unternehmen einzugehen. Darauf verweist weiters Will Ballard, Portfoliomanager des „Emerging Market Equity Small Cap Fund“ von Aviva Investors (LU0300873303). Das gelte vor allem für viele kleinkapitalisierte Werte, sogenannte Small Caps. „Damit bieten sie nun einen besonders günstigen Einstieg“, meint Ballard.

Letztendlich beschränkten sich die aktuellen Schlagzeilen ohnedies auf einen kleinen Teil des Schwellenländer-Universums, kann auch Templeton-Experte Sehgal die breit angelegten Rücksetzer nicht ganz nachvollziehen. Bei J.P. Morgan Asset Management kann man dem nur zustimmen: „Die Bewertungen für Small Caps aus den Schwellenländern sind so günstig wie seit fünf Jahren nicht mehr“, resümiert Portfoliomanagerin Amit Mehta.

Binnenmarkt im Fokus
Viele Small Caps aus den Schwellenländern hätten schließlich ihren Fokus auf den jeweiligen Binnenmarkt, das schotte das Geschäftsmodell ein gutes Stück vom globalen Handelsstreit ab. „Vielmehr profitiert man langfristig vom regionalen Wirtschaftswachstum“, so Ballard. Das wird von der positiven demografischen Entwicklung, dem wachsenden Mittelstand und dem steigenden Konsum angetrieben, zeigt der Aviva-Experte auf.

Verständlich, dass Ballard etwa bei Anbietern von Privatschulen fündig wird, zum Beispiel bei „China Maple Leaf Education“ (KYG211511087). „Der Unterricht orientiert sich an der kanadischen Schulausbildung und ist weniger auf reines Auswendiglernen ausgerichtet.“ In Südafrika ist der Fonds wiederum in der Advtech Group (ZAE000031035) veranlagt, „der Umsatz ist im vergangenen Jahrzehnt nie gesunken, trotz eines schwierigen wirtschaftlichen Umfelds“, sagt Ballard.

Exportwerte locken
Doch der Branchenmix umfasst unter anderem auch regionale Technologiefirmen wie KPIT Technologies (INE836A01035) aus Indien. Selbst Exportwerte wie Sinmag (TW0001580009) aus Taiwan sind Teil des Portfolios. „Sie beliefern chinesische Hersteller von Industriebrot mit Bäckereimaschinen, haben somit keine wesentlichen Berührungspunkte mit den USA“, verweist Ballard auf den übertriebenen Abverkauf der Aktie.

Zu den größten Positionen im JPMorgan-„Emerging Markets Small Cap Fund“ (LU0318933057) zählen andererseits der mexikanische Flughafenbetreiber ASUR (MXP001 661018) und der südafrikanische Gesundheitskonzern Clicks Group (ZAE000134854). Im Templeton Emerging Markets Smaller Companies Fund sind es der Mischkonzern (und KTM-Großaktionär) Bajaj Holdings (INE118A01012) und Fila Korea (KR7081660003), ein Sportwarenhändler.

Was die Zukunft bringen wird, weiß niemand genau. In den vergangenen zwanzig Jahren haben Small Caps aus den Schwellenländern aber besser abgeschnitten als die großen Pendants. Und da hat es auch schon Krisen gegeben.           

Autorin: Mag. Raja Korinek (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Rechtfertigen spektakuläre Gewinne spektakuläre Kurse?

Die Börsen-Kurier-Analyse von Wirtschaftsnobelpreisträger 2013 Robert J. Shiller.

Seit seinem Tiefstand im März 2009 ist der US-Aktienmarkt, gemessen am monatlichen, realen (inflationsbereinigten) S&P Composite Index (oder S&P 500) um das 3,3-Fache angestiegen. Gemäß des von mir seit langem propagierten zyklisch angepassten Kurs-Gewinn Verhältnisses (CAPE) ist der US-Aktienmarkt damit der teuerste der Welt. Ist dieser Kursanstieg gerechtfertigt oder erleben wir eine Blase?

Man könnte meinen, dieser Anstieg sei gerechtfertigt, da sich die realen Quartalsgewinne je Aktie des S&P 500 über den ungefähr gleichen Zeitraum, nämlich vom 1. Quartal 2009 bis zum 2. Quartal 2018, um das 3,8-Fache erhöhten. Tatsächlich lag der Kursanstieg leicht unter den Gewinnen.

Freilich war 2008 ein ungewöhnliches Jahr. Wie sieht es aus, wenn wir das Gewinnwachstum nicht seit 2008, sondern seit der Amtsübernahme der Regierung von Donald Trump im Jänner 2017 berechnen? In diesem 20-monatigen Zeitraum stiegen die monatlichen realen US-Aktienkurse um 24 %. Das reale Gewinnwachstum lag vom 1. Quartal 2017 bis zum 2. Quartal 2018 etwa gleich hoch bei 20 %.

Angesichts der Tatsache, dass Kurse und Gewinne sich beinahe im Verhältnis eins zu eins nach oben bewegen, könnte man zu dem Schluss kommen, dass man sich auf dem US-Aktienmarkt vernünftig verhält und diese Daten einfach die zunehmende Stärke der US-Wirtschaft widerspiegeln. Es gilt allerdings zu berücksichtigen, dass Gewinne höchst volatil sind. Tendenziell kehren sich plötzliche starke Anstiege innerhalb von ein paar Jahren um. Das ist in der Geschichte des amerikanischen Aktienmarktes auch öfter als ein Dutzend Mal in dramatischer Art und Weise passiert.

Gewinne unterscheiden sich von den meisten anderen ökonomischen Variablen, da sie im Wesentlichen als die Differenz zweier Werte definiert sind: nämlich als Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben. Ein über etliche Jahre anhaltendes schnelles Gewinnwachstum kann daher leicht zu einer Rückkehr zum langfristigen Trend oder sogar zu unterdurchschnittlichen Werten führen. Tatsächlich lagen die Gewinne je Aktie im S&P 500 während des 4. Quartals 2008 im negativen Bereich, was teilweise auf die finanzkrisenbedingten Abschreibungen zurückzuführen war. Freilich hielt diese Phase nicht lange an (und ihre Bedeutung wird auch in Frage gestellt).

1914 bis 1916
Den Markteilnehmern müsste eigentlich bewusst sein, dass sie auf Gewinnwachstum nicht überreagieren sollten, aber manchmal gerät das aufgrund irreführender, aber beliebter Narrative in Vergessenheit. Man denke an ein Beispiel, das sich vor einem Jahrhundert ereignete. Obwohl die realen Jahresgewinne im S&P Composite innerhalb von nur zwei Jahren um das 2,6-Fache anstiegen, – nämlich von Trendwerten im Jahr 1914 auf ein Rekordhoch 1916 -, erhöhten sich die Aktienkurse von Dezember 1914 bis Dezember 1916 nur um 16 %. Warum reagierte der Markt darauf nicht so wie er es in letzter Zeit tat?

Zeitungsberichte aus dieser Zeit geben einige Hinweise. Der wichtigste Faktor war, dass die Menschen diesen Gewinnanstieg zu Beginn des Ersten Weltkriegs der abrupten und panischen Nachfrage nach amerikanischen Waren aus Europa und anderen Teilen der Welt zuschrieben. Man glaubte, die Gewinne würden nach Kriegsende auf ein Normalmaß zurückkehren.  Außerdem herrschte eine weit verbreitete Wut über die hohen Profite in Kriegszeiten, während Männer, die zum Kriegsdienst eingezogen wurden, ihr Leben riskieren mussten. Das bewog viele Menschen – nicht nur Amerikaner – dazu, sich für eine „Vermögensabgabe zu Kriegszwecken“ einzusetzen. Mit diesem nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit geratenen Begriff war die hohe Besteuerung plötzlicher Gewinnanstiege gemeint. Tatsächlich führte man in den USA zum Zeitpunkt des Kriegseintritts im April 1917 zum ersten Mal eine über dem Vorkriegsniveau liegende Strafsteuer auf Unternehmensgewinne ein.

„Roaring Twenties“
Die Aktienkursbewegungen waren allerdings nicht immer so rational begründet wie im Jahr 1916.  In den „Roaring Twenties” fiel die Marktreaktion auf steigende Gewinne weitaus positiver aus. Nach dem Ende der Rezession in den Jahren 1920 und 1921 stiegen die aufgrund dieses Abschwungs belasteten realen jährlichen Gewinne in den Jahren bis 1929 um mehr als das Fünffache und die realen Aktienkurse erhöhten sich um beinahe den gleichen Wert – nämlich um mehr als das Vierfache.

In den 1920er Jahren hatten wir es mit einem anderen Narrativ zu tun. Es handelte sich nicht um eine Geschichte über einen Krieg in Übersee, sondern um eine Geschichte der Wiedererstehung nach einem „Krieg zur Beendigung aller Kriege“, der in sicherem Abstand in der Vergangenheit lag. Es war die Geschichte eines beflügelnden Geists der Freiheit und individualistischer Erfüllung. Leider ging das nicht gut aus und sowohl Aktienkurse als auch die Unternehmensgewinne brachen am Ende des Jahrzehnts auf katastrophale Weise ein.

Dotcom-Boom
Von 1982 bis zum Jahr 2000 stiegen die realen Aktienkurse um das 7,5-Fache, während sich die jährlichen Gewinne nur verdoppelten. Das Ende dieser Phase wurde als der Dotcom- oder Internet-Boom bekannt, wobei allerdings der größte Teil des Kursanstiegs dem Narrativ der technologiegetriebenen „New Economy“ voranging und die sinkende Inflation dieser Entwicklung Vorschub leistete. Bis 2003 allerdings fielen sowohl die realen Gewinne als auch die Aktienkurse um fast die Hälfte.

2003 bis 2007
Im Anschluss daran, von 2003 bis 2007, während einer Phase der allmählichen Erholung nach der Rezession des Jahres 2001, verdreifachten sich die realen Gewinne je Aktie. Doch der reale Kursanstieg des S&P 500 belief sich auf weniger als das Doppelte, weil die Anleger offenbar nicht bereit waren, ihre Fehler aus den Jahren vor 2000 zu wiederholen, als sie auf das rasche Gewinnwachstum überreagierten. Dennoch endete diese Phase mit der Finanzkrise und einem weiteren Zusammenbruch der Gewinne und Aktienkurse.

Und was bewegt die Börsen heute?
Das bringt uns nun zum gegenwärtigen Boom der Gewinne und Aktienkurse. Offenbar glauben die Anleger, dieser Boom werde anhalten oder sie sind zumindest der Meinung, die anderen Anleger glauben, er würde anhalten. Aus diesem Grund treiben sie in einer dramatischen Reaktion auf den Gewinnanstieg die Aktienkurse in die Höhe.

Der Grund für dieses Vertrauen ist schwer festzumachen, aber er liegt wohl darin, dass die Öffentlichkeit ihre gesunde Skepsis gegenüber Unternehmensgewinnen verlor und dass es an einem beliebten Narrativ fehlt, das steigende Gewinne mit vorübergehenden Faktoren in Beziehung setzt. Die Rede von einem sich ausweitenden Handelskrieg und anderen möglichen Aktionen eines sprunghaften US-Präsidenten scheint einfach nicht stark genug mit der Rede von Gewinnprognosen verknüpft zu sein – zumindest noch nicht.

Ein Bärenmarkt könnte ohne Vorwarnung oder offensichtlichen Grund oder auch in Verbindung mit der nächsten Rezession eintreten, wodurch die Unternehmensgewinne womöglich negativ beeinflusst werden. Eine derartige Entwicklung ist nicht sicher, aber sie würde in ein historisches Muster an Überreaktionen auf Gewinnveränderungen passen.

Autor Robert J. Shiller ist Wirtschaftsnobelpreisträger des Jahres 2013, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Yale sowie Autor des gemeinsam mit George Akerlof verfassten Buchs Phishing for Phools: Manipulation und Täuschung in der freien Marktwirtschaft. Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier, © Project Syndicate 1995 – 2018

 

 

Nischenplayer sind eine Überlegung wert

Europäische Aktien hinken US-Papieren seit Längerem hinterher. Auch wenn sich daran kurzfristig nichts ändern sollte, sehen sie durchaus Chancen bei Titeln vom alten Kontinent.

Europäische Aktien haben Anlegern heuer bislang keine große Freude gebracht. Während etwa der S&P seit Jahresbeginn um rund 9 % zugelegt hat – und erst Ende September ein neues Allzeithoch erreicht hat -, hat der Euro Stoxx 50 ein Minus von 2,85 % vorzuweisen. Dass sich die Emerging Markets noch schlech-ter entwickelt haben, wird für die meisten nur ein schwacher Trost sein. Im Vordergrund steht vielmehr die Frage: Wieso treten europäische Aktien auf der Stelle, während die US-Börsen von Rekord zu Rekord stürmen?

Lange Underperformance
Streng genommen haben europäische Aktien auch in den letzten 20 Jahren enttäuscht. Wie Harald Egger, Chef-Analyst bei Erste Asset Management (EAM), erklärt, bewegt sich der MSCI Europe seit 1988 in einer Bandbreite zwischen 600 und 1.400 Punkten. Dem MSCI USA sei der Ausbruch aus dieser Handelsspanne – vor allem von Unternehmensgewinnen getrieben – bereits 2012 gelungen. Europa habe dagegen 2011 die Eurokrise meistern müssen, die in der Gewinnlandschaft der Unternehmen – vor allem der Banken – deutliche Spuren hinterlassen habe. In Summe hätten sich die Gewinne der US-Unternehmen in den letzten 20 Jahren fast verdreifacht (+5,4 % pro Jahr), während sie in Europa im Durchschnitt um 3,6 % pro Jahr gestiegen wären.

Die Underperformance Europas sei aber auch dem hohen Indexanteil der Value-Aktien geschuldet: Diese haben sich in den letzten Jahren deutlich schlechter entwickelt als der Index. Unterrepräsentiert sind in Europa hingegen Technologieaktien – Stichwort FANG (für Facebook, Amazon, Netflix und Google) -, die zuletzt bekanntlich hoch in der Gunst der Anleger standen.

Die Einschätzung, dass europäische Aktien attraktiver bewertet sind als US-Titel und daher auch mehr Aufholpotenzial aufweisen, ist für Egger grundlegend falsch. US-Papiere wären teurer – aktuell um rund 20 % über dem langfristigen Mittel -, weil die Qualität gemessen an der Profitabilität höher sei. Europäische Aktien hätten aufgrund der Bewertung aber durchaus Aufholpotenzial – vorausgesetzt die Profitabilität der Unternehmen gleiche sich jener der US-Firmen an. Nachsatz Egger: „Aktuell ist eine solche Entwicklung nicht erkennbar.“

Wolfgang Habermayer, CEO der Merito Financial Solutions GmbH, gibt sich trotz der schwierigen Rahmenbedingungen – die unter anderem von zurückgehenden Gewinnen der Exportunternehmen und „innereuropäischen“  Themen geprägt sind – für die künftige Entwicklung Europas geprägt sind. „Wir haben in der Vergangenheit erlebt, dass die politischen Verantwortlichen immer dann, wenn es zwickt, zusammenrücken und mit wichtigen Maßnahmen bzw. Reformen reagieren“, sagt er im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

Habermayer empfiehlt Anlegern, sich aktuell sehr günstig bewerteten Sektoren zu widmen. Dazu zählt er etwa Bankaktien. „Das hat zwar teilweise gute Gründe. Dennoch ist der Sektor überverkauft.“ Aber auch Unternehmen, die in ihren Nischen stark positioniert sind, wären eine Überlegung wert. So könnten etwa europäische Rüstungskonzerne davon profitieren, dass die NATO ihre Mitgliedsstaaten dazu aufgerufen hat – den NATO-Zielen entsprechend -, ihre Rüstungsausgaben auf 2 % des BIP zu erhöhen.

Tipps: VW, Tech-Nischenplayer
Aber auch VW (ISIN: DE00076 64039) gefällt Habermayer gut. Trotz des Dieselskandals habe der zweitgrößte Autokonzern der Welt zuletzt Marktanteile gewonnen. „Das zeigt, dass die Konsumenten die Meinung vertreten, dass das Unternehmen sehr gute Produkte herstellt.“ Bei Aberdeen Standard Investments sieht man auch im europäischen Technologieuniversum einige Nischenbereiche, die schnell wachsen und die gegenüber den USA die Nase vorn haben. Dazu gehören Player im Bereich Zahlungssysteme, Bankensoftware, Reiselogistik und Halbleitern.

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Chancen dank Veränderung: Investments in Kreuzfahrtindustrie und klinische Diagnostik

Wir leben in Zeiten immenser Veränderungen: Veränderte Konsumgewohnheiten, demografische Herausforderungen und disruptive Technologien wirken sich auf nahezu alle Branchen aus. Aufgrund dieser Komplexität sind wir nach wie vor überzeugt, dass ein konsistenter, wiederholbarer und flexibler Anlageprozess der beste Investmentansatz bleibt.

Im Rahmen der Strategie des Jupiter European Growth halten mein Team und ich rund 35 Unternehmen, die wir als „besonders“ einschätzen. Wir versuchen nicht den Markt zu timen, sondern suchen nach strukturellen, antizyklischen Gewinner-Aktien, von denen wir glauben, dass über den gesamten Marktzyklus erfolgreich sein können.

Diese speziellen Firmen sollten über einige Schlüsseleigenschaften verfügen. Die meiste Zeit beschäftigen wir uns mit dem Management und den Vorständen, um genau zu verstehen, wie sie ihr Geschäft führen. Wir investieren nur in Unternehmen, von denen wir überzeugt sind, dass sie eine passende, langfristige Vision und ein angemessenes Investitionsniveau haben. Zudem sollte eine vernünftige Nachfolgeplanung und idealerweise ein konstruktives Spannungsfeld zwischen dem Aufsichtsrat und dem CEO vorhanden sein.

Wir suchen nach Erfolgsmustern in Geschäftsmodellen, positive Branchenstrukturen und im wahrsten Sinne ,nachhaltige‘ Unternehmen, die ein nachvollziehbares, profitables Geschäft haben. Außerdem mögen wir Unternehmen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und Preise beeinflussen können, sowie über flexible Geschäftsmodelle verfügen. Diese Unternehmen sind in der Regel global tätig und befinden sich in Branchen mit hohen Eintrittsbarrieren. Interessant sind auch Geschäftsmodelle, die von Disruption profitieren. Sei es durch veränderte Konsumgewohnheiten, technologische Entwicklung oder Regulierung. Unser gesamter Investmentprozess basiert auf diesem grundsätzlichen Wissen über das Geschäft und das Management.

Die Frage, die sich mein Team und ich kontinuierlich stellen, ist: „Wird dieses Unternehmen erfolgreich sein oder scheitern, wenn technologische Herausforderungen auftreten, oder wenn sich das Konsumverhalten oder das Branchenumfeld verändert?” Die nachfolgenden Beispiele sind Branchen, die unserer Meinung nach spannende Chancen durch Veränderungen und Disruption bieten.

Autor Alexander Darwall ist Fondsmanager des Jupiter European Growth SICAV bei Jupiter Asset Management

Nachhaltige Investments zahlen sich aus – auch in den USA von Donald Trump

Trump zum Trotz sind die USA ein guter Boden für fortschrittliche Umweltpolitik. Der Sonnenstaat Kalifornien zeigt vor, wie das funktioniert.

Donald Trump hatte sich schon lange vor seiner Wahl zum US-Präsidenten eindeutig als Klimaskeptiker geoutet, allerdings beweist ein genauerer Blick über den großen Teich, dass seine Politik im eigenen Land auf heftigen Widerstand stößt.

So hat Kalifornien erst im August beschlossen, bis zum Jahr 2045 vollkommen aus der fossilen Stromerzeugung aussteigen zu wollen. Der Energiesektor des Sonnenstaates soll dann zu 100 % kohlenstofffrei sein. Dem nicht genug: Eine weitere Bestimmung sagt, dass ab 2020 nur noch Häuser neu errichtet werden dürfen, in die eine Photovoltaik-Anlage integriert ist. Außerdem verfügt Kalifornien über strengere Abgasregelungen, als sie für die gesamten USA vorgegeben sind. Interessant ist, dass sich bereits 16 andere Bundesstaaten den Abgasnormen Kaliforniens angeschlossen haben. Man sieht also, dass Kalifornien für die US-Industrie durchaus als vorbildlich bezeichnet werden kann, was auch nicht sehr verwunderlich ist: Betrachtet man den Bundesstaat theoretisch als selbstständiges Land, wäre es die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt.

„Faust aufs Auge“
Sind die USA also doch ein guter Boden für nachhaltige Investments? Clemens Klein, Nachhaltigkeitsexperte und Senior Fondsmanager des Erste Responsible Stock America, bringt es auf den Punkt: „Donald Trump und Klimapolitik passen so gut zusammen wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Er hat ganz klar erklärt, den ,Krieg gegen Kohle’ beenden zu wollen und versucht, möglichst viele Dekrete, Verordnungen etc. im Umweltbereich, die unter Obama beschlossen worden sind, wieder zu demontieren.“

Wohin die eigenwillige Umweltpolitik Trumps führen kann, zeigt das anschauliche Beispiel der U.S. Environmental Protection Agency (EPA). Sie hat sich von einer Umweltschutzbehörde in den vergangenen eineinhalb Jahren unter Trump fast schon zu einer Lobbying-Agentur für fossile Energien entwickelt. So wurden etwa die Verträge mit unabhängigen Wissenschaftlern im Beirat gekündigt, ersetzt wurden diese mit Vertretern der Industrie. Mitarbeitern der EPA wurde es auch untersagt, Vorträge zu halten, die Homepage wurde umgebaut, so dass unliebsame Themen verschwunden sind oder versteckt wurden. Unter Trump hat hier eine Umfärbung stattgefunden, die staunen lässt. Für den Spezialisten Klein ist klar, dass dieses Umfeld den Kampf gegen den Klimawandel nicht gerade unterstützt, dennoch ist er überzeugt, dass sich erneuerbare Energien und nachhaltige Technologien auch in den USA durchsetzen werden: „Letztendlich nicht aufgrund von ethischen, sondern wirtschaftlichen Überlegungen. Denn erneuerbare Energien werden immer effizienter und günstiger.“ So beträgt laut der Fondsgesellschaft Lazard der Preis für eine Megawattstunde Solarenergie zwischen 46 und 53 USD, bei Windkraft sind es 30 bis 60 USD. Im Gegensatz dazu schlagen bei der Produktion aus Gas 68 bis 106 USD pro Megawattstunde zu Buche, bei Kohle sind es sogar 60 bis 140 USD.

Gute Wertentwicklung
Der „Erste Responsible Stock America“ (ISIN: AT0000858584) kann auf die beachtliche Performance von 15 % in einem Jahr zurückblicken (drei Jahre: 33 %; fünf Jahre: 66 %).

Aber vielleicht will man nicht nur USA im Portfolio haben: Der weltweit streuende „ÖkoWorld Klima C“ (LU0301152442) erreicht in den gleichen Vergleichszeiträumen sogar 21, 45 bzw. 82 %. Aber auch hier kommt man an den USA nicht vorbei, der Fonds ist zu 45 % in US-Titel gewichtet.                             

Autor: Mag. Harald Kolerus

 

 

Die Grundlagen einer Finanzkrise im Jahr 2020

Zehn Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers wird noch immer darüber debattiert, was die Ursachen und Folgen der Finanzkrise waren und ob die Lehren, die für eine Bewältigung der nächsten Krise erforderlich sind, verinnerlicht wurden. Mit Blick in die Zukunft ist freilich die Frage relevanter, was tatsächlich die nächste globale Rezession und Krise auslösen wird, und wann das der Fall sein dürfte.

Die aktuelle globale Expansion dürfte sich angesichts der Tatsache, dass die USA große Haushaltsdefizite fahren, China eine lockere Fiskal- und Kreditpolitik verfolgt und Europa weiter auf dem Weg der Erholung ist, bis ins nächste Jahr fortsetzen. Doch 2020 werden die Bedingungen reif sein für eine Finanzkrise, gefolgt von einer globalen Rezession.

Hierfür gibt es zehn Gründe. Erstens ist die Politik der Steuerimpulse, die die jährliche Wachstumsrate in den USA derzeit über ihr Potenzial von 2 % drückt, langfristig nicht aufrechtzuerhalten. Bis 2020 werden die Steuerimpulse auslaufen, und eine moderate versteckte Progression wird das Wachstum von 3 % auf leicht unter 2 % ziehen.

Leitzinsen müssen steigen
Zweitens überhitzt die US-Konjunktur derzeit aufgrund des schlechten Timings der Konjunkturimpulse, und die Inflation steigt über den Zielwert. Die US Federal Reserve wird daher den Leitzins von derzeit 2 % auf mindestens 3,5 % im Jahr 2020 anheben, und das dürfte sowohl die kurz- und langfristigen Zinsen als auch den US-Dollar in die Höhe treiben.

Zudem steigt die Inflation derzeit auch in anderen wichtigen Volkswirtschaften, und steigende Ölpreise sorgen für zusätzlichen Inflationsdruck. Dies bedeutet, dass die anderen wichtigen Notenbanken der Fed auf dem Weg zu einer Normalisierung der Geldpolitik folgen werden, was die weltweite Liquidität verringern und die Zinsen nach oben drücken wird.

Handelskriege bremsen Wachstum
Drittens werden die Handelsstreitigkeiten der Trump-Regierung mit China, Europa, Mexiko, Kanada und anderen fast mit Sicherheit eskalieren, was zu niedrigerem Wachstum und höherer Inflation führen wird.

Viertens wird die weitere US-Politik zu zusätzlichem Stagflationsdruck führen, was die Fed veranlassen dürfte, die Zinsen noch weiter anzuheben. Die Regierung beschränkt ausländische Investitionen im Inland und inländische Investitionen im Ausland, was die Lieferketten in Mitleidenschaft ziehen wird. Sie beschränkt die Einwanderung, die erforderlich ist, um angesichts einer alternden US-Bevölkerung das Wachstum aufrechtzuerhalten. Sie schreckt vor Investitionen in eine umweltfreundliche Wirtschaft ab. Und sie hat keine Infrastrukturpolitik, um angebotsseitige Engpässe anzugehen.

Fünftens dürfte sich das Wachstum in der übrigen Welt verlangsamen. Diese Verlangsamung wird noch stärker ausfallen, wenn andere Länder es als passend erachten sollten, auf den US-Protektionismus mit Vergeltungsmaßnahmen zu reagieren. China muss sein Wachstum verringern, um seine Überkapazitäten und überhöhte Verschuldung in den Griff zu bekommen; ansonsten könnte es dort eine harte Landung geben. Und die schon jetzt anfälligen Schwellenmärkte werden weiter unter dem Protektionismus und der gestrafften Geldpolitik in den USA leiden.

Schuldenrisiko nicht unterschätzen
Sechstens wird sich das Wachstum, bedingt durch eine straffere Geldpolitik und Reibungen beim Handel, auch in Europa verlangsamen. Zudem könnte eine populistische Politik in Ländern wie Italien zu einer nicht aufrechtzuerhaltenden Schuldendynamik innerhalb der Eurozone führen. Der noch immer ungelöste „Todeskreis“ zwischen Regierungen und den Banken, die öffentliche Schuldverschreibungen halten, wird die existentiellen Probleme einer unvollendeten Währungsunion mit unzureichender gemeinsamer Risikoübernahme noch verschärfen. Unter diesen Bedingungen könnte ein weiterer globaler Abschwung Italien und andere Länder zum Austritt aus der Eurozone veranlassen.

Aktienmärkte überhitzt
Siebtens überhitzen die Aktienmärkten in den USA und weltweit. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse in den USA liegen um 50 % über dem historischen Durchschnitt, die Bewertungen von außerbörslichen Unternehmensbeteiligungen sind inzwischen überzogen, und Staatsanleihen sind angesichts ihrer niedrigen Renditen und der Abschläge für lange Laufzeiten zu teuer. Und hochverzinsliche Unternehmensanleihen verteuern sich ebenfalls zunehmend, nun da die Fremdkapitalisierung der Unternehmen in den USA historische Höchststände erreicht hat.

Zudem ist die Verschuldung in vielen Schwellenmärkten und einigen hochentwickelten Volkswirtschaften eindeutig exzessiv. Gewerbe- und Wohnimmobilien sind in vielen Teilen der Welt viel zu teuer. Die Korrektur in den Schwellenmärkten bei Aktien, Rohstoffen und festverzinslichen Anlagen wird sich angesichts sich ballender Sturmwolken fortsetzen. Und wenn zukunftsorientierte Anleger beginnen, eine Wachstumsverlangsamung im Jahr 2020 vorwegzunehmen, werden die Märkte 2019 die Preise für
riskante Vermögenswerte anpassen.

Crash-Gefahr
Achtens wird sich mit Eintritt einer Korrektur das Risiko von Illiquidität und Not- bzw. Verlustverkäufen verschärfen. Market-Making- und Ware-housing-Aktivitäten durch Börsenhändler werden abnehmen. Ein exzessiver Hochfrequenz-/Algorithmenhandel wird die „Flash Crash“-Wahrscheinlichkeit erhöhen. Und festverzinsliche Schuldtitel sind inzwischen verstärkt bei offenen, börsengehandelten und speziellen Kreditfonds konzentriert.

Im Falle einer Flucht aus dem Risiko werden Schwellenmärkte und Finanzsektoren in hochentwickelten Volkswirtschaften mit massiven Dollarverbindlichkeiten keinen Zugriff mehr auf die Fed als Kreditgeber letzter Instanz haben. Angesichts steigender Inflation und einer Normalisierung der Geldpolitik ist auf die Unterstützung, die die Notenbanken in den Jahren nach der Krise boten, nicht länger Verlass.

Damoklesschwert Trump
Neuntens hat Donald Trump die Fed bereits attackiert, als die Wachstumsrate kürzlich bei 4 % lag. Man stelle sich nur vor, wie er sich im Wahljahr 2020 verhalten wird, wenn das Wachstum vermutlich auf unter 1 % gefallen sein wird und es zu Arbeitsplatzverlusten kommt. Die Versuchung für Trump, à la „Wag the Dog“ eine außenpolitische Krise zu produzieren, wird hoch sein, insbesondere falls die Demokraten in diesem Jahr das
Repräsentantenhaus zurückerobern.

Da Trump bereits einen Handelskrieg mit China begonnen hat und sich nicht trauen würde, das über Nuklearwaffen verfügende Nordkorea anzugreifen, bliebe als bestes Ziel der Iran. Indem er eine militärische Konfrontation mit diesem Land provoziert, würde Trump eine den Ölpreis-
erhöhungen der Jahre 1973, 1979 und 1990 nicht unähnliche stagflationäre geopolitische Erschütterung auslösen. Selbstverständlich würde dies die kommende globale Rezession noch weiter verschärfen.

Und schließlich werden, wenn der oben skizzierte perfekte Sturm eintritt, die politischen Instrumente zu seiner Bekämpfung schmerzlich fehlen. Der Spielraum für Steuerimpulse ist durch die massive Staatsverschuldung schon jetzt begrenzt. Die Möglichkeit weiterer unkonventioneller geldpolitischer Maßnahmen wird durch aufgeblähte Bilanzen und mangelnden Spielraum für Leitzinssenkungen beschränkt. Und Maßnahmen zur Rettung des Finanzsektors werden in Ländern mit wiedererstarkenden populistischen Bewegungen und nahezu insolventen Regierungen nicht zumutbar sein.

Wenig Alternativen vorhanden
Insbesondere hat in den USA der Gesetzgeber die Fähigkeit der Fed, Nichtbanken und
ausländische Finanzinstitute durch auf Dollar lautende Schuldpapiere mit Liquidität
zu versorgen, eingeschränkt. Und in Europa erschwert der Aufstieg populistischer Parteien Reformen auf EU-Ebene sowie die Schaffung der notwendigen Einrichtungen, um die nächste Finanzkrise und Rezession zu bekämpfen.

Anders als 2008, als die Regierungen über die erforderlichen Instrumente verfügten, um den völligen Absturz zu verhindern, werden den mit der nächsten Rezession konfrontierten Politikern die Hände gebunden sein, solange die Gesamtschuldenstände höher sind als während der vorherigen Krise. Die nächste Krise und Rezession könnte, wenn sie dann da ist, noch schwerwiegender und länger ausfallen als die letzte.

Autor Nouriel Roubini ist Professor für Ökonomie an der Stern School of Business der New York University und Mitgründer von Rosa & Roubini Associates. Brunello Rosa ist Mitgründer und CEO von Rosa & Roubini Associates und Forschungsmitarbeiter am Systemic Risk Center der London School of Economics. Aus dem Englischen von Jan Doolan, © Project Syndicate 1995 – 2018

 

 

Im Gespräch mit Professor Otto Lucius zum „World Financial Planning Day“

Mit Otto Lucius, Gründer und bis vor kurzem Vorstandsvorsitzender des Österreichischen Verbandes Financial Planners, sprachen wir über das Spannungsfeld zwischen Finanzbildung und Finanzberatung.

n einer Zeit, in der sich die staatliche Versorgung nicht im bisherigen Maße aufrechterhalten lasse, sind Eigenvorsorge oder betriebliche Vorsorge nötig, weiß Otto Lucius (im Bild rechts). Damit es da keine Enttäuschungen gibt, müsse man wissen, wie der Kapitalmarkt funktioniert. Doch selbst Studierende der Wirtschaftswissenschaften hätten „null Wissen vom Finanzmarkt“. Deshalb komme es zur Fehlallokation von Ressourcen, was auch ein volkswirtschaftliches Problem darstelle. Beispielsweise würden nur 3 % der Österreicher Aktien besitzen, aber 8 % Krypto-Währungen wie Bitcoin.

Zwar gebe es ein Risikobewusstsein in der Bevölkerung, vielen fehle aber die analytische Fähigkeit zu erkennen, was hinter manchen Produkten steckt. Und auch Berater würden sich oft nicht die Mühe machen, das zu erklären, kritisiert Lucius.

Finanzbildung fördern
Seit 30 Jahren passiere in Österreich nichts, um den Umgang mit Geld in den Regelunterricht zu integrieren, beklagt Lucius. Der Österreichische Verband Financial Planners hat deshalb selbst die Initiative ergriffen, um diese unbefriedigende Situation zu ändern.

Als Initialzündung versteht Lucius die groß angelegte „Pro-Bono-Aktion“, die am 3. Oktober, dem „World Financial Planning Day“, stattfindet. An diesem Tag stehen österreichweit 70 Berater für kostenlose Orientierungsgespräche zur Verfügung. Diese seien streng produkt- und anbieterneutral. Lucius: „Es gibt dabei keine Produktberatung und keinen Verkauf.“

Interessenten können mit den teilnehmenden Beratern einen Termin vereinbaren, nähere Informationen gibt es unter www.cfp.at.

Darüber hinaus habe man von der Wirtschaftsuniversität Wien ein Konzept ausarbeiten lassen, wie die Finanzbildung im Unterricht umgesetzt werden könnte. Er sei sich der Widerstände bewusst, die es hier gebe, so Lucius. Immerhin habe das Ministerium aber Unterstützung signalisiert. Jetzt gehe es darum, die Schulen zu überzeugen.

Höchste Standards
Lucius hat 2001 den Österreichischen Verband Financial Planners gegründet und stand bis vor kurzem an dessen Spitze. Sein Ziel war es von Anfang an, „höchste Standards in der Finanzberatung zu etablieren und Finanzbildung im Sinne eines effektiven Konsumentenschutzes in der breiten Öffentlichkeit zu verankern“.

Wichtig ist ihm, dass „Berater nicht gleich Berater“ sei. Zertifizierte Berater seien besser ausgebildet und kundenorientierter: „Ich glaube, es ist langsam gelungen, Finanzplanung als Beratungsleistung in den Vordergrund zu stellen“, resümiert Lucius. „Ein gut ausgebildeter Berater kann auch mit einem nichtwissenden Kunden gut umgehen“, ist er überzeugt. Als Allererstes müsse man sowieso herausfinden, was der Kunde weiß, welche Bedürfnisse und Ziele er hat. Erst dann sei es möglich, ihm bei deren Erreichung zu helfen. „Es ist fast leichter, einen Kunden mit wenig Wissen zu haben, der Rat annimmt, als einen Kunden mit viel Geld, der sich überlegen fühlt“, plaudert Lucius aus der Schule.

„Keine Zukunft ohne Berater“
Auf der anderen Seite könnten nicht einmal Kunden, die sich sehr gut auskennen, ohne Beratung auskommen. Das liege einerseits daran, dass niemand alles wissen könne, andererseits aber auch an der Psychologie: Der Berater diene als Korrektiv und bringe das „Was wäre, wenn“ ins Spiel. Robo Adviser und andere „tolle tools“ wären zwar nett, die meisten Menschen wären aber erstens zu faul, um alles einzugeben, was gefragt wird, und würden zweitens eine Instanz brauchen, um sich rückversichern zu können. Lucius glaubt nicht daran, dass die Zukunft ohne Beratung stattfinden werde. Gerade bei höchstpersönlichen Dingen wie Gesundheit, Recht oder Finanzen stelle sich die Frage: „Traue ich der Maschine zu, dass sie mich versteht?“

Die Funktion des Beraters
Es sei nicht primäre Aufgabe des Beraters, Produkte zu verkaufen und Provisionen zu verdienen, ist Lucius überzeugt. Vielmehr sollte er Sparring Partner oder Coach des Kunden sein, ihm dabei helfen, über seine Wünsche zu reflektieren. „Es geht darum herauszufinden, wie der Kunde tickt, was er will, ob sein Lösungsweg richtig ist.“ Das gelte vor allem auch für die Absicherung: „Ist das, was du gewählt hast, für dich ein gutes Produkt?“ Idealtypisch wäre eine lebensphasenorientierte Beratung: Kunden sollten möglichst früh mit dem Vermögensaufbau beginnen und sich um die Absicherung kümmern. Solange man halbwegs fit sei, sei es auch halbwegs günstig: „Je schlechter die Sterbetafel, desto schlechter der Tarif.“

Das Interview führte Marius Perger

 

 

Türkische Aktien bleiben hochriskant

Nach der jüngsten Zinserhöhung in der Türkei sehen Experten eine leichte Entspannung der Lage. Obwohl es an der Börse Einstiegschancen gibt, bleibt der Markt hochriskant.

Die Türkei kämpft derzeit bekanntlich mit vielen Problemen. Dazu zählen unter anderem die hohe Auslandsverschuldung in Fremdwährungen, das hohe Leistungsbilanzdefizit, die Schwäche der türkischen Lira sowie die zweistellige Inflationsrate. Das weitaus größte Problem ist für Experten allerdings ein anderes: Mit seinen Aussagen hat Präsident Recep Tayyip Erdogan in den vergangenen Monaten und Wochen wiederholt dafür gesorgt, dass ausländische Investoren die Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank in Frage gestellt haben.

Vor der vergangenen Woche war ein Ende der Abwärtsspirale in der Türkei jedenfalls nicht auszumachen. Mit der am Donnerstag der Vorwoche  erfolgten – im Übrigen höher als erwarteten – Zinserhöhung um 6,25 Punkte auf 24 %, hat sich für Gregor Holek, Fondsmanager im Team „Aktien, CEE & Global Emerging Markets“ in der Raiffeisen KAG, jedoch das Blatt gewendet. „Seitdem haben wir wieder festeren Boden unter den Füßen, weshalb wir uns auch wieder – in rein taktischer Hinsicht – auf der Käuferseite befinden“, sagt er im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

Trotz der jüngsten Zinserhöhung sei jedoch bei weitem noch immer nicht alles gut in der Türkei, hält Holek fest. Tatsache sei, dass sich die lokale Wirtschaft in einer Warteposition befinde. „Es werden keine Investitionen getätigt, der Konsum liegt brach, und es werden auch keine Kredite aufgenommen“, erklärt er. Der Industriebereich stehe praktisch still und auch Konsumgüterherstellern stünden schwere Zeiten bevor. Dazu komme, dass tausende Unternehmen Schwierigkeiten haben würden, ihre Fremdkapitalkredite zu bedienen. Das könnte im zweiten Halbjahr zu Gewinn- und Kurseinbrüchen führen.

In die gleiche Kerbe schlägt auch Stuart Canning, Analyst im Multi-Asset-Team bei M&G Investments. „In der Türkei ist vor allem der Unternehmenssektor betroffen, weniger der Staat oder die privaten Haushalte“, so der Experte. Hinzu komme die Koppelung der türkischen Löhne an die Inflation, was erkläre, warum viele Türken nicht daran interessiert wären, ihre Gold- und Devisenbestände zu verkaufen, wie es Präsident Erdogan gefordert habe. Ein größeres Problem sei allerdings die schwache Lira, die die Verschuldung in Fremdwährungen verteuere und ihre Tilgung erschwere.

„Für aktive Anleger lautet die Frage: Wie stark wird der türkische Markt von Stimmungen getrieben anstatt von Fundamentaldaten?“, so Canning weiter. Auch Holek will keineswegs Empfehlungen für türkische Aktien aussprechen. Der Markt bleibe „rasend riskant“, und um zu investieren, benötige man Nerven aus Stahl. „Investoren müssen abwägen, ob die türkische Regierung die richtigen Schritte setzt, um die kommende Krise zu überstehen, die die Börse vorweggenommen hat“, sagt der Fondsmanager. Nachsatz: „Wir müssen uns auf das eine oder andere Quartal mit negativem Wirtschaftswachstum einstellen.“

Vorsicht bei Bankaktien
Wie sollen sich Anleger im aktuellen Umfeld verhalten? „Als Investor gilt es derzeit auszuloten, welche Bereiche des Aktienmarkts ungerechtfertigt unter Verkaufsdruck geraten sind“, so Holek. Dort würden sich Einstiegschancen finden. Zu den Profiteuren der schwachen Lira zählt er etwa Exportunternehmen. Insgesamt gelte es den Markt nach Firmen zu screenen, die eine hohe Fremdwährungsverschuldung aufweisen – bei ihnen sei Vorsicht angebracht. Mit großer Vorsicht beobachte man bei der Raiffeisen KAG derzeit den türkischen Banksektor. „Wir befürchten, dass uns dort die eine oder andere negative Überraschung bevorsteht“, so Holek.

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Marinomed prüft den Gang an die Börse

Die mögliche Bereicherung des Wiener Kurszettels um einen Biotech-Wert fördert die Vielfalt und ist ein positives Signal, auch weil den Anlegern der spekulative Investitionscharakter der Branche längst klar ist.

Börsengänge heimischer Biotech-Unternehmen fanden in jüngster Vergangenheit nicht statt, umso mehr überrascht die Ankündigung der Marinomed Biotech AG, die Börse zur Kapitalbeschaffung in Erwägung zu ziehen. Der Wachstumskurs des Unternehmens, das mit der Entwicklung der Marinosolv®-Technologieplattform bedeutende Fortschritte erzielt, verstärkte sich zuletzt. Belief sich im Vorjahr der Umsatz noch auf 4,8 Mio€, ist unterdessen eine wachsende Vertriebsdynamik absehbar. Überproportional steht dazu aber der Kapitalbedarf für F&E. Noch zum Jahreswechsel 2018/19 soll darüber hinaus die klinische Zulassungsstudie „Phase III“ für das erste Produkt der Marinosolv®-Kategorie starten. Fantasie weist die hauseigene Innovation deshalb auf, da diese die Wirksamkeit von schwer löslichen Wirkstoffen (insbesondere für die Behandlung der Augen und der Nase) erhöhen soll. Diese Anwendung verfüge nach eigenen Angaben über das Potenzial, Therapien im Bereich Allergien und Autoimmunerkrankungen nachhaltig zu verändern. Zudem konnte die Wiener biopharmazeutische Gesellschaft für die schon etablierte Carragelose®-Plattform (umfasst Produkte zur Behandlung viraler Infektionen der Atemwege) in zehn Märkten neue Verträge ergattern.

Ein Börsengang in Wien wurde Ende des Vormonats als eine mögliche Option zur Finanzierung der weiteren Unternehmensentwicklung ins Spiel gebracht. Mit einer 4-%-Wandelanleihe ist die ehemalige Spin-off-Abteilung der Veterinärmedizinischen Universität Wien zudem an der Wallnerstraße bereits seit dem Vorjahr gelistet.

Ein Vortasten
Eine Aktiennotiz auf dem heimischen Börsenparkett wird zwar vorrangig ins Auge gefasst, ist aber noch keineswegs fixiert. Auf Nachfrage des Börsen-Kurier skizziert Senior Advisor Ildiko Füredi-Kolarik den aktuell noch nicht festgelegten und unkonkreten Stand zu einem Börsengang. „Marinomed evaluiert mehrere Möglichkeiten zur Finanzierung des Wachstums. Die Gesellschaft befindet sich dazu in einer frühen Phase und spricht regelmäßig mit Banken, Beratern und Anlegern.“ Zur Frage eines Zeitpunktes einer Platzierung, eine in der Folge geänderte Aktionärsstruktur und das angesteuerte Handelssegment, dämpft Füredi-Kolarik Erwartungen eines dazu definierten Pfades. „Um weitere Details zu nennen, braucht es noch Zeit. Die Wiener Börse anzuvisieren, als in der Bundeshauptstadt ansässiges Unternehmen, ist eine logische Option“, fügt die Kommunikationsverantwortliche hinzu.

Zur Dringlichkeit des Finanzierungsbedarfs stellt sie den Status weiter dar: „Früher als erwartet kann Marinomed mit dem ersten Budesolv-Produkt in die zulassungsrelevante klinische Phase gehen. Der Markteintritt kann dazu bereits 2021/22 erfolgen. Darüber hinaus ist bereits ein Augenwirkstoff in der Entwicklung.“

Derzeit sei Marinomed finanziell noch gut gerüstet, um die nächsten Schritte in Forschung und Entwicklung voranzutreiben. Um die Wachstumspläne aber dauerhaft zu verwirklichen, wolle Marinomed eine längerfristige Finanzierung sicherstellen.

Autor: Roman Steinbauer (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Lehman-Krise: Das übergangene Jahrzehnt

Viele Anleger haben sich von der Lehman-Krise abschrecken lassen. Damit hat man aber Renditechancen vertan, erklären Experten. Sie mahnen dennoch zu Disziplin an der Börse.

Manchmal sagt ein Bild tatsächlich mehr als tausend Worte. Etwa jenes von Manfred Bockelmann mit dem Titel „Das letzte Hemd“. Der Maler und Bruder des verstorbenen Sängers Udo Jürgens hatte ein Kursblatt der FAZ übermalt. Und den Tag gut gewählt. Denn es war das Blatt vom 13. März 2009. In jenem Monat erreichte die Finanzkrise, die am 15. September aufgrund der Lehman-Pleite ihren Lauf nahm, den absoluten Tiefpunkt.

Für Capital-Bank-Vorstand Constantin Veyder-Malberg bot das jüngste Finanzjournalistenforum zum Thema „Zehn Jahre nach Lehman: Die erstaunlichen Gewinne der Anleger“ einen willkommenen Anlass das Bild Eingangs zu präsentieren. „Tatsächlich dachten damals viele Anleger so“, blickt Veyder-Malberg zurück, und meint, dass die Aufregung aber umsonst gewesen sei.

Kräftige Erholung
Denn der Großteil der Investments hat sich seither erholt. Dazu verweist Veranstalter Martin Kwauka auf handfeste Beispiele. Am besten schnitten freilich besonders risikofreudige Investments ab, wozu allerdings die wenigsten Anleger bereit waren. Wer beispielsweise Anfang September 2008 mit 10.000 Euro in einen Welt-Aktienfonds investiert war, hätte inzwischen einen Depotstand von 22.960 Euro. Das macht eine jährliche Rendite von 8,66 %.

Selbst mit einem defensiv ausgerichteten Mischfonds, der zu einem Großteil in Anleihen investiert, hätte man sein Kapital auf 12.750 Euro vermehrt. Allerdings verweist Kwauka auch auf die relativ hohen Kosten, die viele Mischfonds verrechnen. „Sie nagen ordentlich an der Rendite.“

Verschoben statt aufgehoben
Womit sich die Frage vieler Anleger aufdrängt, ob es diesmal anders ist. Das findet Dave Lafferty, der Chefstratege von Natixis Investment Managers, eher nicht: „Die Dinge haben sich seit den Tagen von Lehman kaum verändert. Die Verschuldung der Unternehmen und der Staaten ist seit der Krise gestiegen, gestützt ausschließlich durch künstlich niedrige Zinssätze.“ Banken hätten zwar mehr Eigenkapital, aber ein Großteil der Hebel-wirkung ist auf die Rentenmärkte übergegangen. „Der Lehman-Kollaps brachte viele positive Veränderungen mit sich, aber am Ende erscheint das globale Finanzsystem heute nicht weniger zerbrechlich als vor einem Jahrzehnt“, lautet das nüchterne Fazit des Fachmanns.

Bleibt noch die Frage, was zu tun ist. „Eine Kristallkugel haben wir freilich alle nicht“, betont Veyder-Malberg. Auch seien Rückschläge auf den globalen Börsen nicht mehr auszuschließen. Schließlich dauere die Rallye nun schon sehr lange an. „Wer aber heute Aktien kauft und sie auf viele Jahre hält, hat eine große Chance auf eine positive Wertentwicklung“, betont der Bank-Experte. Denn das richtige Timing könne praktisch niemand ernsthaft „erraten“. Viel wichtiger sei es, während der Veranlagungsdauer laufend sicherzustellen, dass die ursprünglich gewählte Risikobereitschaft stets eingehalten wird.

Auf das Rebalancing achten
Steigen beispielsweise die Aktienmärkte besonders stark an, nimmt damit automatisch auch deren Gewichtung im Portfolio zu. „Da muss man eben die Position reduzieren, bis die ursprüngliche Balance wiederhergestellt ist“, mahnt Veyder-Malberg sich nicht verleiten zu lassen. Denn sonst könnte am Ende Tages wieder eine böse Überraschung drohen.

Autorin: Mag. Raja Korinek (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Höchststand bei Pkw-Zulassungen

Prüfstandardumstellung-Umstellung treibt Pkw-Neuzulassungen auf historischen Höchststand (19.09.)

Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen in der EU stieg im August um fast ein Drittel – und damit so stark wie noch nie zuvor. In Österreich lag das Plus ebenfalls bei 31 %. Der Grund für das starke Wachstum sei nach Einschätzung von Gerhard Schwartz, Partner und Sector Leader Industrial Products bei EY Österreich, die Umstellung auf den neuen WLTP-Prüfstandard: „Seit dem 1. September dürfen in Europa nur noch Fahrzeuge verkauft werden, die nach den neuen WLTP-Regeln zugelassen wurden – daher haben einige Autohersteller im Vorfeld der Umstellung noch im großen Stil alte NEFZ-Modelle in den Markt gedrückt. Zum einen wurden dabei Fahrzeuge mit hohen Rabatten an Endkunden verkauft, zum anderen gab es in erheblichem Umfang Eigenzulassungen – diese Pkw werden in den kommenden Monaten auf den Gebrauchtmarkt gelangen.“

Bemerkenswert sind die Unterschiede zwischen den Unternehmen, die vor allem auf einen unterschiedlichen Umgang mit dem WLTP-Thema zurückzuführen sein dürften: So stieg die Zahl der EU-weiten Neuzulassungen von Fahrzeugen aus dem Fiat-Konzern um 40 %, beim Volkswagenkonzern lag das Plus bei 41 %, bei Renault sogar bei 58 %. Auf der anderen Seite legten die Neuzulassungen von BMW- und Mini-Modellen nur um 6,5 % zu. Daimler verzeichnete sogar einen Rückgang um knapp 3 %.

„Autokäufer können sich kommenden Monaten auf ein deutlich größeres Angebot an Tageszulassungen einstellen“, betont Schwartz. „Voraussichtlich werden wir einen deutlich lebendigeren Gebrauchtwagenmarkt sehen.“

In geringem Umfang dürfte es im August zudem zu vorgezogenen Käufen aufgrund steigender Kfz-Steuern gekommen sein, so Schwartz: „Fahrzeuge mit einer Erstzulassung vor September 2018 sind in der Regel günstiger in der Steuer, denn durch die Umstellung auf den neuen Prüfzyklus steigt – auf dem Papier – der Durchschnittsverbrauch, nach dem sich die Steuer richtet.“

Für die Autoindustrie brechen nach Schwartz‘ Einschätzung vorübergehend magere Zeiten an: „Auf den sehr starken August werden mindestens zwei sehr schwache Monate folgen – zum einen, weil zahlreiche Neuwagenkäufe vorgezogen wurden, zum anderen, weil etliche Interessenten auf die sehr jungen Gebrauchten – also Tageszulassungen – zurückgreifen werden. Obendrein ist das Angebot eingeschränkt: Einige Modelle sind noch nicht nach dem neuen Prüfstandard zertifiziert und daher nicht verfügbar. Zum Ende des Jahres dürfte sich die Situation aber wieder normalisiert haben.“

Diesel-Marktanteil stabilisiert sich in den großen Absatzmärkten auf niedrigem Niveau
Im August stiegen die Neuzulassungen von Diesel-Pkw in den fünf größten EU-Märkten um acht Prozent und in Österreich um sieben Prozent, was aber angesichts der WLTP-Verzerrungen wenig aussagekräftig ist. Im bisherigen Jahresverlauf gingen die Diesel-Neuzulassungen in den Top-5-Märkten immerhin um 15 % zurück, in Österreich liegt das Minus bei 12 %.

Der Diesel-Marktanteil lag wie schon in den Vormonaten in den Top-5-Märkten bei knapp über 37 %  und damit um 7,3 Prozentpunkte unter dem Wert des Vorjahresmonats. Im Vergleich zu den Vormonaten sind die Marktanteilsverluste leicht zurückgegangen. In Österreich sank der Anteil der Diesel-Modelle an allen Neuzulassungen um 9,1 Prozentpunkte auf 40,2 %.

 

Für die Hersteller wäre eine Stabilisierung des Dieselabsatzes enorm wichtig, sagt Schwartz: „Neue Dieselmotoren der Euro 6d-Temp-Norm sind sauber, hoch effizient und ein wichtiger Pfeiler einer Strategie zur Senkung der CO2-Emissionen. Und die Hersteller haben ein großes Interesse daran, dass der Diesel nicht weiter an Boden verliert“. Der anhaltende Abwärtstrend beim Dieselabsatz und die gleichzeitig stark steigenden Absatzzahlen beim Benzinmotor würden dazu führen, dass hohe Strafzahlungen wegen der Nichteinhaltung von CO2-Grenzwerten immer wahrscheinlicher werden – zumal der Marktanteil alternativer Antriebe nur leicht steigt.

Wachstum bei Elektrofahrzeugen lässt nach
Die Neuzulassungen von Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen stiegen im bisherigen Jahresverlauf in den größten fünf Märkten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 41 %; in Österreich lag das Plus hingegen nur bei 19 % (Hybrid: plus 26 %, Elektro: plus 9 %).

Nicht nur in Österreich, auch in den Top-5-Märkten lag das Wachstum bei Hybrid-Fahrzeugen mit 42 % höher als bei Elektrofahrzeugen, die nur um 33 % zulegten. Im August lagen die Wachstumsraten noch weiter auseinander: Während die Neuzulassungen von Hybrid-Pkw in den fünf größten Märkten um 60 % stiegen, wurden gerade einmal 17 % mehr Elektrofahrzeuge neu zugelassen. Damit war der August der Monat mit der niedrigsten Elektro-Wachstumsrate in diesem Jahr in den Top-5-Märkten. In Österreich sanken die Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen sogar um 12 %, der Marktanteil schrumpfte von 1,7 auf 1,1 %.

Der Marktanteil von Elektrofahrzeugen lag in den Top-5-Märkten im August wie im Vorjahresmonat bei 1,0 %, während Hybrid-Modelle immerhin auf einen Anteil von 5,3 % kamen – nach 4,2 % im August 2017. „Elektrofahrzeuge spielen auf dem Neuwagenmarkt nach wie vor keine Rolle“, beobachtet Schwartz. „Die Modellauswahl ist überschaubar, die Preise sind zu hoch, die Reichweiten zu gering und die Ladeinfrastruktur ist immer noch unzureichend.“ Hinzu kämen bei einigen Modellen sehr lange Bestellzeiten.

Schwartz rechnet aber angesichts der aktuellen Modelloffensive gerade der deutschen Konzerne mit einem deutlichen Wachstum der Absatzzahlen von Elektrofahrzeugen: „Es kommen jetzt sehr attraktive Modelle auf den Markt, die gute Chancen haben, zumindest im Premiumsegment mehr als nur ein Nischendasein zu fristen. Und auch bei der Ladeinfrastruktur geht es langsam voran, so dass wir in den kommenden zwei bis drei Jahren einen deutlichen Schub beim Absatz von Elektroautos sehen werden.“

Anlageklima in China weiterhin günstig

David Raper und Baijing Yu, Portfoliomanager des Comgest Growth China bei der internationalen Fondsgesellschaft Comgest, sind der Ansicht, dass sich das Anlageklima in China bei einer gezielten Titelauswahl trotz des Handelskonfliktes bezahlt machen wird. (06.09.)

Der lange Schlagabtausch zwischen China und den USA mündete offiziell erst vor kurzem in einen Handelskrieg. Die USA verhängten Zölle in Höhe von 25 % auf chinesische Waren, worauf China mit ebenso hohen Vergeltungszöllen reagierte. In der Öffentlichkeit zeigen sich US-Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping fest entschlossen, die Interessen ihrer Länder zu wahren, signalisieren aber auch Verhandlungsbereitschaft. So hoben die USA ihre Sanktionen gegen den chinesischen Telekommunikationsausrüster ZTE auf und verzichteten auf schärfere Vorschriften für chinesische Investoren. China beschleunigt unterdessen die Öffnung einiger Finanzbereiche wie Wertpapierhandel, Vermögensverwaltung und Versicherungen und beseitigt Hemmnisse für Unternehmen im Automobil-/Agrarsektor. Die Abhängigkeit Chinas vom Welthandel ist in den letzten Jahren zwar stetig gesunken, aber noch schärfere Beschränkungen für Investitionen und Technologietransfers könnten die wirtschaftliche Neuausrichtung bremsen.

Die Wirtschaft wächst insgesamt nach wie vor solide, dennoch weht inzwischen bei Investitionen und Übernahmen zwischen den USA und China ein eisiger Wind. Die USA verschärfen die Kontrolle ausländischer Investitionen, um den Transfer von Technologie- und Industrie-Know-how durch die Hintertür zu verhindern. Damit wollten sie Chinas Ambitionen durchkreuzen, die globale Technologieführerschaft zu übernehmen.

Eine stabile Binnenwirtschaft ist für Reformen und Schuldenabbau vor allem angesichts der wachsenden Handelsspannungen von zunehmender Bedeutung. Das chinesische Politbüro teilte diese Einschätzung auf seiner Sitzung im Juli und kündigte Lockerungsmaßnahmen an. Dementsprechend ist für die kommenden Monate mit einer Belebung des Liquiditäts- und Kreditwachstums zu rechnen. Langfristig ist das Hauptziel der chinesischen Regierung jedoch der Schuldenabbau. Dank Konsum, Investitionen in Forschung & Entwicklung (F&E) und Reformen ist das Klima für eine gezielte Titelauswahl in China unverändert günstig.

SoftBank steuerte im Juli am stärksten zum positiven Ergebnis des Comgest Growth China bei. Acht Beteiligungsunternehmen des Konzerns präsentierten auf der Konferenz SoftBank World 2018 ihre Ergebnisse. Anlegern wurde dabei bewusst, dass SoftBank, gemessen an seinen Vermögenswerten, unterbewertet ist. Das Zwischenergebnis des Halbleiterunternehmens TSMC bestätigte unsere Einschätzung, wonach das Unternehmen seinen Wettbewerbsvorsprung außerhalb des Mobilfunksektors ausbaut und neue Chancen wahr nimmt.

Zu den Verlustbringern des Fonds zählte unter anderem Yutong Bus. Das Unternehmen meldete einen schwachen Juni-Umsatz, bevor die Subventionen für Elektrobusse erneut gekürzt wurden. Angesichts der geringen Marktdurchdringung rechnen wir dennoch mit einem langfristigen Anstieg der Busumsätze um 8 %. Uns gefällt die nach wie vor attraktiv bewertete Aktie mit ihrer soliden Dividendenrendite. Der chinesische Hersteller von Kinder- und Babyartikeln Goodbaby geriet in den Sog der Abwicklung von Toys„R”Us und dem daraus resultierenden Bestandsabbau bei seinen Premiummarken. Wir beurteilen die Branding-Strategie in China unverändert optimistisch und gehen davon aus, dass das Land langfristig zum Wachstumstreiber avancieren wird.

Hausse an der Wall Street geht weiter

Eine nachhaltige Trendwende am US-Aktienmarkt machen Experten derzeit nicht aus. 
Bis es zu einer Pause bzw. Korrektur kommen wird, sei allerdings nur eine Frage der Zeit.

Das von nicht wenigen Beobachtern seit längerem angekündigte Ende der Hausse an der New Yorker Wall Street lässt weiter auf sich warten. Bekanntlich erreichte der S&P 500 erst im August einen neuen Höchststand. Seitdem steht fest: der seit 2009 andauernde Bullenmarkt ist der längste der Geschichte. Eine nachhaltige Trendwende machen Experten dennoch nicht aus. Im Gegenteil: der Aufschwung könnte sich durchaus noch eine Weile fortsetzen.

„Das fundamentale Umfeld ist in den USA weiterhin gut“, sagt Andreas Rieger, Manager des „ESPA Stock Global“, gegenüber dem Börsen-Kurier. Vor allem die Unternehmensgewinne würden sich sehr gut entwickeln. Tatsächlich sind die Gewinne der US-Firmen im zweiten Quartal um starke 25 % gestiegen. „Natürlich spielt in diesem Zusammenhang auch die Steuerreform der Trump-Regierung eine Rolle“, so Rieger. Nachsatz: „Aber auch ohne diesen Effekt wären die Vorsteuergewinne um
13 % gestiegen.“

Dass der US-Aktienmarkt mittlerweile extrem teuer bewertet ist, findet der ESPA-Experte im Übrigen nicht. Er verweist darauf, dass der Markt auf Basis der geschriebenen Gewinne aktuell mit einem KGV von 16,8 x bewertet ist. Das liege nur um 10 % über dem langfristigen Durchschnitt von 15 x. „Die Bewertung sehe ich nicht als alleinigen Auslöser einer Korrektur“, sagt er. In die gleiche Kerbe schlägt auch Gernot Schrotter, Manager des „Kepler US Aktienfonds“: „Wegen der Unternehmensgewinne und der makroökonomischen Großwetterlage ist die Bewertung des Marktes kein Hindernis.“

Zu den größten Risiken für den US-Aktienmarkt gehört für Experten der aktuelle Handelskonflikt – auch wenn die Unternehmen selbst davon bislang nur wenig betroffen wären. „Allerdings hat sich in den letzten Wochen in Conference Calls anlässlich der Ergebnisse für das zweite Quartal gezeigt, dass der Handelskonflikt für sie ein großes Thema ist“, so Schrotter. Früher oder später könnte er sich in den Zahlen widerspiegeln. Ein weiteres Risiko stellt für den Fondsmanager eine zu restriktive Zinspolitik der Fed dar. Er glaube aber nicht, dass die Fed die Zinsen zu schnell anheben werde. Außerdem sei der Markt mittlerweile darauf vorbereitet. „Die Hausse könnte bei normaler Wetterlage noch weiterlaufen“, so Rieger. Allerdings müsse es früher oder später zu einer Pause bzw. Korrektur kommen.

„Wir haben den Fonds zuletzt etwas ausgewogener aufgestellt und defensive Werte hinzugefügt“, erklärt Rieger. So habe man etwa im Techsektor in den vergangenen Wochen Gewinne mitgenommen. Nichtsdestoweniger bleibe er ein wichtiger Treiber des Marktes und sei maßgeblich verantwortlich für das Plus von 7,4 %, das der S&P 500 seit Jahresbeginn verzeichnet hat. Der Experte räumt zwar ein, dass bestimmte Nischen im Technologieuniversum zuletzt heiß gelaufen und teuer bewertet wären. „Schaut man sich aber große Werte wie Microsoft, Alphabet, Visa oder Mastercard an, so kann man nicht von Blasen-Bewertungen sprechen“, so Rieger.

Schrotter bleibt auch im aktuellen Umfeld seiner Strategie treu. „Wir orientieren uns stark an den Bewertungen“, sagt er. Daher würden sich derzeit Unternehmen wie Amazon oder Netflix auch nicht im Portfolio befinden. Gleichzeitig gilt der Fokus weiterhin Playern mit einem stabilen Geschäftsverlauf, die keine großen Gewinnsprünge verzeichnen. Im vergangenen Herbst habe man das Portfolio umgestellt und die Volatilität in den Vordergrund gestellt. Mit dem Minimum-Varianz-Ansatz sei man sehr gut gefahren. „Dementsprechend haben wir uns auf Aktien wie AT&T, Visa, Pepsi oder Procter & Gamble konzentriert.“

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Reformen nach Vorbild Schwedens

In Österreich gibt es immer mehr ältere Menschen, aber: immer weniger Erwerbsfähige, die für deren Pensionen aufkommen sollen. Lesen Sie in Teil 1 unserer Serie ein Interview mit Wolfgang Nagl, Pensionsexperte beim unabhängigen Think Tank Agenda Austria.


Börsen-Kurier: Generell gefragt: Was bedeutet das für eine Volksökonomie, wenn die Schere zwischen Pensionsantrittsalter und der Lebenserwartung immer weiter auseinanderklafft?

Wolfgang Nagl: Die Zeit im Ruhestand ist seit 1970 deutlich angestiegen. Im Jahr 1970 bezogen die Frauen 18,5 Jahre lang, die Männer 13,7 Jahre lang die Pension. Aktuell liegt die Pensionsbezugsdauer für  Frauen bei 26,7 Jahren und für  Männer bei 21,5 Jahren. Der Grund dieses starken Anstiegs ist die Kombination aus der steigenden Lebenserwartung und des sich über die Zeit kaum verändernden effektiven Pensionsantrittsalters der Österreicher. Der Anstieg bei der Lebenserwartung ist natürlich erfreulich, die steigende Pensionsbezugsdauer, bei einem konstanten effektiven Pensionsantrittsalter, hat aber spürbare Konsequenzen für das Pensionssystem: Es muss immer mehr Geld aus dem Staatshaushalt in das Pensionssystem zugeschossen werden.

Börsen-Kurier: Können Sie hier Prognosen geben?

Nagl: Die Prognosen zeigen, dass die Ausgaben zukünftig noch weiter ansteigen werden. Der aktuelle „Ageing Report“ der Europäischen Kommission verdeutlicht, dass die Ausgaben für die Pensionen als Anteil am BIP von heute 13,8 % bis 2040 auf 14,9 % ansteigen und dann nur langsam wieder abfallen werden. Aktuell ist auch die Babyboomer-Generation dabei, in die Pension überzugehen. Als Konsequenz wird sich die Bevölkerungsstruktur stark verändern: Da die Altersgruppe der Über-65-Jährigen stärker anwächst als der Rest der Bevölkerung, müssen immer mehr Pensionisten von den Erwerbstätigen finanziert werden. So kommen auf einen Pensionisten aktuell noch 3,3 Personen im erwerbsfähigen Alter. Im Jahr 2037 werden dies bloß noch 2,2 Erwerbsfähige sein.

Börsen-Kurier: Und welche Schlüsse ziehen Sie aus dem „Geschlechter-Gap“, wenn Frauen also tendenziell älter werden?

Nagl: Frauen gehen früher in Pension und leben länger. Diese zwei Faktoren verursachen, dass sie aktuell mehr als ein Vierteljahrhundert in Pension verbringen (26,7 Jahren). Das wirkt sich natürlich negativ auf die Finanzierbarkeit des Pensionssystems aus. Schon heute liegt Österreich, laut Bericht der Europäischen Kommission, im Spitzenfeld bei den Pensionsausgaben. Lediglich Griechenland, Frankreich und Italien hatten im Jahr 2016 mehr Ausgaben, gemessen an der jeweiligen Wirtschaftskraft.

Börsen-Kurier: Wie lässt sich unser Pensionssystem fürderhin – „besser“ – finanzieren?

Nagl: 1980 zahlte die Republik rund 9,9 Mrd. Euro an Pensionen aus, von denen im selben Jahr 5,8 Mrd. Euro von den Erwerbstätigen an Beiträgen geleistet wurden. Für das Jahr 2015 betrugen die Pensionsleistungen rund 50,9 Mrd. Euro, von denen aber nur etwa 29,3 Mrd. aus Beiträgen stammten. Der aktuelle Ageing Report der Europäischen Kommission zeigt, dass die Ausgaben für die Pensionen als Anteil am BIP bis 2036 ansteigen werden und dann relativ konstant bleiben.

Börsen-Kurier: Was sind daher Ihre Forderungen?

Nagl: Die Agenda Austria plädiert dafür, Reformen nach dem Vorbild Schwedens durchzuführen: Dort hängt die Höhe der Pension auch davon ab, wie lange sie voraussichtlich bezogen wird – also von der Lebenserwartung. In Österreich sollte daher das Pensionsantrittsalter automatisch an die – jedes Jahr um gut zwei Monate steigende – Lebenserwartung angepasst werden. Damit wäre unser Pensionssystem nachhaltig finanzierbar, ohne dass die Jüngeren dafür zur Kasse gebeten werden. Dass das Pensionsantrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt ist, ist auch keine Ausnahmeregelung in Schweden. Weitere Länder wie Dänemark, Griechenland, Italien, Zypern, die Niederlande, Slowakei und Finnland koppeln bereits das gesetzliche Pensionsalter an die Lebenserwartung.

Börsen-Kurier: Auch im Vergleich mit anderen OECD-Ländern: Die Pensionsdauer ist selten so lange wie in Österreich?

Nagl: Bezüglich Pensionsdauer liegt Österreich im internationalen Vergleich im Spitzenfeld. Im Durchschnitt aller OECD-Länder liegt die Pensionsdauer für Frauen bei 22,5 Jahren und für Männer bei 18,1 Jahren. In Österreich liegt sie für die Frauen bei 26,7 Jahren und für die Männer bei 21,5 Jahren. Das heißt, die Männer gehen gemessen am Durchschnitt aller OECD-Länder um mehr als drei Jahre, die Frauen um mehr als vier Jahre früher in Pension. Ein Grund ist das niedrige gesetzliche Pensionsantrittsalter der Frauen, welches aktuell bei 60 Jahren liegt.

Börsen-Kurier: Welche politischen Konsequenzen müsste man hieraus ziehen?

Nagl: Das Frauenpensionsalter sollte deswegen schneller von derzeit 60 auf 65 Jahre angehoben werden. Nach den derzeitigen Bestimmungen würde das erst im Jahr 2033 der Fall sein. Das führt dazu, dass Österreich im Jahr 2020 das niedrigste Pensionsantrittsalter für Frauen in der Europäischen Union haben wird. Beamtinnen müssen ja jetzt schon bis zum Alter von 65 arbeiten, um eine Pension zu beziehen. Das Antrittsalter von 60 Jahren führt dazu, dass Frauen sehr niedrige Pensionen haben, weil sie gerade in Jahren, in denen sie oft mehr verdienen als zuvor, nicht mehr für ihre Pension einzahlen bzw. ansparen können. Begleitende Maßnahmen – wie Anreize für Unternehmer zur Anstellung älterer Arbeitnehmer oder für „gesündere“ Arbeitsplätze – würden dafür sorgen, dass mehr Ältere ihre Jobs behalten bzw. neue finden.

Das Interview führte Mag. Rudolf Preyer (rp@finanzmedien.at)

Im zweiten Teil unserer Vorsorge-Serie in der nächsten Ausgabe des Börsen-Kurier wird der bekannte Pensionsexperte Bernd Marin Lösungen zur Pensions-Thematik formulieren.

 

 

Wurden aus der Finanzkrise Lehren gezogen?

Mit dem nahenden zehnten Jahrestag des Beginns der weltweiten Finanzkrise kommt eine Welle retrospektiver Untersuchungen dieses Ereignisses auf uns zu. In zahlreichen dieser Analysen wird versucht, die große Frage zu beantworten: Wurde das Finanzsystem grundlegend reformiert, so dass wir uns darauf verlassen können, dass sich die düsteren und destruktiven Ereignisse von 2008/2009 nicht wiederholen oder ließ man die Chance durch diese Krise ungenützt verstreichen?

Auf diese Frage wird es keine übereinstimmende Antwort geben. Mancherorts wird man argumentieren, dass die Reformen nach der Krise, insbesondere jene hinsichtlich der Kapitalanforderungen für Banken, zu weit gingen und dass die Kosten in Bezug auf das Endergebnis zu hoch waren. Andere werden die Ansicht vertreten, dass noch viel mehr getan werden müsse, dass Banken noch viel mehr Kapital brauchen und, wie die Proponenten eines jüngst in der Schweiz abgehaltenen Referendums argumentierten, dass den Banken die Möglichkeit zur Geldschöpfung genommen werden sollte.

Veränderung war notwendig

Doch jeder realistische Beobachter muss anerkennen, dass eine sehr bedeutsame Veränderung stattgefunden hat. Die meisten Großbanken verfügen heute über drei- bis viermal mehr Kapital von weitaus höherer Qualität als im Jahr 2007. In  systemischen Institutionen sind jetzt zusätzliche Puffer erforderlich. Das Risikomanagement wurde enorm gestärkt. Und die Eingriffsbefugnisse der Regulierungsbehörden gestalten sich weitaus robuster. Die politische Unterstützung einer strengen Regulierung bleibt stark, außer in den Vereinigten Staaten, aber selbst dort profitierten hauptsächlich Gemeinschaftsbanken von den Maßnahmen der Trump-Administration und nicht die Wall Street.

Es wurde auch etwas übersehen

In einem Bereich wurde allerdings viel weniger erreicht. Wie der ehemalige Vorsitzende des US Federal Reserve Board, Paul Volcker, bemerkte, wird „in praktisch jeder Post-Mortem-Analyse der Finanzkrise das verschachtelte US-Regulierungssystem als ein Faktor erwähnt, der zur finanziellen Kernschmelze beitrug“.

Die mit der Finanzkrise sichtbar gewordenen Mängel hätten mit der Dodd-Frank-Gesetzgebung des Jahres 2010 zwar behoben werden sollen, geändert hat sich jedoch sehr wenig. Lediglich eine kleine Aufsichtsbehörde wurde abgeschafft – das Office of Thrift Supervision, dem nur wenige nachtrauern und eine andere wurde gegründet – das Consumer Financial Protection Bureau, eine von der aktuellen Administration derart ungeliebte Behörde, dass man sich Fragen zu ihrer Langlebigkeit stellt.

Die von Volcker speziell erwähnte Verschachtelung wurde nicht behoben. Heute lautet sein Urteil: „Das System zur Regulierung von Finanzinstitutionen in den USA ist stark fragmentiert, veraltet und ineffektiv.” Doch abgesehen davon ist alles in Ordnung!

Hat die Welt dazugelernt?

Die USA sind zweifellos ein Sonderfall. Aber wie steht es um den Rest der Welt? Es gab ein paar Änderungen, insbesondere im Vereinigten Königreich, wo wir uns in der kosmetischen Umgestaltung der Institutionen gefallen. Die Aufgaben der vollständig integrierten Aufsichtsbehörde Financial Services Authority (deren erster Vorsitzender ich war) gingen entweder zurück an die Bank of England oder wurden der Nachfolgebehörde Financial Conduct Authority überantwortet.

Eine vor kurzem durchgeführte Studie des von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich and dem Basler Ausschuss für Bankenaufsicht ins Leben gerufenen Instituts für Finanzstabilität kommt zu dem Schluss, dass es in elf der untersuchten 79 Länder zu Änderungen gekommen ist. Interessanterweise geht der schwache internationale Trend, trotz der Reform in Großbritannien, in Richtung integrierter Regulierung und weg vom traditionellen Modell, im Rahmen dessen Versicherungen und Wertpapiere der Regulierung durch unterschiedliche Behörden unterliegen, während die Zentralbank als Aufsicht des gesamten Bankensystems fungiert.

Regulierung, Regulierung, Regulierung

Dennoch haben wir es in der Praxis weltweit mit einer bemerkenswerten Regulierungsvielfalt zu tun. Von den 79 Ländern weisen 39 nach wie vor eine auf drei Säulen beruhende sektorale Aufteilung auf und 23 verfügen über integrierte Behörden (von denen neun auch als Währungsbehörden dienen). Weitere neun Länder verfügen über zwei Aufsichtsbehörden, deren Funktionsbereiche entlang sektoraler Grenzen abgegrenzt sind und acht Länder entschieden sich für ein so genanntes Twin-Peaks-System, im Rahmen dessen eine Behörde für die Regulierung des Kapitalmarktes zuständig ist und die andere die Aufsicht über die Geschäftsgebarung übernimmt.

Man hätte erwartet, dass sich aus einer Analyse dessen, was in der Krise funktioniert hat und was nicht, ein gewisser Grad an Übereinstimmung herauskristallisiert hätte. Aber dafür gibt es nur wenige Anzeichen.

Die Schlussfolgerungen aus der Untersuchung gestalten sich ziemlich uneinheitlich. Es ist schwer zu sagen, dass eine Struktur in allen Fällen besser funktionierte als eine andere. Dennoch gibt es einige aufschlussreiche Einschätzungen. Eine Studie des Internationalen Währungsfonds über die Regulierung in der Zeit vor der Krise kam zu dem Schluss, dass „Länder mit integrierten Aufsichtsbehörden (damals in der Regel außerhalb der Zentralbank) stärkere Konsistenz in der Qualität der Aufsicht zeigen“. Mit anderen Worten: sie hielten sich strenger an die von Basel etablierten Standards. Wo jedoch seit der Krise Änderungen stattfanden, wurden die Zentralbanken typischerweise mit stärkeren Befugnissen ausgestattet.

Kein einheitliches Vorgehen

Diese strukturelle Vielfalt der Reformen nach der Krise trägt nicht dazu bei, eine einheitliche Umsetzung globaler Standards sicherzustellen. Besonders problematisch ist das in der Europäischen Union. In der Eurozone gibt es mittlerweile eine Bankenunion, aber die Aufsichtsbehörden sind in etwa der Hälfte der Mitgliedsstaaten in der Zentralbank angesiedelt und in der anderen Hälfte außerhalb davon.

Wäre das nicht eine Aufgabe für den Finanzstabilitätsrat (FSB)? Könnte der FSB die verschiedenen Praktiken nicht überprüfen und eine bevorzugte Struktur herausarbeiten oder wenigstens einige weniger bevorzugte nennen?

Leider besteht kein großes Interesse daran, diese heiße Kartoffel anzufassen. Nationale Aufsichtsbehörden haben keine Lust, ihre eigenen Systeme zu kritisieren. Etwas mutiger präsentiert sich die Untersuchung des Instituts für Finanzstabilität. Zwischen den Zeilen ist zu lesen, dass die Autoren nicht viel vom sektoralen Modell halten, aber ihre wenig aufregende Schlussfolgerung lautet, dass „es sinnvoll erscheint, in den einzelnen Zuständigkeiten vor dem Hintergrund vorherrschender Ziele regelmäßig eine Bewertung der Funktionsweise der Aufsichtsarchitektur vorzunehmen“.

Wer könnte dem widersprechen? Die Autoren waren offenkundig darauf bedacht, dass jedes akademische Papier, das sein Geld wert ist, mit einem Plädoyer für weitere Forschungen endet.

Wir werden also wohl in einem höchst vielfältigen System weiterwursteln. In vielen Ländern gelang es nicht einmal  nach der Finanzkrise des Jahres 2008, diverse Interessensgruppe auszuhebeln. Obwohl also die Finanzregulierung materiell gestärkt wurde – und das ist eindeutig der bedeutsamste Aspekt – bleibt ihre Umsetzung in den Händen eines Flickwerks aus nationalen Aufsichtsbehörden.

Autor Howard Davies ist Aufsichtsratsvorsitzender der Royal Bank of Scotland. Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier, Copyright Project Syndicate 1995 – 2018

 

 

In Immobilien richtig anlegen

In Zeiten niedriger Zinsen und günstiger Kredite sind Immobilieninvestments beliebte Renditebringer. Diese Fehler sollten Sie aber auf jeden Fall vermeiden.

Die angestrebte Idealsituation: Die laufenden Mieteinnahmen decken nicht nur die Kreditrückzahlungen; es bleibt sogar ein kleiner Profit, um Leerstandperioden abzufedern und Instandsetzungsarbeiten zu finanzieren. Doch grau ist bekanntlich alle Theorie und ganz so simpel sind Renditen mit diesem Geschäftsmodell in der Praxis nicht zu erzielen.

Wer mit Betongold glänzen will, sollte Fehler tunlichst vermeiden. Diese schleichen sich mitunter schon ein, wenn Investoren in spe Wohngegenden auswählen, in denen sie selbst gerne zu Hause wären. Das ist falsch. Die Lage des Wohnobjekts ist zwar entscheidend, doch sollte man nach Kriterien wie Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel, Infrastruktur und last but not least an die zu erzielende Rendite denken. Letztere lässt, zum Beispiel in Nobelbezirken Wiens, sehr zu wünschen übrig, während in Arbeiterbezirken das Verhältnis Kaufpreis zu marktüblicher Miete einen Investment-Return von bis zu 4 % ermöglicht.

So nicht ein weiterer Fehler begangen wird, der mit der Wohnungsgröße zusammenhängt. Als Faustregel gilt: Small is beautiful. Kleinwohnungen bis zu 50 m2 lassen sich wesentlich einfacher vermieten als große. Bei Mieten von mehr als 1.000 Euro wird das Klientel kleiner und somit die Luft für den Vermieter dünner. Große Wohnungen stehen somit länger leer als kleine und sind auch schwieriger zu verkaufen, wohingegen kleine Einheiten sehr rasch neue Käufer finden.

Mit der Wohnungsgröße steigt auch die Gefahr, von sogenannten Mietnomaden betrogen zu werden, denn diese Spezies logiert in strafbarer Handlung lieber im nobleren Ambiente als in der engen Neubau-Garconniere, da die zu erwartende Strafe nicht Maß an der Eleganz des Vergehens nimmt.

Mögliche Probleme mit Mietern sind auch der Grund, warum viele Wohnungsbesitzer das Vermieten scheuen. Tipp: Überlassen Sie das Vermieten professionellen Maklern. Schon bei der Auswahl eines geeigneten Mieters hilft die Erfahrung eines Profis, das Risiko zu minimieren.

Ist also nun eine geeignete Kleinwohnung in idealer Vermietlage gefunden, gilt zu prüfen, ob die Liegenschaft nach dem 1. Juli 1953 errichtet wurde, um nicht in die Falle der Richtwertmiete zu tappen, welche für sogenannte Altbauten vor diesem Stichtag die Mieteinnahme pro Quadratmeter gesetzlich limitiert. Auch hier ist man gut beraten, Rücksprache mit Steuerberater und Makler zu halten, da es Altbaubestände gibt, die, obwohl nach 1953 komplett modernisiert, mit Richtwertmiete behaftet bleiben.

Bei der Finanzierung ist zu beachten, dass zum vereinbarten Kaufpreis beinahe 10 % an Nebenkosten wie Makler-, Notar-, Vertragserrichtungsgebühren, Grunderwerbssteuer, Grundbucheintragungsgebühr, usw. anfallen können.

Auch wenn manche Banken Vollfinanzierungen anbieten, tut man gut daran, mindestens 20 % Eigenmittel zur Verfügung zu haben, da andern­falls die monatliche Belastung die Mieteinnahmen deutlich übersteigt. Nicht immer bietet die Hausbank den besten Kredit, weshalb es sich lohnt, Vergleichsangebote einzuholen. Auch wenn im urbanen Bereich, besonders in Wien, die Liegenschaftspreise über die letzten Jahre hindurch „verlässlich“ zugelegt haben, gilt keineswegs als ausgemacht, dass die Immobilienpreise auch in Zukunft ähnlich rasant wachsen. Empfehlenswert ist der Erwerb von Anlagewohnungen als Beimischung im ausgewogen sortierten Portfolio allemal. Wer mit Immos auf Zack sein will, sollte sich jedoch eingehend mit den Tücken des Marktes vertraut machen und auf Profis als Partner setzen

Autor: Helmut Berg  (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Ein Hoch der Mitarbeiterstiftung

Das neunte Rekordhalbjahr in Folge präsentierte die Oberbank in der Vorwoche. Für den Kapitalmarkt genauso interessant wie förderlich ist aber auch die neue Mitarbeiterstiftung.

Bereits zum neunten Mal in Folge konnte CEO Franz Gasselsberger vergangene Woche ein Rekordhalbjahr vorweisen. Vor allem aufgrund des Kreditwachstums (+9,3 % im Kommerz- und +6,6 % im Privatbereich; bei nur 5,3 Mio Euro an Risikovorsorgen) und einer auch ansonsten sehr starken Geschäftsentwicklung ist das Betriebsergebnis um 15,1 % auf knapp 140 Mio Euro angestiegen. Gasselsbergers Ausblick bleibt aufgrund der geopolitischen Probleme allerdings zurückhaltend, man geht aber davon aus, das Rekordergebnis des Vorjahres zu erreichen zu können. Dazu beitragen sollen auch die heuer in Summe zehn bis zwölf neuen Filialen, die die überzeugte „Beraterbank“ gegen den Branchentrend bereits eröffnet hat oder noch eröffnen wird. „So weit, so fad“, wie der Bank-Chef mit einem Augenzwinkern selbst dazu meinte.

Über dem Branchenschnitt ist aber auch das Tempo, mit dem das Institut das von der Regierung vor dem Sommer beschlossene Instrument der Mitarbeiterbeteiligungsstiftung umsetzt. Ziel ist es, so Gasselsberger, „die Kernaktionäre und die Bindung der Mitarbeiter zu stärken“. Dem pflichtet auch Anlegerschützer Wilhelm Rasinger im Gespräch mit dem Börsen-Kurier bei: „Eine sinnvoll konzipierte Bündelung der Stimmrechte von Belegschaftsaktionären kann ein Gegenwicht zu unangenehmen aktivistischen Aktionären sein und bringt den Mitarbeitern wegen der attraktiven steuerlichen Begünstigungen wirtschaftliche Vorteile. Für das Aktionariat der Oberbank ist es eine Bereicherung, eine verlässliche, treue und berechenbare Minderheit zu haben, die nicht kurzfristig Kursschwankungen ausnützt.“

Schon heute halten übrigens 2.500 aktive und ehemalige Mitarbeiter über ein klassisches Beteiligungsprogramm Aktien im Wert von 100 Mio Euro bzw. 4 % der Stimmrechte. Ziel ist es nun, 5 % zu erreichen. Dafür wurden im vergangenen wie in diesem Jahr je 10 Mio Euro rückgestellt. Die Aktien werden in den kommenden vier Jahren nach einem Schlüssel unentgeltlich und steuerbefreit zugeteilt und müssen bis zum Pensionsantritt gehalten werden. Dividenden und andere Erträge fließen auf das Gehaltskonto des jeweiligen Dienstnehmers.

Autor: Klaus Schweinegger  (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Felix Austria

Eine Studie der TeamBank AG sieht hierzulande überwiegend mit ihrer finanziellen Situation zufriedene Bürger. Demgemäß verfügen gerade die Über-50-Jährigen über einen guten
monetären Hintergrund, Eigentum wirke diesbezüglich als “Stimmungsaufheller”.

Felix Austria, glückliches Österreich: das sei der Trend, wenn es um die finanzielle Lage von Herrn und Frau Österreicher gehe – behauptet zumindest die repräsentative Studie „Liquidität 50Plus“ im Auftrag der TeamBank AG, in deren Rahmen 1.000 Österreicher im Alter von 18 bis 79 Jahren befragt wurden.

Beim Geld seien die Bürger also wieder positiver gestimmt als noch vor zwölf Monaten: Laut Studie schätzen 88 % der befragten Österreicher ihre derzeitige finanzielle Situation als „gut bis sehr gut“ ein. Die Über-50-Jährigen sind in der Studie sogar zu 91 % der Ansicht, über einen „guten monetären Hintergrund“ zu verfügen. Das entspricht einem Plus von 5 %-Punkten im Vergleich zum Vorjahr.

Bei den Befragten im Alter von 18 bis 29 Jahren sind es 86 %, wobei es hier eine deutliche Veränderung zum Jahr 2017 gibt: Der Sprung nach oben beläuft sich sogar auf zwölf Prozentpunkte. Das heißt erfreulicherweise, dass nun deutlich mehr junge Menschen zufrieden auf Konto und Geldbörse blicken. Möchte man der Studie glauben.

Rosige finanzielle Zukunft?

Was ihre finanzielle Zukunft betrifft, rechnen 37 % der Befragten mit einer Verbesserung, nur 20 % erwarten in den nächsten drei bis fünf Jahren eine Verschlechterung. Ältere Bürger sind bei dieser Frage allerdings pessimistischer eingestellt: Nur 20 % der Menschen über 50 Jahre glauben, dass sie in naher Zukunft über größere Mittel verfügen werden. In der Gruppe der 30- bis 49-Jährigen sind es dann schon 49 % und in der der 18- bis 29-Jährigen überwiegen die Optimisten mit 51 %. Alexander Boldyreff, Vorstandsvorsitzender der beauftragenden TeamBank AG, interpretiert die vorliegenden Zahlen folgendermaßen: „In der Generation 50Plus steht der Wechsel vom Arbeitsleben in die Pension an oder wurde bereits vollzogen – das macht viele unsicher, ob sie ihren Lebensstil trotzdem halten können.“

Eigenheim: Glück allein?

In der Interpretation der Studien-Ergebnisse unterstreicht die TeamBank, dass ein Eigenheim die finanzielle Stimmung aufhelle. In einer Aussendung heißt es dazu: „Wenn die Bürger gefragt werden, ob sie mit ihrer aktuellen finanziellen Lage glücklich sind, zeigt sich ein gravierender Unterschied zwischen den Österreichern, die zur Miete wohnen und denen, die entweder eine Wohnung oder ein Haus ihr Eigen nennen – unabhängig vom Alter.“

Bei den Besitzern einer Eigentumswohnung beschreiben 92 % und bei Hauseigentümern gar 94 % ihre Lage als sehr gut oder gut, wohingegen das vorliegende Studien-Design ein Ergebnis von „lediglich“ 78 % bei Mietern brachte (die also ihre Lage als sehr gut oder gut beschreiben).

Reale Vermögenswerte – wie ein Haus oder eine Wohnung – bieten also gerade in der herausfordernden Zeit des Übergangs vom aktiven Erwerbsleben in den Ruhestand finanzielle Sicherheit, so Boldyreff, der jedenfalls zum Reality-Check rät: „Wichtig ist eine realistische Aufstellung – mit Einnahmen, Ausgaben, der getätigten Altersvorsorge und bestehenden finanziellen Werten, wie Immobilien oder Ersparnissen.“

Autor: Rudolf Preyer  (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Es ist möglich: Mehr Rendite, weniger Risiko

Aktien, die nicht so stark schwanken wie der Gesamtmarkt, liefern vor allem in schwierigen Börsenphasen eine bessere Performance. Mit ihnen lässt sich ein Portfolio stabilisieren.

Weniger Risiko und mehr Rendite – was wie der Wunschtraum jedes Anlegers klingt, ist mit der sogenannten „Low-Beta-Strategie“ tatsächlich möglich. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als der Ansatz, in Aktien zu investieren, die weniger oder kaum von der allgemeinen Börsenentwicklung abhängig sind. „Vereinfacht ausgedrückt, ist der Beta-Faktor ein Gradmesser, der angibt, wie stark eine Aktie im Vergleich zum Gesamtmarkt schwankt“, sagt Bernd Kiegler, Fondsmanager im Team „Aktien entwickelte Märkte“ bei der Raiffeisen KAG, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

Geringes Beta, weniger Risiko

Die Rechnung ist relativ einfach: Bei einem Wert von 1,0 schwankt eine Aktie genauso stark wie der Gesamtmarkt. Liegt der Beta-Faktor unter 1,0, deutet dies auf eine geringere Schwankung hin. Bei einem Wert von mehr als 1,0 schwankt die Aktie stärker als der Durchschnitt. „Ein negatives Beta bedeutet wiederum, dass sich die Rendite eines Papiers gegenläufig zum Gesamtmarkt entwickelt“, so Kiegler. Zu den Sektoren mit einem Beta von 0,8 zählt er Versorger, Einzelhandel, Telekommunikation,
Healthcare, Öl und Gas, Immobilien, Haushaltsartikel sowie Getränke und Nahrungsmittel. Als Beispiele für Unternehmen, die dort tätig sind, nennt Kiegler unter anderem Roche, Ahold Delhaize (Einzelhandel, Anm.), Novartis, Hennes & Mauritz, Equinor (Öl und Gas), Swisscom (Telekommunikation), Scottish & Southern Energy (Versorger), Carrefour sowie Telia Company (Telekom).

Weisen Low-Beta-Aktien wirklich eine bessere Performance auf als der Gesamtmarkt? Für Kiegler ist das stark vom jeweiligen Betrachtungszeitraum abhängig. In den vergangenen drei Jahren habe sich sowohl in den USA als auch in Europa der breite Markt besser entwickelt als Low-Beta-Papiere. Dasselbe gelte auch für das vergangene Jahrzehnt, wobei die Performanceunterschiede geringer wären. In den vergangenen 20 Jahren habe sich wiederum – zumindest in den USA – die Low-Beta-Strategie deutlich besser geschlagen. „In dieser Phase, in die Finanzkrise und Dotcom-Krise fallen, waren Low-Beta-Aktien die klar bessere Wahl“, so Kiegler.

„Aktien mit einer geringen Volatilität sind zwar mit einer gewissen Risikokomponente verbunden, mittel- und langfristig sollten sie aber zusätzliche Erträge bringen“, sagt auch Josef Zechner, WU-Professor für Finance and Investments und Mitglied der Wissenschaftlichen Leitung bei Spängler IQAM. In einer 2017 erschienen Studie („Low Risk Anamolies?“) hat der Experte aufgezeigt, dass auch mit Low-Beta-Aktien das Risiko von Kursverlusten verbunden ist – vor allem dann, wenn der Gesamtmarkt stark einbricht. Allerdings sollten die Kurseinbrüche in der Regel geringer ausfallen als bei stark schwankenden Aktien.

Niedrige Volatilität Teilaspekt

Wie Kiegler festhält, sind Low-Beta-Aktien bzw. -Strategien vor allem seit der Finanzkrise besonders beliebt. „Deshalb sind die Bewertungen dieser Unternehmen mittlerweile auch ziemlich ambitioniert“, sagt er. Mit einem KGV von 18,7x sei etwa der Stoxx Europe Low Beta um 20 % teurer als der breite Markt (KGV 15,6x). Für den Experten erfüllt ein gutes Aktieninvestment vor allem zwei Kriterien: Die Bewertung der Aktie ist tief und es zeigen sich klare Anzeichen einer fundamentalen Verbesserung im Unternehmen. „Niedrige Volatilität ist eben nur ein Teilaspekt eines Investments“, meint er. In die gleiche Kerbe schlägt auch Zechner. „Die Low-Beta-Strategie macht zwar Sinn, als alleiniger Ansatz allerdings nicht.“

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Crowdinvesting boomt in Österreich

Crowdinvesting erfreut sich in Österreich zunehmender Beliebtheit. Dahinter stehen vor allem attraktiven Renditeaussichten. Risiken bleiben aber immer.

Der österreichische Crowdinvesting-Markt entwickelt sich äußerst dynamisch. Im ersten Halbjahr konnten die heimischen Plattformen rund 16,75 MioE einsammeln. Kleines Detail am Rande: Dabei handelt es sich um fast zwei Drittel des gesamten Vorjahrsvolumens. Hinter dem Boom stehen vor allem schöne Renditeaussichten: Im Durchschnitt stellten die Crowdinvesting-Kampagnen für insgesamt 74 Projekte in der ersten Jahreshälfte 2018 jährliche Zinszahlungen von 5,86 % vor Steuern in Aussicht.

Beliebt: Immobilienprojekte

Mit den meisten Veranlagungsmöglichkeiten sind im anhaltenden Niedrigzinsumfeld bekanntlich deutlich geringere Renditeaussichten verbunden. Die Sparbuchzinsen bleiben weiterhin – gelinde gesagt – mager und auch die ATX-Entwicklung lässt mit einem Minus von 3,66 % seit Jahresbeginn zu wünschen übrig. Hoch im Kurs stehen bei den Österreichern vor allem Immobilien-Finanzierungsprojekte. Nicht weniger als 40 Projekte und 72,3 % des Gesamtmarktvolumens konnten in der ersten Jahreshälfte dem Segment zugeordnet werden.

Dass die traditionell sparbuchaffinen Österreicher punkto Veranlagung im internationalen Vergleich ein anderes Verhalten an den Tag legen, ist hinlänglich bekannt. Das zeigt sich laut dem Crowdfunding- und Crowd-investment-Portal Crowd-Circus auch beim Crowdfunding.

Während nämlich Schwarmfinanzierungslösungen in den meisten Ländern hauptsächlich zur Finanzierung gemeinnütziger Projekte („Crowddonating“) oder zur Realisierung von innovativen Prototypen eingesetzt würden, wären es hierzulande nahezu ausschließlich renditefokussierte Crowdinvestings.

Laut CrowdCircus beteiligen sich die Österreicher in der Regel über „partiarische Nachrangdarlehen“ an Projekten. Damit sind allerdings nicht unbeträchtliche Risiken verbunden. Im schlimmsten Fall müssen Investoren auch mit dem Risiko eines Totalverlusts rechnen. Der Hintergrund: Im Falle einer Liquidation oder Insolvenz, werden zuerst die anderen Fremdkapitalgeber bedient. Auch wenn sich die Zahl der Crowdfunding-Pleiten in Österreich bislang in einem überschaubaren Rahmen bewegt, so mussten einige Kleinanleger bislang sehr wohl Verluste hinnehmen.

Wie kann man beim Crowdinvesting auf Nummer sicher gehen? Zumindest bei der Finanzierung von Immobilienprojekten gibt es einige Anhaltspunkte bzw. wichtige Kriterien, die in die Überlegungen miteinbezogen werden sollten. Experten empfehlen etwa unter anderem die Lage, Bauqualität sowie etwaige Nachhaltigkeits-Zertifizierungen von Bauprojekten unter die Lupe zu nehmen. Auch sei es kein Fehler, sich eine zweite Meinung eines fachkundigen Beobachters einzuholen.

Interessante Projekte

Das größte Crowdinvesting-Projekt, das im ersten Halbjahr 2018 – im Übrigen über die auf Immobilien spezialisierte Plattform „Rendity“ – abgewickelt wurde, war mit einem Volumen von 1,5 Mio Euro der Luxusneubau „No10“ in der Renngasse im ersten Wiener Gemeindebezirk von J.P. Immobilien. Am zweitmeisten – konkret 1,21 Mio Euro, davon aber nur 0,7 Mio Euro im Jahr 2018 – konnten über die Plattform Conda im Rahmen der Kampagne Greenstorm  (E-Bike-Projekt, Anm.) eingesammelt werden. Auf dem dritten Platz rangiert das Projekt Swimsol (schwimmende Solarplattformen, Anm.) der Plattform Greenrocket.

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Bei US-Tech-Aktien kritischer werden

Die US-Wirtschaft strotzt vor Kraft: Mehr als zwei Drittel der 500 größten börsennotierten Unternehmen haben im 2. Quartal 2018 mehr verdient, als Analysten erwartet hatten,
insgesamt sind die Quartalsgewinne im Vergleich zum Vorjahr um gut 20 % angestiegen. Bei einigen Branchen ist jedoch Vorsicht angebracht.

„Die Fundamentaldaten der US-Unternehmen zeigen sich zwar in solider Verfassung“, konstatiert Daniel White, Fondsmanager des M&G North American Value Fund. „Aber es kommen allmählich Sorgen auf: Die Finanzierungskosten steigen, die Inflation zieht an, und die Gefahr eines globalen Handelskrieges ist immer noch nicht vom Tisch.“ Alarmierend sei zudem, dass mit Netflix (ISIN: US64110L1061), Twitter (US9 0184L1026) und Facebook (US30303M1027) gleich drei große US-Tech-Namen ihre Gewinnziele verfehlt haben. Der massive Kurssturz der Facebook-Aktie Ende Juli löste eine Massenflucht der Anleger aus dem Tech-Sektor aus. „Das hat wieder einmal gezeigt, wie riskant es ist, nur auf einige wenige große Markennamen zu setzen“, so der Fondsmanager.

Dabei haben Facebook, Amazon (US0231351067), Apple (US0378331005), Microsoft (US5949181045) und Google (Alphabet: US02079K3059)  lange den US-Aktienmarkt dominiert. Zusammen liegt ihr Börsenwert bei 4,1 Bio USD – weit mehr als die untere Hälfte der S&P 500-Unternehmen insgesamt aufbringt. Die US-Aktiengewinne dieses Jahres gehen fast ausschließlich auf die Rallye dieser fünf Titel zurück, deren Risiko und Liquidität somit stark konzentriert sind. „Aber seit dem Facebook-Sturz ist die Sorge wieder da, dass wir eine Wiederholung des dot.com-Desasters aus den Neunzigern erleben könnten. Die Sichtweise der Anleger hat sich rasant gedreht“, so White.

Das beflügelt Value-Investoren. Denn interessant sei, sagt White, dass die Facebook-Aktien nicht aufgrund eines Datenschutzskandals abgestoßen wurden, sondern wegen der schlechten Aussichten für Wachstum, Nutzerzahlen und Gewinnmargen: „Hohe Wachstumsraten lassen sich nicht unendlich fortschreiben, und hohe Bewertungen machen Unternehmen verwundbar.“ Aufgrund der Schwäche der US-Technologieaktien lagen Value-Titel in den letzten Wochen an der Börse klar vorn. Dieser Wechsel zu Substanzwerten könnte anhalten. Denn die Bewertungen von Wachstumstiteln sind in den USA zurzeit extrem hoch – der Abstand zu Value-Aktien war seit 2006 nicht mehr so groß. Auch die wieder anziehende Geldpolitik mit auslaufenden Quantitative-Easing-Programmen und steigenden Zinsen ist gut für solide Unternehmen, solange die Konjunktur läuft.

Die Angst vor einer neuen Dot.com-Blase dürfte jedoch übertrieben sein, glaubt White. „Der aktuelle Technologie-Boom ist anders als vor zwanzig Jahren. Wir sehen heute große Unternehmen mit stabilen Erträgen und überwiegend soliden Geschäftsmodellen.“ Allmählich trenne sich aber die Spreu vom Weizen – Microsoft habe zum Beispiel weiter sehr gute Ergebnisse gemeldet. „Anleger sollten nicht blind dem Momentum und der Masse folgen – am Ende sind Fundamentaldaten für die Aktie eben doch wichtiger als die neuesten Schlagzeilen.“    

Ein Gastkommentar von M&G Investments

 

 

M&G Investments: Bei US-Tech-Aktien kritischer werden

Die US-Wirtschaft strotzt vor Kraft: Mehr als zwei Drittel der 500 größten börsennotierten Unternehmen haben im zweiten Quartal 2018 mehr verdient, als Analysten erwartet hatten, insgesamt sind die Quartalsgewinne im Vergleich zum Vorjahr um gut 20 % angestiegen (21.08.).

„Die Fundamentaldaten der US-Unternehmen zeigen sich zwar in solider Verfassung“, konstatiert Daniel White, Fondsmanager des M&G North American Value Fund. „Aber es kommen allmählich Sorgen auf. Die Finanzierungskosten steigen, die Inflation zieht an, und die Gefahr eines globalen Handelskrieges ist immer noch nicht vom Tisch.“ Alarmierend sei zudem, dass mit Netflix, Twitter und Facebook gleich drei große US-Tech-Namen ihre Gewinnziele verfehlt haben. Der massive Kurssturz der Facebook-Aktie Ende Juli löste eine Massenflucht der Anleger aus dem Tech-Sektor aus. „Das hat wieder einmal gezeigt, wie riskant es ist, nur auf einige wenige große Markennamen zu setzen“, so der Fondsmanager.

Dabei haben Facebook, Amazon, Apple, Microsoft und Google lange den US-Aktienmarkt dominiert. Zusammen liegt ihr Börsenwert bei 4,1 BioUSD – weit mehr als die untere Hälfte der S&P 500-Unternehmen insgesamt aufbringt. Die US-Aktiengewinne dieses Jahres gehen fast ausschließlich auf die Rallye dieser fünf Titel zurück, deren Risiko und Liquidität somit stark konzentriert sind. „Aber seit dem Facebook-Sturz ist die Sorge wieder da, dass wir eine Wiederholung des Dot.com-Desasters aus den Neunzigern erleben könnten. Die Sichtweise der Anleger hat sich rasant gedreht“, sagt Daniel White.

Das beflügelt Value-Investoren. Denn interessant sei, sagt White, dass die Facebook-Aktien nicht aufgrund eines Datenschutzskandals abgestoßen wurden, sondern wegen der schlechten Aussichten für Wachstum, Nutzerzahlen und Gewinnmargen: „Hohe Wachstumsraten lassen sich nicht unendlich fortschreiben, und hohe Bewertungen machen Unternehmen verwundbar.“

Aufgrund der Schwäche der US-Technologieaktien lagen Value-Titel in den letzten Wochen an der Börse klar vorn. Dieser Wechsel zu Substanzwerten könnte anhalten. Denn die Bewertungen von Wachstumstiteln sind in den USA zurzeit extrem hoch – der Abstand zu Value-Aktien war seit 2006 nicht mehr so groß. Auch die wieder anziehende Geldpolitik mit auslaufenden Quantitative-Easing-Programmen und steigenden Zinsen ist gut für solide Unternehmen, solange die Konjunktur läuft.

Die Angst vor einer neuen Dot.com-Blase dürfte jedoch übertrieben sein, glaubt White. „Der aktuelle Technologie-Boom ist anders als vor zwanzig Jahren. Wir sehen heute große Unternehmen mit stabilen Erträgen und überwiegend soliden Geschäftsmodellen.“ Allmählich trenne sich aber die Spreu vom Weizen – Microsoft habe zum Beispiel weiter sehr gute Ergebnisse gemeldet. „Anleger sollten nicht blind dem Momentum und der Masse folgen – am Ende sind Fundamentaldaten für die Aktie eben doch wichtiger als die neuesten Schlagzeilen.“

Zertifikate für unruhige Märkte

Die Turbulenzen auf den weltweiten Märkten sollten zunehmen, weitere Korrekturen werden nicht ausgeschlossen. In dieser Situation kann man allerdings mit Zertifikaten gut verdienen.

Eines mögen Anleger bekanntlich  gar nicht: Unsicherheit. Und daran mangelt es angesichts des eskalie-renden Handelskriegs aktuell gar nicht. Gegen weitere mögliche Korrekturen können sich Anleger aber wappnen – etwa mit Zertifikaten.

Dazu zählen etwa Short-Zertifikate. Ein Beispiel: Will man ein DAX-Depot im Wert von 10.000 Euro absichern, muss man den Wert durch den DAX-Stand am Tag der Absicherung dividieren. Steht der Index bei 12.500 Punkten, macht das 0,80. Nun fließt noch das Bezugsverhältnis ein. Es zeigt an, wie viele Zertifikate sich auf eine Einheit des Basiswerts – etwa des DAX – beziehen. Erst dann weiß man auch, wie viele Zertifikate man kaufen muss.

Für den DAX haben die meisten Zertifikate-Anbieter das Bezugsverhältnis bei 1:100 festgelegt, erklärt BNP-Paribas-Experte Christian Glaser gegenüber dem Börsen-Kurier. Deshalb müssen die 0,80 mit 100 multipliziert werden. Heraus kommen 80 Turbo-Short-Zertifikate, die man braucht, um einen Depotwert von 10.000 Euro – bei einem DAX-Stand von 12.500 Punkten – abzusichern.

Risikograd gut wählen

Dabei verändern sich Turbo-Zertifikate gehebelt zum Basiswert. Wählt man eines mit einem hohen Hebel, ist dafür der Abstand zur sogenannten „Knock-Out-Schwelle“ gering. Das Risiko: Wird diese Schwelle berührt, weil in unserem Beispiel der DAX steigt, verfällt das Zertifikat wertlos. Ein Beispiel wäre das „Turbo-Short“ der BNP Paribas (DE00 0PR7JW94) mit einem aktuellen Hebel von 2,29 und einer Knock-Out-Schwelle bei 17.529,2681 Punkten. Offensiver ist das „Turbo-Short“ der Deutschen Bank (DE000DM32BJ6). Hier liegt der aktuelle Hebel bei 4,95, die Knock-Out-Schwelle bei 14.390.

Auf rasche Rücksetzer ohne große Schwankungen kann man aber auch mit Short-Faktor-Zertifikaten setzen. Sie bilden gehebelt die tägliche prozentuelle Kursbewegung des Basiswertes ab. Sollte aber der Basiswert steigen, muss er prozentuell umso kräftiger wieder fallen, damit Verluste wettgemacht werden. Hier bietet etwa die UniCredit (DE00 0HW02ES4) ein Short-Faktor-Zertifikat auf den Euro Stoxx 50 mit Faktor 2 an.

Rendite bei kleinen Rücksetzern

Für Anleger, die mit seitwärtslaufenden oder begrenzt fallenden Märkten rechnen, könnte sich ein Reverse-Bonus-Zertifikat eignen. Bei der Emission wird ein Startwert festgesetzt sowie eine Barriere, die höher angesetzt ist. So hat man einen Sicherheitspuffer, „falls der Basiswert in die andere Richtung läuft“, so RCB-Zertifikate-Expertin Marianne Kögler im Gespräch.

Wird die Barriere während der Laufzeit nicht berührt oder überschritten, wird das Zertifikat zu 100 % getilgt – und man kassiert die Bonusrendite. Das ist auch der maximale Gewinn. Wird die Barriere hingegen verletzt, weil der Basiswert steigt, entwickelt sich der Zertifikate-Kurs spiegelverkehrt zum Basiswert. Das bedeutet, dass man zu Laufzeitende nicht unbedingt sein eingesetztes Kapital zurückbekommt.

So gibt es etwa das „3,5 % S&P 500 Reverse Bonus-Zertifikat“ (AT0000 A21AV7) von der RCB, mit einem jährlichen Fixzinssatz von 3,5 %. Solange das Zertifikat bis zum 26. September 2023 die Barriere von 3.644,50 Indexpunkten nicht berührt, wird es zu 100 % getilgt. Sollte der S&P 500 jedoch auf 3.644,50 (oder höher) steigen, erfolgt die Tilgung invers zum Basiswert. Wäre der S&P 500 etwa um 40 % vom Startwert von 2.699,63 Punkten zu Laufzeitende angestiegen, würde das Zertifikat zu 60 % getilgt. Die 3,5 % werden trotzdem jährlich ausbezahlt.

Autor: Mag. Raja Korinek (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Starke Renditedosis dank Diversifizierung

Die Biotechnologiebranche ist längst keine Spielwiese mehr für Spezialisten, sondern ein fundamentaler Baustein für institutionelle und private Anlegerportfolios. Das beste Risiko-Rendite-Profil lässt sich mit der richtigen Risikostreuung über verschiedene Krankheitsfelder und Firmen mit unterschiedlichen Entwicklungs-stadien erreichen.

Wer bei Aktieninvestments langfristig eine überdurchschnittliche Performance im Portfolio erzielen will, setzt auf Unternehmen aus Branchen, die in Zukunft stärker wachsen werden als die globale Wirtschaft. Der Gesundheitssektor zeichnet sich dadurch aus, dass sich seine Wachstumsdynamik weitgehend unabhängig von konjunkturellen Zyklen entfaltet. Als das Segment mit den höchsten Wachstumsraten ragt die Biotechnologie heraus. Branchenschätzungen erwarten hier auf Sicht der nächsten fünf Jahre ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum im oberen einstelligen Prozentbereich.

Getrieben wird dieses Wachstum von zahlreichen neuen Therapieansätzen in Krankheitsfeldern mit hohem medizinischem Bedarf wie Krebs, Autoimmunerkrankungen oder neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer. 46 neue Arzneien – das ist der höchste Wert seit dem Rekordjahr 1996 – wurden allein 2017 in den USA, dem global größten Medikamentenmarkt, zugelassen. Davon wurde die Mehrheit in Biotechlabors entwickelt. Darüber hinaus zählt Biotech zu den Branchen, die von ihrer Börsenentwicklung die geringsten Korrelationen zum Gesamtmarkt zeigen. In den vergangenen zehn Jahren, also seit dem Ausbruch der globalen Finanzkrise, weist der Nasdaq Biotechnology Index als das maßgebliche Börsenbarometer der Biotechbranche ein deutlich besseres Renditeprofil aus als andere Branchenindizes wie der MSCI World Healthcare Index.

Das aktuelle Marktumfeld bietet einen guten Zeitpunkt zum Einstieg. So haben die profitablen Biotechs zuletzt überwiegend sehr gute Quartalsergebnisse vorgelegt. Etliche kleinere bis mittelgroße Firmen lieferten zuletzt positive Resultate bei zulassungsrelevanten Studien. Die gute Kapitalausstattung der Firmen wiederum begünstigt Übernahmen. Dazu ist der gesamte Sektor mit einem 2019er-KGV von 12 attraktiv bewertet.

Um das Chance-Risiko-Profil einzelner Unternehmen richtig einschätzen zu können, müssen Börsianer jedoch wissenschaftliche und medizinische Expertise mitbringen. Aktiv gemanagte Biotechfonds, die besser als die Benchmark-Indizes abschneiden, sind eine Alternative.

Interessant aus Anlegersicht ist in diesem Zusammenhang etwa die Aktie von BB Biotech (ISIN: CH003838 9992). Die Schweizer Beteiligungsgesellschaft, die 1993 gegründet wurde, ist einer der weltweit größten Investoren in diesem Sektor. Mit der Aktie öffnet sich für Anleger der direkte Zugang zu einem Portfolio aus rund 35 Werten. Anders als bei Anlagefonds ist das Portfolio-Management von BB Biotech an keine Einschränkungen gebunden, was die Gewichtung einzelner Positionen angeht. Einzelne Kernbeteiligungen können die Schwelle von 10 % überschreiten, die für Investmentfonds in der Regel als Obergrenze gilt. Mit dieser Anlagestrategie lässt sich über das sukzessive Aufstocken von einzelnen Beteiligungen die optimale Wertschöpfung an der Kursperformance erzielen, vor allem beim Aufstieg von kleineren Firmen zu führenden Akteuren in einzelnen Krankheitsfeldern. Darüber hinaus setzt die Gesellschaft auf eine aktionärsfreundliche Ausschüttungspolitik: bis zu 10 % des Kapitals soll jährlich an die Anteilseigner zurückgeführt werden.

Dem Auswahlprozess liegt eine Fundamentalanalyse eines jeden Unternehmens zugrunde. Hier fließen unter anderem Kennziffern wie die Wachstumskurve beim Umsatz und die langfristige Entwicklung beim Verhältnis von Umsatz zu Gewinn ein. Um das kommerzielle Potenzial einzelner Produkte richtig einzuschätzen, ist es entscheidend zu erkennen, in welchen Massenmärkten sich bereits andere Produkte gut verkaufen und wo sich mit hochpreisigen neuen Produkten aufgrund des großen medizinischen Bedarfs mehr Preissetzungsmacht durchsetzen lässt.

Die langjährige Rendite ist erstaunlich: mit Kursgewinnen von knapp 200 % in den vergangenen fünf Jahren hat die Aktie von BB Biotech den Nasdaq Biotechnology Index, der auf 82 % kommt, weit hinter sich gelassen. Für Anleger, die einen mehrjährigen Anlagehorizont mitbringen, ist diese Aktie eine Möglichkeit, um eine schöne Rendite mit Biotechaktien einzufahren.

Autor: Stefan Riedel  (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

„Große heimische Lösung langfristig nicht auszuschließen“

Den heimischen börsennotierten Immobiliengesellschaften stehen angesichts einer bunten Beteiligungssituation spannende Zeiten bevor.

Die Neuordnung der börsennotierten heimischen Immobiliengesellschaften ist alles andere als abgeschlossen. Zur Erinnerung: Anfang Juli wurde bekannt, dass die CA Immo mit der Starwood Capital Group über einen neuen Kernaktionär (Anteil: 26 %) verfügt. Erst im April hatte sich die Immofinanz – nach der gescheiterten Fusion mit der CA Immo – 29 % an der S Immo gesichert. Auch hält die S Immo weiter rund 12 % an Immofinanz und 5 %  an der CA Immo. Damit nicht genug: Letztere besitzt rund 6 % der Aktien der Immofinanz. Für reichlich Spannung ist also weiterhin gesorgt.

Immofinanz will Fusion

Bei der Immofinanz macht man kein Hehl daraus, was man mit dem 29-%-Anteil an der S Immo vorhat. „Die S Immo ist für uns eine strategische Beteiligung mit dem mittelfristigen Ziel, beide Unternehmen zusammenzuführen“, so CEO Oliver Schumy bei der HV im Mai. Auch bei der S Immo scheint man gegenüber einer Zusammenführung grundsätzlich nicht abgeneigt zu sein. „Generell spricht sehr viel für größere, kapitalstarke Einheiten“, so CEO Ernst Vejdovszky gegenüber dem Börsen-Kurier. Ein konkreter, dahingehender Vorschlag müsste allerdings so gestaltet sein, dass er den Aktionären beider Gesellschaften Vorteile bringt.

Für Stefan Scharff, Analyst bei SRC Research, gibt es zwischen S Immo und Immofinanz „definitiv gewisse Überschneidungen sowie – im Falle einer erfolgreichen Fusion – auch Größenvorteile“. Man sollte diese aber nicht überbewerten. „Es mag zwar Synergieeffekte im gewerblichen Bereich geben – allerdings nicht in dem Ausmaß wie das etwa bei der Konsolidierung der Wohnimmobilienwerte Vonovia und Conwert der Fall ist“, hält er fest. Nachsatz: „Beide Unternehmen zusammen zu führen würde nicht von heute auf morgen gehen, sondern wäre mit gewissen Adjustierungen verbunden.“

Was die Managementqualität betrifft, sieht Scharff die S Immo über der IFAG. Es gebe unter den Wiener Immo-Unternehmen kein anderes, wo CEO und Vorstand über eine ähnlich langjährige Erfahrung verfügen wie das bei der S Immo – mit Vejdovszky und Friedrich Wachernig – der Fall sei. Einen interessanten Blick in die Glaskugel wagte in diesem Zusammenhang ein Aktionär bei der HV der S Immo Anfang Mai. „Vielleicht werden sie die neuen Vorstände der Immofinanz“, meinte er gegenüber den beiden.

Bei der 3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft erwartet man jedenfalls, dass es früher oder später zu einer Vereinigung der beiden Unternehmen kommen wird. „Viele Marktteilnehmer rechnen dabei eher mit einer Fusion zwischen S Immo und Immofinanz, man kann aber aufgrund des – nach dem Verkauf der CA-Immo-Anteile – komfortablen Kassenbestandes der Immofinanz auch eine Übernahme der S Immo nicht gänzlich ausschließen, da eine derartige Transaktion auch einfacher und schneller scheint“, so Fondsmanager Martin Rupp im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

Wie Rupp weiter ausführt befürchten einige Marktteilnehmer, dass ein Kaufpreis von 20 Euro pro Aktie der S Immo (die gesetzliche Untergrenze innerhalb eines Jahres, Anm.) für die Immofinanz wertvernichtend wäre, da das Papier derzeit über dem NAV notiere. „Allerdings scheint bei der S Immo nicht nur aufgrund ihrer Beteiligung an der CA Immo aus unserer Sicht noch Aufwertungspotenzial beim NAV vorhanden zu sein, sodass man mittelfristig gar nichts ausschließen sollte“, so der Fondsmanager.

Wegen der noch immer bestehenden Beteiligungen der drei Immobiliengesellschaften untereinander (CA Immo an der Immofinanz, S Immo an der CA Immo, Anm.), sollte aber auf längere Sicht auch eine „große österreichische Lösung“ nicht ausgeschlossen werden, so Rupp. Durch den finanziell sehr potenten neuen Kernaktionär der CA Immo, Starwood, würden viele Optionen – weil theoretisch auch finanzierbar – nun zumindest denkbar erscheinen.

Eine „große österreichische Lösung“ würde jedenfalls nicht nur wegen der damit verbundenen Synergieeffekte durchaus Sinn machen. Dadurch würde man in eine völlig andere Börsenliga aufrücken und auch ins Visier neuer Investoren geraten. Die Aktie würde in diversen Indizes deutlich höher gewichtet werden, weshalb sie dann auch viele passive Investoren kaufen müssten. Zudem würde sich die Handelsliquidität der Aktie massiv erhöhen, was auch das Pricing weiter verbessern würde.

Starwood: Starke Reputation

Mitentscheidend in diesem Zusammenhang sicherlich, was Starwood mit dem kürzlich erworbenen Aktienpaket der CA Immo vorhat. Scharff glaubt, dass sich Starwood fürs Erste mit dem 26-%-Anteil begnügen und abwarten werde, ob sich das Unternehmen in die für den US-Investor richtige Richtung entwickeln werde. „Wieso sollte Starwood die aktuelle Börsenotierung und die bis 2022 gefüllte Projektpipeline in Frage stellen“, meint er. Bei der CA Immo wollte man die konkreten Ziele des neuen Kernaktionärs auf Anfrage des Börsen-Kurier nicht kommentieren. Besorgt gibt man sich allerdings auch nicht gerade. „Starwood ist ein auf globale Immobilieninvestitionen konzentrierter Finanzinvestor mit einer exzellenten Reputation“, so das Unternehmen.

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Türkei im Auge des Sturms

Ein Kommentar von Stuart Canning, Analyst im Multi-Asset-Team von M&G Investments, zur aktuellen Entwicklung in der Türkei. (14.08.)

„Die aktuelle Eskalation in der Türkei manifestiert lokale wirtschaftliche Probleme, die sich bereits seit einiger Zeit abgezeichnet haben. Der Sturz der türkischen Lira am vergangenen Freitag zählt zu den größten Währungsbewegungen eines Tages innerhalb der letzten zehn Jahre – vergleichbar mit der Abwertung des Rubels Ende 2014, der Deckelung des Schweizer Frankens, der Brexit-Abstimmung oder auch einigen der Horror-Tage 2008.

Die Dramatik dieser Bewegungen spiegelt sich in den Marktkommentaren wider. Die Türkei hat die Schlagzeilen in einer Art und Weise dominiert, die üblicherweise der westlichen Politik, US-Tech-Aktien oder einem Ereignis wie dem Brexit vorbehalten ist. Ein Großteil der Beobachter hat sich auf die Frage konzentriert, inwiefern Donald Trumps Twitter-Ankündigung, die US-Zölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei zu verdoppeln, die Lira-Abwertung verschärft hat.

Sind die US-Zölle nur ein Ablenkungsmanöver?

Dabei dürften die direkten Auswirkungen dieser Zölle begrenzt sein. Die türkischen Exporte sind relativ diversifiziert: Nur 5 % der Ausfuhren gehen in die USA und nur 18 % davon entfallen auf Nicht-Edelmetalle. Auch die türkische Stahlindustrie könnte sich recht widerstandsfähig zeigen und in anderen Teilen der Welt neue Kunden finden.

Möglicherweise sind die US-Zölle also nur ein Ablenkungsmanöver. Ein viel größeres Problem für die Türkei ist die hohe Verschuldung in Fremdwährungen, denn die Schwäche der Lira verteuert die Schulden und erschwert ihre Tilgung. In der Türkei ist vor allem der Unternehmenssektor betroffen, weniger der Staat oder die privaten Haushalte. Hinzu kommt die Kopplung der türkischen Löhne an die Inflation, was erklärt, warum viele Türken nicht daran interessiert sind, ihre Gold- und Devisenbestände zu verkaufen, wie es Präsident Erdogan gefordert hat.

Auf eine Währungsabwertung haben Schwellenländer in letzter Zeit meist mit steigenden Leitzinsen reagiert. Ziel ist es, den Inflationsdruck zu reduzieren und potenziell ausländisches Kapital zur Stützung der Währung anzuziehen. Und tatsächlich hat die Türkei ihren einwöchigen Reposatz – das wichtigste geldpolitische Instrument – im Juni von 8 % auf 17,75 % erhöht. Doch seither mehren sich die Anzeichen, dass die Zentralbank ihre Unabhängigkeit an einen Präsidenten verliert, der nichts von Zinserhöhungen hält.

Wenn die Geldpolitik scheitert, übernimmt der Markt

In einer Welt offener Kapitalströme heißt das aber: Wenn die Geldpolitik daran scheitert, die Wirtschaft zu straffen, übernimmt schließlich der Markt diese Aufgabe. Erdogan kann mit seiner Zentralbank um die Kontrolle der Zinssätze ringen, aber er kann nicht verhindern, dass parallel dazu seine Währung zusammenbricht.

Diese Dynamik ist jetzt zu beobachten. Und zwar nicht, weil Investoren die türkische Wirtschaft angreifen wollen, sondern weil sie eine höhere Entschädigung für offenbar gestiegene Risiken fordern.

Für aktive Anleger lautet die Frage: Wie stark wird der Markt von Stimmungen getrieben anstatt von Fundamentaldaten? Das ist im Fall der Türkei nicht ganz einfach zu beantworten. Es mag den Anschein haben, dass es bei den Lira-Bewegungen am Freitag mehr um die Stimmung als um die wahrscheinlichen Auswirkungen der Zölle ging. Aber die Währungsabwertung kann auch eine weitaus größere, grundlegende Wirkung auf die Wirtschaft haben und sich damit selbst bewahrheiten.

Das Auge des Sturms meiden

Eine mögliche Lösung: Den Kern der Eskalation vermeiden und Anlagechancen dort suchen, wo die Panik undifferenziert um sich greift – falls etwa Anleger alle Schwellenländer abstrafen oder italienische Staatsanleihen nachgeben, nur weil das zu einer typischen Phase der Risikoaversion passt.

Bislang sind die Bewertungsverschiebungen bei den meisten Anlageklassen relativ bescheiden. Bemerkenswert ist auch, dass die Renditen westlicher Staatsanleihen nur wenig zurückgegangen sind. Aber da die Situation in der Türkei derzeit so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, könnten sich durchaus noch einige Einstiegschancen entwickeln.“

Chancen mit arabischen Aktien

Die Börsen vieler arabischer Länder sind seit Jahresbeginn stark unterwegs. Dahinter steht für Experten vor allem eines: die Aufnahme Saudi-Arabiens in den MSCI EM Index.

Gleich vorweg: das geopolitische Umfeld in der Region Naher Osten Nordafrika (MENA) bleibt – gelinde gesagt – herausfordernd. So ist etwa das im vergangenen Juli von Saudi-Arabien, den VAE, Bahrein und Ägypten verhängte Embargo gegen Katar weiter aufrecht. Auch stehen die Kriege im Jemen und in Syrien keineswegs vor dem Ende. Für reichlich Unruhe sorgt derzeit auch die Wiedereinführung der US-Sanktionen gegen den Iran.

Erfolgreiche Reformen

Die Börsen der Region zeigen sich von all dem kaum beeindruckt. In Saudi-Arabien und Abu Dhabi stehen die Leitindizes seit Jahresbeginn mit 9,88 bzw. 9,30 % im Plus. Der Qatar Exchange Index ist wiederum um 12,63 % gestiegen. Der aktuelle Performance-Champion der Region – und Top-Performer auf globaler Ebene – ist allerdings der tunesische Tunindex, der seit Anfang Jänner um nicht weniger als 32,79 % zugelegt hat.

„Die Kapitalmärkte in den Ländern des Golfkooperationsrats (GCC) entwickeln sich vor dem Hintergrund einer im Zuge des Ölpreisverfalls neu gewichteten staatlichen Ausgabenpolitik schneller als viele Beobachter erwarteten“, so Bassel Khatoun und Salah Shamma von Franklin Templeton Emerging Markets Equity. Das sei vor allem dadurch bedingt, dass die politische Antwort auf die Entwicklung der Ölpreise zielgerichtet und effizient war.

Laut Khatoun und Shamma sei der Ölpreis-Kollaps 2014 für die GCC-Regierungen ein ernster Weckruf gewesen, um sich mit ihrer starken Abhängigkeit von hohen Ölpreisen zu befassen, Einnahmen aus Nicht-Ölsektoren zu erzielen und ausufernde Kosten zu senken. „Wir beobachten nach wie vor, dass die Regierungen diese Reformprogramme beibehalten und umsetzen, um ihre Volkswirtschaften auf ein nachhaltigeres Fundament zu stellen.“

Positiv stimmt Khatoun und Shamma neben der Stabilisierung des Ölpreises aber vor allem die Aufnahme Saudi-Arabiens in den MSCI Emerging Market (EM) Index, die in zwei Phasen im Mai und August 2019 stattfinden wird. Dies dürfte nicht nur den Kapitalmarkt des Königreichs grundlegend verändern, sondern sich auch positiv auf die gesamte MENA-Region auswirken.

Die Aufnahme Saudi-Arabiens in den MSCI EM Index sollte dazu beitragen, die für viele Beobachter seit längerem bestehende Diskrepanz zwischen dem BIP-Beitrag der Region und ihrer Vertretung in internationalen Aktienindizes zu beseitigen. Derzeit macht die MENA-Region – konkret: VAE, Katar und Ägypten – lediglich 1,56 % des Index aus. Der anfängliche Anteil Saudi-Arabiens von 2,6 % könnte mit dem anstehenden Börsegang des staatlichen Ölunternehmens Saudi Aramco auf mehr als 4 % ansteigen.

Vor allem der Anteil internationaler Investoren an der Börse in Riad sollte mit der Indexaufnahme zunehmen. Mit 1,8 % ist dieser im Vergleich zu Ländern wie Dubai (14,3 %), Abu Dhabi (13,8 %) oder Katar (9,2 %) noch gering. Für Khatoun und Shamma könnte die Indexaufnahme für Saudi-Arabien einen zusätzlichen Zufluss ausländischen Kapitals von 40 MrdUSD bedeuten.

Für Experten steht Saudi-Arabien aber erst am Beginn einer langfristigen Erweiterung und Vertiefung des Aktienmarktes: So plant die saudische Regierung die Anzahl der gelis­teten Unternehmen bis 2022 von 180 auf 250 zu erhöhen. Vorsicht ist für Khatoun und Shamma dennoch weiterhin angebracht. „Jeglicher Anstieg der geopolitischen Spannungen muss genau im Auge behalten werden, da eine ungünstige Entwicklung die Zuversicht der Anleger dämpfen könnte.“

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Glaube an Gold ist ungebrochen

Der Goldpreis ist auf einem sehr tiefen Stand. So günstig konnte man seit Feber 2016 kein Gold mehr kaufen. Und dementsprechend groß ist die aktuelle Nachfrage. Ein Kommentar.

Es herrscht ein Run auf Gold. Viele Anleger nutzen die Lage. Die einen, um ihre Bestände weiter auszubauen, die anderen, weil sie einen optimalen Zeitpunkt sehen, um erstmalig in Edelmetalle zu investieren.

Durch die geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten wie das mögliche Wiederaufflammen des Iran-Konflikts oder die Handelsstreitigkeiten über Strafzölle gibt es eigentlich genug Potenzial, damit der Goldpreis wieder Fahrt aufnimmt.

Tut er aber nicht. Warum?

Die Zinsdifferenz USD/EUR liegt aktuell bei sehr hohen 2,7 %. So werden viele liquide Geldmittel zum Beispiel in US-Staatsanleihen oder US-notierte Wertpapiere gepumpt. Das hat wiederum zur Folge, dass der Dollar im Wert steigt. Gold und USD sind in der Regel negativ korreliert und daher belastet der starke Dollar den Goldpreis.

Und woher kommt der Glaube an steigende Goldkurse?

Der Goldpreis wird wieder anziehen, und darauf zählen die Goldanleger, wenn die Fed ihre Zinsanhebungsdynamik abschwächt. Danach sieht es derzeit aus. Investitionen werden so immer teurer und das Wirtschaftswachstum der USA könnte ausgebremst werden. Geschieht das, könnte dies zu einem schnellen Anstieg des Goldpreises führen.

Ein weiteres interessantes Argument für einen bald wieder steigenden Goldkurs hat die Commerzbank in einer kürzlich erschienenen Studie geliefert. Die US-Renditekurve befände sich demnach in einer Inversion. Eine Inversionslage der Zinskurve sei seit über einem halben Jahrhundert das zuverlässigste Signal für eine Rezession der US-Wirtschaft in absehbarer Zukunft.

Und damit lässt sich auch der momentane Run auf Gold erklären: Anleger in Gold sind äußerst kritisch gegenüber den riesigen monetären Experimenten der Politik und Notenbanken und zweifeln an deren Erfolg. Der Glaube an das Gold ist dagegen ungebrochen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass in den größten Krisen und Unsicherheiten Gold der sichere Hafen für Anleger ist.

Der Autor: Mag. (FH) Rudolf Brenner ist Managing Director & Partner bei philoro Edelmetalle GmbH

 

 

Italien wendet sich gegen Europa

Es ist keine drei Monate her, seit die populistische 5-Sterne-Bewegung (M5S) und die rechte Lega eine neue italienische Regierung gebildet haben; daher ist es noch zu früh, um zu sagen, wie die Koalition ihre Wahlkampfrhetorik umsetzen wird. Tatsächlich könnten die inneren Widersprüche der Koalition das Ausmaß ihrer gesetzgeberischen Aktivität begrenzen oder sogar ihren Sturz herbeiführen – und das möglicherweise noch vor den Europawahlen im Mai 2019.

Allerdings ist es nicht zu früh, um zu erkennen, was die europafeindliche Haltung der italienischen Regierung für Europa bedeuten wird. Für die von Brüssel aus zusehenden Führer der EU könnte sich die politische Dynamik, die die Koalition von M5S und Lega ausgelöst hat, als deutlich folgenschwerer erweisen als jede konkrete politische Initiative.

Italien als Vorbote?

Die Koalition aus M5S und Lega ist die erste offen EU-feindliche Regierung, die in einem der Gründungsstaaten des Blocks an die Macht gekommen ist. Auch wenn ihre Radikalität teilweise eine Reaktion auf die trostlose Entwicklung der italienischen Volkswirtschaft während der vergangenen beiden Jahrzehnte ist, hat in anderen europäischen Ländern, in denen die Entwicklung besser war, eine ähnliche Art von establishmentfeindlicher Politik Wurzeln geschlagen. Italien ist alles andere als ein Sonderfall; tatsächlich könnte es ein Vorbote für das sein, was viele andere Länder erwartet.

Italiens neue Regierung hat keine Zeit verschwendet, eine harte Linie in Bezug auf die Einwanderung einzunehmen. Der Lega-Vorsitzende und derzeitige Innenminister Matteo Salvini hat die EU dafür gegeißelt, dass sie Italien dabei alleingelassen habe, mit dem Zustrom der Asylsuchenden fertigzuwerden. Salvinis Rhetorik ist häufig rassistisch und hetzerisch, doch er hat nicht Unrecht, wenn er argumentiert, dass die Flüchtlingskrise nach einer gemeinsamen Lösung verlangt. Das eklatante Versagen der EU bei diesem Thema hat ihren Kritikern direkt in die Hände gespielt.

An den Verhandlungstisch

Italiens Herausforderung an die EU in der Einwanderungsfrage hat die „EU-Kernländer“ wie Deutschland gezwungen, erstmals Verhandlungslösungen für das Problem in Betracht zu ziehen. Doch ein wirklich praktikabler kooperativer Ansatz scheint noch weit weg.

Dies bedeutet, dass mit Salvinis Haltung sympathisierende Regierungen höchstwahr-scheinlich weiterhin eine unilaterale Politik verfolgen werden und dabei möglicherweise das Schengen-System ausweisfreien Reisens innerhalb des größten Teils der EU gefährden werden. Es mag nicht Salvinis erklärtes Ziel sein, diese grundlegende EU-Institution zu zerstören, doch führt sein Handeln eindeutig in diese Richtung.

Rückwärtsgang

Zugleich hat die neue Regierung an der wirtschaftspolitischen Front ihr „decreto dignita“ („Gesetz für die Würde“) eingebracht, das einige der von der Mitte-links-Regierung des früheren Ministerpräsidenten Matteo Renzi verabschiedete Arbeitsmarktreformen rückgängig macht. Insbesondere erschwert es das Gesetz den Unternehmen, Arbeitnehmer in Festanstellung zu entlassen oder Arbeitnehmer langfristig über Zeitverträge zu beschäftigen.

Eine von der nationalen italienischen Versicherungsagentur durchgeführte technische Analyse prognostiziert, dass das neue Gesetz insgesamt zu einem Beschäftigungsrückgang führen und negative Auswirkungen auf den italienischen Bundeshaushalt haben wird. In Reaktion auf diese Feststellungen hat die Regierung gedroht, den Präsidenten der Behörde zu entlassen.

Erst der Anfang?

Der Angriff der M5S/Lega-Regierung auf die Unabhängigkeit des Beamtenapparats bietet einen Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird. Es ist innerhalb der Koalition schon jetzt ein breiter angelegter Konflikt darüber im Gange, wie sich die links- und rechtsgerichteten wirtschaftspolitischen Programme mit den von den Haushaltsregeln der EU ausgehenden Beschränkungen vereinbaren lassen – die der gegenwärtige Finanzminister, Giovanni Tria nach eigener Aussage einhalten will. Dieser Konflikt könnte sich zuspitzen, wenn die Koalition ihre Vorschläge für ein garantiertes Mindesteinkommen, Rentenreformen und Steuersenkungen vorantreibt.

Auswirkungen auf die EU

Obwohl sich die unmittelbaren Ziele der Regierung auf innenpolitische Fragen konzentrieren, könnte ihre Politik profunde Auswirkungen auf die EU im Allgemeinen haben. Wie bereits im Fall der Flüchtlingspolitik gesehen, wird die Regierung höchstwahrscheinlich – wann immer sie kann – eine Konfrontationshaltung gegenüber EU einnehmen. Schließ-lich kommt es bei den Stammwählern von M5S und Lega gut an, die EU herauszufordern, und andere Regierungen – nicht zuletzt die in Ungarn und Polen – haben bereits gezeigt, wie effektiv sich Brüssel als Sündenbock für innenpolitisches Versagen nutzen lässt.

Fokus auf Europawahlen

Worauf aber läuft das Ganze letztlich hinaus? Einerseits lässt sich die aggressive Einstellung der italienischen Regierung als Verhandlungstaktik gegenüber der EU interpretieren; andererseits könnte sie eine politische Strategie für die anstehenden Europawahlen sein. Wie die wiedererstarkten nationalistischen Parteien in anderen Mitgliedsstaaten könnten M5S und Lega versuchen, die EU in Richtung einer lockereren Staatenföderation zu drängen, in der wichtige politische Vorrechte an die nationalen Regierungen zurückübertragen werden.

Doch würde ein derartiges Ergebnis für die Euroländer zu größerer Instabilität führen. Ohne abgestimmte Haushaltsrichtlinien und gemeinsame Regeln ist eine Gemeinschaftswährung schlicht nicht lebensfähig. Obwohl die Führungen von M5S und Lega keinen Rückzug aus der Eurozone – oder gar der EU – fordern, wird ihr vordergründig innenpolitisches Programm die Fundamente des Blocks zwangsläufig beschädigen.

Die EU muss sich darauf vorbereiten. Wir werden bald  sehen, welcher Schaden angerichtet werden kann, wenn ein wichtiger Mitgliedstaat ein EU-feindliches Programm verfolgt. Italien zeigt derzeit, dass ohne Fortschritte hin zu einer „immer engeren Union“ bald still und leise ein Zerfall der EU einsetzen könnte.

Die Autorin: Lucrezia Reichlin war Forschungsdirektorin bei der EZB und ist heute Professorin für Ökonomie an der London Business School. Aus dem Englischen von Jan Doolan, © Project Syndicate 1995 – 2018

 

 

Europäische Aktien: aktienspezifische Fundamentaldaten sind nach wie vor entscheidend

Niall Gallagher, der Investment Director für Europa-Aktien bei GAM, glaubt, dass Sektorrotation an den Aktienmärkten nicht von langer Dauer ist.

  • Sektorrotation an den Aktienmärkten nicht von langer Dauer
  • Indikatoren deuten auf Beschleunigung des Wirtschaftswachstums hin
  • Populistische Handelspolitik birgt jedoch Risiken für Märkte

Im Juni und Juli traten die Aktienmärkte in Europa größtenteils auf der Stelle – ganz im Gegensatz zum Auf und Ab der Monate Januar bis Mai. In den letzten zwei Monaten kam es zu einer erkennbaren Rotation zwischen den Sektoren: Eben diese Rotation führte zu einer Outperformance von Sektoren wie Telekommunikation, Pharma und Energie auf Kosten der Bereiche Technologie und zyklische Konsumgüter. „Es gibt unserer Meinung nach zwei mögliche Erklärungen für diese Mini-Rotation: Erstens eine Aufholbewegung von Sektoren, die sich bislang erheblich schlechter entwickelten – finanziert durch Verkäufe von Positionen, die den Markt deutlich übertroffen haben. Oder zweitens eine defensive Umschichtung von zyklischen Sektoren in defensivere Bereiche“, sagt Niall Gallagher, Investment Director für europäische Aktien bei GAM Investments. Der Experte glaubt jedoch nicht, dass die jüngste Marktrotation Bestand hat. „Unserer Erfahrung nach laufen sich solche Rotationen recht schnell tot, wenn sie nicht durch eine Veränderung der zugrunde liegenden Fundamentaldaten unterstützt werden. Derzeit können wir jedoch keine solche Veränderung erkennen“, so Gallagher.

Rotation durch Aufholbewegung
Die kürzliche Aufholbewegung der schwächeren Sektoren könne zum Teil von der ausgeprägten Dispersion unter den Sektoren innerhalb eines kurzen Zeitraums erklärt werden. „Solch eine Dispersion deutet entweder auf eine außerordentliche Werthaltigkeit in einigen Marktbereichen hin, die bisher zurückgeblieben waren, darunter Telekommunikation, Energie, Pharma – oder auf eine mangelnde Werthaltigkeit in den Marktsegmenten, die sich sehr gut entwickelt haben, wie Technologie und zyklische Konsumgüter“, so Gallagher.

Die Trennlinie zwischen Growth- und Value-Titeln lasse sich jedoch schwer bestimmen, da sie sich im Laufe der Zeit verschiebe. Es sei fraglich, ob die Pharmabranche jetzt als Value-Sektor angesehen werden sollte, nachdem sie so lange hinter dem Markt zurückgeblieben ist – oder ob der Sektor aufgrund signifikanter Herausforderungen nur eine Tieferbewertung erlebt habe. „Viele Unternehmen in diesem Bereich sehen sich mit der Konkurrenz durch Generika und Biosimilars, großem Preis- und Innovationsdruck konfrontiert. Auch die Telekommunikationsbranche leidet unter einer harten und übermäßigen Regulierung und einem hohen Investitionsbedarf bei gleichzeitig kontinuierlichem Rückgang der Einnahmen“, so Gallagher.

Die relativen Gewinnkorrekturen in den Sektoren Telekommunikation, Energie und Pharma seien nicht gerade überzeugend: Die Trends der Korrekturen liegen entweder unter dem Mittelwert oder nur leicht darüber. Außerdem stelle sich die Frage, ob sich Pharma-, Telekommunikations- und Versorgungsaktien – wie von Morgan Stanley impliziert – über- oder unterdurchschnittlich entwickeln, wenn die Zinserwartungen steigen. „Das soll nicht heißen, dass es in diesen Sektoren nicht einzelne Aktien gibt, die attraktiv sind. Unserer Meinung nach sind diese Top-down-Argumente aber häufig zu simpel und funktionieren nicht, solange sich die zugrunde liegenden Fundamentaldaten nicht ändern“, so Gallagher.

Defensive Rotation aus zyklischen in defensive Aktien
Eine Marktrotation aufgrund einer Veränderung der fundamentalen Konjunkturdaten müsste Gallagher zufolge ernsthafter in Erwägung gezogen werden, ebenso wie eine Veränderung der Richtung der Wirtschaft oder ein Abschwung im Muster der relativen Gewinnkorrekturen. In diesem Zusammenhang können bestimmte Sektoren – oder bestimmte Aktien – attraktiver als andere scheinen.

Die Indikatoren zu den Kreditimpulsen in Europa sowie der Citi Economic Suprise Index deuten derzeit beide aufwärts, nachdem sie in den letzten Monaten nach unten gezeigt hatten. „Dies scheint auf eine Beschleunigung der Wirtschaftsaktivität hinzudeuten, sodass die nächste Überraschung zu den Konsenserwartungen positiv ausfallen könnte“, so der Experte.

„Sowohl bei den relevanten Wirtschaftsindikatoren als auch aus den Berichten der Unternehmen, in die wir investieren, fällt es schwer, Belege für eine signifikante Veränderung der Konjunkturdaten zu erkennen. Unserer Meinung nach haben einige Kommentatoren die Verlangsamung der Wachstumsrate von einem weit überdurchschnittlichen Niveau auf ein ‚passables‘ Wachstumstempo überinterpretiert  und die falschen Schlussfolgerungen gezogen“, sagt Gallagher. Betrachte man die beiden potenziellen Erklärungen für eine Marktrotation, sei keine davon überzeugend. „Deshalb glauben wir nicht, dass die jüngste Rotation Bestand hat, sondern gehen davon aus, dass die aktienspezifischen Fundamentaldaten nach wie vor entscheidend sind“, fährt Gallagher fort.

Ein Risiko, dass jedoch auch künftig im Auge behalten werden müsse, seien die wirtschaftlichen Folgen eines möglicherweise eskalierenden Handelskrieges. „Obwohl die bisher verhängten Zölle unserer Meinung nach keine größeren Auswirkungen haben dürften, könnte eine Fortsetzung und Eskalation jedoch sehr wohl Erst- und Zweitrundeneffekte in Form einer Verschlechterung des Geschäftsklimas und geringerer Investitionen nach sich ziehen“, so der Experte.

Rohstoffe als Inflationsschutz

Wer langfristig in Commodities investiert, kann sich laut einer Studie damit gegen eine steigende Teuerungsrate absichern. Interessante Chancen bieten etwa ETFs und Zertifikate.

Noch vor einigen Monaten hatten zahlreiche Rohstoffnotierungen zu einem lukrativen Höhenflug angesetzt. Viele Industriemetalle profitierten vom Wirtschaftsaufschwung, gepaart mit einem schrumpfenden Angebot. Schließlich hatten viele Minengesellschaften ihre Investitionen kräftig zurückgeschraubt, als die Rohstoffpreise gemeinsam mit dem Aktienmarkt nachgaben. Auch der Ölpreis hat sich von seinem Tiefstand im Jänner 2016 erholt. Hier ist es ebenso die Angebotsseite, die für den Großteil des Anstiegs gesorgt hatte.

Pause bei den Preisen

Doch derzeit scheint der Höhenflug eine Pause zu machen. Allein der Ölpreis der Nordseemarke Brent ist zuletzt in Richtung 70 USD je Fass gesunken. So meint etwa Commerzbank-Analystin Barbara Lamprecht: „Preisbelastend sind eine Kombination aus einem steigenden Angebot Saudi-Arabiens und Russlands sowie Sorgen auf der Nachfrageseite aufgrund des weiter eskalierenden Handelskonflikts zwischen den beiden größten Verbrauchernationen USA und China.“

Auch bei vielen Industriemetallen wird der Preisrückgang auf den Handelskrieg zurückgeführt, der sich negativ auf die Nachfrage auswirken dürfte.

Langfristig könnte sich ein weit positiveres Bild abzeichnen. Denn der Inflationsschutz von Rohstoffen kann wissenschaftlich bestätigt werden, auch wenn Anleger aktienähnliche Risiken eingehen müssen. Zu diesem Schluss kommt das Schweizer Beratungsunternehmen PPCmetrics. Denn meist steigt die Inflation, weil das Wirtschaftswachstum anzieht. Und damit wächst in der Regel auch die Nachfrage nach Rohstoffen. Was die Inflation weiter anheizen kann, wie der kräftige Ölpreisanstieg gezeigt hat. Allein in den USA hat die Inflationsrate den höchsten Stand seit Jahren erreicht und ist ein gutes Stück über die Marke von 2 % geklettert. Auch in der Eurozone hat die Teuerung im Juli weiter angezogen. Die Inflationsrate stieg hier auf 2,1 %.

Chancen mit Indexprodukten

Doch welche Anlagechancen gibt es? Eine spesengünstige Möglichkeit bieten Indexfonds, sogenannte ETFs (Exchange Traded Funds). So gibt es zum Beispiel den „iShares Diversified Commodity Swap UCITS ETF“ (ISIN: IE00BDFL4P12). Dieser setzt auf den Bloomberg Commodity Index, und dieser umfasst Futures auf 20 Rohstoffe, aus den Bereichen Energie, Edelmetalle, Industriemetalle, Lebendvieh und Agrarrohstoffe. Futures sind eine Form von Derivaten, mit denen auf die künftige Preisentwicklung eines Rohstoffes gesetzt wird.

Allerdings werden Futures laufend verlängert. Je nachdem, welche Laufzeit gewählt wird, können sie ein gutes Stück mehr kosten. Deshalb gibt es Anlageprodukte, bei denen geschaut wird, welche Laufzeit die jeweils günstigste ist, anstatt immer nur die jeweils nächste Fälligkeit zu wählen. Dann wird das Produkt als „enhanced“ bezeichnet.

Dazu gibt es zum Beispiel von der BNP Paribas ETCs (Exchange Traded Commodities). ETCs sind eine Form von Zertifikaten, sind aber – mit einem Kollateral – besichert. So gibt es etwa das „RICI EnhancedSM Industriemetalle ETC“ (DE000PR5RMU7). Abgebildet wird die Entwicklung von sechs Industriemetallen, wobei die größten Gewichtungen auf Kupfer und Aluminium entfallen.

Allerdings müssen Anleger beachten, dass es zu großen Kursschwankungen kommen kann. Auch muss man das US-Dollar-Risiko im Auge behalten.

Autorin: Mag. Raja Korinek (rk@boersen-kurier.at)

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Trump könnte die globale Erholung abwürgen

Die Börsen-Kurier-Analyse von Professor Nouriel Roubini von der New York University.

Wie sehen die Aussichten für die Weltwirtschaft im Vergleich zu denen von vor einem Jahr aus? 2017 durchlief die Weltwirtschaft eine synchrone Expansion, bei der sich das Wachstum sowohl in den hochentwickelten Volkswirtschaften als auch in den Schwellenmärkten beschleunigte. Zudem war die Inflation zahm, wenn nicht gar im Fallen begriffen. Dies galt selbst für Volkswirtschaften wie die USA mit ihren zunehmend angespannten Waren- und Arbeitsmärkten.

Das stärkere Wachstum bei weiterhin unter dem Zielwert liegender Inflation machte es möglich, die unkonventionelle Geldpolitik entweder uneingeschränkt fortzusetzen (wie in der Eurozone und Japan) oder sie ganz allmählich zurückzufahren (wie in den USA). Die Kombination aus starkem Wachstum, niedriger Inflation und einer lockeren Geldpolitik implizierte zugleich eine nur geringe Marktvolatilität. Und die ebenfalls sehr niedrigen Renditen von Staatsanleihen beflügelten die animalischen Instinkte der Anleger und trieben den Kurs vieler riskanter Anlagen in die Höhe.

Während US-amerikanische und globale Aktien hohe Renditen abwarfen, waren die politischen und geopolitischen Risiken überwiegend unter Kontrolle. Die Märkte räumten US-Präsident Donald Trump während seines ersten Amtsjahres einen Vertrauensvorschuss ein, und die Anleger feierten seine Steuersenkungen und Deregulierungsmaßnahmen. Viele Kommentatoren argumentierten sogar, dass das Jahrzehnt der „neuen Mittelmäßigkeit“ und der „säkularen Stagnation“ dabei sei, einer neuen „Goldlöckchen“-Phase stetigen, höheren Wachstums Platz zu machen.

Veränderte Szenarien

Spult man vor auf 2018, sieht das Bild ganz anders aus. Obwohl die Weltwirtschaft immer noch eine lauwarme Expansion erlebt, verläuft das Wachstum nicht mehr synchron. In der Eurozone, Großbritannien, Japan und einer Anzahl fragiler Schwellenmärkte verlangsamt es sich. Und während die US-amerikanische und die chinesische Volkswirtschaft weiter wachsen, wird Erstere durch nicht aufrecht zu erhaltende Steuerimpulse angetrieben.

Schlimmer noch: Der beträchtliche Anteil des durch China und Amerika angetriebenen globalen Wachstums ist nun durch einen eskalierenden Handelskrieg bedroht. Die Trump-Regierung hat Einfuhrzölle auf Stahl, Aluminium und ein breites Spektrum chinesischer Waren verhängt (und viele weitere sollen folgen), und sie zieht derzeit zusätzliche Abgaben auf Autos aus Europa und der übrigen Welt in Betracht. Zudem sind die Neuverhandlungen über das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) ins Stocken geraten. Das Risiko eines ausgewachsenen Handelskrieges steigt daher.

In der Zwischenzeit heizen angesichts der Tatsache, dass in den USA nahezu Vollbeschäftigung herrscht, die steuerpolitischen Maßnahmen zusammen mit steigenden Öl- und Rohstoffpreisen die Inflation im Lande an. Infolgedessen muss die US Federal Reserve die Zinsen schneller als erwartet erhöhen, während sie zugleich ihre Bilanz zurückfährt. Und anders als 2017 legt der US-Dollar derzeit an Stärke zu, was zu einem noch größeren US-Handelsdefizit und noch mehr protektionistischen Maßnahmen führen wird, da Trump – vorausgesetzt, er bleibt sich treu – anderen Ländern die Schuld geben wird.

Zugleich haben die Aussichten auf einen Anstieg der Inflation selbst die EZB dazu veranlasst, eine allmähliche Beendigung ihrer unkonventionellen Geldpolitik in Betracht zu ziehen, was eine Straffung der Geldpolitik auf globaler Ebene nahelegt. Die Kombination aus stärkerem Dollar, höheren Zinssätzen und weniger Liquidität lässt für die Schwellenmärkte nichts Gutes erwarten.

Gefahrenpotentiale

Genauso werden das langsamere Wachstum, die höhere Inflation und die straffere Geldpolitik bei sich verschärfenden Finanzbedingungen und zunehmender Volatilität die Stimmung unter den Anlegern trüben. Trotz starker Unternehmenserträge – die durch die US-Steuersenkungen beflügelt wurden – stagnieren die US-amerikanischen und globalen Aktienmärkte nun seit einigen Monaten. Seit Feber werden die Aktienmärkte von Ängsten über einen Anstieg der Inflation und die Einführung von Einfuhrzöllen sowie vor der Gegenreaktion auf die großen Technologieunternehmen gebeutelt. Zudem wächst die Besorgnis in Bezug auf Schwellenmärkte wie die Türkei, Argentinien, Brasilien und Mexiko sowie über die von populistischen Regierungen in Italien und anderen europäischen Ländern ausgehende Bedrohung.

Die Gefahr ist nun, dass sich eine negative Rückkopplungsschleife zwischen Volkswirtschaften und Märkten verfestigt. Der Abschwung in einigen Volkswirtschaften könnte zu noch strafferen Finanzbedingungen an den Aktien-, Anleihe- und Kreditmärkten führen, die das Wachstum weiter begrenzen könnten.

Welche Lösungen gibt es?

Seit 2010 erhöhten Konjunkturabschwünge, Phasen der Risikoscheu und Marktkorrekturen die Risiken einer „Stagdeflation“ (geringes Wachstum einhergehend mit niedriger Inflation). Als Retter angesichts des Wachstums- und Inflationsrückgangs erwiesen sich die wichtigen Notenbanken mit ihrer unkonventionellen Geldpolitik. Doch nun sind die größten Risiken erstmals seit einem Jahrzehnt stagflationärer Art (langsameres Wachstum einhergehend mit höherer Inflation). Zu diesen Risiken gehören der negative Angebotsschock, der aus einem Handelskrieg herrühren könnte, ein durch politisch motivierte Angebotsbeschränkungen bedingter Anstieg der Ölpreise und eine die Inflation begünstigende US-Innenpolitik.

Anders als bei den kurzen Phasen der Risikoscheu in den Jahren 2015 und 2016, die lediglich zwei Monate andauerten, vermeiden die Anleger diesmal Risiken schon seit Feber, und die Märkte stagnieren oder fallen noch immer. Diesmal jedoch sind die Fed und andere Notenbanken dabei, eine Straffung ihrer Geldpolitik einzuleiten bzw. fortzusetzen, und können den Märkten angesichts steigender Inflation nicht zur Hilfe eilen.

Trump als Damoklesschwert

Ein weiterer großer Unterschied ist, dass Trumps Politik zusätzliche Unsicherheiten hervorruft. Zusätzlich zur Einleitung eines Handelskrieges ist er dabei, die wirtschaftliche und geostrategische Weltordnung, die die USA nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut hat, aktiv zu untergraben.

Zudem sind die in bescheidenem Maße das Wachstum ankurbelnden Maßnahmen der Trump-Regierung inzwischen Geschichte; die Auswirkungen politischer Maßnahmen, die das Wachstum behindern könnten, sind jedoch noch nicht vollumfänglich spürbar. Die von Trump favorisierte Fiskal- und Handelspolitik wird private Investitionen verdrängen, ausländische Direktinvestitionen in den USA verringern und größere Außendefizite hervorrufen. Sein drakonischer Ansatz in Bezug auf die Einwanderung wird das Angebot an Arbeitskräften verringern, das erforderlich ist, um eine alternde Gesellschaft zu unterstützen. Seine Umweltpolitik wird es den USA erschweren, in der „grünen“ Wirtschaft der Zukunft konkurrenzfähig zu sein. Und seine Schikanen gegenüber dem privaten Sektor werden dazu führen, dass viele Firmen in den USA nur zögerlich Arbeitsplätze schaffen oder investieren werden.

US-Wachstum gefährdet

Im Laufe der Zeit werden die wachstumsverringernden Maßnahmen die wachstumsfördernden Aspekte der US-Politik überwiegen. Selbst wenn die US-Wirtschaft im Verlaufe des nächsten Jahres ihr potenzielles Wachstum übertrifft, werden die Auswirkungen der Steuerimpulse in der zweiten Jahreshälfte 2019 abklingen, und die Fed wird in ihrem Bemühen, die Inflation zu kontrollieren, über ihren langfristigen Gleichgewichtszinssatz hinausgehen. Eine weiche Landung hinzubekommen wird also schwieriger. Bis dahin, und angesichts des zunehmenden Protektionismus, wird sich die Volatilität an den überhitzten Weltmärkten aufgrund der ernsten Gefahr eines Wachstumseinbruchs – oder sogar Konjunkturrückgangs – in 2020 vermutlich noch verstärkt haben. Angesichts der Tatsache, dass die Zeiten niedriger Volatilität hinter uns liegen, dürfte die gegenwärtige Phase der Risikoscheu weiter anhalten.

Autor:Nouriel Roubini ist CEO von Roubini Macro Associates und Professor für Ökonomie an der Stern School of Business der New York University. Aus dem Englischen von Jan Doolan, © Project Syndicate 1995 – 2018

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Der Automobilsektor lockt mit interessanten Chancen

Solange das weltweite Wirtschaftswachstum nicht abflaut, locken die kleinen Unternehmen in Europa mit einer Menge Chancen.

Noch ist das globale Wachstum mit einem geschätzten Plus von 4,5 % laut Weltbank durchaus intakt. Und das gleich in zahlreichen Wirtschaftssektoren: „Allein im Stoxx Europe 600 steigt das Gewinnwachstum der Unternehmen auf breiter Ebene. Das war vor wenigen Jahren nicht der Fall“, betont Diane Bruno, die leitende Fondsmanagerin des Investmentfonds „Mandarine Unique“ (ISIN: LU0489687243 für Privatanleger, LU0489687599 für Großanleger) aus der französischen Fondsboutique Mandarine Gestion im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Der Fonds hat sich auf kleinere Unternehmen in Europa spezialisiert, „sie profitieren vom aktuellen Umfeld besonders“, hebt sie hervor.

Erfolgreiche Nischenplayer
Dabei handelt es sich oftmals um Unternehmen, die in Nischen erfolgreich tätig sind. Hilfreich seien zudem eine überschaubare Größe und Struktur, „denn kleinere bis mittlere Unternehmen sind sehr wendig und können sich schnell an den Wandel in ihrem Umfeld anpassen“, ergänzt Isabelle de Gavoty, die Verantwortliche für Small Cap Investments von Axa Investment Managers.

Genau deshalb profitieren diese Gesellschaften überdurchschnittlich in guten Zeiten, verlieren aber gerade aufgrund eines meist sehr fokussierten Geschäftsmodells stärker in Abwärtsphasen. Doch selbst, wenn Rücksetzer heftig ausfallen können, hat etwa der Stoxx Europe Small 200 den Stoxx Europe 600 allein seit der Jahrtausendwende weit hinter sich gelassen. Selbst für das laufende Jahr fallen die Prognosen positiv aus. Laut Axa IM wird bei den Unternehmen im Stoxx Europe Small 200 ein Wachstum des Gewinns pro Aktie von 9 % erwartet. Das könnte für weitere Kurszuwächse sorgen.

Genaue Analyse
Dennoch sollte man die Unternehmen genau ansehen. Wobei viele der Titel von Analysten erst gar nicht auf der Beobachtungsliste stehen. Das erhöht die Chancen, auf unentdeckte Perlen zu stoßen. Diese findet Bruno derzeit zum Beispiel in der Auto-Branche, genauer gesagt bei den Zulieferern. Schließlich wächst der Druck, die CO2-Ausstöße in den kommenden Jahren weiter zu senken.

Von dem Trend profitieren einige Unternehmen wie etwa die französische Plastic Omnium (FR0000124570), die unter anderem Plastikteile für die Autokarosserie herstellt. Damit wiegen die Boliden weniger, sie reduzieren damit den Ausstoß. Umicore (BE0974320526) aus Belgien stellt wiederum Katalysatoren her, ist unter anderem auch im Geschäft mit dem Metallrecycling tätig.

Ölpreis stützt
Vom steigenden Ölpreis konnte wiederum die heimische Schoeller Bleckmann Oilfields Equipment, kurz SBO, kräftig profitieren. Was der Mandarine-Expertin an dem Konzern besonders gefällt, ist die einzigartige Ausrüstung, wie sie betont. Schließlich rüstet die SBO Ölkonzerne mit amagnetischen Richtbohrsträngen aus, die in unterschiedliche Richtungen bohren können.

Für reichlich medialen Wirbel sorgt zwar noch immer der andauernde Brexit-Prozess. Dennoch wird Bruno selbst auf dem UK-Markt fündig, etwa bei den Aktien von B&M European Value Retail (LU1072616219). Das britische Einzelhandelsunternehmen betreibt mehr als 500 Diskont-Filialen in UK und in Deutschland. Spirax-Sarco Engineering (GB00BWFGQN14) stellt wiederum Dampfgeräte und Pumpen für Industrieanlagen her.

Breite Streuung
Anleger sollten gerade im Bereich der kleineren Unternehmen jedenfalls breit gestreut investieren und selbst innerhalb Europas das Währungsrisiko gut im Auge behalten.

Autorin: Mag. Raja Korinek (rk@boersen-kurier.at)

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Industrieländeraktien bieten Investmentpotenzial

US-Aktien hatten in der vergangenen Zeit einen Run: In den letzten 102 Monaten liefen sie besser als die Titel der meisten anderen Industrieländer. Nun sind sie allerdings teuer – egal, welchen Maßstab man anlegt. Wertorientierte Anleger sollten sich also an anderen Märkten nach Schnäppchen umschauen: Hier können Investoren gerade die Underperformance anderer Industrieländeraktien nutzen. (25.07.)

Die Frage, ob andere globale Aktien sich gut entwickeln können, ohne dass die USA den Weg weisen, beantwortet Lisa Thompson, Portfoliomanagerin bei Capital Group eindeutig: „Ich glaube, dass sie angesichts der attraktiveren Bewertungen in vielen Märkten außerhalb der USA, auf relativer Basis Potenzial haben.“

Europäischer Banken-Sektor dürfte wieder aufblühen

Das liegt unter anderem an der so genannten Bewertungslücke zwischen US-Unternehmen und ihren Pendants in Europa und Japan. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von US-Aktien lag zum 31. Mai durchschnittlich bei 16,6. Aktien anderer entwickelter Märkte kamen hingegen auf eine Bewertung von 14,3. Folglich haben sie mehr Aufwärtspotenzial als die bereits hoch bewerteten US-Aktien. Dies trifft insbesondere auf den europäischen Banken-Sektor zu, der in den vergangenen Jahren stark mit den strengen Regulierungen, dem trägen Wirtschaftswachstum und den niedrigen Zinsen zu kämpfen hatte. Derzeit regeneriert sich die europäische Wirtschaft wieder von der Rezession und auch die Zinsen werden wahrscheinlich Mitte bis Ende des Jahres 2019 angehoben werden.

„Die Anhebung der Zinsen wird in Europa etwas länger dauern“, so Thompson. „Aber die Rückkehr der Volatilität auf die globalen Finanzmärkte sollte den Investmentbanken zugutekommen, da sie von einem erhöhten Handelsvolumen profitieren würden.“

Weltweite Bewertungsvergleiche zeigen Chancen auf

Weitere europäische Sektoren, deren Aktien einen Vorteil gegenüber den USA haben, sind Luxusgüter, Chemie- und Industriewerte. Ein gutes Beispiel hierfür sind die beiden Flugzeughersteller Airbus und Boeing: Airbus lag zum 31. Mai bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22,4, Boeing bei lediglich 19,4. „Der Vergleich zwischen Airbus und Boeing ist interessant, da es sich hier um ein Duopol handelt und sie sich in leicht unterschiedlichen Phasen ihres Zyklus befinden“, sagt Jody Jonsson, Portfoliomanagerin bei Capital Group.

„Boeing ist in einer Phase der Cashflow-Generierung und produziert bedeutend höhere Dividenden und Aktienrückkäufe. Airbus ist nicht weit von Boeing entfernt, könnte aber aufgrund der niedrigeren Bewertungen mehr Aufwärtspotenzial haben.“

Betrachte man zusätzlich die Schwellenländer seien die Unterschiede der Bewertungen sogar noch größer. So zum Beispiel zwischen Apple (14,8) und Samsung (6,9). „Apple ist meiner Meinung nach mit einem niedrigen zweistelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis angemessen bewertet, aber Samsung ist noch niedriger bewertet. Ich schaue mir solche Vergleiche überall auf der Welt an und ich denke, dass sie sehr interessante Chancen aufzeigen“, so Jonsson.

Länge des Zyklus ist ungewiss

Zugleich bleibt die Aktienrisikoprämie in Europa und Japan attraktiv. Das ist ein entscheidender Maßstab, der die relative Attraktivität von Anlagen in globale Aktien mit einer vermeintlich „risikofreien“ Alternative vergleicht, die durch eine Mischung aus Staatsanleihen repräsentiert wird.

Da die Renditen für Euro- und japanische Anleihen auf einem historisch niedrigen Niveau verharren, bieten die Aktienmärkte auch weiterhin eine deutlich bessere Option für Anleger, die eine größere Chance auf Kapitalzuwachs suchen. Wie lange dieser Zyklus noch anhalten wird, ist jedoch ungewiss. Im Hinblick auf die Länge der Periode und die klare Bewertungslücke, gibt aber es genügend Spielraum für die anderen globalen Märkte, die USA zu überholen.

„Kapitalmarktfinanzierung wird zunehmen“

Der vormalige CEO der damals erfolgreich börsenotierten Böhler Uddeholm AG, Claus J. Raidl, tritt auch als OeNB-Präsident für einen attraktiven Heimmarkt ein.

Die Initiative des jetzigen Finanzministers Hartwig Löger, dass Klein- und Mittelbetriebe (KMU) leichter an die Wiener Börse kommen können, sieht der Austro-Finanzmarkthüter und Kapitalmarktkenner Claus Raidl positiv. Sei es die angekündigte Zulassung von Inhaberaktien am Dritten Markt, sei es die Aussicht auf niedrigere IPO-Kosten für KMU. Ein börslicher „Heimmarkt“ sei gerade für den unternehmerischen Mittelstand wichtig: Denn in Österreich sei die Aufmerksamkeit höher als bei einem kleinen Wert an den Börsen Frankfurt oder Zürich. Bei einer Notierung in der Schweiz käme auch noch das Währungsrisiko dazu. Und am Kapitalmarkt Frankfurt seien sogar große Austrofirmen klein. Raidl sieht auch Bestrebungen positiv, die die Liquidität an der Wiener Börse steigern können. So wie in der Schweiz brauche es mehr große private Pensionsfonds und Wealth Manager. Wenn nun die zweite und dritte Pensionssäule mittels Pensionskassen (wieder)belebt werden soll, sei das daher zu unterstützen.

Denn Raidl wagt eine Prognose: „Was sein wird: Eigenkapitalfinanzierung wird zunehmen, Kreditfinanzierung wird tendenziell zurückgehen. Unternehmen werden sich mehr über den Kapitalmarkt finanzieren.“ Akquisitionen und große Investitionen werden mit Eigenkapital finanziert werden, „denn da tickt nicht die Zinsuhr“. Dafür brauche der heimische Kapitalmarkt Engagement von Politik und Banken für mehr Popularität in der Bevölkerung. Raidl weiß aus Erfahrung: „Mit den großen Privatisierungen in den Neunzigerjahren ist auch der Kapitalmarkt populär geworden.“ Im Gegensatz zu vergleichbaren Ländern fehle bei uns aber eine „Kapitalmarkt-Tradition“ und „Aktienkultur“. Dazu sei der Kapitalmarkt zu oft „verteufelt“ worden. Und das, obwohl Aktien im langfristigen Vergleich der Geldanlageformen doch „sehr gut performen“.

Das Umfeld sei ja günstig: Aktien zeigen schöne Dividendenrenditen und Kursentwicklungen, die, so Raidl, von der Geldmenge, dem Realitätenmarkt und der realwirtschaftlichen Konjunktur positiv beeinflusst würden. Aktien seien als langfristige Anlageform zu sehen, wo man sich von kurzfristigen Entwicklungen nicht zu sehr beeinflussen lassen sollte.

Was die steuerliche Behandlung des Austro-Aktionärstums betrifft, so hält Raidl nichts davon, gebundenes Vermögen zu besteuern, hält also eine allgemeine Vermögensteuer für falsch. Besteuerung bestenfalls erst, „wenn es in der Kassa klingelt“, also nur, wenn ein allfälliger Wertzuwachs entsteht und dieser auch tatsächlich „realisiert“ wird. Raidl hegt auch die Hoffnung, dass, wenn man die bestehende Wertpapier-KESt von 27,5 % wieder senken würde (sie war ja früher bei 25 %, wie für risikoarme Anlageformen heute noch), das den Kapitalmarkt beleben könnte.

Was die europäische Geldmarktentwicklung betrifft, so ist der OeNB-Präsident stolz darauf, dass Gouverneur Ewald Nowotny „Schrittmacher“ gewesen sei, dass das Anleihen-Aufkaufprogramm der EZB heruntergefahren werde. Das sei in der aktuellen Situation „goldrichtig“. Auch müsse man die amerikanische Entwicklung, also die Schritte der Fed, genau beobachten. „Auf mittlere Sicht“ werde es wohl auch in der EU Zinsschritte geben. Die OeNB empfehle daher, von variabel verzinsten Finanzierungen auf fix- bzw. festverzinsliche Kredite zu gehen, etwa für den Wohnbau. Anleihenzinsen werden mit der allgemeinen Zinsentwicklung auch in die Höhe gehen. Sinkende Kurse von Altanleihen seien nur dann ein (Bewertungs-)Problem, wenn man sie nicht bis zum Laufzeitende halte.

Das Gespräch führte Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Nischenchampions fürs Aktiendepot


An der Wiener Börse finden sich eine Reihe von „Hidden Champions“, die für Experten aktuell eine Überlegung wert sind. Teilweise weisen sie hohes Kurspotenzial auf.

Sie sind Global Player, punkten mit herausragender Produktqualität und hoher Innovationskraft, zählen in ihren Nischen zu den Weltmarktführern, sind oft im B2B-Bereich tätig, kommen aus Österreich und sind der breiten Öffentlichkeit nicht bekannt – die Rede ist von den rund 200 Unternehmen, die zu den so genannten heimischen „Hidden Champions“ zählen. Auch wenn der Großteil nicht börsenotiert ist, so findet sich auch an der Wiener Börse eine stattliche Zahl an „versteckten Weltmeistern“.

AT&S: 50 % Kurspotenzial

Dass es nicht die schlechteste Idee ist, sich die Aktien dieser Unternehmen ins Portfolio zu legen – natürlich vorausgesetzt, dass sie attraktiv bewertet sind – bestätigt ein Blick auf die aktuellen Empfehlungslisten der heimischen Analysehäuser, ebenso wie auf die Positionierungen diverser Österreich-Aktienfonds. Aber auch die Tatsache, dass viele internationale institutionelle Investoren- wie unter anderem Pensionskassen – auf diese Werte setzen, könnte als Entscheidungshilfe dienen.

Zu den Top-Empfehlungen der Analysten der Erste Group zählen derzeit eine Reihe von Hidden Champions bzw. Global Playern. Der Aktie von AT&S, seines Zeichens europäischer Marktführer und einer der weltweit führenden Hersteller von hochwertigen Leiterplatten und IC-Substraten, sprechen sie etwa ein Kurspotenzial von rund 50 % zu. „Der Produktionsstart der neuen Generation von Leiterplatten („mSAP“, Anm.) verspricht eine Geschäftsausweitung und positive Wachstums- und Ertragsdynamik über viele Quartale“, meint Analyst Daniel Lion.

Ein Kurspotenzial von immerhin rund 15 % weist wiederum die Palfinger-Aktie auf. Das Salzburger Unternehmen ist Weltmarktführer bei Ladekranen, Forst- und Recyclingkranen, Marinekranen, Windkranen, Hooklifts und Eisenbahnsystemen. Bei hydraulischen Hebe-Lösungen für Nutzfahrzeuge und im maritimen Bereich gehört Palfinger zu den weltweit führenden Herstellern. Auch Alois Wögerbauer, Manager des mehrfach ausgezeichneten „3 Banken Österreich-Fonds“, zählt Palfinger zu den Unternehmen, die ihm aktuell „gut gefallen“.

Wie Palfinger, halte er auch Lenzing, den Weltmarktführer für Cellolosefasern, der im Übrigen ebenfalls auf der Empfehlungsliste der Erste Group steht, für ein „gut geführtes Unternehmen“, so Wögerbauer gegenüber dem Börsen-Kurier.

Neben Palfinger (Anteil am Fondsvermögen: 3,93 %) und Lenzing (3,66 %) finden sich unter den Top-15-Positionen im „3 Banken Österreich-Fonds“ gleich eine Reihe von Hidden Champions. Dazu zählen unter anderem Andritz (4,05 %), voestalpine (3,86 %) und Agrana (3,45 %).

Top-Pick: Andritz

Andritz, einer der weltweit führenden Hersteller von Anlagen, Ausrüstungen und Serviceleistungen für – unter anderem – Wasserkraftwerke, die Zellstoff- und Papierindustrie, die metallverarbeitende Industrie und Stahlindustrie gehört derzeit auch zu den Top-Empfehlungen der Raiffeisen Centrobank (RCB). Für das Unternehmen würden unter anderem erwartete Investitionen im Zellstoffbereich sprechen. Ebenfalls zu den Top-Picks der RCB gehören im Übrigen auch Palfinger und damit ein „attraktiv bewerteter Zykliker“.

Autor: Mag. Patrick Baldia  (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Wie man Arbeitnehmer ohne Handelszölle schützen kann

Laut einer am 11. Juli veröffentlichten Meinungsumfrage der Washington Post und der Schar School unter US-Amerikanern stimmten nur 39 % der Umfrageteilnehmer der Verhängung von Zöllen gegenüber anderen Ländern durch US-Präsident Donald Trump zu; 56 % waren dagegen. Doch während es eine gute Nachricht ist, dass die Mehrheit der Amerikaner sich in dieser entscheidenden Frage gegen ihren Präsidenten stellt, zeigt sich Trump unbeirrt.


Es ist ein Rätsel, warum selbst 39 % diese Politik unterstützten. Seit der Großen Depression, dem Zweiten Weltkrieg, und dem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen von 1947, haben die USA – und zwar Regierung wie Bevölkerung – konsequent den freien Handel unterstützt.

In seinem Buch „Der Wohlstand der Nationen“ aus dem Jahr 1776 argumentierte Adam Smith in beredsamer und überzeugender Weise für den Freihandel und gegen handelsverzerrende Zölle: Beim Freihandel prosperiere die Wirtschaft, weil Waren und Dienstleistungen aus den Ländern bezogen werden, die bei ihrer Erzeugung am produktivsten sind.

Smiths Buch war von Anfang an ein Riesengesprächsthema, und die Belege stützen seine Argumentation. Die Ökonomen Jeffrey Frankel und David Romer haben bestätigt, dass Länder, bei denen der Handel freier ist, ein höheres Wirtschaftswachstum aufweisen.

Ein Erklärungsversuch

Warum also erleben wir derzeit eine derart große öffentliche Unterstützung für einen von den USA initiierten Handelskrieg? Sie muss aus der manchmal durch den freien Handel bedingten Beschäftigungsunsicherheit herrühren, und aus dem Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, wenn man zu den Verlierern gehört. Die meisten Menschen wollen keine Almosen. Die Wähler in den USA haben auf „Make America Great Again“ gut angesprochen. Auf die Forderung des früheren Präsidenten Barack Obama, „den Reichtum zu verteilen“, haben sie weniger gut reagiert.

Der Politologe John Ruggie argumentierte 1982, dass der Multilateralismus und Freihandel im Gefolge des Zweiten Weltkriegs das Ergebnis eines „Kompromisses eines eingebetteten Liberalismus“ seien. Ein multilaterales System und niedrige Zölle könnten politisch nur funktionieren, wenn der Staat zur Stabilisierung des Wirtschaftslebens der Bürger interveniere.

Der Ökonom Dani Rodrik hat weitere Belege vorgelegt, die Ruggies Argument stützen. Unter Verwendung von Daten aus 125 Ländern und nach Ausschaltung anderer Faktoren stellte Rodrik eine positive Korrelation zwischen der wirtschaftlichen Offenheit von Ländern und dem Anteil der Staatsausgaben am jeweiligen BIP fest: Offenere Volkswirtschaften geben demnach im Verhältnis zu ihrer Größe mehr Geld für Güter und Dienstleistungen für ihre Bürger aus. Länder, die viel Handel treiben, haben keinen kleinen Staatssektor; vielmehr ist genau das Gegenteil der Fall.

Der Gesamtwert des staatlichen Konsums ist viel wichtiger als die von vielen Ländern angebotene zeitlich begrenzte Arbeitslosenversicherung oder Programme wie die handelsbezogenen Anpassungsmaßnahmen in den USA. Letztere ermöglichen es Arbeitnehmern, die nachweisen können, dass ihre Arbeitsplätze aufgrund des freien Handels an Ausländer gefallen sind, eine zeitlich begrenzte Entschädigung zu beantragen, während sie nach einem neuen Arbeitsplatz suchen. Obama wollte diese Unterstützung, die mit dem Trade Expansion Act von 1962 begann, durch Einführung einer Lohnausfallversicherung weiter ausweiten. Doch selbst dieser bescheidene Vorschlag wurde nicht umgesetzt.

In meinem Buch „Die neue Finanzordnung“ aus dem Jahr 2003 habe ich für eine privat abzuschließende „Lebensstandard-Versicherung“ argumentiert, die vor langfristigen Einkommensverlusten schützt und deren Prämien auf der Grundlage von Beruf und Ausbildung festgelegt werden. Doch obwohl derartige Programme dazu ermutigen können, berufliche Risiken einzugehen, und das Wirtschaftswachstum fördern können, werden sie nicht umgesetzt.

Mehr privates Risiko durch Globalisierung?

Ein Grund, warum es so schwierig ist, das Versicherungsprinzip auf Handelsrisiken anzuwenden, ist, dass es nach Umverteilung aussieht, wenn die Regierung einen Versicherungsschutz gegen Risiken in Bezug auf den Lebensstandard anbietet. Dies ist insbesondere deshalb der Fall, weil die Risiken dabei, einen freien Handel mit niedrigen Zöllen aufrechtzuerhalten, langfristiger Art sein können. Der Verlust des Arbeitsplatzes in der US-Stahlindustrie kann angesichts ausländischer Konkurrenz schließender Stahlwerke verdammt dauerhaft erscheinen. Doch ist schwer vorstellbar, dass Regierungen freigesetzte Arbeitskräfte jahrzehntelang subventionieren würden.

Das Problem ist heute, dass die Menschen angesichts der Tatsache, dass die verstärkte Globalisierung anscheinend ein neuer Dauerzustand ist, und angesichts der sich in vielen Ländern verstärkenden Ungleichheit dazu neigen, ihre langfristige wirtschaftliche Situation als zunehmend risikobehaftet einzuschätzen. Wir müssen einen Weg finden, um die Menschen gegen die Risiken des globalen Markts abzusichern, ohne sie dabei Demütigungen auszusetzen.

Glücklicherweise gibt es jede Menge Präzedenzfälle für eine staatliche Umverteilung in Form von Sachleistungen, die nicht wie Almosen für die Verlierer der Gesellschaft erscheinen. Wenn die Regierung Steuergelder für eine allgemeine öffentliche Bildung und für eine allgemeine öffentliche Krankenversorgung ausgibt, erschient das vielen nicht als Umverteilung, weil diese Leistungen jedem angeboten werden. Solange die meisten Menschen die staatlichen Schulen und Ärzte nutzen, sieht diese Form der Umverteilung nicht nach Almosen aus.

Eine andere Lösung besteht darin, dass der Staat zum Abschluss einer privaten Lebensstandard-Versicherung ermutigt, indem er diese subventioniert und so dazu beiträgt, die Kosten für mit dem freien Handel verbundene Arbeitsplatzverluste abzusichern. Miteinander konkurrierende, angemessen regulierte private Versicherungsunternehmen können sehr viel mehr unternehmerische Kreativität bei der erfolgreichen Steuerung der in Bezug auf den Einzelnen vom Freihandel ausgehenden Risiken zeigen.

Ein Hoffnungsschimmer

Trumps Handelskrieg ist eine internationale Tragödie. Doch könnte diese ein Happyend haben, wenn sie uns letztlich an die Risiken erinnert, die der Freihandel den Menschen auferlegt, und wenn wir unsere Versicherungsmechanismen verbessern, um zu helfen.

Autor: Robert J. Shiller wurde 2013 mit dem Nobelpreis für Ökonomie ausgezeichnet. Er ist Professor für Ökonomie in Yale und, gemeinsam mit George Akerlof, Verfasser von Phishing for Fools: Manipulation und Täuschung in der freien Marktwirtschaft.

Aus dem Englischen von Jan Doolan, © Project Syndicate 1995 – 2018

 

 

Familienunternehmen mit Potenzial

Diverse Studien weisen Überrenditen von Familienunternehmen gegenüber anderen Unternehmen nach. Der Börsen-Kurier zeigt Beispiele lukrativer Familienunternehmen.

Unternehmen im Einfluss der Gründerfamilie weisen ein stärkeres EBITDA-Wachstum und höhere EBITDA-Margen auf. Nachhaltige strategische Management-Entscheidungen treten an die Stelle der häufigen „Quartalsbilanzkosmetik“ reiner „Institutionalbürokratien“, die von Berufsmanagern geführt werden. Die nahezu 1.000 Unternehmen der globalen „CS Family 1000 Datenbank“ zeigten in der vom CSRI (Credit Suisse Research Institute) im September 2017 veröffentlichten Studie von Anfang 2006 an gegenüber dem MSCI AC World Index eine jährliche Outperformance von 3,92 %-Punkten.

Die Outperformance von Gesellschaften, bei denen zumindest jeweils 20 % der ausstehenden Aktien und Stimmrechte im Familienbesitz stehen, gegenüber Nicht-Familienunternehmen liegt bei 4,04 %-Punkten p.a. und ist in Europa (5,1 %-Punkte p.a.) am stärksten.

Mehr Dynamik mit der 1. und 2. Generation

Während laut CSRI die ersten beiden Unternehmergenerationen noch im Schnitt ca. 9 % p.a. an Aktienperformance brachten, folgte bei späteren Generationen ein Einbruch auf unter 6,5 % p.a., da diese meist größer sind und somit langsamer wachsen.

Familienunternehmen, die in 1. oder 2. Generation geführt werden, in Europa ansässig sind und über eine marktführende Position verfügen, bieten Outperformance-Chancen: In diese Kategorie fällt z.B. die Eckert & Ziegler (ISIN: DE00056 59700), deren Mitbegründer, der Venture-Capitalist Andreas Eckert, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens ist. Weltweit unter den größten Herstellern von radioaktiven Komponenten für medizinische, wissenschaftliche und messtechnische Zwecke konzentriert sich das Unternehmen auf Anwendungen in der Krebstherapie, der industriellen Radiometrie und der nuklearmedizinischen Diagnostik. Von 2010 bis 2017 wuchs der Gewinn/Aktie um 6,3 % p.a. Bei einem für 2020 geschätzten Forward-KGV von 14 hat die Aktie noch Luft nach oben.

Interessant erscheinen auch Andritz sowie Polytec. Letztere, ein Spezialist für Leichtbau-Autoteile sowie Spritzgusskomponenten für den Motor-, Interieur- und Exterieurbereich, wäre bei einem Kurs von 12,62 Euro selbst im Falle eines zwischenzeitlichen Rückganges des Gewinns/Aktie von 1,74 auf 1,70 Euro mit einem KGV von 7,4 günstig bewertet.

Andritz ist einer der führenden Lieferanten von Anlagen, Ausrüstungen und Serviceleistungen für Wasserkraftwerke, die Zellstoff- und Papierindustrie, die metallverarbeitende Industrie und Stahlindustrie und expandiert durch gezielte Akquisitionen, zuletzt durch Übernahme des US-Unternehmens Xerium. Der CEO der Andritz, Wolfgang Leitner, hat sich 1999 als Kernaktionär am Unternehmen beteiligt und daraus ein Firmenimperium gemacht.

In den USA als Firmen der 1. Generation können z.B. noch Facebook  (US30303M1027) oder Amazon (US0231351067) bezeichnet werden.

Alteingesessen

Die 1895 gegründete Dürr AG (DE00 05565204) bietet unter anderem La­ckierereien und Endmontagewerke für die Automobilindustrie, Robotertechnologien für den automatischen Auftrag von Lacken, Abluftreinigungsanlagen und Maschinen/Anlagen für die holzverarbeitende Industrie an. Dürr ist laut eigenen Angaben Weltmarktführer in rund 95 % des Produktportfolios. 2017 lag die Rendite auf das eingesetzte Kapital bei 39,5 %. Trotz zyklischer Schwankungen lässt sich ein langjähriger Ertragswachstumstrend erkennen, weshalb ein für 2020 geschätztes Forward-KGV von 11,1 günstig erscheint.

Autor: Michael Kordovsky  (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Internationale Spezialwerte mit Übernahmephantasie

Andritz bezahlt für Xerium, einen Aufschlag von 146,8 % auf den jüngsten Börsenkurs. Übernahmen mit so hohen Prämien haben ein Muster. Es handelt sich um Spezialunternehmen
mit klarem Profil. Der Börsen-Kurier zeigt potenzielle Übernahmekandidaten dieser Kategorie.

Xerium Technologies ist ein Hersteller und Lieferant von Maschinengeweben und Walzenbezügen. Der US-Konzern bietet mit seinen rund 2.850 Mitarbeitern wesentliche Verschleißteile sowie Wartungs- und Aufrüstungsleistungen für die Papierindustrie. Der reine Übernahmepreis liegt bei rund 240 MioUSD.

Trefferwahrscheinlichkeit erhöhen

Für Laien erscheint dies als „Lucky Punch“, doch man kann die Wahrscheinlichkeit solcher „Glücksfälle“ im Portfolio positiv beeinflussen, indem man auf möglichst marktführende Spezial- und Nischenunternehmen setzt, die auf einen bestimmten Bereich fokussiert sind, hochrentabel arbeiten und solides Ertragswachstum aufweisen, wobei „Bilanzzahlen“ im Falle einer Übernahme durch eine Firma mit globalen Vertriebsstrukturen häufig eine untergeordnete Rolle spielen, da die Synergien im Vertrieb ausschlaggebend sind.

iRobot – Weltmarktführer bei Sauger-Robotern

Staubsauger-Roboter stehen erst am Anfang ihres Produktlebenszyklus. Das bedeutet enormes Wachstumspotenzial. Der globale Marktanteil von iRobot (Marke „Roomba“,  ISIN: US4627261005) lag 2017 bei 62 %. In den USA sind es sogar 85 %. Das weitere größere Standbein sind Bodenreinigungs-Roboter. Von 2013 bis 2017 konnte der Umsatz von 487 auf 884 MioUSD gesteigert werden, während der Gewinn/Aktie ein Wachstum von 17,1 % p.a. verzeichnen konnte. 2018 erwartet das Management ein Umsatzwachstum um 19 bis 22 % auf 1.050 bis 1.080 MioUSD und der Gewinn/Aktie sollte von 1,77 auf 2,15 bis 2,40 USD steigen. Die Bruttomarge soll sich von 49 auf 50 bis 51 % verbessern. Potenzielle Aufkäufer wären Amazon und Cisco, da die Staubsaugerroboter des Unternehmens Wohnungen kartographieren können, was für smarte Klimaanlagen, Beleuchtungen und Soundsysteme vorteilhaft ist (Stichwort „Internet of Things“). Laut Reuters-Schätzungs-Konsens liegt das erwartete Forward-KGV 2019 bei 26,4, doch an-gesichts des starken Wachstums sind im Falle eines Buyout noch immer Prämien von bis zu über 50 % auf den letzten Aktienkurs denkbar.

Weitere Spezialisten

Ein weiterer Übernahmekandidat ist Aixtron (Deutschland, DE000A0WMPJ6) als weltweit führender Hersteller von Depositionsanlagen für die Halbleiterindustrie, der auch Basistechnologien für Satelliten liefert. 2016 scheiterte eine Übernahme durch ein chinesisches Konsortium an einem Veto durch US-Präsident Barack Obama. Vergangenen Freitag beflügelte die Kaufempfehlung von Deutsche-Bank-Analyst Uwe Schupp den Aktienkurs, zumal der Experte in einem positiven Szenario sogar eine annähernde Verdopplung auf 22 Euro für möglich hält. 2017 drehten EBIT und Cash Flow ins Plus und das für 2020 erwartete Kurs/Cash-Flow-Verhältnis (I/B/E/S-Konsens) liegt bei 20,5.

Aufgrund der günstigen Bewertung ins Visier potenzieller Aufkäufer könnte das DAX-Unternehmen Covestro (DE0006062144) kommen. Coverstro ist weltweit führender Hersteller von Hightech-Polymerwerkstoffen. Diese ermöglichen z.B. leichtere Autos, gute Gebäudeisolierung und in der Unterhaltungselektronik schickes Design in Kombination mit Funktionalität. Kepler Cheuvreux empfiehlt die Aktie mit Kursziel 120 Euro (Kurs 13.7.: 76,66 Euro) zum Kauf, zumal die Bewertung attraktiv ist und die Sorgen um die Polyurethan-Produktpreise übertrieben erscheinen. Forward-KGV 2019 (I/B/E/S-Konsens): 8,3.

Ebenfalls ins beschriebene Schema fällt die luxemburgische Stabilus S.A. (LU106622 6637) Weltmarktführer für Gasfedern und Dämpfern (Anwendungsbereiche: Automobil, Möbel, Seefahrt und Medizintechnik). Im vergangenen Geschäftsjahr lag die EBIT-Marge bei 13 %. Bei einem Forward-KGV 2019 von 15,5 besteht im Übernahmefall noch Prämien-Potenzial bis 35 %.

Besonders hohe Prämien könnten im Falle einer Übernahme von FireEye (US318 16Q1013), einem Anbieter von Lösungen zur Abwehr neuer Cyberangriffe, winken. Das Unternehmen hat sich nämlich auf die neuesten heimtückischsten Computer-Bedrohungen spezialisiert und soll heuer die Gewinnzone erreichen. Potenzielle Aufkäufer wären Microsoft, Cisco oder Symantec.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Österreichische Aktien als Brexit-Opfer?

Noch immer ist unklar, wie der Brexit aussehen wird und die Angst vor einem harten EU-Austritt ist groß. Vereinzelt sind auch österreichische Aktien vom Brexit betroffen. Vor allem die Pfundabwertung beschneidet Margen und Absatzpotenziale bei Exporten nach Großbritannien.

Falls Großbritannien im März 2019 ohne Abkommen aus der EU aussteige und damit Binnenmarkt und Zollunion sofort verlasse, würde dies in diversen europäischen Industriebetrieben zu einer schweren Störung und Unterbrechung der Produktion führen. Das gilt vor allem für Airbus, die im Falle eines harten Brexits einen Teilrückzug aus Großbritannien erwägt. Ähnliches gilt für BMW, die im UK Mini und Rolls-Royce-Fahrzeuge produziert und rund 90 % der dafür verwendeten Teile vom europäischen Festland bezieht.

Laut einer von Deloitte im Juni 2017 veröffentlichten Studie würde 2019 ein harter Brexit dazu führen, dass im UK die Autoabsatzzahlen von Herstellern aus Deutschland und der restlichen EU27 um jeweils 31 bzw. 36 % einbrechen. Annahmen: WTO-Zölle auf Autoteile und Autos von je rund 4,5 bzw. rund 10 %, sowie ein Pfund-Wechselkurs von konstant 10 % unter dem Niveau vor dem Brexit-Referendum am 23.6.2016. Bei voller Weitergabe der Steigerung der Kostenbasis würde sich dann der durchschnittliche Listenpreis eines EU27-Autos in Großbritannien um 21 % verteuern. Das Pfund hat vom 22.6.2016 bis 14.7.2017 bereits gut 13 % gegenüber dem Euro abgewertet, und das BIP-Wachstum Großbritanniens verlangsamte sich von 1,9 % im 2. Quartal 2017 auf 1,2 % im 1. Quartal 2018.

Österreich am Rande betroffen

Das direkte Brexit-Exposure für Österreich hält sich jedoch laut einer am 15. Juni 2016 von Erste Group Research veröffentlichten Studie in engen Grenzen: Das Volumen der Exporte nach Großbritannien lag in Österreich bei lediglich 1,25 % des BIP von 2015. Bei den börsennotierten Banken und Unternehmen ist das Brexit-Exposure minimal. Während die Banken auf Zentral- und Osteuropa fokussiert sind, sind nur sehr wenige Firmen vom Brexit unmittelbar betroffen. Doch die indirekten Wirkungen über Brexit-geschädigte Kunden österreichischer Firmen bleiben abzuwarten. Fakt ist, dass es bereits ein erstes erkennbares Brexit-Opfer an der Wiener Börse gibt.

Zumtobel ist „Brexit-Prügelknabe“

Laut Christoph Schultes, Analyst der Erste Group ist das Zumtobel. Die Analysten der Erste Group haben bereits im November vergangenen Jahres aufgrund zurückgenommener Schätzungen Zumtobel auf verkaufen gestuft. Schon in der Brexit-Studie 2016 haben die Analysten der Erste Group ein hohes Brexit-Exposure für Zumtobel erkannt. Zumtobel hat Betriebsstätten in Großbritannien und erzielte laut Erste Group dort 2015 18 % der Umsätze. Besonders deutlich ist im Zumtobel-Geschäftsbericht 2017/18 (das Geschäftsjahr endet per 30.4.) eine Passage aus dem Brief des Vorstandsvorsitzenden an die Aktionäre: „Regional betrachtet waren die Umsatzrückgänge insbesondere im wichtigsten Absatzmarkt Großbritannien mit einem Minus von über 20 % sehr ausgeprägt.“ Obwohl der Vorstand für das laufende Geschäftsjahr eine leichte Verbesserung des bereinigten EBIT anstrebt, gibt es mehrere Fragezeichen: „Vor dem Hintergrund der großen anstehenden Veränderungen im Unternehmen, des allgemein intensiven Preiswettbewerbes in der Beleuchtungsindustrie und des deutlich verschlechterten Marktumfeldes in dem für die Zumtobel Group wichtigsten Absatzmarkt Großbritannien ist eine Aussage zur Umsatz- und Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2018/19 mit großer Unsicherheit verbunden“, so der O-Ton des Vorstandsvorsitzenden, Alfred Felder. Die Zumtobel-Aktie hat binnen eines Jahres 65 % an Wert verloren und das Ergebnis/Aktie drehte 2017/18 mit -1,04 Euro nach +0,58 Euro im vorangegangenen Geschäftsjahr ins Minus.

Wienerberger: Trotz Brexit auf Höhenflug

Nach Zumtobel – jedoch mit einigem Abstand – ist laut Schultes Wienerberger zu nennen, für die der Brexit aber eine untergeordnete Rolle spielt. 2016 drückte die Pfundabwertung auf das Ergebnis des Ziegelherstellers. Im Jahr 2016 erzielte Wienerberger rund 10 % des Umsatzes in Pfund. Bei 2,97 Mrd Euro Konzernumsatz lagen die negativen Fremdwährungseffekte bei insgesamt 60,9 Mio Euro. Sie waren vorwiegend auf die Abwertung des britischen Pfunds, des polnischen Zloty, der norwegischen Krone und der türkischen Lira zurückzuführen. Nach dem Geschäftsjahr 2017 war der Brexit bestenfalls noch ein Randthema, denn er konnte nicht verhindern, dass mit mehr als 3,1 Mrd Euro ein Rekordumsatz erwirtschaftet wurde und der Nettogewinn um 50 % auf ein 10-Jahres-Hoch von 123 Mio Euro anstieg.

Über das schwache Pfund und einen gedämpften Absatz in Großbritannien ist Wolford vom Brexit betroffen. Dazu der Lagebericht 2017/18: „In Großbritannien sank der Umsatz um 9,6 %. Neben der Abwertung des Pfundes machten sich hier die Auswirkungen des Brexits und der Verlust eines umsatzstarken Shopstandortes bemerkbar.“

Bezüglich DO & CO, bei der schon vor dem Brexit Pfund-Wechselkursschwankungen ein Thema waren, äußerte sich Schultes gegenüber dem Börsen-Kurier wie folgt: „Für die DO & CO könnte eine gewonnene Ausschreibung der British Airways 100 Mio Euro oder mehr bringen, da spielen Brexit-Gedanken keine Rolle mehr.“

Polytec bis dato noch verschont

Dann sollte noch ein Blick auf den Automobilzulieferer Polytec geworfen werden, auf den sich infolge des Brexit mögliche Störungen internationaler Lieferketten direkt und indirekt – vor allem über die deutsche Automobilindustrie – negativ auswirken könnten. Polytec erwirtschaftet rund 91 % des Konzernumsatzes in der Autobranche. Im 1. Quartal 2018 fallen unter anderem 34 % des Konzernumsatzes auf VW, 15,1 % auf Daimler, 7,0 % auf Jaguar/Land Rover und 4,1 % auf BMW.

Ende April 2018 lagen Polytec laut Quartalsbericht aber keine wesentlichen Auswirkungen auf das operative Geschäft vor, „die auf den beabsichtigten Austritt des UK aus der EU oder auf Folgen etwaiger Einschränkungen des internationalen Warenaustausch zurückzuführen gewesen wären“.

Autor:  Michael Kordovsky  (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Damoklesschwert Handelskonflikt bedroht Anleger mehr denn je – US-Aktien als Lichtblick

Die Aussichten für Anleger für das zweite Halbjahr dieses Jahres sind getrübt, wie die Zürcher Kantonalbank Österreich AG in ihrem aktuellen Marktausblick festhält. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China droht wegen der neu angekündigten Strafzölle zu eskalieren. In der Eurozone wird die Wirtschaft außerdem weniger stark wachsen als erwartet. Die Europäische Zentralbank (EZB) reagiert darauf mit einer weiterhin expansiven Geldpolitik. Gegenteiliges wird in den USA beobachtet. Dort läuft die Wirtschaft auf Hochtouren, sodass eine Wachstumsbeschleunigung erwartet wird. Den Leitzins will die US-Notenbank Fed weiter erhöhen. Aufgrund des politischen und wirtschaftlichen Status quo rechnet die Zürcher Kantonalbank Österreich AG mit einer Zunahme der Volatilität auf dem Aktienmarkt. (09.07.)

„Das zweite Halbjahr 2018 bietet keine idealen Aussichten für Anleger. Aber für Pessimismus ist es zu früh“, kommentiert Christian Nemeth, Chief Investment Officer und Vorstandsmitglied der Zürcher Kantonalbank Österreich AG, die Geschehnisse auf dem politischen sowie wirtschaftlichen Parkett. Gemeint ist unter anderem die „America first“-Doktrin von US-Präsident Donald Trump. Diese scheint für eine weitere Eskalationsstufe im Handelsstreit zwischen den USA und China zu sorgen. Die Drohgebärden seitens Trumps konkretisieren sich in der Ankündigung neuer Strafzölle. China will darauf reagieren, indem es seinerseits US-Importe besteuern will. In der Binnenwirtschaft der USA zeichnet sich hingegen eine positive Entwicklung ab. Die Arbeitslosenquote sinkt, das Lohnwachstum zieht allmählich an. „In der Eurozone sieht es dagegen nicht so optimistisch aus“, stellt Nemeth fest. Das Wirtschaftswachstum hat sich über den Winter abgekühlt und scheint den Zenit vorerst überschritten zu haben. „Wir rechnen nun für dieses Jahr mit einem geringeren Wachstum.“ Die Europäische Zentralbank (EZB) reagierte bereits mithilfe unterschiedlicher Finanzinstrumente.

Handelskonflikt gefährdet globales Wachstum

Mit 6. Juli 2018 werden Strafzölle in Höhe von 25 % auf China-Exporte in die USA im Umfang von USD 34 Mrd. fällig. Das Reich der Mitte antwortet zeitgleich mit Zöllen auf US-Importe im Umfang von USD 50 Mrd. Nun drohen die USA, weitere chinesische Produkte von bis zu 400 MrdUSD mit einem Zollsatz von 10 % zu belegen. Dies würde praktisch sämtliche Importe aus China in die USA betreffen – vor allem Konsumgüter, wie Autos. „Die USA und China sind weiterhin für Verhandlungen offen. Die Hoffnung auf einen Kompromiss ist aber in weite Ferne gerückt. Sollte der Handelskonflikt eskalieren, wird sich das Weltwirtschaftswachstum spürbar abkühlen und die Inflation steigen. Handelseinschränkungen wirken generell wachstumsdämpfend sowie preistreibend. Laut einer OECD-Studie würde ein permanenter Anstieg der Handelskosten um 10% die globale Wirtschaftsleistung mittelfristig um 1 bis 1,5 % reduzieren“, analysiert Nemeth. Eine globale Rezession schließt der Experte der Zürcher Kantonalbank Österreich AG aber aus.

US-Wirtschaft auf Hochtouren

Ungeachtet der Zuspitzung im Handelskonflikt entwickelt sich die US-Konjunktur positiv. Die aktuellen Konjunkturindikatoren spiegeln die hohe Wachstumsdynamik der amerikanischen Wirtschaft wider. Die Arbeitslosenquote von 3,8% gehört zu der niedrigsten seit 18 Jahren. Arbeitnehmer erhalten sukzessive mehr Lohn. Ebenso zuversichtlich ist das Bild der wichtigen ISM-Einkaufsmanagerindizes. Sowohl in der Industrie wie auch im Dienstleistungssektor gab es eine klare Verbesserung zum Monat Juni. All dies signalisiert eine Wachstumsbeschleunigung. „Wir rechnen für das weitere Quartal mit einem BIP-Zuwachs von 3 bis 3,5 %“, kommentiert Nemeth die Wirtschaftslage der USA. Bezüglich der Geldpolitik der US-Notenbank Fed: Diese hat den Leitzins im Juni um 25 Basispunkte auf 1,75% bis 2% angehoben. Nemeth rechnet aufgrund der starken Konjunktur und der steigenden Inflation in diesem Jahr mit insgesamt vier Zinsschritten der Fed. „Im September und Dezember dürfte der Leitzins nochmals um jeweils 25 Basispunkte angehoben werden. Für das kommende Jahr sieht die Fed weiterhin drei Zinsschritte vor“, erläutert Nemeth.

Abnahme des Wachstums in der Eurozone

Während die US-Wirtschaft boomt, zeichnet sich in der Eurozone ein gegenteiliges Bild ab: „Wir rechnen nun neu mit einem Wirtschaftswachstum von 2 % anstatt von 2,2 % in diesem Jahr. Dies liegt aber immer noch deutlich über dem langfristigen Durchschnitt“, analysiert Nemeth. Während es im Dienstleistungssektor bis dato stets gut läuft, sind die Industrie und der Außenhandel mit Hindernissen konfrontiert. So ist der Einkaufsmanagerindex für Industrie seit sechs Monaten rückläufig. Zudem hinterlassen globale Handelskonflikte und die weltweit politischen Unruhen erste Spuren in den Wirtschaftsdaten. Durch die Geldpolitik der EZB erhält die Wirtschaft jedoch Rückenwind. Im Juni dieses Jahres haben die Währungshüter beschlossen, die Wertpapierkäufe nochmals um drei Monate bis Ende des Jahres zu verlängern. Die Leitzinsen bleiben laut der EZB mindestens bis zum Ende des Sommers 2019 auf dem aktuellen Niveau.

Volatilität am Aktienmarkt nimmt zu

Für Anleger bedeuten die jüngsten Entwicklungen, dass die Verletzlichkeit der Aktienmärkte tendenziell zunimmt und vermehrt mit Schwankungen zu rechnen ist. In diesem Umfeld hat die Zürcher Kantonalbank Österreich AG ihren Anlage-Favoriten identifiziert: „Das Konjunkturbild spricht aktuell für eine überdurchschnittliche Kursentwicklung nordamerikanischer Aktien. Außerdem entwickelt sich der US-Markt in unruhigen Zeiten zumeist besser als die volatileren Börsen in Europa“, analysiert Nemeth die Aussichten für das zweite Halbjahr 2018. Aus diesem Grund hat die Privatbank auch eine Übergewichtung von US-Aktien zu Lasten europäischer Titel vorgenommen. Bezüglich Staatsanleihen: Sichere Anlagen profitierten in den letzten Wochen von der gestiegenen Nervosität an den Finanzmärkten. „Diese Anlageklasse ist deshalb nochmals teurer geworden. Blendet man den Handelskonflikt aus, spricht das fundamentale Umfeld weiterhin für steigende Rendite bzw. fallende Anleihenkurse. Wir bleiben daher bei Staatsanleihen untergewichtet“, kommentiert Nemeth, der zum Schluss noch einen Blick auf Schwellenländer wirft: „Mit der global gesunkenen Risikofreude von Investoren sowie dem stärkeren US-Dollar hat sich das Umfeld dieser Länder etwas eingetrübt. Wir halten aber vorerst an unserer neutralen Gewichtung fest.“

Wiener Börse im Vergleich günstig

Trotz der leicht negativen Performance seit Jahresbeginn glauben Experten, dass der ATX das Jahr 2018 noch im leicht positiven Bereich abschließen könnte

Diverse geopolitische Ereignisse haben dem ATX in der ersten Jahreshälfte 2018 ihren Stempel aufgedrückt. Von den fundamentalen Zahlen her ist das Minus von knapp 5 % des heimischen Leitindex nämlich nicht wirklich zu rechtfertigen. „Für die negative Entwicklung gibt es keinen einzigen innerösterreichischen Grund“, sagt Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

BIP-Prognose 2018: +2,9 %

Wögerbauer verweist auf die „bes­tens laufende Wirtschaft“ sowie das für 2018 prognostizierte BIP-Wachstum von 2,9 %. Auch die Berichtsaison sei zuletzt sehr gut gelaufen. In die gleiche Kerbe schlägt Friedrich Mostböck, Chefanalyst der Erste Group. Er erwartet, dass die Gewinne der ATX-Unternehmen heuer um durchschnittlich 52 % ansteigen werden. „Auch wenn hier Einmaleffekte wie die deutlich höheren Gewinne des Indexschwergewichts OMV eine Rolle spielen“, sagt er. Für 2019 liege die Gewinnprognose bei +11 %. Dazu komme, dass der Wiener Markt mit einem für 2018 erwarteten KGV von 14x (2019e: 12x) ver­gleichsweise günstig sei.

„Störfaktoren wie der aktuelle Handelskrieg, die politische Unsicherheit in Italien oder der Streit unter den Regierungsparteien in Deutschland überschatten nach wie vor die Fundamentaldaten“, so Mostböck weiter. Die Sanktionen gegen Russland wären im Wesentlichen „gegessen“. Zudem gebe es nicht viele ATX-Unternehmen, die dort engagiert wären. Eine deutlich größere Bedeutung habe der CEE-Raum, der nach wie vor wirtschaftlich gut unterwegs sei.

Enttäuschungen haben Experten unter den ATX-Werten im ersten Halbjahr nicht wirklich ausgemacht. Für die Erste Group gehören aktuell OMV, AT&S und Palfinger zu den Top-Picks. Wögerbauer hat zuletzt keine großen Veränderungen in seinem Portfolio vorgenommen, wie er meint. Nach wie vor habe er etwa die Immowerte Immofinanz, CA Immo und S Immo übergewichtet. „Die Neuordnung der heimischen Immobiliengesellschaften ist noch nicht abgeschlossen“, sagt er. Gut gefallen ihm nach wie vor auch die Financials Erste Group und VIG. Aber auch Zyklikern wie STRABAG, Lenzing oder Palfinger hält er weiterhin die Treue – „dabei handelt es sich um lauter gut geführte Unternehmen“, so der Fondsmanager.

Was den ATX-Stand Ende 2018 betrifft, so erwartet Mostböck ein Plus zwischen 5 und 10 % gegenüber dem Jahresbeginn. „Jetzt  sollten die fundamentalen Daten erst recht durchschlagen“, sagt der Chefanalyst der Erste Group. Vorausgesetzt, es werde zu keinen unerwarteten politischen Ereignissen, wie etwa dem Platzen der Regierung in Deutschland, kommen.

Auch Wögerbauer gibt sich für die Entwicklung des heimischen Leitindex in der zweiten Jahreshälfte nicht pessimistisch, verweist aber auf die Abhängigkeit von der internationalen Nachrichtenlage.

Kein Crash erwartet

„Ich kann mir gut vorstellen, dass Donald Trump im November vor den Midterm Elections die eine oder andere Äußerung von sich geben wird, die die Börsenkurse nach oben bringt“, so Wolfgang Matejka, Geschäftsführer Matejka & Partner. Unter diesem Aspekt erwarte er ein gutes zweites Halbjahr – ob der ATX Ende 2018 im Plus stehen werde, sei allerdings schwer zu sagen. Aus heutiger Sicht scheine ein Punktestand von 3.400, was eine Jahresperformance von rund 6,4 % bedeuten würde, möglich. Nachsatz: „An einen Crash glaube ich jedenfalls nicht.“

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Die „Kipferl-Affäre

Wie jedes Jahr am ersten Mittwoch im Juli lud der Stahlkonzern ins Design Center nach Linz zu seiner Hauptversammlung.

Und wie jedes Jahr erschienen mehr als 3.000 Anteilseigner, die teilweise auch mit Bussen aus Wien gebracht worden waren.

Und so konnte CEO Wolfgang Eder über „ein sehr erfreuliches Jahr“ berichten, nachdem der Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Lemppenau sehr routiniert die Formalien und Präambeln hinter sich gebracht hatte. Wie immer begann er seine Präsentation mit einem Überblick über die Weltwirtschaft, die er durchaus positiv darstellte. Lediglich in den USA sieht er ein Risiko durch die unberechenbare Politik.

Mit dem abermaligen Rekordergebnis – Umsatz um 14,2 % auf 12,9 Mrd Euro, EBIT um 43,3 auf 1,18 Mrd Euro und Ergebnis um 55,2 % auf knapp 818 Mio Euro gesteigert – zeigte sich Eder natürlich sehr zufrieden.

Aber auch die einzelnen Divisionen machten Freude: „2017/18 war ein starkes Stahljahr“, fasste Eder das All-Time-High beim EBITDA  der Division „Steel“ zusammen. Als besonderes Highlight bezeichnete er auch den Baustart der ersten Pilotanlage für die umweltfreundliche Produktion von Wasserstoff (der Börsen-Kurier berichtete in der Ausgabe 16) sowie die Inbetriebnahme der neuen Stranggussanlage.

Bei der Division High Performance Metals konnte das Ergebnis deutlich gesteigert werden und die Vorbereitungen für das neue, voll digitalisierte  Edelstahlwerk in Kapfenberg laufen auf vollen Touren. Uneinheitlich lief das Geschäft bei der Metal Engineering Division, wo die Nachfrage bei der Bahninfrastruktur durchwachsen war, während es bei Öl und Gas im Jahresverlauf zu einer starken Nachfragesteigerung kam.

Auch die Metal Forming Division konnte Umsatz und Ergebnis kontinuierlich steigern und eröffnete in Deutschland eine Serienanlage für E-Motorkomponenten.

Fragen über Fragen

Nach gut einer Stunde begann dann die Fragerunde, in der Aktionärsvertreter Wilhelm Rasinger sein Lob nicht zurückhielt und für das laufende Geschäftsjahr die Hoffnung äußerte, dass es wieder zu einem so guten Ergebnis kommen werde – „schließlich will ein scheidender CEO seine Tätigkeit mit einem Rekord beenden“, meinte er. Hier musste Eder seine Erwartungen bremsen, weil voriges Jahr die Ausgangslage besser gewesen sei. Auf die Frage, ob der dräuende 12-Stunden-Tag Auswirkungen auf die voest hätte, konnte Eder beruhigen: „Wir haben laufende Vereinbarungen, es gibt aber Grenzfälle“. „Und man darf nicht vergessen, dass in einem Unternehmen wie unserem nicht nur normaler Drei-Schichtbetrieb herrscht“, ergänzte Vorstand Herbert Eibensteiner. „Wir haben teilweise Vier- oder Fünfschichtmodelle, das ist ganz unterschiedlich.“

Die Lacher auf seiner Seite hatte der Vorstand dann, als Rasinger kritisierte, dass die Aktienkultur bei Vorstand und Aufsichtsrat nicht „besonders gut“ sei und man keine Aktien besitze. „Also ich halte 16.000 Aktien“, erklärte Eder. Und CFO Robert Ottel sprang ihm zur Seite: „Ich bin heute mit 24.000 Aktien angemeldet“, führte er aus. „Wenn Ihnen das wenig erscheint, gut, aber mir reicht ein Exposure von knapp 1 Mio Euro durchaus“, sagte er.

Und dann ging es weiter mit den Wortmeldungen der Aktionäre, teilweise ernst gemeint, teilweise auch nicht. So stieß die Anregung eines Aktionärs, einen kleinen Hochofen hochzufahren, um damit Stahl für die Linzer Donaubrücken zu erzeugen, auf wenig Gegenliebe. „Das ist doch nur Baustahl, so was machen wir doch gar nicht“, gab sich CEO Eder gar entrüstet.

Das Ansinnen eines anderen Anteilseigners, doch in Afrika eine „grüne“ Wasserstoffanlage zu bauen, fand Eder „spannend, aber das politische Umfeld ist zu unsicher“.

Kipferl und Bustouristen

Den Vogel schoss aber ein aus Wien angereister Aktionär ab, der sich bitter beschwerte, zum Frühstück kein Kipferl bekommen zu haben. Die Replik eines Linzer Aktionärs darauf, dies sei so, seit die „Bustouristen aus Wien“ immer die Kipferln eingepackt und mitgenommen hätten, „und dann hat die voestalpine zu Recht gesagt, gut, dann gibt’s halt nix mehr“, bekam der besagte Herr aber dann gar nicht mehr mit, weil er sich schon auf dem Weg zum Mittagsbuffet befand.

Apropos: Anders als vor zwei Jahren gab es auch nach Ende der Veranstaltung noch genügend Verpflegung für jene, die bis zum Schluss durchgehalten hatten.

Die abschließenden Abstimmungen endeten mit fast ostblockartigen Mehrheiten bei den üblichen Enthaltungen institutioneller Investoren.

Autor: Cornelius Markus Pirch (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

„Danke, Sigi!“

Alle Anträge gingen einstimmig durch: Fast, als wollten die Aktionäre dem scheidenden Vorstandvorsitzenden, Siegfried „Sigi“ Menz, ein Abschiedsgeschenk machen.

Die 34. ordentliche Hauptversammlung der Ottakringer Getränke AG stand ganz im Zeichen der Verabschiedung des Vorstandsvorsitzenden: Siegfried „Sigi“ Menz schied – wie angekündigt – mit 1. Juli 2018 aus dem Vorstand aus, bleibt aber dem Unternehmen als Aufsichtsrat erhalten. Menz blickt auf sagenhafte 39 Jahre im Konzern zurück (wo gibt’s das heute noch?), davon gestaltete er 24 Jahre im Vorstand, den er wiederum 19 Jahre anführte.

Aufsichtsratsvorsitzende Christiane Wenckheim fand würdige wie liebenswerte Worte zum Abschied, sie strich etwa heraus, dass unter Menz’ Ägide die Brauereiaktien von der Brau Union zurückgekauft wurden, und Menz auch den Börsegang der Ottakringer Getränke AG organisierte: „Wir sind stolz, dein Lebenswerk weiterführen zu dürfen“, so Wenckheim, die „Sigi“ schmeichelte: „Ich freue mich auf dich im Aufsichtsrat: Wir werden viel Spaß haben … “, um noch einen draufzusetzen: „ … und viel Bier trinken“.

„Prost, Sigi!“

Rührig war ein Verabschiedungsvideo, Mitarbeiter erinnerten sich darin an ihren ehemaligen Chef – und an seine legendären Bonmots, etwa: „Des kann ja net so schwer sein!“, und „Jeder Tag ohne Ottakringer ist ein Gesundheitsrisiko!“. Der Einspieler gipfelte in einem herzhaften Ausruf der versammelten Ottakringer-Mannschaft: „Prost, Sigi!“ Menz selbst bedankte sich bei seinen Mitarbeitern, „die mich ertragen mussten“, und wies in seiner Abschiedsrede auf sein großes literarisch-philosophisches Interesse hin. Dabei zitierte er aus Elfriede Gerstls Gedichtband „mein papierener garten“: „manche kommen aus dem staunen nicht heraus / manche nie hinein“. Und so wünschte sich Menz schlussendlich, dass, „unser Familienunternehmen die Verhältnisse nicht immer nur in Prosa erlebt, sondern diese vielmehr auch etwas Schwebendes, Leichtes, etwas durch und durch Erfrischen des bekommen“. Menz übergab sein Vorstandsmandat in der Ottakringer Getränke AG an den bis-herigen Vöslauer-Vorstand Alfred Hudler, der gemeinsam mit Doris Krejcarek fürderhin die Geschicke des Konzerns bestimmen wird.

Birgit Aichinger, langjährige Marketing- und Vertriebs-Leiterin bei Vöslauer, folgt Hudler beim Ottakringer-Tochterunternehmen Vöslauer  Mineralwasser AG. Neben ihr bleibt Herbert Schlossnikl Vorstand der Vöslauer. Und Johann Marihart und Herbert Werner wurden von der Hauptversammlung als Aufsichtsräte des Familienkonzerns verlängert.

„Stolz, dabei zu sein“

Die Generaldebatte war von Harmonie geprägt, selbst Rupert-Heinrich Staller gab sich handzahm: „Es ist ein Privileg, bei dieser Aktiengesellschaft dabei zu sein.“ Und: „Wir können uns bei Sigi bedanken!“ Mit dem Zusammenschluss der zum Konzern gehörenden Getränkefachgroßhändler Kolarik & Leeb und Del Fabro entsteht in Simmering ein Logistikzentrum: Staller regte an, doch einen Aktionärs-Tag anlässlich der für 2019 geplanten Eröffnung zu veranstalten. Das Podium signalisierte diesbezüglich Zustimmung – die Aktionäre freute es.

Einstimmigkeit als Abschiedsgeschenk

Bei den Abstimmungen machte kein einziger Aktionär Anstalten, seiner Contra-Meinung per Handhebung Ausdruck zu verleihen – was  sicher als Abschiedsgeschenk für Menz verstanden werden muss. Ad freiwilliges öffentliches Teilangebot: Die Ottakringer Getränke AG strebte den Erwerb von bis zu 190.000 auf Inhaber lautende Stammaktien an. Dafür wurde je Stammaktie 100 Euro ex Dividende 2017 geboten.

Sowohl für die Vorzugs- als auch für die Stammaktien wurde eine 2-Euro-Dividende beschlossen, zuzüglich einer Jubiläumsdividende von 2 Euro/Stück, somit insgesamt 4 Euro/Aktie. Die dankbaren Aktionäre quittierten das mit kräftigem Applaus, im Anschluss labte man sich am deftigen Wiener- Küche-Büffet, dargereicht am Gerstenboden der Brauerei. Die „familiäre Vertrautheit“ unter Vorstand, Aufsichtsrat und Aktionären, die schon den offiziellen Teil bestimmte, wuchs sich im Laufe des Nachmittags zu punktuellen „prickelnden Momenten der Hochstimmung“ aus, insgesamt war diese sehr erfrischend – und jedenfalls eine würdige Verabschiedung für Menz.

Autor:  Mag. Rudolf Preyer  (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Zeit, die eigene Investmentstrategie zu überdenken?

Nach den positiven Erträgen der letzten Jahre sind nun die Langzeit-Erwartungen etwas gedämpfter. Die bisherige Niedrigzins-Politik führt zu geringeren Renditen bei Staats- und Unternehmensanleihen. Was bedeutet das für Anleger?

Für Anleger auf der Suche nach neuen Ertragsquellen können Alternative Investments interessante Möglichkeiten bieten. Nach einer Phase negativer Erträge im zurückliegenden Jahrzehnt dürften Rohstoffe in den kommenden zehn Jahren besser abschneiden, allerdings weiterhin auf moderatem Niveau und mit hoher Volatilität. Immobilien weisen eine geringere Volatilität auf, globale REITs dürften jedoch in den nächsten zehn Jahren niedrigere Erträge erwirtschaften als in der Dekade zuvor. Alternative Anlagen neigen zudem dazu, weniger liquide zu sein.

Die Suche nach Renditequellen hat bei vielen Investoren dazu geführt, dass sie ihren Investmentansatz überdenken. Eine Lösung kann sein, Anlagenerträge systematisch in die zugrunde liegenden Risikoprämien aufzuschlüsseln. Anleger können dann Erträge erschließen, indem sie auf genau die Ertragsfaktoren setzen, die nicht mit ihren bestehenden Portfolios oder generell mit den Märkten korrelieren.

Es gibt auch Risikoprämien, die sich nachhaltig in den Märkten zu halten scheinen. So haben beispielsweise sowohl wissenschaftliche Studien als auch die Praxis gezeigt: Value-Aktien entwickeln sich besser als Wachstums-Titel, die jüngsten Gewinner schlagen die Verlierer und Hochzins-Anlagen schneiden tendenziell besser ab als niedrig verzinste. Diese Risikoprämien werden als Value-, Momentum- und Carry-Prämien bezeichnet.

Anleger können einen Risikoprämien-Ansatz mit ihrem bestehenden Portfolio kombinieren, um ihre Erträge zu verbessern und das Risiko im Portfolio zu reduzieren. Dabei geht es nicht darum, das Portfolio einfach in die Richtung von beispielsweise Value-Aktien zu drehen. Vielmehr können Anleger damit auch unerwünschte Risiken beseitigen, sich auf jene Risikoprämien fokussieren, die derzeit robust sind, und das Portfolio in Einklang mit dem aktuellen Wirtschaftsregime bringen. Der Risikoprämienansatz umfasst alle Anlageklassen, die einem Anleger unterschiedliche Renditetreiber bieten. Risikoprämien können Anlegern dabei helfen, ihre Portfolios besser zu diversifizieren.

Ein Kommentar von Petri Niininen, Portfolio Quantitative Analyst bei Nordea Asset Management

Worauf es bei Aktieninvestments ankommt

Mögliche Korrekturen oder ideale Einstiege sollten Anleger an den Börsen nicht versuchen zu erraten, mahnt man beim Bankhaus Krentschker. Nur die Streuung sei entscheidend.

Geldanlage könnte eigentlich recht simpel sein. Zumindest in der Theorie. Denn langfristig zeigen die meisten Märkte nach oben. Und dennoch erleiden Anleger immer wieder Verluste. Weshalb, das wurde beim jüngsten Expertengespräch des Bankhauses Krentschker zum Thema „Wunsch und Wirklichkeit in der Vermögensanlage“ diskutiert, an dem auch der Börsen-Kurier teilnahm.

Grundsätzlich sei es dabei nachvollziehbar, dass sich Anleger derzeit von einigen Entwicklungen abschrecken ließen, meint Alexander Eberan, Vorstandsmitglied im Bankhaus Krentschker. Die 30-jährige Phase sinkender Zinsen gehe zu Ende, die geopolitischen Schlagzeilen seien wenig erfreulich.

Cash keine Alternative

Deshalb aber hohe Cashbestände zu halten, sei keine gute Idee. Schließlich verliert man damit Geld auf realer Basis. „Viele Anleger warten aber noch immer auf eine Korrektur und versuchen den richtigen Zeitpunkt für den Börseneinstieg zu finden“, erklärt Andreas Beck, Gründer und Vorstandssprecher des IVA München, einer bankenunabhängigen Gesellschaft zur Förderung eines wissenschaftlich fundierten Vermögensaufbaus.

Eine durchwegs schlechte Idee, wie Beck findet: „Der Versuch, Märkte zu timen, führt nicht zum Anlageerfolg. Stattdessen wirkt sich die häufige Vermögensumschichtung langfristig negativ auf die Renditen aus.“

Skepsis gegenüber dem aktuellen Wirtschaftsumfeld sei in der heutigen Zeit jedenfalls nicht angebracht, das System sei sogar stabiler denn je, ist Beck überzeugt. Dabei sei der Konsum intakt, weshalb viele Unternehmen im Schnitt noch immer schöne Gewinne erzielten. Und die Unternehmensverschuldung sei auf gesundem Niveau.

Zu viele Entscheidungen vereiteln die Rendite

Hinzu kommt, dass Anleger beim Timing-Versuch gleich zwei Entscheidungen treffen müssten, nämlich wann der richtige Ein- und wann der richtige Ausstiegszeitpunkt sei, fügt Eberan hinzu. Dabei jedes Mal richtig zu liegen, „ist fast unmöglich“. Schließlich werden gut 90 % des Anlageerfolgs auf die richtige Wahl der Asset Allocation zurückgeführt, nicht aber auf das richtige Timing.

Auch die Historie zeigt deutlich, dass sich ein langfristiger Anlagehorizont bezahlt macht. Was der Münchner Finanzexperte mit einem Beispiel veranschaulicht: Würde etwa der DAX, der aktuell bei knapp 13.000 Punkten notiert, auf 10.000 Punkte korrigieren, wäre das in den Augen vieler Anleger eine Krise. „Wer andererseits vor wenigen Jahren prophezeit hatte, dass der DAX in absehbarer Zeit die Marke von 10.000 Punkte erreichen würde, der war ein Phantast.“

Starre Quoten

Beim Bankhaus Krentschker wendet man jedenfalls einen stringenten Investmentansatz an, der sich anhand eines Beispiels veranschaulichen lässt – etwa mit einem Portfolio, bei dem ein Kunde sein Vermögen zu jeweils 50 % auf Aktien und auf Anleihen aufgeteilt haben möchte. In Zeiten sinkender Aktienmärkte schrumpft allerdings die Aktienquote. „Dann werden Aktien solange nachgekauft, und Anleihen verkauft, bis die ursprüngliche Aufteilung wieder erreicht wird“, erklärt Portfoliomanager Thomas Schuh.

Freilich, das Prinzip wird auch in Zeiten steigender Aktienkurse bei der Bank angewendet. Gerade dann, ergänzt Eberan, dürfe man nämlich keinesfalls übermütig werden, „und sich in die hohe Aktienquote verlieben“. Schließlich steigt damit ja auch das Risiko.

Autor: Mag. Raja Korinek (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Weltweit kein Schuldenabbau seit der Finanzkrise

Der Internationale Währungsfonds hat Ende Mai seine neue globale Schulden-Datenbank in Betrieb genommen. Erstmals haben die IWF-Statistiker aufgeschlüsselt nach Ländern eine umfassende Reihe von Berechnungen öffentlicher und privater Schulden zusammengestellt und so eine Zeitreihe erstellt, die bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs zurückreicht. Es ist eine beeindruckende Arbeitsleistung.

Der errechnete Nettowert ist atemberaubend. Die globalen Schulden haben mit 225 % vom globalen BIP einen neuen Höchstwert erreicht, der den vorherigen globalen Rekord des Jahres 2009 von 213 % noch übersteigt. Es hat also, wie der IWF festgestellt hat, auf globaler Ebene seit der Finanzkrise von 2007 bis 2008 tatsächlich kein Schuldenabbau stattgefunden. In einigen Ländern hat sich die Zusammensetzung der Schulden verändert; im Gefolge der Krise wurden private Schulden durch öffentliche Schulden ersetzt. Aber diese Verlagerung hat inzwischen weitgehend aufgehört.

Sind diese hohen Zahlen alarmierend? In der Gesamtsumme möglicherweise nicht. In einer Zeit, in der das Wirtschaftswachstum fast überall robust ist, sind die Finanzmärke, was die Nachhaltigkeit der Schulden angeht, entspannt. Die langfristigen Zinsen sind nach wie vor bemerkenswert niedrig. Doch stützen die Zahlen in der Tendenz die Hypothese, dass die sogenannte Schuldenintensität des Wachstums zugenommen hat: Wir scheinen höhere Schuldenniveaus zu brauchen als in der Vergangenheit, um eine vorgegebene Wachstumsrate zu erreichen.

Dies ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass die Ungleichheit bei Wachstum und Vermögen in den entwickelten Ländern die Kaufkraft auf diejenigen verlagert hat, die tendenziell weniger ausgeben, als sie an Einnahmen erzielen. Dieser Trend hat sich in letzter Zeit abgeschwächt, doch seine Auswirkungen halten nach wie vor an. Es scheint zudem, dass sich das Produktivitätswachstum verlangsamt hat, sodass eine vorgegebene Menge an Investitionen zu einer geringeren Produktionsmenge führt als früher.

Der IWF empfiehlt den Regierungen, ihr Dach in Ordnung zu bringen, solange die Sonne scheint: Sie sollten in den guten Zeiten Haushaltsüberschüsse erwirtschaften oder zumindest ihre Defizite verringern, damit sie besser auf den nächsten Abschwung vorbereitet sind. Letzterer wird sicher nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen, denn der aktuelle Aufschwung ist inzwischen sehr weit fortgeschritten. Seine Empfehlung bringt den IWF auf Kollisionskurs mit der US-Regierung und nun auch mit der neuen italienischen Regierung. Wenn die grandiosen Pläne der Italiener für ein Mindesteinkommen und mehr öffentliche Investitionen umgesetzt werden, könnte sich Italien bald in schwierigen Gesprächen mit dem IWF wiederfinden. Das in den vergangenen Jahren in Athen stationierte Team könnte dann in Kürze im Flieger nach Rom sitzen.

Welche Implikationen aber hat es, wenn die Schuldenzunahme in erster Linie im privaten Sektor verortet ist? Das ist eine Frage an die für die Finanzstabilität zuständigen Behörden der jeweiligen Länder.

Seit der Krise wurden neue, sehr viel härtere Kapitalanforderungen für die Banken eingeführt, und für die Regulierungsbehörden wurden eine Reihe makroprudentieller Instrumente entwickelt. Die dahinterstehende Vorstellung ist, dass die Regulierungsbehörden imstande sein sollten, „sich gegen den Wind eines übertriebenen Kreditwachstums zu lehnen“, indem sie die Menge an Eigenkapital, das eine Bank halten muss, erhöhen, um so das Kreditangebot zu dämpfen, bevor es ein gefährliches Niveau erreicht. Die Zunahme könnte allgemein verhängt werden oder sich beispielsweise auf Hypothekenkredite konzentrieren, falls ein zu schneller Anstieg der Häuserpreise zu verzeichnen ist. Andere Alternativen könnten in der Begrenzung der Kreditsumme im Verhältnis zum Wert oder in Mindestanzahlungen beim Kauf von Wohnimmobilien bestehen.

Es wurden neue Behörden gegründet, um den Einsatz dieser neuen makroprudenziellen Instrumente zu überwachen. Der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) unter Vorsitz von EZB-Präsident Draghi erfüllt diese Aufgabe in der EU, und der Finanzpolitische Ausschuss (FPC) der Bank von England hat die nationale Zuständigkeit im Vereinigten Königreich, obwohl der Gouverneur der Bank von England zugleich stellvertretender Vorsitzender des ESRB ist. (Was mit dieser Position nach einem Brexit passiert, ist unklar.) In den USA ist das Koordinierungsgremium der Rat für die Beaufsichtigung der Finanzstabilität (FSOC).

Doch gibt es wichtige Unterschiede zwischen diesen Behörden. Der FPC ist in gewisser Weise die mächtigste der drei. Er kann die britischen Banken zur Schaffung antizyklischer Kapitalpuffer zwingen und hat dies in der Vergangenheit bereits angedroht. Eine Weile vertrat der Ausschuss die Ansicht,
dass die Menge unbesicherter Privatkredite zu schnell wachse.

Der ESRB kann nicht eigenständig handeln, aber er überwacht die EU- und EFTA-Mitgliedsstaaten genau und veröffentlicht regelmäßige Berichte. Der aktuelle Bericht vom vergangenen Monat zeigte, dass in Schweden, Norwegen, Island, der Tschechischen Republik und der Slowakei in Reaktion auf das jeweilige Kreditumfeld in diesen Ländern zusätzliche Puffer in Kraft sind. Inzwischen ist auch Frankreich in die Liste aufgenommen worden. In der Eurozone ist natürlich die EZB aufsichtsführend, daher kann Draghi bei Bedarf in seiner anderen Funktion direkt durch seine eigenen Mitarbeiter tätig werden.

Die US-Position ist weniger klar. Der FSOC ist eine Koordinierungsstelle, keine Regulierungsbehörde mit eigenen Befugnissen. Er ist eine Schüssel, in der die Buchstabensuppe der US-Finanzregulierer ab und zu umgerührt wird. Er hat keinerlei Befugnisse gegenüber seinen Mitgliedern und kann keine antizyklischen Puffer vorschreiben. Seine Versuche, große US-Versicherer als Unternehmen von globaler Systemrelevanz einzustufen, wurden durch die Gerichte zunichte gemacht. Es gibt Angehörige der Fed, die sich wünschen, dass das anders wäre, weil sie erkannt haben, dass es für sie ohne die Unterstützung durch den FSOC, dessen Vorsitzender der US-Finanzminister ist, schwierig, wenn nicht unmöglich sein dürfte, den makroprudenziellen Werkzeugkasten zu nutzen.

Wir müssen daher hoffen, dass die von den verschiedenen US-Bankenregulierern verhängten, auf den Baseler Regeln basierenden Eigenkapitalanforderungen ausreichen. Bisher sind die Quoten nicht gesenkt worden, obwohl andere Deregulierungsinitiativen in Arbeit sind, die durch Ernennungen Präsident Trumps in den entsprechenden Behörden vorgeschlagen wurden. Eine makroprudenzielle Politik mag in der Slowakei wie geplant funktionieren, aber auf dem größten Finanzmarkt der Welt, wo es ihrer am dringendsten bedarf, wird sie kaum Rettung bringen. 

Autor: Howard Davies ist Chairman der Royal Bank of Scotland.  Aus dem Englischen von Jan Doolan, © Project Syndicate 1995 – 2018

 

 

Gute Position am Markt und an den Börsen

Nach dem First Annual General Meeting der jungen RHI Magnesita N.V. in Amsterdam sprach der Börsen-Kurier mit Chairman of the Board Herbert Cordt und CEO Stefan Borgas.

Bei der ersten Hauptversammlung des Feuerfestkonzerns RHI Magnesita N.V. nach der österreichisch-brasilianischen Fusion (ð BK24/Seite 7) war es auffällig – zumindest aus Sicht österreichischer Teilnehmer, die große gefüllte Säle mit hunderten Aktionären und zahlreiche (kritische) Fragen an das Podium gewöhnt sind: Ein relativ kleiner Saal im Hilton Amsterdam Airport Schiphol mit einer überschaubaren Teilnehmerzahl – und keine Fragen zu den Reports von CEO und CFO. Im anschließenden Exklusivgespräch mit dem Börsen-Kurier (für das sich Chairman Herbert Cordt und CEO Stefan Borgas Zeit nehmen konnten, weil auch die 24 (!) Abstimmungen straff über die Bühne gingen) erklärten die beiden dies damit, dass ein großer Teil der Aktionäre sich schon vorab ausreichend informiert fühlte und abgestimmt hatte. Laut Cordt hatten rund ein Drittel der Stimmen schon vor der HV gevotet. Und zwar maßgeblich auf Basis des Empfehlungsberichts des internationalen Proxy Advisors ISS. Nach solchen Reports richten sich heutzutage professionelle Fonds und stimmen (schon vor der Präsenz-HV) nach deren Empfehlungen ab. So ein „Proxy Voting“ ist in der UK- und Niederländischen Governance erlaubt. Offensichtlich habe ISS in seinem RHI-Magnesita-Report zur HV grünes Licht zu den Abstimmungspunkten gegeben, das zeigten die hohen Zustimmungsquoten bei den Votings (alle mit mehr als 99 % bis 100 % „Ja“). Proxy Advisor ISS hatte auch schon die Magnesita-Übernahme im Juni/Juli 2017 bewertet.

Austriacum

Was das Arbeitnehmervertretungsrecht betrifft, so gelte bei internationalen Fusionen das strengere. Und so habe man das österreichische Recht (also ein Drittel Arbeitnehmervertreter im Board) nach Holland „mitgenommen“. Die Board members aus UK seien am Anfang darob zwar skeptisch-kritisch gewesen, aber hätten inzwischen gesehen, dass die Betriebsräte konstruktiv agieren.

Mit dem Listing an der London Stock Exchange sei man „viel näher an den Investoren dran“. Mehr Anrufe verlangen permanente Präsenz, daher sei das IR-Office in London. Dort sei einfach die „Fire Power“ größer, was die Zahl der gehandelten Aktien betrifft. Dazu trage die vermehrte Visibilität bei, sodass sich das Handelsvolumen in der Aktie seit Oktober/November (dem IPO an der LSE) vervierfacht habe – ohne dass das Handelsvolumen der Aktie an der Wiener Börse (im „Global Market“) zurückgegangen ist. Und das bei einem relativ großen Kernaktionariat von 45 %, das nicht zum Handel steht. Die schöne Kursperformance seit 2017 hätten fast alle Kleinaktionäre mitgemacht.

Den dräuenden „Brexit“ sieht Cordt gelassen: Bisher sehe man an der London Stock Exchange keinen Negativeffekt. Die dortigen Kapitalflüsse und die Liquidität seien weiterhin die höchsten in Europa. Daher nütze RHI Magnesita die Vorteile, die das Londoner Listing biete und sehe keine Anzeichen,
dass sich das ändert.

Marktpotenziale

Großes Marktpotenzial sehen Cordt und Borgas (trotz strenger Auflagen der dortigen Regierung) in China. Denn man habe dort erst einen Marktanteil von rund 3 %. So wird das ganze China-Team zusammengeführt und umgebaut. Auch die Dolomit-Mine in China, die Magnesita gehörte und geschlossen war, werde wieder in Betrieb genommen. Auch Russland sei ein großer Stahlmarkt mit den größten Magnesit-Reserven. Aber China bleibe „erste Priorität“. Was künftige Akquisitionen betrifft, so gebe es ein paar Feuerfesthersteller in Nordamerika, Fernost und Russland – aber nur „wenn beide Seiten wollen“. Wenn man den RHI-Magnesita-Merger weiter so wie gewünscht hinbekomme, habe man „hohe Glaubwürdigkeit bei Investoren und ein Plus“ bei möglichen Akquisitionskandidaten.

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Kommt ein Gold-Bullenmarkt?

Nach einem schwachen Jahr 2017 ist der Goldpreis auch heuer nicht auf Touren gekommen und notiert bei rund 1.300 USD. Das könnte sich nach Ansicht von Experten bald ändern.

„Nach seinem Höchststand im Jahr 2011 korrigierte der Goldpreis deutlich, seit Jahren bewegt er sich weitestgehend seitwärts“, bringt es Andreas Böger, Senior Fund Manager bei C-Quadrat, gegenüber dem Börsen-Kurier auf den Punkt. Der Hintergrund: Anlagen wie Aktien und Anleihen wurden bevorzugt. Tatsächlich hatten Anleger angesichts der allein in den USA seit nunmehr 108 Monaten andauernden Aktienhausse wenig Appetit auf das Edelmetall.

Alternative US-Staatsanleihen

Gleichzeitig sind auch die Zinsniveaus der maßgeblichen US-Staatsanleihen gestiegen. „Gerade Staatsanleihen mit kurzen Laufzeiten sind als sichere und liquide Anlage eine Konkurrenz für die zinslose Goldanlage“, so Böger. Zuletzt wären etwa bei den einjährigen Laufzeiten die Zinsen auf 2,3 % angestiegen. Für den Experten ist es jedenfalls nur eine Frage der Zeit, bis der Goldpreis wieder anzieht. Noch positiver eingestellt sind Ronald Stöferle und Mark Valek, Fondsmanager bei Incrementum, in der aktuellen Ausgabe ihres jährlichen Goldreports „In Gold We Trust“. Sie sind davon überzeugt, dass wir uns in der Frühphase eines neuen Gold-Bullenmarktes befinden.

„Wenn man sich die Bullenmärkte der letzten 50 Jahre ansieht, fällt auf, dass Gold selbst in seiner schwächsten Aufwärtsperiode um 71 % zulegen konnte“, so die Incrementum-Experten. Auslöser für ein stärkeres Momentum beim Goldpreis könnte eine stärkere Inflationstendenz oder ein Abbruch des Zinserhöhungszyklus in den USA sein. Ein konkretes Kursziel für den Goldpreis nennen sie jedenfalls nicht. Bis 2020 könnte er sich in einer Bandbreite zwischen 700 und 5.000 USD bewegen.

„Die Seitwärtsbewegung des Goldpreises bietet eine Chance für kontrazyklisch orientierte Anleger, die ein interessantes Diversifikationspotenzial für ihr Portfolio suchen“, hält Andreas Böger fest. Doch man muss sich nicht ausschließlich Goldmünzen oder Goldbarren in den Tresor legen. Eine Alternative stellen, so Böger, Goldminenaktien dar. Er investiert mit dem von ihm gemanagten Fonds etwa bevorzugt in mittelgroße Unternehmen.

Unternehmen wie Kirkland Gold, Iamgold Corp und B2 Gold Corp. hätten in den letzten Jahren neue Minen erschlossen und könnten ihre Produktion jetzt ausweiten. „Da diese Firmen in den vergangenen Jahren ihre Kosten in den Griff bekommen haben und gesunde Bilanzen aufweisen, würden sie viel mehr von einem steigenden Goldpreis profitieren als im letzten Zyklus“, so Böger. Das sei auch der Grund für ihre aktuell gute Performance.

Für alle Anleger

Interessant sind sicherlich auch Gold-ETFs. Laut World Gold Council stiegen ihre weltweiten Goldbestände im Mai um 14,6 Tonnen auf insgesamt 2.484 Tonnen. Aber auch Zertifikate bieten sich an, um auf eine Bewegung des Goldpreises zu spekulieren. Hier gebe es Produkte für verschiedene Anlegertypen, so Philipp Arnold, Zertifikate-Experte bei der RCB. Für spekulative Investoren eigne sich etwa ein Faktor-Zertifikat auf den Gold Future. „Je nach Markterwartung kann auf einen steigenden oder fallenden Gold-Future-Preis gesetzt werden.“

Für sicherheitsorientierte Anleger bietet sich das „Kapitalschutz-Zertifikat USD Gold Winner“ (RC0GF6), das auch in USD notiert, an. Damit partizipieren Anleger zu 100 % an einer positiven Entwicklung des Goldpreises bis zum Cap von 120 % (= maximaler Rückzahlungsbetrag). „Ist die Wertentwicklung des Goldpreises am Laufzeitende negativ, erfolgt die Rückzahlung zu 100 % des Nominalbetrags“, so Arnold.

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Der Lithium-Rausch in der Kärntner Weinebene

Der Bestand des begehrten metallischen Stoffes in Kärnten ist unbestritten. Ein tatsächlicher Förderzeitpunkt und die künftige Wirtschaftlichkeit des Projekts bleiben aber Spekulation. Der Börsen-Kurier hat recherchiert.

Ein Unternehmen fokussiert auf die Förderung eines beträchtlichen Lithium-Vorkommens in Kärnten – durchaus fantasieanregend für spekulativ orientierte Anleger. Der Boom in der E-Auto-Industrie lässt diese Ausbeutung schlüssig erscheinen. Zudem erreichte Lithiumcarbonat (Ausgangsstoff für Lithiumhydroxid) auf den Weltmärkten kurzfristig eine Preisschwelle von mehr als 21.000 USD/t, potentiell ein lukrativer Bergbau. Für Investoren ist das langfristige Lithium-Preisniveau indes kaum abzuschätzen. Eine Gewähr einer anhaltenden Marktenge besteht nicht. Eine weitere Zunahme der Angebotskapazitäten durch eine Lokalisierung bedeutender Lithium-Reserven oder eine nachteilige technologische Entwicklung könnte dem Preis erheblich zusetzen.

Mit einem Ideal-Szenario wirbt das australische Unternehmen European Lithium Ltd. (ISIN: AU000000EUR7) als Projektbetreiber. 546 Mio Aktien der Gesellschaft sind seit 2010 an der ASX in Sydney notiert und weisen mit einer Notiz von 0,19 AUD eine Kapitalisierung von 104 Mio  AUD auf. (Anm.: Die Aktie wird auch an der Wiener Börse im Dritten Markt gehandelt.) Mehrere Aktienbezugsprogramme sind für das Management durch Optionen implementiert.

Katharina Löckinger, Europa-Kommunikationsleiterin des Unternehmens, hält den Produktionsbeginn im Jahr 2020 für realistisch, weist aber auf die Abhängigkeit anderer Partner hin. Anvisiert werde eine Abbaurate von 800.000 Tonnen/Jahr, entsprechend einer kalkulierten Lithiumhydroxid-Produktion von 10.000 Tonnen. Die Minenlaufzeit sei mit 20 bis 25 Jahre kalkuliert. Mit Produktionskosten von etwa 6.000 USD/t, locke eine hohe Gewinnmarge. Als Voraussetzung für eine end-gültige Entscheidung führt Löckinger eine zweistellige Millionen-Subventionen an. Der geplante Untertagebergbau, der auch die Weiterverarbeitung einschließe, spreche für geringe Widerstände. Dabei werde die Schaffung von 400 Arbeitsplätzen in der Region in Aussicht gestellt – zuzüglich der Perspektive einer Nachsogwirkung weiterer Unternehmen.

Zweifel an reibungsloser Umsetzung

Der Leiter des Lehrstuhls für Geologie der Montanuniversität Leoben, Frank Melcher, weist im Gespräch mit dem Börsen-Kurier auf das Wissen um diese Ressourcen im Lavanttal seit den 1980er-Jahren hin. „Das Erz ist durch Bohrungen und Stollen dargestellt. Erkundete neue Reserven wurden bestätigt und vergrößern das Potential. Das Erz hat eine gleichbleibend hohe Qualität und ist somit wirtschaftlich verwertbar“, so Melcher. Es gebe weltweit vergleichbare Vorkommen, die Weinebene sei aber von einer beachtlichen Größe. Als logistische Herausforderungen sieht der Geologe unter anderem die Infrastruktur (Höhenlage, Straßenanbindung), die Entfernung zum diskutierten Aufbereitungsstandort, sowie die Abraumlagerung. Es gebe aber bei Explorationsvorhaben im Bergbau stets viele Gründe, weshalb so ein Projekt dennoch scheitern kann.

Zum Thema Umweltschutz (hohe Relevanz) verneint die Abt. 8 des Landes Kärnten bisher zu dem Vorhaben Informationen erhalten zu haben. Auch Albert Kreiner teilt als Amtsleiter für Wirtschaft und Infrastruktur aus Klagenfurt mit: „Bislang wurden wir nicht weitergehend in das Projekt eingebunden.“

Die Abteilung Energie und Bergbau des BM für Nachhaltigkeit und Tourismus in Wien bestätigt dazu die vergebenen Lizenzen zur Untersuchungsarbeit der Vorkommen, nicht aber in Bezug zur bergbaurechtlichen Genehmigung. Der Bauamtsleiter der Gemeinde Frantschach-St. Gertraud, Roland Kleinszig, zeichnet ein örtliches Bild über den Stand: „Detailarbeiten am Probestollen sind im Laufen. Fragezeichen bestehen. Ungeklärt ist die Standortwahl für das Aushubmaterial. Die zeitliche Angabe einer anvisierten Fördertätigkeit ab 2020 halte ich für sehr ambitioniert.“

Die Bürgermeister der Region meiden es hingegen, sich zu dem Projekt zu äußern. Weder Hans-Peter Schlagholz (Wolfsberg) noch Günther Vallant (Frantschach) waren trotz mehrfacher Nachfrage des Börsen-Kurier bereit, zum Projekt Stellung zu beziehen.

Autor: Roman Steinbauer  (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

„Kohle machen„ ohne Kohle

Wenn Unternehmen gegen sogenannte „ESG-Kriterien“ verstoßen, birgt das für sie selbst und für Investoren Risiken. Im Umkehrschluss sieht die Investmentfirma DWS verantwortungsvolles Investieren als Chance. Ein gutes Beispiel bietet der Umgang mit fossilen Brennstoffen.

Es ist ein Gerücht, das schon lange widerlegt ist, sich jedoch unter manchen Investoren noch immer hartnäckig hält: Nämlich, dass nachhaltige Investments letztendlich die Performance schmälern würden. Susana Penarrubia, Head of ESG (Environmental, Social, Governance) Integration bei DWS, untermauert mit empirischen Fakten, dass es sich hierbei um eine Mär handelt: „Basierend auf der Aggregation von mehr als 2.200 empirischen Studien, die seit den 1970er geschrieben wurden, belegen die Autoren einen klaren Business Case für verantwortliches Investieren. Mehr als 50 % dieser Studien finden einen signifikant positiven Zusammenhang zwischen ESG und CFP (Corporate Financial Performance); weniger als 10 % einen negativen.“ Die Expertin führt gegenüber dem Börsen-Kurier weiter aus: „Der positive Zusammenhang zwischen ESG und Finanzperformance hat sich über die vergangenen Jahrzehnte trotz stärkerem Kapitalmarktfokus nicht abgeschwächt. Das lässt den Schluss zu, dass verantwortliches Investieren für alle Arten von Anlegern relevant ist, um sie bei der Erfüllung ihrer treuhänderischen Pflichten zu unterstützen.“

Gefahr für Investoren

Im Umkehrschluss kann es ins „Auge gehen“, wenn ESG-Risken nicht beachtet werden. Ein gutes Beispiel bietet dafür der Klimawandel, hier stehen vor allem Emittenten von Treibhausgasen oder Unternehmen mit hohen fossilen Brennstoffreserven im Fokus. Beispielsweise würden diese Konzerne bei staatlich verordneten Maßnahmen zur Emissionsverringerung das Risiko einer Anpassung an eine kohlenstoffarme Wirtschaft tragen, das finanzielle Risiko müssten Investoren schultern. Zwar haben einige der betroffenen Unternehmen bereits begonnen, ihre Investitionen in erneuerbare Energien und kohlenstoffarme Technologien zu erhöhen. Auch hier bleibt aber das Risiko bestehen, das Geschäftsmodell könne sich als zu träge erweisen, dann sind Anleger mit einem erheblichen Aktienkurs- und Dividendenrisiko konfrontiert. Wie geht nun DWS mit dem Thema fossile Brennstoffe in ihrer Investmentstrategie um?

Dazu Penarrubia: „Grundsätzlich beobachtet die DWS die Veränderungen und Risiken, die sich aus den Klimawandel ergeben, sehr genau. Unser Investmentprozess basiert auf der Fundamentalanalyse von Einzelwerten. Wir betrachten jedes Unternehmen separat und analysieren potenzielle Auswirkungen des Klimawandels. Die Industrien mit einem signifikanten Bezug zu fossilen Brennstoffen wie Öl-Unternehmen, Versorger, etc. haben natürlich ein größeres Risiko. Das hat Konsequenzen für unsere Investmentstrategie und -entscheidung.“ DWS integrieret deshalb in der Unternehmensanalyse neben den konventionellen Finanzkennzahlen wie Gewinnschätzungen, Analysten-Sentiment, Cash-Flow und Bilanzanalysen etc. auch wesentliche nichtfinanzielle Informationen. „Dazu zählen bspw. die Analyse von Chancen und Risiken, die sich aus ökologischen Kriterien – Klimaschutz, CO2 und Kohle – ergeben können. Einfließende Aspekte sind beispielsweise die Relevanz von Wasser für den Herstellungsprozess, das regionale Risiko durch Wassermangel, Carbon-Intensität, Exposure zur Energiewende, Versicherung bzw. Deckung möglicher Naturkatastrophen usw.“, so Susana Penarrubia.

Kein Total-Ausschluss

Der Mangel an einer Klimawandelstrategie und/oder einer Carbon-Richtlinie hat laut der Expertin meistens negative Auswirkungen auf alle erwähnten Stellgrößen, vor allem auf die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells und der zukünftigen Finanzstärke der Firma. Penarrubia: „Selbstverständlich können die Unternehmen, die sich mit emissionsarmen und klimafreundlichen Lösungen befassen, ein großes Potenzial aufweisen.“ Anstatt also alle betroffenen Unternehmen (z.B. aus der Öl-Industrie) vollständig zu eliminieren, kann der Rückzug auf Unternehmen beschränkt werden, die sich in der Erschließung neuer kohlenstoffreicher Energiereserven engagieren oder die das Klimarisiko nicht ausreichend stark managen. Andererseits können laut DWS solche Unternehmen favorisiert werden, die am besten darauf vorbereitet sind, den Übergang zu einem kohlenstoffarmen Unternehmen zu bewältigen. Letztlich ist das ein Ansporn für Firmen, die den ESG-Trend bisher „verschlafen“ haben.

Autor: Mag. Harald Kolerus (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Tipps den Umgang mit Dividendentiteln

Für Morningstar ist die Thesaurierung von Ausschüttungen das Erfolgsrezept der Aktienanlage. Bei den meisten Dividendenfonds handelt es sich jedoch um ausschüttende Fonds.

Die heurige Dividendensaison hat(te) es in sich an der Wiener Börse: Mit 2,8 Mrd Euro, was einem Plus von 28 % gegenüber dem Vorjahr entspricht, haben die ATX-Unternehmen für das Geschäftsjahr 2017 mehr Dividenden ausgeschüttet als je zuvor. Dahinter stehen ein gut brummender Konjunkturmotor und – damit einhergehend – satte Unternehmensgewinne. Insgesamt verzeichneten die 20 im heimischen Leitindex gelisteten Firmen 2017 einen Gewinnanstieg von 28 % auf 6,1 Mrd Euro. Stark: Nicht weniger als 60 % der ATX-Unternehmen konnten ihre Ergebnisse steigern.

Erfogsfaktor: Zinseszins-Effekt

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch anderswo in Europa – allein in Deutschland schütten die örsenkonzerne heuer den Rekordwert von 52,6 Mrd Euro an ihre Aktionäre aus. Angesichts der nach wie vor niedrigen Leitzinsen sind das gute Nachrichten für Aktienanleger. „Insgesamt sind Dividenden für die Aktien-Performance von eminent wichtiger Bedeutung“, so Ali Masarwah vom Analysehaus Morningstar in Deutschland. Er verweist darauf, dass der DAX inklusive Dividenden in den vergangenen 20 Jahren um 141 % (4,5 % p. a.) zulegte, ohne hingegen nur um 46 % (1,9 % p. a.).

Dieser Unterschied ist laut Masarwah auf den Zinseszins-Effekt zurückzuführen. „Die Thesaurierung von Ausschüttungen, das so genannte Compounding, ist das Erfolgsrezept der Aktienanlage“, so der Experte. Dasselbe gelte im Übrigen auch für Aktienfonds bzw. die in den vergangenen Jahren stark nachgefragten Dividendenfonds, was sich im Rahmen einer aktuellen Morningstar-Untersuchung bestätigt habe. Das Problem bei der Sache: Bei den meisten Dividendenfonds handelt es sich um ausschüttende Fonds, denen damit auch der „Zauber des Zinseszinseffekts“ fehlt.

„Dass Dividenden einen Großteil der langfristigen Aktien-Performance ausmachen, bedeutet nicht, dass im Umkehrschluss Aktien mit besonders hohen Dividendenrenditen eine überdurchschnittliche Performance erwirtschaften“, so Masarwah. Auch das Argument, dass Dividenden bei fallenden Märkten einen Puffer bilden, sei ebenfalls mehr Legende als Wahrheit. Es komme vielmehr auf die Geschäftsmodelle der Unternehmen im Fonds an, nicht auf die Frage, ob sie Dividenden ausschütten oder nicht.

Aber bringt es angesichts dieser Tatsachen überhaupt etwas, sich mit Dividendenstrategien auseinanderzusetzen? Diese Frage kann sicherlich mit ja beantwortet werden. Sie könnten etwa als Qualitätsfilter dienen. „Fondsmanager, die auf Unternehmen setzen, die eine jahrelange Dividendenkontinuität aufweisen, landen in der Regel bei stabilen Geschäftsmodellen mit hohen freien Cashflows“, erklärt Masarwah, der in diesem Zusammenhang Unternehmen wie Nestlé, Novartis, Pfizer, Daimler, BMW oder Allianz nennt.

Ausschüttungsquote beachten

Auf der anderen Seite gebe es auch Investoren, wie etwa Pensionisten, die hohe laufende Ausschüttungen benötigen. Für sie stellt die Dividendenrendite das entscheidende Kriterium dar. Zu hoch sollte diese allerdings nicht sein bzw. muss man sich dann genau anschauen, wieso das der Fall ist. Vielmehr muss man auch die Ausschüttungsquote unter die Lupe nehmen, um einschätzen zu können, ob sich das Unternehmen überhaupt eine so hohe Dividende leisten kann. Eine hohe Dividendenrendite kann jedenfalls zwei Ursachen haben: Der Markt geht davon aus, dass sich die Dividende eines Unternehmens nicht nachhaltig entwickeln wird oder etwas stimmt bei der betreffenden Firma nicht.

Autor: Mag. Patrick Baldia  (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Alles neu macht … der Juni in Amsterdam

Erste ordentliche Hauptversammlung der RHI Magnesita N.V. So kann Hauptversammlung auch gehen: 18 (!) Tagesordnungspunkte und trotzdem in knapp einer Stunde abgehandelt – inklusive Abstimmungen.

Wer heimische Hauptversammlungen kennt bzw. gewöhnt ist, der erlebte beim First Annual General Meeting der -nach der Austro-brasilianischen Fusion – neuen RHI Magnesita N.V. einige Veränderungen bzw. Neuerungen. Das begann mit der Örtlichkeit: Nach dem Wiener Haus der Industrie und dem Austria Center Vienna zu RHI-Zeiten war nun erstmals Amsterdam dran. Der neue Konzern folgt niederländischem Handels- und Gesellschaftsrecht und hat, neben seinem Office in Wien, seinen statutarischen Sitz in Arnheim, Niederlande.

So fand die erste HV im Hilton Amsterdam Airport Schiphol statt. Veränderung zwei: Beginn der HV nicht, wie in unseren Breiten gewohnt, am Vormittag, sondern um 13.30 Uhr. Wohl um die Anreise von Aktionären von weiter her zu ermöglichen. Neuerung drei: Der Beginnzeit entsprechend gab es das Aktionärsbuffet schon vor und nicht nach der HV. Veränderung vier: Die lange Tagesordnung und natürlich die Konversationssprache Englisch. Neue Erfahrung fünf: die schnellen Beschlussfassungen.

Zu Beginn stellte Chairman of the Board Herbert Cordt (davor Aufsichtsratsvorsitzender der RHI) das Podium der executive directors (CEO und CFO) und non-executive directors vor, verlas die rechtlichen Formalismen und erklärte die App, die als „Voting Device“ später für blitzschnelle Abstimmungen sorgen sollte.

Gut im Plan

Im anschließenden Annual Report ging CEO Stefan Borgas auf die „ersten 180 Tage Fokus auf die Konzernintegration“ ein, während der man aber im Business „den Schwung hielt“. Die Fusion brachte eine „strategische Kombination, die Synergien hebt und Effizienzen treibt“. So sollen heuer mindestens 40 Mio Euro an Synergien ausgeschöpft werden, und 2019 schon 70 Mio Euro.

Die hohe Volatilität an den globalen Rohstoffmärkten berge zwar Risiken und Unsicherheit, aber auch „upsides“. In seinem Outlook erwartet Borgas eine „sehr positive“ Geschäftsentwicklung in 2018, finanziell sei man „well on track“. Das Erlöswachstum der Gruppe im 1. Quartal 2018 sei höher als jenes, das für das Gesamtjahr angesetzt ist. Wohin man gehen will, fasste der CEO so zusammen: Ein globaler Feuerfest-Führer zu sein mit einem unverwechselbaren Produkt- und Leistungsangebot basierend auf „fünf Säulen“: weltweite Präsenz (so sei man auch gegen Handelskriege gerüstet), umfassendes Portfolio, Top-Technologielösungen, wettbewerbsfähige Kosten und Top-Mitarbeiter.

Dividende und Votings

Anschließend führte CFO Octavio Lopes die konservative Dividendenpolitik und den Dividendenvorschlag 0,75 Euro je Aktie aus und Celia Baxter, Vorsitzende des Vergütungsausschusses, erklärte die „Remuneration Policy“ des Board inklusive des „Long Term Incentive Plan“: Alles in Compliance mit den holländischen und UK-Vorgaben der Corporate Governance. In der anschließenden „Q & A Session“ wurden keine Fragen gestellt, sodass es gleich an die „Votings“ ging. Via App, die sich die anwesenden Aktionäre vor der HV auf ihre Smartphones uploaden konnten, gingen die Abstimmungen und Auszählungen in Sekundenschnelle. Die 2017er-Zahlen, der Dividendenvorschlag und die Entlastung der directors erhielten 100 % Zustimmung. Die Wiederwahl der executive directors, des Chairman und der non-executice directors (unter anderen Wolfgang Ruttenstorfer und Karl Sevelda, die auch anwesend waren) erfolgte mit jeweils mehr als 99 % Zustimmung. Dasselbe galt für die Wiederwahl des Wirtschaftsprüfers PwC, für die Annahme der neuen „directors’ remuneration policy“, des „remuneration report“, der Regeln des „Long Term Incentive Plan“, sowie für die Authorisierung des Board zu Ausgabe und Rückkauf von Aktien inklusive Beschränkung von Vorkaufsrechten. Nach einer Stunde konnte der Chairman das Annual General Meeting schließen.

Autor: Manfred Kainz  (redaktion@boersen-kurier.at)

Der Börsen-Kurier war als einziges österreichisches Medium auf Einladung der RHI Magnesita beim Annual General Meeting in Amsterdam.

 

 

Agrana setzt auf Spezialitätenstrategie

Der Wegfall der Zuckerquoten hat zu einer massiven Produktionsausweitung und zum Preisverfall geführt. Agrana will dem mit einer Spezialitätenstrategie begegnen. Für Aktionäre interessant: der geplante Aktiensplit im Verhältnis 1 : 4.

In Kürze wird ein langgehegter Aktionärswunsch in Erfüllung gehen: Agrana plant bei der kommenden HV einen Aktiensplit im Verhältnis 1 : 4 zu beschließen, wie aus der in der Vorwoche veröffentlichten HV-Einladung hervorgeht.

Im Gespräch mit dem Börsen-Kurier gibt CEO Johann Marihart ein klares Bekenntnis zur Wiener Börse ab. Es sei eine „Kulturfrage, dass wir börsennotiert sind“. Man stehe als börsennotiertes Unternehmen unter Beobachtung und verhalte sich im Markt transparenter – und das entfalte wieder eine gute Wirkung im Unternehmen selbst. Dankbar ist Marihart den Kernaktionären, die bei der Kapitalerhöhung im Vorjahr die Erhöhung des Streubesitzes mitgetragen haben: Rund 90 bis 100 neue institutionelle Investoren konnte Agrana dabei gewinnen.

„Alles, was Aktien attraktiver macht, ist hilfreich“, umreißt Marihart seine Wünsche an die Kapitalmarktpolitik. Besonders wichtig sei dabei das Bildungsthema. Mit einer Kooperation mit der Wiener Börse oder als Partner beim Raiffeisen-Börsespiel trage Agrana auch selbst dazu bei.

Thema Bioethanol

Die Beimischung von Bioethanol zu Kfz-Treibstoffen ist in den letzten Jahren etwas in Verruf geraten. Zu Unrecht, wie Marihart meint. „Die Welt hat keinen Mangel an Stärke und Zucker, sondern an Eiweiß.“ So importiere Europa Eiweißkonzentrate, beispielsweise aus argentinischer Soja. Marihart rechnet vor: Auf einem Hektar können in Argentinien drei bis vier Tonnen Soja geerntet werden, in Europa dagegen auf einem Hektar zehn bis zwölf Tonnen Mais; aus diesen können wieder  4.000 Liter Alkohol und drei Tonnen Sojaschrotäquivalent gewonnen werden. „Wir holen die Kohlehydrate heraus, das Eiweiß bleibt erhalten“, sagt Marihart und entkräftet damit Behauptungen, die Ethanolbeimischung würde Urwälder zerstören. Ganz im Gegenteil könne man so Importe substituieren.

Dass Ethanol auch der Umwelt etwas bringe, würden Versuche von Professor Bernhard Geringer von der TU Wien zeigen. Nachdem das Image von Dieselmotoren wegen der hohen NOx-Belastung gelitten habe, gibt es nun einen Trend zum „Benziner“. Doch Benzinmotoren würden bei der Partikelanzahl schlecht abschneiden, so der Agrana-Chef. Eine Alkoholbeimischung im Ausmaß von zehn Prozent reduziere aber die Teilchenzahl um 22 %, eine Beimischung von 20 % führe sogar zu einer um 60 % niedrigeren Zahl der Partikel. „Das ist eine Maßnahme, die über den gesamten Fahrzeugbestand wirkt, nichts kostet und auch keinen Verzicht auf Mineralölsteuer bedeutet“, erklärt Marihart. Man habe die zuständigen Minister und den Kanzler informiert und hoffe, „dass das auf fruchtbaren Boden fällt“.

Agrana habe allerdings nicht vor, die Alkoholproduktion auszubauen, auch weil das Getreidepotenzial in Österreich und den umliegenden Ländern weitgehend ausgeschöpft sei. Ziel müsse es sein, den vorhandenen Alkohol für Österreich zu nützen und dabei Transportkosten zu sparen. Denn von den 250.000 m³ Bioethanol, die derzeit produziert werden, gehen 150.000 in den Export. Marihart: „Es ist schade um die Gutschriften für 300.000 Tonnen CO2, die Österreich nicht zugutekommen.“

Spezialitätenstrategie

Es war nicht zuletzt das Auslaufen der Zuckerquoten und das Ende der WTO-Grenzen für Zucker, die ein Umdenken nötig gemacht haben. Große Zuckerunternehmen seien „in die Mengen gegangen“, so Marihart, die Produktion habe sich um 20 % erhöht, und das wiederum habe zum Verfall der Weltmarktpreise geführt. „Auch wir können 100 Euro nicht kompensieren”, erklärt der CEO, man habe aber den Vorteil, dass man außerhalb Österreichs in Defizitmärkten produziere. Dazu komme, dass Zucker sehr transportsensibel ist. Dennoch müsse man damit rechnen, dass der Zuckeranteil im Portfolio zurückgehen werde.

Deshalb will Agrana auf Spezialitäten, also höherwertige Produkte, setzen. Ein Beispiel dafür sei Betain, eine Stickstoffquelle, die als „magic ingredient“ gelte und aus Melasse produziert werde. Höhere Preise würden sich auch bei modifizierter statt nativer Maisstärke erzielen lassen.

Bioprodukte werden ebenfalls zunehmend wichtiger. Agrana sei in ihren Märkten (also Zucker, Stärke und Fruchtzubereitungen) der größte Bioproduzent in Europa, erklärt Marihart. Und in Zusammenarbeit mit der Universität Graz habe man beispielsweise ein Biobienenfutter entwickelt.

Sehr zufrieden“ ist Marihart mit der Entwicklung des Segments „Frucht“. Mit den Fruchtzubereitungen könne man „sehr große Kunden“” bedienen, Marihart nennt als Beispiele Unilever (Fruchthülle beim Eskimo Double Magnum) oder Starbucks und McDonalds, wo man vom Trend zum gesunden Frühstück profitiere. Darüber hinaus enthalte in den USA mittlerweile jedes zweite Joghurt Agrana-Fruchtzubereitungen, weltweit jedes dritte.

Dennoch vorsichtig

Wegen der Entwicklung bei Zucker und Alkohol sei der Ausblick aber vorsichtig, erwartet wird ein deutlicher Rückgang des EBIT bei weitgehend konstanten Umsätzen.

Geographisch sieht Marihart bei Zucker „die alte k.u.k. Monarchie als Markt“. Bei Fruchtzubereitungen seien die Märkte in Europa und den USA gesättigt, Südamerika habe man sich mit zwei Akquisitionen in Argentinien erschlossen. In China, wo gerade ein Werk in Bau ist, gebe es aufgrund des wachsenden Marktes Chancen. Als „Hoffnungsgebiet“ bezeichnet Marihart schließlich Südostasien.

Autor: Marius Perger (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Die Gewinner unter den Autoaktien

Der verbale Schlagabtausch um Zollbarrieren und fragilere Euro-Perspektiven hinterließ Spuren bei den deutschen Kfz-Herstellern. Fiat-Chrysler-Aktionäre entpuppen sich als Gewinner.

Die Abgabewelle der Automobil-Flaggschiff-Aktien im DAX war im Verhältnis zum Index ausgeprägt. So speckten BMW (ISIN: DE000519 0003) seit dem Jahreshoch um 10 %, Daimler (DE0007100000) um 17 % und die VW-Papiere (Vorzüge: DE0007664039) um 14 % ab. Nicht mehr als eine Delle erlitten die französischen Vertreter Peugeot (FR0000121 501) und Renault (FR0000131906). Die Dividendenpapiere des Fiat- Chrysler-Konzerns (NL0010877643) notierten erst kürzlich auf Rekord­niveau. Investoren wittern in den USA im Zuge höherer Importzölle für Chrysler-Produkte anziehende Absätze, während sich die ohnedies geringen Alfa-Romeo-US-Käufe kaum auswirken werden.

Einen Zusatzschub für Fiat-Valoren gab es zuletzt, als Konzernchef Sergio Marchionne seinen ambitionierten 5-Jahresplan vorstellte. Demnach setze man nun erstrangig auf die ertragsstarken Nischenmarken Jeep, Alfa, Maserati und die Dodge-RAM-Serie. Seit dem Zusammenschluss von Fiat und Chrysler im Herbst 2014 stieg der Wert der Aktie um 350 % und führt damit die Gewinnerliste der Branche an.

Die überproportionale Abstufung deutscher Automobilwerte ergibt sich aus Bedenken einer zweiten US-Importzollwelle (als Retourkutsche zu EU-Gegenmaßnahmen zu höheren Stahlzöllen). Der vom US-Präsidenten genannte Spielraum, den Satz auf Pkw, Lkw und Zulieferteile von 3 % auf bis zu kolportierten 25 % anzuheben, verunsichert Europas Exportmeister beträchtlich. Der Vorsitzende des deutschen Automobilverbandes VDA, Bernhard Mattes, äußerte sich zu diesem Schlagabtausch: „Wir verstehen, dass die EU eine Antwort geben muss. Aber nun gelangt mit dem Kfz-Sektor die gewichtigste Branche ins Schussfeld zur Bekämpfung des chronischen US-Handelsbilanzdefizites“.

Lauert Italien auf die Weichwährung?

Das in der italienischen Politik angekommene Misstrauen zum Euro trübt die Perspektiven in den Autozentralen in Stuttgart, Wolfsburg und München zusätzlich. Denn die Instabilität des Euro-Raumes steigt auch mit Giovanni Trias Absegnung zum italienischen Finanzminister. Medial wurde Tria kurzfristig als „Euro-freundlicher“ Ökonom gepriesen, doch real bekundete er bereits synchron mit dem nicht designierten Paolo Savona vor Monaten seine Abneigung zur Währungsmitgliedschaft.

Ist ein Austritt Italiens aus dem Euro derzeit auch nur ein gedankliches Planspiel – ein drohender Wettbewerbsnachteil für die Autohersteller nördlich der Alpen nistet sich bei Investoren im Hinterkopf ein. Eine neue „leichte“ italienische Währung würde auf die Ergebnisse im deutschen Exportgeschäft drü­cken. Die Exportquote der dominierenden Branche in Deutschland liegt bei Personenwagen bei 78 %, jene der Lkw bei 76 %. Davon wurden im Vorjahr mehr als 312.000 Pkw in das Apenninenland ausgeführt (+2,1 %), das sind 10 % mehr als jene Stückzahl, die in Frankreich auf dem Markt untergebracht wird, und 23 % des Geschäftsvolumens, das Mercedes & Co in den USA lukrieren.

Unser südlichstes Nachbarland stellt somit nach Großbritannien den wichtigsten Abnehmerstaat der germanischen Kfz-Industrie in Europa dar und nimmt mehr Fahrzeuge als sämtliche skandinavischen Staaten, inklusive Finnland, auf. Insbesondere im Lkw- und Busgeschäft würde Iveco (CNH-Gruppe, NL0010545661) zu Lasten der europäischen Mitbewerber Oberwasser gewinnen, Marktanteilsverschiebungen sind in diesem Szenario unschwer zu prognostizieren.

Autor: Roman Steinbauer  (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Russland rückt wieder ins Rampenlicht

Die US-Sanktionen hätten Anleger zu Unrecht aus Russlands Börse verschreckt, meinen Experten. Immerhin gewinnt die Wirtschaft an Fahrt, während die Börse günstig bewertet wird.

Die schwere Rezession hat Russlands Wirtschaft immerhin zurückgelassen. Davon ist jedenfalls Aktienstratege Peter Szopo bei der Erste Asset Management im Gespräch mit Journalisten vergangene Woche, an dem auch der Börsen-Kurier teilnahm, überzeugt. Schuld an dem Abschwung rund um das Jahr 2015 war freilich der Absturz des Ölpreises. Russland sei nun einmal sehr stark von Ölexporten abhängig, so Szopo. Und das hatte folglich auch die Wirtschaft schwer getroffen.

Doch allein heuer, sowie im kommenden Jahr, werde die Wirtschaft des Landes nach aktuellen Prognosen um gut 1,8 % zulegen. Wichtigste Stütze sind die steigenden Rohstoffpreise, allen voran der Ölpreis. Aber nicht nur. Weiterer Rückenwind kommt vom sinkenden russischen Rubel. Denn Rohstoffe werden ja in der US-amerikanischen Währung gehandelt. Und so verdienen russische Energiekonzerne umso mehr, je weiter der Ölpreis und  auch der Dollar an Fahrt gewinnen.

Geringe Verschuldung

Es gibt auch noch weitere Faktoren, die für eine Stütze sprechen. Dazu braucht man nur einen Blick auf das Verhalten der US-Notenbank werfen. Während eine Reihe an Emerging Markets von steigenden US-Zinsen und des Dollar negativ betroffen sind, ist Russland diesbezüglich besser gewappnet, betont Szopo. Schließlich weise Russland einen Überschuss bei der Leistungsbilanz sowie ein ausgeglichenes Budget auf. Die Gesamtverschuldung ist in den vergangenen Jahren zudem geschrumpft, die Staatsverschuldung liegt bei 17,5 % des BIP.

Günstig bemessen

Womit die Frage bleibt, welche Perspektiven sich für Anleger eröffnen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der Ölpreis gestiegen ist, der russische Aktienmarkt, der vor allem von Energietiteln dominiert wird, aber noch hinten nachhinkt. Das führt Alexandre Dimitrov, Senior Fondsmanager des Espa Stock Russia (ISIN: AT0000A05SA6) auf die Zurückhaltung vieler Anleger zurück, die durch die jüngsten US-Sanktionen ausgelöst sein dürften.

Derzeit sei der Aktienmarkt jedenfalls sehr günstig bewertet, gemessen etwa am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Hier liegt die Zahl bei rund 6, während der Durchschnitt der Schwellenländermärkte doppelt so hoch ist. Auch die Dividendenrendite von gut 6 % ist verlockend hoch.

Energieaktien mit hoher Gewichtung

Dabei haben Fondsmanager einen Spielraum, Energieaktien mehr oder auch weniger, je nach Umfeld, zu gewichten. Alternativ zu einem Fonds können Anleger aber auf die Entwicklung des russischen Aktienmarktes mittels Zertifikate setzen. Mit dem „RTX X-pert“-Zertifikat (DE00077490 04) setzt man auf insgesamt 15 russische Titel. Dazu zählen Energieriesen wie Gazprom, Lukoil und Rosneft, aber auch der Einzelhändler Magnit oder Sberbank sowie VTB-Bank.

Es gibt auch die Möglichkeit auf die Versorger in Russland zu setzen. Schließlich wird bei einem steigenden Wirtschaftswachstum mehr Energie nachgefragt. So bietet die RCB das „Long RTX Energy open end“-Zertifikat (AT0000 A0GV93) an. In dem zugrundeliegenden Index sind sieben Unternehmen enthalten, die in der Energieversorgung des Landes mitmischen. Dazu zählen etwa Rushydro (RU000A 0JPKH7), Unipro RU000A 0JNGA5) sowie Mosenergo (RU0008958863).

Bei allen Investments in der Region müssen Anleger aber bereit sein, gröbere Kursschwankungen und Turbulenzen auf der Währungsseite zu verkraften.

Autor: Mag. Raja Korinek  (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Zocken auf Zeit wird immer schwieriger

Wer auf Kursbewegungen mit speziellen Derivaten, sogenannten CFDs, setzen möchte, wird künftig weniger Risiko eingehen dürfen.

Es gibt Strategien an den Börsen, die reizen so manch einen Anleger ganz besonders. Etwa auf den Kursverlauf des deutschen Leitindex DAX zu setzen, und zwar mit einem Hebel. Möglich machen es zum Beispiel sogenannte CFDs (Contracts for Difference). Diese Differenzkontrakte gehören dabei zur Gruppe der derivativen Finanzinstrumente. Und sie sind nicht an der Börse notiert.

Im ersten Moment mag das alles sehr kryptisch klingen. Gemeint ist aber Folgendes: Anleger setzen mit einem CFD-Geschäft auf die Differenz zwischen dem Anfangs- und dem Endkurs eines Basiswertes. Das können Aktien, Indizes aber auch Devisen und Rohstoffe sein. Hier kommt nun der Reiz eines CFD-Geschäftes ins Spiel: Bei Geschäftsabschluss muss man nämlich nicht den Gesamtwert einzahlen.

Kleiner Einsatz, großer Hebel

Es reicht bereits ein kleiner Einsatz am Anfang des CFD-Geschäftes, eine sogenannte Sicherheitsleistung (oder Margin, wie sie im englischen Fachjargon genannt wird). Je weniger man zu Beginn einzahlt, desto größer ist freilich der Hebel und kann Anlegern große Gewinne schon in sehr kurzer Zeit bescheren. Geht das Geschäft nämlich gut, bekommen Anleger am Ende der Laufzeit den Gesamtwert aus der Differenz zwischen dem Anfangswert und dem Endwert des Geschäftes ausbezahlt, und das lediglich mit einem kleinen Geldeinsatz am Beginn.

Es gibt aber auch gravierende Nachteile, die Anleger nicht unterschätzen sollten. Geht das CFD-Geschäft schief, weil man zum Beispiel auf einen weiter steigenden DAX gesetzt hat, und dieser stattdessen kräftig sinkt, müssen Anleger weiteres Geld auf ihr Konto nachschießen (die sogenannten Nachschusspflicht), damit zumindest die Sicherheitsleistung nicht zur Gänze aufgebraucht wird, falls man das Geschäft weiterlaufen lässt. Spätestens zu Laufzeitende muss man dann aber die gesamte negative Differenz – sprich, den Verlust – berappen. Dieser ist dann ebenfalls gehebelt, und man muss unter Umständen tief in die Tasche greifen.

Mehr Regulierung bei CFDs

Nun hat Ende März 2018 die Europäischen Wertpapier- und Marktregulierungsbehörde, kurz ESMA, vorübergehende Interventionsmaßnahmen für den Vertrieb unter anderem von CFDs für Privatanleger beschlossen, die ab dem 1. August 2018 gelten sollen. Die Maßnahmen umfassen einige Punkte. Dazu zählen die Beschränkungen von Marketing, Vertrieb und Verkauf von CFDs an Privatkunden, zeigt Craig Inglis, Head of Germany & Austria CMC Markets auf. Was besonders hervorsticht: So werden die Hebel stark beschränkt, die bei der Eröffnung einer CFD-Position durch einen Privatkunden eingenommen werden können – je nach Schwankungsfreudigkeit des zugrundeliegenden Indexes. Beim DAX, aber auch beim heimischen Leitindex ATX werden die Hebel auf höchstens 20 beschränkt, erklärt Inglis.

Hinzu kommt eine weitere Änderung. Denn auch die Nachschusspflicht auf Konto-Ebene fällt weg. Inglis dazu: „Schon jetzt ist dies in Deutschland durch die deutsche Wertpapieraufsichtsbehörde BaFin seit August 2017 untersagt. Gleichzeitig wurde der Hebel auf höchstens 200 begrenzt, in Österreich gilt derzeit noch maximal ein von Hebel 500.“

Für Privatanleger bedeuten die Änderungen, dass sie zu Beginn eines CFD-Geschäftes viel mehr Geld aufbringen müssen, etwa für einen DAX-CFD 650 Euro (5 %) statt vorher in Österreich 26 Euro (0,2 %).                                   

Autor: Mag. Raja Korinek (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Keine Angst vor politischen Risiken – volatile Marktphasen nutzen

Politische Risiken sorgen aktuell für Nervosität am Markt – Beispiele dafür sind die Krise um die Regierungsbildung in Italien oder die Konflikte um die populistische Handelspolitik der USA. (30.05.)

Entspannung ist noch lange nicht in Sicht, denn zeitnah stehen weitere politische Ereignisse ins Haus. Dazu zählen beispielsweise die Parlamentswahlen in Mexiko und Brasilien, das Auslaufen des dritten Rettungspakets für Griechenland, die Zwischenwahlen in den USA im November und natürlich die laufenden Brexit-Verhandlungen. All dies könnte an den Nerven der Investoren zehren, haben politische Entwicklungen doch schon öfter unter Beweis gestellt, dass sie durchaus Einfluss auf die Märkte nehmen.

„Durch Volatilität können aber auch Chancen entstehen“, sagt Serge Pizem, Head of Multi-Asset-Investments bei AXA IM. Die Versuchung sei groß, bei den ersten Anzeichen von Ärger alles zu verkaufen. „Das kann allerdings dazu führen, dass man seine Verluste realisiert und die Erholung verpasst. Investoren, die mehr Gelassenheit an Tag legen und bereit sind, langfristig höhere Risiken einzugehen, können sich in vorübergehenden volatilen Phasen vielleicht Qualitätsaktien und -anleihen zu günstigen Preisen sichern“, so der Experte weiter.

Nach Regen kommt Sonne 

So hätten die jüngsten Wahlen in Italien Investoren in Atem gehalten. Als es dann tatsächlich zum allgemein erwarteten Patt im Parlament kam, sanken die Kurse italienischer Aktien und Anleihen. Dank der zunehmenden Konjunktur in Europa fiel die Reaktion der Märkte zunächst weniger stark als üblich aus, auch wenn die Krise längst noch nicht ausgestanden ist.

Natürlich gab es auch Fälle, in denen ein Wahlausgang die Investoren kalt erwischt hat. So hatten fast alle erwartet, dass das Brexit-Referendum in Großbritannien 2016 eng ausgehen könnte. Nur wenige rechneten aber damit, dass das Land die EU verlassen würde. Als sich am 24. Juni 2016 herausstellte, dass die Briten für einen Austritt gestimmt hatten, brachen viele Märkte ein. „Einige Industrieländerindizes verloren an diesem Tag über fünf Prozent. Außerdem wertete das Pfund um enorme acht Prozent gegenüber dem US-Dollar ab, und auch die Anleihenrenditen fielen. Nach dem britischen Votum haben sich die Unternehmensanleihen-spreads jedoch schnell ausgeweitet, um sich ebenso schnell wieder zu verengen. Der FTSE 100 hat seitdem 19 Prozent zugelegt“, berichtet Pizem.

Vor den US-Präsidentschaftswahlen, ebenfalls 2016, wurde der mexikanische Peso so etwas wie ein Frühindikator für die Siegchancen von Donald Trump. Wenn dieser ankündigte, aus dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (NAFTA) auszutreten oder an der Grenze zu Mexiko eine Mauer zu errichten, ist der Peso häufig gefallen. Er erholte sich aber fast immer, wenn alles auf einen Sieg von Hillary Clinton hindeutete. Die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten war letztendlich für viele Investoren ein Schock. „Aber in den seitdem vergangenen fast eineinhalb Jahren ist der S&P 500 um 25 Prozent gestiegen“, erläutert Pizem.

Nicht nur Politiker können Märkte das Fürchten lehren. Ben Bernanke, der frühere Vorsitzende der US Federal Reserve, sorgte für einen enormen Anstieg der US-Staatsanleiherenditen, als er 2013 ein Ende der Anleihenkäufe ankündigte – es kam zum berüchtigten Taper Tantrum. Der Markt erholte sich jedoch unmittelbar, nachdem der Schock überwunden war.

Fokus auf langfristige Ziele setzen

Serge Pizem zufolge sollten sich Investoren auf ihre langfristigen Ziele konzentrieren, anstatt bei vorübergehenden Problemen in Panik zu geraten: „Volatilität wird es immer geben, aber deshalb sollte man seine Meinung nicht jeden Tag ändern. Tatsächlich entstehen in volatilen Phasen interessante Kaufmöglichkeiten. Um langfristig attraktive Erträge zu erzielen, ist es wichtiger, einen klaren Standpunkt zu einer bestimmten Assetklasse zu beziehen, als reflexartig auf Marktbewegungen zu reagieren.“

Er rät Investoren zudem dazu, im Blick zu behalten, wie sich Volatilität auf die unterschiedlichen Assetklassen auswirkt. „In volatilen Phasen steigen in der Regel die Korrelationen zwischen den Assetklassen. Sie sind also nicht stabil. Wenn man die Korrelation im Vorfeld berücksichtigt, nach Assetklassen und Alphaquellen diversifiziert und zudem Extremrisiken absichert, dürfte man als Investor recht gut auf Volatilität vorbereitet sein, wo immer sie entsteht“, fügt Pizem hinzu.

Unabhängig davon, ob Marktturbulenzen vorhersehbar sind oder nicht: Portfoliodiversifikation hält Pizem immer für sinnvoll: „So können Investoren alle Stürme überstehen, ob sie nun politischer oder anderer Natur entsprungen sind.“

Ertragschancen vor der eigenen Haustüre

Auch wenn Experten betonen, dass – was die Renditen betrifft – die „Bäume nicht in den Himmel wachsen“, so sind europäische Unternehmensanleihen wieder attraktiver geworden.

Sind in US-Dollar denominierte Investmentgrade-Unternehmensanleihen eine Überlegung wert? Auf den ersten Blick bestätigt die aktuelle durchschnittliche Rendite von rund 4 % diese Einschätzung. Zum Vergleich: Mit Euro-Papieren gleicher Qualität sind knapp 1 % drinnen. Markus Peters, Senior Portfolio Manager Fixed Income bei AllianceBernstein (AB), hat dazu jedenfalls eine klare Meinung: „Zwar mag eine Anleiherendite in US-Dollar lukrativ wirken, doch wenn europäische Anleger das Währungsrisiko eliminieren wollen, entfällt zugleich das Gros der laufenden Rendite.“

Tatsächlich waren die Kosten einer Währungsabsicherung schon niedriger. So belaufen sich laut AB die jährlichen Hedgingkosten für ein in USD denominiertes Investment in Euro-Depots aktuell auf rund 2,75 %. „Langfristig sollten bei einer Angleichung des Zinsdifferentials am kurzen Ende die Hedgingkosten auch wieder sinken“, sagt Marc Herres, Senior Portfolio Manager Credits bei Union Investment, gegenüber dem Börsen-Kurier. Er glaubt, dass mit US-Unternehmensanleihen nach Abzug der Hedgingkosten noch immer um 40 % mehr Rendite zu lukrieren wäre als mit europäischen.

Bei Union Investment sieht man US-Unternehmensanleihen (in USD) aktuell jedenfalls als „verhalten attraktiv“ an. „Wir finden, dass US-Corporates insgesamt nicht attraktiver sind als europäische Bonds“, so Herres. Die Renditen und Spreads wären zwar höher, allerdings aber auch das Risiko und die durchschnittliche Restlaufzeit. In fundamentaler Hinsicht sei der Unterschied zwischen dem US- und dem europäischen Markt hingegen nicht so groß. Allerdings würden US-Unternehmen – über Aktienrückkäufe und Dividendenerhöhungen – aktionärsfreundlicher auftreten als europäische.

Wie Georg Nitzlader, Leiter der Abteilung Unternehmensanleihen in der Raiffeisen KAG, ausführt, sind die Renditen von Euro-Hochzinsanleihen in den vergangenen Wochen deutlich attraktiver geworden. „Im Durchschnitt können derzeit mehr als 3 % lukriert werden – Ende 2017 waren es noch weniger als 2 %“, so der Experte im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Auch die Renditen von Euro-Unternehmensanleihen mit Investmentgrade-Rating wären zuletzt gestiegen – zum Teil, weil die Renditen von Staatsanleihen angezogen hätten. Der Durchschnitt liege bei etwas mehr als 1 %.

„Zuletzt haben wir in Europa deutlich attraktiver bepreiste Investmentgrade-Emissionen gesehen“, so Nitzlader. Es zeige sich, dass Investoren nicht mehr dazu bereit wären jeden Spread zu kaufen. Die Spreads wären von der EZB lange Zeit eng gehalten worden, was für die Emittenten positiv gewesen sei, da sie sich billig refinanzieren konnten. Für Nitzlader gibt es jedenfalls nach wie vor für Anleger, die kein hohes Risiko eingehen wollen, wenige Alternativen zu Unternehmensanleihen. Corporate Bonds mit guter bis sehr guter Bonität wären attraktiver als Staatsanleihen. Die Unternehmen wären hoch kapitalisiert, moderat verschuldet und global diversifiziert.

Attraktives Einkommen

„Nach vielen Jahren globaler Anlagemöglichkeiten im Rentenbereich haben also hohe Hedgingkosten in Kombination mit einem verbesserten konjunkturellen Umfeld dafür gesorgt, dass es sich jetzt wieder lohnen kann, vor der eigenen Haustüre nach Ertragschancen zu suchen“, sagt Peters. Er glaube, dass ein sorgsam ausgewogener Mix an europäischen Anleihen – bei einem durchschnittlichen Investmentgrade-Rating – immer noch Renditen von mehr als 2,3 % abwerfen könne. Im globalen Zeitalter niedriger Zinsen sei das durchaus ein attraktives Einkommen.

Autor: Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

 

Frauen-Power an der New Yorker Börse

Das Parkett der New York Stock Exchange befindet sich in reiner Männerhand. Die Frauen lassen sich an einer Hand abzählen. Nun wird zum ersten Mal in der 226-jährigen Geschichte der NYSE eine Frau das Zepter übernehmen. Vergangene Woche trat Stacey Cunningham ihren Job als neue Präsidentin der Börse an. Cunningham übernimmt die Institution – eine der ältesten in den USA – in keiner einfachen Phase. Das unterstreicht einen Trend, dass Frauen in den USA häufig Chefposten beziehen, wenn es sich bei den Unternehmen um heikle Missionen handelt.

Bisonköpfe an den Wänden, Zigarrenstände im siebten Stock, ein italienischer Herrenfriseur im Untergeschoss, eine Couch im Vorraum der Herrentoilette: so präsentierte sich die NYSE noch in den 90er Jahren. Cunningham fing 1994 auf dem Parkett als Praktikantin an. Sie erinnert sich heute noch gut, dass die einzige Damentoilette eine umgebaute Telefonzelle war. Dass es überhaupt eine Damentoilette gab, war Muriel Siebert zu verdanken, die 1967 als erstes weibliches Mitglied an der Börse aufgenommen wurde. Heute stehen die Damen- den Männertoiletten in nichts nach. Doch weibliche Trader gibt es derzeit auf dem Parkett nicht.

Die Dominanz der NYSE wurde vor rund einer Dekade aufgebrochen. Neue Handelsplätze schossen nach Änderung der Regularien wie Pilze aus dem Boden. Vor zehn Jahren wurden noch rund 40 % aller Aktien auf dem US-Markt über die Systeme der NYSE abgewickelt. Heute liegt der Marktanteil nur noch bei 22 %. Zudem sind die Systeme der bekanntesten Börse der Welt teils veraltet. Cunninghams Vorgänger, Thomas Farley, hatte mit 38 Jahren als vergleichsweise junger Mann die Spitzenposition bei der NYSE übernommen. Die Zeiten, als Männer wie Dick Grasso als eine Art graue Eminenz die Geschicke leiteten, sind vorbei.

Die Liste von Frauen, die in den vergangenen Jahren schwierige Aufgaben übernommen haben, ist lang. Als Merissa Mayer im Sommer 2012 bei Yahoo den Chefposten übernahm, kam das einem Himmelfahrtskommando gleich. Keine fünf Jahre später war das Projekt gescheitert. Ähnlich sah das lange Zeit bei Ginni Rometti aus. Rometti wurde im Januar 2012 zum CEO von IBM ernannt. Es sollte über fünf Jahre dauern, bevor es ihr gelang, bei Big Blue IBM ein Umsatzplus zu generieren. Ebenfalls in einem schwierigen Marktumfeld übernahm Denise Morrison 2011 die Leitung bei Campbell Soup. Der Trend zu frischerer und weniger Fertigkost oder Dosensuppen kostete Morrison vor wenigen Wochen den Job. Die Liste ließe sich weiter fortsetzen. Es gibt in den USA eine Tendenz, Frauen dann den Spitzenposten anzuvertrauen, wenn die Lage fast aussichtslos scheint.
Die große Gleichberechtigung ist das nicht.

Autor: Jens Korte, Finanzjournalist, New York (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Aufbruchsstimmung in Afrika

Dank seines tiefgreifenden Strukturwandels und üppiger Rohstoffvorkommen gilt der schwarze Kontinent als unterschätzter Markt mit Aufholpotenzial. Anleger sollten jedoch die Risiken im Blick behalten.

Geht es um Afrika, drückt sich Oliver Bell gern bildhaft aus. „Nach der Dürre und der wirtschaftlichen Stagnation im vergangenen Jahr könnte 2018 das Jahr sein, in dem sich Afrika wirtschaftlich erholt“, glaubt der Manager des „Frontier Markets Equity Fund“ von T. Rowe Price (ISIN LU1079 765662 ).
Mit dieser Meinung steht der Schwellenländer-Experte nicht allein. Die Weltbank sagt dem Kontinent mit Blick auf das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr ein Plus von 3,2 und 3,5 % in 2019 voraus. Auslandsinvestitionen wie etwa aus Indien oder China, Reformen und die Verbreitung einer stärker marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung in vielen Staaten sind der Nährboden für Wachstum und Wohlstand.

Junge Bevölkerung

Während viele Länder heute vor dem Dilemma einer alternden Bevölkerung stehen, ist die Mehrheit der 1,2 Mrd. Afrikaner jung, ehrgeizig und unternehmerisch. Mehr als 300 Mio Menschen zählen mittlerweile zur Mittelschicht, die zunehmend kaufkräftiger wird – abzulesen an den stark steigenden Zahlen der Mobiltelefone und Autos.

Dieses Umfeld lockt Anleger aus der ganzen Welt. Der S&P Pan Africa-Index aus zwölf afrikanischen Staaten – darunter Südafrika, Marokko und auch die Elfenbeinküste – legte auf Jahressicht gut 16 % zu. Zum Vergleich: Wer sein Geld in dieser Zeit breit gestreut in Dividendentitel des Weltaktienindex MSCI World investierte, muss sich mit knapp 11 % begnügen.

„Die globale Liquiditätswelle erreicht nunmehr auch die afrikanischen Märkte: Dabei sind die Bewertungen im Vergleich zu den globalen Märkten vergleichsweise tief“, sagt Malek Bou-Diab, Lead Portfolio Manager für den Bereich New Markets bei Bellevue Asset Management – und attestiert ausgewählten afrikanischen Ländern entsprechend gutes Potenzial für Kurssteigerungen. In seinem „BB African Opportunities-Fonds“ (LU043 3847240) favorisiert er derzeit vor allem Ägypten und Südafrika, in puncto Sektoren gefallen ihm in erster Linie Finanzen und Basiskonsumgüter.

Auf schmalem Grat

Anleger, die diesen Optimismus teilen, sollten breit gestreut investieren, denn einzelne Afrika-Aktien zu kaufen, ist ebenso schwierig wie riskant, zumal der Handel teils sehr dünn ist. Zu den einträglichen aktiven Fonds zählt der „JP Morgan Africa Equity“ (LU03 55584466), der es auf Sicht von einem Jahr auf ein Plus von knapp 24 % brachte. Der „BB African Opportunities“ des Schweizer Fondshaus Bellevue schaffte 22 %. Eine passive Anlagelösung bietet der „Xtrackers MSCI Africa Top 50-ETF“ (LU0592217524), der die Entwicklung der 50 größten Unternehmen aus sechs Staaten abbildet und in den vergangenen zwölf Monaten rund 16 % an Wert gewann.

Wer am Aufschwung in Afrika teilhaben will, sollte gleichwohl vorsichtig agieren. Die Länder des riesigen Kontinents sind höchst unterschiedlich, einige leiden unter politisch und wirtschaftlich instabilen Verhältnissen. Auch Korruption, Intransparenz und Kapitalflucht sind nach wie vor nicht auszuschließen.

Für Afrika-Kenner Bou-Diab ist daher klar: „Anleger sollten immer im Auge behalten, dass Aufschwünge vereinzelt auf schmalem Grat stehen – und entsprechend anfällig gegenüber äußeren Einflüssen sein können.“

Autor: Christian Euler (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Schwächerer Franken spricht für Schweizer Aktien

Die deutliche Abwertung des Schweizer Franken stimmt Experten bullish für Schweizer Aktien. Vor allem unter den Industriewerten machen sie interessante Chancen aus.

Der Schweizer Franken hat zuletzt gegenüber dem Euro unerwartet stark abgewertet. Kurz vor Redaktionsschluss erhielt man für einen Euro etwas mehr als 1,17 Franken. Vor einem Jahr waren es noch weniger als 1,10 Schweizer Franken. Währungsexperten sehen dahinter aber weniger eine Schwäche des Schweizer Franken, sondern eine Stärke des Euro, der unter anderem von der guten Konjunktur in der Eurozone, der Erwartung einer weniger lockeren Geldpolitik sowie der wieder stärkeren Achse zwischen Deutschland und Frankreich profitiert.

Für Fachleute stellt die Entwicklung der bekanntlich als sicherer Hafen gehandelten Währung jedenfalls einen guten Grund dar, sich mit Schweizer Aktien zu beschäftigen. „Dass der Schweizer Franken gegenüber dem Euro jetzt wieder schwächer ist, wird sich positiv auf die Profitabilität und die Margen der Unternehmen auswirken“, sagt Michel Keusch, Portfoliomanager bei der Schweizer Investmentboutique Bellevue Asset Management, gegenüber dem Börsen-Kurier. Nachsatz: „Das wird vom Konsens aber unterschätzt.“

Wie Keusch erklärt, hat die Tatsache, dass der Schweizer Franken in den letzten Jahrzehnten immer stark war, die – aufgrund der geringen Landesgröße traditionell international ausgerichteten – Unternehmen zu einem „permanenten Fitnesskurs“ gezwungen, um erfolgreich zu sein. „Wir haben heuer viele Unternehmen getroffen, aber so fit wie sie derzeit sind, waren sie schon seit 20 Jahren nicht mehr“, so Keusch. Die Bilanzen wären sehr solide, die Kostenbasis sehr gering und auch die Schulden niedrig. Dazu kommen volle Auftragsbücher. „Es gibt keinen Grund negativ eingestellt zu sein“, so Keusch.

Ein weiterer Grund, der Schweizer Aktien für den Bellevue-Experten besonders interessant macht: Die Qualität der Researchtätigkeit werde immer schlechter, was auf MiFID II zurückzuführen sei. Infolgedessen müssten weniger Analysten mehr Unternehmen covern. Obwohl die Assetklasse eigentlich teuer ausschaue – die durchschnittlichen Bewertungen bewegen sich bei einem KGV von 20 bis 22 – glaube man, dass die Konsensschätzung zu niedrig wären – vor allem bei Small- und Midcaps. „Wir haben eine eigene Researchabteilung und sind der Meinung, dass viele Unternehmen viel günstiger sind (KGV 18) als sie ausschauen“, so Keusch.

Auch Wolfgang Habermayer, CEO der Merito Financial Solutions GmbH, ist bullish auf Schweizer Aktien eingestellt. Vor allem Industriewerte haben es ihm – aufgrund der sich durch die Währungsentwicklung ergebenden Exportchancen – angetan. Während sich Habermayer als „großer Anhänger einer Indexorientierung“ bezeichnet, hat Keusch durchaus auch Einzeltitel auf der Rechnung. Dazu zählen Industriewerte wie VAT Group (führender Anbieter von Vakuumventilen, Anm.), Komax Holding (Hersteller von Kabelverarbeitungssystemen und Montageautomaten), Bobst Group (Hersteller von Maschinen und Anlagen für die Verpackungsindustrie) und Swatch Group.

Aber auch andere Schweizer Aktien sind für Experten eine Überlegung wert. Im Largecap-Bereich gehören dazu unter anderem der Logistikkonzern Kühne + Nagel und der Warenprüfkonzern SGS. Interessante Small- und Midcaps wären wiederum Logitech und die Mediengruppe Tamedia. Wenn der Schweizer Franken in den kommenden Wochen und Monaten nicht einen starken Anstieg erlebt – für Experten neben einer starken externen Korrektur und geopolitischen Entwicklungen das größte Risiko für die Assetklasse -, könnten Anlegern schöne Kursgewinne winken.

Autor: Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

 
 

Aktien nicht länger Teufelszeug

Die geballte heimische Groß- und Finanzindustrie feierte vergangene Woche die besten unter ihresgleichen. Finanzminister Löger stellte dabei klar, wie wichtig die Börse für das Land ist.

Natürlich ist es ein Unterschied, ob ich im Wahlkampf die Massen begeistern muss, oder ob ich vor 350 Vorständen und Kapitalmarktvertretern eine Festrede halten soll. Doch was Finanzminister Hartwig Lögervergangene Woche bei der Verleihung des Wiener Börsepreises im Palais Niederösterreich ansprach, macht trotzdem Hoffnung. Denn die Zeiten scheinen vorbei zu sein, in denen sich Politiker geniert haben, Aktien zu besitzen. Mehr Verständnis für die Wichtigkeit eines funktionierenden Kapitalmarktes in der Bevölkerung, aber auch mehr Selbstvertrauen in der Außendarstellung der heimischen Wirtschaftskraft wünscht sich der Neo-Politiker und Ex-UNIQA-Manager, der versprach, sich auch im Regulierungsbereich für vernünftige Anliegen der Industrie stark einzusetzen. Löger lobte dabei auch die Wiener Börse, die in den vergangenen zwei Jahren unter Christoph Boschan viele Fortschritte gemacht hat.

Im Mittelpunkt des Abends standen aber letztlich dann doch die heimischen Konzerne, die von einer Fachjury aus Finanzanalysten und Asset Managern in vier Kategorien bewertet wurden. Im Fokus waren dabei Kriterien wie Investor Relations, Strategie, Corporate Governance, die Kursperformance und die Liquidität.

Doppelsieger und Wiederholungstäter

Sowohl in der Kategorie „ATX“ als auch „Corporate Bond“ ging heuer die CA Immobilien als Sieger hervor. Eine sehr gute Finanzberichterstattung und Investorenbetreuung, Management und Nachhaltigkeit waren dabei laut Jury ausschlaggebend. Hinzu kamen die außerordentliche Performance und Liquidität der Aktie im vergangenen Jahr. Auf den Plätzen folgten die RBI sowie die OMV aus dem ATX, bzw. die OMV und die Immofinanz im Bond-Segment. In der Kategorie „Small & Mid Cap“ landet „Wiederholungstäter“ AT&S bereits zum dritten Mal auf Platz 1. Über den zweiten und dritten Platz freuten sich die AMAG sowie Polytec. Der Journalistenpreis ging an den Flughafen Wien für seine Medienarbeit. Hervorgehoben wurden von der Jury unter anderem die verlässliche und transparente Kommunikation sowie die Gesprächsbereitschaft der Flughafen-Vorstände.

Autor: Klaus Schweinegger (redaktion@boersen-kurier.at)

 
 

Kann ein europäischer Kapitalmarkt einen Brexit überleben?

In jenen weit zurückliegenden Tagen, als Großbritannien noch vollwertiges Mitglied der Europäischen Union war, verkündete EU-Kommissar Jonathan Hill die Einleitung einer neuen Initiative, die als „Kapitalmarktunion“ bezeichnet wurde.

Fast 60 Jahre Bauen an Europa hatten noch immer nichts hervorgebracht, was einem Binnenmarkt für Investitionen auch nur nahekam, und in vielen EU-Ländern waren die Kapitalmärkte nach wie vor schwach und unterentwickelt. Das lobenswerte Ziel, so schrieb Hill, sei es, „die Hindernisse für grenzüberschreitende Investitionsflüsse zu ermitteln“ und „herauszuarbeiten, wie man sie Schritt für Schritt überwinden kann“.

Seitdem ist viel Zeit vergangen, und Hill bezieht inzwischen seine Euro-Rente. Doch sind größere Fortschritte schwerlich erkennbar. Tatsächlich befindet sich das Projekt inzwischen möglicherweise im Rückwärtsgang, da nun der Brexit den einzigen gut funktionierenden Kapitalmarkt zu stören und zu spalten droht, den Europa inzwischen besitzt: London, auf das die meisten für europäische Unternehmen am Markt aufgebrachten Finanzmittel entfallen.

Europas Problem wird verschlimmert

Diese voraussichtliche Spaltung ist höchst bedauerlich, insofern als sie das von der Europäischen Kommission identifizierte reale Problem verschlimmert. Im Vergleich zu den USA stützt sich Europa stark auf die Finanzierung über Banken. In den USA ist der Markt für Unternehmensanleihen die Quelle von fast drei Vierteln der von Unternehmen aufgebrachten Finanzmittel, und Bankkredite machen das verbleibende Viertel aus. In den 27 verbleibenden EU-Ländern ist das Verhältnis nahezu genau umgekehrt. In Großbritannien liegt das Verhältnis bei etwa 50:50. Wie so oft ist das Land irgendwo in
der Mitte des Atlantiks positioniert.

Es gibt strukturelle und historische Gründe für die von den EU-Banken gespielte unterschiedliche Rolle, und niemand sollte erwarten, dass die europäischen Kapitalmärkte dem Muster der nordamerikanischen Märkte genau folgen. Beim sogenannten „rheinischen Kapitalismus“ stehen die Banken ihren Unternehmenskunden oft sehr nahe und halten manchmal Beteiligungen an ihnen. Doch im Gefolge der Finanzkrise ist die Wichtigkeit diversifizierter Finanzierungsquellen für die Unternehmen deutlich geworden.

Kreditklemme?

Die Gesamtfinanzierung der EU-Unternehmen fiel von 112 % vom BIP 2006 auf 106 % im Jahre 2016, was auf eine steile Verringerung der Bankkredite zurückzuführen ist, die real um ein Fünftel zurückgingen. Auch in den USA gingen die Bankkredite etwas zurück, da die Banken versuchten, ihre Bilanzen wieder in Ordnung zu bringen und ihre Kapitalstärke wiederherzustellen. Eine strengere Bankenregulierung machte dies unvermeidlich, und die Verbesserung der Eigenkapitalquoten im Gefolge der Krise war in erheblichem Maß durch eine Drosselung der Kreditvergabe bedingt. Doch waren in den USA die Kapitalmärkte in der Lage, das auszugleichen, und die Gesamtmenge der den Unternehmen zur Verfügung stehenden Finanzmittel stieg, was zu einer robusteren Konjunkturerholung führte.

Europa zu unflexibel?

In Europa haben die Kapitalmärkte diese lebenswichtige Rolle, den Schock der Kreditrationierung durch die Banken aufzufangen, nicht gespielt. Die EZB hat ihr Möglichstes getan, um zu helfen – mit speziellen Programmen, die Banken finanzieren, damit sie Kredite an KMUs ausreichen. Diese Programme waren bis zu einem gewissen Grad erfolgreich. Beim aktuellen Programm wurden Gelder in Höhe von 740 Mrd. Euro abgerufen – Geld, das innerhalb der nächsten drei Jahre zurückgezahlt werden muss. Doch legen derartige Programme der EZB eine Belastung auf und beschränken ihre Fähigkeit, unkonventionelle Finanzierungsmaßnahmen einzustellen und die Geldpolitik zu normalisieren. Viel besser wäre es, wenn die europäischen Kapitalmärkte flexibler wären und einem breiteren Spektrum an Unternehmen offen stünden.

Es gibt Fortschritte

Es gibt inzwischen bescheidene Anzeichen, dass ein Wandel hin zu einer marktgestützten Finanzierung im Gange ist. Die Banken selbst haben es geschafft, neues Eigenkapital aufzubringen, was eine Hilfe darstellt. Und Europa hat Minischritte zur Förderung einer stärkeren Standardisierung der Marktverfahren unternommen. So unterstützt die EU-Kommission etwa die Wiedergeburt eines europäischen Verbriefungsmarktes, und die Befugnisse der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde werden derzeit gestärkt. Mitgliedstaaten, die bisher gezögert haben, die Kontrolle über ihre Märkte an eine europaübergreifende Behörde abzugeben, verstehen zunehmend, dass es so etwas wie einer europäischen SEC bedarf, um gemeinsame Standards sicherzustellen.

Nach Brexit – quo vadis?

Doch sind die Fortschritte langsam, und der Brexit ist ein weiteres Hindernis. Die größten Pools europäischer Liquidität und europäischen Kapitals befinden sich weiterhin an den Ufern der Themse, und noch weiß niemand, wie sich ein britischer Rückzug aus der EU auf sie auswirken wird. Investoren und Banker warnen, dass eine Aufspaltung dieser Pools durch Einführung von Kontrollen für grenzübergreifende Aktivitäten zwischen Großbritannien und der EU die Sache der Kapitalmarktunion zurückwerfen und die Kapitalaufnahme für Unternehmen aus der EU verteuern wird. Bislang jedoch steht die Brexit-Politik – auf beiden Seiten des Ärmelkanals – einer marktfreundlichen Lösung im Weg.

Großbritannien versucht verständlicherweise, einen möglichst umfassenden Marktzugang für in London ansässige Firmen aufrechtzuerhalten. Michel Barnier, Europas Verhandlungsführer in Sachen Brexit, beharrt darauf, dass, wenn Großbritannien seinen Übergang zum Status eines „Drittlandes“ tätigt, nur eine begrenzte Gleichwertigkeit bei der Regulierung möglich sei. Und das, so Barnier, würde Finanztransaktionen über den Ärmelkanal hinweg beschränken.

Dringliches Ziel: Einigung

Angesichts zunehmender Anzeichen einer beginnenden Verlangsamung der europäischen Konjunktur – gleichlaufende Indikatoren legen nahe, dass die Industrieproduktion in 2018 deutlich zurückgegangen ist – gewinnen die Argumente für die Einigung über einen Brexit-Vertrag und die neuerliche Fokussierung der Aufmerksamkeit auf die Kapitalmarktunion an Stärke und Dringlichkeit. Der heute zuständige EU-Kommissar Valdis Dombrovskis äußerte Ende April in London, dass die „Bausteine“, um „unseren Unternehmen zu helfen, den Abschied von Europas größtem Finanzzentrum aus dem Binnenmarkt besser zu bewältigen“, Anfang des kommenden Jahres vorliegen sollten. Dies ist ein lobenswertes Ziel, kommt jedoch möglicherweise zu spät und reicht nicht aus.

Autor: Howard Davies ist Chairman der Royal Bank of Scotland. Aus dem Englischen von Jan Doolan,© Project Syndicate 1995 – 2018

 
 

Die Profiteure der Ölpreis-Rallye

Ein schwelendes, krisenhaftes Szenario im Nahen Osten kommt der US-Schieferölindustrie klar entgegen. Der Ölpreisanstieg im Zuge der Iran-Sanktionen wirkt dazu als zynisches Geschenk.

Für die Schieferöl-Lobby der Vereinigten Staaten hat der US-Präsident eine Ideal-Konstellation geschaffen. Das Reaktionsmuster an den Ölmärkten ist aufgrund der aufgeheizten Stimmung wegen der neuerlichen US-Sanktionen gegenüber dem Iran klar erkennbar. Im Vorfeld der  Sanktionsentscheidung gab die Brent-Notiz kurzfristig um bis zu 5 % nach, markierte allerdings
nach der Verkündung mit 78 USD/Barrel umgehend einen neuen Höchststand seit 2014. Der nach wie vor wichtigste Rohstoff zieht unter deutlichen Kursschwankungen derzeit stetig an und beförderte den Preis des Schmier- und Brennstoffes seit März bereits gut 20 % hinauf.

Rasche Anpassung triumphiert

Die persischen Ölexporte zogen seit der Embargo-Lockerung 2015 um 70 % auf 2,5 Mio Barrels/Tag an – ein Volumen, das dem Markt nun offenbar nicht mehr zugänglich sein wird. Profiteure dieser ständig geschürten Spannungen im Nahen Osten sind vorwiegend US- und kanadische Schieferölproduzenten wie EOG Resources (ISIN: US26875P1012), Devon Energy (US25179M1036) oder Pioneer National Resources (US72 37871071). Diesen ist es möglich, die Förderung rasch flexibel hoch- und herunterzufahren. Marktanteile gewinnen die Pioniere der umstrittenen Fracking-Industrie damit sowohl bei nachgebenden als auch bei steigenden Ölnotizen. Diese Anpassungsgeschwindigkeit stellt sich im Gegensatz zu herkömmlichen Produktionsverfahren global immer klarer als Vorteil heraus. Das Fördervolumen der OPEC ist vom Gesamtangebot auf die Hälfte gesunken und die Mitgliedsländer sind gerade darauf bedacht, ein dauerhaftes Überangebot abzuwenden.

Die einsame Rallye

Bei Betrachtung der Branchengewinner wird die Diskrepanz auf den Märkten eindeutig. Die Energie/Versorgerbranche entfernte sich seit dem 19. März mit Kursavancen von +10 % vom Gesamtmarkt der Dividendentitel. Es klafft hier eine extreme Lücke. Alle anderen Sektoren, von der IT (-1,5 %) über Vertreter der Industrie, des Health Care-Sektors, der Telekom und Verbrauchsgütern bis zur Finanzsparte (-4,1 %) waren unter Abgabedruck.

Kursanstiege

Derzeit schwimmen im Zuge der Geschehnisse die Kursnotizen der etablierten, europäischen Ölgesellschaften auf der Welle gehörig mit. Der STOXX Europe 600 Oil & Gas-Index (EU0009658780) übertrifft in dieser Hinsicht sämtliche anderen Segmente um Längen. Insbesondere Statoil (NO0010 096985) markierte in Oslo einen neuen historischen Höchststand, der von einem bisher nicht gesehenen Kaufschub angefacht wurde. Gefolgt von der italienischen ENI (IT0003132476), die ebenso einen überproportionalen Kurstreibstoff aufwies. Dem stand das Repsol-Papier (ES0173516115) nur wenig nach. Zudem konnten OMV-Investoren vergangene Woche mit Freude feststellen, Gewinner der Entwicklung zu sein. Nach bescheidenen Jahren baute sich zuletzt auch bei der bereits hoch bewerteten Schoeller Bleckmann wiederum Anlegerfantasie auf. Aber selbst die britische Tullow-Oil (GB0001500809), die für Anleger bis 2015 eine „Geldvernichtungsmaschine“ gewesen war, gibt derzeit wieder ein kräftiges Lebenszeichen von sich. Ein Blick auf die 10-Jahres-Grafik der Ölpreise zeigt jedoch ganz klar, wie rasch der Trend wieder umschlagen kann. Es gibt zu einem Langfrist-Einstieg nicht den geringsten Hinweis, dass Öl ein knappes Gut werden könnte.

Autor: Roman Steinbauer  (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Vom Boom bei Smartphones & Co profitieren

Wenn der Strom nicht aus der Steckdose kommt, stammt er von Batterien – sie halten beispielsweise auch unsere moderne Form der mobilen Kommunikation am Laufen. Aber wie nachhaltig sind diese Speichermedien eigentlich?

Das „Internet der Dinge“ ist keine Zukunftsversion, sondern steckt in Form des Smartphones bereits in unserer Jackentasche. Natürlich würden diese Mini-Computer ohne Akkus nicht funktionieren, ebenso wie Laptops, Notebooks, Digitalkameras usw. Diese tragbaren Geräte mit hohem Energiebedarf werden von Lithium-Ionen-Batterien (bzw. Lithium-Ionen-Akkus gespeist), weil „herkömmliche“ Batterien hier zu groß und zu schwer ausfallen würden. Nachdem der Trend zur Vernetzung mobiler Geräte mit dem Internet hurtig weiter gehen wird, ist es logisch, dass auch moderne Batterien vor einer Wachstumsstory stehen. Weiterer Rückenwind kommt vom Vormarsch der Elektro-Mobilität: So schätzt die Internationalen Energieagentur die Anzahl globaler Verkäufe von E-Autos auf 9 bis 20 Mio bis 2020 und auf 40 bis 70 Mio bis 2025. Und natürlich kommt auch der schönste E-Bolide ohne leistungsstarke Batterie nicht vom Fleck.

Dass sich das Batterien-Thema für Investments trefflich eignet, wurde bereits erkannt, so ist von Vontobel im Vorjahr das „Partizipationszertifikat auf den Solactive Battery Energy Storage Performance-Index“ lanciert worden (ISIN: DE000VL53BE7). Anleger partizipieren hier an einer Auswahl von Unternehmen, die die Wertschöpfungskette des Batterien-Geschäfts abdecken. (Zum Beispiel Samsung, Panasonic oder Tesla, aber auch weniger bekannte Titel wie der Chemiespezialist Albemarle und der Produzent von Hochleistungsbatterien Energizer Holdings.)

Für ethisch denkende Investoren stellt sich an diesem Punkt allerdings die Frage, wie nachhaltig Batterien tatsächlich sind? Das beginnt bei der „Grundzutat“, dem Leichtmetall Lithium. Wie lange ist dieser Rohstoff überhaupt verfügbar? Dieser Frage wurde auch auf der Diskussionsveranstaltung „Vom Rohstoff zum Werkstoff“ in Wien nachgegangen, die vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie sowie der Industriellenvereinigung initiiert wurde. Hier kamen beruhigende Worte von
Roland Pomberger, Montanuniversität Leoben, Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft: „In Europa stagniert derzeit die E-Mobilität, in den großen Automobilmärkten USA und China ist aber eine Beschleunigung zu beobachten. Ich sehe aber derzeit keinen Engpass an Lithium für den Automarkt. Es gibt nämlich auch für die Zukunft ergiebige Lithiumquellen, nämlich Salzseen und die Weltmeere.“ Sein Kollege Helmut Antrekowitsch, ebenfalls von der Montanuniversität Leoben (Lehrstuhl für Nichteisenmetallurgie), konnte dem nur beipflichten: „Derzeit liegt die jährliche Lithiumproduktion bei 36.000 Tonnen. Beim aktuellen Verbrauch würde der Lithiumvorrat noch für 1.450 Jahre reichen! Steigt der Bedarf langfristig auf eine halbe Million Tonnen pro Jahr, würden die Reserven in 108 Jahren ausgehen.“

Möglicher Konfliktrohstoff

Einen Haken hat die Sache aber doch: Lithium könnte sich zu einem Konfliktrohstoff (Förderung in Hochrisikogebieten) entwickeln. So wird das Leichtmetall auch aus Mineralien gewonnen – und das im Kongo, wo Arbeitsrechts- und Umweltstandards oft nur auf dem Papier existieren. Pomberger dazu: „Lithium befindet sich am Sprung in Richtung kritischer Rohstoffe, wann es tatsächlich dazu werden könnte, dazu existieren sehr unterschiedliche Prognosen. Es könnte demnach zwischen 2030 und 2050 soweit sein.“ Könnte Batterie-Recycling einen Ausweg bieten? Hier winken Experten eher ab, denn beim Recycling der Batterien stehen andere Rohstoffe im Vordergrund – einfach weil Lithium günstig am Markt zu bekommen ist. Das ist kein Grund, um die Lithium-Ionen-Batterie zu verdammen, bewusst sollte man sich dieser Problematik aber dennoch sein.

Autor: Mag. Harald Kolerus  (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

„Beziehungen in den Osten stärken“

Die Lage für Unternehmer ist generell gut, die Auftragsbücher sind voll. Trotzdem gab es
einige Gründe für Abwanderungen. Dieser will die Wirtschaftskammer entgegenwirken und verlangt Reformen von der Wiener Stadtregierung.

„Wien ist eine blühende Wirtschaftsmetropole mit hoher Lebensqualität“, so Stefan Ehrlich-Adám in einer Pressekonferenz vergangene Woche in der Wirtschaftskammer Wien. Das internationale Be-ratungsunternehmen Mercer bestätigte auch 2018 wieder die hohe Lebensqualität der österreichischen Bundeshauptstadt. Der Slogan „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut“, war richtig platziert. Der Leitgedanke war Kern einer Kampagne der Wirtschaftskammer mit der veranschaulicht werden sollte, dass Österreicher von mehr Investitionen in die Zukunft und von mehr Unternehmertum profitieren können.

Der Wirtschaftsstandort Wien ist auch im Jahr 2018 positiv zu bewerten: „Die Wirtschaft brummt, das Konjunkturhoch der Wiener Industrie hält weiter an. Besonders deutlich zeigt sich die gute Wirtschaftslage bei den Investitionen“, so Ehrlich-Adám, Spartenobmann Industrie der WK Wien. „Allein im Zeitraum 2016 bis 2018 wurde eine Milliarde Euro in den Industriebetrieben investiert.“ Ein Großteil dieser Summe kam der Umwelttechnik, der Energieeffizienz und der Maschinenmodernisierung zugute. Das Konjunkturhoch der Wiener Industrie hält zwar weiter an, betonte Ehrlich-Adám, aber dieser positiven Entwicklung stehen Abwanderungen gegenüber. 17 % der Wiener Betriebe haben angegeben, dass in den vergangenen Jahren Betriebsteile von Wien an einen anderen Standort verlagert worden sind. Weitere 10 % können sich vorstellen, in den nächsten Jahren ihren Standort zu verlagern, ging es aus der Standortbefragung hervor, die alle zwei Jahre unter den Wiener Industriebetrieben durchgeführt wird.

Als besonders bitter empfindet es Ehrlich-Adám, dass 70 % angeben, vor allem Produktionsbereiche verlagern zu wollen. In der Folge hieße das, dass viele Arbeitskräfte Wien verlassen und auch die Zugkraft für indirekte Arbeitsplätze ginge damit verloren. Als Hauptgründe für eine weitere Abwanderung führt der Wiener Spartenobmann die Kosten, den Mangel an Flächen für Erweiterung und Anrainerprobleme an.

Allerdings rücken die Standortverlagerungen nicht in weite Ferne, sondern in den meisten Fällen „nur“ nach Niederösterreich. Der Großteil, knapp 60 %, will in Wien bleiben. Und: „Es kommen zwar internationale Firmen nach Wien, allerdings keine industrielle Produktion“, bedauert Ehrlich-Adám.

Ostmärkte-Vorteile schwinden

Die Nähe zu den Ostmärkten wurde 2010 noch von 68 % der Befragten als Vorteil gesehen, heuer waren es nur mehr 28 %. Auch das ging aus der Umfrage hervor. Und auch die Hauptstadtfunktion Wiens wurde nur mit 37 % bewertet, 2010 waren es noch 67 %. Ein Grund sei die geopolitische Situation. Diese hat sich durch die Lage in Ländern wie Russland, Ukraine und der Türkei geändert. „Aber das darf nicht als Ausrede gelten. Gerade jetzt muss man die historisch bedingten Verbindungen mit den Ostmärkten noch mehr ausbauen und pflegen.“ Deshalb fordert die Wiener Industrie eine Bildungsreform, um dem Fachkräftemangel entgegen wirken zu können; weiters den Ausbau der Infrastruktur: „Die Anbindungen an andere Länder müssen vermehrt werden!“ Umgesetzt werden sollen die Anbindung an die Breitspurbahn und Flughafenverbindungen. Außerdem müssen die Beziehungen in den Osten unbedingt wieder gestärkt werden. „Die künftige Stadtregierung muss sich noch mehr auf die Ostmärkte konzentrieren und die Beziehungen stärken, von denen Wien seit den 90er Jahren profitierte“, verlangen Spartenobmann und Spartengeschäftsführer Alexander Schrötter.

Generell jedoch sei erwähnt, dass die Lage für Unternehmer gut ist. Die Auftragsbücher sind voll. „Jetzt muss man daran arbeiten, dass der Wirtschaftsstandort auf seinem Hoch bleibt und nicht an Boden verliert!“ Der Appell richtet sich an die kommende Wiener Stadtregierung. Die Sparte Industrie betreut derzeit rund 700 Mitgliedsunternehmen. Große Player sind die Technologie, Forschungs- und Pharmaindustrie.

Autor: Lea Schweinegger  (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Wirtschaftsdynamik wirkt positiv auf Unternehmensgewinne

Wirtschaftsdynamik wirkt positiv auf Unternehmensgewinne – ein Kapitalmarktkommentar von Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG (09.05.)

Die Argumente für einen positiven Aktienausblick haben sich nicht verändert. Zunächst ist die positive Wirtschaftsentwicklung zu nennen:  Für die Eurozone erwarten wir das reale Wirtschaftswachstum bei 2,4 %, die USA werden um 2,8 % und die Schwellenländer sogar um knapp 6 % wachsen. Diese Wirtschaftsdynamik hinterlässt positive Spuren bei den Unternehmensgewinnen. Diese werden im globalen Schnitt heuer um 14 % zulegen. Schließlich ist der Inflationsausblick relevant. Der Preisauftrieb wird im laufenden Jahr nur unwesentlich höher sein als 2017. Das ermöglicht den Notenbanken, ihre Bremsmanöver gut zu dosieren, sodass die Finanzmärkte nicht beeinträchtigt werden. Insgesamt ist dies ein Umfeld, in dem Aktien und Renditen von Staatsanleihen steigen werden.

Dementsprechend sehen wir Aktien weiterhin positiv und sind gegenüber Staatsanleihen vorsichtig, wobei wir auf der Aktienseite Titel aus der Eurozone bevorzugen. Trotz der positiven Einschätzung, darf man nicht außer Acht lassen, dass sich der Zyklus in einem fortgeschrittenen Stadium befindet – abzulesen beispielsweise an niedrigen Arbeitslosenraten und der Verflachung der US-Zinskurve. Daher wird immer öfter auch darüber diskutiert, wann der nächste zyklische Abschwung – sowohl der Wirtschaft, aber auch der Aktienmärkte – bevorsteht. Auf Basis unserer aktuellen Einschätzung ist dies für das laufende und nächste Jahr unwahrscheinlich. Spürbar früher würde dieses negative Szenario eintreten, wenn die Inflationsraten stärker ansteigen als derzeit erwartet. Die Verschiebung der gesamten Zinskurve nach oben, inklusive einer restriktiveren Geldpolitik, würde zunächst die Aktienmärkte und in weiterer Folge die Wirtschaft belasten. Aber so weit sind wir noch nicht.

Staatsanleihen: US-Dollar gibt Lebenszeichen von sich

Wirtschaftsdaten und Vorlaufindikatoren, die die sehr hoch gesteckten Erwartungen nicht erfüllen konnten, ließen die Anleiherenditen sicherer Staaten zwischenzeitlich absinken. Zuletzt zeichnete die gute Berichtssaison aber wieder ein freundlicheres Bild. So testete insbesondere die 10-jährige US-Treasury-Rendite die 3 %-Grenze an. Die US-Notenbank wird in ihrem Zinsanhebungspfad als unbeirrt wahrgenommen, entsprechend klettern die kurzen US-Zinsen weiter in die Höhe. Schließlich gab auch der US-Dollar ein deutliches Lebenszeichen von sich und bewegte sich in die geldpolitisch „richtige“ Richtung.

Unternehmensanleihen: gute Berichtsaison unterstützt das Segment

Seit Ende März engten sich die Spreads bei Unternehmensanleihen (Investmentgrade und High Yield) leicht ein. In Anbetracht gestiegener risikoarmer Staatsanleiherenditen entsprach allerdings die absolute Renditeveränderung bei den Investmentgrade-Unternehmensanleihen und deren Performance dem Wert Null. High Yield-Unternehmensanleihen konnten hingegen Renditerückgänge und eine positive Performance verzeichnen. Eine gute Berichtssaison und eine, während dieser Phase, geringe Emissionsaktivität dürfte das Segment der Unternehmensanleihen technisch gut gestützt haben. Das geringere EZB Ankaufvolumen wirkte sich nicht negativ aus.

Anleihen Emerging Markets: vorübergehende Schwächephase

Schwellenländer-Anleihen, die in Hartwährungen begeben wurden, konnten sich zuletzt dem Rendite-Aufwärtsdruck aus den USA nicht entziehen. Auch ihre Risikoaufschläge (Spreads) litten unter den vornehmlich US-induzierten (handels-)politischen Themen. Besser konnten sich die Renditen von Lokalwährungsanleihen halten, diese litten allerdings unter der US-Dollar-Stärke der letzten Tage. Wirtschaftlich bleibt das Bild trotz politischen Störfeuers und schwächeren Indikatoren grundlegend freundlich, diese Schwäche-Phase könnte von kurzer Dauer sein.

Mittelfristiger Aufwärtstrend der entwickelten Aktienmärkte weiterhin intakt

Die entwickelten Aktienmärkte konnten in den letzten Wochen zulegen. Belastungsthemen der letzten Monate (Ängste vor einem globalen Handelskrieg, Liquiditätsrückführung durch die Notenbanken bis hin zum Thema Datensicherheit im Technologiebereich) rückten etwas in den Hintergrund, wir erwarten jedoch, dass diese in den kommenden Monaten immer wieder für Volatilität an den Märkten sorgen werden. Das fundamentale Umfeld (Konjunkturumfeld und Ausblick für Unternehmensgewinne) präsentiert sich aber nach wie vor positiv. Wir sehen den mittelfristigen Aufwärtstrend der Aktienmärkte daher weiterhin intakt und erwarten steigende Kurse in den nächsten Monaten. In der jüngsten globalen Aktienerholung haben EM-Aktien mit einer schwächeren Performance als entwickelte Märkte reagiert. Dafür werden zwei Begründungen herangezogen: zum einen das zwischenzeitliche Hochkochen des Handelskonflikts USA-China und zum anderen zuletzt die Anstiege bei US-Renditen über die Schwelle von 3 %.

Höhere Volatilität bietet auch Chancen


Die vergangenen Wochen waren an den Börsen von zunehmender Volatilität geprägt. Experten erwarten, dass es bis zum Jahresende in einer ähnlichen Tonart weitergehen wird.

Nach dem ruhigen Vorjahr haben sich die Börsen im bisherigen Jahresverlauf etwas turbulenter entwickelt. Dahinter steht nach Ansicht von Experten eine Reihe von Faktoren. Im Feber heizte etwa die Erwartung einer Zinswende sowie steigender Anleiherenditen die Volatilität an. Wenig hilfreich war – und ist – in diesem Zusammenhang auch der Handelskonflikt zwischen den USA und China. Aber auch Sorgen um die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft haben Anleger zuletzt beschäftigt.

Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt, ist jedenfalls der Ansicht, dass die globale Wirtschaft heuer weiterhin relativ stark wachsen werde. Allerdings dürfte
das Wachstumstempo – vor allem in der Eurozone und China – seinen Höhepunkt vorerst erreicht haben. „Die Verunsicherung über den weiteren Wachstumspfad dürfte zu mehr Volatilität beitragen. Aktienmärkte sind jedoch in der Lage, dies zu bewältigen – solange es nicht zu einer Rezession kommt“, so der Experte.

Die gute Nachricht: Eine Rezession hält Galler heuer – in Abwesenheit eines externen Schocks wohlgemerkt – weiterhin für unwahrscheinlich. Auch Wolfgang Habermayer, CEO der Merito Financial Solutions GmbH, geht nicht von einer Rezession aus, wie er im Gespräch mit dem Börsen-Kurier erklärt. Allerdings habe man sich Anfang April entschlossen, Aktien unterzugewichten und damit begonnen, Positionen sukzessive abzubauen. Ein „Gamechanger“ sei gewesen, dass China auf die Einführung von Strafzöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte durch die USA mit Gegenmaßnahmen auf US-Produkte reagiert habe.

„Wir sehen die große Gefahr, dass durch diesen „Gamechanger“ die Konjunkturdynamik beendet und der Zenit im Konjunkturzyklus bereits erreicht ist“, so Habermayer. Gleichzeitig glaube man, dass Aktien ihre besten Zeiten gesehen hätten und die Volatilität an den Börsen weiter steigen werde. Mit der höheren Volatilität und zu erwartenden schwächeren Unternehmensgewinnen würden die Aktienkurse tendenziell zurückgehen.

Trotz der wieder angestiegenen Volatilität sind Aktien in der taktischen Asset Allokation von J.P. Morgan gegenüber Anleihen weiterhin übergewichtet. Der Grund: der nach wie vor positive Gewinnausblick der Unternehmen. „Es gilt in Erinnerung zu behalten, dass Volatilität normal ist – vor allem in diesem Stadium des Wirtschaftszyklus – und für aktive Manager auch immer mit Chancen verbunden ist“, hält Galler fest. Auch Habermayer, der bekräftigt, dass man bei Merito im Aktienbereich ein großer Anhänger einer Indexorientierung sei, sieht Chancen im Aktienbereich. Interessant sei etwa der Finanzsektor. „Banken und Versicherungen hinken nach wie vor dem Gesamtindex hinterher“, so Habermayer. Dabei würden die Banken Rückstellungen für Non-Performing Loans auflösen. Versicherungen würden von der Digitalisierung bzw. den damit verbundenen starken Kosteneffekten profitieren. „Schweizer Industriewerte gefallen uns dagegen wegen der Entwicklung des Schweizer Franken (Bewegung von zehn Prozent auf Einjahressicht, Anm.) und den sich daraus ergebenden Exportchancen.“

Bei Pictet Asset Management hat man zuletzt ebenfalls die Allokation in Anleihen erhöht. „Im Aktienbereich bevorzugen wir die Eurozone gegenüber dem höher bewerteten US-Markt“, so Chefstratege Luca Paolini. Defensive Titel wären zwar noch untergewichtet, allerdings könnte man diese im Falle einer anhaltenden Schwäche der Weltwirtschaft zukaufen. Noch wären billige Zykliker wie Financials und Materials interessanter.         

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Die falsche Vorstellung vom Gegenüber

Vorsorge- und Finanzberater haben oft falsche Vorstellungen davon, was für ihre Kunden relevant ist. Auch bei den Erwartungen an die Beratung selbst gibt es eine Wahrnehmungslücke.

Bernd Ankenbrand, Professor an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, und der Strategieberater Florian Fischer haben – unterstützt durch die Standard Life Versicherung – versucht, das Manko im Verhältnis zu quali- und quantifizieren: Im Dezember 2017 und im Jänner 2018 haben sie für ihre Studie „Mind the gap“ 919 Kunden und 286 Finanzberater in Österreich befragt. Man wolle mit der Studie einen Beitrag zum wechselseitigen Verständnis von Beratern und Kunden im Hinblick auf individuelle, sinnvolle Altersvorsorgelösungen leisten, begründet Christian Nuschele, Head of Sales bei Standard Life Deutschland und Österreich, das Engagement seines Unternehmens.

Erfahrung schlägt Google

Das Kunden-Finanzberater-Verhältnis, gerade in der Altersvorsorge, ist manchmal ein ambivalentes – nähern wir uns diesem daher mit vorsichtigen Trippel-Schritten: Finanzberater überschätzen beispielsweise die Relevanz von Informationsquellen für Kunden, so das Ergebnis der Studie. Vor allem Produkttests und die gesetzliche Pensionskontoinformation seien für Kunden weit weniger wichtig, als dies Berater glauben. Der wichtigste Informationskanal sei – wie könnte es anders sein – „Online“. 49,5 % geben an, im Internet nach Informationen zu suchen, wobei die Bedeutung dieser Quelle von Finanzberatern überschätzt wird: Sie rechnen sogar mit 60,9 %.

Berater sollten ihren Kunden die Hoheit über deren eigene Information zugestehen, raten Ankenbrand und Fischer in diesem Zusammenhang. Sie sollten stattdessen Aspekte in den Vordergrund stellen, die mittels Google nicht zu finden seien. Aus ihrer Erfahrung mit Produkten oder Produktgebern könnten sie manches besser beurteilen als ein Algorithmus.

Die Einschätzung der Berater stimmt allerdings nicht, was ihre eigene Person betrifft. Mehr als 40 % aller Kunden informieren sich laut Angaben etwa „nicht“ oder „weniger“ beim Berater über Vorsorgeprodukte. Die Berater selbst schätzen diesen Wert lediglich mit 7 % ein. Ein Experte, der seinen Namen nicht im Börsen-Kurier lesen möchte, bringt die Diskrepanz auf den Punkt: „Wenn ein neues Auto gekauft wird, wird der Familienrat einberufen, und tagelang überlegt – bei einer ähnlich kostspieligen Entscheidung wie der Vorsorge oder einer Finanzanlage hingegen, wird innerhalb von Minuten entschieden.“

Was am wichtigsten ist

Sehr nahe kommen Kunden und Berater einander dann aber doch wieder beim Stellenwert der persönlichen Beratung. Für 68,2 %  der Kunden ist persönliche Beratung wichtig – das glauben auch 73,4 % der Berater. Für fast 70 % der Kunden ist auch die Zuverlässigkeit eines Produkts laut Studie „sehr wichtig“. Finanzberater unterschätzen die Bedeutung dieses Aspekts und rechnen nur mit 34 %. Besonders wichtig für den Abschluss einer Altersvorsorge sei für Kunden auch das Preis-Leistungs-Verhältnis, was von Beratern unterschätzt werde. Sie glauben laut Studie dafür zu sehr an das Gewicht ihrer Empfehlung. Der anonym bleiben wollende Berater fügt kritisch hinzu: „Der neutrale Berater kann noch so mit Wissen vollgestopft sein – es wird immer der prominenten Marke geglaubt werden.“

Irrglaube Transparenz?

42 % der Kunden fühlen sich punkto Vermittlungskosten „nicht oder weniger gut“ informiert. Bei den Beratern sieht die Wahrnehmung konträr aus: 47 % von ihnen glauben, dass Kunden diesbezüglich „gut oder eher gut“ informiert wären. Ähnlich die Situation bei den Produktkosten: Immerhin 39 % der Kunden sehen sich nicht oder weniger gut informiert, von den Beratern glauben das aber nur 8 %.

Sehr gering ausgeprägt ist die Bereitschaft der Kunden, für unabhängige Finanzberatung ein Honorar zu bezahlen (nur 14 % können sich das vorstellen). Unser anonymer Fachmann gegenüber dem Börsen-Kurier nüchtern: „Es werden immer die im Vorteil sein, die Kosten nicht offenlegen – deswegen ist die Honorarberatung auch in Deutschland ein Flop. Weil: Die Menschen wollen gar keine Transparenz.“

Ins Stammbuch

Die größte Wahrnehmungslücke bestehe laut Studie aber in Bezug auf die Frage, ob Kunden Altersvorsorgeprodukte bei einem gewerblichen Vermögensberater beziehen wollen: Für 56 % komme dies nicht in Frage (Beratererwartung: 2 %). Das Preis-Leistungs-Verhältnis sei Kunden weit wichtiger, als Berater das vermuten würden, so die Autoren Ankenbrand und Fischer.“ Dabei wären Kunden aber bei einer sinnvollen Leistung bereit, auch einen guten Preis zu zahlen.“ Kunden würden sich „ohnehin“ im Internet über die empfohlenen Produkte informieren. Daher sollte auch erklärt werden, warum das oder jenes Produkt trotz eines schlechten Abschneidens bei Vergleichsrechnern empfohlen werde.

Die Studienautoren geben abschließend den Ratschlag: Die individuelle Finanz- und Vorsorgeanalyse, die Produktrecherche und -auswahl sowie die Transparenz der Informationen sind für Kunden am wichtigsten.

Autor: Mag. Rudolf Preyer  (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

„Aus Spieler S Immo ist Spielball geworden“

Wenig überraschend war die zunehmend unübersichtliche Beteiligungssituation zwischen S Immo, Immofinanz und CA Immo ein großes Thema bei der Hauptversammlung. Das Management zeigte sich wenig auskunftsfreudig.

Ich möchte mich bei allen Mitarbeitern der S Immo für ein sehr gutes Geschäftsjahr bedanken – auch wenn 2017 „nur“ das zweitbeste Jahr der Unternehmensgeschichte war“, eröffnete ein Aktionär am vergangenen Donnerstag die Generaldebatte bei der HV im Wiener Marriott Hotel. Tatsächlich war das abgelaufene Geschäftsjahr einmal mehr von starken Zahlen sowie zahlreichen Highlights – unter anderem betreffend Projektentwicklungen und Transaktionen – begleitet. Und auch der Ausblick für 2018 passt – CEO Ernst Vejdovszky kündigte gar ein „super Ergebnis an“. Nicht ausklammern wollte besagter Aktionär allerdings die letzten drei Wochen, in denen sich „die Ereignisse überschlagen“ hätten.


Zur Erinnerung: Seit Mitte April ist die Immofinanz mit 29,4 % größter Aktionär der S Immo. Damit steht – nach der gescheiterten Fusion zwischen Immofinanz und CA Immo – nun ein Zusammenschluss zwischen beiden Immobiliengesellschaften im Raum. „Angesichts der Beteiligung der S Immo (hält rund 12 % an der Immofinanz sowie 6 % an der CA Immo, Anm.) stellt sich die Frage, ob aus dem Spieler S Immo ein Spielball geworden ist“, so der Aktionär, der den Verlust der „stabilen Kernaktionäre“ Erste und VIG bedauere.

„S Immo kein Spieler“

„Wir haben uns nie als Spieler gesehen“, entgegnete Aufsichtsratsvorsitzender Martin Simhandl. Zuvor sprach bereits Vejdovszky im Zusammenhang mit den genannten Beteiligungen an den beiden Mitkonkurrenten von „reinen Finanzinvestments“. Ob die Immofinanz ein Übernahmeangebot für die S Immo legen werde, müsse man die Immofinanz fragen, meinte etwa der CEO. Weder der Aufsichtsratsvorsitzende noch der CEO wollten in weiterer Folge nähere Details zur Beteiligungssituation nennen – auch nicht, als sie ein anderer Aktionär aufforderte, „die Karten auf den Tisch zu legen“.

Einen interessanten Blick in die Glaskugel wagte ein bekannt redseliger Aktionär aus Oberösterreich. „Vielleicht werden sie die neuen Vorstände der Immofinanz“, wendete er sich an Vejdovszky und Co-Vorstand Friedrich Wachernig. Weiters sei er sich zu 100 % sicher, dass in diesen Zusammenhang in drei bis vier Monaten eine neuerliche HV der S Immo stattfinden werde. Darüber hinaus wollte er auch wissen, an wen das OMV-Hauptquartier, das für jährliche Mieteinnahmen in der Höhe von 8,9 Mio Euro sorgte, verkauft wurde. Von Wachernig war zu erfahren, dass das rund acht Jahre alte Gebäude an einen DEKA-Fonds ging.

Ein Aktionär stieß sich daran, dass die den HV-Unterlagen beigefügten Lebensläufe der beiden Kandidatinnen Hanna Bomba und Karin Rest nicht ausführlich genug wären – vor allem auf jenen von Rest, über deren Aufsichtsratsmandat bei der Wien Holding er sich zudem kritisch äußerte, treffe dies zu. „Etwas mehr Auskünfte für Aktionäre wären angemessen“, meint er. Dahinter steckten offensichtlich Zweifel an den Qualifikationen der Kandidatinnen – sowie im Übrigen auch Kritik, dass zwei Frauen in den Aufsichtsrat aufgenommen werden sollen, bezeichnete er doch das Aufsichtsratsquotengesetz als „Diskriminierung der Männer“.

Hohe Immobilien-Expertise

„Es ist eine Zumutung in der heutigen Zeit anzunehmen, dass Frauen nur in einen Aufsichtsrat aufgenommen werden, weil sie Frauen sind“, so Simhandl. Er verwies auf die „hohe Immobilien-Expertise“ von Bomba und Rest, ebenso wie auf deren einschlägiges rechtliches Knowhow. Beide wurden vorgeschlagen, weil die Satzung der S Immo nun mal vorschreibe, auszuscheidende Aufsichtsräte nachzubesetzen. Nachsatz des Aufsichtsratsvorsitzenden: „Wir können in Zukunft gerne über die Satzung diskutieren.“

Bei der anschließenden Abstimmung gab es seitens der anwesenden Aktionäre und deren Vertreter sehr hohe Zustimmung für die Tagesordnungspunkte. Lediglich auf die Abstimmung über die Änderung von §13 der Gesellschaftsordnung, die das Stimmrecht einzelner Aktionäre oder Aktionärsgruppen, die gemeinsam vorgehen, auf 15 % beschränkt, traf das nicht zu. Die einfache Mehrheit der Stimmen konnte zwar erreicht werden, die Dreiviertelmehrheit wurde hingegen knapp verfehlt.

Autor: Mag. Patrick Baldia  (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Konservative Produkte bleiben trotz tiefer Zinsen beliebt

Vor allem einfach gestrickte Zertifikate sind in Europa inzwischen gefragt. In Osteuropa gibt es zudem großes Aufholpotenzial, wie man am diesjährigen ZFA-Kongress festhielt.

Die Zahlen sprechen allein in Österreich eine deutliche Sprache: Hierzulande hat das Gesamtvolumen am Zertifikatemarkt im 1. Quartal 2018 gut 12,9 MrdE erreicht, wie aus den jüngsten Erhebungen des Zertifikate Forum Austria (ZFA) hervorgeht. An der regelmäßigen Erhebung nehmen Raiffeisen Centrobank (RCB), Erste Group Bank, UniCredit Bank Austria und Vontobel Financial Products teil. Immerhin bedeutet die Zahl ein Plus von mehr als 20 % gegenüber dem Vorjahresvergleichswert. Freilich, das Hoch aus dem Jahr 2011 mit rund 14 MrdE ist damit noch längst nicht erreicht. Zumindest aber nimmt das Interesse an Zertifikaten nach dem Rückgang der vergangenen Jahre, in der die globalen Finanzmärkte einige Turbulenzen durchmachten, wieder zu.

Auffällig ist nach wie vor die besonders hohe Prozentzahl an Produkten mit einer Kapitalgarantie, streicht Pedram Payami, Vorstandsmitglied des ZFA, hervor. Und das, obwohl es angesichts der tiefen Zinsen nicht immer einfach ist, eine vernünftige Garantie darzustellen. Diese ist ja in Form einer Schuldverschreibung verpackt. Immerhin steht mit dieser Entwicklung der heimische Markt im europäischen Rundblick nicht alleine da, sie lässt sich auch in anderen Ländern feststellen. Das ist jedenfalls das klare Fazit auf der ZFA-Diskussion zum Thema „Trends im Vertrieb von Zertifikaten in Europa“ in der vergangenen Woche, die der Börsen-Kurier besuchte.

Kupons sind gefragt
Das treffe zum Beispiel auch auf den tschechischen Markt zu, kann Martin Vlcek, Head Financial Markets Product Development, Ceská Sporitelna, ebenfalls bestätigen. Wobei europaweit nun auch zunehmend auf Aktienanleihen und Expresszertifikate zugegriffen werde, so der einheitliche Tenor. Bei diesen Teilschutzprodukten steht vor allem die Kuponzahlung im Fokus, was angesichts der historisch niedrigen Zinsen verständlich ist. 

Beim Thema Innovationen gibt es ebenfalls klare Trends, wie Juliane Bürger, Managing Director bei der UniCredit, aufzeigt. „Bei den Produkten selbst sind mittlerweile simple Lösungen gefragt. Die Zeiten in denen jede Woche neue, komplexe Strukturen gefragt wurden, sind längst vorbei.“ Dem kann Romulus Mircea, Investmentspezialist bei Raiffeisen Rumänien, nur zustimmen: „Grundsätzlich sind Zertifikate in Rumänien eine sehr junge Anlageklasse, mit der immerhin auch spezielle Themen wie Rohstoffe abgedeckt werden können.“ Dennoch müssten die Produkte leicht erklärbar sein, um das Interesse dafür zu wecken, betont Mircea.

Digitalisierung als Vertriebsweg
Umso mehr seien dafür Innovationen bei den Vertriebswegen gefragt, fügt Bürger von der UniCredit hinzu, und meint damit vor allem die Digitalisierung. Sie ermögliche Online-Plattformen, auf denen Anleger unter anderem auf maßgeschneiderte Produkte zugreifen könnten. Auch sei es immer wichtiger, Zertifikate als Bestandteil eines modernen Portfolios zu betrachten und somit darauf zu achten, wie sie am besten hineinpassen könnten, meint Vlcek von der Ceská Sporitelna. Und verweist obendrein auf eine weitere Entwicklung, die auch an den Zertifikaten nicht vorbeigeht: „Das Thema Nachhaltigkeit wird immer wichtiger.“ Ein Trend, der freilich weltweit eine immer größere Rolle spielt. 

Einig waren sich die Teilnehmer auch über die neue Regulierung, die seit Jänner 2018 in Kraft getreten ist. So stelle MiFID II die Zertifikate-Welt vor eine Menge Arbeit, diese sei aber zu meistern. Und schaffe obendrein mehr Transparenz.

Autorin im Börsen-Kurier: Mag. Raja Korinek

 

 

Chinesische Übernahmen in Europa werden zum Politikum

Die Aktivitäten chinesischer staatsnaher Betriebe in Europa sowie das Lobbying nehmen beständig zu. Der Vorwurf steht im Raum, Peking wolle den Kontinent spalten. Nun kam es zum Weckruf der Denkfabrik European Council on Foreign Relations (ECFR).

Während der vergangenen zehn Jahre wurden 370 MrdUSD aus China in Europa investiert. Bloomberg zufolge  stieg das Volumen der Übernahmen in Europa (ausgenommen Russland und Türkei) von 2008 bis 2018 stetig an. 2016 wurden aus dem Reich der Mitte 95 MrdUSD auf dem Alten Kontinent für Übernahmen in die Hand genommen. Bereits das 6-fache des Betrages gegenüber 2010. 20 % der Beträge flossen alleine nach Großbritannien.

Mehr als die Hälfte dieser Investitionen wurden in den fünf größten EU-Ländern platziert. Aber auch bei Infrastruktur-Objekten wie Flughäfen in Spanien, Griechenland und Belgien ist die Eigentümerschaft in chinesische Hände gewandert – weiters auch bei Ölplattformen in der Nordsee bis hin zu Fußballklubs in England und Italien.

Neben der Autoindustrie (Volvo) waren jüngst High-Tech- und Robotik-Unternehmen wie KUKA Übernahmeziele. Selbst gewichtige Aktienanteile der Daimler AG wandern zunehmend in die Hände der Sino-Gesellschaften. Die Textilhochburgen um Prato (Toskana) wurden schon zu Beginn des Jahrtausends von Gesellschaften der Volksrepublik einverleibt. François Godement, ECFR-Direktor der Asien-Analyse, hält dazu in einem Report fest: „Berlin ist damit konfrontiert, die Juwelen der Krone an China zu vergeben.“

Durch Lobbying lasse sich andererseits von asiatischer Seite vor allem in kleinere EU-Staaten „hineinarbeiten“. Als heikel wird der gewichtige chinesische Einstieg in Schlüssel-Infrastrukturbereiche in Süd- und Osteuropa gesehen. So spannen sich Sektoren, in denen chinesische Unternehmen die Hoheit übernommen haben, von Luftdrehkreuzen bis hin zu Hafenanlagen (Piräus). Nimmt man die vergangene Dekade her, so waren die größten Unternehmensaufkäufer aus dem fernen Osten die China National Chemical Corp. mit einem Übernahmevolumen von 58 MrdUSD, gefolgt von der China Investment Corp. (24 Mrd USD), der Aluminium Corp. of China (14 MrdUSD) sowie der Avic Capital Co mit rund 12 MrdUSD.

Naivität zum Freihandel?
Die Meinungen in europäischen Regierungskreisen zu Großinvestitionen aus dem Reich der Mitte divergieren. Die verwobene Situation der ökonomischen und politischen Ansprüche aus Peking verunsichert. Nun gibt es aber die Schlussfolgerung des ECFR, Peking versuche den europäischen Kontinent für eigene Interessen zu spalten. Zu gezielt hätten chinesische Akteure die akute Schwäche zur Krisenzeit in Südeuropa für massive Zugriffe auf elementare wirtschaftliche Hebel in dieser Region, genutzt. Die 200 Politiker und Entscheidungsträger vereinende Organisation aus der EU sieht somit die notwendige Balance gefährdet.

Der Politik-Analyst der Nachrichtenagentur Bloomberg, Alan Crawford, erörterte kürzlich: „Bisher fehle eine einheitliche europäische Gegenstrategie. Haben die USA, Australien und Japan in vielen sensiblen Segmenten längst Übernahmeblockaden errichtet, sei Europa noch der einzige, vollkommen offene Markt für chinesische Unternehmen.“ Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wies nach seinem Besuch in Peking auf ein notwendiges Gegengewicht und ein gemeinsames Europa-Konzept in dieser Hinsicht hin. Der dänische Premier Lars Lokke Rasmussen betonte die Dringlichkeit, eine „Selbstschutzgrenze“ zum Thema Ausverkauf festzulegen.

Das Mittelmeer als Schleuse
Durch das attraktive Steuersystem nimmt Zypern längst eine Sonderstellung für chinesische Unternehmen ein. Auf der Mittelmeerinsel befindet sich aus chinesischer Perspektive zudem der erste europäische und bedeutendste Anlaufhafen aus dem asiatischen Wirtschaftsraum. Dieser Seezugang über den Suez-Kanal stellt somit das Tor nach Europa dar.

„Alle Wirtschaftszweige“ liegen laut Christodoulos Angastiniotis, Präsident der zypriotischen Wirtschaftskammer, auf den Radarschirmen chinesischer Anlagefonds. „Ausgenommen des Olivenöls und des Halloumi-Käses, stehen in Zypern praktisch alle Sektoren bereits unter chinesischem Einfluss.“ Angastiniotis nennt Schiffslinien, Tourismusbetriebe, Finanzdienstleister, bis Lieferanten der erneuerbaren Energie. Darüber hinaus soll auf der Mittelmeerinsel demnächst die Melco Resorts & Entertainment Ltd. (Hong Kong), das europaweit größte Casino-Resort entstehen lassen. Die umfangreiche russische Community verliert nun sogar in Zypern durch chinesische Geschäftsleute an Präsenz.

Sowohl in Zypern als auch in Griechenland entstand zu liquiditätsstarken chinesischen Investoren ein besonderes Verhältnis, kauften doch am Höhepunkt der Krise die Chinesen mit Überzeugung die Anleihen der Mittelmeerländer.

Autor im Börsen-Kurier: Roman Steinbauer

 

 

Die Inflationsrate und damit auch die Zinsen sinken weiter

Sowohl der Bond- als auch der Aktienmarkt in Mumbai locken mit interessanten Chancen. Schließlich bietet das anhaltende Wirtschaftswachstum ein solides Umfeld.

Die Zahl ist beachtlich. Indiens BIP ist inzwischen auf 2,5 BioUSD angeschwollen. Allein für heuer wird das Wirtschaftswachstum auf 6,8 % geschätzt, „wobei die Regierung sogar 8 % anstrebt“, erklärt Sujoy Das, Leiter Fixed Income bei Invesco. Schließlich lebten 1,7 Mrd Menschen in Indien, „die Hälfte davon ist jünger als 25 Jahre“.  Und für sie müssten neue Jobs geschaffen werden, vor allem abseits des stark subventionierten Landwirtschaftssektors, in dem ein Großteil der Bevölkerung tätig ist.

Hinzu kommt eine erfreuliche Entwicklung bei der Inflation. Bis 2013 bewegte sie sich zwischen 8 und 11 %. Inzwischen ist die Inflation auf rund 4 % gesunken, damit dürfte es auch mit den Zinssenkungen weitergehen. Dazu hat freilich der starke Ölpreisrückgang gegenüber 2014 beigetragen. Einzig die Einführung der neuen, landesweiten Mehrwertsteuer (GST bzw. General Sales Tax) vergangenen Sommer, sowie die steigenden Nahrungsmittelpreise könnten für einen leicht inflationären Druck sorgen. Doch das dürfte ein vorübergehendes Phänomen sein, meint der Invesco-Experte.

Obendrein hat die indische Rupie gegenüber dem Dollar seit 2015 um fast 20 % zugelegt, ein Trend der Sujoy Das zufolge anhalten könnte. Zuvor wurde die Währung allerdings von der Krise auf den weltweiten Märkten hart getroffen.

Indische Bonds im Fokus
Für den Invesco-Experten gibt es jedenfalls ausreichend Gründe, sich den indischen Rentenmarkt näher anzusehen. Dieser umfasst ein Gesamtvolumen von 1,7 BioUSD. Allein bei den 10jährigen Staatsanleihen (mit einem Rating von BBB-) liegt die Rendite bei gut 7,3 %. Weitere Zinssenkungen könnten die Kurse stützen. Auch ein Blick auf das Segment für Unternehmensanleihen lohnt sich: 40 % entfallen auf den Finanzsektor, gefolgt von den Bereichen Infrastruktur, Telekom und Versorger.

Doch es gibt eine Besonderheit an Mumbais Bondmarkt: Ausländische Anleger können nur begrenzt investieren. Bei Staatsanleihen dürfen höchstens 6 %, bei Unternehmensanleihen maximal 10 % des ausstehenden Volumens in ausländische Hände wandern. Erweitern lässt sich das etwa mit einem Fondsinvestment. Im „Invesco India Bond Fund“ (ISIN: LU0996662002) entfallen übrigens rund 50 % auf staatliche und staatsnahe Emissionen, der Rest auf Unternehmensanleihen.

Aktien im Aufwind
Auch für Aktienanleger bietet die Börse reichlich Chancen. Davon ist Ihab Dalwai, Co-Portfoliomanager des „Nordea 1 – Indian Equity Fund“ (LU06 37335638), überzeugt. Immerhin dürfte heuer der Gewinn je Aktie bei den größten indischen Titeln um 9 %, im kommenden Jahr sogar um 18 % im Schnitt zulegen. Vor allem im Bankensektor würden die Gewinne steigen, „da die Kreditvergabe an Unternehmen wieder zunimmt“, erklärt Dalwai. Gefallen findet man etwa bei der ICICI Bank (US45104G 1040) oder der Axis Bank (US05 462W1099).

Auch der Gesundheitssektor sei gut aufgestellt. 70 % aller in den USA verkauften Generika werden in Indien produziert. Als vor wenigen Jahren zahlreiche Patente ausliefen, verzeichneten indische Generikahersteller einen großen Schub – auch auf der Börse. „Inzwischen haben die Kurse korrigiert, und wir nutzten das zum Einstieg“, sagt der Nordea-Experte.

Selbst der Telekomsektor steht im Fokus. „2017 stieg der mobile Datenverkehr aufgrund der Zunahme des 3G- und 4G-Datenverbrauchs um 144 %“, rechnet Avinash Vazirani, Fondsmanager des „Jupiter India Select SICAV“ (LU0 329070915), vor. Dabei beschränke sich der Trend nicht nur auf die Städte. „Auch am Land wird Technologie verstärkt genutzt“, sagt Vazirani.

Dennoch sollte man die Risiken nicht übersehen, zu denen ein stark steigender Ölpreis zählen würde. Zudem finden 2019 Wahlen statt. „Und hier gibt es ein Risiko, dass die amtierende Bharatiya Janata Party nicht die absolute Mehrheit erzielt“, fügt Dalwai noch hinzu.

Autorin im Börsen-Kurier: Mag. Raja Korinek

 

 

Globale Konjunktur zeigt erste Schwächen

Die Weltwirtschaft hat sich zwar etwas eingetrübt, gibt aber noch keinen Anlass zur Besorgnis. Die hohe Volatilität an den Aktienmärkten dürfte sich erst einmal fortsetzen. (19.04.)

Erst der Zinsanstieg in den USA, dann der Handelskonflikt zwischen den USA und China: Anleger fanden seit Jahresbeginn genügend Argumente, ihr optimistisches Bild für 2018 zu überdenken. Ist der Aktienaufschwung bereits im Januar zu Ende gegangen?

Dynamik flaut ab

Zumindest bei der Weltwirtschaft deutet sich an, dass die Dynamik ihren Höhepunkt überschritten hat. In der Eurozone verlieren die Vorlaufindikatoren aus Industrie und Dienstleistung seit Februar spürbar an Schwung. In den USA zeigen sich nach der sprunghaft verbesserten Stimmung durch die Steuerreform erste Ermüdungserscheinungen.

Dynamik flaut ab

Zumindest bei der Weltwirtschaft deutet sich an, dass die Dynamik ihren Höhepunkt überschritten hat. In der Eurozone verlieren die Vorlaufindikatoren aus Industrie und Dienstleistung seit Februar spürbar an Schwung. In den USA zeigen sich nach der sprunghaft verbesserten Stimmung durch die Steuerreform erste Ermüdungserscheinungen. China hat sich ein geringeres Wachstum sogar selbst verordnet. Angesichts der hohen Verschuldung tritt die Regierung jetzt konsequent auf die Bremse. Die Stimmung in Industrie und Dienstleistung bewegt sich nur noch knapp über der Marke von 50.

Die eingetrübten Indikatoren reichen jedoch nicht, um eine Rezession zu prognostizieren. Die Eurozone wächst mit gut zwei Prozent noch immer über ihrem mittelfristigen Potenzial von  rund 1,5 Prozent. Niedrige Steuern in den USA beginnen gerade erst, sich über steigende Investitionen positiv auszuwirken. Das leicht reduzierte Wachstumsziel von 6,5 Prozent liegt für China unverändert in Reichweite. Stabile Rohstoffpreise und niedrige lokale Zinsen stützen in Brasilien und Russland den Aufwärtstrend.

Dennoch treffen die neuen protektionistischen Töne aus den USA die Weltwirtschaft in einer nicht mehr ganz so guten Lage. Ein Handelskrieg zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt könnte den Aufschwung durchaus endgültig beenden. Die bisher angekündigten Maßnahmen reichen dazu jedoch nicht aus. Zudem lassen beide Seiten den Raum für Verhandlungen – auch über die Welthandelsorganisation WTO – offen.

Anleger sollten die unübersichtliche Situation kritisch beobachten. Die langsame Gangart der Weltwirtschaft hat jedoch auch ihre guten Seiten: Ein zu schneller Zinsanstieg ist zunächst vom Tisch. Die US-Notenbank hat auf der letzten Sitzung ihren Ausstiegskurs zwar bestätigt, aber auch ihre Flexibilität betont, wenn sich die Rahmendaten ändern. Eine schwache Inflation könnte bei der Europäischen Zentralbank das für September vorgesehene Ende des  Kaufprogrammes weiter nach hinten rücken.

Bewertungen wieder attraktiver

Auch von der Bewertungsseite kommen positive Signale. Steigende Gewinnschätzungen und fallende Kurse haben zahlreiche Bewertungsrelationen in Europa und Asien auf das Niveau der langfristigen Durchschnitte gedrückt. Selbst in den USA lässt sich bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 und einem langfristigen Zins von unter drei Prozent nicht mehr von einer Überbewertung sprechen. Trotz nachlassender Konjunkturdynamik und zunehmenden Handelsstreitigkeiten erscheint es daher noch nicht gerechtfertigt, das Ende des Aktienaufschwungs auszurufen. In der derzeitigen Spätphase des Zyklus dürfte die hohe Volatilität jedoch anhalten. Anleger sollten jetzt flexibler agieren. In der aktuellen Erholung wurde die Übergewichtung der Aktien teilweise abgebaut. Zukäufe sind frühestens wieder beim Ausloten der Jahrestiefstände angezeigt.

Ein Marktkommentar von Christian Heger von HSBC Deutschland

Schöne Erträge mit Schwellenländeranleihen

Angesichts der zunehmenden Volatilität an den Aktienmärkten ergibt es für Anleger durchaus Sinn, sich verstärkt wieder mit ausgewählten Anleihesegmenten auseinanderzusetzen.

Mit der Zunahme der Volatilität und der insgesamt verhaltenen Aktienmarktentwicklung im bisherigen Jahresverlauf, widmen sich viele Investoren wieder einem Anlagesegment, das sie in den vergangenen Jahren eher vernachlässigt haben: Anleihen. Und das auch mit gutem Grund: Zwar steht nach wie vor fest, dass man mit Aktien auf längere Sicht am besten beraten ist, allerdings haben zuletzt etwa auch die Renditen zehnjähriger US-Treasuries mit knapp 3 % ein durchaus interessantes Niveau erreicht.
Ganz zu schweigen von den Erträgen, die mit Schwellenländeranleihen zu lukrieren sind.

Stephen Snowden, Co-Head Fixed Income bei Kames Capital, spricht sich im aktuellen Umfeld bei Anleihen für einen aktiven und vor allem globalen Zugang aus. Er hält es zwar für wahrscheinlich, dass die Staatsanleihenrenditen mit der Normalisierung der Geldpolitik durch die Zentralbanken und der weiteren Verbesserung der Weltwirtschaft nach und nach steigen werden – allerdings „nicht in einer geraden Linie“. „Die Zentralbanken werden sehr bedächtig vorgehen“, meint er.

Ein weiteres Argument für einen aktiven und globalen Zugang, ist für Snowden, dass sich einzelne Volkswirtschaften unterschiedlich stark entwickeln werden. Die Folge: Die Renditen würden weltweit an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeitpunkten ansteigen oder zurückgehen. „Gerade in volatilen Marktphasen ist es wichtig, in den richtigen Bereichen zu investieren und Marktbewegungen zu nutzen“, so Snowden. Nachsatz: „In steigenden Marktphasen kann jeder Geld verdienen, in turbulenten können nur aktive Fondsmanager Alpha generieren.“

Chancen macht man bei Kames Capital aktuell etwa an den afrikanischen Rentenmärkten aus – und zwar aus einer Reihe von Gründen, wie Theo Holland, Co-Manager des Kames Emerging Market Bond Opportunities Fund (IE00BYNFP378), erklärt. So sei etwa Afrikas Hochzinsuniversum mit 16 Ländern – abgesehen von Lateinamerika – vielfältiger als jede andere Schwellenländerregion. Auch würden viele afrikanische Volkswirtschaften von der größtenteils starken Entwicklung des Rohstoffsektors im vergangen Jahr – wie etwa bei Öl und Kupfer – profitieren.

Zudem wären afrikanische Anleihen strategisch günstig, weil sie fernab der aktuellen geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China liegen. „Da die USA die Beziehungen zu ihren traditionellen Partnern, wie etwa Mexiko und China, in Frage stellen, sind afrikanische Anleihen zweifellos ein sicherer Hafen“, so Holland. Dass die Emissionen zuletzt zugenommen haben – allein im ersten Quartal haben Ägypten und Kenia Anleihen im Wert von 5,5 Mrd Euro platziert -, was laut einiger Anleger auf einen überhitzten Markt hindeutet, mache ihm keine Sorgen. „Das Emissionsprofil ist inzwischen sicher ehrgeiziger geworden, dennoch beurteilen wir den Kontinent optimistisch“, so Holland.

Tipp: Schwellenländerlokalwährungsbonds

„Schwellenländeranleihen bieten heute eine breite, ausdifferenzierte Palette an Anlagemöglichkeiten“, sagt Marcelo Assalin, Head of Emerging Market Debt bei NN Investment Partners. Er verweist darauf, dass ihre Zinsen in allen Untersegmenten höher sind als die von Anleihen aus Industrieländern. Das bestätige auch eine aktuelle Analyse des Anleiheuniversums. So weisen etwa Lokalwährungsanleihen aus den Schwellenländern mit 6,08 % die weltweit höchste Verzinsung auf. Hartwährungsanleihen aus den Emerging Markets würden im Durchschnitt 5,7 % bieten und Unternehmensanleihen 4,94 %.

Autor: Mag. Patrick Baldia  (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Sonderchance Gold und Silber

Der Silberpreis ist bereits nach oben ausgebrochen und der Goldpreis steht kurz davor. Nicht nur das charttechnische Bild spricht für Edelmetalle. Terminmarkt-Daten und das geopolitische Umfeld stimmen ebenfalls bullish.

Der Goldpreis verharrt in enger Bandbreite unterhalb des Widerstand-Bereichs um die 1.350 USD, während der Silberpreis in einem 2-Jahres-Zeitraum einen Keil bildete und nach mehreren Wochen engster Bandbreite bei rund 16,66 USD nach oben ausbrach. Vor allem Silber wurde am Terminmarkt durch Kontraktverkäufe nach unten gedrückt. Nun stehen die Chancen auf einen größeren Short Squeeze so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das Ganze hat folgenden Hintergrund: Die Bullionbanken, die die Konten großer Silberproduzenten wie Rio Tinto oder BHP Biliton verwalten, sind als „Commercials“ fast immer auf der Gewinnerseite. Auf der anderen Seite handeln Investmentfonds, Hedge Funds und im geringen Ausmaß private Trader. Mittlerweile halten die Commercials auf Nettobasis schon fast eine Long-Position in Silber.

Auf der anderen Seite geht aus den CoT-Daten (Commitment of Traders) hervor, dass die großen Spekulanten in den vergangenen zwölf Monaten bis Mitte April ihre massiven Long-Positionen schrittweise abgebaut haben und sogar zwischenzeitlich per Saldo short gingen. Die Entwicklung der Positionierung der Commercials verlief fast spiegelverkehrt.

Silber in Startposition

Und es gibt weitere Besonderheiten: Das Comex-Silber-Open-Interest (ausstehendes Kontraktvolumen) ist binnen zwei Jahren bis zur Woche des 10. April 2018 von 185.000 auf 227.000 Kontrakte gestiegen, was eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit bedeutet, dass die Spekulanten im Falle weiterer Anstiege des Silberpreises massiv Kontrakte zurückkaufen müssen.

Dies könnte eine baldige Preisexplosion (Short Squeeze) bedeuten. Darüber hinaus hat die Gold-Silber Ratio (Verhältnis Goldpreis zu Silberpreis) Anfang April mit 80,7 wieder den langjährigen Widerstandsbereich seit 1996 erreicht ehe bis 20.4. ein Rückgang auf 77,9 erfolgte. Ein mittelfristiger Rückgang auf knapp unter 70 erscheint realistisch. Der Ausbruch des Goldpreises hingegen benötigt noch einen passenden Trigger, der in einem geopolitischen Ereignis liegen könnte.

Physische Edelmetalle sind Trumpf

5 bis 10 % des Portfolios sollten zur Absicherung gegen unerwartete Katastrophen-Szenarien (Black Swan) in physischem Gold und Silber gehalten werden. Goldbarren und Gold-Philharmoniker-Münzen sind in Österreich umsatzsteuerfrei. Hingegen bei Platin und Silber fallen 20 % Umsatzsteuer an. Steuerlich günstiger sind Münzen, die lediglich der Differenzbesteuerung unterliegen.

Dazu Christian Brenner, Managing Director der philoro Edelmetalle GmbH: „Maple Leaf, Känguru und Mozart Coins werden außerhalb der EU produziert und dürfen mit einem verminderten Steuersatz von 7 % verkauft werden. Bei der Differenzbesteuerung wird jedoch die Steuer nie ausgewiesen.“ Wer keine Steuer auf Silber oder Platin zahlen will, benötigt ein Zollfreilager im Ausland. „Sowohl beim Kauf als auch bei der Einlagerung fallen keinerlei Steuern an. Erst wenn die Ware das Zollfreilager verlässt, werden die Steuern vom jeweiligen Land erhoben“, so Brenner. Philoro bietet ein Zollfreilager in der Schweiz, nahe dem Flughafen Zürich an. „Das Lager wird rund um die Uhr bewacht und der Dienstleister verfügt international über ein exzellentes Renommee, da er sich auf die Einlagerung von Wertgegenständen spezialisiert hat“, erklärt Brenner. Sicherheit bietet noch ein jährlicher Depotauszug, der von einem Notar und einem Wirtschaftsprüfer beglaubigt wird. Das Mindestinvestment beträgt 5.000 Euro und die Kosten für Gold und Palladium/Platin 0,65 % p.a. auf den durchschnittlichen Lagerwert, bei Silber sind es 0,95 % p.a.

Minenaktien oft schlechter als physisches Gold

Vorsicht ist hingegen bei den Minentiteln angebracht, denn diese Unternehmen leiden immer mehr unter „schlechten Witterungsbedingungen“ infolge des Klimawandels. Hinzukommen politische Risiken (z. B. Streiks und Unruhen) und das Risiko eines schlechten Timings beim Hedgen der Produktion. Die außerordentlichen Belastungen in den Bilanzen der Gold- und Silberminen treten gehäuft auf und die Gesellschaften weisen auf einen um Sonderposten bereinigten Gewinn hin. Somit schneiden nur wenige Goldminenaktien langfristig besser ab als der Goldpreis.

Seit September 2011 den Goldpreis outperformen konnten die Streaming-Gesellschaften Royal Gold (ISIN: US7802871084) und Franco Nevada (CA3518581 051), während Randgold (US75234 43098) zumindest so gut abschnitt wie der Goldpreis. Bei Silber hingegen können spekulative Anleger als gehebelten ETC (exchange traded commodity) mit einem Hebel von 2 auf den Silberpreis den ETFS 2x Daily Long Silver (DE000A0V9Y57) von ETF Securities in Erwägung ziehen.                                 

Autor: Michael Kordovsky  (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Russland nach den neuerlichen US-Sanktionen

Die USA schlugen zuletzt gegenüber Russland einen schärferen Tonan und versetzten Anleger in Aufruhr. Es stellte sich die Frage, ob die Sanktionen nur ein Warnschuss sind, oder ob weitere Maßnahmen folgen und eine handfeste Krise auslösen werden.

Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat neue Wirtschaftssanktionen gegen Russland erlassen. Diese neuen Sanktionen unterscheiden sich grundlegend von denen, die ihnen vorausgegangen sind. Denn betroffen sind nicht nur Unternehmen, sondern auch deren Eigentümer sowie Regierungsbeamte – eine Vergeltungsmaßnahme für die russische Einmischung bei den Wahlen 2016. Obwohl anfänglich weitgehend ignoriert, wurde ihre Bedeutung nach dem angeblichen Chemiewaffenangriff der syrischen Regierung größer. Die Sanktionen haben einen anderen Charakter als jene, die 2014 verhängt wurden, als Russland die Krim annektierte. Damals war es US-Investoren lediglich verboten, neue Wertpapiere zu kaufen. Unter den neuen Maßnahmen ist es ihnen jetzt jedoch sogar verboten, jegliche Aktien, Anleihen oder sonstige Titel der sanktionierten Unternehmen zu halten, zu denen unter anderem einer der größten Aluminiumkonzerne der Welt gehört. Mit anderen Worten: Investoren werden gezwungen, ihre bestehenden Positionen bis zum 7. Mai zu verkaufen. Das Ergebnis ist ein starker Rückgang russischer Vermögenswerte: Der Aktienmarkt ist um 8 % eingebrochen, die Renditen auf Staatsanleihen stiegen um 50 Basispunkte und der Rubel sank um 10 %.

Grundsolide

Der Umfang der Abverkäufe ist auf die Unsicherheit der Anleger zurückzuführen, dass solche Sanktionen auf breiterer Basis zur Anwendung kommen und damit weitere Zwangsverkäufe auslösen könnten. Aber auch die starke Positionierung in lokalen Anlagewerten macht sich hier bemerkbar: Russland ist in Portfolios mit Schwellenmarktaktien und -anleihen häufig übergewichtet worden. Dies hat für erhebliche Mittelzuflüsse gesorgt. Grund hierfür waren die sich verbessernden wirtschaftlichen Fundamentaldaten des Landes. Das Wachstum hatte sich erholt, wenn auch weniger stark als erwartet angesichts der Bonitätskennzahlen, während die höheren Ölpreise der Handels- und Haushaltsbilanz zugutekamen. Auch die Devisenreserven verzeichneten einen stetigen Anstieg von rund 350 MrdUSD Anfang 2015 auf 458 MrdUSD. Anders als in der Türkei sind der Staatshaushalt und die Zahlungsbilanz von Russland also grundsolide.

Schwierig für Investoren

Das konfrontiert Investoren mit einer schwierigen Abwägung. Eine Ausweitung der Sanktionen hätte zweifellos weitere negative Auswirkungen auf die russischen Vermögenspreise; ohne sie wären die makroökonomischen Auswirkungen jedoch wahrscheinlich minimal, so dass die Bewertungen äußerst billig erscheinen. Ein unberechenbares Weißes Haus macht es für Investoren noch komplexer als üblich, die Situation und Position entsprechend einzuschätzen.

Wichtig zu betonen ist jedoch, dass Staatsanleihen nicht direkt von den Sanktionen betroffen sind. Schätzungen zufolge halten ausländische Anleger ein Drittel des russischen Anleihenmarktes. Dies entspricht einem Wert von 40 MrdUSD. Aktuell sieht es so aus, als ob Anleger eher US-Dollar gegen Rubel kaufen, um das Währungsrisiko in Verbindung mit ihren Anleihepositionen zu neutralisieren, als zu versuchen, Anleihen unter angespannten Marktbedingungen zu verkaufen. Dies erklärt auch, warum der Rubel weitaus stärker unter den Sanktionen gelitten hat als lokale Anleihen.

Die russischen Behörden haben auf die US-Sanktionen mit der Aussetzung von routinemäßigen US-Dollar-Käufen und der Verpfändung von Liquidität an lokale Marktteilnehmer reagiert. Im nächsten Schritt könnte die Zentralbank ihren Zinssenkungszyklus verkürzen. Allerdings steht eine Intervention im Devisenmarkt wohl nicht an, solange der Rubel nicht erheblich vom derzeitigen Stand abgewertet wird. Da die Krise politischer Natur ist, lässt sich nur schwer vorhersehen, ob Käufe oder Verkäufe russischer Anlagen der richtige Weg sind, und ob die technischen Risiken eine potenzielle Bewertungslücke ausgleichen können. Eine möglichst sichere Position ist daher derzeit ratsam – zumindest so lange, bis wir wieder klarer sehen können.

Autor: Gastkommentar von Paul McNamara, Investment Director bei GAM

 

 

Die besten Luxusmarken fürs Portfolio

Etablierte Markenhersteller des Luxusgüter-Sektors müssen sich einer hohen Flexibilität und raschen Trenderkennung stellen. Aber auch Ökologie und faire Produktion werden wichtiger.

Die britische Vermögensverwaltungsgesellschaft GAM Investments nimmt seit einem Jahrzehnt den Luxusgütermarkt mit der hauseigenen „Luxury Brands Strategie“ konkret unter die Lupe. Im Zuge dieser Einschätzungen ergibt sich für den Privatanleger ein klares Bild über die Prioritäten der Investitionswahl im professionellen Bereich.

Eine breite Käuferschicht  ist vorhanden
GAM verwaltet heute 163 MrdUSD und sieht aktuell zwei dominante Themen in der hochpreisigen Konsumgüter-Artikel-Branche. Bedeutender Faktor ist das Erwerbsverhalten der Käuferschicht der Millennials (geboren zwischen den Jahren 1980 – 2000), die auch als erste Generation der „Digital Natives“ gelten. Nach Angaben der Londoner Analysten stehe diese Generation gegenwärtig für 30 % der Umsätze, der Beitrag zum Gesamtwachstum sei aber weit höher einzuschätzen. Es folgt die Digitalisierungskompetenz des Unternehmens selbst. GAM weist potente Anleger aus älteren Bevölkerungskreisen auf die heutigen Marketing-Aktivitäten hin. Demnach investieren die Erzeuger zunehmend direkt in Social Media und dabei in beliebte und „coole“ Nutzer dieser Plattformen. Diese im Trend liegenden Personen bewerben wiederum die Produkte geschickt direkt oder indirekt.

Die Hersteller agieren in einem dynamischen Prozess, das Image zunehmend an zeitgemäße Erfordernisse (Ökologie, Fairness in der Produktion) anzupassen, die Sensibilisierung dafür schreitet weiter voran. So hat laut GAM Gucci (ISIN: NL00003 5500) bereits die Einstellung der Verwendung von Pelzprodukten verkündet. Im Vertrieb entwickelt sich in der Branche zudem der Standard, dem Kunden möglichst alle Erwerbskanäle (traditionell im Geschäft bis zu Online-Orders) anzubieten.

Raster-Wahlverfahren
Für Scilla Huang Sun, GAM-Portfolio Managerin, sind in dieser Branche einige Kriterien eminent, um in deren Fonds Eingang zu finden: „Starke Marken im oberen Preissegment – aber für einen guten Teil der Millennials bezahlbar!“ Neben der Preissetzungsmacht, die einen Inflationsschutz biete, sei der Produktanreiz für vermögende Kunden aus den Schwellenländern wichtig, dazu Kenntnisse der Gesellschaften zu digitalen Marktentwicklungen, eine entsprechende Investitionstätigkeit und eine Abbildung der Trends. Für den Anlageentschluss zähle ein feststellbar dynamischer „cash flow“. Der Verschuldungsgrad sollte zudem gering sein, die Dividendenrendite zumindest 2 % liefern – idealerweise kombiniert mit steigenden Ausschüttungsperspektiven und Aktienrückkäufen.

Wer kommt für eine Depotbeimischung in Frage?
Der heimische Body-Textildesig­ner Wolford fällt aktuell nur bedingt in diese Kategorie. Der abgeschlossene Kaufvertrag mit der Fosun Industrial Holding über den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung von 50,87 %  benötigt noch die Zustimmung der Kartellbehörden.

Es bahnt sich hier aber ein kapitalkräftiger Kerninvestor an, der langfristig die Profitabilität anheizen könnte. L´Oreal (FR0000120321), zu der Marken wie Helena Rubinstein, Giorgio Armani, Garnier, Lancôme und Vichy gehören, passt bis heute wie Luxottica (IT0001479374) ins Konzept.

Nicht mehr hingegen die Campari-Gruppe (IT0005252207) mit Aperol und Cognac-Sorten, Ferragamo (IT 0004712375) und Moncler (IT00  04965148).

Die Sektor-Schätzungen für das Umsatzwachstum 2018 liegen bei  mehr als 5 %.

Autor: Roman Steinbauer (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Investieren wie die Superreichen

Die Reichen werden immer reicher, und die gute Nachricht ist: Oft besteht auch für Kleinanleger die Möglichkeit mit ihnen reicher zu werden. Der Börsen-Kurier zeigt die richtigen Aktieninvestments mit denen das funktioniert.

Laut Forbes gibt es mittlerweile weltweit 2.208 Milliardäre. Deren Vermögen beträgt per 9. Feber 2018 insgesamt 9,1 Bio USD – im Jahresvergleich ein Plus von 18 %. Viele dieser Milliardäre sind entweder Erben von Anteilen an Familienunternehmen oder Gründer ihrer  eigenen Firmen. Sofern die betreffenden Unternehmen börsennotiert sind, können auch Kleinanleger mit diesen Milliardären gemeinsam reicher werden. Ein Investment in die betreffenden Aktien hat dabei häufig Trendfolge-Charakter, denn oft befinden sich diese in einem starken langjährigen Aufwärtstrend. Das trifft vor allem auf jene Firmen zu, die ihre Gründer superreich machten.

Wer steht wofür?
So ist beispielsweise laut Forbes-Liste 2018 Amazon-Gründer Jeff Bezos mit einem Vermögen von 112 Mrd. USD der reichste Milliardär der Welt, gefolgt von Microsoft-Gründer Bill Gates mit 90 Mrd. USD und dem Value-Investor Warren Buffett (84 Mrd. USD), dessen Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway über die B-Aktien auch Kleinanlegern zugänglich ist. Diese drei Milliardäre haben, genauso wie Nummer 4 und Nummer 6 der Forbes-Liste, LVMH-Großaktionär Bernard Arnault und Inditex-Gründer Amancio Ortega, eine Gemeinsamkeit: Sie sind alle über 50 Jahre alt und somit entsprechend erfahren. Vorsicht ist hingegen bei Firmen von „neureichen“ Youngsters, wie z.B. Mark Zuckerbergs Facebook (ISIN: US30 303M1027, Stichwort: Datenskandal) angebracht, denn in dieser Milliardärsgruppe läuft es nicht selten nach dem Motto: „Wie gewonnen, so zerronnen!“ Aufgrund politischer Risiken Vorsicht angebracht ist auch in Schwellenländern.

Investments in Amazon (US 0231351067), Microsoft (US59 49181045) und Berkshire Hathaway (US0846707026) brachten in den vergangenen fünf Jahren ein Plus von je 434, 224 bzw. 88 % verglichen mit 71 % im S&P 500 Index. Die Aktien der Textilhandelskette Inditex (ES0148396007; Marken wie ZARA, OYSHO und Bershka) haben zwar 2017 mit -28,5 % ein schlechtes Jahr hinter sich, liegen jedoch auf zehn Jahre gesehen noch 249 % im Plus (per 9.4.2018). Von 2009 bis 2017 stieg der Cash Flow von 2 auf 4,4 Mrd. Euro und die Rentabilität des eingesetzten Kapitals beträgt rund 33 %. In den vergangenen fünf Jahren ein Plus von 115 % brachte der Luxusartikel-Konzern LVMH (FR00001210 14; Marken wie Louis Vuitton, Moet & Chandon, Hennessy).

Heute im Alltag nicht mehr wegzudenken, machte auch Google ihre Gründer Larry Page und Sergey Brin zu Milliardären (je 48 bzw. 47 Mrd. USD). Die Fünf-Jahres-Performance der übergeordneten Holding Alphabet (US02079 K3059) kann sich ebenfalls sehen lassen: 165 % (A-Aktien per 13.4.2018).

Von den alteingesessenen Firmen im Familieneinfluss interessant erscheint der Kosmetik-Gigant L Óreal (FR0000 120321), dessen Großaktionärin Francoise Bettencourt Meyers 42 Mrd. USD „schwer“ ist. Das Unternehmen konnte von 2008 bis 2017 den Gewinn/Aktie um 7,4 % p.a. steigern. In Deutschland je 22 bzw. 25 Mrd. USD besitzen die BMW-Erben Stefan Quandt und Susanne Klatten.

Transaktionen der Magnaten
In den USA verlangt der Gesetzgeber Transparenz von den institutionellen Investoren. Die im Jahr 1975 gemäß dem Securities Exchange Act von 1934 vom US-Kongress verabschiedete „Section 13 (f)“ sieht nämlich vor, dass jeder institutionelle Fondsmanager mit mehr als 100 MioUSD an verwaltetem Vermögen einmal pro Quartal seine Positionen an die US-Börsenaufsicht meldet. Innerhalb von 45 Tagen nach Quartalsende müssen diese Daten unter den „13F-filings“ an die Börsenaufsicht (SEC) übermittelt werden. Anbieter wie gurufocus.com verwerten diese Infos und zeigen, was die Wall-Street-Größen gerade gekauft und verkauft haben.

Nützlich sind diese Infos vor allem bei mittel- bis langfristig orientierten Value-Investoren, wie zum Beispiel Bill Nygren, dessen „Oakmark Fund“ (bei uns nicht erhältlich, Anm.) es in den vergangenen zehn Jahren (per 31.3.2018) auf ein Plus von 11,76 % p.a. brachte, vgl. mit 9,49 % p.a. im S&P 500 Total Return Index. Im 4. Quartal 2017 neu investierte Nygren in die Apothekenkette CVS Health (US1266501006), die mit der geplanten Übernahme des Krankenversicherer Aetna für Aufsehen sorgte. Weitere Investments sind der Reiseportal-Betreiber Booking Holdings (US7415034039), die Fluglinie American Airlines (US02376R1023) und Aptiv PLC (JE00B783TY65), ein Anbieter von High Tech-Lösungen für umweltfreundliche und selbstfahrende Autos. Warren Buffett hingegen investierte  in den niedergeprügelten israelischen Generika-Hersteller Teva Pharmaceutical Industries (US8816242098) und stockte seine Aktienposition bei Apple (US0378331005) nochmals kräftig auf.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Auf grüner Erfolgsschiene

Der milliardenschwere Investitionsbedarf macht Infrastrukturprojekte für Anleger interessant – gleichzeitig werden Lebens- und Umweltstandards gehoben.

Laut Schätzungen des „Global Infrastructure Hubs“, einer Initiative der G20, sind bis 2040 weltweit 97 BioUSD an Infrastrukturinvestitionen notwendig. Trotz hoher öffentlicher Ausgaben besteht hier eine Investitionslücke von rund 15 BioUSD; Schätzungen des Beratungsunternehmens McKinsey gehen sogar von einer Differenz von mehr als 40 BioUSD bis 2030 aus. Hier sind private sowie institutionelle Anleger gefragt, um in die Bresche zu springen. Mit durchaus erwünschten „Nebeneffekten“, in einem Kommentar des Impact-Investment-Spezialisten BlueOrchard heißt es dazu: „Investitionen in nachhaltige Infrastruktur können dabei helfen, soziale, ökonomische und ökologische Ziele zu realisieren. Anlegern bietet diese Anlageklasse eine niedrige Korrelation zum Kapitalmarkt und relativ planbare Cashflows.“

Fokus:  Mittelgroße Projekte
Schön und gut, aber was macht ein Infrastrukturprojekt tatsächlich nachhaltig? Denn Kraftwerke, Straßen, Schiene etc. können auch einen Eingriff in heikle ökologische und soziale Systeme bedeuten. Der Börsen-Kurier hat bei Patrick Scheurle, CEO von BlueOrchard, nachgefragt. „Unter nachhaltiger Infrastruktur versteht man Maßnahmen, die sozial, ökonomisch und ökologisch nachhaltig und somit zukunftsfest sind. Nachhaltige Infrastruktur fördert insofern nicht nur das wirtschaftliche Wachstum, sie trägt auch zur Verbesserung der Lebensqualität der Gesellschaft bei, sie entlastet die Umwelt und natürliche Ressourcen. BlueOrchard fokussiert sich daher vornehmlich auf mittelgroße Projekte auf kommunaler Ebene in den drei Bereichen Erneuerbare Energien (z. B. Solar), Energieeffizienz (z. B. Gebäudeisolation oder LED-Straßenbeleuchtung) und Abfallwirtschaft (z. B. energetische Verwertung von Abfällen)“, so der Experte.

Groß angelegte Projekte auf nationaler Ebene würden hingegen oftmals Gefahr laufen, die Städte und Kommunen nicht genügend einzubeziehen. Scheurle: „Hier spielt auch der soziale Faktor eine wichtige Rolle. Denn es sollten lokale Arbeitnehmer für den Bau und den Betrieb eingestellt werden. Ein wichtiges Kriterium für die Auswahl der Projekte ist auch ihre Replizierbarkeit. Ziel ist es, Unternehmungen zu unterstützen, die auf einfache Weise auch in anderen Regionen von Entwicklungs- und Schwellenländern wiederholt werden können. Natürlich müssen die Projekte auch immer aus ökonomischer Sicht tragfähig, das heißt technisch und wirtschaftlich solide und finanzierbar sein.“

People, Planet, Profit
Ähnlich sieht das Rebecca Sherlock, Portfoliomanagerin des „First State Sustainable Listed Infrastructure Fonds“ (ISIN: IE00BDBRBW92): „Die Beschreibung des Nachhaltigkeitskonzepts basiert häufig auf drei Säulen: sozial, ökologisch und wirtschaftlich. Oder wie es manche bezeichnen: ‘People, Planet and Profit.’ Dieses Konzept wurde entwickelt, weil Unternehmen oftmals kurzfristige Gewinne priorisieren, ohne die längerfristigen Auswirkungen zu berücksichtigen. Damit ein Unternehmen nachhaltig ist, muss es jedoch durch eine langfristige Brille blicken“, meint die Expertin im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

Infrastruktur-Assets bieten laut Sherlock essenzielle Dienstleistungen, die für eine funktionierende moderne Gesellschaft unerlässlich sind. Ihr Fonds investiert in Aktien von Unternehmen, die diese Assets besitzen oder betreiben: „Wir sind der Überzeugung, dass Infrastruktur auf nachhaltige Weise verwaltet werden kann und sollte. Hierbei müssen alle Beteiligten gleichermaßen fair behandelt werden.“ Den Fonds gibt es erst seit heurigem Jänner, weshalb die Performance wenig aussagekräftig ist, der ähnlich konstruierte „First State Global Listed Infrastructure Fund“ (GB00B2PDR286) existiert hingegen bereits seit 2008 und kommt auf eine durchschnittliche jährliche Rendite von rund 5 %.

Zur Titelauswahl meint Sherlock: „Wir analysieren sorgfältig die Möglichkeiten börsennotierter Infrastrukturunternehmen. Wir streben an, in jene Aktien zu investieren, die am ehesten langfristige, nachhaltige Renditen erzielen. Gleichzeitig sollten diese Firmen mögliche negative Auswirkungen auf den Planeten und Menschen minimieren. Beispielhaft agiert hier unter anderem der US-amerikanische Stromversorger NextEra Energy. Bei seinem Bestreben, den eigenen CO2-Fußabdruck zu reduzieren, richtet er gleichzeitig seinen Fokus auf die potenziellen Auswirkungen auf seine Kundenpreise.“                                    

Autor: Mag. Harald Kolerus (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

So sichern Sie Ihr Portfolio ab

Die Aktienmärkte werden unruhiger infolge der Gefahr eines globalen Handelskrieges setzte sich zuletzt eine schwächere Tendenz durch.

Der Handelsstreit zwischen den USA und China drohte zuletzt zu eskalieren. Vergangenen Mittwoch veröffentlichte Washington eine Liste mit 1.300 chinesischen Importwarten im Wert von rund 50 MrdUSD, die mit Strafzöllen belegt werden sollten. Als Gegenschlag kündigte Peking an, im gleichen Umfang Zölle auf zahlreiche US-Produkte wie Autos oder Sojabohnen einzuheben. Der Streit schaukelte sich weiter hoch.

Die Reaktion der Märkte: Vom 12. März bis 6. April hat der S&P 500 Index 6,4 % an Wert verloren, währenddessen die Volatilität emporschnellte. Seit Jahresanfang stehen High Yield Bonds, Schwellenländeranleihen und REITs unter Druck. Anleger ziehen sich häufig zwecks Anpassung an höhere Volatilitäten aus risikoreicheren Assets zurück. Ob es sich dabei nur um eine zwischenzeitliche Korrektur handelt, oder ob bereits der nächste Bear-Market begonnen hat, lässt sich derzeit noch nicht feststellen.

Fakt ist, dass seit 1914 betrachtet, ein Wechsel an der Spitze der Fed mit einer erhöhten Volatilität an den Finanzmärkten einherging – so das Ergebnis einer Studie des Bankhauses Julius Bär. Die Wahrscheinlichkeit, dass der neue Fed-Präsident Jerome Powell bald mit einer Krise zu kämpfen hat, ist – zumindest empirisch betrachtet – nicht zu unterschätzen.

Portfolio defensiver aufstellen
Der erste Risikoreduktionsschritt sollte in der aktuellen Phase innerhalb der einzelnen Asset-Klassen erfolgen. Im Anleihenportfolio sollte vor allem bei Emissionen der entwi­ckelten Länder auf eine möglichst niedrige Durchschnittslaufzeit geachtet werden, wodurch Zinsrisiken reduziert werden. Die Gewichtung von High Yield Bonds sollte zugunsten von Cash reduziert werden. Im Aktienbereich sollten global vernetzte Unternehmen aus sensiblen Branchen, wie Automobil, Anlagenbau, Halbleiter, Stahl und Industriegüter, eher gemieden werden. Hingegen für eine Übergewichtung kommen Werte aus defensiveren Bereichen in Frage, die seit Feber eine hohe relative Stärke zeigten, wie zum Beispiel Energieversorgung und Medizintechnik. Ebenfalls hohe Stabilität zeigten zuletzt Rüstungsaktien und Ölwerte. Die beiden letzteren Gruppen stellen sogar eine Absicherung gegen Eskalationsszenarien mit Ölschock-Nebenwirkung dar.

Im Gegensatz zu diversen alternativen Investments und Rohstoffen in den vergangenen drei Monaten wertbeständig zeigte sich Gold. Privatanleger könnten zwecks Diversifikation 5 bis 10 % ihres Portfolios in physisches Gold investieren.

Bezüglich der Absicherung des Aktienportfolios sollte einmal analysiert werden, welcher Index den stärksten Gleichlauf aufweisen könnte. Im Falle eines internationalen Blue-Chip-Portfolios mit hohem US-Anteil kann beispielsweise der S&P 500 herangezogen werden. Sobald dieser seinen 200-Tage-Durchschnitt nachhaltig nach unten durchschreitet, wäre entweder der Verkauf von Futures oder der Kauf von Short-Hebelzertifikaten anzudenken. Der optimale Betrag, der dabei in Absicherungsinstrumente investiert wird, errechnet sich aus dem Wert des abzusichernden Aktienportfolios dividiert durch den Hebel des Instruments. Im Falle von Hebelzertifikaten kann zum Beispiel ein Hebel von ca. 10 gewählt werden. Sind 50.000 Euro Aktienwert abzusichern, dann wären hier 5.000  zu investieren. Doch Achtung: Die Knock-Out-Schwelle sollte im Auge behalten werden. Auch sollte nach einem größeren Abwärtsschub der Absicherungsgewinn realisiert werden, denn ein kräftiger Rebound kann jederzeit einsetzen. Erst danach kann erneut an Absicherungspositionen gedacht werden. Zuletzt richtig bewährt hat sich diese Strategie in der Finanzkrise 2008/09.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

China treibt Reformen weiter an

Die Auswirkungen der angekündigten US-Zölle auf chinesische Exporte bleiben abzuwarten. Chinas Wirtschaftsreformen bieten indes auch Anlegern interessante Investmentchancen.

Eigentlich hatte das chinesische Jahr des Hundes durchaus beschwingt begonnen. Bis vor wenigen Wochen. Dann verkündete US-Präsident Donald Trump Einfuhrzölle in Höhe von rund 60 Mrd USD auf chinesische Importe – eine martialische Reaktion von China lies dann auch nicht lange auf sich warten.

Zu einer handfesten Auseinandersetzung muss es aber nicht zwangsweise kommen. Alexander Wolf, Senior Emerging Markets Economist bei Aberdeen Standard Investments, meint jedenfalls: „Chinas Reaktion dürfte deutlich von Verhältnismäßigkeit geprägt ausfallen, um eine Eskalation zu vermeiden.“ Bleibt noch die Frage zu den Auswirkungen auf Chinas Wirtschaft. Bislang waren die Prognosen positiv, ein dramatischer Konjunktureinbruch längst vom Tisch.

Zölle sollten Konjunktur kaum dämpfen
Chi Lo
, Senior Economist Greater China bei der BNP Paribas AM Hong Kong, meint, solange die Zölle auf ausgewählte Produkte abzielten, wären die Auswirkungen überschaubar. Sie könnten das Wirtschaftswachstum schlimmstenfalls um 0,1 %-Punkte schmälern. „Dabei kann China Exportrückgänge in die USA locker wettmachen, etwa mit neuen Absatzmärkten entlang der Seidenstraße.“

Insgesamt dürfte Chinas Wirtschaftswachstum heuer leicht auf 6,5 % sinken. „Das liegt vor allem daran, dass die Regierung das Schuldenniveau reduzieren möchte“, erklärt der BNP-Experte. Zugleich werde aber eine weitere Entwicklung von vielen Experten unterschätzt, meint Lo: „Chinas Industrialisierung verlagert sich zunehmend ins Inland, damit in ärmere Regionen.“ Das verhelfe den Menschen dort zu mehr Einkommen, „sie kurbeln damit den Konsum an“.

China-Fonds als Investmentchance
Interessierte Anleger können breit gestreut etwa mittels Fonds auf China setzen. Zu den langjährigen Topperformern zählt laut Morningstar der „Janus Henderson Horizon China Fund“ (ISIN: LU05729 44774). May Ling Wee, Co-Manager für chinesische Aktien-Stategien, setzt dabei den aktuellen Schwerpunkt auf Konsumtitel, wie sie im Gespräch mit dem Börsen-Kurier erklärt: „Das Einkommen steigt, die Konsumenten werden anspruchsvoller.“ Und die Shopping-Palette ist durchaus umfangreich, sie reicht von Autos und Reisen bis hin zu Ausgaben für die Gesundheit und Internetdiensten. Im Industriebereich verweist Wee auf steigende Cashflows und sinkende Schulden bei den Unternehmen. Das sei ein Grund, weshalb sie unter anderem auf ausgewählte, gut geführte Banken setze.

Der „UBS (Lux) Equity Fund – China Opportunity“ (LU0067 412154) kann sich ebenfalls gut behaupten. Auch hier findet das Fondsmanagement derzeit Gefallen vor allem am Nicht-Basiskonsum sowie am Gesundheitssektor. Etwas zurückhaltend ist man hingegen bei Finanzdienstleistungen, Telekommunikation und Energie.

Mit dem „DB X-Trackers CSI 300“ (LU0779800910) setzt man auf die 300 größten Aktien aus dem A-Aktien-Universum. Grundsätzlich haben Unternehmen auf den Festland-Börsen einen starken Fokus auf den Binnenmarkt. Und mit dem „Vontobel-China-Policy-Performance Indexzertifikat“ (DE000VZ60CP6) setzt man auf 22 Unternehmen, die von aktuellen Reformen profitieren könnten. Der Schwerpunkt liegt auf der Urbanisierung sowie dem Immobilien- und Finanzsektor.

Autor: Mag. Raja Korinek (redaktion@boersen-kurier.at)

Schönheit muss leiden

Klebstoffe stark, Körperpflege eher durchwachsen. Der Konsumkonzern aus Düsseldorf ist auf der Suche nach neuen Wachstumsquellen. Weil die Risiken auf dem aktuellen Kursniveau eingepreist sind, bietet das aktuelle Kursniveau Einstiegschancen für Antizykliker.

Hans van Beylen stapelt tief. Auch in diesem Jahr, so der Firmenchef von Henkel (ISIN: DE0006048432) auf der Hauptversammlung am 9. April, müsse sich der Konsumkonzern auf harte Preiskämpfe bei Waschmitteln und Kosmetik einstellen. Entwarnung gab van Beylen den Aktionären in einem anderen Punkt. In Nordamerika, wo Henkel 2017 immerhin 26 % seines Gesamtumsatzes von 20 Mrd Euro erzielte, wird sich im Laufe des zweiten Quartals die Lieferkette „wieder normalisieren“. Weil in Nordamerika Lagernetz und Lieferketten umgestellt werden, so Henkel bei der Präsentation der Geschäftszahlen für 2017, wird das Wachsmittel- und Kosmetikgeschäft im ersten Quartal ein negatives organisches Wachstum ausweisen.

Diese Ankündigung hatte den Aktienkurs im März erneut auf Tauchstation geschickt. Seit dem Allzeithoch vom Juni 2017 hat die Aktie rund 17 % an Wert verloren und befindet sich immer noch in einem charttechnischen Abwärtstrend. Die Investoren stören sich vor allem an der Kosmetik- und Waschmittelsparte mit ihren Topmarken Persil, Schwarzkopf und Fa. Mit einer operativen Marge von 13,8 % sind sie das Schlusslicht im Konzern.

Während das Friseurgeschäft gut läuft, schleppt sich das Massengeschäft dahin. Forderungen einzelner Aktionärsvertreter auf der Hauptversammlung, das Konsumentengeschäft abzustoßen, erteilte das Management jedoch eine Absage. Am wahrscheinlichsten ist, dass Henkel weiter zukauft. 3 Mrd Euro will der Konzern mit Hauptsitz in Düsseldorf dafür bis 2020 in die Hand nehmen.

Wer jetzt antizyklisch auf eine Trendwende setzt, baut auf dem aktuellen Kursniveau erste Positionen auf und hat dabei vor allem die zweite Konzernsparte im Blick. Die Hälfte von Umsatz und Gewinn entfallen auf Klebstoffe, die sich zuletzt stark entwickelten. Das breite Sortiment an Industrieklebstoffen beinhaltet auch Hochleistungskleber, wie sie zunehmend auch bei Leichtbaumaterialien in der Autoindustrie verwendet werden.

Für die Zahlen zum Auftaktquartal 2018, die Henkel am 9. Mai vorlegen wird, gehen Branchenexperten von einer verhaltenen Umsatz- und Gewinnentwicklung aus. Diese Entwicklung ist im Kurs eingepreist. Wichtiger wird der Ausblick. Hier hat Henkel zuletzt die bisherigen Prognosen bekräftigt – und die gehen für das Gesamtjahr von einem Umsatzwachstum von 2 bis 4 % aus. Das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie soll 2018 um 5 bis 8 % zulegen. Mit dem 16-fachen des für 2019 erwarteten Gewinns je Aktie ist die Henkel Aktie deutlich günstiger bewertet als der DAX-Wettbewerber Beiersdorf  (DE00052 00000), der hier – bei einem doppelt so hohen erwarteten Gewinnwachstum – auf 25 kommt.
Das Nachholpotenzial und die höhere Dividende sprechen zurzeit für einen Einstieg bei Henkel.

Autor: Stefan Riedel, München  (redaktion@boersen-kurier.at)

Der Handelskrieg zwischen USA und China: Ein unwahrscheinliches Szenario

Trump bellt lauter als er beißt: Trotz jüngster Meldungen ist ein Handelskrieg auf breiter Front zwischen den USA und China unwahrscheinlich. Zwar beobachten wir derzeit viel protektionistische Rhetorik, aber letztlich dürfte sich ein vernünftiges Handelsabkommen zwischen beiden Ländern durchsetzen. (04.04.)

Die von der Trump-Administration veranschlagten Zölle im Wert von 60 Milliarden US-Dollar auf chinesische Importe und die darauffolgende Retourkutsche Chinas gegenüber US-Produkten haben viele Investoren aufgeschreckt. Trotzdem halten wir es für eher unwahrscheinlich, dass es zu einem fundamentalen Handelskrieg kommt, der sich für Aktien auf beiden Seiten des Pazifiks deutlich negativ auswirken dürfte.

Mehrfach war zu beobachten, dass bei Trump nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird. Bei zahlreichen Gelegenheiten war zu beobachten, dass die Trump-Regierung mit einer Extremposition in Verhandlungen geht – vermutlich um so viel Handlungsspielraum wie möglich zu haben – und sich letztlich mit dem Gegenüber in der Mitte einigt. Vor ungefähr einem Jahr nahmen Investoren Trump beim Wort und befürchteten das Ende des nordamerikanischen Freihandelsabkommens („NAFTA“). Heute würden wohl die meisten Beobachter zustimmen, dass an dem vierundzwanzig Jahre alten Abkommen höchstwahrscheinlich nur kleine Anpassungen vorgenommen werden.

Tatsächlich sieht es so aus, dass China und die USA mitnichten Handelsfeinde sind. Die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern scheinen weitaus besser zu sein, als es die jüngsten Ankündigungen und die politische Rhetorik vermuten lassen. Wir haben Grund zu dieser Annahme nicht nur aus der Erfahrung aus NAFTA. Hinzu kommt, dass chinesische Vertreter bereits im Vorfeld der Schlagzeilen-Schlacht der letzten Wochen gegenüber den USA und anderen großen Volkswirtschaften mögliche Konzessionen angedeutet haben. Zu Beginn des Jahres brachte Chinas Vizepremier Liu He in Davos ins Spiel, dass sich die chinesische Volkswirtschaft gegenüber Produkten und Dienstleistungen aus Übersee weiter öffnen könnte.

Dies würde auch den Schutz des geistigen Eigentums jener Firmen aus dem Ausland beinhalten. Dieser Aspekt wurde von Chinas Premier Li Keqiang zuletzt noch einmal wiederholt. Es sind solche Entwicklungen, die im sich anbahnenden Konflikt zwischen China und den USA beiden Seiten die Möglichkeit einräumen, das Gesicht zu wahren. Es böte für beide Länder die Chance, die negativen Auswirkungen eines eskalierenden Handelskriegs zu vermeiden.

Zu guter Letzt ist noch Folgendes anzumerken: Wie so oft, wenn es um Donald Trump geht, konzentrieren sich die jüngsten Schlagzeilen zum USA-China-Handelskonflikt auf das Wort-Case-Szenario. Aktieninvestoren sollten es allerdings vermeiden, kurzfristige Entscheidungen zu treffen, wenn es zu negativer Berichterstattung bei globalen Handelsbeziehungen kommt.

Autor: Ross Teverson, Fondsmanager des Jupiter Global Emerging Markets Equity Unconstrained SICAV bei Jupiter Asset Management

Neuer Anlauf für den Kapitalmarkt

Dritter Markt, Erleichterung, Finanzmarktaufsicht, Kapitalmarktbeauftragter – was der Finanzminister der neuen Bundesrgeierung für Börse und Kapitalmarkt vorhat.

Unter dem Motto „Kapitalmarkt reformieren“ hat sich die Regierung unter anderem vorgenommen, den „Dritten Markt“ der Wiener Börse für alle Unternehmen zu öffnen. Finanzminister Hartwig Löger präzisiert gegenüber dem Börsen-Kurier: Dass derzeit am Dritten Markt keine Inhaberaktien zugelassen werden können, sei das Resultat der Kritik der Financial Action Task Force (FATF) und des Global Forum on Transparency and Exchange of Information for Tax Purposes der OECD.

Im Fall einer negativen Beurteilung Österreichs durch diese internationalen Organisationen drohen einschneidende gesamtwirtschaftliche Nachteile. Dass Deutschland schon weiter sei, ist nicht sicher, denn die Konformität der deutschen Aktienrechtsnovelle 2016 wurde von der FATF noch nicht bewertet. Die nächste FATF-Länderprüfung Deutschlands finde 2021 statt. Erst dann könne man mit Sicherheit sagen, ob die Regelung den internationalen Vorgaben entspricht. Die österreichische Regelung der Namensaktien/Inhaberaktien wurde von der FATF als mit den internationalen Standards absolut konform angesehen. Löger: „Die aktienrechtliche Änderung kann von uns angeregt werden, ist aber vom Justizministerium umzusetzen.“ Was jedenfalls kommen soll, sind Erleichterungen im Prospektrecht für KMU. Eine Novelle des Kapitalmarktgesetzes und des Alternativfinanzierungsgesetzes werde derzeit finalisiert und soll in Kürze in Begutachtung gehen. Im Rahmen der EU-Prospektverordnung seien hier wesentliche Erleichterungen durch substanzielle Erhöhung von Schwellenwerten für die Prospektpflicht vorgesehen. „Sowohl Verwaltungsaufwand als auch Kosten der Kapitalaufbringung von KMU werden dadurch gesenkt“, so der ehemalige UNIQA-Manager.

Good News gibt’s auch zum Regierungsprogrammpunkt „Besetzung des Kapitalmarktbeauftragten“: Denn ein weiteres Vorhaben ist „die Einrichtung eines zentralen Ansprechpartners für den Kapitalmarkt noch im ersten Halbjahr 2018“.

Für eine weitergehende Finanzmarktaufsichtsreform liege unter anderem auf EU-Ebene ein Vorschlag zur Reform der European Supervisory Authorities auf dem Tisch. Dieser beinhalte eine Überarbeitung von Organisation und Kompetenzen der europäischen Aufsichtsstruktur. „Die Diskussion des Vorschlags auf europäischer Ebene steht allerdings erst am Anfang.“ Den von mehreren Seiten geäußerten Wunsch nach weniger „Gold Plating“ (also im Austro-Finanzmarktrecht nicht strenger zu sein als EU-Vorgaben) nimmt Löger ernst: „Wir werden die Anliegen hinsichtlich Gold Plating prüfen und gegebenenfalls unter Beachtung von Aufsichts- und Konsumentenschutzinteressen auch Rechtsbereinigungen vornehmen.

“Ob eine Änderung der Regelungen zu den „politisch exponierten Personen“ erforderlich oder möglich ist, könne erst nach Vorliegen des Rundschreibens der FMA zur „Anwendung der Sorgfaltspflichten“ beurteilt werden. Zudem ergeben sich durch die Änderungsrichtlinie zur 4. Geldwäscherichtlinie Anpassungen der europäischen Vorgaben. Mögliche Anpassungen zu den politisch exponierten Personen würden dann mit der Umsetzung dieser Richtlinie erfolgen, die im Juni veröffentlicht werden soll.

Ebenfalls kapitalmarktrelevant: Eine Reform des nationalen Pfandbriefrechts soll dazu dienen, eine einheitliche Rechtsgrundlage für gedeckte Schuldverschreibungen zu schaffen, um dadurch zeitgemäße Refinanzierungsinstrumente zu entwickeln. Das Finanzressort will auf Basis der neuen EU-Vorschläge zur Regulierung von gedeckten Schuldverschreibungen (Covered Bonds) „eine stabilere nationale Rechtsgrundlage“ umsetzen.

Das Gespräch führte Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

Mehr als Uhren und Pharma

Die Turbulenzen der vergangenen Monate haben auch Schweizer Aktien in Mitleidenschaft gezogen. Kein Grund für Anleger, den Kopf in den Sand zu stecken. Die fundamentalen Aussichten sind intakt.

Minus 7 % zwischen Anfang Feber und Ende März: Die Performance des Swiss Market Index gab in letzter Zeit wenig Anlass zur Freude. Im Vergleich zum Anfang Jänner registrierten Allzeithoch von 9.611 Punkten notierte das wichtigste helvetische Börsenbarometer sogar rund 9 % tiefer. Das erhöhte Inflationspotenzial in den USA und der Anstieg der Anleiherenditen forderten ihren Tribut. Hinzu kam die Furcht vor einem weltweiten Handelskrieg.

Gemessen am Swiss Performance Index (SPI), der im vergangenen Jahr knapp 20 %  zulegte, befindet sich die Schweiz seit August 2011 im zweitlängsten Bullenmarkt der Geschichte. Blickt man 30 Jahre zurück, durften sich Anleger in diesem Zeitraum über eine durchschnittliche Rendite von 11,3 % pro Jahr freuen.

Geht es nach den Experten‚ könnte der Zuwachs künftig etwas niedriger ausfallen. „Der aktuelle Finanzmarktzyklus ist weit fortgeschritten und die Geldpolitik wird auf globaler Basis restriktiver“, meint Anastassios Frangulidis, Chefstratege bei Pictet Asset Management Zürich, gegenüber dem Börsen-Kurier. Dies betreffe auch den defensiven Schweizer Aktienmarkt. Damit ist für Frangulidis das Potenzial nach oben nach der Korrektur der vergangenen Wochen zwar vorhanden, aber zugleich limitiert.

Unterstützend wirken die intakten fundamentalen Aussichten, die Konjunktur und die Unternehmensgewinne entwickeln sich weiterhin positiv. Das World Economic Forum kürt die Schweiz bereits seit einigen Jahren nicht nur als wettbewerbsfähigste, sondern auch als innovativste Wirtschaft der Welt. Panagiotis Spiliopoulos, Leiter des Aktienresearch der Bank Vontobel, sieht daher  nur geringe Risiken für einen Bärenmarkt: „Dafür läuft die Wirtschaft zu gut. Eine Rezession als Voraussetzung für tiefere Kurse zeichnet sich nicht ab.“

Chancen für Anleger

Zu den unterbewerteten Titeln zählen Experten zufolge der Baustoffkonzern Lafarge-Holcim (ISIN: CH0012214059), der vom synchronen Aufschwung der Weltwirtschaft profitieren dürfte. Der Kurs des Luxusgüterhersteller Richemont (CH0210483332 ) wiederum spiegelt den Aufwärtstrend im Geschäft mit Uhren und Schmuck in Asien noch nicht vollständig wider, während dem Zahnimplantate-Spezialisten Straumann (CH00122 80076) der Mix aus guter Konjunktur, guten Produkten und geschickter Vermarktung zugutekommen dürfte.
Anleger, die breit gestreut investieren und ihr Portfolio mit dem SMI erweitern möchten, finden im „SMI Index Tracker-Zertifikat“ (DE0008223512) von Deutsche Bank X-markets ein probates Anlagevehikel. Der Börsenseismograph deckt mit den 20 größten börsennotierten Titeln der Schweiz rund 85 % des eidgenössischen Finanzplatzes ab. Die Gewichtungen der größten Titel Nestlé, Novartis und Roche sind bei 18 % gekappt. Als Preisindex misst der SMI nur die reine Aktienkursentwicklung, Dividendenzahlungen und Bezugsrechte werden nicht eingerechnet.

Das „SPI-Zertifikat“ der Basler Kantonalbank auf den Swiss Performance Index (CH0009987501) wiederum zeichnet die Wertentwicklung des neben dem SMI meistbeachteten Aktienindex der Schweiz nach. Die aktuell 208 Gesellschaften im SPI decken fast alle an der SIX Swiss Exchange gehandelten Beteiligungspapiere von Firmen mit Sitz in der Schweiz oder im Fürstentum Liechtenstein ab.

Einen anderen Ansatz verfolgt der „Vontobel Swiss Research Basket“ (DE000VL 4JU82). Das Zertifikat bündelt die mit einer Kaufempfehlung versehenen Schweizer Aktien des gleichnamigen Analysehauses. Zum Universum der Analysten zählen 120 Schweizer Gesellschaften aus dem SPI-Index.

Autor: Christian Euler, Zürich

 

 

Spare in der Zeit, dann hast du in der Not

Der Vorteil einer antizyklischen Politik liegt darin, dass in guten Zeiten die Staatsschulden relativ zum BIP sinken. Dies schafft haushaltspolitischen Spielraum für spätere Rezessionen.

Vor fast einem Jahrzehnt führte ich gemeinsam mit Graciela Kaminsky von der George Washington University und Carlos Végh, der heute der Chefökonom der Weltbank für Lateinamerika und die Karibik ist, eine Studie durch. Dabei untersuchten wir über den größten Teil der Nachkriegszeit hinweg die Haushaltspolitik von mehr als hundert Ländern.

Wir kamen zu dem Ergebnis, dass die Politik der wirtschaftlich hoch entwickelten Länder in dieser Zeit entweder unabhängig vom Geschäftszyklus (azyklisch) oder gegenläufig zu diesem agierte (antizyklisch). Dabei trugen die Regierungsausgaben – neben integrierten Stabilisatoren wie der  Arbeitslosenversicherung – dazu bei, den wirtschaftlichen Zyklus zu stabilisieren. Der Vorteil einer antizyklischen Politik liegt darin, dass in guten Zeiten die Staatsschulden relativ zum BIP sinken. Dies schafft haushaltspolitischen Spielraum für spätere Rezessionen, ohne die langfristige Nachhaltigkeit der Verschuldung zu gefährden.

Wer agiert prozyklisch?

Im Gegensatz dazu war die Haushaltspolitik in den meisten Entwicklungs- und Schwellenländern prozyklisch: Erreichte die Wirtschaft die Vollbeschäftigungsgrenze, stiegen auch die Staatsausgaben. Mit einer solchen Politik sind Länder, wenn wieder schlechte Zeiten kommen, kaum in der Lage, die Wirtschaft zu stimulieren. Stattdessen bereiten sie so den Weg für die gefürchteten Sparmaßnahmen, die dazu neigen, die schlechten Zeiten noch zu verschlimmern.

Griechenland hat nach seiner Aufnahme in die Eurozone überzeugend gezeigt, dass ein Industriestaat ebenso prozyklisch handeln kann wie die Schwellenländer. Während der ein Jahrzehnt andauernden Wohlstandsperiode, in der die Produktion meist ihr Potenzial erreichte, überholten die öffentlichen Ausgaben das Wachstum, und die Staatsschulden gingen durch die Decke. Vielleicht hielten es die Politiker für unnötig, in der Zeit zu sparen, um in der Not zu haben, da sie dachten, dieses Mal sei alles anders als sonst, und der anhaltende Sonnenschein sei zur neuen Normalität geworden.

Die USA auf dem falschen Weg?

Szenenwechsel in die Vereinigten Staaten des Jahres 2018. Nach Ansicht der Ökonomen beweisen die Billionen-Dollar-Defizite dort eindeutig, dass die Haushaltspolitik der USA in die falsche Richtung geht. Eine alternde Gesellschaft sollte Ressourcen für die Zukunft zurücklegen, anstatt alles für sich selbst auszugeben. Natürlich haben Demokratien eine lange Geschichte darin, die gegenwärtigen Wähler auf Kosten zukünftiger Generationen zu verwöhnen, aber die aktuelle fiskale Großzügigkeit kommt zum falschen Zeitpunkt und steht sowohl zum Trend als auch zum Zyklus der US-Volkswirtschaft in Widerspruch. Die meisten Analysten glauben, die USA haben ihr Produktionspotenzial erreicht oder bewegen sich zumindest in der Nähe, und in einer solchen Zeit wirken Haushaltsstimuli ganz klar prozyklisch.

Die momentane Stimulusrunde wurde durch den „American Recovery and Reinvestment Act“ ausgelöst, das Gesetz zur Erholung und Neuinvestition aus dem Jahr 2009. Dabei gehen die Finanzspritzen heute über den tatsächlichen Bedarf hinaus, die Rechnung da-für steigt auf viele Milliarden Dollar, und der wirtschaftliche Nettonutzen dieser Entwicklung bleibt weiterhin fragwürdig. Aber trotz dieser Schwächen bekam das Gesetz die konkrete zyklische Realität einer Arbeitslosenquote von fast 10 % in den Griff. Dass sich bei einer derart hemmungslosen Politik die Arbeitslosenquote gegenläufig zum Haushaltsdefizit bewegt, ist auch zu erwarten.

Die Steuerkürzungen der Reagan-Ära der frühen 1980er fanden zu einer Zeit statt, als sich die Arbeitslosenzahl an ihr Nachkriegsniveau annäherte und die Wirtschaft in einer Rezession steckte. Die US-Notenbank Federal Reserve kämpfte gegen die Inflation und ließ die Zinsen in der Nähe ihrer Rekordstände. Und verglichen mit der heutigen öffentlichen Bruttoverschuldung von 105 % des BIP war die damalige Verschuldung mit 31 % kein Thema.

Die beiden Kernpunkte der seit Dezember aktuellen Haushaltspolitik stehen im Widerspruch zu den grundlegenden antizyklischen Prinzipien. Im Zuge des Gesetzes zur Steuererleichterung und Förderung von Arbeitsplätzen von 2018 wird das Defizit im nächsten Jahr wahrscheinlich eine Billion Dollar überschreiten, obwohl die meisten Ökonomen eine weiter sinkende Arbeitslosenquote erwarten. Beispielsweise glauben die meisten Mitarbeiter der Federal Reserve, in den nächsten drei Jahren werde die Arbeitslosigkeit nur noch leicht über 3,5% liegen, also fast ein Prozentpunkt unterhalb dessen, was sie als ihren natürlichen Wert betrachten.

Diese Prognose überschüssiger Nachfrage spielt eine wichtige Rolle bei der Entscheidung der Fed, ihre Bilanz zu verkleinern und die Zinsen zu erhöhen. Dass sich die Haushalts- und die Geldpolitik in verschiedene Richtungen bewegen, führt unter dem Strich dazu, dass die durch diese Gesetze entstandenen Staatsschulden teurer werden, und zwar so sehr, dass wir dies nicht unterschätzen sollten. Das Zentrum für eine verantwortliche Haushaltsführung prognostiziert, dass die Kreditkosten bald zur am schnellsten wachsenden Haushaltskomponente werden und im Jahr 2028 14 % der Haushaltsmittel beanspruchen.

Natürlich stimmt es, dass das staatliche Steuersystem dringend verbesserungsbedürftig ist, und die Reform des letzten Jahres – insbesondere die Senkung der Körperschaftssteuer – könnte den Effekt haben, langfristig die Produktion zu steigern. Aber auf solche Entwicklungen sollte man sich nicht zu sehr verlassen, und dass die Reform ihre eigenen Kosten wieder erwirtschaftet, ist eher unwahrscheinlich. Eine bessere Strategie wäre es gewesen, gemeinsam mit den teuren steuerpolitischen Änderungen die Kosten zu senken und zu versuchen, die Einnahmen zu erhöhen. Und in diesem Jahr geht die Haushaltspolitik weiter in die falsche Richtung und lässt erwarten, dass die öffentlichen Schulden das Nominaleinkommen innerhalb der nächsten zehn Jahre übersteigen.

Aus der Geschichte lernen

Die Gründe meiner Besorgnis über exzessive Staatsverschuldung reichen weit in die Geschichte zurück – sowohl in Bezug auf meine Forschungsarbeit als auch entlang der Zeitachse der weltweiten wirtschaftlichen Entwicklung. Gemeinsam mit Vincent Reinhart und Kenneth Rogoff untersuchte ich einige fortgeschrittene Volkswirtschaften seit dem Napoleonischen Krieg, und wir fanden heraus, dass Zeiten hoher Schulden mit langen Perioden schwachen Wirtschaftswachstums in Verbindung standen. Und im aktuellen Kontext wird der wirtschaftliche Gegenwind durch die negativen Auswirkungen der Schulden auf das Wachstum noch verstärkt.

Eine alternde US-Bevölkerung führt zu einer geringeren Teilnahme an den Marktaktivitäten. Und gemeinsam mit sinkender Produktivität bedeutet dies, dass die Sozialausgaben einen größeren Anteil des Einkommenskuchens für sich beanspruchen werden. Tatsächlich erwartet das Haushaltsbüro des Kongresses, dass die Ausgaben im Verhältnis zum BIP in den nächsten beiden Jahrzehnten um jeweils
5 %-Punkten steigen.

Ausland als Rettungsring?

Einige Politiker argumentieren, der ausländische Appetit auf US-Staatsanleihen werde Amerika vor wirtschaftlichem Schaden schützen – fast die Hälfte aller ausgegebenen Schuldpapiere im Wert von mehr als 6 BioUSD befinden sich im Ausland. Zwischen 2010 und 2017 summierten sich die Kapitalbilanzüberschüsse, die sich in den Leistungsbilanzdefiziten widerspiegeln, auf etwa 3,3 BioUSD, verglichen mit einer Staatsverschuldung von insgesamt 8 BioUSD.

Aber diese makroökonomischen Effekte hängen von Entscheidungen im Ausland und den marktbereinigenden Schwankungen der Wertpapierpreise ab. Die Politiker wichtiger Schwellenländer häufen US-Staatsanleihen an, weil deren Erträge zwar niedrig sind, aber immer noch höher als diejenigen anderer Industriestaaten. Eine konfrontative Handelspolitik und eine stärkere Abhängigkeit von Staatsschulden könnten bedeuten, dass die Ströme von Waren, Dienstleistungen und Kapital weiter aus dem Gleichgewicht geraten. Ihre momentanen Exzesse erkaufen sich die USA mit dem Versprechen späterer Rückzahlungen, und ineffiziente Stimuli werden den zukünftigen Generationen nicht die Ressourcen verschaffen, die sie für diese Zahlungen brauchen.

Die Autorin: Carmen M. Reinhart ist Professorin für das internationale Finanzsystem an der Kennedy School of Government der Harvard-Universität. Aus dem Englischen von Harald Eckhoff, © Project Syndicate 1995 – 2018

 

 

Fünf Spezialisten fürs Portfolio

Unternehmen in lukrativen Marktnischen überzeugen mit überdurchschnittlichem Gewinnwachstum und hoher Performance. Der Börsen-Kurier zeigt fünf interessante Nischenplayer.

Es müssen nicht immer sogenannte „disruptive“ Technologien sein. Es reicht bereits die Marktführerschaft in einer stabilen, expandierenden Nische, um hohe Margen und kontinuierliches Ertragswachstum zu erzielen.

Ein positives Beispiel ist hier der führende Haushaltsroboter-Hersteller iRobot (ISIN: US4627261005), dessen Staubsaugerroboter Wohnungen kartographieren können, was Vorteile für smarte Klimaanlagen oder Beleuchtungen in punkto Raumorientierung hätte. In den USA liegt der Marktanteil bei Staubsauger-Robotern bereits bei mehr als 80 % und 2017 kauften erst die frühen Anwender diese Produkte, woraus enorme Wachstumspotenziale resultieren. 2018 erwartet das Management ein Umsatzwachstum um 19 bis 22 % auf 1.050 bis 1.080 MioUSD und der Gewinn/Aktie sollte von 1,77 auf 2,10 bis 2,35 USD steigen. Von 2013 bis 2017 stieg der Gewinn/Aktie um 17,1 % p.a., weshalb das für 2019 geschätzte Forward-KGV von 22,8 (Kurs 69,87 USD) noch weitere Kursanstiege zulässt. Die iRobot-Aktie liegt auf 3-Jahres-Sicht ca. 114 % im Plus.

Als deutsches Unternehmen der weltweit größte Anbieter unter den unabhängigen Schmiermittelherstellern ist Fuchs Petrolub (DE000579 0430). Das Familienunternehmen zählt unter anderem Automobilzulieferer, Maschinenbauer, Firmen der Metallverarbeitung sowie der Luft- und Raumfahrt zu seinen Kunden. Von 2012 bis 2016 wuchsen der freie Cash Flow (vor Akquisitionen) und der Gewinn/Aktie um jeweils 9,8 bzw. 6,4 % p.a. und die Stammaktie liegt auf 5-Jahres-Sicht 54 % im Plus. Die Aktie ist mit einem geschätzten Forward-KGV 2019 von 20,8 bewertet, bietet aber kontinuierliches Dividendenwachstum.

Im wachsenden Cyber-Security-Markt eines der renommiertesten Unternehmen ist die israelische Check Point Software Technologies (IL0010824113). Das Unternehmen schützt als führender Anbieter von Firewalls und Virtual-Private-Network-Lösungen Firmen vor Cyberattacken und zählt mehr als 100.000 Organisationen zu seinen Kunden. Der Aktienkurs hat sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt und der Gewinn pro Aktie stieg von 2013 bis 2017 um 11,2 % p.a, weshalb ein für 2019 geschätztes Forward KGV von 16,7 (Quelle: Reuters) günstig erscheint.

Zukünftig über Potenzial verfügt auch der bedeutende Industrie-Roboter-Spezialist Fanuc (JP3802400 006). Mit mehr als 100 Modellen bietet FANUC das weltweit größte Sortiment an Robotern für verschie­dens­te Applikationen und Branchen. Das japanische Unternehmen sollte besonders stark von der zunehmenden Digitalisierung der Industrieproduktion profitieren. Angesichts der Wachstumsaussichten ist ein Forward-KGV 2018/19 von 25,6 akzeptabel.

Ebenfalls in einer interessanten Nische ist die Straumann Group (CH0012280076) aus der Schweiz, ein weltweit führender Anbieter von Zahnersatz und kieferorthopädischen Lösungen, tätig. 2017 erwarb das Unternehmen eine Reihe innovativer Firmen und Beteiligungen. Die Produktpalette wurde ausgeweitet und der Umsatz stieg um 21 % auf 1.112 MioCHF. Die Betriebsmarge verbesserte sich von 24,8 auf 25,5 % und der Gewinn/Aktie stieg um 20 %. Der Aktienkurs stieg an der Schweizer Börse in den vergangenen fünf Jahren um 370 %. Von 2013 bis 2017 wuchs der Cash Flow 9,4 % p.a., während der Gewinn/Aktie sogar von 6,55 auf 17,61 CHF ausgeweitet werden konnte. Daher sollte das geschätzte Forward-KGV 2019 von rund 30 niemanden erschrecken. Nach einer zwischenzeitlichen Kurskorrektur bestehen weitere Gewinnchancen.

Autor: Michael Kordovsky  (redaktion@boersen-kurier.at)

Lukratives Erfolgsrezept

Biotechfirmen sind die Pioniere bei immer mehr bahnbrechenden Therapien in der Medikamentenentwicklung. Anleger erzielen die beste Rendite, wenn sie ihr Investment auf ein breites Portfolio von wachstumsstarken Firmen streuen.

Vertex Pharma (ISIN: US92532F 1003) etwa ist optimal in das Jahr 2018 gestartet. Die US-Biotechfirma hat im Feber die US-Zulassung für das Medikament Symdeco zur Behandlung von Mukoviszidose erhalten. Vertex kann damit die dritte Arznei zur Behandlung dieser genetisch bedingten Stoffwechselerkrankung verkaufen, die unbehandelt zu einer verkürzten Lebenserwartung führt. Erhält eine Kombination aus drei Wirkstoffen 2019 grünes Licht, erreicht Vertex mit seinem Produktangebot 90 % aller Patienten weltweit. Der Aktienkurs von Vertex hat auf Jahresfrist um 80 % zugelegt.

Zahlreiche Kurstreiber, gute Kaufkurse

Vertex ist ein Beispiel für eine neue die Generation von Biotechunternehmen, die mit neuen marktreifen Therapieansätzen den Sprung in die schwarzen Zahlen geschafft haben.

Zu den Bereichen mit dem größten medizinischen Bedarf zählen Krebserkrankungen, seltene erblich bedingte Krankheiten (Orphan Diseases) sowie Stoffwechsel- und Nervenerkrankungen. Genau in diesen Indikationen ist auch der Großteil der Portfoliofirmen unterwegs, die das Portfolio der Schweizer Beteiligungsgesellschaft BB Biotech (CH0038 389992) bilden. „Wir gehen dorthin, wo wir Innovationen sehen und wo neue Medikamente die Märkte entwickeln können“, umreißt Daniel Koller, Leiter des Portfolio Teams von BB Biotech, die Anlagestrategie. Ein neues spannendes Feld ist die Antisense-Technologie. Diese verhindert bei zahlreichen Orphan Diseases die Produktion von krankheitsauslösenden Proteinen, indem sie deren genetische Codes steuert. Mit den klinischen Fortschritten hat BB Biotech die Firmenbeteiligungen im Antisensebereich kontinuierlich auf aktuell 15 % des Portfolios ausgebaut. Ionis Pharma (US 4622221004) ist mit 11 % die am höchsten gewichtete Firma im Portfolio überhaupt.

In der Krebsmedizin haben zuletzt einige Produkte in der Immunonkologie den Sprung auf den Markt geschafft. Dabei wird das körpereigene Immunsystem aktiviert, Tumorzellen zu erkennen und auszuschalten. Hier brachte 2017 den Durchbruch in der genannten CAR-T-Therapie. Dabei werden aus dem Blut von Patienten entnommene Immunzellen gentechnisch so verändert, dass sie spezifische Proteinteile auf Krebszellen erkennen und dann die Tumore zerstören. Das Medikament Kymriah von Novartis (CH001 2005267) erhielt im September 2017 die Zulassung zur Behandlung einer Leukämieform, gefolgt von Yescarta im November gegen Lymphzellenkrebs. Yescarta wird vom Biotechunternehmen Gilead Sciences (US375558 1036) vermarktet. Entwickelt wurde Yescarta von Kite Pharma. Diese Firma wurde letztes Jahr von Gilead Sciences übernommen. An beiden Firmen hat sich BB Biotech frühzeitig beteiligt. Mit Juno Therapeutics (US4622221004) steht eine weitere Portfoliofirma von BB Biotech vor der nächsten Zulassung einer CAR-T-Therapie. Kostenpunkt für die Behandlung: 475.000 USD für Kymriah und 373.000 USD für Yescarta – pro Patient und Jahr wohlgemerkt. Wegen des hohen medizinischen Nutzens werden diese neuen Produkte bei der Preissetzung kaum Einschränkungen durch größere Kostenschnitte durch das Gesundheitssystem unterliegen.

Anlegern bieten sich zurzeit gute Kaufkurse. Das durchschnittliche 2019er KGV aller großkapitalisierten Biotechs liegt mit 12 weit unter den 17 des marktbreiten S&P 500. Dabei würde das zweistellige Gewinnwachstum, das für die Branche aufgrund der Neuzulassungen für die nächsten Jahre erwartet wird, weit höhere Bewertungen rechtfertigen.

Investments breit streuen

Das Beteiligungsportfolio  von BB Biotech bietet mit seiner Mischung aus etablierten wachstumsstarken Branchengrößen und Nebenwerten mit Überfliegerpotenzial ein überdurchschnittlich gutes Rendite-Risiko-Profil. Anders als Anlagefonds sind öffentliche Beteiligungsgesellschaften als Aktien an der Börse notiert. Investoren können sich somit die unterschiedlichen Preisbildungen innerhalb eines Börsentags zunutze machen. Dazu ist das Portfolio-Management von BB Biotech an keine Einschränkungen gebunden, was die Gewichtung angeht. Einzelne Positionen, wie aktuell Ionis Pharma, können die Schwelle von 10 % überschreiten, welche für Investmentfonds in der Regel als Obergrenze gilt. Eine weitere Eigenheit bei BB Biotech ist die Ausschüttungspolitik: Anlegern soll über eine Dividende eine jährliche Rendite von 5 % sicher zukommen. Auch die Performance spricht für sich. Während der Nasdaq Biotechnology Index als Leitindex der Branche 2017 um 16,4 % zulegte, schloss
BB Biotech das Jahr mit einem Performance-Plus von 23 % ab.                                     

Autor: Stefan Riedl, München  (redaktion@boersen-kurier.at)

Professionelles Portfoliomanagement für das kleine Geldbörserl

Während Mischfonds früher starre Richtlinien hatten, können moderne Multi-Asset-Portfolios ein breites Spektrum nutzen, das man bei Allianz Global Investors nun auch auf Themen erweitert hat.

Die meisten Privatanleger werden die Situation wohl allzu gut kennen: Die Frage nach dem richtigen Einstieg an den Börsen. Dabei ist das Timing genauso schwierig, wie auch die Entscheidung über die Aufteilung auf verschiedene Anlageklassen.

Genau hier kommen Multi-Asset-Fonds, wie Mischfonds immer öfters genannt werden, ins Spiel. Hier überlässt man dem Management die Aufteilung auf unterschiedliche Anlageklassen, womit auch gleich das Risiko möglichst gestreut werden soll. Freilich, ein Allheilmittel sind die Fonds nicht. Allein in der jüngsten Korrektur verloren sowohl Aktien als auch Anleihen an Wert, selbst der Ölpreis rasselte nach unten. Und das bekommen dann auch breit gestreute Portfolios zu spüren.

Finanzkrise verstärkte die Nachfrage

Doch grundsätzlich kann ein gut verwalteter Mischfonds durchaus interessant sein. Laut einer jüngsten Auswertung des Datenanbieters Morningstar haben allein im Vorjahr global anlegende Mischfonds auf Eurobasis in der Kategorie „Cautious Allocation“ – also mit einer sehr vorsichtigen Ausrichtung – im Schnitt 2,11 % zugelegt. Jene mit einer „Moderate Allocation“ erzielten im Durchschnitt ein Plus von 4,45 %. Und die offensivste Variante „Flexible Allocation“ erzielte im Schnitt einen Wertzuwachs von 5,06 %.

Dabei hatte ausgerechnet die Finanzkrise von 2008 das Interesse an Mischfonds angeheizt. „Gerade in einer Krise steht die Diversifikation und das Risikomanagement bei vielen Anlegern verstärkt im Vordergrund“, meint Ingo Mainert, Chief Investment Officer für Multi Asset Europe bei Allianz Global Investors (AllianzGI).

An einen Stillstand denken die Experten aber noch lange nicht. Schließlich würden Mischfonds nicht nur die Chance bieten, möglichst viele Anlageklassen abzudecken, betont Mainert. „Wir haben inzwischen eine weitere Dimension eingebracht, nämlich den Fokus auf ausgewählte Themen“, so  der AllianzGI-Experte gegenüber dem Börsen-Kurier, für den damit die Vorteile auf der Hand liegen: „So kann man noch breiter und tiefer gehend diversifizieren.“

Streuung auf sechs verschiedene Themen

Umgesetzt wird dieser Investmentansatz im neu aufgelegten „Allianz Global Fundamental Strategy“ (ISIN: LU1723484 678). Dabei setzt der Fonds die Hausmeinung von AllianzGI um – und investiert in sechs verschiedene Themen. Dazu zählt etwa die „Disruption“. Schließlich gibt es einige neue Technologien wie den Online-Handel oder das fahrerlose Autofahren, die in vielen Bereichen für einen Umbruch sorgen.

Auch das Thema „Einkommen“ wird abgedeckt, denn längst lässt sich mit Staatsanleihen aus den Industrienationen keine Rendite mehr lukrieren. Als Alternative wird unter anderem etwa auf Bonds aus den Schwellenländern, etwa aus Argentinien, Brasilien, Indien, Indonesien zugegriffen. Und damit wird auch schnell klar: Neue Themen gibt es sowohl im Aktien- als auch im Anleihebereich.

Der Fonds fällt im Übrigen in die Morningstar-Kategorie „Mischfonds Euro Flexibel – Global“. Auf zehn Jahre kann sich hier der „Flossbach von Storch – Multiple Opportunities II“ (LU0952573482) mit einer jährlichen Wertentwicklung von 9,33 % am besten behaupten. Derzeit ist rund die Hälfte in Aktien investiert, gut 8 % in Renten, und weitere rund 9 % indirekt in Gold.

Autor: Mag. Raja Korinek  (redaktion@boersen-kurier.at)

Wenig Schmutz – viel Rendite

Anleger, die bei ihren Aktieninvestments auf den CO2-Fußabdruck achten, leisten einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Zukunft. Den Renditeaussichten schadet das auch nicht.

Indem man darauf achtet, mit seinen Aktivitäten einen möglichst geringen CO2-Fußabdruck zu hinterlassen, kann bekanntlich jeder – egal ob Privatperson, Unternehmen, Organisation oder Staat – einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigeren Zukunft leisten. Auch beim Investieren ist das möglich – vor allem dank Initiativen wie dem Montréal Carbon Pledge. Das Abkommen wurde 2014 ins Leben gerufen mit dem Ziel, höhere Transparenz bezüglich des CO2-Fußabdrucks von Aktienportfolios zu schaffen, um langfristig auch zu dessen Verringerung beizutragen.

Mehr Regularien

Dass es nicht nur mit Hinblick auf ein „grünes“ Gewissen Sinn macht, den CO2-Fußabdruck im Auge zu behalten, sondern auch den Anlageerfolg alles andere als negativ beeinflusst, steht für die Experten der Erste Asset Management (EAM) außer Frage. „Wenn man Unternehmen derselben Branche vergleicht und andere Kriterien unberücksichtigt lässt, kann man davon ausgehen, dass jenes Unternehmen mit einer geringeren CO2-Intensität ein höheres Renditepotenzial aufweist“, erklärt Walter Hatak, ESG-Analyst bei der EAM gegenüber dem Börsen-Kurier.

Wieso ist das der Fall? Laut Hatak spielen hier zwei Faktoren eine Rolle: Einerseits würden bei einer möglichen künftigen höheren Besteuerung des CO2-Ausstoßes weniger Kosten anfallen, da auch weniger Adaptierungen – sprich Inves­titionen – notwendig wären. Dazu komme, dass diese Information bei einer traditionellen Unternehmensbewertung im Unternehmenswert höchstwahrscheinlich noch nicht eingepreist sei. Eines steht jedenfalls fest: Die Bedeutung des CO2-Ausstoßes von Unternehmen dürfte in Zukunft infolge strengerer Regularien zur Einhaltung des Pariser Klimaabkommens nicht gerade abnehmen.

Die EAM hat Anfang Feber jedenfalls bereits zum dritten Mal den CO2-Fußabdruck ihrer Publikumsfonds veröffentlicht. Dazu hat sie sich als Unterzeichnerin des Montréal Carbon Pledge letztlich auch verpflichtet. Im Übrigen haben auch andere heimische Finanzplayer das Abkommen unterschrieben. Dazu gehören unter anderem die Kepler-Fonds KAG und die VBV Vorsorgekasse.

Das EAM-Ergebnis in aller Kürze:
Die durchschnittliche CO2-Intensität der hauseigenen Aktienfonds konnte im Vergleich zu 2016 von
77,4 auf 61,8 % verringert werden. „Unsere Detailauswertung zeigt, dass dieses Ergebnis vor allem auf die hohe Unternehmensqualität in den CO2-intensivsten Branchen zurückzuführen ist“, so Gerold Permoser, CIO der EAM. Noch geringer ist – wenig überraschend – mit fast 46 % die CO2-Intensität der nachhaltigen EAM-Produktfamilie. Besonders positiv fällt hier der Erste Responsible Stock America mit 38,1 % auf.

Größter CO2-Fußabdruck: Versorger

Wenig überraschend stammen die mit Abstand höchsten Emissionen (im Verhältnis zum Umsatz) auf globaler Ebene von Versorgungsunternehmen, gefolgt vom Baustoffsektor sowie der Energiebranche.

Allerdings legt man bei der EAM Wert auf die Feststellung, dass der niedrige CO2-Fußabdruck ihrer Aktienportfolios weniger aus der Über- oder Untergewichtung einer Branche resultiert, sondern in erster Linie aus der Einzeltitelauswahl. So oder so steht fest: langfristig orientierte Anleger sollten den CO2-Fußabdruck ihrer Aktieninvestments im Auge behalten – und zwar sowohl aus Nachhaltigkeits- als auch aus Renditeüberlegungen.

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

Die Banken und Versicherungen werden „durchgerüttelt“

Wir haben einen „Cocktail aus überhitzten Finanzmärkten und populistischen Politikern, die den Status quo erhalten wollen“.

So kritisch ist die Lageeinschätzung von Gerald Hörhan, bekannt als „Investmentpunk“, der sich gerne gegen  Traditionen und Konventionen widersetzt. Der Harvard-Absolvent, Investor und Gründer der „Investmentpunk Academy“ stand beim „Dialog Finanzmärkte 4.0“ in der ARS Akademie für Recht, Steuern und Wirtschaft Rede und Antwort. Ausgangsfrage war: „Fintech Startups, Blockchain Technologie und Künstliche Intelligenz: Sind klassische Banker und Finanzdienstleister bald Geschichte?“
Der Börsen-Kurier war bei der Diskussion dabei.

Strukturwandel

Hörhan hat mit der analogen Finanzwirtschaft wenig am Hut: Die Märkte für Aktien, Anleihen und Immobilien seien „aufgeblasen“, weil Geld „nichts kostet“ und unser Geldsystem „inflationiert“ ist. Er setzt voll auf die digitale Ökonomie in der Finanzwelt: „Die heutigen Kinder haben mehr Social-Media-Kontakte als ihre Väter in den Banken und Versicherungen.“ Diese seien heute in einem massiven „Strukturwandel“, aber würden nicht einmal prüfen, was sich auf Instagram und
Snapchat tut. Dabei könne man in der digitalen Ökonomie zwanzigmal mehr Umsatz machen, ohne dafür zwanzigmal mehr Kosten zu haben. Der verdopple sich durch die Automatisierung nur, sodass der Cashflow exponentiell steige. Dadurch sei ein zweihundertfacher Unternehmenswert möglich.

Winner takes all

Der „Investmentpunk“ warnt auch vor der neuen Marktaufteilung: „In der digitalen Wirtschaft gilt das ,Olympia-Prinzip’: The Winner takes it all“: In der digitalen Welt teilen sich bestenfalls drei Gewinner die Marktanteile, denn fast alle Kunden wollen ja „auf der größten Plattform“ sein. Facebook, Amazon und Co seien die Monopole und Multi-Oligopole der digitalen Ökonomie. Das Prinzip werde auch Vermögens- & Finanzberater und Makler massiv betreffen, „denn „The winner takes it all“ macht vor niemandem halt“.

Umbruch

Aber Hörhan gibt auch Perspektive: Die Finanzbranche sei zwar sehr bürokratisch und mit alten IT-Systemen unterwegs. Gerade deshalb sei „das Banken- und Versicherungsgeschäft eine der lohnendsten Branchen zur Digitalisierung“. Denn die Branche sei wegen ihrer Auflagen und Überbürokratisierung „hervorragend geeignet“, dass Computer die Routinen und bürokratischen Prozesse übernehmen und die Compliance-Anforderungen besser erfüllen. So würden die Banken und Versicherungen „am heftigsten durchgerüttelt“ werden. „In zehn Jahren werden 50 bis 80 % der derzeitigen Banken und Versicherungen nicht mehr existieren.“ Begründung des Investmentpunk: Die Finanzhäuser hätten ja schon heute – in einer Nullzinswelt – mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, obwohl die Konjunktur boomt. Was passiert erst, wenn es nicht mehr boomt …? Statt „Molochen“ mit langen, bürokratischen, undurchschaubaren Entscheidungs- und Abwicklungsprozessen werden sich „kleine flexible Player“ durchsetzen. So werde man bald über Crowdfunding besicherte Kredite bekommen – und zwar schneller als über Banken.

Warnungen und alte Werte

Bei den volatilen Kyptowährungen empfiehlt der Investmentpunk traditionell Streuung und warnt vor Hacking, Kursmanipulation, Frontrunning, Insiderhandel, „Trittbrettfahrern“, gierigen selbsternannten „Kryptoberatern“ – und vor allem: „Nicht auf Pump kaufen.“ Außerdem würden auch in der digitalen Welt simple Regeln der Wirtschaft gelten, und das sogar exponentiell. Etwa: Nicht mehr ausgeben als man einnimmt. Die „Mixtur aus schwäbischer Hausfrau und Schweizer Bankdirektor“ sei auch in der digitalen Ökonomie gefragt.

Zweitens, Unternehmen, die sich nicht laufend verbessern, die Mitabeiter-Kreativität nicht fördern, die Innovationsprozesse nicht pushen, werden ihre Geschäftsgrundlage verlieren. Drittens: „Harte Arbeit und Disziplin, um die Welt positiv zu verändern“, das werde künftig „mit Gold oder Bitcoin aufgewogen“.

Hörhans Fazit: Derzeit werde viel zu wenig in Schulen und digitale Bildung investiert, dafür „zu viel in Waffen“. Dabei bräuchten wir „enorme Ressoucen für die digitale Transformation“ „Digitale Ethiker und Data Scientists“ mit viel Verantwortung seien in der automatisierten (Finanz-)Welt massiv gefragt.

Autor: Manfred Kainz  (redaktion@boersen-kurier.at)

Massiver Wandel in Auto-Industrie

Eine neue Studie prüft die Nachhaltigkeit von Autoaktien. Links liegen sollten auch ethisch gesinnte Investoren die Branche nicht.

Der Sektor genießt gemeinhin in Sachen Nachhaltigkeit nicht den besten Ruf: Gilt das Auto bei vielen Menschen doch als „Dreckschleuder“ – noch dazu hat „Dieselgate“ tiefe Schrammen im Lack hinterlassen. Wäre es aus Sicht eines verantwortlich denkenden Investors deshalb nicht besser, hier erst gar nicht zu veranlagen?

Der Börsen-Kurier hat bei der auf Nachhaltigkeit spezialisierten Ratingagentur oekom research nachgefragt, sie hat die Branche gerade in einer Studie (Industry Focus) genau unter die Lupe genommen. Die Antworten liefert Automobil-Experte Reinhold Windorfer: „Seit vielen Jahren steht die Branche im Kreuzfeuer der Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsdebatte. Dadurch haben sich in den Bereichen Produktion, Zulieferer, Mitarbeiter teils hohe Standards entwickelt, die aus Nachhaltigkeitssicht ein Investment sinnvoll machen können. Hier hat sich auch durch die Abgasaffäre nichts geändert.“

Windorfer weiß natürlich, dass „Dieselgate“ und das Aufdecken der jahrelangen Praktiken die ganze Branche in Verruf gebracht hat: „Nichtsdestoweniger sind Mobilität sowie auch der Individualverkehr ein Fakt und notwendig für das Funktionieren von Wirtschaft und Gesellschaft. Gerade deshalb ist es aus Nachhaltigkeitssicht wichtig, die Branche nicht außer Acht  zu lassen, sondern hier aktiv einzugreifen und die Transformation mitzugestalten“, so der Experte.

„Gestalten der Zukunft“

Im Industry Focus wird nun beschrieben, dass der Sektor vor einem „disruptiven“ (also bahnbrechenden) Wandel steht wie kaum eine Branche zuvor: Nachhaltigkeitsaspekte spielen hier eine zentrale Rolle für die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen. Windorfer: „Die Reaktionen der Aktienkurse auf die jeweiligen Enthüllungen um Abgasmanipulationen haben bewiesen, dass mangelnde Nachhaltigkeit auch zum wirtschaftlichen Risikofaktor geworden ist. Wenn man als Investor Nachhaltigkeit als „Gestalten der Zukunft“  begreift, darf man die für den Klimaschutz so zentrale Branche wohl nicht außer Betracht lassen.“ Zusätzlich drängen hier laufend neue Player auf den Markt – wobei Tesla nur das prominenteste Beispiel ist -, so dass man von „der“ Automobilbranche laut Windorfer vielleicht gar nicht mehr sprechen könne.

Der Börsen-Kurier wollte von dem Spezialisten auch wissen, inwiefern neue technologische Entwicklungen den Sektor nachhaltiger machen könnten? „Elektroautos und vorgeschaltete Übergangstechnologien wie Hybrid können eine nachhaltige Energienutzung und Abkehr von fossilen Brennstoffen möglich machen. In Summe betrachtet tragen sie also tatsächlich dazu bei, dass die Branche in dieser Hinsicht nachhaltiger wird. Natürlich muss dabei der Strom-Mix mit betrachtet werden.

Ad absurdum wird Elektromobilität geführt, wenn der Strom aus Kohle kommt“, so der Experte. Kurzfristig bringe Elektromobilität jedenfalls lokale Emissionsentlastung, was in Ballungsräumen (nicht nur in China) zentrales Thema ist. Natürlich stelle sich aber auch die Frage, inwieweit Individualverkehr – unabhängig von der Antriebsform – in Ballungsräumen und Mega-Cities überhaupt noch Sinn ergeben könne. Bei der Elektromobilität gebe es außerdem neue Nachhaltigkeitsaspekte bzw. Risiken: Zu nennen sind laut dem Experten Menschen-/Arbeitsrechte beim Abbau der neuen Rohstoffe (Stichwort seltene Erden); der Energieverbrauch für die Produktion der Batterien oder die Entsorgung derselben.

Inwieweit der Trend zum autonomen Fahren unter Nachhaltigkeitsaspekten eine relevante Rolle spielen kann, muss laut Windorfer noch bewiesen werden.

 

Top-3-Aktien

Ihre Leistung unter Beweis gestellt haben hingegen folgende Unternehmen: Peugeot (ISIN: FR0000121501), Tesla (US88160R1014) und BMW (DE0005190003) wurden unter 33 analysierten Aktien zu den Top-3-Autobauern in Sachen Nachhaltigkeit gekürt.

 

Autor: Mag. Harald Kolerus (redaktion@boersen-kurier.at)

Staatsanleihen zur Absicherung nutzen

Obwohl Anleger auch 2018 mit Aktien mehr verdienen dürften als mit Anleihen, schätzen Experten ausgewählte Anleihensegmente als attraktiv ein.

Das in der vergangenen Woche veröffentlichte Credit Suisse Global Investment Yearbook 2018 bestätigt einmal mehr, was Lesern des Börsen-Kurier wohlbekannt ist: auf längere Sicht sind Anleger mit Aktien am besten dran. Konkret haben globale Aktien seit 1900 Anleihen und Bargeld (Schatzwechsel) um 3,4 bzw. 4,3 % pro Jahr geschlagen. Aber auch Sammlerobjekte (z.B. Kunst) schnitten mit einer jährlichen Preissteigerung von 2,9 % schlechter ab. Und globale Immobilien haben mit einem qualitätsbereinigten realen Wertverlust von 2 % ebenfalls das Nachsehen gegenüber Aktien.

Auch 2018 sollten Aktien Anleihen outperformen. Allerdings erwarten Experten, dass es – nach dem ruhigen Vorjahr – an den Aktienmärkten etwas turbulenter zugehen werde und vor allem die Volatilität ansteigen sollte. Erstmals seit langem werde die wirtschaftliche Überhitzungsgefahr wieder zum Thema, heißt es etwa bei der Deutsche Asset Management. Allerdings müssten sich Aktionäre auch an ein zweites Novum gewöhnen: Im Vergleich mit US-Staatsanleihen würden sich Aktien nicht mehr als vermeintlich alternativlos darstellen.

Tatsächlich liegen die Renditen zweijähriger US-Treasuries mit mehr als 2 % wieder über der durchschnittlichen Dividendenrendite des S&P 500. Allerdings gehen die Experten der Deutsche Asset Management auch nicht davon aus, dass die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen Ende 2018 bei mehr als 3 % und jene zehnjähriger Deutscher Bundesanleihen bei mehr als 1 % liegen würden. Einmal mehr hätten Staatsanleihen aber bei der Korrektur Anfang Feber ihren Status als sicherer Hafen verteidigt. Dementsprechend wären sie weiterhin ein gutes Absicherungsinstrument.

„An den wenig gefragten USD-Anleihemärkten winkt wieder solides Wertpotenzial“, meint auch Stephen Jones, Co-Head Fixed Income bei Kames Capital. Zum ersten Mal seit 2008 wären zweijährige US-Schatzanleihen billiger als die Gesamtinflation in den USA, während fünfjährige US-Treasuries mit 2,6 % gleichauf mit dem US-BIP liegen würden. Die europäischen Märkte wären – gemessen an Inflationsrate und BIP – hingegen zweifellos überbewertet.

Nicholas Gartside, international Chief Investment Officer der Fixed Income, Currency and Commodity Group von J.P. Morgan Asset Management, ist der Ansicht, dass Anleger selektiver vorgehen müssen, wenn sie heuer mit Anleihen erfolgreich sein wollen. Der Hintergrund: Das spätzyklische Umfeld werde eher „idiosynkratischer“ Natur sein, was bedeute, dass einige Werte mit größerem Risiko behaftet wären als andere. „Angesichts der Herausforderungen, die durch das Ende der lockeren Geldpolitik der globalen Notenbanken zu erwarten sind, sollten alle Anleihenmarktsegmente in die Allokation einbezogen werden“, sagt er.  Mit dem von ihm gemanagten „JPMorgan Funds – Global Bond Opportunities Fund“ (ISIN: LU08 67954 264), der auf Einjahressicht ein Plus von 3,82 % vorzuweisen hat, bevorzugt Gartside aktuell Risikoanlagen wie Hochzinsunternehmensanleihen, ausgewählte Lokalwährungsanleihen aus den Schwellenländern und nachrangiges Bankkapital in Europa.

Zu den Favoriten von Theo Holland, Co-Manager des „Kames Emerging Market Bond Opportunities“ (IE00BYNFP378; Performance 2017: 9,5 %) gehören heuer Unternehmens- und Finanzanleihen aus Nigeria sowie Staatsanleihen aus Äthiopien und Senegal. Überzeugt sei er auch von Hochzinssegmenten wie Sri Lanka und der Mongolei, ebenso wie von ausgewählten indonesischen und indischen High-Yield-Unternehmensanleihen.

Autor: Mag. Patrick Baldia  (redaktion@boersen-kurier.at)

Chancen in der Konsolidierungsphase nutzen

Nach einer kräftigen Korrektur an den weltweiten Finanzmärkten sind längere Seitwärtsphasen durchaus möglich. Selbst in diesen Situationen können Anleger mit Inline-Scheinen profitieren.

Wie rasch die jüngste Börsenkorrektur von Anlegern letztendlich verdaut sein wird, das lässt sich freilich kaum einschätzen. Larry Hathaway, Chefökonom bei GAM, meint jedenfalls: „Wir halten es für verfrüht, das Ende der Hausse auf den Aktienmärkten einzuläuten. Das Marktumfeld ist noch immer von einem starken, globalen Wachstum und steigenden Gewinnen geprägt, insbesondere in Europa, den Schwellenländern und in Japan.“ Dies dürfte Hathaway zufolge weitere Kursgewinne unterstützen. Allerdings trete man in eine neue Phase ein, die durch mehr Volatilität und weitere Korrekturen gekennzeichnet sein werde.

Doch einerlei, ob es noch zu einem weiteren Abschwung kommen wird, oder die Hausse sich bald fortsetzt, gibt es dazwischen oftmals erst einmal eine Konsolidierungsphase. Das mag zwar für jene Anleger ärgerlich sein, die bereits neue Trends suchen. Doch es gibt auch Produkte, die von einer Seitwärtsphase profitieren.

Gemeint sind sogenannte Inline-Optionsscheine. Diese gibt es auf unterschiedliche Indizes, einzelne Aktien, Währungen und Commodities. Tatsächlich wird ein Großteil der „Inliner“ – wie sie auch bezeichnet werden – auf die bekanntesten Basiswerte wie etwa dem DAX, dem Währungspaar Euro/Dollar oder Rohstoffe wie Öl und Gold gekauft, meint Stefano Angioni, Zertifikateexperte bei der Société Générale: „Aber auch die DAX30-Aktien sind beliebte Basiswerte.“

Risiken auch verstehen!

Allerdings muss man sich die Funktionsweise dieser Produkte genauer ansehen, um sowohl die Vorteile als auch die Risiken zu verstehen. Schließlich sind Inliner mit einer oberen und unteren Barriere ausgestattet. „Solange der Kurs des Basiswerts zwischen diesen Barrieren liegt, erhält der Anleger am Laufzeitende in der Regel 10 Euro“, führt Anouch Wilhelms von der Commerzbank aus. Wird hingegen eine der beiden Barrieren berührt, bzw. über- oder unterschritten, verfällt der Inliner wertlos.

Damit wird auch schnell klar: Inliner eignen sich für Anleger, die nicht nur von Seitwärtsmärkten ausgehen, sondern auch eine klare Meinung zu der erwarteten Schwankungsbreite des Basiswerts haben, wie Angioni hinzufügt. Auch ließe sich das Risiko eines Totalverlusts begrenzen: „Schließlich können sich Anleger, je nach Auswahl der Barrieren, eher defensiv positionieren.“

Doch was genau ist damit gemeint? Je weiter entfernt die untere und die obere Barriere vom Kurs des Basiswertes beim Kauf entfernt ist, desto geringer ist das Risiko, dass diese während der Laufzeit berührt werden könnten. Allerdings kosten dann auch die Inliner mehr als jene Scheine, bei denen die Barrieren sehr nahe am Kurs des Basiswertes liegen. Und dann bleibt auch zu Laufzeitende von den 10 Euro weniger übrig – sofern das Zertifikat vorher nicht ausgestoppt wird.

Auch die Laufzeit spielt eine wesentliche Rolle. Je länger ein Schein läuft, desto höher ist das Risiko, dass eine der Barrieren tangiert wird. „Die meisten Anleger bevorzugen daher eine Laufzeit von rund drei bis vier Monaten“, resümiert Angioni.

Ein Beispiel ist der Inline-Optionsschein der Commerzbank auf den Euro/Dollar-Wechselkurs (ISIN: DE000CV 7NHK2). Hier liegen die Barrieren bei 1,147 USD und 1,353 USD. Bewertungstag ist der 4. Juli 2018. Auch auf das Rohöl kann man setzen, etwa mit folgendem Inliner der Société Générale (DE000SC3GWU8). Die obere Barriere liegt bei 75 USD, die untere bei 42,5 USD. Der Bewertungstag ist am 8. Juni 2018. Auch auf den DAX kann man beispielsweise mit einem Inliner der Société Générale (DE000SC8SN40) setzen. Hier liegt die obere Barriere bei 13.700 Punkten, die untere Barriere bei 7.100 Punkten. Der Bewertungstag ist am 20. Juli 2018.

Freilich gibt es noch zahlreiche andere Varianten, sowohl bei den Barrieren – aber auch beim Basiswert. Wie viel Risiko Anleger sich dabei zutrauen, das müssen sie allerdings selbst entscheiden.

Autor: Mag. Raja Korinek  (redaktion@boersen-kurier.at)

Staatliche Kryptowährung in Venezuela

Kürzlich verkündete der venezolanische Präsident Nikolás Maduro , dass seine Regierung eine neue, staatliche Kryptowährung namens „Petro“ eingeführt habe. Er behauptete, dass davon bereits Währungseinheiten im Wert von 735 MioUSD verkauft worden seien; allerdings bezweifeln Beobachter diese Zahl.

Die internationale Nachfrage nach Petros wird zudem durch die jüngsten Äußerungen von Warren Buffett und Charlie Munger, den „Orakeln von Omaha“, die nach wie vor Berkshire Hathaway kontrollieren, nicht gerade beflügelt worden sein. Das Urteil Buffetts über Kryptowährungen im Allgemeinen ist vernichtend. „Ich kann fast mit Sicherheit sagen, dass das böse enden wird“, erklärte er im Jänner, und fügte noch hinzu, dass er nur zu gern bereit sei, Verkaufsoptionen für jede einzelne davon zu kaufen. Munger ist, wenn überhaupt, noch kritischer, und hat insbesondere Bitcoin als „völlig hirnrissig“ und als „übles Gift“ bezeichnet.

Natürlich betrachten beide Bitcoin rein als potenzielles Investment. Die staatlichen Behörden haben etwas andere Bedenken. Die Marktregulierer sind am Investorenschutz interessiert und haben begonnen, Warnungen auszusprechen. Und obwohl diese Warnungen bisher verhalten waren, gehe ich davon aus, dass die Regulierungsbehörden angesichts fortgesetzter Preisturbulenzen bald lauter werden dürften. Sie sollten sich außerdem Sorgen über die Möglichkeiten machen, die Kryptowährungen Geldwäschern und Drogenhändlern bieten.

Die Notenbanken freilich haben breiter angelegte Bedenken. Werden Kryptowährungen die traditionelle Rolle der Notenbanken als alleinige Geldlieferanten usurpieren? Hat es ernste Auswirkungen auf die Finanzstabilität, wenn die Notenbanken die Kontrolle über die Schalthebel verlieren, die die Kaufkraft innerhalb der Wirtschaft beeinflussen?

Interessanterweise zeichnen sich eine Reihe unterschiedlicher Antworten auf diese Fragen ab, und die Notenbanken teilen sich dabei in „Falken“ und „Tauben“ auf.

Am falkenartigen Ende des Spektrums sitzen die Chinesen. Im vergangenen Jahr hat die chinesische Volksbank Bitcoin-Börsen geschlossen und ist hart gegen Initial Coin Offerings vorgegangen.

Russland vertritt, nicht überraschend, eine ähnliche Ansicht. Die russische Notenbankchefin Elvira Nabiullina erklärte im Dezember: „Wir legalisieren keine Schneeballsysteme“, und „wir sind absolut gegen privates Geld, egal, ob es in physischer oder virtueller Form vorliegt“.

Es gibt jedoch auch eine Menge Tauben. Die Bank von Kanada hat erklärt, dass die Distributed-Ledger-Technologie, die Bitcoin zugrundeliegt, das Finanzsystem effizienter machen könnte, und sie untersucht derzeit, ob sie zu angemessener Zeit ihre eigene digitale Währung für Einzelhandelstransaktionen ausgeben sollte. Die Bank von England ist in ähnlicher Weise von den sich bietenden Möglichkeiten fasziniert; sie hat Bedenken, dass digitale Währungen ein Risiko für die Finanzstabilität darstellen könnten, von der Hand gewiesen und erklärt, dass die Bitcoin zugrundeliegende Technologie „innerhalb des Finanzsystems viele andere Einsatzmöglichkeiten haben könnte und eine nützliche Plattform sein könnte, um die digitale Währung einer Notenbank zu betreiben.“

Es war daher mutig von Agustín Carstens, dem neuen Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (der Zentralbank der Notenbanken), für eine seiner ersten wichtigen Reden das Thema Bitcoin zu wählen. Würde es Carstens, dem ehemaligen langjährigen Gouverneur der Bank von Mexiko, gelingen, einen goldenen Mittelweg zu finden zwischen „Falken“ und „Tauben“?

Um seinen Argumenten einen Rahmen zu geben, ging Carstens auf die Grundprinzipien zurück und bemühte sich, Geld zu definieren und dann das Ausmaß zu verstehen, in dem digitale Währungen als Geld qualifizieren. Die drei Kriterien, so erinnerte er uns, seien, dass eine Währung als Rechnungseinheit, gemeinsames Zahlungsmittel und Wertspeicher diene.

Es werden kaum oder gar keine Waren in Bitcoin abgerechnet, es wird in Transaktionen sehr selten genutzt, und die Kosten, die dabei entstehen, sind astronomisch. „Während Kryptowährungen vorgeben mögen, Währungen zu sein“, so Carstens’ Schlussfolgerung, „erfüllen sie die grundlegenden Lehrbuchdefinitionen nicht.“ Darüber hinaus würden die neuen Kryptoanlagen ohne „institutionelle Unterstützung, die am besten durch eine Notenbank erbracht wird“, das Vertrauen in den grundlegenden Wert und die Beschaffenheit von Geld gefährden. Carstens hat sich also fest auf die Seite der „Falken“ gestellt.

Als Zugabe bringt Carstens noch einen ökologischen Einwand ins Spiel: Der Strom, der beim Schöpfen von Bitcoin verbraucht wird, entspricht dem Tagesverbrauch Singapurs. Anders als im Falle Singapurs jedoch, dessen Bewohner angesichts des dortigen schwülen Klimas ein Recht auf Klimaanlagen hätten, sei das Ausmaß des Stromverbrauchs beim Schöpfen von Bitcoin sowohl „gesellschaftlich verschwenderisch und ökologisch schädlich“.

Hat Carstens Recht mit seiner Feindseligkeit, oder wird man ihn in ein paar Jahren als eine Art geldpolitischen „König Knut“ betrachten, der in Basel auf seinem gut gepolsterten Bankenthron sitzt und der digitalen Flut den Rückzug befielt? Noch ist es zu früh, das zu beurteilen. Ich vermute, dass der Petro scheitern wird, doch ich bezweifle, dass damit das letzte Wort über digitale Währungen oder die Distributed-Ledger-Technologie gesprochen sein wird – trotz der von China, Russland und den Orakeln von Omaha verhängten Fatwas.

Autor: Howard Davies ist Chairman der Royal Bank of Scotland.
Aus dem Englischen von Jan Doolan, © Project Syndicate 1995 – 2018

Europäische Aktien mit weiterem Aufwärtspotenzial

Die europäische Wirtschaft ist nach wie vor stark und macht auch weiterhin Fortschritte – dieser Meinung ist Robert Lind, Europa-Volkswirt bei Capital Group. (26.02.)

Seiner Ansicht nach hätten diese Tatsache aber viele Investoren erst ansatzweise erkannt. „In den vergangenen Monaten gab es einige beeindruckende Konjunkturdaten, die fast alle überrascht haben“, erklärt der Experte. „Anfang Januar waren die Purchasing Managers Indizes der Industrie spektakulär, zumindest in Deutschland und im Euroraum insgesamt.“

Neuerliche Positivüberraschung 2018 nicht ausgeschlossen

Die Einkaufsmanagerindizes stünden jetzt auf Allzeithochs, und auch die jüngsten Indikatoren der wirtschaftlichen Einschätzung – die Industrie, Einzelhandel, Dienstleistungen und Verbrauchervertrauen zu einer Zahl zusammenfassen – befänden sich nur noch knapp unter den Höchstständen von Mitte der 2000er-Jahre. „Wegen dieser ermutigenden Zahlen könnten wir 2018 eine neue Überraschung sowie noch mehr Wachstum erleben und das noch länger“, so Lind. „Das Bruttoinlandsprodukt des Euroraums könnte in der ersten Jahreshälfte annualisiert durchaus um drei Prozent zulegen.“

Der aktuelle Wachstumsanstieg werde besonders durch die Breite des Aufschwungs getragen. Im vergangenen Jahr habe sich die Lage einiger ins Hintertreffen geratener Länder drastisch verbessert – dabei denkt Lind vor allem an Frankreich und Italien.

Zinserhöhung der EZB erst 2019?

Ein wichtiger Grund für die noch immer sehr niedrigen Zinsen in Europa und weltweit ist Lind zufolge, dass die Europäische Zentralbank (EZB) weiter ein massives Quantitative Easing betreibe. „Die Leitzinsen sind negativ, und die EZB hat ihre Anleihenkäufe in Höhe von 30 Milliarden Euro monatlich mindestens bis September 2018 verlängert. Erstmals könnten die Zinsen dann Ende des Jahres erhöht werden, oder auch erst 2019“, so der Experte.

Mit seiner Kommunikationspolitik habe EZB-Präsident Draghi den auf eine straffere Geldpolitik drängenden Mitgliedern im EZB-Rat die Hände gebunden. „Meiner Ansicht nach arbeitet der EZB-Chef intensiv daran, dass die Geldpolitik so lange wie eben möglich äußerst expansiv bleibt, um den Aufschwung nicht zu gefährden“, sagt Lind. „Die große Frage wird dieses Jahr sein, ob er die Notenbank auf Kurs halten kann, wenn immer mehr Falken auf eine andere Geldpolitik drängen. Angesichts von Draghis enormem Einfluss glaube ich aber, dass die Zinsen 2018 nur langsam steigen.“

Fundamentaldaten rücken in den Fokus

2017 ist der MSCI Europe Index, in US-Dollar gerechnet, um über 25 Prozent gestiegen, in lokaler Währung um rund 13 Prozent. „Weil europäische Aktien bereits stark zugelegt haben, dürften derartige Gewinne dieses Jahr nicht zu wiederholen sein“, so Lind. „Dennoch traue ich europäischen Aktien in diesem positiven Umfeld mit starkem Wachstum und geringer Inflation noch etwas zu.“

In den vergangenen zwölf bis 18 Monaten hätten die europäischen Aktienmärkte auf das günstigere Wirtschaftsumfeld und die abnehmenden politischen Risiken reagiert, wovon auch der Euro profitiert habe. „In den kommenden zwölf bis 18 Monaten könnten vielleicht eher die Fundamentaldaten für Gewinne mit europäischen Aktien sorgen“, so Lind. „Eine weitere Euro-Aufwertung ist dann nicht mehr nötig.“

Was jetzt für US-Aktien noch spricht

Auch wenn sich die Bewertungen über ihrem langjährigen Durchschnitt befinden, sind Experten nach wie vor positiv für US-Aktien gestimmt.

Erkundigt man sich dieser Tage bei Asset Managern nach der aktuellen Asset Allocation im Aktienbereich, so bekommt man überwiegend dieselbe Antwort: Europa und Japan wären gegenüber den USA, die sich ja später im Zyklus befinde und auch höher bewertet sei, übergewichtet. Die Gutmann KAG stellt in diesem Zusammenhang keine Ausnahme dar. „Das heißt aber nicht, dass wir negativ auf die USA eingestellt sind“, sagt Christoph Olbrich, Aktienfondsmanager bei der Gutmann KAG, gegenüber dem Börsen-Kurier. Nachsatz: „Die fundamentalen Rahmenbedingungen sind auch in den USA sehr positiv.“

Tatsächlich ist das fundamentale Umfeld in den USA alles andere als schlecht. „Die US-Wirtschaft befindet sich nach wie vor in der Expan­sionsphase und die meisten Konjunkturindikatoren befinden sich auf einem hohen Niveau“, sagt Andreas Rieger, Manager des „ESPA Stock Global“ (ISIN: AT0000812870). Für 2017 wird etwa ein Gewinnwachstum von 11 % erwartet. Für die darauffolgenden beiden Jahre wird von einem Plus von 19 bzw. 10,5 % ausgegangen. „Ein wesentlicher Faktor ist in diesem Zusammenhang die am ersten Jänner in Kraft getretene Steuerreform, die eine Senkung der Körperschaftssteuer auf 21 % vorsieht“, so Rieger.

Sind US-Aktien tatsächlich so hoch bewertet? Nach einem weiteren starken Jahr des S&P 500 haben die Bewertungen – konkret das KGV auf Basis der Gewinnschätzungen auf Zwölfmonatssicht – im Dezember mit 18,5x ihren Höchststand gesehen. „Nach der Korrektur Anfang Feber sind sie wieder auf aktuell 17x runtergegangen“, hält Rieger fest und verweist im selben Atemzug auf den langjährigen Durchschnitt von 15x. „Die Bewertungen liegen aktuell zwar über ihrem langjährigen Durchschnitt, befinden sich aber nicht im extremen Bereich“, so Olbrich. Konkret liege das durchschnittliche KGV des S&P 500 nach der Korrektur von Anfang Feber wieder auf dem Niveau von 2016.

Wo sehen Experten aktuell Chancen am US-Aktienmarkt? Bei der Gutmann KAG sind im „aktuellen prozyklischen Umfeld“ im „Gutmann US-Portfolio“ (AT0000712625) Einzeltitelfonds unter anderem IT, Finanzwerte und Rohstoffe übergewichtet. Auch Rieger bevorzugt für seinen Wachstumsfonds „wegen steigender Zinsen und Wirtschaftsaufschwung“ generell zyklische Sektoren – konkret neben Financials und Grundstoffen auch Industrie. „Der Techsektor ist im Fonds stark vertreten, weil dort der Fokus unter anderem auf Themen wie Cloud Com­puting, sozialen Medien oder Arti­ficial Intelligence liegt, die allesamt mit starkem Wachstum verbunden sind“, sagt er.

Defensive US-Aktiensektoren wie Versorger, Telekom und Basiskonsum haben jedenfalls – im Übrigen wie üblich in Phasen steigender Zinsen – in den vergangenen sechs bis zwölf Monaten extrem underperformed. Allein seit Jahresbeginn steht ein Minus von 10 % zu Buche. Nichtsdestoweniger ist es für Experten angesichts der guten Makroseite zu früh, um eine Rotation hin zu defensiven Sektoren in Erwägung zu ziehen. Sehr wohl ist allerdings der Telekomsektor im Gutmann-US-Portfolio übergewichtet.

Welche Risiken sollte man aktuell auf dem Radar haben? Das größte Risiko für US-Aktien sehen Experten in der Zinspolitik der Fed. Bekanntlich plant die US-Notenbank heuer drei Zinserhöhungen. „Fallen die Zinserhöhungen restriktiver aus als der Markt erwartet – falls sich etwa die Wirtschaft erhitzt und die Inflation stärker ansteigt als erwartet – könnte sich die Expansionsphase der Wirtschaft dem Ende nähern“, so Rieger. Das erwarte man im Moment allerdings nicht.

Autor: Mag. Patrick Baldia  (redaktion@boersen-kurier.at)

Einzelne Glanzlichter, viele Fragezeichen

Italien – hohe Staatsverschuldung, mangelnde wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit – dem Land droht nach den Parlamentswahlen am 4. März einmal mehr Stillstand. Der Aktienmarkt zeigt sich davon unbeeindruckt und bietet weiterhin ausgesuchte Renditeperlen.

Italiens Schuldenuhr läuft und läuft. Auf 2,3 Bio€ und damit 132 % des BIP belaufen sich die Verbindlichkeiten der drittgrößten Volkswirtschaft in der Eurozone. Um die Reisenden im aktuellen Wahlkampf mit den Fakten zu konfrontieren, hat der Thinktank Bruno Leoni auf den Hauptbahnhöfen von Mailand und Rom den laufenden Schuldenstand auf einer digitalen Tafel installiert – zusammen mit dem Slogan „Jedes Versprechen bedeutet neue Schulden.“

Im Wahlkampf kommt diese Botschaft nicht an. Nahezu alle Parteien versprechen das Blaue vom Himmel: höhere Mindestlöhne, mehr Mindestrente und gleichzeitig weniger Steuern. Silvio Berlusconi, vorbestrafter Ex-Premier und Galionsfigur des in den Meinungsumfragen führenden Mitte-Rechts-Bündnisses, will zugleich den Schuldenstand in den kommenden fünf Jahren um 30 % senken, die Protestbewegung „Fünf Sterne“ in zehn Jahren sogar auf rund 90 % des BIPs. Mit welchen konkreten Maßnahmen dieser Schnitt trotz steigender Ausgaben gelingen soll, darüber schweigen sich die Wahlprogramme aus.

Dabei hat Italiens Wirtschaft strukturelle Reformen dringend nötig. Zwar sorgte die global anziehende Konjunktur 2017 für ein Wirtschaftswachstum von 1,6 %. Das Produktionsniveau in der Industrie ist weiterhin auf dem Niveau vor zwei Jahrzehnten und bei einer Jugendarbeitslosigkeit von 33 % verlassen Hochschulabsolventen und junge qualifizierte Fachkräfte das Land. „Italien ist das einzige Land der Eurozone, dessen Wohlstandsniveau seit Einführung der Gemeinschaftswährung gesunken ist“, sagt Timo Schwietering, Leiter der Kapitalmarktanalyse beim Bankhaus Metzler.

Vor diesem Hintergrund zeichnet sich für die Parlamentswahlen am 4. März noch keine Mehrheit für eine der drei politischen Blöcke ab. Die Finanzmärkte erwarten mehrheitlich zwei Szenarios. Bei einer Patt-Situation mit Neuwahlen würde die bisherige Mitte-Links-Regierung unter dem amtierenden Ministerpräsidenten Paolo Gentiloni die Regierungsgeschäfte weiterführen – möglicherweise unter dem Einschluss von parteiunabhängigen Technokraten. Die andere Variante ist eine große Koalition zwischen gemäßigten Kräften aus dem Berlusconi-Lager und dem Mitte-Links-Block. Ein Wahlsieg der eurokritischen Protestbewegung „Fünf Sterne“ oder eine Regierungsbeteiligung der rechtsradikalen Lega Nord würde dagegen größere Turbulenzen an den europäischen Finanzmärkten auslösen.

Dabei haben italienische Aktien in den vergangenen zwölf Monaten besser abgeschnitten als die meisten ihrer europäischen Pendants. Auslöser waren die wieder anziehenden Unternehmensgewinne. Nach den starken Kursanstiegen ist der Bewertungsabschlag italienischer Titel dahingeschmolzen. „Basierend auf den Gewinnschätzungen für 2018 und 2019 hat der italienische Aktienmarkt ein vergleichbares KGV-Niveau wie der STOXX Europe 600. Die durchschnittlichen Kursgewinne von 17 % sind unter anderem auf die gute Performance von Finanzwerten und Industriegütern zurückzuführen, die von der soliden globalen Konjunktur profitieren“, meint Christian Stocker, Aktienstratege der UniCredit. Unter den Blue Chips, so Stocker weiter, sollen die Aktien der Banken und Industriekonzerne auch in diesem Jahr die größten Kurstreiber innerhalb des FTSE All Share Index bleiben.

Ausgewählte Unternehmen, die über eine starke Marktstellung und solide Bilanzen verfügen, werden unabhängig vom Wahlausgang weiterhin ein solides Gewinnwachstum hinlegen. Aus Anlegersicht interessant sind Europas größter Versorger Enel (ISIN: IT0003128367), der Nobelkarossenhersteller Ferrari (NL0011585146) sowie Prysmian (IT0004176001), die weltweite Nummer Eins unter den Herstellern von Strom- Glasfaser- und Unterseekabeln. Alle drei Firmen sollten im laufenden Geschäftsjahr ihr Gewinnwachstum beschleunigen.

Wer seine Investments breiter streuen will, fährt am besten mit zwei aktiv gemanagten Fonds. Der „Schroder Invest IST Italian Equity“ (LU0067016716) kommt auf Fünfjahresbasis auf eine Rendite von im Schnitt 12,2 % und investiert mindestens ein Fünftel in mittelständische Firmen. Aktuell hat der Fonds Finanzaktien mit 40 % am höchsten gewichtet. Auch im Portfolio des „Fidelity Italy A“ (LU0048584766) ist der Finanzsektor am höchsten gewichtet, gefolgt von Konsumtiteln und Energiekonzernen.

Autor: Stefan Riedel, München (redaktion@boersen-kurier.at)

Hauseigentümer wehren sich

Eigentumsbeschränkungen und Diskriminierung: Das heimische Mietrecht und der Richtwert stehen in massiver Kritik von Betroffenen.

Investieren in Immobilien bringt’s, hört und liest man seit Jahren. Das mag angesichts der Niedrigstzinslandschaft zwar stimmen, aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Einen massiven artikuliert nun der „Verein zur Revitalisierung und architektonischen Aufwertung der Wiener Gründerzeithäuser“. Obmann Kaspar Erath schlägt Alarm: Die Eigentümer von Gründerzeithäusern in der Bundeshauptstadt seien gegenüber anderen Bundesländern mit einer besonders drastischen Mietenregulierung konfrontiert, was umfassende Renovierungen wirtschaftlich sehr schwer bis nahezu unmöglich macht. Konsequenz: Investoren werden abgeschreckt, viele Häuser zerfallen, werden verkauft oder abgerissen und reißen Lücken ins Stadtbild. Das müsse man der Bevölkerung und der Politik aufzeigen, damit diese erkennt, dass gegengesteuert werden müsse.

Wirtschaftlich erhalten Erhard Busek, langjähriger Vizebürgermeister von Wien und erfahrener Kommunal- und Bundespolitiker assistiert: Angesichts des Bevölkerungswachstums und der kulturellen Rolle der Stadt müsse die Politik dafür sorgen, dass historische Bausubstanz erhalten bleibt. Das heißt, dass nicht nur (wie jetzt modern) Dachböden, sondern auch „die Häuser darunter wirtschaftlich erhalten“ werden können. Das brauche „eine neue Qualität des Mietrechts“.

Gewinnanteil

„Jeder will schöne Häuser, aber auch die Kassa muss passen“, formuliert Erath die Forderung der Gründerzeithäusereigentümer. Demgegenüber stehen allein in Wien 170 Schutzzonen, wo die Eigentümer keine Möglichkeit und Freiheit haben, Ertrag zu lukrieren. Und mit den jetzigen Mietzinsrichtwerten sei es generell hart, in den Stockwerken „etwas auf die Beine zu stellen“. Es brauche auch das Verständnis der Mieter, dass der Vermieter ja hohen Aufwand hat und dass ihm auch ein Gewinnanteil zusteht. Bei anderen Dingen des täglichen Bedarfs, etwa bei Lebensmitteln, sie es selbstverständlich, dass die Anbieter einen Gewinnanteil haben. Außerdem würden ja auch die Mieter davon profitieren, wenn das Wohnangebot steigt. Das derzeitige Richtwertsystem helfe hingegen den Mietern auf lange Sicht nicht, im Gegenteil. Denn in Wien werden jährlich rund 5.000 bis 7.000 Wohnungen zu wenig „produziert“ (das heißt, zu wenig gebaut oder saniert und gehen durch Häuserabbrüche verloren), was – zum Nachteil der Mieter – die Mietpreise in die Höhe treibe.

Widerspruch

Anwalt Wolfram Proksch ergänzt, dass allein in Wien 30.000 bis 40.000 Wohnungen bewusst leer stehen. Wenn man diese zumindest aus dem Richtwertsystem heraus nähme und einen „angemessenen“ Mietzins verlangen dürfe, müssten nicht neue Wohnungen im freien Mietzins teuer vermietet werden. Das jetzige Richtwertsystem sei daher „dysfunktional“, schaffe seinen ursprünglichen Anspruch„leistbares Wohnen“ nicht mehr.

Der Istzustand dieses Mietrechts sei auch juristisch äußerst bedenklich. Denn es widerspreche der Eigentumsfreiheit, dem Diskriminierungsverbot, dem Gleichheitsgrundsatz und dem Recht auf gesunde Umwelt. Deshalb habe er im Namen des Vereins Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg gegen das Österreichische Mietrecht und das Wiener Richtwertsystem eingebracht, mit dem Beschwerdeinhalt Eigentumsbeschränkung und Diskriminierung tausender Hauseigentümer durch ein Bundesgesetz. Proksch erwartet, dass der EGMR nachzieht an das Urteil in der Slowakei, nach dem Hauseigentümer einen (Mindest-)Gewinn lukrieren dürfen, wenn
sie die Substanz erhalten möchten.

Das Wiener Richtwertsystem verursache Schaden in Milliardenhöhe durch eine diskriminierende Mietenregulierung und habe noch dazu fatale Folgen durch Abriss und Zerfall sowie umweltpolitisch, da Sanierungen zur Energieffizienzverbesserung erschwert werden. Außerdem sei es städtebaulich und touristisch abträglich, wenn sich das historische Stadtbild sukzessive verschlechtert. Diese Negativspirale müsse gestoppt werden.

Riesenpotenzial

Fazit von Erath: Alle Verantwortungsträger seien daher im Interesse der Mieter, der Eigentümer und des Stadtbildes gefordert, die bestehenden Defizite abzuarbeiten. Allein in den Wiener Altbauten stecke ein Potenzial von 80.000 bis 100.000 neuen Wohnungen. Im neuen Regierungsprogramm gebe es zwar Absichtserklärungen, aber das sei „noch keine gemähte Wiese“. Deshalb sei auch eine Petition an den Wiener Landtag geplant.

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

Comeback der Dividendentitel

Die ATX-Unternehmen haben 2017 um 35 %mehr Dividenden ausgeschüttet als 2016. Ausschließlich an der Höhe der Dividenden sollten sich Anleger aber nicht orientieren, so Experten.

Auch wenn Sorgen um eine Zinserhöhung zuletzt auch dem ATX ihren Stempel aufgedrückt haben, so spricht nach wie vor einiges für österreichische Aktien. Einerseits sollte die gute Konjunktur zu steigenden Unternehmensgewinnen und in weiterer Folge auch zu steigenden Aktienkursen führen. Aber auch der immer noch „sehr hohe“ Spread zwischen ATX-Dividendenrendite (3 %) und den Renditen zehnjähriger österreichischer Bundesanleihen (0,8 %) spricht nach Ansicht von Christoph Schultes, Analyst bei der Erste Group, für die Attraktivität von Aktieninvestments.

Was die Dividendenrendite betrifft, muss der ATX den internationalen Vergleich jedenfalls nicht scheuen: So liegt etwa die DAX-Dividendenrendite bei 2,65 %. „Beim S&P 500 sind es 1,9 %, was auch darauf zurückzuführen ist, dass im US-Leitindex Tech-Werte eine wichtige Rolle spielen“, so Schultes gegenüber dem Börsen-Kurier. Unternehmen wie Apple, Alphabet oder Facebook, die stark in Wachstum investieren, würden in der Regel vergleichsweise geringere Dividenden ausschütten.

Anleger, die in ATX-Aktien investiert sind, konnten sich jedenfalls im Vorjahr über saftige Ausschüttungen freuen. Laut einer Analyse der Oberösterreichischen Nachrichten wurden Dividenden in der Höhe von 2,2 Mrd Euro ausbezahlt, was einem Plus von 35 % gegenüber 2016 entspreche. Stark: Wie Günther Schmitt, Manager des „Raiffeisen Österreich Aktien“, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier erklärt, liegt die durchschnittliche Ausschüttungsquote der ATX-Unternehmen bei 40 %. Und wie Schmitt einräumt, stelle die Dividende für ihn durchaus einen wichtigen Aspekt dar, sei aber nicht der Hauptgrund, wieso er eine Aktie kaufe. „Vielmehr Augenmerk schenke ich den Gewinnzahlen und ob sich daraus ein Kursanstieg ergeben könnte“, so der Experte. Aber auch die jeweilige Marktphase spiele eine Rolle. Dass er etwa in den vergangenen Jahren den Dividenden weniger Beachtung geschenkt habe, sei vor allem auf einen Grund zurückzuführen: die positive Kursentwicklung an der Wiener Börse.

„Angesichts der aktuellen Korrektur und der damit verbundenen größeren Unsicherheit bezüglich der weiteren Börseentwicklung könnten die Dividenden aber wieder wichtiger werden“, meint Schmitt. In schwierigen Marktphasen würden bekanntlich defensivere Aktien, die normalerweise auch höhere Dividenden bieten, stärker in den Fokus der Anleger rücken.

Worauf müssen Anleger beim Dividend-Investing achten? „Um eine hohe Dividende auszahlen zu können, muss sowohl der Cashflow passen als auch die entsprechende Bilanz-Qualität gegeben sein“, so Schultes. Weiters sei zu beachten, dass ein Unternehmen, das eine Dividende ausbezahle, weniger Mittel für Investitionen zur Verfügung stehen habe.

Die uneingeschränkten ATX-Dividenden-Kaiser sind aktuell die Österreichische Post (Dividendenrendite 2018e: 5,4 %) und UNIQA (5,6 %). „Die Post hat sich von Anfang an als Dividenden-Play positioniert und kommuniziert, dass man rund 70 % des Gewinns ausschütten will“, so Schmitt. Aufgrund des zurückgehenden Briefgeschäfts, das von den Zuwächsen im Paketbereich mehr oder weniger kompensiert werde, sei bei der Post insgesamt mit keinem starken Wachstum zu rechnen, weshalb sie den Aktionären auch etwas bieten müsse. Insgesamt sollte man sich jedoch nicht nur an der Höhe der Dividendenrendite orientieren. „Man muss sich auch die Ausschüttungsquote ansehen, also nachprüfen, ob sich das Unternehmen so eine hohe Dividende auch leisten kann.“

Autor: Mag. Patrick Baldia  (redaktion@boersen-kurier.at)

Volatilität spricht für Wandelanleihen

Wandelanleihen, die Zwitterwesen aus Aktien und Anleihen, fristen sowohl unter heimischen börsennotierten Firmen als auch Anlegern ein Schattendasein. Dafür gibt es gute Gründe.

Wandelanleihen spielen in Österreich sowohl unter den börsenotierten Unternehmen als auch unter Privatanlegern eher eine untergeordnete Rolle. Laut Horst Simbürger, Managing Director beim heimischen Wandelanleihenspezialisten Convertinvest, gibt es am Wiener Marktplatz aktuell nur drei nennenswerte Emissionen – und zwar zwei der Immofinanz und eine der CA Immo. Dazu komme noch eine Wandelanleihe der an der Schweizer Börse notierten ams, die im vergangenen September sehr erfolgreich platziert wurde.

Vorteile für Firmen und Anleger

Worauf ist dieses Schattendasein zurückzuführen? „Österreichische börsennotierte Firmen finanzieren ihre Wachstumsinvestitionen in der Regel entweder über Kapitalerhöhungen oder über Bankkredite“, nennt Simbürger im Gespräch mit dem Börsen-Kurier einen Grund. Dabei hätten Wandelanleihen viele Vorteile für die Emittenten. Sie würden sich vor allem für Wachstumsfirmen, die schwer an Bank-kredite kommen, eignen. Auch müssten im aktuellen Zinsumfeld – abhängig von der Bonität des Unternehmens – den Investoren nur geringe Kupons bezahlt werden.

„Ein Vorteil ist, dass man schon bei der Emission weiß, dass man zu einem gewissen Zeitpunkt mit einer Wandlung und damit auch zusätzlichen Eigenkapital rechnen kann – und zwar dann, wenn der Aktienkurs am Laufzeitende über dem Wandlungspreis liegt“, so Simbürger. Falls es tatsächlich zu einer Wandlunge komme, so merke man das auch meistens nicht so stark in der Kursentwicklung. „Bei einer Kapitalerhöhung über das Eigenkapital wird das Unternehmen hingegen abgestraft“, so der Experte der in diesem Fall von Kursverlusten in der Regel zwischen 5 und 10 % spricht.

Für die traditionell risikoaversen heimischen Privatanleger sind Wandelanleiheninvestments wiederum gerade im aktuellen – von zunehmender Volatilität geprägten – Umfeld eine interessante Option. Der Hintergrund: Einerseits ist man in seitwärts tendierenden Aktienmärkten für einen Aufschwung positioniert. Zu Zeiten fallender Börsenkurse kommt wiederum dem so genannten „Bond Floor“ die Rolle eines Auffangnetzes zu. „Den Zinskupon können Anleger wenn es nicht zu einer Wandlung kommt so oder so lukrieren“, erklärt Simbürger.

Das verhaltene Interesse der Anleger hat aber vor allem einen guten Grund: die hohe Mindeststückelung. Bei der Wandelanleihe der CA Immo liegt sie beispielsweise bei 100.000 Euro, bei jener der AMS sogar bei 200.000 USD. Aber auch bei internationalen Emissionen sind die Mindeststückelungen hoch. „Eine Streuung ist daher für den Kleinanleger meist nicht möglich“, sagt Martin Rupp, Fondsmanager bei der 3Banken-Generali Invest, gegenüber dem Börsen-Kurier.

Tipp: Fondslösung

Für Rupp spricht aber auch die mit dem Anlageinstrument verbundene Komplexität gegen ein Direktinvestment seitens von Privatanlegern – sowie im Übrigen für eine Fondslösung. „Da eine Wandelanleihe eine Kombination aus Anleihe sowie der Option auf eine Umwandlung zur Aktie darstellt, ist auch ein Verständnis optionstheoretischer Aspekte notwendig, um das konvexe Kursverhalten des Kapitalmarktinstruments überhaupt verstehen zu können“, so der Fondsmanager.

Nachsatz: „Das geht meist weit über das Verständnis eines Privatanlegers hinaus.“

Autor: Mag. Patrick Baldia  (redaktion@boersen-kurier.at)

Die bunte Welt der Dividendenfonds

Was auf den ersten Blick wie eine komplett homogene Anlageklasse aussieht, ist auf den zweiten ziemlich heterogen.

Ausgerechnet das Flaggschiff unter den Dividendenaktienfonds, der „DWS Top Dividende LD“ (ISIN: DE0009848119) aus dem Fondshaus der Deutschen Bank AG, fällt auf Einjahressicht negativ auf: Der mit 18 Mrd Euro an verwaltetem Volumen größte Fonds seiner Vergleichsgruppe rangiert laut Morningstar mit einem Kursrückgang von 5,39 % per 8. 2. 2018 unter den Underperformern. Ganz vorne unter jenen, die seit mindestens fünf Jahren auf dem Markt sind, liegen der aus dem deutschen Pullach nahe München gemanagte „DJE – Dividende & Substanz P“ (Euro) (LU0159550150, Fondsvolumen: 1,3 Mrd Euro) mit einem Plus von 6,93 % in der thesaurierenden Tranche, der britische „Invesco Global Equity Income“ (LU0607513230, Fondsvolumen: 940 Mio Euro) mit +5,81 % (Thesaurierer) und der Österreicher „3-Banken-Dividendenaktienstrategie“ (AT0000A0XHJ8, Fondsvolumen: 190 Mio Euro) mit +4,28 % in der ausschüttenden Variante. Allein diese wenigen Zahlen lassen erahnen, wie unterschiedlich die einzelnen Strategien angelegt sind, weshalb Investoren genau abwägen sollten, wofür sie sich entscheiden.

Der feine Unterschied

Alois Wögerbauer, der Geschäftsführer der 3-Banken-Generali-Investment-GmbH, erklärt sein Performanceplus so: „Breiter aufgestellte Dividendenfonds, die 2017 etwa auch in Finanz-, Industrie- und Rohstofftitel investiert waren, haben sich deutlich besser entwickelt als jene, die auf defensive Branchen wie Nahrung und Gesundheit konzentriert waren.“

In der Tat zeigt die aktuelle Morningstar-Studie über die Gewichtung der einzelnen Sektoren „defensiv“ (Basiskonsum, Gesundheit, Versorger), „konjunktursensitiv“ (Telekom, Energie, Industrie, Technologie) und „zyklisch“ (Rohstoffe, zyklischer Konsum, Finanz, Immobilien) gerade beim „3-Banken-Aktienstrategie“ mit je knapp einem Drittel eine ausgewogene Verteilung, während das deutsche Schwergewicht, der „DWS Top Dividende“, mit einem Anteil von rund 43 % an defensiven Investments weit über dem Median von 28 % liegt.

Was freilich der langfristig ausgerichteten Anlagestrategie mit geringer Umschlagshäufigkeit (zuletzt 16 %) entspreche, wie Denise Kißner, Investmentspezialistin für aktives Aktienmanagement bei DWS, betont: „Wir achten auf eine vorsichtige Positionierung mit Fokus auf defensive Sektoren wie Basiskonsum und Gesundheit.“ Nichtsdestoweniger werde der Markt genauestens beobachtet und Engagements je nach Konjunkturlage und stets auf Basis strenger Analysekriterien wie robustem Geschäftsmodell und steigender Rentabilität aktualisiert, wie der Ausbau an Beteiligungen im Energie- und Bankensektor 2017 zeige. Invesco etwa war 2017 schwerpunktmäßig in den Sektoren Finanz (26 %), Industrie (17 %) und Energie (15 %) investiert.

Die Währungskomponente

Ein weiterer Knackpunkt ist die Währungskomponente. Fonds, die mehrheitlich in Firmen aus dem US-Dollar-Raum investieren bzw. überhaupt in US-Dollar notieren, bringen Euro-Investoren zeitweise keine Freude: „Der starke Euro hat zuletzt einen Großteil der zweistelligen Aktienperformance überlagert“, zieht Kißner für das vergangene Jahr, als rund 36 % im US-Dollar veranlagt waren, Bilanz. Demgegenüber punktete der DJE-Fonds mit einer klaren Untergewichtung Nordamerikas und dem Fokus auf die EU-28-Länder.

UBS-Equity-Specialist Urs Raebsamen kategorisiert die Dividendenstrategien in drei Ansätze: Kombination von hoher Dividende mit hoher Unternehmensqualität, Konzentration auf defensive Aktientitel und Überlagerung der Investments mit Derivaten zur Absicherung – eine Option, die sich auch Wögerbauer offen lässt: „Wir wollen einfach nicht gezwungen sein, immer voll im Markt zu sein.“ Das wolle auch der Kunde nicht, würde aber erst in einem Bärenmarkt als Trumpf ausgespielt werden können. Jedenfalls ließe sich so die Volatilität reduzieren – und das Nervenkostüm schonen.

Unser Fazit

Den Dividendenfonds ist in der Regel eines gemein: Sie sind benchmarkunabhängig – und somit eine aktive Wette auf die Börse. Wer sich darauf einlässt, hat gute Chancen auf eine Mehrrendite aus Kurs- und Dividendengewinnen. Aber er sollte einen längeren Atem haben.           

Autor: Mag. Caroline Millonig (redaktion@boersen-kurier.at)

Zukunftstechnologien versprechen Profite

Megatrends im Bereich Technologie helfen nicht nur das Leben der Menschen einfacher zu machen. Anleger, die frühzeitig darauf aufspringen, wirken auch satte Renditenchancen.

Die technische Entwicklung schreitet mit Riesenschritten voran. Wieso sich vor allem Aktienanleger mit Technologie-Investments auseinandersetzen sollten, liegt auf der Hand: Sie bieten eine große Zahl von inves­tierbaren Aktien mit guter geographischer Verteilung und überproportionalem Wachstum von Umsätzen und Gewinnen. Ein Beispiel ist etwa der weltweite Robotik-Markt, dem bis 2020 ein jährliches Wachstum von 36 % zugesprochen wird. Das gleiche gilt für das Thema Cyber-Kriminalität. Der Idee dahinter: Je mehr vernetzte Geräte, desto mehr Einfallstore entstehen auch für Hacker.

Bei Pictet Asset Management, bekanntlich ein Spezialist für Themenfonds, wird bei der Identifizierung von Megatrends mit dem Copenhagen Institute for Futures Studies (CIFS) zusammengearbeitet. Das dänische Zukunftsforschungsinstitut hat 14 Megatrends ausgearbeitet, die langfristig sehr viel Bedeutung für Gesellschaft und Wirtschaft haben werden. „Der Nachteil ist, dass einige – wie etwa Polarisierung und Individualisierung – sehr abstrakt und nicht investierbar sind“, erklärt Walter Liebe, Senior Investment Advisor Pictet Asset Management, gegenüber dem Börsen-Kurier.

„Wir schauen dann ob Anknüpfungs- bzw. Berührungspunkte zu einigen unserer anderen Themenfonds vorliegen“, so Liebe weiter. Ähnlich wie bei einem Spinnennetz könne dadurch eine gewisse Langlebigkeit des Anlagethemas sichergestellt werden. Bei den drei Aktienstrategien, die jeweils mit eigenen Fonds abgebildet werden (Digital, Security und Robotics) hat man etwa überlappende Anlagechancen in den Bereichen „Internet der Dinge & Advanced Sensors“, „Mobiles Internet“, „Advanced Automation“, „Big Data & Cloud Computing“, „Selbstfahrende Fahrzeuge“, „Gesundheit der nächsten Generation“
sowie „Fintechs“ ausgemacht.

Die erste Voraussetzung für ein Unternehmen, das sich als Investment anbiete, sei jedenfalls, dass es an der Börse gelistet sei. Der „Reifegrad“ der Firmen könne dabei variieren. „Generell neigen wir dazu in Unternehmen zu investieren, die ein Produkt haben und damit profitabel sind oder in absehbarer Zeit – etwa in zwei, drei Quartalen – profitabel sein werden“, erklärt Liebe. Nachsatz: „Das Geschäftsmodell muss also valide sein und eine baldige Monetarisierung sichtbar sein.“

Großes Zukunftspotenzial sieht man bei Pictet in vielen Bereichen der Digitalisierung. „Beispielsweise steht der E-Com­merce erst am Anfang und weist gegenüber den stationären Handel im gesamten Retailgeschäft erst einen Umatzanteil von zehn bis 12 % auf“, so Liebe, der auch dem Thema autonomes Fahren viel Potenzial zuspricht. Das zeige sich nicht zuletzt daran, dass IBM im Vorjahr für 14 Mrd Euro den israelischen Spezialisten für Fahrerassistenzsysteme Mobil­eye gekauft habe. Allerdings könne es durchaus noch zehn Jahre dauern, bis eine große Zahl an autonomen Fahrzeugen im Straßenverkehr zu sehen sein werde. Interessante Player wären hier unter anderem Fanuc (ISIN: JP38024000 06), Siemens (DE0007236101) oder Tesla (US88160R1014).

Sehr aufmerksam verfolge man die den Kryptowährungen zugrunde liegende Blockchain-Technologie, die sich für Bank-Dienstleistungen oder als Validisierungsinstrument eigne. „Interessant finden wir auch Fintechs“, so Liebe. In der Finanzwirtschaft würden sie allerdings noch keine dominante Rolle spielen, da sie entweder zu klein oder nicht an der Börse gelistet wären. „Wir glauben, dass 95 % der Fintechs
nicht überleben werden – entweder weil sie von Banken oder großen Instituten übernommen oder im Konkurrenzkampf verdrängt werden“, so der Experte.

Autor: Patrick Baldia  (redaktion@boersen-kurier.at)

Blockchains gebrochene Versprechungen

In der Finanzdienstleistungsbranche ist derzeit eine Revolution im Gange. Treibende Kraft dabei sind freilich nicht hochgejubelte Blockchain-Anwendungen wie etwa Bitcoin. Vielmehr fußt diese Revolution auf künstliche Intelligenz, Big Data und dem Internet der Dinge.

Schon heute nutzen tausende realer Unternehmen diese Technologien, um alle Aspekte der Finanzvermittlung auf-zumischen. Dutzende von Online-Zahlungsanbietern – Pay­Pal, Alipay, WeChat Pay, Venmo usw. – haben hunderte von Millionen täglicher Nutzer. Und dank einer Vielzahl von Online-Daten über Privatpersonen und Unternehmen treffen Finanzinstitute präzise Kreditvergabe-Entscheidungen in Sekunden statt in Wochen. Im Laufe der Zeit könnten diese datengesteuerten Verbesserungen bei der Krediteinräumung sogar zyklische, kreditbedingte Auf- und Abschwünge vermeiden.

In ähnlicher Weise sind Versicherungsentscheidungen, Schadensbeurteilung und  -abwicklung sowie Betrugsprüfungen alle schneller und präziser geworden. Und aktiv gemanagte Portfolios werden zunehmend durch passive Robo-Berater ersetzt, deren Ergebnisse genauso gut sind wie die Eigeninteressen verfolgender, hohe Honorare kassierender Finanzberater – wenn nicht sogar besser.

Wirtschaftlicher Nutzen?

Vergleichen wir diese reale, fortlaufende Fintech-Revolution mit der bisherigen Bilanz von Blockchain,
das seit fast einem Jahrzehnt existiert und nach wie vor nur eine Anwendung hervorgebracht hat: Kryptowährungen. Blockchain-Propagandisten würden argumentieren, dass dies an die Frühzeit des Internets erinnere, bevor dieses wirtschaftliche Anwendungen hervorbrachte. Aber dieser Vergleich ist schlicht falsch. Während das Internet rasch E-Mail, das World Wide Web und Millionen praktikabler wirtschaftlicher Anwendungen hervorbrachte, erfüllen Kryptowährungen wie Bitcoin nicht einmal ihren selbsterklärten Zweck.

Als Währung sollten Bitcoins als Recheneinheit, Zahlungsinstrument und stabiles Wertaufbewahrungsmittel nutzbar sein. Sie sind nichts davon. Niemand gibt den Preis von irgendetwas in Bitcoins an. Nur wenige Einzelhändler akzeptieren sie. Und sie sind ein schlechtes Wertaufbewahrungsmittel, weil ihr Preis an einem einzigen Tag um 20 bis 30 % schwanken kann.

Luftschloss?

Schlimmer ist, dass Kryptowährungen im Allgemeinen auf einer falschen Prämisse basieren. Laut Bitcoin-Befürwortern gibt es eine stabile Menge von 21 Mio Währungseinheiten; daher könnten Bitcoins nicht wie Giralwährungen an Wert verlieren. Doch diese Behauptung ist eindeutig betrügerisch, bedenkt man, dass Bitcoin sich bereits in drei Zweige gespalten hat: Bitcoin Cash, Litecoin und Bitcoin Gold. Zudem werden jeden Tag hunderte weiterer Kryptowährungen erfunden, zusammen mit als „Initial Coin Offerings“ bekannten Betrugsmaschen, die überwiegend darauf ausgelegt sind, die Wertpapiergesetze zu umgehen. Die „stabilen“ Kryptowährungen schaffen also einen Geldbestand und entwerten ihn in einem sehr viel höheren Tempo, als das je eine große Notenbank getan hat.

Kein gültiges Zahlungsmittel

Wie bei einer Finanzblase typisch, kaufen Anleger Kryptowährungen nicht, um sie im Rahmen von Transaktionen zu verwenden, sondern weil sie erwarten, dass sie im Wert steigen. Wenn jemand Bitcoins tatsächlich nutzen wollte, würde ihm das ziemlich schwer
fallen. Die Herstellung von Bitcoins erfordert so viel Energie (und ist daher enorm umweltschädlich) und sie sind mit derart hohen Transaktionskosten verbunden, dass selbst Bitcoin-Konferenzen sie nicht als gültiges Zahlungsmittel akzeptieren.

Bislang bestand Bitcoins einziger wirklicher Nutzen darin, ungesetzliche Aktivitäten wie Drogenhandel, Steuerhinterziehung, die Vermeidung von Kapitalkontrollen oder Geldwäsche zu erleichtern. Nicht überraschend arbeiten die G20-Länder inzwischen zusammen darauf hin, Kryptowährungen zu regulieren und die Anonymität, die diese angeblich bieten, zu beseitigen, indem sie alle Einkünfte oder Kapitalerträge generierenden Transaktionen meldepflichtig machen.

Regulierungen beginnen zu greifen

Nach dem harten Durchgreifen asiatischer Regulierungsbehörden in diesem Monat fielen die Kurse der Kryptowährungen gegenüber ihren Höchstständen im Dezember um 50 %. Dieser Zusammenbruch wäre noch viel stärker ausgefallen, wäre nicht in einem Riesentempo mittels unverblümter Manipulationen ein enormes Programm zur Kursstützung umgesetzt worden. Doch wie im Falle der Subprime-Blase schlafen die US-Regulierungsbehörden noch immer tief und fest.

Es hat seit Erfindung des Geldes vor tausenden von Jahren noch nie ein Währungssystem gegeben, bei dem hunderte von Währungen nebeneinander her operierten. Es geht beim Geld ja gerade darum, dass es den Geschäftsparteien erlaubt, Transaktionen ohne den Zwang von Tauschgeschäften abzuschließen. Doch damit Geld einen Wert hat und Skaleneffekte hervorbringt, kann es gleichzeitig nur eine bestimmte Zahl an Währungen geben.

Währungen: Altbewährtes System

Der Grund, warum wir in den USA neben dem Dollar keine Euros oder Yen verwenden, ist offensichtlich: Es wäre witzlos und würde die Wirtschaft sehr viel weniger effizient machen. Die Vorstellung, dass hunderte von Kryptowährungen auf tragfähige Weise zusammen operieren könnten, widerspricht nicht bloß dem Konzept des Geldes per se; sie ist absolut idiotisch.

Dasselbe freilich gilt für die Vorstellung, dass selbst eine einzige Kryptowährung das Giralgeld ersetzen könnte. Kryptowährungen haben keinen intrinsischen Wert, während Giralwährungen eindeutig einen Wert haben, denn sie können zur Zahlung von Steuern verwendet werden. Giralwährungen sind zudem durch der Preisstabilität verpflichtete Notenbanken gegen Wertverluste abgesichert, und wenn eine Giralwährung an Glaubwürdigkeit verliert, wie das in einigen schwachen Währungssystemen mit hoher Inflation der Fall ist, wird sie gegen stabilere ausländische Giralwährungen oder Sachwerte eingetauscht.

Zu wenig Bitcoins?

Tatsächlich ist der vorgebliche Vorteil von Bitcoin zugleich seine Achillesferse, denn selbst wenn es tatsächlich einen stabilen Bestand von 21 Mio Einheiten gäbe, würde dies Bitcoin als lebensfähige Währung disqualifizieren. Wenn die Geldmenge einer Währung nicht der Entwicklung des potenziellen nominalen BIP folgt, kommt es zu einer Preisdeflation.

Folglich würde, wenn ein stabiler Bestand an Bitcoins die Giralwährung tatsächlich allmählich ersetzen würde, der Preisindex aller Waren und Dienstleistungen kontinuierlich fallen. Zu Ende gedacht, bedeutet dies, dass jedes auf Bitcoin lautende nominale Schuldinstrument im Laufe der Zeit real an Wert gewinnen würde, was zu jener Art Schuldendeflation führen würde, von der der Ökonom Irving Fisher glaubte, dass sie die Große Depression herbeigeführt habe. Zugleich würden die Nominallöhne in Bitcoin unabhängig vom Produktivitätswachstum real immer weiter ansteigen, was die Wahrscheinlichkeit einer wirtschaftlichen Katastrophe weiter erhöhen würde.

Mutter aller Blasen
Es ist eindeutig, dass Bitcoin und andere Kryptowährungen die Mutter aller Blasen darstellen, was erklärt, warum jede einzelne Person, die ich 2017 zwischen Thanksgiving und Weihnachten getroffen habe, mich fragte, ob sie Bitcoins kaufen solle. Betrüger, Schwindler, Scharlatane und Marktschreier (alle Insider mit Interessenkonflikten) machen sich die Angst unbedarfter Privatanleger, sie könnten etwas verpassen, zunutze und ziehen ihnen das Fell über die Ohren.

Technologie mehr Potenzial, aber keine Einheit

Was die Bitcoin zugrundeliegende Blockchain-Technologie angeht, so stehen dieser, auch wenn sie mehr Potenzial hat als die Kryptowährungen, nach wie vor massive Hindernisse im Weg. Das wichtigste davon ist, dass es ihr an jener Art von grundlegenden gemeinsamen und universellen Protokollen mangelt, die das Internet allgemein zugänglich machten (TCP-IP, HTML usw.). Grundlegender ist, dass ihr Versprechen dezentralisierter Transaktionen ohne Zwischenstelle auf einen unerprobten, utopischen Wunschtraum hinausläuft. Es ist also kein Wunder, dass Blockchain im Hype-Zyklus von Technologien mit überzogenen Erwartungen ganz weit oben rangiert.

Darum vergessen Sie Blockchain, Bitcoin und andere Kryptowährungen und investieren Sie lieber in Fintech-Unternehmen mit tatsächlichen Geschäftsmodellen, die dabei sind, in harter Arbeit die Finanzdienstleistungsbranche zu revolutionieren. Sie werden damit nicht über Nacht reich, aber Sie haben Ihr Geld intelligenter investiert.

Autor: Nouriel Roubini ist Professor für Ökonomie an der Stern School of Business der New York University und CEO von Roubini Macro Associates. Aus dem Englischen von Jan Doolan © Project Syndicate 1995 – 2018  (redaktion@boersen-kurier.at)

„Wir bleiben ein attraktiver Dividendentitel“

Post-Aufsichtsrats-Vorsitzende Edith Hlawati wurde mit dem AREX-Award für „AufsichtsRats-EXzellenz“ in der Kategorie Börsennotierte Unternehmen ausgezeichnet: Edith Hlawati über die Aufsichtsratsarbeit, das Unternehmen und Diversität.

Die Jury hat „ein Aufsichtsrats-Gremium vorgefunden, das sowohl in seiner Zusammensetzung als auch in seiner konkreten Arbeit State-of-the-art-Kriterien erfüllt und selbst Standards setzt“. So lautete die zusammengefasste Begründung der hochkarätigen AREX-Jury (Eva Marchart, Susanne Kalss und Wilfried Stadler). In der ausführlichen Laudatio für den Post-Aufsichtsrat, dem Rechtsanwältin Edith Hlawati vorsteht, wurden gleich mehrere Qualitätskriterien gelobt: Der besondere Fokus auf die kurz-, mittel- und langfristige Strategiearbeit, der sehr gut diversifizierte AR, die 50 %ige Frauenquote, die vorbehaltslose Anwendung des Österreichischen Corporate Governance Kodex (auch ohne Explains), das eigene Fortbildungsprogamm für den Aufsichtsrat.

Strategiearbeit

Im Gespräch mit dem Börsen-Kurier freut sich Hlawati stellvertretend für das gesamte Gremium und den Konzern über den AREX-Award, den Board Search und Brainloop verleihen. Denn die Post sei damit das erste Unternehmen aus dem Beteiligungsportfolio der staatlichen ÖBIB, das diese Auszeichnung bekommen hat. Dass die Strategiearbeit vom Aufsichtsrat „als zentraler Teil seiner Tätigkeit“ ausgeführt werden kann, werde durch das zeitlich getrennte Tagen des Prüfungs- sowie des Paket- & Logistikausschusses ermöglicht, die dann am nächsten Tag zusammengefasst dem Gesamtgremium berichten. Das gebe diesem mehr Zeit, „strategisch sehr in die Tiefe zu gehen“. Auch die eigens eingeführten Fortbildungsveranstaltungen für den Aufsichtsrat mit internen und externen Spezialisten, etwa zu den Themen Kapitalmarkt, Wachstumsmarkt Türkei oder Informationstechnologie, werde von allen Gremiumsmitgliedern sehr gut angenommen. Auch die Arbeitnehmervertreter seien immer vollständig vertreten.

Dividendenstory

In jeder Sitzung gebe es auch einen Berichtsteil von Finanzvorstand Walter Oblin zur Kapitalmarktperspektive. „Wir bleiben ein Dividendentitel. Die attraktive Dividendenpolitik ist Kern unserer Investmentstory“, untermauert die Aufsichtsratsvorsitzende das Faktum, dass die Post seit ihrem Börsegang 2006 zu den attraktivsten Dividendenwerten am Wiener Kapitalmarkt zählt. „Deshalb haben uns die Fonds in ihren Portfolios“, so Hlawati, die stolz darauf ist, dass die Post im Vergleich zu europäischen Peer-Unternehmen „gut da steht“, teilweise „Top-Performer“ sei.

Frauenquote

Zu der mit heuer geltenden gesetzlich verpflichtenden Frauenquote von mindestens 30 % in Aufsichtsräten hat die Vorsitzende eines Gremiums, das diese Quote schon davor übererfüllt hat, eine sehr pragmatische Meinung: Es gebe genug qualifizierte Frauen, die diese Aufgabe ausfüllen können. Im internationalen Trend „geht die Reise Richtung Diversität“. Insofern sei das Gesetz vorhersehbar gewesen und Österreich folge damit nur Gegebenheiten wie etwa in Skandinavien, aber auch in Spanien und Italien. Die Selbstverpflichtung habe sich offenbar nicht durchgesetzt, also habe der heimische Gesetzgeber an ausländische Standards nachgezogen. Wo man aber ansetzen müsse, sei die noch immer geringe Frauenpräsenz in den Vorständen.

Um da den Pool zu vergrößern und den Anteil an weiblichen Führungskräften im Topmanagement zu erhöhen, hat die Post ein spezielles „Mentoringprogramm für Frauen“ im Konzern ins Leben gerufen. 25 ausgewählten weiblichen Nachwuchsführungskräften als Teilnehmerinnen (Mentees) werden externe Topmanagerinnen (Mentorinnen) als „Buddies“ zur Seite gestellt.

Diversität gefragt

Was die Diversität von Aufsichtsratsgremien insgesamt betrifft (also Internationalität, breites Know-how, Erfahrung und eben auch Frauenanteil), so sieht Hlawati, dass Analysten sehr wohl danach fragen und Investoren nicht einsteigen, wenn eine solche Diversität fehlt.

Autor: Manfred Kainz  (redaktion@boersen-kurier.at)

T. Rowe Price: Aufschwung in Afrika in Sicht

Aktienmärkte in den Frontier-Märkten bieten Chancen. Politische Reformen beleben Wirtschaftsdynamik. Afrikanische Länder, die nicht zu den Grenzmärkten gehören, geben den Ton an. (06.02.)

Die Frontier-Märkte haben 2017 die höchsten Renditen seit zehn Jahren erzielt. Mit einem Plus von rund 32 Prozent (MSCI Frontier Markets Index) übertrafen sie die entwickelten Märkte deutlich. Zu den herausragenden Erfolgsgeschichten des vergangenen Jahres zählen etwa Argentinien und Vietnam. Die Friedenspolitik hat in den beiden Ländern zu einer wirtschaftlichen Reformagenda geführt, die wiederum Initialzündungen für Wachstum und Investitionen sind.

Oliver Bell, Portfoliomanager des Frontier Markets Equity Fund von T. Rowe Price, hat sich das Frontier-Markets-Universum – und dabei insbesondere Afrika – genauer angesehen. Der Experte erläutert, was erforderlich ist, damit die Volkswirtschaften der weniger entwickelten Märkte auch in diesem Jahr erfolgreich sein können.

„Nach der Dürre und der wirtschaftlichen Stagnation im vergangenen Jahr könnte 2018 das Jahr sein, in dem sich Afrika wirtschaftlich erholt“, sagt Oliver Bell. Obwohl Südafrika eigentlich nicht zu den Frontier-Markets-Ländern gehöre, wirke sich die wirtschaftliche Gesundung dieses Landes auch auf die kleineren Volkswirtschaften des Kontinents aus. So wurde der südafrikanische Vizepräsident Cyril Ramaphosa zum neuen Vorsitzenden der Regierungspartei ANC (African National Congress) gewählt. „Ramaphosa gilt als geschäfts- und marktfreundlich. Wir haben große Hoffnungen, dass dies ein Wendepunkt für die Reform markiert und die Präsidentschaft von Jacob Zuma beendet wird“, so der Experte. „Eine Reform würde Investitionen von Unternehmen, lokalen Renten- und Versicherungsfonds in Milliardenhöhe ermöglichen“.

Eine positive Entwicklung könnte auch in Simbabwe erfolgen, nachdem der Diktator Robert Mugabe im vergangenen Jahr nach 37 Jahren Herrschaft abgesetzt wurde. „Wir begrüßen den Wandel und hoffen, in diesem Jahr völlig freie und faire Wahlen zu sehen, die der Regierung die dringend benötigte Legitimität ermöglichen. Dies sollte beträchtliche Investitionen freisetzen, um wieder in den sogenannten Brotkorb Afrikas, also Südafrika, zu investieren“, bemerkt Bell. Wenn sich die wirtschaftlichen Bedingungen in Südafrika verbessern, habe dies positive Auswirkungen auf Nachbarländer wie Namibia, Botswana und Sambia. Zudem profitiere der Rohstoffproduzent Sambia von der Erholung der Kupferpreise. „Hoffentlich wird Mosambik das Ende der Auswirkungen der Schuldenkrise sehen und wieder höhere BIP-Wachstumsraten erzielen – unterstützt durch Investitionen in seine umfangreichen Gasfelder. Tansania könnte eine neue Ära einläuten, sobald es klare Beweise dafür gibt, dass Präsident John Magufulis Durchgreifen in bestimmten Branchen tatsächlich eine Anti-Korruptionskampagne ist.“

Und auch wenn Ägypten kein Frontier-Market-Land sei, habe es einen wichtigen Einfluss auf das regionale Wachstum. Seit der Abwertung des ägyptischen Pfunds im Jahr 2016 ist das Land auf dem Weg der Erholung. Nach den jüngsten Wahlen werde Kenias Präsident Uhuru Kenyatta über sein Vermächtnis nachdenken. Die wichtigste zu beobachtende Entwicklung sei die Anhebung der Obergrenzen für die Zinssätze der Banken. Diese Obergrenze habe dazu geführt, dass Banken das Risiko nicht ausreichend bewerten konnten und die Kreditexpansion aus der Wirtschaft zurückgezogen haben, insbesondere aus dem KMU-Bereich, der die Lebensader einer florierenden Wirtschaft darstelle. Die Wirtschaft Marokkos ist laut Bell gut aufgestellt. Sie profitiere von der anhaltenden Dynamik der europäischen Erholung. Die Beruhigung des islamischen Extremismus sei eine wichtige Voraussetzung für die Tourismusbranche. „In Nigeria wollen wir eine Vereinheitlichung der verschiedenen Wechselkurse sehen. Dies würde das notwendige Vertrauen für bedeutende ausländische Reinvestitionen in das Land schaffen und die wirtschaftliche Erholung beschleunigen, die jetzt mit Hilfe eines stärkeren Ölpreises zu beginnen scheint.“

Oliver Bell resümiert: Die jüngsten positiven Entwicklungen in Afrika sind gute Gründe, auf eine merkliche Umkehrung der wirtschaftlichen Geschicke zu hoffen.

„An den deutschen Aktien führt kein Weg vorbei“

Trotz der jüngsten Rücksetzer sind Experten guter Dinge, dass der positive Trend des DAX anhält. Steigende Unternehmensgewinne sollten den negativen Währungseinfluss ausgleichen.

Das neue Jahr hatte für den DAX denkbar gut begonnen. Ende Jänner erreichte der deutsche Leitindex einen neuen Rekordstand von rund 13.600 Punkten. In einer ähnlichen Tonart könnte es im weiteren Jahresverlauf weitergehen – zumindest erwarten das die Experten der Deutsche Asset Management.
„Wir gehen davon aus, dass der DAX 2018 die Marke von 14.000 Punkten überschreiten wird“, sagt
Tim Albrecht, Leiter DACH-Aktien. Nachsatz: „An deutschen Aktien führt weiter kein Weg vorbei.“

Moderate Bewertungen

Auch bei der Raiffeisen KAG ist man optimistisch, dass sich die positive Entwicklung weiter fortsetzen könnte. „Man darf nicht vergessen, dass die Kursanstiege anderswo noch höher ausgefallen sind“, meint Bernd Kiegler, Fondsmanager im Team „Aktien entwickelte Märkte“, zum Börsen-Kurier. Gegenüber den USA sei der Bewertungsabschlag groß. So werde für den DAX 2018 ein KGV von 13x erwartet, beim S&P 500 wären es rund 18x.

„Es spricht eigentlich nichts dagegen, dass sich die aktuelle Konjunkturerholung in Deutschland und der EU weiter fortsetzt“, so Kiegler. Die Gewinnerwartung der DAX-Unternehmen für 2018 sei mit einem Plus von 10 bis 11 % nicht übermäßig ambitioniert. „Angesichts weiter steigender Unternehmensgewinne sind die Bewertungen deutscher Aktien weiterhin moderat“, meint Albrecht. Er verweist zudem auf durchschnittliche Dividendenrendite der 30 DAX-Konzerne von rund 3 %. „Im anhaltenden Niedrigzinsumfeld verdeutlicht das die Attraktivität deutscher Aktien“, so Albrecht.

Kiegler räumt aber ein, dass die EZB mit einer zu frühen Zinsanhebung den Wirtschaftsaufschwung abwürgen könnte. „Dagegen spricht, dass sie – anders als in der Vergangenheit – zuletzt sehr vorsichtig vorgegangen ist.“ „Nicht unbedingt hilfreich“ sei jedoch der starke Euro. Allerdings gehöre eine starke Währung zu einer sich erholenden Wirtschaft dazu bzw. sollten die Unternehmensgewinne den negativen Währungseinfluss ausgleichen. „Die Historie hat gezeigt, dass sich Zinserhöhungen auf Basis von gutem Wirtschaftswachstum meist positiv auf Aktien auswirken“, macht sich Jürgen Hackenberg, Leiter Aktien Europa bei Union Investment, auch für den Fall, dass die Zinsen steigen, keine großen Sorgen.

Als „spannend“ schätzt Hackenberg aktuell den Chemiesektor ein. Dort sehe man, dass Unternehmen wie BASF (ISIN: DE000BASF111) und Bayer (DE000BAY0017) in eine Marktphase kommen, wo Nachfrage und Angebot ausgeglichener wären. „So sind die Kapazitäten nicht mehr zu hoch und auch der Preisdruck lässt nach.“ Etwas heruntergeschraubt habe man dagegen die Wachstumserwartungen für den Automobilsektor – punkto Auto-Absätzen sollte er sich 2018 etwas ruhiger entwickeln. „Ein Thema, das die Unternehmen beschäftigt, ist, was die Entwicklung in Richtung E-Mobility kostet“, so Hackenberg.

Während sich Kiegler bei der Deutschen Bank (DE0005140008) abwartend gibt, so gefalle ihm dagegen die Commerzbank (DE000CBK1001), in die man mit dem Raiffeisen-Europa-Aktien (AT0000805387) seit 2016 investiert sei. Auf die Thyssen-Krupp-Aktie (DE0007500001) könnte sich wiederum positiv auswirken, dass sich der Großaktionär Cevian für eine Abspaltung der Stahlsparte sowie für einen Merger mit Tata Steel stark mache. Das gleiche gelte auch für Siemens (DE0007236101). Der Elektrokonzern strebt bekanntlich eine Abspaltung seiner Medizintechnik-Sparte an. „Das kommt an der Börse immer gut an“, bringt es der Experte auf den Punkt.

Autor: Mag. Patrick Baldia  (redaktion@boersen-kurier.at)

Landungen auf der Kurs-Hochebene

Die Ereignisse um den Standort Flughafen Wien sprechen für die etablierte Infrastruktur-Aktie. Der permanente Aufschwung der Notiz, die Bewertung und die zyklische Eigenschaft der Branche begrenzen hochtrabende Erwartungen.

Die Meldungslandschaft zur Umstrukturierung der Fluglinien und deren Standortwahl entspricht neuerdings wieder den Aktionären des Vienna International Airport.

Auch der immer noch mögliche Bau der dritten Piste im Schwechater Flugareal sowie hinaufgeschraubte Ertragsprognosen nähren erneut die Fantasie der Anteilseigner. Die erfolgte Verlautbarung zu den Verkehrszahlen für 2017 und der Ausblick für 2018 passen ebenso in das positiv besetzte Gefüge.

Im Vorjahr konnte das Passagieraufkommen der Flughafen Wien Gruppe (inkl. der Airports Kosice und Malta) um 6,9 % auf 30,9 Mio Passagiere gesteigert werden – ein neuer Spitzenwert. Das Wachstum im Cargo-Geschäft hielt nicht ganz mit, betrug aber immer-hin 1,9 %.

Satter Dividendenbringer

Für das laufende Jahr setzt das Unternehmen die Zunahme des gesamten Passagiervolumens um 5 % an (+3 % für den Wiener Standort), es soll sich ein  deutlicher Ergebnisanstieg auf mehr als 132 Mio€ dazugesellen. Erweiterungen im Bodengeschäft steuern zunehmend einen deutlichen Beitrag bei. Des Weiteren reduziert sich die Nettoverschuldung laufend und soll bis zum Jahresende auf unter 300 Mio€ zu liegen kommen.

Die Flughafen-Aktie hat seit Jahren eine eindrucksvolle Aufwärtsbewegung hingelegt. Eine Erhöhung der Dividende für 2017 wurde wiederum angekündigt. Somit hat sich die Ausschüttung seit dem Jahr 2013 (0,32 Cent/Aktie) verdoppelt. Auswirkungen der Turbulenzen um das Schicksal diverser Fluglinien und deren Drehkreuz Wien, sind in der Notiz des Dividendenpapieres im Langfrist-Chart  kaum auszumachen. Seit dem Jahre 2012 kletterte die Aktie – ohne einen Rückschlag im Ausmaß von 20 %  – stets weiter nach Oben, wohl mitgetragen von einer allgemeinen Höherbewertung der Titel im Tourismus- und Infrastruktursektor.

Erreichte Kursziele

Die Bewertung ist heute mit einem Vorwärts-KGV von 21 für das Jahr 2018 bereits anspruchsvoll.
Bernd Maurer, Head of Company Research der RCB, sieht es positiv, die drohenden Ausfälle durch den Niedergang der Air Berlin samt Niki Air nun als kompensiert zu wissen. Denn die ungarische Diskont-Fluglinie Wizz Air siedelt ab dem Frühsommer drei Maschinen in Wien an. Dazu gewährt die Lauda-Auferstehung unter „Laudamotion GmbH“ weiterhin die Auslastung. „Die Sitzplatzsteigerung durch Wizz Air wird gar ein  Wachstum von 3 bis 4 % bringen. Die jüngsten Geschäftsprognosen des Flughafens selbst befinden sich über den vorangegangenen Erwartungen“, führt Maurer überzeugt an. Vladimira Urbankova, CEE Equity Research der Erste Group Bank AG, hält das langfristige Aufwärtspotenzial für die Aktie ebenso intakt und bestätigt die Akkumulieren-Empfehlung. Bei beiden Instituten bleiben aber die ausgegebenen Kursziele mit 36,50  bzw. mit 37 € unverändert.

Der Streubesitz der Aktien ist durch die bestehende Eigentümerstruktur mit 10 %  äußerst gering. Dieser dünne „free float“ kann in einer depressiven Börsenphase aber entsprechend starke Kursabschläge nach sich ziehen.

Der australische IFM Global Infrastructure Fund hält über seine Tochter IFM Airports Group Europe
S.à r.l. 38 % der Anteile, das Land Niederösterreich und die Stadt Wien jeweils 20 %. Ein Zehntel der Aktien befinden sich zudem in einer Mitarbeiter-Beteiligungsprivatstiftung.

Autor: Roman Steinbauer  (redaktion@boersen-kurier.at)

Mit Authentizität und Bedacht zum Sieg

Premiere beim Bildungs-KickOff 2018 der Finanzdienstleister: Erstmals ging mit der Niederösterreicherin Waltraud Hauser eine Frau als Siegerin der Publikumswahl der beliebtesten Vermögensberater hervor.

„Diese Anerkennung tut gut und motiviert. Sie ist Belohnung für die bisherigen 18 Jahre meiner Beratungstätigkeit um den Kunden Gutes zu tun.“ Waltraud Hauser freut sich im Gespräch mit dem Börsen-Kurier sichtlich über die Auszeichnung „Vermögensberaterin des Jahres“. Dies zu schaffen war durchaus kein Leichtes, stellten sich doch 478 Gewerbliche Vermögensberater und Wertpapiervermittler aus ganz Österreich 2017 dieser Publikumswahl, also der Bewertung durch ihre Kunden. Da auf dem obersten Stockerlplatz zu landen, war für die Poysdorferin (NÖ) Hauser und die gesamte Branche doppelt erfreulich: Denn sie ging als erste Frau als Siegerin aus dieser Wahl hervor.

Verlusttoleranz?

Was die Beratungssäulen Veranlagung, Vorsorge und Finanzierung betrifft, so kann die frisch gekürte Vermögensberaterin des Jahres aus dem Nähkästchen ihrer langjährigen Praxis berichten: Für ihre Veranlagungsbegleitung von Kunden sieht sie drei wesentliche Qualitätskriterien: Erstens, nicht alle über einen Kamm scheren. „Wesentlich ist: Was ist das Anlageziel?“ Das ist für 20-Jährige wohl anders als für 60-Jährige. Zweitens, ebenso kundenspezifisch, seinen „Zeithorizont“ klären: „Wie lange braucht er das eingesetzte Geld nicht?“ Wie lange kann also sein Kapital „liegen bleiben“? Und drittens: das individuelle Risikoprofil, die persönliche „Verlusttoleranz“.

Wer keine Verlusttoleranz habe, für den seien Wertpapiere trotz Renditeaussicht nicht die Wahl. Und wer sich emotional nicht über einen Einmalerlag drübertraut, dem böte sich monatliches Ansparen mittels Fondsparen. Da nütze man den Cost-Average-Effekt und verkrafte eher, dass es Schwankungen gibt. Daher müsse von Anfang an die Risikobereitschaft des Kunden geklärt werden. Er müsse verstehen, dass es auch hinunter gehen kann; sich dessen bewusst sein, „dass der Finanzmarkt aus Schwankungen besteht“. Daher könne Bedacht, „eher Bremse einlegen als zu viel Gas geben“ in der kundenindividuellen, strategischen Fondsveranlagungsberatung besser sein.

Absichern nicht vergessen

Was das Thema Vorsorge betrifft, so sieht Hauser in ihrer Praxis erfreulicherweise, dass sich junge Menschen durchaus bewusst sind, dass Altersvorsorge wichtig ist und „aufgebaut“ werden müsse. Sie erkläre dazu immer die simple Formel „Geld mal Zeit“. Die Jugend, die noch wenig Geld zur Verfügung haben, habe dafür den „Vorteil der vielen Zeit“, um mit kleinen Beträgen einen Kapitalstock gegen die „Deckungslücke“ anlegen zu können. Hausers Motto für die finanzielle Vorsorge lautet also: „Die Zeit nützen, die Zeit für sich arbeiten lassen.“ Und was die Veranlagung etwa in einer Fondsgebundenen Lebensversicherung betrifft, so mache es Sinn, am Anfang „etwas schneller zu fahren, mutiger zu sein“. Und je näher man dem Ziel kommt, desto mehr abzusichern“.

Wobei Hauser auf „Absichern auch zwischendurch“ für ihre Kunden viel Wert legt. Die Ober- & Untergrenze sei mit dem Kunden gemeinsam zu ermitteln. Bei schmerzendem Minus müsse man fragen: „Glaube ich an den Fonds noch oder nicht mehr, ist er mir zu unsicher geworden?“ Außerdem solle der Fondsansparer am Anfang nicht gleich mit einem Riesenplus rechnen, denn Ausgabeaufschlag und andere Spesen müssen eingerechnet werden.

„Erwarten Sie kein garantiertes sicheres Plus“, und Schwankungen am Anfang seien „keine Tragik“, weil ja der Cost-Average-Effekt genützt werden könne.

Niedrigzinsen als Vorteil

In der Finanzierung könne man den „Vorteil der niedrigen Zinsen“ nützen. Die Tendenz sei: Fixzinssatz auf 10 bis 15 Jahre, wo man Topkonditionen bekommen könne. Und in der Wohnraumfinanzierung seien für Kunden eben meist die niedrigsten Kosten der entscheidende Faktor.

Kein Ersatz

Die Gefahr, dass Digitalisierung und Robo Advisors die persönliche Beratung verdrängen, sieht die Vermögensberaterin des Jahres nicht. Sie setzt auf regelmäßige Kontaktpflege mit ihren Kunden. Wichtig sei dabei „authentisch“ zu sein. Dazu gehöre auch, mal „Nein, das mache ich nicht“ zu sagen oder „mit weniger anzufangen“ als der Kunde vielleicht wollen würde. „Digitalisierung ersetzt keinen Berater, aber sie unterstützt den Beratungsprozess“, sieht es Hauser pragmatisch. Es gehe „in Kombination“. Digitalisierung könne auf Knopfdruck und auch um Mitternacht Berechnungen und Übersichten liefern, dafür bleibt mehr Zeit für die individuelle Beratung.

Autor: Manfred Kainz  (redaktion@boersen-kurier.at)

Gewinnchancen in der Öl-Industrie

Der Konjunkturaufschwung lässt steigende Nachfrage nach Rohöl erwarten, weshalb nachhaltige Preissteigerungen Chancen entlang der Erdöl-& Erdgas-Wertschöpfungskette erwarten lassen.

Der Ölpreis (Brent) liegt in den vergangenen zwölf Monaten bereits 26 % im Plus und seit dem Tief im Jahr 2015 hat sich der Preis schon verdoppelt. Bereits im 3. Quartal 2017 war die weltweite Nachfrage nach Rohöl höher als das Angebot und die Ölbranche hat ihre Produktionskapazitäten wieder nach oben angepasst, wobei anfänglich die USA die treibende Kraft war, während nun außerhalb der USA enormes Aufholpotenzial besteht. Weltweit ist die Anzahl der Bohranlagen in den ersten drei Quartalen 2017 um 8,5 % auf 2.081 gestiegen und vor allem die langfristigen Aussichten stimmen: Bis 2025 sind Investitionen in Projekte mit einem täglichen Ölproduktionsvolumen von 16 Mio Barrel erforderlich. Ansonsten drohen Versorgungsengpässe.

Die Wertschöpfungskette im Portfolio

Das spricht für Investments in Ölfeldausrüster wie Schlumberger (ISIN: AN8068571086), Halliburton (US4062161017) und Transocean (CH0048265513). Bei Halliburton erwarten laut Reuters-Konsens Analysten von 2018 auf 2019 einen Gewinnsprung/Aktie um 35 %, woraus ein Forward-KGV 19 von 16,4 resultieren würde.

Als nächstes Glied in der Wertschöpfungskette interessant erscheinen Explorations- und Produktionswerte, wie zum Beispiel ConocoPhillips (US20825C1045), die außerhalb Nordamerikas noch in Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten tätig ist, und die texanische Diamondback Energy (US25278X1090). Die nächste Stufe, der Transport von Flüssigkeiten und Erdgas via Pipelines, kann mit einem der bedeutendsten Infrastrukturunternehmen der USA, nämlich Kinder Morgan (US49456B1017) abgedeckt werden.  Das Unternehmen ist der größte Gastransporteur und Speicherbetreiber in Nordamerika. 91 % des Cash Flows basieren auf Gebühren und bei einem Kurs/Buchwert-Verhältnis von 1,24 besteht noch weiteres Kurspotenzial.  Eine Kombination aus Midstream (Transport, Speicher), Raffinerie, Chemie und Tankstellen bietet Phillips 66 (US7185461040). Analysten hatten in den vergangenen 90 Tagen die Gewinnprognosen (pro Aktie) für 2018 von 5,91 auf 6,89 USD nach oben revidiert, woraus ein aktuelles Forward-KGV 18 von 15,5 resultiert. Wer hingegen ein stärker auf Tankstellen fokussiertes Unternehmen sucht, sollte einen Blick auf Getty Realty (US3742971092), einen auf Tankstellen spezialisierten REIT, werfen.

Integrierte Ölkonzerne als Alternative

Aber es geht noch viel einfacher. Die Wertschöpfungskette von der Exploration bis zur Tankstelle kann ganz einfach über integrierte Ölkonzerne wie zum Beispiel Royal Dutch Shell (GB00B03MLX29), OMV oder Total S.A. (FR0000120271) abgedeckt werden. Letztere stellt mit einem für 2018 geschätzten KGV von 12,9 und einer erwarteten Dividendenrendite von 4,7 % ein attraktives Investment dar. Die OMV hingegen hat sich am bedeutenden Juschno Russkoje Gasfeld in Westsibirien beteiligt, was zu Produktionssteigerungen führt. Indessen überzeugt die A-Aktie von Royal Dutch Shell (Notiz in New York) mit einer aktuellen Dividendenrendite von 5,3 %.

Am allereinfachsten hingegen kann die gesamte Wertschöpfungskette via einschlägiger Fonds abgedeckt werden, wie zum Beispiel dem BlackRock Global Funds World Energy Fund (LU0408222247), der mit einem Plus von 13,5 % in den vergangenen sechs Monaten erneut Momentum zeigt.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

Bankaktien haben weiterhin Potential

Trotz der guten Vorjahresperformance, sind Experten für Wiener Bankaktien positiv gestimmt. Sie profitieren etwa vom positiven konjunkturellen Umfeld.

Bankaktien sind bekanntlich lange Zeit nicht besonders hoch in der Gunst der Anleger gestanden. Das hat sich spätestens seit dem Vorjahr grundlegend geändert. So zählten die Werte im Vorjahr zu den Gewinnern des Jahres in Europa. Auch an der Wiener Börse entwickelten sie sich stark: Mit einer Kursentwicklung von +63 bzw. +40 % zählten Raiffeisenbank International (RBI) und Erste Group auf Einjahressicht zu den Top-Performern am Wiener Börseparkett. Nichtsdestoweniger glauben Experten, dass der Sektor durchaus noch Potenzial hat. Allerdings sollte man die Bewertungen im Auge behalten.

Gutes Zeugnis

In einer aktuellen Analyse stellen die Experten der Landesbank Baden Württemberg (LBBW) den heimischen Banken ein durchaus gutes Zeugnis aus. So biete sich durch den unerwartet starken Konjunkturaufschwung vom Vorjahr, der auch 2018 anhalten sollte, die Chance, die begonnenen Strukturreformen weiter fortzuführen, heißt es dort. Die Konsolidierung im Bankenmarkt habe Fortschritte gemacht und die Restrukturierungen, die in den vergangenen drei Jahren zu hohen Sonderbelastungen geführt haben, wären weitgehend abgeschlossen. Weiters wurden die Kapitalpuffer deutlich gestärkt und die Kreditqualität klar verbessert.

Allerdings stelle die Niedrigzinsphase die Banken weiterhin vor große Herausforderungen, so die LBBW-Analysten weiter. Da der Wettbewerb in Österreich intensiv und margenarm sei, bilde das Engagement in Zentral- und Osteuropa weiterhin eine wichtige Ertragsstütze – auch wenn es mit vergleichsweise höheren Kredit- und Währungsrisiken verbunden sei. Ein weiterer Pluspunkt: Die Risiken aus Immobilienfinanzierungen bleiben für das österreichische Bankensystem bislang begrenzt.

Abschlag zu hoch

Für viel Aufsehen sorgte Ende Oktober der IPO der BAWAG Group – im Übrigen der größte Börsegang in der Geschichte der Wiener Börse. Wenig später hat die Raiffeisen Centrobank (RCB) die Coverage des Unternehmens mit einer Kaufen-Empfehlung (Kursziel: 50 Euro) aufgenommen. Für den Analysten Stefan Maxian ist der rund 15 %ige Abschlag gegenüber der Konkurrenz sicher zu hoch. Er verweist auf das solide Kapitalwachstum, den starken Track Record, was die Umwandlung einer vormals verlustbringenden Gewerkschaftsbank in eine der profitabelsten und best-kapitalisierten heimischen Privatbanken betrifft sowie die Fähigkeit diesen Restrukturierungserfolg auch bei künftigen
Übernahmen zu wiederholen.

Positiv gestimmt ist Maxian offensichtlich auch für die Erste Group – der Analyst hat die Empfehlung für die Aktie Anfang November von halten auf kaufen hinausgestuft und das Kursziel von 40 Euro bestätigt. Zu den Stärken des Instituts zählt der Experte unter anderem die verbesserte Kapitalisierung, das positive Umfeld mit Hinblick auf die Risikokosten, die signifikante Reduzierung der Bankensteuer in Ungarn sowie die hohen Retail-Marktanteile in defensiven CEE-Ländern wie Tschechien und der Slowakei. Demgegenüber stehe unter anderem die Herausforderung, die negativen Zinsen im Retailbereich weiterzugeben sowie das Risiko einer Bankensteuer in Tschechien.

RBI bleibt attraktiv

Für die Analysten der Erste Group zählt wiederum die RBI zu den Favoriten für 2018. Für die gelisteten heimischen Banken insgesamt spreche eine wahrscheinliche Verschiebung der Zinskurve, so Christoph Schultes. „CEE wächst besonders stark, daher bleibt auch die RBI attraktiv“, meint er. Was kann man sich von der Aktie erwarten? Trotz der außerordentlichen Performance – allein auf Einjahressicht steht ein Plus von rund 63 % zu Buche – sehe er weiteres Potenzial. Positiv: Die Experten der Erste Group gehen davon aus, dass die RBI mit den Gewinnen für 2017 die Dividendenzahlungen wieder aufnehmen wird. Prognostiziert wird eine Ausschüttung von 1,21 Euro pro Aktie.                                    

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

Capital Group Outlook 2018: Die richtige Mischung machts

Das globale Wirtschaftswachstum legt 2018 voraussichtlich noch zu: Nachdem das Welt-Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr um 3,6 Prozent gestiegen ist, wird es in diesem Jahr Prognosen des Internationalen Währungsfonds zufolge um 3,7 Prozent wachsen. In Folge des weltweiten Aufschwungs haben einige Notenbanken bereits angefangen ihre lockere Geldpolitik zu straffen. Manche Anleger sehen diese Wende kritisch, sie fürchten, dass Anleihen aufgrund von Zinserhöhungen unattraktiv werden. Den Experten der Capital Group zufolge liegen Investoren, die meinen, dass Anleihen bei steigenden Kursfristzinsen zwangsläufig verlieren allerdings falsch.

Maßvolle Zinserhöhungen beeinflussen Anleihen nur geringfügig

Die amerikanische Notenbank Fed fing im vergangenen Oktober an ihre Bilanzsumme zu reduzieren und auch die Europäische Zentralbank reduziert ihr Kaufvolumen an diesem Jänner. Konträr zu den Befürchtungen der Anleger könnte dies sogar günstig für Anleihen sein. Die Renditen der US-Anleihen könnten nämlich leicht steigen, sobald die Fed nicht mehr der größte Wertpapierkäufer ist. Auch Zinserhöhungen sind nach Meinung der Experten von Capital Group kein direkter Grund zur Sorge. Denn solange die Erhöhungen maßvoll bleiben, können Zinserträge die Kursverluste mehr als ausgleichen. Das zeigt auch die Historie: Währen der letzten sieben Zinserhöhungszyklen, inklusive dem jetzigen, konnten Investmentgrade-Anleihen mit Ratings von BBB, BBa und mehr für gewöhnlich Gewinne erwirtschaften. So konnte der Bloomberg Barclays Aggregate Index seit den ersten Zinserhöhungen der Fed um die 6 Prozent dazu gewinnen – und das obwohl sich die Federal Funds Target Rate im gleichen Zeitraum um 100 Basispunkte erhöhte.

US-Langfristrenditen dürften steigen

John Queen, Portfoliomanager bei Capital Group, geht nicht davon aus, dass die Fed ihr Tempo bei den Zinserhöhungen signifikant verändern wird: „Wenn die Inflation unter dem Zielwert der Fed liegt und die Wirtschaft moderat wächst, erwarte ich, dass die Notenbank bei ihren Zinserhöhungen Maß hält.“ Sollte die US-Wirtschaft weiterhin wachsen und die Fed ihre Bilanzsumme allmählich reduzieren und nicht mehr der größte Anleihenkäufer sein, könnte dies die Langfristrenditen leicht steigen lassen. Aktuell prognostizieren die Experten von Capital Group, dass die amerikanische Zehnjahres-Benchmarkrendite weiter zwischen 2,25 Prozent und 3 Prozent notieren wird – selbst, wenn die Leitzinsen steigen. Diese Sachlage in Kombination mit dem Fakt, dass die Rendite in vielen anderen Industrieländern unter dem Niveau der USA notiert, dürfte das Interesse an amerikanischen Staatsanleihen weiter fördern.

Emerging-Market-Anleihen bleiben attraktiv

Chancen ergeben sich aber auch bei Investitionen in die höherverzinslichen Emerging-Market-Anleihen. Ein Großteil der Schwellenländer wächst stetig, ohne dass es große wirtschaftliche Ungleichgewichte gibt. Zugleich sind die Schwellenländeranleihen aufgrund ihrer besseren Fundamentaldaten noch immer recht günstig bewertet. Insgesamt raten die Experten von Capital Group jedoch dazu das eigene Anleihenportfolio breit zu diversifizieren – sodass weder die Kredit- noch die Zinsrisiken zu stark übergewichtet sind. So können neben den günstig bewerteten Emerging-Market-Anleihen, beispielsweise US-Staatsanleihen und Municipals Diversifikationsmöglichkeiten für Aktien- und Credit-Investoren bieten. Credits und Mortgage-Backed-Securities hingegen können einen Zinsaufschlag gegenüber US-Staatsanleihen erwirtschaften und auf Dauer einen signifikanten Mehrertrag erzeugen.

Zu viele Immo-Werte in den Indizes

Aktienindizes sollten einen Querschnitt diverser Branchen im Wertpapierhandel abbilden. Die zunehmende Titelgewichtung aus der Immobiliensparte lässt uns einem Irrtum aufsitzen.

Der herrschende Anlagetrend hat mit einer nachhinkenden Verzögerung Auswirkungen auf die Zusammensetzung der führenden Aktienindizes – keine neue Erkenntnis. Die stete „Auffüllung“ in den jeweiligen Spitzenligen der Dividendentitel mit den bis zuletzt prosperierenden Immobilienwerten
mahnt aber zur Vorsicht. Denn der richtige Blick zur Einschätzung einer möglichen Entwicklung des Punktestandes eines Index wird damit herausfordernder. Die künftige Volatilität bei den betreffenden und nun gewichtigen Wertpapieren mit hohem Umsatzvolumen im jeweiligen Markt könnte unterschätzt werden. Ausschlaggebend für eine kritische Betrachtung ist die Erkenntnis, dass kaum eine Branche derart zinssensitiv auf tatsächliche Veränderungen im Umfeld der Fremdkapitalkonditionen reagiert wie die Wohnungs-, Häuser- und Grundstücksbranche.

Eine länger anhaltende Abgabewelle im Zuge geänderter Rahmenbedingungen (monetäre Straffungen in der Zinslandschaft) birgt das Potenzial, die Umkehrfunktion der Aufnahmeprozesse des führenden heimischen Index ATX und des gewichtigen deutschen MDAX auszulösen. Fällt die Kapitalisierung diverser Immo-Titel und werden weitere Notiz-Kriterien nicht mehr erfüllt, erfolgt die Zuordnung in einen nachrangigeren Index binnen Monaten, die Spirale mit weiteren Abgabewellen (beginnend bei Anlagefonds) beginnt sich zu drehen …

Dieser Umstand ist somit für all jene Finanzprodukte von Relevanz, die auf dem breiten Index des heimischen ATX und des deutschen MDAX basieren. Somit haben nicht nur Anleger, die direkt auf Immobilienwerte setzen, die Geschehnisse in diesem Sektor mit Aufmerksamkeit zu verfolgen. Ebenso sind unterdessen verstärkt auch Investoren, die über ETF-Modelle, Fonds oder gar auf diese Sammelindizes gestützte Derivate spekulieren, mit der dominanten Übergewichtigkeit der Immo- Aktiengesellschaften in der Indexzusammensetzung konfrontiert. Die Marktkapitalisierung und die Handelsumsätze der einzelnen Titel spielen dabei je nach Börsenkriterium eine Rolle.

Fragwürdige „Anreicherung“

Mit der BUWOG, der Immofinanz, der CA Immobilien und der S Immo AG macht die Anzahl der Titel im österreichischen ATX-Index derzeit 20 % aus.

Unter Einbeziehung der Deutschen Pfandbriefbank (die vorrangig in die Finanzierung von Immobilien eingebunden ist), notieren im zweitbedeutendsten deutschen Aktienindex MDAX unterdessen sechs Unternehmen aus dem Immobiliensegment. Der Index ist als Benchmark deshalb sehr beliebt, da er in der Vergangenheit vorrangig von industriellen, exportstarken Gesellschaften geprägt war und dadurch eine große Trading-„Beweglichkeit“ aufwies. Diese Eigenschaft wurde zuletzt dem Anlagetrend untergeordnet und ausgedünnt. Mit der MDAX-Mitgliedschaft der Aktien der Alstria office, der Deutsche Wohnen, der Grand City Properties, der LEG- und TAG Immobilien hat sich die Zusammensetzung des MDAX Schritt für Schritt verändert. Das Schicksal der Betongold-Entwicklung bestimmt mittlerweile mit 7,2 % den Verlauf des MDAX. Aufmerksamkeit verdient dieser anhaltende Immo-„Besetzungs“-Werdegang zudem aus der Beobachtung der fortgeschrittenen Entwicklung der Wertentwicklung und der Geldzuflüsse zum breit investierenden, kanadischen Gewerbe- und Einzelhandels-Immobilienfonds Canadian Real Estate Investment Trust. Seit dem Jahr 2014 wurde kein neuer Höchststand mehr generiert und die Liquiditätszuflüsse stagnieren be­reits.                    

Autor: Roman Steinbauer  (redaktion@boersen-kurier.at)

Viele Argumente für europäische Aktien

Dass europäische Unternehmen infolge des sich verfestigenden Konjunkturaufschwungs immer profitabler werden, birgt Aufwärtspotenzial an den Aktienmärkten, meinen Experten.

Nach etlichen schwierigen Jahren hat der „Supertanker“ europäische Wirtschaft zuletzt wieder merklich an Fahrt aufgenommen. Dass die wirtschaftliche Erholung der Region in vollem Gange ist, und auch Länder wie Italien oder Frankreich, die bis vor kurzem noch hinterhergehinkt sind, jetzt auf Touren kommen, stimmt Experten positiv auf europäische Aktien für 2018. Der Grundtenor: Die gute Konjunktur stützt die Nachfrage, was zu stärker steigenden Unternehmensgewinnen und in weiterer Folge zu Kursanstiegen an den Börsen führen sollte.

„Internationale Investoren haben schon seit längerem europäische Aktien weniger stark gekauft als etwa US-amerikanische“, sagt Thomas Steinberger, Geschäftsführer und Mitglied der wissenschaftlichen Leitung bei Spängler IQAM Invest, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Dieses Bild könnte sich mithilfe des konjunkturellen Rückenwinds drehen. Aber auch der historisch hohe Bewertungs-Gap zwischen den USA und Europa spreche für europäische Aktien. In der Vergangenheit sei die Differenz zwischen dem durchschnittlichen KGV von S&P 500 (aktuell: 20x) und Stoxx Europe 600 (16x) bei 2 bis 2,5 gelegen, derzeit liege er hingegen nahe bei 4.

Gelassen bleiben

Optimistisch stimmt Steinberger auch, dass die Umfragen für die heuer anstehenden Parlamentswahlen in Italien für die Mitte-Rechts-Koalition gut ausschauen, für die Fünf-Sterne-Bewegung des Komikers Beppe Grillo hingegen nicht. Was politische Störgeräusche betrifft, empfiehlt Jon Ingram, Head of the Dynamic Team, Europe Behavioral Finance Group bei J.P.Morgan Asset Management, Anlegern ohnehin, gelassen zu bleiben. „Wir sehen die politischen Entwicklungen in Europa als kurzfristige Ablenkungen, die man aussitzen und nicht von der Seitenlinie aus beobachten sollte.“

Für die Experten von Schroders ist auch die Tatsache, dass sich das Deflationsgespenst zurückgezogen habe, die Inflation aber im Rahmen bleibe, eine gute Nachricht für Aktienanleger. „Nach unserer Einschätzung wird die Inflation niedrig bleiben, jedoch über den extrem niedrigen Niveaus von vor ein paar Jahren liegen“, so Rory Bateman, Head of UK & European Equities. Bei niedriger Inflation wären Aktien eine gute Alternative zu niedrig rentierenden Konkurrenzanlagen wie Anleihen. Das ermögliche wiederum eine niedrige Aktienrisikoprämie.

„Eine niedrige Aktienrisikoprämie stützt wiederum eine historisch überdurchschnittliche Gesamtmarktbewertung“, so Bateman, der einräumt, dass die einzelnen Sektoren natürlich sehr unterschiedlich bewertet wären. Europäische Aktien sollten 2018 aber auch durch einen weiteren Faktor Auftrieb erhalten: sinkenden Korrelationen zwischen den Sektoren. Da in den vergangenen Jahren in erster Linie makroökonomische Faktoren wie die quantitative Lockerung die Entwicklung der Aktienmärkte bestimmt habe, sei diese hoch gewesen. „Bei niedrigeren Korrelationen dürften Mehrerträge erzielt werden, indem man die richtigen Einzeltitel wählt, statt auf allgemeine Makrothemen zu setzen“, erklärt Bateman.

„In frühen Phasen eines Zinsanhebungszyklus haben sich Aktien in der Vergangenheit gut geschlagen“, so auch Ingram. Erst ab einer gewissen Zinshöhe würden sich einige Unternehmen und Branchen schwertun. Aktuell gefallen dem Experten, der sowohl den JPMorgan Funds – Europe Dynamic Fund (LU011906 2650) als auch den JPMorgen Funds – Euroland Dynamic Fund (LU0661985969) managt, billige Largecaps wie ING oder der französische Energieversorger Engie. Als attraktiv schätzt er unter anderem aber auch Ferrari und den französischen Reisemobil-Spezialisten Trigano ein.

Wie Steinberger erklärt, erfolge die Titelselektion – egal in welcher Branche – bei der Spängler IQAM Invest auf Basis der Bewertung (KGV, Preis zu Buchwert), des Momentums (Preisentwicklung der vergangenen zwölf Monate) sowie der Qualität (stabiles Gewinnwachstum) einer Aktie. Die Folge: Die größten Sektorpositionen im Spängler IQAM Equity Europe (AT0000092 5888) sind aktuell Finanzdienstleistungen (32,5 %), Industrieunternehmen (19,70 %) sowie Grundstoffe und Verbrauchsgüter (jeweils knapp 12 %).

Mögliche Risiken

Trotz aller Euphorie sollte man sich auch mit potenziellen Risiken auseinandersetzen. Steinberger sieht in diesem Zusammenhang vor allem zwei Gefahrenquellen: Einerseits könnte die Inflation infolge des Wirtschaftswachstums stärker steigen als erwartet. „Das könnte zu einer Zinserhöhung führen, was wiederum an den Aktienmärkten eine Korrektur einleiten könnte“, so der Fachmann zum Börsen-Kurier. Andererseits könnte angesichts der hohen Bewertungen auch ein geopolitischer Event zu Gewinnmitnahmen führen, was in weiterer Folge Kurseinbrüche von 10 bis 20 % einleiten könnte. Nachsatz: „Ob dieser Rückgang nachhaltig ist, hängt von der Gewinnsituation der Unternehmen und der Konjunktur ab.“

Autor: Mag. Patrick Baldia  (redaktion@boersen-kurier.at)

Jäger des verborgenen Schatzes

In unseren Städten aber auch in Geräten des täglichen Gebrauchs schlummern Unmengen wertvoller Rohstoffe, beispielsweise die Seltenen Erden, die nur sehr begrenzt auf der Welt vorhanden sind. Sie zu heben, hat sich Urban Mining vorgenommen.

Blei in Gold verwandeln – an dieser Idee sind Alchemisten seit Äonen gescheitert. Keine Zauberei ist es hingegen, wertvolle Rohstoffe aus unserer direkten Umgebung (wieder) zu gewinnen. Reichhaltiges Potenzial ist vorhanden: So „sitzt“ etwa jeder Wiener auf einem menschengemachten Lager von rund
400 Tonnen Sand, Kies, Metallen, Elektrogeräten, Fahrzeugen etc. Man muss erst gar nicht lange nach diesen „Schätzen“ graben, dazu ein paar Beispiele: In einer 100 m2-Wohnung in Mitteleuropa sind durchschnittlich rund 7.500 kg Metalle verbaut. Jeder Mitteleuropäer verbraucht im Laufe seines Lebens 307 Tonnen Sand und Kies sowie 29 Tonnen Zement, „zwischengelagert“ als fertiger Beton. Und auf deutschen Deponien vermutet man ein Lager von 26 Mio Tonnen Eisenschrott und 850.000 Tonnen Kupfer.

In Smart Phones schlummern wiederum Kupfer, Silber, Gold sowie seltene Erden – wobei Schätzungen davon ausgehen, dass alleine in Österreich rund 10 Mio Handys unbenutzt in Schubladen verstauben. Schade um diese mehr oder weniger verborgenen Schätze – sogenanntes „Urban Mining“ will sie heben. „Urban Mining ist mehr als eine erweiterte Abfallwirtschaft. Es ist ein Denkmodell für die systematische Erfassung und Rückgewinnung der (Sekundär-)Rohstoffe, die in Gebäuden, in Infrastruktur und in Produkten lagern. Urban Mining, im Sinne von verantwortungsvollem Umgang mit Rohstoffen, beginnt daher beim Produktdesign und endet bei der Entwicklung neuer, verfeinerter Technologien zur Rückgewinnung von Rohstoffen“, heißt es auf der Plattform www.urbanmining.at.

Kein Modegag

Der kritische Beobachter kann nun allerdings einwenden: Schön und gut, aber Recycling kennen wir schon lange – was ist nun das wirklich Spektakuläre an Urban Mining? Handelt es sich vielleicht um einen Modetrend, wenn nicht sogar Marketing-Gag, der nur besonders „trendy“ klingt? Alexander Osojnik, Senior Analyst des Nachhaltigkeits-Teams der Erste Asset Management (Erste AM), glaubt das nicht: „Wir sind es schon lange gewohnt, Papier, Glas etc. zu sammeln und zu trennen. Gerade Österreich würde ich als vorbildhaft in Sachen Recycling nennen. Bahnbrechend neu ist das Konzept des Urban Mining somit nicht – ich möchte es aber als wichtige Weiterentwicklung bezeichnen.“ Es ist laut dem Experten nämlich wichtig, das Umdenken zu verfestigen, dass die Rohstoffe dieser Welt nicht unendlich verfügbar sind. „So geht es zunehmend nicht nur um das Thema Recycling allein, sondern darum, den Produktionsprozess in einen Kreislaufprozess zu verwandeln. Schon vor Produktion und Design sollte darauf geachtet werden, welche Rohstoffe verwendet und wie sie später einmal wieder gewonnen und verwertet werden können“, so Osojnik.

Der Experte bezeichnet im Gespräch mit dem Börsen-Kurier somit Urban Mining nicht als „überbordenden Trend, auf den man als Investor jetzt unbedingt gleich aufspringen muss.
Es handelt sich aber zweifellos um einen spannenden Bereich, der zukünftig für Anleger noch interessanter werden wird“. Wie könnten nun Investoren von dieser Entwicklung profitieren? Das ist nicht so einfach: Denn legt man strenge Kriterien an, so finden sich in den großen Aktienindizes nur wenige Unternehmen, die als „pure play“ in Sachen Urban Mining gelten. Aber einige interessante Titel, die zumindest in dem Bereich involviert sind, gibt es durchaus. Wie etwa Waste Management (ISIN: US94106L1098), Waste Connection (US9410531001), Asahi Holdings (JP311670 0000), Darling Ingredients (US2372661015) oder Tomra Systems (NO0005668905). Auch Mayr-Melnhof kann man – als heimischen Vertreter – ins Auge fassen. Es sind weiters große Versorger wie z. B. Suez (FR0010613471) oder Veolia ( FR0000124141) aus Frankreich zu nennen. Diese Unternehmen decken natürlich weitaus breitere Bereiche ab, aber rund ein Drittel ihrer Geschäftstätigkeit kann man im Bereich des Urban Mining ansiedeln.

Gute Langfrist-Performance

Dass sich mit der „urbanen Schatzsuche“ durchaus bare Münze verdienen lässt, beweist etwa der
US-Abfallwirtschaftsspezialist Waste Management Er legt auf Sicht eines Jahres zwar nur eine Performance von etwas mehr als 10% an den Tag, dafür glänzt er in drei Jahren mit rund 65% und in fünf Jahren mit rund 175 % plus.

Angefügt sei, dass bei Waste Management und Waste Connection noch der Großteil des Geschäfts im Bereich Abfallsammlung und Deponierung zu sehen ist. Recycling bzw. Urban-Mining-Aktivitäten machen bei beiden Unternehmen noch weniger als 10 % des Umsatzes aus. Aber der könnte ja noch wachsen, so wie der gesamte Urban-Mining-Sektor.

Autor: Mag. Harald Kolerus  (redaktion@boersen-kurier.at)

Anlagealternativen für 2018

2018 nehmen nach einer starken Aufwärtsbewegung die Risiken wieder zu, weshalb eine funktionierende Diversifikation mit marktunabhängigen Alternativen Investments erforderlich ist.

Pünktlich zum Jahresauftakt drohte Nordkoreas Diktator Kim Jong-un mit einem Atomwaffenangriff, während im Iran die Unruhen toben.

Der Goldpreis ist binnen eines Monats um 3,7 % gestiegen und Goldminen-Titel stiegen entsprechend stärker. Zahlreiche Goldminen-Unternehmen verfügen auf dem aktuellen Goldpreis-Niveau über weiteres Aufholpotenzial, das besonders bei südafrikanischen Minentiteln groß ist, nachdem Delegierte der Regierungspartei ANC den wirtschaftsfreundlichen Multimillionär Cyril Ramaphosa zum neuen Parteivorsitzenden wählten, der nun auch über gute Chancen verfügt, Jacob Zuma 2019 als Präsident abzulösen. Das bietet spekulative Chancen für südafrikanische Minentitel wie Harmony Gold (ISIN: ZAE00 0015228), die mit einem Kurs/Buchwert-Verhältnis von 0,34 und einem Kurs/Cash-Flow-Verhältnis von 2,4 regelrecht ausgebombt erscheint, oder die größeren Minen AngloGold Ashanti (ZAE000043485) und Gold Fields (ZAE000018123). Letztere erzielt den Löwenanteil ihres Cash Flows in Australien und ist um nachhaltiges Wirtschaften bemüht.

Im Verlauf des Jahres ist infolge geopolitischer Spannungen immer wieder mit steigenden Edelmetallpreisen zu rechnen, was generell positiv für diverse Goldminen-Fonds und -ETFs wäre.
Vor allem die russischen Präsidentenwahlen am 18. März und 8. April (Stichwahl) könnten zu turbulenten Ereignissen führen.

Infolge der starken globalen Konjunktur ist im laufenden Jahr mit weiter steigenden Öl- und Rohstoffpreisen zu rechnen. Das ist gut für Ölwerte wie Royal Dutch Shell  (GB00B03M LX29), Total (FR0000120271) und Marathon Oil (US5658491064), Ölfeldausstatter wie Halliburton (US40 62161017), Schlumberger (AN806857 1086)  und Transocean  (CH004826 5513) oder Minenkonzerne wie Norilsk Nickel (US55315J1025), BHP Billiton (AU000000BHP4) oder Rio Tinto (GB0007188757). Darüber hinaus sollten generell Aktien rohstoffreicher Schwellenländer profitieren und „Rohstoffwährungen“ wie Russischer Rubel sowie Südafrikanischer Rand bieten Gewinnchancen.

Auf der anderen Seite bedeuten steigende Energie- und Rohstoffpreise inflationäre Impulse. Sollten diese stärker als erwartet ausfallen, dann müssen die Zentralbanken ihre bisherige Geldpolitik überdenken. In diesem Zusammenhang sollte der am 4. Feber stattfindende Führungswechsel an der Spitze der Fed im Auge behalten werden. Voraussichtlich wird Donald Trumps Wunschkandidat Jerome Powell an diesem Tag Janet Yellen als Fed-Präsident ablösen. Zwar gilt er als Vertreter einer moderaten Geldpolitik, doch Entscheidungsmuster können sich in solchen Spitzenpositionen verändern. Zudem droht in den USA aufgrund der niedrigsten Arbeitslosigkeit seit Dezember 2000 Lohninfla­tion. Schnellere und stärkere Zinsanhebungen als erwartet sind ein Risiko, das von der Fed ausgeht. Laut CME FedWatch Tool liegt aktuell  die vom Markt erwartete Wahrscheinlichkeit von Leitzinsanhebungen auf 1,75 bis 2 % bis zur Fed-Sitzung am 19. Dezember 2018 (derzeit 1,25 bis 1,50 %) bei 35,3 %.

Auch bleibt abzuwarten in welchem Tempo und Ausmaß die Fed ihre Bilanzsumme schrumpfen bzw. ihre Staatsanleihenbestände abbauen wird. Es ist nämlich ein Abbau der Bilanzsumme von 4,5 auf 2,5 bis 3 BioUSD angepeilt. Staatsanleihenverkäufe der Fed drohen die Renditen nach oben zu treiben, während in Europa das Tempo des Rückzugs der EZB aus ihrer expansiven Geldpolitik einen Unsicherheitsfaktor darstellt. Das Crashrisiko bei Staats- und Unternehmensanleihen der entwickelten Industrieländer sollte nicht unterschätzt werden. Kommt es dazu, geraten auch Aktien unter Druck.                

Autor: Michael Kordovsky  (redaktion@boersen-kurier.at)

Gewinne in teurem, überkauftem Markt


Die Grundstoff-Verarbeiter sind deutlich in den Blickpunkt der Investoren gerückt. Eklatante Kurssteigerungen, hohe Bewertungen und eine starke Volatilität 
heizen die Spekulation bei Bullen und Bären an.

Die Aktienkurse der Stahl- und Aluminiumgesellschaften tendieren in Richtung eines exzessiven Stadiums im Umfeld einer pulsierenden Konjunktur – für kurzfristige Long- und Short-Spekulanten öffnen sich da die Tore weit.

Solider ökonomischer  Unterbau

Die jüngsten, starken chinesischen Handelsbilanzdaten (die Dezember-Exporte stiegen mit 10,9 % doppelt so stark wie die Importe mit 4,5 %, Anm.) weisen auf eine robuste Nachfrage bei Grundstoffen hin. So kletterten die Aluminium-Ausfuhren auf den höchsten Stand seit fünf Monaten. Nach der Veröffentlichung der Zahlen war dadurch vor allem bei den Preisen dieser Sorte ein regelrechter Sprung (mit mehr als 2,5 %) nach oben zu beobachten. Auch Zink (findet Verwendung bei der Stahl-Galvanisierung) erreichte eben den höchsten Stand seit zehn Jahren. Unterstützung erfährt der breite Aufschwung der Notizen zudem durch den abdriftenden US-Dollar. Die Orderlage wird durch diesen Umstand (günstigerer Rohstofferwerb für Verarbeiter anderer Weltregionen) zusätzlich angeheizt.

Ein spezieller, handelspolitischer Aspekt schürt bei Aluminium seit Wochen zusätzlich die Spekulationen, insbesondere an den Märkten der westlichen Industriestaaten: Die Erwartungen, das U.S. Commerce Department werde schon bald Sonderzölle auf Stahlimporte und verwandte Produkte aus Fernost erheben.

Michael Widmer, Chef der Metals-Research-Abteilung der Bank of America Merrill Lynch, sieht den Trend nicht als kurzfristiges Phänomen: „Aus makroökonomischer Sicht ist dies kein Umfeld, um auf eine Gegenbewegung oder einen Abriss dieses Trends zu setzen.“ Bestätigt wird diese Aussage auch durch die aktuellen Bestandsabnahmen an der London Metal Exchange (LME), dem größten Industriemetallwaren-Handelsplatz der Welt. Insbesondere bei Zink fiel der Lagerbestand auf das tiefste Niveau seit 2008, der Markt wird auf der Angebotsseite eng.

Notwendige Herstellung der Relationen

Die Einordnung der aktuellen Akzeptanz der Märkte zu den heutigen Aktienbewertungen sollte der Langfristanleger in der euphorischen Kauflaune nicht aus den Augen verlieren. Klar erkennbar ist die überkaufte Situation an den Chartbildern. Die Kursentwicklung der voestalpine hat sich von der 200-Tages-Linie bereits derart entfernt, wie zuletzt im Jahr 2007. Die Bruttorendite des heimischen Parade-Unternehmens liegt heute zwar mit 6,2 % um 10 % höher als 2013 – ebenso der Jahresüberschuss. Die Umsätze hingegen sind 2 % niedriger als damals, die Ausschüttung an die Aktionäre stieg um 20 % (1,10 Euro). Die Aktiennotiz hat sich dennoch verdoppelt, obwohl die Verbindlichkeiten in diesem Zeitraum um 7 % stiegen.

Empfindlicher sind noch die Bewertungen des deutschen Mitbewerbers Salzgitter zu sehen (ISIN: DE0006202005), da der Konzern gerade erst im Vorjahr wieder schwarze Zahlen erreichte. Ein neu einsteigender Anteilshalter erzielt bei dieser Gesellschaft mit den Kernkompetenzen in der Walzstahlproduktion sowie Röhrenerzeugnissen eine Dividendenrendite von 0,97 % und ist mit Kursschwankungen eines Zyklikers mit einer EK-Quote von 34 % konfrontiert. Die Notiz avancierte während der vergangenen drei Monate um weitere 25 %. Titel des global führenden Stahl- und Bergbauunternehmens ArcelorMittal (LU1598757687) weisen nach dem Höhenflug einen noch krasseren Schwankungsgrad auf – die zuvor angeführten Daten liegen unerheblich besser.

Dem ehemaligen Dow-Wert und US-Aluminiumbranchenführer Alcoa (US0138721065) wird von Analysten eine hervorragende Perspektive der Gewinndynamik (+15 %) für 2018 bescheinigt. Die Aktien sind auch hier weit vorausgelaufen. Derzeit beträgt der operative Gewinn 2,7 % vom Umsatz – der wiederum um rasante 27 % seit einem Jahr angezogen hat. Ein Nachlassen der kräftigen Weltkonjunktur kann den Trend aber rasch umdrehen, immerhin belaufen sich die Verbindlichkeiten der New Yorker auf 17 USD/Aktie. Nüchterne Eckdaten (Dividenden-Rendite: 0,63 %, KGV: 36) lassen erkennen, wie weit der positive Ausblick in die Bewertung bereits implementiert wurde.

Steel Dynamics (US8581 191009) hatte hingegen kürzlich die steilste Kursperformance hinter sich gebracht. Gemeinsam mit Nucor (US67 03461052) und United States Steel (US912 9091081) gilt:
Die hohe Verschuldung wird bei steigender Zinslandschaft haariger.

Autor: Roman Steinbauer  (redaktion@boersen-kurier.at)

„Nachzügler“ der Wiener Börse

Binnen kürzester Zeit hat der ATX das einst „magische“ Kursziel von 3.600 Punkten erreicht. Nun sollten Anleger vermehrt nach fundamental attraktiven „Nachzüglern“ Ausschau halten.


Die Analysten der Erste Group beziffern das erwartete Gewinnwachstum 2018 im ATX mit 15,7 %, womit der ATX fundamental abgesichert wäre. Allerdings ist bereits viel Positives eingepreist. Nun sollte ein Blick auf jene Werte geworfen werden, die in der Hitze des Gefechtes übersehen wurden, aber als Nachzügler über Aufholpotenzial verfügen. Für Friedrich Mostböck, Head of Group Research der Erste Group, fallen Agrana, Lenzing und Strabag in die Kategorie „Value-Aktien“, während er als Dividendentitel die Österreichische Post und UNIQA hervorhob.

Agrana und Lenzing mit Überraschungspotenzial

Mostböck sieht in Agrana einen globalen Nischenplayer: „Das Unternehmen ist zudem gut diversifiziert und relativ resistent gegenüber konjunkturellen Schwankungen.“  Agrana ist führender Anbieter von Zucker und Isoglukose in Zentral-, Ost- und Südosteuropa, ein bedeutender Hersteller von Stärkeprodukten und Bioethanol in Europa und im Segment Frucht Weltmarktführer bei Fruchtzubereitungen und bedeutendster Produzent von Fruchtsaftkonzentraten in Europa. Bei 2,2 % Umsatz-steigerung in den ersten neun Monaten 2017/18 konnte infolge positiver Entwicklungen im Ethanolgeschäft und höherer Verkaufspreise im Zuckersegment (aber nur erstes Halbjahr) das EBIT
um 24,6 % gesteigert werden. Trotz Liberalisierung des Zuckermarktes seit 1. Oktober 2017 bestätigt das Management den Finanzausblick 17/18 mit einem erwarteten EBIT-Plus von mindestens 10 %. Interessante Projekte: 2. Fruchtzubereitungswerk in China und Kauf des serbischen Zuckerproduzenten Sunoko. Auf Basis eines Kurses von 102,2 Euro wäre die Aktie mit einem geschätzten Forward-KGV 2018 von 11,7 ein solides Investment.

Lenzing ist nach jüngsten Rückschlägen günstig. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben weltweit der einzige Hersteller, der nennenswerte Mengen aller 3 Generationen von Cellulosefasern von klassischer Viscose, über Modal bis zur Lyocell-Faser TENCEL® produziert. Der Entwicklung, dass neue Viskoseproduktionskapazitäten 2018 die Preise unter Druck setzen könnten, entgegnet Lenzing durch Forcierung der Produktion von Spezialfasern, deren Umsatzanteil das Management bis 2020 auf 50 % steigern möchte. Fakt ist, dass in den ersten neun Monaten 2017 bei  9,4 % Umsatzanstieg das Ergebnis je Aktie um 36 % auf 8,12 USD gesteigert werden konnte. Laut „Equity Weekly“ vom 12.1., einer Publikation von Erste Group Research, weist Lenzing bei einem Kurs von 107,5 Euro erwartete Forward-KGVs 2018 und 2019 von je 10,6 bzw. 10,1 auf – Kursziel: 155 Euro!

Der Baukonzern STRABAG sollte von den in den kommenden Jahren in verschiedenen europäischen Ländern anstehenden Bauvorhaben profitieren. Bereits in den ersten neun Monaten stieg der Auftragsbestand um 7 % auf ein hohes Niveau von 16 Mrd Euro. Ausschlaggebend waren zahlreiche neue Großaufträge der öffentlichen Hand und der Industrie in den wichtigsten Märkten Deutschland, Österreich, Polen, Ungarn und Slowakei.

Die Bauleistung stieg in den ersten drei Quartalen 2017 um 9 % auf 10,4 Mrd Euro und für das Gesamtjahr rechnet der Vorstand mit einem Anstieg um 7 % auf 14,5 Mrd Euro. Diese Entwicklung
sollte auch eine EBIT-Marge von mindestens 3 % ermöglichen. Bei einem Kurs von 35 Euro wäre STRABAG mit Forward-KGVs 2018 und 2019 von jeweils 12,4 bzw. 10,9 günstig bewertet.

Dividendentitel

Trotz jüngster Anstiege noch immer über Potenzial verfügt UNIQA, deren Ergebnis vor Steuern in den ersten neun Monaten 2017 um 21,8 % gesteigert werden konnte. Auf Basis eines Kurses von 9,67 Euro liegt die Dividendenrendite bei 5,07 %. Die progressive Dividendenpolitik soll fortgesetzt werden. Ebenfalls interessant ist die Österreichische Post, die zumindest 75 % des Nettoergebnisses als Dividende ausschüttet und bei einem Kurs von 39,10 Euro eine Dividendenrendite von 5,12 % aufweist. Ein stabiler Cash Flow und solide Gewinne sollten auch zukünftig hohe Dividenden ermöglichen.

Wer hingegen jenseits der ATX-20 etwas spekulativer agieren möchte, sollte einen Blick auf Wolford werfen: Ein neuer Großaktionär kann jederzeit erscheinen und auch von der Marketing-Seite (Colorado-Body und Online-Kampagne) könnten Impulse kommen.

Autor: Michael Kordovsky  (redaktion@boersen-kurier.at)

DAX-Konzern bietet für BUWOG

Noch vor Weihnachten wurde bekannt, dass Deutschlands größter Wohnimmobilienkonzern Vonovia den Aktionären der österreichischen BUWOG ein Übernahmeangebot unterbreitet. Vonovia SE ist schon seit geraumer Zeit auf Einkaufstour. Welche Absichten der Konzern mit dem neuesten Deal verfolgt, fragte der Börsen-Kurier in einem Interview den Leiter Investor Relations, Rene Hoffmann.

Börsen-Kurier: Vonovia hat bekannt gegeben, den österreichischen Immobilienkonzern BUWOG zu übernehmen. Erst im vergangenen Frühjahr hat Vonovia sich den Konkurrenten conwert einverleibt. Welche Chancen sehen Sie auf dem österreichischen Markt?

Rene Hoffmann: Der Wohnungsbestand der BUWOG ergänzt den von Vonovia erworbenen conwert-Bestand in Österreich. Gemeinsam mit dem Portfolio von conwert würde Vonovia dort dann rund 24.000 Wohnungen bewirtschaften. Damit gehört Österreich nachhaltig zu unserem Immobilienbestand.

Börsen-Kurier: Die BUWOG verwaltet rund 50.000 Wohnungen, rund die Hälfte davon in Deutschland. Was macht das BUWOG-Portfolio für Vonovia mit derzeit 350.000 Wohnungen so attraktiv?

Hoffmann: Die Wohnungen der BUWOG liegen in Deutschland hauptsächlich in den sich dynamisch entwickelnden Metropolen Berlin und Hamburg sowie in Kiel und Lübeck. Damit ergänzt dieses Portfolio unser eigenes ideal und kann somit von unseren Größenvorteilen, unserer Handwerkerorganisation und unseren Immobiliennahen Dienstleistungen profitieren.

Börsen-Kurier: Vonovia bietet 29,05 Euro je BUWOG-Aktie, was einem Übernahmepreis von
5,2 Mrd Euro entspricht. Ist das Übernahmeangebot sowohl aus BUWOG- als auch aus Vonovia-Sicht gerechtfertigt?

Hoffmann: Die Prämie von 18,1 % ist unseres Erachtens ein attraktives Angebot für die Aktionäre der BUWOG und ein fairer Preis. Der Mehrwert für die Vonvoia-Aktionäre liegt nicht zuletzt darin, dass wir, ohne die Anzahl der Aktien zu erhöhen, unser Portfolio vergrößern, Kostenvorteile generieren und somit unser Ergebnis und unsere Dividendenfähigkeit weiter erhöhen.

Börsen-Kurier: Das offizielle Übernahmeangebot ist für
Februar angekündigt. Dann müssen 50 % plus eine BUWOG-Aktie Vonovia angedient werden. Wie werden beide Aktionärsgruppen bzw. beide Unternehmen von der Übernahme aus Ihrer Sicht profitieren?

Hoffmann: Die Aktionäre der BUWOG profitieren über eine Gewinnrealisierung, die mehr als 18 % über dem Schlusskurs vor Ankündigung liegt. Die Vorteile für die Aktionäre der Vonovia liegen in den erwarteten Kostenvorteilen in Höhe von rund 30 Mio Euro pro Jahr. Zudem wirkt sich die Übernahme auch positiv auf unsere Ertragskraft aus dem operativen Geschäft, den FFO 1, und damit unmittelbar auf unsere Dividende aus.

Börsen-Kurier: Vonovia wird die Übernahme ausschließlich fremdfinanzieren. Welche Vorteile hat dies?

Hoffmann: Wir finanzieren aktuell vornehmlich über unbesicherte Unternehmensanleihen und brauchen keine Kapitalerhöhung. Dies wiederum steigert die Ertragskraft und die Dividende pro Aktie.

Börsen-Kurier: Mit der BUWOG-Übernahme avanciert Vonovia auch in Österreich zum Marktführer. Gewinnen vor allem die Aktionäre oder auch die Mieter?

Hoffmann: Wir haben unsere Eigentümer und unsere Mieter gleichermaßen im Blick. Die langfristige Zufriedenheit unserer Kunden steht im Mittelpunkt unseres Handelns. Durch die neue Größe, die wir mit der BUWOG in den jeweiligen Städten erreichen, können wir unseren Bestand dort noch effizienter bewirtschaften und weitere Skaleneffekte realisieren. Das bedeutet: Modernisierungen werden zum Beispiel günstiger. Das sind ganz klare Vorteile für unsere Mieter.

Börsen-Kurier: Sie haben angekündigt, künftig jährlich 4.000 neue Wohnungen zu bauen. Welche Pläne verfolgt Vonovia damit?

Hoffmann: Wir wollen durch unser Neubauprogramm organisch wachsen und natürlich auch die Wohnsituation in den Städten entspannen. Die rund 10.000 Wohnungen, die derzeit schon in der Pipeline sind, sind ein sehr guter Start.

Börsen-Kurier: Einige BUWOG-Manager werden auch im fusionierten Konzern strategische Positionen einnehmen. Welche Rolle wird BUWOG künftig im Gesamtkonzern spielen?

Hoffmann: Wir wollen Vonovia gemeinsam weiterentwickeln. Vor allem die Kompetenz im Development ist sehr wertvoll. Zudem ist es wichtig, jemanden, der das Österreichgeschäft kennt, im Vorstand zu haben.

Börsen-Kurier: Welchen Einfluss hat das gegenwärtige Umfeld aus Niedrigzinsen und enorm steigenden Mieten auf den neuen gewachsenen Konzern?

Hoffmann: Das Zinsumfeld ermöglicht uns historisch günstige Finanzierungskonditionen. Steigende Marktmieten zeigen, dass die wachsende Nachfrage nach Wohnungen zumindest in den Ballungszentren weiterhin ungebrochen ist. Deshalb ist der Neubau ja so wichtig. Wir bewegen uns also in einem günstigen Umfeld.

Börsen-Kurier: Ist die Einkaufstour mit dem BUWOG-Zukauf beendet?

Hoffmann: Wir sind immer offen für attraktive Immobilienportfolien, aber wir haben keine Notwendigkeit zu kaufen. Wir sind hier opportunistisch unterwegs – insofern ist das nicht planbar.                                 

Autor: Christiane Süßel, Frankfurt (redaktion@boersen-kurier.at)

Standort Kapitalmarkt stärken

Im 180-seitigen, dicht beschriebenen Regierungsprogramm 2017 – 2022 unserer neuen Bundesregierung ist auch einiges – direkt und indirekt – Relevantes für unseren Kapital- und Finanzmarkt enthalten.

Einiges wurde und wird auch im Börsen-Kurier immer wieder gefordert, ist also nicht neu. Anderes klingt schon mutiger. Hier eine Übersicht: Zum späteren Checken, was schon umgesetzt wurde.

Für Vorbörse und Börse

Was den Kapitalmarkt im engeren Sinne betrifft, so nimmt sich die neue Bundesregierung die Entwicklung einer Gesamtstrategie Risikokapital zur Verbesserung der Wachstumsfinanzierung vor. Auf der Agenda steht auch eine Reform des Kapitalmarktrechtes durch Rücknahme von „Gold Plating“ (also dem im nationalen Recht strengeren Umsetzen von EU-Vorgaben) sowie Schritte zu einer KMU-Börse durch Öffnung des Dritten Marktes und Erleichterungen im Prospektrecht für KMU. Generell will man den rechtlichen Aufwand und die Gebühren für IPOs reduzieren. Die Anlagenklasse Eigen- und Risikokapital soll für institutionelle Investoren wie Pensionskassen und betriebliche Vorsorgen bis zu 10 % geöffnet werden: für Investitionen in österreichische Unternehmen als ausgewogene Portfoliodiversifikation. Ebenfalls kapitalmarktstimulierend würde das Ziel dienen, die individuellen Anlagemöglichkeiten der zweiten und dritten Pensionssäule zu verbessern, etwa durch eine bessere steuerliche Förderung der privaten Altersvorsorge. Und als Signal nimmt man sich die Wiederbesetzung des früheren Kapitalmarktbeauftragten vor.

Was die Finanzwirtschaft im weiteren Sinne angeht, will die neue Regierung das Banken- und Versicherungsrecht reformieren, wie erwähnt das Gold Plating zurücknehmen, sowie Proportionalität bei der Regulierung kleinerer Banken angewendet wissen. Auch eine Reform der Finanzmarktaufsicht steht wieder am Zettel. Ebenfalls nicht neu ist weiters die Förderung von Financial Literacy der Bevölkerung. Stimulus auf Unternehmensseite soll eine Ausweitung der Garantievergabe für Unternehmenskredite bringen. Ein europapolitisches Signal in dem Zusammenhang ist das Vorhaben der Standardisierung und Bündelung von Projekten mit dem Ziel der stärkeren Nutzung der Mittel aus dem EFSI (Europäischer Fonds für strategische Investitionen).

Finanzagenda

Was Verbesserungen für die Finanzplanung der Unternehmen betrifft, ist eine Modernisierung der Gewinnermittlung durch die Zusammenführung von UGB-Bilanz und Steuerbilanz zu einer „Einheitsbilanz“ vorgesehen. Mehr Planungs- und Rechtssicherheit soll auch die Modernisierung des Verfahrensrechts durch eine Reform der Auskunftsbescheide bringen. Ziel ist auch eine modernisierte Kommunikation zwischen Behörden und Wirtschaft mittels Ausbau der begleitenden Kontrolle zwischen Unternehmen und Betriebsprüfungen basierend auf Vertrauen und Transparenz. Die Finanzverwaltung soll zu einem effizienten und kundenorientierten Organ ausgebaut werden.

Mit Steuern steuern

Indirekt kapitalmarktwirksam könnte die Senkung der Körperschaftsteuer (auf nicht entnommene Gewinne oder alternativ eine allgemeine Senkung) werden. Wobei aber der angepeilte Steuersatz und der Zeitpunkt des Inkrafttretens noch offen gelassen ist. Gegen die avisierte Reduzierung von antiquierten Gebühren und Abgaben, z. B. Bagatellsteuern und Rechtsgeschäftsgebühren, wird wohl niemand was einzuwenden haben. Eine Steuerstrukturreform mit Reduktion von Ausnahmen und Sonderbestimmungen und Vereinfachungen kann sicher auch nicht schaden. Dann ist auch eine ESt-Tarifreform und Senkung der Abgabenlast möglich.

Autor: Manfred Kainz  (redaktion@boersen-kurier.at)

Chancen und Risiken für 2018

Die Konjunktur nimmt vor allem in Europa Fahrt auf, Öl- und Rohstoffpreise steigen. Daraus resultiert eine Reihe von Chancen bei gleichzeitigen Risiken.

Pünktlich zum Jahresauftakt drohte Nordkoreas Diktator Kim Jong-un mit einem Atomwaffenangriff, während im Iran die Unruhen toben. Der Goldpreis ist binnen eines Monats um 3,7 % gestiegen und Goldminen-Titel stiegen entsprechend stärker. Zahlreiche Goldminen-Unternehmen verfügen auf dem aktuellen Goldpreis-Niveau über weiteres Aufholpotenzial, das besonders bei südafrikanischen Minentiteln groß ist, nachdem Delegierte der Regierungspartei ANC den wirtschaftsfreundlichen Multimillionär Cyril Ramaphosa zum neuen Parteivorsitzenden wählten, der nun auch über gute Chancen verfügt, Jacob Zuma 2019 als Präsident abzulösen. Das bietet spekulative Chancen für südafrikanische Minentitel wie Harmony Gold (ISIN: ZAE00 0015228), die mit einem Kurs/Buchwert-Verhältnis von 0,34 und einem Kurs/Cash-Flow-Verhältnis von 2,4 regelrecht ausgebombt erscheint, oder die größeren Minen AngloGold Ashanti (ZAE000043485) und Gold Fields (ZAE000018123). Letztere erzielt den Löwenanteil ihres Cash Flows in Australien und ist um nachhaltiges Wirtschaften bemüht.

Im Verlauf des Jahres ist infolge geopolitischer Spannungen immer wieder mit steigenden Edelmetallpreisen zu rechnen, was generell positiv für diverse Goldminen-Fonds und -ETFs wäre. Vor allem die russischen Präsidentenwahlen am 18. März und 8. April (Stichwahl) könnten zu turbulenten Ereignissen führen.

Infolge der starken globalen Konjunktur ist im laufenden Jahr mit weiter steigenden Öl- und Rohstoffpreisen zu rechnen. Das ist gut für Ölwerte wie Royal Dutch Shell  (GB00B03M LX29), Total (FR0000120271) und Marathon Oil (US5658491064), Ölfeldausstatter wie Halliburton (US40 62161017), Schlumberger (AN806857 1086)  und Transocean (CH004826 5513) oder Minenkonzerne wie Norilsk Nickel (US55315J1025), BHP Billiton (AU000000BHP4) oder Rio Tinto (GB0007188757). Darüber hinaus sollten generell Aktien rohstoffreicher Schwellenländer profitieren und „Rohstoffwährungen“ wie Russischer Rubel sowie Südafrikanischer Rand bieten Gewinnchancen.

Auf der anderen Seite bedeuten steigende Energie- und Rohstoffpreise inflationäre Impulse. Sollten diese stärker als erwartet ausfallen, dann müssen die Zentralbanken ihre bisherige Geldpolitik überdenken. In diesem Zusammenhang sollte der am 4. Feber stattfindende Führungswechsel an der Spitze der Fed im Auge behalten werden. Voraussichtlich wird Donald Trumps Wunschkandidat Jerome Powell an diesem Tag Janet Yellen als Fed-Präsident ablösen. Zwar gilt er als Vertreter einer moderaten Geldpolitik, doch Entscheidungsmuster können sich in solchen Spitzenpositionen verändern. Zudem droht in den USA aufgrund der niedrigsten Arbeitslosigkeit seit Dezember 2000 Lohninfla­tion. Schnellere und stärkere Zinsanhebungen als erwartet sind ein Risiko, das von der Fed ausgeht. Laut CME FedWatch Tool liegt aktuell  die vom Markt erwartete Wahrscheinlichkeit von Leitzinsanhebungen auf 1,75 bis 2 % bis zur Fed-Sitzung am 19. Dezember 2018 (derzeit 1,25 bis 1,50 %) bei 35,3 %.

Auch bleibt abzuwarten in welchem Tempo und Ausmaß die Fed ihre Bilanzsumme schrumpfen bzw. ihre Staatsanleihenbestände abbauen wird. Es ist nämlich ein Abbau der Bilanzsumme von 4,5 auf 2,5 bis 3 BioUSD angepeilt. Staatsanleihenverkäufe der Fed drohen die Renditen nach oben zu treiben, während in Europa das Tempo des Rückzugs der EZB aus ihrer expansiven Geldpolitik einen Unsicherheitsfaktor darstellt. Das Crashrisiko bei Staats- und Unternehmensanleihen der entwickelten Industrieländer sollte nicht unterschätzt werden. Kommt es dazu, geraten auch Aktien unter Druck.                

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

DAX-Konzern bietet für BUWOG

Noch vor Weihnachten wurde bekannt, dass Deutschlands größter Wohnimmobilienkonzern Vonovia den Aktionären der österreichischen BUWOG ein Übernahmeangebot unterbreitet. Vonovia SE ist schon seit geraumer Zeit auf Einkaufstour. Welche Absichten der Konzern mit dem neuesten Deal verfolgt, fragte der Börsen-Kurier in einem Interview den Leiter Investor Relations, Rene Hoffmann.

Börsen-Kurier: Vonovia hat bekannt gegeben, den österreichischen Immobilienkonzern BUWOG zu übernehmen. Erst im vergangenen Frühjahr hat Vonovia sich den Konkurrenten conwert einverleibt. Welche Chancen sehen Sie auf dem österreichischen Markt?

Rene Hoffmann: Der Wohnungsbestand der BUWOG ergänzt den von Vonovia erworbenen conwert-Bestand in Österreich. Gemeinsam mit dem Portfolio von conwert würde Vonovia dort dann rund 24.000 Wohnungen bewirtschaften. Damit gehört Österreich nachhaltig zu unserem Immobilienbestand.

Börsen-Kurier: Die BUWOG verwaltet rund 50.000 Wohnungen, rund die Hälfte davon in Deutschland. Was macht das BUWOG-Portfolio für Vonovia mit derzeit 350.000 Wohnungen so attraktiv?

Hoffmann: Die Wohnungen der BUWOG liegen in Deutschland hauptsächlich in den sich dynamisch entwickelnden Metropolen Berlin und Hamburg sowie in Kiel und Lübeck. Damit ergänzt dieses Portfolio unser eigenes ideal und kann somit von unseren Größenvorteilen, unserer Handwerkerorganisation und unseren Immobiliennahen Dienstleistungen profitieren.

Börsen-Kurier: Vonovia bietet 29,05 Euro je BUWOG-Aktie, was einem Übernahmepreis von
5,2 Mrd Euro entspricht. Ist das Übernahmeangebot sowohl aus BUWOG- als auch aus Vonovia-Sicht gerechtfertigt?

Hoffmann: Die Prämie von 18,1 % ist unseres Erachtens ein attraktives Angebot für die Aktionäre der BUWOG und ein fairer Preis. Der Mehrwert für die Vonvoia-Aktionäre liegt nicht zuletzt darin, dass wir, ohne die Anzahl der Aktien zu erhöhen, unser Portfolio vergrößern, Kostenvorteile generieren und somit unser Ergebnis und unsere Dividendenfähigkeit weiter erhöhen.

Börsen-Kurier: Das offizielle Übernahmeangebot ist für Februar angekündigt. Dann müssen 50 % plus eine BUWOG-Aktie Vonovia angedient werden. Wie werden beide Aktionärsgruppen bzw. beide Unternehmen von der Übernahme aus Ihrer Sicht profitieren?

Hoffmann: Die Aktionäre der BUWOG profitieren über eine Gewinnrealisierung, die mehr als 18 % über dem Schlusskurs vor Ankündigung liegt. Die Vorteile für die Aktionäre der Vonovia liegen in den erwarteten Kostenvorteilen in Höhe von rund 30 Mio Euro pro Jahr. Zudem wirkt sich die Übernahme auch positiv auf unsere Ertragskraft aus dem operativen Geschäft, den FFO 1, und damit unmittelbar auf unsere Dividende aus.

Börsen-Kurier: Vonovia wird die Übernahme ausschließlich fremdfinanzieren. Welche Vorteile hat dies?

Hoffmann: Wir finanzieren aktuell vornehmlich über unbesicherte Unternehmensanleihen und brauchen keine Kapitalerhöhung. Dies wiederum steigert die Ertragskraft und die Dividende pro Aktie.

Börsen-Kurier: Mit der BUWOG-Übernahme avanciert Vonovia auch in Österreich zum Marktführer. Gewinnen vor allem die Aktionäre oder auch die Mieter?

Hoffmann: Wir haben unsere Eigentümer und unsere Mieter gleichermaßen im Blick. Die langfristige Zufriedenheit unserer Kunden steht im Mittelpunkt unseres Handelns. Durch die neue Größe, die wir mit der BUWOG in den jeweiligen Städten erreichen, können wir unseren Bestand dort noch effizienter bewirtschaften und weitere Skaleneffekte realisieren. Das bedeutet: Modernisierungen werden zum Beispiel günstiger. Das sind ganz klare Vorteile für unsere Mieter.

Börsen-Kurier: Sie haben angekündigt, künftig jährlich 4.000 neue Wohnungen zu bauen. Welche Pläne verfolgt Vonovia damit?

Hoffmann: Wir wollen durch unser Neubauprogramm organisch wachsen und natürlich auch die Wohnsituation in den Städten entspannen. Die rund 10.000 Wohnungen, die derzeit schon in der Pipeline sind, sind ein sehr guter Start.

Börsen-Kurier: Einige BUWOG-Manager werden auch im fusionierten Konzern strategische Positionen einnehmen. Welche Rolle wird BUWOG künftig im Gesamtkonzern spielen?

Hoffmann: Wir wollen Vonovia gemeinsam weiterentwickeln. Vor allem die Kompetenz im Development ist sehr wertvoll. Zudem ist es wichtig, jemanden, der das Österreichgeschäft kennt, im Vorstand zu haben.

Börsen-Kurier: Welchen Einfluss hat das gegenwärtige Umfeld aus Niedrigzinsen und enorm steigenden Mieten auf den neuen gewachsenen Konzern?

Hoffmann: Das Zinsumfeld ermöglicht uns historisch günstige Finanzierungskonditionen. Steigende Marktmieten zeigen, dass die wachsende Nachfrage nach Wohnungen zumindest in den Ballungszentren weiterhin ungebrochen ist. Deshalb ist der Neubau ja so wichtig. Wir bewegen uns also in einem günstigen Umfeld.

Börsen-Kurier: Ist die Einkaufstour mit dem BUWOG-Zukauf beendet?

Hoffmann: Wir sind immer offen für attraktive Immobilienportfolien, aber wir haben keine Notwendigkeit zu kaufen. Wir sind hier opportunistisch unterwegs – insofern ist das nicht planbar.                                    

Autor: Christiane Süßel, Frankfurt (redaktion@boersen-kurier.at)

Standort Kapitalmarkt stärken

Im 180-seitigen, dicht beschriebenen Regierungsprogramm 2017 – 2022 unserer neuen Bundesregierung ist auch einiges – direkt und indirekt – Relevantes für unseren Kapital- und Finanzmarkt enthalten.

Einiges wurde und wird auch im Börsen-Kurier immer wieder gefordert, ist also nicht neu. Anderes klingt schon mutiger. Hier eine Übersicht: Zum späteren Checken, was schon umgesetzt wurde.

Für Vorbörse und Börse

Was den Kapitalmarkt im engeren Sinne betrifft, so nimmt sich die neue Bundesregierung die Entwicklung einer Gesamtstrategie Risikokapital zur Verbesserung der Wachstumsfinanzierung vor. Auf der Agenda steht auch eine Reform des Kapitalmarktrechtes durch Rücknahme von „Gold Plating“ (also dem im nationalen Recht strengeren Umsetzen von EU-Vorgaben) sowie Schritte zu einer KMU-Börse durch Öffnung des Dritten Marktes und Erleichterungen im Prospektrecht für KMU. Generell will man den rechtlichen Aufwand und die Gebühren für IPOs reduzieren. Die Anlagenklasse Eigen- und Risikokapital soll für institutionelle Investoren wie Pensionskassen und betriebliche Vorsorgen bis zu 10 % geöffnet werden: für Investitionen in österreichische Unternehmen als ausgewogene Portfoliodiversifikation. Ebenfalls kapitalmarktstimulierend würde das Ziel dienen, die individuellen Anlagemöglichkeiten der zweiten und dritten Pensionssäule zu verbessern, etwa durch eine bessere steuerliche Förderung der privaten Altersvorsorge. Und als Signal nimmt man sich die Wiederbesetzung des früheren Kapitalmarktbeauftragten vor.

Was die Finanzwirtschaft im weiteren Sinne angeht, will die neue Regierung das Banken- und Versicherungsrecht reformieren, wie erwähnt das Gold Plating zurücknehmen, sowie Proportionalität bei der Regulierung kleinerer Banken angewendet wissen. Auch eine Reform der Finanzmarktaufsicht steht wieder am Zettel. Ebenfalls nicht neu ist weiters die Förderung von Financial Literacy der Bevölkerung. Stimulus auf Unternehmensseite soll eine Ausweitung der Garantievergabe für Unternehmenskredite bringen. Ein europapolitisches Signal in dem Zusammenhang ist das Vorhaben der Standardisierung und Bündelung von Projekten mit dem Ziel der stärkeren Nutzung der Mittel aus dem EFSI (Europäischer Fonds für strategische Investitionen).

Finanzagenda

Was Verbesserungen für die Finanzplanung der Unternehmen betrifft, ist eine Modernisierung der Gewinnermittlung durch die Zusammenführung von UGB-Bilanz und Steuerbilanz zu einer „Einheitsbilanz“ vorgesehen. Mehr Planungs- und Rechtssicherheit soll auch die Modernisierung des Verfahrensrechts durch eine Reform der Auskunftsbescheide bringen. Ziel ist auch eine modernisierte Kommunikation zwischen Behörden und Wirtschaft mittels Ausbau der begleitenden Kontrolle zwischen Unternehmen und Betriebsprüfungen basierend auf Vertrauen und Transparenz. Die Finanzverwaltung soll zu einem effizienten und kundenorientierten Organ ausgebaut werden.

Mit Steuern steuern

Indirekt kapitalmarktwirksam könnte die Senkung der Körperschaftsteuer (auf nicht entnommene Gewinne oder alternativ eine allgemeine Senkung) werden. Wobei aber der angepeilte Steuersatz und der Zeitpunkt des Inkrafttretens noch offen gelassen ist. Gegen die avisierte Reduzierung von antiquierten Gebühren und Abgaben, z. B. Bagatellsteuern und Rechtsgeschäftsgebühren, wird wohl niemand was einzuwenden haben. Eine Steuerstrukturreform mit Reduktion von Ausnahmen und Sonderbestimmungen und Vereinfachungen kann sicher auch nicht schaden. Dann ist auch eine ESt-Tarifreform und Senkung der Abgabenlast möglich.

Autor: Manfred Kainz  (redaktion@boersen-kurier.at)

Die teuersten Konzerne der Welt

Die teuersten Unternehmen der Welt sind Technologie- und Internetkonzerne: Apple vor Alphabet, Microsoft, Amazon und Facebook. Die chinesische Internetkonzerne Tencent und Alibaba können ihren Marktwert mehr als verdoppeln und stoßen in Top Ten vor. Das teuerste europäische Unternehmen ist Royal Dutch Shell auf Platz 17.

Die teuersten 100 Konzerne der Welt werden immer wertvoller – und chinesische Unternehmen machen sich daran, die Dominanz der USA aufzubrechen.

An der Spitze der teuersten Unternehmen der Welt hat sich zwar im Vergleich zum Vorjahr nichts verändert: Sie werden nach wie vor von den US-amerikanischen Konzernen Apple (Marktwert zum 27. Dezember: 876 MrdUSD), der Google-Muttergesellschaft Alphabet (733 MrdUSD) sowie Microsoft (661 MrdUSD) angeführt. Mit deutlichen Sprüngen haben sich allerdings die chinesischen Internetkonzerne Tencent Holdings und Alibaba mit einem Marktwert von 484 beziehungsweise 444 MrdUSD auf Platz sieben und acht in die Top Ten katapultiert: Beide Konzerne haben ihren Marktwert im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt – das gelang keinem anderen Top-Ten-Unternehmen.

Das Ranking der teuersten Unternehmen der Welt wird also von Digitalkonzernen beherrscht – zudem stieg die Zahl der Technologie- und Internetunternehmen, die sich im Top-100-Ranking platzieren können, im Vergleich zum Vorjahr von 16 auf 19. Investoren setzen also mehr denn je auf digitale Geschäftsmodelle: Sie trauen ihnen zu, nicht nur hohe Gewinne einzufahren, sondern obendrein für die gesamte Wirtschaft neue Spielregeln zu entwickeln.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsorganisation EY, die die Marktkapitalisierung der 100 am höchsten bewerteten Unternehmen weltweit untersucht.

Europäische Konzerne geraten ins Hintertreffen

Die europäischen Top-Konzerne sind deutlich weniger wert als die Konkurrenz aus den USA und China und erreichen auch nicht deren Wachstumsraten. Als teuerstes europäisches Unternehmen platziert sich der niederländische Energiekonzern Royal Dutch Shell mit einem Marktwert von 276 Milliarden US-Dollar auf Rang 17.

Insgesamt stehen 24 europäische Unternehmen in den Top 100 und damit so viele wie vor einem Jahr. Aus Asien haben dagegen 22 und damit drei Unternehmen mehr den Sprung unter die wertvollsten Konzerne geschafft. Mit Abstand die meisten Konzerne kommen nach wie vor aus Nordamerika, auch wenn sich ihre Anzahl von 57 auf 54 reduziert hat. Unter den wertvollsten Unternehmen der Welt findet sich kein Vertreter aus Österreich.

Gerhard Schwartz, Partner und Leiter des Assurance-Bereichs bei EY Österreich, gibt die Dominanz der USA und Chinas zu denken: „Obwohl die europäische Wirtschaft sich derzeit deutlich erholt, spielen Europas Top-Konzerne an den Weltbörsen nur eine untergeordnete Rolle. US-Konzerne dominieren weiter, und asiatische Unternehmen holen stark auf. Die Zusammensetzung der Top Ten zeigt zudem, dass hohe Wertzuwächse hauptsächlich im Bereich digitaler Zukunftstechnologien erzielt werden. Auf diesem Feld sind die US-amerikanischen und chinesischen Unternehmen führend. In Europa dominieren dagegen noch die traditionellen Industriebranchen. Der wertvollste europäische IT-Konzern ist SAP auf Platz 62. Der digitale Wandel geht in Europa noch zu langsam voran.“

Die Start-up-Szene, die zum Treiber der Digitalisierung der Wirtschaft werden könnte, sei zwar gerade in Deutschland, Großbritannien und Frankreich inzwischen sehr aktiv. „Junge Unternehmen erreichen jedoch bei weitem nicht die Investitionskraft und die Wachstumszahlen, wie wir sie aus dem Silicon Valley und Asien kennen“, so Schwartz.

Die meisten Unternehmen in den Top 100 sind Konsumgüterhersteller

Mit insgesamt 24 Konzernen stellt der Konsumgütersektor die meisten Unternehmen im Top 100 Ranking. Auf Platz zwei steht der Finanzsektor mit 21 Konzernen. Allerdings gewinnen die Unternehmen der Informationstechnologie zunehmend an Bedeutung. Inzwischen stellt die Branche 19 Unternehmen in den Top 100, vor einem Jahr waren es noch 16. Das Gesundheitswesen ist mit 15 Unternehmen die vierte Kraft.

Klassische Industrieunternehmen spielen im Vergleich dazu nur noch eine untergeordnete Rolle: Acht Industrieunternehmen – so viele wie im Vorjahr – finden sich unter den Top 100 wieder.

Der kumulierte Marktwert aller 100 Unternehmen ist im Vergleich zu 2016 um fast 26 Prozent auf 20,2 BioUSD gestiegen: Die US-amerikanischen Unternehmen vereinen mit 12,2 BioUSD etwa 60 Prozent des Gesamtvolumens auf sich. Insbesondere die asiatischen Unternehmen wuchsen überdurchschnittlich. Der Marktwert der chinesischen Unternehmen stieg um 47 Prozent auf 3 BioUSD, der der südkoreanischen Unternehmen um 49 Prozent auf 307 MrdUSD.

Nach Silvester kündigt sich eine Marktdelle an

Selbst die letzten Handelswochen sind von zahlreichen Höchstständen führender Aktien-Indizes westlicher Börsen geprägt. Die überkaufte Situation eröffnet Chancen zum Neueinstieg.

Abgesehen vom ATX befinden sich die Börsenindizes im deutschsprachigen Raum wiederum auf oder nahe an den historischen Rekordständen. Die richtungsweisenden US-Börsen markieren im Umfeld eines regelrechten Kaufrausches weiter täglich neue Hochs, immer noch getrieben durch eine nun realistische, nahende Umsetzung der Steuerreform.

Ein zumindest kurzfristiger Rückzug in die Zuseherposition könnte für Anleger dabei schon in Kürze lukrativ werden, denn es „riecht“ nach dem Jahreswechsel förmlich nach einer Wiederholung des derben Starts 2016. Es waren  jene Tage, an denen nervöse und bereits skeptische Marktteilnehmer nach monatelangen Kursanstiegen kräftig aus dem laufenden Aufwärtstrend geschüttelt wurden – erschien es doch zu dieser Zeit plausibel, sich aus der bereits über Jahre dauernden Aktienhausse zurückzuziehen. Günstig war der Markt zudem nicht mehr. Umgehend liefen in der Folge den ausgestiegenen Anlegern die Kurse aber galoppierend davon. Es war davor kaum einzuschätzen, dass die Dynamik der Gewinnentwicklung der Gesellschaften nochmals anziehen würde und mit den Bewertungen schritt hielt.

Dieses kurze, scharfe „Sell off“-Verhalten führte zu einer der wenigen Mini-Korrekturen, die der Markt überhaupt seit 2009 gesehen hat. Die aktuell ersichtliche Zuspitzung der Wertpapierkäufe in diesen letzten Tagen des Jahres fordert Gewinnmitnahmen während des ersten Jänner-Drittels regelrecht heraus. Wir nähern uns diesem Szenario geradewegs an. Die jüngste Zinserhöhung der US-Notenbank überraschte zwar nicht, der Unterbau der Hausse wird aber fragiler, abgesehen von der Möglichkeit einer eintretenden volatilen Seitwärtsbewegung oder gar einer Trendumkehr an den Märkten.

Die Investment-Umschichtungen institutioneller Anleger werden während der ersten Börsensitzungen zu hohen Umsätzen und einer steigenden Volatilität führen. Ein breiter, kurzer Rückzug aus den bereits mondän bewerteten Aktientiteln bietet sodann die Chance eines Neuerwerbs zu günstigeren Kursen bereits gehaltener Positionen. Dies setzt aber den Glauben voraus, dass der Gesamtmarkt nach einem Abverkauf und einem nervösen Sentiment-Zeitabschnitt erneut und rasch wieder an Kraft gewinnt und den Haussetrend prolongiert. Ein weiteres Hineinwachsen der steigenden Profitabilität in das reife und hochpreisige Bewertungsumfeld der Aktienwelt ist nicht auszuschließen. Analysen weisen für 2018 sowohl für europäische als auch für US-Unternehmen wiederum auf steigende Gewinne im hohen einstelligen oder niedrigen zweistelligen Bereich hin.

Das Setzen von Verkaufsorders bis 31. Dezember um wenige Prozentpunkte über den derzeitigen Kursen könnte durchaus noch zu Ausführungen kommen. Scharf limitierte Jänner-gültige Kauforders um einen klaren Abschlag haben möglicherweise bessere Chancen zugeteilt zu werden wie kaum zuvor.

Die Schwierigkeit im Falle einer Korrektur liegt natürlich in der Unmöglichkeit, das Ausmaß eines deutlichen Rücksetzers abschätzen zu können. Die Beobachtung der Volumina dient als relativ gutes Werkzeug, wenn auch dieser Faktor dann zumeist vom einhergehenden negativen Meldungswulst überlagert wird. Rasch führt dies dazu, „Gefangener“ des psychologischen Aspektes zu werden – und, wie die Mehrheit, sich nicht gegen das aktuelle Geschehen stellen zu können.

Eine Alternative liegt in einem anderen Segment: Gegen den Trend musste der Goldpreis seit Jahren Federn lassen. Auf eine kurze Gegenbewegung als Kontrapunkt zu setzen kann zudem als „heißer Parkplatz“ dienen.

Autor: Roman Steinbauer (redaktion@boersen-kurier.at)

Kryptowährungsblase – so kann es nicht mehr weitergehen

Es herrscht an den Cyberwährungs-Handelsplätzen derzeit eine Stimmung wie am Neuen Markt zur Jahreswende 1999 auf 2000. Nun naht das böse Ende, das sich aus zahlreichen Fakten ableiten lässt.

Wer probiert, mit Monopoly-Geld im Supermarkt Waren einzukaufen, läuft Gefahr in eine geschlossene Anstalt eingeliefert zu werden. Im Prinzip nichts anderes ist Bitcoin, deren scheinbarer Wert auf eine im Computer simulierte Knappheit beruht. Bitcoins werden vereinfacht ausgedrückt durch Lösung einer Rechenaufgabe geschürft. Anfangs konnte dies noch jeder mit dem eigenen Laptop machen. Heute hingegen sind dazu riesige stromfressende Anlagen erforderlich.

Die Basis dafür liefert die Blockchain, eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen, genannt „Blöcke“, welche mittels kryptographischer Verfahren miteinander verkettet sind. Um Manipulationen zu verhindern, kommen die Miner ins Spiel, die für ihre Tätigkeiten in Bitcoins entlohnt werden. Wenn ein Block von Transaktionen generiert wurde, entnehmen die Miner daraus die Informationen und verwandeln mit Hilfe einer mathematischen Formel die Transaktion und weitere Informationen in etwas viel Kürzeres, nämlich eine Aneinanderreihung von Buchstaben und Zahlen (Hash). Dieser Hash wird im Block am Ende der Blockchain aufbewahrt und benutzt auch den Hash des vorigen Blocks. Damit wird bestätigt, dass der aktuelle Block und jener davor gültig sind. Die große Herausforderung der Miner ist: Je mehr sich die Bitcoin-Obergrenze von 21 Mio nähert, desto komplexer werden die für das Erzeugen neuer Bitcoins nötigen Rechenaufgaben.

Mittlerweile sind bereits 16,74 Mio Bitcoins geschürft. Die Kosten pro Transaktion stiegen alleine von 7,43 USD Ende 2016 bis 15. Dezember 2017 auf 109 USD. Ein mangelndes Vertrauen in das Geldsystem ermöglichte letztendlich im Einklang mit der steigenden Rechenkomplexität eine Preisexplosion, die ihresgleichen sucht.

Kritische Fakten und eine Währung mit guten Überlebenschancen
• Mittlerweile vergeht kein Tag mehr, ohne Hype-Meldungen bezüglich der Kursexplosion diverser Kryptowährungen und selbst „in der tiefsten Provinz“ sind immer mehr Multi-Level-Marketing-Systeme rund um den Handel mit Cyberwährungen in Umlauf.

  • Seit der Markteinführung bei BitcoinMarket.com zu 0,3 US-Dollar-Cent am 25. 4. 2010 stieg der Wert einer Bitcoin auf das 6,27-Millionenfache bzw. auf über 18.812 USD (Stichtag 16.12.). Das ist eine höhere Rendite als bei einem Lottosechser. Mittlerweile wollen viele „Währungsschöpfer“ mit ihrer „Better Bitcoin“ am Kryptowährungsboom partizipieren. Insgesamt gibt es per 15. Dezember 2017 bereits rund 1.400 Kryptowährungen mit einer Gesamtmarktkapitalisierung von ca. 500 MrdUSD. Mit 55,5 % (298,5 MrdUSD) fällt der Löwenanteil davon auf Bitcoin. Weit abgeschlagen ist Ethereum als Nummer Zwei mit einer Marktkapitalisierung von 67 MrdUSD bzw. einem Marktkapitalisierungsanteil von 12,4 %. Zuletzt massiv aufgeholt hat Ripple, die Mitte Dezember binnen 24 Stunden 70 % zulegte und nun mit 31,2 MrdUSD (5,8 % Marktanteil) von auf dem dritten Platz angelangt ist. Ripple versucht im Gegensatz zur Konkurrenz kein eigenes Finanzsystem unabhängig von Banken und Staat zu etablieren, sondern will mit Banken kooperieren. Ziel ist, eine Überweisung in der gleichen Zeit tätigen zu können, die es braucht, um eine E-Mail zu verschicken. Das könnte Ripple sogar langfristig die Existenz sichern. Die nächstgrößeren Währungen sind Bitcoin Cash (29,5 MrdUSD), Litecoin (16,8 MrdUSD) und IOTA (10,7 MrdUSD). Während bei Bitcoin Betroffene bereits über eine Transaktionsdauer von bis zu 33 Stunden klagen, sollte dieses Problem von IOTA durch eine „neue Blockchain“-Generation angeblich gelöst worden sein. Das versetzt Spekulanten in Euphorie. Doch Vorsicht: Generell hat nun der Hype die zweite Reihe der Kryptowährungen erfasst – ein Indikator für eine fortgeschrittene Phase eines Booms.
  • Der Kryptowährungsmarkt ist gemäß dem Motto „Wo kein Kläger, da kein Richter“ anfällig für mögliche Preismanipulationen, denn rund 1.000 Marktteilnehmer besitzen derzeit 40 % aller Bitcoins und die Top 100 17,3 %. Noch stärker ist die Konzentration bei anderen Kryptowährungen. Bei Gnosis, Qtum oder Storj halten die 100 größten Besitzer mehr als 90 % der Währung.
  • Umweltsünder Bitcoin: Das gesamte Mining schluckt enorm viel Strom, nämlich laut Bitcoin Energy Consumption Index jährlich knapp 30 Terrawattstunden (0,13 % des globalen Energieverbrauchs) bzw. mehr als 159 Länder verbrauchen.
  • Bitcoin-Vermögen können Hackerattacken zum Opfer fallen und wer sein Passwort vergisst, hat keinen Zugang mehr, da es keine zentrale Servicestelle gibt, die über jene Kundendaten verfügt

Alleine diese Fakten lassen erkennen, dass hier von stabiler Währung, Wertaufbewahrung und geeignetem Tauschmittel jegliche Spuren fehlen. Vielmehr erinnert das Ganze an Pyramidensysteme bei denen frühere Einsteiger enorme Profite auf Kosten der nachfolgenden machen.

Regulierung – die Maschen werden enger gezogen
Für Goldman Sachs CEO Lloyd C. Blankfein sind Cyberwährungen „ein Werkzeug, um damit Verbrechen zu verüben“. Auf jeden Fall werden „Underground-Geschäfte“ mit Bitcoin und Co abgewickelt. Langsam reicht es den Regulatoren. China hat bereits ICOs und den Handel mit Kryptowährungen verboten. Nun will auch Südkorea regulativ aktiv werden, gefolgt von Malaysia. Und in Großbritannien will das Finanzministerium, dass in Zukunft bei virtuellen Währungen ebenfalls die Gesetze zur Bekämpfung von Geldwäsche- und Terrorfinanzierung angewandt werden. Anbieter britischer Online-Wallets müssen damit rechnen, dass sie auf Wunsch der Behörden die Identität ihrer Kunden preisgeben und verdächtige Transaktionen haben sie proaktiv zu melden.

Hierzulande äußert sich OeNB-Experte Beat Weber am 9. Dezember zum Thema Regulierung gegenüber der Tageszeitung Kurier wie folgt: „Die Ausgabe von Kryptowährungen könnte man gar nicht regulieren, die Schnittstelle zu den offiziellen Währungen aber schon. Mit der nächsten EU-Geldwäsche-Richtlinie müssen Bitcoin-Plattformen ihre Kunden kennen. Darauf bereiten sich viele jetzt schon vor.“ Hinzukommt, dass die Steuerbehörden bald aktiv werden: In den USA stehen streng betrachtet pauschal alle Kryptowährungs-User unter Generalverdacht der Steuerhinterziehung. So verlangte die US-Steuerbehörde IRS vom Handelsplatz Coinbase Informationen bezüglich Identität und Transaktionsgeschichte (2013 bis 2015) sämtlicher US-Kunden, die Transaktionen in Höhe von mehr als 20.000 USD durchführten. Das Rechtsmittel namens „John-Doe-Vorladung“ richtet sich gegen Steuerzahler, deren Namen nicht bekannt sind und wurde erstmals 2008 eingesetzt, um das Schweizer Bankgeheimnis zu brechen.

Fazit: Die Kombination aus einem Hype, der im Medienmittelpunkt steht mit ersten Regulierungsbestrebungen und Ermittlungen von Behörden ist eine gefährliche Marktkonstellation, die auf erhöhte Crashgefahr hindeutet.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

Unternehmensgewinne sollten 2018 um mehr als 10 % steigen

Die Manager führender Österreich-Aktienfonds sind aus einer Reihe von Gründen positiv für 2018 gestimmt. Der wohl wichtigste: die vergleichsweise attraktive Bewertung des Wiener Marktes.

Nach 2016 war auch 2017 ein äußerst erfreuliches Jahr für die Wiener Börse. So legten ATX und ATX Prime jeweils um rund 25 % zu. Noch mehr war mit ausgewählten Österreich-Aktienfonds drinnen. Der von Wolfgang Matejka, gemanagte Mozart One  (ISIN: AT0000A0KLE8) verzeichnete etwa ein Plus von fast 42 %. Mit +38 % kann sich auch die Performance des Raiffeisen-Österreich-Aktien (AT0000805189) sehen lassen, ebenso wie das Plus von 36 %, das Alois Wögerbauer mit seinem 3 Banken Österreich-Fonds (AT0000662275) einfuhr.

Gewinntrend hat angehalten
Wie Matejka, der auch CIO der Wiener Privatbank ist, gegenüber dem Börsen-Kurier, erläutert, war die gute Performance des Wiener Marktes 2017 durch einen gewissen Überraschungseffekt bei den Unternehmensgewinnen geprägt. „Mit Ausnahme einiger weniger Gewinnwarnungen hat der Gewinntrend im Jahresverlauf angehalten.“ Die positive Entwicklung der Unternehmensgewinne sei allerdings noch nicht zur Gänze in den Kursen eingepreist – zum Jahresende habe die defensive Komponente wieder zugenommen. Nachsatz: „Dabei stimmen Sentiment und Konjunkturprognosen.“

„Das CEE-Exposure des Wiener Marktes wird seit einigen Quartalen nicht mehr als Nachteil gesehen“, nennt Bernhard Ruttenstorfer, Manager des ESPA Stock Vienna (AT0000858147), einen weiteren Grund für die gute Performance des Wiener Marktes: Das positive wirtschaftliche Umfeld in Osteuropa. Mit einem erwarteten KGV (auf Zwölfmonatssicht) von 13,5 sei der Markt zwar nicht billig, aber auch nicht hoch bewertet. In die gleiche Kerbe schlägt Wögerbauer: „Man kann sagen, dass der Markt – was KGV und Dividendenrendite betrifft – nicht mehr unterbewertet aber fair bewertet ist.“

„Die Bewertungen sind deshalb nicht stark gestiegen, weil auch das Gewinnwachstum der Unternehmen (+30 %, Anm.) gut gelaufen ist“, erklärt Ruttenstorfer. Daran sollte sich auch nichts ändern – der Experte geht davon aus, dass die Unternehmensgewinne 2018 um mehr als 10 % ansteigen werden. „Da der Wiener Markt nicht hoch bewertet ist, hat er noch Potenzial – auch was das Interesse internationaler Anleger betrifft“, hält Ruttenstorfer fest. Man dürfe nicht vergessen, dass der ATX – im Gegensatz zu anderen Indizes – von seinen historischen Hoch (5.000 Punkte) ein Stück weit entfernt sei.

Auch Matejka stimmt die „relativ attraktive“ Bewertung des Wiener Marktes positiv für 2018. Dazu komme noch die gestiegene Investitionstätigkeit in der Industrie. „Das ist deshalb ein gutes Zeichen, weil auch Aufträge dahinter stehen“, sagt er. Die Investitionen sollten sich früher oder später in gestiegenen Umsätzen und Margen sowie verbesserter Profitabilität und Marktstellung niederschlagen. Aber auch Osteuropa sollte sich weiter gut entwickeln. Als Reaktion auf die Politik  von Donald Trump würden sich die Europäer mehr mit den eigenen Nachbarn auseinandersetzen, wovon Österreich als CEE-Speerspitze profitieren sollte.

Agrana unterschätzt
Auf der Rechnung hat Matejka aktuell unter anderem RBI und Telekom Austria, ebenso wie voestalpine und AMAG, und damit zwei Player, die „alles richtig gemacht haben und auch weiterhin machen“. Auf die VIG dürfe man wiederum angesichts der Renditeanstiege wieder ein Auge werfen. „Polytec hat exzellente Aufträge, bestens digitalisierte Produktionsprozesse und ist transparent und planbar“, so Matejka.

„Sehr gut“ gefalle ihm auch der Baukonzern STRABAG und die „nach wie vor unterschätzte“ Agrana. Auch Wögerbauer glaubt im Übrigen, dass die Agrana unterschätzt wird. Auf Sicht der kommenden drei bis vier Jahre liege deren Potenzial über dem Aktienkurs.

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

Wiener Börse vor weiteren Gewinnen

Ungeachtet des heuer und 2016 erlebten starken Aufholeffekts von ATX und Prime Market sieht Fondsmanager Alois Wögerbauer attraktiv bewertete Aktien am Wiener Börseparkett.

Nach zwei starken Jahren zeigt sich an der Wiener Börse ein ähnliches Bild wie an den Marktplätzen anderer entwickelter Länder, wenngleich dort die aktuelle Aktienrallye schon deutlich länger andauert: Der Markt ist nicht mehr ganz billig. Dennoch sieht Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft, nach wie vor attraktive Gelegenheiten für Anleger. In diesem Zusammenhang positiv: Für 2018 erwartet der Experte in Wien eine Börsenperformance von 5 bis 6 %, was in etwa dem Ertragswachstum entspreche.

Keine Schnäppchen

„So richtige Schnäppchen gibt es an der Wiener Börse nicht, da der Markt schon einige Zeit gut gelaufen ist“, meint Wögerbauer im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Auf der anderen Seite gebe es aber auch keine absurd hohen Bewertungen. Für Wögerbauer ist es ohnehin wichtig, bei Begriffen wie „teuer“ und „billig“ Vorsicht walten zu lassen. „Ist beispielsweise der ATX heute und vor 15 Jahren mit einem KGV von 14 bewertet, so hinkt ein Vergleich, da man das unterschiedliche Zinsniveau berücksichtigen müsste“, erklärt er uns gegenüber. Tatsächlich lag das Zinsniveau damals bei 4 bis 5 %, heute liegt es bekanntlich bei rund 0 %. „War vor 15 Jahren zum Beispiel 15 teuer, so könnte das heutige ,teuer’ auch locker bei über 20 liegen“, führt der preisgekrönte Fondsmanager weiter aus. Auch in relativer Hinsicht hinke ein Vergleich, unterscheiden sich doch die Renditen, die heute mit Unternehmensanleihen (rund 1 %) und Staatsanleihen (rund 0 %) erzielt werden könnten, mit jenen zu früheren Zeiten. „Insofern sind wie am Beispiel Wien Dividendenrenditen von im Schnitt 2,8 % relativ zu Unternehmensanleihen sehr attraktiv“, so Wögerbauer.

Zur Einschätzung von Aktien zieht Wögerbauer gerne das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), das das Verhältnis zwischen dem Börsenwert und Substanzwert (Eigenkapital) eines Unternehmens ausdrückt, heran. Dabei sei die Rendite auf das Eigenkapital wichtig. „Liegt diese beispielsweise bei 20 %, dann kann man locker den zwei- bis dreifachen Buchwert bezahlen; liegt sie bei 5 %, wird die Aktie wohl unter Buchwert notieren“, hält er fest. Insgesamt empfiehlt Wögerbauer Anlegern, anstatt sich bei der Einschätzung der Bewertung auf einzelne Kennzahlen zu beziehen, ein Gesamtbild zu machen.

Attraktiv bewertet ist für Wögerbauer am Wiener Börsenparkett nach wie vor der Finanzsektor. „Im Falle der VIG investiert man in eine attraktive Dividendenrendite und eine führende Marktstellung in Osteuropa“, sagt er. Gut gefallen ihm auch BUWOG und CA Immo. Letztere notiere trotz ihrer Entwicklungspipeline noch immer unter Buchwert. Die RBI sei auf dem aktuellen Niveau hingegen normal bewertet – auch wenn die Aktie deutlich unter dem Niveau vor der Finanzkrise notiere.

Potenzial bei Agrana

Im Industriebereich ist für Wögerbauer der Faserhersteller Lenzing bei einem Kurs von unter 100 € „sehr attraktiv“. Bei Palfinger stelle zwar das Vorstandsthema (Rücktritt von CEO Herbert Ortner, Anm.) ein Risiko dar, das Produkt sei aber „sehr gut“. Auf den ersten Blick attraktive Unternehmen wie Wolford oder Zumtobel sehe man dagegen sehr kritisch bei der 3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft. „Da gibt es viel Restrukturierungsarbeit“, so Wögerbauer. Interessanter wären Unternehmen, die nachhaltig liefern – wie etwa Mayr-Melnhof. Aber auch die „unterschätzte“ Agrana, deren Potenzial auf Sicht der kommenden drei bis vier Jahre über dem Aktienkurs liege.

Autor: Patrick Baldia  (redaktion@boersen-kurier.at)

Kundenberatung, und wie man sie kaputt macht

Banken und Vermögensverwalter haben eine ganze Menge von Verpflichtungen, wenn sie einen Kunden beraten und ihm dann für ihn passende Wertpapiere kaufen wollen. Die Erfüllung all dieser Pflichten ist so aufwendig, dass sich viele Beratung nicht mehr leisten können – auf der Strecke bleibt der Anleger

Zählen wir einmal nur die wichtigsten auf: Noch bevor man irgendein Wertpapier empfiehlt und am Ende auch verkauft, ist zunächst ein Kundenprofil zu erstellen, das insbesondere die Einkommens- und Vermögensverhältnisse des Kunden und damit seine Fähigkeit zum Tragen von Risken, parallel dazu seine Bereitschaft zum Eingehen von Risken, seine eigenen Veranlagungsziele, seine Kenntnisse von und seine Erfahrungen mit Wertpapieren festhält. Daraus ist sodann die Risikoklasse zu erstellen, in die der Kunde einzuordnen ist. Wertpapiere dürfen ihm nur dann und insoweit verkauft werden, als sie in diese Risikokategorie passen.

Weiters ist zu überprüfen, ob die Gelder, die der Kunde veranlagen möchte, aus einwandfreien Quellen stammen und nichts mit Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung zu tun haben. Diese Kontrolle ist ohne Untergrenze vorzunehmen. Außerdem ist zu überprüfen, ob der Kunde nicht ein „PEP“ ist, eine politisch exponierte Person.

Unzählige Verpflichtungen

Das ist aber erst der Anfang. Weitere Verpflichtungen seien hier wegen ihres Umfanges nur stichwortartig genannt: Informationen sind dem Kunden zu liefern über die vorgenommene Einstufung in eine bestimmte Risikoklasse, über sämtliche Kosten und Nebenkosten, über die Finanzprodukte und deren Eignung erstens für den Kunden, zweitens die Zielmarktdefinition, mit der in Zukunft jedes Produkt ausgestattet sein muss, drittens die Prüfung der Übereinstimmung von Zielmarktdefinition und Kundenprofil, und natürlich über den Berater bzw. Verkäufer selber. Spricht man mit dem Kunden per Telefon, so ist das Gespräch selbst dann aufzuzeichnen, wenn es nicht zu einem Wertpapiergeschäft führt. Aus Gründen des Datenschutzes kann aber ein Kundenbetreuer sich nachher nicht einfach das von ihm selbst geführte Gespräch abhören, um sicher zu gehen, was genau ausgemacht worden ist, sondern er braucht dazu die Zustimmung eines Supervisors, der zwar keine Ahnung haben muss, aber angeblich irgendwie für den Datenschutz notwendig ist.

Sollte es zu einem Interessenkonflikt kommen können (weil beispielsweise der Verkäufer ein eigenes Interesse an derartigen Transaktionen hat, das über die Spesenverrechnung beim Geschäft hinausgeht), so ist die Natur dieses Interessenkonfliktes dem Kunden gegenüber offen zu legen.

Kommt es dann tatsächlich zu einem Wertpapiergeschäft, so hat die Bank die Transaktion spätestens am nächsten Tag der Aufsichtsbehörde zu melden. Auch der Kunde bekommt während der laufenden Geschäftsbeziehung reichlich Informationen. Und zwar nicht nur, wieviel und welche Wertpapiere er im Depot hat und wieviel sie anfangs gekostet haben und was sie aktuell wert sind, sondern auch, wie sich das Depot im Vergleich zu einer zu vereinbarenden Vergleichsgröße (das kann z. B. ein Index oder eine Kombination von Indizes sein) entwickelt hat, ferner, sobald ins­gesamt ein Verlust von 10 % oder mehr eingetreten ist. Das Ex-ante-Kostenreporting ist durch ein Ex-post-Kostenreporting zu ergänzen, und auch die Eignung der verkauften oder vermittelten Wertpapiere für den Kunden ist zumindest einmal jährlich zu überprüfen.

Zu wenig Zeit für Beratung

Nur der Klarheit halber: all das hat sich zusätzlich zur eigentlichen Beratung abzuspielen, deren Qualität ja letztlich doch entscheidender sein sollte als alle Vorschriften.

Für (fast) jede einzelne dieser Verpflichtungen gibt es mehr oder weniger gute Argumente. Aber nach Ansicht aller Kundenberater, mit denen ich gesprochen habe, und das sind nicht wenige, ist die Erfüllung all dieser Verpflichtungen so aufwendig, dass weder Vermögensberater noch Banken sich diese umfängliche Betreuung finanziell leisten können, wenn es nicht um große Beträge geht. Viele Banken haben daher bereits die Konsequenzen gezogen. Etliche weigern sich auch schon in Österreich, Kunden mit Beträgen unter 100.000 Euro überhaupt eine individuelle Beratung zukommen zu lassen. Am konsequentesten war bisher die Deutsche Bank. Kunden, die weniger als 500.000 Euro zu veranlagen haben, werden nicht mehr individuell beraten. Die Dummen sind also in diesem Fall nicht nur wie üblich die Kleinen, sondern auch Sparer, die man zumindest dem Mittelstand zurechnen kann.

Offenbar gilt auch in diesem Fall einer Fülle von Regelungen der alte Erfahrungssatz, dass gut gemeint so ziemlich das genaue Gegenteil von gut ist. Der Ausweg besteht darin, dass statt individueller fast nur mehr standardisierte Beratung angeboten werden wird. Die wird selten den Kundenbedürfnissen besser entsprechen als individuelle Beratung. Aller­dings tritt zugleich eine ganz andere Gefahr in den Vordergrund. Kunden, vor allem jüngere, die nicht mehr individuell beraten werden, informieren sich eben über das Internet. Nur werden aber leider im Internet neben seriösen Tipps auch jede Menge von zweifelhaften und für die meisten Kunden völlig unpassenden Veranlagungen angeboten. Das allerdings in reißerischer und leider trotzdem auch in recht professioneller Form, zumindest was die Beeinflussung der Psyche von Anlegern betrifft. Das neueste ist übrigens die Legalisierung von Wetten auf den Kurs des Bitcoin. Dagegen ist ein Casino-Besuch vergleichsweise harmlos.

Gefährliches Internet

Die Zukunft könnte daher zunehmend so aussehen, dass Anleger Produkte haben wollen, die für sie absolut nicht geeignet sind, ihnen aber via Internet erfolgreich eingeredet worden sind. Der Bankberater oder Vermögensverwalter holt sich dann eine schriftliche Bestätigung des Kunden, dass dieser ausdrücklich gewarnt worden sei, aber trotzdem dieses Produkt haben wolle. Das ist natürlich genau das, was unbedingt verhindert werden sollte, was aber durch die enorme Umständlichkeit legaler Formen der Beratung massiv gefördert wird.

Die Fülle von Regulierungen, denen die Banken seit der großen Krise 2007 in stets weiter zunehmendem Maße unterworfen werden, dürfte bei allen Nebenwirkungen und Übertreibungen in einem wesentlichen Punkt Erfolg haben: Die Risikoanfälligkeit des Kreditapparates ist geringer geworden. Das bedeutet nur leider nicht, dass die Marktrisiken, die mit der stetig weiter zunehmenden Menge der unterschiedlichsten Produkte verbunden sind, geringer werden, sondern nur, dass sie, wenn sie einmal schlagend werden, mehr die Investoren und weniger die Banken treffen. Es bestehen leider gute Chancen, dass das dann ausgerechnet wieder einmal die sogenannten kleinen Sparer sein werden. Wenn immer mehr Banken und Vermögensverwalter wegen des damit verbundenen Aufwandes oder wegen der zivilen und verwaltungsstrafrechtlichen Risiken unvollständiger Beratung weniger davon anbieten und zugleich die Offerte im Internet immer mehr werden, ist genau das zu befürchten.     

Autor: Dr. Manfred Drennig ist Gesellschafter der Privatconsult Vermögensverwaltungs Ges.mbH und war u.a. stv. Generaldirektor der österreichischen Länderbank

Wie ein Phönix aus der Asche

Nach einem holprigen Börsenstart und dem Cyberbetrug Anfang des Vorjahres hat sich das Blatt zum Guten gewendet. FACC profitiert vom Boom der Luftfahrtindustrie und ist auf dem besten Weg, das 1-MrdEuro-Umsatzziel zu erreichen. Ein Lokalaugenschein.

Seit Monaten läuft es bei FACC extrem gut, fast wöchentlich kommen erfreuliche Nachrichten und die Aktie reagiert dementsprechend: Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs nahezu verdreifacht. Das war aber nicht immer so.

Die Katastrophe 2016

Ein Rückblick: Nachdem die chinesischen Eigentümer im Juni 2014 knapp 45 % an FACC  an die Börse gebracht hatten, wurde wenige Wochen später ein Quartalsverlust von 5,6 Mio Euro gemeldet. Dass dieser aufgrund des Hochlaufs von Neuprojekten eingeplant war, tröstete die Märkte nicht. Und es folgten weitere schlechte Nachrichten bis hin zu einer Gewinnwarnung im Jänner 2015. Die Analysten reagierten reihenweise mit Downgrades und im Mai 2015 schrieb die Erste Bank: „Schlimmer kann es fast nicht werden.“

Es konnte. Denn Ende Jänner 2016 überbrachte FACC die Hiobsbotschaft: einen Millionenschaden, verursacht durch eine Cyberattacke. Betrüger hatten im Namen der Geschäftsleitung per e-Mail eine Überweisung von 50 Mio Euro veranlasst. Im Mai 2016 stand fest: dieses „Fake President Incident“ belastete das Ergebnis des Konzerns mit 41,9 Mio Euro, am Schluss wurde der langjährige CEO Walter Stephan abberufen. Die Aktie erreichte ihren Tiefststand am 6. Juli 2016: 3,998 Euro
bedeuteten einen Verlust von mehr als 50 % seit der Emission.

Doch diesmal kam es wirklich nicht mehr schlimmer. Im Gegenteil: Was sich seither, in knapp eineinhalb Jahren, bei FACC getan hat, gleicht einem modernen Märchen. Und der Schaden von damals ist längst verdaut. Mehr als das: Zwischen August 2016 und August 2017 konnte FACC den Cashflow um
50 Mio Euro verbessern.

Alles ist wieder gut

„Seit fünf, sechs Quartalen halten wir, was wir versprechen“, bringt es CEO Robert Machtlinger im Gespräch mit dem Börsen-Kurier auf den Punkt. Mehr als 600 Mio Euro Auftragseingänge in den letzten Monaten sagen wohl alles.

FACC profitiert dabei vom „extrem positiven Markt“, so Machtlinger. Airbus und Boe­ing wachsen derzeit mit mehr als 5 % jährlich, im asiatisch-pazifischen Raum, in den mehr als die Hälfte aller neuen Flugzeuge gehen, beträgt das Wachstum 7 bis 9 % und in China allein 20 %. Das Potenzial ist enorm: Während jeder Europäer im Durchschnitt jährlich zwei Mal mit dem Flugzeug reist, sind es in China gerade 0,3 Flüge. Doch schon in zwanzig Jahren dürfte das Reich der Mitte mit seinen 1,3 Mrd Einwohnern sich auf westlichem Niveau befinden. Noch größer ist das Potenzial in Indien: von derzeit 0,03 Flugzeugreisen/Einwohner und Jahr soll diese Zahl bis 2035 auf 0,3 steigen.

Neue Player, neue Kunden
Derzeit wird der Markt von den beiden großen Anbietern Airbus und Boeing dominiert. Doch China besitzt eine langfristige Strategie: „ In den nächsten 15 bis 20 Jahren werden immense Gelder in die Luftfahrt investiert“, sagt Machtlinger (Foto). Ziel sei es, Nummer 3 zu werden: „Die Frage ist nicht ob, sondern wie schnell.“

Und FACC ist von Anfang an mit dabei. Beim ersten Projekt, der 2004 begonnenen Entwicklung ARJ21, sind die Oberösterreicher u.a. mit Innenausstattung, Kabine, Cockpitverkleidung und Küchen „an Bord“. Und beim zukünftigen Airbus-A320-Konkurrenten COMAC C919 liefert FACC die Hauptkabine, Winglets und Tragflügelkomponenten. Das Flugzeug befindet sich derzeit in der Zertifizierungsphase, es gibt be­reits 750 Bestellungen. Ab 2022/23 könnte China „im großen Maßstab“ Flugzeuge auf den Markt bringen, erwartet Machtlinger.

Hilfreich ist dabei natürlich der chinesische Hauptaktionär. „Wir haben über AVIC einen direkten Zugang zum Markt, den würde ein anderer Anbieter nicht bekommen“, erklärt Machtlinger. Angst davor, kopiert zu werden, hat er nicht: „Was vor fünf Jahren Innovation war, ist heute Standard. Wir sind ständig einen Schritt voraus.“

Zukunftsthemen

Der Bedarf an neuen Flugzeugen in den nächsten 20 Jahren wird auf mehr als 40.000 geschätzt. Es ist das strategische Ziel von FACC, „mit unseren Technologien auf jedem Flugzeug vertreten zu sein“, so Machtlinger. Und ab 2022/23 werde die nächste Flugzeuggeneration gebaut, für die FACC wieder „mit Innovationen aufwarten“ werde.

Das ist aber nicht alles. „Sicher kommen“ werde das „Lufttaxi“, das mit elektrischem Antrieb fünf bis 20 Minuten fliegen werde können. In Dubai werde das gerade ausgetestet, und „wir haben ein paar Sachen im Laufen“, vor allem sei Leichtbau dabei ein Thema. „Die nächsten Jahre bleibt aber die Großfliegerei am wichtigsten.“

In mehreren Gruppen arbeitet FACC auch am Thema Digitalisierung und Industrie 4.0, das Machtlinger als „massive Chance für europäische Standorte“ sieht. Und auch IoT, das „Internet of Things“ wird in der Flugindustrie eine große Rolle spielen. Machtlinger erwartet Technologiesprünge, vergleichbar mit der Entwicklung des Smartphones in den vergangenen zehn Jahren. Vom Buchungsprozess über die Flugzeugwartung bis zur Vernetzung in der Maschine selbst reichen die Anwendungsmöglichkeiten.

Ziele

Es ist das schon seit einiger Zeit bekannte Ziel: 2020 will FACC 1 Mrd Euro profitablen Umsatz erwirtschaften. „Nach heutigen Prognosen werden wir das erreichen“, ist Machtlinger optimistisch. Danach wolle man aber nicht nur weiter organisch, sondern auch durch Akquisitionen wachen. „Wir wollen unseren globalen footprint erweitern, zum Beispiel in den USA, und in Technologien investieren, die wir derzeit nicht haben“. Vorstellbar wäre z. B. eine Zusammenarbeit mit Startups im Bereich 3D-Druck.

Je nachdem, wie groß eine Akquisition ausfallen würde, könnten verschiedene Finanzierungsformen angedacht werden. „Bei einer großen Akquisition wäre auch ein Secondary Public Offering möglich“, so Machtlinger zum Börsen-Kurier. Dabei könnte Großaktionär AVIC auch unter 50 % Anteil gehen: „Die Hauptvision von AVIC ist Wachstum, nicht 50 % plus eine Aktie.“

Autor: Marius Perger (redaktion@boersen-kurier.at)

In Gewinne investieren

Wie kann man jene wenigen Aktien identifizieren, die auf längere Sich die Performance 
des Marktes treiben? Der Börsen-Kurier verrät einige Anhaltspunkte.

Die Erkenntnisse des US-Finanzwissenschaftlers Hendrick Bessembinder werden vor allem bei so manchem passionierten Stockpicker für Ernüchterung sorgen. Der Professor von der Arizona State University hat die historische Entwicklung von 26.000 US-Aktien seit 1926 untersucht und ist dabei zum Schluss gekommen, dass vier von sieben Aktien eine schlechtere Performance als einmonatige US-Treasuries aufweisen. Damit nicht genug: Nicht mehr als 4 % der gelisteten Unternehmen sind für den gesamten Wertzuwachs des US-Aktienmarkts seit 1926 verantwortlich.

Die Chancen stehen also von Haus aus nicht allzu gut, mit beliebigen Einzeltiteln sein investiertes Vermögen zu vermehren bzw. jene wenigen Gewinneraktien zu erwischen, die die Performance des US-Marktes – immerhin 5,6 % seit 1926 – treiben. Die gute Nachricht: Es gibt durchaus Ansatzpunkte um seine Erfolgsaussichten zu erhöhen. Bessembinder empfiehlt etwa gut diversifizierte aktive Strategien. „Wer allerdings in Aktien investiert, kommt nicht darum herum, sich damit intensiv zu beschäftigen“, sagt Bernd Kiegler, Fondsmanager im Team „Aktien entwickelte Märkte“ bei der Raiffeisen KAG, zum Börsen-Kurier.

„Der wichtigste Ansatzpunkt beim Investieren, der allerdings für Laien schwer einzuschätzen ist, ist, dass ein Unternehmen billig sein muss“, so Kiegler weiter. Ein plausibles Kriterium zur Einschätzung der Bewertung sei das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Da sich der Buchwert eines Unternehmens im Zeitverlauf nicht rasch ändere, sei das KBV ein guter Maßstab um einschätzen zu können, wo es im Vergleich in der Vergangenheit war. „Das KBV ist vor allem bei Financials eine wichtige Kennzahl, weil die Verwendung der Kennzahl Unternehmenswert (Enterprise Value, Anm.) bei Finanzwerten nicht geeignet ist“, erläutert Kiegler. In der Industrie, im Handel sowie im Dienstleistungsbereich könne wiederum der Enterprise-Value-to-Sales (Marktkapitalisierung inklusive Nettoverschuldung durch Umsatz) herangezogen werden, um einzuschätzen, ob sich ein Unternehmen am unteren oder oberen Ende des Bewertungsspektrums befinde.

Ein weiteres wichtiges Kriterium sei der in der Vergangenheit – beispielsweise in den vergangenen fünf bis sechs Jahren – erwirtschaftete operative Gewinn (EBIT). Dabei sollte die EBIT-Marge, als Maß für die Profitabilität, im Durchschnitt mindestens 5 bis 10 % ausmachen. „Bei einem Wert von 1 bis 2 % ist das Geschäftsmodell angreifbar bzw. bei starker Konkurrenz kann das Unternehmen schnell in der Verlustzone landen“, so Kiegler. Eine wichtige Rolle spiele auch das Verständnis, wieso es für das Unternehmen in der letzten Zeit gut oder schlecht laufe bzw. ob dafür beispielsweise zyklische oder strukturelle Gründe verantwortlich wären.

Ein dritter Ansatzpunkt sei der erwartete Ertrag eines Unternehmens, der die Chance auf Verbesserung abbilde. Dieser werde etwa auf Basis der beschriebenen Vergangenheits- und Istanalyse geschätzt. „Die Kennzahlen KBV und EV/Sales sowie die durchschnittlichen und geschätzten zukünftigen Erträge im Verhältnis zum aktuellen Unternehmenswert bilden den wichtigsten Grund für ein Aktieninvestment: die Bewertung“, bringt es Kiegler auf den Punkt. Als zusätzliches Sicherheitsnetz empfiehlt Kiegler auch noch die Directors Dealings heranzuziehen. „Überdurchschnittlich viele Führungskräfte kaufen derzeit die Aktien des eigenen Unternehmens in der Finanz- und Energiebranche“, verrät der Fondsmanager, der für den Raiffeisen-Europa-Aktien und den Raiffeisen-Technologie-Aktien verantwortlich zeichnet.       


Autor: Patrick Baldia  (redaktion@boersen-kurier.at)

Ganz Österreich in einem Portfolio


Ein spezielles Investmentprodukt bildet den Firmenstandort Österreich in einem Portfolio, bestehend aus 250 Aktien ab und vermittelt gleichzeitig Finanzwissen. Der Börsen-Kurier sprach mit Thomas Niss, Manager des Own-Austria-Standortfonds.


Die finanzielle Bildung der Österreicher lässt leider zu wünschen übrig und macht viele anfällig für vermeintliche „Reichmacher“. Dabei könnte sich eine breite Bevölkerung systematisch eine neue seriöse Einnahmequelle erschließen, wenn sie sich direkt an der unternehmerischen Wertschöpfung beteiligt. Leider sind in unseren Breiten Aktien und Fonds für viele noch immer etwas Abstraktes. Dem wirkt das einfache und transparente Fondskonzept „Own-Austria“ entgegen. Auf einer übersichtlichen Internetseite (www.ownaustria.at), die wichtige Investment-Grundlagen einfach erklärt, bieten die Fonds-Initiatoren eine App an, die das Miteigentum an 250 Unternehmen zu einem Erlebnis macht. Damit kann einerseits die Höhe der Investments flexibel gesteuert werden und sie bietet Zugang zu aktuellen Nachrichten über die im Fonds enthaltenen Unternehmen.

Greifbares Fondskonzept vermittelt Aktienkultur

Das Konzept dahinter erklärt Thomas Niss wie folgt: „Wir verwenden sehr viel Zeit, um die Funktionsweise von Own Austria verständlich zu machen. Wir wollen schließlich alle Österreicher zu Eigentümern von Unternehmen machen. Kein Sachwert lässt sich so einfach, transparent, günstig, schnell und sicher erwerben wie Eigentum an börsennotierten Unternehmen.  Der Own-Austria-Standortfonds dient dafür als „Einkaufs- und Eigentümergemeinschaft“: man kauft die Unternehmensanteile gemeinsam und man ist gemeinsam an ihnen beteiligt. Dadurch wird der effiziente Erwerb von vielen Unternehmen für geringe Beträge möglich.“

Die jährlichen Kosten dafür liegen bei 0,75 %. Niss sieht einen enormen Vorteil in den niedrigen Kosten für Aktienerwerb: „Wer eine Wohnung für 200.000 Euro kauft, zahlt rund 15.000 Euro Transaktionskosten für den Vertragsabschluss, die Grundbucheintragung etc. Der Erwerb von Anteilen im Wert von 200.000 Euro an einem großen börsennotierten Unternehmen, nehmen wir Siemens als Beispiel, kostet rund 150 Euro. Und als Miteigentümer von Siemens arbeiten rund 350.000 Menschen weltweit für einen. Freilich nur mit einem Bruchteil ihrer Zeit, aber sie arbeiten für einen. Und an dieser Arbeit und der Arbeit aller Maschinen der Siemens verdient man als Eigentümer mit.“

Standortrelevanz entscheidet Gewichtung

Hinter dem Investmentfonds steckt das Know-how von Martin Foussek und Niss, der auch als Portfoliomanager und geschäftsführender Gesellschafter der EB Portfoliomanagement GmbH (Fondsmanager) agiert. Die Aktienselektion beschreibt Niss wie folgt: „Wir erheben für eine große Anzahl von Unternehmen die Anzahl der in Österreich beschäftigten Mitarbeiter und den Produkt- und Dienstleistungsabsatz in Österreich. Diese Daten werden in einer Zahl zusammengefasst, die aus unserer Sicht die Relevanz des Unternehmens für den Standort widerspiegelt. Diese Zahl wird jedes Quartal berechnet und von unserem Partner STOXX mit der Marktkapitalisierung der enthaltenen Unternehmen multipliziert. Die 250 größten Unternehmen werden dann in den Fonds aufgenommen. Es gibt keinen subjektiven Eingriff in diesen Prozess.“ Derzeit die Top-10- Positionen sind: OMV (5,1 %), voestalpine (5,1 %), Erste Group (5,1 %), Unicredit (4,9 %), Siemens (4,9 %), Shire (4,6 %), Infineon (4,1 %), Magna (3,5 %), RBI (2,6 %) und BMW (2,4 %).

Laut Niss wird die Entwicklung von Unternehmen sehr aktiv verfolgt: „Als zum Beispiel General Motors Opel an Peugeot verkauft hat, ist die Relevanz von General Motors so weit gesunken, dass das Unternehmen aus dem Fonds gefallen ist. Peugeot hingegen hat an Relevanz gewonnen. Der Wechsel der rund 1.600 Mitarbeiter am Standort Aspern hatte daher einen unmittelbaren Einfluss auf die Zusammensetzung.“

Mit rund 6 % Plus seit Auflage am 3. April 2017 und einer durchaus positiven Kritik des VKI ist der Fonds schon einmal gut gestartet. Die weitere Performance hängt von der Entwicklung der internationalen Aktienmärkte ab.

Autor: Michael Kordovsky  (redaktion@boersen-kurier.at)

Politik verschließt sich einer klassischen Win-win-Situation

Die betriebliche Altersvorsorge führt hierzulande das vielzierte Schattendasein. Derweil würden bei vorhandenem politischem Willen alle – sowohl Arbeitnehmer, Arbeitgeber und der Staat selbst – profitieren. Dies meint Experte Thomas Wondrak im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

Börsen-Kurier: Österreich befindet sich mitten in Koalitionsverhandlungen. Zum Thema Pensionen bzw. zur sogenannten „Zweiten Säule“ der Vorsorge hat man bisher noch nichts aus Verhandler-Kreisen vernommen. Was würden Sie, als ausgewiesener Experte des Themas „Betriebliche Altersvorsorge“, einer neuen Regierung nahelegen?

Thomas Wondrak: Betriebliche Altersvorsorge ist europaweit ein wesentliches Standbein für die finanzielle Absicherung der Menschen. Das ist ein wichtiger Punkt bei einer immer länger werdenden Pensionsphase und weiterhin steigender Lebenserwartung. Auch in Österreich ist die BAV mit insgesamt rund 23 Mrd Euro veranlagter Mittel ein bedeutender Faktor geworden. Die vergangene Bundesregierung wollte eine umfassende Evaluierung der drei Säulen (staatliche Pension, BAV und Privatvorsorge) durchführen, was aber leider nicht mehr in Angriff genommen wurde. Diese Evaluierung sollte die neue Bundesregierung durchführen, um eine klare und transparente Struktur der drei Säulen, insbesondere hinsichtlich der finanziellen Förderungen und der Versteuerung der unterschiedlichen Durchführungswege zu erreichen. Die letzte inhaltlich eher unwesentliche Reform wurde 2012 bei den Pensionskassen umgesetzt. Es ist Zeit, sich dem Thema sachlich zu nähern und konsequente Reformschritte auszuarbeiten. Verbesserungsbedarf gibt es bei der Information der Klein- und Mittelbetriebe, bei der Vereinfachung der Produkte und bei den Förderungen. Ziel muss sein, dass die BAV auch bei den Klein- und Mittelunternehmen und bei Menschen mit geringerem Einkommen ankommt.

Börsen-Kurier: Und wo gibt es da im Speziellen die Stellschrauben?

Wondrak: Es braucht vor allem ein klares politisches Bekenntnis zum Ausbau der BAV. Die Bedeutung der staatlichen Pension soll davon aber nicht berührt werden. Weiters müssen die Sozialpartner dafür Sorge tragen, dass die BAV in den Kollektivverträgen berücksichtigt wird. Das wird dazu beitragen, dass auch Klein- und Mittelverdiener in den Genuss der
BAV kommen. 
Und zuletzt muss es adäquate und transparente Fördermodelle geben. Es liegt schließlich im Interesse der Allgemeinheit, dass unser Pensionssystem auf mehreren sicheren Standbeinen steht. Durch zielgerichtete Förderung steigt der Bekanntheits- und Umsetzungsgrad vor allem im Bereich der Klein- und Mittelunternehmen. Die KMUs brauchen dringend Unterstützung in diesem Bereich, da dort die Lohnkosten ein wesentlicher Faktor sind.

Börsen-Kurier: Blicken wir in diesem Zusammenhang über unsere Grenzen. Sie haben in unserem Vorgespräch erwähnt, dass Deutschland bei m Thema schon weiter ist. Was könnte man sich abschauen bzw. für Österreich adaptieren?

Wondrak: Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz, das vor kurzem in Deutschland beschlossen wurde, werden wichtige Weichen in Richtung Unterstützung der Kleinverdiener und der KMUs gestellt. Arbeitgeber, die Kleinverdienern eine BAV ermöglichen, erhalten eine Förderung, um die höheren Lohnnebenkosten aufzufangen. Weiters wird der Arbeitgeber verpflichtet, bei einer Gehaltsumwandlung (das bedeutet der Arbeitnehmer entscheidet sich für weniger Bruttolohn, dafür erhält er eine BAV-Zusage) seine Ersparnis bei den Lohnnebenkosten an den Arbeitnehmer weiterzugeben. Dadurch wird nicht nur verhindert, dass allein der Arbeitgeber davon profitiert, sondern es wird das Gesamtversorgungsniveau
für den Arbeitnehmer gleich gehalten bzw. sogar noch erhöht. 
Beide Punkte sind auch in Österreich umsetzbar und würden eine deutliche Verbesserung der Situation der KMU mit sich bringen.

Börsen-Kurier: Woran scheitert es hierzulande Ihrer Ansicht nach? Eigentlich ist die Förderung der 2. Säule eine Win-Win-Situation.

Wondrak: Es scheitert lediglich am politischen Willen, rasch umsetzbare Modelle liegen auf dem Tisch. Der Staat würde den Versorgungsgrad in der Pension anheben, was insgesamt zu einer höheren Kaufkraft der Pensionisten führt. Die staatliche Pension muss deswegen nicht an Bedeutung verlieren, im Gegenteil: wir würden ein zusätzliches Standbein dazu bekommen. Die Arbeitgeber gewinnen an Attraktivität am lokalen, am europäischem sowie am globalen Markt, im Idealfall ohne wirtschaftliche Mehrbelastung. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schließlich verlagern die Steuerlast in die Zukunft, erhöhen ihr Pensionseinkommen und sichern sich dadurch die längere Lebenserwartung finanziell ab.

Börsen-Kurier: Von Berater- und Maklerseite wird das Thema eher stiefmütterlich behandelt? Woran liegt das, und welches Potential gäbe es auch für den Vermittler?

Wondrak: Das liegt daran, dass Makler und Berater die BAV als komplex empfinden. Die in Österreich vorherrschenden Produkte sind in der Ausgestaltung und Abwicklung aber simpel und einfach zu verwalten. Es mangelt hier bedauerlicherweise an Information. Aus- und Fortbildung in diesem Bereich wird aber ein wesentliches Thema ab 2018, da es zu erhöhten Ausbildungsverpflichtungen von Produktanbietern, Beratern und Makler kommt.

Das BAV-Potential ist angesichts der starken Rückgänge in der klassischen Lebensversicherung nicht zu unterschätzen. Makler wären gut beraten, sich dem weiter wachsenden Markt der BAV zu widmen. Der Aufholbedarf in Österreich ist enorm, man kann von einer möglichen Verdoppelung der veranlagten Gelder in den nächsten zehn Jahren ausgehen.

Börsen-Kurier: Und wenn wir schon beim Vermittler-Thema sind: Auf die Branche kommt ein herausforderndes Jahr mit all den neuen Richtlinien wie IDD, MiFid II, Datenschutzverordnung etc. zu. Wie weit spielen diese Themen bei der Betrieblichen Altersvorsorge eine Rolle?

Wondrak: Die neuen Richtlinien werden vor allem die Transparenz und Qualität bei der Beratung und Vermittlung sowie die Informations- und Dokumentationsverpflichtungen erhöhen. Speziell bei der BAV wird es zu einer Qualitätssteigerung hinsichtlich der richtigen Produktauswahl gemessen an den jeweiligen Kundenbedürfnissen kommen. Weiters wird die Weiterbildungsverpflichtung ausgebaut und präzisiert. Nachdem diese künftig für Makler und auch für die Versicherer selbst gilt, ist eine höhere Beratungsqualität zu erwarten. Eine höhere Qualität bringt mehr Kundenzufriedenheit. Zufriedene Arbeitgeber und ArbeitnehmerInnen erhöhen wiederum die Produktivität und stärken den Wirtschaftsstandort Österreich.

Das Interview führte Klaus Schweinegger (redaktion@boersen-kurier.at)

Aktien zu Schnäppchenpreisen

Die jüngsten Einbrüche bei Zumtobel, Wolford und DO & CO ebneten den Weg zu günstigen Einstiegschancen. Ebenso ist die BAWAG besser als ihr Börsenstart.

Es gibt zwei Gruppen antizyklischer Chancen, nämlich Aktien, deren Rückschläge auf klar definierte Ereignisse zurückzuführen sind, oder die ungünstigen Marktkonstellationen und/oder Managementfehlern zum Opfer fielen. Letztere brauchen häufig länger für eine Trendwende. Ereignisbedingt unter Druck gerieten die BAWAG Group und DO & CO. Das Geschäftsklima zwischen österreichischen und türkischen Firmen hat sich verschlechtert, die Türkische Lira wertete massiv ab und DO & CO kam bei einem neuen Auftrag nicht mehr zum Zug. Am Istanbuler Großflughafen arbeiten die Turkish Airlines mit einem DO & CO-Konkurrenten aus Singapur zusammen. Entsprechend die Kursentwicklung, zumal die Türkei zuletzt über ein Viertel des Umsatzes beitrug: Seit ihrem Hoch 2016 hat sich die Aktie bereits mehr als halbiert. Die Chancen auf eine Bodenbildung bei teils volatiler Seitwärtsbewegung stehen gut.

Unschuldig unter Druck geriet die fundamental solide BAWAG Group. Nachdem beim IPO die Gewinne ausblieben, machten zahlreiche Anleger Kasse. Per 24. 11. gab es bereits rund 13 % „Discount“ auf den IPO-Preis (letzter Kurs: 41,85 Euro). Die BAWAG erwartet für das Gesamtjahr ein Ergebnis vor Steuern von mehr als 500 Mio Euro. Dem steht eine Marktkapitalisierung von nur noch 4,19 Mrd Euro gegenüber. Damit wäre die mit einer CET1-Quote von 16,2 % grundsolide Bank bereits attraktiv bewertet.

Einige kritische Entwicklungen im für 2018 erwarteten Marktumfeld hingegen versetzten trotz hervorragender Zahlen die Lenzing-Aktie in einen kurzfristig starken Abwärtstrend. Binnen drei Monaten liegt der Aktienkurs bereits 29 % im Minus. Baader-Bank-Analystin Laura Lopez Pineda verweist hingegen auf Lenzings einzigartige Position am Fasermarkt und bestätigt die Kaufempfehlung (Kursziel: 151 Euro). Zu einem Kurs von 99,60 Euro wäre Lenzing auf Basis der Baader-Schätzung mit einem Forward-KGV 18 von 9,7 (leichter Gewinnrückgang) bewertet. Fazit: Das 1. Quartal 2018 und/oder Bodenbildung abwarten!

Bei Zumtobel haben die Anleger die Gewinnwarnungen langsam satt. Am 15. 11. war es wieder soweit: Gewinn- und Umsatzprognosen für das laufende Geschäftsjahr mussten nach unten angepasst werden: Der Vorstand erwartet nun ein bereinigtes EBIT von 50 bis 60 Mio Euro (Vorjahr: 72,4 Mio Euro) und einen Umsatzrückgang von rund 5 %. Bisher waren jeweils leichte Zuwächse vorhergesagt worden. Ein intensiverer Preiswettbewerb im Leuchten- und Komponenten-Geschäft und vermehrte Projektverschiebungen in Großbritannien waren die Ursache. Alleine am 16. 11. verlor die Aktie 20,9 % an Wert und es keimten Mediengerüchte über Unstimmigkeiten in den Führungsetagen auf. Beim Aktienkurs sollte auf aktuellem Niveau eine Bodenbildung abgewartet werden.

Ein kräftiger Rebound setzte zuletzt hingegen bei Wolford ein, wo ein Kernaktionärswechsel bevorsteht und strukturell hohe Kosten nun konsequent reduziert werden, nachdem das 1. Quartal 2017/18 (Mai bis Juli 17) noch immer tiefrot war. Zwar verzeichneten gegenüber dem Vorjahreszeitraum das Retail-Geschäft und auch das Whole-sale-Geschäft Umsatzanstiege von je 6,0 bzw. 2,2 %, doch das operative Ergebnis war noch immer mit -7,22 Mio Euro (Vorjahreszeitraum: -8,08 Mio Euro) tief im roten Bereich.

Zwar steuert das Management dieser Entwicklung mit Kosteneinsparungen entgegen, doch erst 2018/19 erwartet Wolford wieder ein operativ positives Ergebnis. So richtig frischen Wind (Kapitalerhöhung, eventuell stärkere strukturelle Eingriffe und völlig neue Marketing-Konzepte) wird wohl erst der neue Kernaktionär reinbringen. Genau darin liegt derzeit die Chance.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

„Gang an die Börse, und nicht Delisting sollten attraktiv sein“

Hinausgedrängt zu werden will niemand, und zu billig abgespeist werden, auch nicht. Das gilt in allen Lebenslagen, so auch im Verhältnis zwischen Haupt- und Minderheitsaktionären.

Trotzdem kommt es (gar nicht so selten) vor – und sorgt entsprechend für Konfliktstoff bis hin zum Bemühen von Gerichten. Im Kapitalmarktjargon nennt sich das Reizthema „Gesellschafter-Ausschluss“ oder „Squeeze-Out“.

Diesem und dem damit oft folgenden Überprüfungsverfahren der Angemessenheit des Abfindungsangebots widmete sich ein Workshop des Interessenverbandes für Anleger (IVA):
Dazu kamen in der Wiener „Klimt Villa“ mehr als 30 Experten zusammen, darunter bekannte Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Vertreter der Justiz und des Gremiums, betroffene Aktionäre sowie Anlegerrechtsexperten aus Deutschland. Anlass für den Workshop gab es gleich doppelt: Zum einen ist in Österreich der Gesellschafterausschluss seit 2006 gesetzlich geregelt und so konnte man über zehn Jahre Erfahrungen mit den praktischen Auswirkungen der rechtlichen Bestimmungen diskutieren. Und zum anderen ist das Thema im Hinblick auf die Anfang 2018 in Kraft tretenden Gesetzesbestimmungen zum Delisting von der Wiener Börse hochaktuell und besonders brisant.
Zu den abgeschlossenen Gesellschafter-Ausschluss-Verfahren der vergangenen Jahre zählen so prominente, ehemals börsenotierte Namen AUA, Constantia Iso, Steyr-Daimler-Puch und ein Dutzend mehr.

Aber auch laufende Ausschluss-Verfahren bei weiteren bekannten Namen sorgen für Verdruss: Bank Austria, BDI, Constantia Packaging, conwert, Miba, Schlumberger, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Hinzu kommen Verschmelzungen, die für Aktionärsunruhe sorgten: CA Immo, Immofinanz/east, RHI, S&T, UBM, Intercell/Valneva.

Prüfer in Prüfung
Ein zentrales Problemfeld ist die Unternehmensbewertung für die Bemessung des Abfindungsangebotes an die auszuschließenden Gesellschafter, also zum einen das Bewertungsgutachten. Denn der Hauptgesellschafter hat ja das kaufmännische Interesse, dass er möglichst wenig zahlen muss. Dazu kommt zum anderen dann die Überprüfung der Angemessenheit der errechneten Abfindung durch einen vom Gericht zu bestellenden Prüfer, die vielen betroffenen Aktionären sauer aufstößt. Wird doch dieser Prüfer in der Praxis in einem Dreiervorschlag vom Hauptaktionär dem Gericht vorgeschlagen.

Und dass diese Prüfer dann die Bewertung nur auf „Plausibilität“ durchchecken, aber nicht auf die Richtigkeit der Planungsannahmen – die aber maßgeblich für das Bewertungsergebnis und damit für die Höhe des Abfindungsangebots sind. Von Juristen kritisiert wird weiters, dass die Prüfer nur aus einem kleinen Kreis von Großkanzleien ausgewählt werden und die Prüfer in ihren Auftragsbedingungen keine bzw. nur eingeschränkte Haftung übernehmen. Fazit aus all dem aus Kritikersicht: ein zu niedriges Bewertungsergebnis und damit ein aus Betroffenensicht zu niedriges Abfindungsangebot.

Gefordertes Gremium
Wenn ausgeschlossene Gesellschafter bei Gericht eine Überprüfung verlangen, kommt ein Verfahren in Gang, das ebenfalls für manch Unzufriedenheit sorgt. Das Firmenbuchgericht beauftragt im Falle solcher Überprüfungsanträge dann das sogenannte „Gremium“. Diesem kommt eine Gutachter- und Schlichtungsfunktion zu und soll auf eine vergleichsweise Einigung hinwirken. Beobachter des Gremialverfahrens wünschen sich zum einen eine verbindliche Verfahrensregelung, die Rechtssicherheit schafft und Verfahrensverschleppungen unterbindet. Unglücklich ist man auch mit der jetzigen Ansiedelung des Gremiums bei der Finanzmarktaufsicht. Gefordert wird daher, dass – im Bewusstsein der Schnelligkeit des Kapitalmarktes – dem Gremium mehr Mittel und moderne Infrastruktur (etwa wie bei der Übernahmekommission) in die Hand geben werden und die dominierende sozialpartnerschaftliche Zusammensetzung zu überdenken. Auch die Honorierung der Gremialmitglieder sei ihrem Aufwand nicht entsprechend. „Das Prinzip stimmt, aber das Kapillarsystem gehört verbessert“, formulierte es Gesellschaftsrechts-Doyen Univ. Prof. Peter Doralt.

Aufgabe für neue Regierung
Die Vertreterin des ressortmäßig zuständigen Justizministeriums, Sonja Bydlinski, bekundete abschließend ihren Wunsch, eine Reform des Gremialrechts in das kommende Regierungsprogramm aufnehmen zu wollen. Dabei solle es unter anderem um eine Straffung, bessere Ansiedelung und Ausstattung und die Rolle des gemeinsamen Vertreters gehen. Insgesamt solle mit einer Reform das Verfahren vor dem Gremium so verbessert werden, dass es den heutigen Praxisansprüchen gerecht wird. Workshop-Gastgeber IVA-Präsident Wilhelm Rasinger formulierte das übergeordnete Ziel aller gesetzlicher und verfahrenstechnischer Verbesserungen: „Unser Hauptaugenmerk soll bzw. muss sein, einen attraktiven Kapitalmarkt zu haben.“ Das An-die-Börse-gehen solle attraktiv sein, nicht das Delisting. Die Formulierung von Vorschlägen für die neue Regierung solle „zum Vorteil des Börseplatzes Wien sein“.

Autor: Mag. Manfred Kainz  (redaktion@boersen-kurier.at)