Fusionsverhandlungen werden für Immofinanz nicht einfach“

Die CA Immo hat für die ersten drei Quartale 2017 gute Zahlen vorgelegt und bleibt für das Gesamtjahr positiv. Die Fusionsverhandlungen mit der Immofinanz wurden noch nicht aufgenommen.

Die CA Immo ist im Geschäftsjahr 2017 weiterhin gut unterwegs. So konnte der heimische Immobilienkonzern in den ersten neun Monaten sowohl die Mieteinnahmen als auch den Gewinn deutlich steigern. Konkret stiegen die Mieterlöse – vor allem dank jüngster Akquisitionen wie etwa des Budapester Millenium Towers (Foto) – um 8,9 % auf 133,5 Mio€ und die Nettomieteinnahmen um 11,9 % auf 121,8 Mio Euro. Das Konzernergebnis legte um 17 % auf 147,6 Mio Euro zu, während das
EBITDA um 11 % auf 124,1 Mio Euro angehoben werden konnte.

Konservative Guidance

Der FFO I stieg in den ersten neun Quartalen auf 84,8 Mio€ (Vorjahrszeitraum: 69,9 Mio€). „Für das Gesamtjahr erwartet das Management nach wie vor einen Wert von mehr als 100 Mio€, was angesichts der starken Entwicklung nach drei Quartalen eher konservativ klingt“, so Erste Group Analyst Christoph Schultes. Wie CEO Frank Nickel gegenüber dem Börsen-Kurier erklärt, bleibe man bei der FFO Guidance für 2017, da man unter anderem noch mit Instandhaltungskosten rechne, die traditionellerweise im vierten Quartal anfallen.

Wie Schultes festhält, notiert die Aktie aktuell mit einem Abschlag von mehr als 15 % zum EPRA NAV,
der das Entwicklungspotenzial des Unternehmens, das vor allem durch die zahlreichen Grundstücke in deutschen Metropolen gegeben sei, in keiner Weise widerspiegele. „Die Abschläge zum NAV sind unserer Meinung nach nach wie vor auf Unsicherheiten im Zusammenhang mit der möglichen Fusion mit der Immofinanz zurückzuführen und in unseren Augen nicht gerechtfertigt“, meint Schultes.

Nicht von der Hand zu weisen ist jedenfalls, dass sich die Aktienkurse von CA Immo (Year-to-date-Performance: +42 %) und Immofinanz (+12 %) zuletzt immer weiter aus-einanderentwickelt haben und aktuell eine Differenz von rund 30 % vorliegt. Für Martin Rupp, Fondsmanager bei der 3 Banken-Generali Invest, ist das auch berechtigt. „Besonders die Grundstücksreserven der CA Immo bleiben attraktiv und bieten hohes Potenzial für Developments“, sagt er.

„Ich denke die Fusionsverhandlungen werden für die Immofinanz nicht einfach werden, wenn man die unterschiedliche Qualität und Bewertung der Portfolien in Teilbereichen betrachtet“, so Rupp weiter. Stichwort Fusionsverhandlungen. Nachdem die Immofinanz Mitte November den Verkauf des Russland-Geschäfts im Rahmen eines Share Deals an die russische FORT Group bekannt gab, was bekanntlich die Voraussetzung für die Wiederaufnahme der Gespräche zwischen beiden Unternehmen war, steht diesen grundsätzlich nichts mehr im Wege.

Spannend ist für Rupp, ob und wie die CA Immo den Earn-out überhaupt berücksichtigen könne, da er ja nicht bilanziert werde. Der Hintergrund: Inklusive Finanzpassiva (675 Mio€) beläuft sich der Kaufpreis für das Bruttovermögen bei 901 Mio€, jener für das Reinvermögen bei bis zu 226 Mio Euro. Laut Immofinanz sind darin ein bis Jänner 2022 gestundeter und garantierter Betrag von 14,5 Mio Euro sowie ein ebenfalls 2022 zu zahlender, aber von den Umsätzen der Einkaufszentren im Jahr 2021 abhängiger Earn-out von bis zu 9 Mrd RUB (rund 136 Mio Euro) enthalten.

Bezüglich des potenziellen Mergers mit der Immofinanz liegen der CA Immo derzeit jedenfalls keine Informationen vor, wie auf Anfrage des Börsen-Kurier zu erfahren war. „Wir sind bereit, wieder in die Merger-Verhandlungen einzutreten und erwarten eine diesbezügliche Kontaktaufnahme seitens der Immofinanz spätestens nach dem Closing des Russland-Verkaufs (Ende Dezember, Anm.)“, so Nickel.

Gemeinsam oder alleine besser?

Darauf, dass keinesfalls eine „gemähte Wiese“ zu erwarten ist, deutet jedenfalls ein kürzlich abgegebener Kommentar von CFO Volkert Volckens. Da die Schwelle mit erforderlichen 75 % Zustimmung durch die Aktionäre bei einer Hauptversammlung sehr hoch sei, müsse das Angebot „ein sehr überzeugendes sein“. Es gehe hier ohne Emotionen nur um die Sache: „Wenn wir finden, wir haben einen sehr guten Deal gefunden, schlagen wir den den Aktionären vor.“ Dabei sei die zentrale Frage, ob man gemeinsam besser sein könne als alleine.                                      

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

Schwieriges Umfeld für aktive Manager im dritten Quartal

In Europa verzeichneten lediglich 31 % der aktiven Manager eine Outperformance – ein Rückgang von 24 % im Vergleich zum zweiten Quartal. Ein stabiles makroökonomisches Umfeld und niedrige Volatilität begrenzten die AlphaChancen für Aktienmanager. Aktive Fixed-Income-Manager hatten angesichts rückläufiger Zinsen am meisten zu kämpfen. (22.11.)

Aus der jüngsten Studie von Lyxor geht hervor, dass mit 31 % weniger als ein Drittel der aktiven Manager in Europa ihre Benchmark im dritten Quartal übertrafen. Dies entspricht einem Rückgang von 24 % gegenüber dem vorhergehenden Quartal. 35 % der aktiven Aktienmanager erzielten eine Outperformance. Eine Erklärung hierfür sieht Lyxor im stabilen makroökonomischen Umfeld und in der gesunkenen Volatilität, die zu einer Begrenzung der Alpha-Chancen führten. Gegenüber dem zweiten Quartal, in dem 63 % der aktiven Aktienmanager ihre Benchmark übertrafen, markiert dies einen deutlichen Unterschied. Das stabile makroökonomische Umfeld, wenig neue Impulse und eine geringe Volatilität erschwerten aktiven Aktienmanagern die Alpha-Generierung im dritten Quartal. Die Outperformance von Risikofaktoren gegenüber den Benchmarks war außerhalb von Europa, wo sich Value- und Momentum-Faktoren gut entwickelten, stark begrenzt. In Japan, den USA, den Schwellenländern und Europa haben die meisten aktiven Manager ihre Engagements in defensiven Bereichen (Low Beta und Quality) während des Berichtszeitraums erhöht oder beibehalten. Die Performance britischer Aktienfonds gab am stärksten nach. Die Manager litten hier unter ihrer Abhängigkeit von auf die Binnenwirtschaft ausgerichteten Aktien, die im dritten Quartal zurückblieben. Europäische Large- und Mid-Cap-Aktienfonds entwickelten sich besser, da 53 % der Manager eine Outperformance erzielten. Dieser Wert liegt deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Der Grund dafür war, dass die aktiven Manager hier erfolgreich von defensiven Wachstums- und Qualitätsaktien mit niedrigem Beta zu zyklischen Werten umschichteten, um vom Aufschwung in Europa zu profitieren. Diese Manager nutzten das Momentum von Aktien mit hohem Beta, da sich der Value-Faktor im dritten Quartal nach wie vor überdurchschnittlich entwickelte. Für Fixed-Income-Manager erwies sich das Quartal insgesamt als schwierig. Das Umfeld mit stabilen Zinsen führte dazu, dass lediglich 26 % der Manager von europäischen Staatsanleihen und 9 % der Manager von Hochzinsanleihen im dritten Quartal eine überdurchschnittliche Entwicklung verzeichneten. Manager von Hochzinsanleihen mit defensiveren Portfoliopositionen litten unter der Rallye bei den Kreditspreads. Lediglich 22 % der Manager von Unternehmensanleihen erzielten eine Outperformance.

Die Gewinner der Digitalisierung des Alltags

In den kommenden Jahren stehen im wahrsten Sinne des Wortes gravierende Veränderungen ins Haus, die auch die treibenden Kräfte hinter dem Höhenflug mancher Aktien sind.

Intelligente Haushaltsgeräte, die am Internet hängen und überall via App vom Smartphone aus gesteuert werden können, sind bereits im Handel. Siemens (ISIN: DE0007236101) ermöglicht  z. B. einen Blick in den Kühlschrank via Smartphone oder Tablet. Backöfen können von unterwegs vorgeheizt werden. Beim nächtlichen Betreten der einzelnen Räume schalten sich automatisch die Lichter ein und morgens nach dem Aufstehen erhält der Kaffeevollautomat das Arbeitssignal. Das Internet der Dinge (IoT) ist die Basis dafür und Grundlage für zukünftige Milliardengeschäfte. Laut einer Prognose der Marktforscher von Gartner sollte die Anzahl der mit dem IoT verbundenen Geräte von 2017 bis 2020 von 8,4 auf 20,4 Mrd ansteigen und der Umsatz mit diesen Geräten von 1,69 auf 2,93 Bio Euro wachsen, wobei 2020 etwas mehr als die Hälfte des Umsatzes auf den Verbrauchermarkt fällt.

Ein Kernthema des Smart-Home-Trends sind intelligente Alarmsysteme mit Fernüberwachungs-Apps am Smartphone. Genau das bietet das US-Unternehmen Alarm.com (US0116421050) für Haushalte und Privatunternehmen. Der Erfolg: Von 2012 bis 2016 stieg der Umsatz von 96,5 auf 261,1 Mio USD und das um Sonderposten bereinigte EBITDA von 20,5 auf 49 Mio USD. Ebenfalls vom Smart-Home-Trend profitiert Osram (DE000 LED4000) mit dem LIGHT-IFY-System. Damit können sogar ganze Tagesabläufe lichtmäßig vorgeplant werden (z.B. zur Stimmung passende Lichtfarben oder -szenen). Hingegen als potenzieller Übernahmekandidat gilt Sierra Wireless (CA826 5161064), die dafür sorgt, dass alle sprechenden Geräte mit zentralen Ansprechstationen möglichst sicher kommunizieren, was durch einen Datenfluss über die Cloud ermöglicht wird. Das Unternehmen mildert in „digitalen Häusern“ die Folgen von Hackerattacken ab und ist fundamental günstig bewertet. Permanent positive Gewinnüberraschungen in den vergangenen vier Quartalen und ein KGV von 16,5 (Kurs: 19,10 USD) sprechen für ein Investment.

Der Vormarsch des IoT beschleunigt auch den Einsatz von Haushalts-Robotern. Laut einer Schätzung der International Federation of Robotics stieg 2016 weltweit die Anzahl verkaufter Haushaltsroboter für Tätigkeiten wie Staubsaugen, Rasenmähen etc. um 25 % auf 4,6 Mio Einheiten. Der Umsatz stieg um 26 % auf 1,6 MrdUSD. Experten rechnen bis 2020 bereits mit 2,5 MrdUSD Umsatz. Am stärksten ist dabei das Wachstum in China. Dazu äußerte sich  Colin Angle, CEO von iRobot (US4627261005), dem größten Haushalts-Roboter-Hersteller, wie folgt: „Der globale Haushalts-Roboter-Markt wächst um 25 % p.a., aber in China liegen die Wachstumsraten zwischen 70 und 100 %.“ iRobot ist bei Staubsauger-Robotern mit 34 % Marktanteil führend im asiatisch-pazifischen Raum. Laut Reuters-Konsens soll der Gewinn/Aktie von 2017 auf 2018 von 1,84 auf 2,67 steigen, woraus bei einem Kurs von 68,79 USD ein Forward-KGV 18 von 25,8 resultiert. Mit humanoiden Robotern und Roboterhund Aibo mehr spielerisch am Robotik-Trend partizipiert Sony (JP3435000009). An der Digitalisierung der Fertigung profitieren die Japaner Fanuc (JP3802400006), Weltmarktführer bei Industrierobotern und Yaskawa Electric (JP3932000007).

Eine weitere Folge der Digitalisierung des Alltags sind selbstfahrende Fahrzeuge, wobei hier die Technologieunternehmen im Hintergrund profitieren. Dazu zählen Nvidia (US67066G1040), deren Pegasus-Computer autonomes Fahren ganz ohne Fahrer ermöglichten sollte, und Infineon (DE0006231004) mit Radarsystemen, Mehrzweckkameras sowie mikrocontrollerbasierten Motor-, Getriebe- oder Batterie-Steuerungssystemen.        

Autor: Michael Kordovsky  (redaktion@boersen-kurier.at)

BAWAG-Group ein Spätzünder?

Anleger sollten sich nicht von den etwas verhaltenen ersten Wochen nach dem Börsengang entmutigen lassen, denn die solide aufgestellte Bank zeigt Wachstum und Wachstumspotenziale.

Das IPO der einstigen Gewerkschaftsbank verlief im Oktober eher verhalten. Rund 40 % der Anteile gingen in den Streubesitz über, doch der Emissionspreis lag mit 48 Euro am unteren Ende der Bandbreite. Der Emissionserlös betrug 1,9 Mrd Euro. Bis 17.11. bröckelte der Aktienkurs auf 43,47 € (Marktkapitalisierung 4,35 Mrd Euro) ab. An den fundamentalen Fakten hat sich indessen nichts verändert: Von 2012 bis 2016 stiegen die operativen Kernerträge um 19 %, während die operativen Aufwendungen um 32 % reduziert werden konnten. Der Gewinn vor Steuern konnte von 2014 bis 2016 von 316,2 auf 470,4 Mio Euro gesteigert werden. Heute zählt die BAWAG Group in Bezug auf Profitabilitäts- und Effizienzkennzahlen zu den Top 5 % der europäischen Banken. Die Cost/Income-Ratio verbesserte sich in den ersten drei Quartalen 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um weitere 140 Basispunkte auf 41,4 % und mittelfristig strebt das Management sogar einen Wert von unter 40 % an. Der Periodengewinn vor Steuern stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,3 % auf 382,4 Mio Euro, zumal die operativen Kernerträge und der Nettozinsertrag um jeweils 6,6 bzw. 7,5 % gesteigert werden konnten. Für das Jahr erwartet das Management ein Ergebnis vor Steuern von mehr als 500 Mio Euro (Vorjahr: 470,4 Mio Euro).

Expansion und Restrukturierung
Filialmitarbeiter konzentrieren sich zunehmend auf Beratung und Vertrieb, während das Institut die Verlagerung von Schaltertransaktionen auf die digitale Schiene und Selbstbedienungsplattformen forciert. Die Effizienz im Filialnetz wird durch die Beratungs-Konzentration auf Standorte mit hoher Kundenfrequenz erhöht. Besonders erfreulich war die Entwicklung des Neugeschäftsvolumens bei Wohnbaufinanzierungen, das um 23 % auf 510 Mio Euro anstieg. Die Übernahme der start:bausparkasse im 4. Quartal 2016 hat die Position der BAWAG Group in diesem Markt gestärkt. Infolge dieser Akquisition und der Übernahme der IMMO-BANK stieg das Gesamtvolumen der Kredite und Forderungen an Kunden um 15,1 % auf 27,5 Mrd Euro. Das gesamte Neukreditgeschäft betrug dabei in den ersten drei Quartalen 3,6 Mrd Euro. Im Oktober hat das Institut die Übernahme von PayLife abgeschlossen, wodurch 0,5 Mio zusätzliche Kunden hinzukommen.  Das macht die BAWAG Group zu einem der führenden Herausgeber von Kreditkarten in Österreich. Hinzu kommt die Übernahme der Südwestbank, einer deutschen Regionalbank mit mehr als 7 Mrd Euro Bilanzsumme und rund 100.000 Privat- und Unternehmenskunden. Weitere Akquisitionen sind geplant. Seit dem 9. November ist auch die Beendigung des Kooperationsvertrages mit der Österreichischen Post (gemeinsame Filialen) bis 31.12.2020 amtlich. In etwa 100 Filialen will die BAWAG selber betreiben.

Fundamentaldaten stimmen
Die Entwicklung des Instituts geht in die richtige Richtung und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis dies auch der Börsenkurs honoriert. Fakt ist, dass per 30.9.2017 91 % des Kreditvolumens auf Westeuropa fällt, woraus ein konservatives Risikoprofil resultiert: Die NPL-Ratio (non performing loans in Prozent des Kreditvolumens) liegt lediglich bei 2 %, während sich die CET-1-Ratio (bei Vollanwendung der CRR) seit Dezember 2016 von 13,6 auf 16,2 % verbesserte. Das Management strebt in den kommenden Jahren eine durchschnittliche jährliche Steigerung des Ergebnisses vor Steuern von 5 % an. Darüber hinaus soll die Hälfte des Nettogewinnes als Dividende ausgeschüttet werden. Gleichzeitig soll bis 2020 ein Überschusskapital von mehr als 1 Mrd Euro (über einer CET1-Ratio von 12 %) aufgebaut werden, das für Investitionen in organisches Wachstum sowie zur Umsetzung ergebnissteigernder Akquisitionen zur Verfügung steht. Fazit: Während die solide Kapitalausstattung und die niedrigen Kreditausfälle für Kursstabilität sprechen, sind Akquisitionen und Synergien zukünftige Treiber des Aktienkurses.

Autor: Michael Kordovsky  (redaktion@boersen-kurier.at

„Investoren sind bereit, für Qualität zu zahlen“

Auch wenn passive Investmentfonds künftig weiter an Bedeutung gewinnen werden, wird aktives Fondsmanagement immer eine wichtige Rolle spielen.

Passive Investmentstrategien – sprich ETFs – haben in den vergangenen Jahren bekanntlich massiv an Bedeutung gewonnen. 2016 zeichneten sie bereits für 17 % des weltweit von Asset Managern verwalteten Vermögens (85 BioUSD, Anm.) verantwortlich. Wie aus einer aktuellen Studie von PWC („Asset & Wealth Management Revolution: Embracing Exponential Change“) hervorgeht, wird sich der Siegeszug passiver Investments weiter fortsetzen. Bis 2025 wird ein Anstieg ihres Marktanteils auf 25 % bzw. eine Verdoppelung des verwalteten Vermögens auf 37 BioUSD prognostiziert.

ETFs im Trend
Die Erfolgsformel passiver Investmentfonds ist für die PWC-Experten schnell auf den Punkt gebracht:
Sie wären transparent, flexibel und kostengünstig. „ETFs liegen international im Trend“, so auch Christoph Boschan, CEO der Wiener Börse. Wie der Börsen-Kurier berichtete, ging an der Wiener Börse kürzlich ein „ETF-Segment“ mit 60 börsegehandelten passiven Fonds von neun verschiedenen Produktanbietern an den Start. Wie Boschan ankündigte, soll das Angebot weiter ausbaut werden – man stehe erst am Beginn einer Reise, so der CEO zuletzt.

So weit, so gut. Ungeachtet des fortwährenden ETF-Booms, stehen aber auch „aktive“ Veranlagungsstrategien nicht vor dem Aus. Laut der PWC-Studie soll ihr Marktanteil bis 2025 zwar von derzeit 71 auf 60 % zurückgehen, das in aktiven Fonds veranlagte Vermögen aber von 61 auf 88 BioUSD ansteigen. „Aktives Management wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen“, heißt es dort. Allerdings würden Investoren verstärkt zwischen Alpha und Beta differenzieren, bzw. was sie bereit wären für beides auszugeben. „Investoren sind bereit, für Qualität zu zahlen“, sagt auch Albert Reiter, Geschäftsführer des Fondsanalysehauses e-fundresearch.com, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Vor allem institutionelle Investoren würden es zu schätzen wissen, wenn aktive Fondsmanager einen nachweisbaren Mehrwert erzielen, der auch mit höheren Kosten verbunden sei. Nichtsdestoweniger glaubt der Experte, dass die Gebühren von aktiven Fonds – vor allem von Retail-Fonds, aber auch im institutionellen Bereich – zurückgehen werden. Nachsatz: „Asset Manager, die Kernkompetenzen haben, werden ihr Gebührenniveau – und damit auch ihre Margen – verteidigen können.“

Für Reiter wird nicht zuletzt MiFID II dafür sorgen, dass die Gebührenstrukturen insgesamt transparenter werden. Die Richtlinie, die am 3. Jänner des kommenden Jahres in Kraft tritt, stelle auch sicher, dass aktive Manager zunehmend auf die Kosten achten – vor allem auf die Transaktionskosten. „Die Folge ist ein effizienteres Management und damit auch eine Steigerung der Produktqualität“, so Reiter. Für ihn wird MiFID II auch einer der Treiber, der Entwicklung sein, dass Asset Manager, die nicht nachhaltig Alpha generieren können und nicht auf bestimmte Anlagekategorien oder Themen spezialisiert sind, künftig deutlich an Bedeutung verlieren werden.

„Es gibt Assetklassen bei denen man weiß, dass man als aktiver Fondsmanager mehr Möglichkeiten hat, schlechte Investments zu vermeiden, die im Index enthalten sind“, meint Reiter. Dazu zählt er Emerging Market Bonds in Lokalwährungen, Emerging-Markets-Aktien sowie beispielsweise auch das Small-Cap-Segment. „Aktive Fonds, die sich am S&P 500 orientieren, werden es dagegen schwer haben, Anlegern Mehrwert zu bieten“, sagt der Fachmann.

Kennzahl für aktives Management
Wie können aber Anleger nun sicherstellen, dass sie auch wirklich für ein aktiv gemanagtes Produkt Geld ausgeben und nicht für einen verstecken Indexfonds? Reiter empfiehlt den Active Share unter die Lupe zu nehmen. Die Kennzahl messe, wie stark ein Fonds von seinem Index abweiche. Dabei gelte: je höher, desto besser. „Ein Wert von 0 % bedeutet, dass keine Abweichung zwischen Fonds und Index vorliegt“, so Reiter.

Eine Weiterentwicklung des Active-Share-Ansatzes sei das Active-Fee-Konzept. Hier würden die Fondsgebühren um die Active Share adjustiert. „Active Fee macht einen Kostenvergleich aktiver Manager möglich“, so Reiter. Für die Berechnung wären keine Performancezahlen notwendig, sondern lediglich die Gewichtung von Aktien im Fonds sowie im Index sowie die Total Expense Ratio.

Stichwort Performance. Eines müssen sich Anleger jedenfalls vor Augen halten: Wie diverse Studien beweisen, ist nicht jeder Fondsmanager in der Lage, seine Benchmark auch wirklich nachhaltig outzuperformen.

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

Nur Frage der Zeit, bis Goldpreis wieder steigt

Nach Einschätzung von Experten leidet der Goldpreis im bisherigen Jahresverlauf vor allem unter der Stärke der Aktienmärkte.

2017 wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht als Jahr des Goldes in die Annalen eingehen. Vielmehr erlebt der Goldpreis nach einem relativ starken Vorjahr seit Jahresbeginn eine Konsolidierung und ist bislang wiederholt am Versuch gescheitert, die Marke von 1.300 USD pro Unze nachhaltig zu knacken. „Derzeit ist das Interesse an Gold eher gering, der Fokus der Anleger richtet sich vielmehr auf die starken Aktienmärkte“, sagt Andreas Böger, Senior Fund Manager bei C-QUADRAT, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

Kosten im Griff
Dennoch gibt sich Böger, der für den C-QUADRAT Gold & Resources Fund (ISIN: AT0000A07HF4) verantwortlich zeichnet, positiv gestimmt, dass sich die Ausgangslage bald ändern könnte. „Vor dem Hintergrund der überschuldeten Wirtschaft ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Goldpreis wieder steigt“,  sagt der Experte. Weiters glaube er, dass Zinsanhebungszyklen den Goldpreis nur vorübergehend negativ beeinflussen dürften. Der Hintergrund: Seit der Jahrtausendwende wären die Realzinsen – und damit ein Treiber des Goldpreises – eher negativ, was mit der Überschuldung der Wirtschaft im Zusammenhang stehe und den Goldpreis strukturell stütze.

Die derzeitige Verfassung der Goldminenunternehmen schätzt Böger jedenfalls als gut ein. „Viele Player haben in den vergangenen Jahren ihre – zuvor hohen – Kosten in den Griff bekommen.“ Das hänge auch damit zusammen, dass der Kostendruck aufgrund von Überkapazitäten im allgemeinen Minensektor in den letzten Jahren nachgelassen habe. „Unternehmen, die bereits jetzt profitabel arbeiten, sollten bei einem steigenden Goldpreis – ohne, dass dabei die Kosten im selben Ausmaß steigen – ihre Gewinne überproportional steigern können.“

Auf der Rechnung hat Böger derzeit vor allem mittelgroße Unternehmen. „Große Goldminenunternehmen kämpfen mit dem Problem, dass sie die Explorationstätigkeit in den vergangenen Jahren zurückgefahren haben bzw. keine großen Funde gemacht haben“, sagt er. Namen wie Iamgold Corp (CA4509131088), Kirkland Lake Gold (CA49741E1007) oder B2Gold Corp (CA11777Q2099) – im Übrigen die derzeit größten Positionen im C-QUADRAT Gold & Resources Fund – würden attraktivere Wachstumsprofile haben als große Player wie Barrick Gold (CA0679011084) und Goldcorp (CA3809564097).

Argumente für Gold
Das zunehmende Interesse an Kryptowährungen bestätigt für die Experten von Banque de Luxembourg Investments jedenfalls die Besorgnis zahlreicher Goldanleger – vor allem angesichts der explodierenden Notenbankbilanzen, der Negativzinsen und der Gerüchte über eine schrittweise Abschaffung des Bargelds. „Angesichts des beeindruckenden Kursanstiegs mancher Kryptowährungen mag Gold wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten wirken, zumal der Goldpreis heute weit entfernt ist von seinem Höchststand vor sechs Jahren, als er bei 1.880 je Unze lag“, heißt es in einer aktuellen Marktanalyse.

Nichtsdestoweniger biete Gold eine Reihe von Vorteilen gegenüber den neuen virtuellen Währungen – allen voran die deutlich weniger volatile Entwicklung des Goldpreises. Dazu komme, dass Gold Eigenschaften aufweise wie Dichte, begrenzte Verfügbarkeit und Unveränderlichkeit, die dazu führen, dass es weltweit als wertvoll angesehen werde. Drittens möge zwar das Angebot einer Kryptowährung begrenzt sein, die Zahl potenziell konkurrierender Kryptowährungen sei jedoch unbegrenzt.   

Autor: Patrick Baldia  (redaktion@boersen-kurier.at)

Wienerberger bleibt aussichtsreich

Eine temporär ungünstige Marktkonstellation bremste die Wachstumsdynamik bei Wienerberger. Die Gewinnwarnung folgte und setzte den Aktienkurs unter Druck. Doch die mittelfristigen Perspektiven bleiben positiv, nicht zuletzt infolge jüngster Akquisitionen

Wienerberger ist weltgrößter Anbieter von Hintermauerziegeln und in Europa die Nummer Eins bei Tondach- und Vormauerziegeln sowie keramischen Rohren. In den Jahren 2009 bis 2014 war das Ergebnis nach Steuern mit Ausnahme von 2011 immer negativ, ehe ein Kostensenkungsprogramm, Diversifikation und innovative Produkte das Unternehmen wieder nachhaltig in die Gewinnzone führten. Die Ertragsdynamik im Jahr 2016 (EBIT +17 % und Free Cash Flow + 82 %) überzeugte die Anleger und auf 3-Jahressicht liegt die Aktie noch immer 98 % im Plus. Die Erwartungen waren relativ hoch und eine vorübergehend verhaltene Markdynamik war bereits Auslöser folgender Entwicklung im 3. Quartal 2017:

Das hat Anleger enttäuscht
Der Umsatz stieg im 3. Quartal um 3% auf 832,2 Mio Euro, aber das EBITDA war mit 124,8 Mio Euro fast unverändert und lag laut Angaben der Analysten der Erste Group um 6 % unter dem Konsens. Nun revidierte das Unternehmen seinen Jahresausblick auf das bereinigte Konzern-EBITDA von 415 auf 405 Mio Euro nach unten. 2016 lag es bei 404 Mio Euro. Es setzten temporäre regionale Schwächen in diversen Gebieten Westeuropas ein, während in den USA die Tropenstürme belasteten. Im Segment Clay Building Materials in Westeuropa brach das EBITDA mit -12 % (auf 47,8 Mio Euro) sogar überraschend stark ein. Rückläufige Baubewilligungen in Deutschland führten zu sinkender Nachfrage im Ein- und Zweifamilienwohnbau. In Belgien hat noch keine Entspannung in der Verfügbarkeit von PUR/PIR Dämmmaterialien eingesetzt. Folge: Verzögerungen im Bau verzögerten die Nachfrage und belasteten das Ergebnis. Im Pipe & Pavers Western Europe-Segment brach das EBITDA sogar um 18 % auf 14,1 Mio Euro ein, da im internationalen Projektgeschäft die Auftragslage deutlich hinter dem Vorjahr zurückblieb und Überkapazitäten im französischen Infrastrukturmarkt belasteten.

Das stimmt zuversichtlich
Immerhin konnte der Nettogewinn in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres um 38 % auf 94,7 Mio Euro gesteigert werden zumal in den Bereichen Innovation und Digitalisierung zahlreiche Projekte in Umsetzung sind und das Unternehmen mit seinen Operational Excellence-Programmen bereits mehr als 7 Mio Euro einsparen konnte. Erfreulich ist auch die Geschäftsentwicklung in Osteuropa, während in Belgien Nachholbedarf besteht. CEO Heimo Scheuch  blickt jedenfalls positiv in die Zukunft: „Wir sehen, dass die Baubeginne und Infrastrukturausgaben in unseren Märkten nachhaltig steigen.“ Dies bedeute, dass die fundamentalen Entwicklungen in die richtige Richtung gehen würden.

Unterstützend sind hier auch die jüngsten Akquisitionen, nämlich das Kärntner Ziegelwerk Brenner (in 2016 knapp 9 Mio Euro Umsatz), des US-Vormauerziegelproduzenten Columbus Brick Company, der zuletzt 23 Mio USD umsetzte, und – vorbehaltlich einer Genehmigung durch die Kartellbehörde – von 98,3 % des rumänischen Hintermauerziegelproduzenten Brikston Construction Solutions SA (Umsatz 2016: rund 16 Mio Euro). Zu-vor baute Wienerberger mit der Übernahme des Hintermauerziegelwerks Reetz in Brandenburg die Präsenz in Deutschland und Polen aus. Im Rohrbereich übernahm Wienerberger die belgische Preflex Gruppe (Umsatz 2016: 33 Mio Euro) und positionierte sich damit im schnell wachsenden und profitablen Segment vorverdrahteter Elektroinstallationsrohre.

Auch die Analysten der Erste Group zeigten sich in ihrer Publikation Equity Weekly vom 10. November optimistisch: „In Summe glauben wir, dass die positiven Markttrends weiterhin in Takt bleiben. Die aktuellen Daten zur Vergabe von Wohnkrediten deuten in Westeuropa auf kontinuierliches Wachstum hin und unterstützen unsere Ansicht.“ Darüber hinaus sind sie der Ansicht, dass die jüngsten Akquisitionen noch nicht im Kurs eingepreist sind. Laut Analystenschätzungen (I/B/E/S-Konsens) ist Wienerberger auf Basis eines Kurses von 19,82 Euro mit durchaus attraktiven Forward-KGVs 2018 und 2019 von jeweils 14,7 bzw. 12,3 bewertet.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

DAX und Gold als Dauerbrenner

Anouch Wilhelms von der Commerzbank beleuchtet im Gespräch mit dem Börsen-Kurier Trends am Zertifikate-Markt. Einen Run gibt es etwa auf deutsche Technologiewerte.

Bekanntlich kennen die weltweiten Börsen seit rund neun Jahren fast nur eine Richtung: aufwärts. Und anscheinend rechnen die Anleger mit keinem abrupten Abreißen der Hausse, auch die Beliebtheit von Zertifikate-Produkten, die Aktien beinhalten, steigt weiter. Das bestätigt Commerzbank-Experte Anouch Wilhelms gegenüber dem Börsen-Kurier.
„Wenn wir die Nachfrage in unserem Haus betrachten, so steht nach wie vor der DAX an erster Stelle. Gefolgt vom Euro Stoxx 50, an dritter Stelle findet sich Gold. Dann kommen MDAX und TecDAX. Auch US-Indizes stellen seit einigen Monaten ein großes Thema dar. Die Investoren dürften mittelfristig weiter steigende Aktienkurse erwarten“, gibt der Experte einen groben Überblick. Gehen wir ins Detail, so ist die große Nachfrage zu den schwergewichtigen Indizes DAX und Euro Stoxx keine große Überraschung. Als Besonderheit bezeichnet Wilhelms hingegen den „riesigen Run“ auf den TecDax in den vergangenen Wochen, aber immerhin hat der Technologieindex sowohl den DAX als auch die Nasdaq in den vergangenen fünf Jahren outperformt.

Turbo einschalten
Wobei man die verschiedensten Basiswerte mithilfe von Zertifikaten variantenreich spielen kann. Bei Discount-Zertifikaten etwa kauft man mit einem festgelegten Abschlag ein, bei sinkenden Kursen fallen somit weniger Verlust als bei einem 1:1-Investment an. Es sei denn, der Basiswert rutscht unter den Discount, dann entwickelt sich das Zertifikat genauso wie der Basiswert. Der Preis für diesen Puffer ist die Begrenzung des möglichen Kursgewinns nach oben durch einen „Deckel“. Ein Beispiel bietet das „Classic Discount-Zertifikate bezogen auf Euro Stoxx 50“ der Commerzbank (ISIN: DE000CE8 CMS7), der Discount beträgt hier rund 26 %.

Abgesehen von den Aktienmärkten zählt Gold zu den Dauerbrennern der Investmentlandschaft, Wilhelms dazu: „Es handelt sich hier um einen Basiswert, zu dem viele Menschen eine Meinung haben. Zertifikate bieten den Vorteil, in das Edelmetall ohne großen Kapitaleinsatz investieren zu können. Zu beobachten ist, dass viele Gold-Turbos gehandelt werden. Hier können schon kleine Kursbewegungen zu hohen Gewinnen führen.“ Ein passendes Produkt dazu ist das „BEST Turbo-Zertifikate bezogen auf Gold“ (DE000DR19HD2). Ein Beispiel für einen Aktien-Turbo bietet wiederum das „Smart Turbo-Zertifikate bezogen auf TecDAX“ (DE000CD8HAL7).

Börsespiel: Umsatzrekord
Apropos Turbo-Zertifikate: Sie wurden auch bei den Gewinner-Strategien des „Trader2017“ der Commerzbank gerne eingesetzt. Dieses Börsespiel, es endete im Oktober, bietet seit 15 Jahren ein interessantes Trockentraining für Profis sowie Einsteiger. Die Teilnehmer rittern mit virtuellem Spieleinsatz um Sach- und Geldpreise. Der Gesamtsieger kommt in diesem Jahr aus Berlin und ist 65 Jahre alt. Er startete genau wie alle Teilnehmer mit zwei Depots á 100.000 Euro fiktivem Startkapital und setzte seine Depots in der gesamten Spielzeit kein einziges Mal zurück. Zum Schluss lag der Kontostand bei 1,366.295,34 Euro und damit gewinnt Jens-Herbert Dehn einen neuen Jaguar F-PACE in Fuji White.

Aber auch ein Österreicher, Jürgen N. (40) aus Hollabrunn ging nicht leer aus und gewann 2.222 Euro für die beste Perfomance innerhalb einer  Woche. Wilhelms abschießend zum Börsen-Kurier: „In der Geschichte des ‘Traders’ verzeichneten wir heuer die meisten Teilnehmer und die höchsten Umsätze. Gehandelt wurden Aktien und Zertifikate im Gesamtwert von knapp 10 Mrd Euro. Im nächsten Jahr wird unser Bösenspiel wieder starten – die Teilnahme ist kostenlos.“

Autor: Harald Kolerus (redaktion@boersen-kurier.at)

Zukünftige Outperformer

Die Berücksichtigung von Gewinnrevisionstrends kann sich positiv auf den Anlageerfolg auswirken. Die hohe Trading-Intensität stellt eine Herausforderung dar.

Es klingt nicht nach einer Raketenwissenschaft, kann sich aber erwiesenermaßen positiv auf den Anlageerfolg auswirken. Die Rede ist von der „Earnings-Revision-Strategie“ und damit dem Zugang, bei der Aktienselektion Veränderungen bei den Gewinnschätzungen in die Überlegungen mit einzubeziehen. Dahinter steht die Annahme, dass die aktuellen Aktienkurse die verfügbaren
Konsensus-Gewinnschätzungen der Analysten reflektieren und veränderte Gewinnerwartungen sich auf die Aktienkurse auswirken können. Kurz: Aktien mit positiven Gewinnrevisionen könnten interessant sein, solche mit negativen hingegen nicht.

Bei der Kathrein Privatbank setzt man die Earnings-Revision-Strategie – in Kombination mit Analysten-Empfehlungsänderungen – bei den hauseigenen US- und Europa-Aktienfonds ein. Wie Josef Stadler, Fondsmanager mit Schwerpunkt europäische und US-amerikanische Aktien, gegenüber dem Börsen-Kurier erklärt, biete sich die Strategie vor allem bei US-Aktien an. Der Hintergrund: Das Datenmaterial sei dort von der Historie her einfach viel umfangreicher. „Fast alle US-Unternehmen legen Quartalszahlen vor“, so Stadler. Für rund 1.200 Titel werden bis in die 90er Jahre zurückgehend  – wodurch mehrere Börsezyklen abgedeckt werden – einschlägige Daten über Quartals- und Jahresschätzungen in einer eigenen Datenbank gesammelt. Dabei wird für jedes Unternehmen ein „Earnings-Revision-Score“ mit 100 möglichen Punkten geführt. „Bei Gewinnrevisionen nach oben erhöht sich der Punktestand, während er bei Gewinnrevisionen nach unten zurückgeht“, erklärt Stadler. Auf den Punktestand wirke sich auch aus, welche Analysten jeweils Einschätzungen treffen bzw. wie erfolgreich diese in der Vergangenheit waren.

Die hauseigene Datenbank wird jedenfalls laufend analysiert. Dabei habe man bestimmte Trends festgestellt. „Es hat sich etwa gezeigt, dass mit Gewinnrevisionen nach oben auch die Wahrscheinlichkeit weiterer Gewinnrevisionen nach oben zunimmt und vice versa“, so Stadler. Eine weitere Schlussfolgerung sei, dass bei Small- und Midcaps, die von weniger Analysten gecovert werden, die Earnings-Revision-Strategie tendenziell besser funktioniere. „Bei solchen Unternehmen sind auch Gewinnüberraschungen eher möglich“, erklärt Stadler.

Insgesamt wären Gewinnrevisionen allerdings nur ein Faktor von mehreren, die bei der Kathrein Privatbank im Rahmen der Titelselektion berücksichtigt würden. Weiters schaue man sich auch Cashflows, Bewertungen sowie technische Indikatoren – zur Identifizierung von Kurs- und Preismomentum – an. „Von den Faktoren, die wir uns regelmäßig anschauen, gehören Gewinnrevisionen sicherlich zu den wichtigsten“, so Stadler. Das habe auch gute Gründe. Schließlich könne man mit Unternehmen, die Gewinne machen und diese auch steigern, Extra-Renditen erzielen. Allerdings sei die Strategie sehr trading-intensiv und eigne sich daher weniger für Privatanleger.

In den Portfolios der Kathrein Bank sind Energietitel – auf Basis der Bewertungen und Gewinnrevisionen – jedenfalls derzeit noch untergewichtet. Stadler glaubt allerdings, dass mit dem Sektor in den kommenden zwölf Monaten am meisten Alpha zu generieren sein wird. Im „mittlerweile überkauften“ IT-Sektor wären die Gewinne hingegen schon auf einem sehr hohen Niveau. An Momentum würden auch Financials gewinnen. Weniger interessant waren in den vergangenen beiden Quartalen hingegen Pharma- und Telekommunikationstitel. Im Europa-Portfolio befinden sich im Übrigen mit voestalpine und RBI auch zwei heimische Unternehmen.                          

Autor: Mag. Patrick Baldia  (redaktion@boersen-kurier.at)

Gute Chancen in Spätstarter-Segmenten

Aktien aus Branchen, die im Umfeld haussierender Gesamtmärkte kaum profitierten, könnten im kommenden Jahr favorisiert werden. Heurige Verlierer sind dazu einer Betrachtung wert.

Zu Jahresende hin werden seitens der Fondsgesellschaften gut gelaufene Kursnotizen meist weiter „hinaufgepflegt“ um zum Ende der Berichtsperiode die Auswahl der Depotbestände entsprechend als Gewinner ausweisen zu können. In der Entwicklung zurückgebliebene Aktien erfahren in der Regel unmittelbar vor Jahreswechsel kaum Interesse oder werden im Fall eines Depotbestandteils sogar noch aussortiert.

Dieses Verhalten institutioneller Anleger führt oft vor Jahresende für Privatanleger zu günstigen Einstiegschancen. Angesichts allgemein hoher Bewertungen der Märkte gibt es Branchen, deren Aktien-Performance dem allgemeinen Trend zurückhängen. Dieser Umstand kann fundamental, strukturell, der technologischen Wandlung geschuldet – aber auch nur dem Trendverhalten unterworfen sein.

Vom Versicherer bis zum Autobauer
Betreffend der Versicherungstitel fällt aktuell ein „Schlafmodus“  ausgeprägt auf. Interessant werden diese Dividendenpapiere, sollte sich nach vielen Jahren nun die Zinsspanne auszuweiten  beginnen. Die heimische UNIQA  weist trotz leicht angezogener Kurse bei einer hohen Dividendenrendite ein moderates KGV von 14 auf. Ein ebenso entsprechendes Bild gibt die Vienna Insurance Group ab. Mit einer weit  größeren Kapitalisierung betrifft dies die Triestiner Assicurazioni Generali (IT0000062072), die niederländische Aegon  (US0079241032), die Nürnberger Beteiligungs AG (DE0008435967) und die Swiss RE (CH0126881561).

Im Medienbereich bröckelten über Jahre die Notizen des Pro-Sieben-Konzerns (DE000PSM7770) seit 2015 ab, nachdem der Programm-Anbieter im deutschsprachigen Raum davor ein Favorit der Investoren gewesen war.

Die RTL Group (LU00614 62528) war ein Jahr davor nicht mehr erste Wahl – dennoch wurde die Profitabilität nicht beeinträchtigt. Im Handel eröffnet der Rechtsstreit um die Bilanzierung ehemaliger Töchter bei der südafrikanischen Steinhoff International Holdings (NL0011375019) Anlegerperspektiven. Die Papiere des Mutterkonzerns der in Österreich präsenten KIKA-Leiner-Gruppe weisen nun eine attraktive Bewertung auf, die nach einem Abzug der Skandale egalisiert werden könnte. Ceconomy (DE00072 57503) ist ein führendes Electronic-Consumer-Handelsunternehmen, das im Juli 2017
aus der Aufspaltung des Metro-Konzerns und dem herausgelösten Media-Markt-Saturn-Segments entstand.

Die K+S (DE000KSAG888) ist ein weltweit führender Anbieter von kali- und magnesiumhaltigen Produkten für landwirtschaftliche und industrielle Anwendungen. Der einstige Börsendarling ist nach jahrelangen Gewinneinbrüchen auf Rebound-Niveau.

Der frankophone Baumaterialienhersteller Lafarge (CH00 12214059) agiert auch über die Österreich-Tochter Perlmooser und hatte die Mammutfusion mit dem Schweizer Holcim-Konzern zu verdauen. Der Markt wartet bereits länger ab ob sich versprochene Synergieeffekte wirklich zeigen. Der nun entstandene, globale Riese hat in dieser Hinsicht erst entsprechende Ergebnisse zu liefern, erhöhte aber stets die Dividendenzahlung. Aus der Pharmabranche fällt Sanofi-Aventis (FR00001205 78) als möglicher Spätzünder auf. Die Pariser, die in den Bereichen Onkologie, Herz-Kreislauf und zentrales Nervensystem tätig sind, konnten zuletzt mit stetig steigenden Ergebnissen überzeugen.

Der Automobil- und Industriezulieferer Schäffler (DE000SHA0159) stellt Systeme für Motoren, Getriebe und Fahrwerke her und hat sich noch neu auszurichten. Die Kurs-Lähmungsphase könnte bald enden. Nicht zuletzt ist eine Änderung der Investoren-Stimmung auch im heimischen Dienstleistungssektor bei DO & CO (nach den Problemen im Türkei-Geschäft) nicht mehr fern.

Autor: Roman Steinbauer (redaktion@boersen-kurier.at)

Auf der Suche nach Zusatzerträgen

Die Zinsen bleiben in Europa noch eine Weile sehr niedrig und in der Zwischenzeit müssen Erträge außerhalb des Euroraums geholt werden. Bis zu zweistelligen Renditen bieten Hochzinswährungsanleihen. Doch die ganze Sache erfordert viel Know-how.

Leitzinsen von 0 % im Euroraum stehen 6 % in Indien, 6,75 % in Südafrika, 7 % in Mexiko und 8,25 % in Russ-land gegenüber. Die Rendite 5-jähriger türkischer Staatsanleihen liegt bei 12,3 % und jene vergleichbarer brasilianischer Papiere bei 9,5 %. Leider ist das Ausfallsrisiko in Schwellenländeranleihen erhöht. Der Ausweg liegt in Hochzinswährungen supranationaler Organisationen wie zum Beispiel der Weltbank (IBRD) oder der EIB, für deren Verbindlichkeiten letztendlich mehrere Staaten geradestehen. Die IBRD (International Bank for Reconstruction and Developement), die Entwicklungsprojekte in ärmeren Ländern finanziert, hat sogar 189 Mitgliedstaaten.

Während eine solche Konstellation die Emittentenrisiken drastisch reduziert, bleiben noch die Währungsrisiken, die in den vergangenen Jahren schlagend wurden. So hat in den vergangenen fünf Jahren der Euro zum Brasilianischen Real, zum Russischen Rubel und zur Türkischen Lira um jeweils 46; 66 bzw. 90 % aufgewertet, und im laufenden Jahr tendiert der Euro gegenüber so ziemlich jeder Währung (Ausnahme: CZK) fester. Wann kommt dann das Comeback der Hochzinswährungen?

EM-Währungen:  Günstig aber hochriskant
Eine Orientierungshilfe zur Erkennung der aktuellen Marktphase bietet die volkswirtschaftliche Analyseabteilung von Pictet Asset Management, die rund um ihren Chefvolkswirten Patrick Zweifel das Konzept der langfristigen Währungsgleichgewichte (LTE – Long Term Equilibria) entwickelte. Hier fließen beispielsweise lange historische Datenreihen zu den relativen Preisen (auf Basis der Verbraucherpreisindizes), der relativen Produktivität und dem Nettoauslandsvermögen mit ein. Ergebnis: Per 30. 9. 2017 sind die Schwellenländer-Währungen zum US-Dollar um 21,9 % und zum Euro um 8,3 % unterbewertet.

Bei einem der Spitzenperformer unter den Lokalwährungs-Emerging-Markets-Bond-Fonds, dem Spängler IQM Bond LC Emerging Markets (ISIN: AT0000A189P1), orientiert sich derzeit das Fondsmanagement stark an der Differenz zwischen dem aktuellen realen Wechselkurs und dessen 6-Jahres-Durchschnitt. Ergebnis: Der Kolumbianische Peso, der Russische Rubel, die Türkische Lira und der Mexikanische Peso sind am stärksten gewichtet. Das Fondsportfolio weist zwar mit 5,8 % eine hohe Durchschnittsrendite auf, doch dieser stehen auch Währungsrisiken gegenüber.
So liegen die 12-Monats-Volatilitäten in den Währungspaaren Euro/Türkische Lira und Euro/Rubel mit jeweils 12,4 bzw. 12,6 % sogar über jener des DAX (Quelle: TeleTrader). Es bleiben im Falle der Türkei und Russlands (geo-) politische Risiken, und in Mexiko hängt viel von der zukünftigen Handelspolitik der Vereinigten Staaten ab.

Schrittweise Positionen aufbauen
Blindlings Hochzinswährungsanleihen zu kaufen, ist derzeit der falsche Ansatz. Trotzdem kann angesichts der vor allem zum US-Dollar ausgebombten Bewertungen bereits mit ersten selektiven Käufen begonnen werden. Allerdings sollten die Cash-Reserven für mehrere Käufe über einen Zeitraum von 18 Monaten reichen, denn Währungstiming ist in der Regel ein aussichtsloses Unterfangen. Dabei sollte aber auf die Bid/Ask-Spreads im Anleihenhandel und die Handelsspannen bei den einzelnen Währungen geachtet werden.

Im Falle günstiger Ausgabeaufschläge erscheint häufig der Kauf einzelner Emerging-Markets-Bond-Lokalwährungs-Fonds sinnvoller. Die Vorteile liegen im Einkauf eines breit gestreuten Portfolios und häufig auch in einem guten Fondsmanagement. Wer jedoch supranationale Anleihen bevorzugt, kann unter anderem einen Blick auf folgende Papiere (Daten per 3. 11./dies ist keine Empfehlungen!) werfen: Türkische Lira: 10,000 % IBRD (XS1664203699), fällig: 16. 8. 2021; Rendite: 12,2 %. Südafrikanischer Rand: 8,000 % EIB (XS1605 368536), fällig: 5. 5. 2027; Rendite: 8,9 %. Rubel: 11,600 % IBRD (XS1180494541), fällig: 10. 2. 2020; Rendite 7,3 %.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

Europäische Aktien: Gewinnwachstum sorgt weiterhin für Auftrieb

Berenberg-Fondsmanager Matthias Born setzt in seinen Anfang Oktober 2017 aufgelegten europäischen Aktienfonds Berenberg European Focus Fund und Berenberg Eurozone Focus Fund auf Unternehmen mit stabilem Gewinnwachstum. Umso mehr erfreut es ihn, dass 2017 zum ersten Mal seit Langem die Gewinne in Europa wieder kräftig zugelegt haben. Auch für das kommende Jahr erwartet er ein starkes Gewinnwachstum. Vor allem zyklischere Sektoren ziehen deutlich an. Im Fonds sind derzeit die Branchen Technologie, zyklischer Konsum, Industrie und Gesundheit bevorzugt. Diese Gewichtung ergibt sich aber aus der Einzeltitelselektion und wird nicht nach makroökonomischen Trends gesteuert. (02.11.)

In den vergangenen Jahren sind die Gewinne vieler europäischer Unternehmen nicht gewachsen. Jetzt sprudeln sie wieder. „2017 ist das erste Jahr seit Langem, in dem die Firmen wieder ordentlich verdienen. Die Gewinne haben im zweistelligen Bereich zugelegt“, sagt Berenberg-Fondsmanager Matthias Born. Da schon in den vergangenen Jahren die Aktienkurse gestiegen sind, haben sich Bewertungskennziffern wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis ausgeweitet. „Jetzt wurde von einer bewertungsgetriebenen auf eine gewinngetriebene Aktienmarktrallye umgeschaltet. Das ist eine sehr gesunde Entwicklung“, so Born.

Er rechnet auch im kommenden Jahr mit einer guten Konjunktur in Europa, sodass einem weiteren starken Gewinnwachstum nichts im Wege stehen dürfte. Das Sentiment ist sehr positiv, Stimmungsindikatoren sind auf langjährigen Hochs. „Zwar kann die Stimmung an den Börsen immer kurzfristig kippen, da auch die zuletzt starken Kursgewinne zu Gewinnmitnahmen führen können. Der unterliegende fundamentale Gewinntrend bleibt jedoch zunächst intakt“, sagt Born und empfiehlt, potenzielle Rücksetzer für Zukäufe in europäischen Aktien zu nutzen.

Katalonien und Brexit können die Aktienmärkte nicht schrecken

Als einzigen möglichen Bremsfaktor für die Gewinne sieht Born die Entwicklung des Euro. „Zum ersten Mal seit mehreren Jahren hat der Euro gegenüber vielen Währungen wie dem US-Dollar, dem Pfund Sterling und dem chinesischen Renminbi aufgewertet. Eine weitere Aufwertung könnte die Gewinnentwicklung belasten“, warnt Born. Politische Brandherde hingegen, etwa die Lage in Katalonien oder die Brexit-Verhandlungen, sieht er nicht als Bedrohung für den europäischen Aktienmarkt insgesamt. Hier rechnet er höchstens mit kurzfristigen stimmungsbedingten Kurs-rückschlägen. „Komplett ausbremsen könnte den Markt aber nur eine Gewinnrezession, und die sehen wir zurzeit nicht“, erklärt Born.

Die lokalen Märkte allerdings sind von den politischen Themen durchaus betroffen. „Spanische Aktien dürften sich erst einmal weiter volatil entwickeln“, sagt Born. In Großbritannien verunsichert der anstehende Brexit Unternehmen, die sich mit Investitionen zurückhalten, und dämpft das Konsumverhalten. „Wir sehen in Großbritannien zurzeit relativ viele Gewinnwarnungen von Unternehmen, die lokal orientiert sind, zum Beispiel Unternehmen aus dem Konsumbereich“, erläutert Born. „In unseren Fonds spielen Überlegungen über politische Entwicklungen und Währungsschwan-kungen allerdings keine Rolle. Die Diversifizierung über viele verschiedene Endmärkte reduziert ein geballtes Risiko und zudem hat es sich immer gezeigt, dass man sich von diesen kurzfristigen Störfaktoren nicht irritieren lassen sollte. Mittel- bis langfristig zählen die unternehmensspezifischen Umsatz- und Gewinntreiber.“

Günstige Bewertung spricht für europäische Aktien

Ein weiteres Argument, das für europäische Aktien spricht, ist die Bewertung. Insbesondere im Vergleich zu US-Aktien sind europäische Werte weiterhin günstig. „In diesem Jahr ist der Bewertungsabschlag auf dem gleichen Niveau geblieben. Der US-Aktienmarkt hat ein weiteres Mal eine bessere Performance erzielt als der europäische Markt“, so Born. Auch in den USA läuft die Konjunktur rund, ein schwächerer Dollar hilft vielen Unternehmen. Das kommt Borns Strategie entgegen. Er investiert zwar mit dem Berenberg European Focus Fund in Europa und mit dem Berenberg Eurozone Focus Fund in der Eurozone. In beiden Fonds fokussiert er sich aber auf global agierende Unternehmen. Daher ist für ihn eine weltweit gute Wirtschaftslage ebenso vorteilhaft wie ein Aufschwung in Europa.

„Wir sind überzeugt, dass sich die Aktienkurse langfristig an der Gewinnentwicklung orientieren. Wir setzen daher auf Unternehmen mit stabilem Gewinnwachstum“, so Born. Um dies zu erreichen, müssen sie ein robustes Geschäftsmodell mit hohen Eintrittsbarrieren aufweisen. Diese Art von Unternehmen findet er in Europa vor allem in Deutschland, Frankreich, Skandinavien, Großbritannien und der Schweiz. Im Sektorbereich wird er vor allem bei Technologie, Konsum, Gesundheit und Industrie fündig. Weniger vertreten ist der von ihm bevorzugte Unternehmenstyp unter Banken, Versorgern und Telekom-Firmen. „Gerade in Europa können nur sehr wenige Banken strukturell wachsen“, so Born. Versorger oder Telekommunikation sind zudem sehr homogene Sektoren. Die Unternehmen unterscheiden sich kaum und haben ähnliche Treiber. Als Stockpicker bevorzugt er Sektoren wie Industrie, Konsum und Technologie. Hier heben sich viele Unternehmen durch Innovationen, Marken oder besondere Geschäftsmodelle ab. „Europa ist nach wie vor eine Region, in der man starke globale Player und Hidden Champions finden kann, die durch hohe Eintritts-barrieren ihre Gewinnentwicklung langfristig absichern können.“

Lieber Luxusgüter als Autobauer und Spezialpharma als Big Pharma

Im Sektor zyklischer Konsum verzichtet Born auf Automobilhersteller und setzt stattdessen lieber auf Luxusgüterproduzenten. „Die zunehmende Regulierung hinsichtlich CO2-Einsparungen sowie der Trend zum E-Auto erfordern von den Autobauern hohe Investitionen. Das hemmt die Gewinnentwicklung. Zudem entsteht mehr Wettbewerb, da es beim E-Auto neue Anbieter gibt“, erklärt Born. Bei Luxusgütern ist nach der Durststrecke der letzten zwei Jahre wieder der langfristige Wachstumspfad intakt, der unterliegend durch den Anstieg des globalen Wohlstands untermauert wird. Zudem schaffen es hier viele Firmen, sich ihre Position durch starke Marken langfristig zu sichern.

Auch Big Pharma hat er von seiner Einkaufsliste gestrichen. „Die großen Pharmafirmen leiden unter dem ständigen Druck auslaufender Patente und dem Preisdruck durch die Gesundheitssysteme“, warnt Born und bevorzugt daher Spezialpharma- und Medizintechnikfirmen, die sich davon zum Teil besser abkoppeln können.

Den defensiven Konsumgüterkonzernen macht immer mehr lokale Konkurrenz, vor allen Dingen in den Schwellen-ländern, zu schaffen, deswegen geht Born hier sehr selektiv vor. Auch die disruptive Veränderung der Verkaufskanäle hin zu Online wirkt sich in der Branche negativ aus.

Aktienempfehlungen: STRABAG, Palfinger, VIG und EVN

Experten glauben, dass das positive Momentum des ATX auch 2018 anhalten wird. Die Performance dürfte allerdings etwas moderater ausfallen.

Wer hätte das gedacht? Auch wenn Experten Ende des – im Übrigen für die Wiener Börse auch schon positiven – Vorjahres für 2017 durchaus mit einer guten Entwicklung des ATX gerechnet haben, so hat die tatsächliche Performance von fast 31 % seit Jahresbeginn (ATX Prime: 30 %) die Erwartungen mehr als übertroffen. „Wir sind von einer positiven, leicht zweistelligen Performance von rund 10 bis 12 % ausgegangen“, meint etwa Friedrich Mostböck, Chefanalyst der Erste Group, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

Treiber der starken ATX-Entwicklung war für Mostböck die wirtschaftliche Outperformance der CEE-Region. Er erinnert in diesem Zusammengang an die Tatsache, dass drei Viertel der ATX-Werte von Zentral- und Osteuropa profitieren. „Der heimische Leitindex hat also kaum mehr was mit der österreichischen Konjunktur allein zu tun“, bringt es Mostböck auf den Punkt.

Auch Bernd Maurer, Chefanalyst der Raiffeisen Centrobank (RCB), sieht hinter der guten Performance des heimischen Leitindex die starke Konjunkturentwicklung in Osteuropa bzw. das – auf das starke CEE-Exposure zurückzuführende – Gewinnwachstum der ATX-Unternehmen. „Dazu kommen die besser als erwarteten Ergebnisse der Indexschwergewichte, ebenso wie das verbesserte Umfeld für die Finanzindustrie, die vom leicht verbesserten Renditeniveau profitiert und damit – aufgrund der hohen Indexgewichtung der Finanzindustrie – auch der ATX“, sagt er.

Was kann man sich für die weitere Entwicklung des heimischen Leitindex erwarten? Maurer sieht den heimischen Leitindex am Jahresende bei 3.450 Punkten. Die „endogenen“ Faktoren würden weiter auf grün zeigen. Einerseits wurden die Wachstumsraten zuletzt durchwegs nach oben revidiert. Auch erwarte man sich gute Geschäftszahlen für das Sommerquartal. Mostböck glaubt wiederum, dass der ATX bis Ende 2017 um 3 bis 5 % steigen könnte. Nachsatz: „Wir glauben, dass sich der ATX auch 2018 positiv entwickeln wird, allerdings etwas moderater.“

Die größten Risiken für eine weiterhin positive Entwicklung des Wiener Marktplatzes bleiben für Experten nach wie vor geopolitischer Natur. „Aussagen der USA – etwa zu Nordkorea – könnten zu
kurzfristigen Korrekturen führen“, meint Mostböck. In die gleiche Kerbe schlägt auch Maurer. Für Unsicherheit bzw. überraschende Rücksetzer könnten neben einer Zuspitzung der Nordkoreakrise mögliche Vorboten der Italien-Wahlen oder auch die weitere Entwicklung der Katalonien-Krise sorgen.

Aktienempfehlungen
Die aktuelle Bewertung des ATX schätzen die Fachleute als angemessen – bzw. weder als günstig noch teuer – ein. Welche Wiener Aktien haben sie aber im Augenblick auf der Rechnung? Bei der RCB zählt dazu die VIG, die wie die gesamte Finanzindustrie derzeit von der leichten Erholung des Renditeniveaus profitiere. Zudem sollten sich Fusionen unter einzelnen CEE-Tochtergesellschaften auf Gruppenebene in positiven Kostensynergien niederschlagen. Für die EVN spreche wiederum die Aussicht auf weitere Großaufträge im Umweltbereich.

Den Experten der Erste Group gefallen wiederum aktuell Palfinger und STRABAG. „STRABAG ist ein starker CEE-Play und sollte von der positiven Konjunktur in der Bauindustrie nachhaltig profitieren“, so Mostböck. Für den heimischen Kranhersteller sprechen die gute globale Positionierung sowie das starke, pro-aktive Management. „Wir glauben, dass das Gewinnwachstum des Unternehmens stark ausfallen wird“, so der Chefanalyst.

Autor: Mag. Patrick Baldi

Edelmetalle als Absicherung

Geopolitische Unsicherheiten und eine Abschwächung des US-Dollar zum Euro leiteten in den vergangenen Monaten einen Rebound des Goldpreises ein. Doch Platin und Silber erscheinen noch attraktiver. Der Börsen-Kurier zeigt interessante Edelmetall-Investments.

Vom 7. Juli bis 8. September fiel der Dollar zum Euro um 5,3 %, während der Goldpreis um 11 % auf 1.346 USD zulegte. In diesem Zeitraum verunsicherten die Spannungen zwischen USA und Nordkorea die Märkte. Stützend auf den Goldpreis wirkten auch niedrige bzw. teils negative Zinsen bei Staatsanleihen guter Emittenten. Umso mehr könnten zu schnelle Leitzinsanhebungen oder restriktive geldpolitische Signale aus der Fed oder EZB den Goldpreis wieder unter Druck setzen. Gold ist zwar seit Jahrtausenden selbst in Krisenzeiten wertbeständig, aber auch politisch exponiert. Im antiken Sparta war Gold- und Silberbesitz bereits verboten und auch Julius Cäsar hat laut Geschichtsschreiber Cassius Dio eine Gold- und Silberbesitz-Obergrenze von 15.000 Denaren pro Person eingeführt. 1933 gab es in den USA unter Präsident Franklin D. Roosevelt ein Goldbesitz-Verbot und noch 1973 war in mehr als 120 Staaten der private Goldbesitz von Restriktionen betroffen. Während des Bretton-Wood-Systems (1944 bis 1971) war der Goldpreis auf 35 USD pro Feinunze festgesetzt.

Platin und Silber haben Aufholpotenzial
Trotz des hohen Goldeinsatzes in der Schmuckerzeugung, wesentlich höher ist die Preisabhängigkeit von realwirtschaftlichem Angebot und Nachfrage bei Silber, Platin und Palladium, die auch einer entsprechenden Industrie- nachfrage unterliegen. Hier erscheinen Platin und Palladium aussichtsreich, die unter anderem in der Autoindustrie verarbeitet werden. Laut World Platinum Investment Council Ltd. (WPIC) sollte 2017 die Nachfrage nach Platin das 6. Jahr in Folge höher liegen als das weltweite Angebot. Die gesamte Fördermenge sollte vor allem aufgrund einer rückläufigen Produktion in Simbabwe 2017 von 6.065 auf 5.980 Tonnen zurückgehen. Eine vorübergehende Nachfrage-Delle ausgehend von einer Anlagenkonsolidierung in der Erdölraffinerierung sollte allerdings zu einem starken Rückgang des Angebotsdefizits führen. Solide auf hohem Niveau bleibt die Nachfrage in der Autokatalysatoren-Produktion, während die Investitionsnachfrage der Joker ist. Per Saldo ist aber aufgrund eines Platinpreises unterhalb des Goldpreises mit vermehrten Käufen von Platin-Münzen und -Barren zu rechnen. Im Gegensatz zum ausgebombten Platin zeigt Palladium zuletzt eine starke Aufwärtsbewegung (+51 % in einem Jahr), was mit der Erwartung eines hohen Angebotsdefizits im laufenden Jahr zusammenhängt.

Silber wird schon seit 15 Jahren die große Preisexplosion prophezeit. Stattdessen liegt es auf 5-Jahressicht 46 % im Minus. Zum einen ist die Minenproduktion von 2007 bis 2016 um 32,7 % auf 885,8 Mio Unzen gestiegen, zum anderen ist im gleichen Zeitraum die industrielle Silberverarbeitung um 13 % auf 561,9 Mio Unzen gesunken. Allerdings ist die Minenproduktion 2016 erstmals seit 2002 gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen und infolge der niedrigen Preise sinkt die Motivation zum Recycling. Eine schwächere Angebotsentwicklung und Nachholbedarf gegenüber Gold sind eine solide Ausgangsbasis für den nächsten Preisschub.

Wie anlegen?
Je nach Portfolio-Anteil riskanter Assets können durchaus zwischen 6 und 20 % der gesamten Veranlagungssumme in Edelmetalle oder einschlägige Minentitel investiert werden. Allerdings sollte man beim Erwerb physischer Metalle (Münzen und Barren) differenziert vorgehen. Aufgrund der Umsatzsteuerbefreiung ergibt der Kauf von Goldmünzen wie Philharmoniker, Mapple Leave oder Krugerrand Sinn. Physisches Silber, Platin und Palladium hingegen kann über Zollfreilager in der Schweiz oder in Hong Kong umsatzsteuerbefreit gehandelt werden. Mehrwertsteuer fällt nur bei physischer Entnahme aus dem Zollfreilager an.

Schneller ist der Handel mit physisch besicherten ETCs (exchange traded commodities). Diese werden beispielswiese von ETF Securities angeboten. Interessant ist hier der ETFS Physical Platinum (ISIN: DE000A0N62D7), der durch zugeteiltes Platin gedeckt ist, das von der HSBC Bank plc (die Depotbank) verwahrt wird. Weitere ETCs: ETFS Physical Silver (ISIN: DE000A0N62F2), ETFS Physical Palladium (DE000A0N62E5) und ETFS Physical Gold (DE000A0N62G0).

Über ein gewisses Aufholpotenzial verfügen ausgewählte Goldminen-Aktien, wie Barrick Gold (CA0679011084), die ihre Schulden massiv abbaut und im 1. Halbjahr 2017 All-in Costs von lediglich 844 USD/Unze aufwies oder McEwen Mining (US58039P1075), die mit Standorten in Mexiko, Argentinien, USA und Kanada präsent ist und von 2017 bis 2020 eine Ausweitung der Produktion um 41 % anstrebt. Alleine McEwen’s Los Azules Kupfer-Projekt in Argentinien wird auf einen Nettobarwert nach Steuern von 2,2 MrdUSD geschätzt (Basis: Kupferpreis von 3 USD/lb, Diskontsatz 8 %) verglichen mit einer aktuellen Marktkapitalisierung des Unternehmens von 666 MioUSD.

Ein Blick sollte noch auf MMC Norilsk Nickel (US55315J1025) geworfen werden (unter anderem weltgrößter Palladium-Produzent) sowie Anglo American (GB00B1XZS820, weltgrößter Platin-Produzent).

Autor: Michael Kordovksy

Umweltinvestments eröffnen Chancen

b Windkraft, Wasserversorgung, Elektrofahrzeuge, intelligente Energiesteuerung oder Abfall-Recycling – für Anleger eröffnen Technologien für eine ökologischere Welt ein weites Universum an Investmentchancen.

In China läuft die Produktion von Elektroautos auf Hochtouren, sauberer Strom aus Wind und Sonne ist weltweit auf dem Vormarsch und das rasante Wachstum der städtischen Ballungszentren macht effiziente und intelligente Technologien für Stromversorgung und Abfallentsorgung zu einer schieren Notwendigkeit. Diese Vielfalt an ökologischen Herausforderungen beschert den Unternehmen, die Erneuerbare Energien und Umwelttechnologien entwickeln, einen gewaltigen Wachstumsschub.

Von Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit und Rendite sollten ökologische Themen in jedem diversifizierten Depot eine Rolle spielen. Anleger müssen dabei jedoch beachten, dass die einzelnen Bereiche der Umwelttechnologien völlig unterschiedliche Konjunkturzyklen durchlaufen. Ebenso unterschiedlich ist die Volatilität bei den Kursverläufen. Wer die Wertpapiere von Firmen kauft, die in der Solar-oder Windenergie unterwegs sind, muss eine größere Schwankungsanfälligkeit aushalten als etwa im defensiven Wassersektor, wo Unternehmen keine spektakuläre, dafür aber eher konstante Wachstumsraten liefern.

Wie in anderen Branchen ist auch bei Öko-Investments das Diversifizieren das Erfolgsgeheimnis. „Ein Umweltportfolio muss eine gute Mischung aus international aufgestellten Blue Chips und Spezialisten in einzelnen Marktnischen abbilden“, erläutert Christian Zimmermann, Portfolio Manager bei Pioneer Investments. Um langfristig eine überdurchschnittliche Rendite komme es außerdem darauf an, auf die richtigen Zukunftsthemen zu setzen. Darüber hinaus zählt Zimmermann intelligente Energiespeicher zu den Wachstumstreibern. Alexander Funk, Fondsmanager bei Ökoworld, setzt ebenfalls verstärkt auf neuen Verfahren für höhere Energieeffizienz: „Neue Technologien in diesem Bereich können sich von ihrem Wachstum auch von der allgemeinen politischen Großwetterlage wie dem von US-Präsident Donald Trump beschlossenen Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen abkoppeln.“

Trotzdem schnitt der Sektor in den vergangenen drei Jahren schlechter ab als etwa Technologieaktien oder zyklische Konsumgüter. So gewann der S&P Global Clean Energy Index in den letzten zwölf Monaten ganze 2 % an Wert. Der S&P 500 legte im selben Zeitraum um 20 %, der Nasdaq 100 sogar um 26 % zu. Zugleich hat sich das Wachstum in den einzelnen Umweltsegmenten stabilisiert, unter anderem durch die steigende Nachfrage aus den Schwellenländern.

Aktiv gemanagte Fonds bieten je nach ihrem Investmentansatz gute Opportunitäten, um ökologische Themen in der Breite oder als Spezialthemen im Portfolio zu spielen. Die folgenden fünf Fonds bieten von Anlagekriterien und Kosten und Performance eine gute Wahl im Sinne einer langfristig überdurchschnittlichen Performance: Der Ökoworld Ökovision Classic (ISIN: LU0061 928585) wie auch der Pioneer Global Ecology A (LU02716 56133) zählen hier zu den etablierten Klassikern. Das Portfolio des Pioneer-Fonds enthält bis zu 60 Positionen, die maximal bei etwa 3 % gewichtet sind. Bei den Ökoworld-Fonds werden die ESG-Filter für die Nachhaltigkeitskriterien besonders rigoros eingehalten. Dazu zählen unter anderem der schonende Umgang mit Energie und Rohstoffen, keine Kinder- und Zwangsarbeit, faire Arbeitsbedingungen und Löhne sowie transparente Standards zur Verhinderung von Korruption und Bestechung.

Für den Vontobel Clean Technology (LU0384405600) fallen vergleichsweise hohe Gebühren an. Im Gegenzug liefert der von Pascal Dudle gemanagte Fonds eine kontinuierliche Top-Performance ab. Eine sehr gute Wahl unter den Nachhaltigkeitsfonds mit regionaler Ausrichtung auf Asien ist der seit der Auflage im Dezember 2005 von David Gait gemanagte und in London notierte First State Asia-Pacific Sustainability Fund (GB00 B0TY6V50). Unter den eher spezialisierten Produkten überzeugt der Pictet-Water P (LU 0104884860) mit seiner Portfoliostrategie. Trinkwasserhersteller sind darin ebenso enthalten wie Spezialisten für die Wiederaufbereitung von Wasser oder für Meerwasserentsalzungsanlagen.

Noch überschaubar ist das Universum der auf ökologischen Nachhaltigkeitskriterien basierenden ETFs. Der iShares Global Clean Energy UCITS (IE00B1XNHC34) bildet den gleichnamigen Index von S&P physisch ab und schüttet halbjährlich eine Dividende aus. Dieser Index beinhaltet die 30 größten Firmen, die in der Umwelttechnologie tätig sind. Ein Drittel dieser Unternehmen stammt aus den Schwellenländern. Der Lyxor World Water UCITS (FR0010527275) ist wiederum ein Klassiker unter ETF-Produkten auf den wichtigsten Index, der den Rohstoff Wasser abbildet. Dieser ETF glänzt mit einer langjährigen Top-Performance. Dazu wird jährlich eine Dividende ausgeschüttet.

Autor: Stefan Riedel, München

Privatisierung sind Erfolgsgeschichten

Der Börsen-Kurier zeigt Langzeit-Privatisierungserfolge mit weiterem Potenzial. Einer neuen Regierung sollte das Auftrag sein, dem Thema mehr Raum in der Diskussion zu geben.

(Teil-)Privatisierte Unternehmen sind im ATX mit 40,2 % gewichtet und prägen somit den Börsenalltag. Erfolgsentscheidend für Unternehmen dieser Gruppe war vor allem eine marktwirtschaftlichere Orientierung des Staates, der ein effizienteres Management unter privater Einfluss-Sphäre zuließ. Dies schuf die Grundlage einer Reihe erfolgreicher (Teil-)Privatisierungen. Dazu folgende Beispiele: Der 1995 von der Berndorf AG übernommene Richtbohr-Spezialist SBO, der 1988 aus der VEW (Vereinigte Edelstahlwerke) ausgegliedert wurde, ging im Juni 1997 an die NASDAQ Europe. Am 27. März 2003 erfolgte die Erstnotiz im Prime Market der Wiener Börse. Heute ist das Unternehmen Weltmarktführer bei Hochpräzisionskomponenten für die Ölfeld-Service-Industrie, Hochleistungsbohrmotoren und bei Spezialtools für die Untertage Zirkulations-Technologie. Nach längerer Flaute hat sich der Auftragseingang im 1. Halbjahr 2017 verdoppelt und das Betriebsergebnis war im 2. Quartal erstmalig nach zwei Jahren der Krise wieder positiv. Ein starker US-Markt und weltweites Nachholpotenzial bei Ölförder-Investitionen stimmen zuversichtlich. Seit Erstnotiz in Wien liegt die Aktienperformance bei 15,4 % p.a.

Im 1. Halbjahr 2017 operativ eine positive Ertragswende verzeichnet auch die OMV als integrierter Ölkonzern mit langer Börsengeschichte. Im Dezember 1987 platzierte die ÖIAG 15 % des Grundkapitals am Aktienmarkt. Inklusive Dividenden lag vom 14. 12. 1987 bis 20. 10. 2017 die Performance bei 12,8 % p.a. Noch heute hält die ÖBIB (Österreichische Bundes- und Industriebeteiligungen GmbH, ehemals ÖIAG) 31,5 % und hat einen Syndikatsvertrag mit der IPIC (International Petroleum Investment Company, Abu Dhabi), die ihrerseits 24,9 % der Anteile hält.
1996 wurde die AMAG im Zuge eines Management-Buy-out von Klaus Hammerer (40 %) mit Beteiligung von Constantia (40 %) und Arbeitnehmer Privatstiftung (20 %) privatisiert. Im April 2011 folgte der Börsengang mit einem IPO-Preis von 19 Euro/Aktie. Seit dem Börsengang liegt die Performance inklusive Dividenden bei 21,4 % p.a., was jedoch auch mit dem allgemeinen Aufschwung der Aktienmärkte zusammenhängt.

Die voestalpine bringt es hingegen seit Erstnotiz am 9. Oktober 1995 inklusive Dividenden auf eine Performance von 13,3 % p.a. Waren unmittelbar nach dem IPO noch 43,4 % der Aktien im Staatsbesitz, so ist der Konzern zehn Jahre später bereits vollständig in privater Hand. Die Wertschöpfungskette wurde in Richtung Verarbeitung verlängert und es folgte ein Wandel zum internationalen Technologie- und Industriegüterkonzern, was Konjunkturzyklen abfederte. In allen Geschäftsjahren von 2005/06 bis 2016/17 schrieb das Unternehmen schwarze Zahlen und zahlte Dividenden. Vor wenigen Wochen eröffnete das Unternehmen in Leoben-Donawitz ein vollautomatisches Drahtwalzwerk, während in Texas die Eisenschwammproduktion bereits erfolgreich anlief. Die hohen Investitionen der vergangenen Jahre beginnen nun zurückzufließen, was einen Ertragssprung für das Geschäftsjahr 2017/18 bedeuten sollte.

Zu 52,9 % in der Hand der ÖBIB befindet sich die Österreichische Post, die von 2010 bis 2016 den Gewinn/Aktie um 4,4 % p.a. steigern konnte und seit Erstnotiz am 31. 5. 2006 eine Performance (inklusive Dividenden) von 11,8 % p.a. erzielte. Die Post profitiert im Paketgeschäft vom Wachstum des Online-Handels.

Ein Blick sollte noch auf den 1994 privatisierten Leiterplattenhersteller AT&S geworfen werden, der mit neuen Technologien und Produktionslinien über Wachstumspotenzial verfügt.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

Zucker-Aktien als Resistenz-Kandidaten

Die Wertpapierkurse der Zuckerproduzenten liegen der Entwicklung weit zurück. Die Vorteile dieses Anlagesegments könnten bald zum Tragen kommen. Der Fall der Zuckermarktregelung bringt Bewegung in den Markt.

Das Umfeld wird für Zuckerhersteller herausfordernder, aber in Zukunft auch spannender und chancenreicher. Mit 1. Oktober fiel die europäische Zuckermarktordnung. Zu den garantierten staatlichen Mindestpreisen an die Bauern, war bisher ebenso eine innereuropäische Erzeugung von 85 % des Verbrauchs festgeschrieben. Entsprechend düster und depressiv wurde seit geraumer Zeit in der Branche das künftige Preisgefüge gesehen. Und entsprechend tief wird derzeit der süße Rohstoff am Weltmarkt mit umgerechnet 0,31 USD/kg gehandelt. Unter der absehbaren Zucker-Neuordnung in Europa ging die Zahl der EU-Rübenbauern seit 2010 um nicht weniger als 85 % auf nun 4.750 zurück. Mit dem Fall der Quoten gehören aber auch die Exporteinschränkungen (WTO-Regelung) der Vergangenheit an. Damit verbunden wird eine Nachfragestimulation als Gegengewicht zu gefallenen Rübenpreisen und eines Überangebots und Preisdrucks erwartet.

Verdaute Unsicherheiten
Ein weiterer Strukturwandel ist in der Zuckerbranche vorauszusehen. Konzentrationsprozesse dürften in Gang gesetzt werden und es ist eine zunehmende Dynamik zum Erreichen einer steigenden Profitabilität der dominierenden mitteleuropäischen, börsennotierten Unternehmen zu erwarten. Einer verstärkt gesellschaftlich kritischen Sicht zum Zuckerkonsum (Markteintritt von Flüssigzucker – hergestellt aus Mais) in Lebensmittelprodukten, steht nach wie vor ein wachsender Verbrauch entgegen. Regelungen zu behördlichen Vorgaben sind aber heute kaum absehbar.

In den Aktienkursen dürften längst jene Kriterien eingepreist sein, die zu den neuen Gegebenheiten negativ bewertet werden. Vor allem die eigenen Exportambitionen gewinnen in der Geschäftsplanung der Aktiengesellschaften zunehmend an Gewicht, steigt doch außerhalb der EU – trotz aller politischen Erdbeben – der Anteil an einer kaufkräftigeren Mittelschicht. Wenn auch im Geschäftsfeld der Hersteller längst eine breite Diversifizierung des Angebotssortiments und dessen Vermarktung stattgefunden hat, dominiert das Basisgeschäft und der aktuelle Zuckerpreis (trotz Hedging-Strategien) das Geschehen in den Bilanzen nach wie vor. Oft weit unterschätzt werden die, bei Gesellschaften nun anvisierten Hebungen des Optimierungspotentials der Produktion und der Logistik, im operativen Tagesgeschäft. Kostensenkungen werden stets durch neue Technologie-Verfahren in die Erkennung der Kapazitäts- und Bedarfskennzahlen der Zuckerwerke und den Erntemengen auf den Feldern der Lieferanten erzielt.

Attraktive Bewertungen
Die Agrana Beteiligungs AG, die den heimischen Bauern 400.000 Tonnen Zuckerrüben pro Jahr abnimmt, weist eine Marktkapitalisierung von 1,69 Mrd Euro bei einem Jahresumsatz von 2,56 Mrd Euro und eine Bruttomarge von 6 % auf. Eine Eigenkapitalquote von 54 %, ein KGV von 12 sowie eine Dividendenrendite von knapp 4 %, wirken im teuren Marktumfeld entsprechend attraktiv.

Die Mannheimer Südzucker AG (ISIN: DE0007297004) erwartet für das laufende Geschäftsjahr einen moderaten Umsatzanstieg. Das operative Ergebnis soll vor allem im Kernbereich weiter anziehen. Lediglich in der „Spezialitäten“-Sparte ist ein Knick zu erwarten. Die Erwartung zum Geschäftsergebnis 2017: Dividendenrendite 2,95 %, KGV 14, Eigenkapitalquote-Quote 56 %, Marktkapitalisierung zum Umsatz 0,56.

Die Aktien der Schweizer Zuckerfabriken (CH0006234 014, vormals Zuckerfabriken Aarberg und Frauenfeld), werden nur außerbörslich über die Zürcher Kantonalbank gehandelt. Die Mehrheit befindet sich im Eigentum diverser Gemeinden, Kantone und den Zuckerrübenbauern selbst. Nach dem Abdriften in rote Zahlen und einem Kurseinbruch von 2013 bis 2015 um bis zu 70 %, hat das Papier seitdem einen guten Teil unterdessen aufgeholt und wird aktuell um 26 CHF gehandelt.

Autor: Roman Steinbauer (redaktion@boersen-kurier.at

Mangelnde Finanzbildung kostet viel Geld

Alle wollen es, viele tun auch was dafür: Finanzwissen unter die Leute bringen. Dazu gehört auch, Beratungslücken gar nicht erst aufgehen zu lassen.

„Oft werden irrationale Entscheidungen getroffen“, weiß Martin Taborsky. Der Gruppenleiter Finanzbildung in der Oesterreichischen Nationalbank relativiert den aktuellen Sparverlust in der Niedrigstzinsphase. „In 60 % der Monate seit dem Zweiten Weltkrieg hatten wir negative Realzinsen.“ 3 % Sparzinsen klangen zwar viel, aber standen 5 % Inflation gegenüber. Sich mit nur scheinbar guten Nominalzinsen zu begnügen, sei immer irrational. „Wir müssen vom Homo Economicus Abschied nehmen“, ist der Finanzbildungspraktiker pragmatisch. Ein erster Schritt in der Finanzwissensvermittlung müsse daher sein, diese Irrationalität den Menschen aufzuzeigen, ergänzt Bettina Fuhrmann. Erst dieses Vor-Augen-führen ermögliche den Menschen das Nachdenken über Alternativen, begründet die Leiterin des Instituts für Wirtschaftspädagogik an der WU Wien. Praktische Finanzbildung bedeute Wissen, das man bei konkreten Fragen des Geldausgebens, Sparens, Vorsorgens, Finanzierens – und auch des Geldverdienens (denn zuerst muss es ja woher kommen) entscheidungsunterstützend anwenden könne. Für Otto Lucius muss in der Bevölkerung „das Verständnis für finanzielle Zusammenhänge“ erzeugt werden. Dieses Verständnis fehle aber weitgehend, auch in Schulen, kritisiert der Vorstandsvorsitzende des Österreichischen Verbandes Financial Planners und nennt die Schuldigen: „Die Politik reagiert nicht.“ Oder überzogen: „Anlassgesetzgebung mag zwar gut gemeint sein, ist aber nicht immer gut gemacht.“
Beispiel Basel III: 5.000 Seiten könne niemand mehr durchdringen, daher ziehen sich Banken zurück. „Überzogener Konsumentenschutz ist der größte Feind“ von sinnvollem Schutz. Daher solle die Politik „weniger Fokus auf neue Gesetze und Vorschriften, dafür auf mehr Finanzbildung“ legen. Denn Wissen sei „der allerbeste Konsumentenschutz“.

Advice gaps
Beispiel zwei: Die Diskussion über Provisionen im Zusammenhang mit der Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD. Oft werde von Provisionsgegnern das Beispiel Großbritanniens angeführt. Aber, so Lucius, seit dort Beratungshonorare der Standard sind, gebe es „Advice gaps“, also Beratungslücken – oft genau bei den Menschen, die Finanzberatung dringend brauchen würden. Aber: „Der Gesetzgeber zwingt (Finanz-)Unternehmen als rational agierende Entrepreneure, davon abzugehen“, kritisiert Lucius. Und bricht eine Lanze für Finanzberatung abseits von Honoraren, die vielleicht gerade die abschrecken, die Beratung am dringendsten brauchen würden. „Provision ist nicht schlecht, ich muss sie nur offenlegen.“ Also dem Kunden sagen, dass und was er für die Finanzdienstleistung indirekt zahlt. Auch Taborsky warnt vor der „Gefahr“ für ganze Bevölkerungsgruppen, „dass man sich den Berater, dem man vertrauen kann, auch leisten kann“. Beispiel Junge: Die würden zwar „Robo Advisors“ verwenden, aber für die Letztentscheidung in Gelddingen wollen auch die jungen Leute Ansprechpartner aus Fleisch und Blut, so Lucius. Daher suchen sogar Robo Advisors bestausgebildete Finanzberater. Umso mehr,
als die Digitalisierung viele – ältere – Kunden vor Probleme stellen werde. Taborsky warnt in dem Zusammenhang davor, dass Menschen ein „Opting out“ aus der Finanzwelt machen: dass sie ihr Geld lieber zu Hause haben, als sich in Finanzfragen Dienstleistern anzuvertrauen. Leute, die früher in Gelddingen durchaus „included“ waren, würden sich „excluden“.

Kein Alterslimit
Beratungslücken gebe es daher in allen Altersgruppen: Jugendliche hätten durchaus das Bedürfnis zu lernen, was sie anwenden können. Denn „ihr Bewusstsein ist da: Spätestens wenn ich die Schule verlasse, brauche ich Finanzwissen um mich orientieren zu können“, so Fuhrmann.
Und auch Erwachsene (sogar Lehrpersonen) seien oft überfordert: So berichten Schuldnerberater und „Finanzführerschein“-Bildungsanbieter, dass sie mit dem Alter ihrer Kundschaft „hinaufgehen“ müssen. Neben Jungen habe man „schon Eltern und Großeltern“.

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at

In die digitale Transformation investieren

Kaum ein Thema wird derzeit ähnlich heiß diskutiert und kaum ein Thema bietet Anlegern derzeit ähnlich interessante Investmentchancen wie die Digitalisierung.

Nahezu jeder Bereich des täglichen Lebens oder der Wirtschaft scheint davon betroffen zu sein. Auch wenn Experten betonen, dass es derzeit noch zu früh ist, um die tatsächlichen Folgen der digitalen Transformation einschätzen zu können, so steht für sie eines fest: Sie sei zweifellos hier um zu bleiben. Grund genug für Investoren, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen – auch wenn nicht wenige Anleger das schon vor längerer Zeit getan haben.

Interessante Subthemen
Technologie – und damit auch die Digitalisierung – gehört zu einem der drei Megatrends, in die Günther Schmitt, Manager des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien, investiert. Erst heuer hat der Experte beispielsweise die Positionen Alibaba und Tencent neu aufgebaut. Als „äußerst interessante Subthemen“ hat er etwa Autonomes Fahren und Cloud-Computing identifiziert, wie er dem Börsen-Kurier verrät. Gespielt werden könnten diese unter anderem mit Intel, Infineon oder Amazon.

Bei DNB Asset Management, die für den DNB Technology – laut Morningstar der beste Technologiefonds der letzten zehn Jahre – verantwortlich zeichnet, hat man mehrere Megatrends identifiziert, an denen das Fondsmanagement seine Investment-Entscheidungen orientieren will. Dazu gehören unter anderem „Internet der Dinge“, Cloud Computing, die Digitalisierung von Finanzdienstleistungen oder die Fragmentierung des TV-Markts über Anbieter wie Netflix, Apple TV und Youtube.

Auf der Rechnung hat Mikko Ripatti, Senior Portfolio Manager bei DNB Asset Management, etwa Alphabet. „Das Unternehmen ist eine der längstdienenden Positionen im Fonds und in einer Reihe von Segmenten sehr gut positioniert“, meint er gegenüber dem Börsen-Kurier. Deutlich skeptischer zeigt er sich dagegen (wegen der hohen Bewertungen) bei Unternehmen aus dem Bereich Cloud Computing. Ebenfalls aus Bewertungsüberlegungen wären derzeit Namen wie Amazon oder Snapchat kein Thema. Schaut man sich die Wiener Börse an, so gibt es sicherlich bessere Marktplätze, um das Thema Digitalisierung zu spielen. „Mit der Digitalisierung haben grundsätzlich alle Unternehmen an der Wiener Börse zu tun“, meint Erste Group-Analyst Daniel Lion im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Allerdings sei in diesem Zusammenhang die Digitalisierung weniger als ein separates Geschäftsmodell zu sehen, sondern vielmehr eine Notwendigkeit, der sich alle stellen müssten, um ihre künftige Stellung halten bzw. ausbauen zu können.

Tatsächlich begleitet etwa das Thema „Industrie 4.0“ alle Industriewerte. Nur ein Beispiel ist etwa die voestalpine mit ihrem vollautomatisierten Drahtwalzwerk in Leoben/Donawitz. Bei den Bauwerten STRABAG und Porr hält wiederum die „papierlose Baustelle“ Einzug. Beide Unternehmen wollen mit dem Einsatz von neuen digitalen Technologien Bauvorhaben schneller, effizienter, kostengünstiger und transparenter realisieren. Auch die heimischen Financials setzen längst auf digitale Innovationen.
Die Kapsch TrafficCom hat im Rahmen ihrer im Vorjahr vorgestellten „Strategie 2020“ den Aufbau des Geschäfts mit Intelligent Mobility Solutions (IMS) als eine von drei Prioritäten definiert. Konkret sehe man den Bedarf an neuen intelligenten Mobilitätslösungen und werde dafür neue Geschäftsmodelle und innovative Lösungen erarbeiten.

Und auch die Leobner AT&S könnte man durchaus als „Digitalisierungs-Play“ sehen. Schließlich erzielt das Unternehmen rund 60 % des Umsatzes mit dem Verkauf von Leiterplatten für mobile Devices.

Autor: Patrick Baldia  (redaktion@boersen-kurier.at)

Drei Szenarien für die Weltwirtschaft

In den vergangenen Jahren oszillierte die Weltwirtschaft zwischen Phasen der Beschleunigung (mit positivem, sich verstärkendem Wachstum) und Phasen der Entschleunigung (mit positivem, aber sich abschwächendem Wachstum). Steuert die Welt nun nach mehr als einem Jahr der Beschleunigung auf einen weiteren Abschwung zu, oder wird die Erholung Bestand haben?

Die aktuelle Zunahme beim Wachstum und die positive Entwicklung an den Aktienmärkten halten seit dem Sommer 2016 an. Trotz einer kurzen Eintrübung nach dem Brexit-Votum überstand die Beschleunigung nicht nur Donald Trumps Wahl zum Präsidenten der USA, sondern auch die sich verstärkende politische Unsicherheit und das geopolitische Chaos, das Trump hervorgerufen hat. In Reaktion auf diese anscheinende Robustheit hat der Internationale Währungsfonds, der das globale Wachstum in den letzten Jahren als „neue Mittelmäßigkeit“ charakterisiert hatte, zuletzt seinen World Economic Outlook angehoben.

Nur verübergehend?
Wird sich das hohe Wachstum der letzten Zeit in den nächsten Jahren fortsetzen? Oder erlebt die Welt derzeit einen vorübergehenden zyklischen Aufschwung, der bald durch neue Extremrisiken wie jene, die in den vergangenen Jahren andere Konjunkturabschwünge ausgelöst haben, eingetrübt wird? Es reicht, sich an den Sommer 2015 und das Frühjahr 2016 zu erinnern, als die Befürchtungen der Anleger über eine harte Landung Chinas, einen übertrieben schnellen Ausstieg der US Federal Reserve aus ihrer Nullzinspolitik, einen Einbruch beim BIP-Wachstum in den USA und niedrige Ölpreise zusammenwirkten und das Wachstum untergruben.

Bullenphase
Man kann sich für die Weltwirtschaft in den nächsten rund drei Jahren drei mögliche Szenarien vorstellen. Im Bullenszenario setzen die vier weltgrößten, systemisch bedeutenden Volkswirtschaften – China, die Eurozone, Japan und die USA – Strukturreformen um, die das potenzielle Wachstum erhöhen und die finanziellen Anfälligkeiten beheben. Derartige Bemühungen würden sicherstellen, dass der zyklische Aufschwung mit einem stärkeren potenziellem und tatsächlichem Wachstum verbunden wäre und so für viele weitere Jahre für ein robustes BIP-Wachstum, eine niedrige, aber moderat steigende Inflation und relative Finanzstabilität sorgen würde. Die Aktienmärkte in den USA und weltweit würden gestützt auf die stärkeren Rahmendaten neue Höchststände erreichen.

Bärenphase
Im Bärenszenario passiert das Gegenteil: Die weltgrößten Volkswirtschaften versäumen es, Strukturreformen umzusetzen, die das potenzielle Wachstum steigern. Statt den Nationalkongress der Kommunistischen Partei in dieser Woche als Katalysator für Reformen zu nutzen, verschiebt China diese in die Zukunft und verfolgt weiter einen Kurs übertriebener Schulden und Überkapazitäten. Die Eurozone schafft es nicht, ihre Integration voranzutreiben, während politische Beschränkungen die Fähigkeit der nationalen Regierungen zur Umsetzung wachstumsfördernder Strukturreformen beeinträchtigen. Und Japan bleibt seinem Kurs niedrigen Wachstums verhaftet, weil die angebotsorientierten Reformen und die Handelsliberalisierung – der dritte „Pfeil“ der Wirtschaftsstrategie von Ministerpräsident Shinzo Abe – im Sande verlaufen.

Was die USA angeht, so folgt die Trump-Regierung bei diesem Szenario weiter einer Politik, die – mit überwiegend die Reichen begünstigenden Steuersenkungen, Handelsprotektionismus und Einwanderungsbeschränkungen – das potenzielle Wachstum verringern könnte. Überzogene fiskalpolitische Konjunkturimpulse bewirken steil steigende Haushaltsdefizite und Schulden, die zu höheren Zinssätzen und einem stärkeren Dollar führen, was das Wachstum weiter abschwächt. Ein kriegslüsterner Trump könnte sogar einen militärischen Konflikt zunächst mit Nordkorea und später mit dem Iran auslösen, der Amerikas wirtschaftliche Aussichten verschlechtert.

In diesem Szenario führt der Mangel an Reformen in den wichtigen Volkswirtschaften dazu, dass der zyklische Aufschwung durch ein niedriges Trendwachstum gehemmt wird. Wenn das potenzielle Wachstum niedrig bleibt, könnte eine lockere Geld- und Kreditpolitik letztlich zu Preissteigerungen bei Waren und/oder Vermögenswerten führen und irgendwann einen Konjunkturabschwung – und möglicherweise eine ausgewachsene Rezession und Finanzkrise – herbeiführen, wenn Vermögenspreisblasen platzen oder die Inflation sich beschleunigt.

Bullen/Bären-Phase
Das dritte – und meiner Ansicht nach wahrscheinlichste – Szenario liegt dazwischen. Der zyklische Aufschwung sowohl beim Wachstum als auch an den Aktienmärkten setzt sich hier bedingt durch den verbleibenden Rückenwind noch eine Weile fort. Doch während die wichtigen Volkswirtschaften einige Strukturreformen zur Steigerung des potenziellen Wachstums verfolgen, ist das Tempo des Wandels viel geringer und sein Umfang bescheidender als es zur Maximierung des Wachstumspotenzials erforderlich wäre.

In China würde ein derartiges Szenario des Durchwurstelns bedeuten, dass gerade genug getan wird, um eine harte Landung zu vermeiden, aber nicht genug, um eine wirklich weiche Landung zu gewährleisten. Angesichts der nicht in Angriff genommenen finanziellen Anfälligkeiten werden wirtschaftliche Schwierigkeiten im Laufe der Zeit so gut wie unvermeidbar. In der Eurozone würde dieses Szenario nur nominelle Fortschritte auf dem Weg hin zu einer stärkeren Integration umfassen, wobei Deutschlands fortgesetzte Ablehnung einer echten gemeinsamen Risikoübernahme oder Fiskalunion die Anreize für mit Schwierigkeiten kämpfende Mitgliedsländer zur Umsetzung schwieriger Reformen verringern würde. In Japan würde eine zunehmend ineffektive Regierung Abe minimale Reformen umsetzen, sodass das potenzielle Wachstum unter 1 % verharren würde.

In den USA würde die Präsidentschaft Trumps schwankungsanfällig und ineffektiv bleiben, und eine wachsende Zahl der Amerikaner würde erkennen, dass Trump trotz seines populistischen Getues lediglich ein Plutokrat ist, der die Interessen der Reichen schützt. Die Ungleichheit nimmt zu, die Mittelschicht kommt nicht voran, das Lohnwachstum ist gering und Konsum und Wachstum bleiben blutleer bei gerade mal knapp 2 %.

Doch die Risiken des Durchwurstelns reichen weit über eine mittelprächtige Wirtschaftsentwicklung hinaus. Dieses Szenario stellt keinen stabilen Gleichgewichtszustand dar, sondern ein instabiles Ungleichgewicht, das anfällig ist für wirtschaftliche, finanzielle und geopolitische Erschütterungen. Wenn es dann irgendwann zu derartigen Erschütterungen kommt, wird die Volkswirtschaft dadurch in einen Abschwung oder, wenn die Erschütterung stark genug ist, sogar in eine Rezession und Finanzkrise gestürzt.

Autor: Nouriel Roubini ist Chairman von Roubini Macro Associates und Professor für Ökonomie an der Stern School of Business der New York University. Aus dem Englischen von Jan Doolan ,  Project Syndicate 1995 – 2017         (redaktion@boersen-kurier.at)

Die Verantwortung wurde auf uns übertragen

Kann ich in der Pension meinen Lebensstandard halten? Diese Frage wird oft gestellt. Was die Zukunft bringt, weiß leider niemand – selbst der Experte nicht.

Sicher ist hingegen, dass bereits für unsere Generation die staatliche Pension nicht ausreichen wird, um den Lebensstandard zu halten, und wir uns nicht mehr auf den Staat verlassen können. Die Zeiten haben sich geändert: Die Verantwortung wurde auf uns übertragen.

Eine langfristige persönliche Finanzplanung ist deshalb wichtiger als je zuvor. Und, wie so oft im Leben, ist auch bei der privaten Vorsorge Zeit kostbar. Denn je früher Sie beginnen, umso mehr Geld haben Sie im Ruhestand zur Verfügung.

Unser Tipp: Gehen Sie die Planung strukturiert an!
Überlegen Sie, wieviel Geld Sie für das Leben im Alter brauchen. Um herauszufinden, wie viel dafür gespart werden muss, rechnen Sie das benötigte Budget inflationsbereinigt hoch und ziehen Sie davon die staatliche Pension, die laut Pensionskonto erwartet wird, ab. Die Differenz ist die sogenannte Pensionslücke, die mittels privater Vorsorge gefüllt werden muss.

Setzen Sie dabei nicht alles auf ein Pferd, sondern teilen Sie die Sparrate auf verschiedene Finanzinstrumente auf. Optimale Veranlagungsmöglichkeiten stellen für mich beispielsweise Fonds am Depot, (Vorsorge-)Wohnungen oder Versicherungen dar. Je länger der Zeithorizont ist, desto risikoreicher kann die Veranlagung sein, weil Zeit die Kurse glättet. Risikobereitschaft ist aber immer individuell. Gehen Sie deshalb nur so viel Risiko ein, dass Sie noch ein gutes Bauchgefühl dabei haben.

Vorsorgewohnungen
Wer eine Immobilie, also ein Haus oder eine Wohnung, besitzt, das oder die nicht von ihm selbst bewohnt wird, verfügt über einen Vermögenswert und die Mieteinnahmen gelten im Alter als Teil der
Rente. Deshalb wird gern, sofern die Finanzierung möglich ist, auf das Modell der Vorsorgewohnung zurückgegriffen.

Fonds ins Depot
Bei Fonds gibt es zwei grundlegende Strategien: aktiv gemanagte und passiv gemanagte Fonds. Beide Strategien haben ihre Vorteile. Wer auf Indexfonds setzt, braucht starke Nerven, vor allem in Krisenzeiten; sie lassen auch nur prozyklisches Verhalten zu. Dafür sind sie kostengünstiger, weil keine Managementgebühren anfallen. Um eine breite Risikostreuung zu erzielen, empfehlen wir eine Mischung aus beiden Strategien. Auch in Hinblick auf Länder, Branchen etc. ist ein guter Mix sinnvoll.

Versicherungen
Eine Versicherung ist, entgegen aller Erwartungen und trotz scheinbar hoher Kosten, die kostengünstigste Variante. Mit nur 4 % Versicherungssteuer hat sie zusätzlich den Vorteil, dass sie von der KESt  in der Höhe von 27,5 % befreit ist. Aktuell gibt es auf dem Markt drei verschiedene Typen: die klassische Er- und Ablebensversicherung, die geförderte Zukunftsvorsorge und die Fondspolizze.

Das klassische Modell hat aufgrund des niedrigen Zinsniveaus eine garantierte Mindestverzinsung von nur noch 0,5 %. Das bedeutet, dass beim Abschluss bereits klar ist, welche Summe in Form einer Rente oder Einmalzahlung bei Ablauf zur Verfügung steht. Zusätzlich bieten manche Versicherungen einen variablen Schlussbonus.

Für die geförderte Zukunftsvorsorge zahlen Sie keine Versicherungssteuer. Sie ist allerdings die starrste Variante, da sie nur in Form einer Rente ausbezahlt wird. Die Garantie entspricht hier der einbezahlten Prämie und ist somit von allen drei Versicherungsmöglichkeiten am höchsten. Realistischer Weise ist durch die Halbierung der staatlichen Förderung und die eingeschränkten Veranlagungsmöglichkeiten mit einer Performance von lediglich 1 bis 2 % pro Jahr zu rechnen.

Die Fondspolizze ist in der Veranlagung am flexibelsten und die einzige Variante, bei der man als Sparer die Veranlagung und somit das Risiko selbst bestimmt. Es gibt drei Gestaltungsformen, zwischen denen – je nach Anbieter – variiert werden kann. Zur Wahl stehen:

  1. a) unterschiedliche Portfolios, die je nach Risikoneigung ausgesucht werden und die der Versicherer zusammenstellt.
    b) eine bestimmte Anzahl an Fonds, die selbst zusammengestellt werden und während der Vertragslaufzeit geändert werden können.
    c) Garantiekonzepte, die auch Teil des Angebots des Versicherers sein können.
    Das angesparte Geld ist in Form einer Rente oder Einmalzahlung abrufbar.

Fazit

Das Produktangebot ist groß und für den Laien oft unüberschaubar, da braucht es jemand, der den Markt überblickt. Gehen Sie es, am besten gemeinsam mit einem Experten oder einer Expertin, strukturiert und strategisch an.
Bei der privaten Altersvorsorge gilt einmal mehr das Motto: nicht warten, sondern starten! Denn eines ist sicher, auf den Staat ist in diesem Fall kein Verlass.

Autor: Mag. Petra Schuh-Wendl ist Senior Financial Consultant bei der FiNUM.Private Finance AG

Was die Parteien für den Kapitalmarkt planen

Abseits von „Schlammschlachten“ und TV-Duellen: Was können Anleger nach der Wahl für 
den österreichischen Kapitalmarkt erwarten?

Im Wahlprogramm „Plan A für Austria“ der SPÖ findet sich (obwohl oder weil ihr Spitzenkandidat in den Chefetagen zweier börsenotierter Konzerne tätig war?) die Forderung nach einer „klaren gesetzlichen Regelung, die börsennotierte Unternehmen verpflichtet, das Verhältnis von Managementbezügen zum Durchschnittsgehalt ihrer MitarbeiterInnen per Aufsichtsratsbeschluss festzulegen“. Avantgardistischer
ist der Wille „mehr Risikokapital zu mobilisieren“: Das Kapital von Versicherungen, Stiftungen etc. soll „in höherem Maß als bisher produktiv eingesetzt werden“. Ziel: 1 % der von institutionellen Investoren veranlagten Mittel soll in einer „Risikokapitalinitiative“ in KMU und Startups fließen, das wären bis zu 4 Mrd. Euro. Um dieses „ambitionierte Ziel“ zu erreichen, seien „unterschiedliche Maßnahmen denkbar“, z. B. Überarbeitung der Veranlagungsrichtlinien, Ausbau der bestehenden (steuerlichen) Instrumente (Risikokapitalprämie, Mittelstandsfinanzierungsgesellschaft) bis hin zu Garantien. Weiters soll ein „Österreichischer Fonds für Strategische Investitionen“ in Industriebetriebe errichtet werden.
Im Rahmen dieses Fonds soll es auch Möglichkeiten zur „Beteiligung von privaten Investoren sowie MitarbeiterInnen“ geben.

In ihrem Wahlprogramm „Aufbruch & Wohlstand“ sagt die „neue Volkspartei“ „Willkommen an der Börse, KMU!“: Um KMU die Finanzierung über die Börse zu erleichtern, soll es „mehr Vereinfachungen geben und die Obergrenzen, die für reduzierte Informationspflichten gelten, sollen angehoben werden“. Außerdem sollen die Kosten, die im Rahmen eines Börsegangs entstehen, reduziert werden: „Wir brauchen ein Klima, in dem sich Unternehmen an der Börse willkommen fühlen.“ Auch beim Risikokapital habe man „noch einiges aufzuholen“. Daher „brauchen wir mehr Anreize für Risikokapital in Österreich“. Das Wahlprogramm „Fairness“ der FPÖ will eine „Stärkung der Finanzkraft unserer Betriebe“, beispielsweise durch Wiedereinführung von Investitionsfreibeiträgen, dynamischere Abschreibungen und geringere Gewinnbesteuerung. Und da man sich „zum Aufbau von Eigentum und Vermögen“ bekenne, wende man sich „strikt gegen die Einführung von Erbschafts-, Schenkungs- und Vermögenssteuern“. Die Grünen wollen mit ihrem Wahlprogramm „Das ist grün“ das „Zukunftsprojekt: Neue Ideen und Geschäftsmodelle fördern“: Um den „Wandel der Wirtschaft“ positiv voranzutreiben, böten Startups eine „echte Chance für den Standort“. Ihr Weg soll durch finanzielle Anreize, etwa bei der Unternehmensfinanzierung, unterstützt werden. KMU solle die Finanzierung vermehrt durch Garantien und Haftungen der öffentlichen Hand (aws) erleichtert werden. Um Alternative Investing zu erleichtern, soll die Beteiligungsgrenze im Alternativfinanzierungsgesetz auf 20.000 Euro pro Person, Projekt und Jahr erhöht werden.

Laut „Zukunftsmanifest“, dem Wahlprogramm der NEOS, soll unternehmerisches Denken früh in unserer Gesellschaft verankern werden, um „aus Österreich ein Land der GründerInnen zu machen. Daher umfassen die Lehrpläne aller mittleren und höheren Schulen einen verpflichtenden unternehmerischen Schwerpunkt“. Und um ein „nachhaltiges Pensionssystem“ zu sichern, werde „die unterstützende Kapitaldeckung ausgebaut“. Die Liste Pilz hat die Schaffung steuerlicher Anreize für Privatinvestoren, die „nach Steuern“ ihr Privatvermögen in Startups oder KMU investieren, am Programm. „Diese Novelle würde einen  25 %igen Zuwachs bei Bottom-up Initiativen wie Crowdinvesting erwirken und die Finanzierungsbasis für KMU stärken.“                             

Autor: Mag. Manfred Kainz  (redaktion@boersen-kurier.at)

Operationelle Risiken nicht unterschätzen

Die „neuen Risiken“ im vernetzten Finanzmarkt seien eine Herausforderung sowohl für die Marktteilnehmer als auch die integrierte Aufsicht.

Diesem Generalthema widmete sich die diesjährige FMA Aufsichtskonferenz. Die zunehmende Bedrohung der Finanzinstitute durch „operationelle Risiken“ wie IT-, Cyber-, Rechts- oder Reputationsrisiken belege „die Überlegenheit eines integrierten Aufsichtsansatzes“, wie ihn die FMA betreibt, argumentierten die Vorstände der Finanzmarktaufsichtsbehörde, Helmut Ettl und Klaus Kumpfmüller. Darin seien „prudenzielle“ Aufsicht und Verhaltensaufsicht miteinander verknüpft und es können über Branchen-, Sektor- und Produktgrenzen hinweg alle Synergien gehoben werden. Die FMA begrüßt das „Aufsichtsreformpaket“, das die Bundesregierung im Ministerrat beschlossen hat. Diese Maßnahmen „stärken unseren propagierten Grundsatz der Proportionalität in Regulierung und Aufsicht, verbessern die Transparenz, erhöhen Effizienz und Effektivität, beschleunigen die Verfahren und modernisieren das Sanktionsregime“. Im Zusammenhang mit der Europäischen Bankenunion gebe es noch zwei Risiken. Einerseits das eines „regulatorischen Bias“. Kumpfmüller warnt: „Es darf nicht sein, dass eine Bank, nur weil sie klein- oder mittelständisch ist, unter die Räder kommt, weil die Regulierung Großbanken bevorzugt.“ Zweitens seien beim Aufbau der Einheitlichen Europäischen Bankenaufsicht bei einigen Instituten die Altlasten nicht angemessen angegangen worden. Manche Probleme seien bis heute nicht gelöst, und es bestehe die Gefahr, dass – entgegen dem Ziel der Bankenunion – „erst recht wieder die Steuerzahler zur Sanierung herangezogen werden“. Für Kumpfmüller „müssen die Altlasten nun zügig bereinigt werden, damit wir endlich zu einer weiteren Vertiefung der Bankenunion sowie zur gemeinsamen europäischen Einlagensicherung kommen“ können.

Massiv aufrüsten
Auch der Präsident der Deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Felix Hufeld, sieht die operationellen Risiken als „große Herausforderung“. Die Kunden seien sehr daran interessiert, dass „ihre“ Bank und Versicherung solide dasteht. Dem stehen aber „internes Fehlverhalten“, IT- und Cyberrisiken gegenüber. IT-Sicherheit sei überhaupt ein gesamtgesellschaftliches Thema geworden. Daher müsse sich ein Regulierungszweig „mit Verhalten“ auseinander setzen. Denn die Schutzbedürftigkeit der Verbraucher sei heute viel höher eingestuft als vor der Finanzkrise. „Verhaltensaufsicht“ gehöre unter das Dach einer integrierten Aufsichtsbehörde. „Denn Risiken lösen sich ja nicht auf, wenn man sie in zwei Behörden hat.“

Der Generalsekretär der International Organization of Securities Commissions, Paul Andrews, warnt vor den Risiken des zunehmenden Outsourcing des Finanzsektors an „Third party providers“. Immer weniger „Player“ würden zu einer Konzentration führen, die operationelle IT- und Cyberrisiken schaffe. Beispiel:  Es gebe nur zwei große Cloud Provider – was wenn einem etwas passiert? Die „Implikationen“, die mehr Outsourcing auf Cyberkriminelle habe, seien nicht mit Kapitalvorschriften zu bekämpfen, sondern nur mit Infrastruktur und „geprüftem“ Personal. Denn 90 % der Cyberattacken nützen menschliche Fehler. Auch Ariane Chapelle vom University College London und Geschäftsführerin von Chapelle Consulting Ltd. warnt vor steigenden Kosten von Cyberrisiken. „Investieren in Menschen und Infrastrukturen“ sei gefordert. Denn die operationellen – also nonfinancial – Risiken würden bald die Kapitalrisiken überholen. Angesichts „der unfassbaren Energie“, die in Cybercrime hineinfließt, so Andreas Treichl, „müssen wir – die Marktteilnehmer und die Aufsichten – massiv aufrüsten, um mit der Cyberkriminalität mithalten zu können“, prognostiziert der Erste Group Bank CEO und Obmannes der WKO-Sparte Banken & Versicherungen. Aber auch das nicht beeinflussbare „politische Risiko“ von Gesetzes- und Steueränderungen als weitere operationelle Risikoart, das die Risks on Assets hinauf treibe, werde „gewaltig“ steigen. 

Autor: Mag. Manfred Kainz  (redaktion@boersen-kurier.at)

Kaufleute mit Vision

Die Wiener Immobilien-Investmentgesellschaft S Immo AG punktet mit einem guten Gespür für aufkeimende Stadtgebiete – wie derzeit in Leipzig. Ein Börsen-Kurier-Lokalaugenschein.

„Entscheidend für den Erfolg ist die Entdeckung günstiger Objekte mit Potenzialen, die vom Mitbewerber nicht erkannt werden“, ist Ernst Vejdovszky, Vorstandsvorsitzender der S Immo AG, überzeugt. Das klare Konzept: günstig kaufen, mit Verve kreative Ideen für Bewirtschaftung und Entwicklung umsetzen und möglichst teuer verkaufen. Im Rahmen eines vergleichsweise breit gestreuten Portfolios: Rund ein Viertel des Immobilienvermögens von 1,75 Mrd Euro sind Wohnimmobilien, der Rest Gewerbeobjekte, also Büro, Retail und Hotels – geografisch konzentriert auf die Großstädte in Österreich, Deutschland und die Hauptstädte in Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Kroatien und Rumänien.

Das entscheidende Asset: So lassen sich je nach geografischer Marktlage die unterschiedlichen Immobilienzyklen nutzen. Über den Kauf bestehender Objekte und die Entwicklung neuer Projekte. Und cash machen: „Wir sind keine Sammler von Assets“, so Vejdovszky, wie der Verkauf von 20 % des Deutschland-Portfolios 2016 beweise.

Dabei laufen freilich nicht alle Objekte so gut wie jenes in der Berliner Sonnenallee, wo dank der antizyklischen Herangehensweise ein sattes Plus von 120 % auf die Investitionskosten realisiert wurde. In Leipzig, der zehntgrößten Stadt Deutschlands und der größten in Sachsen, bahnt sich aber ein ähnlicher Erfolg an.

Verborgene Schätze
Manchmal braucht es einen längeren Atem. Wie in Leipzig, wo die S Immo bereits 2006 vorwiegend in Wohnimmobilien eingestiegen ist. „Unser Engagement haben wir vor rund vier Jahren wieder intensiviert – mit einzelnen Objekten und nicht mit großen Paketen“, erzählt Robert Neumüller, Geschäftsführer der S Immo Germany, beim Stadtrundgang dem Börsen-Kurier. Im Fokus stünden nun Gewerbe und Wohnobjekte mit Gewerbeanteil.

Manchmal braucht es auch Mut – etwa jenen, in „Deutschlands gefährlichste Straße“ zu investieren: Die im Osten der Stadt gelegene, zwei Kilometer lange Eisenbahnstraße – eine Stichstraße zum Leipziger Hauptbahnhof, dem größten Kopfbahnhof Europas – ist wegen der dort hohen Kriminalität im Zuge von Drogenhandel, Bandenfehden und Gewaltdelikten medial ordentlich in Verruf geraten. Dass gerade hier drei von den 38 Objekten der S Immo in Leipzig stehen, hat freilich einen guten Grund: Der Osten zählt seit 2014 zu den am raschesten wachsenden Stadtgebieten. Die Eisenbahnstraße, einst DDR-Flaniermeile und nach der Wende zum Boulevard des Leerstands verkommen, lockt immer mehr junge Mieter – Studenten, Künstler, Akademiker. Jene, die das noch günstige Mietniveau des Viertels nützen wollen. Jene, die von Crystal Meth & Co. nichts wissen wollen – und das Grätzel durch ihren Zuzug aufwerten, es gentrifizieren, wie es in der Fachsprache heißt.

Das jüngste Objekt hat die S Immo im Juli einem dänischen Investor abgekauft. Ein ziemlich tristes Eckhaus. Für Neumüller steckt hinter dem desolaten Gründerzeithaus freilich ein verborgener Schatz: „Derzeit ist die Mieterstruktur katastrophal, Überbelegung und Wohnverhalten zerstören die Substanz.“ Über auslaufende Mietverträge und Sistierungen aufgrund von Zahlungsverzug oder Bausubstanz-schädigendem Verhalten hätte man sich einen Rahmen von drei bis vier Jahren gesetzt, um das Haus zu entmieten, zu entkernen, zu renovieren und neu zu vermieten. „Dann sollte die Miete jenseits der acht statt der aktuellen vier Euro pro Quadratmeter liegen“, so Neumüller.

Ein paar Häuserblöcke weiter steht das zweite Eckhaus – und dieses beeindruckt: bestens renoviert, ein trendiger Bioladen mit einer Kundin, die soeben beschwingt ihr Fahrrad besteigt und davonfährt. Das gelungene Beispiel für die Firmenphilosophie, die derzeit auch im dritten Objekt, ebenfalls einem Eckhaus, in einer nahen Seitengasse verwirklicht wird: „Über die Einmietung eines attraktiven Gewerbes im Erdgeschoß, dreht sich die Zuzugsspirale qualitätsvoller Mieter unweigerlich nach oben.“ Und dafür geht die S Immo auch in Vorlage: Der Geruch der frischen Farbe besticht ebenso wie die vorderhand rudimentäre Verkabelung – „für die Öffnung der hausinternen Infrastruktur warten wir auf die Wünsche des potentiellen Mieters“, erklärt Neumüller. Nach deren Umsetzung setze man auf günstige, aber befristete Verträge, um in der Folge die Kosten wieder einzuspielen.

Attraktive Aktie
Mittlerweile ist der mit 850 Jahren traditionsreichste Messestandort Deutschlands zu einer der meist beachteten Städte avanciert: Laut der eben publizierten Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut HWWI liegt Leipzig auf Platz Zwei der 30 deutschen Städte mit den größten Zukunftschancen. Im Vergleich zu Berlin, das vor allem für Repräsentationszwecke gefragt sei, stehe die sächsische Großstadt für Arbeit, Effizienz und Kostennutzen, wie Stefan Sachse, Geschäftsführer von BNP Paribas Real Estate, beobachtet – vor allem im Dienstleistungsbereich: „Im Deutschland-Ranking steht Leipzig da in den letzten fünf Jahren immer auf dem ersten Platz.“

Fakt ist, dass die S Immo ziemlich solide dasteht: Die Mietrendite liegt Ende September bei 6,2 %, der Vermietungsgrad bei 93,9 % und die Immobilienprojekte lassen spannendes Wachstum erwarten: Das Budget von rund 646 Mio Euro entfällt mit 38 % auf Deutschland (etwa Berlin Neukölln), gefolgt von Österreich mit 33 % (Siebenbrunnengasse, Quartier Belvedere Central) und den CEE-Ländern mit 29 % (Slowakei – Bürogebäude Einsteinova, Rumänien – Bürogebäude The Mark, Sun Plaza).

All das mit ein Grund für das Interesse bekannt engagierter Investoren wie Petrus Advisers, die ihren 3,9-%-Anteil Ende August mit einem Gewinn von 73 % binnen eineinhalb Jahren verkauft hat, oder Ronny Peczik, der im heurigen Frühling rund 11 % erworben hat und damit zum größten Aktionär avanciert ist – neben den beiden Kernaktionären Erste Group und Vienna Insurance Group, die jeweils rund 10 % am Unternehmen halten.

Das höhere Umsatzvolumen, der hohe Streubesitz von 79 % und das satte Kursplus von 48,7 % auf 14,795  Euro per Ultimo September waren Auslöser für die Aufnahme in den ATX – und sollten die Attraktivität der Aktien weiter stärken.

Autorin: Mag. Caroline Millonig  (redaktion@boersen-kurier.at)

Weitere Fantasie für Aktionäre

Eine Senkung der Körperschaftssteuer (KÖSt) wurde bereits 2016 in den Raum gestellt. Die Entwicklung in Europa wird die Debatte demnächst in Wien wieder anheizen.

Nach dem Vorpreschen einzelner EU-Mitgliedsstaaten, die Gewinnsteuern der Kapitalgesellschaften (GmbH, AG) zu kürzen, gewinnt diese Forderung am Kontinent generell an Gewicht. Entsprechende Anreize, Investitionen und bedeutende Arbeitgeber ins Land zu locken, nähern sich trotz Widerständen einer realen Umsetzung. Denn: Wurde Irland bis zum Vorjahr bezüglich der „Dumping-Strategie“ noch aus Brüssel gegeißelt, riecht es zusehends nach einem Paradigmenwechsel.

Druck von allen Seiten
Getrieben wird die Kursänderung durch Faktoren, die EU-Gremien nicht oder kaum zu beeinflussen imstande sind. So ist die Trump-Administration gerade dabei, einen Weg zu ebnen, die angekündigten Steuererleichterungen für US-Unternehmen durchzusetzen. Immer klarer wird: Die Verantwortlichen für den US-Haushalt nehmen dazu gar Einnahmenkürzungen von mehr als 2 BioUSD über die kommenden Jahre in Kauf. Schlüssig ist, dass Aktionäre und Fondsgesellschaften die Perspektiven steigender Gewinne der börsennotierten Gesellschaften erkennen. Seit der Ankündigung der „Tax Cuts“ und der US-Wahlschlacht vor elf Monaten verzeichneten US-Anleger (anhand des breiten S&P 500-Aktienindex) eine durchschnittliche Wertsteigerung von 20 %. Durch die nun nahende Realisierung des Vorhabens bekam die Hausse nun einen zusätzlichen Schub. Seit sich in Frankreich die Wahl des als Marktwirtschaft-freundlich geltenden Emmanuel Macron zum Staatspräsidenten Ende April abzeichnete, lockert sich bald die Steuerschraube auch in der zweitwichtigsten Volkswirtschaft der Union. Macron gab eine um 8 % reduzierte KÖSt (auf 25 %) in seine Zielvorgabe ein. Der Pariser CAC 0 steht nun rund ein Zehntel höher.

Aggressive Anwerbung
Osteuropäische Staaten setzen diese Anreize seit geraumer Zeit ein: Tschechien, Slowenien (19 %) und die Slowakei (21 %) locken hier noch mit moderaten Sätzen. Polen (15  bzw. 19 %) hat mit einer aggressiveren Anwerbung wirtschaftliche Erfolge zu verzeichnen, Rumänien frohlockt mit einer KÖSt-Quote von 16 %. Zu Jahresbeginn heizte Budapest diesen Steuerwettbewerb verstärkt an: So schuf die ungarische Regierung mit einer einheitlichen Absenkung des Staatszugriffs auf 9 % eine regelrechte „Kluft“ zu den fiskalischen Gegebenheiten seiner westlichen Nachbarn. Vor allem die Großindustrie wird von den Magyaren nun massiv angelockt. Irland (12 %) und Zypern (12,5 %) werden dabei noch klar unterboten. Nur Bulgarien hat mit (5 bzw. 10 %) zum Teil eine noch attraktivere Schwelle eingeführt. Der ungarische BUX steht unterdessen nicht weniger als 23 % höher als zu Weihnachten.

Sogar Rot-Grün senkt
Sogar Schwedens rot-grüne Regierung unter Magdalena Andersson hat im Sommer (nach einer Herabsetzung 2013) ein weiter auf 20 % reduziertes KÖSt-Niveau (-2 %) ins Spiel gebracht. Im Jahre 2012 wurde die Besteuerung in finnischen Gefilden schon von 26 gering auf 24,5 % geschmälert. Auch das Hochsteuerland Dänemark liegt mit 22 % bereits deutlich unter österreichischen Verhältnissen (25 %).

Einzig Belgien, Frankreich, Norwegen und teilweise Italien nagen derzeit in Europa noch kräftiger an den Gewinnen als der heimische Fiskus. Von West bis Ost (Deutschland 15 % + 5 % Solidaritätszuschlag) wird  das wirtschaftliche Umfeld hingegen stets attraktiver. Aktionären österreichischer Firmen bleibt die Hoffnung auf weitere Kursgewinne durch neue Vorstöße zur KÖSt-Reduktion.             

Autor: Roman Steinbauer (redaktion@boersen-kurier.at)

Im Würgegriff der Bürokratie

Immer mehr wird die wirtschaftliche Freiheit durch staatliche Eingriffe eingeschränkt, was insbesondere für Banken gilt und wiederum negative Auswirkungen auf die Realwirtschaft hat.
Der Börsen-Kurier im Gespräch mit Barbara Kolm, der Präsidentin des Friedrich August von Hayek Instituts.

In allen Bereichen unserer Gesellschaft wechselten Zeiten mit extrem starker Regulierung mit Phasen weitestgehender Deregulierung ab. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre aus der Vogelperspektive skizziert Barbara Kolm uns gegenüber so: „In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist das Ideal der individuellen Freiheit durch immer mehr staatliche Eingriffe auf unser Privatleben unter dem Deckmantel des Konsumentenschutzes eingeschränkt worden. Regulierung und Harmonisierung von Produktvorschriften treffen alle produzierenden Betriebe, alle Unternehmen von KMUs bis zu multinationalen Konzernen und senkt Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit.“ Vor allem Europa ist betroffen. „In Europa ist der aktuelle Regulierungstrend besonders rasant und bringt KMUs, deren Anpassungsprozesse nicht so schnell erfolgen, in Probleme und Kreditklemmen“, ergänzt Kolm.

Staatsfinanzierung faktisch zum Nulltarif
Die heutige Regulierungswelle im Finanzsektor hat eine lange Vorgeschichte: „Spätestens seit 1988 (Beginn des Basel-I-Prozesses, Anm.) unterliegt die moderne Finanzindustrie neuen Gesetzmäßigkeiten. Die Finanzkrise förderte offensichtliche Mängel zu Tage. Falsche Analysen führten zur vermeintlichen Lösung: der ohnehin schon extrem regulierten Bankenwelt wurden weitere Korsette angelegt, um die Finanzwirtschaft in die Knie zu zwingen“, zeigt Kolm die Hintergründe. Diese erhöhten Eigenkapital-Vorschriften führten laut Kolm zu massiven Portfolioumschichtung hin zu Staatsanleihen und Reduktion von Risikoprodukten. Dies kreierte zusätzliche Anreize auf staatlicher Ebene, unvernünftige Budgetpolitik und Überschuldung fortzusetzen. Staaten bekommen teils Negativzinsen, sprich Geld fürs Schuldenmachen, während Firmen immer schwerer Kredite bekommen, denn:

Auf strengere Regulierung folgt Kreditklemme
Auf Basel III folgt nun Basel IV – noch strenger und restriktiver: Ziel der Basel-IV-Maßnahmen ist es, laut Bundesverband deutscher Banken und BDI, grundsätzlich, die Variabilität in der Berechnung der sogenannten risiko-gewichteten Aktiva (RWA) durch die Banken zu verringern.

Unter Basel IV unterliegen Banken nämlich im Einsatz ihrer bisherigen internen Risikorechenmodelle bei manchen Asset-Klassen Restriktionen und sie werden zum Einsatz standardisierter Verfahren gezwungen, aus deren Berechnung tendenziell höhere „Ausfallsrisiken“ resultieren. Somit steigt die risikogewichtete Aktiva europäischer Banken laut einer Studie von PWC um 40 bis 65 % oder um 7 Bio Euro! Mehrere hundert Milliarden Euro an zusätzlichem Kapital würden die Banken benötigen oder sie müssten die Risikoaktiva entsprechend abbauen. Letzteres ginge unter anderem über eine Kreditrestriktion. Diese würde kombiniert mit der Niedrigzinspolitik der EZB laut Kolm eine Todesspirale für Unternehmen bedeuten.

Hinzukommen prozyklische Regelungen, wie das IFRS-9-Impairment-Modell: Hier soll die Berechnung der Risikovorsorge über den vorausblickenden „Expected Lifetime Loss“ (ELL-)Ansatz für erwartete Ausfälle einer zu späten Risikovorsorgebildung entgegenwirken. Die Lifetime-Komponente sorgt im Falle einer Bonitätsverschlechterung für die Bildung einer höheren Risikovorsorge, was häufiger in Rezessionsphasen auftritt. Die Folgen erklärt Kolm gegenüber dem Börsen-Kurier: „Die prozyklischen Regelungen erhöhen die Gefahren einer Krise drastisch. Alle neuen Regeln zusammen zwingen Banken und deren Refinanzierer dazu, sich nur mehr im Kurz- bis Mittelfristbereich zu bewegen. Langfristfinanzierungen z. B. im Immobilienbereich oder bei großen Maschineninvestitionen werden dann nur zu deutlich schlechteren Konditionen wenn überhaupt angeboten. Unternehmen wird deutlich höhere Eigenfinanzierung abverlangt werden.“

Noch mehr Bürokratie versus Eigenverantwortung
Kolm nennt noch ein weiteres Beispiel für Regulierung, die bei den Betroffenen auf wenig Begeisterung stößt: „Als bürokratisch, komplex, teuer und als ein Hemmniss für Konkurrenz- und Innovationsfähigkeit wird Solvency II eineinhalb Jahre nach dessen Start vom Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft beschrieben“ (Quelle: 2017 GDV www.gdv.de). Doch hochrangige Vertreter der EU wollen noch mehr: „Dem stehen Ankündigungen wie die Junckers in seiner Rede vom 13. September entgegen, die noch extensivere Eingriffe in die unternehmerische Freiheit und noch mehr zentrale Planwirtschaft aus Brüssel befürchten lassen“, erläutert Kolm und fordert ein Umdenken: „Um der Überregulierung Herr zu werden, müssen wir uns als Individuen wieder auf Eigenverantwortung rückbesinnen und auf institutioneller Ebene neue Lösungen zulassen, z. B. den Wettbewerb von internationalen Institutionen (Sonderwirtschaftszonen, Seasteading etc.).“ Die Analyse der Folgewirkungen, höhere Transparenz und Reduktion des Tempos der Regulierungsagenda sind weitere Optionen, die sofort realisierbar sind. Das Umsetzen lang diskutierter Maßnahmen, wie die Einführung einer Gesetzes- und Regulierungsbremse (one in two out), Opting-out-Möglichkeiten oder sunset clauses müssen konsequent realisiert werden.“ Die wichtigste Voraussetzung zur Lösung der beschriebenen Probleme ist für Kolm jedoch „eine Trennung von Geld- und Fiskalpolitik“.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

Was der Kapitalmarkt dringend braucht

Die Hebel, um Österreich im internationalen Ranking der Kapitalmärkte weiter nach vorne zu bringen, sind gar nicht so spektakulär. Umso mehr müsste man sie rasch bewegen.

Es brauche in Österreich mehr Verständnis für die Bedürfnisse der Investoren. Und dazu müsse man schon früh ansetzen. „Understanding the Investor Universe“ sei entscheidend für einen „maßgeschneiderten“ Zugang zu Kapital. Das gehöre schon zum „Pre-Capital Market-Ready“-Sein, also zur Entwicklung des vorbörslichen Kapitalmarktes. Das fordert Antonella Mei-Pochtler, Senior Partner & Managing Director der international tätigen Boston Consulting Group. So wie sich Unternehmen Gedanken über die Kundenbedürfnisse machen, müsse man sich auch Gedanken über Investorenbedürfnisse machen. Zu deren Kriterien gehören unter anderem die Fondsmanagervorgaben im Verhältnis zu Benchmark, Ertragswachstumserwartungen, Zeithorizont, erwartetes Price/Earnings-Multiple und Zielrendite, die alle je nach Investorentyp sehr unterschiedlich seien. Für den Kapitalmarkt bedeute das, sich rechtzeitig die Frage zu stellen: Welchen Investorentyp will ich? „Yield Investor, Core Value-, Alpha Value-, Income Growth- und/oder Core Growth-Investoren“? Was die „IPO-Readiness“ betrifft, nennt Mei-Pochtler „interne und externe Readiness-Elemente“, die es zu erfüllen gelte. Interne Fitness für die Börse umfasse strategische und finanzielle, Reporting & Compliance-, Governance- sowie verwaltungsorganisatorische Readiness. Die externe Readiness fordere hingegen die Märkte und Staat bzw. Gesetzgeber. Denn da fallen die „rules and regulations“ hinein, genauso wie Sustainable-Development-Implikationen. Beim „Eigenkapital Forum 2017“ im Haus der Industrie hielt die international erfahrene Consulterin beispielsweise das Österreichische Aufsichtsratssystem für schlecht geeignet, seine Erwartungshaltung zu erfüllen. Das Schweizer „monistische“ Boardsystem sei „näher“ an den Praxiserfordernissen.

Auch Rudolf Kinsky nennt eine lange To-do-Liste, um den heimischen Kapitalmarkt auf Vordermann zu bringen. Der Präsident der Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation (AVCO) wünscht sich, dass institutionelle Investoren in österreichische VC/PE-Fonds investieren. Vom Gesetzgeber fordert er fehlende Rahmenbedingungen für VC/PE-Fonds ein. Das neue ittelstandsfinanzierungsgesellschaften-Gesetz sei „keine Lösung“ und werde „leider keine großen Änderungen bringen“. Außerdem seien staatliche Stellen „ausschließlich auf Start-ups fokussiert“, mit denen allein werde aber die Volkswirtschaft nicht wachsen – auch weil Start-ups mit größerem Kapitalbedarf ins Ausland gehen (müssen). Daher fordert Kinsky Unterstützung für eine „visionäre Ausgestaltung“ des Kapitalmarktes. Das brauche – mit einem transparenteren und koordinierteren Förderwesen – eine Standortpolitik, die Österreich als internationalen Finanzplatz für VC/PE stärkt: etwa mit einer „steuertransparenten endbesteuerten KG-Lösung“. Und die AWS solle als „Ankerinvestor“ in privatwirtschaftliche Fonds investieren, nach Vorbild des dänischen „Dachfonds-Modells“.

Bei der Regulierung setzt der Präsident der Industriellenvereinigung und CEO der börsenotierten Kapsch-TrafficCom Georg Kapsch an. Basel III sei „kontraproduktiv“, reguliert wurden Kommerzbanken, dabei gehöre vielmehr bei Hedgefunds und grauem Kapitalmarkt die Regulierung. Wenig Kapitalmarktengagement sei eine Frage der Mentalität, die es zu ändern gelte: Wenn die Politik den Kapitalmarkt als „Spekulation“ ansieht, dürfe man sich nicht wundern, dass Österreich kein Aktionärsland sei. Es brauche Deregulierung für normale Börsennutzer, die „mittlerweile im Regulativ untergehen“, und steuerliche Entdiskriminierung von Eigenkapital und PE-Gesellschaften.  

Autor: Mag. Manfred Kainz  (redaktion@boersen-kurier.at)

Die Finanzindustrie im Würgegriff

Börsen-Kurier-Exklusiv-Interview mit Dr. Franz Rudorfer, dem Geschäftsführer der Bundessparte Bank und Versicherung in der WKO. (28.09.)

Die Finanzbranche gehört zu den am strengsten regulierten Branchen. Unbeschadet der Aussagen des europäischen Gesetzgebers, die bestehende Regulierung zu evaluieren, sind dennoch weitere Regularien in Behandlung bzw. absehbar. Basel III, IV und V, Solvency II, III, weitere EU-Richtlinien und die nationalstaatliche Umsetzung werden hierzulande immer wieder durch „Gold Plating“, insbesondere im Bereich des Konsumentenschutzes, verschärft. Positiv zu erwähnen sind die Bemühungen der europäischen Politik sowie von Österreichischem BMF, FMA und OeNB, das Proportionalitätsprinzip in Regulierung und Aufsicht mit Leben zu erfüllen.

Börsen-Kurier: Was kommt noch auf uns zu? 

Es stehen weitere Herausforderungen an, die auch die Finanzbranche stark betreffen und zu massiven Umwälzungen führen. Das Thema „Die Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf Banken und den Finanzsektor insgesamt“  stand zuletzt beim Europäischen Forum Alpbach im Mittelpunkt. Ein Schwerpunkt, insbesondere im Zusammenhang mit der Digitalisierung, sind Cybersicherheit und Datenschutz. Ein wesentliches Vorhaben ist es, wieder Konsumentenschutz im Sinne der Konsumenten und nicht überzogene Bürokratie im rechtlichen Ökosystem in Österreich zu verankern.

Momentan liegt ein intensiver Fokus auf der bis Jänner 2018 umzusetzenden Zahlungsdienst-Richtlinie PSD II.  Mit der Öffnung des Zahlungsverkehrs für Drittanbieter sind viele Chancen und Verbesserungen der Customer-Experience, aber auch Herausausforderungen – etwa was die Sicherheit der Kundendaten und faire Wettbewerbsbedingungen anbelangt – verbunden.

Die Digitalisierung erzeugt einen enormen Bedarf für die mit diesem Arbeitsbereich verbundenen qualifizierten Personen. Gerade für die Konsumenten bietet die Digitalisierung eine Fülle von zusätzlichen Nutzungsmöglichkeiten im Bereich der Finanzdienstleistung und noch mehr Komfort beim Banking.  Im Sinne der Kunden müssen beispielsweise Medienbrüche verhindert und etwa die digitale Unterschrift per Signpadermöglicht werden. Insgesamt braucht es ein digitalisierungsfreundliches Ökosystem, wozu durch die von BMF ermöglichte Videoidentifikation schon ein wesentlicher Beitrag erfolgte. Dies umso mehr, da die Österreicherinnen und Österreicher auch im europäischen Vergleich als besonders digitalisierungsaffin im Bankbereich gelten.

Börsen-Kurier: Welche Folgen haben insbesondere die strengen Eigenkapitalvorschriften von Basel III etc. auf KMU und Industrie?

KMU sind das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft, das nach wie vor weit überwiegend auf Bankkredite aufbaut. Auch wenn im Rahmen der Arbeiten für die Kapitalmarktunion erfreulicherweise Impulse in Richtung zusätzliche Finanzierung über den Kapitalmarkt enthalten sind, sprechen wir hier über erst langfristig wirksam werdende Änderungen. Weshalb auch im Sinne des erfolgreichen Wirtschaftsstandortes Österreich finanzierungsfreundliche Rahmenbedingungen im Interesse von Investitionen, Arbeitsplätzen und Wohlstand in unserem Land zu sichern sind.

Die Pläne für Basel IV laufen diesem Finanzierungsbedarf auch für österr. Unternehmen teilweise diametral entgegen, dies gilt beispielsweise für Immobilienfinanzierungen und die drastisch erhöhten Eigenkapitalanforderungen für Beteiligungen von Banken an Unternehmen.

Erfreulich ist in diesem Zusammenhang der Schulterschluss von Wirtschaft, Banken und Aufsicht in Österreich. Sowohl Finanzminister Schelling als auch Gouverneur Nowotny sowie insbesondere Präsident Leitl setzen sich auf europäischer Ebene für die Sicherung der für die Kreditfinanzierung so wichtigen Rahmenbedingungen ein.

Österreich sollte danach trachten, die Bedingungen für Investitionen deutlich zu verbessern und es den Betrieben ermöglichen, die Eigenkapitalstruktur weiter zu stärken, etwa durch eine Erleichterung der Beteiligungs- und Eigenkapitalfinanzierung durch die Schaffung eines Beteiligungsfreibetrages für private Investoren und der leichtere Zugang zu Wagniskapital für innovative Unternehmen.

Börsen-Kurier: Wo sehen Sie den größten Entbürokratisierungsbedarf in der Wirtschaft?

Viel Raum für Verbesserungen besteht bei den die Banken besonders belastenden überzogenen bürokratischen Anforderungen. Oftmals sind die Anforderungen, eine Vielzahl von Ausschüssen und Sondergremien einzurichten, schon belastender als manche Eigenkapitalanforderungen. Hier bietet die Proportionalität mit Erleichterungen gerade im Meldebereich und bei den Anforderungen für die Abwicklung von Banken (Erstellung von Abwicklungsplänen) einen hilfreichen Ansatz zur Verbesserung. Im Bankenbereich werden überdies häufig Kunde und Bank mit unnötigen Vorgängen belastet, wie z.B. die Aushangpflichten für Devisen in Zeiten des Euro.

Eine neue Umverteilung hat begonnen

In zwei Etappen stieg bisher die Besteuerung von privaten Liegenschaften und Anlageimmobilien. Nun will die SPÖ ei „Universalmietrechtsgesetz“ zur Senkung der Mieten durchsetzen.

Mit dem Autoboom des Wirtschaftswunders entdeckte der Staat die Autofahrer als große Einnahmequelle. Nach einem langjährigen Immobilienboom folgen nun die Immobilienbesitzer. Es begann per 1. April 2012 mit der Immobilienertragssteuer. Seither unterliegen mit wenigen Ausnahmen sämtliche Einkünfte aus der Veräußerung von Liegenschaften einem besonderen Steuersatz. Dieser liegt bei „Neu-Grundstücken“, die ab dem 31. 3. 2002 angeschafft worden sind, seit 2016 bei 30 % (zuvor 25 %). Bemessungsgrundlage ist die Differenz zwischen Veräußerungserlös und Anschaffungskosten. Sie wird um Kosten für Mitteilung ans Finanzamt und die Selbstberechnung der Immobilienertragsteuer vermindert. Ursprünglich konnte nach Ablauf des 10. Jahres ab der Anschaffung die Bemessungsgrundlage noch um einen Inflationsabschlag von jährlich 2 % gekürzt werden. Dieser entfällt ab dem Jahr 2016. Auch die auf Basis einer großzügigen Pauschalannahme der Anschaffungskosten berechnete effektive Steuerbelastung beim Verkauf von „Alt-Grundstücken“ (Erwerb vor 31. 3. 2002) erhöhte sich 2016 von 3,5 auf 4,2 % des Verkaufserlöses.

Bei Anlegerwohnungen sind seit 2016 die Abschreibungen vermindert. Die Verteilungszeiträume von Instandsetzungs- bzw. wahlweise von Instandhaltungsaufwendungen wur­den von 10 auf 15 Jahre verlängert und die Abschreibungsbasis bei Wohnungen hat sich von 80 auf 60 % Gebäudeanteil verringert. Die Folge: Eine höhere Steuerbelastung.

Vermögenssteuern auf leerstehende Wohnungen und Einfamilienhäuser gelten als zukünftiges „Schreckgespenst“ für Immobilienbesitzer. Doch der jüngste Gesetzesvorschlag der SPÖ erreichte eine neue Dimension. Ziel sei es, das Wohnen wieder erschwinglicher zu machen.

Werden Wohnungen, die älter als 20 Jahre sind, neu vermietet, soll laut SPÖ künftig ein bundesweiter Basismietzins von 5,50 Euro/m2 und Monat gelten. Darauf können Zu- und Abschläge für Lage und Ausstattung kommen. Georg Edlauer, Obmann des Fachverbandes der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der WKO, beschreibt gegenüber dem Börsen-Kurier die Folgen: „Sowohl der preisgeregelte Bereich der Richtwert-Mieten als auch österreichweit jene 20 % des Gesamtbestandes an Mietobjekten, welche dem freien Mietzins unterliegen, würden empfindliche Mietkappungen bis 50 % und mehr erfahren.“ Das erscheint bei oberflächlicher Betrachtung toll für Mieter. „In der Praxis ist aber zu erwarten, dass Eigentümer – ob privat oder institutionell – nicht mehr in den Wohnungsneubau investieren werden bzw. nicht mehr in eine zeitgemäße Ausstattung und Qualität. Dies deshalb, weil notwendige Rendite nach Ablauf dieser 20 Jahren nicht mehr gegeben ist. Das Wohnungsangebot wird damit mittelfristig geringer und schlechter“, warnt Edlauer.

Um mehr Wohnangebot zu schaffen müsste der Staat eigentlich Vorsorgewohnungen fördern und gleichzeitig wären tausende Existenzen im Alter abgesichert. Doch der aktuelle Gesetzesvorschlag bewirkt das Gegenteil. Bis dato können aus laufenden Mieterträgen Kreditraten und Instandhaltungskosten in der Regel abgedeckt werden. Sind die Kredite abbezahlt, können mit den Mieteinnahmen Einkommenslücken in der Pension kompensiert werden. „Mit der geplanten Deckelung wäre nach 20 Jahren aber die Rückzahlung der Raten nicht mehr möglich, bei Pensionseintritt wären die Zusatzeinnahmen weitaus geringer als geplant. Besonders schlimm wird es, wenn der Eigentümer die Kreditraten nicht mehr bezahlen kann und die Wohnung zwangsversteigert wird. Damit würden zahlreiche Menschen nicht nur ihr Eigentum verlieren, sondern auch weiterhin für nicht vom Versteigerungserlös abgedeckte Kredite haften“, erläutert Edlauer die Nebenwirkungen.“

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

Die Fallen bei Finanzgeschäften im Internet

Versicherungen abschließen, Aktien kaufen, Kredite aufnehmen – nahezu alles geht bereits online. Doch nicht alle Online-Aktionen laufen nach dem Motto „billig, schnell und effizient“. Es gilt nämlich einiges zu beachten.

Für Kunden mit hoher Internet-Affinität und entsprechendem Produktwissen kann es durchaus ratsam sein, ihre Bank- und Versicherungsgeschäfte weitgehend online zu erledigen. Das erspart Zeit und Geld. Laut Gerald Resch, Generalsekretär des Verbandes österreichischer Banken und Bankiers, ist beim Online-Abschluss jedenfalls entscheidend, den Anbieter vorab genau zu prüfen: „Es tauchen immer wieder Anbieter aus dem Nicht-Banken-Bereich im Internet auf, bei denen man vorsichtig sein sollte. Traditionelle Banken und Versicherungen gewährleisten jedenfalls bei allen Geschäften im Internet die sichere Abwicklung und den Datenschutz.“ Mit einer gewissen Vorsicht zu genießen ist die teils aufwendige Online-Informationsbeschaffung. Dazu Resch: „Es gibt eine Reihe von Vergleichsplattformen und Kreditrechnern, die bei der Auswahl des passenden Angebots unterstützen. Allerdings sind nicht alle Anbieter auf diesen Plattformen vertreten und man muss aufpassen, dass nicht ,Äpfel mit Birnen’ verglichen werden. Außerdem lassen sich nur standardisierte, einfache Produkte sinnvoll miteinander vergleichen. Bei komplexeren Fragestellungen muss man schon sehr viel miteinander vergleichen. Da ist der Weg zum persönlichen Bank- oder Versicherungsberater dann vermutlich kürzer und effektiver.“ Bei der Entscheidung zwischen Online-Geschäft und persönlicher Beratung liegt laut Resch eine definitive Grenze bei „speziellen individuellen Anforderungen oder der Verknüpfung von mehreren Produkten zu einer bedarfsorientierten Gesamtlösung. Da ist das persönliche Gespräch mit dem Bank- oder Versicherungsberater unverzichtbar“.

Online-Abschlüsse – Konsumentenschützer skeptisch

Komplex können Versicherungen sein. Daher rät der VKI hier generell zu einer guten Beratung, zumal die Produktunterschiede gravierend sein können, vor allem betreffend Versicherungsschutz und Prämie. Gabi Kreindl, Projektleiterin Finanzdienstleistungen im Bereich Untersuchungen des VKI, ergänzt: „Zusätzlich gibt es auch noch eine Überlappung von Risiken und Versicherungsschutz. Ein Online-Abschluss empfiehlt sich nur für die Kombination aus besonders gut informierten Verbrauchern, die genau wissen, was sie brauchen und wollen und einfachen Produkten. Eine einfache Reisestornover­siche­rung ist sicher geeigneter für den Online-Vertrieb als eine Eigenheimversicherung mit beratungsintensiven Leistungsbestandteilen.“ Eine Orientierunshilfe bietet der VKI-Risiko-Check (www.vki.at/risiko-check). Dieser hilft laut Kreindl, „zugeschnitten auf die persönliche Situation des Einzelnen, die wesentlichen Risiken für genau diese Lebenssituation zu eruieren und genau diese Risiken abzusichern“. Kritisch sieht der VKI auch den leichten Online-Zugang bei Krediten, insbesondere Konsumkrediten, was junge Leute zum Schuldenmachen verlockt. Für Laien schwer nachvollziehbar ist auch die Kalkulation der effektiven Verzinsung, bei der Fehler nicht auszuschließen sind.

Kernfrage: Mit wem habe ich es zu tun?

Positiver sieht der VKI Online-Aktienkäufe: „Für Interessierte ist die Eröffnung eines Online-Depots oft eine gute und vor allem günstige Möglichkeit, weil mit einem Online-Depot Gebühren gespart werden können. Anbieter wie Flatex ermöglichen die Depoteröffnung z.B. via Videoauthentifizierung, ein Verfahren, bei dem via Videochat über das Internet die Identität bestätigt wird“, erläutert Kreindl. Resch verweist indessen bei Online-Fonds- und Aktienkäufen darauf, „dass diese Art des Online-Geschäfts in der Regel beratungsfrei erfolgt, wodurch der reine Online-Investor erfahrungsgemäß eine gewisse Affinität mitbringt“. Trotzdem rät Resch dazu, neben dem Anbieter auch Kosten und Angebot zu prüfen. Zur Vermeidung von Fallstricken sollten mehrere Angebote verglichen und ein individuelles eingeholt werden,  da Konditionen je nach persönlicher Situation variieren. Als unseriös erachtet Resch, wenn ein Anbieter Geld für An-gebotserstellung verlangt. Vorsicht ist auch geboten wenn ABG, Vertragsbedingungen und/oder Kontaktdaten (Telefon, Adresse …) auf Webseite fehlen.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

Auf drei Beinen steht es sich besser

Die Faktenlage ist erdrückend: Wer nicht spätestens heute auch privat vorsorgt, dem drohen in der Pension spürbare Einkommenseinbußen – und somit eine eindeutig geringere Lebensqualität. Denn das staatliche Wohlfahrtssystem stößt zusehends an seine Grenzen.

Es ist längst Realität: Der Generationenvertrag kann das, was er einst versprochen hat – nämlich die Pensionen über Einzahlungen der Erwerbstätigen in bisher gewohnter Höhe dauerhaft und nachhaltig zu garantieren – nicht halten. Zu stark hat sich das Verhältnis der Personen im erwerbsfähigen Alter (also der 15- bis 59-Jährigen) zugunsten der Bevölkerung der über 60-Jährigen verschoben: Lag dieses bis vor Kurzem noch bei rund drei zu eins, so liegt die Relation heute bei rund 2,6 und wird bereits ab 2025 unter zwei zu eins liegen, so die Statistik Austria.

Und das bei einem schon jetzt schwer belasteten Beitragssystem, wie Bernd Marin, Sozialwissenschafter und Leiter des European Bureau for Policy Consulting and Social Research, dem Börsen-Kurier vorrechnet: „Zu den Beiträgen von 22,8 %, die in Form von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberabgaben in das Umlageverfahren fließen, sind ja auch die aus Steuern finanzierten Bundeszuschüsse für Pensionsleistungen zu addieren.“ In Summe zweige der Staat mehr als ein Drittel der Erwerbseinkommen für die Pensionen ab. Weit mehr als in Deutschland mit etwa 26 %, wie Marin betont.

Aber nicht nur bei diesen Fakten müssten sowohl für die politischen Entscheidungsträger als auch für den Einzelnen sämtliche Alarmglocken klingeln.

Die Quadratur des Kreises

Die Parameter verheißen tatsächlich nichts Gutes: Mit einem Anteil am BIP 2015 von 13,9 % belegt Österreich den unrühmlichen fünften von 54 Rängen der weltweit höchsten Pensionsausgaben, wie in der Ende 2016 von der Allianz Versicherung veröffentlichten Studie zum „Pension Sustainability Index“ steht. Dessen Spanne reicht von schweren 16 bis zu leichten 0,7 % Belastung (Griechenland bzw. Singapur) – Deutschland liegt mit einem BIP-Anteil von 10,1 % auf Rang 15.

Bedenklich stimmt, dass hierzulande bereits rund 3 % der Pensionsausgaben vom Bund zugeschossen werden, während nur 11 % aus dem Umlageverfahren stammen – Tendenz stark steigend: Unter den aktuellen Bedingungen dürfte sich schon 2030 der Bundeszuschuss überproportional auf einen BIP-Anteil von 6 % verdoppeln, die Pensionsausgaben insgesamt bei 19 % liegen.

Die Ursachen dafür sind vielfältig – und durchaus absehbar, weswegen ein Gegensteuern schon längst fällig gewesen wäre. Allerdings fehlt dazu weiterhin der politische Konsens und, wie Elisabeth Stadler, Vorstandsvorsitzende der Vienna Insurance Group (VIG), bedauert, die sachliche und objektive Diskussion. Denn: „Das bestehende System ist zwar ziemlich robust, die Leistungen werden in der derzeitigen Höhe aber auf längere Sicht nicht aufrechtzuerhalten sein.“

Aus mehreren Gründen

Der viel bemühte demografische Wandel ist dabei der populärste – und wohl auch der überzeugendste, wenngleich nicht der einzige wichtige Faktor: Bis 2030 steigt die Lebenserwartung für Männer laut Schätzung der Statistik Austria um 3,5 % auf 81,9 Jahre, jene für Frauen um 2,7 % auf 86,3 Jahre. Gleichzeitig dürfte die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau bei 1,53 stagnieren. Dazu kommt, dass 2030 bereits jeder dritte Österreicher älter als 60 Jahre sein wird und in den kommenden 20 Jahren, laut Allianz Versicherung, mit der Babyboom-Generation etwa 750.000 Menschen in Pension gehen werden – genauso viele wie in den letzten 60 Jahren. All das lastet schwer auf dem Generationenvertrag.

Österreichische Besonderheiten

Ein weiterer Stolperstein sind die österreichischen Besonderheiten. Etwa die im internationalen Vergleich steile Einkommenskurve, wonach laut OECD der Mehrverdienst der 55- bis 59-Jährigen gegenüber den 25- bis 29-Jährigen bei 58 % liegt (EU-Schnitt: 35 %). Oder die bis 2034 verzögerte Angleichung des Frauenpensionsalters von 60 Jahren an jenes der Männer mit 65 Jahren. Ein Unikum, wie Marin betont: „Einen Unterschied von fünf Jahren beim Pensionsantrittsalter gibt es sonst nirgendwo mehr. Österreich ist das Schlusslicht bei der vom EuGH vorgeschriebenen Angleichung innerhalb der EU, nach uns kommt nur noch die Türkei.“ Was auf den ersten Blick für Frauen verlockend aussehen mag, ist es auf den zweiten keineswegs – zu sehr werden auch dadurch Job- und Einkommenschancen unterminiert.

Wenn also weniger Erwerbstätige mit anfangs niedrigerem Einkommen und folglich geringerem Ansparpotenzial auf einen drastischen Anstieg von Ruhestandsbeziehern stoßen und den Frauen unerwünschte Bremsen in den Weg gelegt werden, muss es zwangsläufig zu Verwerfungen im tradierten Pensionssystem kommen. Um diesen zu begegnen, ist zweifellos der Staat gefragt. Aber auch jeder Einzelne.

Die Stellschrauben

Eigentlich gibt es auf politischer Ebene nur vier Möglichkeiten, dem Finanzierungsproblem in der Pension Herr zu werden: die Erhöhung des Antrittsalters, der Beitragszahlungen oder der Staatszuschüsse und die Reduzierung der Pensionsauszahlungen. Umso wichtiger ist es, die Altersvorsorge endlich neu zu denken und dem auf der staatlichen, betrieblichen und individuellen Vorsorge beruhenden Drei-Säulen-Prinzip auch hierzulande Raum zu schaffen.

„Das Hauptproblem in Österreich ist, dass Grundregeln schlichtweg missachtet werden“, moniert Andreas Csurda, Vorstandsmitglied der Allianz Pensionskasse. Schließlich laute eine der wichtigsten Regeln in der Veranlagung wie auch beim Aufbau der Altersvorsorge, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Aber genau das sei mit dem fast blinden Vertrauen ausschließlich in die erste Säule, sprich die staatliche, umlagefinanzierte Pensionsvorsorge, der Fall.

Die Alternative, also die kapitalgedeckte, selbst finanzierte Pensionsvorsorge ist landesweit tatsächlich noch unter repräsentiert. Laut OECD liegt diese unter 4 %, der weltweite Schnitt allerdings bei rund 17 %. Speziell in der betrieblichen Altersvorsorge gebe es einen enormen Nachholbedarf, wie Kurt Molterer, Chef der Nürnberger Versicherung Österreich, an einem Beispiel deutlich macht: „So ist etwa seit den 1970er Jahren der Jahresbeitrag für die entsprechende Gehaltsumwandlung mit 300 Euro limitiert.“ Politisch scheint also so manches versäumt worden zu sein.

Die Alternativen

Umso dringlicher fordern die Versicherer nach entsprechenden Maßnahmen, die zweite, sprich betriebliche, und die dritte, also private Vorsorge zu fördern – etwa, wie Molterer vorschlägt, auch über das in Deutschland längst verankerte EET-Prinzip. Dieses sieht Steuerfreiheit sowohl bei den Beiträgen für die Firmen- und die Privatpension vor als auch bei den daraus erwirtschafteten Gewinnen, lediglich die Auszahlungen im Ruhestand wären zu besteuern.

Speziell die Sozialpartner seien gefragt, wie Allianz-Mann Csurda ergänzt: „Die österreichischen Gewerkschaften stellen die erste Säule in den Mittelpunkt ihres Interesses und agieren dabei leider wie die Hüter des Grals.“ Eine vollkommen anachronistische Vorgangsweise, wie etwa am deutschen Beispiel abzulesen wäre, wo sich die Gewerkschaften für den Aufbau der zweiten Säule stark machen: „Hier wurde vor Kurzem ein wirklich revolutionäres System für die betriebliche Altersvorsorge eingeführt: Diejenigen, die gar keine Steuern zahlen beziehungsweise wenig verdienen, werden über ein Prämienmodel gefördert, den Besserverdienern winkt die Absetzbarkeit über die Werbungskosten.“ Durchaus kopierfähig, so Csurda. Zumal, so Marin, erst rund 4 % der Österreicher von Einkünften aus der betrieblichen Vorsorge profitieren: „Das gehört dringend reformiert und sollte längst in allen Kollektivverträgen, den Betriebsvereinbarungen und einzelnen Arbeitsverträgen festgezurrt sein. Allein mit 500 Euro pro Monat würde sich die Rente von drei Viertel aller Pensionisten um ein Drittel erhöhen.“

Ähnlich ernüchternd ist die Lage bei der privaten Vorsorge: Erst 46 % der österreichischen Haushalte hätten, so der VVO, dem Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs, einen Lebensversicherungsvertrag abgeschlossen. Laut Stadler von der VIG liegt das Problem darin, dass „in Österreich die Verantwortung für die Vorsorge beim Staat gesehen wird, weil die ASVG-Pension als Absicherung des Lebensstandards konzipiert ist“. Eigeninteresse und Eigenverantwortung seien schlichtweg unterentwickelt. Dabei hätten die Versicherungen ein essentielles Alleinstellungsmerkmal: „Eine lebenslange Rente in einer definierten Höhe berechnen und auszahlen zu können ist unsere primäre Aufgabe.“

Auf Staat kaum Verlass

Mit dem Abschluss einer Lebensversicherung wird tatsächlich dem sogenannten Langlebigkeitsrisiko begegnet, also der Tatsache, länger zu leben als angespartes Kapital zur Verfügung steht. Der privaten Vorsorge wird aber auch damit nur zum Teil Genüge getan. Zu hoch ist mit der steigenden Lebenserwartung das Risiko der Pflegebedürftigkeit, zu groß etwa die Gefahr der Berufsunfähigkeit. Themen, die hierzulande noch kaum wahrgenommen werden. Ein großer Fehler.

Dabei ist, so Peter Eichler, Vorstand der UNIQA Österreich, „eine Berufsunfähigkeitspolizze vor allem für jene essentiell, die einen Großteil des Familieneinkommens beitragen, oder als Berufseinsteiger und Selbstständige aktiv sind.“ Während für den Worst-Case in Deutschland bereits jeder Dritte vorsorgt, führe die Vorsorge für die Berufsunfähigkeit in Österreich noch ein Schattendasein – was auch daran liege, dass das Produkt komplex und relativ teuer sei: „Die Absicherung für eine Büroangestellte im Alter von 35 Jahren, die im Fall der Fälle 1.500 Euro monatlich von der Versicherung erhalten will, kostet derzeit rund 46 Euro pro Monat.“

Eines ist klar: Am Abschluss einer Lebensversicherung führt im Sinn einer individuellen Vorsorge kein Weg vorbei. Alfred Leu, Österreich-Chef der Generali, bringt das folgendermaßen auf den Punkt: „Als Lebensversicherer begleiten wir unsere Kunden in einem systematischen Ansparprozess, um Schritt für Schritt Vermögen aufzubauen.“ Diese Disziplinierung lohne sich je früher man damit beginne, denn der Zinseszinseffekt wirke auch bei kleinen Beträgen.

Das zeigt sich etwa am folgenden Rechenbeispiel für eine monatliche Ersparnis von  30  Euro über 30 Jahre am Sparkonto: Mit 2 % verzinst, ergibt sich über diese Zeitspanne dank des Zinseszinseffektes statt der einbezahlten 10.800 Euro die stattliche Summe von 14.762,25 Euro (ohne KESt-Abzug).

„Wenn auch in Zukunft das umlagefinanzierte staatliche System ein Kernelement der Pension sein wird, so wird eine Ergänzung durch beitragsbasierte Lösungen immer wichtiger“, meint Leu. Und dass müsse über Bewusstseinsbildung und steuerliche Anreize in Schwung gebracht werden.

Autorin: Mag. Caroline Millonig  (redaktion@boersen-kurier.at)

Vor der Bundestagswahl

Diese Sektoren und Themen sollten Anleger im Zuge der Wahlen in Deutschland im Blick behalten: Immobiliensektor, Energieversorger sowie Firmen mit Digitalstrategie. (19.09.)

Die Bundestagswahl steht vor der Tür: Am 24. September wird entschieden, wie Deutschlands Regierung in den nächsten vier Jahren aussehen wird. Der Ausgang der Wahl wird spannend. Zumindest verheißt das die jüngste Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid. Sowohl CDU als auch SPD verzeichnen Verluste, während FDP, Linke und AfD einen Zuwachs an Stimmen verzeichnen. Auch für Investoren ist die Zusammenstellung der Regierung im Hinblick auf ihre Portfolio-Positionen interessant. Oliver Maslowski, Fondsmanager bei GAM, verrät, welche Koalitionen er für wahrscheinlich hält – und auf welche Sektoren Anleger seiner Meinung nach ein besonderes Auge werfen sollten.

Auf Immobilien setzen

„Im Vergleich zu 2013 könnte in diesem Jahr die FDP der große Gewinner der Bundestagswahl sein. Dies könnte zu einer Jamaikakoalition (CDU, FDP und Grüne) oder schwarz-gelben Koalition (CDU, FDP) führen, auch wenn eine Fortsetzung der großen Koalition (CDU, SPD) unter Führung von Angela Merkel am wahrscheinlichsten ist“, so Maslowski. Sollte die FDP Einzug in die Regierung erhalten, könnte es zu einer Abschaffung der Mietpreisbremse kommen. Hiervon würden große Privatvermieter, also deutsche Wohnungsunternehmen wie Vonovia, LEG Immobilien oder Deutsche Wohnen profitieren. „Die Mieteinnahmen deutscher Wohnungsunternehmen liegen zum Teil unter dem Mietspiegel und indizieren somit weiteres Aufwärtspotenzial, selbst unter den Rahmenbedingungen einer großen Koalition. Die Übergewichtung des Immobiliensektors erscheint aus Risiko-Rendite-Perspektive sinnvoll“, erklärt Maslowski.

Deutsche Versorger profitieren

Die Schatten des Dieselskandals reichen auch bis zur Bundestagswahl: Bestimmte Koalitions-Konstellationen könnten laut Maslowski aufgrund der unterschiedlichen Vorstellungen zur Handhabung des Skandals von vornherein ausgeschlossen werden: „Eine Jamaikakoalition könnte an dem Thema fossile Verbrennungsmotoren scheitern, da die Grünen keine Koalition eingehen, die kein Verbrennerverbot einleitet.“ Die Elektromobilität als Alternative zu Diesel und Benzin werde zwar aktiv von den deutschen Autoherstellern umgesetzt. Eine hohe zukünftige Durchdringung von Elektrofahrzeugen erfordere jedoch den Bau vieler neuer Kraftwerke, da die Stromproduktion erheblich gesteigert werden müsse. Zudem fehlten die Kapazitäten der bis 2022 abgeschalteten Atomkraftwerke. „Somit liegt der Gedanke nahe, dass die deutschen Versorger von dieser Situation profitieren, denn auf absehbare Zeit sind fossile Energieträger unverzichtbar. Wir gewichten diesen Sektor daher über“, erklärt Maslowski. Neben den steigenden Strompreisen könnten zudem vermehrt Übernahmephantasien zum Tragen kommen. „Denkbar wäre einerseits eine europäische Konsolidierung, andererseits aber auch ein Einstieg von strategischen Investoren, wie zum Beispiel große Ölkonzerne.“

Fokus auf Unternehmen mit Digitalstrategie

Unabhängig vom Wahlausgang sieht Maslowski den Themenkomplex Digitalisierung stärker zum Tragen kommen. In Deutschland soll vor allem die Breitbandversorgung ausgebaut werden. „Fast alle Parteien sind sich einig, dass schnelles Internet Chancen im Bereich Bildung, Gesundheit, Sicherheit und Industrie bietet. Die Telekommunikationsbranche stellt dabei den Motor der Digitalisierung dar. Sie steht daher in einem starken Preis- und Technologiewettbewerb. Nutznießer sind deshalb oftmals nicht die Infrastrukturunternehmen, sondern Unternehmen mit einer klaren Digitalstrategie. Aus Diversifikationsgründen gewichten wir darum Unternehmen mit einer überzeugenden Digitalstrategie aus unterschiedlichen Branchen über, die Telekommunikationsbranche dagegen lediglich neutral“, so Maslowski.

Aktienselektion mit Yin und Yang

Das Aktienuniversum ist riesig. Wie kann man darin global und paneuropäisch sinnvoll selektieren? Da kommt die chinesische Philosophie ins Spiel.

Welche Eindrücke werden fünf Menschen haben, nachdem sie mit verbundenen Augen einen Elefanten betastet haben – aber jeder an einer anderen Stelle: einer den Rüssel, einer den Schwanz, einer die Beine, einer die Ohren, einer die Stoßzähne? Sie werden völlig unterschiedliche, nicht zusammenpassende Eindrücke berichten.

Mit dieser asiatischen Weisheit will John William Olsen illustrieren, dass man sogar bei dem an sich simplen Aktienanlageziel „Nachhaltige Wertschaffung“ leicht „das Gesamtbild“ verlieren kann. Olsen ist Manager des M&G Global Select Fund sowie des M&G Pan European Select Fund. Und geht, was praktische Aktienauswahl betrifft, mit seinen Bildern noch weiter. Das Titeluniversum ist „nicht Schwarz oder Weiß“, sondern es gehe um „das Yin, das Yang und den Investment-Balanceakt“. So wie die beiden Begriffe der chinesischen Philosophie für gegensätzliche aber dennoch aufeinander bezogene Kräfte bzw. Eigenschaften stehen, gehören für Olsen die Paare Gewinnorientierung und Zukunftsfähigkeit, Qualität und Wert, Pragmatismus und Disziplin, Objektivität und Überzeugung, sowie Fokus und Diversifikation zum Balanceakt der Aktienanlage. Der dänische Fondsmanager glaubt nicht, dass man mit Kurzfrist-Spekulationen langfristig Erträge generieren kann. Dementsprechend beträgt die durchschnittliche Haltedauer „seiner“ Aktientitel sechs Jahre. Denn es gehe heute um „longterm investing“ in einer „short-term world“. Das erfordere neben tiefem Primärresearch vor allem „disziplinierte Geduld“, um anlagestrategische „Verhaltensfallen“, in die jeder von uns gerne tappt, zu vermeiden. Dass Fokus und Diversifikation ein Yin-Yang-Paar sind, illustriert der erfahrene Fondsmanager mit einem weiteren Bild: Er wähle Aktiengesellschaften mit „Burggraben“ aus, die nachhaltige Geschäftsmodelle mit langfristigem Wettbewerbsvorteil vorweisen. Damit schrumpft das Anlageuniversum von rund 3.000 AGs auf rund 300 „Qualitätsunternehmen“, die auf seiner „Watch list“ stehen. Das sind Unternehmen, „die wir gern besitzen würden, wenn das Timing und der Preis passen“. Aus dem entsteht letztlich ein Portfolio von 30 bis 40 Aktientiteln. Das Yin-Yang-Paar Objektivität und Überzeugung heiße daher, ein „konzentriertes aber balanciertes“ Portfolio mit niedrigem Turnover und unterdurchschnittlicher Vola zu haben. In der „Buy zone“ schlägt er dann zu, wenn Kurzfristinvestoren eine klare Bewertungsgelegenheit geliefert haben. Das Yin-Yang-Paar Disziplin und Pragmatismus heiße, Unternehmen mit stabilem Wachstum und „Opportunities“ rund 50:50 zu mischen. Im Yin-Yang-Paar Returns und Nachhaltigkeit wendet Olsen als Selektionskriterien für Ecologic and Social Governance (ESG) nicht quantitative (Ausschluss)Verfahren an, sondern seine subjektive Einschätzung: „Vertraue ich dem Management, tut es die richtigen Dinge?“ Denn ökologische und soziale Nachhaltigkeit „treibt“ gewünschte Veränderungen in Geschäftsmodellen. Das heißt, dass die Managements von Portfoliounternehmen „auf derselben Linie“ sein müssen. Da helfe man beim Ziele setzen und Kommunizieren mit. Wenn man nicht übereinstimmt, könne es schon sein, dass man „gegen das Management stimmt“. Im Yin-Yang-Paar Qualität und Wert kauft Olsen dann Unternehmen billig, das heißt zu Abschlägen von ihrem inneren Wert, wenn er nur „kurzfristige Störungen“ sieht. Auf den „richtigen“ Einstiegszeitpunkt zu warten, brauche Geduld und die Aussicht, dass sich die Wettbewerbsvorteile langfristig durchsetzen. Aktuell hat er keinen Austrotitel in seinen Fonds, aber Verbund auf der Watchlist.

Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

Austro-Weltkonzern meets NÖ-Jugend

Es sollte mehr praktisches Wirtschafts- und Finanzwissen in der Bevölkerung, beginnend bei der Jugend, geben, fordern viele. Der Börsen-Kurier startete eine Initiative mit einem Schul-Event.

Wirtschaftswissen bei den Österreichern populär zu machen und zu verbreiten, geht nicht von oben herab und nicht mit trockener Theorie. Schon gar nicht bei Jugendlichen. Die wollen – berechtigterweise – Praxisbezug hören bzw. sehen und wollen konkrete Fragen stellen. Nachdem der Börsen-Kurier in den vergangenen Hauptversammlungs-Saisonen interessierte Schulklassen und deren Lehrkräfte bei Hauptversammlungen begleitet hat und mit ihnen in weiterführendem Dialog war, ging es jetzt direkt in die Schule. Startschuss war mit und in der Höheren Lehranstalt für Produktmanagement und Präsentation in Mödling (NÖ). In organisatorischer Zusammenarbeit mit den interessierten Lehrkräften der HLP stand ein Vormittag mit einem prominenten Gastunternehmen auf dem Programm: Der börsenotierte, weltweit tätige heimische Konzern RHI AG stellte sich vor und stand Rede und Antwort. In Gestalt von Romy-Sophie Katz, Product Manager Market Intelligence in der RHI AG. Aktive Zuhörer waren zwei 4. Klassen mit rund 55 Schülern des Ausbildungszweiges Produktmanagement und Design. Dementsprechend war Katz mit praxisbezogenen Fragen konfrontiert. Sie ist in dem heimischen Weltkonzern für Marketing Services Strategy, Analysis & Pricing verantwortlich und konnte daher ebenso praxisnah erzählen. RHI stehe für die Herstellung von Feuerfestmaterialien aus den Rohstoffen Dolomit und Magnesit für die Schwerindustrie. Diese Innenauskleidungen für industrielle Aggregate müssen Temperaturen von mehr als 1.200 Grad Celsius aushalten. RHI sei also im globalen B2B-Business mit den Hauptkunden Stahl-, Zement/Kalk-, Glas- und Nichteisenmetall-Industrien. Man habe rund 1.500 Patente beantragt, das Forschungszentrum des Konzerns ist im steirischen Leoben und man betreibt hierzulande Bergbau in Breitenau, Hochfilzen und Radenthein. Eine historische österreichische Großproduktionsstätte der RHI befindet sich im obersteirischen Veitsch.

Der Abnehmermarkt sei riesig, denn weltweit werden allein 1,8 Mrd Tonnen Stahl p.a. produziert. Da die Feuerfestverkleidungen in den Stahlaggregaten sehr beansprucht werden, müssen sie durchschnittlich einmal monatlich ausgewechselt werden. Solche Auskleidungen werden in der Fachsprache „Refractory Linings“ genannt. RHI stehe für Technologieführerschaft und qualitativ hochwertige Produkte.

Praxiseinblicke

Anschließend an den Overview stellten die Schülerinnen und Schüler Fragen zur Praxis des Produktmanagements dieses B2B-Geschäfts: Zielgruppen, Marktbeobachtung, Marketing, Jobanforderungen etc. Zur Sprache kam unter anderem die „Vier P Regel“: Product Policy, Pricing Policy, Promotion Policy und Placement Policy. Product Management bei der RHI sei eine globale Tätigkeit und daher mit viel Reisen verbunden, berichtete Katz. Allein im Bereich Steel Linings habe die RHI rund 1.000 Kunden in 100 Ländern weltweit. Die Kundenanforderungen seien verschieden. Die Bandbreite reicht von Schrotteinschmelzenden Stahlwerken bis hin zu den Erzeugern von sehr hochwertigem Stahl, wie etwa auch die voestalpine. Das Produktmanagement arbeitet eng mit der Forschung & Entwicklung und dem Vertrieb zusammen. „Market Intelligence“, das heißt Märkte kennen und verstehen, plus erkennen was der Markt braucht, sei eine spannende Aufgabe. Es gebe große Datenmengen zu analysieren. Etwa: Wie verändert sich der globale Stahlmarkt, wo wird welcher Bedarf nachgefragt, was braucht es Neues? Auch auf nicht beeinflussbare Veränderungen müsse man – etwa im Pricing – reagieren.
Beispiel Rohstoffknappheit im Zulieferland China aufgrund dortiger Gesetzesänderungen. In eigenen „Intellectual Property Meetings“ bringen die Mitarbeiter Ideen ein und es wird anhand von Marktanalysen etwa besprochen, was wo zu patentieren wert wäre. Neue Projekte gehen Hand in Hand mit Forschern: für Simulationen, chemisch-physikalische Tests und erste Versuche, gefolgt von Praxistests vor Ort beim bestreffenden Kunden. Zur Sprache kamen weiters Industrie 3.0 (automatisierte Datensammlung, von Menschen analysiert und interpretiert) und Industrie 4.0 (vollautomatische Prozesse). Die Zukunft Industrie 4.0 umfasse „Measure, make and modify & improve“. Aufgabenfelder werden sich verändern, neue Arbeitsfelder, die man zum Teil heute noch gar nicht kennt, werden sich auftun. Eine Chance gerade für die jungen Generationen.

Autor: Mag. Manfred Kainz  (redaktion@boersen-kurier.at)

Fatale Fehleinschätzungen

Das verdrängte Risiko der Berufsunfähigkeit. Nehmen Sie sich Zeit für ein ernüchterndes Quiz!

Das Quiz geht ganz einfach: Beantworten Sie sich selbst die folgenden Fragen ehrlich mit Ja oder Nein. Die Auflösung folgt danach.

  1. Erwarten bzw. befürchten Sie, dass Sie in absehbarer Zeit berufsunfähig werden?
  2. Können Sie das Risiko der Berufsunfähigkeit richtig einschätzen?

3.Wissen Sie, welche die Hauptursachen für Berufsunfähigkeit sind?

  1. Sind Sie ausreichend gegen Berufsunfähigkeit abgesichert?
  2. Denken Sie, dass der Staat bzw. die Sozialversicherung einspringt, wenn Sie berufsunfähig werden sollten?
  3. Denken Sie, dass Ihre private Kranken- oder Unfallversicherung für eine etwaige Berufsunfähigkeit ausreichen wird?
  4. Sind Sie eine Frau oder noch jung?

Und hier die Auflösung unseres Blitz-Quiz’:

Wenn Sie die Fragen 1 bis 4 mehrheitlich mit Nein beantwortet, und auf die Fragen 5 bis 7 mehrheitlich Ja geantwortet haben, dann können Sie gewinnen! Nämlich drei Erkenntnisse:

  1. Dass Sie in guter Gesellschaft sind.
  2. Aber dass die Mehrheit nicht immer Recht hat und mit ihrer Einschätzung leider ziemlich falsch liegen kann.
  3. Und dass Fehleinschätzungen Sie teuer zu stehen kommen können.

Denn hier kurz aufgelistet die großen Diskrepanzen zwischen Glauben und Realität

  1. Nur ganz wenige Berufstätige schätzen sich als gefährdet ein, berufsunfähig zu werden. Tatsächlich ereilt aber schon rund jeden siebten Arbeitnehmer Berufsunfähigkeit vor seinem vorgesehenen Ruhestand. Und schon jeder fünfte (!) Österreicher scheidet vor dem Erreichen der Alterspension aus gesundheitlichen Gründen aus dem Erwerbsleben aus. Davon sind rund 60 % Männer und in etwa 40 % Frauen.
  2. Dass der gelernte Österreicher glaubt, dass der Staat einspringt, wenn man berufsunfähig wird, ist ein Wiegen in falscher Sicherheit und spätestens seit dem Sozialrechtsänderungsgesetz 2014 ein weitverbreiteter Irrglaube: Denn allen ab 1964 Geborenen wird seitdem im Falle ihrer Berufsunfähigkeit nur unter äußerst verschärften Bedingungen eine gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente zugesprochen. Vielfach müssen sich Betroffene stattdessen mit einem Rehabilitations- oder Umschulungsgeld (und anschließender Mindestsicherung) (un)zufrieden geben. Denn die Devise des Sozialstaates, der unter Spardruck steht, lautet: Weniger Invaliditätspensionen. D.h. bei Berufsunfähigkeit: Umschulung statt Pension.
  3. Wer glaubt, das Risiko berufsunfähig zu werden, habe man am meisten bei körperlich fordernden oder gefährlichen Berufen, schätzt dieses Risiko ziemlich falsch ein. Denn in Wirklichkeit sind nicht körperliche Schäden, sondern psychische Erkrankungen/Störungen (schon) die Hauptsache, dass Menschen berufsunfähig werden. Erst an zweiter Stelle rangieren Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems. Und es gibt noch eine Unzahl weiterer Berufsunfähigkeits-„Möglichkeiten“, an die wir gar nicht denken wollen: Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, des Nervensystems, des Atmungssystems, des Stoffwechselsystems, Krebs bzw. Tumore und Unfälle.
  4. Dass Berufsunfähigkeitsrisiko nur „ältere Semester“ betrifft, ist auch nicht in Stein gemeißelt. Denn berufsunfähig können ja auch z.B. Lehrlinge, Werkstudenten, Berufseinsteiger und „Startups“ werden. 43 % der heute 20-jährigen Männer und 38 % der heute 20-jährigen Frauen werden wahrscheinlich bis 65 mindestens einmal berufsunfähig. Aber nur rund 30 % der Frauen haben sich um eine private Vorsorge gekümmert, bei Risikovorsorge wie eben Berufsunfähigkeitsversicherung sind Frauen stark unterversorgt.
  5. Und dass mehr als 80 % der Berufstätigen glauben, dass sie durch eine Unfallversicherung bei Berufsunfähigkeit geschützt sind, macht die Fehleinschätzung nicht besser. Denn eine Unfallversicherung hilft da nur in Ausnahmefällen.

Unser Fazit
1. Zu glauben, sich ohnehin „irgendwie, irgendwo“ (Unfall/Krankenversicherung) gegen etwaige Berufsunfähigkeit (mit-)abgesichert zu haben, kann im Falle des (schlechten) Falles in die finanzielle Sackgasse führen.

  1. Um sich richtig und ausreichend gegen Berufsunfähigkeit abzusichern, muss man sich eben mit diesem Tabuthema beschäftigen, um sein Risiko richtig einschätzen zu können.
  2. Vorsorge für Berufsunfähigkeit mittels eigener BU-Versicherung ist die einzige Absicherung, die alle Ursachen für Berufsunfähigkeit abdecken kann.
  3. Außerdem ist BU-Absicherung nicht nur für Berufstätige wichtig, sondern auch für Menschen, die nicht sozialversicherungspflichtig sind (etwa Hausfrauen und -männer).
  4. Somit kann es sicher nicht schaden, eher früh als (zu) spät gegen etwaige Berufsunfähigkeit vorzusorgen. In jungen Jahren gibt’s noch ein gutes Preis-Leistungsverhältnis.
  5. Wer sich nicht gut auszukennen glaubt und/oder überprüfen will, ob bzw. wie er gegen Berufsunfähigkeit abgesichert ist, ist etwa beim Finanzdienstleister seines Vertrauens gut aufgehoben. Dieser findet sowohl Ihre generelle „Versorgungslücke“ (da kann es schnell um einige Hunderte Euro monatlich gehen), Lücke(n) in Ihrer Berufsunfähigkeits(nicht)vorsorge, als auch den individuell passenden Weg, diese zu schließen.

Autor: Mag. Manfred Kainz  (redaktion@boersen-kurier.at)

Kursplus von 33 %: Austria the better Germany?

Während es der DAX binnen eines Jahres nur auf ein Plus von rund 14 % brachte, konnte der ATX-Prime satte 33 % zulegen. Die Spitzenreiter haben sich sogar mehr als verdoppelt.

Die solide Binnenkonjunktur ist sowohl für den österreichischen als auch den deutschen Aktienmarkt positiv. Doch die ATX-Prime-Rallye ist auf eine Sonderkonstellation zurückzuführen. Einige Indexschwergewichte gehen besseren Zeiten entgegen. Restrukturierungs- und Turnaround-Erfolgsstorys sind dabei Performance-Driver.

Die mit 18,64 % unter den 39 ATX- Prime-Werten am stärksten gewichtete Erste Group konnte binnen eines Jahres um 33,3 % (Stichtag 6. 9.) steigen. Nach dem Verlustjahr 2014 hat sich die Ertragslage nachhaltig verbessert. Kreditportfolio und Kundeneinlagen expandieren und das Ziel einer Eigenkapitalrentabilität von 10 % motiviert Anleger.

Mit 13,67 % am zweitstärksten gewichtet ist die OMV-Aktie, deren 12-Monats-Performance bei 86,8 % liegt, was einen Index-Performance-Beitrag von 11,9-%-Punkten bedeutet! Zwar belasten negative Sondereffekte aus dem Verkauf der türkischen OMV Petrol Ofisi, doch das Unternehmen profitiert von höheren Marktpreisen für Öl und Raffinerieprodukte. Diese Entwicklungen führten dazu, dass im 1. Halbjahr 2017 bei 24 % Umsatzanstieg das relevante CCS-Ergebnis je Aktie vor Sondereffekten von 1,21 auf 2,40 € stieg. Während die Umsatzseite stark von der weiteren Ölpreisentwicklung abhängt, peilt die OMV für 2017 gegenüber 2015 eine Kostenreduzierung um 250 Mio€ an. Laut Equity Weekly vom 1. September 2017 trauen die Analysten der Erste Group der OMV von 2017 auf 2018 einen Gewinnanstieg von 2,93 auf 3,56 €/Aktie zu, was bei einem Kurs von 48 € einem Forward-KGV 2018 von 13,5 entspricht.

Die mit 9,17 % im ATX-Prime am drittstärksten gewichtete voestalpine verzeichnete einen überdurchschnittlichen Kursanstieg von 39,7 %, während die RBI mit einem Kursanstieg von 112,6 % in den vergangenen Monaten der absolute Spitzenreiter war. Aufgrund einer Gewichtung von 7,76 % im ATX-Prime lag ihr Performance-Beitrag bei 8,7 %-Punkten. Die RBI hat umstrukturiert und ist in Osteuropa wieder auf Erfolgskurs. Der Nettogewinn stieg im 1. Halbjahr um 149,1 % auf 587 Mio€, da die Kreditrisikovorsorgen um 81,1 % auf 76 Mio€ zurückgingen. Vor allem in Osteuropa verbessert sich die Qualität des Kreditportfolios. Analysten rechnen in den kommenden Jahren mit kontinuierlichen Gewinnanstiegen. Auf Basis eines Kurses von 27,13 € liegt das erwartete Forward-KGV 2019 bei 9,5.

Weitere Gipfelstürmer waren auf Jahressicht der Luftfahrt-Zulieferer FACC (+101,5 %), der Automobil-Zulieferer Polytec (+99,7 %) und Warimpex (+96,9 %). AMAG und Telekom Austria brachten es noch auf 64 bzw. 58,1 %.

FACC hat sich vom „Fake-President-Betrug“ gut erholt. Das EBIT hat sich im ersten Quartal 2017/18 mehr als verfünffacht und zuletzt überraschte das Unternehmen mit einem Großauftrag von Airbus in Höhe von 500 Mio€.

Polytec hat indessen sämtliche Ängste im Zusammenhang mit dem VW-Skandal zerstreut und seine hohe Unterbewertung abgebaut, da das Unternehmen auf Wachstumskurs ist. Im 1. Halbjahr konnte bei 6,7 % Umsatzplus das EBIT um 54,4 % gesteigert werden. Die EBIT-Marge verbesserte sich um 2,8 %-Punkte auf 9 %. Auf Basis der Gewinnschätzung der Analysten der Erste Group liegt bei einem Kurs von 16 € das Forward-KGV 2018 bei 10,7.

Warimpex konnte im 1. Halbjahr 2017 durch den Teilverkauf von acht Hotelbeteiligungen, die rund die Hälfte des Immobilienvermögens ausmachten, einen positiven Ergebnisbeitrag von 21,4 Mio€ generieren. Die Mittelzuflüsse ermöglichten eine vorzeitige Rückzahlung von teuren Anleihen.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

„Kein Grund zur Sorge bezüglich Russland-Portfolio“

Warimpex-CEO Franz Jurkowitsch im Gespräch mit dem Börsen-Kurier über die Aussicht auf eine Dividende für 2017, mögliche Zukäufe sowie einen weiteren Anstieg der Eigenkapitalquote.

Börsen-Kurier: Herr Jurkowitsch die Warimpex hat zuletzt wieder gute Zahlen geschrieben. Wie nachhaltig ist dieser Trend einzuschätzen und können ihre Aktionäre für 2017 mit einer Dividende rechnen?

Franz Jurkowitsch: Die in Bau befindlichen Entwicklungen in Lodz und Krakau sowie unsere Landreserve, die uns in den kommenden Jahren weitere Entwicklungsschritte ohne hohe Kosten erlaubt, stimmen uns sehr zuversichtlich, dass der zuletzt positive Zahlentrend weiter anhalten wird. Für das Geschäftsjahr 2017 werden wir der Hauptversammlung im Juni eine Dividende vorschlagen. Wir gehen davon aus, dass dies die Zustimmung aller Aktionäre finden wird.

Börsen-Kurier: Viele Aktionäre schätzen das mit dem hohen Portfolioanteil von Russland (rund 40 %) als zu hoch ein. Wie überzeugen sie sie vom Gegenteil?

Jurkowitsch: Unsere Mieterträge haben sich auch während der letzten schwierigen Jahre als stabil und nachhaltig erwiesen. Zudem befinden sich die Mietpreise auf einem Niveau, das es uns erlaubt etwaige Fremdwährungsschwankungen abzufedern und dennoch Geld zu verdienen. Unsere beiden russischen Bürohäuser in der Airport City St. Petersburg sind voll vermietet und die Mieten wurden durch alle Höhen und Tiefen der letzten Jahre immer bezahlt. Darüber hinaus ist auch die Performance unseres dortigen Hotels sehr zufriedenstellend verlaufen. Insgesamt sehen wir also keinen Grund zur Sorge bezüglich unseres Russlandportfolios.

Börsen-Kurier: Werden die verbliebenen Immobilien bzw. Neuentwicklungen die Lücke, die durch die jüngsten Verkäufe entstanden ist, wirklich füllen können?

Jurkowitsch: Durch den Verkauf des Hotel-Portfolios fällt ein freier Cashflow von 12,5 Mio Euro weg. Unsere drei polnischen Entwicklungen für die wir ab 2019 mit einer Vollver-mietung rechnen, werden dies aber in etwa ausgleichen können. Der Cashflow wird also sukzessive zunehmen, ohne, dass wir die Verschuldung erhöhen müssen. Darüber hinaus generieren wir bereits seit Juli mit unserem neuen Parkhaus in der Airport City St. Petersburg Mieteinnahmen.

Börsen-Kurier: Sind mit den Erlösen aus dem Portfolio-Verkauf auch Zukäufe geplant?

Jurkowitsch: Was die Verwendung der Mittel aus dem Portfolio-Verkauf betrifft, haben wir den Großteil verwendet, um alle Bankkredite auf Holding-Ebene zurückzuzahlen. Darüber hinaus haben wir Bonds mit einem Volumen von 40 Mio Euro vorzeitig getilgt. Ausständig sind nur mehr 12 Mio Euro. Das verbliebene Kapital werden wir für neue Developments sowie den Kauf von Grundstücken oder Assets, die vor dem Turnaround stehen, verwenden.

Börsen-Kurier: Bei der letzten Hauptversammlung im Juni haben einige Aktionäre kritisiert, dass sie nur die guten Hotels verkauft und die weniger guten – etwa die zwei Pariser Hotels – behalten haben. Ist diese Einschätzung vertretbar?

Jurkowitsch: Unsere zwei Pariser Hotels, die wir gemeinsam mit der UBM entwickelt haben, haben in den vergangenen zehn Jahren hervorragende Cashflows geliefert. Nur 2016 war das – bedingt durch die Terroranschläge in Frankreich – nicht mehr der Fall. Da es keinen Sinn ergibt, einen Verkauf zu einem Zeitpunkt sinkender Einnahmen voranzutreiben, haben wir uns entschlossen zuzuwarten. Wir rechnen mit einem Verkauf in Laufe des kommenden Jahres.

Börsen-Kurier: In Budapest werden Sie ein Hotel mit angrenzenden Wohnungen errichten? Ist ein verstärktes Engagement im Wohnbereich eine mögliche künftige Option für die Warimpex?

Jurkowitsch: Wir sind kein Wohnungs-Developer und realisieren und vermarkten Wohnungen nur in Kombination mit Hotels, wie etwa bei den Serviced Appartments in den oberen Geschoßen des Palais Hansen Kempinski in Wien, welche separat verkauft wurden oder im Hotel InterContinental in Warschau, wo einige Etagen mit Services Appartements durch das Hotel vermietet werden.

Börsen-Kurier: Die Eigenkapitalquote wurde – nicht zuletzt durch den Portfolioverkauf im ersten Halbjahr – zuletzt wesentlich verbessert. Sehen Sie hier weiteren Spielraum?

Jurkowitsch: Die Eigenkapitalquote von 35 % gilt mit Ende Juni. Erst danach haben wir die Bonds zurückbezahlt. Die Eigenkapitalquote wird sich also im laufenden Geschäftsjahr weiter erhöhen. Wir haben bereits in den späten 90iger Jahren bis zur Lehman-Krise und den darauf folgenden Verwerfungen in der CEE-Region mit einer Eigenkapitalquote von 40 % gelebt, was uns auch geholfen hat die Krise gut zu überstehen. Mit dieser Höhe haben wir uns immer wohl gefühlt und wir arbeiten auch daran, sie wieder zu erreichen.

Das Interview führte Patrick Baldia (redaktio@boersen-kurier.at)

Live aus der HV: Zweifaches Jubiläum für Kapsch

Nach den Squeeze-out-HVs von BWT und conwert wieder eine „normale“ Aktionärsversammlung. Mit schöner Dividende und 100 % Zustimmungsraten.

War es Zufall oder signifikantes Meinungsbild? In den Tischgesprächen mit Aktionären beim Buffet im Anschluss an die HV der Kapsch TrafficCom hörte man viel Lob und Anerkennung für den Vorstandvorsitzenden Georg Kapsch. Und das lag wohl nicht daran, dass sich der CEO unter die Aktionäre mischte um noch das eine oder andere Gespräch mit „seinen“ Streubesitzern zu führen (und sich zu stärken). In den gut zweieinhalb Stunden davor lief eine HV ab, die (nach den Squeeze-out-HVs von BWT und conwert im August) als angenehm normal bezeichnet werden kann. Nicht normal – im positiven Sinne – ist, dass der Anbieter von „Intelligent Transportation Systems (ITS)“ heuer gleich zwei schöne Jubiläen feiert: Einerseits 125 Jahre Kapsch und andererseits den zehnten Jahrestag der Börsenotiz der Kapsch TrafficCom. Abgesehen davon ließ der CEO die „Highlights“ des Geschäftsjahres 2016/17 Revue passieren, wie die Akquisition der KTT, die das Produktportfolio deutlich erweiterte („von der Autobahn in die Stadt“). Am globalen Markt gab es „bedeutende“ Verträge über Mautsysteme mit mehrjährigen Laufzeiten in Australien, Brasilien, Südafrika, USA und Tschechien zu berichten. Das ermögliche eine „nachhaltige“ Dividendenpolitik, die dem Unternehmen die nötige Flexibilität einräume, um auf Marktentwicklungen zu reagieren: Basisdividende von 1 E plus ein Drittel des Konzern-Periodenüberschusses. Wobei dieser Wert je nach wirtschaftlicher Entwicklung, Marktumfeld und Kapitalbedarf für anstehende Projekte über- oder unterschritten werden kann. Aber über einen „Durchrechnungszeitraum“ von drei Jahren soll es zumindest eine durchschnittliche jährliche Ausschüttung in Höhe der Basisdividende geben. Der Aktienkurs habe mit fast 41% Plus einen „positive Entwicklung“ genommen. In den ersten Monaten des jungen Geschäftsjahres 2017/18 stand die Übernahme der restlichen 67 % des mexikanischen Verkehrstelematik-Unternehmens Simex auf der Agenda, sowie zahlreiche Aktivitäten in den Amerikas, Südafrika, anderen Emerging Markets, Polen und Tschechien.

Viel Forschung
Im Q&A mit den Aktionären sah Kapsch nur beschränkte Konkurrenz durch die Geschäftsmodelle von Google und Co. Den „individuellen Bedarf“ wie etwa das Finden eines Behindertenparkplatzes würden diese nicht abdecken. Zum Zukunftsmarkt Autonomes Fahren beschäftige sich das Solutions Center Vehicles mit Kfz-Kommunikation, automatisiertem und assistiertem Fahren. Für Chief Technical Officer Alexander Lewald sind Fahrassistenzsysteme ein Akzeptanz- und Standardisierungsthema in Zusammenarbeit mit Kfz-Zulieferern. Die Herausforderung für Kapsch als Infrastrukturprovider sei der Marktzugang: man arbeite daran. Was „disruptive“ Mitbewerber von außerhalb der eigenen Branche betrifft, „zerstören wir lieber selbst unsere Lösungen“, als es von anderen zuzulassen, so Kapsch selbstbewusst. „Wir wollen nicht die Taxibranche sein, die von Uber zerstört wird.“ Deshalb sei man mit Projekten auch bei EU-Forschungsförderungsprogrammen wie Horizon 2020 aktiv. Was Aktionärslob für den hohen 13 %igen Forschungskoeffizienten von Kapsch TrafficCom einbrachte. Georg Kapsch: „Es kommt nicht auf den Input an, sondern auf den Output.“ Insgesamt punkte man bei den globalen Kunden manchmal über den Preis, manchmal könne man die gesamte Wertschöpfungskette anbieten. COO Andre Laux: „Wir können uns sehr adaptiv verhalten“, das heißt gut an regionale Gegebenheiten anpassen und auf örtliche Gepflogenheiten eingehen. Aktionärslob gab es auch für die Mitarbeiterbeteiligung „für die Putzfrau bis hinauf“. Angesprochen auf seine Haltung zur rechtlichen Unterscheidung von Arbeitern und Angestellten bezeichnete Kapsch (der ja auch Präsident der Industriellenvereinigung ist) die Unterscheidung als grundsätzlich „anachronistisch“, wobei man im Unternehmen selbst nur wenige Arbeiter habe.

Gefragt nach einem „Zuckerl“ für die Aktionäre anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Börsenotiz, könne man „über einen Aktionärstag nachdenken“. 125 Jahre Kapsch feiert man mit der „Night of Dedication“ im Wiener Konzerthaus.

In den Abstimmungen erhielt der Dividendenvorschlag von 1,50 Euro je Aktie die 100 %ige Zustimmung, genauso die Entlastung des Aufsichtsrates. Bei der Vorstandsentlastung gab es nur eine Gegenstimme. Anlässlich der Wahl des Abschlussprüfers PwC äußerte ein bekannter Aktionär mit Rückblick auf die Conwert-HV seine Bedenken bezüglich „unternehmensfreundliche Gutachten“ dieses Prüfungshauses.

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

Einfache Strategie: Niedrig bewertete Aktien kaufen

Den perfekten Zeitpunkt für Aktienkäufe und -verkäufe zu finden, ist laut Experten äußerst schwierig. Ansätze, um diesen einzugrenzen, gebe es aber durchaus.

Warren Buffet ist für seine Börsenweisheiten hinlänglich bekannt. Einst meinte der Börsenguru, dass die Hall of Fame der Market Timer ein leerer Raum sei. Investoren, die versuchen den besten Kauf- und Verkaufszeitpunkt zu finden, wären also zum Scheitern verurteilt. Selbst als erfahrener Anleger wisse er nicht, wie man die Börse oder die Zinsen oder die Konjunktur vorhersagen könne. Nachsatz: „Und ich habe keine Ahnung, ob die Börse in zwei Jahren höher oder tiefer stehen wird.“

Für Josef Zechner, WU-Professor für Finance and Investments und Mitglied der Wissenschaftlichen Leitung bei Spängler IQAM, hat Buffet mit seiner Einstellung zum Market Timing grundsätzlich recht, wie er gegenüber dem Börsen-Kurier erklärt. „Es gibt aber durchaus verschiedene Ansätze, mit denen man versuchen kann einzuschätzen, wann der richtige Zeitpunkt ist, stärker oder weniger stark in Aktien zu investieren“, sagt er.

US-Daten der vergangenen 100 Jahre hätten gezeigt, dass man in den Folgejahren auch mehr verdienen könne, wenn man bei niedrigen Bewertungsniveaus in den Markt hineingehe. Dies lasse sich mit Kennzahlen, wie etwa dem aggregierten KGV, KBV oder Dividendenrenditen einschätzen. „Generell sind nach einer Krise bzw. am Höhepunkt einer Rezession die Risikoprämien für Risky Assets, wie Aktien, hoch“, so Zechner. Das erkläre die Verhaltenstheorie mit „Excessive Extrapolation“. Nach schlechten Marktphasen wären viele Anleger zu pessimistisch und würden von weiteren negativen Erträgen ausgehen, was tendenziell zu Unterbewertungen riskanter Wertpapiere folgen könne.

„Studien haben gezeigt, dass der langfristige Anlageerfolg wesentlich von wenigen guten Handelstagen beeinflusst wird“, so Harald P. Holzer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender bei der Kathrein Privatbank, zu einem weiteren Argument gegen Market Timing. Das zeige auch eine hauseigene Analyse auf. Demnach sei der Weltaktienindex seit der Einführung des Euro am 1. Jänner 1999 um 147 % oder 5,1 % pro Jahr gestiegen. Nimmt man aber die 20 besten Tage aus der Performanceberechnung heraus, so sinkt der annualisierte Ertrag unter 0.

Ein interessantes Bild zeigt sich auch, wenn man die Veränderungen während eines Monats unter die Lupe nimmt. Lässt man etwa den April 2009, in dem der Weltaktienindex ein Plus von 11,4 % verzeichnete, weg, geht der annualisierte Ertrag auf 4,6 % zurück. Lässt man wiederum die besten fünf Monate weg, halbiert sich das Ergebnis auf 2,6 %. Verpasst man die zwölf besten Monate, wird das Gesamtergebnis sogar negativ.

Auch für Holzer gibt es bei Aktien verschiedene strategische Möglichkeiten für Anleger. Mit ETFs könne man attraktiv bewertete Aktien kaufen oder solche, die seit längerem gut gelaufen sind (Momentum-Strategie, Anm.). Ein weiterer Zugang sei es, in Aktien zu investieren, deren tatsächliche Gewinne über den Analystenerwartungen liegen (Earnings-Revision-Strategie). Insgesamt wären Aktien attraktiver, wenn die Dividendenrenditen über den Anleihenrenditen liegen und umgekehrt.

Für Zechner sei es ein guter Ansatz einen Asset-Mix – etwa 60 % Anleihen und 40 % Aktien – zu halten und diesen konstant zu rebalancieren. „In einem Crash müssen demnach Aktien nachgekauft und Anleihen verkauft werden, um den 60:40-Mix beizubehalten“, so der Experte. Dies sei auch für Kleinanleger einfach über billige ETFs umzusetzen. Stichwort: Trading-Kosten. Dazu gab Buffet ein weiteres Bonmot von sich. „Wer versucht den Markt zu timen, tut seinem Broker einen Gefallen, aber nicht sich selbst.“

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

AXA IM aktuell: Technologische und demographische Megatrends zwingen zum langfristigen Denken

Auch wenn Unternehmenslenker gerne von langfristigen Perspektiven reden, beschäftigt sich der typische CEO in der Praxis meist mit kurzfristigen Einflussfaktoren. Auch das Gros des veröffentlichten Researchs der Unternehmen reicht nur Monate oder gar Wochen in die Zukunft. (06.09.)

Für Investoren kommt es jedoch darauf an, was die Unternehmensführung heute über das Wachstum auf dem Weltmarkt von morgen denkt. Dieser Ansicht ist Matt Lovatt, Global Head of Business Development bei AXA Investment Managers:

„Erstens müssen Anleger lernen, über die Hypes hinauszudenken, die die Märkte kurzfristig antreiben. Zweiten müssen sie ihre Investments genau darauf hin prüfen, ob die Unternehmen diese langfristigen Umbrüche begrüßen und umsetzen oder ignorieren. Weder Bewertungskennziffern noch Research der Unternehmen sind dafür eine verlässliche Grundlage. Um eine tiefe, umfassende Analyse der einzelnen Unternehmen führt daher kein Weg vorbei.“

Demographischer Wandel und Technologie seien Megatrends, die die Wirtschaft ohne Zweifel über Jahrzehnte hinweg nachhaltig verändern werden, erklärt der Experte. Dennoch bedeute dies keineswegs, dass alle Firmen diesen Wandel begrüßen und die richtigen Konsequenzen ziehen.

Kurzfristige Hypes von langfristigen Trends unterscheiden Besonders am Beispiel Technologie werde jedoch deutlich, wie leicht Investoren den Hype mit dem langfristigen Trend verwechseln könnten. „Noch nie wurden Innovationen von Konsumenten und Anbietern so bereitwillig aufgegriffen wie heute, und ohne Frage ist das enorme Potenzial vieler Technologien sehr aufregend. Trotzdem weckt der Enthusiasmus in diesem Bereich mitunter Erinnerungen an die Dotcom-Blase“, stellt Lovatt fest. Es sei jedoch möglich, hinter den Hype zu blicken, und Potenziale für langfristige Entwicklungen zu erkennen. Anlegern empfiehlt er, beim Thema Technologie stets zwei Aspekte mitzubedenken: „Erstens dauert es oft länger als erwartet, bis sich eine neue Technologie in Gewinne ummünzen lässt. Das ist etwa beim 3D-Druck der Fall, tut dessen enormem Potenzial jedoch keinen Abbruch. Zweitens sind die Auswirkungen, wenn sie dann tatsächlich kommerziell erfolgreich ist, oft weit größer als ursprünglich erwartet – man denke nur daran, wie das Smartphone Arbeit und Alltag revolutioniert hat.“

Weniger Unsicherheit erkennt Mark Lovatt im Bereich der Demographie, wo zwei Verschiebungen deutlich spürbar sind. So sei die Alterung der Bevölkerung mittlerweile ein globales Phänomen, das die Wirtschaft zügig und dauerhaft verändern werde, insbesondere in Japan und Europa, aber in zunehmendem Maße auch in China und den USA. Es werde erwartet, dass die Gruppe der über 60-jährigen im Jahr 2020 über ein Ausgabenpotenzial von rund 15 Billionen US-Dollar verfügen wird. Auch der Aufstieg aus der Armut in die Mittelschicht, der sich in den Schwellenländern vollzieht, entfalte sich mit enormer Geschwindigkeit. Schätzungen zufolge wechselten dort jede Minute etwa 30 Haushalte aus der Armut in die Mittelklasse – mit direkten Folgen für Einkommen und Konsum. „Diese demographischen Umbrüche bedeuten gewaltige Verschiebungen von Kaufkraft und Wohlstand. Allerdings reagieren längst nicht alle Firmen konsequent und weitsichtig darauf. Daher wird es für Investoren immer wichtiger, zu verstehen, wie sich Unternehmen auf den Wandel der Konsumentenbasis einstellen“, betot Lovatt.

Für Anleger komme es also darauf an, hinter die Hypes zu blicken und die langfristige Wachstumsstrategie der Unternehmen zu analysieren. Das bedeute auch, die Rolle traditioneller Bewertungskennzahlen zu hinterfragen: „Wenn man in Einjahreszeiträumen denkt, spielen Bewertungen zweifellos eine große Rolle, denn sie können als Ausdruck von Hypes gelesen werden, die den Markt kurzfristig beeinflussen. Zur Berücksichtigung langfristiger Trends ist jedoch eher ein Zeitraum von zehn Jahren angemessen.“ Über diesen Zeitraum stammten rund 70 Prozent der Renditen allein aus Umsatzwachstum, wie eine Studie der Boston Consulting Group gezeigt habe. Um diese Entwicklung abschätzen zu können, setzt Lovatt auf eine andere Strategie: „Wir analysieren genau, mit welchen Strategien die Unternehmen ihre Marktanteile ausbauen können. So lassen sich die aktuellen, kurzfristigen Herausforderungen mit den demografischen und technologischen Umbrüchen, die sich in den kommenden Jahrzehnten vollziehen werden, meistern.“

Conwert: Angemessen oder doch zu wenig?

Ein Deja-vu-Erlebnis: Selber „Studio 44“-Saal, wieder ein Squeeze-out auf der Tagesordnung, wieder kritisierte Gutachten(r), wieder streitbarer Streubesitz …

Nach der o. HV der BWT AG, war diesmal die außerordentliche HV der conwert Immobilien Invest SE an der Reihe. Es stand nur ein Tagesordnungspunkt auf der Agenda und zur Abstimmung. Aber der hatte es in sich: Es sollte der Beschluss gefasst werden über den Ausschluss der Minderheitsaktionäre gemäß Gesellschafterausschlussgesetz und zu Übertragung von deren Aktien der conwert auf den Düsseldorfer Hauptgesellschafter Vonovia SE – unter Gewährung einer „angemessenen Barabfindung“. Der Squeeze-Out-Antrag kam von Hauptgesellschafter (mit 93,09 % des Grundkapitals) Vonovia, der den Minderheitsaktionären, dem restlichen 6,91%igen Streubesitz, eine Barabfindung von 17,08 E pro conwert-Stückaktie in Aussicht stellte. Der Vertreter von Vonovia, Vorstandsmitglied Stefan Kirsten, legte den gemeinsamen Bericht der Vonovia und des conwert-Verwaltungsrates vom 16. Juli 2017 und nochmals das freiwillige Übernahmeangebot vom September 2016 dar. Die Unternehmensbewertung für das nun gelegte Barabfindungsangebot hat die Stuttgarter Wirtschaftsprüfungs- & Steuerberatungsgesellschaft Ebner Stolz erstellt. Deren „gutachterliche Stellungnahme über die Ermittlung des Unternehmenswertes von conwert zum 29. August 2017“ (dem HV-Termin) wurde vom Ebner-Stolz-Repräsentant Matthias Popp ausführlich dargestellt. Der NAV je Aktie liegt demgemäß bei 15,45 Euro (auf Basis der Zahlen zum 1. Quartal) bzw. 15,85 Euro (auf Basis des Halbjahresabschlusses), das Barabfindungsangebot liege also deutlich darüber, so Kirsten. Auch der höchste Börsekurs der vergangenen sechs Monate lag unter dem Abfindungsangebot. Und auch das damalige Übernahmenangebot von 16,16 Euro lag niedriger als das jetzige Angebot und sei von 87 % freiwillig angenommen worden (plus diejenigen, die das Aktientauschangebot angenommen hatten). So begründete Kirsten die „Angemessenheit“ des Barabfindungsangebots von 17,08 Euro, die das Ebner-Stolz-Gutachten errechnet hatte. Laut Popp bestätige auch die vorgenommene „Plausibilisierung“ die Angemessenheit. Der durchschnittliche Börsenkurs der sechs Monate vor der Ad-hoc-Mitteilung, dass Vonovia das Gesellschafterausschlussverlangen stellt, sei mit 16,15 Euro unter dem nun errechneten Discounted-Cashflow-Wert von 17,08 Euro. Und dieser liege am oberen Ende der „Plausibilitätsbandbreite“. PricewaterhouseCoopers (PwC) war der vom HG Wien gerichtlich bestellte sachverständige Prüfer gemäß GesAusG für den gemeinsamen Bericht und die Angemessenheit des Abfindungsangebots. PwC-Vertreter Felix Wirth schlug puncto Berechnung und Plausibilitätsbewertung in dieselben Kerben wie die Vorredner.

All die Präsentationen änderten nichts an der kritischen Stimmung der Streubesitzaktionäre. Rechtsanwalt Wolfgang Leitner etwa brachte es auf den Punkt: „17,08 Euro sind uns zu wenig.“ Mit Blick auf die DCF-Methode der Unternehmensbewertung: Wenn ein Squeeze-out bevorstehe, könne der Vorstand „vorsichtig oder mutig“ planen. Und entsprechend komme bei der Unternehmensbewertung „unten nur das heraus, was man vorher oben einwirft“. Das heißt, eine adaptierte Planrechnung des Vorstandes, nachdem er vom Squeeze-out-Wunsch gewusst habe. Kritik gab es unter anderem auch daran, dass der Unternehmensbewerter de facto vom Unternehmen bestellt war. „Wessen Brot ich ess‘, dessen Lied ich sing“, gelte auch für Wertgutachter. Auch PwC habe die Vorgaben des Vorstandes bearbeitet, sodass es kein Wunder sei, dass man ebenfalls zu dem Schluss 17,08 Euro komme. Es komme aber darauf an, welche Vorgaben man wähle, und das habe PwC nicht getan. Kritisiert wurde weiters, dass man keine Haftung für das Gutachten übernehme. Es gebe daher „das rechtstaatliche Instrument“ Antrag auf Überprüfung der Angemessenheit der Barabfindung, wo der Gutachter objektiv bestellt werde.

Fazit: Die Abstimmung brachte zwar rechnerisch eine Zustimmung zu Ausschluss und Abfindung, aber sechs Ja-Aktionären standen 46 nein-stimmende Aktionäre gegenüber. Aktionärin Petrus Advisors, deren Vertreter bei der HV ebenfalls anspruchsvolle und kritische Fragen stellten, und RA Leitner für einige Klienten, werden jedenfalls Anträge auf Überprüfung der Angemessenheit der Barabfindung einbringen.

Autor: Mag. Manfred Kainz  (redaktion@boersen-kurier.at)

Buntere Boards als Signal für Investoren

Wenn zum Jahreswechsel in Österreich die sogenannte Frauenquote in Kraft tritt, hat man in Deutschland diesbezüglich schon zweieinhalb Jahre Erfahrung.

Denn bei unserem großen Nachbarn ist seit 1. Mai 2015 das „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen“ (FüPoG) in Kraft. Um den Anteil von Frauen in Führungspositionen signifikant zu erhöhen, gilt somit seit Anfang 2016 eine Geschlechterquote von 30 % für neu zu besetzende Aufsichtsratsposten in etwa 100 großen Unternehmen. Der Börsen-Kurier sprach mit Clarissa-Diana Wilke, Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin von „Women‘s Boardway – Deutsche Gesellschaft für Frauen in Führungspositionen mbH“, über Erfahrungen und Diversity in Führungsgremien.

Zwei Säulen
Das FüPoG für die Privatwirtschaft basiert auf zwei Säulen: Die erste besteht aus einer fixen Quote von 30 % für das jeweils unterrepräsentierte Geschlecht für neu zu besetzende Aufsichtsratsposten in Unternehmen, die börsennotiert und voll mitbestimmungspflichtig sind. Das sind in der Regel Unternehmen mit mehr als 2.000 Beschäftigten und einem von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite paritätisch besetzten Aufsichtsrat. Sollte die Quote bei einer AR-Wahl nicht beachtet werden, bleiben die für das unterrepräsentierte Geschlecht vorgesehenen Plätze rechtlich unbesetzt. Dieser „leere Stuhl“ birgt für die Kapitalvertreter das Risiko, dass sie weniger Stimmen als die Belegschaftsvertreter haben. Bisher sei daher noch kein Stuhl leer geblieben …

Die zweite Säule besteht aus einer sogenannten „Zielgrößenverpflichtung“. Danach müssen sich Unternehmen, die börsennotiert oder mitbestimmungspflichtig sind, eigene Zielgrößen zur Erhöhung ihres Frauenanteils geben. Sie müssen für ihre Aufsichtsräte, aber auch für ihre Vorstände und obersten Managementebenen Ziele bestimmen und darüber öffentlich in ihrem Lagebericht informieren. Die Bundesregierung überprüft den Fortschritt in einem jährlichen Bericht. Die Zielgrößenverpflichtung sieht keine allgemeine Mindestzielgröße vor. Stattdessen können Unternehmen eigene Ziele definieren. Jedoch darf die Zielquote nicht unter den vorherigen Stand sinken, wenn dieser unter 30 % lag. Diese zweite Säule betrifft rund 3.500 Unternehmen.

Transformation
Für Wilke geht es in der Praxis nicht um ein Männer versus Frauen, sondern um ein sinnvolles Miteinander: „Es geht nicht um ein Ausmustern sogenannter „Old Boys“, denn ihr berufliches Erfahrungswissen ist durchaus wertvoll. Vielmehr geht es darum, Gremien weiter zu professionalisieren und den Wertewandel voranzubringen: Ethisch-moralische und transparente Prinzipien sind der zeitgemäße Gegenentwurf, wenn es darum geht, die Digitale Transformation mitzugestalten.“

Vorzeigefirmen
Dass Investoren bei ihrer Aktienselektion (auch) auf die Diversität der Aufsichtsratsorgane schauen, sei zu begrüßen. In Deutschland würden adidas, Deutsche Telekom oder Lufthansa in puncto Frauenanteile als Vorzeigeunternehmen genannt. Zwei Unternehmen haben weibliche Aufsichtratsvorsitzende: Aareal Bank und Telefónica. Und es gibt einen speziellen „German Gender Index“ und einen börsenotieren Fonds dazu. Dem Gedanken, dass, wenn es mehr weibliche Aktionäre gäbe, diese mit Wortmeldungen und ihrem Abstimmungsverhalten in Hauptversammlungen Umdenken und Veränderungen bewirken können, kann Wilke einiges abgewinnen.

Signale an Anleger
Wie eine Studie der AllBright-Stiftung festgestellt hat, werden noch immer überwiegend ähnliche Typologien von Führungskräften eingestellt. Laut der Expertin für New Work und Digitalisierung Wilke solle das FüPoG diesem „Thomas-Kreislauf“ entgegenwirken. Der Name „Thomas-Kreislauf“ rührt daher, dass es in Deutschland mehr CEOs mit Vornamen Thomas gibt, als weibliche Vorstände insgesamt. Laut einer McKinsey-Studie seien Unternehmen mit signifikant mehr Frauen in den Organen kreativer und weisen bessere Ergebnisse aus. InvestorInnen können weibliche Führungskräfte als „positives Signal“ sehen, dass sie es mit „fortschrittlichen, innovationsfreudigen Unternehmen zu tun haben“, so Wilke und betont: „Digitalkompetenzen und fachliche Qualifikationen sind wichtig, keine Frage. Mindestens ebenso wichtig ist die Persönlichkeit, die jemand mitbringt. Mutige Führungspersönlichkeiten, die zu ihren Überzeugungen stehen, sind entscheidend für den Unternehmenserfolg.“

Autor: Mag. Manfred Kainz  (redaktion@boersen-kurier.at)

Zubetonierter Informationsfluss für STRABAG-Aktionäre

Der Rastatt-Tunnel im deutschen Rheintal wurde für die STRABAG-Tochter Ed. Züblin AG zum Debakel. Das könnte für das ATX-Prime-Unternehmen und die Aktionäre teuer werden.

Noch sind die technischen Umstände zum fatalen Einbruch der Gleiskörper im Zuge eines Tunnelbaus in einem Baustellenbereich in Baden-Württemberg nicht geklärt. Das passive Kommunikationsverhalten der STRABAG SE gegenüber den Anteilseignern in der Causa der „Unfall“-Baustelle bei Rastatt könnte für Aktionäre noch in einer unangenehmen Überraschung münden. Ed. Züblin AG (eine 100-%-Konzerntochter) ist im 312-Mio€-schweren ARGE-Rastatt-Bahntunnelprojekt immerhin im Tandem mit der Hochtief AG zu jeweils 50 % federführend. Fragwürdig: Eine diesbezügliche Ad-hoc-Meldung der STRABAG gab es bis zuletzt nicht. Stellt das Wissen um die Konzerntochter des STRABAG-Konzerns auch kein Insiderwissen da, aber es scheint, dass ein erkennbarer Zusammenhang aktuell nicht gewünscht ist. Auf Anfrage der Börsen-Kurier-Redaktion beschwichtigt die Presseabteilung: „Aus heutiger Sicht rechnen wir nicht damit, dass die Situation eine Veränderung unserer Prognosen für die Geschäftszahlen der STRABAG SE bedingen würde. Auch die Bildung von Rückstellungen ist derzeit kein Thema.“

Betroffene Grundstoffzulieferer
Die schwerwiegenden Folgen für den internationalen Güterverkehr (besonders zwischen Deutschland und Italien) werden erfahrungsgemäß nach der vollbrachten technischen Wiederinstandsetzung in Zahlen verpackt. Schwer vorzustellen ist, dass der österreichische Baukonzern einseitig mit „weißer Weste“ aus diesem Ereignis heraustreten kann. Entschädigungsklagen oder juristisch anders definiert – es lauert jedenfalls Ungemach. Die Konsequenzen des Tunneleinbruchs reichten bis zur Evakuierung von vier Wohnhäusern, womit die Kostenkette bis zur Gemeindeebene verläuft.

Ein kurzer Rückblick
Am 12. August hat sich ein Teil des Tunnels samt dem bestehenden, oberirdisch verlaufenden Gleisbett gesenkt. Es wurde eine Strecke unterbrochen, über die täglich 200 Züge verkehren – mit einem überproportionalen Anteil Güterverkehr. Zwischen Karlsruhe und Offenburg kann neben sämtlichen Personenzügen kein Schienen-Warentransport mehr geführt werden. Für diesen gestaltet sich das Krisenmanagement schwierig. In wirtschaftlicher Hinsicht ist die SBB Cargo (als Schnittstelle zwischen Deutschland und Italien) mit etwa 600 Zügen pro Woche am massivsten betroffen, dahinter folgt naturgemäß die DB Cargo (Tochter der Deutschen Bahn).

Die Inanspruchnahme naheliegender Umleitungsstrecken erfordert einen zusätzlichen Aufwand an Menschen und Maschinen. Umsetzbar ist die Nutzung der Ausweichstrecken für 20 % des Güterverkehrsvolumens. Nicht elektrifizierte Abschnitte bedingen zudem Dieselloks und kürzere Züge. Einige Tunnel sind auch für Container-Durchfahrten zu klein.

Die DB Cargo zog verfügbare
Lokomotiven und Lokführer aus Norddeutschland ab um zusätzliche Kapazitäten zu gewinnen. Mit der französischen SNCF und der ÖBB wird über weiträumige Umfahrungen verhandelt. Ein nennenswerter Anteil der Fracht wird derzeit auf Lastwagen oder Schiffe verlagert. Leidtragende in der heruntergefahrenen Transportkapazität sind besonders die Chemie-, Papier- und die Mineralölbranche.

Bauunternehmen bereits im Visier
Erst zu einem späteren Zeitpunkt wollen die SBB Cargo und die DB Netz AG über die Kosten Auskunft geben. Der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) wiegelt auch noch ab, ordnet die Geschehnisse ein um wohl später kompakt und gezielt zu agieren: „Gegenwärtig geben wir keine Einschätzung ab“ lautet das nüchterne Berliner Statement auf Anfrage des Börsen-Kurier. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung betonte hingegen die NEE (Verband Netzwerk Europäischer Eisenbahnen), die Gesamtumsatzeinbußen der Güterbahnen werden bis zur Wiederinbetriebnahme der Stamm-Streckenführung die dreistellige Millionengrenze überschreiten. Noch ungewiss ist, wer am Ende für die Schäden einstehen muss. Aus Sicht der NEE kämen sowohl die DB Netz AG als auch die Bauunternehmen in Betracht um Ansprüche anzumelden. Ende der Vorwoche wurde seitens der DB geäußert, man werde sich mit den Bauunternehmen nach der Ursachenforschung möglicherweise auf ein gemeinsames Schiedsverfahren einigen.

Am Ende wird es um die Frage gehen, wer die Kosten für den Schaden trägt. Die Netznutzungsbedingungen der Bahn sehen bisher in solchen Fällen keinen Schadensersatz vor. Die Güterbahnen sind auf die Kulanz der DB Netz angewiesen. Die NEE hat den Verkehrsausschuss des Bundestages aufgefordert, sich in einer Sondersitzung Anfang September mit der Havarie zu befassen.

Der Verkehr bleibt auf der Rheintalstrecke bis 8. Oktober gesperrt.

Autor: Roman Steinbauer (redaktion@boersen-kurier.at)

Erholung noch nicht Lösung aller Probleme – Analyse von Harvard-Professorin Carmen Reinhart

Ökonomen erwarteten Anfang des Jahres, dass die USA Donald Trumps ihre Konkurrenten überflügeln würden. Doch die positiven Wirtschaftsnachrichten kommen aus Europa.

Ende Juli korrigierte der Internationale Währungsfonds seine Wachstumsprognosen für die Eurozone nach oben. IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld beschrieb die jüngsten Entwicklungen der Weltwirtschaft als eine sich „stabilisierende Erholung”. Außerdem rechnet man damit, dass das Wachstum auch in den entwickelten Ökonomien Asiens an Fahrt gewinnt.

Wie ich in einem früheren Kommentar bereits ausführte, ist Island, wo die Finanzkrise 2007 ihren Lauf nahm, bereits seit einiger Zeit mit einer neuen Welle von Kapitalzuflüssen konfrontiert, die Anlass zur Sorge vor einer möglichen Überhitzung geben. Kürzlich gelang es dem gebeutelten Griechenland zum ersten Mal seit Jahren, auf den globalen Märkten Geld aufzunehmen. Mit einer Rendite von mehr als 4,6 % wurden die Anleihen begeistert gekauft.

Offizielle Vertreter Griechenlands und Europas priesen den Anleiheverkauf als Meilenstein für ein Land, das seinen Zugang zu den weltweiten Kapitalmärkten im Jahr 2010 einbüßte. Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras sagte, die Anleihenausgabe wäre ein Zeichen, dass sich sein Land auf dem Weg in Richtung des definitiven Endes seiner langjährigen Krise befände. Und in den USA trägt der laufende Ausstieg der Fed aus der ultralockeren Geldpolitik nach der Krise zu dem Gefühl bei, dass wieder normale Zeiten anbrechen.

Aber ist das wirklich der Fall? Bedeuten die jüngsten Entwicklungen in den Industrieländern, dass die brutalen Nachwirkungen dieser Krise endlich überwunden sind?

Ungeachtet aller guten Neuigkeiten erscheint eine Siegeserklärung in diesem Stadium (selbst ein Jahrzehnt später) verfrüht. Erholung ist noch keine Lösung eines Problems. Vielleicht ist es lehrreich, sich in Erinnerung zu rufen, dass sich Erholungsphasen im Anschluss an langwierige Krisen, so auch nach der Großen Depression der 1930er Jahre, ohne die Lösung der grundlegenden Probleme wie exzessiver Verschuldung und schwacher Banken in der Regel als oberflächlich und wenig nachhaltig erwiesen.

Während des „verlorenen Jahrzehnts“ der lateinamerikanischen Schuldenkrise in den 1980er Jahren wiesen Brasilien und Mexiko 1984 und 1985 eine erhebliche und vielversprechende Steigerung des Wirtschaftswachstums auf – bevor gravierende Probleme auf dem Bankensektor, ein ungelöster Überhang an Auslandsschulden und mehrere fehlgeleitete innenpolitische Initiativen diese Erholung beendeten. Das Vermächtnis aus der Zeit nach der Krise wurde erst etliche Jahre später mit der Wiederherstellung fiskalischer Nachhaltigkeit, der Abschreibung von Schulden unter dem so genannten Brady-Plan und der Umsetzung einer Reihe nationaler Strukturreformen überwunden.

Die Eurozone ging aus der Finanzkrise mit einem gewissen Maß an wirtschaftlicher Dynamik hervor. Anders als die Fed jedoch erhöhte die EZB Anfang 2011 die Zinsen und trug damit dazu bei, dass die Region noch tiefer in die Krise schlitterte.

Die Geschichte rät also zur Vorsicht bevor man zur Schlussfolgerung gelangt, dass die derzeitige Erholung das Zeug zu einer nachhaltigen und breit angelegten Aufwärtsentwicklung hat.

Alle entwickelten Ökonomien weisen (in unterschiedlichem Ausmaß) signifikante Altlasten (in Form öffentlicher und privater Schulden) auf. Niedrige Zinssätze verringern zwar die Last aufgrund dieser Schulden (tatsächlich sind negative reale Zinssätze eine Steuer für Anleiheinhaber), aber die Zinssätze befinden sich im Steigen.

Der Austritt Großbritanniens aus der EU – und die mittelfristigen Folgen des Brexit auf die britische Wirtschaft – stellen eine weitere Gefahrenquelle dar, der es sich anzunehmen gilt. Wie Japan seinen Überhang öffentlicher und privater Schulden abbauen will, bleibt ebenfalls erst abzuwarten. Ich habe an anderer Stelle ausgeführt, dass Inflation wohl ein Teil der Lösung sein wird, weil es unwahrscheinlich ist, dass eine alternde Bevölkerung für eine Anhebung der Steuerlast und eine Senkung der Leistungen stimmen wird, die ausreicht, um Japans Schuldenlast zu senken.

In Europa bleibt das hohe Ausmaß an notleidenden Krediten weiterhin eine Belastung für das Wirtschaftswachstum, weil dadurch die Schaffung neuer Kredite verhindert wird. Überdies stellen diese uneinbringlichen Forderungen für manche Regierungen erhebliche Eventualverbindlichkeiten dar. Target2, das Echtzeit-Brutto-Zahlungsverkehrssystem des Euro, hat sich in der Eurozone zum Mechanismus für die Finanzierung der sich ausweitenden strukturellen Zahlungsbilanz-Unterschiede entwickelt, wobei das Kapital aus Südeuropa nach Deutschland fließt. Griechenland, Italien, Portugal und Spanien müssen nun auch die stark ansteigenden Zentralbankschulden in die öffentlichen Schulden einrechnen.

Die vielleicht wichtigste Lehre besteht darin, dass man noch mehr Vorsicht walten lassen sollte, wenn es um die Entscheidung geht, ob die Zeit reif für eine „Normalisierung“ der Geldpolitik ist. Selbst im günstigsten aller Erholungsszenarien wären politische Entscheidungsträger schlecht beraten, die für eine Senkung der Risikoprämien notwendigen Strukturreformen und fiskalische Maßnahmen einfach aufzuschieben.

Autorin Carmen Reinhart ist Professorin für das internationale Finanzsystem an der Kennedy School of Government der Universität Harvard. Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier, © Project Syndicate 1995 – 2017

Keine Blase am US-Aktienmarkt – stattdessen gibt es gute Chancen

Peter Shapiro, Analyst bei Comgest, räumt mit verschiedenen Mythen bezüglich Überbewertung, nicht nachhaltiger Kapitalerträge und Crashgefahr auf und zeigt wachstumsstarke US-Qualitätsaktien, denn: Vom nächsten Abschwung fehlt noch jede Spur!

Entgegen der landläufigen Meinung gibt es keine spekulative Blase am US-Aktienmarkt. Aus Boston (USA) heraus illustriert dies Shapiro anhand der Umsatzrentabilitäten auf Basis der operativen Gewinne abzüglich Kapitalkosten, sprich EVA (Economic Value Added-)Margins. Diese bewegten sich bei US-Unternehmen zuletzt noch immer zwischen 1 und 1,5 % und sind somit wesentlich höher als in Asien, während in Europa dieser Wert sogar negativ ist.

Fundamental keine Crashgefahr am US-Aktienmarkt
Auch werden beim KGV-Vergleich zwischen den Regionen häufig unbewusst Äpfel mit Birnen verglichen, da in den USA der wachstumsstarke Technologiesektor viel stärker gewichtet ist, während außerhalb der USA der Finanzsektor bedeutender ist. Gegenüber dem US-Aktienmarkt ist nämlich der Technologiesektor im EAFE-Index (repräsentiert 21 entwickelte Märkte außerhalb der USA und Kanadas) um 15,1 % unter-, der Finanzsektor hingegen um 6 % übergewichtet. Technologiewerte weisen überdurchschnittlich hohe KGVs auf, Finanzwerte hingegen relativ niedrige. Das führt zu im internationalen Vergleich höheren KGVs des US-Marktes. Sektorneutral ist aber der Unterschied nur noch minimal.

Unabhängig von der Geldpolitik ist der US-Aktienmarkt seit dem 4. Quartal 2016 im Aufwind. Aktienrückkäufe und Dividendenzahlungen entwickeln sich langjährig im Einklang mit dem freien Cash Flow und auch aktuell gibt es keine Anzeichen „überzogener“ Kapitalrückflüsse. Auch fehlt laut Shapiro jede Spur von einem Abschwung: Die Indikatoren Zinsen, Inflation, Einkaufsmanagerindex, Arbeits- und Häusermarkt geben alle grünes Licht für Aktienkäufe.

Bull-Markets: Aktiv gemanagte Fonds
Diese können unter anderem auch über aktiv gemanagte US-Aktienfonds erfolgen, denn es gibt kein „Ende des aktiven Managements“. Seit mehr als Jahrzehnten unterliegt der Prozentsatz an aktiv gemanagten Fonds, die auf fünf Jahre besser abschneiden als der S&P 500 zyklischen Schwankungen zwischen unter 10 bis mehr als 90 %. Derzeit drehen die Outperformance-Quoten vom Boden der Bandbreite wieder langsam nach oben. Aktiv gemanagte Fonds, wie beispielsweise der Comgest Growth America (ISIN: IE0004791160), haben nämlich die Eigenschaft, im Abschwung outzuperformen und weisen im Aufschwung eine Underperformance auf. Seit März 2009 geht’s aber in den USA aufwärts. Per Saldo wies der Comgest Growth America USD ACC seit Anfang 2009 trotzdem eine Per-formance von 13,97 % p.a. auf (vgl. mit 14,13 % p.a. im S&P 500 Index, Stichtag ist der 31. 7. 2017), da der Fokus auf Qualitätsaktien mit Gewinnwachstum liegt.

Gutes Chancen/Risiko-Verhältnis
Per Ende Juni 2017 hat der Fonds die Sektoren Technologie und Gesundheit mit jeweils 32,3 bzw. 26 % am stärksten gewichtet. Dort herrscht nämlich eine entsprechende Ertragsdynamik. Nach „langfristig erwartetem Gewinnwachstum pro Aktie plus Dividendenrendite“ selektiert, besteht das Fondsportfolio aus drei Gruppen mit einem Plus von je 10 bis 12 %; 12 bis 15 % und mehr als 15 %. Die beiden ersten Gruppen sind mit jeweils 40 bzw. 47 % gewichtet. Die moderateste Wachstumsgruppe weist dabei ein durchschnittliches 12-Monats-Forward-KGV von 17,2 auf und enthält unter anderem den US-Kabelnetzbetreiber Comcast, Oracle und Microsoft. Letztere hat Shapiro wegen der Transformation hin zum Cloud-Business positiv erwähnt und ist mit 5 % im Fonds am stärksten gewichtet. Die zweitstärkste Wachstumsgruppe enthält den Pharmagiganten Eli Lilly, den führenden Hersteller von Injektionsnadeln und Spritzen, Becton Dickinson und Alphabet (Google). Zur stärksten Wachstumsgruppe gehören indessen Facebook, Amazon und Intuit (Standardanwendungssoftware). Insgesamt hält der Fonds per Ende Juni 35 Positionen. Zuletzt hinzugekauft wurde Biomarin, deren Medikamente gegen seltene Krankheiten aufgrund ihrer monopolartigen Marktstellung (Orphan Drug Status) enorme Preise erzielen. Die Behandlung mit dem Medikament Brineura gegen neuronale Ceroid-Lipofuszinose kostet beispielsweise 702.000 USD pro Jahr. Weitere Neuinvestments sind das in China stark expandierende Kosmetikunternehmen Estée Lauder, die weltgrößte Discounter-Kette Wal-Mart, der Tiergesundheits-Konzern Zoetis sowie Equinix (Rechenzentren und Interconnection-Dienstleistungen).

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

Nordkorea und Venezuela – geopolitische Spannungen belasten

Zunehmende geopolitische Konflikte verunsichern die Anleger. Der Börsen-Kurier zeigt Investments, die – je nach Krisenszenario – über Gewinnpotenzial verfügen.

US-Präsident Donald Trump schürt zuletzt reihenweise geopolitische Konflikte, insbesondere mit Nordkorea und Venezuela. Nordkorea unterstellt den USA, durch ihr jährliches Militärmanöver mit Südkorea einen Angriff vorzubereiten und droht Raketen auf den US-Militärstützpunkt Guam zu feuern. Gleichzeitig twittert Trump: „US-Arsenal bereit, sollte Nordkorea Unkluges tun.“ Zwischen China und Nordkorea besteht aber noch ein Beistandsvertrag aus dem Jahre 1961, weshalb China im Falle eines unprovozierten US-Angriffes auf Seiten Nordkoreas militärisch einschreiten würde. Ein Krieg wäre mit zu großen Verlusten für alle Beteiligten verbunden, weshalb dieses Szenario äußerst unwahrscheinlich ist. Vielmehr ist von weiteren gegenseitigen Drohgebärden auszugehen.

In Venezuela hingegen möchten die USA Präsident Nicolas Maduro loswerden. Sie verhängten Sanktionen gegen ihn und weitere Funktionäre. Trump schließt in diesem Konflikt selbst eine militärische Option nicht aus – laut Experten kaum denkbar. Aber härtere Handelssanktionen wären ein mögliches Szenario. Ebenfalls belastet sind die US-Beziehungen zu Russland und dem Iran.

Wenn sich die Krise zuspitzt
Von dieser Drohkulisse profitieren in erster Linie die Gold- und Silberpreise, die binnen eines Monats bereits um je 3,2 bzw. 4 % anzogen. Sollte der Goldpreis den Widerstand bei 1.300 USD/Unze überwinden (18. 8.: 1.284,50 USD), dann wäre der Weg frei bis auf mehr als 1.350 USD. Wer jenseits von Münzen und Barren an der Preisentwicklung von Gold und Silber partizipieren möchte, investiert in die beiden ETCs (Exchange Traded Commodities) ETFS Physical Gold (ISIN: DE000A0N62G0) und ETFS Physical Silver (ISIN: DE000A 0N62F2), die durch zugeteiltes physisches Gold bzw. Silber gedeckt sind, das bei der HSBC Bank verwahrt wird. Mittelfristig mit einer gewissen Hebelwirkung am Goldpreis partizipieren können Anleger mit Goldminenaktien. Diese können kostengünstig über ETFs, wie zum Beispiel den ComStage NYSE Arca Gold BUGS UCITS ETF (ISIN: LU04 88317701), abgedeckt werden. Letzterer orientiert sich am NYSE Arca Gold BUGS Index SM, der Goldminen enthält, die ihre Produktion nicht über einen Zeitraum von mehr als 1,5 Jahren absichern. Unter den Einzelwerten interessant erscheinen Randgold Resources, Barrick Gold, Kinross Gold und Pan American Silver.

Kommt es zur Einschränkung von Öllieferungen durch weitere Sanktionen gegen den Iran oder Venezuela, dann ist mit erneuten Anstiegen des Ölpreises zu rechnen, was den ETFS Energie (ISIN: DE000A 0KRKD4) beflügeln würde. Dieser ETC bildet mittels besicherter Swap-Geschäfte einen Korb von Energie-Futures ab, darunter neben Erdöl auch Erdgas, Heizöl und Bleifreies Benzin. Alternativ kann auch in Öl-Aktien investiert werden. Der Vorteil: Im Gegensatz zu Futures treten keine Rollverluste auf. Interessante Ölwerte sind Exxon Mobil, Royal Dutch Shell und Total.

Droht hingegen Trump wieder mal häufiger mit Krieg und scheint sich die Lage zuzuspitzen, kann dies Rüstungsaktien beflügeln. Klassiker sind dann Raytheon (Raketen, Torpedos und Marschflugkörper), Lockheed Martin (Kampfflugzeuge) und General Dynamics (U-Boote, Zerstörer und Panzer).

Unabhängig vom Auslöser der „Krise“ ein hohes Maß an Wertbeständigkeit weisen besonders defensive Werte, wie der Nahrungsmittel-Hersteller General Mills, der Haushaltswaren- und Pflegeprodukthersteller Colgate-Palmolive und der weltgrößte Discounter Wal-Mart Stores, auf.

Autor: Michael Kordovsky

Das wird wohl in die Verlängerung gehen

Nach zwölfstündiger Aktionärsversammlung war man sich puncto Squeeze-Out-Ablauf und Abfindungsangebot einig, dass man sich uneinig bleibt. Ein Rückblick auf die 27. o. HV der BWT. AG

Die HV des Mondseer Wasseraufbereitungskonzerns BWT fand nicht nur genau in der Haupturlaubszeit statt, sondern gleich auch an einem Fenstertag zwischen Sonntag und dem Feiertag Mariä Himmelfahrt. Wenn damit bezweckt wurde (was wir natürlich nicht unterstellen), dass möglichst wenige – kritische – Streubesitzaktionäre den Weg ins „Studio 44“ der Österreichischen Lotterien am Wiener Rennweg zu einer absehbar strittigen Tagesordnung antreten, so ging die Rechnung nicht auf. Die bekannt kritischen Aktionäre waren trotzdem da (Rupert Heinrich Staller, Wolfgang Leitner, Isabella de Krassny, Berthold Berger u.v.a) und hielten auch in ihren Wortmeldungen nicht hinter dem Berg. (Gäste und Medienvertreter waren nicht zugelassen!).

An dieser Stelle soll aber auch ein Lob ausgesprochen werden: Nämlich all jenen (älteren) Aktionären, die mitten im Sommer bis zum Ende der HV ausharrten. Keine Selbstverständlichkeit, dauerte doch die Versammlung letztlich gut zwölf Stunden!

Widerstand
Nach dem Bericht vom Vorstandsvorsitzenden Andreas Weissenbacher hatte Finanzvorstand Gerhard Speigner die undankbare Aufgabe, das Verlangen der WAB Privatstiftung als Hauptgesellschafterin der BWT zu erklären, die Minderheitsaktionäre der BWT (aber nicht die FIBA Beteiligungs- & Anlage GmbH als „mit der WAB verbundenes Unternehmen“) auszuschließen („Squeeze out“) und deren Anteile auf die WAB zu übertragen – gegen Gewährung einer Barabfindung von 16,51 E pro Aktie. Dieser Wert basiert auf einem Unternehmenswertgutachten von Deloitte.

Und genau dort setzte massive Kritik der Streubesitzaktionäre an: Es sei eine völlig unzureichende Prüfung und ein vom Hauptaktionär gesteuertes Verfahren gewesen. Denn der Bewertungsgutachter wurde nicht – wie gesetzlich vorgeschrieben – vom Firmenbuchgericht bestellt, sondern von Hauptgesellschafter. Diese Gesetzwidrigkeit sei nur einer von möglichen Nichtigkeitsgründen, die eine Anfechtungsklage und Anfechtungsprozess realistisch machen. Zweiter Nichtigkeitsgrund „Rechtsmissbräuchlichkeit“ könnte sein, dass WAB (die zu 23 E zukaufte) und FIBA die für den Squeeze-out nötige 90-%-Schwelle nur mit Hilfe des Rückkaufs eigener Aktien der von ihnen dominierten BWT erreicht habe. Rechtsanwalt Leitner bezweifelt jedenfalls, dass das Firmenbuchgericht den Hauptversammlungsbeschluss zur Zwangabfindung eintragen wird. Denn vor der Unbedenklichkeitserklärung durch das Unternehmen gebe es eine Monatsfrist für das Einbringen von Anfechtungsklagen, die sehr wahrscheinlich sind. Die institutionelle deutsche BWT-Aktionärin LBBW Asset Management stellte in der HV eine in den Raum.

Das sozialpartnerschaftlich besetzte „Gremium zur Überprüfung des Umtauschverhältnisses“ müsse dann einen unabhängigen Sachverständigen für ein neues Bewertungsgutachten bestellen.

Langer Weg …
Fazit: Das Ganze wird wohl noch Jahre dauern. Denn nicht nur der kompetent-kritische Aktionär Staller hält es für „wichtig, dass solche Rechtsfragen deutlich geklärt werden“. Rechtsmissbräuchlichkeit gehöre vom OGH geklärt, und sowas könne schon zwei Jahre dauern … „Es kann ein langer Weg werden, und es kann am Ende deutlich mehr herauskommen. Jedenfalls wird es ein sehr spannendes Verfahren“, so Staller nach der HV zum Börsen-Kurier.

Zur Vollständigkeit: Bei der Abstimmung ging der Gesellschafterausschluss- und -abfindungsantrag mit der erwarteten Mehrheit und mit Widersprüchen zwar durch, aber siehe oben … Beschlossen wurde auch eine Dividendenausschüttung von 20 Cent je Aktie. Und – weil WAB und FIBA nicht mitstimmen durften – wurde Weissenbacher nicht entlastet.

Autor: Mag. Manfred Kainz

Trübe Wolken am Öl-Himmel: Ein erneuter Ausbruchsversuch ist bislang gescheitert

Auch wenn vor allem Saudi Arabien versucht, den Ölpreis zu stützen, scheint die Notierung nicht in Schwung zu kommen. Vielmehr sprechen einige Faktoren für einen weiteren Dämpfer.

Noch zu Jahresanfang 2016 war der Jubel auf den Rohstoffmärkten groß, als allein der Ölpreis die wilde Talfahrt der Vorjahre beendet hatte. Und dann ging es von einem Tief bei rund 28 USD der Nordseemarke Brent zügig nach oben. Im Jänner 2017 wurde auch noch die Marke von 50 USD pro Fass übertroffen. Doch seither will der Auftrieb nicht mehr in Fahrt geraten. Und das, obwohl die große Ölmacht Saudi Arabien versucht, preisstützende Maßnahmen zu setzen.

Erst vor einigen Wochen kündigte das Land an, seine Öllieferungen im September um mindestens 520.000 Fass pro Tag zu reduzieren. „Saudi-Arabien versucht derzeit offensichtlich mit allen Mitteln, die Ölpreise auf einem einträglichen Niveau zu halten. Vor zwei Wochen hatte der Energieminister verlauten lassen, dass die Ölexporte im August auf 6,6 Mio Fass pro Tag fallen würden, und hatte damit für einen kräftigen Ölpreisanstieg gesorgt“, blickt Commerzbank-Analystin Barbara Lambrecht auf das Geschehen zurück.

Doch die „Freude“ darüber währte nicht lange. Schon bald darauf setzte die Notierung wieder zu einem Sinkflug an. Zum einen verweisen Marktexperten auf die geringere Nachfrage aus China, wo im Juli die Rohölverarbeitung auf 10,7 Mio Fass täglich gefallen ist, wie die nun veröffentlichten Zahlen zeigen. Zum anderen zeigt die US-Schieferölproduktion wieder nach oben. So rechnet die US-Energiebehörde damit, dass die Produktion im September um fast 120.000 Fass auf einen Rekordwert von 6,15 Mio Fass täglich steigen wird, berichtet Lambrecht.

Obendrein scheinen Finanzinvestoren das Handtuch zu werfen. Die Förderkürzungen der OPEC würden inzwischen in Frage gestellt: „So kam es bei Long-Rohöl-ETPs mit 64,6 MioUSD in der vierten Woche in Folge zu Abflüssen, nachdem sich die Rohölpreise davor um fast 7 % erholt hatten“, sagt Jan-Hendrick Hein, Leiter deutschsprachige Regionen bei ETF Securities, zum Börsen-Kurier. Verständlich, wenn Hein meint: „Rohöl hat sicherlich seinen Glanz verloren.“ Hinzu kommt auch ein langfristiger Trend, der inzwischen weltweit forciert wird, nämlich der Trend hin zu Elektroautos. Auch das dürfte allmählich die Ölnachfrage senken.

Eine genaue Preisprognose ist freilich immer schwierig zu geben, dennoch scheint der Grundtenor zunehmend verhalten. Was aber durchaus Anlagechancen bietet. Wer noch mit einem leichten Anstieg oder mit seitwärts tendierenden Notierungen rechnet, kann davon zum Beispiel mit einem Capped-Bonuszertifikat profitieren. Hier kassieren Anleger zu Laufzeitende eine Bonuszahlung – allerdings nur solange der Ölpreis nicht allzu heftig fällt und die Barriere berührt oder unterschreitet. Dann richtet sich der Kurs des Zertifikats nach dem Ölpreis. Bei einem Anstieg partizipiert man maximal bis zum Cap.

So hat das Bonuszertifikat der BNP Paribas (ISIN: DE00 0PR7J0S2) einen Cap bei 65 USD und eine Barriere bei 42 USD. Bewertungstag ist der 26.10.2018. Aktuell liegt die Bonusrendite bis Laufzeitende bei 20,17 %. Etwas weniger riskant ist jenes der DZ Bank (DE000DGN98H8) mit einem Cap bei 63,90 USD und einer Barriere bei 37 USD. Hier liegt aktuell die Bonusrendite bis Laufzeitende bei 14,82 %.

Wer hingegen direkt auf eine Korrektur setzen möchte, sollte sogenannte Turbo-Short-Zertifikate in Betracht ziehen. Sie bewegen sich gehebelt im Verhältnis zum Basiswert, und haben auch eine Knock-Out-Schwelle. Doch Achtung: Verläuft der Kurs in die falsche Richtung und berührt oder überschreitet diese Schwelle, droht ein Totalverlust. Das entsprechende Zertifikat der Société Générale (DE000SE5 D750) beispielsweise hat einen aktuellen Hebel von 3,493. Die Knock-Out-Schwelle liegt bei 68,01 USD. Jenes der Commerzbank (DE000CE3NH55) hat aufgrund des niedrigeren Hebels von aktuell 2,688 ein
geringeres Risiko. Und die Knock-Out-Schwelle liegt bei 72,25 USD.

Autorin: Mag. Raja Korinek

Eine Win-Win-Situation: Nachbesserungsrechte sollten im Dritten Markt notieren

Eine Anregung, die transparenz- und minderheitsaktionärsfreundlich ist, könnte der heimischen Kapitalmarktkultur und der Wiener Börse nützen.

Überprüfungsverfahren, in denen es um die Angemessenheit von Barabfindungen nach Squeeze Outs geht, können sich jahrelang hinziehen und sind für die Betroffenen eine zähe Geduldsprobe mit ungewissem Ausgang. Daher kommen immer wieder Angebote am Markt in Umlauf, Ungeduldigen ihre Nachbesserungsrechte abzukaufen. Wobei deren Stückzahl durchaus groß – bis zu hunderte Millionen an Aktien – sein kann (Beispiel Immoeast). Nachteil solcher Angebote aus Sicht von Kritikern: Die Offerte seien preislich in der Regel nicht sonderlich attraktiv. Klar, spekulieren doch Ankäufer auf einen guten Schnitt, wenn sie die Rechte dann zu mehr Barabfindungsgeld machen.

IVA-Präsident Wilhelm Rasinger hat daher die Anregung aufgebracht, Nachbesserungsrechte am Dritten Markt der Wiener Börse notieren zu lassen. Vorweg wünscht sich Rasinger generell eine Verkürzung der Dauer von Überprüfungsverfahren, aber mit einer Notierung von Nachbesserungsrechten am Dritten Markt gäbe es eine transparente Preisfeststellung. Es würde Kleinaktionären, aber auch Institutionellen wie Fonds helfen, die – weil sie Nachbesserungsrechte lieber aus ihren Büchern draußen haben – betroffene Aktien derzeit oft „für einen Bettel“ hergeben. Solche Fonds bekämen mit einer Börsenotierung dieser Rechte Interesse daran, wie Überprüfungsverfahren ausgehen. In Deutschland gebe es einen Dritten Markt für solche Rechte, so Rasinger.

Seitens der Wiener Börse hält man die Idee grundsätzlich für diskussionswürdig. Hausintern sei die Anregung gerade „in Prüfung“, heißt es auf Anfrage des Börsen-Kurier. Zuständig sind die Abteilung für Listing/Wertpapierzulassung und die Rechtsabteilung. Noch gebe es kein abschließendes Urteil.

Auch die Politik zeigt sich gesprächsbereit, wenn es darum gehen würde, in kapitalmarktrelevanten Gesetzen ermöglichende Anpassungen vorzunehmen. Zwar sei das Thema Nachbesserungsrechte in der Begutachtung und Verhandlung der diversen Novellierungen von kapitalmarktbetreffenden Gesetzen (inklusive neuem BörseG mit Delisting-Regeln, WAG, AktG) vor der Sommerpause des Parlaments nicht speziell herangetragen und diskutiert worden. Aber Nationalratsabgeordneter Werner Groiß, Finanzsprecher und Gesetzesverhandler der Bundes-ÖVP, hält im Gespräch mit dem Börsen-Kurier die Idee der Börsenotierung von Nachbesserungsrechten für „grundsätzlich okay“. Alles was den Börseplatz Wien belebt, alles was den Dritten Markt verbreitert, sei gut. Ebenso gut sei es, wenn durch so eine Notierungsmöglichkeit für Transparenz bei Nachbesserungsrechten gesorgt werde. Und wenn umgekehrt dadurch Spekulation mit Erpressbarkeitspotenzial eingedämmt werde, sei das ebenfalls gut für den Kapitalmarkt. Der hauptberufliche Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Groiß gibt aber zu Bedenken: Auch steuerrechtlich müsste der Handel mit Nachbesserungsrechten geregelt werden, denn es wäre ein typisches Spekulationsgeschäft.

Derzeit sind in Österreich mehrere Überprüfungsverfahren betreffend die Angemessenheit der Barabfindung nach einem Squeeze Out im Laufen. Und es ist nicht absehbar, wann und mit welchem Ergebnis diese Verfahren abgeschlossen werden. Wobei Rasinger eher dafür ist, das Ende der Verfahren abzuwarten. Trotzdem bietet der IVA jenen, die das partout nicht wollen, als Alternative zu den in der Öffentlichkeit kursierenden Angeboten an, folgende Nachbesserungsrechte zu bestimmten Konditionen zu kaufen: UniCredit Bank Austria, Constantia Packaging, ATB Austria Antriebstechnik und BDI-Bioenergy International.                      

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

Mehr Ertrag heißt auch mehr Risiko

Wo Licht ist, ist auch Schatten – das gilt natürlich auch bei alternativen Investments. Achten Sie auch auf die Risiken beim Crowdinvesting.

Es ist ein neuer Liebling für Anleger, Jungunternehmer und Medien: Crowdinvesting. Sogar prominente Fußballvereine haben ihre Fancommunity als Geldgeber für Großprojekte entdeckt und mobilisiert. Und in den Medien werden fast schon täglich Start-Ups und neue Projekte präsentiert, die die Crowdinvestorenszene ansprechen. Das ist gut, denn diese „alternative Finanzierungsform“ hat sich auch in Österreich etabliert und ist summenmäßig im Verhältnis zu vergleichbaren Ländern noch ausbaufähig. Bei aller Euphorie sollte trotzdem der simple Grundsatz nicht vergessen werden: Wo mehr Gewinn- bzw. Renditeaussicht als am Sparbuch winkt, dort ist auch mehr Risiko. Prominente „Spitze des Eisbergs“ ist, wenn die Finanzmarktaufsicht einschreitet (Stichwort kitzVenture). Da-neben gibt es aber auch „normale“ Insolvenzen bei Crowd-investing-Projekten (erst kürzlich), die die Geldgeber schmerzhaft mitreißen.

Emittentenrisiken
Fangen wir also gleich bei den emittentenbezogenen Risiken bis hin zum Ausfallsrisiko an: Wenn Crowdinvesting (CI) mittels Anleihen erfolgt, heißt das Bonitätsrisiko Bonitätsverlust des Emittenten: die Anleihe kann an Wert bis hin zum Totalverlust verlieren. Nachrangdarlehensgeber schauen bei Insolvenzverfahren wahrscheinlich durch die Finger, mit Genussrechtsbeteiligungen kann man Sanierungsverfahren „durchtauchen“. Risiken, die im Einzelnen und gemeinsam das Ausfallrisiko des Emittenten ergeben, sind (neben den allgemeinen Wirtschaftsrisiken, die auch für Konzerne gelten) spezielle einzelunternehmerische Risiken: also das branchentypische, marktkonjunkturelle, produktspezifische, Neuwettbewerber-, Fehlinvestitions- und Schlüsselpersonenrisiko. Dem nicht genug, gibt’s noch die strategischen Risiken aus der individuellen Geschäftstätigkeit des CI-Emittenten: also Risiken im Zusammenhang mit seiner verwendeten Technologie, mit seiner Produktion bzw. Leistungserbringung, mit seinem Sales, seiner Beschaffung, Organisation und IT.

Anlagebedingungsrisiken
Zu den Emittentenrisiken kommt das anlageartbezogene Risiko für Anleger aus der jeweiligen Anlageart und den Anlagebedingungen eines CI-Angebots: neben dem erwähnten Ausfallsrisiko (Bonitätsrisiko) auch das Zinsänderungs-, Inflations-, Marktliquiditäts-, Wiederveranlagungs- und Tilgungsrisiko. Zinsänderungsrisiko heißt: Wenn die allgemeinen Zinsen steigen, sinken die (Bar-)Werte von Anleihen. Inflationsrisiko heißt Kaufkraftverlust des Nominalwertes und „aufgefressene“ Fixzinsen. (CI mittels Genussrechtsbeteiligung bietet da eine Art Inflationsschutz.) Vom Marktliquiditätsrisiko sind vor allem kleinere CI-Volumina betroffen: Je weniger Handel, desto größer wird der Spread zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis. Gibt es keinen Handel, ist dieses Risiko besonders hoch. Wie-derveranlagungsrisiko ent-steht insbesondere bei Anleihen mit vorzeitigem Rückzahlungsrecht. Bei sinkenden Zinsen wird der Emittent nach Möglichkeit eine vorzeitige Rückzahlung vornehmen. Der Anleger kann die Rückzahlung aber nicht mehr zu gleich guten Konditionen wiederanlegen. Und Tilgungsrisiko heißt: Kann der Emittent am Ende die Refinanzierung bereitstellen?

… plus Restrisiken
Last but not least gesellt sich zu den emittenten- und anlageartbezogenen Risiken noch das „Event risk“: das Risiko unerwarteter Ereignisse wie Umweltkatastrophen, neue gesetzliche Rahmenbedingungen usw. Diese können den Wert, das Potenzial und die Finanzkraft eines Unternehmens stark beeinflussen – und damit den Wert der CI-Emission schlimmstenfalls auch auf Null (Totalverlust) drücken. Und der Vollständigkeit halber sei das Betrugsrisiko erwähnt: dass man – wie bei anderem im Leben auch – einem Betrüger aufsitzt. Davor sind auch Profis wie die Emissionsunterlagenprüfer nicht gefeit.

Langer Atem & Streuung
Für alle Arten des CI gilt eine mehrjährige Bindungsfrist. Interessenten sollten daher vorher überlegen, ob sie diese (wenn das CI nicht gut läuft) finanziell durchhalten wollen und können. Und wie bei anderen Anlagen sollte auch bei CI gelten: Die Emissionsunterlagen und Zeichnungsbedingungen wirklich lesen und verstehen … und nicht alles auf ein Pferd setzen, sondern streuen.           

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

Europäische Banken entwickeln sich positiv

Eine Reihe möglicher Krisen im europäischen Bankensektor ist erfolgreich abgewendet worden. Die Rettung der Monte dei Paschi und der regionalen italienischen Banken war richtig, und ein Ende der expansiven Geldpolitik der EZB bedeutet keine Gefahr für Bankensektor. (09.08.)

Die jüngsten Ereignisse im europäischen Bankenwesen haben das Scheinwerferlicht auf die Anleihen der Finanzunternehmen Europas geworfen. Während des jüngsten Policy Meetings hat das Global Investment Team von T. Rowe Price diese Entwicklungen und ihre Implikationen für den Bankensektor diskutiert.

Das Stressniveau des Bankensektors hat abgenommen

Das Team kommt zu dem Ergebnis, dass in jüngerer Vergangenheit eine Reihe möglicher Krisen abgewendet werden konnte. Santanders Akquisition des in Not geratenen spanischen Kreditgebers Banco Popular für den symbolischen Betrag von einem Euro sowie die Entscheidung der italienischen Regierung, die Monte dei Paschi die Siena zu sanieren und zwei notleidenden mittelgroßen Banken unter die Arme zu greifen, seien Beispiele von Risiken, die gut eingedämmt wurden. Diese Entwicklung sei von den Märkten positiv aufgenommen worden – als ein Zeichen dafür, dass die europäischen Aufsichtsbehörden und Mitgliedsländer effektiv mit Problemen innerhalb des Bankensystems umgehen können.

„In diesen Fällen konnte erfolgreich verhindert werden, dass die Krise sich auf andere Banken ausweitet. Das hat dazu beigetragen, die finanzielle Stabilität in Europa aufrechtzuerhalten“, sagt Steven Huber, Portfoliomanager bei T. Rowe Price und Mitglied des Global Investment Teams. „Insgesamt ist das Stressniveau im Bankensektor gesunken, was sehr positiv ist.“

Weitere Verknappung bei Senior Bonds

Für Investoren sei dabei die Erkenntnis wichtig, dass unabhängig davon, wie die Aufsichtsbehörden mit den scheiternden Banken umgegangen seien, Inhaber sogenannter Senior Bonds, also vorrangiger Schuldtitel, geschützt wurden. „Im Gegensatz dazu haben die lokalen Aufsichtsbehörden in den meisten Fällen ihre Bereitschaft unter Beweis gestellt, den Inhabern nachrangiger Schuldtitel starke Verluste zuzumuten“, sagt Steven Huber.

Wenig überraschend hätten diese Entwicklungen zu einer weiteren Verknappung an Senior Bonds geführt. Vielleicht am interessantesten sei aber die Reaktion im nachrangigen Bereich gewesen: Während die Spreads von Tier 1 und Tier 2 leicht gestiegen seien, habe es nur wenige Zeichen von Schwäche bei den niedriger klassifizierten Additional Tier 1 (AT1) sowie bei den sogenannten Coco Bonds gegeben.

„Die Performance der stark nachrangigen Schuldtitel europäischer Banken täuscht über die Tatsache hinweg, dass dieser Markt weiterhin sehr selektiv bleibt”, sagt Steven Huber. „Abweichungen zwischen den größeren, bekannteren Banken und den weniger bekannten, mittelgroßen und kleinen Häusern werden aller Voraussicht nach bestehen bleiben. Das bedeutet, dass in dieser Assetklasse eine sorgfältige Analyse und Auswahl nach wie vor entscheidend ist.“

Positive Fundamentaldaten bieten Potenzial, zusätzliche technische Unterstützung

Insgesamt seien einige positiven Fundamentalfaktoren im europäischen Bankensektor zu beobachten: Die Banken hätten eine bessere Kapitalausstattung, weniger notleidende Kredite, mittelfristig sänken sich die Rückstellungen für Prozesskosten und zudem helfe das stärkere Wirtschaftswachstum in der Eurozone. Zusätzlich könnten technische Faktoren künftig Unterstützung für Finanzanleihen liefern. Anders als viele andere Unternehmen seien europäische Banken nie Teil des Programms zum Ankauf von Wertpapieren im Unternehmenssektor (CSPP) der Europäischen Zentralbank (EZB) gewesen. Deshalb seien sie auch nicht von möglichen Kapitalabflüssen gefährdet, sollte die EZB im nächsten Jahr damit beginnen, ihre expansive Geldpolitik einzuschränken.

Großbanken versus kleine Institute

Leichter gesagt als angewendet: Das Proportionalitätsprinzip bei Banken. Wieviel Regulierung braucht unser Bankensektor?

Das diskutierte Proportionalitätsprinzip für Banken geht vom simplen Grundsatz aus: Kleine Banken sollen weniger Regulierung unterworfen sein als Großinstitute. Klingt einfach, wirft aber Fragen auf. Wie sollen Tochterunternehmen ausländischer Großbanken behandelt werden?

Sollen sie als „kleine“ Player in den Genuss von Proportionalität kommen, oder als Teil der großen Mutter angesehen werden? Auf der anderen Seite besteht die Befürchtung, dass heimische Institutsgruppen von den Regulierern als gemeinsame Großinstitute angesehen werden. Also jede „kleine“ Sparkasse denselben Vorschriften unterliegen  würde wie etwa eine Deutsche Bank oder eine Bank of America. Aus Sicht der Austro-Institutslandschaft eine seltsame Vorstellung.

Die Proportionalität ist eine europaweite und hochpolitische Frage. Und so hat man im Europäischen Parlament einen Leitpflock eingeschlagen: Europäische Banken dürfen durch neue Regulierungen nicht überproportional belastet werden. Anlässlich einer Resolution des Wirtschafts- und Währungsausschusses des EU-Parlaments zu den nächsten Schritten der Bankenregulierung forderte der Chefverhandler des Europaparlaments für das Bankenreformpaket Basel III, der Österreicher Othmar Karas, dass „der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht die Realität der europäischen Bankenvielfalt stärker berücksichtigen und die Kreditaufnahme für Klein- und Mittelbetriebe verbessern muss“. Denn die Institute „werden auch in Zukunft der Hauptfinanzier unserer Realwirtschaft sein“. Das müsse der Basler Ausschuss bei seinen globalen Standards verstärkt bedenken. Hintergrund: Die vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht auf globaler Ebene festgesetzten Standards müssen letztlich vom Europaparlament im Gesetzgebungsverfahren beschlossen werden. Schon bisher hat das Europaparlament diese Standards „europäisch“ interpretiert und nicht 1:1 übernommen.

Zurück nach Österreich: Proportionalität scheint hierzulande besonders wichtig, da – im Gegensatz zur hohen Filialdichte – die Konzentration im österreichischen Bankensektor niedrig ist: Die fünf größten Banken stellen zusammen 30 % der Bilanzsumme aller Banken. Das liegt deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von knapp 62 %. Der Austro-Bankensektor ist also sehr breit aufgestellt, das bringt Stabilität und Sicherheit. Dazu betont die FMA, dass die Regulierung nicht in diese Marktstruktur eingreifen soll. Und diese Struktur umfasst Kleinbanken, mittelgroße Banken und international auftretende Großbanken. Bei den Großbanken gibt es keine Proportionalitätsprüfung. Bei mittleren Banken könnten bestimmte Themen der Proportionalität unterzogen werden, bei Kleinbanken sollte sie voll durchschlagen. Die Frage ist also: Wo sind die Grenzen? Laut Bankern keine leichte Übung. Denn es gibt quantitative Grenzen hinsichtlich der Bilanzsumme – die etwa in Deutschland wesentlich höher sind als in Österreich. Das Problem sehen Experten hier sicherlich in hohen europäischen Untergrenzen. Daneben gibt es auch qualitative Grenzen: „No-Gos“ für die Proportionalität sind beispielsweise ein größeres Handelsbuch, ein großes Engagement im Ausland oder sonstige Auffälligkeiten. Wesentlich ist auch die Frage, für welche Themenbereiche das Proportionalitätsprinzip angewendet wird. Und was Zweigniederlassungen von ausländischen Großbanken in Österreich betrifft, so erachten diese die diesbezüglichen Regelungen in ihrem Hauptsitzland für maßgebend. Eine Lockerung der Regulierungsvorschriften für „kleine“ Banken würde für Zweigniederlassungen bei uns aus deren Sicht keine Auswirkungen haben.           

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

RHI 2017: Viel Kritik bei Monster-HV – aber Zustimmung zur Fusion

Ungewöhnlicher Ort, schlechte Stimmung, weil viel Kritik … und dem gegenüber dann noch deutliche Abstimmungsergebnisse.

🟥 1. Rahmen & Besonderheiten der Versammlung

  • Ort: Nicht im Festsaal des Hauses der Industrie, sondern im Austria Center Vienna.
  • Atmosphäre: Kühl – sowohl Saaltemperatur als auch Stimmung.
  • Leitung: Nicht AR-Chef Herbert Cordt (wegen anhängiger Anfechtungsklage), sondern Wolfgang Ruttenstorfer.

🟥 2. Ablauf & formale Präsentationen

  • Ruttenstorfer verlas seitenlange Beschlussvorschläge.
  • Danach folgten ausführliche Präsentationen von CEO Stefan Borgas und Noch‑CFO Barbara Potisk‑Eibensteiner.
  • Gesamtdauer der formalen Erläuterungen: rund zwei Stunden.
  • Inhaltlich notwendig, aber für viele Privataktionäre schwer zugänglich (gesellschaftsrechtliche Details).

🟥 3. Inhaltlicher Kern: Zweistufige Umgründung zur RHI‑MAG N.V.

Schritt 1: Abspaltung

  • Abspaltung aller wesentlichen Vermögenswerte der RHI AG
  • Übertragung an die 100%-Tochter RHI Feuerfest GmbH (Österreich)

Schritt 2: Grenzüberschreitende Verschmelzung

  • Verschmelzung der RHI AG auf die 100%-Tochter RHI‑MAG N.V. (Niederlande)
  • Ergebnis: Die RHI‑MAG N.V. wird Konzernholding.

🟥 4. Strategische Ziele laut CEO Borgas

  • Schaffung eines schlagkräftigen, technologieführenden Weltmarktführers im Feuerfestbereich.
  • Europäisch‑brasilianisches Managementteam, Sitz in Wien.
  • Board of Directors: 19 Mitglieder
    • 2 Executive Directors: Borgas (CEO), Octavio Lopes (designierter CFO)
    • 17 Non‑Executive Directors, davon
      • 6 Arbeitnehmervertreter
      • 7 unabhängige Direktoren nach UK Corporate Governance Code
      • 2 Österreicher: Ruttenstorfer, Karl Sevelda

🟥 5. Zeitplan & Voraussetzungen für das Closing

  • Closing der Magnesita‑Akquisition Ende Oktober 2017 geplant.
  • Voraussetzungen:
    • Erfüllung der fusionskontrollrechtlichen Auflagen (Verkauf von drei europäischen Werken)
    • Vorbereitung des Listings im Premium Segment der London Stock Exchange
    • Detailplanung der Integration beider Unternehmen
  • Zukünftige HV‑Orte: Arnheim, Amsterdam oder Flughafen Schiphol

🟥 6. Kritik der Aktionäre

Mehrere Aktionäre (u. a. Rasinger, Staller, Berger) äußerten deutliche Kritik:

  • Form & Kosten des Deals
  • Risiken der Fusion
  • Rolle der handelnden Personen
  • Börseplatz London
  • Neuer HV‑Ort
  • Einschränkung der Aktionärsrechte
  • Nachteile für heimische Aktionäre
  • Verlust eines traditionsreichen Unternehmens

Zitate aus dem Publikum: „Partikularinteressen“, „massive Einschränkung der Aktionärsrechte“, „schwarzer Tag für die Aktienkultur“ usw.

Die HV dauerte von 9 Uhr früh bis in den Abend.

🟥 7. Abstimmungsergebnisse

Trotz der massiven Kritik:

  • Spaltung + Verschmelzung:
    • Zustimmung: ~99,7 %
    • Gegenstimmen: <0,3 %
  • Viele Gegenstimmen optisch sichtbar, aber zahlenmäßig gering.
  • Gegenstimme + Widerspruch waren nötig, um Anspruch auf die Barabfindung von 26,5 € zu sichern.
  • Auch bei Entlastung von Vorstand/AR und AR‑Vergütung:
    • Optisch viele Gegenstimmen
    • Faktisch deutliche Mehrheiten

🟥 8. Reaktion eines Branchenveteranen

„Mr. RHI“ Helmut Longin (Ex‑CEO und Ex‑AR‑Chef): Er zeigte sich erleichtert über die Beschlussfassungen und hoffte auf ein rasches Closing, um „am Weltmarkt Höchstleistungen vollbringen zu können“.

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

Passivfonds auf dem Prüfstand

Mit dem wachsenden Interesse an börsegehandelten ETFs (Exchange-traded Funds) steigen 
auch die Risiken großer Abwärtsbewegungen, mahnen einige Experten. Der Börsen-Kurier 
wollte wissen, was an der Kritik dran ist.

Eines muss man der Welt der börsengehandelten Indexfonds lassen: Das Volumen in ETFs (Exchange Traded Funds) hat enorm zugelegt. Knapp 4 BioUSD sind laut Branchenconsulter ETFGI. com weltweit investiert. Vor rund zehn Jahren waren es 807 MrdUSD. Tatsächlich haben diese Produkte ihre Vorzüge. Es gibt keine aktiven Fondsmanager, die sich Entscheidungen einiges kosten lassen. Stattdessen werden Indizes kostengünstig abgebildet. Obendrein können ETFs laufend an der Börse gehandelt werden.

Dabei greifen vor allem Großanleger zu. Selbst die Welt der Hedgefonds kommt inzwischen auf den Geschmack. So führte der ETF-Anbieter Source unlängst eine Umfrage durch. Demnach erwarten Hedgefonds-Experten einen durchschnittlichen Anstieg des Volumens auf 55 MrdUSD bis Jahresende (gegenüber rund 44 MrdUSD Ende 2016).

Doch nicht alle Marktteilnehmer sehen die Entwicklung durchwegs positiv. Bei der Banque de Luxembourg Investments verweist man darauf, dass die fundamentalen Fakten eines Unternehmens in einer passiv investierenden Welt nicht allzu viel bedeuteten. Nach der Marktkapitalisierung gewichtete Indizes verschärften die Problematik. Geld fließt schließlich nur deshalb in Aktien, weil sie groß sind, womit sich die Kurse nur noch weiter aufblähen, so die Kritik. Auch bei der Schoellerbank beobachtet man die Entwicklungen genau: „Irgendwann setzt sich der Index dann zum Großteil nur noch aus diesen Titeln zusammen. Aus diesem Grund entstand auch das Phänomen, dass sich die Korrelation der wichtigsten Indexmitglieder zum Index in den vergangenen 20 Jahren nahezu verdoppelt hat“, so
Daniel Schwaninger von der Schoellerbank Invest im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

Seit einigen Monaten wird der Markt nun aus diesem Grund weiter nach oben getrieben, und die Rallye von wenigen Schwergewichten, die sich besonders stark entwickeln, getragen, ergänzt Schwaninger. Doch das kann auch in die andere Richtung gehen: „Sollte der Index fallen, knicken besonders die Schwergewichte ein, da hier das meiste Geld, besonders jenes in den Indexfonds, steckt. Und damit wird der Trend verstärkt.“

Allerdings mache der aktuelle Anteil der ETF-Vermögen einen kleinen Anteil am Gesamtmarkt aus, halten Experten aus der Passivwelt uns gegenüber entgegen. „Bei US-Anlagen liegt der Anteil von passiven Fonds, also ETFs und Indexfonds, bei knapp mehr als 5 % des gesamten Marktwertes. Entsprechend gering ist das Potential von ETFs zur Verstärkung abwärts gerichteter Marktphasen“, meint Heike Fürpass-Peter, Leiterin des öffentlichen Vertriebs bei Lyxor ETFs Germany & Austria.
Ein ähnliches Umfeld zeige sich in Europa, ergänzt Victoria Arnold, Investment-Spezialistin passive Anlagen bei der Deutschen AM, und verweist obendrein auf vergangene Entwicklungen: „Trotz fallender Aktienmärkte stieg das ETF-Volumen in Europa von Ende 2008 bis Ende 2009 um mehr als 50 %. Während der chinesischen Aktienkrise im August 2015 oder der Ölpreis-Krise im Dezember 2015 bildeten sich ähnliche Muster. ETFs wurden dann sogar für zusätzliche Liquidität und zur Preisfindung herangezogen.“ Letztendlich hat die vergleichsweise junge Anlageklasse durchaus ihre Berechtigung, wie ausgeprägt aber mögliche negative Auswirkungen sein werden, das wird sich wohl spätestens in der nächsten Krise zeigen.

Autor: Mag. Raja Korinek (redaktion@boersen-kurier.at)

Wie die asiatische Finanzkrise die Schwellenländer verändert hat

Vor zwanzig Jahren stand die asiatische Finanzkrise kurz bevor. In diesem Beitrag beleuchtet Michael Hasenstab, CIO von Templeton Global Macro, wie die Reaktion der Politik vor Ort in den folgenden zwei Jahrzehnten die Schwellenländer allgemein beeinflusst hat. Und er erläutert, warum nach seiner Auffassung einige der einst unbeliebtesten Lokalwährungsmärkte mittlerweile mit die spannendsten Chancen bieten. (26.07.)

Die asiatische Finanzkrise, deren Beginn sich in diesem Monat zum 20. Mal jährt, wirkte sich bis weit in das Jahr 1998 hinein aus und warf mehrere Jahre lang dunkle Schatten auf viele Länder der Region. Seitdem spielen die Lehren aus dieser Krise bei der umfassenden Umgestaltung der Schwellenländer insbesondere in Asien, aber auch rund um den Globus eine wesentliche Rolle.

Auf dem Höhepunkt der Krise lebte ich in Asien und konnte ihre verheerenden Folgen für die dortigen Länder beobachten. Länder wie Indonesien, Südkorea, Thailand, Malaysia und die Philippinen wurden von den massiven Abwertungen ihrer Währungen, durch die ihre externe Anfälligkeit rasch vergrößert wurde, schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Einige Länder arbeiten seit mittlerweile zwei Jahrzehnten hart daran, ihre Widerstandskraft gegenüber externen Schocks zu erhöhen. Viele der heutigen Politiker, die diese Krise erlebten und daraus lernten, sind darum bemüht, die Gefahren, dass sich dies wiederholen kann, zu verringern.

Einige dieser Länder haben über Jahre hinweg ihre Devisenpolster verstärkt. Zudem haben sie bei ihren Leistungsbilanzen einen Überschuss oder nahezu ein Gleichgewicht erreicht, ihre Staatshaushalte saniert und ihre Verbindlichkeiten in US-Dollar abgebaut, indem sie einheimische Finanzierungsquellen nutzten. Diese Anpassungen hatten tiefgreifende Auswirkungen auf ihre Wirtschaft. Mittlerweile gibt es eine Gruppe von Schwellenländern, deren Wachstum stärker und deren Leistungsbilanzen gesünder sind als in vielen Industrieländern.

An den lokalen Währungsmärkten, und insbesondere in den Ländern, die aus dieser Krise unmittelbar ihre Lehren zogen und über Jahrzehnte an der Stärkung ihrer Volkswirtschaften gegenüber künftigen Schocks arbeiteten, sehen wir einige unterbewertete Anlagechancen.

Eine Ära wirtschaftlicher Stärke in Indonesien 
Indonesien ist ein gutes Beispiel für ein Land, das seine externe Abhängigkeit seit der asiatischen Finanzkrise mit Tatkraft verringert hat. Nachdem Indonesien die verheerenden Folgen der Krise durchlebt hatte, machte sich das Land an ein ehrgeiziges Strukturreformprogramm, das seine Wirtschaft stärken, seine Wachstumstreiber ins Gleichgewicht bringen und die Entwicklung im Inland beschleunigen sollte. Diese fortlaufenden Reformen verliehen seiner zugrunde liegenden Wirtschaft Kraft und verbesserten seine Position zur Abschirmung vor externen Schocks.

Es muss nicht darüber gemutmaßt werden, ob diese Strukturreformen wirken, denn sie wurden im vergangenen Jahrzehnt durch reale exogene Schocks ernsthaft auf die Probe gestellt. Im Jahr 2008 griff die globale Finanzkrise auf Länder rund um den Globus über. Indonesien jedoch hatte viel weniger externe Verbindlichkeiten und eine ausgewogenere, binnenwirtschaftlich breiter aufgestellte Wirtschaft als 1997. Infolgedessen kam es in Indonesien trotz der „Risk-off“-Währungsabwertungen in den Schwellenländern dieses Mal nicht zu einer Wiederholung der asiatischen Finanzkrise.

Jüngst bewies Indonesien, dass es einen starken Rückgang der Rohstoffpreise, wie z. B. den Einbruch der Ölpreise im vierten Quartal 2014 und ihren anhaltenden Rückgang bis Anfang 2016, bewältigen kann. Zeitgleich mit diesem deutlichen Rückgang der Ölpreise begannen die Märkte, sich Mitte 2015 vor einer Schrumpfung der chinesischen Wirtschaft zu fürchten, da dessen Wachstumsrate sich abschwächte. Beides zusammen – der Einbruch der Ölpreise und die Ängste um China – trieb die Anleger aus den Schwellenländern. Dies führte in der gesamten Anlageklasse auf breiter Front zu Währungsabwertungen.

Während all dieser Ereignisse zeigte sich die indonesische Wirtschaft jedoch robust und erreichte im Durchschnitt von Jahr zu Jahr beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) ein Wachstum von rund 5 %. Zwanzig Jahre zuvor wäre es für Länder wie Indonesien schwierig gewesen, einen gleichzeitigen Schock bei den Rohstoffpreisen, bei den Wechselkursen und beim Handel zu meistern. Doch mittlerweile haben viele Länder diese externe Anfälligkeit deutlich verringert. Wir sehen ausgezeichnete Anlagechancen am indonesischen Lokalwährungsmarkt, und die längerfristigen Aussichten für das Land sind nach unserer Einschätzung nach wie vor vielversprechend.

Viele Schwellenländer haben ihre inländischen Märkte erweitert
Eine der wichtigsten Entwicklungen, die viele Schwellenländer im vergangenen Jahrzehnt vollzogen, ist die Erweiterung ihrer inländischen Finanzmärkte.

In der Vergangenheit fehlte es oft an einer starken Anlegerbasis im Inland, sodass die Auswirkungen von Finanzvolatilität oft noch verstärkt wurden. Dagegen sind inländische institutionelle Anleger an vielen inländischen Märkten mittlerweile viel präsenter und wirken häufig als stabilisierende Kraft, wenn die Kurse von Vermögenswerten einbrechen, indem sie einspringen und Vermögenswerte kaufen, wenn ausländische Anleger daraus fliehen.

Insgesamt hat der Übergang zu inländischen Finanzierungsquellen die finanzielle Widerstandsfähigkeit in vielen Ländern erhöht. Ferner wurden u. a. auch folgende Maßnahmen getroffen:

  • Beibehaltung flexibler Wechselkurse, so dass rasche Anpassungen an exogene Schocks möglich sind; Aufrechterhaltung umfangreicher Bestände an Devisenreserven;
  • Umsetzung einer umsichtigen Fiskalpolitik über längere Zeiträume, die die unmittelbare Anfälligkeit verringert und gleichzeitig mehr Spielraum schafft, um Schocks mit fiskalischen Stabilisatoren abzufedern;
    • Unterstützung einer ausgewogeneren makroökonomischen Politik mit unabhängigen, glaubwürdigen Zentralbanken, die besser in der Lage sind, die Inflation festzuzurren und das Wachstum in Koordination mit der Fiskalpolitik zu unterstützen;
    • Stärkung der Bilanzen, vor allem auf der Ebene von Regierungen und Finanzsektor, wobei sich der Schuldenstand der Unternehmen in manchen Ländern dennoch erhöht hat;
    • und Aufbau eines robusten und stabilen Bankensektors mit einem besser regulierten Umfeld.

Insgesamt haben mehrere Schwellenländer in Asien und rund um den Globus ihre Abhängigkeit von externen Finanzierungsquellen deutlich verringert und ihre generelle Finanzstabilität erhöht. Für einige dieser Länder sehen wir eine vielversprechende Zukunft. Während die asiatische Finanzkrise vor 20 Jahren schmerzhafte Auswirkungen hatte, haben die Lehren aus dieser Krise vielen Länder mittlerweile den Weg zu viel besseren Lösungen aufgezeigt.

Der richtige Aktienanlagezeitpunkt ist jetzt

Die Angst vor Kursverlusten ist bei einem Anlagezeitraum von zehn Jahren
und länger weit übertrieben, machen Finanzexperten Mut.

Wo würden Sie sich einordnen? In einer Umfrage im Auftrag des Fachverbands Finanzdienstleister und der Nürnberger Versicherung gaben 51 % der interviewten Österreicher an, dass sie in der langfristigen Geldanlage eine Mindestverzinsung von 4 bis 6 % erwarten. 16 % wollen wenigstens 1 bis 3 % Ertrag.

14 % setzen sich sogar ein Ziel von 7 % und mehr. Die Realität sieht aber anders aus. Laut einer Allianz-Studie ist Österreich Schlusslicht bei den auf das private Geldvermögen erzielten Renditen: Im Untersuchungszeitraum 2012 bis 2015 lag die lukrierte Realrendite in Österreich bei durchschnittlich 1 % p.a. Alle anderen Staaten erreichten ein Mehrfaches: Deutschland 2,3 %, Frankreich 3,6 %, Italien 4,6 %. Sieger: Finnland mit 6,9 % pro Jahr. „Weil dort mehr in Aktien angelegt wird“, so Hannes Dolzer, Obmann des Fachverbandes Finanzdienstleister. Die betont sicherheitsorientierte Veranlagung hierzulande schmälere die Erträge. Dem könne man mit Aktien entgegenwirken, illustriert Dolzer mit einem drastischen Beispiel: Wer Ende Juni 2007, also zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt (nämlich unmittelbar vor dem Höhepunkt einer spektakulären Kursrallye, die im Juli 2007 die Höchstkurve erreichte, und vor dem Ausbruch der Weltfinanzkrise) Aktienfonds gekauft hat, ist heute mit ziemlicher Sicherheit deutlich im Plus. Ein durchschnittlicher weltweit gestreuter Aktienmix hat in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 51 % Gewinn erzielt.
Und obwohl in der größten Finanzkrise der vergangenen 80 Jahre der Weltaktienindex MSCI World bis März 2009 um 59 %, der österreichische ATX sogar um 72 % fiel, seien heute, so Dolzer, fast alle Anleger, die vor zehn Jahren Aktien gekauft haben, im Plus – die meisten sogar deutlich. Wer Ende Juni 2007 etwa den Betrag von 10.000 Euro in einen Weltaktienfonds investierte, konnte den Einsatz bis heute auf durchschnittlich 15.110 Euro (vor Steuern) vermehren. Das entspricht einer durchschnittlichen Jahresrendite von 4,2 %. Mit Schweizer Aktien wurden aus 10.000 Euro mehr als das Doppelte: 21.940 Euro, mit US-Aktien satte 20.870 Euro, mit Europa-Nebenwerten 16.910 Euro. Ähnlich bei Aktienfondsparplänen: Wer im Frühjahr 2007 begann, mit Monatsraten von 100 Euro in einen durchschnittlichen Weltaktienfonds anzusparen, hat zehn Jahre später die Gesamteinzahlung 12.000 auf 17.860 Euro vermehrt. Das entspricht einer mittleren Rendite von 7,7 % pro Jahr.

Dolzers Fazit: Die Angst vor Kursverlusten sei bei einem Anlagezeitraum von zehn Jahren und länger weit übertrieben. Außerdem: Fondssparpläne entwickeln sich am besten, wenn nach dem Start ein Kurseinbruch erfolgt, da man dann günstig nachkaufe. Sparer mit einem entsprechenden Anlagehorizont sollten, so der Experte, „jetzt“ beginnen, ihre Aktienquote aufzustocken, beispielsweise mittels Fondssparplänen.

Ergänzende Tipps von Herbert Samhaber, Obmann der Fachgruppe FDL OÖ: Den „inneren Schweinehund“ überwinden und verkaufen, wenn’s zu schmerzlich runtergeht. Daher unbedingt ein (zweistelliges) „Stop Loss“ setzen. Seine Faustregel: „Ab minus 10, 15, 20 % reagieren, aber abgestimmt auf den Markt.“ Denn „der richtige Einstiegszeitpunkt ist immer, aber der richtige Ausstiegszeitpunkt ist die Schwäche“ vieler Aktienanleger. Weiterer Tipp: Mit kleinen regelmäßigen Beträgen für den Cost-Average-Effect mehrere Fonds von verschiedenen Gesellschaften nehmen. Und Eric Samuiloff, Obmann der Fachgruppe FDL Wien, empfiehlt zur Berücksichtigung des individuellen Anlagehorizonts ein „Ablaufmanagement“ zu installieren: „Wann brauche ich wieviel Kapital wirklich?“.

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

Mit den Reichen reicher werden

Firmen unter Führung der Eigentümerfamilien bringen, wie wir bereits in der Vorwoche 
zeigten, höhere Renditen als der Marktdurchschnitt. Darunter sind vor allem europäische 
Firmen, die noch über Aufholpotenzial verfügen. Eine Schweizer Fondsgesellschaft deckt 
diese Thematik mit lukrativen „Nischenfonds“ ab.

Die Unternehmer der Forbes-Liste vermehren ihren Wohlstand teils in erstaunlichem Tempo – und das oft mit börsennotierten Firmen: So bescherte der 1909 vom Chemiker Eugene Schueller gegründete Haarkosmetik-Konzern, L’Oreal (ISIN: FR0000120321), seiner Tochter, der heute 94-jährigen Liliane Bettencourt, ein Vermögen von 39,5 MrdUSD. Bernard Arnault, CEO und Chairman des Luxus-Konzern LVMH (FR0000121014), vermehrte sein Vermögen von 1997 bis 2017 um 13,9 % p.a. von 3,1 auf 41,8 MrdUSD; und Inditex-Gründer Amancio Ortega (zu Inditex (ES014839 6007) gehört unter anderem die Bekleidungs-Marke Zara), machte von 2007 bis 2017 aus 24 insgesamt 71,3 MrdUSD.

Auf der Überholspur
Das Erfolgsgeheimnis: Im Gegensatz zu „Institutionalbürokratien“ verfolgen familien- und eigentümergeführte Unternehmen eine nachhaltigere Geschäftsstrategie mit Forcierung organischen Wachstums. Das führt zu überdurchschnittlich hohen Eigenkapitalquoten von bis zu mehr als 60 %.

Dazu Birgitte Olsen, Lead Portfoliomanagerin der Schweizer Fondsgesellschaft Bellevue Asset Management, zum Börsen-Kurier: „Diese solide Kapitalausstattung infolge der eigenen Rücklagen erlaubt es Familienunternehmen, antizyklisch zu investieren, vor allem in Krisenzeiten, in denen es schwieriger ist, an Fremdkapital zu gelangen. Die akribische Kostenkontrolle kommt den Anlegern ebenso zugute wie niedrige Löhne und Managerboni.“ Laut einer Studie des Credit Suisse Research Institute brachten es Familienunternehmen mit mindestens 1 MrdUSD Marktkapitalisierung in den neun Jahren bis Ende April 2015 gegenüber dem MSCI ACWI Index auf eine jährliche Outperformance von rund 4,5 %.

Noch größer sind die Chancen bei marktführenden Nischenunternehmen, die sich durch hohe Rentabilität, niedrige Verschuldung sowie solides Gewinn- und Cashflow-Wachstum auszeichnen. Genau nach solchen Firmen hält Olsen in ihren Fonds Ausschau. „Alle von Bellevue verwalteten Entrepreneur Fonds fokussieren auf einer Selektion der fundamental attraktivsten börsennotierten eigentümergeführten Unternehmen in Europa und der Schweiz“, so Olsen. Die jeweiligen Portfolios enthalten 30 bis 40 Firmen mit vertrautem Geschäftsmodell, wobei Familien und Unternehmensgründer mindestens 20 % der Stimmrechte halten und eine aktive Rolle im Management oder Aufsichtsrat ausüben müssen. „Mit Abstand am höchsten gewichtet sind aktuell Industrieunternehmen, gefolgt von IT-nahen Unternehmen, zyklischen Konsumgütern und Finanzwerte. Geographisch sind die Fonds breit diversifiziert mit einer Präferenz für Frankreich, Italien und Spanien, sowie Deutschland
und Skandinavien“, erläutert Olsen die aktuelle Aufteilung.

Der BB Entrepreneur Europe Small erhielt dieses Jahr den Lipper Award für den besten europäischen Nebenwertfonds über eine Periode von drei Jahren. Er brachte es in den vergangenen fünf Jahren auf ein Plus von 167,76 % (per 20. 7.). Mit einer durchschnittlichen Marktkapitalisierung von 1,4 MrdEuro konzentriert sich der Fonds auf europäische kleinstkapitalisierte Unternehmen. Genau diese Aktiengruppe hat gegenüber US-Werten noch Aufholpotenzial zumal die von Staatsschulden und europäischen Banken ausgehenden Risiken gesunken sind und nun die Fundamentaldaten stimmen.
„So sind die Bewertungen – etwa gemessen am KGV – in Europa deutlich günstiger und dies bei einem durchschnittlichen dynamischeren Wachstumsprofil“, erläutert Olsen.

Als Portfolio-Favoriten hob Olsen die dänische Asetek (DK0060477263) mit einer neuen kostengünstigen Technologie zur Wasserkühlung von Computergeräten und Datenzentren, die deutsche Isra Vision (DE0005488100, bild-gesteuerte Qualitätskontrolle von Produktionsprozessen)  und den spanischen Schwimmbadausrüster Fluidra (ES0137 650018) hervor. Zu den bedeutendsten Positionen im BB Entrepreneur Europe Fonds zählen indessen beispielsweise der globale Containerspezialist AP Maersk (DK0010244425), der Luxusuhrenhersteller Swatch (CH0012255151) und die spanische Hotelgruppe NH Hoteles (ES0161560018).

Autor: Michael Kordovsky  (redaktion@boersen-kurier.at)

Wie geht es weiter?

Auf den ersten Blick schaut die Börsenwelt zumindest in Europa recht freundlich aus. 
Die Bewertungen sind niedriger als in den USA, und die Konjunktur läuft so gut wie 
schon lange nicht. Ein Gastkommentar.

Sogar in Spanien und in Frankreich haben zuletzt die Beschäftigtenzahlen deutlich zugenommen. Zu Deutschland meint das dortige Institut für Weltwirtschaft, die Wirtschaft sei derzeit „mit überhöhter Drehzahl unterwegs, und das bereits im höchsten Gang“. Österreich profitiert davon ordentlich, die Wachstumsprognosen wurden gerade schon wieder nach oben korrigiert. Auch politisch haben sich die Wogen beruhigt. Schließ-lich sind derzeit die Extremisten auf der Verliererstraße. Bei den italienischen Kommunalwahlen im Juni ist die Fünf- Sterne-Bewegung des Bepe Grillo nahezu untergegangen. In Frankreich ist Emmanuel Macron zum neuen Politstar geworden, Marie Le Pen, aber auch die traditionellen Parteien haben so schwer verloren, dass sie auf absehbare Zeit politisch nicht wirklich etwas bewegen können. In Deutschland wäre alles andere als ein klarer Sieg von Angela Merkel bei den Wahlen im September eine ziemliche Überraschung.

Nullzinspolitik der EZB wird bleiben
Geht es der Wirtschaft gut, dann kommt das in aller Regel auch den Aktienkursen zugute – und dies umso mehr, als die Befürchtungen vor einer Straffung der geldpolitischen Linie der EZB und damit einer Verringerung der derzeit reichlich vorhandenen Liquidität wohl übertrieben sind. Eine Äußerung Mario Draghis Ende Juni, die als Andeutung einer restriktiveren Linie interpretiert worden war, wurde indirekt, aber doch deutlich dementiert. Draghi hat auch kaum eine andere Wahl. Budgets und Verschuldungslage mehrerer europäischer Staaten sind so angespannt, dass sie eine Zinserhöhung kaum verkraften würden. Das ist kein erfreulicher, aber ein guter Grund, die Zinsen weiter niedrig zu halten. Die  niedrige Inflationsrate ist letztlich kein Problem, sondern eine ganz gut passende Ausrede. 

Achse Frankreich-Deutschland entscheidend
Man kann diesem erfreulichen Szenario aber auch ein ganz anderes gegenüber stellen.  Der Sieg von Macron und sein Bekenntnis zu Europa wurde mit Wohlgefallen aufgenommen. Etwas weniger Beachtung hat gefunden, dass er zugleich weitreichende Forderungen gestellt hat, insbesondere eine gemeinsame europäische Einlagensicherung, eine gemeinsame Arbeitslosenversicherung und einen gemeinsamen Finanzminister. Das sind Forderungen, die in der Folge vor allem Deutschland sehr viel Geld kosten würden. Deutschland hat in Europa schon seit Helmut Kohl oft Scheckbuchdiplomatie betrieben, aber da geht es um ganz andere Dimensionen. Damit bleibt der fundamentale Gegensatz zwischen dem Konzept der Herstellung gleicher Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Länder einerseits und dem des Weiterwursteln mit Hilfe vermehrter deutscher Zahlungen andererseits weiter ungelöst. Vor den deutschen Wahlen wird niemand diese Differenzen hochspielen wollen. Aber danach werden weder Deutschland noch Frankreich diese Differenzen noch weiter unter den Tisch kehren können.

Griechenland ist eigenes Kapital
Auch in Griechenland werden gegensätzliche Konzepte nur durch Zwischenlösungen und mit viel rhetorischem Aufwand zugedeckt. Vordergründig hat man sich wieder einmal geeinigt. Aber die Regierung Alexis Tsipras hat den Gläubigern Zugeständnisse gemacht, die sie den Wählern gegenüber allen Ernstes mit der Behauptung verteidigt, auf diese Weise werde sie einen Schuldennachlass erreichen.

Das wird ihr die Bevölkerung nicht auf Dauer abnehmen. Und die Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Internationalen Währungsfonds und den europäischen Gläubigern, was die Notwendigkeit eines Schuldennachlasses betrifft, sind nur wieder einmal unterdrückt, nicht aber gelöst worden.

Risikofaktoren
Man kann sich den Worst Case leider ganz gut vorstellen: Ein Aufbrechen dieser Gegensätze, verbunden mit allen politischen Konsequenzen, und zwar ausgerechnet dann, wenn die derzeitige Hochkonjunktur wieder einer schwächeren Wirtschaftsentwicklung Platz macht. Rechnen wir dazu die Möglichkeit einer – höflich formuliert – rücksichtsloseren Politik der USA gegenüber Europa. Und übersehen wir nicht das Risiko, das sich daraus ergibt, dass nunmehr gleich drei wesentliche Machtpositionen der Weltpolitik von schwer berechenbaren Persönlichkeiten besetzt sind. Nach dem Präsidenten der USA und dem nordkoreanischen Diktator ist nunmehr auch der neue offizielle Thronfolger des saudi-arabischen Königs in diese Kategorie einzuordnen.

Ruhigen Kopf bewahren
Wir haben somit zwei völlig unterschiedliche Szenarien vor uns. Ein recht optimistisches und ein ziemlich pessimistisches. Allerdings muss das die Anleger nicht allzu sehr verunsichern. Denn auf der Zeitachse sind die beiden Szenarien deutlich verschoben. Das erste Szenario charakterisiert die Gegenwart, das zweite dürfte sich wohl – sehen wir einmal von den eher reichlichen Krisenherden außerhalb Europas ab – erst allmählich, und frühestens ab dem Herbst herausbilden.

Natürlich hat jeder Investor seine eigenen Vorstellungen und seine eigene Strategie. Aber dieses vermutliche Nacheinander zweier doch sehr unterschiedlicher Szenarien legt es nahe, eine Strategie zu überlegen, die man wie folgt umschreiben kann: Jetzt vielleicht noch ein wenig tanzen, solange die Musik spielt, aber doch damit beginnen, das eigene Portfolio in Richtung einer defensiveren Haltung umzuschichten. Selten hat man dafür so wie jetzt gleichzeitig düstere Wolken am noch recht fernen Horizont und deshalb etwas zeitlichen Spielraum zum Agieren.

Autor: Manfred Drennig, Gesellschafter der Privatconsult Vermögensverwaltungsgesellschaft

Industrie: Konjunktursommer

IV-Vize-GS Koren: Breiter und robuster Aufschwung  – Standortentwicklungsgesetz könnte Rahmenbedingungen weiter verbessern – IV-Chefökonom Helmenstein: Breiter Konjunkturaufschwung erreicht seinen Zenit – Fachkräftemangel als Wachstumsbremse (20.07.)

„Ob geopolitische Konflikte, unsichere europapolitische Perspektiven oder unkonventionelle wirtschaftspolitische Ansagen – nichts scheint den derzeitigen Aufschwung bremsen zu können. Wir können uns über einen Konjunktursommer freuen“, erklärte der Vize-Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Peter Koren, heute, Dienstag, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit IV-Chefökonom Dr. Christian Helmenstein anlässlich der Vorstellung der Resultate des aktuellen IV-Konjunkturbarometers aus dem 2. Quartal 2017. So würde momentan eine große Zahl von Wachstumszentren – angefangen von Indien und China über Australien bis zum wieder erstarkenden europäischen Wirtschaftsraum – das Geschehen dominieren. „Wachstumsausfälle wie in Brasilien, Russland oder der Türkei werden sogar überkompensiert, was wiederum die Robustheit des Aufschwungs unterstreicht“, so Koren, der diesen Aufschwung nun abgesichert und dazu die Rahmenbedingungen weiter positiv gestaltet sehen will: „Die Basis dafür könnte ein Standortentwicklungsgesetz (StEG) sein, das die Festschreibung von Zielen und Grundsätzen zur integrierten Standortentwicklung enthält. Dabei geht es um Energieversorgungssicherheit, den Ausbau der Dateninfrastruktur, die Qualität der Verkehrsinfrastruktur – aber auch um die Erleichterung und Beschleunigung  von Genehmigungen und damit die Realisierung wesentlicher Infrastruktur-Investitionen.“ Ein „Nationales Standortkomitee“ unter Federführung und Vorsitz durch Infrastruktur- (BMVIT) und Wirtschaftsministerium (BMWFW) könne dann im Zuge eines jährlichen Standortentwicklungsrahmenplans die Umsetzung administrieren und überwachen.

Für Österreich stellt die vergangene Halbdekade einen wirtschaftshistorischen Ausreißer dar. Zum einen ist der Vier-Jahres-Zeitraum von 2012 bis 2015 als die längste Quasi-Stagnationsphase seit Gründung der Zweiten Republik in die Annalen eingegangen.

Zum anderen wurde selbige erst im Vorjahr durch eine großvolumige Steuertarifreform im Tandem mit einer vertrauensstabilisierenden Wirtschaftspolitik überwunden. „Das bisherige Muster einer zunächst von der Binnennachfrage getragenen Erholung fiel dementsprechend untypisch aus“, so Helmenstein, der ergänzte: „Nun aber stellt sich das klassische konjunkturelle Déjà-vu ein. Nachdem das erste Quartal 2017 den Beginn einer solchen Normalisierung mit erstmals seit dem zweiten Halbjahr 2014 wieder positiven Nettoexporten markierte, verzeichnet die österreichische Wirtschaft im zweiten Quartal 2017 heuer ihren ersten Konjunktursommer seit sechs Jahren.“

Dementsprechend steige das IV-Konjunkturbarometer, welches als Mittelwert aus den Beurteilungen der gegenwärtigen Geschäftslage und der Geschäftslage in sechs Monaten bestimmt wird, nochmals von +34 Punkten auf +39 Punkte. „Damit übertrifft das IV-Konjunkturbarometer nunmehr die Ergebnisse der vorherigen Hochphase in den Jahren 2010 und 2011 und erreicht seinen besten Wert seit neuneinhalb Jahren. Dennoch bleibt ein beträchtlicher Abstand zu seinen historischen Höchstständen erhalten“, so der IV-Chefökonom.

Die Ergebnisse im Detail
„Die Aufwärtsdynamik hat inzwischen sämtliche Wirtschaftszweige erfasst und erfolgt
daher breit abgestützt“, wie Helmenstein erläuterte. „Allerdings wird sie während der Sommermonate ihren Zenit durchschreiten.“ Denn anders als in den beiden vorhergehenden Quartalen verbessert sich der Indikator für die aktuelle Geschäftslage (+60 Punkte nach +48 Punkten) zwar nochmals kräftig, hingegen bilden sich die Geschäftserwartungen (+17 Punkte nach +21 Punkten) auf Sicht von sechs Monaten bereits leicht auf das zur Jahreswende vorherrschende Niveau zurück. Für eine sich verbreitende Jubelstimmung, die auf ein konjunkturelles Überschießen hindeuten könnte, fehlen alle Anzeichen.

Der Anteil der Optimisten, die eine abermalige Verbesserung ihres Geschäftsganges erwarten, bildet sich auf ein Fünftel aller Respondenten zurück, während der Anteil der Pessimisten von tiefstem Niveau aus geringfügig zu steigen beginnt. Dieses Ergebnis lässt trotz der latenten Unsicherheiten eine fortgesetzte konjunkturelle Expansion in Österreich auch im weiteren Jahresverlauf erwarten, dessen Robustheit frühestens im Herbst auf die Probe gestellt werden könnte.

Abseits allfälliger geopolitischer Extremereignisse ist vor diesem Hintergrund für die österreichische Wirtschaft mit einem Wachstum in Höhe von gut zwei Prozent im heurigen Jahr zu rechnen. Zugleich sollte es der österreichischen Volkswirtschaft damit gelingen, im Jahresdurchschnitt zum Wachstumstempo der Eurozone mindestens aufzuschließen. Weiterhin dazu beitragen wird die dynamische Entwicklung bei den meisten zentral- und osteuropäischen Handelspartnern, deren reale BIP-Zuwächse im Jahresauftaktquartal 2017 zwischen 2,9 Prozent für Tschechien über 4,2 Prozent für Polen bis zu 5,6 Prozent für Rumänien reichten.

Zum nunmehr vierten Mal in Folge nach zuvor fünf Quartalen mit konsekutiven Rückgängen nehmen die Gesamtauftragsbestände von +52 Punkten auf +60 Punkte zu. Diese Entwicklung unterstreicht die Erwartung einer bis in den Herbst hinein reichenden kräftigen Expansion in Österreich. Etwas schwächer präsentiert sich allerdings die Dynamik bei den Auslandsaufträgen, die von +48 Punkten auf +52 Punkte zulegen. Das aktuelle Konjunkturmomentum ist trotz der anziehenden Exporte mithin nach wie vor zu einem guten Teil auf einen zurückgestauten Nachholbedarf im Inland zurückzuführen, welcher derzeit abgebaut wird. Sofern sich die politischen Risken nicht verschärfen und die Ertragsperspektiven intakt bleiben, lässt diese Konstellation in Verbindung mit der verbesserten Auftragsreichweite anhaltende Impulse aus verstärkt vorzunehmenden Erweiterungsinvestitionen erwarten.

Im Einklang mit der Expansion ihrer Auftragsbestände planen die Unternehmen eine abermalige Ausweitung ihrer Produktionstätigkeit. Der saisonbereinigte Wert auf Sicht eines Quartals legt von +20 Punkten auf +24 Punkte zu. Die Aufhellung des Stimmungsbildes hat sich im Vorquartal bei der Einstellungsneigung der Unternehmen mit einem sprunghaften Anstieg des Saldos für den Beschäftigtenstand am stärksten positiv ausgewirkt. Aktuell jedoch bildet er sich deutlich von +25 Punkten auf +17 Punkte zurück. Die Beschäftigungsexpansion in der Industrie setzt sich somit fort, doch ist das zuvor intendierte Tempo offensichtlich nicht zu halten. Zurückzuführen ist dies auf die sich verschärfende Knappheit an Fachkräften, insbesondere in den am stärksten industriell geprägten Regionen Österreichs, sodass nur noch ein Viertel der Unternehmen erwartet, einen höheren Beschäftigtenstand auch tatsächlich erreichen zu können. Abseits statistischer Effekte im Kontext der Flüchtlingsmigration sollte vor diesem Hintergrund nicht nur die Beschäftigung in Österreich in den kommenden Monaten weiter zunehmen, sondern auch die Arbeitslosigkeit spürbar zurückgehen.

Bei der Entwicklung der Verkaufspreise halten einander widerstreitende Einflüsse die Waage. Zwar schlagen sich die international vorhandenen Überkapazitäten weiterhin in einem hohen Preisdruck bei industriell erzeugten Produkten nieder, doch steigende Marktnotierungen für Industrierohstoffe erzwingen eine Kostenüberwälzung, sodass ein Saldo von exakt 0 Punkten resultiert. Der Saldo der Ertragslage verharrt bei +28 Punkten nach zuvor +27 Punkten und damit auf einem Niveau, das schon seit einem Jahr nahezu unverändert vorherrscht. Positive Entwicklungen bei den Absatzmengen einerseits werden durch negative Entwicklungen bei den nicht zur Gänze überwälzbaren Kostensteigerungen bei Vorprodukten andererseits kompensiert, während hohe administrative Belastungen fortbestehen. Hingegen legen die Ertragserwartungen infolge der anhaltend guten Mengenkonjunktur innerhalb des schon seit acht Jahren bestehenden Schwankungskorridors von +5 auf nunmehr +11 Punkte zu.

Strukturell betrachtet fällt Österreich im jüngsten IMD-Wettbewerbsfähigkeits-Ranking
wieder vom 24. auf den 25. Rang zurück. So wenig wie die Verbesserung im Vorjahr auf eigene Leistung zurückzuführen war, so wenig gilt dies für die diesjährige Verschlechterung. China hat Österreich nach einem temporären Rücksetzer im Vorjahr wieder überholt. Die österreichische Wettbewerbsfähigkeit liegt bei 83,3 Prozent des Wertes für den Bestplatzierten, heuer ist das wie im Vorjahr Hongkong, gefolgt von der Schweiz und Singapur. Die jahrelange Erosion der österreichischen Wettbewerbsfähigkeit wurde also gestoppt, aber aufgrund nach wie vor fehlender Strukturreformen tritt Österreich weiterhin im Mittelfeld auf der Stelle.

Im Ranking direkt vor Österreich liegen Malaysia und Belgien, schon mit Abstand weiter vorn auch Israel und Australien. Unmittelbar hinter Österreich rangieren Japan und Thailand, gefolgt von Tschechien und Süd-Korea. Die Position Österreichs ist nach unten recht gut abgesichert, aber eine Top-20-Platzierung wird kaum zu Beginn der nächsten Legislaturperiode gelingen können. Dieser Befund ist ein Auftrag, der Standortqualität Österreichs durch umfassende Strukturreformen politische Priorität zu geben.

Von zentraler Bedeutung, um die wirtschaftlichen Perspektiven Österreichs weiter zu verbessern, sind Fortschritte in drei Handlungsfeldern: (a) die Wiedergewinnung des Vertrauens in die Planbarkeit der Standortbedingungen, (b) der Abbau von Bürokratie und Überregulierung einschließlich der Arbeitszeitflexibilisierung sowie (c) die Senkung der Steuer- und Abgabenlast.

Die IV-Konjunkturumfrage: Zur Befragungsmethode
An der jüngsten Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung beteiligten sich 403 Unternehmen mit rund 252.600 Beschäftigten. Bei der Konjunkturumfrage der IV kommt die folgende Methode zur Anwendung: den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, sodann wird der konjunktursensible „Saldo“ aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet. Weitere Informationen: www.iv.at/medien

Unternehmerfamilien bringen hohe Renditen

Nachhaltige strategische Management-Entscheidungen prägen Familienunternehmen. Daraus resultieren überdurchschnittliche Wertzuwächse, auch für Privataktionäre.

Gründerfamilien können Unternehmen über Beteiligungen oder Führungspositionen kontrollieren. Bei der Beteiligung sollte zumindest eine Sperrminorität von 25 % plus einer Aktie vorhanden sein. Bei einem niedrigeren Anteil sollte ein Familienmitglied im Vorstand und/oder Aufsichtsrat vertreten sein. Dann bestehen gute Chancen auf Outperformance gegenüber dem Marktdurchschnitt. Während von Berufsmanagern geführte Unternehmen Managemententscheidungen oft an den Quartalszahlen ausrichten, zählt bei Unternehmerfamilien der Vermögenserhalt. Entscheidungen werden daher besser abgewogen. Dies führt dazu, dass mehr Wert auf organisches Wachstum gelegt wird, während Übernahmen nur in besonderen Fällen in Frage kommen.

Diesbezüglich ein positives Beispiel ist Henkel (ISIN: DE0006048408). Das Unternehmen strebt von 2017 bis 2020 ein organisches Umsatzwachstum von 2 bis 4 % p.a. an. Das um Sonderposten bereinigte Ergebnis pro Vorzugsaktie wuchs bereits von 2012 bis 2016 um 10,2 % p.a. und bis 2020 strebt Henkel Zuwächse von 7 bis 9 % an. Anleger konnten seit der Emission der Henkel-Vorzugsaktie im Jahr 1985 bis Ende 2016 bei Wiederanlage der Dividenden (ohne Steuerabzug) eine durchschnittliche jährliche Rendite von 12,3 % (verglichen mit 7,7 % im DAX) erzielen.

Und Henkel ist kein Einzelfall. Eine Studie über 920 Familienunternehmen (mindestens 20 % der ausstehenden Aktien in Familienbesitz) aus 35 Ländern, deren Marktkapitalisierung bei mindestens 1 MrdUSD liegt, führte das Credit Suisse Research Institute bereits 2015 durch und gelangte dabei zu folgenden Ergebnissen: Die so gefilterten börsennotierten Familienunternehmen erzielten in den neun Jahren bis Ende April 2015 gegenüber dem MSCI ACWI Index eine jährliche Outperformance von 4,5 %. In historischen Krisenphasen entwickelten sich darüber hinaus die Umsätze stabiler als im Marktdurchschnitt. Wer früh dabei ist, profitiert am meisten. Eine besonders wertvolle Erkenntnis der Studie ist, dass es sich auszahlt, zeitgleich mit dem Unternehmensgründer zu investieren, denn die 1. Unternehmer-Generation bringt die höchste Performance. Die ersten Jahre des Bestehens sind nämlich ein mit hoher Wahrscheinlichkeit von starkem Wachstum geprägter Zeitraum.

Google (US02079K3059) und Facebook (US30303M1027) sind beispielsweise Firmen der 1. Generation, genauso wie Warren Buffetts Berkshire Hathaway (US0846707026). Von den Unternehmen der 1. Generation bereits in einer reiferen Phase angelangt ist neben Berkshire Hathaway auch  Oracle (US68389X1054).

In Europa eine Erfolgstory der ersten Generation ist der spanische Textilkonzern Inditex (ES014839 6007) mit Modemarken wie Zara, Oysho und Massimo Dutti. Im Jahr 1985 fasste der iberische Unternehmer Amanico Ortega unter Inditex seine Textilaktivitäten zusammen. Inditex steigerte von 2008 bis 2016 den Nettogewinn von 1,3 auf 3,2 Mrd€ und Ortega verfügt laut Forbes über ein Vermögen von rund 82 MrdUSD.

Erfolgreiche Unternehmen der zweiten oder einer späteren Generation sind Henkel (53,21 % der Stimmrechte im Besitz eines Familienpools), BMW (DE0005190003) und L’Óreal (FR0000120321), die sich zu einem Drittel in der Hand der Bettencourt-Mayers-Familie befindet.
Erfolgreiche Familienunternehmen an der Wiener Börse sind beispielsweise Palfinger, Polytec, Rosenbauer und DO & CO. Palfinger konnte von 2012 bis 2016 das Konzernergebnis von
40,1 auf 61,2 Mio Euro steigern und steht noch immer zu 59 % im Besitz der Familie Palfinger.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

Wahlen in den Aufsichtsrat werden spannender

(Mehr) Frauen in die Aufsichtsräte. Das war einer der letzten Beschlüsse, die das österreichische Parlament vor seiner Auflösung noch auf den Weg gebracht hat. Und so sieht’s die Praxis.

Es ist ein hehres Ziel: Mehr Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft. Dabei waren sich – im Gegensatz zu manch anderen Themen – die „alten“ Regierungsparteien SPÖ und ÖVP sogar einig.  Und hatten im Juni einen gemeinsamen Initiativantrag für eine Frauenquote in Aufsichtsräten im Nationalrat eingebracht. Eckpunkte des Beschlusses: Die Quote soll (mindestens) 30 % betragen, wobei diese Vorgabe am 1. Jänner kommenden Jahres in Kraft tritt. Die Voraussetzungen im Detail: Betroffen sind erstens alle börsenotierten heimischen Unternehmen – ohne Beschränkung bei ihrer Mitarbeiterzahl – und deren Tochterunternehmen. Zweitens gilt die Quotenvorgabe für alle anderen Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern, wenn mindestens 20 % der Mitarbeiter weiblich sind.  Aber es gibt noch eine zweite Voraussetzung: Die Quote muss nur dann erfüllt werden, wenn der Aufsichtsrat aus mindestens sechs Kapitalvertretern besteht. Und damit es schön „gerecht“ ist,  müssen bei mindestens drei Belegschaftsvertretern im Aufsichtsrat diese ebenfalls die Frauenquote erfüllen. Sprich, die 30-%-Quote gilt getrennt jeweils für die Kapital- und Arbeitnehmervertreter. Der Inkrafttretenstermin 1. Jänner 2018 heißt: Die Einhaltung der Quotenregelung wird für Wahlen und Entsendungen in den Aufsichtsrat nach dem  31. 12. 2017 relevant. Wird dann die Quote nicht erfüllt, so ist die Wahl nichtig und das Mandat bleibt unbesetzt, also ein „leerer Sessel“ im AR.

Meinungen
Die Koalitionsparteien hatten sich in ihrem aufgefrischten Arbeitsprogramm vom Jänner diesen Jahres eine Quotenregelung nach Vorbild der deutschen Rechtslage vorgenommen. Bei unserem Nachbarn sind die Kriterien für die Frauenquote im AR allerdings kumulativ. Unternehmen müssen börsenotiert sein und mehr als 1.000 Mitarbeiter-Innen haben. Dementsprechend sind in Deutschland dem Vernehmen nach le-diglich rund 100 Unternehmen betroffen. So eine kumulative Unternehmensdefinition hat sich u.a. auch Georg Vetter gewünscht, sagte er im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

Der Abgeordnete zum Nationalrat (ÖVP) war als Mitglied des Justizausschusses im Parlament mit der Materie befasst und kennt auch die Praxis: Denn der Wirtschaftsanwalt ist selbst als Aufsichtsvorsitzender von börsenotierten AGs und als Aktionärsvertreter bei Hauptversammlungen tätig und war im Interessenverband der Anleger (IVA) engagiert. Da in Österreich keine Kumulierung vorgesehen ist, rechnet Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) mit rund 200 betroffenen Unternehmen. Jurist Vetter sieht die Frauenquote nur als einen Schritt in der Modernisierung des Wirtschaftsrechts. Als Nächstes zielt er auf das Aktiengesetz (das aus 1937 stammt), wo die Schadenersatzpflicht heute „totes Recht“ sei. Weiters fehle in Österreich ein modernes Konzernrecht.

Kritik
Der Finanzvorstand der voestalpine AG Robert Ottel betont in seiner Funktion als Präsident des Aktienforums puncto Frauenquote die Bemühungen der börsenotierten Unternehmen in den vergangenen Jahren, denn „Diversität in jeder Dimension ist wichtig für die Unternehmen. Und das ganz freiwillig. Den politischen Eingriff in Eigentumsrechte lehnen wir aber strikt ab“, so Ottel. Und er legt nach, dass eine solche Quote „politisch nur dann wirklich glaubwürdig erschiene, wenn diese auch im öffentlichen Sektor, zum Beispiel in den Kammern und gesetzgeberischen Körperschaften, eingehalten würde“. So erfülle die Bundesarbeiterkammer in keinem ihrer höchsten Gremien eine Frauenquote von 30 %, und auch die Landtage würden mit durchschnittlich 29 % noch hinten nach hinken. Beobachter sind außerdem gespannt, ob und wie rasch die (ebenfalls stark männlich dominierten) Arbeitnehmervertreter in den betroffenen Aufsichtsräten ihre Quotenpflicht erfüllen werden …

Autor: Mag. Manfred Kainz  (redaktion@boersen-kurier.at)

Finanzindustrie bleibt Schottland treu

Mit dem Brexit wird sich auch die Rolle Edinburghs, dem zweitwichtigsten Finanzzentrum Großbritanniens nach London, ändern. Ein wichtiger Finanz-Hub wird es für Experten dennoch bleiben.

Brexit hin oder her: Für viele Experten steht fest, dass London auch nach dem bevorstehenden Austritt aus der EU das wichtigste Finanzzentrum Großbritanniens – und im Übrigen auch Europas – bleiben wird. Allerdings werde auch nicht alles beim Alten bleiben. Das zeigt allein schon die Ankündigungen wichtiger Player, wie etwa die von Goldman Sachs, Teile des Geschäfts sowie eine beträchtliche Zahl an Arbeitsplätzen in EU-Standorte auszulagern. Das vorläufige Experten-Fazit: London muss seine Rolle als europäischer Finanzstandort neu definieren.

Ähnliches kann auch von Edinburgh behauptet werden. Die schottische Hauptstadt gilt als das zweitwichtigste Finanzzentrum Großbritanniens. Nicht weniger als 86.000 Menschen arbeiten in der knapp 500.000 Einwohner zählenden Metropole in der Finanzwirtschaft, weitere 55.000 in unterstützenden Industrien. Weiters zeichnet die Branche für 7 % der schottischen Bruttowertschöpfung verantwortlich und unterstützt die kleinen und mittleren Unternehmen des Landes mit einem Kreditvolumen von rund 9 Mrd Euro. Damit nicht genug: Die hiesige Finanzindustrie verwaltet ein Kundenvermögen in der Höhe von 1,14 Bio Euro.

Langes Erbe
„Das Erbe Edinburghs als bedeutendes britisches Finanzzentrum, reicht bis ins 18. und 19. Jahrhundert zurück“, erklärt Adrian Cammidge, Sprecher der britischen Kapitalanlagegesellschaft Kames Capital, deren Hauptquartier sich in der schottischen Hauptstadt befindet, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Tatsächlich haben sich vor allem große Versicherungen, wie etwa Standard Life oder der Kames Capital-Vorgänger Scottish Equitable Life Assurance Company, bereits vor mehr als hundert Jahren in Edinburgh etabliert. In der jüngeren Vergangenheit haben sich zudem viele große Vermögensverwaltungsgruppen in der Stadt niedergelassen. 

Was macht die Stadt so attraktiv für die Finanzindustrie? Zum ersten sicherlich das positive Geschäftsklima – im Ranking der Plätze, wo es am einfachsten ist Geschäfte zu machen, liegt Großbritannien laut einer aktuellen Studie der Weltbank derzeit auf dem 7. Platz. „Da die Gehälter
ähnlich hoch sind wie in London ist Edinburgh ein attraktiver Arbeitsplatz für Top-Talente aus ganz Großbritannien sowie auch der ganzen Welt“, sagt Cammidge. Allerdings sei für viele die Lebensqualität in der schottischen Hauptstadt größer. Nachsatz: „Die Stadt bietet viele Vorteile, die auch mit London verbunden werden, wie ein pulsierendes Nachtleben, ein umfangreiches kulturelles Angebot sowie hervorragende Schulen und Universitäten – bei einer deutlich geringeren Bevölkerungsgröße.“

Welche konkrete Rolle der Finanzstandort in Zukunft – konkret nach dem Brexit – spielen wird, steht derzeit noch nicht fest. „Wir sondieren die beste Lösung für unsere Kunden“, sagt John McGuigan, Managing Director Customer Operations bei Standard Life. Zur Debatte stehe etwa, ob man die Operationen in Dublin künftig verstärken werde, um die gleichen Rechte wie vor dem Brexit zu haben und damit vor allem ein verlässlicher Partner für die europäischen Kunden zu bleiben. Dabei gelte es vor allem eines zu kommunizieren: Es spiele keine Rolle, ob wir in Großbritannien tätig sind oder nicht.

UK bleibt globaler Top-Anbieter
Bei Kames Kapital geht man davon aus, dass Edinburgh auch nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU ein wichtiges Finanzzentrum bleiben wird. „Große Player wie die Bank of Scotland (RBS), Standard Life, Aegon sowie wir werden weiterhin über Niederlassungen in der Stadt verfügen“, so Cammidge. Großbritannien werde damit auch in Zukunft ein wichtiger globaler Anbieter von Finanzdienstleistungen bleiben und auch in Kontinentaleuropa eine wichtige Rolle spielen. In diesem Zusammenhang dürfe man auch den starken Binnenmarkt, der zu den am weitesten entwickelten der Welt zählt, nicht vergessen.

Aber auch der  Experte räumt ein, dass sich die Player vor Ort infolge des Brexits gezwungen sehen könnten, Teile ihres Geschäfts in die EU auszulagern. Allerdings könnten Faktoren wie das etablierte und hochqualitative Angebot an Arbeitskräften, die unterstützende Infrastruktur sowie das lange Erbe als Finanzstandort nicht über Nacht anderswo erfunden werden. „Einem Unternehmen dürfte es alles andere als leicht fallen, den Mitarbeitern einen Umzug an einen anderen europäischen Standort schmackhaft zu machen“, so Cammidge.

Autor: Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

Bullen auf der Überholspur

Allianz Invest: Synchroner Wirtschaftsaufschwung in allen Regionen – Aktien übergewichten, Emerging Markets im Aufwärtstrend. (05.07.)

Ein seltener Fall: Die Beschleunigung des weltweiten Wirtschaftswachstums wird derzeit von allen Regionen unterstützt, wenngleich die Dynamik etwas nachlässt. „Wie auf der Autobahn sind im Augenblick alle mit ähnlichem Tempo im Fließverkehr unterwegs, die Unfallgefahr ist dementsprechend sehr gering. Den Sicherheitsgurt sollte man aber trotzdem anlegen“, erklärte Mag. Christian Ramberger, Geschäftsführer der Allianz Invest Kapitalanlagegesellschaft mbH, am 5. Juli  vor Journalisten. Positiven Einfluss hatten diese makroökonomischen Entwicklungen – und auch die Politik der Zentralbanken – in den vergangenen Monaten auf die Kapitalmärkte, die eine ungewöhnlich geringe Volatilität aufwiesen. „Der Aktienbullenmarkt setzt seine Fahrt auf der Überholspur fort. Ein Ende der Reise ist vorerst nicht in Sicht“, prognostizierte Ramberger.

Volkswirtschaftlicher Ausblick: Überall solides Wachstum
Wirft man einen Blick auf die volkswirtschaftlichen Prognosen für das dritte Quartal, so zeigen sich global erstmals seit Jahren einheitliche Entwicklungen. Das globale Wirtschaftswachstum wird 2017 wie erwartet zulegen. In den USA sorgt der Arbeitsmarkt für eine robuste Dienstleistungs- und Konsumnachfrage. Die Erholung des Ölpreises schlägt sich auch in der Industrieproduktion nieder, Investitionen ziehen an. Die Wachstumsprognosen wurden allerdings leicht reduziert, nachdem die Trump-Regierung die hohen Erwartungen an ihre Konjunkturmaßnahmen nicht erfüllt hat. In Europa wird das Wachstum – getrieben durch den Arbeitsmarkt und Exporte – sowohl von den Industrieländern als auch der Peripherie getragen.

Die globale Geldpolitik bleibe laut Allianz Experten weiterhin expansiv, jedoch rückten die Art und der Zeitpunkt der Normalisierung der Notenbankbilanzen und damit die Rücknahme der Liquiditätsspritzen bereits in den Fokus der Anleger. „Das wird ein Hauptthema für 2018 werden“, ist Ramberger überzeugt. Zu Jahresbeginn wurde aufgrund der Zinserhöhungen allgemein ein fester US-Dollar erwartet. Die Konsensus-Positionierung, die Makroentwicklungen sowie die Reduktion der politischen Risiken in der Eurozone haben jedoch die Trendwende des Euro bewirkt.

Chancen für Anleger in Q3: Aktien übergewichten
„Die globale Konjunkturdynamik spricht deutlich für eine Investition in risikobehaftete Anlageklassen. Im derzeitigen Umfeld raten wir daher Anlegern, Aktien über- und Anleihen unterzugewichten“, erklärt Mag. Doris Kals, Leiterin Asset Management Dachfonds in der Allianz Invest KAG, die Anlagestrategie der Allianz für das kommende Quartal.

Auf der Aktienseite empfiehlt die Allianz, Europa und Emerging Markets überzugewichten, Japan neutral zu halten und USA unterzugewichten. Für Aktien aus den Emerging Markets sprechen die positiven Wirtschaftsprognosen, die Bewertungen sind, relativ gesehen, eher günstig. Risikofaktoren bestehen aber weiterhin in wieder fallenden Rohstoffpreisen und den Zinserhöhungen der US-Zentralbank, die potenziell die Währungen belasten könnten. In Europa zieht das dynamische Wirtschaftswachstum die Unternehmensgewinne nach oben. Die Situation auf der Bewertungsseite ist aufgrund der langjährigen Underperformance des europäischen Aktienmarktes etwas entspannter. Politische Unsicherheiten wurden vorerst wieder ausgepreist, die anstehenden „Brexit“-Verhandlungen und Währungsentwicklungen bleiben als Unsicherheitsfaktoren bestehen. Die Vorlaufindikatoren der japanischen Wirtschaft zeigen ein erfreuliches Bild, die Inflation verharrt weiterhin um die Nulllinie. Der Gewinntrend japanischer Unternehmen hat sich fortgesetzt, wobei die starke Abhängigkeit vom Yen zu beachten ist. US-amerikanische Aktien sind nach der Trump-Rallye aus Bewertungssicht teuer, wenngleich weiterhin sehr profitabel. Die hohen Erwartungen an die US-Regierung wurden großteils wieder ausgepreist, wobei eine Steuersenkung 2018 noch im Raum steht.

Auf der Anleihenseite empfiehlt die Allianz, Emerging Markets überzugewichten, Unternehmens- und Euroland-Anleihen neutral zu halten sowie die USA unterzugewichten. Im Vergleich zu anderen Anleihemärkten ist der laufende Ertrag von in „Hartwährungen“ notierenden Emerging Markets-Anleihen von rund 5,4 Prozent attraktiv. Die Spreads bei Unternehmensanleihen im Investment Grad-Bereich sind mittlerweile stark zurückgegangen, eine weitere Reduktion sei kaum mehr zu erwarten. Auch im High Yield-Bereich sind die Spreadniveaus seit Jahresbeginn weiter gefallen, weshalb es sinnvoll erscheine, Positionen langsam abzubauen und Gewinne zu realisieren. Im Euroraum ist die Inflationsrate rohstoffbedingt auf 1,4 Prozent gefallen, die Kerninflationsrate liegt weiter stabil bei 0,9 Prozent. Mit der Verlängerung des Kaufprogramms bleibt die EZB auch bis Ende 2017 als Käufer attraktiv. „Den Anstieg langfristiger Zinsen sehen wir als begrenzt“, so Kals. Mangelnder Lohnauftrieb und leicht gesunkene Inflationserwartungen ließen die 10-jährigen US-Zinsen auf 2,1 Prozent absinken. Das weiterhin bestehende erhebliche Zinsänderungsrisiko lässt US-Anleihen unattraktiv wirken.

So verrechnen sich unsere Politiker

Bei neuen Steuerforderungen wird gern mit beeindruckenden Einnahmenschätzungen argumentiert. In den Niederungen der Praxis kann es dann aber anders aussehen.

Die SPÖ-Befürworter einer neuen Erbschaftssteuer berufen sich weitgehend auf den Bericht der Steuerreform-Kommission 2014. Steuerpflichtig wären demnach Land- und forstwirtschaftliches Vermögen, Grundvermögen, Betriebsvermögen, Finanzvermögen (Bargeld, Girokonten, Sparbücher, Anleihen, Aktien…) sowie sonstiges Vermögen wie Sammlungen, Antiquitäten, Fahrzeuge usw. Es soll für jede Person einen persönlichen Lebensfreibetrag von 1 Mio Euro geben. Der Eingangssteuersatz für 1 bis 5 Mio Euro soll bei 25 % liegen, Vermögen von 5 bis 10 Mio Euro wären mit 30 % zu besteuern, der höchste Steuersatz ab 10 Mio Euro läge bei 35 %. Dazu heißt es: „Das Aufkommen einer solchen Steuer kann auf 500 Mio Euro geschätzt werden.“

Dann folgt auch schon die Replik: „Aus Sicht der ÖVP-Mitglieder der Steuerreformkommission ist der SPÖ-Vorschlag zur Einführung einer Erbschafts- und Schenkungssteuer strikt abzulehnen.“ Unter anderem aus folgenden Gründen: Massive Benachteiligung von Familien; wenn keine liquiden Mittel vererbt werden, sei man gezwungen, Vermögen zu veräußern. Massive Benachteiligung von Unternehmensübergaben: Das Vermögen ist im Betrieb gebunden. Im Erbfall müsste betriebliche Substanz angegriffen werden.

Weiters: Seit der Einführung der Vermögenszuwachsbesteuerung sowohl bei Kapital- als auch Immobilienvermögen werde bei Vermögensübertragungen bereits der Vermögenszuwachs besteuert. Zusätzliche Besteuerung durch eine neue Erbschaftssteuer greife Substanz an. Gewarnt wir auch vor „überdurchschnittlich hohen Erhebungs- sowie Verwaltungskosten“: Denn die Steuer setze eine umfassende Erfassung und Bewertung aller Vermögensgegenstände des Erblassers voraus, also auch Gold,  Beteiligungen, Antiquitäten, Kunstgegenstände, Fahrzeuge etc. Dies sei administrativ sowohl aus Sicht der Steuerverwaltung als auch aus Sicht des Steuerpflichtigen sehr aufwändig und würde daher das Nettoaufkommen dieser Steuer deutlich schmälern.

Nicht nur deswegen kann Skepsis angebracht sein, ob das hereinkommt, was man sich wünscht. Und 500 Mio Euro jährlich ist ja nicht nichts. Die SP-Politiker nennen diese Schätzung zwar gerne, aber ohne Beispielrechnungen. Daher sei hier eine einfache Rechnung versucht: Ein Vermögen von 2 Mio Euro geht an einen Erben. Nachdem 1 Mio Euro davon steuerfrei wäre, würde beim 25 %igen Steuersatz die Steuerschuld des Erben 250.000 Euro ausmachen. Um auf 500 Mio Euro p.a. zu kommen, müssten also jedes Jahr 2.000 Österreicher sterben, die mindestens 2 Mio Euro Reinvermögen vererben. Wenn Vermögen an mehrere Erben fließen, die jeweils 1 Mio Euro Freibetrag in Anspruch nehmen, kann die Steuereinnahme selbst von 10 Mio Euro trotzdem Null sein, wenn es auf zehn Erben aufgeteilt ist. Und was ist, wenn Vermögenskategorien aus realpolitischer Räson oder mangels sinnvoller Bewertbarkeit von der Steuer ausgenommen werden? Auch dann kommt gleich mal weniger herein. Faktum ist: Es müssen jedes Jahr tausende Multimillionäre versterben, damit ein Steueraufkommen von 500 Mio Euro „nachhaltig“ Jahr für Jahr fließt. Der Bericht der Reformkommission spricht von unter „10.000 Erbschafts- und Schenkungssteuerverfahren pro Jahr“. Die Schwäche von statischen Einnahmenrechnungen ist, dass sie das Steuervermeidungsverhalten der Menschen nicht berücksichtigen. Wenn das im Falle einer Erbschaftssteuer absehbar auch passiert, ist zu befürchten, dass das Verrechnen der Politiker bald die „kleinen“ Erben zu bezahlen hätten. Etwa wenn der Freibetrag so schrumpft, dass die Steuer jedes mittlere Spar- oder „Häuslbesitzer“-Vermögen trifft.                   

Autor: Mag. Manfred Kainz  (redaktion@boersen-kurier.at)

Wirtschaftsboost: Digital ist nicht egal

Ein reibungslos funktionierender Binnenmarkt könnte 415 Mrd Euro Wirtschaftsleistung und hunderttausende Arbeitsplätze bringen.

Vor zwei Jahren wurde von der EU die „Strategie für einen digitalen Binnenmarkt“ geboren. Von der Kommission wurden dazu 35 Legislativvorschläge und politische Initiativen präsentiert. Nun hat die EU-Behörde kürzlich eine „Halbzeitbewertung“ vorgenommen. Darin nennt sie drei Bereiche, in denen am Weg zum digitalen Binnenmarkt weitere Maßnahmen erforderlich sind: Erstens, das volle Potenzial der europäischen Datenwirtschaft müsse ausgeschöpft werden.

Zweitens, europäische Interessen und Werte müssen geschützt werden: durch die „Bewältigung der Herausforderungen im Bereich der Cybersicherheit“. Und drittens sollen Online-Plattformen als „verantwortungsvolle Akteure in einem fairen Ökosystem des Internet“ gefördert werden. Der für den digitalen Binnenmarkt zuständige Vizepräsident der EU-Kommission, Andrus Ansip, fordert daher: „Wir brauchen cybersichere Infrastrukturen in allen Teilen der EU, damit alle überall von den Vorteilen der Hochgeschwindigkeitsanbindung in einem sicheren Umfeld profitieren können.“ Man habe auf EU-Ebene bereits strenge Vorschriften für den Schutz personenbezogener Daten beschlossen. „Jetzt müssen wir für den freien Fluss nicht personenbezogener Daten sorgen, um etwa die Vernetzung von Fahrzeugen und digitalen Gesundheitsdiensten zu unterstützen.“ Und nicht zuletzt, „brauchen wir Hochleistungsrechner und digital geschulte Arbeitnehmer, um das Beste aus der Datenwirtschaft zu machen“, so Ansip.

Begründet wird die Strategie von der Kommission mit beeindruckenden Zahlen: Ein reibungslos funktionierender digitaler Binnenmarkt könnte mit 415 Mrd Euro jährlich (!) zu unserer Wirtschaftsleistung und zur Schaffung von Hunderttausenden neuen Arbeitsplätze beitragen.

To-do-Liste
Im Handlungsfeld Cybersicherheit will die Kommission bis September diesen Jahres die europäische Cybersicherheitsstrategie um diese an den neuen EU-weiten Rahmen für Cybersicherheit anzupassen. Dafür wird man Vorschläge für zusätzliche Maßnahmen auf dem Gebiet der Cybersicherheitsnormen sowie der Zertifizierung und Kennzeichnung ausarbeiten, um die Cybersecurity vernetzter Objekte zu erhöhen. Im Bereich der Online-Plattformen will die Kommission bis Ende 2017 eine Initiative gegen missbräuchliche Vertragsklauseln und unlautere Handelspraktiken vorbereiten, die in den Beziehungen zwischen Plattformen und Unternehmen festgestellt wurden. Wettbewerbsrechtliche Beschlüsse gibt es schon, siehe Google. Eines der Ziele sind Fortschritte bei den verfahrenstechnischen Grundsätzen für die Entfernung illegaler Inhalte (Melde- und Abhilfeverfahren) auf der Grundlage von Transparenz und Schutz der Grundrechte. Und in der Datenwirtschaft bereitet die Kommission eine Rechtsetzungsinitiative zum grenzüberschreitenden freien Fluss nicht personenbezogener Daten vor, sowie eine Initiative zur Zugänglichkeit und Weiterverwendung öffentlicher und öffentlich finanzierter Daten.

Zugänge und Sicherheit
Betroffen vom digitalen Binnenmarkt sind natürlich auch die Finanzwirtschaft und deren Kunden. Der Börsen-Kurier hörte sich um, was man sich in der Branche in Sachen Strategie für einen digitalen Binnenmarkt wünscht: Dieser sollte einerseits grenzübergreifende Zugänge zu Finanzdienstleistungen erleichtern, und andererseits gleichzeitig die (grenzübergreifende) Datensicherheit gewährleisten. Das fordert etwa Martin Krebs, Global Head of Retail Investment Product Solutions der ING-DiBa AG. Die ING Group ist in 13 Ländern (in West- und Zentraleuropa sowie Türkei) aktiv und zählt zu den weltweit stärksten Digitalbankengruppen. Krebs sitzt in der Zentrale Frankfurt. Zwar sei man mit SEPA, MiFID 2 und dem EU-Pass für Fonds gut unterwegs, aber wo es „noch hakt“, sei etwa die steuerliche Behandlung von Fonds und Erträgen. Da sei Europa noch „fragmentiert“, das sei noch immer national unterschiedlich gehandhabt und „lokal dynamisch“. Wenn man als Plattform in nationalen Märkten nicht nur als Fondsverkäufer, sondern auch als Wertpapierbroker tätig sein wolle, müsse man die unterschiedlichen nationalen steuerlichen Behandlungen auf die Plattform stellen bzw. diese national adaptieren. Die deutschen und österreichischen Regeln etwa seien zwar ähnlich aber nicht ganz. Und zu den Zugängen gehöre eben auch „Sicherheit der Zugänge“. Beim Thema Datensicherheit seien die Kunden sehr sensibel. Wie die jüngsten Cyberattacken auf große Unternehmen in mehreren Ländern gezeigt haben, wird noch immer national damit umgegangen bzw. dagegen vorgegangen. Aber grenzüberschreitende Hackerangriffe ließen sich nur schwer national bekämpfen oder gar vorbeugen.

Autor: Mag. Manfred Kainz  (redaktion@boersen-kurier.at)

610 Mrd Euro suchen Veranlagung

Anlässlich des kommenden zweiten Geburtstages des Alternativfinanzierungsgesetzes (AltFG) zogen Experten und Praktiker eine Zwischenbilanz in Sachen neuer Finanzierungsinstrumente wie Crowdinvesting.

Für Christian Moser, Vizepräsident der WKNÖ, erfordern die Regulierungen in der Bankenlandschaft eine Umstellung bei der Finanzierung von KMU, Familienunternehmen und Gründern und eine Ergänzung der „drei F: Family, Friends & Fools“. Und es brauche eine Umstellung im Unternehmergeist, weg vom „Lieber kein Risiko eingehen“, sagte er bei einer Informationsveranstaltung der Sparte Information und Consulting (zu der auch die Fachgruppe der Finanzdienstleister gehört, Anm.) der WKNÖ.

Geld plus Zusatznutzen
Alternativfinanzierung kann eine „Nische“ füllen, die die traditionellen Finanzierungsinstrumente nicht erfüllen: also für Investitionen in ganz bestimmte Projektideen, betonte Gottfried Haber, Professor an der Donau-Uni Krems. Daher eignen sie sich für Neugründungen/Startups und für Wachstumsprojekte von KMU. Auch „Mischmodelle“ mit „Business Angel“ und „Crowd“ seien möglich. Abgesehen vom Geld gebe es noch vier „Zusatznutzen“: Kommunikationsschiene, die Möglichkeit des Erschließens neuer Absatzmärkte, die „regionale Wahrnehmung“, und man könne schon in einer frühen Projektphase „marktforschen“, ob die betreffende Idee gut ist.

610 Milliarden
Michael Holzer, der Obmann der Fachgruppe Finanzdienstleister der WKNÖ, verwies darauf, dass die Crowdinvesting-Plattformen, die sich an die freiwilligen Standes- und Ausübungsregeln der WKO für solche Plattformen halten, Qualität bieten. Laut Holzer gebe es in Österreich 610 Milliarden (!) Euro Sparvermögen, das in die Wirtschaft investiert werden könnte. Wegen des Risikos von Nachrangdarlehen würden Vermögensberater eine breite Streuung empfehlen.

Laut Philipp Bohrn, Geschäftsführer des Fachverbandes Finanzdienstleister der WKO, eigne sich KMU-Finanzierung gemäß AltFG für Summen zwischen 100.000 und 1,5 Mio Euro. Potenziellen Geldgebern steht ein „Informationsdokument“ zu, das von Dritten (Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Vermögensberater) geprüft werden muss. Aber: „Die Crowd kommt nicht automatisch, und man muss – statt einem Geldgeber (Bank) – viele potenzielle Geldgeber überzeugen können“.

Verlustausgleich
Einer der AltFG-Erfinder, Abg.z.NR Werner Groiß, hält Eigenkapitalfinanzierung mittels Genussrechten für das „wesentlich interessantere Instrument“ für Unternehmenswachstum als Nachrangdarlehen. Der Obmann der WKNÖ-Bezirksstelle Horn und Vorsitzende des parlamentarischen Finanzausschusses ist selbst Gesellschafter der Crowdinvesting-Plattform Regionalfunding GmbH. Der Praktiker wünscht sich daher, dass auch Stiftungen über Alternativfinanzierung Geld in Österreichs Wirtschaft veranlagen. Ein „nächster Schritt“, beispiels-weise eine steuerliche Verlustausgleichsmöglichkeit, würde „Rückenwind bringen“.

Gute Projekte knapp
Alternativfinanzierungen sollen Frühphasen von noch „geschichtslosen“ Unternehmen finanzieren, so Bernd Litzka, in der Austria Wirtschaftsservice GmbH für Business Angels zuständig. Er sieht als „knappe Ressource nicht Investoren, sondern gute Projekte“. Denn die Statistik zeige, dass nur ganz wenige Startups wirklich erfolgreich werden, und die müssen dann extrem hohe Rendite bringen, um die „Ausfälle“ zu kompensieren.

Lückenschluss
„Auch wir begrüßen alternative Finanzierungsinstrumente“, so der Bankenvertreter in der Runde Hermann Kalenda. Denn, so der Hauptabteilungsleiter Kommerzkunden Niederösterreich RLB NÖ-Wien und Geschäftsführer der ecoplus International GmbH, „Banken leben von Fremdfinanzierungen, die ohne Alternativfinanzierungen, die eine Lücke schließen, nicht möglich wären“.

100 Tage
Mit dem Projekt „Zukunft mitgestalten“ hat Herbert Wimberger, Gründer und Geschäftsführer des Sanitärtechnik-Herstellers WimTec, eine alternative Wachstumsfinanzierung umgesetzt.

Mittels Emission von nachrangigen Darlehen wollte man 750.000 Euro lukrieren und durch das „nach Außen gehen“ habe man das in 100 Tagen geschafft.

Autor: Mag. Manfred Kainz  (redaktion@boersen-kurier.at)

Europa-Aktien bieten gute Aussichten

Der Ausblick für europäische Aktien wird zurzeit immer positiver. Ein Marktkommentar von RAM AI. (28.06.)

Unserer Meinung nach gibt es hierfür hauptsächlich drei Gründe: Erstens sind an allen europäischen Märkten makroökonomische Verbesserungen zu beobachten. Sie weisen darauf hin, dass die Gewinne je Aktie den Erwartungen entsprechen oder diese übertreffen sollten, verbunden mit weiterhin starken Einkaufsmanagerindizes.

Zweitens haben sich die politischen Rahmenbedingungen für Anleger inzwischen konsolidiert – vor allem nach den Präsidentschafts-und Parlamentswahlen in Frankreich und den Niederlanden sowie Landtagswahlen in Deutschland. Und drittens konzentrieren sich Anleger zunehmend auf Fundamentaldaten. Dies schafft günstige Voraussetzungen für Investoren, die gezielt einzelne Aktien auswählen, und ist ein Hinweis, dass europäische Aktien weiterhin eine überdurchschnittliche Performance erreichen sollten.

Steigende Nachfrage der Anleger erwartet

Die Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone liegen auf sehr hohem Niveau, was uns vermuten lässt, dass die Dynamik zunimmt und die Aussichten für die Unternehmensgewinne in den nächsten Monaten besser werden sollten. In der Tat besteht eine enge Verbindung zwischen der Dynamik der Unternehmensgewinne und den Einkaufsmanagerindizes.

Seit Jahresbeginn hat sich der Trend des MSCI Euro klar verbessert und zeigt, dass sich die Wachstumserwartungen der Analysten für 2017 und 2018 erfüllen sollten. Dies ist auch der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zu verdanken, die zur Verbesserung der Gesamtsituation in der Eurozone beigetragen hat.

Politische Situation hat sich beruhigt

Die Wahl Emmanuel Macrons in Frankreich war für Europa eine erfreuliche Nachricht – eine der ersten positiven und aufbauenden Überraschungen für die Eurozone in den letzten vier Jahren. Politische Siege, die am Markt als positiv oder beruhigend aufgenommen werden, tragen zur Schaffung attraktiver Rahmenbedingungen für Anleger bei – ungeachtet der laufenden Brexit-Verhandlungen und der zurzeit in Großbritannien wegen der politischen Turbulenzen herrschenden Unsicherheit sowie der Möglichkeit, dass es in Italien zu vorgezogenen Parlamentswahlen kommt.

Letztes Jahr wurden per Saldo Gelder aus europäischen Aktien abgezogen, was auf Befürchtungen im Zusammenhang mit dem Brexit und auf andere politische Unwägbarkeiten zurückzuführen war. In diesem Jahr wurden die Abflüsse aus europäischen Aktien gestoppt, und diese werden mehr und mehr durch Mittelzuflüsse abgelöst. Wir beobachten eine stärkere Nachfrage nach unserem europäischen Aktienfonds und ein positives Zeichnungsaufkommen. Die Aussichten werden zunehmend positiv, und wir erwarten weitere Mittelzuflüsse. Vor allem bei Mid-/Small-Cap-Fonds sind solche positiven Mittelzuflüsse bereits sichtbar.

Relatives Bewertungsniveau ist attraktiv
Europäische Aktien sind im Vergleich zu US-Dividendentiteln nach wie vor attraktiv, und mit einer durchschnittlichen Dividendenrendite von 3,4 Prozent schneiden sie auch im Vergleich zu Benchmark-Rentenmarktpapieren wie z. B. zehnjährigen Bundesanleihen mit nur 0,25 Prozent Rendite gut ab. Nach unserer Einschätzung werden ausländische Anleger weiterhin europäische Aktien bevorzugen, weil diese eine positive Dynamik besitzen und weil die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen besser werden.

Aktuelle Positionierung unserer Long-Strategien
Seit Jahresbeginn haben wir in unserem entsprechenden Fonds die Gewichte in Kontinentaleuropa – u. a. in Italien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz – zulasten Großbritanniens erhöht. Zudem ist unsere Entscheidung, die Gewichte zugunsten von Kontinentaleuropa zu verschieben, durch die wachsende Dynamik in einzelnen Ländern wie Italien beeinflusst worden. Die breite Streuung der Fundamentaldaten von Aktien im Industriesektor macht diesen zu einem Muss für unsere Long-Strategien; denn wir sehen aktuell mehrere attraktive Wachstums-, Momentum- und Substanzwerttitel, vor allem in den skandinavischen Ländern. In Schweden ist der Fonds nach wie vor am stärksten übergewichtet. Im Gegenzug wirken sich die derzeit negativen, fundamentalen Trends auf mehrere binnenwirtschaftlich ausgerichtete britische Mid- und Small-Cap-Unternehmen aus. Dies erklärt unsere teilweise starke Untergewichtung in Großbritannien, zu der wir in unserer Strategie mittlerweile übergegangen sind.

„Stock-Picking“ für überdurchschnittliche Performance
Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) scheinen nach mehreren Jahren mit positiven Renditen allerdings nicht gerade „günstig” zu sein, sodass ein selektives Vorgehen und die Identifizierung von Unternehmen mit starken Fundamentaldaten und „inneren” Qualitäten noch dringlicher geworden sind. Seit Jahresbeginn haben unsere drei selektiven und disziplinierten Strategiegruppen weiter Chancen wahrgenommen und die Performance des MSCI Europa dank ihrer klaren Betonung von Fundamentaldaten und Qualität um fast vier Prozent übertroffen.

Fazit: Europa ist interessant, und zwar sowohl aus einer Long-Only- wie auch aus einer Long-/Short-Perspektive. Eine gezielte Auswahl von Aktien sollte sich in diesem Jahr für Anleger lohnen

Bekannte Namen versprechen Gewinne

Infolge von Übernahmen und Fusionen werden Aktien defensiver Dauerbrenner immer seltener. Doch genau diese Aktiengruppe sollte nach Marktturbulenzen besonders gefragt sein.

Unter Qualitätsaktien versteht man Aktien von großen Unternehmen in meist marktführender Position, die sich durch stabile, permanent wachsende Erträge auszeichnen. Vor allem Firmen aus defensiven Branchen unter den Dividenden-Aristokraten des S&P-500-Index fallen in diese Kategorie. Sobald ein Unternehmen in der Lage war, über einen Zeitraum von 25 Jahren jedes Jahr in Folge die Dividendenausschüttung zu steigern, kann es als Dividenden-Aristokrat bezeichnet werden. In Europa ist die Dividendenkontinuität nicht so stark. Trotzdem gibt es auch hier solide wachstumsorientierte Unternehmen in der Hand reicher Unternehmer bzw. Großaktionärs-Familien, die vom Management die Verfolgung einer qualitativen Wachs­tumsstrategie einfordern. Als Kleinaktionär kann man dann genauso wie die großen Player das eigene Vermögen vermehren, wenn auch nur in bescheideneren Größenordnungen.

In die Familien-Konzern-Kategorie fällt beispielsweise Henkel (ISIN: DE0006048432), die in allen Bereichen ein organisches Wachstums aufweist und fast die Hälfte des Umsatzes mit Klebemitteln sowie 31 % mit Pflegeprodukten erwirtschaftet und noch ein Fünftel mit Wasch- und Reinigungsmittel umsetzt. Das um Sonderposten bereinigte betriebliche Ergebnis stieg von 2012 bis 2016 um 8 % p.a. und das Management strebt von 2016 bis 2020 ein durchschnittliches jährliches Wachstum des Ergebnisses je Vorzugsaktie von 7 bis 9 % an. Anleger konnten seit der Emission der Henkel-Vorzugsaktie im Jahr 1985 bis Ende 2016 bei Wiederanlage der Dividenden (ohne Steuerabzug) eine durchschnittliche jährliche Gesamtperformance von 12,3 % erzielen.

Ein interessantes Basisinvestment ist auch der Kosmetik-Konzern L’Oreal (FR0000120321), der zu
33,05 % im Besitz der Bettencourt-Meyers-Familie steht. Das Unternehmen kann auf mehr als 30 Jahre Dividendenerhöhungen blicken.

22 Jahre in Folge konnte auch der Nahrungsmittel- und Getränkegigant Nestlé (CH0038863350) die Dividende steigern. Die Rentabilität des investierten Kapitals ohne Firmenwerte und immaterielles Vermögen verbesserte sich 2016 um 180 Basispunkte auf 31,7 %.

Ein Wachstumsklassiker ist indessen der deutsche Medizintechnik-Konzern und Betreiber von Privatkliniken Fresenius SE & Co. KGaA (DE0005785604), dessen größter Anteilseigner mit 26 % die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung ist. Von 2013 bis 2016 konnte auf IFRS-Rechnungslegungsbasis der Gewinn pro Aktie von 1,92 auf 2,85 Euro gesteigert werden und der operative Cash Flow erhöhte sich von 2,34 auf 3,59 Mrd Euro. Im Zeitraum 2007 bis 2016 liegt das Gewinnwachstum pro Aktie bei 13,9 % p.a., weshalb ein für 2019 geschätztes KGV von 18,5 in Ordnung ist.

 

Blick über den Teich
In den USA kommt neben den üblichen fundamentalen Faktoren bei einigen fokussierten Firmen im Bereich Nahrungsmittel und Haushaltswaren Übernahmephantasie hinzu. Nach dem gescheiterten Versuch von Kraft-Heinz, Unilever zu übernehmen, könnten nun andere Firmen als Übernahmeziele ins Spiel kommen. Heiße Kandidaten dafür wären die beiden S&P 500-Dividendenaristokraten und Haushaltsartikel-Hersteller Colgate-Palmolive (US1941621039) und Kimberly-Clark (US4943681035), ebenso wie die  Frühstücksflocken-Anbieter Kellogg (US4878361082) und General Mills (US3703341046) sowie der Hersteller von Suppen und Snacks, Campbell Soup (US1344291091). Letzterer strukturiert um, senkt Kosten und visiert ein langfristiges Gewinnwachstum/Aktie von 5 bis 7 % p.a. an.              

Autor: Michael Kordovsky  (redaktion@boersen-kurier.at)

Ignoranz trifft Aktionärszorn

Nach der Übernahme durch die Schweizer Sastre Holding S.A. stand bei der letztwöchigen Hauptversammlung der Squeeze out auf der Tagesordnung der Hauptversammlung. An sich schon unerfreulich, wurde die Veranstaltung durch das Verhalten der Entscheidungsträger und Berater vollends zum Ärgernis.

Auch ich kann laut werden!“ Ein einziges Mal brach Vorstand Eduard Kranebitter aus der Phalanx nahezu gleichgültiger Vorstände, Aufsichtsräte, Großaktionäre und Berater zum Thema Squeeze out aus, als er eine kritische Frage erhielt.

Ganz anders die Lage beim Streubesitz. Dort kochten die Emotionen hoch. „Mir kommen fast die Tränen, dass ich so ein Unternehmen verlassen muss“, verdeutlichte ein Aktionär die Stimmung.

Schlecht vorbereitet, von den teuer bezahlten Beratern im Stich gelassen und uninteressiert an den Bedürfnissen der Privataktionäre, denen man in ihr letztes Glas Sekt wohl etwas Galle mischen wollte, so präsentierte sich der Vorstand bei der letzten öffentlichen HV der Schlumberger AG.

Streubesitz als Last?
Der Versuch aber, die zahlreich anwesenden Aktionäre mit einer – zu diesem Zeitpunkt bereits völlig uninteressanten – Präsentation des Vorjahres samt Ausblick und dem langatmigen und mehrmals wiederholten Verlesen von Vorschriften, rechtlichen Begründungen, Gutachten und Stellungnahmen einzulullen, scheiterte gründlich.

Von vornherein war klar: Man will die Streubesitzaktionäre loswerden, und das just zum 175-Jahr-Jubiläum des Sektherstellers – ein „schönes Geburtstagsgeschenk“, wie ein Aktionär später anmerken sollte. Jan Liljequist, Vertreter des Hauptaktionärs, formulierte es unmissverständlich: Grund für den Squeeze out ist für ihn, „zukünftige Entscheidungen (…) ohne Rücksicht auf Minderheitsaktionäre“ treffen zu können. Und dann sagte er etwas, was später noch für Aufregung sorgen sollte: dass aufgrund der geringen Liquidität der Aktie bereits seit Jahren „kein aussagekräftiger Kurs“ zustande komme.

Mit viel „Fachsprech“ begründeten dann Felix Wirth vom Gutachter PwC Advisory Services und Thomas Schaffer von TPA Wirtschaftsprüfung GmbH als gerichtlich bestellter sachverständiger Prüfer die Höhe des Abfindungsangebots und warum sie zu einem, wie Schaffer wortwörtlich sagte, „deckungsgleichen (!) Ergebnis“ gekommen seien.

Fazit des Versammlungsvorsitzenden, des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Peter Wilden: Alles entspreche den gesetzlichen Bestimmungen und die vorgesehene Barabfindung (26 Euro für Stamm- und 18,50 Euro für Vorzugsaktien) sei angemessen. Dass AR-Vorsitzender Frederik Paulsen aus „wichtigen persönlichen Gründen nicht hier sein kann und das sehr bedauert“ (Wilden), rief das Unverständnis vieler Anwesender hervor. Raunen im Publikum: „Den haben wir hier noch nie gesehen.“

Unverständliche Bewertung
Die Generaldebatte eröffnete IVA-Präsident Wilhelm Ra­singer, der anfangs noch sehr moderat die gute Entwicklung des Unternehmens lobte und, obwohl er den Abschied von Schlumberger von der Börse bedauere, „grundsätzliches Verständnis“ für diesen Schritt zeigte. Aller­dings wies er auf „gravierende Mängel“ des Gutachtens hin, vor allem auf die angenommene „extrem hohe Marktrisikoprämie“, die den Unternehmenswert nach unten drückt. Um ein teures und „sehr mühsames“ Überprüfungsverfahren noch zu verhindern, machte Rasinger einen, wie er es nannte, „konstruktiven Vorschlag“: Der Hauptaktionär solle das Angebot auf 26 Euro für Stamm- und Vorzugsaktien aufbessern, was insgesamt nur zu Mehrkosten von rund 1 Mio Euro geführt hätte.

„Weniger dezent“ als Rasinger drückte es der Würzburger Universitätsprofessor und Anlegerschützer Leonhard Knoll aus: Die Marktrisikoprämie sei „ganz offensichtlich Beschiss“, und dem Prüfer warf er das „Abnicken“ des Hauptaktionärsvorschlags vor: „In Deutschland dürften Sie das nicht machen!“

Auch für ihn war die Diskrepanz zwischen den Barabfindungspreisen von Stämmen und Vorzügen das „größte Ärgernis“. Dass die Berechtigung dafür aus der einschlägigen deutschen juristischen Literatur abgeleitet wurde – in Österreich gibt es dazu keinerlei Judikatur – sei „falsch, falsch, falsch“, so Knoll.

Insbesondere das Argument, dass das Stimmrecht einen wesentlich höheren Wert darstelle als die Vorzugsdividende, wollten viele Redner nicht akzeptieren. Ganz im Gegenteil: Bei einem beherrschenden Großaktionär habe das Stimmrecht keinerlei Wert mehr, so der einhellige Tenor der Streubesitzaktionäre. Ein Faktum, das in Deutschland auch von Gerichten so beurteilt werde.

Die Bemerkung von Wirth, dass die Bewertungen „im Einklang mit den Kursen“ stünden, sorgte insbesondere nach dem einleitenden Statement von Liljequest für Verwunderung. Oder, wie es ein anderer Aktionär ausdrückte: „Man kann nicht aus dem Kurs ablesen, was wir wert sind.“ Mehrfach wurde auch darauf hingewiesen, dass die Börsenkurse dann nicht relevant sind, wenn – wie in diesem Fall – die Bewertung nach der Discounted-Cash­flow-Methode erfolgt.

Für Aufregung sorgte – wie erwähnt – dabei vor allem die zugrunde gelegte Marktrisikoprämie. Niemals in den vergangenen 50 Jahren hätte es in der Praxis einen so hohen Wert gegeben, so das Argument. TPA-Mann Schaffer, der sich zuvor überhaupt nicht zu den Vorwürfen geäußert hatte und erst nach Aufforderung durch Wilden – sichtlich uninteressiert und provokant langsam – ans Rednerpult trat, begründete dies damit, dass es „seit der Finanzkrise neue Zeiten“ gebe und die „Historie nicht ausschlaggebend“ sei, was für die meisten Anwesenden nicht gerade glaubwürdig wirkte. Dementsprechend erwartet Rasinger „mögliche juristische Konsequenzen“ für Schaffer. Auf Nachfrage gab dieser aber keine Auskunft über die Versicherungssumme seiner Haftpflichtversicherung.

Schlussendlich erklärte der Vertreter von Sastre dann kurz und bündig, was bereits erwartet wurde: Es werde keine Erhöhung des Angebots geben. Und Notar Rupert Brix bekräftigte, dass nach österreichischem Recht Vorzugsaktionären kein Stimmrecht beim Squeeze out zusteht.

Nach fünfeinhalb Stunden Versammlungsdauer wurden dann die Anträge inklusive Ausschluss der Minderheitsaktionäre mit der 91,66-%-Mehrheit von Sastre durchgepeitscht. Einzig die Entlastung des Aufsichtsrats – da war Sastre nicht stimmberechtigt –  wurde mit symptomatischen 4.832 Nein-Stimmen und nur 111 Ja-Stimmen abgelehnt. Ein Kuriosum, das leider keinerlei Bedeutung mehr haben wird.

Autor: Marius Perger (mp@boersen-kurier.at)

Die Jagd nach den Schnäppchen

Die Anfangseuphorie rund um Donald Trumps Wahlsieg ist an der Börse längst verflogen. Das meint man beim Investmenthaus T. Rowe Price, wo man sowieso lieber nach unbeliebten Wachstumskandidaten sucht.

Die jüngsten Nachrichten rund um die Wahlen in Großbritannien sorgten kurzzeitig zwar für neue Schlagzeilen. Doch wirklich richtungsweisend bleiben die Geschehnisse jenseits des Atlantiks. Allein nach dem Wahlsieg Donald Trumps im vergangenen November legten zahlreiche Anleger große Hoffnungen in seine Ankündigungen. Das reichte von Investments in die Infrastruktur bis hin zur Reform des Steuersystems und des Gesundheitswesens. Nicht ohne Grund fand auf den Aktienmärkten eine Rotation von sogenannten Growth-Aktien in Value-Aktien, also in „werthaltige Titel“ statt. Letztere Gruppe umfasst eine Menge zyklischer Titel. Auch Finanz- und Energietitel waren nach dem Novemberereignis gefragt. Selbst bei russischen Aktien wurde zugelangt. Schließlich hatte der damals neu gewählte US-Präsident eine Besserung der Beziehungen mit Russland angekündigt.

Inzwischen scheint die Anfangseuphorie rund um Trumps Sieg an den Börsen wieder zu schwinden. Das zeigt sich etwa daran, dass allein seit Jahresbeginn 2017 Growth-Aktien wieder auf der Überholspur sind, und eine bessere Wertentwicklung zurückgelegt haben als Value-Aktien, zeigt Laurence Taylor, Aktien-Portfoliospezialist bei T. Rowe Price auf. Beim Global Focused Growth Equity Fund (ISIN: LU0143551892) seiner Gesellschaft habe man sich von den Rotationen ohnedies nicht beirren lassen, und blieb stets bei der Wachstumsstrategie. Dabei hebt Taylor hervor: „Grundsätzlich sind wir gegenüber der weiteren Preisentwicklung bei Öl und anderen Rohstoffen negativ eingestellt. Und viele Industrietitel sind uns schlicht zu teuer.“

Schließlich gibt es einen Überhang beim weltweiten Ölangebot. Daran konnte selbst die Verlängerung der Produktionskürzungen durch die Opec-Staaten und Russland nichts ändern. Die Notierung hat seit dem kurzen Anflug auf die Marke von 55 USD zu Jahresbeginn wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Zudem sinkt Chinas Appetit auf Industriemetalle, denn das Land wandelt sich von der Billigwerkbank der Welt hin zu einer Wirtschaft, in der der Dienstleistungssektor eine immer wichtigere Rolle spielt.

Im Fonds habe man Growth-Aktien sogar noch aufgestockt. Dazu zählen der süd-koreanische Handyhersteller Samsung Electronics (US7960502018) sowie der chinesische Online-Händler Alibaba (US01609W1027) aus Asien. Tatsächlich hat die IT-Branche eine besonders hohe Gewichtung im Fonds. Die Branche sei derzeit relativ günstig bewertet, der Abverkauf vor mehr als einem Jahr übertrieben gewesen, begründet Taylor die Aufteilung.

Unlängst habe man auch die Position beim japanischen Spielehersteller Nintendo (JP3756600007) aufgestockt und weiters Salesforce.com (US79466L3024) gekauft. Der US-Konzern bietet Unternehmen Cloud-Computing-Lösungen an. Nach enttäuschenden Zahlen gab es bei der Aktie einen Kursknick, den nutze man eben geschickt aus, umschreibt der T. Rowe-Price-Experte seinen Ansatz gegenüber dem Börsen-Kurier.

Auch im diskretionären Konsum – also jene Waren, die nicht unbedingt essentiell sind – findet das Fondsmanagement derzeit interessante Chancen. Hier findet gerade ein Wandel vom Einkauf in physischen Geschäften hin zum Online-Einzelhandel statt. Davon will man mit Aktien von Unternehmen wie dem Online-Reisebüro Priceline.com (US7415034039) und Amazon (US0231351067) profitieren.

Bleibt noch die Frage, wie lange die Rallye anhalten könnte. Derzeit geben sich die Experten zuversichtlich. Aus globaler Sich habe sich das Wachstumsumfeld verbessert. „Das globale BIP-Wachstum ist auf ein Plus von 3,5 % angestiegen. Für die Unternehmensgewinne bedeutet das, dass wir für 2017 nach Jahren der Stagnation einen positiven Trend erwarten“, meint Tilmann Galler Kapitalmarktstratege bei JP Morgan AM. Und das, so Galler, sollte die Aktienmärkte vorerst noch weiter unterstützen.

Autor: Raja Korinek  (redaktion@boersen-kurier.at)

Endspurt zu neuen Kapitalmarkt-Spielregeln

Mitarbeiterbeteiligungsstiftungen, Delisting-Regelung, Mittelstandsfinanzierungsgesellschaften: Vor der Sommerpause des Parlaments stehen anlegerrelevante Gesetze zum Beschluss an.

Gegen Ende der Legislaturperiode wird es betriebsam, auch was neue Regelwerke für den Kapitalmarkt Österreich und die Anleger betrifft. Einen Tag vor Erscheinen dieser Börsen-Kurier-Ausgabe, am 21. Juni, hat der Finanzausschuss des Nationalrates eine dichte Tagesordnung: rund 20 Themen stehen zur Behandlung. Dazu zählt unter anderem  das Mitarbeiterbeteiligungsstiftungsgesetz 2017. Der Entwurf ist eine gemeinsame Initiative von ÖVP  und SPÖ: Eine neue Art der betrieblichen Privatstiftung soll der Weitergabe von Aktien, der das Instrument nützenden AGs an ihre Mitarbeiter dienen. Finanzielles „Zuckerl“: Aktien bis zu einem Freibetrag von 4.500 Euro können pro Person dann steuer- und sozialversicherungsfrei an die Mitarbeiter übertragen werden. Argument der Erfinder: Solche Mitarbeiterbeteiligungsstiftungen sollen künftig vor feindlichen Übernahmen schützen, diese Stiftungen sollen also als starke Kernaktionäre dienen, denn die Mitarbeiteraktien verwaltende Stiftung würde die Stimmrechte einheitlich ausüben. Maximal 10 % der Stimmrechte soll so eine Mitarbeiterbeteiligungsstiftung halten dürfen. Die Dividenden werden an die Mitarbeiter weitergeleitet, und auch die Stiftung soll Steuererleichterungen haben. Zu Redaktionsschluss gab es dem Vernehmen nach kein Anzeichen, dass diese Grundzüge von den Regierungsfraktionen in Frage gestellt werden. Man habe den gemeinsamen Wunsch nach einem Kernaktionär, der auch in den Hauptversammlungen eine wesentliche Stimme sein könne.

Auch bei den geplanten Delisting-Regeln im neuen Börsegesetz zeichnete sich nicht ab, dass eine dringende Forderung von wesentlichen Interessensgruppen auf Anlegerseite im Finanzausschuss aufgenommen wird. Der Interessenverband für Anleger (IVA), der Schutzverband der Wertpapierbesitzer und , der aus HVs bekannte kritische Aktionär Rupert-Heinrich Staller u. a.  fordern als Delisting-Voraussetzung eine 90 % Mehrheit in der HV – analog zum Gesellschafterausschluss (Squeeze-out). Der aktuelle Gesetzesentwurf sieht nur eine 75-%-Mehrheit vor (im Begutachtungsentwurf waren es überhaupt nur 50 % plus 1). Die Kritiker betonen, dass wegen der geringen Aktionärspräsenz in den heimischen HVs selbst mit einem 75-%-Erfordernis ein Mehrheitsaktionär mit einem Stimmenanteil von deutlich unter 50 % ein Delisting erreichen könne. Die Drohung des Wegfalls der börslichen Handelbarkeit brächte den anderen Aktionären eine deutliche Entwertung ihrer Anteile. Und die  neuen Mitarbeiterbeteiligungsstiftungen bekämen gleich wieder einen Dämpfer, da man sie mit der jetzigen Delistingregelung wieder los wird – und die Mitarbeiter dann auf nicht börsehandelbaren Aktien sitzen. Trotzdem scheint sich die 90-%-HV-Mehrheits-Forderung bei den Regierungsfraktionen bisher nicht durchzusetzen.

Ebenfalls auf parlamentarischer Schiene ist das Mittelstandsfinanzierungsgesellschaften-Gesetz. Kleinanleger sollen sich über solche „MiFiGs“ an heimischen KMU beteiligen können, die MiFiGs sorgen mittels Kapitalstreuung für das Risikosplitting der Privatanleger. So dürfen nur höchstens 20 % des Kapitals einer MiFiG in eine Beteiligung angelegt werden und es müssen mindestens fünf Beteiligungen eingegangen werden, ohne dort eine beherrschende Stellung zu haben. KMU kämen damit an privates Eigenkapital heran, das jetzt ungenützt auf Sparkonten liegt. Für alle Gesetzesmaterien gilt jedenfalls: Die Plenumsbeschlüsse im Nationalrat sollen am 28. oder 29. Juni fallen. Und wer weiß, was „das freie Spiel der Kräfte“ noch für Änderungen bringt.

Autor: Mag. Manfred Kainz  (redaktion@boersen-kurier.at)

Hochprozentige Lockrufe des AC Milan

Silvio Berlusconi verabschiedete sich nach drei Jahrzehnten vom lombardischen Traditionsverein. Fußballaffine Anleger, die dem heutigen AC Milan Geld zur Verfügung stellen, haben sich als „Spielball“ neureicher Hasardeure zu sehen.

Nach langwierigen Verhandlungen übernahm im April die „Rossoneri Sport Investment Lux“ 99,9 % der Associazione  Calcio Milan S.p.A. Als Mann an vorderster Front hinter dieser Gesellschaft, die sich recht spektakulär den schwarz-roten Traditionsklub für 740 Mio Euro einverleibte, steht der 48-jährige chinesische Investor Yonghong Li. Damit verabschiedete sich die Fininvest Holding AG (an der Silvio Berlusconis Mediaset AG mit 38,2 % und der Mondadori-Verlag mit 50 % beteiligt sind) endgültig aus der jahrzehntelangen „Patenschaft“ des populären Mailänder Sportklubs. Der plötzlich in den Medien präsente Li ist laut der Wirtschaftszeitung Il Sole 24 ORE in seinem Heimatland Eigentümer von Unternehmen der Verpackungsindustrie, Phosphatminen und Immobilien. Die Vermögenslage seiner Beteiligungen wird auf rund 500 Mio Euro beziffert. Entsprechend lässt der Kaufpreis des 1899 gegründeten Traditionsvereins aufhorchen und wirft Fragen auf. Das Ensemble rund um den aufsteigenden Chinesen finanzierte die Übernahme teilweise über ein Darlehen des Hedgefonds Elliott Management Corp. (im Besitz des US-Investors Paul Singer). Pikant sind die Bedingungen, die sich Elliott Management für das 303 Mio-USD-Darlehen herausnahm: 11 % (!) Verzinsung, dazu gesellt sich eine Vermittlungsprovision von 15 Mio Euro.

Der AC Milan setzte nach den zuletzt verfügbaren Daten ohne Transfererlöse knapp 200 Mio Euro/Jahr um. Damit wechselte der prominente Verein um einen Betrag von nicht weniger als 370 % (!) des Budgets den Eigentümer.

Fern von Transparenz
In italienischen Medien wurde der Zweck der dualen Bondausgabe über die Wiener Börse (die Laufzeit ist 16 Monate, ausgestattet mit 7,7 %-Kupons) transportiert, aber widersprüchlich: Nach Angaben der Fachzeitschrift Calcio e Finanza ist die Gesamtemission mit der anstehenden Rückzahlung des Elliott-Darlehens und für Flexibilität auf dem Spielermarkt verbunden. Il Sole 24 ORE definierte den singulären Zweck der Emission der „Serie 1“-Anleihe (ISIN: IT0005254435) in Höhe von 73,7 Mio Euro, aber als Refinanzierung des Klubs zur vorrangigen Ablöse von Krediten an italienische Banken.

Dagegen diene nur die Platzierung der „Serie 2“-Bonds (IT0005254443) mit einem Volumen von 54,3 Mio Euro der Liquiditätsbeschaffung für Spielertransfers. Die seit 26. Mai erfolgte Quotierung der hochverzinslichen Milan-Anleihen im Gesamtumfang von in Summe 128 Mio Euro auf dem Wiener Kurszettel, wird von der heimischen Börse als Standortgewinn gelobt. In einem „Private Placement“ wurden die Schuldscheine vorerst von Elliott Management selbst gezeichnet. Da noch kein Umsatz stattfand, gibt es aktuell keine Kursstellung. Spekuliert der US-Fond, bei einer Zahlungsunfähigkeit der Chinesen über eine „Bond to Stock-Conversion“ später weit günstiger in das AC Milan-Eigentumsverhältnis zu gelangen? Auf Anfrage zu nicht vorhandenen Prospekten und dem Risiko für diese Listung im Dritten Markt des „Corporates Standard“-Segments, äußert sich Florian Vanek, Abteilung „Market & Product Development“ der Wiener Börse „Die Hohe Stückelung von 100.000 Euro ist an börsenqualifizierte Personen gerichtet und ab dieser Größen-einheit sind nach EU-Richtlinien keine weiteren Unterlagen zu erstellen. Zudem erfordert es der Dritte Markt nicht. Die Auflagen wurden erfüllt.” Durch ein offensives Agieren sei die Wiener Milan-Quotierung gegen Konkurrenten (Luxemburg, Dublin) im Unter-nehmenssegment der Bonds durchgesetzt worden, erklärt Vanek. Als Begründung, weshalb komplett gezeichnete Emissionen überhaupt den Weg an die Börse finden sollen, nennt er die „steuerlichen Sekundäreffekte“ für italienische Gesellschaften. Die hohe Mindesteinheit und eine Kuponzahlungsfrequenz von sechs Monaten lässt offen, ob seitens des AC Milan oder Elliott beabsichtigt ist, in der Folge Anleihen-Fonds mit riskantem Anlageprofil über die Wiener Börse anzulocken.  Oder gar Anleger anzuziehen, die kompromisslos auf eine  Gewinnmaximierung schielen? So könnte der US-Fond natürlich nach und nach Kontingente auf die Angebotsseite stellen. Klar ist: Der Klub, der das Wappen
der Stadt Mailand im Emblem trägt, verlor während der vergangenen drei Jahre schätzungsweise 250 Mio Euro. Auch wenn für kommende Saison die Qualifikation für die Europa-League geschafft wurde, 43 % des Spielerpools besteht aus Legionären.  Spricht Bände für die galoppierende Kostenseite. Mit dem neuen Reglement der UEFA-Financial Fairplay Rules (FFP), ist die  derzeitige Finanzstruktur des Klubs zudem noch nicht in Einklang gebracht. Auf die niedrigen Anforderungen des Börsengesetzes (siehe „Disclaimer“ Dritter Markt der Wiener Börse), sollte ein Auge geworfen werden.

Ein „Geschäft“ für den Medienzaren
Bei einer Querbetrachtung eines anderen Schauplatzes fehlt es an einer eigenartigen Auf-fälligkeit in diesem Zusammenhang nicht: Zur Zeit der vermutlichen Einfädelung des Verkaufsdeals zu Jahresende, verdoppelte sich die Notiz der Mediaset-Aktie von rund 2,40 auf 4,80 Euro binnen weniger Handelstage. Ein Aufatmen im Umfeld des streitbaren Politikers Berlusconi, Fininvest habe die zuletzt sportlich nicht erfolgreiche Tochter zu einem absurd hohen Preis losschlagen können? Platzt bis Oktober 2018 die Finanzvereinbarung zwischen Li und Singer (aus welchem Grund auch immer), sieht die rechtliche Seite weiterer Bondholder in diesem Konstrukt unklar aus.

Was bietet die AC Milan AG noch an Perspektiven?  Einen glorreichen Namen und Emotionalität! Viele Leser sahen mit dem Spielerpotential des Klubs in den 90er-Jahren (Ruud Gullit, Marco Van Basten, Paolo Maldini und Frank Rijkaard) Fußball von einem anderen Stern. Von einem „anderen Stern“ steht auch die Verzinsung der Anleihen. Eine nüchterne Herangehensweise ist ratsam. Bekanntlich schaltet nichts eher ein rationelles Handeln aus als Sportleidenschaft und Partnerschaften.

Und in letzter Instanz steht nicht ein Gianluigi Buffon zur Verfügung, um das Schlimmste zu verhindern.

Autor: Roman Steinbauer  (redaktion@boersen-kurier.at)

Risiken für eine globale Erholung

Während der vergangenen zwei Jahre ist die Weltwirtschaft gewachsen. Aber sie fluktuierte zwischen Phasen rapiden Wachstums und solchen der Entschleunigung. Zwei Episoden insbesondere haben während dieser Zeit einen Rückgang der Aktienkurse in den USA und weltweit von rund 10 % verursacht.

Während der vergangenen zwei Jahre ist die Weltwirtschaft gewachsen. Aber sie fluktuierte zwischen Phasen rapiden Wachstums und solchen der Entschleunigung. Zwei Episoden insbesondere haben während dieser Zeit einen Rückgang der Aktienkurse in den USA und weltweit von rund 10% verursacht. Zeichnet sich hier ein Muster ab, oder wird sich die unbeständige globale Erholung stabilisieren?

Die erste Episode kam im August/September 2015, als viele Beobachter fürchteten, dass die chinesische Wirtschaft auf eine harte Landung zusteuere. Die zweite Episode im Januar/Februar 2016 rührte ebenfalls aus Befürchtungen über China her. Doch die Anleger waren zugleich zunehmend besorgt über das sich verlangsamende US-Wachstum, einbrechende Öl- und Rohstoffpreise, schnelle Zinserhöhungen seitens der US Federal Reserve und eine unkonventionelle Geldpolitik mit Negativzinsen in Europa und Japan.

Jede Entschleunigungsepisode dauerte etwa zwei Monate, und dann kehrte sich die Korrektur der Aktienpreise um. Die Befürchtungen der Anleger verwirklichten sich nicht, und die Notenbanken begannen, ihre Geldpolitik zu lockern oder setzten (im Falle der Fed) ihre Zinserhöhungen aus.

Als drittes Beispiel könnte man die Phase nach dem Brexit-Referendum Großbritannien im Juni 2016 anführen. Doch diese Episode war kurzlebiger, und sie verursachte keinen globalen Abschwung. Dies lag an der geringen Größe der britischen Volkswirtschaft und der gelockerten Geldpolitik dieser Zeit. Tatsächlich war die Weltwirtschaft in den Monaten vor Donald Trumps Wahl zum US-Präsidenten im November in eine neue Phase des Wachstums eingetreten, wenn auch in eine, in der das Wachstumspotenzial der entwickelten Länder und der Schwellenländer niedrig blieb.

Wir mögen noch immer in einer Zeit niedrigen potenziellen Wachstums leben, die der Internationale Währungsfonds als „neue Mittelmäßigkeit“ bezeichnet und die die Chinesen die „neue Normalität“ nennen. Und doch nimmt die Wirtschaftsaktivität in den USA, Europa und der Eurozone, Japan sowie wichtigen Schwellenmärkten zu.

Aufgrund neuer Konjunkturimpulse hat sich Chinas Wachstumsrate stabilisiert. Auch in Schwellenmärkten wie Indien, anderen asiatischen Ländern und sogar in Russland und Brasilien, die zwischen 2014 und 2016 Rezessionen erlebten, hat sich die Lage verbessert. Selbst bevor die US-Präsidentschaftswahl also zu „Trump-Geschäften“ inspirierte, signalisierte ein Trend hin zu riskanteren Anlageklassen eine neue Phase bescheidenen globalen Wachstums.

Die jüngsten Wirtschaftsdaten aus aller Welt legen nahe, dass sich das Wachstum nun beschleunigen könnte. Und doch lässt sich die Möglichkeit nicht ausschließen, dass das derzeitige Wachstum einem neuerlichen globalen Abschwung – wenn nicht gar einem ausgewachsenem Konjunktureinbruch – Platz macht, wenn sich bestimmte Risiken verwirklichen.

So waren die Märkte in Bezug auf Trump eindeutig zu optimistisch. Der US-Präsident wird es nicht schaffen, irgendeinen seiner radikalen wachstumspolitischen Vorschläge durchzubringen, und die politischen Änderungen, die er umsetzen wird, werden nur begrenzte Auswirkungen haben. Anders als in den Prognosen des Haushaltsentwurfes der Regierung angegeben, liegt die Chance, dass sich das Wirtschaftswachstum in den USA von 2 auf 3 % erhöht, nahezu bei null.

Zugleich haben die Märkte die mit Trumps politischen Vorschlägen verbundenen Risiken unterschätzt. So könnte die Regierung noch immer protektionistische Maßnahmen verfolgen, die einen Handelskrieg auslösen würden, und sie hat bereits Einwanderungsbeschränkungen erlassen, die das Wachstum vermutlich bremsen werden, indem sie das Angebot an Arbeitskräften verringern.

Auch könnte Trump weiterhin jene Art von korporatistischem Mikromanagement betreiben, das die Investitionstätigkeit des privaten Sektors sowie Beschäftigungs-, Produktions- und Preisentscheidungen stört. Und seine haushaltspolitischen Vorschläge würden in einer Volkswirtschaft, in der ohnehin schon nahezu Vollbeschäftigung herrscht, für übertriebene Konjunkturimpulse sorgen. Dies würde die Fed zwingen, die Zinsen noch stärker anzuheben, was die langfristigen Zinsen erhöhen, den US-Dollar stärken und so den US-Aufschwung behindern würde.

Tatsächlich hat Trump bereits für eine derart profunde fiskalpolitische Unsicherheit gesorgt, dass die Fed bei ihren eigenen politischen Entscheidungen einen Fehler machen könnte. Erhöht sie die Zinsen nicht rasch genug, könnte die Inflation außer Kontrolle geraten. In diesem Fall müsste die Fed dann die Zinssätze sehr schnell anheben, um dieses Versäumnis auszugleichen – auch auf die Gefahr hin, dass sie dadurch eine Rezession auslöst. Ein verbundenes Risiko sind zu langsame Zinserhöhungen, die zu einer Vermögensblase und all den mit ihrer unweigerlichen Entleerung verbundenen Gefahren führen könnten: eingefrorenen Kreditmärkten, steil steigender Arbeitslosigkeit, einem deutlichen Konsumrückgang usw.

Die derzeitige Vorsitzende der Fed, Janet Yellen, wird kaum einen Fehler machen. Doch im Verlaufe des nächsten Jahres hat Trump die Möglichkeit, fünf (möglicherweise sogar sechs) neue Mitglieder für das Führungsgremium der Notenbank zu ernennen. Wenn er hier schlechte Entscheidungen trifft, wird sich das Risiko ernster strategischer Fehler deutlich erhöhen.

Die Märkte unterschätzen zudem die heutigen geopolitischen Risiken, von denen viele aus Trumps verwirrter und riskanter Außenpolitik herrühren. Tatsächlich könnte die Weltwirtschaft durch eine ganze Reihe von die USA einbeziehenden Szenarien aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Eine militärische Konfrontation zwischen den USA und Nordkorea scheint inzwischen durchaus möglich. Gleiches gilt für einen diplomatischen oder militärischen Konflikt zwischen den USA und dem Iran, der zu einer Erschütterung beim Ölangebot führen würde, oder einen Handelskrieg zwischen den USA und China, der dann zu einem größeren geopolitischen Konflikt eskaliert.

Aber Trump ist nicht das einzige globale Risiko. China ist auf eine neue Runde kreditgestützter Anlageinvestitionen verfallen, um seine Wachstumsrate zu stabilisieren. Dies bedeutet, es wird mittelfristig mit zusätzlichen toxischen Vermögenswerten, Schulden, Fremdkapitalisierung und Überkapazitäten zu kämpfen haben. Und weil Wachstum und wirtschaftliche Stabilität im weiteren Verlauf dieses Jahres beim Nationalkongress der Kommunistischen Partei Chinas ganz oben auf der Tagesordnung stehen werden, wird die Diskussion über die Neuausrichtung des Wachstums und die Umsetzung von Strukturreformen an Bedeutung verlieren. Doch sollte China bis zum nächsten Jahr nicht Strukturreformen einleiten und seine Schuldenexplosion begrenzen, wird das Risiko einer harten Landung zurückkehren.

In Europa haben die jüngsten Wahlergebnisse in den Niederlanden und Frankreich (sowie günstige Erwartungen in Bezug auf die Bundestagswahl in Deutschland im September) das Risiko, dass dort Populisten an die Macht kommen könnten, verringert. Doch die EU und die Eurozone stecken noch immer in einem wirtschaftlichen Sumpf. Und die Befürchtungen der Märkte über ein Auseinanderbrechen der Eurozone werden zurückkehren, wenn bei den möglicherweise schon im Herbst stattfindenden Parlamentswahlen in Italien die eurofeindliche 5-Sterne-Bewegung an die Macht kommt.

Eine robustere, dauerhaftere weltweite Konjunkturerholung im kommenden Jahr wird primär davon abhängen, ob die Politik Fehler vermeidet, die diese behindern könnten. Zumindest wissen wir, wo diese Fehler am ehesten passieren könnten.

Aus dem Englischen von Jan Doolan

Autor: Nouriel Roubini ist CEO von Roubini Macro Associates und Professor für Ökonomie an der Stern School of Business der New York University. Aus dem Englischen von Jan Doolan, © Project Syndicate 1995 – 2017

Zwei Szenarien für den Brexit

SYZ Asset Management zeichnet zwei Szenarien für den Brexit und die europäischen Märkte nach der britischen Wahl. (09.06.)

Die Parlamentswahl in Großbritannien ist so verlaufen, wie viele Experten es erwartet und befürchtet haben: Die Konservative Partei hat die meisten Stimmen erhalten, allerdings mit einem sehr geringen Vorsprung. Dadurch hat Theresa May ihre Wette verloren, durch Neuwahlen eine neue, komfortable Mehrheit zu gewinnen. SYZ Asset Management rechnete schon Anfang dieser Woche mit einem solchen Wahlausgang, der durch ein „Hung Parliament“ nicht nur die Brexit-Verhandlungen verkomplizieren sondern auch die Markterwartungen enttäuschen wird.

Hartwig Kos, Vize-CIO und Co-Head des Multi-Asset-Teams, und Mike Clements, Leiter Europäische Aktien, beide bei SYZ Asset Management, stellen Ihnen ihre Analyse und Szenarien der politischen und marktwirtschaftlichen Auswirkungen des Wahlausgangs vor.

Hartwig Kos, Vize-CIO und Co-Head Multi-Asset Team bei SYZ Asset Management, über die möglichen politischen Folgen der gestrigen Wahl:

„Während Theresa May in den nächsten Wochen und Monaten dafür kämpft, an der Macht zu bleiben, dürfte insbesondere der Pound volatil sein. Unserer Ansicht nach wird May extreme Schwierigkeiten haben, sich im Amt zu halten, denn das Wahlergebnis stellt ein klares Misstrauensvotum der britischen Wähler gegenüber der Premierministerin dar. Innerhalb der Konservativen Partei ist daher mit ziemlich viel Gezänk und Schuldzuweisungen zu rechnen.

Zwar würden die Konservativen von einer Koalition mit der Tory-freundlichen Democratic Unionist Party (DUP), der größten protestantischen Partei Nordirlands, profitieren. Denn damit hätten sie im House of Commons genug Sitze für eine Mehrheit. Jedoch sind solche Koalitionen zerbrechlich und werden die Verhandlungen um den Brexit mit Sicherheit erschweren.

Wahlen wurden überhaupt erst angesetzt, damit die Premierministerin durch eine größere Tory-Mehrheit mehr Flexibilität bei den Verhandlungen mit der Europäischen Union (EU) erhält. Diese Flexibilität wird bei einer sehr knappen Mehrheit im Parlament und der DUP als Koalitionspartner – diese ist mehrheitlich dem Lager der Brexit-Befürworter „Brexiteers“ zuzuordnen – wesentlich schrumpfen.

Zwei verschiedene Szenarien sind unserer Ansicht nach möglich:

  • Entweder gibt es einen vollständigen und harten Brexit, der von den „Brexiteers“ unter den Konservativen und der DUP geführt wird,
  • oder die Verhandlungen mit den europäischen Partnern – wenn diese eine Verlängerung der Gespräche nach zwei Jahren überhaupt erlauben – werden sich endlos in die Länge ziehen, vielleicht sogar bis zur nächsten Parlamentswahl, verursacht durch die Spaltungen innerhalb der Tory Party und die eindeutigen Schwächen, die mit einer Koalition verbunden sind.“

Mike Clements, Leiter Europäische Aktien bei SYZ Asset Management, über die Konsequenzen der Wahl über die Märkte:

„Die britische Wahl hat zwar politische Schockwellen verursacht, aber nicht genug, um die britischen oder europäischen Märkte in Bewegung zu versetzen, die diesen Morgen höher handelten. Wir sehen mittelfristiges Potenzial für Chancen in Großbritannien, je nachdem, welche Erfolge die neue britische Regierung bei den Brexit-Verhandlungen erzielt. Unklar ist allerdings, inwiefern das dramatische Ergebnis von gestern Marktstürze wahrscheinlich macht.

Einerseits ist Großbritannien dank Theresa Mays gescheiterten Versuchs, eine größere Mehrheit zu bekommen, nun in einer schwächeren Verhandlungsposition mit der EU als vorher. Andererseits steigt mit diesem Ergebnis die Wahrscheinlichkeit, dass das Land größere Kompromisse mit der EU wird eingehen müssen. Dies würde eher einen „sanften“ anstelle eines „harten“ Brexit bedeuten und das Risiko einer akuten Volatilität verringern.

Das Risiko von Kursdifferenzen auf den Märkten bestünde in dem Fall, wenn ein Verhandlungsengpass ein politisches Patt und dementsprechend eine Marktpanik verursacht. Die beste Haltung für Investoren lautet unserer Meinung nach: Ruhig bleiben und weitermachen. Wir werden die Entwicklungen weiterhin beobachten und Volatilitätsmomente für attraktive Markteinstiege suchen und bewerten.“

Gewinne mit unterbewerteten Immo-Aktien

Für viele europäische – und auch österreichische – Immobilienaktien sprechen neben der lockeren Geldpolitik der EZB auch geringe Finanzierungskosten.

Im vergangenen Herbst und auch Anfang 2017 zählten europäische Immobilienaktien nicht gerade zu den Top-Performern an den Börsen. Während sich vor allem zyklische Werte stark entwickelten, hinkten etwa deutsche Bond-Proxies wie LEG Immobilien, Deutsche Wohnen oder Vonovia dem Gesamtmarkt doch recht deutlich hinterher. Wie Martin Rupp, Fondsmanager bei der 3 Banken-Generali Investmentgesellschaft, erklärt, sei dahinter in erster Linie die Angst der Investoren vor steigenden Zinsen gestanden.

In den vergangenen Wochen hat sich das Blatt allerdings gewendet und europäische Immobilienaktien haben zu einem neuen Höhenflug angesetzt. Rupp führt die Erholung darauf zurück, dass die Angst vor einer Zinswende nunmehr zurückgegangen sei. Er verweist darauf, dass die Bilanzsumme der EZB kürzlich auf 4,2 Bio Euro angestiegen sei, weshalb sich die Frage stelle, ob ein Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik noch möglich sei, ohne größere Verwerfungen an den Kapitalmärkten zu verursachen.

„Wir sehen daher auf absehbare Zeit – im Gegensatz zu den USA – keine steigenden Zinsen in Europa und glauben weiterhin an eine repressive Notenbankpolitik, die versucht ist, das nominelle Zinsniveau unter der Inflationsrate zu halten“, so Rupp weiter. Für europäische Immobilienaktien spreche auch, dass sich die Finanzierungskosten weiterhin auf einem Rekordtief befinden – und sogar weiter zurückgehen. „Viele Immobiliengesellschaften haben sich das attraktive Refinanzierungsniveau für einen längeren Zeitraum gesichert“, bestätigt Stefan Scharff, Analyst bei SRC Research.

Als gutes Beispiel dafür, wie Branchenplayer das aktuelle Umfeld genutzt haben, um ihre fundamentale Ausgangslage zu verbessern, kann Unibail-Rodamco (ISIN: FR0000 124711) herangezogen werden. Das französische Immobilienunternehmen konnte seit 2010 seine durchschnittlichen Finanzierungskosten von 4 auf zuletzt 1,6 % reduzieren. Gleichzeitig wurde die durchschnittliche Finanzierungsdauer von 4,3 auf 7 Jahre verlängert. Erst kürzlich hat das Unternehmen eine Anleihe mit Laufzeiten von 12 bzw. 20 Jahren (Dual-Tranche) mit Kupons von 1,50 bzw. 2 % emittiert. Das macht Unibail-Rodamco im Falle eine Zinserhöhung in Europa weniger angreifbar als andere Player.

Laut Rupp bedeuten steigende Zinsen grundsätzlich nichts Schlechtes für den Immobiliensektor. „Wenn die nominalen Zinsen aufgrund einer steigenden Inflationserwartung steigen, die realen Zinsen aber nicht, sollte dies eigentlich keinen negativen Effekt auf die Bewertungen von Immobilienaktien haben“, sagt er. Der Hintergrund: Zumindest in Kontinentaleuropa wären die Mieteinnahmen inflationsindexiert. Steigen hingegen die Nominalzinsen infolge einer positiven Konjunkturentwicklung, so kompensiere wiederum das Mietwachstum bei Gewerbeimmobilien oft den negativen Effekt steigender Zinsen.

Auf der Liste der Wiener Kaufempfehlungen von Scharff stehen derzeit unter anderem CA Immo, Warimpex und UBM. Rupp gefallen auf europäischer Ebene aktuell Namen wie Vonovia, Klépierre, Deutsche EuroShop sowie Wereldhave. Am Wiener Börseparkett hat er weiters „die nach wie vor unterbewerteten Player“ CA Immo, Immofinanz und S Immo auf der Rechnung. „Kommt es zu einer Fusion zwischen CA Immo und Immofinanz so stellt sich die Frage, ob es auf längere Sicht nicht zu einer ,größeren Lösung’ mit Einbeziehung der S Immo kommen könnte.“ So könnten etwa hinter den jüngsten Aktienkäufen der S Immo (von CA Immo und Immofinanz, Anm.) durchaus auch andere strategische Interessen stehen.     

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

Der Logisitkonzern Waberer’s bereitet IPO vor

Im Sommer könnten die Papiere von Waberer`s International, einem internationalen Speditionsunternehmen, an der Budapester Börse eingeführt werden. Die Aktienemission eines so großen Unternehmens ist seit Jahren beispiellos in Budapest und könnte ein Beweis dafür sein, dass die Entwicklungsstrategie des neuen Eigentümers der Börse erfolgreich wird.

Bereits im Juli könnten die Aktien der Waberer’s Holding  im Rahmen einer öffentlichen Emission an der Budapester Börse gezeichnet werden.

Informationen der Financial Times zufolge wurde vom 97,1-%-Eigentümer, der Wagniskapital-Gesellschaft Mid-Europe, bereits der führende Abwickler des IPOs ausgewählt; dies soll die Citibank sein. Außerdem sollen noch die Erste Bank, Berenberg sowie die Renaissance Partners involviert werden.

Wenn die Börseneinführung zustande kommt, dann wird Waberer’s in Bezug auf die  Marktkapitalisierung sofort das fünftgrößte Unternehmen auf dem ungarischen Parkett sein. Der Umsatz der Speditionsfirma wuchs vergangenes Jahr um 9,1 % auf 571,4 Mio Euro, das EBITDA lag bei 76 Mio Euro, was einen Zuwachs um 12,1 % zum Vorjahr bedeutet.

Leere Versprechungen
Der Hauptinhaber der Budapester Börse, die Ungarische Nationalbank (MNB), hat eine glamouröse Einführung auch sehr nötig. Sie kaufte den Mehrheitsanteil am Handelsplatz im Herbst 2015 von der unter der Leitung der Wiener Börse stehenden CEESEG AG. Nach dem Kauf stellte die von der Notenbank eingesetzte neue Geschäftsleitung ihre optimistischen Entwicklungsstrategien für den Handelsplatz vor, die bisher aber noch kaum Ergebnisse brachten. Neue Börseneinführungen auf dem ungarischen Parkett wurden spärlich vollzogen – und auch keines der Unternehmen, das dies geschafft hatte, ist bezüglich der Marktkapitalisierung so groß, dass es international zumindest eine mittlere Kapitalisierung vorweisen könnte.

Delistings gibt es jedoch durchaus: Zuletzt wurde ein öffentliches Kaufangebot für die Papiere der FHB Bank gemacht, und wenn dies erfolgreich sein wird, verschwinden die Aktien dieser Gesellschaft auch vom Parkett. Ein ähnliches Schicksal wartet auf die Papiere der BIF Immobiliengesellschaft.

Und dies, obwohl in den damaligen Strategien der neuen Geschäftsleitung stand, dass sie bis 2020 jährlich fünf neue Börseneinführungen vollziehen und 50 Unternehmen für den ersten Schritt aufs Parkett vorbereiten werden. Um diese Pläne wahr werden zu lassen, wurden bislang nicht viele Fortschritte gemacht. Laut Kennern des Marktes war dies auch einer der Hauptgründe,  warum der von der MNB delegierte Präsident der Budapester Börse, Marton Nagy, im Frühjahr seinen Posten verlassen musste, der dann vom Generaldirektor Richard Vegh übernommen wurde.                  

Tolles Umfeld
Die Stimmung scheint hingegen perfekt für eine größere Emission zu sein. Der BUX Index überflügelt seit Jänner 2015, nach vielen Jahren des Nachhinkens, viele andere Börsen weltweit. Die Kapitalisierung stieg in den vergangenen zwei Jahren auf mehr als das Doppelte, im Frühjahr lag sie sogar höher als beim bisherigen Höchststand 2007.

Waberer’s selbst plant schon lange eine Börsennotiz. Die Investoren bereiteten sich bereits im Sommer 2016 auf die Emission vor. Doch dann wurde überraschend bekannt gegeben, dass der Haupteigentümer György Waberer sein  56,8-%-Aktienpaket nicht über die Börse, sondern an die am Unternehmen bereits seit längerem beteiligte Wagniskapital-Gesellschaft verkauft hatte.

Waberer meinte damals, dass er deshalb so entschied, da aufgrund von Brexit und der Migrationskrise die Stimmung an den internationalen Kapitalmärkten unsicher geworden sei und sein IPO davon belastet sein würde. Laut Experten standen jedoch andere Beweggründe im Vordergrund, da sich die Kurse an der Budapester Börse nach dem ersten  Brexit-Schock wieder relativ rasch stabilisiert hatten.

Mid-Europe erklärte aber bereits damals, dass ein baldiger Börsengang weiterhin zu den Zukunftsplänen des Unternehmens zähle und auch verfolgt wird.

Autor: András Lovas-Romváry, Budapest  (redaktion@boersen-kurier.at)

Wie Banken von „PSD 2“ profitieren können

Die überarbeitete Fassung der Richtlinie über Zahlungsdienste der Europäischen Kommission öffnet den Markt im Zahlungsverkehr weiter für neue Dienstleistungen und forciert damit den Wettbewerb zwischen etablierten Bankinstituten und neu hinzukommenden Konkurrenten, insbesondere aus dem Bereich der Fintechs.

Im Fokus steht dabei die Anforderung an Finanzdienstleister, Systemschnittstellen zu schaffen, die es Drittanbietern (sogenannte third party providers, TPP) erlauben, im Auftrag des Kunden automatisiert Zugriff auf Kontodaten zu erhalten (sogenannte account information services, AIS) oder Zahlungen zu initiieren (sogenannte payment initiation services, PIS). Für alle Beteiligten (Banken, Drittanbieter und Endkunden) ergeben sich hieraus weitreichende Konsequenzen. Banken sind in besonderem Maße betroffen – müssen sie doch zahlreiche technische Anpassungen vornehmen und verlieren gleichzeitig ein Stück Exklusivität in Bezug auf ihre Kundenbeziehungen. Durch angemessene Strategien können auch Banken zu Nutznießern dieser regulatorischen Veränderungen werden – doch die Zeit drängt. Die PSD 2 (Payment Services Directive 2) ist von den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union bis zum 18. Jänner 2018 umzusetzen.

Mit der ersten Richtlinie über Zahlungsdienste (PSD, Inkrafttreten 2007) wurde ein einheitlicher Rechtsrahmen für den Zahlungsverkehr innerhalb der EU geschaffen. Mit der zweiten Zahlungsdiensterichtlinie (PSD 2) werden die zahlreichen neuen Marktteilnehmer (insb. Fintechs) berücksichtigt. PSD 2 zielt neben der Forcierung des Wettbewerbs insbesondere auf die Stärkung des Verbraucherschutzes, die Förderung von Innovationen, aber auch auf die Sicherstellung eines fairen Wettbewerbs zwischen den Zahlungsdienstleistern.

Damit sind substanzielle Auswirkungen auf den Markt und insbesondere auch auf die etablierten Institute zu erwarten. Durch die Offenlegung von Kontoinformationen (natürlich nur bei Kundenzustimmung) und die Durchführung von Zahlungsanweisungen bei Kundenwunsch kann den etablierten Kreditinstituten ein essentieller Kontakt zu ihren Kunden genommen und durch Dritte besetzt werden. Es ist damit zu rechnen, das Third Party Provider (TPP) auf Basis der von den Kreditinstituten bereitgestellten Daten Produkte, Dienstleistungen sowie neue Geschäftsmodelle entwickeln und damit den Wettbewerb verschärfen.

PSD 2 als Chance für etablierte Player
Angesichts der Veränderungen, die sich durch PSD 2 ergeben, sollte der Fokus bei Banken jedoch nicht (nur) auf den zur Umsetzung erforderlichen Infrastrukturmaßnahmen liegen, sondern vielmehr auf der Frage, wie die aus der Neuerung resultierenden Chancen optimal zu nutzen sind. Um von den Veränderungen im Wettbewerb profitieren zu können, müssen Banken angemessene, strategische Handlungsoptionen entwickeln:

1. Entwicklung neuer Geschäftsmodelle: Auch etablierte Banken können typische TPP-Produkte und -Services anbieten. Produktinnovationen an der Schnittstellen, wie etwa gebührenbasierte Premium-Services, die Dritten angeboten werden bzw. die Dritte Endkunden anbieten können, wären ebenfalls denkbar.

2. Stärkung des bestehenden Geschäfts: Eine substanzielle Verbesserung des Kundenerlebnisses ist notwendig, um ein Abwandern der Kunden zu neuen Konkurrenten aus dem Bereich der Fintechs zu verhindern. Dazu ist es erforderlich, Prozesse und die Interaktion mit Kunden (inkl. erforderlicher Technologien) zu verbessern. Durch eine moderne Dateninfrastruktur mit hoher Datenqualität können Innovationen und Technologien effizient integriert werden.

Ein reiner Fokus auf „Compliance“ mit regulatorischen Anforderungen wird jedenfalls nicht ausreichend sein, um sich langfristig am Markt behaupten zu können. Wie jeder Veränderungsprozess bietet auch die PSD 2 die Möglichkeit, sich durch rasche und flexible Anpassung vom Wettbewerb zu differenzieren. Insbesondere aufgrund der ohnehin erforderlichen und substanziellen Investitionen sollte ein innovationsorientierter Ansatz das Vorgehen der etablierten Finanzinstitute prägen.

Autor: Michael Widowitz, Associate Director bei the Boston Consulting Group und Experte für Risk Management 

„Delistingentwurf ist furchtbar“

Für den 13. Juni ist die 16. O. HV der conwert anberaumt. Der Börsen-Kurier sprach mit dem ehemaligen Verwaltungsvorsitzenden Alexander Proschofsky über gute und schlechte Delisting-Regeln.

Er war von Mai 2016 bis Jänner 2017 Vorsitzender des Verwaltungsrates der conwert Immobilien Invest SE: Schon davor war er als Aktieninvestor („Cube Invest“) bekannt und ob seines kritischen Engagements zu Meinl-Zeiten damals als „Börserebell“ tituliert: Alexander Proschofsky. Im Zuge der Übernahme von conwert durch die Vonovia SE hat er mit Wirkung des Ablaufs der außerordentlichen Hauptversammlung Ende Jänner sein Verwaltungsratsmandat niedergelegt. Im Gespräch mit dem Börsen-Kurier bekräftigt er, dass der damalige Verwaltungsrat und er die Übernahme unterstützt haben. Er habe ementsprechend das Übernahmeangebot angenommen und seine Aktien getendert. Das Angebot sei ein „fairer Preis“ gewesen, dazu stehe er. Mit seinem Engagement in conwert habe er also im Jänner gänzlich „abgeschlossen“.

Desaströs

Dass er kritischer Austro-Aktienanleger geblieben ist, zeigt sein Urteil über den Entwurf des neuen Börsegesetzes, das ja noch auf der Agenda der Noch-Regierung steht (der Börsen-Kurier berichtete vorige Woche). In dem Gesetzesentwurf sind auch neue Regeln für ein Delisting von der Wiener Börse vorgesehen. Pro­schofsky kritisch: „Ich hoffe sehr, dass das nicht so kommt.“ Der Entwurf sei „furchtbar“. Denn wenn, wie im Gesetzesentwurf intendiert, schon eine einfache Mehrheit in der HV ein Delisting beschließen könnte, wären die Aktionäre immer „dem größten Aktionär ausgeliefert“. Der erfahrene Investor Proschofsky meint, dass es nie im Interesse der Gesellschaft sei, von der Börse zu gehen, sondern immer „im Interesse eines Aktionärs“. Das Argument für Delis­ting, nämlich die Kosten der Börsepräsenz, hält er für „vorgeschoben“. In Wirklichkeit handle es sich um Unternehmen, die von einem Aktionär dominiert werden, der die AG-Organe „vorschickt“. Würde die Delisting-Regelung so wie im Entwurf kommen, wäre das ein harter Schlag für die Wiener Börse. Denn Aktionäre wären unter permanenter Bedrohung, dass „einer das Unternehmen von der Börse nimmt“. Fonds, die nur in börsenotierte Titel gehen dürfen, wären dann „genötigt“, solche Aktien sehr günstig an den Hauptaktionär abzugeben. So ein Szenario wäre „sicherlich nicht wertsteigernd“ für die hiesigen Aktiengesellschaften und „desaströs“ für den Kapitalmarkt Österreich. Einfache HV-Mehrheit für ein Delisting sei also „viel zu wenig“. Der Delisting-Entwurf sei bei internationalen Investoren „noch unter der Wahrnehmungsschwelle“ gewesen, aber wenn sich dessen Formulierung herumspricht, wäre es dem Kapitalmarkt Österreich sehr abträglich, warnt der Marktkenner. 

Bessere Regeln

Proschofsky ist zwar auch für klare Regeln für eine „Trennung“, aber nur, wenn sie „analog zu den Squeeze-out-Regeln“ gestaltet werden. Das heißt: zu einem „fairen“ Abfindungspreis und nur mit Zustimmung von mindestens 90 % des Grundkapitals. Der „faire Preis“ muss durch ein Unternehmensbewertungsgutachten festgestellt und vom Gremium zur Überprüfung der Barabfindung geprüft werden, das wäre die „beste Lösung“. Dazu würde auch dienen, dass dieses Überprüfungsgremium auch gleich reformiert würde: Statt staatlich „paritätisch“ besetzt, würde sich Proschofsky dort Fachleute aus der Praxis, „die was von Unternehmensbewertung verstehen“, wünschen. Durch die jetzige Praxis entstehen lange Squeeze-out-Prozederes, die man – etwa mit seinem Vorschlag – „straffen“ könnte.
Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

Ein gutes Jahr für Hochzinsanleihen

Experten bleiben weiterhin positiv für High-Yield-Anleihen aus den USA und Europa. Sie verweisen auf das Niedrigzinsumfeld sowie das „solide“ Wirtschaftswachstum. (08.06.)

Mit einem durchschnittlichen Ertrag von rund 14 % wird das Jahr 2016 High-Yield-Investoren in ganz guter Erinnerung geblieben sein. Die gute Nachricht: Experten erwarten, dass sich Unternehmensanleihen von Emittenten mit einem Rating von weniger als BBB auch heuer positiv entwickeln werden.

Zinsniveau Haupttreiber

Bei der britischen Fondsgesellschaft Kames Capital ist man weiterhin „konstruktiv“ für das High-Yield-Segment eingestellt. „Wie auch in den vergangenen Jahren ist das Niedrigzinsumfeld einer der Haupttreiber für die Assetklasse, ebenso wie die Tatsache, dass Investoren mit Staatsanleihen nichts verdienen können“, sagt Senior Fixed Income Specialist Adrian Hull gegenüber dem Börsen-Kurier. Ein weiterer Treiber sei auch das sich verbessernde makroökonomische Umfeld. „Sowohl in den USA als auch in Europa sehen wir solides Wirtschaftswachstum“, hält er fest.

Auch bei der Erste Asset Management verweist man darauf, dass sich die wirtschaftlichen und unternehmensspezifischen Fundamentaldaten in den letzten Monaten in Europa stark verbessert haben. „Und zwar auch in der Peripherie“, so Bernd Stampfl, Senior Fondsmanager des ESPA Bond Europe-High Yield. Die europäischen Unternehmen würden gut arbeiten und weiterhin versuchen, ihr Geschäft ins Reine zu bringen. Positiv ausgewirkt habe sich darüber hinaus, dass nach den Wahlen in Frankreich die politische Unsicherheit stark zurückgegangen sei.

Trotz der positiven Rahmenbedingungen ist auch Vorsicht angebracht. Kames-Experte Hull macht derzeit etwa eine „Junk-Rallye“ aus. „Mehr und mehr zweitklassige Unternehmen versuchen das positive

Umfeld zu nutzen und emittieren Anleihen“, sagt er. Er warnt etwa vor CCC-Emissionen ohne vertraglich festgeschriebene Kupons, bei denen der Emittent die Anleihegläubiger statt in bar mit noch mehr Anleihen bezahlen will – was nie ein gutes Zeichen sei. Vorsicht angebracht sei auch bei Anleihen, die von hochriskanten zweitklassigen privaten UK-Kreditnehmern zur Finanzierung von Darlehen begeben würden.

Schlechter performt haben in den vergangenen drei Jahren US-High-Yield-Bonds. Stampfl führt dies auf den hohen Anteil an Energietiteln im US-Hochzinsuniversum zurück. Diese Papiere würden darunter leiden, dass der Ölpreis trotz der jüngsten Förderungskürzung der OPEC zurückgegangen sei. „Das ist eine bestimmende und positive Entwicklung für den europäischen High-Yield-Markt“, so Stampfl. Er verweist darüber hinaus auf die stärkere M&A-Tätigkeit in den USA. Viele Unternehmen würden sich verschulden, um andere Firmen zu kaufen oder um Aktienkurspflege zu betreiben.

Auch US-Markt attraktiv

Aber auch am US-Markt dürfte für Investoren weiterhin etwas zu lukrieren sein. Für die Experten von J.P. Morgan Asset Management erscheinen US-Hochzinsanleihen weiterhin attraktiv, da sich das Wachstum in den USA gegenüber seinem Trendniveau verbessern dürfte, weil eine Steuerreform, weniger Regulierung sowie höhere Staatsausgaben erwartet würden. „Wir gehen davon aus, dass die meisten Emittenten weiter gute Fundamentaldaten aufweisen werden, denn das Ertragswachstum hat sich in den positiven Bereich bewegt“, sagt Michael Schoenhaut, Fondsmanager für Income-Strategien.

Bei Kames Capital bevorzugt man derzeit USD-Renditen. „Wir sind aber auch bereit, in Europa Chancen wahrzunehmen“, sagt Hull.

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

Super Jahr – mit oder ohne dritter Piste

Ein anhaltender Ansturm der Passagiere auf alle Flughäfen der Gruppe lässt ein weiteres sehr gutes Geschäftsjahr erwarten. Da gerät der Aufreger „3. Piste“ fast ein wenig in den Hintergrund.

Zwei volle Sattelschlepper an Unterlagen und Kopierkosten in Höhe von 250.000 Euro allein für die Projekteinreichung sind weitere erstaunliche Details, die Günther Ofner am Mittwoch der Vorwoche bei der HV seines Unternehmens bekanntgab. „Allein den Akt zu lesen, würde zwei Jahre dauern“, so der Flughafen-Chef über die überbordenden Anforderungen des Gesetzgebers in der Causa „3. Piste“. In weiterer Folge betonten er und  Vorstandskollege Julian Jäger immer wieder die langfristige Notwendigkeit einer neuen Start- und Landebahn, vor allem für die in Wien typischen Spitzenzeiten. Sie kritisierten das „unverständliche“ Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes, das eine Fertigstellung bis mindestens 2030 verzögert, „vor dem Hintergrund eines weltweit steigenden Flugverkehrs um 4 % pro Jahr“. Wer aber nun Wortmeldungen in der HV oder gar Proteste von Anrainern erwartete, irrte sich. Und somit konnten das zuletzt für viel Aufregung sorgende Thema sowie die – noch wichtigeren – sehr guten Zahlen des Flughafens (der Börsen-Kurier berichtete) in der in Summe 3,5 Stunden dauernden Eigentümerversammlung unaufgeregt abgearbeitet werden.

Generaldebatte
Den Auftakt machte wie gewohnt der IVA in Person von Wilhelm Rasinger, der 12 % des Streubesitzes oder 50 Aktionäre mit 1 Mio Stimmen vertrat. Nach Lob für den Geschäftsbericht und die neue Location am Flughafen meinte er mit Bezug auf die massive Aufstockung der Anteile des australischen Pensionsfonds IFM (auf knapp 40 %) im Berichtsjahr: „Es ist schade, dass wir Ausländer brauchen, um draufzukommen, was für gute Unternehmen wir haben.“  Um das zu unterstreichen, sprach er auch von einer „verdienten“ Dividende von 0,625 Euro, auch wenn ihn die dritte Nachkommastelle irritierte. Nachdem Rasinger und auch viele andere Anteilseigner an diesem Tag mit dem „CAT“ angereist waren, wollte er dann als erstes über dessen Entwicklung angesichts der Konkurrenz von Railjet und Bussen mehr wissen. Vorstand Jäger sprach von einem Passagierplus von 4 % auf 1,5 Mio im Vorjahr, „einer sehr guten schwarzen Null“ im Ergebnis und zeigte sich „sehr zufrieden“. Dann erwähnte Rasinger das ERP-Darlehen, das „weh tut, angesichts der allgemeinen Zinssituation und unserer Überliquidität“, fragte nach den Zinsen fürs Darlehen (4,68 %, Anm.) und ob man Negativzinsen (nein, Anm.) für die Anlagen bezahlen müsse. Ofner dazu: „Haben 40 Mio Euro mit 0,35 % verzinst“, was für ihn keine Summe sei, um da aktiv zu werden.

Entspannung eingemahnt
Bezüglich der 3. Piste sah der Anlegervertreter (und später auch noch ein anderer Redner) „überschießende Reaktionen“ des Flughafens auf das Urteil und mahnte ein, dass man das Thema entspannter und nicht so emotional behandeln solle. Jäger und Ofner bekräftigten daraufhin nochmals, dass es selbstverständlich sei, dass man alle Rechtsmittel ausschöpfe, und dass man ohne Bedarf auch um keine dritte Piste kämpfen würde. Alle zu diesem Thema auch vom Auditorium an diesem Tag vorgebrachten Ideen wie „Ausbau in Linz“, „größere Flieger einsetzen“, „Bratislava kaufen“ etc. konnte der Vorstand sehr glaubhaft als sinnlos oder nicht durchführbar darstellen. Was zunächst einmal bleibt, ist die Abschreibung von 30 Mio Euro als negativer Sondereffekt. Wie hoch einerseits die Kosten für eine dritte Piste in Summe überhaupt seien und andererseits wie hoch der Schaden bei einer endgültigen Ablehnung sein könnte, ließe sich laut Günther Ofner nicht seriös beantworten. Das war‘s dann aber auch mit dieser Angelegenheit, die uns alle noch lange beschäftigen wird.

Großer Aufsichtsrat u.a.
Ein weiteres Thema war dann noch die von einer Aktionärin  genannte Klage in New York gegen den Flughafen, die vom früheren Airport-Shop-Betreiber Sardana 2015 eingebracht wurde. Ofner bezeichnete die Klage als „völlig absurd“, wies darauf hin, dass der Kronzeuge Hochegger heißt und ärgerte sich nur, dass die Sache dem Flughafen bereits eine halbe Million an Anwaltskosten beschert hat.

Anlässlich der Wahl von Ex-ORF-Mann Richard Grasl (auf dessen Medien-Know-how und Netzwerk man offensichtlich nicht verzichten möchte) sowie Werner Kerschl und Lars Bespolka (beide für den Hauptaktionär IMF) in den Aufsichtsrat meinte Rasinger dann noch, dass angesichts eines „überschaubaren Geschäftsmodells“ die Anzahl von zehn Aufsichtsratsmitgliedern sehr hoch sei – auch wenn die Vergütungen sehr moderat seien, wie er unterstrich.

Ob IMF plant, weitere Anteile am Flughafen zu erwerben, konnte man an diesem Tag leider nicht erfahren; sehr wohl aber, dass der Flughafen in keiner Weise beabsichtige, demnächst eine Kapitalerhöhung oder ähnliches durchzuführen. Abschließend betonte der Vorstand noch auf Anfrage, dass die Situation bei den kriselnden Kunden Niki und Airberlin sehr genau beobachtet werde, man sich aber nicht fürchte, und dass eine etwaige Insolvenz der Alitalia keine Auswirkungen hätte.

 

Da sonst alle Abstimmungen mit „nordkoreanischen“ 99 % vonstatten gingen, wunderte es am Schluss nur, dass der Standard-Punkt 8 (Ermächtigung zum Erwerb von Aktien) mit 54 % Gegenstimmen nicht angenommen wurde. Ein vom Börsen-Kurier befragter Experte meinte dazu, dass es sich aber anscheinend nur um eine im Vorfeld schlecht koordinierte Sache handle.

Autor: Klaus Schweinegger (redaktion@boersen-kurier.at)

Globales Wachstumsumfeld insgesamt verbessert

Nach einem außergewöhnlich ruhigem Jahresstart ist Anstieg der Volatilität nicht ungewöhnlich und „ungeliebtere“ Regionen werden attraktiver. (31.05.)

Laut den Experten von J.P. Morgan Asset Management zeigen sich die globalen Aktienmärkte seit Jahresbeginn 2017 außergewöhnlich ruhig: „In den ersten vier Monaten 2017 gab es im MSCI World Index nur einen einzigen Tag, an dem die Schwankung größer als ein Prozent ausgefallen ist. Im letzten Jahr waren allein im ersten Quartal an 27 Tagen solche Schwankungen zu beobachten“, betont Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt. Die Volatilität am US-Aktienmarkt ist aktuell eine ganze Standardabweichung niedriger als in ihrem langjährigen Durchschnitt und der Volatilitätsindex VIX fiel zum ersten Mal seit zehn Jahren unter den Wert von 10. Allerdings sollten es sich die Anleger nicht zu bequem machen.

Denn die Nachrichten der nächsten Wochen dürften eher ein gemischtes Bild ergeben: Die Einkaufsmanagerindizes – einerseits in den USA, aber auch weltweit – werden sich nach den jüngsten Höchstständen voraussichtlich etwas schwächer entwickeln, wobei sich Europa derzeit etwas besser präsentiert als die Vereinigten Staaten. Aus globaler Sicht hat sich das Wachstumsumfeld jedoch etwas verbessert: Das globale BIP-Wachstum ist auf ein Plus von 3,5 %  angestiegen. „Für die Unternehmensgewinne bedeutet das, dass wir für 2017 nach Jahren der Stagnation einen positiven Trend erwarten. Das sollte vorerst die Aktienmärkte unterstützen“, unterstreicht Galler.

Politische Risiken überbewertet

Der Experte ist überzeugt, dass die politischen Risiken in diesem Jahr bisher überbewertet wurden – nun sei es an der Zeit, sich wieder auf die Marktfakten zu konzentrieren: „Es gilt jetzt die Frage zu klären, ob die positiven Frühindikatoren Recht haben, oder ob der Zyklus, der bereits sehr weit gelaufen ist, nicht doch irgendwann an Kraft verliert“, betont Galler.

Neuen politischen Zündstoff befürchtet er erst, wenn spätestens im Frühjahr 2018 die Wahlen in Italien anstehen: „In keinem anderen Land der Eurozone ist die Euroskepsis so groß wie bei den Italienern – es könnte zu einer neuen Welle der Angst vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone oder gar der Europäischen Union kommen.“ Diese Unsicherheit könnte Anleger wieder vorsichtiger werden lassen und die Börseneuphorie dämpfen.

Europa und Schwellenländer wieder attraktiver

Für Anleger, denen die Bewertungen der US-Aktien inzwischen zu hoch sind, bietet es sich laut Galler an, die Aufmerksamkeit auf die weniger beliebten Regionen der letzten Jahre zu richten: Europa und die Emerging Markets rücken derzeit wieder in den Fokus. Für europäische Aktien spricht, dass zum ersten Mal seit 15 Jahren die Produktivität stärker als die Reallöhne steigt und sich das Wirtschaftswachstum beschleunigt. „Seit inzwischen sieben Monaten steigen die Einkaufsmanagerindizes für Dienstleistungen und das verarbeitende Gewerbe kräftig an. In der Eurozone erreichte der Gesamtindex jüngst ein Sechsjahreshoch, was einem Wachstum von mehr als zwei Prozent für den Wirtschaftsraum der Währungsunion entspricht. Europäische Unternehmen können von dieser Entwicklung überproportional profitieren, da das Verhältnis des Vorsteuergewinn-wachstums zum Umsatzwachstum höher ist als beispielsweise bei US-Unternehmen“, betont Galler. Ein Beleg hierfür sei, dass sich europäische Aktien in den  ersten vier Monaten dieses Jahres auch besser als US-Aktien entwickelt haben.

Für Schwellenländer sprechen laut dem Experten unter anderem die immer noch recht günstigen Bewertungen – während in vielen Industrieländern die Kurs-Gewinn-Verhältnisse über dem langfristigen Durchschnitt liegen, sind Schwellenländeraktien mit einem Wert von 15 unter dem historischen Mittel. Andererseits gibt das verbesserte Umfeld auf den Rohstoffmärkten Rückenwind, ebenso wie die Anzeichen zunehmender wirtschaftlicher Aktivität insbesondere in Asien. Die Region hat inzwischen eine zunehmende Bedeutung für die Weltwirtschaft, nicht zuletzt da in Asien rund 25 %  des globalen Bruttoinlandprodukts erwirtschaftet werden. „Das Exportwachstum in Korea – im März waren es 13 %, im Februar sogar 20 % im Vergleich zum Vorjahr – ist das stärkste Wachstum seit sechs Jahren. Die Nachfrage nach Koreanischen (Vor-) Produkten hat sich in früheren Zyklen als ein guter Indikator für die weltwirtschaftliche Aktivität bewährt“, unterstreicht Galler.

Trotz des freundlichen Wachstumsumfelds und der steigenden Unternehmensgewinne sind die Anleger aber gut beraten, aufgrund fortgeschrittener Bewertungen und politischer Risiken, weiterhin eine breite Diversifikation aufrechtzuerhalten. „Im Hinblick auf Anlagerenditen und Risikosteuerung gilt es im Auge zu behalten, dass wir uns in einer späteren Phase des Zyklus befinden“, so Gallers Fazit.

Europas Aktien sind deutlich unterbewertet

Für ein Investment in europäische Aktien gibt es gute Gründe: allen voran steigende Unternehmensgewinne, attraktive Bewertungen sowie ein Rückgang der politischen Unsicherheit.

In den vergangenen Jahren sind europäische Aktien US-Papieren doch recht deutlich hinterhergehinkt, wie der Vergleich mehrerer Indizes bestätigt. Wie Ali Masarwah, Director Editorial Research bei Morningstar Europe, festhält, hat etwa der Standardwerte-Index Morningstar US Market den Morningstar Europe jedes Jahr um durchschnittlich 600 Basispunkte übertroffen. Ivan Bouillot, Manager des BL-Equities Europe (ISIN: LU0093570330), sieht hinter der schwächeren Entwicklung der europäischen Börsen in der Vergangenheit vor allem zwei Ursachen: das ausbleibende Gewinnwachstum der Unternehmen sowie die politische Unsicherheit in der EU.

Steigende Unternehmensgewinne
Tatsächlich haben sich die Unternehmensgewinne in Europa in den letzten Jahren nicht so dynamisch entwickelt wie in den USA. Ein anderes Bild zeigt sich allerdings in den vergangenen Monaten. „Nach Rückgängen in den Jahren 2015 und 2016 wachsen die Unternehmensgewinne in Europa wieder“, erklärt Bernd Kiegler, Fondsmanager im Team „Aktien entwickelte Märkte“ bei der Raiffeisen KAG, gegenüber dem Börsen-Kurier. Er glaubt, dass sich das Gewinnwachstum – unterstützt von Strukturreformen und Investitionen – weiter fortsetzen und an Dynamik gewinnen wird. Für 2017 gehe er in Europa von einem Gewinnwachstum von 15 % aus.

„Eine gute Voraussetzung für europäische Aktien ist – neben den steigenden Unternehmensgewinnen – auch die langsam einsetzende konjunkturelle Erholung in der EU“, so Kiegler weiter. Allerdings hält der Experte fest, dass sich Europa noch sehr früh in der Erholungsphase befinde. Auch sei die Arbeitslosigkeit in der EU nach wie vor hoch. Für ein konstruktives Umfeld sorge wiederum auch die monetäre Politik der EZB. Nachsatz des Fondsmanagers: „Sie wird zarte konjunkturelle Pflänzchen weiter gießen.“

Für europäische Aktien spricht laut Kiegler auch die „deutliche Unterbewertung“ des europäischen Marktes. So zahle man für den US-Markt derzeit das 18fache der Jahresgewinne der Unternehmen, in Europa das 14- bis 15fache. Das erwartete Preis-Buchwert-Verhältnis des S&P 500 liege bei 3, im Stoxx 600 wären es dagegen 1,5. Auch die Dividendenrenditen wären in Europa (3 %) attraktiver als in den USA (2 %). „Man sollte allerdings als Investor nicht ausblenden, dass Aktien deutlich teurer sind, als sie es im November 2016 waren“, so Masarwah.

Heiße Picks
„Vor allem Value-Unternehmen und Qualitätsfirmen sollten die Börsenentwicklung in Europa unterstützen“, meint Bouillot. Für seinen Fonds suche er aus dem Anlageuniversum Unternehmen aus, die die attraktivsten Bewertungen und besten geschäftlichen Perspektiven aufweisen. Zu den Top-5-Positionen zählen derzeit SAP, Unilever, LVMH, Roche Holding und Dufry. In den vergangenen Monaten wurden zwei Positionen aufgebaut: Essilor, der weltweit größte Hersteller von Brillengläsern aus Frankreich, sowie Svenska Cellulosa Aktiebolaget, ein schwedischer Hersteller von Zellulose- und Papierprodukten.

Kiegler sucht im aktuellen Umfeld Unternehmen, die von der konjunkturellen Belebung in Europa – und auch auf globaler Ebene – profitieren können sowie eine gewisse Zyklizität und Zinssensitivität aufweisen und darüber hinaus auch niedrig bewertet wären. „Die Erholung der EU-Volkswirtschaft sollte mit einem gesunden Zinsniveau einhergehen, weshalb eine Zinsanhebung in Europa früher oder später im Raum stehen sollte“, so Kiegler. Zugekauft habe man zuletzt in seinem Team A.P. Moeller-Maersk.      

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

Gute Chance für neues Börsegesetz und Co.

Trotz aller Koalitionsquerelen und des angekündigten „freien Spiels der Kräfte“ im Parlament ist das Fenster für ein neues Börse- und Wertpapieraufsichtsrecht offen.

Auch wenn manche den Eindruck erwecken wollen, dass dem nicht so ist: „Von der EU“ kommen auch gute Dinge. In diesem Fall kann „Brüssel“ nämlich dafür sorgen, dass Österreich – trotz gebremster Regierungsarbeit aufgrund der Neuwahlen – doch bald ein neues Börse- und Wertpapierrecht bekommt. Aber der Reihe nach. Im April wurde ja vom Finanzministerium ein Begutachtungskonvolut zur Stellungnahme ausgeschickt, das den sperrigen Titel trug: Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über die Wertpapier- und allgemeinen Warenbörsen 2018 und das Wertpapieraufsichtsgesetz 2018 erlassen werden, das Börsegesetz 1989 und das Wertpapieraufsichtsgesetz 2007 aufgehoben werden und das Abschlussprüfer-Aufsichtsgesetz, das Aktiengesetz, das Alternative Investmentfonds Manager-Gesetz, das Alternativfinanzierungsgesetz, das Bankwesengesetz, das Finanzmarktaufsichtsbehördengesetz und anderes … geändert werden. So spröde das für Nichtjuristen klingen mag: In diesem neuen Regelwerksvorschlag geht es primär darum, das in die Jahre gekommene Börsegesetz und das Aufsichtsrecht zu modernisieren.

Bis zum Sommer
Nun besteht ja die weit verbreitete Befürchtung, dass es – ob der Neuwahlen und des anlaufenden Wahlkampfes – regierungspolitisch und in der parlamentarischen Verabschiedung neuer Gesetze in den nächsten Wochen zäh werden dürfte, siehe etwa die Bildungsreform, die Behebung der kalten Progression, Beschäftigungsbonus und Aktion 20.000 oder die Arbeitszeitnovellierung. Wenn schon bei solchen dringenden Brocken Sand im Getriebe ist, könnte man befürchten, dass bei Randthemen wie Börse- und Wertpapieraufsichtsrecht kein großer Drang herrschen könnte, das rasch(er) über die Bühne zu bringen. Aber, Überraschung, das Gegenteil könnte der Fall sein. Es besteht gute Hoffnung, dass das Parlament diese Materien bis zum Sommer beschließt. Zugegebenermaßen nicht ganz freiwillig. Und da kommt eben die EU ins Spiel. Denn das neue Börsegesetz 2018 und das Wertpapieraufsichtsgesetz 2018 haben folgende Ziele: Umsetzung der europäischeren Vorgaben, Verbesserung des Anlegerschutzes, die Sicherstellung einer wirksamen Beaufsichtigung von Rechtsträgern und des Handels mit Finanzinstrumenten, die Erhöhung der Transparenz auf den Finanzmärkten sowie die Steigerung der
Attraktivität und Vereinheitlichung des österreichischen Börsehandels. Umsetzung der europäischeren Vorgaben heißt diesfalls konkret: Einbau der „Zweiten Europäischen Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente“ (Markets in Financial Instruments Directive – MiFID II) ins Österreichische Recht. Die Hoffnung, dass das demnächst geschieht, ist daher ganz pragmatisch begründet: Wenn es nicht zeitgerecht passiert, drohen Strafzahlungen seitens der EU. Denn für den MiFID II-Teil besteht Umsetzungsfrist Juli dieses Jahres. Danach müsste man bei Säumigkeit damit rechnen, dass es zu einer Zwangsgeldsanktion seitens Brüssel kommen könnte. Um das zu vermeiden, müsste das Parlament die Gesetze alsbald, also vor der Sommerpause beschließen, damit sie mit 1.1.2018 in Kraft treten können. Ansonsten wäre die MiFID II-Verordnung direkt durchzuführen, was aber viel weniger Spielraum im österreichischen Recht gewährt.

Machen was sein muss
Deshalb hofft etwa der Finanzsprecher der ÖVP-Parlamentsfraktion, Abgeordneter zum Nationalrat Werner Groiß, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier darauf, dass das kapitalmarktrelevante Gesetzespaket in und durch den nächsten Ministerrat geht und dann dem Parlament zugeleitet wird. Wenn das nicht geschieht, gäbe es die formale – allerdings ungeliebte – Möglichkeit, dass die Parlamentsfraktionen beider Regierungsparteien einen Initiativantrag stellen. Jedenfalls werde das Konvolut dem parlamentarischen Finanzausschuss zugewiesen und dort behandelt werden. Theoretisch könnte das Paket daher bis Ende Juni im Nationalrat, genauer: im der Plenarsitzung am 30.6.2017, beschlossen werden. Da es sich jedoch um eine sehr umfangreiche Materie handelt, könnte es ganz pragmatisch Sinn haben, strittige bzw. EU-rechtlich nicht vorgeschriebene Teile herauszunehmen und nur
die Teile zu beschließen, denen wir EU-rechtlich „nicht auskönnen“. Groiß: „Den MiFID II-Teil jetzt nicht zu machen, wäre kontraproduktiv.“ Denn man würde ein Vertragsverletzungsverfahren der EU wegen Nichtumsetzung einer Richtlinie riskieren. Das parlamentarische Motto sollte daher sein: Machen und rasch umsetzen, was sein muss, statt Strafzahlungen an die EU zu provozieren. Was das Teilen des Konvoluts betrifft, so scheinen die neuen Delisting-Regeln (welche Mehrheit in der HV? etc.) ein „Knackpunkt“ zu sein.

Somit könnte es aus realpolitischen Gründen eventuell dazu kommen, dass man den Delisting-Teil aus dem neuen Börsegesetzentwurf herausnimmt. Aber das kann bei Erscheinen dieses Artikels gerade alles im Fluss sein. Der VP-Finanzsprecher ist jedenfalls optimistisch, was die parlamentarische Beschlussfassung betrifft. Der Zeitdruck seitens MiFiD II sei ein Antrieb, das Gesetzespaket nicht auf die lange Bank zu schieben. Und sein Arbeitsverhältnis mit seinem Vis-a-Vis in der SPÖ-Parlamentsfraktion, Finanzsprecher Kai Jan Krainer, sei lösungsorientiert. Formal liegt es nun am Ministerrat, das Paket zu behandeln und es dem Parlament zu überantworten.

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

Schlussstrich, Befreiungsschlag und Neustart

Nach dem „fairen Deal“ zur Beendigung des Streits in Thailand setzt der Neo- Vorstand auf ein neu aufgesetztes „Optimierungsprogramm“ und bekommt von den Anlegern einen ersten Vertrauensvorschuss.

Die, wenn auch nicht ganz ernst gemeinten aber doch mutlos klingenden, Worte eines Kleinaktionärs „Ich könnt’ eigentlich schon wieder gehen! Die Handschuhe hab’ ich und essen darf ich eh nichts“ gaben keineswegs die Stimmung wider, die auf dieser mit Spannung erwarteten HV herrschte. Immerhin war es die erste Versammlung nach dem unrühmlichen Ende von CEO Thomas Fahnemann und Worte wie Schlussstrich (auf den Vorstandswechsel bezogen), Befreiungsschlag (das Ende des Streits mit Joint-Venture-Partner Sri Trang betreffend) sowie Neustart wurden vom neuen Vorstand in den folgenden drei Stunden immer wieder genannt.

Zunächst war aber Aufsichtsratschef Veit Sorger bemüht, die Arbeit des Kontrollorgans aus der Schusslinie der Kritik zu nehmen. Er betonte, dass es 34 Sitzungen im Jahr 2016 gab, „eine enge Überwachung der Firma“ stattfand und die Unzufriedenheit dazu geführt hat, dass es heute einen neuen Vorstand gibt. Und so fand sich dann auf der Tagesordnung auch der Antrag auf Nichtentlastung des ehemaligen CEOs (Sorger: „Damit trägt der Aufsichtsrat der höchst unerfreulichen Entwicklung Rechnung!“), was der IVA-Präsident Wilhelm Rasinger später in der Diskussion bei aller berechtigten Kritik an Fahnemann als „reinen Aktionismus“ und „unfair gegenüber Fahnemann“ bezeichnete, „nachdem sie sich intern mit ihm bereits geeinigt haben“.

Das war es dann aber auch schon wieder mit der „Fahnemann-Abrechnung“ und die Neo-Vorstände Michele Melchiorre (Technik) und Franz Gumpinger (Finanz) widmeten sich – in Abwesenheit des am Tag der HV noch nicht im Amt (per 1. Juni) befindlichen CEO Martin Füllenbach – sehr ausführlich der im ersten Quartal stattgefundenen und bereits bekannten Einigung mit Sri Trang, der positiven Sondereffekte auf die Zahlen im ersten Quartal 2017, aber auch der negativen Entwicklung im Medizin-Segment Sempermed („Preisdruck und nicht zufrieden stellende Performance im Handschuhgeschäft“) sowie des daraus resultierenden „neu aufgesetzten Kostensenkungs- und Optimierungsprogramms“. Einen konkreten zahlenbasierten Ausblick – auch bezüglich der Dividende für 2017 – wollte der Vorstand aber nicht geben.

In der dann folgenden Debatte mit den zu Beginn rund 200 anwesenden Aktionären ergriff Rasinger vom IVA als Erster das Wort. Er, der den Aufsichtsrat nach eigenen Aussagen vor der Bestellung von Fahnemann gewarnt hatte, nahm den AR-Chef und seine Kollegen ins Visier: „Misserfolg ist auch Teil des Aufsichtsrates“, und: „Sie waren in alle Fragen involviert und ich finde es nicht richtig, alles an einer Person festzumachen!“

Der Anlegerschützer hatte aber trotz aller Probleme und der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung auch Positives zu vermerken: „Kompliment an den neuen Vorstand für diese Präsentation nach nur so kurzer Zeit. Ein Vertrauensvorschuss wäre angemessen!“ Rasinger wollte dann unter anderem noch etwas über die Kosten der Vorstandswechsel (Stillschweigen zu den Vorständen, die Headhunterkosten betrugen 637.000 Euro, Anm.) wissen und meinte auch, dass die Dividende von 0,70 Euro (Vorjahr: 1,20 Euro) völlig in Ordnung ist, da eine Ergebnisverbesserung wieder kommen sollte. Allgemein merkte der Anleger-Vertreter noch an, dass ihm die „technische Repräsentanz“ vor allem im Aufsichtsrat zu gering sei.

Auch Malaysia war dann noch ein Thema. Der Vorstand verwies auf einen ordentlichen Lohn- und Energiekostenanstieg im Land sowie erhöhte Konkurrenz und spürbaren Margendruck. Bezüglich der Marktpositionierung war zu erfahren, dass man nach dem Thailand-Ende aus den Top 5 rausgefallen ist.

Bei dieser Gemengelage war es klar, dass es (bis auf die volle Zustimmung zur Neuwahl von Petra Preining und Klaus F. Erkes in den AR) viele Aktionäre gab, die ihre Unzufriedenheit (vor allem mit dem Aufsichtsrat) mit Gegenstimmen oder Enthaltungen zeigten. Letztlich trennte man sich an diesem Tag aber mit dem von Rasinger eingemahnten „Blick nach vorne“ und der Hoffnung, dass „wir wieder auf die Erfolgswelle zurückkommen“.

Autor: Klaus Schweinegger (redaktion@boersen-kurier.at)

Von der „Startup-Supermacht“ Israel lernen

Alle reden über Startups. Das Vorbild USA, Silicon Valley und San Francisco wird oft bemüht. Aber es gibt noch ein Best Practice, das – zumindest geografisch – näher liegt.

„Über Österreich, die innovative Startup-Supermacht.“ Dieses Motto war bei einer Podiumsdiskussion, zu der die Jungunternehmer im Österreichischen Gewerbeverein (JÖGV) geladen hatten, im Hintergrund eingeblendet. Diesem ambitionierten Titel folgte aber leider ein Nachsatz am Screen: „Hoppla, doch nicht. Das ist ja Israel!“ Damit war vorgezeichnet, worum es den Experten am Podium ging: Was in dem kleinen Land im Nahen Osten für Startups besser ist und was man von dort lernen kann. Martina Hagspiel vom ÖGV über den Grund, warum man sich hierzulande diesen Fragen stellen sollte: Israel gelte weltweit als High-Tech-Zentrum und führende Startup-Volkswirtschaft. Denn während man dieses Thema bei uns erst kürzlich (politisch) entdeckt hat, wurde diese Strategie in Israel schon vor 20 Jahren betrieben. Und so stammen heute 50 % der Exporte Israels aus High-Tech und das kleine Land beherberge weltweit die meisten Startups gemessen an der Bevölkerung.

Jörg Zeddies, viele Jahre in verschiedensten Ländern für die Deutsche Telekom und die Telekom Austria tätig, danach Co-Founder und Managing Partner von Match-Maker Ventures und seit dem erfolgreichen Exit Berater für seine ehemalige Firma, weist auf den unterschiedlichen Umgang mit dem Thema Risiko hin. Die jungen Israelis lernen beim Militärdienst schon mit 19 bis 20 Jahren „Riesenverantwortung“ und haben daher einen anderen Zugang zu Risiko -und Unternehmertum. Und weil – im Gegensatz zu Österreich, das „als Segen und Fluch“ seine Hauptmärkte „vor der Haustür“ hat – Israel von Ländern umgeben ist, mit denen Exporte und Kooperationen nicht möglich sind, müssen die Israelis „global denken“. Um also in die „Königsklasse“ des Unternehmertums zu kommen, müsse man sich in Israel „mehr stretchen“. Für (junge) Österreicher heiße das Leistungswille, „Zug zum Tor“ und „nicht im Zinshaus der Eltern aussitzen“.

Für Bernhard Raberger, Managing Director der Analyse-, Beratungs- und Venture Capital-„Boutique“ Blue Minds Solutions GmbH mit Schwerpunkt Startups in den Phasen Early Stage bis Roll-out, sei in Israel „Scheitern kein Manko“ und man folge von Anfang an einer „globalen Vision, denn der Heimmarkt ist ja klein“. Tel Aviv sei selbst ein Startup von 50 Familien, „die in die Wüste gegangen sind“. Was man von israelischen Startups lernen könne: „Stelle deine Idee so dar, dass sie investibel ist, suche nach Validierung der eigenen Idee am Markt und sehe das als Mehrwert.“ Solche direkten, klaren (auch kritischen) frühen Feedbacks seien „so hilfreich“, denn dann gibt’s vielleicht 5 Mio Euro statt 50.000 Euro. Und immer die Frage stellen: „Wo ist die Hitrate für mein Produkt am höchsten?“ Das benötige Basis-Research-„Arbeit“ und Marktanalyse. In Israel streben Startups „grundsätzlich eine Börsenotierung als Prime Class des Kapitalismus“ an. Aber nicht so sehr in Israel selbst, sondern an jenen Wachstumsbörsen bzw. -segmenten (bis Australien), wo es „am wenigsten reguliert ist“.

Dejan Jovicevic, Co-Founder des „Brutkastens“, der selbst ein Startup ist, anderen Startups bei Entwicklung und Innovation hilft und Investitions- & Finanzierungsmodelle vermittelt, ortet einen „fundamentalen Unterschied im Mindset“. „In die Königsklasse Unternehmertum starten – scheitern – daraus lernen – dann ist man investibel“: An dieser israelischen „Geisteshaltung“ müsse man in Österreich arbeiten. Was Tel Aviv attraktiv mache: Man kann in drei Flugstunden dort sein, ins Silicon Valley müsse man um die halbe Welt fliegen. Sein optimistisches Fazit: „Künstliche Intelligenz wird nie Menschen mit Ideen ersetzen.“

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

Sanierer und bene-Übernehmer Erhard Grossnigg im Interview

bene-Übernahme, Squezze-outs, Börse, Anlegerspirit, Reformhebel und Warren Buffett. Bilanzanalytiker und „Restrukturierer“ Erhard Grossnigg im Talk.

Er ist als erfolgreicher Unternehmenssanierer, Investor und Aufsichtsrat (Ankerbrot, Binder+Co, Rail Holding, S&T, Semper Constantia Privatbank …) bekannt: Erhard Grossnigg. Als Übernehmer des angeschlagenen börsenotierten Büromöbelherstellers bene hat er sich in der Aktionärsschaft weniger Freunde gemacht. Wurde doch sein ursprüngliches Aktienübernahmeangebot als zu niedrig kritisiert. Der Disput ging bis zum zuständigen Gericht St. Pölten, wo ein Vergleich abgeschlossen wurde: Je bene-Aktie gab es eine Nachzahlung von 0,28 Euro: 27 % mehr als der ursprüngliche Abfindungspreis von 1,03 Euro.

Reizthema bene
Vor dem Forum Aufsichtsrat, zu dem Board Search, Binder Grösswang und ÖPWZ eingeladen hatten, sprach der Börsen-Kurier mit Grossnigg über bene und andere Kapitalmarkt-Reizworte. Ob er, Grossnigg, aus der bene-Übernahme etwas gelernt habe? Ja, dass die österreichische Gesetzeslage für ein sinnvolles Squeeze Out ungeeignet sei, so die spontane Antwort des Praktikers. Wenn nur ein Aktionär dagegen sei, stehe ein Prozess im Raum, auch wenn der Angebotpreis gerechtfertigt sei. Bei bene wären die Gutachter auf eine Aktienbewertung von unter einem Euro gekommen. Das Unternehmen habe hohe Verluste gemacht, es gab ein „hohes negatives Eigenkapital“, man habe gewusst, dass das Unternehmen de facto „wertlos“ gewesen sei. Wäre bene insolvent gegangen, „hätten die Aktionäre gar kein Geld gekriegt“. Anlegerenttäuschung hätten andere betrieben. So hätte sich ein Aktionär bei ihm über den Börseabgang beschwert, dem seine Bank empfohlen hatte, die bene-Aktie zu kaufen, da „ja der
Sanierer Grossnigg einsteige“. Er, Grossnigg, habe ihm gesagt, dass er immer einen Börserückzug kommuniziert habe. Auch deutsche Gesellschaften, die billigst Aktien gekauft hatten, hätten lizitiert und beim Angebot 1,20 bis 1,25 Euro ihren Einsatz verdreifacht.

Keine Rückkehr
Stolz ist Grossnigg darauf, dass bene schon in „seinem“ ersten Geschäftsjahr 2016 einen (kleinen) Gewinn gemacht habe. Aus diesem habe man an die Altaktionäre ausgeschüttet, was nachzuzahlen war. Was dem Restrukturierer abseits von Bilanzen besonders wichtig ist: Den betroffenen Menschen immer die ganze Wahrheit sagen. Das vertragen sie besser als „Salamitaktik“, Lügen und Unsicherheit. Denn: „Die Wahrheit tut nur einmal weh.“

Ob eine Aussicht oder Überlegung bestehe, dass bene wieder an die Börse zurückkehrt? Grossnigg verneint deutlich: „Eine – funktionierende – Börse ist dazu da, Unternehmen Eigenkapital zu beschaffen oder Anteile fungibel zu machen. Das brauchen wir nicht.“ Ob denn die Wiener Börse keine „funktionierende“ Börse sei? Diese funktioniere „bescheiden“, so der Manager und verweist auf seine frühere Beteiligung S&T („eine meiner erfolgreichsten Beteiligungen“). Die ist im Deutschen TecDAX gelistet, habe sich kursmäßig sehr gut entwickelt und habe dort eine um drei Punkte bessere KGV-Bewertung.

Wunschliste
Was sich Grossnigg für den Kapitalmarkt Österreich wünschen würde? Da zählt der
„Firmendoktor“ mehrere Ansatzhebel auf: Eine Regelung, nach der für ein Squeeze Out schon eine einfache bis qualifizierte Mehrheit reichen müsste. Finanzpolitisch sei mit der heimischen Steuerquote von 48 % und 300 Mrd Euro Staatsschulden „Umverteilung nicht mehr leistbar“. Aber keiner sei bereit, echte Reformen zu machen. Dabei müsste man „nur zwei Bereiche forcieren: Bildung und Wirtschaft“. Die Wirtschaft brauche gut gebildete Menschen. Und die Wirtschaft brauche man zum Erwirtschaften des Geldes für Soziales. Ein „Paradeproblem in Österreich“, das nicht nur den Finanzminister betreffe, sei, dass wir kein „Aktienkäufer“-Land seien. Da brauche es eine „Umerziehung“. Denn „verdienen“ könne man nicht (mehr) mit dem Sparbuch sondern mit Aktien und Fonds. Man müsse den „Spirit“ des Anlegerpublikums dahin verändern, dass man „neben Sparbuch und Eigentumswohnung auch in Aktien investieren kann“. Dass ein Warren Buffett mit 86 Jahren noch immer investmentaktiv sei, findet Grossnigg „toll“.

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

Die Schieflage des kroatischen Agrokor-Konzerns zieht weite Kreise

Seit Ende April sind acht Aktien von der Zagreber Börse suspendiert, eine Koalitionskrise in Kroatien bahnt sich an und in den ex-jugoslawischen Staaten werden Notstandgesetze ins Leben gerufen. So die bisherige Bilanz der Agrokor-Pleite, in die auch österreichische Banken involviert sind.

Von der Zagreber Börse sind acht Aktien – inklusive dem CROBEX-Schwergewicht Ledo d.d. – suspendiert. Alle acht Firmen sind Teil der größten ex-jugoslawischen Unternehmensgruppe, Agrokor, die seit Monaten mit finanziellen Schwierigkeiten kämpft. Die Agrokor-Gruppe ist das wichtigste Unternehmen in Kroatien und das nicht nur dort, sondern auch in der gesamten südosteuropäischen Region. Die Gruppe beschäftigt mehr als 60.000 Mitarbeiter in Kroatien, Slowenien, Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro.

Der Jahresumsatz der Gruppe betrug 2015 mehr als 6,6 Mrd Euro, das entspricht 14,7 % des kroatischen BIP. Die Zahlen vom vergangenen Jahr sind noch nicht bekannt, da PWC, die von dem neuen mit der Führung von Agrokor beauftragten Konsortium ernannte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, der Meinung ist, dass sich in den Büchern deutliche Ungereimtheiten finden und daher keine vertrauenswürdigen Daten über die Geschäftsführung der Unternehmen zur Verfügung stehen. Diese Tatsache war letztendlich die unmittelbare Ursache der Börsen-Suspendierung. Die Gruppe ist so bedeutungsvoll, dass, wenn sie in Konkurs ginge, eine riesige Pleite-Welle nach sich ziehen und die Wirtschaft der ganzen Region erschüttern würde.

Die kroatische Wirtschaft wächst bisher stabil, aber die negativen Auswirkungen sind bereits spürbar. Zum Beispiel fiel der Profit der Croatia Postal Bank um 89 % wegen der Abschreibungen der Agrokor-Kredite.

Genau aus diesen Gründen arbeiten die Gesetzgeber in Kroatien und in ihren Nachbarländern fieberhaft daran, eine Lösung zu finden. Das kroatische Parlament erließ ein neues Gesetz. Laut „Lex-Agrokor“ werden die Zulieferer eines Unternehmens, das auf National-Ebene bedeutungsvoll ist, vor den Kreditgebern bedient. In Slowenien, Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie in Montenegro wurden neue Gesetze angenommen, um den Abfluss des Kapitals der Agrokor-Töchter nach Kroatien zu verhindern.

Die Agrokor-Saga verursachte schon eine Koalitionskrise in Kroatien. Die kleinere Koalitionspartei („Brücke“) unterstützte den Finanzminister bei einem Misstrauensvotum nicht mehr. Das Votum wurde angeregt, weil die Opposition sagt, dass der Minister Zdravko Maric über die Probleme des Konzerns hätte Bescheid wissen müssen, da er bis vergangenes Jahr der Kapitalmarktdirektor der Unternehmensgruppe war. Aus diesem Grund verlässt die „Brücke“ die Koalition.

Die negativen Auswirkungen von Agrokor breiten sich bereits über die Region aus. Die russischen Sberbank musste im 1. Quartal 50 % einen 1,1-Mrd-Euro-Agrokor-Kredit abschreiben. Die VTB traf ähnliche Maßnahmen, sie finanzierte die Gruppe mit 300 Mio Euro. Die Schulden der Gruppe betragen insgesamt 6,3 Mio Euro, davon 900 Mio Euro in Form von Anleihen, die in der Hand von internationalen Investoren liegen. Die Kurse der von AXA Investment Management, Fidelity International und von zahlreichen Hedge-Funds gehaltenen Anleihen fielen seit Jänner um 75 bis 90 %. Diese Investoren stehen aber aufgrund der Gesetze jetzt in der Kreditgeberreihung beispielsweise deutlich hinter dem Schokoladenkeks-Produzenten Kras d.d. mit 4.000 Mitarbeitern.


Beim letzten Mal hat ein Kredit über 80 Mio Euro von einem Konsortium bestehend aus der Raiffeisen Bank, der Erste  Bank und Intesa Sanpaolo das Überleben der Agrokor-Gruppe noch gesichert.

Das Hauptproblem von Agrokor ist, dass es zu große Kredite für seine aggressiven Expansionspläne aufgenommen hatte. Und dies zum schlechtesten Zeitpunkt, wie viele meinen, da im Einzelhandelssektor, der für die Unternehmensgruppe überlebenswichtig ist, große Konkurrenten wie Lidl oder die Rewe-Gruppe durch den EU-Beitritt Zugang zu den Märkten bekamen. 

Autor: András Lovas-Romváry (redaktion@boersen-kurier.at)

„Von Nervosität kann an den Börsen nicht die Rede sein“

Experten glauben derzeit nicht an ein Ende der Aktienrallye. Nichtsdestoweniger wären kurzfristige Gewinnmitnahmen möglich. Ein Risikofaktor bleibt die Geopolitik.

Wie lange hält die Rallye an den Aktienmärkten noch an? Diese Frage stellen sich dieser Tage nicht wenige Anleger – und zwar völlig zu Recht. Denn auch 2017 gaben die Bullen an den Börsen bislang ganz klar den Ton an. Erst kürzlich erreichte etwa der DAX ein neues Allzeithoch. Auch anderswo stehen die Börse-Ampeln auf Grün, wie ein Blick auf wichtige Indizes wie Euro Stoxx 50 (Performance seit Jahresanfang: +10 %), Dow Jones (+6 %), S&P 500 (+7 %) oder FTSE 100 (+3,41 %) bestätigt.

„Da die Märkte nun schon seit längerem gut gelaufen und die Bewertungen höher sind, ist natürlich auch das Risiko einer Korrektur gestiegen bzw. das Enttäuschungspotenzial größer geworden“, sagt Bernd Maurer, Chefanalyst der Raiffeisen Centrobank (RCB), im Börsen-Kurier-Gespräch. Grund zur Besorgnis sieht er derzeit dennoch nicht. Die wirtschaftlichen Vorlaufindikatoren würden sich nämlich weiter positiv entwickeln. Auch sei kein zu positives Szenario an den Märkten eingepreist, was normalerweise schlecht für „Risky Assets“ wie Aktien wäre.

Zuletzt leichte Abschläge
Wie Friedrich Mostböck, Chefanalyst der Erste Group, festhält, waren an den Märkten zuletzt leichte Abschläge zu beobachten. „Von Nervosität bzw. einem Ende der Aktienrallye der letzten Jahre kann aber nicht die Rede sein, eher von kurzfristigen Gewinnmitnahmen“, sagt er. Allerdings räumt er ein, dass immer etwas Unvorhergesehenes passieren könnte, das zumindest eine vorübergehende Korrektur einleitet. „Die geopolitische Lage hat sich noch nicht entspannt und bleibt ein Risikofaktor“, meint auch Maurer.

Positiv sehen Experten, dass das Damoklesschwert der Frankreich-Wahlen nicht mehr über den Märkten schwebt. „Wir gehen davon aus, dass die europäischen Börsen das Wahlergebnis in Frankreich positiv aufnehmen und sich der Aufwärtstrend weiter fortsetzt“, so Nicholette MacDonald-Brown, Europa-Fonds-Managerin bei Schroders. Für europäische Aktien sprechen laut MacDonald-Brown die noch immer äußerst attraktiven Bewertungen – „und zwar sowohl in absoluten als auch relativen Werten.“ Auch Mostböck spricht Europa – im Gegensatz zu den USA, wo die Bewertungen mit einem für 2017 erwarteten KGV von 18 schon sehr weit fortgeschritten wären – Potenzial zu. Interessant wären vor allem zyklische Werte, für die auch das Sektor-Momentum spreche.

Besonders attraktiv ist für Mostböck der ATX mit einem für heuer erwarteten KGV von 14,5 (2018e: 12,4). „Für den Wiener Markt spricht auch das Gewinnwachstum der Unternehmen – heuer gehen wir von
+30 %, 2018 von +17 % aus – sowie die Dividendenrendite von 3 % (2018: 3,5 %).“ Zudem profitiere der ATX, der mit einem Plus von rund 17 % seit Jahresbeginn klarer Outperformer sei, vom CEE-Exposure – sprich der positiven Wachstumsdifferenz der Region zur Eurozone. Heuer gehe er im CEE-Raum von einem Wirtschaftswachstum von 3,3 % (2018: 3,1 %) aus, in der Eurozone dagegen von 1,9 % (2018: 1,7 %).

 

Top-Empfehlungen
Zu den Top-Empfehlungen der Erste Group zählt derzeit die CA Immo.
„Die Aktie notiert trotz des hohen Deutschland-Anteils des Portfolios von 44 % sowie der attraktiven Development-Pipeline deutlich unter Buchwert“, so Mostböck. Heiße Tipps wären auch Andritz und Palfinger. Bei der RCB hat man wiederum die VIG auf der Rechnung, ebenso wie STRABAG, EVN und Agrana. „SBO sollte wiederum von steigenden Ölpreisen sowie der bis zum Jahresende erwarteten verstärkten Bohrtätigkeit profitieren“, so Maurer.

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

Aufsichtsräte im Fokus der Aktionäre

Dass die CA Immo gut aufgestellt und auch „stand alone“ erfolgreich sein könnte, betonte der Vorstand bei der HV mehrmals. Der geplante Merger mit der Immofinanz war dennoch das dominierende Thema. Ein Bericht von der 30. o. HV der CA Immobilien Anlagen AG.

Eigentlich sprechen die Zahlen für sich: Vor allem die deutlichen Zuwächse bei FFO und NAV dürften die Aktionäre freuen, resultiert daraus doch die Erhöhung der Dividende um 30 %. Und auch für das laufende Jahr hat sich das Vorstandsduo – CEO Frank Nickel und CFO Hans Volckens – eine wieder höhere Dividende zum Ziel gesetzt.

Die „solide Steigerung des Sharehold Value“ (Nickel) ist natürlich auch dem für Immobilien hervorragenden Umfeld zu verdanken, vor allem dem „anhaltenden Boom am deutschen (Büro-)Immobilienmarkt“. Dass diese Entwicklung sich nicht ewig fortsetzen wird, ist dem Vorstand bewusst. Deshalb sei es wichtig, „auf der Passivseite der Bilanz wetterfest“ zu sein, so Volckens.

Die auch von IVA-Vertreter Florian Beckermann als „positiv, konsequent, sehr solide“ gelobte Arbeit des Vorstands trägt erste Früchte, betonte Nickel: Das starke operative Geschäft, Aktienrückkäufe, die Dividendenerhöhung sowie „viel und transparente Kommunikation“ fänden im Aktienkurs ihren Niederschlag.

Merger als Thema Nr. 1
„Die Gespräche sind ruhend gestellt“, ging Nickel auf das für Aktionäre wahrscheinlich interessanteste Thema des Nachmittags ein. Und zwar so lange, bis die Immofinanz ihr Russland-Portfolio verkauft hätte. Auf eine spätere Aktionärsfrage, warum der Verkauf zur Bedingung für einen Zusammenschluss gemacht werde, antwortete Nickel, dass gerade auch die Immofinanz von Anfang an diese Vorgangsweise gewünscht hätte.

Dennoch: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben und so bleibt es nach wie vor wahrscheinlich, dass aus CA Immo und Immofinanz ein österreichischer Immobilienriese wird. In einer solchen Situation sei die persönliche Ebene besonders wichtig, betonte Nickel: „Ich habe mit Schumy (Immofinanz-CEO, Anm.) im letzten Jahr öfter gefrühstückt als mit meiner Frau.“

Dass der geplante Zusammenschluss nicht bei allen Aktionären auf Gegenliebe stößt, zeigte sich dann aber in der Generaldebatte. Michael Sieghart, Managing Director bei Petrus Advisers, ortete eine „Lähmung des CA-Immo-Managements“, das „schutzlos der Immofinanz ausgeliefert“ sei und „keinen eigenen Handlungsspielraum“ habe, worauf Nickel konterte, dass man derzeit ja „stand alone“ unterwegs sei. Sieghart kritisierte vor allem die Rücktritte der Aufsichtsräte Wolfgang Ruttenstorfer und Maria Doralt im vergangenen November sowie die Existenz der „Golden shares“ (jene vier Namensaktien, die dem Inhaber, aktuell der Immofinanz, das Recht auf Entsendung von Aufsichtsräten einräumen). Schließlich forderte Sieghart von der Immofinanz ein Übernahmeangebot zum Kurs von 23,50 Euro.

Diskussion um Aufsichtsrat
Besonders der Aufsichtsrat wurde in der HV zur Zielscheibe der Aktionärskritik. Der Immobilienexperte Rainer Altmann, der für die Donau Universität Krems im Vorjahr die Qualität von Aufsichtsräten österreichischer Immobiliengesellschaften untersucht hat, kritisierte vor allem das Wirken des früheren Großaktionärs O1 Group – dieses hätte dazu geführt, dass die CA Immo bei dieser Untersuchung an drittletzter Stelle lag. Gleichzeitig begrüßte er die Nominierung der neuen Aufsichtsräte.

Dass zwei der drei Nominierten – die beiden Universitätsprofessoren Sven Bienert und Klaus Hirschler – bereits bis­her auf Basis der Golden Shares dem Aufsichtsgremium angehörten und nun zu von der HV gewählten AR-Mitgliedern werden sollten, traf bei mehreren Aktionären auf Kritik. Dadurch werden nämlich zwei Plätze auf den Golden Shares frei, die jederzeit wieder nachbesetzt werden könnten. Wichtig: An der Qualifikation der Kandidaten – neben Bienert und Hirschler noch die
Risikospezialistin Gabriele Düker – bestand dabei kein Zweifel, wie auch die späteren Abstimmungen zeigten; die Vorgangsweise störte. Diese wurde von Nickel mit der „positiven Zusammenarbeit und der Expertise“ der Kandidaten begründet.

Weitere Themen in Aktionärsfragen, wie die großen Landreserven (800.000 m² Fläche mit einem Asset-Volumen von 2 Mrd Euro), mögliche Investments in Ostdeutschland (Nickel: „Städte in Osteuropa versprechen mehr“) oder die Nachnutzung des Post-Areals in Wien-Erdberg (Nickel: „Wir haben etwas vor damit“) rückten dabei naturgemäß in den Hintergrund.

Interessanterweise fand die zuvor geäußerte Kritik nur wenig Niederschlag in den Abstimmungen: Mit rund 2,9 % die meisten Contra-Stimmen gab es bei der Entlastung des Aufsichtsrates, während bei den drei Neuwahlen nur 0,02 bis 0,03 % der anwesenden Stimmen „nein“ votierten.

Autor: Marius Perger (mp@boersen-kurier.at)

Mit Zertifikaten kann man sich für jede Marktlage gut aufstellen

Wichtige Aktienindizes schreiben Höchststände – ist es jetzt für den Einstieg vielleicht schon zu spät? Nein, denn Zertifikate bieten komfortable Absicherungsmechanismen.

Wie und wo kann man nach der strammen Hausse heute noch investieren? Heiko Geiger, Experte für strukturierte Produkte bei Vontobel, fasst im Gespräch mit dem Börsen-Kurier zusammen: „Der Anleger steht vor einem Dilemma: Er schreckt angesichts der hohen Kurse davor zurück, einzusteigen. Gleichzeitig sieht er aber, dass es noch weiter nach oben gehen kann. Deshalb sucht er nach der Möglichkeit mit einer gewissen Absicherung zu investieren.“ In diesem Zusammenhang könnten Express-Zertifikate oder Protect-Aktienanleihen interessant sein. Ein Beispiel für die erste Kategorie ist das „Fixkupon Express Zertifikat auf Euro Stoxx 50“ (Kupon 3,5 %, Barriere 60 %; ISIN: VN8ZQ3). Für die zweit genannten Produktgruppe könnte wiederum Folgendes spannend sein: „Protect Multi Aktienanleihe auf BNP, Commerzbank, Deutsche Bank, Societe Generale“ (Kupon 10,50 %, Barriere bei 62 %; WKN: VN81TB). Immerhin präsentiert sich der europäische Bankenmarkt attraktiv.

Auch Anouch Wilhelms, Zertifikate-Spezialist bei der Commerzbank, kann sich für die aktuelle Börsensituation mehrere interessante Strategien vorstellen: „Viele Anleger haben Bedenken, einzusteigen, nachdem die Aktienmärkte sehr gut performt und neue Höchststände geschrieben haben. Andererseits könnte die Hausse aber vielleicht noch über Jahre andauern, niemand kann das vorhersagen. Dann hätten Investoren das Nachsehen. Ärgerlich!“ Eine Möglichkeit wäre jetzt, ein DAX-Indexzertifikat (DE00 0CD2JKY8) zu zeichnen und mit einem Put-Optionsschein (DE000CE40NR6) abzusichern. Eine Vorgehensweise, die laut dem Experten zur Zeit das „A und O“ sei, um die Vorteile von Zertifikaten zu demonstrieren: „Mit dieser Strategie würde man von einer weiteren Aufwärtsbewegung des deutschen Leitindex profitieren; bei einem DAX-Rückschlag würde das Verlustpotenzial auf nicht mehr als 20 % pro Jahr begrenzt werden. Diese ,Teilkasko-Versicherung’ würde nur 1,8 % der Gesamtrendite kosten (aufgrund des Preises für den Put, Anm.).“ Die Kursverluste können je nach Put natürlich auch mit 10 %, 30 % etc. begrenzt werden.

Als zweite Strategie empfiehlt sich gegenwärtig laut Wilhelms der Einsatz von Discount-Zertifikaten: „Eine interessante Möglichkeit, wenn Anleger davon ausgehen, dass die Börsen nicht stark weiter steigen aber auch nicht extrem fallen. Wenn Aktien oder Indizes tageweise unter Druck geraten, können Discount-Zertifikate für einen günstigen Einstieg genutzt werden.“ Ein gutes Beispiel in den letzten Wochen bot dafür Dialog Semiconductor, das Papier war stark gefallen.

Favoriten: Bonus-Zertifikate & Co.
Mit Blick auf die All-Time-Highs hält Christian-Hendrik Knappe von der Deutschen Bank Bonus-, Discount-, und Express-Zertifikate für interessant: „Wobei ich in der gegenwärtigen Marktsituation vielleicht am meisten zu Bonus-Zertifikaten tendieren würde. Sie sorgen sozusagen für gute Dämpfung auf holprigen Routen – wenn man den Vergleich zum Laufsport heranzieht. Diese Produkte eignen sich für Börsen, die etwas bergauf, seitwärts oder etwas nach unten gehen. Investoren wahren hier die Chance auf Kurssteigerungen und attraktive Bonuszahlungen.“ Als Beispiele nennt der Spezialist etwa ein Bonus-Zertifikat mit Cap auf den DAX (DE000DM1SUW2, Laufzeit: 15. 6. 2018) oder alternativ dazu ein weiteres Bonus-Zertifikat (DE000DM1SVM1, Laufzeit: 21. 12. 2018). Aber auch für die anderen Strategien kann Knappe uns gegenüber interessante Produkte nennen: etwa ein Discount-Zertifikat auf den DAX (DE000DT0N0 L0, Laufzeit: 22. 12. 2017). Für eine europaweite Streuung könnte sich dagegen das Express-Zertifikat auf den EURO STOXX 50 (DE000DB2GWL7, Laufzeit: 15. 6. 2020) eignen.

Stefano Angioni wiederum, Director Equities & Derivatives Societe Generale, beobachtet im aktuellen Umfeld einen regen Kundenzuspruch von institutioneller Seite bei Reverse-Bonus-Zertifikaten. Aber auch Inline-Optionsscheine seien gefragt; der Experte dazu: „Wir sehen das etwa bei Öl-Investments, Inline-Optionsscheine profitieren aber vor allem seit Monaten von der Seitwärtsbewegung des US-Dollar.“ Gute Möglichkeiten sieht der Spezialist nicht zuletzt bei Call-Optionsscheinen aufgrund der niedrigen Marktvolatilität.

Unser Fazit: Fortsetzung der Hausse oder nicht – für Anlagemöglichkeiten ist auf diese Weise gesorgt.

Autor: Mag. Harald Kolerus (redaktion@boersen-kurier.at)

Europäische Aktien brauchen einen Private-Equity-Ansatz

Befürchtungen um einen Absturz der europäischen Aktienmärkte und des Euro sind damit der Erleichterung und Zuversicht gewichen. (09.05.)

Mit der Wahl von Emmanuel Macron zum französischen Präsidenten sind die Sorgen um den Zusammenhalt der Eurozone vorerst in den Hintergrund gerückt. Befürchtungen um einen Absturz der europäischen Aktienmärkte und des Euro sind damit der Erleichterung und Zuversicht gewichen. Im Umfeld anhaltend niedriger Zinsen bieten Aktien in Europa weiterhin attraktives Ertragspotenzial. Doch wann kommt die nächste politische Krise? Gerade jetzt ist es wichtig, auf Unternehmen zu setzten, die über verschiedene Marktlagen hinweg langfristige Erträge liefern können.

Wir sind der Meinung, dass sich Anleger auf diejenigen Faktoren konzentrieren sollten, die nachhaltige Erträge generieren. Bei diesem Ansatz haben wir uns die Vorgehensweise von strategisch denkenden Private-Equity-Investoren zum Vorbild genommen. Bei ihrer Analyse von Unternehmen denken und handeln diese Anleger ganz anders als die meisten Akteure an den Kapitalmärkten. Ein großer Unterschied besteht beispielsweise darin, dass sie einen längeren Zeithorizont besitzen, der typischerweise etwa fünf Jahre beträgt.

Welche Private-Equity-Anlagetechniken können also besonders wertvolle langfristige Perspektiven liefern?

Analyse von Geschäftsstrategie, Umsetzung und Management

Aktienanleger fokussieren sich meist auf Kennzahlen wie Beta oder Volatilität. Diese Indikatoren verraten allerdings herzlich wenig über die Erfolgschancen eines Unternehmens. Private-Equity-Investoren hingegen kaufen Firmen, nicht Aktien. Sie konzentrieren sich auf Geschäftsstrategie, Betriebsabläufe, Marktdynamik und Managementqualität. Auch die Bilanzen der Unternehmen spielen eine große Rolle.

Unternehmenseigner analysieren diese stets genauestens und achten darauf, dass beispielsweise die Ertragszahlen nicht „künstlich“ durch überzogene Schuldenaufnahme geschönt werden. Ebenso ist die Qualität der Unternehmensführung wichtig: Nur so kann eine erfolgreiche Umsetzung von Geschäfts- und Finanzplänen gewährleistet werden.

Fokus auf Cashflows

Cashflows sind der wohl wichtigste Indikator für die finanzielle Gesundheit eines Unternehmens. Während viele Aktienanleger die Gewinne ins Zentrum ihrer Analyse stellen, bevorzugen Private-Equity-Investoren die Analyse der Cashflows, da diese nicht so leicht manipuliert werden können wie ausgewiesene Gewinne. Cashflows zeigen transparent, wie viel Geld in das Unternehmen hinein- und wie viel herausfließt, sei es als Umlaufvermögen oder Investitionsaufwand. In der Gewinn- und Verlustrechnung sind diese Zahlen nicht zu finden. Ein hoher Cashflow ist ein Indikator dafür, dass ein Unternehmen viele richtige Entscheidungen trifft und gut positioniert sein sollte, um durch Investitionen sein Ertragspotenzial zu mehren.

Die Kennzahl, die von Private-Equity-Investoren meist verwendet wird, ist die Internal Rate of Return (IRR), zu Deutsch die Interne-Zinsfuß-Methode. Sie gibt an, ob das Ertragspotenzial eines Unternehmens, ausgedrückt durch die Summe allen zukünftig erwarteten Cashflows, größer oder kleiner ist als der Anschaffungspreis. Dies beinhaltet die Analyse der Dividenden sowie des erwarteten Erlöses, falls das Unternehmen in der Zukunft wieder veräußert wird. Die hierbei angelegten Schätzungen sollten sehr konservativ sein. Auf diese Weise kann die IRR das Ertragspotenzial unabhängig von Kursanstiegen der Aktie realistisch taxieren.

Langfristiger Horizont

Wenn schlechte Nachrichten eine Aktie ereilen, können nur wenige volatile Tage oder Wochen selbst eine langfristige Equity Story untergraben. Viele herkömmliche Investoren legen bei ihrer Titelauswahl einen Anlagehorizont von nur ein bis drei Jahren zugrunde. Spekulative Hedgefonds-Anleger denken oft gar nur bis zum nächsten Quartal. Wir dagegen sind davon überzeugt, dass eine klare Betonung der langfristigen Perspektive – auf Sicht von drei bis fünf Jahren – ein Festhalten an einer Investmentthese auch in turbulenten Perioden erleichtert.

Lösen von der Benchmark

Private-Equity-Investoren sind nicht an die Benchmarks gebunden, die das Handeln vieler Anleger an den offenen Kapitalmärkten dominieren. Unserer Ansicht nach hindert das Festhalten am Index die Investoren daran, das durch Research aufgedeckte Ertragspotenzial eines Portfolios zu nutzen. Anleger, die sich von der Benchmark loslösen, können dagegen ein konzentriertes Portfolio mit einer recht geringen Anzahl von Aktien aufbauen.

Unternehmenseigner suchen stets nach widerstandsfähigen Wachstums- und Profitquellen, auch wenn die konjunkturellen und politischen Umstände sich verändern. Mit einer ähnlichen Herangehensweise können auch Aktienanleger unserer Meinung nach in Europa überzeugende langfristige Anlagechancen identifizieren, die den äußeren Widrigkeiten trotzen können.

Ein Investment-Kommentar von Tawhid Ali und Andrew Birse, Portfolio Manager European Equities beim Asset Manager AllianceBernstein (AB)

Minentitel mit Potenzial: Agnico Eagle Mines, McEwen Mining und Kinross Gold

Der NYSE ARCA Gold Bugs Index liegt noch immer rund 35 % unter seinem Zwischenhoch vom August 2016. Die Ertragslage der Minen hat sich aber 2016 reihenweise verbessert. Neben dem Turnaround-Wert Barrick Gold (ISIN: CA0679011084) und der Randgold Resources (US75 23443098) sollte insbesondere auf folgende Minengesellschaften ein Blick geworfen werden:

Agnico Eagle Mines (CA00847 41085) ist mit Minen und Entwicklungsprojekten in Kanada, Mexiko und Finnland top aufgestellt. In den Jahren 2012 bis 2016 lag die Gold-Produktion jedes Jahr über Plan und die Abbaukosten unterschritten den Prognosewert. 2016 lagen die All-In Sustaining Costs (AISC, nachhaltige Gesamtproduktionskosten) bei niedrigen 824 USD/Unze. Die Reichhaltigkeit des Gesteins der Lagerstätten ist mit 2,31 Gramm Gold pro Tonne überdurchschnittlich. Dabei werden die besonders ergiebigen Adern erst in den kommenden Jahren gefördert. Im 3. Quartal 2019 ist der Produktionsstart der kanadischen Minen Ameruq und Mediadine geplant. Letztere überzeugt mit einer Goldkonzentration von 7,32 Gramm pro Tonne. Von 2019 auf 2020 erwartet Agnico Eagle einen Anstieg der Jahresproduktion von 1,6 auf 2 Mio Unzen. Infolge höherer Gold- und Silberpreise stieg der Cashflow des Unternehmens 2016 um 26,4 % auf 778,6 MioUSD, woraus ein Kurs/Cashflow-Verhältnis von 13,7 resultiert.

Über viel Aufholpotenzial verfügt Kinross Gold (CA4969024047): Deren Löwenanteil der Produktion fällt auf den amerikanischen Doppelkontinent. Weitere Abbaugebiete sind Westafrika und Russland, wo die Produktion in nächster Zeit erweitert wird. Im 1. Quartal 2017 lagen die AISC bei 953 USD/Unze und für das Gesamtjahr werden 925 bis 1.025 USD erwartet. 2016 drehte das um Sonderposten bereinigte Ergebnis von minus 91 auf 93 MioUSD ins Plus. Der Cashflow stieg 2016 um 32,2 % auf 1.099,2 MrdUSD, woraus ein niedriges Kurs/Cashflow-Verhältnis von 4,5 resultiert.

Sehr aussichtsreich erscheint auch die schuldenfreie McEwen Mining (US58039P1075), deren Eigenkapitalquote per 31. März 2017 bei 88,7 % lag. Das KGV 2017 schätzen Analysten auf 19,1, wobei bis 2019 eine Vervielfachung des Gewinnes möglich ist. CEO, der 25 % der Anteile am
Unternehmen hält, ist Rob McEwen. Als Gründer und ehemaliger CEO von GoldCorp steigerte er deren Marktkapitalisierung binnen 13 Jahren von 50 Mio auf mehr als 8 MrdUSD, während der Aktienkurs um
31 % p.a. stieg. Junge Projekte finanziert McEwen Mining aus den Einnahmen bereits rentabler Minen. Der Löwenanteil der Produktion stammte 2016 noch aus der argentinischen San-Jose-Mine, an der McEwen Mining zu 49 % beteiligt ist. Potenzial birgt das Gold-Bar-Projekt in Nevada, nahe der größten Goldmine von Barrick. Aufgrund der niedrigen Produktionskosten würden selbst bei einem Goldpreis von 1.150 USD die Investitionskosten binnen drei Jahren erwirtschaftet sein. Bereits 2018 sollte dort die Produktion beginnen.

Sonderchance Silber

Der jüngste Verfall des Silberpreises führte dazu, dass die Gold-Silber-Ratio wieder auf gut 75 anstieg. Diese pendelte nämlich die vergangenen 35 Jahre meist zwischen 40 und 80. Mit einer Hebelwirkung auf den Silberpreis reagieren die Aktien von Silberminen wie Pan American Silver (CA6979001089) oder First Majestic Silver (CA32076V1031). Letztere ist auf Mexiko fokussiert und profitiert dort kostenseitig vom schwächeren Mexikanischen Peso. Das Unternehmen ist mit einem KGV 2018e von 29,9 bewertet und verfügt im Falle steigender Silberpreise über Gewinnüberraschungspotenzial.

Autor: Michael Kordovksy (redaktion@boersen-kurier.at)

Wird London den Brexit überleben?

Mit dem Brexit wurde den Finanztauben der Londoner City eine hungrige Katze vor die Nase gesetzt. Niemand weiß heute, welchen Zugang zur EU die britischen Unternehmen nach dem Ausstieg haben werden, und auch Premierministerin Theresa Mays Ankündigung, am 8. Juni Parlamentswahlen abzuhalten, trägt, zumindest kurzfristig, nicht gerade zur Klarheit bei. Was bleibt, ist die Gewissheit, dass Großbritannien für seinen Ausstieg aus der EU einen Preis bezahlen muss.

Also versuchen die in Großbritannien ansässigen Finanzdienstleister nun, ihre Möglichkeiten einzuschätzen. Dies betrifft vor allem die Unternehmen, die sich London deshalb zu ihrem Hauptquartier gewählt haben, um von dort aus einen sicheren Zugang zum EU-Gesamtmarkt zu haben. 

Die konkurrierenden europäischen Finanzzentren wittern die Gelegenheit, einen Teil der Geschäfte zurück auf den Kontinent (oder nach Irland) zu holen. Die Regierungen anderer Länder ärgern sich schon seit langem über die Londoner Dominanz. Dass das Haupthandelszentrum für in Euro notierte Finanzinstrumente außerhalb der Eurozone liegt, ist für sie ein harter Brocken.

Erst vor ein paar Jahren hat die Europäische Zentralbank darauf bestanden, dass die Abwicklung der Euro-Finanzinstrumente innerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs stattfinden müsse. Der entsprechende Antrag wurde aber vom Europäischen Gerichtshof abgelehnt.

Also füllten sich Londons beste Hotels bald mit ganzen Delegationen von Ministern, Bürgermeistern und Lobbyisten unterschiedlicher Finanzzentren, was auch der Branche der Nobelrestaurants einen willkommenen Auftrieb gab. Besucher aus Luxemburg, Frankfurt, Dublin und anderen Orten entwarfen Hochglanzpräsentationen über ihre Wettbewerbsvorteile gegenüber London: niedrigere Immobilienpreise, geringere Körperschaftssteuern (zumindest in Irland), Restaurants mit Michelin-Sternen und genug Porsche-Händler – all die nötigen Eigenschaften florierender Finanzzentren.

Einige dieser Präsentationen sorgten für ein ironisches Lächeln. So wurde der französische Präsident François Hollande für seine Behauptung gewählt, er sei ein Feind der Welt der Hochfinanz. Der sozialistische Präsident der Region Paris versprach dagegen, jedem Hedgefonds-Manager, der sich ein Hinreiseticket zum Gare du Nord kauft, einen „rot-weiß-blauen“ Teppich auszurollen – eine boshafte Anspielung auf das Versprechen des ehemaligen britischen Premierministers David Camerons, französische Banker auf der Flucht vor hohen Steuern, Streiks und restriktiven Arbeitsvorschriften mit einem roten Teppich zu begrüßen.

Durch all diese Werbung wurde erneut die Frage aufgeworfen, über welche Eigenschaften ein erfolgreiches Finanzzentrum eigentlich verfügen muss. Dies wurde bereits viele Male gefragt, und die Unternehmensberater haben sich dabei mit ihren Patentrezepten eine goldene Nase verdient.

Eine Vorkrisenstudie von McKinsey für den ehemaligen New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg empfahl, einfach das Londoner Regulierungssystem zu kopieren, das dann kurze Zeit später kollabierte. Als Hongkong seine eigenen Regulatorien überprüfte, um Wege zu finden, die Attraktivität der Stadt für internationale Unternehmen zu erhöhen, kam heraus, was sich die Firmen wirklich wünschten: Saubere Luft und mehr internationale Schulen. Beides unterliegt allerdings nicht dem Einflussbereich der geldpolitischen Behörde.

Viele der Antworten auf Umfragen unter Firmen, warum sie einen bestimmten Standort bevorzugen, sind erstaunlich rekursiv: Sie sagen, sie seien dort, weil auch andere Unternehmen dort seien und sie daher mit ihren Hauptgeschäftspartnern besser Geschäfte machen können. Allerdings gibt es auch ein paar interessante Ergebnisse:

Die ausländischen Unternehmen mögen den Gedanken, dass sie nicht anders behandelt werden als ihre Wettbewerber im Land. Politisch motivierte Regulierung ist also unerwünscht. Wichtig ist auch ein unabhängiges Rechtssystem, das die Eigentumsrechte schützt. Und sie haben gern die Möglichkeit, gut ausgebildetes Personal einzustellen.

Nach diesen Maßstäben gemessen sind London und New York immer noch vorne dabei. Der jüngste Index Globaler Finanzzentren von Z/Yen des letzten Monats sieht London weiterhin an der Spitze, mit geringem Abstand vor New York.

Aber für beide ging die Bewertung im letzten Jahr stark zurück, und der Abstand zwischen ihnen und Singapur (an dritter Stelle) ist im letzten Jahr von mehr als 30 Punkten auf 20 Punkte zurückgegangen. Bemerkenswert ist, dass fast alle asiatischen Finanzzentren in der Bewertung aufholen konnten. Am schnellsten stieg dabei Peking – von 26. auf den 16. Platz.

Neben London ist Luxemburg das einzige europäische Finanzzentrum in den Top-20. Das Großherzogtum konnte sich mit Mühe auf Platz 18 retten, sechs Plätze hinter seinem Ergebnis des letzten Jahres. Frankfurt auf Platz 23 büßte gegenüber dem letzten Jahr vier Plätze ein, und Paris hängt schon seit der letzten Untersuchung auf Platz 29 fest. Also liegt London innerhalb von Europa haushoch in Führung.

Wird der Brexit ausreichen, um dieses Bild grundlegend zu ändern? Schwer zu sagen. Einer der Schlüsselfaktoren für Unternehmen ist das Londoner Regulierungssystem, das nicht von der Nationalität abhängig ist. Daran wird sich wahrscheinlich nichts ändern, ebenso wenig wie am dortigen Rechtssystem. Also werden diese beiden Vorteile wahrscheinlich bleiben.

Der Hauptfaktor, der sich ändern könnte, wird wohl die Verfügbarkeit gut ausgebildeter Angestellter sein. Die in London ansässigen Finanzunternehmen sind es gewohnt, Mitarbeiter aus der ganzen EU anwerben zu können, und sogar bei solchen von außerhalb der EU waren die britischen Behörden flexibel. Da die meisten aufstrebenden Finanzangestellten in Europa gutes Englisch sprechen, hatten die Unternehmen bisher die freie Auswahl.

Ob diese Wahlmöglichkeit den Brexit überleben wird, könnte für die Londoner City zur größten politischen Frage der kommenden Verhandlungen werden. Falls, wie zu vermuten ist, May weiterhin Premierministerin bleibt, wird sie darauf eine gute Antwort geben müssen. Kann sie das nicht, sind die Tage Londons an der Spitze der Finanzzentren vorbei.

Autor: Howard Davies ist Vorsitzender der Royal Bank of Scotland. Aus dem Englischen von Harald Eckhoff, © Project Syndicate 1995 – 2017

High Noon im Haus der Industrie

Die vielen kritischen Aktionärskommentare bei der 38. o. HV der RHI AG gipfelten in einem „Skandal“-Vorwurf und einer OGH-Androhung wegen Verstoßes gegen das Aktiengesetz.

Wie zu erwarten stand bei der o. HV des Feuerfestkonzerns RHI im Haus der Industrie auch in der Vorstandspräsentation die Strategie und der geplante Zusammenschluss mit der brasilianischen Magnesita im Mittelpunkt. Als Vorteile des Zusammenschlusses für die RHI betonte das Podium ein verbessertes Wachstumsprofil, die verbesserte globale Präsenz, das umfassendere Leistungsangebot sowie den Erhalt der Rohstoffintegration. Im Ausblick auf das Gesamtjahr 2017 erwartet das RHI-Management ein Wachstum der Stahlproduktion außerhalb Chinas von ambitionierten 6 % und basierend darauf ein positiveres Marktumfeld als 2016. Der Fokus des Konzerns werde auch im laufenden Geschäftsjahr auf der Free-Cashflow-Generierung zur weiteren Reduktion der Nettoverschuldung liegen. Aktuell arbeite RHI an der Erfüllung der aufschiebenden Bedingungen zum erfolgreichen Abschluss des geplanten Zusammenschlusses mit Magnesita und bereite die Integration beider Unternehmen vor. Ex-Interims-CEO Wolfgang Ruttenstorfer fasste die weiteren Tagesordnungspunkte und den Ergebnisverwendungsvorschlag zusammen, sodass danach der Aufsichtsratsvorsitzende Herbert Cordt die Generaldebatte zu allen Tagesordnungspunkten eröffnete. Nach einer Trauerminute für den früheren RHI-Generaldirektor Günter Mörtel ging es in den Wortmeldungen gleich deftig in die Vollen. Denn der bekannt kritische Aktionär Rupert Heinrich Staller schoss sich verbal sowohl auf AR-Chef Cordt als auch auf CEO Stefan Borgas und CFO Barbara Potisk-Eibensteiner ein. Die Palette seiner wie gewohnt geschliffen vorgetragenen Kritikpunkte war bunt und breit: Warum es keine Gästekarten für Journalisten gab, dass der Einberufungstext zur HV unklar war, ob die internen Untersuchungen zu Borgas bei seinem letzten Arbeitgeber schon abgeschlossen seien, dass Cordts strategische Ziele der letzten Jahre alle überzogen waren und unerreicht blieben, dass der Zusammenschluss mit Magnesita nicht nur kompliziert konstruiert sei, sondern man auch deren Schulden übernehme „mit Geld, das wir nicht haben“, dass man längst mehr investieren müsste, dass die AR-Wiederwahl keine echte Wahl lasse, weil es wieder keinen Frauenvorschlag für die Diversität des Gremiums gebe und man damit gegen das AktG verstoße, dass der gesamte Vorstand im Vorjahr bei Großaktionär Martin Schlaff (dessen Rolle Staller separat kritisierte) antreten musste, dass der geplante Börseplatz London nicht das Gelbe vom Ei sei, dass das Schwieriges-Delisting-von-der-Wiener-Börse-Argument angesichts des neuen Börsegesetzes unhaltbar sei etc.

Auch andere Aktionäre kritisierten unter anderem den – teuren – Magnesita-Deal und die künftige Holding in Holland, die Aufsichtsräte Hubert Gorbach und Alfred Gusenbauer, den künftigen Börseplatz London (wo man „praktisch nicht vorhanden“ sein werde) und warum man nicht an Frankfurt, China oder Zürich gedacht habe?

Überraschung
CEO Borgas sah „keinen In-vestitionsrückstau“, in China müsse man einen „neuen Fokus setzen“, und trotz Brexit würden Experten für den Aktienmarkt London keine große Gefahr sehen. Der Magnesita-Deal würde zwei große Vorteile bringen: Versorgungssicherheit und langfristige F&E-Kooperationen. Potisk betonte, dass auch künftig die Steuern in Österreich als der „active place of management“ gezahlt werden, dass man im wichtigen Londoner Footsie-250-Index Investoren ansprechen werde, die sich „bisher nicht für uns interessiert haben“. Stallers mehrmals urgierte Frage, wann genau der gesamte Vorstand 2016 bei Schlaff war, blieb unbeantwortet. Cordt begründete die Nichtnominierung einer Frau in den AR mit der nur mehr kurzen Präsenz an der Wiener Börse und dass es keine qualifizierte Frau gegeben hätte, die das angenommen hätte. So sei die Entscheidung „kein Ignorieren des AktG, sondern sinnvolle Interpretation“.

Weiters überraschte Cordt mit der Information, dass es seit Oktober 2015 einen – unentgeltlichen – Beratervertrag mit Schlaff gibt. „Dass wir davon erst heute erfahren, ist skandalös“, wurde Staller daraufhin heftig.

Bei den Abstimmungen über die Wiederwahl der Aufsichtsräte gab es – wie aus den Aktionärswortmeldungen absehbar- deutlich viele Gegenstimmen: bis zu 21 %. Und als Knalleffekt gab es gleich zwei Widersprüche zu Protokoll: Staller erhob Widerspruch gegen die AR-Wiederwahl und stellte in Aussicht, dass der OGH über den Verstoß gegen §87 Abs.2a – Diversität des AR – zu entscheiden haben werde. Wenn dieser dem Verstoßvorwurf stattgebe, würden alle Beschlüsse rückwirkend ungültig. Der zweite Widerspruch zu Protokoll betraf die Wiederwahl des AR-Mitgliedes Gorbach.

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

Beteiligung an jungen Tech-Unternehmen? Worauf Investoren und Industrie achten

Start-ups sind in aller Munde. Die Politik will sie fördern, Investoren erwarten Überdurchschnittliches. Aber welche Einschätzungskriterien kann man anlegen?

Lage, Lage, Lage ist ein zentrales Bewertungskriterium für Immobilien. Bei Investments in Start-ups (junge Tech-Unternehmen mit hohem Wachstumsanspruch) heißt ein unverzichtbares Kriterium Team, Team, Team. Michael Schuster, Founder & Partner des bekannten Start-up-Investors Speedinvest (und gerade aus San Francisco zurückgekehrt) nennt im Gespräch mit dem Börsen-Kurier „fünf Dinge, die wir uns anschauen“: Erstens, das Produkt. Denn ein nicht-aussichtsreiches Produkt sei auch mit einem guten Team nicht investierbar. Kriterium zwei: eben das Gründerteam. Das müsse sich Know-how-mäßig ergänzen und „gut funktionieren“. 2er- bis 4er-Teams (Techniker, Verkaufs- und Geschäftsführungsgeeignete) seien „robust“, Ein-Mann-Gründer seien für ein Investment zu riskant, weil sie aus verschiedensten Gründen plötzlich ausfallen können. Drittes Kriterium: Markt und Konkurrenz des Kandidaten. Welches Marktpotenzial hat er, und wie erreicht er alle potenziellen Kunden? Kriterium vier: Die Technologie. Da brauche es einen „tiefen Check“, ob damit ein starker langfristiger Wettbewerbsvorteil entstehen kann. Und fünftens: Das Geschäftsmodell des Start-up und deren Rahmenbedingungen – etwa das Zinsniveau im Fintech-Sektor. Auf „Grün“ stehen die Zeichen für Speed­invest, wenn Kandidaten alle Kriterien zur Zufriedenheit erfüllen. „Orange“ werden Kandidaten eingestuft, wo man eventuell mithelfen kann, das Team zu optimieren oder das Geschäftsmodell zu stärken. „Rot“ heißt es, wenn das Produkt nicht taugt und/oder das Team nicht überzeugt, dass man mit ihm die erforderliche Größe und Marktbewertung erreiche kann.

Als zukunftsträchtige Branche sieht IT-Investor Schuster „InsurTechs“: Da könne man mit Vereinfachungsinnovationen die ganze Branche verändern. Denn Versicherung sei ein riesengroßer Markt, der noch „nach alten Mitteln“ funktioniert. Potenzial zwei: „DeepTech“ – technologische Innovationen aus Unis, von Doktoranden und Forscherteams, die innovieren, seien „spannend“. Hohe Renditen berge das B2C-Thema: Stichwort „Plattformen“.

Auch beim „Pitch im Paternoster“ werden konkrete Auswahlkriterien angelegt. Bei diesem Bewerb stellen sich Start-ups einer Profijury: in One-on-Ones im historischen Paternos­ter-Lift im Wiener Haus der Industrie (s. Foto). Organisiert wird dieser außergewöhnliche Pitch von der „Jungen Industrie“ und der Innovationsplattform & Accelerator What-AVenture. Die Jury, vor allem aus dem Kreis der Industriellenvereinigung, nahm dieser Tage 13 Start-ups unter die Lupe. Dabei wurde folgende Kriterienliste abgecheckt: Team, Market, Business Model, Innovation und Sustainability. Jurymitglied und stellvertretender Vorsitzender der Jungen Industrie NÖ Jakob Erber: „Ein ausgewogenes Team hat technisches und Vertriebs-Know- how.“ Weiters achtete er auf Kundenpotenzial, Produktverständlichkeit und Patente. Auch für den Managing Director von WhatAVenture Stefan Perkmann Berger ist ein technologisch und sales-kompetentes Team zentral. Denn davon hänge ab, wie es die Technologie (weiter-)entwickelt, deren Einzigartigkeit schützt, und wie viele Kunden man schon hat bzw. adressiert. Was zukunftsträchtige Branchen betrifft, setzte man beim „Pitch im Paternos­ter“ auf die rasanten Entwicklungen im Energie- und Umweltbereich, wo viel Potenzial in innovativen neuen Unternehmen stecke. Der Bundesvorsitzenden der Jungen Industrie Therese Niss ist „thinking outside the box“ wichtig: „Wir möchten den frischen Wind der Start-ups auch in die etablierten Unternehmen bringen.“

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

Ein haushaltspolitischer Realitätstest für die Republikaner

Das erste wichtige Gesetzgebungsziel von US-Präsident Trump – die „Aufhebung und Ersetzung“ von „Obamacare“ – ist bereits gescheitert, was an der Naivität Trumps und der republikanischen Kongressabgeordneten über die Komplexität der Gesundheitsreform liegt. Jetzt versucht man sich an einer Reform der Körperschaftssteuer und anschließend der privaten Einkommensteuer.

Der von den Republikanern im Repräsentantenhaus vorgelegte Plan zur Senkung des Körperschaftssteuersatzes von 35 auf 15 % bei Ausgleich der Einnahmeverluste durch eine Grenzanpassungssteuer war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Nicht einmal in der eigenen Partei genießt die Grenzanpassungssteuer ausreichend Unterstützung, und zudem würde sie gegen die Bestimmungen der Welthandelsorganisation (WTO) verstoßen. Die vorgesehenen Steuersenkungen der Republikaner würden im Verlaufe des nächsten Jahrzehnts Steuerausfälle von 2 BioUSD verursachen, und sie können dieses Loch weder durch Einsparungen aus ihrem Plan zur Gesundheitsreform noch durch die 1,2 BioUSD stopfen, die man von einer Grenzanpassungssteuer hätte erwarten können.

Die Republikaner müssen sich jetzt entscheiden, ob sie ihre Steuersenkungen verabschieden (und so die Staatsverschuldung um 2 BioUSD erhöhen) wollen oder ob sie eine sehr viel bescheidenere Reform verfolgen. Das erste Szenario ist aus drei Gründen unwahrscheinlich. Erstens werden sich haushaltspolitisch konservative republikanische Kongressabgeordnete einer unverantwortlichen Ausweitung der Staatsverschuldung widersetzen. Zweitens schreiben die Haushaltsregeln des Kongresses vor, dass jede Steuersenkung, die nicht vollständig durch andere Einnahmen oder durch Ausgabekürzungen gegenfinanziert ist, innerhalb von zehn Jahren ausläuft.

Und drittens steigen, wenn Steuersenkungen und eine Erhöhung der Ausgaben für Militär und Infrastruktur Defizite und Staatsverschuldung in die Höhe schrauben, zwangsläufig die Zinsen. Dies würde zinssensible Ausgaben etwa im Bereich des Wohnungsbaus behindern und zu einem steilen Anstieg des Dollars führen, der Millionen von Arbeitsplätze vernichten könnte und Donald Trumps Kernwähler – die oft zitierten weißen Arbeiter – am schwersten treffen würde.

Zudem könnte, wenn die Republikaner die Schulden aufblähen, die Reaktion der Märkte zu einem Absturz der US-Konjunktur führen. Aufgrund dieses Risikos werden die Republikaner eventuelle Steuersenkungen durch neue Einnahmen und nicht durch Aufnahme von Schulden finanzieren müssen. Infolge-dessen dürfte ihre als Löwe abgesprungene Steuerreform höchstwahrscheinlich als piepsendes Mäuschen landen.

Selbst eine Senkung des Körperschaftssteuersatzes von 35 auf 30 % wäre schwierig. Die Republikaner müssten die Steuerbasis verbreitern, indem sie komplette Branchen – wie den Pharma- und den Technologiesektor -, die gegenwärtig kaum Steuern zahlen, zwingen, mehr zu bezahlen. Zudem müssten die Re-publikaner, um den Körperschaftssteuersatz unter 30 % zu drücken, eine hohe Mindeststeuer auf die ausländischen Gewinne dieser Unternehmen erheben. Dies würde eine Abkehr vom gegenwärtigen System bedeuten, bei dem Billionen Dollar an Auslandsgewinnen bis zu ihrer eventuellen Rückführung in die USA steuerfrei bleiben.

Trump hat im Präsidentschaftswahlkampf eine einmalige Senkung der Rückführungssteuer auf 10 % versprochen, um amerikanische Unternehmen zur Rückführung ihrer Auslandsgewinne in die Vereinigten Staaten zu bewegen. Doch würde diese nur 150 bis 200 BioUSD an zusätzlichen Einnahmen einbringen – nicht einmal 10 % der Haushaltslücke, die der Plan der Republikaner schaffen würde. So oder so sollte man die Einnahmen aus der Rückführungssteuer verwenden, um Ausgaben für die Infrastruktur oder die Schaffung einer Infrastrukturbank zu finanzieren.

Einige republikanische Kongressabgeordnete, denen bereits bewusst ist, dass die Grenzanpassungssteuer eine Schnapsidee ist, schlagen nun vor, die Körperschaftssteuer durch eine Mehrwertsteuer zu ersetzen, was gemäß den WTO-Regeln zulässig wäre. Doch auch diese Option dürfte nirgendwohin führen. Die Republikaner selbst haben sich einer Mehrwertsteuer immer entschieden widersetzt, und es gibt im Kongress sogar einen explizit mehrwertsteuerfeindlichen republikanischen Block.

Die traditionelle republikanische Ansicht besagt, dass sich eine derart „effiziente“ Steuer zu leicht im Laufe der Zeit erhöhen ließe, was ein „Aushungern der Bestie“ durch Abbau „verschwenderischer“ Staatsausgaben erschweren würde. Die Republikaner verweisen diesbezüglich auf Europa und andere Teile der Welt, wo der Mehrwertsteuersatz anfangs niedrig war, dann allmählich in zweistellige Höhen stieg und heute in vielen Ländern 20 % übersteigt.

Auch die Demokraten sind traditionell gegen eine Mehrwertsteuer, weil es sich dabei um eine hochgradig regressive Form der Besteuerung handelt. Und während man sie weniger belastend machen könnte, indem man Lebensmittel und andere zur Grundversorgung gehörende Güter von der Steuer befreit oder mit einem ermäßigten Steuersatz belegt, würde das die Steuer für die Republikaner nur noch unattraktiver machen. Angesichts des Widerstands in beiden Parteien ist die Mehrwertsteuer – wie die Grenzausgleichssteuer – schon jetzt gescheitert.

Noch schwieriger dürfte sich eine Reform der privaten Einkommensteuer gestalten. Erste Vorschläge Trumps und der republikanischen Führung hätten im Verlauf des nächsten Jahrzehnts 5 bis 9 BioUSD gekostet, und 75 % der Steuerermäßigungen wären an das oberste 1 % gegangen – eine politisch selbstmörderische Idee. Nun, nachdem sie ihren ursprünglichen Plan aufgegeben haben, behaupten die Republikaner, dass sie eine kostenneutrale Steuersenkung anstreben, die keine Steuersenkungen für das oberste 1 % der Einkommensbezieher vorsieht.

Aber auch das sieht nach einer „Mission Impossible“ aus. Die Umsetzung kostenneutraler Steuersenkungen für nahezu alle Einkommensgruppen bedeutet, dass die Republikaner viele Steuerbefreiungen auslaufen lassen und die Steuerbasis auf eine Weise verbreitern müssten, die politisch unhaltbar wäre. Falls die Republikaner beispielsweise die Steuerabzugsfähigkeit der Hypothekenzinsen von Hauseigentümern streichen würden, würde der US-Wohnungsmarkt zusammenbrechen.

Letztlich besteht meines Erachtens der einzig vernünftige Weg, Steuersenkungen für
Arbeitnehmer mittleren und niedrigen Einkommens einzuführen, in Steuererhöhungen für die Reichen. Dies ist eine sozial fortschrittliche populistische Idee, die ein pseudopopulistischer Plutokrat wie Trump nie akzeptieren wird.

Es sieht also aus, als würden sich die Republikaner trotz überwältigender Beweise für das Gegenteil weiterhin der Illusion hingeben, dass eine angebotsorientierte Trickle-down-Steuerpolitik funktioniert.

Autor: Nouriel Roubini; Roubini ist CEO von Roubini Macro Associates und Professor für Ökonomie an der Stern School of Business der New York University. Aus dem Englischen von Jan Doolan, © Project Syndicate 1995 – 2017

Ein Investment mit überschaubarem Risiko: Lindt & Sprüngli PS

Nur wenige Anleger wissen, dass das Ostergeschäft für die meisten Süßwarenproduzenten sogar noch wichtiger ist als das Weihnachtsgeschäft. Einer der großen Profiteure des Osterfestes ist der Schweizer Schokoladen-Spezialist Lindt & Sprüngli.

Während zu Weihnachten besonders die Schokoladen-Weihnachtsmänner gefragt sind, stehen zu Ostern die Schokoladen-Osterhasen hoch im Kurs. Lindt & Sprüngli verkauft seine Süßwaren zwar ganzjährig mit großem Erfolg, erzielt jedoch jedes Jahr rund 15 bis 20 % seines Um-satzes mit dem Osterverkauf. Zu den bekanntesten Produkten gehören Fioretto, Lindor sowie der Gold-Osterhase mit Glöckchen. Anfang 1998 erfolgte die Akquisition der „Ghirardelli Chocolate Company“ in San Francisco, der ältesten US-amerikanischen Schokoladen-Fabrik. Weitere Tochterfirmen finden sich mittlerweile in Hongkong, Mexiko, Polen, Schweden und Spanien. Der Höhepunkt der Übernahme-Serie erfolgte im Jahr 2014 mit dem Kauf des US-Konkurrenten Russel Stover. Damit gehört Lindt jetzt auch im wichtigen US-Markt zu den Marktführern im Premium-Bereich.

Starkes Wachstum und hohe Dividende
Das Geschäft von Lindt & Sprüngli entwickelt sich seit Jahrzehnten sehr solide. Im Jahr 1997 (also vor 20 Jahren) lag der Gewinn bei 69,7 MioCHF. 2016 lag er schon bei 419,70 MioCHF und ist damit in nur 19 Jahren um mehr als 500 % gestiegen. Daneben bieten die Aktien des Unternehmens eine überaus stabile Dividendenhistorie. In den vergangenen 20 Jahren hat Lindt & Sprüngli die Ausschüttung beständig erhöht. Die Analysten von Baader Helvea sehen das Unternehmen weiterhin auf Wachstumskurs, zumal sich Lindt & Sprüngli als Hersteller von Premiumschokolade in einer attraktiven Marktnische positioniert hat. In einem schwierigen Umfeld mit stagnierenden, teilweise sogar schrumpfenden Schokolademärkten, einer verhaltenden Konsumentenstimmung und hohen Preisen für Kakaobohnen und -butter hat Lindt abermals überzeugt. 2016 stieg der Umsatz um 6,8 % auf 3,9 MrdCHF und lag damit innerhalb der langfristigen Zielbandbreite von 6 bis 8 %. In allen wichtigen Absatzregionen hat der Konzern Marktanteile gewonnen. Dies beweist: Die Konsumenten setzen immer mehr auf Qualität, und die Innovationen von Lindt entsprechen deren Wünschen. In Europa ist Lindt um rund 7,4 % gewachsen. Besonders gut liefen die Geschäfte in Deutschland, Frankreich und Großbritannien. In Nordamerika stieg der Umsatz zwar nur um 3,4 %, allerdings wurde dieses Ergebnis in einem schrumpfenden Schokoladenmarkt erzielt. Zudem bremsten Anpassungen im Produktportfolio und in der Werbestrategie der Tochter Russell Stover die Geschäftsentwicklung.

Ausblick positiv
Mit den Maßnahmen wurde aber die Basis für langfristig pro-fitables Wachstum geschaffen. Auch der hoch profitable eigene Einzelhandel wuchs zweistellig. Das Filialnetz wurde um 60 Shops auf 370
erweitert. Was die Gewinnentwicklung anbelangt dürfte Lindt wie geplant eine operative Marge von 14,4 bis 14,6 % erreicht haben. Der operative Gewinn legte um 8,4 % auf 562,5 MioCHF zu.

Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Analysten hatten hier mehr erwartet. Unter dem Strich steht für Lindt ein Reingewinn von knapp 420 MioCHF Franken und damit gut 10 % mehr als im Vorjahr. Für das laufende Jahr erwartet der Vorstand ein ähnliches Umsatzwachstum wie 2016. Man sieht: Die Konzentration auf Premium-Schokolade zahlt sich aus.

Autor: Wolfgang Regner (Redaktio@boersen-kurier.at)

100 Tage Trump: Chancen und Risiken bei US-Anleihen

US-Präsident Trump begann seine Amtszeit mit der Erwartung höheren Wirtschaftswachstums durch Infrastrukturinvestitionen, Deregulierung und Steuersenkungen. Doch seine ersten 100 Tage als Staatschef haben einmal mehr gezeigt, dass es weit einfacher ist Versprechen abzugeben, als sie einzulösen. Dennoch, für Investoren bietet das Umfeld moderat steigender Zinsen und einer soliden Konjunktur gerade im Segment Unternehmensanleihen weiterhin ansprechende Erträge. Anleger sollten angesichts drohender Volatilität jedoch selektiv und flexibel vorgehen. (24.04.)

Falls Trump einige seiner Wahlversprechen einlöst, sprechen ein solides Wirtschaftswachstum und eine mögliche Verlängerung des US-Kreditzyklus für ein Engagement in höherverzinslichen US-Anleihen. Im nunmehr neunten Jahr des aktuellen US-Kreditzyklus zeigen einige Fundamentaldaten eine Verschlechterung an. Im Gegensatz dazu deuten die Kurssprünge seit Trumps Wahlsieg für sogenannte Risikowerte – wie etwa hochverzinsliche Anleihen und Aktien – darauf hin, dass der Markt auf eine Fortsetzung des Zyklus setzt. Und dieser Optimismus spiegelt sich auch in den positiven Umfrageergebnissen zum Marktsegment wider.

Es scheint als hätten Anleger die potenziell positiven Effekte einer Trump-Regierung eingepreist, wie etwa Infrastrukturausgaben oder eine Steuerreform. Andererseits beachten sie jedoch keine der Risiken, wie etwa politischen Stillstand oder Handelsprotektionismus. Daher sind die Preise einiger hochverzinslicher US-Vermögenswerte als teuer einzustufen. Anleger sollten deshalb hier wählerisch sein.

Lohnende Investments
Viele Faktoren könnten den Aufschwung gefährden. Zunächst könnte Trump weiterhin Schwierigkeiten haben, seine Gesetzesvorhaben durch das Parlament zu bringen. Ebenso wäre es möglich, dass das Wachstum stockt, falls Trump seine langfristig konjunkturbelastenden Handelshemmnisse tatsächlich durchsetzt. Es ist zudem recht wahrscheinlich, dass die positiven Umfrageergebnisse übertrieben optimistisch sind und die hohe Erwartungshaltung daher bald zurückgestuft wird.

Anleger auf der Suche nach attraktiven Erträgen in den USA sollten sich darauf vorbereiten, dass der Markt turbulent werden könnte. Einige hochrentierliche Anlagen, wie etwa High-Yield-Unternehmensanleihen oder Vermögenswerte aus den Schwellenländern, sind oft zuerst an der Reihe, wenn die Volatilität zurückkehrt.

Glücklicherweise lohnt es sich durchaus, Engagements am Markt einzugehen und die Risiken dennoch zu begrenzen. Entscheidend ist dabei, die Risiken zu verstehen und zu managen. Dafür gibt es mehrere Optionen, die Anleiheanlegern offenstehen:

  • Fokus auf Unternehmen besserer Bonität mit soliden Bilanzen: Um höhere Finanzierungskosten und Mittelabflüsse zu bewältigen, sind diese besser aufgestellt als Unternehmen mit niedrigem CCC-Rating. Selbst bei robuster Konjunktur könnten höhere Zinsen einige CCC-Emittenten in Zahlungsausfälle zwingen.
  • Einbeziehung kürzerer Laufzeiten: Unser Research zeigt, dass Kurzläufer höherer Bonität langfristig an 80 Prozent des Aufwärtspotenzials partizipieren, jedoch nur 70 Prozent des Abwärtspotenzials erleiden. Und kürzere Laufzeiten bedeuten zudem, dass Anleger weniger anfällig für höhere Zinsen und auch die meisten anderen Marktturbulenzen sind. Daher sind Kurzläufer in volatilen Märkten meist widerstandsfähiger.
  • Kombination von hochverzinslichen Unternehmensanleihen mit Staatsanleihen hoher Bonität: Zinssensible US-Staatsanleihen (Treasuries) sowie andere Staatsanleihen hoher Qualität zeigen meist dann eine gute Wertentwicklung, wenn die Konjunktur abebbt. Hochzinsanleihen hingegen entwickeln sich meist besser, wenn das Wachstum anzieht und die Zinsen steigen.
  • Verbriefte Wertpapiere bieten eine weitere Quelle für Diversifizierung und Erträge. Credit-Risk-Transfer Securities (CRT) der halbstaatlichen Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac ermöglichen Anlegern den Zugang zum starken US-Immobilienmarkt. Ihre variablen Zinssätze machen sie insbesondere im Umfeld steigender US-Zinsen attraktiv. Außerdem befinden sich diese Investments in der Regel in frühen Phasen des Kreditzyklus.

Renditeziele beibehalten
Eine Kombination quer über das gesamte Zinspapier-Spektrum hinweg aus hochverzinslichen Unternehmensanleihen einerseits und Staatsanleihen hoher Bonität andererseits kann Anlegern dabei helfen, ein Portfolio wetterfester zu machen. Eine hypothetische 50-zu-50-Prozent-Mischung aus 10-jährigen Treasuries mit dem Bloomberg Barclays US High-Yield Corporate Bond Index hätte in den vergangenen 16 Jahren höhere risikoadjustierte Erträge erzielt als jeweils reine Portfolios bestehend aus US-Staatsanleihen, Investment-Grade-Unternehmensanleihen oder Hochzinsanleihen.

Nach 100 Tagen an der Macht lernt Trump weiterhin die Zwänge und Herausforderungen seines Amts kennen. Es ist in diesem Umfeld umso wichtiger, die Volatilität eines Portfolios zu begrenzen, falls die Märkte turbulent werden – ohne dabei die Renditeziele der Anleger in der weltgrößten Volkswirtschaft über Bord zu werfen.

Luxemburg will Weltraum erobern

Mit einer Wirtschaftsmission an die US-amerikanische Westküste warb Luxemburg Mitte April für das Projekt „Space-Resources.lu“ zur friedlichen Nutzung von Weltraumressourcen.

Dazu will Luxemburg als Public-Private-Partnership (PPP) einen Fonds auflegen, der in Unternehmen investieren soll, die bei dem Projekt mitmachen. Drei gibt es schon: Das japanische Startup ispace, das unlängst in Luxemburg deswegen seine Europazentrale gründete, ähnlich wie das US-Unternehmen Planetary Resources, an dem sich Luxemburg mit einem Investment von 25 Mio Euro beteiligt, sowie Deep Space Industries (DSI). Der Fonds soll ein Volumen von 70 bis 100 Mio Euro haben; es steht aber noch nicht fest, wie viel Prozent dabei vom Staat und wie viel von privaten Investoren kommen soll. Gespräche mit großen Investmentfonds in Luxemburg gäbe es bereits, so Luxemburgs Wirtschaftsminister Etienne Schneider. Damit würde der Space-Sektor ein Investitionsobjekt werden – und mit den entsprechenden Zuflüssen kann er sich schnell entwickeln, so die Hoffnung. Es gehe darum, ein neues wirtschaftliches Umfeld aufzubauen, so Schneider in San Francisco zur mitgereisten Presse.

Als Beispiel dafür, wie das Großherzogtum bereits in der Vergangenheit im Bereich öffentlich-privater Kooperationen erfolgreich war, nannte Schneider das Satellitenunternehmen SES, das in seiner Branche weltweit führend ist. Diesem Beispiel folgend will er denn auch die Investition Luxemburgs in Planetary Resources verstanden wissen. Um Bewerber zu analysieren und auszuwählen, die bei der Initiative mitmachen wollen, gründet Luxemburg eine „Space Agency“.

Eigenes Gesetz erarbeitet
Mit der Initiative „SpaceResources. lu“, die Luxemburg in diesem Zusammenhang ergriffen hat und weswegen auch die Gesetzgebung angepasst wurde, will Luxemburg ein führendes Hub im Bereich der Weltraum-Technologie werden. Das vorgelegte Space-Gesetz, über das in zwei Monaten im luxemburgischen Parlament abgestimmt wird, gibt Investoren, die sich im Land niederlassen, eine Eigentumsgarantie bei Weltraumrohstoffen.

Weltweit gibt es nur ein ähnliches  Gesetz in den USA. Während dieses aber verlangt, dass das Kapital der jeweiligen Unternehmen und Investoren mindestens zu 50 % US-amerikanisch sein muss, ist das im luxemburgischen Gesetz nicht der Fall, wodurch es „einen viel globaleren Ansatz hat“, meint Simon Pete Wordan. Der ehemalige NASA-Direktor ist Berater im SpaceResource-Projekt.

Interesse daran gibt es von Unternehmen aus Deutschland, Frankreich, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Japan und Russland, wie Schneider sagte, der aber betont, er hoffe auf einen verbindlichen Rechtsrahmen bei Weltraum-Rohstoffen auf UN-Ebene.

Forschung wird forciert
Mit der Initiative will Luxemburg vor allem seinen Forschungsstandort ausbauen und zu einer wichtigen Adresse machen, wenn es um Raumfahrttechnologie geht. Als Mitglied der europäischen Weltraumagentur ESA kann Luxemburg wie alle anderen Mitglieder auch die eigenen Beiträge an die ESA zur Förderung der eigenen Industrie nutzen. Neben dem Satellitenbetreiber SES und der OHB-Tochter LuxSpace sind einige weitere Unternehmen wie Gradel, Euro-Composites, Hitec, Luxspace oder CTI Systems in Luxemburg  im Luft- und im Raumfahrtsektor aktiv. Mit „Blue Horizon“ hatte der deutsche Satellitenbauer OHB kürzlich eine weitere Tochtergesellschaft in Luxemburg angekündigt, bei der es vor allem um Weltraumforschung gehen soll. Im vergangenen Jahr setzte der luxemburgische Space-Sektor 2,1 Mrd Euro um, was etwa 2 % des BIP Luxemburgs entspricht.

Autor: Marco Meng, Luxemburg (redaktion@boersen-kurier.at)

Unversicherter Sprung ohne Fallschirm

Für Geschäftsmodelle mit Kryptowährung fühlt sich behördlich niemand zuständig, Vermittlung ist für Finanzdienstleister und Anleger riskant.

Es ist ein Warnschuss: Die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (kurz BaFin) hat die Konten der Kryptowährungsplattform Onecoin gesperrt, deren Marketingfirma das Geschäft mit Onecoin-Anlegern verboten, die Rückzahlung der Gelder angeordnet und der Onecoin Ldt. die Geschäftseinstellung aufgetragen. Auch unsere FMA hat schon eine Warnung ausgegeben.

Versprechen
Das ist Wasser auf die Mühlen jener, die vor Anlagen in die Krypowährung Bitcoin und vor „Anbietern“ solcher Modelle warnen. Etwa der erfahrene Ombudsmann der Österreichischen Finanzdienstleister Johann Wally, der gegenüber dem Börsen-Kurier Alarm schlägt. Denn auch hierzulande seien schon „Anbieter“ aufgetreten, die sich an Vermögensberater wenden und ihnen in „Seminar“-Veranstaltungen Start-pakete für das Anlegen in Bitcoinprodukte schmackhaft machen. Dabei werden Euros in Bitcoins umgewechselt, also in diese Kryptowährung investiert, entweder direkt oder über Firmenbeteiligungen. Das Versprechen klingt unwiderstehlich: Aus dem Geld ließen sich so „1.000 % Zinsen machen“. Das entspräche einer Verdreifachung der Summe alle drei Monate, rechnet Wally vor. Wer als Berater trotz dieser Traumzinsenerwartung trotzdem resistent bleibt, der werde mit einer attraktiven Vermittlungsprovision geködert, wenn man Kunden zu dieser Art der Veranlagung bringt, also dahingegen „berät“ bzw. vermittelt. Pferdefuß: Die Provisionsauszahlung sei auch in Bitcoins. Und die sind nur sehr beschränkt zum Ausgeben verwendbar.

Nicht gedeckt
Der erfahrene Spezialist für Vermögensschaden-Haftpflichtversicherungen für Finanzdienstleister Rene Hompasz warnt gegenüber dem Börsen-Kurier aus einem weiteren handfesten Grund: Vermittlung von Bitcoin-Investments ist laut WKO vom Gewerbeumfang des Vermögensberaters nicht umfasst und somit auch nicht von der Haftpflichtversicherung gedeckt. Heißt im worst case: Wenn Kunden daraus ein Vermögensschaden entsteht und sie den Vermittler verklagen, ist der versicherungsmäßig nicht abgesichert, das diese Vermittlung eben nicht zum Gewerbeumfang des Vermögensberaters zählt. Wenn er dann den Schaden selbst bezahlen muss, kann das schnell existenzbedrohend werden.

Wer kontrolliert?
Als gelernter Österreicher fragt man nun: Welche Behörde ist dafür zuständig, wer verbietet oder zumindest kontrolliert solche Geschäftsmodelle? Die Antwort ist – für unser Land, wo alles (über)reguliert zu sein scheint – so überraschend wie unbefriedigend: Keine Behörde scheint sich zuständig zu fühlen. Die FMA und das Finanzministerium sind der Meinung, dass Kryptowährungen keine Finanzinstrumente und kein gesetzliches Zahlungsmittel sind. Das Handeln und Betreiben von Kryptowährungen sei daher nicht von der FMA reglementiert und es bestehe daher auch keine Konzessionspflicht. Das für Gewerbe zuständige Wirtschaftsministerium meint, dass Betreiber von Geschäftsmodellen mit Kryptowährung nicht der Gewerbeordnung unterliegen und daher keine Verpflichtung zum Lösen einer Gewerbeberechtigung haben. Dass es ein Handelsgeschäft sei, schließt das Ministerium ausdrücklich aus, weil man Bitcoins nicht als Handelsware ansieht. Geschäftsmodelle mit Kryptowährungen seien auch kein Direktvertrieb, da ja keine physische Ware vertrieben werde. Daher falle die Vermittlung von Kryptowährungen auch nicht unter das Handelsgewerbe. Der Fachverband Finanzdienstleister in der WKO meint daher zusammenfassend, dass Geschäftsmodelle mit Kryptowährungen nach aktuellem Stand weder einer Konzessionspflicht noch einer Gewerbeberechtigung unterliegen. Bitcoin-Produktvermittlung sei also, so Wally, FDL nicht erlaubt.

Was ist Blockchain?
Fazit der Warner: Erstens, FDL sollten sich nicht von sexy Provisionsofferten blenden lassen. Zweitens, FDL stehen bei einem Kundenschaden bzw. Klagen allein da und haften mit ihrem Vermögen. Denn die Berufshaftpflichtversicherung wird nicht einspringen, da diese Art der Vermittlung nicht im Gewerbeumfang des Vermögensberaters eingeschlossen ist. Drittens – eigentlich selbstverständlich für Berater und Kunden – sollte, ja müsste, ein 1.000-%-Zinsversprechen bzw. eine Kapitalmultiplikation binnen Monaten schon allein mehr als stutzig machen. Eingängige Warnung vom Versicherungsexperten Hompasz: Wenn man ein Produkt (als Berater) nicht erklären kann bzw. (als Anleger) nicht versteht: Die Finger davon lassen. Simple Check-Frage zu Kryptowährungsanlagen: „Können Sie eine Blockchain erklären?“ Hompasz’ bildhafter Vergleich zum Risiko/Ertragsprofil von Kryptowährungsanlageofferten: „Das ist ein Sprung aus großer Höhe, aber nicht mit Fallschirm, sondern mit einem Regenschirm.“

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

So können Sie Ihr Portfolio absichern

Der US-Aktienmarkt ist bereits ambitioniert bewertet und die potenziellen Auslöser einer kräftigen Korrektur an den Börsen sind zahlreich. Doch dagegen kann man sich absichern.

Das Shiller-KGV im S&P 500-Index hat mit 28,9 den höchsten Stand seit der High-Tech-Blase erreicht. Der historische Medianwert lag indessen bei 16,1. Wenn der wichtigste globale Aktien-Leitindex schon so überteuert ist, dann ist das ein Warnsignal. Eine Korrektur an den Aktien- und Bondmärkten kann ausgelöst werden durch Hinweise auf eine baldige Drosselung der Anleihenkäufe der EZB und/oder Bank of Japan, stärkere und schnellere Leitzinserhöhungen durch die Fed oder auch durch politische Vorfälle. Kritisch wird am 23. April die Präsidentschaftswahl in Frankreich.

Einzelne Aktien, Forex- und Rohstoffpositionen können einfach durch Trailing-Stops, die bei positiver Kursentwicklung nachgezogen werden, abgesichert werden. Damit lässt man Gewinne laufen und begrenzt Verluste. Die Nachteile: Sollte man im Zuge von Overnight-Gaps ausgestoppt werden, drohen enorme Verluste. Ein weiterer Nachteil sind hohe Transaktionskosten. Eine Position zu verkaufen, um sie später wieder günstiger zurückzukaufen, kann bei Aktien inklusive Bid/Ask-Spreads durchaus mehr als 1 % der Investitionssumme ausmachen.

Kostengünstiger kann mit einem Hebel per Futures, CFDs oder Hebelzertifikaten abgesichert werden. Bei CFDs und Futures fällt nur eine minimale Margin als Sicherheitsleistung an und die Spesen sind überschaubar. Dafür unterliegen die Trading-Gewinne bei CFDs und Futures (nicht verbriefte Derivate) dem progressiven Einkommensteuertarif. Ausnahme wäre, wenn eine auszahlende Stelle (inländische Bank) freiwillig eine der Kapitalertragssteuer entsprechende Steuer einbehält. Nur 27,5 % KESt fallen bei realisierten Kursgewinnen aus Hebelzertifikaten an. Deren Nachteil ist das Emittentenrisiko und in vielen Ausgestaltungen verfallen sie wertlos, sobald die Knock-Out-Schwelle erreicht ist. Deshalb sollten jene Hebelzertifikate favorisiert werden, die bei Erreichen der Schwelle noch einen Restwert auszahlen.

Proxy-Hedge gegen Marktstress
Der optimale Einsatz für ein Hebelzertifikat ergibt sich aus der Division zwischen abzusicherndem Volumen und dem Hebel. So können beispielsweise Aktien-Index-ETFs perfekt gehedged werden. Bei internationalen Aktienfonds, Mischfonds und Rentenfonds, die keiner konkreten Benchmark vollständig entsprechen, muss ein Proxy-Hedge erfolgen. Die Überlegung: Im Marktstress steigen nicht nur die Korrelationen zwischen einzelnen Aktien-Indizes, sondern zwischen allen riskanteren Asset-Klassen. Die Risikofreude bricht ein und damit kommt es zur Flucht in sichere Anlagen. Bankenkrisen oder politische Turbulenzen führen zu massiven Käufen deutscher Bundesanleihen und von US-Treasuries. Ein Zinsschock-Szenario (Staatsanleihen-Crash) der entwickelten Länder kann sogar größere Kapitalmarktturbulenzen in Schwellenländern auslösen. In beiden Fällen ist aber eines ziemlich sicher: Die Aktienkurse fallen.

Angesichts dieser Erkenntnisse kann man ein internationales Aktienfonds-Portfolio gut mit einem Short-Hebel-Zertifikat auf den DAX oder S&P 500 absichern. Weitere „riskantere“ Anlagekategorien, wie Corporate Bonds und Emerging Market Bonds, können gegen Marktstress ebenfalls damit abgesichert werden, wobei z. B. im Falle eines DAX-Hebelzertifikats die Volatilität der abzusichernden Portfolioteile in Relation zu jener des DAX gesetzt werden sollte, um so den theoretischen Einsatz (abzusicherndes Volumen durch Hebel) mit dieser Verhältniszahl zu multiplizieren und dadurch den Einsatz für das Zertifikat an die Volatilitätsunterschiede anzupassen.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

Ein Profi zeigt, worauf es in politisch instabilen Zeiten ankommt

Das Super-Wahljahr, der Brexit-Prozess, die unveränderte Niedrigzinspolitik der EZB und politische Spannungen mit Südosteuropa und der Türkei stellen Anleger vor Herausforderungen. Die Inflation zieht bei gleichbleibend niedrigen Zinsen an, daher ist die Sorge vor der Geldentwertung berechtigt. Es gibt weiterhin viel Ungewissheit an den Märkten, aber auch genügend Chancen fürs Portfolio, meint Experte Christian Nemeth von der Zürcher Kantonalbank.

Anleger stehen angesichts politischer Spannungen und ungelöster wirtschaftlicher Probleme in einigen Euro-Staaten vor Herausforderungen. Zuletzt zog die Inflation zur Zufriedenheit der Zentralbanker an. Dennoch bleibt das Niedrigzinsumfeld in Europa erst einmal unverändert, was bei vielen Privatinvestoren die Sorge vor Geldentwertung fördert. Sicherheit ist bei vielen Investoren nach wie vor Trumpf, doch darüber hinaus gilt es, langfristig eine ansprechende Rendite zu erwirtschaften. Christian Nemeth, Chief Investment Officer und Vorstandsmitglied der Zürcher Kantonalbank Österreich AG, ist für die Asset Allocation seines Hauses verantwortlich. Der Chefstratege nennt fünf Regeln, worauf  es aus seiner Sicht auf dem Weg zum erfolgreichen Portfolio ankommt.

Regel I: Richtige Strategie kommt vor Titelselektion
Wer sein Vermögen auf lange Sicht vermehren möchte, sollte sich zuerst einmal Gedanken über die Portfolioarchitektur machen. Renditeziel und Risikotragfähigkeit müssen aufei-nander abgestimmt werden, damit am Ende der richtige Mix aus Aktien, Anleihen und alternativen Investments festgelegt werden kann. Diese langfristige Ausrichtung des Portfolios sollte zwar in größeren Abständen überprüft werden, jedoch muss man seiner Strategie auch Zeit geben. Anleger sollten sich nicht von kurzfristigen Ereignissen blenden lassen, häufiges und rasches Agieren am Markt zerstört sehr oft eine gute Performance. Wenn die grobe Aufteilung der Vermögenswerte steht, kann im zweiten Schritt mit der Umsetzung begonnen werden. Viele Anleger zäumen aber das Pferd von hinten auf und beginnen mit der Auswahl der Wertpapiere, bevor sie sich Gedanken über die Asset Allocation gemacht haben. Das „Cherry Picking“ von attraktiven Aktien, Anleihen und Investmentfonds führt auf diese Weise häufig zu unausgewogenen Portfolios mit erheblichen Klumpenrisiken.

 

Regel II : Aktives Fondsmanagement ist 2017 Trumpf
Der Trend hin zu passiven Investments ist nach wie vor sehr stark. Hauptsächlich wird in diesem Zusammenhang das Kostenelement ins Treffen geführt. Nach einem schwierigen Jahr 2016 für viele aktive Manager, fühlen sich zahlreiche Anleger auf ihrem Weg bestätigt. 2017 könnte jedoch ganz anders laufen. Auch wenn das aktuelle Marktumfeld weiter für Aktien spricht, ist angesichts der teilweise schon recht üppigen Bewertung mit zwischenzeitlichen Korrekturen zu rechen. Gerade in einem solchen Umfeld können aktive Manager häufig einen Mehrwert schaffen und die Volatilität dämpfen. Die Suche nach einem guten, aktiv verwalteten Investmentfonds ist aber nicht trivial. Statistiken haben oft ihre Tücken und eine detaillierte Analyse des Anlageprozesses ist unverzichtbar. „Bei der Managerauswahl kommt es besonders auf die Stabilität der Investmentstrategie und des Teams an. Auch bei Assetmanagern mit sehr großen Volumina hängt die Performance häufig von einer überschaubaren Anzahl an Personen ab“, betont Nemeth.

Regel III: Aktien sind unverzichtbar
Wessen Anleihen jetzt auslaufen, der sollte über den Kauf von Aktien nachdenken. Auch nach dem Renditeanstieg der letzten Monate versprechen viele Anleihen aus dem Euroraum nur eine magere Rendite. Auch wenn sichere Anleihen Stabilität in ein Portfolio bringen, sind sie aus Performancegesichtspunkten weiterhin wenig attraktiv. Grundlegende Änderungen des Marktumfeldes sind hier nicht in Sicht, die EZB wird ihre Niedrigzinspolitik vorerst beibehalten. All dies spricht für risikobehaftete Assetklassen wie Aktien. „Vor allem im europäischen Raum sowie in den Emerging Markets lohnt sich der Einstieg aufgrund derzeit günstig bewerteter Unternehmen“, so der ZKB-Mann. „In den USA haben die Ankündigungen der Trump-Regierung jüngst die Aktienmärkte beflügelt. Wenn die angekündigten Konjunkturprogramme jedoch nicht durchsetzbar sind, kann es an den US-Börsen durchaus zu einer Kurskorrektur kommen. Dann lohnt sich auch hier wieder der Einstieg.“

Regel IV: Wer klug ist, diversifiziert
Herausforderungen sind in diesen Zeiten unvermeidbar. Eine möglichst breite Streuung der Assets verhindert in Abschwungphasen größere Verluste. Der sogenannte Home Bias, die einseitige Berücksichtigung des Heimatmarktes, ist ein typischer Anlegerfehler. Dabei bringen Investments über unterschiedliche Länder und Branchen hinweg nicht nur mehr Internationalität ins Depot, sondern auch jede Menge Chancen. „Eine globale Verteilung der Investments gleicht Risiken aus und bringt die gewünschte Stabilität. Auf die risikomindernde Eigenschaft des Diversifikationseffektes sollte nicht verzichtet werden“, unterstreicht Nemeth.

Regel V: Opportunitäten erkennen und nutzen
Wer zusätzliches Wachstum generieren möchte, muss kreativ sein. Die internationalen Finanzmärkte bieten mittlerweile eine große Vielfalt an Möglichkeiten, seine Marktmeinung umzusetzen und Chancen zu nutzen. Beispielsweise kann über den Einsatz von inflationsgeschützten Papieren oder Investments in Unternehmensanleihen mit kurzer Restlaufzeit ein Portfolio gegenüber steigenden Renditen abgesichert werden. Auf der Aktienseite wiederum können zusätzlich Investments in ausgesuchte Branchen oder kleinkapitalisierte Unternehmen (Small Caps) beigemischt werden. „Bei all den verschiedenen Investmentmöglichkeiten sollte sich jedoch der Anleger immer fragen, ob er auch über die dafür notwendige Expertise, Zeit und das Interesse verfügt“, rät Nemeth. Wer mindestens einen dieser Aspekte verneint, sollte in ein verwaltetes Portfolio investieren, das von Profis gemanagt wird.

Die 70. o. HV der Verbund AG: AR-Chef ging, Dividendenkürzung kam – ein Rückblick

Der Dividendenvorschlag sorgte für Enttäuschung auf der Verbund-HV. Vom langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden hieß es vorzeitig Abschied nehmen. Nachfolger: Ex-OMV-Chef Gerhard Roiss.

Es begann harmonisch: Mit einem Videofilm vom neuen Pumpspeicherkraftwerk Reißeck II als, wie es da genannt wurde „Grüne Batterie in den Alpen“. Danach musste CEO Wolfgang Anzengruber auch auf weniger harmonische Themen eingehen, wie die „dramatische” Großhandelspreisentwicklung an den Strombörsen oder die Vorbereitung der Trennung der Deutsch-Österreichischen Preiszone („ein nichtförderlicher Rückschritt“). Mit dem „Kostenmanagementprogramm“ werde daher sowohl bei den Sach- und Personalkosten, als auch bei den Wachstums- und Instandhaltungsinvestitionen massiv eingespart. Auch die Dividende 2016 sei betroffen: Mit dem Vorschlag der  Reduktion der Ausschüttungsquote von rund 50 auf rund 30 % des bereinigten Konzernergebnisses. Trotzdem sprachen er und CFO Peter Kollmann von einem „erfolgreichen Geschäftsjahr“ mit einem wieder gesteigerten EBITDA und Konzernergebnis und einem Aktienkursplus von 28 %. Da man eine Strompreiserholung erst ab 2019 erwarte, setze die Konzernstrategie darauf, CO2-freier Low-Cost-Erzeuger, verlässlicher Netzbetreiber, führender Grünstrom- und Flexibilitätsvermarkter und kundenorientierter Lösungsanbieter zu sein.

Danach erklärte AR-Vorsitzender Gilbert Frizberg die Niederlegung seines AR-Mandates „nach 17 Jahren im AR, zehn Jahren im Vorsitz und keinem Jahr mit Verlust“. Er sei „überzeugt, dass wir mit Speichertechnologie, neuen Produkten und Dienstleistungen gut aufgestellt sind“. Er wünsche Vorstand, AR, allen Mitarbeitern und Eigentümern alles Gute und danke „für die lange Geduld“. Zur Nachbesetzung seines und des AR-Mandates von Martin Krajcsir schlage der AR ex-OMV-GD Gerhard Roiss als Vorsitzenden und Peter Weinelt (vom Großaktionär Wiener Stadtwerke) vor. Beide Nominierten stellten sich danach den Aktionären vor.

Von Baggerschiffen bis Werbung
Nach dem langen Statement des Ministeriumsvertreters des Mehrheitsaktionärs Republik Österreich wurde, da es erwartbar viele Aktionärswortmeldungen gab, die Q&A-Runde zweigeteilt.

Für mehrfache „Enttäuschung“ sorgte der „mickrige“ Dividendenvorschlag (29 statt 35 Cent), das „Hauptproblem“ des hohen Personalaufwandes und Mitarbeiterleistungskennzahlen kamen wieder aufs Tapet, branchenfremde Stromhandelskonkurrenten, die Werbekosten, Freileitungen, „soziale Verantwortung“, der Rückzug des AR-Vorsitzenden und sogar fehlende akademische Titel und die Baggerschiffe wurden thematisiert.

Was man in HV-Fragenrunden nicht oft erlebt: Dass ein Belegschaftsvertreter auf die Aktionärskritik an den Personalkosten kontert. Auch Vorstand Johann Sereinig wies mit dem Personalreduktionsprogramm und Vergleichszahlen die Personalaufwandskritik zurück. Kollmann betonte, dass man bei den Leistungskennzahlen GWh-Output und Wertschöpfung je Mitarbeiter sehr gut liege. Konstruktiv war der Aktionärsvorschlag, doch statt der jetzigen Werbung für die Bedeutung, Nutzen und Aktie des Verbunds zu werben.

Wie von Aktionären angekündigt, gab es bei der Abstimmung zur verringerten Dividende deutlich viele Neinstimmen.

Zusatz: Der Börsen-Kurier brachte Schulklasse zur Verbund-HV

Bei der Verbund-HV waren die Schülerinnen und Schüler und die Lehrkräfte der 4. Klasse der Handelsakademie Horn als Gäste angereist. Für die jungen Leute eine Gelegenheit, HV-Luft zu schnuppern und Aktionärsdemokratie live zu erleben. Der Börsen-Kurier erfragte danach von den “Nachwuchs-Aktionären” ihre Eindrücke. Hier ihr Feedback: Am Auftritt der hohen Herrn am Podium haben den Jugendlichen die Fakten mit Daten gefallen und dass lebendig, klar, detailliert, überzeugend und nachvollziehbar informiert wurde. Weniger Gefallen fanden die vielen Fachbegriffe, zu viele Zahlen, die Mimik und Gestik am Podium zu manchen Aktionärsfragen und dass es viel zu lange gedauert habe. An den Fragen der Aktionäre gefiel den Jugendlichen, dass sie kritisch und direkt, manche lustig waren, zu denken gegeben, Probleme genau angesprochen und den Vorstand bei seinen Bezügen in die Sparpflicht genommen haben. Nicht gut kamen die langen Redezeiten an. Als originelle Aktionärsstatements blieben den jungen Gästen die Kritiken an der Nichtkostenkürzung beim Vorstand, warum die Dividende weniger wird, obwohl der Gewinn mehr wurde, und der Mitarbeiterzahl- und -kostenvergleich mit anderen Konzernen. Selbst gefragt hätten die HAK-Schüler gerne zum AR-Rücktritt, wie viele Aktien der Vorstand besitzt, und ob Fusionen mit anderen Firmen in näherer Zukunft stattfinden. Die HV-Organisation und Verköstigung erhielten durchwegs Bestnoten. Als Verbesserungsvorschlag wurde mehrfach die Zeitbegrenzung der langen “Reden” der Aktionäre genannt.

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

„Vorsicht bei weiteren US-Zinserhöhungen“

Ein Zinsanstieg sei nicht unmittelbar Anlass zur Sorge, findet Franz Wenzel. Als gesicherte Tatsache gelte aber auch, dass höhere Zinsen über kurz oder lang Gift für Dividendenwerte seien, so der institutionelle Anlagestratege von AXA IM. (07.04.)

Mitte März war es wieder einmal so weit. Die US-Notenbank (Federal Reserve, Fed) hob unter der Leitung von Janet Yellen den Korridor für den Notenbankzins um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent bis 1 Prozent an. Die Reaktionen an den Märkten fielen moderat aus, waren die Zinsen am langen Ende doch bereits im Vorfeld gestiegen. An den Aktienbörsen war eine Art von Erleichterung zu verspüren, zumal in den Börsensälen die Befürchtung umging, dass die Notenbankchefin einen schärferen Ton als erwartet anschlagen könnte. Letzteres blieb aus.

Bloß keine Nachlässigkeit

Dies sollte nun allerdings nicht zu Nachlässigkeit verführen, warnt Franz Wenzel: „Weitere Zinserhöhungen stehen an. Bestenfalls wird man sich die Frage stellen, um wie viel und in welcher Geschwindigkeit die US-Zinsen angehoben werden. Daher sind langfristige Investoren gut beraten, sich eine Sicht der Dinge zurechtzulegen, die man in die Formel ,in Übertreibungsphasen das Risiko reduzieren‘ fassen könnte.

Diese Warnung kommt auf den ersten Blick überraschend. Sowohl in den USA als auch in China, aber auch hier in Europa lassen die konjunkturellen Daten sowie die Prognosen den Schluss zu, dass 2017 wie auch 2018 ein ordentliches Wachstum von um die 1,5 Prozent in Europa, über 2 Prozent in den USA und 6 Prozent in China möglich sein wird. Die Unternehmensgewinne wachsen nach einer zweijährigen Rezession wieder.

Bei all dem Positiven sollte man allerdings ein wesentliches Element nicht übersehen“, erklärt Wenzel. „Die Aktienhausse, die seit mehreren Jahren das Börsengeschehen prägt, ist mit Zentralbank-Liquidität gekauft. So hat sich der US-Markt seit seinem Tief 2008 mehr als verdreifacht, während die US-Unternehmensgewinne sich bestenfalls verdoppelt haben. Den Rest der Hausse, die die Börsenbewertung auf mehr als das 25-fache der Unternehmensgewinne gehebelt hat, verdanken wir Ben Bernanke und Janet Yellen.“

Daneben gelte es, einige Besonderheiten für die europäischen Börsen zu beachten, so Wenzel weiter: „Bei einem aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter 20 auf der Basis veröffentlichter Gewinne sind die hiesigen Börsen etwas attraktiver bewertet. Hinzu kommt, dass die Liquidität der EZB den Euro eher schwach halten sollte. Ferner sind die Lohnstückkosten kein Grund zur Sorge, die die Unternehmensmargen beeinträchtigen könnten. Und schließlich bietet eine attraktive und relativ stabile Dividendenrendite von über 3 Prozent einen gewissen Schutz.“ Gleichwohl merkt der Experte an, dass die europäischen Börsen nach wie vor am Tropf der Wall Street hingen: „Eine größere Korrektur in den USA würde sicherlich mit einem noch größeren Kursrückgang hier quittiert. Man sollte die Rechnung nicht ohne den Wirt, sprich das Beta im Börsenjargon, machen.“

Steigende Zinsen als Gift für die Aktienmärkte

Als gesicherte Tatsache gilt, dass höhere Zinsen über kurz oder lang Gift für Dividendenwerte sind. In der Vergangenheit sei ein Anstieg der realen Renditen in den USA, also des nominalen Zinsniveaus abzüglich der Inflation, auf über 2,5 Prozent eine wichtige Hürde, die, einmal überschritten, eher zu Marktkorrekturen und damit zu einem niedrigeren Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) geführt habe. „Auf der Basis heutiger Renditen sind wir von dieser Schallmauer aber noch ein ganzes Stück entfernt. In den USA liegen die Renditen im Laufzeitensegment zwischen fünf und zehn Jahren bei nominal 2 Prozent bis 2,5 Prozent. Bei langfristigen Inflationserwartungen von etwa 2,5 Prozent entspricht dies einer realen 10-jährigen Rendite um die 0 Prozent“, sagt Wenzel. Das sehen die Investoren ähnlich: An den Märkten werden zehnjährige Realzinsen um die 50 Basispunkte (TIPS) gehandelt. Bei einer langfristig zu erwartenden Inflationsrate von 2 Prozent bis 2,5 Prozent könnten nach dieser Rechnung die nominalen Renditen bis auf 4 Prozent ansteigen. Dies entspräche einem weiteren Zinsanstieg um 150 Basispunkte im zehnjährigen Segment und käme einem Zeitsprung zurück in den Juli 2008 gleich.

Experten raten zu Aktien mit hoher Dividendenrendite und Ausschüttungssicherheit

Europäische Bankaktien wurden von Anlegern lange Zeit gemieden. Seit dem zweiten Halbjahr 2016 hat sich das Bild geändert. Lesen Sie hier, wo es noch Potenzial gibt.

Im Zuge des Comebacks zyklischer Aktien, das sich in der zweiten Jahreshälfte 2016 an den europäischen Börsen vollzogen hat, ist ein Sektor wachgeküsst worden, der sich seit längerem in einem Dornröschenschlaf befunden hatte: Der Bankensektor. Auch wenn Experten der US-amerikanischen Konkurrenz deutlich mehr Potenzial zusprechen, so sehen sie durchaus auch Chancen bei ausgewählten europäischen Bankaktien. Für sie würden etwa die deutlich attraktiveren Bewertungen sprechen, ebenso wie die Hoffnung auf eine Aufhellung der Ertragslage.

Hohe Dividendenrenditen
Auf der Rechnung hat europäische Bankaktien etwa Kian Abouhossein, Analyst bei JP Morgan – auch wenn die US-Konkurrenz das vergleichsweise bessere Risikoprofil aufweise. Für attraktiv hält er vor allem die Aktien von Playern mit hoher Dividendenrendite und Ausschüttungssicherheit wie etwa ING, KBC und Lloyds. Aber auch Credit Suisse, Santander und Société Générale wären eine Überlegung wert. Der Hintergrund: Sie würden nach Einschätzung des Experten in wichtigen Geschäftszweigen Verbesserungspotenzial aufweisen. „Finger weg“ lautet dagegen die Empfehlung bei Commerzbank und Deutsche Bank, was an ihrer vergleichsweise geringen Profitabilität sowie knapper Eigenkapitalausstattung liege.

Für Jan Schildbach, Bankanalyst bei Deutsche Bank Research, hängt der mittelfristige Ausblick für europäische Banken großteils von der Entwicklung politischer Risiken sowie der Geldpolitik der Zentralbanken ab. Zu diesen externen Faktoren komme allerdings noch ein dritter dazu, von dem die Performance des Bankensektors abhängen werde: Fortschritte bei der Restrukturierung. Wichtig wären in diesem Zusammenhang weitere Fortschritte bei der Kosteneinsparung, die Erschließung neuer Einnahmequellen, die erfolgreiche Repositionierung gegenüber aufstrebenden neuen Mitbewerbern sowie die Lösung verbliebener Rechtsstreitigkeiten.

Chancen bei europäischen Banken sieht Richard Woolnough, Manager des M&G Optimal Income Fund, im Übrigen auch im Anleihebereich. Der Experte hat zu Jahresbeginn die Gewichtung des Finanzsektors in seinem Fonds – hauptsächlich über europäische Banktitel – um rund 5 % erhöht. „Diese Papiere sind weiterhin historisch günstig, da sie nicht Teil des Anleihekaufprogramms der EZB sind und ihr relativer Wert daher nicht durch die Interventionen verzerrt wurde“, erklärt er.

Auch am Wiener Börseparkett sind Bankaktien im vergangenen Herbst in der Gunst der Anlager wieder deutlich gestiegen. Seitdem haben RBI und Erste Group um rund 60 bzw.
36 % zugelegt. „Wir betrachten das derzeitige Chancen-/Risikoprofil der RBI-Aktie als attraktiv, mit sehr hohem Kurspotenzial, aber auch erhöhtem Risiko und Volatilität“, meint
Erste-Group-Analyst Thomas Unger, der dem Papier, das „deutlich unter dem Buchwert notiert“, ein Potenzial von knapp 10 % zutraut.

Tipp: Russische Bankaktien
Aber auch ein Blick Richtung Osten könnte sich für Anleger bezahlt machen. Obwohl Experten nach der starken Vorjahresperformance russischer Aktien davon ausgehen, dass heuer kleinere Brötchen gebacken werden, könnte der Bankensektor dennoch positiv überraschen. Gregor Holek, Manager des Raiffeisen Russland Aktien, hält etwa eine Bewegung von 10 bis 15 % für möglich, wie er im Gespräch mit dem Börsen-Kurier verrät. „Der Bankensektor sollte vom anziehenden Wirtschaftswachstum in Russland profitieren“, sagt er. Im Vorjahr hätten noch Sorgen um notleidende Kredite den Sektor belastet.

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

Banken, Versicherer und Fondsgesellschaften im Visier Warschaus

Das Rennen ist unter den Union-Ländern eröffnet: Wer kann mehr Arbeitsplätze nach dem Brexit von London anlocken? Polen könnte gegenüber Frankreich und Deutschland die Nase vorn haben.

Es gibt einen Wettlauf zwischen Deutschland und Frankreich, beide Länder wollen nach dem Brexit die Londoner Top-Investmentbanker anlocken. Währenddessen warf Polen ein Auge auf die mittlere Ebene der Finanzwelt, auf der die Entlohnung niedriger ist, es jedoch mehr Beschäftigte gibt, schreibt Reuters.

Umkehr
Seit 2004, als Polen der Europäischen Union beitrat, wanderten zahlreiche Landsleute nach Großbritannien aus. Die Regierung will jetzt möglichst viele von Polen besetzte Jobs in die Heimat bringen. Der polnische Interessensverband der Wirtschaftsdienstleister arbeitet mit sieben Finanzfirmen zusammen an einem Projekt, um die Arbeitsplätze nach Polen umzusiedeln, sagt Pawel Panczyj, Direktor der Organisation, zur Nachrichtenagentur. Im Fokus des Projekts stehen sogenannte „Mid-office-Stellen“ etwa im Bereich des Risikomanagements und von Dienstleistungen im Informatik-Sektor.

„Wir verhandeln mit Banken, Versicherern und Fondsgesellschaften, die ihre Geschäftstätigkeit ins Ausland verlagern wollen. Ihre Motivation ist in der jetzigen Situation hauptsächlich der Brexit“, ergänzt Panczyj. Die Bemühungen könnten von Erfolg gekrönt sein. Laut den Schätzungen des Chefs einer globalen Investmentbank gegenüber Reuters werden 20 % ihrer Londoner Stellen nach Polen umgesiedelt.

Die Brexit-Stimmung im letzten Sommer zwang die Banken und Finanzdienstleister, eine neue Basis in einem Unionsstaat zu finden, um ihre EU-Kunden störungsfrei bedienen zu können. Wenn schon eine Reorganisation nötig ist, möchten sie gleichzeitig Kosteneinsparungen durchführen. Somit werden auch solche Bereiche umgesiedelt, die trotz des Brexit eigentlich in Großbritannien bleiben könnten.

Finanzzentrum Polen
Polen ist bereits ein bedeutendes Zentrum für die internationalen Banken. Laut Schätzungen siedelten diese in den vergangenen Jahren zwischen 35.000 und 45.000 Arbeitsplätze dorthin. Die zwei größten sind Credit Suisse und UBS, die bedeutende IT- und Back-Office-Zentren im Land haben. Aufgrund der qualifizierten Arbeitskräfte, des niedrigen Lohnniveaus und der guten Büroinfrastruktur fangen Finanzkonzerne damit an, auch anspruchsvollere Tätigkeiten, wie das Risikomanagement oder die Produktentwicklung, nach Polen zu transferieren.

Denn die Welt hat sich auch für die Investment-Banken verändert. Weniger hoch bezahlte Broker und Front-Office-Mitarbeiter werden gebraucht, die Mehrheit der Handelssysteme funktioniert automatisch. Der Fokus wurde auf die Bereiche Compliance und IT verschoben, um der strengeren regulatorischen Umgebung zu entsprechen.

Falsches Ziel
Wenn Deutschland und Frankreich um die Stellen der Front-Line-Banker kämpfen, konkurrieren sie um einen Bereich, der immer mehr an Bedeutung verliert. Die Lobbygruppen der Londoner City schätzen, dass jeweils nur 10.000 Arbeitsplätze in den folgenden Jahren nach Frankfurt und Paris übersiedeln werden. In Gegenzug hofft die polnische Regierung, dass sie 25.000 bis 30.000 Stellen, Großteils davon im Dienstleistungssektor, schon in diesem Jahr anlocken kann.

Mehr und mehr in Großbritannien lebende Polen finden es spannend, wieder in ihre Ursprungsheimat zu gehen, da auch immer mehr Großbanken ihre Aktivitäten in den 40-Mio-Einwohner-Staat umsiedeln. Es hebt das Lohnniveau an, sagt Marta Aserigadu, Berater der Manpower Group, zu Reuters. Die Polen können nun bei multinationalen Unternehmen Führungspositionen besetzen, ohne ins Ausland emigrieren zu müssen. Sie haben die Möglichkeit, eine internationale Karriere zu machen, und somit ist es dafür nicht mehr nötig, nach London auszuwandern und dort ein Einwanderer-Leben zu führen.

Die regierende polnische Rechts-und-Gerechtigkeit-Partei vertritt meist einen protektionistischen Standpunkt gegenüber ausländischen Banken, aber für Investmentbanken gilt dies nicht. Diese können Arbeitsplätze und extra Steuereinnahmen generieren, ohne Zunahme eines „Fremd-Einflusses“ auf dem heimischen Finanzsektor.

Damals wanderten die Polen nach London aus, aber jetzt ist es umgekehrt, verkündete der Vize-Premierminister Mateus Morawiecki bereits zu Beginn des Jahres stolz.

Autor: András Lovas-Romváry (redaktion@boersen-kurier.at)

Ist Steuer auf Roboter sinnvoll?

Die Idee einer Robotersteuer wurde im Vorjahr in einem Bericht an das Europaparlament aufgebracht. Was spricht dafür? Und es spricht auch einiges für eine moderate Besteuerung in Zeiten von Transformationen unserer Arbeitswelt.

Der Bericht betonte, wie sehr Roboter die Ungleichheit verstärken könnten, und schlug vor, dass eine „Notwendigkeit, in dem Maße und in dem Verhältnis Anforderungen an die Berichterstattung von Unternehmen einzuführen, in dem Robotik und Künstliche Intelligenz zu den wirtschaftlichen Ergebnissen eines Unternehmens beitragen, zum Zwecke der Besteuerung und der Beiträge zur Sozialversicherung in Erwägung gezogen werden sollte“.

Die öffentliche Reaktion auf Delvaux’ Vorschlag war – mit der bemerkenswerten Ausnahme von Bill Gates, der sich dafür aussprach – überwiegend negativ. Doch wir sollten die Idee nicht einfach so verwerfen. Allein im vergangenen Jahr haben wir die Verbreitung von Geräten wie Google Home und Amazon Echo Dot (Alexa) erlebt, die einige Aspekte von Haushaltshilfen ersetzen. Genauso haben die fahrerlosen Taxidienste Delphi und nuTonomy in Singapur begonnen, Taxifahrer zu ersetzen. Und Doordash ersetzt mit selbstfahrenden Mini-Fahrzeugen von Starship Technologies das Lieferpersonal von Restaurants.

Wenn diese und andere Arbeitskräfte verdrängende Innovationen sich durchsetzen, werden angesichts der Probleme, die auftreten, wenn Menschen ihre Arbeit verlieren, Forderungen zu ihrer Besteuerung mit Sicherheit lauter werden. Optimisten verweisen darauf, dass es immer neue Arbeitsplätze für Menschen gegeben habe, die durch neue Technologien ersetzt wurden. Doch angesichts der sich beschleunigenden Roboterrevolution wachsen die Zweifel, wie gut das diesmal ablaufen wird. Eine Robotersteuer könnte, so hoffen deren Befürworter, diesen Prozess zumindest vorübergehend verlangsamen und Geld für Anpassungsmaßnahmen wie Umschulungen für verdrängte Arbeitnehmer zur Verfügung stellen.

Derartige Programme sind möglicherweise genauso unverzichtbar wie unsere Arbeit für ein gesundes menschliches Leben wie wir es kennen. In seinem Buch „Rewarding Work“ hat Edmund S. Phelps die grundlegende Bedeutung der Bewahrung eines „Platzes in der Gesellschaft“, „ einer „Berufung“ – herausgestellt. Wenn viele Menschen nicht mehr in der Lage sind, eine Familie zu ernähren, ergeben sich daraus beunruhigende Folgen, und es könnte, wie Phelps betont, „die Funktionsweise der kompletten Gemeinschaft beeinträchtigt werden“. Anders ausgedrückt: Die Robotisierung hat externe Auswirkungen, die ein staatliches Eingreifen rechtfertigen.

Kritiker der Robotersteuer betonen, dass die mangelnde Eindeutigkeit des Begriffes „Roboter“ eine Definition der Steuerbasis schwierig gestaltet. Sie verweisen zudem auf den enormen, unbestreitbaren Nutzen der neuen Robotik für das Produktivitätswachstum.

Doch man sollte während der Phase des Übergangs zu einer anderen Arbeitswelt zumindest bescheidene Robotersteuern nicht übereilt ausschließen. Eine derartige Steuer sollte Teil eines umfassenderen Plans zur Bewältigung der Folgen der Robotikrevolution sein.

Frank Ramsey hat 1927 einen klassischen Aufsatz veröffentlicht, in dem er argumentierte, dass man zur Minimierung steuerbedingter Verzerrungen alle Aktivitäten besteuern sollte, und machte darin Vorschläge, wie man die Steuersätze festlegen sollte. Seine abstrakte Theorie war nie ein uneingeschränkt funktionsfähiges Modell für die realen Steuersätze, aber sie bietet ein machtvolles Argument gegen die Annahme, dass die Steuer für alle außer einigen wenigen Aktivitäten null sein sollte oder dass alle Aktivitäten zum selben Satz besteuert werden sollten.

Die Diskussion einer Robotersteuer sollte in Betracht ziehen, welche Alternative wir haben, um der steigenden Ungleichheit Herr zu werden. Es wäre logisch, eine stärker progressive Einkommensteuer und ein „Grundeinkommen“ einzuführen. Doch genießen diese Maßnahmen nicht die Unterstützung einer breiten Öffentlichkeit. Und wo diese fehlt, wird die Steuer, wenn sie denn eingeführt werden sollte, keinen Bestand haben.

Wenn Steuern auf hohe Einkommen erhöht werden, erweist sich dies nur als vorübergehende Maßnahme. Letztlich erscheint es den meisten Menschen als natürlich, dass eine Besteuerung erfolgreicher zugunsten erfolgloser Menschen für Letztere erniedrigend ist, und selbst die Empfänger derartiger Almosen wollen diese nicht wirklich.

Daher müssen die Steuern umstrukturiert werden, um die durch die Robotisierung herbeigeführte Ungleichheit zu beheben. Es könnte politisch akzeptabler und damit nachhaltiger sein, Roboter zu besteuern als Menschen mit hohem Einkommen. Und während dies nicht den Erfolg des Einzelnen besteuern würde, so wie es die Einkommensteuer tut, könnte es tatsächlich zu etwas höheren Steuern auf höhere Einkommen führen, wenn diese höheren Einkommen aus Aktivitäten resultieren, bei denen Menschen durch Roboter ersetzt werden.

Eine moderate Besteuerung von Robotern – und sei es nur eine zeitlich begrenzte Steuer, die die Einführung disruptiver Technologien lediglich verlangsamt – erscheint als logische Komponente einer Politik zur Bekämpfung der wachsenden Ungleichheit. Die Steuereinnahmen könnten in eine Lohnausfallversicherung fließen, um Menschen, die durch neue Technologien ihre Arbeit verlieren, beim Übergang zu einer neuen Karriere zu unterstützen. Dies würde mit unserem natürlichen Gerechtigkeitsempfinden im Einklang stehen und hätte daher vermutlich Bestand.

Über den Autor: Robert J. Shiller wurde 2013 mit dem Nobelpreis für Ökonomie ausgezeichnet. Er ist Professor für Ökonomie an der Universität Yale und, gemeinsam mit George Akerlof, Verfasser von Phishing for Phools: Manipulation und Täuschung in der freien Marktwirtschaft. Aus dem Englischen von Jan Doolan, © Project Syndicate 1995 – 2017

Industriemetalle vor neuem Glanz

Politische Entscheidungen und sinkende Vorkommen fördern die Preise von Industriemetallen auf der Angebotsseite. Der wachsende Bedarf an Infrastruktur bietet eine zusätzliche Stütze.

Noch vor wenigen Jahren kamen Meldungen über die Konjunkturverlangsamung Chinas wenig gut in der Finanzwelt an. Das galt freilich auch für den Handel mit Industriemetallen. Immerhin ist das Reich der Mitte der weltweit wichtigste Käufer, die Metalle werden schließlich gebraucht um das gigantische Wachstumsprogramm kräftig voranzutreiben. Die Folgen des Nachfragerückgangs waren deutlich zu spüren, so sackten die Notierungen für Kupfer, Nickel und Co. kräftig ab.

Inzwischen zeichnet sich eine Trendwende ab. Sie setzte bereits im Vorjahr ein – und ist dabei auf eine Mischung von Ereignissen zurückzuführen. Chinas Wirtschaft wächst schließlich stärker als ursprünglich befürchtet. Erst vor wenigen Wochen kündigte Chinas Premier Li Keqiang wesentliche Wachstumsziele und Reforminitiativen an, unterstreicht etwa Mike Shiao, Chief Investment Officer Asia ex Japan bei Invesco. Zu den Prioritäten zählt insbesondere der Abbau von Überkapazitäten etwa in der Kohle- aber auch der Stahlindustrie. In den USA möchte Donald Trump bekanntlich eine Menge Geld in die Infrastruktur investieren. Das hatte bereits kurz nach seinem Wahlsieg für einen Preisschub bei den Branchenmetallen gesorgt.

Allerdings handelt es sich dabei grundsätzlich um kurzfristige Preistreiber. Es gibt aber auch langfristige Faktoren, die den Notierungen eine wichtige Stütze bieten. Auf diese Faktoren verweist Rainer Bunge, Professor für Rohstoffe und Verfahrenstechnik an der Schweizer Hochschule für Technik Rapperswil, im Rahmen eines Investorengesprächs von ETF Securities, an dem auch der Börsen Kurier teilnahm. Er sieht vor allem den „Nachschub“ schwinden und verdeutlicht die Situation anhand eines Beispiels.

Während das Kupferinventar in den Industrienationen bei rund 300 Kilo pro Kopf gesättigt sei, werde es in Schwellenländern wie China gerade erst aufgebaut, unterstreicht Bunge. Hier liege das Inventar bei rund 35 Kilo pro Kopf. Gleichzeitig gingen aber mit dem fortschreitenden Bergbau die Reserven allmählich aus. So gebe es zum Beispiel genug Kupfer, mittlerweile aber nur in sehr minderwertigen Erzen. Man muss also immer mehr fördern, um auf die gleiche Menge an Kupfer zu kommen.

Allerdings spielt auf der Angebotsseite nicht nur der Nachschub eine Rolle. Die Politik scheint ebenfalls immer öfters mitzumischen. So hatten etwa in Chile die Kupferminenarbeiter einen Streik eingelegt, mit entsprechenden Folgen auf die Notierung. Immerhin ist das Land der weltweit größte Kupferproduzent. Zwar zeichnet sich in der Kupfermine Escondida ein Ende des Streiks ab. „Allerdings müssen Verhandlungen innerhalb der nächsten 18 Monate erneut aufgenommen werden“, erklärt Achim Wittmann, LBBW-Analyst. Seit Kurzem erlauben zudem die Philippinen einigen Nickelminen wieder Erze zu exportieren. „Dies dürfte jedoch nur zu einer geringfügigen und temporären Entspannung auf der Angebotsseite beitragen, da grundsätzlich das Förderverbot bestehen bleibt“, so Wittmann.

Womit sich ein Blick auf ausgewählte Produkte für risikobereite Anleger lohnt. Von BNP Paribas gibt es etwa das RICI EnhancedSM Industrial Metals (ISIN: DE000PB8R 1M6) ETC, ein Zertifikat, das aber mit einer Besicherung unterlegt ist, um das Emittentenrisiko zu minimieren. Ähnlich das Prinzip hinter einem Zertifikat von ETF Securities, dem ETFS Industrial Metals (DE000A0K RKG7). Vom ETF-Anbieter Lyxor gibt es den Lyxor ETF S&P GSCI Industrial Metals 3 Month Forward ETF (LU0692030603). Bei allen Produkten müssen Anleger das USD-Risiko beachten.

Autor: Mag. Raja Korinek (redaktion@boersen-kurier.at)

„Denken in Generationen“

Eigentümergeführte Aktiengesellschaften bieten viele Vorteile, meint Birgitte Olsen im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Mit speziellen Investmentfonds kann diese Sparte auch gut abgedeckt werden.

Oft hört man ja, die Welt der Finanzen werde hauptsächlich von herzlosen Großkonzernen dominiert, deren CEOs seien vor allem an schnellen Profiten und den eigenen, hochdotierten Managergehältern interessiert. So kann das allerdings nicht unwidersprochen stehen gelassen werden, insbesondere wenn von eigentümergeführten Firmen die Rede ist. „Enterpreneure denken in Generationen und nicht in Quartalen. Das schlägt sich letztlich in der positiven Entwicklung nieder: Verantwortungsbewusstsein, ein hohes Maß an Identifikation und persönliches finanzielles Engagement führen zu überdurchschnittlichen Ergebnissen von solchen Unternehmen“, so Birgitte Olsen, Lead Portfolio Manager für Entrepreneur-Strategien bei Bellevue Asset Management, zum Börsen-Kurier. Als eigentümergeführt gelten dabei börsennotierte Gesellschaften, die von einem Eigentümer oder einer Eigentümerfamilie mit mindestens 20 % der Stimmrechtsanteile maßgeblich beeinflusst werden.

Solche Aktiengesellschaften zeichnen sich laut der Expertin unter anderem durch ihre „extrem soliden Bilanzen“ aus: „Der Verschuldungsgrad ist im Schnitt grundsätzlich tiefer als der breite Markt. Diese Solidität gereicht natürlich nicht zuletzt in Krisenzeiten zum Vorteil. Die eigentümergeführten Unternehmen wollen sich in keine Abhängigkeit von Banken begeben und tätigen ihre Investitionen aus dem selbst erwirtschafteten Cash flow. Studien haben gezeigt, dass rund 70 % des Familienvermögens in das eigene Unternehmen gesteckt wird. Übermäßigen Gehälter und Boni fallen hingegen in der Regel weg.“

Bellevue hat nun drei Fonds im Programm, die die genannten Vorteile nützen: BB Entrepreneur Europe (ISIN: LU04 15391860), BB Entrepreneur Europe Small (LU0631859229) und BB Entrepreneur Switzerland (CH0023244368, in Schweizer Franken.).

Fondsmanager unterwegs
Anlagestrategie- und Prozess basieren dabei immer auf genauer Unternehmensanalyse und fundiertem Stock Picking: „Wir nehmen uns viel Zeit für die Fundamentalanalyse und kritische Durchleuchtung. Hierbei spielen Unternehmensbesuche eine große Rolle, im Schnitt führen wir 400 Company Meetings pro Jahr durch, Ende Feber waren es heuer bereits 85. Im Schnitt selektieren wir 30 bis 40 Aktien, die uns besonders gut gefallen, in den einzelnen Fonds“, so Olsen. Hier stehen mittlere und kleinere Gesellschaften mit einer Kapitalisierung unter 5 MrdE im Vordergrund, denn gerade unter diesen eher unbekannten Aktiengesellschaften seien „wahre Perlen“ zu finden. Die Expertin hatte für den Börsen-Kurier auch zwei anschauliche Beispiele parat: „Interessant ist etwa die dänische ASETEK, die sich auf die Kühlung von Computern und Servern mittels Wasser spezialisiert hat. Wir sehen bei diesem ,Liquid cooling’ großes Wachstumspotenzial. Corticeira Amorin aus Portugal wiederum stellt Korken vor allem für Weinflaschen her und nimmt rund ein Drittel des Weltmarktanteils in diesem Segment ein. Hier sind durchaus innovative Lösungen zu finden, wie etwa die Entwicklung eines Korkens, der garantiert niemals ,korken’ soll, also kein Schimmel-induziertes TCA entwickelt.“

Mit der Entwicklung der BB Entrepreneur-Fonds zeigt sich Olsen jedenfalls zufrieden, so hat etwa der BB Entrepreneur Europe Small in den vergangenen drei Jahren beinahe 20 % p.a. zugelegt. Er wurde auch bei den Lipper Fund Awards zum besten europäischen Nebenwertefonds der vergangenen drei Jahre gewählt.

Die Bellevue Group ist selbst eigentümergeführt und befindet sich mehrheitlich im Besitz der Mitarbeiter und Kernaktionären.

Autor: Mag. Harald Kolerus (redaktion@boersen-kurier.at)

„Vorteilhaft für alle Beteiligten“

Die Registrierung der künftigen RHI Magnesita in Holland und ihr Börselisting in London sollen, so RHI-Aufsichtsratschef Herbert Cordt, „enormen Mehrwert“ für alle Aktionäre schaffen.

Es war ein Paukenschlag: Als die RHI im Oktober 2016 bekannt gab, einen Zusammenschluss mit der brasilianischen Magnesita anzustreben. Das kombinierte Unternehmen soll den Namen RHI Magnesita tragen, seinen Hauptsitz in den Niederlanden haben und in London börsenotiert sein. Diese Ankündigungen sorgten für Unruhe unter heimischen Aktionären, es gab spontane Kritik an dem Plan der doppelten Abwanderung. Da die Verlegung des Sitzes aus Österreich und die Notierung in London die Zustimmung der RHI-Hauptversammlung benötigen, wird der Magnesita-Deal ein beherrschendes Thema einer notwendigen außerordentlichen Hauptversammlung sein. Diese wird erst nach Genehmigung der Transaktion durch die EU-Kartellbehörde angesetzt werden.

Zweifache Verstärkung
Der Börsen-Kurier sprach nun mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden der RHI Herbert Cordt über die Hintergründe und Argumente für den Magnesita-Plan: Mit dem Zusammenschluss werde man zum mit Abstand größten Feuerfestkonzern der Welt, einem wirklich globalen Unternehmen mit Produktionsstätten auf allen Kontinenten mit Ausnahme Australiens. Der neue Konzern wird einen Umsatz zwischen 2,5 und 2,7 MrdE und eine Marktkapitalisierung von 1,5 MrdE aufweisen, so Cordt. Magnesita helfe der RHI zweifach: Geographisch, weil die Brasilianer am südamerikanischen Markt eine führende Position innehaben und auch in Nordamerika stark vertreten sind. Und produktmäßig: als „komplementäre Verstärkung“ mit ihrem stark wachsenden Dolomitgeschäft. Die dolomitbasierten Produkte werden besonders stark in der Edelstahlindustrie verwendet. Dieser Industriezweig wächst wesentlich stärker als das normale Stahlgeschäft.

Österreich bleibt
Die Sitzverlegung der neuen RHI Magnesita nach Holland begründet Cordt pragmatisch: Die neue Gesellschaft wird in den Niederlanden registriert werden, denn das dortige Gesellschaftsrecht erlaubt die Entscheidung, ob man einen One-Tier-Board (gemeinsames Management- & Kontrollorgan) oder einen Two-Tier-Board (getrennter Vorstand & Aufsichtsrat) etablieren will. Für das Listing an der Londoner Börse brauche man einen One-Tier-Board, daher die Registrierung nach holländischem Recht. Cordt beruhigt: Trotz der formalen Sitzverlegung bleiben das Headoffice, die Standorte und die Forschung & Entwicklung des neugeschaffenen Weltkonzerns weiterhin in Österreich. Schon allein das steuertechnische Instrument „Place Of Effective Management (POEM)“ verlange, dass das Headoffice am Wienerberg bleibt.

„Das heißt, alle wichtigen Entscheidungen, die Forschung und auch die Steuern bleiben in Österreich.“ Der Vorteil des One-Tier-Boards gehe „Hand in Hand mit dem CEO-Prinzip“: In Österreich und Deutschland gebe es den Vorstandsvorsitzenden/Generaldirektor als „Vorstandsmitglied mit besonderen Agenden“, der den anderen Vorstandsmitgliedern keine Weisungen erteilen kann. Der Vorstand ist rechtlich nur dem Aufsichtsrat verantwortlich. Der CEO hingegen sei „am Ende des Tages Chef des ganzen operativen Geschäfts“. Der Vorstandsvorsitzende/Generaldirektor wird dadurch gestärkt – und das ist gewünscht.

Mehrwert für alle
Und warum der Börseplatz London, die Börsennotierung der Aktien von RHI Magnesita im Premiumsegment der Official List am Main Market der London Stock Exchange? Trotz Brexit hält Cordt London als Börseplatz für wesentlich attraktiver als Wien: In der Londoner Investorencommunity gebe es einfach viel mehr Know-how für die Businesses Bergbau, Rohstoffe und Industriegüter. Dafür sei London „the place to be“. Man werde in Pfund notieren, aber in Euro bilanzieren. Im „Footsie 250“-Index, in den man kommen werde, sei auch der größte Konkurrent von RHI Magnesita: „Vesuvius“. Der mache in etwa den gleichen Umsatz und ein ähnliches Ergebnis wie die RHI, habe aber eine wesentlich höhere Marktkapitalisierung. „Wir wollen mit dem dortigen Listing Mehrwert für alle Aktionäre schaffen und wir sind überzeugt, dass wir einen enormen Mehrwert schaffen werden“, so der RHI-Aufsichtsratschef. Sein Fazit: Der Deal sei „vorteilhaft für alle Beteiligten“ und er könne sich „nicht vorstellen, dass man sachliche Argumente dagegen vorbringen“ könne. „Ein jahrzehntelang gehegter Wunsch, mit Magnesita eine Verbindung einzugehen“, könne jetzt realisiert werden. Wer an RHI Interesse habe, werde den Zusammenschluss unterstützen, ist Cordt optimistisch. „Unsere Kleinaktionäre werden durch ein Listing am Dritten Markt der Wiener Börse die Möglichkeit bekommen, die neue Aktie in Euro zu handeln“, verspricht er. Auch die Analysten würden den Deal vorteilhaft sehen und durch die Bank positiv bewerten.

Großmärkte
Was die großen Märkte USA, Russland und China betrifft, gebe es unterschiedliche Perspektiven: In den USA ist die RHI seit dem Chapter Eleven feuerfestmäßig nicht mehr vertreten, mit der Magnesita habe man in York/Pennsylvania eine große Dolomitmine und ein Werk, das schon jetzt 200.000 Tonnen produziert. Russland und die GUS schützen sich durch hohe Zollbarrieren, aber sind mit 100 Mio Tonnen Stahlproduktion und einer sich modernisierenden Industrie ein Feuerfestmarkt mit Riesenpotenzial. Man habe ein Werk nahe Moskau und RHI liefert schon heute nach Russland, Ukraine und Kasachstan, so Cordt. Von den Russland-Sanktionen sei man nicht direkt betroffen. China dränge mit Feuerfest-Billigimporten nach Europa, „da müssen wir uns verstärken und wehren“. Denn Europa habe zwar Antidumpingregeln gegen Billigstahlimporte, aber nicht gegen Feuerfestimporte. China produziert 50 % des Weltstahlangebotes und kämpft mit Überkapazitäten. Dazu gebe es in China eine fragmentierte, teils ineffiziente und umweltbelastende Feuerfestproduktion.

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

Weltkonjunktur sendet klare positive Signale

ERHOLUNG: Ob in den USA oder in Europa – die Konjunktur läuft rund. Bei den stark gestiegenen Aktien sind kurzfristig aber Gewinnmitnahmen zu erwarten. (21.03.)

Nach einer kurzen Verunsicherung einiger Märkte kam wieder eine positive Grundstimmung auf, was sich in einem kräftigen Anstieg der Aktienkurse niederschlug. Das verwundert uns wenig, liefert die Weltkonjunktur doch weiter solide Zahlen. Allerdings tun sich die Zinsmärkte, insbesondere Staatsanleihen der Industrieländer, schwer mit dem Ergebnis tendenziell weiter anziehender Renditen.

Nicht nur in den USA läuft die Konjunktur rund, auch in Europa, vor allem in der Eurozone. Die überwiegende Zahl der Unternehmen blickt positiv in die Zukunft. Auch die bekannten politischen Belastungspotenziale durch den anstehenden Brexit oder die Protektionismusdebatte, die uns sehr wahrscheinlich auch im weiteren Jahresverlauf wiederholt beschäftigen werden, ändern daran nichts.

Geldpolitik bleibt zentrales Element
Während die Weltkonjunktur uns relativ klare positive Signale liefert, bleibt neben den übergeordneten politischen Themen die Geldpolitik das zentrale Element in unserer Anlagepolitik. An weiteren geldpolitischen Straffungen in den USA wird schon längst nicht mehr gezweifelt, nur das Ausmaß und das exakte Timing werden diskutiert. Mit dieser vermeintlichen Gewissheit wird nun mit noch größerer Spannung auf Verlautbarungen und Beschlüsse der Europäischen Zentralbank (EZB) geblickt. Wird die Notenbank durch überraschendes Anziehen der monetären
Zügel die Laune der Anleger verderben? Wohl kaum. Diese Auffassung bestätigte sich auch im Rahmen der jüngsten Äußerungen der EZB. Der Fahrplan ist relativ klar und deutet auf ein planmäßiges Auslaufen des Anleihekaufprogramms gegen Ende 2017 hin. Mit raschen und womöglich kräftigeren Zinsschritten ist vorerst nicht zu rechnen. Wir können uns auf das Wesentliche fokussieren und unseren Blick auf aktuelle Bewertungen und zukünftige Ertragsperspektiven lenken.

Wir bleiben bei unserer defensiven Einstellung gegenüber Staatsanleihen – insbesondere in den entwickelten Ländern. Die Zinskurven mögen zwar in einzelnen Fällen steil sein und
längere Laufzeiten attraktiv gegenüber kurzen erscheinen lassen. Das Renditeniveau insgesamt ist jedoch zu unattraktiv, um größere Engagements zu rechtfertigen. In diesem Segment
bieten Unternehmensemissionen bessere Perspektiven. In den Emerging Markets hingegen sehen wir auch jetzt noch gute Gelegenheiten im Zinssegment – in Landeswährung sowie in Hartwährung.

US-Aktien sind besonders hoch bewertet Im aktuellen politisch-ökonomischen Umfeld haben Risiko-Assets auf längere Sicht weiterhin Potenzial. Doch in jüngster Zeit sind die Aktienkurse
deutlich gestiegen und die Bewertungsrelationen haben sich verschlechtert. Unserer Ansicht nach ist kurzfristig eine Konsolidierungsphase überfällig. Wir haben bei europäischen
Aktien daher teilweise Gewinne realisiert und unsere Aktiengewichtung insgesamt auf „Neutral“ zurückgenommen. Bei US-amerikanischen Aktien bleiben wir mit Blick auf die verhältnismäßig hohen Bewertungen weiter zurückhaltend, während es in den Emerging Markets auch künftig auf selektives Vorgehen ankommen dürfte.

Ein Kommentar von Christian Heger, CIO bei HSBC Global Asset Management (Deutschland)

Trading-Chancen an der Wiener Börse

An der Wiener Börse werden Ertragssteigerungen mit starken Kursgewinnen honoriert. Die sechs Performance-Spitzenreiter im ATX-Prime haben eine Gemeinsamkeit: Steigende Gewinne.

Gewinnwachstumsschübe in Kombination mit einer hohen relativen Stärke des Aktienkurses zum Gesamtmarkt in den vergangenen sechs Monaten sind starke Kaufsignale für kurz- bis mittelfristig orientierte Anleger. Die Wiener Börse bietet eine Reihe derartiger Trading-Chancen.

Spitzenreiter Polytec, RBI und Lenzing
Mit jeweils 72, 66 bzw. 48 % Plus in den vergangenen sechs Monaten die Spitzenreiter des ATX-Prime sind Polytec, RBI und Lenzing. Der Automobilzulieferer Polytec hat die Kosten im Griff, führt gezielte Akquisitionen durch und baut außerhalb des Automobilsektors einen lukrativen Standort auf (Transportboxen am Standort Ebensee). 2016 war Polytec in der Lage, das EBITDA um rund ein Drittel auf rund 80 Mio Euro zu steigern. Das EBIT konnte gemäß vorläufiger Zahlen um rund 40 % auf 52 Mio Euro verbessert werden. Laut aktuellem Analystenkonsens liegt das für 2017 erwartete Forward-KGV noch immer bei günstigen 8,7 (Kurs:13,72 Euro).

Durch ein Kostensenkungsprogramm und Fokussierung auf das Kerngeschäft wieder satte Gewinne erwirtschaftet die RBI, die ihre Kapitalziele bereits ein Jahr früher als erwartet erreichte und in der Lage war, 2016 ihren Gewinn/Aktie von 1,30 auf 1,58 Euro zu steigern, was bei einem Kurs von 22 Euro einem KGV von 13,9 entspricht.

Lenzing profitiert von gelungenen Kostensenkungsprogrammen, steigenden Faserpreisen und Verkaufserfolgen der innovativen Faser „TENCEL®“. Der Free Cash Flow stieg in den ersten neun Monaten 2016 um 121 % auf 310,8 Mio Euro und das Ergebnis/Aktie konnte um 85 % auf 5,98 Euro gesteigert werden. Lenzing hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 den Anteil der lukrativen Spezialfasern auf 50 % des Konzernumsatzes zu steigern und investiert 275 MioE in eine TENCEL®-Faseranlage in Mobile, Alabama (USA). Die Inbetriebnahme ist im 1. Quartal 2019 geplant.

OMV – Schwarze Zahlen im 4. Quartal
Um 46 % in den vergangenen sechs Monaten stieg die OMV-Aktie. Die OMV strukturierte 2016 um und konnte durch Kostensenkung die Erträge verbessern. Besonders erwähnenswert ist ein Anstieg des freien Cash Flows nach Dividenden inklusive Veränderung nicht beherrschender Anteile, der sich 2016 um 1,7 Mrd Euro auf 1,1 Mrd Euro verbesserte. Das Ergebnis/Aktie drehte im 4. Quartal von -0,59 mit 0,15 Euro ins Plus und die Aktie ist auf Basis des Reuters-Schätzungskonsens mit einem Forward-KGV 2018 von 12 noch immer solide bewertet.

Wienerberger und VIG
Mit 38 bzw. 35 % Wertentwicklung in den vergangenen sechs Monaten jeweils auf Platz 5 und 6 im ATX-Prime sind Wienerberger und VIG. Bereits 2015 hatte Wienerberger nach einer mehrjährigen Durststrecke den Turnaround vollzogen und 2016 machten sich die Kostensenkungs- und Restrukturierungsmaßnahmen sowie selektive Übernahmen der vergangenen Jahre bezahlt: Wienerberger konnte 2016 bei nahezu unverändertem Umsatz das EBITDA um 9 % auf 404,3 Mio Euro steigern. Das Ergebnis nach Steuern verbesserte sich sogar um 65 % auf 115,3 Mio Euro und für 2017 kann von weiteren Zuwächsen ausgegangen werden. Die VIG konnte bei einer leichten Steigerung des Prämienvolumens um 0,7 % auf 6,96 Mrd Euro in den ersten drei Quartalen 2016 den Konzerngewinn vor Steuern um 88,4 % auf 301,3 Mio Euro steigern. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass im Vorjahr eine Wertberichtigung der IT-Systeme in Höhe von 195 Mio Euro belastete.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-Kurier.at)

Im Spannungsfeld von Regulierung und Landflucht

Die Sparkasse Neuhofen im oberösterreichischen Städtedreieck Linz-Wels-Steyr zählt zu den erfolgreichsten Banken Österreichs. Im Gespräch mit dem Börsen-Kurier spricht Vorstand Friedrich Himmelfreundpointner über seine Strategie.

Basel III, MiFID, Bankenabgabe – ein Umfeld, in dem sich schon große Finanzkonzerne schwer tun. Aber wie kann eine kleine, regionale Bank überleben – und noch dazu äußerst erfolgreich?

Friedrich Himmelfreundpointner (im Bild rechts) ist Vorstandsvorsitzender eines solchen Instituts – der Sparkasse Neuhofen. Nach 45 Jahren tritt er in Kürze in den Ruhestand und kann ein wohlbestelltes Haus übergeben. 23 Auszeichnungen hat die Bank in den vergangenen 15 Jahren erhalten, darunter fünf Mal den ersten Platz beim „Sparkassen Award“, drei Mal wurde sie „Bank des Jahres“ und 2008 erreichte sie unter 1.200 Unternehmen Platz sechs unter Europas besten Arbeitgebern.

Erfolgsgeschichte
Das war nicht immer so: 1972, als Himmelfreundpointner bei der Sparkasse Neuhofen anfing, war sie, nachdem das halbe Eigenkapital veruntreut worden war, „praktisch tot und fusionsreif“. Heute steht sie mit einer Kernkapitalquote von 18 % weit besser da als die meisten anderen. Was übrigens kein Einzelfall sein dürfte. „Kleine Geldinstitute haben mindestens eineinhalb mal so viel Kapital wie die Großen“, erklärt Himmelfreundpointner.

Zu seinen Erfolgskriterien gehört es, „nicht größenwahnsinnig zu sein. Das heißt: keine Spekulation, keine Großkredite.“ Die Sparkasse Neuhofen konzentriert sich vor allem auf das Kerngeschäft: Einlagen und Kredite machen 80 % des Volumens aus. Noch entscheidender sei es aber, „totale Kundenorientierung zu leben“. Und im Umgang mit Mitarbeitern die „Übereinstimmung von Mensch und Ziel“ anzustreben.

Chance ländlicher Raum
„Es ist ein katastrophaler Fehler unserer Gesellschaft, zu glauben, dass nur Zentralismus eine Chance hat“, betont der Chef der Sparkasse Neuhofen. Und ergänzt, vor allem auch in Bezug auf Banken: „Dass Größe bessere Bonität bedeutet, ist ein kapitaler Trugschluss.“

Deshalb sieht Himmelfreundpointner gerade im ländlichen Raum Chancen: „Unsere Region ist chancenreicher als die Stadt. Die Lebensqualität ist höher und wirtschaftlich steht der oberösterreichische Zentralraum besser da als viele andere Gebiete.“

Probleme gebe es natürlich dort, wo mangelnde Verkehrsanbindung und Landflucht zu einem Wegfall von Arbeitsplätzen führen. Doch die technologische Entwicklung – Stichwort „Breitband-Internet“ – biete auch in diesen Gegenden eine „Riesenchance, wirtschaftliches Überleben und Lebensqualität zu verbinden.“ Nachsatz: „Wenn das von Politik und Wirtschaft erkannt wird.“

Unverzichtbar: Die regionale Bank
Als Teil der Infrastruktur sind Banken am Land besonders wichtig. Online-Banking könne dafür kein Ersatz sein, „nur Begleitmusik, auch noch in 20 Jahren“, ist Himmelfreundpointner überzeugt. „Das Wichtigste ist das Vertrauen zum Berater. Das ist der Grund, warum der Kunde zu uns kommt“.

Deshalb hat sich die Sparkasse Neuhofen auch entschlossen, selbst kleinste Geschäftsstellen nicht zu schließen. Als Beispiel nennt Himmelfreundpointner zwei kleine Filialen, die gemeinsam von einem Mitarbeiter betreut werden: „Er ist heute unser Top-Verkäufer.“

Die Bedeutung regionaler Sparkassen betont auch Gerhard Fabisch, Präsident des Österreichischen Sparkassenverbandes, zum Börsen-Kurier: „Die Sparkassen wurden für die Menschen gegründet. Sie sind auch heute noch für die Menschen da – vor Ort und mit bester Kenntnis der Kunden sowie des regionalen sozialen und wirtschaftlichen Umfeldes. Sie sind innovativ, gehen auf die individuellen Bedürfnisse der Menschen ein und wollen ihnen helfen, ihre Ziele zu erreichen. Erwirtschaftete Gewinne der Sparkassen werden wieder in die Regionen investiert. Mit dem Ziel, nachhaltigen Wohlstand und wirtschaftliches Wachstum in der Region zu fördern. Die Sparkassen sind wichtige Arbeitsplatzgeber und setzen durch ihre Finanzierungsaktivitäten und ihr gesellschaftliches Engagement erhebliche regionale Impulse. Der Wertschöpfungsbericht 2015 hat gezeigt, dass die Sparkassengruppe in Österreich eine mittel- und unmittelbare Wertschöpfung von 4,1 MrdE erwirtschaftet hat. Das entspricht mehr als 1 % der österreichischen Bruttowertschöpfung.“

Wichtig ist für Himmelfreundpointner aber, dass es – auch am Land – Wettbewerb gibt: „Sonst werden wir zum Spielball von Oligopolen.“

Nur im Verbund möglich
„Wenn es uns gelingt, die regulatorischen Anforderungen einigermaßen in den Griff zu bekommen, haben wir Chancen, die wir noch nie hatten“, ist Himmelfreundpointner überzeugt.

Herausforderungen für kleine Banken sieht er nämlich „ausschließlich in der sinnlos überbordenden Regulatorik“. Sein Hauptkritikpunkt: „Regulatorik hilft nichts, wenn ich den Kontakt zum Kunden verliere!“

Tatsache ist aber nun einmal, dass es diese Flut an Vorschriften gibt. „Ohne ein Zentralinstitut geht es nicht, man muss Mitglied dieses Verbundes sein, dann ist die Größe kein Thema“, sagt Himmelfreundpointner. Dabei hat sich die Sparkasse Neuhofen aber ein großes Maß an Selbständigkeit erhalten: „Wir treffen alle Entscheidungen im Haus und sind völlig unabhängig von Verpflichtungen anderen Eigentümern gegenüber.“ Das Spitzeninstitut Erste Bank sei aber unverzichtbar „für die ganzen Regulatorien, das Risikomesssystem, die EDV. Die FMA verlangt ja von uns dasselbe wie von den Großen.“ Beispiel MiFID: „Das könnte die Sparkasse nicht allein.“ In Bezug auf die FMA ist Himmelfreundpointner „guter Hoffnung, dass sich hier etwas zum Positiven wenden wird“ – notwendig wäre „mehr Proportionalität“.

Vor allem aber sollte die Politik den lokalen und regionalen Geldinstituten „die Gelegenheit geben, zu überleben. Und die für Österreich so wichtige und das Steueraufkommen notwendige klein- und mittelbetriebliche Struktur erhalten.“

Autor: Marius Perger (mp@boersen-kurier.at)

Raiffeisen Bank International (RBI) wird sicherer und rentabler

Die Restrukturierung der RBI-Gruppe zeigt Erfolge. Die Zahlen für 2016 überzeugen und die Perspektiven sind vielversprechend.

Das Transformationsprogramm der RBI begann im Frühjahr 2015 und ist jetzt faktisch abgeschlossen. Der Rückzug aus Asien (nur noch einige 100 Mio Euro an offenen Krediten), eine drastische Reduktion der USA-Exposure, der Verkauf der Raiffeisen Bank in Slowenien und des polnischen Leasing-Geschäftes waren zuletzt einige der Meilensteine des Konzernumbaus. Einer Redimensionierung unterzog RBI ihre ukrainische Tochterbank Aval, deren Mitarbeiteranzahl 2016 von rund 9.600 auf etwas mehr als 8.000 zurückging. Nach einem Verlust von 85 Mio Euro 2015 drehte dieses Institut 2016 mit 135 Mio Euro in die Gewinnzone. Darüber hinaus erfolgten Optimierungsmaßnahmen in Russland und eine Straffung des Filialnetzes in Ungarn.

Insgesamt gingen im Zuge des Transformationsprogrammes die Verwaltungsaufwendungen von 2014 bis 2016 um 176 auf 2.848 Mio Euro zurück. Zum Start des Programmes hat die RBI die dafür erforderlichen Kosten mit maximal 550 Mio Euro beziffert. 2017 sollen nur noch Kosten „im niedrigen zweistelligen Millionenbereich“ anfallen. Diesen Aufwendungen stehen Erlöse aus Asset-Verkäufen gegenüber.

Die höchsten Erlöse brachten die Verkäufe der polnischen Leasingeinheit und des Pensionsfondsgeschäfts in Russland ein. Der Verkauf der polnischen Leasingeinheit an die PKO Leasing wurde im vergangenen Jahr abgeschlossen und ging für 200 Mio Euro über die Bühne. Der positive Effekt auf das RBI-Konzernergebnis betrug rund 30 Mio Euro. Der Verkauf des Pensionsfondsgeschäfts erfolgte im Oktober 2015 und brachte der RBI einen positiven Einmaleffekt vor Steuern in Höhe von rund 87 Mio Euro. Die Polbank hat indessen, Medienberichten zufolge, noch einen größeren Personalabbau vor sich. Im Zuge des geplanten Börsenganges sollen dann 15 % der Anteile der Polbank an der Warschauer Börse gelistet werden.

Hervorragende Bilanzzahlen
Die Nettozinsspanne verbesserte sich vom 3. auf das 4. Quartal 2016 um 6 Basispunkte auf 2,83 %-Punkte. Mit 9,87 %-Punkte im Jahr 2016 am höchsten war die Nettozinsspanne in der Ukraine, wo im 4. Quartal die Margen noch-mals anstiegen. Die Portfolioqualität hat sich bei einem Rückgang der Risikogewichteten Aktiva um 5,1 % auf 60,06 Mrd Euro verbessert. Die NPL-(non performing loan) Ratio ging 2016 von 11,9 auf 9,2 % zurück und die NPL-Coverage-Ratio verbesserte sich von
71,3 auf 75,6 %. Die Verbesserung der Kreditqualität (rückläufige NPL-Ratio) war dabei laut Auskunft der RBI „eine Mischung aus organischen Reduzierungen aufgrund der sich verbessernden Wirtschaftsentwicklung sowie aus Verkäufen von NPL-Portfolien“. Die RBI bezifferte das Volumen der NPL-Verkäufe im vergangenen Jahr mit 1,2 Mrd€. Mit einer CET1 Ratio (fully loaded) von 13,6 % (12,4 % pro forma für das fusionierte Institut) hat die RBI bereits am 31. Dezember 2016 – und somit ein Jahr vor Ablauf der selbst gesetzten Frist – ihr Kapitalziel von mindestens 12 % erreicht. Geringere Währungsabwertungen in der Ukraine und der Entfall eines Absicherungsgeschäfts für Dividendenerträge in russischen Rubeln wirkten sich positiv auf das Handelsergebnis aus, das 2016 von 16 auf 215 Mio Euro stieg. Das Konzernergebnis verbesserte sich 2016 von 379 auf 463 Mio Euro.

Ausblick
Für die kommenden Jahre rechnet die RBI mit einem durchschnittlichen Kreditwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich und für Ende 2017 wird eine NPL-Ratio von 8 % angestrebt. Das mittelfristige Ziel für die Cost/Income-Ratio liegt bei 50 bis 55 % (2016 inklusive RZB noch bei 61,5 %). Ausgehend von einem Szenario steigender Zinsen im Euroraum und der CEE-Region (Zentral- und Osteuropa) strebt RBI mittelfristig einen Konzern-Return-on-Equity von rund 11 % an (2016 inkl. RZB 6,2 %). Auf Basis eines Kurses von 22 Euro und einer aktuellen Analystenschätzung würde das für 2018 erwartete Forward-KGV bei günstigen 7,4 liegen. Fazit: Die Aktie könnte ihren bisherigen Höhenflug weiter fortsetzen, denn die Bank wurde sicherer und rentabler.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

Das Aktien-Exposure temporär reduzieren?

Die Aktienmärkte haben in den vergangenen Wochen aufgrund der anhaltenden Verbesserung des wirtschaftlichen Umfelds noch weiter gewonnen. Während die Einnahmen im vierten Quartal auf eine anfängliche Erholung hindeuteten, weisen die aktuellen Daten in den größten Märkten darauf hin, dass der Zyklus gerade an Dynamik gewinnt. (15.03.)

Angesichts dieser euphorischen Stimmung auf den Märkten, rät Benjamin Melman, Leiter Asset Allocation und Sovereign Debt bei Edmond de Rothschild Asset Management, in seiner neuesten Asset Allocation Strategy, das Aktien-Exposure temporär zu reduzieren.

Dafür sprechen unter anderem folgende Gründe:

  • In den letzten Wochen sind die Aktienbewertungen aufgrund der niedrigen Risikoaversion gestiegen und nicht wegen des Trends zur Konjunkturbelebung.
  • Die Anleihemärkte haben sich in den letzten Wochen aufgrund der zunehmenden politischen Risiken in Europa uneinheitlich entwickelt. Neue politische Sorgen in den G7-Ländern Frankreich und Italien könnten materielle Folgen für alle Märkte haben.
  • Das globale Wachstum hält zwar an, aber einige Indikatoren haben bereits ihre historischen Höchststände erreicht.
  • Die Bewertungen auf dem US-amerikanischen Markt sind höher als ihr langfristiger Durchschnittswert. Sie könnten auf diesem Niveau bleiben oder sogar über einige Monate hinweg weiter ansteigen, da sie nicht zwingend Vorbote einer sich abzeichnenden Korrektur sind.

Das Team um Benjamin Melman hat taktische Gewinne mitgenommen, bleibt aber angemessen investiert. „Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass Aktienmärkte im Jahr 2017 gut abschneiden werden, aber es gibt genügend technische, politische und wirtschaftliche Faktoren, die für Volatilität auf den Märkten sorgen könnten und somit Gelegenheiten für weitere Investitionen bieten“, meint der Anleiheexperte.

Auf der Anleiheseite hat das Asset Allocation-Team Finanzwerte im Vergleich zu Hochzinsanleihen übergewichtet: „Zum einem weil nachrangige Anleihen interessantere Renditen anbieten und Finanzwerte allgemein ein günstigeres Umfeld genießen“, so Benjamin Melman. „Zum anderen verfügen Finanzanleihen, im Gegensatz zu Hochzinspapieren, über den Vorteil, generell weniger in den Portfolios vertreten zu sein“.

Österreich braucht ein moderneres Aktienrecht

Das österreichische Aktienrecht ist für mehr als 95 % der heimischen AGs unpassend. Rechtsexperten fordern daher ein differenziertes Regelungsregime für mehr Satzungsautonomie.

„Es gibt Themen, über die wir schon wesentlich mehr gestritten haben.“ So pragmatisch sieht der Justizsprecher der SPÖ Abg.z.NR Hannes Jarolim einen dringenden Wunsch aus Kapitalmarktjuristenkreisen: das heimische Aktienrecht zu flexibilisieren. Der Justizpolitiker sieht zumindest von seiner Seite „keinen riesigen Widerstand“, denn er „wüsste nicht, wo es wesentliche Hindernisse gäbe“. Eine bedürfnisgerechte „Formengestaltung“ sei „standortpolitisch sinnvoll“, meinte er bei der Podiumsdiskussion „Flexibilisierung des Aktienrechts“ im Haus der Industrie.

Historisch ist die AG als börsenotierte Publikumsgesellschaft konzipiert worden. Damit hängt der weitgehend zwingende Charakter ihrer Regelungen zusammen, der auf Anlegerschutz abzielt. In der Realität dominieren aber kapitalmarktferne AGs wie Konzern- und Familiengesellschaften. Die haben naturgemäß ein höheres Bedürfnis nach Flexibilität. Dem ist zwar der OGH ein Stück entgegengekommen und hat bei einer nicht börsenotierten AG ein satzungsmäßiges Vorkaufsrecht zugelassen. Aber welche anderen Bedürfnisse in der Satzung geregelt werden können, ist weiter unsicher. Daher fordern Kapitalmarktrechtsexperten vom Gesetzgeber, für Rechtssicherheit zu sorgen und so die Attraktivität der Rechtsform AG zu stärken – auch im internationalen Vergleich und z. B. für Start-up-Unternehmen.

Den Bedarf untermauert etwa Ulrich Torggler, Professer für Unternehmensrecht an der Uni Wien: Hierzulande gelte im Aktienrecht der „Grundsatz der Satzungsstrenge“ statt eines Grundsatzes der Satzungsautonomie. Historisches Leitbild für die Satzungsstrenge sei der „breit diversifizierende Investor“. Die Realität sehe aber anders aus. Nicht nur, dass die börsenotierten Gesellschaften unter allen AGs in der Minderheit sind. Auch der Blick auf die Gesellschafterstruktur der nicht-börsenotierten Austro-AGs zeigt: Fast 34 % der AGs sind im Eigentum eines einzigen Gesellschafters, weitere 29 % haben nur zwei Gesellschafter, so Torggler. Dem gegenüber gebe es nur 13 % nichtnotierte Austro-AGs mit mehr als sechs Gesellschaftern. Und von diesen „Publikumsgesellschaften“ haben überhaupt nur vier inländische Privatanleger. Torgglers deftige Folgerung: „Unser Grundsatz der Satzungsstrenge schützt jemanden, den es gar nicht gibt.“ Zweites Argument für Handlungsbedarf: In Frankreich, den Niederlanden, Finnland, Dänemark, Spanien, Irland, Luxemburg und im „European Model Company Act Draft 2015“ gebe es schon mehr Gestaltungsfreiheit für die AG als bei uns. In Anlehnung an ein bekanntes Motto fordert Torggler daher: Nachdem „Austria first“ bei mehr Satzungsautonomie für geschlossene AGs nicht mehr geht, sollte Austria in der Gestaltungsfreiheit zumindest „not last“ sein. Zur Diskussion steht diesbezüglich, ob die Satzung etwa folgende Themen regeln können soll: Zustimmungsvorbehalte und sogar ein neues Weisungsrecht der HV, erweiterte Befugnisse der HV für die Feststellung des Jahresabschlusses und für die Gewinnverwendung, Erleichterung des Haftungsregimes, Erleichterung des Rückkaufs eigener Aktien, Auswahlkriterien für Vorstand und Aufsichtsrat, weitere Entsendungs- und Nominierungsrechte und gar ein monistisches Board-System. Susanne Kalss von der Wirtschaftsuni Wien sieht den heimischen Gesetzgeber gefordert. Denn „Brüssel interessiert heute vor allem die börsenotierte AG. Wir können uns daher nicht auf Brüssel ausreden“. Was wir dringend bräuchten, sei die „Lockerung des zwingenden Korsetts“ unseres Aktienrechts. Das ginge „ohne Kosten, aber wäre für den Standort Österreich attraktivitätssteigernd“.          

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

Im Fokus: die heimischen Aktien mit dem größten Kurspotenzial

Mit der Verleihung des ersten „Wiener Aktien Award“ kürte das Finanzjournalistenforum jene im ATX-Prime-Market der Wiener Börse gelisteten Unternehmen, die bis März 2018 die besten Chancen auf Kursgewinne haben und somit spannende Investmentideen bieten. In den historischen Räumlichkeiten des Palais Esterházy der Capital Bank AG.

„Die Crème de la Crème des österreichischen Kapitalmarktes haben wir zur Bewertung gebeten“, leitet Christian Jauk, Vorstandsvorsitzender der steirischen Capital Bank – Grawe Gruppe AG, die Gala zum ersten „Wiener Aktien Award“ ein, zu der auch der Börsen-Kurier geladen war. Die zwölf hierzulande bewährtesten Fondsmanager und Aktienanalysten waren zuvor aufgerufen gewesen, die 40 im ATX-Prime-Segment gelisteten Unternehmen zu bewerten – nach dem Schulnotensystem und in Hinblick auf ihre Zwölf-Monats-Performance bis März 2018.

Wie treffsicher die konzentrierte Umfrage unter Initiator Martin Kwauka, Vermögensberater und Gründer des Finanzjournalistenforums zur Stärkung der Kommunikation zwischen Finanzjournalisten und Kapitalmarktunternehmen, ist, unterstreicht seine Datenauswertung des renommierten Analyseunternehmens Morningstar, die neun von zehn Österreich-Aktien-Fondsmanagern im Zehn-Jahres-Zeitraum von März 2007 bis März 2017 eine bessere Performance als dem ATX attestiert: „Das Besondere an der Wiener Börse ist, dass sich hier, etwa im Gegensatz zu den passiv geführten, indexabhängigen ETFs, spezifisches Unternehmens-Know-how tatsächlich bezahlt macht“, so Kwauka.

Umso wertvoller also die Aktienempfehlungen der zwölf Experten für Anleger.

Die Sieger
Die besten Kursaussichten hat Agrana. Das zeigt die Durchschnittsnote von 1,5 – und gemäß Börsen-Kurier-Auswertung der höchste Konsens unter den Experten. Auf Platz zwei folgt Palfinger mit der Note 1,8 und auf Platz drei Strabag mit 1,9 – beide mit durchschnittlichem Konsens.

„Agrana vereint viel von dem, was Anleger suchen: ein stabiles Geschäftsmodell, eine geschickte Expansionsstrategie und eine solide Bilanz“, so Wolfgang Ules, Leiter Asset, Product and Quality Management in der Capital Bank. Als führender Zuckerproduzent in Zentral- und Osteuropa, Weltmarktführer bei Fruchtzubereitungen und größter europäischer Erzeuger von Fruchtsaftkonzentraten sowie namhafter Hersteller von Stärke-Spezialitäten ist Agrana mit einem Umsatz von rund 2,5 Mrd€ in der Tat breit aufgestellt. Die Erhöhung des Streubesitzes von 7,3 auf rund 18,9 % infolge der jüngsten Kapitalerhöhung ist ein klares Bekenntnis zum Kapitalmarkt Österreich – und wird auch von Edith Frank, Marketing- & Corporate-Communications-Leiterin der Wiener Börse, besonders geschätzt, ist doch die Wiener Börse unter ihrem neuen Vorstandsvorsitzenden Christoph Boschan bemüht, die Handelbarkeit der gelisteten Aktien zu erhöhen. Auch für Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investment-GmbH, ist Agrana der Favorit schlechthin: „Deren Unternehmensentwicklung hängt nicht von Konjunktur-, sondern von Wetterprognosen ab.“ Gebraucht werden die Produkte immer – ein stabiler Portfolio-Baustein also.

Im Übrigen setzt er derzeit voll auf zyklische Werte, wie das Bauunternehmen STRABAG unter der Führung von Vorstandsvorsitzenden Thomas Birtel: Auch hier gilt die breite Aufstellung über Hoch- und Ingenieurbau sowie Transportinfrastruktur und Sondersparten wie Tunnelbau als stabiler Wachstumspolster, ist das Unternehmen doch neben Österreich und Deutschland etwa im gesamten osteuropäischen Raum führend. Aktuell profitiere man etwa vom erhöhten Infrastrukturbudget in Deutschland und einem Rekordauftragsniveau.

Auch die Nummer Zwei, Palfinger, punktet mit einer breiten Produktbasis und einer klugen Expansionspolitik: Der weltweite Top-Produzent von Lade-, Forst- und Recyclingkranen sowie Containerwechselsystemen und Hebelösungen für den Offshore-Bereich ist auf dem besten Weg von Europa aus die wachstumsstarken Märkte in den USA sowie China, Brasilien und Russland zu erobern.

Ein klarer Deal etwa für Friedrich Mostböck, Head of Group Research der Erste Bank: „Die organisch und expansionsbedingte Wachstumspolitik überzeugt dank der guten Aufstellung in puncto Produkte und Regionen.“

Für den auf 20 Werte konzentrierten ATX-Index reichen die Schätzungen bis März 2018 jedenfalls von 2.800 – dem aktuellen Niveau – bis 3.400 Punkte: Roland Neuwirth, Fondsmanager bei Salus Alpha, meint, dass „wir jetzt vier Monate lang vom Glück verwöhnt wurden, Aktienveranlagungen per se allerdings mit der aufkeimenden Zinserhöhung Gegenwind bekommen könnten.“

Während Neuwirth also kurz- bis mittelfristig auf der Bremse steht, bleibt Wolfgang Matejka, Chief Investment Officer der Wiener Privatbank SE, zuversichtlich: Er rechnet für 2017 und 2018 mit Gewinnzuwächsen von jeweils 9,5 %, was sich dementsprechend positiv auf die Indexentwicklung auswirken sollte – wobei die positiven Signale aus Osteuropa noch nicht berücksichtigt sind.

Selektive, fundamental gerechtfertigte Investments an der Wiener Börse, die zu 75 bis 80 % von der Ostfantasie und im Übrigen von den heimischen, global verankerten Nischenplayern getrieben wird, dürften sich jedenfalls lohnen.

Autorin: Mag.Caroline Millonig (redaktion@boersen-kurier.at)

Live aus der Palfinger-HV: Und wieder ein Rekordjahr

Zum sechsten Mal in Folge konnte der Salzburger Kranhersteller einen Rekord bei Umsatz und EBIT erreichen. Dementsprechend gut war auch die Stimmung auf der Hauptversammlung.

CEO Herbert Ortner konnte seine Freude nicht verhehlen: „Wir sind stolz auf das, was wir erreicht haben“, sagte er zu Beginn seiner Präsentation. Und die Zahlen können sich durchaus sehen lassen, kam es doch in nahezu allen Weltre­gionen zu Umsatzsteigerungen, nur in Brasilien sind die Geschäfte rückläufig. „Aber Brasilien hat nur einen Anteil von 1 % unseres Umsatzes, also ist das nicht so schlimm“, erklärte Ortner.

Im Bereich Marineprodukte, den Palfinger ja seit einigen Jahren verstärkt ausgebaut hat, gab es eine Neuerung: Im Vorjahr wurde Harding übernommen, der globale Marktführer bei maritimen Rettungssystemen. „Damit hat sich das Geschäftsvolumen unseres Segments SEA auf mehr als 300 MioE verdoppelt“, so Ortner. „Der Markt ist hier derzeit aber nicht besonders gut, auch wegen des niedrigen Öl- und Gaspreises“, erklärte der Vorstand.

Sehr interessant war dann der Vortrag von COO Martin Zehnder, der anschaulich die inzwischen äußerst starke Internationalisierung des Unternehmens darstellte. „Der globale Footprint ist für Palfinger sehr wichtig“, betonte er. „Wir stellen unsere Produkte dort her, wo wir sie verkaufen. Unsere Konkurrenten müssen ihre Produkte dort importieren, was uns einen großen Vorteil verschafft“.

Digitale Transformation
Anschließend erläuterte er die geplante „digitale Transformation“ bei Palfinger am Beispiel eines Altglas-Container-Abholwagens, bei dem die Prozedur des Aufhebens und Entleerens des Containers teilweise recht diffizil sein kann. Durch die Vernetzung von Kran, Fahrzeug und Container mittels der neuen Technologien soll dies in Zukunft weitgehend automatisiert ablaufen. „Der Kran wird zum Roboter, der erkennen kann, ob Weiß- oder Buntglas im Container ist“, erklärte er. Und durch die Sensoren kann das Gewicht festgestellt und so der richtige Winkel zum Anheben berechnet werden.

Das bedeutet neue Servicemodelle, aber auch teilweise komplett andere Geschäftsmodelle als heute. „Wir beobachten seit einiger Zeit einen Trend in Richtung Miete, die Leute wollen die Geräte nicht mehr so oft kaufen“, so Zehnder. Und auch neue Partnerschaften z. B. mit IT-Unternehmen wird es geben.

IVA-Vize Michael Knap eröffnete die Generaldebatte, bei seinen Fragen und Anmerkungen ging es dann aber gar nicht so um diese spannende Neuausrichtung des Unternehmens, sondern um den gescheiterten Versuch, ein norwegisches Unternehmen zu übernehmen, die Restrukturierung in Nordamerika, die „bereinigten Kennzahlen, die nicht zur Gewohnheit werden sollen“, aber auch um den Kauf eines Industriegrundstücks.
In weiteren Wortmeldungen zeigten sich die Aktionäre durchaus zufrieden mit der Entwicklung, lediglich der hohe Verschuldungsgrad von 88,5 % wurde einige Male kritisiert. Aber: „Wenn ein Unternehmen expandieren und wachsen möchte, ist das nun einmal so“, wie ein anderer Aktionär anmerkte.

Die abschließenden Abstimmungen verliefen alle einstimmig oder mit sehr großer Mehrheit, neu in den Aufsichtsrat wurde Hannes Bogner gewählt.

Autor: Cornelius M. Pirch (cmp@boersen-kurier.at)

„Njet“ ist keine Katastrophe

Der Flughafen hat eine gute Bilanz abgeliefert, derzeit sprechen aber alle über das vorläufige „Njet“ zur 3. Piste. Wobei Analysten nicht von einer Katastrophe ausgehen. Im Gegenteil.

Für Aufregung und teilweise heftige Diskussionen hat unlängst eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgericht (BVwG) geführt: Die schon lange geplante 3. Piste des Flughafens Wien-Schwechat darf nicht gebaut werden. Zur Begründung heißt es, „dass das öffentliche Interesse am Schutz vor den negativen Folgen des Klimawandels, insbesondere durch die hohe CO2-Belastung, höher zu bewerten ist als die positiven öffentlichen Interessen an der Verwirklichung des Vorhabens“.

Günther Ofner, Vorstand der Flughafen Wien AG, zeigte sich bei der Präsentation der Jahresbilanz 2016 „not amused“ über die Sichtweise des BVwG und ließ einigen Dampf ab: „Als ich die Begründung das erste Mal gelesen habe, konnte ich meinen Augen nicht trauen. Hier werden der gesamte Treibstoffverbrauch und die damit verbundenen Emissionen eines Flugs von Wien nach z.B. New York oder Bangkok zu 100 % uns zugerechnet. Geht der Flug über eine Zwischenlandung, etwa in München, in eine weit entfernte Destination, würde die Belastung für den Flughafen Wien um 90 % sinken. Wir verstehen das nicht, und ich habe noch niemanden gefunden, der das versteht.“ Ofner kündigte jedenfalls an, „alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen, um die 3. Piste
doch realisieren zu können.“

Zufriedene Analysten
Im Schatten der 3. Piste ging die aktuell gute Bilanz fast unter: Die Umsatzerlöse sind um 3 % auf 741,6 Mio Euro und das Nettoergebnis um 0,7 % auf  112,6 Mio Euro gestiegen. Interessant ist, dass – gerade nach der Aufregung um die Entscheidung zur 3. Piste – Experten die Aktie des Flughafens upgegraded haben. So etwa die Raiffeisen Centrobank von halten auf kaufen. Bernd Maurer, Chefanalyst des Instituts, erklärt im Gespräch mit dem Börsen-Kurier warum: „Bereits in den letzten zehn Jahren ist ersichtlich geworden, dass sich ein möglicher Bauzeitpunkt immer weiter nach hinten verschiebt. Nach der Entscheidung des BVwG ist eine Realisierung des Projekts jetzt weniger wahrscheinlich geworden. Und wenn es kommt, dann noch weiter verzögert. Der Flughafen selbst spricht von frühestens 2030.“ Der RCB-Spezialist hat nun aufgrund des weiten Zeithorizonts die Investitionskosten für die 3. Piste aus seinem Berechnungsmodell genommen, was positive Effekte für die Eigenkapitalbewertung des Unternehmens mit sich führt. „Langfristig gesehen fallen die Wachstumsraten ohne 3. Piste für den Flughafen geringer aus, dem stehen aber niedrigere Investitionskosten gegenüber. Zur Kaufempfehlung beigetragen haben auch die gestiegenen Passagierzahlen im Jänner und eine Beruhigung rund um die Restrukturierung von airberlin und Niki. Eurowings und AUA haben angekündigt, wegfallende Destinationen zu übernehmen, womit die Auswirkungen weniger stark als zunächst angenommen ausfallen sollten.“ Das vorläufige Jahresergebnis 2016 des Flughafens bezeichnet Maurer als „nach der Bereinigung von Sondereffekten gut, es liegt leicht über dem Marktkonsens.“ Das aktuelle Kursziel lautet 31 Euro. Die Erste Group hat die Aktie mit „Akkumulieren“ und dem etwas niedrigeren Kursziel von 29,5 Euro eingestuft.

Autor: Harald Kolerus (redaktion@boersen-kurier.at)

Kommt eine Finanzregulierung nach dem Motto „America First“?

Während US-Präsident Trump sich schwer tut, seine Regierung mit Sympathisanten zu besetzen, die helfen, Tweets in Politik umzusetzen, hält der Exodus von Obama berufener Beamter aus der Bundesregierung und anderen Behörden an. Einer der für die Finanzwelt bedeutsamsten Rücktritte war der von Daniel Tarullo, einem der Gouverneure der Fed, der in den vergangenen sieben Jahren die Arbeit der Notenbank im Bereich der Finanzregulierung leitete.

Es wäre übertrieben, zu behaupten, dass Daniel Tarullo in der Bankenwelt uneingeschränkt beliebt war. Er war federführend bei dem Bemühen um deutlich höhere Eigenkapitalquoten in den USA und anderswo. Er war ein zäher Verhandlungsführer mit ausgeprägtem Instinkt dafür, die unbegründete Berufung auf Sonderregelungen durch Finanzunternehmen zu erkennen. Doch in Europa werden anlässlich seines Rücktritts nun Krokodiltränen fließen. Die europäischen Banken und sogar ihre Regulierungsbehörden waren besorgt über sein begeistertes Eintreten für noch härtere Standards im Rahmen von Basel 3.5 (oder Basel 4, wie die Banker es gern nennen). Diese würden, wenn sie in der von den USA favorisierten Form umgesetzt würden, insbesondere aufseiten der europäischen Banken weitere deutliche Kapitalerhöhungen erfordern. Ohne Tarullo ist das Schicksal dieser Vorschläge ungewiss.

Doch Tarullo war zugleich ein begeisterter Förderer der internationalen Zusammenarbeit in Regulierungsfragen. Er war mehrere Jahre Vorsitzender des wenig bekannten, aber wichtigen Ständigen Ausschusses zur aufsichtlichen und regulatorischen Zusammenarbeit des Finanzstabilitätsrates (FSB). Sein Bekenntnis zur Zusammenarbeit mit Kollegen in internationalen Gremien wie dem FSB und dem Basler Ausschuss für Bankenaufsicht mit dem Ziel, durch globale Regulierungsvereinbarungen für Chancengleichheit im Bankenwettbewerb zu sorgen, stand nie im Zweifel.

Schon jetzt sind einige derjenigen, die ihn in der Vergangenheit am lautesten kritisiert haben, nervös über sein Ausscheiden. Wer wird ihm nachfolgen? Das Dodd-Frank-Gesetz von 2010 schuf die (bisher nie besetzte) Position eines stellvertretenden Vorsitzenden des Federal Reserve Board, der die Arbeit der Fed im Bereich der Regulierung leiten soll. Donald Trump muss diese Position nun besetzen. Wird die von ihm ausgewählte Person sich so für einen internationalen Ansatz engagieren wie Tarullo? Oder wird  eine regulatorische Mauer errichtet, die die US-Banken vor den globalen Regeln schützt?

Noch kennen wir die Antworten auf diese Fragen nicht, doch Beobachter der Fed wurden durch ein Schreiben des Kongressabgeordneten Patrick McHenry vom 31. Jänner an Janet Yellen aufgeschreckt. McHenry ist stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Finanzdienstleistungen des Repräsentantenhauses und schrieb sehr direkt: „Trotz der von Präsident Trump ausgegebenen klaren Botschaft zur Priorisierung von Amerikas Interessen bei internationalen Verhandlungen scheint es, dass die Federal Reserve weiter ohne Transparenz, ohne Rechenschaft abzulegen und ohne entsprechende Befugnis mit globalen Bürokraten im Ausland über internationale Regulierungsstandards für Finanzinstitute verhandelt. Das ist inakzeptabel.“

In ihrer Antwort vom 10. Feber wies Yellen McHenrys Argumente nachdrücklich zurück. Sie verwies darauf, dass die Fed sehr wohl über die benötigte Befugnis verfüge, dass die Basler Abkommen nicht verbindlich seien und dass so oder so „starke Regulierungsstandards die Stabilität des US-Finanzsystems vergrößern“ und die Wettbewerbsfähigkeit von Finanzunternehmen fördern.

Dies jedoch dürfte nicht das Ende der Geschichte sein. Die Konfliktlinien sind nun abgesteckt, und McHenrys Schreiben zeigt die Argumente auf, die im Kongress von einigen Republikanern aus dem Umfeld des Präsidenten vorgebracht werden dürften. Es gab in Washington schon immer eine Denkweise, die Verwicklungen mit dem Ausland in diesem und anderen Bereichen ablehnte. Obwohl Yellens Argumente richtig sind, stellt die Berechtigung der Fed zur Teilnahme an internationalen Verhandlungen keine diesbezügliche Verpflichtung dar, und ein neu ernannter Nachfolger Tarullos könnte argumentieren, dass die Fed keine Verhandlungen führen sollte.

Eine derartige Wende würde zu Spannungen innerhalb der Fed führen, und wo hierbei der FSB oder der Basler Ausschuss bleiben würden, ist unklar. In der Anfangszeit der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (wo der Basler Ausschuss seinen Sitz hat) in den 1930er Jahren weigerten sich die USA, einen Vorstandssitz einzunehmen, und ließen sich von JP Morgan vertreten. Es fällt ein wenig schwer, sich vorzustellen, dass eine derartige Regelung heute gut funktionieren würde.

Diese Fragen sind in Europa von mehr als flüchtigem Interesse. Die europäischen Kapitaladequanzrichtlinien überführen die Basler Abkommen normalerweise in EU-Recht. Falls der Baseler Prozess zum Stillstand kommt, werden transatlantische Übereinkünfte, die eine unverzichtbare Stütze der westlichen Kapitalmärkte darstellen, sehr viel schwerer zu erreichen sein.

Eine weitere Komplikation ergibt sich aus dem Brexit. Ohne eine Sonderübereinkunft zwischen den verbleibenden 27 EU-Mitgliedstaaten und dem Vereinigten Königreich werden die britischen Regulierungsbehörden und die der EU in Basel zusammenkommen und nicht bei der europäischen Bankenaufsichtsbehörde. Wenn sich Basel zu einem Debattierclub ohne die Fähigkeit zur Festlegung verbindlicher Standards entwickelt, bricht ein weiteres Glied in der Kette, und es wird schwerer für das Königreich, zu argumentieren, dass Londons Banken, sofern sie internationale Standards erfüllen, in der EU eine Gleichbehandlung gewährt werden sollte.

Nun, da die Notenbanker dem Teufel, den sie kannten, Adieu sagen, beginnt für die Finanzregulierung eine Phase ausgeprägter Unsicherheit – und eine Zeit großer Nervosität aufseiten der Politiker, während sie auf eine Ankündigung aus Mar-a-Lago warten. Bisher wurden dort keine wahrscheinlichen Kandidaten für einen Sitz im Federal Reserve Board am Pool gesichtet oder auf dem Golfplatz interviewt, doch eine Entscheidung dürfte nicht lange auf sich warten lassen. Nichts ist selbstverständlich. Die Finanzwelt hält derzeit geschlossen den Atem an.                     

Autor: Howard Davies ist Chairman der Royal Bank of Scotland,  aus dem Englischen von Jan Doolan, © Project Syndicate 1995 – 2017

Minenaktien des schwarzen Goldes als Kontra-Investment

Die Nachfrage nach dem Energieträger mit dem höchsten Wirkungsgrad steigt weiterhin. Globale Überkapazitäten bremsen aktuell die Kursfantasien der Förderer. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die Protagonisten.

Die Volumenexpansion der Kohle als Energieträger hat Bestand. Die Affinität des neuen US-Präsidenten zu herkömmlichen Energieformen spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Ins Bild „grüner“ Absichtserklärungen der Politik passt dies zudem kaum. Gibt es auch beträchtliche Fortschritte mit Bezug zur umwelttechnischen Ausrüstung neuer Kohlekraftwerke und wurden Emissionen eklatant reduziert: Das Bild des schwarzen Kohlenstaubes hat sich dennoch in den Köpfen von Generationen als Schmutzverursacher eingebrannt.

Die internationale Energieagentur (IEA) sieht mit einer Nachfragesteigerung von jährlich 0,6 % bis 2021 weiterhin einen wachsenden Kohlemarkt. Das Institut prognostiziert für heuer eine steigende Weltproduktion von 3 %. Überkapazitäten beeinträchtigen somit aktuell den Markt. Doch erholte sich zuletzt der Preis mit einem Sprung auf 57 USD/t eklatant. Obwohl erneuerbare Energieformen der IEA-Studie nach das stärkste Wachstum verzeichnen, treibt die Nachfrage in den vier Schlüsselmärkten China, USA, Indien und EU die Kohleförderung zur Energiegewinnung weiter an. So stehen diese Regionen für nicht weniger als 60 % des zusätzlichen Bedarfs in den kommenden fünf Jahren. Nicht zu übersehen ist aber, dass sich Kohlekraftwerke bei Neubauten immer noch weltweit an zweiter Stelle befinden.

Etablierte Kohle-Aktienvertreter befinden sich auf den Kurszetteln der US-Börsen und in London. Es bleibt aber die Entscheidung, sich eine ausgesprochene Kohle-Aktie ins Depot zu holen, um damit unmittelbar an der Preismarktlage zu partizipieren. Das volle Risiko der politischen Regularien und erratischen Kursschwankungen ist dann aber mitzutragen. Oder man setzt auf global diversifizierte Rohstoffkonzerne, deren Produktangebot des Weiteren auch Erze, Kupfer, Zinn, Nickel, Silber und Gold beinhaltet. Diese konservativere Variante ist bereits als „zyklisch“ einzuordnen, denn die Kursnotizen der Energie- und Rohstoffwerte korrelieren zumeist. Die Sensitivität zum US-Dollar sowie zur Zinslandschaft überlappt den Sektor generell.

Heikle Titel-Filterung
In den USA selbst werden heute in mehr als der Hälfte der Bundesstaaten Kohleminen betrieben. Mit Consol Energy (ISIN: US20854P1093) notiert einer der liquidesten Titel des Gas- und Kohlegeschäftes an der NYSE. Das Fördergebiet des 2.300 Mitarbeiter zählenden Unternehmens liegt um Pennsylvania und Virginia.

Zwölf Minen in Illinois, Ohio, Kentucky und Maryland betreibt die Dividenden zahlende Alliance Resource Partners (US01877R1086).

Arch Coal (US0393804077) steht derzeit als „rassigster“ Kohle-Vertreter im Blickpunkt der Anleger. Die Ertragssituation ist noch unbefriedigend, doch wird in diesem Titel viel Fantasie gehandelt. Das Unternehmen kam erst im Oktober des Vorjahres aus dem „Chapter 11“-Restrukturierungsverfahren heraus und wurde auf eine neue finanzielle Basis gestellt. 16 Minen in elf Bundesstaaten mit Reserven von 2,6 Mrd t Kohle lassen die Gesellschaft als Schatzkammer erscheinen.

Cloud Peak Energy (US1891 1Q1022), deren Notiz zuletzt deutlich anzog, ist die kleinere Invest-Variante mit vier Projekten in Wyoming und Montana.

Eine Traditionsgeschichte hat Peabody Energy (US704 5492037) aufzuweisen. 1883 gegründet, steht der Klassiker nun aber derzeit unter dem „Chapter 11“-Verfahren.

Als direkte, bedeutende, globale Mitstreiter sind die asiatischen China Coal (CNE1 00000528) und die Shenhua Energy Company (CNE1000 002R0) zu nennen.

Diversifizierte Förderer sind klarerweise die australisch-britischen Rohstoffriesen BHP Billiton (AU000000BHP4) und Rio Tinto (GB0007188757). Anglo-American (SA-GB, GB00B1XZS820), Glencore Xstrata (CH-GB, JE00B4T3 BW64) gehören ebenso zu den global schweren „Schiffen“ der Lieferanten des schwarzen Rohstoffes.

Autor: Roman Steinbauer (redaktion@boersen-kurier.at)

Amerikas dringendste Probleme bleiben ungelöst

Innerhalb weniger Stunden nach Amtsantritt hat Donald Trump damit begonnen, Anordnungen und Dekrete zu unterzeichnen, um seine Wahlversprechen einzulösen. Aber wenn der neue US-Präsident „Amerika wieder großartig machen“ will, dann muss er sich in erster Linie der strukturellen Probleme des Landes annehmen. Ein Gastkommentar von Neil Dwane, Global Strategist bei Allianz Global Investors.

Der neue US-Präsident hat seine politischen Schwerpunkte für die ersten 100 Tage im Amt klar definiert hat: Abschaffung von „Obamacare“, Steuerreform, Infrastrukturmaßnahmen sowie ein höherer Verteidigungsetat, die Neuverhandlung von Handelsabkommen und hartes Durchgreifen bei der Einwanderungspolitik. Obgleich Donald Trump mit diesen öffentlichkeitswirksamen bzw. populistischen Initiativen Amerika wieder „great“ machen will, ist eine langfristige Genesung der USA nur möglich, wenn er die langfristigen strukturellen Probleme anpackt und den amerikanischen Traum wieder beflügelt.

Dafür wäre aber ein großer Wurf erforderlich, den Japan, Europa und die USA bisher versäumt haben, denn sie alle versuchen noch, sich von der globalen Finanzkrise zu erholen.

Wo Reformen notwendig sind. 1. Bildung
Die USA haben bei höherer Bildung zurecht einen sehr guten Ruf, allerdings ist Bildung katastrophal teuer geworden. Ein durchschnittlicher amerikanischer Student hat ein negatives Nettovermögen, und die durchschnittliche Höhe des Studentendarlehen eines Millennials beträgt 30.000 USD. Leider haben diese Darlehen nicht den Handlungsspielraum der Studenten, sondern die Preissetzungsmacht der Bildungsträger vergrößert. Langfristig ist dies eines der Hauptprobleme der USA.

2. Gesundheitswesen
Die USA gibt rund 17 % ihres Bruttoinlandsproduktes für das Gesundheitswesen aus, fast doppelt so viel wie andere OECD-Länder. Weder Obamacare, noch die Änderungen im Gesundheitssystem, die Trump vorgeschlagen hat, befassen sich mit den Haupt-Problemen: Viele Anbieter haben Gewinnspannen von mehr als 20 %; viele Patienten sehen den Rechnungsbetrag ihrer Behandlungen nicht; und viele Arzneimittel- und Dienstleistungskonzerne sind in unlautere Preisabsprachen verwickelt. Da die Gesellschaft der USA schnell altert, wird die Nachfrage nach Gesundheitsversorgung weiter ansteigen. Solange das Gesundheitswesen nicht effizienter wird, können die knappen Mittel nicht strategisch in anderen Wirtschaftsbereichen eingesetzt werden.

3. Konsum und Handel
Es ist klar, warum dem Handel und insbesondere dem US-amerikanischen Handelsdefizit mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte, insbesondere wenn man bedenkt, dass andere Wachstumsmotoren der USA an Boden verlieren. Der Konsum stagniert um 70 % des Bruttoinlandsproduktes, und der Häusermarkt steckt bei etwa 5 % fest.

Dies führt dazu, dass sich Trump auf die Erhöhung der Exportraten konzentrieren muss; allerdings verrät die Wortwahl in seinen Tweets und politischen Vorschlägen eine merkantilistische Sichtweise, was im Endeffekt dazu führen könnte, dass der Handel nicht gefördert wird.

Das aktuelle US-Geschäftsmodell – ausgeben, leihen, und dann noch mehr ausgeben – das Ende der Fahnenstange erreicht. Schließlich können die amerikanischen Konsumenten ihre Häuser nicht mehr als Geldautomaten nutzen, um langfristig angelegtes Kapital flüssig zu machen.

4. Innovation
Die amerikanischen Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind seit Jahrzehnten rückläufig. Die Explosion der sozialen Medien ist sicher innovativ, hat allerdings eher zu großem Reichtum anstatt zu großen Beschäftigungszuwächsen geführt: Facebook – nach Marktwert eines der größten Unternehmen der Welt – hat nur 13.000 Angestellte. Dies verschärft das Problem der ungleichen Verteilung des Wohlstands noch weiter, und es gibt berechtigte Zweifel daran, ob diese High-Tech-Innovationen tatsächlich zu Produktivitätszuwachs führen. Die Regierung hat ihrerseits dazu beigetragen, dass Innovationen über Jahre hinweg durch unnötige Regularien behindert wurden.

Schätzungen zufolge belaufen sich die Kosten für die Einhaltung von staatlichen Regularien auf rund 60 MrdUSD pro Jahr – ganz zu schweigen von den 400 MrdUSD pro Jahr, die für die Einhaltung
der Steuergesetze aufgewendet werden müssen.

Inzwischen meldet China weltweit die meisten Patente an, und die dortigen Unternehmen sichern sich wichtige Schutzrechte aus den Bereichen Robotik, Automatisierung und anderer High-Tech-Bereiche.

5. Staatliche Pensionsverpflichtungen
Gehütet von Lokalpolitikern ist eine riesige und weitreichende Last unbemerkt stetig angewachsen. Zu Zeiten auskömmlicher Anlagerenditen haben die Politiker den Empfängern von Pensionen großzügige Pakete gewährt, die beispielsweise Inflationsausgleich enthielten und heutzutage praktisch unbezahlbar sind. Die ohnehin schon angespannte Budget- und Einnahmensituation der Städte und staatlichen Pensionsfonds zusammen mit sinkenden Anlageerträgen kontrastiert mit unrealistischen Renditeerwartungen.

Wie im „alten Europa“, werden die realen Kosten für Wohlstand und Renten durch ein umlagefinanziertes System verschleiert. Mit dieser Dynamik fertig zu werden, wird eine der anspruchsvollsten strategischen und generationenübergreifenden Herausforderungen der westlichen Welt sein. Zudem haben nur etwa die Hälfte der Vollzeitbeschäftigten in den USA überhaupt Anspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge.

6. Die Fed und die amerikanischen Banken
Trump hat den Einfluss der Federal Reserve berechtigterweise kritisiert und könnte schon bald in der Lage sein, die Zusammensetzung des Vorstands zu verändern. Mit so vielen ehemaligen Bankern in seiner Regierung wird er dennoch wohl kaum die Schieflage der US-Wirtschaft in Richtung Finanzsektor ändern. Seit den frühen 80er Jahren ist der Anteil des Finanzsektors am Bruttoinlandsprodukt von 7 % auf über 20 % angestiegen, möglicherweise mit negative Folgen: Eine IMF-Studie zeigt, dass ein überdimensionierter Finanzsektor das BIP um 2 % pro Jahr sinken lässt.

Quantitative Lockerungen und andere geldpolitische Aktivitäten vermitteln den Eindruck, die amerikanische Geldpolitik habe in Zusammenarbeit mit der Finanzindustrie agiert, für die niedrigere Zinsen einen höheren Hebel und steigende Vermögenswerte bedeuten.

Dieses Umfeld begünstigt große Kapitalgesellschaften gegenüber kleinen Hausbesitzern, die mit steigenden Hauspreisen, schärferen Kreditvergaberichtlinien und sogar
untergedeckten Hypotheken konfrontiert werden.

7. Leistungsansprüche
Es ist bizarr, dass ausgerechnet Trump als Milliardär bei der Wahl einen derart großen Zuspruch von den Menschen aus der Arbeiterklasse, dem klassischen Wählermilieu der Demokraten, erhalten hat. Ungeachtet dessen ist die Einkommensungleichheit in den USA mittlerweile so groß, dass sich ein Sozialstaat nach europäischem Prinzip entwickelt, in dem Transferleistungen der Regierung 20 % der Einkommen darstellen.

Darüber hinaus führen diese Transferzahlungen zu einer riesigen und ungedeckten Verbindlichkeit des Staates, die auf 8 bis 10 BioUSD geschätzt wird. Natürlich dürfen dabei auch die Staatsschulden in Höhe von 60 BioUSD für medizinische Versorgung und „Medicaid“ nicht vergessen werden, die in den kommenden Jahrzehnten fällig werden.

8. Politik aus der „Washington Bubble“
Der Frust Amerikas über den Regierungs-Stillstand und die Washington-„Blase“ ist in den letzten Jahren gewachsen. Dies führte zu getrübten Zustimmungswerten für den Kongress und den zunehmenden Verdacht, dass Interessensgruppen und Lobbyisten mehr Einfluss auf die Politik haben als der Wähler.

Trump hat versprochen, sich der festgefahrenen und nepotistischen Strukturen in der Verwaltung zu widmen, zum Beispiel durch längere Fristen für den Wechsel in die lukrativere Privatwirtschaft. Die Frage ist, ob dies innerhalb einer Legislaturperiode zu erreichen ist.

Wird das populistische Rezept funktionieren?
Für ein Land, das nicht nur die größte Wirtschaftsmacht ist, sondern auch eine der am meisten gefestigten Demokratien, sind die Herausforderungen sehr komplex und tief verwurzelt. Viele vor Trump haben versucht, sich dieser Probleme anzunehmen – mit unterschiedlichem Erfolg. Dennoch ist der aktuelle Status Quo in den Köpfen von Trump und seiner Anhänger ein Versagen, das direkt darauf zurückzu-führen ist, dass die Politiker damit beschäftigt waren, ihre eigenen Interessen zu verfolgen – und nicht die ihrer Wähler. Nun werden wir Zeuge einer neuen Politik, die die Ängste und Sorgen nicht nur in Trumps Amerika, sondern auch in Großbritannien und in anderen Ländern adressiert. Ob diese populistischen politischen Aktionen nur zu einer kurzfristigen Belebung der Wirtschaft oder zu langfristiger Genesung führen, bleibt abzuwarten.

Einige von Trumps Vorschlägen könnten funktionieren, aber sie sind auf die kurze Frist angelegt. Wenn sich die Regierung und andere Institutionen nicht den dringend notwendigen langfristigen Strukturreformen zuwenden, wird das Wirtschaftswachstum klein bleiben, die Verschuldung steigen und das Zinsniveau noch länger niedrig bleiben.

Das gilt über die Grenzen der USA hinaus. Die alternde Bevölkerung wird ihre Pensionsansprüche über Gebühr anwachsen lassen, während der Durchschnittsarbeitnehmer wenig Grund für Optimismus haben dürfte.

Österreichische Banken und Versicherungen sind Cash Cows

Die heimischen Banken sind auf Erholungskurs und ihre Sicherheit nimmt stark zu. Auch die Versicherer sollten wieder rentabler werden. Hohe Dividendenrenditen bei Versicherungsaktien und relativ hohe Zinsen nachrangiger Schuldverschreibungen von Banken ermöglichen „Top-Erträge“.

Der enttäuschende Bankenstresstest vom Sommer 2016 ist längst Schnee von gestern. Die Kreditinstitute konzentrieren sich auf ihre Kerngeschäfte und die Versicherungskonzerne haben schon längst die Weichen für effizientere Abläufe und eine ertragreichere Zukunft gestellt. Daraus resultieren Chancen am Aktien- und Anleihenmarkt.

Top-Dividenden
UNIQA verkauft ihre Mehrheitsbeteiligung von 99, 7 % an der UNIQA Assicurazioni SpA für 295 Mio Euro vor Transaktionskosten an einen italienischen Versicherungsverein. Dies belastet zwar über Firmenwertminderungen das Ergebnis, stärkt jedoch die ökonomische Kapitalquote. Ein Veräußerungsgewinn von 47,6 Mio Euro hingegen winkt aus der Veräußerung der 29,63-%-Beteiligung an der Medial Beteiligungs-GmbH, die wiederum zu 38,29 % an der Casino Austria beteiligt ist. Das Anfang 2016 gestartete 500 Mio-Euro-Innovationsprogramm (Überarbeitung des Geschäftsmodells und moderne IT-Systeme) ist zu einem guten Teil 2016 ergebniswirksam. Doch nach vorübergehenden Belastungen soll es wieder aufwärts gehen. Auf jeden Fall beabsichtigt UNIQA die jährliche Ausschüttung je Aktie im Rahmen einer progressiven Dividendenpolitik in den kommenden Jahren kontinuierlich zu steigern. Auf Basis eines Kurses von 7,16 Euro liegt die aktuelle Dividendenrendite bei sensationellen 6,6 %!

Ein Marketing, das regionale Marktgegebenheiten berücksichtigt zahlt sich bei der Vienna Insurance Group (VIG) aus. Die verrechneten Prämien konnten in den ersten 3 Quartalen 2016 um 0,7 % auf 6,96 Mrd Euro gesteigert werden, wobei besonders starke Zuwächse in den Märkten in Rumänien (+30,3 %), Türkei/Georgien (+15,6 %) und Ungarn (+14,2 %) erzielt wurden. Beinahe alle regionalen Segmente trugen positiv zum Konzernergebnis bei, das nach der Bilanzbereinigung 2015 um 67,8 % auf 219,8 Mio Euro anstieg. Auf Basis eines Kurses von 22,65 Euro liegt die erwartete Dividendenrendite bei 3,5 %. Für die kommenden Jahre erscheinen Steigerungen wahrscheinlich.

Ertragreiches Franken-Investment
Veranlagungen in der „Aufwertungs-Währung“ Schweizer Franken bieten in der Regel kaum Zinsen. Ausnahme: Man geht mit nachrangigen Anleihen ein höheres Risiko ein. Über ein nach derzeitigem Stand relativ gutes Chancen/Risiko-Verhältnis verfügt eine CHF-Anleihe der Raiffeisen Bank International (RBI), die auf Basis eines Kurses von 108,15 eine Rendite von 3,15 % p. a. aufweist. Es handelt sich dabei um die nachrangige Anleihe mit Kupon 4,75 % und Fälligkeit 24. 10. 2022 (ISIN: CH0194405343).

Die RBI strukturiert erfolgreich um. Der Verkauf der polnischen Leasinggesellschaft Raiffeisen Leasing Polska, eine weitere Reduktion der risikogewichteten Aktiva, und satte Gewinne sowie positive Wechselkursentwicklungen trugen im 4. Quartal 2016 zu einer Stärkung der Kernkapitalquote bei. Die CET1-Ratio (fully loaded) stieg, gemäß vorläufigen Zahlen für 2016, vom 30. 9. bis 31. 12. 2016 von 12,3 auf 13,5 % und somit auf einen Level über Markterwartungen.

Darüber hinaus stieg das Ergebnis nach Steuern 2016 von 435 auf 574 Mio Euro. Am 26. Jänner 2017 stufte S&P sein langfristiges Counterparty-Credit-Rating für RBI von BBB auf BBB+ hoch und jenes der nachrangigen RBI-Emissionen von BB+ auf BBB- (Aufstieg zu Investmentgrade!).

Ebenfalls interessant erscheint die „Erste Group 4,00 % nachrangige Anleihe 2014 – 2015“ (AT0000A19NR2). Sie wies laut Website der Erste Group zuletzt (Info am 24. 2.) eine Rendite von 3,57 % p.a. auf. Die kleinste Stückelung liegt bei 1. 000 Euro. Die Erste Group ist mit einer CET-1-Ratio (aktuell) von 13,2 % im September 2016 solide aufgestellt. Die NPL-Quote liegt bei überschaubaren 5,5 % und dies bei einer NPL-Deckung von 67,7 %. Die Erste Group ist bei S&P und Moody’s jeweils mit einem Rating von BBB+ und Baa1 eingestuft, nachrangige Emissionen (in EUR) des Emittenten mit jeweils BBB- bzw. Ba1.

Fazit
Solange selbst die Renditen 10jähriger niederländischer Staatsanleihen nur bei 0,5 % liegen, erscheinen die Erträge genannter Alternativen relativ attraktiv. Allerdings sollten bei einer erkennbaren erneuten Verschlechterung der Ertragslage sowohl die betreffenden Aktien als auch Anleihen schnell abgestoßen werden.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kruier.at)

GAM: Von diesen Technologie-Trends können Anleger 2017 profitieren

Der Technologie-Sektor wächst rasant, umfasst ein breites Themenspektrum und bietet entsprechend viele Anlage-Möglichkeiten für Rendite-Jäger.

Der Technologie-Sektor wächst rasant, umfasst ein breites Themenspektrum und bietet entsprechend viele Anlage-Möglichkeiten für Rendite-Jäger. Umso wichtiger wird es für Anleger sein, die für 2017 relevanten Themen ausfindig zu machen. Mark Hawtin, Investment Director bei GAM, stellt die aus seiner Sicht sechs wichtigsten Technologie-Themen für 2017 vor und erklärt, warum Hardware künftig nicht mehr die wichtigste Rolle spielen wird.

1. Künstliche Intelligenz: Deep Learning hoch im Kurs

McKinsey berechnete im Jahr 2011, dass im Laufe der nächsten zehn Jahre bis zu 100 Millionen Arbeitsplätze durch die Automatisierung vernichtet würden – seither sorgt das Thema künstliche Intelligenz regelmäßig für Schlagzeilen. Als revolutionär hat sich das sogenannte „Deep Learning“ erwiesen – die Technologie, die es beispielsweise Netflix ermöglicht,  persönlich zugeschnittene Empfehlungen für jeden Nutzer zu erstellen. Aus dem verbesserten Nutzererlebnis folgt eine gesteigerte Nachfrage und stärkere Kundenbindung, die dem Unternehmen widerrum höhere Umsätze einbringt. Im Einzelhandelssektor ist Amazon beim Thema künstliche Intelligenz führend. Das Unternehmen begleitet Nutzer überall im Internet auf Schritt und Tritt und passt seine Kaufvorschläge entsprechend der besuchten Webseiten an.

Namhafte Großunternehmen nutzen diese Technologie bislang am intensivsten. Sie verfügen über enorme Datenbestände, die von der Systemoptimierung mittels künstlicher Intelligenz besonders profitieren. Amazon, Facebook, Google und Microsoft sind Vorreiter, wenn es darum geht, mit künstlicher Intelligenz das Nutzererlebnis sowie die Kauflust zu steigern.

2. Speicherplatz: Der Bedarf wächst

Alles, womit uns die Technologie begeistert, erfordert Speicherplatz. Doch ausgerechnet bei diesem Thema verschlechtert sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage zusehends. Erstmals seit elf Jahren stieg der Preis für Silizium-Wafer, dem Grundstoff für Speicherchips. Zugleich verdoppelte sich der Aktienkurs einiger Speicherhersteller im Zuge des Nachfrageanstiegs seit 2015. Aufgrund hoher Gewinne im Dezember korrigierte Micron seine Prognose für das laufende Quartal nach oben und rechnet nun mit einem Anstieg seiner Gewinnmargen auf bis zu 34 Prozent. Auch der Konkurrent Western Digital hat seine Gewinnprognosen inzwischen nach oben korrigiert.

Bislang unterschätzt der Markt die Kraft und Bedeutung des Speicherthemas im Jahr 2017. Viele Anleger scheuen sich nach dem – durch den schwächeren PC-Absatz in Schwellenländern verursachten – Rückgang im Jahr 2015, wieder in diesen Bereich zu investieren. Angesichts der starken Preisanstiege ist der Lockruf des Speicherthemas jedoch nur schwer zu ignorieren.

3. Cloud Computing: Software der Zukunft

Nur ein Prozent der weltweiten IT-Ausgaben fließen derzeit in Cloud-Computing-Ressourcen. Gleichzeitig setzen jedoch bereits über 60 Prozent aller neuen Software-Applikationen eine Cloud-Infrastruktur voraus. Unternehmen werden ihre Investitionen erhöhen müssen, um die Software der Zukunft nutzen zu können. Große Unternehmen beschäftigen sich nun zunehmend mit der Massenverschiebung von Infrastruktur in die Cloud. Laut einer Umfrage von Bernstein ist der Anteil der CIOs, die angeben, dass eine öffentliche Cloud in fünf Jahren einen bedeutenden Teil ihres IT-Bestandes ausmachen wird, in den letzten zwölf Monaten von 24 Prozent auf 51 Prozent gestiegen. Microsoft und Amazon bieten attraktive Möglichkeiten für ein entsprechendes Engagement. Amazon soll laut Prognosen bis zum Beginn des nächsten Jahrzehnts genauso viel Umsatz mit IT-Dienstleistungen erzielen wie mit seinem Einzelhandelsgeschäft, wobei die Gewinne beim IT-Geschäft deutlich höher ausfallen dürften.

4. Wachstumswerte: Trendwende wahrscheinlich

Wachstumswerte haben in den letzten 24 Monaten im Vergleich zu Substanztiteln so stark verloren, dass eine Trendwende so gut wie sicher erscheint. Google und Facebook sind derzeit für 2018 noch günstiger bewertet als die hochkapitalisierten „alten“ Technologiewerte Microsoft und Texas Instruments – dieses Szenario dürfte jedoch unhaltbar sein. US-Präsident Donald Trump könnte am Markt eine Rotation in Wachstumstitel auslösen, wenn das Reflationsthema an Bedeutung gewinnt und die Risikobereitschaft wieder zunimmt. Dies würde etwaige Zinserhöhungen kompensieren. Die Geschichte lehrt, dass das Ertragspotenzial extrem positiv ist, wenn Wachstumswerte wieder in der Anlegergunst steigen: 2013 wurden wir zuletzt Zeuge einer enormen Outperformance von Wachstumswerten. Im Jahr 2017 könnte es erneut zu einer solchen Wende kommen.

5. Sicherheit: „Big Data“-Unternehmen profitieren

Das Thema Sicherheit gewinnt wieder an Bedeutung. Mit der Ausbreitung mobiler Geräte und der Verlagerung von Daten in die Cloud wird es zunehmend schwieriger, Cyber-Angriffe mit isolierten Schutzmaßnahmen abzuwehren. Das Erkennen von Angriffen und die Einleitung von Gegenmaßnahmen werden eine erheblich wichtigere Rolle als die Vorbeugung spielen. Hier ist das Datenvolumen entscheidend, um zwischen Gewinner- und Verliereraktien zu unterscheiden. So verfügt beispielsweise Symantec über 30 Millionen Privatnutzer, 175 Millionen Installationen in Unternehmen und hat mehr als drei Billionen Zeilen schädlicher Codes in seinen Datenbanken, zu denen pro Sekunde 250.000 hinzukommen. Symantec besitzt durch diesen Schatz an Daten – Stichwort „Big Data“ – einen Vorteil bei der Erkennung von Bedrohungen, der in der Branche seinesgleichen sucht.

6. Customer Lifecycle Management: die allumfassende Marketing-Strategie

Online-Werbung hat sich zum Customer Lifecycle Management gemausert – das Management der Kundenbeziehung über den gesamten Einkaufszyklus hinweg. Hierbei geht es unter anderem darum, wie Kunden, vom Moment an, wo sie auf eine Werbeanzeige klicken, bis zum Ende des Konsumzyklus betreut und gebunden werden. Das Kundenmanagement war lange Zeit sehr modular aufgebaut: Client Relationship Management (CRM), Marketing, Kundensupport. Wir sehen jedoch einen starken Trend zu End-to-End-Lösungen. Das Customer Lifecycle Management, das traditionell nur durch Werbebudgets finanziert wurde, hat heute Zugriff auf die gesamten Marketingbudgets, die sich weltweit auf über eine Billion US-Dollar belaufen. Neben Facebook und Google sind hier auch Unternehmen wie Salesforce, Pegasystems und Adobe stark investiert.

Auf Software setzen

Hardware wird immer mehr an Bedeutung verlieren. Obwohl die Meldungen über neue Geräte, faltbare Bildschirme, virtuelle Realität, Drohnen und das vernetzte Zuhause nicht abreißen, handelt es sich hierbei nur um Evolutionen, aber nicht um Revolutionen. Während man leicht in Begeisterung über Dinge verfällt, die man sehen und anfassen kann, ist dies bei kryptischen Codezeilen nicht ganz so einfach. Worauf es aber in erster Linie ankommt, sind die Software und die Anwendungen, die auf diesen Geräten ausgeführt werden, um unser Bedürfnis nach Sinneseindrücken zu befriedigen. Die Software hält alles zusammen – und Kommunikation und Interaktion sind am Ende das, worauf es ankommt.

Weckruf gegen „Erosion“ des Kapitalmarktes

Praxisnahe gesetzliche Vereinfachungen in der Kapitalmarktregulierung und institutionelle Verbesserungen sollen die Abwanderung von der Wiener Börse stoppen.

Wenn Industriellenvereinigung (IV) und Aktienforum zeitgleich Maßnahmen in der Kapitalmarktpolitik einfordern und selbst einige vorschlagen, dann mit guten Gründen. Denn nicht nur, dass beiden Institutionen die maßgeblichen Emittenten und Player der Wiener Börse vertreten, sondern umso mehr, weil die börsenotierten Austro-AGs eine tragende volkswirtschaftliche Säule sind: „Ein ,Börse-Euro’ an Wertschöpfung der heimischen börsenotierten Unternehmen bewirkt in Österreichs Wirtschaft in Summe 2,33 E an Wertschöpfung, ein Beschäftigungsverhältnis in einem börsenotierten Unternehmen generiert in Österreich gesamt 2,56 Arbeitsplätze“, verdeutlicht Aktienforum-Präsident Robert Ottel die Bedeutung der Börsenotierten für die Gesamtwirtschaft Österreichs. Daher sei es „alarmierend“, ergänzt IV-Generalsekretär Christoph Neumayer, dass es in den vergangenen Jahren einen massiven Rückgang der Zahl der Börsenotierungen in Wien gab: seit 2006 vom damaligen Höchststand von 127 AGs um fast 40 % auf 79 Börsegelistete. Damit sank der Produktionswert, die Wertschöpfung und der Beschäftigungseffekt, den diese geschrumpfte Familie der Börsenotierten zu unserer Volkwirtschaft beiträgt, um rund 10 %.

Einfacher werden
Diese Daten einer „beunruhigenden Erosion“ des Austro-Kapitalmarktes müssten ein „Weckruf“ für die Bundesregierung sein, so die beiden Institutionenvertreter. Ansatzpunkte für sinnvolle Maßnahmen gebe es genug: Zum einen bei den Kosten von zigtausenden Euro für die Einrichtung der vorgeschriebenen „Whistleblowing“-Systeme in den Unternehmen, die insbesondere die kleineren belasten und von der Börse abschrecken. In Frankreich gingen solche Verpflichtungen aus datenschutzrechtlichen Gründen gar nicht. Eine Vereinfachung des heimischen Börsegesetzes nach deutschem Vorbild wäre daher wünschenswert: Bei unserem großen Nachbarn (mit dem größten kontinentaleuropäischen Kapitalmark) müssten nur Finanzdienstleister explizite Whistleblowing-Systeme aufweisen.
Vereinfachungswunsch zwei: Die Veröffentlichung der Directors Dealings sollte wieder zentral via FMA erfolgen. Derzeit müssen Interessierte alle Unternehmen selbst durchsuchen, was – nicht nur – für jeden Privatanleger mühsam sei. Beide Beispiele stammen aus der Umsetzung der EU-Marktmissbrauchs-Richtlinie und zeigen, dass der Austro-Gesetzgeber auf die europäischen Vorgaben gerne noch eins draufsetzt. Somit lautet die übergeordnete Forderung von IV und Aktienforum: Gesetzliche Vereinfachungen statt „Gold Plating“.

FMA gefordert
Zweiter Ansatzpunkt für eine „praxisnahe, effiziente und kostensparende Kapitalmarktregulierung“ sei der Regulator selbst. Zu begrüßen sei daher die im neuen Regierungsprogramm angekündigte Prüfung der FMA, so Neumayer: „Neben mehr Transparenz und einer effektiven Budgetkontrolle muss dabei vor allem die Rechtssicherheit für die Emittenten im Mittelpunkt stehen.“ So wäre es wünschenswert, wenn Unternehmen von der FMA schriftliche und verbindliche Auskünfte erhalten könnten, da „die gesetzlichen Bestimmungen unklare Regelungen enthalten, die große Interpretationsräume freilassen. Dies sorgt für große Rechtsunsicherheit bei den Emittenten“, etwa bei der Ad-hoc-Publizität. Auch die Kosteneffizienz der FMA stehe auf dem Prüfstand: Denn „Personalstand und Personalaufwand der FMA haben sich zwischen 2002 und 2015 teilweise mehr als verdreifacht“. Da der Großteil der
Kosten von den Beaufsichtigten, also den Unternehmen selbst, gedeckt werden müsse, sollte „eine ordentliche Budgetkontrolle nach Effizienzkriterien selbstverständlich sein“, so der Industrievertreter. Eine parlamentarische Kontrolle sei vorstellbar.

Wiederbelebung
Ottel begründet sein Plädoyer für den Börseplatz Österreich damit, dass die Austro-Unternehmen hier „sichtbar“ seien, an einer großen internationalen Börse wären sie in der Masse nicht mehr visibel. Wünschenswert wäre auch die Neuinstallation eines Kapitalmarktbeauftragten: „Dieser war der politische Ansprechpartner bei allen Kapitalmarktthemen. Ein solches Sprachrohr zwischen den Stakeholdern am Kapitalmarkt, der Politik und dem Gesetzgeber brauchen wir dringend wieder.“

Autor: Manfred Kainz (redaktion@boersen-kuri8er.at)

In Zeiten von Marktmanipulationen und Cyber-Attacken

Für ein modernes Infrastrukturunternehmen wie die Wiener Börse steht Sicherheit in all ihren Ausprägungen im Mittelpunkt des Interesses. Rückgrat dieser Sicherheit ist die IT.

Rückgrat und Herz einer Börse ist heute die IT“, sagt Technik-Vorstand Ludwig Nießen im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Dabei gehe es vor allem darum, Kurse und Orders möglichst zeitnah und richtig zur Verfügung zu stellen.

Vor mehr als 25 Jahren hat die Digitalisierung an der Wiener Börse Einzug gehalten, seit 1998 gibt es – in Partnerschaft mit der Deutschen Börse – Xetra. Das hat die Transaktionskosten halbiert und die Tür des österreichischen Kapitalmarktes für ausländische Marktteilnehmer geöffnet. Noch im heurigen Sommer erfolgt der nächste Schritt: Der Xetra-Nachfolger „T7“ ist ein strukturell neues System und bringt „dramatische Unterschiede“ mit sich, was Performance und Geschwindigkeit betrifft, so Nießen. Ab August soll der Aktienhandel über T7 laufen, ein Jahr später auch jener mit Anleihen und Derivaten.

Durch die schlankere Struktur wird T7 auch noch sicherer sein als Xetra: „Je weniger komplex, desto besser überwachbar ist ein System“, betont Nießen.

Verfügbarkeit
Sicherer Handel bedeutet unter anderem, dass die Systeme ständig verfügbar sind – und das sind sie an der Wiener Börse seit vielen Jahren zu 100 %. „Das kann man nicht verbessern. Aber der Level muss gehalten werden, deshalb haben wir strenge Service-Level-Anforderungen“, erklärt Nießen. Dazu tragen hardwaretechnische Konzepte bei, die sicherstellen, dass es bei Ausfällen keine Unterbrechung gibt. „Wir haben eine redundante Infrastruktur mit zwei örtlich getrennten Rechenzentren, über die die Services gefahren werden.“

Missbrauch verhindern
Ebenfalls ein Sicherheitsthema: die Verhinderung von Manipulationen. Auch hier gibt es eine Reihe von Maßnahmen, wie Nießen erläutert.

Ein wichtiges Instrument hierbei ist das Marktüberwachungssystem, mit dem jede einzelne Order in Echtzeit überwacht wird und das für klassische Missbrauchsthemen standardisiert Alarm schlägt. Darüber hinaus können künstliche Engpässe („bottlenecks“) die Zahl der Transaktionen je Kunde beschränken, womit verhindert wird, dass eine Vielzahl extrem kleiner Transaktionen das System überlastet. Und auch die automatisierte Volatilitätsunterbrechung bei drohenden Preisabweichungen in unerwartetem Ausmaß verhindert Manipulationen. „Es ist eines der größten Assets der Wiener Börse, einen sicheren Handel zu gewährleisten“, ist Nießen stolz und ergänzt: „Bezüglich Marktmissbrauch sind wir laufend im Austausch mit der FMA.“

Cyber Security
Vorsätzliche Sabotage mit Hilfe von Software ist eine der großen Herausforderungen für die Wiener Börse geworden. Rund 2.000 Attacken prallen Monat für Monat an der Firewall ab, darunter zwei „kritische Einbruchsversuche “, wobei es auch gezielte Angriffe gibt.

Wichtig: Das Handelssystem der Börse wäre von etwaigen erfolgreichen Angriffen sowieso nicht betroffen, Office-System und Internet haben keine Verbindung zum Handel. Und „Moderne Handelssysteme sind sicher, wir schwimmen hier mit dem Schwarm der Marktführer“, weiß Nießen. „Selbstgestrickte“ Lösungen würden ein viel größeres Risiko darstellen. Permanentes Monitoring kontrolliert die Transaktionen, auch einzelne Datenpakete werden kontrolliert. Nießen: „Wir würden schnell merken, wenn Pakete einen unklaren Ursprung haben.“

Schließlich gehört auch die Mitarbeiterausbildung hierher: In Schulungsprogrammen werden die neuesten Methoden der Cyber-Kriminellen vermittelt.

Autor: Marius Perger (mp@boersen-kurier.at)

Ist die Lebensversicherung noch zeitgemäß?

Die Lebensversicherung ist in die Jahre gekommen und das ist ja auch gut so. Schließlich ist es die langfristigste Veranlagungsform. Aber ist die LV, wie sie von ihren Vermittlern liebevoll genannt wird, noch zeitgemäß? Wir machen uns auf die Reise, um hier Licht ins Dunkel zu bringen.

Die Lebensversicherung ist in die Jahre gekommen und das ist ja auch gut so. Schließlich ist es die langfristigste Veranlagungsform. Aber ist die LV, wie sie von ihren Vermittlern liebevoll genannt wird, noch zeitgemäß? Wir machen uns auf die Reise, um hier Licht ins Dunkel zu bringen.

Aber nach welchen Kriterien beurteilt man eine Lebensversicherung? Vor allem, weil sich ja über die Jahre die unterschiedlichsten Formen ausgeprägt haben, die auch sehr unterschiedliche Ziele haben. Von der klassischen LV über Kombi-Variationen mit Berufsunfähigkeit oder Krankenversicherung bis hin zu fondsgebundenen Varianten. Alleine das wäre ja schon einen eigenen Artikel wert.

Grenzen wir die LV als Ver-anlagungsform ab, so findet man Bewertungsparameter, die man grundsätzlich anwenden kann. Das „magische Anlagedreieck“, die steuerliche Bewertung oder die langfristige Bewährung sind Richtwerte, um eine möglichst objektive Beurteilung zu erlangen.

Das „magische Anlagedreieck“ definiert die Renditechancen, die Sicherheit und die Verfügbarkeit einer Veranlagung, bildet also eine Entscheidungsgrundlage für persönliche Veranlagungen.

Die Entwicklung der Lebensversicherung
Begonnen hat alles mit der klassischen Lebensversicherung, die mit einer vernünftigen garantierten Verzinsung einerseits im Todesfall eine Absicherung bieten sollte und andererseits im Erlebensfall das angesparte Kapital nach Ablauf der Laufzeit zur Verfügung stellt. Mit der Etablierung von Fonds kam die klassische Lebensversicherung unter Druck und es wurden fondsgebundene Lebensversicherungen auch ohne jegliche Garantie entwickelt, die vorrangig die Gewinnmaximierung im Fokus haben und den Absicherungsaspekt eher vernachlässigen.

Sicherheit
Hier bietet die Lebensversicherung mit den unterschiedlichen Varianten alle Möglichkeiten. Von der Garantie bis zu höchstem Risiko ist alles möglich. Teilweise sind diese Sicherheiten auch variabel veränderbar. Man kann also mit hohem Risiko einsteigen und mit der Zeit dieses Risiko minimieren bzw. an die Marktgegebenheiten anpassen. Die Garantie bietet je nach Zinslage auch eine garantierte Verzinsung, die zugegebenermaßen aktuell kaum Performance bietet. Aber mit einer klassischen Lebensversicherung und einer 3 %igen garantierten Verzinsung aus den Urzeiten der Versicherung konnte man in den vergangenen Jahren schon gut schlafen.

Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben sind Versicherungen dazu angehalten, sich und ihre Kunden auch entsprechend abzusichern und damit das bestehende Risiko einer Insolvenz – offensichtlich mit Erfolg – zu minimieren. Einen Versicherungscrash hat es jeden-falls nicht gegeben.

Was also das Bewertungskriterium Sicherheit betrifft, haben Lebensversicherungen sicherlich sehr gute Karten.

Verfügbarkeit
Eine Lebensversicherung wird auf mindestens zehn Jahre abgeschlossen. Die meisten Verträge haben allerdings wesentlich längere Laufzeiten. In der Theorie. Im Durchschnitt wird eine LV aber bereits vor dem Laufzeitende storniert. Das hat unterschiedliche Gründe. Auch wenn es mittlerweile Möglichkeiten gibt, zumindest auf einen Teil des Kapitals zuzugreifen, so ist die Verfüg-barkeit nicht die Stärke einer LV. Vorzeitige Entnahmen oder Rückkäufe stören die Performance empfindlich und führen oft dazu, dass weniger Kapital ausgezahlt werden kann als insgesamt eingezahlt wurde. Das begründet sich einerseits mit der hohen Kostenstruktur der Versicherungen und andererseits damit, dass die Versicherung ihrerseits auch langfristige Verbindlichkeiten z.B. in Immobilienveranlagungen eingeht und somit schwer kurzfristig Kapital zur Verfügung hat. Auch wenn es mittlerweile möglich ist, Teilentnahmen aus einer Versicherung zu bekommen. Die Verfügbarkeit ist nicht zentral und sollte auch kein Abschlusskriterium sein.

Renditechancen
Je nach Variante sind unterschiedliche Renditemöglichkeiten vorhanden. Wichtig ist, dabei auch die Langfristigkeit zu beachten. Eine klassische LV mit einer vernünftigen Verzinsung hat in ihrer Laufzeit einiges durchgemacht. War sie doch lange der Prügelknabe der Nation, weil sie im Vergleich zum Markt viel zu wenig Verzinsung lieferte, wäre sie heute mit diesem Sicherheits-/Rendite-Verhältnis der Star unter den Veranlagungen.

Christoph Obererlacher, CEO von Swiss Life Select, ist gegenüber dem Börsen-Kurier der festen Überzeugung, dass die LV kein Auslaufmodell ist. Vor allem daran, dass die „Fondsgebundene“ der-zeit dank ihrer Flexibilität und auch der steuerlichen Vorteile große Chancen bietet, hegt er keinen Zweifel. Diese bietet seiner Meinung nach derzeit, aufgrund der Nutzungsmöglichkeiten von breit gestreuten Fonds, die notwendige Flexibilität für ein erfolgreiches Vermögensmanagement innerhalb eines Versicherungsmantels. Außerdem ist die fondsgebundene LV steuerlich äußerst vorteilhaft, da weder Kapitalertragssteuer noch Einkommensteuer anfallen. Weiters kann eine LV gerade bei der Vermögensübergabe sehr vorteilhaft sein.

Für Stefan Kunczier, Geschäftsführer der Pensionsexperten, ist die LV aufgrund der steuerlichen Situation ebenfalls attraktiv. Die klassische LV sieht er aber durchaus kritisch. Hier gilt es zu differenzieren: Bestehende Kunden mit hohen Garantiezinssätzen von mehr als 3 % können sich glücklich schätzen und sollten jedenfalls alles daran setzen, diese bis zum Ende der Laufzeit aufrecht zu erhalten. Ein derart gutes Ertrags-/Risiko-Verhältnis ist heute am Markt nicht zu bekommen. Der Markt hat sich in den vergangenen Jahren aber an das sinkende Zinsniveau angepasst. Moderne fondsgebundene Lebensversicherungen bieten beispielsweise ungezillmerte Kostenstrukturen, ermöglichen jederzeitigen Zugriff ohne Abschlag oder flexible Prämienpausen. Für Kunden, die bereit sind, auf Garantien zu verzichten, ergibt sich eine Vielfalt an attraktiven Sparmodellen.

Zusammenfassend kann man sagen: Die Lebensversicherung gehört noch lange nicht zum alten Eisen und bietet attraktive Möglichkeiten für ein langfristiges Investment.

Autor: Andreas Puchinger (redaktion@boersen-kurier.at)

philoro Gold Round Table zum Thema „Dos & Dont’s für Gold & Silber“

Gold – das bedeutet Faszination und Luxus, Zahlungsmittel und sicherer Hafen, Anlageprodukt und kostbarer Schmuck. Es gibt viele Gründe, Edelmetalle zu kaufen. Beim philoro Gold Round Table gaben Experten Tipps, worauf man dabei achten sollte, und berichteten von ihren Erfahrungen.

Der Kauf von Edelmetallen dürfte wohl in den seltensten Fällen spontan erfolgen – er sollte gut geplant sein und an erster Stelle steht wohl die Frage, warum und worin überhaupt Geld angelegt werden soll. In Zeiten niedriger Zinsen und mangelnder Alternativen steht heute oft die Sicherheit, die Kaufkraft des Kapitals über einen bestimmten Zeitraum zumindest erhalten zu können, im Vordergrund. Und hier kommen bereits die Edelmetalle ins Spiel: Stefan Beyer, Markenleiter bei philoro Edelmetalle: „Wenn ich heute einen guten Maßanzug kaufe, kostet der ca. 1 oz. Gold, was aktuell rund 1.150 Euro entspricht. Vor 2.000 Jahren musste man für eine gute Toga auch in etwa 1 oz. Gold bezahlen.“ Das verdeutlicht sehr bildlich den Erhalt der Kaufkraft von Gold. Deshalb gilt das Edelmetall als sicherer Hafen und dient zum Werterhalt und zur Diversifikation des Portfolios.

Gold und Silber
„Gold hatte immer einen inneren Wert und konnte immer, egal wann und unter welchen Regierungsformen oder unter welchen sonstigen Gegebenheiten, eingetauscht werden“, betont der Vermögensberater Heribert Laaber.

Auch deshalb sollte es „auf jeden Fall“ als Beimischung ins Portfolio, ist Martin Wiesbauer von den „Pensionsexperten“ überzeugt: „Was ich gerne rate – besonders bei kleineren Anlagebeträgen – ist monatlich zu kaufen und das langfristig zu sehen. Von der sogenannten Zockerei, also Gold als Spekulationsobjekt zu sehen, rate ich ab.“

Aber auch Silber hat seine Vorzüge. Früher galt es oft als das „Gold des kleinen Mannes“, heute gibt es auch Goldanlageprodukte, die für den kleinen Geldbeutel interessant sind, betont Beyer.

Dennoch bevorzugt Laaber derzeit Silber: „Weil die sogenannte Ratio im Vergleich zu Gold extrem günstig ist. Die liegt aktuell bei ca. 1 zu 70, für eine Unze Gold bekommt man also in etwa 70 Unzen Silber. Der durchschnittliche Wert der vergangenen 50 Jahre lag bei rund 35 bis 40.“ Und auch für Beyer ist Silber definitiv eine gute Beimischung. Zu beachten sei aber, dass Silber nicht wie Anlagegold von der Mehrwertsteuer befreit ist, mit Ausnahme der differenzbesteuerten Produkte. „Hier wird nur die Differenz zwischen Ein- und Verkaufspreis besteuert. Bei differenzbesteuerten Produkten verzeichnen wir eine sehr große Nachfrage.“

Münzen, Barren & Co
Es gibt eine Menge verschiedener Möglichkeiten, in Edelmetalle zu investieren: Von der Goldminenaktie über ETFs bis hin zu teurem Schmuck. Wiesbauer bevorzugt für seine Kunden Münzen und Barren und er verweist auf ein neues, „sehr spannendes Produkt“: sogenannte Combibarren.

Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Vorteile eines Barrens mit der Flexibilität einer Münze kombinieren. „Wenn man beispielsweise einen Kilobarren kauft, hat man ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Wenn ich Liquidität benötige, kann ich allerdings nur den ganzen Barren verkaufen und nicht nur einen Teil“, erläutert Beyer. Der Combibarren vereint nun beide Vorteile: es lassen sich  einzelne Teilstücke, ähnlich wie bei einer Tafel Schokolade, abknicken. Diese können dann verkauft oder getauscht werden.

Thema Spreads: Je kleiner die Einheit, desto weniger Gold bekommt man für sein Geld. Eine ideale Größe gibt es aber nicht: „Es kommt natürlich darauf an, wie und warum man anlegen möchte. Ich persönlich finde, dass eine Mischung aus Münzen, um flexibel zu sein, und Barren, um ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zu bekommen, sicher nicht falsch ist“, meint Beyer.

Und dann gibt es auch noch Gold-Sparpläne. Viele Anleger verfügen ja nicht über die entsprechende Liquidität, um in einen großen Goldbarren zu investieren. Es ist aber möglich, mit kleinen Beträgen regelmäßig Gold zu kaufen. „Und ich kann den Cost-Average-Effekt nutzen“, verweist Wiesbauer auf den Zusatznutzen.

Herkunft und Qualität
Gold ist doch Gold – oder gibt es so etwas wie Qualitätsunterschiede? „Woher stammt das Gold? Wie wurde es abgebaut? Wurde auf Menschenrechte geachtet, auf die Umwelt Rücksicht genommen? Da gibt es sehr wohl große Unterschiede“, erklärt Beyer und ergänzt: „Für uns ist eine der wichtigsten Zertifizierungen das LBMA-Zertifikat, das einen korrekten Umgang mit Natur und Mensch garantiert. Nur Goldbarren von einem LBMA-zertifizierten Hersteller sind für den Interbankenhandel zugelassen.“

Gefährlich sind jedenfalls Billigangebote im Internet. Zwar gibt es auch unter den seriösen Anbietern Preisunterschiede, die allerdings meist nicht sehr groß sind. „Es kommt da auf die Zusatzleistungen wie Versandkosten, Verfügbarkeit, Service usw. an. Wo man natürlich hellhörig werden sollte und sehr aufpassen muss, ist, wenn Anlagebarren und -münzen unter dem Spotpreis angeboten werden“, so Beyer.

Die entscheidende Frage ist: Wie schützt man sich vor Fälschungen und was bringen Echtheitszertifikate? Dazu Beyer: „Natürlich ist das Zertifikat etwas, woran ich mich orientieren kann. Aber auch das LBMA-Schmelzerzeichen auf den Barren ist wichtig. Einige Händler haben darüber hinaus Prüfgeräte, mit denen jeder einzelne Barren und jede einzelne Münze auf Echtheit untersucht werden kann.“

Wichtig ist es jedenfalls, den Händler, bei dem man einkaufen will, gut anzusehen, sind sich die Experten einig. „Ein Geschäft, zu dem ich persönlich hingehen kann, ist schon mal ein guter Anfang. Da kann ich mich davon überzeugen, dass es die Firma und das Gold wirklich gibt und habe üblicherweise auch einen persönlichen Ansprechpartner“, meint Beyer. Und Laaber ergänzt: „Wenn sich ein Kunde an einen seriösen Berater oder Anbieter wendet, dann hat er die Sicherheit, dass er qualitativ hochwertige Ware bekommt.“ Auch Vergleichsplattformen, Berichte in Fachmedien, Gütesiegel oder Händlertests können hier Orientierung bieten.

„Von jedem, der Unglaubliches und Immenses verspricht, von dem lass bitte die Finger“, rät Wiesbauer und warnt darüber hinaus vor Vorauszahlungen: „Also die Upfront-Zahlung einer Jahresrate, wie es bei einigen Sparplänen üblich ist.“

Vergraben oder Verwahren?
Und wenn man das Edelmetall dann besitzt – wie stellt man sicher, dass es einem nicht wieder abhanden kommt? Es im Keller zu vergraben, mag vor staatlichem Zugriff schützen, eine optimale Lösung ist es sicher nicht.

Viele Menschen hätten „gerne ein, zwei Münzen zum Angreifen daheim“, erzählt Wiesbauer aus seiner Praxis. „Doch der Rest muss irgendwo extern und sicher gelagert sein. Ich will zwar jederzeit Zugang dazu haben, aber ohne Sicherheitsrisiko.“

Laaber verweist aber darauf, dass Bankschließfächer einer staatlichen Kontrolle unterliegen. Und es kann, wie es Zypern oder Griechenland gezeigt haben, passieren, dass man im Falle einer Bankenkrise keinen Zugang mehr zu seinem Bankschließfach hat. Beyer bevorzugt deshalb bankenunabhängige Lagermöglichkeiten oder Depots bei Händlern: „Da kann man Edelmetalle kaufen und verkaufen, ohne dass man selber physisch agieren muss. Der Depotstand kann dann zum Beispiel einfach online eingesehen werden.“ Und weil bei Edelmetallen das Volumen im Vergleich zum Wert sehr gering ist und die Lagerung daher sehr wenig Platz benötigt, bekomme man „schon für wenig Geld eine versicherte Verwahrung“, so Beyer.

Wieviel Gold ins Portfolio?
Bleibt zum Schluss die Frage, ob es einen „optimalen“ Anteil für Edelmetalle im Portfolio gibt. Wiesbauer: „Eigentlich nicht. Mein Beratungsansatz geht in Richtung Wertpapiere, Vermögensverwaltung, gemanagte Fonds, die in sich sehr aktiv sind. Dazu passend rate ich, ca. 10  bis 20 % in Gold anzulegen, um Sicherheit zu haben.“

In dieselbe Kerbe schlägt auch Laaber: „Möglichst raus aus Geldwerten und rein in Sachwerte! Wenn ich objektiv berate und seriöse Spar- und Veranlagungsformen empfehle, dann müssen Gold und Silber im Fokus sein. Derzeit sollten mindestens 10, eher sogar 20 % der gesamten Vermögenswerte in Edelmetalle investiert werden.“

Autor: Maris Perger (mp@boersen-kurier.at)

Das Ende von Trumps Techtelmechtel mit den Märkten

Nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA kam es zu zunächst beeindruckenden Kursanstiegen an den Aktienmärkten. Die Anleger reagierten euphorisch auf Trumps Versprechen von Steuerimpulsen, einer Deregulierung der Energie-, Gesundheits- und Finanzsektoren sowie einer deutlichen Senkung der Körperschafts-, Einkommens-, Erbschafts- und Kapitalertragsteuer. Doch wird die Realität Trump’scher Wirtschaftspolitik einen weiteren Anstieg der Aktienkurse tragen?

Es überrascht nicht, dass Unternehmen und Anleger bisher zufrieden waren. Eine derartige traditionelle republikanische angebotsorientierte Trickle-down-Wirtschaftspolitik kommt überwiegend den Konzernen und vermögenden Privatpersonen zugute. Zugleich tut sie nahezu nichts, um Arbeitsplätze zu schaffen oder die Einkommen der Arbeiterschaft zu erhöhen. Laut dem überparteilichen Tax Policy Center würde knapp die Hälfte der Vorteile der vorgesehenen Steuersenkungen von Donald Trump auf das oberste 1 % der Einkommensbezieher entfallen.

Doch könnten die animalischen Instinkte des Unternehmenssektors rasch einer Urangst Platz machen: Der Rallye am Markt geht bereits die Puste aus, und Trumps Techtelmechtel mit den Anlegern könnte dem Ende zugehen. Hierfür gibt es mehrere Gründe.

Zinsen und starker Dollar
Zunächst einmal mag die Erwartung von Steuerimpulsen den Aktienkursen Auftrieb gegeben haben, doch sie führte auch zu höheren langfristigen Zinssätzen, was negative Auswirkungen auf die Investitionsausgaben und auf zinssensible Sektoren wie den Immobilienbereich hat. Zugleich wird der erstarkende Dollar mehr von den Arbeitsplätzen vernichten, die normalerweise Trumps Anhänger aus der Arbeiterschaft innehaben.

Der Präsident mag 1.000 Arbeitsplätze in Indiana „gerettet“ haben, indem er dem Klimaanlagenbauer Carrier gedroht und gut zugeredet hat, doch die Aufwertung des US-Dollar seit der Wahl könnte im Laufe der Zeit fast 400.000 Arbeitsplätze in der produzierenden Industrie vernichten.

Zudem könnte Trumps Paket an Steuerimpulsen letztlich viel größer ausfallen, als die aktuellen Marktkurse das nahelegen. Wie die Präsidenten Ronald Reagan und George W. Bush gezeigt haben, können Republikaner selten der Versuchung widerstehen, Körperschafts-, Einkommen- und sonstige Steuern zu senken – selbst wenn sie nicht imstande sind, die dadurch entstehenden Steuerausfälle auszugleichen, und nicht den Wunsch hegen, die Ausgaben zu senken. Wenn das unter Trump erneut passieren sollte, werden die dadurch entstehenden Haushaltsdefizite Zinsen und Dollar noch weiter in die Höhe treiben und der Wirtschaftsentwicklung langfristig schaden.

Steigende Inflation
Ein zweiter Grund, warum die Begeisterung der Anleger nachlassen könnte, ist das Schreckgespenst der Inflation. Angesichts der Tatsache, dass in der US-Wirtschaft schon jetzt nahezu Vollbeschäftigung herrscht, werden Trumps Steuerimpulse stärker für Inflation sorgen als für Wachstum. Die Inflation wird dann sogar die unter Janet Yellen zu einer expansiven Geldpolitik neigende US-Notenbank zwingen, die Zinssätze früher und schneller zu erhöhen, als sie das sonst getan hätte. Dies wird die langfristigen Zinsen und den Wert des Dollars weiter in die Höhe treiben.

Drittens wird dieser unglückliche Policy-Mix aus übertrieben lockerer Fiskalpolitik und restriktiver Geldpolitik die finanzielle Lage verschärfen und dabei den Einkommen- und Beschäftigungsaussichten der Arbeiter schaden. Die schon jetzt protektionistische Trump-Regierung wird dann zusätzliche protektionistische Maßnahmen verfolgen müssen, um sich die Unterstützung dieser Arbeiter zu bewahren, und wird so das Wirtschaftswachstum weiter einschränken und die Gewinne der Unternehmen mindern.

Handelskrieg mit dem Rest der Welt?
Wenn Trump es mit dem Protektionismus zu weit treibt, wird er unzweifelhaft Handelskriege auslösen. Amerikas Handelspartner werden dann kaum eine andere Wahl haben, als auf die von den USA verhängten Importbeschränkungen mit der Verhängung eigener Zölle auf US-Exporte zu reagieren.

Der sich hieraus ergebende Schlagaustausch wird das globale Wirtschaftswachstum behindern und Volkswirtschaften und Märkten überall auf der Welt Schaden zufügen. Man sollte sich an dieser Stelle erinnern, wie Amerikas Zollgesetz aus dem Jahr 1930, der Smoot-Hawley Tariff Act, globale Handelskriege auslöste, die die Große Depression verschärften.

Einer gegen alle
Viertens legen Trumps Maßnahmen nahe, dass der Wirtschaftsinterventionismus seiner Regierung über einen herkömmlichen Protektionismus hinausgehen wird. Trump hat bereits seine Bereitschaft gezeigt, die Auslandsaktivitäten der Unternehmen durch Androhung von Importabgaben, öffentliche Vorwürfe der Preistreiberei und Einwanderungsbeschränkungen (die es schwerer machen, geeignete Mitarbeiter zu gewinnen) ins Visier zu nehmen.

Den Ökonom und Nobelpreisträger Edmund S. Phelps erinnert Trumps direkte Einmischung auf dem Unternehmenssektor an das korporatistische Nazideutschland und das faschistische Italien. Tatsächliche wäre Trumps Amtsvorgänger Barack Obama, wenn er den Unternehmenssektor so behandelt hätte wie Trump das tut, als Kommunist verleumdet worden. Doch wenn Trump so etwas macht, ziehen Amerikas Unternehmen aus irgendwelchen Gründen den Schwanz ein.

Fünftens stellt Trump bestehende US-Bündnisse in Frage, schmeichelt sich bei Rivalen des Landes wie Russland ein und bringt bedeutende globale Mächte wie China gegen sich auf. Seine erratische Außenpolitik verschreckt Regierungschefs, multinationale Konzerne und die Weltmärkte im Allgemeinen.

Und schließlich könnte Trump Methoden zur Schadensbegrenzung verfolgen, die die Lage nur noch verschlimmern dürften. So haben er und seine Berater bereits mündliche Ankündigungen gemacht, die auf eine Schwächung des Dollars abzielten. Aber Reden ist billig, und derartige Verkündigungen haben nur eine vorübergehende Wirkung auf die Währungsentwicklung.

Zugriff auf die Fed?
Dies bedeutet, dass Trump möglicherweise einen radikaleren und heterodoxeren Ansatz verfolgen wird. Er hat die US-Notenbank im Wahlkampf beschimpft, weil sie zu „taubenhaft“ agiere und eine „falsche Wirtschaft“ erschaffe. Und doch könnte er nun in Versuchung geraten, neue Mitglieder in den Zentralbankrat zu berufen, die noch taubenhafter und dabei weniger unabhängig agieren als Janet Yellen, um die Kreditvergabe an den privaten Sektor anzukurbeln.

Falls das keinen Erfolg hat, könnte Trump einseitig intervenieren, um den Dollar zu schwächen, oder Kapitalkontrollen einführen, um den Dollar stärkende Kapitalzuflüsse zu begrenzen. Die Märkte werden bereits jetzt nervös; eine ausgewachsene Panik ist wahrscheinlich, falls Protektionismus und eine rücksichtslose, politisierte Geldpolitik Handels-, Währungs- und Kapitalkontrollkriege auslösen.

Langfristig schädlich
Natürlich könnten die Erwartungen an Konjunkturimpulse, Steuersenkungen und Deregulierung die Wirtschafts- und Marktentwicklung kurzfristig trotzdem beflügeln. Doch wird die widersprüchliche, erratische und destruktive Politik des Präsidenten, wie die Schwankungen an den Finanzmärkten seit Trumps Amtsantritt zeigen, dem Wirtschaftswachstum in den USA und weltweit langfristig Tribut abfordern.

Autor: Nouriel Roubini ist CEO von Roubini Macro Associates und Professor für Ökonomie an der Stern School of Business der New York University. Aus dem Englischen von Jan Doolan, © Project Syndicate 1995 bis 2017

Ausgabefieber bei Wandelanleihen

Die Wandlung von Fremd- in Eigenkapital beschert den Anlegern eine spekulative Komponente. Überreife Aktienindizes begrenzen aber die Fantasien.

An den Kapitalmärkten ist eine forcierte Platzierung von Wandelanleihen seitens börsennotierter Gesellschaften erkennbar. Das erweckt klar den Eindruck, die Emittenten seien in entsprechender Eile, schnell noch günstige Finanzierungstranchen in dieser Form unterzubringen. Der Bonus für die ausgebende Gesellschaft besteht darin, dem Investor Zinsen unterhalb der Marktgegebenheiten (für dessen Aktionärsperspektive) und für das Unternehmen selbst eine attraktive Finanzierungskomponente aktivieren zu können. Dazu mindern die für die AG zu zahlenden Zinsen den zu versteuernden Gewinn.

Vom Renditebringer zum Dividendenpapier
Die mit einem Nominalzins ausgestattete, festverzinsliche Variante der Wandelanleihe ist mit einem Anreiz für den Zeichner verbunden, vorerst ein abgefedertes Risiko einer Schuldverschreibung zu halten und bei günstiger Marktentwicklung von der möglichen Wertsteigerung der Unternehmensaktien zu profitieren, insbesondere durch einen entsprechend hohen Kurswert der Aktien zum Umtauschzeitpunkt. Wird doch das Recht eingeräumt, innerhalb einer Wandlungsfrist die Anleihen zu einem vorher festgelegten Verhältnis in Aktien einzutauschen und somit das Fremdkapital ins Eigenkapital zu „konvertieren“ – eine Wertpapier-Kombination eines festen Ertrages, der sich nach dem Umtausch in ein Dividendenpapier „wandelt“.

Wird diese Umtauschmöglichkeit nicht vollzogen, erfolgt in der Regel zu Laufzeitende immerhin die Rückzahlung des Nennwertes. Damit einhergehend führt ein steigender Aktienkurs der Gesellschaft adäquat zu einem Kursanstieg der Wandelanleihe. Das Wahlrecht liegt bei diesen Wertpapieren beim Inhaber. „Umgekehrte“ Wandelanleihen existieren im Angebot der Börsen seltener, aber doch. Diese Bezeichnung wird in jenem Fall gewählt, in dem das Kündigungsrecht bei der Aktiengesellschaft liegt. Nicht gewandelte Schuldverschreibungen werden nach der Rückzahlung zum Laufzeitende gelöscht. Dies führt aber dennoch für den Emittenten zu der nachteiligen Situation, nicht im Vorhinein das Ausmaß der wirklichen Eigenkapitalerhöhung zu kennen.

Exakte Kriterienprüfung erforderlich
Gefallene Aktienkurse und die daraus resultierende Differenz zwischen Kurs und rechnerischem Nennbetrag bei Ausgabe der Schuldverschreibung sind aber ein möglicher Verlustfaktor für den Anleger. Eine Kapitalerhöhung kann für den Inhaber der Wandelanleihe auch zu einer Verwässerung führen, soweit keine anderslautenden Bedingungen in den Vereinbarungen eingefügt wurden. Die Kündigungsbedingungen sind daher stets zu beachten.

Bayer mit attraktivem Kupon
Als aktuell relevantes Beispiel der geforderten Achtsamkeit gegenüber dem Emittenten ist der deutsche  Bayer-Konzern zu nennen. Die Leverkusener brachten im Vorjahr zur Finanzierung der Monsanto-Übernahme ein Produkt (ISIN: DE00 0A189FZ7) mit einem attraktiven Kupon von 5,625 % und einem Volumen von 4 Mrd Euro an die Börsen in Deutschland. Die Laufzeit ist bis
22. November 2019 festgelegt. Allerdings findet bei Fälligkeit eine zwingende Wandlung in Stammaktien statt. Dabei gilt des Weiteren eine Obergrenze des Wandlungspreises von 108 E. Die Anleihebedingungen räumen in diesem Fall sowohl den Anleihegläubigern als auch der Bayer AG Wandlungsrechte vor dem Fälligkeitszeitpunkt ein. Kursverluste der Aktie treffen als „Kompensation“ zur hohen Zinszahlung unmittelbar den Anleihezeichner.

Autor: Roman Steinbauer (Redaktion@boersen-kurier.at)

Welche Zykliker jetzt interessant sind

Zyklische Aktien führen derzeit die Performance-Liste der Wiener Börse an. Experten gehen davon aus, dass sich diese Entwicklung – zumindest auf kurze Sicht – weiter fortsetzen wird.

An der Wiener Börse hat sich im vergangenen Herbst eine interessante Entwicklung vollzogen: Zyklische Aktien standen in der Gunst der Anleger wieder ganz weit oben. Von der zyklischen Sektorrotation haben laut Bernd Maurer, Deputy Head Company Research bei der Raiffeisen Centrobank (RCB), vor allem Titel wie Polytec, Raiffeisen Bank International (RBI), Palfinger und Wienerberger profitiert. Die zuletzt starke Entwicklung anderer Werte, wie etwa Semperit, sei dagegen stärker auf unternehmensspezifische Gründe zurückzuführen, wie der Experte im Gespräch mit dem Börsen-Kurier erklärt.

Outperformance hält an
Für Thomas Neuhold, Head of Austrian Equity Research bei Kepler Cheuvreux, stehen die Chancen nicht schlecht, dass zyklische Unternehmen sowie Financials den Markt auf kurze Sicht weiter outperformen. In die gleiche Kerbe schlägt Maurer. „Es schaut gut aus, dass die zyklische Rotation an der Wiener Börse weiter anhält“, sagt er. Allerdings würden mit den Kursen auch die Erwartungen der Marktteilnehmer steigen. Nachsatz: „Für die Unternehmen wird es damit schwieriger die Erwartungen auch zu erfüllen.“

Stabiles Umfeld wichtig, Zinsentwicklung beachten
Für eine Fortsetzung der seit mehreren Wochen andauernden Entwicklung müssten laut Maurer vor allem zwei Faktoren erfüllt sein: Weiterhin gute und über den Erwartungen liegende Wirtschaftsdaten in Europa und den USA sowie ein anhaltend verbessertes Umfeld für Finanzwerte. Letztere hätten zuletzt vor allem von der wieder steileren Zinskurve profitiert.

Andritz: attraktiv gegenüber Peergroup
Die beiden Top-Empfehlungen der RCB aus dem Zykliker-Universum der Wiener Börse sind aktuell jedenfalls Andritz und STRABAG. „Für die Aktie des Anlagenbauers spricht vor allem die Bewertung, die unter dem Fünfjahresdurchschnitt liegt, sowie die Attraktivität im Vergleich zur Peer Group“, erklärt Maurer. Dazu komme die Aussicht auf mögliche Großaufträge im weiteren Jahresverlauf. Davon habe die Aktie in der Vergangenheit häufig profitiert. Ende Dezember des Vorjahres wurde jedenfalls die Empfehlung „Kaufen“ bestätigt und gleichzeitig das Kursziel von 53 leicht auf 55 € erhöht.

STRABAG profitiert von Deutschlands Bautätigkeit
Der heimische Baukonzern STRABAG profitiert laut Maurer wiederum von der zunehmenden Bautätigkeit in Deutschland und Osteuropa. Bekanntlich wurden von der deutschen Bundesregierung Infrastrukturinvestitionen in großem Ausmaß beschlossen. „Die Bautätigkeit in Zentral- und Osteuropa wird wiederum von Mitteln aus dem EU-Investitionsfonds getragen“, so Maurer. Anfang Dezember haben die RCB-Experten die Empfehlung für die Aktie von „Halten“ auf „Kaufen“ hinaufgestuft und das Kursziel von 32 auf 39 € erhöht.

Empfehlung: Bauwerte
Auch bei der Erste Group schätzt man zyklische Aktien derzeit wieder als attraktiver ein. Ganz oben auf der Liste der Top-Empfehlungen steht ebenfalls Andritz, weiters auch Raiffeisen Bank International, der Bauwert Porr sowie Palfinger. Für die RBI würden jedenfalls die stärkere Kapitalposition, die Aussicht auf deutliche Gewinnsteigerungen sowie die Bewertung sprechen, erklärt Christoph Schultes, Senior Analyst CEE Equity Research. Bauwerte würden wiederum von den zahlreichen Infrastrukturprojekten in Deutschland profitieren.               

Autor im Börsen-Kurier: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

Welthandel von Protektionismus bedroht


Nach zwei Jahren langsamerem Weltwirtschaftswachstum in Folge, sollte sich das Wachstum 2017 leicht verbessern (von 2,5 auf 2,7 %). Verantwortlich dafür ist der Aufschwung der Geschäfte in den Schwellenländern (4,1% Wachstum) aufgrund der Erholung in Brasilien und Russland, die die Abkühlung in China ausgleichen. Für die Industrieländer erwartet Coface ein stabiles Wachstum von 1,6 %.


Die trübe Entwicklung des Welthandels (Prognose bei 2,4 % für 2017, im Vergleich zu durchschnittlichen 2,2 % zwischen 2008 und 2015 und einem Durchschnitt von 7 % zwischen 2002 und 2007) könnte durch eine Wiederkehr von protektionistischen Maßnahmen – in Folge der Wahl Donald Trumps – weiter verschlimmert werden. Kurzfristig würden solche Maßnahmen aufgrund des langjährigen Aufschwungs in den USA (2017 +1,8 % Wachstum erwartet) einen geringeren Effekt auf Amerikas Wirtschaft haben, als auf die Länder, die stark vom Export in die USA abhängen: Zentral-Amerika (insbesondere Honduras, El Salvador, Mexiko und Ecuador) sowie einige asiatische Länder (wie Vietnam und Thailand).

Aufgrund von Mexikos starker Abhängigkeit von Exporten in die USA, die 7 % des BIP ausmachen, und vor dem Hintergrund einer höheren Inflation und sinkenden Investitionen, stuft Coface die Länderrisikobewertung des Landes auf B herab. Argentinien hingegen sollte nach einem schwierigen Jahr die ersten positiven Effekte seiner Reformen ernten. Deshalb stuft Coface die Länderbewertung auf B herauf.

Politische Risiken 2017 global auf Rekordhoch
Unter den Industrieländern sieht sich Europa den größten politischen Risiken ausgesetzt, weil einerseits Schlüsselwahlen anstehen und andererseits die Details des Brexit abzuwarten bleiben. Der politische Risiko-Index für Europa von Coface ist im Laufe des vergangenen Jahres in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien durchschnittlich um 13 Punkte angestiegen. Sollte ein größerer politischer Schock, vergleichbar mit dem Referendum in Großbritannien, eintreten, könnte sich das Wirtschaftswachstum in Europa durchschnittlich um 0,5 Punkte verlangsamen.

Die politischen Risiken in den Schwellenländern sind höher als jemals, getrieben durch soziale Unzufriedenheit und erhöhte Sicherheitsrisiken. Die GUS (wegen Russland mit einem Coface-Score von 63 von 100 %), Nordafrika sowie der Mittlere Osten (mit der Türkei und Saudi Arabien, die beide bei 62 % liegen) zeigen die größten Risiken unter den wichtigsten Schwellenländern. Der Anstieg von politischen und sozialen Spannungen im Kontext des sehr schwachen Wachstums in Südafrika ist zum Teil Grund für die Herabstufung der Länderbewertung auf C.

Sicherheitsrisiken, darin inbegriffen Terroranschläge, soziale und politische Spannungen, sind ein neuer Faktor innerhalb des Risikoindikators für Entwicklungs-/Schwellenländer. Wenig überraschend sind diese Sicherheitsrisiken in Russland und der Türkei am höchsten.

Kreditrisiken: Hohes Level von Unternehmensschulden bedrohen den Banksektor in Schwellenländern.
Diese erhöhten Kreditrisiken können – anhängig vom jeweiligen Land – unterschiedliche Formen annehmen. Die Zahl von Unternehmensinsolvenzen sollte in Industrieländern weiterhin abnehmen. Jedoch liegt die Höhe der Unternehmensgründungen häufig unter dem Vor-Finanzkrisenniveau (Abweichung von -19,8% in Deutschland, -5,1% in den USA und -4,1% in Italien zwischen 2015 und Vorkrisen Höchststand). Steigende Kreditvolumina, die hochverschuldeten Unternehmen gewährt werden, schränken andererseits die Finanzierungsspielräume für schnell wachsende Jungunternehmen ein.

Extreme Unternehmensverschuldung ist ein weiteres Problem für Schwellenländer. Unternehmen in China haben das höchste Verschuldungsniveau (vergleichbar mit mehr als 160% des BIP) mit einem Anstieg um 12 Prozentpunkte alleine zwischen dem 2. Quartal 2015 und 2. Quartal 2016. Die Rate der faulen Kredite im Bankensektor wächst rasant in Russland, Indien, Brasilien und China, während sich die Standards der Kreditvergabe verschärft haben.

Heraufstufungen in Europa und Sub-Sahara Afrika
Zum ersten Mal seit Mitte 2015 stuft Coface mehr Länder in der Risikobewertung herauf, als herab. Spanien wird auf A3 heraufgestuft, während Island und Zypern (wo die Risiken im Zusammenhang mit den auferlegten Kapitalverkehrskontrollen sinken) nun mit A2 und B bewertet werden. Mittel- und Osteuropäische Länder verbessern sich weiterhin im Ranking unter den 160 von Coface analysierten Ländern. Estland (A2), Serbien (B) und Bosnien-Herzegowina (C) verbessern sich im Geschäftsklima und das Wachstum dieser Länder erreicht ein komfortables Niveau. Bulgarien (A4) bestätigt die beobachtete Erholung dank eines moderaten Wachstums und der andauernden Konsolidierung im Bankensektor.

„Die Heraufstufungen einiger Zentral- und Osteuropäischer Länder legen die Basis für eine positive Grundhaltung für gute Wachstumschancen in der Region“, zeigt sich Dr. Michael Tawrowsky, Country Manager Coface Austria, zuversichtlich über die positive Entwicklung von Serbien und Estland, Bosnien-Herzegowina und Bulgarien.

In Afrika südlich der Sahara schlagen sich kleinere Länder deutlich besser als größere. Zwei der am besten abschneidenden Länder der Region sind Ghana (B), das den demokratischen Reifetest im Dezember bestanden hat und nun die öffentlichen Finanzen besser steuert. Auch Kenia (A4), das einen Anstieg im Tourismus und höhere staatliche Investitionen verzeichnet, hat Coface heraufgestuft.

Autor: Coface

Experten sehen Investmentchancen in Wachstumsunternehmen aufrecht

Trotz der langen Outperformance glaubt man bei der Fondsgesellschaft Comgest weiter an ausgewählte Wachstumsunternehmen.

Nach einigen schwierigen Jahren befindet sich die US-Wirtschaft wieder auf Kurs. „Schaut man sich Rezessionsindikatoren wie Zinskurve, Einkaufsmanagerindizes des Institute for Supply Management (ISM), Wohnungsmarkt oder Arbeitsmarkt an, so zeigt sich nicht die rote Warnflagge“, sagt Peter Shapiro, Analyst bei der Fondsgesellschaft Comgest. Auch Inflationstrends und Kapitaleinsatz wären im neutralen Bereich. Positiv: Die Zahl der Menschen, die in den USA ihren Job kündigen, sei etwa derzeit etwa so hoch wie schon lange nicht mehr.

Trump liegt falsch
„Die USA haben eine sehr wettbewerbsfähige verarbeitende Wirtschaft“, so Shapiro. Er verweist auf Lohnstückkosten, die sich auf demselben Niveau wie in China befinden sowie die – im internationalen Vergleich – besonders hohe Fertigungsproduktivität. Daher wären die Gewinne der Unternehmen auch höher als anderswo. Dass in den USA nicht mehr produziert werde, wie es der neue US-Präsident Donald Trump wiederholt behauptet, sei schlichtweg falsch. Vielmehr werde jedes
einzelne Jahr mehr produziert – allerdings mit weniger Arbeitskräften. In diesem Zusammenhang stelle die USA die Speerspitze einer globalen Entwicklung – weg von einer industriellen und hin zu einer wissensbasierten Gesellschaft. Auch hätten bekanntlich viele internationale Unternehmen in den vergangenen Jahren ihre Fertigung in die USA verlegt.

„US-Unternehmen nehmen das Kapital der Investoren und machen daraus Gewinne“, sagt Shapiro weiter. Die besten Firmen wären in den vergangenen Jahren noch stärker geworden. Die lange Outperformance des US-Aktienmarkts beunruhigt Shapiro – im Gegensatz zu vielen Anlegern – keineswegs. Diese sei – neben dem zuvor schwachen US-Dollar – vor allem auf die gute Gewinnentwicklung zurückzuführen. „Angesichts der Gewinnsituation erscheinen auch die aktuellen Bewertungen nicht übermäßig hoch“, so der Comgest-Analyst. Vielmehr sollten sie aufgrund von Produktivität und Finanzstärke noch höher sein. „Die Revaluierung des Marktes ist allerdings mittlerweile vorbei“, hält Shapiro fest.

„Trump hat zwar die Probleme in den USA diagnostiziert, seine Lösungen machen aber keinen Sinn“, so Shapiro weiter. Die zur Diskussion stehende Border Adjustment Tax, die darauf abzielt, Importe zu besteuern, Exporte aber nicht, würde etwa US-Retailketten wie WalMart oder Costco unter Druck setzen, ihre Wertschöpfungsketten wieder in die USA zu verlegen. Dies sei aber nur schwer möglich, da dies unter anderem Preissteigerungen zur Folge hätte. Nachsatz des Experten: „Die Besteuerung der Unternehmen gehört zwar geändert, aber nicht so.“

Abwarten angesagt
Dennoch will man bei Comgest an der bestehenden Portfoliopositionierung – auch von Ketten wie Costco – festhalten. “Wir werden abwarten und schauen, was auf uns zukommt”, so Shapiro. Interessante Anlagechancen macht er bei ausgewählten Wachstumsunternehmen aus, die auch hinsichtlich Qualität bestechen. Auf diese Titel setzt im Übrigen auch der Comgest Growth America (ISIN: IE00 04791160). Die größte Sektorposition ist hier derzeit Technologie (Portfolioanteil fast 35 %) mit Unternehmen wie Cisco, Visa, Paycheck und Google, gefolgt von Healthcare (22 %), mit Namen wie Medtronic, Wright oder JohnsonJohnson. Wichtige Rollen im Portfolio spielen auch zyklischer Konsum (20 %) und Industrie (15 %). Im Bereich Konsum hebt Shapiro etwa Comcast, den größten US-Kabelnetzbetreiber, sowie die Cateringfirma Aramak hervor, im Sektor Industrie das Eisenbahnunternehmen Kansas City Southern.

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

„Das Unternehmen ist in guten Händen“

Bei der ao. HV der conwert wurden fünf neue und zwei bisherige Verwaltungsratsmitglieder wieder gewählt. Alexander Proschofsky verabschiedete sich.

„Die letzten vier Jahre waren eine sehr intensive Zeit in der wir viel weitergebracht haben“, so der nunmehr ehemalige Verwaltungsratsvorsitzende Alexander Proschofsky am vergangenen Freitag vor 182 Aktionären im Studio 44 in Wien-Erdberg. Bei seinem Antritt habe die Marktkapitalisierung bei 800 Mio€ gelegen, nun sei diese auf das Doppelte angestiegen. „Ich werde künftig neue Projekte angehen, habe aber das beste Gefühl, dass das Unternehmen in guten Händen ist“, so Proschofsky.

Wichtige Zäsur
Im Anschluss stellten sich die designierten Verwaltungsratsmitglieder Rolf Buch (CEO Vonovia), Stefan Kirsten (CFO Vonovia), Fabian Heß (Leiter der Rechtsabteilung der Vonovia), Sabine Gleiß (Leiterin des Personalmanagements der Vonovia) jeweils kurz vor. Gleich vorweg: Im Rahmen der anschließenden Generaldebatte präsentierten sich auch die zur Wiederwahl stehenden Verwaltungsratsmitglieder Peter Hohlbein und Andreas Lehner – im Übrigen auf das Ansuchen eines Kleinaktionärs – nochmals den anwesenden Anlegern.

„Die heutige außerordentliche Hauptversammlung ist eine wichtige Zäsur im Leben der conwert“, eröffnete IVA-Vizepräsident Michael Knap die Generaldebatte. Dank wichtiger und konsequent umgesetzter Maßnahmen habe sich das Unternehmen zuletzt hervorragend entwickelt. „Trotz einer widrigen Ausgangslage wurde das Unternehmen zu einer Win-Win-Situation für alle“, brachte es der Anlegervertreter auf den Punkt. Die Folge: Die erfreuliche Entwicklung der Aktie. Zur Info: Allein auf Einjahressicht steht ein Plus von fast 24 % zu Buche.

Knap bedankte sich in weiterer Folge bei den geschäftsführenden Direktoren Wolfgang Beck und Thomas Doll  sowie beim Verwaltungsrat für die gute Arbeit. Ein besonderes Lob richtete er an den scheidenden Verwaltungsratsvorsitzenden Proschofsky. „Ohne dessen Konsequenz und Sturheit (letzteres sei „ein privater Einschub“, so Knap) sowie umfassender Kompetenz würde das Unternehmen heute nicht da stehen, wo es jetzt stehe.“ „Alles Gute, strengen sie sich an“, so die abschließenden Worte des Anlegerschützers an den neuen Verwaltungsrat.

„Wir haben eine lange schwere Zeit durchgemacht und auf vielen langen Hauptversammlungen richtige Schlachten gefochten“, so ein Anleger, der nach Knap das Wort ergriff. Er sei froh, dass es letztlich zu einem guten Ende gekommen sei – sprich die Vonovia die conwert übernommen habe – und es künftig in einer ähnlichen Tonart weitergehen würde. Er wollte weiters wissen, wieso der Verwaltungsrat zurückgetreten sei und wo künftig die Verwaltungsratssitzungen stattfinden würden.

Wie Proschofsky erklärte, sei der Rücktritt notwendig, um eine Neubesetzung des Verwaltungsrats zu ermöglichen. Dies soll auch die neuen Beteiligungsverhältnisse der conwert widerspiegeln. Im Zuge dessen soll die Anzahl der von der HV gewählten Verwaltungsratsmitglieder von fünf auf sieben erhöht werden. Die Sitzungen des Verwaltungsrats könnten künftig – wie zuvor – an beiden Sitzen der Gesellschaft (Berlin und Wien) stattfinden – theoretisch aber auch woanders bzw. teilweise per Videokonferenz.

Schwerer Abschied
Im Rahmen der Abstimmung wurden Buch, Kirsten, Heß und Gleis neu sowie Hohlbein und Lehner erneut in den Verwaltungsrat gewählt.

In der anschließenden konstituierenden Sitzung des Verwaltungsrats wurde im Übrigen Buch zum Vorsitzenden und Kirsten zum stellvertretenden Vorsitzenden des Gremiums gewählt. Auch die anderen Tagesordnungspunkte – darunter unter anderem die Satzungsänderungen, dass die Zahl der Verwaltungsratsmitglieder von fünf auf künftig sieben erhöht werden soll oder der Verwaltungsrat dann beschlussfähig sei, wenn mindestens fünf Mitglieder – darunter der Vorsitzende oder ein Stellvertreter – an der Sitzung teilnehmen – wurden von der Hauptversammlung erfolgreich durch gewunken.

„Es fällt mir schwer Abschied zu nehmen“, so die abschließenden Worte von Proschofsky.

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

Dividenden erst drei Tage nach HV

In Deutschland wurde nun zur Harmonisierung der Abläufe in der EU das Aktiengesetz angepasst. Für Kritiker eine unnötige Verschlechterung.

Ab Mitte Feber jagt eine Hauptversammlung die nächste. Dann wird nicht nur Rede und Antwort gestanden, es werden auch die Dividenden beschlossen. Dabei gilt: Aktionäre, die eine Aktie am Tag der HV halten, haben einen Anspruch auf eine Dividende. Bislang wurde diese in Deutschland am nächsten Banktag ausgezahlt, parallel zu dem Tag, an dem die Aktie ohne Dividendenrecht gehandelt wird. In anderen EU-Ländern gab es abweichende Regelungen. „Ausländische Investoren und Banken mussten bislang ein Wirrwarr an nationalen Praktiken beachten“, so Gerrit Fey, Leiter für Kapitalmarktpolitik beim Deutschen Aktieninstitut (DAI) gegenüber dem Börsen-Kurier. Und: „In Deutschland wurde nun zur Harmonisierung der Abläufe in der EU das Aktiengesetz angepasst. Dies trägt zur Rechtssicherheit im einheitlichen Kapitalmarkt bei.“ Die Neuregelung greift ab heuer und sieht vor, dass die Dividende künftig am dritten Tag nach der HV ausgeschüttet wird. Der Dividendenabschlag beim Kurs erfolgt weiterhin am ersten Handelstag nach der HV, weil der Erwerb nach der HV wie bislang nicht zum Bezug der Dividende berechtigt.

Zwar ist im neuen § 58 vorgesehen, dass die Gesellschaften per Satzungsänderung einen noch späteren Ausschüttungstag festlegen können, aber Daimler etwa will die Neuregelung so anwenden. „Wir werden unsere Dividende auch künftig zum frühest möglichen Termin, und damit am dritten Geschäftstag nach der HV, auszahlen“, so eine Unternehmenssprecherin gegenüber dem Börsen-Kurier.

Müssen die Anleger also künftig zwei Tage länger auf ihre Dividende warten, bringt die Neuregelung auch Vorteile: Die Banken haben mehr Zeit für die technische Abwicklung der Ausschüttungen. „Die komplexen Abläufe in der Abwicklung haben bisher dazu geführt, dass Buchungen teilweise korrigiert werden mussten“, so Fey. „Das war zwar kein massives Problem, es wird nun aber durch die Stichtagsverlängerung gelindert.“ Ein weiteres Argument: Der Bundestag hatte bei der Beschlussfassung der Novelle neben der Harmonisierung der Stichtagsregeln auch das Erschweren des sogenannten Dividendenstrippings angeführt. Bei diesen Cum/Ex-Geschäften kommt es über Leerverkäufe zu unberechtigten Steuerrückerstattungen. Diese Manipulationen werden nun erschwert.

Doch es gibt auch Kritik: Daniel Bauer, Vorstandsvorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), sieht uns gegenüber in der späteren Dividendenzahlung eine Verschlechterung: „Das Kapital steht den Aktionären erst später zur Verfügung und auch die Unternehmen gewinnen nicht durch die längere Kapitalbindung.“ Der Aktionärsschützer kritisiert die Verlängerung der Stichtagsregelung: „Man kann den Eindruck gewinnen, als seien andere EU-Länder nicht in der Lage, eine Ausschüttung so schnell wie bisher bei uns in der Vergangenheit durchzuführen. So geben nun die langsamsten EU-Länder das Tempo vor.“

Autorin: Christiane Süßel, MA (redaktion@boersen-kurier.at)

„America first“ – und dann globale Konflikte

Donald Trumps Wahl zum US-Präsidenten stellt nicht nur eine zunehmende populistische Gegenreaktion gegen die Globalisierung dar. Sie könnte sogar das Ende der Pax Americana bedeuten, jener internationalen Ordnung des freien Austausches und der kollektiven Sicherheit, die die USA nach 1945 aufgebaut haben.

Diese von den USA angeführte Weltordnung hat 70 Jahre des Wohlstands ermöglicht. Sie beruht auf marktorientierten Programmen zur Handelsliberalisierung, einer erhöhten Mobilität des Kapitals und einer angemessenen Sozialpolitik, die durch US-Sicherheitsgarantien für Europa, den Mittleren Osten und Asien im Rahmen der NATO und verschiedener anderer Bündnisse gestützt werden.

Donald Trump jedoch könnte eine populistische, globalisierungsfeindliche und protektionistische Politik verfolgen, die den Handel behindert und die Freizügigkeit der Arbeitskräfte und den freien Kapitalfluss beschränkt. Und er hat bestehende US-Sicherheitsgarantien in Zweifel gezogen, indem er nahegelegt hat, dass er Verbündete zwingen würde, mehr für ihre Verteidigung zu bezahlen. Wenn Trump es mit seinem Motto des „America first“ ernst meint, wird seine Regierung einen geopolitischen Strategiewandel in Richtung Isolationismus und Unilateralismus vornehmen.

Erinnerungen werden wach
Als die USA in den 1920er und 1930er Jahren eine ähnliche Politik verfolgten, trug dies dazu bei, dem Zweiten Weltkrieg den Boden zu bereiten. Ihr Protektionismus, beginnend mit den Smoot-Hawley-Zöllen, die tausende importierter Waren betrafen, löste Handels- und Währungskriege aus, die die Große Depression verschlimmerten. Wichtiger noch: Der Isolationismus – der auf der irrigen Überzeugung beruhte, dass die USA durch den Schutz von zwei Ozeanen in Sicherheit seien – erlaubte es Nazideutschland und dem kaiserlichen Japan, Angriffskriege zu führen und die gesamte Welt zu bedrohen. Mit dem Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 waren die USA dann endlich gezwungen, den Kopf aus dem Sand zu nehmen.

Vorsicht ist geboten
Auch heute könnte dies letztlich zu einem globalen Konflikt führen. Selbst ohne die Aussicht einer Abwendung Amerikas von Europa scheinen die EU und die Eurozone, speziell im Gefolge des Brexit-Votums vom Juni und des gescheiterten italienischen Referendums über eine Verfassungsreform im Dezember, bereits in Auflösung begriffen. Zudem könnten 2017 in Frankreich und Italien und anderswo extreme antieuropäische links- oder rechtsgerichtete populistische Parteien an die Macht kommen.

Ohne Engagement der USA in Europa wird dort ein  revanchistisches Russland die Lücke schließen. Schon jetzt fordert Russland die USA und die EU in der Ukraine, Syrien, den Baltischen Staaten und auf dem Balkan heraus, und es könnte aus dem drohenden Zusammenbruch der EU Kapital schlagen, indem es in den früheren Ostblockländern erneut seinen Einfluss geltend machtt. Sollte Europa allmählich seinen US-Sicherheitsschirm verlieren, wird davon niemand mehr profitieren als Präsident Putin.

Was passiert mit dem Mittleren Osten?
Trumps Vorschläge drohen zugleich, die Lage im Mittleren Osten zu verschärfen. Er hat geäußert, Amerika in Energiefragen autark machen zu wollen. Dies bedeutet, die US-Interessen in der Region aufzugeben und sich stärker auf im eigenen Lande produzierte, Treibhausgase abgebende fossile Brennstoffe zu stützen. Und er hat seine Position aufrechterhalten, dass der Islam selbst gefährlich sei. Diese von Trumps kommendem nationalen Sicherheitsberater General Michael Flynn geteilte Ansicht spielt der von militanten Islamisten propagierten Sicht eines Kampfes zwischen den Kulturen in die Hände.

Zugleich dürfte ein unter Trump verfolgter „America first“-Ansatz die langjährigen sunnitisch-schiitischen Stellvertreterkriege zwischen Saudi-Arabien und dem Iran weiter verschärfen. Und wenn die USA nicht länger die Sicherheit ihrer sunnitischen Verbündeten garantieren, könnten alle regionalen Mächte – der Iran, Saudi-Arabien, die Türkei und Ägypten – zu der Ansicht gelangen, dass sie sich nur durch den Erwerb von Atomwaffen verteidigen können.

China ebenfalls ein Unsicherheitsfaktor
In Asien hat die wirtschaftliche und militärische Vorherrschaft der USA für Jahrzehnte der Stabilität gesorgt, doch ein aufstrebendes China stellt dort inzwischen den Status quo infrage. Die strategische Ausrichtung von Barack Obama auf Asien stützte sich in erster Linie auf die Umsetzung der zwölf Länder umfassenden Transpazifischen Partnerschaft (TPP), die Trump ausrangieren will. Zugleich ist China dabei, seine eigenen Wirtschaftsbeziehungen in Asien, dem pazifischen Raum und Lateinamerika mit hohem Tempo durch seine eigene, als „Ein Gürtel, eine Straße“ bekannte Seidenstraßen-Strategie, die Asiatische Infrastruktur-Investitionsbank, die Neue Entwicklungsbank (vormals als die „BRICS-Bank“ bekannt) und einen eigenen, mit der TPP konkurrierenden Freihandelsvorschlag für die Region zu stärken.

Falls die USA ihre asiatischen Verbündeten wie die Philippinen, Südkorea und Taiwan aufgeben, haben diese Länder möglicherweise keine andere Wahl, als sich China zu unterwerfen, und andere US-Verbündete wie Japan und Indien könnten gezwungen sein, aufzurüsten und China offen herauszufordern. Ein amerikanischer Rückzug aus der Region könnte daher sehr wohl langfristig einen militärischen Konflikt dort hervorrufen.

Eine Warnung
Wie in den 1930er Jahren, als die protektionistische, isolationistische US-Politik das globale Wirtschaftswachstum und den Welthandel behinderte und die Voraussetzungen dafür schuf, das aufstrebende revisionistische Mächte einen Weltkrieg begannen, könnten ähnliche politische Impulse die Weichen dafür stellen, dass neue Mächte die von Amerika angeführte internationale Ordnung herausfordern und untergraben. Eine isolationistische Trump-Administration könnte angesichts der weiten Ozeane im Osten und Westen glauben, dass zunehmend ehrgeizige Mächte wie Russland, China und der Iran für die USA selbst keine unmittelbare Herausforderung darstellen.

Doch die USA bleiben eine globale Wirtschafts- und Finanzmacht in einer zutiefst vernetzten Welt. Wenn ihnen niemand Paroli bietet, werden diese Länder irgendwann in der Lage sein, zentrale Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen der USA im In- und Ausland zu bedrohen – insbesondere, wenn sie ihre nuklearen Kapazitäten und ihre Fähigkeiten zu Cyberkriegsführung ausweiten. Die historische Bilanz ist eindeutig: Protektionismus, Isolationismus und eine „America first“-Politik sind ein Rezept für eine wirtschaftliche und militärische Katastrophe.

Autor: Nouriel Roubini ist CEO von Roubini Macro Associates und Professor für Ökonomie. Aus dem Englischen von Jan Doolan, © Project Syndicate 1995 – 2017

Diese ATX-Prime-Werte bereiteten den Anlegern große Freude

An der Wiener Börse herrscht Freudenstimmung. Der ATX-Prime stieg bis 23. 1. binnen eines Jahres um 24 % und einzelne Werte sogar binnen sechs Monaten um bis zu 60 %.

Wien kann anders sein, doch die Branchenrotation läuft durchaus im Einklang mit internationalen Börsentrends. Deshalb befanden sich auch unter den Top 12 der vergangenen sechs Monate (bis 23. 1., mittags) gleich zwei Versicherungswerte, nämlich UNIQA (+31 %) und Vienna Insurance Group (+30 %). Der Spitzenreiter mit +60 % ist indessen die RBI. Die Zinsen haben am langen Ende wieder angezogen. Das ist gut für die absoluten Erträge der Banken und (Lebens-)Versicherungen, wobei Sondersituationen wie Konzernumbau und Rationalisierung ein Performance-Turbo sein können.

Beispielsweise strukturiert die RBI erfolgreich um und selbst nach der Fusion mit der RZB hält das Management an seinen Finanzzielen fest: Bis Ende 2017 werden eine CET1 Ratio (fully loaded) von mindestens 12 % und eine Eigenmittelquote (fully loaded) von mindestens 16 % angestrebt. Der Return on Equity vor Steuern soll mittelfristig rund 14 % und der Konzern-Return-on-Equity rund 11 % betragen.

Bei UNIQA kostet die Modernisierung der IT-Landschaft vorerst viel Geld. Das Ergebnis für 2016 soll planmäßig niedriger ausfallen. Für die kommenden Jahre plant UNIQA die Ausschüttung je Aktie im Rahmen einer progressiven Dividendenpolitik kontinuierlich zu steigern. Auf Basis eines Kurses von 7,40 Euro liegt die Dividendenrendite bei 6,35 %.

Porr und Polytec auf Platz 2 und 3
Mit +52 % in den vergangenen sechs Monaten die zweitstärkste Performance aller ATX-Prime-Werte
verzeichnet die Baufirma Porr, deren Auftragsbestand per 30.9.2016 einen neuen Rekordwert von stolzen 5,18 Mrd Euro (+11,5 %) erreichte. Der positive Ertragswachstumstrend der vergangenen Jahre sollte sich weiter fortsetzen. Und: Die Aktie hat mit geschätzten Forward-KGVs 2017 und 2018 von je 12,4 bzw. 11,8 noch weiter Potenzial.

Auf +47 % brachte es der Automobilzulieferer Polytec. Die Entwicklung der ersten neun Monate 2016 ist vielversprechend: Umsatz +3,5 % auf 481,9 Mio Euro und Ergebnis je Aktie gleich +25 % auf 1 € verbessert! Neben dem soliden Geschäft mit Kunststoff-Komponenten für Autos baut das Unternehmen mit Transportboxen ein wachsendes Standbein auf. Auf Basis eines Kurses von 10,80 € liegt das erwartete Forward-KGV 2018 mit 9,6 im günstigen Bereich.

Turnaround-Story bei Warimpex
Nummer 4 der Top-Performer ist die Hotel- und Immobiliengruppe Warimpex, deren Turnaround in den ersten drei Quartalen 2016 von einem Plus von 43 % in den vergangenen sechs Monaten begleitet ist. Stabile Hotelumsätze und eine kontinuierliche Weiterentwicklung von Projekten ermöglichten dies. So erhöhten sich die Erlöse aus der Vermietung von Büroimmobilien durch die Fertigstellung und Vermietung des Zeppelin Büroturms in St. Petersburg sowie des Erzsébet Bürogebäudes in Budapest von 2,9 auf 6,2 Mio Euro, und es stecken noch weitere Top-Projekte in der Pipeline. In Krakau soll neben dem Hotel Chopin ein Bürogebäude mit rund 26.000 m
2 entstehen und in der Airportcity St. Petersburg schreitet der Bau eines Multifunktionsgebäudes voran – geplante Fertigstellung für Mitte 2017 anvisiert.

Gleich hinter Warimpex rangiert Lenzing mit einem Anstieg um 39 %. Die Kostensenkungsprogramme griffen und die innovative Faser TENCEL® verkauft sich. Nun investiert Lenzing 275 Mio Euro in ein neues TENCEL®-Werk in den USA, dessen Inbetriebnahme für das 1. Quartal 2019 geplant ist. Die Chancen auf größere Ertragssprünge in den kommenden Jahren stehen gut. Bereits in den ersten neun Monaten 2016 stieg das Ergebnis je Aktie um 84,6 % auf 5,98 Euro.    

Autor: Michael Kordovsky(redaktion@boersen-kurier.at)

Flughafen Wien feiert gleich drei Rekorde

Die Flughafen-Vorstände Ofner und Jäger ziehen zufrieden Bilanz, stellen weiteres Wachstum in Aussicht – und haben auch einen Wunsch an die Politik parat.

Manchmal zahlt sich ein Blick in die Annalen aus und zeigt, wie sich die Zeiten ändern: „1955 wurden am Flughafen Wien im ganzen Jahr rund 90.000 Passagiere befördert. Heuer wurde diese Zahl an einem einzigen Tag, dem 16. September, bewerkstelligt! An einem durchschnittlichen Tag kommen wir auf mehr als 60.000 Passagiere“, so Julian Jäger, Vorstand der Flughafen Wien AG, bei der Präsentation der Verkehrsergebnisse seines Unternehmens für das Vorjahr. Beim 16. September handelt es sich somit um den stärksten Tag, beim vergangenen Juli um den stärksten Monat (2,4 Mio Passagiere) in der Geschichte des Flughafens.

Nicht die einzigen Rekorde, auch das Gesamtjahr verzeichnete ein All-Time-High: Der Flughafen Wien durchbrach 2016 erstmals die 23 Mio-Schwelle und verzeichnet 23,4 Mio Passagiere.

„Billig-Airlines“ im Anflug
Jäger und sein Vorstandskollege Günther Ofner zeigten sich somit mit der Passagierentwicklung „sehr zufrieden“. Als Wachstumstreiber identifizierten sie vor allem die Zuwächse bei Low-Cost-Carriern wie Eurowings und easyJet. Auf die günstigen Flieger setzt der Vorstand auch in Zukunft: „Das Jahr 2017 wird vor allem durch die Umstrukturierung der airberlin-Gruppe bzw. Niki sehr herausfordernd. Dadurch rechnen wir mit einem Verlust von 1,5 bis 1,6 Mio Passagieren. Das sollte aber durch andere Fluglinien wie Eurowings oder die AUA ausgeglichen werden“, so Jäger. Ofner hatte in diesem Zusammenhang einen Wunsch an die Politik parat: „Im Sinne der Standortsicherung sollte die Ticketsteuer abgeschafft oder zumindest halbiert werden. Vor allem Low Cost-Carrier sind hier sehr sensibel, wobei es etwa an den Flughäfen Laibach und Bratislava keine solchen Steuern gibt. Bei einer Reduktion der Besteuerung würden neue Jobs geschaffen und durch die Wertschöpfung für den Staat mehr Einnahmen generiert werden als durch die Steuer selbst.“ (In Wien fallen für die Kurzstrecke 7 Euro, für die Mittelstrecke 15 Euro und für die Langstrecke 35 Euro an Ticketsteuer an.)

Konservativer Ausblick
Was die weitere Entwicklung betrifft, sollen am Standort bis 2025 rund 1,6 Mrd Euro investiert werden. Für das Jahr 2017 rechnet die Flughafen-Wien-Gruppe inklusive der Beteiligungen Malta Airport und Flughafen Kosice mit einem Passagierzuwachs zwischen 1 und 3 %. Dementsprechend wird eine Steigerung beim Umsatz auf mehr als 740 Mio Euro erwartet und ein Wachstum beim EBITDA auf mehr als 315 Mio Euro angepeilt. In einem Conference Call des Flughafens wurde dabei die Guidance als „konservativ“ bezeichnet.

Bernd Maurer, Aktienanalyst bei der Raiffeisen Centrobank, weist im Gespräch mit dem Börsen-Kurier darauf hin, dass der Ausblick des Flughafens für 2017 eigentlich unter dem Markt-Consensus liegt. Trotzdem hat die Aktie in einer ersten Reaktion an Wert gewonnen – wie ist das zu erklären? „Wegen der Unsicherheiten rund um Airberlin und Niki war wohl die Furcht vor einem noch schwächeren Ausblick vorhanden. Angesichts der jetzt präsentierten Zahlen impliziert die Guidance eine positive Dynamik für 2017 gegenüber 2016“, analysiert Maurer. Er selbst hat die Aktien mit halten und dem Kursziel 28 Euro eingestuft.

Deutlich höhere Dividende
Positiv dürfte jedenfalls die Dividendenpolitik des Flughafens ausfallen: „Der Flughafen Wien hat sich im letzten Jahr hervorragend entwickelt und wird alle Finanzziele 2016 erreichen. Davon sollen auch unsere Aktionäre profitieren, denen wir eine deutliche Erhöhung der Dividende in Aussicht stellen. Wir gehen davon aus, dass die Anhebung rund ein Viertel betragen wird“, so Ofner. Zuletzt betrug die Ausschüttung 50 Cent pro Aktie.

Autor: Mag. Harald Kolerus (redaktion@boersen-kurier.at)

Heimische Unternehmen können auch im Winter Gewinne erzielen

Die jüngste Kältewelle in unseren Breiten kam überraschend. Ebenso könnten bei diversen Ölwerten und Versorgertitel sowie einigen Spezialunternehmen bald die Quartalszahlen überraschen.

Europa vereist bis zu unter -40 Grad Celsius und es könnte so noch bis Feber weitergehen – schlecht für alle, die sich bereits an die globale Erwärmung gewöhnt haben, aber gut für eine Gruppe börsennotierter Unternehmen:

Die offensichtlichsten Profiteure sind Versorgerwerte. Zum Heizen wird mehr Strom, Heizöl, Erdgas und Fernwärme benötigt. An der Wiener Börse ist der große Gewinner somit EVN. Deren Aktienkurs stieg seit Ende November 2016 um 7,7 % (bis 11. 1. 2017). Die Temperaturen sind ähnlich niedrig wie im Feber vor fünf Jahren als EVN die bisher höchsten Verbrauchswerte verzeichnete. Rund ein Drittel des Stromes stammt derzeit aus Windkraft, der Rest aus Wasserkraft sowie drei thermischen Kraftwerken. Auf Basis eines Kurses von 11,55 € ist EVN mit einem KGV 2015/16 von 13,1 und einem Kurs/Buchwert-Verhältnis von 0,74 günstig bewertet, zumal für das laufende Quartal positive Gewinnüberraschungen denkbar sind. Bereits in der 2. Dezemberhälfte einen Anstieg um vorübergehend rund 10 % zeigte Verbund, vor allem im Zuge der bevorstehenden Einigung mit der Energie Steiermark über sämtliche noch offenen Themen im Zusammenhang mit dem Fernwärmeliefervertrag aus dem Kraftwerkestandort Mellach. In diesem Zusammenhang erhöhte Verbund auch die Gewinnprognose für 2016. Dies dürfte aber bereits eingepreist sein. Was aber noch nicht eingepreist ist, wäre der erhöhte Strombedarf infolge der Kältewelle. Wer hingegen echte Schnäppchen unter den Versorgern sucht, wird alternativ zu Verbund bei der deutschen RWE (DE00070 37129) fündig, die auf Basis eines Kurses von 12,23 € mit einem für 2017 geschätzten Forward-KGV von 11,1 bewertet ist – und dies in einem äußerst schwierigen Umfeld. Hier  brachte der Börsengang der Tochtergesellschaft für erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb, innogy SE (DE000A2 AADD2 / Erstnotiz in Frankfurt am 7. 10. 2016) eine finanzielle Stärkung. Aus Bestandsverkäufen flossen RWE 2,6 Mrd€ zu. Die aktuellen Witterungsbedingungen in Europa könnten einen stärkeren Kursausbruch nach oben bewirken.

Erdöl & Erdgas-Werte

Neben diesen Versorgerwerten, sollte noch ein Blick auf den Öl&Gas-Konzern Total  (FR0000120271/Forward-KGV für 2017: 11,7 und Dividendenrendite von 5 %) sowie das weltgrößte Erdgasförderunternehmen, die russische Gazprom (US3682872078), geworfen werden. Vor allem in Russ-land herrscht nämlich eine besonders hartnäckige Kaltfront. Gazprom hat bereits 2016 eine Rekordmenge an Erdgas nach Europa und in die Türkei geliefert und gewinnt mit fortschreitender Dauer aktueller Wetterverhältnisse immer mehr an Bedeutung.

K+S – die „Streusalz-Aktie“

Von Glatteisgefahren hingegen profitiert der weltweit größte Salzproduzent, die deutsche K+S (DE000KSA G888). Derzeit wird nämlich, vor allem in Deutschland und Österreich, auf die Straßen Salz in rauen Mengen gepulvert. Hinzu kommt noch, dass sich die zweite Sparte des Unternehmens,  Kali- und Magnesiumprodukte, auf Expansionskurs befindet. Ende August 2016 startete die Inbetriebnahme der neuen Kali-Produktionsanlagen in Kanada, deren Kapazität bei 2 Mio Tonnen liegt und im Juli 2016 kündigte K+S die Übernahme eines chinesischen Herstellers von magnesiumsulfathaltigen Düngemitteln an. Der Aktienkurs des Unternehmens setzte im Oktober 2016 zu einer kräftigen Aufwärtsbewegung an. Auf Basis eines Kurses von 23,45 € ist K+S mit einem geschätzten Forward-KGV 2018 von 12,5 bewertet. Bedenkt man, dass zuletzt die Analysten ihre Gewinnprognosen nach oben revidierten, so besteht noch weiteres Kurspotenzial, zumal aus dem Salzgeschäft bald positive Meldungen kommen könnten.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

Emissionsflut der Unternehmensanleihen gibt zu denken

Zu Jahresbeginn werden hohe Volumina an Schuldverschreibungen platziert. Ein mögliches Endstadium einer Periode extrem niedriger Marktzinsen giert noch einmal nach Kapital.

Eine Reihe namhafter europäischer Konzerne wittert momentan offenbar ein letztes Fenster, sich eine historisch günstige Finanzierungsmöglichkeit zu sichern. Die Anleihen-Ausgabewelle mit beträchtlichem Volumen bereichert derzeit das Angebot am Markt.

Ein kleiner Überblick der Emissionen

BMW bietet laufende Schuldscheine von vier Jahren mit Zinssätzen von 0,125 % (ISIN: XS1548436556) sowie siebenjährige Papiere mit  0,75 % (XS1548436473) an. Die spanische Telefonica lockt mit 1,53-%-Kupons (XS1550951211). Auf den USD lautend, schielen Akteure auf fünfjährige Titel der Deutschen Telekom zu 2,82 % (USN27915AQ54).

Ebenfalls hoffen BASF (2,5 %, XS1551001768) und Nestle (2,375 %, XS1550117342), ihre Verbindlichkeiten zu günstigeren Währungsrelationen bis 2022 in der Leitwährung abtragen zu können.

Michelin saugt bei gleicher Laufzeit in der US-Valuta gar mit zinsenlosen Ausschüttungen Kapital auf (FR0013230745).

Allianz-Papiere (DE000A2DAH-N6) ziehen Investoren für eine zeitliche Dehnung bis zum Jahr 2047 mit knapp 3,1 % Ertrag an.  Der französische Autozulieferer Valeo (FR0013 230943) verspricht in diesem Segment 0,375 % bis 2023. Daimler füllt die Kasse mit mehreren Neuauflagen mit mehr als 3,5 Mrd€ auf.

Vorsicht bei Pfund-Bonds

Als relativ „heiß“ sind dabei die Daimler-Bonds zu sehen, die im britischen Pfund aufgelegt wurden (XS1550144072) und mit einem Kupon von 1,5 % ausgestattet sind – eine Spekulation, die für Anleger geeignet erscheint, die an keine nachhaltigen Folgen für die britische Wirtschaft durch einen Brexit glauben. Denn die immer noch geschwächte, älteste Währung hätte in diesem Szenario das Potenzial, satte Währungsgewinne zurückfließen zu lassen.

Zeichner als mögliche Verlierer?

Ein Trendbruch der Wirtschaftsdynamik der Vereinigten Staaten könnte eine eingeleitete Zinswende noch revidieren. Vieles deutet aber nun langfristig auf ein allmähliches Einschwenken in Richtung strafferer Strukturen an der Zinsfront und somit an ein Ende der extrem günstigen Finanzierungsbedingungen hin. Die Arbeitslosendaten über dem Atlantik (4,7 %) können grob bereits als „Vollbeschäftigung“ angesehen werden. Ein Lohndruck ist vorhanden. Die Gehälter zum letzten Monat des Jahres wurden annualisiert um 4,8 % „angetrieben“. Die Rendite der 10-Year-US-Notes hob sich jüngst deutlich vom Tiefststand ab und steht bei 2,4 %.

Historisch gesehen schlug die Zinsentwicklung in Europa stets am Bondmarkt durch – selbst ohne
direkten Eingriff der hiesigen Notenbanken in das Leitzinsgefüge. Deutschland, das ökonomische Zugpferd der Währungsunion, wies zuletzt ebenso eine überraschend hohe Dezember-Inflationsrate von 1,7 % zum Vorjahr auf – also auch hier Indikatoren, die einen Richtungswechsel anzeigen, obwohl die Kernrate (ohne Energie und Lebensmittel) deutlich darunter liegt. Es gesellte sich aber während dieser Periode in unserem Nachbarland eine BIP-Beschleunigung von 1,9 % hinzu.

Guter Zeitpunkt für Einstieg?

Aufgrund des höheren Risikoprofils am Unternehmensfinanzierungssektor reagiert der Markt bei anziehenden Zinskonditionen oft empfindlicher als bei öffentlichen Anleihen. Die Emissionen erheblicher Bond-Tranchen zur voraussehenden „optimalen“ Liquiditätseindeckung der Global Player markieren womöglich keinen guten Einstiegszeitpunkt für Anleger.           

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

Talentscouts für Milliardenmoleküle

Arzneimittelforschung ohne eigene finanzielle Risiken – das Geschäftsmodell der Hamburger Biotechfirma beginnt sich auszuzahlen. Die im TecDAX gelistete Aktie startet durch. Firmenchef ist ein gebürtiger Österreicher.

Das Schaulaufen für die Firmenchefs, Wissenschaftler und Investoren aus der Gesundheitsbranche findet jährlich in der zweiten Jännerwoche in San Francisco statt. Dann dient die Investorenkonferenz von J.P. Morgan als Forum für Präsentationen, Fachdiskussionen und Hintergrundgespräche. Dazu bewegen Firmen mit Ergebnissen von klinischen Studien oder ersten Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr die Aktienkurse. Und natürlich werden auf den Meetings auch Kooperationen eingefädelt.

Im Terminkalender von Werner Lanthaler ist der Mega-Event dick angestrichen. Der gebürtige Oberösterreicher, der als Kind Profifußballer werden wollte, arbeitete nach einem Master-Abschluss in Harvard bei McKinsey, ehe er 2000 ins Biotech-Business einstieg. Als Finanzvorstand von Intercell ging er in die Offensive und brachte den Wiener Impfstoffhersteller 2005 an die Börse. Als er 2009 in Hamburg das Steuer bei Evotec übernahm, galt es erst einmal den Ball flach zu halten und eine neue Strategie aufzusetzen. Das im TecDAX gelistete Unternehmen befand sich in der Krise. Klinische Studien mit eigenen Wirkstoffen etwa gegen Nikotinabhängikeit oder Alzheimer kamen nicht vom Fleck und verbrannten Cash.

Unter Lanthaler kehrte Evotec zu seinen Wurzeln zurück. Das 1993 gegründete Unternehmen steckt seine finanziellen Mittel nicht mehr in die eigene Medikamentenentwicklung. Stattdessen identifizie-ren Hightech-Analysesysteme biologische Wirkstoffe wie Proteine oder Antikörper auf ihre Fähigkeit, bestimmte Moleküle zu blockieren, die als Krankheitsauslöser eine Schlüsselrolle spielen. Zwei Millionen Moleküle aus der hauseigenen Bibliothek stehen dafür zur Verfügung.

Die Auftraggeber kommen aus der Pharma- und Biotechindustrie oder sind Stiftungen ohne eigene Forschungs-Infrastruktur. Gerade für die unter Patentabläufen und Preisdruck leidenden Pharmakonzerne bringt diese Auslagerung der Frühphasenforschung flexiblere Kostenstrukturen. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Deloitte sind die durchschnittlichen Kosten für die Entwicklung eines marktreifen Medikaments seit 2010 um ein Drittel auf 1,6 MrdUSD gestiegen. Im Gegenzug schrumpften die jährlichen Spitzenumsätze, im Branchenjargon Peak Sales genannt, von 816 auf 416 MioUSD.

„Unser Geschäftsmodell ist darauf ausgerichtet, zwischen akademischen Einheiten und der Pharmaindustrie einen Markt für Plattformen zur präklinischen Arzneimittelforschung zu schaffen, den es vorher so nicht gab“, so Lanthaler gegenüber dem Börsen-Kurier. Die Firmensparte EVT Execute identifiziert für die Auftraggeber Wirkstoffe. Die Partner sind für die Weiterentwicklung in klinischen Programmen verantwortlich und tragen dafür auch das volle finanzielle Risiko. Evotec erhält dafür in der Regel vertraglich festgelegte Vergütungen, bisweilen auch Meilensteinzahlungen und Umsatzbeteiligungen (Royalties), sollten diese Wirkstoffe in Zukunft die Marktzulassung schaffen.

Eine wesentlich größere Rolle spielen diese Meilensteinzahlungen und Royalties im zweiten Geschäftsbereich EVT Evaluate. Hier geht Evotec direkte Forschungsallianzen ein in Indikationen wie Stoffwechsel- und Entzündungskrankheiten, Nervenkrankheiten, Krebs, Schmerz und Infektionskrankheiten. Rund 70 solcher Programme hat Evotec derzeit am Laufen – und mit den zunehmenden klinischen Fortschritten bei den Partnern steigen die Einnahmen bei Evotec.

Jüngster Coup war die im Dezember abgeschlossene Kooperation mit der US-Biotechfirma Celgene. Hier bringt Evotec das firmeneigene Arsenal an Stammzellen ein, welche die Basis für Substanzen gegen Nervenleiden wie Alzheimer, Parkinson und Lähmungen des motorischen Nervensystems (Amyotrophe Lateralsklerose) bilden sollen. Die in diesen Krankheitsfeldern exklusive Allianz bringt Evotec 45 MioUSD an Vorabzahlungen – und weitere 250 MioUSD an Meilensteinzahlungen sowie Royalties im zweistelligen Prozentbereich. Weitere Kooperationen beziehen sich etwa mit Bayer auf Nierenerkrankungen oder mit dem französischen Pharmagiganten auf Krebspräparate.

Evotec arbeitet seit 2014 wieder profitabel und ist cashflowpositiv. Für eigene Zu-käufe ist die Gesellschaft mit liquiden Mitteln von zuletzt 110 MioE und einem Credit Rating bei den Banken gut gerüstet. Die Eigenkapitalquote lag zum 30. September bei 70,3 %. Den gerade abgeschlossenen Kauf der britischen Firma Cyprotex für 66 MioE stemmte Evotec ohne externe Finanzierung. Die Umsatz- und Gewinnziele für 2016 hat Evotec Lanthaler zufolge „komfortabel“ erreicht. Sollte Evotec langfristig die Mittelzuflüsse steigern, so lässt Lanthaler durchblicken, seien auch Dividenden ein Thema.

Den Börsianern gefällt die Firmenstory. Die Evotec-Aktie brach in den vergangenen Monaten aus ihrer mehrjährigen Seitwärtsbewegung aus. Mit einem satten Plus von 78 % schaffte sie am Ende die zweitbeste Jahresperformance unter allen TecDAX-Mitgliedern. Dementsprechend gestiegen ist auch das Interesse für Evotec im größten Gesundheitsmarkt USA. Eine Sache missfällt Lanthaler dennoch: „Obwohl wir vom Börsenwert mittlerweile die Milliardenmarke erreicht haben, sind wir für sehr viele der großen US-Fonds leider noch immer viel zu klein. Aber 2018 kommt ja die nächste J.P. Morgan Konferenz in San Francisco.“

Autor: Stefan Rieden (redaktion@boersen-kurier.at)

ATX: Mehr als 6 % Rendite pro Jahr seit 1991

In Wien weht ein frischer Wind. Im Interview spricht der neue Börse-Chef Christoph Boschan über seine Pläne.

Börsen-Kurier: Die Wiener Börse steht vor einer Reihe von Herausforderungen – wo werden Sie im angelaufenen Jahr Schwerpunkte setzen?

Christoph Boschan: Wir müssen den Marktteilnehmern die beste Infrastruktur zu wettbewerbsfähigen Konditionen anbieten. Daran werden wir auch in Zukunft arbeiten. Die Ausgangslage ist gut, denn die Wiener Börse ist mit Abstand Marktführer im Handel mit österreichischen Aktien. Das ist nicht mehr an allen Nationalbörsen der Fall. Die Wiener Börse bietet Anlegern im Handel mit österreichischen Aktien bei weitem die besten Ausführungspreise, die höchste Liquidität und die beste Informationsversorgung.

Börsen-Kurier: Mangelndes Finanzwissen, geringes Interesse am Kapitalmarkt und eine generell wirtschaftsfeindliche Stimmung, wie sie in Österreich zu beobachten sind, schaden der Wirtschaft und dem Finanzplatz. Welche Möglichkeiten sehen Sie für die Wiener Börse, hier zu einer Trendwende beizutragen?

Boschan: Es ist notwendig, die Attraktivität der Aktienanlage sichtbar zu machen. Trotz gelegentlichen starken Kursrückgängen warf der ATX seit 1991 im Schnitt mehr als sechs Prozent Rendite pro Jahr ab. Da kann keine andere Veranlagungsform mithalten. Das Problem ist, dass breite Bevölkerungskreise nicht von den Überrenditen profitieren, weil es an Finanzwissen fehlt. Zudem gibt es eine Vielzahl an Studien die unterstreichen, dass Länder mit entwickelten Kapitalmärkten schnelleres nachhaltiges Wachstum haben und sich auch von Krisen rascher erholen, wie man anhand der Entwicklungen in den USA sehen kann.

Börsen-Kurier: Die Bedeutung von Eigenkapital für Wachstum und Arbeitsplätze wird oft unterschätzt, auch von der Politik. Sehen Sie Chancen, die Diskriminierung von Eigenkapital (z. B. unterschiedliche Besteuerung von Fremdkapitalzinsen und Dividenden) zu beenden?

Boschan: Selbst in einem kleinen Kapitalmarkt wie Österreich hängt jeder zehnte Arbeitsplatz von einem börsenotierten Unternehmen ab und jeder in ein börsenotiertes Unternehmen investierte Euro multipliziert sich mit dem Faktor 2,5 für die gesamte Volkswirtschaft. Die Politik sollte diesen Argumenten spezielles Augenmerk schenken. Sie kann hier sehr viel bewegen, zum Beispiel in dem sie private Anleger von der Kapitalertragssteuer befreit, solange sie Aktien über einen gewissen Zeitraum halten. Der Durchschnittsbürger investiert ja aus seinem bereits versteuerten Arbeitseinkommen, das ist eine doppelte Besteuerung.

Börsen-Kurier: Welche Initiativen wollen Sie setzen, um IPOS an der Wiener Börse zu fördern? Glauben Sie, dass diese bereits 2017 zu einem Erfolg führen werden?

Boschan: Die Österreicher sind, was ihren Börseplatz betrifft, sehr selbstkritisch. Hierzulande wird die Attraktivität des Finanzplatzes oft an der Anzahl der neuen Börsegänge gemessen. Und an Delistings, die derzeit europaweit grassieren. Tatsächlich entwickelt sich die Wiener Börse weitgehend im Gleichgewicht mit dem europäischen Gesamtbild. Einzig die Marktkapitalisierung im Verhältnis zum BIP ist nur halb so groß wie in anderen entwickelten Ökonomien. Das zeigt, welches Potenzial noch vor uns liegt. Wir ziehen aber natürlich an allen möglichen Strängen und arbeiten intensiv an der Schulung börseinteressierter Unternehmen.

Börsen-Kurier: Welche Anstrengungen wird die Börse heuer unternehmen, um eine weitere Ausdünnung des (Aktien-)Kurszettels zu verhindern?

Boschan: Viele Unternehmen die einen Abgang in Erwägung ziehen, stoßen sich unter anderem am regulatorischen Umfeld. Für einige – oft kleinere – Betriebe wurde es einfach zu teuer. Aber hier steht Österreich nicht alleine da. Im vergangenen Jahr verließen acht Prozent der notierten Unternehmen die Deutsche Börse. Ähnliches gilt für die Schweiz und Großbritannien. Die Wiener Börse ist hier mit einer Quote von 5,6 % für 2015 also keine Ausnahme. Auf das regulatorische Umfeld können wir als Börse zudem nur begrenzt Einfluss nehmen. Als Börsechef verantworte ich die Infrastruktur des Börsenhandels. Wir sind keine Zwangsbeglückungseinrichtung. Ähnlich wie der Autobahnbetreiber die Straßen verlegt oder der Stromnetzbetreiber für funktionierende Leitungen sorgt, sind wir für die Infrastruktur des Börsehandels zuständig. Wir können nur begrenzt beeinflussen, wie viele Unternehmen ihre Aktien anbieten und wie viele Investoren daran Interesse haben.

Börsen-Kurier: Die Wiener Börse konnte 2016 eine große Zahl neuer Unternehmensanleihen-Notierungen verzeichnen. Könnte Wien so etwas wie ein internationaler Hub für Corporate Bonds werden?

Boschan: Es gibt Marktphasen für Eigenkapital- und Marktphasen für Fremdkapitalfinanzierung. Aktuell werden zwar weniger neue Aktien begeben, aber dafür jede Menge Anleihen. In diesem Bereich wird der Kurszettel der Wiener Börse deutlich länger. Vor allem ausländische Anleihen sind derzeit an der Wiener Börse am Vormarsch. 2016 war auch neues Rekordjahr hinsichtlich Anzahl und Volumen von neuen Unternehmensanleihen. Es gab bisher 41 Neuzugänge mit einem Gesamtvolumen von rund 7,2 Mrd Euro. Wien gewann zudem an Bedeutung als Börseplatz für internationale Anleihen. Erst im November wählte der deutsche Pharmakonzern BAYER die Wiener Börse als ihren einzigen Marktplatz für ihre 4 Mrd Euro schwere Unternehmensanleihe. Es ist der größte Corporate Bond, der je an die Wiener Börse gebracht wurde.

Börsen-Kurier: Und zuletzt eine Schätzfrage: Wo, glauben Sie, wird der ATX Ende 2017 stehen?

Boschan: Wie vorhin bereits erwähnt liegt meine Aufgabe als Börsechef darin, die Infrastruktur des Börsehandels zu gewährleisten. Die Prognose des ATX überlasse ich den zuständigen Experten.

Das Interview führten Marius Perger und Klaus Schweinegger (redaktion@boersen-kurier.at)

Positive Signale für Kursentwicklung

Der erfreuliche Grundtenor: Nach der beeindruckenden Jahresendrallye spricht auch im kommenden Jahr einiges dafür, dass der Wiener Blue-Chip-Index ATX so manchen internationalen Markt outperformen könnte.

Politische Börsen haben bekanntlich kurze Beine“, lässt Thomas Neuhold, Head of Austrian Equity Research des europäischen Finanzdienstleisters Kepler Cheuvreux, das vergangene Jahr Revue passieren: Weder Brexit, noch die Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten der USA oder Matteo Renzis „Arrivederci“ von der italienischen Regierungsbühne haben auf den internationalen Börsen Schockwellen ausgelöst. Es fand vielmehr eine massive Umschichtung in risikoreichere Werte statt, wie Christian Nemeth, CIO der Zürcher Kantonalbank Österreich, ergänzt: „Im Fokus stehen nun zyklische Sektoren und Finanzwerte.“

Überraschend ist jedenfalls, wie gut sich die Wiener Börse heuer im europäischen Vergleich geschlagen hat. Denn in Gesamteuropa hätten kleiner- bis mittelkapitalisierte Unternehmen, wie sie hierzulande das Börsenbild prägen, insgesamt nicht besser abgeschnitten als die großen Blue Chips, betont Nemeth.

Die Zahlen sprechen definitiv für sich: Während der ATX, das Spiegelbild der Kursentwicklung der 20 am meisten gehandelten Aktien mit dem höchsten kapitalisierten Streubesitz, bis 20. 12. 2016 um satte 9,7 % auf 2.630,32 Punkte zulegte – inklusive Dividendenausschüttungen sogar beachtliche 13 % -, schaffte der deutsche DAX „nur“ 3,5 % (6,8 %). Der Euro Stoxx 50 dümpelte gar bei 0,2 % (3,3 %). Auch der MSCI World hatte das Nachsehen mit 5,8 % (7,9 %), während der S&P 500 mit 11,1 % respektive 13,1 % dem ATX Paroli bieten konnte.

Günstige Rahmenbedingungen
„Dieses positive Kursmomentum sollte auch 2017 anhalten“, sagt Susanne Höllinger, Vorstandsvorsitzende der Kathrein Privatbank. Dafür sorge allein schon die Zusammensetzung des ATX mit seinem hohen Anteil an Energie-, Industrie- und Finanzwerten – jenen zyklischen Unternehmen, die vom anhaltenden globalen Wirtschaftsaufschwung profitieren sollten.

Dabei werden die Börsen von folgenden fünf Parametern geprägt sein, wie Stefan Maxian, Chefanalyst der Raiffeisen Centrobank, zusammenfasst: Erstens von einer steileren Zinskurve, sprich einer endlich wieder realistischen, größeren Zinsdifferenz zwischen kurz- und langlaufenden Anleihen. Das sei gut für Banken und Versicherungen sowie regulierte Versorger.

Zweitens von einer weiteren Aufwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro, was Exporte in die USA und entsprechend aufgestellte Betriebe begünstige.

Drittens von einem höheren Ölpreis; das wirke sich auf Unternehmen, die in Exploration und Förderung tätig sind, positiv aus.

Viertens von einer leichten Verbesserung des europäischen Makroumfeldes, speziell im Bereich Industrie und zyklischer Konsum.

Und fünftens von einem Lohnkostenanstieg in einigen osteuropäischen Ländern.

Hier wirkt die noch weitgehend ignorierte Dynamik der CEE-Länder eigentlich wie ein Turbo auf die Kursentwicklung der an der Wiener Börse notierten Unternehmen, schließlich haben so manche den „First-Mover-Advantage“ nach dem Fall der Berliner Mauer Ende 1989 geschickt zu nutzen gewusst. Deren Affinität zu den ehemaligen Kronländern wird von den institutionellen Investoren zwar je nach Konjunkturlage und Stimmung als Fluch oder Segen gesehen, aber gerade diese Anlegergruppe, die knapp zwei Drittel der heimischen Börsenumsätze bestimmt und zu drei Viertel international verankert ist, wird als stabilisierender Faktor sehr geschätzt: Laut einer Erhebung vom Juni 2016 schichten 92 % ihr Portfolio nur selten (58,5 %) bis moderat (33,5 %) um.

Osteuropa wird jedenfalls langsam wieder positiv wahrgenommen, konstatiert  Wolfgang Matejka, Chief Investment Officer der Wiener Privatbank SE. Gleichzeitig werde „das globale Wachstum mit starkem Momentum in den USA und Europa sowie einer chinesischen Volkswirtschaft im Erholungsmodus wieder glaubhaft, auch weil Inflation mittlerweile passiert.“ Das ließe sich an den zuletzt stark angezogenen Produzentenpreisen bequem ablesen.

Solide Basis
Christoph Schultes
, Senior Analyst und Wiener-Börse-Spezialist der Erste Group, ist ebenfalls davon überzeugt, dass „der eher zyklische ATX-Index durchaus Chancen für jene bietet, die an das Reflationsszenario glauben, zumal die Bewertung mit einem erwarteten Kurs-/Gewinnverhältnis von 13,9 für 2017 und 12,1 für 2018 noch ziemlich günstig ist.“ Dem CEE-Bonus der heimischen Unternehmen komme dabei besonderes Augenmerk zu, schließlich würde rund ein Drittel der ATX-Umsätze im Osten erwirtschaftet. Dort, wo für 2017 und 2018 mit 3 % respektive 3,2 % ein wesentlich dynamischeres Wachstum als in der Eurozone mit jeweils 1,7 % zu erwarten sei (die Schätzung umfasst Kroatien, Slowenien, Ungarn, Polen, Rumänien, Serbien, Tschechien und die Slowakei) – und das relativ unabhängig von den großen Schwellenländern etwa Lateinamerikas oder China. Zudem profitiere die Region von gesunden Leistungsbilanzen, ausreichenden Fremdwährungsreserven und geringen Exportquoten nach Großbritannien.

Auch Christoph Olbrich, Leiter des Aktienfondsmanagements der Bank Gutmann, geht zuversichtlich ins neue Jahr: „Wir rechnen mit einem weiteren Anziehen der Gewinnerwartungen. Entscheidend ist, dass die Gewinne nicht wie so oft in den letzten Jahren aus effizienzsteigernden Maßnahmen kommen, sondern aus dem Umsatzwachstum.“ Zudem sollte die langsame Normalisierung der Zinslandschaft und der Inflationserwartungen den Unternehmern wieder genügend Vertrauen für Neuinvestitionen geben.

Ein Indexplus von sechs, 7 % erwartet Alois Wögerbauer, Geschäftsführer 3-Banken-Generali Investment-GmbH, daher für 2017 – was umso realistischer sei, als „dies der Gewinnentwicklung der Unternehmen entsprechen würde“.

„Wie in fast jedem Jahr ist mit einem guten Stock-Picking in Wien gutes Geld zu verdienen“, resümiert Neuhold von Kepler Cheuvreux, der mit dem Top-Performer 2016 Lenzing auch heuer durchstarten will: „Die Aktie hat dank externer Faktoren wie steigende Viskosepreise und starkem US-Dollar sowie interner Faktoren wie dem Fokus auf Produkte mit höherer Marge und straffe Kostenkontrolle noch deutliches Gewinnpotential.“

An Aktieninvestments führt in Summe auch 2017 kein Weg vorbei, zu unattraktiv sind hierzulande die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen mit nicht einmal 0,5 %. Zu verlockend andererseits die durchschnittliche Dividendenrendite von 3,3 % für 2017, gar 3,8 % für 2018 der Wiener Börse. Ob die politischen Börsen allerdings auch heuer „kurze Beine“ haben werden, wird sich erst weisen – stehen mit den Wahlen etwa in Italien, Frankreich, Deutschland oder Holland doch richtungsweisende Weichenstellungen bevor.

Autorin: Mag. Caroline MIllonig (redaktion@boersen-kurier.at)

Die Hoffnung auf die Geldflut

Es hat mehr als 17 Jahre gedauert, bis der Dow Jones von 10.000 auf 20.000 Punkte gestiegen ist. Heute wie damals haben sich die Händler auf dem Parkett Baseballkappen mit der markanten Zahl drucken lassen. Die Stimmung von heute lässt sich mit der Dynamik von damals aber nur bedingt vergleichen. Heute sind die Kappen eher ein Gag. Damals lag Euphorie in der Luft.

Es war ein Montag, der 29. März 1999, als der Dow Jones erstmals in der Geschichte die 10.000 Punktemarke sprengte. Es war die Hochphase des Dot.com-Booms. Fast täglich kamen neue Firmen an die Börse. Die Kurse zogen unaufhaltsam von Rekord zu Rekord. Die Börsengänge wurden mit wilden Partys gefeiert. Das Kursgewinnverhältnis der im Nasdaq Composite notierten Unternehmen stand im März 2000 bei rund 175. Dann platzte die Blase.

Heute nehmen die wenigen verbliebenen Händler auf dem New Yorker Parkett die Rekorde wesentlich gelassener, fast beiläufig zur Kenntnis. Dabei kann sich die Rallye durchaus sehen lassen. Nach der Finanzkrise brach der Dow Jones im März 2009 auf 6.500 Punkte ein. Seitdem haben sich die Kurse mehr als verdreifacht.

Bietet die momentane Coolness den Nährboden für weitere Rekorde? Manche Analysten sehen den Dow Jones Industrial Average nicht nur bei 21.000 sondern bereits bei 24.000 Zählern. Die Portfoliomanager von First Trust halten es nicht für ausgeschlossen, dass der Dow in diesem Börsenjahr bis auf 23.750 Punkte ziehen könnte.

Woher kommt die waghalsige Prognose? First Trust ist der Meinung, dass mit den steigenden Energiepreisen die Gewinne der Energieunternehmen kräftig anziehen werden. Entsprechend Luft nach oben gebe es für die Kurs-Gewinn-Verhältnisse.

Für kräftigen Auftrieb hat die Wahl von Donald Trump gesorgt. Die Aussicht auf fallende Steuern und weniger Regulierung haben Blue Chips innerhalb weniger Wochen rund 1.400 Punkte gebracht. Der frischgekürte Präsident will den US-Unternehmen die Möglichkeit einräumen, ihre im Ausland erzielten Gewinne günstig zurückzuführen. Derzeit liegt die Unternehmenssteuer in den USA bei 35 % (wobei in der Realität mit Sicherheit andere Konditionen gelten. 15 bis 20 % dürften realistischer sein). Zu diesem Satz sind Konzerne wie Apple nicht bereit, ihr Geld zurückzuholen. Sollte Trump den Unternehmen tatsächlich günstige Optionen einräumen, könnten zig Milliarden Dollar in die USA fließen, so der Glaube. Corporate America könnte alleine durch die Rückholaktion in diesem Jahr mehr als 1 Bio USD (mehr als 1.000 MrdUSD) in Form von Dividenden oder Aktienrückkaufprogrammen an Aktionäre ausschütten. Das hat zumindest Howard Silverblatt, Senior Index Analyst von S&P Dow Jones Indices, ausgerechnet.

Seit 1977 arbeitet Silverblatt bei Standard & Poor’s. Im Mai feiert er sein 40-jähriges Jubiläum. In diesen 40 Jahren gab es für den S&P 500 einen durchschnittlichen Kursanstieg um 8,29 %.

Rückblick auf 2016
Das Jahr 2016 hatte alles andere als gut begonnen. In der ersten Jännerwoche knickte die Wall Street um knapp 6 % ein. Bis Mitte Februar waren die Kurse rund 10,5 % gefallen. Im Jahresverlauf wurden sämtliche politischen Erschütterungen wie der Brexit in New York ignoriert. Auf Jahressicht steht für den S&P ein Plus von 9,54 % (knapp 12 % inklusive Dividenden).

Ausblick
Für 2017 rechnen viele Analysten mit einer Fortsetzung des Aufwärtsstrends – wenn auch nicht unbedingt im gleichen Ausmaß wie im vergangenen Jahr. Die Experten von Goldman Sachs erwarten einen Anstieg um rund 5 %. Laut Goldman werde die Hoffnung die Kurse stützen. Doch im Jahresverlauf könne diese Hoffnung durch Angst und höhere Zinsschritte abgelöst werden. Dann könnte eine größere Korrektur einsetzen.

Zu den wenigen Skeptikern gehört auch Merril Lynch (die im Herbst 2008 von der Bank of America gerettet werden musste). Merrill warnt vor „Bad Trump“. Was passiert, wenn der neue Präsident seine Wahlversprechen doch nicht so leicht umsetzen wird. Und vor allem was passiert, wenn Trump einen protektionistischen Kurs fährt. Das könnte Unternehmen wie Boeing, die stark vom China-Geschäft abhängen, Schwierigkeiten bereiten. Die Handelsblockaden dürften zudem die Inflation in den USA deutlich antreiben. Die Notenbank müsste entsprechend mit stärkeren Zinserhöhungen antworten. Und sollte sich die Dollarstärke fortsetzen, würde das die Gewinne der multinationalen US-Unternehmen schwächen. Die neue Berichtssaison begann am 9. Jänner.

Der Bullenmarkt in New York geht ins neunte Jahr. Laut Sam Stovall, Analyst bei CFRA und wandelndes Börsenlexikon, dauert ein Bullenmarkt historisch betrachtet drei bis vier Jahre. Je älter die Bullen werden, desto instabiler sind sie auch. Es ist zu erwarten, dass die Volatilität zunehmen wird. Stovall hält ein Durchschnaufen von 5 bis 10 % für möglich. Eine Rezession erwartet er aber nicht. Entsprechend denkt der Analyst nicht an eine starke Korrektur oder gar einen Bärenmarkt. 

Autor: Jens Korte (redaktion@boersen-kurier.at)

Wachstumsprognosen könnten steigen

Die Weltwirtschaft wächst wieder stärker. Im Gegenzug schwächt sich der Rückenwind von der Zinsseite für die Kapitalmärkte ab. (19.12.)

Die Aktienmärkte zeigten in den vergangenen Wochen eine erstaunliche Widerstandskraft. Weder die unsicheren Aussichten einer Wirtschaftspolitik unter Donald Trump noch das verlorene Verfassungsreferendum in Italien erhöhten die Verkaufsbereitschaft der Anleger. Ist dies nur die Ruhe vor dem Sturm oder setzt sich die neue Aufwärtsbewegung fort?

Geld- und Fiskalpolitik zeigen Wirkung
In der Tat haben sich die Rahmendaten verschoben. Bereits ohne den politischen Wechsel in den USA wächst die Weltwirtschaft seit dem dritten Quartal wieder dynamischer. Eine expansive Geldpolitik im Zusammenspiel mit stärkeren fiskalpolitischen Maßnahmen zeigt vor allem in einigen asiatischen Ländern ihre Wirkung.

So erreichte in China die Stimmung des Industrie- und Dienstleistungssektors den jeweils höchsten Stand seit zwei Jahren. In Japan überschritt das Wachstum im dritten Quartal wieder die Marke von zwei Prozent. Der kräftige Anstieg der Rohstoffpreise hat die heftige Rezession in Brasilien und Russland gestoppt. In der Eurozone konnte sich insbesondere Frankreich aus der Wachstumsagonie der Vorjahre befreien.

Besonders eindrucksvoll gelang allerdings in den USA die Wachstumswende. Mit gut drei Prozent fiel das Wachstum im dritten Quartal stärker aus als in den drei Vorquartalen zusammen. Unter einer Regierung Trump könnte sich das Momentum nochmals beschleunigen. Werden die angekündigten Steuersenkungen und Infrastrukturmaßnahmen tatsächlich umgesetzt, ist eine weitere Beschleunigung der Dynamik 2017 und 2018 um rund ein Prozent möglich.

Für die Wachstumsprognosen kündigt sich weltweit eine ungewöhnliche Überraschung an. Erstmals seit der Finanzkrise dürften die Erwartungen für die Folgejahre nicht gesenkt, sondern angehoben werden. Eine bessere Konjunktur hat jedoch oft auch eine negative Konsequenz für Kapitalmärkte: Der Rückenwind von der Zinsseite schwächt sich ab.

Im aktuellen Umfeld dürften die Notenbanken jedoch vorsichtig handeln. Selbst in den USA liegt die Kerninflationsrate trotz vollausgelastetem Arbeitsmarkt knapp um die Zielmarke von zwei Prozent. Die Notenbank Fed dürfte dem Zinsschritt im Dezember daher 2017 nur wenige Erhöhungen folgen lassen. Von der Europäischen Zentralbank (EZB) sind allenfalls kosmetische Korrekturen zu erwarten. Gerade erst wurde das Ankaufprogramm bis Ende 2017 verlängert. Zum einen soll die Inflation nach Prognosen der EZB selbst 2018 noch immer deutlich unter der Zielmarke von zwei Prozent liegen. Zum anderen droht angesichts der politischen Unsicherheiten in Italien ohne die Stützungskäufe der EZB eine Neuauflage der Eurokrise.

Europa und Japan übergewichten
Die immer extremere Expansionspolitik der Notenbanken ist daher zwar zu Ende, das Niedrigzinsumfeld bleibt aber erhalten. Die geringe laufende Verzinsung macht vor allem Staatsanleihen unattraktiv. Der Aufwärtstrend an den Aktienmärkten könnte sich hingegen fortsetzen. Die generelle Übergewichtung der Aktienposition sollte sich vor allem auf die Börsenplätze Europa und Japan konzentrieren. Hier fällt eine günstige Bewertung nach wie vor mit anhaltend niedrigen Zinsen zusammen.

Ein Kommentar von Christian Heger, Chief Investment Officer bei HSBC Global Asset Management (Deutschland)

Der Wintercheck für Ihr Depot

An eine Optimierung und Neuausrichtung des Depots angesichts möglicher Veränderungen 2017 sollte gedacht werden. Der Börsen-Kurier gibt dazu wichtige Impulse.

Überteuerte US-Aktien, steigende Zinsen, die Rückkehr der Inflation und zunehmende handels- und geopolitische Unsicherheiten, mit diesen Rahmenbedingungen müssen Anleger derzeit leben. Vor allem die politischen Einflussfaktoren könnten für Verunsicherung sorgen: So entscheidet sich nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump am 20. Jänner, ob er tatsächlich hohe Strafzölle auf mexikanische und chinesische Produkte verhängt und auch wie sein geplantes Infrastrukturprogramm umgesetzt wird. Hinzu kommen 2017 Wahlen in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland. Angesichts politischer Risiken sollte man vor allem in der ersten Jahreshälfte einen höheren Cashanteil (bis zu mehr als 30 % des Portfolios) halten, denn dies sichert Handlungsfähigkeit in Sondersituationen.

Was reduzieren oder verkaufen?
Aufgrund steigender Renditen sollten langlaufende Staatsanleihen und Investmentgrade Corporate Bonds aus den entwickelten Volkswirtschaften gemieden werden. Auch High Yield Corporate Bonds sollten reduziert werden. Nachdem im Energiesektor die Spreads wieder zurückgingen und im BofA Merrill Lynch US High Yield Master II Index die Renditeabstände zu US-Treasuries am 15. 12. 2016 mit 4,20 %-Punkten den tiefsten Stand seit September 2014 erreichten, ist das Gewinnpotenzial begrenzt. Vorsicht auch bei EM-Bonds: Steigende Dollar-Zinsen können in manchen Schwellenländern zu massiven Kapitalabflüssen und Flucht in den US-Dollar führen. Sobald es erneute Rückschläge an den Anleihen- und Aktienmärkten der Schwellenländer gibt, kann hier antizyklisch über EM-Bond-Lokalwährungs-Fonds und breit gestreute EM-Aktienfonds ein günstiger Einstieg erfolgen.

Ebenfalls reduziert werden sollten US-Aktien. Das 12-Monats-Forward-KGV im S&P 500 liegt Mitte Dezember mit 17,1 weit über dem 10-Jahres-Durchschnitt von 14,4. Ob wirklich eine Beschleunigung des Gewinnwachstums der S&P-500-Firmen auf 11,2 % (FactSet-Konsens) im 1. Quartal 2017 (4. Quartal 2016 nur +3,2 % erwartet) eintritt, bleibt abzuwarten.

Was kaufen und übergewichten?
Aktien des Euroraums können übergewichtet werden. Mit einem Forward-KGV von 15,3 günstiger als der US-Markt bewertet sind nämlich die Werte des Euro-Stoxx-50-Index, die teilweise auch vom starken Dollar profitieren. Innerhalb Europas etwas stärker gewichtet werden können der niedergeprügelte italienische Aktienmarkt und Österreich. Zusätzliche Chancen bieten wegen steigender Öl- und Rohstoffmärkte Kanada und Australien, während in Japan zwar das Konjunkturprogramm der Regierung optimistisch stimmt, aber eine Zurückhaltung der Notenbank bei weiteren Wertpapieraufkaufprogramme als Bremse wirken könnte. Daher: Japanische Aktien gut selektieren und Japan neutral gewichten.

Von den Branchen her sollten global Öl&Gas, Ölfeldausstattung, Rohstoffgewinnung, Baumaterialien, Baumaschinen und Bergwerksausrüstung neben Großunternehmen der Bauindustrie (profitieren von Infrastrukturprogrammen) übergewichtet werden. In Europa kann noch an der Aufholjagd der Banken- und Versicherungswerte partizipiert werden. Wegen der Rückkehr der Inflation können erste Positionen in Inflationsschutz-Anleihenfonds aufgebaut werden. Gold- und Silberminentitel hingegen sollten erst bei erkennbarer Bodenbildung oder bei Goldpreisen von unter 1.050 USD/Unze akkumuliert werden.

Darüber hinaus sollte auch auf die Transaktionskosten geachtet werden. Ein Brokervergleich könnte sich lohnen und als Alternative zu Fonds bieten sich oft kostengünstige ETFs.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

Vorsorgen mit Dividendenaktienfonds

Aktien von Unternehmen mit solider Ausschüttungspolitik sind heute ein wertvoller Baustein im Portfolio. Und das hat gleich mehrere Gründe.

Wer sein wohl verdientes Geld in Aktien anlegt, tut dies in der Regel aus einem simplen Grund: Er hofft auf satte Erträge aus dem investierten Kapital. Dass die erzielbare Rendite nicht nur vom potenziellen Gewinnwachstum abhängt, wird dabei gerne übersehen. Auch die Bewertung der einzelnen Anlageklassen verschiebt sich laufend.

Zu diesen beiden Performancetreibern gesellt sich die Dividende – als der vielleicht nachhaltigste Wachstumsindikator.

Mathematik & Disziplin
Wie wenig attraktiv Rentenveranlagungen derzeit sind, bringt Denise Kißner, Investmentspezialistin für aktives Aktienmanagement der Deutsche Asset Management International GmbH, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier auf den Punkt: „Es fehlt auf der Anleiheseite nicht nur der Zins, sondern vor allem der Zinseszinseffekt.“ Also jenes wohltuende Ergebnis einer über Jahre hinweg jeweils wiederveranlagten Coupon-Ausschüttung, das die ursprünglich investierte Summe wie von Zauberhand vermehrt – was beim gegen-wärtigen Zinsniveau rund um die Nulllinie illusorisch geworden ist.

Dividendeninvestments hätten hingegen immer einen besonderen Charme, so Kißner: „Es ist bewiesen, dass langfristig rund die Hälfte des Gesamtertrages aus Aktienveranlagungen aus reinvestierten Ausschüttungen kommt.“ Das ließe sich etwa am deutschen Börsenindex DAX, einem reinen Performanceindex, klar ablesen: „Ohne wieder veranlagten Dividenden steht der DAX heute bei rund 5.800 Punkten, inklusive bei knapp 11.000.“ Dazu kommt, dass die Dividendenrenditen längst die Verzinsung vieler Anleihen übersteigen, wie Paul Varga von Deka Investments vorrechnet: „Die DAX-30-Dividendenrendite liegt bei rund 3,5 %, die 10-jährige deutsche Bundesanleihe dümpelt bei 0 % herum.“

Der Gewinnausschüttung kommt bei Aktienveranlagungen also eine Schlüsselrolle zu. Zu Recht, verrät sie doch einiges über die Unternehmenspolitik, wie Stuart Rhodes, Fondsmanager des M&G Global Dividend Fund, uns gegenüber meint: „Dividenden sind der ultimative Beweis für die Finanzdisziplin eines Unternehmens und dessen uneingeschränktes Bekenntnis zum Shareholder Value.“ Soll heißen: Manager, die auf das Wohl der Aktionäre schauen und sie laufend mit steigenden Gewinnauszahlungen beglücken, schaffen die besten Voraussetzungen für ein nachhaltiges Wachstum. Aus einem ebenso einfachen wie stichhaltigen Grund: Dividendenausschüttungen sind für sie genauso wichtig wie Investitionen. Und das bedeutet, dass die verfügbaren Barmittel mit Bedacht aufgeteilt werden und nicht geirrlichtert, sondern nur in die vielversprechendsten Projekte investiert wird. Ein derartiges Geschäftsmodell ist die optimale Basis für eine solide Preismacht – und somit eine starke Wettbewerbsposition.

Damit gebe es nachvollziehbares Potenzial sowohl für die Steigerung von Umsatz und Gewinn, als auch der Dividende, was Anleger obendrein vor einer möglichen Inflation schützt, ergänzt Thomas Loszach, Leiter der Österreich-Niederlassung von BlackRock, dem weltweit größten Vermögensverwalter.

In Summe gilt es das Augenmerk weniger auf die Höhe, sondern vor allem auf die Kontinuität und das Wachstum der Dividendenausschüttungen zu legen, wie Christoph Olbrich, Leiter des Aktienfondsmanagements der Bank Gutmann, festhält. Dabei müsse nicht nur die Balance zwischen Wachstumsinvestitionen und Dividendenzahlungen stimmen: „Entscheidend für uns ist, dass beides aus dem erwirtschafteten Free Cashflow und nicht aus der Substanz finanziert wird.“ Wohlgemerkt: aus den verfügbaren Barmitteln und nicht aus dem zuweilen kreativ gestaltbaren Gewinn, wie es bei der Titelselektion von Dividendenaktien Tradition ist.

Chancen & Risiken
Die Dividendenrendite sollte jedenfalls immer in Relation zur Ausschüttungsquote gesetzt werden, wie Natalia Wolfstetter, Direktorin der Fondsanalyse beim unabhängigen Analysehaus Morningstar, betont: „Hohe Auszahlungen können zum einen Kursverluste nicht immer ausgleichen, zum anderen sind sie oft ein Warnsignal für bevorstehende Dividendenkürzungen.“ Speziell dann, wenn die Berechnung irreführend ist, weil sie auf der letzten Ausschüttung und einem mittlerweile stark gefallenen Kurs basiert. Es sei jedenfalls sinnvoll, auf mittelhohe Renditen bis zu rund 5 % zu achten, zumal da die gewünschten Risikoreduzierungseigenschaften mittelfristig besser zum Tragen kämen – sprich: Puffereffekt im Portfolio dank vergleichsweise geringerer Schwankungsbreite und Verlustbegrenzung in Abwärtsphasen.

Diesem Anspruch wurden europäische Dividendenfonds selbst heuer, da sie Federn
lassen mussten, gerecht: Auf Dreijahresbasis gab es im reinen Kursindex MSCI-Europe-Net-Return eine Volatilität von 12,8 %, im Euro-Stoxx-50-Net-Return gar eine von 14,9 %, während der Sektorschnitt bei 11,7 % lag. Noch eindrucksvoller der maximale Kursverlust über drei Jahre: minus 16 % respektive minus 18,9 % im Vergleich zu minus 14,1 %. Dass europäische Dividendenfonds seit Jahresbeginn bis Ende Oktober Nettomittelabflüsse von 678,9 Mio Euro verzeichnen mussten (minus 2,7 %), sei, so Wolfstetter auf Nachfrage des Börsen-Kurier, vor allem auf Fonds mit Schwerpunkt Großbritannien zurückzuführen: „Mit einem Minus von satten 3,8 Mrd Euro hat der Brexit tiefe Spuren hinterlassen.“

Parallel dazu ist bei den weltweit agierenden Fonds mit einem Nettomittelzufluss von plus 2,3 % auf 1,7 Mrd Euro relative Stärke zu beobachten. „Globale Fonds haben den Vorteil, dass sie branchenunabhängig über internationale Unternehmen und  Konjunkturzyklen hinweg investieren“, erklärt uns dazu Stephen Thornber, Fondsmanager bei Columbia Threadneedle. „Das bietet Diversifikation und federt das Portfolio in Abwärtsphasen ab.“

Praxis
Tatsache ist, dass Dividendenaktienfonds in der Regel keiner Benchmark folgen und sich die Produkte in ihrem Investmentansatz durchaus von 08/15-Fonds unterscheiden.

Der Primus unter den globalen Dividendenfonds, Newton, sowie der ebenfalls von Newton verwaltete Drittgereihte, BNY Mellon, werden unter dem selben Dach mit dem selben Ansatz geführt. Beide blicken auf vier Quartale Outperformance, wie Fondsmanager Nick Clay dem Börsen-Kurier berichtet: „Wir setzen auf solide Bilanzen, vorhersehbare Cashflows und Unternehmen mit klarer internationaler Ausrichtung – auch aus Großbritannien, die von der Pfund-Abwertung nach der Brexit-Wahl besonders stark profitiert haben.“ Essentiell für den Investmenterfolg sei für BNY aber auch eine klare Kauf- und Verkaufsstrategie: „Investiert wird nur in Aktien, die mindestens eine um 25 % höhere Dividende ausweisen als der Index, verkauft wird, sobald der Ertrag unter den Marktschnitt fällt.“

Auch der DWS Top Dividende und der Deutsche Invest I Top Dividende werden mit den selben Titeln bestückt, wie Kißner betont: „Der einzige Unterschied liegt darin, dass der Top Dividende ein deutsches, der andere ein Luxemburger Sondervermögen ist und somit eine leicht unterschiedliche Kostenstruktur hat, und dass die Wertfeststellung zeitlich differiert.“  Mit rund 18 respektive 4,6 Mrd Euro zähle die Fondsfamilie jedenfalls zu den ältesten und größten der Morningstarkategorie, an der sie mittlerweile einen Anteil von rund einem Drittel hält. Die Größe des Fondsvolumens sei dabei kein Problem, weil allein schon vom Investmentansatz her ausschließlich in sehr liquide Unternehmen mit  einer durchschnittlichen Marktkapitalisierung von aktuell rund 90 Mrd Euro investiert werde: „Wir verfolgen eine äußerst konservative, rein fundamentale Strategie. Das zeigt sich auch daran, dass wir die Aktien im Schnitt fünf Jahre im Portfolio halten.“

Ganz im Gegensatz etwa zum UBS Global High Dividend, dessen Umschlagshäufigkeit bei nur zehn Monaten liegt: „Wir wollen auch kurzfristige Tradingchancen nutzen, halten aber Core-Holdings sehr wohl länger im Portefeuille“, erklärt Portfoliomanager Patrick Zimmermann, wobei das Umschichten dank des liquiden Marktsegments sehr günstig sei. Auch dass in rund 100 Titel investiert werde, unterscheidet ihn vom sehr konzentrierten DWS-Pendant mit cirka 60 Positionen, wobei in beiden die jeweiligen Anteile zur Risikominimierung gleichgewichtet sind. Die mit 4,12 % zweitbeste Jahresperformance per 21. 11. 2016 verdankt der stets voll investierte UBS-Fonds im Übrigen der substantiellen Allokation in defensiven Firmen mit Domizil in den USA, Kanada und Brasilien.

Seit Juli veränderte Bedingungen
Dividendenaktien haben sich jedenfalls bis Juli großteils besser als die übrigen Marktsegmente geschlagen, berichtet Olbrich: „Als dann speziell Banken und Rohstoffwerte deutlich zugelegt haben, kam es zu einer Rotation, bei der sich jene Sektoren mit weniger stabilen Dividenden besser entwickelten.“ Und jenen Fonds Performance gekostet hat, die eher auf defensive Unternehmen wie etwa aus dem Nicht-Zyklischen Basiskonsum setzen, aber durchaus attraktiv sind: „Die haben zumeist eine starke Präsenz in den Schwellenländern aufgebaut und profitieren somit von der stabilen, gewinnbringenden Marktpositionen in den entwickelten Märkten und den guten Wachstumschancen in den Emerging Markets“, so der Gutmann-Fondsmanager. Auch die BlackRock-Fonds sind eher defensiv aufgestellt: „Banken oder Rohstoffe sind tabu, da fehlt uns einfache die Visibilität“, sagt Loszach.

In Summe ist also Dividende nicht gleich Dividende. Der Anleger sollte den Investmentansatz folglich genau hinterfragen. Und etwa darauf achten, ob das Unternehmen auch tatsächlich die Dividende in cash oder in Aktien auszahlt beziehungsweise ob in den Statuten ein Wahlrecht besteht: „Es nützt uns nichts, wenn 7 % auf dem Papier steht und die dann nicht ausgezahlt werden“, sieht Kißner den neuen Trend kritisch. Soeben schüttete der Top Dividende jedenfalls rund 460 Mio Euro an seine Anleger aus – um rund 100 Mio Euro mehr als im Vorjahr: Seit Auflage im Jahr 2003 liegt die durchschnittliche Ausschüttungsrendite damit bei 3,5 %.

Der Vermögensaufbau mit Divendendenfonds ist jeden-falls eine sehr attraktive Sache, die bei uns in Kontinentaleuropa erst noch so richtig Fuß fassen wird, ist Thomas Loszach überzeugt. Aber auch in der Absparphase haben sie durchaus ihre Berechtigung wie die angelsächsischen Länder vorexerzieren: „Mit der thesaurierenden Variante nutze ich den Zinseszinseffekt in der Veranlagung, mit der ausschüttenden Variante kann ich meine Pension dank der Dividendenzahlungen aufpeppen und das Kapital weiter für mich arbeiten lassen.“

Autor: Mag. Caroline Millonig (redaktion@boersen-kurier.at)

Erste grüne Staatsanleihe kommt aus Polen

Vergangene Woche gab Polen erfolgreich die erste grüne Staatsanleihe der Welt aus. Der polnische Staat will umweltfreundliche Investitionen mit dieser neuen Quelle finanzieren. Die größten Ankäufer waren deutsche und österreichische Investoren.

Polen führte die erste grüne Staatsanleihe-Emission der Welt erfolgreich durch. Dem polnische Staat gelang der Verkauf von Anleihen im Wert von insgesamt 750 Mio Euro; das ist wesentlich mehr als die geplanten 500 Mio Euro. Die Emission war dreifach überzeichnet, die Nachfrage betrug rund 1,5 Mrd Euro. Die Laufzeit der Anleihen beträgt fünf Jahre. Die Rendite entspricht der Durschnittsrendite ähnlicher polnischer Staatsanleihen plus 48 Basispunkte – weniger als die geplanten 60 Basispunkte.

Grüne Anleihen bedeuten einen noch kleinen, aber sich dynamisch entwickelnden Teil des globalen Anleihenmarkts. Laut Schätzung der Climate Bonds Initiative lag das Emissionsvolumen von grünen Anleihen in diesem Jahr weltweit bei 77 Mrd USD. Rund ein Viertel der Emittenten waren Unternehmen sowie Entwicklungsbanken mit einem staatlichen Hintergrund, Polen ist der erste Staat unter den grünen Papier-Verkäufern. Polen überholte damit Frankreich, Luxemburg und Nigeria, die in diesem Jahr ähnliche Premieren vorhatten. Bspw. Frankreich kündigte im September den Verkauf einer grünen Staatsanleihe an, aber der Nachricht folgte keine Aktion.

Es ist überraschend, dass Polen das Rennen gewann – fanden die von Bloomberg gefragten Experten. Das Land stand nämlich im Streit mit der Europäischen Union aufgrund des Themas Umweltschutz. Polen initiierte kürzlich ein Gesetz, dass die Installation der Windkraftwerke im Land erschwert. Das Ziel ist die Verteidigung des Kohlenbergbaus, welches ein weiterhin wichtiger Industriezweig ist.

Mindestens 55 % des Primärenergiebedarfs des Landes und 92 % der Stromerzeugung basieren auf Kohle – so der aktuelle Bericht der IAE (Internationale Energieagentur). Andererseits unterschrieb Polen die Pariser Klimakonvention und verpflichtete sich zur Verminderung der Schadstoff-emission. Potentielle Investoren zeigten sich daher während der Roadshows wegen der halbherzige Haltung der polnischen Regierung skeptisch. Um die Sorgen der Investoren zu mindern, betraute die Regierung eine unabhängige Analystenfirma, Sustainalytics, mit der Qualifikation des Regelsystems der polnischen grünen Anleihe-Emission. Die Analysten nannten das System transparent, stark und authentisch. Sie stellten fest, dass die Rahmenbedingungen den Forderungen der grünen Anleihen-Regelungen der ICMA (Internationale Capital Market Association) erfüllten, schreibt zumindest das Magazin moderninvestor.com.

Die führende Bank bei der Emission war die HSBC. Sie übernimmt die Verantwortung, dass die Erlöse vom Verkauf der grünen Anleihe nur für umweltfreundliche Zwecke verwendet werden.

61 % der Anleihen landeten in der Hand von Instituten, die für grüne Investitionen spezialisiert sind. Ein Großteil der Käufer waren deutsche und österreichische Investoren, sie zeichneten 27 % des Pakets.

Diese erfolgreiche Emission ist gleichzeitig ein Marketing Erfolg für Polen nach dem heftigen Streit mit der Europäischen Union – so Peter Schottmüller, der Experte der Frankfurter DEKA Investment zu Bloomberg. Das war wichtig für Polen, da der polnische Anleihenmarkt eine Verkaufs-Welle in den vergangenen Wochen erfahren hat, nicht nur wegen der nicht so anlegerfreundlichen Schritte der Regierung, sondern auch wegen der Fed-Zinserhöhung und der deutlichen Kursrückgänge bei Schwellenländer-Anleihen.

Autor: András Lovas-Romváry, Budapest (redaktion@boersen-kurier.at)

2017 gehören Wandelanleihen ins Portfolio

Aufgrund des turbulenten Jahresbeginns an den Aktienmärkten war 2016 nicht das beste Jahr für Wandelanleihen. Für 2017 erwarten Experten eine deutlich bessere Entwicklung.

Das Jahr 2016 wird sicherlich nicht als das beste für Wandelanleihen in die Geschichtsbücher eingehen – allerdings auch nicht als das schlechteste. „Dass die Aktienmärkte zu Jahresbeginn entgegen allen Erwartungen stark gefallen sind – allein der Euro Stoxx 50 ist zwischen Anfang Jänner und Mitte Feber um 18 % zurückgegangen – hat sich auch auf die Assetklasse ausgewirkt“, erklärt Gerhard Kratochwil, Managing Director beim Wandelanleihenspezialisten Convertinvest, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

„Zwar haben Wandelanleihen nicht im selben Ausmaß verloren wie Aktien, zwischenzeitlich stand aber ein Minus von rund 6 % zu Buche“, so der Experte weiter. Der turbulente Jahresstart hat jedenfalls dazu geführt, dass die Assetklasse im weiteren Jahresverlauf Abflüsse verzeichnet hat. Laut Kratochwil hätten Anleger bis zum Ende des dritten Quartals rund 8 Mrd€ aus europäischen Wandelanleihen-Publikumsfonds, die ein Gesamtvolumen von 72 Mrd€ aufweisen, abgezogen.

Die Folge der satten Abflüsse aus der Assetklasse: Wandelanleihen sind billiger geworden. „Wir sehen derzeit eine ähnliche Situation wie auch 2008 und 2011: Nach einem schwachen Jahr mit fallenden Bewertungen haben sich Convertibles 2009 und 2012 bekanntlich überproportional stark entwickelt“, so Kratochwil. Das sei im Übrigen in den vergangenen 30 Jahren immer der Fall gewesen. Nachsatz: „Attraktive Bewertungen könnten durchaus eine Jahresperfomance von 3 bis 4 % bringen.“

Angesichts der vom Convertinvest-Experten angeführten Ausgangslage gibt er sich für 2017 „verhalten positiv“. „Wir erwarten Aufwertungen.“ Für Wandelanleihen spreche auch ihre geringe Zinssensitivität. Sie sei die einzige Assetklasse, die von einem Szenario mit steigenden Zinsen profitiert. „Erholt sich die Wirtschaft und steigen die Zinsen, so haben Convertibles immer eine sehr gute Performance aufgewiesen“, so Kratochwil. Ein anderes Bild zeige sich beispielsweise bei High-Yield-Anleihen: Eine Zinsanhebung von 100 Basispunkten würde eine Performance von 4 % auf Jahressicht ruinieren.

Schaut man sich die Performance der vier Convertinvest-Fonds im bisherigen Jahresverlauf an, so sind zwar keine Jubelstürme angebracht, Trübsal blasen allerdings auch nicht. Die Wertentwicklung liegt in einer Bandbreite zwischen vermeintlich mageren -2,30 (Convertinvest All-Cap Convertibles Fund) und +1,21 % (Convertinvest International Convertibles). Allerdings haben sie alle eines gemeinsam: Sie haben – teilweise recht deutlich – ihre Benchmark geschlagen.

Auf Europa und die USA ist man bei Convertinvest derzeit neutral gestimmt. „In den USA befinden sich die Aktienbewertungen auf einem Zehnjahreshoch. Dazu kommt, dass Trump immer für Überraschungen gut ist“, so Kratochwil. In Europa erwarte man, dass sich der Brexit auswirken werde – zwar nicht auf die Unternehmensergebnisse, aber auf das Sentiment. Asien habe man untergewichtet. So sehe man in Japan nach wie vor strukturelle Defizite.

Weniger vorsichtig auf asiatische Wandelanleihen ist man bei Fisch Asset Management eingestellt. „Wir sehen aktuell Asien als chancenreich an, da dort im Vergleich zu den westlichen Industrienationen ein höheres Wirtschaftswachstum und dementsprechend auch vermehrt Wandelanleihenemissionen zu erwarten sind“, sagt der Portfoliomanager Stefan Meyer. Bereits heuer wären etwa in China interessante Papiere auf den Markt gekommen. „Für Wandelanleiheninvestoren heißt es daher verstärkt Asien zu beobachten, auch wenn das dortige Marktvolumen hinter den USA und Europa liegt“, so Meyer.                          

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

Widerstand gegen Basler Ausschuss

Weiter anziehende Eigenkapitalregeln im Bankensektor beeinträchtigen die Kreditvergabe. Der Vorwurf der Erschaffung eines undifferenzierten Regelwerkes zur Industriebremse bekommt Gewicht.

Eine Konterkarierung zur allgemein geforderten Wirtschaftsstimulierung oder ein Schutzmechanismus vor unbändigem Risiko?

Die vorgeschlagenen und viel diskutierten Basel-IV-Regelungen lösen nun in Europa Widerstand aus. Dieser formiert sich aus der Industrie, bei Betrieben bis zu mittlerer Größe als auch bei Finanzinstituten. Schließlich sollen die erweiterten Offenlegungsvorschriften mit zusätzlichen Statistiken und noch strikteren Eigenkapitalanforderungen zur Basel-III-Regelung, ergänzt werden. Exakt geht es aber auch um die genaue Justierung zum verwendeten Ansatz der Bestimmung des Kreditrisikos und eine eigenständigere Bewertung – abseits diverser Ratingagenturen.

Ein heikler, umstrittener Punkt ist besonders die Anhebung der Risikogewichtung an Nicht-Bankenbeteiligungen (die Industrie betreffend), von derzeit 100 % auf sodann 250 % des in der Bilanz stehenden Beteiligungswertes.

Speziell in Österreich entstand die Situation, dass bei etlichen Industriebetrieben regional bedeutende Institute der Regionen oder Großbanken heute Kerninvestoren sind (z.B. voestalpine, Lenzing). Zum geringen Teil finden sich Bankbeteiligungen auch in Betrieben wie Palfinger. In einem negativen Szenario würde ein Rückzug der Finanzdienstleistungsbranche aus diesen Anteilen – aufgrund zu hoher Hürden – damit fallende Aktienkurse auslösen. Übernahmen aus dem Ausland könnte damit Vorschub geleistet werden.

Durch die Finanzkrise erst ausgelöst, agierte der Basler Ausschuss der Bankenaufsicht nach dem Jahr 2010 zunehmend zur Minimierung von Risiken für die Institute. Schritt für Schritt entstanden in den Folgejahren neue Rahmenbedingungen, um die Sicherheiten der Branche zu erhöhen. So wurden bereits mit Basel III im Jahr 2011 neue Eigenkapitalanforderungen implementiert. Es folgten 2013 Ergänzungen zur Mindest- und 2014 zur strukturellen Liquiditätsquote (LCR). Die Kreditbedingungen zu Hypotheken und den Immobiliensektor erfuhren insbesondere einen schärferen regulatorischen Rahmen.

Als unmittelbar Betroffener verschärfter Bankauflagen wird in Wirtschaftskreisen damit die ökonomische Aktivität selbst gesehen. Denn gerade der „Alte Kontinent“ kommt weiterhin aus der stagnierenden bis flachen Wirtschaftsentwicklung derzeit kaum heraus. Zugleich weist genau diese, für die Weltwirtschaft wichtige Region, aber nach wie vor eine „overbanked“-Situation auf. Der Verdacht der Herstellung einer Flurbereinigung ist in diesem Zusammenhang zudem nicht von der Hand zu weisen. Diese Widersprüchlichkeit ist für die gegensätzlichen Positionen verantwortlich.

Breite Folgewirkungen
Der Generalsekretär des Österreichischen Raiffeisenverbandes (ÖRV), Andreas Pangl, spricht sich deutlich gegen die geplanten Kapitalerhöhungsvorschriften aus. „Diese Vorschläge des Basler Ausschusses reichen über die Auswirkungen auf europäische Banken hinaus. Sie sind nicht nur eine Gefährdung für die Finanzierung der österreichischen Wirtschaftsbetriebe, sondern auch für Arbeitsplätze und Immobilienunternehmen. Alle weltweiten Regierungsbemühungen, das Wirtschaftswachstum zu beleben, um Wohlstand sicherzustellen, werden unterlaufen“, betont Pangl. In dieser Hinsicht lobt der Raiffeisen-Verbandschef die Äußerung des Finanzministers Hans Jörg Schelling, Anpassungen einfordern zu wollen. Dem Widerstand angeschlossen haben sich nun auch sämtliche EU-Finanzminister sowie der zuständige EU-Kommissar Valdis Dombrovski. Die Verschärfungen werden bereits gar als „exzessiv“ angesehen.

Eine Änderung der Liquiditätsversorgung am Immobilienmarkt entzweit generell. Zwar warnen EU-Institute auch hier vor einer restriktiveren Handhabung. Doch eine Eindämmung der Spekulation scheint angebracht, da unterdessen eine Vielzahl an Indikatoren auf eine Überhitzung hinweisen.

Autor: Roman Steinbauer (redaktion@boersen-kurier.at)

Trumps „Great America“ als Gewinnschub für Japans Unternehmen

Die US-Wirtschaft ist im Zentrum der Berichterstattung. Doch wie wirken sich Donald Trumps Ideen auf den Rest der Welt aus? Der Börsen-Kurier befragte dazu Chantana Lyvath-Ward, Japan-Expertin der Fondsgesellschaft Comgest, über die Auswirkungen auf Nippons Wirtschaft und Unternehmen.

Börsen-Kurier: Sehr geehrte Frau Lyvath-Ward, bevor wir auf den von  Ihnen gemanagten Fonds eingehen, möchten wir von Ihnen eine allgemeine

Einschätzung der wirtschaftlichen Lage Japans. Könnte ein „großes Amerika“, wie es Donald Trump vorschwebt, positiv oder negativ auf die  japanische Wirtschaftsentwicklung auswirken? Einen starken Dollar gegenüber dem Yen würden ja japanische Exportwerte bevorzugen.

Chantana Lyvath-Ward (am Bild unten): Die „Trump-Wirtschaft“ kann Japan sicherlich auf mehrere Arten helfen. Am offensichtlichsten ist hier die Währung, da die Fed die Zinsschraube lange vor der Bank
of Japan anziehen wird. Der nächste Punkt ist, dass ein gesundes Amerika ein starkes Plus für japanische Unternehmen ist, einfach weil die USA jenes Land ist, in das Japan am meisten exportiert. Dazu kommt noch, dass japanische Firmen sehr viele Arbeitskräfte in ihren Fabriken und Werken in den USA beschäftigen; das macht sie zu einem zentralen Punkt bei Trumps Plänen, Arbeitsplätze in den USA zu schaffen.

Börsen-Kurier: Ihr Kollege Richard Kaye hat bei den diesjährigen Investmenttagen von Yield in St. Johann in Tirol vor allem betont, dass japanische Investoren wieder verstärkt im eigenen Land investieren, somit das Vertrauen in die heimische Wirtschaft wieder gestiegen ist. Ist dies auch Ihre Wahrnehmung und womit könnte diese Entwicklung begründet sein? Hat auch Premierminister Shinzo Abe mit seiner Wirtschaftspolitik, beispielsweise mit seiner Reduktion der Unternehmenssteuern dazu beigetragen?

Lyvath-Ward: Die Rückkehr japanischer Investoren auf ihren Heimmarkt ist deutlich sichtbar und durch Daten vom Aktienmarkt seit dem Jahr 2013 belegt. Die größten Aktienkäufer sind staatsnahe Fonds, aber auch private institutionelle Investoren haben begonnen zurückzukommen. Dabei haben natürlich Steuersenkungen eine Rolle gespielt, aber viel wichtiger ist die Bereitschaft japanischer Unternehmen, sich mit Minderheitsaktionären auseinanderzusetzen. Dazu kommt noch die attraktive Kombination von Wert- und Profitsteigerungen auf dem japanischen Markt.

Börsen-Kurier: In Ihrer Broschüre „Japanese Equities, Comgest Growth Japan, October 2016“ ist uns besonders aufgefallen, wie stark sich die Managementebene in Japan scheinbar gewandelt hat. Waren 2004 lediglich 30 % der im TSE 1st „outside-directors“ hat sich der Prozentsatz bis 2015 auf rund 90 % erhöht. Ist dies eine typisch japanische Entwicklung und worauf könnte dies zurückzuführen sein?

Lyvath-Ward: Der kurzfristige Grund für diesen starken Wechsel war die Einführung eines Verwaltungs- und Governance-Kodex durch die Regierung. Der weitaus größere Faktor ist aber, dass Großaktionäre Kreuzbeteiligungen von Firmen untereinander aufgelöst haben, was die Bedeutung der Minderheitsaktionäre stärkt und die Managements zunehmend dazu zwingt, auf deren Bedürfnisse durch die Bestellung „auswärtiger Manager“ einzugehen.

Börsen-Kurier: Ebenfalls interessant erscheint uns die Grafik „Superior Growth in a low Growth Environment“. Hier heben sich japanische Unternehmen, gelistet im MSCI Japan, mit einem EPS-Wachstum im Jahr 2013 von 62,4 % doch deutlich von anderen Unternehmen beispielsweise im MSCI Europe (+1,5 %) und MSCI USA (+6,5 %) ab. Wie
ist diese Entwicklung zu erklären? Auch die Wachstumsrate für 2015 (+15,1 %) und die erwartete Wachstumsrate 2016 (+8,5 %) liegen noch deutlich über den anderen Raten. Was machen japanische Unternehmen besser?

Lyvath-Ward: Es gibt drei Gründe, warum das japanische Wachstum stärker ist. Erstens finden sich überall in der japanischen Wirtschaft Unternehmen, die sich auf ihre Kernkompetenz konzentrieren, periphere Unternehmensbereiche abstoßen und ihr Zentralgeschäft stärken. Zweitens haben niedrigere Unternehmenssteuern dazu geführt, dass keine Notwendigkeit mehr für übertriebene Ausgaben zu Steuerminimierung besteht. Und drittens hatte der kontinuierlich fallende Steuersatz einen deutlichen Einfluss auf die Nettogewinne.

Börsen-Kurier: Nun aber zu dem von Ihnen gemanagten Fonds „Comgest Growth Japan Yen ACC“: Sie sind überdurchschnittlich hoch in Unternehmen aus dem Bereich „Industrials“ und „Consumer Discretionary“ (Nicht-Basiskonsumgüter) investiert. Können wir daher ausgehen, dass Sie von einem weiterhin niedrigen Zinsfeld ausgehen, die Leute daher verstärkt ihr Erspartes für Consumer Discretinaries ausgeben? Gleichzeitig ist Ihr Engagement in Aktien aus dem Bereich „Energy“ auf Null zurückgefahren worden. Können Sie uns erklären warum?

Lyvath-Ward: Unsere „consumer“-Investments sind in spezifischen Nischenmärkten, wo Zinssätze kaum eine Rolle spielen. Ein Beispiel dafür ist Hautpflege, wo hochwertige Produkte klar die in Japan wachsende begüterte weibliche Mittelschicht als Zielgruppe hat. Ein anderes Beispiel sind „Ein-Euro-Shops“, die man als witzig ansieht und die in den letzten Jahren in allen wirtschaftlichen Umfeldern deutlich gewachsen sind.

Im Unterschied dazu ist Energie ein Sektor, bei dem wir kein Vertrauen und keinen Einblick in die Preisentwicklung haben und daher das „Qualitätswachstum“ für unsere Kunden, das ja unser Markenzeichen ist, nicht sicherstellen können.

Börsen-Kurier: Weiters ist uns aufgefallen, dass Ihre Engagement in Health Care mit knapp 10 % eigentlich nicht gerade sehr hoch ist. Aufgrund der demographischen Entwicklung in den meisten Industrieländern, Stichwort höhere Lebenserwartung, Überalterung der Bevölkerung, hätten wir uns eigentlich einen höheren Prozentsatz erwartet.

Lyvath-Ward: Diese Kategorie schließt eigentlich medizinische Geräte aus, wo wir sehr stark engagiert sind, so z. B. bei Sysmex, einem Hämatologiespezialisten, oder Olympus mit seinen Endoskopen oder Asahi Intecc, einem Hersteller für medizinische Drähte.

Börsen-Kurier: Nun eine abschließende Frage: Können Sie uns kurz skizzieren, nach welchen Parameter Sie die Unternehmen aussuchen, die in den Fonds aufgenommen werden?

Lyvath-Ward: Wir fokussieren uns auf ein stabiles Gewinnwachstum von rund 10 % und nur geringen Abweichungen in der Vergangenheit. Außerdem legen wir bei den Produkten Parameter an wie Technologie, Patente, loyaler Kundenstamm oder auch schwierige Nachahmung. Diese Filter erlauben es uns, effizient die Unternehmen herauszufiltern, die wir für ein Investment prüfen.

Das Interview führten Cornelius Pirch und Irene Privoznik (redaktion@boersen-kurier.at)

Aktien sollten 2017 profitieren

Laut Fidelity sollten Aktienmärkte im kommenden Jahr von mehr Wachstum und der Inflation profitieren. Ein umfangreicher Ausblick. (06.12.)

Dominic Rossi, Global Chief Investment Officer für Aktien bei Fidelity International:

  • US-Unternehmen dürften von Trumps Politik profitieren

  • Günstige Voraussetzungen auch für die Aktienmärkte anderer Industrieländer sowie für Finanz- und Pharmawerte

Protektionistische Bestrebungen werden für Schwellenländer zur Herausforderung

Kaum etwas wird die Aktienmärkte im kommenden Jahr so sehr beeinflussen wie der neue US-Präsident. Donald Trumps Motto „Amerika zuerst“ dürfte 2017 zu einem Mantra für Anleger werden. Zwar müssen sie angesichts der Unwägbarkeiten der Trump-Regierung mit Phasen hoher Volatilität rechnen. Auch werden die Rahmenbedingungen für hoch bewertete defensive Werte schwieriger. Insgesamt aber dürfte die Politik der künftigen US-Regierung Risikoanlagen unterstützen.

Dabei wird insbesondere der US-Markt seine globale Vormachtstellung behaupten. Denn Trump geht es vor allem um eines: Wachstum. Die neue Regierung wird der US-Wirtschaft über Steuersenkungen und höhere Staatsausgaben neuen Schwung verleihen. Und das ist für amerikanische Unternehmen gut. Deren Gewinne sind, nach zwei Jahren Stagnation, schon vor der Wahl gestiegen. Wir gehen basierend auf unserem internen Prognosemodell von einem Gewinnwachstum von 11,2 Prozent und einer Eigenkapitalrendite von 16,2 Prozent für 2017 aus.

Dazu könnte eine Rückholung der Barmittel in Höhe von einer Billion US-Dollar, die die S&P-500-Firmen auf ihren Bilanzen im Ausland haben, für Investitionen, Fusionen und Übernahmen sowie für höhere Renditen für Aktionäre über Dividenden und Aktienrückkäufe sorgen. In Europa dürften zwar die anstehenden Wahlen für mehr Schwankungen sorgen, insgesamt wäre eine stärkere US-Wirtschaft für den europäischen Markt aber positiv. Nicht ganz so eindeutig ist der Ausblick für die Schwellenländer. Zwar bedeutet ein kräftigeres US-Wachstum auch für sie günstigere Rahmenbedingungen. Aber nur, wenn protektionistische Maßnahmen ausbleiben. Zudem würden manche Emerging Markets unter einem stärkeren Dollar, der Gegenwind für die Rohstoffpreise bedeutet, leiden.

Auf Branchenebene dürften Pharma- und Finanzwerte sowie ausgewählte Technologieunternehmen profitieren. Banken sollte die Reflationierung der Wirtschaft sowie eine weniger strenge Regulierung unter Trump zugutekommen. Pharmatitel wiederum dürften sich aufgrund ihrer Innovationskraft, ihrer prall gefüllten Medikamenten-Pipeline und ihrer attraktiven Bewertung nach der zuletzt schwachen Performance gut entwickeln.“

Charles McKenzie, Global Chief Investment Officer für Anleihen bei Fidelity International:

  • Jüngster Renditeanstieg bedeutet keine Zeitenwende an den Anleihemärkten

  • Richtiger Strategiemix ist entscheidend für geringere Zinssensitivität des Portfolios und attraktive Erträge

Auch wenn die Renditen zuletzt gestiegen sind, brachte dieses Jahr Anleiheinvestoren doch solide Erträge. Seit Jahresbeginn sind die Renditen von Staatsanleihen per Saldo gefallen und die Zins-Spreads von Unternehmensanleihen zurückgegangen. Das wird sich 2017 allerdings kaum wiederholen. Vielmehr wird es noch schwieriger, ein vergleichbares Ergebnis zu erzielen.

Dabei müssen sich Anleger aber keine Sorgen machen, dass sich der derzeitige Trend steigender Renditen bei Staatsanleihen fortsetzen wird und es zu einer Umkehr am Rentenmarkt kommt. Denn die langfristigen Trends, die die Renditen in den vergangenen zehn Jahren niedrig gehalten haben, sind intakt. Dazu zählen die schwache Produktivität, geringes Wachstum, die Alterung der Bevölkerung und die Staatsverschuldung. Zwar sehen wir Wachstum, es wird aber nicht so stark ausfallen, dass es massive Zinsstraffungen geben wird. Für die USA erwarten wir, dass die Federal Reserve die Zinsen 2017 um einen halben Prozentpunkt anhebt. Dagegen wird die Geldpolitik in der Eurozone und in Japan wohl unterstützend bleiben.

Staatsanleihen bieten aber trotz des jüngsten Renditenanstiegs keine ausreichende Kompensation für die Risiken. Zudem ist der Konjunktur- und Kreditzyklus weit vorangeschritten, was wiederum für Unternehmensanleihen die erhöhte Gefahr von Ausfallrisiken mit sich bringt. Deshalb bleiben Anleihen insgesamt eine Herausforderung. Ein Abrücken von traditionellen Benchmarks kann helfen, unerwünschte Konzentrationsrisiken zu mindern. Dazu kommt die schwache Marktliquidität, die ebenfalls nicht für passive Benchmark-Strategien spricht.

Stattdessen ist eine flexible Strategie entscheidend, die breit diversifiziert, alle Segmente des Unternehmensanleihemarktes berücksichtigt und Extremrisiken dynamisch absichert. Idealerweise nutzen Anleger einen Mix aus drei Strategien: Erstens ist es wichtig, von den unterschiedlichen Zinszyklen zu profitieren, indem sie ihre Durationsquellen diversifizieren. Zweitens sollten sie über die Beimischung von inflationsindexierten Anleihen nachdenken. Und drittens Unternehmensanleihen berücksichtigen. Dort ist das Investment-Grade-Segment interessant, da es noch ausreichendes Wertpotenzial bietet. Zudem rechnen wir damit, dass Anleger auf der Suche nach Rendite von Staats- in Unternehmensanleihen umschichten werden. Auskömmliche laufende Erträge bieten zwar Hochzinsanleihen. Da diese aber in etwa fair bewertet sind, ist der Risikopuffer, den die Papiere bei einer steigenden Volatilität bieten, sehr dünn.“

James Bateman, Global Chief Investment Officer für Multi Asset bei Fidelity International:

  • Zunehmende politische Unsicherheit in den USA und Europa sorgt für höhere  Volatilität an den Märkten

  • Schwellenländeranleihen und Value-Aktien bieten Potenzial

Auch 2017 könnte ein Jahr voller Überraschungen werden, die sich per definitionem nicht vorhersagen lassen. Aber einige Themen sollten Anleger im Hinterkopf behalten. Dazu gehört – nach Trumps Wahlsieg – eine Wiederaufnahme fiskalpolitischer Stimulusmaßnahmen, um die Wirtschaft in den Industrieländern anzukurbeln. Wenn es so kommt, könnte das das Ende der Blase an den Anleihemärkten bedeuten.

Anleger sollten mit stärkerem Wachstum und höherer Inflation rechnen, auch wenn ich zu bedenken gebe, dass die Zinsen weniger schnell steigen könnten als vom Markt erwartet. Denn aller Voraussicht nach
werden die Regierungen Druck auf ihre „unabhängigen“ Zentralbanken ausüben, vorübergehend höhere Inflationsraten als Preis für eine Belebung ihrer schleppenden Wirtschaft zu tolerieren. Bis auf weiteres mag die Duration der erklärte Feind sein, aber dennoch gibt es nach wie vor Bereiche mit Wertpotenzial an den Anleihemärkten. Hierzu gehören vor allem Schwellenländeranleihen in Landeswährung. Sie könnten Anlegern ähnliches Aufwärtspotenzial wie Emerging-Markets-Aktien bieten, jedoch bei deutlich weniger Abwärtsrisiko und ausgestattet mit erheblichem Renditepuffer.

Auf der Aktienseite dürften Dividendentitel, die den Bullenmarkt seit 2009 kräftig angetrieben haben, viel von ihrem Glanz verlieren, wenn die Zinsen den Nullpunkt hinter sich lassen. Denn damit kehrt sich auch die Suche nach Rendite um, die Anleger dazu zwang, immer höhere Risiken einzugehen. Value-Aktien mussten seit der Finanzkrise erheblich Federn lassen. Ihnen könnte nun ein Comeback bevorstehen. Ob über aktive oder Smart-Beta-Strategien: Eine Anlage in Value-Aktien dürfte verglichen mit dem Gesamtmarkt bessere Resultate hervorbringen.

Ganz gleich, wie sich die Wirtschaftspolitik Trumps mittelfristig auswirkt: Schon heute sollten wir mit höherer Volatilität rechnen. Denn Trump und die Geopolitik insgesamt werden die Märkte zwischen Angst und Gier schwanken lassen. Von den möglichen politischen Umwälzungen in Europa im Zuge der Neuverhandlung der Beziehung zwischen Großbritannien und der Eurozone und den Wahlen in Frankreich und Deutschland ganz zu schweigen. Sie könnten eine kurzzeitige Trendumkehr an den Aktien- und Anleihemärkten sowie bei den Sektoren bewirken. Für Anleger ist es daher vermutlich sinnvoll, sich gegen Extremereignisse etwas abzusichern – beispielsweise über Engagements am Gold- und Ölmarkt. Zudem dürfte sich aktives Management ebenso auszahlen wie der Kauf von Risikoanlagen nach Schwächephasen und deren Reduzierung nach Erreichen von Bestmarken. Eine statische Allokation ist in 2017 aus heutiger Sicht jedenfalls nicht zu empfehlen.“

Haben Monarchien die bessere Wirtschaft – ein Vergleich mit Augenzwinkern

Der Börsen-Kurier verglich aus aktuellem Anlass die Volkswirtschaften von 20 Monarchien mit jener 28 anderer Staatsformen und gelangte zu einem überraschenden Ergebnis.

Zahlreiche westliche Demokratien befinden sich derzeit in einer schwierigen Phase. Die Unzufriedenheit mit den aktuellen Regierungen wächst. Die Integrität bleibt zunehmend auf der Strecke und teils gefährliche Populisten sind im Vormarsch. Umso wichtiger ist eine zeitlose stabile moralische Instanz an der Staatsspitze. Diese Funktion erfüllen gemäßigte Monarchen hervorragend. Auf dieser Basis die Ausgangshypothese der Untersuchung: Parlamentarische und konstitutionelle Monarchien haben eine stabilere Wirtschaft und genießen mehr Wohlstand.

Gebildet wurden dabei zwei Ländergruppen, 20 parlamentarische und konstitutionelle Monarchien weltweit und 28 Länder anderer Staatsform. Hier wurde selektiert aus den direkt vertretenen G20-Ländern plus den 20 größten EU-Volkswirtschaften sowie den ASEAN-5. Hinzu kamen die Schweiz und Singapur als Finanzzentren. Betrachtet werden das durchschnittliche Wirtschaftswachstum der Jahre 2013 bis 2015, das BIP pro Einwohner und auch die Staatsverschuldung und Korruption im öffentlichen Dienst. Letztere wird mittels Corruption Perceptions Index (CPI) 2015 von Transparency International (TI) dargestellt, der die Wahrnehmung von Korruption im öffentlichen Dienst misst. Der CPI ist ein Indikator für die Integrität der staatlichen Verwaltung. Korruption im öffentlichen Dienst hat langfristig starken Einfluss auf die Ausfallsrisiken von Staatsanleihen.

Das Ergebnis ist eindeutig: Zwar liegt das Wirtschaftswachstum der vergangenen drei Jahre (bis 2015) im Schnitt mit 2,6 % um 0,1 %-Punkte unter jenem der Vergleichsgruppe, doch das durchschnittliche Pro-Kopf-BIP liegt mit 44.900 USD weit über den 23.300 USD der untersuchten „Nicht-Monarchien“. Die durchschnittliche Staatsverschuldung 2015 liegt mit 62,7 % des BIP um 5,1 %-Punkte unter jenem der Vergleichsgruppe, in elf der 20 betrachteten Monarchien liegt die Staatschuldenquote unter dem alten Maastricht-Kriterium von 60 %. Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen beiden Gruppen im CPI von TI. Je höher dieser ist, desto weniger Korruption wird im öffentlichen Dienst wahrgenommen. Der Durchschnittswert der Monarchien liegt hier bei 69,6 verglichen mit 54 in den „Nicht-Monarchien“. Doch auch beim Wirtschaftswachstum sieht es besser aus, würde man China, aber auch Irland herausschneiden, dessen BIP-Wachstum 2015 infolge von Zunahmen der nach Irland importierten Flugzeuge und des Firmenkapitals auf 26,3 % nach oben revidiert wurde. Ohne China und Irland hätten die „Nicht-Monarchien“ nur 2,2 % Wirtschaftswachstum gehabt, also 0,4 %-Punkte weniger als die Monarchien. Darüber hinaus wies keine Monarchie im 3-Jahresdurchschnitt ein Negativ-Wachstum auf (verglichen mit fünf Fällen in Vergleichsgruppe).

Monarchische Erklärungsversuche
Nicole Fara, Obfrau der „Die Monarchisten – Schwarz-Gelbe Allianz“ meint zu den Ergebnissen: „Ein Monarch, der über die Arbeit der Regierung und der Parteien kontinuierlich wacht, leistet die wichtigste Voraussetzung für erfolgreiches Wirtschaften: das Vertrauen der Wirtschaftstreibenden aufrecht zu erhalten, dass die Politik gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft herstellt, diese kontinuierlich erhält und durch die Umsetzung notwendiger Reformen weiterentwickelt. Denn dann wird mehr investiert.“ Auch die höhere Ethik ist für sie erklärbar: „Ein Monarch ist jedenfalls überparteilich und daher unabhängig von ,Spenden’ jeglicher Art. Er leistet damit Vorbildarbeit auch für Regierung und Politiker. Bei Verdacht auf Korruption wird er sofort mit aller Härte einschreiten.“

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

Aufwärtstrend in europäischer Infrastruktur-Branche hält an

Die heimischen Baukonzerne Porr und STRABAG entwickeln sich im laufenden Geschäftsjahr positiv. Beide Unternehmen weisen ein gut gefülltes Auftragsbuch auf.

Die Top-50-Unternehmen der europäischen Baubranche haben mittlerweile im Hinblick auf ihren Markt- bzw. Börsenwert das Niveau von 2007 wieder übertroffen“, heißt es in der Studie „European Powers of Construction“ des Beratungsunternehmens Deloitte. Im Vergleich zum Vorjahr sei etwa der Gesamtumsatz um 5 % und die Marktkapitalisierung um 21 % gestiegen.

Wie wird es weitergehen? Laut der Studie wird die Baubranche in Europa aus jetziger Sicht auch in den kommenden Jahren weiter wachsen. Damit der Aufwärtstrend weiter anhalte, brauche es allerdings eine rege Investitionstätigkeit – vor allem von öffentlicher Seite.

„Infrastruktur-Plays wie STRABAG und Porr sollten weiter von Projekten in Deutschland und Österreich profitieren“, sagt Christoph Stangelberger, Manager des Allianz Invest Austria Plus, gegenüber dem Börsen-Kurier. Beide Unternehmen hätten ein gut gefülltes Orderbuch. Tatsächlich liegt der Auftragsbestand der STRABAG (laut Deloitte Platz 6 unter den 50 größten Baukonzernen Europas) – nach neun Monaten des Geschäftsjahres 2016 – bei 14.990,68 Mio Euro und damit um 9 % über dem Vergleichszeitpunkt des Vorjahres. Wie das Unternehmen in der vergangenen Woche mitteilte, sei vor allem die Entwicklung in Deutschland stark. Dank zahlreicher Hoch- und Verkehrswegebauten sei dort der Bestand um knapp 30 % gestiegen.

Rekord-Auftragsbestand
Kein anderes Bild bei der Porr (Platz 25 im Deloitte-Ranking). Per 30. September erreichte der Auftragsbestand ein neues Rekordniveau und konnte im Vergleich zum Vorjahr um 11,5 % gesteigert werden. Beim Auftragseingang wurde wiederum ein Plus von 8,4 % auf 3.390 Mio Euro verzeichnet. Zu den größten Auftragseingängen im laufenden Geschäftsjahr zählen etwa unter anderem der Autobahnabschnitt D4/R7, die Umfahrung Bratislava in der Slowakei, das Al-Wakrah-Fußballstadion in Katar sowie ein Bürogebäude in Zürich für die Schweizerischen Bundesbahnen.

„Der aktuelle Auftragsstand der Porr sollte ein zweistelliges Bauleistungswachstum im Geschäftsjahr 2016 ermöglichen“, meint Erste-Group-Analyst Daniel Lion. In den ersten neun Monaten 2016 stieg die Produktionsleistung jedenfalls um 9,8 % auf 2.788 Mio Euro. Erneut erwies sich dabei die Business Unit 1 – Österreich, Schweiz und Tschechien als Wachstumsmotor. Weiters stieg das EBT gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres um 25 % auf 40,8 Mio Euro, das Periodenergebnis sogar um 27,9 % auf 30,7 Mio Euro. Lion bestätigt im Übrigen seine Kaufempfehlung für die Aktie und kündigt gleichzeitig an, das Kursziel (60,9 Euro Anm.), das mittlerweile übertroffen wurde, anzupassen.

„Im dritten Quartal bestätigte sich unsere Strategie des intelligenten Wachstums mit Fokus auf die bonitätsstarken Heimmärkte erneut“, so Porr-CEO Karl-Heinz Strauss. Auf Basis der hervorragenden Geschäftsentwicklung rechnet er für das Gesamtjahr mit einer positiven Ergebnissteigerung.

In diesem Zusammenhang leiste die „Roadmap 2020“, das konzerninterne Projekt zur Digitalisierung und Prozessoptimierung, einen wesentlichen Beitrag.

„Die Profitabilität zieht aufgrund des höheren Geschäftsvolumens an und setzt somit den positiven Trend in Richtung einer EBT Marge von 3 % auf Jahresbasis fort“, so Lion. Allerdings geht der Analyst davon aus, dass die Porr das Ziel, die Vorsteuermarge auf 3 % anzuheben, frühestens 2017 schaffen wird können.

Beim Konkurrenten STRABAG gibt man sich wiederum zuversichtlich das Ziel einer EBIT-Marge von 3 % 2016 zu erreichen – „sogar, wenn man einen nicht-operativen Ertrag im zweiten Quartal außer Acht lässt“, wie CEO Thomas Birtel meint.

Komfortabler Auftragspolster
„In das kommende Jahr werden wir mit einem komfortablen Auftragspolster starten, der vor allem vom Kernmarkt Deutschland – in dem wir marktführend sind – getragen ist“, führt Birtel weiter aus. Daher dürfe man davon ausgehen, dass man künftig beim Umsatz mit dem Markt wachsen werde.

In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2016 lag die Leistung jedenfalls bei 9.561,06 Mio Euro, was einem Rückgang von rund 7 % entspricht. Der konsolidierte Konzernumsatz ging um 6 % auf 8.938,46 Mio Euro zurück.

„Die Bauleistung und der Umsatz sinken zwar wie erwartet immer noch im Jahresvergleich, die Dynamik ist aber abnehmend und sollte in den kommenden Quartalen ins Positive drehen“, so Lion. Trotz der geringeren Bauleistung stieg das Konzernergebnis in den ersten neun Monaten um 79 % auf 104,34 Mio Euro.

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

Die völlig unterschätzte Gefahr Berufsunfähigkeit

Wer durch Krankheit oder Unfall aus dem Arbeitsleben ausscheidet, kann schneller als man glaubt vor dem finanziellen Ruin stehen. Spezielle Versicherungen bieten leistbaren Schutz – bekannt ist dies aber kaum.

Die eigene Arbeitskraft ist ein hohes Gut – sie sichert das Einkommen und damit den Lebensunterhalt. Nicht mehr arbeiten zu können, heißt nichts mehr zu verdienen – die finanzielle Not ist bei Berufsunfähigkeit (BU) dann vorprogrammiert. Aber sorgt nicht „Vater Staat“ in solchen Fällen für seine Bürger? Nur zum Teil, wie Willi Bors, der Österreich-Chef der Dialog Lebensversicherung, einem Pionier auf diesem Gebiet, gegenüber dem Börsen-Kurier ausführt. Die begrenzte gesetzliche Absicherung bei Verlust der Arbeitskraft sei in der Regel absolut unzureichend: „Die langfristigen Auswirkungen treffen meist nicht nur den Betroffenen selbst, sondern auch die Familie. Dieses Risiko ist den Meisten oft nicht bewusst. Nicht nur ältere Menschen werden berufsunfähig – ganz im Gegenteil. Fast jeder fünfte Berufsunfähige ist noch keine 40 Jahre alt!“ Verschärfend kommt hinzu, dass es seit dem Jahr 2014 für unter 50-Jährige keine befristete Invaliditäts- bzw. Berufsunfähigkeitspension mehr gibt. Bors: „Die Betroffenen müssen sich umschulen oder behandeln lassen, sofern dies für eine Wiedereingliederung zweckmäßig und zumutbar ist.“

Unfallversicherung ist zu wenig!
Tatsächlich wird jeder fünfte Arbeitnehmer berufsunfähig und kann nicht bis zum Pensionsalter „durchhalten“. Im Jahr 2013 wurden 61.787 Anträge auf Invaliditätspensionen gestellt. Davon wurden lediglich 24.116 Anträge bewilligt. Die Krankheitsbil-der, die den Invaliditäts- bzw. Berufsunfähigkeitspensionen zugrunde liegen, haben sich in den vergangenen 20 Jahren stark verschoben. Vor einigen Jahren waren noch Herz- und Kreislauferkrankungen die häufigste Ursache. Heute stehen psychische Krankheiten mit 36 % an der Spitze, gefolgt von Erkrankungen des Be-
wegungsapparates mit 26,7 %. Damit kann es den Büroan-gestellten genauso wie den Handwerker treffen. Insofern ist die BU-Versicherung schlichtweg für alle Berufe wichtig, wobei Bors hinzufügt: „Manager und Führungskräfte sind in der heutigen schnelllebigen Zeit besonders stark von einem längerfristigen Burn-out bedroht. Eine Unfallversicherung – die immer noch sehr gerne verkauft wird – hilft da aber nicht weiter.“

Mangelndes Bewusstsein
Laut Gerfried Karner, dem Österreich-Geschäftsführer vom Mitbewerber Continentale, ist die Durchdringung mit BU-Versicherungen in der heimischen Bevölkerung nicht genau bekannt, aber jedenfalls sehr gering: „Im Rahmen einer Continentale-Studie zur Berufsunfähigkeit machen 29 % der Befragten die Angabe, sie hätten eine private Berufsunfähigkeits-Versicherung abgeschlossen. Allerdings ist hier davon auszugehen, dass dies tatsächlich nicht so ist. Viel wahrscheinlicher ist es, dass die Menschen meinen, sie hätten für den Fall der Berufsunfähigkeit vorgesorgt. Dabei wählen sie allerdings untaugliche Mittel. So wird die Unfallversicherung als die geeignetste Vorsorgemaßnahme angesehen, obwohl sie nur eine sehr kleine Ausschnittsdeckung bietet.“

Helmut Karner, Direktor der Gothaer Lebensversicherung in Österreich, ergänzt im Gespräch mit dem Börsen-Kurier, dass materielle Werte in hierzulande oft besser versichert seien als die eigene Arbeitskraft: „Die BU wurde in den vergangenen Jahren immer wieder thematisiert, bei der Bewusstseinsbildung besteht aber nach wie vor Nachholbedarf. Wenn die eigene Arbeitskraft ausfällt, gibt es auch kein materielles Einkommen und wichtige Bedürfnisse können nicht mehr abgedeckt werden.“ Der Experte plädiert deshalb für mehr Aufklärung auf diesem Gebiet, die breit gestreut sein sollte: „Sowohl die Versicherer selbst haben hier ihren Beitrag zu leisten, ebenso wie Medien und die staatliche Seite, denn BU geht jeden etwas an.“

Schutz um leistbares Geld
Karner führt weiter aus, dass mit einer BU-Versicherung die Lebenserhaltungskosten – wie Miete, Betriebskosten etc. – abgedeckt sein sollten. In Österreich kann man diese grob mit 700 bis 1.000 Euro monatlich angeben, wie hoch die Prämie für eine solche Absicherung ausfällt, lässt sich nicht standardisiert beantworten, weil hier verschiedene Faktoren ins Spiel kommen. Das Alter des Versicherten und sein Beruf wirken sich logischerweise auf die Kosten Versicherung aus: So steigt das Erkrankungsrisiko mit zunehmenden Alter; und ein Feuerwehrmann z.B. weist in seiner Tätigkeit ein anderes Risikoprofil auf als ein Büroangestellter. Über den Daumen gepeilt kann man aber die monatliche Prämie für eine Versicherung mit 25 bis 50 Euro angeben.

Helmut Karner: „Es ist nicht ungewöhnlich, dass Eltern für die Handyrechnung eines Kindes 50 bis 70 Euro im Monat ausgeben. Mit ähnlichen Beträgen lässt sich eine sinnvolle BU-Versicherung abschließen, die existenzielle Risiken abdeckt. Das sollte das Geld wert sein.“

Günstige Variante
Als Alternative zu BU-Produkten ist auch ein Schutz bei Erwerbsunfähigkeit (EU) erwähnenswert. Dazu meint Gerfried Karner von der Continentale: „Bei der EU-Versicherung ist die Leistungsfrage klar definiert, nämlich: ,Kann ich noch einer Erwerbstätigkeit nachgehen?’ Natürlich schützt eine BU umfassender, aber wenn diese wegen der gesundheitlichen Vorgeschichte nicht abschließbar oder zu teuer ist, stellt die EU eine gute und auch die einzige echte Alternative dar.“ Er rät auch dazu mit dem Versicherungsschutz möglichst in jungen Jahren zu beginnen: „Ein Schüler kann sich z.B. bei der Continentale schon ab 15 Euro Startbeitrag versichern, ein 35-jähriger Tischler muss für eine 1.000 Euro umfassende monatliche BU-Rente rund 85 Euro für eine BU zahlen, für eine EU rund 40 Euro.“

Autor: Mag. Harald Kolerus (redaktion@boersen-kurier.at)

Othmar Karas: „Mehr globale Regelungen statt mehr Deregulierung“

Mehr Deregulierung im Finanzsektor, oder noch mehr Regulierung? Was beide Seiten vereint, ist die Forderung nach dem Proportionalitätsprinzip.

Der Glaubenskrieg wurde in den USA neu entfacht. Denn der President-Elect Donald Trump hat angekündigt, die US-Banken deregulieren zu wollen. „Wir wissen, wie die Finanzwirtschaft global voneinander abhängig ist“, kommentiert das Othmar Karas, österreichischer Abgeordneter im Europäischen Parlament und Chefverhandler des Europaparlaments für das letzte Bankenreformpaket Basel III. Und Karas geht auf Gegenkurs zu Trump: „Wir benötigen mehr globale Regelungen und mehr Transparenz, nicht mehr Deregulierung.“ Denn wir müssten aus den Fehlern der Finanzkrise Lehren ziehen, und „wir sind noch nicht fertig“. Auf EU-Ebene ortet Karas Bedarf nach Optimierung der Kapitalvorschriften für die Banken und für die Neuregelung des „Proportionalitätsprinzips“. Die Definition von Eigenkapitalanforderung und Risiko müsse auf die unterschiedliche Realität der Situation der Banken angepasst werden. In der EU würden rund 80 % der Realwirtschaft über Kredite finanziert, in den USA hingegen 80 % über den Kapitalmarkt. „Beides braucht ein Level Playing Field“, fordert der Europapolitiker daher. Denn nach bisherigen Berechnungen würden von „Basel“ die EU-Banken überproportional belastet. „Das darf nicht passieren.“ Im Gegenteil, Kreditvergabe an KMU müsse erleichtert werden. „Ich fordere daher das Prinzip der Proportionalität bei der Bankenregulierung ein“, so Karas. Das heißt, dass die Regelungsprinzipien zwar auch für kleine Institute gelten, aber differenziert werde, ob es sich um regional oder global tätige Institute handelt, also Differenzierung nach Größe, Geschäftsmodell und unterschiedlichem Risiko. Außerdem müsse auf die Auswirkungen der Regelungen auf die Realwirtschaft Rücksicht genommen werden. Die Finanzkrise habe deutlich gemacht, dass es einer gemeinsamen Wirtschafts- und Fiskalpolitik bedürfe. Aber „wir sind auf halbem Weg stecken geblieben“, kritisiert der Europaparlamentarier. Aber beruhigt jene, die Überregulierung befürchten: Mehr globale Finanzregeln müssten „nicht zwangsläufig“ zu insgesamt mehr Regulierungsflut führen, denn er bleibe dabei: Für eine neue EU-Regel müsse eine nationale gestrichen werden. Die Bankenunion sei mit der gemeinsamen Aufsicht und dem Abwicklungsfonds noch nicht abgeschlossen: „Es fehlt noch die Einlagensicherung als dritte Säule.“ Zusätzlich gelte es, mit dem Aktionsplan zu einer „Kapitalmarktunion“ die Eigenkapitalmärkte zu stärken und so die Finanzierungsmöglichkeiten der Realwirtschaft zu erweitern.

 

Auf der Bremse, was neue Regulierungen betrifft, steht hingegen die Finanzbranche: „Die Kreditinstitute brauchen dringend eine Regulierungspause“, so der heimische Bankenverband zum Börsen-Kurier. Eine Pause, um kritisch zu prüfen, was notwendig ist und Sinn macht und wo man „über das Ziel hinausgeschossen“ sei. Und es sei „unverzichtbar“, spezifische nationale Zusatzbelastungen in Zukunft wieder zurückzunehmen. Denn die regulatorischen Anforderungen hätten in den letzten Jahren im Umfang und in der Detailtiefe ein „ungeahntes Ausmaß“ angenommen und würden eine enorme Kostenbelastung und Ressourcenbindung mit sich bringen. Einer Meinung ist man mit Karas bei der Forderung des Proportionalitätsprinzips: „Auch die Differenzierung nach Geschäftsmodell und konkreter Risikolage der einzelnen Institute kommt zu kurz.“ Was hingegen die Ebene der Bankenaufsicht betrifft, hält es der Bankenverband bei aller Bedeutung einheitlicher Aufsichtsstandards für mittelfristig notwendig, Routineentscheidungen „wieder in die einzelstaatlichen Aufsichtsbehörden zurück zu verlagern“.

 

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

Donald Trump und das Gefühl von Macht

Der Trump-Wahlkampf fußte teilweise auf dem Vorschlag, die Steuern für Topverdiener dramatisch zu senken. Und dennoch kam die vehementeste Unterstützung tendenziell von Menschen mit durchschnittlichen und stagnierenden Einkommen sowie geringem Bildungsgrad. Wie das?

Trumps Sieg scheint klar in einem Gefühl wirtschaftlicher Machtlosigkeit unter seinen Unterstützern begründet zu sein. Für sie hörte sich sein simpler Slogan „Amerika wieder groß machen“ an wie „EUCH wieder groß machen“: die Massen bekommen wieder wirtschaftliche Macht, ohne den bereits Erfolgreichen etwas zu nehmen.

Menschen, die sich auf der Schattenseite der wirtschaftlichen Ungleichheit befinden, wollen in der Regel keine staatlichen Maßnahmen, die sich wie Almosen ausnehmen. Typischerweise geht es ihnen nicht darum, dass die Regierung ein progressiveres Steuersystem einführt, in dem die Reichen Strafsteuern zahlen, damit das Geld dann zu ihnen umgeleitet wird. Umverteilung fühlt sich erniedrigend an.

Bitterarme Menschen akzeptieren Almosen vielleicht, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt. Wer sich jedoch zumindest als Angehöriger der Mittelschicht versteht, wünscht nichts, das den Beigeschmack von Almosen hat. Diese Menschen möchten vielmehr ihre Wirtschaftskraft zurück.

Die Unterstützer Trumps bezeichnen seinen Triumph als Revolution, obwohl sich die Gewalt dabei – zumindest im Rahmen des Wahlkampfs – auf Beschimpfungen und Beleidigungen beschränkte. Doch das Ganze war offensichtlich böse genug, um jene Unterstützer zu inspirieren, die Aggressivität als Machtbeweis deuten.

In ihrem jüngst erschienenen Buch „Taxing the Rich: A His-tory of Fiscal Fairness in the United States and Europe“ ziehen die Autoren Kenneth Scheve von der Universität Stanford und David Stasavage von der New York University Daten zu Steuersätzen und Einkommensungleichheit aus mehr als 200 Jahren heran, um die Ergebnisse der Entwicklungen in 20 Ländern zu untersuchen. Sie stellten fest, dass die Regierungen nur in geringem Umfang oder gar nicht dazu neigten, ein progressiveres Steuersystem einzuführen, wenn die Ungleichheit vor Steuern zunahm.

Katherine Cramer, Verfasserin des Buchs „The Politics of Resentment“ gelang es, in Wisconsin Erkenntnisse zu dieser Entwicklung zu gewinnen, wo sich Gouverneur Scott Walker – ähnlich wie Trump – bei den Wählern aus der Arbeiterschicht großer Beliebtheit erfreut. Nach seiner Wahl im Jahr 2010 senkte Walker die Steuern auf höhere Einkommen; er weigerte sich, den bundesstaatlichen Mindestlohn über das national geforderte Mindestniveau anzuheben; und er lehnte die neuen, aufgrund der Unterschrift Präsident Obamas unter die Gesundheitsreform des Jahres 2010 geschaffenen Krankenversicherungsmöglichkeiten ab, die Menschen mit niedrigeren Einkommen zu Gute gekommen wären. Stattdessen versprach Walker Maßnahmen, die eine Schwächung der Gewerkschaften bedeuten würden, also Aktionen, die in der Regel so wahrgenommen werden, dass sie wahrscheinlich zu einer Senkung der Einkommen in der Arbeiterschicht führen.

Cramer interviewte Wähler aus der Arbeiterschicht in ländlichen Gebieten und versuchte zu verstehen, warum sie Walker unterstützten. Cramers Gesprächspartner betonten die Werte auf dem Lande und ihr Bekenntnis zu harter Arbeit, die eine Quelle des persönlichen Stolzes und ihrer Identität bilden. Sie hoben allerdings auch ihr Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber denjenigen hervor, die in ihrer Wahrnehmung ungerecht bevorzugt werden. Cramer zog daraus den Schluss, dass die Unterstützung für Walker inmitten des wirtschaftlichen Niedergangs Ausdruck einer extremen Wut und Aversion der ländlichen Bevölkerung gegenüber den privilegierten Menschen in den Großstädten ist, von denen sie vor Walkers Wahl nur als Steuerzahler wahrgenommen, aber ansonsten ignoriert wurden. Und ihre Steuergelder wurden teilweise dafür verwendet, Kranken- und Rentenversicherungen für öffentlich Bedienstete zu bezahlen, also für Leistungen, die sie sich selbst oftmals nicht leisten konnten. Diese Menschen wollten Macht und Anerkennung, die ihnen Walker offenbar bot.

Derartige Wähler fürchten sich auch ziemlich sicher vor den Auswirkungen der Informationstechnologie auf Arbeitsplätze und Einkommen. Bei den wirtschaftlich erfolgreichen Menschen von heute handelt es sich tendenziell um technologisch versierte Personen und nicht um die Bewohner der ländlichen Gebiete Wisconsins. Diese Wähler der Arbeiterschicht spüren einen Verlust des wirtschaftlichen Optimismus. Dennoch wollen sie bleiben, wo sie sind, und ihre eigenen Werte hochhalten.

Trump spricht die Sprache dieser Wähler, wiewohl seine Vorschläge bislang nicht auf eine derartige Verschiebung der Machtverhältnisse abzielen. Er forciert Steuersenkungen, die seiner Ansicht nach eine neue Welle des Unternehmergeistes auslösen werden und er spricht von einer Neuverhandlung von Handelsabkommen in Richtung Protektionismus, um die Arbeitsplätze in Amerika zu halten. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass man mit derartigen Maßnahmen die Wirtschaftskraft zu den relativ gesehen weniger Erfolgreichen verschiebt.

Verweigern diejenigen, denen es an den in der Wirtschaft von heute notwendigen Qualifikationen mangelt, die Umverteilung, lässt sich schwer erkennen, was Trump machen wird, damit es ihnen besser geht. Mit der Trump-Revolution wie sie bislang präsentiert wurde ist es wohl höchst unwahrscheinlich, das zu erreichen, was seine Unterstützer wirklich wollen: nämlich mehr wirtschaftliche Macht für die Arbeiterschaft.

Autor: Robert J. Shiller ist Wirtschaftsnobelpreisträger 2013, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Yale. Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier, © Project Syndicate 1995 – 2016

Analyse: SBO im zyklischen Abschwung

Die Oilfield Service-Industrie (SBO) ist vom stärksten Abschwung seit mehr als 30 Jahren betroffen. SBO schaffte es, in diesem Umfeld noch einen positiven Cash Flow zu erzielen und hat gut auf die Durststrecke reagiert.

In den beiden Segmenten von SBO, nämlich Präzisionsbohrstrangteile und Ölfeld-Ausrüstung (z.B. Bohrmotoren, Circulation -und Completion Tools) lässt sich im aktuellen Umfeld kein gutes Geschäft machen. Seit Beginn des Abschwungs in der zweiten Jahreshälfte 2014 ging bis zum Tiefststand im 2. Quartal 2016 die Zahl der weltweiten Bohranlagen um 62 % auf 1.405 zurück. In den USA lag der Rückgang sogar bei 79,5 %. Die Ölgesellschaften hatten ihre Ausgaben für Exploration und Produktion bereits 2015 um 21 % gesenkt und für 2016 wird ein weiterer Rückgang um 26 % erwartet.

In den ersten drei Quartalen 2016 brach der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 48,3 % auf 133,1 Mio€ ein und sogar das EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) rutschte mit 7,2 Mio€ ins Minus (Vorjahreszeitraum noch +55 Mio€). Der Verlust/Aktie weitete sich von
-0,13 auf -1,43 € aus. Der Auftragseingang ging in den ersten neun Monaten 2016 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 24,5 % auf 116,5 Mio€ zurück, verbesserte sich aber gegenüber dem 1. und 2. Quartal, wobei es zur Ausrufung einer Bodenbildung noch zu früh ist. Fakt ist auch, dass der Auftragsstand binnen eines Jahres bis 30. 9. 2016 von 40,2 auf 17,4 Mio€ zusammenschrumpfte und das Unternehmen mittlerweile von kurzfristig eingehenden Aufträgen lebt.

Da SBO die Ausgaben flexibel anpasste, konnte noch ein positiver Cash Flow aus der laufenden Geschäftstätigkeit von 28,9 Mio€ (1-9 2015: 86,1 Mio€) erzielt werden.

Die Investitionen in Sachanlagevermögen und immaterielle Vermögenswerte (CAPEX) wurden gegenüber den ersten drei Quartalen 2015 um 48,7 % auf 9,4 Mio€ zurückgefahren.

Das Unternehmen expandierte im 2. Quartal mit der Übernahme von 68 % der US-Gesellschaft, Downhole Technology (Kaufpreis 103 MioUSD), noch stärker in die „Komplettierung“, also Produkte für den anschließenden Schritt im Lebenszyklus einer Bohrung mit welchem diese für die Öl- und Gasförderung vorbereitet wird – eine Entscheidung die sich langfristig bezahlt machen sollte. Trotz dieser Akquisition lag die Nettoverschuldung bei lediglich 56,1 Mio€ (Gearing 13,8 %). Bei Cashreserven von 141,6 Mio€ und einer Eigenkapitalquote von 54,8 % besteht noch ein dicker Sicherheitspolster für eine Schrumpfungsphase, die bis 2018 noch andauern könnte. Mittels Fusionierung von Tochtergesellschaften, Reduktion der CAPEX, Personalabbau unter Wahrung des Know-how-tragenden Kernteams sollte die Durststrecke gut überstanden werden.

Für den nächsten Aufschwung der Branche ist das Unternehmen gut gerüstet, zumal dieser im nordamerikanischen Markt seinen Ausgang nehmen sollte. Dort ist SBO mit Bohrmotoren und im Well-Completion-Bereich gut positioniert.

Fazit: Die SBO-Aktie kann bei Schwäche über einen mittelfristigen Zeitraum schrittweise akkumuliert werden. Geduld ist allerdings erforderlich!

Autor: Michael Kordovsky (boersen-kurier.at)

 

Im Gespräch mit SBO-CEO Gerald Grohmann

Wie seit längerem vermutet, verstärken sich beim Ölpreis Anzeichen einer Bodenbildung. Im Ergebnis der ersten drei Quartale 2016 freilich trägt Schoeller Bleckmann noch die Last mangelnder Investitionen der Ölbranche.

Bereits seit Anfang des Jahres weist der CEO der Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment AG Gerald Grohmann (Foto) darauf hin, dass die Öl- und Gaspreise nicht ewig im Keller bleiben können, da sich die produzierenden Länder mit ihrer Politik des „offenen Ölhahns“ auf Dauer nur selbst schaden.

Daran hat sich bis jetzt nichts geändert, die Ölpreisbildung der nächsten Zeit ist seriös nicht vorherzusagen. Gleichzeitig kommen zu den bisherigen Parametern (Konkurrenz zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, Russlands Bedarf nach schnellem Cash) noch die Unsicherheiten dazu, die sich aus den bisherigen wirtschaftspolitischen Ankündigungen des künftigen US-Präsidenten Donald Trump ableiten lassen.

Aus Trumps Aussagen ließe sich noch gar nicht allzu vieles ableiten, meint Grohmann gegenüber dem Börsen-Kurier, denn vieles sei dem Wahlkampf geschuldet. Ob all die Ankündigungen dann auch umgesetzt würden, könne erst die Zukunft zeigen. Selbst unter Annahme des Szenarios, dass der neue US-Präsident die Öl- und Schiefergasindustrie substantiell fördern würde, werde die nähere Zukunft der Öl- und Gaspreisbildung ohne Verwendung einer Glaskugel nicht absehbarer, denn theoretisch könnte ein Revival von Schiefergas die Preise auch noch weiter drücken.

Auch die zweite relevante Ankündigung Trumps, Handelsbarrieren aufzubauen, könne in Bezug auf deren Folgen noch nicht wirklich bewertet werden. „Handelsrestriktionen tun der Wirtschaft allerdings nur selten gut“, bezieht sich Grohmann auf die Erfahrung aus der Geschichte.

So liegen die Auswirkungen des Parameters OPEC auf der Zeitachse vermutlich sogar näher als diejenigen des Parameters Trump. Diese denkt ja seit einiger Zeit an Förderkürzungen. Dazu fand erst vor ein paar Tagen in Wien abseits der öffentlichen Wahrnehmung ein „technisches Vorbereitungsmeeting“ der OPEC-Mitglieder statt, in dem sich vor allem der Iran und der Irak wieder einmal nicht auf künftige Ölfördermengen geeinigt haben sollen. Als gesetzt gilt dabei, dass man in der OPEC
gerne Vladimir Putin zu einer gemeinsamen Förderreduktion ins Boot holen möchte. Ein solcher Gleichschritt ist bis heute ausgeblieben. Nun gilt das Augenmerk einer OPEC-Sitzung auf Ministerebene am 30. 11. ebenfalls in Wien (nach Redaktionsschluss, Anm.).

Die künftige Auftragslage der Ölausrüsterindustrie hängt von diesen Entscheidungen hochgradig ab. Finanziell gut aufgestellte Unternehmen wie SBO mussten heuer zwar starke Umsatz- und Ertragsrückgänge hinnehmen, konnten aber auch in dieser Situation noch einen positiven operativen Cashflow erzielen. CEO Grohmann bleibt daher bei seinem Ausblick, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach mit den Preisen und in der Folge mit der Auftragslage der Zulieferindustrie nur mehr aufwärts gehen kann, die Frage ist nur: wann?

Das Gespräch führte Mag. Tibor Pásztory (redaktion@boersen-kurier.at)

Norwegen überrascht positiv, Skandinavien überzeugt

Trotz des niedrigen Ölpreisniveaus rutschte Norwegen nicht in die Rezession. Allerdings überrascht nicht nur Norwegen. Seit 2008 hat der skandinavische VINX Benchmark Capital Price Index den EuroStoxx 50 Index jedes Jahr im Schnitt um mehr als fünf Prozent hinter sich gelassen. Vom US-Wahlergebnis zeigen sich die skandinavischen Märkte relativ unbeeindruckt.

Kein europäisches Land ist so stark von der Entwicklung der Ölpreise abhängig wie Norwegen. Mit dem Verfall der Erdölpreise im Jahr 2015 zogen über der 524-Milliarden-Dollar-Ökonomie Gewitterwolken auf. Mittlerweile haben sich die Ölpreise ein Stück weit erholt und wie sich zeigt, hat der Sturm weniger Schaden angerichtet, als befürchtet.

Im vierten Quartal 2015 ging die Wirtschaftsleistung zurück (minus 1,3 Prozent), es blieb jedoch bei einem negativen Quartal. Schon im ersten Quartal 2016 erfolgte der Rebound (plus 1 Prozent zum Vorquartal). Im zweiten Quartal gewann die Wirtschaft weiter an Schwung und legte zum Erstquartal stärker als erwartet um 0,4 Prozent zu. Die norwegische Zentralbank sieht offenbar einen Silberstreif am Horizont. Anders als bei ihrer Sitzung am 23. Juni angekündigt, ist in diesem Jahr keine weitere Zinssenkung geplant. Die Zentralbank sagt für die nächsten Jahre ein Zinsniveau von rund 0,5 Prozent voraus.

Hoffnung auf steigende Ölpreise
Die Ölpreise haben sich zwar erholt, liegen aber immer noch um mehr als 50 Prozent unter dem Niveau von 2014. Hoffnung auf steigende Ölpreise machte die OPEC mit einer Kürzung der Fördermenge um 750.000 Fass pro Tag. DNB-Analyst Thorbjorn Kjus warnt allerdings vor zu großen Erwartungen. Einerseits sei die Kürzung angesichts der prall gefüllten Lagerbestände nicht groß genug, andererseits bestehe weiterhin eine große Unsicherheit auf den Märkten.

Die geht vor allem auf die Rivalität zwischen dem Iran und Saudi Arabien zurück. Iran hat die Fördermenge seit dem letzten OPEC-Meeting sogar erhöht. Zudem ist unklar, ob Saudi Arabien wie in der Vergangenheit dazu bereit ist, die Reduktion der Fördermenge selbst zu stemmen. Zudem zog der Wahlsieg Donald Trumps den Ölpreis vorübergehend nach unten. Trump warb im Wahlkampf damit, die Schieferölproduktion zu fördern und die USA komplett von Ölimporten unabhängig zu machen.

Erstmals Staatsfonds angezapft
Die norwegische Regierung versucht den negativen Auswirkungen des Ölpreisverfalls mit stimulierenden Programmen entgegenzutreten. Zur Finanzierung entnimmt sie dem seit 1996 mit Ölgeldern gefüllten norwegischen Staatsfonds (Statens pensjonsfond utland) erstmals in der Geschichte Erträge. 2016 werden 95,7 Milliarden Kronen vom Fondsvermögen abgezogen. 2017 sollen es sogar 121,2 Milliarden Kronen sein.

Fast ein Drittel der Marktkapitalisierung der Oslo Stock Exchange wird von der Ölindustrie bestimmt. Im aggregierten gesamtnordischen Anlageuniversum sind Aktien aus dem Energiesektor jedoch mit weniger als vier Prozent gewichtet. Das ist sogar weniger als der europäische oder globale Durchschnitt.

Beeindruckende Outperformance
Der norwegische Leitindex OBX befindet sich seit März auf Erholungskurs. Insgesamt haben die skandinavischen Märkte in den letzten Jahren überzeugt. Der skandinavische VINX Benchmark Capital Price Index NOK legte in den 100 Monaten zwischen dem 31. März 2008 und dem 29. Juli 2016 knapp 37 Prozent zu. Das entspricht einer jährlichen Rendite von mehr als 3,8 Prozent.

Noch beeindruckender ist die Performance bei Wiederanlage der Dividenden mit einem Plus von knapp 81 Prozent. Die annualisierte Rendite lag bei der Wiederanlage der Dividenden bei knapp 7,4 Prozent. Der Eurostoxx 50 Index rutschte in dieser Zeit um 17,6 Prozent ins Minus (annualisiert -2,14 Prozent). Mit Hilfe der Dividenden kam das europäische Kursbarometer im Betrachtungszeitraum auf ein Plus von 19,3 Prozent. Aufs Jahr gerechnet bleibt ein Plus von 2,14 Prozent. „Insgesamt hat der VINX Anlegern im Vergleich zum Eurostoxx 50 eine jährliche Mehrrendite von 5,2 Prozent gebracht“, sagt Hagen-Holger Apel, Diplom-Volkswirt und Senior Portfolio Manager bei DNB Asset Management in Luxemburg.

Skandinavische Märkte reagieren auf Trump gelassen
Der VINX Benchmark Capital Price Index enthält die größten und am meisten gehandelten Aktien an der Nordic Exchange und der Börse Oslo. Schwedische Titel sind im Index mit 46 Prozent am stärksten vertreten. 24 Prozent der Aktien notieren in Dänemark, 16 Prozent in Finnland und 9 Prozent in Norwegen. 75 Prozent des Index notiert in skandinavischen Währungen. „Wer in dieser Zeit in der Region investierte und Währungsrisiken einging, wurde mit zusätzlicher Rendite belohnt“, sagt Hagen-Holger Apel und verweist auf die aktuell wieder etwas schwächer notierenden skandinavischen Währungen.

Auf das Ergebnis der US-Präsidentenwahl hat der VINX Benchmark Index in den ersten Handelstagen mit einem moderaten Plus reagiert. Nach einem schwachen Monatsauftakt drehten die nordischen Aktienindizes somit leicht in den positiven Bereich.

Reiches Angebot an Qualitätsunternehmen
Auch wenn Skandinavien im Vergleich zu Gesamteuropa klein ist, finden Investoren dort ein reiches Angebot an sehr gut geführten Qualitätsunternehmen. Im VINX Index sind 149 Unternehmen zusammengefasst. Skandinavien profitiert von stabilen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, einem hohen Bildungsniveau und dem Zugang zu neuen Technologien. Für ein Investment in die skandinavischen Volkswirtschaften empfehlen sich spezialisierte Investmentfonds, da diese den gesamten Markt abdecken und vor Ort verwaltet werden. Der DNB Scandinavia, ein vom Osloer Team um Portfoliomanager Kjell-Morten Hjørnevik verwalteter Fonds, legt sein Fondsvermögen in skandinavische Aktien an, verfügt jedoch über in Luxemburg zugelassene und investierbare Anteilsklassen sowohl für institutionelle Investoren als auch für Privatanleger.

Für Anleger, die aufgrund der Unsicherheit am Zinsmarkt ein Interesse an geringen Zinsänderungsrisiken haben und gleichzeitig in einer skandinavischen Währung positioniert sein möchten, könnte der DNB SICAV High Yield interessant sein. „Eine geringe Duration sowie eine Anlage in Norwegischen Kronen ist für viele Investoren in der aktuellen Situation attraktiv“, führt Hagen-Holger Apel weiter aus. Die Unsicherheit in der Eurozone lasse ein Investment in den skandinavischen Volkswirtschaften wieder attraktiv erscheinen. (DNB Asset Management S.A.)

USA, Europa, Asien – Wie reagieren die globalen Aktien-Märkte auf Trump?

Eine umfassende Einschätzung des gesamten Schroders Aktien-Teams.

Matt Ward, Fondsmanager US Equities

Die Präsidentschaft Trumps hat unserer Meinung nach zwei weitreichende Konsequenzen:

  1. Steigende Staatsausgaben, die Republikaner wie auch Demokraten unterstützen
  2. Unsicherheit angesichts unklarer Vorstellungen zur Handelspolitik

 

Wir gehen davon aus, dass die von Trump angekündigte Politik der Steuererleichterungen sowie Infrastruktur und Verteidigungsausgaben das BIP um bis zu 75 Basispunkte erhöhen könnte. Für Trump dürfte es relativ leicht sein, Änderungen der Steuergesetzgebung durchzusetzen, da der Kongress in der Hand der Republikaner ist. Doch ist auch zu bedenken, dass er für jedes größere Gesetzesvorhaben die Unterstützung sämtlicher Republikaner im Senat benötigen würde. Und eben jener Kongress hat sich in der Vergangenheit immer wieder gegen die Defizitfinanzierung ausgesprochen. Zudem ist es generell problematisch, von Wahlversprechen auf die tatsächliche Politik zu schließen.

 

Hinsichtlich des internationalen Handels spüren wir eine beträchtliche Unsicherheit, da Trump hier auch ohne Zustimmung des Kongresses unilateral agieren kann. Das reicht bis hin zum Rückzug aus bestimmten Handelsabkommen wie dem Nordatlantischen Freihandelsabkommen (NAFTA) oder taktischen Manövern wie den angekündigten Strafzöllen gegen China.

 

Was einzelne Branchen betrifft, haben die Medien zwei Gesichtspunkte angesprochen, die sich in den

Marktreaktionen bislang kaum widerspiegeln. Zum einen sind da die Vorteile, die sich durch steigende

Staatsausgaben für Industrie und Rüstungskonzerne ergeben. Und zum anderen die negativen Folgen für Gesundheitsdienstleister, Krankenhäuser und Medizingerätehersteller, die durch die Rücknahme der Gesundheitsreform Obamas entstehen würden. Zudem zeichnet sich eine Lockerung der Arzneimittelpreisbindung an, von der vor allem Pharma- und Biotech-Unternehmen profitieren würden.

 

Ein Mangel an Sicherheit ist für die Märkte immer negativ. Wachstum und Politik werden aber letztendlich über die weitere Marktentwicklung bestimmen. Doch das wird erst geschehen, wenn Trump seine Vorhaben konkretisiert hat und die wichtigsten Ämter unter seinen Gefolgsleuten aufgeteilt sind. Frühestens wird dies am 20. Jänner geschehen.

 

Weiterhin schätzen wir, dass das amerikanische Bruttoinlandsprodukt 2017 gegenüber dem Ausgangswert um zwei Prozent wachsen wird (zzgl. etwaiger von Trump zu setzender Anreize). Hauptursache hierfür wird der Konsum sein, der zwei Drittel der US-Wirtschaft ausmacht.

 

Für eine günstige Konsumentwicklung sprechen das kontinuierliche Arbeitsplatzwachstum, die jüngste

Entwicklung des Lohnniveaus, die guten Unternehmensbilanzen sowie die gestiegenen Immobilienpreise. Zwar lenken die Unsicherheiten hinsichtlich der Besetzung der Kabinettsposten und die Möglichkeit eines Rückgangs im internationalen Handel vom aktuellen Wachstumskurs ab; weitere fiskalpolitische Anreize könnten sich hier aber noch als günstig erweisen.

 

Wichtig ist, dass viele von Trumps finanzpolitischen Initiativen und unternehmensfreundlichen Gesetzesvorhaben das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft fördern könnten, andererseits aber eine steigende Inflation, Zinsen und der starke Dollar entgegenwirkende Faktoren sind, die wir weiter beobachten müssen. Bereits jetzt wirkt sich die Inflation auf die Vollbeschäftigung aus. Wir gehen aber davon aus, dass die US-Notenbank (Fed) im aktuell moderaten Wachstumsumfeld darauf reagieren wird. Aktuell beträgt die Wahrscheinlichkeit eines Fed-Richtungswechsels im Dezember bis zu 80 Prozent.

 

Alex Tedder, Head and CIO Global and US Equities

Die Rücknahme der Politik Obamas wird sich voraussichtlich auf die Bereiche Gesundheit und Energie beschränken, die angesichts eines möglichen Wahlsiegs Clintons bereits in Bedrängnis geraten waren. Die Reform des Gesundheitssystems wird die Abschaffung von Obamacare und die Rückkehr zu marktbestimmten Preisen für Arzneimittel und Gesundheitsleistungen beinhalten. In der Energiepolitik wird der Klimawandel kein bestimmendes Thema mehr sein. Vielmehr scheint sich eine Konzentration auf die Energiesicherheit im Inland abzuzeichnen. Dadurch entstehen in den USA im Zuge von Gesetzesänderungen auch neue Investitions-Möglichkeiten.

 

Die gewachsenen Gesamtrisiken werden allerdings zu höheren Risikoprämien in allen Märkten und Sektoren führen, was Druck auf die Bewertung des Kapitalmarkts ausübt. Dies dürfte das vorherrschende Thema bleiben, bis sich Anzeichen eines Aufschwungs zeigen.

 

Der Wahl-Sieg Trumps ist also unerwartet, führt aber zu keinen signifikanten Veränderungen in unseren globalen Aktienportfolios. Diese haben wir bewusst breit auf unterschiedlichste Branchen und Regionen gestreut. Ihr Schwerpunkt liegt auf bekannten Namen mit attraktiven und robusten Fundamentaldaten. Der Sieg Trumps wird je nach Ausgabepreis und Währungsentwicklung angesichts dieser Erwartungen dennoch aktienspezifische Möglichkeiten eröffnen.

 

Rory Bateman, Head of UK and European Equities

Der zunächst rasante Abverkauf europäischer Aktien kehrte sich heute früh schnell ins Gegenteil um, als Investoren die Folgen des Trump-Siegs neu bewerteten. Die Risikoprämie von US-Aktien dürfte sich angesichts der politischen Unsicherheit erhöhen. Das wird jedoch in gewissem Maße durch den klaren Wahlsieg der Republikaner und die allgemeine Erleichterung über das Ende des Wahlkampfs ausgeglichen. Europäische Aktien werden unter der Stimmung leiden – unseren Erwartungen nach jedoch nur sehr gering. Das liegt vor allem an den attraktiven Bewertungen und dem Erholungspotenzial europäischer Unternehmen.

 

Unweigerlich werden einige europäische Unternehmen schwerer getroffen werden; doch da unklar ist, welche politischen Vorhaben Trump umsetzen will, ist es bisher schwierig Schlüsse zu ziehen. Generell bedeutet ein zunehmender Protektionismus der USA getreu dem Motto „Make America great again“, dass internationale Konzerne mit Niederlassung in den USA tendenziell eher profitieren, während Firmen, die in die USA exportieren, mit wachsenden Handelshemmnissen rechnen müssen.

 

Was einzelne Branchen angeht, schwächelt nun die Pharma-Industrie, da der eigentlich erwartete Wahlsieg Clintons wohl Preiskontrollen bei Arzneimitteln bedeutet hätte. Die jüngste Schwäche dürfte sich insbesondere angesichts des republikanischen „Neuanfangs“ noch umkehren. Allerdings ist zu betonen, dass Trumps Aussagen zur Gesundheitspolitik äußerst dünn gesät waren. Die wichtigste Priorität der Republikaner und Trumps wird die Rücknahme von Obamacare sein, was vor allem schlecht für amerikanische Krankenhäuser und andere Dienstleister ist, sich aber für europäische Unternehmen kaum bewerten lässt.

 

Eine von Infrastrukturausgaben getragene fiskalische Expansion ist ein Schlüsselthema Trumps. Daher sind in den USA tätige Bau- und Konzessionsunternehmen gut positioniert. Doch auch hier bieten sich aus europäischer Sicht nur minimale Möglichkeiten.

 

Wir erwarten, dass die Zinsen aufgrund von fiskalischen Anreizen und Steuererleichterungen auf kurze Sicht steigen werden. Eine kurzfristige Stärkung des Dollars ist wahrscheinlich, was eine gute Nachricht für Banken und viele amerikanische Finanzfirmen ist, darunter die Lebensversicherer. Kehrseite der Medaille ist, dass die Angst vor Defizit und Inflation die Stärke des Dollars auf lange Sicht untergraben könnte.

 

Unzweifelhaft haben wir es mit einem besonderen Moment in der amerikanischen Geschichte zu tun, und dieses Wahlergebnis ist von den meisten Marktteilnehmern nicht erwartet worden. Es ist aber unwahrscheinlich, dass die Folgen für die Aktienmärkte wirklich so dramatisch ausfallen werden, vor allem in Europa.

 

Dass Trumps persönlicher Hintergrund und seine bisher getätigten politischen Ankündigungen den

Aktienmärkten schaden würden, ist bislang nicht zu erkennen. Natürlich werden wir nach Chancen Ausschau halten, sollte es zu größeren Kursschwankungen kommen. Doch die Angst vor einer deutlichen Kurskorrektur ist unserer Meinung nach zum jetzigen Zeitpunkt übertrieben.

 

Tom Wilson, Head of Emerging Market Equities

Die Folgen des Wahlergebnisses in den USA sind unklar. Im Wahlkampf ging es kaum um konkrete politische Vorhaben, weshalb es natürlich entscheidend darauf ankommt, inwieweit welche Aussagen und Versprechen tatsächlich umgesetzt werden. Bis in dieser Sache Klarheit herrscht, dürfte die Unsicherheit der Investoren zu einer beträchtlichen Marktvolatilität führen.

 

Trumps protektionistische Haltung kann sich beispielsweise negativ auf den Welthandel und damit auch die Schwellenmärkte auswirken. Die Art ihrer Umsetzung und mögliche Reaktionen anderer Staaten können jedoch zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen führen. Aus Sicht der Märkte können negative Auswirkungen durch eine angemessene politische Reaktion aufgewogen werden, sei es aufseiten der USA oder in anderen Ländern. Kurz gesagt: Es ist zu früh, um Vorhersagen zu treffen, wie sich die Dinge entwickeln. Deshalb besteht unserer Auffassung nach kein Anlass für einen grundlegenden Kurswechsel.

 

Die Positionierung unseres Portfolios bleibt von globalen Marktereignissen weitestgehend unberührt. Auch die künftige Dollar-Entwicklung und die Politik der US-Notenbank werden nicht überproportional stark abgebildet.

 

Dementsprechend erwarten wir keine signifikanten Folgen für die relative Entwicklung unseres Portfolios. Als langfristig denkende Fundamentalinvestoren verfolgen wir keinen Trading-Ansatz und haben nicht auf den einen oder anderen Wahlausgang spekuliert. Wir behalten die Ereignisse genau im Blick und versuchen im Laufe der weiteren Entwicklung der amerikanischen Politik von jeder Überreaktion eines Marktes, einer Währung oder einer Aktie zu profitieren.

 

Aktien-Team Asien (ex Japan)

Für uns als Investoren mit Schwerpunkt auf Fundamentalwerten und Bottom-up-Titelauswahl wirkt sich dieses Wahlergebnis nicht unmittelbar auf unsere Strategie oder unsere Erwartungen aus. Unbegründete Schwächen auf der Ebene einzelner Aktien können wir jedoch selektiv nutzen, um bekannte Namen hinzuzuholen, sofern wir langfristig von den jeweiligen Unternehmen und ihren Fundamentaldaten überzeugt sind.

 

Wir beobachten die weitere Entwicklung nach den Wahlen und deren mögliche Folgen für asiatische

Unternehmen und Exporteure. Das gilt etwa in bestimmten Branchen wie der Pharmaindustrie, wo die

Arzneimittelbepreisung durch strengere Regulierungen unter Druck geraten kann, oder bei IT-Dienstleistern, die die Änderung der Einwanderungspolitik spüren könnten. Wir konzentrieren uns weiterhin auf Unternehmen, die sich von der Masse absetzen und von strukturierteren Faktoren wie der demographischen Entwicklung, Innovation und Modernisierung profitieren. (11.11.2016)

Aktionärsaktivismus: Fluch oder Segen für den Markt?

Sogenannte „Aktivistische Investoren“ – sprich offensiv handelnde Hedgefonds – waren lange ein US-amerikanisches Phänomen. In Deutschland machen nun europäische Akteure von sich Reden.

Sie treten auf den Plan, wenn ein Unternehmen gegenüber seinen Mitbewerbern eine schwache Performance zeigt oder wenn es eine Diskrepanz in der Bewertung gibt. Auch ein ineffizientes Cash-Management oder eine geringe Glaubwürdigkeit des Managements können sie motivieren. Die Rede ist von einer kleinen Gruppe aktivistischer Hedgefonds. Dies sind Fonds, die mit ihren Einlagen offensiv in Unternehmen investieren, um so für ihre Anleger überdurchschnittliche Gewinne zu erzielen. Sie beeinflussen dabei oftmals das Management. Auch feindliche Kampagnen gegen das Unternehmen wie das Wetten auf fallende Kurse sind nicht unüblich. Der Vorwurf, sie stiegen in Firmen ein, um diese zu filetieren und dann weiter zu ziehen, brachte ihnen den Namen „Heuschrecke“ ein. Laut Peter Kirkow, Direktor beim Unternehmens-berater KPMG in Österreich, sind rund 70 Hedgefonds aktivistisch unterwegs. Oftmals sehe man hier nur die Spitze des Eisbergs, so Kirkow gegenüber dem Börsen-Kurier.

Aktivistische Investoren, also aggressive Hedgefonds, waren lange ein US-amerikanisches Phänomen. Kirkow konstatiert nun, dass Europa und Asien vermehrt ins Visier solcher Investoren geraten. Allein zwischen 2011 und 2015 gab es laut Kirkow in Deutschland 23 Angriffe von Hedgefondsseite. Es sind neben den etablierten US-amerikanischen Aktivisten auch immer häufiger europäische Fonds wie Cevian oder TCI. „Sie treten weitaus vorsichtiger auf und arbeiten stärker mit dem Management zusammen“, charakterisiert Kirkow diese Fonds. Oft sprächen sich die Aktivisten im Vorfeld einer Aktion mit den wichtigsten institutionellen Investoren des betroffenen Unternehmens ab und beeinflussen so die Abstimmungen auf Hauptversammlungen. Das zwinge das Management, sich mit den Aktionärsaktivisten an einen Tisch zu setzen, erläutert Kirkow uns gegenüber.

Jüngstes Beispiel in Deutschland: Seitdem der Autobauer Volkswagen im Abgasskandal unter Druck gerät, stellt der Hedgefonds TCI harsche Forderungen: VW-Chef Matthias Müller solle 30.000 Stellen streichen und sich von den Töchtern Bentley, Bugatti und MAN trennen. Ein Dorn im Auge ist TCI-Chef Chris Hohn auch die mächtige Stellung der Familien Porsche und Piech sowie die Rolle des Landes Niedersachsen, das eine Sperrminorität besitzt. Weiterer Kritikpunkt des Briten, der sich als Spender und Philanthrop einen Namen gemacht hat, sind die hohen Managementvergütungen. Hier hat Hohn schon einen Erfolg verbucht: Das VW-Management kündigte an, dass das Boni-System im kommenden Jahr angepasst werde – ein Erfolg für die gesamte Investorenschaft?

Kirkow: „Wir können aktivistische Hedgefonds nicht in ,gut’ oder ,böse’ einteilen. Deren aktivistischer Ansatz hat nachweislich eine höhere Performance, verglichen mit anderen aktiv und auch passiv geführten Fonds.“ Und Kirkow weiter: „Wir mögen polemisch von ,Schreckgespenst’ etc. sprechen, doch haben diese Fonds dem US-amerikanischen aber auch zunehmend dem europäischen Markt einen Dienst erwiesen, nicht zuletzt durch systematische Aufdeckung fehlender Transparenz und schwacher Governance-Strukturen.“ Kirkow wählt das Wort „nötiges Wachrütteln“.

Andere Player wie Muddy Waters geben sich jedoch weniger versöhnlich. Der Hedgefonds ist dafür bekannt, mit Leerverkäufen aggressiv gegen Unternehmen zu spekulieren und „Schlammschlachten“ zu führen. „Der Fonds hat im April bereits angekündigt, dass er nach mindes­tens fünf weiteren Angriffszielen in Deutschland sucht. Darunter könnten sowohl große als auch mittelständische Unternehmen sein“, so Kirkow.

Autorin: Christiane Süßel, Frankfurt (redaktion@boersen-kurier.at)

In jedem Marktszenario renditebringend positionieren

Mit Zertifikaten können Anleger von steigenden, fallenden oder seitwärts tendierenden Märkten profitieren. Der Börsen-Kurier stellt neue Produkte auf österreichische Aktien vor.

Es müssen nicht immer Aktien sein. Auch mit Zertifikaten auf österreichische Aktien lassen sich schöne Erträge generieren. Allerdings bieten sie einen entscheidenden Vorteil, wie Philipp Arnold, Zertifikate-Experte bei der Raiffeisen Centrobank (RCB), gegenüber dem Börsen-Kurier erklärt: „Mit Zertifikaten kann man sich in jedem Marktszenario – egal, ob man nun von steigenden, fallenden oder seitwärts tendierenden Aktienmärkten ausgeht – renditebringend positionieren.“

„Gerade bei Investments in Einzeltitel ist es dabei unerlässlich, sich mit dem Unternehmen und der Aktie auseinanderzusetzen“, so Arnold weiter. Falls man das nicht wolle, so sei möglicherweise eine indexbasierte Lösung eine Option. „Durch diese Diversifizierung ist der Anleger nicht direkt einem einzelnen Unternehmensrisiko ausgesetzt, sondern vielmehr breit gestreut und – mit der Wahl des richtigen Zertifikats – entsprechend seiner Markterwartung klug positioniert“, so Arnold.

„Aktien-Luft“ schnuppern
So weit, so gut. Derzeit gibt es eine Reihe von interessanten neuen Produkten. Für Anleger, die „Aktien-Luft“ schnuppern, dabei aber auf Nummer sicher gehen wollen und mittel- bis langfristig von einem seitwärts tendierenden bzw. leicht steigenden österreichischen Markt ausgehen, bietet sich etwa das Garantie-Zertifikat Österreich Aktien Bond 2 (ISIN: AT0000A1NYF0) der RCB an. Hier wird der investierte Nominalbetrag am Ende der Laufzeit (November 2024) zu 100 % zurückbezahlt – und zwar unabhängig davon wie sich die Kurse der drei zugrundeliegenden Aktien (Andritz, OMV, voestalpine) entwickeln.

Darüber hinaus besteht für Anleger mit dem Garantie-Zertifikat Österreich Aktien Bond 2 die Chance, jährlich einen Kupon von 3,25 % zu lukrieren. Die Voraussetzung dafür ist, dass alle drei Aktien am jährlichen Bewertungstag über den jeweiligen Schlusskurs am ersten Bewertungstag (Startwert) notieren. Die Startwerte wurden in der folgenden Höhe festgesetzt: OMV 28,36 €,
Andritz 47,75 €, voestalpine 32,58 €. Sobald allerdings nur eine der drei Aktien am Bewertungstag unter dem Startwert notiert, entfällt der Kupon für das jeweilige Jahr.

„Anleger, die das Zertifikat kaufen möchten, müssen sich vor Augen halten, dass es – da die Zeichnungsfrist abgelaufen ist – auf dem Sekundärmarkt erhältlich ist“, so Arnold. Der Kaufkurs könne dabei unter oder über dem Emissionspreis liegen.

Für Anleger, die Chancen am Aktienmarkt suchen und bereit sind, etwas mehr Risiko zu einzugehen, könnte die Aktienanleihe auf die Vienna Insurance Group (AT0000A1PJ J8) interessant sein. Sie bekommen hier jedenfalls einen Zinssatz in Höhe von 8 % des Nominalbetrags am Laufzeitende im September 2017 gutgeschrieben. Ob zum Laufzeitende die Rückzahlung des Nominalbetrags zu 100 % erfolgt oder der Anleger Aktien der VIG ins Depot geliefert bekommt, hängt davon ab, ob der Basiswert bis zum 15.9.2017 (letzter Bewertungstag) immer über der Barriere von 13,6 € notiert. Ist das der Fall, so wird die Aktienanleihe zu 100 % zurückbezahlt.

„Falls allerdings die Barriere berührt oder unterschritten wird und der Schlusskurs am letzten Bewertungstag unter dem Basispreis (21 €) liegt, so bekommt der Anleger die zu Beginn der Laufzeit festgelegte Aktienanzahl pro 1.000 € Nominale (47 Stück) geliefert, so Arnold.

Aber auch die Konkurrenz schläft nicht, was neue interessante Produkte betrifft. In Zeichnung befindet sich etwa gerade eine Memory-Express- Anleihe der Erste Group auf die OMV (AT0000A1PCM7) – der Emissionstag ist der 18. November. Das Zertifikat bietet Anlegern jedenfalls einen Zinsertrag dessen Zahlung von der Wertentwicklung des Basiswertes abhängt. Konkret erhalten sie am jeweiligen Zinszahlungstag eine Zinszahlung von 6 % bezogen auf den Nominalbetrag – vorausgesetzt der Schlusskurs der OMV-Aktie notiert am jeweils maßgeblichen Bewertungstag auf oder über der Kupon-Barriere (65 % des Ausübungspreises). Ist das nicht der Fall, werden keine Zinsen ausbezahlt.

Zwei Szenarien
Für den Fall, dass der Schlusskurs der OMV-Aktie an einem Bewertungstag auf oder über der Rückzahlungsbarriere notiert, wird die Schuldverschreibung am direkt darauf folgenden Rückzahlungstag vorzeitig zu 100 % getilgt (inklusive der bis dahin fälligen Zinserträge). Erfolgt keine vorzeitige Rückzahlung der Schuldverschreibung, so sind wiederum zwei Szenarien möglich: Notiert der Schlusskurs der OMV-Aktie am letzten Bewertungstag auf oder über der finalen Rückzahlungsbarriere (65 % des Ausübungspreises), erfolgt die Rückzahlung zu 100 % des Nominalbetrags (zuzüglich des dann fälligen Zinsertrags). Falls allerdings der Schlusskurs des Basiswertes am letzten Bewertungstag unter der finalen Rückzahlungsbarriere notiert, erhalten Anleger eine entsprechend dem Bezugsverhältnis festgelegte Zahl von OMV-Aktien.

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

Die Zähmung Donald Trumps

Nachdem Donald Trump unerwartet die US-Präsidentschaftswahlen gewonnen hat, ist es nun eine offene Frage, ob er im Einklang mit dem radikalen Populismus seines Wahlkampfs regieren oder einen pragmatischen, gemäßigten Ansatz verfolgen wird.

Wenn Donald Trump entsprechend dem Wahlkampf regiert, der ihm den Wahlsieg beschert hat, können wir Marktängste in den USA und weltweit sowie potentiell erhebliche wirtschaftliche Schäden erwarten. Doch es besteht Grund zu der Annahme, dass er ganz anders regieren wird.

Ein radikaler, populistischer Trump würde die Transpazifische Partnerschaft (TPP) kippen, das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) rückgängig machen und hohe Zölle auf chinesische Importe erheben. Er würde zudem seine versprochene Mauer entlang der Grenze der USA zu Mexiko bauen, Millionen illegaler Arbeiter deportieren, H1B-Visa für die im Technologiesektor benötigten gut ausgebildeten Arbeiter beschränken und den Affordable Care Act (Obamacare) rück-gängig machen, was Millionen von Menschen die Krankenversicherung nehmen würde.

Haushaltsdefizit steigt
Insgesamt würde ein radikaler Trump das US-Haushaltsdefizit erheblich erhöhen. Er würde die Körperschaftssteuer und den Spitzensteuersatz der Einkommenssteuer steil reduzieren. Und auch wenn er die Steuerbasis verbreitern, die Steuer auf den Carried-Interest erhöhen und Unternehmen zur Repatriierung ausländischer Gewinne in die USA ermutigen würde, wäre sein Plan nicht einkommensneutral. Er würde die Ausgaben für das Militär und den öffentlichen Sektor erhöhen, und seine Steuersenkungen für die Reichen würden die Staatseinnahmen innerhalb eines Jahrzehnts um neun Billionen Dollar verringern.

Neue Geldpolitik
Ein radikaler Trump würde zudem den derzeitigen geldpolitischen Ansatz drastisch verändern – indem er zunächst US-Notenbankchefin Janet Yellen durch einen geldpolitischen Falken ersetzt und anschließend die entstehenden Vakanzen im Notenbankrat durch weitere Falken auffüllt. Zudem würde er die Dodd-Frank-Finanzreformen des Jahres 2010 weitestmöglich rückgängig machen, die Verbraucherschutzbehörde entkernen, die Subventionen für alternative Energien senken und die Umweltvorschriften verringern sowie alle sonstigen Verordnungen beseitigen, die angeblich den Großunternehmen schaden.

Bündnisse auflösen
Und schließlich würde die Außenpolitik eines radikalen Trump Amerikas Bündnisse destabilisieren und die Spannungen mit rivalisierenden Ländern verschärfen. Seine protektionistische Haltung könnte einen globalen Handelskrieg auslösen, und sein Beharren darauf, dass die verbündeten Länder selbst für ihre Verteidigung bezahlen, könnte zu einer gefährlichen Verbreitung von Nuklearwaffen führen und zugleich Amerikas führende Rolle auf der Weltbühne mindern.

Doch wohl gemäßigter
Doch ist es tatsächlich wahrscheinlicher, dass Trump eine pragmatische, gemäßigte Politik verfolgen wird. Zunächst einmal ist Trump ein Geschäftsmann, der an die „Kunst des Erfolges“ glaubt; daher ist er per definitionem eher Pragmatiker als scheuklappenbehafteter Ideologe. Seine Entscheidung, als Populist zu kandidieren, war taktischer Art und spiegelt nicht zwangsläufig tief verwurzelte Überzeugungen wider.

Schlauer Selbstvermarkter
Tatsächlich ist Trump ein reicher Immobilienmagnat, der sein ganzes Leben unter anderen reichen Geschäftsleuten gelebt hat. Er ist ein schlauer Selbstvermarkter, der den politischen Zeitgeist angezapft hat, indem er der Arbeiterschicht angehörende Republikaner und „Reagan-Demokraten“ ansprach, von denen einige bei den Vorwahlen der Demokraten möglicherweise noch Senator Bernie Sanders aus Vermont unterstützten. Dies ermöglichte es ihm, aus einem dichten Feld traditioneller wirtschafts-, Wall-Street- und globalisierungsfreundlicher Politiker herauszuragen.

Symbolik wird zählen
Wenn er erst sein Amt angetreten hat, wird Trump seine Anhänger durch symbolische Maßnahmen zu befriedigen suchen und zugleich zu einer traditionellen angebotsorientierten Trickle-down-Wirtschaftspolitik zurückkehren, wie sie die Republikaner seit Jahrzehnten favorisieren. Trumps ausgewählter Vizepräsident Mike Pence ist ein Politiker aus dem republikanischen Establishment, und seine wirtschaftlichen Berater während des Wahlkampfes waren reiche Geschäftsleute, Financiers, Immobilienentwickler und angebotsorientierte Ökonomen. Darüber hinaus soll er angeblich bereits Republikaner aus dem Parteiestablishment für sein Kabinett in Betracht ziehen, darunter den früheren Sprecher des Repräsentantenhauses Newt Gingrich, die Senatoren Bob Corker aus Tennessee und Jess Sessions aus Alabama und den ehemaligen Goldman-Sachs-Spitzenmanager Steven Mnuchin (der auch einer seiner Wahlkampfberater war).

Von Beratern abhängig
Die traditionellen Republikaner und Unternehmensführer, die Trump vermutlich ernennen wird, werden dann seine Politik formen. Die Exekutive folgt in den USA einem Entscheidungsmuster, bei dem die zuständigen Ministerien und Behörden Risiken und Nutzen vorliegender Szenarien ermitteln und dem Präsidenten dann eine begrenzte Auswahl politischer Optionen vorlegen, aus denen dieser anschließend seine Auswahl trifft. Und genau wie die ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan und George W. Bush wird Trump angesichts seiner Unerfahrenheit umso abhängiger von seinen Beratern sein.

Kongress macht Druck
Trump wird außerdem durch den Kongress, mit dem er zusammenarbeiten muss, um
Gesetze zu verabschieden, stärker in Richtung Mitte gedrängt werden. Der Sprecher des
Repräsentantenhauses Paul Ryan und die Führung der Republikaner im Senat haben stärker traditionelle republikanische Ansichten in Bezug auf Handel, Migration und Haushaltsdefizite als Trump. Zugleich wird die demokratische Minderheit im Senat radikale Reformvorschläge Trumps durch Filibuster aufhalten, insbesondere wenn sie den dritten Strang der amerikanischen Politik berühren: die Sozialversicherung und die bundesstaatliche Krankenversicherung Medicare.

Trump wird außerdem durch die Gewaltenteilung innerhalb des politischen Systems der USA, relativ unabhängige Regierungsbehörden wie die Notenbank und eine freie und dynamische Presse in Schach gehalten werden.

Der Markt bestimmt
Doch es ist der Markt selbst, der Trump am stärksten bremsen wird. Sollte er versuchen, eine radikale populistische Politik zu verfolgen, wird die Reaktion schnell und brutal ausfallen: Die Aktien werden abstürzen, der Dollar wird fallen, die Anleger werden in US-Schatzanleihen flüchten, der Goldpreis wird in die Höhe schießen usw. Falls Trump allerdings eher unkritische populistische Maßnahmen mit
etablierten wirtschaftsfreundlichen Maßnahmen mischt, wird eine negative Reaktion des Marktes ausbleiben. Jetzt, da er die Wahl gewonnen hat, hat Trump wenig Grund, sich für Populismus und gegen Sicherheit zu entscheiden.

Was wäre wenn …
Die Auswirkungen einer pragmatischen Trump-Präsidentschaft wären deutlich begrenzter als beim radikalen Szenario. Zwar würde er die TPP immer noch aufgeben, aber das hätte Hillary Clinton auch getan. Trump hat erklärt, dass er NAFTA außer Kraft setzen würde, doch wahrscheinlicher ist, dass er als Geste an die amerikanischen Arbeiter versuchen wird, etwas an den Feineinstellungen zu drehen. Und selbst wenn ein pragmatischer Trump Importe aus China begrenzen wollte, wären seine Möglichkeiten hierfür durch ein jüngstes Urteil der Welthandelsorganisation (WTO) zu Strafzöllen auf chinesische Billigwaren beschränkt. Wenn Außenseiter kandidieren, prügeln sie im Wahlkampf oft auf China ein, aber wenn sie erst einmal im Amt sind, realisieren sie rasch, dass eine Zusammenarbeit in ihrem eigenen Interesse liegt.

Trump wird wahrscheinlich seine Mauer entlang der mexikanischen Grenze bauen, obwohl heute nicht mehr so viele Neueinwanderer ankommen wie in der Vergangenheit. Aber er wird vermutlich lediglich gegen illegale Einwanderer vorgehen, die Gewaltverbrechen begehen, statt zu versuchen, fünf bis zehn Millionen Menschen zu deportieren. Zugleich wird er möglicherweise Visabegrenzungen für hochqualifizierte Arbeitnehmer einführen, was die Dynamik des Technologiesektors etwas dämpfen würde.

Ein pragmatischer Trump würde immer noch Haushaltsdefizite produzieren, aber kleinere als in dem radikalen Szenario. Würde er etwa dem Steuervorschlag der Republikaner im Kongress folgen, so würden die Einnahmen dadurch im Verlaufe eines Jahrzehnts lediglich um zwei Billionen Dollar sinken.

Natürlich wäre der Policy-Mix unter einer pragmatischen Trump-Regierung ideologisch widersprüchlich und in gewissem Umfang wachstumsschädlich. Aber er wäre für die Anleger – und die Welt – sehr viel akzeptabler als das radikale Programm, das Trump seinen Wählern versprochen hat.

Autor: Nouriel Roubini ist CEO von Roubini Macro Associates und Professor für Ökonomie an der Stern School of Business der New York University. Aus dem Englischen von Jan Doolan, Project Syndicate 1995 – 2016

Präsidentschaftskandidat als Austroaktienfan

Nach unserem Gespräch mit Alexander Van der Bellen (BK33/18.8.) formuliert diesmal Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer einige konkrete Vorstellungen für die Finanz- und Wirtschaftspolitik Österreichs.

Norbert Hofer ist Vertreter einer raren Species. „Ja, ich habe Aktien“, outete er sich im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Damit gehört er gleich zu zwei kleinen Minderheiten: Zu jenen nur rund 5 % der Österreicher, die Aktionäre sind. Und zu jenen Politikern, die sich dazu bekennen, dass es für sie auch einen Welt neben Sparbuch und Bausparen gibt. Die Anlagephilosophie des Präsidentschaftskandidaten: „Nur österreichische Titel und ich werde sie auch behalten“, zeigt er sich langfristig orientiert. „Meine Kinder werden sich einmal freuen.“ Der dritte Nationalratspräsident nahm sich am Nationalfeiertag im Parlament eine Stunde Zeit, um mit dem Börsen-Kurier über wirtschafts- und finanzpolitische Themen zu sprechen. Und dabei einige deutliche Ansagen zu machen. Etwa zu seiner Position was die Sicherheit der Pensionen betrifft. Er würde „sich nicht nur auf die staatliche Säule verlassen“. Im Zusammenhang mit kapitalgedeckter Pensionsvorsorge, also der Nutzung des Kapitalmarktes für die private Vermögenserhaltung und -bildung kritisiert er die heurige Erhöhung der Wertpapier-KESt auf 27,5 %: „Das bestraft gerade jene, die langfristig auf Aktien setzen.“ Jenen, die das mit Spekulantentum begründen, entgegnet er: „Die Privataktionäre investieren doch in die Realwirtschaft.“ Ein „Zurückführen“ der erhöhten Wertpapier-KESt würde „die Pensionsvorsorge entlasten und die Renditen würden besser“.

Was den Börse- und Investitionsstandort Österreich betrifft, ist Hofer dafür „in Infrastruktur, vor allem in Energieinfrastruktur zu investieren“. Bei Themen wie E-Mobilität und erneuerbare Energien könnten wir „First mover“ sein. Er würde als Bundespräsident auch die Chefs der großen heimischen Leitbetriebe zu sich bitten um zu klären: „Was müssen wir tun, damit die großen Player hier bleiben?“ Denn diese seien ja auch Auftraggeber für unsere KMU. Im Sinne der Standortstärkung sollte die Wirtschaftspolitik ideologiefrei sein. Österreich müsse außerdem seine eigenen Finanzen für die künftigen Generationen in Ordnung bringen: Dafür sei es „sinnvoll, antizyklisch zu investieren“, weil Arbeitslosigkeit viel mehr Geld koste. Und was „mutiges Entrümpeln der Bürokratie“ betrifft, gebe es „hervorragende“ Vorschläge des Rechnungshofes. Aber: „Wir brauchen eine Schnittstelle zwischen Rechnungshof und Regierung“, die das Umsetzen managt: Welche „Pufferzeiten“ (wie in der Wirtschaft üblich) braucht es? Welche Maßnahme kann in welcher Zeit wie umgesetzt werden und was bringt sie wann? Mut bräuchte es auch in der Steuerverwaltung: „Die KÖSt wäre perfekt für Steuergestaltung der Bundesländer. Geben wir ihnen doch eine Bandbreite“, innerhalb derer die Länder agieren können. Die hohe Abgabenbelastung illustriert Hofer mit einem Beispiel aus dem täglichen Leben: Ein Kfz-Mechaniker müsse heute vier Stunden arbeiten, um sich „sich selbst“, sprich eine Kfz-Mechanikerstunde, leisten zu können. „Die Kaufkraft sinkt. Das Grundübel ist die hohe Abgabenbelastung. Wir müssen unter 40 % kommen.“

Euro und Banken
Im Sinne einer bürgernahen Europapolitik rät Hofer der EU, „nicht in die kleinen Dinge hinein zu regieren“. Aufgabe der Union sei, „die großen Dinge zu regeln und die eigenen Verträge selbst einzuhalten – oder zu ändern“. Siehe die Konvergenzkriterien. Für die Zukunft des Euro hält es der Präsidentschaftskandidat wie einige Experten für „nicht ausgeschlossen, dass es zu einer Hart- und einer Weichwährungszone“ kommt. Bankenpolitisch ist er „strikt für ein Trennbankensystem“. Bei klassischen Spar- und Kreditinstituten solle der Staat einspringen können, bei riskanten Investmentbanken nicht. Aber man solle nicht alle Probleme auf die EU schieben, es gebe auch „hausgemachte Probleme“, die man selbst lösen müsse. Im Zusammenhang mit Bürokratie würden ihm Unternehmer oft sagen: „Lasst uns arbeiten!“

Wirtschaftsdelegationen würde er als Bundespräsident zuerst nach China anführen wollen: „Ein ganz wichtiger Markt für unsere Wirtschaft und unsere Landwirtschaft.“ Und zu Russland sollte man die wirtschaftlichen Beziehungen wieder aufnehmen.

Das Interview führte Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

Überbrückungsliquidität mit Anteilen bezahlen

Sie sind international schon länger bekannt, und durchdringen nun auch in Österreich den Markt: die sogenannten „Wandeldarlehen“.

Wir kennen den finanzenglischen Fachbegriff „convertibles“ vor allem im Zusammenhang mit „bonds“. Aber auch im Konnex mit Darlehen an Unternehmen ist die Gestaltungsform „convertible“ einsetzbar. Wobei es bei Wandeldarlehen einiges zu beachten gibt.

Was ist überhaupt ein Wandeldarlehen? Bei Wandeldar-lehen gibt der Darlehensgeber dem Unternehmen, der Gesellschaft, ein fest verzinstes Darlehen. Und unter den in dem Vertrag zwischen der beiden Parteien definierten Voraussetzungen wird der Darlehensbetrag „gewandelt“ und der Darlehensgeber erwirbt – statt einem Anspruch auf Rückzahlung – Anteile an dem Unternehmen/der Gesellschaft, erklärt Wirtschaftsanwalt Martin Wiedenbauer von der WMWP Rechtsanwälte GmbH.

Mehrere Gründe
Der Einsatz von Wandeldarlehen kann unter mehreren Aspekten bzw. aus mehreren Gründen Sinn haben. Das so zur Verfügung stehende Kapital kann eine „Überbrückungsfunktion“ bis zur nächsten Kapitalerhöhung der Gesellschaft übernehmen. Das Wandeldarlehen bringt dem Unternehmen jedenfalls frische Liquidität, und zwar rasch und ohne Zinszahlungen, dafür mit Zahlung mit Anteilen. Für die Gesellschafter mag außerdem attraktiv sein, dass der Darlehensgeber kein Mitspracherecht im Unternehmen erwirbt. Dafür schafft sich der Darlehensgeber die Möglichkeit des Einstiegs. Er sichert sich die Bewertung oder zumindest die Gleichbehandlung in einer nächsten Finanzierungsrunde. Außerdem: Wenn keine Wandlung erfolgt, hat er einen Rückzahlungsanspruch. Generell gilt: Man kann ein Wandlungsrecht vereinbaren, aber keine Wandlungspflicht.

Viel Vertragliches
Um so ein Darlehen an eine Gesellschaft in Eigenkapital wandeln zu können, braucht
es – so der Gesellschafts- und Kapitalmarkrechtsexperte Roman Hager von WMWP Rechtsanwälte – drei rechtliche Strukturierungsschritte: die Darlehensvereinbarung zwischen Unternehmen und Darlehensgeber, die Zusage der Gesellschafter einen Kapitalerhöhungsbeschluss unter Bezugsrechtsausschluss zu fassen – sowie die Zusage des Darlehensgebers, die Kapitalerhöhung zu übernehmen und dafür auf die Darlehensrückforderung samt Zinsen zu verzichten. Vertraglich zu regeln sind zum einen die Eckpunkte der Verpflichtung der Darlehensbegebung, also der Darlehensbetrag, die Auszahlung der Valuta, die Zinskonditionen (Höhe, Berechnungsmethode und Zinsfälligkeit) und die Rückzahlungsfälligkeit. Zum anderen muss eine „Wandlungsvereinbarung“ vertraglich ausgestaltet werden: Dazu gehört eine „Wandlungsanzeige“ des Darlehensgebers über seinen Forderungsverzicht und die Sacheinlage, die Verpflichtung des Darlehensgebers zur Übernahme der neu ausgegebenen Stammeinlage, die Kriterien für die Wandlung (also der „Trigger Event“ und die Bewertung). Und es braucht die Gesellschaftermitwirkung, also ihr Kapitalerhöhungsbeschluss mit Bezugsrechtsausschluss.

 

Vorsicht
Wiedenbauer und Hager warnen aber auch vor mehreren Risiken bei Wandeldarlehen. Da ist einmal ein mögliches Insolvenzrisiko. Denn wenn die Gesellschaft Fremdverbindlichkeit aufnimmt um damit die laufenden Betriebskosten und/oder die Herstellung von nicht aktivierungsfähigen Vermögenswerten (z.B. Software) zu finanzieren, besteht die Gefahr der Überschuldung. Eine vorbeugende Lösungsmöglichkeit laut den Juristen ist die Vereinbarung einer „qualifizierten Nachrangigkeit“. Die Experten warnen auch vor einer „Verwässerung“: Wenn ein Unternehmen mehrmals Wandeldarlehen bei verschiedenen Darlehensgebern aufnimmt, entsteht für diese ein Verwässerungseffekt. Ein Lösungsweg sei ein Bezugsrecht des „alten“ (ersten) Darlehensgebers bei neuen Wandeldarlehen. Und/oder die Vereinbarung eines fixen Wandlungsanteils. Oder die Fixierung von Zustimmungsrechten für die Darlehensgeber: und zwar für/vor der Aufnahme von neuen Wandlungsdarlehen und bei der Änderung von Kriterien bestehender Wandlungsdarlehen (z.B. Laufzeit, Zinssatz, Trigger Event, Bewertung …)

Achtung vor der FMA
Die Experten warnen weiters davor, nicht in die Falle „Einlagengeschäft“ zu tappen. Denn wenn ein Unternehmen mehrmals Wandeldarlehen bei verschiedenen Darlehensgebern aufnimmt aber dafür dieselben Bedingungen verwendet, besteht die Gefahr, dass die Finanzmarktaufsicht (FMA) dies als „Einlagengeschäft gemäß §1 Bankwesengesetz“ qualifiziert. Einlagengeschäft erfordert aber eine Bankkonzession, andernfalls droht nach dem BWG ein empfindliche Verwaltungsstrafe. Vorschlag der Juristen zur Vermeindung dieses Risikos: Im Darlehensvertrag eine „Wandlungspflicht“ und/oder Nachrangigkeit festlegen. Denn dann handelt es sich bei dem Darlehen nicht um eine „Einlage“.

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

RBI/RZB: Vertrauen muss zurückgewonnen werden

Für Experten ist bei der geplanten Verschmelzung der Raiffeisen Zentralbank (RZB) mit der Raiffeisen Bank International (RBI) vor allem das Management gefragt. Wichtig sei ein transparentes Vorgehen.

Nach einigen schwierigen Jahren – allein auf Dreijahressicht steht ein Minus von fast 50 % zu Buche – hat sich die RBI-Aktie im bisherigen Jahresverlauf mit einem Plus von rund 10 % erfreulich entwickelt. Allerdings weist Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investmentgesellschaft, darauf hin, dass die Aktie nach wie vor mit einem massiven Bewertungsabschlag gehandelt wird. Tatsächlich ist das Papier derzeit (Kurs kurz vor Redaktionsschluss: 14,85 €) für rund die Hälfte des Buchwerts (rund 28 €) erhältlich.

Abschlag gerechtfertigt
„Der Abschlag ist angesichts der Unsicherheit bezüglich der Ertragsstärke der RBI gerechtfertigt – aber nicht in dieser Höhe“, so Wögerbauer weiter. Einen zwischenzeitlichen Dämpfer setzte es für die Aktie im Mai, als die Fusion mit der RZB angekündigt wurde. Wögerbauer führt dies darauf zurück, dass die geplante Fusion schlecht kommuniziert wurde. „Wie genau diese ablaufen soll, weiß niemand – vor allem internationale Investoren verstehen die Raiffeisen-Struktur nicht“, meinte der Experte anlässlich eines Gesprächs im Frühsommer.

Was die Verschmelzung von RBI und RZB betrifft, herrscht derzeit vor allem unter RBI-Minderheitsaktionären bezüglich der Frage, wie das Merger-Ratio ausfallen wird, Unsicherheit. „Meiner Ansicht nach schaut es derzeit nach einem fairen Ablauf aus“, so ein Insider im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Nichtsdestoweniger müssten die Ängste der Anleger geklärt und gleichzeitig der Fokus auf die operative Performance gelegt werden. Nachsatz: „In der ganzen Diskussion ist jedenfalls das Management stark gefordert.“

„Die RBI hat es bislang nicht geschafft, die Konzernstruktur so zu vereinfachen, dass sie für internationale Investoren interessant wird“, hält Wögerbauer fest. Auch er hält ein transparentes Vorgehen für sehr wichtig. Wichtig sei es, dass sich die RBI-Aktionäre fair behandelt fühlen. Vor allem internationale Investoren wären bezüglich des weiteren Vorgehens im Zusammenhang mit der Fusion mit der RZB sehr kritisch. „Daher muss sich die RBI auf Roadshows und Konferenzen dem Kapitalmarkt stellen und das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen“, so Wögerbauer.

Anfang Oktober gaben beide Banken jedenfalls bekannt – der Börsen-Kurier informierte – einen Grundsatzbeschluss zur Verschmelzung getroffen zu haben. Konkret soll die RZB in die RBI verschmolzen werden. Das fusionierte Unternehmen soll weiterhin an der Börse notieren. Die für die zu verschmelzenden Einheiten festgelegten vorläufigen Bewertungsspannen würden durch den derzeitigen Stand der von zwei renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften durchgeführten vergleichenden Unternehmensbewertungen untermauert, hieß es in einer Aussendung der RZB.

Das Management gehe auf dieser Basis von einem Anteil des RBI-Streubesitzes zwischen 34,6 und 35,7 % (bisher 39,2 %) nach Durchführung der Transaktion aus.

Die betreffenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wären jedenfalls von den Vorständen beider Banken jeweils unabhängig voneinander beauftragt worden, nach der so genannten Dividend- Discount-Methode ermittelte vergleichende Unternehmensbewertungen gemäß internationalen Bewertungsstandards durchzuführen. Die Angemessenheit des noch nicht vorliegenden endgültigen Umtauschverhältnisses müsse aufgrund des österreichischen Verschmelzungsrechts zudem von einem gerichtlich zu bestellenden unabhängigen Verschmelzungsprüfer – ebenfalls eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft – bestätigt werden.

  1. HV stimmt ab
    Endgültig fixiert werden, soll der von beiden Banken getroffene Fusions-Beschluss bei der außerordentlichen Hauptversammlung am 24. Jänner mit einer Dreiviertelmehrheit des anwesenden Kapitals. Die zur Abstimmung erforderlichen Unterlagen würden – nach der Festlegung des endgültigen Umtauschverhältnisses sowie der Vornahme der gesetzlich erforderlichen Prüfungen durch die Aufsichtsräte und externe Prüfer – bis zum 23. Dezember 2016 zur Verfügung stehen.

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

Experten erwarten keine Jahresendrallye, aber: „Die Grundtendenz passt an der Wiener Börse“

Nach einem schwierigen Jahresbeginn hat sich der ATX in den vergangenen Wochen erholt. Bis zum Jahresende erwarten Experten eine stabile Entwicklung des heimischen Leitindex.

Gerade noch die Kurve gekratzt: Nachdem der ATX über weite Strecken des Jahres dem Punktestand zu Jahresbeginn hinterhergehinkt ist, hat der ab Juli auszumachende Aufwärtstrend dem heimischen Leitindex ein vorläufiges Plus von 4,61 % beschert. Hinter der Markterholung steht nach Ansicht von Experten eine gute Berichtssaison, ebenso wie die vor rund zwei Monaten erfolgte Verschiebung der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed.

„Mit dem leichten Plus kann man durchaus zufrieden sein“, sagt Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investmentgesellschaft, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Schließlich dürfe man nicht vergessen, dass wir uns nach wie vor in einem Nullzinsumfeld befinden. Auch gegenüber den breiten europäischen Indizes, die sich im Minus befinden, habe sich der Wiener Markt gut gehalten. Nachsatz Wögerbauer: „Man darf nicht unzufrieden sein, die Grundtendenz passt.“

„Insgesamt kann man sagen, dass sich der österreichische Aktienmarkt wie auch in den vergangenen vier, fünf Jahren recht stabil entwickelt hat. Er bewegt sich zwar mit globalen Metakrisen, wie unter anderem Eurokrise, abkühlendem Wirtschaftswachstum in China oder Brexit – nach ein paar Monaten beruhigt sich die Lage aber wieder“, so Bernd Maurer, Deputy Head Company Re­search bei der RCB.

„Wir erwarten nicht, dass der ATX vom jetzigen Niveau aus stärker zulegen wird“, erteilt Maurer der Hoffnung vieler Anleger auf eine Jahresendrallye eine Abfuhr. Vielmehr könnte es zu Ausschlägen in beide Richtungen kommen. Für temporäre Unsicherheit könne etwa das Ergebnis der US-Wahlen sorgen. Kurssteigerungen würden wiederum Aufwärtsrevisionen der Unternehmensergebnisse bedingen. „Insgesamt erwarten wir aber nicht große Trends in beide Richtungen“, so Maurer.

„In den kommenden Wochen erwarte ich keine deutlichen Kurssteigerungen, aber eine positive Grundstimmung“, so Wögerbauer. Er glaube nämlich nicht, dass eine mögliche Zinsanhebung der Fed im Dezember die Märkte auf dem falschen Fuß erwischen, sondern eher nur leichte Kursverluste zur Folge haben würde. Falls wiederum Donald Trump US-Präsident werden sollte, würde das die globalen Märkte durchschütteln, allerdings sollte der Wiener Markt in diesem Fall nicht stärker verlieren als andere.

Für Wögerbauer profitiert die Wiener Börse derzeit davon, dass sie nicht gehypt wird, ebenso wie von der wirtschaftlichen Entspannung in der CEE-Region. „Dass die Erste Group ihre Altlasten beseitigt hat und sich die RBI gefangen hat und die Fusion mit der Raiffeisen Zentralbank angeht, ist wichtig – die beiden Banken sind für das Wiener Sentiment immer wichtig.“

Kaum Enttäuschungen
„So richtig enttäuscht hat heuer kein Unternehmen am Wiener Markt – außer Semperit, was auf den unbefriedigenden Geschäftsverlauf und massive Probleme bei einem Joint-Venture in Thailand zurückzuführen ist“, so der Experte weiter. Unternehmen wie Lenzing oder Palfinger
würden wiederum von einer „ausgezeichneten Managementleistung“ profitieren.

Was die Bewertungen betrifft, spricht Maurer im Übrigen von „einem angemessenen Niveau“. „Der Bewertungs-Discount gegenüber dem breiten europäischen Markt beträgt rund 10 % und ist damit gegenüber dem Durchschnitt der Vorjahre marginal geringer geworden“, so der Analyst. Seiner Einschätzung nach könnte dies, ebenso wie eine weitere Outperformance globaler Small- und Mid-Caps, den Wiener Markt im kommenden Jahr sicher unterstützen.

Autor im Börsen-Kurier: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

Niedergeprügelte Aktien der Wiener Börse

Der ATX-Prime liegt seit Jahresbeginn erst 3,5 % im Plus und enthält derzeit 14 Aktien, die in den vergangenen sechs oder zwölf Monaten zweistellig im Minus sind. Der Börsen-Kurier selektiert daraus potenzielle Kandidaten für eine Aufholjagd.

Zahlreiche Unternehmen der Wiener Börse sind nicht immun gegen konjunkturzyklische Schwankungen. Darüber hinaus belasten Zusatzfaktoren wie Brexit, Türkei-Putsch, Nullzinsphase (betrifft Banken und Versicherungen) und Rohstoffbaisse. Wahllos niedergeprügelte Aktien zu kaufen ist dabei der falsche Ansatz. Eine erfolgreiche Selektion setzt voraus, folgende Konstellationen zu erkennen, aus denen sich echte Sonderchancen ergeben:

1.) Einmalige Ausrutscher infolge unglücklicher Umstände bei anhaltender Wachstumsdynamik: Klassiker dafür ist das Gastronomie- und Catering-Unternehmen DO & CO, deren Aktie im Zuge von Terroranschlägen und Putschversuch in der Türkei unter Druck geriet: Aufgrund eines guten Einvernehmens mit der türkischen Regierung sowie einer verstärkten Expansion in den Retail-Bereich kann aber mit anhaltender Wachstumsdynamik gerechnet werden. Auf Basis eines Kurses von 72,26 € liegt das mittlerweile vorsichtig geschätzte Forward KGV 2018 bei 21,4 und sollte die Lage im wichtigen Türkei-Markt besser als erwartet sein, dann wäre die Aktie im historischen Vergleich bereits entsprechend unterbewertet.

Ein weiteres Unternehmen dieser Kategorie ist der Luftfahrt-Zulieferer FACC, dessen Aktie auf 12-Monatssicht noch gut ein Fünftel im Minus ist, was auf 50-Mio€-Schaden durch den „Fake President-Betrug“ zurückzuführen ist. Doch ein Umsatzanstieg von 22,1 % auf 329,8 Mio€ im 1. Halbjahr 2016/17 stimmt versöhnlich. Ermöglicht hat dies vor allem die positive Entwicklung der Programme A350, A320, der Bombardier C Series und der Embraer E2 Jets. Einmalbelastungen in Höhe von 1,4 Mio€ im Zusammenhang mit dem Betrugsfall und Aufwendungen infolge des Hochfahrens der Produktionslinien drückten aber noch auf das EBIT. Immerhin mussten 354 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Positiv stimmen jedoch die vollen Auftragsbücher und der langfristig steigende Bedarf bei Flugzeugfamilien wie Boeing 787 oder Airbus A320. Deshalb peilt das Unternehmen bis zum Geschäftsjahr 2020/21 ein Umsatzziel von 1 Mrd€ an verglichen mit 588 Mio€ im Jahr 2015/16. Bei gutem Kostenmanagement ist bis 2018/19 durchaus ein Gewinn/Aktie von 0,76 € möglich, was auf Basis eines Kurses von 5,80 € einem Forward-KGV 18/19 von 7,6 und somit einem langfristigen Kurs-Verdopplungspotenzial entspricht.

2.) Erkennbare Verbesserung und Licht am Ende des Tunnels: Dass ein Unternehmen angesichts ungünstiger Rahmenbedingungen mal schlechte Zeiten durchläuft, ist völlig normal. Wichtig ist jedoch, dass das Management richtig reagiert und in diesen Phasen die Weichen für den nächsten Gewinnwachstumsschub stellt.

Ein Licht am Ende des Tunnels leuchtet unter diesen Aspekten beim Lichtkonzern Zumtobel auf: Restrukturierungsmaßnahmen im globalen Produktionsnetzwerk greifen, und positiv wirken auch die Neuaufstellung der globalen Einkaufsaktivitäten und der Abbau von Back-Office-Strukturen.

Im 1. Quartal 2016/17 (Mai bis Juli 2016) stieg das um Sondereffekte bereinigte Gruppen- EBIT im Vorjahresvergleich um 48,6 % auf 20,1 Mio€ und die Umsatzrendite verbesserte sich von 3,9 auf 6,2 %. Das brachte neuen Schwung: Die Zumtobel-Aktie stieg in den vergangenen drei Monaten um 15 %, liegt aber seit Jahresbeginn noch 31 % im Minus.

Seit Jahresanfang gut 27 % minus erlitt die Vienna Insurance Group, die trotz belastender Bewertungsänderungen gemeinnütziger Wohnbaugesellschaften für 2016 mindestens die Verdopplung des Gewinnes vor Steuern auf bis zu 400 Mio€ anstrebt und serviceseitig die Digitalisierung forciert. Highlight: Forward KGV 17 laut Reuters-Konsens von 8,5.

Zuletzt binnen eines Monats um fast 12 % (seit Jahresanfang in etwa 30 % Minus) eingebrochen ist die Aktie des Leiterplattenherstellers AT&S. Am 18. Oktober veröffentlichte das Unternehmen eine Gewinnwarnung. Die EBITDA-Marge für 2016/17 wurde von 18 bis 20 % auf 15 bis 16 % nach unten revidiert. Den Auslöser beschrieb Erste-Group- Analyst, Daniel Lion, in der Publikation Equity Weekly vom 21. Oktober als „die Anforderung vor allem eines Hauptkunden aus dem Mobile-Devices -Segment (Smartphones, Tablets), die nächste Generation von Smartphones einem weiteren Miniaturisierungsschritt zu unterziehen“. Dafür müssen nun bestehende Produktionskapazitäten aufgerüstet werden. Sie sind erst ab Juli 2017 wieder frei. Das belastet zwischenzeitlich.

Indizien für Neukundengewinnung im Smartphone-Bereich und ein KGV 2015/16 von 7 sprechen hingegen für langfristige Einstiegschancen.

Autor: Michael Kordovsky(redaktion@boersen-kurier.at)

Biomasse, Wind- und Solarenergie im praktischen Vergleich

Der eigenen Geldbörse und gleichzeitig der Umwelt etwas Gutes tun? Der Börsen-Kurier beleuchtet die Pros und Contras von erneuerbaren Energieformen.

„Aber hoazen doa ma en Woazen und de Ruabn und den Kukuruz“, singt Hubert von Goisern in seinem Hit „Brenna tuats guat“. Biomasse hat also auch Kritiker. Aber dafür spricht, dass es gute Erfahrungen mit dieser erneuerbaren Energie gibt, vor allem im regionalen Bereich. Beispiel Hackschnitzel: Wenn landwirtschaftliche Betriebe Hackschnitzelwerke betreiben, die Produkte selber verwenden und vertreiben, ist das ja gut. Schwachstelle von Biomasse, die man nicht selbst herstellt oder regional kauft, ist, dass man von den Rohstoffpreisen abhängig ist – die schwer vorhersehbar sein können. Wie das mit den Preisen von Commodities sein kann, erleben wir ja nicht nur beim Erdöl und Gas, sondern auch bei landwirtschaftlichen Rohstoffen, etwa wenn Naturkatastrophen und/oder Missernten die Preise treiben. Da sind schon Biomasseproduzenten Pleite gegangen. Fazit: Biomasse ist zwar eine erneuerbare Energiequelle, aber die Rohstoffe sind eine beschränkte Ressource und den Weltmarktpreisen ausgesetzt. Aus all dem ergibt sich, dass die Renditen unsicher sind.

Beweglich
Während man bei Biomasse das „Antriebsmittel“ herstellen oder zukaufen muss, gibt’s Wind und Sonne gratis. Was für Windparks spricht ist ihre hohe Effektivität. Schwachstelle sind hohe Kosten beim Bau und für die Wartung, etwa der Getriebe der Windräder. Bewegliche Teile gehen leichter kaputt als unbewegliche. Windräder können daher „durchbrennen“ und die Reparatur kann kostenintensiv sein. Diskussionsstoff bei Windparks liefert auch die Frage der Lärmbelastung, der Platzbedarf und „die Optik“, siehe diverse Anrainerproteste. Windkraftwerksbetreiber leiden außerdem unter dem niedrigen Strompreis. Aus dem ergibt sich bei Windenergieprojekten laut Experten eine Schwankungsbreite der Renditeerwartung von 10 bis 15 % p.a.

Der Sonne entgegen
Bei Solarparks bzw. Photovoltaikkraftwerken gibt es keine beweglichen Teile. Und damit auch keine mechanische Abnützung. Das macht sie praktisch wartungsfrei – mit trotzdem langer Lebensdauer. Denn Solarpaneele sind heutzutage schon sehr stabil: Praktiker meinen, man könne sogar mit dem Bagger darüber fahren. Diese Robustheit minimiert das Ausfallrisiko bei Hagelunwettern. Wenn man also nur alle zehn bis fünfzehn Jahre den Wechselrichter austauschen muss, ist das außerdem leicht kalkulierbar. Und staatliche Solar-Förderung (das „Erneuerbare Energie Gesetz EEG“ in Deutschland wird gerne genannt) ermöglicht kalkulatorische Planbarkeit sogar für ein preisliches Worst Case-Szenario. Dazu kommt die „unendliche“ Gratis-Verfügbarkeit der Sonne und dass es bei Solarparks bzw. Photovoltaikkraftwerken keine Lärmbelastung gibt. „In die Sonne investieren“ kann man entweder in Solarpark- bzw. KW-Betreiber und/oder in Produzenten von Photovoltaikmodulen bzw. Solarpanelen. Letztere sind fast alle börsennotiert und im Modulpreiskampf, also ein risk investment. Photovoltaik-Kraftwerksbetreiber können hingegen von einer Einspeisevergütung profitieren. Inzwischen gibt es auch schon erfolgreiche Crowdinvesting-Plattformen (z.B. econeers.de, greenvesting.com) und Schwarminvestment-finanzierte Solarenergieprojekte mit Projektrenditen von bis zu 5,5 % p.a. Wer lieber in große Solarmarktplayer investieren will, für den gibt es Fonds, die auf erneuerbare Energien spezialisiert sind. So gut wie alle wesentlichen Kapitalanlagegesellschaften haben „New Energy“, „Zukunftsressourcen“ und ähnliche Themenfonds in ihrem Angebot. Mittel- bis langfristig performen die in der Regel auch ganz ordentlich.                

Auto: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

Portfolio-Manager und private Banker für den Aktienmarkt langfristig optimistisch

Brexit und US-Wahl verunsichern. Auf der anderen Seite liegen die „risikolosen“ Zinsen nahe oder teils unter Null. Deshalb sind und bleiben Aktien der wichtigste Portfolio-Baustein.

Am Bondmarkt ist derzeit nicht viel zu holen. Klar auf den Punkt bringt es uns gegenüber Robert Karas, Leiter Asset Management der Schoellerbank: „Die Mischung aus Niedrigzinsumfeld und unserem hohen Qualitätsanspruch drückt uns bei Anleihen auf das enttäuschende Renditeniveau von Null. Wir empfehlen, schlechte Qualität zu meiden, da das Risiko unserer Meinung nach nicht kompensiert wird. Daher halten wir uns von High Yield und Emerging Markets Bonds fern.“ Gegenüber Hochzinsanleihen derzeit ebenfalls auf Distanz geht Monika Rosen, Chef­analystin Bank Austria Private Banking: „Äußerste Vorsicht lassen wir bei Hochzinsanleihen walten. Dort stellt die Liquiditätssituation ein mögliches Problemfeld dar.“ Hingegen weisen Schwellenländeränder für sie „langfristig Potenzial auf und bleiben vorerst übergewichtet“. Eine anhaltend expansive Geldpolitik der EZB erscheint für Uli Krämer, Leiter Portfolio-Management der Kepler-Fonds KAG, wahrscheinlich. Für ihn machen im aktuellen Umfeld breit gestreute Rentenveranlagungen Sinn.

Inflationsgeschützte Anleihen wurden sowohl vom Bank Austria Private Banking als auch der Schoel­lerbank als Portfolio-Baustein angeführt. Dazu Karas: „Nach wie vor setzen wir auf inflationsgeschützte Anleihen, die 2016 in unseren Portfolios einen sehr guten Beitrag leisteten. Sollten die Inflationserwartungen in Zukunft ansteigen, wird diese Assetklasse als eine der wenigen profitieren.“ Für Rosen spricht unter anderem der Basiseffekt im Zuge der Ölpreisstabilisierung für ein Anziehen des Inflationsniveaus im Euroraum. „In Folge sollte das Renditeniveau von Anleihen der Kernländer leicht ansteigen. In Reaktion darauf haben wir einen Teil der EUR-Staatsanleihen verkauft und den Erlös in globale inflationsindexierte Staatsanleihen umgeschichtet.“

Trotz aktueller „Performance-Bremsen“ führt an Aktien kein Weg vorbei. Dazu Krämer: „Aufgrund der aktuell in erster Linie von der politischen Seite ausgehenden Unsicherheiten muss immer wieder mit er-höhter Volatilität gerechnet werden. Trotzdem sind wir überzeugt, dass die Beimischung einer breit gestreuten Aktienveranlagung auch im
aktuellen Umfeld Sinn macht.“ Nach Einschätzung von Kepler sollte an den Aktienmärkten „ein leicht freundlicher Unterton vorherrschend sein“. Laut Rosen sollten sich trotz Unsicherheitsfaktoren die positiven Argumente für Aktien langfristig durchsetzen: „Die Konjunktur läuft immer noch recht gut, die Geldpolitik bleibt expansiv bzw. im Fall der USA sind eventuelle Straffungen nur sehr moderat, Bewertungen außerhalb der USA sind nicht überzogen und Dividendenrenditen attraktiv. Folglich sehen wir uns in Bezug auf unsere Vermögensallokation weiter gut positioniert und gewichten Aktien gegenüber Anleihen über.“ Die vom Bank Austria Private Banking favorisierten Regionen sind Europa, Japan und die Schwellenländer. Letztere sollten von der expansiven Geldpolitik globaler Notenbanken und einer Erholung der Rohstoffmärkte profitieren, während die USA wegen relativ hoher Bewertung in Kombination mit rückläufigem Gewinnwachstum sowie der Präsidentenwahl-Unsicherheiten untergewichtet wurden.

Für Karas bleiben Aktien die attraktivste Anlageklasse: „Langfristig sehen wir die aktuellen Bewertungen noch immer auf Kaufniveau. Besonders hoch gewichtet sind wir in der Region Asien, da wir hier in Summe die attraktivsten Bewertungen sehen.“ Gemäß Anlagestruktur einer „Individuellen Vermögensverwaltung mit Einzeltiteln“ mit bis zu 50 % Aktienanteil sind Aktien derzeit mit 38 % gewichtet.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

Eidgenössische Nebenwerte sind gut unterwegs

Trotz des schwierigen Marktumfelds konnten ausgewählte Schweizer Aktienfonds seit Jahresbeginn Anlegern eine attraktive Performance bringen.

2016 war bislang nicht das beste Jahr für den Swiss Market Index (SMI). Seit Jahresbeginn hat der Schweizer Leitindex um 8,25 % nachgegeben und hinkt damit so manchem europäischen Markt doch recht deutlich hinterher. So weit, so schwierig. Mit der richtigen Fondsauswahl konnten Anleger dem schwierigen Marktumfeld dennoch entgegenwirken und eine durchaus ansehnliche Performance erzielen. Vor allem ausgewählte Fonds mit einem Fokus auf Schweizer Nebenwerte konnten im bisherigen Jahresverlauf überzeugen, was einmal mehr beweist, dass qualitatives aktives Fondsmanagement in schwierigen Zeiten den Unterschied ausmachen kann.

Top-Nebenwerte-Fonds
Laut einer aktuellen Untersuchung des Fondsanalysehauses e-fundresearch haben sich vor allem Schweizer Small- und Mid-Cap-Aktienfonds seit Jahresbeginn gut entwickelt: Zu Buche steht (mit Stichtag 30. 9.) eine vorläufige durchschnittliche Performance von +10,62 % (in CHF, Anm.). Am stärksten hat sich mit einem Plus von 27,42 % der SaraSelect M CHF (ISIN: CH01 85829030) entwickelt, gefolgt vom VERAISON SICAV – Engagement Fund F4 (CH0272 431385) mit +26,19 % und dem AXA SIF – Eq Switzerland Small & Mid Caps Class2 (CH 0035534368) mit +19,29 %.

Deutlich bescheidener fiel dagegen mit -0,23 % (CHF, Anm.) die durchschnittliche Performanceentwicklung seit Jahresbeginn bei Large-Cap- Aktienfonds aus. Die aktuell besten Fonds hat dabei vor allem eines ausgezeichnet: Ein gewisses Ausmaß an Nebenwerte-Exposure. Spitzenreiter seit Jahresbeginn ist derzeit der BB Entrepreneur Switzerland (CH0023244368) mit einem Plus von 13,43 %. Auf den Plätzen folgen der 1741 Switzerland Quality Index Fonds IZ (CH0243157507) mit +11,86 % und der SVM Value Fund (CH0013610248) mit +11,39 %.

„Seitwärts tendierende Märkte – mit ihren gelegentlichen Korrekturen – haben sich als gute Rahmenbedingung für unseren fundamentalen Stockpicking-Ansatz erwiesen“, so Birgitte Olsen, Managerin des BB Entrepreneur Switzerland, zur Performance ihres Fonds im bisherigen Jahresverlauf. Die Sorgenliste sei nämlich lang – angefangen von negativen Entwicklungen infolge des kränkelnden Bankensektors bis hin zu den mit anstehenden Wahlen verbundenen Risiken. Das Fazit der Expertin: „Anleger bringen den Aktienmärkten gegenwärtig wenig Vertrauen entgegen.“

 

Schlechter Ratgeber
Laut Olsen fokussieren sich die Gespräche des Fondsmanagements mit den Unternehmen bzw. den Managementteams auf das jeweilige Potenzial der kommenden 18 bis 24 Monate. „Mit der Perspektive wird schnell klar, dass Konsenserwartungen, insbesondere im Small- und Mid-Cap-Bereich einen schlechten Ratgeber für die Einzeltitelselektion abgeben“, so Olsen. Zuletzt wurden im Übrigen keine bedeutenden Änderungen in der Portfoliozusammensetzung vorgenommen. Die größten Positionen auf Einzeltitelebene sind derzeit Partners Group (Portfolioanteil: 4 %, CH0024608827), Komax (3,7 %, CH00 10702154) und Kuehne & Nagel (3,5 %, CH0025238863). Auf Sektorenebene geben Industrie (31,6 %), Finanzwesen (14,2 %) und Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe (11,5 %) den Ton an.

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

Ende der Yen-Rallye und anlegerfreundliche Politik als Chance

Das konjunkturelle Umfeld bleibt schwierig. Doch wer sich auf ausgewählte Sektoren konzentriert, kann Chancen in Japan gut nützen, betont Steve Glod von Banque de Luxembourg Investments.

Manchmal scheint die Zeit tatsächlich stehen geblieben zu sein. Zumindest, wenn es um Japans volkswirtschaftliche Entwicklung geht. Darauf wirft etwa Stephan Klocker, CIO der SemperConstantia Privatbank, einen Blick: „Das bescheidene Wachstum setzte sich mit einem annualisierten BIP-Wachstum von 0,7 % gegenüber dem Vorquartal fort.“ Eine nennenswerte Belebung der Konjunkturaussichten ist vorerst aber nicht absehbar, die schrittweise Aufwertung des Yen gegenüber dem Euro sowie dem US-Dollar hat zudem die Exportwirtschaft belastet.

Ob nun eine allfällige erneute Lockerung der Geldpolitik nachhaltige Konjunkturimpulse setzen kann, „bleibt fraglich, da die letzten Maßnahmen schon nach einigen Monaten verpufft waren“. Auch der fiskalische Spielraum bleibt begrenzt, denn die aktuelle Neuverschuldung liegt bei 6 % des BIP, die Staatsschuldenquote bei 250 % des BIP.

Demographie ausschlaggebend
Auch wenn die Ausgangslage im ersten Moment ein wenig abschreckend wirken mag, bietet die Börse Nippons dennoch interessante Investmentchancen. Davon ist Steve Glod, Fondsmanager des BL-Equities Japan (ISIN: LU0578148453) von Banque de Luxembourg Investments (BLI) überzeugt, und holt dazu ein wenig aus: „Japans Bevölkerung schrumpft und wird zudem immer älter. Damit gibt es auch zunehmend weniger Arbeitskräfte.“ Das sollte das Umfeld für gute Unternehmen verbessern – während schlecht geführte Konzerne sich immer schwerer tun dürften. Denn gesunde Unternehmen würden geschickt auf Effizienzsteigerungen setzen und qualifiziertes Personal aus einem schrumpfenden Arbeitspool anlocken.

 

Mehr Dividenden
Doch es gibt noch ein weiteres wesentliches Thema, nämlich jenes des Corporate Governance. Dabei geht es um den Umgang der Unternehmen mit ihren Aktionären. „Dabei wird Corporate Governance immer wichtiger für Japans Unternehmen“, ist Glod zuversichtlich. Als Beispiel nennt er die Besetzung der Aufsichtsräte, diese würden zunehmend mit externen Mitgliedern besetzt. Auch die Aktienrückkäufe und Dividendenzahlungen nehmen zu, denn Japans Unternehmen sitzen auf einer Rekordmenge an Cash.

Zudem haben Pensionskassen in den vergangenen Jahren ihre Aktienquote von durchschnittlich 15 auf 30 % erhöht. Und selbst die Regierung trägt dazu bei, der Unternehmenslandschaft unter die Arme zu greifen. So wurden etwa die Unternehmenssteuern gesenkt. Im Fiskaljahr (1. April bis 31. März) 2012 waren es noch effektiv 39,54 %, inzwischen ist der Satz auf knapp unter 30 % gesunken.

Nicht in Bausch und Bogen kaufen
Dennoch sollte man an der Börse selektiv vorgehen, so Glod. Derzeit findet der Experte gefallen etwa an Exportwerten. „Der Yen-Anstieg dürfte bald zu Ende gehen. Eine Trendwende unterstützt die Ausfuhren.“ Davon könnte etwa Shimano (JP3358000002), der Hersteller von Gangschaltungen für Fahrräder profitieren, oder der Windelhersteller Unicharm (JP395160 0000), der vor allem nach Thailand und Indonesien fleißig exportiert. Zudem eröffne die aktuelle Konsolidierungswelle am japanischen Binnenmarkt gute Chancen, etwa im Apothekenbereich. „Es gibt in Japan zu viele Mitspieler.“ „Wir sind derzeit in drei Apothekenketten investiert“, unterstreicht Glod. So zum Beispiel in Ain Holding (JP3105 250009), und zwar schon seit 2011. Auch Robotik ist ein großes Thema für den Fondsmanager. Das Thema decke man mit insgesamt vier Branchenkonzernen ab, etwa mit Fanuc (JP3802400006), einem Hersteller von Industrierobotern. Auch Keyence (JP3236200006) ist Teil des Portfolios. Das Unternehmen liefert Komponenten an Anlagenbauer.

Wenig überzeugt sei man hingegen von der Elektronikbranche, „ein Beispiel für fehlende Innovationskraft. Hier hat Japan den Anschluss verpasst.“

Auch Banken würden derzeit nicht in Frage kommen, die Transparenz sei zu gering, die schwindende Zinsmarge ein großes Problem.

Autor: Mag. Raja Korinek (redaktion@boersen-kurier,at)

Wachstumsaussichten haben sich verbessert

Stabilere Rohstoffpreise machen Hoffnung auf ein stärkeres globales Wirtschaftswachstum und lassen Deflationssorgen sinken. Risiko-Assets bleiben attraktiv.

Der Aktienaufschwung der vergangenen Monate beruht fast ausschließlich auf zusätzlichen monetären Impulsen der Notenbanken. Von der Gewinnseite der Unternehmen kam anhaltender Gegenwind. Nicht nur in Europa, auch in den USA gingen die Gewinnschätzungen für 2016 stetig zurück. In den USA droht das sechste Quartal in Folge mit rückläufigen Gewinnen. In Europa liegen die Gewinnschätzungen für 2016 jetzt sogar niedriger als 2014. Gibt es Hoffnung auf Besserung?

China zeigt sich wirtschaftlich robust
In der Tat stehen die Chancen zumindest auf eine wieder etwas positivere Konjunkturentwicklung nicht schlecht. Verantwortlich dafür ist insbesondere die Stabilisierung der Rohstoffpreise. Rückläufige Energie- und Metallpreise haben zum Jahreswechsel 2015/16 Länder wie Brasilien und Russland in eine schwere Rezession gedrückt. Mittlerweile hat sich die Angebots-Nachfrage-Situation bei vielen Rohstoffen verbessert. Unternehmen haben ihre Investitionsbudgets drastisch gekürzt und das Angebot gesenkt.

Zudem zeigt sich der wichtigste Nachfrager China wirtschaftlich robuster. Dank umfangreicher fiskalpolitischer Maßnahmen wurde nicht nur das Wachstum über 6,5 Prozent gehalten, sondern im September auch die Stimmung in der Industrie endlich wieder über die kritische 50er-Marke gehoben. Selbst auf dem Rohölmarkt, der mit dem Iran einen großen Neuankömmling zu verkraften hatte, haben sich die Preise deutlich erholt. Auch wenn sich der jüngste OPEC-Beschluss einer Förderkürzung noch bewähren muss, ist eine Rückkehr zur Ausverkaufsstimmung wie zu Anfang des Jahres wenig wahrscheinlich.

Die Erholung an den Rohstoffmärkten hat gleich zwei wichtige Folgen. Zum einen finden Länder wie Brasilien und Russland den Weg aus ihrer Rezession: 2017 dürften beide Volkswirtschaften wieder wachsen. Zum anderen sinken weltweit die Deflationsängste. Zusammen mit der äußerst aggressiven Geldpolitik könnte dies Unternehmen vermehrt dazu bewegen, ihre verhaltene Investitionstätigkeit zu beschleunigen.

Immerhin haben sich in den USA die Stimmungsindikatoren im September sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor deutlich erholt. Auch in der Eurozone und selbst in Großbritannien überraschten die meisten Einkaufsmanagerumfragen weiter positiv. Bleiben größere externe Schocks aus, dürfte die Weltwirtschaft daher vor einer besseren Wachstumsphase als im bisherigen Jahresverlauf stehen.

Europäische Aktien übergewichten
Für allzu große Euphorie ist allerdings kein Anlass. Hohe Verschuldung, schwache Demographie und zu niedrige Produktivitätsgewinne halten das globale Wachstumspotenzial nachhaltig niedriger als in der Zeit vor der Finanzkrise. Der Ausstieg aus der extrem expansiven Geldpolitik kann daher allenfalls graduell erfolgen. Niedrige Zinsen auch am langen Ende sind unverzichtbar, um den Schuldenberg überhaupt refinanzieren zu können. Vor diesem Hintergrund bleiben wir generell positiv für risikotragende Assets eingestellt. Die hohen Risikoprämien zeigen, dass insbesondere Aktien ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft haben. Trotz der Wahlrisiken in den USA halten wir daher vor allem in Europa eine übergewichtete Position in Aktien für gerechtfertigt.

Quelle: HSBC

Harter Brexit kostet 75.000 Arbeitsplätze

Das Szenario eines „harten Brexit“ könnte schwere Folgen für die britische Finanzindustrie haben. Eine aktuelle Studie stellt Umsatzeinbußen von rund 38 MrdGBP in Aussicht.

Im März 2019 soll es soweit sein: Wie die britische Premierministerin Theresa May in der vergangenen Woche bekanntgab, soll dann der Austritt Großbritanniens aus der EU erfolgen.

Details über die konkrete Ausgestaltung des Brexit hat sie bislang nicht genannt – lediglich, dass man im März 2017 mit den Verhandlungen beginnen wolle. Allerdings deutet unter anderem das erklärte Ziel Mays, die Einwanderung aus den EU-Staaten stark begrenzen zu wollen und dafür auch den Austritt aus der europäischen Zollunion in Kauf zu nehmen, darauf hin, dass ein
„harter Brexit“ bevorstehen könnte.

Schwere Konsequenzen mit Milliardenschaden
Für die britische Finanzindustrie könnte ein „harter Brexit“ bedeuten, dass sie ihre sogenannten „Passport-Rechte“ verliert, die es ihr erlauben, ihre Produkte und Dienstleistungen in der EU anzubieten, ohne vor Ort ansässig sein zu müssen. Eine am vergangenen Donnerstag vorgestellte Studie der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman zeichnet im Falle eines Szenarios mit begrenztem Zugang zum EU-Markt – in dem die Beziehung zur EU weitgehend auf WTO-Verpflichtungen basiert – ein düsteres Bild: Der Finanzbranche drohen dann auf längere Sicht Umsatzeinbußen von bis zu 38 Mrd GBP sowie der Verlust von bis zu 75.000 Arbeitsplätzen. Gleichzeitig wären jährlich Steuereinnahmen von 8 bis 10 MrdGBP sowie eine Bruttowertschöpfung von 18 bis 22 Mrd GBP gefährdet.

„Weicher Brexit“ wäre wirtschaftlich sinnvoller
Für den Fall, dass der Zugang zum EU-Binnenmarkt weitgehend erhalten bleibt, kann laut den Experten von Wyman mit weniger starken Auswirkungen gerechnet werden: Die Umsatzeinbußen würden sich hier auf ungefähr 2 MrdGBP belaufen. Auch würden „nur“ 3.000 bis 4.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Weiter müsste der Fiskus jährlich auf Steuereinnahmen in der Höhe von 0,5 MrdGBP verzichten. Die jährliche Bruttowertschöpfung würde wiederum um 1 MrdGBP zurückgehen.

Finanzindustrie ist Schlüsselindustrie in GB
Die Bedeutung der britischen Finanzindustrie ist jedenfalls nicht von der Hand zu weisen: Laut der Studie, die im Übrigen vom Branchenverband TheCityUK im Auftrag gegeben wurde, zählt sie nicht weniger als 1,1 Mio Beschäftigte und generiert jedes Jahr einen Umsatz von 190 bis 205 MrdGBP, eine Bruttowertschöpfung von 120 bis 125 Mrd GBP sowie Steuereinnahmen in der Höhe von 60 bis 67 MrdGBP. Damit nicht genug: Die britische Finanzindustrie zeichnet für einen jährlichen Außenhandelsüberschuss von rund 58 MrdGBP verantwortlich.

Ende der Passport-Rechte
Zsolt Darvas, Ökonom am Brüsseler Bruegel-Institut, glaubt jedenfalls nicht, dass die britische Finanzindustrie ihre Passport-Rechte behalten wird. „Auch ein Deal wie jener zwischen der Schweiz und der EU, der der Eidgenossenschaft nahezu vollständigen Zugang zum EU-Binnenmarkt ermöglicht, ist im Falle Großbritanniens unwahrscheinlich“, so der Experte.

Auch eine kontinentale Partnerschaft, wie sie etwa vom Bruegel-Institut vorgeschlagen wird, sei nicht realistisch. Diese würde eine Partizipation an Güter-, Dienstleistungs- und Kapitalmobilität sowie vorübergehende Arbeitsmobilität vorsehen.

Dazu komme ein neues System der Entscheidungsfindung und -umsetzung zwischen beiden Seiten.

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

Ihre Rechte bei Übernahmeangeboten

Der Kurszettel börsenotierter Aktiengesellschaften wird zusehends unattraktiv: Es drohen Delistings wie jene des Feuerfestkonzerns RHI, die Verringerung des Streubesitzes der Raiffeisen Bank International oder die Rückstufung vom publizitätsfreundlichen Amtlichen Handel in den Standard Market der Wiener Börse bei Pankl Racing. Streubesitzaktionäre dürfen allerdings auf ihr Gleichbehandlungsrecht pochen.

Mit seinem im Jänner angezeigten, freiwilligen Tauschangebot an die Aktionäre der Produzenten von Motor-, Antriebssystemen sowie Fahrwerksteilen für den Rennsport und die Luftfahrtindustrie, Pankl Racing Systems AG, hatte Unternehmer Stefan Pierer über seine Pierer Industrie AG im März dieses Jahres keinen Erfolg: Die PIAG, knapp 75-%-Eigentümerin der Cross Industries AG und somit über die KTM Industries AG indirekt zu 92,63 % an Pankl beteiligt, hatten den Streubesitzaktionären ein Angebot gelegt, das eine gesetzeswidrige Klausel enthielt, wie die Übernahmekommission mit Bescheid feststellte. Die Veröffentlichung des Angebotes wurde von dieser daher untersagt, womit das Angebot letztlich scheiterte.

Nun hat Pierer stattdessen ein Pflichtangebot gelegt, in dem er 31 € je Aktien bietet. Und das wohl dank eines besseren Gesprächsklimas, wenngleich er laut Übernahmegesetz nach einer Untersagung eigentlich einer einjährigen Sperrfrist unterliegt: Diese ist insbesondere zur Wahrung der unbelasteten Unternehmenstätigkeit der Zielgesellschaft gedacht.

Parallel dazu gab es ein freiwilliges Angebot an die Aktionäre der WP AG, einem Komponentenhersteller für Motorrad und Powersportindustrie, an dem Pierer – wiederum über die Cross-Industries AG – den Anteil von 99,7 auf 99,84 % mit Anfang Juni erhöhte. Für die Athos Immobilien AG hat Pierer hingegen ein freiwilliges, öffentliches Angebot auf Kontrollerlangung gelegt, um seinen Anteil von rund 13 auf 50 % aufzustocken.

Was hat es nun mit dem seit 1999 geltenden Übernahmegesetz für den Streubesitzaktionär auf sich?

Die Spielregeln.
„Es geht in erster Linie um den Grundsatz der Gleichbehandlung aller Aktionäre“, erklärt Vedran Obradovic, Leiter der Übernahmekommission, „egal wie klein deren Anteil am Grundkapital ist.“

Das Gesetz findet für all jene Gesellschaften Anwendung, die entweder ihren Sitz in Österreich haben und an der Wiener Börse beziehungsweise einer anderen EU-Börse notieren oder hier gelistet sind und ihren Sitz in einem EWR-Land haben. Und dies sobald ein Aktionär die Kontrollschwelle von 30 % der stimmberechtigen Aktien überschritten hat. Der Hintergedanke: Die übrigen Anteilseigner sollen die Möglichkeit haben, die geänderten Eigentumsverhältnisse und eine damit eventuell einhergehende Änderung in der Unternehmensstrategie anzunehmen – oder eben auch nicht.

Das Gesetz gilt allerdings
nur für die im Amtlichen Handel beziehungsweise im Geregelten Freiverkehr gelisteten Aktiengesellschaften, nicht für die im Dritten Markt notierten, die weniger stringenten Zulassungsbestimmungen unterliegen – etwa Athos.

Bei Überschreiten der 30-%-Grenze hätte der die Kontrolle erlangende Aktionär, so Obradovic gegenüber dem Börsen-Kurier, jedenfalls die Pflicht, innerhalb von 21 Börsetagen der Übernahmekommission ein vom Vorstand und dem Aufsichtsrat unterzeichnetes Pflichtangebot samt Sachverständigenbericht vorzulegen, über das die Geschäftsstelle dann binnen elf Tagen zu entscheiden hat, ob es gebilligt wird, zu übernehmende Verbesserungsvorschläge gibt oder untersagt wird.

Bei freiwilligen (Teil-)Angeboten – auch solchen auf Kontrollerlangung, also wenn der Unternehmensanteil des Bieters noch unter 30 % liegt – verkürzt sich die First auf zehn Börsetage.

Sowohl bei den Pflichtangeboten als auch bei den freiwilligen Angeboten auf Kontrollerlangung muss in Österreich jedenfalls ein Barangebot gemacht werden, das gegebenenfalls von einem Tauschangebot ergänzt werden kann. „Bei allen übrigen freiwilligen Übernahmeangeboten gibt es keine Vorgaben hinsichtlich Preis und Art des Angebotes“, so Obradovic. Somit sind sowohl ein reines Barangebot als auch ein reines Tauschangebot zulässig.

Öffentlich ist das Angebot, sobald es von der Übernahmekommission gebilligt wurde und an alle übrigen Anteilsinhaber entsprechend adressiert ist. Aber auch dann kann es zu Ungereimtheiten kommen, wie der aktuelle Fall Frauenthal zeig.

Preisindikation.
Bei einem Pflichtangebot seien laut Gesetz der handelsgewichtete Durchschnittskurs der letzten sechs Monate sowie etwaige Vorerwerbe des Bieters als Mindestgrenze anzusetzen, betont Obradovic und ergänzt: „Bei den Vorerwerben achten wir darauf, dass der Bieter keinen Preis veranschlagt, der unter dem liegt, den er schon vor zwölf Monaten bereit war zu bezahlen.“ Schließlich sei eine Aufgabe der Übernahmekommission auch die Marktüberwachung, als das Monitoring, wann Aktienpa-kete von wem wo und unter welchen Bedingungen gekauft wurden. Dazu gehört auch der regelmäßige Besuch der Hauptversammlungen, um das Verhalten der Anleger und ihre Äußerungen besser interpretieren zu können.

Aber wie soll sich in dieser Situation der Streubesitzaktionär verhalten? Wann weiß er, ob der Preis adäquat ist oder nicht?

„Bei jedem Pflichtangebot gibt es eine Nachfrist für die Annahme des Angebotes von drei Monaten nach Ablauf der ursprünglichen Annahmefrist“, erklärt Obradovic. Diese werde gerne von den sogenannten „Zaunkönigen“ genutzt, die abwarten, wie sich die übrigen Aktionäre verhalten. In dieser Zeitspanne könne das Angebot zu den gleichen Bedingungen angenommen werden wie in der ursprünglichen Annahmefrist. Zudem gibt es eine Nachzahlungsgarantie, sollte der Bieter Aktien innerhalb von neun Monaten nach Ablauf der Frist Aktien zu einem höheren Kaufpreis erwerben als im Übernahmeangebot festgelegt: „Dann muss er allen Aktionären, die das Angebot angenommen haben, eine Nachbesserung liefern.“

Prüfmöglichkeiten.
Die Aktionäre haben allerdings noch ein weiteres Recht: das Nachprüfungsverfahren. „Bereits ein einzelner Aktionär oder eine Gruppe von Aktionären mit einem Anteil von einem Prozent am Grundkapital, kann die Übernahmekommission anrufen, das Übernahmeangebot oder die Gesetzmäßigkeit des Angebotspreises nochmals zu prüfen“, sagt Obradovic und verweist darauf, dass es nützlich wäre, gegebenenfalls neues Beweismaterial für etwaiges gesetzwidriges Vorgeben bei der Angebotslegung einzubringen.

Wie derzeit im Fall conwert, wo geprüft wird, ob einzelne Gesellschafter, konkret Cevdet Caner, die deutsche Adler Real Estate AG und die britische Petrus Advisers mit dem österreichischen Investor Klaus Umek im Frühjahr 2015 nicht doch gemeinsam vorgegangen wären, weil sie zusammen die 30-%-Schwelle überschritten hätten, und somit bereits damals ein öffentliches Angebot hätten legen müssen. „Der Fall ist akademisch interessant und das Ergebnis wird sicher Vorbildwirkung haben“, sagt Wilhelm Rasinger, Präsident der IVA, des Interessenverbandes für Anleger. Mit dem aktuellen Übernahmeangebot des deutschen Wohnimmobilien-Marktführers Vonovia, der 149 conwert-Aktien gegen 74 Aktien seines Unternehmens tauschen oder eine Barablöse von 16,16 E leisten will, wäre der Diskurs freilich überholt: „Damals ging es um eine Abgeltung von 11,50 E“, satte 40 % weniger.

Allerdings bedeutet das Angebot von Vonovia nicht, dass das Nachprüfungsverfahren betreffend conwert einzustellen oder über eine Verletzung der Angebotspflicht nicht zu entscheiden wäre: Eine solche hätte neben verwaltungsstrafrechtlichen möglicherweise auch schadenersatzrechtliche Folgen, so Obradovic.

Die wahre Krux sei jedenfalls, dass sämtliche Verfahren hierzulande viel zu lange dauern und der Dynamik eines Kapitalmarktes nicht entsprechen, konstatiert Rasinger: „Wir brauchen raschere Entscheidungen – und vor allem auch eine gemeinsame Infrastruktur.“ Für einen Minikapitalmarkt wie die Wiener Börse sei die Aufteilung diverser Agenden wie Gesetzmäßigkeit der Übernahme (überprüft von der Übernahmekommission) oder die Angemessenheit der Barabfindung beim Squeeze-Out (liegt bei der FMA) jedenfalls eine Bürde: „Noch heute gibt es offene Verfahren bei Constantia Packaging, Bene, ATB oder Bank Austria“, bedauert Rasinger das leidige Verfahren rund um den Ausschluss der Minderheitsaktionäre und die Preisangemessenheit.

Autorin: Mag. Caroline Millonig (redaktion@boersen-kurier.at)

RHIs Pläne spalten Anlegerszene

Zur überraschend bekannt gegebenen Vereinbarung eines Zusammenschlusses der RHI AG mit der brasilianischen Magnesita gehen die Meinungen auseinander: Von „happy“ bis „unverständlich aus Sicht des Streubesitzes“.

Der heimische Feuerfestkonzern RHI und die kontrollierenden Aktionäre der Magnesita Refratários S.A. haben eine Vereinbarung zum Zusammenschluss beider Unternehmen getroffen, um einen führenden Anbieter von Feuerfestprodukten zu bilden. Das kombinierte Unternehmen soll den Namen „RHI Magnesita“ tragen, seinen Hauptsitz in den Niederlanden haben sowie in London, im Premiumsegment der „Official List“ am „Main Market“ der London Stock Exchange (LSE), börsennotiert sein. Der Vorstand der RHI will einen Kaufvertrag über den Erwerb des kontrollierenden Anteils von mindestens 46 % und maximal 50 % plus eine Aktie am Grundkapital von Magnesita unterzeichnen. Die Kompensation für den 46-%-Anteil soll aus einer Barkomponente von 118 MioE sowie 4,6 Mio neuen Aktien, begeben von der neuen RHI Magnesita, bestehen. Danach will RHI ein öffentliches Pflichtangebot an alle anderen Magnesita-Aktionäre legen. Die Börsenotierung von RHI an der Wiener Börse soll mit Abschluss der gesellschaftsrechtlichen Umstrukturierung enden. Die RHI beruhigt: Die Verlegung des Sitzes aus Österreich und die Notierung in London benötigen die Zustimmung der RHI-Hauptversammlung, die Transaktion brauche außerdem die Zustimmung der zuständigen Wettbewerbsbehörden. Und: Die geschäftlichen Aktivitäten der RHI Magnesita sollen aus Österreich gesteuert werden.

Wunschtraum
Der Börsen-Kurier sprach mit Hellmut Longin, Gründer und ehemaliger CEO der Radex-
Heraklith Industriebeteiligungs AG. Longin hatte Radex-Heraklith 1987 nach dem ersten großen Management Buyout in der österreichischen Geschichte an die Wiener Börse gebracht. „Ein zwanzigjähriger Wunschtraum von mir geht in Erfüllung“, begrüßt Longin die nunmehrige Vereinbarung, Magnesita in den RHI-Bereich zu bekommen. Er ist „happy“, denn mit dem Zusammenschluss gewinne RHI via Magnesita Marktanteile in den Märkten Süd- und Nordamerika, steigere die Marktbekanntheit und bekomme Zugang zu dem hervorragenden Rohstoffvorkommen, die Magnesita in Form von Magnesit besitze: „Was will man mehr?“ Der mehrheitliche Erwerb der Magnesita sei eine wichtige „Bereicherung für die RHI“. Weniger euphorisch ist Longin, was den geplanten Börseplatz London betrifft. Mit dem Brexit stelle sich die Frage, welche Bedeutung der Finanzplatz London künftig noch haben werde. Keine könne heute sagen, wie es mit der LSE durch den Brexit weitergehe und ob sie daher der richtige Platz für RHI Magnesita sei. Wahrscheinlich sei man angesichts der neuen Größenordung der RHI Magnesita der Meinung, damit an einem größeren Börseplatz als Wien etabliert sein zu müssen.          

Jedenfalls „täte es“ Longin „leid“, wenn die RHI-Aktien komplett von der Wiener Börse verschwinden würden. Denn „das Herz der RHI ist in Österreich, RHI ist ein österreichischer Weltkonzern“. So wäre es „kein schöner Zug“, wenn der Titel gänzlich von Wien weggehen würde, tritt Longin für zumindest eine Zweitnotierung am heimischen Parkett ein. Dass es zur Abwanderung von Forschung & Entwicklung der RHI aus Österreich kommen werde, befürchtet er nicht. Es wäre „schlicht falsch“; den Forschungsstandort zu verlegen; gebe es doch bewährte intensive Zusammenarbeit mit der Montanuniversität Leoben in der Feuerfestforschung. Die Montanuni sei in der Weltrangliste der Technischen Hochschulen auf Platz 7, „auf diesen hervorragenden Forschungsstandort zu verzichten, kann ich mir nicht vorstellen und wäre heller Wahnsinn“. Longins Fazit: „Von der Strategie her ist die Akquisition von Magnesita ein 100 %iger Gewinn für RHI“ und er könne dem Management nur „herzlich gratulieren“.

Bedenkliche Risiken
„Massiv kritisch“ sieht hingegen IVA-Präsident Wilhelm Rasinger den Deal im Gespräch mit dem Börsen-Kurier: Sich mit Magnesita zu beschäftigen, mache schon Sinn, aber „nicht unter den bekannt gegebenen Bedingungen und der Begleitmusik“. Der geplante Deal berge zahlreiche Risken: Das Magnesita-Ergebnis gehe seit Jahren hinunter, das dargestellte Synergiepotential sei keineswegs überzeugend, die hohe Bewertung der Magnesita nicht nachvollziehbar. „Nachteilig und unverständlich“ aus Sicht des Streubesitzes sieht Rasinger den geplanten Rückzug von der Wiener Börse, die Börsenotiz in London sowie die Verlegung des Sitzes in die Niederlande. Die schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit (Stichworte Head, bwin, MEL/Atrium)
würden gravierende Nachteile beim Anlegerschutz befürchten lassen. Im Gegensatz zu Longin befürchtet der IVA-Präsident sehr wohl, dass es zur Abwanderung von hochqualifizierten Konzernfunktionen wie Investor Relations und Forschung & Entwicklung aus Österreich kommen werde; zwar „nicht von heute auf morgen, aber sukzessive“. Das wäre sehr nachteilig für den gesamten Wirtschaftsstandort. Auch für den Börseplatz London sieht er „keine vernünftige Begründung“. Die jetzigen dortigen Privilegien und Begünstigungen werden mit dem Brexit nicht zu halten sein. Rasingers Resumee: Der bekannt gegebene Deal sei nicht durchdacht, schlecht verhandelt und nicht im Interesse der vielen RHI-Aktionäre, sondern nur im Interesse des Kernaktionärs und der kontrollierenden Magnesita-Eigner. Für den RHI-Streubesitz habe er „bisher keinen Vorteil gesehen“.

Kosten?
Mit der Notierungsverlegung nach London müsse man, so Kenner, damit rechnen, dass die Gebühren der depotführenden Banken für den Handel der Aktie für die österreichischen Privatanleger etwas teurer werden. Die Handelspesen würden höher, denn es kämen die Auslandsspesen dazu. Auch was die Besteuerung betrifft, wird’s nicht besser: Jetzt wird ja die KESt automatisch am Verrechnungskonto der Aktiendepots abgezogen. Als „Auslandsaktie“ gelte die Quellensteuer und damit die Doppelbesteuerungsabkommen mit Niederlande und UK.

Was sagt die Wiener Börse?
Der Börsen-Kurier fragte auch bei der Wiener Börse nach, wie sie zum RHI-Magnesita-Plan steht. Hier die Ersteinschätzung aus „der Wallnerstrasse“: „Wir sind aktuell in Gesprächen mit dem Management der RHI, um den Link nach Österreich aufrecht zu erhalten.“ Ein (London-)Listing außerhalb des Euroraums und künftig auch der EU könnte den Zugang zum europäischen und österreichischen Kapitalmarkt erschweren und die Sichtbarkeit des Unternehmens möglicherweise einschränken. An der Londoner LSE bestehe „die Gefahr, Teil eines weniger beachteten, riesigen Mittelfeldes zu werden“. Bislang erfahre das Unternehmen im Heimatland Österreich große Aufmerksamkeit und ist Mitglied des ATX, „auf den die ganze Welt schaut und in ihn investiert“.

Die Aufgabe von Auslandsorders in einer Fremdwährung und die Stamp Duty würden den Handel heimischer Privatanleger in RHI-Aktien verteuern, wird zu Bedenken gegeben. Aber die Wiener Börse zollt auch Lob: Die Notierung der RHI an der Wiener Börse sei ein Meilenstein in der Erfolgsgeschichte des Industrieunternehmens. Das Unternehmen konnte auch mit Hilfe einer stabilen heimischen Investorenbasis Eigenkapital aufnehmen und damit Innovation und Expansion finanzieren. „Wir freuen uns über die Fortsetzung dieser Erfolgsgeschichte, die jetzt in eine nächste Phase zu gehen scheint.“

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

Investments mit Wachstumsperspektiven in Hong Kong, Indien, Australien und Kanada

Europas Wirtschaft ist überreguliert und stagniert. Indessen ist im asiatischen Raum, Australien und Kanada noch reichlich Wachstumspotenzial vorzufinden.

Der IWF rechnet für 2017 im Euroraum nur noch mit 1,4 % Wachstum, während die ASEAN-5-Staaten, China und Indien um jeweils 5,1; 6,2 bzw. 7,4 % wachsen sollten. Gleichzeitig ist – trotz relativ niedriger Verschuldung – das Zinsniveau der Schwellenländer höher, was eine Rendite von 4,26 % im Bloomberg USD Emerging Market Sovereign Bond Index (28. 9.) zeigt. Laut IWF ist die Staatsverschuldung der Entwicklungs- und Schwellenländer in den Jahren 2002 bis 2015 von 54,9 auf 45,1 % gesunken. Im gleichen Zeitraum ist sie in den entwickelten Volkswirtschaften von 71,4 auf 104,8 % des BIP gestiegen.

Hohe Zinsen für laufende Erträge
Dieser langfristige Trend spricht für EM-Bonds, die in Heimatwährung besonders hohe Renditen abwerfen. Effektiv kann hier über einschlägige Fonds investiert werden, wie den AI-Emerging Markets Local Currency Bond A (T) (ISIN: LU0273494806), der im laufenden Jahr 11,4 % im Plus liegt (27. 9.) und die Währungen Polnischer Zloty, Brasilianischer Real und Südafrikanischer Rand mit je rund 11 % am stärksten gewichtet. Mit 15,8 % Plus in den vergangenen zwölf Monaten ebenfalls interessant ist der Pioneer Fund EM Bond Local Currency A ND (LU0441086153), der den Brasilianischen Real, die Indonesische Rupiah und den Mexikanischen Peso am stärksten gewichtet.

Besonders hohe Gewinnchancen bieten Rand-Anleihen. Nachdem der Südafrikanische Rand binnen vier Jahren bis Anfang 16 mehr als 40 % gegenüber dem Euro an Wert verlor, setzte eine Wende ein, weshalb folgende Rand-Anleihe der Republik Südafrika interessant erscheint: Kupon: 8,75 %; Fälligkeit: 31. 1. 2044; Rendite 27. 9.: 9,49 % (ZAG000106972).

Australien und Kanada
Diese beiden Länder gewinnen auf lange Sicht durch wenig Bürokratie und qualitativ hochwertige Zuwanderung. Mit Aktien des Einzelhandelssektors profitiert man vom privaten Konsum, während der australische Rohstoffgigant BHP Billiton (AU000000BHP4) oder der kanadische Ölsand-Wert Suncor Energy (CA8672241079) dynamischere Investments im Hinblick auf eine Erholung der Rohstoffpreise darstellen. In Kanada solide Einzelhandels-Titel sind der größte Lebensmitteleinzelhändler Loblaw (CA5394811015) und die größte Apothekenkette der Provinz Quebec, The Jean Coutu Group (PJC) (CA47215Q1046), die sich durch eine Eigenkapitalquote von 80,9 % und eine Gesamtkapitalrentabilität von 13,2 % in den vergangenen vier Quartalen auszeichnet. In Australien interessant erscheint Woolworth (AU000000 WOW2), die aus einer mehrjährigen Restrukturierungsphase gestärkt hervorgehen sollte.

Schwellenländer-Aktienmix
In Indien ist ein mögliches Investment das IT- & Outsourcing-Unternehmen Infosys (US4567881085), angesichts einer Bodenbildung und eines Forward KGVs 2017/18 von 14,6 (28. 6.). An der wachsenden Mittelschicht und steigenden Motorisierung des Landes profitieren Tata Motors (Pkw und Lkw, US87656 85024) und Bajaj Auto (Motorräder, leichte Nutzfahrzeuge, US0571002080). Letztere vertreibt auch KTM Motorräder in Südostasien und ist zu 48 % an der KTM AG beteiligt. Tata Motors hingegen ist aufgrund des zu erwartenden Wachstums mit einem geschätzten Forward KGV 2017/18 von 9,5 günstig.

In Hong Kong stellt die CK Hutchison Holding (Häfen, Einzelhandel, Infrastruktur und Telekommunikation, KYG217651051) ein Basisinvestment dar, zumal ein Forward-KGV von 10,9 im Jahr 2017 noch Spielraum nach oben bietet.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at

Tauziehen um den Börsenrückzug geht in die nächste Runde

Die BWT-Aktie ist in den vergangenen drei Jahren um 51 % gestiegen und verzeichnete in den letzten drei Monaten sogar ein Plus von knapp 13 %. Das erste Halbjahr entwickelte sich erfreulich, und die Tatsache, dass der Kampf um das Delisting nun vor dem OGH ausgetragen wird, zieht Investoren an.

Die Börse hat ihre Schuldigkeit getan, der Kapitalbedarf ist längst gedeckt und in absehbarer Zeit sind keinerlei Kapitalerhöhungen mehr geplant. Was bleibt, sind der laufende administrative Aufwand und die Kosten der Börsennotiz. Der BWT verursachen die Börsenotiz und die damit verbundenen Veröffentlichungspflichten jährliche Kosten von 560.000 Euro und Wettbewerbsnachteile, da Mitbewerber durch Pflichtmitteilungen an Informationen gelangen, die sie von einer nicht-börsenotierten Gesellschaft nie erhalten würden. Da hilft nur eines: Mehr als 90 % der Anteile erwerben und den Squeeze Out durchführen. Eine Akkumulation über die Börse hätte aber mangels liquiden Handels den Aktienkurs weit nach oben getrieben. Effizienter erschien ein Übernahmeangebot.

Am 15. September 2014 unterbreitete Großaktionär und Firmenchef Andreas Weißenbacher über die Aqua Invest GmbH ein Übernahmeangebot in Höhe von 17 €/Aktie, das 5,66 % bzw. 7,66 % über dem Durchschnittskurs der vergangenen drei bzw. sechs Monate (bis 26.8.14) lag. Die Aqua Invest befindet sich zu diesem Zeitpunkt zu 100 % im Besitz der FIBA Beteiligungs- und Anlage GmbH, die ihrerseits über einen Treuhänder von der WAB-Stiftung Weißenbachers kontrolliert wird. Zum Zeitpunkt des Angebots hielten die Bieterin und gemeinsam mit ihr vorgehende Rechtsträger 73,72 % der stimmberechtigten Aktien und ohne eigene Aktien sogar 78,44 %. In den Jahren 2011 bis 2014 durchlief der Aktienkurs eine Durststrecke – nicht zuletzt infolge schwacher konjunktureller Rahmenbedingungen. Der Gewinn/Aktie (nach IFRS) bröckelte von 2012 auf 2013 von 0,87 auf 0,64 Euro ab. Was den Aktionären blieb, war die Hoffnung auf bessere Zahlen infolge einer konjunkturellen Erholung. Entsprechend verhalten war der Anklang dieses Angebots. Bis 29. September 2014 konnten auf diese Weise lediglich 6,06 % des Grundkapitals akkumuliert werden, wodurch der Anteil auf 79,78 % des Grundkapitals stieg – zu wenig für einen Squeeze Out.

BWT-Aktie bleibt vorerst an der Börse
Findige Juristen sahen dann in der Verschmelzung der BWT AG mit ihrer 100 %igen nicht börsenotierten Tochtergesellschaft, der BWT Holding AG, die Lösung, zumal es nach deren Rechtsauffassung „keine Alternative zur rückwirkenden Verschmelzung gäbe, da ein Delisting im Gegensatz zum geregelten Freiverkehr nicht für den amtlichen Handel gesetzlich geregelt sei.“ Die BWT notiert aber im amtlichen Handel. Somit fasste die 25. Ordentliche Hauptversammlung vom 25. 8. 2015 den Beschluss dieser Fusion, der jedoch von einer Gruppe von Kleinaktionären angefochten wurde.

Der Firmenbuchrichter verweigerte die Eintragung der Verschmelzung ins Firmenbuch und am 11. 4. 2016 folgte ein Urteil des Landesgerichts Wels, in dem es der Auffassung der Kläger folgte und laut Medienberichten der Meinung war, dass ein Delisting ohne gleichzeitiges Barabfindungsangebot nicht zulässig sei. Doch schon am 3. 8. 2016 erhielt die BWT AG die Entscheidung des Oberlandesgerichts Linz zugestellt, mit der dieses die von Aktionären der Gesellschaft erhobenen Klagen auf Aufhebung bzw. Nichtigerklärung des in der Hauptversammlung vom 25.8.2015 gefassten Beschlusses abweist.

Nun ist die Rechtsmittelfrist abgelaufen und der Oberste Gerichtshof (OGH) muss klären, ob die geplante Art des Delistings auch rechtmäßig ist. Das verschafft den verbleibenden Streubesitz-Aktionären Luft und sie können auf weitere Kursanstiege hoffen – und dies unabhängig vom konkreten Verlauf des 2. Halbjahres, denn es besteht durchaus die Chance, dass der OGH den Klägern Recht gibt und es dann zu einem großzügigen Übernahmeangebot kommt.

Fundamentale Verbesserung auf den 2. Blick
Die fundamentale Situation des Unternehmens hat sich nämlich verbessert, auch wenn der Gewinn/Aktie in den Jahren 2013 bis 2015 bei je 0,64, 0,61 bzw. 0,63 Euro stagnierte. Der Umsatz stieg in diesem Zeitraum von 507,7 auf 535,30 Mio Euro, während sich der Cash Flow aus der Geschäftstätigkeit von 31,5 auf 45,9 Mio Euro verbesserte und die Eigenkapitaldecke gleich um 10,7 auf 183,3 Mio Euro wuchs.

Erfreulich war auch das 1. Halbjahr 2016 mit einem um Veränderungen in der Konzernstruktur bereinigtem Umsatzplus um 9,4 %. Vor allem die Haustechnik in Deutschland und Österreich sowie das Pharmageschäft zeigten entsprechende Umsatzanstiege. Im 2. Halbjahr ist die Integration der im Point-of-Use-Consumer Geschäft tätigen BWT BARRIER Gruppe ein Thema und in Dänemark wird ein neues Werk zur Produktion von Point-of-Use-Consumer Produkten gebaut.

Für das Gesamtjahr erwartet die BWT-Gruppe einen Konzernumsatz von 600 Mio Euro, wobei Werbeaufwendungen und Ertragsrisiken unter anderem am russischen Markt voraussichtlich keine wesentlichen Steigerungen des Konzernergebnisses ermöglichen sollten. Doch es kann auch positive Überraschungen geben.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at

Risiko und Ertrag unter einen Hut bringen

Anleger, die in der aktuellen Niedrigzinsphase noch Renditen erwirtschaften wollen, kommen kaum um Zertifikate herum. Wie aber schaut es mit dem Risiko aus?

Es war eigentlich eine erschreckende Nachricht: Eine große Schweizer Pensionskasse hat die Hälfte ihres Volumens in Papieren angelegt, die derzeit eine negative Rendite abwerfen. Sparbücher und Anleihen verlieren bereits seit geraumer Zeit an Wert, zumindest wenn man auch die Inflation hineinrechnet.

Muss man da, um sein Vermögen zu erhalten, in risikoreiche Anlagen investieren? „Nein“, ist Heike Arbter, Managing Director in der RCB und seit Mai Präsidentin des europäischen Dachverbandes für strukturierte Investmentprodukte, überzeugt. Zwar würden Zertifikate in der öffentlichen Wahrnehmung nach wie vor als Risikopapiere gesehen, weiß Arbter, in Wirklichkeit seien Bonus- und Expresszertifikate eine „echte, passende und renditestarke Alternative für konservativ ausgerichtete Portfolios“.

Und weil im Niedrigzinsumfeld der „zweifelsfreie Nutzen der Zertifikate“ feststehe, erleben besonders Teilschutzzertifikate einen wahren Boom und sind derzeit die am stärksten wachsende Kategorie auf dem österreichischen Zertifikatemarkt.

Wie sieht es nun aber wirklich mit der Sicherheit aus? Eine Analyse der RCB gibt darüber Aufschluss und kommt zu einem überraschenden Ergebnis.

Minimales Risiko
Zuvorderst stand die Frage: Kann man Teilschutzzertifikate so strukturieren, dass das verbleibende Risiko so gering wird, damit sie auch für sehr sicherheitsorientierte Investoren geeignet sind?

Dafür hat die RCB mögliche Bonus- und Expresszertifikate über einen Zeitraum von mehr als 25 Jahren rückgerechnet. Auch wenn Daten aus der Vergangenheit natürlich für die Zukunft keine Gültigkeit haben müssen, zeigt sich im Ergebnis der hohe Schutzmechanismus dieser Papiere.

Analysiert wurden Bonus- und Expresszertifikate auf den Euro Stoxx 50 Index im Zeitraum von 1.1.1990 bis 1.8.2016. Dabei wurde angenommen, dass täglich ein Zertifikat aufgelegt worden wäre. Ziel war es, das Risikoverhalten von Zertifikaten in Relation zum Basiswert festzustellen. Vor allem sollte verifiziert werden, dass das Risiko – also das Erreichen der Barriere – umso höher ist, je höher die Märkte sind. Dann würde Markt-Timing „eine zentrale Rolle spielen, wenn das verbleibende Marktrisiko ausgeschlossen werden soll“, so die RCB.

Das Ergebnis
Historisch gesehen haben Bonus Zertifikate mit einer Barriere von 33,81 % und Express Zertifikate mit einer Barriere von 47,08 % bei laufender Betrachtung in mehr als 25 Jahren niemals eine Barriere berührt. Wurden höhere Barrieren gewählt, kam es auf den jeweiligen Investitionszeitpunkt an: Je höher der Startwert (also der jeweils aktuelle Indexstand), umso niedriger muss man die Barriere wählen, um auf der sicheren Seite zu bleiben. So müsste man bei Bonuszertifikaten auf den Euro Stoxx 50 bei einem Indexstand von 5.464,43 Punkten eine Barriere von 33,81 % wählen, bei einem Stand von 3.532,65 Punkten eine von 50 %, damit diese bei einer Laufzeit von fünf Jahren in keinem Szenario berührt worden wäre.

Beim aktuellen Indexstand des Euro Stoxx 50 von weniger als 3.000 Punkten könnte man also, so die RCB, ohne Weiteres Barrieren von maximal 50 % wählen – sie wären „auch für sicherheitsorientierte Investoren“ eine Alternative zu kapitalgeschützten Anlagen wie Anleihen oder Garantiezertifikaten, und das mit Erträgen von mehr als 5 % pro Jahr.

Autor: Marius Perger (mp@boersen-kurier.at)

Der Boom der Brennstoffzelle

Die Wasserstoff-Treibstoff-Infrastruktur wächst parallel zu den angebotenen Fahrzeugen. Europas Kfz-Perspektive bietet eine solide Anlagechance.

Die Erweiterung auf 100 Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland bis zum Jahr 2018 schreitet voran. Nachdem in Österreich am 13. September in Asten bei Linz die dritte reguläre OMV-Wasserstofftankstelle eröffnet wurde, folgt bereits im November in Graz auch hierzulande der Infrastrukturaufbau.

Das Berliner Konsortium H2 Mobility zielt auf eine verzahnte Marktpräsenz des Kraftstoffangebots mit der Einführung der Brennstoffzellen-Automodelle ab. In Deutschland gab es immer wieder zur deutschen Subventionspolitik alternativer Antriebe Kritik. Klar ist: Die europäischen Kfz-Hersteller befinden sich in der Produktion für Elektro-Autos nicht mehr in Führungsposition. Die Chancen der Pkw-Industrie des Alten Kontinents liegen im Ausspielen der eigenen Stärken. Und diese untermauern mit der Brennstoffzellen-Entwicklung womöglich noch zukunftsweisende Pfade.

Es ist in der Branche nicht neu, dass der koreanische „Angreifer“ Hyundai (ISIN: USY384721251) den Germanen in dieser Technologie dicht auf den Fersen ist. Die Gegenüberstellung zum reinen Elektro-Auto spricht für die Brennstoffzelle. Die Vorteile sind eminent. Eine derart überdimensionierte Batterie, die beispielsweise beim Tesla S-Modell zu einem Leergewicht von mehr als 2t beiträgt, fällt weg. Die km-Reichweite der Fahrzeuge liegt auf gewohntem Niveau. Das Raumvolumen im Kfz wird nicht beschränkt. Einzig die Herstellungskosten und damit die Erschwinglichkeit für den Endverbraucher sind als Hürde zu nennen, die kurzfristig noch nicht zu überspringen ist.

Geballte Interessen eines Syndikates

Führt die Brennstoffzellentechnik in der Mobilität zum Durchbruch, sind klare Profiteure (ohne diverse Komponentenzulieferer) rasch zu benennen: Aufgrund der dominanten Marktstellung stehen die beiden französischen und deutschen Flüssiggas-Platzhirsche Air Liquide (FR0000120073) und Linde (DE000 6483001) an der Spitze einer langfristig „goldenen“ Zeitepoche. Für diese H2-Mobility-Gesellschafter, die als Industrielieferanten ein jahrzehntelanges Knowhow aufweisen, breitet sich hin zum Endverbraucher ein weiteres Geschäftsfeld aus. Mit Shell (GB00B03MLX29), Total (FR 0000120271) und der OMV sind zudem mächtige Gründungsmitglieder zu nennen. Vereint lässt sich der Aufbau und die Etablierung in Zentraleuropa bewerkstelligen. Für den Daimler-Konzern (als weiteren Gesellschafter, DE0007100000) könnten die Wagnis-Investitionen und das offensive Vorantreiben der Brennstoffzellentechnologie zu weit profitableren Geschäftsergebnissen führen. Für die zuletzt positive wirtschaftliche Entwicklung und die erfolgreiche Mercedes-Modellpolitik ein potenziell weiterer Schub. Mit dem GLC F-Cell (SUV) platzieren
die Stuttgarter bereits im kommenden Jahr das weltweit erste Plug-in Brennstoffzellen-Auto. Der Wasserstoff kann binnen drei Minuten betankt werden. Die komplette Antriebseinheit passt unter die Motorhaube, die Reichweite soll mehr als 500 km betragen.

Ernsthafte Konkurrenz für Elektroautos

Der reine Elektro-Bolide bekommt trotz des Tesla-Aktien-Hype (US88 160R1014) mit der Brennstoffzellentechnologie eine ernsthafte Konkurrenz, die vor der Marktreife und für Markenkontinuität steht. Gelingt den Kaliforniern mit Tesla nicht bald der Sprung in die Profitabilität, gehen deren Anteilseigner und Investoren als auch die Autokäufer (Verfügbarkeit der Ersatzteile) ein beträchtliches Risiko ein.

Autor: Roman Steinbauer (redaktion@boersen-kurier.at)

Osteuropas Aktienmärkte stehen in den Startlöchern

Sie litten besonders heftig unter dem Abschwung in der Eurozone sowie der Ukraine-Krise, doch jetzt könnten Osteuropas Aktienmärkte zu einem neuen Aufschwung durchstarten.

Die Turbulenzen der jüngsten Vergangenheit hinterlassen tiefe Spuren an den Märkten in Osteuropa, von Europas Wirtschaftsabschwung bis hin zur Ukraine-Krise. Allein seit Mitte 2015 bis dato hat der CECE  Index fast 30 % verloren, während die meisten entwickelten Märkte in der Zeit recht ansehnlich zugelegten. Der CECE Index umfasst den Czech Traded Index, Hungarian Traded Index und den Polish Traded Index. Besonders heftig litt aber die rohstofflastige Börse in Moskau.

Doch inzwischen könnte sich eine Trendwende abzeichnen. Nikola Stephan, Volkswirtin bei der DekaBank, wirft einen Blick auf die Regionen: „Nach einer schwacher Performance aufgrund globaler Unsicherheiten und niedriger Rohstoffpreise haben sich Emerging Markets zuletzt leicht erholt.“ Auch die osteuropäischen Märkte hätten von den lockeren globalen Liquiditätsbedingungen profitiert, meint Stephan: Zudem konnte die Börse in Russland „mit der Ölpreiserholung zulegen“. Sollte der Aufwärtstrend, damit auch der makroökonomische Kurs Russlands anhalten, seien weitere Gewinne möglich, „auch wenn ein Großteil der vorherigen Verluste bereits Anfang des Jahres wettgemacht wurden.“

Andere osteuropäische Länder sollten sich aufgrund einer soliden Binnennachfrage weiterhin gut behaupten können, meint die Deka-Expertin weiters, „auch wenn hier EU- bzw. länderspezifische Entwicklungen, wie zum Beispiel der umstrittene wirtschaftspolitische Kurs der polnischen Regierung, das Aufwärtspotenzial begrenzen könnten“.

8 % seit Jahresbeginn
Allein das heurige Geschehen lässt sich freilich noch ein wenig präzisieren. So konnte seit Jahresbeginn Emerging Europe um gut 8 % zulegen: „Dahinter stecken vor allem eine Währungsaufwertung und verbesserte Bewertungen der Aktien“, erklärt Sam Vecht, Fondsmanager des BGF Emerging Europe Fund (ISIN: LU0011850392). Nun müssten die Unternehmensergebnisse anziehen, damit die Erholung auch nachhaltig sei. Und: Erste Anzeichen einer zaghaften Konjunkturerholung seien bereits spürbar, meint Vecht.

Anlage im Detail
Chancen nutzen die Fondsmanager dabei allemal. So hat Martin Hdrina, Fondsmanager des Deka-ConvergenceAktien (LU0133666759) die aktuell größten Positionen in Sberbank (US80585Y3080), Lukoil (US6778621044) sowie Magnit (US55953Q2021), sprich auf russische Titel gelegt. Wobei freilich auch die Benchmark ein Schwergewicht in dieser Region hat. Auch im JP Morgan Emerging Europe Equity (LU00517590 99) spielt Russland eine große Rolle, entsprechend ist die Region mit mehr als 60 % gewichtet.

An zweiter Stelle liegt im JP-Morgan-Fonds die von politischen Turbulenzen gebeutelte Türkei, gefolgt von Ungarn, bis hinzu Kasachstan und Weißrussland. Investiert wird aber sehr unternehmensbezogen (also ein Bottom-Up-Ansatz). Dennoch macht Fondsmanager Oleg Biryulyov Trends ausfindig. „Ein Schwer-punkt liegt auf dem Binnenmarkt. Davon dürften etwa die Bereiche Konsum, Banken und Dienstleistungen profitieren.“ Der Vorteil, laut Biryulyov: Diese Branchen seien tendenziell weniger zyklisch als etwa Titel aus der Energiebranche. Was aber nichts daran ändert, dass die zweite größte Position im Fonds auf Gazprom (US3682872078) entfällt. Ein weiteres wichtiges Thema seien Ausschüttungen. Denn die Dividendenrenditen am breiten Markt liegen „bei knapp weniger als 5 %“. 

Black-Rock-Experte Vecht verweist weiters auf seine Untergewichtung in Zentraleuropa, sprich Tschechien, Ungarn und Polen. Begründet wird das mit der großen Abhängigkeit der EU-Konjunktur. Übergewichtet bleibt Vecht hingegen in den GUS-Regionen, aber auch in Griechenland. „Die Hellenen dürften von den sinkenden Renditen bei griechischen Staatsanleihen profitieren, nachdem neue Schuldenverhandlungen offenbar konkreter werden.“ Solange die weltweiten Märkte jedenfalls nicht von neuen Turbulenzen gebeutelt werden, dürfte der Aufholprozess in Takt sein.

Autorin: Mag. Raja Korinek

Ein Asien-Engagement sollte im Portefeuille nicht fehlen

Allianz Global Investors, mit Pimco eine der beiden Vermögensverwaltungstöchter des weltweit agierenden deutschen Finanzdienstleisters Allianz SE, ortet überproportionales Wachstumspotenzial im asiatisch-pazifischen Raum. Der Allianz Oriental Income Fund destilliert die Opportunitäten gekonnt.

Asiens rapider Wandel von einer exportorientierten Wirtschaftsregion zur inlandsgetriebenen Konsumgesellschaft ist frappant, konstatiert Raymond Chan, Chief Investment Officer (CIO) Asia Pacific von Allianz Global Investors, beim diesjährigen internationalen Investmentforum in Frankfurt: „Strukturreformen wie die geplante Vereinheitlichung des Steuersystems in Indien, der Ausbau der Infrastruktur in vielen Regionen Asiens oder der Aufstieg breiter Bevölkerungsschichten zur Mittelklasse vor allem in China, Indonesien und Indien, all das zählt zu den Grundpfeilern des aktuellen wirtschaftlichen Aufschwungs in Asien.“ So würde die zunehmende Urbanisierung etwa China, der ehemaligen „Werkbank des Westens“, steigende Beschäftigung, höheres Einkommen und in der Folge mehr Konsum bescheren. Ein Wandel, der sich auch an dem rasant steigenden Dienstleistungsanteil am Bruttoinlandspunkt im Reich der Mitte ablesen lasse: Lagen Industrie- und Dienstleistungsanteil am Bruttoinlandsprodukt 2012 mit rund 47 % erstmals gleichauf, so stieg der Service-Anteil mit 50 % bereits 2015 klar über den Industrieanteil von 41 %. Auch die immer häufigeren grenzüberschreitenden Übernahmeaktivitäten chinesischer Unternehmen zeugen von einer ernst zu nehmenden Dynamik. Ein weiteres Beispiel sei, so Chan, die Steueramnestie in Indonesien, mit dem Ziel, das im Ausland geparkte Geld zurückzuholen.

Chancen im Rentenbereich
Auch im Rentenbereich gibt es jede Menge Investmentchancen, wie David Tan, CIO Fixed Income Asia Pacific, betont: „Die Attraktivität asiatischer Anleihen wird in Europa weitgehend unterschätzt.“ Ein zweiter Blick lohne allemal, liegen die durchschnittlichen Renditen doch bei drei bis vier Prozent für Investmentgrade-Bonds, bei fünf bis sechs für High-Yield-Papiere und bei bis zu sieben Prozent für Renten in Lokalwährungen. Und nur wenige Länder weltweit hätten ein AAA-Rating wie Singapur. Vielversprechende Aussichten also für die zurzeit nach Ertrag hungernden Investoren.

Konzentrierte Chancen
Die Ampeln stehen jedenfalls auf grün, wie der Allianz Oriental Income Fund mit seiner jährlichen Kursentwicklung von zehn Prozent über fünf Jahre per Ende August 2016 beweist (ISIN für die thesaurierende Retail-Tranche: LU03487840 41).

Der von Hongkong aus seit 1994 agierende Fondsmanager Stuart Winchester konzentriert sich in diesem regional breit aufgestelltem Fonds auf lediglich jene 55 bis 75 Aktien, die ihn in puncto qualitativem Wachstum und attraktiver Bewertung am meisten überzeugen. Dass bereits reife Märkte wie die Industrienationen Japan und Südkorea mit rund 28 beziehungsweise 23 % derzeit den Schwerpunkt bilden, ist schnell erklärt: „Wir finden hier eine Reihe von übersehenen Technologieführern, die das Potenzial für langfristig überproportionales Wachstum haben wie etwa EO Technics in Korea.“ Die mit knapp 6 % zweitgrößte Position im Portfolio Ende August punktet mit einer ausgeklügelten Laser-Präzisionstechnik für die Halbleiter-Produktion.

Viel IT im Fonds
Den viel versprechenden Telekomsektor, der nach hohen Investitionen und mit der Aufwertung der Netzkapazitäten von 2G auf 4G dank verstärktem Kundenwachstum zunehmend höheren Free Cashflow liefern sollte, fängt Winchester vor allem mit Investments im IT-Bereich ab, wie er dem Börsen-Kurier erklärt: „Rund ein Drittel des Portfolios entfällt auf IT-Unternehmen, wobei ein großer Teil als technologisch führender Nischenplayer von diesem Wachstum profitiert.” Wie etwa der koreanische 3D-Mess- und Prüfgerätehersteller Koh Young Technology, mit gut fünf Prozent drittgrößte Position im Portfolio.

Auch Makroökonomische Überlegungen
Wenig überraschend sind im Portfolio natürlich auch jene Titel vertreten, die den makroökonomischen Überlegungen des Fondsmanagers entsprechen: „Die neuseeländische Logistikfirma Mainfreight sollte vom steigenden Handel innerhalb der Region überproportional profitieren“, meint Winchester zu seiner größten Position im Portefeuille. Titel von Zulieferern der Automobil- und Luftfahrtindustrie sind da ebenso zu finden wie solche aus der Unterhaltungsindustrie, schließlich schoss der Wert an TV-Rechten für Fußballübertragungen von 12,5 Mio für 2015 auf 1,5 MrdUSD für 2016/2017 hinauf, so Chan.

Der Allianz Oriental Income Fund ist für ein Basisinvestment in der Region jedenfalls eine Überlegung wert, hat er in Zeiten hoher Volatilität an den Märkten doch die Möglichkeit bis zu 50 Prozent in regionale Anleihen zu gehen – eine Option, die er etwa in der Finanzkrise 2007/2008 mit einem Bond- & Cash-Anteil von rund 40 Prozent strategisch gut genutzt hatte.

Fazit
Ein Asien-Engagement sollte im Portefeuille also nicht fehlen, wobei Fondsvarianten den Einzelinvestments klar den Vorzug zu geben ist. Denn wer mit dem Markt wenig zu tun hat, kann schwer beurteilen, welche Länder Asiens ihre Reifeprüfung tatsächlich bestehen.

Autorin: Mag. Caroline Millonig (redaktion@boersen-kurier.at)

Chancen rund um den Globus nutzen

Die regionale Streuung allein bringe noch keinen Mehrwert, ist man bei Comgest überzeugt. Denn selbst dann müsse man genau auf die Auswahl achten, um einen Mehrwert zu erzielen.

Eine weltweite Aktienanlage hat freilich einen wesentlichen Vorteil: Anleger können von Chancen rund um den Globus profitieren. Diese muss man allerdings erst einmal herauspicken. Weshalb auch ein kurzer Rückblick auf die wichtigsten Geschehnisse lohnt: „US-Aktien konnten im August immerhin das sechste Monat in Folge zulegen, wobei die Entwicklung vor allem von positiven Wirtschaftsdaten unterstützt wurde“, sagt Adam Lessing von Fidelity zum Börsen-Kurier. Auch würden die Erwartungen einer US-Zinserhöhung steigen. Schließlich verwies Fed-Chefin Janet Yellen unter anderem auf den robusten Arbeitsmarkt und eine moderat steigende Inflationsrate.

In Europa wurden Aktien sowohl am Kontinent als auch in UK von der Zinssenkungsentscheidung der Bank of England unterstützt, meint Lessing. Dennoch, „die beste Entwicklung legte Emerging Asia zurück, gefolgt von Lateinamerika“, so der Fidelity-Österreich-Chef. Was ihn nicht verwundert. Gerade der Pazifische Raum (ohne Japan) konnte von schwachen Wirtschaftsdaten profitieren. Denn damit stieg auch die Hoffnung auf neue Konjunkturmaßnahmen in China.

„Ein ungewöhnliches Umfeld“

Und wie kann man in diesem Umfeld Geld mit Aktien verdienen? Eine, die sich diese Herausforderung zutraut, ist Céline Piquemal-Prade, Fondsmanagerin des Comgest Monde (ISIN: FR0000284689). Sie verweist darauf, dass trotz fehlendem Wachstum bei den Unternehmensgewinnen die Aktienkurse dennoch gestiegen sind. „Ein ungewöhnliches Umfeld“, wie die Comgest-Expertin uns gegenüber meint. Dennoch schaffe man es, Aktien zu wählen, bei denen die Unternehmen heuer einen Gewinn je Aktie im Schnitt von 10 % aufwiesen. Das, im Gegensatz zum Durchschnitt in der Messlatte, dem MSCI All Country World Index. Hier liegt dieser Wert bei 2 %.

Insgesamt gebe es fünf Themen im Fonds, so etwa das Thema „Marktanteil“. Hier investiert der Fonds unter anderem in Hikvision (CNE100000PM8). Der chinesische Konzern ist ein großer Hersteller von Überwachungskameras. Shimano (JP3358000002), ein  bekannter Marktführer von Gangschaltungen für Fahrräder, profitiert vom Trend weg vom Autofahren. Eine weitere wichtige Rolle spielt das Thema „Digitalisierung“. Umgesetzt wird es etwa mit Microsoft (US5949181045), Comcast (US20030N1019) oder Alphabet (US02079K3059).

Weitere Trends sind der „Anteil an den Schwellenländern“, „demografische Veränderungen“ sowie „Produktivitätssteigerungen“. Allein, eines wird insgesamt anhand der sorgfältigen Wahl abseits von zyklischen Aktien klar: „In Zeiten besonders hoher Markteuphorie hinkt die Performance hinten nach. Dafür verlieren wir weniger als der Markt in Zeiten fallender Kurse“, so die Comgest-Expertin im Börsen-Kurier-Gespräch. Zudem nehmen die USA mit fast 33 % den größten Anteil ein, gefolgt von Japan sowie den Schwellenländern. Europa rangiert auf Platz vier mit 16,6 %. Die IT-Branche hat die größte sektorale Gewichtung.

Risiken bleiben

Bleibt noch die Frage, wie es an den Märkten weitergeht. BlackRock-Stratege Martin Lück ist überzeugt, dass „vieles dafür spricht, dass das Jahr nicht so ruhig ausklingen wird“. Dazu zähle eine Reihe an politischen „Event-Risiken“: vom Referendum in Italien, dem Ultimatum zum Flüchtlingsdeal zwischen der Türkei und der EU, der US-Präsidentschaftswahl, „aber auch den diversen Zentralbankentscheidungen“, mahnt Lück, die Risiken nicht zu unterschätzen.                              

Autorin: Mag. Raja Korinek (redaktion@boersen-kurier.at)

Investments in österreichische Unternehmensanleihen: Die Jagd nach Rendite

Die mickrigen, zum Teil negativen Veranlagungszinsen zwingen Investoren, ihrem Portfolio Alternativen beizumischen. Ein Blick auf den Anleihemarkt der Wiener Börse lohnt sich in diesem Zusammenhang.

Das Bondsegment der Wiener Börse bietet attraktive Investmentmöglichkeiten, versichert Christian Riegler, Leiter des Anleihe-Fondsmanagements der 3 Banken-Generali-Investment-GmbH. Er muss es wissen, waren die Oberösterreicher doch die bislang Einzigen, die 2006 einen Fonds mit konkretem Fokus auf österreichische Unternehmensanleihen aufgelegt hatten. Ein Projekt, das infolge der mauen Liquiditätsbedingungen an der Wiener Börse allerdings wieder eingestellt wurde. Mittlerweile wird dieser Ansatz ausschließlich den geduldigeren Großkunden angeboten.

Seither hat die Wiener Börse jedenfalls so manche Initiative gesetzt, um den Handel insbesondere für Privatinvestoren aufzuwerten. Etwa mit der Einführung des Marktsegmentes Corporates Prime 2013, das bis dato vor allem von mittelständischen Unternehmen genutzt wird. Hier wird der Privatinvestor mit Informationen angesprochen, die über die gesetzlichen Veröffentlichungsbestimmungen hinausgehen. So kann er über die Website etwa die Entwicklung relevanter Unternehmenskennzahlen ebenso abrufen wie den jeweiligen Prospekt mit den anleihespezifischen Bedingungen. Ein großer Wurf ist der Wiener Börse freilich im Juni 2015 mit der Verpflichtung von vorderhand drei Market Makern gelungen, etwa der Raiffeisen Bank International. „Im Gegensatz zu dem im Anleihehandel üblichen Over-the-Counter-Markt, also dem außerbörslichen Handel zwischen den Finanzunternehmen, verpflichten wir uns, für aktuell 72 Anleihen täglich fortlaufende Börsepreise zu quotieren“, berichtet Michael Kuen, Head of Fixed Income. Damit zählt die Wiener Börse in diesem Segment nicht nur zu den Pionieren eines aktiven Handels in Europa, sondern unterstützt handelsfreudige Anleiheinvestoren, die ihre Preisvorstellungen für Kauf oder Verkauf etwa über Limits somit schneller realisieren können als bei der sonst hierzulande üblichen einmaligen Quotierung pro Tag.

Unterscheidungsmerkmale

Bei der Wahl des Investments ist freilich Obacht geboten, denn der Teufel steckt im Detail – sprich in den Rentenkonditionen. Dabei gilt es, zwischen so genannten Senior- und Hybrid-Anleihen zu unterscheiden.

Erstere entsprechen der gängigen Variante eines Bonds, der zu einem gewissen Zeitpunkt, sprich nach einer gewissen Laufzeit, zu 100 % des Nennwertes (Nominale) getilgt wird. Die jährliche Verzinsung ergibt sich aus Laufzeit und Bonität des Unternehmens, womit der Aufschlag im Verhältnis zum risikolosen Zinssatz, der sich an den Leitzinsen der Zentralbanken orientiert, bestimmt wird. Hier ist darauf zu achten, ob die Anleihe – etwa mit Realwerten – besichert oder unbesichert ist, wie Riegler betont: „Es geht um die Abstufung bei der Rangfolge, wer im Konkursfall wann bedient wird.“ Wobei Senior-Anleihen gleichrangig mit den anderen Gläubigern sind – im Gegensatz zu nachrangigen Bonds, bei denen im Fall der Fälle der Verlust des Kapitaleinsatzes eher eintritt.

Hybrid-Anleihen hingegen haben Eigenkapitalcharakter, weil sie in der Regel ewig laufen, und sind deshalb bei den Emittenten beliebt. Damit rücken sie freilich nahe an die Kategorie der Aktien, die anfälliger auf Marktschwankungen sind. Dieses Risiko erklärt die höhere Rendite ebenso wie die Ausgestaltung: „Wenn ein Unternehmen keine Dividende zahlen kann, dann entfällt

auch die Couponauszahlung“, weiß Riegler. Je nach Emittent kann die Auszahlung ganz ausfallen oder bei einer der nächsten Dividendenausschüttungen nachgeholt werden.

Für den Privatinvestor von Interesse ist freilich auch der so genannte Bid-/Offer-Spread, jener Wert, der darüber Auskunft gibt, wie groß die Spanne zwischen An- und Verkauf ist, so Georg Nitzlader, Fondsmanager des Raiffeisen-Euro-Corporates: „Je breiter, desto illiquider.“ Als Richtwert für die Liquidität gelte eine Spanne von fünf bis zehn Basispunkten multipliziert mit der Laufzeit: „Liegt die Spanne zwischen Kauf und Verkauf zum Beispiel bei zehn Basispunkten, so liegt diese bei einer siebenjährigen Anleihe bei etwa 0,7 %, bei einer dreijährigen Anleihe bei 0,3 %“, rechnet Nitzlader vor.

Ein weiteres Auswahlkriterium ist das Emissionsvolumen, das für international beachtete Benchmark-Anleihen bei rund 500 MioE liegt, und etwa im Fall eines (für österreichische Unternehmen seltenen) Ratings auch auf dem Radar der EZB im Zuge ihres Anleihekaufprogramms erscheint. Das sei zwar für die Unternehmen von Vorteil, nicht aber für den Privatinvestor: „So wird der Markt ausgedünnt“, sagt Riegler.

Martin Cech, Senior-Fondsmanager des Erste Responsible Bond Euro Corporate, berücksichtigt ergänzend auch eine starke Retail-Werbung – abgesehen von den nachhaltigen Kriterien wie insbesondere dem Ausschluss geächteter Waffen oder der Kohleproduktion. Er hofft auf Nachahmer der 2014 begebenen Verbund-Anleihe, wie er dem Börsen-Kurier erklärt: „Der erste österreichische Emittent eines Green-Bond hat sich im Vorfeld dazu kommittiert, den Emissionserlös von 500 MioE ausschließlich für nachhaltige, ökologische Projekte zu verwenden.“

Privatinvestoren, die sich für ein Investment in heimische Anleihen interessieren, müssen sich jedenfalls mit dem einzelnen Unternehmen auseinandersetzen. Das Spielfeld ist groß: 2015 wurden 137 Corporates mit einem Volumen von 20,6 Mrd. Euro begeben. Freilich nur ein Teil davon im Corporates Prime Market.

Autorin: Mag. Caroline Millonig (redaktion@boersen-kurier.at)

Mit chinesischen Clean-Tech-Aktien zu Outperformance

Wo ist der größte Clean-Tech-Markt der Welt? Und warum kann staatliche Wirtschaftslenkung auch Vorteile bringen?

Es ist immer dasselbe Ritual. Wenn europäische Regierungen oder die EU über strengere Umweltgesetze räsonieren, kommt prompt der Konter der betroffenen Industrien: Man möge doch bitte vorher auf globaler Ebene durchsetzen, das die großen Umweltsünder-Staaten (USA, China, Indien) zuerst mal unsere Standards erreichen. Dort signifikant sauberer zu werden hätte weit mehr globalen Nutzen als wenn die ohnehin schon relativ sauberen Europäer noch ein halbes Prozent rausquetschen.

Wenn wir heute an China und Umwelt denken, fallen uns Wasser- und Luftverschmutzung ein, Menschen mit Gesichtsmasken, ein. Aber es gibt auch eine andere Seite der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Das Riesenreich der Mitte ist bereits zum weltgrößten Clean-Tech-Markt aufgestiegen. Schon die Hälfte der Investments dieses Zukunftsmarkts spielt sich in China ab (und nur 25 % in den USA bzw. 20 % in Europa). Und: Umweltschutz ist von der Chinesischen Regierung zur Top-Priorität erklärt worden. Deshalb sehen Marktbeobachter China und Umwelt als fesselnde, strukturelle Langfriststory und als einen der attraktivsten „Growth cases“ überhaupt.

Bestärkt wird deren Überzeugung von Staatspräsident Xi Jinping, der kundtat: „Das erste was ich am Morgen tue, ist, die Luftqualität Pekings zu checken … Was ich mir wünsche ist, dass wir jeden Tag einen blauen Himmel, grüne Hügel und saubere Flüsse sehen – nicht nur in Peking, sondern überall in China.“

Vielleicht hat Präsident Xi Jinping ja eine eigene Luftqualitäts-App, François Perrin hat jedenfalls eine solche auf seinem Smartphone. Bei seinem kürzlichen Wien-Besuch sprach der Börsen-Kurier mit ihm darüber, warum er so bullish auf Chinas Umwelttechnologieaktien ist. Der gebürtige Franzose ist Portfoliomanager Hong Kong und North Asia, hat 18 Jahre Fondsindustrieerfahrung, arbeitet in Hong Kong und managt für den führenden Emerging & Frontier Market Manager East Capital den ersten und bisher einzigen China Environmental Fund (Class A EUR, ISIN: LU0289591256).  „Dieses Investmentfeld ist einfach zu groß, um es zu ignorieren“, meint Perrin.

Gute Aussichten

Denn die chinesische Regierung will so viel Geld in Umwelttech-Investments stecken, das dem Dreifachen des gesamten schwedischen Bruttoinlandsprodukts entspricht. So hat sie im Fünfjahresplan 2016 – 2020 die ursprünglich geplante Summe sogar verdoppelt. Außerdem hat das Land bereits 2015 Deutschland überholt, was den Solarpanel-Markt betrifft. Heute werden bereits 80 % aller Solarpanels in China produziert und das Land ist damit der weltgrößte Markt geworden. Hinzu kommt, dass es bei den chinesischen Titeln noch „massive“ Abschläge bei der Price/Earings-Ratio im Verhältnis zu ihrem Wachstum gebe, man also unterbewertete Unter-nehmen aus „High-Quality-Growth“-Sektoren vorfinde: „Cheap plus strong momentum plus strong track record.“

Für wen?

Umweltschutzstrategien und die Ausrichtung des chinesischen Regierungsplanes würden für einen mindestens 3 bis 5-jährigen Investmenthorizont sprechen und für eine „Buy and Hold“-Strategie, meint Asienkenner Perrin.

Im österreichischen Markt sieht der franko-asiatische Portfolio-Manager „starkes Potenzial“, denn bei uns herrsche gewachsenes Umweltbewusstsein: „Das ist in der DNA der Menschen hier.“ Interessant sei sein Investmentansatz sowohl für Retail-Funddistributoren als auch für Institutionelle wie Pensionsfonds und Fund of Funds mit Fokus auf Nachhaltigkeit. Man erhalte Zugang unter anderem zum weltgrößten Solarmarkt und Langfristsicherheit durch den industriegetriebenen Fünfjahresplan der Chinesischen Regierung. Der im Übrigen gar nicht so sehr top-down sei, sondern „der Druck kommt von der Bevölkerung“ und die Staatsverwaltung folge dem, indem sie das investierte Geld leveragt und die Umweltunternehmen zu globalen Key-Providern macht.

Autor: Mag.Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

Satte Renditen mit Dingen des Alltags

Dividendenkaiser, wachstumsorientierte Blue Chips plus Infrastrukturunternehmen – mit diesem Aktienportfolio verfügt man über eine ertragreiche Altersvorsorge.

Negative risikolose Zinsen erfordern einen neuen Ansatz. An Aktien führt kein Weg vorbei und Dividenden sind die neuen Zinsen. Doch die Sicherheit darf dabei nicht zu kurz kommen, weshalb man sich auf die Suche nach handfesten Investments begeben sollte. Diese findet man einerseits unter den defensiven Blue Chips, die zumindest 25 Jahre in Folge ihre Dividendenausschüttungen steigerten, aber auch in defensiven Bereichen wie Nahrungsmittel, Getränke, Haushaltswaren und Pharma. Wichtig ist dabei, dass die Firmen etwas anbieten, was unabhängig von konjunkturellen Zyklen wirklich dringend und ständig benötigt wird. Das gilt vor allem für Strom, Wasser sowie die Benützung von Mautstraßen, Öl&Gas-Pipelines und Stromnetzen.

Mit einer Dividendenrendite von 4,9 % überzeugt die spanische Abertis Infraestructura S.A (ISIN: ES01 11845014), die weltweit in zwölf Ländern über 8.300 Kilometer Mautstraßen verfügt und Hauptaktionärin des Kommunikationssatelliten-Betreibers (Rundfunk und Fernsehen) Hipasat ist. Ähnlich attraktiv ist Atlantia (IT0003506190) mit Mautstraßen in Italien, Brasilien und Chile, Indien und Polen. Im US-Energiesektor erscheint im Midstream-Bereich Kinder Morgan (US49456B1017) interessant: 84.000 Meilen Pipelines (Erdöl, Erdgas und CO2) und 180 Terminals zeugen von Größe. 91 % der Cash Flows stammen aus Gebühren. Das Senior-Management hielt Ende 2015 rund 14 % der Anteile (gemeinsame Interessen mit Anlegern). Bei einem Kurs/Cash-Flow-Verhältnis von 9,7 in den vergangenen vier Quartalen besteht noch Aufwärtspotenzial. Ertragskräftig ist auch National Grid (GB00B08SNH34), der britische Stromnetz-Betreiber mit einem Standbein in der Lagerung und Distribution von Erdgas. Der Cash Flow macht gut 35 % des Umsatzes aus.

Sowohl solider Energieversorger in den USA als auch ein Dividendenaristokrat ist conEdison (US20911 51041). Das Unternehmen konnte 42 Jahre in Folge die Dividende erhöhen und trotzdem lag die Dividendenrendite zuletzt bei 3,7 %. Als internationaler Wasserversorger und Abfallentsorger langfristig vielversprechend ist auch Veolia Environnement (FR0000124141).

Enorm ist der weltweite Nachholbedarf bei Infrastruktur-Investitionen. Expertenschätzungen zufolge liegt die jährliche globale Investitionslücke bei 1 BioUSD. Vor allem in den USA steht infolge veralteter Stromnetze und desolater Straßen ein baldiger Investitionsschub bevor, während China binnen drei Jahren umgerechnet 632 Mrd€ in den Ausbau des Verkehrsnetzes investieren möchte. Ein klassischer Profiteur dieser Entwicklungen und laufender Projekte in Europa ist das französische Bau- und Infrastrukturunternehmen Vinci (FR0000125486), während Siemens (DE0007236101) im Aufbau von Kraftwerken und Stromnetzen stark ist und zudem mit 3,3 % Dividendenrendite überzeugt.

Die defensiven Werte der Dividendenaristokraten des S&P 500 sind Coca Cola (US1912161007), McDonald’s (US5801351017), Procter & Gamble (US7427181091, Konsum-güter), Kimberly-Clark (US494368 1035, Hygiene-Artikel), Pepsico (US 7134481081), Hormel Foods (US44 04521001), Wal Mart (US931121039), 3M (US88579Y1010) und Johnson & Johnson (US4781601046).

In Europa zu den soliden Dauerbrennern gehören L’Oréal (FR0000 120321), Nestlé (CH0038863350) und Henkel (DE0006048408).

Als Wachstumswert mit starker Marktposition im Dialyse-Bereich ebenfalls zu den Basisinvestments zählt der Healthcare-Gigant Fresenius SE & Co KGaA (DE0005785604). Letzterer konnte von 2005 bis 2015 den Gewinn pro Aktie um durchschnittlich 16 % p.a. steigern.

Autor: Michael Kordovksy  (redaktion@boersen-kurier.at)

Handel mit Diamanten und Farbedelsteinen – Interessante Geldanlage

Filmemacher und Krimi-Autoren haben den Stoff schon vor langer Zeit für sich entdeckt. Doch was steckt wirklich hinter dem Thema und wie läuft der internationale Handel mit Diamanten und Farbedelsteinen ab? Der weltweit tätige Händler Thomas Schröck gibt Einblicke und räumt mit Mythen auf.

Börsen-Kurier: Was spricht für Diamanten und Farbedelsteine als Anlage? Immerhin gibt es ja weder Zinsen noch eine Dividende?

Thomas Schröck: Für Farbedelsteine und Diamanten spricht, dass sie –  neben Silber und Gold – die wohl älteste Anlageform insgesamt darstellen: Schon alte Königshäuser in Ägypten und Indien investierten ihr Geld in Edelsteine. Dann sind die Steine klein, leicht zu transportieren und stellen die höchste Wertkonzentration pro Kubikzentimeter dar. Sie brauchen bei der Lagerung keine Aufmerksamkeit, also kein spezielles Licht, keine spezielle Luftfeuchtigkeit oder keine Konservierung insgesamt. Außerdem sind Edelsteine weltweit in jedem Land anerkannt.

Börsen-Kurier: Wie lassen sich die Objekte der Begierde kategorisieren?

Schröck: Grundsätzlich unterscheidet man „weiße Ware“ – das sind die Diamanten – und Farbedelsteine. Beim Diamanten werden die „4 C“ herangezogen: Carat (das Gewicht, 0,2 g = 1 ct.), Clarity (die Reinheit), Color (die Farbe in Abstufungen von weiß) und Cut (die Qualität des Schliffs, noch einmal unterteilt in Symmetry, Polish und Cut selbst). Bei den Farbedelsteinen sind die wichtigsten jene aus der mineralogischen Korundgruppe (Rubin und Saphir) sowie jene aus der Beryllgruppe (vor allem Smaragd). Bei diesen drei, also bei Rubin, Saphir und Smaragd, ist das Wichtigste die Farbe (sie sollte strahlend und angenehm sein) und das Gewicht, dann die Reinheit. Ganz wichtig ist, dass sich für Anlagezwecke nur Edelsteine, die nicht „behandelt“ wurden (also vor allem nicht erhitzt zur Farbverbesserung), eignen.

Börsen-Kurier: Beim Thema Diamantenhandel schwingt immer etwas Mystisches mit. Bitte erklären Sie praxis- und anlageorientierten Leser den Begriff ein wenig.

Schröck: Der Mythos des Diamanten stammt einerseits aus der Tatsache seines hohen Werts, und auch daher, dass er in sehr unzugänglichen Weltgegenden gefunden wird (Südafrika, Sierra Leone, Simbabwe, Australien, Sibirien, Brasilien). Außerdem ist nur ein geringer Anteil der gefundenen Steine wirklich „weiß“.

Bis in die 1980er wurde der Handel mit Rohdiamanten übrigens von De Beers dominiert. Zu gewissen Zeiten hatte dieses Unternehmen einen Anteil von 70 % am Handel mit Rohdiamanten. Danach ist der Anteil geringer geworden. Und um gleich einen weiteren Mythos zu entzaubern: heute sind die wichtigsten Schleif- und Handelsplätze nicht mehr Antwerpen, Amsterdam oder Tel Aviv, sondern vor allem Indien. Rund 92 % aller Diamanten werden heute in der Stadt Surat, sechs Autostunden nördlich von Mumbai, geschliffen.

Der Handel mit Diamanten ist aber ursprünglich geblieben: Es gibt bis heute keine Derivate beim Diamanthandel, was zählt ist die Ware selbst. Eine sogenannte „Diamantbörse“, wie jene in Mumbai etwa, ist ein Haus mit vielen kleinen Kojen, in denen die Großhändler auf andere Händler warten. Das Geschäft ist dabei ein sehr schnelles: Ein Stein wird besichtigt, ausgesucht, „blockiert“ – das heißt fix gebucht – und muss am nächsten Tag bezahlt worden sein, es gibt keine Zahlungsfristen. Es gilt auch noch immer der Handschlag, da über die Steine keine Verträge abgeschlossen werden.

Börsen-Kurier: Und wie kommen Preise zustande?

Schröck: Die Preisbildung orientiert sich entweder an einem Verhandlungsergebnis oder immer mehr an der sogenannten „Rapaport“-Liste, die auf Basis der Großhandelspreise wöchentlich in New York publiziert wird. Mittlerweile verfügen die Händler allerdings auch schon über eine App, die die Preise von Steinen rasch berechnet.

Börsen-Kurier: Die Themen Sicherheit und Risiko sind beim Handel mit Diamanten von großer Bedeutung. Wer gewährt mir als Anleger, dass ich einerseits auf keine Fälschung reinfalle und andererseits mir auch kein sogenannter „Blutdiamant“ angeboten wird?

Schröck: Alle Edelsteine ab 0,33 ct. bzw. bei Farbedelsteinen ab 1 ct. werden mit einem internationalen Zertifikat verkauft. Bei Diamanten sind die wichtigsten Zertifizierungsstellen die GIA (Gemological Institute of America) und HRD. Der Stein wird untersucht, über das Ergebnis wird ein Zertifikat ausgestellt und die Nummer des Zertifikats wird winzig klein in den umlaufenden Rand des Diamanten eingeschrieben. Damit sind Diamant und Zertifikat untrennbar verbunden. Als Kunde kann ich dann beispielsweise auf die Homepage der GIA gehen (www.gia.edu) und dort im offenen Bereich die Nummer des Zertifikats eingeben und am Bildschirm erscheint mein Zertifikat; damit weiß ich nun auch, dass es echt ist.

Bei Farbedelsteinen sind die wichtigsten Zertifizierungsstellen Gübelin in Luzern, SSEF und GRS in der Schweiz und dann wieder die GIA. Das Zertifikat eines lokalen Auktionshauses oder eines lokalen Juweliers hat international keine Bedeutung.

Und dann ist mit dem Mythos des „Blutdiamanten“ aufzuräumen. Die Definition für diesen Begriff lautet: „Ein Edelstein, der dazu verwendet wird oder wurde, einen bewaffneten Konflikt zu finanzieren.“ Dies wird durch den „Kimberley-Prozess“ aber ausgeräumt: Jeder Rohdiamant muss ein „blue certificate“ haben, das seine Herkunft bestätigt. Ist etwa ein Land, wie es Sierra Leone war, in einen bewaffneten Konflikt verwickelt, dann werden Steine von dort nicht mehr gehandelt.

Börsen-Kurier: Und was empfehlen Sie mir bezüglich der Anlage in Diamanten und Farbedelsteine? Wo kann ich mir neben einem Werterhalt auch noch eine Steigerung erwarten?

Schröck: Ich würde Ihnen je nach verfügbarem Betrag empfehlen, zu splitten. Diamanten sind als wertstabil zu sehen, Rubine und Saphire steigen im Preis. Hätte jemand zum Beispiel 60.000 E zur Verfügung, dann würde ich die Hälfte in Diamanten anlegen, die zweite Hälfte in Rubine. Bei den Diamanten würde ich mit Schmuckqualität ab einem halben Karat beginnen und dann auch höherwertige Halbkaräter dazugeben. Bei den Rubinen würde ich nur naturfärbige Edelsteine ab 1,5 ct. Gewicht empfehlen.

Börsen-Kurier: Welche Gebühren beim Erwerb und Kosten für Transport und Sicherheit fallen eigentlich für mich an? Bzw. gibt es steuerlich etwas zu beachten?

Schröck: Es fallen keine Gebühren oder Kosten an bis auf die Notwendigkeit von zwei Safes oder Schließfächern für die Edelsteine und davon getrennt die Zertifikate. Denn beides darf nie gemeinsam aufbewahrt werden, da das Zertifikat auch einen Eigentumsnachweis darstellt.

Zum steuerlichen Teil: Edelsteine unterliegen in Österreich wie in den meisten Staaten der Erde der Besteuerung mit Umsatzsteuer. Diese kann ich nur vermeiden, indem ich Edelsteine in Österreich an eine GmbH verkaufe (Stichwort „gewillkürtes Vermögen“), was in Österreich viele meiner Kunden machen, oder indem ich die Steine in ein Drittland, das keine oder nur eine geringe Umsatzsteuer auf Edelsteine einhebt (z.B. Singapur oder Dubai), exportiere (und diese dort verbleiben).

Börsen-Kurier: Und abschließend: Da ich als Endkunde ja nicht am internationalen Börsenhandel teilnehmen kann, was ist, wenn ich meine Steine wieder verkaufen möchte?

Schröck: In jüngster Zeit haben die Auktionshäuser diesen Markt sehr stark für sich entdeckt, außerdem kommen Juweliere als Käufer in Frage. Ich bzw. mein Unternehmen bieten folgende Regelung an: ab einer Behaltedauer von drei Jahren kaufe ich durch mich verkaufte Farbedelsteine zu 100 % des Verkaufspreises (inkl. Ust.) zurück.

Das Interview führte Klaus Schweinegger (ks@boersen-kurier.at)

conwert Übernahme wird goutiert

Vonovia hat conwert-Aktionären überraschendes Übernahmeangebot gemacht. Experten sprechen von einem fairen Angebot.

Der deutsche Wohnkonzern Vonovia hat es auf die conwert – die in Börsekreisen schon seit längerem als heißer Übernahmekandidat gehandelt wird – abgesehen. Anfang der vergangenen Woche kündigte das Unternehmen ein rund 2,9 Mrd. Euro schweres Übernahmeangebot an. Dieses sei auf der Grundlage eines Business Combination Agreements (BCA) erfolgt, das der Verwaltungsrat und die Geschäftsführenden Direktoren der Conwert mit dem Vorstand der Vonovia unterzeichnet haben, heißt es in einer conwert-Aussendung.

Konkret plant Vonovia allen conwert-Aktionären für je 149 conwert-Aktien 74 Vonovia-Aktien anzubieten. Basierend auf dem Schlusskurs der Vonovia-Aktie am 2. September 2016 entspricht dies einem Gegenwert von 17,58 Euro pro conwert-Aktie. In Bezug auf den volumengewichteten durchschnittlichen conwert-Börsenkurs der letzten sechs Monate beträgt die Prämie 23,8 %. Als Alternative zum Umtauschangebot plant Vonovia eine in Österreich verpflichtende Barzahlung von 16,16 Euro je conwert-Aktie anzubieten.

Angebotsunterlage im November

Die Übernahme wird nur dann vollzogen werden, wenn Vonovia auf mehr als 50 % an conwert kommt. Die genauen Einzelheiten werden in der Angebotsunterlage enthalten sein, die voraussichtlich am 17. November veröffentlicht wird. Im Falle des Erfolgs des Angebots würden jedenfalls sämtliche Verwaltungsratsmitglieder ihr Amt zur Verfügung stellen und Vonovia zwecks Neubesetzung des Verwaltungsrats eine außerordentliche HV einberufen. Die Wiener conwert-Zentrale soll erhalten bleiben und auch das Listing an der Wiener Börse bestehen bleiben.

Als uns die Deutsche Wohnen AG letztes Jahr für unser Aktienpaket (3Banken-Generali-Fonds hielten damals insgesamt einen Anteil von rund 2 %, Anm.) nur 11,50 Euro angeboten hat, haben wir dankend abgelehnt, da wir wussten, dass die conwert deutlich mehr wert ist“, so Martin Rupp, Fondsmanager bei der 3Banken-Generali Investmentgesellschaft, gegenüber dem Börsen-Kurier. Zu dem Zeitpunkt habe man den Wert auf rund 13,5 bis 14 Euro pro Aktie geschätzt. Als dann die Aktie dieses Kursniveau erreicht habe, habe man als Value-Investor konsequent Kasse gemacht.

„Das überraschende Angebot der Vonovia scheint uns daher mehr als fair“, so Rupp weiter. Es sei auch aus Sicht des deutschen Wohnkonzerns durchaus nachvollziehbar, da so versucht werde, die eigene relative Überbewertung zu nützen. Der Fondsmanager glaubt im Übrigen, dass die meisten conwert-Aktionäre das sehr faire Angebot annehmen werden. Bei einem Squeeze Out (Ausschluss der Minderheitsaktionäre, Anm.) würde er sich in diesem Fall daher eher wenig Hoffnung auf eine Nachbesserung machen.

„Das Angebot der Vonovia ist vor allem deshalb attraktiv, weil die conwert-Aktionäre in den vergangenen Jahren einiges mitgemacht haben“, sagt auch IVA-Präsident Wilhelm Rasinger im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Er verweist auf die Probleme, die es  mit den jeweiligen Kernaktionären – sprich: Hans Peter Haselsteiner, dem israelischen Milliardär Teddy Sagi oder der Adler Real Estate AG – gegeben habe. Vonovia sei dagegen ein ordentlicher, verlässlicher und vor allem professioneller Kernaktionär.

Dass nun erfolgte Übernahmeangebot des deutschen Wohnkonzerns ist für Rasinger jedenfalls eine Bestätigung der guten Arbeit, die bei conwert über das vergangene Jahr geleistet wurde. „Dem Vorstand und Verwaltungsrat ist es gelungen, das Unternehmen zu stabilisieren und viele Probleme einer Lösung zuzuführen“, so der Anlegerschützer. Die Entscheidung ob man als Aktionär das Angebot annehmen soll, könne jedenfalls erst gegen Jahresende getroffen werden. Nachsatz: „Dann wird man auch sehen, ob eine Barabfindung oder ein Aktientausch attraktiver ist.“

„Friendly Take Over“

„Bisher ist Vonovia jedenfalls sehr professionell vorgegangen, man kann durchaus von einem Friendly Take Over sprechen“, so Rasinger weiter. Dieser Ansicht ist man offensichtlich auch bei der conwert, was diverse Stellungnahmen in den vergangenen Tagen bekräftigen. Laut einer Aussendung des Unternehmens beabsichtigt der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Alexander Proschofsky, das Übernahmeangebot für die von ihm direkt und indirekt gehaltenen conwert-Aktie anzunehmen.

conwert hat sich – vorbehaltlich rechtlicher Prüfungen – ebenfalls dazu verpflichtet, die vom Unternehmen gehaltenen eigenen Aktien (1,7 %, Anm.) anzudienen.

Auch Adler Real Estate hat sich im Übrigen dazu verpflichtet, den gesamten direkt oder indirekt gehaltenen Conwert-Anteil (26,2 %, Anm.) im Rahmen des Umtauschangebots anzudienen.

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

Ein Masterplan für die Wiener Börse

Der international anerkannte Ökonom Christian Keuschnigg hat den heimischen Finanzstandort einer ausführlichen Analyse unterzogen.

„Die Bedeutung des Finanzplatzes für eine Volkswirtschaft kann man nicht hoch genug einschätzen. Er versorgt alle Teile des Wirtschaftslebens – die Haushalte, Unternehmen und den Staat“, so Christian Keuschnigg, der gemeinsam mit Michael Kogler für die aktuelle Studie „Finanzplatz Österreich. Eine Strategie für Wachstum und Stabilität“ verantwortlich zeichnet. Keuschniggs Worte haben Gewicht, der bekannte Wirtschaftsforscher war Leiter des IHS und ist derzeit an der renommierten Universität St. Gallen tätig.

„Ein leistungsfähiger Finanzplatz und entsprechende Finanzierungsmöglichkeiten sind entscheidend für Wachstum und Stabilität eines Landes. Es gibt zwei Säulen, die für den Finanzplatz wesentlich sind: Die eine bilden die Banken, die andere der Kapitalmarkt. Speziell in Österreich ist der Bankensektor überaus wichtig, weil er den Hauptteil zur Finanzierung beiträgt.“ Die Börse hinkt hingegen zurück: Ende 2014 betrug die Börsenkapitalisierung in Österreich nur 26 % des BIP, im Durchschnitt der EU waren es hingegen 59 %. Der Experte fordert deshalb „ehrgeizige Reformen“, die sowohl die Banken als auch die Wiener Börse stärken sollen.

So fordert die Studie im Rahmen eines 10-Punkte-Programms etwa eine groß angelegte Überprüfung des Investorenschutzes und der Unternehmenskontrolle: „Ein klares Kapitalmarktrecht mit einem weitgehenden Investorenschutz ist eine Voraussetzung für das Vertrauen der Anleger und ist unerlässlich, um mit mehr Investitionssicherheit die Kapitalmarktentwicklung zu forcieren“, heißt es. Auch spricht sich die Studie für eine Finanzbildungsoffensive aus und bezeichnet die steuerliche Diskriminierung von Eigenkapital als kontraproduktiv für die Stabilität von Unternehmen und Banken. Weiters sollte die steuerliche Benachteiligung riskanter Anlagen, wie Aktien durch Einführung eines Verlustausgleichs und -vortrags beseitigt werden.

Die bei der Studienpräsentation anwesenden Ludwig Nießen (Vorstandsmitglied der Wiener Börse), Andreas Zakostelsky (Obmann der heimischen Pensionskassen) sowie Franz Rudorfer (Geschäftsführer Bundessparte Bank und Versicherung der WKO) stimmten den Forderungen zu. Zakostelsky regte weiters die Wiedereinführung eines Kapitalmarktbeauftragten an.

Karl Fuchs, Geschäftsführer des Aktienforums Österreich, kommentiert für den Börsen-Kurier die neue Studie: „Die Analyse verfügt über sehr viel Substanz, wofür schon der Name Keuschnigg bürgt. Viele der Forderungen decken sich mit unseren Überlegungen und Vorschlägen, die wir auch weiter verfolgen werden.“ Der Experte will in diesem Zusammenhang nicht zuletzt auf den Punkt einer verbesserten Finanzbildung eingehen: „Diese Forderung ist nicht neu, leider ist hier keine Weiterentwicklung zu sehen. Die Situation erweist sich – durch politische Ideologie bedingt – als extrem statisch. Interessant wäre es z.B., Finanzbildungsmodule in den Pisa-Test aufzunehmen. In anderen Ländern ist das der Fall, in Österreich nicht.“ Eine Bestandsaufnahme des Schülerwissens etwa zu volkswirtschaftlichen Fragen wäre wünschenswert, Defizite würden gute Argumente liefern, um für eine verbesserte Finanzbildung politisch Druck zu machen.

Dass sich die Benachteiligung von Risikokapital negativ auswirkt, ist für Fuchs ebenfalls logisch: „Das führt natürlich nicht zu mehr Investitionen.“ Der Experte kann auch den Vorschlag von Zakostelsky für die Installierung eines Kapitalmarktbeauftragten vollauf unterschreiben: „Es wäre wichtig, einen unabhängigen Vermittler zwischen Politik und Wirtschaft zu haben, der für die Stakeholder da ist.“

Autor: Mag. Harald Kolerus (redaktion@boersen-kurier.at)

In unterbewertete Aktien investieren: Ja, aber wie selektieren?

Unterbewertete Aktien (aus)suchen, denn die haben Aufwärtspotenzial. Gerne, aber das ist leichter gesagt als getan. Denn nach welchen Kriterien soll man „stock picken“?

Aktien suchen und finden, die am Markt unter ihrem Wert geschlagen werden – und auf das Upside-Potenzial von deren Börsenkursen setzten. Das ist, was man im Neudeutschen „Value Stock Picking“ nennt und was viele Investoren bewusst oder unbewusst probieren. Mit mehr oder weniger Erfolg. Denn es sagt sich zwar leicht, „in Unterbewertete zu gehen“. Aber es wird wohl Gründe haben, warum sie unterbewertet sind und wie lange der unbefriedigende Zustand andauert weiß man auch nicht. Also was tun, wie selektieren?

Unterbewertung kein Wert per se
„Die Unterbewertung einer Aktie rechtfertigt auch dann, wenn die Unterwertung deutlich ist, für sich allein noch kein Investment“, warnt auch Marc. Der Franzose ist Gründer der unabhängigen Fondsgesellschaft Mandarine Gestion mit rund 2,3 Mrd. Euro Aktiva und Manager des Mandarine Valeur Aktien Europa Value Fonds (ISIN: FR001080 6778). Anlässlich seines Besuches in Wien ging er gegenüber dem Börsen-Kurier auf Herausforderungen und Erfolgsansätze für Value Stock Picking ein. Für die Auswahl einer viel versprechenden unterbewerteten Aktie seien eine „tiefer gehende Analyse des Wertes und das Verständnis für die Unterbewertung notwendige Voraussetzungen für einen Kauf“, betont der Portfolio Manager mit mehr als 25 Jahren Track Record. Und erst die Identifizierung (mindestens) eines „Katalysators“ sei dann „der Schlüssel für den Kursanstieg“.

Verstehen
Aber der Reihe nach. „Konträre“ Selektion von unterbewerteten Titeln mittels „Value mit Katalysator“-Ansatz brauche eine Vorauswahl, basierend auf Finanzkennzahlen, die im Zeitablauf kontinuierlich sind: Unternehmenswert EV/EBIT und durchschnittlicher ROE (Return on Equity, Eigenkapitalrendite). Renaud investiert nur dann in Werte mit hohem EV/EBIT, wenn der ROE entsprechend niedrig ist – oder umgekehrt. Beispiele aus der Bankenwelt: Unicredit (IT000 4781412) oder Erste Group.
Um aber solche Unternehmen und ihre Bewertung analysieren zu können, müsse man das Unternehmen und sein Geschäftsmodell verstehen: Also etwa, welche sind die relevanten Märkte und wie ist das Unternehmen in diesen Märkten positioniert? Wie sind Produktion und Vertrieb aufgestellt? Welche Motivation herrscht bei den Schlüsselpersonen im Unternehmen vor? Wie ist die Qualität des Managements? Nur dann könne man auch verstehen, warum der Titel unterbewertet ist. Die „natürliche Verzerrung“ der Märkte „überzahlt“ gerne die „good Stories“, wohingegen unterbewertete Aktien zyklische oder spezifische Schwierigkeiten haben. Gewinnrückgänge seien übrigens mit Abstand der höchstwahrscheinliche Grund für Unterbewertung. Nur wenn man die Gründe für die Unterbewertung versteht, könne man einen „potenziellen Katalysator“ suchen: Einen Faktor, der ein „Re-Rating“ auslösen könnte, also einen Anlass bzw. „Schlüssel“ für einen absehbaren Kursanstieg des Titels. Wobei Renaud über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten denkt und da als Messlatte eine Kurssteigerungserwartung von mindestens 10 % anlegt.

Vier Auslöser
Was sind nun solche Katalysatoren? Es lassen sich vier Arten von Kursbelebungskatalysatoren unterscheiden: Erstens Bilanzbereinigung und Rückführung des Verschuldungsgrades; prominente Beispiele: Anglo American (GB00B1XZS820), Lafarge (CH0012214059), Heidelbergcement (DE0006047004), Rio Tinto (GB0007188757), Standard Chartered (GB0004082847) oder ArcelorMittal (LU0323134006).

Zweitens, zyklischer Aufschwung; bekannte Beispiele: Maersk (DK0010244508), Holcim (CH0012214059), Uni-Credit, Heidelbergcement oder Lafarge.

Drittens: strategische Veränderungsfaktoren wie Managementwechsel, Weiterentwicklung des Geschäfts(um)feldes, Reorganisation des Konzerns, M&A; prominente Beispiele: Fresenius (DE0005785604), Linde (DE0006483001), SCA (SE0000112724), Shell (GB00B 03MLX29) oder Fiat Industrial (NL0010545661).

Und viertens: Rückgang der Risikoprämien durch Normalisierung der Märkte, prominente Beispiele: AXA (FR0000120628), BNP Paribas (FR0000131104), Intesa Sanpaolo (IT0000072618) oder Santander (ES0113900J37).

Austroaktien
Das „Zieluniversum“ des französischen Portfolio Managers sind unterbewertete europäische Aktien mit einer Mindestmarktkapitalisierung von in etwa 1 MrdE. Insoferne ist Österreich für ihn „ein kleiner Markt“. Aber trotzdem: Er hält aktuell Andritz und der Erste Group („die berichtet, dass die Non performing lowns zurückgehen und Kredite anziehen“), die er für unterbewertet hält. Und er „covert“ auch andere Austro-Titel wie OMV, Vienna Insurance Group, RBI, voestalpine …

Disziplin
Beim Stock Picking nicht zu vergessen ist aber neben Kaufdisziplin auch Verkaufsdisziplin. Renaud etwa legt für jeden einzelnen Portfoliowert bereits beim Kauf ein Verkaufsziel fest. Dieses beruht „auf der Logik einer Rückkehr zum Durchschnitt“ von Profitabilität und Bewertung. Die Portfoliogewichtung richtet sich nach dem Aufwertungspotenzial. Wenn nach Titelkäufen deren Kurse steigen, verkauft er „progressiv“ aus seinem Portfolio. Und bei Erreichen des Verkaufskursziels verkauft er seine gesamte Beteiligung in dem Titel. Und wenn es sich mit dem Zielkurs nicht ausgeht, verkauft er trotzdem. Lieber eventuell einen Verlust realisieren, wenn es seine Analyse rechtfertigt, als zu lange drinbleiben. Auch wenn der Value-Stil jahrelang eine unterdurchschnittliche Wertentwicklung gezeigt hat, ist der Franzose insgesamt der Überzeugung, dass alle Übertreibungen des Marktes, nach oben oder nach unten, vorübergehende Erscheinungen sind und nicht von Dauer sein können. Und die enge Korrelation zwischen Zinsanstieg, der in den USA begonnen hat, und Outperformance des Value-Stils sei Marktteilnehmern nicht verborgen geblieben.

Sein Prinzip der „Rückkehr zum Mittelwert“ sei also ein konträrer Ansatz, mit dessen Hilfe man sich „der Massenpsychologie widersetzen“ könne, von der Marktübertreibungen gekennzeichnet seien.

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

Immobilien als weiteres Standbein des Pensionsfonds

Der global mächtigste Staatsfonds baut den Immobilien-Anteil deutlich aus. Die internationale Nachfrage nach Anlageformen in „Betongold“ hält an.

Für österreichische Anleger mit dem Fokus auf Wertpapiere der internationalen Immobilienbranche ist das Agieren des norwegischen GPFN (Government Pension Fund Norway) von Relevanz. Die Anlagestrategie des weltgrößten Staatsfonds bewegt zunehmend das Agieren weiterer Marktteilnehmer.

Mit aktuell exakt 800 Mrd. Euro und einem weltweiten Anteil von 1,3 % der Aktienkapitalisierung an mehr als 900 Gesellschaften, erregt der „Statens pensjonsfond Norge“ in der Führungsebene der Großkonzerne und der Mammut-Investoren, Aufmerksamkeit. Für Regierungen ist das Engagement der Skandinavier auch auf dem Anleihemarkt zunehmend von Bedeutung. Durch publizierte Anlageentscheidungen sind Verschiebungen an Segmenten der Kapitalmärkte absehbar.

Die Renditen des GPFN brillierten mit mehr als 6 % p.a. bis zum Jahr 2015. Die Nullzins-Notenbankpolitik der Industriestaaten gab den Renten- und Aktiennotierungen über Jahre hindurch Rückenwind. Für die Osloer Regierung des 5,26 Mio Einwohner zählenden Fjord-Landes ist die Entwicklung von Bedeutung, da 4 % der Jahreserträge dem Haushaltsbudget zukommen. Einen Bruch dieser Regel gab es aber erstmals zu Jahresbeginn, als aufgrund der Ölpreis-Erosion ein Griff in die Substanz erfolgte. 

Karsten Kallevig, für den Aufbau des Immo-Portfolios-der GPFN zuständig, soll binnen drei Jahren sukzessive den Anteil der Realitäten am Gesamtportfolio auf 5 % erhöhen. Büro-Immobilien befinden sich bereits an prominenten Plätzen in New York, Paris und London im Depot der Norweger. Die Immo-Präsenz der Objekte hat sich unterdessen auf 13 Länder ausgedehnt. Der Anteil am Gesamt-Fondvolumen liegt zum 30. Juni bei 3,1 %. Nach dem Brexit-Votum wurde der Immo-Wert in GB zwar um 5 % nach unten korrigiert, ein Trendbruch ist jedoch nicht in Sichtweite.

Für den GPFN ist es nun zulässig, jährlich 6 Mrd. USD breit angelegt, in Betongeld „einzubunkern“. Vor allem in Berlin, München und weiteren bedeutenden Metropolen wird in Geschäfts- und Einzelhandelshäuser investiert. Eine Expansion ist auch in asiatische Zentren wie Singapur, Tokio sowie in Großstädte an der Ostküste der USA und in Kalifornien vorgesehen.

Querdenker und Kritiker dieser preistreibenden Entwicklung beginnen aber ebenso ein Szenario zu entwerfen, das Immobilieninvestments generell in das Risikoprofil der Aktienkategorie einordnet – in jenem Fall in dem die Zinsen global zu steigen beginnen und eine überkaufte Situation auf ein depressives Umfeld trifft.

Die Vorjahres-Entscheidung des GPFN-Fondsmanagements, sich aus Kohle-Investments zurückzuziehen, hatte auf die Kursentwicklung der deutschen E.ON- und RWE-Aktie einen deutlichen Einfluss. Dieser Ausstieg, getrieben durch den Finanzausschuss im Osloer Parlament, betraf 2015 insgesamt mehr als 50 internationale Unternehmen mit einem Anlagekapital von 4 Mrd. Euro. Die Trennung von Beteiligungen an Palmöl-Herstellern, führte zu einem Verkaufsdruck an südkoreanischen Konglomerat-Werten. Ein offensives Agieren der nordischen Geldlenker zeigt dazu die im Juni eingebrachte Klage gegen den VW-Konzern im Zuge des Abgasskandals auf. Ebenso wird der Druck auf überzogene Managergehälter kontinuierlich erhöht.

Der Fonds, dem direkt die Erlöse der staatlichen Ölverkäufe zufließen, ist dem Finanzministerium und den Leitlinien der Norges Bank unterstellt. Die vorrangige Aufgabe ist es, die Öleinnahmen der aktuellen Epoche für künftige Generationen nachhaltig lukrativ zu verwalten um für die Post-Ära der fossilen Energie vorzusorgen. Ethisch vertretbare, soziale und umweltfreundliche Kriterien stehen auf der Agenda. Die medial verkündete Anlagestrategie des GPFN wirkt aber oft als reduzierte Betrachtungsweise einfacher Lösungen, um jeder Diffizilität auszuweichen.

Autor: Roman Steinbauer (redaktion@boersen-kurier.at)

Geld- oder Fiskalpolitik: Was hilft der Wirtschaft wirklich?

Auf diese Frage geht Christian Nemeth von der Zürcher Kantonalbank im aktuellen Marktausblick der Privatbank ein.

Auch in den letzten Wochen konnten die globalen Aktienmärkte noch ein­mal zulegen, wobei die konjunkturelle Lage in nächster Zeit vor allem US-Ak­tien und Schwellenländer-Titeln zu Gute kommen sollte. Dennoch wird es auch 2017 kräftige Impulse brauchen, um die Konjunktur anzukurbeln. Dabei stellt sich die Frage, ob nun die Fiskalpolitik in die Bresche springen muss, weil die Geldpolitik an ihre Grenzen stößt, oder ob diese doch noch Instrumente in der Hand hat, um die Wirtschaft in Gang zu bringen.

Die globalen Aktienmärkte konnten zuletzt nochmals leicht zulegen. Vor allem Schwellenländer- und britische Aktien entwickelten sich überdurchschnittlich positiv. Die Renditen der als sicher geltenden Staatsanleihen stiegen im vergangenen Monat überwiegend leicht an, befinden sich jedoch nach wie vor auf niedrigem Niveau. „An den Devisenmärkten hat das Brexit-Votum zunächst für einen Anstieg der Volatilität gesorgt, in den letzten Wochen ist allerdings wieder Ruhe eingekehrt und die Volatilität ging trotz der terroristischen Anschläge in Europa im Juli und des Putschversuchs in der Türkei zurück“, erläutert Christian Nemeth, Chief Invest­ment Officer und Mitglied des Vorstands der Zürcher Kantonalbank Österreich AG.

Der Wirtschaft neuen Schwung verleihen – aber wie?
Obwohl die Zentralbanken seit Jahren versuchen, mit expansiver Geldpolitik die Kon­junktur anzukurbeln, wird das Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr unter­durchschnittlich ausfallen. Und auch für das kommende Jahr ist kein signifikanter Wachstumsschub in Sicht. „Daher werden jene Stimmen lauter, die betonen, dass die Geldpolitik an ihre Grenzen stößt und fordern, dass der konjunkturelle Aufschwung über Maßnahmen der Fiskalpolitik gesteuert werden müsste“, erklärt Nemeth.

Dem Ziel, höheres Wachstum zu schaffen, sei selbst eine größer werdende Staatsver­schuldung unterzuordnen, so die Argumentation. Andere Experten meinen hingegen, dass die Geldpolitik durchaus noch das eine oder andere Ass im Ärmel habe. Erwähnt wurde zuletzt beispielsweise die Idee des sogenannten Helikoptergeldes, also die massive Ausweitung der Geldmengen durch die Notenbanken, die das Geld direkt zu Staaten oder Bürgern transferieren. Die Geldschwemme soll den Konsum in Gang bringen und dadurch die Wirtschaft ankurbeln. „Wir rechnen in nächster Zukunft jedoch nicht mit der Einführung von Helikoptergeld im engeren Sinn, da die damit einhergehenden Risiken kaum abschätzbar sind“, so Nemeth.

USA: Die Fed möchte vom Krisenszenario zur Normalität
Die US-Konsumkonjunktur erweist sich weiterhin als globaler Lichtblick. Einerseits konnten auf dem Arbeitsmarkt wieder Stellenzuwächse verzeichnet werden, anderer­seits stiegen auch die Einkommen und der Wert der Immobilien von Privathaushalten. Die robuste Konsumkonjunktur ist für die weitere Geldpolitik der US-Notenbank Fed wesentlich. Rhetorisch versucht sie den Markt auf den nächsten Zinsschritt vorzuberei­ten, sie ist aber von den konjunkturellen Rahmenbedingungen abhängig. „Die Fed ist weiterhin bemüht, ihrem Ziel einer Normalisierung des Leitzinssatzes näher zu kom­men. Vor der Dezembersitzung rechnen wir aber nicht mit dem nächsten Zinsschritt“, bringt Nemeth den aktuellen Stand der Dinge in den USA auf den Punkt.

Europa: Deutschland überrascht positiv, Italien und UK als Sorgenkinder
In der Eurozone endete das zweite Quartal mit einem BIP-Wachstum von 0,3 Prozent. Vor allem Spanien, die Niederlande und Deutschland zeichneten für das gute Resultat verantwortlich. „Die deutsche Wirtschaft hat zwar etwas an Fahrt verloren, mit einem BIP-Zuwachs von 0,4 Prozent gegenüber dem ersten Quartal wurden die Erwartungen aber klar übertroffen“, informiert der Asset Management-Experte. Sorgen bereitet der Eurozone derzeit Italien. Das Wachstum im zweiten Quartal stagnierte, unter allen Euromitgliedern weist Italien die schwächsten realwirtschaftlichen Aktivitätsindikatoren auf. Darüber hinaus kämpft das italienische Bankensystem weiterhin mit faulen

Krediten in der Höhe von 360 Milliarden Euro. „Wir rechnen damit, dass die italieni­schen Banken weniger Kredite vergeben werden und daher die Investitionen sowie der Privatkonsum darunter leiden“, so Nemeth. Das zweite Sorgenkind in Europa heißt UK. Dass Großbritannien nach dem Brexit-Entscheid auf eine technische Rezession zusteu­ert, ist zwar nichts Neues, die Frage ist jedoch, ob sich der Abschwung zu einer tiefe­ren Rezession auswächst. Das dürfte wesentlich von den britischen Konsumenten abhängen. Vor allem im Bauwesen ging die Investitionstätigkeit bereits zurück. Die Bank of England wird weiterhin mit geldpolitischen Maßnahmen reagieren und versuchen, die Folgen des Brexit-Schocks abzumildern. Im Raum steht etwa die Senkung des Zinssatzes bis Jahresende auf knapp über 0 Prozent. „Anders als die Mehrheit der Marktteilnehmer geht die Zürcher Kantonalbank Österreich AG davon aus, dass es zu diesem Szenario kommen wird“, erklärt Nemeth. Ein Blick auf die internationalen Märkte zeigt, dass sich die Stabilisierung in den Schwellenländern fortsetzt und sich die Kapitalabflüsse in China beruhigen.

Rahmenbedingungen sprechen weiterhin für Aktien
Das, wenn auch mäßige, weiterhin globale Wachstum, die lediglich geringfügige Wachstumsbeeinträchtigung durch das Brexit-Votum außerhalb Großbritanniens und anhaltend großzügige monetärere Stimuli sorgen für ein Anlageumfeld, von dem vor allem Aktien profitieren sollten. „Die konjunkturelle Lage sollte insbesondere US-Aktien zu Gute kommen und so lange die Fed mit dem nächsten Zinsschritt noch zuwartet, sollte das Umfeld auch den Emerging Markets helfen“, analysiert Nemeth. Bei den Anleihen sorgen zwar die Kaufprogramme sämtlicher Notenbanken für Unterstüt­zung, das Renditenniveau bei als sicher geltenden Staatsanleihen ist aber immer noch bescheiden. (08.09.2016)

Innovationen sollen Telekom pushen

Alejandro Plater, der argentinische CEO und COO der Telekom Austria Group, im Gespräch über Geschäftsfelder der Zukunft, Performance, Dividende, Börse und Regulierung.

Warum sollte ein Anleger Telekom-Austria(TA)-Aktien kaufen? Diese für den Freefloat wesentliche Frage beantwortet Alejandro Plater, CEO des börsenotierten teilstaatlichen Konzerns im englischen Gespräch mit dem Börsen-Kurier mit Daten: Die Attraktivität eines Aktientitels ruhe auf drei Säulen: „Dividende, Liquidität und Performance“. Was die Dividende betrifft, werde die TA mit der Änderung ihrer Ausschüttungspolitik – Vervierfachung von 5 auf 20 Cent – sehr kompetitiv im Vergleich mit dem Markt. „Unsere Dividendenrendite von 3,8 bis 4 % ist im Niedrigstzinsumfeld sehr attraktiv.“ So sieht Plater die TA mit Cashflow und Ausschüttungspolitik auch langfristig sehr wettbewerbsfähig. Und performancemäßig würde die TA seit sechs Quartalen die Markterwartungen übertreffen und man arbeite hart daran, das fortzusetzen.

Wie es an der Wiener Börse weitergeht, beantwortet Plater, dass das Listungsthema eine Eigentümerentscheidung sei. Aber zur Frage, wie er mit dem „Kosten/Nutzen-Verhältnis“ der Börsepräsenz zufrieden sei, sieht er neben den Vorteilen, wie die Möglichkeit Anleihen zu platzieren und die transparenten Bedingungen, „nur einen Nachteil“: Dass man viele Informationen mitteilen müsse, was „unsere nichtgelisteten Mitbewerber nicht müssen“, die Konkurrenz also viel erfahre, aber nicht umgekehrt.

Kritisch ins Gericht geht Plater mit der Regulierung. „Die EU reguliert was sie kann, nicht was sie sollte.“ Da man der transatlantischen Player nicht habhaft werde, hätten diese in Europa keine Einschränkungen. „Die EU sollte weg von der Regulierung von Rechtsgebilden bzw. Unternehmen, hin zur Regulierung von Dienstleistungen.“ Heute sei Festnetztelefonie hochreguliert, WhatsApp hingegen gar nicht. „Bei wem können Sie sich beschweren, wenn WhatsApp nicht funktioniert?“

Was die Wachstumsfelder für die TA betrifft, setzt Plater auf zwei Säulen: Erstens, Innovationen für Unternehmenskunden, denn erst 9 % der Unternehmen seien „in die Cloud gewandert“. Die TA wolle bei Geschäftskunden mit „Spitzenleistungen in den Feldern Connectivity, Cloud und Data-Services“ punkten. Mit neuen Beratungstools wolle man mit den Unternehmen „Hand in Hand“ arbeiten, etwa was digital banking, digital insurance und auch data security betrifft. Da die TA selbst permanent Hackerziel sei, habe man „umfassende Kompetenz in allen Sicherheitsfragen“. Als zweite Säule wolle man die Integration bei den Haushaltskunden weiter entwickeln. Auch da gehe es um neue Sicherheits-, (Finanz-)Service- und Datenverkehrslösungen. Dabei werde der Einsatz von „big data“ forciert, in der Zusammenarbeit mit Transportunternehmen oder Supermarktketten gebe es viel Potenzial. Etwa herauszufinden, wie sensitiv Konsumenten auf gewisse Werbeaktionen seien. Dazu kämen noch Innovationen für die Effizienzsteigerung der Parkraumnutzung. Daher ist die TA am Start-up Parkbob beteiligt. Insgesamt sieht Plater viel Zukunft in „digital capitalism“: Software von der Cloud nutzen, mit der Cloud teilen, die Verarbeitungskapazitäten und die Profitabilität mittels Clouds erhöhen.

Der TA-CEO erwartet zwei „Revolutionen“: in Künstlicher Intelligenz und in der Sensorindustrie. „Milliarden von Sensoren werden Informationen senden und empfangen, und all das muss von jemandem verbunden werden“, ist er für das immer wichtiger werdende Geschäftsfeld Connectivity optimistisch. Im Jahr 2020 sieht er die TA als „den heimischen Digitalisierungs-Player“, als „best in class Performer“ und mit hochkompetitiven „Footprints“ in den CEE-Märkten Bulgarien, Weißrussland, Kroatien, Slowenien, Serbien und Mazedonien.

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

Zitterpartie am Bosporus

Seit dem mysteriösen Militärputsch Mitte Juli kommt der Staat am Schnittpunkt von Europa und Asien keinen Tag aus den politischen Schlagzeilen. Die Frage ist: Bleibt die offensichtliche Wirtschaftsdynamik des 79-Millionen-Einwohner-Landes erhalten?

Mit der Ausrufung der Republik Türkei am 29. Oktober 1923 hatte Mustafa Kemal, genannt Atatürk („Vater der Türken“), dem Volk ein neues Identitätsbewusstsein eingehaucht: Nach dem im Ersten Weltkrieg besiegelten Untergang des ehemals mächtigen Osmanischen Reichs, das ab dem zwölften Jahrhundert vom asiatischen Anatolien bis zum europäischen Balkan sowie nach Arabien und Nordafrika expandierte, war es dem Revolutionär gelungen, den türkischen Nationalstolz durch einen laizistischen, westlich orientierten Staat und eine wirtschaftliche Reorganisation neu zu definieren.

Der jüngst vereitelte Putschversuch und die darauf folgenden drastischen Repressionen haben die Atatürk’sche Trennung von Kirche und Staat sowie die mühsame Entwicklung in Richtung Demokratie arg beschädigt. Und der zunehmende Islamismus verunsichert die gesamte Region, zumal die Türkei im krisengeschüttelten Syrien immer öfter mitmischt und gleichzeitig die kurdische Minderheit drangsaliert. Wie sich die überraschenden Winkelzüge von Präsident Recep Tayyip Erdogan auf die Verlässlichkeit des Nato-Mitglieds auswirken, ist noch nicht abzuschätzen – genauso wenig wie die wirtschaftlichen Folgen. Schließlich erlebten wichtige Einnahmequellen aus dem Tourismus und der Exportwirtschaft als Folge der Terroranschläge und der Verstimmung mit Russland bereits im Vorjahr massive Einbrüche, die das traditionell leistungsbilanzdefizitäre Land weiterhin belasten.

Potenzielles Wachstum

Immerhin konnte die neue Türkei seit 1923 zu einem wichtigen Player im Wirtschaftsraum zwischen Europa und Asien aufsteigen – eine Entwicklung, die sich unter Erdogans konservativ-demokratischer Regierung seit 2002 vorderhand fortsetzte: Das reale Wirtschaftswachstum erreichte 2010, also kurz nach der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008, nochmals beeindruckende 9,2 % und lag im Vorjahr bei respektablen 4 % – bei einem Pro-Kopf-BIP-Wachstum zu Kaufkraftparitäten von 4,8 % auf 15.200 Euro. Die Arbeitslosenrate blieb zwar bei rund 10 % hängen, die Inflationsrate konnte dagegen von schwindelerregenden 47 % 2002 auf zuletzt 7,7 % gedrückt werden (Quelle:  wiiw).

Entscheidend sei freilich die demografische Entwicklung, wie Konstantin Bekos, Regionalmanager Südosteuropa der Wirtschaftskammer Österreich, gegenüber dem Börsen-Kurier betont: „Das Durchschnittsalter der türkischen Bevölkerung liegt weiterhin unter 30 Jahren. Das zeigt die Power, die in dem Land schlummert.“ Ein Faktum, das auch Amalia Ripfl, Fondsmanagerin des 15 Jahre alten Espa Stock Istanbul der Erste-Sparinvest, wichtig erscheint, wie übrigens die 30 %ige Erhöhung des Mindestlohns zu Jahresbeginn: „Der noch junge türkische Konsumgüterhandel mit lokalen Pendants zu Billa und Spar boomt – da gibt es Potenzial.“ Das goutieren die Investoren, wie die relativ hohe Bewertung der zu 100 % im Streubesitz befindlichen, börsennotierten BIM Birlesik Magazalar AS (ISIN: TRE BIMM00018) zeigt (siehe Kasten): Mit einem Kurs-/Gewinn-Verhältnis von rund 24 liegt sie klar über dem aktuellen Schnitt von neun.

Auch das Finanzsystem besticht, wie Ripfl dem Börsen-Kurier erklärt: mit rund 40 % Indexgewichtung und einer starken Kernkapitalquote von durchschnittlich 13 % (Europa: 11) sowie einer noch niedrigen, offiziellen Rate an notleidenden Krediten in Höhe von rund 3,4 %.

Oder die Bauindustrie, die Speerspitze Erdogans, wie der ehemalige Außenhandelsdelegierte Bekos die bedeutende Konjunkturstütze der Türkei bezeichnet: „Die Türkei hat sich nach China nun zum größten Land mit den meisten international aktiven Generalunternehmern entwickelt, die Türken sind flink, zuverlässig und haben sich jede Menge Know-how angeeignet.“ Und sie werden vom Präsidenten höchstpersönlich gefördert – bei seinen häufigen Auslandsreisen, zu denen er gerne mit starken Delegationen aufbricht, oder mit seinen Prestigeprojekten wie dem Bau des neuen Großflughafens nahe Istanbul, der mit 150 Mio Passagieren dreimal so viele Kunden abfertigen soll wie der aktuelle Atatürk-Airport, der Errichtung von Krankenhäusern und Brücken sowie dem intensiven Ausbau des Schienenverkehrs. Dass die Staatsverschuldung dennoch bei geringen 35 % liegt, ist auch den in der Regel über Public-Private-Partnership (PPP) abgewickelten Projekten zu verdanken, die den Staatshaushalt nur in jährlich kleinen Dosen belasten.

Fakt ist, dass die türkische Börse nach einem 21 %igen Kurseinbruch infolge des Putschversuchs mittlerweile 12 % aufgeholt hat und sich der Wechselkurs der türkischen Lira zum US-Dollar mit 2,90 mittlerweile cirka auf dem Niveau vom Jahresbeginn bewegt – entscheidende Indikatoren also eine relative Stärke beweisen.

Für Unternehmer oder Investoren, die sich im Land am Bosporus engagieren wollen, ist es allerdings wohl ratsam, zuzuwarten. Wer dagegen bereits engagiert ist, sollte vielleicht nichts überstürzen – denn der „kranke Mann am Bosporus“, wie das Osmanenreich vor gut 100 Jahren von den europäischen Mächten verspottet wurde, hat schon so manche Herausforderung bravourös überstanden.

Autorin: Mag. Caroline Millonig

„Langer, brutaler Zyklus“

Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment muss starke Umsatzeinbußen hinnehmen, auch das Ergebnis rutscht ins Minus. Vorstandsvorsitzender Gerald Grohmann erklärt im Gespräch mit dem Börsen-Kurier, warum er dennoch optimistisch in den Zukunft blickt.

Wenn bei der Präsentation von Bilanzzahlen Formulierungen wie „extrem schwieriges Umfeld“ fallen, lässt das zumeist nichts Gutes erahnen. Tatsächlich befindet sich die Erdölindustrie in einer angespannten Situation, was auch Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment (SBO) zu spüren bekommt: Der Umsatz ging im ersten Halbjahr 2016 um 52,9 % auf 88 Mio Euro zurück, wobei SBO im Vergleichszeitraum des Vorjahres noch vom Rekordauftragseingang 2014 profitierte. Das EBITDA beträgt aktuell minus 5,7 Mio Euro (1. Halbjahr 2015: 45,1 Mio Euro).

Umsatzeinbußen von mehr als 50 % und ein Ergebnis das ins Minus rutscht – wie dramatisch sind diese Zahlen? „Dramatisch sind sie nicht und können es auch nicht sein. Dass wäre nur dann der Fall, wenn die Existenz des Unternehmens gefährdet wäre. Davon kann aber keine Rede sein“, so Vorstandsvorsitzender Gerald Grohmann (Foto) im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Er verweist in diesem Zusammenhang auf die „solide Eigenkapitalquote von 54,7 %“ und die „hohen liquiden Mittel von fast 140 Mio Euro“. Grohmann fährt fort: „Ja, wir befinden uns in schwierigen Zeiten und sind natürlich in einem zyklischen Sektor tätig. Der aktuelle Zyklus erweist sich dabei als länger und brutaler als jeder andere zuvor. Das trifft die gesamte Industrie, unsere Mitbewerber und natürlich auch uns. Allerdings verfügt SBO eben über ein solides Balance Sheet und eine gute Finanzausstattung. Wir sind also gerüstet, wenn die Branche wieder an Fahrt gewinnt.“ Wann könnte dass der Fall sein? Grohmann will sich hier nicht genau festlegen: „Der Abschwung ist noch nicht vorbei. Es verdichten sich zwar die Anzeichen dafür, dass Angebot und Nachfrage am Ölmarkt schrittweise wieder in Einklang kommen, aber man kann noch nicht von einer Trendumkehr sprechen. 2017 könnte diese Balance aber möglicherweise wiedergefunden werden.“

Grund für die Probleme des Sektors ist laut dem Vorstandsvorsitzenden schlichtweg, dass zuviel Öl produziert wird, vor allem die Saudis pumpen immer mehr „schwarzes Gold“ aus dem Boden und überfluten damit den Markt. Deshalb haben die großen Ölkonzerne den Sparstift angesetzt und Investitionen zurück geschraubt. „Die Erdöl-Nachfrage zeigt sich aber stabil und stark. Es scheint auch, dass die Sparmaßnahmen der Ölgesellschaften am Markt ankommen, sprich dass die Produktion der Nicht-Opec-Ländern zurückgeht: Heuer sollen es 900.000 Barrel weniger sein.“

So blickt der SBO-Chef doch optimistisch in die Zukunft, in der Zwischenzeit hat er seinem Unternehmen ein „Fitnessprogramm“ verpasst: „Die ersten Restrukturierungsmaßnahmen haben wir bereits Ende 2014 begonnen. Es wird zu einer Marktbereinigung kommen, die vielleicht nicht alle Konkurrenten so gut überleben wie wir.“ Auf Ölpreis-Prognosen will sich Grohmann nicht einlassen: „Diese sind ähnlich wie Lotterielose zu handhaben, denn zu viele Einflussfaktoren lassen hier keine stringenten Vorhersagen zu. Ich rechne jedoch damit, dass der Aufwärtstrend nach dem Rückschlag im August weiter geht. Mit Volatilitäten ist aber zu rechnen, bis dann hoffentlich die endgültige Erholung kommen wird.“

Oleg Galbur, Analyst bei der Raiffeisen Centrobank, bezeichnet die neuen Zahlen wiederum als „schwach“, aber im Rahmen seiner Erwartungen. Wobei er hinzufügt: „Es war klar, dass die Nachfrage nach Produkten und Serviceleistungen im Ölfeld-Equipment-Breich zurückgehen würde, was aus den geringeren Investitionen der großen Ölkonzerne resultiert. Somit sind die Ergebnisse von SBO keine Überraschung.“ Auch Galbur lobt das starke Balance Sheet und die komfortable Cash-Position, weniger gut gefällt ihm, dass es bei den Kundenaufträgen keine Verbesserung gegeben hat. Der Experte hat die Aktie nach wie vor mit Reduzieren eingestuft. Das Kursziel liegt aktuell bei 47,5 Euro.

Autor: Mag. Harald Kolerus (redaktion@boersen-kurier.at)

George Soros glaubt an fallende Kurse

Der prominente Investor verstärkt seine Wette auf fallende US-Indizes. Alle führenden Kursbarometer der Vereinigten Staaten brachen hingegen nach oben aus. Der September wird Klarheit schaffen.

Eine teure Bewertung der US-Aktienmärkte lässt ein potentielles Einbruchspotential größer erscheinen. – eine erhöhte Wahrscheinlichkeit eines bevorstehenden Ausverkaufs muss damit aber keinesfalls einhergehen. Im Gegenteil dazu ist eine Auffälligkeit klar gegeben: Wir befinden uns an den Aktienmärkten in einem Handelsmonat, das von einem dünnen Wertpapiergeschäft an den Weltbörsen geprägt ist. Die Kursentwicklungen weisen dazu im August und September die traditionell schwächste Tendenz der US-Aktienindizes auf. Doch auch dieses Muster bestätigte sich gerade in den vergangenen Jahren nicht generell. Die Aktivitäten der Notenbanken setzten bereits viele Börsenweisheiten außer Kraft.

Überraschend ist dennoch der erfolgte charttechnische Ausbruch, den die Familie der Spitzendrillinge der US-Indizes, Dow Jones, S&P 500 sowie der Nasdaq 100 kürzlich gemeinsam ausdrückte. Besonders der letztgenannte Indikator überwand die Spitze der Technologie-Hausse des Jahres 2000 mit mehr als 4.700 Punkten eindrucksvoll. Erst wenn, wie stets Mitte September, die Umsätze an den US-Börsen merklich zunehmen und damit keine Kursschwäche einhergeht, ist ein Anhalten des über sieben Jahre dauernden Bullenmarktes bestätigt, ebenso nicht ausgeschlossen ist bis dahin aber ein ausgelöstes tückisches Kauf-Fehlsignal.

Soros bevorzugt Put-Optionen – liegt er falsch?
Klar Position bezogen hat nun der legendäre Großinvestor George Soros. Ungeachtet nun etablierter, positiver Chartindikatoren und divergierender Stimmungsbilder verdoppelte Soros seine Verkaufspositionen auf die US-Indizes. Aus einer Meldung seines Anlagefonds geht hervor, dass er seit Beginn des 3. Quartals auf mehr als 4 Mio Put-Optionen auf einen S&P 500-ETF sitzt. Diese Position des gebürtigen Ungarn und Manager des Quantum-Fonds wurde nun nach fünf Monaten massiv angehoben. Bisher kann dies nur zu Verlusten geführt haben.

Diesem Pessimismus unreflektiert zu folgen, muss nicht zielführend sein. Bis zum legendären Anleihen-Fondmanager Bill Gross (ehemals Pimco), riss in jüngster Zeit die Erfolgsserie nach über einer Dekade bei einigen prominenten Investoren abrupt ab. Die „neue Welt“ der Notenbank-Geldschöpfungen hinterlässt Spuren.

Etablierter Glaube an Liquiditätsschübe
Die Stimmungslage von 211 befragten Fondmanagern hat sich zuletzt gebessert, meldete die Bank of America Merrill Lynch in der Vorwoche. Demnach ist der Anteil der Optimisten für die globale Konjunktur kürzlich auf 23 % angestiegen. Die gehaltenen Barmittel reduzierten sich binnen eines Monats weiter auf 5,4 %, liegen allerdings nach wie vor im historisch hohen Bereich. Im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt befinden sich dabei die gehaltenen Positionen bei US-Aktien und jene der bedeutenden Schwellenländer mit 11 % oberhalb des Messniveaus. Europäische Dividendentitel dagegen sind untergewichtet.

Grundlage des gewachsenen Optimismus ist vor allem die Tatsache, dass nicht einmal jeder Achte professionelle Finanzakteur an eine absehbare Beendigung der ultralockeren Geldpolitik in Japan und in der EU glaubt.

Diesen verstärkten Optimismus als Kontraindikator zu verwenden, fehlt aber die Grundlage. Denn es gibt kein Indiz dafür, dass sich die Aktien bereits in „schwachen“ Händen befinden, noch ist keine Euphorie beim „Mann auf der Straße“ wahrzunehmen.

Autor: Roman Steinbauer (redaktion@boersen-kurier.at)

„Es ist besser, mit Verkäufen zuzuwarten“

Frank Nickel, CEO der CA Immo, über die aktuelle Deutschland-Strategie, Grundstücksreserven sowie in welchen CEE-Märkten Vorsicht angebracht ist.

Börsen-Kurier: Herr Nickel, welche Strategie verfolgen Sie derzeit am boomenden deutschen Immobilienmarkt?

Frank Nickel: Unsere Strategie ist, dass wir in Deutschland selbst bauen und Fertigstellungen großteils im eigenen Bestand halten. Zu kaufen lohnt sich dort angesichts einer Rendite von 4 % kaum. Entwickeln wir jedoch selbst, so kann mit einer Rendite von 5 bis 9 % gerechnet werden.

Börsen-Kurier: Auf welche deutschen Städte konzentrieren Sie sich?

Nickel: Wir sind in Deutschland schwerpunktmäßig in drei Städten – sprich: Berlin Frankfurt und München – aktiv. In den Sekundär-Städten Mainz, Regensburg und Düsseldorf verfolgen wir ebenfalls Projekte, wie etwa zentral gelegene Quartiersentwicklungen in nicht reproduzierbaren Lagen. Dazu gehört beispielsweise die Quartiersentwicklung Zollhafen Mainz mit gemischter Nutzung, die auf einem 30 Hektar großen Entwicklungsareal in einem Joint Venture mit den Stadtwerken Mainz realisiert wird.

Börsen-Kurier: Welche Rolle spielt derzeit Deutschland in Ihrem Gesamtportfolio?

Nickel: Deutschland zeichnet für einen Portfolioanteil von 44 % verantwortlich. Dabei liegt der Büroanteil bei 90 %. Im internationalen Portfolio liegt der Büroanteil bei 85 %. Vermietet sind deutlich mehr als 90 % des Gesamtportfolios, die durchschnittliche Rendite liegt bei 6,4 %.

Börsen-Kurier: Wie schaut es mit Ihren Grundstücksreserven in Deutschland aus?

Nickel: Gegenüber der Konkurrenz haben wir den Riesenvorteil, dass wir in Deutschland über genügend Grundstücksreserven verfügen. Sie ermöglichen über die nächsten drei bis fünf Jahre ein Projektvolumen mit rund 800.000 Quadratmetern an Nutzfläche. Den Wert dieser Projekte schätzen wir nach Fertigstellung auf mehr als 2 Mrd Euro.

Börsen-Kurier: Welche Pläne haben Sie mit den angesprochenen Grundstücksreserven?

Nickel: Was die deutsche Landbank betrifft, stehen uns mehrere Möglichkeiten offen. Wir können für den eigenen Bestand oder Dritte entwickeln oder auch Grundstücke verkaufen. Unsere Grundstücksreserven haben den weiteren Vorteil, dass Finanzierungen extrem billig werden.

Börsen-Kurier: Schauen Sie darauf, möglichst früh in der Projektentwicklung Mietverträge abzuschließen?

Nickel: Bei zentral gelegenen Projekten in Berlin – wie etwa dem direkt am Berliner Hauptbahnhof gelegenen Bürogebäude Cube, das sich derzeit in der Vorbereitung befindet – haben wir keinen Druck, bereits vor Baustart Mieter zu akquirieren.

Wir warten noch zu, um möglicherweise in einem Jahr noch höhere Mieten verlangen zu können. Hinter dieser Überlegung steht die starke Nachfrage nach sowie das geringe Angebot an modernen Büroflächen in Berlin. 

Börsen-Kurier: Man kann sich gut vorstellen, dass Ihr Portfolio unter Investoren heißbegehrt ist?

Nickel: Das stimmt, 80 % der Gespräche, die ich derzeit führe, beginnen damit, ob wir nicht was zu verkaufen haben. Wir glauben aber, dass es besser ist, mit Verkäufen noch zuzuwarten. Im CEE-Raum schauen wir uns darüber hinaus permanent nach möglichen Zukäufen um.

Börsen-Kurier: Bei aller Euphorie um den boomenden deutschen Immobilienmarkt: In welchen Ihrer Märkte ist derzeit Vorsicht angebracht?

Nickel: Warschau ist ein Markt wo wir derzeit vorsichtig sind, auch wenn der Research nach wie vor Potenzial sieht. Tatsache ist jedoch, dass in der polnischen Hauptstadt derzeit sehr viel entwickelt wird.

Das Interview führte Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier)

Rom im Verteidigungsmodus

Eine drohende weitere Rating-Abstufung des Apenninenstaates verschärft die Bankenkrise. Eine flache ökonomische Entwicklung setzt sich unterdessen fort.

Die Suche nach einer EU-konformen Lösung zur finanziellen Stabilisierung italienischer Banken läuft weiter und ist ein komplexes Unterfangen. Zum aktuell ungünstigen Zeitpunkt gesellt sich nun eine angekündigte Rating-Überprüfung des Landes durch die bedeutendste kanadische Bonitätsagentur DBRS (Dominion Bond Rating Service).

Begründet wird diese „Überprüfung“ neben der gravierenden Lage mehrerer italienischer Banken mit der hohen Staatsverschuldung und der lahmenden Wirtschaftsleistung. Eine tatsächliche mögliche Abstufung erfolgt zumeist zwischen sechs und zwölf Wochen nach dem Überprüfungshinweis.

Die Relevanz der DBRS unter internationalen Ratingagenturen ist erst hinter den Marktführern Standard & Poors, Moody’s und Fitch einzureihen. DBRS, 1976 gegründet und nun Teil der Carlyle Group, hatte sich jedoch bis heute erfolgreich gegen US-Agenturen in Nordamerika behauptet.

Brisant für den italienischen Staat ist die Tatsache, dass der größte kanadische „Bonitäts- Wärter“ zu den von der EZB anerkannten Gesellschaften gehört. Zu erwähnen ist zudem, dass nur noch die DBRS die „A“-Status-Klassifizierung (dritte Bonitätskategorie) der italienischen Bonds bisher hochhielt. Als Folge des EZB-Ankaufsprogramms ist eine teurere Refinanzierung der Republik nicht zwingend, jene der Bankinstitute, die unter der Last von Bergen fauler Kredite leiden aber wohl unausweichlich.

Störfeuer für die Politik
Den offensiven Weg eines Einspruches gegen eine Abstufung, räumt Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan ein. Begründet wird dieser Schritt des Matteo Renzi-Regierungsteam mit einer beklagten Regelverletzung zur zeitlichen Ankündigung abseits des üblich vorgesehenen Mitteilungszeitraumes. Denn eine Abstufung, die die Status-Qualität unseres südlichen Nachbarlandes mindert, kommt Italiens Kabinett unter der Führung der Partito Democratico (PD), die seit Februar 2014 im Amt ist, zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Denn weiter anziehende  Finanzierungskosten der notleidenden Kreditinstitute, sind im Falle einer geringeren Staatsbonität darüber hinausgehend ein Hemmschuh zu Kreditvergaben.

Das noch im Herbst geplante Referendum zur Reform der italienischen Verfassung spielt im Fokus der DBRS eine gewichtige Rolle. Im Lichte eines ungewissen Ausgangs dieses Referendums erkennt die Agentur aus Toronto ein zunehmend instabiles Element im Mittelmeerland. Heikel für die Regierung Renzi ist die Tatsache, dass der als EU-loyaler Politiker und im linken Spektrum Italiens angesiedelte Parteichef seine Zukunft mit dieser Abstimmung deutlich verflochten hat.

Das 2. Quartal als Warnzeichen
Bis zum Vorjahr stand Italiens Ökonomie nicht für eine sehr moderate aber immerhin stabile Expansion. Etliche Daten  (inklusive der Arbeitslosenquote) lagen wenigstens im Verhältnis zu Frankreich auf bevorzugtem Niveau. Davon abgedriftet ist das Zahlenwerk aber mit den Ausweisen zum 2. Quartal. Das BIP reduzierte sich von April bis Juni auf -0,7 % zum Vorjahreszeitraum und deutet bei einer fortgeführten Tendenz die Etablierung einer Rezession an. Die Inflationskernrate liegt im selben Berichtszeitraum mit -0,1 % im deflationären Territorium, die Gehälter stiegen aber immerhin um 0,7 %. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich um weitere zwei Zehntel auf 11,6 %.

Dazu weisen die letzten Daten (Mai) eine Reduktion der Absätze der Industrie um deutliche -2,7 % auf. Ebenso im leicht roten Bereich liegen die Einzelhandelsabsätze. Die
demographische Struktur der alternden Gesellschaft drückt sich unweigerlich im Konsumverhalten aus. Positiv zu erwähnen ist nach wie vor der Handelsbilanzüberschuss.  Dieses Zahlengeflecht gilt es aber im Rahmen einer Gesamt-Staatsverschuldung von 133 % des BIP zu betrachten.

Autor: Roman Steinbauer (redaktion@boersen-kurier.at)

Der Bundespräsident als Türöffner für Milliarden-Aufträge

Präsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen, langjähriger Uni-Professor der Wirtschafts- und Finanzwissenschaften, mal abseits von Kanzlerangelobungs- und Migrationsfragen.

Börsen-Kurier: Einer Ihrer Wahlkampfbegriffe ist „Heimat“. Heimat kann standortpolitisch gesehen auch „Heimatstandort“ für Unternehmen und Unternehmer bedeuten. Wie wollen Sie bei denen das „Heimatgefühl“ stärken?

Alexander Van der Bellen: Der wichtigste Erfolgsfaktor Österreichs im internationalen Standortwettbewerb sind gut ausgebildete Arbeitskräfte. Investitionen in Bildung und Ausbildung ermöglichen Innovationen und wirtschaftliche Dynamik. Junge Menschen brauchen daher Perspektiven dahin. Wir alle sind dazu aufgerufen, das dafür erforderliche Umfeld zu schaffen. Wenn uns das gelingt, dann bleibt das Heimatgefühl der Unternehmer ungebrochen hoch.

Börsen-Kurier: Sie setzen trotz der aktuellen Turbulenzen auf „Unser gemeinsames Europa“. Welche neue gemeinsame Wirtschafts- und Fiskalpolitik braucht es denn?

Van der Bellen: Die Arbeitsmärkte sind in vielen Ländern Europas äußerst angespannt, auch in Österreich. Europa braucht eine gemeinsame Wachstumsstrategie und Investitionen in Zukunftsmärkte, wie beispielsweise Green Technology und innovative Startups. Einmal mehr möchte ich betonen, dass gerade für Österreichs exportorientierte Wirtschaft im Zentrum Europas die europäische Einheit von essenzieller Bedeutung ist. Die ersten Auswirkungen des Brexit in Großbritannien zeigen, welchen Schaden für Wirtschaft und Arbeitsmarkt eine Abkehr vom gemeinsamen Europa verursacht. Das will ich für Österreich nicht.

Börsen-Kurier: Sie haben sich ja lange mit Budgetpolitik befasst. In welchen Bereichen sollte denn trotz des Budgetsparkurses der Staat „Zukunftsinvestitionen“ tätigen und warum?

Van der Bellen: Die Universitäten sind chronisch unterfinanziert, obwohl dort der Nährboden für die zukünftige Entwicklung unseres Landes geschaffen wird. Wir brauchen mehr Investitionen in die Forschung. Und es gilt auch Stärken zu stärken: im Bereich klimafreundlicher Technologien etwa. Da kann Österreich etwas! Da könnten wir unseren Vorsprung weiter ausbauen.

Börsen-Kurier: Eines Ihrer Mottos lautet „Mutig in die neuen Zeiten“”. Wie sollen denn die neuen Zeiten für unsere Wirtschaft aussehen?

Van der Bellen: Wir stehen vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen. Die Wirtschaftskrise hat zuletzt ganze Branchen hart getroffen. Die Zahl der Menschen ohne Arbeit nähert sich der Marke von 500.000, das ist ein Alarmsignal. Gleichzeitig beklagen viele Unternehmerinnen und Unternehmer, dass die Politik ihren Problemen nicht genügend Aufmerksamkeit entgegenbringt. Ein gesunder Wirtschaftsstandort ist aber für die Sicherung von bestehenden und die Schaffung neuer Arbeitsplätze unerlässlich. Österreichs Wirtschaft braucht mehr Zusammenarbeit in Europa, nicht weniger.

Börsen-Kurier: In welche Länder und Weltregionen würden Sie die ersten Wirtschaftsdelegationen am liebsten anführen und warum?

Van der Bellen: Der erste Staatsbesuch des Bundespräsidenten führt traditionellerweise in die Schweiz. Wirtschaftlich ist sicherlich der asiatische Raum interessant. Der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer hat mit seinen Wirtschaftsdelegationen auf Auslandsreisen ein Auftragsvolumen von 2,5 Mrd. Euro für österreichische Firmen gebracht. Das sichert mehr als 40.000 Arbeitsplätze. Ich möchte diese Tradition fortführen und bei Staatsbesuchen als Türöffner für die österreichische Wirtschaft agieren.   

Das Interview führte Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

Gute Chancen für ausgewählte Aktien

Der Investmentfonds M&G Optimal Income Fund ist hauptsächlich auf Anleihen spezialisiert – das Management hat jedoch jetzt den Aktienanteil aufgestockt. So landeten zuletzt etwa Apple, BMW und Time Warner im Portfolio. Wir haben nachgefragt.

2016 war bisher kein besonders erfolgreiches Jahr für Aktieninvestments, so liegt z.B. der DAX year-to-date in etwa pari und der ATX musste rund 130 Punkte Verlust hinnehmen. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Nachricht, dass M&G-Fondsmanager Richard Woolnough jetzt auf „Aktien-Einkaufstour“ gegangen ist – und das obwohl sein M&G Optimal Income Fund ein flexibler Rentenfonds ist. Angestrebt wird keine bestimmte Aktienquote, stattdessen sollen in erster Linie die besten Möglichkeiten im Anleihenbereich genützt werden. Woolnough darf allerdings Aktien beimischen, wenn diese besonders attraktiv bewertet sind, wobei ausschließlich etablierte Blue Chips in Erwägung gezogen werden.

Der Fonds verfolgt dabei einen Investment-Prozess für Aktien, der vor allem den relativen Wert von Aktien mit Anleihen desselben Unternehmens vergleicht – oder etwa mit einem Credit Default Swap, falls das Unternehmen keine geeigneten öffentlichen Anleihen begeben sollte. „Das bedeutet natürlich, dass die Gruppe der in Frage kommenden Aktien begrenzt ist, weil sie nur große und finanziell stabile Unternehmen umfasst“, erläutert Woolnough.

Gekauft: Apple, Time Warner, BMW …
Nach einer längeren Phase ohne Aktienengagement hat Woolnough im Juli nun wieder eine Reihe von Titeln gekauft, darunter Apple (ISIN: US0378331005), Time Warner (US8873173038), Bayer (DE000BAY0017), BASF (DE000BASF111), Ford (US3453708600), Daimler (DE0007100000), BMW (DE0005190003) und LafargeHolcim (CH0012214059). Der M&G Optimal In-come weist somit einen Aktienanteil von 4,3 % des Nettoinventarwerts auf. Seit Oktober 2015 verharrte er nahe Null, die historisch höchste Quote lag bei circa 12,5 %.

„Die Aktien, die wir jetzt erworben haben, weisen im Vergleich zu den jeweiligen Unternehmensanleihen ein attraktives Potenzial auf. Im Einzelfall avanciert die Aktie zum interessanteren Teil der Kapitalstruktur eines Unternehmens. Die Gewinnrendite dieser Unternehmen liegt deutlich über der Anleihenrendite bis Laufzeitende und bietet so einen angemessenen Ausgleich für das höhere Risiko, anstelle von Anleihen in Aktien zu investieren“, so Woolnough.

Wolfgang Bauer, Fondsmanager und Anleihenexperte bei M&G, möchte im Börsen-Kurier-Gespräch aber nicht generalisieren, dass Aktien im gegenwärtigen Umfeld der Finanzmärkte attraktiver seien als Anleihen: „Der Bond-Bereich bietet nach wie vor vielfältige Anlagemöglichkeiten. Die Entscheidung für eine Aktie oder Anleihe muss von Fall zu Fall getroffen werden. Die Spreads bei Unternehmensanleihen und die Yields von Government Bonds haben sich weiter eingeengt, während sich Aktien verhalten entwickelten. Als Konsequenz sehen wir gute Chancen in einigen speziellen Aktien, was auch zu den Kaufentscheidungen im Optimal Income Fund geführt hat.“

USA als ein Favorit
Im aktuellen Update zum Fonds, zeigt sich das Management mit der Performance jedenfalls zufrieden: Die Wertsteigerung betrug im Juli auf Euro-Basis 2,2 %, in Britischen Pfund waren es sogar 2,5 %. Auf Sicht von fünf Jahren waren es mehr als 30 % und seit Auflegung (2006) mehr als 75 % plus.

Seitens des Fondsmanagements heißt es: „Wir haben die Duration leicht gesenkt, wobei wir im Investment Grade-Bereich in US-Dollar tendenziell bessere Chancen sehen. Das Makro-Umfeld wirkt hier unterstützend und die Bewertungen sind generell günstiger verglichen zu Euro- und Sterling-Krediten. Außerdem zeigt sich die Liquiditätssituation besser. Ein Risiko für die USA könnte wiederum von den Präsidentschafts-Wahlen im November ausgehen, wobei es sich hier eher um ein globales Risiko handelt, das alle Anlageklassen betreffen könnte.“ Prinzipiell zeigt sich Experte Bauer für die USA optimistisch, dafür sprechen etwa der Arbeitsmarkt und diverse Frühindikatoren. Es wurde deshalb auch der Brexit als Chance genützt: So wurden Anleihen in Pfund gewinnbringend veräußert, dafür erfolgte eine Wiederveranlagung im favorisierten US-Dollar-Raum.