Kaufkraft ist sozialer Friede

(03.07.2026) Das VW-Beispiel sollte zu denken geben: Bis zu 100.000 Mitarbeiter abzubauen, auch wenn dies global und in gewissen Zeiträumen ablaufen soll, ist nicht nichts. Arbeitslose sind keine guten Konsumenten und verschlechtern die Konjunktur noch weiter. Deren Lebenserhaltungskosten werden von den Unternehmen qua Arbeitslosengeld an Staat und Gesellschaft, also die Steuerzahler, delegiert und belasten den Wirtschaftsstandort.

Dies hat globale Gültigkeit, also auch für China, wo der private Konsum erstmals deutliche Zurückhaltung zeigt und der Staat bzw. die Unternehmen sich gezwungen sehen, ihre Überproduktion zu exportieren. So wird Chinas Kaufkraftproblem aufgrund des chinesischen Preisvorteils zu einem Problem Europas.

Dass hilflose deutsche Dax-Manager, dies mit „noch mehr China“ bekämpfen wollen, grenzt zuweilen an ökonomischen Hochverrat. Fair Trade oder nichts, sollte die Devise lauten. China muss exportieren, also wird es Kompromisse eingehen müssen, wie alle anderen Länder auch.

Doch China stellt nicht das alleinige Problem dar, auch nicht die launische Zollpolitik des US-Präsidenten. Es sind unsere europäischen Strukturprobleme, die uns primär Sorgen bereiten sollten.

Zwar werden schon seit längerem diesbezügliche Warnungen geäußert, aber die Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft hören nicht genügend hin – erstere aus Furcht vor den nächsten Wahlen, zweitere aus Sorge um die eigene Rentabilität. Diese bleibt aber nur aufrecht, solange es Kaufkraft und sozialen Frieden gibt.

Herzlichst, Ihr Tibor Pásztory