Spekulation?

Eine Inflation von 4,3 %, wie wir sie in den letzten Monaten gesehen haben, führt innerhalb von 25 Jahren dazu, dass von 100 Euro gerade noch 35 übrig sind. Wer also für sein Alter vorsorgen will, braucht Erträge auf seine Ersparnisse. Diese Erträge auch noch zu besteuern, ist schlicht und einfach unethisch. Für die SPÖ handelt es sich dabei aber um eine „Spekulationssteuer“, deren Abschaffung sie laut ihrem Finanzsprecher Jan Krainer „massiv bekämpfen“ will. Zuvor hatten die Neos im Finanzausschuss einen Antrag gestellt, längerfristige Veranlagungen von der KESt zu befreien, und Finanzminister Magnus Brunner hatte in einem Interview die Wiedereinführung der Behaltefrist noch für heuer angekündigt. Wütende Reaktionen von SPÖ und Arbeiterkammer waren die Folge. Die ÖVP habe „überhaupt keinen Genierer mehr in ihrer Politik für die Reichen und Superreichen“, so Krainer. Und SPÖ- Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch sprach gar von einer Verhöhnung der arbeitenden Bevölkerung. Dass es genau diese arbeitende Bevölkerung ist, die mit den staatlichen Pensionen nicht auskommen wird und zum Erhalt des Lebensstandards vorsorgen muss, erwähnte er nicht. Ob es so bald zur Wiedereinführung der Behaltefrist kommen wird, ist übrigens gar nicht so sicher: Priorität habe derzeit die Steuerreform, erklärte ÖVP-Finanzausschussmitglied Christoph Zarits. Irgendwie erinnert das Ganze an die Ankündigung des damaligen Finanzministers Gernot Blümel, Eigen- und Fremdkapital steuerlich gleichzustellen. Das war im Mai 2021, passiert ist seither nichts. Anleger müssen geduldig sein. (20.01.)

Marius PERGER, HERAUSGEBER