Kein Spielzeug

Im Grunde genommen ist es ja positiv: Immer mehr Menschen, vor allem junge, „entdecken“ den Aktienhandel. Robinhood, Reddit und Gamestop wären dafür gar nicht nötig gewesen, allein die langanhaltende Null- Zins-Phase ist ja Grund genug, sich nach ertragreicheren Anlageformen umzusehen. Aber natürlich machen Onlinehandel und Apps den Einstieg einfacher – und spannender. Als „Gaming-Trend“ bei jungen Menschen hat der ORF kürzlich Aktien bezeichnet und – zu Recht – vor den Risiken gewarnt. Aktien scheinen für manche ein Mittelding zwischen Computerspiel und Casino zu sein. No Risk, no fun. Auch vor Österreich, wo Aktienbesitz vielen immer noch suspekt erscheint und Altersvorsorge mittels Wertpapieren oft als Spekulation abgelehnt wird, macht diese Entwicklung nicht Halt. Genau hierin liegt aber die Gefahr. Denn jene, die glauben, mit Aktien spielerisch das schnelle Geld machen zu können, werden über kurz oder lang enttäuscht werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich dann dauerhaft vom Aktienmarkt verabschieden, dürfte ziemlich groß sein. In einem Land, in dem die Kapitalmarktkultur traditionell sowieso gering ausgeprägt ist, können wir das am allerwenigsten brauchen. Deshalb wäre es wichtig, gerade jetzt intensiv darüber aufzuklären, wie wichtig ein seriöses und langfristiges Aktienengagement für die Volkswirtschaft ist – als Vorsorgeinstrument ebenso wie zur Stärkung des Eigenkapitals und damit zur Sicherung von Arbeitsplätzen. Das wäre Aufgabe auch der Politik – allerdings dürfte die dafür derzeit keine Ressourcen haben. (15.04.)

Marius PERGER, HERAUSGEBER