Zu Tode gefürchtet …

Die Angst vor einer Eintrübung der Weltwirtschaft ist groß. Noch ist es unsicher, ob in den USA eine „weiche Landung“ gelingt. Die Inflation ist nach wie vor zu hoch. Das hohe Zinsniveau würgt die Wirtschaft ab. Die Börsen eilen von Rekord zu Rekord, Dax und Dow haben in der Vorwoche historische Höchststände markiert. Experten erwarten weitere Zugewinne. Ist da von zwei verschiedenen Welten die Rede? Zumindest von verschiedenen Jahren? Nein, das alles passiert gleichzeitig. Und jetzt. Bedeutet das, dass die Finanzmärkte verrückt spielen? Natürlich nicht. Denn einerseits spiegeln sie die – auch längerfristigen – Erwartungen wider. Kurzfristig mag es trüb aussehen, vielleicht wird auch das heurige Jahr noch mit der einen oder anderen konjunkturellen Enttäuschung aufwarten. Doch irgendwann geht es wieder bergauf, und in vielen Bereichen gibt es nie gekannte Möglichkeiten – Stichwort, beispielsweise: KI. Andererseits wird man das Gefühl nicht los, dass es sich derzeit um Jammern auf hohem Niveau handelt. Wer halbwegs aufmerksam durch die Straßen geht und in Geschäfte oder Restaurants schaut, wird wenig von einer katastrophalen Wirtschaftslage merken, höchstens ein bisschen Konsumzurückhaltung. Etwas anderes wäre angesichts niedriger Arbeitslosenzahlen und hoher Lohnabschlüsse auch nicht zu erwarten. Zu Tode gefürchtet, ist auch gestorben. Das gilt auch für Anleger. Dauernde Sorgen vor möglichen negativen Entwicklungen verstellen den Blick auf Chancen. Mit dem vor der Türe stehenden Frühjahr sollte auch wieder mehr Optimismus Platz greifen. (22.02.)

Marius PERGER, HERAUSGEBER