Börsenrekorde

Schon in wenigen Jahrzehnten könnte der Dow Jones die 100.000er-Marke knacken. Und in hundert Jahren wäre sogar die Million drin, sagte Investmentlegende Warren Buffett schon vor zwei Jahren. Jedenfalls haben wir in den vergangenen Tagen wieder einmal neue Rekorde gesehen, der Dow sprang über die 27.000 ( Wallstreeter Jens Korte, S. 4). Wachsen die Bäume jetzt in den Himmel? Erstens: Ob 100.000 oder eine Million - dabei geht es nur um eine Frage der Zinseszinsrechnung. Nimmt man nur eine durchschnittliche jährliche Indexsteigerung von 3 % an, so würden aus den 27.000 jetzt in hundert Jahren bereits mehr als 500.000 Punkte werden. Bei 4 % sind es deutlich mehr als eine Million, bei 5 % sogar 3,5 Millionen. Zweitens: Werte aus der Vergangenheit fortzuschreiben kann durchaus gefährlich werden. Niemand weiß, ob es den Dow in hundert Jahren noch geben wird, geschweige denn, wie er dann zusammengesetzt ist. Und wie sich die Weltwirtschaft angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen oder Klimakrise entwickeln wird. Drittens: Selbst wenn es diese durchschnittlichen Steigerungen geben sollte, wird es zwischendurch mehrmals zu Rezessionen, Korrekturen, wahrscheinlich auch Crashs kommen. Die Börsen erholen sich zwar wieder, doch die Verluste müssen erst einmal verdaut werden. Viertens: Inflation und Steuern dürften wohl einen guten Teil der Zuwächse wettmachen. Was daraus folgt: Indexsteigerungen sind etwas ziemlich Normales, man sollte sich davon nicht blenden lassen. Viel wichtiger ist der Blick auf die Entwicklung des eigenen Portfolios. (18.07.)

Marius PERGER, HERAUSGEBER