Zu wenig geprüft?

Neben dem Wirtschaftsprüfer und der deutschen Finanzaufsicht BaFin steht nun im Wirecard- Skandal auch die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung („Bilanzpolizei“) im Zentrum der Kritik - mehr als das, die deutsche Bundesregierung hat die Zusammenarbeit mit dem privatrechtlich organisierten Verein gekündigt. Wie es derzeit aussieht, dürften nahezu alle Beteiligten in dieser Causa versagt haben. Denn es wird ja wohl nicht so gewesen sein, dass sich die Prüfer darauf verlassen hätten, dass ein anderer genauer hinschaut. Möglicherweise wird jetzt gefordert werden: Es muss noch viel mehr und noch genauer geprüft werden. Tatsache ist aber: Wer die Prüfer betrügen will, schafft das auch - egal wie viele Kontrollen es gibt. Eine Lehre ist jedenfalls zu ziehen: Die Erfindung weiterer Prüfinstanzen führt nicht dazu, dass die Bilanzen zuverlässiger werden. Was soll denn eine Bilanzpolizei noch finden, was interne Revision, Wirtschaftsprüfer oder Finanzmarktaufsicht nicht auch hätten entdecken können? Auf der anderen Seite sind die Prüfungen für die Unternehmen nicht nur teuer, sie binden auch Zeit und Ressourcen, die vielleicht anderswo besser eingesetzt wären. In internen Kontrollmechanismen etwa. Noch ist nicht klar, wer für die verschwundenen Milliarden bei Wirecard verantwortlich ist. Vielleicht war es ja der ganz große Betrug von ganz oben. Viel wahrscheinlicher (und viel häufiger) sind Versagen oder Kriminalität auf unteren Ebenen. Die dürfte es in vielen Firmen geben und sie können am effektivsten intern aufgedeckt werden. Auch zum Nutzen der Aktionäre. (02.07.)

Marius PERGER, HERAUSGEBER