Globales Ringelreihspiel
(23.01.2026) Nun soll es mit der Wirtschaft wieder aufwärts gehen. In zahlreichen Märkten herrscht wieder mehr Optimismus vor als zu Beginn des Vorjahres. Die Börsenkurse haben dies durch teilweise eklatante Kursanstiege im abgelaufenen Jahr antizipiert.
Von den Ländern, in denen Krieg herrscht, abgesehen, widersetzt sich nur China dem vorherrschenden Trend, das in den letzten 30 Jahren verlässlicher Garant für Megawachstum war. Schuld an den (für europäische Verhältnisse immer noch guten) chinesischen Wirtschaftsdaten ist in erster Linie die schwere Immobilienkrise. Wer jemals durch chinesische Hochhauswüsten gefahren ist, in denen nie ein Mensch gelebt hat, wird sich
der Schwere des Problems bewusst. Der Börsen-Kurier warnte schon zur Jahrtausendwende vor intransparenten chinesischen Bankbilanzen, auch wenn dies damals niemand hören wollte. Bei der Evergrande-Pleite vor genau zwei Jahren ist die Blase geplatzt. Millionen Chinesen verloren ihr Erspartes, und die Stimmung begann zu kippen. In der Folge sank die Inlandskaufkraft, und das Land wurde immer mehr von seinen Exporten abhängig. Nun liegt sein Handelsbilanzüberschuss bei knapp 1,2 Billionen US-Dollar und stellt ein wesentliches Motiv für die Trump‘sche Zollpolitik dar.
Doch die Zölle helfen in Wahrheit niemandem und schwächen die Kaufkraft in den USA sowie das westliche Bündnissystem generell. Da auch Russland unter seinen Kriegskosten leidet, gerät es wiederum in die Abhängigkeit von China, wo schon manche ein Auge auf Ostsibirien werfen. Ukraine, Taiwan, Grönland … geht das Ringelreihspiel in die nächste Runde?
Herzlichst, Ihr Tibor Pásztory

