Ende des Sparbuchs?

Eine niederösterreichische Bank plant die Abschaffung des Sparbuchs. Diese Schlagzeile ging vergangene Woche durch die Medien und mehrere andere Institute bemühten sich sofort zu versichern, dass sie auch weiterhin Sparbücher in ihrem Angebot haben werden. Schließlich gehört das Sparbuch ja zu den „Heiligen Kühen“ der Österreicher und laut einer Umfrage von GfK aus dem Juli des Vorjahres halten es immer noch 22 % unserer Landsleute für eine der interessantesten Möglichkeiten (!), ihr Geld anzulegen. Tatsächlich ist das Sparbuch aber längst zur Geldvernichtungsmaschine verkommen. Ein Beispiel: Liegt der Zinssatz auch nur ein Prozent unter der Inflationsrate - was derzeit kaum erreicht wird - so bleiben nach 30 Jahren von tausend Euro gerade noch 740 Euro übrig. Nun ist es aber nicht so, dass die Banken ihren Kunden statt des Sparbuchs endlich ertragreichere Anlageformen anbieten wollen. Man wolle auf das geänderte Kundenverhalten reagieren und statt des Sparbuchs digitale und Onlinesparformen forcieren. Die sind aber, was die Zinsen betrifft, um nichts ertragreicher als das alte Sparbuch. Für die Banken allerdings wesentlich kostengünstiger; die Aktion stellt sich damit vor allem als Einsparungsmaßnahme heraus. Statt das Sparbuch abzuschaffen sollte man den Menschen bewusst machen, was es bedeutet, wenn sie ihr Geld so anlegen. Denn eine Umschichtung beispielsweise in Aktien würde das Geldvermögen der Österreicher jedes Jahr um Milliarden steigen lassen. Und wem das zu riskant erscheint, der soll ruhig sein Sparbuch mit den sicheren Verlusten behalten. (13.02.)

Marius PERGER, HERAUSGEBER