Des einen Leid

Die Inflation steigt, in den USA lag sie im Mai bei 5 % und damit am höchsten Stand seit 2008. Das bleibt nicht ohne Folgen – auch für die Zinsen. Und das, obwohl die Europäische Zentralbank erst in der Vorwoche die Leitzinsen bei null belassen hat. Heimische Banken haben aber auf die Entwicklung bereits reagiert, wie einer Erhebung des österreichischen Vergleichsportals Durchblicker zu entnehmen ist: Die Fixzinsen für Kredite sind von Feber bis Juni bei einigen Banken um zehn bis 20 Basispunkte gestiegen. Ärgerlich ist da, dass auf der anderen Seite immer mehr Banken von Unternehmen für Giroeinlagen eine sogenannte „Verwahrgebühr“ einheben bzw. Negativzinsen verrechnen. Schon für Guthaben über 30.000 € werden von manchen Instituten 0,5 % jährlich verlangt. Und für darunter liegende Beträge gibt es sowieso keine Zinsen. Jene Unternehmen, die auf Kreditfinanzierungen angewiesen sind, werden die steigenden Zinsen natürlich spüren; wo bisher schon wenig übriggeblieben ist, kann das gefährlich werden. Gleichzeitig werden jene Firmen, die gut gewirtschaftet und einen Sicherheitspolster angelegt haben – gerade Corona hat ja gezeigt, wie wichtig das ist – mit der Verwahrgebühr abgestraft. Die Banken, deren Zinsergebnis in den vergangenen Jahren unter Druck geraten ist, werden dagegen von dieser Entwicklung profitieren. Und auch für Aktionäre ist die Entwicklung interessant. Einerseits werden Bankaktien attraktiver, wenn die Zinsspanne größer wird. Andererseits wird Eigenkapital bei steigenden Kreditzinsen noch wichtiger – und damit die Finanzierung über die Börse. (17.06.)

Marius PERGER, HERAUSGEBER