Erfolgsmodell

Das hat es seit 2007 nicht gegeben: In ihrer Aussendung zum dritten Quartal verweist die Wiener Börse auf die Neuzugänge im heurigen Jahr. Mit drei Börsegängen im prime market, der neuen Marktsegmentierung, dem Listing von vier Unternehmen im direct market plus sowie Neuzugängen im global market und bei den Corporate Bonds gab der heimische Finanzplatz heuer weit mehr als nur ein kräftiges Lebenszeichen von sich. Nach mehreren Jahren, in denen die Wiener Börse, zumindest was IPOs anbelangte, im Dornröschenschlaf lag, hat sich das Bild deutlich geändert. Drei Neunotierungen im prime market hat es auch in den fünf Jahren von 2014 bis 2018 gegeben: insgesamt! Zu Recht können Börsechef Christoph Boschan und seine Mannschaft auf die Entwicklung im heurigen Jahr stolz sein. Tatsächlich steckt dahinter aber eine unglaubliche Arbeit: vor allem Überzeugungsarbeit bei Unternehmen, Investmentbanken und Anlegern. Womit wir beim einzigen Wermutstropfen der Entwicklung sind. Denn 84 % der Handelsumsätze kommen aus dem Ausland. Während also heimische Anleger, die ihr Geld immer noch auf dem Sparbuch liegen haben, täglich Geld verlieren, streifen ausländische Investoren die Gewinne der Wiener Börse ein. Und das ist nicht zu wenig: Allein die Dividendenrendite der ATX-Unternehmen lag heuer bei durchschnittlich 3,8 %! Boschan mahnt deshalb zu Recht die Entwicklung einer heimischen Investorenbasis ein. Die Politik sei gefordert, steuerliche Anreize zu schaffen, um die Aktienveranlagung für Private attraktiver zu gestalten. Dem ist nichts hinzuzufügen. (10.10.)

Marius PERGER, HERAUSGEBER