Eine perfekte Lösung?

2020 hatte die EU-Kommission den „Stabilitätspakt“ aufgrund der Pandemie bis 2023 ausgesetzt, nun ist auch dieses Datum gefallen: Wegen des Ukraine- Krieges und der daraus resultierenden Sorgen um die Konjunktur werden die Schuldenregeln auch im nächsten Jahr noch nicht wieder gelten. Die Regelung, deren Bezeichnung eigentlich „Stabilitäts- und Wachstumspakt“ ist, sollte dazu beitragen, dass der Euro seinen Geldwert behält, und verhindern, dass durch eine übermäßige Verschuldung der Euroländer die Inflation steigt. Zentrale Bestimmung war die Begrenzung des Haushaltsdefizits der Euro- Länder auf 3 % und die Verschuldung auf 60 % ihres Bruttoinlandsprodukts. Nun sieht es ganz danach aus, als hätten Pandemie und Ukraine- Krieg zu einem Paradigmenwechsel geführt. Das frühere Inflationsziel der EZB („unter, aber nahe 2 %“) ist mittlerweile genauso obsolet wie das aktuelle („2 % in der mittleren Frist“), die Begrenzung des Haushaltsdefizits ausgesetzt, die Verschuldungsobergrenze wohl auf viele Jahre nicht mehr erreichbar. Natürlich: Die Hilfsmaßnahmen der Staaten haben viel Geld gekostet und werden weiter viel Geld kosten. Es schaut fast nach einer perfekten Lösung aus: Die Wirtschaft durch Schuldenmachen ankurbeln, die Schulden durch Inflation loswerden – „weginflationieren“ nennt man das. Ein Perpetuum Mobile. Aber eben nur fast eine perfekte Lösung: Vor allem jene zahlen drauf, die für ihr Alter vorsorgen wollen, und natürlich alle Sparer. Wenn es angesichts der aktuellen Volatilitäten auch fast keiner mehr hören kann: Der beste – und vielleicht einzige – Inflationsschutz bleiben Aktien. (26.05.)

Marius PERGER, HERAUSGEBER