Kein Grund für Neid

Gegen Ende der diesjährigen Hauptversammlungssaison ist es Zeit, erste Resümees zu ziehen. Durchaus aufschlussreich erwiesen sich dabei in einigen Fällen die Vergütungsberichte, die den Aktionären nach dem Aktiengesetz einen „umfassenden Überblick“ über die den aktuellen und ehemaligen Vorstandsmitgliedern gewährten Vergütungen bieten sollen (den Bericht auf Seite 9). Auch wenn manches Salär für Durchschnittsbürger wohl unerreichbar bleibt, sollte es keinen Platz für Neid geben. Ebenso wenig wie für die Einkommen von Spitzensportlern, Filmschauspielern oder Popstars. Doch eigenartiger Weise regt sich niemand darüber auf, dass beispielsweise Taylor Swift im Vorjahr mehr als 1,8 Milliarden US-Dollar verdient haben soll, während Millioneneinkommen von Wirtschaftslenkern von den Medien zerpflückt werden. Dabei denkt meist niemand daran, dass – genauso wie „Stars“ in anderen Branchen – die Besten der Besten eben nur gegen entsprechende Entlohnung zu haben sind. Und diese Besten benötigen Unternehmen nun einmal, wenn sie im globalen Wettbewerb überleben, ihren Mitarbeitern sichere Arbeitsplätze garantieren, ihren Lieferanten verlässliche Abnehmer bleiben und dem Staat kontinuierliche Steuerzahler sein wollen. Gerade die großen „systemrelevanten“ Unternehmen dürfen gar kein Risiko eingehen, wenn es um die Qualität ihrer Führungskräfte geht. Und so sollten wir die Vergütungsberichte als das nehmen, was sie sind: als Information darüber, ob das Unternehmen verantwortungsvoll umgeht – mit seinem Geld genauso wie mit seiner Zukunft. (20.06.)

Marius PERGER, HERAUSGEBER