Enttäuscht?

Es gab Zeiten, da konnte man gleich nach einem IPO richtig Kasse machen: Viele Aktien legten in den ersten Stunden und Tagen ordentlich zu. Vor allem in den Zeiten der „New Economy“ zu Beginn dieses Jahrtausends lag die Erstnotiz häufig deutlich über dem Ausgabepreis: Als Infineon im Jahr 2000 das Börseparkett betrat, lag der Ausgabekurs bei 35 €, die Erstnotiz bei 70 € bedeutete einen Zeichnungsgewinn von 100 %! Diese Zeiten sind vorüber. Betrachtet man die beiden IPOs von Marinomed und Frequentis an der Wiener Börse im heurigen Jahr, so verlief die Entwicklung wesentlich bescheidener. Bei Marinomed folgte auf den Emissionskurs von 75 € eine Erstnotiz bei 75,50 € und bis zum Beginn der Vorwoche bewegte sich der Kurs weitgehend seitwärts. Erst positive fundamentale News haben den Kurs dann - trotz schwacher Börsen - ansteigen lassen. Bei Frequentis wiederum betrug der Ausgabepreis 18 €, der Eröffnungspreis lag bei 18,10 €, den ersten Handelstag beendete die Aktie mit 17,78 €. Ist das jetzt ein Grund, enttäuscht zu sein? Nein, wie Börsechef Christoph Boschan in der Vorwoche betonte: Es habe sich zwar eine Erwartungshaltung für große Zeichnungsgewinne etabliert, doch das wäre „kein guter Börsegang“, sondern Spekulation. Gewinnt die Aktie am Anfang stark, so wurde sie zu billig verkauft, fallen die Kurse, so war sie zu teuer. Ein Börsegang sei dann erfolgreich, wenn die Schwankung in den ersten Tagen nicht größer als plus/minus 5 % ist, dann war die Aktie vernünftig gepreist, so Boschan. In diesem Sinne dürfen wir uns über zwei gelungene IPOs und auf künftige Wertsteigerungen freuen. (23.05.)

Marius PERGER, HERAUSGEBER