Anonym

„Société Anonyme“ steht in mehreren francophonen Ländern nach wie vor für den Begriff der Aktiengesellschaft. Und tatsächlich war Aktienbesitz früher einmal anonym möglich - dank gedruckter Aktienurkunden und Dividendenkupons, mit denen man sich direkt bei der Gesellschaft die Dividende in bar hat auszahlen lassen können. All das ist heute undenkbar. Der Aktionär ist längst zum gläsernen Anteilseigner geworden, Aktien gibt es nur noch virtuell auf Bankdepots. Sichergestellt wird damit unter anderem, dass dem Staat weder beim Verkauf noch bei der Ausschüttung Steuereinnahmen entgehen. Anonym - das waren einmal auch Sparbücher. Statt eines Inhabers war „Überbringer“ eingetragen, Sicherheit bot das Losungswort. Auch das ist Geschichte. Wer heute mit Banken zu tun hat - und das ist praktisch jeder - muss identifizierbar, seine Transaktionen nachvollziehbar sein. Auch Bargeld steht natürlich in der Kritik der Terrorismus- und Geldwäschebekämpfung. Große Banknoten sind bereits abgeschafft, selbst ein Ende des Bargeldes ist nicht mehr auszuschließen. Dann wäre jeder Einkauf, jede Zahlung überprüfbar. Und doch gibt es in dieser Welt Schlupflöcher. Dass diese vor allem von Verbrechern genutzt werden, verwundert nicht. Die Rede ist von Kryptowährungen. E-Mail-Erpresser beispielsweise verlangen Zahlungen an eine angegebene Bitcoin-Adresse. Die kann völlig anonym angelegt werden, eine Rückverfolgung bis zum Täter ist damit praktisch unmöglich. Und in Kombination mit dem „Darknet“ bleibt auch das Geldausgeben anonym. Wo bleiben da die Regulatoren, wo die Gerichte?(22.08.)

Marius PERGER, HERAUSGEBER