Aktionärs-Aktivismus 2026: Was steht auf der Agenda?

Florian Beckermann. Für börsengelistete Unternehmen zeichnet sich wieder ein intensives und facettenreicheres Engagement der Aktionäre ab. Vorreiter dafür sind häufig Tendenzen aus Großbritannien, wo Aktionärs-Aktivismus die größte Rolle europaweit spielt. Danach folgen Deutschland, die Schweiz und die skandinavischen Staaten.

Laut der Beratungsgesellschaft Alvarez & Marsal könnten im Jahr 2026 deutlich mehr als 50 britische Gesellschaften im Visier aktivistischer Investoren stehen und entsprechende, wegweisende Kampagnen aufzeigen, so der Activist Alert. In Europa stehen insgesamt rund 140 Unternehmen im Fokus. Wenig überraschend, liegt der sektorale Schwerpunkt bei Consumer Goods und klassischer Industrie (ca. 50 %), gefolgt von Technologie- und Energieunternehmen.

Thematisch: Entsprechend der Entwicklung der vergangenen Jahre ist eine weitere Verlagerung der Interessen prognostiziert. War noch vor wenigen Jahren die Themengruppe um „Governance“ klar Vorreiter, ist aktuell die Frage der Kapitalallokation und Operations/Strategy beinahe gleich auf. Dies mag angesichts der konkreten Schwerpunkte wenig verwundern.

Als besonders interessant schiebt sich nach der Studie von A&M die Wertentwicklung aus der KI und dessen Implementierung/Disruption auf den ersten Platz des Aktionärsinteresses. Wobei Wertschaffung und Wertzerstörung durch die Technologie berücksichtigt werden. Es ist keineswegs klar, dass KI gewinnbringend bei jedem
Unternehmen einsetzbar ist. Die Bubble-Gefahr bzw. das Investitionsrisiko wird adressiert werden. Geopolitik, die Wettbewerbssituation mit China (insbesondere Handelsrouten) folgen auf den Plätzen zwei und drei.

Die Inkonsistenz von Equity-Stories, Glaubwürdigkeitsthemen und Führungsschwäche als klassische Aktivistenthemen treffen auf einen stärker werdenden Übernahmemarkt. Das Wiedererstarken von M&A-Transaktionen am europäischen Kapitalmarkt ist ein Resultat niedriger Zinsen und einem Pouvoir an „trockenem Pulver“. Es mag jedoch zu sektoral unterschiedlichen Gewichtungen kommen, da nicht jeder Markt über eine Vielzahl „attraktiver“ Unternehmen verfügt. So ist das Vereinigte Königreich stark bei Consumer Goods, Österreich im Banken- und Finanzsektor – siehe Erste Group und Santander Polska.

Woher? Die große Mehrheit der Aktivistengruppen wird durch Fonds aus den USA finanziert (41%). Insbesondere durch die Erschwerung von ESG-verbundenen Kampagnen durch die US-Börsenaufsicht SEC, kam es 2025 zu einer Zunahme in Europa, wo solche Aktivitäten verstärkt auftraten.

Fazit: Neben den nationalen Eigenheiten in Österreich werden auch die genannten Themen auf der kommenden Hauptversammlungssaison zur Sprache kommen. Ob einzelne Kampagnen hier greifen werden, ist noch offen. Der IVA setzt mit seinen Schwerpunktfragen seit 15 Jahren dabei auf Kontinuität und transparentes Monitoring. Diese werden dieser Tage veröffentlicht.

Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at