Die Kolumne der Anlegerschützer vom IVA
Florian Beckermann (20.02.2026). Immer mehr Österreicher wünschen sich finanzielle Freiheit. Das Hamsterrad durchbrechen, emotional wichtige Inhalte realisieren. Es vergeht kaum ein Gespräch mit jungen Anlegern, das nicht dieses Thema umkreist. Doch was ist damit gemeint? Wo lauern Gefahren? Finanzielle Freiheit, in seiner ausgeprägtesten Form beinhaltet die Erstreitung des Lebensunterhalts ohne aktive Erwerbstätigkeit ausschließlich mit passivem Einkommen, wie Zinsen, Dividenden und Mieteinnahmen. Insbesondere die Freiheit, seine Zeit frei einzuteilen, gilt als erstrebenswert. Sie ist abzugrenzen von der finanziellen Unabhängigkeit: Einem Leben ohne Arbeit, aber mit bewusst eingeschränktem Lebensstil. Eine subjektive Entscheidung.
Vorteile
Die gesellschaftlichen Vorteile liegen auf der Hand: Geringere soziale Spannungen und Polarisierung, Resilienz gegenüber wirtschaftlichen Krisen, Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und Unabhängigkeit vom Staat. Im Hinblick auf Abwanderung ist letzteres weniger interessant für den Staat. Dennoch unterstützungswürdig? Insgesamt zeigt sich dieser weitgehend desinteressiert, dem Bürger auf diesem Weg zu helfen. Zu stark sind die vornehmlich finanziellen Interessen an der Erhaltung von Millionen Menschen in einer Erwerbsstruktur. Das auch finanziell freie Bürger kräftig Steuern zahlen, ist gleichgültig – ein Auswuchs der Neiddebatte.
Gegnerschaft
So haben eine Vielzahl von politischen Parteien in Europa sich eine Unmenge an Hinderungsstrategien überlegt, diese bürgerliche Freiheit nicht entstehen zu lassen – absurderweise. Selbst kleinstes Wachstum in dieser Art der Selbsterhaltung wird aktuell mit der Keule der Erbschaftssteuer oder Vermögenssteuer bedroht. Die Pläne der niederländischen Regierung zur Abschöpfung unrealisierter Gewinne sind der Vernichtungsschlag. Sprachpolizeiliche Begriffsverquirler sehen in der „finanziellen Freiheit“ eine nachteilige Verquickung von Schlagworten des Neoliberalismus, der Finanzbranche oder gar des Antifeminismus (sic!). Technische Feindschaft wird durch den digitalen Euro verortet. Dieser kann eine finanzielle Durchleuchtung weiter erleichtern und dem intransparenten Freiheitsprivatissimum widersprechen. Surreal.
Fazit: Privates Risikokapital für Innovation, Wohnraum, Technologie, erneuerbare Energie usw. erhält man so nicht. Sollen wirklich ausländische Finanzinvestoren alle diese Zukunftsbereiche beherrschen? Für Private gilt: Technische Flexibilität und Wachsamkeit sind Grundvoraussetzungen zur Absicherung dieses Lebenstraums. Nach US-Studien geben beinahe 50 % der Millennials an, dass die finanzielle Freiheit ihr Lebensziel ist. Über 50 % der „Gen Z“ erwartet vor 60 Jahren in Rente zu gehen. Ob der Staaten mit der Behinderung dieser Lebensentwürfe auf dem richtigen Dampfer unterwegs sind, scheint fragwürdig.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
