Das neue deutsche Altersvorsorgedepot – ein Vorbild?

Florian Beckermann (10.04.2026). Während die Regierung in Österreich noch über die Verbesserung der Altersvorsorge sinniert (seit 2011), schafft man in Deutschland Fakten. Die performance-schwache Riester-Rente wird in Pension geschickt. Ein neues „Altersvorsorgedepot“ wird ab 2027 einfacher und renditestärker sein. Die Fortschritte sind bemerkenswert, aber nicht unproblematisch.

Im Kern handelt es sich um ein staatlich gefördertes Depot, in das Sparer regelmäßig Geld einzahlen. Vor allem soll in breit gestreute Kapitalanlagen wie Fonds oder ETFs investiert werden. Anders als bei der Riester-Rente gibt es keine Kapitalgarantie mehr. Ziel ist es, langfristig höhere Renditen zu ermöglichen. Der Staat fördert das Sparen weiterhin: Statt komplizierter Zulagen gibt es künftig prozentuale Zuschüsse auf die eigenen Einzahlungen. Für kleinere Sparbeträge ist die Förderung besonders hoch, wodurch vor allem Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen profitieren sollen. Zusätzlich können Sparer flexibel selbst entscheiden, wie ihr Geld angelegt wird. Die Auszahlungsphase ist gestaltbar: zwischen lebenslanger Rente und zeitlich begrenzten Auszahlungsplänen. Gleichzeitig bleibt für sicherheitsorientierte Personen die Option bestehen, Produkte mit teilweiser oder vollständiger Kapitalgarantie zu wählen – wieder eine Kostenfrage. Technisch wird ein einfach zu führendes Standarddepot eingeführt, mit gedeckelten Kosten (1 %), das über Basisfunktionen verfügt. Hier sollen Wettbewerb und Transparenz geschaffen werden. Möglicherweise soll dies mit Hilfe eines staatlichen „Bürgerkontos“ als Wettbewerber geschehen.

Insgesamt lässt sich das neue Altersvorsorgekonto als Systemwechsel beschreiben: Weg von garantiebasierten, oft renditeschwachen Versicherungsprodukten hin zu einem stärker kapitalmarktorientierten, flexibleren und einfacheren Vorsorgemodell mit staatlicher Förderung. Mit allen dazugehörigen Bedenken.

Alles gut? Nein. Eine direkte Beteiligung am Aktienmarkt ist nicht vorgesehen. ETF-Sparpläne sind bereits weitgehend billiger zu bekommen. Die Fondsindustrie darf sich freuen. Spannend wird ebenso das Bürgerkonto: Wird man seitens des Staates hier lenkend eingreifen? Die Paternalisten laufen Sturm: Sparer seien den Schwankungen der Kapitalmärkte ausgesetzt. Das höchste Anlagerisiko schlechthin. Die Argumente kennt man.

Fazit: Deutschland lernt. Die unbeliebte Riester-Rente hat zurecht ein Ende gefunden. Nun wagt man (endlich) mehr Freiheitsgrade für die Anleger. Die Unterstützung der Eigenverantwortung des Anlegers ist eine gute Entscheidung. Warum in den zugelassenen Produktklassen keine europäischen Aktiendirektinvestments erlaubt sein sollen, erschließt sich dabei jedoch nicht. Die Kosten werden entscheidend für den Erfolg des neuen Modells sein. Für Österreich finden sich positive Ansätze – noch flexibler und billiger scheint leicht möglich.

Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at