Tag der Arbeit – Tage der Leistung
Florian Beckermann (08.05.2026). Am 1. Mai wird jedes Jahr der Tag der Arbeit gefeiert. Kein harmloser Feiertag, sondern eine politisch aufgeladene Erinnerung. Seine Wurzeln liegen in den Arbeiterkämpfen des 19. Jahrhunderts.
Später wurde er von der internationalen Arbeiterbewegung als Symboltag gewählt. Ein Tag, an dem soziale Konflikte sichtbar gemacht werden sollten. Er erinnert daran, dass grundlegende Arbeitsrechte – Arbeitszeitbegrenzung, Kündigungsschutz, soziale Absicherung oder Kinderarbeitsverbot – nicht „gegeben“ sind, sondern erkämpft wurden.
Wer heute in die Arbeitsrealität schaut, stellt schnell fest, dass die Arbeiterkämpfe von damals heute wenig Relevanz haben. Homeoffice oder Workation kann man durchaus als gelungenen Endpunkt der Bewegung bezeichnen. Der Arbeitgeber ist dabei für viele kein gesellschaftliches Feindbild mehr, sondern ein bemitleidenswerter Workaholic zwischen Finanzamt und Insolvenzgericht. Verkehrte Welt.
Es heißt, dass Unternehmer Motivation suchen. Es heißt, dass sich eine Leistungsdepression breit macht. Zugegeben, die ausweglose und horrende Abgabenlast zugunsten des Staates ist eine sinnraubende Motivationshürde.
Doch hat Leistung auch ein Akzeptanzproblem, bis hin zum sozialen Bruch. Insbesondere jüngere Generationen negieren die Leistungsgesellschaft. Es entsteht eine als antriebslos wahrgenommene Masse. Deren berufliche Neigungen können mit den kalkulierten Zielvorgaben beispielsweise chinesischer Volkswirtschaftsmodelle nicht mithalten.
Es wird klar: Die bestehende Leistungsgesellschaft rutscht in massive Schwierigkeiten – in Ökonomie, in Akzeptanz und im Narrativ kann sie sich nicht durchsetzen. Die soziale Kampffähigkeit ist nicht wahrnehmbar. Mileis argentinische Verhältnisse als Extremfall einmal ausgenommen.
Man muss kein Hellseher sein, um die Kausalketten dieses Befundes für die Zukunft zu verfolgen: Abstieg. Angst. Wie ist das zu stoppen?
Mit einem Symboltag der Leistung ist es nicht getan – 364 Tage wären besser. Die politische Förderung der gesellschaftlichen Verarmung muss erkannt und beendet werden. Nur wer Leistung ermöglicht und würdigt, kann die berechtigten sozialen und ökologischen Wünsche einer Gesellschaft zu einem Top-Niveau ausbauen.
Das mag egoistisch klingen und beglückt nicht mit kollektiver Freizeit eines 1. Mai. Aber es ist für unser Gesellschaftsmodell unabdingbar. Die Senkung der Steuerlast und eine breite Mitarbeiterbeteiligung sind immens wichtige Bausteine für Unternehmertum und finanzielle Freiheit. Echte Bürokratieeffizienz und Stolz auf einen schlanken Staat kommen hinzu. Das Fundament jedoch ist die Akzeptanz von Leistung. Nur so lässt sich eine zukünftige Kausalkette ersinnen, die mit Aufstieg und Erfolg verbunden ist. Nur so sind die Lebensentwürfe künftiger Generationen mit höheren Freiheiten realisierbar.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
