HV der OMV: Ziellose Proteste
Florian Beckermann (05.06.2026). Wer die OMV-HV-Historie kennt, hatte es befürchtet: Proteste, Krawall. So hat der Interessenverband für Anleger (IVA) in einem offenen Brief zur Zurückhaltung aufgerufen – um für einen friedlichen Ablauf zu werben und um das Institut der Hauptversammlung für alle Aktionäre als solches zu schützen. Nach der HV muss man feststellen: Nicht jeder scheint die Zeichen verstanden zu haben, denn etwas mehr als 30 Personen wollten „Chaos stiften“. Die Sucht nach Befriedigung der eigenen Bubble war wohl größer.
Vor Ort: Zunächst mag die Sachfremdheit des Protests erstaunen. Allen voran die Forderung nach „Vergesellschaftung“ des Unternehmens (Anm. Überführung ins Staatsvermögen). Auf der Aktionärsversammlung die Enteignung der Aktionäre zu fordern ist schlicht deplatziert. Man mag fragen, ob die eigene Enteignung gleich mitgefordert wird? Oder hatte das der Vollmachtgeber nicht berücksichtigt? Allein aus der klimaaktivistischen Sicht macht dieser Gedanke wenig Sinn, wäre doch viel Staatskapital für diesen Stunt nötig. Es wäre wohl deutlich besser in entsprechenden Klimaschutzprojekten einzusetzen. Neben vielen anderen Argumenten. Die Aktionäre reagierten nachvollziehbarerweise mit Unmut.
Die Art des Protests war ferner bemerkenswert: Ein Skandieren von „Mehr Öl!“ oder die emotionalisierend vorgetragene „Generationenfrage“ (Anm. Ressourcenverbrauch zu Lasten künftiger Generationen und nachteilige Schaffung von Klimarisiken) bestimmten die Meldungen. Mag ob der Selbstironie noch ein Schmunzeln der Aktionäre dabei gewesen sein, auf das Geschäftsmodell der OMV ging niemand ein. Weder die Nachhaltigkeitsberichterstattung noch die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie waren thematisch vertreten. Eine konkrete Auseinandersetzung mit dem Unternehmen als Transformator fand nicht statt. Natürlich sind dafür das konkrete Studium der Unterlagen und das Verständnis eines globalen Konzerns Voraussetzung.
Einmal mehr zeigt sich, dass Protest als Selbstzweck die Überzeugungskraft der Argumente schwächt. Mit Krawall mögen die Störer Aufmerksamkeit erhaschen, Respekt jedoch verlieren sie. Insbesondere dann, wenn der Aktivismus inhaltlich ziellos umherirrt und unkonkret wirkt. Es wurde die Chance verpasst, sich konstruktiv für Klimafragen auf der Versammlung der Aktionäre einzusetzen. Man erkennt, dass auch in der Klimaaktivistenszene radikale Kräfte die Bühne übernehmen, wenn die konstruktiven Kräfte Lust und Zeit verlieren.
Zurück bleibt der befürchtete Missbrauch der Hauptversammlung, die sich dennoch behauptete. Sie lebt von der Debatte, nicht von Trillerpfeifen oder vom Niederbrüllen – wie jedes demokratische Forum. Sie zu schädigen, ist ein Angriff auf das Eigentum und die offene, liberale Aktionärsdemokratie. Dem Fingerspitzengefühl des Versammlungsleiters Lutz Feldmann und dem konsequenten Einschreiten des Saaldienstes war es zu verdanken, dass eine Balance zwischen „Störerinteresse“ und Aktionären gefunden wurde.
Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at
