Gestörte HV-Saison 2026

(03.07.2026). Mit der Do-&-Co-Hauptversammlung kommende Woche setzt die reguläre Saison ihren beliebten Schlusspunkt – nicht nur kulinarisch ein Highlight. Grund genug, kurz zurück auf die Saison zu blicken: Die wirtschaftliche Bilanz kann sich sehen lassen. Operativ war vieles Routine. Problematisch wurde es dort, wo sich Störer der Hauptversammlung zu bedienen suchten – so prominent bei RBI, OMV, Strabag und zuletzt höchst emotional bei der Voestalpine. Eine gestörte Saison.

Eines ist klar: Störer kommen nicht wegen der Dividende – und schon gar nicht wegen des Buffets –, sondern mit einer ominösen Mission. Sie betrachten die Hauptversammlung weniger als Organ einer Aktiengesellschaft, sondern als offene Bühne. Mikrofon bedeutet Auftritt, Geschäftsordnung, Aktiengesetz oder HV-Kultur sind ihnen wurscht. Manche bringen Transparente mit, andere Trillerpfeifen, wieder andere einfach nur Abtransportschwierigkeiten. Die HV-Szene hat sich darauf eingestellt. Glücklich ist sie damit nicht.

Protest gehört zu einer offenen Aktienkultur. Aktionäre dürfen kritisieren, problematisieren und den Vorstand und Aufsichtsrat fordern. Genau dafür gibt es die Hauptversammlung. Dafür wird sie so sehr geschätzt. Problematisch wird es dort, wo das eigentliche Ziel nicht mehr die Debatte, sondern der Auftritt für die eigene (digitale) Echokammer ist und deren Reizpunkte den Aktionären verborgen bleiben. Vor sich hin monologisierenden Individuen ohne Ziel oder Syntax ist schwer zu folgen. Mit Gewissens-Statements, die die künstliche Intelligenz in der U-Bahn auf dem Weg zur HV entworfen hat, erfährt man keinerlei Zuspruch, noch haben sie konkret etwas mit dem Unternehmen zu tun. Die „Vergesellschaftung“ zu fordern und damit die eigene Enteignung ist ein HV-Insich-Witz. Der Protest verliert sich im Irgendwo auf dem Weg nach Nirgendwo. Eine entfernte gesellschaftspolitische Dimension? Schwer erkennbar.

Es verwundert nicht, dass dies schnell als Störung um der Störung willen aufgefasst wird. Daher war es nachvollziehbar, wenn dem ein oder anderen Aufsichtsrat oder Aktionär der Geduldsfaden riss. Schreiduell inklusive – über den Modus Operandi und die Länge der Zündschnur lässt sich trefflich streiten, Toleranz gehört auch zur Kultur.

Glücklicherweise wurde der Aufruf des IVA zur Gewaltlosigkeit weitgehend beachtet – zumindest zwischen den Aktionären und Störern. Dem beherzten Eingreifen des Saaldienstes ist der Abschluss mancher HV vor 24 Uhr sicher zu verdanken. Unter dem Strich hat sich die Hauptversammlung gegenüber den Störern gut behauptet und das offene Präsenzformat hat seine Resilienz bewiesen. Das ist eine gute Nachricht. Die Kosten für die Sicherheit sind die negative Seite. Die Frage, ob es eine finanzielle Haftung seitens der Störer geben sollte, dürften letztlich die Gerichte beantworten. Zukünftig sollten sich die Versammlungsleiter zusätzlich zu kritischen Aktionären, Aktivisten und friedlichen Protestierenden auf den Umgang mit Störern vorbereiten. Leichter wird der Job in der Saison 2027 sicher nicht.

Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at