Eigentum statt Enteignung: Österreichs Chance am Immobilienmarkt

(30.10.2026) In Berlin wird darüber diskutiert, große private Wohnungsgesellschaften zu vergesellschaften. Anlass sind steigende Mieten und knapper Wohnraum. Doch abgesehen von katastrophalen Marktwirkungen durch diese „Aktion“, entsteht mit der Übertragung bestehender Wohnungen in öffentliches Eigentum keine einzige neue Wohnung. Österreich könnte anders antworten: Wer Wohnraum schafft, soll investieren können. Wer Eigentum erwerben will, soll nicht zuerst an den Nebenkosten scheitern. Die an dieser Stelle initiierte Forderung nach dem „Austrian Housing Act“ wird hiermit vertieft.

Die Ausgangslage ist ernüchternd. 2025 wurden österreichweit so wenig Wohnungen in neuen Gebäuden bewilligt, wie seit Beginn der Messungen 2010. Baukosten und lange Verfahren bremsen. Der Staat legt beim Eigentumswechsel noch etwas drauf: In der Regel kassiert er 3,5 % Grunderwerbsteuer, 1,1 % für die Eigentumseintragung und bei Kreditfinanzierung 1,2 % für das Pfandrecht (unbekannte Gesamtvolumina in EUR). Hinzu kommen Vertragserrichtungskosten. Man rechnet ohne Makler, Treuhandvereinbarungen etc. mit ca. 7,2 % Nebenkosten für den Erwerb – auch im internationalen Vergleich nicht billig. Die befristete Eintragungsgebührenbefreiung für Eigenheime lief Ende Juni aus.

Ein Immobilienpakt könnte an drei Stellen ansetzen:
1. Die Grunderwerbsteuer für selbst genutztes Wohneigentum und neu errichtete Mietwohnungen senken, bei Mietwohnungen zB verbunden mit langfristiger Vermietung.
2. Die wertabhängige Grundbuchseintragungsgebühr durch eine maßvolle, am tatsächlichen Aufwand orientierte Pauschale ersetzen. Eine Grundbucheintragung wird nicht doppelt so aufwendig, nur weil die Wohnung doppelt so viel kostet.
3. Die Pfandrechtseintragungsgebühr bei Wohnbau- und Sanierungsfinanzierungen abschaffen. Wer Wohnraum finanziert oder saniert, sollte dafür keine Extrarechnung erhalten.

Das kostet öffentliche Einnahmen. Allein die Grunderwerbsteuer brachte 2025 rund 1,3 Milliarde Euro, überwiegend für Gemeinden. Einnahmenausfälle müssen ehrlich beziffert und im Finanzausgleich berücksichtigt werden. Niedrigere Erwerbssteuern ersetzen zudem weder Bauland noch schnellere Genehmigungen. Deshalb gehören kürzere Verfahren, Baulandmobilisierung und verlässliche Regeln für Vermieter und Mieter dazu. Nebenbei: Wo ist die Mietrechtsnovelle? Das Richtwertchaos ist keinem Laien mehr zu erklären. Das Erreichen der Klimaziele braucht eine Anpassung an die wirtschaftlichen Gegebenheiten, sprich mehr Augenmaß.

Der Unterschied wäre dennoch klar: Berlin diskutiert darüber, wem bestehende Wohnungen gehören sollen. Österreich könnte zeigen, wie mehr Wohnungen entstehen. Eigentumsschutz schafft Vertrauen, geringere Nebenkosten öffnen Türen. Wer leistbares Wohnen will, muss Investitionen ermöglichen – nicht bloß Besitzverhältnisse verändern.

Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at