Krise offener Immobilienfonds: Fakten für Anleger

(23.10.2026) Die Rücknahmebeschränkungen bei Real Invest Austria, Erste Immobilienfonds und Erste Responsible Immobilienfonds zeigen, wie rasch sich Verunsicherung überträgt. Real Invest aktivierte das Gating am 29. September, die beiden Erste-Fonds folgten am 9. und 12. Oktober. Erste bestätigt, dass nach Real Invest die Rückgabeaufträge deutlich zunahmen. Gating (Rücknahmebeschränkung) ist ein Instrument des Liquiditätsmanagements bei Investmentfonds. Dabei werden Rückgabeaufträge von Anlegern vorübergehend nur anteilig ausgeführt, um bei hohen Mittelabflüssen ausreichend Liquidität zu sichern und Notverkäufe von Vermögenswerten zu vermeiden – eigentlich ein Sicherungsinstrument.

Bei der Liquidität der Fonds gibt es markante Unterschiede. Der Erste Immobilienfonds wies zum Beschlusszeitpunkt nur 4,31 % aus. Real Invest räumt ein, die gesetzliche Mindestliquidität von 10 % unterschritten zu haben, nennt aber keine genaue Quote. Der Erste Responsible Immobilienfonds lag mit 11,53 % darüber.

Für Anleger sind die Folgen einschneidend. Am ersten Tag wurden bei Real Invest 5,16 % der Rückgabeaufträge ausgeführt, beim Erste Immobilienfonds 3,14 % und beim Responsible-Fonds nur 0,22 %. Bei einem Rückgabewunsch von 10.000 Euro wären das im letzten Fall lediglich 22 Euro. Die Quoten werden unterschiedlich berechnet. Eines zeigen sie: Ein täglich veröffentlichter Fondspreis bedeutet nicht, dass Anleger ihr Geld auch abrufen können. Teils mit drastischen Folgen.

Besonders mühsam ist das Verfahren für diejenigen, die vollständig aussteigen möchten. Nicht ausgeführte Rückgabeaufträge werden bei diesen Fonds nicht automatisch auf den nächsten Handelstag übertragen. Wer an jedem Handelstag eine weitere Auszahlung erreichen will, muss daher grundsätzlich täglich neu beauftragen. Eine Pflicht dazu besteht nicht. Doch wer nicht aktiv wird, nimmt an den Rückgaben dieser Tage nicht teil. Das wirft Fragen der praktischen Gleichbehandlung auf.

Anleger sollten daher mit ihrer Depotbank klären, ob sich Rückgabeaufträge automatisieren lassen, welche Annahmeschlusszeiten gelten und welche Spesen wiederholte Aufträge verursachen. Gating bedeutet weder Insolvenz noch automatisch einen Wertverlust! Wem beim Kauf jederzeitige Verfügbarkeit zugesichert wurde, sollte Beratungsunterlagen und Risikohinweise sichern – das gilt sowieso immer. Real Invest und Erste Responsible Immobilienfonds werden von der FMA als „mündelsicher“ genannt. Inwieweit eine dauerhafte Rückgabemöglichkeit damit abgedeckt ist, muss möglicherweise juristisch geklärt werden.

Gating kann sinnvoll sein, um Notverkäufe und Nachteile für verbleibende Anleger zu vermeiden. Wie lange die Beschränkungen dauern, ist bei allen Fonds offen. Es darf aber nicht zum Dauerzustand werden, bei dem Anleger täglich um Bruchteile ihres Vermögens ansuchen müssen. Gefragt sind nachvollziehbare Ausführungsquoten, einfache Rückgabeverfahren und ein überprüfbarer Weg zurück zur normalen Rücknahme.

Die drei Fälle zeigen: Nicht nur die Bewertung der Immobilien, auch die tatsächliche Verfügbarkeit des Geldes entscheidet über das Vertrauen in einen Fonds.

Autor Florian Beckermann ist Vorstand des IVA, Interessenverband der Anleger, www.iva.or.at