Britische Wirtschaft: 50/50-Chance für Rezession

Experten prognostizieren “gravierenden wirtschaftlichen Abschwung”

Für Großbritannien besteht eine 50-prozentige Chance, dass es innerhalb der kommenden 18 Monate nach dem Brexit-Votum in eine Rezession schlittert. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt ein aktueller Bericht des National Insitute of Economic and Social Research (NIESR) http://niesr.ac.uk in London, der für einiges Aufsehen sorgt. Das unabhängige Forschungsinstitut prognostiziert der britischen Wirtschaft darin nicht unbedingt eine rosige Zukunft und stellt klar, dass vor allem in diesem und im nächsten Jahr mit einem "gravierenden wirtschaftlichen Abschwung" zu rechnen sein wird. Auch die Inflation soll noch 2016 auf drei Prozent ansteigen.

Kurzfristige Auswirkungen“
„Wir sehen hier die kurzfristigen ökonomischen Auswirkungen der Entscheidung, die Europäische Union zu verlassen“, zitiert „BBC News“ Simon Kirby, Head of Macroeconomic Modelling and Forecasting am NIESR. Den Berechnungen des Instituts zufolge habe der Ausgang des Referendums zu einer finanziellen und politischen Unsicherheit geführt, die sich direkt negativ auf die Ausgaben und Investitionen sowohl von Unternehmen als auch von privaten Haushalten auswirken würden. „Wir erwarten deshalb einen deutlichen wirtschaftlichen Abschwung in der zweiten Jahreshälfte und im gesamten Jahr 2017“, so Kirby.

„Die Chancen, dass wir innerhalb der kommenden 18 Monate in eine Rezession schlittern, liegen bei 50 zu 50. Außerdem sehen wir in nächster Zeit ein erhöhtes Risiko für eine weitere Verschlechterung der Lage“, ergänzt der Experte. Der Anstieg der Inflationsrate auf drei Prozent sei hauptsächlich dem kürzlichen Einbruch des Pfunds zu verdanken. Davon solle sich die Bank of England aber nicht abschrecken lassen. „Man sollte die temporär angekurbelte Inflation im Moment nicht überbewerten und die die Geld- und Währungspolitik in den kommenden Monaten eher lockern“, meint Kirby.

Ängste bei Kleinen und Mittelständigen
Beinahe zur gleichen Zeit wie das NIESR, hat auch CBI Business Lobby http://news.cbi.org.uk, die einflussreichste Unternehmens-Lobby in Großbritannien, einen Bericht veröffentlicht, der feststellt, dass auch die kleineren und mittelständischen Betriebe im Land nach dem Brexit zunehmend um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten. Sie gehen davon aus, dass in den nächsten drei Monaten vor allem ein spürbarer Rückgang bei der Auftragslage zu verzeichnen sein wird. „Der wirtschaftliche Optimismus fällt zurzeit mit der größten Rate seit Januar 2009, als die britische Wirtschaft in eine Rezession rutschte“, heißt es in dem Papier. (03.08.2016)


„Brexit“ als Chance für EU

Allianz-Chefvolkswirt Heise: „Brexit“ kann auch als Weckruf und Chance für die EU begriffen werden.

  • Europa: Leichter Konjunkturdämpfer, 2017 aber besser als 2016
  • Österreich: Wachstumseinbußen von 0,2 Prozentpunkten
  • Ausblick: Begeisterung für „Projekt“ Europa notwendig

Während viele Experten rund drei Wochen nach dem EU-Referendum und ersten Schockreaktionen ein düsteres Bild über mögliche Folgewirkungen zeichnen, kann der „Brexit“ auch als Weckruf und Chance für die EU begriffen werden. „Der EU-Austritt der Briten ist eine große Herausforderung für Großbritannien und die gesamte EU, mit erheblichen wirtschaftlichen Risiken. Langfristig kann der ‚Brexit‘ aber dazu beitragen, dass die EU wieder enger aneinanderrückt“, erklärte Prof. Dr. Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz SE, am Dienstag bei einem Pressegespräch in Wien. Abgesehen von den direkten Auswirkungen des ‚Brexit‘-Votums auf Großbritannien, gebe es in der EU keinen Anlass für übertriebene Konjunkturskepsis. Um allerdings künftige Herausforderungen zu meistern, müsse die Europäische Union vor allem flexibler und widerstandsfähiger werden. Heise: „Die EU braucht eine neue Erfolgsgeschichte. Sie sollte sich darauf konzentrieren, die Bürger wieder für das ‚Projekt‘ Europa zu begeistern.“

„Brexit“-Votum wirft vorübergehenden Schatten auf Großbritanniens Wirtschaft

Im Hinblick auf den Zeitplan und die Konditionen des EU-Austritts Großbritanniens geht Heise von konstruktiven und pragmatischen Verhandlungen aus. Im Ergebnis werde Großbritannien weiterhin – allerdings beschränkten – Zugang zum Europäischen Binnenmarkt haben. „Das Austrittsvotum wird das jährliche BIP-Wachstum Großbritanniens in den nächsten Jahren um ein bis zwei Prozentpunkte senken“, prognostiziert Heise. Grund dafür seien die weiterhin bestehende Unsicherheit durch das Votum, das belastete Konsumklima und die beeinträchtigte Attraktivität Großbritanniens für Investitionen aus dem In- und Ausland. Die Wachstumsprognosen wurden halbiert: von 1,9 Prozent auf 1,0 Prozent im Jahr 2016 und von 2,1 Prozent auf 1,0 Prozent im Jahr 2017. „Eine Rezession kann nicht ausgeschlossen werden. Langfristig wird sich das Wirtschaftswachstum aber wieder erholen. Denn weder die EU noch Großbritannien haben ein Interesse daran, Handelsbeziehungen unnötig zu belasten“, so der Allianz Experte.

Konjunkturausblick in Europa: leichter Dämpfer, aber positive Signale

Nach der Prognose der Allianz ist im Euroraum zunächst mit einer spürbaren Eintrübung der wirtschaftlichen Erwartungen zu rechnen. Eine Belastung werde der Export nach Großbritannien sein, der durch die zu erwartende Schwäche der britischen Wirtschaft sowie die Aufwertung des Euro gegenüber dem Pfund leiden wird. „Für das dritte und vierte Quartal 2016 rechnen wir zwar mit einer Dämpfung des Wachstums im Euroraum. Im Verlauf des nächsten Jahres könnte es allerdings wieder zu einer leichten Konjunkturbeschleunigung kommen“, erklärte Heise. Konkret erwartet der Allianz Experte ein Wachstum in der Europäischen Union von 1,6 Prozent (statt 1,9 Prozent) im Jahr 2016 und 1,6 Prozent (statt 2,0 Prozent) im Jahr 2017. Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch für die Eurozone ab, deren Wachstumsprognosen für 2016 von 1,7 Prozent auf 1,5 Prozent gesenkt werden. 2017 wird mit einem Wachstum von 1,6 Prozent gerechnet.

Österreich: Spürbare kurzfristige Eintrübung, leichte Erholung in Sicht

Mit spürbaren, wenn auch geringen Auswirkungen des „Brexit“-Votums werde auch Österreich konfrontiert sein. Die BIP-Prognose für Österreich wurde von 1,7 Prozent auf 1,5 Prozent gesenkt: „Der ‚Brexit‘ könnte Österreichs Wirtschaft heuer somit rund 0,2 Prozentpunkte an Wachstum kosten“, prognostizierte Heise. Gründe dafür seien die wirtschaftliche Unsicherheit, die die Investitionsneigung dämpft, und geringere Exporte nach Großbritannien, das als achtwichtigster Handelspartner für die Alpenrepublik gilt. Durch den EU-Austritt der Briten müsse Österreich außerdem mittelfristig mit einem höheren EU-Mitgliedsbeitrag rechnen: „Mit dem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU geht ein wesentlicher Beitragszahler verloren. Auf Österreich wird ein zusätzlicher jährlicher Mitgliedsbeitrag in dreistelliger Millionenhöhe zukommen“, so Heise. Für die kommenden Jahre sei aber Erholung in Sicht – Österreich liege hier im EU-Trend.

Finanzmärkte: Ende der EZB-Nullzinspolitik frühestens 2018

Neben wirtschaftlichen Auswirkungen auf Großbritannien beziehungsweise ganz Europa hat das „Brexit“-Votum auch für Unruhe an den Finanzmärkten gesorgt: „Bis die Austrittsverhandlungen auf einem stabilen Weg sind, werden die Märkte weiterhin von hoher Volatilität geprägt sein“, so Heise. Langfristige Folgen an den Währungsmärkten werden sich aber in Grenzen halten: Während das britische Pfund vorerst auf dem niedrigen Niveau bleiben dürfte, erwartet Heise keine nachhaltige Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar. Einem zu starken US-Dollar dürfte die Fed durch die weiter in die Zukunft verschobenen Zinserhöhungen entgegenwirken. Die Europäische Zentralbank könnte aufgrund des Drucks durch den Ausgang des EU-Referendums der Briten ihre expansive Geldpolitik weiter lockern beziehungsweise das Quantitative Easing ausweiten oder verlängern. „Solange es aber nicht zu gravierenden Finanzmarktturbulenzen kommt, wird die EZB eine ruhige Hand bewahren“, so Heise. Von der Nullzinspolitik werde man frühestens 2018 abgehen. Bevor die Zinsen wieder angehoben werden, werde die EZB das  Anleihekaufprogramm auslaufen lassen.

Chance für EU auf mehr Flexibilität

In seinem langfristigen Ausblick für Europa zeigt sich Heise eher optimistisch. Mehrere Jahrzehnte an wirtschaftlicher Integration und politischer Zusammenarbeit hätten zu einer tiefgreifenden Verzahnung der EU-Volkswirtschaften geführt. Es gebe zwar einige Mitgliedstaaten, die zu einer gewissen „Europa-Müdigkeit“ neigten und in denen ein mögliches Referendum nicht ausgeschlossen werden könne, doch die gemeinsamen Errungenschaften würden nicht so einfach aufgegeben werden. Da die EU in manchen Bereichen allerdings von ihrer traditionellen Vision einer stärker zusammenwachsenden Union entfernt sei, sieht Heise das „Brexit“-Votum als Chance, die EU flexibler und widerstandsfähiger zu machen.„Dieses Europa der verschiedenen Ebenen und Geschwindigkeiten wird die Komplexität erhöhen. Es gibt der EU aber auch die Möglichkeit, ihre Akzeptanz und die Begeisterung für das Projekt ‚Europa‘ zu steigern“, so Heise abschließend.  (19.07.2016)


Briten treten aus der EU aus - was nun?

Für den EU-Austritt eines Landes gibt es kein erprobtes Verfahren. Daher ist ungewiss, was als Nächstes geschieht. Folgendes erscheint jedoch plausibel.

  • Artikel 50 der EU-Verfassung, der den Austritt eines Landes aus der EU regelt, wird wirksam.
  • Damit wird ein zweijähriges Verfahren angestoßen, das die Bedingungen für den Austritt Großbritanniens aus der EU festlegt und unter anderem den Rahmen für den künftigen Zutritt zum EU-Binnenmarkt definiert.

Folgen für die britische Wirtschaft
Wir gehen wie die Bank of England davon aus, dass das Brexit-Votum das Wirtschaftswachstum Großbritanniens vermutlich aus folgenden Gründen kurzzeitig belasten wird:

  • Verstärkte Unsicherheiten und nachlassendes Vertrauen dämpfen den privaten Konsum und die Anlageinvestitionen.
  • Steigende Risikoprämien an den britischen Anleihemärkten und möglicherweise höhere Kreditaufnahmekosten.
  • Vermehrte Unsicherheiten, Risikoscheu und möglicherweise höhere Finanzierungskosten im britischen Finanzsektor.
  • Ein schwächeres Pfund dürfte den Export stützen. Zugleich könnte die Bank of England die Zinsen senken und dadurch die negativen Folgen insgesamt etwas abfedern.

Folgen für den britischen Finanzmarkt - Kurzzeitig sollten Anleger mit Folgendem rechnen

  • Erschüttertem Anlegervertrauen und erhöhten Kursschwankungen am britischen Markt.
  • Weiterer Abschwächung des Pfund Sterling zusätzlich zu dem Wertverlust gegenüber dem Euro von bis dato 5%.
  • Abwärtsdruck auf britische Aktien, zumal auf Titel aus dem Finanzsektor und aus Branchen, die besonders stark auf EU-Migranten angewiesen sind (z.B. Bau, Gastronomie), sowie nachlassendem Druck auf britische Unternehmen, die einen Großteil ihres Gewinns in Fremdwährung erwirtschaften.
  • Eventuell moderatem Aufwärtsdruck auf Renditen britischer Staatsanleihen (Gilts) angesichts verstärkter Unsicherheiten, höherer Risikoprämien und der Aussicht auf einen Inflationsanstieg wegen des schwächeren Pfunds (anfänglich könnten die Renditen wegen der Flucht in sichere Häfen fallen).
  • Aufwärtsdruck auf Renditen britischer Unternehmensanleihen aufgrund der Unsicherheit und der kurzzeitig getrübten Aussichten - wie bei Aktien sind die Risiken für den Finanzsektor am größten.
  • Möglicherweise leichtem Rückgang der Immobilienpreise in Großbritannien angesichts des Vertrauensverlusts bei Käufern und eines möglichen Anstiegs der Arbeitslosigkeit.

Folgen für Europa
Moderate direkte Auswirkungen auf die Wirtschaft:

  • Europäische Unternehmen mit umfangreichen Aktivitäten und Vermögenswerten in Großbritannien werden ihre Investitionen möglicherweise drosseln, bis Klarheit über die künftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU herrscht.
  • Daneben kann die Ungewissheit auch den Handel der EU mit Großbritannien belasten.
  • Sollten die Auswirkungen für die Wirtschaft als erheblich eingestuft werden, dürfte die EZB ihre Anleihekäufe ausweiten, um so die Gefahr unerwartet negativer Folgen für die Wirtschaft zu verringern.

Mögliche Auswirkungen auf die europäischen Finanzmärkte:

  • Kurzfristig könnte der Druck auf Aktien zunehmen, vor allem auf solche von Unternehmen mit großen Einnahmen, Handelsbeziehungen und Anlagen in Großbritannien, vor allem wenn der Euro steigt.
  • An den Anleihemärkten könnten die Renditen der als sicher geltenden Anlagen sinken und die Renditen bzw. Spreads von Unternehmensanleihen steigen; wie bei Aktien wäre der Finanzsektor am stärksten betroffen.
  • Auf längere Sicht könnte das Brexit-Votum den Euroskeptikern Auftrieb geben und Bedenken über die EU im Allgemeinen schüren. Das würde den Druck gerade auf Vermögenswerte in den Peripherieländern erhöhen.

Paras Anand, Leiter des europäischen Aktienteams:
„Die Entscheidung der Wähler in Großbritannien, die EU zu verlassen, hat sowohl die Devisenmärkte als auch die Aktienmärkte überrascht. Das Ausmaß dieser Bewegungen muss man im Kontext einer starken Performance des Pfund Sterling und der UK-Märkte in den vergangenen Wochen betrachten. Dieses Ergebnis führt zu politischer Unsicherheit, die kurzfristig erhöhte Volatilität an den Märkten mit sich bringen dürfte. Anleger sollten jedoch wissen, dass sich solche Ereignisse in der Regel nur marginal auf die langfristigen Aussichten von Unternehmen auswirken. Die Folgen des Referendums auf die britische Binnenwirtschaft und Europa im Allgemeinen sind noch schwer abzuschätzen und werden wahrscheinlich erst im Laufe der Zeit offensichtlich. Sicherlich erhöht der Rückgang des Pfund Sterling die Wettbewerbsfähigkeit der Sektoren mit hohem Exportanteil und sollte langfristig den Appetit für Investitionen aus dem Ausland erhöhen. Wenn wir den Unternehmenssektor näher betrachten, stellen wir fest, dass Unternehmen über erhebliche Barreserven verfügen, sodass der Spielraum für die weitere Unternehmstätigkeit bestehen bleibt. Das sollte das Ausmaß der Kursrückgänge beschränken, die wir in den kommenden Wochen und Monaten sehen werden.

Wir handeln heute nicht anders als in der vergangenen Woche: Wir nutzen die Chance, die von diesen makroökonomischen Ereignissen ausgehen und konzentrieren uns auf Unternehmen, in die wir langfristig investieren möchten. Der paneuropäische Unternehmenssektor ist in der Tat sehr international aufgestellt - ganz im Gegensatz zum US-amerikanischen oder asiatischen Unternehmenssektor. Selbst in einem Szenario, in dem das Abstimmungsergebnis negativere Auswirkungen auf die Nachfrage in Großbritannien und stärkere Auswirkungen auf Europa halt als wir derzeit glauben, wird dies die Aussichten für europäische Unternehmen nicht so stark beeinflussen wie manche glauben.“

David Simner, Fondsmanager europäischer Rentenfonds
„Das Nein der Briten zu einer weiteren EU-Mitgliedschaft wird kurzzeitig für Turbulenzen sorgen, da die Märkte mit größerer Unsicherheit zurechtkommen müssen. In jedem Fall werden sich aus den erhöhten Marktschwankungen aber Anlagechancen über taktische Positionen bei Firmen ergeben, die über eine solide Kapitalausstattung und ein gutes Management verfügen und so die mit einem Brexit-Votum verbundenen Unsicherheiten gut überstehen können.“

Eugene Philalithis, Fondsmanager Fidelity Global Multi Asset Income Fund
„Die größten Auswirkungen des Brexit-Votums erwarten wir für britische Vermögenswerte. Pfund Sterling und britische Aktien werden unter Verkaufsdruck geraten. Bei britischen Staatsanleihen wird es vermutlich (zumindest anfänglich) zu einer Rally kommen, da Anleger Zuflucht in sicheren Häfen suchen werden. Global diversifizierte Portfolios, die in verschiedene Anlageklassen, Regionen und Branchen investieren, sollten gut aufgestellt sein, um von möglichen Marktschwankungen zu profitieren.“ (24.06.2016)

 


Stabiles und gemäßigtes Wachstum der Weltwirtschaft hält an

Nach der für das erste Quartal üblichen Wirtschafts-verlangsamung in den USA scheint sich die Konjunktur seit April wieder aufzuhellen.

Trotz zahlreicher politischer Krisen hält das stabile und gemäßigte Wachstum der Weltwirtschaft an. Nach der für das erste Quartal üblichen Wirtschaftsverlangsamung in den USA scheint sich die Konjunktur seit April wieder aufzuhellen, und auch in Europa bleibt das Wachstum stabil. Darauf verweisen Guy Wagner, Chefanlagestratege der Banque de Luxembourg und sein Team.

Ungeachtet zahlreicher politischer Krisen hält das stabile und gemäßigte Wachstum der Weltwirtschaft an. In China hat sich das Wirtschaftswachstum infolge der staatlichen Konjunkturmaßnahmen gefestigt. Und die Regierung Abe in Japan hat unlängst angekündigt, die geplante Mehrwertsteuererhöhung aufgrund der schwachen Wirtschaftstätigkeit von 2017 auf 2019 zu verschieben. „Nach der für das erste Quartal üblichen Wirtschaftsverlangsamung in den USA scheint sich die Konjunktur seit April wieder aufzuhellen, und auch in Europa bleibt das Wirtschaftswachstum trotz zahlreicher politischer Krisen stabil“, betont Guy Wagner, Chefanlagestratege der Banque de Luxembourg und Geschäftsführer der Kapitalanlagegesellschaft BLI - Banque de Luxembourg Investments. „Gleichzeitig setzt die Europäische Zentralbank das quantitative Lockerungsprogramm wie geplant um.“

Rentenmärkte in Europa trotz niedriger Renditen interessant, weil EZB Negativzinsen noch stärker senken könnte

An den Rentenmärkten Europas gaben die Langfristzinsen im Mai leicht nach. In Deutschland, Italien und Spanien sanken die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen. „In Europa sind die Rentenmärkte trotz niedriger Renditen hauptsächlich deshalb interessant, weil die Negativzinsen, die die EZB einsetzt, im Jahresverlauf möglichweise noch stärker gesenkt werden könnten“, sagt der luxemburgische Ökonom. In den USA blieb der Zehnjahreszins quasi unverändert. „Auf US-amerikanischer Seite erhalten langlaufende Anleihen dank ihrer höheren Renditen ein Restgewinnpotenzial, ohne dass mit negativen Endfälligkeitsrenditen gerechnet werden müsste.“

Investments in Aktien bleiben alternativlos

Abgesehen von den Schwellenländern legten die wichtigsten Aktienindizes im Mai leicht zu. Im Berichtsmonat stiegen der US-amerikanische S&P 500, der europäische Stoxx 600 und der japanische Topix, während der MSCI Emerging Markets (in USD) einbüßte. Guy Wagner: „Da sich das Gewinnwachstum der Unternehmen verlangsamt, dürfte die Hausse an den Aktienmärkten nur anhalten, wenn insbesondere das Bewertungsniveau weiter ansteigt. Weil alternative Anlagemöglichkeiten zu Aktien fehlen, lässt sich ein solcher Anstieg – trotz immer schwächerer Fundamentalfaktoren – nicht ausschließen.“

Mögliche zinspolitische Straffung in den USA drückt auf Euro

Im Mai schwächte der Euro von 1,15 auf 1,11 US-Dollar ab. „Die Kommentare der Federal Reserve, die auf eine baldige zinspolitische Straffung in den USA schließen ließen, drückten auf die europäische Gemeinschaftswährung. Sie nähert sich erneut der Mitte ihres Kurskorridors von 1,05 bis 1,15 US-Dollar.“ (08.06.2016)

 


Wahlen in den USA

Welche Folgen hat das Rennen um das Weiße Haus für Anleger?

  • Volatilität am US-Aktienmarkt dürfte vor den Wahlen zunehmen
  • Stärkere Kursschwankungen bei Gesundheitsaktien möglich
  • Anhaltender Regulierungsdruck auf Banken erwartet

 

Wie beeinflussen die Präsidentschaftswahlen in Amerika die Kurse am US-Aktienmarkt? Je näher der Wahltermin rückt, desto stärker gewinnt diese Frage für Anleger an Bedeutung.

In der Vergangenheit musste der Aktienmarkt im letzten Jahr der zweiten Amtszeit eines Präsidenten regelmäßig Federn lassen. Zudem dürften die Rhetorik und die durch den Wahlkampf geschürte Verunsicherung kurzzeitig Schwankungen an den Märkten auslösen. Aber natürlich sind das keine in Stein gemeißelten Regeln, denn Geschichte wiederholt sich - anders als behauptet - doch nicht immer. Dafür spricht, dass dieser Wahlkampf in vielerlei Hinsicht anders ist: Zunächst einmal kämpft kein Amtsinhaber um den Wiedereinzug in das Weiße Haus, und auch der amtierende Vizepräsident kandidiert nicht um das höchste Amt im Staate. Der Gewinner wird also in jedem Fall neu im Oval Office sein.

Auswirkungen der Wahlen auf unterschiedliche Industriezweige
Aktuell lässt sich nur schwer sagen, welche Branchen und Unternehmen von der Politik des jeweiligen Kandidaten profitieren werden. Vermutlich werden wir klarer sehen, wenn der Wahlkampf in seine entscheidende Phase eintritt. Themen wie Medikamentenpreise, Militärausgaben und die Regulierung der Finanzmärkte dürften dann die Schlagzeilen beherrschen. Ganz allgemein wird zudem darüber spekuliert, welchen Einfluss die Politik der Kandidaten auf das Tempo der Zinsstraffungen durch die US-Notenbank Fed haben könnte.

Medikamentenpreise
Im vergangenen Herbst gerieten die Kurse von Pharma- und Biotech-Aktien unter Druck, nachdem Hillary Clinton die Preistreiberei bei Arzneimitteln angeprangert hatte. Der davon ausgehende Gegenwind könnte anhalten, auf der anderen Seite aber auch für interessante Einstiegsniveaus bei bestimmten Aktien sorgen. Dabei sollte allerdings nicht vergessen werden, dass im Senat die Republikaner das Sagen haben. Und die stehen schärferen Gesetzen zur Senkung der Medikamentenpreise eher ablehnend gegenüber. Wie wenig sie von Gesundheitsreformen halten, machten sie mit ihrem Widerstand gegen „Obamacare“ deutlich, der letztlich zur Verabschiedung einer „Light“-Version des ursprünglichen Reformvorschlags führte.

Was ihren möglichen Kandidaten Donald Trump anbelangt, so sind dessen Aussagen zur Gesundheitspolitik - wie zu vielen anderen Politikbereichen - recht widersprüchlich. Auf seiner Wahlkampftour hat er sich wiederholt für Preisverhandlungen mit den Pharmaunternehmen ausgesprochen. In seinem „7-Punkte-Plan“ ist davon allerdings keine Rede mehr. Trump ist Republikaner durch und durch, weshalb eine umfassende Reform des Gesundheitswesens wenig wahrscheinlich ist. Am ehesten wird die schlechte Publicity während des Wahlkampfs die Pharmabranche wohl dazu veranlassen, sich künftig bei den Medikamentenpreisen „freiwillig“ in größerer Zurückhaltung zu üben.

Militärausgaben
Für reichlich Diskussion im Wahlkampf dürfte auch der Verteidigungshaushalt sorgen. Aber wegen der anhaltenden Bedenken um die Sicherheit rund um den Globus sind umfangreiche Kürzungen nicht zu erwarten. So hat die US-Regierung bereits Pläne vorgelegt, denen zufolge der Verteidigungsetat für Europa 2017 als Reaktion auf die „Aggression Russlands“ vervierfacht werden soll. Statt auf weitere Kürzungen des Militärhaushalts zu drängen, scheinen sich die beiden aussichtsreichsten Kandidaten auf die Forderung nach mehr Transparenz und Effizienz in der US-Armee eingeschossen zu haben.

Regulierung der Finanzmärkte
Mehr als sieben Jahren liegt der Höhepunkt der Finanzkrise nun schon zurück. Trotzdem ist es vielen Banken noch nicht gelungen, ihr Image in der US-Öffentlichkeit wieder zu verbessern. Das macht sie zu einem beliebten Angriffsziel im Wahlkampf. Die meisten Kandidaten sprechen sich für eine strengere Regulierung aus. Der Demokrat Bernie Sanders fordert gar eine Neuauflage des „Glass Steagall Acts“. Dieses Gesetz schreibt eine Trennung von Einlagen- und Kreditgeschäft der Banken vor. Allerdings sind derart weitreichende Reformen angesichts der unter Obama bereits verschärften Regulierung wohl kaum durchsetzbar. Zumal Amerikas Geldhäuser inzwischen deutlich solidere Bilanzen vorweisen können.

Für die Aktienmärkte unangenehmer könnte der aus dem Wahlkampftross immer lauter tönende Ruf nach einer Anhebung des Mindestlohns werden. In der größten Volkswirtschaft der Welt wurde der Mindestlohn landesweit seit 2009 nicht mehr erhöht. Eine Anhebung könnte das Lohnwachstum anfachen und die Fed zu beschleunigten Zinserhöhungen zwingen. Auf der anderen Seite haben Zinsstraffungen in der Vergangenheit stets die Gewinne von Banken und Versicherungen beflügelt.

Angel Agudo, Fondsmanager des Fidelity America Fund, kommentiert: „Angefacht von der politischen Ungewissheit vor den US-Präsidentschaftswahlen könnten die Marktschwankungen zunehmen. Aber ganz gleich, wer die Wahl gewinnt: Mit einem grundlegenden Politikwechsel rechne ich nicht. Mit Blick auf einzelne Branchen sind stärkere Kursschwankungen bei Gesundheitsaktien möglich, sollten die Medikamentenpreise ein zentrales Thema im Wahlkampf bleiben. Für die derzeit im Portfolio befindlichen Gesundheitsaktien bin ich aber nach wie vor optimistisch. Zudem dürften Unternehmen, die neue Medikamente oder medizinische Produkte auf den Markt bringen, ihre Preissetzungsmacht auch künftig behaupten. Auch der Verteidigungssektor steht bei Wahlen stets im Rampenlicht. Aus meiner Sicht wird der Militärhaushalt in diesem Wahlkampf jedoch kein Top-Thema sein. Alles in allem können sich durch kurzzeitige Schwankungen rund um die US-Präsidentschaftswahlen attraktive Kaufgelegenheiten ergeben. Ich werde an meinem Anlageprozess festhalten und mich wie gehabt auf die langfristigen Fundamentaldaten der Unternehmen konzentrieren.“

Aditya Khowala, Fondsmanager des Fidelity American Growth Fund, kommentiert: „Unabhängig davon, wer die Wahl gewinnt, ist meines Erachtens nicht mit einem dramatischen Kurswechsel zu rechnen. Auch künftig wird das Hauptaugenmerk der Wirtschaft gelten, aus der uneinheitliche Signale kommen. Eine Verknappung der Liquidität und sinkende Inflationserwartungen schränken auch künftig den Spielraum der amerikanischen Notenbank für Zinserhöhungen ein. Zudem deutet einiges auf anhaltenden Regulierungsdruck auf die Banken hin. Möglicherweise können gewisse haushaltspolitische Spielräume genutzt werden, um das Wachstum über Infrastrukturprojekte und Verteidigungsausgaben anzukurbeln. Daraus könnte sich die eine oder andere interessante Anlagemöglichkeit ergeben. In den konjunkturempfindlichen Marktbereichen gibt es zweifellos Wertpotenzial. Aber nach wie vor kommt es auf die richtige Titelauswahl an. Ich habe mein Portfolio nach dem Bottom-up-Prinzip Aktie für Aktie aufgebaut. Und die im Fonds enthaltenen Unternehmen dürften von den Wachstumstrends der nächsten Jahre profitieren.“ (10.05.2016)

 


China: Kommt jetzt der Wendepunkt?

Kapitalabflüsse und Renminbi stabilisieren sich. Die Geldpolitik stützt positive Entwicklungen in China. Und die Regierung muss Vertrauen der Anleger wiederherstellen

Die ersten Monate des Jahres waren für den chinesischen Aktienmarkt äußerst volatil. Doch Michael Lai, Fondsmanager des GAM Star China Equity, ist optimistisch, dass Anleger das Schlimmste hinter sich haben: „Wir erwarten eine solide wirtschaftliche Entwicklung für die zweite Jahreshälfte. Der Höhepunkt der Konjunkturabschwächung scheint hinter uns zu liegen.“ Zuletzt hatte China es den Investoren jedoch nicht leicht gemacht: Kaum Wachstum, ein schwächelnder Renminbi, das schlecht kommunizierte Eingreifen der Regierung in Aktien und Devisenmärkte und hohe Kapitalabflüsse. Deshalb schwankte die Stimmung der Anleger von einem Extrem ins andere. „Besonders im Spätherbst waren die Ausschläge groß. Auffällig war vor allem der Pessimismus der Anleger gegenüber zyklischen und Deep-Value-Aktien, die sich nach dem Ausverkauf im Frühjahr jedoch wieder stark erholt haben. Die Erholung spiegelt nach Ansicht Lais nicht nur einen Stimmungsumschwung wider, sondern auch die berechtigte Hoffnung, dass China eine harte Landung vermeiden kann.

Interne und externe Gründe für Optimismus

Neben der Aufhellung der Stimmung beobachtet der Fondsmanager noch weitere positive Entwicklungen: „Zum einen hat die Regierung erkannt, dass die Umstrukturierung der Wirtschaft von Produktion und Export hin zu Dienstleistung und Konsum nicht reibungslos verläuft. Deshalb hat sie sich entschieden, Reformen künftig gründlicher zu planen und umzusetzen. Zum anderen möchte sie das Wachstum stärken und dehnt deshalb das Haushaltsdefizit von zwei auf drei Prozent aus.“

Und neben den internen wirken sich auch externe Einflüsse positiv auf China aus, insbesondere die Politik der drei großen Zentralbanken: „Die Bank of Japan führte den Negativzins ein, die Europäische Zentralbank weitete ihre Lockerungsmaßnahmen weiter aus als gedacht und die Federal Reserve blieb bei ihrer zögerlichen Geldpolitik. Die Gefahr einer weiteren Zinserhöhung scheint damit erst einmal gebannt“, so der Experte. Dies führt laut Lai dazu, dass sich die Mittelabflüsse und der Renminbi stabilisieren. Während vor einigen Monaten noch Kapital von rund 100 Milliarden US-Dollar abfloss, begannen sich die Abflüsse bei 30 Milliarden US-Dollar einzupendeln. Auch die Währung wertete wieder auf und hat unterdessen den Stand von Ende 2015 erreicht. „Zugegeben, auch der schwache US-Dollar hat seinen Teil zu dieser Entwicklung beigetragen. Doch was zählt, ist, dass die Angst vor einer anhaltenden Währungsabwertung abgenommen hat“, sagt Lai.

Ohne das Vertrauen der Anleger geht es nicht

Die Regierung muss ihre Fähigkeit, wirtschaftliche Probleme zu lösen, wiederherstellen – so die Ansicht des Experten. Die verbesserte Stimmung und die wieder anziehende Wirtschaft seien daher nicht nur für chinesische Aktienanleger von großer Bedeutung. „Wir hoffen, dass die Investoren in Zukunft mehr Sicherheit für ihr Handeln haben werden – sofern die Behörden aus dem jüngsten Debakel gelernt haben“, so Lai. „Für uns bedeutet der wirtschaftliche Fortschritt, dass wir unser Engagement in zyklische Titel erhöht haben.“ Insbesondere die ehemals ungeliebten Bereiche Energie, Rohstoffe und Deep Value seien für den Experten interessant. „Vorerst überwiegen jedoch immer noch qualitativ hochwertige Wachstumswerte aus dem IT-, Konsumgüter- und Industriesektor.“ (25.04.2016)


US-Konjunktur verscheucht das globale Rezessionsgespenst

Eine globale Rezession ist aus Sicht der Zürcher Kantonalbank Österreich AG heuer aber un­wahrscheinlich.

Während die Konjunktur in den USA leicht an Fahrt gewinnt, fielen die Kon­junkturdaten der letzten Wochen in der Eurozone gemischt aus. Eine globale Rezession ist aus Sicht der Zürcher Kantonalbank Österreich AG heuer aber un­wahrscheinlich. Vom nachgebenden US-Dollar profitieren vor allem die Akti­enmärkte in den USA und in den Schwellenländern. Da sich der Ölpreis zuletzt deutlich erholt hat, ist ein vorübergehender Anstieg der globalen Inflation in den nächsten Monaten möglich.

Zunehmende Sorgen um die US-Konjunktur führ­ten dazu, dass die Finanzmärkte Anfang des Jahres heftig reagierten. Zuletzt stieg der amerikanische Einkaufsmanagerindex ISM allerdings drei Monate in Folge und die Kon­junktur hellte sich auf - sämtliche Rezessionsängste erweisen sich derzeit also als unbe­gründet. In ihrem aktuellen Kapitalmarktausblick geht die Zürcher Kantonalbank Ös­terreich AG davon aus, dass eine globale Rezession auch im weiteren Jahresverlauf ausbleibt. „Die positive Entwicklung in den USA sollte auch die Eurozone, in der die Konjunkturdynamik wie von uns erwartet zuletzt leicht sank, in den nächsten Monaten wieder beflügeln“, erklärt Christian Nemeth, Mitglied des Vorstandes der Zürcher Kan­tonalbank Österreich AG. Für China rechnet die Bank damit, dass sich das Wachstum weiterhin abschwächt. Die chinesische Regierung geht zwar von einer Jahresverände­rungsrate von 6,5 bis 7 Prozent aus, die Zürcher Kantonalbank Österreich AG hält je­doch eher 6,3 Prozent für wahrscheinlich.

US-Dollar verliert an Boden, Ölpreis erholt sich

Obwohl die Konjunktur in den USA leicht an Fahrt gewinnt, betonte die US-Noten­bank Fed in ihrem jüngsten Ausblick vor allem außerhalb der USA liegende Wachs­tumsrisken. Die Fed erwartet nunmehr lediglich zwei Zinsschritte für 2016 statt der zu­vor in Aussicht gestellten vier, was zu einer entsprechenden Reaktion der Finanzmärkte führte. Der US-Dollar wurde gegenüber allen wichtigen Währungen geschwächt, die Aktienmärkte in den USA und in den Schwellenländern profitierten hingegen. „Wir hatten zuvor bereits mit zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr gerechnet und halten vorerst daran fest. Die Wahrscheinlichkeit, dass lediglich eine Anhebung erfolgt, ist al­lerdings gestiegen“, lautet Nemeths Einschätzung. In der Eurozone folgt die Konjunk­tur jener der USA generell mit zeitlicher Verzögerung, weshalb in den nächsten Wo­chen auch im europäischen Raum wieder mit besseren Daten gerechnet werden darf. Der Rückenwind durch einen schwächeren Euro dürfte jedoch vorerst weggefallen sein.

Die globalen Teuerungsraten befinden sich noch immer auf niedrigen Niveaus. Bei der Kerninflation, also der Teuerung ohne Energie und Nahrungsmittel, lässt sich mit Aus­nahme Chinas jedoch ein leichter Aufwärtstrend erkennen. Weil sich auch der Ölpreis in den vergangenen Wochen deutlich erholt hat, rechnet die Zürcher Kantonalbank Ös­terreich AG damit, dass die Inflation in den nächsten Monaten etwas höher ausfallen wird, als dies die meisten Volkswirte und Zentralbanken erwartet hatten. „Dieses Phä­nomen dürfte aber eher vorübergehender Natur sein, wir gehen aktuell von keinem weiteren signifikanten Ölpreisanstieg aus“, so Nemeth.

Globale Geldpolitik bleibt weiterhin expansiv

„Ein Ende der global expansiven Geldpolitik ist noch nicht in Sicht. „Angesichts der weltweit hohen Schuldenlast und des im Vergleich zu früheren Aufschwungsphasen niedrigen Wirtschaftswachstums haben die Zentralbanken kaum eine andere Wahl“, kommentiert Nemeth. Gepaart mit dem neuen zinspolitischen Ausblick der Fed sind das aus Sicht der Zürcher Kantonalbank Österreich AG gute Nachrichten für Anlagen, die von einer hohen Geldschwemme und einem weniger starken US-Dollar profitieren. Bei der Anlagepolitik bleibt das Haus daher bei der Übergewichtung von Aktien und stockt hier sowohl Nordamerika als auch die Schwellenländer auf, die jetzt neutral ge­wichtet sind. Für Europa und den pazifischen Raum nimmt die Bank die Quoten zu­rück, bleibt in Europa aber übergewichtet. (12.04.2016)


Konjunkturaussichten im Euroraum trüben sich weiter ein

Nachdem beim EU-Außenhandel der Motor bereits stottert, hemmt auch die wenig berauschende globale Konjunktur das Wachstum in der Eurozone.

Ein kurzer Rückblick auf die Finanzmärkte zeigt, dass sich die hohen Schwankungen an den globalen Aktienmärkten im Februar fortsetzten. Leichte Verluste musste der MSCI World hinnehmen, besonders deutlich verlor der japanische Aktienmarkt. Hauptgrund dafür war die kräftige Aufwertung des Yen. Die Indizes der USA und der Schwellenländer schlossen dagegen leicht positiv. Bei den Sektoren ging die Talfahrt der Finanzdienstleister, insbesondere der Banken, weiter. „Die unserer Meinung nach übertriebenen Konjunktursorgen haben dafür gesorgt, dass die Renditen in der zweiten Monatshälfte Februar erneut historische Tiefststände erreicht haben“, erklärt Mag. Christian Nemeth, Vorstandsmitglied der Zürcher Kantonalbank Österreich AG. An der Währungsfront hat sich die Lage teilweise beruhigt.

Globales Wachstum: Weder Beschleunigung, noch Einbruch

In den letzten Wochen wurden die Wachstumsprognosen für alle Weltregionen wiederholt nach unten revidiert. Das Vertrauen in die Maßnahmen der Notenbanken, die Konjunktur anzukurbeln, schwindet. Im Gegensatz zu zahlreichen Marktteilnehmern glaubt die Zürcher Kantonalbank Österreich AG nicht an eine leichte Konjunkturbeschleunigung im nächsten Jahr. „Obwohl der private Konsum weiterhin stützend wirkt, ist in den USA keine erhöhte Nachfrage auszumachen. In der Eurozone werden zudem die derzeit wirkenden positiven Effekte wie ein schwächerer Euro und ein niedriger Erdölpreis an Momentum verlieren“, argumentiert Nemeth. Die Zürcher Kantonalbank Österreich AG glaubt weder an einen Einbruch, noch an eine Beschleunigung des globalen Wachstums 2016 oder 2017 und rechnet mit einem konstanten Weltwirtschaftswachstum von knapp drei Prozent.

Übertriebene Rezessionsängste in den USA

Die US-Konjunkturerholung dürfte sich auch im siebenten Jahr fortsetzen, allmählich zeichnet sich aber auch ein gewisser Lohndruck ab. Konsum und Binnenkonjunktur stuft die Zürcher Kantonalbank Österreich AG als robust ein. Angesichts der Finanzmarktturbulenzen zu Jahresbeginn und der anhaltend volatilen Märkte glaubt Nemeth nicht mehr an einen weiteren Zinsschritt der US-Notenbank Fed vor Anfang Juni.

Aktueller Marktausblick der Zürcher Kantonalbank Österreich AG

Im Euroraum hat sich die Konsumentenstimmung ein wenig eingetrübt. Der Außenhandel ist bereits angeschlagen, die wenig berauschende globale Konjunktur wird das Wachstum in der Eurozone zusätzlich hemmen.

Leichte Abschwächung des Renminbi nicht ausgeschlossen

Die Entwicklung des Renminbi steht seit einiger Zeit im Fokus vieler Investoren. Manche von ihnen befürchten eine Abschwächung, die einen deflationären Schock für die Weltwirtschaft auslösen könnte. Nemeth beruhigt allerdings ein wenig: „Die chinesische Regierung hat weder Absicht noch Interesse an einer starken Abwertung der eigenen Währung. Die verstärkte Ausrichtung an einen größeren Währungskorb ist hier ein erster, wichtiger Schritt.“ Das sinkende Vertrauen in Chinas Wirtschaftspolitik hat jedoch zu massiven Kapitalabflüssen geführt. Die Regierung versucht nun mittels mehrerer Maßnahmen das Vertrauen zurückzugewinnen. Die Zentralbank hält den Renminbi seit einigen Wochen recht stabil, allerdings verbunden mit hohen Interventionen am Devisenmarkt. „In unserem Basisszenario gehen wir von einer leichten Abschwächung des Renminbi vor allem gegenüber dem US-Dollar aus“, so Nemeth. Für Japan rechnen die Experten der Zürcher Kantonalbank Österreich AG mit moderatem Wirtschaftswachstum und weiteren geldpolitischen Lockerungen seitens der Notenbank.

Anlagepolitik: Europa bleibt bei Aktien der Favorit

„Wir halten an unserem moderat positiven Makrobild einer fortschreitenden globalen Konjunkturerholung unverändert fest“, lautet die Einschätzung Nemeths. Die wirtschaftlichen und geopolitischen Risken müsse man zwar durchaus ernst nehmen, dennoch sieht die Zürcher Kantonalbank Österreich AG Chancen auf

den Finanzmärkten. Die Phase erhöhter Volatilität wird aber wohl noch anhalten. Auf der Aktienseite will die Bank Kursschwächen für weitere Aufstockungen nutzen und empfiehlt eine leicht übergewichtete Positionierung auf der Aktienseite. Europäische Titel bleiben weiterhin der regionale Favorit der Zürcher Kantonalbank Österreich AG. „Eine lockere Geldpolitik und die im Vergleich günstige Bewertung sollten die Kursentwicklung unterstützen“, so die Annahme Nemeths. (14.03.2016)


Die Wahrscheinlichkeit einer Krise in den USA liegt unter 5 %

Die Aussichten an den Aktienmärkten sind gedämpft, doch für den wichtigen US-Markt dürften sie sich langfristig wieder aufhellen.

„Global betrachtet deutet vieles auf einen Bärenmarkt hin, und auch US-Titel scheinen ihr Potenzial fürs erste ausgereizt zu haben. Allerdings gibt es wenig Zeichen für eine dauerhafte Eintrübung in den USA“, erklärt Eric Chaney, Head of Research bei AXA Investment Managers. Aktien aus den USA seien jedoch auch nach den jüngsten Abverkäufen weiterhin teuer, und von fundamentaler Seite sei zurzeit ebenfalls mit wenig Unterstützung zu rechnen. Daher hält Chaney eine kurzfristige Untergewichtung amerikanischer Titel in den nächsten drei bis sechs Monaten für gerechtfertigt. Langfristig allerdings rechnet er mit einer Erholung von US-Aktien. „Bei genauerer Betrachtung weisen die Indikatoren nicht auf eine Krise hin. Und auch die amerikanische Notenbank hat gute Gründe, bei der Anhebung des Zinsniveaus behutsamer vorzugehen, als sie es zuletzt in Aussicht gestellt hat“, begründet der Ökonom seine Erwartung.

Globale Aktienmärkte bieten Chancen für taktische Trades

Die jüngste Korrektur am Aktienmarkt sei auf Sorgen um einen Konflikt in der internationalen Geldpolitik und auf eine schwächere Weltkonjunktur zurückzuführen, erläutert Chaney. Daher hat sein Team die globale Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 3,1 auf 2,7 Prozent gesenkt. 2016 könnte damit zum schwächsten Jahr seit 2009 werden. Die globale Nachfrage könne weiterhin nicht mit dem Angebot mithalten, und es sehe auch nicht so aus, als würden die Regierungen in die Bresche springen. „Vor diesem Hintergrund erwarten wir, dass die Aktienmärkte insgesamt weiterhin abwerten“, sagt Chaney. Investoren sollten das aber nicht zum Anlass nehmen, undifferenziert Aktien abzustoßen. „Im Gegenteil haben die Abverkäufe dazu geführt, dass manche Segmente des Aktienmarktes attraktiv erscheinen. Deshalb sind wir bei globalen Aktien kurzfristig sogar übergewichtet“, erläutert er seine Positionierung. Langfristig sieht er dennoch die Voraussetzungen für eine negative Gewichtung gegeben. In der Zwischenzeit gelte es, die anhaltend hohe Volatilität für taktische Trades zu nutzen.

Die Zinsen in den USA dürften langfristig niedrig bleiben

Am US-Markt sehe die Situation allerdings anders aus. „Die Bewertungen in den USA haben in der Vergangenheit ein so hohes Niveau erreicht, dass US-Aktien auch nach der Korrektur noch relativ teuer erscheinen“, so Chaney. Die Kennzahlen aus den produzierenden Sektoren seien weiterhin schwach, der Investitionszyklus habe seinen Höhepunkt erreicht und es sei nicht zu erwarten, dass die Arbeitslosigkeit noch weiter sinken werde. Mit Rückenwind aus der fundamentalen Entwicklung dürften Aktieninvestoren daher nicht rechnen. Gehe man davon aus, dass die Unternehmen ihr Potenzial zum Gewinnwachstum bereits 2015 ausgeschöpft haben, sei mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,5 zu rechnen. „Diese eher hohe Bewertung ist auch auf die Geldpolitik zurückzuführen. Der Markt erwartet, dass die Zinsen auch langfristig eher niedrig bleiben, wodurch zukünftige Gewinne heute an Wert gewinnen“, erklärt Chaney.

Die Fed dürfte Rücksicht auf die Konjunktur nehmen

Zwar deuteten die Einschätzungen der Mitglieder des Federal Open Market Committee (FOMC) darauf hin, dass die US-Notenbank die Leitzinsen bis Ende 2017 um 200 Basispunkte erhöhe. Die Märkte gingen jedoch mit gutem Grund von einer deutlich moderateren Erhöhung von nur 75 Basispunkten aus. „Unter Ben Bernanke hat die Fed gezeigt, dass sie nicht bereit ist, die Fehler von 1930 zu wiederholen, als die zu rigide Geldpolitik die Wirtschaft in die Große Depression gestürzt hat. Anders als in der

Vergangenheit gibt es diesmal gute Gründe, sich eher an der Einschätzung der Märkte zu orientieren“, sagt Chaney. Damit dürfte sich das geldpolitische Umfeld in den USA weniger rigide entwickeln, was auch dem Aktienmarkt zugutekommen werde. Weitere Indikatoren ließen erwarten, dass sich die Bedingungen für US-Aktien mittelfristig wieder verbessern. So liege die Wahrscheinlichkeit einer Krise, gemessen am hauseigenen AXA IM US Financial Stress Indicator, der die Volatilität in verschiedenen Segmenten des US-Marktes sowie die Korrelation über diese Märkte hinweg misst, bei unter fünf Prozent. Die Entwicklung der Zinskurve, des wichtigsten Indikators für die Krisenanfälligkeit der US-Wirtschaft, weise zudem darauf hin, dass die aktuelle Eintrübung eher zyklischer Natur und nicht auf eine mögliche Rezession zurückzuführen sei.

„Der US-Aktienmarkt eilt dem globalen Trend voraus“, fasst Chaney seine Einschätzung zusammen. Während er bei globalen Aktien langfristig untergewichtet ist, hat er US-Titel daher bereits auf „neutral“ heraufgestuft. (08.03.2016)


Verantwortliches Investieren wird zum Muss

Das Interesse der Investoren an verantwortungsbewussten Kapitalanlagen steigt kontinuierlich. „2016 werden sich umweltorientierte, soziale und Governance-Investments von einem Spezialgebiet zu einem Muss entwickeln“, sagt Matt Christensen von AXA Investment Managers (AXA IM).

Die 21. Klimakonferenz in Paris hat ein klares Signal an Unternehmen gesendet, die in den Bereichen Energieerzeugung, Transport, Bau und Industrie tätig sind: Um die Risiken des Klimawandels auf Umwelt und Wirtschaft zu begrenzen, ist ein Wandel erforderlich. Matt Christensen, Global Head of Responsible Investment (RI) bei AXA IM, erwartet, dass sich Investoren immer stärker auf die Investmentmöglichkeiten fokussieren werden, die sich durch den Klimawandel und die damit verbundenen Governance-Implikationen entwickeln.

Drei Themen werden nach Christensen die Entscheidungen von Investoren künftig verstärkt beeinflussen:

1. Die Entwicklung der kohlenstoffintensiven Sektoren könnte langfristig Einfluss auf die Bewertung und die Asset Allocation nehmen. Analysten und Investoren werden den Klimawandel in ihr Research und in ihre Fundamentalanalysen einbeziehen um einschätzen zu können, wie Unternehmen auf diese Herausforderung reagieren.

2. Öffentliche und private Investoren werden nach Möglichkeiten suchen, den Übergang zu einer emissionsarmen Wirtschaft zu finanzieren, indem sie Energieeffizienz und neue Energiequellen unterstützen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und werden die unterschiedlichsten Sektoren, Regionen und Assetklassen beeinflussen.

3. Die Transparenz für Investoren wird sich erhöhen, da der Finanzstabilitätsrat Unternehmen drängen wird, ihre Klimarisiken offenzulegen. Davon werden auch Fundamentalanalysten profitieren. Ihre ESG-Analysen werden belastbarer.

Investoren trennen sich von kohlenstoffintensiven Sektoren

2015 haben eine Reihe bedeutender Anleger ihre Investitionen in kohlenstoffintensive Sektoren abgestoßen. Dem Klimanetzwerk Fossil Free zufolge handelt es sich dabei insgesamt um ein Anlagevolumen von rund 3,4 Billionen Dollar von mehr als 500 Institutionen. Christensen geht davon aus, dass es 2016 noch mehr werden. Allerdings sieht der AXA-IM-Experte solche Veräußerungen nicht als geeignetes Mittel, um Steinkohleunternehmen zu saubereren Technologien zu bewegen, insbesondere wenn sie keine anderen Einnahmequellen haben. Er empfiehlt Investoren, die Einfluss auf das Umweltengagement von Unternehmen nehmen wollen, stattdessen einen Mix von Verkäufen einerseits und gezieltem Engagement andererseits.

Der Markt für Green Bonds wird weiter wachsen

Zum vierten Mal in Folge konnten Green Bonds 2015 Zulassungsrekorde feiern. Das Marktvolumen liegt laut AXA IM nun bei rund 100 Millionen US-Dollar. Bislang seien vor allem überstaatliche Organisationen und staatsnahe Organisationen (Agencies) unter den Emittenten. Green Bonds würden aber zunehmend auch von Unternehmen herausgegeben. Deren Emissionen hätten 2015 rund 45 Prozent des Gesamtangebotes ausgemacht. Gleichzeitig sei die Frequenz der Emissionen deutlich gestiegen, vor allem im Vorfeld der Klimakonferenz. Bis dato sei bei solchen Emissionen der Finanzsektor Vorreiter gewesen. Dieser habe sogar die Energieerzeuger übertroffen, die auf dem Markt erneuerbare Energien refinanzieren wollen. AXA IM rechnet jedoch nun mit einem Anstieg der Emissionen von Unternehmen, da sich auch immer mehr traditionelle Investoren für Green Bonds interessierten, die neben Rendite mehr Diversifikation sowie ökologische Vorteile versprächen.

Trend: Impact Investing

Christensen sieht das Thema in diesem Jahr auch auf den Agenden von Hauptversammlungen ganz vorne. „Für Unternehmen wird es immer schwieriger werden, Umweltrisiken zu rechtfertigen“, sagt der RI-Experte. In Zukunft werde Impact Investing, bei dem Investoren auf die Verwendung ihrer Gelder Einfluss nehmen können, zum Trend werden und zwar nicht nur als alternative Anlageklasse, sondern über alle Assetklassen hinweg. „Es wird in der Finanzindustrie zu einer Kultur der Wirkungsmessung kommen“, meint Christensen. Noch sei der Markt jung, aber das Potenzial von nachhaltiger Geldanlage sei immens, so Christensen: „Responsible Investment wird die Zukunft gestalten.“ (01.03.2016)


Österreich hat Talsohle durchschritten

„Die österreichische Wirtschaft hat die Talsohle durchschritten und wird im ersten Quartal dieses Jahres wieder wachsen“, so Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, bei seinem jüngsten Prognoseausblick in Wien. Zwar habe die österreichische Wirtschaft im vierten Quartal stagniert und dürfe auch für das Jahr 2015 insgesamt deutlich unter dem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum der Europäischen Währungsunion geblieben sein. Doch die wichtigsten Stimmungsindikatoren deuteten ein Ende dieser Phase an.

Weltweit wird die Wirtschaft nach der Prognose der DekaBank weiterhin nur verhalten wachsen: „Für 2016 rechnen wir lediglich mit einem Plus von 3,2 %“, so Kater. Ein stärkeres Wachstum werde es erst wieder ab 2017 geben. „Wir erleben gerade den Abschluss einer Entwicklungsphase der Weltwirtschaft“, erläutert Kater. Insbesondere China und die Schwellenländer hätten zur schwachen weltwirtschaftlichen Entwicklung beigetragen. „Viele Schwellenländer müssen an ihrem Geschäftsmodell arbeiten, nachdem die erste Entwicklungsstufe des Aufbaus von Industrieproduktion nun ausgereizt ist“, kommentiert Kater und betont: „Das wird nicht allen Ländern gelingen“.

Weltweit würden zudem politische Einflussfaktoren an Bedeutung gewinnen. Besonders Europa stehe eine spannende Zeit bevor. „Momentan sehen wir wenig Rückhalt für die aktuelle Politik“, so Kater. Veränderungen in der Parteienlandschaft könnten die weitere wirtschaftliche Entwicklung beeinflussen: „Politische Einflüsse sind aber nur nachhaltig, wenn sie dauerhafte Veränderungen mit sich bringen. Der Ausstieg des Vereinigten Königreiches aus der EU wäre eine solche dauerhafte Veränderung. Hierauf würden die Finanzmärkte mit großer Verunsicherung reagieren.“

Volatile Märkte beherrschen das Jahr 2016

Diese sind derzeit besonders nervös. Der Aktienmarkt in Europa und den USA hat den historisch schwächsten Jahresauftakt verzeichnet. „Das Jahr 2016 wird für die globalen Finanzmärkte sehr nervenaufreibend und schwankungsreich“, so Kater weiter. Schließlich sei es das Jahr, in dem die US-Notenbank die Leitzinsen wieder in mehreren Schritten auf ein höheres Niveau anhebe. „Es ist höchst unsicher, wie die US-Wirtschaft, die Emerging Markets-Volkswirtschaften und die Märkte darauf reagieren“, betont Kater. Hinzu komme ein zweiter Unsicherheitsfaktor: die langsamere Gangart der Weltwirtschaft, die insbesondere aus einer schwächeren Dynamik der Emerging Markets resultiere. Trotzdem bleibt Kater optimistisch: „Wir rechnen damit, dass das globale moderate Wachstum und die schubkräftige Geldpolitik der Notenbanken den Aktienmärkten insbesondere in Europa ausreichend Auftrieb verleihen werden, sodass am Ende dieses Jahres ein Plus resultieren wird - schlechter Jahresanfang hin oder her.“ (10.02.2016)


Das Klima an den Finanzmärkten wird rauer

Janus sieht bei Aktien gute Anlagechancen und rät bei Anleihen zur Vorsicht.

Die US-Notenbank wird im laufenden Jahr mit großer Wahrscheinlichkeit den Leitzins in mehreren Schritten weiter anheben. Vor diesem Hintergrund versprechen Aktien gute Anlagechancen, während bei Anleihen vor allem in den USA die Börsenampeln auf Gelb springen. Zu dieser Einschätzung kommen die Experten des US-amerikanischen Asset-Managers Janus Capital in ihrem Kapitalmarktausblick für das Jahr 2016. „In der Vergangenheit haben sich Aktien in der Mehrzahl der Phasen, in denen die Fed den Leitzins angehoben hat, gut entwickelt“, sagt Enrique Chang, Chief Investment Officer bei Janus und für seinen Kollege Marc Pinto, Portfoliomanager bei Janus, spricht auch das makroökonomische Umfeld für Dividendentitel. „Wenn die Zinsen langsam steigen und dabei die Wirtschaft nur leicht wächst, gleichzeitig die Inflation niedrig ist, hat sich das bislang als generell günstig für Aktien erwiesen - vor allem für Wachstumstitel."

Nach Meinung der Janus-Experten werden vor allem die Aktienmärkte in Europa und Japan vom Anstieg der US-Zinsen profitieren. „Höhere Zinsen und in deren Folge ein stärkerer Dollar kurbeln die Exporte in den Volkswirtschaften dieser Regionen an, was die industrielle Produktion und damit letztlich das Bruttoinlandsprodukt steigert“, prognostiziert Pintos Kollege George Maris. Ihm zufolge könnte die straffere US-Geldpolitik auch psychologischen Effekt für europäische und japanische Unternehmen haben: Aus Sorge, dass sich die Zinsen vor ihrer eigenen Haustüre über kurz oder lang ebenfalls verteuern werden, könnten sie ihre Investitionen hochfahren, um die günstigen Finanzierungskosten zu nutzen.

Auch wenn die Bedingungen für die Aktienmärkte insgesamt gut sind, raten die Janus-Experten den Investoren, bei der Auswahl einzelner Unternehmen auf solide Bilanzen und eine hohe Finanzkraft sowie niedrige Verschuldung zu achten. „Anleger sollten ein Verständnis dafür entwickeln, wie gut ein Unternehmen in der Lage ist, seine Auslandserlöse in Verbindung mit seiner Liquidität und seinen Verbindlichkeiten zu managen“, sagt Janus-Anlageexperte Brian Demain. „Solche Faktoren bekommen in diesem Stadium des Zinszyklus eine größere Bedeutung.“ Und Greg Kolb, Chief Investment Officer bei Perkins Investment Management, einem Tochter-Unternehmen des US-Vermögensverwalters, ergänzt, dass Unternehmen mit gesunder Bilanz eine schwächere Gewinnentwicklung überstehen können, ohne dass ihnen der finanzielle Dispositionsspielraum verloren geht.

Ausdrücklich gehen die Janus-Experten in ihrem Ausblick auch auf das Phänomen der Disruption ein. Sie weisen darauf hin, dass die US-, ebenso wie die Weltwirtschaft nur moderat wachsen, sich gleichzeitig aber das Innovationstempo noch weiter beschleunigt. „Neue Technologien lassen althergebrachte Geschäftsmodelle zusammenbrechen oder zwingen ganze Branchen oder Industriezweige dazu, einen Wandel zu vollziehen“, erklärt Portfoliomanager Demain. „Wir halten Unternehmen, die im Zentrum dieses Prozesses stehen und ihn vorantreiben für eine der besten Möglichkeiten, in Wachstum zu investieren in einem ansonsten von eher wachstumsarmen wirtschaftlichen Umfeld.“

Bei den Emerging Markets gehen die Janus-Experten vor allem auf China und Indien ein. Ihrer Einschätzung zufolge wird China seinen Wandel von einer exportorientierten, industriell geprägten Volkswirtschaft zu einem vom Konsum getrieben Wirtschaftsmodell fortsetzen. „Obwohl der Übergangsprozess noch seine Zeit benötigen wird, trägt der steigende Konsum bereits heute einen erheblichen Teil zum Wirtschaftswachstum des Landes bei“, stellt Carmel Wellso, Researchspezialistin und Portfoliomanagerin bei Janus, heraus. „Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt und die gute Verbraucherkonjunktur letztlich hilft, dass die chinesische Wirtschaft ein ‚hard landing‘ verhindern kann.“

Indien verspricht für die Janus-Experten im laufenden Jahr zu einem der attraktivsten Länder unter den Emerging Markets zu werden. Anders als in vielen anderen Schwellenländer ist die Inflation auf dem Sub-Kontinent gebannt, so dass die Notenbank Spielraum hat, die Zinsen zu lockern, um das Wirtschaftswachstum zu stimulieren. „Wir sind zuversichtlich, dass sich die Impulse der indischen Notenbank zunehmend in der realen Wirtschaft des Landes niederschlagen werden“, gibt Anlageexperte Maris einen Ausblick.

Deutlich vorsichtiger sollten die Investoren auf Empfehlung der Janus-Experten im laufenden Jahr an den Anleihemärkten agieren. „Weniger wegen der steigenden Zinsen in den USA - dies ist längst eingepreist an den Märkten“, sagt Gibson Smith, Chief Investment Officer Fixed Income bei Janus. „Es ist vielmehr das unterschiedliche Wachstumstempo der großen Volkswirtschaften in Kombination mit einem Anstieg der globalen Verschuldung, das Anlass zur Vorsicht gibt.“ Smith und sein Team rechnen damit, dass die US-Wirtschaft wie in den Vorjahren stabil wachsen wird, während sich in Europa und Japan die Phase des geringen Wachstums nahe der Nulllinie fortsetzt. „Das Wachstum einzelner Länder - und damit auch deren Geldpolitik - werden in den kommenden Jahren weiter voneinander abweichen“, warnt Smith. „Die globale Wirtschaft kann das verkraften, aber die Investoren sollten sich auf stark schwankende Erträge einstellen, auch weil die Bewertungen von Risikoanlegen ziemlich ausgereizt ist.“ Ähnlich zurückhaltend beurteilen die Janus-Experten die Situation bei Unternehmensanleihen. „Die niedrigen Zinsen veranlassen viele Firmen, sich über die Ausgabe von Anleihen zu finanzieren und so ihre Verschuldung hochzufahren“, beobachtet Mayur Saigal, Global Head of Fixed Income Risikomanagement. „Der starke Anstieg der Verschuldung, zunehmend engere Anleihe-Spreads und eine Ausweitung der Laufzeiten sind ein Zeichen dafür, dass der Kreditzyklus weit vorangeschritten ist. Dies spricht nach unserer Einschätzung für eine defensive Ausrichtung des Anleihenanteils im Portfolio.“ (20.01.2016)


Besonnenheit bleibt Trumph

Kaum hat das neue Börsenjahr begonnen, schon herrscht, ausgelöst durch den Kurseinbruch in China, helle Aufregung an den Börsen: Am ersten Handelstag verlor der DAX 4,3 % - einen größeren Verlust gab es zuletzt 1988, also vor Beginn der eigentlichen Index-Historie. Eine schnelle Wende nach oben wie im vergangenen Jahr blieb aus, so dass wir nun die schwächste Auftaktwoche der DAX-Geschichte verzeichnen. Erinnerungen an 2008 werden wach, als die lange ignorierte US-Subprime-Krise in eine globale Finanzkrise mündete und Anleger, Notenbanken und Politik in den Abgrund schauten. Die negativen Nachrichten waren nicht wirklich neu, stießen aber bei den Anlegern insofern auf fruchtbaren Boden, als das Grundvertrauen -ablesbar beispielsweise am Sentix-Index - schon zum Jahresende erodiert war. Nun sind die Aktienpositionen bereits Anfang Januar unter Wasser, und die Risikotragfähigkeit vieler Institutioneller kommt auf den Prüfstand. Entsprechend vorsichtig dürften die meisten in den kommenden Monaten agieren. In der Tat belegen historische Vergleiche, dass ein schwacher Auftakt im Mittel bis zum Ende des ersten Quartals nachwirkt.

Fundamentales Umfeld bleibt gesund
Drei Schlagworte treiben die Börsen zurzeit um: China, der Ölpreis und die Fed. Die Neupositionierung Chinas hinterlässt zwangsläufig partielle Bremsspuren, erscheint uns aber unerlässlich für eine Verstetigung der Wirtschaftsentwicklung im Reich der Mitte. Die Ausschläge der dortigen Kasino-Börsen sollten hierzulande nicht überbewertet werden. Auch der Ölpreisverfall bringt eine Neuadjustierung der Weltwirtschaft mit sich. Die sinkende Nachfrage der Erzeugerländer wird jedoch durch eine Stärkung der Binnen-Kaufkraft kompensiert. Und die US-Zinswende erscheint uns als überfälliges Signal einer Normalisierung. Die jüngsten Indikatoren wie der starke US-Arbeitsmarktbericht, aber auch das EWU-Konjunkturklima unterstreichen unsere Zuversicht. In der neuen Woche startet mit Alcoa, Intel und mehreren Großbanken die US-Berichtssaison. Die vorsichtige Haltung der Anleger birgt Potenzial für positive Überraschungen.

Fazit
Unser Jahresmotto „Grund zur Besonnenheit“ erweist schneller als erwartet seine Berechtigung. Mehrere Risiko-Themen werden gleichzeitig diskutiert und dürften zunächst auf der Stimmung lasten. Damit werden aber auch die Erwartungen der Anleger zurecht gestutzt. Die nach unten weisende Marktbreite spricht gegen eine schnelle Wiederaufnahme des Aufwärtstrends, die alles in allem aber positiven konjunkturellen Bedingungen sollten sich aber nach einigen Monaten der
Bodenbildung durchsetzen. (11.01.2016)

Dr. Berndt Fernow, Investmentanalyst


Der geldpolitische Kurs der Fed lässt das Risiko für Aktien steigen

Nach dem geldpolitischen Schwenk, den die US-Notenbank in der vergangenen Woche vollzogen hat, sollten die Investoren über eine strategische Neuausrichtung ihres Portfolios nachdenken. Angesichts der veränderten Rahmenbedingungen erscheint es sinnvoll, dass Engagement in Aktien zugunsten anderer Anlageklassen einschließlich Hochzinsanleihen und Immobilien zu reduzieren. Zu dieser Einschätzung kommt das Multi-Asset Research-Team von Source, einem der führenden europäischen Anbieter von Exchange Traded Funds.

„In den vergangenen drei Monaten haben Aktien eine solide Performance hingelegt“, erklärt Paul Jackson, Managing Director und Head of Multi-Asset Research bei Source. „Jetzt ist jedoch das Risiko gestiegen, dass die Fed mit ihrer geldpolitischen Straffung einen Fehler macht. Wir bevorzugen weiterhin aktienähnliche Anlagen, reduzieren jedoch ihre Gesamtgewichtung in unserem Allokationsmodell. Gleichzeitig sind wir der Ansicht, dass es sich lohnt, die regionalen Schwerpunkte der Aktienengagements zu verschieben und insbesondere das Engagement in den USA, Großbritannien und den Schwellenländern zu reduzieren.“ Weiterhin äußerst positiv sehen die Source-Experten Aktien aus Japan und der Eurozone. Allerdings empfehlen sie in der jüngsten Ausgabe ihres Quartalsberichts The Big Picture, dass Anleger von außerhalb der Eurozone dabei ihr Währungsrisiko absichern sollten.

In dem Bericht gehen sie ebenfalls auf die attraktiven Renditen im Hochzinssegment des Anleihemarkts ein. Dabei sehen sie in diesem Bereich die besten Chancen in den USA, wo die Renditen im Hochzinssegment derzeit bei durchschnittlich 8,3 Prozent liegen. Diese vergleichsweise beeindruckenden Renditen spiegeln das erhöhte Ausfallrisiko wider, das sich vor allem auf den Energiesektor bezieht, nachdem die Rohstoffpreise so stark gefallen sind. Angesichts der Möglichkeit weiterer Zinserhöhungen in den USA raten die Source-Experten den Anlegern, sich auf das kurze Ende der Laufzeitkurve zu konzentrieren, das in der Regel weniger empfindlich gegenüber Zinsänderungen ist.
„Der Beschluss der Fed, die Zinsen zu erhöhen, war für die wenigsten überraschend. Doch wie von uns jüngst in unseren wöchentlichen Veröffentlichungen hervorgehoben, kommt dieser Schritt der Fed zu einem Zeitpunkt, an dem einige Wirtschaftsdaten eher für eine geldpolitische Lockerung sprechen.“, so Jackson weiter. „Speziell das verarbeitende Gewerbe in den USA, zeigt nach sechs Jahren Wirtschaftswachstum in der weltgrößten Volkswirtschaft erste Anzeichen von Schwäche. Allerdings entwickeln sich andere Bereiche, wie etwa der Dienstleistungssektor weiterhin vergleichsweise stark.“

Die Fed hat im Zuge der jüngsten Leitzinsanhebung ihren Willen bekräftigt, ihre Geldpolitik nach einer ultralockeren Phase in den vergangenen sieben Jahren wieder auf einen normalen Kurs bringen zu wollen. „Wir gehen davon aus, dass die Fed ihre Zinsen im Jahr 2016 möglicherweise noch drei weitere Male erhöhen wird. Doch die Schwäche im verarbeitenden Gewerbe macht die Risiken einer solchen Entscheidung für den Aktienmarkt deutlich. Die Anleger müssen abwarten und sollten genau beobachten, wie sich die Straffung auf die US-Wirtschaft auswirkt.“ (21.12.2016)

Source UK Services Limited ist in Großbritannien durch die Financial Conduct Authority zugelassen und reguliert.


Enzo Puntillo, Head of Fixed Income bei GAM in Zürich, sieht gute Gründe für eine Zinserhöhung in den USA

Es ist Zeit für einen Zinsschritt in den USA. Diese Ansicht vertritt Enzo Puntillo, Head of Fixed Income beim Asset Manager GAM in Zürich: „Das Quantitative Easing und die Nullzinspolitik in den USA haben ihre Schuldigkeit getan. Inzwischen ist kein zusätzlicher Nutzen beider Instrumente mehr erkennbar. Die Fed sollte daher aufhören, der US-Wirtschaft Schmerzmittel zu verabreichen und stattdessen auf etwas Anregenderes setzen.“ Eine Zinserhöhung im Dezember ist dann auch sehr wahrscheinlich. Nach der Veröffentlichung des letzten Fed-Protokolls sei an den Märkten eine Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt von zwei Dritteln eingepreist.

Zinserhöhung dämpft Wirtschaftswachstum nicht zwingend
Zwar sei die Konjunktur in den USA derzeit nicht besonders stark - weder absolut betrachtet noch im Vergleich mit früheren Konjunkturzyklen, erläutert der Experte. Strukturell hänge dies mit dem niedrigeren demographisch bedingten Wachstum und der geringeren Produktivität zusammen. Auf kürzere Sicht entstünde Gegenwind für die Wirtschaft durch die zurückhaltenden Investitionen im Ölsektor, das nachlassende Wachstum der Weltwirtschaft und den starken US-Dollar.

Doch auch vor diesem Hintergrund müsse eine Zinserhöhung das Wirtschaftswachstum nicht unbedingt dämpfen, argumentiert Puntillo. Er empfiehlt, einen oft vernachlässigten Wirtschaftsfaktor in die Betrachtung einzubeziehen: das Zinseinkommen der Privathaushalte. „Wenn man sich den vorigen Zinserhöhungszyklus der Fed anschaut, sieht man, dass dieser zu einem Anstieg der Haushaltseinkommen um 4 bis 4,5 Prozent geführt hat.“ Zwar sei es unwahrscheinlich, dass die Zinsen im aktuellen Zyklus auf ein ähnlich hohes Niveau steigen könnten, so Puntillo weiter. Dennoch würden höhere Zinsen die Haushaltseinkommen erhöhen, ohne dass sich dadurch die Schulden zu stark verteuerten. Insgesamt könne dieser Effekt das Wachstum stützen.

Die geldpolitische Straffung hat längst begonnen
Darüber hinaus müsse man zwischen dem ersten Zinsschritt der Notenbank und dem Beginn der geldpolitischen Straffung unterscheiden, so Puntillo weiter. Die Reaktion der Märkte auf eine Änderung der Geldpolitik erfolge üblicherweise nicht erst zum Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung, sondern bereits nach deren Ankündigung. „Diesmal hat die Straffung bereits im Jahr 2013 begonnen – und zwar mit der Ankündigung des Tapering im Jahr 2013“, so Puntillo. „Zu dieser Zeit fand bereits eine Anpassung der Terminzinsen um ein bis zwei Prozentpunkte statt.“

In der Vergangenheit habe die erste Zinserhöhung durch die Fed jedoch häufig dazu geführt, dass der US-Dollar an Stärke eingebüßt habe. „Ob der Dollar-Wechselkurs allerdings auch diesmal sinken wird, ist fraglich, denn andere Zentralbanken werden voraussichtlich noch eine Weile brauchen, bis sie die Zinsen anheben.“ (23.11.2015)

 


Wahlsieg der AKP ist positiv für die Finanzmärkte

Erdinc Benli, Co-Head des Global Emerging Markets Equities Team bei GAM, sieht in dem Ergebnis ein Signal für Investoren, sich nach einer langen Phase der politischen Unsicherheit wieder auf Fundamentaldaten türkischer Unternehmen konzentrieren zu können. Denn nachdem die türkische Regierungspartei AKP bei den Wahlen im Juni ihre absolute Mehrheit verloren hatte, ging sie das Risiko von Neuwahlen ein - und wurde mit einem klaren Wahlsieg belohnt. Investoren können davon profitieren, meint Benli. „Dieses Ergebnis ist unerwartet, aber positiv für die Finanzmärkte. Die politische Unsicherheit, die mit der Pattsituation im Parlament verbunden war, hatte zuletzt den Aktienmarkt und die türkische Währung belastet.“

Dem vorläufigen Ergebnis zufolge hat die AKP bei den Wahlen knapp 50 % der Stimmen im Parlament gewonnen. Darüber hinaus hat auch die prokurdische Partei HDP die Zehn-Prozent-Hürde genommen und ist somit im Parlament vertreten. Benli hält dies für positiv: „Dadurch sinkt das Risiko innenpolitischer Konflikte. Das ist genau, was die Wähler wollen: Frieden, Stabilität und eine starke Regierung, die wirtschaftliche Prosperität ermöglicht.“

Aus Investorensicht werde wichtig sein, wer für die wichtigen Ministerposten nominiert werde. Dies sei zentral, um Vertrauen zurückzugewinnen und die dringend nötigen strukturellen Reformen anzugehen, um die türkische Wirtschaft weiterzuentwickeln. „Insgesamt ist der Wahlausgang aber positiv für den türkischen Aktienmarkt. Dies dürfte kurzfristig für eine Erleichterungsrallye sorgen, auch über den heutigen Tag hinaus“, erklärt Benli.

Zuletzt hätten sich die Kurse türkischer Aktien - in US-Dollar gerechnet - auf Mehrjahrestiefs bewegt. Investoren hätten ihre Engagements in der Türkei zuletzt zurückgefahren. „Insbesondere der Banken- und der Immobiliensektor könnten von der guten Stimmung profitieren. Doch auch regierungsnahe Unternehmen, die zuletzt besonders gelitten hatten, könnten sich besser entwickeln als der Markt.“ (03.11.2015)


Europäische und US-amerikanische Aktien aus zyklischen Branchen haben Kurspotential

Aktien aus zyklischen Branchen bieten nach den Kurskorrekturen der vergangenen Wochen gute Einstiegschancen. Zu dieser Einschätzung kommen die Research-Experten von Source, einem der größten Anbieter von börsengehandelten Produkten (ETPs) in Europa. "Unserer Analyse zufolge sind einige zyklische Aktiensektoren in den USA und Europa nach der Underperformance der Aktienmärkte in den letzten Monaten sehr gut positioniert für eine Erholung bis Jahresende", sagt Paul Jackson, Head of Multi-Asset Research bei Source.
 
In der neueste Ausgabe des Source Sector Selector analysieren die Source-Experten die Gründe für die aktuelle Schwäche an den Aktienmärkten. Sie sehen diese in der Sorge der Investoren über das globale Wirtschaftswachstum begründet. Insbesondere gebe es Befürchtungen, dass sich das Wirtschaftswachstum in China deutlich verlangsamen könnte. Diese Ängste hält Jackson jedoch für unbegründet. "Das globale Wachstum ist trotz der Konjunkturverlangsamung in China ausreichend hoch. Wir rechnen daher damit, dass sich Aktien, Immobilien und hochverzinsliche Unternehmensanleihen in den kommenden Monaten besser entwickeln werden als Staats- und Investment Grade-Anleihen", so der Source-Experte. „Dazu kommt, dass die Bewertungen von US-Aktien unserer Einschätzung nach mit anderen Maßstäben zu messen sind als europäische Aktien. In den USA konzentrieren wir uns vor allem auf das Kurs-Cashflow-Verhältnis, bei europäischen Aktien hingegen auf die Dividendenerträge."
 
Dabei sind derzeit vor allem europäische Dividendentitel günstig bewertet. Jackson Prozent pro Jahr um die derzeitigen Aktienbewertungen zu rechtfertigen. "Insgesamt gehören defensive Sektoren zurzeit zu den teuersten, während Banken und ressourcenbezogene Sektoren sowohl in den USA als auch in Europa zu den preisgünstigsten zählen", erläutert Jackson die Ergebnisse der Source-Analyse . "Der Energieversorgungssektor, eine klassische defensive Allokation, ist außerdem in Europa mit einer Nettoverschuldung von 3,2 relativ zum EBITDA die am stärksten fremdkapitalfinanzierte Branche."
 
Die Source-Analysten empfehlen Investoren, zyklische Konsumgüter in den USA, europäische Medienunternehmen sowie Unternehmen aus Industriegüter und -dienstleistungsbereichen aus beiden Regionen stärker in Betracht zu ziehen. "Außerdem sind wir weiterhin von US-amerikanischen und europäischen Finanzwerten überzeugt, denn ihre Bewertungen und die Kursdynamik sind äußerst attraktiv", so Jackson. Eine Ausnahme bildet jedoch der Finanzdienstleistungssektor in den USA, wo die Bewertungen und die Rentabilität vieler Institute die Source-Experten weniger überzeugen. "Auch bei Grundstoffen sind wir nicht sehr enthusiastisch", schränkt Jackson ein, "denn uns fehlt die Überzeugung, dass der Rohstoff-Superzyklus bereits die Talsohle erreicht hat.“
Source UK Services Limited ist eine in Großbritannien von der Financial Conduct Authority zugelassene und regulierte Gesellschaft. (19.10.2016)


Zinserhöhungen treiben historisch gesehen die Aktienkurse

Die hohe Volatilität an den Kapitalmärkten veranlasst derzeit viele Anleger zu Vorsicht. Dies ist umso erstaunlicher, als dass die globale Wirtschaft ein unvermindert moderates Wachstum aufweist. Vor diesem Hintergrund ist eine wahrscheinliche Zinserhöhung durch die US-Notenbank (Fed) eventuell als weniger besorgniserregend einzustufen, als dies viele Anleger annehmen. Dies sind einige der Einschätzungen, die im neuesten, vierteljährlich erscheinenden Bericht des Multi-Asset-Research-Teams von Source, einem der größten Anbieter von Exchange Traded Products (ETPs) in Europa, hervorgehoben werden.

Paul Jackson, Head of Multi-Asset Research bei Source, meint hierzu: „Wir machen uns keine allzu großen Sorgen über die Zinserhöhung durch die Fed, die unseres Erachtens wahrscheinlich zum Jahresende erfolgen wird. Vielmehr zeigen unsere Analysen, dass die Aktienmärkte in Zinsstraffungszyklen der Fed in der Regel gut abschneiden - insbesondere im Vergleich zu Staatsanleihen und Anleihen mit Investment-Grade-Rating. Mehr Sorgen würde uns dagegen eine dramatische Abkühlung der globalen Wirtschaft bereiten, was die gegenwärtigen Daten indes nicht vermuten lassen.“

Der Source-Experte ist der Auffassung, dass die Bedenken über eine Wirtschaftsabkühlung in China übertrieben sind. Denn die zunehmende Verschuldung des Landes ist eigenfinanziert und ein Großteil der Bankkredite wird durch Einlagen gedeckt. Darüber hinaus verfügt die Zentralbank Chinas über ein breites geldpolitisches Instrumentarium, das ihr nach wie vor eine Reihe von Optionen bietet. Allerdings gesteht Jackson ein, dass das Wirtschaftswachstum in China nachlässt, was sich seiner Meinung nach jedoch stärker an den Rohstoffmärkten als an den globalen Aktien- und anderen Märkten für Risikoanlagen bemerkbar machen dürfte.

Der Bericht hebt die Aussichten für die Aktienmärkte in der Eurozone und Japan hervor, deren Binnenwirtschaften sich im Gegensatz zu den im Zyklus viel weiter fortgeschrittenen Volkswirtschaften der USA und Großbritanniens erst in der Anfangsphase der wirtschaftlichen Expansion befinden. Darüber hinaus kommt der Bericht zu dem Schluss, dass im Bereich der festverzinslichen Anlagen Schwellenländeranleihen auf Sicht der kommenden zwölf Monate die attraktivsten Gesamtrenditen bieten dürften, obgleich ihre Währungen gegenüber dem US-Dollar an Wert verlieren könnten. Da einige der maßgeblichen Volkswirtschaften unter den Schwellenländern derzeit eine Rezession durchlaufen, befindet sich die Weltwirtschaft in einem Umfeld, in dem die Anleihemärkte profitieren sollten. (29.09.2015)


Moderate Erholung der Weltwirtschaft, gemischtes Bild in den nordischen Ländern

Die Weltwirtschaft erholt sich, allerdings langsamer als erwartet, berücksichtigt man die weltweit extrem lockere Geldpolitik und die Halbierung des Ölpreises seit Sommer vergangenen Jahres. Das weltweite Wirtschaftswachstum setzt sich nur mit moderater Geschwindigkeit fort: Für dieses Jahr rechnet Nordea mit einer Zunahme des globalen Bruttoinlandsproduktes um 3,1 Prozent und mit einen weiteren Anstieg um 3,5 Prozent 2016. Die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen wirken sich auch auf die Wachstumsaussichten der nordischen Volkswirtschaften aus.

Die Volkswirtschaften der nordischen Länder Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen, die stark vom Welthandel abhängig sind, präsentieren sich mit einem gemischten Bild. „Schwedens Wirtschaft hat klar die Führungsrolle übernommen, mit hohem Wachstum und steigender Beschäftigung. Dänemark ist der Übergang in eine stabile Erholungsphase gelungen, wenn auch mit etwas geringerem Wachstumstempo“, sagt Helge J. Pedersen, Chefvolkswirt von Nordea. „Norwegens Wirtschaft steht aufgrund des Ölpreisverfalls nicht mehr voll unter Dampf, während Finnland durch geringere Binnennachfrage und die Schwäche der russischen Wirtschaft hinter die anderen nordischen Länder zurückfällt“, so Pedersen weiter. „Alles in allem müssen die nordischen Volkswirtschaften einen herausfordernden Kurs bewältigen.“

„Insgesamt erwarten wir für die nordische Region Europas ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent in diesem Jahr, das sich im kommenden Jahr auf 1,9 Prozent beschleunigen dürfte“, sagt Pedersen. Vor allem Schweden entwickelt sich gut, aber auch Dänemarks Wirtschaft ist mittlerweile in deutlich besserer Verfassung als noch vor wenigen Jahren. „Der starke Ölpreisverfall bedeutet jedoch, dass vor Norwegen einige wirtschaftlich schwächere Jahre liegen“, so Pedersen weiter. „Und auch für Finnland sehen wir derzeit keine Anzeichen einer kräftigen Erholung der Wirtschaft.“

Schwedens Wirtschaft konnte in den vergangenen Jahren aufgrund der kräftigen Inlandsnachfrage um gut 2,5 Prozent wachsen. Vieles spricht dafür, dass das schwedische Bruttoinlandsprodukt sowohl 2015 als auch 2016 um 3 Prozent ansteigen wird. Auf längere Sicht dürfte sich das Wachstum etwas abschwächen, da sich auch die Rahmenbedingungen für weitere wirtschaftliche Expansion verändern. Private und staatliche Nachfrage sowie Investitionen sind die wichtigsten Wachstumstreiber in Schweden.

In Norwegen wirkt sich der Ölpreisverfall auf die wichtigsten inländischen Wirtschaftsindikatoren aus. „Wir erwarten, dass die Dynamik in der Öl-Service-Industrie in den kommenden Jahren weiter abnimmt“, sagt Pedersen. Das dürfte sich auch in den Wachstumsraten der kommenden Jahre niederschlagen: In den nächsten Jahren rechnet Nordea mit einem Wachstum der norwegischen Binnenwirtschaft von rund 1,5 Prozent.

Die wirtschaftliche Aktivität Dänemarks verbessert sich allmählich und schafft so die Basis für eine selbsttragende wirtschaftliche Erholung. Vor diesem Hintergrund geht Nordea von einem Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent in diesem und von 2,0 Prozent im kommenden Jahr aus. Ein Anstieg der Beschäftigung und höhere Immobilienpreise sorgen zudem für ordentliches Wachstum des privaten Konsums.

In Finnland bleiben die Erwartungen für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts sehr vorsichtig. Es zeichnet sich keine starke Erholung der Exporte ab, weil Finnland vor allem Zwischenprodukte und Investitionsgüter herstellt, während der aktuelle weltweite Aufschwung vor allem von der Konsumgüternachfrage getragen wird. (4.9.2015)


Wir erleben eine Korrektur, nicht den Start eines Bärenmarkts

"Die Schwankungen an den Aktienmärkten dürften zunehmen - ehrlich gesagt waren sie in den vergangen 12 Monaten auch fast zu niedrig. Solange die US-Wirtschaft stabil bleibt, dürfte die Welt aber nicht in eine Rezession rutschen. Trotz der zunehmenden Marktschwankungen sprechen Unternehmensdaten und globales Umfeld weiter für Aktien. Was wir sehen, ist eine Korrektur und nicht der Start eines Bärenmarkts.

Für den Kurssturz am chinesischen Markt sind mehrere Faktoren verantwortlich. Einerseits mehren sich die Zeichen für eine Wachstumsabkühlung. Etliche Indikatoren wie der Autoabsatz, Stromverbrauch und Einkaufsmanagerindex bewegen sich im negativen Terrain. Andere Indikatoren wie die Einzelhandelsumsätze und die Kreditvergabe wachsen langsamer. Auch der Reformmotor ist ins Stottern geraten. Beim Umbau der Staatsbetriebe scheint der Eifer für Privatisierung und für mehr Wettbewerb zu erlahmen und einer Konsolidierung von Wirtschaftszweigen Platz zu machen. Als Herzstück der Reform sollte den Marktkräften eine größere Rolle zugebilligt werden. Diesen Grundsatz scheint man in den letzten Wochen fallen zu lassen zugunsten verstärkter Eingriffe in den Markt. Trotzdem gehe ich davon aus, dass wir es in China mit einer Abkühlung und nicht mit einem Einbruch zu tun haben. Denn auch wenn die Reformen aktuell etwas stocken, werden sie fortgesetzt. So birgt das ehrgeizige Vorhaben der 'neuen Seidenstraße' interessante Möglichkeiten. Und die Abwertung des Renminbi ist Ausdruck einer Öffnung des Kapitalverkehrs. Eine Panikreaktion auf die Wirtschaftsentwicklung sehe ich darin nicht. Weitere Lockerungsmaßnahmen wie die Senkung des Leitzinses und der Mindestreservequote sind wahrscheinlich. Sie dürften der Wirtschaft und den Aktienmärkten helfen.

China bleibt ein Risiko, auch für den japanischen Aktienmarkt. Aktuell ist der japanische Aktienmarkt in einer zwischenzeitlichen Konsolidierungsphase. Insgesamt ist er allerdings aufgrund seiner günstigen Bewertungen und des positiven Ausblicks für das Gewinnwachstum der Unternehmen im Vergleich zu den übrigen entwickelten Märkten gut aufgestellt. Zudem sind die japanischen Unternehmen dabei, ihre Corporate Governance – lange ein Schwachpunkt Japans – zu verbessern. Ich gehe zudem davon aus, dass der Finanzsektor in Japan sich im Zuge der Zinserhöhung in den USA gut entwickelt.

Der deutsche Aktienmarkt ist in den vergangenen drei Monaten stärker abgestraft worden als der europäische Gesamtmarkt, die deutschen Aktien sind in meinen Augen nun überverkauft. Beim Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt der Dax unter dem europäischen Durchschnitt. Das ist nicht gerechtfertigt. Dabei muss man berücksichtigen, dass nur rund 10 - 15 % der Erträge deutscher Unternehmen aus China kommen. Zudem sind nicht alle Exportgüter, die von Investitionsgütern bis hin zu Luxusartikeln reichen, von einer Wachstumsabkühlung gleich stark betroffen. Insgesamt gehe ich davon aus, dass die Gewinne deutscher Unternehmen in diesem Jahr um 7 bis 10 % steigen werden. Tatsächlich haben die meisten Unternehmen mit ihren Gewinnausblicken im zweiten Quartal positiv überrascht. Unterstützt wird dieser Ausblick auch von einem der wichtigsten Indikatoren, dem Einkaufsmanagerindex, der weiter von globalem Wachstum ausgeht." (24.8.2015)


Eine Analyse von US-Vermögensverwalter Janus Capital

Hohe Volatilität an den Finanzmärkten wird auch die zweite Hälfte des laufenden Börsenjahres prägen. Dabei drohen die starken Kursschwankungen der vergangenen Monate von den Anleihe- und Devisenmärkten auf die Aktienmärkte überzuschwappen. Auslöser dafür sind steigende Unsicherheiten etwa in Zusammenhang mit der Wachstumsverlangsamung in China, neue Preisturbulenzen auf dem Ölmarkt oder steigende geopolitische Risiken. Zu dieser Einschätzung kommen die Experten des US-amerikanischen Asset Managers Janus Capital in ihrem Ausblick auf das verbleibende Börsenjahr. "Das immer noch laufende geldpolitische Experiment der Notenbanken wird entweder so ausgehen, dass sich die Weltwirtschaft real erholen wird", sagt Myron S. Scholes, Chief Investment Strategist bei Janus, "oder aber es wird nicht gelingen nachhaltiges Wachstum zu erzeugen. Dann drohen die fiskalischen Ungleichgewichte so groß zu werden, dass die großen Volkswirtschaften Jahre benötigen werden, um den Schuldenüberhang abzubauen." "Wir kommen in eine Phase, in der sich das Anlagerisiko definitiv erhöht hat", ergänzt Janus-Kollege Ashwin Alankar, Global Head of Asset-Allocation & Risk Management. Seiner Beobachtung zufolge waren viele institutionelle und private Anleger in den vergangenen Jahren in Aktien unterinvestiert - was die Märkte gestützt hat. "Doch das hat sich geändert. Die Wahrscheinlichkeit einer deutlichen Korrektur ist daher stark gestiegen“, warnt der Portfolio-Manager.Auch in einem Umfeld eines moderaten globalen Wirtschaftswachstums gibt es allerdings nach Ansicht der Janus-Experten weiterhin gute Anlagemöglichkeiten an einzelnen Aktienmärkten oder in ausgesuchten Branchen. "Eine ganze Reihe multinationaler Konzerne wird aufgrund der Kursverschiebungen an den Devisenmärkten deutlich wettbewerbsfähiger", nennt Carmel Wellso, Director of Research und Portfolio-Managerin bei Janus, ein Beispiel. "Auf der anderen Seite haben einige Regierungen vor dem Hintergrund des anhaltenden schwachen Wachstums in ihrer Volkswirtschaft erhebliche Strukturreformen eingeleitet, deren positive Effekte sich nun zu zeigen beginnen. Das führt dazu, dass sich das wirtschaftliche Klima in diesen Ländern erheblich verbessert.“ Unter diesem Blickwinkel schätzen die Janus-Experten vor allem Japan, Italien und Indien als besonders chancenreich ein. "Die Strukturveränderungen in diesen Ländern lassen eine Reihe von Aktien so attraktiv erscheinen, wie ich es in meiner rund 20jährigen Zeit als Investor noch nicht erlebt habe", sagt Wellso. "Das moderate Wirtschaftstempo wird im Ergebnis zu geringem Wachstum beim Durchschnitt aller Unternehmen führen“, sagt Portfolio-Manager Brian Demain, „Aber auf individueller Ebene ist die Differenz zwischen wachstumsstarken und wachstumsschwachen Firmen so groß wie nie. Der Schlüssel zum Erfolg ist also, sich auf die Outperformer zu konzentrieren und nicht auf den Durchschnitt.“ Als aussichtsreich gilt dabei nach Ansicht des Janus-Experten der Technologiebereich. "Im IT-Sektor profitieren die Hersteller der technischen Infrastruktur und Endgeräte, dass unsere Welt immer mehr vernetzt wird und das Sammeln und die Analyse von Daten für Unternehmen aller Branchen immer wichtiger wird. Firmen im Biotechnologie- und Pharmaziebereich können dagegen aufgrund ihrer laufenden Forschungserfolge mit einem Produktivitätsschub rechnen." "Ein besseres Verständnis von den genetischen Zusammenhängen vieler Krankheiten ist ein wichtiger Katalysator für Innovation im Gesundheitssektor“, ergänzt sein Kollege Andy Acker. "Aber das ist der Anfang. Wir sind überzeugt davon, dass das Innovationstempo weiterhin hoch bleibt und die Gesundheitsbranche Anlegern mit die besten Wachstumschancen bietet, die derzeit am Aktienmarkt zu finden sind.“Nach Einschätzung der Janus-Experten bieten sich jedoch auf längere Sicht auch in Traditionsbranchen Einstiegschancen. "Im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld sinken die Möglichkeiten für weiteres Umsatzwachstum. Das sorgt für Druck auf das Management vieler Unternehmen, Strukturanpassungen vorzunehmen und so Shareholder-Value zu schaffen“, sagt Portfolio-Manager Daniel Kozlowski. "Einige Beispiele dafür gibt es bereits - etwa indem Nicht-Kernaktivitäten verkauft, Unternehmensteile abgespalten und an die Börse gebracht oder aber Geschäft zugekauft wurde, um so die Konsolidierung in der Branche voranzutreiben.“ (10.8.2015)


Europäischer Pharmasektor mit guten Wachstumsaussichten

Aktien aus dem Euroraum haben in diesem Jahr bis dato die beste Wertentwicklung unter den international führenden Aktienmärkten erzielt. Das ist angesichts des geringen Wachstums in Europa beeindruckend. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 16 ist die Region nun allerdings nicht mehr günstiger als andere sondern liegt auf Augenhöhe mit den weltweiten Durchschnittswerten. Von diesem allgemeinen Marktanstieg haben viele Anleger profitiert und schnellen Gewinn gemacht. Ich bin mir aber sicher, dass wahllose Kaufentscheidungen nicht von Dauer sein werden - also Käufe, die weder Risiko und Bilanzen noch Wachstumspotenzial oder Qualität der Unternehmensführung berücksichtigen.Was bedeutet das für meine Titelauswahl? Grundsätzlich wähle ich Aktien von Unternehmen, die von innen heraus wachsen können und dadurch in gewisser Weise unabhängig vom allgemeinen Wirtschaftsumfeld sind. Am stärksten übergewichtet ist aktuell der Pharmasektor mit Titeln wie Bayer, Roche, Novartis und Sanofi. Sie verfügen über hohes Wachstumspotenzial, das sich nicht in ihren Bewertungen widerspiegelt. Die Pharmatitel zeichnen sich durch interessante Produkt-Pipelines aus, die auf Jahre hinaus für absehbare Gewinne sorgen. Getragen werden sie auch von starken zugrunde liegenden Rahmenbedingungen wie der Alterung der Gesellschaft, der frühzeitigen und besseren Diagnose und Behandlung von Erkrankungen sowie einer besseren Gesundheitsversorgung in den Schwellenländern.Skeptisch bin ich bei Basiskonsumgütern. Viele Aktien aus der Branche sind mit einem durchschnittlichen KGV von 21,5 überteuert. Gleichzeitig sind die Gewinnaussichten im niedrigen einstelligen Bereich äußerst bescheiden. Sorgen bereitet mir auch das langsamere Umsatzwachstum in den Schwellenländern. Ihr Anteil am Gesamtumsatz ist bei vielen Branchenakteuren hoch und wird Spuren beim Umsatzwachstum hinterlassen. Auch bei Investitionsgütern und Werkstoffen halte ich mich eher zurück. Ihre Aktien scheinen mir angesichts der fehlenden Preissetzungsmacht in den beiden Branchen relativ teuer. Auch die Kapazitätsauslastung ist insgesamt eher suboptimal, und aktuell verspüren die Unternehmen wenig Druck zu investieren.

Finanzwerte habe ich kürzlich von untergewichtet auf neutral angehoben. Hierbei handelt es sich häufig um Aktien mit hohem Beta, also um Titel, die größeren Schwankungen unterliegen als der Gesamtmarkt. Hinzu kommt, dass ich nach den aktuellen Ereignissen in Griechenland keine massiven Rückschläge für europäische Banken und Versicherer erwarte.

Was einzelne Titel betrifft, ist Ryanair nach wie vor mein Top-Favorit und die größte Position im Fonds. Die Aktie hat sich seit etwa einem Jahr unverändert stark entwickelt. Dank der niedrigen Kostenbasis profitiert Ryanair mit am stärksten vom strukturellen Wachstum von Billigfliegern. Der Schlüssel zum Potenzial des Unternehmens liegt in seiner Preissetzungsmacht, die auf Flexibilität und Kostenkontrolle beruht. So kann es vorübergehend die Preise senken, um die Konkurrenz auf Abstand zu halten und seinen Marktanteil zu vergrößern. Auch der Automobilzulieferer Valeo zählt zu den größten Fondsbeständen. Das Unternehmen konzentriert sich auf innovative Lösungen in langfristigen, margenstarken Wachstumssegmenten wie Sicherheit und Emissionsreduktion. Über ein Viertel des Umsatzes erwirtschaftet Valeo in den Schwellenländern. Das wird künftiges Wachstum von innen verstärken." (3.8.2015)


Bei Aufschwung europäischer Aktien erst Halbzeit

Nach dem Kompromiss mit Griechenland hat an den europäischen Aktienmärkten ein neuer Kursaufschwung eingesetzt, der sich auch in den kommenden Monaten fortsetzen dürfte. Europäische Dividendentitel bieten damit weiterhin sehr gute Anlagechancen. Zu dieser Einschätzung kommt Niall Gallagher, Fondsmanager bei GAM. „Um es mit einem Fußballspiel zu vergleichen: Bei der Erholung der europäischen Aktienmärkte haben wir gerade mal Halbzeit“, sagt Gallagher. „Dabei war die erste Hälfte in diesem Match gekennzeichnet von einer Neubewertung von Aktien, während in der zweiten steigende Unternehmensgewinne die Kurse weiter nach oben treiben werden.“ Ein Grund für die optimistische Prognose des GAM-Experten ist, dass viele strukturelle Ungleichgewichte innerhalb der Eurozone korrigiert worden sind. „In den Peripherieländern sind die Leistungsbilanzdefizite vielerorts in Überschüsse verwandelt worden und eine Reihe von Volkswirtschaften innerhalb der Eurozone steht nun mit einem gesunden Staatshaushalt da.Wieder erstarkter Bankensektor stützt die wirtschaftliche Erholung in der Eurozone"
Auch sei das europäische Bankensystem in den vergangenen Jahren gestärkt worden, indem die Institute ihre Eigenkapitalausstattung erhöht haben. „Auf diese Weise sind die Großbanken wieder in der Lage, die reale Wirtschaft ausreichend mit Krediten zu versorgen“, erläutert Gallagher seine Einschätzung. „Dazu kommt, dass die Volkswirtschaften in der Eurozone vom gesunkenen Ölpreis profitieren. Denn sowohl Unternehmen als auch privaten Haushalte sparen dadurch erheblich bei den Energiekosten, wodurch auf der anderen Seite die Kauf- beziehungsweise Investitionskraft steigt.“ (29.07.2015)


Keine Zinserhöhung in Europa vor 2018

Die Europäische Zentralbank wird ihre Zinsen mit Blick auf die anhaltenden Widrigkeiten in der Region nicht vor 2018 anheben, ist die schottische Investment Management-Gesellschaft Kames Capital überzeugt. John McNeill, Co-Manager des Kames Absolute Return Bond Global Fund, hält eine Zinsanhebung in der Eurozone im Jahr 2017, so wie es der Markt erwartet, für unrealistisch - vor allem in Anbetracht der jüngsten Ereignisse in Griechenland.Seines Erachtens wird es deutlich länger dauern, bis sich die wirtschaftliche Erholung - und die Inflation - so gefestigt haben, dass ein solcher Schritt erforderlich ist. Hinzu kommt, dass sich die EZB gegenwärtig auf ihr laufendes QE-Programm konzentriert."Der Markt hat begonnen, Ende 2017 als Termin für EZB-Zinsanhebungen einzupreisen, aber dieser Zeitpunkt erscheint uns zu früh. Da in Europa weiterhin eine lockere Geldpolitik vorherrscht und die Inflation praktisch immer noch bei fast Null liegt, werden einige Jahre vergehen, bis die EZB die Zinsschraube wieder anziehen kann", so McNeill. Außerdem nimmt das Griechenland-Drama kein Ende, was laut McNeil für die EZB ein weiterer Grund für eine Verschiebung der Zinserhöhungen ist."Geopolitische Risiken, die unter der Oberfläche schwelten, rückten in letzter Zeit stärker in den Vordergrund, wie etwa die aktuelle Entwicklung der Griechenland-Krise und die Volatilität an Chinas Börse. Die europäischen Anleihenmärkte verzeichneten höhere Verluste als ihre Pendants in Großbritannien und den USA. Die Auflösung von Positionen, die Anleger im Vorfeld des EZB-Liquiditätsprogramms aufgebaut hatten, verstärkten die Abflüsse", teilt der Co-Manager mit.McNeill weist ferner darauf hin, dass es sich angesichts der extremen Renditeentwicklung in der Eurozone durchaus wieder lohnen könnte, eine Wette auf den EZB QE-Trade einzugehen: "In Kerneuropa haben wir nach besagten Positionsauflösungen eigens eine Position eröffnet, mit der wir vom QE-Programm der EZB profitieren möchten, ohne vollständig long zu gehen", so McNeill.Der Fonds baute eine Long-Position in 30-jährigen Bundesanleihen auf und ging short in Euro-Swaps mit einer Laufzeit von 30 Jahren in Erwartung einer hohen Nachfrage nach Bunds – in Anbetracht des EZB-Kaufprogramms. "Angesichts des sehr begrenzten Angebots an Bonds im Sommer und der Tatsache, dass die EZB ihre Käufe beschleunigen muss, sollten die Kurse der Bunds stärker als die der Swaps steigen", sagt der Co-Manager. (22.7.2015)


Euro-Peripherie: Kein zweites Griechenland in Sicht

Nach dem vorläufigen Ende der Verhandlungen mit Griechenland scheinen die Krisensorgen in Europa deutlich abzunehmen. Denn nach Ansicht von Enzo Puntillo, Anleihenexperte bei GAM, ist in den von der Schuldenkrise ebenfalls tangierten anderen Staaten der Euro-Peripherie „kein zweites Griechenland in Sicht.“ Die zähen Verhandlungen über die griechischen Schulden hatten zuletzt in Anlegerkreisen auch die Frage aufgeworfen, wie groß die Ansteckungsgefahr besonders für die übrigen sogenannten PIIGS-Staaten der Euro-Zone ist, sprich Portugal, Italien, Irland und Spanien. „Ursprünglich basierte diese Zuordnung auf sehr wenigen Punkten, nämlich dem Schuldenniveau und den Leistungsbilanzdefiziten. Dabei wurde vernachlässigt, dass die Länder wirtschaftlich sehr unterschiedlich aufgestellt sind“, erklärt Puntillo.

Für ihn ist die Frage nach der Ansteckungsgefahr daher unbegründet: „Anders als in Griechenland, das mit allen Symptomen einer ausgewachsenen Schuldenkrise kämpft, ist in den übrigen Peripherie-Staaten davon kaum etwas zu spüren.“ Diese Länder hätten in den vergangenen Jahren sehr viel dafür getan, ihre Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite zu senken. Griechenland hingegen habe zwar gewisse Schritte eingeleitet, sei jedoch nicht ausreichend weit gegangen, um die Wirtschaft wettbewerbsfähiger zu machen.

„Die Europäische Zentralbank EZB will weiterhin alles unternehmen, um die Stabilität des Euroraums zu gewährleisten. Dazu gehört auch, das Ansteckungspotential der Griechenlandkrise zu begrenzen“, so der Investmentexperte weiter. Zudem verfüge die Zentralbank unterdessen über ein größeres Arsenal an Schutzmaßnahmen, unter anderem die quantitative geldpolitische Lockerung und das Programm zum gezielten Aufkauf von Staatsanleihen (OMT). Risiken aus Kapitalmarktwetten gegen Peripherie-Anleihen seien auch nicht mehr vorhanden, denn sonst hätte es mit der fortschreitenden Krise in Griechenland bereits massenhafte Eindeckungen von Positionen gegeben.

Keine Ansteckungsgefahr für Italien
Als Italien in die Gruppe der PIIGS einsortiert wurde, hatte das Land keine deutlich gestiegenen Schulden, und sein Leistungs- und Haushaltsdefizit sei keineswegs extrem gewesen. „Die italienische und die griechische Wirtschaft unterscheiden sich weiterhin sehr deutlich, und wir sehen keine Ansteckungsgefahr für Italien“, prognostiziert Puntillo.

Die italienischen Schulden seien überwiegend über den heimischen Privatsektor finanziert, während Griechenland vor allem ausländische Gläubiger hat. „Kaum eine Privatwirtschaft der Welt ist reicher als die italienische, nicht einmal Deutschland kann hier mithalten“, sagt der Investmentexperte. Italien könne es sich nicht leisten, Schulden gegenüber den eigenen Haushalten nicht zu bedienen, jeder Schritt in diese Richtung wäre politischer Selbstmord. Daneben verfüge Italien über einen sehr starken Exportmarkt unter anderem im Luxus-, Maschinenbau-, Automobil- und Pharmasegment und sei damit gegenüber Griechenland deutlich anders positioniert.

„Natürlich bleibt auch in Italien noch einiges zu tun – so muss etwa die Regierung den Arbeitsmarkt flexibilisieren, um mehr Arbeitsplätze für junge Menschen zu schaffen, und gleichzeitig mehr Möglichkeiten zur Erwerbstätigkeit von Frauen schaffen. Aber die Wirtschaft hat viel zu bieten, und es besteht kein Grund für Anleger, demnächst in Italien griechische Verhältnisse zu fürchten“, schlussfolgert Puntillo. (14.07.2015)

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