Warum der Brexit nicht erneut eine Krise wie 2008 entfachen wird

Kames Capital aus London geht davon aus, dass die Auswirkungen nur moderat ausfallen.

Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ist keine Krise, die mit der Kreditklemme von 2008 vergleichbar wäre und dürfte sich nur „moderat” auf die Wachstumserwartungen in Europa auswirken, meint Douglas Scott, Global Equity Income Co-Manager bei Kames Capital.

Nach Ansicht von Douglas Scott hat der Brexit die Volatilität an den britischen Aktienmärkten zwar kräftig geschürt, aber die gute Verfassung der britischen Wirtschaft und die Wahrscheinlichkeit weiterer Stimulierungsmaßnahmen der Bank von England dürften verhindern, dass es erneut zu einer solchen Abkühlung kommt wie damals durch die Kreditkrise.

„Das Austrittsvotum der Briten und das anschließende politische Vakuum haben für große Unsicherheit und Volatilität am britischen Markt gesorgt. Infolge der durch den Brexit ausgelösten Unsicherheit wird sich die britische Wirtschaft aus gesamtwirtschaftlicher Sicht in den nächsten Quartalen voraussichtlich abkühlen“, so Scott.

„Angesichts der erwarteten proaktiven Stimulierungsmaßnahmen der Regierung und der Bank von England und der soliden Bilanzen im Unternehmenssektor halten wir den Vergleich zwischen dieser Abkühlung und der Krise von 2008/09 aber für unbegründet,“ meint Scott.

Die Sorgen über den Zustand der britischen Wirtschaft nach dem Brexit nehmen zu. Jüngste Zahlen belegen einen drastischen Einbruch der Wirtschaftstätigkeit. Kürzlich fiel der Einkaufsmanagerindex für den britischen Dienstleistungssektor, ein Haupttreiber der Wirtschaft, von 52,3 im Juni auf 47,4 im Juli. Sobald dieser Wert unter 50 Zähler fällt, ist eine Rezession wahrscheinlich.[1]

Ungeachtet der düsteren Schlagzeilen rechnet Scott nicht damit, dass Großbritannien oder Europa infolge des Brexits einen kräftigen Abschwung erleben werden.

„Abgesehen von einem mäßigen Rückgang der Wachstumserwartungen für Europa erwarten wir keine wesentlichen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft”, so der Manager.

„Gleichwohl dürften die Währungshüter an ihrer vorsichtigen Politik festhalten. Das stützt unsere zentrale These eines Klimas anhaltend geringen Wachstums, in dem die Zinsen und Anleiherenditen längerfristig niedrig bleiben dürften”, erläutert Scott.

Im aktuellen Umfeld werden Unternehmen im Fokus der Anlagestrategie des Fonds stehen, die positive Überraschungen an der Dividendenfront liefern können oder in der Lage sind, unabhängig von der konjunkturellen Entwicklung zu wachsen.

„Die wahllose Neubewertung von Unternehmen mit Auslandsgeschäft und der damit einhergehende Ausverkauf bei auf den Binnenmarkt fokussierten britischen Unternehmen und Finanzwerten dürften eine Reihe interessanter Anomalien und Chancen zutage fördern, um langfristige Positionen aufzubauen”, so die Einschätzung des Managers. (10.08.2016)

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