Wachstumsaussichten haben sich verbessert

Stabilere Rohstoffpreise machen Hoffnung auf ein stärkeres globales Wirtschaftswachstum und lassen Deflationssorgen sinken. Risiko-Assets bleiben attraktiv.

Der Aktienaufschwung der vergangenen Monate beruht fast ausschließlich auf zusätzlichen monetären Impulsen der Notenbanken. Von der Gewinnseite der Unternehmen kam anhaltender Gegenwind. Nicht nur in Europa, auch in den USA gingen die Gewinnschätzungen für 2016 stetig zurück. In den USA droht das sechste Quartal in Folge mit rückläufigen Gewinnen. In Europa liegen die Gewinnschätzungen für 2016 jetzt sogar niedriger als 2014. Gibt es Hoffnung auf Besserung?

China zeigt sich wirtschaftlich robust
In der Tat stehen die Chancen zumindest auf eine wieder etwas positivere Konjunkturentwicklung nicht schlecht. Verantwortlich dafür ist insbesondere die Stabilisierung der Rohstoffpreise. Rückläufige Energie- und Metallpreise haben zum Jahreswechsel 2015/16 Länder wie Brasilien und Russland in eine schwere Rezession gedrückt. Mittlerweile hat sich die Angebots-Nachfrage-Situation bei vielen Rohstoffen verbessert. Unternehmen haben ihre Investitionsbudgets drastisch gekürzt und das Angebot gesenkt.

Zudem zeigt sich der wichtigste Nachfrager China wirtschaftlich robuster. Dank umfangreicher fiskalpolitischer Maßnahmen wurde nicht nur das Wachstum über 6,5 Prozent gehalten, sondern im September auch die Stimmung in der Industrie endlich wieder über die kritische 50er-Marke gehoben. Selbst auf dem Rohölmarkt, der mit dem Iran einen großen Neuankömmling zu verkraften hatte, haben sich die Preise deutlich erholt. Auch wenn sich der jüngste OPEC-Beschluss einer Förderkürzung noch bewähren muss, ist eine Rückkehr zur Ausverkaufsstimmung wie zu Anfang des Jahres wenig wahrscheinlich.

Die Erholung an den Rohstoffmärkten hat gleich zwei wichtige Folgen. Zum einen finden Länder wie Brasilien und Russland den Weg aus ihrer Rezession: 2017 dürften beide Volkswirtschaften wieder wachsen. Zum anderen sinken weltweit die Deflationsängste. Zusammen mit der äußerst aggressiven Geldpolitik könnte dies Unternehmen vermehrt dazu bewegen, ihre verhaltene Investitionstätigkeit zu beschleunigen.

Immerhin haben sich in den USA die Stimmungsindikatoren im September sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor deutlich erholt. Auch in der Eurozone und selbst in Großbritannien überraschten die meisten Einkaufsmanagerumfragen weiter positiv. Bleiben größere externe Schocks aus, dürfte die Weltwirtschaft daher vor einer besseren Wachstumsphase als im bisherigen Jahresverlauf stehen.

Europäische Aktien übergewichten
Für allzu große Euphorie ist allerdings kein Anlass. Hohe Verschuldung, schwache Demographie und zu niedrige Produktivitätsgewinne halten das globale Wachstumspotenzial nachhaltig niedriger als in der Zeit vor der Finanzkrise. Der Ausstieg aus der extrem expansiven Geldpolitik kann daher allenfalls graduell erfolgen. Niedrige Zinsen auch am langen Ende sind unverzichtbar, um den Schuldenberg überhaupt refinanzieren zu können. Vor diesem Hintergrund bleiben wir generell positiv für risikotragende Assets eingestellt. Die hohen Risikoprämien zeigen, dass insbesondere Aktien ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft haben. Trotz der Wahlrisiken in den USA halten wir daher vor allem in Europa eine übergewichtete Position in Aktien für gerechtfertigt.

Quelle: HSBC

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