Globale Konjunktur zeigt erste Schwächen

Die Weltwirtschaft hat sich zwar etwas eingetrübt, gibt aber noch keinen Anlass zur Besorgnis. Die hohe Volatilität an den Aktienmärkten dürfte sich erst einmal fortsetzen. (19.04.)

Erst der Zinsanstieg in den USA, dann der Handelskonflikt zwischen den USA und China: Anleger fanden seit Jahresbeginn genügend Argumente, ihr optimistisches Bild für 2018 zu überdenken. Ist der Aktienaufschwung bereits im Januar zu Ende gegangen?

Dynamik flaut ab

Zumindest bei der Weltwirtschaft deutet sich an, dass die Dynamik ihren Höhepunkt überschritten hat. In der Eurozone verlieren die Vorlaufindikatoren aus Industrie und Dienstleistung seit Februar spürbar an Schwung. In den USA zeigen sich nach der sprunghaft verbesserten Stimmung durch die Steuerreform erste Ermüdungserscheinungen.

Dynamik flaut ab

Zumindest bei der Weltwirtschaft deutet sich an, dass die Dynamik ihren Höhepunkt überschritten hat. In der Eurozone verlieren die Vorlaufindikatoren aus Industrie und Dienstleistung seit Februar spürbar an Schwung. In den USA zeigen sich nach der sprunghaft verbesserten Stimmung durch die Steuerreform erste Ermüdungserscheinungen. China hat sich ein geringeres Wachstum sogar selbst verordnet. Angesichts der hohen Verschuldung tritt die Regierung jetzt konsequent auf die Bremse. Die Stimmung in Industrie und Dienstleistung bewegt sich nur noch knapp über der Marke von 50.

Die eingetrübten Indikatoren reichen jedoch nicht, um eine Rezession zu prognostizieren. Die Eurozone wächst mit gut zwei Prozent noch immer über ihrem mittelfristigen Potenzial von  rund 1,5 Prozent. Niedrige Steuern in den USA beginnen gerade erst, sich über steigende Investitionen positiv auszuwirken. Das leicht reduzierte Wachstumsziel von 6,5 Prozent liegt für China unverändert in Reichweite. Stabile Rohstoffpreise und niedrige lokale Zinsen stützen in Brasilien und Russland den Aufwärtstrend.

Dennoch treffen die neuen protektionistischen Töne aus den USA die Weltwirtschaft in einer nicht mehr ganz so guten Lage. Ein Handelskrieg zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt könnte den Aufschwung durchaus endgültig beenden. Die bisher angekündigten Maßnahmen reichen dazu jedoch nicht aus. Zudem lassen beide Seiten den Raum für Verhandlungen - auch über die Welthandelsorganisation WTO - offen.

Anleger sollten die unübersichtliche Situation kritisch beobachten. Die langsame Gangart der Weltwirtschaft hat jedoch auch ihre guten Seiten: Ein zu schneller Zinsanstieg ist zunächst vom Tisch. Die US-Notenbank hat auf der letzten Sitzung ihren Ausstiegskurs zwar bestätigt, aber auch ihre Flexibilität betont, wenn sich die Rahmendaten ändern. Eine schwache Inflation könnte bei der Europäischen Zentralbank das für September vorgesehene Ende des  Kaufprogrammes weiter nach hinten rücken.

Bewertungen wieder attraktiver

Auch von der Bewertungsseite kommen positive Signale. Steigende Gewinnschätzungen und fallende Kurse haben zahlreiche Bewertungsrelationen in Europa und Asien auf das Niveau der langfristigen Durchschnitte gedrückt. Selbst in den USA lässt sich bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 und einem langfristigen Zins von unter drei Prozent nicht mehr von einer Überbewertung sprechen. Trotz nachlassender Konjunkturdynamik und zunehmenden Handelsstreitigkeiten erscheint es daher noch nicht gerechtfertigt, das Ende des Aktienaufschwungs auszurufen. In der derzeitigen Spätphase des Zyklus dürfte die hohe Volatilität jedoch anhalten. Anleger sollten jetzt flexibler agieren. In der aktuellen Erholung wurde die Übergewichtung der Aktien teilweise abgebaut. Zukäufe sind frühestens wieder beim Ausloten der Jahrestiefstände angezeigt.

Ein Marktkommentar von Christian Heger von HSBC Deutschland

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