Industrieländeraktien bieten Investmentpotenzial

US-Aktien hatten in der vergangenen Zeit einen Run: In den letzten 102 Monaten liefen sie besser als die Titel der meisten anderen Industrieländer. Nun sind sie allerdings teuer – egal, welchen Maßstab man anlegt. Wertorientierte Anleger sollten sich also an anderen Märkten nach Schnäppchen umschauen: Hier können Investoren gerade die Underperformance anderer Industrieländeraktien nutzen. (25.07.)

Die Frage, ob andere globale Aktien sich gut entwickeln können, ohne dass die USA den Weg weisen, beantwortet Lisa Thompson, Portfoliomanagerin bei Capital Group eindeutig: „Ich glaube, dass sie angesichts der attraktiveren Bewertungen in vielen Märkten außerhalb der USA, auf relativer Basis Potenzial haben.“

Europäischer Banken-Sektor dürfte wieder aufblühen

Das liegt unter anderem an der so genannten Bewertungslücke zwischen US-Unternehmen und ihren Pendants in Europa und Japan. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von US-Aktien lag zum 31. Mai durchschnittlich bei 16,6. Aktien anderer entwickelter Märkte kamen hingegen auf eine Bewertung von 14,3. Folglich haben sie mehr Aufwärtspotenzial als die bereits hoch bewerteten US-Aktien. Dies trifft insbesondere auf den europäischen Banken-Sektor zu, der in den vergangenen Jahren stark mit den strengen Regulierungen, dem trägen Wirtschaftswachstum und den niedrigen Zinsen zu kämpfen hatte. Derzeit regeneriert sich die europäische Wirtschaft wieder von der Rezession und auch die Zinsen werden wahrscheinlich Mitte bis Ende des Jahres 2019 angehoben werden.

„Die Anhebung der Zinsen wird in Europa etwas länger dauern“, so Thompson. „Aber die Rückkehr der Volatilität auf die globalen Finanzmärkte sollte den Investmentbanken zugutekommen, da sie von einem erhöhten Handelsvolumen profitieren würden.“

Weltweite Bewertungsvergleiche zeigen Chancen auf

Weitere europäische Sektoren, deren Aktien einen Vorteil gegenüber den USA haben, sind Luxusgüter, Chemie- und Industriewerte. Ein gutes Beispiel hierfür sind die beiden Flugzeughersteller Airbus und Boeing: Airbus lag zum 31. Mai bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22,4, Boeing bei lediglich 19,4. „Der Vergleich zwischen Airbus und Boeing ist interessant, da es sich hier um ein Duopol handelt und sie sich in leicht unterschiedlichen Phasen ihres Zyklus befinden“, sagt Jody Jonsson, Portfoliomanagerin bei Capital Group.

„Boeing ist in einer Phase der Cashflow-Generierung und produziert bedeutend höhere Dividenden und Aktienrückkäufe. Airbus ist nicht weit von Boeing entfernt, könnte aber aufgrund der niedrigeren Bewertungen mehr Aufwärtspotenzial haben.“

Betrachte man zusätzlich die Schwellenländer seien die Unterschiede der Bewertungen sogar noch größer. So zum Beispiel zwischen Apple (14,8) und Samsung (6,9). „Apple ist meiner Meinung nach mit einem niedrigen zweistelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis angemessen bewertet, aber Samsung ist noch niedriger bewertet. Ich schaue mir solche Vergleiche überall auf der Welt an und ich denke, dass sie sehr interessante Chancen aufzeigen“, so Jonsson.

Länge des Zyklus ist ungewiss

Zugleich bleibt die Aktienrisikoprämie in Europa und Japan attraktiv. Das ist ein entscheidender Maßstab, der die relative Attraktivität von Anlagen in globale Aktien mit einer vermeintlich „risikofreien“ Alternative vergleicht, die durch eine Mischung aus Staatsanleihen repräsentiert wird.

Da die Renditen für Euro- und japanische Anleihen auf einem historisch niedrigen Niveau verharren, bieten die Aktienmärkte auch weiterhin eine deutlich bessere Option für Anleger, die eine größere Chance auf Kapitalzuwachs suchen. Wie lange dieser Zyklus noch anhalten wird, ist jedoch ungewiss. Im Hinblick auf die Länge der Periode und die klare Bewertungslücke, gibt aber es genügend Spielraum für die anderen globalen Märkte, die USA zu überholen.

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