Capital Group Halbjahresausblick 

Europa und Japan dominieren Sektoren und trotzen Gegenwinden.

Durch expansivere Geldpolitiken befeuern die Zentralbanken aktuell den Wirtschaftsmotor – so auch in Japan und Europa. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat angedeutet, dass die Zinsen bis Ende 2019 negativ bleiben, Japan prescht mit einem langfristigen Wertpapierkaufprogramm voran. Martyn Hole und Christophe Braun, beide Investment Director bei Capital Group, bewerten die gegenwärtigen Marktsituationen in den beiden Ländern. Besonders in ausgewählten Sektoren ließen sich attraktive Aktienrenditen erzielen. Beispielhaft dafür seien die europäischen Luxusgüterhersteller LVMH und Kering mit Marken wie Louis Vuitton, Fendi und Gucci, innovative Pharmakonzerne wie AstraZeneca, Novartis und Novo Nordisk oder führende japanische Robotech-Firmen wie Murata und Fanuc.  

Europäische Aktien sind niedrig bewertet
„Aktuell gibt es mehrere ermutigende Nachrichten aus Europa“, sagt Hole. „Die Europäische Zentralbank hat signalisiert, dass die Zinsen das ganze Jahr 2019 unverändert bleiben. Außerdem haben sich die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe stabilisiert – und das selbst in Deutschland und Italien. Auch die Dienstleistungs- und Baukonjunktur bleibt solide.“ Insgesamt sei die europäische Binnenkonjunktur robust. Mit Ausnahme von Italien sei beispielsweise die Arbeitslosenquote gefallen. Steigende Löhne und eine verhältnismäßig niedrige Inflationsrate hätten darüber hinaus die Realeinkommen der Haushalte steigen lassen. Steuersenkungen und höhere Staatsausgaben hätten den Konsum gestützt und die Unternehmensinvestitionen weiter steigen lassen. Eine Folge dessen sei der Anstieg des realen Wirtschaftswachstums im Euroraum im ersten Quartal des Jahres 2019.

Die größten Unsicherheiten entstammten laut dem Experten aktuellen politischen Entwicklungen. „Ein wichtiges Thema bleibt die Sorge, dass die EU zum Ziel des amerikanischen Protektionismus wird“, sagt Hole. Insgesamt überwögen jedoch die positiven Signale. „Die günstigen Bewertungen europäischer Aktien bieten gerade viele Opportunitäten – sektorübergreifend und kurz- wie langfristig. Das konjunkturbereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis – also der Kurs einer Aktie geteilt durch den Gewinn je Aktie – liegt in Europa bei 15, bei amerikanischen Aktien liegt es hingegen bei 27“, so Hole.

Japanische Unternehmen werden rentabler
Ebenfalls positive Signale entsende Experte Braun zufolge Japan, das Land der aufgehenden Sonne. Das Wirtschaftswachstum des ersten Quartals 2019 von rund zwei Prozent sei unerwartet gewesen und insbesondere in Anbetracht des Abschwungs in China und des zeitgleichen Handelskonfliktes mit den Vereinigten Staaten beeindruckend. „Zweifelslos hat die Wirtschaftspolitik der japanischen Regierung rund um Premierminister Shinzo Abe zum positiven Wachstum und der rekordverdächtig niedrigen Arbeitslosenquote beigetragen“, so Braun. Durch grundlegende Anpassungen seien die Unternehmen in Japan deutlich rentabler geworden. So hätten japanische Firmen im Jahr 2018 die höchsten operativen Margen seit Dekaden verzeichnet und die Break-even-Ratios seien deutlich zurückgegangen. Verantwortlich dafür sehe der Experte nicht zuletzt drastische Kostensenkungen seit der globalen Finanzkrise 2008. So seien die variablen Kosten in den vergangenen zehn Jahren um rund vier Prozent gefallen, die Fixkosten außerdem um rund ein Prozent. Ergänzend positiv sei insbesondere für Exporteure und binnenorientierte Unternehmen die schwächere Bewertung der japanischen Währung Yen.

Insgesamt sind die Bewertungen japanischer Aktien im Vergleich zu früher und zu anderen Ländern günstig“, sagt Braun. „Weitere Fortschritte bei der Corporate Governance und eine stabile Konjunktur könnten diese weiter stützen.“

(Foto: Adobe Stock/Capri23Authof)

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