Die Fed geht aggressiv vor 

Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, kommentiert die aktuellen Ereignisse.

(17.03.) Am vergangenen Sonntag senkte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den Leitzins auf annähernd Null und kündigte ein neues Anleihekaufprogramm in Höhe von 700 Milliarden US-Dollar an, wovon 500 Milliarden auf Staatsanleihen und 200 Milliarden auf verbrieften Zinspapiere entfallen sollen. Zudem verbesserte sie die Bedingungen ihrer Devisenswap-Vereinbarungen mit anderen Zentralbanken. Die US-Notenbank ist der Ansicht, dass die US-Wirtschaft aus einer starken Position heraus in diese neue Phase eingetreten ist, räumt aber implizit ein, dass der Einbruch an den Börsen sowohl in den Vereinigten Staaten als auch im Ausland plötzlich komme. Tatsächlich reagiert die US-Notenbank drastischer als vom Markt erwartet. Dieser hatte bislang grob mit drei bis vier Zinssenkungen bei den nächsten Treffen gerechnet. Das Vorgehen der Fed hat mehrere Folgen: 1. Sollte ihre Entscheidung für ein neues quantitatives Lockerungs-Programm als Panikreaktion wahrgenommen werden, dürfte sie damit den Aktienmärkten nicht helfen. Und dies, obwohl das Programm an und für sich eine sehr positive Entwicklung ist, die sich letztendlich durchsetzen wird. 2. Die Banken werden unter einer sehr niedrigen und flachen Laufzeitstruktur leiden, obwohl sie kurzfristig davon profitieren dürften, Long-Positionen in US-Treasuries zu halten – ein Punkt, den der Markt ignorieren wird. Für die europäischen Banken bedeutet die Einführung von US-Holdinggesellschaften mit eigener Bilanz und eigenem Risikomanagement Ende 2020 in Europa, dass ein größerer Anteil der Geschäfte an sie selbst gehen dürfte. 3. Die Verwalter der Fremdwährungsreserven dürften weitgehend und ohne große Auswirkungen aus den Auktionen verschwinden, da sie die Laufzeiten ihrer Bestände generell zugunsten von Commercial Papers und Bargeld senken werden. 

Wir begrüßen die Entscheidung der Fed und erwarten, dass sie diese Haltung auch bei ihrem nächsten Treffen beibehalten wird. Andere Zentralbanken dürften ihrem Beispiel folgen. Während sich das Coronavirus in den USA ausbreitet und es zu regionalen Einschränkungen kommt, dürfte die Volatilität weiter hoch bleiben. Dennoch erwarten wir, dass sich der Markt in circa einer Woche wieder etwas stabilisieren wird, sobald die neue Realität schließlich akzeptiert wurde. Die nächste Phase sind weitere Gewinnwarnungen, ein starker Einbruch der Wirtschaftsindikatoren, unternehmensspezifische Einzelereignisse und schließlich eine finanzpolitische Reaktion. Es ist unwahrscheinlich, dass die Demokraten in den USA viel mehr tun werden als sich gründlich abzusichern, während Deutschland bereits erste Schritte eingeleitet hat.

Fazit
Wir setzen weiterhin auf Pfandbriefe, US-Staatsanleihen mit langer Laufzeit und börsennotierte Infrastruktur- und Immobilienunternehmen sowie flexible Investmentlösungen. 

Die nächsten Schritte für die Fed
Die US-Notenbank hat die erforderlichen Notfallmaßnahmen ergriffen und hat nun Zeit, um über den Rest zu entscheiden. Die Bank of America fordert eine Kreditvergabe in Form von Unternehmensanleihen mit kurzer Laufzeit, sogenannten Commercial Papers, – ein Vorschlag, der gute Chancen haben sollte. Eine weitere Möglichkeit ist ein ständiger Vorrat an Krediten für kleine Unternehmen, die wahrscheinlich keinen Zugang zu Commercial Papers haben werden. Sie hängen hauptsächlich von der Liquidität von Banken wie Wells Fargo oder JP Morgan ab. Das Problem sind die technischen Herausforderungen bei der Kreditvergabe an so viele kleine Unternehmen. Wahrscheinlich wird die Fed auf die Kreditkompetenz der Banken setzen und „Mini-Commercial Papers“ nur teilweise finanzieren.

Fazit
Die Fed sollte weiterhin die richtigen Schritte unternehmen, auch wenn diese nur verspätet eingepreist werden. In Zeiten erhöhter Volatilität, wie wir sie aktuell erleben, sind flexible Lösungen mit ihren automatisierten Strategien in der Lage, sehr schnell zu reagieren.

Norwegische Krone wird allmählich interessant
Das Interesse am Handel mit Währungen ist sehr gering, und wenn doch, dann erfolgt der Handel als eine Reihe von einfachen Investments. Die norwegische Krone beispielsweise wird in erster Linie aus Gründen der Risikoaversion und aufgrund fallender Ölpreise gehandelt. Das erste ist Unsinn, das zweite ergibt einen gewissen Sinn. Ein fundamental orientierter Anleger hat daher einige Schwierigkeiten, damit zu handeln. Die Norges Bank hat die Zinsen gesenkt, und die Währung sieht zyklisch günstig aus, während ihre Bilanz mit einigen Ausnahmen äußerst solide ist. 

Fazit
Investoren mit einem langfristigen Investmenthorizont sollten die norwegische Krone im Blick behalten.

Foto: C Yuriy Panyukov - Fotolia.com

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