Multinationale Konzerne werden sich behaupten

(05.05.) Multinationale Unternehmen haben die globalen Märkte in den vergangenen 25 Jahren outperformt. Steven Watson, Portfoliomanager für Aktien bei Capital Group, prognostiziert, dass sich dieser Trend nach der Corona-Pandemie fortsetzen wird.

Erfolgsrezept: lokal agieren

„Multinationals haben bewiesen, dass sie sich sowohl in herausfordernden Zeiten als auch bei zunehmendem Protektionismus, behaupten können. Erfolgreiche internationale Unternehmen agieren lokal. Ein gutes Beispiel hierfür ist Nestlé, das als Schweizer Unternehmen in 130 Ländern aktiv ist und sich in diesen jeweils wie ein lokaler Player verhält. Dabei behält es aber die Stärken eines multinationalen Unternehmens.“

Die Welt mag sich seit Beginn der Pandemie verändert haben, die langfristige Philosophie von Capital Group bleibt hingegen die Gleiche. Steven Watson unterstreicht: „Wir wählen langfristig Qualitätsaktien aus und da ich bin kein Fan von hohen Portfolioumschlägen bin, hat sich mein Anteil am Portfolio des New Perspective Fund kaum verändert. Trotzdem bietet die Krise Chancen vom Markt unterbewertete Unternehmen zu identifizieren.“

Pharma-, Gesundheits-, Biotech- und Versicherungsbranche bieten Opportunitäten

Als Beispiel nennt der Portfoliomanager ein chinesisches Biotech-Unternehmen, in das Capital Group kürzlich investiert hat: „Ich habe diese Woche mit dem Unternehmen telefoniert und meiner Meinung nach hat es das Potenzial ein multinationales Unternehmen im Bereich der Onkologie zu werden. Um immer auf dem neuesten Stand zu sein, bin ich im regelmäßigen Austausch mit dem Unternehmen.“

Auch für andere Sektoren ist Watson optimistisch: „Es gibt interessante Opportunitäten in der Pharma-, Gesundheits-, Biotech- und Versicherungsbranche. In diesen Bereichen dürfte COVID-19 für neue Geschäftsmöglichkeiten sorgen. Ebenso haben sich die defensiven Sektoren der Technologie und der Basiskonsumgüter behauptet. Auch haben wir gemerkt, wie wichtig der bereits seit Jahren wachsende E-Commerce für uns ist. Zudem gehe ich davon aus, dass wir sobald wir uns in unserer neuen Normalität befinden, wieder Restaurants und Bars besuchen als auch Flüge sowie Urlaube und Hotels buchen werden. Diese Dienstleistungsbranchen werden nicht verschwinden, auch wenn sie derzeit Schaden nehmen. Die globale Lieferkette hingegen wird zukünftig weniger abhängig von China sein und die Produktion wird wieder in die Herkunftsländer der Unternehmen verlagert werden – auch wenn ich davon ausgehe, dass diese Verlagerung einige Jahre dauern wird.“

Krisen bringen attraktive Kaufoptionen mit sich

„Dieses Jahr ist zwar bislang eine Achterbahnfahrt, allerdings habe ich in meiner Karriere bereits 22 ‚Krisen‘ erlebt, von denen acht signifikante Bärenmärkte waren. Jeder dieser Abschwünge hat es ermöglicht, Wertpapiere zu attraktiven Preisen zu kaufen und wir haben uns von jedem der Abschwünge wieder erholt. Investoren sollten sich vor Augen führen, dass sich die Märkte wieder erholen werden und sich nun Gelegenheiten bieten, Aktien zu attraktiven Preisen zu erwerben. Wir müssen gegen den Drang zur Panik ankämpfen und uns daran erinnern, weiterhin langfristig auf Grundlage von Fundamental-Research zu investieren, um so Value ausfindig zu machen.“

Watson erwartet, dass die Entscheider über finanzpolitische und monetäre Maßnahmen rechtzeitig agieren werden, damit die Rezession nicht zu einer Japanisierung der Industrieländer führt. Eine langanhaltende Depression oder Stagflation hält er für eher unwahrscheinlich.

Erste positive Zeichen

Die Tiefe der Rezession hängt von der Dauer der Pandemie ab, die derzeit nicht valide prognostizierbar ist. Trotzdem sieht Watson bereits erste positive Zeichen: „Die Zunahme der Neuinfektionen und der Sterblichkeit nimmt deutlich ab. Die Menschen in Hongkong gehen wieder zum Essen aus, wobei sie Regeln der sozialen Distanzierung weiterhin einhalten. Auch aus meinen Gesprächen mit einigen Biotech- und Pharmaunternehmen habe ich positive Fazits gezogen.“

„Wie Mark Twain sagte: ,Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.‘ Im Jahr 2003 erlebte ich den Ausbruch des SARS-Virus in Hongkong. Diesen hatten wir nach vier Monaten überwunden und das wird auch dieses Mal geschehen. Wie lange dies dauern wird und welche Schwierigkeiten wir auf dem Weg dorthin erleben werden, ist schwer vorauszusagen. Ich bin aber überzeugt, dass die Weltwirtschaft im nächsten Jahr viel besser aussehen wird. Der Markt ist vernünftig und sobald wir sehen, dass die Neuansteckungsraten zurückgehen wird auch dieser positiv reagieren. Wenn die Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit und der Gruppenzusammenschlüsse nachlassen, werden wir erste Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung sehen – so war es auch in Hongkong.“

Foto: Adobe Stock / Adiruch na Chiangmai

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