Sparbücher sind legitim, aber mit Wertpapieren verdient man Geld

Ein Kommentar von Hermann Wonnebauer von der Zürcher Kantonalbank Österreich AG.

(27.04.). Die Blütezeit der Spareinlagen ist durch das Niedrigzinsumfeld passé, möchte man meinen. Doch in Österreich erfreuen sich Sparbücher und Co. noch immer großer Beliebtheit: So verfügen die Österreicher und Österreicherinnen über Spareinlagen im Ausmaß von 282 Milliarden Euro, obwohl es de facto keine Zinsen mehr zu holen gibt, während auf Aktien und Anleihen basierende Strategien mit kalkulierbarem Risiko eine Rendite generieren und den Vermögensaufbau vorantreiben können. Hermann Wonnebauer, Vorstandsvorsitzender der auf Vermögensverwaltung spezialisierten Zürcher Kantonalbank Österreich AG, identifiziert die Vor- und Nachteile beider Welten.

Seit 2011 sind die Spareinlagen in Österreich laut Oesterreichischer Nationalbank (OeNB) von rund 211 Milliarden auf 282 Milliarden Euro im Februar 2021 angewachsen. Im vergangenen Jahr hat sich die Sparquote praktisch verdoppelt: auf 13,7 Prozent laut OeNB bzw. 15,7 Prozent laut Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO). Die Covid-Pandemie hat das Sparverhalten zwar erheblich verstärkt, der Trend zu den Spareinlagen hat aber schon lange vorher eingesetzt. Obwohl es – anders als noch vor wenigen Jahren – keine Zinsen mehr zu holen gibt, setzt die österreichische Bevölkerung zu großen Teilen noch immer auf ein und dasselbe Pferd.

„Es ist schon erstaunlich, dass sich beispielsweise das Sparbuch über 200 Jahre nach der Erstausgabe in Österreich hierzulande noch immer großer Beliebtheit erfreut. Zumal sich Spareinlagen in den letzten Jahren immer mehr der Zinslosigkeit angenähert haben und damit renditebringenden Anlagestrategien, etwa in Form von Aktien und Anleihen, gegenüberstehen. Seine Erfolgsgeschichte kann dem Sparbuch niemand mehr nehmen. Es stellt sich jedoch die Frage, ob Spareinlagen heute noch immer die richtige Anlageform sind“, sagt Hermann Wonnebauer.

Sparbücher sichern den Geldbetrag, aber nicht den Geldwert
Das Schreckgespenst der Negativzinsen spukt durch viele EU-Länder. Doch Österreich bleibt eine Insel der Seligen für private Sparer: Banken dürfen ihnen nach einem OGH-Urteil im Jahr 2009 im Gegensatz zu Firmenkunden keine Null- oder Negativzinsen verrechnen. Damit ist der Geldbetrag auf dem Sparbuch gesichert, zusätzlich auch durch die gesetzliche Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro pro Bank. „Sicherheit ist für Sparer ein wichtiger Beweggrund. Für all jene, die ohne Geldvermehrung leben können und ihre Risikotragfähigkeit eher gering einschätzen, sind Spareinlagen noch immer die richtige Lösung. Das ist in jedem Fall besser, als das Geld unter dem Kopfpolster aufzubewahren. Allerdings muss man sich bewusst machen, dass der Wert des Vermögens trotz positiver Zinsen sinken kann, wenn die Nominalzinsen niedriger sind als die Inflation“, so Wonnebauer. Zudem verrechnen manche Banken ihren Kunden, die neben einem Sparbuch über ein Girokonto – für dieses gilt das OGH-Urteil nicht – verfügen, Negativzinsen beispielsweise über die Kontoführungs- oder Transaktionsgebühr weiter. Der Hintergrund ist, dass Banken einen Strafzins in der Höhe von 0,5 Prozent zahlen müssen, wenn sie überschüssige Gelder bei der EZB „parken“.

Ein Sparbuch ist keine strategische Vermögensverwaltung
„Das Geld auf Sparbüchern zu belassen, ist durchaus legitim, allerdings kann man das Geld auf diese Weise nicht ‚arbeiten‘ lassen. Gerade bei größeren Beträgen macht eine professionelle Vermögensverwaltungsstrategie Sinn. Hier ist es mit ein wenig Disziplin und gutem Risikomanagement gut möglich, langfristig ein komfortables Vermögen aufzubauen“, erklärt Wonnebauer. Vermögensverwaltung beinhaltet „die laufende Überwachung, Anlage und Verwaltung des Vermögens des Kunden“, heißt es im Gabler Wirtschaftslexikon. Um das Geld zu sichern und ohne übermäßiges Risiko peu à peu zu vermehren, ist es wichtig, eine Rendite zu erhalten. Daher legen Vermögensverwalter das Kundenvermögen nicht auf Sparbücher, sondern investieren es in Aktien oder Anleihen.

Mit Wertpapieren kann man spekulieren, muss man aber nicht
Wertpapierinvestments sind wie alle Anlagen mit einem Grundrisiko behaftet. Wichtig ist ein sorgsamer Umgang damit. Durch einen Anlagemix mit Aktien und Anleihen und eine gute internationale Diversifikation wird das Risiko auf die Risikotragfähigkeit des Anlegers – ausgehend vom Einkommen und der Lebenssituation – eingestellt. „Bei der Geldanlage ist es ähnlich wie mit dem Feuer. Dieses gibt Menschen Licht und Wärme, allerdings kann man sich auch gehörig die Finger verbrennen. Wie das Feuer muss auch das Geld richtig und bedacht eingesetzt werden. Die Anlage ohne jegliches Risiko ist jedoch eine Utopie: Wer nicht investiert ist, geht das Risiko ein, durch Inflation ärmer zu werden. Zudem könnte der spätere Einstieg in den Wertpapiermarkt durch gestiegene Vermögenspreise in Zukunft ungünstiger werden“, unterstreicht Wonnebauer.

Wertpapierinvestments sind nicht kompliziert
„Eine gewisse Hemmschwelle ist gerade bei Wertpapier-Neulingen verständlich und auch natürlich. Man kann jedoch auch mit einer sehr vorsichtigen Strategie in den Wertpapiermarkt einsteigen und später bei Bedarf den Aktienanteil erhöhen“, so Wonnebauer. „Es ist heute so leicht wie nie, am Kapitalmarkt zu partizipieren. Neue Online-Dienste bringen Menschen die Welt der Wertpapiere näher, was prinzipiell eine gute Sache ist. Der leichte Zugang verleitet jedoch mitunter zu leichtfertigen Aktionen. Wie beim Autofahren ohne Fahrausbildung kann ohne Vorwissen einiges schiefgehen. Wer investiert, ohne sich vorher zu informieren, kann sehr schnell sehr viel Geld verlieren“, warnt Wonnebauer. Da es als Privatanleger schwierig ist, die Entwicklungen an den Märkten im Auge zu behalten, empfiehlt es sich, sich von professionellen Vermögensverwaltern beraten zu lassen, die das Portfolio laufend überwachen und optimieren.

Foto: ZKB

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