Sell in May and go away?

Ein Kommentar von Mag. Alexander Eberan, Leiter Private Banking Wien Steiermärkische Sparkasse.

(21.05.) Die alte Börsenregel „Sell in May and go away“ hält sich hartnäckig, ist aber keine gute Empfehlung, so die Meinung der Anlageexperten der Steiermärkischen Sparkasse Private Banking. Die Begründung: „Sell in May and go away” ist eine Form des Markttimings und am Versuch, den Markt zu timen sind schon viele gescheitert. Steigt man gänzlich aus dem Aktienmarkt aus, gibt es oft mehr zu verlieren als zu gewinnen. Die bessere Strategie an der Börse: Investieren und nicht spekulieren, so der Rat der Steiermärkischen Sparkasse Private Banking.

Antizyklisch Vermögen auf Kurs halten
Eine auf den persönlichen Bedarf ausgerichtete Vermögensstruktur trägt langfristig zum Vermögensaufbau bei. Mit Hilfe einer antizyklischen Handlungsweise wird eine einmal beschlossene Vermögensstruktur auf Zielkurs gehalten und es können auch attraktive Einstiegsniveaus genützt werden. Nach Rücksetzern an den Märkten wird günstig nachgekauft. Gleichzeitig werden nach oben hin Risiken begrenzt, wenn die Märkte schon sehr gut gelaufen sind.

In der Vergangenheit gab es zwar durchaus Phasen, in denen sich „Sell in May and go away“ bewährt hat. Aber es gibt auch genügend Beispiele in den letzten Jahren, in denen die Perfomance zwischen Anfang Mai und Ende August positiv war. Gerade im letzten Jahr boomten die Märkte auch in den Sommermonaten. Wäre man der Börsenweisheit gefolgt, hätte man an der Erholung nach dem Einbruch im Frühjahr 2020 nicht zur Gänze partizipiert und mehr als 10% Performance des globalen Aktienmarktes versäumt (Beispiel MSCI World Index in Euro).

Untermauert wird die Aussage, dass Timing nur selten gelingt, auch anhand der Entwicklung des S&P 500 Index über die letzten 34 Jahre. Wenn man nur an den 15 besten Tagen des S&P500 Index nicht investiert gewesen wäre, hätte man gegenüber einer „Buy and hold“-Strategie deutlich an Terrain verloren.

Börsen brechen alle Rekorde und …
2021 war bisher ein sehr gutes Börsenjahr. Diverse Aktienindizes, wie der amerikanische S&P 500 Index oder der Deutsche DAX Index, erreichten historische Kurshöchststände. Auch die Bewertungen liegen auf teils sehr hohen Niveaus. Die Entwicklung wurde maßgeblich von den Notenbanken und auch den Staaten, die mit diversen Hilfsmaßnahmen der Wirtschaft unter die Arme greifen, getrieben. Bisher konnten selbst die steigenden Inflationssorgen die Entwicklung kaum beeinträchtigen, wenngleich dies zuletzt für Rücksetzer sorgte. Früher oder später werden aber, angesichts der Erholung der Wirtschaft und einer steigenden Inflation, die staatlichen Unterstützungen reduziert werden und auch die Notenbanken werden ihre Anleihekaufprogramme zurückfahren. Damit muss man künftig auch mit höheren Zinsen rechnen. Dies könnte zu einer gewissen Beunruhigung und damit einer höheren Volatilität an den Märkten und führen.

… kein Ende in Sicht
Ein Ende des Aufwärtstrends an den Börsen ist aber nicht in Sicht, da vieles weiterhin für eine Unterstützung der Assetklasse Aktien spricht. Zunächst dürfte es nicht unmittelbar zu einer Erhöhung der Zinsen kommen, auch wenn die Inflation vorerst weiter steigen dürfte, so die Einschätzung der Steiermärkischen Sparkasse Private Banking. Derzeit ist die Inflation nach dem wirtschaftlichen Einbruch im vergangenen Jahr stark vom Basiseffekt getrieben, was sich in den kommenden Monaten wieder etwas relativieren sollte. Weiters dürfte sich die in der Corona Pandemie aufgestaute, inflationstreibende Nachfrage im Zuge der anstehenden Lockerungen langsam auflösen. Auch Indikatoren wie Einkaufsmanager-Indizes deuten auf eine anhaltend positive Entwicklung hin. Fundamentale Daten unterstützen den Trend ebenfalls. Die Unternehmensergebnisse des ersten Quartals fielen sehr positiv aus und überdurchschnittlich viele Unternehmen konnten die Gewinnerwartungen übertreffen. Die Entwicklung ist somit nicht nur liquiditätsgetrieben, auch fundamentale Faktoren gewinnen wieder zunehmend an Bedeutung.

Foto: Steiermärkische Sparkasse

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