Alterung und Arbeitskräftemangel bedrohen Wachstum in den USA

Ein Marktkommentar von Nathan Sheets, Chefvolkswirt bei PGIM Fixed Income.

(28.05.) Der mit Spannung erwartete Anstieg der Inflation in den USA ist eingetreten. Für viele ist die Geschwindigkeit, mit der sich die Inflation beschleunigt hat, die auffälligste Entwicklung. Die in den USA veröffentlichten Zahlen zum Verbraucherpreisindex zeigten einen atemberaubenden Anstieg der Kernpreise um 0,9 % im April, den größten Zuwachs seit den frühen 1980er Jahren. Einige der Aufwärtsbewegungen deuten auf eine echte Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen und eine Rückkehr zu Preismustern vor der Pandemie hin. So zogen beispielsweise die Flugpreise und die Hotelpreise wieder stark an. Andere Preiserhöhungen waren jedoch Ausdruck von sich verschärfenden Engpässen – vor allem die Preise für Gebrauchtwagen stiegen stark an, da die Chip-Knappheit die Produktion von Neuwagen einschränkte und die Nachfrage nach Gebrauchtwagen in die Höhe trieb. Auf 12-Monats-Basis sprang der Kern-Verbraucherpreisindex auf 3%, was die starken Monatswerte im März und April sowie die sogenannten Basiseffekte der Pandemie widerspiegelt.

Mit Blick auf die Zukunft erwarten wir, dass mehrere strukturelle Faktoren wie die demografische Alterung, die hohe globale Verschuldung und der Vormarsch von Technologie und Innovation die Inflation in den kommenden Jahren beeinflussen werden. So hat sich die demografische Entwicklung in den Industrieländern über Jahrzehnte hinweg verschlechtert, und wir haben einen starken Zusammenhang zwischen dem nachlassenden Wachstum der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter und der rückläufigen Inflation festgestellt. Ganz allgemein erstreckt sich unsere Erkenntnis, dass die demografische Alterung mit einem langsameren Wachstum und einer schwächeren Wirtschaftsleistung einhergeht, auf alle Industrie- und Schwellenländer.

Die rasche Heilung auf dem US-Arbeitsmarkt kann Bedenken hinsichtlich eines Arbeitskräftemangels und einer möglichen Lohninflation nähren. Die überwiegende Mehrheit der Arbeitnehmer, die auf die Gehaltslisten zurückgekehrt sind, waren diejenigen, die während der Pandemie vorübergehend entlassen worden waren. Von den Arbeitnehmern, die nicht in den Arbeitsmarkt zurückgekehrt sind, hat jedoch die Mehrzahl ihren Arbeitsplatz dauerhaft verloren oder ist ganz aus dem Erwerbsleben ausgeschieden. In den letzten sechs bis acht Monaten kehrten diese Arbeitnehmer nur in begrenztem Umfang in den Arbeitsmarkt zurück, und in der Vergangenheit hat es viel länger gedauert, bis diese Arbeitnehmer wieder nach Arbeit suchten.

Foto: PGIM Fixed Income

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