Ausblick 2022: Gute Chancen für Value Werte

Ein Kommentar der Anlage-Experten der Steiermärkischen Sparkasse Private Banking.

Wachstum hoch, Inflation bleibt

• Nachlassende Unterstützung durch Notenbanken

(23.12.) Die Finanzmärkte werden im kommenden Jahr 2022 aus derzeitiger Sicht ein volatiles Bild bieten, schreiben die Anlage-Experten der Steiermärkischen Sparkasse Private Banking im jüngsten Marktkommentar (im Bild Alexander Eberan, der Leiter Private Banking Wien Steiermärkische Sparkasse). Das anhaltende Wirtschaftswachstum mit steigenden Unternehmensgewinnen sowie ein bisweilen herausforderndes geopolitisches Umfeld und die zumindest zu Jahresbeginn anhaltende Pandemie werden von moderat steigenden Zinsen begleitet sein. Diese sollten an den Märkten Vorteile für Value-Werte bringen, während das Umfeld für Growth-Werte schwieriger wird, so die Einschätzung. Gleichzeitig rechnen die Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking mit leicht steigenden Anleiherenditen. Die negativen Realzinsen werden aber bleiben.

Unternehmensgewinne weiter robust
Die gute Konjunktur und das vorsichtige Vorgehen der Notenbanken bei der Reduktion der langjährigen Unterstützungsmaßnahmen und bei etwaigen Zinsanhebungen erlauben eine Prognose für weiterhin robuste Unternehmensgewinne. Gestiegene Rohstoff- und Energiepreise, aber auch höhere Lohnkosten aufgrund von Arbeits- bzw. Fachkräftemangel werden allerdings die Kosten erhöhen. Unternehmen, die die Marktmacht haben, diese Kosten an ihre Kunden weiterzugeben, dürften im kommenden Jahr profitieren. Ebenso sollten sich jene gut entwickeln, die vom Emissionsausstieg profitieren. Value Werte, die insbesondere in der Finanz- und Energie-Branche und teilweise auch im Industriebereich zu finden sind, könnten Aufholpotenzial haben. Growth Werte werden es hingegen schwerer haben, da ihr Unternehmenswert stark von künftigen Cashflows abhängig ist und dieser bei steigenden Zinsen geschmälert wird.

Anleihen mit Risikoaufschlägen
Am Anleihenmarkt erwarten die Experten der Steiermärkische Sparkasse Private Banking leicht steigende Renditen bei negativen Realzinsen. Letztere sind der anhaltenden Inflation in den Industrieländern geschuldet. Mit zunehmender Volatilität an den Aktienmärkten könnten auch die Risikoaufschläge bei Unternehmensanleihen wieder etwas steigen. Gleiches gilt für Staatsanleihen der höher verschuldeten Euro-Länder, die durch das reduzierte Anleihekaufvolumen der EZB und der Aussicht auf steigende Zinsen in nicht allzu ferner Zukunft mit steigenden Risikoaufschlägen konfrontiert werden könnten. Eine attraktivere Rendite bieten Anleihen von Schwellenländern, wobei auch bei ihnen höhere Schwankungen wahrscheinlich sind. Zunehmende Bedeutung werden nachhaltige Anleihen wie Green Bonds, Social- oder Sustainability- oder Sustainability Linked Bonds bekommen.

Gute Voraussetzungen für Konjunktur …
Ungeachtet der anhaltenden Corona-Pandemie erwartet die Steiermärkische Sparkasse

Private Banking, dass sich das Wirtschaftswachstum 2022 auf hohem Niveau fortsetzen wird, wenngleich mit etwas moderaterem Tempo. Neue Impfstoffe und Medikamente werden dazu beitragen, dass sich die Pandemie zunehmend zu einer Endemie zurückentwickeln wird – also von einer weltweit verbreiteten Seuche zu einer regional begrenzten. Die aktuell für viele Industriezweige bestimmenden Engpässe bei Lieferketten werden sich im kommenden Jahr zwar einpendeln, aber dies wird voraussichtlich etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen als ursprünglich erwartet. Im Konsum werden die Aufholeffekte langsam nachlassen, doch hohe Sparquoten begünstigen weiterhin eine hohe Nachfrage nach Konsumgütern. Bei den Investitionen ist mit einer deutlichen Zunahme zu rechnen, da erstens viele Regierungen mehrjährige Konjunkturprogramme verabschiedet haben oder verabschieden werden und Unternehmen wieder investitionsfreudiger sind. Zweitens wird sich nicht nur im kommenden Jahr, sondern auch weit darüber hinaus die Selbstverpflichtung vieler Länder zu einer deutlichen Reduktion der CO2-Emissionen und damit einhergehend auch der Reduktion fossiler Brennstoffe ebenso in einer höheren Investitionstätigkeit niederschlagen.

Auch aus China kamen zuletzt sehr positive Nachrichten, die das dortige Wachstum wieder beflügeln sollten. Nach den regulatorischen Eingriffen, die den chinesischen Aktienmarkt im Jahr 2021 stark belasteten, hat das Politbüro wieder eine Rückkehr zu seinem alten Kurs signalisiert. Wachstumspolitik und Binnennachfrage stehen wieder im Vordergrund und die chinesische Notenbank nimmt wieder einen expansiveren Kurs auf.

… aber auch Gegenwind
Bei all den begünstigenden Faktoren wird die Konjunktur im kommenden Jahr aber auch Gegenwind spüren. Die Steiermärkische Sparkasse Private Banking geht deshalb davon aus, dass das globale Wachstum im kommenden Jahr etwas geringer als 2021 (aktuelle Schätzung IWF 2021: global 5,9 %) ausfallen wird. Einer der wichtigsten Faktoren ist in diesem Kontext die sachte Rückkehr zu einer „normalen“ Geldpolitik: Die US-Notenbank Federal Reserve hat in ihrer jüngsten Sitzung als Reaktion auf die hohen Inflationszahlen eine Beschleunigung des Taperings (Reduktion der umfangreichen Anleihekäufe) beschlossen, was schrittweise Zinsanhebungen ab dem zweiten Quartal wahrscheinlich macht. Die britische Notenbank hat diesen Schritt als erste der großen Notenbanken bereits gewagt und die Zinsen erhöht. Im kommenden Jahr dürfte zumindest eine weitere Anhebung folgen. Die Europäische Zentralbank verhält sich noch vorsichtiger, da sie weiterhin davon ausgeht, dass sich die Inflation abschwächen wird. Sie hat somit für 2022 keine Zinserhöhungen in Aussicht gestellt, wird aber ihre Anleihekäufe ebenfalls reduzieren. Die Notenbanken wollen keinesfalls Marktverwerfungen riskieren. Sie werden daher ihre Maßnahmen mit großer Wahrscheinlichkeit genau abwägen und auf die konjunkturelle Entwicklung abstimmen, um die Erholung der Wirtschaft nicht zu gefährden.

Auch geopolitische Aspekte werden unter Umständen 2022 Auswirkungen auf die Märkte haben, etwa der Russland-Ukraine-Konflikt, die Spannungen im Südchinesischen Meer oder im Mittleren Osten. Die Wahlen in Italien und Frankreich und die Zwischenwahlen in den USA dürften sich nur mäßig auf die Konjunkturentwicklung auswirken. Ebenfalls weiterhin nicht ganz außer Acht zu lassen ist die Corona-Pandemie und mögliche Einschränkungen infolge von Eindämmungsversuchen, insbesondere zu Jahresbeginn aufgrund der Ausbreitung der Omikron Variante.

Inflation bleibt
Die Inflation wird wie bereits heuer auch im nächsten Jahr eines der bestimmenden Marktthemen sein und ihre Ausprägung wird maßgeblich die weiteren Entscheidungen der

Notenbanken beeinflussen. Zu Jahresbeginn dürfte die Inflation noch hoch bleiben, aber im Verlauf des Jahres zurückgehen. Die Gründe dafür: Die Aufholeffekte werden nachlassen, die Lieferkettenengpässe sollten geringer werden und die Energie- und Rohstoffpreise werden voraussichtlich nicht mehr so rasant steigen. Bereits im November hat der Ölpreis sein vorläufiges Hoch hinter sich gelassen und auch bei anderen Rohstoffen hat man einen Preisrückgang bzw. eine gewisse Stabilisierung erkennen können. Langfristig werden höhere Energie- und Rohstoffpreise aber wegen des Übergangs hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft unumgänglich sein. Die Inflation werde sich auf einem höheren Niveau als vor Corona und auch über dem Inflationsziel von 2 % einpendeln und sie werde in den USA höher als in Europa sein, so die Einschätzung der Experten der Steiermärkische Sparkasse Private Banking.

(Foto: Steiermärkische Sparkasse)

Auf Facebook teilen Diesen Artikel teilen