Klimawandel, soziale Ungleichheit und Biodiversitätsverlust – die großen Herausforderungen für eine nachhaltige Wirtschaft

von Abbie Llewellyn-Waters, Head of Sustainable Investing, Freddie Woolfe, Equities Analyst, Sustainable Investing, und Jenna Zegleman, Investment Director Sustainable Investing bei Jupiter Asset Management

(16.12.) „Wir müssen uns den größten Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte – mit Blick auf den Planeten, auf dem wir leben, und die Menschen, mit denen wir zusammenleben – bereits jetzt stellen. Im Jahr 2021 wurden die Finanzmärkte weitgehend von kurzfristigen Erwägungen bestimmt. Für den langfristigen wirtschaftlichen Wohlstand ist jedoch wichtig, dass wir längerfristig denken und grundlegende Themen ansprechen. Aus diesem Grund legen wir den Fokus auf Unternehmen, die den Weg in eine nachhaltigere Zukunft ebnen. Das erfordert einen Ausblick, der genauso langfristig ist wie die erforderlichen Lösungen für kritische Herausforderungen wie den Klimawandel, die soziale Ungleichheit und den Verlust an biologischer Vielfalt. Verantwortungsvolles, nachhaltiges Investieren ist heute wichtiger denn je.

COP26, der Klimagipfel, der im November 2021 in Glasgow stattfand, war ein Meilenstein für die Beschleunigung des politischen Wandels, der nötig ist, um die globalen Klimaziele zu erreichen und den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen oder sogar umzukehren. Die Ergebnisse der Konferenz gehen zwar noch nicht weit genug, aber die Richtung ist klar. Wir halten eine globale Zusammenarbeit bei der CO2-Bepreisung seit Langem für notwendig und COP26 hat diesbezüglich eine positive Dynamik in Gang gesetzt. Die Regierungen haben sich dazu verpflichtet, ihre Klimaziele für 2030 zu überprüfen und zu stärken, um sie mit dem Ziel des Pariser Abkommens in Einklang zu bringen, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Wir sind optimistisch, dass die dafür notwendigen Schritte jetzt eingeleitet werden. Nachdem die USA und China ihr gemeinsames Engagement für den Klimaschutz bekräftigt haben, erwarten wir eine engere globale Zusammenarbeit und eine schnelle, aber gerechte Umstellung auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft.

Als Investoren erwarten wir von den Unternehmen eine konsequente und unumkehrbare Dekarbonisierung ihrer Prozesse. Unternehmen, die in der Lage sind, ihre CO2-Emissionen nennenswert zu reduzieren und nicht nur zu kompensieren, werden besser aufgestellt sein, um nachhaltige Renditen zu erzielen. Im Jahr 2022 dürften weitere politische Maßnahmen eingeleitet werden, um die derzeitige Fehlbepreisung natürlicher Ressourcen zu adressieren. Sowohl unter Resilienz- als auch Renditeaspekten ist entscheidend, dass die Unternehmen die planetaren Grenzen nicht weiter verletzen und die negativen Umweltauswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit mindern. Das gilt natürlich auch für unser Unternehmen. Jupiter gehört zu den Unterzeichnern der Net Zero Asset Managers Initiative und hat sich dazu verpflichtet, die Treibhausgasemissionen seiner betrieblichen Tätigkeit und Anlageportfolios bis spätestens 2050 auf netto Null zu reduzieren.

Ein gerechter Übergang in eine kohlenstoffarme Zukunft, der dem Klimawandel genauso wie der sozialen Gerechtigkeit Rechnung trägt, ist wichtig. Auf der COP26 war der gerechte Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft zum ersten Mal ein zentraler Bestandteil des Abkommens. Damit wird anerkannt, wie wichtig es ist, dass die Lasten der Bekämpfung des Klimawandels gerecht verteilt werden. Erste Gespräche über eine Entschädigung besonders krisenanfälliger Länder für Verluste und Schäden durch den Klimawandel ebnen den Weg für Finanzierungsverpflichtungen der reicheren Länder gegenüber Ländern mit geringerem Einkommen. Die Industrieländer blicken auf mehr als hundert Jahre eines beispiellosen Wirtschaftswachstums zurück, das zu großen Teilen auf Kosten der Umwelt gegangen ist. Damit die weltweiten Klimaschutzmaßnahmen Erfolg haben, muss eine vergleichbare Umweltkrise in den Entwicklungs- und Schwellenländern vermieden werden.

Corona verschärft soziale Ungleichheit
Neben Unternehmen, die Wegbereiter einer nachhaltigeren Zukunft sind, investieren wir auch in Firmen, die einen Beitrag zu einer sozial gerechteren Welt leisten. Corona hat soziale Ungleichheiten verschärft und schonungslos offengelegt. Der wirtschaftliche Schock, der durch die pandemiebedingten Beschränkungen verursacht wurde, hat die schwächsten Bevölkerungsgruppen unverhältnismäßig stark getroffen. In den USA schnellte die Arbeitslosenquote mit Ausbruch der Pandemie in die Höhe, wobei die Jobverluste vor allem Amerikaner ohne High-School-Abschluss trafen. Mit den pandemiebedingten Schulschließungen und der Umstellung auf Homeschooling hingen die Lernerfolge und Bildungsperspektiven von Millionen von Kindern plötzlich vom Zugang zu Technologie ab, was wiederum insbesondere sozial schwächere Familien hart traf.

Gleichzeitig hat Corona unverhältnismäßige Auswirkungen auf Frauen, vor allem in Bezug auf ihre finanzielle Unabhängigkeit, und hat dazu geführt, dass viele Frauen ganz aus dem Arbeitsmarkt ausgeschieden sind. Weltweit ist die Erwerbstätigkeit von Frauen rapide zurückgegangen. Dies hat weitreichende soziale Auswirkungen, da es einen Zusammenhang zwischen der Unterbeschäftigung von Frauen und in Armut lebenden Kindern gibt. Wir achten daher auf eine verbesserte Lohntransparenz und eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen als Indikator für qualitativ hochwertige Unternehmen.

Schutz der Biodiversität: Berichterstattung über naturbezogene Risiken entscheidend
Auf der politischen Agenda rückt die Bekämpfung des Verlusts der biologischen Vielfalt immer weiter nach oben. Die Hälfte des globalen BIP hängt von der Biodiversität ab. Trotzdem verbrauchen wir die natürlichen Ressourcen weiterhin in alarmierendem Tempo. COP15, die Vertragsstaatenkonferenz zur Biodiversität, begann im Oktober 2021 im chinesischen Kunming und soll dort im April 2022 fortgesetzt werden. Wir hoffen, dass die aus dem Klimawandel gezogenen Lehren helfen werden, die dringend notwendigen politischen Weichenstellungen zu tätigen, um den Verlust der biologischen Vielfalt umzukehren. Wie beim Kohlenstoff werden die Auswirkungen der Unternehmen auf die Natur zunehmend als Kosten neu bewertet werden.

Und wie beim Kohlenstoff wird die Internalisierung externer Kosten im Zusammenhang mit der Biodiversität sowohl Chancen als auch Risiken mit sich bringen. Während Unternehmen schon seit Langem Daten zum CO2-Ausstoß vorlegen, steht die Messung ihrer Auswirkungen auf die Natur noch ganz am Anfang. In den nächsten Jahren werden Rahmenwerke für eine einheitlichere Offenlegung dieser Informationen wie das der Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD) in Kraft treten. Diese sind ein Schritt in die richtige Richtung, der jedoch von entschlossenen, wirkungsstarken und unumkehrbaren Maßnahmen auf Unternehmensebene begleitet werden muss. Diese Herausforderungen müssen jetzt adressiert werden – sowohl im Interesse der Gesellschaft als auch im Interesse langfristiger Wertsteigerungen für Investoren. Verantwortungsvolles, nachhaltiges Investieren ist heute wichtiger denn je.

Foto: Jupiter Asset Management

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