Aktienrückkäufe untermauern Attraktivität britischer Aktien

Ein Kommentar von Tom Matthews, Fund Manager der UK Dynamic Strategy bei J O Hambro.

(07.10.) Unter Investoren hält sich die Sorge, die britische Wirtschaft stehe unter Druck – und damit auch sämtliche börsennotierte Unternehmen. Doch das Bild ist differenzierter. Zwar hat die Unternehmensstimmung in den vergangenen Monaten nachgegeben, nicht zuletzt wegen wachsender Befürchtungen über Steuererhöhungen im anstehenden Herbsthaushalt. Laut dem Lloyds Business Barometer liegt das Vertrauen der Firmen jedoch weiterhin auf einem Zehnjahreshoch. Und auch wenn der Einkaufsmanagerindex (PMI) zuletzt schwächer ausfiel, bewegt er sich immer noch über dem Niveau in Europa.

Trotz der etwas eingetrübten Stimmung bleibt das Vertrauen in britische Aktien ausgesprochen hoch. Besonders Unternehmen mit starkem Binnenmarktbezug spüren zwar derzeit Gegenwind, doch die Zahlen zeichnen ein anderes Bild: Im Jahr 2025 gab es im Schnitt zwei Übernahmeangebote pro Woche für britische Firmen. Zudem liegt der Anteil der Large Caps, die eigene Aktien zurückkaufen, in Großbritannien aktuell höher als in jedem anderen G7-Land – sogar höher als in den USA. Das unterstreicht nicht nur die attraktive Bewertung britischer Titel, sondern zeigt auch, dass die Unternehmensführungen – ob als Käufer oder über Rückkäufe – die Perspektiven der britischen Wirtschaft sehr positiv einschätzen.

Aus Sicht der Investoren erscheinen die Chancen zunehmend attraktiver in den Nebenwert-Indizes wie dem FTSE 250 und dem FTSE Small Cap zu sein, die in den vergangenen vier Jahren rund 20 % hinter dem FTSE All-Share zurückgeblieben sind, während der FTSE 100 um 5 % besser abgeschnitten hat. Zwar sind diese Indizes weitaus stärker auf den heimischen Markt ausgerichtet als der FTSE 100 mit seinen Large-Cap-Unternehmen, doch gibt es viele international führende Unternehmen, die zu Unrecht wie rein inländische Unternehmen bewertet werden und daher Gefahr laufen, zu internationalen M&A-Zielen zu werden. Für Anleger ergibt sich damit ein deutlich asymmetrisches, zugunsten der Chancen verzerrtes Profil.

Hohe Sicherheitsmarge
Makroökonomisch gesehen bleibt die Weltpolitik das größte Problem, nicht die Innenpolitik. Anleger sollten sich darüber im Klaren sein, dass die Unsicherheit in der globalen Politik weiterhin hoch ist – sowohl hinsichtlich der Häufigkeit als auch des Ausmaßes von Veränderungen. Als Investoren sind wir gefordert, darauf zu reagieren, indem wir sicherstellen, dass unser Portfolio gegenüber exogenen Schocks widerstandsfähig bleibt. Wir haben in Großbritannien die Möglichkeit, Unternehmen mit hoher Ertragskraft kaufen zu können, die sich in einer Phase der Transformation befinden, hohe Free-Cashflow-Renditen erzielen und eine geringe Bilanzverschuldung aufweisen. Diese bieten uns angesichts der unsicheren globalen Politik eine hohe Sicherheitsmarge.

Im Vergleich zu anderen Ländern ist Großbritannien relativ gut vor den harten Auswirkungen der US-Politik geschützt, da es die niedrigsten Zölle weltweit hat – es wird wohl zu einem „Zoll-Sicherheitshafen“, was seine Attraktivität für internationale Fusionen und Übernahmen nur noch erhöht. Aber wenn die USA niesen, bekommen wir alle einen Schnupfen, sodass niedrigere Zölle nicht bedeuten, dass Großbritannien immun ist.

Insgesamt zeigt sich damit: Trotz geopolitischer Unsicherheiten und kurzfristiger wirtschaftlicher Herausforderungen bleibt der britische Aktienmarkt strukturell attraktiv bewertet. Sowohl Übernahmeaktivitäten als auch Aktienrückkäufe unterstreichen das Vertrauen in die Zukunft britischer Unternehmen – ein Fundament, das mittel- bis langfristig weiteres Aufwärtspotenzial eröffnet.