Rohstoffpreise – getrieben von Krisen und industriellem Superzyklus

Ein Kommentar der Experten der Steiermärkische Sparkasse Private Banking.

(08.05.2026). Die Rohstoff- und Edelmetallmärkte haben in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Renaissance erlebt. Auch 2026 bleibt das Umfeld für Anlegerinnen und Anleger spannend und anspruchsvoll. Insbesondere die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen nimmt weltweit deutlich zu. Dahinter stehen stabile Wachstumstrends wie künstliche Intelligenz, erneuerbare Energien, Energiespeicherung und Elektromobilität, schreiben die Leiter des Steiermärkische Sparkasse Private Banking, Karl Freidl und Christian Sajowitz, im aktuellen Marktkommentar. Bei den meisten Rohstoffen muss aber mit hoher Volatilität gerechnet werden.

Öl bleibt im Fokus
Kaum ein Rohstoff beschäftigt die Weltwirtschaft und die Investorinnen und Investoren derzeit so sehr wie das „schwarze Gold“, das trotz Energiewende mit einem Anteil von rund 30 Prozent immer noch einer der Hauptenergieträger der Welt ist. Infolge des Iran-Krieges und der Blockade einer der wichtigsten Transportwege für Öllieferungen, der Straße von Hormuz, kommt es weltweit zu Engpässen und massiven Preisanstiegen bei Rohöl und bei verarbeiteten Produkten wie zum Beispiel Dieselkraftstoff. Das treibt die Inflation an und führt zu Mutmaßungen über baldige Leitzinserhöhungen in den USA und Europa.

Der jüngste, politisch begründete Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus dem Öl-Kartell Opec (bisher 12 Mitgliedstaaten) sowie ⁠der ‌Opec plus (bisher 22 Staaten) per 1. Mai führte unmittelbar zu Spekulationen, dass die Ölpreise nachgeben könnten. Das überraschende Ausscheren der Emirate bedeutet zunächst eine Schwächung der Opec, die bislang trotz interner Meinungsverschiedenheiten nach außen stets um Einigkeit bemüht war. Die Ölförderstaaten setzen nun aber ihre Strategie der schrittweisen Produktionserhöhung fort. Eine Kerngruppe aus jetzt nur mehr sieben statt acht Ländern gab eine Ausweitung der geplanten Tagesförderung um 188.000 Barrel (je 159 Liter) ab Juni bekannt. In den vergangenen Monaten waren die Produktionsziele für April und Mai um jeweils 206.000 Barrel angehoben worden. Knapp 10 Prozent entfielen auf die Emirate, die nun im Kartell fehlen. Die aktuellen Entscheidungen der Ölstaaten sind aber unerheblich, solange die Meeresenge von Hormuz blockiert bleibt.

Lithium & Co – Zukunftsmärkte mit Risiko
Lithium, Nickel und Seltene Erden stehen im Zentrum der Energiewende. Elektroautos, Batteriespeicher und High-Tech-Produktion treiben die Nachfrage. Allerdings sind diese Märkte stark abhängig von politischen Eingriffen, Förderprojekten und Preisschwankungen. Der Zugang zu kritischen Rohstoffen entwickelt sich zunehmend zu einem geopolitischen Thema und zur Frage der nationalen Sicherheit. Besonders die starke Abhängigkeit von China sorgt international für Besorgnis. So wurden im Rahmen der Handelsgespräche zwischen den USA und China bereits Exportbeschränkungen für bestimmte Seltene Erden verschärft. Dazu zählen Materialien, die in Elektromotoren, Elektronik, Medizintechnik sowie industriellen und militärischen Anwendungen eingesetzt werden. Regierungen bemühen sich daher verstärkt um lokale Produktionskapazitäten und schließen strategische Partnerschaften mit Rohstoffunternehmen. Allerdings dürften dauerhaft höhere Preise notwendig sein, um ausreichende Investitionen in neue Förderprojekte zu ermöglichen. Somit bergen diese Metalle für risikofreudige Investorinnen und Investoren hohe Wachstumschancen, sind aber gleichzeitig von hoher Volatilität und Zyklusabhängigkeit gekennzeichnet.

Kupfer – Profiteur der Energiewende
Kaum ein Rohstoff wird derzeit so häufig im Zusammenhang mit Zukunftstechnologien genannt wie Kupfer. Der Ausbau von Stromnetzen, Rechenzentren und erneuerbaren Energien sorgt für eine strukturell steigende Nachfrage. Marktanalysen deuten weiterhin auf ein mögliches Angebotsdefizit hin – ein klassisches Umfeld für steigende Preise. Kupfer gilt somit wie Silber als einer der wichtigsten Profiteure der Energiewende und der Digitalisierung – allerdings mit zyklischen Rücksetzern.

Gold – der klassische sichere Hafen?
Gold bleibt auch 2026 einer der zentralen Bausteine im Rohstoff-Portfolio vieler Investorinnen und Investoren. Das Edelmetall profitiert von seiner Rolle als Krisenabsicherung und Portfolio-Stabilisator, zahlt aber weder Zinsen noch Dividenden und ist stets als langfristiges Investment zu sehen. Speziell die letzten Wochen und Monate zeigten auf, wie volatil Gold auf geopolitische Unsicherheiten reagieren kann. Während der Goldpreis in den letzten fünf Jahren offenbar nur einen Weg – und zwar nach oben – gekannt hatte, kam es nach Ausbruch des Krieges am Golf im März 2026 zu einer massiven Kurskorrektur. Diese eigentlich widersprüchliche Entwicklung zeigt, dass Gold nicht immer Profiteur von Krisen sein muss – insbesondere, wenn ein Konflikt so schwierig einzuschätzen ist wie der Krieg zwischen dem Iran einerseits sowie Israel und den USA andererseits.

Der kurzfristige Ausblick ist somit unklar, doch eine Reihe von Fundamentaldaten sprechen für Gold. Die Käufe des öffentlichen Sektors liegen weiterhin deutlich über den Durchschnittswerten vor der Pandemie, da bedeutende Zentralbanken Devisenreserven umschichten – etwa vom US-Dollar zu Gold. Insbesondere China und Indien stehen auf der Käuferseite, während US-Fonds zuletzt größere Mengen an goldgedeckten Fonds verkauften. Auch Russland baute zuletzt einen Teil seiner Goldreserven ab, wenn auch in geringem Ausmaß. Das Edelmetall bleibt mit rund 45 Prozent ein bedeutender Teil der russischen Devisenreserven.

Das Wachstum des gesamten Goldangebots dürfte moderat ausfallen und um rund 1,4 Prozent im Jahresvergleich zunehmen, da die Bergbauunternehmen nahezu mit voller Kapazität arbeiten. Dämpfend für den Goldpreis könnten sich mögliche kommende Zinserhöhungen in den USA und Europa infolge der steigenden Preise auswirken. Höhere Renditen bei fix verzinsten Anlageprodukten werden von den Marktteilnehmern in der Regel als Alternative zu Gold gesehen.

Die volatile Variante: Silber
Silber stand immer etwas im Schatten von Gold. Doch mit dem steigenden Bedarf für moderne Technologien wie der Elektronik, Photovoltaik und Elektromobilität steigt die Nachfrage. Die Silberpreis-Entwicklung wird von risikofreudigen Anlegern genau beobachtet. Denn Silber ist nicht nur Industrie-, sondern auch Edelmetall. Genau diese Doppelrolle sorgt für höhere Schwankungen, aber auch für Chancen. Die Nachfrage bleibt ein entscheidender Preistreiber. Gleichzeitig reagiert der Silberpreis stärker auf Konjunkturzyklen als Gold. Längerfristig sehen Analysten Silber in einem Aufwärtstrend.