Sie zeigen, dass Alter kein Nachteil ist. Viele dieser Gesellschaften verbinden Substanz, Stabilität und überraschende Ertragsdynamik – und bleiben damit relevante Fixpunkte im österreichischen Kapitalmarkt.
Kurzfazit
- Die ältesten börsennotierten Unternehmen Österreichs sind Porr, Wienerberger und UBM.
- Viele Traditionsunternehmen zeigen überdurchschnittliche Langfrist‑Performance.
- Das Ranking umfasst 20 Unternehmen mit Erstnotizen zwischen 1869 und 1992.
- Besonders stabil: Industrie, Bau, Versorger, Regionalbanken.
Die drei ältesten börsennotierten Unternehmen Österreichs
Die ältesten kontinuierlich notierenden Gesellschaften sind Porr, Wienerberger und UBM Development. Trotz unterschiedlicher Geschäftsmodelle eint sie eine robuste Aufstellung und eine langfristig solide Entwicklung.
Porr – Erstnotiz 1869, heute ein ATX‑Unternehmen
Steigendes Ebit und verbesserte Analystenschätzungen
Porr steigerte sein Ebit von 95,2 Mio. Euro (2021) auf 158,4 Mio. Euro (2024) und bestätigt damit den mehrjährigen Erholungstrend. Laut MarketScreener wurden die Gewinnschätzungen für die kommenden Jahre zuletzt nach oben revidiert. Für den Zeitraum 2025 bis 2026 erwarten Analysten einen Anstieg des Gewinns je Aktie von 2,87 auf 3,61 Euro. Auf Basis eines Aktienkurses von 30,55 Euro ergibt sich ein geschätztes 2027er‑KGV von 8,5 – ein im Branchenvergleich weiterhin attraktiv bewerteter Wert.
Wienerberger: Profiteur eines Infrastrukturzyklus
Wienerberger zählt zu den Dauerläufern der Wiener Börse und bleibt operativ solide aufgestellt. Auf Basis eines Aktienkurses von 27,02 Euro liegt das erwartete Kurs‑/Cash‑Flow‑Verhältnis 2027 bei 6,9, das KGV bei 7,8. Analysten gehen weiterhin von einem deutlichen Ergebnissprung aus – getragen von Effizienzmaßnahmen, einer stabilen Nachfrage im Infrastrukturbereich und möglichen Impulsen durch Investitionsprogramme in Europa und den USA.
UBM Development – Immobilienentwickler mit langer Kapitalmarkttradition
Rückkehr in die Gewinnzone
UBM konzentriert sich weiterhin auf die Kernmärkte Deutschland und Österreich; die Projektpipeline besteht inzwischen zu rund 60 % aus Wohnimmobilien. Nach zwei Verlustjahren erwarten Analysten für 2025 eine Rückkehr in die Gewinnzone. Für 2026 und 2027 rechnen sie mit deutlich stärkeren Ergebnisanstiegen, getragen von einer stabilisierten Nachfrage, geringeren Finanzierungskosten und einer fokussierten Projektstrategie.
Weitere Traditionsunternehmen der Wiener Börse
Semperit – Transformation eines Industrieklassikers
Semperit, die viertälteste börsennotierte AG in Wien, hat ihre Transformation von klassischen Gummiprodukten hin zu Industrie- und Polymeranwendungen weiter vorangetrieben. Aufgrund der Unsicherheiten rund um mögliche US‑Einfuhrzölle wurde die Ebitda‑Prognose leicht nach unten angepasst. Analysten rechnen jedoch ab 2026 wieder mit spürbaren Umsatz- und Ergebnissteigerungen, getragen von einer stabilisierten Nachfrage und Effizienzmaßnahmen im Konzern.
Linz Textil und Heid: Solide Fundamentaldaten, aber geringe Liquidität
Linz Textil
Linz Textil zählt zu den traditionsreichsten Industrieunternehmen an der Wiener Börse und wird im Standard Market Auction gehandelt. Die Gesellschaft weist eine Marktkapitalisierung von rund 72 Mio. Euro auf. Für 2024 meldete das Unternehmen einen Umsatz von 69 Mio. Euro sowie ein Ebit von 2,9 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote lag per 30. Juni bei sehr soliden 85 %, was die konservative Bilanzstruktur unterstreicht. Trotz der geringen Handelsliquidität bleibt Linz Textil ein stabiler, langfristig ausgerichteter Nischenplayer.
Maschinenfabrik Heid
Die Maschinenfabrik Heid, eines der ältesten börsennotierten Unternehmen Österreichs, weist eine Marktkapitalisierung von rund 5,4 Mio. Euro auf. Der letzte gehandelte Kurs lag Mitte September 2025 bei 1,38 Euro. Operativ ist die Gesellschaft seit Jahren nur noch sehr eingeschränkt aktiv und fungiert primär als Finanz- und Beteiligungsholding. Der Handel bleibt extrem illiquide, was die Aktie für institutionelle Anleger kaum investierbar macht.
Manner: Tradition, Markenstärke und steigender Cashflow
- Der Süßwarenhersteller Manner zeigt seit mehreren Jahren eine kontinuierlich positive Entwicklung. Der Umsatz stieg zwischen 2019 und 2024 von 206,9 Mio. Euro auf 288,4 Mio. Euro. Besonders dynamisch entwickelte sich der Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit, der im selben Zeitraum von 11,3 Mio. Euro auf 44 Mio. Euro zulegte. Auch im 1. Halbjahr 2025 setzte sich der Ertragsanstieg fort. Nach einer längeren Seitwärtsphase könnte die Aktie angesichts der robusten Fundamentaldaten wieder neue Impulse erhalten.
Stadlauer Malzfabrik: Besitzgesellschaft mit stabiler Struktur
- Die Stadlauer Malzfabrik AG, seit 1922 an der Wiener Börse gelistet, verfügt über eine Marktkapitalisierung von rund 29,1 Mio. Euro. Der Handel ist sehr illiquide, da die Gesellschaft primär als Besitz- und Beteiligungsholding für die Stamag Stadlauer Malzfabrik GesmbH fungiert. Die Struktur ist stabil, aber für den Kapitalmarkt bleibt das Unternehmen aufgrund der geringen Liquidität nur eingeschränkt relevant.
Die IPO‑Welle der 1980er‑Jahre – Neue Ära an der Wiener Börse
Die zweite Hälfte der 1980er brachte eine Belebung des Wiener Kapitalmarkts.
Lenzing (IPO 1985)
Der Faserhersteller zeigt traditionell zyklische Ertragsschwankungen und befindet sich aktuell in einer herausfordernden Marktphase.
Regionalbanken BKS, BTV und Oberbank (IPO 1986)
Alle drei Institute sind bis heute an der Wiener Börse gelistet und gelten als stabile Regionalbanken mit konservativen Geschäftsmodellen.
Versorger aus der Privatisierungsphase
Zu den bedeutendsten Privatisierungs‑Listings zählen:
- OMV
- Verbund
- EVN
Sie prägen bis heute den österreichischen Leitindex.
