Die ältesten Unternehmen der Wiener Börse – Ranking, Geschichte & Bedeutung

Die ältesten Unternehmen der Wiener Börse zeigen Stabilität, Substanz und teils überraschend Dynamik.

14.5.2026

Die ältesten Unternehmen der Wiener Börse prägen seit über 150 Jahren den österreichischen Kapitalmarkt. Viele dieser Traditionsgesellschaften zeigen bis heute Stabilität, Substanz und langfristige Ertragskraft. Das Ranking zeigt, welche Unternehmen am längsten gelistet sind – und welche davon heute noch eine wichtige Rolle spielen.

Sie zeigen, dass Alter kein Nachteil ist. Viele dieser Gesellschaften verbinden Substanz, Stabilität und überraschende Ertragsdynamik – und bleiben damit relevante Fixpunkte im österreichischen Kapitalmarkt.

Kurzfazit 

  • Die ältesten börsennotierten Unternehmen Österreichs sind Porr, Wienerberger und UBM.
  • Viele Traditionsunternehmen zeigen überdurchschnittliche Langfrist‑Performance.
  • Das Ranking umfasst 20 Unternehmen mit Erstnotizen zwischen 1869 und 1992.
  • Besonders stabil: Industrie, Bau, Versorger, Regionalbanken.

Die drei ältesten börsennotierten Unternehmen Österreichs

Die ältesten kontinuierlich notierenden Gesellschaften sind Porr, Wienerberger und UBM Development. Trotz unterschiedlicher Geschäftsmodelle eint sie eine robuste Aufstellung und eine langfristig solide Entwicklung.

Porr – Erstnotiz 1869, heute ein ATX‑Unternehmen

Steigendes Ebit und verbesserte Analystenschätzungen

Porr steigerte sein Ebit von 95,2 Mio. Euro (2021) auf 158,4 Mio. Euro (2024) und bestätigt damit den mehrjährigen Erholungstrend. Laut MarketScreener wurden die Gewinnschätzungen für die kommenden Jahre zuletzt nach oben revidiert. Für den Zeitraum 2025 bis 2026 erwarten Analysten einen Anstieg des Gewinns je Aktie von 2,87 auf 3,61 Euro. Auf Basis eines Aktienkurses von 30,55 Euro ergibt sich ein geschätztes 2027er‑KGV von 8,5 – ein im Branchenvergleich weiterhin attraktiv bewerteter Wert.

Wienerberger: Profiteur eines Infrastrukturzyklus

Wienerberger zählt zu den Dauerläufern der Wiener Börse und bleibt operativ solide aufgestellt. Auf Basis eines Aktienkurses von 27,02 Euro liegt das erwartete Kurs‑/Cash‑Flow‑Verhältnis 2027 bei 6,9, das KGV bei 7,8. Analysten gehen weiterhin von einem deutlichen Ergebnissprung aus – getragen von Effizienzmaßnahmen, einer stabilen Nachfrage im Infrastrukturbereich und möglichen Impulsen durch Investitionsprogramme in Europa und den USA.

UBM Development – Immobilienentwickler mit langer Kapitalmarkttradition

Rückkehr in die Gewinnzone

UBM konzentriert sich weiterhin auf die Kernmärkte Deutschland und Österreich; die Projektpipeline besteht inzwischen zu rund 60 % aus Wohnimmobilien. Nach zwei Verlustjahren erwarten Analysten für 2025 eine Rückkehr in die Gewinnzone. Für 2026 und 2027 rechnen sie mit deutlich stärkeren Ergebnisanstiegen, getragen von einer stabilisierten Nachfrage, geringeren Finanzierungskosten und einer fokussierten Projektstrategie.

Weitere Traditionsunternehmen der Wiener Börse

Semperit – Transformation eines Industrieklassikers

Semperit, die viertälteste börsennotierte AG in Wien, hat ihre Transformation von klassischen Gummiprodukten hin zu Industrie- und Polymeranwendungen weiter vorangetrieben. Aufgrund der Unsicherheiten rund um mögliche US‑Einfuhrzölle wurde die Ebitda‑Prognose leicht nach unten angepasst. Analysten rechnen jedoch ab 2026 wieder mit spürbaren Umsatz- und Ergebnissteigerungen, getragen von einer stabilisierten Nachfrage und Effizienzmaßnahmen im Konzern.

Linz Textil und Heid: Solide Fundamentaldaten, aber geringe Liquidität

Linz Textil

Linz Textil zählt zu den traditionsreichsten Industrieunternehmen an der Wiener Börse und wird im Standard Market Auction gehandelt. Die Gesellschaft weist eine Marktkapitalisierung von rund 72 Mio. Euro auf. Für 2024 meldete das Unternehmen einen Umsatz von 69 Mio. Euro sowie ein Ebit von 2,9 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote lag per 30. Juni bei sehr soliden 85 %, was die konservative Bilanzstruktur unterstreicht. Trotz der geringen Handelsliquidität bleibt Linz Textil ein stabiler, langfristig ausgerichteter Nischenplayer.

Maschinenfabrik Heid

Die Maschinenfabrik Heid, eines der ältesten börsennotierten Unternehmen Österreichs, weist eine Marktkapitalisierung von rund 5,4 Mio. Euro auf. Der letzte gehandelte Kurs lag Mitte September 2025 bei 1,38 Euro. Operativ ist die Gesellschaft seit Jahren nur noch sehr eingeschränkt aktiv und fungiert primär als Finanz- und Beteiligungsholding. Der Handel bleibt extrem illiquide, was die Aktie für institutionelle Anleger kaum investierbar macht.

Manner: Tradition, Markenstärke und steigender Cashflow

  • Der Süßwarenhersteller Manner zeigt seit mehreren Jahren eine kontinuierlich positive Entwicklung. Der Umsatz stieg zwischen 2019 und 2024 von 206,9 Mio. Euro auf 288,4 Mio. Euro. Besonders dynamisch entwickelte sich der Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit, der im selben Zeitraum von 11,3 Mio. Euro auf 44 Mio. Euro zulegte. Auch im 1. Halbjahr 2025 setzte sich der Ertragsanstieg fort. Nach einer längeren Seitwärtsphase könnte die Aktie angesichts der robusten Fundamentaldaten wieder neue Impulse erhalten.

Stadlauer Malzfabrik: Besitzgesellschaft mit stabiler Struktur

  • Die Stadlauer Malzfabrik AG, seit 1922 an der Wiener Börse gelistet, verfügt über eine Marktkapitalisierung von rund 29,1 Mio. Euro. Der Handel ist sehr illiquide, da die Gesellschaft primär als Besitz- und Beteiligungsholding für die Stamag Stadlauer Malzfabrik GesmbH fungiert. Die Struktur ist stabil, aber für den Kapitalmarkt bleibt das Unternehmen aufgrund der geringen Liquidität nur eingeschränkt relevant.

Die IPO‑Welle der 1980er‑Jahre – Neue Ära an der Wiener Börse

Die zweite Hälfte der 1980er brachte eine Belebung des Wiener Kapitalmarkts.

Lenzing (IPO 1985)

Der Faserhersteller zeigt traditionell zyklische Ertragsschwankungen und befindet sich aktuell in einer herausfordernden Marktphase.

Regionalbanken BKS, BTV und Oberbank (IPO 1986)

Alle drei Institute sind bis heute an der Wiener Börse gelistet und gelten als stabile Regionalbanken mit konservativen Geschäftsmodellen.

Versorger aus der Privatisierungsphase

Zu den bedeutendsten Privatisierungs‑Listings zählen:

  • OMV
  • Verbund
  • EVN

Sie prägen bis heute den österreichischen Leitindex.

🏛️ Welche der ältesten Unternehmen sind heute im ATX?

Die 20 ältesten in Wien gelisteten Unternehmen (Quelle: Wiener Börse)

ISIN Name Erstnotiz
AT0000609607 Porr AG 08.04.1869
AT0000831706 Wienerberger AG 15.04.1869
AT0000815402 UBM Development AG 10.04.1873
AT0000785555 Semperit AG Holding 27.09.1890
AT0000723606 Linz Textil Holding AG 28.07.1890
AT0000690151 Maschinenfabrik Heid AG 04.05.1906
AT0000728209 Josef Manner & Comp. AG 14.05.1919
AT0000797303 Stadlauer Malzfabrik AG 13.03.1922
AT0000644505 Lenzing AG 19.09.1985
AT0000624705 BKS Bank AG 01.07.1986
AT0000625108 Oberbank AG 01.07.1986
AT0000625504 BTV Vier Länder Bank AG 01.07.1986
AT0000743059 OMV AG 03.12.1987
AT0000641352 CA Immobilien Anlagen AG 20.04.1988
AT0000746409 Verbund AG 06.12.1988
AT0000741053 EVN AG 27.11.1989
AT0000767306 Rath AG 20.12.1989
AT0000640552 Burgenland Holding AG 14.05.1990
AT0000762406 Frauenthal Holding AG 10.06.1991
AT00000VIE62 Flughafen Wien AG 15.06.1992

 

Autor: Michael Kordovsky

 

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