AT&S neue Strategie: Wie der CEO‑Wechsel den Turnaround einleitete

Kurzfassung:
AT&S neue Strategie treibt den Turnaround unter CEO Mertin.
Kurs x10 seit 2025 durch Fokus auf High‑End‑Microelectronics.
Wandel vom Auftragsfertiger zum Entwicklungspartner.
Starke Nachfrage: mehr Kunden als Kapazität.
Umsatz +21 %, EBITDA‑Marge 23,3 %, Cashflow positiv.
Ergebnis noch negativ, daher keine Dividende.
Ausblick: 30–35 % organisches Wachstum, Marge bis 29 %.
Geplante Hybridanleihe bis 500 Mio. € zur Stärkung der Finanzierung.

(29.05.2026).

Kursverzehnfachung und neuer Führungsstil

Eine Verzehnfachung des Börsenkurses seit Anfang 2025 erregt selbst zu volatilen Zeiten erhöhte Aufmerksamkeit und muss wohl am neuen Kurs unter CEO Michael Mertin liegen, der sein Amt erst zu genanntem Zeitpunkt angetreten hat. Er selbst versucht es mit trockenen Worten zu erklären: „Unsere Bilanzsumme von 4,6 MrdE repräsentiert eingesetztes Kapital, das sich rechnen muss. Dazu müssen Sie immer ehrlich sein und nie etwas versprechen, das Sie nicht halten können“ – mit Betonung auf „immer“.

Hier muss man hinzufügen, dass das Unternehmen vor rund eineinhalb Jahren, wie es damals hieß, „gerade noch die Kurve gekratzt hat“, den Tod des Firmenpatriarchen Hannes Androsch und Unklarheiten in der Nachfolgeregelung ebenso inklusive wie die allgemeinen Unsicherheiten in der Halbleiterindustrie. Ersteres Problem wurde durch eine Neuinstallation und Verschlankung von Aufsichtsrat und Vorstand gelöst, zweiteres durch eine neue Unternehmensstrategie, die es an dieser Stelle näher zu beleuchten gilt.

Neue Unternehmensstrategie als Kern des Turnarounds

Vom Leiterplattenhersteller zum High‑End‑Microelectronics‑Partner

Wer ein Unternehmen neu aufstellen will, sollte zunächst seine (realen wie potenziellen) Kunden und deren Bedürfnisse betrachten. Hier stellte sich bald heraus, dass der eigentliche Bedarf nicht nur in bloßen Leiterplatten besteht, sondern diese als Subsystem höherer Anwendungen zu verstehen seien. Dem zu entsprechen sei nur durch Eingehen von Entwicklungspartnerschaften zu realisieren. So werde man vom Auftragsfertiger zum strategischen Partner und erhöhe das Potenzial der Kundschaft, so Mertin. Aufgezählt werden hier die Branchen Kommunikation, Robotik, Optoelektronik, Automobil sowie Flug- und Weltraumtechnik – und nicht zu vergessen die sogenannten „Hyperscaler“, also im Wesentlichen die „Magnificent Seven“, von denen der eine oder andere bereits zu den Kunden zählt. Zusammengefasst: AT&S entwickelt sich zum High-End-Microelektronikspezialisten.

Globale Standorte und „China for China“

Mertin betont dabei immer wieder, das Unternehmen hätte mehr Kunden als Kapazität, weswegen man auch an sämtlichen Standorten in Österreich, China, Indien und Malaysia festhält, diese aber teilweise neu aufstellt. Dabei gilt (wie auch bei anderen Industrieunternehmen) „China for China“. Bei anderen Märkten sei dies nicht überall möglich, so der CEO im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Sehr wohl aber kämen für den stark wachsenden Defense-Bereich „local for local“ nur NATO-Staaten in Frage.

Profitabilität, Cashflow und die finanzielle Realität

Starke operative Entwicklung trotz negativem Ergebnis

Was das Zahlenwerk betrifft, hat das Unternehmen freilich auch beim größten Vertrauen des Kapitalmarktes noch einen steilen Weg vor sich. Zwar ist der Umsatz im Geschäftsjahr 2025/26 währungsbereinigt um 21 % auf 1,8 Milliarden Euro gestiegen („alles organisch“, wie CFO Gerrit Steen betont), zwar wurde mit einem Ebitda von 418 Millionen Euro eine Marge von 23,3 % erreicht, und zwar wurde ein positiver operativer Cashflow von 236 Millionen Euro erwirtschaftet, aber das Konzernergebnis zeigt sich mit minus 25,6 Millionen Euro trotzdem noch negativ, weswegen für 2025/26 auch auf die Ausschüttung einer Dividende verzichtet wird. Immerhin hat sich das Konzernergebnis bereinigt um den seinerzeitigen Erlös aus dem Werk in Ansan (Südkorea) um 84 % verbessert.

Ausblick: Wachstum, Währungsrisiken und neue Finanzierung

Organisches Wachstum und Margenziele

Da AT&S mehr als 80 % seines Umsatzes in den USA erzielt, die Produktionskosten aber Großteils in asiatischen Währungen erfolgen und in Euro bilanziert wird, ist das Unternehmen hochgradig von Währungsschwankungen betroffen. Für das Geschäftsjahr 2026/27 erwartet sich der Vorstand ein weiteres, wie betont wird, profitables und organisches Umsatzwachstum von 30 bis 35 % mit einer Ebitda-Marge zwischen 25 und 29 % („währungsbereinigt“), wie angemerkt wird.

Hybride Anleihe zur Stärkung des Cashflows

Zufrieden zeigt sich der Vorstand damit freilich noch lange nicht, denn dem Unternehmen fehlt es nach wie vor an ausreichenden liquiden Mitteln, um die Kapazitäten erweitern zu können. Aus diesem Grunde plant man die Emission einer hybriden Anleihe mit einem Gesamtvolumen von bis zu 500 Millionen Euro, um eine ältere höherverzinste Hybridanleihe mit einem Volumen von 350 Millionen Euro zu tilgen und den Cashflow aus Finanzierungstätigkeit zu erhöhen (Hybride Anleihen werden aufgrund ihrer unbegrenzten Laufzeit als eigenkapitalähnlich gewertet). Auch wird weiter an der Kostenseite gefeilt.

Autor: Mag. Tibor Pasztory
Foto: Pablo Merchán Montes/Unsplash

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