Bei der Allianz stimmt das globale Umfeld

Versicherer muss aber neue Märkte erschließen, um höhere Kursregionen für die Aktie zu rechtfertigen.

Kurz-Zusammenfassung

  • Allianz steigert operativen Gewinn und peilt 17,4 Mrd. Euro für 2026 an
  • Globaler Versicherungsboom treibt strukturelles Wachstum
  • Indien wird zum Schlüsselmarkt für langfristige Expansion
  • Joint Ventures stärken Marktpräsenz in Schaden, Kranken und künftig Leben
  • Aktie nahe Allzeithoch, Bewertung moderat, aber Wachstumserwartungen gedämpft
  • Hohe Solvency-II-Quote ermöglicht Dividenden und Aktienrückkäufe
  • Einstiegschance bei Rücksetzern Richtung 370 Euro

Bei der Allianz stimmt das globale Umfeld

Operatives Wachstum trägt die Aktie

Versicherer muss aber neue Märkte erschließen, um höhere Kursregionen für die Aktie zu rechtfertigen.

(05.06.). Beim weltweit zweitgrößten Versicherer Allianz läuft es auch im neuen Geschäftsjahr. Der operative Gewinn kletterte im ersten Quartal um 6,6 % auf einen neuen Rekordwert von 4,5 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr sieht Vorstandschef Oliver Bäte den Dax-Konzern hier auf gutem Weg, die Jahresprognose von 17,4 Milliarden Euro zu erreichen. Zugleich bewegt sich die Aktie nahe ihres Allzeithochs bei 397 Euro, das sie Anfang Mai erreicht hatte.

Globaler Versicherungsboom treibt strukturelles Wachstum

Starke Dynamik in Kranken- und Schadenversicherung

Wie stark das strukturelle Wachstum der globalen Versicherungsmärkte aktuell ist, hat die im hauseigenen Allianz Research tätige Marktforschung mit ihrem gerade veröffentlichten Global Insurance Report 2026 untermauert. Demnach wuchs die globale Versicherungswirtschaft 2025 um 7,1 % auf 6,9 Billionen Euro, was deutlich über dem Zehnjahresschnitt von 5,6 % liegt. Besonders stark schnitten die Prämien der Krankenversicherer ab, die um 12,3 % zulegten und damit den besten Wert seit 2014 schafften. Dagegen normalisierte sich das Prämienwachstum im Schaden- und Unfallsegment nach dem Preisboom von 8,5 % im Vorjahr wieder auf 3,8 %.

Allianz: Asien, speziell Indien, wird zum Wachstumsmotor

Für die nächsten zehn Jahre erwartet Allianz Research ein globales Jahreswachstum von 5,3 %. Mehr als die Hälfte des prognostizierten Zuwachses von fast 5,3 Billionen Euro soll aus Asien kommen. Indien ragt dabei als Wachstumsmarkt heraus: Die Versicherungsdurchdringung liegt derzeit bei lediglich 3,8 % des BIP bei Pro-Kopf-Ausgaben von rund 85 Euro. Das Aufholpotenzial ist also enorm.

Allianz setzt strategisch auf Indien

Joint Ventures öffnen den Zugang zum Subkontinent

Über das gerade gegründete Joint Venture Jio Allianz General Insurance Limited (JAGIL) klinkt sich die Allianz in den indischen Markt ein. JAGIL soll auf dem Subkontinent Schaden- und Krankenversicherungen anbieten. Separat laufen Verhandlungen zu einem zweiten Joint Venture für das Geschäft mit Lebensversicherungen. Der Ausbau von Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz soll vor allem mit dem Großteil des verbleibenden Gewinns von 1,1 Milliarden Euro aus dem Verkauf des Bajaj-Joint-Venture finanziert werden.

Was die Aktie jetzt braucht: neue Wachstumsimpulse

Analysten uneins – Bewertung moderat

Um die Investoren weiter für den Kauf der Aktie der Allianz zu begeistern, braucht die Allianz neue Wachstumsimpulse. Neun Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf, sieben plädieren für Halten und zwei für Reduzieren. Die Kursziele schwanken zwischen 330 und 504 Euro. Mit einem 2027er KGV von unter 12 ist die Allianz-Aktie ähnlich bewertet wie die Papiere des italienischen Rivalen Generali. Und auch bei der für 2026 geschätzten Dividendenrendite von knapp unter 5 % liegen die beiden Versicherer gleichauf. Allerdings erwarten die Analysten bei Generali für die nächsten zwei Jahre ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 10 gegenüber 6 % bei der Allianz.

Solvency-II-Quote ermöglicht starke Kapitalrückflüsse

Aktienrückkäufe stützen den Kurs

Ein dicker Pluspunkt bei der Allianz ist die zuletzt weiter auf 221 % gestiegene Solvency-II-Quote, die sich damit am oberen Ende der historischen Bandbreite bewegt. Dieser Wert bestimmt maßgeblich, wie viel Spielraum Versicherer für Dividenden und Aktienrückkäufe haben. Kumuliert hat die Allianz seit März 842,5 Millionen Euro für Aktienrückkäufe eingesetzt. Das gesamte bis zum Jahresende laufende Rückkaufprogramm ist auf 2,5 Milliarden Euro angelegt, was den Aktienkurs weiter stützen wird.

Einstiegschance: Rücksetzer abwarten

Für neue Engagements in die Aktie empfiehlt es sich, Rücksetzer bis 370 Euro abzuwarten.

Autor: Stefan Riedel, München
Foto: Allianz

Diese Artikel könnte Sie auch interessieren:

Wie die zweite Säule die Pensionen stabilisieren kann

Merkur Vorstände: Politik darf „nicht alles schönfärben“