Rüstungsaktien: Die europäischen Profiteure der Aufrüstung
Die Unabhängigkeit von den USA soll wachsen. Für Anleger ergeben sich Chancen.
Kurzfassung
- Nato‑Staaten erhöhen ihre Verteidigungsbudgets kräftig – Europa will unabhängiger von den USA werden.
- Deutschland plant bis 2030 massive Mehrausgaben und stärkt die Bundeswehr.
- Rheinmetall, Renk und Thales melden neue Großaufträge und strategische Zukäufe.
- ETF bietet breite Streuung – Verluste sind dennoch möglich.
Europas Verteidigungsbudgets wachsen rasant
(17.07.2026). Der jüngste Gipfel des nordatlantischen Verteidigungsbündnisses war mit Spannung erwartet worden. Ein Ergebnis ist bemerkenswert: So werden die europäischen Länder ihre Verteidigungsausgaben nochmals kräftig erhöhen, auch um die Abhängigkeit von den USA zu verringern.
USA bleiben führend bei Militärausgaben
Derzeit sind die Vereinigten Staaten aber immer noch Spitzenreiter. Allein heuer investiert die Großmacht wechselkurs- und inflationsbereinigt rund 850 Milliarden US-Dollar in Verteidigung. Die restlichen 31 Nato-Mitglieder kommen auf insgesamt 634 Milliarden US-Dollar.
Deutschland erhöht Verteidigungsetat deutlich
Vor allem Deutschland verstärkt sein Engagement. Für 2027 sind im bundesdeutschen Kernhaushalt Ausgaben von rund 109,7 Milliarden Euro geplant. Dies ist ein Drittel mehr als 2026. Und bis zum Jahr 2030 sollen die Ausgaben auf knapp 184 Milliarden Euro wachsen. Hinzu sollen 2027 weitere rund 30 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen kommen.
Milliarden für Modernisierung der Bundeswehr
Das Geld fließt beispielsweise an den deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall, von dem die deutsche Bundeswehr etwa Munition und gepanzerte Fahrzeuge bestellt hat. Im April gab der Konzern einen weiteren Milliardenauftrag der Bundeswehr im Wert von 1,04 Milliarden Euro für Infanterieausrüstung bekannt. Die Aktie hat dennoch seit dem Hoch von knapp 2.000 E im vergangenen September zuletzt kräftig an Wert verloren.
Rheinmetall unter Druck trotz neuer Großaufträge
Dazu trugen mehrere Faktoren bei, so etwa das plötzliche Aus des Rüstungsprojekts zur Entwicklung der deutschen F126-Fregatte. Für Rheinmetall hätte es ein Auftragsvolumen von 12,8 Milliarden Euro bedeutet und wäre der größte Vertrag in der Unternehmensgeschichte gewesen. Zuvor hatte der Konzern außerdem mit seinem Jahresergebnis 2025 enttäuscht. Doch Rheinmetall bleibt am Ball und hat vor wenigen Tagen bekannt gegeben, mit dem US-Rüstungskonzern Lockheed Martin ATACMS-Raketen in Deutschland fertigen zu wollen.
Renk meldet Rekordaufträge
Auch Renk, Hersteller von Komponenten für die Antriebstechnik und Prüfsystemen, hegt große Pläne. Anfang Juli gab der Konzern den Kauf von David Brown Defence bekannt. Der britische Zulieferer produziert Hochpräzisionsgetriebe für Marine- und Landanwendungen. Mit diesem Schritt will Renk sich Zugang zu Marineprogrammen in Großbritannien, Kanada und Australien verschaffen.
Die Zahlen für das erste Quartal 2026 unterstreichen die Dynamik:
- 582,3 Mio. Euro Auftragseingang – Rekord für ein erstes Quartal
- 6,9 Mrd. Euro Auftragsbestand – ebenfalls Rekordwert
Marineschiffbauer TKMS mit U-Boot-Auftrag
Der deutsche Marineschiffbauer TKMS erhielt wiederum von Kanada den Auftrag zum Bau von bis zu zwölf U-Booten. Details werden noch ausgehandelt.
Thales stärkt Unterwasserkompetenz
Anderswo in Europa sind Branchenfirmen ebenfalls aktiv. Der französische Aerospace-Konzern Thales möchte den Unterwasserdrohnen-Spezialisten Exail übernehmen und sicherte sich dazu in einem ersten Schritt die Anteile der Gründerfamilie Gorgé in Höhe von 35,51 %. Mit dem Schritt möchte Thales seine Position im Markt für Unterwasserkriegsführung stärken.
Breite Streuung über ETF möglich
Viele der genannten Unternehmen – mit Ausnahme von Lockheed Martin – sind Teil des HANetf Future of European Defence Screened UCITS ETF. Der Index umfasst 26 europäische Verteidigungs‑ und Sicherheitsunternehmen, darunter:
- Saab (Schweden)
- Rolls‑Royce Holdings (Großbritannien)
- Bittium (Finnland; abhörsichere Kommunikationssysteme)
Anleger sollten beachten, dass trotz breiter Streuung Verluste möglich sind.
Fazit: Europas Verteidigungsindustrie im Umbruch
Europa erhöht seine Verteidigungsausgaben so stark wie seit Jahrzehnten nicht. Deutschland treibt die Modernisierung der Bundeswehr voran, während Unternehmen wie Rheinmetall, Renk und Thales ihre Kapazitäten ausbauen und neue Märkte erschließen. Für Anleger bleibt der Sektor dynamisch, aber volatil – und politisch stark beeinflusst.
Autor: Mag. Raja Korinek
Foto: Unsplash / Jennifer Salavarieta
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| Im Artikel vorgestellte Produkte und Aktien | |
| Name | ISIN |
| HANetf Future of European Defence Screened UCITS ETF | IE000I7E6HL0 |
| Bittium | FI0009007264 |
| Exail | FR0000062671 |
| Renk | DE000RENK730 |
| Rheinmetall | DE0007030009 |
| Rolls-Royce | GB00B63H8491 |
| Saab | SE0021921269 |
| Thales | FR0000121329 |
| TKMS | DE000TKMS001 |
