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Unterbewertete Aktien finden: Diese Kennzahlen zeigen echte Chancen

(9. Juli 2026)

Kurzfassung

Unterbewertete Aktien sind Unternehmen, deren Börsenkurs unter ihrem geschätzten fairen Wert liegt. Doch eine niedrige Bewertung allein macht noch keine Kaufchance. Entscheidend sind aussagekräftige Kennzahlen, ein solides Geschäftsmodell und mögliche Katalysatoren für eine Neubewertung.

Dieser Leitfaden zeigt, wie Anleger unterbewertete Aktien erkennen, welche Kennzahlen dabei zählen und wie sich sogenannte Value Traps vermeiden lassen.

Was sind unterbewertete Aktien?

Unterbewertete Aktien sind Titel, deren aktueller Börsenkurs unter dem geschätzten fairen Unternehmenswert liegt. Hinweise darauf liefern Kennzahlen wie KGV, EV/EBIT oder Eigenkapitalrendite (ROE).

Eine niedrige Bewertung kann unterschiedliche Gründe haben: eine zyklische Schwäche der Branche, vorübergehende Gewinnrückgänge, hohe Verschuldung oder schlicht geringes Interesse der Investoren.

Wichtig: Unterbewertung bedeutet nicht automatisch, dass der Kurs steigen wird. Die entscheidende Frage lautet deshalb:

Warum bewertet der Markt dieses Unternehmen derzeit so niedrig – und was könnte daran etwas ändern?

So finden Anleger unterbewertete Aktien

Die Suche nach unterbewerteten Aktien bildet die Grundlage des Value Investing. Anleger versuchen Unternehmen zu finden, deren Börsenbewertung niedriger ist, als es Gewinne, Cashflows und Geschäftsaussichten rechtfertigen.

Der Value-Investor Marc Renaud, Gründer von Mandarine Gestion und Leiter des Value-Teams, das unter anderem den europäischen Nebenwertefonds Mandarine Unique managt, bringt den entscheidenden Punkt auf den Punkt:

„Die Unterbewertung einer Aktie rechtfertigt für sich allein noch kein Investment.“

Für eine Kaufentscheidung sollten drei Faktoren zusammenspielen:

  • Bewertung: Ist die Aktie im Verhältnis zu Gewinn und Profitabilität tatsächlich günstig?
  • Geschäftsmodell: Ist das Unternehmen solide aufgestellt?
  • Katalysator: Gibt es einen Auslöser, der eine Neubewertung der Aktie ermöglichen könnte?

Welche Kennzahlen zeigen unterbewertete Aktien?

Eine einzelne Kennzahl reicht nicht aus, um eine Unterbewertung festzustellen. Anleger sollten mehrere Größen miteinander vergleichen.

Kennzahl Aussage
KGV Setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn. Ein niedriges KGV kann auf eine günstige Bewertung, aber auch auf schwache Gewinnaussichten hindeuten.
EV/EBIT Zeigt, wie hoch das operative Geschäft bewertet wird und berücksichtigt dabei auch die Verschuldung.
ROE Die Eigenkapitalrendite zeigt, wie effizient ein Unternehmen sein Eigenkapital einsetzt.
Free Cashflow Gibt Aufschluss darüber, wie viel Geld nach notwendigen Investitionen tatsächlich zur Verfügung steht.

Renaud nutzt für seine Vorauswahl vor allem EV/EBIT und ROE. Ein höheres EV/EBIT kann gerechtfertigt sein, wenn gleichzeitig eine hohe Profitabilität zu erwarten ist. Ein niedriges EV/EBIT wird hingegen besonders interessant, wenn das Unternehmen dauerhaft eine hohe Eigenkapitalrendite erzielt.

Kennzahlen sollten zudem mit früheren Jahren und mit Unternehmen derselben Branche verglichen werden. Ein niedriges KGV allein macht eine Aktie noch nicht günstig.

Geschäftsmodell und Bilanz prüfen

Nach der Vorauswahl folgt die Unternehmensanalyse. Anleger sollten unter anderem prüfen:

  • Wie verdient das Unternehmen sein Geld?
  • Wie stark ist seine Wettbewerbsposition?
  • Entwickeln sich Umsatz und Gewinne nachhaltig?
  • Wie solide ist die Bilanz?
  • Wie hoch ist die Verschuldung?
  • Wie entwickelt sich der Cashflow?
  • Gibt es langfristige Wettbewerbsvorteile?

Entscheidend ist, ob die niedrige Bewertung auf vorübergehende Probleme oder strukturelle Schwächen zurückzuführen ist.

Katalysatoren für steigende Kurse erkennen

Eine unterbewertete Aktie kann lange günstig bleiben. Deshalb sucht Renaud nach konkreten Auslösern, die zu einer Neubewertung führen könnten. Bei seinen Investments erwartet er innerhalb von drei bis sechs Monaten ein Kurspotenzial von mindestens 10 %.

Mögliche Katalysatoren sind:

  • steigende Gewinne und Margen
  • Schuldenabbau
  • zyklische Erholung einer Branche
  • Managementwechsel oder strategische Neuausrichtung
  • Restrukturierungen
  • Unternehmensübernahmen
  • sinkende Risikoaufschläge

Erst wenn sich die Erwartungen an die künftige Entwicklung verbessern, kann aus einer niedrigen Bewertung tatsächlich eine Kurschance entstehen.

Value Trap: Wenn eine günstige Aktie zur Falle wird

Nicht jede niedrig bewertete Aktie ist eine Kaufgelegenheit. Manche Unternehmen erscheinen dauerhaft günstig, weil ihre Probleme struktureller Natur sind. Anleger sprechen dann von einer Value Trap.

Warnsignale sind beispielsweise dauerhaft sinkende Gewinne, hohe Verschuldung, rückläufige Cashflows, schrumpfende Absatzmärkte oder eine nachlassende Wettbewerbsfähigkeit.

Deshalb sollte ein niedriges KGV nie das einzige Kaufargument sein. Entscheidend ist, ob realistische Gründe für eine Verbesserung des Geschäfts und damit für eine Neubewertung der Aktie bestehen.

Österreichische Nebenwerte mit Nachholpotenzial

Auch an der Wiener Börse gibt es Unternehmen, die im Schatten der großen ATX-Werte stehen. Gerade bei kleineren Titeln können eine niedrige Bewertung, steigende Gewinne und neue Wachstumsimpulse interessant werden.

→ Welche österreichischen Nebenwerte derzeit mit soliden Gewinnaussichten und möglichem Kurspotenzial auffallen, lesen Sie hier: 5 österreichische Nebenwerte mit Potenzial

Kaufen und Verkaufen: Disziplin gehört zur Strategie

Renaud legt bereits beim Kauf eines Titels ein Verkaufsziel fest. Grundlage ist die erwartete Rückkehr von Profitabilität und Bewertung zum Mittelwert.

Steigt der Kurs, reduziert er seine Position schrittweise. Wird das Kursziel erreicht, verkauft er vollständig. Ändern sich die fundamentalen Voraussetzungen, kann er auch vorher verkaufen – selbst wenn dabei ein Verlust entsteht.

Damit soll verhindert werden, dass aus einer ursprünglich rationalen Investmententscheidung ein dauerhaftes Festhalten an einer Aktie wird.

Fazit: Unterbewertete Aktien brauchen mehr als ein niedriges KGV

Unterbewertete Aktien zu finden bedeutet nicht, möglichst billige Titel zu kaufen. Entscheidend ist die Kombination aus attraktiver Bewertung, solidem Geschäftsmodell und einem möglichen Katalysator für steigende Kurse.

Für Anleger heißt das: Kennzahlen liefern die Vorauswahl. Ob daraus tatsächlich eine Kaufchance wird, entscheidet erst die Analyse des Unternehmens und seiner Perspektiven.

Anneliese Proissl

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