AT&S-Aktie: KI-Boom beschleunigt den Turnaround
KKI-Boom und neue Großkunden treiben das Wachstum von AT&S. Die Prognose für 2026/27 wurde deutlich angehoben.
AT&S-Aktie: Prognose und wichtigste Zahlen
Das Wichtigste in Kürze
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Strategie: AT&S setzt unter CEO Michael Mertin verstärkt auf High-End-Microelectronics.
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Wachstumstreiber: KI und High-Performance Computing sorgen für eine steigende Nachfrage nach IC-Substraten.
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Quartalszahlen: Umsatz im ersten Quartal 2026/27 um 37,5 % auf 548,7 Millionen Euro gestiegen.
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Profitabilität: EBITDA-Marge auf 30,1 % verbessert, Periodengewinn von 40,8 Millionen Euro.
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AT&S-Aktie – Prognose 2026/27: Umsatzwachstum von 45 bis 55 % und bereinigte EBITDA-Marge von 32 bis 37 % erwartet.
Aktualisiert am 23.09.2026
Die AT&S-Aktie zählt zu den auffälligsten Turnaround-Titeln an der Wiener Börse. Hinter der Kursentwicklung steht auch ein tiefgreifender strategischer Umbau: Unter CEO Michael Mertin positioniert sich AT&S zunehmend als Technologiepartner für High-End-Microelectronics. Besonders die Nachfrage nach IC-Substraten für Künstliche Intelligenz (KI) und High-Performance Computing sorgt inzwischen für zusätzliches Wachstum.
Wie stark sich die operative Entwicklung verbessert hat, zeigen die jüngsten Zahlen. Im ersten Quartal 2026/27 stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 37,5 % auf 548,7 Millionen Euro, währungsbereinigt betrug das Plus 40 %. Das EBITDA erhöhte sich um 134 % auf 165 Millionen Euro, die EBITDA-Marge erreichte 30,1 %. Das EBIT von 73,4 Millionen Euro lag bereits über den 65,6 Millionen Euro des gesamten vorangegangenen Geschäftsjahres. Nach einem Verlust von 55,9 Millionen Euro im Vorjahresquartal erzielte AT&S einen Periodengewinn von 40,8 Millionen Euro.
Neuer Führungsstil als Ausgangspunkt
Dabei sah die Situation vor nicht allzu langer Zeit deutlich schwieriger aus. Hohe Investitionen und Unsicherheiten in der Halbleiterindustrie belasteten das Unternehmen. Hinzu kamen der Tod des langjährigen Firmenpatriarchen Hannes Androsch und Fragen rund um die Neuordnung der Führung.
Mit der Anfang 2025 die Führung übernahm, begann auch eine strategische Neuausrichtung. Mertin bringt seinen Ansatz nüchtern auf den Punkt: „Unsere Bilanzsumme von 4,6 Mrd Euro repräsentiert eingesetztes Kapital, das sich rechnen muss. Dazu müssen Sie immer ehrlich sein und nie etwas versprechen, das Sie nicht halten können“ – mit Betonung auf „immer“.
Neben Veränderungen und einer Verschlankung von Aufsichtsrat und Vorstand wurde auch die Unternehmensstrategie neu ausgerichtet.
Vom Leiterplattenhersteller zum Technologiepartner
Wer ein Unternehmen neu aufstellen will, sollte zunächst seine realen wie potenziellen Kunden und deren Bedürfnisse betrachten. Dabei zeigte sich, dass der Bedarf weit über die bloße Herstellung von Leiterplatten hinausgeht. Sie sind zunehmend als Subsystem höherer Anwendungen zu verstehen.
AT&S setzt deshalb stärker auf Entwicklungspartnerschaften. Das Unternehmen will sich damit vom Auftragsfertiger zum strategischen Technologiepartner seiner Kunden entwickeln. Zu den relevanten Märkten zählen Kommunikation, Robotik, Optoelektronik, Automobil sowie Flug- und Weltraumtechnik. Eine immer wichtigere Rolle spielen zudem große Technologiekonzerne und sogenannte Hyperscaler.
AT&S positioniert sich damit zunehmend als Spezialist für High-End-Microelectronics.
KI wird zum Wachstumstreiber
Besonders deutlich zeigt sich der Strategiewechsel bei Anwendungen für Künstliche Intelligenz und High-Performance Computing. AT&S baut seine Zusammenarbeit mit dem Chiphersteller AMD und dem US-Technologiekonzern Marvell Technology aus. Im September bestätigte AT&S, dass Marvell jener zweite Großkunde ist, für den zusätzliche Produktionskapazitäten geschaffen werden sollen.
Am Standort Kulim in Malaysia plant AT&S dafür Investitionen von insgesamt 1,5 bis 2 Milliarden Euro. Vorgesehen sind der weitere Ausbau des zweiten Werks und eine neue Produktionsanlage für IC-Substrate und fortschrittliche Chipverpackungstechnologien. Langfristige Kundenvereinbarungen sollen die Investitionen absichern. Die erweiterte Kooperation mit Marvell stärkt damit die Wachstumsperspektiven im Geschäft mit KI-Rechenzentren.
AT&S: Prognose für 2026/27 deutlich angehoben
Angesichts der hohen Nachfrage erhöhte AT&S bereits im Juni seine Prognose für das Geschäftsjahr 2026/27. Statt eines währungsbereinigten Umsatzwachstums von 30 bis 35 % erwartet der Konzern nun 45 bis 55 %. Die prognostizierte EBITDA-Marge wurde von 25 bis 29 % auf 32 bis 37 % angehoben. Nach dem starken ersten Quartal bestätigte der Vorstand diesen Ausblick.
Globale Standorte und „China for China“
Mertin sagte im Gespräch mit dem Börsen-Kurier, AT&S habe mehr Kunden als Kapazität. Das Unternehmen hält deshalb an seinen Standorten in Österreich, China, Indien und Malaysia fest, stellt diese aber teilweise neu auf.
Für China gilt dabei „China for China“. Bei anderen Märkten sei eine solche regionale Trennung nicht überall möglich, so der CEO im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Für den stark wachsenden Defense-Bereich kämen bei einem „local for local“-Ansatz hingegen nur NATO-Staaten infrage.
Auch in Chongqing erweitert AT&S seine Kapazitäten für High-End-IC-Substrate. Das Unternehmen begründete diesen Schritt mit der zusätzlichen Nachfrage eines Großkunden, ausgelöst durch den steigenden Bedarf an Rechenleistung für KI-Anwendungen.
Profitabilität verbessert sich deutlich
Der Strategiewechsel zeigt sich zunehmend in der Profitabilität. Im Geschäftsjahr 2025/26 war der Umsatz währungsbereinigt um 21 % auf rund 1,8 Milliarden Euro gestiegen. Das EBITDA erreichte 418 Millionen Euro und eine Marge von 23,3 %. Das Konzernergebnis war mit minus 25,6 Millionen Euro allerdings noch negativ.
Im ersten Quartal 2026/27 gelang nun auch beim Ergebnis der Sprung ins Plus. Neben dem Periodengewinn von 40,8 Millionen Euro verbesserte sich das Ergebnis je Aktie von minus 1,55 Euro im Vorjahresquartal auf plus 0,93 Euro. Der operative Free Cashflow blieb mit 5 Millionen Euro positiv. Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit betrug 39,9 Millionen Euro.
Bereits im Geschäftsjahr 2025/26 führte AT&S die Ergebnisverbesserung unter anderem auf höhere Volumina, das Kosten- und Effizienzprogramm sowie ein besseres Preisumfeld zurück.
Währungen bleiben ein wichtiger Faktor
AT&S erzielt mehr als 80 % seines Umsatzes mit US-amerikanischen Unternehmen und generiert den Großteil der Erlöse in US-Dollar. Gleichzeitig fallen wesentliche Teile der Produktionskosten in asiatischen Währungen an, während das Unternehmen in Euro bilanziert. Währungsschwankungen können Umsatz und Ergebnis daher erheblich beeinflussen. AT&S gibt seine aktuelle Wachstumsprognose deshalb währungsbereinigt an.
Daneben bleiben geopolitische Risiken und mögliche Engpässe bei bestimmten Materialien Unsicherheitsfaktoren. Diese Risiken sind nach Angaben des Unternehmens in der aktuellen Prognose nicht berücksichtigt.
AT&S stärkt die Finanzierung
Der Ausbau der Kapazitäten erfordert erhebliche finanzielle Mittel. Ein im Mai noch geplanter Finanzierungsschritt wurde inzwischen umgesetzt: Im Juni platzierte AT&S eine tief nachrangige Hybrid-Wandelschuldverschreibung ohne Laufzeitende über 400 Millionen Euro. Bis zum ersten Zinsanpassungstag im Juni 2031 beträgt der Zinssatz 2,5 % pro Jahr.
Die Eigenkapitalquote erhöhte sich per Ende Juni auf 29,0 %, nach 22,6 % zum Ende des Geschäftsjahres 2025/26. Das Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA verbesserte sich von 3,2 auf 1,9.
Für das laufende Geschäftsjahr plant AT&S Nettoinvestitionen von rund 1 bis 1,2 Milliarden Euro. Trotz des hohen Investitionsvolumens erwartet der Vorstand einen positiven operativen Free Cashflow.
AT&S-Aktie: Sehen Analysten noch Kurspotenzial?
Trotz des starken Kursanstiegs sehen mehrere Analysten weiteres Potenzial für die AT&S Aktie, allerdings gehen die Einschätzungen ungewöhnlich weit auseinander. ODDO BHF stufte AT&S Anfang September von „Neutral“ auf „Outperform“ hoch und erhöhte das Kursziel von 160 auf 220 Euro. Die Deutsche Bank bestätigte nach den jüngsten Quartalszahlen ihre Kaufempfehlung und hob das Kursziel von 310 auf 320 Euro an.
Cantor Fitzgerald nennt 245 Euro, während Aletheia Capital mit 600 Euro besonders optimistisch ist. Deutlich skeptischer ist Berenberg: Die Bank empfiehlt die Aktie zum Verkauf und setzt das Kursziel bei lediglich 100 Euro an. Die Erste Group überarbeitet ihre Einschätzung derzeit. Stand 4.9.2026.
Die große Bandbreite zeigt, wie viel von der weiteren Geschäftsentwicklung abhängt. Für die optimistische Sicht sprechen das starke Wachstum, die deutlich gestiegene Profitabilität und die hohe Nachfrage nach IC-Substraten für KI und High-Performance Computing. Gleichzeitig hat die Aktie bereits einen erheblichen Teil des Turnarounds vorweggenommen. Entscheidend wird daher sein, ob AT&S die hohen Wachstums- und Margenziele tatsächlich erreicht und die milliardenschweren Kapazitätserweiterungen in entsprechend steigende Gewinne und Cashflows übersetzen kann.
Fazit: AT&S Aktie mit deutlich besseren Zahlen
Der Turnaround von AT&S ist inzwischen mehr als eine Börsenstory. Der Strategiewechsel hin zu High-End-IC-Substraten, KI-Anwendungen und engeren Entwicklungspartnerschaften schlägt sich zunehmend in Umsatz und Ergebnis nieder. Das starke erste Quartal und der deutlich angehobene Ausblick liefern dafür operative Belege.
Der Wachstumskurs bleibt allerdings kapitalintensiv. Gleichzeitig ist AT&S von Währungen, der Halbleiterkonjunktur und geopolitischen Entwicklungen abhängig. Für die weitere Entwicklung der AT&S Aktie wird deshalb entscheidend sein, ob das hohe Wachstum dauerhaft in steigende Gewinne und Cashflows übersetzt werden kann.
Autor: Mag. Tibor Pasztory
aktualisiert von Anneliese Proissl
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