Aktien wie im Supermarkt

Börsen zwischen Hoffen und Bangen. Viele gute Aktien sind aktuell um 20 % billiger als zu Jahresbeginn.

Bankhaus Krentschker. Die Zwischenbilanz des bisherigen Börsenjahres erinnert an die viel zitierte Hochschaubahn. Startete das Jahr noch mit neuen Rekorden an den Aktienmärkten, so war spätestens Ende Feber klar, dass der Coronavirus keine asiatische Angelegenheit bleibt. Die Börsen gingen Anfang März in den Krisenmodus und erlebten einen Rückgang in einem Satz ohne nennenswerter Kurserholung. Der „Schwarze Schwan“ hatte zugeschlagen: Ein Ereignis, das völlig unberechenbar und wie aus dem Nichts ein System beinahe aus den Angeln hebt. Zwischenzeitlich scheint der Märzschock etwas verdaut und es wird Zeit, sich wieder nach soliden Werten an den Börsen umzusehen, schreiben die Experten der Bankhaus Krentschker & Co. AG in einem aktuellen Marktkommentar.

Monetärer Tsunami
Wie bei jeder Krise ist trotz der Dramatik ein nüchterner Blick empfehlenswert. Diesmal waren die Vorzeichen im doppelten Sinne anders. Auf der einen Seite mediale und reale Panik, da der Virus bei uns allen im Alltag angekommen und Verunsicherung ausgelöst hat. Andererseits aber auch die Erkenntnis, dass die Ursache nicht in der Wirtschaft zu suchen ist, wie etwa im Jahr 2008 innerhalb des Finanzsektors, sondern eben extern durch einen kleinen Virus ausgelöst wurde. Obwohl die Maßnahmen anfänglich rigorose Einschnitte erforderten, war schnell klar, dass auch die Erholung nicht lange auf sich warten lässt. Die Politik startete beispiellose Hilfsprogramme rund um den Globus. In Summe stehen weltweit mittlerweile rund 7 BioUSD an Hilfen, Förderungen und sogar Helikoptergeld, also Geldgeschenke quer über die Bevölkerung, bereit. Dieser monetäre Tsunami trifft nun auf eine sich verknappende Güternachfrage und sogleich wurden Stimmen laut, dass dies die Inflation in kurzer Zeit anheizen könnte. Gold hat folgerichtig den Weg nach oben gefunden und Rohöl sackte aufgrund der abfallenden Wirtschaftsleistung ab. Ein Streit der weltweit führenden Ölproduzenten verschärft diese Krise noch, sodass der Rohölpreis derzeit auf dem niedrigsten Niveau seit Jahrzehnten notiert. Und ein Ende nach unten ist in diesem erbarmungslos absurden Streit und der massiven Überproduktion aufgrund sinkender Nachfrage und übervoller Lager nicht abzusehen. Billige Rohstoffe sind aber grundsätzlich für die Unternehmen positiv.

Die Nebel lichten sich rasch
Sieben Wochen nach Ausbruch der Krise in Europa sollte man erste Schlussfolgerung für die weitere Zukunft ziehen. Das Bankhaus Krentschker hat schon früh den Vergleich zu anderen pandemieartigen Krankheiten der letzten 30 Jahre gezogen und aufgezeigt, dass diese das Zeug haben, abgestürzte Börsen überproportional schnell wieder aufzurichten. Sehr oft wurden in der Vergangenheit in darauffolgenden Monaten sogar neue Höchststände an den Aktienmärkten verzeichnet, sodass eine rasche Erholung auch diesmal nicht wirklich überraschend ist. Solche Krankheitsverläufe starten explosionsartig, aber wurden bisher immer wieder sehr schnell unter Kontrolle gebracht. So auch diesmal. Die Börsen honorierten dies und erholten sich vom Märzschock schon wieder deutlich. Überholt sind die ersten Horrorschätzungen von Ökonomen, die einen BIP-Absturz von bis zu 25 % für die führenden Wirtschaftsnationen vorhergesagt hatten. In der Zwischenzeit hat man sich auf mittlere einstellige Minuszahlen in der Erwartung eingependelt. Rund 50 % des Absturzes sind an den Aktienbörsen nun aufgeholt. Die Frage, wie es in der Wirtschaft weitergeht, ist für mittelfristige Anleger weiter sekundär.

Zu seinen Investments stehen
Klar ist, dass die Erholung kommen wird. Die ersten Maßnahmen wirken sehr gut und das „Hochfahren“ der Wirtschaft beginnt wie der Frühling die Temperaturen steigen lässt. Die „alte“ Normalität wird zwar sicherlich erst mittelfristig mit einer erfolgreichen Impfung erreicht, aber sie wird erreicht werden. Und alleine das ist aktuell wichtig. Darüber hinaus sollte man in dieser turbulenten Zeit zu seinen Investments stehen bzw. den offenen Supermarkt der Wertpapiere zum Nachkauf nutzen, da viele gute Werte um 20 % billiger als zu Jahresbeginn sind. Zusätzlich muss man überlegen, welche Unternehmen von dieser Krise profitieren werden. Die Digitalisierung wird schneller vorankommen und alle Firmen, die in diesem Segment ihr Geld verdienen, stehen auf der Einkaufsliste ganz oben. Aber auch Firmen im Gesundheitswesen oder in der Energiegewinnung können punkten. Speziell auch Ölwerte werden nach dem Streit der OPEC+ und der aktuellen Überproduktion wieder ihren Weg nach oben finden. Auf alle Fälle müssen Sie nach innen kerngesund sein, genug Vermögensreserven halten und Platzhirsche ihrer Branche sein.

Vorsicht ist allerdings bei Unternehmen, die im weiteren Sinne im Tourismus beheimatet sind oder damit ihr Geld verdienen, angebracht. Sie werden noch länger bis zur „Normalität“ brauchen. Doch auch unter diesen kann man sich spekulativ die gesündesten Exemplare heraussuchen und in diese investieren, denn sie werden aktuell deutlich unter Buchwert gehandelt. In diesem Segment ist die Diversifikation noch wichtiger, aber der Hebel zum möglichen Erfolg dafür umso attraktiver.

Rückschläge
Schlechte Unternehmensmeldungen, die jetzt vermehrt auf den Markt kommen, werden weiter zwischenzeitlich zu Rückschlägen an den Börsen führen. Es wird erkennbar sein, dass für längere Zeit die „neue“ Normalität nicht die „alte“ Normalität sein wird. Verluste, verlängerte Kurzarbeit und Hilfsgesuche machen täglich die Runde. So zeigt der vom Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhobene Index der momentanen Konjunkturlage mit minus 91,5 Punkten ein düsteres Bild, jedoch stieg der Index der Konjunkturerwartung auf ein Niveau von 28,2 Punkten an. Das ist gegenüber dem Vormonat eine deutliche Verbesserung. Diese Konstellation zwischen aktueller Lage und Zukunftserwartung gab es zuletzt in der Finanzkrise im April/Mai 2009. Damals wie heute gilt aber, dass an den Börsen die Zukunft und nicht die Gegenwart gehandelt wird. In den nächsten Monaten muss nun genau beobachtet werden, ob die Krise nun effektive Insolvenzen mit sich zieht, wie die Banken, die in der Regel deutlich besser als vor zehn Jahren aufgestellt sind, diese Last abfedern können und ob staatliche Hilfsprogramme die finanzielle Stabilität gefährden, so Krentschker.

Neues altes Szenario
Auf Italien muss besonders geachtet werden, wenngleich Europa eine Lösung finden wird, wenn auch nicht in gemeinsamen Euro-Corona-Bonds. Da die Renditeaufschläge für die verschuldeten und in der derzeitigen Krise besonders belasteten Staaten aktuell weiterhin nahe dem Normalbereich liegen, liegt der Schluss nahe, dass die EZB bereits im Hintergrund sehr aktiv die Fäden zieht.  Somit gilt als wahrscheinlichstes Szenario, dass die Zinsen weiterhin niedrig bleiben und die Beschwörer der Hyperinflation noch weitere Jahrzehnte auf die Erfüllung ihrer Prognosen warten müssen. Die zusätzliche Geldmenge, die nun in signifikant höherem Ausmaß als in der letzten Finanzkrise auf den Markt kommt, wird erstens von den Notenbanken wieder rechtzeitig vom Markt abgezogen werden und zweitens wird ein noch größerer Teil davon in Wertpapiere, speziell Aktieninvestments wandern. Somit hätten wir exakt das gleiche Szenario, welches uns nun schon in den letzten Jahren seit der Finanzkrise 2008 begleitet hat. Das alles sind Anzeichen einer mittelfristig sehr positiven Entwicklung auf den Aktienmärkten, die primär nur durch einen herben Rückschlag in der Bekämpfung des Virus gestört werden kann. Eine zweite Infektionswelle oder das Ausbleiben eines mittelfristig verfügbaren Impfstoffs wären nicht nur aus dem Aspekt der Gesundheit heraus eine schlimme Situation, sondern würden auch das jetzige Marktniveau keineswegs mehr rechtfertigen. Aber die aktuellen Nachrichten aus der Medizin können uns durchaus optimistisch in die Zukunft blicken lassen.

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Versorger: Langfristiger Trend zu Elektrifizierung intakt

Festgelegte Tarife und solide Dividenden sprechen laut Experten für Versorgeraktien.

Raja Korinek. Es ist zurzeit ein schwieriges Börsenumfeld. Nur wenige Sektoren blieben von den heftigen Kursschwankungen verhältnismäßig verschont, wie etwa die Technologie- oder die Gesundheitsbranche. Dennoch hat Hagen Ernst, stellvertretender Leiter des Bereichs Research und Portfoliomanagement bei der DJE Kapital AG, ein Auge auf die Versorgerbranche geworfen.

Er sagt, „angesichts der Ungewissheit, wie stark die weltweite Rezession ausfallen wird, eignen sich Versorger mit relativ stabilen Gewinnen für die aktuelle Börsenlage“. Ernst meint, die Branche sollte grundsätzlich vom Trend zur Elektrifizierung profitieren. Trotz Energieeffizienzmaßnahmen werde die Stromnachfrage aufgrund etwa der zunehmenden Verbreitung von Elektroautos, der Umstellung von Heizungen auf umweltfreundliche strombetriebene Wärmepumpen sowie dem Ausbau der Kapazitäten von Datenzentren stabil bleiben – oder sogar leicht steigen. Kurzfristig dürfte die Stromnachfrage allerdings unter dem schwachen Wirtschaftsumfeld leiden.

Regulierte Versorger im Fokus
Ernst hat insbesondere regulierte Versorger im Fokus. Sie kassieren eine fixe Vergütung auf ihr Kapital, wie zum Beispiel Strom- oder Gasnetze oder Kraftwerke. Und das hat seine Vorteile. Die Gewinne daraus sind praktisch garantiert. Einzig: „Die Gewinne können nur über eine Ausweitung der regulierten Kapitalbasis in Form von Wachstumsinvestitionen steigen.“ Damit sei das Gewinnwachstum begrenzt. Weltweit hat Hongkong das sicherste Regulierungsumfeld „Dort ist etwa der Versorger HK Electric vollständig reguliert. Und die Regulierungsperiode von 15 Jahren mit einer aktuellen Restlaufzeit von 14 Jahren bedeutet eine extrem hohe Planungssicherheit“, so Ernst.

Auch Europa lockt
Und wie sieht es in Europa aus? In Deutschland stammen bei E.ON gut 80 % des operativen Gewinns aus regulierten Strom- und Gasnetzen. Angesichts geplanter Synergien von 740 Mio Euro durch den Zusammenschluss mit Innogy stellt E.ON für 2020 bis 2022 ein jährliches EBIT-Wachstum von

7 bis 9 % in Aussicht, sagt Ernst. Was hinzukommt: Vergangenen Herbst reichten RWE, EnBW und E.ON beim deutschen Bundesumweltministerium eine Forderung von 276 Mio Euro als Schadenersatz für den Ausstieg aus der Atomkraft ein. Dieser soll nach aktuellem Fahrplan bis 2022 erfolgen.

Obendrein winken interessante Dividendenrenditen etwa bei RWE (rund 3,37 %) und E.ON (5,33 %). Und bei der EVN beträgt die aktuelle Dividendenrendite rund 3,70 %. Erst im März verkaufte im Übrigen die EnBW ihren 28,35 %igen EVN-Anteil an die Wiener Stadtwerke. Zudem dürfte bei allen drei Unternehmen keine Dividendenkürzung anstehen.

Gehebelte Chancen
Für Anleger gibt es die Möglichkeit, abseits eines Direktinvestments, z.B. mittels Turbo-Long-Zertifikate, gehebelt auf die Kursentwicklung zu setzen. Auf die EVN bietet beispielsweise die Erste Group ein solches Produkt an (ISIN: AT0000A1BPH9). Der aktuelle Hebel liegt bei rund 2,2. Wird die Barriere von 8,808 Euro berührt oder unterschritten, verfällt das Zertifikat. Auf RWE bietet die UniCredit ein Turbo-Long-Zertifikat an (DE000HX0AX37). Der aktuelle Hebel liegt bei 2,2 und die Barriere bei 14,082 Euro. Und auch auf Eon bietet die UniCredit ein solches Produkt an (DE000HZ 1LKT5). Der aktuelle Hebel liegt hier bei rund 2,4, die Barriere bei 5,193 Euro.

Foto: EVN / Rumpler

 

 

Ölinvestments: Welche Chancen es jetzt gibt

Mit Zertifikaten kann man auch in einem sehr turbulenten Umfeld profitieren.

Raja Korinek. Das triste Umfeld hat nicht nur die weltweiten Börsen erfasst. Besonders heftige Kurskapriolen gab es zuletzt am Ölmarkt. Allein am Montag, den 20.4., stürzte der Preis für eine Öl-Lieferung der US-Sorte WTI auf minus 37,63 USD je Fass – und betrat damit Neuland. Genauer gesagt ging es um den Verfall des Mai-Futures auf die besagte Ölsorte, der kurz darauf fällig war.

Doch worum geht es? Bei sogenannten Futures wetten Anleger anhand von Derivaten auf die künftige Preisentwicklung eines Produktes – in diesem Fall auf den Ölpreis. Dessen Zukunft sah zuletzt wenig rosig aus. Auf der Nachfrageseite zeichnet sich ein schwerer Rückgang aufgrund der Corona-Krise ab. Und das belastet die Angebotsseite. Zu allem Überfluss gab es zuletzt auch nicht mehr genügend Lagerkapazitäten für das immer weiter wachsende Angebot an Öl.

Künftiger Ölpreis im Fokus
Wie rasch sich der Ölpreis erholen wird, bleibt freilich abzuwarten. Jedenfalls könnten Teile der weltweiten Wirtschaft allmählich wie-der in die Gänge kommen, erste Maßnahmen werden inzwischen gelockert.

Doch welche Investmentchancen gibt es in diesem Umfeld für Öl? Das Bankhaus Vontobel bietet beispielsweise das „Vontobel Oil-Strategy Zertifikat“ (ISIN: DE000V N6S G00) an, bei dem mehrere Komponenten im Fokus stehen. Vor allem auf die künftige Ölpreisentwicklung wird großes Augenmerkt gelegt. Und das aus gutem Grund. Rechnen Spekulanten damit, dass der Preis demnächst steigen wird, verlangen sie freilich schon heute einen Aufschlag beim Abschluss eines Futures gegenüber dem aktuellen Ölpreis – auch wenn es kein Garant ist, dass der Ölpreis tatsächlich steigen wird. In solch einer Situation, in der ein Future mehr kostet als der aktuelle Ölpreis, ist der Markt im „Contango“, wie es im englischen Fachjargon genannt wird.

Freilich, genauso gut können Spekulanten darauf wetten, dass der Ölpreis in naher Zukunft weniger kosten wird, als er es aktuell tut. Das passiert dann, wenn mit einem weiteren Abflauen der Konjunktur gerechnet wird, somit mit einem geringeren Ölverbrauch. Dann kosten die Futures, mit denen man auf den künftigen Ölpreis schon heute wettet, schließlich weniger als der aktuelle Ölpreis.

In solch einer Situation zahlt man dann nicht mit einem Future-Geschäft drauf, sondern verdient stattdessen an dem Preisunterschied zwischen dem aktuellen und dem – günstigeren – Future-Preis für Öl. Das nennt man im englischen Fachjargon übrigens „Backwardation“.

US-Ölaktien als Alternative
Ist der Markt tatsächlich in Backwardation, mischt das Vontobel-Zertifikat bei den Wetten auf den künftigen Ölpreis mit. Ist es der Markt hingegen in Contango, so wie er es derzeit ist, setzt das Zertifikat stattdessen auf einen Korb an Ölaktien. Genauer gesagt sind es zehn Titel aus Nordamerika. Zu den größten Gewichtungen zählen etwa Chevron (US1667641005), Exxon (US30231G1022) und Philipps 66 (US7185461040).

Einzig, Anleger sollten beachten, dass einige Ölkonzerne ihre bislang durchaus lukrativen Dividenden womöglich kürzen dürften, was angesichts des Ölpreissturzes verständlich ist.

Alternativ kann für risikobereitere Anleger ein „Turbo-Long-Zertifikat“ der Société Générale (DE000CL86MY2) auf Brent-Öl interessant sein. Der aktuelle Hebel liegt bei rund 2,5. Um diesen verändert sich der Kurs des Zertifikats im Verhältnis zum Basiswert. Wird aber die Marke von 16,86 USD berührt oder unterschritten, verfällt das Zertifikat.

Foto: Pixabay / jp26jp

 

 

Krise beschleunigt disruptive Wachstumstrends

Ein Kommentar von Mark Hawtin, Investment Director für Technologieaktien bei GAM Investments

22.04. Gegen Ende des vergangenen Jahres erschienen die Aktienbewertungen an den Märkten allmählich überzogen und das Verhältnis zwischen Wachstums- und Substanzwerten hatte extreme Niveaus erreicht. Aus der Erfahrung mit ähnlichen Situationen in der Vergangenheit, beispielsweise aus den Jahren 2015/2016, wissen wir, dass dieses Verhältnis abrupt umschlagen kann. Daher erschien uns eine ausgewogenere Einschätzung zu Beginn des Jahres 2020 angebracht. Angesichts der jüngsten Ausverkäufe an den Märkten aufgrund der Covid-19-Pandemie war diese Haltung vernünftig.

Es gibt weitere interessante Beobachtungen, wie die Märkte häufig Muster aus der Vergangenheit replizieren. Wir beobachten zum Beispiel, dass sich die Märkte – und insbesondere Technologieaktien – ähnlich verhalten haben wie während der globalen Finanzkrise 2008. Abgesehen davon, dass der Ausverkauf während der Virus-Krise heftiger und die erste Etappe der Erholung größer ausfiel, war der Umfang der gesamten Bewegung bisher ähnlich. Der Unterschied ist, dass der Technologiesektor während der jüngsten Bewegung besser abgeschnitten hat als der Gesamtmarkt. Dies zeugt möglicherweise von der strukturellen Natur dieser Disruptions-Welle. Ein Analyst bezeichnete Amazon sogar als modernen Versorger. Tatsächlich ist Amazon ein Nutznießer des aktuellen Umfelds und entwickelte sich im ersten Quartal sehr gut. Die Aktie ist seit Jahresbeginn um 17 % gestiegen und notiert derzeit knapp unter ihrem Allzeithoch.

Weitere Gewinnkorrekturen zu erwarten
Es fällt schwer zu glauben, dass die Märkte angesichts dieses beispiellosen humanitären und wirtschaftlichen Schocks bereits ihren Tiefpunkt erreicht haben. Marktbeobachter und Anleger fragen sich, warum die Erholung so schwungvoll war und der Markt bereits wieder so hochgestiegen ist.

Für mich steht fest, dass die Gewinnerwartungen noch nicht nach unten korrigiert wurden, um das Ausmaß des wahrscheinlichen Konjunkturabschwungs zu berücksichtigen. Die Erfahrung aus früheren Abschwüngen bietet eindeutige Anhaltspunkte für die Art der nötigen Gewinnkorrekturen im Verhältnis zum relativen Rückgang des BIP. Bisher konnten wir keine derartigen Korrekturen beobachten. Ein Beispiel: Für einen globalen BIP-Rückgang von rund 4 % fielen die Hardware-Ausgaben während der globalen Finanzkrise fast um das Fünffache, d.h. um nahezu 20 %. Tatsächlich weisen die IT-Ausgaben insgesamt eine starke Korrelation zum BIP-Rückgang in einer Rezession auf, die sich als ein Vielfaches ausdrücken lässt.

Druck auf Plattformen und Halbleiter besonders hoch, Chancen für Cloud-Anbieter
Es ist anzunehmen, dass viele Unternehmen überhaupt keine Prognose abgeben, wenn sie ihre Zahlen für das 1. Quartal vorlegen. Dies dürfte die Unsicherheit weiter schüren und das Unvermeidliche nur aufschieben. Daher könnte die Berichtssaison für das 2. Quartal ein echter Schock werden, sofern die Analysten nicht damit beginnen, der Entwicklung voraus zu sein. In unserem Anlageuniversum dürfte das Plattform-Segment am stärksten unter Druck geraten. Dies würde auch das Halbleiter-Segment umfassen, in dem der Optimismus einfach verblüffend ist. Im Softwaresektor dürften die Auswirkungen geringer sein. Hier sollten die Unternehmen auch durch die wiederkehrende Natur ihrer Umsätze abgeschirmt sein. Sorgen machen wir uns über einige Anbieter von Software as a Service (SaaS), bei denen bedeutende Akquisitionskosten anfallen – also im Wesentlichen Unternehmen, bei denen ein sehr großer Teil der Umsatzerlöse auf Vertrieb und Marketing entfällt. Andererseits gibt es auch viele Teilsegmente, die wir nach wie vor sehr optimistisch einschätzen. Die Analogie von Amazon als Versorger ist vermutlich etwas weit hergeholt. Doch es steht außer Zweifel, dass Cloud-Anbieter ähnliche Eigenschaften aufweisen wie Versorger. Damit sind sie bis zu einem gewissen Grad abgeschottet.

In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass die bisherige Erholung lediglich eine Gegenbewegung ist und nicht auf Fundamentaldaten beruht. Die jüngste Kursentwicklung von Online-Einzelhändlern ist ein Paradebeispiel dafür. Wayfair und ASOS sind im April bisher um 45 bzw. 67 % gestiegen. Wayfair ist von seinem Tiefstwert sogar um 200 % nach oben geschnellt. Eine Bewegung dieser Größenordnung erscheint uns eher wie eine Reaktion auf Befürchtungen am Markt hinsichtlich der Zahlungsfähigkeit. Mit Blick auf die aktuelle Situation war allgemein Besorgnis aufgekommen, dass viele Unternehmen trotz der staatlichen Unterstützung nicht in der Lage sein würden, ihren Verbindlichkeiten nachzukommen. Wayfair und ASOS konnten die Bedenken über Kapitalprobleme ausräumen. Damit sind die Schwierigkeiten, mit denen diese Online-Einzelhändler in Bezug auf ihr Geschäftsmodell konfrontiert sind, aber noch nicht gelöst.

Bestes Umfeld für Long-Short-Positionen

Unter Berücksichtigung der enormen vorhandenen Liquidität und der Entschlossenheit der Regierungen, signifikante finanzielle Unterstützung bereitzustellen, ist es unmöglich, kurzfristige Bewegungen vorherzusagen. Nach unserer Einschätzung kann dies die Entwicklung jedoch nur aufschieben. Früher oder später werden sich die Fundamentaldaten durchsetzen. Die Unterstützungsmaßnahmen sind wie ein finanzielles Lebenserhaltungssystem: Obwohl sie die Unternehmen über Wasser halten, können sie jedoch das größere, langfristige Problem eines möglicherweise dauerhaften Rückgangs der Einnahmen oder einer erheblich längeren Erholung nicht lösen. Wie immer sind wir der Ansicht, dass dieses breite Spektrum möglicher Entwicklungen ein gutes Umfeld für aktives Management bieten kann – insbesondere für Long-Short-Positionen. Für uns steht auch fest, dass dieses „Schwarzer-Schwan-Ereignis“ zu einer Beschleunigung der disruptiven Wachstumstrends führen sollte.

Foto: GAM

Selbe Rechte – anderer Zugang

So funktioniert die virtuelle Hauptversammlung in Zeiten von Covid-19.

Manfred Kainz. Wer hätte das vor zwei Monaten gedacht? Dass man sich mit „der virtuellen Hauptversammlung in Zeiten von Covid-19“ befassen muss. Als Unternehmen und natürlich auch als Aktionär. Und wer hätte gedacht, dass, wer sich informieren will, nicht (mehr) in Konferenzräumen sondern bei Webinaren sitzt? So geschehen eben auch zum Thema virtuelle HV. Der aus zahlreichen HV bekannte, erfahrene Notar Rupert Brix, die Leiterin der Abteilung für Unternehmens- und Gesellschaftsrecht im Justizministerium und Koautorin der sogenannten „Gesellschaftsrechtlichen Covid-19-Verordnung“ (der Börsen-Kurier berichtete in der vorigen Ausgabe) Sonja Bydlinski, sowie die Leiterin der Rechtsabteilung der A1 Telekom Austria Group Marielouise Gregory, gingen bei einem Webinar von Business Circle auf praktische Fragen zu dieser neuen Art der Aktionärsversammlung ein. Wobei die ja weiterhin insofern nicht verpflichtend ist, als ja gesetzlich erlaubt wurde, die ordentliche Präsenz-HV heuer bis spätestens in den Dezember zu verschieben – was ja einige notierte AG vorhaben bzw. noch überlegen. Wer diese traditionelle HV-Art bevorzugt, muss dafür den Nachteil in Kauf nehmen, dass wichtige Beschlüsse (über Entlastungen, Dividende, Besetzungen, Kapitalmaßnahmen u.a.) verschoben werden.

Eine virtuelle HV kann hingegen zeitnäher, idealerweise zum ursprünglich geplanten Termin stattfinden. Was die Wahrnehmung ihrer Rechte betrifft, so haben die Aktionäre zwei Möglichkeiten: Zur Stellung von Beschlussanträgen, für ihre Stimmabgabe und für die Erhebung eines Widerspruchs in der virtuellen Hauptversammlung müssen sie vorab einen „besonderen Stimmrechtsvertreter“ bevollmächtigen. Man greift also auf die Nutzung des schon bekannten Stimmrechtsvertreterprozesses zurück. Dazu können bzw. müssen sich Aktionäre nun einen der vier Stimmrechtsvertreter aussuchen, die die AG verordnungsgemäß vorschlagen muss. Dazu werden schon eigene Vollmachts- und Weisungsformulare angeboten.

Was das Frage- und Auskunftsrecht betrifft, ist es mehrdimensionaler. Laut ministeriellem Erlass zur Verordnung gelten zwar nur jene Aktionäre, für die eine ordnungsgemäße Depotbestätigung vorliegt und die wirksam einen Stimmrechtsvertreter bevollmächtigt haben, als „teilnehmend“ und können folglich Fragen stellen. Aber die Verordnung schreibt vor, dass der Aktionär in die Lage versetzt wird, während der Versammlung Wortmeldungen abzugeben. Am praktischsten wird wohl sein, Fragen schon vor der HV an die Gesellschaft zu senden; AG bieten dazu eigene Fragenformulare an. Will man aber (weitere) Fragen während der HV stellen, so kann die Gesellschaft entweder eine elektronische Kommunikationsadresse direkt bei der AG anbieten oder empfehlen, den Stimmrechtsvertreter auch für die Fragen zu verwenden. Dieser muss die ganze HV über erreichbar sein (etwa weil man seine Stimmrechtsanweisung ändern will). Somit hätte der Aktionär bis zu drei Möglichkeiten, sein Auskunftsrecht auszuüben. Und damit die Aktionäre auch ihre Antworten hören, werden die virtuellen HV zur Gänze in Bild und Ton (über die Website der AG) übertragen.

Was auch bei virtuellen HVs gleichbleibt, ist eine geordnete Abarbeitung der Formalismen und TO-Punkte und natürlich das Vorhandensein einer ordnungsgemäßen Depotbestätigung bzw. Anmeldung. Damit die virtuelle HV möglichst so abläuft wie die traditionelle, nur eben mit Minimalbesetzung und anderen Kommunikationswegen.

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Ist die Wohnimmobilienhausse zu Ende?

Im Vorjahr gab es EU-weit noch steigende Hauspreise – doch nun droht eine Abkühlung.

Michael Kordovsky. In den vier Quartalen des vergangenen Jahres lagen auf Jahresbasis die Anstiege der Wohnimmobilienpreise des Euroraums bei 4,1 bis 4,3 %, zuletzt im vierten Quartal bei 4,2 %. Seit 2016 betragen die Anstiege der Wohnimmobilienpreise im Euroraum rund 4 % p.a. Das lässt sich gut mit der Ausweitung der Geldmenge M3 (in Eurozone) erklären, die von 2015 bis 2019 um 4,6 % p.a. stieg und sich in steigenden Immobilienpreisen entlud, zumal Grund und Boden nicht beliebig vermehrbar sind. Die Geldmengenausweitung fand also in Asset-Inflation ihren Niederschlag, wobei je nach Immobilienmarkt individuelle Faktoren eine Rolle spielten.

Was dabei an den europäischen Hauspreis-Indizes so praktisch ist, ist deren breites Spektrum an Komponenten, denn: Der Hauspreisindex (HPI) misst die Preisentwicklungen aller von Haushalten erworbenen Wohnimmobilien (Wohnungen, Einfamilienhäuser, Reihenhäuser usw.), sowohl Neu- als auch Altbauten, unabhängig von ihrer endgültigen Verwendung und ihren bisherigen Eigentümern. Die HPIs stellen die nationalen Statistikämter bereit und die Aggregate für Euroraum und EU stammen von Eurostat.

Die HPIs waren zuletzt EU-weit auf breiter Front im Aufwind. Lediglich Zypern zeigte im vierten Quartal einen Schwächeanfall (-4,8 %). Am stärksten haben sich indessen die Wohnimmobilienpreise in folgenden Ländern verteuert: Luxemburg (11 %), Slowakei (10,9 %), Kroatien (10 %), Polen und Lettland (je 9,4 %). Generell herrschen in Osteuropa wirtschaftliche Aufholprozesse.

Hingegen schon länger stagnierend zeigen sich die Immobilienpreise in Italien. In Deutschland und Österreich lagen die Anstiege im vierten Quartal bei jeweils 5,7 bzw. 6,2 %.

Etwas differenzierter misst indessen der von der OeNB veröffentlichte Wohnimmobilienpreisindex für Österreich, der außerhalb Wiens bereits in der zweiten Jahreshälfte 2019 eine Verlangsamung der Preissteigerungen signalisierte. Im dritten und vierten Quartal verlangsamten sich hier die Jahresteuerungen auf 1,7 bzw. 1,2 % nach noch +4,1 % im ersten Quartal 2019 und 8,5 % im Gesamtjahr 2018.

Unsicherheitsfaktoren Corona und Frankenkurs
Infolge von Mietausfällen kommen Vermieter mit wenig Reserven immer mehr unter Druck. Noch ist Stundung von Kreditratenzahlungen und Überbrückung angesagt. Doch sollten die Wohnimmobilienpreise zwischenzeitlich um 10 bis 20 % unter Druck geraten und gleichzeitig längerfristig zahlreiche Ratenzahlungen in Frage gestellt sein, dann kann es vermehrt zu Zwangsversteigerungen kommen.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor bleiben noch die Wohnbaukredite in Schweizer Franken für den Fall einer schnellen und stärkeren Frankenaufwertung. Immerhin waren in Österreich private Haushalte im 3. Quartal 2019 noch immer mit umgerechnet 13,2 Mrd Euro in Frankenkrediten verschuldet.

Wetterleuchten
Dass sich am Immobilienmarkt durch die jüngsten Einschränkungen zur Pandemiebekämpfung etwas verändert hat, zeigen erste Nachfrage-Indikatoren. Laut einer aktuellen Online-Publikation der Immobilienexperten von EHL (vom 25.3.) zeigt die Corona-Krise erste Auswirkungen auf den österreichischen Wohnimmobilienmarkt: „Im Vergleich zur Zeit vor Beginn der Krise sind die Anfragen hinsichtlich Anmietung oder Kauf einer Wohnung drastisch zurückgegangen und liegen zwischen 30 und 40 % des Normalniveaus“, so eine wichtige Kernaussage der Experten. Und: Bei Vorsorgewohnungen liegt die Zahl der Anfragen bei etwa 50 % des Normalniveaus. Hier gibt es gewisses Investoreninteresse. Das Verhalten der Marktteilnehmer wird unberechenbarer. Mittlerweile kommt es nämlich bei Eigentumswohnungen wegen der wirtschaftlichen Verunsicherung zu vereinzelten Rücktritten von Kaufangeboten. Das haben Immobilienexperten zuletzt beobachtet.

BIP-Schrumpfung und Arbeitslosigkeit wirken vorerst deflationär, also preisdrückend am Immobilienmarkt. Doch die massive Betätigung der Notenpresse von Fed, EZB, Bank of Japan, Bank of England, etc. und die bereits jetzt eingesetzten Versuche der Notenbanken, durch niedrige Leitzinsen und massive Anleihen-Käufe das Zinsniveau nach unten zu drücken, könnten bald wieder zu einer Reflationierung auf der Asset-Seite (Aktien und Immobilien) führen – und dies im Rahmen eines längeren Stagflationsszenarios (niedrige Wachstumsraten bei erhöhten Inflationsraten von z.B. 3 bis 4 %) ähnlich der 70er-Jahre.

Foto: Pixabay / jarmoluk

 

 

Berühmte Locken unter dem Hammer

Haare waren in Zeiten vor der Fotografie ein sehr beliebtes Sammlerstück.

Lea Schweinegger. Was haben Ludwig van Beethovens (1770 bis 1827) Haare mit zeitgenössischen Auktionen zu tun? Mehr, als man sich vorzustellen vermag. Denn es sind nicht nur die Notensätze und andere Gegenstände des weltberühmten Komponisten, die wohlhabende Sammler immer wieder in die Auktionshäuser locken. Auch seine Haare finden ihr Publikum.

Das erste Mal in den 1990er-Jahren: Zwei US-amerikanische Beethoven-Liebhaber ersteigerten in London eine Strähne des Meisters. Laut Auktionshaus sollen die beiden „Fans“ 582 feine graue Haare des Komponisten ersteigert haben, und zwar um einen aus heutiger Sicht lächerlichen Preis von nur 4.000 Euro. Abgeschnitten wurden diese der Überlieferung nach von Ferdinand von Hiller, der selbst Komponist und Dirigent war. Geschehen ist dies angeblich am Tag nach Beethovens Tod. Die Haare soll er danach in einem kleinen schwarzen Medaillon aufbewahrt haben.

Über den Sohn Hillers sollen diese Haare nach Dänemark gelangt und einem Arzt verkauft worden sein. Ein späterer Nachfahre des Arztes schließlich ließ Beethovens Haare über ein Londoner Auktionshaus versteigern. Und so gelangte die Locke letztendlich in die Hände von Beethoven-Liebhabern in den USA.

39.000 Euro für eine Haarsträhne
Im Sommer des Vorjahres gab es eine weitere Kuriosität um die legendäre Beethoven-Mähne. Für die stolze Summe von 39.000 Euro (der Schätzwert lag bei 17.000 Euro) kam eine weitere kleine dunkelbraune bis graue Haarsträhne im Londoner Auktionshaus Sotheby‘s unter den Hammer. Diese soll sich der große Komponist vor rund 200 Jahren allerdings selbst abgeschnitten und seinem Freund Anton Halm gegeben haben. Der österreichische Komponist Halm hatte angeblich um eine Locke gebeten, da seine Frau eine große Verehrerin Beethovens gewesen sein soll.

Übrigens: Die Versteigerung einer Haarlocke von Wolfgang Amadeus Mozart im Jahr 2015 ebenfalls bei Sotheby‘s in London brachte knapp 50.000 Euro ein. Für Sammler von Objekten „großer Söhne“ scheint es sich demnach zu lohnen, auch Haare zu ersteigern. Unser Tipp mit einem Augenzwinkern: Lieber gleich noch lebende Künstler um eine Locke ersuchen!

Dorotheum versteigerte Schreiben
Abseits seines Kopfhaares sind aber auch andere Utensilien aus Beethovens Umfeld begehrt: Im Dorotheum kam im Jahr 2015

etwa ein persönlich gehaltenes und biographisch hochbedeutendes Entschuldigungsschreiben an Gräfin Maria Eleonora Fuchs um 70.000 E unter den Hammer – der Rufpreis lag bei 34.000 Euro.

Corona-Virus durchkreuzt das Beethovenjahr in Wien
Das Leben und Werk Ludwig van Beethovens ist bekanntlich untrennbar mit Wien verbunden, wo er auch starb. Der Ort Wien-Heiligenstadt hatte auf besondere Weise mit Beethovens Schicksal zu tun, weil er hier Besserung für sein immer stärker werdendes Gehörleiden suchte. Deshalb befindet sich auch das Beethoven Museum (als eigenständiger Standort des Wien Museums) dort, in einem Gebäude, in dem der Komponist einst gearbeitet hatte. „Ich bin auf‘m Land, und lebe ein wenig faul, um aber hernach wieder desto – thäthiger zu leben …“, schrieb der Meister an seinen Verleger Hoffmeister & Kühnel in Leipzig. Heiligenstadt war im frühen 19. Jahrhundert noch eine selbständige Weinhauerortschaft. Seine Aufenthalte dort wiederholten sich mehrmals, da ihm sein Arzt einen Rückzug aus Wien verordnet hatte, um sich außerhalb vom Lärm der Großstadt zu erholen.

Da die Museen laut Bundesregierung voraussichtlich ab Mitte Mai wieder öffnen können, bleibt zu hoffen, dass auch das Beethoven Museum wieder zugänglich für Besucher werden wird. Interessant: Hier entstanden auch die „Sturm-Sonate“ und erste Skizzen zur späteren 3. Symphonie, der „Eroica“.

Foto: wikimedia

 

 

Mit Eigenkapital gegen die Krise

Die Wien Holding will Wiener Unternehmen mit einer Beteiligung durch die Krise helfen.

Manfred Kainz. Kann man der Corona-Krise wirtschaftspolitisch gesehen irgendetwas Positives abgewinnen? Wohl kaum. Was die Unternehmensfinanzierung betrifft, so wird die Fremdkapitallastigkeit der Betriebe massiv zunehmen. Denn auch das Maßnahmenpaket der Bundesregierung setzt ja stark auf neue – staatlich geförderte bzw. garantierte – Kredite. Und sogar Rudolf Kinsky, geschäftsführender Präsident der Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation (AVCO), meint, dass in der Covid-19-Krise das Land insbesondere für das volkswirtschaftlich wichtige Segment der Startup-Unternehmen kurzfristig schnelle Hilfe in Form von staatlichen Garantieprogrammen sowie Überbrückungskrediten braucht. Insbesondere dann, wenn die Wirtschaft wieder anläuft, werde aber auch mehr privates Eigenkapital gebraucht werden. Dieses Kapital kann und sollte nicht mit Steuergeldern finanziert werden, sondern aus privaten Quellen – wie institutionellen und privaten Investoren – aufgebracht werden, mahnt die AVCO ergänzend ein.

Neue Beteiligungen
So gesehen ist es positiv zu bewerten, dass die Stadt Wien gerade den Weg über Eigenkapital geht. Dazu ist in der Wien Holding unter dem Titel „StolzaufWien BeteiligungsGmbH“ eine eigene Gesellschaft in Gründung, die den Zweck hat, sich temporär an Unternehmen am Standort Wien zu beteiligen, deren Existenz aufgrund der Corona-Krise gefährdet ist. Mittels solcher Beteiligungen bekommen hilfebenötigende Firmen Eigenkapital zur Verfügung gestellt.

Und das sind die quantitativen und qualitativen Kriterien der Eigenkapitalinvestments: Pro betreffendem Unternehmen wird eine Beteiligung durch die „StolzaufWien BeteiligungsGmbH“ auf maximal 1 Mio Euro bzw. maximal 20 % Gesellschafteranteile pro Unternehmen begrenzt. Und zeitlich befristet: Nach spätestens sieben Jahren werden diese Beteiligungen wieder verkauft. Zu Beginn der Beteiligung wird auch das klare Ausstiegsszenario für beide Seite festgelegt. Ähnlich gehen ja auch Private-Equity-Gesellschaften vor.

Zielgruppe
Die Details und Procederes werden von städtischen und externen Experten erarbeitet. Die Betragsbeschränkung signalisiert, dass die Zielgruppe KMU adressiert werden soll. Und zwar Wiener Unternehmen, die aufgrund der Corona-Krise einen kurzfristigen Finanzmittelbedarf haben, aber „langfristig auf eine positive Zukunftsprognose bauen können“, so Finanzstadtrat Peter Hanke. Unternehmen, die für eine Beteiligung in Frage kommen, müssen auch ein „starker Teil der Wiener Identität sein“, eine entsprechende „Relevanz über Wien hinaus“ vorweisen können, eine hohe volkswirtschaftliche Bedeutung für vor- bzw. nachgelagerte Sektoren, Branchen und Unternehmen haben sowie eine relevante Anzahl an Arbeitsplätzen sichern, lauten weitere Kriterien.

Entscheider
Die Beteiligungen sollen zu „marktüblichen Investitionsbedingungen“ und unter Einhaltung sämtlicher rechtlicher Rahmenbedingungen vor allem auch in Sachen Beihilfenrecht erfolgen. Die Entscheidung darüber, an welchen Unternehmen eine Beteiligung erfolgen soll, wird von einem hochkarätigen Expertenausschuss genehmigt. Und da sind nun prominente Namen an Bord: Ex-Banker und Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky und Investor Josef Taus werden gemeinsam mit dem Wiener Finanzdirektor Dietmar Griebler die Expertenjury bilden, die die Unternehmen auswählt.

Kapitalgeber
Das Kapitalvolumen der Beteiligungsgesellschaft soll vorerst rund 50 Mio Euro betragen. Davon kommen 20 Mio Euro von der Stadt Wien und als weitere Kapitalgeber haben sich die Wirtschaftskammer Wien sowie private Investorenpartner committet, die die weiteren 30 Mio Euro, also den größeren Teil, aufbringen sollen. So ist etwa die Erste Bank einer der privaten Partner; CEO Peter Bosek hat sich positiv über diese Form der Wirtschaftshilfe geäußert. Operativ laufen soll das Ganze ab Mitte Mai.

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Corona-Krise beschert Sonderkonjunktur

Die auf digitale Lösungen für den Gesundheitssektor spezialisierte CompuGroup steht vor Wachstumsschub.

Stefan Riedel, München. Einen positiven Effekt für die Gesundheitsversorgung bringt die Corona-Epidemie bereits mit sich: Der digitale Datenaustausch beschleunigt sich. Ein Nutznießer ist die im MDAX gelistete CompuGroup Medical (ISIN: DE0005437305). Das Unternehmen mit Sitz in Koblenz stattet Arztpraxen, Spitäler, Apotheken und Krankenkassen mit Software und Online-Informationssystemen aus. Die Einsatzbereiche sind vielseitig und reichen vom Austausch medizinischer Daten über internetbasierte Abrechnungsdienste bis zur Organisation interner Abläufe.

Mit ihrer „Clickdoc“-Videosprechstunde für Ärzte, Physiotherapeuten, Hebammen und Apotheken betreibt die Compugroup in diesen Tagen Werbung in eigener Sache. Das Produkt kann für die Zeit der Corona-Krise kostenlos bezogen werden. Mehr als 55.000 Registrierungen wurden seit März – nach Stand Osterwochenende – verzeichnet, 200.000 Videosprechstunden finden zurzeit wöchentlich statt. In der Zwischenzeit gebe es das Angebot zusätzlich für Krankenhäuser und Apotheken sowie in weiteren Ländern wie Italien, Frankreich, den Niederlanden und den USA.

Bei Investoren gefragt
Dem Aktienkurs der Firma gibt dieser Erfolg Auftrieb. Nach einem Kursrutsch in der ersten Phase des Corona-Crashs nimmt die Aktie wieder das bisherige Jahreshoch bei 69,60 Euro in Angriff. Fünf der sechs Analysten, die Compugroup covern, empfehlen die Aktie zum Kauf und nennen das krisenfeste Geschäftsmodell als eines der Hauptargumente. Die finanziellen Risiken durch die Pandemie, so Charlotte Friedrichs von der Berenberg Bank, hielten sich angesichts 60 % wiederkehrender Umsätze in Grenzen.

Dazu kommen neue Einnahmequellen, denn bereits vor Ausbruch der Corona-Krise hat das Unternehmen die Weichen gestellt, um das Umsatz- und Gewinnwachstum nach dem Durchhänger vom Vorjahr wieder zu beschleunigen. Über ein Abkommen mit dem US-Marktführer Cerner (US15678 21046) sichert sich CompuGroup für 225 Mio Euro das Geschäft mit der Krankenhaussoftware von Cerner in Deutschland und Spanien. Bereits im Dezember hatte CompuGroup für 79 Mio Euro die französische Firma Epsilog übernommen, die auf digitale Lösungen für Physiotherapeuten spezialisiert ist.

Positives Geschäftsjahr 2019, Optimistischer Ausblick
Beim Zahlenwerk für 2019 hat CompuGroup mit einem Umsatz von 746 Mio Euro und einem Konzernergebnis von 178 Mio Euro auf EBITDA-Basis das obere Ende seiner Vorgaben erreicht. 2020 erwartet das Management Erlöse zwischen 765 und 815 Mio€. Das bereinigte EBITDA soll sich zwischen 195 und 215 Mio Euro bewegen. Angesichts der aktuell boomenden Nachfrage könnte am Ende noch mehr drin sein – was der Aktie trotz des optisch hohen 2021er-KGVs von 25 weiteren Spielraum nach oben gibt.

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Stabile Wachstumsraten, smarte Technologien

Wie Anleger mit der Ressource Wasser eine nachhaltige Rendite erzielen.

Stefan Riedel, München. Der wichtigste Rohstoff für den Fortbestand der Menschheit wird immer knapper. Für den globalen Wassermangel gibt es vielerlei Gründe. Als treibende Kräfte gelten das Bevölkerungswachstum sowie die fortschreitende Industrialisierung und Urbanisierung. Schätzungen der Vereinten Nationen gehen davon aus, dass der globale Wasserverbrauch allein zwischen 2015 und 2025 um 40 % steigen wird. Rund 37 % der Erdbevölkerung werden 2025 an Wassermangel oder Wasserknappheit leiden. werden.

Spannende Renditechancen
Der umweltschonende Umgang mit Wasser ist daher eine Top-Priorität für nachhaltiges Wirtschaften. Technologischen Verfahren, welche die Effizienz beim Wasserverbrauch verbessern und Abwässer über Reinigungsverfahren wieder in den Wasserkreislauf zurückführen, kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Einzelne Segmente der Wasserversorgung bieten auch den Anlegern spannende Renditechancen. Im Einzelnen zählen dazu Pumpsysteme, Wasseraufbereitungsanlagen, Entsalzungsanlagen, Kläranlagen und Kanalsysteme.

Hightech und Versorger
Marc-Olivier Buffle
, der Senior Product Specialist bei Pictet, setzt hier verstärkt auf neue Verfahren für die Reinigung von Abwässern und digitale „smarte“ Technologien, mit denen sich die Wasserversorgung effizienter kontrollieren und steuern lässt. Ein Schlüsselmarkt mit hohem Wasserverbrauch ist die Landwirtschaft. In den Schwellen- und Entwicklungsländern geht es darum, erst einmal eine Infrastruktur für die Bewässerung aufzubauen. Im Gegensatz dazu hat in den USA und anderen Industriestaaten Priorität, neue ressourcensparende Verfahren für landwirtschaftliche Nutzflächen zu etablieren, beispielsweise über digital gesteuerte Tröpfchenbewässerung.

Wasserversorger wiederum zeichnen sich durch stabile und langfristig planbare Einnahmen aus. „Dieses Geschäftsfeld ist kaum durch disruptive Veränderungen gefährdet, wie sie vielen anderen Sektoren drohen. Zusätzlich sorgt die stattliche Dividende in vielen Fällen für eine attraktive Rendite“, skizziert Gerhard Wagner, Fondsmanager und Leiter des Nachhaltigkeits-Research bei Swisscanto, die Vorzüge dieses vermeintlichen „Langweiler“-Segments im Wassersektor.

Auf Fonds und ETFs setzen
Eines zeichnet die Wasserversorgung als Ganzes aus: das Geschäft ist nicht konjunkturanfällig und eignet sich damit als defensiver Baustein für jedes Anlegerdepot. Um die Renditechancen breit zu streuen, empfiehlt es sich auf ausgesuchte ETFs und Branchenfonds zu setzen. Die mit dem jüngsten Kursrutsch deutlich gesunkenen Bewertungen bieten langfristig orientierten Anlegern gute Einstiegskurse.

Der „Lyxor World Water UCITS ETF“ (ISIN: FR00105227275) bildet etwa den World Water Index ab. Dieser Index umfasst die weltweit 30 größten Firmen, die mindestens 40 % ihrer Umsätze mit der Versorgung, Aufbereitung und Infrastruktur erzielen. Der in USD notierende „iShares Global Water UCITS ETF“ (IE00B1TXK627) kommt mit einem Plus von 19,3 % auf die bessere Fünfjahresperformance, ist mit seinem Fokus auf die 50 im „S&P Global Water 50“ enthaltenen Aktien aber breiter gestreut. Zu den Klassikern unter den aktiv gemanagten Fonds zählt der Pictet-Water (LU0104884860). Der Fokus auf nachhaltige Konzerne schließt etwa Unternehmen aus, die verpacktes Wasser verkaufen. Ähnlich verfährt der RobecoSAM Sustainable Water (LU13 3061175). Das Fondsportfolio umfasst die gesamte Wertschöpfungskette des Wassersektors. Stark vertreten sind Firmen, die in den Bereichen Wasserqualität, Wasseraufbereitung, Bewässerungssysteme und Abwasserbehandlung unterwegs sind. Bei der Langzeitperformance schneiden beide Produkte einen Tick besser, in der Einjahresperformance dagegen schlechter ab als die beiden ETFs. Mit einer Agio von 3 % hat der Robeco-Fonds die niedrigeren Kosten.

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Portfoliostrategien für die allmähliche Erholung

Mit der Rezession startet ein neuer Zyklus, der einige Besonderheiten mit sich bringt. Cash-Reserven sollte man für den neuen Zyklus bereithalten. Für Income-Strategie werden mittelfristig überdurchschnittliche Erträge erwartet.

15.04.) Für die Experten von J.P. Morgan Asset Management markiert das Ende der längsten US-Expansion aller Zeiten nicht nur eine Phase der Rezession, sondern sie werfen bereits einen Blick auf den neuen Zyklus, der aus der Krise hervorgehen wird. „Nachdem die Kapitalmärkte mit beispielloser Geschwindigkeit von der Krise erfasst wurden, betreten Anleger und politische Entscheidungsträger derzeit gleichermaßen Neuland“, erläutert John Bilton, Head of Global Multi-Asset Strategy in der Multi-Asset-Solutions-Gruppe von J.P. Morgan Asset Management. „So werden nun die Weichen für das wirtschaftliche Umfeld gestellt, das den nächsten Konjunkturzyklus begleiten wird. Denn dieser wird von den Maßnahmen geprägt, die während der aktuellen Marktvolatilität und in der Rezession 2020 ergriffen werden. Kein Zyklus ist gleich und Märkte müssen darauf vorbereitet sein, dass die aktuelle Krise für einige Besonderheiten sorgt“, so sein Urteil. Doch unterstreicht er, dass auch wenn es momentan richtig ist, Vorsicht an den Tag zu legen, sich Wirtschaft und Kapitalmärkte allmählich von diesem Schock erholen werden.

Besonderheiten des neuen Zyklus

Die Kursentwicklung im März zeigte laut Bilton Anzeichen einer regelrechten Liquiditätskrise: „Es gab Phasen, in denen selbst Staatsanleihen und Gold ebenso wahllos abgestoßen wurden wie risikoreichere Assets. Diesen Liquiditätsschock ebenso wie den wirtschaftlichen Schock der globalen Coronakrise mussten die Märkte erst einmal verarbeiten“, so Bilton. Daraufhin haben die politischen Entscheidungsträger umfassender reagiert als in jeder früheren Krise: So wie die gelockerte Geldpolitik den letzten Zyklus geprägt hat, werde nun der weitreichende Einsatz fiskalpolitischer Maßnahmen den nächsten definieren, ist sich der Experte sicher. Die Geldpolitik habe eine gute Rolle als „Ersthelfer in der Krise“ gespielt – und bis die Finanzierungsengpässe nachlassen ist diese auch weiterhin notwendig. Die langfristigen Auswirkungen der fiskalischen Maßnahmen, die in den letzten Wochen zur Unterstützung der Realwirtschaft ausgelöst wurden, lassen sich jedoch nicht vorhersagen. „Zweifelsohne ist eine massive und anhaltende fiskalische Unterstützung erforderlich, um dem vorherrschenden deflationären Druck zu begegnen. Nun, da der fiskalische Geist aus der Flasche ist, wird es außerdem schwierig sein, ihn wieder einzufangen. Daher glauben wir, dass mit den geldpolitischen Anreizen bis weit in die nächste Expansionsphase hinein fiskalpolitische Maßnahmen einhergehen werden“, führt Bilton aus.

Der Wachstumseinbruch 2020 lässt weiter sinkende Anleiherenditen erwarten – damit sollte sich die negative Korrelation zwischen Aktien und Anleihen wieder durchsetzen. Darüber hinaus können laut dem Experten fiskalische Anreize zusammen mit niedrigen Leitzinsen letztendlich einen größeren Inflationsimpuls haben als die Geldpolitik allein, was unter dem Strich als Ausgleich zu steileren Renditekurven führt.

So könnten die steileren Kurven und stärkeren fiskalischen Eingriffe auch die Marktführerschaft an den Aktienmärkten im nächsten Zyklus neu definieren: Renditen, die eher durch das nominale Gewinnwachstum als die Expansion der Kennzahlen bedingt sind, Dividenden, die Aktienrückkäufen gegenüber vorgezogen werden, eine stärkere Präferenz für operative als für finanzielle Hebel und ein Aufschließen von Substanzwerten gegenüber Wachstumswerten. Je nachdem, wie effektiv die verschiedenen Länder und Regionen fiskalische Anreize setzen, könnten internationale Aktien gegenüber US-Aktien allmählich aufholen. Zunächst gelte es jedoch, die Baisse am Aktienmarkt zu überstehen: Der Experte ist überzeugt, dass der Tiefpunkt an den Aktienmärkten erst dann erreicht sein wird, wenn das volle Ausmaß des Gewinneinbruchs erkennbar und der Verlauf der Erholung ersichtlicher wird.

Hochzinsanleihen wurden in der aktuellen Krise überdurchschnittlich stark in Mitleidenschaft gezogen, wenn man die Abwärtsbewegung mit früheren Krisen vergleicht. Der vorübergehende Kursrückgang wurde vor allem durch Anleihen aus dem Energiesegment angeführt, die zusätzlich zu den unsicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unter dem schwachen Ölpreis leiden. Allerdings wurden auch andere, defensivere Segmente wie Gesundheitswesen, nicht-zyklischer Konsum oder Telekommunikation in Mitleidenschaft gezogen, sodass sich unter Bewertungsgesichtspunkten interessante Chancen für eine Gegenbewegung ergeben. „In der Vergangenheit konnten High-Yield-Investoren bei Spreads von mehr als 1.000 Basispunkten – wie sie im Durchschnitt im März erreicht wurden – in den folgenden 12 Monaten immer positive Renditen erzielen“, betont Bilton. Allerdings bleibe bei den weiterhin stark ausgeweiteten Risikoaufschlägen vor allem eine fundierte Auswahl der Einzelrisiken im Hochzinsmarkt der entscheidende Faktor für eine erfolgreiche Anlagestrategie.

Entsprechend gelte es, die Multi-Asset-Portfolios auf das Rezessionsumfeld und eine weiter anhaltende Volatilität auszurichten: Barmittel und Durationspositionen werden übergewichtet, während Aktien und Unternehmensanleihen leicht untergewichtet sind. Um opportunistisch Chancen wahrnehmen zu können, bleibe zudem ein Cash-Puffer wichtig: „Die derzeitige Rezession führt letztendlich zu einer neuen wirtschaftlichen Expansion – so werden die liquiden Mittel, die heute Portfolioschutz bieten, mit der Zeit die Reserve sein, um im Vorgriff auf den neuen Zyklus die Risiken wieder aufzustocken“, betont John Bilton.

Income-Strategie: Mittelfristig überdurchschnittliche Ertragsentwicklung erwartet.

Das Fondsmanagement des JPMorgan Investment Funds – Global Income Fund rund um Michael Schoenhaut startete das Jahr 2020 mit verschiedenen Änderungen in der Allokation und ergänzte beispielsweise das Anleihensegment um defensive Anlageklassen. Zusätzlich wurden die Bonität innerhalb des Hochzinsanleihensegments verbessert und die Diversifikation innerhalb der Unternehmensanleihen mit qualitativ hochwertigen Anlagen gesteigert sowie durch bonitätsstarke Hypothekenanleihen als defensiven und liquiden Baustein ergänzt. Diese Anlageklasse konnte sich im historischen Kontext als antizyklischer Diversifikationsbaustein bewähren und kann nun von Ankaufprogrammen der amerikanischen Notenbank profitieren. Das Zinsänderungsrisiko (Duration) wurde auf sechs Jahre erhöht. „Selbst im aktuellen Umfeld ist es für einen aktiven Manager möglich, selektive Chancen wahrzunehmen“, betont Michael Schoenhaut.

Auch haben die Manager die Aktienquote im Februar und März nochmals reduziert. Auf sektoraler Ebene stehen primär stabile Dividendentitel aus dem nicht-zyklischen Konsumgüterbereich, dem Gesundheitswesen sowie klassische Versorger-Titel im Fokus. Energiewerte machen sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen nur einen geringen Teil der Allokation aus. Als zusätzlicher Baustein zur Streuung des Risikos wurden Infrastruktur-Aktien in das Portfolio aufgenommen, die sich in historischen Korrekturphasen meist deutlich stabiler halten konnten als der Gesamtmarkt. Als 15. Anlageklasse innerhalb des Fonds unterstreichen diese die breite Streuung des Portfolios.

„Wichtig bleibt, den mittelfristigen Anlagehorizont nicht aus den Augen zu verlieren und über die erheblichen Tagesschwankungen und Tagesschlagzeilen hinauszublicken“, unterstreicht Income-Manager Michael Schoenhaut. Income-Anlagen mit breiter Streuung und Fokus auf laufenden Erträgen aus Zinsen und Dividenden bleiben sinnvoll, denn sie verdienen Risikoprämien über die Zeit. „Die Risikoprämien sind im März sehr stark angestiegen, was aber nun eine Grundlage für eine überdurchschnittliche Ertragsentwicklung in den nächsten zwei bis drei Jahren bieten sollte. Vor diesem Hintergrund gilt es nicht zu vergessen, dass auch die Corona-Krise irgendwann vorbei sein wird und eine Erholung der Wirtschaft nach dieser aktuell schwierigen Zeit einsetzt und nicht alle Unternehmen bis dahin vom Markt verschwunden sein werden.“ Auch die Sorge um die Aussetzung von Dividenden teilt Schoenhaut nicht: Dies betreffe mit 7 Prozent nur einen sehr geringen Teil des Aktienportfolios und schlägt auf Gesamtfondsebene sogar nur mit 1 Prozent zu Buche – er erwartet vielmehr, dass die Ausschüttungsrendite aufgrund der gesunkenen Assetpreise höher ausfallen sollte.

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COVID-19-Stimmungstest: Austro-AGs reagieren besonnen und professionell.

Die konsequente Umsetzung der Vorschriften hat dazu geführt, dass Österreich ab sofort wieder nach vorne blicken kann.

Patrick Baldia. Wie gehen Unternehmen mit den Auswirkungen und Herausforderungen der COVID-19-Pandemie um, mit welchen ersten Maßnahmen haben sie bislang darauf reagiert und was erwarten sie von der Zukunft? Diese brandaktuellen Fragen standen im Mittelpunkt der Institutional Investor Conference der Raiffeisen Centrobank (RCB), die in der vergangenen Woche stattfand – allerdings in einem anderen Rahmen als in den Vorjahren: Anstatt in Zürs am Arlberg zusammenzukommen, tauschten sich die teilnehmenden 53 Unternehmen aus Österreich, Osteuropa und Russland in digitaler Form – sprich in Conference Calls – mit den Investoren aus.

Der Andrang war jedenfalls enorm. „Rund 800 Call-Anfragen – unter anderem von Pensionsfonds, Fonds und Versicherungen – sind bei uns eingegangen“, berichtet Bernd Maurer, Chefanalyst der RCB, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Stark vertreten waren wie in den Vorjahren Firmen, die an der Wiener Börse notieren. Dazu zählten unter anderem Agrana, AT&S, CA Immo, Erste Group, FACC, Flughafen Wien, Immofinanz, OMV, Österreichische Post, Lenzing, Palfinger, SBO und Telekom Austria.

„Von der Coronakrise ist jedes Unternehmen irgendwie betroffen“, so Maurer weiter. Wie stark das der Fall sei, hänge von der jeweiligen Branche ab. So wären manche – wie etwa die Luftfahrt- und Tourismusindustrie – mit einem völligen Shutdown konfrontiert. Für andere – wie Bauunternehmen – sei die derzeitige Situation hingegen deutlich weniger dramatisch. Eine Rolle spiele naturgemäß auch die Zyklizität der einzelnen Branchen. Zum Beispiel sei der Telekommunikationssektor traditionellerweise defensiver. Für Maurer ist er sogar noch widerstandsfähiger als während der Krise 2008/09. Im Technologiesektor – allen voran im Software-Bereich – sei sogar ein Silberstreifen am Horizont auszumachen. Nachsatz Maurer: „Die Player profitieren hier – zumindest teilweise – von der aktuellen Situation.“

„Klar ist, dass die Maßnahmen der Regierungen dramatische wirtschaftliche Auswirkungen haben werden“, so der RCB-Chefanalyst unmissverständlich. Die Unternehmen würden insgesamt nicht eine V-förmige Erholung, sondern eine längerfristige bzw. graduelle erwarten. Für all jene mit geringer Umsatz-Sensitivität sei die Kostenstruktur entscheidend. Hier gelte: Je höher der Fixkostenblock, desto größer werde der Ergebniseffekt sein. Die Frage sei nun, wie lange die restriktiven Maßnahmen dauern bzw. wie schnell die Annäherung an die Normalität gelinge. Die Visibilität sei jedenfalls hier wie da sehr gering.

Neue Strategien wurden laut Bernd Maurer noch nicht kommuniziert. „Dafür ist es auch zu früh. Schließlich kam der Corona-Shutdown vor drei Wochen wie ein Schock und die Unternehmen waren seitdem in erster Linie damit beschäftigt ihr Geschäft im Krisenmodus am Laufen zu halten“, sagt er. Viele würden jedenfalls Kurzarbeit in Anspruch nehmen. Dass es künftig auch zu Kündigungen kommen werde, dürfe niemand überraschen. Schließlich werde es – zumindest im zweiten Quartal 2020 – zu einem drastischen Wirtschaftseinbruch kommen.

Trotz des Ernstes der Lage macht vor allem eines Hoffnung: Wie Maurer unterstreicht, sei die Stimmung unter den Unternehmen weder pessimistisch noch sehr schlecht. „Unternehmen analysieren die Situation, notwendige Reaktionen und die genauen Implikationen.“ Die genauen Auswirkungen wären zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht vollends quantifizierbar.


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Nur begrenztes Renditepotenzial

In der Biotech- und Pharmabranche bleiben langfristige Wachstumstrends spannend. Ein Gastkommentar Dr. Daniel Koller von BB Biotech.

Daniel Koller. Die Coronavirus-Pandemie schockt mit ihren gesundheitlichen und ökonomischen Auswirkungen die Finanzmärkte. Weltweit richtet sich der Blick auf die Unternehmen, die an Diagnostika, Arzneien und Impfstoffen arbeiten, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Gelingt hier in den nächsten Monaten ein Durchbruch, lassen sich neuerliche massive Verwerfungen, welche eine wahrscheinliche zweite Infektionswelle verursachen würde, größtenteils eindämmen.

Virenblocker

Aus der Vielzahl von Medikamenten und prophylaktischen Impfstoffen heben sich einige Protagonisten ab. Bei den antiviralen Therapien zur Akutbehandlung wird Gilead Sciences (ISIN: US3755581036) in Kürze zulassungsrelevante klinische Daten präsentieren. Der Wirkstoff Remdesivir unterbindet den Replikationsprozess der Viren. Eine komplette Heilung lässt sich nicht erzielen, wohl aber eine deutliche Reduzierung der Virenlast und damit ein milderer Krankheitsverlauf. Die Ergebnisse von zwei größeren Studien aus China werden in diesen Tagen auch erwartet. Spätestens im Mai folgen die klinischen Resultate von Studien in den USA.

Regeneron Pharma (US75886F1 075) und Vir Therapeutics gelten als führende Vertreter bei der passiven Immunisierung. Rekombinant produzierte Antikörper sollen dabei die Viren neutralisieren. Allerdings können die klinischen Tests frühestens im Sommer beginnen.

Impfstoffe

Einen langfristigen Schutz vor einer Infektion mit Covid-19 ermöglicht nur die aktive Immunisierung. Die Pharmakonzerne Johnson & Johnson (US4781601046), Glaxo-SmithKline (GB0009252882) und Sanofi (FR0000120578) arbeiten an herkömmlichen Vakzinen. Weil diese Verfahren langsamer verlaufen, ist hier eine Zulassung in frühestens zwölf bis 18 Monaten zu erwarten. Die US-Biotechfirma Moderna (US60770K1079) verfolgt mit ihrem mRNA-basierten Impfstoff einen neuen genetischen Ansatz und könnte hier schneller den Durchbruch schaffen. Die gesunden Menschen injizierte mRNA soll ausgewählte virale Proteine produzieren und eine Immunantwort auf diese Virenproteine auslösen.

Andere Biotechfirmen wie CureVac, BionTech (US09075V1026) und Translation Bio befinden sich mit ihren Vakzinen auf der Basis von mRNA-Technologien noch in der präklinischen Entwicklung. Moderna hat dagegen bereits im März mit klinischen Tests an gesunden Probanden begonnen. Entwickeln sich Antikörper gegen das Coronavirus, wird im Sommer eine breiter angelegte Wirksamkeitsstudie folgen. Im Idealfall liegen die Studienergebnisse im vierten Quartal 2020 vor und bilden die Basis für eine schnelle Zulassung. Risikogruppen könnten dann bei einer eventuellen zweiten Infektionswelle zeitnah geimpft werden. Moderna wäre in der Lage, innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate 100 Mio Dosen zu liefern.

Zukunftstechnologien

BB Biotech (CH0038389992) ist seit 2018 in Moderna investiert, weil wir vom Erfolg der mRNA-Technologieplattform als Ganzes überzeugt sind. Die anderen laufenden Projekte gegen Covid-19 sind für BB Biotech kein Anlass, in diese Firmen zu investieren. Nach unserer Einschätzung werden viele Biotechfirmen mit spezifischen Produkten gegen das Coronavirus kaum nachhaltig rentable Geschäftsmodelle realisieren. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die Corona-Therapien wegen des gesellschaftlichen Drucks mehr oder weniger zu Herstellungskosten verkauft werden müssen.

Der Fokus von BB Biotech liegt weiterhin auf jungen Technologien, welche die Medikamentenentwicklung in Zukunft prägen werden. So haben wir in unserem Beteiligungsportfolio Positionen in fünf Firmen aufgebaut, die mit RNA-basierten Technologien unterwegs sind und mit ersten Produktzulassungen erfolgreich waren. Ein weiterer Schwerpunkt sind Gentherapien gegen seltene erblich bedingte Erkrankungen. Für unser Portfolio versprechen dabei kleinere und mittelgroße Firmen das größte Wertsteigerungspotenzial.

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China-Optimismus als Hoffnung für Europa?

Es gibt Signale einer V-förmigen Erholung der dominantesten fernöstlichen Wirtschaft.

Roman Steinbauer. In der Vorwoche veröffentlichte Zahlen zum Zustand der chinesischen Wirtschaft sorgen für das im Brennpunkt der Corona-Krise stehende Europa für zarte Lichtblicke. Nach einem in der jüngsten Geschichte beispiellosen Absturz von zuvor 52 auf 40 Punkte schnalzte der China Caixin Herstellungsindex (PMI) für März auf den neutralen Bereich von 50 zurück.

Dieser von Ökonomen viel beachtete Barometer zur Befindlichkeit der Wirtschaftsmacht gewährt einen Überblick der Aktivitätsdynamik im industriellen Sektor. Die veröffentlichten Daten finden daher in der Finanzwelt entsprechend Beachtung. Der Wert erholte sich geradezu schlagartig bis knapp unter das Niveau vor dem Ausbruch der Corona-Epidemie. Demnach war der Vertrauensverlust bloß von kurzer Dauer.

Ebenso dynamisch verlief das Comeback der Umfrageergebnisse für den Dienstleistungssektor. Der Caixin Services PMI, der von zuvor stabilen 52 auf 26 Punkte regelrecht „abriss“, schnalzte für März wiederum auf 43 nach oben, eine Egalisierung von 60 % des Einbruchs. Diese Erhebung setzt sich durch Befragungen diverser Führungskräfte in 400 verschiedenen privaten Dienstleistungssektoren zusammen. Das Ergebnis wird als richtungsweisende Spiegelung zu Variablen wie Umsätzen, Beschäftigung, Lagerbeständen und Preisbildung herangezogen.

Gemischtes Vertrauen, wenige Daten-Alternativen

Hinlänglich bekannt sind Zweifel der internationalen Marktteilnehmer zur Zuverlässigkeit der veröffentlichten Daten über den Stand der chinesischen Wirtschaft. Zu den Caixin-Auswertungen ist anzumerken: Die Erhebungen werden monatlich von der Caixin Insight Group (Daten-Dienstleistungstochter der Caixin Media Company Limited) erstellt. Das Unternehmen wurde im Jahre 2010 von Hu Shuli gegründet. Die heute auch als Professorin an der School of Communication in China agierende Pekingerin durchlief zuvor die Journalisten-Ausbildung an der Stanford Universität und gründete zudem im Sino-Reich das englischsprachige Caijing Magazin. Natürlich ist ein politischer Druck durch die KP-Führung auf die Gesellschaft nicht auszuschließen, eine nach den Wünschen der Staatsführung „zurechtgelegte“ Formung der Ergebnisse ist aber nahezu undenkbar. Denn seit 2015 wird das Zahlenwerk den institutionellen Investoren im Inland offeriert. Zur Einschätzung der Lage werden Datenbanken erstellt und mit makroökonomischen Erhebungen und Analysen verknüpft. Zusammengestellt, komprimiert und global veröffentlicht werden diese Ergebnisse zudem vom Dateninformationsdienst IHS Markit mit Sitz in London. Einen Imageschaden würden die Briten wohl kaum bewusst in Kauf nehmen. Das Sponsoring der Markit China-Abteilung übernahm aber Caixin wiederum im Jahr 2015 von der HSBC Bank.

Hohe Bedeutung der Bezugsquelle

Kritischer sind hingegen die Auswertungen der China Federation of Logistics & Purchasing zu sehen. Dabei werden die Messungen des Nationalen Statistik-Büros (NBS) verarbeitet. Auch wenn zu deren PMI monatlich 700 Führungskräfte nationaler Unternehmen befragt werden, ist im Ergebnis ein „eingebauter“ Optimismus erkennbar. Dieser wohl weniger glaubwürdige Wert zum Einkaufsmanager-Vertrauen sprang im März gar auf den höchsten Wert seit September 2018. Auffällig: Die Behörden kamen nicht darum herum, die Arbeitslosenquote (in Prozent des urbanen Arbeitskräftepotentials) von 5,2 auf 6,2 anzuheben. Die Zentralbank veröffentlicht zudem laufend den durchschnittlichen Zinssatz zu gewährten Krediten. Hier ist mit 4,05 % ein neuer Tiefststand erreicht, ein wiederum ernüchternder Hinweis.

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Dunkelheit vor Dämmerung

Christopher Smart, Chefstratege des Barings Investment Institute, gibt eine Einschätzung, worauf wir uns noch einstellen müssen, bevor die Erholung beginnt.

Die Frage, um die es sich bezüglich des Coronavirus in diesen Tagen vorrangig dreht, lautet: Wie schlimm wird es werden? „Auch wenn wir alle darum kämpfen, den ersten Blick auf den Sonnenaufgang zu erhaschen, wird viel davon abhängen, wie schnell die Märkte vor dem Morgengrauen die Dunkelheit durchschreiten“, sagt Dr. Christopher Smart in seinem aktuellen Kommentar. Fünf dunklere Entwicklungen werden sich demnach erst noch einstellen müssen, bevor wir abschätzen können, wie schnell eine Erholung eintritt.

Ertragsrevisionen
Wenn es in der Natur kaum etwas Furchterregenderes gibt als eine Herde von Gnus, dann gibt es an den Finanzmärkten nichts Schädlicheres als eine Herde von Analysten, die ihre Gewinnschätzungen nach unten korrigieren. Während die Zahl der Analysten, die die S&P-500-Aktien herabstufen, inzwischen den Stand von 2008 übersteigt, bleibt der Umfang der Herabstufungen im zweiten Quartal mit etwa 10% relativ gering. Das könnte vor allem an der nach wie vor außergewöhnlich hohen Unsicherheit liegen. Die Unternehmen selbst liefern keine neuen Zahlen mehr, was die Aktien immer noch viel billiger erscheinen lässt, als sie tatsächlich sind.

Rating-Herabstufungen 
Kreditanalysten haben die Schuldentragfähigkeit aller Kreditnehmer, ob groß oder klein, radikal neu bewertet. Unternehmen mit Investment-Grade-Rating haben im März in Erwartung der bevorstehenden schwierigen Zeiten neue Schulden in Höhe von 260,7 Milliarden Dollar aufgenommen, aber manche werden ihr Rating verlieren, was einige Anleger zum Verkauf zwingt. Herabstufungen können auch Vereinbarungen auslösen, die eine vorzeitige Rückzahlung der Schulden bedingen. Das könnten unruhige Zeiten werden.

Konkurse
Einige Firmen werden lediglich Herabstufungen erleiden, während andere vor dem Bankrott oder gar der Liquidation stehen. Versierte Investoren schaffen es, die meisten davon zu vermeiden, aber es wird sicherlich auch unerwartete Pleiten geben. Es ist schwer vorstellbar, dass eine Krise dieses Ausmaßes nicht auch einige große Opfer fordern wird, die bereits in den Seilen hingen. Außerdem wird es in den Schwellenländern zu einer Umstrukturierung der Staatsschulden kommen, da sich das Kapital in einem noch nie dagewesenen Tempo zurückzieht. Argentinien und der Libanon waren schon angeschlagen, bevor wir von dem Coronavirus gehört hatten, andere werden zu der Liste hinzukommen.

Öl
Es ist schwer vorstellbar, dass es eine dauerhafte Erholung geben wird, ohne dass Russland und Saudi-Arabien zu einer verbindlichen Einigung über die Ölpreise kommen. Es scheint eine Vereinbarung in Arbeit zu sein, die das Angebot einschränken und eine Untergrenze für die globalen Preise schaffen würde, um große Teile der Industrie vor dem Zusammenbruch zu retten. Dennoch werden die Finanzmärkte den Aufschwung erst dann in vollem Umfang begrüßen können, wenn Zuversicht besteht, dass der Ölpreis wieder in eine vorhersehbare Größenordnung zurückgekehrt ist.

Die Regierungen
Nach wochenlangem Leugnen und Zögern sind die Staats- und Regierungschefs der Welt und die Zentralbanken endlich in Aktion getreten, aber es gibt noch viel mehr zu tun. Das vom US-Kongress verabschiedete 2-Billionen-Dollar-Paket ist eher eine Nothilfe als ein Konjunkturprogramm. Dennoch wird viel davon abhängen, wie schnell das Geld an kleine Unternehmen und Haushalte verteilt werden kann. Die Fed war schnell und kreativ bei der Unterstützung der Kreditmärkte, aber die Banken werden noch mehr unter Druck geraten, wenn ihre Kreditbücher schlecht werden. Nur wenige haben schon angefangen, über den Schlag nachzudenken, der die Entwicklungsländer bald treffen wird, und deren zusätzlichen Bedarf an Hilfe und Schuldenerlass. Ein dauerhafter Aufschwung wird auch viel mehr internationale Zusammenarbeit erfordern. Wenn die G-20 kaum mehr tut, als fade Erklärungen abzugeben, werden die Investoren eine konkretere bilaterale Zusammenarbeit bei der Ausweitung des Handels, der Stabilisierung der Märkte und der Ankurbelung von Investitionen sehen müssen.

Investoren brauchen keine Antworten auf all diese Fragen, damit der Aufschwung beginnen kann, aber sie werden es schwierig finden, sich ohne ein klareres Bild wieder auf neue Investments zu konzentrieren. Eine zuverlässige Abflachung der Kurve der Coronavirus-Opfer wird einen entscheidenden Durchbruch für die öffentliche Gesundheit und die Rückkehr zur Normalität bringen, aber es wird für die Märkte so lange Dunkelheit herrschen, bis wir etwas Licht auf die wirtschaftlichen Trümmer bekommen, die repariert werden müssen.

(Foto: Barings)

Navigieren im Auge des Sturms

Was erwartet die Märkte im zweiten Quartal 2020? Ein Ausblick von Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, einen Ausblick:

Die Weltwirtschaft erreicht nun das Zentrum des Sturms, und Investoren erwartet eine sehr schwierige Zeit, bevor sich im zweiten Halbjahr die Lage verbessert, sobald die chinesische Wirtschaft sich erholt. In diesen sorgenvollen Zeiten erhebt sich ein strahlender Stern: der Einbruch der Ölpreise. Dieser hilft kurzfristig nicht viel, weil viele Menschen zu Hause bleiben müssen, zahlt sich jedoch aus, sobald die Wirtschaft wieder an Fahrt gewinnt. Wir gehen davon aus, dass die Weltwirtschaft in eine Wachstumsrezession eintritt, die sich im 2. Quartal bemerkbar macht und bis zum Ende des Jahres anhält. Die Prognose für das 2. Quartal ist schwierig, da wir uns in einer Krise befinden, wie es sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gegeben hat.

Das Corona-Virus verbreitet sich von China ausgehend auf den Rest der Welt, und die Behörden tun ihr Bestes, um es durch drastische Maßnahmen wie Ausgangssperren einzudämmen. In einigen Ländern wie Italien befindet sich das Gesundheitssystem am Rande des Zusammenbruchs. Da die meisten Geschäfte geschlossen sind, leidet der stationäre Handel genauso wie Fabriken unter einem sehr schweren Schock, während der viel größere Dienstleistungssektor (Hotels ausgenommen) hauptsächlich von zu Hause aus aktiv sein kann. Die Verbraucher bestellen jetzt selbst dann von zu Hause, wenn sie das vorher noch nie gemacht haben. 

Aufgrund dieses Schocks rechnen wir damit, dass viele Unternehmen ihre Arbeitskräfte teilweise oder vollständig entlassen werden, was zu einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit in Europa und den USA führen dürfte. Nimmt man den drastisch gesunkenen Ölpreis hinzu, bedeutet das einen starken Deflationsdruck, insbesondere in den USA, wo einige Sektoren wie IT sehr hohe Gewinnmargen aufweisen. 

In der Folge haben viele Zentralbanken, von der Fed bis zur EZB, einen großen Spielraum, um ihre sehr lockere Geldpolitik beizubehalten. Das bedeutet, dass die bestehende quantitative Lockerung und Kreditlockerung sich in den kommenden Quartalen wahrscheinlich verstärkt. Insbesondere gehen wir davon aus, dass sich Fed und EZB auf das Gebiet der Kreditvermittlung für kleine und sehr kleine Unternehmen begeben, indem sie das Risiko mit den Banken teilen, wie es die Fed gerade vormacht. Infolgedessen wird sich die Wirtschaft in einer schweren Rezession stabilisieren, und wenn sich die Verbreitung des Virus durch Ausgangssperren und andere Maßnahmen schließlich abschwächt, dürfte sich das Wachstum, angeführt von China, langsam wieder erholen. Nach Wochen des Eingesperrtseins dürfte sich dann als erstes die Kundennachfrage entwickeln, bevor die Erkenntnis einsetzt, dass immer noch harte Zeiten vor uns liegen. Banken in den Industrieländern gehen auf solider Basis in diese Krise, und wir weisen darauf hin, dass skandinavische Banken traditionell als sicher gelten.

Das 2. Quartal wird wohl sehr schwierig, bevor sich noch vor Ende des Jahres eine Verbesserung einstellt. In einem derart schwierigen Umfeld dürften Fixed-Income-Investmentlösungen und insbesondere flexible Lösungen in diesem Bereich eine bedeutende Rolle spielen als Zufluchtsorte, die bessere Risiko-Rendite-Profile aufweisen können. Es ist unwahrscheinlich, dass die Duration weiterhin viel hilft, weshalb die Allokation in Investment-Grade-Anleihen wichtiger werden dürfte. Wir sind aufgrund ihres besonders sicheren Profils schon lange Anhänger von Pfandbriefen, und deren Markt wird weiterhin durch EZB-Käufe unterstützt. Anleger sollten zudem bedenken, dass es in Zeiten hoher Volatilität auf die Fähigkeiten eines Portfoliomanagers ankommt, um durch die Krise zu kommen. Ein typisches Beispiel hierfür sind Schwellenländeranleihefonds, die je nach Portfoliomanager stark unterschiedliche Wertentwicklungen zeigen. Flexible Multi-Prämien-Lösungen sind ein weiteres effektives Instrument zur Stabilisierung eines Portfolios in einem volatilen Markt.

Wir befinden uns im Frühstadium einer historischen Krise. Sobald sich die übergroße Angst legt, sollte sich die Volatilität an den Aktienmärkten abschwächen, so dass die Kurse sich halten und etwas erholen können, während der Markt auf verschiedene Rettungspakete setzt. Dennoch steht uns eine sehr scharfe Rezession mit vielen Gewinnwarnungen und Insolvenzen noch bevor. In einer derart volatilen Umgebung bevorzugen wir börsennotierte Infrastrukturtitel. Sie bieten ein widerstandsfähiges Profil gegenüber sinkenden Kursen und partizipieren an Aufwärtsbewegungen.

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Umsatzschub durch Corona

Drägerwerk profitiert von einem Großauftrag der Bundesregierung, kämpft aber weiter mit schwachen Margen.

Stefan Riedel, München. Niedrige Erträge, wenige neue Umsatztreiber und von der Produktstrategie noch ungenügend auf die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung ausgerichtet – die Mängelliste der Investoren zum Lübecker Familienunternehmen Drägerwerk (ISIN: DE0005550636) ist lang. In Anbetracht der Corona-Krise ist von dieser Kritik nichts mehr zu hören. Der Börsenwert der im SDAX gelisteten Vorzüge hat sich in den vergangenen drei Wochen verdoppelt.

Auftrag der deutschen Regierung als Initialzündung

Das Kursfeuerwerk gezündet hat ein Großauftrag der Regierung in Berlin. 10.000 Beatmungsgeräte und persönliche Schutzausrüstung für Krankenhauspersonal plus Schutzmasken der Schutzklasse FFP2 soll Drägerwerk über dieses Jahr verteilt liefern. Für Firmenchef Stefan Dräger ist es „der größte Auftrag, den wir je hatten“ und entspricht der normalen jährlichen Produktionsmenge für Beatmungsgeräte. Die Produktion von Atemschutzmasken hat Drägerwerk während der Corona-Krise bereits verdoppelt.

Finanzexperten erhoffen sich jetzt den über Jahre ausgebliebenen Profitabilitätsschub. „Die gegenwärtige Situation ist ein Windfall-Profit für Dräger. Das Unternehmen rückt unverhofft wieder ins Blickfeld von Kapitalmarkt und Kunden. Ich hoffe, dass sie jetzt liefern können, denn das Produktportfolio wirkt in der Breite noch sehr antiquiert“, meint etwa Kai Brüning, er ist Fondsmanager bei Apo Asset Management, gegenüber dem Börsen-Kurier.

Die Medizintechniksparte steht für 60 % der Konzernerlöse. Da-runter fallen Beatmungsgeräte sowie Geräte für die Überwachung von Patienten auf Intensivstationen oder von Säuglingen. Aus der Sparte Sicherheitstechnik kommt Schutzausrüstung für Rettungsdienste, Feuerwehr und Behörden.

Kennzahlen 2019

Und die Firma braucht neue Wachstumsimpulse. Im Geschäftsjahr 2019 schaffte Drägerwerk ein Umsatzplus von 7 % auf 2,8 Mrd€. Die EBIT-Marge blieb bei 2,4 % hängen, in der Medtechsparte lag sie bei ganzen 0,8 %. Dementsprechend niedrig fiel zuletzt der Nettogewinn mit 33 Mio€ aus. Seit 2017 hat sich der Konzerngewinn gedrittelt. Bis vor kurzem spiegelte der Aktienkurs, der sich von Anfang 2015 bis Ende 2019 halbierte, diese Stagnation wider.

Ausblick

Für den Zeitraum 2019 bis 2021 erwarten die Analystenschätzungen ein jährliches Gewinnwachstum von im Schnitt 50 %. Mit einem 2021er-KGV von 27 erscheint die Vorzugaktie somit optisch günstig. Kurzfristig sollte der Corona-Effekt den Aktienkurs auch weiter nach oben schieben. Die Luft könnte allerdings schnell wieder heraus sein, wenn das Unternehmen nicht den Beweis liefert, dass es seine Gewinne unabhängig von größeren Projekten im Zeichen der Corona-Pandemie steigern kann.

Foto: Drägerwerk AG & Co. KGaA

 

 

Stufenweiser Einstieg ratsam

Für Zertifikate-Experten gibt es trotz stürmischem Umfeld interessante Anlageideen.

Auch in stürmischen Zeiten gibt es „Leuchttürme“, beispielsweise Zertifikate

Patrick Baldia. Sollte man die aktuellen Kurse für einen Einstieg nutzen? Diese Frage stellen sich derzeit vermutlich auch viele Zertifikate-Anleger. Experten mahnen jedoch zur Vorsicht. „Heute sind Zertifikate zwar billiger als vor vier Wochen, wann aber genau eine Bodenbildung stattfinden wird, ist schwer abzuschätzen“, sagt etwa Marianne Kögel von der Raiffeisen Centrobank (RCB). Sofern man die aktuellen Kurse als attraktiv einschätzt, könne man aber durchaus auch jetzt schon zugreifen. Allerdings sei ein stufenweiser Einstieg ratsam.

Im Rahmen des Kursgemetzels der vergangenen Wochen wurden bei einigen Bonuszertifikaten die Barrieren verletzt, bei anderen würden sie noch halten bzw. bestünden immer noch Puffer von 15 bis 20 % nach unten, so Kögel weiter. Ob diese halten oder nicht, vermöge derzeit niemand seriös einzuschätzen. Zeige sich aller-dings, dass sich die Kurse stabilisieren, sollten die Barrieren halten. „In diesem Fall kann man von Kaufkursen sprechen“, hält die RCB-Zertifikate-Expertin fest.

„Es ist noch zu früh, um von einer Bodenbildung ausgehen zu können“, sagt auch Uwe Kolar, Head of Retail and Sparkassen Sales bei der Erste Group. Ideen für Zertifikate-Anleger gebe es im aktuellen Umfeld aber durchaus. Dazu würden Garantieanleihen, wie etwa der „ERSTE Future Invest Garant 90 % 20-30“ (ISIN: AT000A2D9G7), die an der Wertentwicklung eines Aktienkorbs oder -index direkt partizipieren, zählen. „Bei den tiefen Einstiegsniveaus sind (bei einer Mindestrückzahlungsgarantie von 90 %) die Chancen auf Kursgewinne zum Laufzeitende größer, was bedeuten würde, dass der investierte Nominalbetrag zu 100 % zurückgezahlt wird“, so Kolar. Kursverluste von bis zu 10 % würde der Anleger hingegen 1:1 tragen.

Anlageidee: Express-Anleihen

Eine weitere Idee sind für Kolar Express-Anleihen, um von den niedrigen Kursständen von Öl- und Versicherungsaktien zu profitieren. Dafür bieten sich etwa die „ERSTE Multi Fix Kupon Express Anleihe Öl 2020-2024“ (AT0000A2EFW1) oder die „ERSTE Multi Memory Express Anleihe Versicherungen 2020-2025“ (AT0000A2 D7X6) an. Deren Basiswerte: OMV und Shell bzw. AXA und Allianz.

„Grundsätzlich bieten Bonuszertifikate aktuell schönere Renditemöglichkeiten als noch vor der Corona-Krise“, sagt Kögel. Stark fallenden Kursen könnten sie sich allerdings nicht entziehen. Sie glaubt allerdings, dass sich derzeit Kapitalschutzzertifikate besser eignen würden. Das mit ihnen verbundene Risiko sei nämlich überschaubar. „Der maximal mögliche Verlust liegt in der Regel bei 10 % der Veranlagungssumme“, hält Kögel fest.

Insgesamt wird es in den kommenden Wochen voraussichtlich weniger Emissionen geben – auch bei der RCB. „Gänzlich darauf verzichten werden wir aber nicht – gerade bei Bonuszertifikaten sind die aktuellen Startwerte mittelfristig sicher interessant“, so Kögel. Aktuell befinde sich mit dem „3 % Europa/Global Bonus&Sicherheit 4“ (AT0000A2D8F1) ein RCB-Bonuszertifikat in Zeichnung, ein weiteres soll demnächst emittiert werden. Darüber hinaus würden sich mehrere Zertifikate mit 90 % Kapitalschutz – wie etwa der“ Megatrends Bond 90%“ (AT0000A 2DXW6) – in Zeichnung befinden. Neue Aktienanleihen mit Zeichnungsfrist wären hingegen derzeit nicht geplant, da das Marktumfeld zu unsicher sei. „Da bei vielen die Barriere verletzt wurden, ist es zu Aktienlieferungen gekommen“, erklärt Kögel.

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ATX: Einstieg für vorsichtige Anleger

Die Schwankungen werden andauern. Doch selbst in diesem Umfeld gibt es Chancen.

Raja Korinek. Die vergangenen Wochen stellten Aktienanleger auf eine enorme Belastungsprobe. Die Kursstürze waren heftig, da stellte der heimische Leitindex ATX keine Ausnahme dar. Seit Jahresbeginn verlor das Börsenbarometer bis Ende voriger Woche rund 38 %. Auch hier lasten die Sorgen über die Folgen der Corona-Krise auf die Unternehmen.

Globale Tätigkeit

Viele heimische Börsenfirmen sind obendrein international tätig, und einer Vielzahl an Entwicklungen ausgesetzt. Dazu zählt beispiels-weise der heimische Flugzeugzulieferer FACC. Aufgrund des Einbruchs im weltweiten Flugverkehr und Auftragsschwankungen wird die Kurzarbeit am 6. April eingeführt, während die Dividende gestrichen wird. Der Caterer DO & CO bekommt ebenso den Einbruch in der Flugindustrie zu spüren. Banktitel – die Erste Group Bank hat die höchste Gewichtung im ATX – verloren ebenfalls kräftig an Wert, wie auch die heimischen Öltitel OMV und Schoeller-Bleckmann Oilfields. Sie leiden zudem unter dem stark gesunkenen Ölpreis.

Doch so dramatisch die Nachrichtenlage quer durch die heimische Unternehmenslandschaft ist, an der Börse sollte das Schlimmste allmählich ausgestanden sein, meint Christoph Schultes. Der Erste-Group-Analyst betont in seinem jüngsten Ausblick, „nach einem beispiellosen Absturz sehen wir aktuell eine intensive Erholungsphase“. Er mahnt aber auch, dass diese nun aber wieder zu Ende gehen könnte. Anleger sollten sich auf erhöhte Volatilität auch in den kommenden Wochen gefasst machen. „Investoren beginnen die Spreu vom Weizen zu trennen, denn es sind nicht alle Unternehmen gleich von der Krise betroffen. Aktien von gut geführten Unternehmen mit einem robusten Geschäftsmodell und einer starken Bilanz sind derzeit gefragt“, zeigt Schultes weiters auf.

Aktien günstig bewertet

Für zyklische Unternehmen mit weiterhin eingeschränkter Visibilität sei es hingegen verfrüht einzusteigen. „Die Corona-Krise ist noch nicht auf ihrem Höhepunkt angekommen und das Ausmaß ist schwer vorherzusagen. Dennoch sollte man als Anleger nicht in Panik verfallen, denn die Aktienkurse nehmen bereits viel von einem sehr schlimmen Szenario vorweg. Die Bewertung der meisten Aktien ist momentan sehr günstig.“

Doch was bedeutet das für Anleger? Sie haben zum Beispiel die Möglichkeit auf einen Seitwärtstrend – oder mäßige Kursgewinne – mit einem Puffer nach unten zu setzen. Möglich machen es Discount-Zertifikate. Mit diesem Produkt kauft man sich günstiger in den Basiswert ein, als dieser an der Börse kostet. Dafür profitiert man von möglichen Kursanstiegen des Basiswertes nur begrenzt, bis zu einem Cap. Nach unten gibt es zudem einen Verlustpuffer, und zwar in Höhe des Diskonts, um den man den Basiswert günstiger erworben hat. Erst wenn der Kurs des Basiswertes derart kräftig sinkt, so dass der Break-Even-Punkt unterschritten wird, erleidet man auch mit dem Zertifikat einen Verlust. Denn dann ist der Vorteil des Diskonts voll aufgebraucht.

Discount-Zertifikat auf den ATX

Ein solches Produkt bietet beispielsweise die RCB auf den ATX an (ISIN: AT0000A26BK7). Der Cap liegt bei diesem Discount-Zertifikat bei 2.700 Punkten, der Break-Even-Punkt bei 1.889 Punkten. Der Diskont lag zu Wochenbeginn bei 5,20 %, verändert sich aber laufend mit der aktuellen Kursentwicklung des ATX. Und letzter Handelstag des Zertifikats ist am 18.9.2020.

Für Anleger, die hingegen 1:1 auf die weitere ATX-Kursentwicklung setzen wollen, bietet etwa die UniCredit ein Indexzertifikat an (DE0007873242).

Foto: Wiener Börse

 

 

Goldpreis langfristig bei 2.000 USD

Experte erklärt, warum das Edelmetall vor einem starken Ausbruch nach oben stehen sollte.

Harald Kolerus. Die Corona-Krise hat die Aktienbörsen auf Talfahrt geschickt, als erste Reaktion viel auch der Goldpreis, konnte jedoch im Gegenzug wieder kräftig zulegen. Das hat niemanden verwundert, hat das beliebte Edelmetall doch den Ruf, die Krisenwährung schlechthin zu sein.

Was mit dem 9. März folgte, war für viele Marktteilnehmer dann aber überraschend: Auch Gold schwenkte zuerst in eine Abwärtsbewegung um. Wie das zu erklären ist, wollte der Börsen-Kurier im Telefongespräch mit Christian Brenner, seines Zeichens Managing Director der philoro Schweiz AG, wissen.

Bei dem Unternehmen handelt es sich um einen der Marktführer im Bereich Edelmetallhandel in Europa. Spezialisiert ist man unter anderem auf den An- und Verkauf von Anlagemünzen und Barren sowie die bankenunabhängige Lagerung im Einzelschließfach, Depot oder Zollfreilager.

Überragende Performance
Brenner: „Die Kursbewegung bei Gold lässt sich in Wirklichkeit relativ einfach erklären: Im Zuge der extremen Aktienkorrektur müssen Unternehmen Geld auftreiben bzw. nachschießen. Sie bedienen sich deshalb dort, wo Liquidität freigemacht werden kann. Das führte zu den Verkäufen von Aktien aber eben auch Gold.“

Mit einem Blick in die Finanzhistorie ist das für den Experten aber kein Grund zur Beunruhigung für Gold-Investoren, im Gegenteil: „Wir haben dieses Bild bereits in der Krise von 2008 gesehen: Gold verlor kurzfristig, dann folgten aber extrem starke Phasen mit überragender Performance. Der Goldpreis fiel 2008 von 1.000 US-Dollar auf 750 US-Dollar die Feinunze und stieg bis auf 1.900 US-Dollar im Jahr 2011 wieder empor. Ich bin der Meinung, dass sich das wiederholen kann und das Edelmetall einen überproportionalen Ausbruch an den Tag legen wird.“

Wann das der Fall sein kann, lasse sich noch nicht seriös beantworten: „Die Marktdynamik ist zu stark, um jetzt schon einen ganz klaren Trend prognostizieren zu können. Bei einer schrittweisen Normalisierung der Gesamtsituation, ist die Zeit für Gold und den Ausbruch nach oben gekommen“, so Brenner. Der Experte weiß, dass es auch mögliche kurzfristige Korrekturen nach unten geben kann, langfristig geht er aber von einem Preis um die 2.000 US-Dollar je Feinunze aus.

„Sell out“
Somit ortet Brenner einen guten Zeitpunkt für Gold-Investments, wobei zur Zeit die Lage der Verfügbarkeit angespannt ist: „Wir sehen einen wahren Ausverkauf bei Goldmünzen, wobei wir einer der wenigen Händler sind, die den Online-Vertrieb aufrechterhalten. Auch wenn wir unsere Filialen aufgrund der aktuellen Covid-19-Situation und der von der Regierung erlassenen Schutzmaßnahmen geschlossen haben: In unserem Webshop können Sie weiterhin rund um die Uhr Edelmetalle bestellen. Solange der Vorrat noch reicht.“ Jedoch natürlich mit der Einschränkung, dass Bestellungen nicht in den Filialen abgeholt oder Verkäufe an philoro nicht vorbeigebracht werden können. Als Liefermöglichkeit besteht somit der Versand, vorausgesetzt, dass die Post ihre Tätigkeiten nicht unterbrechen muss.

Bleibt noch die Frage, wieviel Gold in einem breit gefächertem Portfolio Platz hat? Brenner: „Normalerweise geht man von 10 bis 15 % aus, in der gegenwärtigen Situation könnte man diesen Anteil schon verdoppeln.“

Werterhalt über Jahrtausende
Übrigens: Gold ist nicht nur in Krisenzeiten eine interessante Investmentidee, was auf seiner praktisch epochenübergreifenden Wertstabilität beruht. Hierzu ein Beispiel aus dem alten Rom: Kleidung war damals eine teure Anschaffung, im Jahre 301 nach Christus kostete eine Tunika 2.000 Denar, was knapp 2 Aureus (Einheit mit ca. 11g Gold) entsprach. Heute ist dieser Wert mit einem Betrag von 800 Euro gleichzusetzen und entspricht einem maßgeschneiderten Anzug aus hochwertigen Stoffen.

Gold hat also das römische Reich überdauert, auch die Corona-Krise wird es wohl glänzend überstehen.

Foto: philoro

 

 

Überflieger in Krisenzeiten

Die Programme von TeamViewer halten Videokonferenzen und Computer am Laufen.

Stefan Riedel, München. Der rapide Anstieg von Home-Office-Arbeit und Videokonferenzen im Zuge der Coronavirus-Pandemie beschert dem TeamViewer (ISIN: DE000A2YN900) einen zusätzlichen Umsatzschub. Die im MDAX gelistete Softwarefirma geht da-von aus, dass sich der Zuwachs für Abrechnungen von Softwareleistungen im laufenden Quartal gegenüber dem Vorjahr auf 60 % oder mehr beschleunigt hat.

Treibende Kraft ist dabei das Programm mit dem eigenen Firmennamen. Dabei war TeamViewer ursprünglich als Nebenprodukt gedacht. Damit lassen sich Computer und Rechner aus der Ferne zu steuern und warten, etwa per App über Smartphone und Tablet. Dass die neuesten Versionen die Teilnahme an Online-Meetings erlauben, wird sich für TeamViewer spätestens mit der Corona-Krise als Segen erweisen.

„Wir werden 2020 unsere Wachstumsstrategie weiterhin in vollem Tempo fortsetzen, indem wir Kundensegmente und globale Reichweite ausbauen“, hatte Vorstandschef Oliver Steil bei der Präsentation der vorläufigen Zahlen für 2019 angekündigt. Das war am 10. Feber, also noch vor dem Börsencrash. Aber auch die aktuell turbulenten Zeiten wird TeamViewer mit seinen Produkten besser meistern als Softwarefirmen, die in anderen Marktsegmenten unterwegs sind. Die Programme der 2005 gegründeten Firma aus Göppingen bei Stuttgart kommen nicht nur in der Fernwartung von Computern und Servern oder bei Videokonferenzen zum Einsatz, sondern sollen in Zukunft auch die digitale Fertigung in der Industrie steuern.

Den Konzernumsatz hat TeamViewer 2019 um 51% auf 390,3 Mio Euro gesteigert. Positiv hat sich ausgewirkt, dass die Gesellschaft ihr Vertriebskonzept von Einfachlizenzen auf ein Abo-Modell umgestellt hat. Wegen zu hoch ausgewiesener aktiver latenter Steuern musste der vorläufige Jahresüberschuss im Nachhinein von 110,9 auf 103,9 Mio Euro nach unten korrigiert werden. Umsatz und bereinigtes operatives Ergebnis sind laut TeamViewer davon nicht betroffen. Der Free Cashflow kletterte von 112,7 auf 171,5 Mio Euro. Die Cash Conversion, also das Verhältnis freier Mittelzuflüsse zum operativen Gewinn, beläuft sich damit auf stattliche 94,2 %.

Mit Abschlägen von gut 20 % gegenüber dem Allzeithoch vom Feber halten sich die Kursabschläge in Grenzen. Das IPO liegt erst ein halbes Jahr zurück. Mit einem Emissionserlös von 2,2 Mrd€ feierte TeamViewer den größten Börsengang eines deutschen Technologieunternehmens seit dem Platzen der Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende. Alle sieben Analysten, die aktuell TeamViewer covern, sprechen sich für einen Kauf der Aktie aus.

Zum Negativen ändern könnte sich diese Einschätzung am ehesten, wenn das Management am 26. März, wenn die detaillierten Zahlen für 2019 kommen, beim Ausblick eine deutlich negativere Position bezieht. Bei der Kundschaft wird das Unternehmen in der Zwischenzeit weiter punkten: private Nutzer, die jetzt geschäftlich mit der kostenlosen TeamViewer-Version arbeiten, werden nicht mehr gesperrt. Spekulative Anleger bauen erste Positionen auf.

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Fondssparpläne: Die Chancen in der Krise

Anleger können die Korrektur zu einem schrittweisen Vermögensaufbau günstig nützen.

Raja Korinek. Die jüngsten Entwicklungen an den weltweiten Börsen haben einmal mehr deutlich vor Augen geführt: Ein Investment in Wertpapiere kann auch sehr turbulent sein. Doch es gibt Möglichkeiten, davon sogar zu profitieren. Eine solche ist der Abschluss eines sogenannten Fondssparplans. Der Clou daran: Anleger kaufen mit einer festgelegten Summe regelmäßig Fondsanteile zu. Und weil ein solcher Sparplan auf viele Jahre angelegt sein sollte, um einen sinnvollen Vermögensaufbau zu ermöglichen, profitiert man obendrein von dem Cost-Averaging-Prinzip.

Doch was genau ist gemeint?
Das sogenannte „Cost-Averaging-Prinzip“ (Durchschnittskosten-Prinzip) bedeutet, dass durch einen gleichbleibenden Ansparbetrag zu unterschiedlichen Marktkursen einmal mehr und einmal weniger Fondsanteile erworben werden, erklärt Martin Hauer, Vorstand für Retail und Verbundservices der RLB NÖ-Wien. Er meint auch, „der positive Effekt dabei ist, dass der durchschnittliche Kaufkurs dadurch reduziert wird“. Allerdings hänge der Gesamterfolg von einer Kurserholung ab.

Kurserholung in Sicht?
Umso mehr sollten Anleger noch einen Punkt beachten: „In volatilen Phasen ist das regelmäßige Ansparen in Wertpapierfonds für risikobewusste Anleger eine gute Alternative. Es sollte aber unbedingt die persönliche Risikoneigung und -bereitschaft bedacht werden. Aus heutiger Sicht ist nicht vorherzusehen, wann wieder eine Normalisierung an den Kapitalmärkten einkehren wird“, sagt RLB-Experte Hauer. Deshalb sei diese Anlageform unter längerfristigen Gesichtspunkten zu betrachten. Freilich, langfristig deuten zahlreiche Studien auf steigende Aktienmärkte.

Dabei sei es ohnedies wichtig, möglichst früh mit einem solchen Plan zu beginnen, betont man bei der Erste Bank. Der aktuell günstige Einstieg muss nicht einmal mit großen Summen genützt werden. Geldinstitute wie die Bank Austria und die Erste Bank bieten einen Einstieg schon ab 30 E pro Monat an. Bei der RLB NÖ-Wien und der Bawag geht es ab monatlich 50 E los. Auch muss es nicht immer eine monatliche Einzahlung sein. In der Regel sind Einzahlung quartalsweise oder jährlich ebenfalls möglich.

Bei den Einzahlungen wird meist allerdings immer der Ausgabeaufschlag für den Fondskauf verrechnet. Bei der RLB NÖ-Wien ist es hingegen ein Transaktionsentgelt von 90 Cent plus 1,2 % vom Kurswert. Günstiger ist oftmals oben-drein der Online-Kauf. Bei der Erste Bank wird via Plattform „George“ ein Rabatt von 20 % angeboten. Bei der Hello bank! liegt der Rabatt sogar bei 40 %. Auch wird dort keine Depotgebühr für Fonds berechnet.

Fremdfonds als Alternative

Doch was, wenn man nicht nur die hauseigenen Fonds kaufen möchte? Hier sollte man sich vor Abschluss eines Sparplanes unbedingt über Kaufmöglichleiten von Fremdfonds nachfragen. Solche bietet etwa die Erste Bank an – auch mittels ETFs (Exchange Traded Funds), sogenannten börsengehandelten Fonds an. Auch die Hello bank! verweist auf eine umfangreiche Auswahl.

Trotz der langfristigen Ausrichtung sollten Anleger auch noch einen weiteren Punkt bedenken: Je näher das Ende der selbst gewählten Ansparzeit rückt, desto mehr sollte man in konservative Fonds anlegen, etwa in breit gestreute Anleihefonds. Denn dann lassen sich Schwankungen – angesichts der geringen Restlaufzeit – weniger gut durchtauchen. Thomas Schaufler, Privatkundenvorstand der Erste Bank, fügt dabei grundsätzlich hinzu: „Für die überwiegende Anzahl an Publikumsfonds fallen keine Rücknahmegebühren an. Somit können Fonds individuell gewechselt werden.“

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Coronavirus trifft Börsen ins Mark

Geöffnete Liquiditätsschleusen seien allerdings positiv hervorzuheben, so Experten.

Patrick Baldia. Sie treten äußerst selten und vor allem unerwartet ein und haben drastische Folgen für die Wirtschaft. Die Rede ist von so genannten „Black Swan“-Ereignissen. Einige Beobachter meinen, dass es sich beim Coronavirus um ein solches Ereignis handelt. Andere sehen es wiederum als „Grey Rhinocerus“. Mit der Metapher bezeichnete die US-Autorin Michele Wucker Ereignisse, die sehr wahrscheinlich und äußerst folgenschwer sind, aber dennoch ignoriert werden. Die aktuelle Krise hätte man kommen sehen müssen, denn Epidemien wären nichts Neues bzw. ein immer wahrscheinlicheres Risiko in einer globalisierten Welt, so die Vertreter dieser Meinung.

Der Begriff des „Schwarzen Schwans“ wurde vom Publizisten und Derivatehändler Nassim Nicholas Taleb geprägt. Ihm zufolge würden solche Ereignisse zwar mit einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit eintreten, im Nachhinein betrachtet wären sie aber durchaus nachvollziehbar. Das trifft sicher-lich auf die Lehman-Pleite 2008 zu. Dass darauf eine Finanz- und Weltwirtschaftskrise folgte, war angesichts der hohen globalen Staatsverschuldung und des spekulativ aufgeblasenen US-Immobilienmarktes rückblickend betrachtet vielleicht doch nicht so überraschend.

So oder so steht fest: Die Auswirkungen des Coronavirus auf die globale Wachstumsperspektive machen sich immer mehr bemerkbar. An den Börsen schlug sich die damit verbundene Unsicherheit in deutlichen Kursverlusten nieder. Der ATX schloss Ende der vergangenen Woche mit einem Rekordverlust. Der Dow Jones mit dem größten Einbruch seit 1987. Die Ironie dabei: Etliche Märkte – wie etwa S&P 500 oder NASDAQ – hatten erst kürzlich historische Höchststände erreicht.

Ende Feber wurden jedenfalls alleine an den US-Börsen rund 5 BioUSD „vernichtet“. Zum Vergleich: Während der Finanzkrise waren es 8 BioUSD. Wie damals folgen die Börsenturbulenzen auf eine längere Phase steigender Kurse. Eine weitere Gemeinsamkeit: Auch diesmal glauben Experten, dass die USA unter den großen Volkswirtschaften am besten aufgestellt sei, um die Krise zu meistern. „Die US-Wirtschaft ist überdurchschnittlich gewachsen und weist einen soliden Arbeitsmarkt auf“, so Jared Franz, Volkswirt bei der Capital Group.

„Die entscheidende Frage ist jetzt, wie lange die Unternehmen durch das Coronavirus eingeschränkt sind und ob es relativ schnell wieder zu einer Normalisierung kommen wird“, so RCB-Chefanalyst Stefan Maxian. Positiv sei, dass die Regierungen – zumindest die meisten – und Notenbanken deutlich erkannt haben, wie darauf zu antworten ist und in hohem Maß Liquidität zur Verfügung gestellt haben. „Die Artillerie ist in Stellung. Das hat bei der Finanzkrise deutlich länger gedauert.“

Das Kniffelige an der aktuellen Situation: der jüngste Ausverkauf fiel mehr oder weniger undifferenziert aus. Selbst defensive Papiere und Large Caps boten nur begrenzt Sicherheit. Immerhin sei China nicht mehr das große Problem, so Maxian. „Die meisten heimischen Unternehmen haben dort ihre Produktion wieder hochgefahren oder sind gerade dabei.“ Ebenfalls positiv: Es gäbe durchaus heimische Werte, die auch in einem Pandemie-Szenario Cashflows generieren könnten.

Etwas Mut macht vielleicht auch, dass bislang alle Korrekturen eine Parallele aufwiesen: Irgendwann geht es an den Börsen wieder aufwärts – allein im Falle des S&P 500 laut Statistik (seit 1950, Anm.) nach knapp 200 Tagen.

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Bankensektor für Schocks gerüstet

Einschätzung von Internationalem Währungsfonds und Nationalbank.

Manfred Kainz. „Österreichs Bankensektor ist resilient gegenüber Schocks, auch gegenüber schweren makrofinanziellen Schocks.“ Das meinte der Vizegouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Gottfried Haber, und nahm dafür Bezug auf die jüngste Überprüfung des heimischen Finanzsektors durch den Internationalen Währungsfonds (IWF). Diese Prüfung lief unter dem Titel „Financial Stability Assessment Program (FSAP) 2019“. Habers Kernbotschaft dazu: Es gebe Stabilität in unserem Finanzsektor. Denn im Verhältnis zu den unmittelbaren Bedrohungen würden unseren Banken über recht hohe Kapitalpuffer verfügen. Selbst nach Schlagendwerden von makroökonomischen Schocks und Marktrisiken würden Eigenkapitalquoten noch immer über den Mindesterfordernissen liegen – auch wenn die meisten Banken auf ihre „Kapitalerhaltungspuffer“ zurückgreifen müssten. Etwaige starke Mittelabflüsse könnte der Austro-Bankensektor angesichts seines hohen Liquiditätsdeckungspotenzials“ und seiner „soliden Einlagenbasis“ gut verkraften. Die „Liquiditätsverbünde“ der verschiedenen Bankensektoren würden den Liquiditätsausgleich unter ihren Mitgliedern gewährleisten und so zu Finanzstabilität beitragen.

Wenig Exposure
Aus aktuellem Anlass wies Haber darauf hin, dass das Exposure Österreichischer Banken in China und Italien nur im Kommabereich liege. Die Geschäftstätigkeit sei vielmehr stark auf die CESEE-Märkte, also auf Zentral-, Ost- und Südosteuropa, konzentriert; dort würden 42 % der Profite der Austrobanken generiert.

Bessere Daten?
Was bei dem Financial Stability Assessment durch den IWF aber schon auch herauskam: Die Behörden bräuchten bessere Daten mit höherer „Granularität“, also höherem Verdichtungsgrad, zu Unternehmens- und Immobilienkrediten, sowie zu den CESEE-Exposures. Es müsse „weiterer Maßnahmen seitens der Behörden“ bedürfen, um Datenlücken in Bezug auf Immobilien- und Firmenkredite zu schließen, und um den Meldeumfang und den Detailierungsgrad von CESEE-Daten zu verbessern. Und angesichts der Geldwäscherisiken brauche es „zusätzliche Bemühungen“ im Bereich der Finanzkonzernaufsicht und eine bessere Abstimmung zwischen der Bankenaufsicht und den für Geldwäscheprävention zuständigen Stellen.

Mehr Geld?
Außerdem seien „adäquate Ressourcen“ sicherzustellen, um das Stresstestsystem und die Makro-Regulierung weiter ausbauen zu können. Im Übrigen müsse auch die Versicherungsaufsicht „entsprechend dotiert“ werden., damit das Solvency-II-Aufsichtsregime, die Überwachung des Marktverhaltens, sowie das Sanierungs- und Abwicklungssystem kontinuierlich verbessert werden können.

Wenn mit „Ressourcen und Dotierung“ mehr öffentliche Gelder für die Aufsicht der Finanzsektoren gemeint sind, so wird das angesichts der aktuellen budgetären Herausforderungen, um nicht zu sagen angesichts des „Stresstests“ für den Staatshaushalt aus der Corona-Krise, wohl weder einfach noch rasch gehen können.

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Corona wirft Versicherungs- und Haftungsfragen auf

„Homeoffice“: Unfallversicherungsschutz und Datensicherung nicht geregelt.

Emanuel Lampert. Corona und die damit verbundenen Gegenmaßnahmen werfen unter anderem Fragen auch in Sachen Versicherung auf. Darauf machte vergangene Woche der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) im Zusammenhang mit der Empfehlung, nach Möglichkeit verstärkt aufs „Homeoffice“ zu setzen, aufmerksam.

Der ÖGB befürworte die Empfehlung zwar. Allerdings sei „für Homeoffice oder Teleworking einiges zu beachten“, sagt Ingrid Reischl, Leitende Sekretärin des ÖGB, und ergänzt: Für die Arbeit zu Hause mangle es an konkreten arbeitsrechtlichen Regeln.

Besserer Schutz gefordert
„Was passiert, wenn jemand zu Hause im Homeoffice die Treppen runterfällt oder über das Spielzeug des Kindes stolpert und sich verletzt?“, fragt der Gewerkschaftsbund. Die Judikatur dazu sei „dünn“.

Durch das Coronavirus gebe es mehr Homeoffice-Vereinbarungen, deshalb müsse „rasch umgesetzt werden, dass Arbeitnehmer im Homeoffice durch die Unfallversicherung besser geschützt sind“, so auch ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian. Eine entsprechende Forderung habe man bereits bei der Bundesregierung deponiert, so die Arbeitnehmervertretung.

Datensicherheit und Haftung
Auch Haftungsfragen seien zu bedenken, zumal sich etwa die Frage stelle, ob die Datensicherheit beim Arbeiten von zu Hause aus gewährleistet ist. Beispielsweise müsse geklärt sein, welche Dokumente das Unternehmen über-haupt verlassen dürfen und was im Falle eines Datenlecks zu tun ist, ob dienstliche oder private Geräte verwendet werden und ob letztere die nötigen technischen Sicherheitsstandards erfüllen. „Ist der Datentransfer gesichert und verschlüsselt? Wie erfolgt die Datenlöschung von Privatgeräten? Wer haftet, wenn ich mir im privaten Netzwerk einen Virus einfange?“

Herausforderung für Kreditversicherung
Auf eine versicherungsrelevante Problematik anderer Art weist der Kreditversicherungsmakler Austrian Credit Insurance Counsel (A.C.I.C.) aktuell hin: „Derzeit steht die Bonitätsbeurteilung und -überwachung aufgrund der sich ständig überschlagenden Ereignisse durch das Coronavirus vor neuen Herausforderungen, da die Resilienz von Unternehmen wohl stärker in den Fokus rückt“, sagt Peter Androsch.

„Auch an der Börse wurden viele Anleger auf dem falschen Fuß erwischt. Eine Einschätzung der weiteren Entwicklung ist daher schwierig“, so der Geschäftsführer von A.C.I.C. weiter. Und: „Besonders sensibel“ seien derzeit stark im Welthandel involvierte Branchen.

Versicherungsschutz
Zum einen legt Androsch Unternehmen nahe, für den Fall einer Kundeninsolvenz eine Kreditversicherung im Polizzen-Ordner zu haben. Bei der Versicherung neuer Forderungen sollten Lieferanten Beratung in Anspruch nehmen, um abzuklären, bei welchem Anbieter derzeit welche Absicherung noch möglich ist, rät A.C.I.C.

Präventivmaßnahmen
Zum anderen spricht Androsch eine Reihe von Empfehlungen neben dem Versicherungsschutz selbst aus. „Verkaufen Sie Forderungen an Factoring-Gesellschaften, um Liquidität zu schaffen. Verkürzen Sie die Zahlungsziele ihrer Kunden, verlangen Sie Bankgarantien und bestehen Sie bei bonitätsschwachen Kunden auf Vorauskasse.“

Kunden wiederum rät er, Folgendes zu beachten: Sollten Anzahlungen geleistet werden, so bestehe eine Forderung gegenüber dem Lieferanten, die mit einer Versicherung geschützt werden sollte. Und: Wenn ein Lieferant auf Vorauszahlung bestehe, „vergessen Sie nicht, auch in diesem Fall einen Rabatt einzufordern“.

Blick auf die Lieferkette
Für Industriebetriebe gelte es „noch mehr als sonst“, gewisse Vorsichtsmaßnahmen in der Lieferkette zu beachten. „Um für einen Lieferausfall gewappnet zu sein, muss es mindestens zwei Zulieferer für die wichtigsten Teile geben, die noch dazu in unterschiedlichen Regionen ihren Produktionsstandort haben sollten“, so Androsch. Im Falle einer „Kettenreaktion“ in der Wirtschaft könne man mit diesen und weiteren Maßnahmen einer Insolvenz entgegenwirken.

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Die Fed geht aggressiv vor 

Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, kommentiert die aktuellen Ereignisse.

(17.03.) Am vergangenen Sonntag senkte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den Leitzins auf annähernd Null und kündigte ein neues Anleihekaufprogramm in Höhe von 700 Milliarden US-Dollar an, wovon 500 Milliarden auf Staatsanleihen und 200 Milliarden auf verbrieften Zinspapiere entfallen sollen. Zudem verbesserte sie die Bedingungen ihrer Devisenswap-Vereinbarungen mit anderen Zentralbanken. Die US-Notenbank ist der Ansicht, dass die US-Wirtschaft aus einer starken Position heraus in diese neue Phase eingetreten ist, räumt aber implizit ein, dass der Einbruch an den Börsen sowohl in den Vereinigten Staaten als auch im Ausland plötzlich komme. Tatsächlich reagiert die US-Notenbank drastischer als vom Markt erwartet. Dieser hatte bislang grob mit drei bis vier Zinssenkungen bei den nächsten Treffen gerechnet. Das Vorgehen der Fed hat mehrere Folgen: 1. Sollte ihre Entscheidung für ein neues quantitatives Lockerungs-Programm als Panikreaktion wahrgenommen werden, dürfte sie damit den Aktienmärkten nicht helfen. Und dies, obwohl das Programm an und für sich eine sehr positive Entwicklung ist, die sich letztendlich durchsetzen wird. 2. Die Banken werden unter einer sehr niedrigen und flachen Laufzeitstruktur leiden, obwohl sie kurzfristig davon profitieren dürften, Long-Positionen in US-Treasuries zu halten – ein Punkt, den der Markt ignorieren wird. Für die europäischen Banken bedeutet die Einführung von US-Holdinggesellschaften mit eigener Bilanz und eigenem Risikomanagement Ende 2020 in Europa, dass ein größerer Anteil der Geschäfte an sie selbst gehen dürfte. 3. Die Verwalter der Fremdwährungsreserven dürften weitgehend und ohne große Auswirkungen aus den Auktionen verschwinden, da sie die Laufzeiten ihrer Bestände generell zugunsten von Commercial Papers und Bargeld senken werden. 

Wir begrüßen die Entscheidung der Fed und erwarten, dass sie diese Haltung auch bei ihrem nächsten Treffen beibehalten wird. Andere Zentralbanken dürften ihrem Beispiel folgen. Während sich das Coronavirus in den USA ausbreitet und es zu regionalen Einschränkungen kommt, dürfte die Volatilität weiter hoch bleiben. Dennoch erwarten wir, dass sich der Markt in circa einer Woche wieder etwas stabilisieren wird, sobald die neue Realität schließlich akzeptiert wurde. Die nächste Phase sind weitere Gewinnwarnungen, ein starker Einbruch der Wirtschaftsindikatoren, unternehmensspezifische Einzelereignisse und schließlich eine finanzpolitische Reaktion. Es ist unwahrscheinlich, dass die Demokraten in den USA viel mehr tun werden als sich gründlich abzusichern, während Deutschland bereits erste Schritte eingeleitet hat.

Fazit
Wir setzen weiterhin auf Pfandbriefe, US-Staatsanleihen mit langer Laufzeit und börsennotierte Infrastruktur- und Immobilienunternehmen sowie flexible Investmentlösungen. 

Die nächsten Schritte für die Fed
Die US-Notenbank hat die erforderlichen Notfallmaßnahmen ergriffen und hat nun Zeit, um über den Rest zu entscheiden. Die Bank of America fordert eine Kreditvergabe in Form von Unternehmensanleihen mit kurzer Laufzeit, sogenannten Commercial Papers, – ein Vorschlag, der gute Chancen haben sollte. Eine weitere Möglichkeit ist ein ständiger Vorrat an Krediten für kleine Unternehmen, die wahrscheinlich keinen Zugang zu Commercial Papers haben werden. Sie hängen hauptsächlich von der Liquidität von Banken wie Wells Fargo oder JP Morgan ab. Das Problem sind die technischen Herausforderungen bei der Kreditvergabe an so viele kleine Unternehmen. Wahrscheinlich wird die Fed auf die Kreditkompetenz der Banken setzen und „Mini-Commercial Papers“ nur teilweise finanzieren.

Fazit
Die Fed sollte weiterhin die richtigen Schritte unternehmen, auch wenn diese nur verspätet eingepreist werden. In Zeiten erhöhter Volatilität, wie wir sie aktuell erleben, sind flexible Lösungen mit ihren automatisierten Strategien in der Lage, sehr schnell zu reagieren.

Norwegische Krone wird allmählich interessant
Das Interesse am Handel mit Währungen ist sehr gering, und wenn doch, dann erfolgt der Handel als eine Reihe von einfachen Investments. Die norwegische Krone beispielsweise wird in erster Linie aus Gründen der Risikoaversion und aufgrund fallender Ölpreise gehandelt. Das erste ist Unsinn, das zweite ergibt einen gewissen Sinn. Ein fundamental orientierter Anleger hat daher einige Schwierigkeiten, damit zu handeln. Die Norges Bank hat die Zinsen gesenkt, und die Währung sieht zyklisch günstig aus, während ihre Bilanz mit einigen Ausnahmen äußerst solide ist. 

Fazit
Investoren mit einem langfristigen Investmenthorizont sollten die norwegische Krone im Blick behalten.

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Profiteure der Corona-Krise

Die Epidemie sorgt für enorme Bewertungsverschiebungen.

Roman Steinbauer. Der Ausbruch des Coronavirus führte bei ausgewählten, klein kapitalisierten US-Aktien des Gesundheitssegmentes zu teils senkrechten Kursausbrüchen. Durchwegs profitiert haben MedTech-Aktien bisher aber keineswegs. Das Geschäft unzähliger Unternehmen ist auch in dieser Branche von einer Unterbrechung der Lieferkette aus China beeinträchtigt. So wurde Boston Scientific (ISIN: US1011371077) getroffen. Die Gesellschaft erwartet für das 1. Quartal durch Zulieferengpässe eine Beeinträchtigung des Umsatzes zwischen umgerechnet 9 und 36 Mio Euro.

Emotional getriebene, begehrte Zockerpapiere
Cleveland-Biolabs-Aktien (US1858602022) legten seit Jahreswechsel hingegen um sagenhafte 450 % zu. Das Unternehmen aus Buffalo ist in der Gen-Modellierung und Stärkung des antigenen Immunsystems aktiv. Der in Maryland angesiedelte Impfstoffhersteller Novavax (US6700024010) verkündete den Start einer Tiertestung für einen potentiellen Corona-Impfstoff. Humantests sollen bereits bis Juni erfolgen. Der Aktienkurs reagierte eindrücklich. Pendelte das Papier Mitte Jänner noch um 3,5 USD, findet der Titel aktuell um 12,5 USD neue Anteileigner.

Die rasch angeschwollene Nachfrage nach Atemschutzmasken katapultierte die Warenverkäufe und Aktiennotizen diverser Hersteller auf eine davor nicht gesehene Ebene. Die 12 Mio verfügbaren Valoren der Alpha Pro Tech (US020 7721095) verzehnfachten (!) ihren Handelswert binnen sechs Wochen von 3,5 USD auf bis zu 35 USD – um nun bei 15 USD zu pendeln. Frappant: Das Mundschutzsegment steht für nicht einmal 25 % des Umsatzes.

Die ebenso knapp verfügbaren Wertpapiere der New Yorker Lakeland Industries (Schutzbekleidung, US5117951062) trieben dessen Kapitalisierung binnen einer Woche um 140 % nach oben. Für weitsichtige Anleger ist klar: Der kurzfristige Auftragsschub ist nicht nachhaltig. Doch bildete sich eine zynisch anmutende Anlage-Spezies, die bereits seit der SARS- und Ebola-Krise nach dem Motto agiert: Sobald die Kurse wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren, werden Aktien dieser Hersteller (mit solider Bilanz) zugekauft – im Zuge des nächsten Virusausbruchs (in ein bis zwei Jahren?) sodann zu einem extrem hohen Limit zum Verkauf gestellt. Diese „Abräum-Strategie“ erfuhr erneut eine lukrative Bestätigung.

Teure Themenbesetzung
Höher kapitalisierte Werte wie die niederländische Qiagen (NL0012169213) sprangen weniger spektakulär, aber doch zu einem Höchststand an. Der Vertreter molekularbiologischer Tests für die Forschung verschiffte nun neue „QIAstat-Dx Respiratory Panel 2019-nCoV Test-Kit“-Sets an chinesische Spitäler. Die Aussicht einer Übernahme durch Thermo Fisher (USA) befeuerte den Kurs zusätzlich. Coronavirus-Test-Kits wurden zudem an die US-Gesundheitsbehörde FDA zur Prüfung geschickt. Mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 400 % zum Jahresumsatz ist Qiagen bereits mutig bewertet.

Mike Smith, Portfolio-Manager des „Wells Fargo Endeavor Select Fund“, setzt auf stark wachsende, teils noch höher bewertete, Coronavirus-„Gewinner“. Die in San Diego beheimatete DexCom (US2521311074) ist in der Entwicklung medizinischer Geräte (vorwiegend Blutzuckermesssysteme) aktiv. Die Virus-Testsparte erweitert die Geschäftsfelder zusätzlich. Die Aktie notiert jedoch beim 175-fachen des letzten Cash-Flows.

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Notenbanken im Kampf gegen die Corona-Krise

Notfallszinssenkungen und neue Geldspritzen stehen auf der Tagesordnung.

Michael Kordovsky. In den vorangegangenen Wochen haben die Notenbanken der Schwellenländer reihenweise ihre Leitzinsen gesenkt und/oder zusätzliche Gelder ins System gepumpt. Bereits Anfang Feber stellte die chinesische Zentralbank dem Finanzsystem 1.200 MrdCNY bzw. umgerechnet rund 156 Mrd Euro zur Verfügung. Es folgten weitere 900 MrdCNY oder 114,9 Mio Euro.

Am 5. Feber reduzierte die Brasilianische Zentralbank ihren Leitzinssatz um 0,25 %-Punkte auf 4,25 %, auch Thailand und Island reagierten am gleichen Tag und nur einen Tag später senkte die Zentralbank der Philippinen ihren Leitzins um 0,25 %-Punkte auf 3,75 %.

Am 7. Feber folgte die Russische Zentralbank (-0,25 %-Punkte auf 6,00 %) und rund eine Woche später Mexiko (-0,25 %-Punkte auf 7,00 %).

Am 19. Feber hatte die Türkische Zentralbank ihren Leitzins um 0,5 %-Punkte auf 10,75 % reduziert und Tags darauf senkten die Zentralbanken Chinas und Indonesiens ihre Leitzinsen von 4,15 auf 4,05 % bzw. von 5,00 auf 4,75 %.

Helikoptergeld und Notfalls-Leitzinssenkung
In Hongkong gibt es bereits „Helikoptergeld“: Um den infolge der Corona-Krise zum Erliegen gekommenen Konsum wieder anzukurbeln, schenkt die Regierung jedem Einwohner für Konsumzwecke umgerechnet rund 1,150 Euro. Damit sollen die Folgen der Krise eingedämmt werden.

Nachdem die Aktienmärkte im Zuge des schnellsten Crashs seit dem Zweiten Weltkrieg zweistellige Kursverluste erlitten, hielten am Dienstag, dem 3. März die Finanzminister und Notenbankchefs der G7-Staaten einen Emergency-Call ab. Danach kündigten sie konkrete Gegenmaßnahmen an, darunter auch höhere Staatsausgaben falls erforderlich und nur wenige Stunden später folgte bereits die erste Notfall-Zinssenkung der US-Notenbank (Fed), die ihre Fed-Fundrate um 0,5 %-Punkte auf ein Niveau von 1,00 bis 1,25 % senkte.

Gleichzeitig reduzierten die Notenbanken Bahrains, Hongkongs und Saudi Arabiens im gleichen Ausmaß und jene Malaysias und Australiens um je 0,25 %-Punkte, während Tags darauf die Kanadische Zentralbank und jene Moldawiens ihre Leitzinsen um jeweils 0,5 %-Punkte zurücknahmen. In Macau folgte sogar eine Senkung um 1 %-Punkt auf 4,50 %.

Dies zeigt die Reaktionen rund um den Globus. Die Zinsen sind weltweit rückläufig und immer mehr wird die Notenpresse angeworfen. Seit November 2019 kauft die Europäische Zentralbank monatlich Assets (diverse Anleihen, Schwerpunkt öffentliche Anleihen) im Wert von 20 Mrd Euro. Die Fed erwirbt indessen monatlich kurzlaufende Staatsanleihen in Höhe von 60 MrdUSD (rund 531 Mrd Euro).

Diverse Marktbeobachter rechnen mit einer neuen Anleihen- und Aktienkaufoffensive der Notenbanken. Ed Yardeni von Yardeni Research kann sich indessen Helikopter Geld als eine Alternative für die USA vorstellen, denen auch Präsident Donald Trump und Fed-Chef Jerome Powell zustimmen könnten. Die elegante Version davon wären weitere Steuersenkungen auf breiter Basis. Die „Holzhammer-Methode“ hingegen wäre das Hongkonger Modell mit Direkt-Gutschriften pro Einwohner. Gleichzeitig könnte die Fed zusätzliche Staatsanleihen in einem ähnlichen Volumen wie die Ausgaben für Helikoptergeld aufkaufen.

Bald ein negativer Hauptrefinanzierungssatz in Euroraum?
Auch die EZB wird früher oder später handeln. Die EZB-Ratssitzung an diesem Donnerstag, dem 12. März, gibt Gelegenheit dazu.

Die sich im Umlauf befindlichen „EZB-Insidergerüchte“ deuten auf eine Vorbereitung von langfristig gezielten Krediten hin, die besonders kleinen und mittleren Unternehmen zugutekommen sollten, was durchaus den sozial-orientierten Verhaltensmustern von EZB-Präsidentin Christine Lagarde entsprechen würde, denn kleinere und mittlere Unternehmen, die durch die Corona-Krise in Mitleidenschaft gezogen wurden, haben es bekanntlich schwerer als große Konzerne, wenn es darum geht, an Finanzierungen heranzukommen.

Auch an der Zinsschraube könnte diesmal etwas gedreht werden. Um den Druck auf Banken zu erhöhen, weniger Überschussreserven bei der EZB zu parken, sondern die Gelder als Kredite an die Realwirtschaft zu vergeben, könnte es zu einer Verschärfung des negativen Einlagenzinses für Banken bei der EZB kommen, der derzeit noch bei -0,5 % liegt.

Eine weitere Senkung auf bis zu -0,7 % ist durchaus denkbar und sollte die Corona-Krise tatsächlich zu einer Rezession führen, dann ist sogar eine Senkung des Hauptrefinanzierungssatzes von derzeit 0,00 % ins negative Terrain möglich.

Indessen könnte die Fed ihre Fed-Fundrate wieder auf 0,00 bis 0,25 % zurücknehmen. Und der ab 16. März neue Gouverneur der Bank of England, Andrew Bailey, plädiert überhaupt für Notfallshilfen des Staates, da der Spielraum der Notenbank, die Wirtschaft mit Zinssenkungen zu unterstützen, sehr begrenzt ist. Er spricht sich dabei für Finanzhilfen an von der Corona-Krise betroffene Firmen aus.

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Wie zukunftsfähig unsere Unternehmen sind

Verantwortungsvolles Wirtschaften wird immer wichtiger und auch erfolgreicher.

Harald Kolerus. Eines kann man Österreich nicht vorwerfen: Ein Nachzügler in Sachen Nachhaltigkeit zu sein. Das bestätigten neue Auswertungen, die vom Meinungsforschungsinstitut SORA für Trigos durchgeführt worden sind. Mit diesem Preis werden heimische Unternehmen übrigens heuer bereits zum 17. Mal für ihre Corporate Social Responsibility (CSR) ausgezeichnet.

„Der Mensch steht im Zentrum“

SORA hat nun gemeinsam mit Trigos erstmals eine Analyse der Zukunftsfähigkeit österreichischer Unternehmen erstellt, das erfreuliche Ergebnis lautet: „Heimische Spitzenunternehmen sind für die Herausforderungen der Zukunft, insbesondere in den Schlüsselbereichen Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz und verantwortungsvolles Wirtschaften sehr gut aufgestellt.“ 

Bei der Präsentation der Ergebnisse war auch Michael Landau, Präsident der Caritas (eine der Trigos-Trägerorganisationen), anwesend. Er kommentierte: „Im Zentrum des Wirtschaftens muss der Mensch stehen. Das haben die mit dem Trigos ausgezeichnete Unternehmen erkannt. Man darf also auch auf die Schwachen nicht vergessen, das hat Österreich großgemacht und hat Europa großgemacht. Wir sollten diesen Weg weiter beschreiten, wobei CSR und Erfolg Hand in Hand gehen.“ Landau führte weiter aus, dass „gesellschaftliche Verantwortung heute auch globale Verantwortung bedeutet“, und fügte hinzu: „Bei ökologischen Themen müssen wir die sozialen mitdenken, damit niemand auf der Strecke bleibt.“

Nachhaltigkeit rechnet sich

Dem konnte sich Gerald Schöpfer, er ist Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes und außerdem Wirtschaftshistoriker, anschließen: „Ethisches Handeln zahlt sich auch durchaus ökonomisch aus. Das sieht man z.B. bei nachhaltigen Fonds, sie weisen in der Regel eine bessere Performance auf als konventionelle Produkte, aber zumindest keine schlechtere. Der Trigos wiederum zeigt, wie Unternehmen ein Beispiel geben, und wie man nachhaltiges Wirtschaften ökonomisch, ökologisch und sozial umsetzen kann.“ Womit wir wieder zu den jüngsten Zahlen des Preises zurückkommen: 147 Unternehmen haben 2019 für den Trigos eingereicht, die meisten davon in der Kategorie Klimaschutz. Dies spiegelt auch die vorhandenen Themen und Herausforderungen wider: Maßnahmen gegen die Erderwärmung werden von fast allen Unternehmen stark vorangetrieben. Einige von ihnen sehen sich zudem bereits mit den negativen Folgen des Klimawandels konfrontiert, vor allem in der Landwirtschaft. Die Bandbreite im Umgang mit dem Thema ist dabei groß und reicht von Verhaltensänderungen (z.B. bei der Mitarbeiter-Mobilität) bis hin zu verbesserten bzw. ganz neuen Produktionsprozessen. Das Spektrum der Unternehmen ist ebenfalls breit und vielfältig: Es reicht von Social Enterprises (sie verfolgen Gesellschaftsveränderung als Unternehmenzweck) über Klein-und mittelständischen Familienunternehmen, dem Bereich Handwerk und Gewerbe, bis hin zu Großunternehmen. Zu den Preisträgern des Vorjahres zählen so unterschiedliche Firmen wie Lenzing, Deloitte Österreich oder die Neuburger Fleischlos Gmbh.

Generationenübergreifend

Gabriele Faber-Wiener vom Center for Responsible Management und Mitglied des Österreichischen PR-Ethik-Rats, fasste zusammen: „Der Trigos hat v.a. in den vergangenen beiden Jahren zusätzlich viel an Fahrt aufgenommen. Er ist mittlerweile der renommierteste österreichische Preis für verantwortungsvolles Wirtschaften und Nachhaltigkeit. Heimische Unternehmen haben wiederum erkannt, wie viel Verantwortung sie im Sinne der nächsten Generationen tragen und stellen sich den entscheidenden Fragen für heute und morgen.“

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Längst überfällige Korrektur

Das Coronavirus hat für die längst überfällige Korrektur an den Aktienmärkten gesorgt, sagt Jean-Marie Mercadal, Chefanlagestratege bei OFI Asset Management: Die Indizes S&P 500 und Eurostoxx sind letzte Woche um rund 14 Prozent gefallen – das ist so viel wie zur Finanzkrise im Oktober 2008 bzw. im August 2011.

Die Stimmung an den Finanzmärkten war einfach zu euphorisch und hat ein perfektes Szenario mit hohen Kursbewertungen basierend auf hohen Unternehmensgewinnen eingepreist. Diesem bereits seit über 10 Jahren anhaltenden Höhenflug an den Börsen hat das Coronavirus nun einen Dämpfer versetzt.

Der Wirtschaft, die sich 2019 weltweit zwar nur langsam, aber doch solide zu erholen schien, setzt das Virus zu. Die großen Wirtschaftsinstitute sind bisher von einem globalen Wachstum von rund 3,4 Prozent ausgegangen, das nun nach Expertenmeinungen, die die Erfahrungen mit der SARS-Krise heranziehen, um 0,5-1 Prozent im ersten Quartal 2020 zurückgehen könnte. Die gestrige Zinssenkung (3. März) der US-amerikanischen Notenbank um 0,5 Prozent sowie die fiskalpolitischen Haushaltspakete, die von vielen Regierungen wie China oder Italien geschnürt werden, federn die Auswirkungen des Coronavirus auf die Wirtschaft zusätzlich ab.

Viele Gesundheitsexperten gehen davon aus, dass das Ende des Winters und der Beginn des Sommers in der nördlichen Hemisphäre die Verbreitung des Virus stoppen würde. Wir meinen deshalb, dass der Krankheitserreger langfristig nichts daran ändert, dass sich die Weltwirtschaft allmählich erholt, auch wenn einige Sektoren wie Tourismus, Luxusgüter und Banken schwer unter der Krise leiden.

Auch wenn wir keine groß angelegte Pandemie erwarten, halten wir eine Destabilisierung Chinas und seines politischen Regimes für möglich. China scheint ein großer Verlierer der Ereignisse der letzten Monate zu sein: Der Handelskrieg und die Gesundheitskrise zeigen, dass eine zu große Abhängigkeit von China gefährlich sein kann. China ist in den letzten 15 Jahren zur Fabrik der Welt geworden. In Folge dieser Krisen ist es nun wahrscheinlich, dass Unternehmen ihre Wertschöpfungsketten zum Nachteil von China überdenken. Das könnte der Beginn einer Art „Deglobalisierung“ werden.

Hinzu kommt, dass das von Präsident Jinping Xi eingesetzte autoritäre Regime politisch aufgrund der Ereignisse in Hongkong, den Präsidentschaftswahlen in Taiwan und dem Umgang mit dem Coronavirus unter Druck geraten ist und Forderungen nach einer weiteren Liberalisierung laut werden lassen könnten. Die Folgen sind zum jetzigen Zeitpunkt schwer vorhersehbar, aber sie haben an den Märkten zu einer Art Risikoprämie geführt. China hat seine Wirtschaft durch niedrige Zinsen und fiskalische Anreize vorerst gestützt. Was in den nächsten Monaten kommen wird, bleibt spannend.“

Schutz vor Abstürzen

Mehr und mehr Österreicher setzen auf Zertifikate – auch in Krisenzeiten.

Patrick Baldia. Während der deutsche Zertifikatemarkt nach dem starken Einbruch infolge der Lehman-Pleite nicht wirklich wieder auf die Sprünge gekommen ist, zeigt sich in Österreich ein völlig anderes Bild: Der Markt ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Im vergangenen November wurde sogar ein neues Rekordvolumen von 15 Mrd Euro erreicht.

Massiv gestiegen ist zuletzt das Marktvolumen von Kapitalschutz-Zertifikaten. Auch Bonus-Zertifikate konnten stark zulegen. „Die hohe Nachfrage nach diesen beiden Zertifikate-Arten ist sicherlich darauf zurückzuführen, dass die Österreicher beim Veranlagen sehr konservativ sind“, sagt Marianne Kögel, Zertifikate-Expertin bei der Raiffeisen Centrobank (RCB) im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Auch sie sieht Zertifikate als attraktive Möglichkeit für einen Aktieneinstieg mit Sicherheitsnetz.

Bei einem Kapitalschutz-Zertifikat wird das eingesetzte Kapital am Laufzeitende bis zu einer bestimmten Höhe geschützt. Gleichzeitig hat der Anleger die Möglichkeit, an der Wertentwicklung der zugrundeliegenden Basiswerte – wie etwa Aktien, Indizes oder Rohstoffen – zu partizipieren. Beim im vergangenen Herbst von der RCB emittierten „Europa Nachhaltigkeits Bond 90 %“ (ISIN: AT0000A29TE6) ist das Verlustrisiko etwa auf 10 % begrenzt. Dazu kommt die Möglichkeit am Laufzeitende einen Gewinn von 24 % zu realisieren.

Nachhaltigkeit

Neben dem Kapitalschutz-Zertifikate-Boom lässt sich in Österreich derzeit ein weiterer Trend ausmachen, wie Frank Weingarts, Head of Private Investor Products Austria im Team onemarkets der Uni-Credit, erklärt: „Bei den Basiswerten gibt es verstärkt Nachfrage nach Anlagemöglichkeiten rund um das Thema Nachhaltigkeit.“ So sei auch derzeit die „HVB Anleihe mit 95 % Mindestrückzahlung 03/2008“ (DE000HVB45X1) eindeutig das beliebteste Produkt unter den onemarkets-Kunden. Die Grundlage ist hier der „Global Water Strategy Index“, der wiederum die Wertentwicklung des Aktienfonds „KBI Institutional Water Fonds“ abbildet. Auch bei der RCB steht das Thema Nachhaltigkeit ganz oben im Fokus der Anleger. Dementsprechend gehört der bereits angeführte „Europa Nachhaltigkeits Bond 90 %“ zu den aktuellen Top-Sellern. Der Basiswert ist hier der „STOXX Europe ESG Leaders
Select 30 Index“, der die besten europäischen Unternehmen punkto ökologischen, sozialen und verantwortungsvollen Handelns abbildet.

Bei der Erste Group werden wiederum laut Uwe Kolar, Head of Retail and Sparkassen Sales, Teilschutz-Zertifikate – sprich Produkte mit tiefen Barrieren auf österreichische und deutsche Werte – sehr gut angenommen. „Vor allem Fixkupon-Express-Anleihen, die eine fixe Verzinsung haben – egal wie sich der Basiswert entwickelt – und am Ende der Laufzeit eine 50 %ige Barriere auf den Basiswert haben“, sagt er. Das bedeute für Anleger, dass die zugrundeliegende Aktie bis zum Laufzeitende auch um bis zu 49,9 % fallen könne, sie bekämen ihr eingesetztes Kapital dennoch zu 100 % zurück. Sollte die Aktie hingegen mehr als 50 % fallen, würde die Tilgung in Aktien erfolgen.

Derzeit macht Kolar – Stichwort: Coronavirus – mehr Unsicherheit unter Zertifikate-Neueinsteigern aus. „Die Nachfrage lässt naturgemäß etwas nach.“ Noch hielten sich die Verkäufe jedoch in Grenzen. Nachsatz: „Mehr Nachfrage sehen wir bei Put-Optionsscheinen und Short-Zertifikaten auf Indizes, um bestehende Investments abzusichern.“

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Experten: Wiener Immobilienpreise steigen 2020 weiter

Wien hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem „teuren“ Pflaster entwickelt und die Preise steigen weiter.

Patrick Baldia. Am Wiener Immobilienmarkt entwickelten sich die Preise in den letzten Jahren nur in eine Richtung: Nach oben. Laut Raiffeisen Research sei seit 2009 nur in wenigen anderen europäischen Immobilienmärkten – konkret: Estland und Schweden – der Preisanstieg deutlicher ausgefallen. Wie Chefanalyst Peter Brezinschek erklärt, spiegele sich darin auch ein gewisser „Nachholeffekt“ nach zuvor vielen Jahren stagnierender Immobilienpreise wider. Betrachte man etwa nur die vergangenen fünf Jahre, belege Österreich mit einem realen Anstieg von 21 % „nur“ einen Platz im europäischen Mittelfeld. Ungarn verzeichnete dagegen ein Plus von 70 %.

Für die saftigen Preisanstiege am Wiener Immobilienmarkt waren vor allem zwei Faktoren verantwortlich: das niedrige Zinsniveau und das Bevölkerungswachstum. Vor allem Letzteres hat in den vergangenen Jahren die Nachfrage angeheizt. Laut Matthias Reith, Ökonom bei Raiffeisen Research, sollten die Preise in der Bundeshauptstadt auch in den nächsten Jahren steigen. Dafür spreche die Mischung aus niedrigem Zinsniveau sowie anhaltenden – wenngleich etwas nachlassendem – Bevölkerungswachstum. „Verglichen mit den Vorjahren ist jedoch mit einer etwas gemächlicheren Gangart zu rechnen“, meint der Experte.

Die Wiener RE/MAX Experten gehen 2020 von einer Entspannung bei Angebot und Nachfrage in der Bundeshauptstadt aus. So soll die Nachfrage um 2,9 % zulegen und damit geringer als zuletzt. Das Angebots-Plus sei mit 1,5 % wiederum höher als im Vorjahr. Dennoch werde mit +4,1 % insgesamt ein höherer Preisanstieg erwartet. In Top-Lagen sollen die Preise für Eigentumswohnungen um +5,2 % zulegen. Am Stadtrand sei ein Plus von 2,7 % (Vorjahr: +2,3 %) zu erwarten.

Wiener Hotspots mit Preisfantasie

Für Immobilienkäufer stellen sich vor allem zwei Fragen: Wo finden sich in Wien noch Schnäppchen und wo ist das Preisentwicklungspotenzial am größten? Letzteres macht René Fürntrath, Leiter Liegenschaftsbewertung und Investment bei Raiffeisen Immobilien NÖ/Wien/Burgenland, in erster Linie außerhalb des Gürtels aus. Innerhalb des Gürtels würde das bereits hohe Kaufpreisniveau keine allzu großen Sprünge mehr zulassen. „Die Preisfantasie wohnt vor allem in Regionen, in denen öffentliche Verkehrsinfrastruktur ausgebaut wurde bzw. in Vierteln, in denen Nachverdichtungsflächen gegeben sind“, sagt er. Diese Hotspots wären vor allem auch für Immobilienanleger interessant: Denn angesichts moderaterer Kaufpreise wären außerhalb des Gürtels auch attraktivere Renditen zu lukrieren.

Zu den aktuellen „Hotspots“ zählt Fürntrath Lagen entlang der U-Bahnen und an der Alten Donau im 22. Bezirk, am Spitz und an der Alten Donau im 21. Bezirk sowie um den ehemaligen Nordbahnhof im 2. Wiener Gemeindebezirk. Dazu kommen noch Erdberg Town Town und Umgebung im 3. Bezirk sowie Lagen rund um den neuen Hauptbahnhof im 10. Bezirk.

Mit Angebotspreisen für Neubauwohnungen zwischen 4.009 und 4.719 Euro pro Quadratmeter gehört Wien-Favoriten gemeinsam mit Hernals, Penzing, Rudolfsheim-Fünfhaus und Simmering aktuell zu den günstigsten Wiener Bezirken. Etwas mehr – sprich zwischen 4.719 und 5.272 Euro – kostet der Quadratmeter in Meidling, der Donaustadt und Liesing. Die billigsten Bestandswohnungen finden sich wiederum in den Bezirken 10,11,12, 14 und 23 – konkret muss dort für den Quadratmeter zwischen 3.089 und 3.201 E auf den Tisch gelegt werden.

Was die Wohnungsgröße betrifft, sehen die Experten von Raiffeisen Immobilien einen klaren Trend: Kleinere Wohnungen mit Wohnflächen zwischen 30 und 45 m2. Diese Größen wären aufgrund der niedrigeren Gesamtmieten bzw. Kaufpreise sehr gefragt. „Nicht mehr die Fläche ist für Mieter das wichtigste Kriterium, sondern die Nutzbarkeit und Funktionalität. Selten genutzte Flächen werden bei Bedarf einfach zugemietet“, so Fürntrath. Langfristig soll dieser Trend noch an Dynamik gewinnen. Laut Statistik Austria wird der Anteil der Wiener Einpersonenhaushalte bis 2080 bei 48 % liegen.

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Das Comeback der Kryptowährungen

Anstatt selber zu „schürfen“, bieten Zertifikate die Möglichkeit, sich an der Preisentwicklung von Kryptowährungen zu beteiligen.

Raja Korinek. Während die globalen Börsen zunehmend in den Sog des Coronavirus geraten sind, halten sich andere Anlageklassen bislang durchaus wacker. Dazu zählt etwa die Welt der Kryptowährungen. Allein Bitcoin schaffte nach dem bitteren Rücksetzer Ende 2018, bei dem der Kurs auf rund 3.400 USD abstürzte, dann doch die Wende. Und knackte im Sommer 2019 die Marke von 12.000 USD.

Auch der darauffolgende Rücksetzer im vergangenen Herbst ist fast wieder zur Gänze überwunden, wobei Experten das kräftige Comeback der wohl bekanntesten Kryptowährung vor allem auf ein Ereignis zurückführen.

Halbierung steht an

Denn Anfang Mai steht ein weiteres sogenanntes „Halving“ an. Bei diesem Vorgang wird die Menge der neu erzeugten Bitcoins – die dezentral im Computernetz geschöpft werden – halbiert, um auf diese Weise eine Inflation zu verhindern. Vorgenommen wird ein Halving alle vier Jahre, wobei die maximale Anzahl an Bitcoins ohnedies auf rund 21 Mio begrenzt ist. Und das könnte bald erreicht sein, denn im Jänner 2020 waren laut Statista knapp mehr als 18 Mio Bitcoins geschaffen.

Beim US-Vermögensverwalter WisdomTree sieht Jason Guthrie, Leiter Kapitalmärkte, aber auch langfristig gute Gründe, die seiner Meinung nach für Kryptowährungen sprechen. Guthrie ortet einen Mangel an Vertrauen in das der-zeitige Finanzsystem und damit eine erwachsende Forderung nach einem robusteren Währungssystem. „Das macht Kryptowährungen attraktiv.“ Angesichts dessen, dass die inhärente Struktur von Bitcoin darauf ausgelegt sei, die Unzulänglichkeiten des traditionellen Währungsmanagements auszuräumen, werde Bitcoin von vielen als Alternative zum bisherigen Geld angesehen.

Zudem wurde es von der Öffentlichkeit als Alternative zu traditionellen Zahlungsnetzwerken entwickelt, „und ist ein Manifest der demokratischen Wertermittlung, da seine gesamte Existenz auf einem kontinuierlichen Vertrauensvotum beruht“. Es bestehe zudem vollkommene Transparenz, denn der Blockchain-Aspekt ermögliche eine unabänderliche Buchhaltung.

Unabhängige Eigenschaften

Und dann gibt es noch eine weitere Eigenschaft, auf die der Wisdom-Tree-Experten verweist: Im Vergleich zu Gold aber auch den Fiat-Währungen könne die Kryptowährung gut eingewechselt und gespeichert werden. „Und behält dabei ihre unabhängigen Eigenschaften“, fügt Guthrie noch hinzu. Für interessierte Anleger kann sich der Einstieg in die Welt der Kryptowährungen jedenfalls lohnen, wenn auch weiterhin mit großen Kursschwankungen gerechnet werden muss. Doch der Kauf von Kryptowährungen ist nicht ganz einfach, sondern mit einigen hochtechnologischen Schritten verbunden. So muss man sich unter anderem ein virtuelles „Wallet“ zulegen, um darauf etwa Bitcoins aufzubewahren.

Zertifikate als Alternative

Eine weitere Alternative bieten Zertifikate, die lediglich die Kursentwicklung abbilden. So bietet etwa Wisdom Tree ein Exchange Traded Product, kurz ETP (eine besicherte Form eines Zertifikats) an (ISIN: GB00BJYDH287).

Bei Vontobel ist man zuletzt einen Schritt weitergegangen und hat ein Zertifikat aufgelegt, das die Kursentwicklung von insgesamt fünf digitalen Währungen abbildet (DE000VE5CRY7). Das sind Bitcoin, Bitcoin Cash, Ether, Ripple und Litecoin. Ripple und Ether haben nach Bitcoin den größten Marktanteil. Bitcoin Cash ist hingegen die Schwesterwährung von Bitcoin und wurde 2017 abgespaltet. Und Litecoin ist eine Internetwährung, die eine günstige Zahlung im Netz ermöglicht.

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Ins schlummernde Potenzial der ASEAN-Länder investieren

Für Anleger mit längerem Atem bieten sich in den Volkswirtschaften Südostasiens Investmentchancen.

Patrick Baldia. „Die ASEAN-Länder haben sich im Vorjahr insgesamt nicht schlecht entwickelt, aber auch nicht spektakulär“, meint Mark Monson, Fondsmanager im Team CEE & Global Emerging Markets bei der Raiffeisen KAG. Untertreibt der Experte nicht etwas? Denn Indonesien und die Philippinen haben für 2019 ein BIP-Plus von mehr als 5 bzw. 6 % vorzuweisen, Laos und Kambodscha sogar von rund 7 %. In Thailand und Malaysia belief sich das Wirtschaftswachstum immerhin bei 3,5 bzw. 4,5 %.

Was Monson wirklich meint: Einmal mehr haben die Mitglieder der südostasiatischen Freihandelszone ihr tatsächliches Potenzial bei Weitem nicht ausgeschöpft. So hätte das BIP-Wachstum Malaysias eigentlich bei 6 bis 7 % liegen müssen. Die Ursachen für den Status Quo sind überwiegend länderspezifisch. „Trotz starker Binnenmarktorientierung muss sich allerdings auch die globale Dynamik in die richtige Richtung bewegen“, erklärt Monson. Vor allem die größeren und offeneren Länder wie Thailand haben auch den Handelskonflikt zwischen den USA und China gespürt.

Thailand punktet jedenfalls mit einer starken Wirtschaft und einer Vielzahl an interessanten Firmen. „Zuletzt sind Investitionen ausgeblieben und auch der Konsum schwächelt. Daher sollten heuer auch die Unternehmensgewinne zurückgehen“, meint Omar Abu Rashed, Portfoliomanager Emerging Markets bei Union Investment. Auch sei ein benötigtes staatliches Investitionsprogramm bislang ausgeblieben. Dazu komme die derzeit grassierende Dürreperiode. Zu allem Übel wird auch das Coronavirus zunehmend zum Thema – vor allem im Tourismus, der rund 12 % der BIP-Leistung Thailands verantwortet. „Man darf nicht vergessen, dass rund ein Drittel der Gäste Chinesen sind“, so Jürgen Maier, Fondsmanager im Team CEE & Global Emerging Markets bei der Raiffeisen KAG.

Indonesien: Reformen greifen
Viel langfristiges Wachstums- und Entwicklungspotenzial schreiben Experten den Philippinen zu. Derzeit würden dort gerade die Infrastrukturprogramme der Regierung ins Laufen kommen. Und auch der Konsum entwickelt sich solide, während die staatliche und private Verschuldung gering ist. Problematisch ist für Abu Rashed allerdings die zunehmende Tendenz des Präsidenten Rodrigo Duterte, gegen Konglomerate vorzugehen. „Das könnte für Unsicherheit unter Investoren sorgen“, sagt er. Wenig imageförderlich sei auch dessen brutales Vorgehen gegen die Drogenkriminalität.

„Nach den letzten Wahlen und der Bildung einer Koalition werden jetzt Reformen umgesetzt“, macht Abu Rashed eine positive Entwicklung in Indonesien aus. So sollte etwa das Gesetzespaket „Omnibus Law“ den Mittelstand stärken und starke lokale und ausländische Investitionen auslösen. Die Reformtätigkeit sollte sich ab Ende 2020 in den Unternehmenszahlen zeigen. An der Börse gefallen ihm Banken und Konsumgüterwerte. Für Monson stechen neben Banken auch Telekomaktien sowie Zykliker wie Baufirmen hervor. Insgesamt wären an der indonesischen Börse mit Hinblick auf eine entsprechende Marktkapitalisierung allerdings nur 50 bis 60 Werte investierbar.

Zu geringe Liquidität stellt jedenfalls beim Investieren in der ganzen Region eine Herausforderung dar. Vor allem aber bei kleineren Ländern wie Kambodscha, Laos oder Myanmar, die man laut Experten aufgrund ihres Potenzials ebenfalls am Radar haben sollte. Monson empfiehlt zu diesen Märkten indirektes Exposure aufzubauen – etwa über thailändische Firmen, die dort zunehmend tätig werden. Mit Fonds, die entweder in ausgewählte Länder der Region investieren oder solche, die sich ausschließlich auf ASEAN-Staaten konzentrieren, können Anleger zudem ihr Risiko streuen. Dasselbe gilt für ETFs, die einschlägige Indizes abbilden.

Als schwarzes Schaf der ASEAN-Region gilt aktuell Malaysia. Leopold Quell, Fondsmanager im Team CEE & Global Emerging Markets bei der Raiffeisen KAG, verweist auf die engen Verflechtungen zwischen Staat und einigen Unternehmen, die die malaysische Wirtschaft prägen, dar. Wirtschaft und Börsenkurse hätten sich wegen der verfehlten Politik der neuen Regierung in den letzten beiden Jahren eher mau entwickelt. „Auch wenn die Situation zwar starr wirken mag, hat die Wirtschaft ins-gesamt einen soliden bzw. defensiven Charakter“, hält Quell fest. Komme es in anderen ASEAN-Ländern zu einer Korrektur, würde Malaysia outperformen.

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Outperformance des US-Aktienmarktes könnte anhalten

Abseits des Coronavirus sind die Voraussetzungen für die Wall Street auch heuer intakt

Patrick Baldia. Seit mehr als zehn Jahren stellt der US-Aktienmarkt die internationale Konkurrenz bereits in den Schatten. Kein anderes Bild zeigt sich seit Jahresbeginn: Mit einem Plus von fast 5 % hat der S&P 500 Europa und die Emerging Markets deutlich outperformed. Zuletzt kletterten S&P 500, Dow Jones und Nasdaq-Composite sogar auf neue Rekordhochs. „Nach so einer starken Aufwärtsphase wie 2019 hat man normalerweise nicht den Anspruch, dass ein weiteres sehr gutes Jahr folgt“, zeigt sich auch Gernot Schrotter, Portfoliomanager bei der Kepler-Fonds KAG, überrascht.

Wie Schrotter im Gespräch mit dem Börsen-Kurier erklärt, hat der US-Markt im bisherigen Jahresverlauf von der jüngsten Entspannung im Handelskonflikt sowie höher als erwarteten Unternehmensgewinnen im vierten Quartal 2019 profitiert.

„Der US-Aktienmarkt wird derzeit von Anlegern offensichtlich als etwas defensiver angesehen als andere und punktet damit, dass er weniger Exposure gegenüber Zyklikern und exportlastigen Unternehmen aufweist“, so der Experte zu einem weiteren Grund für die positive Entwicklung. Auch bezüglich des Coronavirus sei in den USA noch wenig Unsicherheit auszumachen.

Die Ausgangslage für ein weiteres gutes Börsenjahr in den USA ist jedenfalls alles andere als schlecht. „In den vergangenen Wahljahren erlebte der Markt nach den Vorwahlen (2020 am 3. März, Anm.) zumeist einen Aufwärtstrend“, so auch Darrell Spence, Volkswirt der Capital Group. Negative Renditen habe es in den vergangenen zwei Dekaden nur in zwei Wahljahren gegeben, und in beiden Fällen sei es nicht auf die Politik zurückzuführen gewesen. Dass sich die US-Börsen in Wahljahren meistens auch gut schlagen, wird im Übrigen auch von diversen Studien bestätigt.

Coronavirus „One Off Event“?
Dass Wahljahre – sowie im Übrigen auch das jeweilige Vorjahr – in den USA gute Börsenjahre sind, wird damit begründet, dass die amtierenden Präsidenten in der Regel alles dafür tun, dass die Wirtschaft gut läuft. Laut Tamas Menyhart, Fondsmanager bei Erste Asset Management (EAM), ist die Hauptfrage in diesem Zusammenhang, wer Anfang November gegen Donald Trump antreten wird. „Handelt es sich dabei um einen gemäßigten Demokraten, wäre das gut für die Börse. Setzt sich allerdings ein linksgerichteter Kandidat durch, wäre das Gegenteil der Fall“, meint er. Tatsächlich: Sowohl Bernie Sanders als auch Elizabeth Warren haben angekündigt, die Steuerreform von Präsident Trump zum Teil rückgängig zu machen und die Medikamentenpreise zu senken. Warren will zudem die US-Techriesen stärker regulieren.

Auch wenn der US-Markt das Coronavirus bis jetzt als „One Off Event“ behandelt hat, steht für Menyhart fest: das Thema werde für viele Unternehmen – vor allem über ihre Supply Chains – negative Folgen haben. „Die wirklichen Effekte werden wir im April sehen, wenn die Zahlen für das erste Quartal berichtet werden“, meint er. Der Experte verweist darauf, dass beispielsweise Apple bereits angekündigt habe, die Umsatzziele für die ersten drei Monate des Jahres nicht erreichen zu können.

Noch schlagen sich die großen US-Technologie-Player überragend – sie haben die starke Kursentwicklung seit Jahresbeginn – wie auch im Vorjahr – getragen. Zur Veranschaulichung: Seit Jahresbeginn hat etwa der Nasdaq-Composite, in dem überwiegend Techwerte gelistet sind, um 9 % zugelegt, der von Industrieunternehmen dominierte Dow Jones hingegen nur um 2 %. Zykliker wie Energie-, Auto- und Rohstoffwerte haben sich zuletzt hingegen schwer getan. „Daran wird sich – ebenso wie an der Tech-Dominanz – so schnell nichts ändern“, so Menyhart. 

Nicht von der Hand zu weisen ist jedenfalls, dass der US-Markt mit einem KGV von rund 22 (S&P 500) durchaus – wie es Schrotter umschreibt – „sportlich“ bewertet ist. „Eine hohe Bewertung bedeutet allerdings nicht, dass es sofort zu einer Korrektur kommen wird“, stellt er klar.

Der Argumentation, dass das Niedrigzinsumfeld den Bewertungsaufschlag rechtfertigt, könne er sich im Übrigen nicht gänzlich anschließen. Falls es jedenfalls doch zu einem Abschwung kommen sollte, erwartet er, dass sich sein Fonds stabiler entwickelt als der Index (S&P 500, Anm.). Der Hintergrund: die verfolgte defensive Aktienstrategie. 

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Cyberrisiken erfordern Vorsorgemaßnahmen.

Der Segen des Internets kann sich durch Cybercrime auch in einen Fluch verwandeln

Manfred Kainz. Cybervorfälle – also Opfer von Cybercrime zu werden, dadurch aufwändige IT-Probleme bis zu kompletten Ausfällen zu erleiden, Datenlecks stopfen zu müssen … – sowie Betriebsunterbrechung stehen an der Spitze jener Risiken, die von Firmen als besonders bedrohlich eingeschätzt werden.

Dies besagt das neue internationale Allianz Risk Barometer 2020, das auf Aussagen von Unternehmen und Versicherungsexperten basiert. In Österreich ist dieses Stimmungsbild sogar überdurchschnittlich ausgeprägt. Wobei ja eine erzwungene Betriebsunterbrechung oft Folge von Cybervorfällen ist. So gesehen, müssen bzw. wollen wohl immer mehr Versicherungskunden über Vorbeugung gegen derartige Risiken aufgeklärt und über Absicherung für den Fall der Fälle beraten werden. Praktisches Dilemma: „Normale“ Versicherungsvermittler verfügen wohl nicht über das technische Wissen, das es gegen Cyberkriminelle heutzutage leider schon braucht.

Der Versicherungsberater ist kein IT-Techniker oder gar IT-Spezialist, aber kann in der Praxis mit vielen Kundenfragen zu Cybervorsorge und -absicherung konfrontiert werden. Zwar gibt es schon diverse Cyberversicherungsprodukte, aber Kunden verlangen Antworten schon im Vorfeld. Da ist vor Abschluss guter Rat gefragt. Das haben Versicherer erkannt und bieten schon – wie etwa die Helvetia – eigene Weiterbildungen zu Cyberrisks an. Diese mehrstündigen Seminare adressieren den gesamten Vertrieb, also die Außendienstmitarbeiter sowie das Makler- und Agenturpartnernetz.

Am Anfang des Themas steht „Awareness“, also Bewusstseinsmachung darüber, was in der Welt des Cybercrime alles abgeht. Da geht es um Beispiele, was alles passieren kann, wobei die Cybergefahren „dank“ der kriminellen Energie der (Profi-)Angreifer laufend fantasievoller werden.

Jeder kann betroffen sein. „Was soll bei mir schon zu holen sein?“, gilt nicht mehr. Arztpraxen sitzen auf sensiblen Patientendaten und selbst „kleine“ Friseure haben Informationen, von denen die Kunden nicht wollen, dass sie „geleakt“ werden.

Und längere Betriebsunterbrechung, weil man Cyberopfer wurde, kann schnell zu Existenzgefährdung führen, wenn die Kunden abwandern und die Umsätze ausbleiben.

Unterschätzte Einfallstore
Das eine große Angriffsfläche für Cyberangriffe die betriebliche EDV/IT ist, hat sich schon herumgesprochen. Nicht zu unterschätzen sind aber noch zwei weitere „Einfallstore“, warnt Michaela Steininger, für Versicherungstechnik Schaden-Unfall Firmen bei der Helvetia Versicherungen AG zuständig: Erstens, in Zeiten von „Gesamtnetzwerken“ können ja auch schon die Kaffeemaschinen bis hin zum Aquarium im Betrieb per App angesteuert werden – ungesicherte Lücken für Hacker. Zweitens, die gute alte „Poststelle“ bzw. „der Empfang“ – anfällig fürs Anstecken von „angekündigten“ Datensticks bzw. leichtes Verteilen im Unternehmen der Sticks, die dann – oft lange unbemerkt – Viren bzw. Datenabruf-/Schadensoftware installieren.

Das größte Problem bleibt der menschliche Faktor: „Früher wurden E-Systeme angegriffen, heute wird der unbedarfte Mensch angegriffen“, warnt Steininger. Awareness-Schulung betrifft also alle Mitarbeiter in Unternehmen. Zweitens, einen Cyber-Notfallplan zu haben wird auch dringend empfohlen, denn man kann trotz aller Vorsicht getroffen werden. So einen Notfallplan hat man ja für den Brandschutz auch. Und drittens, spezialisierte IT-Firmen bieten sogenannte „Penetration Checks“ an, um betriebliche Schwachstellen aufzudecken und zu testen, und ob Gegenvorkehrungen auch funktionieren.

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Coronavirus in China: Ein Unglück kommt selten allein

Von Charles Sunnucks, Co-Fondsmanager des Jupiter China Select SICAV bei Jupiter Asset Management.

Trotz eines starken Aktienmarktes im Jahr 2019 hatte China eindeutig einen unglücklichen Start in das Jahr der Ratte. Kaum wurde der „Phase-1-Deal“ als Teilabkommen im Handelsstreit mit den USA geschlossen, und Investoren atmeten erleichtert auf, dass keine weiteren Sanktionen eingeführt wurden, brach das Coronavirus in Wuhan aus.

Marktbeobachter haben die Folgen mit dem Ausbruch von SARS im Jahr 2002 verglichen. Dennoch gibt es wesentliche Unterschiede. Was die Auswirkungen auf den Menschen betrifft, so war SARS deutlich weniger ansteckend, hatte aber eine wesentlich höhere Sterblichkeitsrate. Es ist wahrscheinlich, dass das Coronavirus gefährlicher ist und eine noch größere Reichweite haben wird. Auch die Auswirkungen des neuen Virus auf die Weltwirtschaft dürften weitaus verheerender sein. Als 2002 SARS ausbrach, entfielen auf China etwas mehr als vier Prozent des BIP und nur ca. fünf Prozent der weltweiten Importe – 2019 lagen diese Zahlen nun bei 16 bzw. 10 Prozent.

Coronavirus mit unterschiedlichen Auswirkungen
Auch innerhalb Chinas sind die Auswirkungen unterschiedlich. Die zunehmende Urbanisierung und eine proportional größere Dienstleistungswirtschaft dürften die Ausbreitung der Krankheit begünstigen. Glücklicherweise hat sich die Gesundheitsinfrastruktur des Landes verbessert, und die Reaktion auf den Ausbruch des Virus war zwar nicht perfekt, aber proaktiver – unterstützt durch einen großen Fortschritt in der sozialen Online-Kommunikation.

Für Investoren ist es der Öl-Spotmarkt, der in Bezug auf den prozentualen Rückgang am stärksten betroffen ist. Dies spiegelt die geschwächte Nachfrage und den Rückgang des Raffineriedurchsatzes wider. So hat beispielsweise der staatliche chinesische Öl- und Gaskonzern Sinopec laut Reuters seinen täglichen Durchsatz für Februar um 12 Prozent reduziert. Die chinesischen Aktienkurse haben sich ebenfalls abgeschwächt, obwohl das Ausmaß der Kursrückgänge darauf hindeutet, dass Investoren im Großen und Ganzen bereit waren, darüber hinweg zu sehen.

Dennoch sollte es keinen Zweifel daran geben, dass aufgrund der reduzierten wirtschaftlichen Aktivität im ersten Quartal 2020 für viele Unternehmen akute betriebliche Probleme auftreten werden. Die Besucherzahlen in Macau, Chinas Glücksspiel-Mekka, während des chinesischen Neujahrsfestes gingen im Vergleich zur gleichen Urlaubsperiode im Jahr 2019 beispielsweise um fast 80 Prozent zurück. Diese Verluste dürften jedoch im Hinblick auf die Auswirkungen auf die langfristige Bewertung eines Unternehmens unwesentlich sein.

Was Investoren stärker im Auge behalten werden, ist das Risiko, dass solche Ereignisse zu einem strukturellen Bruch innerhalb einer Wirtschaft führen, die aber stattdessen noch weiterer Reformen bedarf. Bislang ist die Kreditvergabe relativ widerstandsfähig geblieben, und Unternehmen haben sich anpassungsfähig gezeigt. Das E-Commerce-Unternehmen Alibaba hat beispielsweise Maßnahmen zur Erleichterung des Cashflows für Händler auf ihrer Plattform angekündigt.

Auch in Zukunft bleibt China eine komplexe Wirtschaft mit einem sehr breiten Spektrum von Chancen und Risiken. Obwohl die fundamentalen Auswirkungen des Coronavirus auf Unternehmensbewertungen gering sein dürften, belastet es doch die Marktstimmung und begünstigt das Risiko, dass aus anfänglichen Schwierigkeiten systemische Probleme werden. Längerfristig dürfte sich die Formalisierung von Wirtschaftsbereichen wie dem Lebensmitteleinzelhandel beschleunigen. Zudem ist zu erwarten, dass die Verlagerung von Dienstleistungen in den Online-Bereich sowie der Anstieg der Zeit, die online verbracht wird, noch deutlicher wird.

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So schließen Sie Ihre Pensionslücke

Mit Sparplänen oder Fondspolizzen sind langfristig attraktive Erträge möglich.

Manfred Kainz. „45 Jahre müssen genug sein! Wer so lange arbeitet, verdient keine Abschläge bei der Pension!“ Ein emotionales Thema, das sich trefflich ideologisch diskutieren lässt.

Was da gerne vergessen wird: Die Österreicher lassen ganz wo anders viel mehr Pensionsgeld liegen: Voriges Jahr erreichte das gesamte österreichische private Geldvermögen 705 Mrd Euro. Davon waren fast 160 Mrd Euro auf täglich fälligen Konten geparkt. Dazu kommen noch sonstige Einlagen von 100 Mrd Euro, 29 Mrd Euro in Anleihen und 24 Mrd Euro in Bargeld.

Dass diese Geldanlageformen (zumindest für Neuveranlagungen) keine nennenswerten Zinsen abwerfen, hat sich hoffentlich schon herumgesprochen. Daher sind immerhin 86 Mrd Euro in Lebensversicherungen veranlagt – wobei die ebenfalls zu einem hohen Anteil in Anleihen investiert sind. Ähnliches gilt für kapitalgedeckte Pensionsansprüche, und auch bei den 63 Mrd Euro in Fondsanlagen haben Mischfonds mit einem überwiegenden Anleiheanteil die dominierende Stellung.

Dem gegenüber stehen nur gut 26 Mrd Euro Privatvermögen, die rein in Aktien angelegt sind. Folge: Wir Österreicher sind durch unsere stark zinsorientierte Veranlagungsgewohnheit stärker von der Niedrigzinslandschaft betroffen als vergleichbare Staaten. Österreich ist bei den durchschnittlich erzielten Renditen auf den privaten Kapitalstock mit Abstand letzter aller untersuchten Staaten, zitierte Martin Kwauka vom Finanzjournalistenforum bei der Podiumsdiskussion „Altersvorsorge – Vorsorgelücke?!“ aus internationalen Studien.

Daher trat bei der Diskussion in der Wirtschaftskammer Wien Helmut Mojescick, Obmann der Fachgruppe Wien der Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten, für mehr langfristiges Aktieninvestment ein: Vor längerer Zeit habe man Affen Dartpfeile auf Scheiben mit Aktientiteln werfen lassen – heute seien selbst diese Aktien alle im Plus. Je jünger man mit Aktien beginne, desto besser; also etwa mit 30 Jahren, und dann „zum 45. Geburtstag wieder hineinschauen und gegebenenfalls umschichten“.

„Wir müssen ein Lanze für Aktien brechen“, schlägt Eric Samuiloff, Obmann der Wiener Fachgruppe Finanzdienstleister, in dieselbe Kerbe: „Wenn ich langfristig rentabel investieren will, geht es nicht ohne Aktien, bedingt aber einen langen Anlagehorizont.“

Diese Ansichten werden von den Daten zu historischen Renditen von Aktien-Sparplänen untermauert. Bei einer Laufzeit von 35 Jahren waren durchschnittliche Renditen von 6,6 % jährlich (Welt-Aktien-Mix) bzw. 7,1 % (US-Aktien) drin.

Ein Beispiel dazu: Wer seit 35 Jahren monatlich 100 Euro in einen Sparplan für einen globalen Aktienfonds investierte, also mit einer Einzahlungssumme von insgesamt 42.000 Euro, dessen Depotwert bewegt sich heute in einer Durchschnittsgrößenordnung um die 157.000 Euro. Was für fondsgebundene Lebensversicherungen spricht: Da werden nur am Anfang 4 % Versicherungssteuer abgezogen, die späteren Erträge sind steuerfrei.

Dagegen werden auf Erträge und Wertzuwächse von reinen Fonds 27,5 % KESt p.a. fällig. Heißt: Je länger die Laufzeit und je höher die Erträge der Fonds, desto besser steht steuerlich die Fondspolizze da.

Fazit
Mit Investments in Aktien – ob mit Fondssparplänen oder Fondspolizzen – sind langfristig attraktive Erträge möglich.

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Von Gurus und Crash-Phropheten

Vor allem im Internet tummeln sich viele selbsternannte Experten, die den Untergang prophezeien.

Roman Steinbauer. „Der größte Crash aller Zeiten“, „Diese Aktien vernichten Ihr Kapital!“, „Die Blase platzt“, „Sicher durch den Crash“. Bücher und Online-Banner mit derartiger Titelwahl generieren hohe Verkaufszahlen, Aufmerksamkeit und erscheinen in veritablem Ausmaß auf Finanzplattformen. Plakative Phrasen wie diese, schaffen Autoren aber auch Verlagen Beachtung. Protagonisten dieser Panik-Ausrufe agieren nach simpler und folgender Logik: Dehnt sich der Aufschwung weiter aus, oder mündet in eine Seitwärtsbewegung, schlägt die (wieder einmal) falsche Prophezeiung eines vorausgesagten Kursdesasters auf den Textersteller nicht zurück – vergessen. Es bietet sich Raum für die nächste Crash-Ankündigung. Bricht der Hausse-Zyklus aber wirklich zufällig nach der apokalyptischen Prognose (eine Ausverkaufswelle wird einmal eintreten), steht der Verkünder des Unheils rasch angesehen da – die Rezipienten reflektieren: „Der hatte Recht, er hatte es gewusst und vorausgesehen.“

Über Nacht steigt der Sintflut-Warner wohl zum Guru und Propheten auf. Effekt-Prophezeiungen werden gar mit vorangestellte Titel wie „Prof. Dr. M … „ etc. geschmückt und ein enormer Wissensstand vorgespiegelt. Erfahrene Anleger erkennen diese Irrelevanz im Bezug zur Finanzwelt natürlich.

Die Frankfurter Buchmesse bestätigt: Verschwörungstheorien und Kriminalromane führen die Verkaufslisten an, beide Kategorien werden mit Börsen-Untergangsprognosen ideal gestriffen. Die Statistik bereitet den Humus auf. Laut dem staatlichem US-Wirtschaftsforschungsinstitut (NBER) liegt die längste wirtschaftliche Expansion hinter uns – wenn auch bei weitem nicht die stärkste. Die Wahrscheinlichkeit eines Endes des Aufschwungs und das Risiko einer Marktkorrektur an den Börsen steigt. Doch zu dieser Erkenntnis bedarf es kaum diverser Crash-Propheten. Die verkürzte Darstellung mit Angst einflößenden, deftigen Worten ist auch deren einzige Waffe, um Aufmerksamkeit zu erhaschen. Schon das suggerierte Bild des Platzens einer Blase entspricht keineswegs der Historie. Der stärkste Tages-Kursabschlag des letzten Jahrhunderts fand am 19. Oktober 1987 mit -23 % statt. Es „entwich“ Luft einer Blase. Ein Bärenmarkt kann natürlich folgen.

Notwendige Abgrenzung zu versierten Pessimisten
Auf Argumente basierende pessimistische Darstellungen wirken zur bunten Meinungsvielfalt und Reflexion hingegen bereichernd. So erwähnte Ken Griffin, Gründer des 29 Mrd€ schweren Alternativ-Hedge Fonds „Citadel“, kürzlich singulär einen Gefahrenherd: „Ein Inflationssprung ist das größte Risiko an den Märkten.“ Der unter den gefragtesten Gästen relevanter Finanzmedien und einst jüngster Self-made-Multi-Millionär in der Forbes-400-Liste fügte hinzu: „Die Akteure sind darauf nicht vorbereitet und Politiker könnten die Signale übersehen.“ Der Schweizer Autor und Fondmanager Marc Faber gilt stets als kritischer Betrachter des Marktgeschehens. Der aus Thailand und Hongkong agierende Herausgeber des Gloom Boom & Doom Reports hat den Puls nah an den asiatischen Volkswirtschaften. Auch er pflegt ein kantiges, abweichendes Meinungsprofil. Doch selbst seine Erfahrung und Analyse führten (bisher) nicht zu der von ihm seit Jahren vorausgesagten Vermögenserosion. Faber zweifelt langfristig an der liquiditätsgetriebenen Ökonomie, die der Realwirtschaft längst entlaufen sei.

Auch nach Nouriel Roubinis aktueller Marktanalyse (ð Börsen-Kurier 4/2020) könnte „die aktuelle Selbstzufriedenheit des Marktes“ bald „nicht bloß naiv, sondern völlig wahnhaft aussehen“. Der Börsen-Kurier-Autor und an der New York University lehrende Professor, bietet zu seiner Marktskepsis allerdings nachvollziehbare Relationen und Zusammenhänge an.

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Steigendes Interesse an Wertpapieren vernommen

Forderungen von Industriellen Vereinigung und Aktienforum: Financial Literacy stärken, Kapitalmarkt attraktivieren.

Rudolf Preyer. Was bringt es, wenn man sich zwar dafür interessiert – aber nicht weiß, wie … Die Rede ist davon, dass zwar mehr Österreicher grundsätzlich interessiert wären, Wertpapiere zu kaufen – aber nicht wissen wie. Wie dieses Manko zu beheben wäre? – damit befassten sich das Aktienforum und die Industriellenvereinigung (IV): Anlass zu diesen Überlegungen gab die aktuelle – vom Aktienforum beauftragte – Umfrage der „Peter Hajek Public Opinion Strategies“.

Bei identem Studien-Design verdreifachte sich das Interesse der Landsleute am Wertpapierkauf seit dem Jahr 2016: Waren es vor fünf Jahren nur 7 % der Befragten, die Interesse an Wertpapieren anmeldeten, ist es heute schon jeder Vierte. Allerdings – und das ist ein Wermutstropfen: Man traut sich dann doch nicht drüber. Das „gefühlte mangelhafte Wissen über den Kapitalmarkt“, fehlendes Vermögen, sowie verschiedene Formen der Angst vor Verlusten wurden von Peter Hajek in einer gemeinsamen Pressekonferenz als die größten Hindernisse genannt.

„Stiefkind Finanzbildung“
Um die Drastik bzw. das Potential gleichermaßen vor Augen zu führen, verwies IV-Generalsekretär Christoph Neumayer auf Untersuchungen hinsichtlich der Kapitaleinkünfte beim Alterseinkommen. Demnach liegen diese im OECD-Durchschnitt bei 18,4 %, in Österreich aber nur bei 5,8 %. In der Schweiz bewegen sich die entsprechenden Werte jenseits der 40 %, in Deutschland immerhin bei rund 16 %.

In seiner Funktion als Präsident des Aktienforums laufe er, Robert Ottel, schon zehn Jahre „den Marathon“ – und plötzlich habe man „ein Ziel vor Augen. Endlich!“ Angesichts entsprechender Maßnahmen im Regierungsprogramm ortet Ottel gar eine „offensive Kapitalmarktpolitik“. Dies betreffe vor allem die „Beseitigung von kosten- und personalintensiven Bürokratiebremsklötzen, die steuerliche Förderung von Veranlagungen zur privaten Pensionsvorsorge und eine große Offensive beim Thema Finanzbildung von Jung bis Alt.“

Apropos Finanzbildung: Im Fach „Geographie und Wirtschaftskunde“ sei die Wirtschaft leider allzu oft nur das Stiefkind, so Neumayer. Wirtschafts- und Finanzbildung gehöre jedenfalls als Teil der Grundbildung „schon viel früher als derzeit“ unterrichtet, im Lehramts-Studium müsse man das ökonomische Wissen der angehenden Lehrer stärken, generell gehöre Wirtschaft fächerübergreifend unterrichtet. Ottel brachte außerdem den Vorschlag, beim nächstmöglichen PISA-Test auch das „OECD Financial Literacy Tool“ abzufragen – dann ließe sich auch die Effektivität der gesetzten Maßnahmen überprüfen.

Bankberater, Freunde, Medien
Die Österreicher, da sind sich Neumayer und Ottel einig, würden die Chancen des Kapitalmarktes vermehrt nutzen – auch punkto Vermögensaufbau und damit einhergehend einer vernünftigen Pensionsvorsorge -, wenn es etwa auch eine Steuerfreiheit für angesparte Vermögen bis 150.000 € gebe. Diese Dimension entspreche internationalem Vorbild.

Überdies wird die Wiedereinführung der sogenannten „Spekulationsfrist“ angedacht: Dann könnte man Aktien nach einer gewissen Haltedauer (Ottel: nach einem Jahr?) steuerfrei verkaufen. Diesem Vorschlag kann sich im Übrigen auch Christoph Boschan, der Chef der Wiener Börse, anschließen.

Hajek resümierte die Umfrageergebnisse: Zu einem Aktienkauf ließen sich die Befragten überreden, wenn sie „zumindest mehr als 20.000 €“ auf ihrem Bankkonto hätten. Und überzeugen ließen sie sich „am ehesten vom Bankberater, gefolgt von guten Freunden und Medien“, und: kaum überraschend – „am wenigsten von Politikern“.

Auf dem Bild v.l.: IV-Generalsekretär Christoph Neumayer, Aktienforum-Präsident Robert Ottel und Forscher Peter Hajek bei Präsentation der Studie im Haus der Industrie

Foto: Industriellenvereinigung

 

 

 

Die EU-Pläne für grüne Investments

Brüssel drückt aufs Tempo – Austro Green Bonds stehen auf dem Plan.

Manfred Kainz. Das sind Summen, die man sich nicht vorstellen kann: Die Finanzkrise 2009 hatte laut internationalen Schätzungen finanzielle Auswirkungen von rund 22.000 MrdUSD – kumuliert. Diese Schadenszahl wird aber nun noch getoppt: Das global tätige Investmenthaus Schroders schätzt die weltweiten wirtschaftlichen Schäden bzw. Verluste auf Grund des Klimawandels auf langfristig bis zu 23.000 MrdUSD – aber jährlich. Wenn keine nennenswerten Maßnahmen ergriffen werden. Deshalb ist Nachhaltigkeit nun so in aller Munde und widmete sich der erste „Sustainable Finance Summit“ in Wien Lösungsansätzen. Common sense herrschte da, dass ein solches grenzüberschreitendes Problem – auch – internationale „Action“ erfordert.

Die billionenschwere „Green Deal“-Ankündigung der neuen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen war ein symbolischer Startschuss. Die Umsetzung geht aber schon jetzt in die Vollen: Der „Aktionsplan für nachhaltige Finanzierung“ der EU-Kommission ist Basis für – unter anderem – die neue Disclosures-Verordnung, für die unser Finanzministerium zuständig ist und die ab 2021 anzuwenden ist. Diese gilt für institutionelle Investoren und Finanzhäuser, die darlegen müssen, wie sich Nachhaltigkeitsrisiken auf ihre Investments auswirken.

Wahrscheinlich schon im Juni dieses Jahres ist außerdem die „Sustainable Finance Strategy“ der EU-Kommission als Follow-up des Aktionsplanes zu erwarten. Praktische Auswirkungen wird in näherer Zukunft aber vor allem die neue „Taxonomie“ haben. Diese Standards als einheitliches Klassifikationssystem unterwerfen den Finanzsektor sechs Umweltzielen unter anderem der „UN Sustainable Development Goals“. An sich ist diese Taxonomie inhaltlich fertig; was noch fehlt, ist die Taxonomie-Verordnung. Die ist in Brüssel noch in redaktioneller Ausformulierungs- und Übersetzungsarbeit, danach kann es aber schnell gehen: Im EU-Rat und im EU-Parlament sollte die Verordnung als „unkontroversieller A-Punkt, d.h. keine Diskussion erforderlich“ durchgehen, erwartet man im BMF. Vorangegangen war der politischen Einigung aber schon eine Grundsatzdebatte über Nachhaltigkeit, weil die unsichere Atomenergie nicht explizit ausgeschlossen war (was zu einem negativen Stimmverhalten Österreichs führte). Kompromiss: Atomenergie ist nun in der Taxonomie gar nicht angesprochen, bleibt also als Alternative zur Zielerreichung. Neben der Anwendung der Taxonomie-Verordnung, deren Veröffentlichung also noch im ersten Halbjahr 2020 möglich ist, ist das BMF auch für die Ausführung einer innerösterreichischen Vorgabe zuständig. Das türkis-grüne Regierungsprogramm hat sich die Ausgabe von „Green Bonds“ zu Ziel gesetzt. Ganz bei null fängt man da nicht an; Frankreich, Polen und Schweden haben schon Green Bonds emittiert.

Aber der Teufel liegt wie immer im Detail. Denn vor einer Emission müssen mehrere Aspekte geklärt werden: Welche Projekte sollen überhaupt damit finanziert werden? Wie lässt es sich dann budgetär „aufstellen“? Und nicht zu vergessen: wie passt es in den Kapitalmarkt-„Emissionskalender“? Das „Standing“ am Kapitalmarkt sei schon wichtig und man könne nicht einfach eine Emission in den Kalender „hineinschieben“, heißt es dazu aus dem BMF. Weiters gilt für die Projektprüfung, dass „Greenwashing“ ausgeschlossen wird, man wolle ja keine „Anleger-(ent-)täuschung“. Selbiges gilt für den Renditeaspekt: „Wirtschaftlich müssen die Projekte schon sein“, ist die Vorgabe aus dem BMF.

Foto: EC – Audiovisual Service / Jennifer Jacquemart

 

 

Die neue Strategie der EZB im Check

Die EZB muss ihre Strategie in Punkto Inflation überdenken – eine Analyse von Prof. Lucrezia Reichlin von der London Business School.

Die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat mit ihrer jüngsten Ankündigung einer längst überfälligen Überprüfung der Strategie der Europäischen Zentralbank hohe Erwartungen geweckt. Das Ergebnis dieser Überprüfung wird das erste wichtige Signal dafür sein, wie Lagarde die Zentralbank leiten will – und wie die EZB wohl die anhaltend niedrige Inflation in der Eurozone bekämpfen wird.

Ein Blick zurück
Die Welt von heute unterscheidet sich gravierend von der des Jahres 2003, als die EZB-Strategie zum letzten Mal überarbeitet wurde und auch die Institution selbst hat sich seit der Finanzkrise des Jahres 2008 tiefgreifend verändert. Angesichts einer weltweiten Rezession und der anschließenden Schuldenkrise in der Eurozone in den Jahren 2011 bis 2012, verabschiedete sich die EZB von ihrem herkömmlichen Ansatz der passiven Deckung des Liquiditätsbedarfs der Banken – der ursprünglichen Reaktion auf die Finanzkrise. Stattdessen begann die EZB, zur Lockerung der Geldpolitik und der Stabilisierung des Finanzsystems ihre Bilanz aktiv zu gestalten.

Darüber hinaus hat die EZB ihre operativen Instrumente radikal erweitert. Im Jahr 2014 führte sie negative Zinssätze für Bankeinlagen bei nationalen Zentralbanken ein und begann, dem Markt in Form der „Forward Guidance“ zukunftsgerichtete Leitlinien hinsichtlich ihrer künftigen Politik zu liefern. Und seit 2015 kauft die EZB Vermögenswerte auf (bekannt als quantitative Lockerung oder Quantitativ Easing; QE), wodurch sich ihre Bilanz im Vergleich zu 2008 verdoppelte. Schließlich hat die EZB im Rahmen des Einheitlichen Aufsichtsmechanismus größere aufsichtsrechtliche Verantwortlichkeiten gegenüber europäischen Banken übernommen.

Wie geht es weiter?
Die erste Phase der EZB-Strategieüberprüfung wird eng gefasst sein und sich auf die Festlegung des Inflationsziels, die Rolle der Geldmengenaggregate als Signale mittel- bis langfristiger Inflation und die Kommunikation konzentrieren. Diese Phase soll in der ersten Hälfte des Jahres 2020 abgeschlossen sein. Anschließend wird eine zweite Phase der Reflexion folgen.

Jede aussagekräftige Überprüfung dieser Aspekte muss eine objektive und kritische Analyse des Jahrzehnts seit der Finanzkrise umfassen, während dessen die durchschnittliche Inflationsrate in der Eurozone deutlich unter dem von der EZB angestrebten Ziel von „unter, aber nahe 2 %“ und auch niedriger als in den USA und dem Vereinigte Königreich lag. Insbesondere sollten bei der Überprüfung die Kosten eines systematisch unter dem Ziel liegenden Inflationsniveaus im Vergleich zu anderen politischen Optionen quantifiziert werden.

Thema Inflation
Hinsichtlich der Unfähigkeit der EZB, ihr Inflationsziel zu erreichen, bestehen mindestens drei Hypothesen. Die Hypothese der „strategischen Fehler“ besagt, dass die EZB im Zeitraum zwischen 2012 und 2014 aggressivere Strategien hätte umsetzen sollen – insbesondere im Bereich QE. Wenn diese „Fehler“ auf eine unzureichend definierte EZB-Strategie zurückzuführen waren, wird man die Strategie anpassen müssen; waren sie das Ergebnis politischer Beschränkungen, sollte der Entscheidungsfindungsprozess der Zentralbank geändert werden.

Die zweite Erklärung konzentriert sich auf die unzureichende Koordination der Fiskal-, Finanz-, und Geldpolitik in der Eurozone. Im Jahr 2009 ging die Lockerung der Geldpolitik beispielsweise mit einer verspäteten Bereinigung des Bankensektors und Sparmaßnahmen einher. Das führte zu einer zweiten Rezession, die die EZB zu spät erkannte. Und in den Jahren 2012 bis 2014 war eine neutrale fiskalpolitische Haltung sowohl mit unzureichenden geldpolitischen Anreizen als auch mit einem Schuldenabbau im Bankensektor verbunden.

Beide Hypothesen legen nahe, dass es der EZB besser ergangen wäre, hätte sie sich eindeutig einem symmetrischen quantitativen Ziel im Hinblick auf Inflation oder das nominale BIP verschrieben. Implizit hätte das beispielsweise bedeutet, im Jahr 2011 die Zinssätze als Reaktion auf die zeitweilig inflationäre Wirkung höherer Ölpreise nicht zu erhöhen (wie es die EZB tat). Überdies hätte es bedeutet, mit dem Ankauf von Vermögenswerten statt 2015 im Jahr 2012 zu beginnen und ihn 2018 nicht auslaufen zu lassen.
  

Die von einigen Zentralbankern favorisierte dritte Hypothese lautet, dass die anhaltend niedrige Inflation in der Eurozone Ausdruck struktureller Faktoren wie nachteiliger demografischer Verhältnisse, niedriger Wachstumserwartungen und der damit verbundenen steigenden Nachfrage nach sicheren Vermögenswerten ist. Diese Erklärung zieht also Parallelen zwischen der Eurozone und Japan, wo es auch mit aggressiven geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen seit 2013 nicht gelungen ist, die Wirtschaft aus ihrer zwei Jahrzehnte dauernden Phase niedriger Inflation zu befreien.

Befürworter der strukturellen Sichtweise argumentieren, dass es für die politischen Entscheidungsträger der EZB besser wäre, ein niedrigeres Inflationsziel anzupeilen, als zu versuchen, einen geldpolitischen Anreiz zu entwickeln, der letztendlich zu einer Inflation der Vermögenspreise führt und die Finanzstabilität gefährdet. Schließlich, so lautet ihr Argument implizit, bestehen kaum Anhaltspunkte dafür, dass eine stabil niedrige Inflation das Gemeinwohl gefährdet.

Diese dritte Hypothese kann jedoch zu zwei alternativen politischen Empfehlungen führen. Die erste besteht in einem Ansatz der „Untätigkeit“ der mit einer Abwärtskorrektur des EZB-Inflationsziels im Einklang mit der tatsächlichen Inflation einhergeht. Eine derartige Vorgehensweise ist gerechtfertigt, wenn die politischen Entscheidungsträger davon ausgehen, dass das potenzielle Produktionswachstum in der Eurozone unabhängig von der bisherigen fiskal- und geldpolitischen Stabilisierungspolitik zurückgegangen ist. Die zweite Option besteht, entsprechend der ersten beiden Hypothesen, darin, eventuell in Abstimmung mit der Fiskalpolitik die akkommodative Geldpolitik aufrechtzuerhalten. Dieser Ansatz wäre richtig, kämen die politischen Entscheidungsträger zur Ansicht, dass eine anhaltende Krise der Realwirtschaft letztendlich das Produktionspotenzial beeinträchtigen würde.

EZB übervorsichtig?
Die meisten Analysen deuten darauf hin, dass die Politik der EZB im letzten Jahrzehnt im Allgemeinen zu vorsichtig war. Selbst wenn man die strukturelle Erklärung für die Trendinflation als richtig anerkennt und die Ansicht vertritt, dass Inflationserwartungen unabhängig von früheren politischen Maßnahmen gesunken sind, führt die „Untätigkeits-Option“ wohl zu einer weiteren Abwärtsspirale bei den Erwartungen und womöglich in eine deflationäre Falle. Man muss dann die Kosten berücksichtigen, die sowohl mit den relativen Preisanpassungen als auch mit dem Effekt verbunden sind, die der sich daraus ergebende Aufwärtsdruck auf den Realzinssatz auf die private und öffentliche Schuldenlast hätte. Diese Kosten wären wohl höher als jene im Zusammenhang mit dem Risiko für die Finanzstabilität aufgrund zu „vieler Aktivitäten“, die man aber in jedem Falle unter Einsatz aufsichtsrechtlicher Instrumente in den Griffe bekäme.

Die neue Strategie der EZB muss sich auf jene Art der quantitativen Analyse stützen, die zur Beantwortung dieser Fragen erforderlich ist. Allerdings ist auch anzuerkennen, dass die Ökonomen noch immer weit davon entfernt sind, die Dynamik einer niedrigen Inflation zu verstehen. Angesichts dieser Unsicherheit sollte es sich die EZB zum Ziel setzen, solide Strategien zu verfolgen, die in einer Vielzahl von Szenarien den geringsten Schaden verursachen.

Lucrezia Reichlin ist ehemalige Forschungsdirektorin bei der EZB und heute als Wirtschaftsprofessorin an der London Business School tätig. Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier, © Project Syndicate 1995 – 2020

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Wachstum in Stabilisierungsphase

Nach der konjunkturellen Abschwächung befindet sich der Wachstumsrhythmus der Weltwirtschaft in einer Stabilisierungsphase.

Nach der konjunkturellen Abschwächung 2019 befindet sich der Wachstumsrhythmus der Weltwirtschaft in einer Stabilisierungsphase. Dies ist die Ansicht von Guy Wagner, Chefanlagestratege von BLI – Banque de Luxembourg Investments, und seines Teams.

In den USA stieg das reale Bruttoinlandsprodukt im Gesamtjahr 2019 annualisiert um 2,3 Prozent, gegenüber 2,9 Prozent im Vorjahr. „Die Hoffnungen auf einen erneuten Wirtschaftsaufschwung beruhen vor allem auf der stärkeren Aktivität im Immobiliensektor, der von einer erheblichen Senkung der Hypothekenzinsen profitiert“, präzisiert Wagner. „In Europa deutet die Stabilisierung der Aktivitätsindikatoren in der Fertigungsbranche darauf hin, dass der Abschwung die Talsohle durchschritten hat.“ Die Anzeichen für erneutes Wachstum sind aber noch zu unsicher, um auf einen starken und nachhaltigen Aufschwung zu setzen. In Japan belasten die Mehrwertsteuererhöhung im Oktober 2019 und die Schwäche des Welthandels die Wirtschaftsaktivität nach wie vor. In China laufen die Bemühungen der Behörden zur Eindämmung des Coronavirus Gefahr, den moderaten Wirtschaftsaufschwung seit Jahresanfang zunichte zu machen.

Fed und EZB lassen Leitzinssätze unverändert

Erwartungsgemäß ließ die US-Notenbank ihren wichtigsten Leitzinssatz unverändert und bleibt, wie schon beim vorherigen Treffen im Dezember, bei ihrer abwartenden Haltung. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank änderte sich ebenfalls nicht; der Einlagenzinssatz bleibt bei minus 0,5 Prozent und das Anleihekaufprogramm bei 20 Milliarden Euro pro Monat. Darüber hinaus kündigte Präsidentin Christine Lagarde den offiziellen Beginn der einjährigen Strategieüberprüfung an, die die Aufgaben, die Ziele und die künftigen Mittel der EZB umfasst.

Endfälligkeitsrenditen für Staatsanleihen sinken

„Die Unsicherheit hinsichtlich einer eventuellen umfangreichen Ausbreitung des Coronavirus und deren Auswirkungen auf das weltweite Wirtschaftswachstum stützte die Kurse sogenannter Flucht-Anlagen und ließ im Januar die Endfälligkeitsrenditen für Staatsanleihen sinken“, sagt der luxemburgische Ökonom. So ging die Endfälligkeitsrendite zehnjähriger US-Treasuries ebenso zurück wie die zehnjährigen Referenzzinssätze in Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien.

Angst vor potenzieller Ausbreitung des Coronavirus belastet Aktienkurse

In den ersten zwei Januarwochen setzte sich der Aufwärtstrend, der schon den starken Kursanstieg zum Jahresende 2019 geprägt hatte, weiter fort. In der zweiten Monatshälfte waren die Aktienmärkte jedoch rückläufig. „Die Angst vor einer potenziellen Ausbreitung des Coronavirus belastete die Aktienkurse.“ Im gesamten Monat notierte der MSCI All Country World Index Net Total Return (in Euro notiert) fast unverändert. Der US-Leitindex S&P 500, der Stoxx Europe 600 und der japanische Topix gingen allesamt leicht zurück. An den Aktienmärkten der Schwellenländer verstärkte sich der Abwärtstrend, und der MSCI Emerging Markets Index verlor 4,7 Prozent (in USD). „Versorgungsunternehmen und Technologiewerte verzeichneten die beste Performance, während der Energie- und der Rohstoffsektor die Schlusslichter bildeten“, meint Guy Wagner abschließend.

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Seuchenalarm für die Weltwirtschaft

Das Coronavirus bedroht nicht nur die Menschen sondern auch die Börsen und die Weltwirtschaft.

Michael Kordovsky. Eine neue Lungenkrankheit, hervorgerufen durch Coronaviren, wurde zum Wirtschaftsfaktor. In Festland-China stieg vom 20. bis 28. Jänner die offizielle Zahl der Infizierten von 278 auf 14.451. Außerhalb Chinas stieg die Anzahl der Fälle von vier auf 173. Bis dato gab es 305 Tote. Den Höhepunkt der Seuche erwarteten Experten in etwa für Mittwoch bis Samstag dieser Woche. Die Regierung in Peking ließ im Epizentrum der Seuche, der Provinz Hubei, 14 Metropolen mit zusammen 45 Mio Einwohnern von der Außenwelt abschotten. Dort wurden der Nah- und Fernverkehr, Züge und Flüge – alles – eingestellt. Die 113 Mio Einwohner der chinesischen Provinz Guangdong sind verpflichtet, in Einkaufszentren, Hotels, Parks und anderen öffentlichen Orten einen Mundschutz zu tragen.

Zivilschutz versus Wirtschaftsinteressen

Hintergrund: Die chinesische Regierung hat in der SARS-Krise 2002/03 viel Kritik erhalten, zu wenig gegen die Seuche anzukämpfen, und will jetzt signalisieren, die Gefahr besonders ernst zu nehmen. Obwohl das Coronavirus nach bisherigen Erkenntnissen weniger schlimm zu sein scheint als der SARS-Erreger und ihm bisher hauptsächlich ältere Personen mit geschwächtem Immunsystem zum Opfer fallen, werden zur Zeit des chinesischen Neujahrsfestes nun besondere Maßnahmen ergriffen wie z.B. auch der Bau eines 1.000-Betten-Spitals binnen einer Woche.


Die Aggressivität des Coronavirus ist überschaubar und es sollte relativ schnell eingedämmt werden können, was anhand seiner Reproduktionsrate illustriert werden kann, die nach vorläufigen Daten zwischen 1,4 und 2,5 liegt. Konkret heißt dies, dass ein Infizierter im Schnitt nicht mehr als 2,5 Personen ansteckt. Bei Masern liegt dieser Wert bei knapp 20!


Trotzdem kommt es international zu Entscheidungen, die vorübergehend das Wirtschaftswachstum noch zusätzlich beeinträchtigen: Lufthansa hat bereits sämtliche Flüge nach China eingestellt und die Mongolei schließt die Grenze zu China. Toyota beschloss den Betrieb seiner Werke in China bis 9. Feber zu stoppen.

Bereits vor mehr als einer Woche drückte die Seuche auf die globale Börsenstimmung, während eine kleine Gruppe an Medikamentenentwicklern mit möglichen Gegenmitteln und Schutzmaskenhersteller explosionsartige Kursanstiege verzeichneten.

Laut Michael Hasenstab, Fondsmanager bei Franklin Templeton, besteht die Möglichkeit von Ansteckungseffekten auf die Weltwirtschaft durch Handelsunterbrechungen. In China ist durch die teilweise Einstellung der öffentlichen Verkehrsmittel der private Konsum beeinträchtigt. Durch die Einschränkung der Transport- und Handelswege kann es zu Unterbrechungen internationaler Lieferketten kommen. Wuhan, die Hauptstadt der Provinz Hubei, ist der industrielle Schwerpunkt Mittelchinas und hat neben einem breiten Mix in der Produktion (Motoren-, Schiffs-, Fahrzeug- und Maschinenbau, Zementfabriken, chemische Industrie …) einen Schwerpunkt in der Eisenherstellung und Stahlindustrie mit mehreren Walzwerken. Die Einstellung von Flügen hingegen schadet eindeutig dem Tourismus und zwar weltweit.

Schadensschätzung anhand der SARS-Epidemie 2002/03

Mo Ji, Chefvolkswirtin für China bei Alliance Bernstein (AB), analysierte die Kosten vergangener Seuchen wie z.B. der SARS-Epidemie 2002/03 und leitete daraus eine Prognose möglicher Konsequenzen des Coronavirus für die chinesische Wirtschaft ab. Von der Anzahl der Infizierten her ist SARS durchaus vergleichbar, wobei es bereits jetzt mehr Corona-Fälle gibt. Laut Statistik der WHO war SARS weltweit für fast 8.100 Infektionen und 774 Todesfälle verantwortlich. Die daraus resultierenden Verluste belaufen sich laut Schätzungen von Ökonomen auf 40 MrdUSD, davon 17,5 MrdUSD in China und 8,0 MrdUSD in den USA. Als Orientierungsgröße für Ji gilt in China – wie damals 2002/03 – ein BIP-Rückgang um 2 %-Punkte binnen eines Quartals, und sie schlussfolgert: Wird die Epidemie innerhalb von drei Monaten eingedämmt, könnte Chinas reales Bruttoinlandsprodukt (BIP) um
0,8 % beeinträchtigt werden. Dauert es hingegen neun Monate bis die Behörden die Seuche im Griff haben, droht ein Wachstumsrückgang um bis zu 1,9 %-Punkte.

Bei der aktuellen Reproduktionsrate und den extremen Maßnahmen stehen die Chancen gut, dass bereits im Frühjahr wieder alles vorbei ist. Trotzdem könnte das globale BIP-Wachstum um 0,2 %-Punkte beeinträchtigt werden. Allerdings könnte die chinesische Zentralbank mit einer expansiveren Geldpolitik nochmals kräftig entgegensteuern und so einiges abfedern.

Schlimmer geht’s immer

Doch es können neue Grippemutationen mit hoher Reproduktionsrate wieder auftreten, zumal historisch betrachtet die nächste größere globale Pandemie von Jahr zu Jahr wahrscheinlicher wird. Zuletzt war dies zwischen 1918 und 1920 die Spanische Grippe, die weltweit mindestens 25 Mio Todesfälle verursachte. Laut Schätzungen der Weltbank würde eine derartige Pandemie heute die Weltwirtschaft rund 3 BioUSD kosten, was 4,8 % der globalen Wirtschaftsleistung wären.

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Asiens Gesundheitsbranche

Chinas wachsender Markt lockt mit Anlagechancen abseits des Coronavirus.

Raja Korinek. Spätestens seit dem Ausbruch des Coronavirus rückt Chinas Gesundheitssystem einmal mehr in den Fokus. Wie weit sich die Kreise ziehen werden, bleibt freilich abzuwarten, meint Cyrill Zimmermann, Leiter Healthcare Funds & Mandate bei der Bellevue Asset Management. Doch schon zuvor haben sich zahlreiche Gesundheitstrends in China abgezeichnet, die nicht unterschätzt werden sollten, fügt Oliver Kubli, leitender Portfoliomanager des „BB Adamant Asia Pacific Healthcare Fonds“ (ISIN: LU1587985570), im Gespräch mit dem Börsen-Kurier hinzu.

Immer mehr Diabeteserkrankte

Vor allem die Ausbreitung von Diabetes steht im Fokus. Inzwischen sind fast 10 % der zwischen 20- und 79-Jährigen betroffen. Der Grund? Auch im Reich der Mitte verändern sich die Ernährungsgewohnheiten hin zu fetthaltigerer Nahrung. Obendrein bewegten sich die Menschen immer weniger, eine durchaus „giftige“ Kombination, die in anderen Teilen Asiens ebenso zunehme, halten die Bellevue-Experten fest. Und nicht nur. Auch andere Krankheiten, etwa im Bereich des Herzkreislaufs, würden zunehmen.

Umso mehr arbeiten immer mehr Konzerne aus der Region an Lösungen, erklärt Kubli. Rückenwind gibt es reichlich. Allein in China machen die Gesundheitsausgaben erst 600 MrdUSD oder 5 % des BIP aus. In den kommenden 20 Jahren dürfte dieser Prozentsatz auf gut 10 % steigen. „Zudem werden neue Medikamente schneller zugelassen, und Rückvergütungen erfolgen rascher“, sagt Kubli. Verständlich, dass bis 2023 neu patentierte Medikamente voraussichtlich gut 65 % des Gesamtmarktes, der auch Generika umfasst, ausmachen dürften. 

Neue Krebsmittel aus China

Doch wo sehen die Bellevue-Experten konkrete Chancen? Kubli verweist als Beispiel auf Beigene (US07725L1026). Das chinesische Biotechunternehmen entwickelt erfolgreich Krebsmedikamente. Erst vergangenen November schnappte sich die US-Biotechfirma Amgen (US0311621009) 20 % an Beigene, die nun einen Teil von Amgens Krebsmedikamenten in China vertreiben wird. Zudem möchte Amgen mit Beigene 20 neue Krebsmedikamente in China, aber auch in anderen Ländern entwickeln.

Doch es gibt auch noch andere rasant wachsende Bereiche, etwa jener der künstlichen Befruchtung. Hier mischt Jinxin Fertility Group (KYG5140J1013) mit, und das durchaus mit Erfolg. Ein weiteres wachsendes Thema ist aber auch die Telemedizin, bei der ärztlicher Rat online eingeholt wird. Solchen bietet etwa Ping An Healthcare (KYG711391022) an. „Pro Tag werden die Ärzte rund 700 Mal konsultiert“, sagt Kubli.

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Öl und Gold interessant

Die ungelöste Situation rund um Israel und Palästina wird die Märkte noch lange beschäftigen.

Harald Kolerus. Donald Trump hat zuletzt in gewohntem Stolz einen „Jahrhundertplan“ zur Lösung des Nahost-Konflikts präsentiert. Wie glaubwürdig das erscheint, nachdem der US-Präsident noch Anfang des Jahres den iranischen General und Volkshelden Qasem Soleimani per gezieltem Drohnenangriff „ausschalten“ ließ, sei dahingestellt. “

„Mülleimer der Geschichte“

Klar ist, dass die Friedensinitiative nicht die gesamte Krisenregion umfasst, sondern den Fokus auf Israel und Palästina legt. Die letztgenannte Seite wurde aber gar nicht in die Verhandlungen miteinbezogen, was für böses Blut gesorgt hat. Eindeutig war die erste Reaktion von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas: „Trumps Plan wird im Mülleimer der Geschichte enden.“ Aber auch objektive Beobachter stehen Trumps Vorstoß skeptisch gegenüber und geben ihm eher geringe Chancen zur Verwirklichung. Das Design ziele zu sehr auf die Interessen Israels. Abgesehen davon bleibt der offene Konflikt zwischen den USA und Iran ohnedies bestehen, eine Eskalation scheint hier nicht ausgeschlossen. (ð Analyse von Nouriel Roubini im Börsen-Kurier vom 23.1.)

Spannend: Öl und Gold

Zwar haben sich die Märkte nach dem „Soleimani-Schock“ wieder beruhigt, aber das muss nicht so bleiben. Auch Heiko Geiger, Experte für strukturierte Produkte bei Vontobel, weiß natürlich, dass niemand die weiteren Entwicklungen in Iran bzw. im Nahen Osten vorhersehen kann. Im Gespräch mit dem Börsen-Kurier machte er sich allerdings Gedanken darüber, wie sich Zertifikate-Anleger angesichts der angespannten Situation verhalten könnten: „Es sind vor allem zwei ‚Kandidaten‘, die einem auf den ersten Blick fast unweigerlich in den Sinn kommen: Gold und Erdöl. Es handelt sich hierbei sozusagen um Fieberthermometer, die auf Krisen sensibel reagieren.“

Ob man nun investieren will, hängt von der persönlichen Erwartungshaltung ab: Wer mit einer Zuspitzung oder gar Eskalation des Konflikts rechnet, kann Öl oder Gold als Proxi verwenden. Geiger teilt hier somit im Wesentlichen wieder zwei Gruppen ein: „Wer in einen sicheren Hafen einlaufen möchte, wird auf Gold setzen, etwa mit Hilfe von Minis oder Turbos. Investoren, die mit einem starken Anstieg des Erdöls rechnen, können hier z. B. zu Faktor-Zertifikaten oder wiederum Mini Futures auf diesen Rohstoff greifen.

Geiger hat bei Erdöl starke Umsätze von Hebelprodukten beobachtet: „Hier steht im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt logischerweise der kurzfristigere Bereich im Mittelpunkt und nicht Zertifikate mit mehrjähriger Laufzeit.“


Investmentmöglichkeiten

Anleger die nun von gleichbleibenden oder leicht steigenden Goldpreisen ausgehen, könnten einen Blick auf das „Discount-Zertifikat auf Gold (Troy Ounce)“ von Vontobel werfen (ISIN: DE000VE5UDG6). Der Investor erhält hier den Höchstbetrag ausbezahlt, sofern am Bewertungstag der Preis einer Feinunze Gold auf oder über dem Cap liegt. Der Emittent wird einen Barausgleich zahlen, sofern am Bewertungstag der Preis einer Feinunze Gold unter dem Cap liegt. Diese Rückzahlung käme dann einem Verlust gleich.

Eine transparente und kosteneffiziente Weise auf einen kurzfristig steigenden Ölpreis zu setzen, bietet wiederum ein Turbo-Optionsschein ohne Laufzeitbegrenzung. Bei einem Produkt mit Knock-out-Level von 47,23 USD (DE000VN98L73) partizipieren Anleger mit einem Hebel von 5 an steigenden aber auch fallenden Notierungen des Preises von Brent Crude Oil.

Fazit

Aufregende Anlagemöglichkeiten sind also vorhanden, dass sich die Lage bei „Kriseninvestments” schnell ändern kann, muss aber jedem bewusst sein.


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Technologie: Kommt jetzt die große Sektor-Rotation?

Dem Telekomsektor wird nun reichlich Aufholpotential eingeräumt.

Raja Korinek. Es war ein Jahrzehnt der Rekorde. Anleger, die auf Aktien aus der IT-, Halbleiter-, oder Softwarebranche setzten, konnten bislang fulminante Renditen erzielen. Selbst im abgelaufenen Jahr legten entsprechende Titel immer noch kräftig zu, wenn auch das Börsenjahr 2019 von einigen geopolitischen Turbulenzen begleitet wurde. Tatsächlich schnitt in den USA der IT-Sektor mit einem Plus von gut 44 % am besten ab, gefolgt von Kommunikationsdienstleistungen, damit weit mehr als der S&P 500.

Technologie ist teuer geworden

Mit den steigenden Kursen bei vielen Technologieaktien wurden allerdings auch deren Bewertungen immer teurer. Und damit legten die Erwartungen an die künftigen Gewinne ebenfalls zu. Begünstigt wird dieser Umstand unter Anderem vom langjährigen Zinstief. Das sei eben ein Umfeld, in dem vor allem Wachstumsaktien gefragt seien, erklärt Erling Kise, Fondsmanager des „DNB Fund TMT Absolute Return“ (ISIN: LU054771 4526) im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

Die offizielle Benchmark für den Fonds sind zwar kurzlaufende deutsche Staatspapiere. Doch nach Chancen sucht der Experte im MSCI TMT Index. Kise setzt dabei auf steigende und fallende Kurse, je nach Einschätzung. Gerade weil viele Wachstumsaktien innerhalb des Technologiesektors derzeit aber recht hoch bewertet sind, wird Kise für seine „Short“-Positionen eher in diesem Bereich fündig. Bei den „Long“-Positionen liegt derzeit die Gewichtung verstärkt im sogenannten Value-Bereich. Dabei handelt es sich um Titel, deren wahrer Wert von der Börse noch nicht erkannt wurde.

Telekom bietet günstige Chancen

Das könnte sich demnächst ändern, und zwar vor allem im Telekomsektor. Kise hat deshalb entsprechend zugekauft, etwa bei Vodafone Group, Deutsche Telekom und Orange. Gerade in Europa wird dieser Branche jede Menge Aufholpotential eingeräumt. „Denkbar wären etwa weitere Konsolidierungen“, verweist der DNB-Fondsmanager auf eine mögliche Entwicklung. Das kann er sich beispiels-weise in Zusammenhang mit dem Start der nächsten Mobilfunkgeneration 5G vorstellen.

Der Investitionsbedarf darin ist hoch, weshalb voraussichtlich nicht alle Marktteilnehmer mithalten können. Idealerweise gibt es drei Mitwerber pro Land, damit sich der Aufbau von 5G rentiert. Derzeit sind es oftmals mehr Konkurrenten. Obendrein wird damit künftig das Datenvolumen kräftig steigen, woran die Unternehmen freilich verdienen. Allerdings mahnt Kise, Europa müsse den 5G-Start kräftiger forcieren. „Derzeit ist China am weitesten voraus“, verweist Kise auf die rasanten Entwicklungen in Fernost. Tatsächlich liegt im Reich der Mitte die Marktabdeckung schon jetzt bei rund 60 %.

2018 als ideales Krisenjahr

Dass sich auch die Short-Positionen auszahlen können, zeigte sich beispielsweise im 4. Quartal 2018. Da hatte der Fonds auf fallende Kurse unter anderem bei Apple gesetzt. Diese gaben in Mitten der Turbulenzen damals ein gutes Stück nach. Freilich, es kann aber auch anders kommen, wie sich im Vorjahr zeigte, als die Nachfrage nach Wachstumsaktien weiter anhielt.

Der Fonds beendete das Jahr deshalb mit einem Minus, wenn er auch seit 2007 im Schnitt jährlich 3 % – nach Spesen – zugelegt hat.

Der Zielertrag liegt im Übrigen bei 5 % p.a. Und könnte schon bald näher rücken. Kise lässt sich von kurzfristigen Entwicklungen jedenfalls nicht irritieren. Er meint: „Langfristig wird sich die starke Bewertungsdivergenz zwischen Value- und Wachstumsaktien im Technologiesektor schließen.“

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„Ein Aktienzyklus stirbt nicht an Altersschwäche“

Der Börsen-Kurier im Gespräch mit Carsten Kutschera vom US-Vermögensverwalter T. Rowe Price.

Patrick Baldia, Börsen-Kurier: Herr Kutschera, ETFs bzw. passive Strategien gewinnen an Bedeutung. Sie sind in der Regel kostengünstiger und überzeugen auch performancemäßig. Was spricht da eigentlich noch für aktive Strategien?

Carsten Kutschera: Grundsätzlich geht es nicht um die Frage, ob passive oder aktive Strategien. Vielmehr handelt es sich dabei um zwei parallel nutzbare Optionen für Investoren, und die Mehrheit setzt auch je nach Anlageklasse gleichzeitig auf passive und aktive Fonds. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Es mag eine Menge Argumente geben, die gegen aktiv gemanagte Fonds sprechen, auch was die Performance betrifft. Dennoch hat es der Großteil unserer Fonds über verschiedene Zeiträume geschafft, ihre Benchmarks zu schlagen. Das kommt auch nicht von ungefähr. Bei T. Rowe Price arbeiten allein mehr als 170 Aktienanalysten, die jeweils auf bestimmte Sektoren spezialisiert sind. Ihr wirtschaftlicher Erfolg hängt zu einem großen Teil davon ab, ob unsere Fondsmanager ihren Aktienempfehlungen tatsächlich folgen und mit diesen auch ein Mehrwert für Investoren generiert wird. Dazu kommt die Erfahrung der Fondsmanager. Sie sind bei uns im Durchschnitt über 17 Jahre im Haus bzw. weisen 23 Jahre Erfahrung in der Investmentbranche auf. 

Börsen-Kurier: Aber müssen Anleger dafür nicht vergleichsweise viel zahlen?

Kutschera: Nicht zwangsläufig. Das unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter. Grundsätzlich wollen Anleger für die von ihnen bezahlten Gebühren etwas geboten bekommen. Wir sind zwar kein Diskonter, ich glaube aber, dass
wir dennoch eine sehr vernünftige und faire Gebührenstruktur aufweisen – beispielsweise werden zugunsten der Investoren bei kleineren Fonds die Kosten oberhalb der Management Fee begrenzt, später jedoch, bei größeren Fondsvolumina, auf die tatsächlichen Kosten reduziert.  Bei größeren Anlagesummen kommt eine transparente Gebührenstaffel zum Einsatz und zuletzt waren sämtliche Gesamtkostenquoten unserer Ucits-Fonds günstiger als der Durchschnitt der jeweiligen Peer-Group.

Börsen-Kurier: Bietet T. Rowe Price eigentlich passive Produkte an?

Kutschera: Nein, wir sind zu 100 % überzeugte aktive Investoren und werden diesen Fokus auch beibehalten. Das bedeutet aber nicht, dass wir nicht anerkennen, dass der Einsatz passiver Strategien sinnvoll sein kann. Im Falle weniger effizienter Anlageklassen wie beispielsweise Small-Cap-Aktien sind Investoren dagegen eher dazu bereit auf aktive Manager zu setzen. Wir glauben, dass ein von einer langfristigen Ausrichtung und fundamentaler Analyse getriebener aktiver Ansatz Mehrwert für Investoren generieren kann.

Börsen-Kurier: Auch in einer späten Phase eines Aktienzyklus in der wir uns derzeit zweifellos befinden?

Kutschera: Durchaus. Allerdings – wie unser Investmentteam sagen würde – ist es wichtig zu verstehen, dass ein Zyklus nicht an seiner Dauer oder „an Altersschwäche“ stirbt. Solange die Zinsen niedrig sind, dürfte das Umfeld für Aktien insgesamt positiv bleiben. Wir halten es ferner für gut möglich, dass die Bewertungsunterschiede innerhalb von bzw. zwischen den Sektoren zunehmen werden, was guten aktiven Managern mehr Möglichkeiten eröffnet. Insgesamt ist unser Investmentteam vorsichtig optimistisch, was die zukünftige Entwicklung an den Börsen betrifft.

Börsen-Kurier: Und was sind ihre Pläne für Österreich?

Kutschera: Wir betreuen den österreichischen Markt von unserem Frankfurter Büro aus. Beide Länder sind für uns Kernmärkte und der Fokus lag bislang auf professionellen Anlegern. Wir haben einen langen Atem und der bisherige Erfolg lässt uns optimistisch in die Zukunft blicken. In den nächsten zwölf Monaten werden wir die eine oder andere neue Strategie auf den Markt bringen, die im Fondsmantel auch in Österreich zum Vertrieb zugelassen sein werden.


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Mit Anleihen auf Aktien setzen

Gutes aus beiden Welten? Aktienanleihen für Seitwärtsmärkte.

Manfred Kainz. Sind Aktienanleihen die „besseren Aktien“? Zumindest sind sie eine Anlagealternative. Im Gespräch mit dem Börsen-Kurier sagt Heiko Geiger von der Bank Vontobel Europe AG, warum. Der Head Public Distribution Europe des international tätigen Schweizer Vermögensmanagers erklärt die Charakteristika, Chancen und Risken von Aktienanleihen so: Eine Aktienanleihe ist eine Inhaberschuldverschreibung des Emittenten. Daher müssen sich Anleger des Emittentenrisikos bewusst sein. Das heißt, bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten droht Geldverlust. Dafür liegt die Kuponzahlung in der Regel deutlich über dem Marktzins. Und die Kuponzahlung erfolgt in jedem Fall und ist unabhängig von der Kursentwicklung des zugrundeliegenden Aktien-Basiswertes. Im Gegensatz zu reinen Aktien verzichtet der Anleger bei Aktienanleihen auf etwaige Dividenden aus dem Basiswert.

Die Rückzahlung von Aktienanleihen erfolgt entweder zu 100 % des Nennbetrages oder durch eine vorher festgelegte Stückzahl an Aktien (bzw. einen Barausgleich bei Indizes und Aktien in Fremdwährungen). Die Aktienlieferung bzw. ein Barausgleich erfolgt dann, wenn der Kurs der zugrundeliegenden Aktie am Laufzeitende unter dem in den Emissionsbedingungen festgelegten Basispreis notiert.

Welches Chance-Risiko-Profil?

In diesem Fall erleidet der Anleger in der Regel einen ökonomischen Verlust. Unabhängig von einem solchen Szenario bieten Aktienanleihen attraktive, über dem Marktzinsniveau liegende Kupons als regelmäßige Zinserträge, so Geiger. Daher seien besonders in Seitwärtsphasen von Aktienmärkten überdurchschnittliche Renditen mit Aktienanleihen möglich. Ein tiefer Basispreis unter dem Referenzkurs und/oder der Kupon können als Kurspuffer dienen. Und sie sind etwas für Anleger, die einen „überschaubaren“ (in der Regel sechs bis zwölf Monate) Anlagehorizont im Portfolio abbilden wollen.

Dem gegenüber steht, dass bei negativer Entwicklung der zugrunde liegenden Aktie auch bei der Aktienanleihe Verluste entstehen können. Und ihr Gewinn ist auf die Höhe des Kupons begrenzt. Und auch Anleihen-Produkte sind während ihrer Laufzeit Markteinflüssen, wie der Entwicklung des Basiswertes, der Volatilität und Zinsschwankungen ausgesetzt.

Für welche Anleger?

Aktienanleihen sind für Anleger, die in erster Linie stagnierende oder seitwärts tendierende Aktienmärkte erwarten, aber auf Kursrücksetzer oder begrenzte Kursgewinne nicht ausschließen. Denn sie erhalten unabhängig von der Entwicklung des Basiswertes einen Zinskupon.

Aktienanleihen werden auch oft als „Aktienersatz“ für Dividendentitel genutzt, da der Kupon bei vergleichbarem Basiswert deutlich über der Dividendenrendite liegt. Durch die Wahl des Basispreises können Anleger die Produktauswahl gemäß ihrem individuellen Chance/Risikoprofil definieren bzw. analog zur Markterwartung eine eher defensive oder auch offensive Marktpositionierung wählen.

Für welche Strategien?

Außerdem könne man mit Aktienanleihen verschiedenen Anlagestrategien folgen: Erstens, eine Buy & Hold-Strategie, denn man könne ja eine Aktienanleihe auswählen, deren Parameter das Chance/Risikoprofil des Anlegers widerspiegelt. Aktienanleihen sind ein „statisches Investment“, wenn sie bis zur Fälligkeit gehalten werden. In dem Fall kauft der Anleger die Aktienanleihe sozusagen als „Aktienersatz“.

Steht Risikooptimierung im Vordergrund, soll der Abstand des Aktienkurses zum Basiswertkurs gleich bleiben. Wenn die Aktie stärker steigt/fällt als erwartet, wird die Aktienanleihe „gerollt“,  das heißt eine dynamische Anpassung des Basispreises anhand des Marktumfeldes und der Risikobereitschaft ist möglich: Der Anleger verkauft die Aktienanleihe und „rollt“ gewissermaßen in eine neue Aktienanleihe, deren Basispreis auf dem neuen Marktniveau den gleichen prozentualen Abstand zum Referenzkurs hat wie das Vorgängerprodukt.

Heißt die Anlagestratege hingegen „Stückzinsen als Renditequelle“, können Anleger sehr weit „aus dem Geld“ notierende Aktienanleihen mit sehr hohen Kupons kaufen, so Geiger. Bei Anlegern sehr beliebt sind Indexanleihen auf den Euro Stoxx 50 mit wenig Stückzinsen, die aufgrund einer kurzfristigen, starken Marktkorrektur und anschließender technischer Bodenbildung deutlich unter 100 % notieren. Anleger setzen hier zum einen auf eine Erholung des Basiswertes (Performance durch Kursgewinne) und zum anderen auf die Generierung von hohen Stückzinsen.

Foto: Vontobel

 

 

Schwellenländer auf dem Prüfstand

Durchwachsene aber per Saldo solide Entwicklung zu erwarten.

Michael Kordovsky. Ein wichtiger Stabilitätsfaktor für die Schwellenländer sind die Dollar-Zinsen und die US-Konjunktur. Eine schwache US-Wirtschaft oder zu stark steigende Zinsen können zu Kapitalabflüssen aus den Schwellenländern zurück in Dollaranleihen führen. Hingegen speisen eine gute US-Konjunktur bei gleichzeitig moderatem Dollarzinsniveau Carry-Trades und somit vor allem Zuflüsse in höher verzinste Schwellenländeranleihen.

Aktuell sind diese positiven Rahmenbedingungen gegeben: Die Wirtschaft wächst und der Preisdruck hält sich in Grenzen. Zwar ist die Inflationsrate von November auf Dezember im Einklang mit höheren Ölpreisen von 2,1 auf 2,3 % gestiegen. Doch Volkswirte gingen sogar von 2,4 % aus. Klammert man Energie und Nahrungsmittelpreise aus, so lag die Steigerungsrate mit 1,6 % sogar unter dem Fed-Ziel von 2 %. Die Fed kann somit in den kommenden Monaten ihre bisherige Geldpolitik beibehalten ohne dabei an der Zinsschraube zu drehen. Hinzu kommt noch das jüngste Tauwetter im Handelskonflikt USA-China.

Zwei Klassen von Schwellenländern
Unter den Schwellenländern trennte sich zuletzt die Spreu vom Weizen. Starke asiatische Volkswirtschaften stehen vor allem Krisenländern in Lateinamerika und Nahost (z.B. Türkei, Iran und Libanon) gegenüber. Nachdem 2019 Argentiniens Schuldenrückzahlung verschoben wurde und dort die Inflation 54 % erreichten in Venezuela bereits Zustände wie in einem tiefsten Entwicklungsland der 80er-Jahre herrschen und die Türkei einen regelrechten Zinsschock und dann im Einklang mit sinkenden Zinsen eine erneute Lira-Abwertung erlitt, werden diese Krisenländer immer mehr ausgeklammert.

Allerdings zeigen sich per Saldo bei mehreren bedeutenderen Ländern mit jüngstem Schwächeanfall Stabilisierungstendenzen. Ein Beispiel wäre da sogar die Türkei, die aufgrund einer starken Produktionswirtschaft gute Chancen auf Erholung hätte, zumal die Exportpreise im Zuge der Lira-Abwertung wettbewerbsfähig sind. Auch besteht derzeit kein Anzeichen einer Hyperinflation. Hintergrund: Als die Lira massiv abwertete und die Inflation außer Kontrolle zu geraten drohte, erhöhte die türkische Zentralbank im September 2018 den Leitzins auf 24 %. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wechselte die Führung der Zentralbank aus. Es folgte unter politischem Druck bis 16. Jänner 2020 eine Senkung des Leitzinses auf 11,25 %. Mitermöglicht hat dies einen Rückgang der Inflationsrate, die binnen eines Jahres bis Dezember 2019 von 20,30 auf 11,84 % fiel. Nachdem die türkische Wirtschaft im Vorjahr voraussichtlich ein Nullwachstum hatte, rechnen die Volkswirte der Weltbank für heuer und 2021 mit einem Plus von je 3 bzw. 4 %.

Asien als Stütze der Weltwirtschaft
Obwohl sich in den aktuellen Global Economic Prospects der Weltbank gegenüber Juni 2019 die Wachstumsaussichten der Entwicklungs- und Schwellenländer für 2019 und 2020 um jeweils 0,5 %-Punkte verschlechterten, sind es noch immer Zuwächse von jeweils 3,5 bzw. 4,1 % (verglichen mit je 1,6 bzw. 1,4 % in den entwickelten Volkswirtschaften).

Während vor allem Südkorea und Taiwan von einer Erholung der Halbleiterbranche profitieren sollten, könnten mit den jüngsten Preisanstiegen bei Metallen und durchaus attraktiven Ölpreisen, Öl- und/oder Rohstoffexportländer wie Russland, Brasilien, Peru, Mexiko, Angola und Nigeria profitieren. Insgesamt rechnet die Weltbank bei den Rohstoffexport-Entwicklungs- und Schwellenländern für 2020 mit einer Belebung der Wachstumsrate von 1,5 auf 2,6 %. Doch die Dynamik in wichtigen Rohstoffländern hält sich voraussichtlich in Grenzen, z. B. in Brasilien (Wachstumsbeschleunigung von 1,1 auf 2 % von 2019 auf 2020), Mexiko (von 0 auf 1,1 %) oder Russland (von 1,2 auf 1,6 %). In der Region Lateinamerika/Karibik sollte sich das Wachstum im laufenden Jahr lediglich von 0,8 auf 1,8 % beschleunigen.

Die Wachstumsstützen sind eindeutig die Entwicklungs- und Schwellenländer der Region Ostasien/Pazifik mit jeweils 5,8 bzw. 5,7 % Wirtschaftswachstum 2019 und 2020 (erwartet). Selbst für die Jahre 2021 und 2022 erwartet die Weltbank noch Zuwächse von je 5,6 %, wobei China und Indonesien hervorzuheben sind. Chinas BIP-Wachstum sollte nach 6,1 % im Jahr 2019 in den darauffolgenden Jahren noch immer bei jeweils 5,9 bzw. 5,8 % liegen. Zuletzt hatte die chinesische Zentralbank den Mindestreservesatz mit Wirkung 6. Jänner um weitere 50 Basispunkte auf 12,5 % gesenkt, wodurch 115 MrdUSD frei werden, die in die Wirtschaft fließen können. Hinzukommen Infrastrukturprogramme staatlicher Einrichtungen. Auf jeden Fall sind die Aktivitätsindikatoren für große Industrieunternehmen in China im Expansionsbereich.

Bis 2022 kontinuierlich aufwärtsgehen sollte es laut Weltbank in Südasien. Von 4,9 % im Jahr 2019 sollte sich das BIP-Wachstum auf 6 % beschleunigen, wobei Indien ein Wachstumsträger ist. Für heuer werden 5,8 % erwartet ehe es die beiden folgenden Jahre mit 6,1 % weitergehen sollte. Steuersenkungen entlasten die Wirtschaft und Indiens Mittelschicht wächst weiter, was auch gut ist für den Binnenkonsum.

Foto: Adobe Stock / Richie Chan

 

 

Wegweiser von und für Profis

Anlagen mit Aussichten beim „Bildungs-KickOff 2020“ der Finanzdienstleister.

Manfred Kainz. Spätestens seit die neue EU-Kommission den billionenschweren „Green Deal“ ausgerufen hat und unsere junge Regierung grüne Investitionen forcieren will, ist es endgültig angekommen: Nachhaltig anlegen ist der Trend der Gegenwart und Zukunft. Naheliegend also, dass das Thema ESG-Kriterien (Environmental, Social & Good Governance) auch auf der Agenda des großen „Bildungs-KickOff 2020“ der Finanzdienstleister stand. Sind doch Vermögensberater und Wertpapiervermittler nahezu täglich im Beratungsbedarf mit Fragen wie „Nachhaltig investieren – aber wie?“ konfrontiert. Denn Anleger wollen ja nicht nur Gutes tun, sondern auch Ertrag generieren.

Die Frage, die sich also stellt, ist: Muss man weniger Rendite akzeptieren, wenn man nachhaltig investiert? Antwort: Nein, Studien und Beispiele weisen sogar auf das Gegenteil hin. So zeigen zwischen 2004 und 2018 ausgeführte Studien zur Performance von rund 11.000 Investmentfonds, dass nachhaltige Fonds herkömmlichen Fonds in puncto Rendite in nichts nachstehen und sogar ein niedrigeres Verlustrisiko aufweisen.

Diese aggregierte Evidenz aus mehr als 2.000 empirischen Untersuchungen zu ESG und finanzieller Performance fasste Eva Cairns von Aberdeen Standard Investments zusammen. Und auch der globale Index- und Analyseprodukte-Anbieter MSCI Inc. kommt zu dem Schluss: Es ist möglich, systematische Strategien zu nutzen, die sowohl die ESG-Bewertungen verbessern als auch eine globale Benchmark übertreffen. Man muss also Rendite nicht aufgeben um nachhaltig zu investieren, im Gegenteil, so Cairns.

„Man kann Nachhaltigkeit auch anders definieren: Das Unternehmen muss verantwortungsbewusst denken“, näherte sich Dieter Wimmer von der global stock-pickenden Aktienfondsgesellschaft Comgest dem Thema von einer anderen Seite an. Seine „Philosophie des verantwortlichen Investierens“ zeitigt Erfolg: So ist die globale Aktienstrategie seines Hauses laut Bloomberg 90 % weniger kohlenstoffintensiv als der MSCI AC World Index, die paneuropäische Aktienstrategie immer-hin um 81 % weniger CO2-intensiv als der MSCI Europe. Nachhaltig anlegen heiße „Engagement haben“, also mit den Aktiengesellschaften reden, wenn was nicht passt. Dazu müsse man aber dort Aktionär sein und in den HVs sagen: „Ich habe Geld bei euch und will …“ Auch entsprechende Stimmrechtsausübung sei ESG-Engagement. Wimmers Überzeugung weiters: Aktieninvestoren sollten „wie Eigentümer denken, daher ist ein langfristiger Zeithorizont unabdingbar“.

Eine „Alternative zu Aktien“, nämlich Aktienanleihen, stellte Heiko Geiger von der Vontobel-Gruppe beim Bildungs-KickOff vor. Die seien eines der flexibelsten Instrumente in der Anlagewelt mit einem breiten Spektrum an Einsatzvielfalt, etwa für Buy & hold“-Strategien. Bei Aktienanleihen handelt es sich um Inhaberschuldverschreibungen des Emittenten. Die Kuponzahlung liege in der Regel deutlich über dem Marktzins, so Geiger. Die Kuponzahlung erfolge in jedem Fall und ist unabhängig von der Aktienkursentwicklung. Dafür verzichtet der Anleger auf allfällige Dividenden und sonstige Ausschüttungen aus dem Basiswert. Die Rückzahlung erfolgt entweder zu 100 % des Nennbetrages oder durch eine vorher festgelegte Stückzahl an Aktien bzw. einen Barausgleich. Diese Aktienlieferung bzw. ein
Barausgleich wird dann erfolgen, wenn – so das Verlustrisiko – der Kurs der zugrundeliegenden Aktie am Laufzeitende unter dem in den Emissionsbedingungen festgelegten Basispreis liegt.

Fotos: Fachverband Finanzdienstleister / Fotograf Wieser

 

 

„Unspektakuläre, aber weiterhin solide Gewinne“

DWS-Fondsmanager Kaldemorgen erwartet weiter steigende Aktienkurse.

Stefan Riedel, München. Klaus Kaldemorgen zählt zu den Grandseigneurs unter den deutschen Fondsmanagern. Das Flaggschiff des 65-Jährigen, der seit 1982 bei der Fondsgesellschaft DWS und deren Vorläufern arbeitet, ist der Mischfonds „DWS Concept Kaldemorgen“ (ISIN: LU0599946893). Mit einer Rendite von 12 % und Mittelzuflüssen von mehr als 2 Mrd€ hat der im Mai 2011 aufgelegte Fonds 2019 eine im langjährigen Mittel überdurchschnittliche Performance hingelegt.

Auf die Frage, ob die Märkte in diesem Jahre ihre Aufwärtsbewegung fortsetzen, gibt sich Kaldemorgen im Interview mit dem Börsen-Kurier optimistisch: „Ich rechne damit, dass die Börsen das Jahr 2020 mit Gewinnen im hohen einstelligen Bereich abschließen werden. Statistisch lässt sich belegen, dass nach einem Superjahr für die Börsen wie es 2019 war, oft ein Jahr mit unspektakulären, aber eben doch soliden Gewinnen folgte. Dazu kommt, dass sich die Börsen von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen in einem US-Wahljahr positiv entwickelten.“

Geht es nach Kaldemorgen, sollten sich die Börsen aber in einem wesentlichen Punkt gegenüber 2019 verändern: „Etwas mehr Volatilität, weil das für einen flexibel reagierenden Fonds wie meinen immer besser ist.“ Bis zu 50 % Aktienanteil kann Kaldemorgen in seinem Fonds fahren. Aktuell liegt er bei 45 %. Die Renditechancen für Anleihen schätzt er noch kritischer als im Vorjahr ein – und agiert dementsprechend zurückhaltend. Neben Staatsanleihen aus Schwellenländern in Hartwährung setzt er hier auf US-Staatsanleihen: „Hier habe ich eine ordentliche Portion als sicheren Hafen gegen Ungemach an den Märkten aufgebaut.“

Keine großen Umschichtungen
Größere Umschichtungen bei Aktien hat Kaldemorgen zuletzt nicht vorgenommen – abgesehen von einigen britischen Titeln, die er währungsgesichert zugekauft hat, nachdem sich eine Lösung beim Brexit-Streit abzeichnete. In der Portfoliostrategie nimmt Europa den defensiven Part ein. Mangels global führender Wachstumswerte wie sie die USA mit Apple oder Amazon hervorbringe, schätzt er hier defensive Geschäftsmodelle, vor allem von Versorgern, Immobilien- und Pharmakonzernen.

Branchen mit strukturellen Problemen wie die Autoindustrie und ihre Zulieferer lässt er dagegen ganz außen vor. Die Herausforderung, rentabel und nachhaltig zu wirtschaften, stelle diese Branchen in den nächsten Jahren vor gewaltige Herausforderungen: „Die Umstellungen auf der Emissionsseite kosten eine Menge Geld. Die erhofften Gewinne werden sich erst in fünf Jahren einstellen, was wiederum die Investoren in ein Dilemma bringt.“

Aber auch die Fondsgesellschaften selbst müssen sich der Aufgabe stellen, wie ihre Anlagestrategien den wachsenden Anforderungen hinsichtlich Nachhaltigkeitsaspekten Rechnung tragen: „Beim Auswahlprozess haben wir aufgrund der sehr heterogenen Ansichten noch einen bunten Strauß. Eine zentrale Frage bleibt, wie man mit CO2-Emissionen umgeht.“ Als aktuelles Beispiel, wo sich die Geister scheiden, nennt er die Ölindustrie. Während Öl als fossiler Brennstoff bei einigen Fondsgesellschaften generell bei den Ausschlusskriterien durchfalle, plädierten andere dafür, den Konzernen eine Chance zu geben in nachhaltige Energien zu investieren.

Bei seiner Anlagestrategie orientiert sich Kaldemorgen am Best-in-Class-Ansatz für alle Branchen. Dabei greift er auf die Nachhaltigkeitsdaten zurück, welche verschiedene externe Analysehäuser liefern. Mit diesem Ansatz hofft er, sich auch 2020 die aus seiner Sicht weiterhin niedrigen Aktienbewertung zunutze zu machen: „Über die letzten 10 Jahre haben sich die Bewertungen bei stark sinkenden Zinsen kaum verändert. Die Kurse sind deshalb gut unterstützt und könnten weiter steigen.“

Foto: DWS

 

 

Bullishe Signale in Türkis-Grün

Die Kapitalmarktvorhaben des Regierungsprogramms wecken Hoffnungen.

Manfred Kainz. Ist es ein Schritt weiter oder eine Schwerpunktverschiebung? Wenn man es wohlwollend sehen will, wohl beides: Hieß ein Kapitel im alten ÖVP-FPÖ-Regierungsprogramm noch „Kapitalmarkt stärken“, so heißt das entsprechende Kapitel im frischen türkis-grünen Regierungsprogramm nun: „Teilhabe am Kapitalmarkt stärken“. Wenn man die zwei Arbeitsprogramme weiter vergleicht, so fallen ein paar Unterschiede auf: Freuen wird es jene, die es immer wieder vorgeschlagen haben (wie der IVA und das Aktienforum) – und vor allen die Anleger: Nämlich die „Erarbeitung einer Behaltefrist für die Kapitalertragssteuerbefreiung für Kursgewinne bei Wertpapieren und Fondsprodukten“, die sich die neue Koalition vorgenommen hat. So explizit war das unter türkis-blau nicht vorgesehen gewesen.

Dafür finden sich so manche Vorhaben des alten Regierungsprogramms aktuell nicht mehr wieder. Etwa die „Besetzung eines Kapitalmarktbeauftragten“ und eine „Reform der Finanzmarktaufsicht“.

Gerade letztere war ja mit Regierungs- und Parlamentsvorlagen unter VP-FP schon ziemlich weit gediehen. Auch Übergangsfinanzminister Eduard Müller ging noch davon aus, dass die Finanzmarktteilnehmer eine zweckorientierte Organisation des Systems der Aufsichtsbehörden, Beseitigung von Doppelgleisigkeiten, eine weitestmögliche Nutzung von Synergieeffekten und eine klare Behördenverantwortlichkeit erwarten.

Der breite Wunsch nach Entbürokratisierung soll aber auch im Kapitalmarktbereich umgesetzt werden: So sollen Finanz- und Justizministerium gemeinsam mit den Aufsichtsbehörden nun regelmäßig eine mögliche Übererfüllung von EU-Richtlinien für den Kapitalmarkt (Gold-Plating) „evaluieren“. Das setzt das türkis-blaue „Regulierung abbauen und auf EU-Standard zurückführen“ fort. Und hieß es im VP-FP-Programm noch, „die Regulierung des österreichischen Kapitalmarktes soll praxisnah und effizient gestaltet, daraus resultierende Kosten und Bürokratie für Unternehmen sollen reduziert werden, z.B. mit Erleichterungen im Prospektrecht für KMU“, so setzt die neue Regierung auf „laufenden Dialog mit der Wiener Börse zum Abbau unnötiger Bürokratie bei Börsegängen in Österreich, besonders auch für KMU“. Und als Erleichterung bei der Prospektpflicht kann sich Türkis-Grün nun konkret eine Ausdehnung der jetzigen Grenze von bis zu 5 MioE für die „vereinfachte Prospektpflicht“ im Alternativfinanzierungsgesetz auf bis zu 8 MioE – wie in Deutschland – vorstellen.

Auch den „Einsatz auf EU-Ebene für einen starken Kapitalmarkt“ nimmt sich die neue Regierung vor. Dazu zählt sie zwar, die Bankenunion auf EU-Ebene zu reformieren und „mehr Proportionalität“ bei der Regulierung für kleinere heimische Banken. Aber ein wichtiges Ziel, das am Finanzmarkt in der Vergangenheit vielfach gefordert wurde, ist da nicht explizit enthalten. Nämlich den Europäischen Rechtsrahmen so zu verbessern, dass unnötige Belastungen durch die MiFID II und MiFIR rückgängig gemacht werden. Übergangsminister Müller hatte noch betont, dass sich das Finanzministerium frühzeitig aktiv in den europäischen „Review-Prozess“ zu MiFID II einbringt.

Begrüßenswert ist wohl, dass die türkis-blaue Formulierung „Förderung von Financial Literacy der Bevölkerung“ von Türkis-Grün als „Stärkung der Financial Literacy von Jung und Alt“ mit mehreren Detailvorhaben (wie „lebenslange, berufsbegleitende Lehrangebote zum Kapitalmarkt mit privaten Partnern“) konkretisiert wird.

Foto: BKA

 

 

Trends für 2020: Wachstumschancen in Afrika

Potential für überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum statt Instabilität und Korruption.

Malek Bou-Diab. Mit Afrika assoziieren Investoren häufig politische Instabilität und hohe Korruption. Doch der Kontinent birgt das Potential für überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum. Zudem sollte in einer Zeit, in der Löhne weltweit stagnieren und die Nachfrage sinkt, auch die Konsumkraft dieser weltweit am stärksten wachsenden Bevölkerungsgruppe in das Blickfeld der Investoren rücken.

China hat das enorme Wachstumspotential Afrikas bereits für sich entdeckt und investiert stark in die afrikanische Infrastruktur, um den Handel mit dem Kontinent auszubauen. So gewinnt Afrika zunehmende Bedeutung für China als Handelspartner. Anstatt über Entwicklungshilfe fördert China Afrika über Investitionen und verfolgt dabei einen pragmatisch kommerziellen Win-win-Ansatz.

40 % der afrikanischen Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt. Die Chinesen haben die Konsumkraft der Afrikaner wohl kalkuliert. Wird die chinesische Förderung von den lokalen Behörden gut gemanagt, kann dies zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum führen.

Laut einer Studie von McKinsey steht das Wachstum des realen Bruttoinlandproduktes in hoher Korrelation zum Grad der Urbanisierung. Die Bildung von städtischen Zentren ist also die Voraussetzung für künftiges Wirtschaftswachstum und Produktivitätssteigerungen. Aktuell steigt die Urbanisierungsrate der Region Subsahara weltweit am schnellsten an.

Baustelle Elektrizität und Industrialisierung
Dennoch hat Afrika mit einigen wirtschaftlichen Herausforderungen zu kämpfen. Auf dem Kontinent haben gerademal 45 bis 50 % der Bevölkerung Zugang zu Elektrizität. Das ist die tiefste Rate im weltweiten Vergleich. Eine adäquate Infrastruktur würde dem Kontinent zu schnellerer Industrialisierung, tieferen Produktionskosten und mehr Wettbewerbsfähigkeit verhelfen. Zur Erschließung des wirtschaftlichen Potenzials müssen Behörden deshalb stabile und vorteilhafte Rahmenbedingungen schaffen. Doch es gibt Fortschritte zu verzeichnen.

Vorbilder Marokko und Ägypten
El Sewedy Electric (ISIN: EGS3G0Z1C014) ist ein Beispiel für die erfolgreichen Restrukturierungsmaßnahmen in Ägypten. Das Unternehmen erhielt den Zuschlag für materielle Stromproduktions- und -verteilprojekte in dem Land. Zum erfolgreichen Projektabschluss gelangte El Sewedy gemeinsam mit Siemens. Es zählt zu den weltweit wettbewerbsfähigsten Unternehmen in seinem Sektor.

Marokko befindet sich auf dem besten Weg ein bedeutender Hafen-Hub für Europa, Afrika und Amerika zu werden. Der Containerumschlag an den Häfen von Casa-blanca und Agadir wuchs zwischen 2015 und 2018 um mehr als 30 %. Marsa Maroc (MA0000012312) ist das Unternehmen, das hinter diesen Entwicklungen steht. Mit seinem erfolgreichen Börsengang 2016 demonstriert der Hauptbetreiber von Häfen in Marokko, die Absichten Marokkos sich als zentrale Handelsdrehscheibe zu etablieren.

Fazit: Geduld zahlt sich aus
Um es auf den Punkt zu bringen, Geduld ist gefragt. Aus Investitionssicht lohnt es sich, langfristig in Afrika zu investieren, um von dem enormen Wachstumspotential des Kontinents zu profitieren.

Die Diversifikation weg von Rohstoffen hin zu einer Erhöhung des Anteils an produzierten Gütern und Dienstleistungen würde nicht nur den intra-afrikanischen Handel ankurbeln, sondern wäre generell ein mächtiger Hebel für weiteres Wachstum. Das Ziel sollte sein, unter normalen Marktbedingungen eine mit den etablierten Schwellenländern vergleichbare Rendite zu generieren. Zusätzliches Alpha steckt in der Reformbereitschaft der einzelnen Regierungen: kommt der Transformationsprozess in Gang, ist das Aufwärtspotenzial groß. Anleger sollten jedoch über einen mehrjährigen Anlagehorizont verfügen.

Autor Malek Bou-Diab ist Portfolio Manager des Bellevue BB African Opportunities Fonds

Foto: Pixabay / brunoheron

 

 

Immobilien-Hausse in Österreich

Neuer Investment-Rekord – Hälfte der Gelder kommt aus dem Inland.

Rudolf Preyer. Wären noch mehr Immobilienprodukte am heimischen Markt vorhanden gewesen, wäre der Investmentrekord noch höher ausgefallen. Das nunmehrige Allzeithoch – der Gipfel von 2017 wurde geknackt – bezifferte Michael Ehlmaier, der CEO der EHL Gruppe, mit „knapp 6 MrdE“ (+50 % gegenüber 2018).

Im Rahmen der traditionellen Neujahrs-Pressekonferenz versicherte Franz Pöltl (Bereich Investment), dass eine Aktienveranlagung keine Konkurrenz zur Wertanlage in Immobilien darstelle. In Immobilien investiere man nicht, um hohe Renditen zu erzielen, sondern vielmehr zur „Konservierung des Vermögens“ – wenngleich festverzinsliche Anleihen immer noch einen deutlich geringeren Ertrag gegenüber Immobilienrenditen bringen.

Zum Status Quo
Aufgrund des „Berliner Spektakels“ (Stichwort „Mietendeckel“) sei gerade Wien für internationale Investoren interessant. Das Transaktionsvolumen nach der Herkunft der Investoren aufgesplittet, ergibt demnach folgendes Bild: 47 % stammen aus Österreich, 23 % aus Deutschland, 9 % aus der Schweiz, 11 % aus Korea (das Hilton am Stadtpark etwa wurde an ein in Korea domiziliertes Konsortium verkauft), und das UK und die USA kommen auf jeweils 3 %.

Rund 31 % des Transaktionsvolumens belaufen sich laut EHL auf Büros, 27 % wurde in Wohnimmobilien investiert, 15 % in den Bereich Einzelhandel (Halbierung von ehedem 29 %), 14 % in Hotels, und 7 % in Logistikimmobilien.

Was die Rendite betrifft: Die Spitzenrendite im Segment Büro gab nochmals kräftig auf aktuell 3,25 % nach. Auf diesen Wert hat sich auch die Spitzenrendite Wohnen verringert. Von niedrigen Spitzenrenditen dürfe man sich aber nicht „in die Irre führen lassen“, so Pöltl. Bekanntermaßen können sich bonitätsstarke Investoren gegenwärtig „äußerst attraktiv“ refinanzieren und auf Cash-Bestände müssen gar Strafzinsen bezahlt werden.

Anhaltende Immo-Hausse
Auf das Regierungsprogramm angesprochen, dass auf Investitionsanreize für Sanierungen und Neubauten abzielt, meinte Sandra Bauernfeind (Wohnimmobilien), dass man derzeit noch konkrete Regierungspläne abwarten müsse. Erhoffen dürfe man sich allerdings höhere bzw. neue Abschreibungsmöglichkeiten.

Pöltl warb abschließend für Immobilien: Für diese spreche jedenfalls – im Unterschied zu Aktien -, dass ein Investor nicht bereit sein müsse, einen Teil des eingesetzten Kapitals risikohalber verlieren zu können. Und Ehlmaier zufolge dürfte die Immo-Hausse auch in den kommenden Jahren anhalten. Kurzum: Heimisches Betongold glänzt derzeit wie noch nie.

Foto: Pixabay / Free-Photos

 

 

Japan in 2020

Vier Szenarien, die für Überraschungen sorgen könnten.

2020 wird ein herausragendes Jahr für Japan werden. Mein Hauptszenario hierfür ist simpel: Japans Exporte werden durch die wieder anziehende chinesische Nachfrage angekurbelt; und die Binnennachfrage überrascht durch starke Unternehmensinvestitionen, fiskalische Unterstützung und eine stetig wachsende Kaufkraft der japanischen Arbeitnehmer. Allerdings wird es darüber hinaus Überraschungen geben, die weder von den quantitativen Modellen der Experten noch von der aktuellen „Konsensweisheit“ der Massen erfasst werden. Hier sind also die Ausreißerszenarien, die mich nachts wachhalten. So unwahrscheinlich sie auch erscheinen mögen, jede Bewegung in ihre ferne Richtung wird eine Kursänderung im aktuellen Konsens erzwingen.

1) Japan senkt die Körperschaftssteuer für Firmen, die in Japan ein Asien-Hauptquartier einrichten
Japan ist die unumstrittene Bastion der Stabilität in Asien und könnte leicht zum Standort asiatischer Headquarters sowohl etablierter multinationaler Unternehmen als auch unternehmerischer Neugründungen werden. Um jedoch die „natürlichen Vorteile“ Japans wie stabile Politik, wirtschaftsfreundliche Rechtsstaatlichkeit, beste Infrastruktur, hohe Lebensqualität und einen hervorragenden Zugang zu ganz Asien wirklich nutzen zu können, muss ein Hindernis beseitigt werden, nämlich der sehr hohe Unternehmenssteuersatz. Mit grundsätzlich 30 Prozent müssen Unternehmen eine zwei- oder sogar dreimal so hohe Steuerlast tragen wie in Hongkong, Singapur oder anderen asiatischen Hauptstädten. Angesichts steigender politischer Risiken an anderer Stelle braucht Japan nur einen kleinen Schubs. Würde die Körperschaftssteuer für jedes Unternehmen, das seinen Asien-Hauptsitz in Japan errichtet, auf 20-25 Prozent gesenkt, würden viele CEOs ernsthaft in Erwägung ziehen, ihre Asien-Führungsteams zurück nach Tokio zu verlegen. Natürlich werden die japanischen Steuerbehörden gegen diese Idee sein; aber die Führer der jüngeren Generation der Liberaldemokratischen Partei erkennen voll und ganz an, dass 20 Prozent von Etwas besser sind als 30 Prozent von Nichts. Es könnte ein Investitionsboom aus dem Ausland folgen, der nicht nur hochwertige, hochbezahlte Arbeitsplätze für junge und alte Japaner schafft, sondern natürlich auch die Vielfalt und das globale Bewusstsein der lokalen Teams beschleunigt.

2) Der jährlichen Tarifverhandlungen, der „Shunto“*, bringen 2020 Lohnerhöhungen von vier Prozent, doppelt so viel wie im letzten Jahr
Für eine echte Abkopplung der japanischen Wirtschaft vom Auf und Ab des globalen Konjunkturzyklus braucht die Binnennachfrage und besonders der Konsum einen stärkeren Motor. Nach Jahrzehnten der Lohnzurückhaltung und des gewerkschaftlichen Lobbyings mit dem Ziel langfristiger Arbeitsplatzstabilität statt kurzfristiger Lohnzuwächse ist der Arbeitsmarkt angespannt. Der „Kampf um Talente“ sollte mit höheren Löhnen beginnen. Je höher der „Shunto“, desto größer sind die Chancen auf positive Wachstumsüberraschungen im Jahr 2020. Gleichzeitig sollten mehr Unternehmen dem Beispiel von Toyota folgen und eine leistungsbezogene Vergütung einführen. In Japan wächst die Dynamik für beide Seiten. Man sollte sich nicht täuschen lassen, denn eine Erhöhung der Basisvergütung plus Leistungszulage ist gleichbedeutend mit einem Konsumboom.

3) Premierminister Abe geht nach Pjöngjang und leitet eine von Japan geführte Modernisierung der Infrastruktur für Nordkorea im Wert von 1 Billion Dollar ein
Für Sicherheits- und Verteidigungsexperten bleibt Nordkorea ein Sumpf, für einen Wirtschaftsexperten sind Nordkorea und Japan dagegen eine geradezu himmlische Verbindung, denn ein reichhaltiges Angebot an natürlichen Ressourcen und Arbeitskräften trifft auf weltweit führende Technologie und Kapital. PM Abe ist ein effektiver Förderer von Infrastrukturprojekten unter japanischer Führung. Eine konstruktive Beteiligung Nordkoreas an der Wirtschaftsdiplomatie würde nicht nur Japans Fortune fördern, sondern könnte ein Vermächtnis schaffen, das den Friedensnobelpreis für Abe Shinzo verdient. Unwahrscheinlich, werden viele sagen, aber so sieht eine friedliche Lösung ohne ein verstärktes wirtschaftliches Engagement aus. Früher oder später wird dies wahrscheinlich passieren.

4) Die US-Notenbank importiert das Geschäftsmodell der Bank of Japan (BoJ) und legt die 10-jährige US-Anleiherendite auf 2,5 Prozent fest
Wenn Trump seinen Wunsch erfüllt und die US-Wirtschaft vor den Präsidentschaftswahlen im November 2020 auf 3,5-4 Prozent beschleunigt, sind die US-Anleiherenditen im Begriff zu steigen, möglicherweise sogar bis zu fünf Prozent oder mehr für die 10-jährige Anleihe. Immerhin impliziert ein reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,5 Prozent ein nominales Wachstum von etwa 5-5,5 Prozent, und historisch gesehen lagen die Anleiherenditen selten unter einem nachhaltigen nominalen BIP-Wachstum. Entscheidend ist, dass steigende Renditen den Abwärtsdruck auf US-Risikoassets im allgemeinen – US-Aktien, Immobilien und Kredite – verstärken werden. Um dem zuvorzukommen, könnte der amtierende Präsident schwerlich zögern, die Fed dazu zu zwingen, das Geschäftsmodell der Bank of Japan zu importieren und die US-Long-Anleihe auf einem akzeptablen Niveau von circa 2,5 Prozent zu fixieren und die Wirtschaft im Wahlzyklus damit in den Overdrive-Modus zu schicken.

5) Die Bank von Japan bietet einen „People-Swap“ an, bei dem sie den Aktienbestand des Exchange Traded Fund (ETF) an japanische Sparer verkauft.
Die BoJ besitzt fast acht Prozent des japanischen Aktienmarktes, einen Großteil davon durch ihr ETF-Kaufprogramm. Obwohl als Notmaßnahme zur Überwindung der Deflation gerechtfertigt, ist die De-facto-Verstaatlichung des Eigenkapitals durch die Zentralbank aus vielen Gründen kontraproduktiv geworden. Der wichtigste Grund ist der, dass ein reibungsloser Ausstieg kaum vorstellbar und möglicherweise die Angst vor einem Marktcrash groß ist, wenn die BoJ anfängt zu verkaufen. Wer also könnte den BoJ-Aktienüberhang kaufen und damit einen wahrscheinlichen Absturz verhindern? Es gibt nur eine Antwort: Der japanische Sparer, vor allem die ältere Generation (die über 65-Jährigen besitzen mehr als 70 Prozent des japanischen Nettofinanzvermögens). Um einen älteren Sparer dazu zu bringen, seine Bankeinlagen in ETFs zu tauschen, braucht es allerdings echte Anreize, wie beispielsweise Erbschaftssteuervorteile. Wenn die BoJ und das Finanzministerium zusammenarbeiten und ein System entwickeln können, bei dem Privatpersonen ETFs direkt von der BoJ kaufen und diese ETFs von der Erbschaftssteuer befreit werden, könnte die Zentralbank ihre Bilanz innerhalb kurzer Zeit bereinigen. Das Nettoergebnis wäre eine Reprivatisierung japanischer Aktien, ein gesünderes Eigentümerprofil der Unternehmen sowie ein besseres Risiko-Ertrags-Profil für die Bilanzen der privaten Haushalte.

* „Shunto“ ist das japanische Wort für die jährlich stattfindende Frühjahrsrunde der Lohnverhandlungen zwischen Großunternehmen und Gewerkschaften.

Foto: Wisdom Tree

Großer Kapitalmarktausblick auf das Jahr 2020

Die Weltpolitik bleibt natürlich der Hauptrisikofaktor im chinesischen „Jahr der Ratte“.

Rudolf Preyer. Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) geht in Österreich für heuer von einem BIP-Plus von 1,2 % aus, das Institut für Höhere Studien (IHS) ist mit 1,3 % leicht zuversichtlicher. Obwohl sich der Industriesektor in einer technischen Rezession befindet, drohe eine Rezession hierzu-lande ansonsten nicht, sagen Wifo-Direktor Christoph Badelt und IHS-Chef Martin Kocher unisono. Die Konjunktur werde von einer anhaltend lebhaften Binnennachfrage – gerade auch von Privathaushalten – getragen.

Einen Bodenbildungsprozess im schwachen Industriesektor erwartet Peter Brezinschek (Head of Research bei der RBI), was zu einer – national wie international – weiterhin aufwärtsgerichteten Aktienmarktentwicklung beitragen werde. Und die Schoellerbank versteht die relativen Bewertungen von Aktien gegenüber anderen Anlageklassen als „keinesfalls überzogen“.

Machtzentren Zentralbanken
Dass sich Präsidentschaftswahljahre – im November stimmen die US-Amerikaner über Donald Trumps Wiederwahl ab – als gute Aktienjahre erwiesen haben, unterstreicht Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank. Zu Christine Lagarde sagt er: „Unter der neuen Chefin wird die EZB auf unabsehbare Zeit an ihrem Doppelschlag aus Null-Leitzins und Anleiheaufkäufen festhalten.“ Und: „Das neue Anleiheaufkaufprogramm ist so üppig, dass die gesamte Neuverschuldung der Eurozone massiv überdeckt ist. So lassen sich die übervollen Spendierhosen für grüne Geldpolitik nutzen: Es grünt so grün, wenn EZBs Blüten blühen

Mathilde Lemoine, Chief Economist von Edmond de Rothschild, erwartet auch, dass die Zentralbanken die geldpolitische Lockerung fortsetzen: „Sie werden wieder die realen Erträge von Immobilienwerten gegenüber dem risikolosen Zins erhöhen.“ Nichtsdestoweniger sollten „starkes Lohnwachstum und fiskalische Unterstützung die Abkühlung des globalen Wachstums begrenzen – insbesondere in der Eurozone, wo sich das Wachstum bei 1 % stabilisieren dürfte“.

Anders sieht das Eduard Baitinger, Head of Asset Allocation der FERI Gruppe: Die Notenbanken hatten 2019 das „Überraschungsmoment“ auf ihrer Seite. Das werde in dieser Form 2020 aber nicht mehr der Fall sein, und auch das konventionelle geldpolitische „Dry Powder“ sei größtenteils aufgebraucht. Zudem scheint die Deeskalation im Handelskrieg zwischen den USA und China („Teilhandelsabkommen“) mittlerweile in den Kursen eingepreist.

Glas halbvoll
Wie seine Vorredner sieht William Ledward, Portfolio Manager der Franklin Templeton Fixed Income Group, die Weltwirtschaft abkühlen, aber: „Das Schwellenländeruniversum bietet im Anleihenbereich eine große Vielfalt an guten Risiko-Rendite-Chancen.“ Irina Topa-Serry, Senior Economist bei AXA Investment Managers, sagt eine Erhöhung des realen Wirtschaftswachstums der Emerging Markets von 3,8 auf 4,3 % voraus.

Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert für 2020 ein beträchtliches Überangebot am globalen Ölmarkt. Der Brentöl-Preis dürfte laut Commerzbank um 60 USD/Barrel schwanken.

Gold soll als sicherer Anlagehafen weiterhin gefragt sein. Luca Paolini, Chef-Anlagestratege von Pictet, geht von einem Anstieg des Goldpreises auf 1.650 USD/Oz aus.

Fazit
Gibt es in den Expertenmeinungen einen kleinen gemeinsamen Nenner? Möglicherweise diesen: Zwar werde der Brexit „geordnet“ ablaufen, aufgrund geopolitischer Störfeuer und fragiler Fundamentaldaten scheint die Zeit großer Sprünge aber vorbei zu sein. Dennoch: Die Zinsen bleiben tief, was Aktien begünstigt. Optimisten sehen das Glas somit nach wie vor halbvoll.

Foto: Pixabay Shutterbug 75

 

 

Wie geht es mit den Zinsen weiter?

Alle reden von Negativzinsen – doch es könnte 2020 auch anders kommen.

Michael Kordovsky. Sollte weltweit die Konjunktur wieder anspringen, droht auf der Zinsseite, vor allem am langen Ende, eine negative Überraschung. Weitere Zinssenkungen kommen in den USA und Europa nur noch im Falle eines anhaltenden Abschwungs in Frage. Ansonsten ist eine Zinssenkungspause der aktuelle Expertenkonsens und im Falle eines stärkeren Aufschwungs könnte überraschenderweise sogar eine Normalisierung des Zinsniveaus zum Thema werden.

Dass sich das Wachstum der US-Wirtschaft derzeit nicht mehr weiter abschwächt zeigte Mitte Dezember eine Vorab-Auswertung eines wichtigen Einkaufsmanager-Index, der sowohl Daten für die Produktionswirtschaft als auch den Dienstleistungssektor enthält: Die zugrundeliegenden Umfragen unter Führungskräften ergeben voraussichtlich bei den Index-Komponenten Geschäftsaktivitäten, Auftragsbüchern und Stellenwachstum im Dezember einen Anstieg auf ein Fünf-Monats-Hoch.

Tauwetter als kalkulierte Konjunkturstütze
Die Ängste vor einem Handelskrieg flauten ab und der Flash U.S. Composite Output Index (von IHS Markit) stieg von November auf Dezember von 52 auf ein Fünf-Monats-Hoch von 52,2 Punkten. Umgerechnet in BIP-Wachstumsraten wären das laut Chris Williamson, Chefökonom bei IHS Markit, annualisiert mehr als 1,5 %. Damit verfliegt die Rezessionsgefahr. Der IWF rechnet für 2020 in den USA mit 2,1 % Wirtschaftswachstum, während es in China 5,8 % sein sollen. Entsprechend lang preisen die Futures-Märkte die Zinssenkungspause in den USA ein, zumal die US-Arbeitslosenquote mit 3,5 % im November 2019 auf einem 50-Jahres-Tief liegt und die Inflationsrate im November mit 2,1 % bereits das Zielniveau der Fed (2 %) überschritt.

Laut Fed-Watch-Tool der Chicago Mercantile Exchange beziffern die Futures-Märkte die Wahrscheinlichkeit gleichbleibender Leitzinsen bis zur Fed-Sitzung am 29. Juli 2020 mit 71,6 %. Die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte auf 1,75 bis 2 % schätzen die Märkte auf 4,5 % ein.

Bis 1. Jänner 2020 sind die Renditen zehnjähriger US-Treasuries auf Monatsbasis bereits um 14 Basispunkte auf 1,92 % gestiegen. Dahinter stehen einfache logische Erklärungen: Die Chance auf Wiederwahl Donald Trumps hängt maßgeblich von der Wirtschaftsentwicklung im Jahr 2020 ab. Eine große Bremse war bis dato der Handelskonflikt der USA mit China. Nun unterzeichnet Trump am 15. Jänner den ersten Teil eines umfassenden Handelsabkommens mit China. Nach US-Angaben verpflichtet sich China darin, Importe aus den USA um 200 MrdUSD über zwei Jahre zu erhöhen, wovon mindestens 40 MrdUSD jährlich den US-Landwirten – eine wichtige Wählergruppe für Trump – zugutekommen sollten. Es werden vorerst keine weiteren Strafzölle erhoben. Kritische Beobachter sehen darin jedoch nur einen „Waffenstillstand“ für den Wahlkampf.

Erste Anzeichen einer Wende
Auch in Europa sieht es nicht nach Rezession aus, sondern eher nach privatwirtschaftlichen Aktivitäten auf Sparflamme, was sich darin zeigt, dass der „IHS Markit Flash Eurozone Composite Index“ mit 50,6 Punkten im Dezember bereits zum dritten Mal hinter-einander konstant blieb. Die Kontraktionsgrenze liegt bei 50 Punkten. Zwar fällt das vierte Quartal 2019 so schwach aus wie seit dem Ende der letzten Rezession im zweiten Halbjahr 2013 nicht mehr, doch der Auftragseingang konnte erst-mals seit August 2019 wieder ein geringfügiges Plus ausweisen – ein positiver vorauseilender Indikator.

Am langen Ende sind die Zinssätze im Euroraum bereits wieder im Anstieg. Der für zehnjährige Fixzinsbindungen relevante „10-Jahres Euribor ICE Swap-Satz“ stieg von seinem historischen Tief von -0,39 % am 16.8.2019 bis 31.12.2019 auf +0,18 %, während am kurzen Ende die negativen Euribor-Sätze im Schneckentempo einen marginalen Anstieg vollziehen.

Was macht Lagarde?
Die Vermutungen von Bargeldabschaffung und tiefen Negativzinsen unter der EZB-Führung von Christine Lagarde könnten sich bald als Irrtümer entpuppen – im Gegenteil: Sie scheint wohl eher genau das zu vermeiden wollen. Indizien dafür sind, dass sie in punkto Konjunkturbelebung be-reits der Fiskalpolitik den Ball zuspielte und sie sich für eine grüne Geldpolitik ausspricht. Auch lässt sie die Strategie der EZB überarbeiten, was auf jeden Fall mehrere Monate in Anspruch nimmt. Bis dahin könnte sie noch am Arbeitsstil ihres Vorgängers Mario Draghi festhalten. Allerdings ist sie bereits jetzt um einen eigenen Stil bemüht: Sie möchte im EZB-Rat einen Konsens herstellen und hat sich für 2020 sogar vorgenommen, deutsch zu lernen. Das könnte als stärkere Anlehnung an die deutsche Linie einer restriktiveren Geldpolitik ausgelegt werden. Somit kann es geldpolitisch völlig anders kommen, als die meisten bisher erwarteten.

Ein interessanter geldpolitischer Frühindikator ist auch die Schwedische Reichsbank, die als erste Notenbank den Einlagesatz im Juli 2009 in den negativen Bereich senkte und am 19. Dezember 2019 sich mit der Anhebung des Leitzinses (Repo-Rate) von -0,25 auf 0 % von den Negativzinsen verabschiedete. Bleibt die Normalisierung des schwedischen Zinsniveaus ohne größere Nebenwirkungen, könnte dies Signalwirkung auf EZB und andere Notenbanken haben.

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Was tun, wenn die Börsenhausse stockt?

Auf Kursverluste mit Reverse-Capped-Bonus-Zertifikate setzen.

Raja Korinek. Es war ein Jahr der Superlative, denn 2019 legten zahlreiche Indizes eine kräftige Wertentwicklung zurück. Allein der ATX schnellte um rund 16 % nach oben, während die US-Börsenbarometer neue Rekordstände erreichten. Dennoch sorgten zahlreiche negative Schlagzeilen für zwischenzeitliche Turbulenzen, allen voran jene zum US-Handelskrieg mit China.

Wird 2020 turbulent?
Damit stellt sich freilich die Frage, wie es im neuen Jahr weitergehen könnte. William Davies, er ist Chefanlagestratege bei Columbia Threadneedle Investments, meint, 2020 drohe ein Jahr voller Aufruhr zu werden. Die globale Wirtschaft dürfte ihr langsameres und weniger gleichmäßiges Wachstum fortsetzen. Dazu präzisiert Gilles Moëc, Chefökonom bei AXA IM: „Chinas potenzielles BIP wird durch die demografischen Herausforderungen zunehmend beeinträchtigt. Der Übergang zu einer weniger kapitalintensiven Wirtschaft belastet zudem das Trendwachstum.“ In der Eurozone verweist Moëc auf die Unternehmensgewinne, die im Schnitt nachließen, während US-Haushalte weniger verschwenderisch geworden seien.

Die kommenden Monate könnten also durchaus turbulenter werden. Doch selbst von Rücksetzern – oder einem Seitwärtstrend – können Anleger profitieren. Möglich machen es sogenannte Reverse-Capped-Bonus-Zertifikate auf Aktien oder Indizes. Zu beachten gibt es dabei mehrere Aspekte.

Drei wichtige Merkmale
Die maximale Bonuszahlung, den man mit diesem Produkt bei Kursrücksetzern erzielen kann, ist auf einen Cap – den Bonuslevel – begrenzt. Nach oben hin ist zudem ein Reverse-Level eingezogen, das zum Laufzeitende für die Berechnung der Auszahlung benötigt wird. Und dann gibt es noch eine dritte Marke, die Barriere, die ein wenig unter dem Reverse-Level eingezogen ist. Solange der Kurs des Basiswertes während der Laufzeit nicht kräftig ansteigt, und die Barriere berührt oder überschreitet, winkt zum Laufzeitende dann folgende Auszahlung: Reverse- minus Bonuslevel (multipliziert mit dem Bezugsverhältnis, das meist bei 0,01 liegt). Beträgt die Differenz zwischen den zwei Levels zum Beispiel 1.000 Indexpunkte, erhält man 10 Euro pro Zertifikat, sowie das eingesetzte Kapital.

Unerfreulich wird es hingegen, wenn etwa der Index wider Erwarten kräftig ansteigt und die Barriere verletzt. Dann entfällt zum Laufzeitende die Bonuszahlung und man bekommt sein Geld nicht unbedingt zurück. Dann gilt nämlich folgende Auszahlungsformel: Reverse-Level minus Indexstand zum Laufzeitende (multipliziert mit dem Bezugsverhältnis). Liegt der Indexstand allzu weit über dem Reverse-Level, ist ein Totalverlust möglich. Nach unten sind etwaige Kursgewinne auf den Cap begrenzt.

Von Rücksetzern profitieren
Und wie sehen aktuelle Beispiele aus? Derzeit hat die DZ Bank ein Reverse-Capped-Bonus-Zertifikat auf den DAX (ISIN: DE000DF8P-XN5). Der Bonuslevel liegt bei 5.500 Punkten, die Barriere bei 15.700 Punkten und das Reverse-Level bei 16.000 Punkten. Letzter Handelstag ist am 16.10.2020. Wird die Barriere nicht verletzt, erhalten Anleger zum Laufzeitende 105 Euro pro Zertifikat als Bonuszahlung.

Goldman Sachs bietet ein entsprechendes Zertifikat auf den Euro Stoxx 50 an (DE000GB4CU65). Hier liegt das Bonus-Level bei 2.800 Punkten. Die Barriere ist bei 4.500 Punkten, das Reverse-Level bei 4.700 Punkten eingezogen. Letzter Handelstag ist am 18.3.2021. Wird die Barriere nicht verletzt, erhalten Anleger bei Fälligkeit eine Bonuszahlung von 19 Euro pro Zertifikat.

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Fünf Geld-Tipps für ein erfolgreiches 2020

Auch im kommenden sollten Sie bei Ihren Investments gewisse Regeln nicht außer Acht lassen.

Rudolf Preyer. Weil der Aufreger von heute bekanntlich schon morgen der Schnee von gestern ist, gibt der Österreichische Verband Financial Planners (VFP) Anlegern fünf Grundregeln an die Hand, um sich 2020 sicher auf dem Finanzparkett zu bewegen.

Alter und Schwankungen müssen stimmen
Wer die Frage nach der eigenen Risikoneigung mit „all in!“ beantwortet, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er zwar sehr viel gewinnen, aber kurzfristig auch sehr viel verlieren kann.

Wenn später die Altersvorsorge aufgestockt oder das Studium der Kinder finanziert werden soll, muss an der Börse eine andere Taktik angewandt werden. „Generell vertragen junge Erwachsene im Vergleich zu Menschen im fortgeschrittenen Alter etwas höhere Schwankungen, da die Zeitspanne bis zu ihrem Ruhestand länger ist“, sagt VFP-Vorstandsmitglied Sonja Ebhart-Pfeiffer.

Gier ist nicht immer gut
Unerfahrene Privatinvestoren neigen oftmals dazu, herbe Verluste einzufahren, indem sie nur das tun, was professionelle Marktteilnehmer bereits lange vor ihnen getan haben. Der Herde folgend, tendieren sie dazu, einzusteigen, wenn die „Börsenparty“ bereits vor ihrem Ende steht. Der Run auf Immobilien-Investments kurz vor Beginn der Finanzkrise ist hier nur eines von vielen Beispielen. Ebhart-Pfeiffer: „Anleger sollten zusammen mit ihrem Berater eine Strategie finden, die zu den jeweiligen finanziellen Verhältnissen passt, und diese beibehalten, auch wenn Kursschwankungen auftreten.“

Im Leben gibt es nichts geschenkt
Stellten Investoren früher stärker den Renditeaspekt in den Vordergrund, so ist es seit 2008 vor allem ein gesteigertes Sicherheitsbedürfnis. Obwohl das vergangene Jahr ein historisch niedriges Zinsniveau mit sich gebracht hat und das Geld auf dem Sparbuch mehr denn je verkümmert, besitzen nur 6 % der Österreicher Aktien. Klar ist: Die Aussicht auf eine höhere Rendite geht immer mit Kursschwankungen einher.

Weg mit den Scheuklappen
Um im Alter 1.000 €/ monatlich zusätzlich zur staatlichen Pension zur Verfügung zu haben, gelte es laut VFP, zuvor ein Vermögen von rund 0,5 Mio€ aufzubauen. „Wer erst mit Mitte 30 mit der Vorsorge für den Lebensabend beginnt, muss sehr hohe monatliche Beträge zur Seite legen“, so Ebhart-Pfeiffer. Junge Menschen – und vor allem jene, die vorhaben, eine Familie zu gründen – müssen sich früh genug auch mit unangenehmen Szenarien auseinandersetzen. Themen wie langfristige Liquiditätsengpässe, Krankheiten oder Todesfälle sind unangenehm, aber eben omnipräsent.

Wissen ist Macht
In Zeiten, in denen man online binnen weniger Minuten einen Robo Advisor befragen kann, ist gute Beratung rar und für schlechte Beratung wird im Nachhinein teuer bezahlt. Obwohl niemand vor Enttäuschungen gefeit ist, lassen sich bestimmte Fehlschläge vermeiden, indem man sich ein Grundlagenwissen aufbaut. „Da das heimische Bildungssystem dem Thema Finanzbildung wenig Aufmerksamkeit schenkt, ist jeder Einzelne gefordert, die Initiative zu ergreifen“, so Ebhart-Pfeiffer vom VFP abschließend.

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Nach Stillstand: Nikkei nimmt Fahrt auf

Eine neue Unternehmenskultur treibt die Aktiennotizen in Japan an.

Roman Steinbauer. Japans Aktienmarkt trat jahrelang auf der Stelle, gewinnt aber überproportional an Dynamik. Der Nikkei 225-Index legte seit 1. Oktober dieses Jahres um 11 % zu. Damit verlief die Börsenentwicklung in Tokio zuletzt agiler als dies an den westlichen Hauptmärkten der Fall war.

Zuzuschreiben ist dieses „Spätstarter-Verhalten“ der Börse der einst zweitstärksten Wirtschaftsmacht, einem einsetzenden Restrukturierungsprozess.

Gesellschaften schlanken ab und richten sich neu aus. Zunehmend springt ein spekulativer Kapitalzufluss an.

Aktiv-Investoren nützen Entflechtungen
Zwei Jahrzehnte nachdem Anteilhaber am Konglomerat Toshiba Corp. (ISIN: JP3592200004) deprimierende Zeiten durchlebten, akzentuiert sich ein Aufwärtstrend. Nach Umstrukturierungen in Folge der Atomkraftwerkskrise, sitzen heute Anteilsaktivisten im Vorstand der Gesellschaft. Nach dem Erwerb von NuFlare Technology wird die Wiederaufnahme in den Nikkei-Index in Aussicht gestellt. Neben den Kraftwerken, dem TV- und PC-Geschäft, spielt Toshiba heute in der Halbleiterindustrie, der Infrastruktur, dem Medizinsektor und bei Haushaltsgeräten eine bedeutende Rolle. Der Hersteller erwirtschaftete im 3. Quartal mit 360 Mio€ den höchsten operativen Gewinn seit zwei Jahren und plant nun drei der gelisteten Tochterunternehmen komplett aufzukaufen.

Der Teil-Mitbewerber Hitachi (JP3788600009) markiert einen rasanten Kursausbruch (+44 % seit zwölf Monaten) aus der Lethargie. Fantasie weckte, dass die hauseigenen Autozulieferer nun mit jenen von Honda Motor fusioniert werden und dazu der Chemiebereich veräußert wird. Das Erheben der Panasonic-Aktie (JP3866800000) ist ebenso einer Positionsoptimierung zuzuschreiben.

Investmentstrategen orten Bewertungsanomalien
ASPOMA Asset Management identifiziert Japans tief bewertete Unternehmen. Der Fokus zielt auf einen hohen „free cash-flow“ und eine effiziente Kapitalstruktur ab. Chefanalyst Harald Staudinger verweist auf die gegenwärtige Situation: „Die Bewertungen sind teilweise extrem niedrig. Bei manchen Unternehmen übersteigt der Inhalt der Beteiligungsportfolios den Börsenmarktwert um ein Vielfaches. Das über Jahrzehnte etablierte Modell der sogenannten Überkreuzbeteiligungen ist im Rückzug. Es nahen Neubewertungen!“ Staudinger sieht die Verflechtungen der Firmen (in der Nachkriegszeit als hilfreiche Stütze zum Wiederaufbau gesehen) heute als Mühlstein um den Hals der japanischen Wirtschaft. Reformen der Governance-Regeln (zur Verpflichtung der Unternehmen, Queranteile entweder zu rechtfertigen oder aufzulösen) seien bereits im Laufen. Der „Konvoi-Kapitalismus“ der Nachkriegsjahre werde beendet, ein effizienterer Kapitaleinsatz führe zu mehr Wettbewerbsfähigkeit. Das ASPOMA-Management nennt wiederum Toshiba und Hitachi als jene Initiatoren, die mit der Regierung und der Notenbank eine Entflechtung der „Beteiligungsgoldgruben“ anstießen, um Japans Wachstumskräfte freizusetzen. Zudem diene die Anhebung der Steuersätze für Dividendenerträge, den Abbau von Minderheitsbeteiligungen zu beschleunigen.

Als Beispiel von Bewertungsanomalien nennt Staudinger die Pasona Group (JP3781490002) deren Beteiligungen dem 2,7-fachen des Börsenwerts entspreche. Spannend sei zudem die Bank of Kyoto (JP3251200006) mit einer 2,5-fachen Bewertung zur Marktkapitalisierung. Die Aktie werde aktuell zu einem Price/Book von 0,4 gehandelt. Alleine die Beteiligung an Nintendo liege aber bei 1,8 Mrd€.

Foto: Walkerssk/pixabay

 

 

Leergefegte Arbeitsmärkte

Der Fachkräftemangel setzt dem Wachstum auch in Europa Grenzen.

Michael Kordovsky. In unseren Breiten setzt der Fachkräftemangel dem Wirtschaftswachstum Grenzen. Es fehlen quer durch die meisten Branchen Mitarbeiter. Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboom-Generation (zumindest der 50er-Jahre) verabschieden sich reihenweise in den Ruhestand. Auf der anderen Seite gibt es eine versteckte strukturelle Arbeitslosigkeit, die in keiner Statistik aufscheint, weil die betreffenden Personen die aktive Arbeitsuche aufgegeben haben. Das Phänomen des Fachkräftemangels und der Pensionswelle ist einer-seits demographischer Natur, andererseits – vor allem in West-europa – spielt hier der verstärkte Run auf Universitäten eine Rolle, während Lehrberufe an Popularität verloren haben. Hinzukommt noch, dass wir schlichtweg eine lange Wachstumsperiode der Wirtschaft hinter uns haben. Die Folgen zeigen sich dann in den aktuellen Wirtschaftsnachrichten.

Die Anzahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb des Agrarbereichs stieg in den USA vom Oktober auf November von 156.000 auf 266.000, während die von Bloomberg befragten Experten lediglich von 180.000 ausgingen. Bereits die Zahlen der Vormonate (September plus 13.000 auf 193.000 und Oktober plus 28.000 auf 156.000) wurden nach oben revidiert. Auch erreichte die Arbeitslosenquote nach einem Rückgang von 3,6 auf 3,5 % den niedrigsten Stand seit 1969. Gleichzeitig stiegen die Stundenlöhne auf Jahresbasis mit 3,1 % stärker als erwartet.

EU: Bandbreite von 2,2 -16,7 %
Durchwachsen ist hingegen der Arbeitsmarkt in Europa. Trotz laufender Meldungen über rückläufige Produktion ist von September auf Oktober die Arbeitslosenquote im Euroraum erneut von 7,6 auf 7,5 % bzw. auf den niedrigsten Stand seit Juli 2008 gesunken.

Im Oktober 2018 lag sie noch bei 8,0 %. Gegenüber September ist die Zahl der arbeitslosen Personen um 31.0000 zurückgegangen. Auf Jahressicht war es sogar ein Rückgang um 761.000. Dennoch gibt es in der EU nach wie vor tendenziell ein gewisses Nord-Süd-Gefälle.

Die niedrigsten Quoten weisen folgende EU-Länder auf: Tschechien (2,2 %), Deutschland (3,1 %), Polen (3,2 %), Malta (3,4 %), Ungarn (3,5 %), Niederlande (3,5 %) und Großbritannien (3,8 %). In diesen Staaten ist der Arbeitsmarkt richtig leergefegt und in qualifizierten technischen Berufen werden häufig sogar Pensionisten wieder zurück an den Arbeitsplatz geholt.

Auf der anderen Seite verzerrt eine kleine Gruppe von Ländern
die Arbeitslosenstatistik in Europa, nämlich Griechenland (August 2019: 16,7 %); Spanien (im Oktober: 14,2 %), Italien (9,7 %), Frankreich (8,5 %) und Zypern (7,1 %).

Die Arbeitslosenquoten sind auf breiter Front gesunken. Auf Jahressicht melden 24 EU-Mitgliedsstaaten eine rückläufige Quote. Hingegen Anstiege gab es in Tschechien (von 2,1 auf 2,2 %); in Litauen (von 6,1 auf 6,4 %), in Dänemark (von 4,9 auf 5,3 %) und in Schweden (von 6,5 auf 6,8 %).

In dem Umfeld hat sich die Steigerung der nominalen Arbeitskosten pro Stunde bis zum 2. Quartal 2019 in der EU auf 3,1 % beschleunigt (2. Quartal 2018: 2,6 %). Sollte es 2020 zu einer Stabilisierung der Konjunktur in Europa kommen, dann ist von einer stärkeren Wirkung der Lohninflation auf die Verbraucherpreise auszugehen, was auch gegen weitere Zinssenkungen im Euroraum sprechen würde.

Foto: AdobeStocl Lari

 

 

Oberflächliche Spannungen in den Handelsgesprächen zwischen den USA und China

Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, kommentiert die jüngsten Spannungen in den Handelsgesprächen zwischen den USA und China, die Parlamentsneuwahlen in Großbritannien und die Krise am US-Repo-Markt.

„Zuletzt wurde über zwei feindselig gesinnte Handlungen Chinas gegenüber den USA berichtet: Zum einen durften chinesische Diplomaten über Twitter die USA trotz eines Banns des sozialen Netzwerks im Reich der Mitte kritisieren; und zum anderen will China künftig ausländische Computer und Software in Regierungsbehörden verbieten. Das scheint ein schlechtes Zeichen für die Gespräche zwischen Washington und Peking zu sein, von denen Beobachter annahmen, dass eine Einigung nicht mehr weit entfernt sei.    

Die Realität dahinter ist wohl wesentlich komplexer. Teilweise handelt es sich hierbei um eine Vergeltung Chinas wegen Huawei. Noch wichtiger ist, dass China seiner eigenen Falken-Fraktion entgegenkommen muss. Ein Entgegenkommen bedeutet in dem Fall eine Einigung mit den USA.

Darauf deutet das Ausbleiben der üblichen Tiraden in offiziellen Zeitungen hin. Ein weiterer Hinweis ist, dass das Leak nicht von einer direkten Quelle, sondern von Unternehmen für Sicherheitssoftware kommt. Und: In chinesischen Zeitungen, beispielsweise in der quasi-offiziellen Global Times, gibt es absolut keine Berichterstattung dazu.

Das Risiko ist geringer als es die Schlagzeilen vermuten lassen. Die Verhandlungen bewegen sich ziemlich schnell auf eine ‚Phase Eins‘-Einigung zu, die wir weiterhin für Januar erwarten. Die Optik ist in der Weihnachtszeit eben weniger interessant.“

 Wahlen in Großbritannien – Abwarten und Tee trinken
„Am Donnerstag werden die britischen Konservativen angesichts ihres zweistelligen Vorsprungs in den Umfragen voraussichtlich eine Mehrheit im Unterhaus gewinnen. Bei einem „Hung Parliament“ besteht die Frage, ob die Scottish National Party (SNP) und die Labour Party den Tories zuvorkommen und die Wirtschaft auf einen stark progressiven Weg bringen können. Schottland könnte dann in einigen Jahren unabhängig werden. Laut eigenen Angaben würde Jeremy Corbyn zwar ein schottisches Referendum in der ersten Amtszeit nicht unterstützen, das lässt aber Rückschlüsse auf die Aussage selbst zu. Beobachter spekulieren, ob es sich dabei um eine Verhandlungsposition handelt. Ebenso wichtig: Sowohl die SNP als auch Labour würden eine zweite Brexit-Abstimmung unterstützen. Börsenspekulanten sehen die Chancen einer Labour-Mehrheit bei 20 zu 1. Das ist keine Quote, über die der Markt besorgt sein sollte. 

Die Wahlen in Großbritannien sollten relativ ereignislos über die Bühne gehen und das Sterling wird wahrscheinlich eine Konsolidierungsphase ohne große Folgen erleben. Als Konsequenz lässt sich dann schnell zum Brexit übergehen.“ 

Die aktuelle Krise am US-Repo-Markt: „Ein Zeichen exzessiver Fremdfinanzierung“
„Die schwere Krise des Repo-Markts in den USA hat die Fed wiederholt gezwungen, zu intervenieren und Liquidität in den Markt zu injizieren. Der jüngste Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) wirft ein Schlaglicht auf die Hintergründe. Demnach seien die Banken überschuldet und Hedgefonds für ihre Geldaufnahme massiv abhängig von diesem Markt. Aus unserer Sicht sitzen einige Asset Manager in dem gleichen Boot. Sie sind mit festverzinslichen Wertpapieren beladen, die sie zwar in der Theorie verleihen können, es in der Praxis aber offenbar nicht häufig genug machen. Diese Repo-Aktivität generiert den stetigen Strom laufender Erträge, der es zum Teil einigen Aktienhändlern erlaubt, frei von Ausführungskosten zu agieren.

Zudem scheint es ein Problem mit der US Bank Leverage Measurement oder zu engen Regeln für die Mindestliquiditätsquote (LCR) und die mittelfristig ausgerichtete strukturelle Liquiditätsquote (NSFR) zu geben. Dieses Problem wird sich für die US-Banken noch zuspitzen, sobald die EU bis Ende 2020 Bank-Holdinggesellschaften einführen wird. Diese werden ihr eigenes Risikomanagement haben und daher zusätzliches Geld von ihren US-Muttergesellschaften benötigen. Das könnte wiederum den europäischen Repo-Markt betreffen, der laut BIZ sehr fragmentiert ist.

Der BIZ-Quartalsbericht betrifft die Basis des Fremdfinanzierungsmarkts und sollte daher Teil der Due Dilligence sein. Die Tatsache, dass US-Banken übermäßig fremdfinanziert sind, ist angesichts der robusten US-Wirtschaft trotz nachlassender Wirtschaftsdynamik aber kein Grund zur Besorgnis.“

(Foto: Adobe Stock / Adriano.cz)

Boom in Europa angekommen

iShares-Experte Cohen erwartet starke Entwicklung des europäischen Marktes.

Patrick Baldia. Stephen Cohen, Managing Director und Head of EMEA bei iShares, der ETF-Tochter von Blackrock, im Exklusiv-Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

Börsen-Kurier: In den USA hat sich das ETF-Volumen in den vergangenen Jahren stark entwickelt, wo wird der europäische ETF-Markt in zehn Jahren stehen?
Stephen Cohen: Bislang wurde die Nachfrage am europäischen Markt von Asset Managern und Multi-Asset-Managern dominiert. Der-zeit sehen wir, dass – wie früher in den USA – mehr und mehr institutionelle Investoren, Vermögensverwalter, aber auch Privatbanken passive Strategien für sich entdecken. Wir sind guter Dinge, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird und der Anteil in den Portfolios im kommenden Jahrzehnt von derzeit 10 auf 30 bis 40 % ansteigen könnte.

Börsen-Kurier: Welche Rolle werden Ihrer Meinung nach aktive Strategien in Zukunft spielen?
Cohen: Wir sind der Ansicht, dass jeder Anleger aktiv ist. Ein Portfolio wird ja auch aktiv zusammengestellt. Der Erfolg hängt maßgeblich von der jeweiligen Asset- und Faktor-Allokation und erst in zweiter Linie von der Einzeltitel- oder Fondsauswahl ab. Aktive Fondsmanager werden auch in Zukunft eine starke Marktstellung aufweisen. Auf der anderen Seite sind immer weniger Anleger bereit, für ihre Produkte mehr zu zahlen. Für sie sind ETFs zu einer kostengünstigen Alternative geworden.

Börsen-Kurier: Würden Sie auch in der aktuellen Situation – sprich in der längsten Hausse der Geschichte – Anlegern empfehlen in ETFs zu investieren?
Cohen: Auf jeden Fall. Man sollte zu jedem Zeitpunkt in jene ETFs investieren, mit denen man sich wohl fühlt. Wir glauben aber sehr wohl, dass derzeit beim Anlegen auf Widerstandsfähigkeit geachtet werden muss. So sollten etwa Staatsanleihen in jedem Portfolio eine Rolle spielen – nicht weil diese derzeit besonders attraktiv sind, sondern von einer diversifizierten Portfolio-Perspektive her. Im Aktienbereich könnten Qualitätsunternehmen oder Value-Papiere ein Portfolio widerstandsfähiger machen. Eine weitere Option ist Gold.

Börsen-Kurier: Was entgegnen Sie Kritikern, die meinen, dass sich ETFs in Krisenzeiten noch nicht bewährt haben?
Cohen: Viele Menschen glauben, dass man mit Beta-Strategien den ganzen Markt kauft. Dabei werden ETFs auch in Abschwungsphasen jenen Teil des Marktes abbilden auf den sie ausgerichtet sind. ETFs haben sich im Übrigen auch schon in schwierigen Börsephasen bewährt – etwa am High-Yield-Markt. Mir fallen in den vergangenen Jahren drei Situationen ein, als die Anleihemärkte sehr illiquide waren und Anleger ihre Papiere nur sehr eingeschränkt handeln konnten. Denken Sie z.B. an die heftige Reaktion der Märkte im Jahr 2013, als die Fed angekündigt hatte, ihre Anleihenankäufe zurückzufahren. Bonds gerieten daraufhin unter Verkaufsdruck. Einschlägige ETFs haben sich damals als sinnvoller Mechanismus erwiesen, um Risiko zu managen bzw. eine Orientierung zu geben, wo der Markt gerade steht.

Börsen-Kurier: Und wie sehen Sie den Preiskrieg in der ETF-Branche?
Cohen: In den USA wurden die Gebühren von ETFs bereits sukzessive zurückgefahren. Das gleiche erleben wir nun in Europa. Wir sehen das grundsätzlich als positive Entwicklung an, da niedrigere Gebühren gut für Anleger sind und auch neue Investoren anziehen. Aber auch wenn einzelne Werkzeuge weniger kosten, wird es ein gesamtes ETF-Portfolio auch in Zukunft nicht umsonst geben.

Foto: Adobe Stock Sergey Tarasov

 

 

Hochbetrieb in allen Sparten

Die Deutsche Post steht vor einem besonders starken Schlussquartal – und die Aktie vor einer Neubewertung.

Stefan Riedel, München. Die Weihnachtszeit lässt auch bei Europas größtem Logistikkonzern (ISIN: DE0005552004) die Kassen klingeln. Für den Konzern bleibt der Onlinehandel der wichtigste Wachstumstreiber in allen Geschäftsbereichen. Das gilt vor allem für das Express- und Paketgeschäft. Während das margenstarke Expressgeschäft bereits zu den großen Renditebringern zählt, schreibt die noch 2018 defizitäre Sparte Brief und Paket wieder schwarze Zahlen.

Die Vorgabe von 4,3 Mrd Euro in diesem Jahr beim operativen Gewinn sollte der Konzern schaffen, nachdem bereits in den ersten neun Monaten 2,9 Mrd Euro erreicht wurden. Nächstes Jahr sollen es dann 5 Mrd Euro werden. Dafür wird die Deutsche Post in allen Geschäftsfeldern an der Preisschraube drehen. Für mehr Services investiert sie bis 2025 rund 2 Mrd Euro in den Ausbau der digitalen Strukturen. So sollen mehr Roboter eingesetzt und Datenmengen ausgewertet werden, um Fahrrouten zu optimieren und Arbeitsvolumen besser im Vorab berechnen zu können. Mehr Geld steckt Vorstandschef Frank Appel auch in die Infrastruktur: Mehr als 1 Mrd+ jährlich investiert der Konzern in Sortieranlagen, Fahrzeuge und Flugzeuge.

Das Geschäftsfeld Express, die umsatzstärkste Sparte, legte im dritten Quartal beim EBIT um 11 % auf 454 Mio Euro zu und stellte damit fast die Hälfte am operativen Gewinn. Das Unternehmen profitiert in großem Maße davon, dass die Paketmenge kontinuierlich wächst. Und über die höheren Briefportos gelingt es, die steigenden Kosten im Segment Post & Paket abzufedern. Zugleich treiben die höheren Preise den durchschnittlichen Umsatz pro Paket nach oben.

Von ihrem Jahrestief hat die Aktie um fast 40 % zugelegt. Das 2020er-KGV von 13 lässt weiteren Spielraum nach oben, wenn es dem Konzern gelingt, auch in den nächsten Jahren zweistellige Wachstumsraten beim Gewinn zu liefern. Liefert die Deutsche Post hier auf der Umsatz- und Gewinnseite, sollte das bisherige Allzeithoch der Aktie bei 41,35 Euro wieder drin sein.

Dass die „Aktie Gelb“ weiterhin reichlich Luft nach oben hat, finden auch die meisten Analysten. Aktuell sprechen sich 20 für den Kauf des Wertes aus, während vier für ein Halten und zwei für Reduzieren der Positionen plädieren.

Angesichts der steigenden Mittelzuflüsse können Anleger damit rechnen, dass sich die sowieso schon üppige Dividende weiter erhöht.

Trotz der hohen Investitionen stieg der Free Cashflow im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr von 143 auf 507 Mio Euro. Im Zeitraum 2020 bis 2022 soll dann der kumulierte Free Cashflow auf 4,5 bis 5,5 Mrd Euro steigen.

Foto: Deutsche Post

 

 

Thursday for Prosperity

Wie sich „transatlantische Kalamitäten“ auf die Makrokonjunktur auswirken.

Rudolf Preyer. Der Dezember-Marktkommentar wird von Kunden des Bankhauses Krentschker immer mit großer Vorfreude erwartet: Traditionell (seit dem Jahr 2015) eröffnet Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung (IV), den Zuhörern spannende Einsichten – in gewohnt kompakter und informationsgesättigter Form.

Am Donnerstag vergangener Woche veranstaltet, zog Helmenstein seine Zuhörer gleich in den Bann, indem er seinen Vortrag unter das Motto „Thursday for Prosperity“ (etwa: „Der Donnerstag für den Wohlstand“) stellte.

Für Österreich erwartet der IV-Chefökonom keine Rezession. Er sieht vielmehr eine „kurzfristige Abschwächung auf ein einprozentiges Wachstum“. Unumwunden sei klar: „Wir sind das Land, das am stärksten mit Zentral- und Osteuropa verknüpft ist.“ Wurde das bis vor kurzem gerne als Klumpenrisiko betrachtet, pocht Helmenstein auf einen Paradigmenwechsel. Das hohe Exposure in CEE sei vielmehr eine einmalige Chance.

Blick in die Glaskugel
Helmenstein prognostizierte: „Das Wachstumsmirakel CEE hält noch 50 Jahre an.“ Auch was Investitionen betrifft, wagte der Wirtschaftswissenschafter einen Blick in die Glaskugel: „In Österreich werden wir außer im Immobiliensektor fast keinen Zuwachs bei den Investitionen sehen.“

Österreichs Exporte nach Russland haben sich nach den EU-Sanktionen gegen das Land – in Reaktion auf die illegale Annexion der Krim – seit dem Jahr 2014 halbiert. Russland war diesbezüglich einmal achtwichtigster Markt für Österreich, aktuell nimmt es nur mehr Rang 17 ein. Generell sei Österreichs Export, so Helmenstein, in einem Radius von bis zu 3.000 km „überaus erfolgreich“, weniger aber dann schon in den Fernmärkten.

Weltwirtschaft wächst kaum
Die 25 wichtigsten Wirtschaften der Welt weisen laut Helmenstein zwar wenig Wachstum, jedenfalls aber keine Schrumpfung auf. Japan und Italien stagnieren. Bei diesem Faktum muss man anmerken: 50 % des globalen Wachstums kommen mittlerweile schon von China und Indien zusammengenommen. Das „Land der Mitte“ sei allerdings mit einer enormen Kreditaufblähung beschäftigt: Der Verschuldungsgrad der chinesischen Industrie habe sich seit 2008 nahezu verdoppelt.

Die USA trage nur mehr ein Elftel zum ökonomischen Wachstum der Welt bei – „transatlantische Kalamitäten“ spielen hier mit rein -, und die EU-28 steure nur mehr 8 % bei. Aber: Indonesien haben die wenigsten auf dem Ticket. Zwei Mal des Wachstums des Inselstaates entspreche in etwa dem Wachstumsbeitrag der EU für die Weltwirtschaft.

Helmenstein kritisierte in diesem Zusammenhang einen OECD-Frühindikator, wonach der globale Abwärtstrend bald zum Stillstand käme: „Es ist mir schleierhaft, wie man zu dieser Einschätzung kommen kann.“

Das größte Risiko gehe im nächsten Jahr tatsächlich „von der Politik“ aus, so der IV-Ökonom, der keine Überinvestitionskrise bemerkt, auch keine Blasenbildung auf den Finanzmärkten.

Gemäß Helmenstein ist Österreich übrigens die 27-größte Wirtschaft der Welt (vor dem Iran, der bevölkerungs- und flächenmäßig allerdings zehnmal so groß ist).

Laut Karl Freidl, dem Leiter des Vermögensmanagements, investiere man bei Krentschker bei Anleihen ausschließlich in US-Treasuries und Anleihen des Bundes, die zumindest Double-A oder Triple-A aufweisen.

Und Alexander Eberan, Vorstand des Bankhauses Krentschker, fragte Helmenstein abschließend, ob dieser bei seiner vor fünf Jahren aufgestellten These bleibe, dass es in den nächsten 25 Jahren keine positiven Realzinsen geben werde. Der Chefökonom der IV bejahte.

Foto: Pixabay / geralt

 

 

Wer vom Handelskrieg profitiert

Ein Zertifikat setzt auf Emerging Markets, die „lachende Dritte“ sein könnten.

Harald Kolerus. Die Wirtschaftsschlagzeilen werden nach wie vor vom internationalen Handelskonflikt beherrscht. Losgetreten wurde die „Causa prima“ bekanntlich von Donald Trump, der bereits im vergangenen Wahlkampf frei nach seinem Motto „America first“ eine härtere Gangart gegen China angekündigt hatte.

Kampf der Titanen
Die weltweite Wirtschaftsmacht Nr. 1 (USA) wirft China als Nr. 2 unter anderem den Diebstahl geistigen Eigentums, mangelnden Zugang ausländischer Unternehmen zum chinesischen Markt sowie die Manipulation der Landeswährung Yuan vor. Das führte zum „Handelskrieg“, der sich wohl noch lange Zeit hinziehen wird.

Wer im Match der Titanen als Sieger hervorgehen wird, ist noch ungewiss, bereits heute zeichnen sich aber „lachende Dritte“ als Gewinner ab. „Es ist zu erwarten, dass infolge der Handelsstreitigkeiten ganze Lieferketten vor der Umorganisation stehen. Diese Veränderungen eröffnen vielen Ländern und Unternehmen Chancen, was auch für Investoren interessant ist“, so das Fazit einer sehr ausführlichen Vontobel-Analyse. Das ist die Grundidee für den „Vontobel Trade Conflict Winners Emerging Markets Index“. Es ist davon auszugehen, dass Unternehmen, die bisher Waren für den US-Markt in China produziert haben, sich nach alternativen Produktionsstandorten umsehen werden.

Mögliche Gewinner
Vietnam, Indonesien, Thailand, Bangladesch, Taiwan, Malaysia und Mexiko werden – zumindest zu Beginn – als Hauptbegünstigte dieser Entwicklung gesehen. Dies liegt daran, dass niedrige Arbeitskosten und die Nähe zu Schlüsselmärkten für den Wettbewerbsvorsprung internationaler Unternehmen von entscheidender Bedeutung sind. Darüber hinaus profitieren Länder wie Chile, Argentinien oder Brasilien davon, dass China nach Ausbruch des Handelskonflikts dazu übergegangen ist, Warenimporte im Rohstoffbereich aus den USA auf andere Länder umzuleiten. Anleger können mit dem passenden „Strategie-Zertifikat“ auf den „Vontobel Trade Conflict Winners Emerging Markets Index“ (ISIN: DE000VE29AV8) 1:1 an der Wertentwicklung des Basiswertes profitieren.

„Gewisse Risikobereitschaft“
Was passiert aber, wenn der Handelskonflikt schneller gelöst werden könnte als erwartet? Der Börsen-Kurier hat bei Heiko Geiger, er ist Spezialist für strukturierte Produkte bei Vontobel, nachgefragt: „Nun ja, der Index ist genau auf das Anlageszenario zugeschnitten, dass sich der Handelskonflikt mittelfristig nicht lösen wird und sich neue Produktions- und Lieferketten ausbilden.“ Anleger, die nicht an dieses Szenario glauben, sollten besser nicht in dieses Produkt investieren.

Und wie riskant ist ein Investment in den Index generell? Immer-hin setzt man hier hauptsächlich auf Emerging Markets aus der „zweiten Reihe“? Geiger: „Anleger sollten schon eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen, denn sie partizipieren linear sowohl an steigenden wie auch fallenden Kursen des Index. Über das Indexzertifikat tragen Anleger ein Aktienmarkt-Risiko, über die Zusammensetzung des Portfolios ein Emerging Market-Risiko.“

Genaue Selektion
Für den Index dient nun das globale Universum börsennotierter Aktien aus den Emerging Markets als Ausgangspunkt. Im nächsten Schritt erfolgt eine quantitative Filterung zur Ermittlung attraktiver Unternehmen aus den „begünstigten“ Volkswirtschaften und „sonstigen“ Ländern. Jede Aktie wird anhand von mehr als 100 Kennzahlen (z.B. KGV) analysiert. Der Index umfasst nach diesem Selektionsprozess mindestens 15 Titel, halbjährlich findet eine Überprüfung mit anschließender Neugewichtung statt. Derzeit enthalten ist z.B. Samsung: Der südkoreanische Konzern ist die weltweite Nummer 1 bei Smartphones. Wobei besonders Apple stark vom chinesischen Markt abhängig ist, so dass Samsung von möglichen negativen Folgen des Handelskonflikts für den iPhone-Konzern profitieren könnte.

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Zinswende: „Bitte warten!“

OeNB-Gouverneur Robert Holzmann im Exklusiv-Interview mit dem Börsen-Kurier. (05.12)

Manfred Kainz. Sparer und konservative Anleger brauchen weiterhin einen langen Atem. Die Zinsen werden noch eine Weile im Keller bleiben. Der neue Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Robert Holzmann, erklärt im Gespräch mit dem Börsen-Kurier, ob und unter welchen Bedingungen wir in Europa mit dem Beginn einer Zinswende rechnen können.

Zeitnahe Entscheidung
Grundsätzlich gebe es zwei Elemente zu unterscheiden: Zum einen, Veränderungen, die von der EZB initiiert werden können. Also wenn sie Druck von der kurzen Seite der Ertragskurve nimmt, d.h. der negative Einlagenzinssatz auf null reduziert wird.

Und wenn die Wertpapierkäufe aufgehoben werden. Das sei abhängig von der „Forward Guidance“ der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Inflationsentwicklung. Die ist, so Holzmann, abhängig, ob und wie sich die geldpolitischen Zielsetzungen der EZB verändern werden. Diese würden laufend diskutiert und es werde „voraussichtlich zeitnahe“ festgelegt, ob das Inflationsziel bei knapp unter 2 % verbleibt, oder ein anderes Inflationsziel formuliert wird.

Hoffnung ab 2021
Zum anderen sei diese EZB-Ratsentscheidung auch von der Konjunkturentwicklung abhängig. Der OeNB-Gouverneur sieht derzeit keine Rezession, sondern eine normale „Abschwächung nach einer Hochkonjunktur“. Und es gebe die berechtigte Hoffnung, dass „die Talsohle Mitte 2020 durchschritten sein könnte“. Das sei u.a. deshalb möglich, da in der globalen Handelspolitik (Stichwort USA-China) „gütliche Entscheidungen nicht gänzlich unrealistisch“ erscheinen. Negative Realzinsen könnten somit innerhalb der nächsten Jahre der Vergangenheit angehören. „Früher wird es wahrscheinlich nicht gehen“, so Holzmann.

Achtung Geldillusion
Gleichzeitig dürfe man nicht einer „Geldillusion“ unterliegen. Seit 1949 wären viele Perioden zu verzeichnen gewesen, in denen – auch bei hohen Nominalzinsen- wegen der höheren Inflation die Realzinsen negative Vorzeichen hatten. Das jetzige Inflationsziel sei durchaus von einer „ökonomischen Ratio“ gekennzeichnet: Mit 2 % Inflation wären Reallohnanpassungen leichter durchsetzbar.

Dilemma
Dass institutionell verpflichtend vorsichtige Investoren wie Versicherungen und Pensionskassen mit der aktuellen Zinslandschaft Probleme haben und ertragsattraktivere Alternativen suchen, versteht Holzmann zwar; allerdings stelle sich dann die Frage nach einer garantierten Mindestverzinsung. Selbst Nominalkapitalgarantien für Verträge mit bis zu 20 Jahren Laufzeit am Markt zu „hedgen“, werde sehr teuer.


Ein Quantum Trost
Kleiner Trost des OeNB-Gouverneurs: „Strafzinsen“ für Privatsparer – wie in Deutschland bereits eingeführt – werde es in Österreich – nicht zuletzt aufgrund eines entsprechenden OGH-Urteils – in absehbarer Zeit nicht geben.

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Investoren suchen stabile Rendite

Mit dem Bauherrenmodell und anderen Anlagevarianten in Immobilien investieren.


Harald Kolerus. Das Szenario ist bekannt: Das anhaltende Nullzins-Umfeld macht Sparbuch & Co aus Renditesicht uninteressant. Den Schritt an die Aktienmärkte will wiederum nicht jeder Investor wagen. Vor allem, wenn er bestrebt ist, eine möglichst stabile Performance einzufahren. „Im gegenwärtigen Umfeld sind vor allem verlässliche Finanzprodukte gefragt. Die Asset-Klasse Immobilien bietet hierfür attraktive Möglichkeiten“, meint Erwin Haselberger, Direktor für Vertrieb und Marketing der IFA AG, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

Die IFA AG ist Spezialist für direkte Immobilieninvestitionen für private sowie institutionelle Anleger und bereits seit 1978 am Markt aktiv. Haselberger: „Seither haben wir österreichweit mehr als 460 Projekte erfolgreich realisiert und rund 670.000 m2 vermietbare Wohn- und Geschäftsfläche geschaffen. Als Tochterunternehmen von Soravia und im Verbund mit der Gruppe bieten wir Anlegern das gesamte Leistungsspektrum für erfolgreiche Immobilieninvestments und sind Marktführer bei Bauherrenmodellen.“

Steuerliche Begünstigung

Nun ist vielleicht nicht jedem das Bauherrenmodell ein Begriff, Haselberger erklärt: „Der Anleger investiert bei IFA Bauherrenmodellen in Immobilien mit hoher Vermietungssicherheit, guter Verkehrsanbindung und Infrastruktur. Investoren profitieren neben attraktiven Renditen von Förderungen und beschleunigten Abschreibungsmöglichkeiten sowie der Sicherheit durch persönliche Grundbucheintragung.“ So können die Herstellungskosten auf 15 Jahre abgeschrieben werden, anstatt wie sonst üblich auf 67 Jahre. „Außerdem darf nicht vergessen werden, dass durch die Förderungen leistbarer Wohnraum für Mieter geschaffen wird“, so Haselberger.

Neben dem klassischen Bauherrenmodell wird auch das „IFA Bauherrenmodell Plus“ angeboten. Der Unterschied: Der Investor erwirbt hier parifiziertes Wohnungseigentum ab Fertigstellung der Immobilie und verbleibt 20 Jahre lang im Mietenpool. Danach besteht für den Anleger die Möglichkeit zur Eigenvermietung – so er dies wünscht. Beim klassischen Bauherrenmodell werden hingegen Eigentumsanteile erworben und keine konkrete Wohnung.

Eine weitere Möglichkeit zum Investment stellen KG-Modelle der IFA AG dar: Der Anleger beteiligt sich hier an einer Kommanditgesellschaft und profitiert wie auch bei den zuvor beschriebenen Varianten von Förderungen und steuerlichen Begünstigungen. Ins Grundbuch wird die KG eingetragen und die Investoren stehen im Firmenbuch der KG. Das hat bei eventueller Übertragung wie Verkauf, Verschenkung oder Vererbung den Vorteil, dass keine Grunderwerbsteuer und keine Eintragungsgebühren ins Grundbuch zu entrichten sind.

„Noch ein Wort zur Anlagesumme: Für das klassische Modell muss ein Mindestinvestment von rund 120.000 Euro veranschlagt werden. Das Bauherrenmodell Plus ist ab ca. 190.000 Euro verfügbar. In beiden Fällen ist rund ein Drittel Eigenkapital einzuplanen.“

Konkrete Projekte

Investmentmöglichkeiten offeriert die IFA AG derzeit z.B. in der Buchengasse in 1100 Wien. Die 43 Wohnungen in single- und familienfreundlichen Größen von 30 bis 83 m² bieten den künftigen Bewohnern eine optimale Anbindung an den öffentlichen Verkehr sowie zahlreiche Grünflächen im Bezirk. Die Beteiligung erfolgt über eine Kommanditgesellschaft (KG-Modell).

Aber auch in der Steiermark wird kräftig gebaut: Das „186 Grad | Wohnensemble Graz Süd“ hat ein Investitionsvolumen von mehr als 12 Mio Euro und umfasst 44 Neubauwohnungen in Größen von 38 bis 74 m². Hier kommt das Bauherrenmodell Plus zu tragen.

Ebenfalls in Graz ist das Projekt „Baiernstraße 59“ beheimatet. In unmittelbarer Nähe von Schloss Eggenberg entstehen 33 Neubauwohnungen in Größen von 40 m² bis 63 m², das Investitionsvolumen beträgt mehr als 8 Mio Euro (klassisches Bauherrenmodell).

Attraktive Anleihe

Eine weitere Investment-Möglichkeit bietet übrigens die neue Unternehmensanleihe der IFA AG: Sie läuft vier Jahre und zwei Monate und wirft attraktive 4 % p.a. fix ab. Eine erfreuliche Besonderheit ist, dass kein Agio anfällt. Selbstständig tätige natürliche Personen wie Unternehmens- und Steuerberater, Ärzte oder Rechtsanwälte sowie Personen mit Einkünften aus Gewerbebetrieb haben darüber hinaus bei Zeichnung bis zum 13.12. 2019 noch die Möglichkeit zur Geltendmachung des Gewinnfreibetrags und profitieren damit von steuerlichen Begünstigungen.

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Chinas Transformation bringt neue Chancen

Nicht nur wegen der Proteste in Hongkong gewinnt das chinesische Shenzen immer mehr an Bedeutung.

Raja Korinek. Auf den ersten Moment zeichnet die Entwicklung im Reich der Mitte ein wenig rosiges Bild. Im Oktober wuchs etwa die Industrieproduktion um nur 4,6 % im Jahresvergleich. Erwartet wurden gut 5,4 %. Auch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg zuletzt um nur 6 %, somit am unteren Ende der Bandbreite, die von der Regierung für heuer vorgegeben wurde. Caroline Yu Maurer, Head of Greater China Equities bei BNP Paribas Asset Management, macht die Entwicklung dennoch wenig Sorgen. Sie verweist auf den Handlungsspielraum, der noch nicht voll ausgeschöpft sei: „Die Regierung könnte viel aggressiver dagegen steuern.“

Überraschende Zinssenkung
Was aber nicht heißt, dass derzeit gar nichts geschieht. Erst vor wenigen Tagen senkte die People’s Bank of China (PBOC) überraschend die Zinsen für kurzfristige Darlehen von 2,55 auf 2,50 %. Das meiste Pulver hebt sich Peking lieber für schlechtere Zeiten auf – sofern diese kommen sollten, betont Maurer. Sie sagt: „Schließlich könnte sich der Handelsdisput mit den USA noch verschlimmern.“

So könnten die USA zum Beispiel die Einfuhr elektronischer Teile aus China verbieten. Und das würde chinesische Firmen hart treffen. Maurer findet dennoch, dass Chinas Regierung auf Ankündigungen des US- Präsidenten bislang durchaus besonnen reagiert. Schließlich müsste nicht sie, sondern Donald Trump die Wahlen im kommenden Jahr gewinnen. Noch ist aber keine Einigung in Sicht, selbst die Absegnung der als Meilenstein gefeierten „Phase 1“ lässt noch auf sich warten.

Shenzen löst Hongkong ab
Doch auch die anhaltendenden Proteste in Hongkong stehen im Fokus zahlreicher internationaler Anleger. Maurer machen diese allerdings weniger Sorgen, denn man bekäme die Krawalle im Alltag nur geringfügig mit. Sie betont auch, dass die wirtschaftliche Bedeutung Hongkongs allmählich abnehme, und vor allem von Shenzhen abgelöst werde. Dort gebe es weit mehr Studienplätze, vor allem auch im dynamischen Technologiebereich. Obendrein habe sich in Shenzhen eine junge High-Tech-Industrie etabliert. Maurer nennt es das „Silicon Valley“ Chinas. Und da sei es naheliegend, dass diese Firmen eines Tages auch an der Börse in Shenzhen eine Notiz anstreben würden.

Zudem wurde im vergangenen Juli in Shanghai die Star-Börse eröffnet, an dieser sind High-Tech-Firmen notiert. Obendrein öffne sich das Reich der Mitte zunehmend für Kapitalzuflüsse aus dem Ausland: „Selbst Broker und Banken gründen zunehmend Joint-Ventures mit chinesischen Partnern.“

Und wie geht es weiter? Für das kommende Jahr erwartet Maurer ein Wachstum von gut 6 % in China. „Doch auch die Inflation dürfte weiter steigen, und könnte 2020 die Marke von 4 % knacken.“ Auch in Hinblick auf die Börse hat Maurer eine klare Einschätzung. Ihr gefallen Titel vor allem aus dem Technologiesektor, sowie aus dem Gesundheits- und dem Konsumbereich. Diese Segmente lockten mit interessanten Wachstumschancen. Weniger Gefallen findet sie derzeit am Energiesektor, aber auch an einigen Finanztiteln.

Jedenfalls nutzt die Expertin die Chancen zum Beispiel im „BNP Paribas China Equity Fund“ (ISIN: LU0823426308) durchaus breitgestreut, und wird sowohl bei chinesischen Aktien am Festland als auch in Hongkong und in den USA fündig. Zu den größten Positionen im Fonds zählen der Onlinehändler Alibaba (US01609 W1027), der Versicherer Ping An Insurance (CNE1000003X6) sowie der Spirituosenhersteller Wuliangye Yibin (CNE000000VQ8).

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Skandinavien: Hort der Sicherheit

Sowohl Wirtschaft als auch Börsen behaupten sich im weltweiten Wettbewerb.

Raja Korinek. Wer sich derzeit in Europa nach Investmentchancen umsieht, wird mitunter genauer hinsehen müssen. Viele Indizes sind – im Gegensatz zu den US-amerikanischen Pendants – weit von historischen Hochs entfernt. Der DAX in Frankfurt scheint auf den ersten Blick eine Ausnahme darzustellen. Allerdings werden in dem Index Dividendenausschüttungen miteinberechnet. Insgesamt belasten zahlreiche Themen wie das schwache Wirtschaftswachstum, die lahmende Autoindustrie oder das Brexit-Chaos.

Nordische Länder als Lichtblick
Eine Region sticht allerdings besonders positiv hervor: Mike Judith, Leiter internationaler Vertrieb bei DNB Asset Management, verweist im Gespräch mit dem Börsen-Kurier bei seinem Wien-Besuch auf die nordischen Länder. Die Wirtschaft in den Regionen steht grundsätzlich auf soliden Beinen. Judith betont zudem: „Die Staatsfinanzen sind durchaus gesund.“ Immerhin liegt die Staatsschuldenquote in Norwegen bei nur 37 %, in Schweden bei 41 %. Freilich, Norwegen profitiert vor allem von den Öl-Einnahmen, mit denen der Staatsfonds gespeist wird. Inzwischen steuert man in Norwegen der brummenden Konjunktur sogar entgegen. Heuer gab es bereits drei Zinsanhebungen, auf nunmehr 1,5 %.

Der DNB-Experte verweist aber auch auf das gute Abschneiden der Länder in internationalen Rankings, etwa im „Ease of Doing Business“. Bei der Korruption liegen die Länder hingegen weit unten, wie der Blick auf den „Corruption Perception Index” zeigt.

Zahlreiche Exportmeister
Womit noch die Frage bleibt, wie es in der Finanzwirtschaft in der Region aussieht. Tatsächlich notieren an den Börsen zahlreiche, stark exportorientierte Weltmarktführer, wobei vor allem Industrieunternehmen dominieren, aber auch Finanzwerte gut vertreten sind. Das wurde bislang von Anlegern durchaus honoriert, wie ein langfristiger Vergleich der Wertentwicklungen zeigt. Allein in den vergangenen zwanzig Jahren legte der MSCI Nordic Index um mehr als 300 % zu. Im Vergleich dazu betrug das Plus beim MSCI Europe Index 134 %.

Einzig: Die nordischen Märkte können ein gutes Stück schwanken, und korrigieren in Abwärtsphasen teils besonders kräftig. Weil sie in Aufwärtstrends dafür besonders kräftig anziehen, könnte eine Korrektur umso mehr eine gute Kaufgelegenheit bieten.

Doch wie geht das Fondsmanagement – etwa im „DNB Fund – Nordic Equities“ (ISIN: LU008342 5479) – konkret vor? Zu den größten Positionen zählt derzeit der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk (DK006053 4915), der ein Weltmarktführer im Bereich Diabetes ist. Orsted (DK0060094928) ist hingegen ein großer Player im Bereich der Offshore-Windenergie. Und Neste Oyj (FI0009013296) ist ein finnischer Mineralölkonzern und Biokraftstoffhersteller.

Vielfalt ist essentiell
Allerdings gibt es darüber hinaus allgemeine Entwicklungen, auf die Judith auch verweist. Er meint etwa die Konsolidierungswelle, die auch über die österreichische Fondswelt schwappte.

Tatsächlich sorgten in den vergangenen Jahren internationale Übernahmen am Heimmarkt für große Schlagzeilen. Die Folgen? Nun gebe es hierzulande tendenziell nicht nur weniger Dachfondsmanager, sondern auch eine reduzierte Fondsauswahl.

Letztendlich bekämen aber auch die Endanleger das geschmälerte Angebot negativ zu spüren.

Und das ist nicht alles. Auch würden viele Entscheidungen aufgrund der nunmehr ausländischen Eigentümer nicht mehr vor Ort getroffen, „somit nahe am Kunden“, konstatiert Judith, der darin einen Nachteil sieht. Schließlich hätten vor allem Privatanleger je nach Region durchaus unterschiedliche Ansprüche bei ihren Finanzgeschäften. Und darauf sollten die Vermögensverwalter ebenso möglichst direkt eingehen.

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Wieso Frauen die besseren Anleger sind

Studien zeigen, dass Frauen im Schnitt höhere Anlagerenditen erzielen als Männer.

Patrick Baldia. Wenn es ums Investieren geht, sind in Österreich Männer deutlich aktiver als Frauen. Wie eine Umfrage der Erste Bank aufzeigt, investieren sie doppelt so oft in Fonds (Männer versus Frauen: 22 versus 11 %), fast drei Mal so häufig in Einzeltitel (17 versus 6 %) und setzen darüber hinaus deutlich mehr auf das Fondssparen (21 gegenüber 14 %). Über den geschlechterspezifischen Anlageerfolg der Österreicher und Österreicherinnen macht die Umfrage keine Angaben, diverse internationale Studien sprechen allerdings eine deutliche Sprache: Frauen erzielen beim Investieren im Durchschnitt höhere Anlagerenditen.

„Frauen überschätzen sich weniger, haben konservativere Anlagestrategien und traden auch weniger häufig“, sagt Teodoro Cocca, Leiter der Abteilung für Asset Management an der Johannes Kepler Universität Linz (JKU). Auch würden sich die Portfolios von Frauen eher dazu eignen, Trading-Muster zu erkennen. Das sei auch wichtig, denn wer auf Basis von Regeln investiere, werde normalerweise auch an der Börse erfolgreicher sein. Männer würden dagegen mehr Growth- als Quality-Aktien besitzen und auch eher dazu neigen, auf sehr riskante Papiere zu setzen. Im Falle von Kursverlusten würden Frauen früher verkaufen. „Männer halten öfter an Positionen fest, da sie Angst haben, ihr Gesicht zu verlieren“, so Professor Teodoro Cocca.

Laut Cocca gibt es verschiedene Erklärungsfaktoren für das unterschiedliche Anlageverhalten zwischen Männern und Frauen bzw. die Tatsache, dass Frauen höhere Anlagerenditen erzielen. Zu den sozio-demografischen zähle etwa, dass Frauen einerseits im Durchschnitt über weniger Vermögen verfügen als Männer. Andererseits sei einschlägiges Finanzwissen unter Frauen weniger stark ausgeprägt. „Daraus lässt sich – empirisch gestützt durch eine Studie der OECD – ableiten, wieso Frauen beim Anlegen risikoaverser sind“, so Cocca gegenüber dem Börsen-Kurier.

Frauen haben mehr Bauchgefühl
„Männer werden anders erzogen. Sie werden von klein auf eher dabei unterstützt, Risiken einzugehen“, so Cocca zu einem sozio-kulturellen Erklärungsansatz. Kognitiv basierte Experimente hätten wiederum gezeigt, dass Frauen zwar grundsätzlich Risiken nicht scheuen, die Welt aber objektiver sehen – sprich sie gewichten positive und negative Erlebnisse bzw. Informationen gleich hoch. „Männer tendieren dagegen eher dazu, Positives zu hoch zu gewichten“, so Cocca.

Wie der Experte weiter ausführt, wären Frauen gemäß einer Studie aus dem Jahr 2017 („Theory of Mind“) besser in der Lage, das Verhalten bzw. die Absichten ihres Gegenübers einzuschätzen. Das sei deshalb wichtig, weil es bei Anlageentscheidungen an der Börse auch manchmal darum gehe, beurteilen zu können, was andere Marktteilnehmer machen. Damit nicht genug: Frauen verfügen laut einer Reihe von Studien über mehr Empathie, was auch als eine Art von Intuition verstanden werden könne. Nachsatz des Experten: „Jeder, der sich mit der Börse beschäftigt, wird unterschreiben, dass Bauchgefühl beim Investieren sehr wichtig ist.“

Unser Fazit
Was kann man aus den angeführten Erkenntnissen für sich mitnehmen? Wer weniger Risiken eingeht, hochspekulative Papiere meidet und eher auf Value-Aktien setzt wird langfristig auch erfolgreicher sein. Weiters gilt es einerseits, zu viel Trading zu vermeiden und andererseits im Falle von starken Kursverlusten nicht zu lange an Positionen festzuhalten.

Hilfreich können in diesem Zusammenhang „Stop loss“-Grenzen sein. Dass der Buy-and-Hold-Ansatz seine Tücken hat, liegt auf der Hand: Starke Kursverluste können oft nach sehr langen Zeiträumen wieder aufgeholt werden. Anleger, die in den 80er-Jahren japanische Aktien kauften, können ein Lied davon singen: die Kursstände, die der Nikkei 225 vor dem 82-%-Einbruch zwischen Ende 1989 und Anfang 2009 erfuhr, konnten bis heute nicht erreicht werden.

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Mit Psychologie besser beraten

Wie man gern verdrängte Vorsorgethemen beim Kunden besser „rüberbringt“. Im Gespräch mit Univ.-Prof. Erich Kirchler.

Manfred Kainz. Finanzproduktverkauf ist im Digitalzeitalter zu wenig. USP und Erfolgsfaktor in der Vorsorgeberatung ist immer mehr das individuelle Hinführen zu Problembewusstsein und das Anbieten von maßgeschneiderten Lösungen für den jeweiligen Kunden. Das braucht das Eingehen auf dessen ganz persönliches Verhalten und eventuell ein Incentivieren, Anspornen, „Anstubsen“, Sinnvolles zu tun, also (besser) vorzusorgen. Leichter gesagt als getan, wenn man es mit Menschen zu tun hat, die sich von Risiken nicht betroffen fühlen, die (sich) Unsicherheit/Unwissenheit nicht eingestehen wollen, die Beharrungskräfte haben, die mit Produkten (und dem Kleingedruckten) überfordert oder unzufrieden sind, die „eh wissen, dass sie etwas tun sollten, aber gerade jetzt nicht. Weil nicht jeder Vorsorgeberater studierter Psychologe ist, kann es nützlich sein, psychologische Erkenntnisse und Möglichkeiten in den Umgang mit Kunden einfließen zu lassen bzw. anzuwenden. Der Börsen-Kurier sprach dazu mit Univ.-Prof. Erich Kirchler, Vorstand des Instituts für Angewandte Psychologie in Arbeit, Bildung, Wirtschaft der Fakultät für Psychologie an der Universität Wien, über praktische Ansätze.

Börsen-Kurier: Herr Professor, wie kann man Menschen zu (mehr) Altersvorsorge bewegen?  Rational wissen ja viele, dass es nötig ist, aber …

Erich Kirchler: Information und Kommunikation sind nützlich, vor allem wenn konkrete „Bilder der Ziele“ und „konkrete notwendige Verhaltensschritte“ kommuniziert werden. Verhaltenseinsichten und Verhaltensabsichten müssen aber dann umgesetzt werden, und dazu ist Zeit, Energie, oft auch Geld nötig. Deshalb reicht die Einsicht oft nicht aus, um Menschen dazu zu motivieren, die für sie günstigen Schritte zu setzen. Zum einen ist es deshalb ratsam, das persönliche Commitment zur Altersvorsorge zu fördern und zum anderen den Beginn von Raten- und Prämienzahlungen zeitlich in die Zukunft „zu verschieben“. Bekanntlich diskontieren wir Menschen Gewinne und Kosten. Den Beginn von Zahlungen nicht sofort anzusetzen, sondern in die Zukunft zu verlegen, macht es daher leichter, einen sinnvollen Vertrag abzuschließen. Kommunikation im Sinne anschaulich-konkreter Ziele und Verhaltensschritte, Commitment und Diskontierung können also berücksichtigt werden, um Pensionsvorsorge zu fördern.

Börsen-Kurier: Und wie kann man Menschen zu den sperrigen Themen Pflege- und Berufsunfähigkeitsvor-sorge bewegen, die glauben „mich betrifft das nicht“?

Kirchler: Emotional stark negative Themen werden gerne verdrängt, weil auch die Gedanken mit negativen Ereignissen angstauslösend sein können. Eine weitverbreitete Art der Verdrängung ist, die Möglichkeit eines negativen Ereignisses für sich selbst erst gar nicht in Erwägung zu ziehen. Meines Erachtens sind „Nudges/Anstubser“ aus den beiden Kriterien des Behavioral Insights Team (UK) „timely“ und „social“ erfolgversprechend. Denn wir sind „Herdentiere“, die schauen was andere machen und nachmachen. Wir verhalten uns nicht nach sinnvoll Gebotenem, sondern danach, was andere tun. Das heißt, der Verweis auf andere Menschen, die in ähnlicher Situation sind und bereits Vorsorge getroffen, also „Weitsicht“ gezeigt haben, kann Anstoß sein. Und die Wahl eines guten Zeitpunktes für die Kommunikation, also beispielsweise nach einer Krankheit oder einem Unfall mit -noch- geringfügigen Folgen. Dann wirkt „Reziprozität“ noch besser. Das nachgewiesene Phänomen Reziprozität zeigt, dass Menschen Sinnvolles machen, wenn man sie informiert, dass andere es schon tun bzw. man mit dem Tun was Gutes erreicht.

Börsen-Kurier: Vorsorgeentscheidungen trifft man für sich selbst oder für Angehörige. Muss man da psychologisch unterschiedliche „Taktiken“/Argumentarien/Stubser anwenden?

Kirchler: Ich denke nicht, dass die „Stubser“ unterschiedlich sein müssen, wohl aber die Intensität der Emotionen sehr unterschiedlich ist und damit Entscheidungen für andere mit kühlerem Kopf getroffen werden.

Börsen-Kurier: Wie muss man junge Leute, die noch wenig Geld haben, die mental noch „weit weg“ von Vorsorgebewusstsein sind, anders „nudgen“ als Ältere?

Kirchler: Bei jungen Menschen wirkt Diskontierung von Kosten: Den Beginn der Vorsorge jetzt anzusetzen, aber den Beginn von Beitragszahlungen nicht sofort anzusetzen, sondern in die Zukunft zu verlegen, macht die Entscheidung mit beschränktem Budget leichter. Auch das Behavioral Insights Kriterium „make it easy“ kann helfen: Menschen machen, was einfach ist.

Börsen-Kurier: Was nicht nur Vorsorger, sondern alle Sparer und Anleger bitter aufstößt, sind die Niedrigstzinsen. Wie kann man Menschen, die sich zwar über Nullzinsen fürs Sparen ärgern, dazu bringen, ihr Anlageverhalten zu verbessern? 

Kirchler: Wenn sich Menschen über Nullzinsen ärgern und zu Zeiten hoher Inflation über höhere Zinsen freuen -also Ärger bei 0 % Inflation und 0 % Zinsen versus Freude bei 10 % Inflation und 8 % Zinsen, dann weist das auf starke Effekte „mentaler Buchführung“ hin und auf die Vernachlässigung des Gesamtkontextes in Entscheidungen. Die Integration von Gewinnen und Kosten ist eine Möglichkeit, diesen Biases beizukommen. Und wie bringt man Menschen dann zu einer Änderung ihres Anlageverhaltens? Ich würde auf qualitativ hochwertigen Produkte und Expertise der Berater setzen. Zudem auf Vertrauensbildung in Institutionen (wie Banken): mittels Kompetenz, Integrität, Transparenz, Wohlwollen (Empathie), Wertekongruenz, Stabilität und Reputation. Ein schneller Erfolg lässt sich zwar mit Taktiken der Persuasion – Überredungskunst – erreichen, aber nachhaltig ist dieser Erfolg nicht.

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Einzelhandel gewinnt an Stärke

In der der Wirtschaft manchmal bergauf, dann wieder bergab – im vierten Quartal gab es nur minimale Zuwächse und für Europa droht eine Rezession.

Michael Kordovsky. Nach einer Schwächephase mit durchschnittlichen Wachstumsraten von 2,1 % im ersten Quartal gewinnt der Zuwachs der des Absatzvolumens des Einzelhandels im Euroraum im 3. Quartal wieder an Dynamik. Das Wachstum beschleunigte sich von 2, 3 % im Juli auf 2,7 % im August und erreichte bereits 3,1 % (Jahresbasis) im September. Auffällig stark erholte sich dabei der Bereich „Textilien, Bekleidung, Schuhe“, dessen Wachstum von 0,2 auf 2,5 % anstieg. Allerdings ging diesem Sprung eine längere Schwächephase voraus. Beispielsweise schrumpfte im April und Mai dieses Segment gegenüber dem Vorjahreszeitraum im Euroraum um jeweils 4,6 bzw. 2,5 % ehe es nach einem zwischenzeitlichen Schub im Juni wieder zu zwei Monaten Stagnation kam. Hier zeigt sich eindeutig ein zwischenzeitlicher Nachholeffekt. Relativ stabil war zuletzt auch der Absatz von Datenverarbeitungsgeräten und Büchern mit einem Plus von 4,6 % im September.

Online-Handel gewinnt an Bedeutung

Bereits das gesamte dritte Quartal durchgehend ein zweistelliges Wachstum zwischen 10,3 und 11,2 % zeigte der Versand- und Internet-Einzelhandel. Immer mehr verlagern sich die Einkäufe ins Internet und es kommt im Sinne eines Omni-Channel-Marketings zunehmend zu einer Verflechtung von stationärem Handel und Online-Handel. Immer mehr Supermarktketten bieten auf Online-Bestellung einen Hauslieferservice. Darüber hinaus geht der Trend immer mehr in die Richtung, dass die Weihnachtseinkäufe bereits das Jahr über getätigt werden und dies zunehmend online. Nimmt man nur die Zahlen des Handelsverbands Deutschlands, so wuchsen dort die Online-Umsätze von 20,2 Mrd Euro 2010 bis 2018 auf 53,3 Mrd Euro, und 2019 wird ein weiterer Zuwachs auf 57,8 Mrd Euro erwartet.

Neue Wachstumsimpulse

Während in der Slowakei aufgrund des dort hohen Preisniveaus der Absatz im Einzelhandel bereits seit Mai rückläufig ist und in Lettland im September eine Schrumpfung um 0,4 % (August noch +2,5 %) erfolgte, wiesen folgende Länder zuletzt die höchsten Zuwächse auf: Rumänien (+7 %), Ungarn (5,8 %), Irland (5,2 %), Malta (5,1 %) und Polen (5,0 %).

Positiv zu werten ist, dass in der Leitwirtschaft Deutschland die Absatzvolumina im September um 3,4 % stiegen (nach +3,1 % im August). In Spanien beschleunigte sich der Zuwachs von 3,3 auf 3,5 % und Frankreich verzeichnete im August und September jeweils ein Plus um 4,2 bzw. 4,1 %. Wichtige Volkswirtschaften des Euroraums zeigen also erneut wieder eine Stabilisierung.

Aus der Vogelperspektive betrachtet liegen jüngste Wachstumsraten aber unter der Dynamik aus dem Jahr 2017. Doch zuletzt kam es wieder zu einer gewissen Annäherung. Nachdem der private Konsum, der im Euroraum für gut 54 % des Bruttoinlandsproduktes verantwortlich ist, von soliden Arbeitsmarktdaten gestützt wird, ist auch noch in den kommenden Quartalen von positiven Impulsen des Einzelhandels auszugehen. Während Handelskonflikte die Exportwirtschaft belasten, stützt der Konsum die Binnenkonjunktur und so lange es zu keinem spürbaren Anstieg der Arbeitslosigkeit kommt, sollte sich daran nichts ändern.

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Dem Kunden aufzeigen, was wichtig ist

IHS-Direktor Martin Kocher im Gespräch über Vorsorgebewusstsein und -bereitschaft.

Manfred Kainz. Pflegebedürftigkeit und Berufsunfähigkeit sind nicht gerade Themen, mit denen man sich gerne beschäftigt. Daher sind diesbezügliche Vorsorgeprodukte kein selbstlaufender Nachfragemarkt, sondern bedürfen vielfach Aufklärung und Hinführen von Kunden durch professionelle Beratung. Wie man Menschen zu solcher Vorsorge motivieren kann, darüber sprach der Börsen-Kurier mit Martin Kocher. Der Direktor des Instituts für Höhere Studien (IHS) beschäftigt sich seit langem mit einem ganz speziellen Forschungsgebiet der Wirtschaftswissenschaften: der Behavioral and Experimental Economics, also der Verhaltensökonomie. Diese befasst sich mit dem realen Agieren von uns Menschen, denn wir denken und handeln eben nicht so rational, wie die traditionellen Wirtschaftswissenschaften lange Zeit angenommen haben.

(Un-)Angenehmes

Zur Motivation für finanzielle Vorsorge gegen Unwägbarkeiten wie Pflegebedürftigkeit und Berufsunfähigkeit gibt es zwei Zugänge für „verhaltensökonomische Interventionen“: Problembewusstsein und Bereitschaft für Maßnahmen (also etwa Abschluss eines Vorsorgeprodukts). Das erfordert eine Mischung aus „Informationsintervention“ und kluger Darstellung von Optionen. Da es uns abschreckt, über Unangenehmes nachzudenken und wir das gerne verdrängen, ist ein „Umcodieren in etwas Angenehmes“ zielführender, so Kocher. Also auszumalen, „wie im Falle des (Pflege/BU-)Falles meine Versicherung alles für mich macht“. Und jene Konsequenzen ins positive Licht zu stellen, die den Kunden „besser schlafen lassen“, wie: „meine Pflege ist gesichert“.

Sozialer Vergleich

Auch das Nutzen von „sozialen Normen“ kann unwillige oder problemunbewusste Menschen zu Vorsorge motivieren: Wir tun viel eher etwas, wenn wir uns damit in einer Mehrheit wähnen und/oder wenn wir glauben, ohne das Tun „schlechter abzuschneiden“ als unsere Vergleichsgruppe, weiß der IHS-Verhaltensökonom. Wenn man also informiert wird, dass man mit Abschluss einer Pflege-/BU-Vorsorge zu einer Mehrheit (in seiner Altersgruppe, Einkommenskategorie, Wohnregion) gehören würde, sind Menschen viel bereiter, dazu gehören zu wollen. Detto, wenn einem bewusst gemacht wird, dass man mit Pflege-/BU-Vorsorge im Worst Case „besser abschneidet“ als jene, die keine haben. In beiden Ansätzen wirkt „sozialer Vergleich“ als Motivator uns Anschub.

Anlässe

Wirksam kann auch das Setzen eines „Ankers“ im Gespräch zwischen Berater und Kunde sein. Das kann die Frage nach persönlicher Erfahrung sein, etwa: „Haben Sie im letzten Jahr in Ihrem Umfeld einen Pflege- oder BU-Fall erlebt?“ Die Wahrscheinlichkeit dafür ist hoch – wenn nicht in der Familie, dann im beruflichen Umfeld oder in der Nachbarschaft. Und dann wird man eher bereit sein, sich für sich selbst und die Familie Gedanken über eine Vorsorge zu machen. Ein anderer „Anker“ ist das Nützen von besonderen Zeitpunkten – wie eines Geburtstages. Ab 40 Jahren steigt die Wahrscheinlichkeit für Pflegebedürftigkeit und Berufsunfähigkeit stark an. Das am runden Geburtstag bewusst gemacht zu bekommen, wird Betreffende eher bereit für Vorsorgeschritte machen.

Multiplizierte Kosten

Mit klaren Informationen zu arbeiten braucht es auch, so Kocher, um die Menschen vom Irrglauben aufzuklären, dass „ohnehin der Staat gut absichert“. Da hilft eine einfache Rechnung: Heute betragen die gesamten Pflegekosten in Österreich rund 1,5 % des BIP, also rund 6 Mrd Euro. In den nächsten 20 Jahren werden allein diese Pflegekosten auf 40 % des BIP, also rund 16 Mrd Euro, steigen. Da wird wohl einsichtig(er), dass ein privater Beitrag nötig sein wird.

Interessierte Anleger, die sich das Risiko zutrauen, können beispielweise mit einem börsengehandelten Indexfonds, einem ETF, auf einen weiteren Aufschwung an Indiens Börse setzen. Grundsätzlich erzielten Anleger gerade in den Emerging Markets eine höhere Rendite mit einem Indexinvestment als mit einem aktiv verwalteten Fonds, erklärt Samadder dazu.

Der Grund? Noch seien die Börsen in diesen Regionen stark von allgemeinen Nachrichten getrieben, und weniger von einzelnen Unternehmensmeldungen. Gibt es einmal negative Schlagzeilen zu einem Land, werde deshalb gleich auch der gesamte Index abverkauft. Da helfe geschickteste Stock Pickings wenig, sagt der Lyxor-Experte.

Er räumt aber auch ein, dass dieses Phänomen inzwischen abnehme, da die Schwellenländer zunehmend entwickelt seien.

Positive Meldungen als Zugpferd

Freilich, die gleiche Entwicklung gilt auch in die andere Richtung, sprich, bei positiven Nachrichten. Und davon gebe es für Indien genügend, findet Samadder. Allein in Indien brumme der Konjunktur-motor, auch der große Bevölkerungsanteil junger Menschen sei ein wichtiger Treiber. Obendrein gab die indische Regierung im September die Senkung der Unternehmenssteuern von 30 auf 22 % bekannt.

Eine Möglichkeit, auf einen Aufschwung des indischen Marktes zu setzen, bietet etwa der „Lyxor MSCI India UCITS ETF“ (ISIN: FR0010361683), der auf Large Caps und Mid Caps aus der Region setzt.

Anleger, die lieber in den MSCI Emerging Markets Index investieren wollen – zum Beispiel mit dem Invesco „MSCI Emerging Markets UCITS ETF“ (IE00B3DWVS88) -, sollten die jüngsten Indexentwicklungen gut kennen, meint Samadder. Darin ist Chinas Anteil inzwi-schen auf rund 34 % angestiegen.

Chinas Gewichtung steigt

Grund ist die Aufnahme der Festlandtitel, der sogenannten „A-Aktien“. Erst vor kurzem wurde deren Gewichtung auf 4,1 % erhöht. Der Rest entfällt auf chinesische Aktien, die in Hongkong oder in den USA notieren. „Anlegern, denen Chinas Anteil nunmehr zu hoch ist, können in einen Schwellenländer-ETFs investieren, der chinesische Aktien auslässt“, sagt Samadder. Eine solche Möglichkeit bietet der Lyxor „MSCI Emerging Markets Ex China UCITS ETF“ (LU2009202107).

Trotz der langfristig positiven Wachstumschancen bei den Schwellenländern müssen Anleger dennoch hohe Kursschwankungen in Kauf nehmen und natürlich das Währungsrisiko immer beachten.

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Durchhalten bleibt oberste Devise

Ein Marktkommentar von Christian Nemeth, Chief Investment Officer und Mitglied des Vorstands der Zürcher Kantonalbank in Österreich.

Der Wirtschaftszyklus ist noch nicht an seinem Ende angelangt, auch wenn quer über die Landkarte deutliche Anzeichen für eine Verlangsamung der Konjunktur zu beobachten sind. Moderater Optimismus ist angebracht. Nur mit einer langfristigen Strategie unter entsprechender Berücksichtigung renditestarker Assets wie Aktien werden Anleger für ihr Durchhaltevermögen belohnt, während zu konservative Anleger etwa durch die Anleihen-Flaute bestraft werden. Denn am Niedrigzinsumfeld wird sich kurzfristig nichts ändern. Den Notenbanken aber dafür den Schwarzen Peter zuzuschieben, ist zu kurz gegriffen. Die Gründe für die Zinssituation sind im strukturellen Wandel der Volkswirtschaften zu sehen und zum Teil demografischer Natur. Unterm Strich wird zu viel gespart und zu wenig investiert.

12.11.2019, Salzburg/Wien. Der Internationale Währungsfonds IWF sieht die Weltwirtschaft im aktuellen „World Economic Outlook“ in einem synchronen Abschwung begriffen. Diese Verlangsamung der Wirtschaft findet jedoch vor allem im Industriebereich statt, wo sich der schwelende Handelskonflikt zwischen China und den USA am stärksten niedergeschlagen hat. In naher Zukunft ist für den Industriesektor jedoch eine gewisse Stabilisierung zu erwarten. Auch wenn die konjunkturellen Daten noch schwach sind, zeigen die vorlaufenden Indikatoren eher eine Stabilisierung als ein Abgleiten in eine globale Rezession an. Die Zürcher Kantonalbank Österreich AG ist daher im Rahmen ihrer derzeitigen Anlagepolitik moderat positiv eingestellt und behält die leichte Übergewichtung auf der Aktienseite bei. Aktieninvestments bleiben weiterhin der wichtigste Hebel für eine ansprechende Rendite. Wer in ein gut diversifiziertes Portfolio mit entsprechender Aktiengewichtung investiert ist, sollte durchhalten und die Strategie beibehalten.

Die verkannte Gefahr der Vermögenspreisinflation
Wer konservativ anlegt und etwa auf klassische Staatsanleihen setzt, wird in Zeiten des Tiefzinsumfelds mit niedrigen oder neuerdings sogar negativen Zinsen bestraft, de facto gibt es bei diesen Assets keine Renditen. Dabei bleibt es auch, denn seitens der Notenbanken ist keine Abkehr ihrer Geldpolitik zu erwarten. Die EZB wird an ihrem Inflationsziel um zwei Prozent festhalten. Während die Güterpreisinflation dem Einzelnen schon aus dem täglichen Einkauf heraus bekannt ist, werden die Gefahren der Vermögenspreisinflation oft nicht gesehen. Die expansive Notenbankpolitik hat dazu geführt, dass freie Liquidität in Finanzanlagen und Immobilien drängt und die Preise nach oben treibt. Wer allerdings nur auf Sicherheit setzt und selbst nicht in diese renditestarken Assets investiert ist, verliert langfristig an Wohlstand. Das geht im Extremfall so weit, dass man sich zu einem gewissen Zeitpunkt die gewünschte Wohnung oder das ursprünglich überlegte Aktienportfolio schlicht nicht mehr leisten kann, selbst wenn man wollte. 

Auch Notenbanken können sich den Marktkräften nicht entziehen
Die Notenbanken versuchen mit ihrer ultralockeren Geldpolitik, Investitionen anzukurbeln und den Konjunkturzyklus weiter am Leben zu erhalten. So hat die US-Notenbank Fed zum dritten Mal hintereinander die Leitzinsen gesenkt. Die EZB hatte den Leitzins zuletzt bei null Prozent belassen, wobei Banken sogar 0,5 Prozent Negativzinsen bezahlen müssen, wenn sie überschüssige Gelder bei der EZB parken. Ein Ende des Tief- oder Negativzinsumfelds in den nächsten Jahren ist nicht in Sicht. Tiefzinsen sind ein globales Phänomen. Auch Notenbanken können sich den sie beeinflussenden Marktkräften nicht entziehen. Die Grundprobleme der Volkswirtschaften sind struktureller und teilweise auch demografischer Natur.

Die Gesellschaft ist zu sparsam und zu unproduktiv
Einer der wesentlichen Gründe ist die zunehmende Alterung der Gesellschaft vieler Industrieländer. Die Generation der Babyboomer geht in den Ruhestand, wodurch sich das Verhältnis zwischen unproduktiver und produktiver Bevölkerung verschlechtert. Die Produktivität, die an getätigte Investitionen gekoppelt ist, sinkt. Je älter die Bevölkerung ist, desto größer ist ihr Hang zum Sparen für die Altersvorsorge. Im aktuellen Zinsumfeld ist die Sparneigung besonders ausgeprägt, denn für einen bestimmten Ertrag sind in Zukunft höhere private Rücklagen notwendig, um die Rente zu sichern. Folglich wird derzeit zu viel gespart und zu wenig investiert. Das macht die Investitionsanreize der Notenbankpolitik zunichte, führt aber gleichzeitig dazu, dass brachliegendes Kapital wohl noch länger durch Negativzinsen bestraft werden wird. Es liegt an allen Marktteilnehmern, wieder mehr zu investieren und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Sparen und Investieren wiederherzustellen.

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Nachhaltiger Wandel bei Österreichs Exporten

Auch die heimische Kontrollbank will ihren Beitrag zur Erreichung der EU-Klimaziele leisten.

Raja Korinek. Die weltweite grüne Welle gewinnt zunehmend an Fahrt. Hierzulande wurde im Feber etwa die „Green Finance Agenda“ ins Leben gerufen. Dabei soll bis Jahresende eine Fokusgruppe Maßnahmen erarbeiten, wie der heimische Finanzmarkt einen Beitrag zur Erreichung der EU-Klima- und Energieziele leisten kann. Die Liste der Mitwirkenden umfasst unter anderem die Oesterreichische Nationalbank, heimische Vorsorge- und Pensionskassen sowie die Wiener Börse. Auch die Oesterreichische Kontrollbank (OeKB) ist dabei.

Grüner Export für den Klimaschutz
Schon jetzt hat die OeKB erste Nachhaltigkeitsschritte im Rahmen der „Green Finance Agenda“ gesetzt. Anfang Juni wurde die „Exportinvest Green“ – zusätzlich zum etablierten Finanzierungsprodukt „Exportinvest“ – ins Leben gerufen. Denn beim Klimaschutz sollte man nicht länger warten, betont OeKB-Vorstandsmitglied Angelika Sommer-Hemetsberger im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

Dabei werden bei der „Exportinvest“ Investitionen von heimischen Exporteuren am Standort Österreich gefördert. Finanziert werden die Investitionen von der Hausbank, sie refinanziert sich wiederum günstig bei der OeKB, erklärt Sommer-Hemetsberger. Zudem übernimmt die OeKB als Beauftragte der Republik Österreich die Haftung, womit der Hausbank ein Teil des Kreditrisikos abgenommen wird.

Allerdings verweist Sommer-Hemetsberger auf die klaren Anforderungen. Ein Unternehmen muss eine Exportquote von wenigstens 20 % haben, die Investition müssen zumindest 2 MioE betragen. Möchte ein Unternehmen – z.B. mit einer Exportquote von 80 % – genau diese Summe investieren, würde die OeKB 1,6 MioE davon übernehmen (denn die Finanzierung richtet sich nach der Exportquote). Und wie kommt die Nachhaltigkeit ins Spiel? Wenn diese Investitionen oben-drein für nachhaltige Projekte eingesetzt werden, etwa zur Abfallvermeidung, finanziert die OeKB im Rahmen der „Exportinvest Green“ weitere 20 % der Investitionssumme.

Kapitalmarkt wird nachhaltig angezapft
Damit ist aber noch nicht Schluss. Seit Anfang Oktober spielt auch der Kapitalmarkt eine wichtige Rolle in der Nachhaltigkeitsoffensive. Anfang Oktober emittierte die OeKB einen „Sustainability Bond“ mit einem Kupon von 0 % und einem Volumen von 500 MioE. Denn auch bei der Mittelaufnahme steht die Nachhaltigkeit stärker im Fokus, ebenfalls mit klaren Spielregeln bei der Mittelverwendung. Bei dieser Anleihe wandern zum Beispiel 70 % der Erlöse in Sozialprojekte, etwa zum Bau eines Spitals und Krisenzentrums in Trinidad und Tobago.

Der Rest wird für Umweltprojekte, wie dem Aufbau von Solarparks in Ägypten oder der Trinkwasserversorgung in der Mongolei, verwendet. Und knapp die Hälfte der Erlöse wird in Europa eingesetzt – unter anderem zur Finanzierung von Projekten im Rahmen der „Exportinvest Green“.

Gefüllte Pipeline
Weitere Emissionen sollen freilich folgen. Wie oft diese erfolgen werden, hänge davon ab, wie rasch sich neue Projekte ergeben, heißt es. Für Sommer-Hemetsberger steht jedenfalls fest: „Die Emissionen sehen wir als Teil einer gesellschaftlichen Verantwortung“. Auch die Anleger sehen das sichtlich so, der Bond war nämlich mehr als dreifach überzeichnet. Schließlich würden immer mehr Großanleger, wie etwa Pensions- und Vorsorgekassen, ihre Gelder nachhaltig veranlagen, betont die OeKB-Expertin. An der Nachfrage dürfte es damit auch künftig nicht mangeln.

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Rezessionsgefahr in der Eurozone

In der der Wirtschaft manchmal bergauf, dann wieder bergab – im vierten Quartal gab es nur minimale Zuwächse und für Europa droht eine Rezession.

Michael Kordovsky. Das Wirtschaftswachstum kühlt weiter ab. Die vorläufige Schnellschätzung des BIP im Euroraum zeigt vom zweiten auf das dritte Quartal einen Rückgang des BIP-Wachstums von 1,2 auf 1,1 % (verglichen mit 1,3 % im ersten Quartal 2019). Dabei herrschte mit durchschnittlich 0,9 % nur noch ein moderater Preisauftrieb im dritten Quartal. Somit kann man der Inflation für das schwache Realwachstum keine Schuld geben.

Es herrscht tatsächlich ein Abschwung auf breiter Front dessen Epizentrum in einer Schwäche der Industrie liegt. Italien weist bereits im zweiten Quartal auf Jahresbasis ein Negativwachstum von -0,1 % auf und in Deutschland hat sich vom ersten auf das zweite Quartal das Wirtschaftswachstum bereits von 0,9 auf 0,4 % verlangsamt.

Dass eine Rezession im Verlauf des Jahres 2020 durchaus plausibel erscheint, kann anhand der Einkaufsmanager-Index-Daten von IHS Markit anschaulich illustriert werden: Die Privatwirtschaft des Euroraums ist gemessen am IHS-Markit-Eurozone-Composite-Index im September haarscharf an der Kontraktionsgrenze „vorbeigeschrammt“, ehe im Oktober auf niedrigem Aktivitätsniveau eine leichte Erholung von 50,1 auf 50,6 Zähler einsetzte, was aber noch immer einer der niedrigsten Werte seit sechseinhalb Jahren ist.

Anhaltende Industrieschwäche
Was auffällt, ist die Schwäche der Industrie infolge einer Krise des Automobilsektors und der globalen Handelskonflikte. Die Industrieproduktion war im Oktober bereits den neunten Monat in Folge rückläufig. Der Dienstleistungssektor wies hingegen erneut Wachstum auf, allerdings mit der zweitniedrigsten Steigerungsrate seit Jänner.

Die Privatwirtschaft Deutschlands war bereits den zweiten Monat in Folge in der Kontraktion, während es in Italien, Irland und Spanien leichte Zuwächse gab. Kritisch ist dabei auch, dass die spanische Wirtschaft das schwächste Wachstum seit knapp sechs Jahren aufweist.

Wie schlecht es aktuell um den Euroraum bestellt ist, zeigen Frühindikatoren, insbesondere die Auftragseingänge der gesamten Privatwirtschaft (Dienstleistung und Industrie). Hier erlitt der Euroraum den zweiten Rückgang in Folge, primär aufgrund der Einbußen in der Industrie und der rückläufigen Exportnachfrage. Laut IHS Markit zählte der 13. Exportorderverlust in Folge aus Industrie und Servicesektor zusammengenommen erneut zu den höchsten seit Umfragebeginn. In der Folge nahmen zum achten Mal hintereinander die Auftragsbestände ab.

Im Einklang mit dieser Entwicklung sinken die Lagerbestände die Industrie rapide. Die Vormateriallager nahmen laut IHS Markit so zügig ab wie zuletzt im März 2013 und die Bestände an Fertigwaren so stark wie seit über drei Jahren nicht mehr. Ein- und Verkaufspreise stehen unter Druck.

Die Einkaufspreise sind so stark rückläufig wie zuletzt im März 2016. Vor allem Kupfer, Stahl und Kunststoffpreise haben sich verbilligt, was ein Indikator für Konjunkturschwäche ist. Hier spielt vor allem die rasche Konjunkturabkühlung in China eine Rolle.

Die Volkswirte von IHS Markit leiten aus aktuellen Einkaufsmanager-Indexdaten für den vierten Quartalsabschnitt nur noch ein BIP-Wachstum von maximal 0,1 % ab. Dabei ist besonders kritisch, dass dieses Miniwachstum einzig und allein aus der Abarbeitung der Auftragsbestände resultiert. Die Nachfrage hingegen ist auf Sparflamme.

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Schwellenländer: Im Sog des Handelskriegs

Bei Lyxor sieht man wegen der Turbulenzen an den Schwellenländer-Börsen jetzt eine gute Kaufgelegenheit.

Raja Korinek. So richtig haben wohl noch die wenigsten Marktbeobachter den Durchblick, wenn es um den US-Handelsstreit mit China geht. Wurde erst vor kurzem ein vermeintlicher Durchbruch vermeldet, prangerte US-Präsident Donald Trump zuletzt das langsame Tempo bei den Verhandlungen an. Und das hat auch Spuren an den Börsen hinterlassen. Vor allem jene in den Schwellenländern werden von den Querelen belastet, wobei Chanchal Samadder, Leiter für Produktstrategien bei französischen Lyxor ETF, die negative Reaktion übertrieben findet.

Indien mit interessantem Potential

Er meint, das gelte allen voran für Indiens Aktienmarkt. Dazu verweist Samadder etwa auf das US-Handelsdefizit gegenüber Indien, das mit rund 25 MrdUSD ver-gleichsweise gering sei. Mit China hat es 350 MrdUSD erreicht. Obendrein macht die Exportquote in die USA 2 % der Wirtschaftsleistung aus, ist damit nur halb so groß wie Chinas oder Südkoreas Quote. Denn Indiens Wirtschaft hat einen großen Fokus auf den Binnenmarkt, ist somit weniger dem internationalen Geschehen ausgesetzt.

Interessierte Anleger, die sich das Risiko zutrauen, können beispielweise mit einem börsengehandelten Indexfonds, einem ETF, auf einen weiteren Aufschwung an Indiens Börse setzen. Grundsätzlich erzielten Anleger gerade in den Emerging Markets eine höhere Rendite mit einem Indexinvestment als mit einem aktiv verwalteten Fonds, erklärt Samadder dazu.

Der Grund? Noch seien die Börsen in diesen Regionen stark von allgemeinen Nachrichten getrieben, und weniger von einzelnen Unternehmensmeldungen. Gibt es einmal negative Schlagzeilen zu einem Land, werde deshalb gleich auch der gesamte Index abverkauft. Da helfe geschickteste Stock Pickings wenig, sagt der Lyxor-Experte.

Er räumt aber auch ein, dass dieses Phänomen inzwischen abnehme, da die Schwellenländer zunehmend entwickelt seien.

Positive Meldungen als Zugpferd

Freilich, die gleiche Entwicklung gilt auch in die andere Richtung, sprich, bei positiven Nachrichten. Und davon gebe es für Indien genügend, findet Samadder. Allein in Indien brumme der Konjunktur-motor, auch der große Bevölkerungsanteil junger Menschen sei ein wichtiger Treiber. Obendrein gab die indische Regierung im September die Senkung der Unternehmenssteuern von 30 auf 22 % bekannt.

Eine Möglichkeit, auf einen Aufschwung des indischen Marktes zu setzen, bietet etwa der “Lyxor MSCI India UCITS ETF” (ISIN: FR0010361683), der auf Large Caps und Mid Caps aus der Region setzt.

Anleger, die lieber in den MSCI Emerging Markets Index investieren wollen – zum Beispiel mit dem Invesco „MSCI Emerging Markets UCITS ETF“ (IE00B3DWVS88) -, sollten die jüngsten Indexentwicklungen gut kennen, meint Samadder. Darin ist Chinas Anteil inzwi-schen auf rund 34 % angestiegen.

Chinas Gewichtung steigt

Grund ist die Aufnahme der Festlandtitel, der sogenannten „A-Aktien“. Erst vor kurzem wurde deren Gewichtung auf 4,1 % erhöht. Der Rest entfällt auf chinesische Aktien, die in Hongkong oder in den USA notieren. „Anlegern, denen Chinas Anteil nunmehr zu hoch ist, können in einen Schwellenländer-ETFs investieren, der chinesische Aktien auslässt“, sagt Samadder. Eine solche Möglichkeit bietet der Lyxor „MSCI Emerging Markets Ex China UCITS ETF“ (LU2009202107).

Trotz der langfristig positiven Wachstumschancen bei den Schwellenländern müssen Anleger dennoch hohe Kursschwankungen in Kauf nehmen und natürlich das Währungsrisiko immer beachten.

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Medizintechnik unter der Lupe

Anleger müssen die Produkte verstehen und auch das Gefühl haben, dass zum Wohle der Menschen gearbeitet wird.

Roman Steinbauer. Der einstige DAX-Favorit Fresenius Medical Care (FMC, ISIN: DE0005785802) ließ Anleger bereits im vergangenen Jahrzehnt auf die Medizintechnik blicken. 2015 setzten die Dividendentitel des weltweiten Anbieters von Erzeugnissen zur Dialysetechnik dann aber zu einer Konsolidierung an.

Im deutschen MDAX-Segment stellten die Wertpapiere der Carl Zeiss Meditech (DE0005313704) FMC und andere Anlagesegmente zuletzt weitgehend in den Schatten. Von 15 € im Jahr 2011 ausgehend wurde die 100-€-Schwelle überschritten und der gesamte TecDAX klar hinter sich gelassen. Führt ein Unternehmen wie Carl Zeiss Produkte im Portfolio (Innovationen in der Augenheilkunde bis zur Mikrochirurgie), die der Investor im groben Umriss versteht, und werden diese zum Wohle des Menschen eingesetzt, führt dieser Ansatz zu einer ergänzenden Genugtuung. Die Bewertung des OP-Equipment-Spezialisten aus Jena ist mit einem Vorwärts-KGV für 2021 von 37 und einer Marktkapitalisierung von 9,5 Mrd€ unterdessen extrem hoch. Die Umsätze und die Gewinne zogen seit acht Jahren zwar hoch zweistellig an, folgten dem hohen Tempo der Kursnotizen jedoch nicht. Dies trifft ebenso auf die mittlerweile heiß gelaufenen Aktien der Eckert & Ziegler Med-Technik (DE000 5659700) zu. Die Notiz eines der größten Hersteller radioaktiver Komponenten für medizinische Zwecke schoss binnen dreier Jahre um mehr als 500 % nach oben.

Technologieschub zieht Risikokapital magisch an

Oft sind Kleinanleger mit Investitionen in diversen Branchen (Pharma, Biotech, Software) damit konfrontiert, die Art der Umsatzgenerierung kaum oder gar nicht nachvollziehen zu können. Im Zuge der vielfältigen humanistischen Anwendungsmöglichkeiten in der Medizintechnik zeigen in diesem Sektor gelungene Therapiekonzepte der Unternehmen hingegen nachvollziehbare Erfolge auf. Dies trifft unter anderem auf die in Genf beheimatete Alcon AG zu. Die Aktien (CH0432492467) werden seit April an der SIX Swiss gelistet. Das bereits 1945 in Texas gegründete Augenheilkunde-Unternehmen bietet umfangreiche Expertisen und ein breites Vision-Care-Produkt-Portfolio in 140 Ländern an. Die Bewertung ist mit einem KGV von 30 und einer dünnen Dividende keineswegs moderat. Die Langfrist-Fantasie liegt aber im künftig global steigenden Zugang mehrerer 100 Mio Menschen zu einem verbesserten Sehvermögen.

Einen Erfolgslauf hatten ebenso die Pulsion-Medical-Systems-Anteilhaber (DE0005487904) zu verzeichnen, ehe 2015 ein Ergebnisknick einkehrte. Die Titel des nahe München liegenden Diagnose- und Überwachungsanbieters mit 78 Mitarbeitern weisen mit einer stabilen Dividendenzahlung von 0,86 € eine Rendite von 3,4 % auf. Die Eigenkapitalquote liegt bei 59 %, der Streubesitz befindet sich bei dünnen 22 % (hohe Volatilität!).

Eine sich andeutende Bodenbildung

Seit dem Höchststand von 2017 halbierte sich die Drägerwerk-Notiz (DE0005550636). Reizvoll: Nach Verlustquartalen wurde im dritten Abschnitt dieses Jahres die Gewinnzone wieder erreicht. Die Lübecker bieten Spitälern Anästhesie-Arbeitsplätze, Beatmungsgeräte, Gassysteme, Patientenmonitoring sowie IT-Lösungen für den OP an.

Grobe Abschläge gab es jüngst auch in den Valoren der Geratherm Medical (DE0005495626). Das Unternehmen entwickelt moderne, mobile internettaugliche Varianten zur Körpertemperaturmessung und entsprechende Monitore. Eine Dividende von 0,40 € wirkt beim aktuellen Kurs von 7,50 € attraktiv.

Foto: Carl Zeiss Meditec

 

 

Startbereit: Das Auto der Zukunft

Technische Neuerungen wie autonomes Fahren bergen spannende Investmentchancen.

Harald Kolerus. Fahrassistenzsysteme erleichtern uns das Einparken, die Scheibenwischer-Automatik sorgt für zusätzlichen Komfort, Antiblockiersysteme bringen noch mehr Sicherheit und werden durch Kollisionswarnschutz immer weiter verfeinert. Solche technischen Errungenschaften sind schon lange keine Science-Fiction mehr, sondern zählen in vielen modernen Pkw und Bussen bereits zum Standard. Aber das ist natürlich erst der Beginn umwälzender Entwicklungen der Mobilität. Diese betreffen etwa den starken Trend zu Elektro-Fahrzeugen und natürlich selbstfahrende Automobile, an denen eifrig gebastelt wird. 

Auf Zulieferer setzen

Und die Zukunft hat sozusagen heute schon begonnen: So haben Wissenschaftler des DLR-Instituts für Verkehrsforschung prognostiziert, dass der Anteil autonomer Fahrzeuge in Deutschland im Jahr 2035 bereits 42 % betragen soll. Gleichgültig ob der Zeitplan in diesem Umfang hält oder nicht, es kristallisiert sich heraus, dass selbstfahrende Autos kaum noch zu stoppen sind. Mit durchaus disruptiven Folgen für die Autoindustrie, die unsere bekannten Benziner und Dieselfahrzeuge ziemlich alt aussehen lassen. Wie können sich nun Anleger auf die neuen Zeiten vorbereiten und sogar daran teilhaben?

Eine charmante Idee hat man in diesem Zusammenhang bei der Deutschen Bank gefunden und das „Solactive Auto der Zukunft Index-Zertifikat“ (ISIN: DE000DS8AUT5) lanciert. Der zugrundeliegende Index bildet die Wertentwicklung von Unternehmen ab, die auf die Entwicklung von automatisierten Fahrerassistenzsystemen und die „Elektrifizierung von Fahrzeugen“ fokussiert sind. Christian-Hendrik Knappe, er ist  Produktexperte X-markets, Deutsche Bank AG, erklärt im Gespräch mit dem Börsen-Kurier die Hintergründe: „Es ist ein Trend zu erkennen, dass sich Investoren von den klassischen, großen Autoproduzenten wegbewegen. Nicht zuletzt deswegen, weil diese durch die Umwälzungen im Sektor in Schwierigkeiten geraten könnten, bzw. zum Teil schon geraten sind. Beispielhaft ist hier die entwicklungs- und damit kostenintensive Umstellung der Fahrzeuge auf Elektroantriebe zu nennen. Alternativ bieten sich Veranlagungen in Komponenten-Hersteller an, ohne die die technischen Neuerungen kaum machbar wären. Genau auf diese Unternehmen zielt das Konzept der Solactive AG, die den Index entwickelt hat, ab.“   

Breite Streuung

Im Index konzentrieren sich nun aktuell 27 Titel aus unterschiedlichen Ländern, darunter unter anderem Zulieferer, Halbleiter- und Komponentenhersteller sowie Anbieter von Funk- und Sicherheitssystemen. Man findet darunter in unseren Breiten eher unbekannte Firmen wie American Tower oder Tomtom International aber auch sehr klingende Namen wie Infineon, Texas Instruments, Intel oder Continental.

Apropos Continental: Das Unternehmen musste vor kurzem mitteilen, dass es in die roten Zahlen gerutscht ist und kündigte Massenkündigungen an. Der Konzern will mit einem Spar-und Restrukturierungsprogramm den „Wagen wieder flott machen“ und geht auch neue, durchaus interessante Wege. Knappe: „Es ist kaum bekannt, dass Continental nicht nur ein bedeutender Reifenhersteller ist, sondern z. B. auch Branchenführer bei Videosystemen im Automobilbereich. Ein gutes Beispiel dafür, wie klassische Unternehmen auf die Umbrüche im Sektor reagieren

Foto: Continental

 

 

Rendite-Alternative für Institutionelle Investoren

Asset Backed Securities (ABS) bieten im Vergleich zu traditionellen Fixed-Income-Instrumenten solide Renditen.

Patrick Baldia. Das Anleihekaufprogramm der EZB hat die traditionellen Fixed-Income-Märkte bekanntlich gehörig durcheinandergewirbelt. Wer heute etwa in Staatsanleihen mit hoher Bonität – wie zum Beispiel deutsche Bundesanleihen – investieren möchte, muss negative Renditen in Kauf nehmen bzw. den Emittenten dafür bezahlen, dass er sein Geld überhaupt annimmt. Ein baldiges Ende dieses Dilemmas ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Diesen Monat wird die EZB unter der neuen Präsidentin Christine Lagarde wieder damit beginnen, Anleihen zu kaufen – und zwar ohne zeitliche Begrenzung.

„Das Kaufprogramm der EZB hat dazu geführt, dass die Anleihekurse steigen und die Renditen zurückgehen“, bringt es Rens Ramaekers, er ist Portfolio Manager Alternative Fixed Income bei Aegon Asset Management, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier auf den Punkt. Der Experte verweist auf die Rendite von -0,7 % (gemessen am „Barclays Euro AAA Government Bond Index“, Anm.), die derzeit mit Staatsanleihen mit AAA-Rating „lukriert“ werden kann. Nur Unwesentlich mehr – sprich durchschnittlich 0,3 % – sei etwa mit europäischen Unternehmensanleihen drinnen.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch Veranlagungen, die von der Politik profitiert haben: Seit 2014 sind die Zuflüsse in alternative Fixed-Income-Instrumente wie Asset-Backed-Securities (Wertpapiere, die durch Forderungen besichert sind, Anm.), Hypotheken oder Privatplatzierungen von knapp 10 auf 30 MrdE angestiegen. Im Vergleich zu sicheren Staatsanleihen kann damit zumindest eine solide Rendite eingefahren werden. Nur ein Beispiel: der von Ramaekers gemanagte „Aegon European ABS Fund“ (ISIN: IE00BZ 005F46), der unter anderem in verbriefte Hypothekendarlehen, Konsumkredite, Auto-Darlehen und Kreditkartenforderungen investiert, hat aktuell auf Zwölfmonatesicht ein Plus von mehr als 0,8 % zu Buche stehen. Seit Jahresbeginn sind es 1,7 %. In den letzten 14 Jahren hat der Fonds nur in zwei Jahren – 2008 und 2011 – eine negative Performance geliefert.

Geringe Korrelation zu anderen Assetklassen

Dass ABS noch immer unter einem schlechten Image leiden – bekannt-lich gilt die Assetklasse als Mitauslöser der Finanzkrise – will Ramaekers gar nicht abstreiten. Das zeige sich darin, dass der Markt derzeit weniger überlaufen sei. Aktiv wären überwiegend Pensionsfonds oder Banken. Neben Renditeüberlegungen gibt es für den Experten jedenfalls einen weiteren guten Grund, sich für ABS zu interessieren: Diversifizierung. „Die ABS-Renditen weisen eine geringe Korrelation zu traditionellen Fixed-Income-Instrumenten, Aktien und Immobilien auf“, erklärt der Experte.

Laut Ramaekers sind ABS-An-leihen so strukturiert, dass sie Anlegern Schutz bieten. Schließlich wären sie von einem „Pool aus Vermögenswerten“ abgesichert. „ABS-Anleihen können sowohl starke Immobilienpreisverwerfungen als auch Ausfälle im zugrundeliegenden Hypotheken-Pool verkraften“, hält er fest. Besonders europäische Papiere wären vergleichsweise sicher. Zwischen 2007 und 2018 lag die durchschnittliche Ausfallsrate bei 1,6 %, in den USA hingegen bei 19,3 %. Ramaekers führt das darauf zurück, dass die Kredite überwiegend von Banken vergeben werden – und zwar anders als in den USA in erster Linie an erstklassige Kreditnehmer. Dazu komme ein volles Rückgriffsrecht gegenüber dem Kreditnehmer.

Besonders interessant sind für Ramaekers niederländische Hypothekendarlehen. Er geht davon aus, dass der „AeAM Dutch Mortgage Fund II“ heuer eine Rendite von 2,20 % erzielen wird. Auch diese Instrumente würden mit einer sehr geringen Ausfallsrate punkten. Dazu kommen ein staatliches Garantiesystem für private Hypotheken sowie gesetzliche Rahmenbedingungen, die den Kreditgeber begünstigen.

Allerdings würden sich niederländische Hypothekendarlehen – vor allem aus Liquiditätsüberlegungen – für Privatanleger weniger eignen. Wie auch andere alternative Fixed-Income-Instrumente wären sie in erster Linie ein institutionelles Produkt. 

Foto: Pixabay / geralt

 

 

USA und China: Gelingt Phase 1 des Handelsabkommens und was bedeutet das für die Aktienmärkte?

Autor: Rob Mumford, Investmentmanager im Team Schwellenländeraktien bei GAM Investments

Die USA und China haben sich kürzlich grundsätzlich auf die erste Phase eines Handelsabkommens geeinigt, dessen genaue Ausgestaltung nun erarbeitet wird. Die Teilvereinbarung deckt eine ganze Reihe von Fragen bezüglich des Handels und der allgemeinen Wirtschafts- und Industriepolitik ab. Ob das ausgearbeitete Abkommen jedoch wie ursprünglich geplant bereits im November 2019 zur Unterzeichnung fertiggestellt werden kann, erscheint noch ungewiss. Sollte dies gelingen, dürften kurz darauf Gespräche über die zweite Phase des Abkommens aufgenommen werden, das Punkte umfasst, die in dieser ersten Vereinbarung noch nicht berücksichtigt wurden.

Die grundsätzlich vereinbarten Punkte umfassen den Aufschub einer bevorstehenden Zollerhöhung (allerdings ohne die für Dezember geplanten weiteren Verschärfungen), den Kauf zusätzlicher US-Agrarprodukte durch China, Fragen des Technologietransfers, den Schutz geistigen Eigentums, die Ausarbeitung eines Streitbeilegungsmechanismus und Schritte in Richtung eines transparenteren Währungsregimes.

„Light Version“ eines Handelsabkommens

Das Bemerkenswerte an den bisherigen Ankündigungen, die vom chinesischen Lager nicht als Vereinbarung, sondern lediglich als „signifikante Fortschritte“ bezeichnet wurden, sind nach unserer Einschätzung die Punkte, die nicht enthalten sind (zum Beispiel das Thema Huawei) und die schwammige Formulierung der Punkte, die theoretisch vereinbart wurden. Von konkreten Fortschritten zu einer nachhaltigen Verbesserung der Beziehungen zwischen den USA und China ist bislang nur wenig zu sehen. Unter Marktgesichtspunkten stellt die Vereinbarung jedoch einen wichtigen positiven Schritt dar, da dadurch die Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und China – mit entsprechenden negativen Auswirkungen auf das Wachstum der Weltwirtschaft sowie Rezessionsrisiken – zumindest vorübergehend gestoppt wurde. Die Alternative war eine kontinuierliche Zuspitzung in den unterschiedlichen Bereichen des strategischen Konflikts, die zuletzt unter anderem auch die Drohung der Regierung Trump umfassten, den Zugang chinesischer Unternehmen zu den Kapitalmärkten der USA einzuschränken. Damit wurde in diesem Konflikt, der sich ohnehin schon über den Handel hinaus auf eine Reihe anderer Bereiche ausgeweitet hatte, eine weitere Front eröffnet.

Dies ist die „Light-Version“ eines Handelsabkommens, mit dem viele gerechnet hatten, nachdem sich die beiden Regierungschefs im Juni in Japan auf dem G20-Gipfel getroffen und vereinbart hatten, die Gespräche im Juli fortzusetzen. Im August verhängten die USA jedoch abermals neue Zölle auf die verbleibenden chinesischen Exporte im Wert von 300 Milliarden USD und bezeichneten China als Währungsmanipulator, als der Renminbi über die Schwelle von 7 CNY je USD stieg. Dieses potenzielle Abkommen kommt nun möglicherweise zustande, nachdem zuletzt einige sehr beunruhigende Konjunkturindikatoren veröffentlicht wurden, insbesondere die US-Renditen und die Entwicklung der Zinsstrukturkurve sowie die jüngsten Daten des US Institute for Supply Management (ISM) zum Fertigungssektor. Die chinesischen Inlandsdaten standen unterdessen ebenfalls unter Druck und fielen insbesondere für den Handel und die Industrie relativ schwach aus. Dazu kam es, obwohl die Wirtschaft durch die fortgesetzte moderate Lockerung der Zinspolitik, die fiskalische Unterstützung und die Industriepolitik (einschließlich Konsumanreizen und voraussichtlich höheren Infrastrukturinvestitionen) gestützt wurde.

Positive Reaktion der Aktienmärkte aber Restrisiko bleibt

Die Aktienmärkte reagierten bislang leicht positiv auf diese Maßnahmen. Einige chinesische Indizes stiegen an dem Tag, an dem das Handelsabkommen angekündigt wurde, zwischen 0,5% und 1%, während die Preise der in den USA notierten American Depositary Receipts (ADRs) chinesischer Unternehmen deutlich zulegten, da die Bedrohung ihres Notierungsstatus erheblich abnahm. Der Renminbi verteuerte sich und kletterte an das obere Ende seiner Konvertierungs-Bandbreite von 7,05 bis 7,20, die er seit August einnahm. Der zwölfmonatige Terminkurs des Renminbi liegt unterdessen bei 7,11 und impliziert damit einen stabilen Währungshintergrund. Die Renditen chinesischer Staatsanleihen stiegen gegenüber ihrem Tiefpunkt im August ebenfalls: Die Rendite der zehnjährigen chinesischen Staatsanleihen notiert derzeit etwas über der Spanne der vergangenen Monate von 3,00 bis 3,15 %.

Dennoch besteht die Gefahr, dass selbst diese abgespeckte Vereinbarung nicht ratifiziert wird. Mögliche Hürden könnten der innenpolitische Druck in den USA und Gespräche auf hoher Regierungsebene in China am Monatsende darstellen. Wir gehen jedoch davon aus, dass eine Vereinbarung zustande kommen wird, da die bisher beschriebenen Punkte eine Reihe von Zusicherungen abdecken, die die chinesische Regierung bereits geplant hatte oder an denen sie derzeit arbeitet. Hierzu zählen unter anderem der Wunsch, eine stabile Währung zu halten, ein neues Gesetz für ausländische Investitionen, der Trend zu einem besseren Schutz des geistigen Eigentums und sogar höhere Importe von US-Agrarprodukten, die angesichts des jüngsten Anstiegs der Lebensmittelpreisinflation hilfreich sein könnten. Zugleich dürfte sich die US-Regierung ebenfalls Sorgen über die Entwicklung der Wirtschaftsdaten und die Rolle des Handelskonflikts als treibende Kraft dieses Trends machen, während die Agrarvereinbarung der Regierung einen Pluspunkt bei den Wählern verschaffen dürfte – ein wichtiger Faktor vor den Wahlen im nächsten Jahr.

Die chinesische Regierung wünscht sich nach unserer Einschätzung in erster Linie ein stabiles externes Umfeld. Das Land verfügt über ausreichenden Spielraum bezüglich des strukturellen Wachstums und ausreichend konventionelle geld- und fiskalpolitische Munition, um strukturelle Anpassungen für die Steuerung, Unterstützung und Verbesserung der Qualität des Binnenwachstums einzusetzen, wohingegen ein übermäßiger externer Druck ein Risiko für diesen Prozess darstellt. Dies ist ein wichtiges Thema für den Aktienmarkt, der darüber hinaus das Thema «Premiumwachstum mit verbesserter Qualität» widerspiegelt und attraktive Bewertungen aufweist. Nach unserer Einschätzung dürften sich chinesische Aktien weiterhin gut entwickeln, sofern Extremrisiken – wie etwa Weltuntergangsszenarien für die künftige Beziehung zwischen den USA und China – vermieden werden können.

(Foto: GAM)

Warum der Aufschwung noch bevorsteht

Nur kurzfristig trübt sich das Bild in Asien ein, meinen Experten.

Raja Korinek. Die jüngsten Meldungen zu Chinas Konjunktur malen ein wenig rosiges Bild. Im dritten Quartal wuchs die Wirtschaft gegenüber dem Vorjahr um nur 6 %. Damit fiel die Zahl auf den niedrigsten Stand seit fast drei Jahrzehnten. Zu den Ursachen zählt freilich der US-Handelskrieg, aber auch die Bemühungen der chinesischen Regierung die wachsende Verschuldung einzudämmen.

Chinas Wachstum knickt ein
Zumindest aber wächst der innerasiatische Handel. Überhaut spreche mittelfristig einiges für diese Regionen, ist Tilmann Galler, Global Market Strategist bei JP-Morgan Asset Management, überzeugt. Er inkludiert dabei auch entwickelte Länder in der Region wie Japan und Australien. Schließlich sei die Wirtschaft der zwei Länder in Asien fest integriert.

Doch wie geht es mit China als wichtiges Zugpferd weiter? Galler ist überzeugt, dass es dem Reich der Mitte gelingen werde, eine harte Landung zu vermeiden. „China hat reichlich Spielraum bei Zinsensenkungen.

Zudem dürfen internationale Investoren inzwischen Renminbi-Bonds kaufen.“ Das spült zusätzliches Kapital ins Land.

Und dann gibt es noch strukturelle Trends, von der die gesamte asiatische Region profitiert. Galler verweist auf die anhaltende Urbanisierung beispielsweise in Indien, China, Thailand oder auch in Indonesien.

Und damit steigt das BIP pro Kopf, somit der Wohlstand. Allein Chinas Wirtschaftsleistung hat inzwischen einen Anteil am weltweiten BIP von rund 15 %, „und wird in gut zehn Jahren die USA einholen“, sagt Tilmann Galler.

Asiens Firmen wachsen
Auch weitere Zahlen verdeutlichen die positive Entwicklung. Inzwischen erwirtschaften Asiens Firmen (ohne Japan) 30 % der globalen Umsätze. 1999 lag der Anteil bei 4 %. Beim Nettogewinn liegt die Zahl leicht höher. Anders sieht es beim Anteil an der globalen Marktkapitalisierung aus. Sie liegt bei lediglich rund 16 %, und deutet auf großes Aufholpotential hin.

Immerhin, innerhalb der Welt der Schwellenländer hat es bereits eine kontinentale Verschiebung gegeben. Ende Juni 2008 waren im MSCI Emerging Markets Index die größten Titel Rohstoffaktien aus Russland und Brasilien. Nunmehr sind die Top-Zehn-Werte aus Asien. Die größten Titel sind der chinesische Internettitel Tencent (ISIN: US88032Q1094), Samsung Electronic (US7960508882) aus Südkorea sowie der chinesische Online-Händler Alibaba (US01609W1027).

Und das könnte sich noch weiter zugunsten Asiens verschieben. Denn China hat seinen Markt für Festlandaktien, die sogenannten A-Shares, für ausländische Investoren geöffnet. Auch steigen dessen Anteile im Index.

Chancen mit Fonds
Interessierte Anleger können zum Beispiel mit dem „JPMorgan Funds – Pacific Equity Fund“ (LU0052474979) auf die Region breit gefasst veranlagen. Deshalb zählen nebst chinesischen High-Tech-Titeln auch Konzerne aus Nippon wie etwa der Automatisierungskonzern Keyence (JP3236200 006) und Toyota Motors (JP363340 0001) zu den größten Positionen, genauso wie die HDFC Bank (US40415F1012) aus Indien.

Wer kostengünstig in Asiens Schwellenländer investieren will, kann dies etwa mit dem „iShares MSCI EM Asia UCITS ETF“ (IE00B5L8K969). Auch hier zählen chinesische High-Tech-Aktien zu den größten Positionen, sowie etwa der taiwanesische Chiphersteller TSMC (US8740391003). Bei beiden Fonds muss man allerdings Kurs- und Währungsschwankungen beachten.

Foto: Adobe Stock /  f11photo

 

 

Telekom- und Energieanbieter im Fokus

Vontobel sieht gute Chancen durch spezielle Konstellationen.

Harald Kolerus. Der Klimawandel ist in aller Munde und Ökologie bzw. erneuerbare Energien sind die Top-Themen der Stunde. Nicht zuletzt in der Welt der Wirtschaft und Finanzen. Das hat auch der deutsche Multi RWE erkannt und neue Wege eingeschlagen: Die Strategie sieht vor, sich praktisch voll und ganz auf den Bereich der erneuerbaren Energien zu konzentrieren. Im Zuge dessen wurde vor mehr als einem Jahr ein gigantischer Asset Deal mit einem anderen ganz Großen der Branche eingefädelt – Eon.

Der Milliarden-Tausch
Die beiden Konzerne vereinbarten, Teilbereiche ihrer Geschäfte zusammenzulegen bzw. zu tauschen. Eon erhält demnach das Netzwerk- und das Endkundengeschäft von RWE. Im Gegenzug übernimmt wiederum RWE den gesamten Öko-Sektor von Eon. Wobei ein Blick auf die Börsenkurse zeigt, dass der Milliarden-Deal RWE besser getan hat als seinem Partner: Während RWE einen schönen Aufwärtstrend aufweist (abgesehen von einer Korrektur im Oktober), „dümpelt“ Eon eher vor sich hin.

Was die Performance betrifft, ist RWE somit einer der aktuellen Top-Werte im DAX, diese Position wird auch von wohlwollenden Analysten-Einschätzungen untermauert: Die meisten Empfehlungen auf Bloomberg lauten auf „Kaufen“. Gleichzeitig befeuert die „trendige“ Ökologie-Story. Allerdings könnte man einwenden, dass der Titel eben schon gut gelaufen ist, und ein direktes Investment in die Aktie vielleicht nicht das klügste wäre.

Als Alternative hat Vontobel die „10,00% p.a. Protect Multi Aktienanleihe auf E.ON, RWE“ (ISIN: DE000VE2RNL8) kreiert. Heiko Geiger (Foto), er ist Spezialist für strukturierte Produkte bei Vontobel, erklärt im Gespräch mit dem Börsen-Kurier: „Dass bei diesem Produkt Eon miteinbezogen wird, sorgt für eine deutlich tiefere Barriere und einen höheren Kupon, als wenn nur RWE enthalten wäre.“ Durch diese Kombination kann also der stattliche Kupon von 10 % sowie die Barriere bei 75 % angeboten werden. Interessant vor allem für Anleger, die mittelfristig von einem Seitwärtstrend bzw. moderaten Kursverlusten der Basiswerte ausgehen. Zu beachten ist, dass beide Basiswerte beobachtet werden müssen, also auch der sich schlechter entwickelnde. Fälligkeitstag ist der 25.9.2020.

Telekom im Visier
Ein weiteres neues Angebot aus dem Hause Vontobel ist die „11,5 % p.a. Protect Multi Aktienanleihe auf Ericsson, Nokia (Quanto EUR)“ (DE000VE2UH81). Zu diesem Produkt gibt es einen speziellen Hintergrund: US-Präsident Donald Trump hat deutlich gemacht, dass er nicht wünscht, dass europäische Staaten mit chinesischen Telekom-Unternehmen wie Huawei zusammenarbeiten. Offiziell werden hierfür Sicherheitsinteressen und Spionagegefahr vorgeschoben; dass man allerdings die starke Konkurrenz aus dem Reich der Mitte nicht noch größer machen will, ist aber kein Geheimnis. Jedenfalls hat Trumps Wort noch immer Gewicht und somit könnten doch vermehrt Aufträge nicht in China, sondern bei europäischen Telekom-Anbietern landen. Hier kommen eben Ericsson und Nokia ins Spiel, wobei die Unternehmen zusätzlich von der Installation von 5G profitieren könnten. Der Kupon beträgt schöne 11,5 %, die Barriere ist bei 75 % angesetzt; Fälligkeit: 25. 9.2020. Eine durchaus spannende Investment-Story, angetrieben von der großen Weltpolitik, aber auch vom dringend notwendigen Netzausbau im Zeitalter des „internet of things“.

Foto: Vontobel

 

 

Junge Anleger – Vorbild aus dem Hohen Norden

Interview mit Elizaveta Lindström, der Generalsekretärin der World Federation of Young Investors.

Manfred Kainz. Die neue Initiative „Young Shareholders Austria“ hat Unterstützung aus dem Hohen Norden. „Young Shareholders Austria“ ist die Idee von Florian Beckermann, Mitglied des Vorstandes des Interessenverbandes für Anleger (IVA). Intention ist, (mehr) junge Österreicher für Aktionärstum zu interessieren und zu mobilisieren, die Aktionärsquote unter den jungen Anlegern zu steigern. Beim Auftaktevent in der Wiener Klimt Villa (der Börsen-Kurier berichtete in der vorwöchigen Ausgabe) konnte der IVA auch eine vorbildhafte Unterstützerin begrüßen: Die Schwedin  Elizaveta Lindström, sie ist Secretary General der World Federation of Young Investors. Der Börsen-Kurier sprach mit ihr darüber, was im Norden (besser) gemacht wird, um junge Menschen für das Aktionärstum zu gewinnen.

Organisiert
Denn im Vergleich hinken wir den Schweden ordentlich hinten nach. Während die heimische Bevölkerung bei einer Aktionärsquote von 2 bis 4 % grundelt, kann man in Schweden auf gut 18 % Direktaktionäre verweisen. Nicht zuletzt deshalb, weil die Swedish Shareholders Association mit 70.000 Mitgliedern eine treibende Kraft ist. Und diese hat, auch auf Initiative Lindströms, eine eigene Vereinigung für Junginteressenten gegründet: „Unga Aktiesparare“ zählt schon rund 14.000 Mitglieder bis zu 29 Jahren.

Finanzbildung kompakt
Finanziert ist diese aus Mitgliedsbeiträgen und staatlicher Unterstützung. Die Aktivitäten der Jugendorganisation sind vielfältig: So wird eine spezielle „Aktienspar Akademie“ geboten, die für Mitglieder gratis ist. Diese „Akademie“ ist ein Vier-Tages-Programm in zwei Schwierigkeitsstufen. In der zweitägigen Stufe eins lernt man Basics wie: Warum es wichtig ist, informiert und diversifiziert zu investieren; Wie man ein Aktiendepot eröffnet u.ä. Im zweitägigen Aufbauprogramm geht es dann um Fundamentalanalyse; wie man Reports und Bilanzen liest u.ä. Um die Ernsthaftigkeit der Teilnehmer zu gewährleisten sind beide Blöcke an Wochenenden, Samstagen und Sonntagen, anberaumt. Eingeladen wird via Social-Media-Verbreitung. Bisher konnte man damit schon rund 25.000 Jugendliche p.a. erreichen. Nach erfolgreicher Absolvierung der Abschlussprüfung dieser „Akademie“ winkt ein Diplom. Dieses wird von immer mehr Studenten (auch nichtwirtschaftlicher Studien) in ihren Lebenslauf aufgenommen und hat so Relevanz am Arbeitsmarkt bekommen, erzählt Lindström.

Attraktive Events
Neben der Jahreshauptversammlung von „Unga Aktiesparare“ besteht die Jugendvereinigung aus 41 lokalen Clubs/Abteilungen in fünf Regionen des Landes. Jede dieser Abteilungen – mit eigenständigen Geschäftsführern und Marketingmanagern – muss jedes Jahr mindestens sechs Veranstaltungen organisieren. Das können Treffen mit Aktiengesellschaften, Vortragsabende oder Social Events sein. Die Clubs melden ihre Aktivitäten an die Zentrale, sodass man ein landesweites Veranstaltungsangebot einsehen und nützen kann.

Dass diese Events Anerkennung genießen, zeigt das Interesse von Unternehmen als Sponsoren dabei zu sein. Diese nutzen die Veranstaltungen für ihr „Employer Branding“, also mit interessierten Jugendlichen als potenzielle künftige Mitarbeiter in Kontakt zu kommen, erzählt Lindström. Auch gibt es Aktiengesellschaften, die es der Jugendorganisation erlauben, bis zu zehn aktienlose Jugendliche zu ihrer Hauptversammlungen zu schicken.

Weiters gibt die Organisation ein Magazin und eine Quartals-Jugendzeitung heraus und bietet ihren Mitgliedern Ermäßigungen bei anderen Wirtschaftsmedien und bei ausgewählten Internet-Banken/-Brokern.

Es wirkt
All diese Aktivitäten tragen Früchte: Wie Clearingdaten zeigen, ist die Zahl der 21- bis 29-jährigen Aktionäre in Schweden in den vergangenen Jahren um fast 40 % gestiegen.

Foto: Börsen-Kurier

 

 

Vision 2020 für chinesische Anleihen

Ein Kommentar von Amy Kam, Investmentmanagerin im Fixed Income Team bei GAM Investments.

Chinas inländischer Anleihenmarkt ist der drittgrößte der Welt. Die JP Morgan GBI-EM Indizes zählen zu den meistverwendeten Indizes ihrer Art. Im Februar 2020 werden sich diese zwei Schwergewichte zusammenschließen, wenn JP Morgan beginnt, China schrittweise in seine Indizes für Schwellenländer-Staatsanleihen aufzunehmen. Durch die Anfang September bekannt gegebene Aufnahme werden Erwartungen zufolge Monat für Monat rund 3 Milliarden USD in Chinas Anleihenmarkt fließen.

Die Entscheidung ist keine besonders große Überraschung, stand China doch bereits seit 2016 auf der Beobachtungsliste von JP Morgan, die eine Indexaufnahme von der Entwicklung des Marktes und der Resonanz der Anleger abhängig machten. Im April dieses Jahres wurde China bereits in einen ähnlichen Bloomberg Barclays Index aufgenommen. FTSE Russell entschied sich indes gegen eine Aufnahme Chinas in den wichtigen World Government Bond Index, räumte aber ein, dass Pekings Maßnahmen zur Verbesserung des Zugangs zu seinen Staatsanleihen für ausländische Anleger «einen bedeutenden Fortschritt darstellen».

Bedeutender Schritt für China und andere Schwellenländer

Wir sind der Auffassung, dass China zwar vor internen und externen Herausforderungen steht, aber fest entschlossen zu sein scheint, Strukturreformen umzusetzen, die inländischen Märkte zu deregulieren und den Yuan (CNY) zu internationalisieren.

In einem bedeutenden Schritt zur Öffnung des inländischen Anleihenmarktes gab die Regierung 2017 den Startschuss für das Bond-Connect-Programm. Die grenzüberschreitende Plattform verbindet Chinas und Hongkongs Anleihenmärkte; ausländischen Anlegern wird der Zugang zum chinesischen Markt dadurch erheblich erleichtert. Im September 2019 hob zudem das staatliche chinesische Devisenamt (SAFE) die strengen Quotenbeschränkungen auf, die bis dahin für die Programme für qualifizierte ausländische institutionelle Anleger (QFII) gegolten hatten.

Insgesamt ist der Anteil der ausländischen Direktinvestitionen in China in den ersten sieben Monaten des Jahres 2019 um 7,3% gestiegen und dürfte künftig noch schneller zulegen. Wir sind der Auffassung, dass die Aufnahme in die globalen Indizes für China eine wichtige Quelle für Kapitalzuflüsse sein wird.

Chinas Indexaufnahme verändert Grundlagen des Index

Während die Änderungen nach und nach greifen bleibt jedoch die Unsicherheit, wie sich die langfristigen Effekte darstellen. Markus Heider, Investmentmanager im Emerging Market Fixed Income Team von GAM, glaubt, dass Chinas Aufnahme in den JP Morgan GBI-EM Global Diversified Index die Grundlagen des Index verändern wird. Märkte, die auf den Fertigungssektor ausgerichtet sind und relativ niedrige Renditen erbringen, werden an Bedeutung gewinnen, während Rohstoffproduzenten an Bedeutung verlieren. Im Index wird China die maximal zulässige Gewichtung von 10% erhalten, sodass im Gegenzug die Gewichtungen einiger Schwellenländer wie Thailand, Kolumbien und Malaysia um einen Prozentpunkt abnehmen dürften.

Diese Indexaufnahme ist ein wichtiger Meilenstein, nicht nur für China, sondern generell für die Schwellenländer. Auf CNY lautende Anleihen, die für ausländische Anleger zuvor nicht zugänglich waren, werden potenziell so sehr zulegen, dass ähnliche Papiere kleinerer Emittenten in den Schatten gestellt werden. Wir sind zuversichtlich, dass sich für uns dadurch weitere Möglichkeiten ergeben werden, um uns erfolgreich auf dem chinesischen Markt für inländische Anleihen zu bewegen.

Foto: Gam

Dreißig Waschmaschinen sind genug

IVA-Initiative für mehr junge Austro-Aktionäre gestartet.

Manfred Kainz. „Young Shareholders Austria“ lautet eine neue Initiative des Interessenverbandes für Anleger (IVA). Die Ausgangslage für die Mobilisierung der Jugend für das Thema Aktien ist ja eine höchst verbesserungewürdige, wie IVA-Vorstandsmitglied und Initiator Florian Beckermann betonen. Österreichs Aktionärsquote in der Bevölkerung liegt lediglich bei 2 bis 4 % und damit am Ende des europäischen Rankings. Im vergleichbaren Schweden etwa beträgt die Privataktionärsquote rund 25 %. Heimische Schüler, Studenten und Berufseinsteiger haben zwar Erfahrungen mit Krypto-Währungen und interessieren sich für Börse und Investment. Aber trotzdem sind junge Aktionäre in Österreich rar, nicht organisiert und haben somit keine nachhaltige Stimme am Kapitalmarkt. Dazu kommt, dass junge Anleger kaum Kontakt mit börsenotierten Aktiengesellschaften haben. Oft ist der Grund simpel: Zu den Vormittagsterminen der HV und den nach Stunden beginnenden Abstimmungspunkten haben sie ausbildungs- oder jobbedingt keine Zeit. So können sie Frage- und Stimmrecht kaum nützen.

Um trotzdem bzw. gerade deshalb eine Initiative für mehr Jungaktionäre zu setzen, startete der IVA mit einem Impuls-Event, zu dem junge Aktionäre zu einer Podiums- und Publikumsdiskussion in die Wiener Klimt-Villa geladen waren. Thema: „Lebenslanges Investment: Aktien für junge Leute.“ Diskutanten waren Elizaveta Lindström (sie ist Secretary General der World Federation of Young Investors), Erste-Bank-Vorstand Thomas Schaufler, Robert Ottel (der CFO der voestalpine und Präsident des Aktienforums) sowie Rupert-Heinrich Staller (der Geschäftsführer von Staller Investments).

Kapitalplan kann jeder
Angesichts der Nullzinsen und Inflation müsste der Weltspartag eigentlich „Weltenteignungstag“ heißen, so Schaufler. In Österreich liegen 260 Mrd Euro auf de facto unverzinsten Sparkonten. Des Bankers anschauliches Beispiel dazu: Jeder Österreicher habe umgerechnet „Reserven“ für den Kauf von 65 Waschmaschinen. Nun sei Sparen für ungeplante Ausgaben wichtig, aber Reserven für 30 Waschmaschinen sollten reichen. Mit dem Rest könnte man etwa in Kapitalpläne ansparen. Mit Zinseszins- und Cost-Average-Effekt könnten so gerade junge Menschen Vermögen aufbauen. Wobei Finanzbildung essenziell sei, denn: „Gute Ausbildung ist der beste Anlegerschutz.“ Da sei auch die Politik gefordert, denn eigentlich könne „keiner etwas dagegen haben, dass Herr und Frau Österreicher in Real Assets wie österreichische Aktien investieren“. Den Jüngeren beizubringen, auf diesem Weg etwas für die Vorsorge zu tun, gehöre in der Ausbildung unbedingt dazu.

Incentives gewünscht
Auch der bekannte kritische Aktieninvestor Staller wünscht sich ein „Pflichtfach in höheren Schulen“. Und „Fondsparen kann wirklich jeder machen“. Ottel ergänzt: „Aktiensparen ist eine Sache des Langdabeiseins.“ Eine Aktienforum-Umfrage zeigte auch: Um mehr Österreicher zu Aktien zu bringen, „müsste die Rendite höher sein als am Sparbuch“. Das ist ja schon so und müsse nur mehr kommuniziert werden, so Ottel.

Ein ausführliches Interview mit Elizaveta Lindström darüber, was die Schweden (besser) machen, lesen Sie übrigens in der nächsten Ausgabe des Börsen-Kurier.

v.l.n.r.: Rupert-Heinrich Staller, Florian Beckermann, Elizaveta Lindström, Thomas Schaufler und Robert Ottel

Foto: Petzwinkler

 

 

Digitalisierung ist mehr als Online Banking

Branchenfremde nehmen Banken immer größere Teile ihres Kerngeschäftes weg.

Manfred Kainz. Die Digitalisierung erreicht(e) den Bankensektor mit voller Wucht. Laut einem Bericht im Bank Blog über eine Studie von Bain & Company (einer der weltweit führenden Management- und Unternehmensberatungen) zu „Retail-Banking: Die digitalen Herausforderungen“ werden sich Banken strategisch, organisatorisch und operativ neu aufstellen müssen, wenn sie die Chancen der Digitalisierung voll nutzen wollen. Davon sind auch altgediente Profis überzeugt – wie etwa Wolfgang Ronzal, Vorstandsmitglied im Finanz-Marketing Verband Österreich (FMVÖ), ehemaliger Direktor der Erste Bank und heute als Experte, Trainer und Berater für Servicequalität und Kundenorientierung sowie Mitarbeiterführung und Motivation unterwegs. Als langjähriger Universitätslektor an der Wirtschaftsuniversität Wien, am Institut für Bankenlehre und Dozent an mehreren Bankakademien bietet er eigene Spezialprogramme für Banken. Bei der erstmals stattgefundenen „Langen Nacht der Banken“ warnte er: „Anlässlich verschärfter Regulierungen, niedriger Zinsen sowie hohem Kostendruck vernachlässigen aber viele Banken nach wie vor diese entscheidende Herausforderung: Dem wachsenden Wunsch der Kunden nach einer raschen und weitreichenden Digitalisierung.“

Zukunft ist schon da
Wenn traditionell ausgerichtete Banken von digitalem Wandel sprechen, denken sie oft an Online Banking, aber Dinge wie Online-Beratung in Echtzeit, Robotic Prozess Automation (RPA) oder schlichtweg vollständig digitalisierte Prozesse, die physische Bankbesuche ersetzen, klingen oft noch nach Zukunftsmusik, sieht Ronzal bei etablierten Geldinstituten. Start Ups, insbesondere FinTechs, würden aber aufzeigen, was alles bereits möglich ist und noch wäre, obwohl sie weniger Kapital und Ressourcen als die Großen zur Verfügung haben.

In anderen Branchen haben digitale Technologien, vollmobile Kommunikationsformen und soziale Netzwerke längst zu weitreichenden Umwälzungen geführt. Einstige Weltmarktführer wie Kodak versäumten den Anschluss an digitale Technologien und wurden in die Insolvenz gezwungen, nennt der FMVÖ-Vorstand ein drastisches Beispiel. Andere Unternehmen wurden zu Branchenführern in Märkten, in denen sie zuvor niemand auf der Rechnung hatte.

Gefahr
„Jetzt laufen die Banken Gefahr, dass branchenfremde Anbieter ihnen Schritt für Schritt einen wachsenden Teil ihres Kerngeschäfts abnehmen“, so zum Beispiel aktuell bei Bezahlsystemen im Internet. Einige branchenfremde Anbieter, so der Bankenkenner, erfüllen die Kundenbedürfnisse einer mit digitalen Technologien aufgewachsenen Generation teilweise schon besser und kostengünstiger.

Trotzdem oder gerade deshalb warnt der Experte vor falschen Schlüssen: „Bei einer Digitalisierungsstrategie geht es nicht darum, immer mehr Kunden zu motivieren, immer mehr Bankgeschäfte online zu tätigen, sondern ihnen zu ermöglichen, künftig selbst zu entscheiden, wann, wo und wie sie mit ihrem Institut in Kontakt treten möchten.“ Bankfilialen sind und bleiben eine wichtige Option, „allerdings in anderer Form und Funktion“.

Differenzierung
Ein wesentliches Differenzierungsmerkmal im digitalen Zeitalter werde bei Banken die Qualität der Mitarbeiter vor Ort und ihre Fähigkeit, eine hochwertige Beratung sowie einen unverwechselbaren Service zu gewährleisten, bleiben. Denn der persönliche Berater ist für viele Kunden noch immer wichtig, „allerdings nicht mehr unbedingt in der Filiale, sondern bei Bedarf auch über Video-Chat, über soziale Netzwerke, oder bei sich zu Hause“.

Foto: Adobe Stock / zapp2photo

 

 

Zeitgenössische Künstlerlegenden in ihren 90ern.

Rainer, Bertoni, Staudacher und Pirkner – betagte Herren, die Österreich repräsentieren.

Lea Schweinegger. Alle vier Künstlergrößen konnten wir unseren Lesern bereits ausführlich im Börsen-Kurier präsentieren. Nun sind diese Protagonisten trotz ihres Alters noch aktiv in der Szene. Bestens betreut jedoch, das gehört erwähnt, von ihren Ehefrauen. Wir gratulieren den großartigen Künstlern herzlich zu ihren jeweiligen Geburtstagen und sagen herzlichen Dank für die interessanten Begegnungen und Gespräche bisher.

Arnulf Rainer
Rainer, der Meister des Übermalens und Begründer des Informel, geboren in Baden bei Wien, feiert am 8. Dezember seinen 90. Geburtstag. Aus diesem Anlass startete die „Albertina“ eine Hommage an einen der 100-Top-Künstler der Welt, die bis 19. Jänner 2020 im Albertina Museum zu besuchen ist. Zu sehen ist eine Auswahl der frühen Übermalungen und Kreuze, sowie eine Auswahl aus der umfangreichen Werkgruppe der „Face Farces“ und eine Serie von beeindruckenden Schleierbildern. Internationalen Bekanntheitsgrad hat auch das gleichnamige Museum in Baden, das vor zehn Jahren gegründet wurde. Rainer stellte in den wichtigsten Museen der Welt aus, unter anderem im Guggenheim Museum in New York. Der Börsen-Kurier berichtete über den Ausnahmekünstler unter anderem in einer September-Ausgabe.

Wander Bertoni
Der zweite hochbetagte Künstler ist Wander Bertoni. Geboren wurde er am 11. Oktober 1925. Der Künstler feierte jüngst seinen 94. Geburtstag. Bertoni, der 1943 als Zwangsarbeiter aus Norditalien, exakt der Reggio Emilia, auszog, um die Kunstwelt zu erobern, ließ sich letztendlich in Winden am Neusiedlersee nieder und schuf sich dort ein wunderbares Refugium. Dieses besteht aus einem faszinierenden Skulpturenpark mit rund 500 Skulpturen des grandiosen Bildhauers, die er im Alleingang produzierte. Bertoni zählt zu den wichtigsten österreichischen Bildhauern der Nachkriegszeit, mit italienischen Wurzeln. Er ist Mitbegründer des legendären „Art Club“, einer Künstlervereinigung, deren Präsident Albert Paris Gütersloh, ein österreichischer Maler und Schriftsteller, war. Dem Besucher tut sich in Winden eine Fabelwelt auf, über die er nur staunen kann und die Werke des Künstlers einfach bewundern muss! Bertoni studierte in den Jahren 1946 bis 1952 an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Fritz Wotruba. Von 1965 bis 1994 erhielt er eine Professur und wurde Leiter einer Meisterklasse für Bildhauerei an der Universität für angewandte Kunst in Wien.

Hans Staudacher
Der Dritte im Bunde ist der Doyen des Informell: Hans Staudacher, geboren in Kärnten, Jahrgang 1923. Er zählt zu den produktivsten zeitgenössischen Künstlern. Ähnlich wie die von Arthur Conan Doyle geschaffene Kunstfigur „Sherlock Holmes“, Kennzeichen war die Deerstalker-Mütze, trifft man den Künstler stets mit Kappe. Staudacher zählt nicht nur zu den produktivsten seiner Zeit, sondern auch zu den wichtigsten österreichischen Vertretern der Wiener Secession. Der große Josef Hoffmann (Jugendstil), schickte den Künstler mit dem rebellischen Schaffensdrang zur Biennale nach Venedig. Mit seinem großen zeichnerischen Talent sicherte sich dieser – trotz schwieriger Zeiten wie II. Weltkrieg – das Überleben. Der Autodidakt ging nach dem Krieg nach Paris „um Paris auch im Frieden zu sehen“, wie er in einem Interview mit dem Börsen-Kurier erwähnte, in erster Linie jedoch, um seinen Stil weiterzuentwickeln. Die Kunstmetropole ermöglichte ihm auch das Leben als Künstler. Staudacher ist ein Autodidakt, Beobachter und Dokumentarist, der sich nie an akademische Vorgaben hielt, sich aber in seinen Anfängen von Gustav Klimt inspirieren ließ.

Jos Pirkner
Der Vierte im Bunde ist Jos Pirkner, ein avantgardistischer Architekt und unermüdlicher Skulpteur, der mit seiner Kunst wie auch mit seiner Architektur etwas sagen möchte. „Schön wäre, ich würde als ein Künstler der Zeit mit einer individuellen formalen Sprache und der Gabe zu deuten wahrgenommen“, sagte er in einem Gespräch für den Börsen-Kurier vor drei Jahren. Pirkner hatte im Auftrag des Red-Bull-Chefs Dietrich Mateschitz für die Zentrale in Fuschl den „Vulkan von Fuschl“ geschaffen. Ein Gesamtwerk mit 14 riesigen Bullen, an dem er zehn Jahre arbeitete. „Von der Dimension der Skulpturen her war dieses Projekt wirklich außergewöhnlich. Ich arbeite nach wie vor an einigen Aufträgen – nicht in dieser Größenordnung, aber dennoch bedeutend.“

Der in Osttirol gebürtige Künstler feiert am 2. Dezember 2019 seinen 92. Geburtstag.

Auf dem Bild: Der Künstler Jos Pirkner vor einem seiner Bullen am Hauptsitz von Red Bull in Fuschl am See

Foto: Peter Rigaud/Red Bull Content Pool

 

 

Trübe Aussichten

von Didier Saint-Georges, Managing Director und Mitglied des strategischen Investmentkomitees bei Carmignac.

Seit nunmehr fünf Monaten bietet sich jeden Monat dasselbe Bild: Die Märkte schwanken zwischen der Hoffnung auf eine baldige wirtschaftliche Erholung, ausgelöst durch eine Einigung im chinesisch-amerikanischen Handelskonflikt, und der Enttäuschung angesichts einer zunehmenden Unfähigkeit der Zentralbanken, einem allgemeinen Abschwung entgegenzuwirken, den sie nicht mehr unter Kontrolle haben.

Die erneute geldpolitische Lockerung der EZB sowie einige ermutigende Signale im Handelskonflikt sorgten im September dafür, dass die durch umgekehrte Signale Anfang August verursachten Verluste an den Börsen in etwa wettgemacht wurden. Die Zurückhaltung der Fed und ihre zaghaften Kommentare anlässlich der bescheidenen Leitzinssenkung um 0,25 Prozent sowie der inzwischen geringe Einfluss der EZB auf die Märkte haben jedoch einen deutlicheren Aufwärtstrend an den Aktienmärkten verhindert. Der Eurostoxx, der amerikanische S&P 500 und der japanische Nikkei schafften es nicht, dieses dritte Quartal 2019 deutlich über den Ende April erreichten Niveaus zu beenden, die einer allgemeinen Erleichterung zu Jahresanfang zu verdanken gewesen waren. Der Dollar wurde von der nach wie vor zu straffen US-Geldpolitik gestützt und trug damit maßgeblich zur unterdurchschnittlichen Entwicklung der Aktienmärkte in Schwellenländern bei, die deutlich unter den diesjährigen Höchstständen blieben. Die Anleihemärkte verzeichneten nach dem starken Einbruch im August weltweit eine Konsolidierung.

Diese Marktentwicklungen dürften heute kaum noch überraschen. Keine der verschiedenen Aussichten ist für Anleger in dieser Spätphase des Zyklus besonders verheißungsvoll: Rund um den Globus ist die Geldpolitik bereits extrem locker (weltweit gab es seit Jahresanfang 43 Zinssenkungen!) und nur noch wenig wirkungsvoll. Die Fed scheut sich weiter davor, einen Gang zuzulegen, und eine Erholung der chinesischen.

Keine der Aussichten ist für Anleger in dieser Spätphase des Zyklus besonders verheißungsvoll
Wirtschaft bleibt bislang aus. Die neue makroökonomische Hoffnung richtet sich nun auf fiskalische Impulse zur Rettung des Konjunkturzyklus. Diese Hoffnung kann sich aber nur erfüllen, sofern sich ein politischer Konsens bildet, der sich aber für die Märkte zu langsam entwickelt. Der einzige Lichtblick scheint daher eine Beilegung des chinesisch-amerikanischen Handelskonflikts, die inzwischen für beide Seiten vernünftig wäre und die Hoffnung der Märkte auf einen letzten Kurssprung zum Jahresende nährt.

Diese späte Zyklusphase geht somit in die Verlängerung und sorgt dafür, dass die Aktienindizes sich in relativ breiten Spannen bewegen und die Zinsen auf ihrem extrem niedrigen Niveau verharren. Vor diesem Hintergrund ist eine Positionierung in Aktien und Anleihen von höchster Qualität weiterhin gerechtfertigt. Diese starke Polarisierung birgt zweifellos die Gefahr, dass zyklische Werte plötzlich in die Höhe schießen, um danach genauso schnell wieder einzuknicken, wie etwa Anfang September. Abgesehen von den kurzfristigen Auswirkungen der politischen Turbulenzen dürfte jedoch eine äußerst strikte Titelauswahl unter Berücksichtigung von Transparenz und Bewertung in sämtlichen Anlageklassen weiterhin für eine Outperformance gegenüber den Indizes entscheidend sein.

Zu Beginn des letzten Quartals 2019 ist es an der Zeit, sich über den möglichen Kurs der Märkte im kommenden Jahr Gedanken zu machen. Die beiden vergangenen Jahre standen im Zeichen einer Konjunkturabschwächung und struktureller Deflationstreiber, die durch einschneidende demografische und technologische Trends genährt und durch eine historisch einmalige globale Verschuldung verschärft werden. Diese Abschwächung wurde von den Märkten 2018 zunächst heftig abgestraft, da sie von den Zentralbanken anfangs ignoriert wurde. Später bemühten sich diese um Wiedergutmachung, indem sie ihre Geldpolitik im

Gleichschritt weiter lockerten und die Zinsen noch weiter senkten. Auf diese Weise konnten die Aktienmärkte im ersten Quartal 2019 wieder Fuß fassen.

Ungeachtet dieser Atempause an den Märkten darf das Wichtigste nicht übersehen werden: Die Realwirtschaft reagiert inzwischen weniger auf geldpolitische Maßnahmen, und es wird immer offensichtlicher, dass es nicht ausreicht, die aktuelle Abkühlung der Weltwirtschaft einzudämmen, insbesondere, wenn auf breiter Front weiterhin politische Unsicherheit herrscht.

Daher verheißt 2020 im Gegensatz zu 2019 ein Jahr zu werden, in dem es auf der notwendigen Suche nach neuen Wegen an den Märkten möglicherweise zu einer Kehrtwende kommt. Sollte kein wirksames Mittel gegen die immer offensichtlichere Unfähigkeit der Zentralbanken gefunden werden, wird sich voraussichtlich ein Szenario mit einer makroökonomischen Eintrübung herauskristallisieren – mit vorhersehbaren Folgen für risikoreiche Vermögenswerte. Diese Hypothese sollte aber noch nicht als Basisszenario dienen, da sie davon ausgeht, dass die Verantwortlichen in der Politik weiterhin sämtliche Signale verschlafen. US-Präsident Trump, die Fed, China und die deutsche Regierung in Europa haben allesamt kein Interesse daran, dass sich in ihren Ländern eine Rezessionsdynamik verfestigt. Dennoch ist Vorsicht geboten, denn man kann durchaus sehenden Auges in sein Unglück laufen. Es wäre nicht das erste Mal, dass gravierende wirtschaftspolitische Fehler begangen würden.

Ein anderes denkbares und vor allem glücklicheres Szenario besteht darin, dass wirksame fiskalische Hebel endlich genutzt werden.

In Europa besteht genau darin das Ziel der Europäischen Zentralbank, und daran wird zweifellos auch die Ablösung von EZB-Präsident Mario Draghi durch Christine Lagarde nichts ändern. Neben einer deutlicheren Ausgabenerhöhung in Deutschland könnte die Aussicht auf eine Fiskalunion in der Eurozone, die den Weg zu einem mächtigen, wirklich europäischen Haushalt ebnen würde, endlich Gestalt annehmen, nachdem sie so lange durch das Zögern Deutschlands gebremst wurde. Die EZB könnte ihrerseits mit flankierenden Maßnahmen mehr oder weniger direkt die Voraussetzung für einen Aufschwung schaffen, der von Ausgabenerhöhungen getragen wird.

In den USA könnte das Wachstum durch eine konkrete Geste von Donald Trump in Richtung einer Einigung im chinesisch-amerikanischen Handelsstreit deutlich angekurbelt werden. Denn inzwischen ist allen klar, dass die politische Unsicherheit bei diesem Thema die Investitionsdynamik von US-Unternehmen massiv bremst.

Der Zeitplan liegt bei diesem optimistischen Szenario jedoch im Dunkeln. Denn es geht davon aus, dass politische Entscheidungen vorausschauend getroffen und nicht durch weltweit bereits stark geschwächte Volkswirtschaften und unter dem Druck angespannter Finanzmärkte diktiert werden. Zudem wird in dem Szenario angenommen, dass Peking – und sei es aus reiner Vernunft – dem Kandidaten Donald Trump für die nächste Präsidentschaftswahl in den USA die Hand reicht, damit dieser hoch erhobenen Hauptes seine unnachgiebige Haltung im Handelskonflikt mit ihren gravierenden wirtschaftlichen Folgen aufgeben kann.

Nicht davon auszugehen, dass die Märkte ganz reibungslos zur Normalität zurückkehren werden
Nach jahrelanger finanzieller Repression wird die Aussicht auf einen radikalen Wandel der Wirtschaftspolitik (der in den USA unter anderem von Elizabeth Warren, einer Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, befürwortet wird) vielmehr die mitunter extreme

Polarisierung der Anleger grundlegend in Frage stellen. Dies würde wahrscheinlich die Volatilität über alle Anlageklassen hinweg, einschließlich Währungen, massiv in die Höhe treiben. Dabei ist zu beachten, dass die Kursgewinne an den Aktienmärkten Anfang 2019 und die anschließende, seit fünf Monaten anhaltende Konsolidierung dank stetig sinkender Zinsen eine Verschnaufpause nach dem Warnschuss von 2018 darstellen. Sollte sich dieser Trend an den Märkten fortsetzen, erwartet uns 2020 eine Gratwanderung zwischen dem Szenario einer Rezession und dem eines umfassenden fiskalischen Impulses. Folglich ist es legitim, sich zusätzlich zu einer sorgfältigen Titelauswahl bereits jetzt auf eine klarere Richtung an den Märkten vorzubereiten.

Foto: Carmignac

Renditechancen im hohen Norden

Skandinavien überzeugt durch Innovation, Nachhaltigkeit und Stabilität.

Christian Euler. In Zeiten der Minuszinsen, geopolitischer Unsicherheiten und wachsender Konjunktursorgen gestaltet sich die Suche nach auskömmlichen Renditen zunehmend schwieriger. Chancen finden sich vor allem abseits ausgetretener Pfade. Skandinavien etwa gilt aus unterschiedlichen Gründen als aussichtsreich, doch wird die Region von vielen Investoren außer Acht gelassen. Zu Unrecht, wie ein genauerer Blick zeigt.

Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland zählen weltweit zu den Ländern mit den stabilsten politischen und sozialen Rahmenbedingungen. Gleiches gilt für das wirtschaftliche Umfeld: Im Doing-Business-Ranking der Weltbank, in dem die Ökonomen die Unternehmensfreundlichkeit eines Landes untersuchen, belegen die skandinavischen Länder immer wieder vordere Plätze. „Skandinavien gewinnt nicht zuletzt dank seines hohen Diversifikationsgrads an Bedeutung. Mit Blick auf die kleinen, aber sehr offenen Volkswirtschaften gleichen sie einer Weltwirtschaft im Mini-Format“, bringt es Malte Kirchner, Senior Institutional Sales-Spezialist bei DNB Asset Management, auf den Punkt

Die Börsen honorieren dies bereits seit Jahrzehnten. Aktien aus Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland haben seit 1970 im Schnitt um jährlich 13 % zugelegt – während ihre Pendants aus den USA und Europa nur um rund 10 % pro Jahr gestiegen sind.

Mit Fonds Partizipieren
Mit Aktienfonds können Anleger breit diversifiziert an der möglichen Fortsetzung dieser Entwicklung teilhaben. Kleinere Unternehmen etwa bündelt der „Nordea 1 Nordic Equity Small Cap Fund“ (ISIN: LU0278527428), der seit Anfang Jänner um knapp 13 % zulegte. Fondsmanager Mats Andersson setzt vor allem auf Industriewerte und zyklische Konsumgüter, die 31 respektive 19 % des Portfolios ausmachen.

Der „DNB Fund – Nordic Equities“ (LU0083425479) hat im gleichen Zeitraum gut 18 % an Wert gewonnen und liegt damit um 7 %-Punkte über seinem Vergleichsindex MSCI Nordic Countries. Bei der Sektorengewichtung des Fonds liegen Aktien aus dem Gesundheitswesen mit einem Anteil von rund 27 % auf dem ersten Platz. Die größten Positionen sind die dänischen Pharma- bzw. Biotechnologietitel Novo Nordisk und Genmab.

Bei Investments die Anleihen nicht vergessen
Gute Chancen bieten auch Hochzinsanleihen. „Der Nordic High Yield Bond Market ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und lockt immer mehr ausländische Emittenten und Investoren an“, erläutert Anders Buvik, Manager des „DNB Fund – High Yield Institutional“ (LU1303786500). Seit Beginn der europäischen Schuldenkrise seien die nordischen Märkte attraktiver geworden, da Volkswirtschaften mit niedrigem Verschuldungsgrad, großen Devisenreserven und stabilen Triple-A-Ratings wie Norwegen selten seien. Dies spiegelt sich in überdurchschnittlichen Erträgen wider: Die jährliche Rendite seit Auflegung des „DNB Fund – High Yield Institutional“ im November 2015 liegt nach Abzug der Gebühren bei 6 % in norwegischen Kronen, auf Eurobasis beläuft sich das Plus auf 4,5 bis 5 %.

Geht es nach DNB-Mann Buvik, sollten nordische Hochzinsanleihen auch künftig die Nase gegenüber ihren festlandeuropäischen Pendants vorn haben. Dazu dürfte nicht zuletzt die norwegische Krone beitragen, die derzeit gegenüber dem Euro auf ihrem historischen Tief notiert. Zwar hängt die Währung von der Entwicklung des Ölpreises ab, doch hat dessen Einfluss abgenommen, weil Gelder des staatlichen Öl-Fonds genutzt werden können, um die norwegische Wirtschaft zu stabilisieren. Mit der zu erwartenden weiteren Stabilisierung des Ölpreises wird auch die norwegische Krone ihren Außenwert verbessern und mittelfristig Wertsteigerungen ermöglichen. Zusätzliches Aufwertungspotential birgt der von der norwegischen Notenbank eingeschlagene Weg, die Leitzinsen weiter anzuheben.

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Aktienquoten müssen steigen, um Vermögen zu sichern

Im Gespräch mit Alexander Eberan, Vorstand des Bankhauses Krentschker & Co.

Marius Perger. Dass man mit Zinstiteln nahezu kein Geld mehr verdienen kann, ist eigentlich keine Überraschung mehr. Wie niedrig die Erträge allerdings sind, überrascht bei einer näheren Betrachtung dann doch. So lagen Ende September die durchschnittlichen Renditen von 10-jährigen Unternehmensanleihen mit guter Bonität (Investmentgrade) gerade einmal bei 0,82 %. Noch trauriger sieht es mit Staatsanleihen aus. Für zehnjährige Laufzeiten liegt deren Rendite in Österreich bei -0,33 %, in Deutschland bei -0,59 %. Selbst portugiesische Anleihen – immerhin war das Land lange Zeit ein Sorgenkind der EU – werfen bei gleicher Laufzeit gerade einmal 0,14 % p.a. ab. Sogar bei 30-jähriger Laufzeit gibt es beispielsweise in Deutschland negative Zinsen, in Österreich liegen sie bei mageren 0,22 %.

Dass sich damit ein „gigantisches Zinsänderungsrisiko“ aufbaut, darauf verweist Alexander Eberan, Vorstand des Grazer Bankhauses Krentschker & Co, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Sollten die Zinsen irgendwann einmal doch drehen, könnten beispielsweise Stiftungsvermögen, die oft einen Anleihenanteil von
80 % haben, in eine fatale Situation geraten.

Vor allem die Entwicklung der Realzinsen – der nominellen Zinsen abzüglich der Inflationsrate – zwinge zum Umdenken, so Eberan. Seit 2016 sind die 10-jährigen Euro-Renditen negativ und liegen derzeit nur knapp über -2 %. „Wer nicht in der Lage ist, zu investieren, erlebt Kaufkraftverluste“, betont der Krentschker-Vorstand. Das sei nicht zuletzt auch ein soziales Problem: Viele Menschen hierzulande besitzen nur Sparprodukte, negative Zinsen treffen diese Menschen am schlimmsten. Gerade für sie könnten etwa ETFs mit ihren „extrem günstigen Spesen“ eine Alternative darstellen.

Aktien attraktiver bewertet
Im Verhältnis zu Anleihen ist derzeit die Bewertung von Aktien attraktiver, so Eberan. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) US-amerikanischer Aktien liege nahe dem langjährigen Durchschnitt. Darüber hinaus ist die Gewinnrendite von US-Aktien (summierte Gewinne der S&P-500-Unternehmen im Verhältnis zum Kurs des Index) bereits seit 2001 durchgehend höher als die US-Anleihenrendite, berechnet als Rendite auf die Restlaufzeit 10-jähriger US-Treasury- Anleihen.

Dennoch stellt sich die Frage: Lohnt sich das Risiko, in Aktien zu investieren? In der Vergangenheit dürfte das nicht der Fall gewesen sein. Zwischen einem reinen Anleihen- und einem reinen Aktienportfolio gab es im Zeitraum von Ende 2000 bis September 2019 nahezu keinen Unterschied bei den Erträgen, dagegen eine deutlich höhere Volatilität bei Aktien. Investoren hatten die letzten 20 Jahre eine herrliche Zeit, sagt dazu Eberan. Doch: „Die nächsten 20 Jahre werden anders aussehen.“

Eine Szenariorechnung zeigt den Handlungsbedarf. Betrachtet man ein historisches Portfolio mit 80 % Anleihen und 20 % Aktien von Ende 2000 bis heute, so ergibt sich eine Rendite von 5,20 % p.a. Dasselbe Portfolio, mit der identischen Aktienentwicklung aber einer simulierten (und der aktuellen Situation entsprechenden) Anleihenentwicklung von 1 % p.a. bringt dagegen eine Rendite von gerade einmal 1,98 % p.a. Um die von der EZB angestrebte langfristige Inflation von rund 2 % abdecken zu können, reicht dieser Wert nicht aus.

Dazu komme, dass die jüngste Entscheidung der EZB endgültig jegliche Investoren-Hoffnungen auf eine Kehrtwende bei den Zinsen auf längere Sicht zunichte gemacht habe – man müsse mit lange anhaltenden Nullzinsen rechnen.

Aktienquoten müssen steigen
In Zukunft werde es notwendig sein, ein relativ hohes Aktienengagement einzugehen. Weil Anleihen signifikant weniger Renditebeitrag leisten werden als in der Vergangenheit, müsse die Aktienquote in Richtung 50 % angehoben werden. Eberan: „Darunter wird eine Vermögenssicherung vermutlich nicht möglich sein.“ Und sollten die Zinsen in sieben oder acht Jahren doch steigen, sei mit einer negativen Entwicklung derzeit bestehender Anleihen zu rechnen.

Die Anleihequote werde damit zukünftig „maximal“ noch als Stabilisator dienen. Weil sich aber mit einer höheren Aktienquote die Portfolioschwankungen gegenüber der Vergangenheit deutlich erhöhen werden, sei es notwendig, den Anlagehorizont auf 15 Jahre oder länger auszuweiten. In einem solch langen Zeitraum würden auch zwischenzeitliche Korrekturen nur mehr eine untergeordnete Rolle spielen. Notwendig sei es allerdings, dass der Investor wirtschaftlich und emotional in der Lage sei, diese erhöhten Schwankungen zu tragen.

Und schließlich werde eine antizyklische Handlungsweise für den Erfolg entscheidend sein. Mit seiner Rebalancing-Strategie ermöglicht das Bankhaus Krentschker bei fast allen seinen Kundenportfolios so den Erhalt der vereinbarten Vermögensstruktur.

Foto: Bankhaus Krentschker & Co

 

 

Nicht einfach, wirklich „grüne“ Produkte zu erkennen

Die Fülle an nachhaltigen Produkten stellt Anleger vor Herausforderungen.

Patrick Baldia. Nachhaltiges bzw. verantwortungsvolles Investieren gewinnt immer mehr an Bedeutung. Laut einem Bericht der „Global Sustainable Investment Alliance“ sind Investments, denen ESG-Strategien zugrunde liegen, seit 2016 um 34 % auf rund 30 Bio USD gestiegen (ESG steht für Environment, Social und Governance, Anm.). Auch eine Umfrage von „BNP Paribas Securites Services“ unter 347 Asset Managern und institutionellen Investoren zeigt auf, dass das ESG-Engagement bzw. die Integration von einschlägigen Kriterien weiter zunimmt: Mehr als 90 % der Befragten gehen davon aus, dass bis 2021 rund ein Viertel ihrer Fonds auf ESG-Kriterien ausgerichtet sein wird.

Keine einheitliche Meinung
Das Angebot an nachhaltigen Fonds nimmt also weiter zu, was durchaus erfreulich ist. Für Anleger stellt das allerdings eine Herausforderung dar. „Es ist zunehmend schwer, die wirklich nachhaltigen Produkte auszumachen“, sagt Susanne Hasenhüttl, Expertin für Grünes Investment bei der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT), im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Das liege auch daran, dass es zwar eine Reihe von Initiativen der Finanzindustrie sowie einschlägige Labels und Gütesiegel – auch von unabhängigen Instanzen – gebe, aber noch immer keinen einheitlichen internationalen Standard für nachhaltige Investments – ganz zu schweigen von einer einheitlichen Meinung, was man darunter eigentlich versteht.

Das sollte sich – zumindest in der EU – bald ändern. Derzeit wird im Rahmen des Sustainable-Finance-Programms der EU-Kommission an einer Nachhaltigkeits-Taxonomie gearbeitet. Mit diesem Klassifizierungssystem sollen Investoren leichter einordnen können, ob und inwiefern wirtschaftliche Aktivitäten ökologisch nachhaltig sind. Bis diese Taxonomie bzw. die daraus abgeleiteten Gesetzesinitiativen beschlossen werden, dürfte es noch eine Weile dauern. Zwar hat die von der EU beauftragte Expertenkommission im Juni einen Entwurf vorgelegt, die Finalisierung wurde aber verschoben. Der Grund: dem Vernehmen nach soll es zwischen den EU-Mitgliedsstaaten noch haken.

Wichtig: Portfolio- und Strategie-Check
Aktuell investiert die Mehrheit der nachhaltigen- bzw. ESG-Fonds in eine breite Palette an konventionellen Branchen und arbeitet dabei überwiegend mit zwei Investmentansätzen, die das „European Sustainable Investment Forum“ (Eurosif) bereits vor mehr als zehn Jahren kategorisiert hat: Mittels Ausschlusskriterien (Investments in bestimmte Branchen sind ausgeschlossen) oder der Best-in-Class-Ansatz (dabei wird in die Unternehmen einer Branche investiert, die jeweils die höchsten ESG-Standards aufweisen).

Und so können bei einer Anwendung des Best-in-Class-Ansatzes Titel, die alles andere als „grün“ sind – in der Vergangenheit waren VW oder BP „Klassenbeste“ – in einem Portfolio landen. Auch die Strategie des Normenbasierten Screenings – dabei wird untersucht, ob potenzielle Investments anerkannten Investmentstandards entsprechen – sind kein 100 %iger Schutz vor dem sogenannten „Greenwashing“. Als sicherer gelten nachhaltige Themenfonds. So oder so gilt: Anleger sollten sich mit ESG-Strategie und Portfolio des jeweiligen Produkts umfassend beschäftigen.

Gütesiegel können täuschen
Für bessere Orientierung und Transparenz können wiederum Labels oder Gütesiegel sorgen. Aber auch hier gilt: Genaue Kontrolle ist ein Muss. Umfassende Nachhaltigkeitskriterien, deren Einhaltung durch die Gutachten von unabhängigen Prüfstellen sichergestellt wird, gibt etwa das Österreichische Umweltzeichen, mit dem mehr als 100 Fonds ausgezeichnet sind, vor. Wie Hasenhüttl erklärt, werden die Kriterien für das staatliche Gütesiegel immer wieder überarbeitet. Dabei gehe man auch auf neue Marktentwicklungen ein. „Aktuell wird etwa der Umgang mit fossilen Energieträgern diskutiert. Dabei stellt sich die Frage, ob Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind, die Berechtigung haben, in einem nachhaltigen Fonds drinnen zu sein“, so die Expertin. Während das bei Kohle relativ klar scheine, werde es bei Erdgas schon schwieriger. So gebe es die Ansicht, dass Erdgas bis zur Entwicklung nachhaltiger Lösungen in der Industrie eine Brückentechnologie bleiben sollte. Nachsatz: „Bei jedem Label gibt es auch Punkte, die nicht passen bzw. an denen sich der Eine oder Andere stoßen könnte.“

Diese Debatte zeigt auch ein Problem bei der Festlegung von Standards im Bereich nachhaltiges Investieren auf: Während sich die einen für die völlige Meidung gewisser Branchen und Unternehmen aussprechen, meinen die anderen, dass man sie, indem man in sie investiert, zu einem veränderten und nachhaltigeren Verhalten bewegen kann. „Wir sind der Meinung, dass man mit Engagement und Impact Investing sehr viel erreichen kann“, so Neil Goddin, Manager des „Kames Global Sustainable Equity Fund“ (ISIN: IE00BYZJ4F20). Durchwegs perfekte Unternehmen gebe es nicht. Eines sei aber klar: „Die Berücksichtigung von ESG-Kritierien wirkt sich positiv auf die geschäftliche Entwicklung aus.“ Davon profitieren letztlich auch die Anleger. „Diverse Studien bestätigen, dass mit einschlägigen Produkten gute Performancechancen gegeben sind“, bringt es Florian Hauer, Aktienmanager bei der Kepler-Fonds KAG, die seit rund zwei Jahrzehnten im Bereich nachhaltige Geldanlagen tätig ist, abschließend auf den Punkt.

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Qualitätsaktien werden wichtiger

Die demographische Entwicklung als Herausforderung für Investoren.

Patrick Baldia. Die gute Nachricht zuerst: Der Mensch lebt immer länger. Während Westeuropäer um 1900 noch im Durchschnitt 50 Jahre alt wurden, sind es heute um die 80 Jahre. Bis 2060 soll die durchschnittliche Lebenserwartung sogar auf bis zu 89 Jahre ansteigen. Gleichzeitig geht die Geburtenrate in den meisten Ländern zurück. In Österreich liegt sie bei 9,7 pro 1.000 Einwohner. Die Fertilitätsrate beträgt 1,48 Kinder pro Frau. Das liegt im Übrigen unter dem Niveau, das notwendig wäre (2,1 Kinder pro Frau), um die Bevölkerung stabil zu halten.

„In den meisten Ländern werden die demografischen Effekte in den kommenden Jahren negativ ausfallen“, sagt Olaf van den Heuvel, Chief Investment Officer Aegon Asset Management, gegenüber dem Börsen-Kurier. Einerseits werde der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (15 bis 64 Jahre) dramatisch zurückgehen – allein in Deutschland wird bis 2040 ein Minus von 5 Mio Menschen erwartet. Andererseits werde die Gesellschaft immer älter. Die Folge beider Entwicklungen: Ein geringeres Potenzialwachstum. Bereits 2020 soll sich der negative Beitrag auf das BIP in der EU auf 0,5 % belaufen. Tendenz weiter steigend.

Dass man sich bei Aegon Asset Management mit langfristigen strukturellen Entwicklungen wie der Demografie und ihren Folgeerscheinungen beschäftigt, liegt auf der Hand: Schließlich handelt es sich dabei um die Vermögensverwaltungssparte (verwaltetes Vermögen: 339 MrdE, Anm.) des niederländischen Versicherungskonzerns Aegon. Letzterer ist auf Lebensversicherungen spezialisiert. „Die demografische Entwicklung wird uns noch lange Zeit begleiten“, hält van den Heuvel fest. Er geht künftig nicht nur von geringeren BIP-Wachstumsraten aus, sondern auch von zurückgehenden Investmentrenditen.

„Am Ende des Tages geht es an der Börse immer um das Gewinnwachstum. Wegen der demografischen Entwicklung wird dieses geringer ausfallen“, bringt es der Experte auf den Punkt. Gänzlich schwarz malen will er allerdings nicht. Es werde auch in Zukunft Unternehmen, Sektoren und Fondsmanager geben, die in der Lage wären, in so einem Umfeld überdurchschnittliche Renditen zu generieren. Die Zinsen würden jedenfalls noch länger niedrig bleiben. „Damit müssen wir leben“, so van den Heuvel. Er glaubt, dass Qualitätsaktien weiter an Bedeutung gewinnen werden. Auch Hochzinsanleihen sollten sich im Niedrigzinsumfeld  zumindest „zufriedenstellend“ entwickeln.

Welche Unternehmen bzw. Sektoren könnten von der demografischen Entwicklung profitieren? Naheliegende Gewinner sind sicherlich ausgewählte Biotech-, Pharma- und Medizintechnikfirmen, ebenso wie Rentenversicherer. Aber auch Pflege- und Betreuungseinrichtungen sollten zu den Profiteuren zählen. Dazu kommen Reise- und Kreuzfahrtanbieter. Letztere zählten während der Finanz-krise bekanntlich zu den wenigen Branchen, die weiterhin boomten. Wer sein Risiko streuen möchte, kann auch auf einschlägige Themenfonds setzen.

Angesichts zurückgehender Investmentrenditen – bei Vanguard rechnet man etwa im kommenden Jahrzehnt im Aktienbereich mit Bruttorenditen zwischen 4 und 5 % – steht vor allem eines fest: Beim Investieren muss man den Kosten noch mehr Bedeutung schenken. So könnte man in kostengünstige ETFs oder passive Indexfonds investieren – auch hier gibt es einschlägige Themenprodukte. Gleichzeitig gilt es auch einen Fokus auf unterbewertete Titel zu legen. Wem dazu das entsprechende Know-how fehlt, der kann auch auf einschlägige aktive oder passive Strategien setzen. Dem Anleger bleibt hier die Qual der Wahl.

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Warm anziehen gegen Restalkohol der Konjunkturparty

Wifo und IHS: Brexit und Handelsthemen größte Abwärtsrisiken.

Rudolf Preyer. Mit dem Herbst steht uns in Österreich auch eine wirtschaftliche Abschwächung bevor, allerdings keine Rezession. Auf diese Formel lässt sich die Ende vergangener Woche präsentierte Herbstprognose von Wifo und IHS bringen. Kernaussage von Wifo-Chef Christoph Badelt: Die weltweite Eintrübung der wirtschaftlichen Aussichten mache auch vor Österreich nicht halt. Kurzum: „Wir müssen uns warm anziehen.“

IHS-Chef Martin Kocher hingegen bemühte für die Konjunkturprognose ein anderes – nicht weniger plastisches – Bild: „Wir leben noch mit dem Restalkohol der Party aus 2017 und 2018. Es wird zwar keine vollständige Ausnüchterung geben. Eine neue Party ist aber auch nicht in Sicht.“ Den wirtschaftlichen Tiefpunkt erwarteten beide Institute für das Jahresende. Die gegenwärtige Erholung am Arbeitsmarkt soll schon nächstes Jahr enden, die Inflation niedrig bleiben. Die Zahlen seien hier nachgereicht: Das Wifo sieht Österreichs Wirtschaft heuer um 1,7 % wachsen (negative Korrektur gegenüber der Frühjahrsprognose um 0,1 %), nächstes Jahr soll es dann in Richtung 1,4 % gehen. Und das IHS erwartet für heuer (gleich wie im Frühjahr) moderatere 1,5 %, für nächstes Jahr wird ein Plus von 1,3 % angenommen (Prognoserücknahme: – 0,1 %).

Negative Trendwende im Arbeitsmarkt
Beginnend im ersten Halbjahr verloren die heimischen Exporte (2018: +5,9 %) deutlich an Dynamik (2019er-Prognose: +2,3 %), auch das Wachstum der Industrieunternehmen dürfte gegen Ende des heurigen Jahres kräftiger abnehmen. Investitionen wurden merklich verhaltener getätigt, während auf den Privatkonsum Verlass war: dieser expandierte stabil.

Die Bauwirtschaft ist aktuell (nahezu) vollausgelastet, die Stimmung im Dienstleistungsbereich ist „noch überwiegend positiv“, allerdings muss die Sachgütererzeugung laut Wifo-Konjunkturtest bereits Rückgänge verzeichnen.

Wie gesagt: Folgend dem internationalen Umfeld (ein erstmals geschrumpfter Welthandel seit 2008), dürfte der Tiefpunkt der österreichischen Wirtschaftsentwicklung gegen den Jahreswechsel hin erreicht werden. Im Laufe des kommenden Jahres sollte sich die Konjunktur wieder „schrittweise“ erholen, insgesamt aber „mäßig“ ausfallen.

Ist der private Konsum aufgrund der „günstigen Beschäftigungs- und Einkommensentwicklung“ – noch – stabil, warnt Badelt: „Die Reduktion der Dynamik gilt leider auch für die Beschäftigung.“

Auch Kocher geht von einer negativen Trendwende im gesamten nationalen Arbeitsmarkt aus: Die Arbeitslosenquote dürfte – „zunächst“ – von 7,4 auf 7,5 % ansteigen.

Spielraum für Steuerentlastungen schaffen
Was eine allfällige Steuerentlastung seitens der nächsten Regierung betrifft, müsse hier erst noch der Spielraum geschaffen werden, sind sich die Chefs von Wifo und IHS einig: Durch die jüngsten Parlamentsbeschlüsse vor der Nationalratswahl werde nämlich der Budgetüberschuss 2020 geringer ausfallen als bisher angenommen.

Badelt und Kocher forderten Reformen in den Bereichen Bildung und Gesundheit sowie auch beim Klimaschutz ein.

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Mit Humor heilen und das Gesundheitssystem verbessern

Monica Culen und ihr Clown-Team versuchen eine „gesundheitsfördernde Stimmung“ in heimische Spitäler zu bringen.

Manfred Kainz. Der 1. Oktober war „Europäischer Tag der Stiftungen“. Aus diesem Anlass sprach der Börsen-Kurier mit der Co-Gründerin und Geschäftsführerin der österreichischen gemeinnützigen Privatstiftung Rote Nasen Clowndoctors International Monica Culen. Ihre Organisation ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie Stiftungen Initiatoren und Treiber von zivilgesellschaftlichem Engagement sind. Culen und der künstlerische Leiter Giora Seeliger gründeten 1994 die österreichische Organisation Rote Nasen, und ihre Clowns begannen, die ersten Kinderstationen in Spitälern zu besuchen. Wegen des Erfolges und der vielen Anfragen aus dem Ausland wurde 2003 die gemeinnützige Privatstiftung Rote Nasen Clowndoctors International gegründet, mit Headquarter in Wien. Von hier aus wurden und werden Partnerorganisationen in der ganzen Welt aufgebaut, betreut und unterstützt. Aktuell ist die Red Noses Group in zehn Ländern aktiv: von Deutschland über Südost- und Osteuropa bis Palästina. Und auch die Leistungspalette ist gewachsen. Red Noses betreuen heute nicht nur kranke Kinder, sondern auch Senioren, Patienten in Rehabilitationskliniken, Kinder mit Behinderungen und Menschen in leidvollen Lebenssituationen.

Ideale Rechtsform
Die Rechtsform Stiftung haben man gewählt, weil „Foundation“ international verstanden werde und weil die rechtlichen Rahmenbedingungen für gemeinnützige Stiftungen hierzulande gut seien, so Culen. „Wir können fördernd, Spenden empfangend, ausschüttend und operativ sehr flexibel sein. „Auch die steuerliche Begünstigung bei Zuwendungen und Ausschüttungen sei ein großer Vorteil.

Messbarer Nutzen
Was den volkswirtschaftlichen bzw. gesellschaftlichen Nutzen der Roten Nasen betrifft, so gebe es Studien, dass durch Einsatz der Clowndoctors Gesamtaufenthalte von Patienten in Spitälern und postoperative Aufenthalte in Rehab-Kliniken deutlich verkürzt werden können. Der Stresspegel von Patienten, vor allem Kindern, in Intensiv- und chirurgischen Stationen werde deutlich gesenkt und der postoperative Zustand wesentlich gemildert, sodass der Heilungsprozess schneller von statten geht. In geriatrischen Stationen nehme mit dem Einsatz der Clowndoctors die Bettenverweildauer und der Medikationseinsatz ab, die allgemeine Stimmung (auch beim Personal) und Kommunikation verbessere sich. All diese positiven Wirkungen ersparen, so Culen, dem Gesundheitssystem viel Geld.

Kooperationen
Um mit anderen Stiftungen zu kooperieren, müsse man genau schauen, ob man zusammenpasst. „Wir sind Schnittstelle zwischen Gesundheits- und Kunstförderung, die positiven Impact in das Gesundheitswesen bringt“, daher könne man Organisationen und Stiftungen als Projektunterstützer für beide Themen konkret ansprechen. Neben den internationalen Kontakten bis zur UNHCR habe Red Noses in Österreich eine große Stiftung eines bekannten Familienkonzerns, „die uns seit fünf Jahren großzügig begleitet“, lobt Culen.

Gestreut veranlagen
In der Verwaltung des anvertrauten Geldes habe man „substanzielle Governance“, eine strenge Abschlussprüfung und man versuche, drei bis sechs Monatsumsätze als liquide Rücklage zu halten, um Projekte finanzieren zu können. Rund 30 % des Kapitals werde mit Hilfe zweier Privatbanken möglichst risikoarm veranlagt: „schön gestreut“ in langfristige, „ruhige“, möglichst wenig volatile Fonds. Der „Wunsch“ seien 2 bis 3 % Rendite p.a.

Wunsch
In Richtung Politik und neuer Regierung hat Culen auch einen Wunsch: Dass die Zivilgesellschaft als wichtiger Teil der Demokratie (wieder) stärker anerkennt und gefördert wird. Die Praxis zeige nämlich, dass „ausgelagerte“ Leistungserbringer für die Gesellschaft es besser und kosteneffizienter machen als staatliche Organisationen. Deshalb habe man auch vor, so die Red-Noses-Geschäftsführerin, mit dem Gesundheitsministerium zu schauen, welchen „Impact“ für das staatliche System Red Noses noch bringen könne. Ziel: Dass in den öffentlichen Einrichtungen mehr „gesundheitsfördernde Stimmung“ herrscht.

Foto: Sebastina Philipp

 

 

Ausblick auf das vierte Quartal 2019: Chancen bei festverzinslichen Wertpapieren

Während die Weltwirtschaft auf eine strukturelle und konjunkturelle Abschwächung zusteuert, bieten festverzinsliche Wertpapiere und teilweise auch Kreditpapiere attraktive Anlagechancen. Dieser Ansicht ist Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management. Er sieht Wert in der europäischen Peripherie, im europäischen Kreditgeschäft (einschließlich der hochsicheren Pfandbriefe) und in einigen Finanzschulden. 

„Die Weltwirtschaft verlangsamt sich strukturell und konjunkturell. Es gibt drei Ursachen – die erste ist strukturell: Mehrere Schwellenländer nähern sich einem fortgeschrittenen Entwicklungsniveau, in dem sich die Wirtschaft von einem sehr effizienten verarbeitenden Gewerbe in einen weniger effizienten und weitaus höherwertigen Dienstleistungssektor verlagert. Zweitens altert die Bevölkerung flächendeckend, sei es in Japan, Finnland, Italien, Deutschland und weiteren Ländern. Dieser Schock erhöht die Sparquote und reduziert umgekehrt den Verbrauch. Der dritte Faktor ist die Technologie, und der ist recht komplex. Die Suche nach Rendite zwingt Unternehmen in reifen Branchen, Kosten zu senken, was die Nachfrage dämpft. Andererseits bewegt es sie aber auch zu mehr Innovationen. Darüber hinaus ist es bei niedrigen Zinssätzen erheblich leichter, Unternehmen an den Markt zu bringen. Das bedeutet, dass das Tempo des technologischen Fortschritts wahrscheinlich weitaus höher ist, als unsere aktuellen Messungen vermuten lassen. Das Ergebnis davon ist eine niedrige Inflation. 

Konjunkturell verlangsamt sich die Weltwirtschaft, getrieben durch eine Bilanzkrise in China und in geringerem Maße in der Eurozone. In China besteht zu viel Kapazität und es fehlt an soliden Bilanzen im Finanzbereich. Daher hat die chinesische Regierung eingegriffen, um den eventuellen Kapazitätsabbau zu verzögern und die Finanzierungsbedingungen zu lockern, obwohl sie sie im überhitzten Immobiliensektor relativ straff hält. Die Daten aus China mögen fragwürdig sein – das Wachstum dürfte bei 4,2 Prozent liegen und, aufgrund des Handelskrieges, auf 3,7 Prozent hinsteuern – aber die Behörden sind äußerst glaubwürdig. Letztendlich werden sie die Situation wieder in den Griff bekommen. Dieser Wachstumsschock trifft Europa, insbesondere Deutschland, hart und wirkt sich auch in den USA aus. Das Ende der Ära des starken Wachstums in den Schwellenländern und ein Handelskrieg haben den Unternehmenssektor verunsichert. Wir erwarten, dass sich diese übermäßigen Ängste wieder abbauen werden.

Die Kombination aus einer strukturellen und konjunkturellen Abschwächung sowie in einigen Fällen auch Bilanzsorgen, wie z. B. in China, führt dazu, dass die Mischung aus Wachstum und Inflation schwach ist: ein perfektes Rezept also für festverzinsliche Wertpapiere (und bis zu einem gewissen Grad auch Kreditpapiere). Die europäische Peripherie, wie Italien und Griechenland, ist eine naheliegende Anlagemöglichkeit im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere. Die Anlageentscheidung im Kreditsektor ist etwas komplexer.

Europäische Kreditpapiere attraktiver als US-amerikanische
Die Aussichten für den Kreditmarkt sind in Europa attraktiver als in den USA. Die aktuelle Konjunkturabschwächung empfiehlt eine Bilanzanalyse aktiver Manager. In Europa entsprechen die Kreditrisikoprämien in etwa dem historischen Durchschnitt, während der Verschuldungsgrad in der Regel nicht zu hoch ist, wie es bei manchen US-amerikanischen Hochzinsanleihen der Fall sein kann. Aber der Verzicht auf bestimmte Wertpapiere ist in Europa wichtig (z. B. forderungsbesicherte Wertpapiere). Einige Unternehmen sind stark von der Konjunkturabschwächung betroffen. Schwellenländer-Schocks und das rasante Tempo des technologischen Wandels werden einigen defensiven Aktien zum Erfolg verhelfen, während andere an Wert verlieren werden. Diese Realität ist in der Eurozone, wo das Wachstum schwach ist und auch weiterhin so bleiben wird, viel akuter als in den Vereinigten Staaten. Nehmen wir zum Beispiel die Deutsche Bank. Sie reduziert derzeit rapide ihre Bilanz, bestimmte Geschäftsbereiche sowie ihr Personal und hofft, dass ein geringeres IT-Budget ausreichen wird, um die nachlassenden Geschäftsanforderungen zu erfüllen. Den Wettlauf um IT und Wandel werden nur einige Unternehmen gewinnen, nämlich diejenigen, die auf die richtige Wachstumsbranche setzen. UBS zum Beispiel hat eine dominante Position im Wealth-Management-Geschäft und betreibt dieses auch sehr gut. Jedoch entsprechen die Renditen nicht den Erwartungen, die man in dieser Phase dieses Sektors haben könnte. In den USA sind die Aussichten eher gemischt mit teuren, aber attraktiven Investment-Grade-Papieren, da die Federal Reserve einen Lockerungskurs eingeschlagen hat und die niedrig eingestuften Emittenten des Hochzinsanleihenmarkts ihre Schulden abbauen. Hochzinsanleihen mögen immer noch attraktiv sein, aber sie sollten mit Vorsicht betrachtet werden, da die Befürchtungen einer Rezession wiederkehren könnten, und diesen Sektor mit einem übermäßigen Verschuldungsgrad hart treffen.    

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir weiterhin Chancen bei festverzinslichen Wertpapieren und teilweise bei Kreditpapieren sehen, insbesondere in der Eurozone, wo von einer „Japanisierung“ die Rede ist. Angesichts einer konjunkturellen Abkühlung bevorzugen wir die Bilanzanalyse aktiver Kreditrisikomanager.“

Auf den Bayern-Bonus setzen

Die Wirtschaft im Süden Deutschlands wird von Weltkonzernen und Innovationen angetrieben.

Neben dem weltbekannten Oktoberfest hat Bayern Investoren noch einiges anderes zu bieten Raja Korinek. Alle Jahre wieder ertönt ein schlagkräftiges „O’zapft is“ auf der Münchner Theresienwiese. Mit dem medienwirksamen Ritual wird das Oktoberfest eingeläutet, das heuer am 21. September startete. Bis kommenden Sonntag werden noch eine Menge Liter Bier fließen, Brezen verzerrt, und Trachten zur Schau gestellt. Freilich, für Bayerns Hauptstadt sind die Festivitäten eine lukrative Einnahme. Schließlich wird das Oktoberfest jährlich von Millionen Touristen aus aller Welt besucht.

Der Freistaat als Zugpferd

Allerdings hat Bayern natürlich  mehr zu bieten. Die Wirtschaft wird von einer Menge Innovationen und Weltkonzernen geprägt. Allein seit dem Jahr 1990 wuchs das bayerische Bruttoinlandsprodukt mit seinen 13 Mio Einwohnern im Schnitt um 2,3 % pro Jahr – und damit um rund ein Viertel stärker als das deutschlandweite BIP, wie aus dem statistikportal.de hervorgeht. Auch weitere Zahlen unterstreichen das dynamische Wirtschaftswachstum im Freistaat: Das BIP von 625 Mrd Euro übertrifft jenes etwa von EU-Staaten wie etwa Portugal, Griechenland und Ungarn.

Immerhin sind rund 620.000 Unternehmen laut Bayerischen Landesamt für Statistik in der Region angesiedelt. Die Bandbreite reicht von Start-Ups und traditionelle Mittelstandsunternehmen, hin zu multinationalen Großkonzernen. Aber auch bei den Patentanmeldungen liegt Bayern an der Spitze. Im Vorjahr wurden knapp mehr als 14.800 Patente angemeldet. Das sind 32 % aller Anmeldungen aus Deutschland.

Index auf Bayerns Konzernriege

Für interessierte Anleger, die auf die Entwicklung Bayerns Börsenkonzerne setzen wollen, bietet die UniCredit Bank AG ein Indexzertifikat (ISIN: DE000HVB4BY3) auf den BAIX (Bayerischer Aktienindex Index) an. Der BAIX enthält sämtliche Unternehmen aus dem HDAX – also dem DAX, MDax und TecDax -, die in Bayern ihren Hauptsitz haben. Das sind aktuell 20 Unternehmen. Dazu zählt etwa Allianz, auf die derzeit die größte Gewichtung entfällt. Auch Schwergewichte wie Siemens (DE0007236101), BMW (DE0005190003) und Adidas (DE000A1EWWW0) nehmen große Gewichtungen ein.

Mit Aktien wie Wirecard (DE00 07472060) und Scout24.de (DE000A12DM80) sind obendrein junge IT-Werte im BAIX enthalten. Und mit den Aktien der Morphosys (DE0006632003) ist selbst die Biotechnologiebranche vertreten.

Einige Besonderheiten gilt es zu beachten: Die Gewichtung der Aktien erfolgt gemäß Streubesitz-Marktkapitalisierung. Die Gewichtungsobergrenze pro Titel liegt bei 19 %, dabei wird die Indexzusammensetzung vierteljährlich überprüft. Nettodividenden der im Index enthaltenen Aktien werden außerdem reinvestiert. Und das Zertifikat schüttet halbjährlich (März und September) eine Indexdividende in Höhe von 1,50 % des Indexwertes aus.

Mut mit Turbo

Für risikobereitere Anleger gibt es die Möglichkeit zum Beispiel direkt auf das Großgewicht Allianz – mit einem Hebel – zu setzen. Möglich machen das Turbo-long-Zertifikate. Ein solches bietet zum Beispiel Goldman Sachs an (DE000GA5UFE9).

Bei diesem Produkt liegt der aktuelle Hebel bei 3,03. Wird aber die Knock-Out-Schwelle von 141,391 Euro berührt oder unterschritten, verfällt das Wertpapier.

Auch sollten Anleger beachten, dass trotz der langfristigen Wachstumschancen kurzfristige Risiken – wie etwa eine Ausweitung der US-Zölle auf Europa – vor allem auch Bayrische Unternehmen treffen kann. Und dann müssen Investoren unter Umständen auch größere Kursschwankungen in Kauf nehmen.

Foto: AdobeStock/drubig-photo

 

 

Investieren mit Rückenwind

Aktienanleihe auf Windkraftanlagen-Produzenten Nordex und Vestas erscheint interessant.

Harald Kolerus. Der Klimawandel ist nicht nur in aller Munde, sondern hautnah spürbar: Von den zehn heißesten Sommern der 253-jährigen meteorologischen Messgeschichte Österreichs fallen gleich neun in die jüngere Vergangenheit. Was in unseren Breiten vielleicht noch als lästige Erscheinung hingenommen werden kann, führt anderswo möglicherweise direkt in die Katastrophe: So könnten laut dem Weltklimarat bis Ende des Jahrhunderts die Meeresspiegel um 43 bis 84 Zentimeter ansteigen. Dadurch würden Regionen bedroht, in denen heute hunderte Millionen Menschen leben.

Im Gegenzug setzt die Politik stark auf Erneuerbare Energien; im wichtigen Markt Deutschland nicht zuletzt auf Windkraft. Heiko Geiger, Zertifikate-Spezialist bei Vontobel, erklärt im Gespräch mit dem Börsen-Kurier: „Windenergie nimmt rund ein Viertel der Netto-Stromproduktion in Deutschland ein. Außerdem plant die deutsche Bundesregierung bis 2030 den Anteil der Erneuerbaren Energien von derzeit 38 auf 65 % anzuheben, Windkraft bildet darin einen zentralen Baustein.“

Zuletzt nicht rund

Allerdings bläst auch heftiger Gegenwind: Vor allem in Deutschland herrscht eine kontroversielle Diskussion, wobei Kritiker die Zahl der Windräder zurückdrehen wollen (Stichworte: „Ortsverschandelung“ und Leben im Windschatten). Tatsächlich wurden gerade einmal 35 Windräder im ersten Halbjahr 2019 in Deutschland neu errichtet, über das ganze Land verteilt stehen derzeit schon fast 30.000 Anlagen. Die Geschäfte im wichtigen Absatzmarkt Deutschland verlaufen also schleppend, ist es angesichts dieser Konstellation eine gute Idee, in Windenergie zu investieren? Es spricht einiges dafür, wenn man bedenkt, dass sie ein wichtiger Bestandteil für den Mix nachhaltiger emissionsfreier Energieproduktion ist; außerdem ist es nicht zu erwarten, dass die deutsche Politik dieses „Liebkind“ fallen lassen will. Vor allem soll es weniger planungs- und genehmigungsrechtliche Hürden geben, damit wieder Fahrt aufgenommen wird.

Interessante Titel

Das könnte auch Nordex, einem großen deutschen Hersteller von Onshore-Windenergieanlagen, zugutekommen, der außerhalb Chinas zu den weltweiten Top 5 der Branche zählt. Die dänische Vestas Wind Systems spielt ebenfalls im Konzert der ganz Großen mit und hat nach eigenen Angaben mehr Windkraftanlagen installiert als irgendein Konkurrenzunternehmen rund um den Globus.

Vontobel hat zu diesen beiden wichtigen Playern die „9,00% p.a. Protect Multi Aktienanleihe auf Nordex, Vestas (Quanto EUR)“ herausgegeben (ISIN: DE000VF7WJD1). Interessant ist hier nicht nur der Kupon von stattlichen 9 % jährlich, unabhängig von der Entwicklung der Basiswerte, sondern der bisherige Kursverlauf seit Start Ende Juli. Damals setzte eine Abwärtsentwicklung beider Aktien ein, die Ende August ihr Tief erreichte, seither zeigen die Kurse wieder aufwärts. Das bedeutet: Wer heute auf dem Sekundärmarkt die Aktienanleihe kauft, kann auf Kursgewinne plus Kupon zu Ende der Laufzeit im September 2020 hoffen. Vorausgesetzt die Barriere wird nicht unterschritten. Denn Anleger (und jetzt wird es technisch) erhalten am Rückzahlungstermin den Nennbetrag, wenn der Referenzpreis beider Basiswerte am Bewertungstag auf oder über dem jeweiligen Basispreis liegt. Wenn wiederum der Referenzpreis eines Basiswerts am Bewertungstag unter dem Basispreis liegt, erhalten Investoren einen Geldbetrag, der unmittelbar von der Wertentwicklung des Basiswerts mit der schlechteren Wertentwicklung abhängt. Simpel ausgedrückt: Dann drohen Anlegern Verluste.

Fazit

Man sieht also, dass es sich hier nicht um eine Möglichkeit für besonders konservative Anleger handelt; wer an die Zukunft der Windenergie und die weitere Erholung von Vestas und Nordex glaubt, könnte aber ein kalkuliertes Risiko eingehen und seine Segel in den Wind setzen.


Foto: Nordex

 

 

Palladium in nie dagewesenen Sphären


Anlage- und Industriemetall – beide Sektoren befeuern die Rallye.


Roman Steinbauer. Jene Marktteilnehmer, die die steile Palladium-Kursrallye bereits im Frühjahr als überzogen betrachteten, wurden um eine Erfahrung reicher. Noch im Juli suggerierte das Chartbild eine klassische Doppeltopp-Formation des raren Metalls. Institutionelle Investoren im Rohstoffsegment verleitet eine derartige Konstellation zum Aufbau von Short-Positionen. Kleinanleger legen sich hingegen gerne mittels Short-Zertifikaten oder Put-Optionen auf die Lauer.

Eine Umsetzung dieser Strategie erfuhr zuletzt allerdings eine bittere Bestrafung: Drei Wochen ist es her, dass die Palladium-Notiz den bisherigen Höchststand rasant durchbrach und die Bestmarke vom Juli bei 1.590 USD/Unze klar zurück ließ. Brutal für die Short-Fraktion wirkte der Umstand, dass sich der Preis ungezügelt binnen 15 Handelstagen um satte 6 % weiter in die Höhe katapultierte.

Inhaber diverser Palladium-Anlagemünzen sehen in der physischen Hortung des silbrig-weißen Metalls hingegen eine Bestätigung zur Depot-Beimischung. Die optimistische Feber-Prognose des Edelmetallhauses Heraeus ist derzeit auf realer Spur. Für das Jahresende wurde ein Niveau von 1.650 USD/Unze veranschlagt.

Extreme Preisüberziehungen kein neues Phänomen

Die Historie zeigt auf: Eine Kurs-Parallelität zur Goldnotiz ist längerfristig nicht vorhanden. Gar oft konträr verhält sich Palladium zur Preisbildung des Schwestermetalls Platin.

Dabei spielt die industrielle Nachfrage eine bedeutende Rolle. Vor allem die KFZ-Industrie setzt beide seltene Übergangsmetalle für Katalysator-Lamellen ein – wenn auch die Eigenschaften nicht ganz ident sind (auch abhängig, ob Diesel- oder Benzinaggregate genutzt werden). Eine verstärkte Nachfrage nach Palladium ging oft zu Lasten von Platin oder umgekehrt.


In Episoden globaler wirtschaftlicher Prosperität trieb somit die industrielle Nachfrage den Kurs des begehrten Elements mit dem Symbol „Pd“. In depressiven Phasen blieb stets die Hoffnung, Palladium könne als Edelmetall-Anlageobjekt Überkapazitäten ausgleichen. Somit dominierten duale Wahrnehmungen (zyklisch, da Industriemetall, oder Wertanlage, da Edelmetall).

Das Zinsniveau als relativer Wegweiser

Vom Jahr 1997 bis 2000 fand im Palladiummarkt ebenso ein regelrechter Kaufrausch statt, wie dies bei Technologietiteln der Fall war. Das heute mit dem „Platzen der Technologieblase“ verbundene Jahr 2001 riss den Wert des Palladiums mit. Um 80 % (bis auf 220 USD/Unze) kollabierte der Rohstoff – noch dramatischer als der Nasdaq-Index damals selbst. Ebenso folgte in der ausgebrochenen Finanzkrise im Jahr 2008 eine Kurshalbierung. Eine expansive US-Geldpolitik trieb geschichtlich die Bewertung zumeist an – nur sehr unbedingt ein schwacher USD! Auffällig auch derzeit: Ein seit 18 Monaten anziehender Greenback kann die rasante Bergfahrt des Palladiums nicht bremsen.

Für den Nervenkitzel

Optimisten, die kein Ende der Fahnenstange sehen, bietet die ING Bank auf den Palladium-Spot-Preis ein um den Faktor 7 gehebeltes „Open End Turbo Long Zertifikat“ (ISIN: DE000NG2QDX4) an. Achtung: Dabei gibt es eine Knock out-Schwelle bei 1.463 Punkten. Der Abstand dazu beträgt im Moment 13 %. Im Rahmen der derzeitigen Ausschläge stellt dies für den Zeichner keine geringe Gefahr da. Für Heißsporne, die die immer wieder auftretende scharfe Korrekturen oder gar den nächsten unweigerlich kommenden Einbruch der Palladium-Notiz ausmachen, bietet die Société Générale seit September einen Endlos-Turbo-Short-(Put-)Optionsschein (ISIN: DE000SR4TRV0) mit einem Hebel von 7,7 an. Der Basispreis von 1.889 USD steht zugleich als  Knock-out-Schwelle.


Foto: wikimedia/images-of-elements.com

 

 

Der Aufstieg der Wachstumsunternehmen

Auch Unternehmen wie Amazon, UBER, Facebook, Netflix und Google reifen schließlich, wie vor ihnen IBM und Co.

Die US-Wirtschaft bewegt sich üblicherweise in einem kontinuierlichen Erneuerungsprozess, in dem Risikokapital, Private Equity und Börsengänge eine Schlüsselrolle spielen und zur Entstehung neuer, innovativer Unternehmen führen. „Fehlt es aber an geeigneten Rahmenbedingungen, führt das zu einem oligopolistischen Wettbewerb. Dann konkurrieren wenige Marken um den gleichen Kuchen“, argumentiert Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management.

Insbesondere im US-Technologiesektor finde sich Wachstum und technologischer Fortschritt nur in einigen wenigen, verbleibenden IT-Unternehmen. Durch ein explosives Wachstum sei es ihnen gelungen, eine Oligopol-Stellung in einem Sektor zu sichern, den sie mitunter selbst erschaffen hätten. In solchen Fällen nehme der technologische Fortschritt schnell zu, bevor er nach und nach abebbe. „Die Unternehmen bringen nach einiger Zeit die meiste Energie dafür auf, potenzielle Wettbewerber über niedrigere Preise auszustechen“, so Galy. Er verweist als Beispiel auf das Dienstleistungsunternehmen UBER. Nach einem rasanten Beginn gewinne es nun immer langsamer Marktanteile hinzu. Daher nehme UBER Kurs auf weitere Wachstumssektoren. „Angesichts der dominanten Marktstellung von UBER zusammen mit Lyft erwartet der Markt schließlich wieder einen Anstieg der Stückpreise – folglich gewinnen die Anteilseigner durch Kurssteigerungen. Dank neuer Technologien fallen die Preise zunächst, in der Hoffnung auf einen eventuellen Anstieg“, so Galy.

„Unternehmen wie Amazon, UBER, Facebook, Netflix und Google haben die Weltwirtschaft tiefgreifend verändert. Aber auch sie reifen schließlich, wie vor ihnen IBM oder TWA“, erläutert Galy. Dieser kontinuierliche Prozess führe dazu, dass Unternehmen wie beispielsweise TWA, die nicht innovationsfähig seien, von Neueinsteigern aus dem Markt gedrängt würden. „FinTechs zwingen zum Beispiel die Finanzbranche zu schnellen Innovationen, umfangreichen IT-Ausgaben sowie Kosteneinsparungen“, sagt Galy. Werden reife Branchen so in den Wettbewerb gezwungen, erneuerten sie sich zwangsläufig selbst. Dabei wechsele die Finanzierung von reiferen in neue Sektoren und Kapitalgeber fütterten Neuunternehmen an. Gleichzeitig reduzierten sie ihre Beteiligungen in Branchen, die in der Vergangenheit Wertzuwächse verzeichneten.  

Oligopolstellungen sieht Galy bei Versorgungsunternehmen und auch in vielen kleineren Wirtschaftssektoren. „Problematisch wird es, wenn das regulatorische Umfeld zulässt, dass ein Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung aufbaut, die es missbrauchen kann“, warnt Galy. Dann könnten diese Unternehmen den Handel mit Wettbewerbern behindern oder neue, aufstrebende und potenzielle Konkurrenten kaufen. Das falle zusätzlich in einem Marktumfeld ins Gewicht, in dem die Eintrittskosten sehr hoch seien.

Abgesehen von hohen Eintrittskosten sei das größte Problem nach Ansicht Galys der Zugang zum Talentpool. „Nur die erfolgreichsten Unternehmen können sich diejenigen Talente leisten, die hochinnovative Software entwickeln“, unterstreicht Galy. Unternehmen, die bei komplexen und nicht repetitiven Produkten erfolgreich sein wollen, müssten schnell ihren Talentpool verstärken. Das führe zu einem schnellen Anstieg ihrer Ausgaben. „Gelingt es ihnen nun nicht, innerhalb von zwei bis drei Jahren überzeugende Ergebnisse vorzuweisen, kann das gesamte Gebilde zusammenbrechen. Sind sie hingegen erfolgreich, haben sie die Wahl zwischen einem Börsengang oder dem Aufkauf durch einen größeren Wettbewerber“, erläutert Galy. Diese Entscheidung sollte nach Ansicht Galys sinnvollerweise bei den Neuunternehmen liegen und nicht durch Regulatoren gesteuert werden.

Investieren in Smart Cities

Die Urbanisierung, intelligent gestaltet, bietet riesige Anlagechancen.

Manfred Kainz. Stadtflucht, Wegziehen ins Grüne oder ganz aufs Land. Ein Trend und vielfacher Wunsch hierzulande. Aber das mitteleuropäische Bild ist nur eine Seite der Medaille. Denn global geht die Entwicklung genau in die andere Richtung. Da ist das Motto: Die Zukunft ist urban. Extrembeispiele: 90 % des Anstiegs der städtischen Bevölkerung werden sich in Schwellenländern vollziehen. Und: 70 % der globalen Treibhausgasemissionen sind von Städten verursacht.

Deshalb sucht man weltweit nach „smarten“ Lösungen für die Herausforderungen der Urbanisierung. Das heißt auch, dass es ebenso wachsende Zukunftschancen für Unternehmen gibt, die bessere, nachhaltigere Lösungen für „Smart Cities“ anbieten. Schon heute erwirtschaften die Städte weltweit mit erst rund 40 % der Weltbevölkerung schon rund 80 % des globalen BIP. Umso stärker gilt das für „Smart Cities“, die vier Charakteristika haben: Sie verbessern die Lebensqualität ihrer Bewohner und machen den Trend zur Verstädterung nachhaltig. Smart Cities stehen also für qualitatives Wirtschaftswachstum. In Smart Cities ballt sich die „Intelligenz“: Digitale Technologien und Daten treiben einen massiven Wandel voran, wie Städte „gesteuert“ werden. Und: Smart Cities liefern Impact: Wenn es um Lebensqualität und Umweltmanagement geht, wird nachhaltiger Fortschritt am ehesten in Städten erzielt.

„Agenda 2030“
Zu diesem Humus für Investmentchancen kommt noch die (welt-)politische Vorgabe: Die „Agenda 2030“ der Vereinten Nationen hat in ihren „Nachhaltigen Entwicklungszielen“ (Sustainable Development Goals), die für alle Länder gelten, auch das Ziel „Sustainable Cities and Communities“ definiert. Das setzt Entscheider weltweit unter Druck, Investitionsentscheidungen zu treffen, um Ballungsräume und den Urbanisierungsprozess nachhaltig(er) zu machen.

Laut einer Analyse der Citigroup betrifft dieses Ziel schon heute weltweit rund 4 Mrd (Stadt)-Menschen, Tendenz weiter steigend, und erfordert riesige Investitionen in Höhe von rund 2,1 Bio USD pro Jahr (!). Es ist daher nicht nur ein theoretisches Konzept, sondern bietet ganz konkrete Anlagechancen in mehreren Segmenten.

Die Unternehmen in den betreffenden Branchen bilden eine „Smart-City-Wertschöpfungskette“ und lassen sich – wie es etwa  Benedicte Reisser von Pictet Asset Management bei einem Kongress in Wien formulierte – in drei Segmente zusammenfassen: „Building the City, Running the City and Living in the City“.

Zu ersterem zählen Unternehmen, die in Planung und Bau der Städte von morgen mit Fokus auf (Energie-)Effizienz, Sicherheit, Finanzierung und Stadtentwicklungstechnologie tätig sind. Zweitere sind Unternehmen, die die traditionellen, Mobilitäts- und digitalen Infrastrukturen für das tägliche Funktionieren von nachhaltigen urbanen Räumen bieten. Und drittens Unternehmen, die Lösungen und Services für das urbane Leben der Zukunft bieten, von Wohn- und Coworkinglösungen bis zu Ernährung und Freizeit. Für Reisser schränkt sich so das Anlageuniversum auf rund 250 Aktientitel weltweit ein.

Ihre aktuellen Top-3-Aktienpositionen sind Vonovia (ISIN: DE000A1ML7J19) aus dem Segment Living in the City, sowie Visa (US92826C8394) und Cisco (US17275R1023) aus dem Segment Running the City.

Als europäische Beispiele nannte sie weiters die finnische KONE (FI0009013403, mit Österreich-Tochter) als Player in Gebäudeeffizienz und die britische SEGRO (GB00B5ZN1N88, CityPark Wien) für Logistiklösungen.

Foto: Adobe Stock / Hanoi Photography

 

 

Parteien und Kapitalmarkt

Angesichts der kommenden Wahlen haben wir uns die Programme der Parteien angeschaut. Der Kapitalmarkt findet sich darin kaum.

Manfred Kainz. Wie viele „Elefantenrunden“ zur Nationalratswahl haben Sie gesehen? Wie viele Interviews mit den (Spitzen-)Kandidaten gehört und gelesen? Und wie oft ist dabei das Thema Kapitalmarkt vorgekommen? Die Häufigkeit geht wohl gegen Null. Klar, Börse und Finanzmarkt sind kein Randthema, sie sind ein Nichtthema für Breitenwirksamkeit vor einer Wahl und keine Quotenbringer. Eigentlich schade. Nicht einmal Anlegerschutz – sozusagen als Finanzmarktkonsumentenschutz – scheint den Wahlwerbern ein Anliegen zu sein. Ein Rundblick auf das “Angebot” der Parteien zeigt: Die ÖVP geht das Thema private Vermögensbildung von zwei Seiten an. Der Weg der steuerlichen Entlastung müsse auch nach der Wahl konsequent weitergegangen werden, heißt es in deren „100 Projekten für Österreich“. Wobei es (im Gegensatz zu anderen Parteien) der ÖVP „sehr klar“ sei, dass diese Entlastung nicht mit neuen Steuern wie Vermögens- oder Erbschaftssteuern gegenfinanziert werden soll. Und immerhin ein Privatanlegersegment wollen die Türkisen fördern: Damit es attraktiver wird, Mitarbeiter an Unternehmen zu beteiligen, sollen Mitarbeitererfolgsbeteiligungen in Höhe von maximal 10 % des Unternehmensgewinns und jährlich bis zu 3.000 Euro pro Arbeitnehmer steuerfrei werden.

Einem speziellen kapitalmarktbetreffenden Schutzthema widmet sich die SPÖ in ihrem Wahlprogramm: Sie will einen „Made in Austria Fonds“ zur Verhinderung des Ausverkaufs österreichischer Technologie schaffen: In Zukunft sollen Dividenden aus den staatlichen Beteiligungen in diesen Fonds fließen. Der Fonds soll einerseits die öffentliche Beteiligung an wichtigen Unternehmen wie OMV und Verbund absichern und andererseits in innovative österreichische Unternehmen investieren. Der „Made in Austria Fonds“ soll auch als „Schutzschild“ gegen feindliche Übernahmen dienen.

Um Anreize für Investments von Privaten in Start-Ups zu steigern, treten NEOS für die Schaffung eines „Realwirtschaftsinvestitionsfreibetrages” und eines Steuernachlasses von 50 % bei Investments bis zur Höhe von 100.000 Euro ein. Außerdem wollen die Pinken die „Finanzkompetenz von Jung und Alt“ stärken. Im „Spannungsfeld zwischen Eigenverantwortung und Konsumentenschutz“ sehen sie großen Bedarf an besserem Finanzverständnis und fordern daher „eine nennenswerte Investition in Finanzbildung“ für Jugendliche und Erwachsene, um sie zu „ermächtigen“.   

Foto: Jebulon / Wikimedia

 

 

Negativzinsen sind Gift für die Wirtschaft

Auch in der Realwirtschaft führen Negativzinsen zu gefährlichen Marktverzerrungen.

Michael Kordovsky. Der 3-Monats-Euribor ist von Jahresbeginn bis 3. September von minus 0,31 auf minus 0,45 % gesunken ehe wieder eine Gegenbewegung auf unter -0,40 % einsetzte. Kurzzeitig warfen (laut Reuters auf Basis der Daten der Handelsplattform Tradeweb) vom 8,18 BioE-Volumen der Staatsanleihen aus der Eurozone, die auf Tradeweb gelistet sind, rund 69 % Negativrenditen ab. Weltweit wies, Medienberichten zufolge, ein Anleihenvolumen von 17 BioUSD Negativrenditen auf. Auch bei Investment-Grade-Firmenanleihen sind Negativrenditen bereits weit verbreitet.

Schuldner ausgezeichneter Bonität zahlen bei variabel verzinsen Immobilienkrediten in Österreich teils nur noch zwischen 0,3 und 0,4 % Zinsen, und in Dänemark kommen manche Kreditnehmer sogar in den Genuss von Negativzinsen, also sie werden von der Bank für das Aufnehmen des Kredits auch noch belohnt.

Den wenigsten Marktteilnehmern ist eigentlich bewusst, in welcher Marktanomalie wir uns befinden. In den vergangenen 5.000 Jahren hat es nie Negativzinsen gegeben. Dieses Phänomen ist erst vor drei Jahren verstärkt aufgetreten und stellt unser Finanzsystem auf den Kopf:

Bisher gab es die Sparer, die gegen Zinsen der Bank Geld zur Verfügung stellten. Banken verliehen diese Gelder gegen einen entsprechenden Zinsaufschlag an Kreditnehmer, darunter vor allem Firmenkunden, die einen erheblichen Teil ihrer Projektvolumina auf Kredit finanzierten. Die Wirtschaft funktionierte. Doch was passiert, wenn die Zinsen ausfallen bzw. negativ werden?

In der Negativzins-Falle gefangen
Bestehende Firmen mit variabel verzinsten Krediten werden entlastet. Staaten, die ihre ausgelaufenen Bonds refinanzieren, kommen in den Genuss minimaler oder negativer Zinsen und haben dadurch größere finanzielle Spielräume. Es werden aber auch Firmen durch niedrigere Zinsen und günstige Umschuldungen entlastet, die im Prinzip so marode sind, dass sie in einem normalen Zinsumfeld von der Bildfläche verschwinden würden. Diese “Zombiefirmen” bleiben also im Markt und sorgen für einen Angebotsüberhang, der auf die Warenpreise drückt und die Margen gesunder Unternehmen beeinträchtigt. Planen Unternehmen Investitionen, so müssen sie knapp kalkulieren.

Die Banken hingegen haben das Problem, dass ihr absolutes Verdienstpotenzial durch Zinserträge zusammenschmolz und im sicheren Hypothekarkreditgeschäft die Margen einbrachen.

Bei Firmenkunden gibt es die strengen Regeln von Basel III, und Basel IV wirft bald seine Schatten voraus. Die Regularien werden einfach strenger und Banken müssen entsprechende Zinsaufschläge verrechnen. Dadurch werden in vielen Fällen die Kredite so teuer, dass sich die Fremdfinanzierung der betreffenden Projekte nicht mehr lohnt und Investitionen unterbleiben.

Während die Zollproblematik derzeit – vor allem in Österreich – nur wenige Firmen betrifft, liegen die wahren Gründe des aktuellen Abschwungs viel mehr im beschriebenen Mechanismus. Ist es nicht auffällig, dass ausgerechnet die USA, deren Leitzinsniveau bei 2 bis 2,25 % liegt, mit 2,7 bzw. 2,3 % BIP-Wachstum in den ersten beiden Quartalen 2019 wesentlich besser abschnitten als der Euroraum mit 0 % Leitzins aber auch nur 1,3 bzw. 1,2 % BIP-Wachstum? In der Schweiz, deren Leitzinsniveau minus 0,75 % beträgt, lagen die Zuwachsraten in den ersten beiden Quartal 2019 nur noch bei 0,8 bzw. 0,3 %. Japans Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal 2019 annualisiert um 1,3 %, während dort das Leitzinsniveau seit 29. Jänner 2016 auf minus 0,10 % verharrt. Indessen liegt in China, wo die Wirtschaft noch um gut 6 % wächst, das Leitzinsniveau bei 4,35 %.

Indizien dafür, dass die Eurozone in der beschriebenen Negativzins-Falle gefangen ist, liefern auch die aus Unternehmensbefragungen abgeleiteten Einkaufsmanager-Index-Daten von IHS Markit: “Überkapazitäten waren der Grund dafür, dass der Stellenaufbau diesmal so schwach ausfiel wie seit März 2016 nicht mehr”, war eine interessante Kernaussage Anfang September. Und im August kam folgende Feststellung: “Die Einkaufs- und Verkaufspreise legten im August zwar mit leicht beschleunigten Raten zu, angesichts der Nachfrageflaute blieb der Anstieg jedoch in beiden Fällen gedämpft. In der Industrie wurden sowohl die Einkaufs- als auch die Verkaufspreise reduziert.”

Fakt ist, dass die Inflationsrate des Euroraums im August nur noch bei 1 % lag und sich die Industrie bereits in einer Kontraktionsphase rückläufiger Produktion befindet (im Juli lag die Industrieproduktion -2 %). Die Investitionsgüterproduktion brach in den Monaten Juni und Juli im Vorjahresvergleich sogar um jeweils 4,0 bzw. 3,4 % ein.

Fazit
Das deflationistisch geprägte Stagnationsszenario der “Negativzins-Falle” gewinnt immer mehr an Kontur.

Foto: qimono – pixabay

 

 

“Finanzbildung in die Schulen”

Bildungsoffensive in der Steiermark: Mehr als 3.600 Jugendliche erreicht.

Rudolf Preyer. Laut der OECD geht es bei Finanzwissen vor allem darum, pekuniäre Probleme zu lösen. Die „Initiative für Finanzbildung“ darf hierzulande als Vorbild gelten. Bereits mehr als 3.600 Jugendliche wurden mit den Finanzbildungs-Workshops der steirischen Finanzdienstleister erreicht, nun wird das Angebot erweitert: Über die WIFI-Lehrlingsakademie werden jetzt auch Lehrlinge und Jugendvereine mit Finanzwissen aus der Praxis unterstützt. Darüber hinaus hat man langfristige Kooperationen gestartet, erläutert Hannes Dolzer, österreichweiter Fachverbands- und steirischer Fachgruppenobmann der Finanzdienstleister, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

Ganz wichtig ist ihm, „auf die jeweilige Lebenswelt der Jugendlichen einzugehen und Wissen für die Praxis zu vermitteln.“ Weiterführende Informationen finden sich auch unter www.finanzbildung-stmk.at.

Börsen-Kurier: Was propagiert Ihre „Initiative für Finanzbildung“?

Hannes Dolzer: Um fundierte Entscheidungen im Bereich seiner Finanzen treffen zu können, braucht es eine solide Basisbildung. Wir nehmen uns daher dieses gesellschaftlich immens wichtigen Themas an, zeigen Verantwortung und geben unser Know-how weiter: kostenlos und unabhängig. Wir haben seit Start der Initiative im Frühjahr 2018 bereits mehr als 3.600 Schüler erreicht.

Börsen-Kurier: Wie gestaltet sich einer Ihrer Finanzbildungs-Workshops?

Dolzer: Wir passen den Inhalt an den individuellen Bedarf an, den wir mit den Lehrern bzw. Lehrlingsbetreuern abstimmen. Das Themenspektrum reicht dabei von Basiswissen über Geldangelegenheiten im privaten Haushalt und Ansparprodukte bzw. Wertpapiere bis hin zu alternativen Investments und Immobilien. Je nach Thema halten wir die Workshops
gemeinsam mit Experten vom Bundesministerium für Finanzen oder vom
Alpenländischen Kreditorenverband (AKV) ab.

Börsen-Kurier: Und welche Bereiche interessieren Jugendliche besonders?

Dolzer: Das ist von Workshop zu Workshop unterschiedlich. Meist sind es aber die Themen, zu denen sie einen direkten Bezug haben. Die Kosten eines Handyvertrags oder die „versteckten Kosten“ eines „Gratis-Handys“ stoßen immer wieder auf großes Interesse. Auch zu Trend-Themen wie Bitcoins haben Jugendliche viele Fragen.

Börsen-Kurier: Sie erweitern Ihr Angebot laufend?

Dolzer: Ja, wir haben nunmehr auch eine Kooperation mit der WIFI-Lehrlingsakademie gestartet, über die Unternehmen ihren Lehrlingen eine Zusatzausbildung anbieten können. Und auch an Jugendvereine – unter anderem für Migrantenvereine – geben wir gerne unser Know-how weiter.

Börsen-Kurier: Darüber hinaus haben sich auch langfristige Kooperationen mit der HAK Eisenerz und mit TCM International ergeben?

Dolzer: Wir haben unser Angebot auf der HAK-Direktorenkonferenz vorgestellt und die HAK Eisenerz hat großes Interesse gezeigt. Dort finden die Finanzbildungs-Workshops in Form von Projekttagen statt, das heißt die Klassen beschäftigen sich einen ganzen Tag lang mit der Welt der Finanzen. Und die Firma TCM International bietet für ihre Lehrlinge Zusatzausbildungen im Rahmen der WIFI-Lehrlingsakademie an.

Börsen-Kurier: Wenn Sie sich eine ideal finanzgebildete Jugend in der Zukunft vorstellen: Was müsste diesbezüglich noch alles geschehen?

Dolzer: Wichtig wäre es, Finanzbildung in den Schulen im regulären Unterricht zu etablieren: Ein bis zwei Jahre ab der 5. Schulstufe mit einer Einheit pro Woche könnten da schon genügen.

Foto: Fotolia-eugenepartyzan

 

 

Ordentlich Steuern sparen bei der Altersvorsorge

Einmalerläge in Fondsveranlagungen werden vom Fiskus unterschiedlich behandelt.

Manfred Kainz. Weil das allgemeine Steuer- und Abgabenniveau hierzulande ansehnlich hoch ist (davon leben Steuerreformdiskussionen seit Jahrzehnten), sind die Österreicher ein Volk, das „dem Staat“ gerne was „herausreißt“. So ist Bausparen nicht nur bei Häuslbauern deshalb so beliebt (und in Umfragen nach den beliebtesten Anlageformen ebenso seit Jahrzehnten Dauerbrenner), weil es eine staatliche Prämie gibt. Die kapitalgedeckte Zukunftsvorsorge, die unter Finanzminister Karl Heinz Grasser eingeführt wurde, bekam als Zuckerl den Status „prämienbegünstigt“ verpasst. Und vielleicht ist das heimische Eigenvorsorgedichte deshalb nicht berauschend hoch, weil die steuerliche Absetzbarkeit sukzessive gekürzt wurde. Umso mehr ist in Wahl- und Regierungsprogrammen dann immer von (staatlicher/steuerlicher) Förderung der zweiten und dritten Säule zu lesen.

Nicht zu spät
Wie man einen ansehnlichen Steuervorteil schon heute nützen kann, zeigt ein lebensnahes Beispiel: Speziell in der Generation 50+ ist noch viel Altersvorsorgebedarf. Aber es ist nie zu spät, etwa mit einem Einmalerlag (und Zuzahlungen) in eine Fondsveranlagung – entweder via Bank (also einen „normalen“ Retailfonds), oder via Versicherung (also einer fondsgebundenen Lebensversicherung). Aber Achtung: Da schlägt der Fiskus deutlich unterschiedlich stark zu.

KESt-Last
Beispiel unter heutigen Annahmen: Man tätigt mit 50 einen Einmalerlag von 50.000 Euro auf 10 Jahre Mindestbindungsfrist. Unter Ansatz eines Durchschnittsertrages von 3,75 % p.a. über dieses Jahrzehnt (also bis man 60 ist), fallen bei der Bankfondsvariante vom Gesamtertrag (rund 22.250 Euro) durch die 27,5 %ige KESt mehr als 6.100 Euro Steuerabzug an. Wenn man dann ab 60 mit der Entnahme mit Kapitalverzehr (bis sagen wir 90) beginnt, kommt man bei einem angenommenen Durchschnittsertrag von nur mehr 2,5 % p.a. auf eine mögliche Entnahme von rund 29.900 Euro. Abzüglich 27,5 % KESt, also rund 8.200 Euro. Insgesamt frisst also der Fiskus vom Gesamtertrag rund 14.300 Euro weg.

Weniger ist mehr
Anders bei der Variante Fondsveranlagung via Versicherung, also mittels fondsgebundener Lebensversicherung, die ja ident mit dem oben angeführten Bankfonds sein können: Da schlägt bei Einmalerlag von 50.000 Euro und steuerlicher Bindung von ebenfalls zehn Jahren, nur die 4 %ige Versicherungssteuer zu: also „nur“ -2.000 Euro. Man spart also eine Steuerdifferenz von mehr als 12.000 Euro gegenüber der Bankfondsvariante. Und auch bei den Kosten schneidet die Versicherungsvariante wohl gut ab. Abschlussprovision, Fixgebühr und laufende Kosten dort stehen bei der Bankfondsvariante Ausgabeaufschlag, Depotgebühr und Umschichtungskosten gegenüber.

Schlagendes Argument
Oft wird im Kundengespräch im Rahmen der Informations- und Aufklärungspflichten über Ertragserwartungen und/oder Produktkosten der Altersvorsorge diskutiert und darüber das Steuerargument pro Fondsveranlagung via Versicherung vernachlässigt. Dabei „schlägt der dortige Steuervorteil alles, auch bei eventuell hohen Produktkosten“, ist Ronald Felsner überzeugt. Der Geschäftsführer der „4 sales development KG“ hat langjährige Erfahrung in Bank- und Finanzbranche, als gewerblicher Vermögensberater, Entwickler mehrerer EDV-Beratungstools und als Lehrbeauftragter für privates Vorsorgemanagement an der Donau Universität Krems.

Perfekter Zeitpunkt
Im Gespräch mit dem Börsen-Kurier hält Ronald Felsner es anhand der obigen Rechenbei-spiele daher für sinnvoll, als 50+ Vorsorger den Fokus auf den langfristigen steuerlichen Vorteil zu legen: „Mit 50 ist der perfekte Zeitpunkt für einen Versicherungseinmalerlag mit nur noch zehn Jahren (statt als Jüngerer 15 Jahre) steuerlicher Bindung und Anlagedauer – und danach eine jahrzehntelange steuerfreie Genuss- bzw. Rentenphase.“

Foto: Adobe Stock / SleepyDragon

 

 

Der Aufstieg der Wachstumsunternehmen

Auch Unternehmen wie Amazon, UBER, Facebook, Netflix und Google reifen schließlich, wie vor ihnen IBM und Co.

Die US-Wirtschaft bewegt sich üblicherweise in einem kontinuierlichen Erneuerungsprozess, in dem Risikokapital, Private Equity und Börsengänge eine Schlüsselrolle spielen und zur Entstehung neuer, innovativer Unternehmen führen. „Fehlt es aber an geeigneten Rahmenbedingungen, führt das zu einem oligopolistischen Wettbewerb. Dann konkurrieren wenige Marken um den gleichen Kuchen“, argumentiert Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management.

Insbesondere im US-Technologiesektor finde sich Wachstum und technologischer Fortschritt nur in einigen wenigen, verbleibenden IT-Unternehmen. Durch ein explosives Wachstum sei es ihnen gelungen, eine Oligopol-Stellung in einem Sektor zu sichern, den sie mitunter selbst erschaffen hätten. In solchen Fällen nehme der technologische Fortschritt schnell zu, bevor er nach und nach abebbe. „Die Unternehmen bringen nach einiger Zeit die meiste Energie dafür auf, potenzielle Wettbewerber über niedrigere Preise auszustechen“, so Galy. Er verweist als Beispiel auf das Dienstleistungsunternehmen UBER. Nach einem rasanten Beginn gewinne es nun immer langsamer Marktanteile hinzu. Daher nehme UBER Kurs auf weitere Wachstumssektoren. „Angesichts der dominanten Marktstellung von UBER zusammen mit Lyft erwartet der Markt schließlich wieder einen Anstieg der Stückpreise – folglich gewinnen die Anteilseigner durch Kurssteigerungen. Dank neuer Technologien fallen die Preise zunächst, in der Hoffnung auf einen eventuellen Anstieg“, so Galy.

„Unternehmen wie Amazon, UBER, Facebook, Netflix und Google haben die Weltwirtschaft tiefgreifend verändert. Aber auch sie reifen schließlich, wie vor ihnen IBM oder TWA“, erläutert Galy. Dieser kontinuierliche Prozess führe dazu, dass Unternehmen wie beispielsweise TWA, die nicht innovationsfähig seien, von Neueinsteigern aus dem Markt gedrängt würden. „FinTechs zwingen zum Beispiel die Finanzbranche zu schnellen Innovationen, umfangreichen IT-Ausgaben sowie Kosteneinsparungen“, sagt Galy. Werden reife Branchen so in den Wettbewerb gezwungen, erneuerten sie sich zwangsläufig selbst. Dabei wechsele die Finanzierung von reiferen in neue Sektoren und Kapitalgeber fütterten Neuunternehmen an. Gleichzeitig reduzierten sie ihre Beteiligungen in Branchen, die in der Vergangenheit Wertzuwächse verzeichneten.  

Oligopolstellungen sieht Galy bei Versorgungsunternehmen und auch in vielen kleineren Wirtschaftssektoren. „Problematisch wird es, wenn das regulatorische Umfeld zulässt, dass ein Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung aufbaut, die es missbrauchen kann“, warnt Galy. Dann könnten diese Unternehmen den Handel mit Wettbewerbern behindern oder neue, aufstrebende und potenzielle Konkurrenten kaufen. Das falle zusätzlich in einem Marktumfeld ins Gewicht, in dem die Eintrittskosten sehr hoch seien.

Abgesehen von hohen Eintrittskosten sei das größte Problem nach Ansicht Galys der Zugang zum Talentpool. „Nur die erfolgreichsten Unternehmen können sich diejenigen Talente leisten, die hochinnovative Software entwickeln“, unterstreicht Galy. Unternehmen, die bei komplexen und nicht repetitiven Produkten erfolgreich sein wollen, müssten schnell ihren Talentpool verstärken. Das führe zu einem schnellen Anstieg ihrer Ausgaben. „Gelingt es ihnen nun nicht, innerhalb von zwei bis drei Jahren überzeugende Ergebnisse vorzuweisen, kann das gesamte Gebilde zusammenbrechen. Sind sie hingegen erfolgreich, haben sie die Wahl zwischen einem Börsengang oder dem Aufkauf durch einen größeren Wettbewerber“, erläutert Galy. Diese Entscheidung sollte nach Ansicht Galys sinnvollerweise bei den Neuunternehmen liegen und nicht durch Regulatoren gesteuert werden.  

Foto: Adobe Stock/ink drop

Harte Kritik an MiFID II

Opting-Out-Chance aus EU-Finanzrichtlinie gefordert.

Julia Kistner. „Erfahrene Privatanleger sollten selbst entscheiden dürfen, ob für sie MiFID II gelten soll oder nicht“, übt Wilhelm Rasinger, der Präsident des Interessenverband für Anleger IVA, heftige Kritik an der mehr als 7.000 Seiten starken europäischen Finanzmarktrichtlinie. Dabei sollte MiFID II (Market in Financial Instruments Directive) eigentlich mehr Schutz und Transparenz für Investoren bringen.

„Tatsächlich ist die Folge von MiFID II eine Entmündigung der Privatanleger. Ihnen steht nur mehr ein stark reduziertes Produktangebot zur Verfügung. Und das ist mit umfangreichen administrativen Notwendigkeiten belastet, deren Kosten sie letztendlich selbst zu tragen haben“, so Rasinger. Der Berg an Zusatzinformationen zu den Finanzprodukten sei ohnehin unlesbar.

Auch würde MiFID II dazu führen, dass über kleinere und mittlere börsennotierte Unternehmen kaum noch Research zur Verfügung stünde und damit auch weniger über sie berichtet würde. Denn Fondsmanager müssen nun für Research-Leistungen bezahlen. Früher wurden die Kosten einfach in den Handelsgebühren untergebracht. Das Problem, das Rasinger sieht: „Gerade österreichische Titel verschwinden dadurch vom Radar der Investoren.“ Auch deshalb, weil es die fünf für Österreich wichtigsten Broker (RCB, Erste Group, Berenberg, Baader, Kepler) immer schwerer haben gegen große Broker wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley zu reüssieren. Auf letztere würden sich die großen Fondshäuser aus Kostengründen fokussieren.

Somit stünden auch den österreichischen Privatanlegern, die stark am Heimmarkt Wiener Börse investiert sind, deutlich weniger Informationen über ihre Investments zu Verfügung. Das ließe sie letztlich wieder zu niedrigst verzinsten Sparbüchern greifen.

Gemeinsam mit der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) will sich der IVA
jetzt für eine Opting-Out-Möglichkeit aus MiFID II für erfahrene Anleger stark machen. Wer bereits drei bis fünf Jahre Wertpapiere besitzt und zumindest schon 30 bis 50 Handelstransaktionen getätigt hat, sollte aus der seit Jänner 2018 geltenden Finanzmarktrichtlinie hinaus optieren können, schlägt Rasinger vor.

Die erhoffte bessere Aufklärung der Privatanleger durch MiFID II liefe ohnedies ins Leere. Denn die Hälfte der Privatanleger nützt laut aktueller DSW-Umfrage die neuen Kosteninformationen durch MiFID II überhaupt nicht. Nur ein Viertel studiere die erweiterten Produkt-Dokumentationen intensiv für Ihre Anlageentscheidung. Ebenso wenig würden die neuen, transparenten Informationen über das Anlagerisiko und die Performance lesen. Auch das neue Fonds-Informationsblatt KID würde nur die Hälfte der Anleger nutzen. Zwei Drittel der Befragten fühlten sich durch KID nicht einmal besser informiert.

In der Schweiz können Privatanleger mit Finanzkenntnissen übrigens ab einem Anlagevermögen von 500.000 Schweizer Franken aus der Schweizer Finanzmarktrichtlinie Fidleg hinaus optieren.

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Starker Trend zu Ethikfonds

Mehr als nur eine Modeerscheinung: Anleger setzen verstärkt auf Nachhaltigkeit.

Patrick Baldia. „Sowohl unter Privatanlegern als auch institutionellen Investoren ist die Nachfrage nach nachhaltigen Veranlagungen in den vergangenen Jahren immens gestiegen“, sagt Florian Hauer, er ist Aktienmanager bei der Kepler-Fonds KAG, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Das bestätigen auch Zahlen der Vereinigung österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG). Allein im ersten Quartal verzeichneten nachhaltige Fonds einen Volumenzuwachs von 25 %. Seit 2011 steht sogar ein Plus von 400 % zu Buche.

Für Experten steht jedenfalls fest: Die Nachfrage nach nachhaltigen Fonds bzw. Ethikfonds, die die Bereiche Umwelt, Soziales und Corporate Governance (ESG, Anm.) berücksichtigen, steigt. Das größte Potenzial machen sie unter Privatanlegern aus. Zwar sollte auch das Interesse seitens Institutioneller weiter zunehmen, diese hätten sich aber schon viel früher mit dem Thema nachhaltiges Investieren beschäftigt. Klare Vorreiter sind in Österreich die betrieblichen Vorsorgekassen. Sie sind aber auch dazu verpflichtet auf Basis von nachhaltigen Kriterien zu investieren.

„Ein wichtiger Grund für die boomende Nachfrage ist sicherlich, dass Sorgen um Renditechancen und Risiken von nachhaltigen Veranlagungen, die bekanntlich früher groß waren, mittlerweile von diversen Studien widerlegt worden sind. Sie haben gezeigt, dass das Anlageuniversum mit einschlägigen Produkten zwar eingeschränkt ist, aber dennoch gute Performancechancen gegeben sind“, so Hauer. Schließlich würden damit auch viele Risiken wie Korruption, die der Kursentwicklung schaden können, gemindert. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass auch mehr und mehr konventionelle Fonds ESG-Kriterien berücksichtigen.

Laut VÖIG haben nachhaltige Aktienfonds Anlegern in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt eine Performance von mehr als 4 % p.a. gebracht. Mit einschlägigen Misch- und Anleihenfonds waren rund 3 bzw. 1 % drinnen. Wie eine aktuelle Umfrage von NN Investment Partners unter 290 professionellen Anlegern zeigt, sehen diese, wenn es um Renditechancen geht, das größte Potenzial (60 %) in Umweltfaktoren. Governance (40 %) und soziale Faktoren (15 %) folgen mit deutlichem Abstand. Dabei würden auch diese Renditechancen bieten und zum Aufbau eines diversifizierten Portfolios beitragen, so Adrie Heinsbroek, Leiter Responsible Investment bei NN Investment Partners.

Zu einem großen Thema beim nachhaltigen Investieren ist in den letzten Jahren die „Impact-Messung“ geworden. So wird etwa verstärkt darauf geschaut, ob Unternehmen einen positiven ESG-Beitrag leisten oder nicht. Ein bekanntes Kriterium ist der CO2-Fußabdruck von Firmen. „Auch der Wasserverbrauch wird verstärkt unter die Lupe genommen“, erklärt Hauer. Die Erste Asset Management (EAM) hat etwa 2018 erstmals den Wasserfußabdruck für ihre nachhaltigen Aktienfonds veröffentlicht und ist überzeugt, damit ein wichtiges Zeichen gesetzt zu haben: Mit steigendem Investorendruck würde auch der verantwortungsvolle Umgang mit Wasser an Bedeutung gewinnen.

Dass Ethikfonds stark an Bedeutung gewonnen haben, hat im Übrigen auch eine weitere positive Entwicklung zur Folge: Da sie mehr Anteile an Unternehmen halten, können sie sich auch verstärkt engagieren, um diese zur Nachhaltigkeit bewegen. Mit nachhaltigen Fonds können Anleger also durchaus einen wichtigen Beitrag zur Verringerung der Folgen des Klimawandels sowie zur Durchsetzung sozialer Anliegen leisten. Dass sich damit auch gutes Geld verdienen lässt, dürfte sich mittlerweile unter Anlegern herumgesprochen haben.

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„Klimakiller“ Elektro-Auto?

Elektro-Boliden sollen für die massenhafte Vernichtung von Regenwäldern verantwortlich sein.

Harald Kolerus. Es ist schon ziemlich starker Tobak, was auf der Homepage des deutschen Vereins „Rettet den Regenwald“ zu lesen ist. Das Elektroauto sei demnach nämlich ein „Regenwaldkiller“. Zur Begründung heißt es unter anderem, dass Elektro-Boliden Strom benötigten, dessen umweltfreundliche Erzeugung keineswegs gesichert sei. Aber auch schon vor dem ersten gefahrenen Kilometer würden gewaltige Schäden an Mensch und Natur durch den Abbau und die Verarbeitung der für die Autoproduktion benötigten Rohstoffe entstehen. Eine Behauptung die durchaus mit harten Zahlen belegt werden kann: „Etwa 1.800 Kilogramm Metalle und andere Materialien stecken in einem E-Auto der Mittelklasse wie dem Opel ,Ampera-e’; vor allem Stahl, Aluminium, Kupfer und Kunststoffe“, heißt es seitens „Rettet den Regenwald“. Im Falle der deutschen bzw. europäischen Autoindustrie stammen diese Rohstoffe sogar zu fast 100 % aus Importen, und zwar ganz besonders aus tropischen Ländern und Gebieten der Erde. Und diese Fakten würden E-Autos eben zu „Regenwaldkillern“ machen.

Schön und gut, aber gilt das nicht auch für herkömmliche Pkw oder auch Züge, Fahrräder usw.? Ohne Rohstoffverbrauch geht bzw. fährt eben nichts.

Besonders umweltschädlich
Das bestreitet man auch bei „Rettet den Regenwald“ nicht, fügt aber hinzu: „Neben den genannten Rohstoffen, die auch in Autos mit Verbrennungsmotor enthalten sind, benötigen Elektroautos eine Vielzahl seltener Metalle und Seltener Erden, deren Abbau und Verarbeitung mit immensen Schäden für die Umwelt, das Klima und die Menschen in den Abbaugebieten verbunden sind.“ Klaus Schenk, Fachmann für Forstwirtschaft und Energiefragen bei „Rettet den Regenwald“, führt im Gespräch mit dem Börsen-Kurier näher aus: „Für die Batterien der E-Autos werden heikle Rohstoffe wie Kobalt, Mangan oder Lithium benötigt, die Liste lässt sich fast beliebig fortsetzen. Wir prangern an, dass die Politik E-Autos als umweltfreundlich und klimaneutral anpreist und noch dazu mit Milliardenbeträgen subventioniert.“

Aber wie sieht die Alternative aus, der Verbrennungsmotor kann sie ja ebenfalls nicht sein? Schenk rät dazu, sich die Frage zu stellen, wie sinnvoll es ist, hunderte Millionen E-Autos zu bauen und die konventionellen Modelle dadurch zu ersetzen. „Das stellt jedenfalls keine Alternative dar, sondern würde zu einem unglaublichen Rohstoffengpass führen. Statt an den Individualverkehr sollte man mehr an öffentliche Verkehrsmittel wie die Eisenbahn denken. Hier können viel mehr Personen transportiert werden, und das praktisch rund um die Uhr. Der Pkw steht hingegen Tag für Tag oft 22 oder 23 Stunden herum.“

Recycling und mehr
Was halten nun Investoren von der Kritik, denn immerhin stellt E-Mobilität in vielen Fonds ein wichtiges Thema dar? Der Börsen-Kurier hat dazu bei Clemens Klein, Fondsmanager des „Erste WWF Stock Environment“ (ISIN: AT0000705678) und auf Nachhaltigkeitsthemen spezialisiert, nachgefragt. „Wir sind uns durchaus bewusst, dass E-Autos auch Schattenseiten aufwerfen. So etwa, dass Kobalt zu mehr als der Hälfte im Kongo produziert wird. Ein Land mit politischen Schwierigkeiten und aus dem auch Arbeitsrechtsverletzungen bis hin zur Kinderarbeit berichtet werden“, sagt der Experte. Er setzt daher auf die Transparenz und Nachvollziehbarkeit der gesamten Lieferkette, aber auch auf den technischen Fortschritt. „Früher hatte Kobalt einen Anteil von 50 % in den benötigten Batterien. Durch eine neue Zusammensetzung konnte diese Quote bis auf 20 bis 30 % gedrückt werden.“ Auch Recycling wird in diesem Bereich laut dem Experten zu einem immer größeren Thema. Ein gutes Beispiel hierfür bietet Umicore (BE0974320526), das auf Recycling spezialisierte Unternehmen kann schon heute 90 bis 95 % des Kobalts aus den Batterien wiederverwerten.

Klein abschließend: „Studien gehen davon aus, dass E-Autos in Österreich bei unserem gegenwärtigen Energie-Mix bis zu 90 % weniger Treibhausgase verursachen. Alles in allem überwiegen bei E-Autos also die Vorteile.“

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Anleihenausblick der Capital Group

Japan und Europa schwächeln, risikoreichere Titel bieten Opportunitäten

„Während europäische Anleihen zwar vereinzelt Chancen bieten, insgesamt aber schwächeln und japanische Aktien stark von den Entwicklungen der Bank of Japan abhängig sind, haben High-Yield-Anleihen eine der besten Entwicklungen aller Zeiten in einer ersten Jahreshälfte erfahren“, sagt Peter Becker, Fixed Income Investment Director bei Capital Group. Er analysiert die Potenziale im Fixed Income-Bereich und fasst seine Ergebnisse zusammen.

Begrenztes Potenzial in Europa
Die europäische Konjunktur habe sich im ersten Quartal des Jahres zwar stabilisiert, sei aber auch zukünftig anfällig für politische Entwicklungen und bleibe volatil. Die deutsche Industrie schwächele beispielsweise unter den niedrigeren Nachfragen aus China, den USA und Großbritannien. Positive Signale sende hingegen die Binnennachfrage, die durch niedrige Energiepreise und eine lockere Fiskalpolitik gestärkt worden sei. Letztere könne in Zukunft gar noch expansiver werden, wenn die Inflationsrate weiterhin niedrig bleibe. „Die Europäische Zentralbank (EZB) scheint aus früheren Fehlern gelernt zu haben, als sie langsam reagierte“, sagt Becker. „Jetzt scheint sie einen vorausschauenden Ansatz zu signalisieren.“ Zwar böten sich einzelne Opportunitäten bei europäischen Anleihen, Titel außerhalb des Euroraums seien jedoch interessanter. Bei einer reinen Europastrategie seien insbesondere Anleihen aus den Semi-Core-Ländern und der Peripherie hervorzuheben. Die Kernländer seien insgesamt weniger attraktiv. 

Japan ist abhängig von China und den USA
Die sich abkühlende Weltkonjunktur sorge für Druck auf die Bank of Japan (BoJ). Außerdem könnte eine Eskalation des Handelskonfliktes zwischen den USA und China sich stark negativ auf Japans Wirtschaft auswirken. Eine Konsequenz könnte ein weiteres Sinken der Kurzfristzinsen sein – auch wenn der Yen dadurch kurzfristig zulegen könnte. „Trotz aller fiskalpolitischer Bemühungen um eine steilere Zinsstrukturkurve, sind die Renditen strukturell gefallen“, sagt Becker. „Wir glauben daher, dass die üblichen geldpolitischen Maßnahmen nur wenig ausrichten können.“ Eine deutlich expansivere Geldpolitik, die dann zu höheren Renditen führen könnte, sei jedoch nur bei einem deutlichen Konjunkturabschwung wahrscheinlich. „Wegen der niedrigen Renditen suchen japanische Investoren nach höher verzinslichen Titeln im Ausland“, so Becker. „Insgesamt erscheinen risikoreichere Anleihen attraktiver.“ 

Risikoreichere Titel verzeichnen positive Entwicklung
Seit Jahresbeginn haben High-Yield-Anleihen die beste Entwicklung aller Zeiten in einer ersten Jahreshälfte gezeigt – insgesamt seien sie um 9,94 Prozent gestiegen – und die Fundamentaldaten seien noch immer gut. Eine gewisse Vorsicht sei zwar geboten, da die Unternehmensgewinne in der zweiten Jahreshälfte nachgeben könnten und dieses Risiko in den aktuellen Bewertungen eventuell noch nicht abgebildet sei. Dennoch könnte das Umfeld niedriger Ausfallquoten anhalten, wenn die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ihre Geldpolitik weiter lockere – und danach sehe es aktuell aus. „Insbesondere festverzinsliche High-Yield-Anleihen sind bei den Investoren in den Fokus gerückt und haben Zuflüsse verzeichnet“, sagt Becker. „Variabel verzinsliche Loans sind wegen der erwarteten Geldpolitik dahingegen weniger gefragt.“

Auch Anleihen aus Schwellenländern hätten im zweiten Quartal 2019 Gewinne erzielt. Lokalwährungsanleihen hätten dabei Anleihen, die in US-Dollar denominiert sind, übertroffen. Insbesondere die angedeuteten expansiven Geldpolitiken von Fed, EZB und BoJ seien der Grund dafür, der amerikanisch-chinesische Handelskonflikt rücke dahingegen in den Hintergrund. „Die Renditen in Industrieländern sind zurückgegangen und die renditestärkeren Titel aus Emerging Markets dementsprechend attraktiver geworden“, sagt Becker. Und auch für die Zukunft seien Schwellenländeranleihen vorsichtig optimistisch zu bewerten. Insgesamt seien deren Bewertungen und Fundamentaldaten nach wie vor ordentlich, auch wenn unterschiedliche Risiken der sehr diversen Schwellenländer im Blick bleiben sollten. Eine moderate Übergewichtung empfehle sich aktuell bei länger laufenden Lokalwährungs-Staatsanleihen; bei in Fremdwährungen denominierten seien dahingegen kürzer laufende Titel mit höheren Zinsen interessant. Auch ausgewählte Emerging-Market-Unternehmensanleihen seien günstig bewertet – vor allem in den Sektoren Bankwesen und Transport.  

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Euro-Staatsanleihen auf Rekordkurs

Geopolitische Turbulenzen, aber auch die Aussicht auf weitere Zinssenkungen beflügeln den Markt.

Raja Korinek. Es kommt nicht oft vor, dass Europas Staatsanleihen für Furore sorgen. Zuletzt hatte es die 100jährige österreichische Bundesanleihe in die Schlagzeilen geschafft. Denn Anfang August übersprang der Kurs die Marke von 200 % – eine Verdoppelung seit Emission im Jahr 2017. Und damit ein durchaus beachtlicher Anstieg.

Deutschland komplett im Minus
Ähnlich drastisch ist die Entwicklung in Deutschland. Zuletzt wurde eine dreißigjährige Anleihe zu einem Preis von mehr als 100 % platziert, verweist Gabriel Panzenböck, Fondsmanager im Team Rates & FX in der Raiffeisen KAG, auf die ungewöhnliche Entwicklung. Inzwischen sind die Renditen deutscher Staatsanleihen in allen Laufzeiten negativ.

Doch was steckt hinter der Entwicklung? Nebst den geopolitischen Spannungen mehren sich die schlechten Nachrichten zur Weltwirtschaft. Dass sich am vergangenen Wochenende die USA und China zusätzliche Zölle gegenseitig auferlegt haben, gießt weiteres Öl ins Feuer und trifft auch die Eurozone. Für Experten steht jedenfalls fest: Die EZB wird die Geldschleusen bereits im September weiter öffnen.

Geldpolitik treibt die Kurse an
Dabei treibt schon allein die Aussicht auf tiefere Zinsen die Kurse bestehender Anleihen weiter an. Denn sie sind wenigstens noch ein wenig höher verzinst als neue Anleihen, die nach der Senkung begeben werden. Doch wie könnten die Maßnahmen aussehen? So könnte der EZB-Einlagensatz für Banken weiter gesenkt werden, meint Panzenböck. Derzeit liegt er bei -0,4 %. „Auch geht man von einer Wiederaufnahme des Ankaufsprogrammes für Staats- und Unternehmensanleihen aus.“

Auch das würde die Anleihekurse antreiben. Was nicht allen gefällt. Thomas Neuhold, Vorstandsmitglied der Gutmann KAG, meint, das sei bei derart tiefen Renditen sinnlos, „und würde einen überhitzten Markt weiter anheizen“.

Sichere Häfen gefragt
Doch nicht nur geldpolitische Maßnahmen dürften eine Rolle spielen. Der Handelskrieg könnte sich weiter verschärfen. Zudem ist die Italienkrise längst nicht ausgestanden. Sollte sie sich verschlimmern, dürften besorgte Anleger vermehrt sichere Häfen aufsuchen, zu denen vor allem Deutschland zählt. Und das könnte die Renditen etwa 10jähriger deutscher Staatsanleihen allmählich auf bis zu minus 1,5 % drücken, meint Neuhold.

Wie sieht es mit Italien aus?
In der Regierung in Rom kriselt es erneut – mit vorerst ungewissem Ausgang. Bislang wurde die Entwicklung von Investoren recht gelassen genommen, meint Panzenböck. Das lässt sich etwa am Zinsaufschlag 10jähriger italienischer Staatsanleihen zu deutschen Pendants ablesen. Im November 2018 erreichte dieser ein Zwischenhoch von rund 2,9 %-Punkten – in Mitten der Börsenturbulenzen – und ist seither sogar leicht auf rund 2,15 %-Punkte gesunken. Doch allmählich wird die Zeit knapp, im Oktober muss Rom einen neuen Budgetentwurf in Brüssel vorlegen.

Somit kann sich in Italien in den kommenden Wochen die Lage rasch ändern. Vor allem, „wenn der Konflikt mit der Europäischen Kommission neuerlich eskaliert“, mahnt Gerhard Winzer, Chefvolkswirt bei der Erste Asset Management (EAM).

Spanien als neuer Favorit
Doch was gefällt den Experten aktuell? Bei der Raiffeisen KAG verweist Panzenböck auf den spanischen Anleihemarkt. Dort liegt die Rendite 10jähriger Staatsanleihen bei rund 0,14 %. „Wir sehen Spanien mittelfristig in der Bewertung eher bei Semi-Kernregionen wie Belgien oder Frankreich.“ Bei der EAM hat man alle drei Regionen – sowie Österreich – übergewichtet. Dort gebe es noch einen Renditeaufschlag zu Deutschland. Italien habe man neutral gewichtet, während die Länder mit der niedrigsten Rendite untergewichtet seien (das sind Deutschland und die Niederlande).

Und Irland?
Da hat man sich auch zu einer bescheidenen Gewichtung entschieden. Schließlich gibt es jede Menge Unsicherheiten rund um den Brexit, meint Winzer. Negative Folgen könnte die grüne Insel dann besonders zu spüren bekommen.

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Ist Argentinien noch zu retten?

Drohender politischer Umsturz in Argentinien sorgt für Panik am Bondmarkt.


Michael Kordovsky. Alleine der Chart einer in Stuttgart notierten argentinischen US-Dollar-Staatsanleihe mit Kupon 6,875 % und Laufzeit bis 22.4.2021 (ISIN: US040114GW47) sagt mehr als 1.000 Worte: Von Ende Juli bis 22. August brach der Kurs klippenartig von 89,69 auf 56,84 % des Nominalwertes ein. Eine bis 2037 laufende Argentinien-Anleihe notierte zuletzt gar nur noch bei 37,15 %. Franklin Templeton, deren Fonds zu den größten Gläubigern Argentiniens zählen, sorgte mit hohen Verlusten für negative Schlagzeilen, zumal Medienberichten zufolge, neun Fonds der Gesellschaft fast 3 MrdUSD an argentinischen Anleihen hielten. Ebenso traf es aber auch alle anderen (Emerging-Markets-)Anleihen-Fondsanbieter mit Argentinien Investments.

Peronistischer Umsturz droht
Ursache des Anleihen-Crashs: Die Regierung von Mauricio Macri, die als zuverlässiger Partner der marktwirtschaftlichen Welt gilt und am ehesten bereit ist, Auslandsschulden zu begleichen, hatte am 11. August die Vorwahl für die am 27. Oktober anstehende Präsidentschaftswahl klar verloren. „Mit dem Wahlsieg der Peronisten erscheint eine Umschuldung der argentinischen Staatsschuld sehr viel wahrscheinlicher, und internationale Investoren haben deshalb diese Papiere verkauft. Derzeit notieren argentinische Staatsanleihen bei etwa 40 bis 50 % des Ausgabekurses“, erklärt dazu WIFO-Volkswirt Thomas Url. Das Fernandez-Wahltandem – bestehend aus dem Oppositionskandidaten Alberto Fernandez und Cristina Fernandez de Kirchner als Vizepräsidentschaftskandidatin – gewann 47,7 % der Stimmen, während es der amtierende Präsident Macri in Allianz mit Miguel Angel Pichetto nur auf 32,1 % brachte. Kaum jemand rechnete mit diesem Wahlergebnis. In den meisten vorangegangen Umfragen lagen beide Kandidaten um weniger als 8 %-Punkte auseinander. Tatsächlich kann es im Oktober bereits beim ersten Wahldurchgang einen politischen Umsturz geben, denn bei 10 %-Punkte Vorsprung gegenüber dem zweitbesten Kandidaten kann mit 40 % der Stimmen in Argentinien eine Wahl entschieden werden. Verärgerte Wähler machen es möglich.

Bevölkerung unzufrieden
Der IWF zeigt nämlich in Argentinien ähnliche Verhaltensmuster wie einst in der Asienkrise 1997/98, indem er mit Sparprogrammen als Kreditbedingung kurzfristig noch mehr Öl ins Feuer gießt: Die Regierung Macri hat für Argentinien mit dem Internationalen Währungsfonds ein Sanierungsprogramm vereinbart. Der Währungsfonds unterstützt Argentinien mit einem Betrag von insgesamt 57 MrdUSD bei der Budgetsanierung. „Im Zuge dieses Programms wurden mit dem IWF Ausgabenkürzungen vereinbart, die der argentinischen Wirtschaft einen negativen Impuls gaben. Zusätzlich haben Subventionskürzungen zu einem Anstieg der Inflationsrate auf mehr als 50 % beigetragen“, erklärt Url. Das erzeugt Unmut in der Bevölkerung. Deshalb können sich in Argentinien liberalere Reformer schwer so lange halten, wie es erforderlich wäre, um das Land nachhaltig nach dem Vorbild erfolgreicher Industrienationen umzugestalten. Dazu Url: „Ein großes Problem ist das mangelnde Vertrauen in die Umsetzung einer nachhaltigen Budgetpolitik. Selbst die liberale Regierung Macri konnte dieses Ziel nicht erreichen, weil die realisierten zusätzlichen Auslandsinvestitionen nicht ausreichten, um den Nachfrageausfall aus der Rücknahme staatlicher Ausgaben auszugleichen.“

Roubesh Adaya, Senior Investment Specialist Fixed Income bei Aberdeen, sieht indessen in Sorgen bezüglich möglicher Kapitalverkehrskontrollen und der Fähigkeit und/oder Bereitschaft der neuen Regierung, die IWF-Programme weiter fortzusetzen das größte Problem Argentiniens. Diese Ängste der Marktteilnehmer setzen die argentinischen Asset-Preise massiv unter Druck.

Franklin Templeton ging nur übliche Risiken ein
Sowohl Aberdeen als auch Franklin Templeton haben, laut eigenen Angaben gegenüber dem Börsen-Kurier, bereits im Vorfeld des 11. August ihre Argentinien-Exposure verringert. Der „Templeton Global Bond“- und der „Templeton Global Total Return“-Fonds gewichteten per 31. Juli 2019 Argentinien mit je 3,3 bzw. 6,4 % – eine Größenordnung im Rahmen des Normalen. Unter Umständen haben die Märkte überreagiert und es ist am Bondmarkt bereits der Boden erreicht worden. Dazu erhielt der Börsen-Kurier von Franklin Templeton folgendes Statement: „Die jüngsten Marktbewertungen scheinen das Worst-Case-Szenario eines Zahlungsausfalls bzw. einer potenziellen Verletzung der Bereitschaftskreditvereinbarung Argentiniens mit dem IWF einzupreisen. Wir halten diese Fälle nicht für das Basisszenario, da es einer politischen Selbstzerstörung gleichkäme, den Kapitalzugang Argentiniens zu zerstören.“

Wie geht es weiter?
Adaya skizziert gegenüber dem Börsen-Kurier folgendes Szenario: Während Alberto Fernandez in der Vergangenheit innerhalb der Peronisten-Partei pragmatische Elemente aufwies, wie etwa im Juli 2008 sein Rücktritt als Kabinettsleiter nach Auseinandersetzungen mit Präsidentin Cristina Kirchner bezüglich Steuerfragen im landwirtschaftlichen Sektor zeigte, ist es wahrscheinlich, dass die ehemalige Präsidentin und aktuelle Vizepräsidentschaftskandidatin Kirchner einen hohen Einfluss auf die Wirtschaftspolitik haben wird. Zumindest unmittelbar nach einem Wahlsieg sollte es so sein. „Wir beobachten die Situation in Argentinien genau, insbesondere bezüglich möglicher politischer Züge einer kommenden Fernandez-Fernandez-Administration“, so Adaya.

Ebenfalls keine glorreiche Zukunft sieht Url: „Obwohl der scheidende Finanzminister Nicolás Dujovne eine Korrektur der Ausgabenkürzungen im Ausmaß von 740 MioUSD vorgeschlagen hat, wird sich die schwere Wirtschaftskrise vermutlich fortsetzen. Nach einem Wahlsieg der Peronisten werden die Möglichkeiten zur Ausweitung der Auslandsverschuldung und zur Stärkung der ausländischen Direktinvestitionen geringer sein, sodass auch auf mittlere Sicht eine Erholung unwahrscheinlich bleibt.“

(Foto: Pixabay / Julianza)

 

 

Immobilien-Makler verunsichert

Noch ist unsicher, wer künftig bei einer Vermietung den Makler zahlen muss

Rudolf Preyer. „Na, dann mache ich eben nur noch in Eigentum“, gibt Johannes Wild, geschäftsführender Obmann der Fachgruppe Immobilien und Vermögenstreuhänder der WKO NÖ, den Unmut vieler heimischer – nicht nur niederösterreichischer – Immobilienmakler wieder. Der Österreichische Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI) sowie die Funktionäre der Wirtschaftskammer – in Wien, in NÖ, eigentlich in allen Bundesländern – „rudern“ gerade regelrecht dagegen an: dass es soweit erst gar nicht kommt.

Was den österreichischen Immobilienmaklern – als schlimmster anzunehmender Alptraum – den Schlaf raubt, ist das sogenannte „Bestellerprinzip“, das – man musste sich vergangene Woche schon die Augen reiben – in der Anfangsphase (sollte man meinen) des Wahlkampfes ausgerechnet von türkiser Seite ventiliert worden war: Die ÖVP schwenkt komplett um 180 Grad um, und möchte nun auch, dass die Maklerprovision künftig ausschließlich vom Vermieter bezahlt werden muss.

Bildlich gesprochen, hat sich die Volkspartei in ein Boot mit unter anderen den Gewerkschaften, der SPÖ und der Mietervereinigung gesetzt. Georg Edlauer, Fachverbandsobmann der Immobilientreuhänder in der Wirtschaftskammer, hatte schon „so eine Vorahnung“ – also, dass das Thema wahlkampfbedingt wieder hochkochen könnte – dass der Zunder aber tatsächlich „von dieser Seite“ kommen würde? – damit hatte er und mit ihm die knapp 5.000 Immobilienmakler Österreichs auch nicht gerechnet.

Argumentation der Makler
Wild schickt gegenüber dem Börsen-Kurier voraus: „Klarzustellen ist jedenfalls, dass der Makler in seiner gegenwärtigen Charakteristik als sogenannter Doppelmakler rein rechtlich gesehen einen Ausgleich für beide Seiten – für die Vermieter UND für die Mieter – herstellt.“

Werden tatsächlich mehr Geschäfte von Privat an Privat vorgenommen, führte dies mangels Fachkenntnis zu Informations-, Ausführungs- und Vertragsmängeln in einem erhöhten Ausmaß, so der Immobilienexperte. Vielfach würden Vertragsanfechtungen und/oder -auflösungen die Folge sein.

„Letztendlich haftet der Immobilienmakler auch für seine Beratungsleistung und hat eine gewerberechtlich verpflichtende Vermögensschadenhaftpflicht für diese Fälle abgeschlossen“, ergänzt Sandra Bauernfeind, ÖVI-Maklersprecherin.

Wieder Wild, der ein Worst-Case-Szenario zeichnet: „Bei einer Abschaffung der Maklerprovision für Mieter würden sich immer mehr Makler aus dem Markt zurückziehen, wie das in Deutschland seit der Einführung des Bestellerprinzips 2015 immer häufiger geschieht.“

Die entscheidende Frage aus Maklersicht lautet heute: „Lässt sich das Bestellerprinzip überhaupt noch abbestellen?“

Hoffnung auf Rückschwenk
Edlauer wiederum verweist auf den Umstand, dass die Abschaffung der Maklerprovisionen für Mieten keineswegs leistbares Wohnen fördere, ganz im Gegenteil: vielmehr seien in Deutschland die Mieten durch Einrechnung der Maklerprovision sogar stärker gestiegen.

Mit dem „B.-Prinzip“ würde sich der Vermieter im preisgeregelten Bereich überlegen, überhaupt noch zu vermieten. Beim freien Mietzins hingegen würde er allenfalls die angefallenen Kosten auf die Mieter umlegen.

Die SPÖ will den Sack geschwind zumachen. „Zu erwarten ist, dass bei der letzten Nationalratssitzung vor den kommenden Wahlen ein eilig entworfener Textentwurf als Initiativantrag eingebracht wird“, so der Maklerrechtsexperte und ÖVI-Geschäftsführer Anton Holzapfel.

Der ÖVI – und viele Makler schließen sich da sicher an – „appelliert dringend an alle politischen Entscheider, Transparenz, Angebotsvielfalt und Rechtssicherheit nicht einem wahlkampftaktischen Kalkül zu opfern“.

Bleibt somit die Frage: Wird die Volkspartei vor den Nationalratswahlen in dieser Angelegenheit abermals einen 180-Grad-Schwenk vollführen? Die Immobilienmakler wünschen sich’s jedenfalls – die traditionell bürgerliche Klientel würde dann naturgemäß (noch) lieber ihr Kreuzerl bei der ÖVP setzen.

Der Börsen-Kurier wird Sie über die weiteren Entwicklungen zu diesem Thema selbstverständlich auf dem Laufenden halten.

(Foto: Pixabay / Geralt)

 

 

Ähnlich, aber nicht gleich

GAM Investments über den japanischen Aktienmarkt damals und heute.

In den vergangenen drei Jahrzehnten haben sich die japanischen Finanzmärkte den etwas

ungerechtfertigten Ruf erworben, sie würden Anleger konstant enttäuschen. Japanische Staatsanleihen (JGBs) wurden als „weltgrößte Witwenmacher“ bezeichnet, während viele Anleger das Bild eines Aktienmarktes vor Augen haben, der Ende der 1980er Jahre spektakulär einbrach und sich trotz zahlreicher Fehlstarts nie richtig erholen konnte. Beide Aussagen sind jedoch irreführend.

Der Begriff „Witwenmacher“ bezieht sich insbesondere auf Leerverkäufe japanischer Staatsanleihen. Gemeint ist die damalige Wette, dass die Renditen von niedrigen Niveaus ausgehend steigen müssten – nachdem die Bank of Japan (BoJ) im Jahr 1999 erstmals eine Nullzinspolitik eingeführt hatte –, und damit verbunden die Annahme, dass die JGB-Kurse unvermeidlich fallen würden. Mittlerweile versuchen zahlreiche Anleger, sich auf eine „Normalisierung“ der Geldpolitik an den Märkten der westlichen Industrienationen zu positionieren, die bislang jedoch nicht wirklich eintrat. Der jüngste Richtungswechsel in der Geldpolitik der Fed zeigt dies nur allzu deutlich. Der einzige wirkliche Unterschied zwischen diesen beiden Szenarien besteht darin, dass die Leerverkäufer japanischer Staatsanleihen die enorme Loyalität der lokalen Anleger unterschätzen, die trotz der mageren Renditen

zusätzlich JGB-Positionen aufbauten. In ähnlicher Weise hat sich die BoJ insbesondere unter der Führung von Zentralbankgouverneur Kuroda vorbehaltslos hinter die Reflationsbemühungen der Regierung gestellt.

Analyse der zweiten Behauptung: Trifft es tatsächlich zu, dass sich japanische Aktien nicht vollständig vom extremen Rückschlag Ende der 1980er Jahre erholen konnten?

In den vergangenen Jahren war eine bemerkenswerte Dynamik zu beobachten: Ungeachtet der allgemeinen Marktrichtung wurden japanische Aktien zunehmend günstiger. Gelegentliche Verkaufswellen am japanischen Aktienmarkt wurden von einer nervösen Stimmung getrieben, die im Widerspruch zur Verbesserung der Fundamentaldaten stand. Selbst während der von Ministerpräsident Abe ausgelösten Rally von 2012 bis 2018 konnten die steigenden Aktienkurse nicht mit dem Wachstum der Unternehmensgewinne Schritt halten. Während US-Markt-Kommentatoren davon sprechen, dass der S&P 500 Index billiger ist als zu bestimmten Zeiten in der Vergangenheit, können wir auf außerordentlich attraktive Bewertungen japanischer Aktien verweisen. Der Markt notiert derzeit mit niedrigeren Kurs-Gewinn-Verhältnissen als während der globalen Finanzkrise und zum Zeitpunkt der

Regierungsübernahme durch Shinzo Abe. Angesichts der positiven mikro- und makroökonomischen Entwicklungen lässt sich dies anhand fundamentaler Kriterien zunehmend schwieriger rechtfertigen.

Drei Gründe für Zuversicht

Im Jahr 1979 verfasste der britische Musiker Ian Dury einen Song mit dem rätselhaften Titel „Reasons to be Cheerful, Part 3“. Bei der Beurteilung der Anlageaussichten japanischer Aktien im Vergleich zu ihren globalen Pendants, erkennen wir nach unserer Einschätzung mindestens drei Gründe, weshalb Anleger in japanischen Aktien zuversichtlich sein können.

Erstens erwirtschaften japanische Unternehmen im historischen Vergleich hohe Gewinne und Margen. Der leer gefegte Arbeitsmarkt verspricht gutes Einkommenswachstum. Dies dürfte den Konsum weiter ankurbeln und damit den Trend steigender Gewinne und Margen fortsetzen.

Zweitens haben die Führungsteams japanischer Unternehmen dank der robusten Gewinnmargen und Cashflows nicht nur erheblich mehr Spielraum für die Umsetzung von Investitionsplänen, die das zukünftige Wachstum des Geschäfts zusätzlich ankurbeln, sondern auch für Anpassungen der Kapitalverwendungsrichtlinien zugunsten von Rückführungen an die Aktionäre.

Drittens steigen die Dividendenrenditen weiter und die reinvestierten Dividenden stellen eine wichtige Komponente der Gesamtrendite japanischer Aktien dar.

Japan: Damals und heute

Wir werden oft gefragt, wie sich das Umfeld für die Unternehmen seit den Boomjahren der 1980er verändert hat. Und auch hier stellen wir fest, dass viele dieser Veränderungen sehr ermutigend sind.

Japan nimmt unverändert eine Spitzenposition bei Innovationen in der Robotertechnologie ein. Es wird sogar vermutet, dass die Entwicklung von Robotern dabei helfen könnte, die schwierige demografische Situation der Nation zu bewältigen. Die Abhängigkeit des Landes von Technologieexporten hat jedoch in den vergangenen drei Jahrzehnten deutlich abgenommen. In Zeiten einer hitzigen Debatte über die außerordentliche Kursinflation bei den sogenannten FAANG-Aktien in den USA weist der japanische Aktienmarkt im Vergleich zu globalen Benchmarks eine signifikante „Untergewichtung“ von Technologieunternehmen und Banken auf.

Aktuell weist der japanische Aktienmarkt eine erheblich ausgewogenere Ausrichtung auf Sektoren mit Bezug zur Fertigung und zu Konsum auf, zum Beispiel auf die Bereiche Industriegüter und -dienstleistungen, Automobile, Körperpflege- und Haushaltsprodukte sowie Telekommunikation.

Obwohl wir unverändert sehr von unseren ausgewählten Technologie-Positionen überzeugt sind, kann die Tatsache, dass der breite Markt zunehmend weniger von Technologie- und Dienstleistungssektoren abhängt (die von globalen Regulierungsmaßnahmen betroffen sein können), nur als positiv eingestuft werden.

Derzeit beruht die Anlagebeurteilung Japans fest auf der mikroökonomischen Ebene. Versierte Investoren können hier Nischenakteure entdecken, die ein nachhaltiges Gewinnwachstum zu angemessenen Kursen bieten. Aus Bewertungssicht ist auf die Tatsache hinzuweisen, dass japanische Unternehmen derzeit die höchste Rentabilität aufweisen, während deren Aktienkurse nach wie vor auf der Stelle verharren. Dies hat zur Folge, dass sich die „Aktienrisikoprämie“ (bzw. der Überschussertrag, den eine Anlage in japanischen Aktien gegenüber dem „risikofreien Ertrag“ bietet) auf dem höchsten Stand seit über 40 Jahren bewegt. Nach unserer Einschätzung ist dies nur ein weiterer guter Grund, die Chancen in Betracht zu ziehen, die japanische Aktien derzeit bieten.

Autoren: Ernst Glanzmann und Reiko Mito, Fondsmanager bei GAM Investments
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Segen oder nur ein Hype?

Der Börsen-Kurier nimmt einige Mythen, die sich um ETFs ranken, unter die Lupe.

Patrick Baldia. Für die einen sind sie ein Segen, für die anderen sind sie nicht viel mehr als ein Hype-Produkt, in das zu hohe Erwartungen gesteckt werden. Die Rede ist von börsegehandelten Indexfonds – sprich ETFs. Egal welcher Meinung man letztlich ist, eines ist nicht von der Hand zu weisen: Immer mehr heimische Anleger – und zwar sowohl Private als auch Institutionelle – setzen auf sie. Die Tendenz, laut Prognosen: Weiter steigend. Der Börsen-Kurier nimmt das zum Anlass, Experten mit einigen Mythen, die sich um ETFs ranken, zu konfrontieren.

Als ETF-Anleger muss man nicht auf die Kosten achten.
„Sowohl bei aktiven als auch passiven Fonds schmälern die Kosten die Rendite“, bringt Markus Weis, Deputy Head of Germany & Austria bei Vanguard, einen wichtigen Erfolgsfaktor beim Investieren auf den Punkt. Auf niedrige Kosten zu achten, sei vor allem deshalb wichtig, weil in den kommenden Jahren mit Aktien voraussichtlich deutlich geringere jährliche Bruttorenditen von 4 bis 5 % verdient werden könnten. „Mit aktiven Fonds wird bei einer durchschnittlichen Gesamtkostenquote von 1,5 % nicht viel übrig bleiben“, meint Weis im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

„Die Kosten sind sicherlich nicht der Hauptkritikpunkt an ETFs“, so Felix Düregger, Direktor Asset Management bei der Schoellerbank. Vor allem bei Produkten auf liquide Indizes wie den EuroStoxx 50 oder den MSCI World wären sie vergleichsweise niedrig. Sobald man aber abseits des Mainstreams bzw. der etablierten Indizes unterwegs sei, könnten sie schnell in die Höhe gehen.

Beispielsweise würde ein ETF auf den MSCI Asia rund 0,75 % pro Jahr kosten. Insgesamt sinken aber die Kosten am Markt. Laut Morningstar kosten Aktien-ETFs in Europa im Durchschnitt 0,36 % pro Jahr, Anleihen-ETFs sogar nur 0,21 %.

Bei ETFs muss man auch schlechte Aktien kaufen.
Der Kern der Kritik: ETFs müssen an Papieren mit schlechter Performance festhalten, solange sie zu ihrem Referenzindex gehören, während aktiv verwaltete Fonds sie theoretisch aussortieren könnten. „Ich glaube nicht, dass Investitionen in Aktien mit schlechter Performance ein besonderes Merkmal von ETFs sind“, so Carmine De Franco, Head of Fundamental Research beim Anbieter Ossiam. Schließlich wähle letztlich jede Anlagestrategie gut und schlecht performende Aktien aus. Wäre die Kritik berechtigt, würde man eine strukturelle Outperformance der aktiven Manager gegenüber ETFs sehen, was nicht der Fall sei. Tatsächlich zeigen Studien, dass nur rund 10 % der aktiven Fondsmanager den Markt langfristig schlagen.

ETFs werden aktive Fonds künftig vollständig verdrängen.
Dass ETFs zuletzt gewaltige Zuwächse hatten, ist eine Tatsache. In einer ähnlichen Tonart soll es im Übrigen auch weitergehen. Moody’s meint etwa, dass der Anteil der ETFs am globalen Publikumsfondsvermögen bis 2025 von derzeit 15 auf bis zu 27 % ansteigen könnte. Aktive Fonds werden aber demnach im Umkehrschluss weiter eine ganz wichtige Rolle spielen – mit guten Gründen, so Weis: „Bei Assetklassen wie High Yield, Emerging-Markets-Anleihen sowie Small Caps und Emerging-Markets-Aktien können aktive Manager aus Basis von gutem fundamentalen Research einen Mehrertrag gegenüber dem Markt erzielen.“ Insgesamt geht es also um ein stimmiges Portfolio aus passiven und aktiven Investments. Im ETF-Bereich legt der Experte Produkte, die ein großes und breites Universum abdecken, ans Herz – „sowohl bei Aktien als auch Anleihen“.

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Der Kampf um die Arktis

Das ewige Eis als Schauplatz des Wettbewerbs der globalen Mächte.

René Tebel. Auslöser dieser Entwicklung, die am Ende des 20. Jahrhunderts allmählich einsetzte, bildeten wissenschaftliche Forschungsergebnisse und die internationale Neuregelung der Seegrenzen. Von zahlreichen wissenschaftlichen Studien und Modellen getragen, wird allgemein davon ausgegangen, dass Klimawandel und Erderwärmung das Arktische Meer ab den dreißiger Jahren des 21. Jahrhunderts im Sommer eisfrei machen. Eine Konsequenz daraus wäre das Entstehen zweier schiffbarer Passagen.

Die eine verliefe dann von den USA über Kanada durch das Eismeer nach China und Japan (die Nordwestpassage), die andere, die Nordostpassage, von Europa über Skandinavien und entlang der sibirischen Küste nach Fernost. Gegenüber den heutigen Schiffswegen über Panamakanal bzw. Suezkanal würden die beiden Routen den Fahrtweg um ein Viertel der Strecke verkürzen.

Andere wissenschaftliche Forschungen lassen wiederum davon ausgehen, dass unter dem arktischen Meeresgrund bis zu 13 % der globalen Reserven an Erdöl und 30 % der unentdeckten Erdgasvorräte lagern, nebst weiterer Bodenschätze.

Daher ist es auch kaum verwunderlich, dass sich die fünf Anliegerstaaten des Arktischen Meeres (Norwegen, Dänemark, Kanada, die USA und Russland) sowie China bereits heute auf die Zeit vorbereiten, wenn Seeweg und Ausbeutung der Bodenschätze ökonomischen Gewinn und Einfluss versprechen. Der „Eröffnungszug“ ist bereits im Gange und wird durch Forschungsergebnisse, Sachverständige und Juristen ausgetragen.

Unklare Seegrenzen
Gab es im 20. Jahrhundert die Tendenz, die Polgebiete zwischen den Anliegerstaaten in Sektoren aufzuteilen, so bildet heute das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (SRÜ oder UNCLOS) von 1982 die Grundlage. Küstenstaaten können seither neben ihren eigentlichen Hoheitsgewässern (die 12-Meilen-Zonen) eine „Ausschließliche Wirtschaftszone“ (AWZ) für sich geltend machen. Darüber hinaus ist eine weitere Ausdehnung über den Festlandsockel möglich.

Hierfür muss aber vor einer UN-Kommission der wissenschaftliche Beweis erbracht werden, dass der Meeresboden und sein Untergrund die natürliche Verlängerung des entsprechenden Festlandes bilden.

Mit wissenschaftlichen Ergebnissen will Russland daher seinen Anspruch untermauern, dass der Lomonossow-Rücken, ein rund 1.700 km langes Unterwasser-Gebirge, als Fortsetzung der Eurasischen Landmasse anzusehen sei.

Dieser Haltung widerspricht Dänemark, das den Lomonossow-Rücken als Fortsetzung Grönlands ansieht, das wiederum (noch) zu Dänemark gehört. Als Beweis führt Kopenhagen die Geologie der unbewohnten Hans-Insel (auch Tartupaluk-Insel) an, die zwischen Ellesmere Island und Grönland liegt.

Zwischenstaatliche Dispute wegen unklarer Seegrenzen betreffen ebenso Kanada und Dänemark wegen der Hans-Insel, wie auch die USA und Kanada wegen unklarer Abgrenzung in der Beaufortsee. Hinzu kommt die unglückliche rechtliche Situation von Spitzbergen, die Svalbard-Inselgruppe. Der Svalbard-Vertrag aus dem Jahr 1920 stellt die Inselgruppe unter nicht-militärische norwegische Kontrolle und gewährt den 46 Unterzeichnerstaaten (darunter China, Russland, den Vereinigten Staaten sowie Ländern wie Indien und Saudi-Arabien) das Recht zu fischen und Handel zu treiben.

Neben der Frage der Territorial- und Seegrenzen treiben die Anliegerstaaten und globalen Mächte zahlreiche weitere strategische und politische Ziele an, die mitunter extrem unterschiedlich sind.

Entwicklung der Seerouten, Exploration und Kontrolle
So betrachtet Kanada etwa die zivile und militärische Kontrolle der Nordwestpassage als seine Kernaufgabe. Dies schließt Such- und Rettungsmissionen ein. Zudem zielt die kanadische Politik darauf ab, eine volle Souveränität über die Nordwestpassage auszuüben.

Gerade hier macht Kanada besonders sein mächtiger Nachbar USA zu schaffen, der mit Alaska nur über einen verhältnismäßig geringen Küstenanteil am Arktischen Meer verfügt. Deswegen leitet Washington auch mehr der Ansatz, die „Freiheit der Meere“ einzufordern. Das bekommt Kanada zu spüren, wenn die USA und einige andere Staaten die kanadische Hoheit einfach ignorieren und die Nordwestpassage wie internationale Gewässer behandeln.

Im Ringen um Einfluss in der Arktis ist gegenwärtig aber Russland der aktivste Akteur. Wladimir Putin brächte eine in den Sommermonaten befahrbare Nordostpassage entlang der sibirischen Küsten Transiteinnahmen, eine höhere Bedeutung im globalen Handel und neue Exportwege für seine Rohstoffe.

Daher zielt die russische Politik darauf ab, bereits heute Maßnahmen zu ergreifen, um die Nordostpassage als Seeweg zu etablieren und das nördliche Sibirien zu entwickeln. Umso mehr, als im Festlandsockel vor Sibirien enorme Gas-, Ölreserven und Kohlenwasserstoffvorkommen vermutet werden und Sibiriens erwärmende Permafrostböden den Abbau reicher Vorkommen an Bodenschätzen leichter ermöglichen, zu denen Diamanten, seltenen Metalle, Nickel- und Kobalt und Kupfer zählen.

Ein kühner Plan ist dabei der Einsatz schwimmender Atomkraftwerke entlang der sibirischen Küste, um entlegene Siedlungen und Unternehmen mit Strom zu versorgen. Die erste Plattform wird im nächsten Monat von Murmansk nach Petev gezogen werden.

Zudem soll 50 km nördlich von Arkhangelsk ein neuer Tiefseehafen angelegt werden, der ab 2035 durch die in Bau befindliche Belkomur-Eisenbahnlinie mit den Industriegebieten des Urals und Sibiriens verbunden werden soll.

Auf der Halbinsel Jamal arbeitet seit 2017 die JAMAL LNG, die vor der Halbinsel gefördertes Erdgas verflüssigt. Von dem 27-Mrd-USD-Gemeinschaftsunternehmen des privaten Energieunternehmens Novatek (50,1 %), Total (20 %), CNPC aus China (20 %) und dem Seidenstraßen-Fonds (9,9 %) ging erst Ende Juni 2019 die erste Charge Flüssiggas auf der Nordostpassage nach Japan ab. Novatek hat auch 15 LNG-Tanker bestellt und plant bereits ein 20-Mrd- USD-LNG-Projekt auf der Gydia-Halbinsel: Arctic LNG2

Auch das „ferne“ China spielt mit
Wenngleich China keine Grenze zum Arktischen Ozean besitzt, bezeichnet es sich dennoch als „arktisnaher Staat“ und will – laut Weißbuch – bei der künftigen Erforschung und Erschließung des Nordpols mit den Anliegerstaaten kooperieren, das Prinzip der Nachhaltigkeit beachten, gemeinsam Profit machen und nebenher auch seine Abhängigkeit von der Seeroute um Malakka weiter verringern.

Insbesondere zwei Länder erscheinen für Pekings Avancen besonders anfällig: Russland, das nach der Okkupation der Krim mit westlichen Sanktionen belegt wurde, und Grönland. Grönland sieht seine Zukunft vermutlich in der Unabhängigkeit von Dänemark. China kann diesen Plan als willkommener Investor für den Aufbau einer Infrastruktur, der Förderung von Bodenschätzen und bei der wissenschaftlichen Zusammenarbeit unterstützen.

So steht also die ökonomische Ausbeutung der Arktis und des Arktischen Meeres kurz bevor. Ob dies in Kooperation erfolgt oder sich ein neuer Schauplatz geopolitischer Auseinandersetzung entwickeln wird, ist noch nicht in Stein gemeißelt – lässt sich aber dennoch bereits erahnen.

Grafik: René Tebel

 

 

Konsolidierung oder Trendende?

Edelmetalle konsolidieren auf hohem Niveau, Analysten zufrieden.

Andreas Fastl, Commodity Trader. Die Kommentare sind sich einig: Diese Pause hat sich der Goldpreis verdient und die Panik in den Märkten wird anhalten. Zwar zeigen viele Krisenschauplätze eine kleine Erholung, aber die Grundprobleme bleiben bestehen.

Der US-Aktienmarkt hat sich nun doch über mehr als die Hälfte seines jüngsten Verlustes befestigt (2.920 im S&P 500) und sogar der Aktienindex in Hongkong zeigt Stabilisierung. Trotzdem haben die traditionellen Edelmetalle nichts an Terrain verloren.

Gold fluktuierte zwischen 1.500 und 1.540 USD mit letztem Handel bei 1.510 und Silber zwischen 16,75 und 17,50 mit aktuellem Markt bei 17,00.

Bei den (industrieorientierten) Katalysatormetallen kam es zu einer Wiederbelebung der Verhältnisse vor dem Börsensturz: Platin schwächelt weitläufig um die 850 USD während Palladium schon wieder eigenwillig nach oben strebt und sich von 1.400 auf rund 1.450 USD befestigte.

Ein arrivierter Fondsmanager warnte, dass die neu ausgebildete Inversion der US-Zinskurve (längere Laufzeiten rentieren weniger) aus historischer Sicht ein bereits 90 %iges Indiz für einen bevorstehenden Börsencrash wäre.

Auf der anderen Seite betonen die Berater um Donald Trump (es geht um die Wiederwahl!), dass sie keinerlei Anzeichen für einen Börsencrash erkennen können. Genau in diesem Spannungsfeld werden sich die Prognosen in den nächsten Monaten bewegen.

Mit den Protesten in Hongkong ist eine Dimension entstanden, die das Gespenst China mit seiner zentralistischen Führung und dem Einsatz moderner Überwachungstechnologie (Sozialpunkte!) ins Rampenlicht rückt. Die Angst der Bewohner der ehemaligen Kronkolonie, zu einer Verurteilung nach Festlandchina ausgeliefert zu werden, ist absolut nachvollziehbar. Das ist Spannungspotential, welches einen Brexit weit übertreffen könnte.

Vor diesem politischen Hintergrund entwickelt sich außerdem ein Währungskrieg, (denn das ist die politisch sauberste Art, einen Konflikt auszutragen), der alle Zinsen niedrig hält. Gold & Co können also nur profitieren.

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Vom Mitarbeiter zum Aktionär

Das neue Modell der Mitarbeiterstiftung hat eine Beteiligungswelle ausgelöst.

Julia Kistner. Für einen neuen Beteiligungsboom sorgt das seit 2018 geltende Mitarbeiterbeteiligungsstiftungsgesetz. Eine Mitarbeiterbeteiligungsstiftung verwaltet und bündelt treuhändig Anteile, die unentgeltlich oder verbilligt an Mitarbeiter abgegeben werden. Sie kann so bis zu 10 % der Stimmrechte ausüben. Es können Gratis- oder verbilligte Aktien bis zu 4.500 E jährlich pro Dienstverhältnis steuer- und sozialversicherungsfrei an aktive und ehemalige Arbeitnehmer sowie deren (Ehe-)Partner und Kinder begünstigt abgegeben werden. Auch die Erträge wie Dividenden aus diesen Aktien sind steuer- und sozialabgabenbefreit. Sinn und Zweck der Mitarbeiterbeteiligungsstiftung ist es auch, die Mitarbeiter zu einem starken Kernaktionär zu machen, der vor feindlichen Übernahmen schützt.

Dies macht sie vor allem für ein Unternehmen wie Wienerberger interessant, das mit 100 % Streubesitz ein beliebter Übernahmekandidat ist. „Ich bin kein Kommunist“, so Wienerberger-Vorstand Heimo Scheuch, „aber dass Mitarbeiter am Unternehmen beteiligt sind und ein gewisses Stimmrecht bekommen, finde ich gut. Wir werden nun jährlich Beteiligungsprogramme anbieten. Damit sollten über die nächste Jahre einige Prozent zusammenkommen. Wir wollen das Modell auf die Wienerberger gesamt ausrollen. Derzeit sind nur Österreicher, die mehr als ein Jahr für die Gruppe in Österreich tätig sind berechtigt, zwei Aktien zu erwerben und eine gratis zu bekommen. Die Kosten für das Sammeldepot trägt auch die Wienerberger.“ Scheuch findet es sehr erfreulich, dass sich 28 % der berechtigten Mitarbeiter mit insgesamt 1,9 MioE in der ersten Runde beteiligt haben. Warum sie das tun: „Neben der Gratisaktie gibt es in Österreich Steuervorteile. Auch sind die Wachstumsaussichten für Wienerberger gut, man kann mit soliden Dividenden rechnen“, so Scheuch, „Die aktuelle Dividendenrendite liegt über zwei Prozent. Das ist deutlich mehr als ein Sparbuch.“

Auch die Oberbank AG richtete eine Mitarbeiterbeteiligungsstiftung nach dem neuen Gesetz ein, um einen weiteren stabilen Kernaktionär zu haben und um die Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden. Dafür wurden in den vergangenen zwei Jahre insgesamt 20 MioE zurückgelegt, mit denen in den nächsten vier Jahren Oberbank-Aktien an die Mitarbeiter kostenlos und steuerbegünstigt übertragen werden. Die Höhe der Zuteilung richtet sich nach dem Gehalt, für jeden Mitarbeiter wird ein eigenes Treuhanddepot errichtet. Will dieser verkaufen, hat die Mitarbeiterstiftung Vorkaufsrecht. Aktive und Pensionisten halten inzwischen 4 % der Oberbank.

Ebenso überlegt die Post AG, bis zu 10 % ihrer Aktien zurückzukaufen, um die Mitarbeiter am Unternehmen direkt zu beteiligen. Am Erfolg der Post AG sind Mitarbeiter schon seit 17 Jahren beteiligt und erhalten 2018 stolze 875 E pro Person. Ebenso haben die Erste Group, der Flughafen Wien, Rosenbauer oder auch die AMAG eine Mitarbeiterbeteiligungsstiftung ins Leben gerufen.

Pionier voestalpine
Pionier in Punkto Mitarbeiterbeteiligung ist die voestalpine. Rund 25.500 Mitarbeiter und ehemalige Beschäftigte halten 26 Mio Stück Aktien. Dort spricht man von „gelebter innerbetrieblichen Sozialpartnerschaft“. Die Mitarbeiterbeteiligungsstiftung hält 14,8 % am Linzer Stahlkonzern und kommt gemeinsam mit der Raiffeisen Landesbank und der Oberbank auf eine Sperrminorität. Finanziert werden die Mitarbeiteraktien zum Teil aus den kollektivvertraglichen Lohnerhöhungen und aus jährlichen Erfolgsprämien.

„Mitarbeiterbeteiligungen können als starker Motivator dienen, der angloamerikanische Raum macht das vor“, betont Wiener Börse-Chef Christoph Boschan, „sie können auch ein guter Einstieg in die Welt der Börse sein. Mitarbeiterbeteiligungen sollten jedoch nicht der einzige Berührungspunkt bleiben. Stichwort Klumpenrisiko: Für private Anleger ist es wichtig, breit gestreut, langfristig und getaktet zu veranlagen.“

Weitere Steueretappen, bitte warten!
Eigentlich wollte man die Mitarbeiterbeteiligung mit der aktuellen Steuerreform noch ausweiten. So sollten ab 2022 Unternehmen unabhängig von ihrer Rechtsform bis zu 10 % des Gewinns, jedoch maximal jährlich 3.000 E pro Mitarbeiter steuer- und sozialversicherungsfrei als 15. Gehalt oder als Gewinnbeteiligung gewähren können. Dazu kommt es vorerst nicht. „Die geplante Mitarbeiterbeteiligung wäre im Rahmen von Entlastung Österreich in der dritten Etappe für 2022 vorgesehen gewesen“, heißt es auf Anfrage des Börsen-Kurier aus dem Finanzministerium, „im Parlament wird nach aktuellem Kenntnisstand im Herbst nur über die erste Etappe entschieden.“

Börsen-Vorstand Boschan warnt grundsätzlich davor, vorgesehene steuerliche Förderungen der privaten Vorsorge auf die lange Bank zu schieben: „Angestellte und Arbeiter sollten generell bei der Veranlagung Steuervorteile genießen. Wer sein hoch versteuertes Arbeitseinkommen veranlagt, darf nicht mit Kapitalertragssteuer bestraft werden.“ Schon gar nicht wenn man langfristig anlege, fordert Boschan wieder ab einer Behaltefrist von einem Jahr die KESt-Freiheit für Kursgewinne.

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China im Notwehr-Modus

Peking wertet aufgrund der US-Zölle die Währung ab und stütz so seine Wirtschaft.

Roman Steinbauer. Die zweitgrößte Volkswirtschaft zieht die nächsten Register, um die Verhandlungsposition im Handelskonflikt mit den USA zu stärken. Abrupt wurde der Renminbi um weitere 2,5 % herabgeboxt. Seit April drückte die chinesische Zentralbank (PBoC) die Devise um mehr als 5 % zum US-Dollar und somit auf den tiefsten Stand seit 2008. Intransparent ist, ob dabei ein „floaten“ der Marktkräfte Einfluss zuzurechnen ist. Gelangten doch staatlich anvisierte Kursbarrieren stets zur Umsetzung. Wie skeptisch die Finanzwelt die weitere Eskalationsstufe indessen wahrnimmt, reflektiert die Entwicklung des Shanghai-A-Index. Profitieren in der Regel heimische Exporteure im Gefolge einer Währungsschwäche, kam es im Reich der Mitte nicht minder zu einer Ausverkaufswelle.

Prioritäten zur Aufrechterhaltung einer Exportstärke

Chinas Handelsbilanzüberschuss blieb im Mai (letzte vorhandene Daten) mit umgerechnet 7,08 Mrd USD (6,32 Mrd Euro) stabil. Im Gegenzug verzeichnete die USA im Juni eine weitere Aufblähung des Außenhandelsdefizits auf 55 Mrd USD (49,08 Mrd Euro) – trotz politischem Gegensteuerns und boomender Energieexporte.

Unter namhaften US-Ökonomen ist umstritten, ob ein Einfuhrüberhang generell eine volkswirtschaftliche Belastung darstellt, sofern die Währungshüter das “Werkzeug” der Steuerung der Weltwährung in Händen hält. Doch geht es um Exportgeschäfte, um Arbeitsplätze und um anstehende Bundeswahlen.

Ein geschärfter Blick auf die jüngsten Handelsbilanz-Daten europäischer Volkswirtschaften zeigt auf: Europas ausfuhrfreudigster Staat verliert unter dem gegenwärtigen Marktanteils- und Währungswettlauf an Boden und kommt unter die Räder. Deutschlands Überschüsse reduzierten sich im Jahresvergleich heuer um bereits 8 % (Juni, +18 Mrd Euro). Bemerkenswert: Italien baute den Überhang im Handel auf 5,7 Mrd Euro aus, ebenso weist die Schweiz weiterhin steigende Relationen (4,1 Mrd CHF/3,76 Mrd Euro) auf.

Eingeschränkte US-Handlungsfähigkeit im Währungsgefüge

Der ausgeübte Druck der US-Administration auf die FED, rascher Zinsen zu senken, hat natürliche Grenzen: Denn ein scharfes Handeln zu einer monetären Lockerung und dem Begehren, die aktuelle Attraktivität des “Buck” zu schmälern, birgt Gefahren. Die Marktteilnehmer am Bondmarkt würden bei einem rasch abdriftenden US-Dollar wohl eine Abgabewelle lostreten. Dies wiederum würde zu höheren Zinsen langlaufender Anleihen führen – trotz gesenkter Leitzinsen. Eine „steile“ Zinskurve konterkariert die gewünschte Wirkung folglich selbst und belastet zudem die angespannte Staatsverschuldung über dem Teich.

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Produkte für Bullen und für Bären

Egal in welche Richtung die Finanzmärkte tendieren, für beide Szenarien gibt es Zertifikate-Lösungen.

Patrick Baldia. Steht die von vielen erwartete große Korrektur an den Märkten bevor oder kann sich die seit rund zehn Jahren andauernde Hausse noch eine Weile fortsetzen? Auf diese grundlegende Frage gibt es derzeit keine klare Antwort – viele Expertenmeinungen stehen sich diametral gegenüber. Sicher scheint nur, dass das Markumfeld – nicht zuletzt wegen der jüngsten Zuspitzung im Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie aufgrund des sich eintrübenden Wirtschaftsklimas – weiter volatil bleiben sollte.

„Derzeit fällt es schwer, sich ein Bild über die Aktienmärkte zu machen bzw. explizit bullish oder bearish zu sein“, bringt Experte Philipp Arnold von der Raiffeisen Centrobank (RCB) das Dilemma, in dem sich Anleger aktuell befinden, auf den Punkt. Gleichzeitig betont er im Gespräch mit dem Börsen-Kurier aber auch, dass es Zertifikate-Lösungen gebe, die sich genau für solche Situationen eignen – wie etwa Bonus-Zertifikate mit tiefen Barrieren.

„Mit einem Bonus-Zertifikat auf einen Index mit einer Barriere von 49 % wie etwa dem ,Europa Bonus&Sicherheit’ (ISIN: AT0000A28S41) ist man selbst bei einer Korrektur oder im Falle eines längeren Bärenmarktes auf der sicheren Seite“, meint Arnold. Fällt nämlich der Index – dabei handelt es sich im konkreten Fall um den Euro Stoxx 50 – während der Laufzeit (bis 14.8.2024, Anm.) nicht auf oder unter die Barriere, so kommen Anleger in den Genuss einer Auszahlung des Bonuslevels von 110 % (des Startwerts). Dazu kommt eine zusätzliche Partizipationsmöglichkeit an der Indexentwicklung bis zum Cap in Höhe von
130 % des Startwerts.

„Kommt es zu einem großen Crash oder zu einer Verletzung der Barriere, entfällt der Bonus und der Anleger bekommt zum Laufzeitende die Indexentwicklung des EURO STOXX 50 zurückbezahlt“, so Arnold. Die Tatsache, dass sich Bonus-Zertifikate auf Indizes beziehen, reduziert nach Angaben des Experten das Risiko automatisch. Bei Aktienanleihen, die immer Einzeltitel als Basiswert haben, sei dieses hingegen deutlich höher. Nachsatz: „Beispiele wie Aktienanleihen auf die voestalpine- oder VW-Aktie zeigen, wie stark ein Index die negative Performance von Einzeltiteln abfedern kann.“

Eine Option: Kapitalschutz-Zertifikate
Aber auch Kapitalschutz-Zertifikate (oder Garantie-Zertifikate, Anm.) sind für Arnold eine Option für ein unsicheres Marktumfeld. „Die meisten sind nämlich so strukturiert, dass sie nicht unbedingt einen starken Marktanstieg benötigen, um einen positiven Ertrag zu liefern“, sagt er. Der „Dividendenaktien Winner 10“ (AT0000A29 667) eigne sich beispielsweise für sicherheitsorientierte Anleger, die über die Laufzeit von zehn Jahren von einer stabilen, positiven Entwicklung des Stoxx Global Select Dividend 100 Index ausgehen. Konkret partizipieren sie 1:1 an der positiven Wertentwicklung des Index bis zum Cap in der Höhe von 150 % des Startwerts. Im Falle einer negativen Indexentwicklung bis zum Laufzeitende greift immerhin der Kapitalschutz von 100 %.

Zertifikate auf Gold
Bekanntlich war Gold zuletzt wieder in aller Munde und konnte – unterstützt durch das Marktumfeld – eine Wertsteigerung von rund 10 % verzeichnen. Nicht zuletzt die Aussicht auf eine neuerliche Lockerung der Geldpolitik macht das Edelmetall für Anleger interessant. Für all jene, die in den kommenden fünf Jahren zumindest von einem moderat steigenden Goldpreis ausgehen, könnte das Kapitalschutz-Zertifikat „USD Gold Winner 2“ (AT0000A28S90) interessant sein. Damit nehmen Anleger am Ende der Laufzeit 1:1 an der Wertentwicklung des Edelmetalls teil – und zwar bis zum Cap von 125 % des Startwerts. Auch hier greift im Falle von Kursverlusten der Kapitalschutz von 100 %.

Zu beachten ist jedoch das Wechselkursrisiko, da das Zertifikat – wie auch Gold selbst – in US-Dollar notiert.

Wie Arnold bestätigt, fragen derzeit Kunden der RCB „mit Abstand am stärksten“ Bonus-Zertifikate mit tiefen Barrieren und Kapitalschutz-Zertifikate nach. Dahinter stehen für den Experten zwei Gründe. Einerseits wüssten Anleger, dass sie etwas mit ihrem Geld machen müssen damit es nicht an Wert verliert. „Andererseits haben viele nicht von der Aktienrallye der letzten Jahre profitiert, da ihnen das mit Einzeltitel-Investments verbundene Risiko zu hoch war“, so Arnold. Mittels Zertifikate auf Indizes könne Letzteres begrenzt werden.

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Europa bietet starke Wachstumsunternehmen

Franz Weis, Portfoliomanager des Comgest Growth Europe bei der internationalen Fondsgesellschaft Comgest, ist der Ansicht, dass trotz der konjunkturellen Abschwächung die Anlagechancen in europäische Stock Picks noch längst nicht ausgeschöpft sind.

Im bisherigen Jahresverlauf federten die Märkte nach dem Kursrutsch des letzten Jahres kräftig auf den letztjährigen Höchststand zurück. Der positiven Entwicklung des Aktienmarkts steht jedoch die weiterhin schleppende Weltkonjunktur gegenüber. Die OECD-Prognosen sagen zwar für dieses Jahr ein weltweites Wachstum von 3,2 % und für die Eurozone einen Rückgang des Wachstums auf 1,2 % voraus. Doch die Kombination aus Handelsstreitigkeiten, politischer Unsicherheit, Populismus und Brexit belasten die Märkte weiterhin. Selbst die USA, die bisher weitgehend der globalen konjunkturellen Abschwächung getrotzt hatten, weisen erste Anzeichen einer Belastung auf.

Marktstimmung bleibt fragil
Mit Blick auf die eher unkonventionellen Notenbankaktivitäten nach der globalen Finanzkrise ab 2007 gelang es zwar das wirtschaftliche Wachstum, vor allem in den USA, wieder anzufachen. Doch diese Entwicklung endete abrupt, als die Fed nach Signalen der Straffung zuletzt Zinssenkungen in Aussicht stellte. Aber auch die EZB schlug jüngst wieder expansivere Töne an und teilte mit, die Zeit, in der die Zinsen nicht steigen sollen, von Ende 2019 auf das erste Halbjahr 2020 zu verlängern. Das mag zunächst nach kleinen Änderungen aussehen, aber dass solche Bedeutungsnuancen die Kursbewegungen an der Börse dominieren, zeigt, wie fragil die aktuelle Marktstimmung ist. Am Ende gewann die Aussicht auf eine Lockerung der Geldpolitik das Tauziehen gegen die wirtschaftlichen Fundamentaldaten und trieb den MSCI Europe in Euro seit Jahresbeginn um 16,2 % in die Höhe.

Outperformance für Comgest Growth Europe
Obwohl es für den Anlagestil, den wir beim Comgest Growth Europe (ISIN: IE0004766675) verfolgen, eher untypisch ist, haben wir in einem steigenden Markt outperformt. Das lag an den anhaltend guten Fundamentaldaten der in unserem Portfolio gehaltenen Unternehmen, die mit steigenden Bewertungskennzahlen einhergingen. Zum anderen haben wir wieder dort Gewinne mitgenommen, wo wir überzogene Bewertungen sahen, und diese Gewinne dort investiert, wo wir weiterhin starke Aussicht auf gute Renditen-Chancen sehen.

Hinsichtlich der im Portfolio von uns gehaltenen Unternehmen setzte sich das starke Momentum von 2018 auch in diesem Jahr fort. Dabei orientieren wir uns bei unserer streng selektiven Auswahl auch weiterhin am gesunden organischen Umsatzwachstum, das als Wachstum ohne die Auswirkungen von Übernahmen/Veräußerungen und Währungseinflüssen definiert ist. Gemessen daran lieferte das Portfolio 2018 ein astronomisches Wachstum von 9 % ab, während wir für das erste Quartal 2019 das organische Wachstum auf 7,5 % schätzen, also mehr als das langfristige Ziel von 7 %. Folglich stiegen die Aktien der von uns gehaltenen Unternehmen auf breiter Front an.

LVMH, L’Oréal und Straumann
LVMH beispielsweise meldete im ersten Quartal ein organisches Umsatzwachstum von 11 %, wobei die Kernsparte Mode und Lederwaren dank der Nachfrage aus Asien noch schneller wuchs. In ähnlicher Weise erreichte das organische Wachstum von L’Oréal mit 8 % das obere Ende seiner historischen Spanne, wobei auch hier die Luxusgütersparte fast doppelt so schnell wuchs. Straumann, Weltmarktführer bei Zahnimplantaten, meldete ein sowohl geografisches als auch nach Geschäftsbereichen breit gegründetes, sehr kräftiges organisches Wachstum von 17 %, das sich wiederum in deutlich wachsenden Marktanteilen niederschlug. Die Strategie des Unternehmens, sein Angebot auf einfache Implantate, Kieferorthopädie und Biomaterialien auszuweiten, hat den Absatzmarkt des Unternehmens wesentlich erweitert.

Wirecard und Ambu
Nachteilig auf die Performance des Fonds wirkte sich dagegen der Zahlungsdienstleister Wirecard aus, dessen Aktienkurs unter einer Reihe von Artikeln in der Financial Times litt, in denen dem Konzern irreguläre Bilanzierungspraktiken seiner asiatischen Gesellschaften vorgeworfen wurden. Wir beschlossen trotzdem, aus der Position auszusteigen. Unserer Meinung nach unterstreicht diese Episode die mit Wirecards übernahmeorientiertem Wachstumsprofil verbundenen Risiken und die Arbeit, die das Unternehmen leisten muss, um sein internationales Risikomanagement zu verbessern. Auch Ambu zog die Performance des Fonds herab, nachdem sein CEO überraschend ausgeschieden war und der neue CEO danach die Wachstumserwartungen gesenkt hatte. Zwar enttäuschte es uns, wie der Verwaltungsrat mit dem Wechsel umging, jedoch verstehen wir die Argumente dafür, das Unternehmen auf seine nächste Wachstumsphase vorzubereiten, und sind nach wie vor begeistert von seinem Sortiment an Einweg-Bronchoskopen.

Felsen in wirtschaftlicher Brandung
Die aktuelle geopolitische Lage hinterlässt den Aktienmarkt in einer schwierigen Position. Einerseits wird ein konjunktureller Abschwung befürchtet, andererseits werden Aktienrenditen im aktuellen Niedrigzinsumfeld geschätzt. In letzter Zeit wurde deshalb vermehrt wieder Geld in die Unternehmen gepumpt, von denen wir hinsichtlich ihrer Qualitätswachstumsraten überzeugt sind. Unter diesem Gesichtspunkt konzentrieren wir uns weiterhin auf Bottom-up-Stock-Picking, wobei wir sorgfältig die langfristigen Gewinner auswählen. Dies erklärt unter anderem auch, weshalb wir in einem Umfeld gebremsten Wirtschaftswachstums weiterhin starke Wachstumsaussichten sehen und weshalb wir in jüngster Zeit Ergebniskorrekturen nach oben erlebten, während der Markt Korrekturen nach unten erlitt. Dort, wo wir Überbewertungen sehen, nehmen wir Gewinne mit und investieren den Erlös dort, wo wir langfristige Rendite-Chancen sehen. Insgesamt rechnen wir weiterhin damit, dass die von uns verfolgte Strategie langfristig überdurchschnittliche Renditen bei unterdurchschnittlichem Risiko liefert.

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Eine Insel der Seligen sind wir nicht

Aber: Österreich kommt mit leichter Konjunkturdelle davon.

Michael Kordovsky. Viele Denken bei unserer Konjunktur an voestalpine, AMAG und Magna und haben im Zusammenhang mit den Handelskonflikten der USA schon ein mulmiges Gefühl. Infolge der hohen US-Zölle leitet China seine Warenströme von den USA verstärkt nach Europa um und in sensiblen Bereichen wie vor allem Stahl und Aluminium kommt es zu einem verschärften Wettbewerb. Doch wie kritisch ist es um die heimische Industrie wirklich bestellt?

Im Euroraum ist laut den Einkaufsmanagerindex-Daten von IHS Markit im Juli der sechste Wachstumsrückgang des Eurozone-Industriesektors so stark ausgefallen wie zuletzt im Dezember 2012. Und auch Österreich kann sich diesem Trend nicht entziehen. Die Umfragedaten der Wirtschaftsforscher zeigen eine Fortsetzung des Abschwungs im zweiten Quartal. Fakt ist aber auch, dass auf einem hohen Niveau „gejammert“ wird, Werner Hölzl vom WIFO uns gegenüber wie folgt quantifiziert: „Laut WIFO-Konjunkturtest melden die Sachgütererzeuger eine durchschnittliche Kapazitätsauslastung von 84 %. Dieser Wert liegt aber weiter über dem langjährigen Durchschnitt von 82 %. Rund 75 % der befragten Betriebe melden zufriedenstellende Auftragsbestände. Damit bleiben die Auftragseingänge ebenfalls in durchschnittlichen Bereichen, vor Jahresfrist meldeten aber noch 85 % der Unternehmen zumindest zufriedenstellende Auftragsbestände.“ Allerdings zeigen sich insbesondere bei den Exportaufträgen bereits Stabilisierungstendenzen und die Experten des WIFO gehen davon aus, dass sich das nominelle Exportwachstum von 3,3 % im Jahr 2019 im kommenden Jahr auf 3,5 % leicht verbessern sollte.

Abgasskandal, Handelskonflikte und Brexit gut verkraftbar

Der Abgasskandal ist bereits Vergangenheit. Der Exporteinbruch der Kfz-Industrie von Österreich nach Deutschland fand mit einem Minus von 10 % im Vorjahresvergleich bereits im zweiten Halbjahr 2018 statt. Seither tendieren die Auftragseingänge in der deutschen Autoindustrie zumindest „holprig aufwärts“. Etwas herausfordernd kann es aber ab November werden. Bis dahin vertagte die USA ihre Entscheidung über zusätzliche Zölle auf Autoimporte aus der EU. Derzeit fallen dafür nur 2,5 % (Ausnahme Pick-Up-Trucks) an. Da Österreich über Zulieferer in europäische Automobil-Wertschöpfungsketten eingegliedert ist, könnte dies mit einer gewissen Wirkung verbunden sein. Allerdings erscheint in der heutigen Zeit eine längere Phase mit international hohen Strafzöllen eher unwahrscheinlich.

Stark überschätzt werden auch die Folgen des immer wahrscheinlicher werdenden „No-Deal-Brexits“, der laut WIFO-Experten Harald Oberhofer maximal 0,1 % der Wirtschaftsleistung kosten wird, da Großbritannien nur der neuntwichtigste Handelspartner für österreichische Waren ist.

Inlandskonsum als Stütze

Nun zu den positiven Nachrichten: Solide Binnenkonjunktur bei niedriger Arbeitslosigkeit zeichnet besonders die österreichische Wirtschaft aus. Die Steuerreform 2016 und ab heuer der Familienbonus stärken die verfügbare Einkommensbasis der privaten Haushalte. Das verfügbare Einkommen stieg 2018 um 2,4 % und sollte laut WIFO-Prognosen 2019 und 2020 noch immer um jeweils 1,5 bzw. 1,4 % wachsen. Österreich weist auf Basis der Berücksichtigung aller Erwerbstätigen im Juni nur eine Arbeitslosenquote von 4,5 % auf, verglichen mit 7,5 % über den gesamten Euroraum. Heuer und im kommenden Jahr sollte die Zahl der unselbständig aktiv Beschäftigungen laut WIFO in Österreich noch um jeweils 1,6 bzw. 1,0 % steigen und bis 2020 dürfte sich das Niveau der Arbeitslosigkeit hierzulande relativ stabil halten. Somit erscheint es plausibel, dass die privaten Konsumausgaben in den kommenden Jahren eine Konjunkturstütze sein werden. Das WIFO erwartet hier für 2019 und 2020 Steigerungen von je 1,7 bzw. 1,6 % (2017 und 2018 je 1,4 bzw. 1,6 %).

Betrachtet man die Entwicklung des gesamten BIP, so schwächte sich das Wirtschaftswachstum Österreichs von 3,0 % im zweiten Quartal 2018 auf 1,6 % im ersten Quartal 2019 ab. Im gleichen Zeitraum hat sich aber das BIP-Wachstum des Euroraums von 2,2 auf 1,2 % abgeschwächt, weshalb die österreichische Wirtschaft noch immer überdurchschnittlich wächst. Per Saldo steht einem bremsenden Außenhandel eine unterstützende Binnenwirtschaft gegenüber, was noch immer ein akzeptables BIP-Wachstum ermöglichen sollte. Somit rechnen die Experten des WIFO, dass sich das Wirtschaftswachstum in Österreich im Jahresdurchschnitt 2019 auf 1,7 % verlangsamt (2018: +2,7 %) und sich 2020 bei 1,5 % stabilisiert. Das sind noch immer Wachstumsraten mit denen es sich gut leben lässt.

Foto: Adobe Stock / daliu

 

 

Warum Datenspeicher die neuen Goldgruben sind

Einige Anbieter verdienen an den enormen Datenmengen der Unternehmen.

Raja Korinek. Die Dimensionen sind auf den ersten Blick kaum vorstellbar. Allein 2018 wurden weltweit Datenmengen von mehr als 30 Zettabyte erzeugt. Zum Vergleich: 1 Zettabyte ist so viel wie 1 Bio Gigabytes, somit eine ganze Menge. Das Volumen dürfte noch kräftig wachsen, wenn es nach den Prognosen des Festplattenherstellers Seagate mit Sitz in Irland geht. Die Firma schätzt, dass es 2025 gut 175 Zettabyte sein werden.

Virtuelle Speicher sparen Geld

Und die müssen freilich gespeichert werden. Das hat aber auch einen Haken: Viele Unternehmen wollen die eigenen Speicherkapazitäten nicht derart ausbauen, denn das kostet Geld. Zudem müssen Server gewartet werden, obendrein vor Cyberangriffen geschützt werden. Genau deshalb werden Daten zunehmend auf virtuellen Servern, in der sogenannten Cloud, gespeichert.

Dabei wird dem Cloud-Geschäft noch eine Menge Potential eingeräumt. Allein 2018 erreichte der Markt eine Größe von 154 Mrd USD. Laut dem US-Marktforschungsinstitut Gartner wird sich das bis 2021 auf rund 300 MrdUSD mehr als verdoppeln.

Damit wird auch schnell klar: Wer Cloud-Dienste anbietet, kann damit gutes Geld verdienen. Das verdeutlichen handfeste Zahlen, etwa vom US-Onlinehändler Amazon. Derzeit ist die Amazon-Sparte AWS (Amazon Web Services) weltweit führender Anbieter von Cloud-Diensten, somit wichtigstes Zugpferd des Konzerns. Das zeigen auch die jüngsten Ergebnisse zum zweiten Quartal 2019. Da erzielte AWS einen operativen Gewinn von 2,12 MrdUSD (plus 39 % gegenüber dem Vorjahreswert). Das sind fast 70 % des operativen Gewinns.

Cloud-Geschäft in wenigen Händen

Auch andere US-Technologiekonzerne wie Alphabet und Microsoft mischen kräftig mit. Letzterer Konzern hat seine Cloud-Dienste in der Sparte Azure angesiedelt. Beide Konzerne weisen allerdings keine eigenen Ergebniszahlen für das Cloud-Geschäft aus, sondern lediglich Prozentzahlen. Diese legen aber stetig zu.

Alle drei Unternehmen sind im Übrigen Teil des „Solactive Cloud Technology Index“. Dieser setzt sich aktuell aus 49 Titeln zusammen, wobei der Großteil aus den USA stammt. Ein kleiner Rest entfällt auf Asien, sowie mit Seagate Technology auch auf Irland. Dabei werden nicht nur Firmen gewählt, die bereits im Cloud-Geschäft tätig sind, sondern auch solche, die demnächst einsteigen wollen.

Interessierte Anleger können auf den Index etwa mit dem „HAN-GINS Cloud Technology UCITS ETF“ (ISIN: IE00BDDRF924) setzen. Eine weitere Investmentchance bietet das Zertifikat der Deutschen Bank auf den „Solactive Cloud and Big Data 20 Index“ (DE000DC8CLD2). Darin enthalten sind aktuell 19 Aktien. Regional entfallen fast 65 % auf die USA, gut 10 % auf Japan, der Rest auf Europa.

Infrastruktur ist ebenso gefragt

Große Cloud-Giganten wie Amazon und Microsoft findet man in letzteren Index aber nicht. Stattdessen ist zum Beispiel der US-Softwarekonzern Oracle enthalten. Das Unternehmen bietet auch Cloud-Infrastruktur wie etwa Server, Speicher und Netzwerke an. SAP aus Deutschland stellt Dienste für die Entwicklung, Integration und den Betrieb von Cloud-Anwendungen zur Verfügung. Obic aus Japan vertreibt Informationssysteme, während VMware aus den USA integrierte digitale Arbeitsplätze in der Cloud anbietet.

Bei beiden Produkten müssen Anleger sowohl Kurs- als auch Währungsschwankungen berücksichtigen.

Foto: Adobe Stock / Maksim Pasko

 

 

Man muss nicht alles regeln!

Wir sprachen mit dem niederösterreichischen Finanzdienstleister-Obmann über alle Neuerungen für Berater aber natürlich auch für deren Kunden.

Börsen-Kurier: Vieles, das nicht unbedingt direkt mit Ihren Kernaufgaben, also der möglichst besten Beratung der Kunden, zu tun hat, ist in der jüngeren Vergangenheit auf Finanzdienstleister zugekommen. Wie geht es Ihnen und
Ihren Kollegen nach einem Jahr DSGVO?

Michael Holzer: Es stimmt. Leider werden immer mehr Aufgaben, die ursächlich nichts mit unserer fachlichen Tätigkeit zu tun haben, auf die Unternehmerinnen und Unternehmer übertragen. Dies betrifft nicht nur legistische Rahmenbedingungen, wie dies bei der DSGVO der Fall war (und seit 1. Jänner auch mit der IDD), sondern auch fachliche Abwicklungsprozessen, die uns von der Versicherungsindustrie, aber auch den Banken (in der Finanzierungsabwicklung) auferlegt werden. Das führt dazu, dass die Kolleginnen und Kollegen immer mehr administrative Tätigkeiten machen müssen und dadurch weniger Zeit für den Kunden haben. Aus diesem Grund begrüßen wir auch Maßnahmen und Prozessinstallationen aller Marktteilnehmer, die unsere tägliche Arbeit entlasten, womit wir wieder mehr Zeit für die eigentlichen Aufgaben haben.

Zur DSGVO im Speziellen: Die Umsetzung hat bei uns ja bereits im Jänner 2018 mit Informationsoffensiven vor Ort in Niederösterreich bei den Mitgliedern begonnen. Zusätzlich hat unser Bundesland federführend – gemeinsam mit einem Juristen – Unterlagen entworfen, die jedes Mitgliedsunternehmen einfach übernehmen konnte. Weiters hatten wir eine Hotline für offene Fragen eingerichtet, die aber kaum in Anspruch genommen werden musste – anscheinend waren die Unterlagen sehr praktisch.

Aufgrund unserer vielen Gespräche wissen wir, dass die Umsetzung in den Betrieben gut durchgeführt wurde, dass die Kunden nun bei jedem Gespräch zu diesem Thema sensibilisiert werden und auch die notwendigen Formulare vorgelegt bekommen bzw. diese unterfertigen. Im Rahmen unseres „Weiterbildungs KICK OFF“, den im Vorjahr mehr als 1.000 Berater in ganz Österreich besucht haben, informieren wir übrigens auch künftig über aktuelle Entwicklungen und Entscheidungen im diesem Bereich.

Börsen-Kurier: Dann wurde Ende vergangenen Jahres die schon erwähnte „IDD“ (Insurance Distribution Directive) mittels der Versicherungsvermittlungsnovelle 2018 umgesetzt und im Nationalrat beschlossen. Was ist da der Stand der Dinge und was bringt die IDD dem Kunden?

Holzer: Mittlerweile – wir haben jetzt August 2019 – sind die Standesregeln veröffentlicht und in Folge die Lehrpläne, obwohl die IDD eigentlich bereits seit 1.1.2019 Gültigkeit hat. Da dies wie gesagt erst in den vergangenen Wochen geschehen ist sind wir nun dabei, den Mitgliedern wieder adaptierte Unterlagen, die IDD tauglich sind, für den täglichen Betrieb zur Verfügung zu stellen. Was wir in Erfahrung bringen konnten, haben wir seit rund einem Jahr weitergegeben, d.h. es ist großteils bereits bekannt, was auf uns alle da zukommt. Praktisch gesehen müssen noch einige Punkte der bis 31.12. 2018 gültigen Versicherungsvermittler-Richtlinie adaptiert werden.

Was bringt die IDD aber dem Kunden? Ich behaupte: wieder etwas mehr Verwirrung. Natürlich ist der heroische Ansatz solcher Richtlinien, dass es für den Kunden am Ende mehr oder einfachere Informationen geben soll, das wäre ja richtig. Wenn dies aber dann ausartet in -zig Seiten, die dann auch noch von der EU und von nationalen Behörden mit Verordnungen ergänzt werden, dann muss ich das in Frage stellen. Denn nur weil noch mehr Papier produziert wird, heißt es nicht, dass die Info auch beim Kunden entsprechend ankommt. Beispielsweise haben manche Lebensversicherungsanträge jetzt 70 Seiten. Ob das ein Mehr an Transparenz bedeutet, ist die Frage.

Börsen-Kurier: Und dann sind da noch die Standesregeln. Wie haben sie sich sowohl auf Berater- als auch Kundenseite etabliert?

Holzer: Die Standesregeln sind seit 17.6.2019 in Kraft, da kann man noch nicht viel sagen. Wesentlich ist, dass sich die Versicherungsvermittler gegenüber dem Kunden ehrlich, redlich und professionell verhalten müssen. Das haben die Mitgliedsbetriebe aber bisher auch gemacht. Jetzt steht es halt im Gesetz – gut so.

Neu ist, dass Versicherungsvermittler keine Anreize (etwa Provision; jedenfalls muss offengelegt werden, ob man eine Provision und/oder ein Honorar bekommt) entgegennehmen dürfen, wenn das vermittelte Produkt nicht den Interessen des Kunden (nach Erhebung durch einen sogenannten „Wünsche-Bedürfnistest“) entspricht bzw. bewusst ein schlechteres Produkt empfohlen wurde. Auch das haben die Mitgliedsbetriebe schon bisher nicht gemacht, und jetzt steht es halt auch im Gesetz. Neu ist weiters die Statusklarheit, d.h. vor der Gewerbeanmeldung muss man sich entscheiden: Wird man als Vermögensberater in der Eigenschaft als Versicherungsmakler oder als Versicherungsagent tätig – und dies auf den Papieren dem Kunden vorweisen.

Börsen-Kurier: Schauen wir aber auch in die Zukunft. Trotz aller tagespolitischer Querelen auf EU-Ebene wächst Europa auch immer wieder ein Stück zusammen. Im Bereich der Finanzdienstleistung etwa mittels eines länderübergreifenden Altersvorsorgeproduktes mit dem Kürzel PEPP (für Pan-European Pension Product). Was erwarten Sie sich davon? Ist das ein vernünftiger Ansatz für die Lösung des Pensionsproblems in Europa und letztlich Österreich?

Holzer: Ob dieses Produkt das halten wird können, was man sich auf EU-Ebene verspricht, wird man noch sehen. Wir beobachten die Entwicklung aber genau und werden etwaige Produkte analysieren und gegenüberstellen. Grundsätzlich ist es ein guter Gedanke, ob damit die Pensionsproblematik der einzelnen EU-Staaten gelöst werden kann, darf aber bezweifelt werden.

Börsen-Kurier: Schon im September gibt es Neuwahlen. Die Reformen der alten Regierung wurden somit auf Eis gelegt. Was erwarten Sie sich von der dann neuen Regierung?

Holzer: Wir erwarten uns weiterhin kein sogenanntes „golden Plating“. Ganz im Gegenteil: Wir erwarten uns das Abschaffen von unnötig gewordenen Regelungen und Gesetzen, die die tägliche Arbeit behindern und nur unnötig Aufwand und Kosten im Betrieb aber auch im Staat auslösen. Diese müssen eliminiert werden. Und noch ein Nachsatz: Man muss nicht alles regeln. Wir haben schon genug Gesetze und Richtlinien. Für jedes neues Gesetz muss ein anderes aufgehoben werden, das ist, denke ich, ein guter Ansatz.

Foto: WKNÖ

 

 

Reizvolle Touristik-Aktien

Durch eine Serie von negativen Ergebnissen bieten Reise-Aktien Einstiegskurse.

Roman Steinbauer. Der Tourismus boomt in Europa. Die Aktien des Reisesektors glänzen hingegen keineswegs. Das dramatische Geschehen um den britischen Urlaubsriesen Thomas Cook (ISIN: GB00B1VYCH82) spiegelt hier die rasanten Umwälzungen. Mit der „MyTravel“-Fusion im Jahre 2007 bildete sich während der vergangenen Dekade einer der weltgrößten Anbieter. Neben dem eigenen Namen agieren bedeutende Marken wie Airtours, Neckermann, Condor, Direct Holidays und My Sunquest unter der Holding aus Peterborough. Trotz Umsatzsteigerungen (10,69 Mrd Euro im Geschäftsjahr 2018) stieg der Kostendruck enorm. Erstmals seit vier Jahren steht im Ergebnis pro Aktie wiederum ein Minus-Vorzeichen. Die magere Dividende wurde erneut ausgesetzt, die nahende Konkursreife zeigt die Eigenkapital-Quote von hauchdünnen 4,4 % auf. Die Konsequenzen für die Anteilhaber waren binnen zwölf Monaten fatal: Zahlten Anleger für die Aktien an der Londoner Börse im Juli 2018 noch mehr als 1 GBP oder 1,11 Euro, so wechseln die Anteilsscheine aktuell noch um 4,7 Pence oder 5,2 Eurocent den Besitzer. Das Moody’s-Rating liegt nun mit „Ca“ knapp am Default-Niveau. Doch zeichnet sich Entscheidendes ab: Fortgeschrittene Gespräche mit dem größten Anteilseigner, der chinesischen Beteiligungsgruppe Fosun (HK0656039673), lassen auf eine Kapitalspritze von umgerechnet 835 Mio Euro hoffen. Eine davor drohende, erhebliche Ausdünnung der Altaktionäre, führt bei einem Erwerb aber zu einem Hasardspiel. Fosun dürfte sich im Gegenzug mit einem weit stärkeren Eigenkapital-Anteil an der Gesellschaft wiederfinden. Gläubiger sind auf dem Weg, eine „Conversion“ durchzusetzen (Wandel von Forderungen in Eigenkapital). Neue Bewertungsrelationen könnten die Aktie danach zur Benchmark des Sektors attraktiv erscheinen lassen.

Günstige Bewertung durch drohende Regulierungen
Die Dividendentitel des international agierenden Kreuzfahrt-Veranstalters Carnival Corp. (PA1436583006) drifteten seit 18 Monaten an der NYSE um mehr als 30 % ab. Der Sektor droht weiter ins Visier des Klimaschutz-Themas zu gelangen. Die Höhe künftiger Investitionskosten (Ersatz des Ölantriebs) ist heute schwer einzuschätzen. Erst im Juni stoppten Aktivisten die „Zuiderdam“ (zu einer Tochtergesellschaft Carnivals gehörend) auf dem Weg von Kiel nach Kopenhagen. Das Unternehmen aus Miami ist mit insgesamt 101 Schiffen unter mehreren Marken-Linien (Princess, AIDA) bis zur Premium- und Luxusklasse (Holland America Line, Cunard Line) mit Erlebnisfahrten auf den Weltmeeren unterwegs. Seit 2015 steigen jährlich die Ausschüttungen je Aktie zwischen 15 und 20 %. Die Dividenden-Rendite beläuft sich unterdessen auf 4,4 %. Das KGV (bezogen zur Erwartung der heurigen Gewinne) liegt nur noch bei 10,4.

Im Windschatten des Boeing-Dilemmas
Mit einer halbierten Notiz im gleichen Zeitraum ernüchterten die Aktien der deutschen TUI-Gruppe (DE000TUAG000) die Investoren. Der in die Segmente Travel, Hotels & Resorts sowie Kreuzfahrten gegliederte Konzern enttäuschte die Anleger kürzlich mit der Zurücknahme des zuvor prognostizierten EBITDA-Anstiegs für das heurige Geschäftsjahr. Weitere Belastung: Der größte Ferienhotelier Europas ist einer der bedeutendsten Kunden der Boeing-737Max-Jets, deren Einsatz immer noch nicht absehbar ist. Heraufziehende, schärfere Umweltauflagen trüben auch in diesem Fall den Blick auf Gewinnperspektiven. Die Bewertung mit einem Vorwärts-KGV von nun 10,8 und einer Dividenden-Rendite von knapp 6 % wirkt unterdessen sehr attraktiv.

Foto: Adobe Stock / Marc

 

 

Die EZB muss sich erklären

Die künftige EZB-Chefin Christine Lagarde wird Antworten zur Zukunft der EZB liefern müssen.

Stefan Gerlach. Der Gouverneur der finnischen Zentralbank, Olli Rehn, bekräftigte seine Forderung an die Europäische Zentralbank, ihr politisches Rahmenwerk einer längst überfälligen Überprüfung zu unterziehen. Der bevorstehende Führungswechsel bei dieser Institution – Christine Lagarde, seit 2011 geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds, wird Mario Draghi als Präsidentin nachfolgen – bietet eine erstklassige Gelegenheit, dieser Forderung nachzukommen.

Regelwerk schon alt
Als die EZB vor 20 Jahren gegründet wurde, formulierten die Zentralbanken die Einzelheiten ihrer politischen Rahmenwerke generell nicht allzu klar. Zu diesem Zeitpunkt war eine gewisse Uneindeutigkeit möglicherweise hilfreich, da sie Flexibilität bot, als die EZB ihre Tätigkeit aufnahm. Außerdem ermöglichte sie es Zentralbankern mit unterschiedlichen Erfahrungen und Sichtweisen, sich auf einen Rahmen zu einigen, obwohl man sich auf dessen Details vielleicht nicht verständigt hätte.

Allerdings hat sich die Welt seit damals erheblich verändert und die Öffentlichkeit verlangt nun mehr Klarheit. Aber wie kann die EZB 16 Jahre nach der letzten Überarbeitung ihres geldpolitischen Rahmenwerks dem nachkommen?

Neubewertung der Instrumente notwendig
Seit dieser im Jahr 2003 durchgeführten Überarbeitung musste die EZB aufgrund der globalen Finanzkrise und der anschließenden europäischen Schuldenkrise eine Vielzahl neuer politischer Instrumente einsetzen. Diese – vor allem in Deutschland höchst unbeliebten – Krisenmaßnahmen sind nur insoweit zu rechtfertigen, als sie wirksam waren. Das muss nun bewertet werden. Wie EZB-Ratsmitglied Rehn feststellte, sind darüber hinaus langfristige strukturelle Trends wie eine alternde Bevölkerung, niedrige langfristige Zinssätze und der Klimawandel zu berücksichtigen.

Zu unterschiedliche Meinungen
Eine wirksame EZB-Politik setzt voraus, dass die Mitglieder des EZB-Rates mit einer Stimme sprechen. Sie brauchen ein gemeinsames Verständnis der langfristigen Ziele Europas sowie der Stärken und Schwächen verschiedener politischer Instrumente. Und um die Rechenschaftspflicht zu stärken und eine kluge Entscheidungsfindung zu unterstützen, müssen sie in der Lage sein, die Details ihrer geldpolitischen Strategien so zu formulieren, dass die Öffentlichkeit sie auch verstehen kann.

Eine derartige Klarheit ist zuweilen schwer herzustellen, auch wenn es sich um die grundlegendsten Elemente der politischen Strategie der EZB handelt. Die Preisstabilität – das primäre Ziel der EZB – wird derzeit als „Inflation unter, aber nahe 2 %“ definiert. Erfüllt eine Inflation von 1 % diese Bedingung oder ist sie zu niedrig und verlangt daher stärkere geldpolitische Anpassung? Verschiedene Mitglieder des EZB-Rats würden diese Frage möglicherweise unterschiedlich beantworten und daher auch unterschiedliche Strategien unterstützen.

Gleiches gilt für die Fragen, ob das Inflationsziel der EZB symmetrisch ist – im Rahmen dessen die Behörden bei zu niedriger Inflation ebenso rigoros eingreifen wie bei zu hoher Inflation – und ob die Inflation über einen bestimmten Zeitraum oder zu einem bestimmten Zeitpunkt gemessen werden sollte. Wurde das Ziel erreicht, wenn die Inflationsrate über einen gewissen Zeitraum zwischen 0 und 4 %, aber im Durchschnitt unter
2 % liegt?

Inflation als Zankapfel
Aus der Antwort darauf ergeben sich bedeutende politische Auswirkungen. Wenn die Inflation über einen längeren Zeitraum gemessen wird, könnte die EZB mittelfristig eine etwas höhere Inflationsrate akzeptieren oder vielleicht sogar anstreben, um die überaus niedrige Inflation der letzten Jahre auszugleichen. Wenn die Öffentlichkeit glaubt, dass eine über den Zielvorgaben liegende Inflation wahrscheinlich ist, würde der erwartete Realzins sinken und so die Wirtschaft in Schwung bringen.

Freilich stellte Draghi in Reden und Pressekonferenzen fest, dass das Inflationsziel seiner Ansicht nach symmetrisch und 1 % Inflation zu niedrig seien. Überdies meinte er, dass die Inflationsrate „mittelfristig“ gemessen werden sollte. Es ist jedoch nicht klar, ob diese Ansicht im EZB-Rat breiten Zuspruch findet.

Umstrittener Anleihenkauf
Das Inflation Targeting ist allerdings nicht der einzige Bereich, in dem Unklarheiten eine effektive Politikgestaltung behindern und die Marktteilnehmer sich fragen, was sie zu erwarten haben. Auch das EZB-Programm der geldpolitischen Outright-Geschäfte (OMT) – im Rahmen dessen die EZB verspricht, Anleihen der Mitgliedstaaten der Eurozone auf Sekundärmärkten für Staatsanleihen zu kaufen – sorgt für erhebliche Unsicherheit.

Das OMT-Programm ist Draghis Instrument der Wahl, um sein 2012 geäußertes Versprechen einzulösen „alles Notwendige zu tun, um den Euro zu erhalten”. Allerdings war dieses Programm von Anfang an umstritten. Bundesbankpräsident Jens Weidmann – er war einer von Lagardes Hauptkonkurrenten um die EZB-Präsidentschaft – kritisierte das Programm in der Öffentlichkeit heftig. Doch das war vor sieben Jahren und das OMT-Programm wurde nie wirklich eingesetzt. Ist der EZB-Rat diesem Instrument noch verpflichtet? Oder ist es durch die Ereignisse der letzten Jahre – und die Veränderungen in der Zusammensetzung des Rates – obsolet geworden?

Gefahr: Rezession
Da die Staatsschulden in Griechenland und Italien immer noch zu hoch sind, die Eurozone sich nach wie vor in Gefahr befindet, in eine Rezession zu schlittern, die die jeweiligen Haushaltspositionen der beiden Länder massiv verschlechtern würde und die politische Situation in Italien so unbeständig wie eh und je ist, würde sich die Beantwortung dieser Fragen durchaus lohnen. Eine wie von Rehn geforderte Überprüfung würde die notwendigen Antworten liefern – und die EZB im Zeitalter einer neuen Führung auf solidere Beine stellen.

Stefan Gerlach ist Chefökonom der EFG-Bank in Zürich und ehemaliger stellvertretender Gouverneur der irischen Notenbank. Er war außerdem geschäftsführender Direktor und Chefökonom der Hong Kong Monetary Authority und Sekretär des Ausschusses für das globale Finanzsystem der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).

Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier, © Project Syndicate 1995 – 2019

Foto: wikimedia/Bundesministerium für Finanzen

 

 

Inflationsentwicklung legt Zinssenkungen nahe

Teuerung im Euroraum entwickelte sich zuletzt moderat.

Michael Kordovsky. Von April auf Mai ging im Euroraum die Inflationsrate von 1,7 auf 1,2 % zurück, ehe sie im Juni marginal auf 1,3 % anstieg. War im April der statistische „Ausreißer“ von 1,7 % (Feber und März nur 1,5 bzw. 1,4 %) auf einen Anstieg der Teuerung der Dienstleistungskomponente im HVPI (Gewichtung 44,47 %) von 1,1 auf 1,9 % zurückzuführen, so drücken aktuelle Entwicklungen der Energie-Rohstoffpreise auf die Inflationsrate. Per Stichtag 18. Juni sind in den vergangenen drei Monaten die Preise für Erdgas, Erdöl (Brent) und Diesel um jeweils 22, 11,7 bzw. 10,8 % gesunken. Auch der US-Dollar entwickelte sich zum Euro marginal rückläufig.

Die Teuerung der Energiepreiskomponente im VPI (Gewichtung 10,13 %) ging von 5,3 % im April auf 3,8 % im Mai zurück, um sich bis Juni auf 1,7 % weiter abzuschwächen. Energie ist ein wichtiger Preisfaktor in der Industrieproduktion und geht als Komponente in die meisten Produkte ein.

Die Teuerung von Dienstleistungen ging im Mai auf 1 % zurück ehe im Juni ein Anstieg auf 1,6 % folgte. Leicht preisdämpfend wirkten auch die moderaten Preisanstiege bei „Industriegütern ohne Energie“ und bei „Unverarbeiteten Nahrungsmitteln“.

Inflationsraten auf breiter Front rückläufig
Was allerdings zuletzt auffällt, sind im Einklang mit den Schwankungen der Dienstleistungs-Preiskomponente höhere Volatilitäten in der Kerninflationsrate. Die Inflationsrate ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak schwankte von 0,8 % im März auf 1,3 % im April, um dann im Mai wieder auf 0,8 % zurückzugehen und im Juni auf 1,1 % anzusteigen. Diese Sprünge erschweren geldpolitische Entscheidungen, während der breite Abwärtstrend bei der Inflationsrate im EZB-Rat eine baldige Zinssenkung erleichtern könnte: Von Jänner bis Juni meldeten 13 EU-Länder eine rückläufige, zwölf eine steigende und zwei eine gleichbleibende Inflationsrate. Zwar stieg die Gesamtinflation der EU-Länder von 1,5 auf 1,6 %, doch im Euroraum entwickelte sie sich von 1,4 auf 1,3 % rückläufig. Während eine starke Konjunktur in Polen, Tschechien, der Slowakei, Rumänien, Lettland und Litauen preistreibend wirkt, herrscht in vielen Ländern des Euroraums eine disinflationäre Entwicklung.

In fünf Euroländern lag im Juni die Inflationsrate unter 1 %, nämlich in Griechenland (0,2 %), Zypern (0,3 %), Spanien (0,6 %), Portugal (0,7 %), und Italien (0,8 %).

Die höchste Inflationsrate im Euroraum wies hingegen Lettland mit 3,1 % aus.

Auch der viel befürchtete Schub in der Lohninflation blieb bis dato aus – und dies trotz niedrigster Arbeitslosigkeit im Euroraum seit Juli 2008! Im 1. Quartal sind die Arbeitskosten pro Stunde nur um 2,4 % gestiegen verglichen mit jeweils 2,3 bzw. 2,5 % in den beiden Vorquartalen. Krisenängste (Brexit, Handelskrieg …), eine teils noch eingeschränkte Pricing-Power der Hersteller und ein starker Preiswettbewerb im Einzelhandel drücken auf das Lohnniveau, während eine moderate Ölpreisentwicklung bei gleichzeitig hoher Effizienz in Produktion und Handel eine stärkere Ingangsetzung der Lohn-Preisspirale verhindern.

Fazit
Nicht umsonst rechneten Volkswirte der EZB im Juni für 2020 mit im Vergleich zur vorangegangenen Schätzung niedrigeren Steigerungen der Verbraucherpreise, was baldigen Leitzinssenkungen den Weg bereitet.

 

 

Halbjahresausblick 2019: Aktienmärkte bieten weiteres Kurspotenzial

Laut HSBC Global Asset Management bieten Aktienmärkte weiteres Kurspotenzial.

  • Weltwirtschaft entwickelt sich relativ stabil, wenn auch nicht optimal
  • Zinspolitik bleibt aktienmarktfreundlich
  • Unternehmensgewinne wachsen nur noch moderat
  • Aktienmärkte: Asien bevorzugt, USA sind sicherer Hafen
  • Chancen bei Schwellenländeranleihen in Lokalwährung

Das erste Halbjahr 2019 erfreute sowohl Aktien- als auch Anleiheanleger. Nicht nur risikobehaftete Anlagen legten deutlich zu. Auch die Kurse von Staatsanleihen sind gestiegen. Dr. Axel Cron, Chief Investment Officer bei HSBC Global Asset Management (Deutschland), sieht auch für die zweite Jahreshälfte weiteres Kurspotenzial für Aktien:

Geldpolitik und Konjunktur liefern immer noch gutes Umfeld für Aktien

Vor allem zwei Entwicklungen haben die Märkte im ersten Halbjahr beeinflusst: der amerikanisch-chinesische Handelsstreit und der wieder expansivere Kurs der Notenbanken. An die Handelskonflikte haben sich die Kapitalmärkte bereits weitgehend gewöhnt. Selbst wenn dieser weitergehen sollte, dürften die Märkte darauf kaum noch reagieren. Dabei hilft auch die expansive Geldpolitik, die den Aktienmärkten weiterhin ein zuträgliches Umfeld bietet. Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Fed, hat jüngst Zinssenkungen in Aussicht gestellt. Die Fed stehe laut Powell bereit, angemessen zu handeln, um nachhaltiges Wachstum zu sichern. Auch der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, hält sich alle Türen offen. Das niedrige Zinsniveau dürfte somit vorerst anhalten – zumal jedwede Inflationsdynamik fehlt.

Neben der Politik der Notenbanken wirkt die Konjunktur unterstützend für die Aktienmärkte, wenn auch nicht überall. Für 2019 rechnen wir mit einem Weltwirtschaftswachstum von rund 2,5 Prozent. Vor allem die USA zeigen sich robust. Die Arbeitslosigkeit dort ist niedrig. Die Wirtschaft wächst nahezu auf ihrem Potenzialwachstum. Damit hält sich die weltweit größte Volkswirtschaft im Vergleich zu anderen wichtigen Regionen immer noch sehr gut, vor allem gegenüber Europa, das massiv an Dynamik verloren hat.

China bewegt sich nach wie vor auf hohem Wachstumsniveau, zeigte zuletzt aber Anzeichen der Schwäche. Diese rührten weniger vom Handelskonflikt her, sondern vor allem von einer nachlassenden heimischen Nachfrage. Die Regierung ist jedoch gewillt, die Wirtschaft über fördernde Maßnahmen am Laufen zu halten.

Fünf bis zehn Prozent Kurspotenzial für globale Aktien

Das globale Gesamtumfeld spielt den Aktienmärkten weiterhin in die Karten, da Aktien attraktiv bewertet sind – zumindest im Vergleich zu allen anderen Anlagealternativen. Zwar sind die Unternehmensgewinne unter Druck geraten, ein moderates Wachstum ist dennoch wahrscheinlich. Die Schwäche der Unternehmen liegt nämlich weniger beim Umsatz, als vielmehr bei gestiegenen Kosten, die auf die Margen drücken. Analysten gehen derzeit von rund fünf Prozent Gewinnwachstum für die nächsten zwölf Monate aus. Bei den Aktienkursen erwarten wir global ein Aufwärtspotenzial von fünf bis zehn Prozent für die nächsten sechs bis zwölf Monate.

Die regionalen Unterschiede bei der Attraktivität von Aktien sind derzeit nicht so groß. Unsere Präferenz liegt jedoch auf den asiatischen Märkten wie China, aber auch Indien oder Indonesien. Die beiden Länder haben noch nicht die Bedeutung Chinas, ihre Demografie verspricht aber viel Aufholpotenzial. Die USA hingegen sind eine Art sicherer Hafen im Aktienuniversum. Der Markt ist konjunkturell gut unterstützt und punktet mit einem starken, innovativen Technologiesektor. Europa und Japan überzeugen zwar nicht konjunkturell, aber die Bewertung ist deutlich günstiger als bei US-amerikanischen und asiatischen Titeln.

Schwellenländeranleihen in Lokalwährung sind Lichtblick im Anleihebereich
Im Anleihebereich hingegen erkennen wir deutlich weniger Chancen. Bei Staatsanleihen ist weiteres Kurspotenzial nicht auszuschließen, aber nur noch schwer auszumachen. Das erste Halbjahr hat gezeigt, dass vieles möglich ist. Staatsanleihen sind von der Bewertung her zwar völlig unattraktiv, können im Portfoliokontext oder zu Absicherungszwecken dennoch ein akzeptables Investment sein. Bessere Chancen bieten Schwellenländeranleihen in Lokalwährung. Diese hängen nicht so stark an der allgemeinen Zinsentwicklung, sondern eher am US-Dollar. Und zurzeit spricht wenig für eine Dollar-Aufwertung. Für Anleger bedeutet das neben relativ hohen Zinssätzen die Chance auf Währungsgewinne.“

(Foto: kk artworks / Adobe Stock)

In unsere Zukunft investieren

Wie Anleger von künstlicher Intelligenz und von Maschinen profitieren können.

Raja Korinek. Noch ist „künstliche Intelligenz“ für viele Menschen ein wenig schwammig. Dennoch prophezeit etwa Christopher Gannatti, er ist Chefanalyst beim Investmenthaus Wisdom Tree, für den Bereich einen großen Aufschwung. Er sagt, der erste große technologische Sprung habe in den 1960er Jahren stattgefunden, als Computer manuelle Rechenaufgaben erstmals ablösten.

Seither werden auch immer mehr Daten gesammelt. Und genau da kommt die künstliche Intelligenz ins Spiel. Werden die Daten sinnvoll ausgewertet und querverknüpft, können Maschinen daraus selbstständig lernen und viele Aufgaben ohne menschliche Hilfe erledigen.

Dazu bringt Gannatti etwa das autonome Fahren ins Spiel. Dabei würden tausende zurückgelegte Kilometer von Testfahrern gesammelt und deren Reaktionen in unterschiedlichen Situationen aufgezeichnet. Anhand dieser Daten könne ein Auto künftig selbstständig im Straßenverkehr agieren und Situationen autonom einschätzen. Das bekannteste Beispiel dafür ist der US-Elektroautohersteller Tesla (ISIN: US88160R1014).

Auch zahlreiche Großkonzerne mischen in dem Bereich vor allem anhand von Übernahmen mit. So kaufte Alphabet (US02079K3059) die UK-Firma Deepmind 2014, die sich auf künstliche Intelligenz spezialisiert hat. Derzeit entwickelt Deepmind einen 30-Sekunden-Augenscan für Schnelldiagnosen. Dazu greift die Software auch auf eine große Datenbank zurück, um Symptome abzugleichen.

Sowohl Tesla als auch Alphabet sind im Übrigen sogenannte „Enhancers“, wie Gannetti sie nennt. Das sind Firmen, die auf künstliche Intelligenz setzen. Sie macht aber nicht den Kernteil ihrer Portfolios aus. Und deshalb machen wiederum Enhancer-Unternehmen nur rund 10 % des „Nasdaq CTA Artificial Intelligence Index“ aus. Auf diesen können Anleger mit dem „WisdomTree Artificial Intelligence UCITS ETF“ (DE000A2N7NJ6) setzen.

Chips und Algorithmen als Basisausrüstung
Weitere 40 % entfallen auf „Enablers“. Dazu zählen etwa Chiphersteller, die eine Anwendung von künstlicher Intelligenz ermöglichen, etwa Intel (US4581401001) und Qualcomm (US7475251036). Und die restlichen 50 % des Indexes? Die werden in sogenannte „Engager“ investiert, wie der Wisdom-Tree-Experte sie nennt. Das sind Unternehmen, deren Geschäftsmodell die künstliche Intelligenz ist.

Dazu zählt Blackberry (CA09228F1036) aus Kanada. Der Konzern hat sich komplett neu aufgestellt, entwickelt nun Algorithmen, die für autonomes Fahren gebraucht werden. Das Unternehmen Cadence Design Systems (US1273871087) bietet wiederum Künstliche-Intelligenz-Anwendungen für Smartphones, Drohnen und Überwachungskameras an.

Doch es gibt noch weitere Investmentmöglichkeiten, etwa den „Amundi Stoxx Global Artificial Intelligence UCITS ETF“ (LU1861132840), der den „STOXX AI Global Artificial Intelligence ADTV5“ abbildet. Der Index setzt sich aus 243 Unternehmen zusammen, die aus einem breiten Spektrum an Branchen (vor allem aus dem IT-Bereich mit 45 %) stammen, und stark in die Entwicklung neuer Künstlicher-Intelligenz-Technologien investieren.

Weltall und Spiele
Zu den größten Positionen zählt zum Beispiel Maxar Technologies (US57778K1051). Der US-Konzern entwickelt Weltall-Technologien, etwa Satelliten. Und Dena (JP3548610009) aus Japan entwickelt wiederum unter anderem E-Kommerz-Systeme, soziale Netzwerke und Smartphone-Spiele.

Foto: Pixabay/geralt

 

 

Nachhaltig zum Erfolg

Ein global agierender Gesundheitsfonds setzt auf mehrere Mega-Trends.

Cyrill Zimmermann von Bellevue sieht große Renditechancen bei Unternehmen aus dem Gesundheitsbereich (rechts der „Computer-Chirurg“ da-Vinci der Firma Intuitive Surgical)

Harald Kolerus. Gesundheit! Die muss man der Healthcare-Branche in Wirklichkeit nicht speziell wünschen, denn der Sektor boomt aufgrund gleich mehrerer Mega-Trends. Zu nennen ist etwa die demographische Entwicklung, die sowohl für eine stetig wachsende Weltbevölkerung als auch höhere Lebenserwartung sorgt. Man bedenke in diesem Zusammenhang, dass durchschnittlich 80 % der Gesundheitskosten in den letzten Lebensjahren anfallen.

Ein weiterer treibender Faktor ist der steigende Wohlstand bzw. eine zunehmende Mittelschicht in den aufstrebenden Emerging Markets, was folgende Konsequenzen mit sich führt: Erstens können Menschen in diesen Regionen mehr Geld für Gesundheitsvorsorge ausgeben, und zweitens greifen auch Wohlstandskrankheiten um sich. Um ein Beispiel zu nennen: So soll die Zahl der Diabetiker von 2017 mit 425 Mio bis 2028 auf 651 Mio klettern. Diabetes wurde in diesem Zusammenhang auch schon als „globale“ Epidemie bezeichnet. Und dann gibt es da natürlich Krebs, Alzheimer etc.

Gesund und nachhaltig
Schon sehr früh hat Bellevue Asset Management langfristige Chancen am Gesundheitsmarkt ausgemacht und setzt bereits seit 1993 auf einen aktiven (also benchmark-unabhängigen), fundamentalen und research-basierten Stock-Picking-Ansatz in diesem Bereich. Relativ neu, nämlich ziemlich genau ein Jahr alt, ist hingegen der Fonds „BB Adamant Sustainable Healthcare“ (ISIN: LU1819586261).

Cyrill Zimmermann, er leitet den Bereich Healthcare Funds & Mandates bei Bellevue, verweist im Gespräch mit dem Börsen-Kurier auf die Hintergründe: „Es handelt sich hierbei unseres Wissens nach weltweit um den ersten globalen Gesundheitsfonds, der Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt. Interessant ist auch, dass die Idee dazu maßgeblich von österreichischen institutionellen Investoren mit angestoßen worden ist. Sie haben eindeutig auf die Wichtigkeit des Österreichischen Umweltzeichens hingewiesen.“ Dabei handelt es sich um eines der europaweit strengsten Gütesiegel für nachhaltige Finanzprodukte, das dem Fonds mittlerweile verliehen worden ist.

Strenge Selektion
Zimmermann erklärt weiter, wie der „BB Adamant Sustainable Healthcare“ konzipiert worden ist: „Auf das weite Universum von rund 3.500 Aktien im Gesundheitsbereich wenden wir qualitative und quantitative Kriterien an, wie zum Beispiel die Prüfung des Managements, der Produktpipeline, des operativen Risikos, der PEG-Bewertung oder des Umsatzwachstums. In einem nächsten Schritt erfolgt das ESG-Screening (Environment Social Governance, Anm.) in Kooperation mit Sustainalytics, einem der führenden Anbieter für Nachhaltigkeitsresearch.“ Hierbei werden etwa das Best-In-Class-Prinzip angewendet (die Unternehmen mit der besten ESG-Leistung ihrer Branche werden identifiziert) und kontroverse Praktiken bzw. Geschäftsfelder ausgeschlossen. So entsteht ein konzentriertes Portfolio, das laut dem Experten in der Performance der „konventionellen“ Strategie von Bellevue um nichts nachsteht. Dabei liegt der Fokus prinzipiell immer auf innovationsstarken Mid Caps und nicht auf den schwergewichtigen Pharma-Blue-Chips. „Die Large Caps wachsen rund 2 bis 3 % jährlich, die Unternehmen, die wir ins Portfolio aufnehmen, weisen ein mindestens doppelt so hohes Umsatz- und Gewinnwachstum auf“, so Zimmermann.

Abschließend hat der Experte auch Beispiele für Aktien im „Adamant Sustainable Healthcare“ parat: „GN Store Nord genießt eine führende Technologie- und Marktstellung bei Hörgeräten sowie damit verbundenen Kommunikations- und Audiolösungen. Auf einem ganz anderen Gebiet ist Intuitive Surgical Innovationsführer, nämlich bei robotergestützter Chirurgie. Das sind zwei Beispiele für attraktive Unternehmen in unserem Portfolio.“

Foto: wikimedia/Intuitive

Kuriositäten aus der Lebensmittelbranche

Das Feinste vom Feinen: Wenn die Esskultur von der Geldbörse geprägt wird.

Lea Schweinegger. Wie in jeder Sparte gibt es auch in der Lebensmittelbranche Spitzenreiter, was die Preise anbelangt. Wir wollten wieder einmal einen kurzen Einblick geben, über Luxus für Genießer, und machten uns schlau. Die moralische Bewertung eines Luxus-Dinners bleibt aber jedem selbst überlassen und wir wollen hier auch nicht den Stab brechen.

Gut aber teuer
Das teuerste Lebensmittel der Welt ist laut dem Wissenschaftssender Galileo.tv der Kaviar, auch „Weißes Gold“ genannt. Weshalb? Weil die Zucht der Stör-Fische, die den weißen Kaviar produzieren, sehr schwierig und aufwendig ist. Im Schnitt wartet man zwölf Jahre, bis die Tiere (es handelt sich dabei um den weißen Stör) laichen. Der weiße Stör ist ein Albino und entsprechend selten, ebenso wie der aus ihm gewonnene Kaviar. Ein Kilogramm dieser Delikatesse kostet mindestens 25.000 € – und aufwärts bis zu 65.000 €.

Hitlisten pro Kilogramm
Neben dem Weißstör-Kaviar mit 65.000 €, ist der Panda-Tee mit 63.000 € auch kein Schnäppchen. Weitere Beispiele: So kostet das Lambda-Olivenöl bereits bis zu 22.000 € pro Kilogramm, Weißer Trüffel 15.000 €, Safran 14.000 €, Beluga-Kaviar bekommt man um 7.000 €, Blauflossen-Thunfisch um 6.000 €, Yubari-Honigmelonen um 3.000 €, Matsutake-Pilz um 2.000 €, Kopi-Luwak-Kaffee um 1.200 €. Nicht zu vergessen das „rote Wüstengold“, der Safran, das teuerste Gewürz der Welt. Mit 10.000 € pro Kilogramm kommt es dem Goldpreis ziemlich nahe. Im Iran wird übrigens nur der beste Safran für den europäischen Markt ausgewählt und verschickt.

Foto: Güll Salzburg, www.guell-salzburg.at

Capital Group Halbjahresausblick 

Europa und Japan dominieren Sektoren und trotzen Gegenwinden.

Durch expansivere Geldpolitiken befeuern die Zentralbanken aktuell den Wirtschaftsmotor – so auch in Japan und Europa. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat angedeutet, dass die Zinsen bis Ende 2019 negativ bleiben, Japan prescht mit einem langfristigen Wertpapierkaufprogramm voran. Martyn Hole und Christophe Braun, beide Investment Director bei Capital Group, bewerten die gegenwärtigen Marktsituationen in den beiden Ländern. Besonders in ausgewählten Sektoren ließen sich attraktive Aktienrenditen erzielen. Beispielhaft dafür seien die europäischen Luxusgüterhersteller LVMH und Kering mit Marken wie Louis Vuitton, Fendi und Gucci, innovative Pharmakonzerne wie AstraZeneca, Novartis und Novo Nordisk oder führende japanische Robotech-Firmen wie Murata und Fanuc.  

Europäische Aktien sind niedrig bewertet
„Aktuell gibt es mehrere ermutigende Nachrichten aus Europa“, sagt Hole. „Die Europäische Zentralbank hat signalisiert, dass die Zinsen das ganze Jahr 2019 unverändert bleiben. Außerdem haben sich die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe stabilisiert – und das selbst in Deutschland und Italien. Auch die Dienstleistungs- und Baukonjunktur bleibt solide.“ Insgesamt sei die europäische Binnenkonjunktur robust. Mit Ausnahme von Italien sei beispielsweise die Arbeitslosenquote gefallen. Steigende Löhne und eine verhältnismäßig niedrige Inflationsrate hätten darüber hinaus die Realeinkommen der Haushalte steigen lassen. Steuersenkungen und höhere Staatsausgaben hätten den Konsum gestützt und die Unternehmensinvestitionen weiter steigen lassen. Eine Folge dessen sei der Anstieg des realen Wirtschaftswachstums im Euroraum im ersten Quartal des Jahres 2019.

Die größten Unsicherheiten entstammten laut dem Experten aktuellen politischen Entwicklungen. „Ein wichtiges Thema bleibt die Sorge, dass die EU zum Ziel des amerikanischen Protektionismus wird“, sagt Hole. Insgesamt überwögen jedoch die positiven Signale. „Die günstigen Bewertungen europäischer Aktien bieten gerade viele Opportunitäten – sektorübergreifend und kurz- wie langfristig. Das konjunkturbereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis – also der Kurs einer Aktie geteilt durch den Gewinn je Aktie – liegt in Europa bei 15, bei amerikanischen Aktien liegt es hingegen bei 27“, so Hole.

Japanische Unternehmen werden rentabler
Ebenfalls positive Signale entsende Experte Braun zufolge Japan, das Land der aufgehenden Sonne. Das Wirtschaftswachstum des ersten Quartals 2019 von rund zwei Prozent sei unerwartet gewesen und insbesondere in Anbetracht des Abschwungs in China und des zeitgleichen Handelskonfliktes mit den Vereinigten Staaten beeindruckend. „Zweifelslos hat die Wirtschaftspolitik der japanischen Regierung rund um Premierminister Shinzo Abe zum positiven Wachstum und der rekordverdächtig niedrigen Arbeitslosenquote beigetragen“, so Braun. Durch grundlegende Anpassungen seien die Unternehmen in Japan deutlich rentabler geworden. So hätten japanische Firmen im Jahr 2018 die höchsten operativen Margen seit Dekaden verzeichnet und die Break-even-Ratios seien deutlich zurückgegangen. Verantwortlich dafür sehe der Experte nicht zuletzt drastische Kostensenkungen seit der globalen Finanzkrise 2008. So seien die variablen Kosten in den vergangenen zehn Jahren um rund vier Prozent gefallen, die Fixkosten außerdem um rund ein Prozent. Ergänzend positiv sei insbesondere für Exporteure und binnenorientierte Unternehmen die schwächere Bewertung der japanischen Währung Yen.

Insgesamt sind die Bewertungen japanischer Aktien im Vergleich zu früher und zu anderen Ländern günstig“, sagt Braun. „Weitere Fortschritte bei der Corporate Governance und eine stabile Konjunktur könnten diese weiter stützen.“

(Foto: Adobe Stock/Capri23Authof)

Facebooks Kryptowährung Libra muss verhindert werden!

Die Topjuristin Katharin Pistor über die neuesten Pläne des Internetkonzerns.

Facebook hat gerade seinen neuesten Griff nach der Weltherrschaft vorgestellt: Libra, eine Kryptowährung, die als „privates Geld“ überall auf der Welt fungieren soll. Im Zuge der Vorbereitung des Projekts hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg mit Zentralbanken, Regulierungsbehörden und 27 Partnerunternehmen verhandelt, die jeweils mindestens 10 MioUSD beisteuern werden. Aus Furcht vor Sicherheitsbedenken hat Facebook die direkte Zusammenarbeit mit Geschäftsbanken vermieden.

Zuckerberg scheint zu verstehen, dass der Erfolg von Libra mit technologischer Innovation allein nicht zu gewährleisten ist. Er ist auf Zusagen der Regierungen angewiesen, dem Geflecht der vertraglichen Beziehungen, die der Währung zugrunde liegen, Geltung zu verschaffen und die Verwendung ihrer eigenen Währungen als Sicherheit zu billigen. Sollte Libra jemals einem Run ausgesetzt sein, wären die Zentralbanken zur Bereitstellung von Liquidität verpflichtet.

Zu wenig überdacht?

Die Frage ist, ob Regierungen die Risiken für die Finanzstabilität verstehen, die ein solches System mit sich bringen würde. Die Vorstellung eines privaten, reibungslosen Zahlungssystems mit 2,6 Mrd aktiven Nutzern mag attraktiv klingen. Aber wie jeder Banker und jeder geldpolitische Entscheidungsträger weiß, erfordern Zahlungssysteme eine Liquiditäts-Absicherung („Backstop“) in einer Größenordnung, die kein privates Unternehmen bieten kann.

Im Gegensatz zu Staaten müssen private Wirtschaftsteilnehmer im Rahmen ihrer Möglichkeiten handeln und können anderen im Bedarfsfall keine einseitigen finanziellen Verpflichtungen auferlegen. Das bedeutet, dass sie sich nicht selbst retten können; sie müssen von Staaten gerettet werden oder man muss sie bankrott gehen lassen. Außerdem bieten Währungsbindungen auch bei Staaten lediglich eine Illusion von Sicherheit. Viele Länder waren in der Vergangenheit gezwungen solche Währungskopplungen zu beenden, und haben stets darauf beharrt, dass es „dieses Mal anders ist“.

Wer rettet Facebook im Falle des Falles?

Was Facebook von anderen Emittenten von „privatem Geld“ unterscheidet, ist seine Größe, seine globale Reichweite und seine Bereitschaft, „sich schnell zu bewegen und Dinge kaputt zu machen“. Man kann sich leicht ein Szenario vorstellen, in dem die Rettung von Libra mehr Liquidität erfordern könnte, als ein einzelner Staat bereitstellen könnte. Erinnern Sie sich an Irland nach der Finanzkrise 2008. Als die Regierung ankündigte, die Verbindlichkeiten des Privatbankensektors zu übernehmen, stürzte das Land in eine Staatsschuldenkrise. Neben einem Giganten wie Facebook könnten viele Nationalstaaten letztendlich so dastehen wie Irland.

Facebook prescht mit einem Tempo vor, dass man meinen könnte Libra sei bloß ein weiteres privatwirtschaftliches Unternehmen. Aber wie viele andere Finanzintermediäre zuvor verspricht das Unternehmen etwas, das es allein unmöglich leisten kann: den Schutz des Wertes der Währung. Libra, so heißt es, wird an einen Währungskorb (von Regierungen ausgegebenes Fiatgeld) gebunden und bei Bedarf und um jeden Preis konvertierbar sein. Diese Garantie beruht jedoch auf einer Illusion, denn weder Facebook noch ein anderer beteiligter privater Wirtschaftsteilnehmer wird Zugang zu unbegrenzten Reserven an gekoppelten Währungen haben.

Eine zweite Lehman-Brothers-Katastrophe?

Um zu verstehen, was passiert, wenn Regulierungsbehörden dasitzen und Däumchen drehen, während Finanzinnovatoren Verkaufsoptionen schaffen, müssen wir uns nur an das Debakel mit Geldmarktfonds im September 2008 erinnern. Anlegern in Geldmarktfonds wurde versprochen, dass sie ihre Bestände wie ein Bankkonto behandeln und somit wann immer sie wollen so viel Geld abheben können, wie sie eingezahlt haben. Doch als Lehman Brothers zusammenbrach, versuchten alle Geldmarktfonds-Anleger gleichzeitig, sich ihr Geld auszahlen zu lassen, woraufhin klar wurde, dass viele Fonds ihr Versprechen nicht halten konnten. Um einem breiten Ansturm auf alle Geldmarktfonds und die Banken, die sie abgesichert haben, abzuwenden, sprang die US-Notenbank mit Liquiditätshilfen ein. Ein Run auf Libra würde viel umfangreichere Hilfen und eine enge Koordination zwischen allen davon betroffenen Zentralbanken erfordern.

Wer kann Facebook stoppen?

Angesichts dieser massiven Risiken müssen Regierungen eingreifen und Libra stoppen, bevor es im nächsten Jahr an den Start geht. Andernfalls, wie Maxine Waters, die Vorsitzende des Finanzausschusses im US-Repräsentantenhaus, gewarnt hat, können Regierungen ebenso gut damit beginnen, ihre eigenen „Living Wills“ zu verfassen. Im Finanz- und Bankenjargon ist ein „Living Will“, zu Deutsch „Patientenverfügung“, ein schriftlicher Plan, den die Banken bei den Aufsichtsbehörden einreichen und der beschreibt, wie sie im Falle einer Insolvenz für eine rasche und ordentliche Abwicklung sorgen werden. Im Falle einer Regierung müsste ein Living Will erklären, wie die Behörden reagieren würden, wenn Libra ihre Währungsbindung beendet und ein globaler Run einsetzt.

Warum wird noch geschwiegen?

Das wirft natürlich eine Reihe relevanter Fragen auf. Würden Regierungen, wie der ehemalige Fed-Vorsitzende Ben Bernanke im September 2008 und der Präsident der EZB Mario Draghi im Juli 2012, „alles tun, was nötig ist“, um das Überleben der Kryptowährung zu sichern? Wären sie überhaupt in der Lage, dies zu tun, geschweige denn ihre Maßnahmen zu koordinieren und die Verluste mit allen anderen beteiligten Ländern zu teilen? Wären die Regierungen in der Lage, die Kontrolle über das System zu übernehmen, wenn es sich als außerstande erweist, für sein eigenes Überleben zu sorgen?

Schweigen als Reaktion auf die Ankündigung von Facebook würde einer Billigung seines gefährlichen neuen Vorhabens gleichkommen. Regierungen dürfen nicht zulassen, dass private, gewinnorientierte Wirtschaftsteilnehmer das gesamte globale Finanzsystem in Gefahr bringen. Wenn Banken „zu groß sind, um zu scheitern“, sind Staaten es auf jeden Fall. Wenn es die Regierungen versäumen, uns vor dem jüngsten Akt von Hybris von Facebook zu schützen, werden wir alle den Preis dafür zahlen.

Die Autorin: Katharina Pistor ist Rechtsprofessorin an der Columbia Law School und Autorin von „The Code of Capital: How the Law Creates Wealth and Inequality“

Aus dem Englischen von Sandra Pontow, © Project Syndicate 1995 – 2019

Foto: Adobe Stock/KanawatVector

Europas Industrie schwächelt

Eine selten ungünstige Konstellation am alten Kontinent.

Michael Kordovsky. Der aktuelle Einkaufsmanager-Index für die Privatwirtschaft des Euroraums liefert ein klares Ergebnis: Während im Juni die Geschäfte der Dienstleister so gut liefen wie zuletzt vor acht Monaten, war die Industrieproduktion das fünfte Mal hintereinander rückläufig. Dabei fiel der Rückgang erneut so stark aus wie selten zuvor in den vergangenen sechs Jahren – so die Umfrageergebnisse von IHS Markit.

Und auch Eurostat schlägt in dieselbe Kerbe: Die Entwicklung der Industrieproduktion seit November 2018 ist alles andere als erfreulich: Nach -2,9 und -4,2 % im November und Dezember 2018 folgte im Jänner 2019 ein weiterer jährlicher Rückgang um -0,4 %, ehe nach einem Nullwachstum im Feber im März die Industrieproduktion der Eurozone um -0,7 % schrumpfte. Im April 2019 lag der Rückgang noch immer bei -0,4 %.

Fachkräftemangel und schwache Autoindustrie

Die Ursachen liegen in einer generell ungünstigen Konstellation bestehend aus einer Umstellung der Automobilindustrie auf ein neues Abgastestverfahren, der Zollpolitik der USA, einer konjunkturellen Abschwächung des wichtigen Absatzmarktes China, Russlandsanktionen und einem Mangel an Fachkräften.

Letzteres betrifft vor allem die Leitwirtschaft Deutschland, aber auch andere Volkswirtschaften mit niedriger Arbeitslosigkeit. Bereits im April 2018 ging eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) durch die Medien, wonach in Deutschland etwa 440.000 Fachkräfte fehlen, und sich das jährliche BIP-Wachstum folglich um bis zu 0,9 %-Punkte verringert. Die schwierige und oft erfolglose Suche nach Fachkräften ist mittlerweile ein wichtiger Grund für niedrige Unternehmensinvestitionen und überlastete Kapazitäten. Dies betrifft vor allem KMU.

Schlecht ist auch die Stimmung in der Autoindustrie, die unter einem schwachen Absatz bei Dieselfahrzeugen leidet. Der Verband der europäischen Automobilhersteller (Acea) senkte auf seiner jüngsten Generalversammlung in Brüssel seine Prognose für die Pkw-Neuzulassungen in Europa. Nun rechne er mit einem Rückgang um 1 % statt wie zuvor mit einem Wachstum in der gleichen Höhe.

Bis einschließlich April 2019 verzeichnete in Europa die Anzahl der Pkw-Neuzulassungen eine rückläufige Entwicklung über acht Monate, ehe im Mai ein marginaler Anstieg um 0,1 % auf 1.400. 518 Stück erfolgte. EU-weit verringerten sich die Neuzulassungen im ersten Quartal um 3,3 %. Und: Die Schwäche der Automobilindustrie greift über auf Zulieferbranchen.

Frühindikator hat sich bestätigt

Auffallend ist somit auch die schwache Entwicklung bei den Industrie- und Vorleistungsgütern. Letztere verzeichneten auf Jahresbasis in den Monaten März und April 2019 jeweils einen Rückgang um -0,5 bzw. -1,2 %. Bei den Investitionsgütern fiel der überdurchschnittliche Einbruch von je -4,4, -5,1 bzw. -2,4 % im November und Dezember 2018 sowie im Jänner 2019 auf, ehe es nach einer kurzen Erholung im April erneut zu einer Schrumpfung um 1,2 % kam.

Ein sehr guter Frühindikator, wie es im Industriebereich weitergeht, ist der Auftragseingang der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie. Sind die Firmenchefs optimistisch, bestellen sie wieder verstärkt Industrieausrüstung – und hier verfügen deutsche Firmen über eine starke Marktposition. Fakt ist, dass laut VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken), im ersten Quartal 2019 der Auftragseingang der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 21 % zurückging, wobei die Auslandsorders um 27 % einbrachen. Die schlechten Industrie-Daten der Einkaufsmanager-Indizes für den Euroraum sind somit in den Monaten Mai und Juni plausibel.

Was bei den aktuellen Problemen der Industrie jedoch auffällt, ist, dass sie Großteils von der internationalen Politik (ausgehend von den USA) gesteuert sind. Insofern bleibt noch ein Rest an Hoffnung, dass US-Präsident Donald Trump zum Wahlkampf-Auftakt den Hebel hin zu einer konstruktiveren Außen- und Handelspolitik umlegt.

Foto: AdobeStock/vadimborkin

Die tickende Zeitbombe entschärfen

Ein Expertengespräch über Risiken und Lösungen im Bereich Pensionsvorsorge.

Manfred Kainz. Die diversen „Reformen“ in unserem Sozialversicherungssystem führen zu drastisch unterschätzten Vorsorgerisiken. Oder, noch deutlicher formuliert: Die jüngsten Pensionsversicherungsreformen „machen den langen Weg bis zur Alterspension ohne private Absicherung zu einer tickenden Zeitbombe!“ Diese Warnung sprach Ronald Felsner beim „Expertengespräch Pensionsvorsorge“ aus: Zu diesem Hintergrundgespräch hatte Standard-Life-Chef (für Österreich und Deutschland) Christian Nuschele im Namen seiner international tätigen Versicherungsgruppe zuletzt in Wien geladen.

Gleich mehrere Lücken

Felsner ist unter anderem Fachtrainer in der Finanzbranche, gewerblicher Vermögensberater, Lehrbeauftragter für Privates Vorsorgemanagement an der Donauuniversität Krems und Entwickler mehrere Beratungstools zur Vorsorgeplanung. Sein Alarmruf beruht auf der noch immer vorherrschenden Wahrnehmung unserer gesetzlichen Alterspension, dass deren „Risiken vielfach falsch eingeschätzt oder generell negiert werden“. Dazu zählt unter anderem die „Altersarmutsgefahr“ für rund 50 % (!) der Österreichischen Frauen, vor der bereits Alexander Biach, immerhin Vorstandsvorsitzender des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, mehrfach gewarnt hat.

Unterschätzung zwei: Der staatliche Pensionskontoauszug, ist, so Felsner, nur ein „Halberzeugnis und noch ausbaufähig“: Denn es „fehlt ihm leider eine Hochrechnung der zu erwartenden Pensionshöhe sowie einer etwaigen Arbeitsunfähigkeitsrente“. Und leider würden „erfahrungsgemäß nur in wenigen Finanzberatungen konkrete Pensionsberechnungen und vor allem Risikoanalysen durchgeführt“. Dazu komme, dass auch „die Kunden tendenziell wenig Eigeninitiative und Eigenverantwortung für die finanzielle Absicherung ihrer Zukunft übernehmen“. Offenbar seien sich viele ihrer persönlichen Risiken nicht bewusst.

Beschränkungen

Und: Allein seit 1996 gab es in Österreich sieben (!) Pensionsreformen. Daher sollte man sich „nicht darauf verlassen, dass keine Reform mehr kommt“, mahnt Felsner. Wenn man sich die jüngsten System-Änderungen ansieht, so seien etwa die Pensionsbewilligungen wegen Arbeitsunfähigkeit auf die Hälfte gesunken. Heute seien eigentlich die Arbeitslosenleistungen „die neue Frühpension“. Was der Experte für gefährlich ansieht: das „Halbwissen“ bei den Menschen (Kunden), und die mangelnde Aktivität der Berater.

Umso wichtiger sei Pensionsvorsorge mittels ergänzender Säulen: also zusätzlich Pensionskassen, deren verwaltetes Volumen kontinuierlich wächst, und staatlich geförderter Zukunftsvorsorge, die aber rückläufig ist.

Wobei zu bedenken ist: Leistungen aus Pensionskassen sind starre lebenslange Renten, in der Regel ohne vorzeitige Zugriffsmöglichkeit, also nicht „herausnehmbar“. Auch die geförderte Zukunftsvorsorge ist auf „lebenslange Verrentung“ ausgelegt, ihre Flexibilität ist also ebenfalls eingeschränkt (so sind etwa keine Teilentnahmen möglich).

Flexibilität nötig

Deshalb brauche es umso mehr, so Felsner, „Strategien für die private Pensionsvorsorge“. Dabei sollte „Flexibilität einen wichtigen Stellenwert“ haben: Heißt: Kapitalzugriffsmöglichkeit in „Notsituationen“ vorm Pensionsantrittsalter (wie Arbeitslosigkeit, Krankheit etc.) sollte „essenzieller Produktbaustein“ sein. Produktflexibilität bedeute also, „zum Geld zu kommen, wenn man’s im Notfall braucht“. Denn mit einem kurz- bis mittelfristigen Einkommensverlust müsse man heutzutage immer rechnen. Dann müssen flexible Kapitalentnahmen zur Deckung der weiterlaufenen Fixkosten möglich sein. Solche Vorsorgestrategien seien auch für die „Generation 50+“ noch sinnvoll, empfiehlt der Fachmann. Für Einmalerläge in Versicherungen mit Fondsveranlagung und Zuzahlungen sei es „nie zu spät“, das gelte speziell für Ab-50-Jährige. Kalkulatorisches Zusatzargument: Der Steuervorteil (nur 4 % Versicherungssteuer, versus 27,5 % KESt am Bankdepot) „schlägt alles, auch bei hohen Produktkosten“!

Foto: Standard Life

Test: Cyber-Attacken gegen Banken

FMA und OeNB testen in einem Planspiel die Reaktionsfähigkeit des österreichischen Bankensektors auf Cyber-Attacken.

Die Österreichische Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) und die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) haben heuer den ersten Cyber-Stresstest für den Finanzmarkt Österreich durchgeführt. Unterstützt vom „Kuratorium Sicheres Österreich“ (KSÖ), wurde in einem Cyber-Planspiel die Widerstandsfähigkeit des Finanzsektors gegen verschiedene Cyberangriffe getestet. Teilgenommen haben zehn repräsentative Kreditinstitute, deren IT-Provider, das „Computer Emergency Response Team Austria“ (CERT.at) und das Innenministerium. Da laut internationalen Studien rund zwei Drittel der Cyber-Schäden durch Fehlverhalten von Mitarbeitern verursacht oder zumindest begünstigt werden, lag bei diesem Planspiel der Fokus auf dem Faktor Mensch. Gestresst wurde insbesondere die Zusammenarbeit zwischen Kreditinstituten und Aufsicht sowie den anderen cybersecurity-relevanten Institutionen im Falle eines Hackerangriffs.

Erster institutsübergreifender Cyber-Stresstest
„Das Cyber-Planspiel hat gezeigt, dass die Kreditinstitute im Großen und Ganzen organisatorisch gut auf Cyber-Attacken vorbereitet sind, wobei jedoch die praktische Ausgestaltung sich als sehr unterschiedlich erwiesen hat“, so der Vorstand der FMA, Helmut Ettl und Klaus Kumpfmüller: „Die Ergebnisse werden nun im Detail analysiert, die Lehren daraus gezogen und in der Folge in der regulatorischen und aufsichtlichen Tätigkeit umgesetzt.“ OeNB Vize-Gouverneur Andreas Ittner ergänzt: „Gerade bei der Abwehr von Cyberangriffen ist eine gemeinsame Vorgangsweise zur Sicherstellung der Stabilität des Finanzsektors essenziell. Wir begrüßen es daher sehr, dass sich hier Repräsentanten aller relevanten Institutionen am ersten institutsübergreifenden Cybersecurity-Planspiel für den Finanzsektor beteiligt haben.“

Das Ausgangsszenario des eintägigen Cybersecurity-Planspiels, an dem mehr als 100 Experten teilnahmen, bildeten insgesamt 170 individualisierte Hackerangriffe, auf die die Teams aus den beteiligten Kreditinstituten und Institutionen zu reagieren hatten. Die Attacken reichten dabei von Lösegeld-Erpressung mit Ransomware, der Kompromittierung von „Root-CAs“ (Zertifizierungsstellen für Wurzelzertifikate) und von „Online Banking Apps“, der Lahmlegung von Bankomaten und Websites, dem Ausfall des Electronic Bankings, Manipulationen von Kontoständen und -transaktionen, Verlust von Kundendaten, „Phishing Mails“ und DDoS-Attacken (DDoS: Distributed Denial of Services) bis hin zu Kundenbeschwerden und Shitstorms in Social Media. Getestet wurden dabei die institutsinternen Vorbereitungen auf derartige Angriffe, die internen Kommunikations- und Entscheidungsstrukturen, die organisatorischen und technischen Back-up-Lösungen, Information und Kommunikation mit den aufsichtlichen Institutionen sowie die externe Kommunikation mit den Kunden sowie der breiten Öffentlichkeit.

Die weltweite digitale Vernetzung bringt den Teilnehmern auf den Finanzmärkten viele neue Chancen und Möglichkeiten, birgt aber gleichzeitig enorme Risiken. Dementsprechend haben wir IT- und Cyber-Sicherheit als strategischen Aufsichtsschwerpunkt festgelegt“, betten Ettl, Kumpfmüller und Ittner den Cyber-Stresstest in die Aufsichtsstrategie ein. Dazu habe die FMA im Vorjahr ein Paket von IT-Sicherheits-Leitfäden erlassen, die klare Vorgaben für die Governance dieser Risiken darlegen. Die Einhaltung der Vorgaben der IT-Sicherheitsleitfäden bilde dementsprechend auch einen Prüfschwerpunkt der Aufsicht in diesem Jahr. Das Cyber-Planspiel hat die Implementierung der Vorgaben, die organisatorische wie infrastrukturelle Vorbereitung in der realitätsnahen, praktischen Anwendung getestet. Darauf aufbauend wird die Aufsicht ihre regulatorische und aufsichtliche Strategie weiterentwickeln und diese in weiteren Cyberstresstests prüfen und evaluieren.

Foto: Gorodenkoff / Adobe Stock

Die Rückkehr der Frachtsegler

Frische Brise für die Handelsrouten und die Umwelt.

Selten fühlt ein Geschäftsmodell so stark den Puls der Zeit und bietet gleichzeitig attraktive Anlagechancen im Bereich des „Green Investments“. Die Ausgangslage: Fairtrade produzierte Waren wie Kaffee, Kakao und Früchte werden in Europa im fairen Handel angepriesen und erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Ihr Transport über die Meere ist jedoch alles andere als fair für die Umwelt und die Konsumenten. Die mit Schweröl betankten Ozeanriesen stoßen immense Mengen an Schadstoffen aus. Das Unternehmen von „Sail Powered Shipping“ schritt zur Tat: „Viele reden davon wie man Umweltverschmutzung und deren Auswirkungen auf das Klima in den Griff bekommen könnte. Wir tun etwas“, betont Daniel Kravina, der kaufmännische Leiter im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

Das Schiff
Die SV-BRIGANTES wurde im „Golden Age of Sails“ 1911 speziell für den Transport von Fracht über den Atlantik gebaut, als das Jahrtausende alte technische Know-how aus der Handelsseefahrt seinen Höhepunkt erreicht hatte. Der Rumpf des Segelschiffes wurde generalüberholt und auf den letzten Stand der Technik gebracht. Die Schiffstaufe erfolgte vor wenigen Wochen in Trapani, Sizilien.

Das Geschäftsmodell
Börsen-Kurier:
Abseits von Segelromantik und dem nostalgischen Rückblick in die Geschichte der Handelsschifffahrt scheint der ökologische Aspekt selbsterklärend zu sein, aber lässt sich mit Frachtseglern heute noch Geld verdienen?

Daniel Kravina: Auch wir fragten uns selbstkritisch, ob diese Geschäftsidee zwar charmant, aber vielleicht zu nostalgisch sei. Uns war schnell klar, dass wir nicht ein Schiff bauen können, ohne auch gleich eine Marke aufzubauen.

Börsen-Kurier: Sie gründeten „Sail Shipped Coffee“ als Anreiz für den Handel und Endverbraucher.

Kravina: Genau. Zwei Schiffe segeln bereits regelmäßig über den Atlantik und wir sehen: das Geschäftsmodell funktioniert. Unser Schiff wird mit 215 Tonnen Cargo Kapazität ab 2020 das größte operative Segelfrachtschiff der bereits bestehenden Sail Cargo Bewegung sein und wird derer Gesamtkapazität fast verdoppeln. Dadurch führen wir Segelfracht aus der Romantikecke in die Realökonomie von heute!

Börsen-Kurier: Wie rentabel kann es sein, mit 200 Tonnen Segelfracht gegen schnellere Containerschiffe mit zigtausend Tonnen Ladung anzusegeln? Wie wollen Sie konkurrenzfähig sein?

Kravina: Größere Containerschiffe verbrennen 300 Tonnen Schweröl pro Tag! Heruntergebrochen auf den Kilogramm Handelsware ist der Transport sehr billig. Aber auch nur deshalb, weil man nicht berücksichtigt, wie viel Energie in den Schiffen steckt und wieviel es kosten würde, die giftigen Schweröle, die sie verbrennen, am Land zu entsorgen. Die konventionellen Transportkosten von Zentralamerika nach Europa belaufen sich auf rund 10 Cent pro Kg; bei uns sind es ca. 2,50 Euro. Das scheint viel; doch nur deshalb, weil die tatsächlichen Kosten des heutigen Transportes auf Umwelt und zukünftige Generationen umgewälzt werden. Wenn ich aber dem Konsumenten sage: Wir haben diesen Kaffee biologisch produzieren und fair handeln lassen, und wir haben ihn umweltschonend transportiert, bin ich mir sicher, dass viele Konsumenten bereit sind, dafür ein wenig tiefer in die Tasche zu greifen, weil die gesamte Kette vom Produkt bis zum Endverbraucher nachhaltig geschlossen ist und wir ein ehrliches Produkt von A-Z haben.

Börsen-Kurier: Welche Vertriebspartner sprechen Sie an und wie vermarkten Sie ihr USP?
Kravina: Unser Ziel ist, mehr und mehr die Gastronomie und Hotellerie zu überzeugen, dass man nicht nur Kaffee genießt, sondern eine gesamte Story dazu erzählt. Auf einen Espresso runtergerechnet sind die Mehrkosten für den Konsumenten marginal. Eine Tasse Sail Shipped Coffee kostet vielleicht 6 bis 8 Cent mehr. Ein Genuss ohne Umweltsünden für ein ehrlich gehandeltes und lückenlos nachhaltiges Produkt. Nur am Rande: Bei Nespresso ist der Kilopreis doppelt so hoch wie unserer und der Abfall ist auch noch da.

Börsen-Kurier: Welche Überlegungen standen Pate bei der Geburt dieser Geschäftsidee?
Kravina: Mein Bruder ist Bootsbauer und ihm gings darum, Segelschiffe wieder ihrer Bestimmung zurückzuführen. Durch die Motorisierung gerieten sie in Vergessenheit. Segeln wurde zum Sport und Freizeitvergnügen. Mich hat gereizt, eine altbewährte Technik, die Tausende Jahre funktioniert hat, wieder in die heutige Ökonomie zu übersetzen und zu zeigen, dass dies Arbeitsplätze schaffen und ökonomisch erfolgreich sein kann. Es arbeiten sieben Leute an Bord und wir können bis zu zehn zahlende Passagiere mitnehmen, wodurch sich ein weiteres Geschäftsmodell auftut: der Tourismus. Unsere Gäste wollen mithelfen, wollen die Arbeit auf einem Segelfrachter hautnah miterleben. Das kann man heute nirgendwo mehr erleben.

Nachhaltiges Investment
Börsen-Kurier:
Warum sollte man in die Brigantes investieren?
Kravina: Unser Projekt eröffnet umweltbewussten Anlegern ein perfektes Impact Investment in einem wachsenden Markt. Die Themen Klimawandel und Umwelt stehen im Mittelpunkt des politischen und gesellschaftlichen Diskurses. Schon jetzt übersteigt die Nachfrage nach segeltransportieren Produkten die verfügbaren Kapazitäten, weil die Absatzmärkte und die Konsumenten positiv reagieren. Das Attribut „segeltransportiert“ wird zunehmend zu einem Qualitätsmerkmal; jede einzelne Bohne, die wir segeln, transportiert unsere Geschichte von Menschen und Produkten, mit denen man sich gerne identifizieren kann. Eine Geschichte, die den Kaffeegenuss um das gute Umweltbewusstsein erweitert. Aus dem Produkt „segeltransportiert“” wollen wir ein Lifestyle Element machen. Wir wollen Kaffeehäuser, Restaurant und Hotels sehen, die mithilfe unserer Produkte die Geschichte des lückenlosen fairen Transportes erzählen. Wir sind Front Runner als erstes österreichisches Unternehmen, das segeltransportierten Kaffee anbietet. Dieses Projekt hat das Potenzial, Menschen zu begeistern, zu sensibilisieren und ihr Konsumverhalten zu hinterfragen. Gleichzeitig bieten wir unseren Investoren einen fairen Return, analog zu anderen nachhaltigen Geldanlagen. Und man wird durch eine Investition in die SV-BRIGANTES auch Miteigentümer eines Traditionsschiffes, das wie kaum ein anderes Nachhaltigkeit mit Ästhetik verbindet.

Im Bild: Das Schwesterschiff der SV-BRIGANTES: die „Eye Of The Wind“. Copyright: Hans-Peter Bleck

Warum Gold in neuem Glanz erstrahlt

Für einen weiteren Anstieg sprechen gute Gründe. Dazu gibt es verschiedene Investmentchancen.

Raja Korinek. Nach der langen Seitwärtsbewegung knackte der Goldpreis erstmals wieder die Marke von 1.400 USD. Und das lässt Anleger hellhörig werden, zumal die Notierung auch auf Euro-Basis zulegen konnte. Schließlich sprechen gleich zwei gute Gründe für einen weiteren Anstieg. Einer davon ist der radikale Zinsschwenk der US-Notenbank. Von weiteren Anhebungen ist längst keine Rede mehr. Inzwi-schen rechnen Marktexperten mit ersten Senkungen, wenn auch FED-Chef Jerome Powell in der Juni-Sitzung noch gezögert hat.

Erste Zinssenkung im September?
Daniel Briesemann, Analyst für Edel- und Industriemetalle bei der Commerzbank, meint: „Die Fed hat eindeutige Signale für eine baldige Zinssenkung gegeben.“ Vor dem Hintergrund des langsameren Wirtschaftswachstums, den Handelskonflikten und der niedrigen Inflation erwarte man bei der Commerzbank die erste Senkung im September. „Gold sollte als wertstabile Anlage angesichts der sehr lockeren Geldpolitik der Zentralbanken gut nachgefragt bleiben“, ist Briesemann überzeugt.

Dabei sind die Renditen von US-Staatsanleihen schon aufgrund der erwarteten Zinssenkungen rückläufig, während der US-Dollar nachgab. Damit rückt ein zinsloses Goldinvestment wieder in den Fokus jener Anleger, die in sichere Alternativen zu Staatsanleihen investieren wollen. Ein günstiger US-Dollar versüßt obendrein den Einstieg für internationale Investoren, da Gold in der US-amerikanischen Währung gehandelt wird.

Geoploitische Gefahr: Spannungen mit dem Iran
Doch das ist nicht alles, denn auch die geopolitischen Spannungen nehmen zu. Nebst dem schwelenden US-Handelskrieg mit China kriselt es mit dem Iran. Nitesh Shah, Rohstoffanalyst bei WisdomTree betont, dem Iran zugeordnete Angriffe auf Ölschiffe, sowie der Abschuss einer US-Drohne verdeutlichten das Potenzial einer militärischen Eskalation. „Gold dient Investoren in Zeiten geopolitischer Spannungen tendenziell als Anlaufstelle“, spannt Nitesh den Bogen zum Edelmetall.

Für interessierte Anleger gibt es verschiedene Chancen, etwa mit Zertifikate auf die Kursentwicklung zu setzen. Sehr optimistische Anleger können mit einem Turbo-Longzertifikat gehebelt auf einen Anstieg setzen. Goldman Sachs bietet ein entsprechendes Produkt (ISIN: DE000GD36D95) mit einem aktuellen Hebel von 2,45 an. Wird aber die Knock-Out-Schwelle von 834,89 USD berührt oder unterschritten, verfällt das Zertifikat.

Etwas weniger riskant ist das RCB-Goldzertifikat (AT0000A27 FQ3). Es bildet den Goldkurs ohne Hebel ab – und sichert den Dollar gegenüber dem Euro ab. Freilich, die Absicherungskosten schmälern die Rendite ein wenig. Anleger, die bestenfalls mit einem bescheidenen Kurszuwachs rechnen, könnten ein Discount-Zertifikat in Betracht ziehen. Mit diesem Produkt kauft man sich günstiger in den Basiswert – in dem Fall Gold – ein, als dieser an der Börse kostet. Dafür profitiert man von möglichen Kursgewinnen des Basiswertes begrenzt, bis zu einem fixen Cap.

Puffer nach unten minimiert das Risiko
Nach unten hat man außerdem einen Verlustpuffer, und zwar in Höhe des Diskonts, zu dem man den Basiswert günstiger erworben hat. Erst wenn bei kräftigen Kursverlusten der Puffer aufgebraucht ist, somit der Break-Even-Punkt unterschritten wird, erleidet man mit dem Zertifikat einen Verlust. Ein entsprechendes Produkt bietet etwa die Société Générale (DE000 ST85GE7). Der Cap liegt bei 1.425 USD, der Break-Even-Punkt bei 1.351,22 USD. Und der letzte Handelstag ist am 19.12.2019.

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Die Herausforderungen an den Märkten wachsen weiter

Manager von Multi-Asset-Fonds sind gefordert, ihre Expertise unter Beweis zu stellen.

Christian Euler. Sein Erspartes zu mehren, ist zur Herkulesaufgabe geworden. Zwar zeigten sich sowohl die US-Notenbank Fed, als auch ihr europäisches Pendant EZB versöhnlich und kündigten neue Geldgeschenke an. Doch das fordert seinen Tribut in Form weiterhin rekordniedriger Zinsen. Mit Anleihen ist es fast unmöglich, gleichzeitig für Kapitalerhalt, Rendite und Liquidität zu sorgen. Aktien als Alternative werden sich kaum zum Selbstläufer entwickeln. Schließlich kommt die Weltwirtschaft nicht richtig in Schwung, was auch künftig für hohe Schwankungen von DAX, Dow & Co. führen dürfte.

Strukturen überdenken
Anleger sind vor diesem Hintergrund gezwungen, die Struktur ihrer Portfolios zu überdenken. Multi-Asset-Fonds, die sowohl in Aktien als auch in Anleihen und andere Anlageklassen wie Immobilienaktien oder Rohstoffe setzen und je nach Marktlage unterschiedlich gewichten, versprechen Anlegern Schutz in unsicheren Zeiten. Zudem, so das Versprechen der Kapitalanlagegesellschaften, nehmen sie verunsicherten Anlegern die immer komplexere Strukturierung ihrer Geldanlage ab. Entsprechend groß ist die Nachfrage. Allein in Deutschland parkten Anleger per Ende März nach Angaben des Branchenverbands BVI 285,5 Mrd Euro in diesen Investmentvehikeln – rund 17 Mrd Euro mehr als nur drei Monate zuvor.

Trotz der erhöhten Nachfrage teilen sich die Meinungen. Skeptischer fragen sich, ob in einer Zeit, in der globale Anleiherenditen nahe den historischen Tiefstständen liegen, regelmäßig Erträge oberhalb als sicher geltender Staatsanleihen erzielt werden können. Fonds wie der „Global Diversified Income Fund“ (ISIN: IE00BY YPFG98) von Kames Capital beispielsweise liefert seit mehr als drei Jahren eine Rendite von rund 5 % pro Jahr und schafft seit Jahresbeginn ein Plus von 8 % – bei einer Volatilität, die lediglich die Hälfte bis zwei Drittel derjenigen von Aktienmärkten beträgt. „Wir sind zuversichtlich, dieses Ergebnis auch weiterhin erzielen zu können“, meint Vincent McEntegart im Gespräch dann auch zuversichtlich. „Durch weltweite Investments in eine breite Palette unterschiedlicher Anlageklassen und durch Kombination lassen sich die Risiken senken“, so der Kames-Investment-Manager. Gut ein Sechstel des Fondsportfolios besteht aus sogenannten „Specialist Income“-Anlagen wie Infrastruktur, Leasing, und erneuerbare Energien, 10 % entfällt auf börsennotierte Immobilien.

Aktien bevorzugt
Der „AAC Multi Style Global-Fonds“ (DE000A2JJ1C7) wiederum, der über die vergangenen drei Monate bis Ende Mai 2019 im Citywire-Sektor für ausgewogene Mischfonds auf dem ersten von 337 Plätzen liegt, stockte die Aktienquote von 80 im Mai auf aktuell rund 95 % auf. Abgesichert bleibt der von Marc Bensmann gemanagte Anlagepool nur durch eine Allokation im Bond- und Goldbereich. Positiv gestimmt ist er vor allem gegenüber Aktien aus Australien, Neuseeland und skandinavischen Nebenwerten.

Wie geht es weiter?
Bleibt die Frage, wie es an den Märkten weitergeht. „In einer Welt, die mit extremen Szenarien konfrontiert ist, wie der Möglichkeit einer Rezession im Jahr 2020 oder einer erheblichen Handels-störung zwischen den größten Volkswirtschaften der Welt, lässt sich eine Lösung finden, indem man den Mittelweg geht“, bringt es Stephen Jones, CIO von Aegon Asset Management, seine Sicht auf den Punkt. Mit einer ausgewogenen Balance aus Risiko und Rendite hält er auch in diesem Umfeld Wachstum für möglich – wenn auch niedriger als in der Vergangenheit. Multi-Asset-Fonds könnten somit weiterhin zu den Lieblingen der Anleger zählen.

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Luxussektor im Wandel

Wachsender Trend zu individuellen Erlebnissen – von Swetha Ramachandran, Spezialistin für Luxusmarken bei GAM Investments

Der Luxussektor erfährt derzeit einen tiefgreifenden Wandel. Statt lediglich Produkte einer Luxusmarke zu besitzen, erwartet die Millennials-Generation zunehmend eine Kombination von Marke und einhergehendem Konsumerlebnis. Dieser Trend ist Folge der digitalen Revolution im Einzelhandel und dürfte anhalten, wodurch traditionelle Luxusgüter langfristig unter Druck geraten.

Hersteller von Luxusgütern gelten traditionell als produktorientierte Unternehmen, die auf hohe Preisniveaus angewiesen sind und ihre Preisdurchsetzungsmacht durch gezielte Marketingmaßnahmen stärken. Dies erhöht die Markteintrittsbarrieren, die den Markeninhabern Schutz vor Konkurrenz bieten. Im Kern halten wir diese Vorgehensweise unverändert für richtig, wie die anhaltende Outperformance weltweit führender Marken wie Louis Vuitton (LVMH), Gucci und Cartier zeigt, die in ihren jeweiligen Kategorien hohe und weiterwachsende Margen erzielen.

Wir leben jedoch in einer Zeit, in der klassische Luxusgüter über mobile Apps praktisch überall und für jeden verfügbar sind. Da sich Kleidung und Accessoires dank neuer Geschäftsmodelle zunehmend leichter leihen und wieder verkaufen lassen, hat der reine Besitz solcher Produkte etwas an Prestige verloren. Dies hat dazu geführt, dass Konsumenten unterschiedlicher Einkommensklassen ihre Ausgaben zunehmend vom Erwerb von Luxusgütern auf ein breites Spektrum einzigartiger «Erlebnisse» verlagern. Statussymbole wie Reisen, edle Weine und Spirituosen und der Besuch erstklassiger Restaurants verzeichneten daher in den vergangenen zehn Jahren ein stärkeres Wachstum als der Erwerb persönlicher Luxusgüter.

Millennials als Markenbotschafter für Luxuserlebnisse
Wir erwarten eine Fortsetzung dieses Trends, da die mit digitalen Medien aufgewachsenen Konsumenten aus den Reihen der Millennials und der Generation Z zunehmend eigene Markenbeziehungen aufbauen. Dies geschieht unabhängig vom traditionellen analogen Marketing durch den direkten Kontakt über soziale Medien, Influencer oder exklusive Marken-Events. Diese Konsumenten, die eine Gemeinschaft bilden, zählen zu den treuesten Kunden. Wie verschiedene Marketingstudien gezeigt haben, steigt die Wahrscheinlichkeit um das zehnfache, dass Konsumenten, die personalisierte Erlebnisse schätzen, zu den wertvollsten Kunden einer Marke werden. In gewisser Weise entwickeln sie sich zu inoffiziellen Markenbotschaftern, indem sie ihre «Luxuserlebnisse» in sozialen Netzwerken präsentieren.

Dadurch bilden sie die begehrteste Konsumentengruppe für gesundheits- und wellnessorientierte Firmen wie das Sportbekleidungsunternehmen Lululemon, Fitbit oder den Botox-Hersteller Allergan. Gleiches gilt für die Branchen Luxusreisen und -reiseartikel (z. B. Vail Resorts, Samsonite), Kunst/Kunsthandwerk (z. B. die E-Commerce-Website Etsy oder das Auktionshaus Sotheby’s), edle Weine und Spirituosen (Moët Hennessy, Remy Cointreau) sowie High-End-Elektronik (Sonos, Apple).

Stärkere Kundenloyalität durch individuelle Erlebnisse

Dieser Ansatz, eine Marke auf Erlebnissen aufzubauen, erhielt vor einigen Jahren frischen Auftrieb, als Premium-Sportmodemarken wie Lululemon und Sweaty Betty damit begannen, Yoga- und Sportkurse in ihren Geschäften anzubieten. Mit dem Zusatznutzen aus derartigen individuellen Erlebnissen lässt sich die Kundenloyalität gezielt aufbauen. Diageo hat vor Kurzem erläutert, wie sein «erlebnisorientierter Flagship-Store» – das Johnnie Walker House in Madrid – dazu beigetragen hat, schottischen Whisky jüngeren Konsumenten näherzubringen. Auch Bestandskunden sind von dieser Idee begeistert, die es ihnen ermöglicht, unmittelbar mit der Marke in Kontakt zu treten. LVMH ist in dieser Hinsicht besonders zukunftsorientiert. Mit der Übernahme des Luxushotelbetreibers Belmond hat der Konzern seine Überzeugung zum Ausdruck gebracht, dass sich erlebnisorientierter Luxuskonsum zukünftig zu einer wichtigen Kategorie entwickeln wird. Die Zusammenarbeit mit Designern bei der Gestaltung von limitierten Auflagen kann sich als ein äußerst effektives Mittel erweisen, um Kunden für ein Produkt zu begeistern. Der Kauf dieser Kleinserien bietet den Konsumenten ein exklusives Erlebnis – einen Eindruck davon vermittelten kürzlich die Schlangen vor den Selfridges-Kaufhäusern bei der Einführung der Travis Scott Air Jordans Sportschuhe von Nike.

Insbesondere die traditionellen Einzelhändler, die ihr Geschäftsmodell angesichts des digitalen Wandels grundlegend erneuern wollen, konzentrieren sich auf den Trend zu Luxuserlebnissen. Beispielsweise hat Harrods mit seinem «Salon de Parfums» einen Service für persönlich kreierte Parfüms ins Leben gerufen, der ein Jahr nach der Markteinführung bereits einen Anteil von 25% am Geschäft mit Duftstoffen erobert hat. Das Unternehmen entwirft unter anderem maßgeschneiderte Aromen für Hochzeiten und bietet den Kunden dadurch eine besondere Erinnerung, die sich nach Einschätzung von Michael Ward, Managing Director von Harrods, viele Menschen schaffen wollen. Der australische Winzer Penfolds, der zur Treasury Wine Estates Gruppe gehört, hat dagegen ein florierendes Geschäftsmodell für chinesische Touristen entwickelt, die sein denkmalgeschütztes Weingut besuchen. Sein Angebot an Weinverkostungen und -seminaren entwickelte sich so erfolgreich, dass Penfolds inzwischen auch Führungen auf Mandarin anbietet.

Durch den globalen Wandel im Konsumverhalten geraten auch Luxusanbieter zunehmend unter Druck, ihre Geschäftsmodelle anzupassen. Luxuserlebnisse bieten ihnen dabei die Möglichkeit, näher bei ihren Kunden zu sein und so am Puls der Zeit zu bleiben.

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Top-Rendite mit Bestlagen

Aroundtown, Spezialist für Gewerbeimmobilien, fährt mit seinem Geschäftsmodell auf der Erfolgsspur.

Stefan Riedel, München. Der knappe Wohnraum vor allem in Ballungszentren und die Nachfrage auf Gewerberäume bescheren der Immobilienbranche seit Jahren kräftige Gewinne. Immobilienaktien sind auch bei den Investoren gefragt. An der Deutschen Börse hat „Betongold“ mit dem Immobilienkonzern im DAX vertreten. Jeweils sieben Branchenvertreter sind im MDAX und SDAX gelistet.

Ein Großteil mischt im Geschäft mit Wohnimmobilien mit. Die meisten Aktien dieser Firmen hatten zuletzt einen Kursdämpfer zu verkraften, nachdem in Deutschland und hier gerade in Berlin die Diskussion um die Deckelung von Mietpreisen hochkocht. Davon nicht betroffen sind die Gesellschaften, die sich auf Gewerbeimmobilien spezialisiert haben. Auf der Gewinnseite sehr gut unterwegs sind hier Firmen, die in den größten Ballungszentren eine Vielzahl von Immobilien in bester Wohnlage vermieten. Ein Schlüsselkriterium für Anleger ist, dass die Firmen eine hohe operative Ertragskraft erzielen, die sich dann in hohen Dividendenausschüttungen auszahlt.

Die Aktie der im MDAX gelisteten Firma Aroundtown (ISIN: LU1673108939) bietet hier ein gutes Renditeprofil. Der in Luxemburg ansässige Konzern ist in deutschen und niederländischen Großstädten unterwegs. Hauptaktionär ist der Ex-Investmentbanker Yakir Gabay, der über seine Investmentgesellschaft Avisco Group 34,5 % der Anteile hält.

Seit dem Börsengang im Jahr 2015 hat sich das Immobilienvermögen von 2,4 auf zuletzt 14,8 Mrd€ auch dank einzelner Zukäufe vervielfacht. Die Geschäftsstrategie ist so simpel wie erfolgreich. Aroundtown erwirbt günstig gelegene, wegen Renovierungsbedarf aber kaum gefragte Gebäude, zu einem niedrigen Preis, und beseitigt die Baumängel. Danach werden die Objekte auf dem Markt zu stetig steigenden Preisen Angebot. Je größer die Mietnachfrage für Einzelhandelsflächen, Bürogebäude und Hotels, desto höhere Preise kann die Firma verlangen.

Wichtige Kennzahlen seit Jahresanfang gestiegen

Für Aroundtown ist noch kein Ende des Immobilienruns in Sicht. Im ersten Quartal 2019 kletterte die für die Profitabilität des Immobiliensektors wichtige Kennzahl FFO (Funds From Operations) um 29 % auf 118 Mio€. Dieser Betrag entspricht dem um Abschreibungen auf das Immobilienvermögen bereinigten Nettogewinn. Für das Unternehmen bildet er nach Abzug von Steuern und Zinszahlungen die Basis für Dividendenzahlungen. Steigert Aroundtown weiter Cashflow und Rendite in diesem Tempo, sollten für 2019 noch höhere Dividendenrenditen als die 3,5 % von 2018 herausspringen. Wer die Aktie kauft, partizipiert zugleich an Aroundtowns Mehrheitsbeteiligung Grand City Properties (LU0775917882), die ebenfalls im MDAX notiert.

Foto: wikimedia/Gerd Fahrenhorst

Brüssel legt Österreich Reformen nahe

Um die Pensionen langfristig zu sichern, muss Österreich noch „Hausaufgaben“ machen.

Emanuel Lampert. Die EU-Kommission erstellt jährlich sogenannte „länderspezifische Empfehlungen“, die die Mitgliedsstaaten dabei unterstützen sollen, die Wirtschaft zu stärken und nachhaltiger zu gestalten. Am 6. Juni hat sie ihre diesjährigen Empfehlungen – formal handelt es sich um einen Entwurf, die tatsächliche Verabschiedung erfolgt erst durch den Ministerrat – veröffentlicht. In den Empfehlungen für Österreich, die insgesamt rund acht Seiten umfassen, spricht die Kommission unter anderem – nicht zum ersten Mal – das Pensions- und das Gesundheitssystem an.

Langfristig „mittlere Risiken“

Eine zentrale Botschaft erinnert denn auch an frühere Länderberichte: „Für Österreich bestehen langfristig mittlere Risiken für die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen. Diese Risiken sind auf den vorausberechneten Anstieg der öffentlichen Ausgaben für Gesundheit, Langzeitpflege und Pensionen zurückzuführen.“

Im Bereich der Gesundheits- und Langzeitpflege sollten demnach Maßnahmen ergriffen werden, um „die Tragfähigkeit des Gesundheits- und Langzeitpflegesystems sowie des Pensionssystems auch durch die Anpassung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters vor dem Hintergrund der voraussichtlich steigenden Lebenserwartung zu gewährleisten“.

Mehrausgaben für Gesundheit und Pflege

Österreichs Gesundheitsversorgung weise „generell einen hohen Abdeckungsgrad“ auf, heißt es in dem Text. Langfristig – die Prognose blickt recht weit in die Zukunft – sei aber zu erwarten, dass die öffentlichen Gesundheitsausgaben bis 2070 voraussichtlich um 1,3 %-Punkte auf 8,3 % des Bruttoinlandsprodukts steigen. Und: „Aus den Vorausberechnungen geht hervor, dass sich die öffentlichen Ausgaben für Langzeitpflege bis 2070 von 1,9 auf 3,8 % des BIP verdoppeln werden.“

In der Langzeitpflege „dürften die jüngsten politischen Maßnahmen, darunter die Abschaffung des Pflegeregresses, also des Rückgriffs auf das Privatvermögen zur Finanzierung stationärer Langzeitpflege, die Ausgaben eher steigern als eindämmen“.

Pensionsautomatik

Die Pensionsausgaben wiederum dürften, so jedenfalls die Einschätzung, im Jahr 2036 ihren Höchststand erreichen „und 1,2 BIP-%-Punkte über dem Referenzwert von 2016 liegen“.

Mit früheren Reformen seien „erfolgreich Anreize dafür geschaffen“ worden, später in den Ruhestand zu treten, jedoch bestehe nach wie vor die „Herausforderung, die Lücke zwischen dem gesetzlichen und dem tatsächlichen Pensionsantrittsalter zu schließen“. Längere Lebensarbeitszeiten sollten gefördert werden, heißt es weiter.

Angesichts der Bevölkerungsalterung würde sich, so die Kommission, außerdem „eine Anpassung des für den Vorruhestand und für das gesetzliche Pensionsantrittsalter geltenden Mindestalters“ positiv auf die Nachhaltigkeit des Systems auswirken. Eine automatische Kopplung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters an die Lebenserwartung könne die Pensionsausgaben der öffentlichen Hand senken. „Schätzungen zufolge könnten auf diese Weise im Zeitraum von 2016 bis 2070 Einsparungen in Höhe von 2,4 BIP-%-Punkten erreicht werden, welche die Höhe der Mehrausgaben bei einer unveränderten Politik kompensieren würden.“

Foto: Adobe Stock/Alessandro Cristiano

Stehen Zinssenkungen bevor?

Viele Zeichen deuten derzeit auf mögliche Zinssenkungen weltweit hin.

Michael Kordovsky. Beruft man sich auf eine schon mehrere Jahre zurückliegende Untersuchung des Chefökonomen der Bank of England, Andrew Haldane, dann ist das Zinsniveau in den entwickelten Ländern erneut auf dem Weg Richtung „5.000e-Jahre-Tief“!

Binnen eines Monats gingen laut Bloomberg (am 12.6.2019) die Renditen zehnjähriger US-Treasuries um 34 Basispunkte auf 2,12 %. Bei deutschen Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit war es ein Rückgang um 19 Basispunkte auf -0,24 %, und selbst bei laufzeitkongruenten spanischen Staatstiteln war es ein Sturzflug um 40 Basispunkte auf 0,57 %. Der für 10jährige Fixzinsbindungen bei Baukrediten relevante 10-Jahres-Euribor-ICE-Swapsatz brach seit Jahresbeginn von rund 0,80 auf 0,26 % ein.

Konjunkturschwäche

Bereits von Jänner auf April hat der IWF seine globale Wachstumsprognose um 0,2 %-Punkte auf 3,3 % nach unten revidiert. Doch gegenüber April gibt es eine weitere Änderung: Bezüglich der Unsicherheiten rund um den Handelsstreit mit den USA folgte für China eine erneute Abwärtsrevision der Wachstumsprognosen um je 0,1 %-Punkte für 2019 und 2020 auf nun mehr je 6,2 bzw. 6,0 %.

Im Euroraum deuten die jüngsten Einkaufsmanagerdaten nur noch auf ein Quartalsabschnittswachstum von 0,2 % hin. Während sich Chinas Industrie an der Kontraktionsgrenze bewegt, ist im Euroraum laut Daten des IHS Markit Eurozone Composite Index (PMI) im Mai die Industrieproduktion das vierte Mal hintereinander rückläufig. Der Auftragseingang der Privatwirtschaft im Euroraum stagniert. So schwach sah es mit der Nachfrage zuletzt vor sechs Jahren aus. Für 2020 und 2021 haben die Volkswirte der EZB ihre Wachstumsprognosen um je 0,2 bzw. 0,1 %-Punkte auf je 1,4 % nach unten revidiert, während sie für heuer ein Wachstum von 1,2 % erwarten. Bezüglich globaler Inflations- und Konjunkturtrends auffällig sind jüngste Schwächeanfälle bei konjunktursensiblen Rohstoffen. Die Preise für Kupfer und Nickel waren in den vergangenen zwölf Monaten je 18 bzw. gut 22 % rückläufig. Selbst die Ölpreise verloren binnen eines Monats in zweistelliger Größenordnung – trotz der Spannungen zwischen den USA und dem Iran.

Zinssenkungen in Vorbereitung?
Entsprechend auch die Kernaussage von EZB-Chef Mario Draghi anlässlich der Pressekonferenz zur EZB-Ratssitzung vom 6. Juni: „Wir gehen inzwischen davon aus, dass die Leitzinsen der EZB mindestens über die erste Hälfte des Jahres 2020 und in jedem Fall so lange wie erforderlich auf ihrem aktuellen Niveau bleiben werden, um eine fortgesetzte nachhaltige Annäherung der Inflation an ein Niveau von unter, aber nahe 2 % auf mittlere Sicht sicherzustellen.“ Insidern zufolge sei die EZB sogar für eine Zinssenkung offen, sollte sich das Wirtschaftswachstum im Jahresverlauf abschwächen.

Als erste Notenbank der entwickelten Länder senkte in diesem Zyklus am 8. Mai die Neuseeländische Zentralbank ihre Cash Rate um 0,25 %-Punkte auf 1,50 %. Am 4. Juni folgte Australien mit einer Senkung um 0,25 %-Punkte auf 1,25 %. Von dieser Seite her hat bereits ein rückläufiger Zinstrend eingesetzt, der umso mehr ernstzunehmen ist, zumal auch aus der Fed einschlägige Signale kommen: Fed-Präsident Jerome Powell kündigte nämlich am 4. Juni auf einer Notenbank-Konferenz in Chicago eine angemessene Reaktion auf die Auswirkungen des Handelskonfliktes an und es folgte eine neue Formulierung des Zinskurses, nämlich, dass man „es bei den Zinsen geduldig angehen will“. Es sieht ganz danach aus, als liefen bereits Vorbereitungen einer neuen expansiven Anti-Krisen-Geldpolitik, sowohl in Europa als auch in den USA.

Volatilere Aktienmärkte

Auf der Strecke bleiben die Sparer. Alleine von 2010 bis 2019 entging deutschen Sparern durch die Mini-Zinsen ein Ertrag von 650 MrdE. Auf der anderen Seite werden Anleihen- und Immobilienblasen immer weiter angeheizt. Zuerst werden die Renditen von Staatsanleihen im oberen Investmentgrade-Bereich vor allem bei mittleren Laufzeiten bis hin in den Zehnjahresbereich zunehmend negativer. Die Kreditzinsen für Immobilien- und Wertpapierkredite sinken weiter. Carrytrades (ein kreditfinanzierter Kauf riskanter Hochzinsanleihen) werden attraktiver und die Immobilienspekulation angeheizt.

Laut Daten von Eurostat stiegen die durchschnittlichen Hauspreise im Euroraum im 4. Quartal 2018 um 4,2 %. In Deutschland und Österreich war es ein Plus von je 4,6 bzw. 4,9 % und in Luxemburg und Portugal lagen die Anstiege bei jeweils 9,3 %. Kurzfristig können im Einklang mit den sinkenden Zinsen die Anleihen- und Immobilienpreise (beide Anlagekategorien sind im Prinzip „Zinsinstrumente“) noch weiter steigen. Aktien hingegen sind ein zweischneidiges Schwert. Einerseits tun sinkende Zinsen den Dividendentitel gut, auf der anderen Seite mehren sich die Rückschläge mit negativen Konjunktur- und Unternehmensnachrichten, was zumindest eine höhere Volatilität bedeutet.

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Religion und Börse müssen kein Widerspruch sein

Ein Zertifikat der UniCredit verbindet christliche Werte mit Aktieninvestments.

Harald Kolerus. „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ Dieses bekannte Gleichnis Jesu legt eigentlich nahe, dass Gewinnstreben und Seelenheil unvereinbar sind. Bibelforscher gehen allerdings davon aus, dass auch dieser Sinnspruch nicht zu wörtlich genommen werden sollte. Die Interpretation zielt zumeist in die Richtung, dass die Anhäufung materieller Werte nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann und das Leben bestimmen sollte. Jedenfalls ist Geldverdienen und Veranlagen im Christentum nicht verboten, es kommt darauf an, wie das geschieht.

Deshalb wurde der „Stoxx Europe Christian Select 30 Net Return Index“ kreiert, er hat es sich zum Ziel gesetzt, christliche Werte mit handfesten Investments zu verbinden. Das funktioniert wie folgt: Ins Auge gefasst werden alle Aktien im breiten Stoxx Europe 600 Index, die eine hohe Kompetenz im Umgang mit christlichen Werten (sozial, ökologisch, ethisch und wirtschaftlich) als Geschäftsansatz aufweisen.

Für die Aufnahme in den Index sind Unternehmens aus den Bereichen Pornografie, Waffen, Tabak, Alkohol, Geburtenkontrolle und Glücksspiel prinzipiell ausgeschlossen. Als nächster Schritt werden markt- und finanztechnische Kriterien angewendet: Die 30 Titel mit einer relativ niedrigen historischen Volatilität und hoher Dividendenrendite schaffen es dann ins Portfolio.

Aktuell steuern Ölkonzerne, Versicherer und Versorger einen großen Teil zur Gewichtung bei. Prominente Namen sind etwa HSBC, Royal Dutch, Total, Endesa, ENI, Repsol, AXA, Zurich Insurance, Swiss Re oder Orange.

Damit Investoren an dieser Anlegeidee teilhaben können, hat die UniCredit das „HV Open End Index Zertifikat“ bezogen auf den STOXX Europe Christian Select 30 Net Return emittiert. Dieses Open End-Produkt (ISIN: DE000HX8 SQK3) bildet die Kursentwicklung des Basiswertes 1:1 ab.

Eine Frage des Gewissens
Aufmerksame Leser werden sich jetzt sicher die Frage stellen, ob den etwa die relativ stark repräsentierten Energiekonzerne tatsächlich einer ethisch korrekten Ausrichtung entsprechen? Schließlich haftet ihnen oft das Image an, den Klimawandel voranzutreiben.

Auch werden einige Menschen mit Geburtenkontrolle als Ausschlusskriterium nicht viel anfangen können. Sebastian Bleser, er ist Produktspezialist bei der UniCredit, erklärt im Gespräch mit dem Börsen-Kurier: „Man muss klarstellen, dass es sich hier in erster Linie nicht um ein Nachhaltigkeitsprodukt handelt, sondern das eben christliche Werte abgebildet werden, die vom Anbieter Stoxx definiert wurden. Wir machen wiederum den Index investierbar und halten das für wichtig, weil es diese Möglichkeit im Stoxx-Universum in Europa bisher noch nicht gab. Entscheidend sind die Ausschlusskriterien, an denen sich christlich geprägte Investoren orientieren können.“

Fazit
Somit zeichnen der Index und das dazugehörige Zertifikat tatsächlich ein klares Konzept; wer etwa Geburtenkontrolle nicht für ausschlusswürdig hält oder keine Energiemultis im Portfolio sehen will, wird hier wohl nicht fündig werden. Aber das ist eine Entscheidung des eigenen Gewissens.

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„Politik ignoriert den Klimawandel“

Experten beziehen auf Tagung von Asset Manager Nordea Stellung.

Red. Wirtschaft und Politik unternehmen viel zu wenig, um den Klimawandel zu stoppen, und dies, obwohl die Zeit drängt. Diese Meinung vertrat der renommierte Klimaforscher Professor Mojib Latif auf dem zweiten ESG-Tag von Nordea Asset Management in Frankfurt. „Der Klimawandel ist die größte Herausforderung, vor der die Menschheit steht. Doch obwohl die Zusammenhänge und die Gefahren bereits seit mehr als hundert Jahren bekannt sind, nimmt der weltweite Ausstoß an Treibhausgasen weiterhin zu“, sagte Latif. Es fehle die langfristige Perspektive in der Politik; das gelte auch für Deutschland. „Dabei könnte Deutschland die Chance nutzen und sich an die Spitze der Entwicklung hin zu mehr Nachhaltigkeit stellen, beispielweise im Bereich erneuerbare Energien“, so Latif weiter.

Der Klimaexperte beklagte zudem die wachsende Gruppe von Klimawandel-Leugnern. So gäbe es in mehr und mehr Ländern politische Parteien, die die menschliche Klimabeeinflussung in Abrede stellten. Zum Teil trügen sie schon Regierungsverantwortung. „In der Forschung gibt es längst keine Diskussionen mehr darüber, ob es den Klimawandel gibt und welchen Anteil der Mensch daran hat“, erklärte Professor Latif.

Die Möglichkeiten, als Einzelner etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen, sind vielfältig. Besonders groß ist jedoch die Wirkung von verantwortungsvollen Investments. „Natürlich kann jeder für sich entscheiden, den Zug statt des Autos zu nehmen, nur noch einmal die Woche Fleisch zu essen oder einen internationalen Flug im Jahr weniger zu buchen. Das reicht aber nicht. Wir müssen die weltweiten Energiesysteme transformieren“, so Dan Sauer, Geschäftsführer Nordea Fonds Service GmbH. Die Finanzwirtschaft könne dabei eine Schlüsselrolle einnehmen. „Der Hebel der CO2-Einsparungen von nachhaltigen Investmentfonds gegenüber der Summe der genannten alltäglichen Entscheidungen liegt in etwa beim 27-fachen“, so Sauer.

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Banken, Versicherungen und Anlageberater gefordert

So will die EU das Geld der Anleger ab 2020 nachhaltig umlenken.

Red. Die EU benötigt pro Jahr zusätzliche 180 Mrd € zur Finanzierung ihrer Umweltpläne. Weil die Steuereinnahmen nicht reichen, sollen private Gelder in nachhaltige Anlagen umgelenkt werden. Ab voraussichtlich 2020 wird den Banken, Versicherungen und Anlageberatern ein Kriterienkatalog vorgelegt, der als Grundlage für die Bewertung des Nachhaltigkeitsgrades von Unternehmen dient. Jenen Unternehmen, die sechs Umweltziele verfehlen, drohen schlechtere Konditionen bei der Kreditaufnahme.

Neue Verordnung
Die Taxonomie-Verordnung ist ein Klassifizierungssystem und Teil des Aktionsplans „Nachhaltige Finanzierung“ der EU. Sie enthält Kriterien, wann eine Wirtschaftstätigkeit als ökologisch nachhaltig betrachtet wird und wann nicht. „Ziele dieses Aktionsplans der EU-Kommission sind die Umlenkung der Kapitalflüsse in nachhaltige Investitionen, die Reduktion der Risiken durch Umweltzerstörung und Ressourcenknappheit sowie die Förderung von Transparenz und langfristigem Denken in der Finanz- und Wirtschaftswelt“, so Axel Dick, er ist Business Developer für Umwelt und Energie, CSR, bei Quality Austria, einem Unternehmen für Trainings, Zertifizierungen und Begutachtungen mit Hauptsitz in Wien. Die Verordnung dürfte noch heuer beschlossen werden und 2020 in Kraft treten.

Finanzberater verpflichtet
Neben der Taxonomie-Verordnung beinhaltet der Aktionsplan auch die Offenlegungs-Verordnung. Diese sieht umfassende Offenlegungsplichten für die Finanzindustrie (Wertpapierfirmen, Versicherungsvermittler, Wertpapiervermittler …) vor. Dies soll dazu führen, dass die Investoren Nachhaltigkeitskriterien – sogenannte „ESG-Faktoren“ (für Environment, Social, Governance) – stärker in ihren Anlageentscheidungen berücksichtigen. Zudem werden sich KMU künftig leichter über den Kapitalmarkt finanzieren können, wenn sie ESG-Faktoren im Unternehmen umsetzen. Damit die EU-Klimaziele bis 2030 erreicht werden können, sind 180 MrdE pro Jahr an zusätzlichen Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien notwendig. Finanziert werden sollen diese Investitionen teilweise durch die Mobilisierung von privatem Kapital. In der nationalen und internationalen Normung arbeitet man auch an der „ISO 14030 Serie Green Debt Instruments“.

Ständige Verbesserung vorgeschrieben
„Unternehmen mit einem Umweltmanagementsystem werden künftig klar im Vorteil sein, weil die sechs Umweltziele der Taxonomie-Verordnung in enger Korrelation mit den von der Norm ISO 14001 und EMAS geforderten Umweltaspekten und Umweltauswirkungen stehen“, so der Experte. Und: „Jede Organisation mit einem Umweltmanagementsystem muss bereits jetzt die wesentlichen Punkte analysieren, priorisieren und ist durch die Norm zu einer ständigen Verbesserung verpflichtet. Diese Unternehmen werden sehr gut auf die Fragen der Finanzwirtschaft vorbereitet sein.“

Die Welt retten
Weltweit hat sich die Zahl der ausgestellten „ISO 14001“-Zertifikate vom Jahr 2006 bis 2017 von rund 128.000 auf knapp 363.000 fast verdreifacht. In Österreich waren per Ende 2017 rund 1.168 Zertifikate im Umlauf, europaweit sind es knapp 112.800. Umweltmanagementsysteme werden von den Organisationen großteils auf freiwilliger Basis eingeführt – andererseits aber auch, weil die Unternehmen Teil einer Lieferkette und dadurch dazu verpflichtet sind. Das gestiegene Umweltbewusstsein zeigt sich aber nicht nur am stetigen Wachstum der ausgestellten Zertifikate, sondern auch in der weltweit enormen Resonanz auf die Demonstrationsaufrufe der jungen schwedischen Umweltaktivistin Greta Thunberg. „Es wächst eine Generation heran, die es künftig nicht mehr tolerieren wird, wenn wir die Klimaschutzpolitik weiter so vernachlässigen wie bisher. Wenn weltweit alle Unternehmen ein Umweltmanagementsystem einführen würden, wäre das ein Schritt für die Rettung der Welt“, ist Dick überzeugt.

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Günstiger Zeitpunkt für die Allokation in breit diversifizierte Rohstoffe

Autor Nitesh Shah ist Director Research und Rohstoff-Experte beim auf ETPs spezialisierten Vermögensverwalter WisdomTree.

Oft ist es am einfachsten, die unterschiedlichen Bausteine oder Anlageklassen eines Portfolios gedanklich voneinander zu trennen. Dies ist zwar wichtig, birgt aber das Risiko, dass eine fundamentale Tatsache bezüglich des Großteils der Anlegerportfolios nicht beachtet wird: Die meisten Anlegerportfolios sind nicht ausschließlich in Aktien, Anleihen oder Rohstoffen investiert. Sie umfassen eine diversifizierte Mischung von Aktien, Anleihen und Rohstoffen und manchmal sogar weitere Anlageklassen. 

Rohstoffe haben sich schlechter entwickelt als traditionelle Anlageklassen
Die menschliche Wahrnehmung ist häufig auf den Wettbewerb und den Vergleich fokussiert. Dies gilt ganz besonders für Portfolioentscheidungen. Es ist in der Regel sehr einfach, über Anlageklassen zu sprechen, die sich besonders gut entwickelt haben, und sehr schwierig, über Anlageklassen zu sprechen, die schlecht abgeschnitten haben. Die Besprechung von Anlageklassen, die längere Zeit negative Renditen erzielt haben, ist jedoch fast unmöglich. 

Kein Ersatz für breit angelegte Rohstoffallokationen
An dieser Stelle möchten wir anmerken, dass wir mit Anlegern sowohl über rohstoffbezogene Aktien als auch verwaltete Futures gesprochen haben. Manchmal stehen diese Allokationen im Portfolio mit Rohstoffen im Wettbewerb. Aber: 

• Rohstoffbezogene Aktien reagieren für gewöhnlich empfindlicher auf die breiteren Aktienmärkte als reine, diversifizierte Rohstoffanlagen. Darüber hinaus erzielen Unternehmen Erträge, die von anderen Faktoren als der Entwicklung der Rohstoffpreise beeinflusst werden. 

• Anlagen in verwaltete Futures können je nach ihrer Strukturierung stark vom Manager abhängen – oder zumindest von dem algorithmischen Ansatz, der die Positionen auswählt und gewichtet. Einige dieser Ansätze können zu Long- oder Short-Positionen führen. Ein angemessenes Management dieses Prozesses ist jedoch nicht einfach und das Renditeprofil kann ganz anders aussehen, als die Entwicklung der Rohstoffpreise allein vermuten ließe. 

Korrelation: Der entscheidende Aspekt für eine effektive Diversifizierung
Wenn man nur die relative Performance berücksichtigt, könnte man etwas Bedeutendes übersehen. Eines der entscheidendsten Elemente eines Portfolios bezieht sich auf das Verhältnis zwischen unterschiedlichen Anlageklassen oder Vermögenswerten zueinander. 

Wenn wir zugeben, dass wir vorab nicht wissen, in welche Richtung sich der Markt entwickeln wird, könnte ein Portfolio aus Anlagen mit niedrigerer Korrelation ziemlich nützlich sein. Es wäre nämlich eine Option, um die Volatilität der Anlagen insgesamt zu reduzieren. 

• Der Bloomberg Commodity Index wies im betrachteten Zeitraum eine Korrelation von 0,47 mit dem MSCI ACWI Index und eine Korrelation von 0,34 mit dem Bloomberg Barclays Global Aggregate Index auf. Diese Zahlen veranschaulichen, dass Rohstoffe als Ergänzung zu traditionellen Anlageklassen das Volatilitätsprofil senken können. 

• Noch interessanter sind die Korrelationen der Teilkomponenten des Bloomberg Commodity Index mit dem MSCI ACWI Index und dem Bloomberg Barclays Global Aggregate Index. Lebendvieh wies zum Beispiel in der Regel die niedrigste Korrelation auf. Industriemetalle korrelierten normalerweise am stärksten mit Aktien, Edelmetalle hingegen mit Anleihen. 

• Wenn man die Teilkomponente des Bloomberg Commodity Index mit der stärksten Performance genau vorhersagen könnte, wäre eine Allokation in dieser Richtung sinnvoll. Da dies aber sehr schwierig ist, wird deutlich, was zu den größten Vorteilen einer breit angelegten Rohstoffallokation gehört. Nehmen wir den Energiesektor als Beispiel. Unserer Analyse zufolge wiesen die Renditen dieses Sektors mit 0,35 die höchste Korrelation mit Industriemetallen auf. Das leuchtet insofern ein, als die Dynamik, die die Preise im Energiesektor beeinflusst, die Dynamik anderer Sektoren nur unwahrscheinlich auf gleiche Weise beeinflussen würde. 

Konnten risikobereinigte Renditen mit einem diversifizierten Rohstoffengagement erhöht werden?
Das Problem mit Begriffen wie „Korrelation“ besteht darin, dass sie zwar spannend sind, aber ohne statistische Hintergrundinformationen abstrakt erscheinen können. Aus diesem Grund gibt es keinen Ersatz für einen direkten Test, bei dem wir uns ein bestimmtes Portfolio mit Aktien und Anleihen ansehen und überprüfen, ob die risikobereinigten Renditen mit einem diversifizierten Rohstoffengagement verbessert wurden. 

• 60 Prozent des „Basis“-Portfolios entfallen auf den MSCI World Index und 40 Prozent auf den Bloomberg Barclays US Aggregate Index, dessen Renditedaten sich über einen längeren Zeitraum erstrecken als die des Bloomberg Barclays Global Aggregate Index. 

• Beim Portfolio „Basis + Rohstoffe“ entfallen 55 Prozent auf den MSCI World Index, 35 Prozent auf den Bloomberg Barclays US Aggregate Index und 10 Prozent auf den 

Bloomberg Commodity Index. Dies ist bei Weitem nicht die einzige Möglichkeit, um einem Portfolio Rohstoffe hinzuzufügen, aber wir haben zur Veranschaulichung zunächst 5 Prozent jeder anderen Anlageklasse in die Allokation umgeschichtet. 

Die Sharpe-Ratio ermöglicht einen Blick auf die überschüssige Rendite im Vergleich zum risikofreien Zins pro Einheit der Standardabweichung in jedem Zeitraum. Eine höhere Sharpe-Ratio deutet auf eine höhere risikobereinigte Rendite hin. Für die Berechnung basiert der risikolose Zins auf dem ICE BofA ML 3-Month Treasury Bill Index. 

Wie viel Bedeutung sollte dem Zeitraum nach der globalen Finanzkrise 2008–09 beigemessen werden?
Wir stellen diese Frage, weil wir einige wichtige Details über die Reaktion globaler Zentralbanken auf die globale Finanzkrise von 2008–09 kennen. Quantitative Lockerungsmaßnahmen und die Senkung der Zinsen ließen die Renditen traditioneller Anlageklassen steigen. Allerdings führten sie bisher nicht zu einer höheren Inflation, die wiederum die Renditen von Rohstoffen nach oben treiben dürfte. 

• In der Analyse ist zu erkennen, dass die Sharpe-Ratio des Basis-Portfolios sowie „Basis + Rohstoffe“ für den gesamten Zeitraum äußerst ähnlich ausfiel. Das Hinzufügen von Rohstoffen senkte die Standardabweichung um 0,3 Prozent pro Jahr und führte zu Renditen von 9,4 Prozent für das Basis-Portfolio und zu 9,1 Prozent für „Basis + Rohstoffe“. 

• Während der Zeit vor der globalen Finanzkrise 2008–09 schnitt das Portfolio „Basis + Rohstoffe“ auf Grundlage der Sharpe-Ratio besser ab als das Basis-Portfolio. Dazu trugen eine höhere Rendite und eine niedrigere Standardabweichung bei. 

• Während der Zeit nach der globalen Finanzkrise 2008–09 erzielte das Basis-Portfolio eine bessere Sharpe-Ratio als das Portfolio „Basis + Rohstoffe“. Der Hauptfaktor bestand darin, dass der Bloomberg Commodity Index in diesem Zeitraum eine negative Rendite hinnehmen musste, während die anderen beiden Indizes eine ziemlich starke Entwicklung verbuchten. 

Woran denken Anleger heute, wenn sie Strategien für diversifizierte Rohstoffkörbe in Erwägung ziehen? Der Zeitraum nach der Krise 2008–09 ist noch sehr präsent in der Erinnerung. Damals hatten die anderen Anlageklassen so gut abgeschnitten, dass es manchem schwer fällt, die Vorteile einer zusätzlichen Allokation in diversifizierte Rohstoffe zu erkennen. Jetzt könnte allerdings ein guter Zeitpunkt hierfür gekommen sein, da das kommende Jahrzehnt bei der Betrachtung der Renditen unterschiedlicher Anlageklassen selten das vergangene Jahrzehnt widerspiegelt. 

Foto von Nitesh Shah: Wisdom Tree

Die Österreicher entdecken ETFs

Auch heimische Privatinvestoren entdecken vermehrt ETFs (Exchange Traded Funds) – es gibt aber wie überall Vor- und Nachteile

Patrick Baldia. Sie sind günstig, leicht handelbar, transparent und können sich zumindest nicht schlechter schlagen als der zugrundeliegende Index. So lauten gängige Argumente für ETFs, die auch bei immer mehr heimischen Anlegern auf offene Ohren zu stoßen scheinen. „Wir sehen, dass das Thema sowohl im institutionellen Bereich als auch unter Privatanlegern an Bedeutung gewinnt – das Handelsvolumen steigt kontinuierlich“, sagt Thomas Rainer, Head of Member Sales & Business Development bei der Wiener Börse, zum Börsen-Kurier.

Die Wiener Börse hat derzeit rund 120 ETFs im Angebot. Dabei handelt es sich primär um Aktien-ETFs der großen Anbieter – vor allem mit regionalem, länder- und branchenspezifischem sowie strategischem Bezug. Auf regionaler Ebene werden etwa die USA, Europa, China, Deutschland und Österreich gut nachgefragt. 

Angesichts der Angebotsfülle – weltweit sind rund 7.000 ETFs handelbar – ist es für Anleger gar nicht so einfach, den Überblick zu bewahren. Laut dem Spezialisten Bahram Sadighian vom Anbieter BlackRock kann grundsätzlich zwischen klassischen kapitalmarktgewichteten (physischen Indexfonds), synthetischen (Index wird über Swaps nachgebildet, Anm.) sowie Smart Beta ETFs unterschieden werden. Bei Letzteren komme ein zusätzlicher Algorithmus zur Anwendung. „So kann beispielsweise beim S&P 500 ein Schwerpunkt auf Qualitätsaktien gesetzt werden“, so Sadighian. 

Der Ausgangspunkt für ein ETF-Investment ist jedenfalls ein Wertpapierdepot. „In der Regel bieten Online-Banken und Online-Broker günstigere Konditionen“, erklärt Bernd Lausecker, er ist der Projektleiter Finanzdienstleistungen beim Verein für Konsumenteninformation (VKI). Abhängig vom Verhandlungsgeschick der Anleger könne aber auch bei der Hausbank einiges drinnen sein. Ausgabeaufschläge würden bei den meisten ETFs nicht anfallen. Die An- und Verkaufsspesen sind wiederum vom jeweiligen Finanzdienstleister abhängig. Laut Rainer liegen sie bei „weit unter 1 %“. 

„Da ETFs in der Regel einen Index 1:1 abbilden, benötigen sie keine Analyseabteilungen oder Fondsmanagement“, so Lausecker weiter. Die Folge: Geringere laufende Kosten für Anleger. Wie viel pro Jahr anfällt, gibt das Total Expense Ratio (TER) an. Darin enthalten sind Management-, Verwaltungs-, Indexlizenz- und Depotbankgebühren. In der Regel liege das TER bei ETFs bei 0,3 bis 0,4 %, bei aktiven Fonds hingegen bei 1,5 bis 2 %, so Lausecker. „Sowohl bei ETFs als auch bei aktiven Fonds gilt: Je höher das TER, desto geringer wird der Ertrag für die Anleger ausfallen.“ Grundsätzlich wären ETFs nämlich keineswegs rentabler als klassische Investmentfonds. 

Aber: „Bei einem Abschwung, wo es darauf ankommt, antizyklisch aufzutreten, sind aktive Manager mit fundamentalem Ansatz im Vorteil“, so Felix Düregger, Direktor Asset Management bei der Schoellerbank. Dank umfassender Analyse würden sie über alle relevanten Aspekte eines Unternehmens Bescheid wissen und könnten darauf basierend die richtigen Titel aufstocken. „Ein ETF kann immer nur so liquide sein wie der Markt auf den er sich bezieht“, so Düregger zu einem weiteren Aspekt. Gerade bei Schwellenländer- und High-Yield-Anleihen oder kleineren Aktienmärkten würden ETFs daher auch nur eine eingeschränkte Liquidität bieten. 

Düregger verweist darauf, dass 2015 nach erheblichen Kursverlusten selbst der Handel mit einigen Aktien aus dem hochliquiden Dow- Jones-Index ausgesetzt wurde. Nachsatz: „Da viele ETF-Anleger aber trotzdem handeln wollten, notierten viele ETFs deutlich unter ihrem Nettoinventarwert.“ 

Foto: Adobe Stock/Andreas 

„Aufsichtsräte haben sich selbst entmachtet!“

Diskussionsanregende Thesen des deutschen Experten Eckart Reinke.

Manfred Kainz. „Damit macht man sich keine Freunde.“ So sagt man in Österreich, wenn jemand etwas tut, was gegen den Mainstream ist. Das nimmt Eckart Reinke wohl in Kauf. Er ist Gründer und Vorstand (Certified Director) des Deutschen Instituts der Aufsichtsräte (German Institute of Directors) und war Special Guest des Forum Aufsichtsrat von Board Search in Kooperation mit der Schoellerbank und PwC im Palais Rothschild. 

Der Börsen-Kurier sprach im Anschluss mit Reinke über aktuelle Governance-Turbulenzen. Und der Headhunter und Aufsichtsratsvermittler nahm sich mit einigen provokanten Aussagen auch kein Blatt vor den Mund. 

„Zu gute“ Aufsichtsräte?
Was lernt man aus Führungskrisen wie bei VW, Deutsche Bank oder Bayer? Am Beispiel der Bayer AG, die nun weniger wert ist als der Kaufpreis der umstrittenen Monsanto, rechnet Reinke mit der Glorie von höchstrangig besetzten Gremien solcher „Industrieikonen“ ab: Gemäß des „Group Think“ würden Gremien, die mit ausschließlich außergewöhnlichen Persönlichkeiten besetzt sind, nachweislich zu den krassesten, grandiosesten Fehlentscheidungen neigen. Während „normale“ Menschen Zweifel hegen (wie bei der Monsanto-Übernahme), hat der Aufsichtsrat links und rechts neben sich nur Leute sitzen, die – wie er – besonders sind und das auch wissen. In so einem „besten Gremium“ würden Erfolgswahrscheinlichkeiten zu optimistisch eingeschätzt, denn „man trifft ja keine falsche Entscheidung“. Das sei der Effekt, wenn ein Gremium „zu gut“ sei. Tests zeigen: Erst wenn sich ein Zweifler nicht (mehr) alleine fühlt, könne das „Group Think“ aufgebrochen werden. Für eine sinnvolle Diversität in Aufsichtsräten brauche es, so Reinke, daher nicht nur einen „Abweichler“, sondern mehrere. Denn ein Skeptiker braucht Partner um sich artikulieren zu trauen. 

Neu erfinden
Auch mit Blick auf die kommenden Vergütungsberichte der Aufsichtsräte an die Hauptversammlungen ist der deutsche Gremienkenner kritisch: „Die Aufsichtsräte haben sich selbst entmachtet!“ Die Macht in großen AGs liege heute bei Stimmrechtsberatern (Proxy Advisors), die in HVs die Abstimmungslinie vorgeben. Die würden heutzutage „das machen, was eigentlich der Aufsichtsrat machen müsste“. Mit ihrem „Kuschelkurs“ hätten aber viele Aufsichtsräte ihre Macht abgegeben. Und zwar freiwillig, und diese „Selbstentmachtung“ durch „freiwilliges Nichthandeln“ stärke eben die Stimmrechtsberater: Aktionäre würden Entscheidungen selbst in die Hand nehmen, weil der Aufsichtsrat „nicht funktioniert“. Reinkes dringendes Fazit: Aufsichtsräte müssten sich „schnell neu erfinden“. Mit Personen mit Wertesystem und dem Mut, kritische Fragen zu stellen. Aber so einen Umkehrtrend sieht er (noch) nicht. 

Ohne Vergütung
Seine nächste provokante These: Ein guter Aufsichtsrat arbeitet ohne Vergütung. Dann müsse er sich auch „nicht verbiegen für krumm-riskante Geschäfte“. Aufsichtsräte dürften nicht „Angestellte“ des Unternehmens sein. Heute mit den Vergütungen seien sie das aber de facto, damit werde das Aktiengesetz in der Praxis ausgehöhlt. Reinkes „krasseste Gegenthese“: Ehrenamtliche Aufsichtsräte, dafür mit verminderter Haftung. Dann müssen sie sich „nicht verbiegen für Fehlentscheidungen“. Denn hohe Aufsichtsratsvergütungen seien ein „Fehlanreiz, nämlich Anreiz nicht zu kontrollieren“. Auch sollten aktive CEOs nicht in Aufsichtsräten sitzen. Der Aufsichtsrat sei ein Kontroll- und Konsensgremium, dort brauche es konsensorientierte Leute – keine starken Alphatypen wie CEOs, die gewohnt sind zu führen. Reinkes „Idealthese“: Wer aktiv gestalten und führen will, gehört in den Vorstand, nicht in den Aufsichtsrat. Dort seien „ruhigere“ Typen gefragt. 

Foto: Forum Aufsichtsrat

Drei auf einen Streich

Vontobel fasst in einer neuen Aktienanleihe spannende Technologie-Aktien zusammen.

Harald Kolerus. Er wird manchmal wegen seiner ungewöhnlichen Geschäftsideen „Crazy Jack“ genannt. Die Rede ist von Jack Ma, dem Gründer von Alibaba. Zwar will er im September von der Spitze des chinesischen Internet-Riesen zurücktreten, noch zieht er aber die Fäden. Und seine Pläne sind alles andere als „crazy“. 

Bereits jetzt liegt das Handelsvolumen seines Unternehmens bei 853 MrdUSD – das somit etwa dreimal so hoch ist wie beim Konkurrenten Amazon. Doch die Vormachtstellung von Alibaba in Asien reicht Ma nicht, er streckt deshalb seine Fühler Richtung Westen aus. So hat sein mobiler Zahlungsdienst Alipay bereits in Europa Fuß gefasst (der Börsen-Kurier hat berichtet): Alleine in Deutschland bieten bereits mehrere tausend Händler Transaktionen mithilfe dieser Plattform an. Das Geschäft soll nun laufend verstärkt werden, Alibaba kooperiert mit immer mehr Partnern, um die Präsenz in Europa spürbar auszubauen. 

China-Vormarsch
Aber noch weitere Unternehmen aus dem Reich der Mitte haben Appetit auf Europa bekommen: Der vielseitig aufgestellte Internet-Konzern Tencent möchte mit der zweitgrößten chinesischen Bezahl-App, WeChat Pay, in unseren Breiten reüssieren. In China gehört WeChat (mit mehr als einer Milliarde (!) Nutzer) längst zum Alltag, als Bindeglied zum europäischen Kontinent kommt nun der deutsche Spezialist für Finanztechnologie, Wirecard, ins Spiel. Dank der Zusammenarbeit mit WeChat soll Wirecard den Mobile-Payment-Markt für europäische Einzelhändler weiter öffnen.

Heiko Geiger von Vontobel erklärt im Gespräch mit dem Börsen-Kurier: „Sowohl Alibaba als auch Tencent, die zwei Marktführer im Digitalisierungsbereich Asiens, fahren eine Globalisierungsstrategie. Aufgrund des Handelskonflikts mit den USA wird zunächst Europa anvisiert, in einem nächsten Schritt können andere Regionen folgen.“ Spannend ist laut dem Experten dabei auch, dass in Europa eine gewisse funktionale Trennung vorherrscht: „Facebook sorgt für den Kontakt mit Freunden; wer chatten will, nützt WhatsApp; über Amazon laufen die Einkäufe. Bei Tencent hingegen wird das alles auf einer Plattform angeboten. Dieses Geschäftsmodell soll in die Welt getragen werden.“ 

„Dreierpack“ mit Bonus
Wer an die chinesische Internationalisierungsstrategie unter deutscher Beteiligung glaubt, kann auf folgendes Produkt setzen: Die „5,00 % p.a. Protect Multi Aktienanleihe mit Partizipation auf Alibaba Group, Tencent Holdings, Wirecard“ (ISIN: DE000VF5YHB9) von Vontobel. Die Anleihe ist mit einem komfortablen Abstand zur Barriere von 35 % ausgestatte, was auch vor heftigen Kursrückschlägen einen gewissen Schutz bieten sollte. Wird die Barriere bis zum Laufzeitende nicht verletzt, partizipiert der Anleger 1:1 an der Performance der Basiswerte. Plus dem Bonus von 5 % p.a. Berührt oder unterschreitet allerdings mindestens eine der Aktien auch nur einmal die Barriere, erfolgt ein Barausgleich. Hier wird der am schlechtesten performende Titel zur Berechnung herangezogen, ein fiktives Beispiel: Wenn die Barriere getroffen wurde und etwa Tencent am Laufzeitende mit 20 % im Minus liegt, erhält der Anleger 80 % des anfangs eingesetzten Kapitals. Aber auch dann wird unvermindert der Bonus ausbezahlt. Zeichnungsschluss des Produkts ist der 14.6.; Fälligkeitstag der 24.6.2021.

Foto: Foundations World Economic Forum

Wenn Zölle den Wohlstand vernichten

Der Handelskrieg zwischen den USA und China belastet nicht nur die Wirtschaft dieser beiden Staaten.

Michael Kordovsky. Seit 1950 fielen die durchschnittlichen Zölle für Handelsgüter weltweit von gut 40 % auf rund 3 % des Warenwertes. Der Welthandel begann zu florieren. Von 1950 bis 2017 wuchs das globale Exportvolumen von 61,81 auf 17.707,43 MrdUSD, was einem Zuwachs von 8,8 % p.a. entspricht. Diese Entwicklung war auch eine wesentliche Grundlage des weltweit wachsenden Wohlstandes. Eine Untersuchung von sieben Regionen in unterschiedlichen Zeiträumen zeigte eine deutliche Korrelation zwischen Wachstum des Exportvolumens und des Pro-Kopf-BIP (Quelle: Ventura, 2005; A global view of economic growth. Handbook of economic growth). Doch mit US-Präsident Donald Trump droht nun ein Ende dieser Periode des Wohlstandes.

Richtig los ging es am 8. März 2018 mit dem Beschluss zusätzlicher Zölle in Höhe von 25 % auf Stahl sowie 10 % auf Aluminium. Die EU kündigte daraufhin Gegenmaßnahmen an und im Sommer 2018 eskalierte der Handelskonflikt mit China, ehe nach einer zwischenzeitlichen Verhandlungspause der Konflikt erneut aufflammte. Seit 10. Mai 2019 erheben die USA eine Sonderabgabe von 25 % auf bestimmte chinesische Produkte aus 5.700 Kategorien im Volumen von 200 Mrd USD. China reagierte prompt mit Gegenzöllen auf US-Waren im Wert von 60 Mrd USD, worauf die USA eine Liste aus 3.805 Produktkategorien im Wert von 300 MrdUSD für weitere Zollerhöhungen veröffentlichten. Trump drohte sogar mit Strafzöllen von 25 % auf alle aus China eingeführten Produkte. Die weitere Vorgangsweise entscheidet sich im Juni. Eine gefährliche Entwicklung nimmt ihren Verlauf.

Beide Seiten verlieren
Erstens herrscht gemäß dem Motto „Wie du mir, so ich dir“ eine Handlungsfolge von Zöllen und Gegenzöllen, und zweitens bezahlen die von den USA verhängten Zölle nicht die Chinesen sondern amerikanische Firmen und Konsumenten. Laut einer Studie der Universität von Chicago und der New Yorker Fed erhöhte sich 2018 beispielsweise der Preis für eine Waschmaschine um durchschnittlich 86 USD und jener eines Trockners um 92 USD. Gleichzeitig nehmen die wechselseitigen Handelstransaktionen ab: Von 2001 bis 2018 wuchs in den USA das Importvolumen aus China um 10,3 % p.a. Im Jahr 2018 gab es allerdings nur noch einen Zuwachs um 6,7 % auf 539,5 MrdUSD. Die Exporte der USA nach China wuchsen im gleichen langjährigen Zeitraum um 11,4 % p.a., aber waren 2018 bereits um 7,4 % auf 120,3 MrdUSD rückläufig. Im ersten Quartal 2019 entfalteten dann die bisherigen Zölle ihre destruktive Wirkung. US-Importe aus China brachen laut Daten des U.S. Census Bureau um 13,9 % auf 105,97 MrdUSD ein und US-Exporte nach China um 18,8 % auf 25,99 MrdUSD. Im Jahr 2018 fiel Chinas Wirtschaftswachstum mit 6,6 % auf ein 28-Jahrestief und im ersten Quartal 2019 folgte eine weitere Verlangsamung auf 6,4 %. Nun reagiert als Ausgleich auf die Zölle der Wechselkurs des Yuan-Renminbi, der gegenüber dem US-Dollar per 17.5.2019 auf Jahressicht um 7,8 % abwertete.

Nichts gelernt
Offensichtlich haben in den USA einige gewichtige Entscheidungsträger der Handelspolitik nichts aus der Geschichte gelernt. Ein Horrorszenario begann nämlich am 17. Juni 1930, als die US-Regierung nach dem Börsenabsturz versuchte, im Zuge des „Smoot-Hawley Tariff Acts“ die Wirtschaft mit Zollanhebungen bei mehr als 20.000 Produkten zu schützen. Dies war aber der Auftakt zu einem Handelskrieg mit Ländern wie Großbritannien, Deutschland und Frankreich. Großbritannien verließ den Goldstandard, wertete das Pfund ab und errichtete mit den Commonwealth-Staaten einen mit Zöllen abgeriegelten Handelsblock. Zwischen 1929 und 1933 fielen die Exporte der USA um 61 % und die Weltwirtschaftskrise nahm ihren Verlauf. Erst unter dem neuen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt erfolgte ab 1933 wieder die Rückkehr zum Freihandel.

Fazit
Ein Zollkrieg bringt weltweit nur Verlierer hervor.

Foto: Adobe/Mike Marreen

„Grünes Gold“ glänzt besonders

philoro dringt in die Marktnische für ethische Goldveranlagungen vor.

Harald Kolerus. Gold hat einen ganz besonderen Nimbus als Krisenwährung, Wertanlageobjekt und nicht zuletzt als international anerkanntes Zahlungsmittel. Und tatsächlich ist das Edelmetall rund um den Globus begehrt: So lag die Nachfrage im vergangenen Jahr in den USA bei 28 Tonnen (t), in China gar bei 308 t und in der Schweiz bei 37 t. Wobei der Bedarf bei den Eidgenossen stetig steigt. Diese Zahlen gehen aus dem „Edelmetall-Atlas Schweiz“ hervor, der gemeinsam von der Universität St. Gallen und philoro Schweiz erstellt worden ist.

Bei philoro handelt es sich um einen der Marktführer im Bereich Edelmetallhandel in Europa, das Unternehmen verfügt über elf Filialen in den Ländern Österreich, Deutschland, Schweiz und Liechtenstein, sowie über eine Niederlassung in Hongkong. Spezialisiert ist man unter anderem auf den An- und Verkauf von Anlagemünzen und Barren sowie die bankenunabhängige Lagerung im Einzelschließfach, Depot oder Zollfreilager. Persönliche Beratung erfolgt in den Filialen, aber auch über den Web-Shop können Kunden in den Edelmetallhandel einsteigen.

Fokus auf Nachhaltigkeit
Gernot Muster
, er ist Head of Sales der philoro Investment Advisory Gmbh, weist im Gespräch mit dem Börsen-Kurier auf einige Besonderheiten des Unternehmens hin: „Wir wachsen stark und näheren uns der Umsatzmarke von 400 MioE, im Zuge dieses Prozesses wollen wir auch über die Grenze in weitere Nachbarländer blicken. Prinzipiell steht philoro für ,Sustainable Gold’. Das bedeutet, dass der Abbau und die Bearbeitung von Edelmetallen hinsichtlich ethisch korrekter Rahmenbedingungen überprüft, dokumentiert und zertifiziert wird.“ Das umfasst z.B., dass im Abbauprozess keine giftigen Chemikalien wie Quecksilber und Zyanid verwendet werden. Die Minengebiete sollen eben nicht ohne Rücksicht auf Verluste ausgebeutet werden, sondern innerhalb von drei Jahren ihre ökologische Stabilität zurückgewinnen. Aber nicht nur Umweltaspekte sondern auch arbeitsrechtliche bzw. soziale Standards werden eingehalten, so ist etwa Kinderarbeit tabu und auch auf adäquate Ausrüstung, Sozialversicherung und feste Arbeitszeiten der „Kumpel“ wird höchster wert gelegt.

Nachhaltige Gold-Anleihe
Neu ist, dass man bei philoro in dieses „grüne Gold“ auch mittels einer Anleihe investieren kann. Nämlich mit dem „philoro RESPONSIBLE GOLD BOND“ (ISIN: XS1917579390), der vor wenigen Wochen auch an der Börse Frankfurt gestartet und somit gelistet ist. Muster erklärt die Hintergründe: „Ich bin zu 100 % davon überzeugt, dass die Menschen immer nachhaltiger denken und die Nachfrage groß ist. Das und unsere nachhaltige Ausrichtung haben uns zur Lancierung dieser Anleihe geführt. Unseren Anspruch ,Sustainable Gold’ übernehmen wir somit in unser Nachhaltigkeitswertpapier ,philoro RESPONSIBLE GOLD BOND’.“

Bei dieser besicherten Inhaberschuldverschreibung bilden die Green-Gold-Bestände ein insolvenzgeschütztes wirtschaftliches Vermögen. Verwahrstelle der Goldbarren ist Valcambi Suisse in der Schweiz, wobei der Investor das Recht hat, sich das Gold auch physisch liefern zu lassen. Muster abschließend: „Die Anleihe ist auf Investoren aus dem institutionellen und semi-institutionellen Bereich zugeschnitten, etwa Stiftungen und kirchliche Institutionen. Hier gibt es eine Vielzahl von Partnern mit großem Interesse an nachhaltigen Investments. In einem nächsten Schritt könnte die Öffnung für private Anleger erfolgen.“

Foto: AdobeStock/thawornnurak

Wie finanziert sich der Mittelstand der Zukunft?

Auch die KMU selbst sind gefordert, sich für moderne Finanzierungsformen zu öffnen.

Manfred Kainz. Die traditionelle Finanzierung von Unternehmen wird immer schwieriger. Deshalb lud der „Senat der Wirtschaft“ im Rahmen seiner „Mittelstands-Allianz“ zur Informationsveranstaltung zur Frage „Wie finanziert sich der Mittelstand der Zukunft?“ An einen ungewöhnlichen Ort: den „workingspace 4.0“ in Gars am Kamp im Waldviertel. Denn dieses Co-Working-Center mit Zusatzangeboten ist selbst ein Beispiel für innovative Finanzierung: Es entstand mit Hilfe von Crowdinvesting über die Plattform regional-funding.at. Mit-Einlader zu der Finanzierungs-Roadshow war das Wirtschaftsforum Waldviertel.

Für Investoren öffnen
Österreich brauche einen modernisierten Finanzplatz und Kapitalmarkt, der für den Mittelstand interessanter gemacht wird. Das betonte Johannes Linhart, Geschäftsführer der Mittelstands-Allianz im Senat der Wirtschaft. Denn ohne „funktionierenden Blutkreislauf“ Finance funktioniere kein Unternehmen und keine Volkswirtschaft.

Allerdings seien auch die KMU selbst gefordert, sich für moderne Finanzierungsformen zu öffnen, wie etwa für Eigenkapitalinvestoren und -partner. Denn diese könnten besondere Innovations- und Wachstumstreiber sein. Das sehen offenbar auch Niederösterreichische Mittelstandsunternehmer so, denn Werner Groiß, Vorstandsmitglied des Wirtschaftsforum Waldviertel, Initiator des „workingspace 4.0“ und Gastgeber der Veranstaltung, konnte rund 40 Gäste begrüßen, die an innovativem Financing interessiert waren. Der Börsen-Kurier war vor Ort.

Viele Lösungen möglich
Mit der vom Senat der Wirtschaft entwickelten „Finanz-Toolbox“ haben Unternehmen die Möglichkeit, sich über die verschiedensten Finanzierungslösungen zu informieren und mit den dazu bereiten Experten zu vernetzen, um so eine betrieblich optimale Lösung erarbeiten zu können. Diese Fachleute für Finanzierungsvarianten waren dazu gleich vor Ort: Werner Edlinger, Geschäftsführer der Tauros Capital Management GmbH, bot das neue Produkt „Equity 2.0“, eine Eigenkapitalstärkung und Wachstumsfinanzierung ohne Abgabe von Gesellschaftsanteilen. Die „regionale Mittelstands-Sicherung“ als „Königsweg der Mittelstandsfinanzierung“ stellte Gregor Rosinger, Generaldirektor der Rosinger Group und vielfach erfolgreicher Investor, vor.

Wie Risikokapitalinvestoren KMU sinnvoll in die Expansion begleiten und zu überdurchschnittlicher Wertsteigerung verhelfen, wurde von Rudolf Kinsky, Präsident der Austrian Private Equity & Venture Capital Organisation (AVCO) vorgezeigt. Wie die Digitalisierung die Unternehmensfinanzierung verändert und welche Möglichkeiten sie bietet, erklärte „vom Crowdinvesting über Anleihen zur Aktienemission“ Günther Lindenlaub, Geschäftsführer und Gesellschafter des FinTech Finnest GmbH. Ergänzt wurde die Auswahl der Finanzierungslösungen durch neue Wege der Kapitalbeschaffung „entlang der Wertschöpfungskette“ mit Factoring, erläutert von Andreas Draxler, Geschäftsführer der SVEA Ekonomi AB. Und dass auch traditionelle Banken im Kreditgeschäft neu denken, bewies Wolfgang Weidinger, Regionaldirektor der Volksbank Wien AG.

Last but not least, nicht zu vernachlässigen sei das „Gestaltungsspektrum im Bilanzbild“ mit dem man Eigenkapital und Bonität verbessern könne, wie Gastgeber Groiß, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberater und Geschäftsführer der BZG Steuerberatung GmbH betonte.

Foto: yourschantz- pixabay

Japan auf dem richtigen Weg

Richard Kaye, Portfoliomanager des Comgest Growth Japan bei der internationalen Fondsgesellschaft Comgest, ist der Ansicht, dass die japanische Wirtschaft, seine Gesellschaft und seine Unternehmen auf einem guten Weg sind.

Die Rekordurlaubszahlen anlässlich der Inthronisierung von Kronprinz Naruhito dürften einen unmittelbar positiven Effekt auf das BIP des Landes gezeigt haben, das Team rund um Premierminister Shinzo Abe setzt seine Reformpolitik in gesellschaftlichem Konsens fort und institutionelle Anleger aus Japan kehren an ihren heimatlichen Aktienmarkt zurück. Die Dinge in Japan entwickeln sich weiterhin zum Positiven und der Grundstein für Quality Growth Stock Picking ist gelegt.

Japan stand im Zeichen der Feierlichkeiten zur Inthronisierung von Kronprinz Naruhito. Zehn Tage lang – vom 27. April bis zum 6. Mai – waren Banken, Schulen, Regierungsbehörden und selbst die Börse in Tokio geschlossen. Damit feierte das fernöstliche Land seinen neuen Kaiser gebührend. Dessen Vater Kaiser Akihito dankte nach 31-jähriger Amtszeit am 30. April ab und übergab zum 1. Mai den Thron an seinen Sohn Naruhito.  

Unmittelbar positiver Effekt auf das BIP
Der Wechsel des japanischen Staatsoberhauptes und die für japanische Verhältnisse unübliche Zahl von zehn aufeinanderfolgenden freien Tagen nahmen nach ersten Schätzungen des Reiseverbandes JTB eine Rekordzahl von 24,7 Millionen Japanern – etwa ein Fünftel der Gesamtbevölkerung – zum Anlass, Urlaub zu machen. Die meisten von ihnen dürften dabei im eigenen Land verreist sein, was einen unmittelbar positiven Effekt auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes für das laufende zweite Quartal haben dürfte. Die Hoffnung der Wirtschaft auf ein einträgliches Geschäft anlässlich der mehrtägigen Feierlichkeiten könnte sich aber auch schon deshalb erfüllen, weil der Kaiser-Wechsel nicht – wie üblich – durch den Tod des Tennō ausgelöst wurde, sondern erstmals seit rund zwei Jahrhunderten durch einen freiwilligen Rücktritt. Dadurch fühlen sich die Japaner nicht verpflichtet, sich wegen einer verhängten Staatstrauer in ihrem Konsum zurückzuhalten.

„Team Abe“ weiterhin auf Reformkurs
Doch auch die Wiederwahl von Premierminister Shinzo Abe zum Chef der Liberaldemokratischen Partei im September letzten Jahres sowie der gesellschaftliche Konsens für eine Fortsetzung der Deregulierungsreform und lockeren Geldpolitik glichen die zuletzt wieder zunehmenden negativen Markteinflüsse, bedingt durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China, aus, die zuvor für eine gewisse Volatilität am japanischen Anlagemarkt gesorgt hatten. Diese Entwicklungen, sowie die jüngst zwischen der EU und Japan geschaffene weltweit größte Freihandelszone (EPA oder auch JEFTA), stimmen uns optimistisch, dass die japanische Wirtschaft die jahrzehntelange Phase von Deflation und Stagnation überwunden hat.

Wandel hin zu mehr Qualitätswachstum
In diesem Marktumfeld hat der Comgest Growth Japan (ISIN: IE0004767087) seinen Vergleichsindex erneut übertroffen. Wir führen dies auf die Erkenntnis des Marktes zurück, dass die tatsächlichen Gewinne der Unternehmen, in die wir investieren, nach wie vor stark sind und wachsen. Diese werden zunehmend rational bewertet, da sich der andauernde Wandel des japanischen Marktes zu mehr Qualitätswachstum fortsetzt. Dabei hilft auch, dass institutionelle Anleger aus Japan an ihren heimatlichen Aktienmarkt zurückkehren. Dieser Trend dürfte sich kaum umkehren, denn die Zahl der Rentner im Land steigt und die Unterfinanzierung der Pensionskassen wird immer problematischer. Staatliche Anreize etwa durch Regelungen zur Unternehmensführung und -kontrolle beschleunigen diese Entwicklung.  

Im Folgenden möchten wir eine repräsentative Auswahl dieser Gewinne näher beleuchten, indem wir das Gewinnwachstum in Q4 mit dem des Vorjahreszeitraums vergleichen. Bei Murata etwa stieg das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 39 %, was dem wachsenden Absatz mehrschichtiger Keramikkondensatoren, die in Autos und Smartphones zum Einsatz kommen, zu verdanken ist. Das Betriebsergebnis von Amada (Metallverarbeitung) stieg um 31%, was auf wachsende Absatzzahlen bei den Laserprodukten des Unternehmens zurückzuführen ist. Unter unseren Unternehmen, die von sozialen und regulatorischen Veränderungen in Japan beeinflusst werden, verbuchte Hikari Tsushin (Outsourcingdienste für kleine und mittelständische Unternehmen) ein um 52,1 % höheres Betriebsergebnis, da das Unternehmen mehr Kunden gewinnen konnte und von wiederkehrenden Umsätzen profitiert. Der Relocationspezialist Relo steigerte dagegen den Betriebsgewinn um 15%, während der des in Tokio ansässigen Personalvermittlers Persol um 12% wuchs. Das stärkste Wachstum mit 22% entfiel dabei auf das Segment Festanstellungen, da Japaner häufiger den Arbeitsplatz wechseln und der Arbeitsmarkt stark im Fluss ist.

Im letzten Quartal trafen wir Hirofumi Tozawa, den Vorstandsvorsitzenden von GMO Payment Gateway. Bargeldlose Transaktionen nehmen in Japan stark zu, und GMO Payment Gateway ist für viele von ihnen der wichtigste lokale Abwicklungsanbieter. Die SMBC Bank hat zudem erst kürzlich die Zusammenarbeit mit GMO Payment Gateway für Zahlungen mit ihren Kreditkarten bekannt gegeben. Dies wird den größten Teil des Kartenverkehrs von SMBC auf GMO Payment umlenken. Das jüngste Ratenkaufgesetz, das die Zahlungssicherheit erhöht, hat der Plattform von GMO Payment Gateway zusätzlich 100 große Händler als Kunden beschert, wodurch das Transaktionsvolumen um 30% steigen könnte.  

Neu im Portfolio des Comgest Growth Japan ist Recruit, eine weltweit führende Plattform für Human Resources, die jüngst Indeed und Glassdoor übernommen hat. Zudem setzten wir eine Position bei Hoya auf, das zu den führenden Anbietern von Komponenten zur Halbleiterherstellung gehört und bei der Herstellung von Brillengläsern die weltweite Nummer zwei ist.

Als Bottom-up-Stock Picker spielen Sektorgewichtungen bei der Zusammensetzung unseres Portfolios keine Rolle. Letzteres setzt sich aus einem ausgewogenen Mix aus Binnenmarktunternehmen sowie Exporteuren zusammen.  

Das Gewinnwachstum ist in Japan seit dem Amtsantritt von Premierminister Shinze Abe deutlich höher als im Rest der Welt. Dafür sind Faktoren wie z.B. Steuersenkungen und die Konzentration auf Kernkompetenzen ausschlaggebend. Bei unseren Portfoliounternehmen bleibt unser Fokus auf nachhaltiges Wachstum unabhängig vom Wirtschaftsumfeld. Weitsichtige Unternehmensführung und Respekt von Minderheitsaktionären sind uns wichtig. Wir haben über die vergangenen zehn Jahre erfolgreich unsere Quality Growth Strategie in Japan umsetzen können. Unsere Unternehmenskontakte zeigen, dass es weiterhin ein großes Becken an langfristigen Wachstumsunternehmen in Japan gibt. Das ist eine gute Basis für unser Stock Picking der kommenden Jahre.

Foto: Comgest

Alexa und Co. statt Birgit und Franz?

Was künstliche Intelligenz in der Beratung (bereits) kann.

Marius Perger. Sogenannte „Chatbots“, wie sie auch von Versicherungen bereits angeboten werden, sollen nur der Anfang sein. Noch schaffen sie keine intelligente Konversation, doch neue Entwicklungen wie „Natural Language Understanding“ verstehen auch den Kontext eines Gesprächs. Und virtuelle Assistenten wie Alexa & Co. stehen als potenzielle Plattformen für Finanzberatung zur Verfügung. Langfristig stellt sich aber die Frage, wem die Kunden vertrauen werden. Digitalisierung war auch das zentrale Thema des „Innovation Day“ der Together CCA GmbH in der vergangenen Woche.

Der Frage, welchen Stellenwert die digitale Welt in der Beratung einnimmt und wie die weitere Entwicklung aussehen könnte, widmete dabei sich Frederik Schorr, er ist der COO der Riskine GmbH, eines Unternehmens, das sich „intelligente Lösungen für die digitale Beratung“ als Ziel gesetzt hat.

Schorr ging einleitend darauf ein, in welchen Bereichen Künstliche Intelligenz (KI; englisch AI für „Artificial Intelligence“) bereits Einzug in die Versicherungsbranche gehalten hat. Erste Ansätze dafür gebe es beispielsweise in der Betrugserkennung (Fraud Detection), der Bonitätsbewertung (Credit Scoring) oder im Marketing.

Nur bei einfachen Anwendungen
Daneben komme KI auch bereits in sogenannten „Chatbots“ zum Einsatz. Dabei handelt es sich laut Wikipedia um „ein textbasiertes Dialogsystem, welches das Chatten mit einem technischen System erlaubt“.

Seit 20 Jahren sei „Multi Channel“ in der Versicherungsbranche ein Thema, so Schorr; durch Social Media habe sich eine „neue Dimension“ dafür eröffnet. Dementsprechend würden Banken und Versicherungen Chatbots derzeit „ausprobieren“. Nach einem ersten Höhepunkt 2017 mache sich aber bereits erste Frustration in der Branche breit. Ein „sexy Chatbot“ mache nämlich noch keine intelligente Beratung aus. Schorr: „In Summe reicht es noch nicht für eine intelligente Konversation.“ Chatbots kommen deshalb derzeit nur bei einfachen Anwendungen zum Einsatz, wie beispielsweise für die Vereinbarung eines Rückrufs.

Was automatisierte Finanzberatung alles benötigt
Eine auf künstlicher Intelligenz aufbauende Finanzberatung („Financial Advisory AI“) setze sich aus zwei Komponenten zusammen: dem Finanzwissen und der „Conversational AI“. Nötig sei im Versicherungsvertrieb einerseits profundes Fach- und Produktwissen. Dieses werde zunehmend digitalisiert, Schorr nennt beispielsweise interne Unternehmens-Wikis, selbstlernende Systeme (sogenannte Knowledge-Graphen) und intelligente Beratungsgesprächslösungen.

Darüber hinaus sei für eine flüssigere Konversation aber eine Conversational AI nötig; zum Unterschied von Chatbots oder virtuellen Assistenten stelle diese Verknüpfungen aus dem Gesprächskontext her. Voraussetzung dafür sei das Verstehen bzw. Interpretieren natürlicher Sprachen (NLU, Natural Language Understanding).

Eine der Grundlagen dafür sei der 2013 erfundene „Word-2-Vector“, der beispielsweise auch von der Suchmaschine Google verwendet wird. Dabei werden in einem Vektorraum semantische Beziehungen zwischen Wörtern durch die Nähe der Datenpunkte zueinander abgebildet.

Anwendung von KI für Versicherungen
Wie Financial Advisory AI in der Praxis aussehen könnte, zeigt Schorr an einem Anwendungsbeispiel: Heute würden Navigationssysteme in Fahrzeugen die „beste Route“ wählen können. Zukünftig wäre es aber möglich, auch die Route mit dem geringsten Unfallrisiko anzubieten. Wählt der Fahrer diese Route, würde er eine niedrigere Prämie für seine Kfz-Versicherung zahlen. Gleichzeitig könnte dazu ein Versicherungsvertrag abgeschlossen und die Prämie abgebucht werden. Ziel sei dabei eine „möglichst gute Unterstützung für Finanzentscheidungen für alle Menschen“.

Alexa & Co. als Finanzberater?
Alle derzeit am Markt befindlichen „virtuellen Assistenten“ wie Amazons „Alexa“ oder Apples „Siri“ stammen aus dem Silicon Valley, betont Schorr: „Technologisch sind die USA vorne.“

Diese Assistenten „wissen viel über mich“ und das mache sie zu einer potenziellen Plattform auch für die Finanzberatung, sagt der Riskine-COO. Beispielsweise könnten sie dazu genützt werden, Mikroversicherungen anzubieten. Es stelle sich allerdings die Frage, welcher Finanzplattform die Kunden à la longue vertrauen werden. Historisch sei Vertrauen ja eine der Kernkompetenzen von Banken und Versicherungen. Seine Vision sei, dass Kunden bei ihren finanziellen Entscheidungen von einer vertrauenswürdigen, personalisierten Financial Advisory AI unterstützt werden, so Schorr abschließend.

Foto: Gerd Altman/pixabay

Das Gen, Dein Freund und Helfer

Investmentexperten setzen Schwerpunkt auf hochmoderne Gentherapie.

Harald Kolerus. Es gibt Trends, die lassen sich nicht wegdiskutieren – und sind obendrein auch noch höchst erfreulich. So etwa, dass unsere Lebenserwartung immer weiter steigt. Eine Tendenz, die sich nicht nur in Industriestaaten, sondern auch in aufstrebenden Entwicklungsländern beobachten lässt. Gleichzeitig wächst auch die Zahl der Erdenbewohner rasant an: Laut UNO bis 2050 auf 9,7 Mrd Menschen, heute halten wir bei „nur“ 7,6 Mrd. Der Anteil der über 60-Jährigen wird sich dabei von 760 Mio auf 2 Mrd verdreifachen.

Mit der steigenden Lebenserwartung nimmt aber auch das Risiko für altersbedingte Krankheiten zu. Nicht zu vergessen ist, dass wachsender Wohlstand in den Emerging Markets auch zu einer Ausbreitung des (nicht immer gesunden) westlichen Lebensstils führt und somit Wohlstandserkrankungen begünstigt.

Zweistelliges Wachstum
All diese Entwicklungen haben zur Konsequenz, dass die Healthcare-Branche hier mithalten muss, um die steigende Nachfrage nach Gesundheitsprodukten und Dienstleistungen befriedigen zu können. Wobei der Bereich Biotechnologie die besten Aussichten genießt, wie etwa Maurizio Bernasconi, er ist Portfoliomanager bei der Beteiligungsgesellschaft BB Biotech, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier erklärt: „Die klassische Pharmaindustrie soll in näherer Zukunft im tiefen bis mittleren einstelligen Bereich wachsen, wir sprechen hier von 4 bis 6 %. Bei der Biotechnologie ist zwischen 2018 und 2022 hingegen von jährlichen Steigerungsraten von ungefähr 12 % auszugehen.“

BB Biotech (ISIN: CH003838 9992) selbst ist ein börsennotiertes Beteiligungsunternehmen mit 25-jähriger Erfahrung, das in Biotechs aus dem Wachstumsmarkt innovativer Arzneimittel investiert. Hier setzt man auf langfristig ausgerichtete Beteiligungen, wobei vermehrt das Thema Gentherapie in den Fokus rückt: „Man sieht in der Branche durchaus einen Paradigmenwechsel. Die großen Pharmaunternehmen sagten, die Gentherapie-Firmen seien ,zu früh dran’ und die Langzeitwirkungen nicht genau ausgetestet. Heute hingegen, wie aus kürzlichen Übernahmen zu entnehmen ist, sind solche neuen Technologien von Interesse für Big Pharma“, erläutert Bernasconi.

Wobei man allerdings unterscheiden müsse: „In der Gentherapie wird vereinfacht gesagt eine gesunde Kopie des defekten Gens in den Zellkern gebracht. Auf diesem Gebiet ist man bereits weit fortgeschritten, man weiß, dass die Methodik funktioniert und es gibt schon zugelassene Medikamente. Im Vergleich dazu ist sogenanntes „Genome Editing“ noch ein Zukunftsfeld. Hier werden die beschädigten Gene repariert. In diesem Fall ist die Forschung und Entwicklung ins Hintertreffen gegenüber den Gentherapien geraten und die ersten klinischen Studien sind erst in den vergangenen Monaten gestartet. Nichtsdestoweniger stimmen uns die rasant erzielten Fortschritte auf Technologieebene während der letzten Jahre zuversichtlich“, so der Experte.

Kampf auf vielen Fronten
Ein Vertreter der Gentherapie im Portfolio von BB Biotech ist Audentes, das Unternehmen hat seinen Fokus auf schwerwiegende und seltene Krankheiten gelegt, etwa die Muskelschwäche „myotubuläre Myopathie“.

Ebenfalls auf Gentherapie ist Voyager Therapeutics spezialisiert und hat Parkinson den Kampf angesagt. Auf dem Feld des „Genome Editing“ sind wiederum z.B. Sangamo, Crispr und Homology tätig, alles Neuzugänge im Portfolio von BB Biotech.

Abschließend meint Bernasconi: „Die Zukunft der Medizin gehört neuen Technologien wie Gentherapien und Geneditierung, die eine Vielfalt von Vorteilen gegenüber traditionellen Ansätzen bieten.“

Foto: pixabay/qimono

Industrieproduktion im Euroraum erneut rückläufig

Der Rückgang bei den Exporten aus dem Euroraum wirkt sich auch negativ auf die Industrieproduktion aus.

Michael Kordovsky. Die Industrieproduktion entwickelt sich im Euroraum rückläufig und es gibt viele Erklärungen. Dass die Gelbwestenproteste in Frankreich zeitweise zu Produktionsausfällen führten und die Automobilindustrie unter der Umstellung auf den neuen Abgas-Teststandard WLTP leidet, ist weitgehend bekannt, aber nur ein Teil der Wahrheit. Exporttrends, Konsumentenvertrauen bzw. Konsumverhalten und die Stimmung der Führungskräfte in der Wirtschaft sind weitere Faktoren, die einer genaueren Betrachtung bedürfen.

Konjunkturängste
Fakt ist, dass im 1. Quartal 2019 der Zuwachs der gesamten Extra-Ausfuhren aus der EU nur noch bei 3,1 % lag und sich bis März auf 1,2 % verlangsamte. Infolge der Lira-Abwertung brachen die Türkei-Exporte im 1. Quartal 2019 um 22 % auf 17,4 Mrd€ ein. Die Russland-Exporte stagnierten (+0,5 %) und auch jene nach Indien und Südkorea waren jeweils um 6,4 bzw. 7,3 % rückläufig.

Darüber hinaus neigt der Einzelhandel des Euroraums immer wieder zu Schwächeanfällen, was auch mit einem zuletzt tendenziell rückläufigen Konsumentenvertrauen zusammenhängt. Verunsicherung bezüglich des zukünftigen Zollgefüges im Zusammenhang mit laufenden Zollkonflikten schlägt sich negativ auf das Exportgeschäft nieder. Von Seiten der Führungskräfte von Industriebetrieben mehren sich zudem die Konjunkturängste. Entsprechend sieht der von IHS Markit veröffentlichte Aktivitätsindikator im verarbeitenden Gewerbe des Euroraums (umfragebasiert) aus:

Wachstumsbremse
Der finale „IHS Markit Eurozone Einkaufmanager Index“ (PMI) hat sich gegenüber dem annähernden Sechs-Jahrestief zwar um 0,4 auf 47,9 Punkte verbessert, aber er liegt noch immer im Kontraktionsbereich von unter 50. Die Produktion wurde zum dritten Mal hintereinander moderat reduziert. Beunruhigend sind dabei zwei Frühindikatoren: Trotz leichter Abschwächung der Auftragsverluste von ihrem 75-Monatstief im März blieb noch ein starker Rückgang im Einklang mit einem Exportorder-Minus. Als zweites Alarmsignal kommt hinzu, dass sich im Vorleistungs- und Investitionsgüterbereich die Geschäftslage deutlich verschlechterte. Es wird weniger investiert und weniger eingekauft. Letzteres zeigt sich im fünften Rückgang der Einkaufsmenge in Folge, der genauso stark ausfiel wie im März. Auf Länderebene steht Deutschland im April mit einem Indexwert von 44,4 Punkten besonders schlecht da, während die Industriekonjunktur in Österreich, den Niederlanden und Irland (je 49-, 34-, bzw. 30-Monatstief) besonders steil bergab geht. Eine im Zusammenhang mit dieser Entwicklung kritische Kernaussage von Chris Williamson, Chefökonom bei IHS Markit, lautet: „Der Produktionsindex signalisiert einen Rückgang um annähernd 1 % auf Quartalsbasis, womit sich die Industrie im zweiten Quartal eindeutig als Wachstumsbremse erweisen dürfte.“

Dass die Empfindungen (der Wirtschaftsteilnehmer) von heute die Zahlen von morgen sind, und somit Einkaufsmanagerindizes ernst zu nehmende Indikatoren, zeigte sich an den jüngsten Fakten von Eurostat: Von November 2018 bis Jänner 2019 war die Industrieproduktion im Euroraum auf Jahressicht rückläufig und zwar im Bereich von -0,4 % (Jänner 2019) bis -4,1 % (Dezember 2018). Nach einem Nullwachstum im Feber folgte im März ein erneuter Rückgang um 0,6 %. Vor allem Vorleistungsgüter zeigen eine schwache Entwicklung. Auf Länderebene auffallend schwach waren zuletzt Por-tugal (Industrieproduktion -7,9 % im März), Malta (-3,7 %), Spanien (-3,4 %), Griechenland (-2,8 %) und Deutschland (-2,5 %).

Fazit
Der Industriebereich der Eurozone befindet sich in einer Kontraktionsphase, deren Abwärtsdynamik nicht unterschätzt werden sollte.

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Ungewissheit über Ausgang des Handelsstreits belastet Aktienmärkte

Volatilität könnte sich erhöhen – Spängler IQAM Invest reduziert Aktienquote in der Asset Allocation um ein Drittel

Im Fokus der Anleger steht momentan der Handelsstreit zwischen den USA und China. „Wir haben auf die aktuellen Entwicklungen sehr schnell reagiert und bereits am 6. Mai 2019 in Erwartung erhöhter Volatilität an den Finanzmärkten die Aktienquote reduziert. So wurde zum Beispiel bei gemischten Mandaten mit einer neutralen Aktienquote von 30% eine 10%ige Reduktion auf 20% umgesetzt“, so Dr. Markus Ploner, der Geschäftsführer von Spängler IQAM Invest. „Wir werden die Entwicklungen in den Handelsgesprächen weiter genau beobachten und im Fall einer sich abzeichnenden Einigung das Aktienexposure wieder erhöhen“, so Ploner.

Bereits eingepreiste Entwicklungen könnten sich nicht realisieren

Die globalen Aktienmärkte haben sich in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres – nach einem historisch schwachen Dezember 2018 – wieder deutlich erholt und damit bereits eine Vielzahl an potenziell positiven Entwicklungen in der Zukunft vorweg genommen. So haben bis vor kurzem die Wende in der geldpolitischen Ausrichtung der Notenbanken, die Erwartung eines robusten Wachstums von Unternehmensgewinnen und nicht zuletzt optimistische Signale hinsichtlich der handelspolitischen Verhandlungen zwischen den USA und China alle Anlageklassen breit unterstützt. „Die Risiken für einen Rücksetzer bestehen nun vor allem darin, dass sich nicht alle der bereits eingepreisten Entwicklungen erwartungsgemäß realisieren“, sagt Ploner.

Handelsstreit erhöht Gefahr einer Eskalation an den Finanzmärkten

Mit dem Wiederaufflammen der handelspolitischen Auseinandersetzungen ist die Nervosität an den Finanzmärkten zurückgekehrt, Aktien haben von ihren Jahreshöchstständen bereits wieder verloren. Die jüngsten Ereignisse zum Handelsstreit zwischen den USA und China haben die Gefahr einer kurzfristigen Eskalation an den Finanzmärkten wieder erhöht. US-Präsident Donald Trump hat sich mit den bisherigen Fortschritten unzufrieden gezeigt und bereits bestehende Zölle auf Importe aus China im Ausmaß von 200 MrdUSD von 10 % auf 25 % erhöht. Weitere Zölle auf das verbleibende Importvolumen von 325 MrdUSD könnten laut Trump folgen. Aus ökonomischer Sicht haben beide Wirtschaftsmächte kein Interesse an einem sich zuspitzenden Handelsstreit. Geopolitische Überlegungen und verhandlungstaktisches Agieren haben die Chancen auf einen schnellen Deal jedoch wieder reduziert.

Im Bild: Dr. Markus Ploner, CFA, MBA, Geschäftsführer von Spängler IQAM Invest (Foto: Spängler IQAM Invest)

Marktschwankungen richtig nutzen

Zertifikate bieten Chancen in den unterschiedlichsten Phasen.

Raja Korinek. Die Zahl ist beachtlich: Gut 10 BioUSD an Anleihen weisen derzeit eine negative Rendite auf. Darauf verwies Heiko Geiger von der Bank Vontobel am diesjährigen Kongress des Zertifikate Forums Austria. Die Veranstaltung fand am 9. Mai in Wien statt, der Börsen-Kurier war Medienpartner.

Geiger, der selbst auch Vorstandsmitglied des Zertifikate Forums Austria ist, mahnte angesichts der Minuszinsen vor einem realen Wertverlust. Einzig, die Alternativen sind dünn gesät. Denn die Aktienmärkte schwanken aufgrund des aufflammenden US-Handelsdisputs mit China kräftig, was Anleger stark verunsichert.

Zertifikate als goldene Mitte

Einen Ausweg aus dem Dilemma liefern Zertifikate, so Geiger. Dies unterstrich auch Ulrich Schmidt vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Er präsentierte Ergebnisse aus seiner Studie „Zertifikate und ihr Mehrwert in jeder Marktphase“. Dazu wurden Werte von 2017 für den Eurostoxx 50 sowie die Verzinsung auf Bankeinlagen verwendet. Und mit Zertifikate auf den Index verglichen.

So wurde etwa eine Indexanleihe herangezogen. Diese Produkte (sie gibt es auch auf Aktien) haben meist eine Laufzeit von ein bis zwei Jahren und zahlen einen fixen Kupon. Notiert am Laufzeitende der Index am oder über den festgelegten Ausübungspreis, erhalten Anleger zusätzlich ihr Kapital zurück. Notiert der Kurs darunter, bekommen Anleger stattdessen einen Barausgleich, der der negativen Wertentwicklung des Indexes entspricht.

Auch wurde in der Studie ein Capped-Bonus-Zertifikat herangezogen. Bei diesen Produkten profitieren Anleger von leicht steigenden oder seitwärtstendierenden Kursen. Dafür erhalten sie zu Laufzeitende ihr eingesetztes Kapital zurück sowie eine Bonuszahlung. Zudem gibt es einen Verlustpuffer, und zwar bis zur Barriere. Wird sie berührt oder unterschritten, verfällt die Bonuszahlung, der weitere Kursverlauf des Zertifikats richtet sich 1:1 nach jener des Basiswerts. Kurszuwächse sind nach oben hin mit dem Cap begrenzt.

Mehrwert geschickt nutzen

Das Ergebnis der Studie zeigte: Zertifikate schnitten grundsätzlich besser als die Mischung aus einem Direktinvestment in den Eurostoxx-50-Index und einer Bankeinlage ab. Außer in extrem schwankungsfreudigen Zeiten. Da hinkten Zertifikate nach.

Ein Beispiel: Wer 2017 paritätisch in den Eurostoxx 50 und in eine Bankanlage investierte, hätte (bei einer durchschnittlichen Marktschwankung von 10,3 %) 3,06 % erzielt. Mit einer Indexanleihe auf den Eurostoxx 50, z.B. mit einem Kupon von 4,5 % und einem Ausübungspreis von 3.200 Punkten, hätte man 3,87 % erzielt. Auch sogenannte Capped-Bonus-Zertifikate hätten in den meisten Szenarien besser abgeschnitten.

Doch wie schauen die Produkte konkret aus? So hat etwa Vontobel eine Indexanleihe auf den Euro Stoxx 50 (ISIN: DE000VA617D9) mit einem Basispreis von 3.400 Punkten und einem Kupon von 5,55 %. Letzter Handelstag ist der 6.9.2019. Ein Beispiel für ein Capped-Bonus-Zertifikat auf den Euro Stoxx 50 kommt von der RCB (AT0000A1 NB55). Der Cap liegt bei 4.608,34 Punkten, die Barriere bei 1.467,63 Punkten. Letzter Handelstag ist der 2.9.2021.

Schutz bei sinkenden Kursen

Zudem kann man Zertifikate in einem pessimistischen Szenario dazu einsetzen, das Portfolio abzusichern, sagte Geiger. Oder damit direkt auf fallende Kurse wetten.

Foto: AdobeStock/denissimagilov

Filialen und Beratung bleiben gefragt

Das Banking der Zukunft beim Banken-Symposium Wachau.

Manfred Kainz. Die Bankbranche im Kloster. Gibt es denn im Banking so viel, das zum In-sich-Gehen animiert oder an eine höhere Kraft glauben lässt? Schaden kann es jedenfalls nicht, und so traf sich die Finanzcommunity auch heuer im Benediktinerstift Göttweig zum traditionellen Banken-Symposium Wachau. Der Börsen-Kurier war auch wieder dabei. Gut 150 Teilnehmer diskutierten in mehreren Sälen das Spannungsfeld zwischen den immer stärker werdenden digitalen Ansprüchen an die Geldinstitute und der trotzdem gefragten physischen Präsenz, die von ihnen noch immer verlangt wird. Also die Frage, wie sich im Banking von heute und morgen die Offline- und die Online-Welt ergänzen können/sollen/ müssen.

Selbstkritisch Gleich zur Einleitung war Gastgeber Gerhard Grabner, der Wirtschaftsdirektor des Stifts Göttweig, durchaus kritisch. Als gelernter Wirtschaftsprüfer zwei Jahrzehnte in der Branche tätig, hat er die Finanz- und Vertrauenskrise 2008/09 hautnah mitdurchlebt und warf provokant in die Runde: „Die Bildung in der Finanzbranche ist desaströs.“ Die Branche müsse mutig sein und sich nicht vor Wettbewerb fürchten. Denn je besser man selbst ist, desto weniger Anfeindungen am Markt wird man und die gesamte Branche ausgesetzt sein.

Hygiene Faktor

Früher gingen die Kunden in eine Bankfiliale „mit einem diffusen Bedarf“. Wenn sie heute in eine Filiale gehen, seien sie vielfach besser informiert als der Berater, so Mario Offenhuber. Der Initiator des jährlichen Banken-Symposiums Wachau und Geschäftsführer der RIM Management KG sieht daher nicht die Online/Offline-Konkurrenz als Problem, sondern die Herausforderung heute sei, dass Kunden, die in eine Filiale kommen, durch Online-Recherche schon eine Kaufentscheidung getroffen haben und entweder eine Bestätigung ihrer Meinung und/oder eine qualitative persönliche Beratung wollen.

Ja, reine Offline-Kunden werden weniger und reine Online-Kunden werden mehr, aber: „Die Mitte wird dicker“, ist Offenhuber optimistisch für die Daseinsberechtigung von persönlicher Beratung in physischen Filialen. Umfragen zeigten außerdem, dass „die Aussage, die Jungen sei nur digital, nicht haltbar ist“. Denn 83 % der Jugendlichen würden „klassische Filialen“ schätzen. Das sei sogar der höchste Wert unter allen Altersgruppen.

Offenhuber hat daher eine gute und eine ernüchternde Botschaft an die Branche: Die Digitalisierung führe nicht zu Disruption der Filialbanken, sie ersetze nicht das klassische Banking, sondern ergänze es als „Hygiene Faktor“. Das heißt aber auch, dass sich Banken nicht (mehr) damit differenzieren können, sondern es sei „Standard“, dass Kunden erwarten, dass sie ihre Offline-Prozesse auch online/digital abwickeln können.

Vom Sparer zum Investor

Dazu kommt, dass Kunden „immer wechselwilliger werden“, wie Ernst Huber, der CEO der DADAT Bank, bestätigt. Er beschäftigt sich daher mit zwei Themen intensiv: der vollautomatisierte Kredit sowie Baufinanzierungsabwicklung mit externen Partnern. Außerdem gehe es darum, Kunden „vom Sparer zum Investor weiter zu entwickeln“. Mit Kunden-Schulungen könne man sich dabei abheben. Denn „die Produktangebote werden immer vergleichbarer, Bankwechsel wird immer einfacher und neue Wettbewerber erhöhen den Margendruck“, so Huber.

Learnings

Am Ende des Banken-Symposiums stand das Fazit, dass Filialen zum “Gütesiegel” werden, sich die Rolle der persönlichen Beratung verändert, die Bankhäuser viel mehr aus ihren Daten machen könnten, Komplexität aus Produkten und Prozessen herausgenommen gehöre und dass mobile Touchpoints wichtiger werden als sie heute sind.

Foto: BSW/Wolfgang Simlinger

Sind unsere jungen Erwachsenen Finanz-Analphabeten?

Finanzwissen sollte früh vermittelt werden und sollte in die heimischen Lehrpläne.

Rudolf Preyer. Der Bankenverband und die BAWAG P.S.K. sorgen sich um die Finanzbildung der jungen Erwachsenen (18 bis 29 Jahre): Eine beim Marktforschungsinstitut marketmind beauftragte Online-Umfrage fördert zu Tage, dass sich 83 % der jungen Erwachsenen in Geldfragen nicht „sattelfest“ fühlen. Diese Studie zeigt weiters, dass 43 % der heimischen „Jungen“ von ihren Eltern nicht ausreichend über Geldangelegenheiten informiert wurden. (So sehen das zumindest die Befragten.) „Geld darf in der Familie aber kein Tabu-Thema sein“, appellierte Bankenverband-Generalsekretär Gerald Resch.

Eine weitere überraschende Zahl der gegenständlichen Untersuchung: 69 % der Befragten präferieren ein persönliches Beratungsgespräch direkt in der Bank. Wenngleich man deswegen aus Servicesicht die „digitale Welt“ – also etwa Social Media-Kanäle – dennoch nicht vernachlässigen dürfe, so Enver Sirucic, er ist CFO in der BAWAG Group AG.

Schuldenmachen schlecht angeschrieben

Entgegen der Annahme, dass junge Menschen im Konsumrausch untergehen, sei „vernünftiges Wirtschaften“ durchaus wichtig für sie. Sparen liege vielmehr sogar im Trend. Zumindest möchte man sich nicht ohne weiteres verschulden: Für fast zwei Drittel der Befragten ist Schuldenmachen außer Obligo. Sie wollen sich zwar etwas gönnen, aber eben: nicht um jeden Preis. Brauchen die Jungen doch einmal zusätzliches Geld, ist vorrangig die Familie gefragt. Was an Peter AlexandersLied „Der Papa wird‘s schon richten“ erinnert.

Tabuisierung von Geldfragen schadet

Der Bankenverband wünscht sich, dass Finanzthemen verstärkt in die Lehrpläne eingebunden werden. Was ein Girokonto, ein Sparbuch, eine Versicherung sind, und wie man die erste Wohnung kauft: das müsse unseren Kindern schon in der Grundschule vermittelt werden, so Resch. Aber auch die Eltern entlässt er nicht aus der Verantwortung. Diese seien „wichtigste Vorbilder in Geldfragen“.

Die Banken stehen den Eltern und Schulen jedenfalls als Kooperationspartner zur Verfügung. So wurde auf das gemeinsam mit dem Bildungsministerium organisierte Planspiel „Schulbanker“ hingewiesen. Schüler übernahmen dabei eine virtuelle Bank. Im DACH-Raum organisiert, ging die HAK Zell am See im Wettbewerb als Österreich-Sieger hervor. Auch auf die Möglichkeit von Schul-Workshops wurde hingewiesen, zudem auf das European Money Quiz. Interessierte finden die Initiativen unter bankenverband.at.

In seinem Schluss-Plädoyer wandte sich Bankenverband-Generalsekretär Resch an die Eltern: „Sprecht mit Euren Kindern bitte über Geld!“

Foto: Fotolia/eugenepartyzan

Rupert‑Heinrich Staller und die Renaissance des Privataktionärs

Aktiv-Investor Rupert-Heinrich Staller im Exklusiv-Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

Das Wichtigste in Kürze:

– Rupert‑Heinrich Staller erklärt, warum Hauptversammlungen für Aktionäre unverzichtbar sind
– Er kritisiert die zunehmende juristische Absicherung von Vorständen und den Verlust direkter Antworten
– Proxy‑Voting‑Services gewinnen an Einfluss, dennoch erlebt die HV eine Renaissance
– Staller spricht über Vorbereitung, Kosten, Sonderprüfungen und seine Rolle als aktiver Aktionär
– Er betont: Jeder Aktionär sollte sein Rede‑ und Fragerecht aktiv nutzen

Wandel bei Hauptversammlungen

Entscheidungen abzunicken oder gar während der Hauptversammlungen einzunicken ist nicht mehr. Die Aktionäre mischen bei der Firmenpolitik jetzt aktiv mit und nehmen das Management in die Mangel. Organe werden auf den HVs nicht mehr automatisch von den Aktionären entlastet – siehe Bayer. Ähnlich wie einst Paul Achleitner, der sich beispielsweise als Aufsichtsratschef der Deutschen Bank für die gescheiterte Fusion mit der Commerzbank eingesetzt hatte. Auch in Österreich melden sich die Privataktionäre zu Wort, wie etwa Aktiv-Investor Rupert-Heinrich Staller.

 

Was reizt Rupert-Heinrich Staller an Hauptversammlungen?

Börsen‑Kurier: Kaum eine Hauptversammlung ohne Rupert‑Heinrich Staller. Was reizt Sie daran?

Rupert‑Heinrich Staller: „Also die meisten Hauptversammlungen finden ganz gut ohne mich statt. Manche meinen, mit mir ist es einfach ein bisschen lustiger. Für die anwesenden Aktionäre ist es aber oft informativer und darauf kommt es an. Dabei höre ich, man mag es glauben oder nicht, am liebsten nur andächtig zu, ohne mich zu Wort zu melden. Der Reiz der Hauptversammlung ist leicht erklärt: Sie ist das Hochamt im Jahreskalender eines Unternehmens. Manchmal ähnelt sie allerdings eher einer Generalbeichte, da muss ich ab und an den Beichtvater spielen.“

Eine Hauptversammlung etwa von Erste Group, UNIQA, RBI, Ottakringer oder Frauenthal wird es ohne mich auch in den nächsten Jahren nicht geben.

Engagement und Vorbereitung

Wo und wie er sich einbringt

Börsen‑Kurier: Die HV‑Hochsaison hat begonnen. Wo und wie wollen Sie sich aktiv einbringen?

Staller: „Ich bringe mich immer dort ein, wo meine Investmentgesellschaft Anteile hält und ich Diskussions‑ und Handlungsbedarf sehe, mal mehr, mal weniger, sehr oft auch spontan. Aber so viel sei verraten: Eine Hauptversammlung etwa von Erste Group, UNIQA, RBI, Ottakringer oder Frauenthal wird es ohne mich auch in den nächsten Jahren nicht geben. Eine besondere Herausforderung wird sicher die heurige Hauptversammlung der Erste sein. Der scheidende Andreas Treichl würde sich, so flüstert man mir, über ein paar nette Abschiedsworte von mir freuen. Das bereitet mir schon jetzt schlaflose Nächte.“

 

Erfolge, Niederlagen und Erfahrungen

Siege und Rückschläge der Staller Investments GmbH

Börsen‑Kurier: Was sind die aktuell größten Siege und Niederlagen der Staller Investments GmbH aktuell? Die RHI‑Fusion mit Magnesita und Umzug nach London hatten Sie ja massiv bekämpft.

Staller: „Über Siege und Niederlagen mögen andere entscheiden, ich muss zugeben, dass mir auch Niederlagen Spaß machen. Erstens lerne ich dabei und zweitens schärfen selbige den Charakter. Zur Hauptversammlung der RHI‑Magnesita in einem kleinen Hotelzimmer auf einem niederländischen Flughafen werde ich sicher nicht reisen. Das hat weder Informations‑ noch Unterhaltungswert.“

 

Veränderungen auf Hauptversammlungen

Was sich grundlegend geändert hat

Börsen‑Kurier: Was hat sich auf der HV grundlegend geändert?

Staller: „Die wesentliche Änderung ist wohl aus der Angst der Verwaltungsorgane vor Klagen und aus dem immer größer werdenden Haftungsrisiko entstanden. Leider werden mittlerweile fast alle Fragen dergestalt beantwortet, dass die eigentlichen Inhalte vom Backoffice vorbereitet, dann von Juristen auf Risiken abgeklopft und von den Vorständen oder allenfalls vom Aufsichtsratsvorsitzenden Stunden später als vermeintliche Antwort nur noch vorgelesen werden. Der besondere Reiz der Unmittelbarkeit geht dadurch verloren. Das ist bedauerlich und in Wirklichkeit peinlich, wenn Vorstandsvorsitzende mit Millionen‑Gagen nur noch willfährige Vorleser geben. Ein Vorstand muss sein Geschäft beherrschen und zumindest allgemeine Fragen aus der Hüfte beantworten können.“

Nehmen Sie eine typische Hauptversammlung von Berkshire Hathaway als Beispiel: Warren Buffett antwortet mit Witz und fundiertem Wissen direkt auf die Fragen seiner Aktionäre und das stundenlang. Dabei ist der gute Mann 88 Jahre alt!“

 

Wer heute auf Hauptversammlungen erscheint

Privatanleger oder Stimmrechtsvertreter?

Börsen‑Kurier: Kommen zu den Hauptversammlungen heute eigentlich auch noch viele Privatanleger oder nur noch Stimmrechtsvertreter?

Staller: „Wir erleben derzeit so etwas wie eine Renaissance der Hauptversammlung und das ist gut so. Einerseits kann sich der Privataktionär über sein Unternehmen nirgendwo besser und direkter einen Eindruck verschaffen als auf der Jahresversammlung aller Eigentümer. Andererseits stehen die Leitungsorgane des Unternehmens nur dort unter Wahrheitspflicht. Genau das macht es so spannend. Im Vier‑Augen‑Gespräch zwischen Investor bzw. Analyst und CEO oder CFO, dem sogenannten One‑on‑One, gibt es strenggenommen genau das nicht. Ich selbst habe unzählige dieser One‑on‑Ones erlebt und hatte nicht nur einmal das Gefühl, einen Märchenerzähler aus 1001 Nacht vor mir zu haben. Schlussendlich dürfen wir nicht vergessen, dass eben nur auf der Hauptversammlung Beschlüsse gefasst werden.“

 

Einfluss von Proxy Voting Services

Elektronische Abstimmungen und Stimmrechtsberater

Börsen‑Kurier: Aber fallen die nicht schon vor der HV durch elektronische Abstimmungen?

Staller: „Der Einfluss von sogenannten ‚Proxy Voting Services‘, die institutionellen Investoren vorab Empfehlungen zum Abstimmungsverhalten für eben diese Beschlüsse geben, nimmt sicher weiter zu. Wobei ich derzeit auch den Trend feststelle, dass etwa große Fondsgesellschaften in Deutschland sich durchaus wieder vermehrt direkt in Hauptversammlungen einbringen, wie zuletzt bei Bayer, wo nach harscher Kritik dem Vorstand die Entlastung verweigert wurde.“

 

Rolle der Stimmrechtsvertreter

Aufstand der Großen oder Werkzeug der Kleinen?

Börsen‑Kurier: Das ist doch der Aufstand großer Stimmrechtsvertreter, nicht der kleinen Einzelaktionäre.

Staller: „Wer nicht selbst auf eine Hauptversammlung gehen kann, bedient sich eben dieser Proxy Voter beziehungsweise eines Stimmrechtsvertreters. In Österreich bietet diesen Service der Anlegerschutzverband IVA.“

 

Vorbereitung auf Hauptversammlungen

Wie Staller sich vorbereitet

Börsen‑Kurier: Sie bereiten sich akribisch auf die HVs vor, wie genau?

Staller: „Die Vorbereitung ist relativ einfach. Lesen und darüber nachdenken. Wobei es mir wichtig ist, ein Unternehmen das ganze Jahr über zu begleiten und sich am Laufenden zu halten. Zudem lese ich Einzel‑ und Marktanalysen. Bei Bilanzen pflege ich manchmal auch ein bisschen nachzurechnen, Excel sei Dank. Die Tagesordnung allein genügt nicht, man muss sich schon auch die einzelnen Beschlussvorschläge oder etwa die Unterlagen zu den Wahlvorschlägen in den Aufsichtsrat anschauen.“

 

Finanzierung und Aufwand

Wer bezahlt die HV‑Besuche?

Börsen‑Kurier: Finanzieren Sie alle Ihre „HV‑Ausflüge“ aus der eigenen Tasche?

Staller: „Natürlich, das sind überschaubare betriebsnotwendige Aufwendungen im Rahmen des Geschäftsgegenstandes der Staller Investments GmbH. Die notwendigen Kosten rechtlicher Beratung verbuche ich sozusagen unter Forschungs‑ und Entwicklungsaufwendungen im Aktienrecht.“

 

Digitale Zukunft der HV

Sind Präsenz-HVs noch sinnvoll?

Börsen‑Kurier: Hat HV‑Präsenz im digitalen Zeitalter noch Sinn?

Staller: „Solange uns nichts Besseres einfällt, ist die Präsenzhauptversammlung schlicht und einfach notwendig. Optimieren kann man immer. Wünschenswert sind sicher kurze, informative Präsentationen wie die direkte Beantwortung von Aktionärsfragen. Man sollte sich überlegen, ob das oft überlange Vorlesen von reinen Formalien nicht gekürzt werden könnte. Was mir aber seit Jahren wirklich gegen den Strich geht ist die Unkultur, das Buffet vor dem Ende der Versammlung zu eröffnen. Es kommt dann regelmäßig zum Exodus aus dem Saal während der Sitzung.“

 

Investmentstrategie

Investiert Staller nur dort, auf die HVs er auch hingeht?

Börsen‑Kurier: Investieren Sie nur in Aktien, deren HVs Sie besuchen?

Staller: „Einfache Antwort, nein. Bei der BKS halte ich zum Beispiel vor allem Additional Tier 1‑Anleihen. Ganz generell sollte die Hauptversammlung für jeden nachhaltig interessierten Aktionär, ob privat oder institutionell, ein zentraler Ort der Meinungsbildung über sein Investment sein.“

 

Selbstverständnis als Aktionär

Ist Staller ein Shareholder‑Aktivist?

Börsen‑Kurier: Würden Sie sich selbst als Shareholder‑Aktivist bezeichnen?

Staller: „In meinem Selbstverständnis müsste jeder Shareholder dem Grunde nach ein Aktivist sein, weil er auf der Hauptversammlung aktiv sein Rede‑ und Fragerecht ausüben können soll. Das gebietet schon das Aktienrecht. Ich möchte andere Aktionäre motivieren, dies auch zu tun.“

Hinweis zur Aktualität

Dieses Interview wurde 2019 geführt. Alle Aussagen beziehen sich auf die damalige Marktsituation.

 

Zur Person Rupert-Heinrich Staller

Rupert‑Heinrich Staller ist seit 2006 alleiniger Eigentümer und Geschäftsführer der Staller Investments GmbH mit Sitz in Wien. Die Gesellschaft fungiert als seine persönliche Beteiligungsholding und hält Anteile an zahlreichen österreichischen börsennotierten Unternehmen. Er ist äußerst aktiv als Investor. So trat er bei der Ottakringer Getränke AG 2024 als maßgeblicher Kleinaktionär auf und verhandelte eine deutliche Verbesserung für Kleinaktionäre im Zuge eines Übernahmeangebots. Quelle: IVA (Interessenverband für Anleger). Das Unternehmen notiert nicht mehr an der Börse. 

Bei der Frauenthal Holding AG erstritt die Staller Investments GmbH eine letztinstanzliche Entscheidung in einer Anfechtungsklage, die ein Stimmrechtsverbot bestätigte.

Foto: Kati Bruder

 

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Sanktionspolitik dominiert Ölpreis

Die Sanktionspolitik dominiert die Ölpreis-Entwicklung. Konjunkturdaten spielen unterdessen eine untergeordnete Rolle.

Roman Steinbauer. Das eingeräumte Zeitfenster der Regierung Trump an eine Reihe von Staaten, keine Ölimporte aus dem Iran mehr zuzulassen, schloss sich Mitte April doch endgültig. Jeder Spekulation über eine Verlängerung einer Übergangszeit wurde nun von den USA eine Absage erteilt.

Die durch die US-Administration artikulierte Vorgabe an alle Staaten, ab 2. Mai keine Ölbezüge aus dem Iran mehr zu tolerieren, hatte an den Handelsplätzen des preissensitiven Schmier- und Brennstoffes zuvor eklatant preistreibende Auswirkungen. Die Märkte glauben an die Wirksamkeit dieses Druckmittels wohl schon seit Monaten. Der Preis-Rallye der Rohölsorten um bis zu 40 % seit Neujahr unterliegt keine weitere Basis. Unterstützend wirkten ansonsten (in geringerer Relevanz) bloß die vorläufig gestoppten Zinserhöhungen der US-Notenbank. Zudem wurden sämtlichen Staaten bei einer-Nicht-Befolgung Sanktionsmaßnahmen durch die amerikanischen Behörden angedroht. Zeitlich befristete Ausnahmeregelungen für asiatische und einige südeuropäische Länder (um andere Bezugsquellen zu organisieren) liefen nun aus. Dem fragwürdigen und umstrittenen Ziel des Weißen Hauses, dem persischen Regime die Haupteinnahmequellen zu kappen, wird nun voller Schub verliehen. Unklar bleibt indessen nur, wie weit die bedeutendsten Handelspartner Teherans, Indien und China, sich von den gestrafften Sanktionsdrohungen beeindrucken lassen. Bis zuletzt erreichte die US-Regierung bereits ein Abwürgen der internationalen Ölabnahmen aus dem Iran um etwa zwei Drittel auf 1 Mio Fass/Tag.

Dominantere Marktsteuerung durch Washington
Nach dem Ausverkaufs-Schluss-quartal an den Ölmärkten zu Ende 2018, drehte der Trend bereits knapp vor Jahreswechsel scharf. So wurde immer eindeutiger, dass die US-Regierung plant, den Iran komplett vom Export-Rohölmarkt „abzuschließen“. Bis zum 26. April zog der Preis für Brent-Öl um 40 % auf über 76 USD/Barrel an. Als Donald Trump Ende der Vorwoche die OPEC-Organisation öffentlich aufforderte, als Angebotsausgleich die Erdöl-Förderung zu erhöhen, knickten die Notizen sodann binnen 20 Stunden um satte 5 % ein. Auswirkungen zu derartigen Äußerungen aus Washington gingen an den Märkten zwar nie spurlos vorbei. Derart weitreichende Abhängigkeiten und erratische Preisausschläge im Zuge des politischen Agierens der USA stellen im jungen Jahrhundert aber eine neue Kategorie dar. Klar verbunden damit ist die neue US-Energie-Vormachtstellung dazu auf dem Gassektor.

Angeheizte Aktien der Öl-Vertreter an den Börsen
Der STOXX Europe 600 Oil & Gas-Index (ISIN: EU0009658780) kam mit 350 Punkten wieder bis auf 3 % an den Spitzenstand des Vorjahres heran. Erst in der Vorwoche folgte ein Abtauchen um 5 %. Der Kurs-Chart der heimischen OMV (AT 0000743059) folgte seit Jahresbeginn mit einem Anstieg von mehr als +30 % so gut wie spiegelbildlich dem breiten europäischen Energie-Index. Weitere internationale Schwergewichte wie Repsol-Valoren (ES0173516115) traten hingegen auf der Stelle oder performten weniger dynamisch. Dazu sind ENI (+8 %, IT0003132476) oder Royal Dutch Shell (+10 %, GB00B03ML X29) zu nennen. Sensibler entwickelten sich einmal mehr die Notizen der Equipment-Zulieferer. In Ternitz konnte das Management der Schoeller Bleckmann (AT00 00946652) heuer freudig eine wahre Kursexplosion, um in der Spitze 70 %, verfolgen. Enttäuschend fiel hier aber die Entwicklung der Halliburton-Papiere mit lediglich +10 % auf (US4062161017).

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Holz ist auch als Anlage-Ergänzung begehrt

Der Baustoff Holz bereitet als Trendsetter viel Raum für erneute Kursfantasien.

Roman Steinbauer. Holz tritt immer spektakulärer ins Rampenlicht. Dafür sorgt auch der Trend in der Architektur. Der Wettlauf um die höchsten Holzhäuser ist in Gang gekommen. Der Naturstoff wird gar schon als Knackpunkt und Schlüssel zu ökologischen, baulichen Konzepten in den Städten gehandelt. Die Zeit, zu der sich bloß eine Architekten-Öko-Sippe dem Holz zuwandte, ist vorbei. Immer bedeutender wird dieser Markt im urbanen Raum. Ein Hamburger Holzhaus mit 371 Studentenwohnungen, in Heilbronn steht das höchste Holzhaus Deutschlands (34 m), das reizvolle Tail Wood Building in Vancouver (Universität, 53 m), das innovative „The Treet“-Gebäude im norwegischen Bergen. Oder das „HOHO Wien“ in der Aspern-Stadt wuchs gar auf 84 m Höhe mit 24 Stockwerken und setzt weitere Maßstäbe – Holz bahnt sich klar den Weg.

Die Komplexität eines ethischen Zuganges zu Holz als Rohstoff, zeigt der deutsche Holzprodukt- und Druck-Mediendienstleister BWH auf. Die Hannoverianer zitieren eine „Pro Regenwald“-Studie, wonach für ein handelsübliches Päckchen Kopierpapier (500 Blatt DIN A4, 2,3 kg) 7,5 kg Holz, 130 Liter Wasser und 26,8 kwh Energie benötigt werden. Als „holzfrei“ angepriesene Industriepapiere aus Zellstoff, diene Holz aber ebenso als Rohstoff. Da der Anteil der Faserstoffmasse an „holzfreiem“ Papier (oft angebotenes Druckerpapier) nach dem Filtern bei unter 5 % liege, dürfen diese als solche bezeichnet werden. Eine Reduzierung der Holzanwendung für Produkte des täglichen Bedarfs findet also nur bedingt statt.

Aktien mit Kursproblemen
Als Maßeinheit wird der Holzpreis in 1.000 „board feet“ gehandelt (á 2.360 cm³). Diese Brett-Norm steht aktuell bei 334 USD und weist seit geraumer Zeit ein extrem sprunghaftes Preisverhalten auf. Von November 2016 bis Mai 2018 zog die Notiz an der Chicagoer Mercantile Exchange (CME) um nicht weniger als 115 % an. Die Ernüchterung folgte umgehend. Die vor zwölf Monaten erzielten Spitzenpreise hielten für einige Tage, bevor das Absacken auf das vorangehende Niveau seinen Lauf nahm. Nicht minder erlebten Aktionäre der Holzproduzenten in der zurückliegenden Zeitperiode eine emotionale Hochschaubahn. Preisrelevante Faktoren dazu waren vielfältig und tauchten wiederholt auf: Schäden durch Bergkiefernkäfer, Waldbrände, angedrohte Zölle durch die Trump-Administration gegenüber Kanada (90 % der US-Bauholzimporte) sowie Änderungen zu Umwelt-Regularien.

Zuletzt geprügelte Aktien wie die Canfor Corporation (ISIN: CA1375761048, TSE, Nasdaq OTC, Frankfurt) stehen für die Verarbeitung von Weichholz für den Hausbau. Die Gesellschaft aus Vancouver ist zudem mit Zellstoff und Papier im Geschäft, profitabel und weist ein KGV von 11 auf.

Canfor Pulp Products (CA1375842079) betreibt hingegen internationale Geschäfte, weist ebenso eine operative Marge von 13 % auf. Beide Titel hatten zuletzt eine Kurshalbierung erlitten. Ebenso in British Columbia beheimatet ist Western Forest Products (CA9582112038). Die Gewinnmarge ist mit 6 % geringer, die Dividendenrendite aber bei beachtlichen 4,4 %. Eine Profitabilität ebenso gegeben ist bei der mit Holz-Endprodukten auf den südlichen US-Markt ausgerichtete West Fraser Timber Co Ltd (CA9528451052). Die in den USA, Europa und Asien tätige Rayonier Advanced Materials (US75508B1044) ist mit Weichholz, Papier und Zellstoff aktiv. Der Titel hatte zuletzt die ausgeprägteste Abwärtsresistenz aufzuweisen. Eine Dividenden-Rendite von 1,9 %, ein KGV von 8 sowie eine Preis-Umsatz-Relation von 0,36 wirken reizvoll. Aus ethischer Sicht mit größeren Abständen ist die breit agierende Lumber Liquidators Holdings (US55003T1079) zu betrachten. Denn investiert wird auch in Hartholz-Produkt-Vermarkter wie Home Depot. Als EUR-Fonds bietet sich der Pictet-Timber-HP (LU0372507243) an, der zudem Titel der Verpackungsindustrie beinhaltet. Auf dem Futures-Markt ist der Holzpreis im Rogers International Commodities Index (RICI) gelistet, an dem sich zudem etliche Indexfonds sowie Zertifikate orientieren.

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Schwellenländeranleihen: Rally mit Risiken

Das Anleihegeschäft in Schwellenländern hat sich im ersten Quartal stark entwickelt und die Verluste des Vorjahres wurden annähernd wettgemacht. Auch für den weiteren Jahresverlauf haben Anleger Aussicht auf attraktive Erträge. Die Rally könnte weitergehen, meint Denise Simon, Portfoliomanagerin für Schwellenländeranleihen bei Lazard Asset Management. Doch auch das Risiko steigt.

Nach einem eher enttäuschenden Jahr 2018 hat sich das Marktumfeld für Schwellenländeranleihen verbessert. Entsprechend legte die Anlageklasse im ersten Quartal 2019 deutlich zu. „Ich gehe davon aus, dass Schwellenländeranleihen im Jahr 2019 relativ starke Renditen erzielen werden“, so Simon. Doch gleichzeitig erhöhe sich auch das Risiko.

Nach Einschätzung der Portfoliomanagerin sind vor allem drei wirtschaftliche Entwicklungen für die derzeit starke Performance der Schwellenländer-Bonds verantwortlich: (1) die Erholung bedeutender globaler Wirtschaftsindikatoren, (2) die Geldpolitik der US-Notenbank Fed sowie der Europäischen Zentralbank, und (3) die eigenen fiskalischen- und geldpolitischen Maßnahmen der Schwellenländer.

Folgende makroökonomische und politische Faktoren hat der Markt aus Sicht Simons bei der Bewertung von Schwellenländeranleihen bereits eingepreist: 

  • „Der rasche Anstieg des US-Wirtschaftswachstums 2018 auf 2,9 Prozent war nicht nachhaltig. Es lässt sich fast ausschließlich auf die im Dezember 2017 verabschiedeten fiskalischen Stimulus-Maßnahmen der Trump-Regierung in Höhe von 1,5 Billionen US-Dollar zurückführen. Während ein Teil der Körperschaftsteuersenkung wieder in Investitionen floßen, wurde die Mehrheit über Dividenden und Aktienrückkäufe an Anleger ausgezahlt. Daher überrascht es nicht, dass das US-Wachstum im zweiten Quartal 2018 von einem überdurchschnittlichen Hoch von 4,2 Prozent wieder fiel. Allerdings liegt der Tiefpunkt des Rückgangs von knapp über einem Prozent im ersten Quartal 2019 sogar noch deutlich unter den pessimistischen Prognosen für das US-Wachstum. Die starke Negativ-Wende hat viele Investoren veranlasst, die Produktivitätssteigerungen im Vorjahr als vorübergehendes Phänomen anzusehen.“
  • „Der Welthandel und das globale Wirtschaftswachstum entwickelten sich im vierten Quartal 2018 und im ersten Quartal 2019 katastrophal. Durch den anhaltenden Handelsstreit zwischen den USA und China verloren vielen Anleger das Vertrauen, was zu einem erheblichen Rückgang des Welthandelsvolumens führte. Allerdings antizipieren die Märkte seit Dezember 2018 eine Einigung zwischen den USA und China und erwarten bessere Wachstums- und Handelsbedingungen für die zweite Hälfte des Jahres 2019. Diese positiven Aussichten sind bereits eingepreist, auch wenn sie sich noch nicht in den Handels- und Produktionszahlen der Industrie widerspiegeln.“
  • „Das Renditeniveau bei Staatsanleihen mittlerer Laufzeit ist in Deutschland und Japan auf fast null oder darunter gefallen. Anleger sind sich im Klaren darüber, dass beide Wirtschaftsregionen auf absehbare Zeit keine Straffung der Geldpolitik vornehmen werden. Auch die Fed hat für das erste Halbjahr eine ,geduldige Geldpolitikʻ angekündigt. Anleger preisen bereits ein, dass es im ersten Halbjahr vermutlich keine Zinssteigerungen geben wird. Wir glauben ebenfalls nicht, dass sich die ,Falkenʻ, also die Vertreter einer restriktiveren Geldpolitik, überraschend durchsetzen werden.“
  • „Einige der Problemkinder unter den Schwellenländern haben korrigierende politische Reformen eingeleitet. In der Türkei etwa hob die Zentralbank den Leitzins auf 24 Prozent an. Auch in Argentinien wurden die Zinssätze stark erhöht. In Brasilien hat Präsident Bolsonaro eine Rentenreform vorgestellt, die der Kongress nach einigen Anpassungen im Sommer verabschieden dürfte.“

Die Entwicklung im weiteren Jahresverlauf

Welche weiteren Entwicklungen in den Schwellenländern halten Anleger für wahrscheinlich? Portfoliomanagerin Simon gibt einen Überblick:

  • „Der Markt erwartet in der zweiten Jahreshälfte eine Erholung des Welthandels und -wachstums. Doch das Ausmaß dieser Erholung ist noch nicht absehbar. Alles hängt davon ab, wie einzelne Personen und Unternehmen auf die Vielzahl an wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten bis zur Jahresmitte reagieren.“
  • „Die Märkte beobachten gespannt, ob sich die Erholung von Chinas Wirtschaftswachstum in der zweiten Jahreshälfte 2019 als ein einmaliger Effekt oder als eine nachhaltige Entwicklung bis ins Jahr 2020 entpuppen wird. Dies hat wesentliche Auswirkungen darauf, ob die jüngste Rally bei Schwellenländeranleihen ihr Momentum beibehalten kann.“
  • „Viele Experten erwarten weiterhin, dass die Fed noch in diesem oder dem kommenden Jahr ein bis zwei weitere Zinserhöhungen vornimmt. Folglich zögern viele Anleger, eine bullische Haltung in Sachen Duration einzunehmen.“

Risiken nehmen zu

Doch auch wenn sich die Aussichten für viele Schwellenländer aufgehellt haben, wesentliche Risiken bleiben. „Da der Wirtschaftsaufschwung der USA schon seit einer Rekordzeit anhält, nimmt die Gefahr für Schwellenländer-Bonds zu“, so Simon. „Weil deren Bewertungen sich derzeit auf gutem Niveau befinden, steigen gleichzeitig die Abwärtsrisiken.“ Und es gibt weitere Unwägbarkeiten für die Emerging Markets, zum Beispiel zunehmende „Tail Risks“, also Risiken, die unvorhersehbare Ereignisse mit sich bringen.

Wie lange wird die einsetzende Wachstumsrallye anhalten? Wie stark werden die Märkte den „Fair Value“ überschreiten, weil die Mittelzuflüsse der Performance nachjagen? Wann wird sich die US-Renditekurve umkehren, und wann erreichen Risikomärkte dann den Höhepunkt? „In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass das weltweite Wirtschaftswachstum zum Ende des Jahres 2019 hin anfängt wieder nachzulassen“, sagt Simon. „Eine Konjunkturabkühlung im späten Zyklus könnte zu einer eher gemäßigten Politik der Zentralbanken führen, um die Befürchtungen der Investoren zu zerstreuen. Verstärkte Mittelzuflüsse und eine deutliche Aufwertung der Vermögenswerte wären die Folge.“ Simon und ihr Team beobachten weiterhin genau die Anzeichen für Marktspitzen – einschließlich der Entwicklung der Renditekurve, der Bewegungen bei High-Yield-Spreads und der Volatilität der Ölpreise, letztere ein Signal für das Ausbleiben echter Nachfrage. „Alles in allem haben wir für 2019 jedoch weiterhin eine konstruktive Sicht auf Schwellenländeranleihen“, sagt Simon.

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„Crash könnte uns schon nächstes Jahr drohen“

„No risk, no fun“ verrät Multimillionär Jim Rogers dem Börsen-Kurier seine aktuellen Lieblingsinvestments.

Julia Kistner.Der Börsen-Kurier traf den 76-jährigen Investor Jim Rogers im Wiener Bristol-Hotel. Zu seinem Stirnrunzeln vom Jetlag gesellten sich noch große Sorgenfalten über die Weltkonjunktur. Die stehen dem Mann aus Alabama wohnhaft in Singapur allerdings nun schon seit mehr als einem Jahrzehnt ins Gesicht geschrieben. Seither prophezeit der Finanzinvestor eine weltweite Rezession „Ich bin ganz schlecht im Timing“, gibt der Börsenhaudegen zu, „aber das uns ein Crash bevorsteht, womöglich schon im nächsten Jahr, bin ich mir ziemlich sicher. Er wird der Schlimmste sein, den wir bis jetzt gesehen haben.“ Das sei nicht nur so daher gesagt, warnt Rogers: „Schon 2007 waren die Schuldenberge hoch. Jetzt sind sie durch die Geldmengenausweitung in Japan, Europa und den USA ein Vielfaches höher. Im Gegensatz
zu 2007 ist jetzt selbst China hoch verschuldet.“

Auch 2007 hätte sich die Finanzkrise mit der Pleite von Island und der 85-jährigen Bank Bear Sterns angekündigt, nur niemand nahm Notiz davon. „Auch heute gibt es Hinweise, die zu wenig beachtet werden, wie die Pleite der lettischen Großbank ABVL oder die drohenden Staatsbankrotte in Venezuela, Argentinien oder der Türkei“, warnt der Promi-Investor. Doch wie kann man sich gegen den nächsten Finanzkollaps wappnen? In dem man das Verlustrisiko auf möglichst viele Asset-Klassen und Investments verteilt? Von Risikostreuung hält Roger gar nichts: „Durch diversifizieren wird man nicht reich. Milliardäre wie Bill Gates sind fokussiert, legen alle Eier in einen Korb. Man muss außerdem antizyklisch denken und sollte nur dort investieren, wo man sich auskennt.“

Roger investiert aktuell in den Anbau von Cannabis: „Darin bin ich inzwischen gut beschlagen. Das ist ein riesiger Markt, weltweit wird Hanf vor allem für medizinische Zwecke legalisiert. Ich habe mich an einer Plantage in Kolumbien beteiligt, die Cannabis in flüssigem Zustand in die USA exportiert. Ich rechne, dass Agrarprodukte insgesamt zwei gute Jahre sehen werden. Daneben halte ich Anteile an russischen Agraraktien und an der Fluglinie Aeroflot. Wegen der attraktiven Rendite investiere ich kurzfristig in russische Staatsanleihen. Diese Papiere können kaum noch weiter verlieren. Wenn wir Amerikaner wirklich freie Bürger wären und für uns Investments auch in Nordkorea oder Venezuela erlaubt wären, würde ich mich in diese maroden Märkte einkaufen. Sie können nur noch steigen.“ So sei das auch mit der Wiener Börse 1985 gewesen, als Promi-Investor Rogers den am Boden liegenden österreichischen Kapitalmarkt in Übersee zum Kauf empfahl: „Die Wiener Börse war völlig unbekannt und ging, nach meinem Gespräch mit dem Finanzmagazin Barron’s durch die Decke.“

Das war einmal. Heute besucht der Amerikaner Wien nur noch als Tourist, Buchautor oder um Vorträge zu halten. Aktien kaufte Rogers zuletzt in Zimbabwe zu. In Europa wären die fetten Jahre schon vorbei, ebenso in den USA. Dennoch hält der Crash-Prophet große Dollarbestände in seinem Portfolio. Wie passt das zusammen? „Wenn es weltweit kracht, flüchten alle in den vermeintlich sicheren Hafen Dollar. Dann verkaufe ich teuer meine Dollarbestände und kaufe mir dafür günstig Gold. Wir haben 2008 gesehen, dass Silber und Gold gemeinsam mit den Weltbörsen kollabieren.“

Im Vergleich zu früher, als er noch den Quantum-Fonds managte, arbeite er heute mit geringeren Hebeln: „Ich bin inzwischen zu faul, um zu leveragen, obwohl dies bei den heutigen, tiefen Zinsen sehr günstig wäre.“

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Aktionäre, bitte melden!

Die High-Tech-Schmiede Pankl Racing lud zur ersten HV nach dem Delisting.

Klaus Schweinegger live aus der HV. Es war die erste HV nach dem Delisting im Vorjahr. Und auch im Jahr eins nach einer 20-jährigen Börsengeschichte konnte der wie gewohnt im klassischen Leobner-Anzug auftretende Vorstand 16 Aktionäre begrüßen. Derweilen sollten es wesentlich mehr sein, denn neben einem alljährlich launisch-unterhaltsamen Aktionärstreffen lockte diesmal auch eine Werksbesichtigung im neuen (für KTM produzierenden) Getriebewerk samt Präsentation von hochmodernen 3-D-Druckern.

Verzicht auf Dividende
Da sich viele Privat-Aktionäre seit dem Börse-Rückzug im Mai 2018 noch nicht in das Aktienbuch des Konzerns eintragen haben lassen (von zuletzt rund 25.500 Aktien im Streubesitz haben sich die Besitzer von knapp 22.000, das sind 0,7 % vom Grundkapital, noch nicht gemeldet, Anm.), verzichten diese darüber hinaus auch auf die Dividende von heuer abermals 0,60 Euro – die Meldefrist endet dafür allerdings erst in einem Jahr.

Ein Hoch auf den Standort
Abseits der durchwachsenen Ergebnisse (einem Rekordkonzernumsatz von 217 Mio Euro steht ein Minus beim EBIT von 13 % auf 10,3 Mio Euro bzw. aufgrund positiver Steuereffekte in der Slowakei ein Nettoergebnis von 8 Mio Euro gegenüber) waren diesmal natürlich das Delisting und auch die Investitionen in Kapfenberg ein Thema. Aufsichtsrat-Chef Stefan Pierer zum Abgang von der Börse: „Es war ein erfolgreiches Kapitel, das aber jetzt zu Ende ist!“

Schade, denn immerhin ermöglichte der IPO im Jahr 1998 samt darauf folgender Kapitalerhöhungen die Entwicklung von einer Firma mit damals 15 Mio Euro Umsatz und 94 Mitarbeitern hin zu einem Konzern mit heute 216 Mio Euro Umsatz und einer Belegschaft von 1.800 Kollegen. Dass mehr als 1.000 davon in Österreich tätig sind, dafür macht Pierer, der einen Squeeze-out aber ausschließt, auch die Standortpolitik der „roten“ Gemeinde Kapfenberg verantwortlich. Diese ist für ihn vorbildhaft für ganz Österreich. So ruft der Bürgermeister der Stadt laut dem Industriellen zumindest einmal im Monat bei ihm an, ob alles passt.

Naheliegend, dass nach der Großinvestition in das bereits genannte „High Performance Antriebswerk“ und das „Pankl Additive Manufacturing Competence Center“ auch ein neues Aerospacewerk demnächst vor Ort entstehen soll. Nachsatz: Nur hier-zulande bekommt Pankl die dafür gut ausgebildeten Facharbeiter.

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Iran-Sanktionen heizen Ölpreis kräftig an

Ein Ende der Ausnahmen sorgt für reichlich Nervosität unter Marktteilnehmer.

Raja Korinek.Jetzt also doch: Vor kurzem hatte US-Präsident Donald Trump sämtliche Ausnahmen auf Ölexporte aus dem Iran aufgehoben, womit die Ausfuhren auf null sinken sollen und die Regierung in Teheran zu Neuverhandlungen über das Atomabkommen gezwungen werden soll.

Die Ausnahmen hatten für Abnehmerländer wie etwa Indien und Japan, aber auch für China gegolten. Dabei ist das Reich der Mitte mit täglich 600.000 Fass der größte Abnehmer, weshalb wichtige Raffinerien auf die Besonderheiten des iranischen Öls eingestellt wurden. Entsprechend zeigte sich Peking wenig erfreut, und das in Mitten des US-Handelsstreits.

Ölpreis zieht kräftig an
Auch die Reaktion auf den Märkten ließ nicht lange auf sich warten. Allein die Nordseemarke Brent schnellte auf gut 74 USD je Fass hinauf. Das Dilemma: Schon jetzt ist der Ölmarkt unterversorgt, zeigt Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank, auf. Aufgrund der Sanktionen könnte sich die Lage verschärfen.

Noch im März betrugen die iranischen Ölexporte rund 1,3 Mio Fass pro Tag. Fallen diese tatsächlich weg, „würde sich das Defizit am Ölmarkt auf bis zu 2 Mio Fass pro Tag ausweiten. Die USA setzen offenbar darauf, dass Saudi-Arabien und andere Anbieter in die Bresche springen“, so Fritsch.

Saudi-Arabien im Fokus
Derzeit produziert Saudi-Arabien rund 500.000 Fass pro Tag weniger als es laut Kürzungsabkommen dürfte. Das Abkommen wurde Ende 2018 von der OPEC gemeinsam mit verbündeten Ländern wie Russland verlängert, wobei die Produktionskürzungen bei 1,2 Mio Fass pro Tag angesetzt wurden. Zum Vergleich: Die weltweite Förderung liegt bei knapp 100 Mio Fass pro Tag, wovon die OPEC rund ein Drittel beisteuert.

Jedenfalls könnte Saudi-Arabien seine Ölproduktion problemlos um diese 500.000 Fass pro Tag anheben, fügt der Commerzbank-Experte hinzu. „Eine stärkere Anhebung würde das Abkommen aber verletzen, und schwere Verwerfungen innerhalb der OPEC zur Folge haben. Ob Saudi-Arabien dazu bereit ist, bleibt abzuwarten.“

Chancen mit Zertifikaten
Interessierte Anleger können etwa mittels Zertifikate auf die weitere Kursentwicklung setzen. Eine Möglichkeit bietet das „RICI EnhancedSM Brent Öl ETC“ der BNP Paribas (ISIN: DE000PB6R1B1). Hier wird laufend auf die künftige Preisentwicklung mittels Derivate, sogenannte Futures, gesetzt. Bei der Verlängerung dieser Futures-Geschäfte wird darauf geachtet, dass stets der günstigste Future gewählt wird.

Denn Future-Geschäfte können auf unterschiedliche Laufzeiten abgeschlossen werden, maximal auf bis zu zwölf Monate. Und da können die Preise bei den unterschiedlichen Laufzeiten ein gutes Stück voneinander abweichen.

Eine weitere Möglichkeit bieten Stay-High-Optionsscheine. Der Clou: Der Preis – in diesem Fall von Brent – muss stets über einer bestimmten Marke, der Knock-out-Schwelle, bis Laufzeitende verharren. Wird die Schwelle während des Beobachtungszeitraumes nie berührt, erhalten Anleger am Laufzeitende 10 Euro pro Schein. Passiert es doch, verfällt der Schein.

Wie viel Anleger an dem Investment verdienen – sofern der Schein nicht verfällt – hängt letztendlich vom Einstiegskurs ein. Je weiter da die Knock-Out-Schwelle entfernt ist, desto teurer ist der Schein, weil auch der Puffer größer ist. Konkret gibt es den Stay-High-Optionsschein auf Brent Future von der Société Générale (DE000ST9TY 72).

Bei beiden Produkten müssen Anleger das Kurs- und Währungsrisiko beachten.

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Einzelhandel im Wandel: Wohin geht die Reise?

In den vergangenen Jahren erlebte der Einzelhandel einen grundlegenden Strukturwandel. Das Internetgeschäft boomt, und den Verbrauchern bieten sich neue Einkaufsmöglichkeiten. Im Folgenden erörtern Fondsmanager von GAM Investments ausgewählte Chancen im Zusammenhang mit dem Einzelhandelssektor und seiner weiteren Entwicklung.

Der konventionelle Einzelhandel hatte es in den vergangenen Jahren nicht leicht. Viele renommierte Unternehmen mussten Konkurs anmelden, tausende Arbeitsplätze gingen verloren, und die Sorge um die Zukunft des Sektors nahm zu. Allein in Großbritannien meldeten in den vergangenen zwei Jahren Toys R Us, Maplin, HMV und PoundWorld Konkurs an. Darüber hinaus hatten etliche andere etablierte Konzerne wie M&S und New Look im letzten Weihnachtsgeschäft unter den widrigen Handelsbedingungen zu leiden.

Hauptursache für diese Misere ist der strukturelle Wandel des Einzelhandelssektors mit einem florierenden Internetgeschäft und völlig neuem Einkaufsverhalten der Verbraucher. GAM Investments ist jedoch davon überzeugt, dass sich trotz der laufenden Veränderung des Einzelhandelssektors unverändert ausgewählte Anlagechancen bieten.

Logistik stellt Unternehmen vor Herausforderungen

Niall Gallagher, Investment Director für europäische Aktien: Dass der Trend zum E-Commerce erheblich zum Rückgang der Kundenströme in den Innenstädten beigetragen hat, ist kein Geheimnis – sehr zum Leidwesen der klassischen Marken und Kaufhäuser. Doch auch die Gewinner des Wandels bleiben von den Problemen des Einzelhandels nicht verschont. So wurden weitsichtig agierende Firmen benachteiligt, die massiv in IT und Logistik investierten, um ihre Bestände optimal auf die Bedürfnisse sowohl von Online- als auch Offline-Kunden abzustimmen. Dazu gehört Inditex, ein Unternehmen, das vor allem für sein Modelabel Zara bekannt ist. Mit seinem integrierten Ansatz aus unzähligen Möglichkeiten für Verbraucher – wie online einkaufen, im Laden abholen oder zurückgeben, usw. – konnte sich der Textilkonzern eine operative Marge im mittleren Bereich zwischen 10 und 20 % sichern – und das in einer Branche, die nur knapp ein ausgeglichenes Ergebnis verzeichnet. Zalando, ein reiner Online-Versandhändler, passt derzeit sein Geschäftsmodell an, um es zukunftstauglich zu machen. Das Unternehmen entwickelt sich zu einer Plattform, über die Einzelhändler eigene Warenbestände nach ihren Wünschen an die 26 Millionen Zalando-Kunden vertreiben können.

Beide Unternehmen stehen vor den gleichen Problemen der Vorratshaltung: zu viel, zu wenig oder die falschen Artikel am falschen Ort. Als Lösung versucht Inditex, sein Angebot mit der ganzheitlichen Betrachtung seines Inventars und der Verbindung von Kunst und Wissenschaft erfolgreich auf die Nachfrage abzustimmen. Das bedeutet, sich bei den Filialleitern über angesagte Modetrends und nachgefragte Artikel zu informieren und firmeneigene Top-Down-Algorithmen zu implementieren, die den einzelnen Läden Waren zuteilen.

Neue Ära: Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungskette
Tim Love
, Investment Director für Schwellenländeraktien: Sollte die Mittelschicht in China zwischen den Jahren 2009 und 2030 wie erwartet von 12 auf 73 % der Bevölkerung anwachsen, dürfte der chinesische Privatkonsum das 2,5-fache des US-Privatverbrauchs betragen. Schon jetzt greifen mehr Chinesen als Amerikaner, Brasilianer und Indonesier zusammengenommen über ein Mobiltelefon auf das Internet zu. Etwa die Hälfte der Online-Käufe wird in China mit dem Handy abgewickelt. In den USA beträgt der Anteil nur etwa ein Drittel. Für den Einzelhandel bricht eine neue Ära an, in der die gesamte Wertschöpfungskette digitalisiert wird. Smartphones, soziale Medien, mobile Bezahllösungen und E-Commerce haben sich in den Ballungszentren längst fest etabliert. Wo Urbanisierung und Digitalisierung rasch voranschreiten, die verfügbaren Einkommen steigen und sich der Lebensstil verändert, entwickelt sich beispielsweise in Indien der Einzelhandelssektor schneller als je zuvor. Wir sind der Ansicht, dass mittlerweile ein Wendepunkt erreicht ist, an dem der organisierte Einzelhandel und Konsum in Indien einen Wachstumskurs einschlagen. Der indische Einzelhandelssektor ist in hohem Maße fragmentiert. 97 % der Unternehmen werden von unorganisierten Händlern geführt, beispielsweise von traditionellen Familienbetrieben und typischen Minimärkten. Aus diesem Grund erwarten wir in diesem Segment ein enormes Wachstumspotenzial.

Das bedeutet aber auch, dass die Einzelhändler mit der Zeit gehen, innovativ sein und ihre Kräfte bündeln müssen, damit der Weg des Kunden zum Einkauf möglichst reibungslos verläuft. Erfolg heißt im neuen Einzelhandelsumfeld nicht, das laufende oder nächste Quartal durchzustehen, sondern sich für das nächste Jahr und die darauf folgenden Jahre zu rüsten. Die Unternehmen müssen sich überlegen, wie sie anstatt des größten kurzfristigen Werts den maximalen Nutzen aus dem Kunden über einen gesamten Lebenszyklus ziehen. Je nach Modell kann dies auch eine neue Sichtweise auf Geschäftsinvestitionen und Margen erfordern.

Multi-Channel-Vertrieb eröffnet Chancen

Mark Hawtin, Investment Director für Technologieaktien: Insbesondere der Einzelhandel erfährt eine faszinierende Disruption: Es reicht nicht mehr aus, reinen Online-Handel zu betreiben. Noch vor fünf Jahren konnten schnell wachsende Online-Einzelhändler hohe Preisaufschläge durchsetzen. Heute ist die Online-Vermarktung lediglich einer von vielen Vertriebswegen und sollte unbedingt durch andere Kanäle ergänzt werden. Das erklärt, weshalb ein Konzern wie Amazon die Lebensmittelkette Whole Foods übernommen hat. Die Kombination der verschiedenen Vertriebskanäle, mit denen der Markt erreicht werden kann, macht den ausschlaggebenden Unterschied, weshalb wir es für abwegig halten, einen deutlichen Aufschlag für reine Online-Händler zu zahlen. Vermutlich ist das auch der Grund, weshalb das Versandunternehmen Asos, das keine Omnichannel-Strategie verfolgt, zuletzt etwas zu kämpfen hatte. Nach unserer Einschätzung geht es im Einzelhandel nicht mehr allein um den stationären Verkauf, sondern um vielfältige Möglichkeiten, Kunden zu erreichen. Und es kommt sehr deutlich zum Ausdruck, dass Unternehmen, die mehrere Vertriebskanäle gleichzeitig nutzen, wesentlich mehr Produkte verkaufen.

Luxusunternehmen: Trend zum Erlebnis-Shopping nutzen

Swetha Ramachandran, Investmentmanagerin für Luxusaktien: Obwohl beim Kauf von Luxusgütern das Einkaufserlebnis und die Servicekomponente höher gewichtet werden, und dies online noch nicht im gleichen Umfang ermöglicht werden kann, ist auch diese Branche nicht völlig gegen die Dynamik immun, die im preisgünstigeren Einzelhandelssegment zu den drastischen Umsatzrückgängen geführt hat. Um Abhilfe zu schaffen und das Interesse für ihre stationären Geschäfte zu wecken, setzen Luxusunternehmen verstärkt auf Innovation, insbesondere in Form von Pop-up-Stores. Chanel und Tiffany nutzen diese neuen temporären Boutiquen mit einer kleinen, aber feinen Produktauswahl nicht nur als Marketinginstrument, sondern wollen damit auch ihre Profitabilität steigern, indem sie den zunehmenden Durst ihrer Kundinnen und Kunden nach Neuem und Individuellem stillen. Die Zusammenarbeit von etablierten Luxusfirmen mit aufstrebenden Marken hat bei den Kunden für rege Begeisterung gesorgt, beispielsweise die Kooperation «Louis Vuitton x Supreme»: Der plötzliche Ansturm auf teilnehmende Filialen erinnerte an den iPhone-Hype bei Apple.

Für die kooperierenden Marken ist es eine «Win-win»-Situation. Der Kunde ist glücklich, weil er über diese Kanäle ein limitiertes und exklusives Produkt ergattern kann. Die Unternehmen freuen sich, dass sie ein neues, wahrscheinlich jüngeres Publikum anziehen, für die Marke begeistern und Schritt für Schritt zum Kauf hochpreisiger Produkte überzeugen können.

Der wachsende Trend zum Erlebnis-Shopping lässt sich gut mit der Zunahme innovativer Konzepte vereinbaren, um die Aufmerksamkeit neuer Kunden zu wecken, die Wert auf die Geschichte hinter dem Luxusobjekt legen. Daher verspricht auch die Londoner Filiale von Marchesi 1824, einer in Mailand sehr erfolgreichen Patisserie aus dem Hause Prada, ein Publikumsmagnet zu werden. Nicht auszudenken, wie lang die Schlangen für ein Prada-Törtchen in London sein werden!

Stationärer Einzelhandel: Mehr Flexibilität gefragt

Adrian Gosden, Investment Director für britische Aktien: Der Trend zum Online-Shopping hat die Geschäftswelt in den Städten verändert. Die steigenden Kosten für stationäre Einzelhändler im Zusammenhang mit Mindestlöhnen, explodierenden Mieten und Gewerbesteuern tun ihr Übriges. Ohne staatliche Interventionen (Rücknahme der Abgabenerhöhungen) und kommunale Maßnahmen (Städteplanung, Parkplätze) lässt sich diese Entwicklung nach unserer Einschätzung nicht aufhalten. Dennoch ist es einigen Einzelhandelsunternehmen wie Shoe Zone gelungen, der Ödnis in den Innenstädten zu trotzen und beeindruckende flächenbereinigte Umsatzzuwächse zu melden. Das Unternehmen ist ein seltenes Beispiel dafür, dass man sich nicht an Ladenbesitz binden sollte. Mit einer durchschnittlichen Mietdauer von nur zwei Jahren kann es flexibel auf Marktveränderungen reagieren. Daneben wird der Cashflow nicht durch ständige Mieterhöhungen belastet – ein Problem, das bereits so manchen anderen Einzelhändler in die Pleite getrieben hat. Dank dieses Cashflows kann eine dynamische Dividendenpolitik verfolgt werden. Kürzlich wurde sogar eine Sonderdividende angekündigt.

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Schwellenländer-Bonds boomen

Gute Fundamentaldaten sorgen für reichlich Rückenwind. Die verbesserte wirtschaftliche und politische Lage macht Investments auch in Argentinien wieder interessant.

Raja Korinek.Das vierte Quartal 2018 waren raue Monate an den weltweiten Börsen. Da blieben Anleihen aus den Schwellenländern ebenso wenig verschont. Doch die Zurückhaltung der Notenbanken auf beiden Seiten des Atlantiks bei den Zinsanhebungen sorgte zu Jahresbeginn für eine kräftige Trendwende.

Zuletzt hat der Internationale Währungsfonds seine Prognose für das globale Wachstum für 2019 zwar auf 3,3 % gesenkt. Die Stimmung dürfte es aber nicht eintrüben. „Schließlich wird nicht mit einem Einbruch gerechnet“, unterstreicht Andrew Grijns, Senior Client Portfolio Manager im Schwellenländerteam von Pictet Asset Management.

Kräftiges Wirtschaftswachstum
Dabei findet Grijns gute Gründe für ein Investment in die Schwellenländer: Das Wirtschaftswachstum liegt im Schnitt über jenen in den entwickelten Märkten. In China scheint das schlimmste ausgestanden, andere große Länder wie Brasilien verzeichnen eine allmähliche Verbesserung des Wachstums. „Und die Inflation hält sich Großteils in Grenzen“, ergänzt Grijns. Er findet auch die Renditen auf attraktivem Niveau. Denn aktuell liegen diese bei Emerging Market Bonds in Lokalwährung im Schnitt bei 6,25 %. Bei jenen in Hartwährung sind sie ein wenig tiefer.

Allerdings hält man bei Pictet Asset Management aktuell die Währungen in den Schwellenländern für gut 25 % gegenüber dem Dollar für unterbewertet. Auch fundamental spricht einiges für Lokalwährungsanleihen. Allein die durchschnittliche Bonitätsnote des Sektor-Indexes, dem „JP Morgan GBI-EM Global Diversified Index“, ist ein BBB, liegt somit im oberen Segment, dem Investment-Grade-Bereich.

Beim „Pictet – Emerging Local Currency Debt“ (ISIN: LU028043 7673) nutzt man jedenfalls Chancen. Zuletzt wurde vor allem bei Anleihen aus Mexiko aufgestockt. Die Wahlen sind geschlagen, nun könnten Zinssenkungen anstehen, um den schwächelnden Wachstum zu kontern. Auch bei Lokalwährungsanleihen in Indonesien und Malaysia wurden aufgestockt.

Argentiniens Comeback
Und weil in Argentinien das Schlimmste ausgestanden scheint, setzt man dort auf eine Erholung des argentinischen Pesos. „Die Chancen, dass die ehemalige argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner im Oktober wiedergewählt wird, sind gering“, meint Grijns.

Doch auch bei den Hartwährungsanleihen werden im „Pictet – Global Emerging Debt“ (LU0128 467544) reichlich Chancen genutzt. In der Benchmark, dem „JP Morgan EMBI Global Diversified Index“, liegt allerdings das durchschnittliche Rating bei einem BB, ist damit im Hochzinssegment. Grijns erklärt: „Jene Länder, die wirtschaftlich besser dastehen, können es sich längst leisten, in Lokalwährung zu emittieren.“ Das erklärt auch die bessere Bonität in letzterem Segment.

Dollarbonds reizen ebenfalls
Was also reizt an Hartwährungsanleihen? Erst im Feber hat man kräftig bei ägyptischen Anleihen zugelangt. Heuer läuft das 12 MrdUSD schwere Hilfsprogramm vom IWF aus, weitere Hilfen werden vermutlich nicht beansprucht. Das macht die Anleihen attraktiv. Auch bei Dollarbonds aus Argentinien setzt man auf einen Kursanstieg.

Obendrein habe man Anleihen aus Venezuela behalten. „Sobald sich eine Lösung abzeichnet, werden sich die Kurse vermutlich erholen“, so Grijns. Bis dahin müsse man die Entwicklungen durchsitzen. Überhaupt sollten Anleger bei entsprechenden Investments langfristig investieren und größere Schwankungen verkraften können.

Foto: Buenos Aires – werner22brigitte – pixabay

Gelingt China ein erfolgreiches Comeback?

Die jüngsten Wirtschaftsdaten deuten auf eine Erholung. Das eröffnet Anlegern Chancen. Die jüngste Erholung der chinesischen Wirtschaft lädt zum Investieren in Investmentfonds ein.

Raja Korinek.Die Schreckensnachricht von Ende 2018 rund um Chinas Wirtschaftsverlangsamung haben Anleger sichtlich verdaut. Zumindest, wenn man Chinas Aktienbarometer betrachtet. Sie legten seit Jahresbeginn kräftig zu. Doch woher kommt das Vertrauen? Allein im US-Handelskonflikt gibt es ermunternde Signale, meinen Experten.

Auch wirtschaftlich scheint es langsam aufwärts zu gehen. Bereits im März stieg der Einkaufsmanagerindex auf 50,5 Punkte. Für Janis Hübner von der Deka Bank deute sich damit eine konjunkturelle Stabilisierung an. Er meint aber auch, dass in den Monaten November 2018 bis Feber 2019 vor allem die externe Nachfrage besonders schwach gewesen sei, da es vermutlich aufgrund der Angst vor Zollerhöhungen zuvor zu Vorzieheffekten gekommen sei.

Und er gibt sich auch ein wenig vorsichtig: „Das Umfeld eines schwachen Welthandels bleibt auch in den kommenden Monaten ein konjunktureller Belastungsfaktor für die chinesische Wirtschaft.“

Die Maßnahmen wirken
Umso mehr ist Chinas Regierung bemüht, die Konjunktur mit Maßnahmen anzukurbeln. Anfang April wurden etwa die Mehrwertsteuersätze gesenkt. Das soll die Inlandsnachfrage stützen, meint Hübner. Auch die Ausgaben für Infrastrukturprojekte wurden erhöht. Dazu wurden von chinesischen Provinzen Anleihen begeben, während die Regierung die Zinsen senkte.

Für Chi Lo, er ist Senior Economist bei BNP Paribas Asset Management Asia, sind die positiven Auswirkungen allmählich sichtbar. Dazu verweist er etwa auf die Einzelhandelsumsätze. Sie haben sich stabilisiert, nachdem sie noch im vierten Quartal 2018 sanken.

Kredite und Immobilien
Doch Lo gefallen noch weitere Entwicklungen. Die Kreditvergabe durch die Banken an den privaten Sektor nimmt wieder zu. Inzwischen wächst die Kreditvergabe um fast 12 % im Jahresvergleich, das ist aber immer noch weniger als beim Zwischenhoch von 2015. Da lag die Rate bei rund 17 %.

Selbst im Immobiliensektor steigen die Investitionen wieder an, „obwohl sich die Immobilienverkäufe noch in Grenzen halten“. Für den Ökonomen sind das ermutigende Anzeichen. Investoren seien sichtlich der Meinung, dass das schlimmste ausgestanden sei.

Doch was bedeuten die Entwicklungen für die Fondsexperten? Im „Parvest Equity China“ (ISIN: LU0823426308) setzt man auf drei übergeordnete Themen, dem höherwertigen Konsum, der Industriekonsolidierung (allein 2018 wurden 150 Mio Tonnen an Stahlkapazitäten und 630 Mio Tonnen an Kohlekapazitäten abgebaut), sowie auf Technologie und Innovationen. Allein bei den Ausgaben für die Forschung und Entwicklung dürfte China heuer die USA und Japan überholen.

Technologie-Nachschub an der Börse
Schon jetzt holt das Reich der Mitte allein bei den etablierten Startups, den sogenannten Unicorns, kräftig auf. Das sind Firmen mit einer Marktbewertung von mehr als 1 MrdUSD. Derzeit gibt es in China 79 Unicorns, das sind fast 30 % aller Unicorns weltweit, Tendenz steigend. Die meisten Unicorns gibt es mit aktuell 127 in den USA. Dabei dürften in den kommenden zwölf bis 18 Monaten zahlreiche dieser Firmen aus China an die Börse gehen, was eine Menge neuer Chancen bieten werde, ist man bei der BNP Paribas AM überzeugt.

Auch der Online-Handel wächst kräftig. Derzeit macht er 10 % aller Einzelhandelsumsätze aus. Aktuell zählen zu den größten Fondspositionen der Online-Händler Alibaba (US01609W1027), die Internetfirma Tencent (US88032Q1094) sowie der Versicherer Ping An Insurance (CNE1000003X6).

Foto: skeeze/pixabay

Kampf dem Krebs!

Eine neue Aktienanleihe setzt auf Onkologie-Spezialisten. Unternehmen, die im Bereich der Onkologie forschen werden auch weiter an Bedeutung gewinnen.

Harald Kolerus.Traurig aber wahr: Die Wahrscheinlichkeit in seinem Leben von der Diagnose Krebs betroffen zu sein, liegt bei rund 40 %. Deshalb gibt es Forderungen zu einer „gebündelten europäischen Kraftanstrengung“, um eine Lösung gegen dieses Übel zu finden, wie es auch unlängst EVP-Fraktionsvorsitzender Manfred Weber bei einem Vortrag in Wien formulierte: „Ein Land alleine schafft das nicht, das geht nur gemeinsam. Außerdem würden mit so einem Vorzeigeprojekt auch wichtige Impulse für die EU-Wirtschaft gesetzt.“

Man wird sehen, ob ein solch grenzübergreifender „Moonshot“ tatsächlich zu verwirklichen ist, aber bereits jetzt wird an der Bekämpfung der heimtückischen Krankheit heftig geforscht. Mit durchaus erfreulichen Resultaten: „Vor 1980 starben mehr als zwei Drittel aller Krebspatienten an ihrer Erkrankung. Heute kann mehr als die Hälfte auf dauerhafte Heilung hoffen“, so das Deutsche Krebsforschungszentrum DKFZ.

Wachsender Milliardenmarkt
Wobei man natürlich nicht die finanzielle Komponente vergessen darf: Der Markt für die Behandlung von Krebs (Onkologie) ist der mit Abstand größte Teilbereich innerhalb des Segments verschreibungspflichtiger Medikamente; Schätzungen zufolge könnte er in den nächsten Jahren auf ein Gesamtvolumen von 200 MrdUSD wachsen. Health-Care-Unternehmen verstärken hierbei ihre Stellung durch erhöhte Forschungsanstrengungen und Übernahmen. Zurzeit kann sich Roche noch als Nummer eins bezeichnen, muss sich aber vor diversen Konkurrenten in Acht nehmen. Bristol-Meyers Squibb (BMS), die aktuelle Nummer zwei im Onkologiemarkt, hat angekündigt, Celgene, die Nummer vier, für stattliche 74 MrdUSD übernehmen zu wollen.

Das könnte den bisherigen „Platzhirsch“ Roche doch unter Druck setzen, denn bei dem Unternehmen laufen Onkologie-Patente in den kommenden Monaten aus und durch den BMS/Celgene-Zusammenschluss könnte ein neuer Marktführer entstehen. In dem stark umkämpften Bereich der Immuntherapie ist Roché ebenfalls in Rückstand geraten. So erwies sich das Medikament Tecentriq als weniger effizient als angenommen.

Vier in Einem
Wer in dem harten Wettrennen die Nase vorne haben wird, lässt sich nicht abschätzen. Allerdings muss man ja auch nicht auf nur ein „Pferd“ setzen. Eine Lösung für einen alternativen Investmentansatz bietet die „9,50% p.a. Protect Multi Aktienanleihe auf Bristol-Myers Squibb, Merck, Novartis, Roche“ (ISIN: DE000VF4C3E9). Heiko Geiger, Spezialist für strukturierte Produkte des Unternehmens, erklärt im Gespräch mit dem Börsen-Kurier: „Die genannten Pharma-Unternehmen sind Blue Chips, die breit aufgestellt aber gleichzeitig einen starken Fokus im Onkologie-Bereich haben. Sie gelten als weniger volatil im Vergleich zu kleineren, weniger bekannten Namen.“

Dadurch entsprechen sie laut dem Experten auch einem gewissen Trend zur Sektor-Rotation, der aktuell zu bemerken sei: „Investoren überlegen sich aufgrund der guten Performance von Technologiewerten in eher defensive Bereiche umzuschichten. Eine Tendenz, die auch von Ängsten eines Konjunkturabschwungs gestützt wird. Pharmatitel gelten klassischerweise als defensive Aktien. Mit ihrem Geschäftsfokus auf die Krebsforschung, kombiniert mit einem wachsenden Markt im Umfeld dieser Zivilisationskrankheiten, weisen sie aber auch potenzielle Kursfantasien auf.“

Die Aktienanleihe ist weiters mit einem attraktiven Kupon von fast 10 % ausgestattet und verfügt über einen komfortablen Abstand zur Barriere von 25 %. Abschließend meint Geiger zu dem Produkt: „Somit eignet es sich vor allem für Investoren, die mit leicht fallenden über seitwärts tendierenden bis zu leicht steigenden Märkten rechnen.“

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Green Bonds auf dem Prüfstand

Wie „grün“ sind sogenannte Green Bonds tatsächlich?

Es ist eine gute Nachricht: Die weltweite Ausgabe grüner Anleihen hat die 500 Mrd-USD-Marke geknackt, wobei die Nachfrage weiter steigt

Es ist eine gute Nachricht: Die weltweite Ausgabe grüner Anleihen hat die 500 Mrd-USD-Marke geknackt, wobei die Nachfrage weiter steigt. Aber worum handelt es sich bei Green Bonds ganz genau genommen?

Ein weiterer Aspekt betrifft die sogenannte „Zusätzlichkeit“ (in Fachkreisen auch als Additionality bekannt) – also die Frage, ob die von grünen Anleihen finanzierten Aktivitäten auch ohne deren Ausgabe umgesetzt worden wären, und ob diese Bonds entscheidend zur Bewältigung von Problemen wie dem Klimawandel beitragen. Wäre die Zusätzlichkeit nicht gegeben, könnte man Green Bonds nämlich als mehr oder weniger obsolet bezeichnen.

Greenwashing entgegenwirken

Experten sehen das nicht so negativ, Ben Constable Maxwell, er ist Head of Sustainable and Impact Investing bei M&G, meint dazu gegenüber dem Börsen-Kurier: „Wir sind der Ansicht, dass grüne Anleihen zusätzliche Bedeutung haben, da sie die Finanzierung nachhaltiger Projekte oder Unternehmen erleichtern, die diese Mittel sonst nicht erhalten könnten. Grüne Anleihen werden ausgegeben, um Finanzmittel für einen bestimmten – umweltfreundlichen – Zweck oder ein spezielles Projekt aufzubringen. Vor allem muss der Emittent angeben, wie der Erlös verwendet wurde, mit einer Zusicherung durch Dritte.“ Wobei höchster Wert darauf gelegt wird, Greenwashing entgegen zu wirken: „Wir investieren nur in zertifizierte grüne Anleihen und identifizieren neue und bestehende Emissionen mithilfe von verfügbaren Screening-Tools wie Bloomberg. Der Fondsmanager wird auch die voraussichtlichen Auswirkungen der Anleihen und die Absicht des Emittenten bewerten“, so der Experte.

Andere Investmentprofis gehen ähnlich vor, Rhys Petheram, Co-Fondsmanager des „Jupiter Global Ecology Diversified“, erklärt: „Für uns ist entscheidend, ob Green Bonds nachhaltige Ziele erreichen. Ob also entscheidend zur Bewältigung von Problemen wie z.B. dem Klimawandel beigetragen wird. Zusätzlichkeit ist für uns ein Schlüsselfaktor für den Markt, um dessen gesamtes Potenzial auszuschöpfen.“ Jupiter begrüßt daher auch den Schwerpunkt auf Zusätzlichkeit bei der letzten jährlichen Green Bond Principles (GBP) Consultation. Bei den von der ICMA (International Capital Market Association), einem internationalen Branchenverband für Banken und Finanzdienstleister, entwickelten GBP handelt es sich um ein Regelwerk mit Selbstverpflichtung der Teilnehmer.

Intensive Diskussion

Inwiefern wird Additionality nun aber im Bereich von Grünen Anleihen beachtet, bzw. inwieweit können die anvisierten ökologischen Ziele erreicht werden? Petheram im Gespräch mit dem Börsen-Kurier: „Die Situation ist nicht ideal, aber es gibt Verbesserungen. Wir sind hier auch aufgrund der EU-Bestrebungen für eine einheitliche Taxonomie bei nachhaltigen Investments weiterhin optimistisch. Dieses einheitliche Kategorienschema wird nützlich für alle Asset-Klassen, nicht nur für Anleihen sein. Positiv ist außerdem zu bewerten, dass die Diskussion rund um Zusätzlichkeit am Markt intensiver geworden ist.“

Investmentmöglichkeiten

Anleger, die sich für Nachhaltigkeit und vor allem Green Bonds interessieren, könnten den „Jupiter Global Ecology Diversified Fonds“ (ISIN: LU1388737576) ins Auge fassen. Dieses Multi-Asset-Produkt ist zu rund einem Drittel in Aktien und zu zwei Drittel in Anleihen investiert, die den Nachhaltigkeitskriterien von Jupiter entsprechen. Passende Corporate Bonds findet man z.B. im Bereich von Müllaufbereitungs/Entsorgungs-Unternehmen oder bei Firmen die auf Energieeffizienz und erneuerbare Energie setzen.

Ebenso bietet der „M & G (Lux) Sustainable Allocation Fund“ (LU1900799617) Zugang zu Grünen Anleihen. Auch hier handelt es sich um einen Multi-Asset-Fonds, der die Vorteile einer flexiblen Asset-Allocation mit einem verantwortungsbewussten Investmentansatz verbindet.

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Mamutprojekt „Brexit-Lösung“ abgeschlossen

Im Gespräch mit Christian Nuschele vom schottischen Versicherer Standard Life.

Nachdem ein schottisches Gericht am 19. März die Pläne des in Österreich tätigen Versicherungsunternehmens Standard Life genehmigt hat, bestätigte dieses, dass die auf Euro lautenden Versicherungsverträge – um die Kontinuität für die Kunden aufrecht zu erhalten – per Ende März von der schottischen Standard Life Assurance Limited auf die irische (und somit EU-Gesellschaft) Standard Life International DAC übertragen wurden. Wir haben gemeinsam mit Vertriebschef Christian Nuschele hinter die Kulissen dieser umfangreichen Prozesse geblickt.

Börsen-Kurier:Herr Nuschele, das – verzeihen Sie bitte – auf gut Österreichisch „Kasperltheater“ um den Brexit nimmt nicht nur alle Schotten und Nordiren in Geiselhaft, auch die britische Wirtschaft wurde und wird vor Herausforderungen gestellt. Wie haben Sie persönlich die vergangenen Monate und Wochen erlebt?

Christian Nuschele:Es waren sehr intensive, arbeitsreiche Monate. Wir haben in den vergangenen 36 Monaten an einer Brexit-Lösung gearbeitet, mussten natürlich auch immer einen Blick auf die politischen Entwicklungen werfen und ganz wichtig immer unsere Vertriebspartner und Kunden über unsere Pläne informieren und ihre Rückfragen beantworten. Aber all das liegt hinter uns: Wir haben das Mammutprojekt pünktlich abgeschlossen und waren am 29. März 2019 startklar.

Börsen-Kurier:Um die Geschäftsbeziehungen zu Ihren rund 600.000 Kunden in Österreich Deutschland und Irland nahtlos fortführen zu können, haben Sie – als Versicherungskonzern mit Hauptsitz in Edinburgh – die Verträge im vergangenen Monat auf eine gleichlautende Gesellschaft in EU-Irland übertragen. Lassen Sie uns bitte etwas tiefer in die diesbezüglichen Überlegungen und die Umsetzung blicken.

Nuschele:Wir haben direkt nach dem Referendum unterschiedlichste Optionen geprüft. Nach intensiver Abwägung haben wir entschieden, die bereits etablierte Standard Life International DAC in Dublin auszubauen und die Bestände unserer europäischen Kunden an diese Gesellschaft zu übertragen.

So konnten wir sicherstellen, dass wir die bestehenden Verträge erhalten und unseren Verpflichtungen weiterhin nachkommen können. Nach der Übertragung der Bestände ist Standard Life international mit 600.000 Versicherungsverträgen und rund 26 Mrd Euro Versicherungsvertragsvermögen übrigens der zweitgrößte Versicherer Irlands.

Börsen-Kurier: Demnach ist alles reibungslos über die Bühne gegangen. Ändert sich nach außen hin irgendetwas für Endverbraucher bzw. Ihre Vertriebspartner?

Nuschele:Ja, es ist alles reibungslos über die Bühne gegangen. Es war besonders wichtig, eine Lösung zu finden, die für unsere Kunden und Vertriebspartner möglichst wenige Änderungen bringt. Dies ist uns gelungen. Die Verwaltung und Betreuung der Verträge wird aber weiterhin in Deutschland und Österreich stattfinden. Die Ansprechpartner bleiben die gleichen, nach der Übertragung gilt weiterhin österreichisches Vertrags- und Steuerrecht. Und natürlich hatte die Übertragung auch keine Auswirkungen auf die Vertragswerte und garantierten Leistungen.

Börsen-Kurier:In der österreichischen Tagespresse wurde thematisiert, dass die Verträge künftig nicht mehr unter dem Schutz des britischen Financial Services Compensation Scheme (FSCS), einem Ausfallsfonds, stehen. Das suggeriert, dass es gefährlicher ist, innerhalb der EU einen Versicherungsvertrag abzuschließen. Wie steht es also um die Sicherheit der Verträge?

Nuschele: Die Kunden müssen sich keine Sorgen machen. Sie werden künftig durch die irischen aufsichtsrechtlichen Vorschriften geschützt, die auf einer EU-Richtlinie beruhen und insofern mit den österreichischen Regeln vergleichbar sind. Danach werden die Ansprüche der Kunden aus Lebensversicherungen durch ein sogenanntes Sicherungsvermögen geschützt. Sicherungsvermögen sind Kapitalanlagen, die der Versicherer getrennt von seinem sonstigen Vermögen verwahren muss. Für den Fall, dass Standard Life International DAC wider Erwarten insolvent werden sollte, stehen diese Kapitalanlagen vorrangig für unsere Kunden zur Verfügung. Das bedeutet: Unsere Kunden werden bei Geschäftsausfall zuerst aus diesem Sicherungsvermögen bedient (abgesehen von den Kosten für das Insolvenzverfahren).

Börsen-Kurier: Aber kommen wir abschließend von der großen Weltpolitik wieder ins beschauliche Österreich. Was haben Sie hierzulande vor?

Nuschele:
Wir haben in den vergangenen Monaten in Österreich sehr viel geleistet: Wir haben mit B-SMART Invest ein neues Produkt auf den Markt gebracht, wir haben die Fondsauswahl in unseren Polizzen verbessert und wir haben „Future Ready“, ein Weiterbildungsprogramm für Berater gestartet. Mittlerweile ist auch unsere Vertriebsmannschaft wieder komplett, wir haben zwei tolle neue Kollegen gefunden. Darauf werden wir aufbauen. In diesem Jahr konzentrieren wir uns auf ergänzende Investmentlösungen, auf die Modernisierung unserer Produktpalette und die Stabilisierung unserer Partnerschaften im Markt.

Foto: Standard Life

Berufsunfähigkeit: „So viel kann man verlieren“

Die Österreicher sind unterdurchschnittlich gegen Berufsunfähigkeit versichert.

Rudolf Preyer.Eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit gehört in Österreich (noch) nicht zum Standard, wie eine aktuelle Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) im Auftrag des Versicherungsverbandes Österreich (VVO) zeigt.

Konkret hat gegenwärtig nur jeder 25. beschäftigte Österreicher eine private Berufsunfähigkeitsversicherung. Diese 4 % nehmen sich äußerst schmal gegenüber den Zahlen in Deutschland bzw. in den USA aus: Dort hat jeweils ein Drittel mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung vorgesorgt.

Berufsunfähigkeitsversicherungen springen grundsätzlich ein, wenn eine Person aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit seiner beruflichen Tätigkeit nicht mehr nachkommen kann. Die heimische Statistik sieht diesen Fall bei den unter 25-jährigen für eine unter 10.000 Personen gegeben. Bei den 45-Jährigen hingegen sind schon 14 Personen im 10.000er-Schnitt betroffen, bei den 60-Jährigen gar 110 aus dem 10.000er-Sample.

Laut WIFO-Studienautor Thomas Url verlieren Männer mit 25 Jahren bei Berufsunfähigkeit – so sie nicht versichert sind – von einem Drittel bis zur Hälfte ihres künftig noch zu erwartenden Nettolebenseinkommens. Die Entgangspanne bewegt sich bei gleich alten Frauen in einem leicht nach unten verschobenen Spektrum.

Die gegenständliche Studie belegt klar: Je älter man wird, desto mehr nimmt die hypothetische Einkommenslücke durch eine Berufsunfähigkeit ab. Bei 60-jährigen Männern schwankt diese zwischen sechs und zehn Prozent, bei Frauen zwischen acht und elf Prozent, so Url.

Adressaten einer Berufsunfähigkeitsversicherung

Für Studienautor Url sind insbesondere „junge, gut ausgebildete Menschen, denen potenziell eine große Karriere bevorsteht, wie Akademiker oder technische Fachkräfte“ Adressaten einer Berufsunfähigkeitsversicherung.

Grundsätzlich springt der Staat im Falle einer Berufsunfähigkeit mit 70 % des Letzteinkommens ein. Gerade den oben Beschriebenen müsste das sauer aufstoßen, zumal deren Einkommenskurve erst später in ihrer Berufskarriere deutlicher nach oben ausschlägt.

Bei einer staatlichen Auszahlung könne sich solcherart eine Einkommenslücke von 30 bis 50 % ergeben, so Url, weil eben der Staat nur das aktuelle Einkommen berücksichtigt, und nicht das künftig zu erwartende. Kurzum: Es wird so getan, als bliebe das Einkommen gleich.

Prämienaufkommen

Im Jahre 2017 wurden in Österreich aus Berufsunfähigkeitsversicherungen knapp 30 Mio Euro an Prämien eingenommen, aufgeteilt auf rund 60.000 Verträge. So errechnet sich im Durchschnitt eine Jahresprämie von 500 Euro. Ein Jahr zuvor waren es erst 22 Mio Euro Prämien aus knapp mehr als 40.000 Versicherungsverträgen. Ein deutlicher Nachfrage-Trend ist somit auszumachen. Und was die Versicherungssumme betrifft: Diese stieg zuletzt von 2,05 auf 2,37 Mrd Euro. Bleibt abzuwarten, ob sich dieser verstärkte Nachfrage-Trend bei den Berufsunfähigkeitsversicherungen fortsetzt. Jedenfalls werden die Gefahren generell nicht geringer.

Foto:Pixabay/Sgenet

Die Ängste an den Märkten lassen nach

Ein Ausblick für das zweite Quartal 2019 von Nordea Asset Management.

n einer Zeit, in der die US-Notenbank Fed in Wartestellung ist und die chinesische Notenbank PBOC ihre geldpolitischen Zügel lockert, dürften Investoren bei der Suche nach Rendite insbesondere bei Anleihen und Aktien aus Schwellenändern und bei US-Aktien fündig werden. Zu dieser Einschätzung kommt Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, in seinem Ausblick für das zweite Quartal dieses Jahres: „Wir sind in Bezug auf Anleihen und Aktien aus Schwellenländern sowie Aktien aus Industrieländern optimistisch eingestellt, wobei wir davon ausgehen, dass die Fed im zweiten Quartal nichts unternehmen und anschließend eine leichte Straffung vornehmen wird. Aus reiner Bewertungssicht sind Aktien aus Schwellen- und Industrieländern nicht besonders teuer.“

Zu den einzelnen Regionen und Assetklassen hat Galy folgende Einschätzungen:

• Industrieländer: „Der Trend für US-Aktien ist positiv. Historisch betrachtet wissen wir, dass der S&P 500 im aktuellen und zukünftigen Umfeld gut abschneiden dürfte.“

• Schwellenländer: „Eine anhaltende Suche nach Rendite, die letzten Endes von einer optimistischeren Einschätzung des US-Wachstums gestützt wird, dürfte dazu führen, dass das Auslandskapital zurückkehrt, und sollte Schwellenländerwährungen etwas, Schwellenländeranleihen und -aktien jedoch deutlich helfen. In einem Umfeld günstiger Bewertungen und eines sich erholenden Wachstums sind festverzinsliche Anlagen und Aktien aus China sowie der Asien-Pazifik-Region attraktiv, insbesondere da chinesische Aktien stärker in weltweite Aktienindizes integriert werden.“

• Fed: „Wir gehen davon aus, dass die US-Notenbank im zweiten Quartal weiterhin nichts unternehmen wird. Ab Juni erwarten wir eine oder zwei Anhebungen, bevor die Fed anschließend aufgrund der US-Präsidentschaftswahl wieder eine Pause einlegen dürfte.“

Foto: Dan Race/Fotolia

Der Brexit verunsichert den Kunstmarkt

Als hätte der Graffiti-Künstler Banksy das „Affentheater“ rund um den Brexit vorausgeahnt: sein vor rund zehn Jahren erschaffenes Bild des britischen Unterhauses

Lea Schweinegger.Bekannt ist, dass sich Kunstschaffende, Museen, Filmproduzenten sowie Stars aus der Film- und Musikbranche unermüdlich gegen den Brexit stark gemacht und in gesellschaftspolitischer Hinsicht vor dem Ausstieg gewarnt haben. Was jedoch die Kunst- und Kulturszene am meisten bewegt, sind die Fragen der Freizügigkeit nach dem EU-Austritt. Dazu zählen unter anderem die Kosten der Transporte, die bürokratischen Hürden und Verzögerungen, Visapflicht, schärfere Regulierung, Steuern und Zollkontrollen.

Harter Brexit wahrscheinlicher
Große Unsicherheit jedenfalls auch für den Kunsthandel. Nun stemmt sich der Londoner Markt, der nach New York die wichtigste Drehscheibe im Kunstbereich ist, gegen den Brexit. Aber es wird nicht viel helfen. Denn nach den misslungenen Versuchen von Theresa May, einen halbwegs geregelten Austritt anzusteuern, fährt nun wohl die Eisenbahn drüber, wie es so unschön heißt. Kommt es, wie aktuell wahrscheinlich, zum ungeregelten Austritt Großbritanniens aus der EU, hätte das sehr wohl auch Auswirkungen auf den globalen Kunstmarkt.

Drittgrößter Markt
Nimmt man die Staaten als Ganzes, so ist Großbritannien nach den USA und China mit knapp 14 MrdUSD jährlichem Umsatz der weltweit drittgrößte Markt. Zusammen besitzen sie einen Marktanteil von mehr als 80 %. Und: Allein 2017 belief sich der gesamt Umsatz auf dem globalen Kunstmarkt auf rund 67,4 MrdUSD.

Graffiti-Künstler zum Brexit
Ein Bild des geheimnisvollen britischen Graffiti-Künstlers Banksy, das er nach eigenen Angaben vor zehn Jahren gemalt hatte, rückte am 30. März in den Fokus der Medien und sorgte nicht nur in Großbritannien für Aufsehen. Auf dem Gemälde besetzen Schimpansen die Bänke des britischen Unterhauses. Das Gemälde trägt den Titel „Devolved Parliament“. Es ist in einem Museum in Bristol ausgestellt, um den damals offiziellen „Brexit-Tag“ am 29. März zu markieren, berichtete die englische Daily Mail am vergangenen Freitag. Der Künstler selbst soll der Bristol Museum & Art Gallery die Erlaubnis erteilt haben, das vier Meter breite Werk anlässlich des geplanten Termins für den EU-Austritt zu zeigen. Andererseits: Man erinnere sich an den Auktions-Coup von Banksy im Herbst des Vorjahres, als er sein eigenes Werk vor dem Publikum von Sotheby’s schredderte. Die Kunstmetropole an der Themse stand international im Blickpunkt. War diese Aktion ein letztes Aufbäumen vor einer eventuellen Selbstbeschädigung oder ein Wink des Zeigefingers auf die internationale Bedeutung der englischen Hochburg? Man wird sehen. Jedenfalls nahmen Künstler der Insel in Arbeiten Stellung zum Brexit und pendeln laut Informationen zwischen Humor und Verzweiflung.

Kunsthandel skeptisch
Argwöhnisch sind naturgemäß auch die Kunsthändler in London. Der Kunsthandel in Großbritannien profitiert bislang vom geringen Einfuhrumsatzsteuersatz von 5 %. Es ist der niedrigste in der EU. Andererseits jedoch sollten die britischen Auktionshäuser diese Ängste nicht schüren, da es laut Sotheby’s Rekordverkäufe im Vorjahr gegeben hat. Auch die „Frieze Art Fair London“ mit mehr als 160 weltweit führenden Galerien und mehr als 1.000 ausstellenden Künstlern sowie superreichen Besuchern soll 2018 erfolgreich über die Bühne gegangen sein. Man könnte aber auch meinen, dass es vor dem Brexit noch zu Hamsterkäufen kam.

Foto: Banksy/Instagram

Der Kupferpreis könnte die Trendwende schaffen

Hoffnungen auf ein Ende des Handelsstreits sowie das Angebotsdefizit stützen.

Raja Korinek.Es war ein kleiner Hoffnungsschimmer – mit großen Folgen. Als am letzten Handelstag im März Gerüchte über eine Annäherung zwischen den USA und China die Runde machten, legten die Märkte zu. Die Hoffnung ist groß, dass es zu einer Einigung kommt. Und das wäre gut für die Weltkonjunktur.

Davon würden auch die Rohstoffmärkte profitieren, so etwa der Kupferpreis. Immerhin ist China mit einem Jahresverbrauch von rund 11 Mio Tonnen der mit Abstand weltgrößte Verbraucher. Denn wer seine Infrastruktur ausbauen möchte, der braucht viel Kupfer. Weil aber der Handelskrieg die Aussichten vor allem für Chinas Wirtschaftswachstum dämpften, gab der Preis im Juli 2018, nach Ausbruch des Disputs, kräftig nach. Damals notierte die Tonne an der Londoner LME bei rund 7.300 USD und rutschte auf ein Zwischentief von 5.900 USD.

Trendwende in Sicht?
Nun scheint der Preis wieder nach oben zu drehen. Immerhin ist die Marke von 6.600 USD im Visier. Offensichtlich sei der übertriebene Pessimismus Ende 2018 dem China-Optimismus gewichen, meint man etwa bei der Commerzbank. Denn das Reich der Mitte hat erneut umfangreiche Konjunkturprogramme gestartet, zu denen Infrastrukturprojekte zählen. Zuletzt waren es die Fortschritte bei den Gesprächen zwischen US-Präsidenten Donald Trump und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping, die für einen Schub sorgten. „Dass man eine Einigung erreichen will, wird klar signalisiert. Die Gespräche wurden sogar verlängert“, betont Nitesh Shah von Wisdom Tree.

Einzig, auf der Angebotsseite gibt es ebenso wichtige Entwicklungen. Denn, wie Commerzbank-Analyst Daniel Briesmann festhält: „Der globale Kupfermarkt war im vorigen Jahr stark unterversorgt.“ Dazu verweist der Rohstoffprofi auf den Bericht der International Copper Study Group (ICSG). Demzufolge belief sich das Angebotsdefizit auf 387.000 Tonnen, „das höchste Defizit seit vier Jahren“, so Briesmann.

Weniger Kupferschmelzen
In Chile, dem weltweit größten Kupferproduzenten, sorgten starke Regenfälle für eine Beeinträchtigung. Auch gab es eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Ausfällen von Kupferschmelzen. Große Auswirkungen hatte etwa die Stilllegung der „Tuticorin“-Schmelze in Indien. Der von der ICSG für heuer erwartete Abbau des Angebotsdefizits sei Briesmann zufolge fraglich.

Entsprechende Produkte
Für interessierte – risikobewusste – Anleger gibt es die Möglichkeit, auf die Preisentwicklung mit Zertifikate zu setzen. Die BNP Paribas bietet etwa das „RICI EnhancedSM Kupfer (TR) ETC“ (ISIN: DE000PB8R1C7) an. ETC steht für Exchange Traded Commodity, und ist eine besondere Form von Zertifikate, da ein ETC mit einem Kollateral besichert ist. Zudem wird nicht direkt auf den Kupferpreis, sondern auf den künftigen Preis mittels Derivaten – sogenannten Futures – gesetzt. Sie werden in unterschiedlichen Laufzeiten, von drei bis zwölf Monate, gehandelt, und müssen immer wieder verlängert werden. Dabei wird bei der Verlängerung stets der günstigste Future unter all diesen Laufzeiten gewählt – daher auch der Zusatz „enhanced“ im Produktnamen.

Dollarrisiko auch beachten
Wer sich mehr Risiko zutraut, kann gehebelt auf die weitere Kursentwicklung setzten, etwa mit einem Turbo-Long-Zertifikat der Société Générale (DE000ST4DT31). Der aktuelle Hebel liegt bei 3,358, die Barriere bei 4.725,66 USD. Wird diese berührt oder nach unten durchbrochen, weil der Kupferpreis kräftig nachgibt, verfällt das Zertifikat. Bei beiden Produkten muss man auch das Dollarrisiko beachten.

Foto: Rio Tinto

Sowohl aktive als auch passive Fonds haben ihre Vorzüge.

Aktiv oder passiv gemanagte Fonds – der Anleger hat die „Qual der Wahl“.

Patrick Baldia.Der Siegeszug der passiven Fonds hält weiter an. Auch wenn im von zunehmender Volatilität geprägten Börsenjahr 2018 weniger Geld in die Fonds floss als 2017, konkret waren es im Vorjahr 606 BioUSD, konnten sie ihren Anteil an globalen Fondskuchen dennoch weiter ausbauen – Tendenz weiter steigend. In einem Bericht der Ratingsagentur Moody’s wird davon ausgegangen, dass alleine in Europa der Anteil passiver Fonds am gesamten von Fonds verwalteten Vermögen bis 2025 von 14 % (Stand: Ende 2017) auf 22 bis 27 % ansteigen wird.

Aktiv versus passiv
Die treibende Kraft dieser Entwicklung sei die starke Nachfrage von institutionellen Investoren und Privatanlegern nach ETFs. Die Gründe für diesen Boom sind schnell erklärt: Sie sind nicht nur flexibel, liquide und günstig, sondern lassen auch oft aktiv gemanagte Fonds hinter sich. In der mitunter äußerst emotional geführten Debatte „aktive versus passive Investmentansätze“ wird aber gerne vergessen, dass aktiv verwaltete Fonds in verschiedenen Markt- und Konjunkturphasen auch ihre Vorzüge haben.

Gute Renditen erwirtschaften ETFs beispielsweise in einer frühen Phase des Konjunkturzyklus, in der „Risky Assets“ wie Aktien und Unternehmensanleihen grundsätzlich in den Fokus der Anleger geraten und die oft von starken Kursanstiegen gekennzeichnet ist. Die andere Seite der Medaille ist allerdings, dass gerade in solchen Perioden immer wieder Titel ordentlich Federn lassen können. In solchen Fällen können etwa aktive Value-Aktien-Strategien ihren Vorteil ausspielen.

Steigen wiederum das Wirtschaftswachstum und die Börsenkurse weiter stärker an, so sind Anleger mit passiven Strategien gut beraten, wie der direkte Performancevergleich aufzeigt – nicht zuletzt weil dann üblicherweise verschiedene Assetklassen stärker miteinander korrelieren.

In der späten Zyklusphase, in der in der Regel die Volatilität steigt und die Einzeltitelselektion wichtiger wird – wie jetzt also -, sind dagegen aktive Ansätze zu bevorzugen. Im Rahmen der Korrektur im vergangenen Juni haben beispielsweise Aktien-ETFs unter europäischen Anlegern hohe Abflüsse verzeichnet.

Wachstumsrückgang für Bondanleger positiv?
„Wir als Renteninvestoren können den globalen Wachstumsrückgang durchaus etwas Positives abgewinnen“, sagt Christian Kopf, Leiter Portfoliomanagement Renten bei Union Investment, zum Börsen-Kurier. Schwächeres Wachstum bedeute nämlich auch, dass die Märkte nicht überhitzen und die Inflation niedrig sei. Dass etwa der Großteil der US-Zinserhöhungen bereits erfolgt sei, biete beispielsweise ein gutes Umfeld für Emerging-Markets-Anleihen.

Der Union-Investment-Mann sieht aktive Strategien bei Unternehmensanleihen aber nicht nur in späten Zyklusphasen, wie derzeit, im Vorteil. Das habe nicht zuletzt eine hauseigene Studie („Aktives versus Passives Management von Credits“, Anm.) aufgezeigt. Demnach könnten aktive Manager den häufigen Benchmark-Anpassungen – aufgrund von Neuemissionen, Fälligkeiten und Rückkaufangeboten – besser Rechnung tragen. Dass passive Investoren oft unter Zwang kaufen oder verkaufen müssten sei auch mit hohen Kosten verbunden. „Wir konzentrieren uns zudem gezielt auf billige Emissionen, was einen jährlichen Zusatzertrag von 15 bis 20 Basispunkten bringt“, so Kopf.

Teuer oder günstig?“
Die letzte Ausgabe (Stand: Ende 2018, Anm.) des halbjährlich berechneten Aktiv-Passiv-Barometer von Morningstar, das die Performance von aktiv gemanagten mit jener von passiv verwalteten Fonds in 15 europäischen Fondskategorien über fünf verschiedene Zeiträume vergleicht, spricht auf den ersten Blick eine klare Sprache: Auf Einjahressicht haben durchschnittlich nur 34 % der aktiven Aktienfonds ihre passiven Pendants geschlagen. Bei aktiven Anleihefonds waren es nicht mehr als 25 %. Auch über längere Zeiträume zeigt sich eine ähnliche Tendenz. Auf 15-Jahressicht können etwa nur 17 % der aktiven Aktienfonds und 19 % der aktiven Anleihefonds die passive Konkurrenz schlagen.

Auch wenn das europäische Aktiv-Passiv-Barometer bestätigt, dass Indexfonds ihrer aktiv gemanagten Konkurrenz oft überlegen sind, so empfehlen die Morningstar-Experten Anlegern dennoch nicht, sich nur auf ETFs zu konzentrieren. Wie Ali Masarwah, er ist Chefredakteur bei Morningstar Deutschland, meint, wären aktiv verwaltete Fonds zwar insgesamt teuer, konzentriere man sich aber auf die günstigsten unter ihnen, so schaue die Lage anders aus. Tatsächlich: Auf Zehnjahressicht kann 63 % des günstigsten aber nur 24 % des teuersten Aktienfonds-Quintils die passive Konkurrenz schlagen. Bei Anleihen liegt dieses Verhältnis bei 63 zu 31 %. Das Morningstar-Fazit: die Kernfrage laute nicht „aktiv oder passiv?“, sondern vielmehr „teuer oder günstig?“.

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Asien gibt heuer wieder den Ton an

Das Wirtschaftswachstum bleibt hoch, die Aktien sind günstig bewertet.

Raja Korinek.Wirklich überraschend waren die Nachrichten zu Chinas Wirtschaftswachstum nicht. Schließlich hatten die Märkte ohnedies mit einer weiteren Verlangsamung gerechnet. Allein im 2018 wuchs das BIP nur noch um 6,6 %. Heuer rechnet die Regierung mit einem Plus von 6 bis 6,5 %. Damit das Ziel möglichst erreicht werden kann, hat das Reich der Mitte auch einige Maßnahmen gesetzt, zu denen etwa die Senkung von Steuern sowie der Mindestreserveanforderungen für Banken. Selbst neue Infrastrukturprojekte sollen auf Staatskosten gestartet werden.

Und der anhaltende Handelskrieg mit den USA? Hier gehe es vor allem um den Technologiesektor, meint Arthur Kwong, Fondsmanager des „Parvest Equity Best Selection Asia Ex-Japan“ (ISIN: LU0823397368) von der BNP Paribas AM, im gegenüber dem Börsen-Kurier. Schließlich fordern die USA eine Öffnung des Marktes in China, etwa für US-amerikanische IT-Unternehmen. Stimmt China dem wiederum zu, erklärt Kwong weiters, dann würden chinesische Internetriesen Marktanteile im eigenen Land verlieren.

Kompromiss im Handelskonflikt
Und weil der Parvest-Experte letztendlich mit einem Kompromiss im Handelsstreit rechnet, ist er bearish auf letztere Sektor-Aktien. „Obendrein sind chinesische Internetaktien schon recht teuer bewertet“, fügt Kwong hinzu. Doch zumindest gäbe es dann keine Strafzölle, und davon würden beide Seiten profitieren.

Im Parvest-Fonds macht China mit einem Anteil von fast 30 % regional jedenfalls den größten Anteil aus. Dazu zählen Titel wie etwa Ping An Insurance Group (CNE100 0003X6). Der Versicherer weiß moderne Technologie zu seinen Gunsten geschickt einzusetzen, etwa bei der Auswertung von Kundendaten. Das kommt dem Produktverkauf zugute, da der Konzern seine Kunden gut kennt. Obendrein werden sämtliche Versicherungsprodukte in der Palette abgedeckt.

Indiens Wahlen ohne Auswirkungen
Die zweitgrößte regionale Position machen indische Aktien mit gut 15 % aus. Ob man sich aufgrund der anstehenden Wahlen in Indien sorgen machen sollte? Kwong tut es nicht: „Der jetzige Premierminister Narendra Modi hat sehr grundlegende Reformen umgesetzt. Der Nachfolger braucht sie nur fortzuführen.“ Zudem sei die Bevölkerung im Land sehr jung, die Wirtschaft damit dynamisch. Verständlich, wenn der Parvest-Fondsmanager an Unternehmen Gefallen findet, die Grundlegendes anbieten, etwa ein Bankkonto, oder Konsumgüter.

Und tatsächlich, zu den größten Fondspositionen zählen zum Beispiel die Kotak Mahindra Bank (US50071Q1013) sowie Asian Paints (US04521R1023). Letzteres Unternehmen stellt Farben für den Innen- und den Außenanstrich her.

Weniger Gefallen findet Kwong am Energiesektor, denn erneuerbare Energien spielen eine immer größere Rolle. Allein in China fokussiere sich der Automobilsektor zunehmend auf die E-Mobilität. Immerhin wandert ein großer Teil des weltweiten Ölkonsums in den Transport. Und der wird mit der wachsenden Zahl an elektrisch betriebenen Autos sinken. Kwong glaubt jedenfalls nicht, dass der Ölpreis noch allzu viel weiter ansteigen werde.

Wirtschaftsdaten überzeugen
Doch Asien besteht freilich nicht nur aus China und aus Indien, wenngleich es die größten Regionen sind. Auch insgesamt dürfte IWF-Schätzungen zufolge die Region (ohne Japan) heuer um 6,3 % wachsen. Für die USA liegt die Schätzung bei 2,5 %, für die EU bei 1,6 %.

Damit spricht einiges für ein Investment in der Region – solange man auch potentielle Rückschläge verkraften kann.

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Besteuerungsdebatte um reiche Beute

Die OECD arbeitet an mehreren Modellen zu einer globalen Reform des Steuersystems.

Roman Steinbauer. Der gegenwärtige Ansatz zur Gewinnbesteuerung der Unternehmen führt zu Diskussionen. Neue, international erarbeitete Vorschläge zielen verstärkt auf eine Abkehr der Einhebung vom Ort des Firmensitzes zu Gunsten jener Staaten, in deren Absatzregionen die Umsätze stattfinden. Insbesondere steigt der Druck großflächiger und bevölkerungsreicher Länder deutlich, die Gewinnsteuer multinationaler Firmen an die Märkte der Endverbraucher bzw. Abnehmer zu verlagern. Dies zielt aber unterdessen nicht nur auf die digitale Wirtschaft ab, deren Umsätze ohnehin bereits ins Visier etlicher europäischer Finanzminister gelangten.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD, Vereinigung 36 entwickelter Mitgliedsstaaten) erarbeitet derzeit mehrere Modelle zu einer Reform. Dazu wird nicht nur die Wertschöpfungsabgabe anhand von Nutzerdaten digitaler, globaler Player geprüft. Überlegungen zielen dabei auch darauf ab, Gewinne der Weltkonzerne aus Markenrechten steuerlich auf die Staaten der Absatzmärkte aufzuteilen, anstatt den Fiskus an den Hauptsitzen der Gesellschaften zum Zug kommen zu lassen.

Im Visier
Eine Studie der dänischen Beratungsfirma Copenhagen Economics skizziert die annehmbaren Folgen einer Umsetzung der aktuellen OECD-Vorschläge. Von einer Umschichtung der Steuereinnahmen negativ betroffen wären neben der Schweiz (hohe Steuererträge aus der forschungsintensiven Pharmaindustrie) vor allem skandinavische Länder. Ihnen könnte bis zu einem Fünftel der Steuerbasis aus Unternehmensgewinnen abhandenkommen. Grundlegend folgen die Auswirkungen wohl folgendem Muster: Kleinere Volkswirtschaften mit proportional hohen Handelsbilanzüberschüssen zur Wirtschaftsleistung hätten im Netto-Steueraufkommen mit Mindereinnahmen zu rechnen. Die Ursache dafür begründet sich unter anderem dadurch, dass in deren Lieferkette oft Produkte den Ausschlag geben, für die ein jahrelanger Forschungsaufwand notwendig war. Profitieren würden bevölkerungsreiche Entwicklungsstaaten wie die BRIC- und „Next-Eleven“-Länder. Nach Angaben der Neuen Zürcher Zeitung müsste die Schweiz mit Einbußen von umgerechnet 2,7 Mrd Euro an Gewinnsteuern pro Jahr rechnen. Liegen diese bei den Eidgenossen doch im Verhältnis zum Gesamtsteueraufkommen mit 11 % überdurchschnittlich hoch. Zu Österreich (Anteil der Gewinnsteuern etwa 8 %) sind derzeit keine kalkulierten Durchrechnungsmodelle greifbar. Doch ist davon auszugehen, dass durch die bestehende Wirtschaftsstruktur auch der östliche Alpenstaat (in abgeschwächter Form) nicht ungeschoren davonkommen würde. An Relevanz gewinnt das Thema zunehmend, da auch das IWF-Direktorium mit einer Neuregelung der Steuerleistungen in Richtung Absatzmärkte sympathisiert. Vorrangig will der IWF dabei dem Steuerwettbewerb vieler Länder sowie der Praxis der „Abgabenoptimierung“ durch die Wahl günstiger Steuersitze (Irland und diverse Inselstaaten) die Attraktivität entziehen. Der Druck zu dieser gewichtigen Umsetzung steigt durch die zunehmende Marktmacht der bevölkerungsreichen Staaten.

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Wie sich richtiges Diversifizieren lohnt

Von Großbritannien bis Peru agiert Fondsmanager Talib Sheikh derzeit rund um den Globus.

Raja Korinek. Manches scheint sich nicht zu ändern: Die Brexit-Diskussion scheint kein Ende zu finden. Auch zwischen den USA und China gibt es noch keinen Durchbruch. Womit noch die Frage bleibt, wie die Finanzprofis mit dem aktuellen Umfeld umgehen.

Einer, der das Geschehen genau beobachtet, ist Talib Sheikh, Fondsmanager des „Jupiter Flexible Income Fund“ (LU18467 14258). Dabei handelt es sich um einen Mischfonds, der das Vermögen auf verschiedene Anlageklassen aufteilt. Immerhin, die Aktienrallye, die zu Jahresbeginn 2019 einsetzte, habe man mitgemacht, verweist Sheikh im Gespräch mit dem Börsen-Kurier auf die richtige Markteinschätzung. Auslöser der Rallye war die US-Notenbank, sie hat zuletzt einen weniger restriktiven Kurs eingeschlagen. Und will sich mehr Zeit mit der lockeren Geldpolitik lassen. Das stützt die Aktienmärkte.

Bonds werden beflügelt
Überhaupt sei es inzwischen unklar, ob es in den USA heuer noch zu weiteren Zinsanhebungen kommen werde. Bislang ist dieser Umstand auch den Anleihenmärkten zugutegekommen. Steigende Zinsen sind nämlich Gift für bestehende Anleihen, sie sind dann weniger Wert als Bonds, die nach einer Zinsanhebung begeben werden. Doch angesichts der jüngsten Zurückhaltung haben bestehende US-Staatsanleihen zuletzt an Wert gewonnen. Auch davon hat man beim Jupiter-Fonds profitiert.

Tatsächlich entfallen 35 % des Portfolios derzeit auf Hochzinsanleihen aus den USA sowie aus Europa. Auch Hartwährungsanleihen aus den Schwellenländern ergänzen den Rententeil. Hier steht vor allem der hohe Zinssatz im Fokus, auch wenn damit das Risiko höher ist. Allerdings haben die Ausfallsraten aktuell einen historischen Tiefstand erreicht. Ein wenig kommen selbst Schwellenländer-Bonds in lokaler Währung in Frage. Dazu zählen etwa Papiere aus Peru oder Brasilien. Hier lockt freilich die höhere Verzinsung, allerdings muss man dann auch das Währungsrisiko in Kauf nehmen.

China-Aktien mit Chancen
Doch nicht nur die Bondseite lockt in den Schwellenländern. „Auch bei den Aktien, vor allem aus China, sind wir inzwischen zuversichtlicher gestimmt“, sagt der Mann vom Asset Manager Jupiter. Immerhin habe die Regierung zahlreiche Maßnahmen gesetzt, um die Konjunktur wieder anzukurbeln. Demgegenüber zeigt sich Sheikh weniger positiv auf europäische Aktien. „Hier sehe wir kein sonderlich großes Wachstumspotential“, meint der Experte. Einzig, in England gebe es interessante Chancen, die man durchaus nutzen möchte.

Schließlich habe der gesamte Markt unter der Brexit-Diskussion gelitten. Vor allem jenen Firmen, die einen Heimmarkt-Fokus, räumt man gute Chancen ein. Dazu zählen etwa der Baufirma Crest Nicholson (GB00B8 VZXT93), die Online-Plattform Go Compare (GB 00BZ02Q916) sowie die Finanzfirma Legal & General (GB000560 3997). Schließlich sei die Stimmung hier schon besonders schlecht, was Sheikh in dem Ausmaß nicht ganz nachvollziehen kann.

Gewinnpotential gibt es auch in den USA
Doch auch in US-Aktien ist der Multi-Asset-Fonds derzeit investiert. Da gebe es schließlich noch reichlich Wachstumspotential, findet Sheikh.

Derzeit gehe der Markt nämlich von einem Gewinnwachstum bei den Unternehmen von gut 5 % aus. „Wir glauben, dass es höher sein wird“, meint der langjährige Marktbeobachter.

Auch insgesamt hat das Fondsmanagement ein klares Ziel vor Augen: nämlich stetige Ausschüttungen von jährlich rund 5 %. Freilich, das ist allerdings ein langfristiges Ziel auf mehrere Jahre.

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T. Rowe Price: Neue Impulse für Frontier Markets

Wahlen, die MSCI-Reklassifikation und geopolitische sowie wirtschaftliche Entwicklungen schaffen bessere Marktbedingungen.

  • Präsidentschaftswahlen, die MSCI-Reklassifikation und geopolitische sowie wirtschaftliche Entwicklungen schaffen bessere Marktbedingungen
  • Argentinien und Saudi-Arabien könnten in den MSCI Ermerging Markets aufsteigen
  • Vietnam und Bangladesch profitieren vom Handelsstreit zwischen China und den USA

Während Frontier Markets 2018 einige Herausforderungen zu meistern hatten, gebe es nun drei verschiedene Impulsgeber, die eine mögliche Wende für Frontier Markets einläuten könnten: Präsidentschaftswahlen, die MSCI-Reklassifikation und geo- sowie handelspolitische Entwicklungen. Dieser Meinung ist Oliver Bell, Portfolio Manager des Frontier Markets Equity Fonds bei T. Rowe Price. Frontier Markets hätten im vergangenen Jahr besonders unter den politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen im eigenen Land gelitten.

Politische Entwicklungen beeinflussen Frontier Markets

„Argentinien war 2018 in eine politische Krise verstrickt, Saudi-Arabien kämpfte um eine gute Darstellung bei ausländischen Investoren, Sri Lanka bewegte sich auf ein Machtvakuum zu und Kenia und Rumänien stellten den Finanzsektor mit neuen Steuern vor Herausforderungen. Für diese Länder ist 2019 die Gelegenheit, die eigene Attraktivität für ausländische Investoren zu steigern“, sagt Bell.

Im Oktober 2019 steht die Präsidentschaftswahl in Argentinien an und eine Wiederwahl Mauricio Macris ist wahrscheinlich. Wenn er die Wahl gewinnt, könnte sich das Tempo, mit dem Reformen umgesetzt werden, beschleunigen. Obwohl die Krise seiner Popularität geschadet hat, könnte der Zeitpunkt der Wahl mit einem Wiederaufleben der Wirtschaft zusammenfallen und somit positiv sein. „Darüber hinaus wird spekuliert, ob die frühere Präsidentin Christina Kirchner zur Wahl antreten wird. Ihr Sieg könnte sich negativ auf die Märkte auswirken und zu Kapitalkontrollen führen“, sagt Bell.

Vor der Wahl in Argentinien stehen im Februar auch noch Präsidentschaftswahlen in Nigeria an. Das Land bewegt sich zunehmend aus der Rezession heraus. Die Landeswährung Neira befindet sich auf einem angemessenen Niveau, der Mindestlohn ist gestiegen und sowohl Öl- als auch Nichtölsektoren verzeichnen Gewinne. „Zu beobachten ist, dass die Regierung einen stärkeren Fokus auf die Wirtschaft legt“, sagt der Portfoliomanager. „Diese Präsidentschaftswahl ist ein entscheidender Test für die Demokratie in Nigeria.“

MSCI-Reklassifikationen und Handelskonflikt

Bell prognostiziert, dass drei Frontiert Markets die Aufnahme in den Index der Schwellenländer schaffen könnten. Im Mai könnten Argentinien und Saudi-Arabien in den MSCI Emering Markets aufgenommen werden. Für Kuwait ist dieser Schritt beim britischen Aktienindex FTSE schon erfolgt und wird für den MSCI-Index im Jahr 2020 erwartet.

Neben diesen Entwicklungen legen Investoren zurzeit ein besonderes Augenmerk auf den Handelskonflikt zwischen China und den USA. Würden sich die wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder wieder entspannen, könnte die Risikofreudigkeit der Investoren zunehmen. Frontier Markets würden profitieren. Der Handelsstreit habe aber laut Oliver Bell nicht nur Verlierer. So würden beispielsweise Vietnam und Bangladesch profitierten, da Unternehmen sich teilweise aus China verabschieden und Produktionsstätten aufgrund der günstigen Arbeitskräfte in Bangladesch oder Vietnam aufmachen würden.

„Die Aussichten für Frontier Markets scheinen sich also weiterhin zu verbessern, da mehrere länderspezifische Probleme allmählich gelöst werden“, schließt der Portfolio Manager.

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Pensionsvorsorge unter Druck – was tun?

Prämienminus, Zinsflaute, Rücktritte: fünf Experten zum schweren Stand der privaten Altersvorsorge.

Emanuel Lampert.Wenn Kunden in den vergangenen Jahren beim Blick auf ihre Leben-Polizze Unmut verspürten, dann zwar auch wegen Gewinnprognosen, denen die Niedrigzinsära einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Für Rudolf Mittendorfer von der Wiener Versicherungsmakler-Kanzlei Verag waren die Debatten um das „ewige Rücktrittsrecht“ aber nicht nur durch maue Performance motiviert: Kunden seien „zurückgetreten, weil sie getreten wurden, zurückzutreten“. Ihnen sei eingeredet worden, dass sich hier eine Chance auftue, „die Rendite zu bekommen, die der Markt nicht hergegeben hat“, sagte Mittendorfer bei einem „Round Table“, den das VersicherungsJournal, ein Schwestermedium des Börsen-Kurier, jüngst veranstaltet hat.

Überhaupt ärgert Mittendorfer, der auch Sprecher für Konsumentenschutzpolitik im Fachverband der Versicherungsmakler ist, wie an das Thema Rücktritt herangegangen wird. So hätten Konsumentenschützer einmal von einem Produkt gemeint, es sei das beste, weil es nach sechs Jahren den besten Rückkaufswert hat. „Ich kann doch langfristige Produkte zur Altersvorsorge nicht daran messen, wann ich wo günstiger aussteige“, unterstreicht Mittendorfer. Entscheidend sei, was der Kunde „wirklich braucht“ und dass er langfristig zur getroffenen Entscheidung steht. Wer beim Vorsorgen Sicherheit sucht, dem rät Mittendorfer zu einer Versicherung mit lebenslang garantierter Rente. Wer Rendite braucht, dem empfiehlt er eine fondsgebundene Versicherung.

Kapitalmärkte nutzen
Aus der Warte von Andreas Bayerle, im Vorstand der Helvetia Österreich für Finanzen und Leben zuständig, führt „kein Weg daran vorbei, die Kapitalmärkte für sich arbeiten zu lassen“, denn in der Niedrigzinsphase das Geld auf dem Sparbuch zu lagern, sei „reine Kapitalvernichtung“. Die Alternative für langfristige Investments sieht er in der fondsgebundenen Lebensversicherung. Er führt nicht zuletzt Steuervorteile ins Treffen; ebenso einen „von Anfang an sehr hohen Investitionsgrad“, wenn die Provisionskosten auf die Laufzeit verteilt sind.

Und falls Veranlagungsrisiken Sorgen machen? Wo es Rendite gibt, gebe es auch Risiko, sagt Bayerle. „Aber das Risiko, dass der Kunde bei einem Zeitraum von 20 Jahren Geld verliert, existiert bei einem breit diversifizierten Portfolio de facto nicht.“ Zudem könne man Kunden die Möglichkeit geben, in einen gesicherten Teil zu switchen, falls ihnen Kapitalmarktentwicklungen bedrohlich erscheinen. Das eigentliche Risiko sei, sich durch Bekannte oder Nachrichten, „weil wir medial gefühlt von einer Krise zur nächsten hecheln“, vom Abschluss abhalten zu lassen.

Ausdauer gefragt
In ein ähnliches Horn stößt hier Adam Lessing, er ist Head of Central & Eastern Europe beim Vermögensverwalter Fidelity: „Wenn man über einen Zeitraum von 15 oder 20 Jahren durchhält – und das sollte man bei einem Vorsorgeprodukt -, wird ein gutes Ergebnis herauskommen.“

Zeiten erhöhter Volatilität, betont er, sollten nicht dazu verleiten, auf einen „besten Einstiegszeitpunkt“ zu warten. „Der kommt nie.“ Denn ein fallender Markt führe zu Furcht, ein steigender zum Gefühl, dass es gerade teuer ist. Investiert zu sein, sei in der Vorsorge wichtiger, als der Versuch, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Das
Risiko sei vielmehr, dass die Kunden so lange auf ihn warten, „dass sie
am Schluss jahrelang im Cash gewesen sind, durch die Inflation verloren und nichts verdient haben“.

Das Fondsspektrum ist breit – ob die schiere Vielfalt da nicht manchen
„erschlägt“? „Flexibilität halte ich für gut“, schickt Lessing voraus. „Aber für unser eigentliches volkswirtschaftliches Problem, den Kunden aus dem Sparbuch herauszuholen, genügt eine begrenzte Anzahl von Fonds.“

Potenzial für Fondspolizze
Derweil ist die fondsgebundene Lebensversicherung in Österreich noch ein relativ kleines Segment. Etwa ein Viertel aller Lebensversicherungsprämien entfällt auf die Fonds- und Indexgebundene. Patrick Ortner, der Leiter des Makler- und Agenturvertriebs in der Ergo Versicherung, sieht dennoch – oder gerade deshalb – Potenzial: „Von skandinavischen Ländern hört man, dass sogar 60 bis 80 % in der Fondsgebundenen anlegen.“

Auch eigene Erfahrungswerte, die die Ergo mit einem Produkt gemacht hat, das Klassische und Fondsgebundene unter dem Label „flexible Lebensversicherung“ kombiniert, deuten in diese Richtung: Die Kunden gehen „zu zirka 60 % in Fonds und nur zu 40 %
in den klassischen Deckungsstock“, berichtet Ortner, „Tendenz steigend für die Fondsveranlagung“.

Er will auch die klassische Lebensversicherung als solche nicht generell ad acta gelegt wissen. „Auch wenn im Moment andere Produkte im Vordergrund stehen, glaube ich doch, dass sie auch in Zukunft ein Thema sein wird.“

Mittel gegen Pensionslücke
Wolfgang Staudinger
, Versicherungsmakler und Vermögensberater im Salzburger Straßwalchen, erachtet jedenfalls Rendite als Thema; sie sei aufgrund der Inflation – Stichwort Realwertverlust – wichtig. Er hebt auch hervor, eine Kostenverteilung auf die Laufzeit wirke sich positiv auf den Veranlagungserfolg aus.

Ist die Lebensversicherung ein gutes Mittel gegen die Pensionslücke? „Die Fondspolizze ist – bei höherer Renditeannahme, das muss man dazusagen – aufgrund der Steuersituation verglichen mit einem Wertpapierdepot das perfekte Vehikel“, meint Staudinger. „Bei geringeren Renditeerwartungen ist ein Wertpapierdepot kosten- und steuereffizienter.“

Wichtig sei Flexibilität: Wenn man ein „starres Produkt“ habe, sich der Markt aber dramatisch verändere und man deshalb wechseln wolle, müsste man in ein anderes Produkt umsteigen. Das verursache aber Kosten. Kostenarme Änderungsmöglichkeiten innerhalb des Produkts seien deshalb von Vorteil. „Wir wissen nicht, wie der Zinsenmarkt in zehn Jahren aussehen wird.“

Foto: Clemens Perger

Digitalsteuer soll ab 2020 kommen

Österreich will Vorreiterrolle einnehmen. Finanzminister Hartwig Löger bekräftigte am BDO Tax Talk seine Forderung nach einer Digitalsteuer.

Lea Schweinegger.Prominent besetzt war die Diskussionsrunde vergangenen Donnerstag in der Wiener Zentrale der Wirtschafts- und Steuerkanzlei BDO: mit Finanzminister Hartwig Löger, voestalpine-CFO Robert Ottel, BDO-Partner Berndt Zinnöcker sowie Ökonom Stephan Schulmeister und WKÖ Präsident Harald Mahrer. Im Fokus standen naturgemäß die anstehende Steuerreform sowie die noch etwas unausgegorene Digitalsteuer, die letzten Meldungen zufolge im Jänner 2020 mit „ersten Maßnahmen“ umgesetzt werden soll und als eine Nationalsteuer gesehen wird. (Bekanntlich ist die EU-weite Digitalsteuer auf Konzerne wie Google und Facebook gescheitert.)

Die Steuer soll laut Finanzministerium bis zu 200 Mio Euro an Einnahmen in die Staatskasse spülen. Löger will, sollte es zu keiner europäischen Lösung kommen, diese national durchsetzen, beziehungsweise mit der Digitalsteuer vorpreschen. Österreich könne hier eine Vorreiterrolle spielen. „Das Ziel der Digitalsteuer sei die Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen zwischen nationaler und digitaler Wirtschaft“, so der Minister. Dafür soll zum einen eine Online-Werbeabgabe für internationale Großunternehmen geschaffen werden. Die Abgaben großer Internet-Konzerne sollen sich damit nicht mehr wie bisher nach dem in Österreich erzielten Gewinn, sondern an den Erlösen aus Online-Werbung bemessen.

Eine der höchsten Quoten
Am Beginn der Diskussionsrunde ersuchte der Finanzminister um Verständnis, dass er die „Box“ hinsichtlich der Steuerreform noch nicht gänzlich öffnen könne, wollte jedoch in dieser Runde zu erkennen geben, wohin die Reise gehen soll. „Wir sind nicht überall Weltspitze und haben auch im globalen Bereich eine der höchsten Steuernabgabenquoten.“ Österreichs Quote liegt weit über dem OECD-Schnitt.

Der Minister gab bekannt, dass die Steuerreform am 15. April stehen werde und umriss, welche Entlastungen sie den Steuerzahlern bringen soll. Im April muss die Regierung die wichtigsten Budgetdaten nach Brüssel schicken. So sollen ab 2020 die Sozialversicherungsbeiträge für Klein- und Kleinstverdiener gesenkt werden. Geplant sind auch steuerliche Anreize, unter anderem für umweltfreundliche Fahrzeuge, mit einem Volumen von 1 Mrd Euro. Ab 2021 sollen die drei unteren Tarifstufen der Einkommensteuer sinken – eine Entlastung von 2 Mrd Euro, und auch die KöSt werde gesenkt. Inklusive Familienbonus (1,5 Mrd Euro) gehe es um 6,3 Mrd Euro. Alles soll „Schritt für Schritt“ passieren.

Mehr Wettbewerbsfähigkeit angestrebt
Für Investoren ist von Bedeutung, dass die Stabilität des Standortes erkannt wird. „Österreich muss im europäischen Kontext konkurrenzfähig sein.“ Und: „Nur mit einer gemeinsamen Anstrengung auf europäischer Ebene können wir mit anderen globalen Playern mithalten.“ In jedem Fall soll die Steuerreform Unternehmen entlasten und dafür sorgen, dass sich für den Einzelnen die Arbeitsleistung mehr lohnt.

Weniger Bürokratie – mehr Risiko
voestalpine-Finanzchef Ottel warf weiters die Frage auf, ob sich eine demokratische Wirtschaft gegen zentralistische Wirtschaftsmodelle wie in China überhaupt durchsetzen könne. Das Vorstandsmitglied des Stahlriesen ist für eine Veränderung der Unternehmenskultur in Österreich. Es brauche weniger bürokratische Regelung und mehr Förderung von Initiative und Risikobereitschaft. Wirtschaftsforscher Schulmeister warnte hingegen davor, den steuerlichen Standortvorteil zu überschätzen und alle staatliche Regulierung fallen zu lassen.

Für Wirtschaftskammerpräsident Mahrer, der sich an der Diskussion nicht unmittelbar beteiligte, jedoch in einem Eingangsstatement äußerte, ist Österreich eine kleine offene Volkswirtschaft. „Wir verkaufen sehr erfolgreich.“ Er hob die Qualität und Fertigkeit der Mitarbeiter in den Unternehmen hervor. Dabei sei Bildung ein großes Thema.

Mahrer erwähnte auch, dass Österreich nicht mehr so abhängig von Deutschland sei wie früher. „Wirtschaft ist Psychologie“, so der WKO-Chef. Sein Anliegen sei es, gegen einen Fachkräftemangel anzukämpfen, und er plädiert auch für eine Verwaltungseinfachung für Klein- und Mittelbetriebe.

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Dilemma der „Gender pension gap“

Frauen sind oft in prekären Arbeitsverhältnissen oder in Teilzeitarbeit, mit bösen Folgen für ihre Pensionen.

Marius Perger.Am Abend vor dem internationalen Frauentag am 8. März luden das Finanzjournalistenforum und der Finanz-Marketing Verband Österreich zu einer prominent besetzten Diskussionsrunde. Thema: Ist Altersarmut weiblich?

Einleitend betonte Alexander Biach, Vorsitzender des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger, dass auch die Existenzsicherung im Alter Aufgabe der Sozialversicherung sei. Er ging dann auf aktuelle Zahlen aus der Pensionsstatistik ein, mit denen er die unterschiedliche finanzielle Situation von Frauen und Männern im Alter illustrierte.

Während im Vorjahr die Hälfte der Männer, die in Pension gingen, 14 Mal pro Jahr durchschnittlich mehr als 2.232 Euro erhielten, waren dies bei Frauen gerade einmal 1.133 Euro. Am niedrigsten waren die Pensionen bei den Bauern (Frauen: 922 Euro, Männer: 1.300 Euro), am höchsten bei öffentlich Bediensteten (Frauen: 2.825 Euro, Männer: 2.985 Euro). Bei letzteren ist auch der Unterschied zwischen den Geschlechtern am geringsten, Frauen erhielten 95 % des Betrages der Männer.

Problem Armutsgefährdung
Diese Zahlen müsse man in Relation zur Definition der Armutsgefährdung betrachten, die für Einpersonenhaushalte derzeit bei 1.061 Euro brutto liegt. Das bedeute, dass 15,6 % der Frauen über 60 armutsgefährdet sind, aber nur 10 % der Männer. Unterschiede gibt es auch bei der Pensionslücke. 2017 erhielten Männer als Pension rund 80 %, Frauen nur 76 % des Betrages, den sie zuletzt verdient hatten.

Vor allem Teilzeitarbeit wirke sich „extrem negativ“ auf die Pension aus, erläuterte Biach. Frauen, die nach der Geburt eines Kindes teilzeitbeschäftigt waren, würden deutlich weniger Pension erhalten als jene, die im selben Zeitraum arbeitslos waren – bei sonst gleichen Voraussetzungen.

Kurzfristige Möglichkeiten, dies zu ändern, wären eine Anhebung von Ausgleichszulagenrichtsatz, Beihilfen und Pflegegeld sowie ein freiwilliges Pensionssplitting. Langfristig sollte es beispielsweise zu einer Anhebung des Pensionsantrittsalters für Frauen sowie zur Vermeidung von Teilzeitbeschäftigung kommen, sagt Biach.

Teilzeitarbeit als Armutsrisiko
In der anschließenden Podiumsdiskussion ging die Bundeministerin für Frauen, Familien und Jugend Juliane Bogner-Strauß auf das Problem der Teilzeitarbeit von Frauen ein. Diese sei in Österreich „gesellschaftlich tradiert“, Tatsache sei, dass es der Wunsch vieler Frauen sei, Teilzeit zu arbeiten. Der Anteil in Teilzeit arbeitender Frauen sei sogar im Steigen begriffen, auch die Schaffung zusätzlicher Kinderbetreuungsplätze in den vergangenen Jahren habe nicht mehr Frauen in Vollzeitbeschäftigung gebracht.

Dazu komme, dass sich auch die Branchen, in denen Frauen arbeiten, negativ auf Löhne und Pensionen auswirken. Und schließlich würden nur zwei Drittel aller Frauen aus einer Erwerbstätigkeit in Pension gehen. Mit dem Projekt „Trapez“ (für „transparente Pensionszukunft“) sollen nun konkrete Faktoren und Ursachen für die Pensionslücke identifiziert und analysiert werden. „Damit Frauen wissen, was ihnen blüht, wenn sie in dauerhafte Teilzeit gehen“, so Bogner-Strauss.

Änderungen sind möglich
FürDoris Wendler, sie ist Vorstandsmitglied der Wiener Städtischen, sind die Zahlen „nicht neu, aber erschreckend“. Wichtig wäre die Unterstützung junger Mütter, weil es „nur bei einem passenden Einkommen möglich ist, privat vorzusorgen“, betont sie. Um den
Lebensstandard im Alter halten zu können, müsse man „selbst etwas tun“. Und man müsse jung anfangen: „Je länger ich spare, desto weniger brauche ich monatlich.“

Möglichkeiten, die Gender pay gap zu verkleinern, seien beispielsweise Betriebskindergärten, die Betreuung von Volksschulkindern in den Ferien oder die Einrichtung von Heimarbeitsplätzen, so Wendler. Dies würde Gleichberechtigung herstellen und Frauen „weg von der Teilzeit“ bringen. Solche Einrichtungen gebe es beispielsweise in der Wiener Zentrale ihres Unternehmens. Schwieriger sei die Situation im ländlichen Raum.

Kinder sind ein Familienthema
Eine weitere Verbesserung würde ein automatisches Pensionssplitting (Übertragung eines Teils der Pensions-Jahresgutschrift vom erwerbstätigen auf den überwiegend erziehenden Elternteil) bringen. Bogner-Strauss spricht sich für ein solches Modell – mit Opting-out-Möglichkeit – aus.

Kinder seien nämlich „kein Frauenthema, sondern ein Familienthema“, so die Ministerin. Allerdings sei die Väterbeteiligung in Österreich „noch nicht angekommen“ und müsse gesteigert werden. Nötig seien daher auch rahmenpolitische Maßnahmen wie die Elternteilzeit. Vor allem skandinavische Modelle könnten hier als Vorbild dienen.

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Gut gemeint, schlecht gemacht?

Die EU will den Finanzmarkt nachhaltiger gestalten, stößt allerdings auf Kritik.

Harald Kolerus.Nachhaltiges Wirtschaften ist kein „Orchideenthema“ mehr und Begriffe wie SRI (Socially responsible investing) oder ESG (Environmental, Social, Governance) sind in aller Munde. Allerdings führt die Thematik, nicht zuletzt bei Anlegern, mitunter auch zur Verwirrung: Was ist nun tatsächlich ethisch korrekt und was nicht?

Diese Gretchenfrage will die EU-Kommission im Rahmen ihres Aktionsplans für nachhaltiges Wachstums beantworten. Dezidiertes Ziel ist die Umlenkung der Kapitalströme: Durch die erhöhte Berücksichtigung klimapolitischer Risiken soll ein langfristigeres Denken in der Kapitalmarktanlage sowie ein stabilerer Finanzmarkt gefördert werden. (Der Börsen-Kurier hat berichtet.)

Dazu will die Kommission neben verschiedenen Maßnahmen, wie mehr Transparenz der Anbieter von Investmentprodukten oder einem einheitlichen Gütesiegel (EU Eco-Label), den Nachhaltigkeitsgedanken auch in die Finanzberatung unter MiFID II verstärkt einbringen. Zum letztgenannten Punkt gibt es Lob aber auch Kritik. Denn Finanzberater sollen (voraussichtlich ab dem 3. Quartal 2020) dazu verpflichtet werden, potenzielle Anleger dezidiert nach deren ESG-Präferenzen zu befragen und zu beraten. Der Berater sollte auch begründen, warum sich dieses oder jenes Produkt im Sinne der Nachhaltigkeit für den Investor eignet.

DerBörsen-Kurier hat dazu mit Otto Lucius, er ist Regulierungsexperte des Finanzplaner Forums und Vorstandsmitglied des Österreichischen Verbandes Financial Planners, gesprochen. Der Fachmann meint: „Wir sind keinesfalls gegen den Aktionsplan, denn die Dekarbonisierung der Wirtschaft sowie prinzipiell Nachhaltigkeit sind unumstritten wichtig und richtig. Die Anwendung von ESG-Kriterien unterstützt ökologische und soziale Themen sowie Aspekte guter Unternehmensführung, die letztlich auch den wirtschaftlichen Erfolg einer Anlage beeinflussen. Deshalb begrüßen wir dieses Regulierungsvorhaben.“

Blumige“ Worte
Was Lucius allerdings kritisiert, ist die bedingungslose Verantwortung des Beraters, ohne dass es zuvor zu einer Einigung über einheitliche Bewertungsmaßstäbe gekommen ist. Damit ist die sogenannte Taxonomie, also in diesem Fall ein normiertes Bewertungsschema für Nachhaltigkeit, gemeint, an dem die EU-Kommission derzeit feilt.

Lucius: „Die Taxonomie ist aber noch unausgegoren. Außerdem sind blumige Definitionen wie umweltfreundliche Wirtschaft oder Landwirtschaft zu befürchten. Stattdessen müssen harte Fakten auf den Tisch, ohne diese könnte es sein, dass der Berater übrigbleibt.“ Der Experte warnt in diesem Zusammenhang vor unkalkulierbaren Haftungsrisiken für Berater und Finanzdienstleistungsunternehmen. „Wir fordern deshalb ein eindeutiges und harmonisiertes Klassifizierungsschema. Sonst wird es weder Klarheit und Vergleichbarkeit für Verbraucher geben, noch Rechtssicherheit in der Beratung“, meint Lucius weiter. Nachsatz: „Die Regulatoren scheinen sich vom Bild des mündigen Investors verabschiedet zu haben. Warum soll der Berater letztverantwortlich sein?“

Solide Basis gefordert
Ähnlich äußert sich auch Franz Rudorfer, er ist der Geschäftsführer der Bundessparte Bank und Versicherung in der WKO, gegenüber dem Börsen-Kurier: „Gerade in der Finanzberatung muss man sehr exakt arbeiten. Ganz einfach ausgedrückt: Wenn ich zu dem Thema Nachhaltigkeit beraten soll, muss ich auch wissen, was nachhaltige Produkte sind. Das ist aber unmöglich feststellbar, solange noch keine Taxonomie vorliegt. Sobald es aber eine gültige und unantastbare Basis gibt, sträuben wir uns natürlich nicht, Nachhaltigkeit in die Beratung zu integrieren.“ Dass es schwierig ist, solch eine solide Basis zu finden, liegt in der Natur der Sache: Es gibt einfach sehr unterschiedliche Ansätze zum Verständnis von Nachhaltigkeit. Rudorfer gibt ein anschauliches Beispiel: „In Frankreich herrscht aufgrund ihrer CO2-Bilanz die Meinung vor, das Kernkraft nachhaltig ist; in Deutschland sieht man das wiederum anders.“ Ganz zu schweigen von Österreich, wo Atomkraft sowieso als No-Go gilt.

Abschließend sei angemerkt, dass ESG bereits heute aufgrund der steigenden Nachfrage eine wichtige Rolle in Beratungsgesprächen spielt. Vor einer Verpflichtung muss die EU aber noch ganze Arbeit leisten und Tatsachen schaffen, die Berater nicht alleine auf der Wiese der „grünen Investments“ stehen lassen.

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Der Brexit naht (wahrscheinlich)

Mögliche Szenarien und ihre Auswirkungen auf Ihre Portfolios.

Red/ks. Laut Drehbuch sollte es in rund zwei Wochen so weit sein: Mit dem Brexit geht das große politische Lebensziel von Nigel Farage und anderen Brexiteers in Erfüllung. Was aber am und nach dem 29. März wirklich passieren wird, weiß heute noch niemand.

Und so hat sich unter anderem der US-Assetmanager T. Rowe Price seine Gedanken gemacht. Quentin Fitzsimmons, er ist Fixed Income Portfolio Manager und in Großbritannien ansässig, geht dabei von mehreren Szenarien aus.

Nach einer weiteren bemerkenswerten Woche in der britischen Politik hätten sich nämlich die Aussichten für das von Premierministerin Theresa May ausgehandelte und für tot erklärte Austrittsabkommen verbessert, so der Experte. Und: „Denn die European Research Group (ERG) und die Democratic Union Party (DUP) könnten nun den Deal unterstützen.“ Dieser mögliche Positionswechsel gehe auf das Bestreben der DUP und ERG zurück, dass Großbritannien die EU pünktlich zum 29. März verlasse. Für den Fall nämlich, dass ihr Abkommen nicht vom Parlament akzeptiert würde, habe May Anfang der Woche den Parlamentsabgeordneten die Möglichkeit eingeräumt, einen No-Deal-Ausgang zurückzuweisen und eine begrenzte Verzögerung des Brexits zu erzwingen.

„Inzwischen unterstützt auch die oppositionelle Labour-Partei ein zweites Referendum zum Brexit, nachdem ihr alternativer Brexit-Plan vom Parlament nicht angenommen wurde“, sagt der Manager. Die Labour-Partei werde nun wahrscheinlich versuchen, ein zweites Referendum zu fixieren, sobald Premierministerin May ihren Brexit-Deal voraussichtlich am 12. März (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe, Anm.) erneut dem Parlament zur Abstimmung vorlegen werde. Bis dahin würden die Verhandlungen mit der EU fortfahren. „Es ist eher unwahrscheinlich, dass Brüssel große Zugeständnisse zum bestehenden Vertrag machen wird“, so der Fitzsimmons. Werde der Deal dann erneut abgelehnt, werden die Abgeordneten am 13. März darüber abstimmen, ob sie einen No Deal-Brexit unterstützen. Sei das dann nicht der Fall, stimmten die Parlamentarier am 14. März über eine kurze, begrenzte Verlängerung von Artikel 50 ab.

Vier denkbare Szenarien
Zunächst einmal der Austritt mit Mays Deal und einer Patronatserklärung zum Backstop: Das Parlament werde der modifizierten Version des Austrittsabkommens zustimmen, dass die britische Regierung mit der EU ausgehandelt hat. Großbritannien verlasse dann den Block am 29. März. „In diesem wahrscheinlichsten Szenario werden die britischen Anleihemärkte wahrscheinlich abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes bleiben. Und unabhängig vom Ausgang des Brexits wird diese kaum stark sein“, so Fitzsimmons. Auch mit einem Deal treffe ein harter Brexit die Kreditmärkte, schaffe aber auch Investitionsmöglichkeiten bei Unternehmensanleihen, deren Bewertungen im Verhältnis zur Fundamentalqualität zu weit gefallen seien. Hinsichtlich des britischen Aktienmarktes stellt Fitzsimmons fest, dass dieser bereits abgewertet habe. „Die Akzeptanz von Premier Mays Deal würde mögliches Wertsteigerungspotential im Markt freisetzen, da dieser sich bereits auf die Möglichkeit eines ungeordneten Brexits vorbereitet habe“, meint er. Das Pfund Sterling werde indes von den Aussichten eines Deals über Wasser gehalten. „Allerdings ist das Austrittsabkommen keine ideale wirtschaftliche Lösung. Da das Pfund der Stoßdämpfer der britischen Wirtschaft bleibt, wird es vermutlich an Wert verlieren“, unterstreicht er. Wie hoch die Verluste ausfallen, werde davon abhängen, wie schnell das Vertrauen in die Wirtschaft wiederhergestellt werden könne. Die britische Wirtschaft könne sich schneller als erwartet erholen. „Das bedeutet, jede Schwäche des Pfunds oder britischer Assets könnte insgesamt kurzlebig sein“, prognostiziert Fitzsimmons. Die Eintrittswahrscheinlichkeit dieses Szenarios schätzt er mit 50 % ein.

Verlängerung von Artikel 50
„Die EU könnte einer Verlängerung des Artikel 50 zustimmen, um der britischen Regierung mehr Zeit zu verschaffen, einen Deal durch das Unterhaus zu bekommen“, so der Fachmann. Das umfasse auch die Möglichkeit, dass die britischen Wähler über den Deal in einem zweiten Referendum abstimmen könnten. Eintrittswahrscheinlichkeit: 25 %.

No-Deal-Brexit am 29. März
Die britische Regierung schaffe es nicht, die Zustimmung des Parlaments für einen Deal zu bekommen und verlasse die EU am 29. März ohne geltende Übergangsregelungen sowie ohne Übergangszeitraum, der es der Wirtschaft und Bevölkerung erlaube, sich vorzubereiten. „In diesem Fall würde der Handel Großbritanniens mit der EU sofort den Regeln der WTO unterliegen“, sagt Fitzsimmons. Eintrittswahrscheinlichkeit: 15 %.

Vorgezogene Neuwahlen

Scheitere die Regierung an der Durchsetzung ihres Deals, könnte sich die Premierministerin entschließen, vorgezogene Parlamentswahlen anzusetzen, um die Mehrheit der regierenden konservativen Partei auszubauen. Das könnte es einfacher machen, einen Vertrag durchzubringen. „Voraussetzung dafür wäre eine Verlängerung von Artikel 50“, so Fitzsimmons. Wahrscheinlichkeit: 10 %.

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Höhenflug der Aktie trotz Megaflop des A380

Airbus wird das Aus für den weltweit größten Passagierjet in den kommenden Jahren wohl gut wegstecken.

Michael Riedel, München. Das Ende des weltweit größten Passagierjets A380 hat dem Aktienkurs von Airbus (ISIN: NL0000235190) keine Turbulenzen beschert. Im Gegenteil: Seitdem der scheidende Konzernchef Tom Enders Mitte Feber bekanntgab, dass der Konzern die Produktion 2021 einstellen wird, ist der Börsenwert des MDAX-Unternehmens auf ein neues Allzeithoch geklettert.

Dabei kann Airbus auf ein starkes Geschäftsjahr 2018 zurückblicken. 800 Passagierflugzeuge hatte Airbus ausgeliefert und damit fast den Erzrivalen Boeing (ISIN: US0970231058) erreicht. 2019 sollen es dann 880 bis 900 Maschinen werden. Der Umsatz kletterte um 8 % auf 63,7 Mrd€, der Auftragseingang lag Ende Dezember 2018 bei 55 Mrd€. Weil die Belastungen des Vorjahres wegfielen, fiel der operative Gewinn mit 5,8 Mrd€ fast doppelt so hoch aus wie 2017. Für den Produktionsstopp des A380 musste Airbus nur knapp 200 Mio€ abschreiben. Dafür springt für die Aktionäre mit 1,65 € je Aktie eine um 10 % höhere Dividende als im Vorjahr heraus.

Um die künftigen Einnahmeausfälle mit dem A380 zu kompensieren, ist das Luft- und Raumfahrtunternehmen breit genug aufgestellt. Airbus setzt dabei vor allem auf die Mittelstreckenflugzeuge der A320-Familie. Sehr stark nachgefragt sind vor allem die A320neo mit ihren weniger Treibstoff verbrauchenden Triebwerken. Zugleich will Airbus mit dem viersitzigen elektrischen City Airbus den Einstieg in das Geschäft mit Flugtaxis schaffen. Mitte 2019 ist der Start der Praxistests auf einem Übungsgelände nahe Ingolstadt geplant.

Angesichts dieser Perspektiven gehen die Branchenexperten davon aus, dass Airbus bei Umsatz und Ertrag die Flughöhe beibehält. 19 Analysten sprechen sich zurzeit für den Kauf der Aktie aus, während sechs empfehlen, den Titel zu halten. Und ein Blick auf Bewertung und Wachstum zeigt, dass Airbus dabei ist, den Rivalen Boeing zu überholen. Mit einem 2019er-KGV von 19 ist die Aktie günstiger bewertet als Boeing (21). Dazu wird Airbus mit einem geschätzten Gewinnplus von 19 % für den Zeitraum 2018 bis 2021 auch schneller wachsen als die 15 % des Konkurrenten.

Weil zwei Risikofaktoren bleiben, ist die Aktie auf dem aktuellen Kursniveau sehr spekulativ. So droht bei einer Verschlechterung der Weltwirtschaft, dass Fluggesellschaften die bestellten Flieger nicht abnehmen.

Noch schwerer wiegen die Bestechungsvorwürfe um den Verkauf von Militärflugzeugen. Während Airbus in Deutschland mit einem Bußgeld von 82 Mio€ davonkam, ermitteln noch die Behörden in Frankreich und Großbritannien und seit Ende 2018 auch das US-Justizministerium. Im Schuldfall drohen dem Enders-Nachfolger Guillaume Faury empfindliche Geldstrafen.

Foto: Airbus S.A.S. 2017

Das Wirtschaftswachstum schwächt sich in den meisten Regionen weiter ab

In den USA deuten die jüngsten Zahlen auf eine geringere Dynamik hin, während in der Eurozone ein deutlicher Unterschied zwischen Industrietätigkeit und Dienstleistungen besteht. Dies ist die Feststellung von Guy Wagner, Chefanlagestratege von BLI – Banque de Luxembourg Investments, und seinem Team in der jüngsten Ausgabe ihrer monatlichen „Investment-Highlights‘.

Das Wirtschaftswachstum schwächt in den meisten Regionen weiter ab. In den USA deuten die jüngsten Zahlen zum privaten Konsum wie zu den Unternehmensinvestitionen auf eine geringere Dynamik hin. „Die Eurozone verzeichnet einen deutlichen Unterschied zwischen einer Industrietätigkeit, die aufgrund der starken Abhängigkeit von der Außennachfrage besonders schwach ist, und dem Bereich der Dienstleistungen, der sich mit Blick auf die anhaltende Verbesserung der Arbeitsmarktsituation vergleichsweise robust präsentiert“, sagt Guy Wagner, Chefanlagestratege und Geschäftsführer der Kapitalanlagegesellschaft BLI – Banque de Luxembourg Investments. In Japan kehrte das BIP-Wachstum im Schlussquartal 2018 wieder in den positiven Bereich zurück, obwohl der Export infolge der schwachen Außennachfrage deutlich zurückging.

Geld- und steuerpolitische Maßnahmen in China

In China ergreifen die staatlichen Stellen geld- und steuerpolitische Maßnahmen, die im Jahresverlauf zu einem konjunkturellen Aufschwung führen sollten. „Überdies dürfte die mutmaßliche Unterzeichnung einer Handelsvereinbarung zwischen der US-Administration und Peking eine weitere Eskalation des Zollstreits verhindern und eine allmähliche Wiederbelebung des Welthandels begünstigen – obwohl die Vereinbarung nicht bedeutet, dass die politischen Spannungen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften weltweit endgültig gelöst sind.“

Federal Reserve mit geduldigerer Gangart bei der Zinspolitik

In seinem Bericht nach der Januar-Sitzung bekräftigte der Offenmarktausschuss der Federal Reserve seine Absicht, eine geduldigere Gangart bei der Zinspolitik einzulegen, was auf eine längere Pause bei den Leitzinsanhebungen hindeutet. Hinsichtlich der Normalisierung ihrer Bilanz befürworteten die Währungshüter die Idee, die Fed-Bilanz dauerhaft größer als vor der Finanzkrise zu erhalten. Sie erwägen, die Anleger in Kürze über das Ende ihres Normalisierungsprozesses zu informieren. „In Europa scheint die Europäische Zentralbank für eine weitere Bilanzausweitung offen, indem sie längerfristige Refinanzierungsgeschäfte wieder einführt, wenn sich die jüngsten Anzeichen einer konjunkturellen Verlangsamung in der Eurozone bestätigen“, meint der luxemburgische Ökonom.

Rentenmärkte seit Jahresanfang wenig verändert

Seit Jahresanfang brachte der deutliche Aufschwung der Aktienmärkte keine Wende an den Rentenmärkten mit sich. Im Februar stiegen die Staatsanleiherenditen auf breiter Front nur minimal an. „Die erwartete Konjunkturabkühlung und der weiter sinkende Inflationsdruck halten die Anleiherenditen auf niedrigem Niveau.“

Aktienmärkte weiter im Aufschwung

Nach dem kräftigen Aufschwung im Januar setzten die Aktienmärkte ihre Erfolgsserie vom Februar fort. „Die Aktienmärkte profitierten von der nachsichtigeren Haltung der Federal Reserve hinsichtlich der künftigen Ausrichtung ihrer Geldpolitik, ebenso von den Anzeichen einer Entspannung des Handelskonflikts zwischen den USA und China. Auf sektoraler Ebene führten Technologie- und Industrietitel den Aufschwung an; die Verluste von Ende 2018 konnten sie weitgehend ausgleichen“, meint Guy Wagner abschließend.

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Run auf Immobilien hält an

Die Investoren-Nachfrage bleibt trotz geschmalzener Immobilien-Preise hoch.

Julia Kistner. „Die Nachfrage nach Immobilien ist investorengetrieben“, bestätigt Christian Petter, der Vertriebs-Vorstand der ifa AG, eine Tochter der SoraviaGruppe, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Und: „Das anhaltend niedrige Zinsniveau ist hier sicherlich ein wichtiger Treiber.“ Vielen Anlegern würde aber auch noch die Finanzkrise in den Knochen stecken. Sie suchen weiterhin Veranlagungsalternativen abseits der Kapitalmärkte.

Durch den Run auf Anlageimmobilen hätten sich zwar die Anschaffungskosten für Immobilien deutlich verteuert, und kurzfristig können Mieten und Erträge nicht immer entsprechend mitziehen, „Studien zeigen jedoch, dass sich mit Bauherrenmodellen durch die Mieteinnahmen und die steuerlichen Vorteile nach wir vor dreiprozentige Renditen erzielen lassen.“ Und das netto, abzüglich sämtlicher Kosten und Nebenkosten.

Alt-Wiener-Zinshaus ist passé
„Das klassische Alt-Wiener-Zinshaus gibt es kaum mehr zu kaufen und wenn, dann meist verbunden mit wenig attraktiven Renditen“, meint Petter. Was heute zähle, sei die künftige Lage: „Attraktiv sind Gegenden mit viel Zuzug wie etwa der 21. und 22. Wiener Gemeindebezirk, wo gerade gute Infrastruktur entsteht, die sich in 15 bis 20 Jahren sogar noch besser verwerten lassen.“ In Wien stimme nicht nur die Nachfrage, sondern auch das Angebot sowie das Mietrecht- und Förderwesen, das Landessache ist.

Neue Immobilien-Produkte
Nicht jeder hat einen Anlage-horizont von 20 Jahren oder mehr. Jeder hat auch nicht 100.000 Euro und aufwärts für ein Bauherrenmodell flüssig – wobei nur ein Drittel davon als Eigenkapital eingebracht werden muss.

Daher sei auch bei der ifa AG die Devise, im Angebot noch breiter zu werden. Neben den Bauherrenmodellen werden Vorsorgewohnungen und mit ifa Prime auch Beteiligungen an kostbaren Raritäten in Top-Lagen angeboten, wie aktuell das Palais Faber in Salzburg. „Weiters haben wir 2018 die Online-Plattform ifainvest.at neu gestartet“, ist Petter stolz. Ab 5.000 E Mindestinvestment kann man dort Anleihen der ifa AG und von anderen Unternehmen der Soravia Gruppe mit Laufzeiten von 30 Monaten bis vier Jahren zeichnen. „Bis zum Sommer planen wir auch Anleihen von anderen Immobilien-Unternehmen anzubieten. Möglicherweise platzieren wir auch ein Produkt, mit dem private Anleger auch in Gewerbe- und Hotelimmobilien investieren können.“ Was es genau sein wird, darüber hält sich Petter noch bedeckt. Die Anlagesumme, aber auch die Laufzeit, will man irgendwo in der Mitte der Produktpalette ansiedeln.

Sicherheit geht vor
Trotz allem ist man bei Bauherrenmodellen „nur“ Miteigentümer und nicht Alleineigentümer und bei Immobilien-Anleihen besitzt man nicht einmal eine Immobilie, sondern nur eine Schuldverschreibung. „Daher ist es ja umso wichtiger, dass man auf Qualität achtet“, betont Petter, „wir haben 41 Jahre Erfahrung mit Immobilieninvestments. Seit der Gründung haben wir mehr als 460 Projekte realisiert mit nahezu keinem Leerstand. Über 7.000 Klienten haben uns rund 2,24 MrdE anvertraut. Da steckt schon Substanz dahinter.“ Damit sei man mit ifainvest.at auch groß genug, einen eigenen Online-Verkauf von Immobilien-Wertpapieren zu betreiben.

Man brauche hierfür keine Crowdinvesting-Plattform, über die nachrangige Anleihen vertrieben werden, die nicht der Prüfung durch die Finanzmarktaufsicht unterliegen.

Seit den Skandalen um die Alpine- und Wienwert-Anleihen sind österreichisch Anleger ohnehin – zu Recht – skeptisch, wenn Unternehmens-Anleihen deutlich höher als das Marktniveau verzinst werden. Das sind allerdings auch die ifa-Papiere: Die vierjährige ifa AG-Unternehmensanleihe liegt bei 4 %. Die 30-monatige „Schloss Freihof Anleihe“- die für die Entwicklung eines Wohnprojekts im 19. Wiener Nobelbezirk aufgelegt wurde, je nach Kapitaleinsatz 4,75 bis 5,5 %.

Dass Projekte in Entwicklung so viel höher verzinst sind, hängt mit dem höheren Risiko zusammen, das Banken heute häufig nicht mehr finanzieren wollen. Es kann beispielsweise zu Bauverzögerungen kommen und dann müssen die Objekte auch erst am Markt gut verkauft werden.

Ist der Developer nicht an der Börse und damit weniger transparent für den Anleger, muss er dafür auch höhere Renditen bieten.

Bauherrenmodell forever
Apropos sicher: Wie sicher kann man sich bei einem Anlagehorizont von 20 Jahren eigentlich sein, dass die Steuervorteile des Bauherrenmodels nicht doch von dieser oder nächsten Regierungen gekippt werden.

„Da sehe ich null Gefahr“, meint Petter, „das Bauherrenmodell ist das einzige funktionierende Public-Private-Partnership-Modell, das ich in Österreich kenne. Ein Zukunftsmodell, das leistbaren Wohnraum schafft und durch einen guten Mietermix eine nachhaltige Stadtentwicklung fördert.“

Foto: ifa AG

Welcome in Austria

Regierung will Bewegung am Wirtschaftsstandort.

Lea Schweinegger.Es war der zweite Standort-Event, der am 27. Feber in der Orangerie des Schlosses Schönbrunn über die Bühne ging. 100 internationale Unternehmen aus 16 Ländern mit ihren CEOs und deren Vertretern folgten der Einladung der österreichischen Bundesregierung zur #InvestInAustria-Standortkonferenz.

„Jobs schaffen und Wohlstand bringen“, so der Gedanke dieser Initiative, die 2018 zum ersten Mal stattfand und der Gastgeberin, Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck ein volles Haus brachte. Es war ein Networking in einem schönen, entspannten Ambiente, das den Teilnehmern ein Kennenlernen und auch eine Kooperation ihrer Unternehmen ermöglichte.

Regierungsspitze vertreten
Das Gros der Regierungsspitze mit Bundeskanzler Sebastian Kurz, Vizekanzler Heinz-Christian Strache und Infrastrukturminister Norbert Hofer warb dabei auch vor in- und ausländischen Pressevertretern für den Wirtschaftsstandort. „Unternehmen entscheiden sich für Investitionen, weil die Rahmenbedingungen gut sind. Das ist immer ein Gesamtpaket aus mehreren Faktoren und Österreich hat hier mit der hohen Lebensqualität einen Startvorteil“, so Schramböck, die auch betonte, dass sich die Politik als Partner der Wirtschaft verstehe.

Im Vorfeld der Veranstaltung konnten drei neue Investitionen mit einem Volumen von in Summe 30 Mio€ bekanntgeben werden: die Heitec AG (ein Automatisierungs- und Elektroniklösungsanbieter), die Port Energy Logistic (entwickelt saubere Entsorgungslösungen für die See- und Binnenschifffahrt) sowie die polnische Firma Lasertec (ein Produzent von Lasertechnologien für die Industrie) planen, an die 140 neue Arbeitsplätze in Österreich zu schaffen.

Standortfaktoren
Als wesentliche positive Standortfaktoren hob die Ministerin die geplante Steuerreform, die Verfügbarkeit von Fachkräften sowie den Stand von Forschung und Digitalisierung hervor. „Österreich liegt mit einer F&E-Quote von 3,19 % des BIP auf dem zweiten Platz in der EU. Die Forschungsprämie, die 2018 auf 14 % angehoben wurde, ist ein weiterer Meilenstein und soll den Wirtschaftsstandort Österreich in Bezug auf Forschung noch attraktiver machen. Österreich hat zudem die Digitalisierung zu einem Schwerpunkt der ganzen Regierung erklärt. Davon profitieren sowohl die Wirtschaft als auch die Bevölkerung nachhaltig“, ist die Ministerin überzeugt.

Bundeskanzler Kurz lobte in der Pressekonferenz die hohe Lebensqualität des Landes und verwies auch auf das starke Wirtschaftswachstum 2018 von 2,7 %. „Wir sind eines jener Länder mit einer sehr breiten, diversifizierten Wirtschaft und mit sehr vielen so genannten ,Hidden Champions’. Vor allem aber ist Österreich ein sehr starker und innovativer Wirtschaftsstandort mit einem noch immer sehr starken Industrieanteil.“ Der Kanzler verwies auch auf die Rechtssicherheit, die für Investitionen wichtig ist.

Aus seiner Sicht ist Österreich aufgrund seiner günstigen Lage in Europa für viele Unternehmen – sowohl zum Osten als auch Westen – ein gutes „Gateway“, speziell für Länder in Ost- und Südosteuropa. Minister Hofer plädierte wiederum für eine Steuerentlastung und weniger Bürokratie. Andererseits will die Republik viele Milliarden in die Infrastruktur stecken.

Networking
Bei der Konferenz waren unter anderem der TUI-Group-Chef Friedrich Joussen, Lukoil-CEO Alexander Matytsyn und Novartis-Westeuropa-Chef Mark Never anwesend. Zudem nutzten auch zahlreiche heimische Unternehmen wie zum Beispiel Palfinger, Miba oder Kreisel die Möglichkeit, ihre Produkte vor internationalen Entscheidungsträgern zu präsentieren.

„Als Output der vergangenen Veranstaltung wurden in Österreich Investitionen in der Höhe von rund 380 Mio€ getätigt und mehr als 450 Arbeitsplätze geschaffen“, so die Veranstalter. Aufgrund dessen darf man davon ausgehen, dass dieser Event Fortsetzung findet.

Foto: BMDW

Aktien verdrängen Gold

Steigende Zuversicht in Wertpapiere bremst Edelmetall-Rallye.

Andreas Fastl, Commodity Trader. Nach längeren Kursgewinnen hat sich vergangene Woche die zunehmende Kauflust nicht für alle Segmente gelohnt. Während der S&P500 zweimal die Linie von 2.800 überschritt, stürzte der Goldpreis unter die Marke von 1.330 und zu Wochenschluss sogar unter 1.300 USD.

Auf der Datenseite findet man gar keinen richtigen Auslöser für diesen Wechsel. Zwar ist das Konsumentenvertrauen verbessert ausgefallen, aber Verarbeitungsindex und Konsumklimaindex lagen im Bereich des Erwarteten. Allerdings trat Jerome Powell in der ersten Wochenhälfte zweimal an die Öffentlichkeit und erklärte, dass die Fed einen Plan der Flexibilität für 2019 vorbereitet habe, den er in der Folgewoche vorstellen werde. Mit anderen Worten: „Wir lassen die Märkte schon nicht verfallen.“

Da die Fed seit der großen Krise 2008 gezeigt hat, dass sie mit ihren Maßnahmen sämtliche Regeln und Lehrbücher aushebeln kann (vorerst?), schöpfte der Markt wieder Vertrauen und kaufte. Bezeichnenderweise wurde auch der US-Dollar gekauft und stieg dadurch im Index von 95,70 auf 96,50 (EUR/USD 1,1440 – 1,1370).

Auf der Verliererseite stehen da die Krisenmetalle: Gold hatte vor wenigen Tagen noch knapp 1.350 gesehen und handelte am Freitag bei knapp 1.290 und Silber, das bei 16,30 getoppt hatte, stürzte bis auf 15,15 USD.

Die Katalysatormetalle wurden durch ihren industriellen Anteil abgefangen. So steigerte sich Platin noch im Laufe der Woche von 845 auf 880 USD, aber kam zuletzt auch auf 860 zurück, und Palladiumstieg überhaupt unbekümmert weiter von 1.460 auf 1.525 USD.
Da der Palladium-Markt traditionell sehr eng ist, dürfte diese Erfolgsstory zumindest so lange anhalten, wie der aktuelle Aktienschub hält.

In Toronto begann am Wochenende die PDAC 2019 (Prospectors & Developers Association of Canada). Die Interviews der Bergbauspezialisten sind naturgemäß extrem optimistisch. Viele wünschen sich keinen kometenhaften Anstieg der Edelmetallpreise wie 2011, sondern ein kontinuierliches Hochklettern der Kurse.

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Cyberkriminalität: noch immer unterschätzt

Laut heimischer Kriminalstatistik haben sich in den vergangenen zehn Jahren die angezeigten Fälle von Cyberkriminalität mehr als verfünffacht.

Rudolf Preyer. Laut heimischer Kriminalstatistik haben sich in den vergangenen zehn Jahren die angezeigten Fälle von Cyberkriminalität mehr als verfünffacht. An letztverfügbaren offiziellen Zahlen werden 16.804 Fälle für 2017 ausgewiesen (unnötig, auf die Dunkelziffer hinzuweisen: diese wird sogar als sechsfach höher angenommen).

In einer jüngst erschienenen Studie der Europ Assistance Group wurden in acht europäischen Ländern und in den USA Konsumenten nach deren Erfahrungen mit dem Thema Cyberkriminalität befragt. Überraschend dabei ist, dass schon annähernd jeder vierte Österreicher jemand kennt, der von einem Cyberangriff betroffen war oder ist. Erpressermails stehen dabei an erster Stelle – gefolgt von Kreditkartenbetrug, Virenbefall und Identitätsdiebstahl.

Wunsch und Wirklichkeit
Opfer sind immer die anderen? Ein zutreffender Befund, wenn man sich vergegenwärtigt, dass sich nur ein Viertel der befragten Österreicher sorgt, jemals Opfer von Computerkriminalität zu werden. Das ist erschreckenderweise der niedrigste Wert aller untersuchten Länder. In Spanien etwa sehen sich drei von vier mit dieser Gefahr konfrontiert, in Italien und Rumänien jeder Zweite.

Auch was die Sorge um die eigenen Kinder angeht, liegt Österreich unter dem Durchschnitt. Hier fürchtet nicht einmal jeder dritte Vater oder jede dritte Mutter um die Cybersicherheit ihres Kindes bzw. ihrer Kinder.

Auch kein Ruhmesblatt: In den untersuchten EU-Ländern weiß überhaupt nur jeder Dritte, dass gegen die Bedrohungen aus der „dunklen digitalen Welt“ tatsächlich handgreifliche Maßnahmen getroffen werden können. In den USA sind sich dieser Tools freilich schon zwei von drei Usern bewusst. Während 91 % der interviewten Österreicher konkret Anti-Virus- bzw. Anti-Malware-Programme auf ihren PCs installiert haben, werden diese auf lediglich 52 bzw. 50 % der Tablets bzw. Smartphones angewandt. In Österreich ändern 33 % ihre Passwörter nur selten oder nie. Sind die persönlichen Daten dann in Gefahr, wüsste laut Europ Assistance Group nur jeder Dritte, wie zu reagieren sei. 40 % der Österreicher wünschen sich demzufolge mehr Services im Bereich Cybersicherheit.

Finanzinstitutionen wird übrigens zugetraut, „ein verlässlicher Partner für Cyberschutz“ zu sein. So glauben laut Studie 69 % der Österreicher, dass „man Banken vertrauen kann, wenn sie solche Services anbieten“. Kurzum: In Österreich gehen Verbraucher mit ihren persönlichen Daten – immer noch – viel zu sorglos bis sogar fahrlässig um.

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Mehr als 4.000 Versicherungsmakler aktiv

Anzahl der aktiven Gewerbe bleibt auf hohem Niveau.

Emanuel Lampert. Versicherung gilt gemeinhin als „People Business“. Das spiegelt sich offenbar – Digitalisierung hin oder her – auch in der Firmenstatistik der Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten wider: Auch 2018 blieb die Anzahl der aktiven Gewerbe auf hohem Niveau.

Viertes Jahr in Folge
Für die Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten war es das vierte Jahr in Folge: Auch 2018 zählten die neun Fachgruppen laut Daten der Wirtschaftskammer zum Jahresende mehr als 4.000 aktive (das heißt nicht ruhend gestellte) Fachgruppenmitgliedschaften. Zwar wurde der Spitzenwert vom Vorjahr (4.197) nicht mehr ganz erreicht, doch bewegt sich der Berufsstand mit 4.077 aktiven Gewerben (-2,9 %) weiterhin auf hohem Niveau.

In Summe hat die Berufsgruppe in den vergangenen Jahren beachtlich zugelegt, wie ein Blick in die statistische Historie zeigt: Vor fünf Jahren hatten die Fachgruppen bundesweit insgesamt 3.946 aktive Mitglieder, vor zehn Jahren waren es 3.611, vor 15 Jahren erst 2.956 – im Zehn-Jahres-Vergleich also ein Zuwachs um 12,9 %, innerhalb der vergangenen 15 Jahre einer um satte 33,5 %.

Vier von zehn Büros in NÖ und Wien
Gemessen an der Mitgliederzahl, war Ende 2018 die niederösterreichische Landesgruppe die größte: Mit 831 aufrechten Gewerbeberechtigungen stellt sie knapp über ein Fünftel 20,4 %) aller aktiven Kammermitglieder.

Unmittelbar dahinter liegt die Bundeshauptstadt, fast gleichauf mit 796 aktiven Gewerben (19,5 %). Zusammen mit den 18,0 % (732 Gewerbe), die Oberösterreich beisteuert, vereinen die drei Fachgruppen 57,9 % aller Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten Österreichs auf sich – was übrigens beinahe aufs Komma dem Bevölkerungsanteil der drei Bundesländer (57,1 %) entspricht.

Stellt man die Anzahl der Makler-und-Berater-Büros der Einwohnerzahl gegenüber, so entfallen auf ein Büro im Österreich Schnitt 2.173 Personen, vom Baby bis zum Senior. Anders gesagt: Auf 10.000 Einwohner kommen 5,1 Makler/Berater-Büros. Regional betrachtet, unterscheidet sich die „Versorgungsdichte“ aber von Land zu Land.

Am besten „ausgestattet“ ist das Burgenland: Einem Maklerbüro stehen hier „nur“ 1.969 Einwohner gegenüber. Am niedrigsten ist der Versorgungsgrad in den beiden westlichen Bundesländern; Schlusslicht ist in dieser Tabelle Tirol mit einem Verhältnis von 1 zu 2.648.

Persönlich und digital
Trotz des persönlichen Aspekts in der Versicherungsberatung: Die Digitalisierung hat freilich längst auch die Versicherungsvermittler erfasst. Das lässt sich auch am Titel ablesen, den die Wiener Versicherungsmakler ihrem alljährlichen Informationstag, der am 27. Feber stattfand, gegeben haben: Unter dem Motto „Maschine Mensch“, sagte Fachgruppenobmann Helmut Mojescick, „machen wir heuer darauf aufmerksam, dass wir auch in digitalen Zeiten persönlich für unsere Kunden da sind. Wir begleiten sie heute mit der Technik von morgen.“

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„Ich hätte besser vorsorgen sollen!“

Ohne persönliche Vorsorge wird es schwierig, im Alter seinen Lebensstil beibehalten zu können.

RudolfPreyer. 3,5 Mio Österreicher sind derzeit älter als 50 Jahre – fast die Hälfte von ihnen „rudert“, finanziell über die Runden zu kommen. Nahezu jeder Zweite bemängelt somit auch seine persönliche Vorsorge: „Ach, hätte ich doch nur früher…“

Eine aktuelle Studie (Sample: 1.500 Befragte) von Marketagent.com zeigt, dass insbesondere Frauen gefährdet sind, ihren Lebensstandard im Alternicht mehr halten zu können. 30 % der weiblichen Befragten sehen sich tatsächlich in einer „unterdurchschnittlichen Lage“, bei den Männern sind dies 22 %. Knapp die Hälfte dieser Altersgruppe erklärt, dass sie sparen und darauf achten muss, mit ihrem Geld über die Runden zu kommen. Auch hier sind Frauen (54,3 %) deutlich stärker betroffen als Männer (40,5 %). Die Kernbotschaft der Studie: Knapp 40 % sagen, sie hätten „mehr für die Pension vorsorgen“ sollen.

In der Pension vereinsamt“
Die Pensionisten in der Befragung erklären, dass sie es „alles in allem“ in der Pension „etwas schlechter“ haben. Und jeder 25. äußert sich dahingehend, dass es ihm oder ihr nunmehr „viel schlechter als erwartet“ gehe. Dabei zeigen sich große Unterschieden bei den Jahrgängen: Während „nur“ 12,3 % der 60- bis 69-Jährigen meinen, dass es ihnen schlechter als erwartet geht, sind es bei den 50- bis 59-Jährigen, die schon in Pension sind, bald doppelt so viele Personen (23,1 %), und bei den 70- bis 79-Jährigen leicht mehr (15,8 %).

Wenig überraschend: Von „verschlechterten Lebensumständen“ sprechen Alleinstehende deutlich öfter als Verheiratete oder in Partnerschaft Lebende.

Das liebe Geld“
Mit deutlichem Abstand größter Nachteil der Pension ist es laut Umfrage, weniger Geld zur Verfügung zu haben. Die Hälfte der Pensionisten ist dieser Meinung.

Ebenfalls mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer von Marketagent.com hat Angst davor, nicht mehr selbstbestimmt und selbständig leben zu können. Angst hat die „Generation 50+“ vor allem vor körperlichen Beschwerden, Schmerzen und Krankheiten. Zwei Drittel aller Befragten fürchten sich davor. Sorgen um die geistige Fitness und die Angst, dement zu werden, plagen zwei von drei, bei den Über-70-Jährigen sind es bereits 71 %. Jeder Vierte ängstigt sich, zu verarmen und finanziell eingeschränkt leben zu müssen. Auffällig dabei ist, dass bereits jeden Dritten in der Kohorte der 50- bis 59-Jährigen diese existenziellen Sorgen plagen.

„Ach, hätte ich doch nur früher vorgesorgt!“ als Fazit? „Gestern“ war der beste Zeitpunkt dafür – der zweitbeste ist übrigens heute.

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Erhebliches Potential bei britischen Werten

Trotz einiger Risiken für die Märkte sieht Stephen Jones, der CIO von Kames Capital, gute Chancen für Anleger.

Jede Liste der aktuell größten Risiken für die Weltbörsen dürfte von den Themen des vergangenen Jahres geprägt sein: die straffere Geldpolitik, die schwache Verfassung der chinesischen Wirtschaft, Trumps Benehmen in Bezug auf die Handelspolitik, größer werdende Haushaltsdefizite in der Eurozone – und natürlich der Brexit.

Jeder dieser Punkte stellt eine existenzielle Bedrohung für die Weltwirtschaft und die Märkte dar, wobei es sehr schwer zu bewerten ist, was „existentiell“ wirklich bedeutet. Besonders eindrücklich zeigte sich dies vor einigen Jahren, als Griechenland im Epizentrum stand.

Viele Sorgen
Beunruhigend stimmen die teils in Frage gestellte Unabhängigkeit der Zentralbanken, dass Japan weiterhin von Deflation beherrscht wird sowie der Anstieg des Populismus und die damit einhergehenden politischen Umwälzungen.

In Japan liegt die Inflationsrate mit 0,3 % noch unter dem Durchschnittswert von 2017 und das Wachstum hat sich abgeschwächt. Während die Rückkehr der Deflation die japanischen Anleger unweigerlich enttäuschen würde, würde sie ferner die Hoffnung dämpfen, dass die anderen entwickelten Volkswirtschaften davon verschont bleiben. Die Inflation ist überall überraschend niedrig.

Wie reagiert die Politik?
Erhöhte Volatilität und Unvorhersehbarkeit birgt auch die Polarisierung der Politik. Das erhöht die Risikoprämien, die wiederum niedrigere Vermögenspreise bedeuten. Möglicherweise gleitet die Weltwirtschaft in die Rezession ab. Dann wird es darum gehen, wie die Politik darauf reagiert. Nur die USA haben es geschafft, die Zinsen über ein Notfall-Niveau hinaus anzuheben. Doch am Ende werden höchstens 3 % zu wenig sein, um die Kreditkosten als Reaktion auf einen Wachstumsschock deutlich zu senken. Ganz zu schweigen von Europa und Japan, wo die Zinsen um 0 % pendeln.

Der „New-Age“-Ansatz besteht darin, die Welt mit billigem Geld zu überschwemmen, doch die Weltwirtschaft wird nach wie vor durch den letzten Tsunami des lockeren Geldes überflutet. Oder die Regierungen könnten die öffentlichen Ausgaben erhöhen. Doch der Spielraum, dies zu tun, ohne die bereits bestehenden Staatsverschuldung abzubauen, ist begrenzt.

Dennoch gibt es Chancen
Der wohl günstigste der großen Aktienmärkte ist das Vereinigte Königreich. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnschätzungen für die kommenden zwölf Monate liegt 20 % unter dem langfristigen Schnitt. Selbst wenn die Dividenden nicht mehr steigen würden, dürften Aktien immer noch besser abschneiden als britische Anleihen. Zudem sieht das Pfund sehr preiswert aus, insbesondere im Vergleich zum US-Dollar. So schwierig die Lage derzeit erscheinen mag: Ein positives Ergebnis der Ereignisse um den Brexit birgt erhebliches Potenzial für britische Aktien und das Pfund.

Darüber hinaus haben sich nachhaltige Anlagestrategien in den vergangenen Jahren zu einem wesentlichen Bestandteil überlegenen Handelns entwickelt. Dieser Trend dürfte nicht aufzuhalten sein. Obwohl damit kaum der „schnelle Euro“ zu verdienen sein wird, birgt er langfristig erhebliche Vorteile. Die kluge Auswahl von Märkten und Aktien wird an Bedeutung gewinnen, zumal der aktuelle Konjunkturzyklus sehr reif ist. Es gibt viele Dinge, um die man sich Sorgen machen müsste – aber es gibt keine Herausforderungen, die nicht überwunden oder umgangen werden können.

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Turbulenzen im Höhenflug

Der Wirbel um Wirecard zieht immer größere Kreise. Für Anleger ist erst einmal Abwarten angesagt.

Stefan Riedel, München. Die Kursturbulenzen beim Zahlungsabwickler Wirecard (ISIN: DE00074 72060) haben mittlerweile die oberste deutsche Finanzaufsicht alarmiert. Mit Wirkung vom 18. Feber hat die BaFin für zwei Monate den Handel mit Nettoleerverkaufspositionen des Unternehmens untersagt. Der durch die negativen Presseberichte der vergangenen Woche ausgelöste Kurseinbruch, so die Begründung, habe zu einer „ernstzunehmenden Bedrohung der Finanzstabilität“ in Deutschland geführt.

8,7 Mrd€ und damit fast 40 % seiner Marktkapitalisierung hat das seit September 2018 im DAX gelistete Unternehmen seit Ende Jänner verloren. Als erste Reaktion auf den Schritt der BaFin schoss die Wirecard-Aktie im zweistelligen Prozentbereich nach oben. Derartige Kursschwankungen sind absolut unüblich für einen Blue Chip, auch im aktuellen Marktumfeld, das von großer Nervosität gekennzeichnet ist.

Überflieger am deutschen Aktienmarkt
Allein zwischen Anfang 2017 und der DAX-Aufnahme im September 2018 vervierfachte sich der Aktienkurs. Wirecard wickelt Onlinezahlungen zwischen Verbrauchern, Händlern und Banken ab und kassiert dafür Gebühren. Im Geschäftsjahr 2018 erzielte die Firma aus Aschheim bei München damit einen Umsatz von 2,1 Mrd€, der Nettogewinn schnellte um 45 % auf 569 Mio€. Für den Zeitraum 2018 bis 2021 erwarten die Konsensschätzungen der Analysten ein durchschnittliches jährliches Gewinnwachstum von 48 %.

Kritiker bemängelten in der Vergangenheit die mangelnde Transparenz von Einnahmeströmen und verwiesen darauf, dass zugekaufte kleinere Anbieter vor allem aus Asien eine wichtige Rolle beim Wachstum spielen. Auslöser für die jüngsten Short-Attacken waren Presseberichte in der Financial Times. Diese werfen Tochterfirmen von Wirecard in Hongkong und Singapur vor, Umsätze mittels fingierter Verträge geschönt zu haben. Wirecard-Vorstandschef Markus Braun, der selbst 7 % an der Firma hält, hat die Vorwürfe wiederholt als haltlos zurückgewiesen und rechtliche Schritte gegen die Zeitung und den Autor angekündigt.

Bereits 2016 war Wirecard Ziel von Leerverkäufer-Attacken, die sich einen Research-Bericht zunutze machten, der sich auf angebliche Unregelmäßigkeiten im Asiengeschäft von Wirecard konzentrierte. Die damaligen Untersuchungen kamen zu keinem Ergebnis und sorgten dafür, dass die an den Short-Attacken beteiligten Hedgefonds Verluste erlitten. Genau dieselben angelsächsischen Häuser waren zuletzt auch wieder als Leerverkäufer für Wirecard-Papiere unterwegs.

Das Bafin-Verbot gibt dem Wirecard-Management jetzt einen zeitlichen Spielraum, um in den nächsten Wochen bis zum 4. April sämtliche Vorwürfe zu entkräften. An diesem Tag wird die Gesellschaft ihr vollständiges Zahlenwerk für 2018 präsentieren. Obwohl die Aktie mit einem 2020er-KGV von 20 optisch günstig ist, bauen aktuell nur hochspekulative Naturen neue Positionen auf.

Foto: Wirecard